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Full text of "Deutsches Krankheitsnamen-Buch"

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Deutsches 


Krankheitsna 


Max  Höfler 


Lane  Medical  Library 

Stanford  U  n  Ivere  rty  Medical  Center 


tizod  by 


jBRARY,  STANFORD 

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s"3 

STANFORD  UNIV.  M^CTR. 

APR    8  1998 

STANFORO,  CA  94305 


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Von 


Dr.  M.  Höfler 

k.  Hofrat  in  Tölz 

Motto: 

Innumoralules  morbus 
miraris?  medicos  numora! 

Pcmokrifoi*,  XI.  49 


MÜNCHEN 

Verlag  un  PILOTY  &  LOEHLE 


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KrI  Hof  und  InlversliAtvBiichdruckcrul  von  Dr.  C.  Wolf  A  Sohn  in  München. 


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Vorrede. 


ls  junger  Arzt  hörte  ich  in  meiner  oberbayerischen  Heimat  meine 
Patienten  von  Glockfeuer,  Trudendruck,  von  Heb,  Zipf.  Pips, 
Zitterach  etc..  als  Badearzt  meine  norddeutschen  Patienten  von 
«•rieben.  Lieschen.  Quese  etc.  sprechen.  Die  darüber  zu  Rat  gezogenen  Bücher 
der  Schulmedizin  gaben  keinen  Aufschluss.  und  doch  sollte  der  Arzt  seine  Patienten 
verstehen.  „Le  m&lecin  est  tenu  de  parier  et  surtout  de  comprendre  la  langue 
de  son  malade"  (Briss.  2).  Währemi  „die  gelehrte  Medizin  es  liebt,  neue  Be- 
nennungen einzuführen,  die  die  alten,  volkstümlichen,  unverständlich  gewordenen 
Namen  verdrängen  und  den  Begriff  jeder  Krankheit  ausdrücken  sollen"  (Bietet), 
ist  das  Volk  bei  denjenigen  Bezeichnungen  geblieben,  die  ehemals  gewählt 
wurden,  um  die  äusserlichen  Krankheits-Symptome  von  anderen  zu  unterscheiden 
oder  um  die  vermeintliche  Ursache  bezw.  deren  Beseitigung  anzudeuten.  Seine 
Ausdrücke  sind  oft  sehr  treffend  und  vom  Standpunkte  der  Kultur-  und  Medizin- 
geschichte äusserst  interessant.  „Innumerabiles  morbos  miraris?  medieos  numera!" 
(Demokr.  XI.  40).  So  viel  ärztliche  Systeme  und  Perioden,  so  viel  Krankheits- 
namen.  die  der  getreue  Widerhall  der  alten  Schullehren  und  der  volksüblichen 
Auffassungen  über  Natur  und  Ursache  der  Krankheiten  sind.  Bas  Bestreben, 
hinter  jedem  einzelnen  Krankheitsnamen  die  medizin-.  bezw.  kulturgeschicht- 
liche Bewegung,  die  zu  diesem  Begriffe  führte,  zu  erfassen,  „führt  zur  etymo- 
logischen Wortdeutung"  (Kluge). 

üie  Bezeichnungen  der  neuen  Schulmcdizin.  für  den  Mediziner  von  Fach 
ohnehin  längst  bekannt,  sind  für  den  Laien  in  jeder  Real-Kncyclopädie  zu 
finden;  anders  ist  es  mit  den  Ausdrücken  des  Volkes,  welche  aus  Schul-  und 
Volks-Medizin  längst  verflossener  Zeiten  stammen.  Hinter  jedem  solchen  Namen 
steckt  wie  gesagt  ein  Stück  Medizin-  oder  Kulturgeschichte :  je  mehr  sich  aber 
die  Krankheitsnamen  in  die  älteren  und  ältesten  Perioden  der  Sprache  zurück- 
verfolgen lassen,  um  so  schwieriger  musste  für  den  Mediziner  das  philologische 
Gebiet  werden;  anderseits  fehlt  dem  Philologen  von  Fach  oft  die  Hinsicht  in 
die  Begriffe  und  Realien  der  Medizin.  Nur  zu  oft  muss  dabei  der  Mediziner 
ad  verba  magistri  schwören.  Dass  mir  dabei  Kluge 's  Wörterbuch  immer  und 
immer  ein  Leitstern  im  Dunkel  der  verschiedenen  Meinungen  war,  gestehe  ich 
gerne  und  mit  Dankbarkeit;  doch  bitte  ich  trotzdem  die  Philologen  von  Fach 
um  eine  milde  Beurteilung  der  Arbeit  die  doch  einmal  gewagt  werden  musste 
entweder  von  einem  ihres  oder  von  einem  meines  Faches. 


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IV 


Das  „deutsche  Krankhcitsnamcn-Buch"  bietet  eigentlich  mehr  als  sein 
Titel  erwarten  läset;  denn  es  bandelt  auch  über  „Organ -Namen"  und  „-Funk- 
tionen"; es  liegt  diese  Ausdehnung  aber  in  der  Natur  des  Stoffes;  denn  einer- 
seits ist  wie  im  Realen  so  auch  im  bezeichnenden  Ausdrucke  die  Grenze  zwischen 
dem  Gesunden  und  Kranken  schwer  oder  gar  nicht  zu  ziehen,  anderseits  ist 
die  gesteigerte  Funktion  selbst  schon  sehr  oft  ein  Zeichen  des  Krankhaften,  der 
Anomalie,  die  auch  sprachlich  durch  Steigerung  oder  sogenannte  Intensiv-  und 
Iterativbildungen  zum  Ausdrucke  gebracht  wird. 

Dass  die  Krankheitsnamen  der  Tiere  mitherein  genommen  werden  mussten, 
ergibt  sich  gleichfalls  aus  der  Konsequenz  «los  Stoffes,  der  aus  menschlichem 
Gebiete  ins  tierische  und  umgekehrt  übertragen  wurde:  manchmal  haben 
die  Namen  bei  Tierkrankheiten  ein  besonderes  Anrecht  auf  hohes  Alter,  weil 
sie  in  unverdorbener,  schlichterer  Weise  überliefert  wurden.  —  Eine  besondere 
Rücksicht  erfuhren  die  Namen  der  mit  Segensprüchen,  sowie  der  mit  besonderen 
Pflanzen  behandelten  Krankheiten.  Wenn  je  ein  Zweifel  über  das  Alter  eines 
Namens  entstand,  so  löste  er  sich  fast  immer  durch  den  Nachweis  eines  Pflanzen- 
namens,  der  mit  der  Krankheit  identisch  war,  oder  durch  den  Nachweis  einer 
Bannformel:  denn  Krautzauber.  Steinzauber  und  Wortzauber  waren  die  ältesten 
Behandlungsarten,  die  sich  auch  in  der  Volks-Medizin  bis  auf  unsere  Zeit 
erhielten.  Diese  seit  ungezählten  Generationen  üblichen  Krankheitsnamen  ver- 
ständlich zu  machen,  war  die  mir  gestellte  Aufgabe:  ein  Bestreben,  dem  ich 
als  volksmediziniselier  Schriftsteller  gerecht  zu  werden  vielleicht  im  Stande  war: 
Nec  scire  fas  est  omnia;  wenn  ich  mich  dabei  auch  der  gütigen  Unterstützung 
von  Seite  der  Herren  De  CocJ:,  Huber,  R.  Kleinpaul,  Kluge,  F.  S.  Krams, 
v.  Maurer,  Peijpers,  Proksch,  Schumann,  Volbnoller  zu  erfreuen  hatte,  —  was 
ich  dankesschiddig  hier  bekenne.  —  so  blieben  immerhin  noch  manche  dunkle 
oder  unklare  Stellen,  da  und  dort  vielleicht  auch  ein  Irrtum  zurück,  die  mir 
—  errare  humanuni  est  —  verziehen  werden  mögen. 

Immerhin  aber  glaube  und  hoffe  ich,  dem  praktischen  Arzte,  dem  Medi- 
ziner überhaupt,  dem  Freunde  der  Medizin-  und  Kulturgeschichte,  dem  Ger- 
manisten, Mythologon,  Folkloristen,  sogar  dem  Botaniker  etwas  Brauchbares  in 
dem  Krankheitsnamen-Buche  mindestens  gesammelt  zu  haben,  in  welchem  die 
Geschichte  der  Heilkunde  sozusagen  ins  praktische  Leben  übersetzt  ist.  Jeder 
praktische  Arzt  Deutschlands  muss  w  issen,  was  das  deutsch  sprechende  Volk  in 
seinen  Krankheitsnamen  ausdrücken  will. 

Bei  der  langen  Dauer  der  Drucklegung  ergaben  sich  verschiedene  Nach- 
träge, Ergänzungen  und  Berichtigungen,  die  mit  *  gekennzeichnet  sind  und  die 
nicht  übersehen  werden  sollen.  Über  Abkürzungen  und  Quellen -Ausweis 
gibt  das  Litteratur-Verzeichnis  Aufschlug. 

Tölz  1899. 

M.  Höfler. 


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Quellen-Ausweis 


Aberglauben,  Das  Buch  vom,.  Exemplar  ohne  Autornamen.  (Versmann;  Hausthüren  ?)  (1790, 

Leipzig.) 

Abildgaard,  Der  Pferde-  und  Vieharzt8.  (1795.) 
Abraham  a  St.  Clara,  L  Gemisch-Geinasch.    (1703,  Wien.) 

II.  Abrahamisches  Bescheidessen.    (1717,  Wien.) 
Ackermann,  Anleitung  für  Landleute,  wo  keine  Ärzte  sind*.    (1807,  Frankfurt  a/M.) 
Adelung,  Nachrichten  von  altdeutschen  Gedichten. 

Agricola,  Nüi/I  u.  ausführl.  Bericht,  woher  die  warmen  und  Wildbäder  ihren  Ursprung  haben. 
Alpenburg,  J.  N.  Kitter  von,  Mythen  und  Sagen  Tirols.    (1857,  Zürich.) 
Andre sen,  Deutsche  Volksetymologie*.  (1883.) 

Arlt  F.  v.,  Klinische  Darstellung  der  Krankheiten  des  Auges.    (1881 ,  Wien.) 
A.  B.  Artznev-Buch.    (Ohne  Jahreszahl;  16.  Jahrh.) 

A.  M.  Artzney-Mittel,  bewährte  für  das  Rindvieh  und  Schweine.  (1731,  1770,  Hailbrunn.) 
Baader  Bernhard,  Volkssagen  aus  dem  Lande  Baden.  L  (1851,  Karlsruhe.)  IL  Neu  gesammelte 

Vnlkssagen  aus  dem  Lande  Baden.    (1869,  Karlsruhe.) 
Baas  EL,  Die  geschichtliche  Entwicklung  des  ärztl.  Stande«.    (1890,  Berlin.) 
Bachofen  v.,  Gräbersymbolik.  (1859.) 

Biumler,  Kurze  Beschreibung  d.  1734  zu  Gerrnersheim  herumgezogenen  bösartigen  Fieber. 
(1757,  ätrassburg.) 

Bardeleben  A.,  Lehrbuch  der  Chirurgie  und  Operationslehre*  L— IV.    (1867,  Berlin.) 
Bartels  M.,  Medizin  der  Naturvölker.    (1893,  Leipzig) 
Bauernregeln  von  Frz.  A.  Oberleitner.    (1766,  Augsburg.) 

Bavaria,  Landes-  und  Volkskunde  des  Königreichs  Bayern  I. — IV.  (1860 — 1867,  München.) 
Behrend,  Hautkrankheiten.    (1839,  Leipzig.) 

B.  z.  A.  E.  U.  U.  B.  Beiträge  zur  Anthropologie,  Ethnologie  u.  Urgeschichte  Bayerns.  (Mönchen.) 
Beiart  J.,  De  morbo  quem  Radesyge  nominant.    Inaug.-Diss.    (1830,  Berlin.) 

Bell  Benj.,  Lehrbegriff  der  Wundarzeneykunst»  L— V.    (1801—1803,  Pesth.) 

Benediktiner- Jahr,  heiliges.  (Ohne  Jahreszahl  und  Druckort;  Ende  des  18  Jahrh.) 

Besolt.  Das  aller  edlest  vn  bewertest  Regiment  der  Gesundtheit. . .  durch  Johann  Besolt  in 

Truck  verordnet.    (1530,  Augsburg.   Heynrich  Stayner.) 
Berger  A.  M.,  Der  von  Michel  Angelo  Buonarrotti  eigenhändig  geschriebene  Augentraetat. 

(1897,  München.) 
Beynon  Elias,  Barmherziger  Samariter.    (1668—1677,  Costanz.) 

—  der  Jüngere,  des  Vorig,  neue  Autlage.    (1756,  Augsburg.) 
Biblischer  Medikus  von  J.  J.  Schmidt.    (1713,  Züllichau.) 
Bircher  H.,  Der  endemische  Kropf.    (1883,  Basel.) 
Birlinger  A.,  Volkstümliches  aus  Schwaben.  (1861—1863.) 

—  Aus  Schwaben,  Sagen,  liegenden,  Sitten  und  Gebräuche  I.  II.    (1874,  Wiesbaden.) 
Bock  Hieronymus,  Newes  Kräuterbuch.    (1551,  Strasslmrg.) 

Börner  J  ,  Das  Alpdrücken,  seine  Begründung  und  Verhütung.    (1855,  Würzburg.) 
Braun  M.,  Die  tierischen  Parasiten  des  Menschen*.    (1895,  Würzburg.) 
Brehm  s  Tierleben  *.    (1876— 1S79.) 

Brenner-Schäffer  Dr.,  Zur  oberpfälzischen  Volks-Medizin.    (1861,  Amberg.) 
Brissaud  E.,  Histoire  des  expreasions  populaires.    (1892,  Paris.) 

Brunfels  O.    Ein  nützlichs  Wundartznev- Büchlein,   durch  Otbonem  Brunfels  verdeudscht. 
(1529,  Zwickau.} 

Buck  M.  R.,  Mediz.  Volksglauben  ans  Schwaben.   (1865,  Ravensburg.) 

—  Oberdeutsches  Flurnamenbuch.    (1880,  Stuttgart.) 
Cange,  du,  Glossarium  mediao  et  inftmae  latinitatis. 
Casseler  Glossen  v.n  J   Diez  (1865)  und  Grimm  (1*48). 


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VI 


Chelius  M.  J.,  Handbuch  d.  Chirurgie.    (1831,  Wien.) 

Christi.  Samariter,  I.  II.    (1863,  Stuttgart),  freiwillig  aufgesprungener  Granatapfel  des  ehr.  8. 

von  Eleonora  M.  Rosalia. 
Cock,  de;  Volksgeneeskunde  in  Viaanderen.    (1891,  Gent.) 

—  Volkskunde  (niederländ.)    1.— IX. 

Cockayne  0..  LeechdoniB,  wortcunning  and  starcraft  of  Karly  England.    (I.  1864;  II.  1865: 
III.  1866,  London.) 

Coen  K .,  Pathologie  und  Therapie  der  Sprache-Anomalien.    (1886,  Wien  und  l^eipzig.) 
Coler  J.,  Oeeonomia  ruralis  et  domestica.     HB.  Hausbuch.     HA.  Hausapotheke.    J.  Jagd. 
Pf.  Von  den  Pferden.    (1645,  Mayntz.    1665  Maintz.) 

C.  B.  f  A.  E.  U.  Correspondenz-Blatt  d.  deutschen  Gesellschaft  für  Anthropologie,  Ethnologie 

und  Urgeschichte.    (J.  Ranke,  München.) 
Dahn  F.,  Bausteine  L— IV.    (1879,  Berlin.) 

—  Deutsche  Geschichte  1. 

Dalla  Torre  v.,  Die  volkstümllichen  Pflanzennatuen.    (1895,  Innsbruck.) 
Delling  v.,  Bayerisches  Idiotikon.  (1820.) 
Demokritos  von  C.  J.  Weher*.   (1868,  Stuttgart.) 
Denis,  Lesefrüchte.   (1797,  Weimar.) 

D.  Diefenbach  L.,  Glossarium  latino-germanicum  mediae  et  infimae  aetatis.    (1857,  Frank- 

furt a/M.) 

D.  II.  Diefenbach  L.,  Novum  Glossarium  latino-german.  mediae  et  infimae  aetatis.  (1867, 

Frankfurt  a/M.) 

Dornblüth  0  ,  Wörterbuch  der  klinischen  Kunstausdrücke.    (1894,  I^ipzig.) 
Dreizehnlinden  von  S.  W.  Weber".  (1894.) 

Dunker  M.,  Geschichte  der  Arier  in  der  alten  Zeit.    (1867,  Leipzig.) 
Edlinger,  Erklärung  der  Tiernamen.    (1886,  Landshut.) 

Eichhorst  H.,  Handbuch  der  speziellen  Pathologie  und  Therapie.  I.  II.  (1883,  1884,  Wien  um! 
Leipzig.) 

—  Lehrbuch  der  Untersuchungsmethoden.    (1881,  Braunschweig.) 
Ekkehard  von  J.  v.  Scheffel".  (1879.) 

Eth  M.  a.  U.  Ethnologische  Mitteilungen  aus  Ungarn.     Illustr.  Monatsschrift  von  Professor 
A.  Herrmann. 

E.  W.  Wörterbuch  der  elsässisohen  Mundart  von  E.  Martin  u.  II.  Lienhart  (1897,  Strassburg.) 
Engelien  A.  und  W.  Lahn,  Der  Volksmund  in  der  Mark  Brandenburg.    (1868,  Berlin.) 
Erbe  K.,  Der  schwäbische  Wortschatz.    (1897,  Stuttgart.) 

Essich  J-  Gottf.,  Physikalisch-pharmakolog.  prakt.  Abhandlung.    (1783,  Augsburg.) 
Falke  J.  E.  L,  Universal-Lexikon  der  Tierarzneikunde.    (1842,  Weimar.) 

F.  Sch.  Festschrift  der  70.  Versammlung  der  deutsch.  Naturforscher  und  Ärzte.  Düsseldorf. 

(1898,  G.  Müller.) 

Feser  J.,  Der  Milzbrand  in  den  oberbayerischen  Alpen.    (1876,  Berlin.) 
Fick  Aug.,  Vergl.  Wörterbuch  der  indogerm.  Sprachen.    (1870,  Göttingen.) 
Förster  Aug.,  Handbuch  der  speziellen  pathologischen  Anatomie*.    (1863,  I/eipzig.) 
F ossel  V.,  Volksmedizin  in  Steiermark.    (1885,  Graz.) 
Frank,  Handbuch  der  tierärztl.  Geburtshilfe.  (1887.) 

—  J.  P.,  Grundsätze  über  die  Behandlung.    I  —  VII.    (1794-1811,  Mannheim.) 

Fr.  Kr.  B.  Frankfurter  Kräuterbuch.  (cc.  1650,  ohne  Autor- Angabe;  vermutlich  eine  buch- 
händlerische Spekulation  durch  Neuauflage  von  Ixmicerus'  Kräuterbuch.) 
Fries,  Spiegel  der  Artzeney.  (1532.) 

Frischhier  H.,  Hexenspruch  und  Zauberbann.    (1870,  Berlin.) 
Frommann  K.,  Die  deutschen  Mundarten.    Vierteljahrschr.  (Xördlingen.) 
Fuchs  C.  IL,  Die  ältesten  Schriftsteller  der  Lustseuche.  (1843.) 

—  Die  krankhaften  Veränderungen  der  Haut.  (1840.) 

—  R,  Hippokrates"  sämtliche  Werke  I.  II.    (1896,  1897,  München.) 
Genters,  Der  Morbus  Dithmarsicus.    Inaug.-Diss.    (1878,  Kiel.) 
Georgica  curiosa  von  Hohberg.    (1687,  Nürnberg.) 

Gerhardt,  Handbuch  d.  Kinderkrankh.  1. — IV. 
Germania,  Vierteljahrschr.  für  Altertumskunde. 

Gersdorff  H.  v.,  genannt  Schylhanns  Feldbuch  der  Wundarzney.    (1528,  Strassburg.) 
Göblhover,  Arteneybuch.    (1599,  Tübingen.) 

Goldschmidt,  Volksmedizin  im  nordwestlichen  Deutschland.  (1851.) 
Golther  W.,  Handbuch  der  germanischen  Mythologie.  (1895.) 
Graff,  Althochdeutscher  Sprachschatz. 

Griesinger  W.,  Pathologie  und  Therapie  der  psych.  Krankh.1.    (1871,  Braunschweig.) 
Gr.  D.  W.  Grimm,  Deutsches  Wörterbuch.    1854.  1893. 

—  Geschichte  der  deutschen  Sprache. 

Gr.  D.  M.  Grimm,  Deutsche  Mythologie».  (1854.) 


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VII 


Gruithuisen  Fr.  v.  P.,  Hippokrates  des  Zweyten  ächte  medizinische  Schriften.  (1814,  München.) 
Guarinoni,  Die  Greuel  der  Verwüstung  menschlichen  Geschlechts.    (1609,  Ingolstadt.) 
Gurlt  E.,  Geschichte  der  Chirurgie  I. — III.    (1898,  Berlin.) 
Hadrianus  Junius  medicns,  Nomenciator.    (1591,  Frankfurt.) 
Haser,  Lehrbuch  der  Geschichte  der  Medizin  (1859.) 

Hahn  J.  S.,  Unterricht  von  Krafft  und  Wirkung  des  frischen  Wasser».    (1743,  Leipzig.) 
A.  V.  H.  Haller,  Albrecht  von,  Onomatologia  mediea.  (1754-1756.) 
Haltaus,  Glossarium  germanicura  medii  aevi. 
H.  2.  Haupts  Zeitschrift.    I.— XXI. 

Hecker  J.  F.  K.,  Geschichte  der  (neueren)  Heilkunde.  I.  (1822),  II.  (1829).    (1839,  Berlin.) 

—  sch.  T.  =  der  schwarze  Tod  im  14.  Jahrhundert.    (1832,  Berlin.) 

—  T.  W.  =  die  Tanzwuth.    (1832,  Berlin.) 

Heim  Dr.  E.  L.,  Vermischte  medizinische  Schriften  von  Dr.  A.  Pätsch.    (1836,  Leipzig.) 
Heinrich  Fritz,  Ein  mittelenglisches  Medizinbuch     (1896,  Halle  a/S.) 
H.A.Rh.  Henne  Am  Rhyn,  O.,  Die  deutsche  Volkssage ».    (1879,  Wien,  Pest,  Leipzig.) 
Herbst,  Pferdezucht.  (1854.) 

Heyl  Joh.  Ad.,  Volkssagen,  Bräuche  und  Meinungen  aus  Tirol.    (1897,  Brixen.) 

Heyne  Mor.,  Deutsches  Wörterbuch.  (1896.) 

Hildenbrand  v.,  Über  den  ansteckenden  Typhus.    (1810,  Wien.) 

Holtmann  H.,  Die  Messersdorfer  Rezepte  im  Neuen  Lausitzischen  Magazin.  71,72.  Bd.  (1895  —  1896.) 

Hintner,  Benennung  der  Korperteile  in  Tirol.  (1879.) 

Hippel,  1-ebensläufe  nach  aufsteigender  Linie.    (1778-1781,  Berlin.) 

Hörmann  v.,  Volkstümliche  Sprichwörter  und  Redensarien  aus  dem  Alpenlande.  (1893,  Leipzig.) 
Hoffmann  Fr.,  Gründliche  Anweisung,  wie  ein  Mensch  seine  Gesundheit  erhalten  kann. 
(1712,  Halle.) 

—  H.,  Fundgrube.  (1830.) 

—  H.,  Monatschrift  für  Schlesien. 

Hofmann,  Handbuch  der  Arzneimittellehre.    (1829,  Leipzig.) 
Hortus  sanitatis.  (1507.) 

Huber  J.  Cb.,  Zur  Onomatologia  medico-historica  Münch.  Med.-Wochenschr.  1890,  Nr.  23  ff. 

—  Zur  älteren  Geschichte  der  klinischen  Helminthologie.    Deutsches  Archiv  für  klinische 
Medizin.  45.  Bd. 

Hyrtl  A  Hyrtl  J.,  Lehrbuch  der  Anatomie9.    (1866,  Wien.) 

Hyrtl  K.W!    —     Die  älteren  deutschen  Kunstworte  der  Anatomie.  (1884.) 

J.  f.  nd.  Sp.-F.  Jahrbuch  für  niederdeutsche  Sprachforschung.    (Norden  und  Leipzig) 

Jahn  U  ,  Deutsche  Opfergebräuche.    (1884,  Berlin.) 

Janus,  Archive»  internationales  pour  l'histoire  de  la  medecine.    L,  II.,  III.    Dr.  Pevpers. 
(1896,  1897,  1898.) 

Jessen.  Die  deutschen  Volksnamen  der  Pflanzen  von  Dr.  G.  Pritzel  und  Dr.  C.  Jessen.) 

(1882-1884,  Hannover.) 
Inchenhofer  Mirakelbuch.    (1506  ff.)    (Münchener  Staatsbibliothek.) 
Jordan  W.,  Die  Edda.    (1889,  Frankfurt.) 

Kaltschmidt  J.  H.  Wörterbuch*.    I.  englisch-deutsch,  II.  deutsch-englisch.    (1855,  Leipzig.) 
Kehrein  Jos.,  Überblick  der  deutschen  Mythologie.    (1848,  Göttingen.) 
K    A.   Keil  11,  anatomisches  ] 


K.m.ch.  —  —  medizinisch-ehymisches  J 
Kero  Glossen  in  Goldast,  rerum  aleman.  scriptor.  (1661.) 
Kirsch,  Cornu  copiae  linguae  latinae.  (1741,  Regensburg.) 
Kleinpaul.  Das  Fremdwort  im  Deutscheu.    (1896,  Leipzig.) 

Kluge  F.,  Etymologisches  Wörterbuch  der  deutschen  Sprache.  (41894,  '  1898,  Strassbur«  ) 
Knapp,  Beobachtungen  über  Idioten-Anstalten. 

—  B.,  Untersuchungen  über  Cretinismus.    (1878,  Graz.) 
Kneipp,  Kinderpflege*. 

Kobert  R-,  Historische  Studien  ans  dem  pharmakol.   Institut  der  K.  Universität  Dorpat. 

(1889-1890,  Halle.) 
Köhler  R,  Handbuch  der  spez.  Therapie*.    I.  II.    (1867—1868,  Tübingen.) 

—  J.  A.  E.,  Volksbrauch  im  Voigtlande.    (1867,  Leipzig.) 

König  Frz.,  Lehrbuch  der  allgemeinen  Chirurgie  I  — III.    (1885—1889,  Berlin.) 
Kolbe  W.,  Hessische  Volkssitten.    (1886,  Marburg) 

Kopp,  Denkwürdigkeiten  der  ärztlichen  Praxis.    (1830,  Hanau,  Frankfurt.) 
Korrespondenzblatt  s.  Correspondenzhlatt. 

Kossmann  R.,  Die  gynäkologische  Nomenklatur.    (1896,  Berlin.) 
K  u.  P.  Kraus  und  Pichler,  encyclopäd.  Wörterbuch.  (1872.) 

Kraus  E.  Kraus  L.  A.,  kritisch-etymologisches,  medicinisches  Lexikon*.  (1844,  Göttingen.) 
Krause  J.,  Der  medizinische  Landpfarrer.  (Ohne  Jahreszahl;  179?,  Frankfurt  und  Leipzig.) 


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VIII 


Krautwadel.  Ein  nützlich  Regiment  der  Gesundtheit  genannt  da»  Vonquete  oder  Gastmal .... 
durch  den  Hoehgelerten  Herren  Michaelim  Krautwadel  .  .  .  verteutscht.  (1531,  Augs- 
burg.  Heynrich  Stayner.) 

Kriegk,  Deutsches  Bürgertum  im  Mittelalter  I.  II.  (1868.) 

Kiinigssperger,  Von  der  12  Zeychen  Natnr  .  .  .  da»  erst  Buch  Johannis  Kftnigsspergers.  (1530.) 
K.  U.  Schw.  Kuhn  A.  und  Schwartz  W\,  Norddeutsche  Sagen,  Märchen  und  Gebräuche. 
(1848,  Leipzig.) 

Kuhn  A.,  Zeitschrift  für  vergleichende  Sprachforschung.  (Berlin.) 

—  Sagen,  Gebräuche  und  Märchen  ans  Westphalen  1.  II.    (1859,  Leipzig.) 
Kulmus,  Anatomische  Tabellen*.  (1740.) 

Laistner,  Das  Rätsel  der  Sphinx  I.  II.    (1889,  Berlin.) 

Lambs  A.,  Über  den  Aberglauben  im  Elsass.    (1880,  Strassburg.) 

Lammert  G.,  Zur  Geschichte  des  bürgerlichen  Leben».    (1887,  Regensburg.) 

—  Volks-Medizin  in  Franken.    (1886  ) 

—  Volks-Medizin  in  Bayern.    (1869,  Würzburg.) 

—  Volksheilgebräucbe  und  medizinischer  Aberglaube.    (1886,  KegenBburg.) 
Legende  für  den  gemeinen  Mann  I.— IV.    (1788,  M (Ineben.) 

Lehfeldt  E  ,  Medizinische»  Taschenwörterbuch.    (1891,  Berlin.) 

Lersch  B.  M.,  Geschichte  der  Volksseuchen.  (1896.) 

Lettre  M.,  Über  Pliea  oder  Zopfkrankheit.    Inaug.-Di»».    (1870,  Berlin.) 

Leukart  R-,  Allgemeine  Naturgeschichte  der  Parasiten.    (1879,  Leipzig  und  Heidelberg.) 

Leveliug  H.  I1.,  Anatom.  Erkläiung  der  Original-Figuren  von  Andreas  Vesal.   (1783,  Ingolstadt.) 

Lexer  M.,  Mittelhochdeutsches  Taschenwörterbuch8.    (1885,  Leipzig.) 

L.  ch.  Lexicon  chirurgicum  von  J.  P.  Roth.  (1768.) 

Liebrecht  F.,  Zur  Volkskunde.    (1879,  lleilbronn.) 

Lippert  J.,  Kulturgeschichte  1.  11.    (1887,  Stuttgart.) 

—  Cbristentum,  Volksglaube  und  Volksbraucb.    (1882,  Berlin.) 
Lonicerus  Kräuterbuch.    (1582,  Frankfurt.) 

Losch,  Wflrttembergisches  Jahrbuch.  (1890.91.) 
Luther's  Werke,  Braunschweiger  Ausgabe.  (l!S92.) 

V.  M.  Mäbrn,  v.,  Vollständige  llaus-  und  Landbibliothek  I. — III.    (1699,  Regenshtirg.) 
Magister  Bartholomäus  nach  einer  (mnd.)  Papierhandschrift  herausgegeben  von  Dr.  v.  Ofele 

in  Neuenahr.  (1894) 
Mannhardt  W.,  Der  Baumkultus  der  Germanen.    (1875,  Berlin  ) 

w.  Mag.  Marth  J.  Nicol.,  Unterricht  von  der  wunderbaren  Magie.   (1719,  Frankfurt  u.  Leipzig) 

Martin  W  ,  Das  Kind  und  seine  Pflege.  (1895.) 

Martiny  Benno,  Aberglaube  im  Molkereiwesen.    (1891,  Bremen.) 

Marx  K.  F.  IL,  Über  das  Vorkommen  und  die  Beurteilung  der  Hundswut   in  aller  Zoit 

in  Abbdlgn.  d.  Kgl.  Gesell,  d.  W.  zu  Göttingen  1872,  17.  Band. 
Maschenbauer,  Nützlicher  Dollmetscher.    (1748,  Augsburg). 
Mayer  Chr.,  50jährige  Erfahrungen  über  Tierzucht.  (1833). 

Maurer  Konr.,  Die  Bekehrung  des  norweg.  Stammes  I.  IL    (1835,  1856,  München  ) 

M  H.  L.  Medizinisches  Hand-Lexikon.    (1782,  Augsburg) 

Medizinisch  -chirnrg.  Rundschau.  Monatsschrift. 

C.  V.  Mgb.  Megenberg,  Conrad  von,  Buch  der  Natur.  (1483.) 

Melusine,  recueil  de  mythologie  par  II.  Gaidoz.  (Paris.) 

Menk  Hr.,  Des  Moseltbal's  Sagen,  Legenden  und  Geschichten.    (1840,  Coblenz.) 
Merk  Tb.,  Hauslierarzt  (1838,  München). 

Meyer  J.,  Deutsche  Sagen,  Sitten  und  Gebräuche  aus  Schwaben  (1852) 

—  Chr.,  Ausgewählte  Selbstbiographien.    (1897,  Leipzig.) 
--    Konversations-Lexikon'.    (1874*,  1896—1897). 

Minderer  Dr.,  Medicina  militari».    (1620,  Augsburg). 
Mitteilungen  für  bayerische  Volkskunde.    (Prof.  Brenner.) 
Mozzin,  Diciionnair  complet.    (1812,  Stuttgart  und  Tübingen).' 
Müllenhoff  und  Scherer,  Denkmäler. 

—  Karl,  Sagen,  Märchen  und  Lieder  der  Herzogtümer  Schleswig- Holnstein  und  Lauen  - 
bürg.    (1845,  Kiel.) 

Müller  Dr.  Ferd.,  Kräuterbuch5.    (1875,  Ulm;  1860,  Wien.) 
M.  Med.  W.    Münchener  medizinische  Wochenschrift. 
Neumann  J.,  Neuer  Venusspiegel.    (1861,  Berlin.) 
Nicolai  E.  A.,  Rezepte  und  Kurarten.    (1789,  Jena.) 

Niemeyer  F.,  Lehrbuch  der  speziellen  Pathologie  und  Therapie.  (1855.) 
0.  B.  V.  A.  Oberbayeriscbes  Vereinsarchiv  für  Geschichte. 
Oesterlen,  Handbuch  der  Heilmittellehre.    (1861,  Tübingen.) 

Og.  OgODCsyk  Zakrzewski  Fl.  R.  von,   Medizinisch-Iiterär.   Geschichte  des  Weichselzopfs 
(1830,  Wien.)  r 


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IX 


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Ortolfs  Meister,  aus  dem  Bayerland  Arzneibuch.  (1477.) 
Pagel  J.,  Einführung  in  die  Geschichte  der  Meilirin.    (181)8,  Berlin.) 
Pansa,  Badeordnung  (1618.) 

Paracelsus,  De  imposturis,  von  der  französchen  Kranckheit  drey  Bücher  (Vorrede  1529. 

gedruckt  1530,  Nurmbarg  durch  Friderich  Pevpus.) 
Paul  3,  Deutsches  Wörterbuch.    (1897,  Halle.) 
Pauli,  Die  in  der  Pfalz  gebrauchlichen  Heilmittel.  (1892.) 
Peijpers  H.  F.  H.,  Lues  medii  aevi.    (1895,  Amsterdam.) 
Peters  H.,  Aus  pharmazeutischer  Vorzeit.  I*.  IL  (1889,1891,  Berlin.) 
Pfeiffer,  Zwei  deutsche  Arzneibücher  aus  dem  12.  und  13.  Jahrh. 

—  Zar  Kritik  und  Forschung.  (1863.) 

PictoriUB  Georgius  von  E.  G.  Kürz.    (1895,  Freiburg  und  Leipzig.) 
Pierer,  Konversations-Lexikon'.  (1888-1893,  Berlin  und  Stuttgart.) 
Platner,  Gründliche  Einleitung  in  die  Chirurgie.  (1783). 
Plenk  J.  J  ,  Zergliederungskunst*.    (1788,  Wien.) 

—  Anfangsgründe  der  Geburtshilfe".  (1799,  Wien.) 
Ploss-Bartels,  Das  Weib».    (1887.  Leipzig.) 

Proksch  J.  K.,  Geschichte  der  venerischen  Krankheiten  I.  IL  (1895.) 
Rabanus  Maurus.  Bei  Goldast,  rerum  alaman.  scriptor.  (1661.) 
Ranke  J  ,  Der  Mensch  1.  II.    (1886,  1887,  Leipzig). 

Reinsberg-Düringsfeld  0.  Freiherr  von,  Festkalender  aus  Böhmen.    (1861,  Frag  ) 

Reiser,  Sagen,  Sitten  und  Gebräuche  des  Allgau  I.  II.    1895,  1897. 

Reissner  Adam,  Historia  der  von  Frundsberg.    (1572,  Frankfurt.) 

Richter  A.  G.,  Anfangsgründe  der  Wundarzneikunst.   L— III.   (1790,  Wien.) 

Riezler  S.,  Geschichte  der  Hexenprozesse  in  Bayern.    (18%,  Stuttgart.) 

Rochholz  E.  L.,   Deutscher  Glaube  und  Brauch  im  Spiegel  der  heidnischen  Vorzeit  I.  II. 

(1867,  Berlin.) 
Rolland,  Flore  populaire.    (1896,  Paris.) 

Romanische  Forschungen, Organ  für  rom.  Sprachen  u.  Mittellatein  von  Karl  Vollmöller.  (Erlangen.) 
Rosenbaum,  Geschichte  der  Lustseuche4.  (1888.) 
R.  A.  Ross-Arzeney.    (17.  Jahrb.,  Seuter?) 

Roth  0.,  Klinische  Terminologie*  von  Dr.  Gessler.   (1897,  Leipzig.) 

Ruhemann  J.,  Influenza.    (1891,  Leipzig.) 

Ruland  von  Freysingen,  Vom  Wasserbaden.  (1548.) 

Samuel  S.,  Compendium  der  allgemeinen  Pathologie.    (1880,  Stuttgart.) 

Sartorius,  Würzburger  Idiotikon.  (1860.) 

Schaarschmidt  Aug.,  Anatomische  Tabellen*.    (1788,  Frankfurt.) 

Schäffer  J.  Chr.  G.,  Versuch  einer  medizinischen  Ortbeschreibung  der  Stadt  Regensburg. 

a787,  Regensburg.) 
Schech  Ph.,  Krankheiten  der  Mundhöhle.    (1885,  Wien.) 
8cheible  J.,  Das  Kloster,  Weltlich  und  Geistlich.   (1848,  Stuttgart.) 
Schell  O-,  Bergische  Sagen.    (1897,  Elberfeld.) 
Schindler  J.  B.,  Aberglauben  des  Mittelatters.    (1858,  Breslau.) 
Schlicht  J-,  Altbeimland,  Ein  Bayernbuch.  (1895,  Bamberg.) 
Schmeller-Fromman,  Bayerisches  Wörterbuch'.    (1872.  1877.) 
Schmidt  s  Jahrbücher  der  gesamten  Medizin.  (Leipzig.) 

—  Chrtfof  von,  Schwäbisches  Wörterbuch.    (1831  ) 

Schmitt  EL,  Sagen,  Volksglaube,  Sitten  und  Bräuche  aus  dem  Baulande  (Schulprogamm). 

(1895,  Baden-Baden.) 
Schnurrer  Fr,  Chronik  der  Seuchen.  I.  II.  (1823,  1825,  Tübingen.) 

Schonbach  A.,  Eine  Auslese  altdeutscher  Segensformeln  in  Analecta  graecienBia.  (1893,  Graz.) 
Schräder,  Bilderschmuck  der  deutschen  Sprache».    (1895,  Weimar.) 

Schreyer  Dr.  C.  IL,    1.  Neugefuater  uhralter  Wolckensteinischer  Warmer-Bahd-  und  Wasser- 

Schaz.    (1696,  Frankfurt  an  der  Oder.) 
IL  Ortus  sterilitatis  et  abortus. 
Schulenburg  Wilibald  von,   Wendische  Volkssagen  und   Gebräuche  aus  dem  Spreewald. 
(1880,  Uipzig.) 

Schumann  D.  C,  Beiträge  zur  Lübeek'schen  Volks-Kunde  in  den  Mitteilungen  des  Vereins 

f.  Lübeck'sche  Geschichte  und  Altertumskunde.    1892.   N.  10  u.  IL 
Schwartz,  Prähistor.-Antbropolog.  Studien.    (1894,  Berlin.) 

—  W  ,  Indogermanischer  Volksglaube.    (1885,  Berlin.) 
Schwenk,  Wörterbach.    (1838,  Frankfurt.) 

Sebizius,  XV.  Bücher  von  dem  Feldbaw.    (1592,  Strassburg.) 
Seite  J.  Nie,    I.  Hausarznei-Bucb.    (Ohne  Titel,  17.  Jahrb.) 
II.  Hydrologia.    (1740,  Nürnberg) 


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X 


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—    Lehrbuch  der  prakt.  Entbinduneskunst*.    (1810,  Nürnberg.) 
Simrok.  Handbuch  der  deutschen  Mythologie4.  (1874.) 
Sitzungs  Berichte  der  k.  bayer.  Akademie.  (München.) 
Sobernheim  J.  F.,  Handbuch  der  prakt.  Arzneimittellehre.    (1841,  Berlin.) 
Spiess  Balth.,   I.  Volkstümliches  aus  «lern  Fränkisch-Hennebertfischen.    (1869,  Wien.) 

II.  Beitrage  zu  einem  henneberg.  Idiotikon.    (1881,  Wien.) 
Stahmann  Fr.,  Ahnungen  aus  der  Geisterwelt.    (1834,  Quedlinburg  und  I-eipzig.) 
Staricius  Jon.,  Geheimnisvoller  Heldenschatz  oder  der  vollständige   egvptische  Magische 

Schild.    (1750,  Köln  und  Weimar.) 
Stein  Georg  W.,  Theorie  und  praktische  Anleitung  zur  Geburtshilfe.   1'.  (1783,  Kassel.)  IIe. 

(1800,  Marburg.) 

Steinmeyer  E.  und  Sievers  E.,  Die  althochdeutschen  Glossen.    (1879—1898,  Berlin.) 
Storm  Theodor,  Sämtliche  Werke.    Neue  Ausgabe  in  8  Bänden.   (1898,  Braunschweig.) 
Stubenvoll,  Heidentum  im  Christentum.    (1891,  Heidelberg.) 
Studer  Jul.,  Schweizer  Ortsnamen.    (1896,  Zürich.) 
Tabernaemontanus,  Kräuterbuch.   (1577.  1588.  1591.) 

Tenzelii  Andreae,  Medizinisch-Philosophisch-  u.  Sympathetische  Schriften.  (1753,  Leipzig,  Hof.) 
TheophrastUB,  Bodenstein-Ausgabe  (1576). 

Th.  8.  Br.  Thesaurus  sanitatis  von  Dr.  Brfluner.    (1725,  Frankfurt.) 
Tiberius  P.  F.,  120  Predigten.    (1722,  Constantz.) 

Töpelmann  G.  W.,  Neue  Methode,  den  Tripper  zu  heilen  (Wilkinson)     (1803,  Leipzig.) 
Tolle  lege!  Sonn-  und  Feiertägliches,  von  R.  P.  J.  Ertl.  (1715.) 
Urquell,  Monatsschrift  für  Volkskunde  von  Dr.  F.  S.  Kraasa. 
Vade  mecum  anatomicuni6  von  D.  C.  H.  Kirchheim.    (1759,  Langensaltza.) 
Vernaleken  Th.,  Mythen  und  Bräuche  des  Volkes  in  Österreich.    (1859,  Wien.) 


(A.),  Alpensagen.    (1858,  Wien.) 


V.B.  Viehbüchlein,  neues,  vermehrtes.  (1735?) 
Vierordt  H.,  Medizinisches  aus  der  Geschichte*.    (1896,  Tübingen.) 
Villaret  A.,  Handwörterbuch  der  gesamten  Medizin.    (1888,  Stuttgart.) 
V.  0.  W.,  VocabulariuB  optimus  Wackernagel. 

Vogel  S.  G.,  Handbuch  der  praktischen  Arzney- Wissenschaft.    L — V.    (1787—1801,  Wien.) 

V.-K.  Volkskunde,  Tijdschrift  voor  nederlandsche  Folklore.   I.— IX.  (Gent.) 

De  Vr.  De  Vreese,  W.  L.  Middelnederlandsche  Geneeskundige  Recepten   und  Tractaten, 

Zegeningen  en  tooverformules  I.    (1894,  Gent.) 
Wackernagel  W.,  Altdeutsche  Kuriositäten.  (1829.) 

—  Wesaobrunner  Gebet.  (1827.) 

—  Altdeutsches  Wörterbuch».    (1878,  Basel.) 

Wallberger,  Sammlung  natürlicher  Zauberkunst«.  (1760,  Stuttgart.) 
Weinhold  K.,  Altnordisches  Leben.    (1856,  Berlin.) 

—  V.,  Die  mystische  Neunzahl.    (1897,  Berlin.) 
Weese  K.,  Der  Weichselzopf.    (1845,  Berlin.) 

Weikard  M.  A.,  Medizinisch-praktisches  Handbuch.    (1801,  Frankfurt  und  Leipzig.) 
Westermann,  Illustrierte  deutsche  Monatshefte. 

Wienner  P.  J.,  Zur  Geschichte  des  lleilwesens.    XXXIII.  Heft  der  Mitt.  des  hietor.  Vereins 

fflr  Steiermark.  (1885.) 
Witzschel  Aug.,  I.  Sagen  aus  Thüringen.    (1866,  Wien.) 

II.  Sagen,  Sitten  und  Gebräuche  aus  Thüringen  (herausgegeben  v.  Schmidt). 
(1878,  Wien.) 
Wolf  Karl,  der  BurggräHer.    (1890,  Innsbruck.) 
Woyt  J.  J.,  Abhandlung  aller  .  .  .  Krankheiten.    (1735,  Leipzig.) 

W.B.  Wunderbuch  des  Mährischen  Albertus  Magnus,  Andreas  Glorez.    (1700,  Regensburg 

und  Stadtamhof). 
Wustmann  G.,  Sprichwörtliche  Redensarten*.    (1894,  Leipzig.) 
Wuttke  A.,  Der  deutsche  Volksaborglaube  der  Gegenwart*.    (1869,  Berlin.) 
Zahler  Hans  Dr.,  Die  Krankheit  im  Volksglauben  des  SimmenthalB;  XVI.  Jahresbericht  der 

geographischen  Gesellschaft  von  Bern.    (1898,  Bern.) 
Z.  A.  Zauber-Arzt,  Der  thüringische  Theophrastus   Paracelsus  von  Valentino  Kräutermann 

zum  drittenmahl  ans  Licht  gestellet.    (1730,  Arnstadt,  Leipzig.) 
Z.  f.  d.  A.  Zeitschrift  fflr  deutsches  Altertum  und  deutsche  Litteratur. 
Z.  f.  V  Sp.  F.  Zeitschrift  für  vergleichende  Sprachforschung. 
Z.  d.  V.  f.  V.-K.  Zeitschrift  des  Vereins  für  Volkskunde. 
Z.  f.  d.  Ph  Zeitschrift  für  deutsche  Philologie  von  Zacher. 
Z.  f.  d.  TJ.  Zeitschrift  für  deutschen  Unterricht. 

Z.  d.  D.  Ö.  A.-V.  Zeitschrift  des  deutschen  und  österreichischen  Alpen-Vereins. 


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XI 


Z.  f.  ö.  V.-K.  Zeitschrift  für  österreichische  Volkskunde. 

Z.  V.  Zeitvertreiber»,  Luntiger  und  nützlicher,  vom  Verf.  d.  Studiosus  jovialis.  P.  Odilo.  (1756  ) 

Zehetmayr  Seb.,  Analogisch  vergl.  Wörterbuch  der  indog.  Sprachen.   (1879,  Leipzig.) 

Zeiiinger  s  Vocabularium  teutolatinutn.    (1482,  Nürnberg.) 

Ziemssen's  Handbuch  der  speziellen  Pathologie  uud  Therapie,  (taipsig.) 

Zmgerle  J.  8.,  Sitten  und  Gebräuche  des  Tiroler  Volkes. 

—  Gebrüder,  Kinder-  und  Hausmärchen.  (1852.) 

—  J.  V.,  Schildereien  aus  Tirol.    (1888,  Innsbruck.) 

—  A.,  Tirolensia.    (1898,  Innsbruck.) 
Zipperlen,  Illustriertes  Thierarzneibuch.    (186G,  Ulm.) 
Zwinger,  Sicherer  und  geacheidter  Arat.«   (1742,  Basel.) 


a.-franz.  =  altfranzösisch 

ahd.  ss  althochdeutsch 

a.-ndd.  —  altniederdeutsch 

angls.  =  angelsächsisch 

a.-nord.  =  altnordisch 

a.-sächa.  =  altsäclisisch 

dän.  ss  dänisch 

engl.  =  englisch 

F.  (f.)  =  Femininum 

franz.  —  französisch 

fries.  =  friesisch 

germ.  =  germanisch 

gem.-gerra.  s=  gemein-germanisch 

goth.  =  gothisch 

hd.  —  hochdeutsch 

indogerm.  ss  indogermanisch 

isländ.  s=  isländisch 

ital.  =  italienisch 

lat.  ss  lateinisch 

lett.  =  lettisch 

M.  (m.)  ss  Maskulinium 

mhd.  —  mittelhochdeutsch 


mndd.  =  mittelniederdeutsch 

N.  (n.)  =  Neutrum 

ndd.  =  niederdeutsch 

ndl.  =  niederländisch 

nhd.  —  neuhochdeutsch 

nord.  nordisch 

norw.  =  norwegisch 

od.  ss  oberdeutsch 

ostgerman.  —  ostgermanisch 

ostindogerm.  =  ostindogermanisch 

PI.  =  Plural 

S.  ss  Singular 

schwed.  "  schwedisch 

sansk.  ss  sanskritisch 

urgerman.  =  urgermanisch 

vorahd.  =:  voralthochdeutsch 

vorgerman.  —  vorgermanisch 

vulg.  =  vulgär 

westgerman.  ss  westgermanisch 
westindogerm.  =  westindogermanisch 
•  bedeutet:  siehe  Nachträge  u.  Krgänru 


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Aar,  t.  (Schwaben  1M1)-Ader  (8.  d.)  [C.  r.  Scbm. 
tt  LV, 

Aas,  n.  1.  -  weggeworfenes,  übelriechendes, 
totes  Fleisch  IGr.  W  V.  ahd.  &»  =  o-as;  abass;  obax* 

-  abseits  gelegtes  oder  wcgBewortenes  Essen;  (MM) 
•ya»;  (1177)  «y«te  eadaver  (U.  «KHi.  —  2.  -  Schelm 
(».  d.)  :  Bayern;;  Seucbendäraonen- Namen  iKlutrc4 
29»  sub  .Sc  ho  Im! ;  -  Kog  (h.  d.).  —  Elbisches  Aas 

*;r  ü.  M.  I,  va);  vermutlich  wie  der  Schelm,  ein 
Krankheits- Dämon  und  -Namen  =  die  Pest- 
seuche. —  Fault  Aas  iiooi'i  -  die  verfaulenden 
Tierkörper  auf  der  Strasse  '.tiuar  US]  Aas-Pocic, 
Seite. 

ab-,  die  betreffenden  Zusammensetzungen  siehe 
beim  Stammworte,  t.  H,  abfüllen  bei  fallen. 

ab,  der  Knochen,  das  Bein,  der  Hals  ißt  ab 

—  Ftactura  ossis;  dem  die  l>ende  ab  ist  (1461) 
I^eistenbruch,delumbis,elambt8  (<»r.  W.  VI, 7«) 
Abel  s.  Afol  (Abfell). 

Abbeste  s.  Apostem. 

Abend,  m  Abend- Fieber. 

Aberkalb  s.  Alperkalp,  Alp  (X)  und  Kalb. 

Abort,  m.  ein  iu  neuester  Zelt  dureh  den  Klnflus» 
der  Spcdalarzte  in  die  besset-eu  HevolkerutiKskreise 
gedrungenes  Wort  der  Scbulmedizin  -  Abortus,  Ec- 
troma,  s.  Kinder-Geburt  verderben,  verwerfen, 
verdammen,  verdampfen,  verthuen,  verdrucken. 

Abortement,  n.  nas  Thcs  s.  nr  3121  ein  dureh 

<li.>  framoselnde  Richtung  der  Mcdlrinschulen  Im 
16.  Jahrb.,  die  bis  in*  18.  Jahrh  andauerte,  nach 
Deutschland  (gekommenes  lran*ri»ischcs  Fremdwort  für : 
das  „Verwerfen",  „unzeitig  Kind",  „vom  Kind 
kommen"  (Abortus,  s.  d.);  avortement. 

Abranämle,  n .  iHchwabeni  ^  Stirn-Runzeln,  wie 
■ie  der  Erzvater  Abraham  gehabt  hat  (c.  v.  nehm. 
w  7),  Stirnfalten.    Abrahams  -  Barm,  -Schoss. 

Abscess,  m.  (Abcess)  -  eine  mit  Eiter  gefüllte 
und  durch  die  Eiterbildung  selbst  entstandene 
Gewebe-Höhle,  =  Eiterbeule  (Bardeleben  Ohlr.  I, 
201),  aus  der  nach  der  Eröffnung  der  Eiter  ab- 
geht -lat.  abscessus  —  Abgang  von  Krankheits- 
stoffen aus  dem  Körper.  —  Reitst  Abscesse  — 
kalte  Abscesse  (s.  heiss  und  kalt).  —  Wurm- 
Abscesse  Bindegewebs -Entzündungen  (mit 
Eiter-  und  Geschwärs- Bildung),  entstanden 
durch  auswandernde  Würmer  und  Parasiten, 
welche  die  Darm-  und  Leibwandungen  durch- 
bohren iLcuckart  177).  —  '/.•  itigtr  Abscess:  ein 
reifer  d.  h.  cum  Eröffnen  hinreichend  erweichter 
Abscess  (Bück  72). 


Ach,  Ach-cha,  1  smsk  «ho  lumn  I,  US);  aM 
I  nu  ;  mb.i .iieh:  Schmerz-Interjektion  und  Natur- 
laut; achach!  (Verdoppelung);  (dazu:  ächzen). 
—  2.  Das  Weh.  (Sehmerzstelle);  verjil  \i  de  eri 
|n>uiMi  pai  le  -.111111111'  allclnl  de  synovite  tcndineu*e 
:  Kiiurrlinnd]  et  ehe«  le«n«el  le  Chirurgien  recherehe  le 
signe  doutourcux  de  la  eiepitation!  iVelpenu  ;  Brlss.  117). 

Acherl,  Acherle,  n.  (Bayern,  Schwaben)  (Kin- 
dersprache) —  Alles,  was  weh  thut  (lluck  181. 
achen,  Schwein  -  itchzen;  uhd  ähan;  faire  uhan 
dytpnle  iuris«.  itM). 

ächezen,  ächizen,  Bayern)  -  ächzen ;  ahd  achi- 
cön  =  öfters  Ach  sagen,  ächzen. 
Achilles,  Achilles-Se/»nr,  -Ferst. 

Achse,  Axe,  f-  -  ai,  altludog  okso;  vorgenn. 
aksü  laxis,  5iu»v);  ahd.  ahsa;  mhd.  ahse  -  Linie  oder 
Kichtuiig,  in  der  oder  tun  die  sich  etwas  bewegt 
Kiu«c4, ::;.  —  Eingjdg  in  einer  Richtung,  auf 
einem  Fusse  hinkend.  —  Wian-,  icaen-,  toin-, 
won-,  hon-,  on-ax(t^)  =  fehlerhaft  in  der  Rich- 
tung, auB  der  geraden  Richtung  gebracht,  krank 
(s.  »«in)  iSehmeller  I,  2i;  II,  »29  WS). 

Achsel,  f.  Indog  akslä  <  Kluge  *3ff  XIII);  tal  alilla 

Achselhöhle;  ahd.  uhsula,  ahslu  scapula  und 
humeru«,  da  beide  Korperteile  leicht  «u  Verwechseln 
waren  ft'asscler  (JloMieu,  Ülcx93);  mhd.  absei ;  (ÜTOj 
ackerten  Künigsgp.),  1.  =  die  Stelle,  wo  sich  der 
Oberarm  an  der  Schulter  dreht  tir.  w  I,  lest,  wie 
die  Achse;  (Ascella  der  Arabisten).  —  2.  =  die 
Achselgrube  zwischen  Brust  und  Schulter  iiiyrtl, 
K  \V  H9).  —  3. -  der  Oberarm  -  lltimerus,  soweit 
er  zur  Achsel  (1)  gehört;  absabm  humeris  iKero 
'  (üossen  78;  8.  Jahrh  ?;  ahsellc  humerus  lil  7.  III  . 
Präger  lland-chr  11.  Jahrh  ),  aebsse  humerus  [Iii»; 
II.  v.  a  97).  —  4.^ die  Schulter  Scapula,  soweit 
sie  ZU  1  bezüglich  ist;  aluoiln  (9,  .tnhrh  scaputu 
Hub  Maur.  C.V  ;  uhsllla  -  scapuln  (II.  Z.  XV,  318);  1530 
achtel  akromlon  (D.  10j  ,  ähsl  .Schwaben;  im;  , 
Huck  16!  Schulter.  —  5.  S.  auch  Üchsen.  —  Hohe 
Achsel  ■  Kyphoskolioeis,  s.  hoher  Rücken,  hoho 
Schulter.  —  Brtite  Achsel,  breitachslet  :iCö9  iinar 
12t ,  s.  breiter  Rücken.  —  Achsel  .1  -Ahs- 
weichung,  -Bein,  -Btxtlt,  -Drüstn.  Geschwür, 
Gtstank,  -Glieder,  -Grube,  -Hieb,  -Hohle,  -Steig. 

Achter,  m.  nind.  achter  lü.  Jahrb. ;  Muk.  Hnrthol. 
U8b;  Ilyitl,  k.  w.  i99j  After.  —  Achter- Btllr, 
-fällig,  -Höhlt,  -Klaue. 

Ack,  (Aak,  Aeck)  n.  =  ein  Schmerz  (^  Ach 
s.  d.)  bereitendes  Fingergoschwilr(Panarititim); 
das  lautlich  abgeschwächte  Aeckt  ist  auch 
begrifflich  ein  solches  Fingergeschwär  ohne 
Knochenaffection  (Oold«chra.  89;  ;  >.  Flck. 


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3  Adam— Ader. 

Adam,  Adams  -Apfel.  -Bissen,  -Brocken, 
■Butzen,  -Gerte,  -Griebs,  -Zäpflein 

Adel,  IT),  ein  namentlich  in  angclsAchs,  <do»s.arfen 
auftretend«  Wort,  dessen  Bedeutung  1.  -  Krankheit 
(Krankheitsstofl  o.  Krankheilsdümon)  ist.  —  Da 
Adel  und  Allel  fti  Ohcrdcutschland  auch  (wie  Kater, 
Hui«  etC  )  In  Kultorte  Namen  (Lob  *-  B.)  fu  Süden  ist, 
wo  es  uicht  als  I'crsonen-Naincn  gelten  kann,  und  «In 
in  BUtlichen  Beziehungen  Adel  analog  zu  Mar  und  Alp 

ro  wie  Trade  Ist,  *o  dürfte  die  Vermutung  auHutprerhen 
nein,  dass  Adl,  Allel  wie  Trade  (»,d.)  und  Holde  eigent- 
lich nur  der  Kode- Namen  eine*  Krankhelten  verur- 
sachenden (Wunn-Damon*  (vergl  den  Zwerg  Adal  in 
ttlRamal,  Kdda  Jordan  192.  198y  ist,  der  dienen  neineil 
edlen  Namen  auf  diesellien  übertrug;  daher  -  2.  Adel 
11616  adclle;  Loler,  H.  A.  144;  1741  adel  pauaritium 
I..  ch.  «5;  =  Fingergesch  wür(Panaritium).  Finger- 
wurm (Gr.  W.  I,  177;  Peter«,  aus  pharmac  Vorzell  I, 
223),  welche  Krankhell,  da  sie  u  A.  durrh  Besprech- 
u  n  Ken  behandelt  wurde,  daemoiilstisrhcn  Hinter- 
grund hat  feorif.  Atlles-Trllt! ;  volkset»  inologin-h  und 
volksniedtzlnlsrh  wird  dieselbe  aueh  mit  Jauche  oder 
„Adel"  behandelt  (».  1'iiKenaunt.'  —  3.  atel  mactila, 
Intirmitas  [Helgol./ edel ;  ;  Wanger. I  adel     eyter,  pfynne; 

iivlo  ii         Unreinigkeit,  Jauche,  Mistwasser 

—  Vermutlich  wurde  «ler  allere  Begriff  der  körper- 
lichen Hautunreinigkeit ,  die  durch  den  Adel 
Diimon  veranlasst  war,  auf  andere  unreine  Sekrete 
Harn,  Kot  etc.)  übertragen  —  4.  Adel  ist  vermut- 
lich in  auder  entstellt,  (da  Ader  auch  auder 
8.  Auder);  jedenfalls  ist  Adler  (icw;  v  m.  r,  WJ 

Maucke  beim  Pferde  alsmauchelnder  Wurm- 
Dämon,  der  um  sich  frisst,  ein  entstellter  Adel. 

—  Elf- Adl  Alpkrankheit,  Alp,  (Kluge*  10); 
ancel«.  alf-adl ;  Analogie  zu  Alpmar  (e.  d  ).  — 
Fick-Adl  Fick- Krankheit  (s.  Feige  u.  Fiek) 
=  Panaritium;  ahd.;  angeb,  flcadl  (Graff  III,  427). 

—  (12.  Jahrb.)  Lenzen- Adl,  angebt  lengten  adl 
morbus  vemus;  lenctln  adl  febris  tertiana  (D.  CM; 
Du  Caugo  vni,  220)  tebrii  acecssu»  _  (Influenza?) 
FrühlingsÜeber,  die  fieberhafte  Frnhjahrs- 
Pnoumonie  (AIp9tich,  s.  d.)  —  Lunken- Adl, 
(angebt. ;  Gr.  D.  M.  Ii,  im);  Lungenkrankheit.  — 
Stick ■  Adl,  angebt,  idcadl  (Du  Cauge  VIII,  48)  - 
.Stech-  oder  Stichmar  (s.d.),  stic  were;  Telum(> 
Geschoes,  s.  d  );  Dolor  lateris,  Seitenstechen 
-Alpstich  (s.  d).  -  Atües-Tritt. 

Ader,  f  zu  vorgertnan  et  -  hauchen,  atmen;  abd, 
Adara  Kohrgane  für  den  Lebenssaft,  Luft,  Hlul  und 
Waaaer]  Vena,  nervus  (Flachsader)  ;  mhd.  äder  das- 
selbe und  außerdem  auch  mhd  .  mnd.  Klugcwclde, 
Innader  i>  d  !.  1  Kohrgang  füt:  a)  Blut:  Mra 
IUt.  D.  M.  1184;  Kuhn,  Zoitochr.  t.  venrl.  Spr.-W. 
XIII,  64);  adrä  (Müllh  SchWT.  TV,  63) ;  odlr  14  Jahrb.) 

Vene  flirrt!,  K.  W.;  1».  809}:  auder  (1399;  Hchmellcr 
I.  XV>)  Vene;  ilA  Johrh  )  ädere  fleba  (tpAtßoi) 
ueitsriecblKb  (U.  ssy1  —  b)  Luft:  Lufiader  (s.  d.). 
Der  Hals  als  Träger  der  Luftrohre  (  -  erterla 
■apeta  seit  vena  nronnall«,  Du  ränge  VII,  Iii!;  VIH, 
■jev,  heisst  auch  Ader  illyrtl,  K  w.  9).  —  c)  Speise 
und  Kot:  Speise- Ader  (s.  d.);  odlr  -  rectum 
1120).  Mastdarm  (Hyrtl,  K.  w  v.n  ■.  Scheisa-Adcr 
(s.  d.);  Inn-Ader  (l.  d .).  —  dj  Wasser,  Milch, 
Lymphe,  Urin,  Galle:  z.  Ii.  Milch-Ader  (s.  d.); 
Wasser -Ador;  Gallen  Ader;  Pisa -Ader.  —  I 


i 
I 

Ader. 

2.  Sehne  und  Nerve  (Tendo,  Nervua);  ahd  adir 
tlbra;  10  Jahrb.  ander  nervus.  Kiefen!.  28.'.;  Hyrtl. 
K  W  56.  143),  (lebende.  Iiis  zur  Mitte  des  16,  Jahrh 
ist  ädara  nervus;  von  da  ab  wird  ilat  !  iiervus  mit 
„der  Nerv"  (».  d.)  wiedergegeben  (Gr.  W.  VII.  CIO1;  die 
..Ader"  int  aber  (oberdcutuch)  noeh  immer  Flachse, 
sehne  ,,<;r.  w.  IV.  l.  l-tcyt.  Vgl  Hals-Ader,  Hirn- 
Ader,  Pfarren-Ader,  Nabelschnur.  —  3  Einge- 
weide; Ader  plur ,  mnd  ,  mhd     Eingeweide  (Kluge 

W  B4:i  ;  die  ..lnnadern"  |s.  d.)  wurden  zu  ,, Allem" 
gekürzt;  aber  schon  a.  iiuli-ch  ydur  (iedarme  i Hyrtl, 
K.  W.  :t0)  und  abd  adir  Dünndarm.  I.c ndciidurm 
(Hla,  I»  28.'»: ;  „es  Ist  möglich,  das*  die  Schlange  Alter 
für.  W.  I,  fi'X»  der  llenenuung  de«  Ihirms  als  Ader  nicht 
ganz  fremd  geblieben  tat"  (?)  (Hyrtl,  K   W.  IS).  — 

4.  =  Sichtbare  Erweiterung  der  Haut -Venen 
(Varicea):  Adern  an  den  Händen,  Fussen,  auf 
der  Nase  etc.,  auch  Varicoaitäten  (D.  ö06,  ewig), 

5.  =  der  Aderpulsschlag  und  Pulastelle  (a.  Hers 
=  Ader).  —  6  =  der  Aderlaas  („in  der  Ader 
liegen").  —  7 .  =  Krankheit  sei.  durch  die  Ader 
(s.  Milzader  4).  —  8.  <=  Anlage,  Begabung;  die 
Blut- Ader  wie  das  Blut  (s.d.)  als  Sitz  des  Seelen- 
und  des  GemUtslebena  (Humor,  Laune).  Vergl 
auch  Geader  (Glider).  —  ädern  i.l.V  Jahrh  ;  edern 

arterlsare  [l>.  51 ;  ifils,  sehmeller  I.  'M  die  Adern 
herausnehmen,  mit  den  Adern  sich  hepohitf- 
tigen;  nervös  eximere  —  Aederchen  .  Ader- 
lein: wie  Ader  (s  o  );  1  -  17 ts  adrichen  kleine 
Blutader,  Venula.  —  2.  Nerven-  (Muskel-, 
Sehnen-)  Faser.  —  3  Äderl  Medulla  Spinae 
dorei,  Hauptsitz  der  Nerven  (Adern).  Einge- 
weide, Ingeader  tur  w  i,  i*o>.  -adericht (äderig) 
-  nervoeua,  venoaua,  varicosus  mit  Adern  durch- 
setzt (Or.  W.  I,  179.  181 ;  H.  C07).  Ple  Schule  von 
Salerno  lehrte,  das  :ti»ö  Adern  im  Menschen  vorbanden 
»eleu;  auch  die  grosse  Anzahl  deutscher  Ader-Namen 
spricht  fiir  die  Blutgierigkeit  der  mittelalterlichen  Ader- 

laisser.  —  (1645)  Achsel  ■  Ader,  1  Vena  axillaris 
et  subclavia  ^Üchsenader)  unter  der  Achsel 
iC'oler,  A  ZT.;  v  M  II.  222'  —2  =  die  zur  Achsel 
ziehende  Leberader  (V.  hepatica).  —  icw 
Aeusscrste  Ader  Ii--  am  meisten  nach  Aussen 
verlaufende  Hauptader  am  Arme,  Vena  ceplta- 
Hca  (v  M  i  1,222:  -  lü.ij;  After-Ader,  1.  -  Vena 
saphena.  —2  -  Venae  haemorrhoidales,  die 
vom  After  zur  Leberziehen  (Wireung);  blähende 
Afterader  -  angeschwollene,  schmerzhafte  Hä- 
morrhoidalknoten (s.  After- Oeäder)  —  Amt- 
Ader  —  Vena  brachii  subcutanea,  1.  =  die 
Haut- Vene  am  Oberarme  des  Menschen.  —  2. 
am  Pferde- Vordersehenkel.  —  Atem- Ader 
1 .  aten  (m)  -ader  (14.  Jahrh.)  =  trarbea  (Voc.  upt.  W.ll  | ; 
atem-adern  (16  Jahrh  i  I).  638;  (ir.  W.  V,  3W)  Luft- 
röhre (Arteria).  —  2.  .4tVros-Ader  Puls-Ader, 
die  den  I^ebensatem  bringt  (Gr.  w.  i,  :m).  —  Atem- 
Ader  -  Decklein.  —  Augen- Ader,  1.  -  Nervus 
opticus  1 1*2  Zcning  Voc  j ;  augenater  1".  Jahrh  1  eyn 
ader  an  Oy  äuge,  D  :tas!  Sebncrve.  —  2  Vena  oculi 
r-i-,  Uossllti  ■  bammenbiichlelti  82b  .  -  -Headern, 
ahd.  üzenidKin  ((iraffl,  1571;  enervare  (D.  302),  ursprüng- 
lich wohl  das  Kntferncn  der  liedÄnue  au»  dem  kultu- 
rellen Opferlierv  s  Pott,  liepütt,  I'otticb;  (lö.  Jahrh 
ussedern,  1).  202;  fir.  W.  I,  180)  das,  was  Ader 
ist.  aus  seiner  natürlichen  Lage  entfernen,  ent- 
nerven, abfleischen,  skeletisiereu.  -aussaugende 


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Ader.. 


Ader. 


Adern  Venae  emulgentes  (renale«)  (Heister, 
i  omp.  anat  T"l  —  nach  trüberer  Anschamin«/  wurde 
der  Barn  im*  den  Mate  in  der  Leber  abgesondert.  «He 

HiMnnvr»»tntli-  de*  llani«toRcs  wird  auch  heulzutatrc 
Iti  der  Leber  wiirctiomuien;  diese  Venne  renal«!  melken 
Dach  früherer  \nschauutij.'  da*  au«  <ler  Leber  In  die 
Nieren  Beschaffte ,  haniB«-M'hu Hli«erte  lllilt  au«  den 
llitlilvenen  heran*  und  entledigen  «>  dal  Bllll  de* 

Harne«  (Hyrtl  K.  w.  15  .  —  Rand-Ader  Tentio, 
Nervus,  Sehnader:  (1183  bantnder,  IL  379;  (lf.  V,  1, 
10»;  vii,  aio;  llynl,  k  W.  iöj  -  solide,  nicht  ver- 
ästelte .Sehnenstrflnge,  die  die  Keine  gewisser- 
maßen  zusammen  binden :    (167*)  Geliilnde 

II> rtl.  K    W    19     —  Blast- Adel  ilß7ti  plaMtidcnu, 

r.r.  w.  v,  2018'  aufgeblähte  Adern  (Varieen, 
Hämorrhoiden)  —  Blut- Ader,  and  pkrtadra  = 
renne  >-r*tt  I,  157;  13.  Jahrh  mnd.  blniaderen.  Mag 
Harth  97b;  15.  Julirli.  Iilntuder  nrteria,  1)  tM; 
Hvj  plutadcr  vena ,  ZctittiK  Voe  21,  1527  hlut- 
aderen.  Fries  u« .  1  die  Blutadern  (■-  Venae;; 
uaeh  den  Lehren  der  atexand rt nUchen  Schule  standen 
dicss-tln-n ,  weil  nach  dem  Tode  nt.eh  blutBcfüllt, 
im  lieeeUMUac  zu  den  blo»»  Luft  führenden  Luft 
Adern     -    d         Arteliae ;    *lc    hieben    auch  V* 


Venen 


fiuictae  gegenüber  den  Arlcriae  |>ul*antc«  llolzadcru, 
Zuehadcni  und  galten  dein  Volke  als  die  sicht- 
baren Zelehen  der  IlliiUirkulatlon  ;  die  Arterien  sind 
«lcmselben    nach  alter  Sehullehre    bloss  Kchlagcndc 

,  Schlagadern   —         J  adrige  Ulutader  war 

der  achulgvnuusc  deut»che  Au*«lruek  fnr  «He  Arterln 
pulmonal!*  —  Vena  arteriosa  Vcsalli  ,11}  rtl,  K  \V,  12."«', 
».•il  sie  eine  zum  Herzen  Behend«'  ltlnta«lcr  Vetie 
i»t  und  d«>eh  arterielle!-  Hlut  führt,  pulsadriB  i»<ler 
l.ifta.lriB  lat  [S.  Luitader  oder  Win.iadcr!.  —  2  Blut- 

ader  ist  aucli  -=  Vena  eava  (Fuchs  Bfepokratei  i. 
17»)  im  Gegensatze  zur  blutleeren  Aorta  und 
weil  sie  aar  Leber,  der  Hauptbildungsstätte 
des  Blutes  nach  früherer  Annahme,  in  Be- 
ziehung steht  (e  Brandader  4).  —  3.  fMufader 

-  (174$,  Medianader  (s.  d.)  als  die  am  häutigsten 
r  Blutentziehung  benötzte  Haut vene  Mo*chcub. 
397  ■  —  (1761'  Heilige  Blutader  -  V  ena  sacra  ,1.  M 
M)  (s.  heilige  Pulsader).  —  (17 12;  kleinste  Blut- 
aederlein  —  Venae  capillares  (Zw.  &».)  —  (MM 
Blut  flüssige  Adern  -  goldene  Ader  (die  zu  Blut- 
fluss  geneigtere)  iH.  v.  <>cr»dorff).  —  (MM6)  Bolzende 
Adern  -  hervorbolzende, schlagende,  pulsieren- 
de Adern  =  Arteriae  llynl.  K  W  24)  (s.  bolzen). 

—  Bräm-  (Brem- ,Ader  Vena  saphena,  die  eine 
Kanke  (  -  Bram)  oder  ein  Zweig  der  Sehenkel- 
Ader  ist  [Gr. W.II, Ml}, — Brand- Ader.  1  Venae 
iliacae  commune«  ,vm;  Muralt.  CoHtf  anatom.  103  j 
2.  =  Vena  cruralis  (17MJ  mit  ihren  Ästen  z  B 
Vena  saphena  [MM;  r.r  W  II,  296,  Levelin,?  177, 
bibl.  Mediku*  Ml;  Colcr,  H.  \  235  ,  weil  man  diese 
Adern  beim  „Brand"(s.  d.) schlug.  —  3.  =  (Ober- 
tragen): Arteria  iliaca,  Arteria  cruralis  —  4  die 
Hohlader  (Vena  cava)  beim  Wild,  (MAI  WOekeni, 

Anfalle» srniud«'  .ler  Waidinanus-Sprache,  20);  bei  <ian- 
gr*n  der  unteren  (jlicdinas»cn ,  namentlieh  aber 
l«elm  erleirten  Wilde  fand  der  Zerwlrker  die«-«-  Wut 
Befasse  oft  mit  geronnenem ,  schwärzlichem  Hinte 
Hrand  >.  d)  verstopft  illyrtl.  K  W.  MJ  — 
5.  -  Die  Zungenvene  beim  Pferde,  die  bei  Zun- 
gendOrre  (--  Brand)  geöffnet  wurde  (17.  Jahrh  ; 


it  a  M6).  —  Brual- Ader,  Brustkasten  -  Ader 

-  Vena  thoracic  t<«r.  W.  U,  4i7j  die  auf  der  Brust 
verlaufende  Haut-Vene.  —  Bug  Ader  >,15W  bug- 
ader,  <ir.  \v.  Ii,  4<j.v  —  Vena  cephalica (beim  Pferde) 
an  den  Vorderfussen  oberhalb  des  Kegeln  nnd 
derKniee  —  Kegelader  n;r  W.  v,  :ti>i ;  Herbst  l.vt  . 
— Daertnleins  Ader  iderudlnsadcr,  i530Kuiitg»*|i.4<.'ii 

eine  Hautvene  in  der  Schenkel  beuge  gegen  die 
Bauch  wandung  zu(Kugelader).—  [myduhnende, 
(lohnende  Adern  strotzend  gespannte,  ge- 
dehnte Adern  (Zcit-ehr  f  d.  l'hüot  XXVI,  SM] 
(s.  Dohne)  — drate  Ader  i.ahd.  drAti  rcheinena] 

schneller  Pulsschlug  ,17.  Jahrb.).  —  Drossel- 
Ader,  1  die  beim  Lebenden  schon  bei  massi- 
ger Stauung  des  Blutes,  namentlich  aber  beim 
Drosseln  sichtbaren  oberflächlichen  Hautvenen 
am  Halse  (Venae  jugnlares  externae,  internae. 
mediana  colli);  (1..7C  trottelnder;  f.r  w.  11,  1437).  — 
2.  =  DieLungen-Ader,die  vom  Halse(Drossel)zur 
Lunge  führt  (beim  Pferde)  (<Jr.  w.  1.  e.).  —  Dunst- 
Ader     Geistader  (-  Arteria);  ;i4s.t  dunstader 

arteria,  vena  jmt  «piain  «er  vel  splrltn«  intrat,  U.  6t). 
die  den  Spiritus  Vitalis,  den  aus  Luft  (aer)  und 
Blut  im  linken  Herzen  bereiteten  Dunst  (Pneuma) 
führt  ,'llyrtl.  K.  W.  107),  vgl  Windader  —  Einsaug- 
Adern  Saugadern  (Or.  W.  III,  2«5  —  erbärm- 
liche Adern  (vena  mUerotlcn,  mlstrlatlea  ader  au* 
such  (t)  um  dem  nagen  tu  der  lcberen,  D.  363)  —  Venae 
mesaraicae,  an  „miserere"  (s  d  )  anklingend ; 

sehlechte  rbemetxung  [Hyrtl,  K.  \V.  4L  —  (1Ä» 
erleerte  Adern  durch  Aderlass  entleerte 
Venen  [KnniK*«|>  38).  —  Jn'rrA-Adern  19.  Jahrh 
verehadlr  venae  pultsatllc!«  Ii  172  —  die  pulsierenden 
Arterien  als  Lebensadern,  deren  Verletzung 
das  Üben  bedroht  (s.  Fftrch).  —  Falsche  Ader 
(in  Redewendungen)  schlechte  Gesinnung  (s 
gute  Ader)  —  Farren- Ader  a.  Pfarren- Ader 
—  Forz-Ader  flfi  Jabrli  varcxodlr,  D  113;  |(HW;«lr. 
\v  III.  1331,  Podex,  die  Ader  lc  ( -  Itohrgantc), 
aus  der  man  farzt  (s.  d.).  —  Faul-Ader  Hä- 
morrhoiden, die  dickes,  träges  Blut  enthalten 
sollen.  —  Ft-rAscn-Ader  1075  veh*enader;  Hyrtl. 
K  W.  l.VI  ;  vehn  Fex,  Kretin  ,  vielleicht  Kropf- 
ader Vena  jugularis  interna;  wenn  nicht 
besser  als  Uechsen-,  l'ehsen-Ader  zu  deuten 
VTena  subclavia.  —  FciM-Ader  =  die  Ader 
unter  der  Pferdezunge,  welche  beim  Feibel 
oder  Feifei  (s.  d.)  geöffnet  «u  werden  pfleirte 
[<lr  w  111 ,  143:;  —  [164«)  Feiowartx- Ader 
golilene  Ader  (s.  Feig)  {«  ««ler.  H  A  2l«,i.  —  Feist- 
Ader  Vena  adiposa,  eine  Ader  im  Fett- 
gewebe Mir  w.  in.  iiTi  .  namentlich  der  Nie- 
rengegend —  Fettader  (s.  d.).  —  fV*Sf/-Ader 

-  die  Ader,  welche  den  Fesseln  entlang  (beim 
Pferde)  hinabgeht  =  Ffts8el  Ader(s.  d.)  tr,r  w  III, 
1557).  —  Fr«- Ader  Vena  adiposa  -  Feist- Ader 
(s.  d.)  (Or.  w.  in,  L.72'.  namentlich  im  Nierenfett 
(Lereltttjr),  —  F<-i*«--Ader  =  Vena  ignis,  ,,eine 
Ader  unterm  Schwanz  der  Binder,  die  man  hei 
derFeuerkrankheit  derselben  (beim., Feuer"  s  d  1 

eröffnete"  <  r  w  in,  i>;i,  -  Flachs-  ]  j^r16111 

il«  Jahrh  :  bc-ljf  vlanidre;  llaeh*-.  (lechs-ader.  Ii  37'J 
nervus.  leado  .« i r   \V.  III,  17*rj  ;    1.M7  üaxjtdereu 
Kiiiifer^ehneu  .  Heyne  II,  '.»13 ;  1563  Hueh<adern  Nerve; 
I  Plctoriui  43;  1894  Flachs  •  Ader,      Nehue;  1C12  flax- 

V 


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4  Ader. 

aderletn  nervulw;  «;r.  \v.  l  e.)  1.  -  Sehnader, 
Spannader,  WeisBader,  namentlich  solche  an 
den  Gelenkbeugen;  Flechsenader ,  flechsige 
Sehne,  (s.  Flechse),  etc.  eine  Spannader,  die 
flachsartig  gefasert  ist;  aber  auch  2.  -  (IUI] 
Nerve,  dessen  Fasern  flachsartige  Stränge  bilden 
(Hyrtl.  K  W  112,  Kraut«  LV1).  —  1,174?*)  Fleisch- 
Ader  a)  =  ein  ira  Brustfleische  verlaufender  Ast 
der  Schlüsselbein-Ader  (Arteriasubclavia)  (< ; r  w. 
in.  it.v.  ;  b)ein  auf  dem  dicken  Fleisch  ( -  Diech) 
des  Oberschenkels  verlaufender  Ast  (Vena  mus- 
culariB)  der  Brandader  (Vena  cniralis)  iK  v  9* 

—  (1576  i  Fluss-Ader  tTheophr  B )  =  die  durch 
ihre  Stauung  den  Salzfluss  (s.  d.)  unterhaltende 
Haut- Vene,  Vena  saphena  magna  —  l.vnj 
ri  :;!(»fi  Ader  -  Rosen-A<ler,  Kinds-Ader  =  Vena 
saphena  magna  Leveliiig  177  „ihre  bei  Frauen, 
welche  mehrmals  geboren  haben,  häufig  vorkommenden 
Krweiterungen  varires  lind  derCrund  Ihn»  trivialen  i ! 
Namen»"  Hyrtl,  Anatom  958;  Krautw  I.XXXIII.  15hl 
Hyrtl.  K  W.  51  :  „well  au*  Ihr  bvi  der  Unterdrückung 
der  mense«  Wut  gelassen  wurde".  —  Frosch- Ader, 
1.  — Arteria  ranina  s.  profunda  linguae  „die  bei 
der  Frosch-Geschwulst  (s.  Frosch  und  Kröte), 
(Ranula)  unter  der  Zunge  anschwillt"  (Gr.  W.  IV, 
l.  261)  —  2.  -  i7i:i  Venae  raninae,  die  die 
Art.  ranina'  begleitenden  Venen  Hyrtl.  Anatom 
•.►17,  1'lntner  I,  Iii ;  bil.l  Medlku« SR!).  —  (I7tii ) Frucht- 
Ader  Frauen-Ader,  da  sie  in  der  Fruchtzeit 
(Schwangerschaft  der  Frauen)  oft  anschwillt 
L  <h  75),  —  Furz- Ader  Farz-Ader  (s  d  ).  — 
fW-Adern  ;i507  fuciadereu ;  Hyrtl,  k.  w  Hirn- 
Nerven,  als  fühlende,  Nervensaft  führende 
Adern  gedacht.  —  Fussel- Adern  =  Fessel- Adern 

—  die  in  dem  Fussel  ( =  Fessel  s  d  )  des  Pferdes 
laufende  Ader  (Vene)  (Gr.  W.rv,  1.964).  —  Gallen- 
Ader,  1  =  Vena  cystica  -  Ductus  cysticus  -- 
Gallenrohrgang  aus  der  Gallenblase.  —  2. 
;1666)  die  Gallenblase  selbst  (Gr.  W.  IV,  1.  litt.  litt). 

—  Gang  •  Ader  ,1502;  Schnuller  l.  35/  -  Gang- 
Sehnen  am  Pferdebein.  —  (1645  Gnrf-Ader  = 
Vena  jugularis  (?)  (rolcrH.  A.  133  i.V.; ;  eine  Hals- 
ader, die  bei  Brustbeschwerden  geöffnet  wurde; 
vermutlich  als  Zweigader,  Reis-  oder  Braem- 
ader  (s.  d.)  zu  erklaren.  —  Gaumen  -Ader 
Vena  palatina  ..r  w  IV,  l.  l.wji;  Gräder,  Gäder 
(Schweiz);  Gäder  (Tirol);  rahd.  (1496  ipeedor,  ge- 
«der  als  Kinheit  dir  Adern;  1529  das  geederte;  Brun!.; 
I»  37ui,  1.  —  das  System  von  Blutgefässen  (Hyrtl, 
K  w.  5ö,  57;,  der  roten  Adern  =  die  Blut- 
und  Schlagadern  (Venae  et  Arteriae).  —  2.  - 
System  von  Nerven  in  älterer  Bedeutung,  nach 
welcher  Ader  a)  =  Nervus,  Sehne  und  b)  -  Vena. 
Blutader  war,  da  auch  im  Griechischen  vtöoov 

—  Nerve  und  Ader  war.  Geäder  (Gäder)  =  die 
Stelle,  wo  die  Adern  und  Sehnen  an  der  Hand- 
wurzel zusammenlaufen  <  v.  Mim.  iu'.  —  3  = 
Gelenkbänder  und  Sehnen  in  der  Nähe  der  Ge- 
lenke (1178  gäder  uemn  »,  vena,  i»er  quam  oua 
compagnntur .  Gr.  W  IV,  1  1134  .  z  B.  der  Bänder- 
Apparat  der  Gelenke  und  des  platten  Fusses, 
Pferdefessel  (Hyrtl,  k.  W.  56.  57;  Buck  16;  k.  a.  «5-u 
die  Beugeseitc  der  Gelenke  und  die  Gelenke 
selbst  (s.  Geäderfluss).  —  4  =  Muskeln,  Sehnen 
und  Haarwachs  .1478  geeder  nervus,  Haarwaclis; 
Gr.  w.  ip  l.  1029  als  Aggregat  von  Fasern  - 


Ader. 

j  Sehnen  Hyrtl,  K  W.  56,  57)  oder  Flechsen  (s.  d ), 
z.  B  Üeäder  der  Mauss  (s  d.)  und  weisses  Ge- 
äder —  5  Eingeweide  1523  geäder  intestinum, 
Klngcweide;  <ir  W.  IV,  1  1660),  Hcrwäder,  lan- 
gender —  l.V.'l  After- Gräder  Hyrtl,  K  W  71 ;  Had 
Jim  361)  -  Mastdarmadern,  Hämorrhoiden-Con- 
volut.  —  Herz-Geäder  Viscera,  Brusteinge- 
weide, Herz,  I,unge  <;r  w.  IV.  1.  1630).  —  Inn- 
Geäder,  mhd  inacdcrc(s.  tl.)  (Ur.W.  IV.  1.  1369 
Eingeweide,  Viscera.  Intestina.  —  bvtvkranipf- 
iges  Gräder  iKuland  krampflge  Zusammen  - 
ziehung  »1er  Sehnen  und  Muskeln.  —  ii53ii 
Magen-Geäder   MaKenblutgefässciKnuitw  UV). 

1497  Mausts- Gräder  -  Muskel-Sehnen  Hyrtl,  k 
\v  60  in  der  Nähe  der  Gelenke.  —  .152«.  weiches 
Geäder  didimi  Kric«,  121  die  Faserbündel  am 
weichen  Hoden  (didumi  =  Hoden,  a.  v.  II)  — 
weisses  Gräder  -  Sehnadern  (s.  d),  Sehnen 
und  Nerven  (gesamtes  Nerven  -  System  wie 
einzelne  Nervensehnen  und  -bündeli,  die  mit 
ihrer  weissen  Farbe  vom  Rot  der  Blutgefässe 
und  des  Muskelfleisches  abstechen  Gr.  w  IV. 
1  1630-,  Hyrtl,  K  \v,  149  ,  (vergl.  Weisse  Ader).  — 

1609  weisses  Flachs-Gräder ;  (1606]  weisses  Gr- 
äder   Gehirn  und  Rückenmark  Hyrtl,  K  w  49; 

Heyn   12    —  Gfäder-FluSS,  -Klar.  —    15  Jahrh  i 

Grisf-Ader  igeiitauttorn  D,  51 ;  die  beim  Eröffnen 
der  Leiche  blutleere  Arteria  als  Trägerin  des 
geistigen  Blutes  oder  I.ebensgeistes  (s.d.)  (Hyrtl, 
K.  w.  iüt,  <  v  Megenherg  .  (vergl.  Dunst-Ader, 
Luft-Ader,  Wind-Ader,  irdenes  Blut).  —  Gemeine 
Ader  I609  <;Uar  iu5.«,  Vena  als  Aderlass-Ader, 
im  Gegensatze  zur  Puls-Ader,  deren  Kenntnis 
nicht  so  allgemein  war;  überhaupt  waren  die 
deutschen  Ader -Namen  im  Mittelalter  wegen 
des  üblicheren  Aderlasses  viel  gebräuchlicher 
und  namentlich  die  verschiedenen  Lass-Adern 
unter  der  Haut  weit  bekannter  als  heutzutage. 
—  Geruetcige  Ader  1483;  C.  v  Megbg  )  -  die  Venen 
(Venae  quietae)  ruhige  Adern  im  Gegensatze  zu 
1  den  kecken,  lebendigen  (quüc),  schlagenden  Ar- 
terien. —  f. 'n.v- Ader,  ">hd  gleznder  Lexur  M\ 
1  1497;  Carotis  als  grosse  Halsschlagader,  bei 
deren  Verletzung  das  Blut  sich  schnell  und  hef- 
tig ergiesst,  wie  im  Gubso  hervorstürzt  J  Iinin- 
schwyg;  — 2.  —  Puls- Ader  Oberhaupt.  Die  Opfer- 
anatomie mit  dem  Stiche  am  Halse  war  wohl 
Veranlassung  zu  diesem  Namen  (s.  Gusa).  — 

Gi/l-Ader  Gicht-Ader,  ,,!"  wird  Im  Volksmnnd 
oft  lür  ,.eh"  gesetzt,  r.   1«  Kaltvergift  für  Kaltvergieht 

■  «  d  —  Gicht-  Ader  l.v.i,  -  a)  Vena  saphena  ex- 
terna, die  bei  Gicht- Anfällen,  beim  Kaltvergicht, 
Ischias,  Paralysis  etc.  geöflnet  wurde  Hyrtl.  K.  \v. 
63; ;  b)  ebenso  die  Vena  dorsalis  pedis  s.  paraly- 
tica,  an  der  Zehe  geöflnet  (Coler  \  los,  r  2«s. 
ir.i5   —  Gold-  (güldene.  giUdtne)  Ader  gfUdta 

äderen  de»  utlteren    1541  ;    Ryff;  Hyrtl,   K.  W.  70;, 

1.  =  die  gesunden  Blutgefässe  des  Plexus  hä- 
morrhoidalis (heute  kaum  mehr  volksüblich  in 
dieser  Bedeutung.  —  2  =  die  Varices  der  Mast- 
darm-Venen i Pauli  71  I»a>  spontane  Bluten  der- 
selben sollte  gr.lilwertig  sein,  weil  es  du*  frühere  ärzt- 
liche Honorar  für  den  Gewohnheit»- Aderlavss  ersparte 
i>pi<nn-Hex.  «.  d  );  auch  «all  17S3)  und  »ieht  man  noeh 
im  Volke  das  Bluten  als  Stellvertretung  der  Mense*  bei 
Männern  an  Platnerll,  12;  Pauli  25  ;  16  Jahrh  )  ^fl«*- 


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Ader. 


Ader. 


S 


terttt  güldene  Ader  =  Varices  ani  externae; 
1«  tahrh  Beschlossene  güldene  Ader  =  einge- 
klemmte, innere  Hämorrhoidalknoten.  —  Blinde 
Goldider  =  die  hinterm  Sphincter  ani  ver- 
sleckte dIobb  geschwellte,  niebt  fliessende,  niebt 
offen  daliegende  Goldader  ^  Haemorrhoidae 
caeeae  ii756:  \.  v  IT  i,  742  "in  1742 ;  Zw  «41  —  das 
Gefeige  (s.  d.).  —  (M**)  Fliessende  Goldader 
a  wahre  Goldader  xi  H.  L  I,  394).  —  Schleimige 
Goldader  l»75;  Müller,  Krauterbucb  701)  =  Hämor- 
rhoiden mitSchleimabsonderungdes  Mastdarms 
(s.  weisse  Goldader).  —  Wahre  Goldader  »7«; 
\  v  n  I.  7*2  743;  =  blutende  Hämorrhoiden,  die, 
weil  tliessend,  wahrhaft  das  Aderlassgeld  er- 
sparen sollten.  —  Weisse  Goldader  i"56,  \.  v.u. 
I.  742  -der  Ausflusseineszfthen,  weissen  Schlei- 
mes oder  auch  nur  einer  feuchten,  weissen  Ma- 
terie aus  dem  After.  —  Goldader  Flüsse,  -  Trieb 
-Zwing.  —  Gurgel-Ader  =  Vena  jugularis  in- 
terna, die  an  der  Seitenwand  der  Gurgel  (Pha- 
rynx) herabsteigende  innere  Drosselader.  — 
Grosse  Ader,  1.  =  Arteria  magna  oder  der  grosse 
Stamm  der  Aorta.  —  2.  —  die  Herr-  oder  Median- 
ader als  grössere  Aderlass-Hautvene  am  Arme 
;i53i;  Küni(r»«r  *»■  —  3.  ■  (tOWJ  kraftiger  Puls- 
schlag,  der  an  der  Pulastelle  stark  nnschlägt 
v  51.  11,  23d;  —  (1V87  Grossäderig  -  venosus, 
voll  von  (weiten)  Adern  il>  i«oj  varicosus.  — 
Gueldene  Ader  =  Goldader.  —  Gute  Ader  ■  die 
Blutgefässe  wurden  früher  als  Sitz  des  Seelen  - 
und  Gemntslebens  angesehen  und  galten  als  die 
Wust -Ausscheider  =  Emunctoria  {».  faustdick 
hinter  dtn  Ohren  :  daher  *«Kte  man  :  „es  IM  keine  gute 
Ader  an  Ihm"  er  tnuut  jrani  und  finr  nichts  (WtMt- 
mann  16).  —  1661:  Haar- Ader  Haar-Getässe  ~ 
Vasa  capillaria,  haarfeine,  kleinste  Blutgefässe 
|  Haargefässe);  seit  Mnli>l>fhl  brkannt.  [Gr.  w.  IV.  2. 23. 
38.)  —  Bais-Ader  (mh<l.  halsidcr;  1260  holender, 
Pfeiffer  40;  Lexer  89;  1420  hnUodcro  =  cervix.  D.  115; 
1172  halssaydder,  1>  2:12     Bbf«,  nerVU«,  thortl»,  l).  8901, 

1.  -  US  Jahrh  j  die  Adern  am  Halse  (Arterien 
und  Venen)  beim  Menschen  und  (Schlacht-) 
Tiere.  —  2.  —  die  durch  den  Hals  ziehende 
Luftröhre  i'IMö  mich  in  Müller.  Kriiutcrhueh  2M,  x. 
n»l-H.ii  r  Vep.<  hl.  imnii)f  —  3.  =  Sehne  des  Hinter- 
halses.  —  4.  =  Gervix  posterior,  ilie  hinteren, 
faserreicheu  Nackenteile  (  Haarwnchs)  'imir  i, 
l.'i7;  II   Jahrh    ccrrlx .  Vor   npl    W.  10!.  —  Halx- 

Ader/um  (MM  b4U***derttun,  Zenlng  Vor.  u,  B 
Cervix,  Fibra;  Collectivum  lür  die  Adern  (Mus- 
keln, Sehnen  und  Bander)  am  Halsnacken. 
—  Halsdrossel -Ader   1591)      Drosselader  am 
Hals  (i;r.  w.  ii,  1437).  —  Hand-Adn  (isu 

han  lader  salvatella.  D.  B09:.  1.  die  Vena  ce- 
phalica,  die  ihre  Wurzeln  aus  den  Haut- 
venen des  Daumens  und  Handballens  sammelt 

i'ir.  W.  IV,  2.  «06(.  —  2.  -~  Vena  salvatella, 
die  an  der  Aussenseite  des  Vorderarms  lau- 
fende Vena  basilica,  die  aus  den  Venen  des 
Handruckens  sich  sammelt  [Or.  W  IV,  2  3C:i; 
1742  Zw  (in  „Wer  die  Ader  auf  der  Hand, 
»ori-i  dir  Siilvnirll  genannt,  Öffnet,  drr  winl  linld  finden, 
■  Iii--  .-  Milz:  und  Ldm  tröstet,  hrllt,  wann  ein  soliderer 
»•-himr/.  am  dm  llrr/  tobt  Und  brennet,  Ital«  und 
stimme  hell  machet  und  dir  NnM  VOM  8>hlelmc  cr- 
Imwt'    Krkli.nnufilrrSMlviil.  lln  dureh  Kriftsef  .«alvator) 


I  Als  SehuUdecke  für  du*  tiehirn  hless  auch  die  Hirn- 
haut, ehemals  Sulvatrlla  illit  «'atiRC  VII.  291 1.  — Haupt- 
Ader  (mnd.  hovemdereu  Map  Barthol  h7«:  II  Jahrh 
bouhltader,  lloffm  I,  324;  15.  .luhrh.  houi>tader,  <ir  W 
IV,  2.  606;  15  Jahrh.  ndd.  houetader;  1.176  hevnt- 
ader,  I»  509;  1529  heubtader,  nrunf .),  1.  -  die 
Vena  cephalica- Wurzel  zwischen  Daumen  und 
Zeigefinger,  welche  bei  Krankheiten  des  Haup- 
tes (s.  d.)  geschlagen  wurde  (UM;  Ovar.  10.W.  — 
2.  —  die  VTena  cephalica  selbst  (-  eaniiia  -  vena 
capitis  I,  eepball]  (D.  97;  Hyrtl.  K  \V  12«;  1482;  Zun. 
Voc.  n.si.  —  3  Vena  salvatella,  s.  Handader  2 
(D,  509;  «ir.  w.  IV.  2.  606).  —  4.  (1645)  Vena  hume- 
ralis,  Achselader,  Zweigader  der  vorgen.  (Coter,  l*. 
3.17).  —  5.  =  Vena  doraalis  pedis,  auch  Vena  ce- 
phalica genannt  .  IT  IS :  K.  rh  178:  K.  O  98;  L  ch  BP). 

-  Hauptschlagadern  =  Carotides,  die  das  pul- 
sirende  Blut  ztim  Haupte  führen.  —  Heb-,  (Hepf  ) 
Ader  (Steiermark)  ^  Colica  (=  Hebmutter,  s.  d.) 

-  (Ader  7),  Krankheit  durch  die  Hebrontter- 
Ader.  —  Heiss-Ader  Vena  cephalica  in  pollice 
„in  plethoribus  (=  bei  der  heissen  Natur,  s.  d.) 
secandum  commendata"  nir.  w.  iv,  2  90s  — 
Herz  -Ader  11  Jahrh.  n  rrzathariiu  ruruticae, 
P  102;  hrrrüdrn.  11.  Z  XVI,  :tl;  1495  hert/.ader  =  cor 
dlacn,  l»  151).  1.  =  Fibrae  =  das  Henbänderwerk 
(Herz-Kick).  —  2.  -  die  Verzweigungen  der  vom 
Herzen  entspringenden  Aorta  =  Arteriae,  Caro- 
tides Hyrti,  k.  w.  107).  —  3.  =  Vena  cardiaca; 
(15MJ  Vena  mediana,  die  das  Blut  vom  Arme 
«um  Herzen  führende  Ader;  aus  ihr  Hcm  man 
früher  die  I.unßenblutiiniren  entstehen  ;  da  sie  das 
Hirz  von  Srhitden  erlösen  sollten,  öffnete  man 
sie  bei  Heralelden  s  Benedict.  Jahr.  8  202  812; 
Kunlifssr»  48).  —  4      Speise- Ader4,  Porta  lactis, 

bertzrnadi  r;    14x2;   Zenhut  Vor    o    6;    I).  643).  — 

5.  —  der  Arterien -Puls  ,r,r.  \v.  IV.  2.  1224).  — 
lj.  =  Vena  thoracica  externa  (bei  Pferden)  <;r.  w. 
iv.  2  1221  ,  vergl.  llerzg»l.ler.  —  Hirn  -  Ader, 
Aederlein  hyrnader  ISIS;  n.  v.  Cerod.  t»  Hol.  v.  b; 
<.r  W.  IV,  2.  155H;  Hyrtl,  K.  W.  149)  die  vom 
Gehirne  kommenden  grösseren  und  kleineren 
Nerven,  Kopfnerven.  —  Hitzige  Ader  -  be- 
schleunigter Pulsschlag.  —  Hoden-Ader  Cre- 

mastcr  l«;r.  W  IV.  2  M.'.ti.  richtlxer  Kunirulus  «]vrr 
matlctU,  «lader  eremaster  nur  ein  Mtu-kel,  dertuuleulus 
s|«erm.  aber  ein  Biindrl  von  <;efassen  und  Nerven  ist. 
worauf  iler  Iniherr  Brfrriff  tler  „Ader"  ( =  nervus. 
vena.  tendo  ete  i>a*>t  — Hohl-Ader  -  (l.'obersetz- 
ung  der)  Vena  cava,  die  als  Föns  vitae  auch  Vena 
organalis  Iiiesa  (Du  i  anpe  VII,  6:i  ;  VIII  265;.  der 
grösste,  das  Venenblut  zum  Herzen  bringende 
HauptsUmm  der  HerzgeAlsse,  der  seit  Praxa- 
goras  386  r  <  hr )  so  hiess  iliaa«  71).  —  Huß-, 
(Htlff-,  Hüft-  Ader  1889  bflffader;  MWtmftader; 
Gr.  W.  iv.  2  1x71'  1  Vena  sa]ilu;iia  minor,  meist 
auf  der  linken  kleinen  Zehe  bei  Hüftgelenk- 
affectionen  geöffnet.  —2  mw  die  grosse  Hüft- 
ader, Vena  diaca  extern,  iv  M  lt.  223  —  Hupf- 
Ader     Arteriae  s.  Venae  pulsatiles,  salienica 

-  hüpfende  Adern  =  Puls-Ader  Hyrti  k  w.  91).  — 

/«H-Ader,  ahd  inädrl  illa  ".raff  I,  157;  HZ  XV  s 
iuuiidiri  vi«rrra  exta,  vrnar,  (Jr.  \V  III.  190.1,  imiödir. 
innoiltl,  iuuödllo.  I.  r  1,  1X3 .  firaff  1.  298 .  |i,  219' ;  mhd. 
Inurdrre,  Innedn? ~  vi<-erra  (II.  Z  III.  IXIj  Viscera 
Intesiiiia,  Kxla,  Eingoweide(ilia,  vitalia)  Innge- 


6  Ader. 

äder,  Inngetum,  Inngewart  *,  Altwachs  —  2.  m 
Venae(scl.  popliteae)  t<:rafT  I,  i57;Hippokrnt  Aphor. 
VI.  3«).  —  3.  -  innerlicher  Muitertluss  bei  Titten 
(vergl  Inngeader)  —  12  Jahrh,)  Herz-lnn-Ader 
hart  inn  ethere  visccrn  Vitalin  II  Z  It,  205)  dl« 
Kingcweidomit  dem  Herr.en  und  um  da*se)he( 
Sedee  cordis)  («.  innRcwnrt   —  Jungfrau* «-Ader 

—  Frauen- Ade«  (s.d.:  iiynl.K  w ,M).  —  Aau-Ader 
[1801  kewadera.  <;r  \v.  V,  305) -die  Kieferadern  des 
Pferdes  i».  Kaue  —  Kecke  Ader  =»  Aorta,  weil 
sie  durch  ihr  Pulsieren  ein  besonders  charakter- 
istisches Lebenszeichen  (quee  -  vivuslgibt  [HyrÜ, 
K  W.)  -  kühne  Ader.  —  Kegel-Ader,  1.  -  1699 
die  grosse  Hüftader,  \'ena  iliaca  externa,  die 
von  dem  Kniekcgel  ober  der  Wade  zum  Ober- 
schenke) und  zur  Hüftczieht  [%•  M  ll.ac.  —  2. 
die  innere  Hautvene  am  Obcibeine  des  Pferdes 
nn  der  Stelle  des  Kegels  (s.  d.)  fOr.  W  V.  Ml)  — 
Kehl- Ader  kcicn-,  kcci-adcr,  15  jnhrh  ;  keUader, 
lfiC6.;,  1.  =  die  Venen  der  vorderen  Halsgegeud, 
lüessadem,  Drosseladern  (Hyrtl,  K  w  s9;  vorm 
jugulnris,  fir  \V.  V,  SM;  venao  fageeidae  sphagetldae, 
die  beim  KullopfiT  geöffneten  Adern  Hippokratc«, 
Natur  de«  Menschen  XII;  Du  fange  III;  Krau*  F.  968; 
cir.  W  II.  n:iT  —  2  =  l.uftader  (s.  d  )  Hyrtl,  K. 
w  ).  Carotiden.  —  3  Kehldeckel,  Kpiglotüs 
ili20;  n.  201;  t;r  Vf.  V,  394).  —  4  ~  Kniekchl-Ader. 

—  AiWs-Ader,  1  -  VaricesderVenasaphenaex 
gravididate,  «  Frauen-Ader  it.vi  ;  \  v  II  [,  wt ; 
Hyrtl,  Anatomie  95-v.  —  2.  —  das  natürliche  Kinds- 
äderlein,  mhd  -  die  naturliche  Anlage  und 
das  Gemüt  des  Kindes  (Ader  s).  —  Ann-Ader 
lfliö;  <:r  Vf.  V,  477)  =  die  Ader  am  Kinne  oder 
Kinnbacken  (Paracelsus).  —  Kitzel-Ader  (MM) 

—  die  Ader,  die  man  beim  geschlechtlichen 
Kitzel  oder  bei  Gebrechen  der  Genitalien  u.  a. 
auch  an  der  Vorbaut  eröffnete  '.r  w  V,  871; 
1399;  Schmeller  I.  332».  —  K.99)  Kleine  Ader  1  = 
kleines  Blutgefäss.  —2.  -  ein  kaum  fühlbarer 
Pulsschlag  v  M.  Il,23fil  —  Knie- Ader  13 — 1». 
Jahrh  kniadetv,  knyodlr,  l>  MW;  15  .lahrh  kniendere, 
ilyr  «nler  vn<l  knie    -  varix     I»  MW  ;  <;r   \V.  V,  1125); 

a)  die  Sehne  unterm  Knie;  b)  Knieseheib-  17t« 
oder  is»  Knirkthl-Ader  k  a  ys;  v  m  ii,  22;!, 
L  eh.  ss  Vena  pophiea.  die  liatitvene  unterm 
Knie,  die  von  der  Aussetiseite  des  Schienbeines 
zur  Kniekehle  heraufzieht.  —  17  inhrh  ,1  Knos- 
pel-  Ader  -  die  Blutaderam  Nasenscheidewand- 
knorpel  des  Pferdes  ,it  \  102  —  A'notVti-Ader 
/kiiodcti  nder,  I«  Jahrh  ;  Ur  W.  V,  1509  die  Vom 
äusseren  Knoten  amKussgelenke  heraufgehende 
Vena  saphena  minor  s.  ischiadica.  —  17  .itihrh  1 
Koller-Ader  1  die  Zorn-Ader  (Koller  s  d 
Aufregung),  Vena  tetnporalis,  an  der  Schläfe, 
Stirngegond  ,  die  beim  Zotn  sichtbar  an- 
schwillt, da  sie  sehr  oberflächlich  liegt, 
=  Slirnader,  Lichtader  <r.r.  w  V,  1«17  vi,  $77}, 

—  2  -  die  Ader  hinter  und  zwischen  den 
Ohren  des  Pferdes,  die  beim  Koller  (s.  d  )  des 
Pferdes  geschlagen  wird  ;u  A.  37;  (!r.  \V.  V.  lfil7j. 

—  Königs-Ader  (l'ebersetzung  der)  Vena  bu- 
silica  am  Arme  als  die  daselbst  au  Hallendste 
Haut- Vene.  —  Kopf -Ader  =  Hauptader  (b.  d  ). 
Kraft-Ader,  mh.l  krntti«.ler(lA  \er  1!2  Puls-Ader, 
die  die  LcbciiHkriilt  anzeigt  und  das  Leben 
gebende  Pneiima  der  alten  Schule  enthalten 


Ader. 

sollte  iOr  W  V,  1915  .  ,.bl*  über  die  mhd  Zelt  hinan»" 
gebräuchliche»  Won  —  Krampf-Ader  (UM;  «fr.  XV 

V.  2013  .scheinbare  ,d  h  sichtbar  hervortretende)  oder 
aufgeblasene  Adern  voll  Itltitsknollcn" ;  (1577)  ,,weil 
hcrfi.rbols.ndc  Adern  an  den  Schenkeln";  (1591)  varix 
(Haid  Jun.  3S3);  (de  eiilMchen,  ..weil  da«  dicke  Klüt, 
no  wegen  «einer  Schwere  hurt  aufsteigt,  bei  den  Fallen 
(  -  Klappen    langer  «leben  bleibt  und  diese  erweitert 

macht"  (iä7~;  Hyrtl,  K.  w.  si);  diese  Blutstauung 
führt  in  den  betreffenden  Muskeln  zu  krampf- 
haften Zuckungen  und  Spannungen;  daher: 
Krampfadern  ;  nicht  aber  wegen  der ,, krampfhaften" 
Anschwellung  der  Ader,  wie  dr  Vi.  V.  2013  stein  — 
Krampf- Ader- Bruch.  -Entzündung  —  Kraut- 
Ader,  1599  kraeutader,  <ir.  Vi.  V,  2112) ;  die  Ader,  die 
beim  Pferde  geschlagen  wird,  wenn  es  zum 
erstenmal  auf  die  Weide  getrieben  wird  (und 
sich  vom  frischen  Kraut  stark  anfrisst,  „aufs 
Gras  schlagt").  —  AVi>s-Ader,  -Äderlein,  i«w 

krae««ndern:  171fi  k res«  aderlein  Vasa  Inesataica, 
»tekios- Ader  [Ur  W.  VI,  2219;  Schnuller  I,  1883; 
v  It.  II.  Ann  51)  —  Kropf '-  Ader  =  die  einen 
Ader-Knoten  (Varix)  bildende  Haulvene  Krau«. 
K.  10S2)  —  (iftso:  Kugel  Ader  =  kleinere  Haut- 
V'eno  über  der  Schenkel- Beuge  (Hüftkugel) 
(KAnlgaap.  19),  entsprechend  der  Kegelader  beim 
l'ferde.  —  Kühne  Ader  ~  kecke  Ader  (s.  <L), 
(Übersetzung  der)  S'ena  audax  (=  Aorta)  der 
Arabisten  iiiyrti,  K  \v    —  Lahme  Ader,  »i5&i. 

erkalte  lnme  Adern.  II.  Hock  131)  -  durch  lthetima 

gelähmte  Muskeln  (Sehnen)  und  Nerven  —  iie» 
Lange  Ader  -  eine  weithin  z  B.  mit  4  Fingern 
greifbare  Pulsatelle  (v.  M  Ii.  236)  —  Lass-Ader 

—  die  zum  Aderlässe  bestimmte  Blutader;  nicht 
weniger  als  17  «olche  Venen  wurden  dazu  benutzt.  — 
Leber  Ader,  Hin  leberoder:  ndl.  leueradere.  leucrn- 
ader-  hepntlcn  herbo,  D.  203  ;  1530)  leberader.  —  1.  = 
Arm-Hautvene:  Vena  hepatica  =  VeDa  mediana 
basilica  later.  dext ,  weil  ans  ihr  bei  Leberkrank- 
heiten das  Blut  gelassen  und  die  Leber  so  „ge- 
räumt" wurde  (voluminöser  als  dioV.  med.  cepb.) 
Hyrtl,  Anal.  952;  Rünlgwip.  48).  —  2.      der  untere 

grössere  Ast  der  Vena  axillaris  (1&.  Jabra. ;  t;r.  W, 

VI.  IG2:  —  3.  die  Viertelader  (s.  d.)  —  4  ~  die 
Venu  cava  inferior  (s.  Hohlader)  mit  allen  ihren 
Wurzeln  und  Zweigen  (vorllarvey  l«2s;  Hyrtl,  K.W. 
102)  —  Lefzen- Ader  Arteria  coronaria  labii 
stip  et  inf ,  deren  Puls  man  auf  der  umgestülp- 
ten Oberlippe  sehen  kann  —  Leib- Ader  -  Vena 
corporalis  im  (iegensatze  zu  den  Geist-  und 
Fühladern.  —  AfiA/m-Ader  H7i2  die  Ader  in 
der  Leistengegend      Atteria  femoralis  ,Zw.  70, 

—  LicAf-Ader,  1  -  die  Vena  temporalis  bei 
Pferden,  well  ilc  vom  Aujre  (—  Uebt)  kommt  (Gl  Vt. 
VI,  s77;  K  A.  61},  —  2.  -  Koller-Ader  (s.  d  )  bei 
Pferden  (17.  Jahrh  ).  —  3.  -  die  Trachea,  Luft- 
rohre, die  als  weisse  oder  lichte  Ader  angesehen 
wird  hei  Schlachttieren)  —  4  die  weisse  Ader 
(Luftrohre,  Herz  und  Geräusch)  bei  Schlacht- 
tieien  i<ir  \\  VI.  «77  —  Luft  -Ader  15  Jnhrh 
InlTluder;  1517  loflodeni,  I>.  51.  63*,   1.       iblx  (lim 

ih  Jahrh  )  Arteria  s.  Vena,  per  quam  aer  intrat, 
die  luftführendo  Arterie  (Hyrtl,  K  Vf.  107).  die  man 
nach  den  Lehren  der  nle*andrlnl*chcn  Schule,  weil 
nach  dem  Tode  blutleer  iH-futuleii,  als  lufthaltig  nn- 
nahm  (contcr.  Kwcha,  llippokrnte*  1, 111  Anra.2).  —  2.  - 


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Ader. 


I 


Ader. 


7 


die  Pulsader,  weil  sie  schlagt  durch  da«  Plato'. 
seht«  Pneuina,  d.  h.  die  Lungenluft  (nach  früherer 
Anschauung  Nr  W.  VI,  1247;  Haeser,  Geschichte  d 
Mtillifn  I.  239;  Bim«  259  aofti.  —  8.  =  „die  grösseren 
Arterien,  In  welcher  die  Lntt  l'nach  noch  heute  kc- 
lauflirer  Volksmciuunpi  hcrummarschlert ,  wie  ilnreh 
die  Kammer  eines  Hause«,  soirar  bis  rur  Leibesfrucht" 
Burk  23j.  namentlich  aber  4.  --.  die  Carotiden 
Bück  16)  als»  sichtbar  schlagende  Adern  an  der 
Luftröhre.  —  Lünern-Ader  (MM  long-,  1470  lunpc-, 

1  IT«»  hin«- ;  15.  Jahrh  lunfrl-ader,  -arider,  -ander 
t«ulmatlea,  D  472»,  1.  =  die  Adern,  die  das  Blut 
von  und  zu  der  Lunge  führen,  daher:  (iß77i  ge- 
brochene Lungen- Ader  haemonto«  (Heyn.  2021. 
I4M6)  die  bei  Lungeublutungen  geborstene  Ader 
(Coler,  H.  a.  141)  in  der  Lunge.  —  2.  =  (i«4.v 
eine  Arm-Haut- Vene  (Vena  basilica,  cardiaca 
(Herzader  3)  (Coler,  I*  29s).  —  3  =  eine  Hals- 
Hautvene  beim  Pferde,  die  lange  deB  Halses  zur 
Brust  herabzieht  und  bei  Lungenentzündungen 
geöffnet  wird  (AhtldR.  137;  Mayer  18«;  Geonr  379). 

—  Maatdarm  ■  Ader  m  güldene  Ader  (s.  d)  — 
Maus  Ader,  1  -  <ue  Nasen-Haut-Vene  bei  der 
Maus  (s.  d )  des  l'ferdes  (Gr.  W.  vi,  isiol.  —  2.  — 
Mauss-Ader  =  die  Sehne  am  Muskel  i«45;  <  oier, 
PI.  334)  (vergl.  Mauss-Geitder).  —  (1748)  Median- 
Ader  s.  Median,  Mittlerin.  —  Meinige  Ader 
115  Jahrb.  ay  meynlce  adir,  II  Z  XIII,  382)  -  die 
vermeintliche,  scheinbare  Ader,  falsche  Etymo- 
logie der  Vena  saphtna  (s  scheinbare  Ader).  — 
Melk-,  Milch- Ader  [1*.  Jahrh  melllk  ader;  Glos-« 
wcon  nach  Hjrrü,  K.  w  75)  l.  =  die  Pfortader  (1677 

..die  AllMstMl  kau  den  milchwet««cn  Saft  [Chylus] 
durch  die  Venalartea  [  Hortader]  In  die  Leber  [  -  t>orm 
lacti«]  bringen,  da  sie  die  I.yrajih»ceras«e  noch  nicht 
kannten".  Hyrtl,  K.  Vi.  75;  Hyrtl,  Anat  II  «ub  Aselli; 
»ir  w  VI.  2189;  —  Jf.  =  „die  Adern  des  Monstrui", 
d  h  die  »tark  ce«eh]awrcltcn  Gefassc,  die  nach  Leonardo 
■1a  Vinci-«  Ahbildnnif  von  dertiebartnutter  tu  den  milch- 
te -reitenden  «eiblichen  Brüsten  und  tinißekehrt  neben 
Hyrü,  K  \v  in  s.  weisse  Milch.  —  3  17  .lahrh.j 
die  Chylus -Gef&ase  im  Gekröse,  „die  weissen 
Mdchadern  des  Gekröses"  (1742;  Zw  12;  1628  von  ] 
I.a  IVtresc  In  Aix  ziier«!  beim  Menschen  ire«eheti,  Hyrtl, 
Anat  11 ;  K  VT.  US),  —  4.  =  Der  Ductus  thoracicus 
(1742!,  der  grosseChylus-Strang  mit  milch  weissem 
Inhalte  Plattner  I.  342  ;  Zw  56  57  «9  ;  (8  Wasser- 

aderlein.  —  5  -das  dünne  Gedärm,  in  welchem  j 
die  einsaugenden  Adern  den  Speisesaft  in  die 
Milchadern  des  Gekröses  melken  [Hyrtl,  K  w  j 
113;    Melkadern  des  Gloss.  sax.  (16.  Jahrb.)  ■  o. 

—  6  -  Die  am  Kuh-Euter  sichtbaren,  auf  beiden 
Bauchwandseiten  zur  Brust  laufemlen  Blutadern 
der  Haut.  —  Milz  Ader,  1.  -  Vena  spleneticas 

Salvatella,  d    h   die  an  der  Anssenscite  de«  Vorder 
arm«  verlaufende  Venn  ba«ilfca  tut.  sinist..  weil  man 
au»  ihr  in  schwermütigen  Krankheiten,  die  auf  Uli» 
verstopf n n k  zuriickiccfuhrt   wurden .  nir  Ader  ll«M 
iitm  i1.mii  Milzc  län.  s  u   I    l>  509;  Hyrtl,  K  W  102; 
flr.  W.  VI,  2M1]  »    a.ieh  oben  Haiidader3.  —  2.  - 
die  linksseitige  Handrücken  -  Vene  zwischen 
dem  kleinen   und   Goldtinger   aus  gleichem 
Grunde  wie  bei  1.  —  3.  —  die  Vena  cephalica  j 
<;r.  W    IV,  2.  «06  .  wohl  nur  die  linksseitige,   well  I 
man  aurh  die«'  nach  Ilten  do(iniatl»eh  atiatoinl«chen  1 
«.lanbcii  mit  der  .Milz  In  ftl— IWetihinu:  brachte  —  i 


4.=müeze-udcr  (15.  Jahrb.,  Gr.  w.  VI,  2221)  =  splene- 
tic«,  d  h.  Melancholie,  als  Krankheit;  miltzador 
1182,  Zcn.  Voc.  u.  3)  -  splenetica  (seil,  passio), 
Milz-Siechtag;  mhd.  zno  dem  milze  län  —  die  Milz- 
ader  eröffnen  für  die  Milzsucht  (Lcxcr  162).  — -  5-  — 
Magen blutader,  aus  der  Magenblutungen  er- 
folgen (18.  Jahrh  |  —  Mittel-AdeT  I1470  uilddelader. 
tu it lader  -  vena  mediana,  I»  353,i  =  die  in  der  Mitte 
des  inneren  Vorderarmes  und  zum  Teil  in  der 
Mitte  des  Oberarmes  verlaufende  voluminöse 
Vena  mediana  (s.  Median)  [Lexer  157)  (  —  Mittlerin 
s.  d.)  —  Jfonar-Ader  -  Haemorrhoides,  deren 
Blutung  als  Stellvertretung  des  weiblichen  Mo- 
natsflusses  galt  (\  v  h.     M«).  —  Af«rf«-Ader 

—  Vena  saphena  interna,  aus  der  bei  Stockungen 
des  Mutterflnsses(Menses)  Blut  gelassen  wurde, 

velne  de  la  liiere  ;I>u  fange  VIII.  265).  —  Nabel- Ader 
=  Vena  umbilicalis. — A'asftt-Ader,  1.  —  sichtbare 
Haut- Vene  an  der  Nase  (s.  Querader!.  —  2. - 
die  Mausader  1  (b.  Pferde)  (Coler  a.j.  —  Nerv- 
Ader  (16*3,  O.  w.  VII,  612)  =  Spannader,  eigent- 
lich eine  Tautologie,  da  schon  Ader  ■  nervus 
war.  —  Netz- Ader  =  Ader  im  Netze  des  Bauches 
(Omentum)  (<;r.  w.  Vli,  6»o<.  —  i it.  Jahrh  )  Nieren- 
Ader  —  bei  Nierenblutungon,  die  betr.  Blutge- 
fässe dor  Harnwerkzeuge  (R.  A.  449).  —  Pfarren- 
Ader  (vordem  15.  Jahrh  ,  Hyrtl,  K.  W.  57)  =  Karren- 
Ader,  Ochsenziemer,  Ochseutlesel ;  Fai  re  -  Stier. 

—  P/ort-Ader  11528  äderen  der  polten,  Pries  123;  1748 
nortnder,  Maschen!».  108;  8tahl  vena  nortae  norta  ma- 
loran]  —  <lie  Ader  in  der  Pforte,  d.  h.  in  dor  Arn- 
um! Kintrittsstelle  der  Gefftsse  und  Nerven  der 
lieber.  —  Pi'm  Ader  ■  (I606j  Harnleiter  (Nomencl 
trUburoU  74  a ;  Hyrtl,  K  w  |,  —  Port- Ader  =  Plort- 
a.ler  (1541.  Hyrtl.  k  \v  76).  —  Puls- Ader,  i»82 

pUlMOiler  t>ul«u«,  Zen  Voc.  aa.  2;  Gr.  W.  VII,  2211  ; 
1545  Pulsader,  <ir  W  1.  eod.  ;  1561  pulsz-aderen,  1.  eod  ; 
1712  l'ultzaileru,  Zw.  .%>  Schlagadern,  die  pulsie- 
renden Arterien.  —  ;i.M5)  die  grosnr  Pids&der 

—  Aorta  magna  Heyn  ins  ;  <;r  w  VII.  2214).  —  Die 
heilige  Pulsader  *  Arterie,  von  der  man  beim 
.Schnitte  und  Aderlasse  fern  bleiben  soll  Gr.  w 
II,  nr.i  —  iV»ader- Gang,  -Geschwulst,  -Mund 
(l.Mto1  P«rp«r-Ader  Vena  cephalica,  die  l  eber 
set/uiiif  der  Vena  |>iirriurea  der  Arabisten  i Hyrtl ,  K  W, 
136;  KünlBssp  49,  im  GegensatM  zur  schwarzen 
Ader  (s.  tl  ).  —  Qurr-Ader  -  eino  querver- 
laufende,  kleine  Haut-Vene  über  der  Nase  von 
schlimmer,  abergläubischer  Bedeutung;  quer 

—  schräg,  schlimm  (s.  d.)  (Wuttkc,  8.  203  $  305).  — 
ÄrtA-Ader  -  die  von  den  Bossilrzten  bei  der 
Rahe (s  d-)an  dor  sog  „Dicke  des  Pferdefussos" 
geöffnete  Blutader  <;r  w.  vm.  .v*  —  Äcis-Ader 
(1576  rey.a  derlin.  ur.  W.  VIII,  716;  die  wie  ein  Keis 
vom  llauptstamtne  sich  abzweigende  Ader  (s. 
Braem-  oder  Gartader)  —  Rock-Ader  Ruck- 
ador  Hyrtl.  K  W.  lio).  —  [16&r>]  ÄOfcen-  (Rosenöl ut}- 
Ader  Vena  saphena  magna  s.  intera  und 
parva  s.  externa,  die  bei  dem  Ausbleiben  der 
weiblichen  Hosen  (s.  d.)  geöffnet  wurde.  Die 
»rrnsse  Rosenader  iH-itinnt  an  der  Krossen  Zehe,  gebt 
am  Inneren  Knoten  nach  mitwart«  und  isl  al»  ,.Kruini>f- 
ader"  sehr  aiisceiichnt  (Prauen  -  Ader,  Kinds- 
Ader)  (Bjrtt;  l.evelinu  177;  Gr  W.  VIII.  11V2I.  — 
ii«l6j  ßoM-Ader,  l,  -  Kosenader  (Faracelsus).  — 
2.    die  Vena  malleoli  am  Kossfusso  (<ir  w  VIII. 


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Ader. 


Ader. 


1251)  —  Ruck-,  Riicken-AdeT  (14.  Jahrb.  ntgge-,  I 
nicke-,  ruckader;  1440nwiader-  varix,  Ü  60fi;  15  Jahrh 
ropkader,  1  eod  ;  1482  ruekader,  Zen  Voc  dd  6,  bb  -I ; 
1577  niKKadcni  —  goldene  Ader,  Tabcrnacm ;  1592  ruck 
ailor.  Wimm*;  1609  Rurkader.  Ouar  1053;  1620  Ruck- 
ader,  l>r  Minderer;  Schnuller  II.  80 ;  1015  ruekader 
Mlcrader.  l  oler  II   A.  150;  1097  ruekader  [St.  Heimo 
Mirakel]  -  ßoldene  Ader;  175«  Ruekader,  A  v  H  I, 
740),  1      die  Ader  am  Schienbein,  welche  man 
schlägt,  „wenn  einer  einen  schlechten  Wehtag  Im 
Rucke  n  hat"  iGuarinonl  I.  c .).  —  2.  =  Vena  saphena 
int  ,  die  sich  voinFuss-„Rückenu  entwickelt;  die- 
selbe, wie  bei  1  (Frauenader  und  Kindsader).  — 
3.  -  da  diese  Vena  saphena  (2)  hautig  Varicen 
zeigt,  so  ist  Kuckader  auch  -  Varices  i/.i  nlng  Voe. 
I.  e.).  —  4.  -  die  Varicen  sind  auch  oft  in  der 
Kniekehle,  daher  Kuckader  =  Sehne  unter  den 
Knieeil  («renn  nicht  RiiK-Adcr  711  lesen  ist)  (Zeninir. 
Vor  l  e  j.  —  5. -Blutstauungen  (Varicen) geheu 
oft  mit  Hämorrhoiden  einher,  deshalb  Kuck- 
ader =  Mastdarmader- (I620:  Hämorrhoiden  (Dr. 
Minderer;  A.  v.  H.  1.  c;  Gr.  W.  VIII,  1361;  v.  M  II, 
Ann  12  ,  um  so  mehr,  als  die  damit  häutig  ver- 
bundenen Rückenschmerzen  den  Zusammen- 
hangmiteiner Ader  des  Kuckgrates  nahe  legen. 

—  G.  -  die  vom  Handrücken  sich  wurzelnde 
Vena  salvatella  s.  cephalica  (D.  509).  —  Runns- 
Ader  -  Kunstader.  —  Runst- Ader  (16  Jahrh 

runsadern     venae.  II.  609  ;  UM  mnstader,  f.  v  .Megtnj.  ; 

Hyrtl.  k  \v  i:to— 1321  -  Venen,  in  denen  das  Blut 
ruhig  tliesst,  rinnt  dm  Rinnsal  Ihrer  Tunlea  ;  Hyrtl. 

I.  e  130;  tir.  W   VIII,  1523'   —  kl«99)  Stf/tKllW-Ader 

—  Handader  2  (s.  d.)  (Rihlisohcr  Medik  151 ;  v.  M. 

II.  102).  —  (169:'  -SapAen-Ader  s.  Saphen  und 
Scheinader  (v.  M  II,  100.1.  —  Saug- Ader  -  die 
Gefässe,  die  die  Lymphe  und  den  Cbylus  aus 
dem  Korper  einsaugend  aufnehmen  und  zum 
Blute  führen  (Gr/W.  Ylll,  18*6).  —  (159?  Srhaff- 
Ader  =  die  von  der  Schlafe  herabkommende 
Nasenblut-Ader  beim  Pferde  ;«;r.  W.  VIII  201.; 
vermutlich  Schlafader  (s.  d  )  —  Schein-  (schein- 
bare Ader  -  Vena  saphena  (Hoscnader,  Frauen« 

ader):  ,,f  iclilhar"  oder  „scheinbar"  aus  saphena. 
3*!prjv*5j5  tz  ruaulfesta  ctymolodsicrt.  Die  „schein- 
l>are"  it»t  al>cr  auch .  ful-ch  verstanden ,  zur  ver- 
meintlichen, mrinlRen  Ader  (*.  d.)  geworden;  sie 
ist  deutlich  sichtbar,  durch  die  Haut  durch- 
sdieinend,  darum  leichter  zu  eröffnen  (Hyrtl,  K  W. 
51  ;  <ir.  W.  IV,  1.  76  —  Scheiss-AdeT  («He  Glossen, 
srhy«/-<idir,  Hyrtl,  K  w  i'.n  Uectuin  als  Vena 
cacans  gedacht.  —  1 iS'c/ie/mcn-Ader  eine 
blaue  Ader  an  der  Spitze  der  Pferdezunge, 
welche  beim  Feifei  oder  Schelm  (s.  d.)  geöffnet 
wurde  «ir.  W.  VIII. 2511  j  R.  A  102*  -  [1645]  Schenkel- 
Ader  die  grosse  Blutader,  welche  über  den 
Schenkel  zur  Schenkelbeuge  lauft  (toi.  r  i«  MM). 

—  (1530)  ScWodk-Ader  (Kuiil^.p  19  («.Schlag- 
ader 2).  —  U599'  Schlaf- Ader  Arteriti  tempor- 
alis,  die  in  der  SchhUe-Cicgend  aufsteigt  <;r  w. 
VIII,  2016;  R  A.  371.  —  SciJaq-AdeT    1,  l'uln 

Ader  (s.  d.),  »Itfran/  älteres,  b?»  rainrs  <\u\  bnttent, 
Rrisa.  73—71)  Arteria  h.  venu  pulsatilis  et  audax 
(heiliges  Ding,  s.d.).  —  2.  =  die  beim  Schlag  (Apo- 
plexia) geöffnete  (Herz-V)  Ader  (Vena  mediunn?). 

—  iS'cA/crn-Ader  Schelmen-Ader  i;  a  inj  — 
[1«S9)  schnelle  Ader  -  drate  Ader,  eine  oft  auf- 


und  niederschlagende  Pulsstelle  (v.  M  II,  23o:  .  — 
17  Jahrh  '  Schrank-Ad&T,  Sch  enk- Ader  -  Kegel- 
ader (s.  d.)  beim  Pferde  ><;r.  w.  v.  391).  eine  Haut- 
veno  an  der  Innenseite  des  hinteren  Schenkels, 
wo  sie  geschlangelt,  gewunden  =  geschränkt 

srhnullcrll,  «OS;  Flerhsi  151;  R.  A  37  193)  verlauft 

(s.  Aderverzuckung).  —  (17  Jahrh  .1  Schwant- Ader 

—  die  Aderlass- Vene  an  der  Pferde-Rübe  (R  a. 
485V  —  Schusipp' Ader  (1440  schwabader,  Hyrtl,  K.  W. 
Hl)  --  Arterien,  weil  sie  pulsieren  und  schwappen 

(Schmeller  II.  613  -  schwankend  ül>cr  den  Rand  des 
Gelasses  schlagen  wie  Flüssigkeiten  —  (1699t  Schtcarzc 
Ader  Vena  mediana  s.  nigra  (r.  M.  II,  222*  im 
(iegensatze  zur  Purpur- Ader  (s.  d.),  die  Haut 
venen  scheinen  je  nach  der  stärkeren  rclt-Rcdcekuiiß 
oder  dickeren  Haut  mehr  oder  weniger  blau  :im  Volks- 
mundc  schwarz  durch ;  daher  blaues  Hlut  -  vor- 
nehme Leute,  Adelige,  mit  feinerer  Haut  (K.  Hofmann'. 

—  i'C«lw6-Ader  (1620;  Dr.  Minderer)  =  Schwapp- 

uder  (s.  d.).  —  Schweiss- Ader  -  Vena  cava  (in 
der  Jägersprache),  weil  sie  beim  Ausweiden  viel 
Blut  (  =  Seh  weiss,  s.  d.)  aufweist.  —  Seh-,  sehende 
Ader  (des  Auges)  (151S;  H.  v.  Oersdorf*,  tot,  Vb) 

—  Nervus  opticus;  ader  =  nervus  (s.  o.).  —  Sehn- 
Ader,  ahd.  sennatyran  in.  Z.  II,  205;  senAdra,  «iraff 
I,  157.  VI,  267? ;  mhd  zene-ader.  senne-ader,  syn-ader 

Hyrtl,  K  W.  143  B.J  H82  senader,  ZcnInK.  Voc.  bb,  4. 
dd  5;  1576  «ehnader,  Thcophr.  Rod. ;  1712  sennaderii. 

Zw.  57),  2  =  sjj'ne  |  vfüpoc>  nervus  (Galeni  et 

Celsi)  Hyrtl,  K.  W.  um. ;  Gr.  w.  VII,  610)  (Spann- 
adern, Kuckadern,  Fleclisen)  —  Ader,  die  zu- 
gleich Sehne  ist.  —  3.  =  Arteria  «;rafl  I,  157; 
ZcniiiR.  Voc  bb  4  ,  V.  606).  —  4.  =  „Bänder,  welche 
die  Mausen  und  Beine  fest  zusammenhalten" 
',1742;  Zw.  57;  Hyrtl,  K.  w.  144).  —  StAwadrige  Zae- 
serlein.  —  Spann- Ader  1482  »pauader  -  ealcaneus, 
Zenliig.  Voc.  ee,  3;  1515  spanader  —  varix,  I>.  606,  1529 
npanader  -  nervus.  1).  379 ;  15.M  spanadern,  Rock  IM.  403; 
1590  spannatler,  Lexikon  trillnpue;  1645  spanadern 
nervi,  tä  VEiif,«,  (  olerll.  A.  109;  1756  Hpann  Ader.  A  v. 
U.  1,1285;  1775;  Hyrtl,  Anat.  819),  1.  -  Nerve,  da  der 
Nerve  auch  eine  Sehne  genannt  wunle,  so  kann  auch 
eine  spailllbare  Sehne  zu  einem  Nerven  -  Namen 
«erden;  man  sprach  U56I.I  von  Spannader- Zufallen 
(8.  d  wie  man  auch  noch  heute  von  „abgespaunteii 
Nerven  '  (a.  ,|  spricht.  —  2.  Sehne  (1551  verruckte 
Spainmder.  Hock,  L  e.)  eine  Re*eme  BebM.  *= 
tendo  d>el  A.  V.  II  1,  e.  ;   l.evelliiK  305.  306;.  —  3.  - 

Caleaoeus,  Ferse,  von  der  grossen  Aehillesehne 
(s.  d.),  die  sich  hier  ansetzt  als  Fersonsehno 

(s.  d.)  (Zeator.  Voc.  c  .  .: .  —  4.  -  Fusstritt,  Fuss- 
stapf  (I.  eodem).  —  5.  Varix  (lud  Thcophr.  Ro- 
denst.  Ii.       606;  „varix  est  Vena,  ipmc  fnrit  honiincm 

cumim",  im  canK«  Vlii,  245)  -  krampfhaft  ge- 
■pannte  Sohnader  am  Fusse.  —  (1713)  Grosse 
Spann- Ader  Achilles  -  Sehne,  gronset  Nerve 
lisii.i.  Medik  Iis).  —  (1603J  ^>aH«ädrisch  =  binde- 
cewebig,  sehnig,  nervig  «Jr.  w.  VII,  SC3  —  Spar- 
Ader  (spanidAni,  II.  Helmbneht ;  Schmeller  II,  6*1 ; 

1517  spHrader;  I.VMl  sparailer  -  varix,  H.  CO«;;  1576  spar- 
ader,  Theoph.  liodenst. ;  mhd.  spHn'uler,  l.exer  239, 

1.  =  spannadern  (s.  d.)      |  wegen  der  sperren. 

2.  \  aricen,  Krampfadern  J     *  1 

den,  hemmenden,  spannenden  Kmpfindung  und 
Thiitigkeit  bei  denselben,  von  der  auch  der 


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Ader. 


Adler— Alter. 


I 


Krankhettsnamen,  der  Sparren  (».  d.)  genommen 
ist  «IT  Jahrh.  Sperrader  -  Spaerrader  der  Pferde,  die 
livim  sog.  Herzgecpilrr  eröffnet  wurde,  lt.  A.  43).  — 
3.  —  Geepttrr-Ader,  Ader  am  Gespärr  (bei  der 
Kuh,  Scbloss)  —  Mutterader,  wenn  sie  bei  der 
Geburt  xu  fliegen  kommt  (vergl.  auch  Spor- 
Adei).  —  (17  Jahrh  )  Spat-Ader  ■  die  Hautvene 
an  der  Stelle  de»  Spates  (s.  d.)  beim  Fuhlen  oder 
Pferde,  die  als  Ursache  de»  krampfhaften 
Spatenganges  angenommen  wurde  (R.  A.  817.)  — 
.S'/^rjs-Ader  (14  Jahrh.  splsader  —  meri,  porta  lactis, 
occophnffll».  I).  310.  318;  Voe.  opt.  W.  11;  1482  *pU»- 
«der,  «pyoadcr.  speissadcr     lyen.  Zening,  Voe.  ce,  I 

ec.  ;.;  D.  642.  320),  1.  —  Oesophagus  all-  Hohrgang 
für  die  Speise,  Meiing  (b.  d.j,  Schlundröhre, 
S|>ei«erühre.  —  2.  =  Milch-Ader  (Porta  lactiH) 
(s.  <!.),  die  den  Speise-Saft  aufsaugende  und  nur 
lieber  führende  Ader.  —  3.  =  Arschdarm  (Longfo, 
Uen)  als  Ausgang  der  verdauten  Speise.  —  4.  = 
Herzen-Ader,  die  alle  Organe  mit  Blut  apeiat. 

—  Sj  -  -  -•  Adt'i  ••  Spar-Ader.  —  (17.  Jahrh. |  Spor-, 
Sporr- Ader,  1.  =  die  am  Fersenbeine  (Spor* 

Ferse. ,  spurenmachend  oder  Sporen  tragend,  in 
reichlichen  Wurzeln  sich  sammelnde  Vena  sa- 
phena interna,  auch  Rosenader  (Hyrtl,  K.  \V.  144; 
1718;  K.  ch.  179).  —  2.  =  die  Vena  thoracis  ex- 
terna heim  Pferde,  die,  vom  unteren  Teil  der 
Kippen  gegen  den  Ellenbogen  verlaufend,  hier 
vom  Sporn«  gedrückt  wird  (»ir.  \V.  IV,  2.  1224;  K. 
\.  193;  —  (1530)  Stimm- Ader  Luftröhre;  Ader  lb 
>,  Kuniifmp.  4»)  —  (lei.'.j  Stirn  Ader  Arteria  (Vena) 
frontalis  (Coler,  a  ).  —  ,it;u>  Strang- Ader  -  die 
beim  Strangel,  Rotz  der  Pferde,  geöffnete  Hals- 
ader (s.  Strängl)  (Coler  PI.  375j.  —  (1699  Träge 
Ader  -  eine  langsam  schlagende  Pulsstelle 
v.  M  II,  236J.  —  Tropf- Ader  .vor  dein  14.  .luhrh. 
troppfader.  llyrtl,  K.  W.  182,  —  CarotiB,  durch  die  der 
Tropfen  (—  Apoplexia,  b.  Tropf)  in  die  Glieder 
herabfallen  und  In  diesen  Lähmung  verursachen 
sollte.  —  f,  /,-::  n  Ader  l.WO  ueeh.«enader;  VAX  lieh- 
Kiiadcr,  Kunigw>p.  4«;  Ryff,  Aimt.  XXII  bj  Arteria 
et  Vena  axillaris,  Achseluder,  Üchse  --  Achsel 
(».  Cchse)  (llyrtl,  K.  \V.  100;.  —  I  n-Äderlein  - 
.Ujv-adcrchen,  .Makelfleck,  ein  die  Reinheit 
der  Haut  oder  das  Antlitz  entstellender  Hant- 
»trich  iS<-hmeUer  1,  36. 1.  —  Unfügliche  Ader  i'«>« 
-.nur  lo.vi     zum  Aderlasse  nicht  geeignete  Ader. 

—  Vergicht-Ader  l««*.»;  tiuar.  1063  die  Aderaul 
der  Fuss-Schaufel  (8.  d.),  welche  bei  der  Frais  (s.  d.j 
oder  dem  Vergicht  (Apoplexia,  Eclampsia)  ge- 
schlagen wurde  =  Vena  dorsalis  pedis.  —  Vier- 
W-Ader1  Vlertt  lader,  <.r  W.  VI,  1609  Vi.  rtet- 
■dcr.Uaar.lOHl,  L  ■  Venasalvatella, dieimau»»e- 
ren  Vierteid.  Vorderarme»  verlauft,  imGegensatze 
zur  Mittelader  (Vena  mediana);  sie  ist  auch 
weniger  volumiuöB  als  die  Mediana  (s.  d.),  gab 
darum  beim  Aderlasse  auch  weniger  Hlut.  — 
2.  m  Vena  hepatica  (bei  Tieren),  innerhalb  des 
Schenkels  oberhalb  des  Hufes  oder  Kusse«  am 
Knoten  «um  Kutorviertel  hinauf  verlaufend 
{ut.  w.  vi,  4«2,  k.  a.  490.'.  —  (1612)  roll  Adern 

venoHUS,  vuricosus  l»  fii«  —  1  wi  Fur/t«tt<-Ader 
..die  ander  an  der  vorderhaut  de»  «igel»  Iil«m-  inr  die 
pleMlgkell  und  iitigeMunirnigkeit  de«  lelbb",  Schweiler 

1,332,    Venadorsalispenis.  —  (1748,  ItWm-Ader 
Venasuralis    Hautvene  an  der  Wade  k\  a'jsj. 


—  (1639)  Wanst-Ader  (obere,  untere)  (Hyrtl.  K  w. 
•1S9!  —  Schlagader  des  Uekroses  (Wanst  2)  — 
11783/  Wasser-  Adern  ,  (IT«)  -Äderlein  —  Vasa 
serosa  s.  lymphatica,  die  das  Gewebs-\V  asser 
(8.  Flies»  -  Wasser)  führenden  Lymphgefitsse 
(rialtner  I.  13»,  Zw.  37.  69;  „diese  Adern  sehlneken 
den  wti>weri«gei«lrclchcu  Saft  in  ileii  Druten  in  rieb 
UBd  führen  Ihn  In  den  gro««en  Kanal  der  Mlluhader 
duetiis  thoraci«'  oder  in  einige  lllutadoru  gewisser 
IJru«en"  1  Parotis,  Panereas,  I.eber-,  Thranendru»e> ;  sie 
enthalten  da«  dickere  Klles«wa«ser  \  -  -  Serum),  Zw.  67. 
69  —  WcA-Ader  (1876)  =  Krampfadern,  die 
Schmerz  machen  und  bei  den  Geburtswehen 
anschwellen  Bollen  (vgl.  Wehader-Knoten).  — 
Weisse  Ader  =  der  Schlund,  die  Gurgel,  die 
weisse  o.  Lichtader  (s.  d.)  (bei  geschlachteten 
Tieren)  (<;r  W.  VI,  877),  vgl.  weisses  Header.  — 
(1440)  Werfe- Ader  (llyrtl.  K.  W,  Ul ;  D.  ooo)  -  die 
Arterie,  welche  pulsiert,  werkt,  Bchlagt  wie  ein 
Werk.  —  Wind-Ader  ,12.  JHhrh.  uuinthathren,  H. 
Z.  II,  20ö  ff  ,  -  Arterie,  da  sie  den  Dunst,  Spiritus 
Vitalis,  den  Odem  (aer)  zuführt.  —  ZiVÄ-Ader 
(1518  zyeh-aderen,  H.  v.  liersd.  Feld-A.  B.  88)  —  die 
ziehende,  sich  bewegende,  zockeude  Schlag- 
ader, die,  bei  chirurgischen  Eingriffen  durch- 
schnitten, schnelle  kurz  stosBende  Beweg- 
ungen macht.  —  (1530  Zappen-  oder  Zopf-Ader 
(zopuader,  Hyrtl,  K.  W.  171 ,  Kunlgnsp.  44)  =  Vena 
saphena  interna,  Venn  zophena ,, nicht  volk»UblIch  (?), 
eine  anatomische  Rarität"  ;  aber  gerade  die  lautliehe 
Kntstcllnng  sprieht  fnr  ihren  Durchgang  dureh  den 

VolkMuund  (s.  Saphena)  (llyrtl,  1.  e.  .  —  Zorn- Ader 
=  Kollerader  (s.  d.),  Stirnader  (s.  d.),  die  beim 
zornigen  Menschen  anschwillt  (Gr.  w.  v,  1617).  — 
Zungen  •  Ader  -  Arteria  (Vena)  lingualis.  — 
Ader,  adericht: -Aiss,  -Bein,  -Beicegnis,  -Bruch, 
-Erstarrung,  -Fleisch-,  -Haut,  -lnstrupf ung, 
-Knöpfe,  -Knotengeschwulst,  -Kolik,  -Kratze, 
-Kropf,  -Krümpen,  -Lädlein,  -Press-.  -Puls, 
-Rinne,  Boecke,  -Rümpf ung,  -Sack,  -Scläag, 
-Spult,  -Sprung,  -Stoss,  -Sucht,  -verruckt,  -  Ver- 
stopfung,  -  Verzückung,- Wasser,  -  Web,  ■  Wchtum, 

—  Weps,  -  Wicklung,  ■  Zocken. 

Adler,  m.^Adler-^utfe,  -Nase,  e.  auch  Adel  4. 

Aber,  äber,  L  s.  Apern.  —  2.  über  -  aper, 
unbedeckt,  haarlos  (Schmcller  I,  13). 
acht ».  echt. 

Äck,  äck  =  Genick  (zu  ank  ».  a.,  Schneller  1,  31). 

—  Gfaeck  (Gaeck)  —  Nucken,  Nackengrube, 
Genick. 

Äckt  s.  Ack. 
Äfling  s.  Afel. 
Afterling  ».  Afterling. 
Ägresten  '.iwc,  The.»pin.  ibMietiM.)  =  Hühner* 
Auge.  Kistern- Auge;  Ägerst  Elster. 

Ähre,  f.  Ähren  -  die  wie  Getreideithren  ge- 
teilten HaarstrUnge  beim  Pferde. 

Alt  (1496  elde  callus;  1768  eelt  callu«  in  manu 
et  in  pedil.mt,  l>.  Dl);  Hautfalten  durch  das  Aller, 
Hautschwiele  l<!ohl*chm,  i,vj). 

Älter,  Älterle,  Älterlein,  n.  =  Atrophia  iu- 

I   fantiOm;  uetm  da«  uiifwachfetMlt)  Kind  Bichl  KU- 
Rchracn  will,  dann  hat  e^  da»  Allerle  ^  Vltm»nnchen, 


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10  Ändern— Afterling. 


Aftern— Alb. 


«.  d, ;  r.r  W.  m,  418;  r,T  I).  >[  n.  111*;  rrqnell  1*93. 
t*.  HO);  hÜliflK  hat  t  ili  «ol.  h»  !»  abnehmenden ,  atro- 
phisches, alter  aussehendes  Kiu«l  einen  Hautausschlag; 
z.  B.  Furunculosis  od.  Acne  (-  Magere,  s.  d.). 
ändern  a  andeis. 

Ändigkeit  (Anticht)  f  o.Bfaiz  zij.^l  das 
Heimweh  (0.  And). 

Angel  s.  Enkel. 

Änkel  s.  Enkel. 

Aren  b.  Ehren  u.  Ähre. 

Area,  m.  (17M  Ares,  A.  v.  H.  I,  610.  788);  Ares 
[Boden,  WfirtMmbui)  1.  -  „ein  .Salzriuss,  der  eine 
hesondeis  giftige  Schürfe  der  Natur  ist,  die 
diese  ausatoast"  (,\.  v  II.  I,  788),  (Eczema).  —  2.= 
C'rusta  lactea,  Milchschorf,  hoser  (irind  hei  Kin- 
dern, böser  Kopf  (  v  v.  Ii.  1,  510}.  —  3.  -  Impe- 
tigo larvalis  (Bück  lü  .  Are»  ist  vermutlich  das- 
selbe, was  Nerwrie,  Neris  (s.  d.);  Schindler  n. 
1«  hält  es  für  Anries;  «1«  auch  bei  Serwils  eine  gut- 
passende  Etymologie  gegel>eii  ist ,  so  möchte  Ihm  zu- 
zustimmen sein.  (Vgl.  Ansprung,  Anspring.}  — 
Der  bösartige  Ares  (der  Kinder)  —  Eczema  (A.  v.  n. 
1.  c.).  —  Der  Lrti-Ares  —  Hautausschlag  am 
Korper  (A.  v.  H.  I,  510).  —  Der  leichte  Anriss  der 
kindlichen  Haut  wird  eben  bei  tioferem  Ein- 
risse zum  Närb-Riaa  (Nerwris,  s.  d);  mit  beiden 
kann  .Sekretion  Salzflnss.  s.  o  oder  Krustenldldang 
t.Sehorf,  s.  o.;  verbuntleu  »ein,  je  mich  der  Natur  de» 
I/Cidens  —  Eczema  oder  Impetigo. 

ärteln  s.  Art. 

Atter  (Eetter)  m.  (Schwaben;  Buch  17)  =  der 
Raum  zwischen  uen  beiden  Obel  Schenkeln,  der 
wie  eine  Doppelegge  aus  2  Teilen  besteht 

(1332  Aeitcn  -  Ege,  Schmeller  I,  51)  l'erineum, 
Damm  («.  d.). 

Ättich  -  Ettik  (8.  d.). 

ätzen  a.  Atse. 

Äugle  s.  Auge. 

Afel,    Alling,    Affel,    Ofl   .Steiermark',  Abel 

(SehwcU  ,  Lank-Afel  «  ✓Ib-Fell. 

After,  Iii    ahd.  »ftarr.  Hiraff  I,  100);  mh.l.  alter; 
eigentlich    der  ..Hintere"   »eil.  Tcilj,  <la  nftiir  ahd 
hinter,  nachfolgend,  t>c<leutct .  goth.  afnr  hinter 

Kluge  I  In.  achter  ;  nach  Adelung  Bta  it  After  sogar 

im»  tirl«eher  Zeil.  — After,  1  l'osteriora  (podeX 
s.  amis),  die  Aftergegend,  Hinterquartier,  War- 
/.enhaus.  —  2.  eigentlich  nur  der  innere  Teil 
de.s  rodex  >.r.  w.  i,  iv.!.  —  3  Der  Afterdaini 
(b.  iL).  -  Der  Thorhüter  des  After,  B,  ThörhOter. 

]  v.i •  <ler  ausgedruckt*  Aftern  Bock  147)  l'ro- 
kipsusani(a.  Ausdruck)  —  After Adern, -Aissen, 
•  Atmen,  -  Ausfall ,  -Austritt.  -Bildung,  -Bürde 
{Harte),  -Drang,  -Erschlappung,  -Feigwarzen, 
•Fenster,  -Flu**,  -Fratf,  -Gang,  Haupt,  -Hitz, 
-Jucken.  -Kerbe.  -Kind,  -Klaue.  -Krankheiten, 
-kauft.  -Xellc,  -Sperre,  -  Trubel,  •  Urschth, Uten, 
-  Verstopfung,  •  Wahn-,  -  Wand.  •  Wangen,  -  Weh' 
tum,  •  Witz,  -  Wolf,  -  Wurm,  -Zwang. 

Afterling,  m.  (Afterling)  m.,  und.  aftortine 
[GraS  I.  190;  aphtarllnm,  cxtaic»,  )►.  219;  Schindler, 
1  n;  is.;»  Afterdarm  .schwenk  k|.  —  Afterling 
ist  im.  Ii  Sphmclter  I,  46)  Wurst  vom  Afrerdarm 
gemacht  [p.  Afterdarm). 


Aftern,  pl.  -  AftarWonm,  Hinterklauen, 

Acniei  klauen  (Jägersprache/  für.  w.  1.  1*5 ;  Brehm 
III,  I3v.  —  (Jeäfter  =  dio  ganze  Stelle  an  den  Af- 
terklauen des  llirechea. 

Agga!  eine  Schmerz- Interjektion  (Bayern) 
achcha.    Ach!  und  Weh!  sind  da»  Alpha  nn<l 
Omega  der  menschlichen  Leiden. 

Aglaater,  f.  Aglaster-  A  ugen. 

Ahnung  (Ahndung),   itoo  Ahndung  der 

Zustand  u>8  Ahnens,  dass  etwa«,  eine  Krank- 
heit sieh  einstellt,  we«halh  man  zur  Vorsicht  zum 
\derln»si  früher  griif  Marwang  rv.m  IderUlMK  um 
das  „dicke  Blut"  zu  entfernen 

Airach  (Arch,  Airch),  lßoti;  «aar.  106-;  -  ein 
räudiger,  kratziger  OeaichtBausschlag  (Orind) 
hei  Kindern.  Tirol  =  Arch  (rrusta  lactea,  auch  Im- 
petigo contagiosa!.  Araeh.  Sehmeiler  I,  13*);  vielleicht, 
well  begrifflich  mit  Anriss  (Are«:  An«prung  übereln- 
stimmend.  MTiel  al»  An-rach;  Bach  -  Spalt.  Bis*  conf. 
rnchel  BN»  tili  Acker,  Schmeller  II,  13)  (vergl.  An- 
rcichen,  Anrühren). 

Aibs,  Aissen,  Aissle,  Abs,  b.  Eisa  und  Aaa. 
Aiter  8.  Eiter. 

Alb,  Alp,  (Ölp,  Alber,  Alf,  Olm,  Elb,  Elf, 

Helf),  (abd  ,  nihil  alp  [in  Namen  wie  Alphart  etc.), 
plur.  etber,  B,  Z.  X,  11.  Jahrh.  alp  fauno«,  I).  Ml; 
12  —II  Jahr,  eltn-  idola.  (ie«taltnls,  I).  ftll ;  al)*  [pl  " 
«cmlflel  inalanini«  .»  uhle«  .Iahr[  I».  311.  Nach 
Kulm  [Kuhns  Ztschr.  4.  101»;  11.  Curtius  ['.r.  Etymol,4 
2U3  ;  vrI.  auch  Lalstner,  But«el  der  Sphinx  I.  l.VJ[  zu  skr. 
rabh  [verwandt  mit  rlihus1  zustellen;  also  Tnureei«! ; 
mhd.  alp.  alber  [Ix-xer  I.  34[  -  (iesp*>nst,  QnUftbl ;  12ti0. 
I  alp  liicubu» ,  ml.]  :::  -u  Jahrh  hcllw  l<  inn- 
res, I).  323.  nocturnae  vlslones;  15.  Jahrh.  alf .  ndl.  half 
■mtacuUu»,  elnnne  -  lncul»a ,  I>.  293:  1517  elfl  — truo 
I  nvoirel.  I».  C0O;  lrt.  Jahrh.  eyn  alpe,  alp  -  plleus,  D. 
135;  lull  alven  Elfen,  Alp,  V.  K.  III,  IS;  1568  oelp. 
II.  sneh»  eine  auf  indogermanische  Zeiten 
zurückreichende,  dem  ganzen  germanischen 
Sprachgehiete  eigene  Art  von  Krankheita- 
damonen.  —  Alp  Daemon  ineubus  et  nur- 
turnus,  feindlicher  Nachtgeist,  hoshaftes  Wald- 
wesen  von  kleiner  (iestalt.  grauhaarig  nach  dem 
Volksglauben ;  Kewuhnlich  wird  von  ihm  erzählt, 
du»«  er  wie  «hu«  Biitzel  zusaiiitiiciik'ew ach«cnc  Augen- 
brauen und,  wie  die  Trude  I'lattfus«e.  Kchlenkelfiisw 
[Wuttke  2.\s,  aIIbäu'.  Augen  wie  ein  Kalb,  einen 
Bücken  wie  eine  Molter  habe,  nrichtlichenveilc  In  den 
Wohnungen  der  Menschen  erscheine,  die  Schlafenden 
und  Triiiimendeti  reite  [*.  n.  1,  (veiyl.  Fran  Mab  in  Ro- 
meo und  Julie  I  |,  Mercurio  .  inlnne  (1411;  Zlnjrcrle 
l'.KI  ,  namenllich  den  Weibern  al»  Ineubus  art:  mitspiele, 
die  Kinder  bis  znm  Ersticken  drücke  iZinK  IX.  HS  , 
zumal  ihre  Ilaare  verwirre  i's.  Zopf  ;  aber  auch  Tiere, 
iiaiueiillich  Pferde  wurden  von  ihm  „geritten"  [KoÜK 
17 ;  Hr.  w.  i.2i.'>'.  Kuhn  (Zeltacsir.  f  vetR!-  0|»i  DTlmintli. 
XIII,  IWJ  hat  Kezelirt,  ilas«  man  schon  in  den  Zeilen 
de»  Inibiaermanent ums  annahm,  da»»  der  Alp  in  den 
l.elb  des  Menschen  einziehe  und  wie  die  Maren  Ver- 
bindungen mit  den  Sterblichen  eingehe.  Mit  diesen 
indischen  Vorstellungen  vergleicht  sieh  unzweifelhaft 
dasjenige,  was  im  i'.luuben  der  Nordgermanen  von  den 
Elfen  llelben),  oder  was  In  j  den  deutschen  vom  Alp. 
dem  Sehnlllleln,  der  Trnt,  Man- ele    berichtet  wird; 


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Alp. 


11 


All,  Elf  Ist  nordisch ;  Elp.  Oclp,  Alp  1«  vorwiegend 
mitteldeutsch;  (1141  der  elt>enn,  auch  In  einer  Inns- 
bmoker  Handschr  ,  Zingerle  190,.  Hier  können  nur 
die  Beziehungen  des  Alp  oder  der  Klben  als 
Krankheitsdämonen  angeführt  werden.  Der- 
selbe äussert  sich  am  häutigsten  I.  als  Incubus 
(-  Aufhocker,  s.  d),  Atcmbeschwcnle  und 
Beängstigung  im  Schlafe,  vermeintlich  durch 
den  aufliegenden,  aufhockenden  Dämon  Alp 
(=  Nacht-Alp)  (1&71  -  Incubus.  Kluge  10;  1590  olp, 
II.  Sachs  —  incubus,  ephialtes ;  1591  alp  saxonlcc  — 
incubus,  Hod.  Jun.  374;  1645  alp  -  supprewdo  nocturna, 
i'oler  It.  A.  LM ;  175«  Incubus  -  asthmn  noelurniim,  A. 
v.  II.  I.  155;  siirToemlo  nocturna,  ephUlte*.  A.  v.  II. 
1.  >2I  ;  I,  1741;  als  solcher  entspricht  der  Alp  auch  dem 
fatuus  «.  faunus  ncarius  qui  mutieret  plera«u.ue  et 
«implleii  actatis  pueros  noellbus  Jupiter  exterreimt 
Im  lange  III,  424';  dagegen  sollte  helfen  der  vor  dem 
Alp  abgeschossene  Alpschoss  -  Belemnltes-Steln ;  1742 
Alp  Incubus  ephialtes.  Zw.  121 ;  1761  alp  —  nächtliches 
Drucken.  I.  eh.  29;  1782  Alp  —  ,.der  deutliche  I'Obel 
nennt  e«  die  Tritt",  »üdd  ,  M.  II.  I,  2Ö;  1841  Alp  Incu- 
bus. ephialtes.  Sobernh.  .160;  18.18  Alp -die  einem  auf- 
hockenden Dämon  zugeschriebene  Beängstigung  Im 
Schlafe,  f*chw.  13:  Alp  —  Ineubtts.  ab  incumbendjfl  die- 
tu»,  ephinltes,  Liebrecht.  Zur  Volkskunde.  1S79.  H.  400; 
Alp  Incubns,  onelrodyna,  putgma,  Kraus,  K.  530.  H2I1. 
Unter  Verweisung  auf  E.  Mogk  (die  Rennau 
Ischen  Dniekgcister.  lirumlrisa  der  Renn.  I'bllol.  1,  1013! 
konnten  hier  gleich  angeschlossen  werden  die 
Belege  für  das  sogenannte  Alpdrücken,  'Ins  ja 
dem  Incubus  eigentlich  entspricht  (t2«o  „nrca 

der  alp  trinket,  rouehet  er  sieh  mit  der  rerbena  [wurzelj, 
Ime  erwirrel  alspald  tilht".  Pfeiffer.  44.  5«;  14.  Jahrb. 
.den  der  alp  tlUgtt,  der  soll  Verbennwurz  gebrauchen, 
im  gewirret  nimmer  nicht  ',  lfoffm.  1,  327.  „Für  den 
Aiper,  welche  Fraw  der  nllier  bedrück  oder  Bedrucknuss 
habe",  Hehnieller  I.  04 ;  ..den  der  Alp  betrleg"  |  :  drück], 
1.  cod.;  14*0  ,,mlrh  druckt  hennt  der  Alp",  H. 
Potts;  H.  7..  VIII.  A14;  1532  „wann  steh  ein  Mensch 
beklagt,  das»  ihm  zur  Nacht,  wann  er  «chlaft. 
gleich  lel,  als  IUI  Ihm  etwas  .Schweres  auf  Ilm  und 
druckt  Ihn  hart;  es  ist  ein  Vottot  des  Schlages 
uder  der  Tanbmtcht".  Frie»  72;  •  I5RR  „die  Kinder 

«erden  vnm  Alpen  oder  Kchralzlcin  [s.  it.]  im  Schlafe 
gedruckt".  TabernaemontHims ;  1 «'.: :i •  ..der  Alp  i«l  eine 
Sucht  tider  Kantasei.  die  den  Menschen  im  Schlafe 
dnickl,  das*  er  weder  reden  noch  sich  regen  kann". 
I.oniccm»;  1725  „das  Alpdrücken,  von  dem  jeder 
was  Itcsondcra  zu  erzählen  hat,  I»!  die  Einbildung  der 
Leute,  es  komme  zur  Nachtzeit  im  Schlafe  ein  <•<■ 
»penst  Alp  Nachtgcspeust,  nach  Wlr»niig  I5HI]  oiler 
l'nhold  in  die  Kammer  und  läge  «ich  auf  die  Leute 
lind  drucke  sie,  das*  sie  «Ich  »eder  regen  noch  schreien 
noch  bewegen  und  wehren  konnten".  „Das  Alpdrücken 
t«ci  Kindern  Ist  eine  Vcrlmllung  ile»  Alcni«.  die  die 
schlafenden  mit  llcitugsffguni.-  überfallt",  Tbc«,  «au 
Itruun  »20  »<1;  Alpdruck  dacBlon  InetlbU",  auch 
1'iigi-lnuer.  Ilirgtcnfel ,  Alpercr.  \lpgci»t,  (Mm,  der 
iiauietiill<'h  den  mcn«lruicrcnden  Weihern  mitspielt, 
Kcllr.z.  Anthrop..  KtllU.  u.  t'rgcsch  Hävern«.  IS.h'JS  170.  ; 
itnet  Alpdrücken  siehe  auch  Wuttkc,  Volk«  Aber, 
glanl«-  127.  138.  171.  22s.  255.  MS.  402.  40&  41t).  TIS, 
lern,  r  Adler,  Hisscrtatio  iriang  !'<•  iueubo,  llcrlln 
l»27.  Legende  f.  d.  gem.  Manu  IV.  117;  ltoehli.il/, 
Zcltschr.  f   dcut»che  Mythologie  IV,  III    „Hie  ln«ul- 


tura  ephlaltne  wurde  schon  im  frühen  Mittelalter  von 
Vielen  aus  schweren,  durch  Wutlaufstoekungen  ent- 
standenen Traumen  erklart"  inerufnng  auf  GerTMft» 
III,  M.  93);  der  Alp  druckt  im  Schlaf   Simroek .  II. 

I).  M.*43«,  vgl.  auch  Urquell,  1891  s.  71).  In  med.« 
zlnisehen  Huchem  der  Neuzelt  wird  de«  Up  kaum 
mehr  Erwähnung  gethan  Höfel  and  (UM)  fuhrt  Ihn 
noch  auf  {28!)  als  eine  eigene  Krankheit.  (Vgl.  such 
„das  Drückerle"   Schratt  1   und   „Daumen".!  V&S 

Alpdrücken,  nach  obigen  Belegen  seit  urger- 
manischen  Zeiten  Kluge4,  10)  als  die  Thätigkeit 
eines  tückischen  Nachtgeistes,  Alpgeistes, 
(Krankheitsdämon)  aufgefasst,  ist  heutzutage 
als  eine  Erscheinung  der  Kettling  des  Nerven- 
systems durch  verschiedene  Ursachen  aufzu- 
fassen, „so  mannigfaltig  sind  seine  Krschein- 
ungttngen  als  die  Traume  sind,  und  diese  sind 
so  mannigfaltig  als  die  Individualität  und  der 
Zustand  dps  Träumenden"  f<;rulthni*cn  xxxiv, 
422) ;  «1er  Alpdruck  der  Kinder  entspricht  gröss- 
tenteils 1.  dem  Favor  nocturnus,  dem  nächt- 
lichen Aufschrecken  der  Kinder,  (eine  ganz  vor- 
zügliche Schilderung  desselben  in  dem  Urundriss  der 
Kinderkrankheiten  von  D'Espine  und  Heot ;  deutsche 
FelH-rsetzung  von  Ehrenhaus,  1878  S.  273  .  2.  ausser- 
dem der  Apnoea  infantum  iRoesch".  dem  Asthma 
infantile  (Herzgespann),  auch  dem  Pseudokroup, 
Laryngismus  stridulus  und  Stimniritzenkrampf. 
Der  AJpdruck  «1er  Frauen  ist  wohl  eine  Form 
von  hysterischer  Irritation,  „ein  Nervenreiz- 
Traum"  (entwich),  der  z.  B.  durch  peripherische 
Keize,  Atembchinderungen ,  Verdauungsstör- 
ungen oder  Blutstauungen  gelegentlich  reflek- 
torisch zum  Ausbruche  kommt,  wie  sie  auch  bei 
nervösen  Männern  vorkommen  kann  als  Alp- 

SUcht  Hort,  san.)  „eine  Sucht,  die  den  Menschen 
drückt,  das«  er  nicht  reden  und  sich  nicht  bewegen 
kann";  nur  ist  der  Incubus  kein  eigentliches 
Asthma,  da  er  beim  Erwachen  verschwindet, 
während  das  Asthma  erst  recht  dann  zunimmt 
Eichhorst  i,  .36.-.).  Wie  alle  mythologischen  Ge- 
bilde, so  wurde  auch  der  Alp  von  den  Hexen 
und  vom  Teufel  abgelöst  (s.  Teufel  u.  Sehrfttz- 
lein)  fMcvcr.  i7.'.;  itavari«  iv,  i.  2ool  —  Der  Alp- 
druck <lor  Männer:  suceubus  eyn  alpe  der  mannen 
(13.  — in.  Jahrb.;  D.  MB)  sollte  sich  hauptsächlich 
in  erotischen  Träumen,  Pollutionen  etc.,  verur- 
sacht durch  den  Kaunus  suceubus  loco  mulieris, 
äussern  (Unterlieger).  —  II.  Der  Alp  drückt 
nicht  bloss,  er  rWtVt  auch  titif  seinem  Opler  (stell- 
vertretend auch  der  Teufel,  ilockauf)  „Der  Alp. 

der  die  Meli«!  hell  reitet"  l'SIturtK'k,  II.  D.  M.,  A3.V  ;  ein 
alp  zoumct  izaumet  dich  lir  Ii.  M  .  1.2,  I":;,  IL  1101 — <l 
reitet  dich  nie  ein  licrd  ndt  Zaum.  In  diesem  Kalle 
war  das  Fieber  (der  ride,  rito,  s.  d.)  gemeint,  das 
den  Menschen  schüttelt,  eine  Redewendung,  die 
selbst  heute  noch  sprichwörtlich  genommen 
wird  'vgl,  Wustmaim.  ts).  —  III.  Der  Alp  schies*t 
auch  Gr  schonte  ab,  l'feile,  die  „wie  angeflogen" 
(s.  Flug),  „wie  ein  Schuss"  (s,  Schusa)  aus  der 
Ferne  rasch  den  davon  Betroti'enen  unfähig  zu 
Bewegung,  ja  sogar  schwer  krank  und  verrückt 
machen.  Der  Albschuss,  vom  Pfeile  der  Elbe 
verursacht,  den  man  sich  im  Belemnites-.Sein 
.Schossstein  verkörpert  vorstellte,  (K  n.  eh.  78; 

'lr.  W.  I,  203,  215,  Schindler.  II,  47!)  Mlll  Alp«ehos« 


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18  Alp. 

wird  unserm  Eexensckuss  oder  Bilwis-Schusa 
(s.  diese)  (Lumbago  rheum.,  Ischias  rheum.)  und 
dem  {angoi».) ylfagesceot (Klugc46)  (s.  Elfgeschoss) 

entsprechen.  Siehe  darüber  unter:  Sehoss,  „tlesehoss" 
„Flug",  ferner  „Kugel"  Alpku>rcl  .  Bartels,  die  Me- 
dtxin  «er  Naturvölker,  lM»:t.  S.  '.'7;  Frcukogcmälde  bei 
I.fenx  in  Tirol,  16  Jnlirh  ;  auch  die  fliegende  Gicht 
ist einfliegen<ierAlpiHraiin?ehweiK<.r  i>. m  II, 1109 , 

—  IV.  Schon  der  Anhauch  des  Alp  bringt  Tod 
und  Krankheit  (simrock,  H.  l>.  M.,  425  ;  (vgl.  An- 
teaht.)  —  V.  Der  Alp  wacht  auch  heftiges  Kopf- 
weh, toll,  rasend,  närrisch  (elbig,  elbisch),  blöd- 
sinnig, gedflehtnis-u.  geistesschwach;  dann  haben 
es  die  Elben  dem  Menschen  angethan  (s.  thuen) 
Gr.  i>  M  ,  Ii,  sc"  ,  indem  sie  ihn  geschlagen,  berüfirt, 
getreten  liaben  <;r  l>.  M  ,  I.  m.  412;  Ii,  mo  ;  älpsch, 
älbsch,  elbiscli  iclbidu»  i>.  197,  Schweiz  mente 
alienatUS  (Or  \V  ,  III,  402  ;  „der  von  den  Elben  ent- 
gehen, eingenommen  und  «o  wahnsinnig  in  »einen 
Sinnen  verwirrt  worden  ist";  e  1  b  I  se  h  =  1340  de*  gcUtcft 
betruenitse ,  inhildungc,  selpknmende ,  unbedachte, 
lloffm.  I.  36.r>;  1169  elwiseh  -  mnnlarus,  I).  346;  1482 
elbiseher  fantaMa.  L>.  225,  641.  <ir  W.,  III,  402;  1532 
elbig  ein  zu  fürchtender,  xu  scheuender ;  MantiH-rlpt  in 
KrieK.  Exemplar  der  Miinehener  Bt, -BlbUotbek ,  hinter 
dem  Titelblatte:  „Wer  diese  Krankheiten  hat,  i*t 
elMg  r.n  schelcheu";.  Der  Elpentrotsch  [Schwaben] 
„OlpettütBch"  ,ltnyern,  Schmeller  I,  66;  <  v.  Seh  tu. 
162;  Schw.  W  ist  ein  ungeschickter,  alberner 
Mensch,  der  trottelig  geht  (s.  Trottel)  <!r.  n.  M., 
I,  430,  112.  IT.  1110;  Gerlund,  Zelt«ehr.  f.  deutsche  l'hi 

lningic  t,  310);  IS91  ein  alter  Alber  =  >«arr,  senex 
somnolentus  jam  aetate  atrectus  (Had.  Jim.  l«; 
1 119  nlpern  dellnire,  D.  172;  144.1  Sehmeiler  I,  66)  der 
Albrass  (rief  <.corg  Plclorius  Baderbüehlclu,  tir.  W. 
I,  203!  ist  der  durch  den  Elbensehuss  Rasende, 
das  Alp-Rasen.  Alb  oder  nlbisch  in  der  Einfäl- 
tige, Berauschte  schwel*' ,  der  einen  „SchUMu  bat, 
verrückt  ist  (C.  v.  sehn».  4*3,  Schw.  n>;  der  Bürzel- 
Alp  ist  ein  kurser,  bucklichter,  absonderlich 
aussehender  Mensch,  vermutlich  der  Name  des 
den  Bürzel  (s.  d.)  der  l'ferdc  veranlassenden 
Krankheitsdämonsin  Wurmgestalt  (o  \v  II, .v.u. 

—  VI.  Der  verwandelt  sich  auch  in  eine  Haupe 
(Haarwurmj,  Puppe  (s.  da.)  Made,  Mücke,  Motte, 
Schmetterling,  Maut«.  Grille,  Vogel,  Wurm  oder  in 
„grosse  teuflische,  unsichtbare  Bremen,  die  den 
Kühen  auf  den  I hirnern  sitzen  und  wenn  man 
die  kleinen  Kinder  den  zur  Weide  ausgetriebe- 
nen Kühen  entgegen  trägt,  so  fallen  diese  „El- 
bischen" oder,, Elben1' die  Kinder  an  undplagen 
Bie  so,  dass  sie  verdorren  und  mager  werden" 
(S.  VIII)  (Coler.  W.  3»7;  tir.  II.  M.  I,  431.  tiraff  I,  213). 
Enter  solcher  Tiergestalt  plagt  der  Alp  den 
Menschen  auch  mit  heftigen  Kopfschinerzen. 
Kinealid.  lilosseiKiihn,  Zcilseh.  f.  verpl.  Spr.-Wi»«en*ch. 
xi Ii.  71'  ttbenetsl  locti«ta  \  itrillc  mit  albu».  olbu«, 
(Alp,  oij.,  Ulm).  Einer,  der  Grillen  (Mucken, 
Mücken,  Motten,  Engerlinge.  Tauben)  im  Kopf 
hat,  ist  verwirrt  durch  den  Alp  oder  die  roten 
oder  weissen  Elben  Kuhn  l  e.  s  t  j  oder  gar  durch 
die  verkehrten  Elben  Kulm  1  <■  >  71  im  Kopfe, 
(vgl.  Engerling).  —  Vll.  Die  Elben  (Alp)  sind  [iiel 
l.uth<  r.  10  (•vhole-l'roliKt  1516  die  Krankheit  des 
Herzgespanns (s.  d.).  „lieimihcrtc Kinder,  den  n  man 
gar  \  U de  antrifft,  leiden  an  einer  unbekannten  Kriinkli.  il. 


Alp. 

die «le die  Elben  nennen".  Es  fällt  bei  Genesong  ein 
steinschwerer  „Alp  vom  Herzen'1,  der  damit  alB 
drückender  Dämon  von  der  Brust  weicht.  — 
VIII.  Nach  Simrock  (H.  l>.  M.  HS)  ist  Elben  auch 
ein  von  diesen  verursachtes  Geschwür  an  der 
menschlichen  Haut  und  neso)  „die  »ehrenden 
Elben"  (Gr.  w  vi,  20431  Magere  oder  Mitesser 
(8.  d.);  der  Alp  erzeugt  auch  Sommersprossen 
j  auf  der  Haut,  indem  er  die  Leute  bepisst 
(Wuttke  205),  und  desgleichen  geschwollene  Hälse 
(Parotitis,  Mumms?)  iAllgfiu);  immer  nimmt  aber 
dabei  der  Alp  die  Gestalt  eines  Tieres  (Kröte, 
Wurm  etc.)  an;  darum  ist  Alf  auch  [Ktafc'lOl 
■  Papierdrache  und  Alp  -  feurige  Lufterschein- 
ttng;  d.  h.  der  Alpist  eine  Lindwurm-o.  Drachen- 
(s.  diese)  Gestalt  im  Volksglauben.  —  IX.  Die 
„Elfklatte"  >sehw.  410)  =  Marklatte  ist  der  durch 
den  Alp  oder  Alpmar  entstandene,  am  Haar- 
boden haftende  Weichselzopf  (s.  d.)  =  Wichtel- 
zopf, Alpzopf  <;r.  I).  XI.,  1.433  Im  Englischen  heisst 
to  elf  geradezu:  da»  Haarverfllzeu  (vgl.  Wustmann  19) 
(vgl.  Alp-Kugelu,  Flechte,  Zopf).  —  X.  Der  Alp 
(Aih)  ist  ferner  auch  ein  mit  der  Mutter  be- 
grabener Foetus  o.  Mole  (s.  d.)  1599;  Had.  Jim. 
20« ;  Klage  \  10 ;  1616  alblu  der  heermutter  =  mola,  Mond* 
kalb,  I».  365)  oder  das  Alperkalb  (Afterkalb)  Schw. 
m     „ein  ungefonntei  Btttck  Fletocb,  da»  antenretlen 

in  der  Harumtter  wachst"  1629  .  Alp  Schmeller  I,  64) 
Mondkalb  >.  d.):  tjuod  de  foetu,  nui  »epelitur  cum 
niiitre.  tlnt  alp,  qui  illudlt  feminin  Schmeller  1.  c 
Hieber  gehört  auch  der  Kröten- Alp.  krot-oll  (in 
ll.  7.  XIII,  s.  176;  -  der  Alp  in  der  Gebärmutter 
(=  Kröte,  s.  d.)  Hiebei  spielt  der  Alp  sowohl 
die  Holle  eines  Blutsaugers  (s.  d.),  als  auch  die 
eines  Wechselbälge  (s.  d.)  durch  Kinderaus- 
tausch  veranlassenden  Dämons  —  XI.  Der 
Alp  (U'f/  ist  es  auch,  der  nach  Hrimm  D.  M.,  I,  411; 
II,  1113)  die  Ylfheit,  eine  Seuche  über  allen 
Seuchen ( at  Hauptseuche) „ein  suht  oballen suhlen" 
ischmeller  I,  r.7>  als  elbisches  Ungeheuer  oder  Aas 
(fir.  i>.  M.,  1,  433),  wie  der  Schelm  (s.  Aas)  veran- 
lasst; nach  H.A.  Rh.  122  ff.  ist  Alber,  Elbst  ein 
feuriges  Drachenungeheuer.  das  Menschenopfer 
sich  holt.  —  XIL  Der  Alp  oder  Alpgeist  blendet 
auch,  drückt  das  Auge  mit  dem  Finger  aus  etc. 

'Simrock  II.  Ii.  M.  436  [(.  blind),  „von  den  elbeti  wird 
•Machen  viel  umneger  maa",  (Simrock  ll.  Ii.  MT.  HS}. 
(Allgäu.  1  —  XIII.  Der  reitende  Alp  befallt  auch 

Tiere,  Pferde  und  Schweine:  „qutdam  erednat, 

<liiod  siityrl  equltent  porcos".  Weun  »ich  ein  Schwein 
aul  der  Alinwcide  durch  Walzen  den  Kucken  begna- 
digt, so  inu«s  dicer  arme  Uerifieufel,  der  Alp.  es  ge- 
ritten haben  .Schmener  I,  64).  Bei  Pferden  ist  der 
Alp  -  Hintscb  oder  Hinsch  (s.  d.)  -  schweres 
Atmen,  Keuchen  (wie  nach  einem  strengen 
Kitte  durch  dun  Alp)  (<.r  \v  IV.  2  lith  U70i 
Milzbrand  mit  Lungen -Erscheinungen.  Ver- 
I  gleiche  auch  die  übrigen  Krankheitsdämonen: 
Trtide  iober.1  ,  Alpmar,  Mar  (md.),  Schelm, 
Wicbti-1,  Männlein,  Bettzairle,  Billwiz,  Toggeli, 
Strädl,  Sträs^l(«ch»ei/.),Schrattol  (oberd.),  Druck- 
erle  (idnräb.),  l.etsel  (elrtsn.),  Trempe  (trimk.i, 
Blecklein,  l'ngchcuer  etc.  Die  älpischen,  (elb- 
ischen) Krankheiten  kennzeichnen  sich  detn- 
nacb  aln  typisch  (lanionistiscbe  Krankheiten  da- 
durch,  dass  sie  wiedieschelmischciiKrankheiten 


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albelu— alt. 

(s.  d)ez-  wie  intensiv  ganz  auffällige  Erschein- 
ungen veranlassen  ohne  eigentliche,  für  die 
früheren  Kulturepochen  wenigstens,  nachweis- 
bare gewöhnliche  Krankheitsursachen;  ähn- 
lich wie  die  Naturvölker  ivgi.  Bartels,  die  Medizin 
der  Naturvölker  ll)  suchten  die  früheren  Genera- 
tionen die  Bedingungen  zu  solchen,  heutzutage 
wohl  meist  „nervös"  oder  ,,infectiö8"  bezeichne- 
ten Krankheiten  (s.  ü.)  in  dem  Einflüsse  von  bos- 
haften, Dämonen  (Mikroben,  Parasiten),  welche 
vom  Menschen  oder  Tiere  Besitz  ergreifen  u.  so 
die  Krankheit  veranlassen  Der  Dämonen- Same 
irird  hier  wie  öfters  zum  Krankheits-  (Symptom-) 
Xamen.  Das  hohe  Alter  dieser  Anschauung 
ergibt  sich  aus  der  Behandlungsweise,  indem 
der  Alp  oder  die  Elben,  wie  alle  Krankhoits- 
dämonen,  in  den  Wald  oder  Busch  zuruckge- 
bannt  werden,  woher  sie  gekommen  sind  Ho 

»prechungen  „contra  alpes"  s.  Schmcllrr  I,  C4  u.  Holt- 
mann ,  Mnn  -  Sehr.  f.  Schlesien  1829  II.  757.  758); 
I'rlurucii-Mittcl  Alpkraul  Hanf  (Kupatorla,  I).  213), 
Alprontc  lAbroianum,  I>.  l\  Alpranke  iSolanum  dulca- 
in  Hm.  *  Nachtschaden  .  Hunsch  u.  Hohlwon  Hoffm.  I, 
3M  .  Dornum  Wntikc  102;  (ir.  W.)  Klsass).  Wie  ge- 
fürchtet lu  Jenen  früheren  Kulturepuchen  iler  Alp 
war.  erhellt  aus  «1er  Wertschätzung  <ler  Regen  Ihu  er- 
\\  li-M-nen  Hilfe,  welche  in  den  sieher  uralten,  schon 
Im  Althochdeutschen  auftretenden  Personen  •  Namen 
zum  Ausdrucke  gelaugt;  so  vor  »Hein  durch  die  schon 
bei  Tacltu*  vorkommende  Albruna  -  Alpbczau  herin ; 
ferner  Alhugunda  und  Allihtld«  Alphcknmpreriu ; 
Vlbcrada  Ratertetteriti  gegen  den  Alp;  Alfsuinda 
■  He  «chuell,  geschwind  mit  der  Hilfe  gegen  den  Alp 
da  ist  .  Alboald,  Albwalt ,  Albwald  -  Alpbewtltiger; 
Albwar.  Albwera  =  Alpwehr  etc.  etc.  (Forstcmann, 
Alf-  I 

Personen  Namen  .  —         ^  Adel,  -Blast,  -drucken, 

•Dusel, -teuer,  -Flecken,- Fuss,  -  Geschrei,- Kreuz. 
-Kugeln,  Rasen,  -Schuss,  -Schwanz,  -Stich, 
-Sucht, -Trötsch,  -Trug,  -Zopf. 

albeln  s.  alpern. 

Alber  s  Alb. 

albern  s.  alpern. 

Albernheit,  f  (n  ahd.  ala-war;  nihd.  al-wiere 
ohne   Falsch;   alber       einfältig)    ,,elne  UattOBg  der 
tielstesk  rankheit"  |7),  „der  erste  t!rad  der  tieistes 
schwache  1807.  Ackermann  20tt.<;  „die  ahd.  und  uihd. 
Formen  gestatten  einen  <  >f  danken  uu  elbisches,  thorirh- 
te«  Weiten  Alp)  nicht     <ir  W 

Alfs  Alb. 

all-,  (er)- Hauptweh,  -werteste. 

allein,  sie  isst  nicht  allein,  s.  essen. 

allerdings  [17tt]  es  ist  mir  nicht  allerdings  — 
nicht  ganz  wohl  wie  sonst  alle  Tage  (Mauuscr.  d 

JUichsgrafeu  v.  Horwart 

Alp,  m.,  s.  Alb. 

Alpen,  pl  Alpen  -Diesel,  -Flechten,  -Kropf, 
-Skorbut,  -Stich 

alpern  (olpern)  s.  A)l>  V. 

alt,  Altem,  (s.  Alter);  der  Alte  Altmünn- 
chen,  A  elter  lein  (ndl.  elterken),  Altvater  (s.  d.) 
■  eine  dämonistisch  vom  Volke  aufgefasste  Be- 
zeichnung fOr  Katarrh  mit  Brustbeklemmung 


Alter.  18 

der  Kinder  (Alp- Druck  der  Kinder)  (EUmolog. 
Mitt  n  l'.  ls;>.:  in.  23);  die  Alte  nnns  Podex 
(Or.  W.  I,  2C7J.  —  efcfM-alt,  uhd  epanult  J.ruff  I,  IMj 

coaevua,  penis,  der  gleichaltrige  Genosse 
(s.d.),  vergl.  Sehwenterloin  i.Seh  melier  I,  14;  l.iebr. 
z  V  14'.»  — jr(c)alt,  uhd.  gialta  (Uralt  1,  H>7  ;  Schindler 
I,  SMKt .  B.  galt  durch  Alter  unfruchtbar,  aus- 
gewachsen. —  s/füi-alt  ein  vermutlich  aus  der 
Anntomia  sacralis  entnommener  Ausdruck  für : 
durch  Alter  verhärtet,  z.  B.  am  Herzen,  an  den 
Gelenken  etc.,  so  dass  die  Gewebe  beim  Durch- 
schneiden hart  wie  Stein  empfunden  werden. 
—  Uber-alt  (U20  -  decrepitus,  v.  HW.  M.'ii -•  abnorm 
alt,  ganz  hinfällig  durch  Alter.  —  alt  -  lang- 
wierig, chronisch,  unheilbar.  —  Altheit  —  Alter- 
tum, Seneetudo,Senectu8  ib.  we.  527,.  —  alt(eX«*)- 
Fieber,  -Fluss,  -Frost,  -Gebresten,  -Gelbsucht, 
-geschaffen, -Geschwüre,  -Husten,  -Kahle, -krank, 
-lahm,  -Leberkrankheit,  -Leute,  -los,  -Materie, 
-Milzsucht,  -rise,  -Sand,  -Schaden,  -Schädel, 
-Schelm,  Schmerz,  -schteach,  -Sucht,  -Sünden, 
-Vater,  -Verkühlung,  -Wacht,  -Wassersucht, 
-Wehtage. 

Alter,  n.  zu  ronrerm.  al  aufwachsen,  hervorbrin- 
gen, ahd.altar,  mbd.  alter;  lüO»Wias  Aller  ist  nichts  dann 
eine  Verwesung  und  Kruukheil  [UlMT.  17)  -  wueclu* 

ipee  morbun  (Cicero;  die  Zeit  des  HeranwacbsenB, 
die  l^ebenszeit,  die  Zeit  des  Ahlebens.  —  Bär- 
haftes Alter,  ahd.  in  berehaftero  altir  ;iirall  1,  137i 
-mannbares  Alter.  —  Bebendes  Alter,  ahd. 
Um  bibit  altir  «.raff  i,  19-jj  =  Senectus  decrepita, 
hohes  Alter,  in  welchem  der  Körper  durch  Ab- 
nahme an  Kraft  zittert  (Tremor  senilis).  — 
Bogenrückiges  Alter  [Ift.  Jahrh.  boghriekig,  bog- 

ruckig,  bogeuruekig  ulier,  l>.  168.  52C.  527)  m  das  hohe 
Alter,  in  welchem  die  Wirbelsäule,  die  Trägerin 
des  ganzen  Stammes,  eine  Bogenkrümmung 
erführt  (Sonectus  decropita).  —  Graues  Alter 
=  die  Lebenszeit,  in  der  die  Kopfhaare  schon 
grau  zu  werden  und  die  Kräfte  abzunehmen 
beginnen.  —  Greisen  -  Alter  =  die  winterliche 
Lebenszeit  des  Menschen  (s.  Winter).  —  Grüne* 
Alter  die  Zeit,  in  der  noch  kräftiges  Leben 
dem  Menschen  zugehört,  bevor  er  zu  altern, 
abzulegen  beginnt,  die  sog.  guten  Jahre  (5f>  bin 
tJ5  Jahre)  F.  Uoffm.  VII,  5).  —  ii75C  hohes  Alter 
s  eine  an  Jahren  hoho  Lebensstufe,  wo  der 
Körper  auszuzehren  beginnt  (A,  v.  II.  I,  hsmi.  — 
Hunds-  Alter  (bei  den  Siebenbürger  Sachsen,  Ktymol. 
Min.  aus  Ungarn  isu3  III,  i\)  =  Paedatrophie  (Darre) 
oder  auch  Älterlein,  Alter  (s.  d.  oben);  das  Kind, 
das  wie  ein  alter  Mann  (s.  d.)  Hautrunzeln  zeigt, 
bat  dann  nach  dem  dortigen  Glauben  Hunds- 
haare in  den  Magen  bekommen;  das  Kind 
keucht  und  bellt  wie  ein  Hündloin  illundshuar 
mneor  glaucui,  Hehlbund  [«.  <i  ],  Schindler  i,  H2U; 
Wuiike  US .  —  Kindes- Alter  -  Kindheits-Zeiten 
von  der  Geburt  bis  zum  vollendeten  Längen- 
wachstum. —  Kritisches  Alter  das  Alter  oder 
die  Lebenszeit,  in  welcher  infolge  komplizierter 
oder  latenter  Krankheiten  die  normale  Lebens- 
kruft gewissermassen  zur  entscheidenden  Krisis 
auf  Fortleben  oder  Tod  des  betr.  Individuums 
gebracht  wird;  das  Aufhören  der  Periode 
(Klimax)  gilt  besonders  als  eine  solche  kritische 
Lebensstufe  (s.  Stufenjahre),  in  welcher  die 


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14  Amaranthen— Auge. 


Angel— Anthrax. 


normal,  d.  h.  durch  das  Alter  veranlassten 
rfiekschreitenden  Gewebsveränderungen  durch 
gleichzeitige,  sonstige  pathologische  Veränder- 
ungen eu  rascheren  lebensgefährlichen  Pro- 
zessen sich  entwickeln  können.  —  (igihi  kntmnus 
Alter  botrenruckiges  Alter  («r.  w.  V,  MM).  — 
Lcbluiftrs  Alter  ■-  grünes  Alter.  —  Mannes-, 
männliihen  Alter  -  gestandenes  Alter  beim 
inünnlichen  Geschlecht  (2")— 60  Jahre)  —  Ma- 
tronen-Alter ■  die  Jahre  oder  Lebenszeit  beim 
weiblichen  Geschlecht,  in  der  die  Frau  zur  Ma- 
trone (b.  d.)  wird  (Climactcrium\  —  (1529,1  ver- 
altert  durch  lang  dauernde  Veränderungen 
(Ankylose  z.  B.)  unbrauchbar  (Bronfels'.  —  (l&sij 
zeitliches  Alter  an  den  Jungen  -  sog.  Frühreife 
der  heranwachsenden  Jugend  <Uoek  294).  — 
(16.  Jahrh.j  zunehmendes  Alter  =  die  Waehstum- 
periode  im  I-ebcn  (Adoleacentia)  im  Gegensatze 
zum  abnehmenden  GreisenaltenD.n  .  — Alters- 
Blödsinn,  -Bogen,  -Flecken,  -Gebrechlichkeit,  -Ge- 
bresten, -Schicäche,  -Schwund,  -Staar,  ■  Verzehr- 
ung, -Zrichen 

Amaranthen,  pl.  =  Blumen  (s.  d.)  Menses 

[1097;  ür.  W.  II,  MO). 

Ameisen,  n  zu  Amei.«e  ahd.  ä-meiza  Abmcbv 
seter,  Abschneidet  (Kluge*  Ii;  14.  Jahrh.  aim-ifen, 
Hoffin.  I,  322;  Schweiler  I,  7  !  Ameisen  verspüren, 
Jucken  empfinden.  — Ameisen-ffiM/V«,  -  Warten. 

Amerika,  amerikanische  Krankheit. 

an-,diebetreffenden('oinpositionen  mit  dieser 
Vorsilbe  s.  beim  folgenden  Stammwort,  z.  B. 
Angesicht  bei  sehen,  Angrifl'bei  greifen  —  121*1 
an  werden  -  ohne,  ledig,  frei  werden  ;WeiiTcr  35 . 

anan,  ahd.  (Graff  I,  267)  =  rcsplrarc  =  ahanan 
(s.  Ach}. 

anchtzen  HiH2;  Zeiting,  Vocab.  gg»)  =  kreissen 
bei  der  Geburt  (ächzen). 

And,  Ant,  m  .  Ande,  f.  altindog.  an  hauchen 
[WllnWif,  SvlpOClj  altnord.  nnde  Atem,  tieist;  ahd. 
nnandn;  mini,  ande  Leid,  «rhmer/.haft  be!ii«tlgcndcs 
(Jetuhl  Kluu'.  \  7:  Hr.  W  I,  192.  308),  1.  körper- 
lichen Weh  [Schweiler  i,  »8),  *.  B.  ant  thnen  an 
Gliedern,  im  Bauche:  dagegen  «ollte  da.«  AndWott 

Frctenknat  helfen  (Srhvr.  Ut).  —  2.  geistiges 
Weh,  speziell  Sehwabeti)  Sehnsuchtschmerz,  z.  B. 
mir  thuts  ant  nach  etwas  ich  habe  heftige 
Sehnsucht,  Andigkeit  nach  etwas.  —  Ant- 
Fuss,  -Trat. 

Andack  m.     Krankheit»- Anfall  (attaque) 

(Pftnll  4C;  1'falzl. 

anders  (ändern),  ludog.  antero*  der  eine  von 
zweien,  aller;  wkr.  antara  m  rer>ehleden  TOD;  ahd. 
miliar,  anderem;  nihd.  ander,  ander«!  Kluge*,  13).  — 
anders  «ein  in  anderenUmständen,  schwanger 
.sein  il'aull  90;.  —  Veränderung  die  Wechsel- 
jahre, klimax;  Menopause,  kritisches  Alter. 
Stufenjanre  (Goid*ebm  133).  —  Ander -Mutter. 

St.  Andreas,  der  «ilchtpatron  i«  Kulturkahndii 

ri um  in  7.  d.  I>  Oe.  A.  V.  1M9  &  Sil),  Sein  Festtag 
lalll  in  dir  Zeit  der  heidnischen  Yorleier  der  Winter- 
sonnenwende. —  Andre&s- Krankheit. 

Ange  f  •  v.  srhm  tue  Vexatio,  beendende, 
mühevolle,  belästigende  Beschwerde;  mhd  anpe 


Hn. n       weh  thun  (I.exer  G)  ;  mhd.  nilelieh  Angst 
erwerkend  (l.cxer  fil.  —  Ang- Beeren-,  -Nägele, 
-Satz,  -Queiz  (s.  Kngerling). 
Angel,  m.  Indog.  onk    spitz  «ein  (»neu«) ;  «rm. 

ang-;  ahd.  nngul,  Stachel,  Spitze;  mhd  angil  Thür 
angel  (Klage*,  13).  —  Hinter- Angel    l-"."-!  hindirer 

angel,  i»r.  Ii,  12»;  -  der  hintere  Kieferwinkel,  in 
dem  der  l'nterkiefer  wie  die  ThQre  am  Angel 
sich  bewegt. 

Angen,  pl  (Sehw.  m),  1  eine  anginöse 
Krankheit  der  Schweine;  Anginen  Fauces 
(    Milzbrand-Angina).  —  2.  mtl.  angu«,  anghio 

anthrax,  bubo  intpiiui*  nngueii,  Hu  Tauge  V,  Ms; 
VI  308  I,  251)  tuher  in  lliqUlne  ii:t99i. 

Angge,  f..  s.  Anke. 

AnglitZn.  {liogner  Mirakelbuch;  Sehmeller  I,  979) 

Antlitz  (s.  d.). 

Angst,  f.  urverwandt  mit  Int.  angu«tiac  ;  ahd 
nngust  l.V  Jahr  angebt  anxia.  I>.  39,  —  Beengung, 
beengendor,  quälender  Schmerz.  —  Brust-Angst 

-  Anxietas  pulmonales,  Beklemmiiugsgefnhl  in- 
folge von  BruBtkrankheiten.  —  Fieber- Angst 
-FieberfroBt  (Gr.  W  III,  1621  .  —  GrtVtr-Angst 

-  Angor  muliebris  i<;r  vv.  v,  7ß0>.  —  (17851  Herzens- 
AngSt  Cardialgia  (Thes.  «an.  Hrand  (ilh  Herz- 
klemme,  Pracordial-Angst  bei  Herzkrankheiten. 

—  Kopf- Angst  -  das  Angstgefühl,  vom  Kopfe 
ausgehend  (Dresdner  Pfineher-Ausdruck  In  Angsb 

Abendzeitung  Nr.  132,  1894)  Schwindel  —  Platz- 
Angst  —  I'latzschwindel  (s  d  ).  —  7Wca-AngBt 
die  Todesnot,  die  namentlich  Herzkranke  oft 
quitlt  Feige  ci.  —  Angst  -  Diarrhte,  -Fieber, 
•Gift,  -Schweiss,  -  Tropfen. 

Aniss  (Aeriss)  ;anry«»,  Sehmeller  1,  «4»;  II,  14« 
1754  -  Äres  (s.  d.  u.  Riss). 

Anke,  f  Ankel,  ro„  Hanke,  f ,  Angge,  f.  viel- 

leleht  zu  ««kr.  anga      «ilied;  ahd.  ankia  f.  enchn  I 

—  Sehenkel,  Iteinr« ihre  Kluge  ,  9u  ;  aneha,  f.  occlpnl 
iliraft  I,  MS;  ür.  W.  III,  4851;  aneha],  in.  Enkel, 
Knöchel  Kluge5,  89  ;  mhd,  onke.  m  Helenll  am 
POM,  (Jenlek.  Nacken  ;  fl71«,  honke  Hüfte.  Behenkcl 
beim  I»fer«le,  bei  dem  nirh  wohl  eine  altererhte  Kebea- 
form  mit  vorge«rhobeium  Ii  <ir  W.  IV,  2.  4.V.)  langer 
forterhielt,  (Sehwaben ,  Mittelrhein,  Kranken,  Pfalz 
Anke,  Ankel  Nacken  •ür.W.  1,  378  ,  Huck«'.  ..Schwierig 
isl  da«  VerbUtlÜI  von  Ankal,  Enkel  zu  Anke" 
;Kluge*,  901;  1.  =Schenkel,  Beinröhre;  2.-  Fuss- 
gelenk (Knkel);  3.  =  Genick,  Nacken,  Hinter- 
Haupt;  4.  =  die  beiden  Seitenteile  (Hanken)  der 
sog.  Kruppe  beim  Pferde,  der  ganze  Pferde- 
hinterleib  (Mayer  80;  Herb»t  11).  —  Hals- Angge,  f. 
=  Hals,  Nacken.  —  Heil-Ankß,  —  Hackel- 
Allke  f   ahd.   |7.  Jahrh  i  hailancha  (Rah.  Maur  04) 

CMClpUt  (Oraff  IV.  R80;  (Jr.  W.  I,  376  hahilancha, 
iiack.ianke.  occlput  (D. 392,  -Gelenkanke, Nacken, 
ilinteihaupt  (ob  nicht  etwa  der  Begriff  Knge 
unterm  Hirnschädel,  vorliegt?) 

Anker  (Enker)  m.  Processus  coraeoideus 
scapulae(Schulausdnick  fürhacken-oderanker- 
förmiger  Knochenfortsatz)  (Hyrtl,  K.  W.  43). 

Ant  s.  And. 

Anthrax,  m  i-Jehulau«dnick:  ä^tt%  ^  Kohle 
(earbo,  prima),  die  glühende  oder  schwarze  Kohle, 


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Anticht— Apfel. 


Apostem. 


15 


Kohl.  nlN  ulc ,  Hrundbculc  Krüns,  K.  Ms:  Narfur>i, 
Atcuhi  tand  der  Araber ;  «hnrbon  der  l'rovcncalen ; 
Mniuiit.  peatllii  iii.|«iinu  bnbo;  anthto,  ungucti, 
Imuwa  \Du  i'ange;  Pr.  I,  fiS]  jeden  mit  Haut- 
rote,  brennendem  Schmerze  und  schwarzem 
brandigen  Gewebszerfälle  eiuhergehende  Ben- 
lengeschwftr,  tumeur  brülante  (s.  Karbunkel): 

I.  ■  Milzbrand- Heule,   Pustula  maligna  iUu 
Cange  1.  »H;  Kosenb    HO;  bibl.  Med.  4:»;.  —  2. 
brandige  I^eistenbeule  bei  Pest,  .Syphilis  etc., 
rurhumulus.  genus  ulccri«,  iiposlcimi  In  peile;  entrue 
im  rata  des  genitoire*     boubon  venerlcn  liriss.  393 J. 

—  3.  —  der  Schanker  (s.  d.)  als  Geschwür  mit 
pbacedunischem  Charakter  [Pr.  I,  03),  daher  aueb 

vulv»  (Krau«,  K.  W),  —  4.  -  Erysipelas  gan- 
graenosum, Brandrose.  —  Gaumen- Anthrax  - 
kankkorn  («.  d.)  im  Maule  der  Schweine  <;i.  Hdb. 
Hl,  470 .  —  Halt- Anthrax  —  Rankkorn  an  der 
Hnlskehle  des  Schweines  (Zipp.  070i.  —  Kopf- 
Anthrax  =  Milzbrandbeule  an  den  Ohrdrrtsen 
des  Schweinskopfes  (Zlpp.  073).  —  Maul- Anthrax 

-  Gaumen-Anthrax.  —  (is22'  vagierender  An- 
thrax -  senchenhafter  Milzbrand  (s.  Angen) 
iKc»ei  i:u)  —  Anthrax- Seuche. 

Anticht  s.  Andigkeit. 

Antlitz,  n .  vorjrcrm.wlid  ;  Renn,  will;  golh.  will», 
■will,  nulluni.  spat  nhd.  nntliUi ;  nihil.  1200  antluze, 
tntlitzc;  mnd  antlat,  antlact  Kluge*.  15.  Mug.  Harth 
seh.  Pfeiffer 80)  -  Angesicht  als  Entgegenspilben- 
des,  Kntgegenschauendes  (anda-ludi).  —  (1814) 
Hipjtokrates- Antlitz  Facies  hippokratica,  der 
totenähnliche  GesichUtausdrack,  wie  ihn  das 
Buch  des  Hippokrates  „die  Vorhersehungen" 
il6o — 370  a.  i  hr.'  schildert:  „die  Na*e  Ist  spitzte,  die 
Augen  liegen  lief  Im  Kopf,  die  Schlafen  sind  einge- 
fallen: die  Ohren  kalt  und  zu*ammcngezogcn .  da« 

Ohrläppchen  vorgelegen,  dteSttrabml  hurt,  gespannt 

und  trocken,  die  Farbe  de*  ganzen  ücslehtcs  bleich 
<m|it  Muti  «<  hu urz.  Brau  oder  bleifarben''  ;<irnithulsen, 

II.  1  >pokrnl<  Schrillen  S.  237 1  da»  »ieslcht  eine*  Ster- 
benden «der  Im  GOllapS  Betlndlichen.  —  (1743]  kupfe- 
richte»  Antlitz  ■  Acnerosacea  (Zw.  92,  (s.  Kupfer). 

—  ii  M2i  laut  er  Antlitz  («r.w.  v.aso]  vom  Aus- 
satze freie«  Gesicht.  —  (IW7  terschtcollenes  Ant- 
litz Hort  au.)  -GesichtsBeh  wellung  in  die  Breite. 

-  Antlitz  Bleiche,  -Flecken,  -  Wandel. 

8t. Anton. St  Antons-Feuer,-Krankheit, -Pia;}, 
■Räch.  C\wr  St.  Anlon  ».  Kulturkateadarlua  In  Zeit- 
schrift I)  Oe.  A.  V.  1893  H.  1S»I. 

Apern,  pL  1.  s.  Aeber.  —  2 .  ■  Augen&pern 
Tln.i,    Augenbrauen  ^iiintuerdisj  Augenftbern 

Augenwimper  [dchnriler  I,  Ii),  „ein»?  Vertun- 
imluiig  von  Aug,en  brä.  w  ie  Wimpel  aus  wint-bra" 
Mi»,  I.  c). 

Apfel,  m  ah.i  apfui    Augapfel  [Klua«*,  Ifi  ,  nn.ii. 

•pfot  .  pupUla  (II.  Z.  XVI.  24.  08.  70);  «1091)  apffel 
IIa»!  Jun.  2.'»,  pupilln  (  uchwarzer  Augapfel)  ;  dem- 
nach wie  der  Augapfel  \».  d  ],  Hyrtl,  K.  W.  93, 

1  Globus  oculi,  s.  Augapfel  (als  Ganzes).  — 

2  =<  Pupilla  (der  Teil  desselben)  —  8.  die 
runde  weibliche  Brust.  —  4.  -  die  runden  Wau- 
den. —  5  miti  pomum  Erhabenheit d.  mensch- 
lichen Korpers  Kluge5,  4).  —  Adams- Apfel 
■  Pomum  Adami,  poauM  d'Adam :  Adam  auruii 


avale  de  traver»  et  lu  pomtue  sc  scrrail  arretee  eu  rollte" 

(Bris»,  ci)  (s  Griebs),  der  in  der  Mitte  des  Halses 
der  Männer  (Adamssöhne)  starker  als  bei  den 
Töchtern  der  Eva  vorspringende  Teil  des  be- 
weglichen Kehlkopfes  (K.  a.  2  67;  Kluge*,  i).  — 
Aua(en) -Apfel,  nhd.  ungaphul  Uran*  I.  1231,  oug- 
iiphul  (lirah*  I,  171  pupilln,  AiiKiipfel  i.globtis  oculi.1; 
(1304  aug-opfel  pupilln,  1>  173;  11  Jahrh,  ougnphel 
orbis  [oculi],  Voc,  opt  W.  10;  1470  angapbel  arles, 
«im*  oceUi,  P.0;  I4a2  auzapllel  puptüa,  Zcalaa.Voe. ; 
1618  Auitnpfel  pupilla.  II.  v.  Oertd.  j  1742,  1701  Aug- 
upfel  pupilln,  Zw,  iso;  l.  eh.  71),  1.  -  der  in  der 
Augenhohle  liegende  kugelförmige  Bulbus  oculi. 
—  2.  -  das  schwarze  Sehloch,  die  Pupille;  der 
Augapfel  nimmt  ab  -  Phthisis  bulbi;  er  fallt 
heraus  -  Prominentia  bulbi  (Exophthalmus).  — 
Aug&pfol- Abnehmen,  -  Vorfall.  —  .Bae&ftt-Apfel 

15.  Jahrh.  backapffel  —  gena,  mala  [maxilla],  1).  2.VJ 
die  runden  Pausbacken.  —  Frauen  -  Apfel 
Frauenbrust,  Mamma,  rund  wie  ein  Apfel  (<;r.  w. 
IV,  1.  Ol  —  Gmnnt- Apfel      tiinlnm  paoUrUIB  der 
Amhlsten,  Avwn  Hlute  «plubluttriij  int  wieeine  Schwert 
-pit/e,  daher     Proccfii«  ensiformis  sterni  (Hyrtl. 
K.  w.  04   —  firA/-Apfel  ;Alhruu;  -  ein  Schimpf- 
wort fOr  einen  mit  endemischem  Kehl  kröpf 
Behafteten  (iiiriiticer  Ii.  l-j.  —  L»V6e«-Äpfel 
Poma  amoris,  Ipb  amourettes,  Hoden  (Krau»,  E. 
H34;  Brii«<  oo    —  iC27j  /i".^  Apfel  Rossballeu. 
der  apfelrunde  Pferdekot  (-  Zirk)  <ir  W  VIII. 
r-W)  —  Schwarzer  Apfel  [Cb.  v.  .Srhtn.  480)  =  Aug- 
apfel 2  —  Apfel- /Itt^r,  -Bein,  -Kinn,  -  Wange 

Apostem,  n.  (Apostein,  Pesten;,  Abbeste, 

Posten)  i  10.  —  m  Jnhrh  apoatetnutu  pu«tulne  nnl^. 
verrinne,  fttdos  aleohl  de*  Albucaii«  Kcbtwarzeii, 
Pr.  1.  901  i  12  Jnhrh  puMema.  Pteifler  II;  1304  n|K>. 
stemu  l'est  KnrbunkelCeschwur,  Du  fange  I,  :tlis. 
lfii  Jahrh.  apo-lein,  Bchmeller  I.  204.  sub  Bwkn  Auge ; 

16,  Jahrh  ein  (a)postcn,  11  Z.  XN.  24;  1524  »Iura  mala 
npoMtematn  ijuae  vulgure  gummntn  appellimt,  Pr.  II,  00. 
177;  1551  iiestcule,  Hock  'J5.  101;  1615  Apostetna  -  ein 
zeitige»!  (tvuebwür,  Coler,  II.  A.  251;  1609  apostem  -  ein 
Karbunkel  innerlich  an  der  Klppeiihaut  .lixuud  Ptevr.), 
v.  M.  II,  6h;  1725  apostetna,  f.  In  einer  Quncknalber- 
Reklame,  «irlinger,  Sitten  II,  4;t0).  —  Apostema 
—  etwas,  was  abgestanden  ist,  namentlich  in 
Höhlen  abgeschlossene  Eiteransammlung.  l>ns 
Wort  lit  aus  den  McdUlnschuW'ii  schon  früh  In  den 
Volküiiiund  gernten ,  wo  es  lautlich  zurecht  gekuut 
wurde,  so  da«*  es  heute  lautet:  Aposteln  (Bayern), 
AbbvMe  (Schwaben) ;  tnuis.  aposlhumes  (Buck  lt; 
Bris«  so),  worunter  nicht  bluss  1.  die  mit  Eiter  ge- 
füllte Abscess  -  Geschwulst  verstanden  wird, 
sondern  auch  2.  das  Empyema  (Eiterbrust)  = 
Collectio  puris  in  pulmonia  \Uu  lange  in,  201,, 
3.  auch  Drüsen-Abscess  unter  der  Achsel  und 
Iveistengegend  (Bubo)  j-r.  II,  21,,  4.  die  Feig- 
warze, welche  eitrig  secerniert,  sowie  5.  Hy  lro- 
tborax  und  Hydropericardium  —  Brustwassor- 
sucht;  heutzutage  bezieht  sich  aber  das  Apostem 
(stricte  sie  dictum)  immer  nur  auf  die  Brust  und 
Brustgegend,  zum  Unterschiede  von  anderen 
Apostemarten.  —  apostemieren  -  in  ein 
eitriges  Gesehwar  übergeben  [llrutü  *.  —  (1742) 
J/7/<rs-Ap08tem,  1.  Pustulae  ani  des  Arabers 
Alhucasis  -  Keigwarzen,  Condvlomata  in  ano.  — 
2.  -  Ulcus  s.  Absceasus  ani  (Vr.  1,  261;  Zw.  los) 


16  St.  Apollinaris— Arbe. 

—  (1539)  blutig?  Aposteme  —  mit  blutigem  Kitor 
gefül  Itcr  A  bsces*  i  Brun  f. ). — Brust-  Apostem  1 1  Inn . 
ww.)  Pleuritis(exHud).—  Cholerischf  Aposteme 
aus  cholerischer  Natur  (s.  d.)  veranlasstes 
Eitergeschwür.  —  Ersticktes  Aposteln  Asthma 
mit  Erstickungs-Angst.  —  Gehirn -Aposteme, 
vermutlich  =  Gehirn- Gumma  (Sehmellor  [,  1166, 
mmnir).  —  1529)  Ge»Mrtc/it-Apo8tem  -  syphili- 
tische Rn  honen,  Pestbubonen  (Brunf.).  —  (le.Jahrh.) 
harte  Aposteme,  =  1.  noch  nicht  erweichter 
Abscess,  2.  Scirrhus  non  exulcerans,  Krebs.  — 
Aposteme,  Kiterherd  akut  entzündlichen 
Charakters.  —  ;i529>  kalte  Aposteme  =  kalter 
Ahse  es  s  Brunf  —  i;.2<»  JMuVn- ApOBtem  -  Cy- 
nanche,  Croup,  Angina  Hmnf\  —  Z,<*er-Apo- 
stem  fzw.  s:\iu  =  Tumor  (abscessus),  (gumma) 
hepatis  (Lebergeschwftr).  —  ig.  Jahrh  )  Lungen- 
Apo stem  -  Lungen -Abscess,  Empyema  — 
A/tfc- Apostem  —  Milz-Abscess.  —  ATagen-Apo- 
stem  Nasenpolyp,  Nasenkrebs,  Highmors- 
hidilen-Empyem.  —  O/tmt-Aposteme  (hinter 
den  Ohren) -  Anthrax,  Pestdrüse.  -  (l«87)£ntol- 
Apostem  pleuritisches  Empyem  in  der  Brust- 
seite  akoor.  W2\  —  1477  Wangen- Apostem 
Parulis,  Zahngeschwftr  i<>rt"lf\  —  11529:  wütende 
Aposteme  Pest -Karbunkel  mit  Fieberdeli- 
rium [Brunf.).  —  Zageis- Apostem  (Schnellet  i, 

ll.Vi,  *tit>  hir'  —  apostemn  virirac  »I«'«  Arabers  Mi"<iil 
(+  ioi".  -  Condylomata,  eiternde  Feigwarzen, 
Acrochordines  (s.  weiche  Warzen)  (Pr.  i,  265), 
Vergl.  auch  Bockstern  /'Umbildung  aus  apo- 
steinV).  —  Apostem- Berstung. 

St.  Apollinaris,  lest]  St.  Appollinaris  (seil. 
Krankheit;  (Pries  72)  ^  Analepsie  -  «.Hinmacht 
mit  „Vergieht"  (- Convulsionen)  (Hysterie?). 
„Ehe  da»«  der  Mensch  füllt .  so  lieflndet  er  ein  Sagen 
de*  Maiten»  uii'1  Sausen  der  Ohren  uml  unwillct  gc- 
mcinlelichc  n ,  so  it  fiilll.  l"r«arlii'  i»t  etliche  biise 
Materie,  welche  sieh  hüll  in  den  Adern  uml  Nerven 
des  Mutten»,  reicht  über  sieh  Ins  Haupt  und  verstopft 
eine  Zellen  de»  Hirn»"  (Frie»  Lp,1.- St.  ApolUnariS- 
Krankheit. 

Appetit,  m.  [1488)  apctltom  (Zeitung:  <;a«thaus 
1894);  imrli  Kluge*,  i«'  aus  dem  trnni  appetlt ;  dies 
ans  dem  tat.  «ppetitus  durch  die  Schiilmedlzin  des 
10.  Jahrhundert*  entnommen  Verlangen  nach, 
<Mler  Gelüste  Is.  d.)  zum  Essen  (s.  Hunger).  — 
(1682)  Blodigkeit  des  Appetits  -  schlechter  Ap- 
petit .Fries  ioi).  —  (16.  Jahrb.:  hündischer  Appetit 
1882;  l  ries  103;  1G45;  Coler,  H.  A.  iw>>,  Übersetzung 
von  Farnes  canina  Hunds-Hunger  (s.  Hunger), 
..wenn  die  Itpjrlerde  zur  Speise  In  unnatürliche  Wesen 
verkehrt  ist,  zu  gleicher  Weise  als  ein  Hund  für 
and  für  hat  Lust  zu  essen,  mehr  dann  er  verdauen 
kann";  [IMS]  ■  Heisshunger  (Rvland);  (17.  Jahrh  j 
Eonicerus.  —  lönj  der  schnelle  Appetit  -  Bolis- 
IllllS  fFries  104:,  „ein  Huneor  aller  Glieder,  ausge- 
nommen des  Magens,  der  ille  Leere  anderer  Glieder 
nicht  befindet,  obwohl  er  seihst  erfüllt  ist".  —  Un- 

appetit  iBiiyern      Appetitlosigkeit.  —  (15*-*)  ver- 
lorener Appetit  (Or.W.  VI,  1717'  verschwundene 
Esslust.  —  ir.i;.  wölfischer  Appetit  hündischer 
Appetit.  Wolfshunger  (Coler,  H,  K.  180). 
Arabien,  arabischer  Aussatz. 

Arbe,  n.  [H82  arbe,  Zen.  Voc'  —  stipinn,  Ma.«en ; 
zur  germanischen  Würze!  arbh  -  erben;  ahd.  arbl ; 


Arbeit— Arm. 

mini  ertK',  demnach  —  Erbzeichen,  Erbmal,  Mutter- 
mal. ( Die  gemaserten  und  gezeichneten  Marmor- 
kugeln heisaen  Arbel)Schiucllerl,i:r7),(vgl.  Erbe). 

Arbeit,  f  zu  vnrgerm.  nrbho  (  Knecht]  und  hl 
(  Thatt;  daraus:  golh.  arbuip« ;  ahd  aralM'it  ;  mhd. 
arehelt;  germanische  Grundbedeutung  mühseliges 
Werk  (Kluge*,  16'  lahor  purturientium,  mol,~tia  Kniff 
I,  107),  die  höchste  Anstrengung  iGralT  I.  511  ,  tnrli 
seliges  Werk.  Kindsnot  (Lexcr  Bl ;  ndl.  arbeydt,  tu. 
Wehen,  «iehurt  (He  fock  61),   1.  (1599!  die  Arbeit 

=  (Rheumatismus  art.  acut?)  Verlieht  (Epilep- 
sie,  Eclampsia).  —  2.  die  Arbeit  (Schwaben)  «die 
innerlichen  stillen  Gichter  der  Kinder,  Gefraiscli 
(Convulsiones)  [Schweiler  1.188,  Register  tnfa  Arbeit  . 

—  3.  die  Arbeil  in  alleren  «ieseUen,  franz  le  travall, 

itriss.  3is)  -  der  Akt  de«  Gebarens  (s.  Kindes- 
Arbeit)  —  4.  physiologische  Funktion,  z.  B.  der 
Magen  arbeitet  nicht,  ist  nicht  thtttig.  —  (ist.v 
Qeburt8- Arbeiten  [Müller,  Krautert.neh  st)  GebUr- 

Akt;  mhd.  Kindes •  Arbeit  parturientium  labnr 
diraff  I,  Ml)  (icbtirtswehcu  <ir  W.  IV,  1.  1907;  V, 
755: ;  .1501,  l&ssi  Kludes-Arbett     Geburt« -  Arbeit. 

—  (15.  Jahrh  i  in  Todesnuten  arbeiten  -  agonizare 
(D.  19)  mit  dem  Tode  ringen.  —  St.  Yalentins- 
Arbeit  =  Vergicht  (Epilepsie)  als  schwer«? 
Krankheit  (s.  d.)  (Wackcm  Abhdlg.  III,  HM).  — 
11787  ZoAn- Arbeit  -  Dentitio,  die  Zahnungs- 
periode iVoRci  Ii,  155).  —  arbeiten,  1  =  gebaren 

schmeiicr  I,  196);  zum  Kinde  arbeiten  (<">r.  w.  v, 
7091.  —  in  Arbeiten  gen  der  Kinder  <;r.  w.  v,  7o»i 
gobiiren,  in  Kindesnot  arheiton  |Or.  w.  v,  7oo 
longo  tractu  parire.  —  2.  funktionieren  in 
physiologischer  Weise.  -  Arbeiter- Krankheit. 

Aren,  f.  (Tirol)  —  Kopfausschlag  kleiner  Kin- 
der, Kratze,  Crusta  lactea  isehmeller  I,  13s) 
A(n)r(a)ch- Airach  (s.  d.) 

Arkel,  m.  mnd.  arkel  (Mig.  Barth.  103at  der 
Zirkel,  Rogen  (arcus)  des  Urinsedimentes  im 
Uringlase  (s.  Zirkel). 

Ann,  m.  (Arml, Irmel), s»kr  irnnü  Kiugv«,  u.  13. 

7:t.  XIII);  Roth,  arms;  ahd.  aram;  mhd  arm  (Kluife  4. 
171  urverwandt  mit  tat.  armus  ss  Vorderbug,  obendor 
Teil  de«  Oberarms ;  Ärmel  (demin.) ,  ahd.  arinllo 
Kluse  731.  1.  f7.  — »  .tnhrh  arm  brachia  [plur.];  Ca». 
•  iloss.  Diez  9H;  8.  Jahrh.  arame  —  brochlo,  Kero  71; 
9.  Jahrh.  iirm      brachluin,  Hab.  Muur.  61.1  =  Arm  dee 

Menschen.  —  2.  =  Vorderschenkel  des  Pferdes 
von  der  Schulter  zum  Knie  (r,r  w.  I,  552  —  3.  = 
Schulterblatt  von  Opfertieren  (bei  Luther)  (Gr. 
w  I.  552  —  4.  -  Vorderfüsse  oder  Vorderbeine 
des  Bären  (Waidmannsprache)  (Or.  w.  iv,  l.  1000  . 

—  Htnrcr-Arm  II  Jahrh.  hinderarm  =  lacertus, 
Voc.  opt.w.  Ii,  tßso)  Hinter- Arm  Lacertus  =  Ober- 
arm, im  Gegensatz  zum  Vorderarm  (-  Ulna) 
(fir.  w.  iv,  2,  ii9s  —  (Isis)  Klein-Arm  „zwischen 
Ellenbogen  und  der  Hand"  a  Vorderarm  (H.  v. 
(iersd.,  Feldarznetburb  9ii ;  reberselzunp  des  brachlum 
paniim  der  Arabistcp,  Hyrt),  K.  W.  91).  — Krumm- 
Arm  lls2  krumparm.  D.  34;  aneus  curvus1,  —  ge- 
krümmter Arm  (durch  Fraktur,  Knochener- 
weichungoder Kontraktur).  —  1713:  Unter-Arm 
=  Vorder»  Ann,  Ellenbogen  (Leveiinpr  3s;  itibi 
Medikus  26it.  _  (1483)  PWer-Ann     Ulna  (Zenn. 

[   Voc.  mm  3)  =  (1880  forterarm  JG.  W.  IV,  2.  U96).  — 
Zitternder  Arm   15  Jahrh   zittern  arm  -  ituplda 


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arm  — Arsch. 


Art — «raten. 


17 


hrarhla,  D.  SS*  durch  Altersschwache  oder 
l^ahmung  zitternd  bewegter  Arm  des  Mensrhen. 

—  Atta-Ader,  -Beuge,  -Bros«,  -Bug,  -Fleisch, 

-  Grube,  -lahm, -Mäuslein, -Ruf,  -Rohre, -Schmalz. 
-Seil,  -Spindel. 

arm,  6/u/arm     Mangel  an  Blut  habend.  — 
arme»  Franzosen,  -Gicht,  -Leute,  -Rippen. 

Armee,  f  Armee- Krankheiten. 

Armut,  f.  ntnl.  wiiiiiimti  uns  dem  [noth.l  armoth* 

KHiKi-''.  IT);  Hill«],  animot  Kiitbehruiig,  Munirtl.  — 
/««/armut  Verminderung  der  Uesamtbhit- 
inenge,  Uligaemia  vera.  oder  nur  einzelner 
Hlntbi-Htandteile  -Oligaemia  serosa,  sicca  etc. 

Samuel  100).  —  Angeborene  /Ztrnarmut  Bavaria 
iv,  t.  2iij  =  Idiotismus,  Blödsinn ,  von  der 
mangelhaften  Gehirnanlage,  von  Gebart  aus. 

Arroee,  f.    Diarrhoe  (s.d.)  liiu*tr.  i»  M.-lIcfte, 

1S95  Apr.  1Ü0.I. 

Arsch,  m.  ein  über  da^  lierman  lache  hinaus- 
re lrheude»  Wort .  Kenn  ar>a-z  au*  orsn-s,  urverwandt 
mit  fyy>;  <>r«i>«  Steißbein .  Itnrz.  l  Kluge*.  I*; 
tthd.  »r» ;  mild.  «rr>«.  arwz,  ures,  ers,  eers,   Hill  arsch  | 

ruh»  !•  iflgi     lergum,  nun  Du  fange  II,  663); 

jahrh.  am  butw,  i).  HS;  ISO}  Mti,  ur-  Ingnina, 
D  29«;,  1.  -  Anus  (s.  auch  lat.  Kunst),  After  und 
Aflergegend.  —  2.  =  das  stumpfe  Knde  des 
Huhner-Eies.  —  1120  Bklc-Aisch,  odd.  blckars, 
liii  ke 1>  .  blekarct  bubo,  Intertrigo,  aiius  l>,  s:i  j 
oi.ienbg  bick-eers  <.oid«. ■lim.  i.v.  ,  i.jo:  bickars- 
intertrigo  l>,  :w>.  «;r.  \v.  i,  isnv,  1.  ein  After, 
der  ilurrh  Frattsein  (  Wolf,  Intertrigo)  oder 
durch  die  Sekretion  von  Feigwarzen  (r'eucht- 
warzen)  klebrig  ist,  pickt,  wie  Pech;  da  meist 
Feigwarzen  mit  Bubonen  verbunden  sind,  so 
ist  2  Bickarsch  auch  Bubo  (syphiliticus)  com 
oondyl.  ani;  dagegen  sollte  die  niekbeere,  si.  Jukob* 
beere.'  iiiaubocrv  hellen.  —  Bleck  (Blick)- Arsch, 
b]eekar*ch    i.raf  I,  LXHI. ;  bUckaer»,  Ii.  303; 

<.r.  W,  I.  aeu  ~  Intertrigo,  fratt  sein,  wobei  die 
wunde  Haut  hervorblickt  (<ir.  w.  II,  IV).  —  Breit- 
Arsch  'ir.  w.  i.  —  Dnnn- Arsch  <;r.  \v.  i, 
M4\  —  Dürr- Arsch  isrhmeihr  l.  l  is .  —  Fick- 
Arsch  s.  Fickardskrankheit,  mit  Fei«warzen 
besetzter  After  —  itis  hohl- arschig  Mu».  l.n.i. m 
bei  Kflbm  Hühnerarseh  (s.  d .).  —  Huhner- 
Arsch,  1.  (iesäss  mit  stumpf  hervorragendem 
Steissbein,  wie  der  Hühnerbürzel,  und  mit 
tiefer  ausgehöhlter  Arschgrube  (s.  d.i.  —  2.  Mit 
letzterem  wird  verglichen  das  Kotzgesrhwür 
beim  Pferde  mit  umgestülpten  zackigen  Bän- 
dern ztpp.  :«'...  -  Raul-,  (Keul-) Arsch  - 
Hühner- Arsch  mit  kugelförmig  hervorragen- 
dem Steisse  (Börzel)  Krunkel) ;  (ir.  w.  v.  319,.  — 
Kipp-AlSCh  12.  —  II.  Jahrh.  klpars  bubo  in  ODO 
qaun  qata  ambtilat  In  cul  ore,  |l.  CtK;  i:uo  kipnr-,  Sehte- 
«i'-n  ;  1  i:t2  k>  pur«,  Hävern  |  1488  kippax»      1>iiIm>.  D.  83; 

1301  kipimr»,  Leipzig,  Mittel-  und  NIeder-Kbctnj,  1.  ss 
eingekippter  Arsch  (Kipp  ictus,  collisio),  Inter- 
trigo (Wolf,  fratt  sein);  franz.  lea  partie-.  du  tcftt- 

uienl  w  gereent  on  „*c  coupent"  ,Hri*v  210,  Morbus 
vel  Detritio  pellis  (in  ano).  —  2.  [1SM  klpam 
bubo,  inlirmiia.»  qiiue  generutur  In  ano  «aiuin  uul* 
ambulat  In  calure,  HufTmann  I,  ::7y.   -  Feigwarzi-n 
mit  Iutertrigo  ani  und  Bubonen  (Syphilis).  AU 


Heilmittel  dugegeii  wurde  von  den  Madrhen  eine  Art 
von  AptelNdbe  fpomata]  in  Holland  gebraucht;  hal.el.al 
i|IMN)Ue  ipsa  virgo  uleiis  .pioddam,  rni  n  iueilil  cun*a 
Kitperponi  solelnint  ineisione»  pomonim  qid  ilieimtur 
melier«  MeUarseh  Hn  rann«  V  :!T'J  IT  <••  w  \" 
7SI>.  —  LoAm-Arsch  (Bayern,  Schwaben;  Uuck  17; 
s<hmeiier  i,  1170.',  ursprilnglich  wohl  einer,  bei 
dem  der  Stuhlgang  wegen  Lähmungsschwache 
leicht  abgeht,  der  infolge  dessen  nur  langsam 
sich  vorwärts  bewegen  kann.  —  Metz- Arsch  s. 
Kipparsch  2.  —  AVirA-Arsch  i»wn-  einer  mit 
anus  nudus  [Ur.  w  vn,  21::;.  —  y?/a/f-Arsch 
einer,  der  magere,  platte  Arschbacken  hatfiir.w. 
MI,  IM»).  —  5i7z-Arsch  die  (lesitss-Muskeln 
(Olutaei)  llvrtl,  k.  \v.  i.'.i.  Bei  den  Mecklenburger 
Bauern  >*.  z.  <l.  V.  I.  v.  K.,  lsm  iui)  ist  der  Arsch 
(n'ors)  die  Statte  besonderer  Lebcnsausseruni;; 
ist  er  zugeschnappt,  so  hat  das  lieben  sein 
Knde;  sind  die  Augen  noch  weit  von  ihm  ent- 
fernt, so  ist's  mit  dem  Kranken  noch  nicht  zu 
Ende.  Beim  Pferde  ist  die  Bewegung  des  Afters 
ein  gewisses  Lebenszeichen,  das  auf  den  Men- 
1  sehen  übertragen  ist.  —  Arsch- Backen  -Ballen, 
!  -Bein,-Bei*seH,  -Blätter,  -Bühel,  -Bürzel, -Darm, 
-  Finger,  -  Gat ,  -  Geicächs,  -  Graben,  -Halde,  -J uckrn, 
-Karm(- Kerben),  -Kitzel,  -Klaff,  -Kringe,  -Loch, 
-Marter,  -Naht,  -Papen,  -Quetether,  -Rute, 
•Schwämme,  -Spleitse,  -  Wang,  -  Warzen,  -  Weh- 
tum,  -Wucher,  -Wolf,  -  Wolfreiter,  -Zwang. 

Art,  f.  ein  erst  nihil.  In  «lieser  BeileumiiK  aul- 
tretemlew  Wort,  «lax  vielleicht  mit  lat.  an*  artiuni/  zu 
samuienlmnift  Kinne  \  is  angeborene  Eigentüm- 
tümlichkeit,  Natur,  Beschaffenheit.  Species.  — 
^iwarran^  .is.  Juhrh ,)  (sich)  ausärteln  aus  der 
Art  schlugen;  die  Abweichung  von  der  Norm 
oder  regelmässigen  Krankheitsform  (s.  verlarvt) 
(WusUnann  29).  —  (Ml«;  blatterische  Art  syphi- 
litische Art  o.  Form  einer  Krankheit  (i'nracetsu*, 
Haeser  I,  404j  (s.  Blattern).  —  bösartig  -  eine 
schlimme  Beschaffenheit  habend.  —  franzö- 
sische Art  1C1S  fruntzoesioeli  art,  Parnrelfu«,  Vr.  II,  73, 
a  blatterische  Art;  durch  die  syphilitische  Skle- 
rose den  Charakter  der  Franzosen  (Lues  venerea 
o.  Blattern,  s.  d.)  tragend.  —  ^u/artig  nicht 
bosartiir  —  Afi^artuiig  Abart  <;r.  w.  vi,  SSW  ; 
17.  juhrh.,1  unartige  Geburten  [Ur,  \v,  IV,  1.  1003; 
V,  3üi)  -  unnatürliche  Geburten,  Abortus,  Miß- 
geburt; mhd.  tinartlc     Im .Mirtiu  I.exer  2»»;. 

arzten  (arznen,  Arzt).  Nach  iMetet  Kuhn. 

Zeit«rhr.  V,  21  ff.,1  hatte  iler  inilot-ernialltacbc  Ar/l  den 

Begri>  du  ik-Kelmonm:  i.bhuhay  .  der  dunrh  Zauberei, 
d.  h.  durch  Beschwörungen,  Zauberformeln  («.  Laxner; 
hellt;  yöjravld  !.IIeilnilUelhe*itzer  ,  jätlku  Itesehivorer  . 
ubhieurin  hoser  Zauberer,  der  durch  inrautatio  he 
rufen,  besrhreien.l  heilt  (vrI,  auch  luppen  .  I ii»^ —  <l>  ? 
arztliehe  l>ien>t  uueh  bei  tlen  In«loi;erinunen  an«  dein 
Kulte  hcrvonrinif,  xeiitt  die  WorlerKruppe  ..heil"  in  den 
ventehieilenen  Äolen  de»  indoKermanisrhen  Stammes, 
„die  reiche  BegtlflffelbC  von  Opfer,  Heiniirnn«,  Sühne 
Seceii,  Zaulier  und  Heilung"  il.  cod.  W: .  nach  der 
Kleiehen  Quelle  1.  r.  Uli  ivrtre  der  wahre  Sinn  von 
l(ITBOC(AtStJ  AuslreilH-r  der  Krankheit.  Naeh  llouehi- 
liet  l.e«  etals  priinilil-  w  «re  W^fi^  (ivT(f>)  arracheur 
de  lleehe«,  wofür  im  nhd.  kein  Blelehbe.lentende«  Wort 
zu  finden  l«t  '«.  <  lode  n.  Los  .  In  der  rOanzenkuude  hatte 

2 


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18 


Asche— Astbma. 


Atlieia. 


der  germaniM- he  Ar/t  -.  Laxner)  einen  Vorläufer  Mi 
dem  „wilden  Wellie",  da*  die  Hüterin  des  Wissen*  uihI 
Spenderin  ärztlicher  Hilfe  war  s<  il  t  rzeiten  (Wien.  Med. 
Woeheti*ehr.  lsy,"i  51  52;  nach  ili-r  Kudrun  52».  :t  „dax 
Wate  arr.At  warn  von  einem  wilden  wibe");  sonstige 
Suezial-Kolleffeu  halle  derselbe  am  i.axncr,  I.achner, 
Betchreler,  Heniler,  liabdcrer,  l'luostercr  in.  I.«.«  .  'iode, 
Zauberer,  Ilnrki'r,  llinwr,  Alplierater,  Kunen-Werfer.  — 
Arzt:  frank,  mittcll.  arch  iatcr  Krzarzt  (apxi-tafp&C 
Krau»  K.  120,  an  iätcr  Kluge*  l'J,  dazu  die  AlileltuiiK 
ahd.  ei/inen  heilen  ;  andnjan  antuen,  heilen,  <;r»fT 
I,  477:  ffa-arzeinni    ärztlich  behandeln,  lirafT,  1.  end; 

MM  Matten;  i:>.  Jahrh.  arczdydcn  i>.  ie:i;  curare, 
einen  Kranken  mit  Kurmitteln  behandeln.  —  Er 
arztet,  er  lässt  arznen  ist  krank  am  Arzte 
liegen;  (n.n  er  versuchte  viel  mit  Ärzten  und 
Badern  (Si.  Uennn-Mirakelbuch: ;  ;iöll>  über 30 Bader 
hatten  an  ihm  gearztet  (l.  cod. ;  vgl.  Doktor  und 
Lnehner  —  Arzt  Finger.  —  Ar  zney- Krankheit 

Asche,  f.  In  der  Asche  liegen  -  im  Wochen- 
bette, in  der  Reinigung  Bich  belinden,  wie 
Wäsche,  die  in  der  Aschenlauge  (s.  Salt)  Hegt 

«.  d.  Verf.  Banin-  u.  Waldkull  S.  111,  Ann.  J). 

Ascherschrimpf  s.  schrimpfen. 

Aser,  in.  (Tirol,  permagnae  mammae  (s. 
Schweizerkuh),  die  wie  ein  Aser  (  Esshänge- 
sack) herunterhängen;  mhd.  e«cr  S|ici«cMick  zum 
['mhiiugcli  illintner,  S.  1J»;  So  hui.  I,  155,<. 

Asien,  asiatische  Cholera. 

Assel,  m.  (Axel),  eine  dbüektiaehe  Nebenfomi  m 

Auel,  das  zum  urgermanj»<-heii  Stammwort  at ,  alt 
eswenuehort  i  Kluse  l'.".  Ähnlich  wie  die  Mitesser 
(s.  ds.)  als  WOrmer  gedacht  werden,  so  stellte 
man  sich  den  Assel  als  koboldischen  Wurm 
im  Finger  vor  (loi.v  ante)  Nagclfiiuluuff,  iianaritium 
[t'oler,  II.  A.  144;  8ehmeller,  I,  167J  (confer.  Nassel 
und  Mauche).  —  Assel-/;  n   >,  -Wurm. 

Ast,  (ASS),  III.  indriff.  »»(in;  vorgerui.  oxdo»;  Kenn. 
a*tnz:  nhd.  a-t ;  mild,  ast     Knoten.  Knorren,  Zweig 

Kinne*,  so),  I.  -  Eiterbeule  (zu  EIm  t.  d.]  Mebmeller 
i.  IM;  entstellte«  Wort  —  2.  -  Buckel,  Auswuchs, 
ähnlich  dem  Baumknorren,  z.  B.  sich  einen  Ast 
lachen,  den  Buckel  voll  lachen  (Wöstmann  30; 
Schräder  371} ;  (Schelmcnbein).  —  8.  Ast  Neben- 
zweig eines  Blutgefässes.  —  (I7fi  Augen-As% 
Nervus  opticus  als  Zweig,  der  vom  Auge  abgeht 

L  eli   .V.»     —  ßidtf-astig  mnd   ghlchlastich  Man. 

Harth,  wia)  durch  Gichtauswüchse ,  Gelenk- 
tinscb  wellungen  nach  fieberhafter  Gliederkrank- 
beit  wie  ein  knorriger  Ast  verbildet.  —  tis.  Jahrb.] 
Luftrohren-A&t  Bronchus  (UaU-li;  (HyrtI,  K.  w. 
iot  .  —  „Velten-Ast    Ast  3.  —  Ast-A'nocAm. 

Astel  s.  Assel. 

Aster,  astralische  Krankheit. 

Asthma  0   (Asma)  «u*  dem  Kriech   'x?\ru.<x  ('In» 
wehen     Anhauch,  Atem'  der  Mcdlzln-clmlen  i»|iado 
iiii-P<M  rniicu^    qHwm  mptatSonbi    um  hma <  dsi  et 

Arctaci  «eil  dein  lel.  Jahrhundert  in  den  VolU-uimid 
utIuiil'I  .  und  iinfliillikrer  Weise  nicht  verstümmelt ; 
I.V.' ;  ,,.\«tl  in«  « iiiiii  Kinei  kelni  l.nfl  Iis*»  \\  min  ein* 
•-iiliiit  und  keucht  und  kann  nicht  Atem  genüg  haben" 
><  o)cr  Hau«ai>oihcke  is'j.i.  Die  ältere  Medizin  ver- 
stand darunter  nur  Atemnot,  welcher  Begriff 


auch  heute  noch  im  Volke  vorherrschend  ist 
(s.  keuchender  Siechlag),  oder  beschleunigte 
Atmung,  sei  es  durch  Krankheit  (krankhaftes 
Asthma)oder  durch  vermehrte  Körperbewegung 

Auch  in  den  Niederlanden  (De  Cook  IM,  155  ist  Asthma 
uanzvolkubllch;  auch  franz.  raMhme.l'asiiie  Itrt««  195  . 

—  l»7'.i  Berg- Asthma  Schmitt,  .luhrli  Ksn,  ImT.  Hand 

8.  '£to  eine  beim  Bergsteigen  durch  die  Muskel- 
anstrengung unter  relativ  niedrigerem  Lufl- 
druck,  wie  er  auf  hoben  Bergen  vorhanden  ist, 
veranlasste  Dyspnoe  (IJeblg  .  —  dich/-  Asthma 

—  Herzsperre  (b.),  Angina  pectoris;  Atembe- 
schwerde infolge  von  trichtischer  Komplikation 
am  Herzen.  —  Herz- Asthma  Schweratmigkeit 
infolge  von  Herzkrankheit  (Kmu«  K.  it»i).  —  Beu- 
Asthma  eine  Form  Astbma,  die  durch  den 
Blutenstaub  gewisser  Gräser  veranlasst  wird 
=  Heufieber  (s.d.),  eine  Idiosynkrasie.  (X.  Hdb.  IV, 
2.  255;.  —  Ä'ramjj/'-Asthma  ■  ein  Asthma  mit 
krampfhaften  Erscheinungen,  Asthma  spas- 
modicum.  —    in7.v  krankhafte  Asthma  (pl.) 

1. Mniler,  Kratitmbnen  H7  ~  durch  Krankheit  ver- 
anlasstes oder  mit  stärkerer  Gesundheitsstörung 
einhergehendes  Asthma  (s.  o.)  —  umi  Schleim- 
ii>7..  schleimiges  Asthma  (Sobernh.  ci;  Muiu-r, 
Kniuterii  mit  starker  Schleimsekretion  ein- 
hergehendee  Asthma  (vgl.  ntembrüchig). 

Atem,  m.  (Athem,  Othem)  zu  Indogenn.  etmon 
Hauen;  nkr.  At  mau;  nhd.  Alma;  mhd.  Item,  und 

(eine  dialektische  Nelienforinj  odetn  i Kluge*,  20',  «den 

inso;  Ii.  Folu;  II.  z.  VIII,  6M;  1.  -  Einziehung  und 
Ausstossung  der  Luft  durch  die  Luftwege.  — 

2.  -  diese  Luft  selbst  (Heyne  i,  i52>  der  Atem  wird 
geschöpft,  geholt  wie  aus  einem  Kobrgange.  — 
After- Atmen  das  bei  jedem  Atemzuge  abge- 
magerter Pferde  sichtbare  Hin-  und  Hergleiten 
der  Aftermttndung  iglpii  loa;.  —  Ausser  Atem 

Dyspnoe,  Asthma  =  ausserhalb  des  Normalen 
atmen,  überaus  stark  atmen.  —  i  i  v.i  fn^e»'Atem 
iHoek  r.7  -eine  Dyspnoe  gleichsam  infolge  von 
Verengerung  der  Luftwege  (Orthopnoea)  (Zw.  IM). 

—  crnZ-atmen   des  AtemB  berauben,  ersticken, 

—  er-atmen  aus  der  Tiefe  der  Brust  den  Atem 
beraufbringen.  —  Heisser  Atem  Hufeland  40;  = 
Dyspnoe  mit  Hitzegefühl.  —  Hinter  den  Atem 
kommen  -  ausser  Atem  kommen  (Schindler  i,  n77 
■ub  Raffen  (i.  d.);  =  Atem  halten,  verfangen  (s.  d  ). 

—  iM»7  keuchender  Atem  -  das  beschwerliche 
laute  Atemholen.  —  Kurzer  Atem  Hon.  san.i 
--  Asthma  humidum  (1350  Itnrtze  atem  al»  die  l.ut 
hnlieu  den  die  Luuffe  in  die  keim  Rat  oder  wneh«et, 
l'r.  I,  :«»:t;  li'.lH  kurzer  udem  J'aiicasi;  ndl.  körten  n<cm. 
V.  K.  IV,  W;  ndl.  kortademiffheld,  DeCock  15Cj  Dys- 
pnoe, kürzere,  aber  um  so  schnellere  Atmung; 
court  de  vent  (ltriü^  r.io.  —  jvsr.  scheltniger Atem, 
aashafter  (s.  .Schelm)  Atemgeruch  («r,  W.  VIII, 
2M9,.  —  ivtii  ScÄicerätmigkeit  i  »  i  schwerer 
Atem  Dock  157;  Krautw.  i.xxilj  =  Dyspnoe,  ein 
beschwerliches,  keuchendes  Atemholen.  —  Stin- 
kender Atem  Foetor  ex  ore,  der  ausgeatmete, 
üble  Geruch  aus  dem  Munde.  —  Atem(s)-/lrfrr, 
-Aderdeckel,  -Besteckung ,  - lilatt ,  -bruchig, -Dros- 
sel, -Engt-,  -Gebresten,  -halten,  -holen,  -los,  -Kot, 
-Sucht,  'Zuckt,  -Zug  —  atmen,  und.  atomen  «;r»n 
I,  155.  15t;  =  Atem  holen  (s.  Atem),  respirare.  — 
Bauch  -  atmen  =  bauchschlaechtig  (s.  d  ).  — 


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Atter— Auge. 


Auge. 


19 


Athmezer.m  (A  t  mathsa)   Atemzug  s,  h.a.  li.  r 

I,  »j,  1">I">  alrarnat/en  anhelnre,  1».  :t.'.  —atmig 
1.  —  ausser  Atem  (ß.  o  ),  schweren  Atem  haben 
(b  o.)  asthmaticus  —  2  bei  Pferden  herz- 
seblachtig,  hartschlächtig  (s.  d.  Rub  schlachten) 
das  Flankenschlagen  bei  Kmphysema  pul- 
monani  Hr.  W.  I.  T4H  —  athmizen  (aft  |mazen), 

ahd.  atnmaieii  i.ralT  I,  IM»,  atiuieneii  Sehmelier I,  15 
spirare,  Atem  holen.  —  Atem-fangen. 

Atter,  f      Ader  (s.  d.)  iler  Medinawurm  «rurdc 

1  »17  t   nl«  Aller      Aller  mit  venu  medl neii-t«  iil»er»eut. 

Atze,  f  (aetzen)  Räude,  Filzläuse  isrhmellcr 
l.  i*j>  .  vom  fressenden,  atzenden  Hautwurm 
(Assel,  Axel;  s.  d.)  genommen.  —  .-lw/-ätzung 

offener,  gesehwüriger.  fratter  Zustand  der 
Haut  oder  Schleimhaute  [y.  m  H,  WS). 

Atzel,  n  ahd  a?.txza,  itirzfl  Ehler  .'Kliw5,  a»', 
1.  =  Glatze  (infolge  der  Kaude,  s.  Atze  f.)  raull 
l«o  ;  auch  «-Im'  Stiilx|«-rnekt-  hefawl  HO    Heyne  I,  IM  . 

—  2.  Kister.  Atzel- Äugt  (*  HiÜrnn-  EUtcr- 
Auge).  —  3.  Atael  Assel,  Nassel  (Onisous  mul- 
tipes,  Scolopendra;  Ohrmützcl,  Ohrmuckel 
(a  d)  i».-.i9,:wc  —  Ohr- Atzel    Ohrwurm  l> .-Mit 

Atzmann,  in  siehe  Mann  [vgl  <;r.  w.  i.  387: 
««hu  I,  180. 

Aucht-FflW. 

Ander,  1  Ader  (*.  d  )  —  2.  =  (Adel?)  est 
quidam  populus  qui  in  estate  transformatur  in 
lupos  n  :itu,  Wehrwolf;  s.  Adel.  —  Ander-  /Inf: 

auf-,  die  Zusammensetzungen  mit  dieser  Vor- 
silbe siebe  beim  betreffenden  Stamm worte.  — 
auf  und  nieder  sein  krank  sein,  im  Bette  liegen 
und  wieder  auf  den  Füssen  sein. 

Auf  m.  Auff,  Uve),  nmgebUdet  au»  int.  uvula 

SchmelU-r,  I.  12  ,  ant»l».  ul  »ul>liti<|Uiuiii  Ii  üüu  .  (1  IKl; 
auf!  Jan  Watt  :».  d.,'  r.  v.  Me«  16  ::t  ,  1.  Zlipf- 
lein  im  Hals  (-  Weinbeerlein,  Gurgcldrüslein 
Blatt  (s.d.).— S.s  (1483)das  geschwollene  herab- 
hangende Zupfleiu.  —  3.  -  das  Gesch wflr  an  dnm- 
xelben  (-  Uve,  s.  ds.)  Schindler  i,  17*  —  Auf- 
Blatt,  -Brand. 

Auge,  (Äugle),  n   anklln»reiid  im  ileii  indoirerui 
ItHHWlataMiOq     Anw  ncnlii»'  ;  »nkr.  ak«i  KluifeVjI  ; 
ifolh.  au*.»  *.  Avgratkor  ;  norm,  awf      Anne;  ahd. 
t  Jnlirh     «ii(.'i.n,  uniriin    tu»»    tili»»».';  innd.  krIicii 
Mag.  liarthol  s*il>  .  altfr*  tiec     »ll|>erelHiiiii  l!ri»»   :l'  ; 
mbd-oiiRe;  H'.«.".  an«     talmu»     ophthalmiU  I'  IT'J  — 

I.    Genius,  Bulbus  oculi,  das  Auge  als  .Sehorgan. 

—  II.  -  augenförmige  Gebilde,  die  durch  Farbe 
oder  Vertiefung  abstechen;  1.  =  der  Keimfleck 
im  F.i  <;r  w.  I.  *oo.  wo  .  —  2.  =  das  anders  ge- 
fitrbt  hervorstechende  Kiter-Auge  -  da*  Äostetn, 
Auele;  1,191.'  eiijrlc  'Had.  Jan.  S85,1  -  caput  in  nl'*- 
re«*u  <i.  w.  v,  i6u«>  der  Blitzen  an  eiuem  Ge- 
schwür. —  3.  Löcher,  aus  denen  etwa«  hervor- 
schaut ^  Wundlöcher)  Augen  (Hufaugen)  — 
4.  -  (pars  pro  toto):  Augenteile  z.  B.  Hornhaut. 
Grün,  gelb,  blau  ,  schwarz  vor  den  Augen  wer- 
den -  subjective  Farbenempfindungen,  die  Birh 
manchmal  wie  im  Kreise  bewegen,  bei  Aniimie 
den  Gehirns  (Ohnmacht).  —  Augling  16  Jahrb. 
oifheUiic  -  ujouüou1u».d.^>7  jeinerdernurein  Auge 
bat   Der  Auadruck  der  Augen  beim  Menschen 


war  von  jeher  dem  Arzte  ein  wichtiges  Krank- 
heitszeichen (Symptom)  —  äugeln  die  Augen 
lebhaft  bewegen.  —  Adler- Auge  ein  Auge  so 
scharf  und  weit  sehend,  wie  ein  Adler  —  i.v.i 
Agrester- Augen  "Jork  107 ;  IfiOJ  n<M.  orhdcr  ange 
pernio  Kemur**,  l>.3M;clavu:>,  l>  ilv.  Klster-oder 
Kk»ersten-Auge,  HQhner-Auge,  iHm-nn.  Arvtci 
KNler,  s.  liiiieller  I.  I*  C'.i;  lf.lfi  eiferten  aiil»,  Hr.  W. 
III.  :;i  elnvtis  |.e.ll»  l'ameeNii»  —  AgLister- 
Augen:  II  lalirh  .;  l«l.'.nuele«ter-  Atijrci».  «'«der,  II  V  ; 
seiuiuiiir  I,  4M  Alster -Auge,  Klstcr-Auge. 
Hühner-Auge.  —  I7,v.  Apfel- Augen,  1  Vor- 
fall der  Traubenhaut  des  Auges  durch  die  ver- 
wundete Hornbaut,  eine  klein  -  apfeliihnliche 
Krhabenbeit  (Staphylom)  a.  v  Ii.  11,  ilmsl  — 
2.  =  ein  apfclformig  zwischeu  den  Augenlidern 
hervortretendea  (Ochsen-)Auge(Kxophtlialmus) 
Krnns,  K.eo,'.  .  ven-l mll  nrniii-hennuhen '  \*.K.VI ,SQ  — 
Atzel- Auge    Kistern- Auge,  Atzel  (s.  d.)  Kister 

WehUellerl.  ISO  ,  allxenn.  rwatja.  ah<l.  n««i7jui  Klsler. 

amil  atzel  1  Kluge  *,  70).  —  AuuaU-  Auge :  Ophthal- 
mia leproaa  Krau».  K  sr>i:  s.  Aussatz  <:  Keontiasis  i 

—  tlSwl  auMchiesnende  Augen  lta«l.  Jim.,  N'otn.  390 
Kxopbthalmus,  Augen,  ilie  aus  dem  Augen- 

ranile  hervorschiessen ,  hervorstehen.  —  bir- 
auget  hleraute  iSchowllei  i,  w.  -7i ,  am  Auge  so 
rot,  wie  eine  Beere;  das  Birkauge  ist  weiss 
wie  Birkenrinde,  das  Bier-Auge  rot  wie  eine 
Beere;  so  differente  Farben  werden  auch  ver- 
schieden in  den  Augen-Namen  zum  Ausdrucke 

gebracht.  -  luoj  ßfr*m)'  \  Auge,  1.  -  I*u- 

koma,  wenn  die  Hornhaut  einen  weissen,  bliiu- 
lich-weiBSen,  meist  nur  einseitigen  Fleck  hut 
(birkenrinden  -  weiss).  Der  Bauer  halt  Bolche 
Augen  bei  Pferden  und  Hunden  für  dauerhafter 
als  die  schwarzen  .  der  birkaugete  Dachshund 
hat  den  Vorzug  in  der  Wahl ;  der  birkaugete  Hof- 
hund ist  mehr  gefürchtet.  —  2.  -  Oculus  noctu 
videns;  ein  wie  das  Katzenauge  hellachimmern- 
des  weisaes  Auge  d.  h.  ein  Auge  mit  heller  Regen- 
bogenhaut. Manche  Form  ist  anch  AlbinismuH 
der  Jris.  —  3  Pferde -Auge  mit  hellbrauner 
od  gelber  Regenbogenhaut  (Falkcnauge);  Mnyrr 
•-"j;  /.ipiHTl  —  4.  veriichllich  für  Auge  über- 
haupt [Sehn.  i.  »4«.  —  Math»  Auge,  uh.i.  piehln- 
onjrl  llppun;  l">.  Jahrh  btoiMMigtea,  DteMiiflvu 
ulnare,  i».  379;  I  ii-"»  plenaugen,  Henugkttter;  nenarb, 

der  die  uiiccii  vor  wetmiKe  Immer  oll  und  zu  tliut. 

n  ::7'.i  Nictator,  ein  geschwollenes,  ilurch 
Schwellung,  Blähung  erkranktes  Ange,  dM 
immer  Lichtreiz  hat  und  blinzelt;  (vergl.  Blick 
Auife)  —  ß/ar-Aüge  s.  Plttrr-Auge.  —  Blaues 

Auge,  ndl.   1Ö77)  blaew  ooghe  s  «ugillaUo  (D.  5«1; 

—  <lie  nach  einem  Schlage  unters  Augo  ilurch 
Blutaustritt  entstandene  Verfärbung  der  Augen - 
Gegend(B.  Btmle), Haemophthalmos ;>ir. \v.  II,  M  . 

—  Blick-,  (ß/ccit-)Auge ;  «lid.  plehenoca  II.  z  XVI, 
iü'.i  Upsna;|ilekeuonaef  llpim» '.r»rn,ri;  ;pu-hin- 
oukl  Klaiieuinatf  II.  Z.  XVI,  HB;;  Ideeeheu  Mrhlhsr 
machen,  also  Augen,  die  durch  Kote  oder  son- 
stige Veränderung  auffallend  sichtbar  werden 

vtfl.  Srhmeller  I,  .0  n.  a*J3;  Kluce*,  II.  —  il.">77 
Blintz-,  (Blitz-) Aug«  Imelo««*:  iu  bUndaetai 
KlngC  M;  Hud.  Jim.  Voe.  MS;  l>.  ;  das  Augen- 
blinzeln,  oder  ein  Auge,  das  immer  blinzelt 

2* 


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Auge. 


Auge. 


(a.  d.  u.  übersichtig,  schielend)  —  is7.>!  blöde 
Augen  (Blod- Auge),  1.  =  hebe«  oenli  8.  oculi 
attonitus,  kranke  Augen  (lippus)  w  n, 
Back  13). — 2.  [Hr.  1.  i-oii  ,j  cuüko  -  durch  Augen- 
achwindel  augenschwaeh.  —  i'Mi  Blut- Auge 
HC.  Jahrh.) blutrote  Augen :  hacmah.p«  An  tm-i  .Miiril- 
latio  «»«-nü  ..unterlnnYiie*  Klüt  in  dem  Aag  lind  in  der 
weissen  Hanf  A.  v.  II.  II,  N27.  72:.  ;  llypuhphmniM  ». 
Bacmatoma,  auch  AuKeiictitxuiiduiiK  Kir.  W.  II,  17.'.) 

durch  Blutunterlaufung  oder  Entzündung  ge- 
rötetes Auge,  Ecehymosis  sanguinca  8.  Hae- 
mophthalmos  extcrnuB.  —  Bock-  Auge  paetus, 
derein  Auge  kleiner  hat  als  das  andere  (s.  Schlitz- 
auge, Schiefauge),  einer,  der  schief  über  sich 
sieht  beim  Betrachten  <;r.  W.  II,  204 ;  Hurk  12;.  — 

UM)  ßoe  A«-Auge,  1.  -=  paetus,  wie  oben.  —  2  = 
übersichtig  (h.  d.)  Had.  Jun.  393;,  b.  auch  Glur- 
angen.  —  3.  =  (1.  eod.)  Eiterbeule  oder  Bocketern 
i  -  ApoMein,  carhunculu« ;  Verstümmelung  des  Wortes 
Apostema,  conl.  sehmellcr  I,  201,  rae  Bocksaufrej.  — 
Böse  Augen,  1 .  -  solche  Augen,  deren  Blick  (s.  d.) 
schitdlich,verzaubernd  wirkt  (maloechio),Hexen- 
Augen;  mg).  r«mr.  v  Mtirini.cn:.  Buch  der  N'ftttir9. 
ZitiKerle  36;  IHrllnircr.  V«.lk«t  I,  199,  m.w Ii-  o.  Jahn 
,,ul>cr  den  Aherylauhcti  des  husen  Wicke»  hei  den 
Alten"  in  Beitr.  d.  k.  sachs.  Uesellsch.  d.  Wisscnsch., 
is .,:.  *  2K-  iqo.  —  2.  kranke  entzündete  Augen 
iitut  k  i:t;  Pauli  37j.  —  3.  -  namentlich  solche,  die 

i  .'.iij  ein  weisses,  schwarzes  oder  rotes  Augen- 
Mal  zeigen,  „denn  ein  solcher  Mensch  ist  der 
allerübelste  vor  allen  Anderen"  (BeaoU).  —  Boll; 

(ßo//c»'-)Auge  Srhwalion;  Kranken,  Hnek  12.  1.  — 
Bullen-Auge  oder  Uchsen-Auge.  —  2.  -  wie  ein 
Apfelball  o.  Bolle  (s.d.)  geformte,  ballenförmig 
vorstehende  Hornhaut  (Staphyloma),  8.  Apfel- 
auge.  —  (16.  Jahrh  Bolz  -  Augen  .Xventln)  und 
Iti  Jahrh  J  bolzen te  Augen  ll  SaniU  sich  hervor- 
dringende, hervortretende  (  bulzende)  Augen 
Glotzaugen  (s.  Bolzen,  Bulzen)  ttehmcOerl,  37. 
23*.  »90);  1,1620)  die  Augapfel  bolzen  herfttr  (D. 

Minderer'.  —  ß>yJttrf-Auge,  ndl.  braiullKe  OOgen 
l»e  r..ek  12*  entzündete  Augen,  die  einen 
brennenden  Schmerz  empfinden  lassen  <<r.  \\. 
II,  SM).  —  Brerh-A.\XgB  {7. — 8.  Jahrh  prahan-ougl 
<"ass.  Glon».)  —  Klaiicoma  Staar',;  ah<l  prehniinnei 
II.  Z.  XVI,  321  (jlauemna  Staar  -  ;  12.  Jahrh.)  „Ir 
OUgeO  In  dient  ie  aller  Muni  sum  Stera  dnreh  wölken 
bllkche"  (Carmln.  puran.  Sehm  94  a2.  ni'  Glanz- 
Auge,  Glas-Auge,  der  durch  die  weisse  Staar- 
linse  glänzend  abstechende  Augenstaar  (s.  d.) 
(das  eigentliche  Glaucom  ist  —  grüner  Staar).  — 
Brennende  Augen  Brandauge ,  schmerzende 
Augen  (ver^'l.  Augenbrunst).  —  Butter- Auge 
-lippus,  Oculus  gramioBiis,  ein  Auge,  das  mit 
Augenbutter,  Augcnkase  (b.  d  )  besetzt  ist  >;r  w. 
II,  5Mj  Lippltudo.  —  Daxcer- Augen  die  durch 
Masser  (s.  d.),  Augenbutter,  das  abgesonderte 
Drüsen-Sekret,  verklebten  Masser-Augen  Pauli 
39.  42; ;  uiuiz  Speise,  ilie  vcnlawcrt,  verdaut  wird 
[dawer  verdaute  Spel*e'r)  --  Hwmt.  —  IM)*;  dunkle 
Augen  Scotomia.Taraxis, infolge  v  Schwäche, 
Ohnmacht  etc.  Schlucht  sehende  Augen  Heyn. 73; 
L'oter,  Ii  a  in  —  ;i7>»  Eg ersten- Auge  Elster- 
Auge,  Ägerstcn-Auge  (s.  d.)  a.  v.  II.  II,  «72;  Ew. 
BU  .  Atzelauge.  —  einäugig  {einauget},  ahd.  etn> 
auifl    aluauKl   «iralt  I,  123,  ;  alnökir  =  limu»,  luscu» 


Ii  :!I0      lippus  wenn  ein  Anire  krank,  und  da»  andere 
Itesmid  Uli,  luscu»  idesifl  ,  mnnophthaliuus ;  ei  imune 
II  /.,  XV,  3-V'i     mnnophthalmu«  auch     blind),  coecus 

■  Schindler  I,  ;!2S;  Ii.  lliii  ;  nihil.  einociiBec  il.exer  Iii; 
(l'.lfil  einen?!  der  nit  wul  gesteht;  (1921]  aiu.-i:W  «iiier 
hlinrzler  D.  3t0.  ;Wi7  ,  il.VtO,l  ainauifekhet  (Wentnr.,  Bei- 
triff  V.  120)  luscus,  einer,  dem  ein  Auge  erkrankt 
ist  oder  fehlt  Vend.  aueh  Sehnieller  I,  :«0i ;  im  Wiener 
Schlummerlied  10  Jahrh,  I  i«*t  etaoilfO  herro  Wixlan 
(Pfeiffer,  K.  n.  F.  II,  t;«; .  —  Eingefallene  Augen 
hoble  Augen  (s.  d.).  —  i7".i)  Eiter-Auge,  1.  -  ein 
eiterndes  Auge, Oculua  pus  movens  i.r.W  III,  :;«.u 

—  2.  =  Hyiiopyon,  Eiter  im  Auge  (Hornhaut, 
Augenkammer)  selbst,  „an  Stelle  des  Wassers  im 
Auge4'  ,A.  v.  II.  11,  H23;  l'latner  1, 31i.  Sobenih.  61. 120. , 

—  3.  -  das  Eiter- Auge  am  Absceaa  =  Äuglein  (s.  o. 
Augo  II,  2)  -  Geschwär-Auge  (s.  d.);  I7ts;  EU- 

|  fönten  -  Auge  ■  Hydrophthalmia,  ein  auB  starker 
Geschwulst  derUmgebung  noch  hervortretendes 
Auge  <ir  W.  Hl ,  «03;  K.  rh.  SU),  wobei  die  Ge- 
schwulst das  Auge  klein  erscheinen  laust.  — 
1..4  .1  Auge     Hühner-Auge  (s.  d.)  (<;r.  W. 

III,  41»;  De  t  uet  263;  Coler,  U.  A  261);  Aglaster-, 
Eckster- Auge,  l^eichdorn.  —  Palkt  n  -  Auge, 

1.  =  ein  weitseheudes  sog.  Adler-Auge  (s.  «I.).  — 

2.  -  ein  Pferdeauge  mit  hellbrauner  Regenbogen- 
haut nach  Kaikenart  Mayer  29.  —  Fett- Auge, 
1.  =  Hydatoditis  -  Keratitis  parenehym.  mit  fett- 
ühnlicher  Infiltration  der  Hornhaut.  —  2.  =  eine 
Augenkrankheit  des  Pferdes  «ir,  w.  in,  1572; 
Heyne  II,  903;  A.  r.  11.  II,  moc;  ;  Wasserblase  oder 
übermässige  Pinguecula,  fettgelbe  doppelseitige 
Klecken  nahe  der  Hornhaut,  meist  bei  Glotz- 
augen. —  Flarr-,  16,  Jahrh  |  Flärt  -.flarrige,  U7.  Dil 
\s  jahrh  tflerrichte  Augen  Ectropium, ein  durch 
das  herabhängonde  untere  Lid  entstelltes  Auge; 
auch  das  durch  Sehielen  entstellte  Auge  (strabo) 
eutil.  <.r  w  in,  177U,  Sehmeller 1, 791  ;  ersteres  meist 
eine  Kolge  von  Lepra,  Syphilis,  Wund-  oder 
Brand-Narben  ;  n;n  rote  Klarrnw^c«  ^  Bimle- 
hautkatarrh  mit  Kote  der  Schleimhaut  und  Ec- 
tropium >  ..kr,  H  a  in  ;  r.7«,  überstilpöte  Klarr- 
Augen  Ectropium  (Tabernaem.)  (vgl.  Klarr, 
Klitrre).  —  Flieasende,  Flitz- Augen,  mini  niezendc 
MUjen  (Im Pwilval]  (Or.W.  1,790  lippitudo,  rinnende 
AngVD  (».  d  l;  diu  n-fiu-  H|i|<uk,  limtis  I).  330);  116*7; 
eiterlliessende  Augen  .«ieorg.  382J ;  eitriger  Billde- 
haul-Kalarrh  mit  starker  Sekretion.  —  Fl<m-, 
FIuhx- Auge  Triefauge.«  iculuH lacrymans  Wurx- 
linrß    '.r  \V    III.  1M20  ,  mint    lloss'fK/;c>l  weinen 

■  l.exer,  31«;  ;    14-  Jahrh.  Üiu  i'nin  ,  V(ie.  upt.  \\.  l.'i  40 
lipj.it* ,  lu-eu«,  paetus.  —  Fl  08ch- Auge,  Extipb- 

thalmus  hydrocephalicus,  das  wie  beim  Krosche 
stark  aus  der  Augenhöhle  durch  Druck  von  Ge- 
hirn wasser  sich  vorwölbende  Auge  (bei  Neu- 
gebornen),  Glotzauge  (bei  Erwachsenen).  —  Gf- 
broehenes  Auge  ein  mattes  glanzloses  Auge, 
dessen  Muskelkraft  sozusagen  bereits  gebrochen 
ist.  -  Iis;  Geis-Auge,  '  eher«,  de*  aejrüops  (.dient 
nnehllc.].«  Augen wiukel-l ieschwilr  Kraus,  E. 
2*.  79;  «.'.  v.  Megt.jt.  «niyo;     Uegt).  —  (173*1 

GV*e/iimr-Auge  a.  v.  B.  III,  3)  ^  Kiter- Auge  3. 
,,wenn  in  der  Mitte  des  Ueschwilrs  unter  der 
Haut  der  weisse  Eiter(-punkt)  durchscheint" 
(s.  Schwär-Augej.  —  Glarr-Aüge,  nihil.  RlarrauKe 
Laxer  WS);  l'-90  glaruugen     paetti«,  lltnus  ,D.  432,1  -- 


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Auge. 


Auge. 


21 


ein  schlecht  Behendes  Auge,  das  zum  deutlichen 
Sehen  starr  schau  t(  —  glarret)  odor  stier  blickt 

Lexer*2<.  —  Olas-Auge:  glasnugi  Leg.  Allamann. ; 
«irnff  I,  123  si  visu*  lactu*  fucrit  iu  oculo  ita,  ut  u.uasi 
vitiutn  remancat  wenn  da*  Auge  wie  durch  truhc* 
«.las  schaut  :  mhd.  glu*i.euge    Ix-xer  82  ,  glaxeoeuge 

Schindler  i,  .70),  1.  =  das  staarblinde,  weil  aus- 
drucklose  Auge,  das  wie  durch  blinde  Glas- 
Scheiben  blickt  (bei  Mensch  und  Pferd).  2.  ■  das 
Auge  mitglasahnlichem  blinden  Ringe  (Greisen- 
ring, Gerontoxon)  um  den  Stern  herum.  —  3  = 
das  künstliche  '1576)  aus  Glas,  von  Pari  schon  be- 
nutzt ilarcrl.  MO  —  4.  -dasglasglänzende,  sehr 
reizbare  Auge  beim  Pferde  Falke  T,  M2>.  —  glas- 
auget  -  mit  einem  Glasauge  (s.  d.)  behaftet,  ver- 
sehen ;  gläserne  Augen  machen  —  sterben,  mit 
gebrochenem  Augenglanze.  —  Gl dz- Augen,  zu 
ahd.  glozzön  =  blicken  Sehmdlerl,  179  ;  1697  glotzende, 
Klotzige  äugen,  <ir.  \V.  I.  790;  Urquell,  1891  8.  195;  «. 

Klotzen  glotzende,  starr  schauende  Augen,  z.  B. 
beim  Morbus  Basedowii  (s.  Glotzaugenkrank- 
heit). —  Oluder- Augen  =  rot  triefende  Augen, 
wie  rot  glühend  aussehende,  Hexen-Augen.  — 
l >9i :  Glur- Augen  (lad.  Jim. 393;  i»  t32> Ubersichtige 
Augen,  Bocks-Augeu,  Gluder-Augen,  paetus.  — 
glutende  Augen  =  glühende  Augen,  wie  sie  der 
Teufel  (Bock)  hat  oder  das  boshafte  Nörglein 
•  Uhr  Zinircrle  1, 2UJ  =  Gluder-Augen  \green(grön)- 
äuget  Tirol  Schindler  i,  50.  999»  =  ein  Eiterauge, 
ein  Auge  voll  von  herabrinnendem  Eiter  (gerinn, 
gerenn).  —  ,1*12  oro«s-äugiger  Zcnlng.  Voc.  m.  «; 
I».  841  Buphthalmus ,  Bullen-(Stier-)Auge  (s.  d.) 
eigentlich  nur  grosse  Lidspalten,  durch  welche 
man  den  grösseren  Teil  der  Augenäpfel  übersieht 
llyrtl.  Anatomie.""-"» — Guck - Aeugeli  Wiirzhurv  - 
Augen  wiedie  Fenater-Guckerlein. —  r-*3  Hasen- 
Auge  '•r.w.iv.2  vr.  .-.  Ectropium, Lagophthalmos, 
Arlt  i2x Uasenschlaf  (s.d.)  (von  Menschen,  die 
da»  obere  Augenlid  nicht  schliessen  können), 
Lahmung  des  Nervus  facialis  o  narbige  Verzerr- 
ung u.  Um wendung  des  Augenlides;  I7.'.t  \.  v.  n. 

II,  891  .  lagophthalmiis  'mit  derselben  Krklariinu' I  ;  17*1 
Hascnangc  narbige  Verkürzung desoberen  Augenlides, 
lMatn.r  l,  M2,  ectropium  (s.  Augenscharte,  Hasen- 
schlaf, Plärrauge)  l'oeil  de  lie  vre  Bri«  305).  Die 
Hasen  sollen  mit  offenen  Augen  uchia/en,  weil 
sie  keine  Nickhaut  haben.  —  izVnncn- Auge,  s. 
Hühnerauge  schmdkr  I.  2k*'.  —  im  hervor- 
pausende  Augen  hervorragende  Glotzaugen 
<  .  v.  Megbs  .  —  i/crzen-Auge  ein  herzförmiges 
tiewachs  (öchaden,  Warze?)  auf  der  Haut  (La- 
me rt  ist;  i.occli  171  -  16201  Hetzen- Auge  Hüh- 
ner-Auge, Elster-Auge  (Hetz  -  Elster);  Schmdler 

I.  1193  1191    Ii  Minderer;  A  v.  II.  II,  672    —  lltXai- 

Auge  Gluder-Auge,  lippus,  mit  Ectropium; 
Trief- A uge  (s.  Hexe),  bei  dem  die  rote  Schleim- 
haut sichtbar  ist.  —  hitzige  Augen  Ur  w  iv.  2. 
US»)  =  entzündete  Augen,  Brandatigen.  -  1606; 
hohle  Augen  <;r  w.  rv,  2.  17M.  1713  neductoi 
babtm  ocolormn  orbw,  eingefallene  Augen;  „bei 
Verminderung  des  Fettes  in  der  Augenhöhle 
tritt  der  Bulbus  in  die  ürbita  etwas  zurück,  die 
Augenlider  folgen  ihm  nach;  grenzen  sich  die 
Orbitalränder  dabei  durch  tiefe  Furchen  ab, 
so  entsteht  das  hohle  Auge,  welches  ein  nie 
fehlender  Begleiter  aller  auszehrenden  Krank- 


heiten ist"  Byttl,  Auat.  545).  —  Hühner-  (Hennen)- 
Auge  1501  hnnerang;  US!  hieneraug  —  rlavu«,  Leich- 
dorn T>.  126;  r.r.  W.  IV,  2.  1878;  1>91  huueraug,  Hart. 
Jun. 387;  161".  huneraugen,  Coler.  H.A. 261  ;  17761Inhucr- 
atiK,  Wenk, ;  nach  Behrend  (8.1  hat  das  Hühner-Auge. 
Krebs-Auge,  Kl>ter  Auge.  Eglester-Auge  etc.  folgende 
lateinische  Namen  gehabt  clavus  pedum  .  tylo«,  tylosls, 
tyloma,  cnllus.  porros.  porroma,  poruaU,  Verruca  «Um. 
helos,  gomphos,  gemursa,  interdigituui.  „Ein  dunkler 
Fleck,  welcher  sich  in  der  Mitte  des  Clavus  an 
der  Schnittfläche  befindet,  ist  entstanden  da- 
durch, dass  sich  zwischen  der  Basis  des  Clavus 
und  der  Cutis  ein  Tröpfchen  Blut  ergossen  hat, 
das  zwischen  den  Epithelschichten  eingeschlos- 
sen allmählich  gegen  die  Oberflache  gehoben 
wird,  wobei  der  Blutfarbstoff  eine  Umwandlung 
in  dunkles  Pigment  erleidet"  fHjrtl,  An  .21  ;  dieser 
dunkle  Pigmentfleck  mit  dem  Hornhaut-Wall 
soll  eine  Ähnlichkeit  mit  dem  Auge  des  Huhnes 
o.  sonstigen  Vogels,  oeils  de  perdrix  ;Brls»  212 
haben.  —  Kalbs- Auge,  1.  a  ein  Auge,  das  weit 
vorspringt  wie  beim  Kalb  (Exophthalmus) 
oder  2.  =  ein  Auge,  das  einen  starren,  dummen 
Blick  hat  <ir.  W.  V. 59).  —  fisoi)  Katzen-Auge  Und. 
Jun  393i  Glaucophthalmua  (Gale-amaurosis) 
Kraus  E.  4»r,  1.  — ein  Menschen-Auge,  das  einen 
glimmernden,  opaleeierenden  Schein  gibt,  wie 
das  bei  Dämmerlicht  funkelnde  Katzenauge.  — 

2.  =  ein  Auge  mit  langgezogener,  durch  Verwach- 
sung der  Iris  verzerrter  Pupille  Krau»  E.  404l.  — 

3.  -  ein  nach  dem  Volksglauben  nach  Katzenart 
angeblich  auch  bei  der  Nacht  sehendes  (d.  h. 
funkelndes)  Auge,  das  man  erhält,  wenn  man 
einer  verendenden  Gemse  die  Zunge  ausschnei- 
det (Dämonenwerk,  s.  Katze)  Z  1  V.  f  V.  K 
is9">  -  11:1  —  Klemm-$MgßÄ  halb offene*,  halb 
zu^eklemmtes  Auge  Schindler  1, 133».  —  16 . Jahrh 
A'mV-Auge   kniioug,  ClK-i>etzmiK  des  oculu»  ginn 

der  Atablftten  Kniescheibe  (Patella)  ilyrti ,  k. 
w.  96  .  —  A'ni>-Auge  ndd.  -  Kneif-Auge,  ein 
zusammengekniffenes  Auge  ic.t.  Vi.  V,  U06).  — 

1«.  .lahrh  Kott&Ugig  '-r.  \V  V,  1901  ,  einor, 
der  das  Auge  voll  Augen butter,  Augenkäse, 
Augenzieger  hat  gramiosus ;  Kotz  Eitet  bläs- 
chen  (conf.  Sehmeller  I,  I3is\  —  A'rrt/toi-Auge 

1V.1  kraenangen,  Bock  MS;  1713  Krahenaugen,  <ir.  W, 
V,  1973;  1742  Krfthen-Augen  cl»vi  pedU  Zw.  813; 
187.">  Krähen- Augen.  Muller,  Krtrtn-h.  2V*,  -  Hühtier- 

Auge  (s.  d.),  Elster-Auge,  Leichdorn,  Clavus 
Pauli  2V.  —  Krebs- Auge  <ir,  W.  V,  1973J,  1)  -  Hüh- 
nerauge; 2)  Augapfelkrebs  Kalke  II,  12).  — 
Kuh  -Auge  <-r  w  v.  255]  Buphthalmos, 
Bullen-,  ötier-,  Uchsen-Auge,  grosses  Atme. 

—  Laufendes  Auge  adl,  loopend  ooffhc  llppitudo. 
.  11  333]  Fhiss-  oder  Triefauge.  —  lauteres  Auge 
ahd,  luitarouga  ür  w.  VI,  ^o  klares,  helles  Auge, 
das  klar  sieht.  —  iit:  Hechte  Augen  <.r  w.  vi. 
m-.iv  luutere  Augen.  —  Lyp- Augen  nieldcrlnnd 
liepoogeu.lK  «  k  12h  verlilppto,  vergiftete, bose, 
lote  Augen  (Triefauge);  tl7".lypogen,  lijpogidi,  1577 
lee[>ooghc  ;  1777  leepoghe  -  lipjni-,  lippitudo,  1».  .!;".'. 

—  I  V.H   Lu.C^en  Auge  lind.  Jun.  2t;  Kraus,  E.  5>t0i 
scharfes  Angel    Sehvermögen}  in  oi.eri'uyern 

noch  gei.niu.  hü.  i.  —  .lfa*rr-aeugig  l  '.  Jabrh. 
nacwraiiKceht  hppu>.  D.  »32  ;  einer  der  Maacher, 
.Masser  (s.  d.)  1111  Auge  hat  (s.  Dawerauge).  —  I7M. 


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22  Auge. 

3/a«*-Auge  \.  v  II  Ii.  ti22.'  =  „ein  anhängen- 
der Vorfall  der  Traabenhaut  (s.  d.)  des  Auges, 
der  von  einer  Schwärung  in  dem  Schwarzen 
desselben  entsteht  (prolapsus  chorioideae)",  „er 
spitzt  sich  wie  ein  Mauskopf  zusammen"  (A,  v. 
II.  L  c.j.  —  Milch-Auge  -  „wenn  sich  bei  einer 
Wöchnerin  durch  Zutritt  von  Milch  (?!)  in  die 
vordere  Augonkammer  seine  wäsarige  Flüssig- 
keit verdunkelt  hat"  *.r.  w.  vi,  -2190  Amau- 
rosis puerperalis,  durch  Blutdrucksteigerung 
in  der  Lactationsperiode.  —  Mond- Auge  icse 
mon(<i)-äugig  '«r.  \v.  iv,  *j.von>  ein  Augenfehler, 
der  mit  dem  Monde  ab-  und  zunimmt,  ein  fast 
ausschliesslich  nur  bei  Pferden  gebräuchlicher 
Ausdruck  j  Wechselauge,  mondblind  (s.  d  ).  — 
Xacht-Auge ,  anal*,  nyilu  w;  <iui  paUlur  dal  oeuel 
iiyctaliuixi» ;  |>a»xl>>  i«unnd«  <|til»  In  «llc  non  vldei  Md 
in  Icnebrta  I».  S79i  (s.  nachtblind;  Nystagmus 
Nyctalamus).  —  jYass-Äugele  thränende  Auiren 
|  Schindler  1,  50},  IT  Jahrb.).  —  A'ffel-{Nißely  Auge 
(nefelauck)  das  juckende  Auge,  dessen  Um- 
gebung durch  Augenfluss  gerötet,  gereizt  ist,  an 
dem  man  niffelt  (b.  d.),  reibt,  wetzt  Schmeller  I, 
17.H  lippus.  —  .  itiwi  Neid- Augen  Or.  W.  vn,  584), 
1.  =  Oculi  lividi,  durch  die  sog.  Neidgalle  (s.  d.) 
gelbe,  ikterische  Augen.  —  2.  Augen,  die  ein 
sogenanntes  Neidhaar  (s.  d.)  über  sich  haben. 
—  3.  -  neidisch  blickendes,  lucgendes,  lüsternes 
Auge;  nh.i  luagalinemo  ougin  lubrico  lumine 
srhnniK  r  i,  1  m  —  iTis  Ochsen- Augen,  „<i<t  En- 
gland de*  Augapfel»,  wenn  derselbe  durch  Waaaentichl 
vefgrttMert  ist"  "'1  -  bupluhnliaos,  ßo<i»r:;,  hydroph- 
thalmla  K.  eh.  Hl;  <;r.  \\.  VII,  1132) ,  1.  -  grosse 
Augen  und  Exophthalmus  bei  Mensch  und  Pferd 
WeJeltard  Kl;  Zipp.  si  —  2.  -  „eine  allgemeine 
gleichmässigeKktasierungdcr  Sklera  auf  beiden 
Augen,  welche  zugleich  mit  Vergrösserung  der 
Cornea  von  frühester  Jugend  an  beobachtet 
wild,  die  zu  allmählicher  Erblindung  durch 
Druckst eigerung  führt"  <  Arlt  21.*»;  Richter  III,  129  ; 
dieser  reine  Buphthalmua  ist  sehr  selten,  die 
Ii  riechen  hielten  solche  stark  vortretende  Augen 
für  schön;  (Glotz -Auge)  —  Pippel  -  (Poppet-, 
Bibelin: Pöppelein- Auge  >.r.\v  vn,  im;»;.  sriiic«ien, 
Schweiz]  Trief- Auge(chron.  Bindehaut-Katarrh 
mit  starker  Sekretion),  vermutlich  als  Wirkung 
de«  l'öppelmann8  (s.  d.)  angeschen.  —  Plarr- 
(Plärr-,  Flerr-^Auge  i  plei-aiut«.!  llppu»,  II  1 12 1 
l'.v;  placraui,'cn.  plei-nmaen,  plannten,  «fr.  W.  II,  ll»7. 
lüs;  VII,  1KW  ,  1.  das  mit  dem  Plärr  (s.  d.)  be- 
haftete Auge  I  Aurisiu  Aurigo'.'  .  das  Trugbilder, 
Nebelbilderdadurch  sieht.  —  2.  ein  rotes,  trief- 
endes Auge  (chronischer  Bindehaut- Katarrh) 
mit  Ectropium  d.  h.  auswärts  gekehrtem  unteren 
Augenlide  (Hasenauge) ;  i7M:;iMiirr«iiKi'  ectropium, 
Plaltner  i.  Hl;  schw.  4u-»;.  —  3.  =  schwachsichtig, 
nicht  recht  gut  sehend  (Augen  -  Nebel.  Nacht- 
Nebel  s.  d  ).  —  i  :;i  polttende  \  Pol(z-) Augen 
>ir.  W.  VII,  l'.mi  i ".»:•:;•  Glotzaugen  Bolzaugen 
(s.  o.).  —  quate  Augen  eiternde,  böae  Augen 
De  r.wk  ]-•»;  (Lypauge).  —  (^ucr-Auge,  mli-l. 
Iwerhei  onsetir.  Vf.  I,  7'.mi  schielende*,  aberquer 
sehendes,  schlimmes  Auge.  —  Reh-Auge  ein 
über  die  Intelligenz  seines  Trägers  tauschendes, 
sanftmütiges  Auge,  wie  es  die  Hebe  haben  [Btreher 
SU).—  i  iv:;  Rinds-Auge  K.  v.  Mcu-ia-  Ochsen- 


Auge. 

auge  (s.  d.  und  kranker  Mut).  —  Ring-Auge 
ein  Pferdeauge,  bei  dem  die  weisse  Sklerotika 
rings  um  den  dunklen,  aber  durchsichtigen 
Augenteil  als  weisser  King  sichtbar  ist  zipp.  *'  ■ 

—  Rinnende  Augen,  roin-äugig  (*.—$».  Jahrh. ;  ahd. 
Tiiuiam I ii  niinun  ,  i.rarT  I,  123;  II,  .*«13  «<tifhi!.i<i  ocu- 
lonun  ;  IHM  Trie lautren,  Hock  24S;  <;.  \v.  VIH,  lui», 
schm.  i,  i.Viij  akute  und  chronische  Bindchaut- 
Blennorrhoe  mit  starker  Sekretion.  —  Rote 
Augen  Omina  rubescens  Hippokratis  Krau» 
E.  «8-V,  1.  =  durch  Bindehaut  -  Katarrh  oder 
2.  -  durch  Bluterguss  um  die  Augen  gerötete 
Augen.  —  3.-8.  Hexenaugen  tbenit.  117;  □,  \v. 
viii.  moo    —  ifofz-äugig    triefäugig,  rinnäugig 

—  Rutzige  Augen  rotzige,  Schleim  secernierndo 
Augen  —  Sand- Augen  -  Blepharolithiasis  Ga- 
leni  Krau-  K  ift-'y  ;  >17Vi  „wenn  man  In  dem  Auge 
etwa»  wie  Sund  »der  kleine  SteinJela  rieht"  [A.  V.  II. 

II ,  17,  Kalkbildungen  (Konkremente),  in  den 
Meibom'schen  Drüsen,  welche  sich  bei  den 
früheren,  stark  durchräucherten  Wohnungen  u. 
dem  daraus  entstandenen  chronischen  Binde- 
haut-Katarrh vermutlich  häufiger  bildeten  als 
heutzutage  (vgl.  Sandmännlein  und  Rauch).  — 
»ii -Angle  kleines  Schweinsauge  oder  auch 
teuflisches  Schlitzäuglein  Huck  12;  Blriinjfcr  I.  r» 

—  iSrtwr-Auge  s.  Surauge  [MM  aawratiglg  ll|>- 
pldus,  D.3Ü2)  -  I»  schäbiehte  Augen  mit  Eiter, 
weissen  Rinde-  oder  Aussatzpusteln  umgebene 
Augen  («r.  w  VIII,  l»vi ;  ».  gehlbe).  —  Schafs-Auge 

das  dumm  blickende,  mit  dem  Schafsauge 
verglichene  Menschenauge  ><>r.  W.  VIII,  2er« .  — 
mhd.  Schale  Augen  trüb  gewordene,  in  ihrer 
Sehkraft  erlöschende  Augen  <.r  \V.  VI  11.  jo  «7  jiv. 

—  Sdutrfc  Augen  Angenschärfe  (8.  d.).  —  1 1>.»2 
Scheel-,  schelle,  Schiel- Augen,  -äugig  ^  schief- 
sehende, scheichende,  schielende  Augen  Had. 
Jnn.  3'.i2;  i.  \v  viii,  2 in;  De  r«.ek2io  —  Schelm- 
Augen  boshaft,  schelmisch  blickende  Augen, 
schlimme  Augen,  1.  Ii*«  Oculi  limi,  schiefe, 
scheele  Augen,  —  2.  schlecht  sehende  Augen 
-Heyne  v,  3M  —  Schlitz- Auge  ein  mongoloidee 
Auge,  dessen  Spalte  nicht  horizontal  gerichtet 
ist,  sondern  im  äussern  Augenwinkel  bocksartig 
eng,  nach  aufwärts  geschlitzt  erscheint  (Rank« 
II.  •  —  Schuppichte  Augen  IMRsehyhtleeht« 
iiiiKeu;  II.  \  <;ci->  st  Augen,  deren  Umgebung 
sich  häutig  abschuppt.  —  Schtcär-  (Sthintr-) 
Augen  Geschwür-Auge  (s.  d.)  Wehm.  I,  W;  IV 
Jahrb.;      > rannnit     li|>i«u>;  I»  :::t2  .  —  Schweins- 

,  Augen    kleine  Augen  (bei  Mensch  und  Pferd \ 
wie  sie  die  Schweine  haben.  —  Sr/urn'as-Auge 

—  ein  Hühner- Augeam  Sehweissfusse  —  Seifer- 
äugig  ins  :  mll,  *ij|."Kl.  h,  D,  W2;  ndl.  djpeleu 
iropfeln,  Klu«e  4,  ;;i «,  lippus,  Triefauge.  —  Sicbcn- 
Aug,  ein  Geschwär,  um  «lessen  Eiterauge  sich, 
wie  beim  Attles-Tritt  (s.d.),  weitere,  kleinere  (7) 
Abscesseheii  ausbilden,  ein  Geschwär,  welches 
mit  vielen  Löchern  aufgeht  In •<  k ■**> . — Spore 
Augen  fratte.  sebrundige,  aufgesprungene 
Augt-nlidbaut  >.  hm  II,  «M  —  Sur- Auge  ,  alni 
nonromcer,  «iratr  1, 12:1;  «arnum,  rarnnre  II.  X.  xv,  »8; 

»nrtiiie»,  II  Z.  XVI.  IS;  Miroiiiren  H.  X.  XVI, M!  J  (Miinllicli 
lip|Hi>,  nihd.  •.iiroeuite,  M'irnj:«.     lippn«  <  Jerni.  X \" 1 1 1 . 
•17;    l.exer  J  Vv :     |||>i  «un  niuiHu       ll|«pn>,     I».  332 
ein  rinnendes  Auge  mit  chronischem  Binde- 


< 


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Auge — baar. 


Auge — Bach. 


bautkatarrh,  dess»n  ätzendes  Sekret  wie  Salz- 
wasser^ aar)  salzig  (sauer)  schmeckt,  d.  \v.  Vlll, 
i*6i ,  iA70;.<chm.  — Thränende,  i7«i  i  Thränen- 
(traurige)  Augen ■  durch  Bturkfliessende  Augen- 
zahren  trttbeAugen,Lippitudo,  Epiphora  lascivia 
(Tripperauge?)  i>.  i<m.  «soidwhni.  iö;  bell  in.  307; 
i>.  -joi.i.  —  17  .6J  Trauben- Auge  -  Hornhaut-Sta- 
phylom  (Galeuus),  sogenannt  von  der  Trauben- 
haut, dieBich  durch  die  verwundoto od.  goechwuT- 
ige  Hornhaut  vordrangt  und  eine  Weinbeeren 
ahn  liehe  Geschwulst  bildet  (Arlt  H3 ;  A.v.  H.  II,  W»). 

-  Traurige  Augen  fiswj  -  dy  trorl^n.tnurlfeouglien 

-  Uftpttudo  i>.*t.;j  vermutlich  -  traurige.thrttnende 
Augen  (s.d.)  —  Trief- Auge  [Uk  Jahrfa.t  rutende äugen 

llppttudo  ocull  D.  33i;  Gr.  W.  III,  :\'Xl ;  \XV>  triefTcn 
der  autecu  von  hlodlgkclt  de»  hinis  [Schnupfen) ;  Krle« 
"3,  *0  ■  i'.'.tl  trieffnue  -  Itppu»,  lind  Jim.  :t»3  ;  17.V,  Trief- 
Augc  —  Uppltndo,  A.  r.  II.  II,  UM)  „wobei  *o  scharfe 
Thrillen  hernuaflleaKcn  uml  triefen,  clawi  davon  <liu 
Hornhaut        und  da*  Kunze  Angeaicht  angefressen 

wird  "  (a.  v.  II.  I.  c.)  -  Hexenaugen  wegen  des 
hantigen  Ectropium  —  chronischer  Bindehaut- 
Katarrh,  Ophtha)miacatarrhalis(s.  auch  Augen- 
fhiBa  und  Fluss  •  Auge,  Thrttnen  -  Fluss.)  — 

—  Tritt- Auge  [Schwaben;  Huck  V2.  ia;  -  Ectro- 
pium, das  wie  ein  Trill  (s.  d.)  lippenförtnig  um- 
gestalpte  und  herabhängende  untere  Augenlid. 

—  Trübe  Augen  iv.i  truebe  Bugen,  H.  Bock  i); 
n:*  cnliKo.  netniln  Flor,  Nebel  vor  den  Augen 
A.  v.  II.  II.  18.         —  Ooer-äUgig   H7">  ndl.  »vor- 

ogtek  —  Umus,  D.  sso)  =  Ubersehnig.  —  üblea 
Auge    böser  Blick  (e.  d.)  ffiebrecht,  V.  Kd.  .t6i). 

—  waltende  Augen  IH.  Jahrb.  walzend  orgen,  Voc. 
opi.  \v.  in  paetus,  das  Auge  mit  Lahmung  des 
Musculus  ubhquuB  oder  rectus,  wobei  ein  Auge 
anders  um  seine  Axe  gewalzt  wird  als  das 
zweite  gesunde.  —  itx;:j  Wasacr-Auge=  Augen  - 
Wassersucht,  Hydrophthalmus  Platner  It.  7).  — 
Uatukräuglen  Thrttnen  im  Auge  haben  [Hebm. 
ii  loitfi.  —  ii.v.nt  Wechsel-Augen  <-r.  w  vi,  vus) 

-  Mondaugen  (b.  d.)  des  Pferdes,  „die  allezeit 
heim  Neumond  dunkel  uder  gar  blind  sind1', 
mondhlind  (s.  d  ).  —  ZüAr-Auge,  mini.  xarroiiKl 
«.ralT  I,  I3S);  när  -  Zrlhrv,  Thrane   Schindler  II,  IMiJ 

hippitudo,  ein  thranendes,  Hiessendes  Auge 
(Blenorrhoe).  —  Zitteraih-Auge,  thO,  dttarouga, 
eine  mit  Zitteraeh-Ausschlag  entstellte  Augen- 
tregeml  'inifi  IV,  SM]  (s.  Zitterach).  —  Zitternden 
Auge  Nystagmus  -  osci liierende  oder  rota- 
torische Bewegungen  der  Bulbi,  «lic  im  Wach- 
zustande immerfort  oder  nur  beim  Fixieren  der 
Augen  in  die  Erscheinung  treten.  —  Zorn-Auge 


i  augjg  ,  ahd.  zorauauga  firuff  I,  1231  -  seoto- 

mnticus  II  Z.  XV,  SW.  .t"n-  Kchrnclter  I.  1G20,  snl» 
Millich  ;  ..dem  scotutnatlcus  dünkt,  wie  Mucken  vor  den 
Augen  fuhren"  Flimmer  -  Skotome ,  die  beim 
Zorn  im  Auge  erscheinen  taugaxobrat,  <;rnfr  i,  123) 
(s.  augenzornig).  —  Zieie äugeln  so  schauen,  als 
ob  man  nach  zwei  Seiten  blicke,  schielen.  — 
Aug  en)  -Ader,  -Aeber  (-Apem),  -Apfel- Ast, 
Hatte-  -Beisstn,  ßeschläcJit,  -Bisa,  -Blendung, 
•blöd, -Blume,  -Bogen,-  Brächten,  -Brand,  -  Braue, 
(brä),  -brechen,  -Bruch,  -Brunst,  -Bull,  -Butter, 
-Butz,  -Butten, -Deckel,  -Drüsen,  -Dünkle, -Ecken, 

-  Eiter,- Endtündung.  ■  Fahne,- Fall, -Federn,- Fell, 
-Fenster,  -Fett,  -Feuchtung,  -Filt ,  -Finnen, 
-Finstere,  -Fistel,  -Flammen,  -Flandl,  -Flecken, 
-Fittich,  -Fliegen, -Flügel, -Fluss, -Frättc-Oerste, 
Oestell,  -Gicht,  -Gift,  Glast,  -Gleff,  -Glider, 
•  Grube,  -Haber,  -Hauck,  -Häuslein, -Haut, -Hohle, 
•huefig,- Jucken,-  Käse, -Kern,-Kieselstein,-Kind, 
•Kittel,  -Klott,  -Knochen,  -Kolch,  -kotzeti, 
-Kräfte,  -Krampf,  -Krankheit,  -Krebs,  -Kreis, 
-Läpplein,  -Licht,  -Lid,  -Lippe,  -Loch,  -Luck, 
-Mal,  -Mangel,  -Männchen,  -Masser,  -Matt, 
-Milch,  -Nagel,  ■  Nebel,  -Nest,  -Pein,  -  Perlen,  ■l'ferd, 
•Räude,  -Rand,  -Rebe,  -Ring,  -Rinne,  -rissig, 
-Röcke,  -Röte,  -Saft,  -Schaden,  -Schäbigkeit, 
•Schärfe,  -Scharte,  -Schatten,  -Scheckel,  -Scheelig-, 
keit,  -Schein,  -Scheuern,  -Schimmel,  -ScJdeim,- 
-Schmält,  -Sehmert,  -Schrimpf,  -Schrinnen, 
-Schwäche, -Schicär,- Schwärt,  -Schweiss,  •Schwin- 
del, -Schwinden,  -Sehe,  -Sehr,  -Seifung,  -Seiren, 
-Sperre,  -Staat;  -Stall,  -Staupe,  -Stein,  -Stern, 
-Stirne,  -Sucht,  -  Thräne,  -  Thor, -triefxq,  ■  Tripper, 

-  Tropf,  -  Tropfen,  ■  Uebel,  -  Weh,  -  Wehtag,  -  Weiss, 
-mtnken,  -  Werren,  -  Wimptr,  •  Wimmet  n,  -  Winkel, 

-  Wolke,  -  Wolle,  -  Wurm,-  Wust, -Zacken,  -Zähre, 
-Zahn, -Zauber, -Zieger,  -Zittern, -tornig,  -tucken, 
•zwinkern,  -Zicistern. 

Aunken  s.  Unken. 

aus-  ausser-,  die  Zusammensetzungen  mit 
dieser  Vorsilbe  suche  bei  dem  betreuenden 
Stammworte,  z.  B  Ausschlag  bei  schlagen,  Aus- 
geburt hei  Burt,  Aussatz  bei  Satz. 

aus  und  ab     Luxatio  et  Fractura. 

Auter,  in  ,  u.  1.  -  Kuter  (s.  d  ).  Auter-Kegel. 

-  2.  =  Ader. 

Axe,  s.  Achse. 

Axel,  1.    Assel  (s.  d  )  [Heb walten ;  c  v  Nehm,  ist] 

-  Warm  am  Finger.  —  2.  ~  Achsel. 


baar.Baare,  f.  (Bare),  Wurzel  bhe» .  ludog.  bbo*o-a 

entliloKM ,  ahd.  bar,  mhd.  Imr;  cnirl.  tum-  nackt, 
MlMM  (Kirnte*,  'JMj  -  ltl«m»e  ^Schwallen  •  Schw.  II.  — 
baar  nudus.  —  baar-.'H.-- ,  -liaupt ,  -kopfig, 
-schenkelig  —  //aitpfbaare;  m  inhrii.hniiiH  ti.nrl 

-  calvitium;  Notker  I!  1  (ilatte. 


Bach,  m.  wem.  bakl*,  bakltt*;  ahd.  tmhh  ,  mhd  haeh 
„Sin  uralte*  Wort"  Klugr'",  —  jT/trärioi-Bach. 
Diealteren  medizin.  •Schriftsteller  nahmen  einen 
solchen  im  Thränen- Kanal  zwischen  den  l.id- 
rftndern  und  der  vortleren  Bulbusthlche  im  .Mo- 
mente des  Augonschlusses"  an  (Hyrtl,  .Mint.  :>io). 


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24 


bachein— Baeke(n) 


Bad  — Bäuschel 


bachein  (bacherin),  1.  =  einen  Wasserfluss 
machen  —  mingere  (Kinderstubensprache).  — 
2.  =  bähen;  ein  auf\  gi bachelts  Kind  -  ein 
schwaches  Kind,  das  noch  lebensfriach  gemacht 
wurde  durch  das  künstliche  Erwärmen,  Bähen 

Backen,  Backe,  m.,  f.  ahd.  bnhhn,  hnrcho  Kinn- 
lade, Backe  « iraff  III,:»;  Gr.W.V  777; ,  inh«l.  harke. hache 
Kluge  *  24),  lat.  bare«    -Hu  aufgeblasene  Barke ;.  11*2 1 

packe ;  iv,i  .lerBagk.  1.  -  der  Gesichtsteil  «wischen 
Nase  und  Ohr,  Maxilla,  Wange,  Backen-Wange 

Zolling.  Voc.  y.  2;  Burk  12).  2.  -  Backe  -  Arach- 
backon,  Podex  (D.  «:»;  sächsisch)  Hinterschenkel. 

Backe(n),  m.     Rückenstück;  altgcrm.  bark 
ttürken;  ebd.  behbo;  mini.  bsehc  Sehlnken-Hpock- 

scltc  Kluge*,  28)  nicht  verwandt/um  vorangegangenen 

Wune I;  engt  back  -  Kucken.  —  4r8cA-Backe(n), 

crM  mhd,  «rshncke,-  (1».  176;  Kluge *,  15),  1.  (1590J 
elunK  uates  Kischart. ;  «irimni  \V.  I  AM;  «rspiuckcl 
Kobmcller  I,  joi  |  Nates.  —  2.  -  Die  Umgebung  der 
Natefl  IVii  arslmck  trnchanter  innju-  Ilyrtl,  K.  \V. 
9.  —  3.  —  Schulatmlruckj  ilVilj  arssharken  des 
hyrn*  —  Corpus  quadrigeniinuro,  d.  h.  das  Hinter- 
paar  des  Vicrhügels  Ilyrtl  K  w  ho:.  —  'iogo)  Dick- 
Back   Pausback  'ir  w.  n.  107s  .  —  dünne  Backen 

s— y.  Jahrb.'  thlnnapahhun   rass.  i'liwn  ;  IMez  «KP 
tcm|H>ra  Schlafe)  entspr.  den  ..«liinnen  Wangen"; 

l»icu  «teilt  es  zu  ahd.  linna  Slirne,  also-.  stirnhackc, 
die  es  iiIkt  als  solche  nicht  gibt;  Kluge5,  32t  «apt,  das* 
hinter  ,.l)üntib«cke"  [und  „IMinawange"]  die  altere 
germanische  He/.clehnung  für  ..Schlüte"  steckt,  die 
mich  in  vielen  niederd,  Mundarten  lebendig  geblieben 
ist.  [s  Inmmingj  —  ilVW  dunnbacket  II  Sachs;  t.r 
w.  Ii.  r>>!  dünnwangig,  dünne  Backen  wangen 
—  b.|  .»  geschwollene  Backen  Parulis,  Wangen- 
schwellung (oder  ll  Ii.  12s  .  —  Hinter  Backen 
Arschbacken  im  Gegensatz  iu  den  (vordem) 
Gesichtsbacken  (  Wangen);  imih  hindnpacketi. 
Ilyrtl,  K.   W. ;    17  t»   llintcrbackcn      cbincs,  nates 

,\.  v.  Ii.  7).  —  «1777;  //im-Baecklein  -  ginuei  s.  natc* 

eerehrl  i|>.  2iH*n  ein  gewisser  Teil  im  tiehirne  Arsch- 
backeii  —  Kt  in  Backe  '-r.  W.  V,  77o  Kinn- 
backe. —  A'ic/-Backen  fehwetej  «r.  w  v.  m 
Kinnbacken.  —  Der  (die)  A'tnn(s;backe(n),  «bd. 
chlnulpaeho,  kinnl  bacho  f(!r.  W.  V,  77.\i  KiimlMdr. 
Racken,  Kinn;  eblnna  pabbun  "iraff  111,39;  Hr.  W.l.  c 

Kinnlmeken  und  Schlafe  «.  "   tiuuapahhun  ,  7.  hls 
s.  Jahrh  ehiuiiapahhiin,  f»«<.  «'h>ss;  s.  Jalirh.  chinni- 
Imhhoii      maxilla,  EtW  sl;  11.  Jahrh.  kinnchachn 
hmncliiislgtila),  mala,  maxilla,  U.Z.  III. :«;•» ;  kluuihaccun 

mala.  II  Z.  XV.  in.  110;  ChltilieU  mcntliui.  II  Z. 
XIV,  313;  mhd.  kinnebacke.  «ir.  W.  V,  777;  IV  Jahrh 
kitiuhacke  mentuui  ifaux  .  <;r.  W.  V.  77H;  1177  Kyn- 
Imckell  hraneus  mala,  maxilla),  Im  l  ange  I  7:U'>; 
iir.  W.  V,  77s  snb  2a;  14*2  kiupack  mandiluila 
Zciiing  Voc.  -|.  I,  l'rfM  klnpaeke.  kinpagg  maxilla 
inferior.  Hr.  w.  V.  777;  UM  klenbeck  Kinn,  Kinn- 
hacken,  <ir.  W  V,  TO;  IM*  kynhark  maxilla. 
mandllmla.  II.  v.  «.ersd.  y7 ;  Mist  konharken  Kinn- 
liaekeu ,  <ir.  \V.  V,  777;  10*0  kunnhaekeu  Kinn- 
hacken.  Hr.  W.  V,  770;  17*2  kinbacken  maxilla  in 
ferior,  (Ir.  Vi.  V,  777  J.  ,,l»ie  Zusammensetzung  Kinn- 
Birkcll  Kinn  Kinnlade,  Barken  Kinnlade  snlltr 
■  Ii."  Bedeutung  Kinnlade  um  mehr  Hieben  als  so- 
wohl bei  Kinn  als  hei  Backen  sieh  im  Sprachgel.rau«  he 
noch  weitere  Bedeutungen  entwickelten  '    «ir.  \V.  V. 


777  ff  .  Nach  der  meisterhaften  Knlwleklung  In  'ir  W 
l  e  ist  Kinnbatken  1.  =  Kinnlade  als  der  untere 
bewegliche  Kiefer.  —  2.  -  der  mit  diesem  mit- 
arbeitende «Iberkiefer  (oberer  Kinnbacken).  — 
3.  =  das  Kinn.  —  4.  der  Schlund.  —  5.  die 
Wange.  —  6.  -  die  Schläfe  'aher  nur  im  ahd 
s.  (blnuapahhiiii  —  hm  ^backen  -/>>., -r  .  Ge- 
schwür. -Zahn,  -Zwang.  —  A'i.--Backen  Bayern . 
t;r.  W.  V.  77S1      Kinnsbacken  schmeiier  i,  I8i"j. 

—  Lange  Backen,  ahd.  lanebeeho  [GnuT,  m,  »1 
=  Hängebacken.  -  Paus-,  (Paust-,  Pfaus-} 
Backen  1«>  Jahrh  1.17  -  1  •.::•.»  Itausl.aek  Pau.twek. 
PfMifbark,  t;r  W,  l,  nys  boerae  inflatae.  ivu  pfaus- 
bnck  huren.  D.  s.;,  Bussl»ackcn  hucculeutus,  Iiilas. 
Kugeln,  baushaekig,  llad.  .Inn.  31M;  Ii. Ii.  puusbacke, 
Hr.  W.  I.  Müs,  VII.  I'.l::  Bausbacke  ,  nbcnl  Blaus 
harken,  '    \  Hrhnt.  tO\  Kluge4,  279);  m  mhd.  pfAeen 

-  <\.  pfnusen  (»,  d.)  wbnatlben,  also  rigeiillleli 
Backen,  wie  man  sie  beim  Schnauben  volluimmt, 
aufgeblasene  Backen.  —  Triefäugige Pamba,cke 
Mr.  Vi.  I,  IM»),  eine  vollo  Backe  mit  Triefaugen 
(8.  d  i,  ein  Bild  der  torpiden  Scrofulosis.  —  loio 
fy«/crs-Backen  <ir.  w.  i.  mis  -  Pausbacken.  — 
Rot- Backe  rote  Wange.  —  ScAnw/backet  (c.  v. 
seh, ii  47o  im  Gesichte  abgemagert.  —  Stirn- 
Backe  ».  Jahrh.i  thinna|>ahhun  .l  oss,  (Jh.ss. 
Diez  U3  ,  die  Stime  heisst  im  ahd.  ttniia;  Oriiiim  ver- 
hcsi-rte  diLs  .früher  in  den  fass.  <ilo«s.  iiiigenommene 

eblnnapabhun      temponi  in  ihlnna  pahhun  —  stirn 
backe.  —  Backen-- Ipfcl,  -Bart,  -Bein,  -Blase, 
-Darm,  -Geschwulst,  -Hohle,  -Knochen,  -Krampf, 
■Leiste,  Sack,  -Tasclw,  -  Wange,  -  Winkel,  -Zolin. 

Bad,  n  Bade-Frisrf-.  -Krätze. 

Baecker,  Bagger  s.  Pecker. 

Baecker,  backen,  ndl.  herbakken.  gohakken 
V.  K.Y  n.s  erzeugt  —  niclit  recht  ^backen  sein 
Burk  i  >  blödsinnig,  weil  bei  der  Erzeugung 
nicht  recht  geraten  —  zubacken  -  wie  mit 
Teig  verklebt  sein  n  \  in«;  z.  B.  au  den  Augen. 
(Jeher  das  Backen  (Umbacken)  und  Mahlen  det 
Menschen  s  Altwdber-Mühle  und  Ufen.  — 
Bäcker- 
Back- 

Bäckling  m.  1     einer,  der  eine  geschwollene 
B«tAfhat(    Parulis)  I  h233  >.  —  2.    ein  Wind- 
dorn am  I.'nterkieferrand  des  Pferdes  l7ts 
Mnsrhenb.  •'2'.  —  Ii.     ein  Pferd,  das  au  eiuer 
Backemtahnt'istel  leidet  i  ulke  I  •,•> 

Baen,  m.  (Mecklbg)  Gaumen.  /.  d  v.l.  K  V 
iv.es.  SM]    MundhOhlendocke (Bühne)  Kluge  ..;> 

Bälgle,  Bälglein,  n.  s.  Balg. 

Ball,  -baellen  s.  Bell,  -bellen. 

Bändl  (Bändchen)  s.  Band. 

Baer  in  Baeren-sScWa/",  -tattig,  -  Tritt. 

Bare  (baren,  Baerung)  s.  bar. 

Bärpel  s.  Berpel. 

Bäuchlein  s.  Bauch. 

Bäuschel  (Bäuschlein):  mhd  beincberi  da* 

oU  re  Kingeweiileeines  Sehlachttlere«,  tlas  im  Bauschen 
herausgenommen  wird  l.cxer  Ii.  IV.l  2:  das  huschele, 
t.nsehlelii  «.i  w  Ii,  rna;.  1.     Nachgeburl,  Bürde. 


Beine,  -Fiscli,  -Krätze. 


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Bagol— Balg. 

Matterkochen,  der  sich  als  ganzer  Bauschen 
entleert,  Secundina.  —  2.  -  F.xta,  das  gesamte 
obere  Eingeweide,  das  man  als  einen  gemein- 
samen Baaseben  aus  den  Schlachttieren  heraus- 
nehmen kann  (Opfer-Anatomie)  -  Herz,  Lunge, 
Milz,  Ix)ber  (<;r.  w.  I,  nw,<  (vgl.  Büschel). 

Bagol,  m.  Tirol ,  Mint.  -V  Ii)  —  ein  kurzer,  dicker 
menschlicher  Körper  wie  ein  Bagel  lilenen- 
korb,  Schmeller  I,  226 

Balg,  m.  in  vorserm.  bhelidi  -  M-hwellon;  »rerm 
balgt-,  belg,  franz.  boyati  >  »olgarh; ;  angln,  bylg.  I«dg; 
irini-h  bolg .  alinonl.  Imlgenn  nuf|fi'!-rhw«dlen  Kluge  &. 
2-1 1 ;  engl.  Iielly       Bauch    Schnorrer  IUI  ;  iihil  balg 

follix,  nihil.  bah-,  1  die  zum  Aufbewahren 
von  Flüssigkeiten  in  Schlauchen  abgestreifte 
Tierhaut  ul»er  die  Unterschiede  der  Haut  von  Kell, 
lutlü,  Schwarte  v  <.r.  W  im,  UM);  die  strotzend 
geschwellte  Hant  ahd  belgan ,  nihil,  tilgen  mm««, 
■cbweUen,  Kluge  I.  c]  ist  der  Balg  als  volle  schwel- 
lende Hülle;  darum  aber  auch  „auf  den  ge- 
schwollenen Leib  spezialisiert"  [Klage1,  SS)  — 
2.  =  Bauch,  Leib  (voll  und  leer);  [1498  rentcr, 

MiilMi'hlK,  lir.  W.  I,  10M;  D.  610;  Delling,  hayer  Idlot.J. 

—  3.  =  Tumor,  Uterus  «trimwller  I.  m).  —  4.  - 
der  ganze  Körper  Tirol  als  ganze  Leibeshfllle 
Itint.  :..  ».  zügeln  i    -  5  -  die  Balge  (belg) 
Testiculi,  Serotum  (s.  Hochbalg)  <;r  \v.  [V,  2 
l«06;  M21  i»  ;.2i).  —  (5.     die  menschliche  Haut 

—  Fell  (s.  d.)  —  7.  — -  ein  kleiues  plumpes  Kind, 
das  einem  wassergefüllten  Balge  (s.  Wechsel- 
balg, WasBerbutte)  verglichen  wird.  (Vergl. 
Bottich,  Butte,  Mondkalb).  -  8  Baelglein 
der  kleine  Balg  (s.  d.);  abd.  palgaliu  Kitas  Hl, 
107i.  IV  Jahrh.  halgle  NaebRebtttl  llyrli,  K.  \V  I. 
Iis.  |>clglcin  t»elll»l  «ei'undina,  Zeniug.  Vor.  o.  6; 
1507  balgeleln  [II.  can  ]  amnlon ,  V#*  balglein  lullt- 
culim  und  die  lote  Krurht  [TnWrnnfmonl' ;  16.  Jahrh. 
baclgle  Mi  ondlnn  genannt  fArzticybuch ,  <ir  \\.  I. 
iom.  .  nlwo  durchwegs  auf  die  die  Leibesfrucht 
hergendo  Eihaut  nebst  Anhang  (Nachgeburt) 
bezüglich.  —  9.-8.  auch  Bolgach.  —  .l.v  Jnhrh.) 

.  1 1  .-'''i-Balg,  ar-|iclir,  ar««liellcg,  arKvItolgv  ^chmcllcr 
l.  Ii»  n  m  Piga,  Nates  Arsch  ballen.  — 
irtwf- Balg  Haeuiatocvste ,  eine  mit  Blut  gc- 
füllte.  stratfgespannte  Hautbeule  Kram  B  ffi). 

—  DrUsen-Bulg  die  das  Drüsengeweb«  eng 
umschliessende  Haut.  —  /)Mrrr-Balg,  doerrbalg 
rniucll  IV.  17;  Sieben!..  9*ch>  der  lud  uls  ein- 
getrocknete Leibeshülle.  — A'KterBalg,  »h.i  uder- 
t>alir  «.rafli  l.v.)  -  weibliche Brustdrüse  ulsmilch- 
gefnllle  Hauthülle.  —  Galkn-Balg  H  Jahrh 

gallcnlMilg  Hl.ti  \ejMn)  vclll-,  fclli«,  Vor.  o|.|.  W.  II; 
I  .  Jahrh.  Kall.nl.nlrk      cMifellu«.  I»  03» |  I  |H2  gallcu- 

riata  Icllla,  Zentnjr.  Vor,  k.  i  Gallenblase.  — 
Haar  Balg  ..die  tlasclienföriuigen  Vertief- 
ungen der  Haut,  in  welchen  die  Haarwurzeln 
stecken"  «;r.  w  iv.  i  sx  —  ifawp.-Balg,  ahd. 
haui,ltlM»l<-  hm-.ih  ..raff  III.  Iu7  (die  zum  Geld- 
beutel verwendete)  tierische  Kopfhaut.  —  Haut- 
Bälge  die  den  Hauttalg  bereitenden  billge- 
formigen  Drüsen  Kalk»-  I.  J7v.  —  Hoch- Balg,  I 
-Baelglein  lVtl  hochbalglln,  llyrtl,  K.  W.  <>a  .  vom 
Hr.rhl.al«  I'.'l  ilnrrh  Verkleinerung  entnommen ;  diinda« 
llorhUak-utn,  weil  beaonden  hochwertvoll  [t],  davon 
»einen  Samen  hal..-  llyrtl.  K  W  ],  IM  whr  zu  l.e/.welfelli ; 


Balg.  25 

1861  hochbalg  srrotum,  Cr.  \V.  IV,  2.  16H ,  Schm.  I, 
■£t6).  1.  —  Hodensack,  als  oberer,  höherer  Balg 
im  Gegensatze  zu  dem  für  den  Bruchschneider 
und  Kastrierer  wichtigeren,  eigentlichen,  in- 
neren, tieferen  Hoden  balg  (- Tunica  propria). 

—  2  -  Hoden  Ihorhbilg  tentlrull.  Cr.  W.  IV,  2. 
MM  als  Inhalt  des  Hodenbalges.  —  3.  =  „das 
Mittel  im  Dieeh"  (die  Hoden-Umgebung)  bei 
Scblacbtthieren  f  Augsburger  Metzger«prachc ,  Gr. 
\v.  VI,  2:i<>.  —  4.  =  der  Hochbalg  galt  dann 
aucn  als  Testen  muliebres  =  Eierstock.  —  Hoch- 
balg, -Driisen,  -Geschwulst.  —  Hoden-Balg,  ahd 
hodcpnlc  fl-cu*  lirafT  III.  107;  löfil  hodcnbalir.  <^r. 
w.  IV,  2  WM)  Hodensack  der  auch  zum  Geld- 
beutel veraibeitet  wurde  (Gutsack).  —  Kul- 
Balg,  niii  rniiiaii  h  nientiila  i>  ri'.7 1  derHodon- 
sack  (s.  Kulle).  —  Kinder- Bälglein  mm  kindiiniKci 

^  amnlon,  ('  v.  Mrurllh. ;  luhd.  klntbt-lKcl,  I.exer,  12:1; 
l.i07  kindhalKktu.  Hort.  un.  --  amnlon!;  al«o  das 
Balglein  stricte  sie  dictum  (s.  o.)  =  Scbaafhaut 
(Amnion,  Pcllis,  Secundina),  Kinds-Netzlein, 
Kindsfell,  Kindsbürdlein,  Büschlein,  Kleidchen 
etc.,  die  zarte  Kihaut,  womit  die  Frucht  im 
Mutterleib  umgeben  ist.  —  jYaöVBälgleüitT«  Jahr. 

naehlxURlcin.  llyrtl,  K.  W,  '>;  narhlmlKlin,  Hyrtl,  K  W. 
itfi  iVacAgeburt  (Placenta)  mit  dem  Kinds- 
bälglein.  —  Samen  •  Bälglein  [noch  Im  ls  Jahrh 
icebrauchllch  in  -Irr  ."frhiilr  di  r  Vuatoinir  .Sametl- 

bläschen  (Hyrtl  k.  w.j.  — irrbalgen  unter  den 
Rippen  anschwellen  und  dabei  den  Atem 
schmerzhaft  einziehen  (s.  verfangen  und  ver- 
Walgern), hei  Brustentzündungen  besonders  der 
Kinder  sichtbares  Krankheitezeichen  mold-rhui. 
in)  am  kindlichen,  mehr  aufgetriebenen  Ober- 
bauche (Balg).  —  Wasser-,  IVccA-sei-Balg :  mdi 

Wi-Iht  indisrhr  Studien  ">.  2i'-0  lu  irrilllirli  «rhou  in  den 
imlNehen  Vcden  vnrkommeuil  fWattke,  d.  V.  Al.rrirl. 
§  3KB.  SM),  wird  tltOM*  Wort  nach  «irimtn  W.  doch  erat 
hei  Luther ali>  «olrhe« erwiilint  <ir  W.  VI.  2.10h i  «,  «  Iim  I 
bnlk  Mondkalb'.  Nach  Luther  Zeltsehr.  I  d  l'hllol. 
XXVI,  M.i  IM  der  Weeh«elbalK  unrein  Stnrk  KlclM*b, 
eine  UIIIkmi  rarni*.  worin  keine  Seele  i«t  und  die  i  iil-lrli! 
durch  dieSrhuaiiKeruiiK  einer  Krau  wahrend  d.  Woehen- 
heUreinb/nuK  Kine  wilrhe  Molen^rhwaiiKvmHwfl  in 
kleinerem  »irade  war«  aueh  die  AborttlH- Mole  I  rx.  r 
:177  fuhrt  «eh«elbale  al«  mhd.au;  1 1.191 1  Wei  liHellwl« 
l>uer  mbditut  lltad.  Jun.  Vi),  —  l»er  Toufel,  der  oli 
an  die  Stelle  zweorhatter  Krditelster  (Alpen,  Itnl/eii. 
Kol... Uli'  tritt,  rauht  niu  h  diev  m  AlnTKlililben  die  ffQ- 
«linden  Menxelienkiuder  und  lefft  -.eine  mit  den  HeXVU 
enteliKte  TeuleNbrut,  die  kielkrofliKen,  dlrkbilsigen, 
verkrupiK-lten,  verhütteten .  Im  WaehMnm  zuruekblei- 
benden ,  bauehUäxtiKen ,  dick-  und  Kromkepftaen, 
btassen  Weeh^ellMilK-Kinder  in  die  \\  ieecu  der  Men«elieti 
hinein;  er  «-hiebt  »ie  den  andern  unter,  wechselt  nie 
au»;  iler  Teufel  vertritt  aber  hier  nur  die  clhixclicii 
Zwi  rne  de-  Heidentum»  Simroek,  II.  I>  M.  133;  Ahcrgl. 
i'.2.  Ii.  A.  Uli.  2ti'.n.  —  Wecbselbalg  ist  eine  dem 
Wasserbalge  ahnliche,  ihn  formell  angeglichene 
Missgeburt  bei  Meusch  oder  Tier,  verursacht 
nach  dem  Volksglauben:  a)  durch  den  1-in- 
rluss  lies  Mondes  oder  b)  durch  Auswech- 
selung von  Seiten  dämonischer  Wcson  (Alp, 
Butz.  Teufel.  Kobold,  Hexen  etc.),  c)  durch 
widernatürliche  Erzeugung,  d)  durch  den  bösen 
Blick  oder  das  Versehen.    .Sein  Huuptcharak- 


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Ä 


Balg. 


Balken—  Barns. 


teristikum  ist  seine  Erscheinung  mitten  unter  \ 
sonst  normalen  Geburten,  besw.  Generationen, 
die  Ähnlichkeit  miteinem  prall  gefüllten Waseor- 
balge,  die  Verbindung  mit  dem  Kröpfe,  das 
häufige  Abgestorbensein  der  entartetsten  For- 
men, die  zwerghafte  Verkümmerung  im  wei- 
teren Wachstume,  sein  Vorkommen  bei  Mensch 
und  Haustier  (Kind),  seine  grössere  Häufigkeit 
in  gebirgigen  Gegenden.  —  Der  Nanu-  Wechseibaig 

wird  für  menschliche  Wewn  gebraucht.  Wasscrkalb 

für  Ueriae.be  nnd  menschliche  Mlaageburten. ;  letzterer 
Same  1*1  keine  ('bcrtragutig  eines  pathologischen  Be- 
griffes vituliis  hydroplcus»,  sondern  blosser  Verjrleleb 
mit  dem  ursprünglichsten  Uefassc  des  wandernden  No- 
maden, dem  Wasserbehälter  desselben,  der  Kalbshaut 
oder  dem  Riitllinj?  I Butte,  Hottich  ,  dem  Vorläufer  des 
durch  ergänzende  Ke|>uratureti  ausgebildeten  oder  etil- 
wickelten  lioUbottlche*.  Wie  son«t  -ehr  oft,  so  wurde 
auch  hier  ein  Hausgerät  zum  Vorbilde  1k>I  der  Bezeich- 
nung eine*  Körperteile»,  bezw.  einer  Leibesfrucht.  Von 
«lern  prall  und  schwellend  mit  Warnet  gefüllten  Dutt- 
1  int;  aus  Kalbshaut  stehen  stummelformig  die  vier  Kx- 
trcuiltntcti-Stumpfe  ah.  l)le«e  abgestreifte  Kult. »haut, 
die  vernäht  und  verkleb!  oder  mit  Schilf,  Beet,  Binde  etc. 
verstopft  wurde,  diente  In  ihrer  gefüllten  Form  als 
Wasserbutte  zum  Vergleiche  ftir  den  körperlich  ähn- 
lichen Wechselbalg ,  der  <lamlt  den  Namen  ,,Was«er- 
balg"  erhielt.  Wosserkalb  ist  wohl  der  altere  Name 
für  da*  Wesen;  die  Versuche,  seine  Herkunft  und  Knt- 
stehung  zu  erklären,  führten  dann  zu  den  übrigen 
Namen,  worunter  Wechselbalg .  Wechselkind.  Mond- 
kind, Mondkalb  die  bevorzugteren  sind  Nach  spaterem 
Volksglauben  siml  die  vom  Teufel  in  der  ersten  Mai- 
Naeht  altheldnlsehe  Kultzeit  mit  den  Hexen  Im  Teufels- 
llelschlaf  erzeugte  Teufelsbrut  solche  WecliscHndgc ; 
nlier  auch  die  schwtmmfiisslgcn  Nixen,  die  Hexen  oder 
die  Zwerge  zaubern  den  unachtsamen  Müttern  solche 
Wc.-h»c».algc  als  „SchandlMllgc"  in  die  Wiege,  an 
stelle  ihrer  Kinder  sie  unterschiebend,  hinein  Wnttke 
I».  :»;i,  Schcible  III,  l«:t;  Bavuria  I.  I.M7;  III.  S.*Mj 
IV,  I.  201.  212.1,  daher  sie  <'aiiihionc«  ahd,  wihselhign 
Wecli-llng  •"■  d.  genannt  wurden  ,  gegen  diesen  Alp- 
Zauber  Inns«  darum  heute  tntch  rote*  Kirchen  wach« 
lad  der  Kindbetteriu  brennen,  bis  da»  Kind  getauft  ist, 
•Hier  der  Löffelstiel  der  Wöchnerin  muss  mit  roten 
Wai  hslicht»treifcii  umwunden  »ein  itberbayern,  Ohcr- 
pfalz),  —  Dein  ganzen  A  herglauben  liegt  die  ärzt- 
liche Thatsaehe  1)  der  Uhachitis  congenita  f00- 
talis  (Kretinismus)  zu  Grunde;  daher  obiger 
Wechselbalg-Aberglaube  in  Kropfgegenden,  wo 
die  Krdgeister-  und  Zwergsagen  im  Schwünge 
sind,  besonders  häufig  ist,  beziehungsweise  war. 
Nicht  nur  die  ganze  obige  .Schilderung  des 
Wcehsclbalges  .stimmt  Oherein  mit  dem  bilde 
des  Kretins,  der  heute  noch  „Wechselbalg"  ge- 
nannt wird  itavartM  iv,  i  212  ,  sondern  auch 
frühere  Ärzte  erkannten  in  dein  Wesen  des 
Wechselbalges  »-  hon  im  1*.  Jahrh  die  Uhachitis 
(foetalis  und  post  partum)  \.  v.  II  l.  ll'.i ,  n.  »s. 
u :.  Der  dicke  Kopf,  der  Kropf  an  der  Kehle 
(Kielkropf),  dicker  Bauch,  verkrümmte  Glieder, 
die  Wachstumstörung  (Hasenscharte,  s.  d.)  etc. 
kennzeichnen  den  Kretin  genügend;  2)  aber 
auch  die  eigentliche  Uhachitis  dar  Kinder  (post 
partum)  wurde  darunter  verstanden  \.  v  Ii  i, 
1164) ;    3)    sowie    die  Molensohwangerschatt 


(=  Mondkalb,  s.d.  und  Wechsel butte,  Billwiz, 
Kaulkopf,  Kielkropf)  >.  Z  d.  V  f  Volksk .,  is-...;. 

1.  M).  —  Balg-0e8chtctdst 
Balken,  m  Balken-Sfaar. 

Ball,  m.  (Ballen),  ahd  pallö.  bullo;  mhd.  bal, 
balle  ein  kugelrunder  Korper  Kluge &, 36) ;  dazubcdle, 
angl»  la-alloc  -  Bode  Kluge  1.  f.);  Ii:«  bal  talus  in 
pede,  1).  ~>72;  1".:I0  pallen  prosthetis  pedis,  I»  167,' 
—  1.  -  Arschballen  (s.  d.  und  Bällen-Muskel; 

2.  Handballern)  manu«  palma  Wackernagel  IT; 
1>  r.js ;  Du  <  nnge  I.  vtr,  ;  8.  Zehen-  oder  Fussballen 
Tirol,  Hititner20. s,  Waekernagcl  I7i ;  4.  Geschwulst 
a)-Bcllfuss  Bayer.  Wald;  Schindler  I.  33»  ,  b)  Pest- 
beule; 5  Zahnrleisch-Billern  Bällchen;  .Pauli 
--et i ;  G.  der  Hufballen  am  PferdefusB;  7)  Nasen- 
kuppe K.  u  87).  —  /lr8c/lballen      Jahrh.  arsbelll 

nute».  Hab  Maur  65,  11  Jahrh  arsbelll  natc*.  II  7. 
III,  :n..H  .  XV. 3*1.  r.2:t;  XVI.  s:t;  arspelll  nate».  II.  7.  III  , 
13.  Jahrh.  arspelll  nates.  H.  Z.  XIV,  MX2;  II  Jahrh 
arsbcll  nates,  Voc.  opt.  W.  13;  117«  crsball,  erspall 
arsbal  eluni«,  eoxu,  nate«,  pygae,  I).  12».  376.  1:13.  «07; 
IV  Jahrh.  arsballe  eulus;  16.  Jahrh  arsballe,  D.  162 
■lii-t  ;  dann  verschwindet  das  Wort  in  dieser  Form.  — 
^Hycn-Ball,  engl  eyeball  I-ehf   171;  Gr  W.  1,  S03 

=  Augapfel.  —  Daumen- Ballen  Handballen, 
Mäuslein  (s.  d.V  —  .Finnen-Ball  s.  Haarball.  — 
-Frosi -Ballen  -  Frostheule.  —  Fww-Ballen  -  tler 
breitere,  dickere  Teil  unter  der  grossen  Zehe 

1 4*2  balle  al«  Vinter  den  Bissen  =  tallu»  [callus",  I».  .".72; 
«.r  w.  iv,  i  ioi!     Zehenballen.  —  (lMtj  llaar- 
Ballen    die  bei  Wiederkäuern  im  Magen  (Pan- 
sen oder  Haube)  vorkommenden,  kugelförmigen 
Hoar-Concretionen  Kor-ter  II,  iv;;  l  iebrecht. «.  V. 
Kd.  aWj  Falke  I,  3.V>);  norweg.  Finnenballen 
Klb(in;nen-Kugeln  (s.  d  ),  Aegapropili.  —  Hand- 
Ballen  -  rviider  halbrunde  Ballen  unterm  Dau- 
men (s.  Mäuslein)  der  Hand  >.r  w.  IV,  i.  SM 
M  ,.7'vi  B allen  -  Haarballen.  --  A'««?i-Ball 
Orbiculus  nasi,  Nasenkugel  >-r  w  VII,  HOi, 
die  kugelige  Nasenspitze  —  1738  6\mrf-Ball 
Testicultis  venereus  (gummöse  Orchitis)  \  v.  II 
i,  13M  (s  Sandklossu  Sand)  —  I7'.2  Fcwus-Ball 
Orchitis  gummosa,  Testicultis  venereus,  Kpi- 
didymitis  gonorrhoica,  durch  die  Venus-Lust 
(s.  d  )  erworben.  —  ZrAfn-Ballen  Fussballen 
(s.  d.)  \  v.  II.  1,  I2»i>  8.  auch  bellen. 

Balo  s  palo 

Balsam,  m.  (Balsen),  ans  dem  grlecfa  -lateiii  hal- 

«umtim  iKlnge*.  3«;  fers  iKlsau,  Kraus,  K.  IV.  — 
h  b.  F?rtfÄ*-Balsam  l'araeelsn»;  «ir.  W  III  1707, 
Synovia,  tlie  Flttssigkeit  in  den  Sehnenschei- 
den ^Flechsen).  —  Kinder- Balsam  Aqua  em- 
bryonum  das  Kinds-Wasser,  „weicher  Name 
auf  abergläubischen  Gebtauch  dieses  Balsams 
als  Heilmittel  deutet"  (?)  r;r,  w.  V.  7»  —  Lebcns- 
Balsam  Galle  (Helmont)  als  Flüssigkeit  aus 
der  blutbereitenden  Leber  nach  früherer  An- 
nahme (s  Leber). 

Baltbasar,  m.  l'odex  posterior,  weil  Bal- 
tbasar der  „hinlere"  von  den  heil  3  Konigen  war. 

Bamazeln,  pl.  die  baumelnden  Zitzen,  Mam- 
mae sclmi  I,  3:«". 

Bams,  m  ein  dickbäuchiges  Kind 'Bayern  . 
(vgl.  Banse,  Banze). 


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bamstig-Band. 


Bani— bar. 


27 


bamstig  ,  mhd.  hem«ti«  =  die  bamstlpe  ,  dlck- 
MneMga  Lexer  15),  biwwtlR  (österr. ;  Denl*.  II,  ist 

—  aufgedunsen,  schwülstig. 

Bamstl,  m.  Ö»terr. ,  tn  Wannt;  «ir.  w.  I,  lim 

—  V enter  obeeus. 

Band,  n  :Bandl, Bündchen. Büimeli  binden ; 
viirk'trra  Wurzel  bhend  Kluse  \  27.  41  j;  ahd  hont, 
bentlr ;  »uffls.  bend,  engl.  band;  rahd.  liant ,  bender 

—  da.*,  wa«  bindet  oder  zum  Binden  dient  —  Bändchen 
-Frenulum  praeputii,  Eichelbandchen  (s.d.) 

Hyrtl,  Anat  703     Bändel,  nhd  bentll ;  mhd  licndel, 
bftndel  Hyrtl.  K  w  49.  1.  =  kleines  Gehäniie 
(M.  d .).  — 2.     ndl  l>elit     terma.beiidi  1     tacniii  H«ch 

Ii  ',77  -,7-.t;  =  Bandwurm  (Nesso).  —  Eichel- 
Bändchen  -  Cuticula  in  glande  penis,  Freuulum 
praeputii  «'.r  W.  III.  79.  Hyrtl,  Anal.  Tai  —  r>7:t 
.FrocAt-Bande  -  Kindesbande  (s.  d.)  [Lontcertu 

—  '"  bände,   ahd    ei|icntl     mhd    Hebende,  1C7S 

•  iebunde  Hyrtl.  K.W.  15. 4»;  ^gesamterBandapparat 
z.  B.  eines  Uebeins.  —   16-jo.  .Danw^fDande, 

Dr.  Minderer)  -  il090;  dartiurebün  das  Gebinde, 
Contignatio,  die  Ineinanderfügung,  Zusainmen- 
heftung  der  Gedflrnie  Fischart;  tsr.  W.  II.  781  .  — 
Hals- Band  -  Nackenband  Kalke  I.  .wj  (s.  Ge- 
binde) —  i/fTI-Bändel  1"«94;  MW.  der  Hcrzbandcl 

ur  W.  rv,2.12t$)  =  Pericardiuin.dasunterniBrust- 
l>ein  befindliche  Herrnetzel,  -bengel-,  -bennel 

Nawiau;  «ir.  W.  IV,  2.  I»»;,  Man  nahm  früher  an. 

da**  da*  Her»  in  nclzfr.rmiK  ccbildctcn  ..Blindem"  laue 
und  vom  blut»au»reu<ten  (».  d.J  Danton  ,,vcr*trl«*kt" 
werde,  wm  vermutlieh  «Ich  von  der  Opfer- Anatomie 
ableitet  «ir.  W  II.  ::i:t;  IV.  «.'.  1210.'.  Wenn  Krank- 
heiten oiler  Leiden  das  Herz  ,,an«tos«cti"  oder  drucken 
so  Ist  nach  lirimm  1  e  dien  aus  dir  Anschauung 
iMMlUHtesagt,  da>«  da»  Herz  «ic  h  au*  den  Blindem  wie 
ein  Knochen'  Kcwaltsun  loalflM  «ir.  W.  1  e.|  oder  wie 
<la«  Kind  an*  den  «icbtirtn-Hntiden  :  es  kann  dieser  Aus- 
ilruck  alter  weiterhin  auch  drtmoui*tl*chcu  Hintergrund 
Italien  .  da  auch  die  Imsen  «ieinter  binden    1:1  Jahrh. 

•  la«  iribetidc  de*  bo*en  ircinte*.  11  off  111.  I.  IUI  .  —   1*0  ', 

JCapsHB&nder  «lereineKapselumdieGelenk- 
hoble  bildende  Bänderapparat  Bell.  IV,  TO«.  — 

1.49  Kindes -Binde  He  Fruehtbande,  aus 
denen  die  Kindes-Arbeit,  Kindes-Not  entbindet 

«;r.  w.  V,  7H) ;  vgl,  „angewachsen"  unter  „wuch- 
sen". Jede  schwierige  Entbindung  hatte  früher 
in  «1er  „Anwachsung"  «les  Kindes  ihren  Grund. 

—  Knarr-  {Kniet-,  Gnitr  Band  rrov.  iveram) 
,,eine  Hchmerzhafte  Behinderung  «les  Ge- 
brauches der  Fussbewegung"  Tendosynovitis 
crepitans  Härtel«.  Mediz.  d  Natur  Volker  t'ii.  Barde 
leiM-n  1  liirurv  .  weil  die  Knochen  bei  ihrer  ge- 
hemmten (gebundenen)  Bewegung  knarren, 
knirren.  knirschen  (s.  Knarre  und  Ach  2)  i  r- 
<|iiell  II  W»i.  —  Lied  [Glied)  "Bind  1475  wU  hende 
ntnl»  die  lee«le  nerrii-heria  (articuli  l>  Iii  Gelenk- 
band. —  Lippen  Bandchen  -  Krenulum  labii. 

—  i.v»i  Lungen  -  Bänder  die  von  Vesal  bei 
Leichen  häutig  gefundenen  flachen  und  band- 
förmigen Verwachsung  zwinchen  Lunge  und 
Plemra  riim  1  IM).  —  i«w  Ai««er-Bänder 
<in«r.  ü'^ii  1  die  Bänder,  welche  die  .Mutter 
(Gebärmutter)  in  ihrer  Ijige  erhalten  «ir.  \V,  VI, 
>ih>.  Ligamenta  uteri  teretin  v  sl.  boW  11  — 
2  -  imVolksmundedieHi  hmerzhaften  Kni|din«l- 


ungen  in  den  beiden  Seiten-Gegenden  des  weib- 
lichen Unterleibes;  die  verschiedensten  Ur- 
sachen von  Frauenleiden  werden  auf  die  .,Mut- 
terbänder"  geschoben.  —  (TO»)  üfatVf «Bud 
Nabelschnur  Th  «an  itr  ;!7*  .  —  »Vac&rn-Band 
s  Ligamentum  nuchae  s.  Haarwachs,  Wald- 
wachs. —  a\  rtS<n-Band,  bandi  der  na*«lueher  -  Inter- 
finium  D.  304)  _ ^der  bandfürmige  Knorpelstreifen 
zwischen  den  Nasenlöchern.  —  UXA) permentisch 
Band  -  häutiges,  pergamentfthnliches  Band 
(Membrana  pergamenicainterossea)der  Vorder- 
arm- u.  Unterschenkel-Knochen  Hyrtl,  K.  w  ir." 

—  Inn  Saum  -Band  -  «1er  den  sog.  Saum  am 
Kronenrand  desPferdehufes  bildende  weissliche 
Haarstreifen  auf  «ler  verdickten  Oberhaut  Kalke 
11,  j.vi  _  Sektion- -Bänder  'Tirol)  =  Schulter- 
knochen, Schulterblätter  Hintner7.  16]  —Stimm- 
Bänder  die  durch  ihre  Schwingungen  die 
Stimme  erzeugenden  Bänder  des  Kehlkopfes; 
auch  das  Volk  spricht  vom  Stimmband.  — 
Zungen  ■  Bändchen  Frenulum  linguae,  von 
früheren  Ärzten  und  vom  Volke  vielfach  als 
Ursache  von  Sprachstörungen  (Stottern,  Stam- 
meln etc.)  angesehen  infolge  der  Vorstellung, 
dass  die  Zunge  durch  das  angewachsene  Bänd- 
chen gebunden  Bei.  (fonfer.  -  ..Faulil  «-oujH-r  le  fn-in 
de  la  laaglK?"  I'ar  Dr.  «  heniu,  W\;     le  Miel,  liifiiou 

Uaqim]  »ris«.      —  Bind- Adet ,  -Werve,  -Schnur, 

-  Wurm. 

Bani,  pl.     PferdetleischkiKJchen  liayern;  vptl 

„Volk«  Medizin"  de«  Verf.  S.  171  Behl. 

Bank,  f.  Bankle,  n.  sehwainii:  dicker,  kleiner 
Mensch  sehw  i:tj  ein  Bankart  oder  Bankkind 
(s.  d  ).  -  Bank-  Kind,  -Stichel. 

Banse(n),  Bansch,  Bantsch.   Sei»enformcu  zu 

Wau»i,  |tum.«t ;  1.  I  V.xi  |iuii>  Wampu  , « i r.  W.  I,  lll'.i 
Hm:«,  ii  Dickbauch  grhw.  13  ,  Wanst,  Scbmer- 
bauch.  —  2.  Panse,  Banse  der  erste  Magen 
der  wiederkäuenden  Tiere  «ir.  W  l.  int»  Bansen 
idem  Mtw.  Kl  (vgl.  Bonzen)  frz  1»  imn«.-  \mu 
tvx')  Hr.  :i»i . 

Banze,  m  ein  kleines  Kind  mit  Hängebauch 
(-  Barns,  8.  iL)  («r,  w  i. 

-bar  (Bäre,  bären,  gebären),  zur  nriudogerm. 

Wurzel  bher  l.ellM-»frucht  tragend  i  ferre  ,  vor«crm 
bher;  jn-nn.  lier;  Roth  trnirnn;  ahd.  hart  trap^  iid  . 
eiberan,  iM  ran,  livraii;  mhd.  Iwiere  mutend;  «il«reu, 
iMlereil.  bern  Kmeht  Innren  Klntre5,  1:10,  «irall  III. 
);;•»  ttnul.  Nw  ir.  bureu  —  Die  Bäre  bei  tk-kenl 
Hyrtl.  K  w.  ir  (  terus,  Tragsack.  —  nbd  bär- 
haft fertilis  «ir.  w.  I,  n s»),  —  unbärhaft  steri- 
Ü8  ri4H-.|.  i|s;t  unberharfte,  untierhnlltlv .  Lexer  290 
«terillta«.  C  V.  Mi-Kb«.;  Zeiiin«.  V«te.  kk\  k..t';  l'.l* 
unlM-rhaffllt!  Merili.«,  H.v.  «ierMl.  1«.,  l.ils  iinbarhafte 
Weiber      IemtV*e  «terile«,  Ituland  .  -  -  Die  Bänillg 

[l>erung]  menslnmiio  -  schmeiieri.  .'«io) ;  Geburts- 
thittigkeit,  Wehen.  —  Barn  n.,  sh«l.  ttlltia,  Kind 
i.rnff  Iii,  im  dasProdtikt  derBärung.  —  geb&Tm 

10.  Jahrh.  ulblran  pwMM  edere.  Hyrtl,  K.  W.  17; 
II*-.'  Ki'iKTti  iriKtn-n-,  Zenlni:.  Vor  k  t;  I.V  Jahrh. 
m-bernde  Rix«,  1*.  SHl ;  M  Jahrh.  «elMtrvn  erzeinreii 
«Ulli  männlich  .   Hyrtl,  K   W.         Nach  «ir.  W  IV. 

i.  Inas  fl  1.  die  Miestc  Bedeutttng  i«i  -tragen, 
bringen  (fern-  ,  Hielt  entwickeln,  Frucht  bringen 


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28 


bässlieh-Bart 


harzen— Bati 


durch  dasWachsen  der  Naturkraft  —  2.  =  Frucht 
bringen,  parere,  gignero,  von  Mensch,  Tier, 
Mutter,  Kitern,  auch  vom  Vater  (8.  Gebärer, 
Gebitr- Vater).  —  3.  —  wirklich  erzeugen,  bei- 
wohnen (durch  den  Vater).  —  4.  =  entstehen 
(nasci);  frisch  entstanden     neulich  geboren.  — 

Gebärer  -  Kcnitor.  11*2  ircperer  ZenltiK  ,  Vor  1  7 
Vater  (Gebar- Valer).  —  au»gvb&Ten  parere 
(<:r  W.  1,  866!  — fehlgeb&Ten  =  aborlire,  abortum 
lacere  <;r.  \v.  in.  H29;  IV,  i  ich;.  —  iiyv  das 
tieisch  gebeten  <(•{.  w.  IV,  l.  durch  die  Kräfte 

der  Natur  Fleischliches  hervorbringen.  —  Zu 
friihgeb&ten  i v>  abortire.  —  Kind- GVbärerin 
[1490  Klndclgetercryuiio,  I>  171)  puerpera,  eine  im 
Kindbett«  (s.  d.)  liegonde  Krau.  —  «indbar 

-  schwanger,  kindtragend.  —  r.is  kindi;cberiKc 
H.  v.  G«mi.  17;  UndRebereriii ,  klnderKebererinnc, 
ur.  \V.  V,  762)  ~  puerpera.  —  mmbären.  -geboten 

-  Fehlerhaftes  gebaren  l'.io  mlMbfteren  ,  1V.1  mlss- 
RebKrcn  ;  Or.  W.  IV.  1.  1644  VI,  2376.  2286  ;  ahortire ; 
In.  Jaltrh.  miwRcbehnim/,  r;r.  W.  VI,  22M;  The«,  »an. 
»rund   313;  Ackcrm.  142;  1x01  mi«»b«cren ,  Wckkard 

33i;  Abortus.  —  Missgeburt  f.  1.  =  Frühgeburt ; 
weiterhin  2.  =  Monstruni.  —  AI utt<  i  Ba r  Bär- 
mutter  .i.nvh  229'.  —  mhd.  muotVrbar  —  mutter- 
nackt, nackt,  wieaus  demMutterlelbe  kommend 
■Luxer  170  —  fiew  nachgeb&rcn  <;r.  fr.  VII.  M 
spater  gebären  (nach  der  eigentlichen  oder  ersten 
Geburt).  —  unzeitig  geb&ten  im  unzyten  heren, 
Ilyrtl,  K  \v  nicht  zur  rechten  Zeit  entbinden, 
Abortus  Mir.  W  IV,  1.  livn  —  Uttbären,  ahd  uiipcr- 
Hiill  stcrill»  «irafllll,  141;  mini  uiiliebrllch,  unln-nido 
»terlli»,  l.vwr  2:hi  nicht  gebären,  das  Gebaren 
als  natürlich  und  selbstverständlich  angenom- 
men; nicht  gebarend,  nicht  befruchtet,  unfrucht- 
bar. —  unbaerhaft  unfruchtbar,  steril.  Vgl. 
unten;  -boren,  geboren.  —  Bär-  (Gebär-  Angst. 
-Bein.  -Glieder,  -Grint,  -Kraft  der  Natur, -Mund, 
-Mutter,  -  Vater,  -  Wümme,   Wehen,  -Zeit. 

bässlich  N<  passen. 
Bariii,  n.  s.  Paralyse. 

Barm,  m.  ntiit.  11  .falirh.  iMiriu ,  12.  Jiihrh  hurm 
«lim-,  Husen,  mini,  imrin  Imrn  Schoss;  lluffm.l, 
24;  Oratllll,  151  j  Lexcr  11)  —  Abrafiama -Ba.rm 
12  i.iiirh  abrahames  parme  Abrahams  Schoss 
(s.  d.)  aioffm.  i.  20«  —  l-.i  •  Bluts  BÄTmen  die 
Sammlungsstätte,  „des  melancholischen  Blutes 
Residenz",  der  Schoss,  in  dem  die  Bluthefe  sich 
sammelt  » <.lcr  Ii  it 

Barpel.f.  (Berpel.Bärbele),  i>tnu*bnm  I'ar- 

pel,  Fat  bei  •  v.  s.i.m  im    Kinderpocken,  l'or- 

peln  (s.  d  ). 

Barren,  m.  -  Riegel  •«*  frz.  tmire  Kluge 1  2»] 
die  Kinnlade  des  Pferden   iniw.-  i,  101  \cr 

niutltcli  mlHüvemtondfii  »im  narrcni«     r  —  Barren- 

ßcUm  r,  -  Wetten. 

Bart,  m.  Indogerm.  Miardbi .  Kcrm.  imri ,  uhd  mini, 
»mrt  [Kniffe*.  SO  acbarles,  stechendes  Haar 
■Heyne  2S*  1.  menschliches  Kinnhaar.  — 
2.  —  Schnauze,  Borste  (bei  Tieren).  —  3.  die 
Gegend,  wo  der  Bart  wuchst  Kinn  Tirol,  Mit- 
lulrln-!»,  Mu  h«  Vogtland  .  auch  bei  Krauen  und 
Kindern   iltntncr;  Hr.  w.  v.  777.  svhmeii.r  I,  2*2). 

-  4.  =  die  Zahnwurzel,  mit  dem  Geisbarle  ver- 


I  glichen  —  ltw  Bärtlein  eine  borstigem  Haare 
angeglichene  Fleischwarze  unter  der  Zunge  des 
Kindes  i'v.  M.  I.  o \  Dörrwarze.  — Backcn-H&Tt 

—  die  Barthaare  auf  dem  Backen  (Wange).  — 
Doppel-Bitt    Doppelkinn  (s.  Bart  3)  f;r  \v.  v, 

7771.  —  £rs/-Bart  [1482  der  erst  pari,  erst  neuer  pari 
ZttilnK.  Vor  hh  7;  D.  8Ilj  =  Julus,  Lanugo,  l'ubes, 
1.  =  der  erste  neue  Bartwuchs  am  Kinn  illyril, 
K.  \v.  55)  -  Gauchbat  t  —  2.  =  die  ersten  Schaui- 
haare  l>  170  —  .Fiaum-Bart    Gauchbart  (s.  d.) 

—  -Fuizm-Bart  Schindler  i,  7*2'  =  fofr-Bart 
Capilli  mont.  Veneria  (rotze  s.  d.).  —  i*;n 

GaucÄ-Bart  Had  Jim  der  erste  Bartwuchs 
(premier  poil,  primpoi)  am  Kinne,  die  ersten 
Bartflaumen,  wie  sie  dem  Gauch  (Kretin)  oder 
dem  bisher  bartlosen  Jungen  (als  !<anugo)  wach- 
sen nri-n  W;  HjtÜ,  K.  \v.  Vi'.  —  //aje-Bart 
larva  St  tmudltT  I,  1017  ~  das  haarige  Antlitz  eines 
Waldgespenstes.  —  Jun^-Bart,  —  Jungfern- 
Bärtl  IV  Jahrh  junckbart  -  pul.es.  D.  179;  Hyrtl 
K  w.  204;  =  Pubes  ertnosa  puberUtis.  —  Kehl- 
Bart  der  Bart,  der  von  der  Kehle  herauf  auf 
der  rJalshaut  wachst.  —  Zinn-Bart,  1.  =  Bart 
am  Kinn.  —  S.  m  Kinn,  Unterkinn  (s.  o.  Bart 3) 
;r,r.  w.  V,  77(0.  --  A"(':-Bart  Bayi-rnl  —  Kinnsbart 
ur.  \v.  v,  77s ;  Schmi-ller  I.  1317  liir  Kinn,  Kinn- 
backen. —  Loßel-B&Tt  Milchbart;  junge 
Menschen  werden  in  derber  Weise  auch  Hotz- 
lööel  genannt  Schräder  29V  —  Mt7cA-Bart,  1.- 
Flaum-Bart  iir.  W.  VI,  2l»o.  —  2.  —  der  Träger 
eines  solchen.  —  neuer  Bart,  nlvcr  hart  illyrtl. 
K.  w.  .v»).  neuer,  erster  Bartwuchs  am  Kinn, 
Lanugo,  Gauchbart.  —  17V2,  Raiten-,  Batzen- 
Bart  <ler  .Schnurrbart,  der  wie  das  Schnautz- 
htuir  der  Hatte  absteht  («r.  W.  vm,  205),  —  rauher 
Bart-  Barba  hirsuta  Or.  w.  vm,  2>.i  —  Scltam- 
Bart,  weiblicher  Haar  iles  Venusberges  ober 
der  Frauen-Scham  \  v  II  II,  72>  —  SchnutT- 
Bart  der  Bart  an  tler  »ebnurre,  Schnorre( 
Maul  u.Nase)  [Pcbmellcr  II,  Wl).  —  rVettVBait 
l'ubes  crinosa  motitis  Veneria  (s.  Jungfembartli. 

—  Bartfähig,  -finne,  -Flechte,  -Haare,  -Krätze, 
-Mann. 

barzen  s  parzen. 

BaSS,  III  ans  Hai  Lasso  vnx  Inflma  s.  >iii->u,  im 
l.V — 16. Jnlirh  ciilK'hut  iKluise*;  1)  2ti'J.  H2*.».i.  —  Kcid- 
Bass  eine  unnutütlich  tiefe  Stimme  bei  Zer- 
störung der  Stimmbänder,  die  gleichsam  aus 
der  grössten  Tiefe  der  Kehle  kommt. 

Bastard,  m.  aubVik  zu  itaukcri  «  Bankklml] 

da»  auf  dem  Saunisatlel  Ki»--eii  iler  MiiiiltierlrellH'rj  er- 

seuirifi  i ii. xiti me  Kind  KlitKe*.  :o  —  Bastard- 
Fieber,  -Rippen. 

Batz,  in  Batze,  Batzen,  Patzen,  das  Batz,  das 
Gepatz,  Botz,  Bötzen,  Bautzen,  Butzen.  Nach 
i,r.  \v.  i,  um  im  Batz,  Batze(n)  Alles,  was  aus 
Weichem  geronnen  ist,  gewissermassen  wie 
gebacken  ist  und  knollig  zusammenklebt ;  daher 

1.  ^  schleimige,  käsige  Sekrete  klebender  Art.  — 

2.  Semen.  —  3  Blut  Tirol;  iiimncr  s,  20  als 
Klumpen  ;Coagulum)  von  weicher  Materie. 

4. -  Blattern- Narben  ••«tem-ich;  r.  i  Henm.  ist, 
die  mit  dem  ilfissigen  l'usiehnhalte  gewisser- 
müssen  zurückgeblieben  sind.  —  5.  -  das  Innere 
des  tierischen,  zerquetschten  Korpersoder  Kör- 


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Kau— Brach. 


Bauch 


perteils  —  lug  •  Batze  Augen- Butter,  (Jra- 
niiae,  das  Sekret  der  Meibom'sehen  Drüsen  des 
Auges.  —  .Eifer-Batzen  (Botze)  Kiterklumpen 
<;r.  w.  in,  im;  Jeawn  :cw>,  mit  dem  man  auch  die 
reife  Reibe  Stachelbeere  Kibes  grossularia  (im 
Volksmunde:  „Kiterbatzen")  vergleicht,  da  der 
gelbe  Zellgewebspfiopf  ähnlich  herabhängt.  — 
Das  Oebätz  weiche,  klebrige  Materie,  die 
inneren  weichen  Teile  des  tierischen  Körpers, 
..der  prechen  des  gcpcU"  Schm.  1,  311'  der  Hlnls- 
ItbfNhra  oder  lihitfcliliT  Krbhundc,  angeborener 
Fehler.  (Bat* 2.  3.).  —  (J.VjUJ  Grind -Bitzen  lischuM , 
<ir.  w  i,  nr.it .  das  Sekret  des  Grintausschlages 
(s  GrintV  — //tnf<  >  Batzen  Nates.Aftcrknollcn 
iiyni,  k  w  Hf.c  —  Aasen-Batzen  s.  Bötzen  — 
/i'  /:  Batzen  Nasenschleim-Klumpen  sehml, 
3U).  —  .VifcAfn-Batzen  Auswurf  eines  Lungen- 
süchtigen  (Siechen-Materie).  —  Spei-  (Speitc)- 
Batzen  ausgespuckter  Rachenschleim- Klum- 
pen Schm.  I.      .  —  Batz- A'";/ 

Bau  (Oebäu),  -Gt  bäu(de)  iiooaj  gebuu  (ur.  w.  iv, 
l,  lft&i)  =  Bearbeitung,  Organismus,  System;  die 
Art,  wie  etwas  im  ganzen  gebaut  ist,  Struktur. 

-  Fi»  ht  -  Bau    Alopecia  Meyer  Konver».  Lea.  1,4») 

-  Calüchc  rcbcrwtcuug  der  Alopecia  (  -  Fuchs- 
k  rankheit,  Fuchsräude,  Fuchssucht).  —  Grund- 
Bau  Struktur  der  Organe.  „Ute  deutschen  icber- 
«euer  der  in  fremden  Sprachen  verfaßten  anatomischen 

und  medizinischen;  Hand-  und  Lehrbücher  de«  Mittel- 
allen»  waren  so  gew issenhaft,  das»  sie  seihst  die  Worte 
lateinischen  und  griechischen  Irsprungs,  welche  schon 
hmg«t  da»  Utirgerreeht  iu  der  deutschen  Sprache 
erhalten  hatten,  sorgfältig  vermieden  und  durch  »tainni- 
deutsche  Ausdrücke  ersetzten."  (Hyrtl  K.  W  ,  12. .  Ver- 
gleiche diesbezüglich  aber  t  Imnat  -  Natur.  —  Hünen- 

bau  --  Kiesenkörper.  —  KnocJien  -  Bau  die 
Gesamtheit  der  Knochen  eines  Körpers  als  Ge- 
rQste  (Ueyne  III,  iu:  .  —  üforper-Bau  -  Beschaffen- 
heit des  tierischen  n<ler  menschlichen  Organis- 
mus, ndl.  lichaaina  bouw.  —  fiipj)CM-BaU  —  die 
Ciesamtheit  der  Kippenknocheu  als  Bauwerk 
<;r.  W.  Vlll,  i«tjj.  —  Ii?»')  baut  sein,  von  Pferden 
und  Haren,  wenn  das  stark  winkelige  Gestelle 
der  Vorderfüsso  unter  den  Bauch  erniedrigt  ist 
(niederbeinig),  so  dass  das  Kreits  «her  die  ge- 
wöhnliche Höhe  hinausragt.  iMaycr  »gj. 

Baubonen  pl.  XflUer,  Krnutcrbuch  'hl) 

=  Bubonen  (s.  d  ). 

Bauch  m  (Bäuchlein)  itKiogerin  hhütek-,  bbütk-, 

hhnk  ,  diuu  ahil.  botah  —  Korper  [hotticharligc  Hülle], 
(Kluge*.  81);  nach  Heyne  I.  2yo  ZU  bhug-die  Korper 
Biege  •;  l.leg»ame  Stelle  (']  [unsicher];  ahd  buh,  püh 
=  venter;  mhd.  buck  (Or.  W.  I.  IMS;  Kluge*.  :il ; 
«.raff  III.  121,  mnd.  buck,  [Mag.  ItartholHSb);  1472  buych 

-  Uterus ;  15.  Jahrh.  pauch' ;  ndd  buch  =;  uter,  ,D.  iiJlj ; 
alts.  bök  —  cchinuni,  abomaMum,  D.  IM),  1.—  der  die 
Speisen  einnehmende  Teil  des  inneren  J/eibes, 
Venter. — 2.  -  Unterleib  im  Gegensätze  iiirBrust, 
Venter,  Uterus,  Wampe  (Hyrtl,  K.  w.  ic  ,  Hypoga- 
strium (äusserlich  und  innerlich)  —  3.  -  Alvus 

II  Jahrb.;  Voc.  opt.  W.,  V>\,  —  4.  st  AqualiculllS 
■j  Jahrh  .  ltab.  Maur .  iw  als  Wasserbauch.  — 5.  =-- 
das  Bäuchlein  n)  imchiin,  beuchUn  iijiau-i  n  \. 
tiend.)  nach  Hyrtl  ,K.  W.  27;,  die  Bereich nnns  tler 
kleinen  Höhle  der  Hirnkammer   «oll  »le  etwas 


Uebofleuufl,  i.ewoll.tcs  i«t  Hauch.  Bcfaw.»);  b)  sonst 
mhd.  biuchelin  binchcl  I.cxerSli .  fninz  Hi— 17.  Jahrh. 
petit  venire    Hypogastrium, HrissC&i  -  kleinerBaucb. 

—  Ii  die  Arabisten  teilten  den  menschlichen 
Leib  in  3  Höhlen  oder  Bäuche  [Löveling  3«7j: 
Oberbauch  -=  Kopf,  Mittelbauch  Brust,  l'nter- 
bauch  Schmerbaueh  (s.  auch  Magen).  —  7.  = 
niaj  Bauch  =  der  dickere,  eefülltere  Teil  des 
Muskels  (blbl.  Medikus  in  ,  itri.-s  .!»;  venire  mns- 
culaire.  —  bauchen  (buchen)  ---  den  Rauch  auf- 
treiben oder  stark  bewegen.  —  8.  Bauch  der 
Träger  des  Bauches.  —  gebäuchet,  bauchet 
=  tnrgidus  ventre,  dickl"ibig,  schwanger  (<;r. 
\v.  i,  nc«  .  —  boger  Bauch  krankes  Bauchge- 
därm,  Durchfall,  Frais  J'auli  sa;.  —  Wut  Bauch 
ss  ein  durch  Gefassverletsung  mit  Bluterguss 
angefüllter  Bauch  (b.  Tieren)  ;KaIkc  I,  131].  — 
!>nrih -Bauch  (Ur.  W,  II,  7S1)  =  Unterleib  als  der 
Teil  <les  Bauches,  der  die  Gedärme  enthält.  — 
ötcA-Bauch,  1  =  Dickwanst  ,f.r.  w.  II,  io7»  — 
2.  Anhäufung  des  Fettes  im  Net*  ;.v  v  n  U, 
im).  —  3.  -  ein  Mensch,  der  einen  Netrbrnch 
hat  ,a.  v.  H.  L  Md. .  Kopp  IV.  329  —  Z>i<nn-Bauch 

—  -  ein  Mensch,  der  einen  schmalen  Leib  hat 
<ir.  W.  U,  l.v>4;.  --  /•.'(.'•r-Bauch  ein  Tierleih 
(Bauchhöhle),  derein  abgesacktes  Eiterexsudat 
enthält  (Falke  I.230J.  —  ^7ciscÄ  Bauch,l.  -  fleisch- 
iger Bauch,  Pinguedo  ;Kddn  Jordan  181).  —  2.  = 
M yomauteri.  — Hietuender  1 177  Ortolph),  flüssiger 
(17.  Jahrb.  Taberu.,  Bauch  Diarrhöe,  Bauch- 
tluBs;  der  alte  flössige  Baurh  -  chronische  Diar- 
rhöe. —  F>< Bauch  ;<ir.  w.  IV,  l.  lsv:.  Fress- 
Wanst,  Fressack,  einer,  der  viel  isst.  —  Frosch- 
Bauch  der  hreite,  durch  Tympanites  aufge- 
triebene Leib  bei  Kindern  mit  chronischem 
Darm  katarrh  (s.  grosser  Bauch,  t|  uappig,  K  röten  - 
hauch).  —   i.v.i)  JfiiW-Bauch  i'ir.  \v.  iv,  l  ist . 

Venter  avarns,  BauchfQlle.  —  (lotw)  der  grim- 
"i >■;•  Bauch  <;unr.  121  Bauchgrimmen.  — gross- 
bauchiK  (MW]  ndl  groitbtiyckick  venlricosus.  nifu- 
lu«,  Miigulncu»  D.  513)  =  weit  ausgedehnt  am 
Bauche,  bei  gut  genährten  Leuten.  —  172:.)  der 
grosse  Bauch  (der  Kinder)  Thes  s«n.  iir.  s)  „eine 
gemeinePlage,  dadie  Kinder  einen  aufgespann- 
ten und  harten  Leib  haben,  hiegegen  nimmt  der 
andere  Leib  ab"  camau  1  eckige»  roNier;  der 
Franzosen  (l»"Kspluc  und  l'lcot  s.  371).  —  gurrender 
Bauch  ein  Bauch,  der  den  Naturlaut  gur-(,'iir 
hören  lässt  —  Hänge-B&xich.  1.  der  bei  uml 
nach  öfterer  Schwangerschaft  oder  bei  Fett- 
Wanst  herabhängende  Bauch  (Ouappelhauch). 

—  2 .  —  der  schlaffe  Kuhbauch,  Schleppbauch 
bei  Pferden  und  älteren  Kühen  mit  sog.  Senk- 
rücken engl.  *wag  belly,  Lehl.  49).  —  (1561)  harter 
Bauch  Hock  203  der  sich  hart  anfühlende  oder 
subjecti v  hart  gefühlte  Bauch,  carreau.  —  Hecht- 
Hauch  ein  Pferd  mit  einem  von  den  Kippen 
an  eingezogenen,  dem  Hechtloibe  ähnlichen 
Bauche,  eingefallenen  Seiten  (wie  bei  Wind- 
hunden) und  aufgeschürftem  (erhöhtem  ?) 
Genchrötte  (Hoden)  rrlücliu*.  Werde  Wi-.en- 
schab,  inj.  —  a^'l;  Hers- Bäuchlein  Herr- 
Ventrikel,  Übersetzung  des  Ventriculus  cordis 
(  Henshüttes  d  )  Hyrtl  k  \v  v:  —  //fti-Bauch, 
1.  —  Hängebauch  der  mit  wenig  Haber  gefüt- 
terten Pferde,  wobei  der  Bauch  weiter  als  die 


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I 
I 


80  Bauch. 

Brust  ist  und  nach  beiden  Seiten  sieli  stark  vor- 
wölbt (Kolke-  I,  :•.«».•,  Mayer  41).  —  2.  der  grosse 
Bauch  der  Kinder  (Übertragen)  (Schindler  I,  ltr> 

—  (1A51)  //im-Bäuchlein,  Übersetzung  des  Hirn- 
Ventrikel,  Ventriculus  cerebri  (llyrtl.  K  w.  n). 

—  Hirsch-Bauch  -  ein  Htark  gegen  die  Flanken 
aufgesogener,  aufgeschürzter  Pferdebauch,  wie 
ihn  der  schnell  laufende  Hirsch  oder  Windhund 
bat.  —  Hi(>u/.s-Bauch    Hcchtbauch  ,KiiiWe  i,  im). 

—  [1426] ./ ungfrauen  •  Bauch  alviia  (D.27)  schlan- 
ker Leib,  der  nicht  vorgewölbt  und  nicht  run- 
zelig ist  —  Kartoffel-Bauch  der  durch  über- 
mässiges Anfüllen  des  Magens  mit  slärkemehl- 
haltigen  Speisen  (z.  B.  Kartoffeln)  ausgedehnte 
und  erschlaffte  Vcrdnunngskanal  (KOUerll,  133). 

—  kich-,(kit r-  bauchen  (Schweiz)  -  keuchbauchen, 
in  langen  Stössen  atmen,  so  dass  der  Bauch 
mitkeucht  (»ir.  W.  V,  iSfi.  861).  —  kipp  -  bauchen 
{buchen)  {Schweiz)  -  schleh-  oder  schläg-bauchen 
(s.  d.)  (kippen  =  schlagen)  —  Kleiner  Baach, 

I .  l'nterleib  der  Frauen  (Steiermark ;  pioia-liartel» 

II,  315)  —  2  (l'J60  ein  kleyn  burh,  bauchelin,  I).  (!10; 
Ventriculus,  Magen  (Übersetzung)  —  Koss- 

Bauch  -  Kosack  (s.  d)  Freasack,  Dick  bauch 
«ir.  w.  v,  ikki).  —  <H77)  kräutiger  Baach,  ein 
(wie  Krautkopf)  aufgeblähter,  aufgebauschter 
Bauch  («•.  v.  Mi-g.)  (s.  KrauUder).  —  Kröten- 
Bauch  (l-anunert,  V.  Merl,  na)  —  Carreau  (b.  grosser 
Bauch)  mit  dem  Bauche  einer  Kröte  verglichen. 

—  Kuh  •  Bauch  i«ir.  w.  IV,  2.  m)  der  Hänge- 
Bauch  der  Pferde,  ähnlich  dem  der  tragenden 
Kühe.  —  [1843)  leicht  -  bauchig  ■  schmal,  eng, 
dünn  in  der  Lende  oder  Flanke  [Falke  II,  86).  — 
J4W-Bauch  t<ir.  w.  VI.  1714)  -  ein  Bauch,  der 
mast,  fett,  feist  ist  ~  Fettbauch,  Fettwanst.  — 
[1678]  Mittel  ■  Bauch  [Ur.  W,  VII.  1116).  1.  =  die 
Weiche,  Dünne,  Öde  des  Bauches  in  dessen 
Mitte  (Taille  s.  Dünne).  —  2.  Bei  den  Arabisten 

Brust  (s.  Bauch  G).  —  Ofcer-Bauch,  1.  =-  Brust 
(eine  Übersetzung  des  Venter  medius  der  Ara- 
bisten) (Hyrtl.  K  w.  i7v.  —  2-  Kopf  bei  den 
A rabisteu  ( l.evelingutR).  -  ^uapnrt-Bauch  (Leipzig ; 
Gr.  w.  VII,  a:i.\;  ~  Hängebauch,  Schmerbauch, 
Schlotterbauch  (quabbeln  -  sich  bewegen  wie 
ein  Frosch  im  Schlamm  oder  Brei).  —  [16M] 
rauher  Bauch  ■  runzelige  Bauchhaut  (<ir  W 
VIII,  --'fi.V.  —  17  Jahrh  )  schlee-  {schlüge-,  schlär-, 
«<  /.••'<  A-.  ach  ti  •  r  •  bauchen,  -bauchen  »*/.•'>  bauchig 

(Bayern;  C.  v.  Sohtu.  4«W;  Sohmeller  II,  W6;*ll.  .V.:i'.'l>; 
Falke  i,  1*00)  —  mit  dem  Bauche  oder  seinen  Flan- 
ken schlagen  und  so  sichtbar  Atem  holen,  dass 
die  Bauchmuskeln  schlagende  (doppelschlägige, 
saccadiorte)  Bewegungen  machen  ■  Astbma, 
Kmphysein,  Keuchen  -  Hartschlächtigkoit  der 
dämpfigen  Pferde;  bauchblästig,  „wann  «He Seiten, 
Hauch  und  Flammen  (s.  d  :  wegen  angechw  olleticr 
l.uiiKe  und  vcr*to|ilton  Luftröhren,  um  Atem  zu  holen. 
Kielen  einem  lt)a»cl>alg  aufgehen  unil  gleich  wieder 

zusammenfallen  [Bayerland  um,  8.  41»,  Vergf,  rir.  w 
v,  m  ii.  ttu).  —  a*i»)  ScJWfjyj-Bauch  ((ir.  W.  IV. 
•j.  13s ;  Falke  Ii,  iler  s<i  zu  sagen  mitgeschleppte 
Hiingebauch  bei  Pferden.  -  Sclilotter -Bauch 
Fettbauch,  der  schlottert.  —  [1601]  Schmer- 
Bauch,  nebmaerbaueti  paullcca  (Ii  im  Had.  Jnn. 
MW) ;  ndl.  «meetbulk,  I,  „der  veraltete  (aber  noch 
schulgemässe)  Name  der  Gegend  vorn  Nabel 


Bauder— Bauer 

gegen  die  Scbamfuge,  welche  durch  reichlich 
angesammeltes  Fett  (ahd  »men»  der  Bauchwand- 
ungen  sich  vorwölbt"  (Hyrtl,  Antt.  Iis);  die  Fett- 
anbäufung  stellt  sich  am  Wanst  früher  ein  als 
in  den  oberen  Bauchgegenden  llyrtl,  K.  W.  18$: 
(i7io  olierer  und  unterer  Sehmorbauch.Kulmu* 20 

ss  Regio  epigastrica  un»l  hypogastrica.  —  2.  - 
deijenige,  der  einen  solchen  Bauch  hat  -  ven- 
tricosus  (lind  im.  i  c.  <.  —  sehnet  -  bauchen 
schlttirhaucben  (s.  d  ).  —  Scluur-,  Srhor-,  Schur- 
Bauch      eine  Anlehnung  an  Itaurh  (bne)  Im  Worte 

1  tv.'  »corhiic  ruplns  venter  -  <  der,  II  13*  ,  midi 
«chcurbulk  Sehnurrer  II,  19;  Kluge4,  :U7)  Skorbut 
(s.  d.).  —  schwanger  Bauch  lj  Jahrh.  swanger 
buch,  D.  r.31  .  ('Inns  gravidus,  Gebärmutter  als 
Bauchteil,  in  dorn  die  Befruchtung  (Schwanger- 
schaft) sich  entwickelt  und  die  Frucht  innen- 
liogt.  —  fVtnVr-Bauch,  I.  um  underbaueh,  »ir.  w. 
V,  »Ol;  17öü  l  uierbaueh,  A.  v.  Ii.  n,  acy.i  Hypo- 
gastrium =  Unterleib,  —  2  -  Scbmerbnnch  der 
Arabisten  [Löveling  su7j.  —  Ils2j  Walter  BftttCk, 
1.  —  der  durch  Wasser  ausgedehnte  Biinchratint 
(Hydrops  ABcites).  —  2.  auUBlhuIu.«  (Zeil.  Voe  ; 
I».  4af  =  die  Harnblase,  als  Bauchteil,  der  den 
Leibesbrunnen.  Harn,  aufnimmt  und  entleert; 
giieeh  jdiyskn  Hagen  -Blase,  —  3.  =  Hautwnsser- 
sack  an  der  Baucbhaut  der  Tiere  (Falke  n,  i^ 
im  Gegensätze  zum  Windbauch.  —  2.  lFinrf- 
Bauch,  1  -  der  durch  Gase,  Blähungen,  in  den 
Gedärmen  aufgeblähte  Bauch  (Tympanites,  s. 
Wildfang)  —  2 .  -  der  durch  Gase  in  der  Haut 
(Kmphyscmacutaneum  anthracis)  beim  Bausch- 
brand  (s.  d.)  ausgedehnte  Tierbaucb  (Z  d.  I»  6. 
.\  v  lau,  :ti5j  —  8.  -  der  bei  windigen  Pferden, 
wie  bei  Windhunden,  hoch  aufgezogene  Hecht- 
Bauch  Falke  II,  uu).  —  Bauch-a/mm,  -blähig, 
■blä8tiq,  -Brie s,  -Bruch,  -Brud<r,  Dämpfe,  ■  Decke. 
■Dreck,  -Drüsen,  -Empfängnis,  Euter,  Fällig- 
keiten, -Fette,  Fliess,  -flüssig,  -Fluss,  -Fülle, 
•  Oerümpel,  -Getöse,  -Gicht,  -Glieder,  -Grimmen, 
-Grube,  Gurren,  ■  Härte, -Haut, -Höhle.  'Kneipen, 
-Kot.-Krampf,- Krank,  -  Läutere, -Lappe, -Lauf, 
-Mensch,  -Mündung,  -Xabel,  -Xaht,  -Pein, 
-Ranzen,  -Redner,  -Ring,  -Rippen,  -Ruin;  -Run- 
zeln, schlächtig,  -schlägig,  -Schlampen,  -Scldund, 
-Schmerzen,  ■  Schwellung,  siech.-Skrofeln, -Stecher, 
-stössig,  -Streben,  -Strenge.  -Sucht,  -  Thor,  -  Ty- 
phus, -Vbel.  -Umlauf,  'Wand,  -  Wassersticht, 
- 11  VA ,  -  Wehtag ,  -  Weidten ,  -  Wind ,  -  Witiden, 
-Wirbel,  -Wolf,  -Wühlen,  -Wurm,  -  Wurzel. 
-Zwang. 

Bauder,  Bäuderling,  in  zu  t»audou  stoßen, 
neelagen  [15.  Jahrh. ;  Schweiler  i.  aw.  -  Tumor  cutis. 
Scblagbeule,  die  einen  Bausch  (s.  d.)  durch  Blnt- 
unterlaufung  bildet  (s.  boderig). 

Bauer,  m.  (bftr,  Brhweti),  t,  gotb.  banr  [aehmelfer 
1,  2ft7i  =  Vidu|>lai>,  llbtdfl  und  iperuM  (fSr.  V.  1,  117f>; 

im  Kl««*  ;  XI.  Hauer  =  rumirim.  —  Kalter  Bauer 

i. durch  ganz  neiitaebBuidgebrftacbUeh)  1  >n:inie(s.d  A 
Pollntio,  Somnus  venereus  .«;r.  \\.  1,  l IT«; ;  V.  mj. 
Schnuller  I,  i'i7;  Du  L'ange  VII,  G&4),  weil  eine  Vo- 
luptaa  frigida,  eine  Lust  wiiler  die  Natur,  leblos, 
nicht  befruchtend,  tot,  daher  kalt.  —  Warmer 
Bauer  natürliche  Beiwohnung,  ahd  i.uan  — 
«rofanen;  aber  auch  =  Päderastie  [Schnuller)  sky- 


r 

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Baum— Becken. 


backen — Beta. 


81 


tharum  iuorbu>,  V0Ü30'  iK^Xl'.tt  Herod.  bist.  I.  10.'>j. 
IüfM*  früher  volkMihlicbcre  Unter  majt  vielleicht  die 
Erklärung  tum  „teuer"  Reben  iu*l  den  Kirchenvätern 
war  die«?«  bei  den  Uermnaen  und  alten  l»cut»ehen 
■Phon  bekannte  I.R-tiT  aiiRcftihrt  —  „auf  UBltnehlbnien 
Krisen  Mim"  =  kalt  hauen  (Koten  bäum  im,  »h;  au 
dleae*  „Hauen"  erinnert  auch  du  ,.zn  neker  [obren 
mit  den  Irnwen"  diu  Paracet*!!*  (Kr.  II.  71,  *.  Ziel1, 
sowie  eultivcur  il»  «'hiiiii|>  de  nature  humatne  men- 
tuln  M  \  l'arc  Hrl».  66-.    iVensl  aber  auch  di<  Kr- 

kllronf  In  v.r.  w.  L  c>  —  Bauern  F  -Hutten, 
-KwHcn,  -Krankheit,  -  Tolpl,  -  Wätschel,  -  Wenzel, 
-  Wetzel. 

Baum,  BT  vorRenn.  bhaRhmo;  tfoth  basrms;  ahd., 

inhd  hottm  Kluge6,  ai  .  —  Hahnen-B&xim  (Hane- 
pampel)  ■  Penis  (Schneller  I,  III«),  Veretrum  (b. 

-  S  SC?  I     -  *<*  »•»• 

Bürzel- Bauin  (culbute),  den  das  Kind  im  Mutter- 
leib« macht,  wobei  es  sieb  «tönst  (s.  d  .)  und  eine 
falsche  I*ge  annimmt  (Vtelckard  av  riom-itai-iel* 
i,  :.2i)  —  Wtrs-Baum  -  Penis  (Hyrtl,  K.  w  MS) 
(s  Hole,  Prügel).  —  Baum-W6«> 

Baunzen.  m.  Xeln.'Hlorm  zu  Hau««  oder  Hunzen; 
baunzen  (Machart,  (iarRnntua  79  b'  sa  feister 
Magen  —  Darm  (bei  Tieren). 

Baunzl(Paunzl),  m.  ein  dicker,  feister  Mensch 
Schnuller  i,  .tui  (s.  auch  Bausen').  —  baunzig 
dickgeblaht. 

Bausch,  m.  mhd.  Wuch  (Ringe*      «jr.  w  i,  u>.» 
beulennaaehendei  Böhlas  und  wnbittttnnlge  Usane 
Schlagbeule,  Tumor,  WulBt,  Geschwulst;  zu  ahd. 
Im.*/«ii,  schlagen  natut'.  —  TVfl/-Bausch  (Bauz). 
Inagob.  waln  i>auz  lleltr.  *.  tiesch.  d  d.  Hpr.  XVI,  611) 

Totschlag  (wals  =  Leiche)  auf  der  Walstatt. 

Baust  er,  m.  (Bauschter)  «;r  w.  i,  1301;=  einer, 
der  schweratmig  ist,  weil  er  gleichsam  mit  den 
Lungen  aufgebauscht  ist  (emphysomatieus, 
aathmaticus),  zu  mhd  bus  -  Aufgeblasenheit,  »ehuel- 
lendc  rolle  [KIorc*.  :ra  (a.  puaten). 

Bauzen,  m.  ein  knolliger,  baunsiger,  im 
Wachstum  zurückgebliebener  Mensch  Schneller 

i.  m 

Bax  s  Paggcs,  Pax. 

be-,  die  ZiisammensclzutiRen  mit  dieser  Vorsilbe 
siehe  bei  dem  betreffenden  Stiiinmworlc.  /  Ii.  Belag 
I«  i  Uce. 

be  be  s.  pe-pe. 

beben,  rar  Indogern.  Wurzel  fehl    Furcht  Kluge  , 

.Ii'1 ,  nhd.  blbOn  bibun  treinnr,  Kern  01]  mhd.  blhett, 
l-l|.en  Wdmcn.'  zittern  —  hebern  (bäwern)  - 
bebend  achmerzen  (»loldwhm.  CS).  —  (1644)  das 
//m- Beben  \  \  n  i.  its,  coler,  ll  B.  im 
Palpitatio  cordis  —  Das  Hetz-  und  Glieder- 
Beben  er  w  i,  iaoy  —  Bebendes)  AUer, -Gicht. 
Becht,  m.  (obcrpfal*     Körper,  Cadaver  ischm. 

1.  .100;  Srhw.  Wi)  IU  fottacb  (podeh.  «.  du.) 

Becken  n  ,  ahd  Itecklli  ;  mhd  beekeu  aus  viiIr. 
lat.)  bareinum  -  Becken  ;KIurc*.  89  ;  iu.,7  Beeke, 

lljrtl,  K  W  '  lue«  Hecken  war  ursprünglich  eine  An 
von  WasserKcfass  oder  Wasser  Schule ,  baeeinum,  baeca 

ä  va*  ».juariuui,  Klus«  SB  Pelvis  -  schüssel- 
lörmiger  Knochenring  oder  Becken-Uürtol  am 


menschlichen  Kumpfe  und  beckenfOrmige  Or- 
gan« z.  B.  1.  grosses  und  kleines  Becken,  dazu : 
übelgestaltetes  Becken  Beekend  itlormität  iitn»; 
st.  iü  i ,  i'T  —  2.  I'aukenböhle  *.  Z.  Vesals 
diyrti.  k  w    --  Hirn-,  Herten-Becken,  Holland. 

her*enl>ekken  ;  il.Y  Jahrb.)  hyrul>ecken  vertebriim, 
ealvnrla,  roinndita.»  eaidtlx  knöcherne  Hirnschale, 
Hersenpfanne  schnuiur  i,  nyi,  i>  vi  i.n  —  ein' 
Nieren -Becken  Übersetzung  des  Pelvis  ■  \v«al ; 
k.  Hoflm.  vii.  H7;  ilyrti,  k.  w.  u:i  —  Becken 
Höhle. 

becken,  beckasen  s.  pecken. 

Bedi  (Bödl)  m.  =  Unterleib,  Rumpf  (xn:  podoh, 

fOUCh,  .«.  d.i. 

Beere  f.,  *»kr  bha»  —  kauen  ;  »roth  bazl ;  ahd  lieri ; 
mhd.  ber  -  die  eßbare  Straurhfrurht ,  KluRe\  :::t  ' ;  ennl, 
berry  ;  Iranz  baie ;  damit  w  erden  vereltrhen  :  (Iftöl 
^4n,9-Beere  ndl.  anbeyen  ,  aamlieicn ,  anbei  die 
Ang  (Qual,  Zwang,  Beengung,  Spannung)  mach- 
enden, beerenäbnlichen  Hämorrhoidalknoten 
am  After,  goldene  Ader,  Span-Hechao  (De  t  ock 
Ti.  12»  üusi ;  da  verschiedene  Völker  die  Condy- 
lom« mit  Beeren  vergleichen,  so  konnte  auch 
hior  bei  der  Ang-Beere  das  Condylomadie  altere 
Bedeutung  sein.  —  £rd-Beere  (s.  tl.  bei  K.).  — 
iicw  Af<iu/-Beere,  1  -  IMacijues,  I'ranzosen- 
warzen  im  Munde  (lirin«in(r  in  —  2.  --  Haemor- 
rhoiden,  Feigwarzen  (t  olerll.  lt.  _m>:  —  Wein- 
Beerlein,  1.  =  ,i&.m;  Iris  und  l'vea  (Chorioidea) 

-  Aderhaut,  Traubenhaul ,  «lie  einer  Wein- 
traubenbeere ähnelt  (lvbersetzungl  (ilyrti,  K.  \v. 
itäij  —  2.  (»»"•)  Augapfel  Uvea  (Ütjersetzung) 
[Hyrtl,  K  \v.,  Ii. :  —  3.  -  (15071  Uvula  Zäpfchen 
(Übersetzung,  Hort,  san.)  -  Auf,  Uve  (s.  d  ).  — 
Beer- Schwamm,  -Zunge. 

Beffel  (Biffel),  vorstehende  ztieammenge- 
gedrückte  Lippen  (Bebnicller  I,  2tt). 

bei-,  die  /.nsainmenw  tzuiiKen  mit  dieser  Vorsilbe 
(.lebe  unterm  betreffenden  Oaebfolffenden  Stammwort 

Bein,  n.  (Beinlein.  Qebein),  »reerut.  imin 

Knochen;  ahd  belli;  mhd.  Ik-Iii  -  Knochen  und  l  nter 
nchenkc)aN.,dleReradlnSehenkelknocHen"iKluite&,  :tö; 
bein     ob  und  enis,  II.  Z.  VI,  31'1  ;  s  Jalirh  l>i  in  tibia 

ala Vodei^nocbradeat'nteraebcnkebi.DIez , <  h-s  (.]'>«•.  , 

B.  Jahrb.  bellt  --  iTiiru.  Kali.  Maur.,  G.1 ,  lls2  pain  erus 
[Schenkel;.  CenliiK,  Voe.  y'i,  l.vio  lx-tn  -.-  Knochen, 
IhHTpod. ;  Hanl,  pl.  as  RoMknochen ,  Bayern;  Ben, 
nentr.      da»  Bein,  Ktbnol  Mht,  an»  fnRam  ih<«. 

8.  162  ,  bein     Knochen  überhaupt.  Huck  IC;  cur!,  boue 

-  Knochen;  ndl.  been.  beentjeK  --  Knochen,  Knöchel- 
chen,  De  t'oek  7;i .  KIiirc;.  Xaeh  (iriiniiiü  vortrefflicher 
KntwickluiiR  («ir.  W.  I,  IMfl)  ist  Bein,  1.  der  harte, 
feate  Knochen  Oberhaupt  mit  u.  ohne  Knochen- 
mark, im  tiegeneatse  zu  Brat  (s.  d.)  oder  Fleisch 
und  zu  Blut  (oberdeutueh  ,  (vergl.  Beinung).  2.  - 
die  geraden  Schenkelknochen  (Crus,  Tibia)  so- 
wie 3.  der  Fuss,  als  Geh-Glied,  die  beiden 
letzteren  2.  u.  3.  als  die  härtesten  und  festesten 
Knochen;  das  „Bein"  ist  länger  und  dünner; 
der  „Fuss-1  kürzer  und  plumper.  —  4.  -  das 
Totenbein.  —  5.  -  thierische  Knochen  (Bani); 
dazu  kommt:  6.  in  gewissen  volksubliehen 
Redewendungen  Fruchtbarkeits-Organ  i.Zeit 
schrill  d.  Ver.  f.  Volksknnde  ISN.  9.  «8. ;  Urquell  1898 


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Bein. 


Kein. 


lt.  125J  z.  1t  der  storch  SiUwmiJ  hnt  die  Mutter  In« 
Kein  Ket»isi««'ii ,  «lie  Mutter  hat  das  linke  Kein  Kchrochen, 
«I.  h.  llettlaRerijrkeit  der  entbundenen  Mutter  «inl  da- 

mit  omaebreibend  tootl  viert,  luv  nordischen  Volker 
nahmen  dn.«  Hein  iiikI  den  Kuss  aber  auch  die  Fiiw 
bekleJdung,  z  n  PaiitoftVI,  Schub  (s.  d.)  als  ein  dlo 

Fruchtbarkeit  fordernde«  Or^an.  hexw.  c«  bedeckende« 
KleldanjpKtdrk ,  im  Man  opferte  auch  in  Stiddeutsrh- 
innil  zu  FnichtbnrkeitMWcck  c  i 1  Hosen  (Nlederwatt  . 
inord.  gross  IM  MramfuM  «chwuntfer  j  dftaWncbea- 
bell  wurde  umtenreibcnil  als  eise  Krankheit  am  Beine 
iiar«. -iiiit  —  7  Beine  die  Zeit  des  Knochen- 
Wachstums,  «tie  Zeit  der  Kindheit  (Kindes- 
beine). —  8.  Kein  Bein  mit  dem  daran  befind- 
lichen Fleisch.  —  das  kranke  Rein  oder  eine 
Krankheit  am  Keine  (vci-rI.  die  ItesehworunK  «lurrh 
den  Mcrsobtirgcr  Zauberspruch ,  Kochholz  I,  2*0  .  1712 
nahm  man  22V .  174*  dagegen  3*i  Heine  im  mensch- 
lieben  Korper  an  (Zw.  LXXXI1.  K  a  IS),  d.  h.  «o  viele 
Ucin  Nuiiicn  nnMitc  der  damalige  McdUiustudlefende 
lernen,  ine  grosse  Anzahl  der  mit  — Bein  verbundenen 

ah«i.  Wi.rtiT  *>|irielit  dafür,  «last  die  Ostenlogie  am  Ii 

unterm  (grösstenteils  vegetabilisch  «ich  eruibreudeo] 

Volke  verbreitet  war  ,  da  nun  gerade  du«  Knochi  pfer 

eine  rein  gemmnl»ch  heidnische  Sitte  war  Rnebboli 

1,  32V,  m  mochte  ein  guter  Teil  der  Knochcn-:llcili-| 
Namen  von  der  Opfer-Anatomie  sinmmen  vergl  die 
kuochc  uuac  hbildcudcn  Kultgcbaekc,  b.Uoehholz  1, 327. 
2"J3,  sowie  Klndsfu««  und  llubcnschcnkcl  und  die*  um 
■0  mehr,  wenn  nie  mit  dem  knirschenden  Tone  de» 
Sagen»  und  BennRCM  bearlcbnel  werden  und  im 
•  iegensat/c  zum  Fleisch   llratcn!  stehen.  —  btmiiu; 

beinini-ii,  beinhaft),  mini  belobt  aus Knoeben  be- 
•teheml  (l.exer  1-lJ.  —  1.  ossetis,  d.h.  beinig,  aus 
Knochen  bestehend,  gegenüber:  Heischig.  — 

2.  s=  Fasse  habend,  x.  K.  ein-,  zwei-,  drei- beinig 
(<lr.  W  i,  la«  —  Beinigkeit  der  Knochenzu- 
stand  —  /IfAjtW-Bein,  1  ahd  ahsalp*in(<Jra«I,  MO; 
III  12U,  tnhd.  alii.ell.elii  .Schulter  Oberarm],  l.cxcr»; 
151&  tcbselbeln -  «patiila.  aseella,  I».  loos  Achsel- 
Iwin    huraerus,  Hyrtl,  K.W.  12;  Zw  2*.  KulmueU),  (17691 

—  HumeruB,  der  Oberarmknochen  im  Gegensätze 
«um  Anndiech,  (Hyrtl,  K.  VV.  12).  —  2  ~  Schlüssel- 
bein als  Teil  der  Achselknochen  mr.  W  I,  ici;. 

—  ilfl*rr-Bein  nordd  Krampfader- Kein  (Crus 
varicosum.  —  n«:i  .4/YcrfVtM-Bein  Os  coxae 
s.  ilei  mit  den  Sitzknorren,  die  von  den  After-, 
Hinterhalten  bedeckt  sind  (s.  After-Kallen;  (rub- 
ere« Zeichen   männlicher  .Starke    war  deren  Herv  or- 

■■*^-K2Ä£r|»*» 

—  C'aries  ossium,  durch  Knochenfrass  erkrankte 
und  angeschwollene  Keine  [L.  eh.  14;  Zw  27-.».  2.*o. 
710).  —  Apfel-Bein,  eine  schlecht«  Übersetzung 
des  Os  malae  maxillae;  os  mall,  «ir.  W.  I,  534), 
vlrsrA-Beinl  Tirol;  ninincr  s.  l")  -  Steissbein.  — 
Araehbufitl-'Bein  Ossacrmu  s.  Kübel.  —  Back-, 
Jiacken-Bein,  1  <  >s  zygomaticum,  Os  malae, 
s.  Apfelbein,  Wangenbein  [Gr.  W.  l     :i    —  2, 

l  oxa  Vcgclil  iKraiis  K.  273.,  Os  fcuiorl»  lalkc  I,  Mj 
Hüftbein  an  den  llimerbacken  des  Tferdes; 
[rnnf.  enst.  bnekbone  BBekenbeia,  ituckyrat:.  — 
liiic Arr-Bein  t leno  valgum, auch X-Kein  (s.d.), 
X-Fnss  (Budelelicn  IV,  -'oo.  7»),  weil  andauerndes 
.stehen,  wie  bei  Kütkern  etc.,  eine  Ursache  für 
diese  Anomalie  i§t  (s.  Kniewelzer)  Fftnterll,  KM] 


—  Ii  ::.'  Bär-  (Gebär)-'B9iH  .llyrll.  K.  W.  13a 
(lebärbein,  Oeburtebein  (s.  d  ),  Iran/  «>  bertrand 
ittrlsc. .'7 <  Schambein,  weil  dieOeburtsscham  dort 
liegt.  —  ir.03)  Bickel-BeÜL,  1-  Malleolus,  Bicke- 
bein  der  äussere  KnOchel,  ähnlich  dem  spitzen 
Knde  des  Stein- Pickels  oder  Bickelhammers 
liyrd.  K.  w.  i»;  n  Mi  (b.  Hammerhein);  von  den 
Knöcheln  auch  auf  das  zwischen  ihnen  liegende 
Sprungbein  übertragen  2.  Sprungbein,  ahn - 
lieh  dem  Werkzeuge,  das  man  zum  Kickein. 
zum  Zerhauen  der  Steine  brauchte  IHM;  Hyrtl, 
K.  w.  im  (vgl.  Rickel).  —  Ä/finr-Grbein  die  nebeln 
der  blldeni  lltilß]  bei  l'aracelKUa;  Cr.  W.  II,  2*».'  der 
knöcherne  Teil  der  Uingiva  Palalum  (s.  Fil- 
dern). —  Bleckende  Beine,  ahd  kleeebente  beiae 

i.ruir  im,  I2SJ     nackte  Keine,  die  sichtbar  sind 

—  (WO)  -beinig  (Dr.  Minderer).  1.  =  steif  und 
unbiegsam  ^  bockstarr  <.r  w  n,  >04i,  wie  der 
Kock  beim  AnstoBB  die  Keine  stellt.  —  2.  -  ein 
nach  vorne  gebotenes  l'ferdeknie  (Mayer  s?; 
lt.  A.  )vM>j.  —  Boden-Bein  Os oeeipitis, insoferne 
als  der  Grundteil  des  Hinterhauptbeins  ge- 
wissermae8en  der  unterm  Schadeldach  befind- 
liche sogenannte  Boden  des  Menschenkopfes 
ist,  und  auch  als  Übersetzung  des  Os  basilare 

llyrii,  k  w.  151).  —  Das  bost  Bein  J'ds  da*  bom 
beyn,  ii.  v.  Uend,  vi     das  erkrankte,  verletzte 

Rein  l  Besprechung  desselben  s   Rocllbol»  I,  283).  — 

Z3rust-Bein,  ahd.  praMpeinl  neetneralum  [tinS  III, 
13»;  «.  u  i  >;  nhd.  bruMbeln  (II.  Z.  II.  105)  -  per  tu«, 
eostn;  mbd.  brustbeln  il.exer;to),  (1455 prawtpeJn,  Jahn 

235;  MM  brustbeyn,  II  v.  liersd.  13,  os  pectoris,  162« 
bnistbaln,  Sehtueller  II,  1089),  1.  =  Krtistbfiin  (Ster- 
num)  als  Gegensatz  zum  Krustbrat  (s.  auch 
Rögler).  —  2  =  Brustkorb  mit  Hippen.  —  3  Als 
Pectusculum  vielleicht  Bries  (Brüstel,  s.  d  ), 
das  unterm  Brustbeine,  brechet  (8.  Bries),  liegt 
oder  4.  -  das  Gänsebein,  das  man  zu  Weissag- 
ungen benützt  (s.  Sprenkel  2),  ein  Brauch,  der 
aus  der  Zeit  der  heidnischen  Gänseopfer  stammt 
Jahn  235;  t:oler,  II.  Ii.  116  it.!.  —  i?t«/-Bein  buoe- 
boin,  Vorderlauf  des  Jagdtieres  (s.  Kug).  — 
Dacht -Beine  Genu  val^um  )(  krumm-  und 
niederbeinig.  —  £>ann-Beine  Ob  ilium,  weil 
es  das  lleum,  Dünngodarm,  trägt  Hyrtl,  Anat 
:M2;  <;r.  \v.  Ii,  7si).  —  j7.v.>;  Dick-,  (Diech-)Bein, 
nordd.  1.  Schenkel  (Hyrtl.  K.  W.  131),  das  Kein 
von  der  Hüfte  bis  zum  Knie  im  Gegensatz  zum 
Schienbein  und  Diecubrat  («Jr.  w.  II,  1078).  — 
2.  -  das  Mchrbein  (s.  d  )  oder  Diechbein  das 
Kein  am  Diech  HSS»;  H.  v.  Uend.;  Hyrtl,  K.  W.  36!. 

—  Dorn- Bein  daa  GrÜFelbein  beim  Pferde 
i,' Schenkel  beindorn  ,    Wadenbein.  Spornbein) 

Falke  II,  123;  Mayer  93,.  —  Drei-Bein  («elt  dem 
IC.  Jahrh.  verschwuudeu ,  1518  dreybeyn,  H.  v.  (iersd.  13) 
(bei  Neugeborenen  und  jungen  Schlachttieren), 

^Oacoxae,  weil  aue3  Reinen  zusammengesetzt 
die  erst  gegen  die  Pubertätszeit  hin  zu  einem 
Knochen  verwachsen  i.Hyrtl,  Anat  üj  ,  „wiewohl 
es  ein  Bein  ist,  hat  es  3  Namen  (Lenden-,  Scham- 
und  Hüftbein)  und  darum  wird  es  Dreibein 
genannt'1  (II.  %  <;  13).  3  beinig  sind  auch  im 
Volksglauben  die  verschiedenen  Hexengestalten 
(chvtropes),  Hase,  Fuchs,  Troll,  Mar  etc.  [Aberirt 
65;  cytropeda,  U  12t  .  —  jDrossei-Bein  (l.»l  Trossel- 
belu  -  Os  jugtili  -  ichlü««elbeln  ,  Hyrtl,  K.  W.  149 ; 


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I 


Bein. 


Bein 


83 


1591  Tro»sclbein  Clavicula,  Ha.l  -Tun.  28;  1012  Trossel- 
beln;  1740  Tro»*elbein  -  Glavirula,  Kulinus  4h  ;  1793 
i>ro«*tli«du,  Gr.  w  n,  I4S7]  -  Clavicula,  Schlüssel- 
bein, weil  es  unter  der  Kehle  und  Drossel  lieft 
(s.  Kehlbein);  Drossel  —  Kehle,  d.  h.  der  ganze 
3 eckige  Kaum  zwischen  beiden  Achsel-Schul- 
tern und  Zungenbein  —  DUnn-Bein  (12  Jahrh 
thiunncbcln  -  „tempore,  sie  nunpur.ata,  <|iil  inovontnr"; 
eine  falsrhc  Ktyiuolople  ,,  lJünnl«-ln"  lehnt  Meli  an 
,, lMmnwanKe"\ahd.dunwenKi,Kluße\  62)  an  =  Schlafe- 
bein als  Knochen  an  der  Dflnnwange.  —  J)urr- 
Bein cAcn)  ein  Mensch,  der  ein  mageres  Gebein 
hat  iGr.  Vi  II,  1741;  Kochhotz  I,  293'.  —  Düttcn- 
Bein  s  Tüttenbein.  —  .Eis-Bein  [MM  labetii,  l*s- 
beln,  Hyrtl,  K.  W.  4t)  =  Elnsboln  p)  aus  8  Stucken 
Hyrtl,  L  C) ;  Kluse  M  halt  es  richtiger  für  Gangbein 
(isa  =  Gang)  -  Tibia  der  Hirsche.  Rehe  oilcr 
Hüftbein  des  Hochwildes  (Wilkers,  WaMnianns- 
spräche  20).  —  (169'.'   Exter  -Bein  (Gr.  W.  III,  391) 

—  ein  eiternder  Knochen.  —  Kitfanten  -  Bein 
b  Knollbein  (s.  d.)  (Tuchs  II,  703).  —  A'nW-Bein 
=  Kllenbogon  [VIT  conimuui:  (Sebm  I,  III,  — 
mtbeinen  [atad.  antbelnnn  —  cioiw;  aus  der  Am- 

tnuii* eulinaris  bexw.  sacralis,  GrafTIII,  130),  —  Fnss- 
Beinigkeit  -  die  eigentümliche  Stellung  der 
Pferdebeine ,  wenn  deren  Sprunggelenke  wie 
ein  Fasareif  ( )  im  Ho^en  von  einander  abstehen 
(llohlbein)  —  Faules  Bein  Fiterbein  (Antrat, 
s.  d  ).  —  Fessel-Bein,  1.  -  die  Phalanx  der  Ein- 
hufer (s  Fessel).  —  2.  -  Fingerglied  der  Wieder- 
käuer und  Schweine  (s.  Fessel).  —  Flechsen- 
Beinchen  Hyrtl,  k  w.  m)  -  Sesambeinchen  (s. 
Sehnenhein)  —  (1777)  Fleisch -Bein  =  ein  mit 
fleischweichem  Gewebe  (Sarcoeolla)  besetzter 
Knaben  (■>  Gumma)  (l>.  512)  —  FlUgel-Bein 
~  ein  am  Pferdeknie  flftgelartik'  rückwärts 
abstehendes  Sehnenbein  (Mayer  37).  —  (1666) 
.Fuss-Bein,  1.  =  Hufbein  beim  Fallen,  —  2.  — 

(1699>  Fussknochen  Überhaupt  (v  M  11.66;  Cr  W. 

IV.  i  1014)  —  GaM-Bein,  1.  ^  Schlüsselbein 
(s  d  ).  —  2.  =  Krustbein  (s.  Gabel);  Imni  tour- 
chette  (Uriss.  2»).  —  (14.  Jahrh J  gängige  Beine 
frei  bewegliche,  untere  Gliedmassen  (Gr.  w.  IV, 
1. 1250).  —  (I6!fi;  Gänse-Bein  (Gr.  W.  IV,  1.  1266). 
1.  =  Ruckbein  (8.  d.)  =  Os  dorsi;  vermutlich  = 
ganzes  Gebein ,  das  Collectiv  aller  Wirbelkno 
eben.  —  2.  -  das  zu  Wahrsagung  der  Zukunft 
(i  to.".  benutzte  Brustbein  (s.  d.  4)  der  (Jans,  welche 
ein  Opfertier  war  (Rochh<di  i,  227  .  —  Gaumen- 
Bein  —  Os  palati  —  Gebär-Bein  -  Biir-Bein 
(s.  o .).  —  Grbein  ahd,  «rabelnl,  Graf!  III,  130  ;  »ribetuu, 
Gr.  W.  IV,  1.  1662;  roh<l.  scheine,  gebelnde,  trebelnze, 
Lfxer  60).  1.  -  die  Knochen  ,  Beine  als  (janzes, 
im  Gegensatze  zum  Brat  (Fleisch).  —  2.  =  das 
Totengel  .ein,  auch  Leichnam,  Gerippe.  —  3.= 
Schenkelknochen  (< Yura)  —  Hc/>n>7.s-Beine  ic.oi 

gclmrthitttirif,  Hyrtl,  K.  Vi.  137,  Anm.  2;  1603  <la<  ire- 
hurtsbeine,  Gr.  Vi.  IV,  1.  1906J  =  Os  pubis,  Schatn- 
bein,  Schlossbein,  Sehossbein,  Bärbeln  (s.  d.i. 

—  (1783;  Geleich-  K.vj  Gr-fr«  A -Beinlein  =-  Os«n 

SCHAmoidea  (Hynl,  K.  W.64  ;  Vadem.  116) ;  (8.  Gleich« 
beine  und  Sehnenbeinchen).  —  Gemä<  /  '  Beine 
MC01  und  1603;  Gr.  W.  IV,  1   1906;  Hyrtl,  K.  W  IST) 

—  Oa  pubis— die  Beine  am  Gemacht  (b.  da.)  — 
tun).  —  gethane  Beine  -  ein  angethanes  (b. 
That),  angezaubertes  Leid  am  Beine  (Urquell  1892. 


8.  257),  Misfigestalt.  —  Gctccro-Beine  =  Rücken- 
wirbelbein (Hyrtl,  K.  W.  62,  166).  —  gewichene 
Beiner  =  wirkliches  l'eberbein,  (das  unterm 
Fini;erdruck  weicht)  (Huck  19V  —  (1740)  Gleich' 
Beine  =  Gelenkbeinlein  (s.  Gleich)  =  Ossa  sesa- 

moidea  Hyrtl,  K.W.  6t;  Kulmus  52;  I.evelinir  431.  — 
Grä/sc/i-Bein (Gr.  w.  V, 2551)  =  Kuhbein,X-FfiB8e, 
B&ckerbein,  Schlosserbein,  Genu  valgum,  wobei 
die  unteren  Schenkeltoile(vom  Knieab)graiteln, 
graitiseh,  grätsch  (s.  d.)  von  einander  abstehen. 
—  (isi2)  Griffel-Bein  -  Os  st yliforme,  das  gritfel- 
förrnigeSehnenbein  an  beiden  Seiten  des  l'ferde- 
Schienbeins  (Ftdke  I,  34s).  —  GrumZ-Bein,  I. 
Übersetzung  des  Os  basilare  der  Schulen  (Hyrtl. 
K  Vi  151).  —  2.  das  heilige  Bein,  weil  es  als 
Stütze  des  ganzen  Bückgrates  angesehen  wurde 
[LereUag  21).  —  GruscZ-Bein,  s.  Kruss-Bein.  — 
G'trhloss-Bein  -  Os sacrum  (franz.  os barro,  Rri«.  27), 
das  Schlott  der  Geburt,  das  sich  zum  Gebaren 
aufthut  -  das  G'schlossl  der  Metzgersprache 
(8.  Schloss  und  Schlossbein).  —  G«cArMci-*-Bein, 
s  Kuknksbein.  —  ifflar-Bein^  Verknöcherung 
des  Ligam.  nuchae  (Haarwachs)  beim  Hirsch 
iltrt  hm  III,  147'  —  HaU-Bein  [-Gebein)  (ahd.  hals- 
pfin.  liraff  III.  l'.".t  onllicinm,  torn<(  Halsknorhrn  ; 
UM  halspeyn  —  c«T\ix,  Haltau*  784,  mhd.  halibobl, 
II  Z.  VI,  321;  I.tltcr  89,  1587  baW>44n  cerrix.  Halt 
an»  781:  16.;:UinM»  m  -  HiUvknochen ;  16S0."  *cblu««el- 
bein.  Gr.  W.  IV,  2.  257  262!,  1.  =  Hnlsknochen  im 
Gegensatze  zum  Fleischteile  des  Nackens,  Kno- 
chen-Gerüste am  Halse,  Genick  (Hals-Gebein), 
Henker-Lokalitnt.  —  2.  -  Sehlüsselbein.  —  (1661) 
ZJVjwmcr-Bein  Knöchel,  (  hetsetzung  des  Mal- 
le.dus  (Hyrtl,  K  w.  74)  (s.  Bickel-Bein)  —  (1518) 
Ii  i >rl -Bern  die  Knochen  der  Hand  wurzel  (n.  v. 
r.ersd  ;  l!>  rtl.  K.  W  75).  —  (1551)  Heft -Bein  -  Wa- 
denbein, (Übersetzung  der  Fibula  (Klaui Hierbei n 
S.d.)  Hyrtl,  K.W.  79).  — He  ilu/es  Bein,  1518  heyliß- 
bein,  II.  v  Gi  rstl,  13  vetula  [f.  quene),  Kraus  K  1085) 
(vbersetzung  des  Os  sacrum  (nach  Srhra<li>r  34K ; 
das  an  den  unverletzlichen  oder  (?)  heiligen 
Geschlechtsteilen  liegende  Kreuzbein,  eher 
liesso  sich  an  die  Anntomia  sacralis,  an  die 
Opferteile  tler  benachbarten  Garbsehaie,  (iarh- 
braten  (s.  d.)  denken;  die  Griteben  nannten  das 
Kreuzbein  als  den  (fristen  Wirbel  UroMbvln.  }ay;'i'„ 
SXOVSulo;;  (itYa-lst  1*1  den  Griechen  auch  -  isp'>: 
=  hctli|r  (Hyrtl,  Anot.  296  ;  K.  W.  32;  Gr.  W.  IV,  1  837) 

I  (s.  Grundbein*).  —  Henkel-Bein,  19.  Jahrh  h< iikü 
boyn  —  Jochbein,  die  Ansa capitis  der  Arabisten 
Kopfhenkel, da  die  beiden  Jochbeine  wie  beider« 
seitige  Krug-Henkel  sieh  ausnehmen  (nyrfl,  K. 
w  K2).  —  Herz-Bein,  1  =  Brustbein  (Hyrtl,  K  \.  i.m 
Sternum,  weil  über  dem  Herzen  gelegen  (Air« 
tomia  sacralis).  — 2.  -  der  zackige,  herzf<)rmige, 

I  beinharte  Knorpel,  der  am  Grunde  des  Ilirsch- 
herzens  an  dein  l'rsprunge  der(iefässe  entsteht 
und  als  ein  Volksmittel  >;egen  Herzklopfen  Ver- 
wendung Andel  (Hirsch bein;  (15  Jahrh.  os  de  onrde 
oerrl,  beynn»»  des  hinten  heruen,  I»  643)  auch  Hirsch- 
kreuz  (Gr.  W.  IV,  2.  1225.  1566;  Coter  n.  It.  590 ;  Verf. 
Volksmedizin  163)  —  (161C)  Atrryrbeint  mit  Kno- 
chen um  das  Herz  oder  die  Brust  versehen,  breit- 
brustig  (Gr.  Vi.  iv,  2.  1245).  —  Hinke-Bein  =  ein 

I  Mensch,  der  hinkt  auf  einem  Beine,  auch  Hin- 

I  kenpart  genannt  (Zciuchr.  d.  PhUol.  XXVI,  243). 


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84 


Bein. 


Bein. 


—  Hintei  Bern  -  die  Hinterbeine  des  Vierfüss- 
lers  (Or.  w  iv.  2  u«*>  —  mhd.  //im -Bein  - 
Stirnknochen,  Stirne  (s  Hirn)  (Lern  102)  — 
fiiV*cA-Bein  -  Herzbein  2.  —  Höfel- Bein  - 
der  Triller  von  ()  Füssen,  Silbelbeinen.  — 
Hosen-Bein  =  Femnr.  —  Huf- Bein,  1.  Hüftbein 
(s.  d.)  und  seine  1  11  u>-l  nr,:  beim  Menseben; 
(ahd  hufbi-iii  —  clutiK  «inifflll.  129;  hutbein  lumbi, 
II.  7.  II.  205,  beim  Menschen ;  ahd.  hui  =  Hütte)  — 

2  -  Hüftbein  als  Hinterlauf  der  Jagdtiere  — 
3.  =  das  Fussbein  (s.d.)  beim  Füllen  (Huf)((ir  w 
iv,  1  ioi4>  —  Hi«/bein- H'nr/  —  Huhner-Bein 

—  der  Träger  eines  dünnen  Fussgestells  nach 
Hübnerart.  —  //"//  Bein  fmhd  hüfTeboin.  i.exer 
108)  Us  ischii,  coxae,  das  Bein  an  der  Hüfte 
(s.  d  }.  —  7-Bein,  1  =  ein  zusammenge- 
schrumpftes bautrunzelige*  Bein  (II.  A  Ith  1111 ; 
oder  2.  b  der  Trager  eines  soleben  —  Innen- 
Bein  (ahd  Innanbeln.  «irafTIII.  1281  das  Mark  im 
Bein  —  Köhl-,  { AVW- )Bein,  (-örbein^  uß09  kehl 

bein  Zungenbein  ,  Hyrtl.  K  W  171 ;  1646  kählbeiu. 
Hyrtl,  K  W.  149;  1677  kcbtgebein,  Hyrtl,  K.  W.  138).  I.  = 
Zungenbein  —  2  Cbcrsetzung  de«  us  Jugull  de»  Cel- 
»u»     Drosselbein     Chivieuia,  Schlüsselbein.  — 

3  Halsknoehen  im  Gegensätze  zum  Hals-  oder 
Kehl-Brat.  —  [lO.Jabrb  )  kahles  örbein  i.halaweu 
gcbcinoui  calvaria  (C,r.  W.  V,  27)  tleisehlones 
Gebein.  —  A  i: Bein  ncic  karsbclu,  <;r  \V  V,  230) 

das  karsende,  knirschende  Bein  Knospel- 
bein -  Knorpelbein  —  Kind  -Beine  (ahd.  ehin- 
de.pein,  (imlT  HI.  12»),  1.  -  Jugend  und  Kindes- 
alter, in  dem  die  Knochen  heranwachsen  — 

2.  U790t  zu  abergläubischen  Heilzwecken  be- 
nützte Kindesknochen:  das  rechte  Kindsbein 
sollte  Geschwüre  am  linken  Beine  (s.  d.)  heilen 
(Legend  I  .1  gern  Mann  ,  Korreep  -Rl  f  A  1S96,  8.  3) 
(s.  auch  Kind).  —  A' in  «Bein  (»-9.  Jahrh.  chiiin- 
beln,  Caas.  tiloss.,  Wcx  93  maxülas  [Kinnlade,  Klnn- 
bnekenl;  II  Jahrh  chinnclrtdn  *  iiientutn,  II  Z.  III; 
rhlnnl|ieinl.  ».raff  III,  129;  IV,  451  ;  k  Innobel  n  =  mentuni, 
niandibnln,  miixillae,  ||.  /,  1 1  IT  ,  chiuibuin,  '.r  \V 
V,  775;  kinniboiu  —  inain,  II  '/..  XV,  12;  mhd.  kinne- 
beltl,  Ut.  W.  V,  77* J  II.  Jahrh.  kinbcin  maiidtbuln. 

Voc.  opi,  w.  10;  171»  klnnbackenbeln,  Ur.  W.  V.  77»), 
1     Backenknochen  mit  Oberkiefer.  —  2  Kinn. 

3.  Wange.  —  Ratziges  A'innbein,  da*  rütze  kin 
pain  (C.  v.  8rhm.  143)  das  von  Kotz  belegte 
Uberkiefer  od.  Wangenbein  (eines  Wald  Kiesen); 
rütziL'  rotzig.  —  A'i'w».  B<  in  s.  Kinnbein ; 
in.ll.  kakobeen,  De  Cook  7C;  Ur.  W.  V.  77») .  —  Kläubcl- 
Bein  Ii  1*2  klewbelpain.  <Sr.  W.  V.  1019;  norweg  irlejrpl- 
l.eln,  Llebrechtl  die  Knöchel,  die  man  zum 
Spielen  mit  den  Fingerspitzen  (Klauen)  gewisser- 
n. aasen  klaubend  aufnahm;  1.  Astragalus 
(Schnuller  I.  1322).  —  2  Caput  feroori»  caprae 
(l.iebrecht).  An  dlo«cs  rollend«  Spielbein  der  Kinder, 
'In-  im  Norwegisch,  n  nach  I  hr.  rhl  t  V  Kd  Srt») 
..Sohlnckl.cin'  hoisson  »oll,  rermutlirh,  weil  die  Kinder 
es  olt  in  den  Mund  nahmen  und  man  durch  Ver- 
schlucken daran  ersticket!  kann,  kniipft  »loh  daselbst 
manche  Sage,  wonach  diese*  Verachlucken  vor  Vieh- 
«euchen  schützen  und  l'rinzcn  erlösen  soll,  was  wohl 
nur  als  eine  Stellvertretung  de«  blutigen  Kinde«ofiler« 
autzutossen  ist,  die  das  am  Spielbeine  erslickte  Kind 
Metel  lein  sohlechter  Trost  aus  der  heidnischen  Zeit 
lur  die  Klteru,  n.  Kobold  3) ,  (14H2I  Klewbelpain,  domit 


die  Kinde  klewbelcn  sordissa  !D.  543)  Birkel-Kote ; 
vermutlich  diente  es  ehemals  zum  lernen  («or»),  Los- 
werfen undspäterziim  Kinderspiele  —  iiC77i  Klammer  - 
Bein.CbersetzuiiK  der  Fibula  Hyrtl.  K  W  79)  Heft- 
bein (s.  d  );  das  Wadenbein  mit  dem  Schien- 
bein hat  Ähnlichkeit  mit  der  Vorrichtung  der 
alten  Fibula  als  Heftklammer.  —  Klapper -Bein 
Toten  -  Gerippe,  dessen  trockene  Knochen 
klappern;  Hanns  Klapperbein,  ein  Name  des 
personifizierten  Todes  (Cr,  \v  V,  Mt)  —  klapper- 
beinig  <;r  W  V,  966!  knochendürr  wie  das 
Totengerippe.  —  [1483]  Änar6f/-Bein  (Or,  W.  V, 
1361.1  eartilago  gnarpelbein  Knarbeibein  oder 
Knorpelbein :  „ein  Bein,  das  man  (mit  knirschen- 
dem Tone)  zerbeissen,  knarpen,  knarheln  kann" 

(Gr.  w  v.  lütt;  iiyrti.  k  w  100).  -  g*$£fm  j  Bein 

(mndl  ranefbwn,  Kluge*.  203)  ^  Wangenbein 
unterm  Knebelbart.  —  ÄWdte-Bein,  1  =  ein 
Mensch,  der  beim  Gehen  knickt,  dessen  Kniee 
einbrechen  (Genu  valguin);  vgl  knickein,  knie- 
geln  (Ranke  i.  IM)  —  2  =  ein  knickendes  Bein, 
eine  lahme  Ferse  ;.;r  \v  V.  1416;  Heyne  III,  102).  — 
Knochen- Gebein  die  knöchernen  Teile  im  all- 
gemeinen —  Knollen  (Knoil-  Bein  ^  Elephan- 
tiasis [t.  Hdb  d  sp.  I'ath.  u.  Tb.  XIV,  1  455i,  die  den 
Unterschenkel  zu  einem  klumpigen  Beine  ge- 
staltet (s  F-lefanlen-Aussatz  und  Knollsucht) 

"  imV  lZrrfe\'.  !  Bein  Knorpelbein  alfl(ie- 
gensatz  zum  Brat  und  Knochen  (Or,  W  V.  14M; 
Hyrtl,  K.  W  100,  Knorfel  i-t  NelK-ulorra  zu  Knorpel, 
<ir  W  V.  1492).  —  (15.  Jahrh  )  Knorpel-  (1719)  Knor- 
pel Hein  -  Cartilago,  Knorpel  i'ir.  \v.  V,  i4«6i, 

—  Knon  -Bein,  1  -  ein  knorpeliges  Bein  —  Knor- 
pel —  2  ein  durch  Knorrengicbt(Tophi)  verän- 
dertes Bein  !<ir.  W.  V,  1487).  —  Knospet-  {knurspe- 
lichte»)  Bein  1  -  das  Knorpelbein,  (.^artilago, 
„mit  dem  tirundbcgritle des  knirschenden,  knus- 
pernden Klanges  beim  Zermalmen'1  (fir  w  v,  uy« 

—  2.  —  Schwertfortsatz  des  Brustbeines,  Pro- 
cessus ensiforniis  sterni,  der  am  längsten  knor- 
peligbleibt von  allen  knorpeligen  Verbindungs- 
leilen  -  Magenkruspel  [Hyrtl.  K.  W.  98).  —  (1677 
A"»io/>H -Bein  das  zw  ischen  den  beiden  Knoten 
liegende  Bickel-Bein,  Astragalus,  Talus  (Sprung- 
bein)! Hyrtl,  K.W.).  — AvtoiicAf'esBeinib'ilsknoderht 
beyn ,  II.  v.  tiersd.  9Sj  —  der  Kllenbogen  und  die 
Diecher,  wo  die  Knochen-Knorren  knotig  her- 
ausstellen. —  Ä'ofcn-Bein  —  der  Knochen,  der 
die  Köte  (s.  d.)  des  Bierdes  bildet  und  unten 
mit  dem  Kronbein  verbunden  ist  (Or.  W.  V,  is»7). 

—  Koijen -Bein  Schwaben)  der  Knochen  vom 
Schind-Anger,  wo  das  Aas  (  Kog,  s  d.  u.  Schel- 
men bein)  verscharrt  war  (Ur.  w.  V,  1577).  —  Knpf- 
Bein  Schitdelknochen.  —  (löisj  Krach-  (Krö- 
chet- iBein  Knorpel  (vergl.  oben  Knospelbein) 
*.  Reinkrache,  banerochn  (Gr.  W.  V.  MM;  Hyrtl,  K. 
W.  100).  —  Kraft-Bein  ■  Schlüsselbein  (Sehnt.  I, 
nr.i?,  weil  es  bei  armkrüftigen,  breitbrustigen 
Leuten  sehr  entwickelt  ist  (vergl  Hyrtl.  Ana!.  321>. 

—  ÄV.i/rn-Bein  (mhd  kragelK-ln,  <ir.  \V.  V,  1956; 
I.exer  i  Halsknoehen  am  Kragen  (s  d.)  — 
[im]  AVci4*-Bein  »■  Jahrh  erenz-  os  Raerum.  Hyrll, 
K.  W.j  v.  M.  II,  223)  -  heiliges  Bein  (s.  d.,  bei 
i'ferden  ist  dasselbe  kreuzförmig  erhobt).  — 


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Bein. 


Bein. 


35 


Krobtl-Bein  (1449  krobelpayn ;  Zettln jr,  vor.  n7)- 
CtrtltafO  (Kr«UI  -  eine  Si  Vtiform  von  Knorpel.  <ir 
w  V.  -.Mi-,  —  Kroff -Bein  Kropfbein  (s.  «1«  )  — 
Krone »Bein,  I  i'l7s.i)  das  Stirnboin  woifen  der 
Nähe  der  Kronen-Naht  (Löveling  6).  —  2.  das 
würfelförmige  Bein  des  Pferdes,  das  unterin 
Fessel-  oder  Knotenhein und  über  dem  Hufbeine 
die  Huf-Krone  bildet  Mir  Vv  V.  lfw"  und  tstsa).  — 
3  =  Krone 7.  (s  d.)  —  Ä'ro;,/"-Bein  ein  gekröpf- 
te«, knorrig  ausgewachsenes  Bein.  —  Krmael; 

^Kross-  \  Bein  f"'"1  kr,l>*  '  '*  J",,r1'  kr"<i,t'1  ; 
1491  kro*,«  .  HksT  Krosjn-1-,  kro«|»-llinfte<>  ,  ITH"  Kroes 
|h;1-,  Kro.-i.-fl-.  Kroslcl-,  ktu«.-1  ,  Kni»i-I  ,  Knispc l-l>ein . 
lauter  S«l>etiformen  zu  Krosst«ein  t'artilago,  Knor- 
pel „von  kroaen  zermalmen,  nach  tiein  Klange 
den  Knorpel»  beim  Zerheiraen  (  Crepitalio) 
benannt."  (Or.  W.  v,  210s,  2111  2112  2I7S,  -jiti»,  Ilyrtl, 
K  W  100;  ||.  z.  VI,  KB;  Seh»  MS)  —  Krumm- 
Bein  i'»li>l  .runilicin.  «iraff  IV,  Ii  10  I.V  .lalirh.  K  nun  in 
beln  .  I4v.'  kriiiu|H<yniirer  iinch»  llnltl.riioli.  I» 
1.  =-  Sit  bei  bein,  loripes,  tnrlipes  (or.  W  V,  2402; 
Ii  KM]  —  2  =  durch  Beinbruch  gekrümmtes 
Bein  —3.  im  Voigtland  ein  Seh  hiebt  fest  (Koenler 
V.  «d  26»)  (warum  ho?;.  —  Kuh-Bein  Stellung 
der  Küsse  wie  bei  der  Kuh.  (ienu  valgutn,  X- 
Füsso,  Silbelbein,  Bitekerbein,  Grill schfüsse  (<ir 
W.  V.  2IV.I.  Schräder  9:   HardeUI.cn.  <  lilrunr.  IV.himk 

—  A'i<A«**-Bein  i -i  guckgaugsbein  «in.k- 
gauchshein      »M  eoeeygis  (coxae  '.')  angeblieh, 

«eil  du  Steissbein  Ähnlichkeit  tnitdein  Kukuks- 

Mcbnaln-I  haben  soll  (Ilyrtl,  K  W.tt;  «ir.  W  V.  2.'i2»  , 
Knui«  k  avj'  —  /'//I  ,'beinig  einer  mit  langen 
Keinen  —  (iTTTi  Latsih  Bein.scaurns.ipii  aliipian- 
tulum  balbutil  =  einer,  der  auf  einem  latschen, 
dicken,  plumpen  Fuss  hinkt  n.r  W.  VI, 27*  ;  D.SI7). 

—  Leist™  Bein  (nur  bei  Pferden)  die  Knie- 
scheibe bei  der  U-iste  des  Tieres  [Kalke  II.  cr.j 

12  Jahrh  j  LrWrn-Bein  II  7.  II,  an;.)  Kenes 
die  Knochenteile  der  Lenden-  oder  Nieien- 
gegend  an  der  Wirbelsäule.  -  linkes  Bein,  ge- 
brochen haben  schwanger  sein  (Liebrechl  z. 
Voikk  .  M)  s  Fuss  —  Linnen  Beinchen  Ossa  se- 
samoidea  (hnsengrosses  Glcichheinchen)  (Ilyrtl, 
K.  w  dl).  —  H677I  mangelhafte  Beine  fllyrtl,  k  w 
Uli  Schlafebein,  „weil  sie  «Iie  einzigen  llirn- 
schalenknochen  sind,  die  keine  zackigen  Naht- 
rander  haben,  sondern  Schuppen"  fllyril.  I.  c). 
O&Mj  AfVinn«-Beine,  1  Heine  (Hoeenbein)einee 
Mannes.  —  2.  männliches  Knochengerüste 
H.t.  W  VI.  I.'i7s!.  —  Mark-Bein  ein  Hein  voll 
Knochenmark  für.  \V.  VI.  1636,'  —  iioia,  maseehtes 
(JVbein '"ir.  w.  VI,  lTfi-J  -  ein  knorriges  Hein,  das 
schlechten  Knochen  -  Maser  (s.  d.)  =  Callus 
nach  der  Fraktur  geliefert  hat  —  Mehr-Bein 
!K— 9  Jahrh.  .In/  mwru  B*fn  [dooho»),  I  aa».  Maat; 
Diez  96,  liralT  V,  11*)  -  das  dickere,  grossere  iiein 
des  <  »berschenki'ls,  Os  major,  coxa  (Hieehbein) 

—  (1642)  jtfVnjrAoi-Bein  <>r.  W.  IV,  2tm)  der 
Knochen  eines  Mens,  heu  im  Gegensätze  zum 
Tierknochen.  —  missyncachsene  Beine  die  X- 
und  O-Beine  als  Folge  fehlerhaften  Wachstums 
der  Knochen  (Bhacbitis)  igethane  Heine).  — 
morsches  Bein  (1«W0  mor«-«  »m  in.  er  \\.  VI.  2S91) 

-  ein  brüchiges  Hein  |inor«<n  -  zormalmi-n.  ali.l  , 
mon>ärl  -  Mi.rsor,  KIurp. -W).  —  Mutter-Bein    „das  i 


Gelenk,  wo  beim  Kindvieh  Keule  (s.  d.)  und 
Hein  sich  Bcblieusen"  (or  w,  vi.  2S13)  in  der 
Nahe  «lesMntterschlosses  (Schlossbein,  Hecken- 
bein). —  itm:i>  Nägel-,  Xagri-Bein.  das  nagel- 
fOrmige,  niobr  lange  als  breite  Thriinenhein  (Os 
lacrymale,  s.  Nngel)  ;Seliaar»rhin  I,  61;  lA-relinK72) 
—  A'fOlcn-Bein,  mlid.  na-elifin  Hir.  W.  VII.  21II1 

I.  Nasenknochen   —  "2      Nase  (L.  x.-r  ITH.  — 

(16M)  .\eben  Bein  «Jr.  w.  vii.  108S]  Oberbein 
(h.  d.)  Ganglinn.  —  niWcrbeinigt  niederge- 
stellt mit  den  Beinen  w  ie  ein  Dax-Hund  (/.«•iturh 
f.  «1.  l'hlloi.  xxvi,  247)  (s.  überbaut).  —  O-Bein 
Silbelbein  (Genu  varuin),  Fassbein,  wegen  der 
rundgebogenen  Beinstelliinir.  —  OtV-r-Bein  (Or. 
\V  VII.  10»;  roler  HB..  371*.  1.     l'  berbein  (s,  d.) 

Ganglion,  Nebenbein.  —  2  da«  obere  Hein 
Oberschenkel  —  OrA*«i-Bein  (mhd.,  «ir.  \\.  V. 
S85;  VII.  UM)  I  Würfel-Hein  lau«  dem  Heine 
des  Ochsen)  Astragalus  iii  X,  VIII,  SM). — 2  das 
Ochsenknie  beim  Pferde  (Genu  valiiutn).  — 
3  Kuhbein  («.  d.)  —  (17.17)  O/ircn-Beinchen 
Gehörknöchelchen  («oi.-iio  .).■»  s.  hwi-lii*  werden 
mtea  Ohrzchmeneil  MnnlellurliK  t- .-irairen ,  Haumler 

üOl),  —  l'fahl-Bein    riaTHeizung  «ie*  os  pufllare 

der  Aral.i«len  fllyril,  K.  \V.  li.in  Keilbein.  —  J'flnck- 
Beill  ßbeiwliunil  de*  piixlllnre  der  Aral.iolen 
Keilbeiu  (Ilyrtl.  K.  w  160).  —  tVartMcM-Bein, 
(ndl.  .|imckeit«  «Mi  roihurriiisi,  einer  der  kurzbeinig 
ist  und  schwerfällig. pinuckelnd  geht  (Sohmell«  I. 
i:tyi!.  —  (1609)  ÄrtcAcn-Beill  ltynl.  K  W  ifioi  Keil- 
bein als  das  starke  Hein  über  dem  Hachen  (MST) 
ober(es)  Kach(en  bein  (Ilyrtl.  K.  W.  16«'  Keil 
bein,  t'lM'rwtznnif  des  <>«  sii|irn|>haryni;etini  der  Ära 
Listen  i Ilyrtl.  1  c).  -  rauhe  Beine  Pedes  pilosi 
behaarte,  narbige  Maut  an  den  l'nterschenkcln 
(s.  Haare  an  den  Zehen)  («ir.  W.  VIII.  264'  — 
A*rA-Bein  eine  dem  Spate  ähnliche  Knochen- 
Anschwellung  an  der  Aussentlaehe  des  Sprung- 
beines (I  linterknie,  Hasenhacke)  beim  Pferde, 
das  dadurch  leicht  riieh,  räch  (s.  d.)  wird,  da 
schalcnarlige  Knochomiblagerunijen  (Osteopby- 
ten)  die  Beweglichkeit  hindern  (Schale  2)  iKalke 

II.  231;  Cr.  W   VIII,  Ht.  2061;  KoMtcr  II,  1009).  — 

Rohen-  {Reiben-,  Heiiren-  Bein,  1  (im>)  die 
Knochen  der  Handwurzel  und  Mittelhand, 
welche  in  einer  Reihe  oder  Ordnung  stehen, 
desgleichen  bei  der  Fusswurzel  (ITyrtl.  K.  W.  39 
129).  —  2  Schambein,  „weil  es  die  Keine 
(  margo,Grenze)zwischen  .Schenkel  und  Haucb, 
den  Leisten-Hug  bildet"  (Ilyrtl.  K.  alu  cr.  \v 
VIII,  SM) ;  grosse  Heihenbeine  Oer  g«'  tfuarfli. 
kleine  U.  -Ossa  tarst  illynl.  K  W.  jdc<  *  JUerh- 
Bein  Siebbein  über  dem  Geruch"  ^an  — 
i.wi;  Rinds  Bein  Kinderknochen.  —  J»oi<;  Bein 
ex  tracapiu  lare,  kreiaf Or  mige  Knoehenablager- 
ungfOsteophyt,  Tophus)  rings  um  die  Krone  des 
Pferdefusses.  von  einem  Seitenrande  zum  an- 
deren gehend  H-'oerster  II,  90.'»  fT  ;  Herbst  17:  'ir  W. 
VIII,  1.21;  99t)  (s.  Kellsch.ile  .  —  (1551)  A'<M/-Bein 
Ossa  metatarsi,  die  am  l'ussriste  (s.  d.i  am 
meisten  hervorragenden  Kussrücken knochen 
(Ilyrtl.  K.  W.  130).  —  Rot  Ar-,  ßoAr-BeJa»  Röhren- 
knochen, namentlich  das  Schienbein  (Back  io; 
<,r  w.  viii.  M26I.  —  /io//Bein  Fussknochen 
Astragalus,  Talus  bei  Schluchltieren;  früher 
zum  Spielen  (s.  Klanbelliein)  benützt  (Kalke  II, 

8* 


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Bein. 


Bein. 


2«).  —  Rutck-,  Ruck-Heia  (8 -9  Jahrb.  hruekl- 
peini,  Cass  Ol.  Diez  96  -  Spina  [dorrt];  12,  Jahrh.  nib- 
beln =  spondylla,  H.  Z.  II,  206;  nickibein,  rockebein. 
rukkipain,  ruhckeben.  ü.  161.  616.  61«;  H.  Z.  XV,  .LS 
—  curva  o*sft,  Huck  16;  engl-  ridge  tion  —  Rückgrat, 
Lehf.  219).  1.  —  Spina  dorsi  das  Kückenbein,  der 
Knochen  des  Rucken wirbeln  ab  kulinarischer 
Gegensatz  mm  Rüekbrat(s  d  .).  — 2  Colutnna 
vortebralis  (Hyrtl.  K.  w.  132) :  das  Rückgrat  als 
ganzes  Gebein  (s.  Gansebein),  das  die  Wirbel- 
säule bildet.  —  8.  =  das  Hockruck  (s.  d.)  beim 
Sehweine  (ßuek,  Flurn.  222).  —   Säbel  -  Beine, 
1.  =  Genu  varum  (rhachit.),  säbelförmig  naeb 
auswärts  gekrümmte  Beine,  O-Füsse,  Hohl 
beine,  Fassbeinigkeit  (BardcUi.cn  IV.  soo  ;  Sclun.  II, 
20..;  Martin  Co)  als  Gegensatz  zum  )(-Bein  oder 
XFuss  (bei  Menscb  u.  Pferd).  —  2  -  Loripes, 
ein  dureb  Kiankheit,  Geburt,  Verwundung, 
Alter  krumm  gewordenes  Bein,  ein  Kennzeichen 
der  alten  Weiber  (Hexen,  Truden)  naeb  dem 
Volksglauben  («r.  W.  V,  2144).  —  (1646)  Sand- 
bUchscn-Heia  -  das  Siebbein,  das  Ähnlichkeit 
mit  einem  Streusand -Siebe  haben  soll  (Hyrtl, 
K.  w.).  —  (1619)  LSVAam-Bein  =  Ob  pubis,  das 
Bein  an  den  Schamteilen  (Gr.  w.  vm,  2U0).  — 
Scheitel-Heia-^  die  den  Scheitel  (s.  d  )  bildenden 
oheraten  Kopfknochen.  —       J)  Sehelmen  Beia, 
1.  =  Gibbus,  Kypbosis,  »las  wie  ein  toter  Kno- 
chen ohne  Loben  am  hockerigen  Rücken  hervor- 
stehende Wirbelhein  (Aasknochen)  «;r.  w.  I). 
—  2.  =(1599,  <Jr.  Vi.  Vm,  2611)  es  ein  Aasknochen, 
ein  Bein  von  einem  toten  Kürper(Aas  Schelm, 
s.  d.y  —  8.  —  faules  Schelmenbein  =  Knochen- 
sequester aus  der  durch  Knochenfrass  (Spon- 
dylarthrokake)  kranken  Wirbelsaule,  wobei  der 
Krankesich  schwer  bückt ;  einer,  der  sich  nicht 
gerne  bücken  mag,  von  dem  sagte  man,  er  bahn 
ein  Schelmenbein  im  Rücken  Tin-hart»  Klohhatz ; 
nrandt"»  KarrcnNchiff).  —   Schenkel-Heia  ~~  Tihia 
(s.  Schinkhein  und  Schenkel)  zwischen  Baeken- 
bein(Femur)und  Rollen bein  (Astrairaliis,  Talus) 
beim  l'ferd»*  -  grosses  Schenkelbein  im  Gegen» 
satze  zum  kleinen  Sch.-B.  =  Sche.nkelbeia>lom 
|s.  d  )  —  stlteppx  bemig  —  scliiefbeinig  (Schmcllcr 
VII,  437).  —  S<heucr-Bein ,  1.  =  udl.  «cheuren  — 
reimen,  spalten  ;(ir.  W.  VIII,  2177) --=  der  skorhiitlseh 
und  sonst  erkrankte,  nekrotisch  gewordene, 
sozusagen    gespaltene  Schiefer  -  Knochen  (s. 
Skor^).  —  2     Scharbock  (Skorbut)überhaupt 
(Color Imcucca -,  afngipcdlnm,  Kraut  B.  41*)  —  (1630) 
schufervjk kiojbein,  Schiefer-Heia  =  Sequester, 

Beinsplll^*n>- Minderer).  —  Schief-Heia,  Sihiwrl 
Bein,  1.  ein  krummes  Bein.  — 2.  =  der  Tritirer 
eines  solchen.  —  Schien-,  Schink-,  Schint-Heia 

(ein  Wort  von  wcatgerm.  Alter,  Kluge*.  431;  ahd.  *cina, 
schlnchuin,  Ii  raff  III,  129;  tlbia  [HhulaV  I.  Schiene); 
mhd,  srhine,  M-hinehcin,  Kluttc  i,  322-  sebinalcs  Stuck 
Knorhen,  Wurzel  «k  i ,  Kluse  Schindler  II,  426  IT  ; 
1120  M'hienltien  ;  1170  schinpayn  =  cru*.  I>.  160:  1472 
schinkhein  -tihia,  Ii  6s 2 ;  16  .Jnhrh.  »chyn-,  scheu-, 
Mhc.nebfin  -  iramba,  I».  267;  sehitipnwm  -  pnplex, 
l>.  443;  Tirol  lehiunehcin,  Hiutners.  20;  Schwaben.  17. 
Jnhrh  sehoenbeln,  Birlinger  I,  207;  franz.  os  de  la 
greve,  Bris»  29;  eiiijl.  »ebinbou  —  tihia,  Lchf.  94)  - 
Tihia,  Canna  major  (Hyrtl,  Auai.  35s)  als  platter 
Kohrenknochen  mit  ausgesprochener  Kante; 


Ü516)  grosses  Schienbein  Femur  (II.  v  r.ersd. 
1696)  der  grössere  Röhrenknochen  der  Unter- 
extremitat.  —  Schink-Heia ,  1  =  Schunkenbein 
(s.  d  ).  —  2  -  Schienbein  (s  d )  —  ScAiV««-Bein 
(isis  schyesFhein,  H.  v.  tiersd.)  =  Ol  parietale  wegen 
der  daran  befindlichen  Sutura  sagittalis  (Pfeil  - 
naht)  (Hyrtl,  K.  W.  141  ff.).  —  Schiff-Hein  (löls 
sehlffbeyu,  H.  v.  Uersd.  IG)  =  Os  navictilare  der 
Handwurzel.  —  Schlät/el-Hein  Übersetzung  des 
Malleol.n*  -  (Hauimerleln)  -  Knöchel,  Bickelbein 
(H,t«1,   K.   w    »43  -   Sehläfe-  j  Bein,HvrU 

(178S)  Schlaf-  J  *mm 
K.  W.  I4i)-()s  temporis,  Schialebein,  weil  man 
beim  Schlafe  seitlich  den  Kopf  so  legt,  dass 
dieses  Bein  auf  dem  Lager  aufliegt  (Löveling  7; 
Bohn«rwhm  I.  37)  (s.  euch  schlafen,  schlaff  und 
Dünnbein).  —  n«32)  nilUagend  Bein,  1.  =  die 
offene  Fontanelle  (s.  Blatt  3),  weil  beim  Neu- 
gebornen  an  der  Stirnfuge  die  Scbitdelknocben 
so  zart,  blattdünn  sind,  ,.dass  man  des  Hirnes 
Bewegungen  wie  die  Sehlageder  Pulsader  fühlt" 
(Rcinmelin  10.  4).  —  2.  -  die  geschlossene  Fonla- 
tanelle.  die  an  derStelle  der  offenen  (1)  ist  (Hyrtl, 
K.  \V.  136.  136).  —  Schleif -Heia  (1420  «leyplH-en  - 
•tta,  dromo,  l>.  191)  —  ein  nachgeschleiftes  Bein, 
wie  es  der  Grossvater  (atta)  in  manchen  Fami- 
lien hat.  —  >■  Ii <>!>,,,,  s  Bein,  1.      ndl.  «lim  becn 
-  schiefes  Bein  (s.  schlimm)  (Kluge*,  3271.  — 
2.  -  ein  krankes  Bein    —  ÄVWo«s-Bein,  1. 
Schambein,   wo   das   äussere  Geburtscbloss 
(Vulva)  liegt,  frana.  oa  bertmm  (von  der  mytho- 
loKisehen  Iterrlita,  mich  der  auch  das  „MutterlcnHlt"  Ber- 
train, llerehtrnni  heist-t,  Hyrtl,  K.W.  137  ;  llallu  Torre.sa*. ; 
Brit-«.;.  —  2.     Hüftbein,  welches  mit  1  und  3 
(dem  Kreuzbein)  den  Beckengflrtel  bildet  ;il.  v. 
(iersdorfl  16.96  ;nyril.  K.W.  27).  —  3.  =  bei  Schlacht- 
tieren Os  sacrum  (Geschlossl),  Kreuzbein;  1,  'J 
und  3  bilden  den  knöchernen  Teil  desGeburts- 
scblosses  (ob  harre).  —  ÄfWo*»cr-Bein  —  das  bei 
Arbeitern  raitstehender  Beschäftigung,  nament- 
lich Schlossern,   Backern  etc.  sich  bildende 
Genu  valgum  =  X-Füssc  Backerbein,  Kuhbein 
(Kantelehen,  (  hirurjr.  IV,  SOO).  —  -SrA/urA-Bein.  f«. 
Kläubelbein.  —  H743)  iSVA/uw/-Bein  =  eine  aus 
der  alten  Medizitiscbulc  »tainmeii<le  ÜbcrMtnag  des 
.   (Kriech  ;  Klei» :  .Sehliisxcl, derfriiher.S-fi>rmitr»fekriiiiinit 
war  =  Clavicula;  da  dasselbe  der  freien  Bewej^- 
liebkeit  des  Armes  zur  Hauptstütze  (s.  Steuer- 
,  Kuder)<lient,soist  seinBruch  eineganz  auffallige 
I  Störung  der  Aehselbewegung ;  volksüblicher  war 
bislang  Achselbein,   Drosselbein,  Gabclbein, 
Halsbein,  Kehlbein,  Kraftbein,  Achselsteig, 
Brustscbliessen,  RrustschlÜNsel  (s.  d.)  (WM,  Medi- 
'  kuH  268).  —  S'rWicnfi-Bein  (»hd.  U.  Jahrh.  slunt- 
lnin  -  nitneii.  os  gntturis,  quo  rilms  devoratur,  It.  /. 
III;  CralTIII,  129)    Os  byotdeuin,  Zungenbein.  — 
I  St  hl  uns- Hein  —  Os  coxae  —  Schlossbein  (s.  d.) 
Kir.  w.  n,  4ic).  —  iSY/ior-Bein  (I4s3  aeocMn  [?J, 
Behnurrerll,  20i,  skorbutiscbeOedem-Anschwell- 
tini;  der  Fitsse,  s.  Skorbut  und  Scheuerbein.  — 
[1783]  ,Sc/tö88-Bein  -  Os  isehii  et  pubis,  die  Kno- 
chen am  Schoss  (s.  d.)  (stein  i,  sj.  —  Schulter- 
Hein  (1411  whiilterpaln.  Zinterle  192;  1470  srbolder- 
p6in  —  aicellu,  !•.  63;  lisj  »ebiillerpayn,  Zeninir.  Voc. 
d.  d.  1;  au«  ihm  wurde  gewei&wgt,  Koehholi  1,  226), 
1  1.  —  Scapula  =  Armprosa  (8.  d.).  —  2.  -  Achsel. 


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Bein. 


Bein. 


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trhunkenBein    Schinkenbein.  Schenkelbein 
(MM)  —  Schur-,  ScAvr-Bein    Scheuerbein  (CoKr 
II.  R.  1.19).  —  (1749)  &7nranr  -  Bein  -  Steissbein 
f  llyril.  K.  W.  IIS;  hiht.  Medikus  293;  Scluiarschm.  I,  1161 

KukukBbein,Zagelbein(s.  d .)  —  g^-^j.  \  Bein 

-  awegilbvinln  iSchmeller  II,  628}  das  zum  Schwe- 
feln, Pfeifen  benfltzteBein.Tibia,  Fibula,  Canna. 
—  6VAwcM-Bein(cheiO  Fleehaenbeinchen,  Lin- 
seubeinchen  (Hyrtl,  K  w  64)  Ossa  sesamoidea, 
<lie  in  manche  Sehnen  eingewebt  Bind,  wie  z.  B. 
das  Gritfelbein  .  Hyrtl,  Auat.  181).  —  serrecht  Bein 
Oh  parietale,  Seilenwaudbein,da83mitlangen 
Nahtzacken  wie  Sagezacken  versehene  Ränder 
hat  (Herrn  Säge)  (Hyrtl,  K  W.  ui),  —  Sessel- 
Bein  -  Fbersetiurur  der  Seil*  tnrcica  am  Keil- 
bein deM  Menschen  (Hyrtl,  K.  ff.  160).  —  Sichel- 
Bein  Zwickelbein,  sichelförmig  oder  dreieckig 
A  r-\  (Kalke  II,  317  —  SitZ-BeÜX  -  Os  iBchii,  qilod 
sedentessustineat  (Hyrtl,  Aiiat.313).  —  im; i  Sohlen- 
Beine  die  die  Fussohlen  bildenden  (  Issa  meta- 
lar.Mi  (Hyrtl,  K.  W.  US).  —  8/mtrM-beinig  -  mit 
spindcldünnen  Beinen  behaftet,  namentlich  mit 
schmalen,  dünnen,  engen  Schienbeinen  (Zipp, 
107».  —  Sporen -Bein,  1  (1616  »porbein,  Hyrtl. 
K.  W.  144  =  „der  aniente  Teil  der  Kii«*c  jreht  wie  «In 
Sporn  hervor,  damit  der  Mansch  nicht  bald  zurück- 
falle",  1677)  -  Tubcrositas  ossis  calcanei,  Calcar 
pedie.  —  2.  da«  Wadenbein,  „die  ältesten  Klscn- 
S|M>ri'ti  hatlcu  die  Korm  eine«  spitzen  Stachels  (llornj 
.ihn«  Haddien;  dieser  Kortn  Uhnoll  du.»  Wadenbein  (». 
Iiorubein)  der  grosseren  Hanstier«,  von  welchen  auch 
das  m«ni>ch)i«he  Wadenbein  diesen  Namen  hal"  (Hyrtl, 
K.  W.  "»).  —  (1677)  Spruni)  Bein,  zwischen  l'nter- 
Bchenkel  und  AHtragalus  geschieht  die  Lauf-  und 
Sprungbewegung  im  Sprunggelenke,  «laber  = 
Astragalus  _  Lauf 4  Hyrtl,  K  W,  116;  das  Sprung- 
bein von  wilden  Ziegen  und  Schufen  war  «In  Spielzeug 
bei  Römern  UDd  Griechen,  Z.d  V.  f.  Volksk.  1*96.8.  1Hi ; 

it>i/.i«r  ism,  s  iS2.i.  -  ii7.9)S/r/n-Bein  -da« (durch 
häutige  Vet  knocherting  starr  werdende)  Steiss- 
b«in,  das  wio  einStärz  (s.d.)  bei  mageren  After- 
ballen  hervorstarrt  (Hyrtl,  K  W.  Cm]  —  (1661! 
SfV</-Bein  -  das  einem  Stege  ahnliche,  dieSchlit- 
fengrube  Überbrückende  Jochbein  (Hyrtl,  K.  W. 
II«)  —  steiniges  Bein -der  sehr  harte  Teil  de« 
Schläfebeins  (Pars  petro«a),nach  demVolksglauben 
unverhrennhar  wie  der  Jtidenknorhen  (».  d.  und  Jini, 
Kalke  II,  339).  —  mlid  Sttiz-Bein  -  ein  Kusu,  der 
auf  einer  Stelze  (s  d  )  geht  (Lexcr  247).  —  (1SI3) 
£>7ruA/;t7t)-Bein  Os  sesamoideum  inferius,  der 
am  hinteren  und  unteren  Teile  des  Kronenbeins 
liegende,  vom  Hufstrahle  bedeckte  Knochen  am 
l'fcrdehufe  (Korster  II,  1009 ;  Mayer  39;  Kalk«  II,  276 
316)  —  S'tVeeJke-Bein  -  der  Tod,  weil  der  Tote 
die  Füsse  zuerst  von  sich  streckt  Zcitsehr.  d  V. 
r.  Volksk.  ls94,  s.  41).  —  iSruA/-Bein  Sessel  bei  n 
(s.d.),  Sella  turcica  (Hyrtl,  K  w.  160).  —  (1497) 
Sturmbuhl  Bein  Os  pectinia  und  das  ganzo 
Darmbein,das  wieeineSturmhaii beeinen  hoben 
und  breiten  Kamm  hat  (Hyrtl,  K  w.  91).  —  Toten- 
Bein  (IMS  todteabaln,  Rc-cbh.  i,  20s-.  ndl.  doodabeea, 
I>e  4'ock  Jü,  -  der  skelettiertc  Knochen  —  Tut- 
ßeisch-Beine,  ndl.  dolt  vleischbyna«  (117'.)  =  Gan- 
graena,  nekrotische  Knochen  (D.  247).  —  TUtten- 
Bein  =-  die  tuten-  (s.d.)  förmigen  Nasenmuschel- 


knocheu  (b.  Tieren)  (Falke  I,  223).  —  r-Bein  - 
Säbel  hei  n  (s  d.)  wegen  der  gebogenen  Form  der 
Füsse  bezw.  Beine.  —  Uber-bein  (mhd  Überbein 
Lcxer  SM;  1699  Überbein,  «Jr.  W,  VI,  720  „ein  Pferd« 
fehler";  1742  Zw.  'JS7  „i.elenkkapsel-AuachwclIiinia-n, 
<;aiiKii«tr'  {Hu«k  19).  1.  -=  entweder  a)  Behr 
hart  gewordene,  schmerzlose,  cystoao  Neu- 
bildungen (Cysten)  oder  Hygrom-Cieschwttlste, 
abgeschnürte  Aussackungen  der  Sehnenschei- 
den mit  synovialem  Inhalte  in  der  Nähe  von 
(ielenkkapseln,  oder  b)  von  Sehnenscheiden, 
Uber  und  auf  denen  die  härtere  Kniescheiben- 
Hache  oder  die  Sesambeine,  Rollbeine.  Sehnen- 
knochelchen  gefühlt  werden  fliurdcleben,  rhinir«. 
II  s.'iU,  8*1;  | V ,  6H9;  Koni«  III,  766;  Hyrtl,  Anatom 
462)  —  2  eigentlich  ein  Bein  über  oder  auf 
dem  Hein,  ein  übriger  Knochen  von  der  Haut 
bedeckt;  daher  eine  spatahnliche  Exostose 
am  Vorder -Schienbein  und  Unterkiefer  dos 
Pferdes  [AMgrd.  81 ;  Col«  H.  it  370),  deren  Namen 
auf  ähnliche  sehr  harte  Gebilde  bei  Menschen 
übertragen  wurde  (Förster  II,  906;  Hauml.  109;  lK-'ld« 
werden  besprochen  Wnttke  327).  —  (1629)  Unter- 
Bein  =  üs  basilare,  Fundamentum  caeterorum 
oHsium  (Hyrtl,  K.  W.  Ul)  (Grundbein).  —  (icoi) 
tr/ircrj»arz-Bein  =  O^s  basilare,  Fundamentun. 
cerebri  (Hyrt,  K  W.  161).  —  mhd  trrbeint  =  verknö- 
chert, verhärtet  (Lexer  318).  —  untrrbeint  =  un- 
verbärtet  [I.exer  303;.  —  rerijnuijte  Beine  die 
Gangart  der  Tabetiker  mit  hüpfendschleu- 
dernder  Bewegung  der  Beine.  —  (1712)  per- 
magertet  Gebein  (Zw.  31)  -  eine  durch  Knochen- 
Maser  (Gallus)  geheilte  Knochenfraktur.  — 
UW(c»)-Bein,  nihd.  wudebein,  l.  —  Sura  (CelsUB), 
das  Waileidleiscb  mit  tlem  Wadenbein  (Lexer363j. 

—  2.  -  Fibula  —  Canna  minor  beim  Menschen 
l Kalke  II,  323;  Hyrtl,  K.  W.  79;  Anat.  369).  —  Wängli- 
Bein-  Fnter-  und  Oberkiefer  In  alten  Voeabu- 
larien;  Hyrtl .  K.  W.  193).  -  Wangen  -  Bein  =  C« 
maxillae.  —  Wecken  -  Bein  Keilbein,  da  die 
Wecken  Keilgestalt  haben  -  MVtVA-Bein,  I«  (1491 

Knorpel,  lir.  W.  \",  2108;  1617  —  wichbeln,  1).  103; 
1616  cartila««,  Hyrtl,  K.  w.  99)  —  Knorpel,  „weil 
alle  Knochen einst(weiche)  Knorpel  waren"oder 
als  relativ  Weicheres  am  sonst  harten  Knochen. 

—  2.  -  (1603)  Os  ilium,  das  Bein  an  der  Weiche 
(beim  Pferde)  [Gr.  W.  II,  781).  —  3.  -  (1743)  Os 
iSCllÜ,  Darmbein  (I.ev«!liiK;  blbl.  Medikus  297).  — 

I.  17SH)  HV«/>fM-Bein  ("bcr*ct/ung  des  osteon  fphe- 
koide«,  os  vespiforiuc  der  Schulbücher  der  alleren  Zeit 
=  Keilbein,  das  die  Gestalt  einer  geflügelten 
Wespe  oder  Fledermaus  hat  (Bcnle,  Anatomie; 
Hyrtl.  K.  W.  160;  Schaarsrhra.  I.  43).  —  ;.*i«Vr-Bein 
(8—9.  Jahrb  uuidar]>atil ,  widarbani,  «raft  I,  636; 
III,  129;  Cm*.  OlOM.  Diez  97)  „ein  sonnt  nicht  vorkom- 
mend *  vvon"  Ii  z  vii  Kibnla,  cftiamel  eala- 
mus)  als  dünneres  tiegenbein  (Wadbein)  gegen 
das  dickere  Schienbein  (s.  Widergelenk).  — 

l i  irbcl -  Bein  (I2  .lahrh  uuerfbein  vertebra,  vor- 
tibulum  ,,<iu<»<l  in  ilexlono  membrorum  vertuntur", 

II.  z.  II,  206.  602,  Wirbel  (s.  d  ).  —  Hrirff/-Bein, 
„ein  Bein  an  dem  Oberfuss"  (Selm  780) ;  als  Dreh- 
Hügel,  um  den  sich  die  Dreh-Muskeln  wie  der 
Spinnfaden  um  die  Wirtel  herumschlingen,  ist 
der  Trochanter  zu  nehmen.  —  X-Beine 

|  X-Beine,  Genu  valgum  =  Bäckerbeine,  Schlos- 


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Beiss(eo) — Beisser 


IwiBeiger— Bell. 


serbeine  (Bardelebeii,  chlronr.  IV,  800;  Kleltipatil.  dm 
Mittelalter  601,1  —  Zagel-Bein  «h>l  zagllpcln  c*u- 
il Istrum,  (iralT  III,  130;  nihil.  zaKelbciii,  l-exer  396; 
162S  ngübeln,  Schmeller  II.  1089),  1.  «  Schwant- 
hein  (s.  d.)  «■  Schwanzstück  der  Metzgerspracbe; 
nicht  blosse, .l'berset/.ung des  caudistrum"  (Hyrtl, 
K.  W.),  sondern  durch  die  Opferanatomie  be- 
kanntes Bein.  —  2  Ob  priapi  (bei  Tieren) 
(Hyrtl,  Anat .}.  —  ZuU-Bein,  die  knöcherne  Sub- 
stanz, die  harte  (irundmasse  des  Zahnes.  — 
(1WD  zerknitschte  Beine  (Hock  io<  ^  gequetschte 
Knochen.  —  IIS!»;  zerspreiastes  Bein,  Knochen- 
aplitter  (II.  t.  Cond.  48).  —  Zwickel-Bein ,  1  - 
die  3eckigen  Siehelbeine  (Ussa  Wortnii),  Schalt- 
knocben  an  der  Hirnschale.  —  2.  Ossieulum 
trianguläre  Paracelsi  (Hyrtl,  k  \v.  173;  Falk.-  n, 
183).  —  (1511)  Zwispalt- Beinlein  Y-Hein,  ilas 
grosse  tweisehenkelige  Zungenhein  (Hyrtl.  K.  w 
174).  —  "Bein- Ausweichung,  -blättern,  -Bruch, 
-Dicke,  -Diech,  -dürr,  -Einfallen,  -Einprcssung, 
-Fass,  -Fäule,  -fest,  -Fleisch,  -Frass.  Fretter, 
-Gestell,  -Gegicht,  -Geschwür,  -Geschwulst.  -Gc- 
wächs,  -Gicht,  -Glieder,  -Grattel,  -Härte,  -Hau», 
-Hax,  -Hüfte,  -Knopf,  -Knorren,  -Korper,  -Kra- 
mer, -Kra  mpf,  -  Krankheit, -Krebs,  -Kr  uck.  •  Krum- 
me, -Kufe,  -lahm,  -Loih,  -Mark,  -Narbe,  -Ort, 
■Pfeife,  -Platte,  -Reft,  -Renke,  -Rippe,  -Rofire, 
-Kohr,  -Saft,  -Sauger,  -Schaden,  -Schmalz, 
-Schrott, -ScJucamm, -Spalt, -Spat. -Spitz.  Sprcis- 
sel, -Sucht, ■  Wachs, -  Wade.  -  Weh,  ■  Weiche,  -  Werk. 
-Wolf,  -  Wurm.  —  Diu  Beinwurf  ahd  |*inwunc 
Senecio  vulgaris,  Jessen  374)  nolltc  gegen  (rlmelil- 

tinche)  Knocb«aiohvkcl>ebeim  „AlUnann"  (i.d.)  helfen. 

Beiss(en),  m  .  f.  (Biss)  (ah.i.  i.ir;  miui  t.iz,  Kluge 
35),  1.  =  Kratze  und  jeder  juckende,  beissende 
Ausschlag,  namentlich  Kczema.  —  2  1119,  1129 
pla  =  morphaca,  D.  36a,  Schindler  I,  291}  .Misel- 
sucht (b.  d  ).  —  Gfbiss  s  Biss  —  AWs-Beiss 
(1483  klmlpeti,  r.  v.  Meg  .  Schindler  l,  291  1261 1 

Liluse.   —    Wt  -Beiss    12    .talirti  wurmbaizi', 

Schweiler  I,  28s,  m,  moi  -  Schlangenbiss;  (vcrgl. 
beissen) 

beissen,  Beisser,  m  im  ««kr.  Wurzel  i.hi.i 

»palten,  «erbrochen ;  urverman.  bilau,  stechen,  spalten 
..beissen  ;  uliil  hizzun;  mtnl  bitten;  lieissen,  stechen, 
schart"  sein,  wie  das  (heissende)  Schwelt,  „auch 
auf  den  Cieschmack  bezogen  und  in  dieser 
Richtung  in  seiner  heutigen  Bedeutung  spe- 
zialisiert" (Kluge  4,  25.  32),  also  1.  sa  beissend 
schmecken  (vergl.  Bizzel)  —  2.  beissend 
schnu-rzen;  ins  (iras  beissen  -  eigentlich  im 
Kampfe  fallen  und  dabei  Band,  Knie  oder  t;ra»  mit 
•  lein  Mumie  erfassen,  um  den  Schmer*  im  verheissen 
(s.  d.)  -  Sterben,  Verscheiden  -<  lion  bei  Homer  vor 
kommentier  Ausdruck,  Schräder  ""•■>'; ;  ins  Hein  ge- 
bissen s.  Bein  U.  —  3  -  beissend  jucken  >linck 
17.  19;. —  Beisser,  Dl.  1.  der  beissemle,  essemle 
Zahn  o.  Schneidezahn  (Dens  incisivus)  (Ur.  W.  1, 
IMS;  S  v  II  I,  2*7;  II.  2usi.  —  2.  -einer  der  beisst; 
(conf    bizarr«  ric,  «irillcnhaftiirkclt;  «tt  bizxar ').  — 

Beisserlein,  Beisserchen  (mW  MterkeiM,  bytkei» 

dieklciucn  Zahuhackchcn  der  Kinder,  <.iold«cbin.  I.V. , 
D.  173)  der  ausbrechende  kleine  Schneide/ahn 
(Beisser,  8.  O.)  bei  Kindern  (liackerlein,  I  lackei  - 
chen, 8.  d.)  (Gr.  W.  1,  1408). 


beisaiger  (bissig,  beissechtig)    m-rdax  (im., 

Voe  y  5;  4.T.  W.  I,  1.199)     krälzig  iSchw.  361 ;  Schwei«), 

s,  beissen  3.  —  (15h7,i  Beissung  Prurigo  —  das 
(iefühl  als  ob  auf  der  Haut  etwas  beisse  V  469). 

—  ./IdYr-Beisser  i'ferde,  welche  eich  in  die 
Haut  an  einer  Hatitaderstelle  beissen  (Zipp.  153). 

—  (1742)  A rech  -  Baissen  (Zw.  157)  =  Pruritus 
ani  (beissen  3).  -  [1743]  Augen  -  Beissen 
(Zw.  188)  Pruritus  oculorum  (s  beissen  3  u. 
Augenbiss)  —  /farrrw-Beisser  s.  Krippen- 
beisaer.  —  (1645  Krippen  Beisser  Pferd,  das 
beim  Satteln  oder  beim  Dampf  auf  den  Band 
der  Krippe  oder  des  Barren  seine  Zähne  auf- 
setzt (t'oler,  II.  Ii   362;  Falke  II,  45..   —  Magen- 

Bisset^  !  (n'"'  "m,:0-,,il!a,,0•  ,ira(T  ni>  211  • 

mturipi/.'i<la.  ma^a  plzadn),  1.  -  Magengescliwtii  mit 
.Magenschmerzen  (Torsiones,  Dolores)  wie  durch 
einen  beissenden  Wurm  (s  d.;  beissen  2).  — 
2.  -  Syncope  (des  Herzens)  Cardialgia,  Ver- 
wechselung des  Organe«,  «las  den  Schmerz  in 
der  Cardia  auslost  (s  .Magen -Schwär,  Magen- 
wurm, Herzwurm)  il>  5t6).  —  Mann  -  Beisser 
(Mo«*  ahd.  muui>lzi!o  ambro,  I».  29.  Sehtuellcr  I,  291) ; 
l.eutefresser  (s.  d};  Beissbeiss,  Kindergesperist 
(Dämon).  Namentlich  Würmer,  Manne,  Molche  (Olm) 
und  Kröten,  Kldech»cii  und  Wie*.  1  sollen  nach  «lern 
VollUKlaubcn  U-iile  und  Tiere  (wie  Spinnen  «der 
Schlangen1  lieissen  iheeken)  und  dndureh  (lyni)dian- 
goltische)  Krankheit»i>r<>isc«^e  vertii>aelieii  icmit.  Kin- 
demiehl  und  Schmeller  I,  290,1;  auch  die  iil«  eine  Kroic 

(s  d.)  iiu  l^ibe  mno—tai  Mmauw  ,.i>ci*«t" 

Männer  und  Krauen  (Schmeller  I,  289  ff  ;  vcrcl  »eltr. 
r  \i.th  ,  Eth.  u.  l  rB.  llayerns,  1894,  I.  II.  B.  60).  — 
ulici  -beissen  die  Krankheit  ohne  Klagen,  ohne 
Hilfe  und  ohne  Arzt  ertragen  und  so  über  die 
Schmerzen  (beissen  2)  hinwegkommen ;  s.  ins 
Oras  beissen.  —  VerbetiiSitugen ,  alte  Verbaht- 
tniBe  (Uuek  lsi  alte,  schmerzhafte  Schäden  an 
Sehnen  und  Knochen,  tielenken  und  Muskeln, 
empfindliche  Verwuehstinger.  —  H 'iirm-beissig 
(12.  Jahrh.  mrmpeixijrin     earloaa,  EL  z  xvi,  43, 

vurimpiiiKero  —  (sariOMI,  H.  Z.  XVI,  72,  liraff  I.  1044 ; 
III.  131,  vom  Wurm  zerfrcs«en  |earl>'i  ;  mhd  «urm- 
hiilc,  bexer  395)  mit  dem  Wurm  (s.  d  )  behaftet 
(Hautwurm  o.  Kot/.-,  Bauchwurun,  Knocbenwurm 
etc.)  (Kalke  n,  tu  -  ;isi2)  ir»o»ifr-Beissen 
Wnrmkolik  (Fällte  u.  443).  —  Beiss-,  beissel-, 
beissender  (beissende),  -Uhu,  -Grind,  -  Krätze, 
-Räude,    Schärfen,  -Schwämme,  -sierig,  -Sucht, 

—  H'urm,  -Zahn 

Beize,  f.  *u  1m>Km  11  .>  .|    ,  die  beissend  (hlssttr) 

Bchmeckcndc  oder  utzcmie  Kliissiitkcit.  Beizen,  n 
Scheidenvorfall  (Schweiz;  Kalkl,  112.,  bei  Pferde- 
stUten,  woliei  beizendes  Scheidensekret  ab- 
gesondert wird  und  die  Scheidenschleitn- 
liaut  wie  angeät/.t,  wie  abgerindet  erscheint 
(s.  Birchen). 

Bell  (Ball),  n».,  f.  (zu  Bali  k  .1  ;  ntnd.  Mio  1 
Hinterbacke,  lloSm  I,  359    —  Bell,  m.  [OlterpfalaJ 
Bellfuss  (s,  d  l  oder  Fussbelle  Schmeller  l.  229 

—  Bell,  f  1     Achterbellen,  Arschhelle.  -2. 
«ler  Zustand  der  Hallenbildung  —  A chter  Bellen 
(ndd.  airterbitlen,  O.  37ii;  Hyrtl,  K  W,  19V]  After- 
bell, Natat.  — (14S3)  ^/  ((  ,  Bell(hdtscb.;  C.v  Megen- 


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bellen  -Berzel. 

berg)  -  Arschballen,  Hinterbacken  (vergl.  Bille, 
Hillen),  Nates  globosae  (Hyrtl,  k.  W.  9).  —  After- 
bcll '•'<'!  —  Artch-Beüe  (ahd.  an»belll;  1470  arsch- 
Helle  =  piga  nates,  U  376.  4Xi;  <ir.  W.  I,  öfiö;  «irafT  III, 
M;  Bnek,  Flurnamen  li)  —  Chinin,  Natts.  —  Fuxs- 
Belle  -  eine  in  Taubheit  und  Unemplindliehkeit 
»ich  zeigende  BeBimildigung  des  Funsen,  durch 
falschen  oder  raschen  Tritt  oder  durch  prellen- 
den, Ballen  erzeugenden  Anatom  veranlasst 
s  Bellfuss  (s.  d.)  (Or.  \\.  IV,  l.  ioiij.  —  der-,  er-, 
über-,  W-beU6H,  mhil.  verleiten,  beschailigen, 
da«  eine  «iefohwulst.  ein  Hallo»  entsteht  (I.excr  :»15>; 
(1645)  erUllen  (Coler,  11.  M.  240;  —  intorquere,  durch 
Verstauchung  oder  Erfrierung  den  Ballen  der 
Hand  Wierdes  Kusses,  den  Zehen-Nagel,  Pfor«le- 
ballen  beschädigen,  verdrehen;  sich  vergreifen, 
vertreten,  auch  vor  Frost  und  Schrecken  starr 
sein,  taub  sein  im  Ballen  oder  am  Fingernagel  ! 
(niemals istoine  aussereWundodabei,  8.  Narren- 
nagel) (Mayer  117,  Ur.  W.  III,  TIA,  Pauli  140;  C.  v  Sehnt. 
b&;  Selm.  57;  Schmeller  1.  22* ;  Coler,  PI.  :»9;  Uder,  II. 

340)  —  Xu/m-BeUerchen  s.  Biller.  -  Ball- (Ball-, 
Bell  ) Fuss,  -Muskel,  -Rose. 

bellen  (belfern)  (we*tgenn  bell;  angin,  bellan, 
Kluge*.  St;  ahd  bollau ;  uihd.  Hellen  =  schreien) ;  «ler 
Magen  bellt  =  Hunger  )<»r  w.  VI,  143»]  1'ortomM 

•(Iii  crie  la  falm  (Brlss,  178)  =  der  Fuchs  bellt  (Ost- 
preonen).  der  Magen  gibt  aus  Hunger  einen  Ton 
von  sich  ;  (p.  auch  ballen).  —  (15*7)  belfern 
balbutire,  polternd,  bellend  sprechen  {H.  7<;; 
Kluge  *,  161. 

beizen  (pelzen)   (ahd   bclzön;  mini,  beizen 
ptrnpten,  Kluge  \  :;6)  —  (17211  fl/fl/iVr-belzen  mit 

dem  Eiter  aus  aufgestochenen  Kindel  -blättern 
den  Blatternstotr  «um  Schutze  vor  schwerer 
Blatternkrankheit  einpfropfen  (in« »ciliare)  (K  «  Ii. 
191;  L.  eh  43;  Scbnurrer  II.  2611 

Bengel,  m.  nur  germ.  Wurzel  bang,  nasaliert  au« 
Mg     schlagen  (Kluge*,  »).  —  Herr -Bengel 
llerxbttndel  (s.  d.)  (Anürexen  89).  —  <1«MJ  Kog- 
Bengel  —  Aasprügel  (s.  Kog)     Penis  («»r  W.  V. 

1577 

Berg,  Hl.    Hrthe,  Erhabenheit.  —  //ami'-Berg 

11591 1  der  berg  in  «kr  Imn.l  ^  die  Erhöhung  der  Innen- 
band  vor  dem  Ansalze  «ler  Finger,  Metacarpus 
IIa.!  Jnn.  an;  Kchlndlcr  214)  s.  Uauf-Berir.  —  Fuss- 
Berg,  berke  =  <lnr»nm  peilt»  (Hyrtl,  K  W.  t*7:  der 
erhabene  Fussrücken.  —  (1540)  Grtu/-Berg  'ler 
Berg  in  der  Hoblhand,  die  Fleischhftgelein, 
welche  den  ersten  Fingorgliedern  in  «ler  Hohl- 
haml  vorangehen  (Hyrtl,  K.  W,  M).  —  Schani' 
Berg  -  Mona  Veneris  (siebold  ;ti).  —  ii74si  1'oiu.s- 
Berg  Scham-Berg  («ir.  W.  IV.  1  MW;  K  a.  55) 
(s  auch  Hügel  und  Venus);  Irnnz  Ic  pciill,  la  enu- 
r..nn<-  «le  la  nalure  (BrM,  70).  —  Berg-  Asthma,  -fertig, 
•Krampf,  Krankheit,  Kropf,  Männlein,  -Sucht, 
■  Weh 

St.  Bernhard.  —  St.  Bernhard/Vticr. 

Berpel  (Bärpel.  Pörpel)    PoYpal  (s.  Purpel). 

bersten,  Berstung.  -  .4  uo*,v>w -Beratung  ;i  i?'- 
dc»  apotteemi  bwtrtynge  -  «yrex,  D.  63»)  —  Absccss- 
Aufbruch,  Vomiea. 

Berzel,  m.  =  Bürzel,  Börzel  (s.  d  ). 


Best— beuchen.  89 
Best,  n.  =  Pest. 

Bestie,  f.  -  latein.  bestia,  «las  wilde  Tier,  1.  = 
Pestilenz  niuar.  SM).  —  2.     Gicht  oder  Vergicht 

d>e  cock  ni2)  (s.  Tier). 

Bett(Bettlein),(Beet), n.  (ursprünglich iu<iogemi. 

bhedh  -  eine  ausgegrabene  Stelle,  Krdw..hnung;  ge- 
melngerm.  badja  =  Lagerntelle,  in  «He  Knie  eingewühlt, 
Hell,  leetut»,  KHige4.  :is  und  das  Liegen  im  Bette;  ndl. 
bedde  das  Nestlagcr  «»der  die  Nachgeburt  der  Tiere, 
DeLOck  62  =  Hct  de  l'enlanl.  leyt,  llct,  Mm.  329).  — 

Khidl  |  Bett*  n  '  f'  (Bl"1'  chlu,feUl  <:nUT  lu<  W; 
mhd    ktBdbette,  <ir  W.  V,  727;  15.  Jnhrh. ;  141«  kind- 
pett;  1420  kindelbette,  klnderbeyt  -  Puerperium.  1).  471 ; 
1429  klndelpett.  das  kltnllbette,  Ilnffmann  I,  378;  Ulr- 
llnger  II,  60,  Ur.  W.  V.  729),  1.  ■  daB  HocAcn-Bett 
der  Wöchnerin,  die  einem  Kinde  bereits  das 
Leben  geschenkt  hat  =  Puerperium  (Or.  W.  V, 
737  .  739)  =  (in  Bayern,  öslerrcieh,  Schweiz)  die  Kind- 
bett, auch  „Königreich"  (Schneller  I,  1201 ;  z  4  von 
unten  u  i25s;  a.  v  II.  □,  12»2).  —  2.  =  Niederkunft 
vor  <lem  Wochenbette  s.  Not  (aeeouchement) 
((ir.  W.  V,  727) ;  die  Kreisslntt  dagegen  ist  die  eigent- 
liche Statte  des  Kreissens  (vergl.  Krelssbett).  —  BöSCS 
Kind-Bett    Abortus  (Ur.  W  V.  7«>).  —  Unzeitiges 
A'i«ff-Bett  =  die  nicht  rechtzeitige  Entbindung 
»  Abortus,  Frühgeburt  («ir.  W.  V,  727'.  —  Die 
A      Retterin  (I4.  Jahrh.  klndbetteria ;    16.  Jahrh 
chindelpetlerln ;  14*2  klntpctterln,  Or.  W.  V,  728.  730) 
Wöchnerin ,  j»uerpera  iZening.  Voc.  «(4).  — 
Är«mw-Bett,  BdL  kraambed  (De  Cock  09)  -  das 
Wochenbett,  in  dem  die  Wöchnerin  (=  Kramm- 
frati,  s.  d.)  liegt  —  [1678]  »las  Kreist-  (Krist-  iBett 
it;r.  \V  V,  Jißl      Kindbett  (s.  d  ),  in  welchem  die 
Gebärende  kreistet,  s.  d.  (d.  h.  den  Kri-Laut 
ausstosst)  stöhnt,  jammert  (dazu :  Krisch-Merge 
ti  Krischona).  —  (1517)  Z,ot«rrr-Bett  -  das  Kran- 
kenbett für  die  lotterigen  (infolge  von  Fieber 
schlotternden)  Leute  (s  Lo«Ier),  oltnterlom  [D,  127). 
—  iUul'i'cT-BettiUr.  w  Vl.2*i:i:  =  Kindbett  (s.  d.). 
in  dem  die  Frau  zur  Mutter  wird.  —  Nagel-Bett 
a  „die  papillenreiche  Haut,  mit  der  die  untere 
Flache  des  Nagels  in  innigem  Contakt  steht; 
•  ler  hinterste  Bezirk  des  Nagelbettes  bildet  zu- 
gleich die  untere  Wand  des  Nagelfalzes"  (Hyrtl, 
Annt.  522;  Unna  iu  /.  Hdb.  d.  *p.  Path.  u.  Thcrai>.  XIV, 
1.  47).  —  Ruh -Bettlein  ( IfiOl  ruhbettllti,  Hyrtl.  K.  W. 
i;r2.  304) ,  anah»g  zu  dein  udl.  bedde  (n.  o.)  -  die 
Placenia  mit  den  Eihäuten  «les  Kindes,  dem 
das  schwammige,  weiche  Wesen  des  Mutter- 
kuchens gewissermassen  cum  Ruhebett  dienen 
sollte  (Pare)  —  Siech  -Bett  itnhd  sieoht^lte  - 
Krankenlager,  l  '-x.  r  237 1    Lager  in  der  Krankheit, 
Krankheit.  —  HVArn-Bett    Kindbett  (s  oben); 
mit  dem  Wochenbett  fertig  sein     die  U  Wochen 
(«les  Purperium)  nach  der  Niederkunft  hinter 
sich  haben  «ir.w  v.727 :.     Bett- Bruazer,  -harnen, 
-Kindlein,  -nässen,  -rtsig.  {-rissig,  -ristig),  »ihr, 
■Scirhcr,  -siech,  -Xnirle. 

Bettacher  (Petacher)  pottacha  (s.  d.)  - 
toter  Leib  1  Helling  «ll.i. 

Bettel,  m  Bettel- Krankheit,  -Mann. 
beuchen  b.  Bauch. 


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40  Beuderling— Beule. 

Beuderling,  m.  a.  Baude. 

Beuge,  f.  ~  die  Biegung  (s.  Biege),  Bogen,  die 
sich  beugen« ki  Stelle.  —  ,-lrm-Beuge  -  Kllen- 
heugn  de»  Vorder-  und  Oberarmes.  —  Ellen- 
Beuge  -Ellenbogen  (9.  d.).  —  [1608]  Knit  -Beuge 

-  Kniekehle.  Poplea,  SutTrago  (Gr.  W.  V.  1426). 

-  Schenkel -Beuge  -  Leistengegend,  wo  der 
Obersehenkel  sich  zum  I^eibe  beugt. 

Beule,  f.  (zur  germ.  Wurzel  puh  a  schwellen,  <!r.  Vf. 
VII,  l«H;  Roth,  büljö  Anschwellung;  rJuL  büllea, 
bulla,  pula  [  -  Sehlagheule],  [>nillu  stnimac,  tumores, 
IT.  Z.  XVI,  31;  pinlu  [papclahnllche  Beult?] ,  plullä 
Kluge*  28;  pnllla,  0 raff  III,  96.  97;  bullla  =  papula, 
puatula,  H.  Z.  XV,  344.  345 ;  bnullun,  bulun,  bullon  = 
ttrOBUM,  Papulae,  L  cod.  XV,  364.  628;  XVI,  8»; 
[11.  Jahrh.)  pulle  s  pustula,  II  Z.  III,  I Tager  Hdsch.; 
angls.  byle  —  Heule,  Kluge1.  3S;  mhd.  biule,  bull,  byle 

-  Pestbeule,  (Jr  W.  I,  1715;  Fehw.  63;  ndl.  bull  = 
Beule;  udd.  pue,  buhle,  bulle,  buulle,  (ioldschm.  3'J.  89; 
[14.  Jahrb.)  engl,  blies  -  Pestbeulen  ,  Heeker  b.  T.  7.  10; 
1349  paeul,  baeul  [bayer.  Landlr.J;  1350  bullen  = 
Knoten,  Knollen,  Pr.  I,  363;  [16.  Jahrh.)   bül,  peul 

Pestbeule,  <lr.  W.  VII,  1877;  Heyne  I,  110;  peul 
rulgo  drusz,  glaneuliurn,  durities  inter  earnem  et 
entern,  tumor  In  collo,  Heine  1.  c. ,  hole,  bule  ~ 
llvor  [-  Pestbeule);  1482  peulo  —  epldemla  Pest; 
1195  bule  -  glandula  [Drüsenbeule];  1515  beil  glans 
[  Drüse  nltculcl;  bucl  --  paradtota  [  =  Parotitis),  I>.  204. 
264.  334.  411;  1624  beule  ^- gumma  syphiliticum,  Pr.  II, 
369;  1576  die  beul,  im  latein  imiuinarin,  peslilentz 
Ist  ein  andres«  gewesen  wie  wol  maus  lezt  für  ein  Ding 
nlmpt ,  Aventin;  Schnurrcr  I,  Di."!;  In  Schweiler  Segen- 
spruchen,  buel  Z.  f.  D.  Myth.  IV,  117;  engl,  blle; 
auch  boil  (Jeschwiir,  «ieschwulst,  Heule,  Schwarc, 
Kluge'*,  :ts,  Lehfeldi  145).  —  Beule,  eigentliche 
Bedeutung:  etwas  Kundliches  (Gebogenes?), 
durch  .Schlug  oder  Stögs,  weiterhin  durch 
Schwerting  rundlich  Angeschwollenes  am 
menschlichen  oder  tierischen  Korper,  daher: 

(nach  (irimm,  Wörterbuch  I,  174«)  1.  —  Anschwellung 
(im  Leibe  und  am  Leibe;  Überhaupt  -  Tuber, 
Tumor,  Struma,  Gamma,  Tophus,  Exostosis, 
Geschwulst,  Beutzel  (s.  Delle).  —  2.  diese  An- 
schwellung, auch  wenn  sie  entzündet  ist  ^Phleg- 
mone, Funinculus)  (Bohrend  61,  Zw.  119).  —  3.  — 
die  BlutQuss  machende  Wunde  (vergl.  Beelen« 
schlag)  namentlich  auf  dem  Kopfe.  —  4.  =  eine 
von  Innen  heraus  „aus  bösartiger  Stockung  der 
Säfte  entstandene"  Geschwulst,  hauptsächlich 
die  (syphilit.)  Drttsenbeule(Bubo)  und  Pest  beule 
(s.  d.);  letztere  namentlich  (16.  Jahrb.)  in  Verwünsch- 
ungsformeln  (Gr.  W.  I,  17-16;;  auch  „der  Beulen"  (wie 
ein  WurrndänionJ.  Der  Anhauch  der  Elben  (s.  Alp  IV) 
veranlasst  Beulen  (Seheiblc  III,  163;.  —  5.  =  die 
Schwangerschafts  -  Anschwellung:  „mit  der 
Beule  gegangen"  [Gr.  w.  i,  i7ie>.  —  6.  -  Hocker 
am  Kucken.  Gl  bims,  Buckel.  -  (16  Jahrh.)  beulend 
=  eine  Beule  machend,  bis  zur  Blutbeule  wund- 
geschlagen (Bock  89;  Z.  L  d.  l'hllol.  XXVI,  33).  — 
beulicht  U551  t>ulecht,  bylecht  strumoMis,  D.  517)  - 
heulenartig.  —  .4<-/«s<7-Beulen-  Hubo  sub  axillis 
(Zw.  120).  —  Alfpjio-Heule,  1.  -  Pestbeule,  s.  Pest 
iBehreud 62). —  2.  =bouton(Med.  chlr.  Rundsch.,  1875, 
s.  321),  s.  Aleppo-Knoten.  —  Asm  /-Beulen  -  Das- 
selbeulen.  —  (««/'-beulen  (goth.  ulbauljan,  Klu6es,38J 


Beule. 

^aufblasen,  aufblähen,  anschwellen.  —  (i.r.7r.j 
aufgeblasene  Beule  [r,r.  w.  VII,  199«)  angeschwol- 
lene Druse.  —  /Hiir-Beule,  1  eineaus  ausgetre- 
tenem Blute  entstandene  traumut.  (ieschwulst, 
Contusions -Geschwulst,  SutFusio  sanguinis, 
L'echymoinata  (Schwimmer;  Zlutnssen,  Hill»,  d.  sp. 
Path.  u.  Therap.  XIV,  1.  321),  Haematom  (Samuel 26  u. 
lieglst.).  —  2.  =  diese  Geschwulst,  wenn  eie  ent- 
zündet ist,  Abscessua  eanguineus  («ir.  w.  II,  175). 

—  3.  =  der  Furunkel,  Blutschwiir,  weil  als  Abla- 
gerung aus  d.  Blute  («.  Blutwurm)  angenommen 
(Behrend  61).  —  4.  —  Kotzbeule  b.  Ilaulwurm  oder 
Blutwurm  3.  beim  Pferde  (It.  A.  on)  —  (ms) 
bösartige  "Beulen  ~  die  durch  Ini'cetion  entstan- 
denen  Pestbeulen,  Venusheulen  (K.  eh.  140).  — 
/iossf/  Benle  -=  Dasselbeule,  infolge  der  Biea- 

HiegenStiche  (bnsca     Fliege.  Made,  Kalkei,  295.  398) ; 

^'isxuu^vescor).  —  Brand-Beule,  L  =  eine  Beule 
mit  GewebBbrand  (Nekrose),  Karbunkel. — 2. 
Milzbrandbeule  —  Kropfbrandbeule  (am  Hals). 

—  3.  -  Mauck beule,  tlie  in  Brand  übergeht 
(Abiig.  69;  Kalke  I,  148;  II,  4fij.  —  Brust  -  Beule, 

1.  =  der  Milzbrand-Karbunkel  an  der  Brust.  — 

2.  =  Bruatgeschwulat  überhaupt  an  der  Bauch- 
seite o.  Vorderbrust  des  Pferdes  o.  K lauen  viehs; 
Iran/.,  antic<eur,  avantcu-ur  (Kalke  1,  169;  Abiig.  73; 
Zippcrl.  408).  —  Dasiid- Beulen  =  die  durch  die 
Larven  der  Dassel- Fliege  oder  Kinder-Biestliege 
(Hypoderma  bovis,  Oestrus  hominis),  sog.Enger- 
lingo  oder  Dassel,  d.  h.  durch  deren  Einbohren 
in  das  L'nterhautzellgewebo  der  im  Freien  sich 
aufhaltenden  Rinder  erzeugten  Hautunschwell- 
ungen  (Braune,  tier.  Parasit.  8.  296;  Falke  II,  219). 

—  Drüse  n  -  Beule  -  eine  Anschwellung  «'der 
Verhül  lung  einer  Drüse  (A.  v.  H.  D,  126;  <;r.  W.  Et, 
1162)  =  Bubo,  Lymphom  etc.  —  ZfttVr-Beule  = 
eine  Anschwellung  mit  eitrigem  Inhalte  (<;r.  \\. 
III,  392;  Muller,  Krtrbch.  193.1,  Tumor  purulentus. 

—  (I8:is)  Feig-  Beule  =  Dassel  beule,  die  man 
mit  dem  Feig  (s.  d.)  verglich  (Merk  225).  —  (1788) 
Fieber  Beulen  -  unter  hochgradigem  Fiebersich 
entwickelnde  (Pest)-Bculen,  Drüsenanschwell- 
ungen (Essich  353).  —  (1832)  ///««/-Beule  die  er- 
habenen  Quaddeln,  die  w  ie  (lache  Beulen  beim 
> esselausschlage  erscheinen,  um  bald  wietler 
zu  verschwinden  wie  das  Flugfeuer  (s.  d.),  Sora, 
Ksscra,  Urticaria,  K«>sa  «n'tuns  (Krnus,  E.  959. 
1079).  —  (1712.1  ^V«t«zoÄCM-Beulen^  Bnbonea  ve- 
nerei (Zw  120),  s.  Franzosen.  —  (1790)  Frost- 
Beulen,  (-Beulchen)  darcli  Froetkälte  ent- 
standene Beulen  an  den  Kingern  oder  Zehen 
(Perniones),  Winterbeulen ,  la  muh»  ;Kiiht<-r  I, 
190!  Pauli  119;  <ir.  \V.  IV,  L  2.".7.  Z.  Hdb.  d.  sp.  Path. 
u.  Ther.  XIV,  Stsj.  —  Gfl/an/mc-Beulen  Gondy- 
lomata  (Bubones?),  infolge  der  galanten  Krank- 
heit (s.  d.)  entstanden  (A.  v  II.  II,  12H5).  —  Gaumen- 
Beule,  engl,  gum  boil  (Lehl.  180J  _  PatullS,  Zahn« 
«.■eschwär-Beule  am  Gaumenbein.  —  (1839)  Ge- 
nick-Beule —  Maulwurfgescb wuNt,  Talpa,  eine 
zwischen  und  hinter  den  Ohren  des  Pferdes, 
im  Nacken  sitzende  Schleiuibeutel-Ansehwell- 
ung  (Merk  75;  Förster  II,  1026).  —  Giftige  Beule 
b  Milzbrand-Karbunkel.  —  /7<«<VBeulen,  1.  = 
Pestbeulen  hinter  dem  Ohre.  —  2.  —  eine  Balg- 
geschwulst am  Widerriste  des  Zugochsen  (Martin 
92).  —  Jitft-  Beulen  =  cropula  -  Bcrofula  (yuctle 


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Beule. 


Beule — Beutel. 


41 


nicht  notiert),  vermutlich  au»  mhil.  Zeit  noch  nicht 
entzündete,  nicht  eiterweiche  Skrofeldrüsen. 

—  (1795)  HHsse  Beulen  (h.  Pferd)- entzündete, 
schmerzende,  in  Eiterung  übergegangene  Ge- 
schwulstbildungen,  die  aus  der  Bluthitzc  ab- 
geleitet wurden  (cainboulc,  callda  bulla,  AbilR.  67; 
Mayer  16»;  Kalke  I,  226).  —  //(7z-Beulen  heimse 
Beulen.  Urticaria.  Sudamina  (equorum),  Ek- 
zema i'Fiilkr  t.  too),  Hitzblattern,  Pferdeblattern 

—  i/o» i;/- Beulen  ■  1.171  honlck|.euIeu,  Hr.  W.  IV,  2. 
17S?)  Honiggeschwulst,  eine  Geschwulst  mit 
honigartigem  Inhalte  (Mehrerin).  —  (I6ir.;i  Horn- 
Beulen  ( Tabernaemont.)  =  hornharte  Knoten 
auf  der  menschlichen  Stirne  :<ir.  W.  IV,  2.  lMfi). 

—  Huren- Beulen  syphilitische  Buhonen  (Zw. 
487).  —  A  //A-Beulen  (1666  kiUch  heule.  <;r.  w,  v,  6.1) 

—  Gichtknoten,  die  harnsauren  Kalk  enthalten. 

—  H795)  kalte  Beulen  nicht  schmerzende, 
flüssigen  Kiter  enthaltende  Geschwulstbild- 
ungen  im  Gegensatz  zu  den  heissen  Beulen 
Ai.ihr.  67(  —  Katzen  -  Beulen  -  Furunkel,  s. 
Katzen  -  Veit  (Kr^ucll  Iii,  1892,  s.  58).  —  (ic#;m 
klotzen*  Beulen  -  Brustdrflsenknollen  (Bcyn.  14:!!. 

—  Knü  -Beule  =  eine  Flüssigkeit  enthaltende 
Schleimbeutel -GeNchwulst  am  Knie,  sogen. 
Knie-  oder  Gliedschwamm  (bei  Pferd  und  Kind) 
iK..r«t.»r  11,  MM;  Zipperten;  Kalke  II,  19).  —  Kohlen- 
Beule  -  ClKünetiutiK  voncarhuneulu«',  carbo  =-  Kohle 
(s.  d.).  —  (1757)  krebsichte  Beulen  von  Krebs- 
geschwulst aufgetriebene  Beulen  (Baumler  435). 

—  H588)  kröpfige,  (1795)  Kr  opf -Beulen  -  kropf- 
artige Drüsenbeulen,  Kotzdrüsen  am  Hals 
(Lymphome)  (Gr.  w.  v,  2102).  —  Kropfbrand- 
Beulen  Milzbrand  -  Karbunkel  am  Halse, 
Kankorn  bei  Schweinen  (Bardcleben  I,  300).  — 
I. <thin  -  Beulen  (1578  lembeullen,  Pr.  II,  12«)  = 
sypliilitische  Knochenauftreihnngen  (s.  Lähme). 

—  Leisten  -  Beule  -  Bubo,  Drüsen-Geschwulst 
in  der  I^eistengegend,  namentlich  Pest-  und 
Syphilisheulen.  —  Lenden-Beulen  -  Pestbeulen 
in  der  Leisten-  oder  Lendengegend,  die  als 
siebere  Anzeichen  des  schnellen  Pesttodes  galten 
(8.  gaher  Tod  2)  (1.176  anKutnahTia,  schwarzer  Tod, 

Hecker.  «h.  t.  s).  —  ^j^.  }  Beulen  =  a)  Buhn 

venereus,  h)  Gumma  syphilit.  (A.  v.  H.  Ii,  12s. 
705;  Pr.  Ii,  139),  bei  der  Lustseuche  (s.  d.  u.  Syphilis) 
eintretende  Beulenbildungou.  —  (1790;  Mauck- 
Beule  ■  eine  Beule  an  iler  Pferdekote,  wo  ge- 
wöhnlich die  Mauck  (s.  d.)  siUt  (Abu*.  69).  — 
„VacWBeule  -  Genickbeule.  —  Mr-Beulen, 

I.  -  dni«ü  bei  den  Ohren  (<Jr.  \V.  II,  1458).  meist 
Pestbeulen  (s.  d.).  —  2.  -  Parotitis  (s.  Bauern- 
witschl,  Mums,  Wochentölpl)  (Zw.  120).  —  (1699) 
Pest-  (Pestilenz-)  Beulen,  1.  -  bubo  pMtUentialU; 
(t*17  damrnb  hai-L«  im  latein  imruinaria,  von  den 
Teut»chen  die  penl,  Arentin,  Herne  III,  410;  15«» 
rw-*tilentzUche  beulen,  Haeoer  II,  332,  angiien  |m- 
itllen*  injpiinis,  bubo,  Du  (ange  I,  252;  14.  Jahrh 
ititl  uavoccloli,  Heeker  f.;  tir  W.  VII,  1572.  1571;  v  M 

II,  102;  bibli-rher  Med.;  A  v.  II  II.  126)  =  die  DrÜSen- 
Ansch  wellungen,  namentlicli  Leistenbeulen  bei 
der  orientalischen  Beulen-Pest.  — 2.  =brandiKer 
Anthrax  Karbunkel  (Bchrcnd 62;  Merk  189;t;r.W. VII, 

1572J.  Pustula  maligna  -  ungarische  Pestbeule, 
doreb  das  ungarische  Vieh  eingeschleppt  =  Milz- 


brand-Karbunkel (Behrend  62)  (vgl  Ohr-Beulen). 
—  .Rot-Beulen  eine  rote  Geschwulst  (radpew- 
len)  bei  Pferden  „in  der  die  (blutroten)  Adern 
car  fest  klopfen"  (Or.  w  VIII  1389},  —  Schlicht - 
Beulen  Bubones  inguium,  Drüsen  in  der 
Leistengegend  (Zw.  120.  971).  Schlichten  -  Leisten, 
Reihen;  schlicht  gerade,  gereiht  (Sehmellcr  II, 
503)  a.  Schlichten.  —  (i«99j  Schoss- Beulen 
Schlicht-o.  Leistenbeulen.  I  lagdrüsen  (s. Sclioss) 
(v.  M.  11,68).  —  Schwarze  Beule  eine  russch  warze 
Neubildung  (Warze,  Melanose)  beim  Pferde 
(Kalke  11.  296).  —  SYWins-Beulen  =  Karbunkel, 
Furunkel  (Viehbeule)  —  (17  .fahrh.)  Speck-Heule, 
1.  —  Steatoma,eine(ieschwuIstinitspeckartigeui 
InhaltefA  v.  H  II.  1278;  Klatner  11,28).  — 2.  -Tumor 
albus  scrofulosus  (Bcroph.  (ielenkhenlc  mit 
speckigen  Ablagerungen).  —  3.  -  Speckdrüse 
(s.  d  )  -  Stoll-Beule  -  eine  wässerigen  Inhalt 
führende  Schlcimbeutel-Anschwellung  an  der 
Ellenbogenspitze  des  Pferdes,  die  durch  Druck 
auf  den  Stollen  des  Hufeisens  beim  Liegen  ent- 
stehen sollen  (StollenBchwamm)  (Kalke  I,  214; 
Mayer  »4;  Könttcr  II.  1026).  —  (1689)  unechte  Beulen 
Bubones  spuric,  Drüsenanschwellungen,  die 
nicht  in  Eiterung  übergehen,  wiedies  dieechten 
Bubonen  thnn  (Kr  II.  307)  —  (leio)  St.  Ycltins- 
Beulen  Mr.  \V.  I,  nie)  -  Heulen,  wofür  St.  Valentin 
(s.  d  ),  der  auch  Schutzpatron  der  Liebenden 
war,  hilft  (Venusbeulen?  oder  Pestbeulen?)  — 
(1748)  V<™ »«-Beule ,  1  ■  venerischer  Bubo,  Boae 

(A.  V.  U.  I,  242;  II.  12S;  Kaum.  416;  KnuiK,  E.  166; 
K.  ch  143).  —  2.  =  Hodenanschwellung  [A.  v.  II  I, 
1296)  —  (17*4)  FiVA-Beule-  Furunculus  (Welckard 
221;  A.  v.  H.II.  630)  (Schweinsbeule,  Hunds  Übel); 
verächtlichen,  wegwerfenden  Sinnes.  —  (1750) 
Waths  Beulen  Warhs.lrüsen(s.d.)^  die  gegen 
das  Ende  des  Knabenalters  öfters  auflaufenden, 
von  dem  Triebe  gegen  die  Zeit  der  Mannbarkeit 
herkommenden  und  mit  dem  zunehmenden 
Wachstum  des  ganzen  Leibes,  besonders  in  die 
Lange,  einhergehende  gutartige  schmerzlose 
Anschwellung  der  Leistendrüsen,  deren  Inhalt 
verdickter  Nahrungssaft  (Lymphe)  sein  sollte, 
der  hier  ohne  Entzündung  stockt  (nach  A.  v.  H.  II. 
126  705.  lUatnerl,  los).  —  [1700]  HVtY/ien-Beulen 
Bubones,  Drüsenanschwellungen  in  d.  Weichen- 
gegend (A  v,  II.  II,  53).  —  TCoiter-Beulen  die 
meist  nur  im  Winter  auftretenden  Frostbeulen, 
Perniones  (Müller,  Krtrbeh.  191).  —  Hurm-Beulen 
~  Knoten  in  der  Haut  durch  den  sog.  Wurm 
(8.  d.)  (Falke  II.  445).  —  ZaAn  Beule ■  Parulis,  die 
Kiterbeule  am  Zahnfleische  (A.  v.  H.  II,  1218).  — 
Beulen  Blotz,  Brust,  -  Geschwüren,  Test,  -Schlag, 
-Seuche. 

Beuschel,  n.  s.  Bauscbel. 

Beutel,  m.  (ahd  putll,  butil,  Kluirc»,39;  nulila- 
Mruma*  turirida*  Invidnrum  |>eetonnn.  tiraff  III,  86; 
mhd.  blutel  =  Beutel ,  Taxehe;  vielleicht  zu  butte 
Schlauch,  tiefas*,  wozu  muri  den  Hodcii'.ark  kcwJsmt 
Tiere  verwendete  [Bocks-Bcutel|  oiler  zu  Bottich  [*.  d.'; 
bulle  fOll  feibat  wieder  aus  dem  mtlatolnUchcn  bntln» 
entnommen  «ein,  Klnife*.62,  Sehw.  63),  l.  =  Hoden- 
sack  des  Menschen  und  der  Tiere  (Scrotum), 
(trousie.  bourse,  llrisa  67;  (Jr,  W.  I,  1751;  Hyrtl,  Anat. 
|  721;  Löveling  166) ;  vgl.  Klingonbeutel,  Gutsack, 


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Beut«?]  Bieber 


Bied-Bill. 


Hochbalg  —  2.^  Netz,  die  beutelföi  iiiige  llftlle 
um  den  Magen  und  Darmkanal  (Hynl,  K  w.  «9; 

—  (iök;;  gerümpften  Beatlein  (gerumpfet  pcyteLtn 
Hjrrtl,  K.  W.  7i;  ~  der  hautgerunzelte  Hodensack 

—  'z-Beutel  -  die  lialgknoten  der  Haut 
(namentlich  auf  der  Kopfseliwarte),  die  einen 
talgigen,  grfltzbieiahnliehen,  schmierigen  Inhalt 
haben  (Atherom  C'y»ten)iK..hl.rII,  925.  Koeniglll, 

>c>8).  —  Hamm  rl  hu  -Beutel    1  laemorrhoides 

saecatae  ;ilufciand  45*',  wieein  kleines  Heutelchen 
herabhangende  Blutknuten  (Angbeeren)  am 
After,  —  //W  Beutel,  1  -  Molluscum,  weil  wie 
ein  gestielter  Mollusk  beutelfürmig  anhängend 
an  der  Haut.  —  2  =  Atheromcyste,  Meliceris.  — 
•i.  =  grosse,  weiche  Haut warze,  Verruca  mollis 
s.  penBiÜB,  Acrochordon.  Thymus,  Thymion 
(Mehrend  «3,i  8.  W'arr.e.  —  //erz-Beutel  —  Periear- 
diutn,  der  häutige  Sack  (llurzsack,  s.d.),  welcher 
da»  Herz  locker  umgibt,  sodass  ea  frei  schlagen 
kann  (ttr.  w,  iv.  2,  1258).  —  Herzbeutel-  Wasser 

—  A7ir»(/tn- Beutel  =-■=  Hodensack,  Sciotum  mit 
dem  Klingenbeutel  des  Küsters  verglichen  (fls- 
cus),  Gutsack  (Hyrtl.  K  W  tiO>.  —  A7/z -Beutel 
=  Nets-Sack,  Omentum  (Hyrtl ,  K.  w.  69).  — 

(1306)  Ruffi -/-  Beutel  1  i,  na  i'lf.  159;  Schmcller 
II,  6»)  (s.  Gromen)  Hodensack  der  Lotterbuben 
(  -  RUffian).  —  (lci  .i  6Y/if//<-n-Beutel  Klingen- 
beutel  bei  Pferden  (Colcr,  II.  B. 34).  — (1795)  Schleim- 
Beutel  die  sackförmigen  Ausbuchtungen  mit 
serösem  Synovia-Inbnlte  an  den  Gelenken  oder 
Sehnen;  wahren  Schleim  (d  h.  Mucin)  enthnlt 
derSchleimbeutel  nicht  (t-hcliu*  II,  150;  Hyrtl,  Atmt 
115).  —  Beutel- Geschwulst,  -Mann. 

Beutzel  (Bitzel),  n.  nm  beuteel,  Beb  melier  i. 
316;  1692  beutzeln.  Wlraung't  Arzneibuch)  —  Ge- 
schwulst und  Drüsenbeule  (Nebenform  von 
Beutel  oder  in  buz^  Knospe?),  hauptsächlich  in 
Schwaben  gebrauchlich  Burk  19  iL  57;  r.  v.  Srhm. 
64).  —  (1620)  .Franzosen -Beutzel  =  Bubo  sypbil. 
(I)r.  MlndererJ;  ;16.  Jnhrh.  frnnlzocsin'hc  lletilzlcti  (Tr. 
II  23* 

Bibbele  (Bibele,  Bebele),  n.  in  der  Kinder- 
sprache Schwabens  (Bach  18),  1      ..alles  was 

weh  thut'1   Wiwilej;  fruiij!.  ImjIhi,  mo   le  peilt 

mni  mm  Import wiee  [HtIm.  279).  —  2.  -  Papula  (?) 
lim  k  19: ,  dies  vermutlich  zu  Poppel,  I'dppel- 
liuinn  (s.  d.).  Hie  Krankheitsdamuiien  fristen 
unter  verschied,  entstellten  Namen  ihre  Schein- 
existenz  noch  heute  in  der  Kinderstube  am 
meisten  fort. 

Bibel,  f.  -  Bibel-AVaiiA/,«-*™ 

Biber,  m  Biber-^«»»»  (s.  Hieben 

Bickel,  in.  (mbfl  btekvl  Knoche).  Lex«;  9  tax 
mhd  Metel; ahd  Ucvhaai  Mmwen;  rander  Rpftshackc, 
Kluge !',  39j  (.Bayern)  der  Knöchel  über  dem 
Kusse,  der  auch  zum  Bickeln  diente,  «I.  h.  zum 
Spiele,  heute  mit  spitzen  Holzhacken  [tlr.  W  I, 
ISO»;  V.  3bS;  1  ».">_'  Bickel  />n»i,  -Kote. 

Bieber  (Bifer),  n         J»i>rh    Melr,  Pfeiffer; 

Ii!  Jnhrh    da*  biever  [im  Kreidnnci,  II  Jnlirb.  bi\er, 

llofftx  l,  tat;  UM,  btbcersi  fteberUch  lebhaft «Ich 
nuMcmd  bei  Krnnklii  lun,  iiobl«ehm.  »9;  <;r.  W.  III, 
1620;.  rinMBStnur  noch  in  rflnnxcn-Namcn  flUcbcrklce. 
•entauren,   hcuvcrkriit .    I>    1I2;   12    Jnhrh  bywer, 


blwerwurt*  in  der  l'hyslen  81  IIllJefCArtl)  vorkommen- 
der und  mhd.  auftretender  Name  fur  Fieber  (i  d.) 
(„biever,  umgebildet  mittels  Kon»onanten-Vcrt*u«ich- 
ung  uns  vlcber",  Kluge*.39  106).  —  Blfer- >'id  ht 

Bied,  n  Biet,  n  Bit,  n.  I.  franz  In  bitte  (Bris«. 
301  pitulu  t)  439)  Zipf,  Pips,  Klipps  (s.  d.\ 
Augen-  oder  Nasenschleim;  klebrige  Materie 
Schmeller  I.  395 .  —  2 .  -  Ge-bütt  (s.  d.  sub  Butt). 

Biege,  f  (Biegung)  (UHbtagy:  suiirago,  D.  Mi] 

■  Beuge,  Bogen  (s.  d.)  —  Kni<  Biege  (15  Jnhrh 

kuubleg,  Hr.  W.  V,  UJb;  1518  kuuoblcif  kneubyeg, 
II  \.<iir»<l  >JH  -  Kniebeuge  [s.d.).  Kniekehle  [«  d«.],  po|- 
Ot.  W.  V,  1422;  14-H2 kuyepl«un>t  =  eurvntioirtnuuiu, 
Zening  Vor  >>  s  .  1  |s2  knlfpngin  knyblfge  »urTraKo, 
I).  565;  <ir.  Vi.  V,  1127;  1716  knybng  —  pople«,  .«utTrnKo, 

Or.W.  I.  cod. ;  [zu  büife]),  1.  =  die  Stelle,  wo  sich  das 
Knie  beugt:  a)  Kniekehle  (Schnuller  I,  1343)  und 
b)  K  niescheibe.  —  2  -  Ankylosis  genu,  ein  steif- 
gebogenes Knie,  das  beim  Gehen  einsinkt, 
„kniehiegelt"  :Sehmellerl.c);  dasselbe  ist  deshalb 
*•!<'■/.  biegig  oder  rorbiegig,  je  nachdem  das  Knie 
eine  Krümmung  des  Gelenkes  nach  vorne  oder 
rückwärts  macht  (Zipperl  23;  Kocntg  III.  7«1).  — 
bieglicher  Fuss. 

Bier,  n    Bier- Ktwten,  -Magen,  -Nieren, 

-Schnecken 

Biest,  DD.  (Biester,  Biesch,  Bienst,  Biemsen, 
Biensch,  Briest  Briester,  Briesch,  Briemst, 

Briemsch.  Pies) :  (Bayern,  Tirol,  Schwein  urvcnvnndt 
zu  p>»».  und  ptM,  OUtW  («r.  W.  II.  3);  (ahd.  bioat, 
plcMrtm.=eoloKlnim,nmffllI,2l9;  II  Z  XV,  5;  111,86«; 
XV,  33«;  piest.  H  Z  XV,  97;  366;  bleu«  II.  Z.  XIV.  192, 

,    niiBls  beont     coloMrnm,  ll  1:13;  mhd.  bleut;  14.  Jnhrh. 

'  liienit,  Voe.  opt.  W  22;  Schw  i"6 ;  1».20  binest,  I».  Min- 
derer) ^-  die  ernte,  neue  Milch  nach  dem  Kalben, 
Colostrum,  Lac  novuni,  welche  einen  etwas 
strengen  (giftigen?)  Geschmack  hat  (Biestmilch, 
Priestermilch,  das  Khret  [in  Tirol]);  KIuro»,  40 
brütet  dn-i  Wort  mit  Beeht  zu  trenn,  biu*  melken, 
weil  die  Opterkuh  vorher  nisieemolken  wurde,  ehe  *le 
vom  Opferleiter  (».  tiode)  geschlnchtet  wurde. 

Bifer  s  Bieber. 

Bild,  n  eigentl  Nachglied,  nachgemachtes 
Glied,  Gestalt  (Kluge  &,  u  —  J/Vcr-Bildung  das 
falscbgebildete  i'seutloplasma,  .Missbildung.  — 
AV'ibildung  Imagination,  die  Bildung  innerer 
(falscher)  Vorstellungen  ohneausserliches  Motiv. 

—  A'iftr-Bildung     Furis  formatio,  l'yogenesis 
Hippokratis,  Kiteigestaltung  —  Fieber-Bild 
eine  Wahngestalt,  durch  fieberhaftes  Delirium 
veranlasst  (tlr.  W.  III.  1621).  —  Fr icml -Bildung 

ilie  Kr/.eui»ung  von  Krieseln  (s  d  Itnvnrin  IV, 
i.  2Ui  —  Miss  Bildung    Kskuraorphia,  Miss- 

gestall  iKrnus  K  179}  —  -Vctt-BildUUg,  1  der 
Vorgang  dirr  Bildung  neuer  liewebs-Kleinenle 

—  2.  das Protiukt  dieses  Vorganges,  das eigent- 
lich  neu  Gebildete.  —  H'»r»i-Bildung  -  die 
Krzeugung  iGeiieralioi  vuii  Wiirmerii  im  mensch- 
lichen Leibe  (Müller.  Krtrbcb.  711). 

Bildern  (Bilderlein,  Bildner)  s.  Billcrn 

Bill-,  Bill-.f7/«/ci •,  -Weif,  -Witz,  -Zähne, 

■Zachen 


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Bille— binden. 


Bingel— Biss. 


43 

I 


Bille  (BÜ),  f.  <f™»*  "ile;  en«l  hilc  <iallc;  1351 
Ule,  Ii  Boei  10»),  1-  die  Schürfe  der  Galle  (Bilis, 
in  älteren  Medizinwerken).  —  2.  =  (1675)  dunls, 
globu»,  Nebenform  tu  Belle,  Kalle  Nates  gtobOMM 
Kir.  \V.  II,  2»;  Schaevlu*,  anat.  Ahr.).  —  jVir&fr-Bil 

«us  franz.  nigrebll ,  bfle  nlgre  (  —  bllla  nigra)  - 
schwarze  Gelbsucht  i Pauli  71). 

Billern,  pl  Bildern,  Bilderlein,  Bilern,  BÜ- 
gern,  Bildner,  Bühlen,  Biehler,  Btiler,  Bel- 

Icrchen.  Billerlein)  *<>  pll  Untiere,  moniere,  hels- 
«en.  Lille»  -  mit  einem  scharfen  Werkzeuge  [lielsseiui; 
klopfen,  Hoftm.  I,  360;  ahd.  pilaru,  bilarn  -  palatus, 
plusflva,  caro  circa  dentos,  molare«,  Graffiti,  102,  piltire 
=  Zahn;  '.».  Jahrh  l.ilorna  kIiirIvbc,  Kali.  Mnur.  61; 
11.  Jahrb.  bllare  -  piiiirlwi,  caro  eirea  «lentei,  II.  Z.  III, 
l'rac  Handschrift :  bllare  -  Kinjriva,  partes  elrco  denti- 
bii«!  II.  Z.  III .  :i6J*  A«lm.  Vocab  ;  12,  Jahrb.  die 
pyhui  «wcrent  oder  bltiotent,  Heiflcr  W;  mhd  bilern, 
piler.  Cr.  VC.  II,  21  ff  ;  14.  Jahrh   Weier,  pilcr,  Mittat 

—  jrinpiva,  Voe.  opt.  VC.  10,   Hoffm   I,  325;   D.  (Ml; 

I. Mh  bulern.  H.  v  ücrwl  %.  15'.M  billcrlcin,  Klscharl, 
i.anruulua  !<•;  1616  hieldern,  I'aracelsus;  1675  bille, 
Hyrll.  K  VC.  U;  1750  ltllderl.  in,  A  v.  B.  II,  310;  Mühlen 
[Schwaben),  v.  Schm.  105;  Billen  [Tirol!,  Hlnloer, 
6  15;  BOler  [Bayern!  Sehmeller  I,  230    Naeh  <.r.  VC.  II, 

2i  ut  BUlern,  l.^Zakn-  Den«  molaris,  weil  er 
beisst  (».  o .);  von  diesem  ging  die  Vorstellung 
des  Beissens  über  auf:  2.  Zahnfleüch  (Gingiva) 
und  3.  Gaumen  (l'alatuin)  und  Kiefer  [Hjrrtl, 
K.  VC.  28,  Anm.  2),  welche  mitbeissen,  mitessen 
mit  den  Zähnen;  das  sonst  abgestorbene  Wort 
lebt  noch  in  Schwaben,  Bayern,  Tirol,  Schweiz 
fort.  —  5  -  die  noch  im  Zahnkiefer  steckenden, 
„einpchiesseijden",  „sich  vorschiebenden"  beu- 
lenartigen, hervorragenden  Zahne  vor  der  ersten 
Zähnung  (Zahnbillern,  8.  u).  —  5  =  l'nterkiefer- 
Lvmphdrüsen,  welche  anschwellen  oder  eitern 
iSubmaxillardrOsen-Abscess).  —  Die  BUlern 
schiessen  ein  -  Dentitio  ineipiens  -las  schnelle 
Krscheinen  der  Zahnbillern  und  Hervortreten 
als  solche  im  Kiefer  des  Kindes  i   v.  Hchm  ioöi. 

—  (161<*  Kinnreß -Biller  Mir.  VC.  X,":<:  =  diepillen- 
artigen  Hervorragungen  in  den  Kieferladen  der 
Pferde,im  Kinnretf(s  d  )o.  Kinnbacken.  —  (nw) 
S/mn  »/-Billen  v  M  1.6*!  die  bei  der  sog,  Strange 
(s.d.)  des  Kindes  unterm  Kiefer  angeschwollenen 
Lymphdrüsen.  —  Z« ha -Bült' rn    i'.ih  wmmiI.uUt 

ciniriva,  II  v  «iersd.  '.«7.  I5S.0  xacnpullcrlcin,  Cr.  VC. 

II.  25;  1  92  zahnhiiehlern.  Wirsunjf,  Ann.  11  IM;  1677 
Zahnboller,  Heyn.;  1740  Zabobudern,  Zw.  .7;  Zahubuillen, 
Bayern  J^die  noch  im  Kieler  Bleckenden,  aber 
U-reits  unterm  Zahnfleische  pillenartig  etwas 
hervorragenden  Zahne  der  '/t jahrigen  Kinder 

—  ii.VM)  feuchte,  fiüssiije  ZahnbüdeT  Parulis, 
weil  sie  als  Beule  hervorragt  über  dem  Zahn- 
fleische (Bock  371]  und  oft  durch  Rheuma 
(    Fluss),  Krkültung  veranlasst  ist. 

binden,  -binde.  Band,  m  ein  «>  it  urpemiani««  her 
Zelt   Iii   »filier   Hedcultilut  Bleich   IfebUebeiM«  Wort 
(Kluce*.  II.,  da*  U  Band  (a.  d  *  Rehört;  voreennan 
bbendh;  ahd.  hintan;  mhd.  binden;  engl,  bind  — 
Bond,  m.  -  das  Bindende  —  1 1  -  an  gebunden 

angeblich angewachsen^.  d.)dtlrcbdie  Kinds- 
bander,  von  einer  schwer  zu  entbindenden 
I-eibesfrucht  ,D  232  —  Darm  CrYbinde  =  Mesen- 


terium, woran  die  Gedärme  gebunden  sind 
(1620  Darmgebiinde ;  1675  Hyrll,  K  VC.  1»9;  155M  darm- 
L-eimn  bei  Machart,  Cr.  W.  U,  781) = die  Ineinander- 
ingung,  Gebinde  (Contignatio)  der  Gedürme.  — 
Entbindung,  die  natürliche  oder  künstliche  Ein- 
lösung (delivrance)  aus  den  ,,Geburts-u  oder 
,,Kindesbandenu  (s.  d.)  —  Niederkunft  (Ur.  VC.  V, 
75«;  r.SteboId,  loci.  Mittler  Abbindung  der  Nabel- 
schnur des  Kindes  hat  die  /-'-n'bindung  der 
Mutter  kaum  eine  direkte  etymologische  Be- 
ziehung; jede  schwierige  Knlbindunghattenach 
uraltem  Volksglauben  ihren  Grund  in  dem  An- 
gewachsensein des  Kindes  (durch  Bänder)  im 
Mutterleibe;  die  natürliche  Lösung  aus  den 
{nichtverwachsenen)  Kindesbanden  ist  die  Ent- 
hindung (auch  beim  Tiere,  s.  Kalke).  —  L(der-B\md 
-das,  was  die  Lederhaut  an  die  knöcherne 
Unterlage  beim  Tiere  bindet,  Verwachsung  der 
Haut  (Kalke  I,  77,  II  65). 

Bingel,  Binkel,  m.  s.  Buengel. 

Birche  (oberd.i Birke,  f  Birkling meiner,  der 
I  ein  Birkauge  (s.  d.j  hat.  —  Bilk.- Äuge.  — 
Birchen,  n.  die  Haut  abschälen,  wie  Birken- 
rinde, z.  B.  b.  Scheidenvorfall  ;.sebwelx.  Kalke  i,  121  . 

Bime,  f  -  die  rundliche  Nasenspitze,  Pirula 
nasi;  anuR  foreveard  nosti;  tri.  le  hont  du  nez - 
Nasenhall,  Nasenkugel.  Eigentümlich  im  der  oU-rd. 
Volksbraueh,  an  der  Naaenspiue  <len  morall*chen 
i  harakter  des  Betreffenden  durch  lU-fuhluiu:  ..an  der 
Naie  nehmen")  zu  examinieren;  dies  dürfte  auf  einer 
weit  alteren,  die  rein  körperlichen  liemmdheit« Verhält- 
nisse prüfenden  Cbuns  beruhen  :  ..Cofrnoscitur  eilain 
Iuvenil  de  vlnrinltate  et  corruptlone  per  midta  sluua 
nt  Utende  ad  pinilam  nasi  quia  manente  virv-inltate 
cartllaso  plnilae  nasi  (s.  I  nterscheidt  sentitur  IndlvM- 
bilis  sed  si  est  rtelaia  per  uleus  luetieum  cum  perfora- 
tlonc  septl  narlum  'I  »entitur  |Mirtibills  Du  »  aiiKe  VII, 
X12  —  Gnut  - -Birnen  steigen  einem  auf  vor 
Grausen  bekommt  er  HautMappcln  (  Gänse- 
haut) isebraeller  I,  100'.'!.  —  Birn-Lawf. 

j     Birzel,  m.  s  Boersel  (Bnrsel). 
biseln  ■  pissen. 

BiSS,  III.,  U    (BiSSen,  biSSig),  Ableltnn«  nu«  der 
Wurzel  bit  [bclnen,  »  d,);  lahd.  Ut,  bizco,  Klnxc ',  25  31 !. 
alles,  was  beisst,  macht  oder  gibt  einen  Bt^s 
oder  Bissen;  daher  Biss  (wio  beissen)  1. 
Schmerz  aller  Art,  die  Kmpüuduog  des  Beissens ; 
früher   auch  durch  Dätnonenhiss  verursacht 
angenommen.  -  2.  -  Jucken,  Krätze;  bys,  by« 
iSehw.  :mii  .  —  3  =  Bisswunde,  Bisstelle;  bissig 
mordax.  krätzig.  —  Bisserchen  s.  I.eissen 
—  Bisset  s.  Bcissen.  —  Bisen,  n.  Beissen. 
Jucken,  z.  B.  durch  den  Mich  der  Biesfliege 
Sehmeller  I.  17611.  —  (1678)  .4f/<l»»l«-BiS8en  AdSIM 
npfel,  den  Adam  verschluckt  haln-n  soll,  l'omum  Aflami 
(Ur.  W.  I,  176;  V,  UM  ;  der  Adatns«pfel  morceau 
I  d'Adnra.   II   morsn  d  Adaincii   soll   naeh  einem  Im 
IV  Jahrh.  auf  ronianisehem  Gebiete  zuerst  benennten! 
Volksglauben  in  der  Kehle  des  Adams  steeketi  geblieben 
sein;  naeh  Kluse*,  4  vielleicht  eine  I  mdentunK  de« 
hebräischen  tappuaeh  ha  adnm     pomum  vlri ;  „pomuin 
;  soll  die  mtlal  -bebr.  Benennung  aller  Erhabenheiten 
'  des  mensehliehen  Kon>ers  sein"  i>.  A<lamsaptel  der 
Hala-  Vorsprung  am  männlichen  Kehlkopfe  — 


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44 


BisS. 


Bit—  Blühe 


(i-r>90)  Augen-Hiss  (weinender)  -  Morsus(pruritua) 
oculorum  lacrymantium  (Fisrhart,  (Janfnntna  721.1. 
—  ii 722)  böser  Bis«  -  Schlangen*  (Wurm-) Bis» 
<X.  «1  V.  f.  V  K  ,  18M,  s.  197),  h.  auch  boissen.  — 
Doppel-Qebi&B  =  eine  durch  falsche  Zahnent- 
wickelung gebildete  Doppelreihe  von  Mllch- 
und  bleibenden  Zahnen  («3—4)  bei  Pferden  im  I 
Menschen.  —  Ein  Biss  die  einwärts  gerichtete 
Bisstelle  heim  Pferde,  welche  Bich  im  *«J  oder 
14  —15  Lebensjahre  desselben  durch  Kiefer- 
veninderungen  so  ausbildet,  dass  die  Reib- 
flächen der  Eekeähne  im  scharfen  Winkel  y  zu 
einander  stehen  und  so  gewissermassen  sich 
einbeissen  (Zi|.|>.  Ml;  Falko  I,  SSI).  —  ri/rr-bissig 
=  niordax,  virulentus  lOr.  \v.  III,  392,1,  einer,  der 
heissende  Eiterpusteln  durch  die  Krätze  hat 
(Scabies)  —  i-VoA-Biss  Flohstiche,  s.  Petechien 
frtr.  w.  in,  isn  —  Die  Bitrmuiter  hat  ^bissen 
-  Ulcrin-Kolik  (Sebmcllcr  I.  2syff ..;  die  VorMilIniiK, 
da*«  <lic  Kmle  (  (icliarmutter,  s,  Kröte)  hei»M,  Ist  l>i« 
auf  die  neuere  Zeil  im  Volke  verbreitet  gewesen  ;  Uber 
«In."  Heinsen  durch  Tiere  und  die  dabei  volfcsiiblichcn 
Anschauungen  *.  unter  „liebmeu"  in  Schindler  I,  2s'J, 
„es  hat  tie  etwas  im  Leibe  geblasen"  =  Uterus- 
Kolik,  s.  Kröte  (conl.  lieiir  /.  A. ,  k.  11.  rncesch. 
Häverns  XI,  1894,  S.  60).  —  GfbiSS  ahd.  |*ip-*i  k«)>U, 
<ira(Tllt,2nii  -  das,  womit  man  beisst,  1  —  d.  Zahne 
als  (ianres  gedacht,  bei  Menschen  u.  Tieren  (Or. 
\V  IV.  1. 1"»8).  —  2.  das  ganze  Maul  bei  Tieren  - 
das  Bisa  (Schmeller.  1, 292).  —  8.  =  beigeende  Em- 
plindung  auf  auagedehnteren  Stellen  des  Kor- 
pers. —  Ganzes  Gtbiss- die  Verkittung  d  /.Ulme 
(in  d.  ganzen  Reihenfolge)  durch  Zahnstein  [sog 
Weinstein,  s.  d  ),  Tartarus  doutium,  oder  durch 
Knochenahlagerung  /.wischen  Zahnen  u.  Kiefer- 
rand infolge  von  früheren  Entzündungen  (BueklS; 
Myrtl,  Anatom.  600).  —  (1812)  Hecht- GVbiBS  ein 
Pferdegehiss,  bei  welchem  die  Unterkiefei  zahne 
hechtartig  über  ilie  des  ( iberkiefers  hervorragen 
(Falke  I,  3M!.  —  1.  .1  7/imrtVBiss  il.is.t  der  ronnden 
liunde,  Bock  C7;  104".  thoerichter  hundsbi*.  Ii.  A.  S2.">; 

i'olcr,  v.  d.  Hund  -180)  =  der  «Tinnige  H  fobiss 

oder  Lyssa  -  (irr.1  der  taube  Huixhbisa  (Rabies 
canina),  durch  den  Miss  des  tobsüchtigen,  tollen 
Mundes  veranlasste  Wut  (Zw.  Si:j.  —  (UMS)  Kar- 
pfen-Gtbiss  -ein  Pferdegehiss.  hei  welchem  die 
Oberkieferzahne  karpfenartig  über  die  des 
Unterkiefers  hervorragen  (Kalke  II,  CJ.  —  (1<;&0) 
A'mr-Biss  -  (scherz.)  Podagra,  das  heissende 
Knieschmerzen  macht  —J/onns-Biss,.".  1.  Beis- 
ser  und  2.  Totenmanns-Biss  (Z.  d.  V.  f.  V.  K..  1M6, 
296).  —  jWt/Y/i-Grbiss,  das  erste  Gebiss  der  Kin- 
der vor  dem  7-  Lebensjahre,  das  sich  nach  der 
Saugezeit  aus  20  Milchzähnen  bildet  (Ranke  1, 
:."©).  —  Ar8.v/-Biss  (HW  nezzelpizz ,  •'.  v.  Mcubv ; 
Cr.  W.  VIT,  619J  Urticaria,  die  juckenden  i^uad- 
deln,  welche  heissen,  wie  wenn  man  von  der 
Brennessel  (Urtica)  berührt  worden  wäre  (die 
Hrenticsel  wird  besprochen  und  geknickt  «.  Verf. 
Volku-Med.  S.  115).  —  (181:1!  Vi  hsen-Gebiss  ein 
Pferdegehiss  mit  meisselformigen  Reibflächen 
der  Zahne  nach  Art  der  Wiedeikiluer  (Zlpp.  148; 
Falke  II,  171  —  Schiefes  Gibiss  -  ein  tiebiss. 
dessen  Zahnreihen  auf  einer  Seite  höher  sind 
:i!s  auf  der  anderen  (Stpp.  147).  —  [1801]  Teufeh- 
Biss  -  MorBUs  diaholi,  die  blau-schwarzen  sog. 


Brandllecken  liexenmal. Teufelsmal,  Alpfleck), 
welche  dem  Bisse  teuflischer  Dämonen  zuge- 
schrieben wurden  um!  unter  den  Zehen-  bezw. 
Fingernägeln  (s.  Kummermasen,  Leidspriessen) 
durch  Quetschung  etc.  erzeugt  werden  (Wciekard 
109).  —  Toten-,  Totenmanns  •  Biss  Cancer, 
Krebsstelle,  die  man  von  „verstorbenem"  Blute 
ableitete  und  dieSchmerzen  macht,  als  obetwas 

|  im  Leibe  beisse;  dieses  etwas  war  nach  dem 
Volksglaulien  11  a.  ein  Totenjrcspenst  (b.  Toten- 
übel  und  Grill")  —  HV/Vi-Biss  iahd  «-»dtbl-o, 
SebeiMo  III.  im;     ein  Muttermal  an  einem  Nen- 

>  geborenen,  dessen  Muiter  von  dem  Fleische 
eines  wolfsbissigen  Lammes  oder  einer  solchen 
Ziege  gegessen  hatte,  nach  dem  Volksglauben. 

—  (i.vüvi  ici//iji8sig,  1.  -  von  einem  wütenden 
1 1 u title  oiler  Wolle  gebissen  (Schmeller  II,  902j. 

—  2  au  der  Hunds-  oder  Wolfsw  ut  (Beissucht) 
leidend.  —  H'to  m  Biss,  L  -  Bisswunde  durch 
Schlangen,  s.  Wurm  (i\  v  Mcgbg.}.  —  2.  s  wurtn- 
beissig.  —  Bin- Tupflein,  -  Wunde. 

Bit,  n  s.  Bicd. 

bitter,  Bittere,  f    stechend,  beissend,  scharf 
I  wie  das    heissende"  Sehwerl  (Kluge*.  35.  43; 
I  schmeller  i,  306);  auch  von  körperlichen  Zu- 
ständen —  Gallen- Bittere  [14.  Jahrb.  galleabitcrin 
l.llls.  Vor.  opt.  W  11     l  ainerdu  venire,  le  Hei  [feil. 
Iiriss.)  -  die  Empfindung  der  Ilantigkeit  (s.  d.) 
oder  Bitterkeit  aus  dem  aufstossenden  Magen. 

Sehr- Bittere  («hd.  »cr-hittari,  firaff  VI.  269)  die 
Kmptindung  beissend.  Schmerzes.  —  Bitterter  )- 
]   Horpsen,  -Speichel,  -  Tod 
Bitterich,  m.  s  Butt. 

Bitz,  Bietz,  in  Buetz,  Bitzchen,    Buu  ^  iL) ; 

(1660  btttwfaen,  Cr.  w.  II,  68«)  -  nmrailla,  i.  =  Papilla 
inammae  (OeMerr  ,  Bayern,  Mitteid  )  Brustwarze, 
die  wie  eine  Knospe  (Butz)  bich  darstellt  (<3i  ff. 
II,  s;  Sehmeller  I,  315).  —  2.  Kobois)  Penis 
[ScbmeDer  1, 1788).  —  3.  -  die  Frsuenbrüste  selbst, 
Bitsaln  (Schmeller  i,  316).  —  Nolle  *  Bützchen 

eine  Brustwarze,  an  der  genullt,  uelullt,  ge- 
schnullt, gSMttgt  wird  (<ir.  W  VII.  879). 

Bizzel,  m.  der  heizende,  heissende  (bizzare?) 
Zungen -Reiz  [C.  v  Selon.  70),  8.  beissen  1.  — 
Bitzerchen     Beisserchen  (s.  d  ). 

Blach,  f.  s.  Plage. 

Blacken  s.  Placken  und  platt. 

Bladem,  m  (Pladem)    Blähuug  isehmeikr  i. 

::•-'"<;  Hoffiuann  I,  360). 

Bläderling,  m.  s  Blatterling. 

Blähe,  f.  Blähen,  n  (blähig,  Blähung),  „die 

Berui.  Wurr.el  bin  ibb1)  Mltnmt  teilweise  mit  llare  ilut.) 
Hierein;  IndoKerm.  Wurzel  bhlä"  (Klage*  43;;  (ahd. 
bbtjan;  mhd.  blaejen;  1182  Idee,  Zening.  Voc  f.  3 
ni'ostema;  l.'d.'»  plae  —  iiujuinuriu,  L).  21>s,  17.  Jahrb. 
Idee,  f.,  K.  A.  348;  vng\.  bleb  -  Blase.  Lehfeldt  1I4j. 

—  Bläh,  f  L  —  die  Anschwellung,  z  B.  des 
Bauches,  der  Drüse;  daher  auch  2.  =  Drüse 
a.  cod.)  —  Blähung  Flatus  (Or.  W.  11,  62).  der 
Zustaml  tles  Geblahtwins  —  aM/"</<bläht  (t.Ms 
ultKebliiKht,  II.  v.  l.erüd.  38.  SS,  von  Därmen  Rebrnuebl ; 
IST.)  Muller,  Krnuterbtich  17,1;  aln  r  auch  Ihm  Tabeniae- 

I   moutauub  bereits  von  den  Lungen  de«  Menschen  — 


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Blärr— Bitterling. 


BliUtlein— Blase. 


45 


Emphysem,  Tympanites,  Meteorismus,  Trom- 
melsucht, Windsucht.  — (1666  Bärnm't-  /--Blähen, 
da«,  blehen  der  bacrmutter  bei  den  welbspersohnen 

iOr.  w.  vi,  2813)  =  die  Auftreibung  des  Leibes  bei 
unterleibBleidenden  Frauen.  Tympanites  hysle- 
riea.  tlatuosite.  —  baucA-blähig  »as  Bauch - 
blähen  (Hain«)  macht  <(ir.  \v.  t,  11*5)  —  rferbläht 
— -  hl»  zum  Bersten  aufgebläht  iSehmeller  I,  I7s2\ 
beim  Kindvieh  gebraucht.  —  Magen  -  Blähen 
die  Anfüllung  des  Magens  mit  Luft,  die  sieh 
durch  Kuctus,  Flatus  entleert  >Zw.  s6o.t;  (1632  ge- 
Uonrt«  magen.  Mm  107).  —  (l&ttsl  Mastdarm  -Auf- 
MlhttJty  (Gr.  W.  VI,  1716)  =  Anschwellung  im 
Mastdarm.  —  (1477)  MtU-(Auf-'b\ahung  («r.  W. 
vi.  =  Milzanschwelhing  (orioll).  —  (1482) 
M  i -Blähung  ipleung  de«  niundes,  Zen.  Voc  k.  8) 
^Anschwellung  der  Mundschleimhaut  (Inliatio 
oris).  —  Bläh-,  hlähiges  -A uge,  -Hals,  -Kolik, 
-KropJ,  •  Seitenstechen,  -Sucht 

Blärr.  n  Blärre,  f  (Plärr,  Plerr,  -plärr), 
Blarre,  Blarren,  Bierren,  Blerr,  Plerge, 
Flärre,  Flarre,  Plarre,  1.  ■  Vulnus  grave, 

entstellende,  noch  otlene  Verletzung  oder  Piaire 
(f.  d  ).  —  2.  die  Wundoffnung.  die  eben  in  Ver- 
narbung ist.  —  3.  —  die  entstellende,  bleibende 
Narbe  selbst  (ohne  offene  Wunde),  besonders 
an  den  Mundhppen,  Augenlidern,  Ähnlich  der 
(iesichtsentstellunK'  beim  Plärren  (s.  d.)-Os 
diduetum  [flr.  W.  II,  I0S)  (namentlich  durch  stark 
verziehende  Narben  syphilitischer  Natur).  — 
A  ugen -Blärr  (14*0  da.«  plerr  vor  deu  Augen,  Gr.  >V. 
II.  107;  1619  das  hier,  plerr,  augenplerr,  II  Such«; 
ndl.  bteren  =  Blasen,  De  t'oek  261 ;  engl,  blcar-eye  = 
Triefauge,  Lehfcldt  144),  1.  -  Ileus,  entzündete 
Mtelle,  wo  eine  Eiterpustel,  Gefeit  war,  Abseess 
in  entstellender  Form  sich  ausbildet  iGr.w.  n,cc). 
—  2.  —  vermutlich  als  Folge  einer  solchen  l'l- 
ceration  am  Augenlide  =  Nebel  vor  den  Aagen 
(Aurigo,  Caligo).  —  Bote  Piergen  otlene  Fuss- 
geschwüre,  UaulgeschwOre  Überhaupt  Schnuller 

I.  4001  namentlich  aber  syphilitische,  einstellende 
Vernarbungen.  —  i'i.vrsj  breite  Piergen  -  breite 
Condylome  Tr.  n,  li>  überhaupt  war  jede 
[traumatische  und  nicht  traumatische)  in  die 
FiAche  sich  ausdehnende,  die  l'mgebttng  mit 
hereinziehende,  andersfarbige  Stelle  an  der 
Oberfläche  der  menschlichen  Haut  (namentlich 
syphilitischer  Natur)  -  Piergen  Sehinellcr  I.  460; 
Pr.  I.  e.lalsFolgen  ,, böser  Blattern"  (  Franzosen), 
die  der  Piergenbinder  besorgte.  Vergl.  Flarr, 
Flarr.  —  GrhlälT,  das  geplerr  vor  den  äugen  fl.exer 
V. :  *chmriier  I,  161 ,  Cr.  W  II.  107  falsches  beben, 
doppelt  sehen.  — iJieBlärr  kriegen  _•  vorStaunen 
(Schauen)  verwirrt  sein  (entsehen,  s.  d.).  — 
Blärr- Buchse,  -Maul,  -Schauer,  (-Schur). 

Bläschen,  n  (Bläslein),  1.  s.  Blase  (ndd.  1 07 
blatiintan   TWrtmte.  I».  6iö>.  —  2.  s.  Pieschen. 

Bläschgen,  n.  Schwaben;  Schweratmigkeit, 
(blasendes)  Keuchen  haben  bei  Korpulenz  und 
Krankheit  (C.  t,  Sohra.  73). 

Blässe,  f-  s-  blass 

Bläste,  f.  (Bläster)  s.  Blast 

Blästerling.  m  =  der  einzelne  Flatus  (Gr.  w. 

II.  72). 


Blättlein,  n  (Blättchen)  s.  Blatt. 
Blätterlein,  n.  s.  Blatter. 
Blaetzen,  \  1  s.  Bietzen, 
blapern  s.  plappern. 

blarricht  =  cicatric<  »sus,  einer,  der  eine  Blarre 


Hl 


Gesichte  hat  iir.  W.  II.  67 


Biase,Blasen,  f  (BläschenBläslein), *n  hinnen 

(p.  d.  und  Pustel);  (ahd  blas«  ITarn blase ;  mtad.  blAse 
rundlich  aufgeblähte  Haut,  Harnblase,  Kluge1,  4.1; 
1483  |dose  vc»:ca,  Zcning.  Voc.  %.  3;  1483  diu  plaac  o. 
<liu  plalcrisl  ain  vh«  des  hami|>niiineiis.  C.  v.  Megenberg; 
l.YJahrh.  blare  ninri-ea,  I).  319;  1'jlS  dieploss,  plossen 
rriiibtase,  II  v.  (Semd.  12.  13;  Or.  Vi.  II,  67.  162), 
1.  =  der  aufgeblasen  erscheinende  Lrinbehalter 
bei  Menschen  und  Tieren  —  2  ^  die  Krankheit 
der  Blase,  z.  B.  kalte  Blase.  —  3  -  die  Pustel 
und  Papel  —  Bulla  und  Bullula  auf  der  Haut  und 
den  Schleimhäuten  (Gr.  w.n,  67);  URS3)  mehr  oder 
weniger  „grosse  Krhebungen  der  Haut  über  das 
Niveau  mit  frei  angesammeltem,  serösem,  d  h. 
wenig  Eiterkörperchen  führendem  Inhalt'1,  der 
dieselben  wie  aufgeblasen  (s.  Pustel,  pusten) 
erscheinen  lilsst  (Vesiculae,  Vesicae  ■  Bullae) 
(AuspiU  in  Ziemssen,  Hdb.  d.  sp  I'alh.  n.  Th.  XIV, 

1  231'    Hantiger  gebraucht  ist  ,.H!atter"  (s.  d.\ 

—  4.  =  die  Fruchtblase  (s.  d.),  die  sich  bei  »1er 
Geburt  einstellt  in  den  geöffneten  Muttermund 
(Amnion)  —  (179'.)  blaesigt  -  blasenformig 
(J.  p.  l  runk  in,  248).  —  Backen-Bla.se  Sacculus 
buccalis  (<;r  \v  i,  los»-.) .  Parn Iis,  geschlossene 
Zahnfistel,  —  Haw  -•- Blasigkeit  =  s.  Bauch- 
blasttg.  —  />W- Blase  eine  mit  Blut  gefüllte 
Hautblase.  Blut- Bläschen  nennt  Kalke  1,  1.«  die 
roten  Blutk..ri*nhcn  —  Bose  Blasen  bösartige 
syphilitische  Blatlemform  (Hacscr.  II.  Anh.  M). 

—  (17S3)  Brand  -Blase,  1  Blase  durch  Ver- 
brennung (FlatBC!  I,  167;  Kanntet  W5;  I'rquell  IV,  69), 
Dermatitis  calorica  bullosa  (Brandblatter).  — 

2  das  Kankkorn  als  Milzbrand-Pustel  beim 
Schweine  (Zipp.  «32».  —  (ITCäj  Drusen  -  Bläslein 
=  Folliculus,  die  Ausdehnung  des  Hriisenbalges 
durch  llüssinen  Inhalt  (,\.  v.  II.  I,  563).  —  Eiter- 
Bläschen  (-Blase)  -  Kiterbeule  und  -Knotehen, 
an  der  der  eitrige,  flüssige  Inhalt  sich  von 
aussen  schon  beineiken  liisst  -  Pfotz  (Gr  \v.  Iii, 
392)  ii-vSi)  „Pusteln,  Krhebungen  der  Haut 
über  das  Niveau  mit  frei  in  der  Epidermis 
angesammeltem  eitrigem  Inhalt-'  fsehwtmmer 
in  Ziemssen,  Hdb.  d  sp.  Path.  U.  Ther  XIV,  L  23;t); 
die  Eiterldasen  im  Gesicht  und  auf  dem 
Kopfe  sb  Acbor  (Willan),  an  den  Extremitäten, 
namentlich ,  wenn  sie  jucken  Psydracia 
(Wüten);  im«)  =  Phyma  [Pteaek]  —  Fti«Ar-Blase 
(JftKersprache;  -  Harnblase    Hyrtl,   K.   W.  134); 

i  fr't  uer- 

Feucht    l'rin  (s.  Feuchte  4).  —  (1698)  •  selaL. 

Bläschen  I  ,      Fieberhitze  auftretende, 

Blasen  | 

zuerst  hellrote  Flecken,  die  dann  in  (gerötete) 
Blasenbidung,  boutons  de  flevre,  überitehen 
(Herpes).  Pestblatter,  Feuerblatter  (Fuch« II,  los«; 
v.  14.  II,  1021,  —  Frucht-Bla.Se  (durch  die  neueren 
Hebammen  schon  etwa*  in  Volksmunde)  —  die  nach 
der  Eröffnung  des  Muttermundes  bei  der  Ge- 


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46 


Blase. 


blasen. 


burt  durch  den  letzteren  «ich  hlasenformig  vor- 
drängende Fruclithaut,  durch  deren  Sprengung 
(Blasensprung)  das  Fruchtwasser  A  hfl  im«  erhält 

—  (tT.r.)  Gtihf  Blase  <iie  plötzlich  entstehende 
Milzbrandpu«Iel  unter  dein  Rindsschweife  oder 
der  Seh  weinszunge  beim  sog.  Bankkorn  f.\.  M.  !• 
(s  * iiili-  11   blauender  Wurm)  —  Gall  en ) -Blase 

die  Blase,  welche  die  flüssige  (ialle  frei  an- 
gesammelt enthalt.  —  (im«'.)  Galli  </-Blaslein 
Vesienla  felli*,  Vena  cyatica  [MM;  <;r.  w.  iv,  t. 

11*3.  liyn  —  gemchwnrige  Bluse  die  durch  <ie- 
achwflr«  Kiter  bildende  Harnblase  (Morgagni) 
Pr  II,  \Z2>,  s.  Blasenkrittze  —  (/'(//-Blase 
(iift  ( Krankheitsslotri  enthaltende  Haulhla'.ter 
(Pestblase).  —  grintige  Blasen  Hort  San 
-  Urint-Piisteln  (  Favus).-  i.vxi  //urn-Blase 
=  Vesiea  nrinae  Blase(n),  Seich  blase,  l'rin- 
blaso  iHyril  K  W  IIS).  —  //««/-Blase  Bulla, 
eine  Pustel  der  Haut  (ampoule),  im  Gegensätze 
zur  Srhleimhaiithla.se  —  //««/(/-Bläschen 

Strophulus.  Hantel  (s  d  )  (Hehrem!  :*u\  Bläschen, 
die  mit  Ahhilntung  gefolgt  sind  (Hautelblatter- 
chen.  Scbalblascheni  —  Ii,-,,  Blasen  die 
Blasen  des  Blasenwurmes  bei  der  Drehkrank- 
heit (f  d  )  im  Gehirne  der  Schafe  [fti  w 
iv.  ■•  hsäm.  —  (IT«!]  Hitz  Blase  (Bläschen),  1 
Hitzblase  durch  Verbrennung  Brandblase.  — 
2.  -  Herpes  als  entzündliche  'manchmal  unter 
Fieberhitze  auftretende)  Blasen  und  Bläschen 
mit  akutem  Verlaufe,  namentlich  Feuerblils- 
cben  Phlyetenae  corneae  flatiu-r  l.  m  ,  Kwlch 
—  3  das  akute  Kezcma,  als  eine  unter 
Frösteln  un«l  Frieren,  dann  unti>r  Fieber  „auf- 
tretende, entzündliehe  Blttschcnhildung  auf  der 
Haut  mit  wasserhellem  trüblichem  Inhalte" 
[Tb,  Velel  in  Zleinnen,  Hdb.  d.  sp.  Patb.  u.  Ther.  XIV, 
H  364).  —  4  -  der  akute  Friesel  -  Aufschlag 
(Kehrend  30).  —  B.  -  manche  Autoren  nehmen 
als  Hitsbltochen  auch  an:  Hydroa  ((ialeni), 
Liehen,  Psoriasis,  Impetigo  Mehrend  :n  ;  Krim«  K 
4s;!).  —  Ii  Synonyma  sind :  Ausfahren,  feuchte 
Flechte,  llonigflechte and  Hitzblatterehen  (s.d  ). 

—  j'ihr  Blase  die  schnell  auffahrende  Müs* 
brandpnstcl  (blasender  Wurm).  —  /»i/>/"-Bläs- 
chen  Inipfhlattern  (Vaccinae).  —  Juck- 
Bläschen  jede  juckende,  pustulüse  Hauten!- 
züudung  (Rehrend  11)  Psydraeia.  — (i&is)  Kalte 
Blasen  Dysurie,  Gonnorrhoea,  kalter  Pisa, 
kalter  Seich  (s.  d.).  —  Kratz- Blasen  die 
beider  Milbenkrntzesich  bildenden  Hautpusteln 
(Nicolai  M,  Mfi),  —  '1677)  Milchsaft-Blase  Über«. 
■Irr  eiste rna  ebylt  (llyrtl.  K.  w,  iwi  Ansainm'ungs- 
stelle  fl\r  den  Milchsaft  —  Xess  /-Blase 
Nesselblatter  (s.  d.)  (»r.  W.  VII,  619J ;  die  Nessel- 
Quaddel  ist  eigentlich  keine  Blase,  da  sie  keinen 
freien  Inhalt  hat;  man  verstand  eben  früher 
unter  jeder  umschriebenen  Haut -Schwellung 
mit  F.rhebung  über  ihr  Niveau  eine  (gehiahte) 
Blatter,  und  da  Blatter  Blase  ist,  so  konnten 
beide  leicht  imVolksmuiide  verwechselt  werden. 

—  (15,  Jahrb.]  O/ir-Blase,  Ar -blaue  (Leser  192] 
Trommelfell  (Ohrblatter)  (tJr.  W.  VII.  1252).  das 
hinter  sich  die  mit  freier  Luft  gefüllte  Pauken- 
hohle  hat;  man  verwendet  noch  zum  Hafen  - 
Verschluss  die  getrocknete  Blase.  —  /Vs/-Blase, 
1.     Pest-Karbunkel  (s.d.),  die  Anschwellung 


der  Pestdrüsen  -  Pestbeulen  (14.  Jahrh  Mister, 
engl  Peatblaeen,  liecker.  seh.  T  ;  A.  v.  II.  II,  65. 
i.vt;  K  <h  na).  —  2  (I"4h)  der  Milzbrand-Kar- 
bunkel oder  Anthrax  als  Haut-Beule  mit  eit- 
rigem Inhalte,  der  ein  höchst  ansteckender, 
pestartiger  Stoff  (Giftstoff)  ist  —  3  (17h.ii 
hosartiger  Blutsch waren.  (Jarbunculus  ex  Typlm 
iImii  ,  Wcii  kard  345).  ein  Pestkarbunkel,  „der  zu- 
weilen auch  ohne  Pest  entstehen  kann"  (Ftatner 

I.  'M  —  N'rtiMc« -Bläslein  die  den  mannlichen 
Samen  bewahrenden  blusenahnliehen  tiebilde 
unter  der  Harnblase  —  Schäl-,  Schaal-BlMO 
(Bläschen),  1  kleinknotichte  Krhahenheiten 
der  Hunt  (Papulae)  des  Neugeborenen  oder 
Säuglings,  die  sich  rasch  abschälen,  schuppen, 
aber  gleich  wieder  kommen  Strophulus  (Beb- 
r.-n.l50)  —  2  der  Bhisenausscblag  (Pemphigus) 
(Purin  Ii,  4451.  —  3  TerininthuH  Galeni  eine 
sidi warzliche  bösartigefsicli abbautende?|  Blatter 
(Sorna?),  Wasserkrebs  (Krabe?).  —  Sehmutz- 
Blase  libypia  s  Rupia  l"Ov>,  Mehrend  2*1 
Schmutz- Borke,  Blasen-tirint  —  .SV/iirriss-Blas- 
chen,  1  unter  oder  bei  starker  Schweisshild- 
ung  auftretende  Bläschen  der  Haut  Hydroa. 
Wasserblase  —  2  Miliaria  symptomatica 
puerper.  —  3.  Fi  iesel  -  Ausschlag  (Schweis« - 
Friosel  Behrtiiiiiii:  — NVir/i-Blase  (IftlSnyebplota, 
II  v  «ier»d  ;  Hynl,  K  W  ).  wed  man  aus  llir  den 
Seich  I  rina  entleert  -  /Vin-Blase  Harn- 
Blase  n/blasen  -  die  Atemluit  ganz  aus- 
bauchen, ausatmen  —  (1551)  Versehrte  Blase, 
., verirrt  Ula»*"  Hin  k  2ls)     die  schmerzbatte  und 

kranke  Frinblase  -  „;,,,  HW-  j 

1  l'rinblase  —  2  Phlyctaenen,  Herpe.s- 
Blaschen  am  Auge,  auch  Fett- Anhaufungen  um 
die  Augenlider  herum ;  letztere  als  Wasserblasen 
vom  Laien  angesehen  (Pinguecula,  Fettauge') 
(A.  v.  II.  II.  HOC;  Kalke  II,  204).  —  3  grosse  Haut- 
blasen,  Bullae,  mit  wiisserliellein  Inhalte  (/.  B. 
bei  Intertrigo  pedis  (Itehreiul  5J  oder  beim  Pem- 
phigus oder  Blasen-Ausschlag  (s.  .1 .).  —  4. 
kleinere  Bläschen  .1er  Haut  Psydraeium,  Hy- 
droa (tialeni),  Pseudea  (Theokriti)  Krau«,  l£  SSI), 
Schweissblaschen  (s  d.|.  —  fi  Cysten  mit 
hellem  abgekapseltem  Inhalte  in  den  Kingewei- 
den  ( F.cbinococcus- Blasen,  Hydatiden)  f.v.  v.  II. 

II.  sav  mW}.  —  <>  ilie  sich  einstellende  Frucht- 
blase bei  der  Gebort.  —  7.  die  Traubenmolen- 
Blascben.  —  im::i  Zungen -Bläschen,  1.  ^  Aph- 
then, <lie  kleine  Bläschen  auf  der  Zunge  des 
Menschen  machen.  —  2.  —  die  aphthöse  Maul- 
(und  Klauen)-Seucbe  (Kalke  Ii.  tfii).  —  Blas(en)- 
Aus&chlag,  •Bandwurm ,  -Engel ,  -Fifbn-,  -Ge- 
sehwär,  •QeSthtetUtt ,  (irint.  -Hämorrhoiden, 
■Katarrh, -Krätze,  Krampf,  -Krankheit.  -Kropf, 
■Mund,  -Rocke,  -Rotlauf,  -Sand,  -Schibigkeit, 
■Schnur,  -Seitenstechen,  -Sprung,  -Unrat,  -NVA, 
•  Winden,  ■  Wurm,  -Zip f. 

blasen  Indoirerm.  Wurzel  bhk\  blühen,  schwellen  ; 
enth.  blei-aii;  abil.  dliUan  hauchen,  »ehnaulien;  mh<l. 
Müsen  (Kluge  *,  i  ü  —  (in-blasen  anhauchen,  s. 
Anhauch.  —  (»«/"r/f blasen  <>  (Angesicht;  Zw  i.»7i 

(Gesicht8-)Ansebwellung,  durch  Odem  oder 
Kmphysem.  —  i/ '</;< blasen'  -Beulen,  -Kind- 
belterin.  —  I>as  Aulblasen    Kinphysema  cuUi- 


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Blaserle— Blast 


Mastern— Blatt 


47 


neam,  wenn  im  rntcrhautzellgeweho  oder  in 
den  (iedärmen  Luft  (=  Wim -blasen,  Lungcn- 
Inft,  Fäulnis,  Gase)  sieh  befindet.  —  6a«r/iblä8iK 
Bi  bauchblflstig  —  Blase-,  blasende(r)  -Husten, 
■  Wichtchen,  -  Wurm. 

Blaserle,  n.  8  Anwaht 

8t.  Blasi,  St.  Blasius    St  Basilius  (•.  Kult 

kaleudariiiin  In  Zeltschr  d  1»  Ö  \  V  ,  1MM,  8.  198; 
•uch  flandrischer  patrou  (imlr  blaaten.  pcl'uck  1«  3!K 

-  St  Blasius- Plage  s.  Plage. 

blass,  Blass,  m  Blässe,  f  Blasse,  f  Blesse, 

Biese  lahd  blas  -  Blasse,  <irafl  III,  2.*.7 .  mh.l  blasse 

-  Blas-u  1,  Kluge",  44.  17  Jahrh  blass,  früher  dafnr 
bloi«  „bleich"  (».  d .],  Kluge*,  44),  1.  —  der  blass- 
weisse  Stern  im  Haare  der  Pferdeslirne  oder 
l»eim  Vieh,  Frons  alba  (Wackernagfl,  Ahhdlg,  III, 
74.  8«;  Mayer  17,  Island  blesa.  Z  d.  V  I.  V  K.  im, 
8.  244t  —  2  --:  die  Glatte  des  Menschen 
Mime  iBnek  15,  C.  r.  Sehm.  72)  (verächtlich)  — 
3  -  ein  .Muttermal  (auf  der  Stirne)  '<;r  \v.  II,  71 ; 
Schnuller  I,  336).  —  4.  -  der  Podex  (Tirol»  der 
entblotwUeTeil  lllniner7  17),  —  5.  -  Blaus,  m  auch 

Blast  (s.  d  )  —  Fiebrt  -Blässe  Pallor  febris 
«ir.  w.  III.  IM).  —  blass     pallidus  ut 

corpus  exanime  i«,r  w  vi,  614).  —  Saute  Blässe 

-  die  si-hweissanre  Stirne  (i  lmi.  ..die  Weiber  i*- 
lecken  die  Stinte  eines  kranken  Kindes,  hat  es  eine 
saure  Blasse,  so  schliessen  sin  ans  diesem  tieschmacke 
auf  deaaen  baldigen  Tod"  (C.  r.  Sehm.  72).  —  Blass 
fetir,  -Stern. 

Blast,  n  (Plast,  Blaust,  Bioesse,  Blaeste,  f 
Bloest,  Blost,  Blästin,  Bläster),  zu  blasen  <*.  d.t ; 

Iahd  platt,  blast  llaln«,  (.raff  III.  237;  mhd  blast, 
Martin.  Leser  25;  15.  Jahrb.  Wort  -  (latus,  D.  «41;  1418 
plast,  1673  blost,  Schindler  1.  332;  WM  bloesse  des 
Magens  und  Winde,  v.  M.  II,  :t:l|  <ias  Aufgeblasene, 
dl«  Aufgeblasenheit,  flatnosite,  1.  Dickdarm, 
weil  er  der  mit  Verdaunngsgawen  gefüllte  und 
ausgedehnt»',  aufgeblasene  Teil  des  Leibes  ist 
flftitt  bei  Wirsuiig.  Amieybuch  4..I ,  Ilyrtl,  K   W  124). 

—  2.  die  VerdaUDDgBgase  selbst  Flatus 
Srhwei»,  Ilayeni,  Behwalten .  Hehineller  I.  331;  Ilyrtl, 

K  w  12.1;  Huck  171.  die  sieb  im  Blast. larm  (s.  d  ) 
bilden  und  im  Gehirne  bblstipe  (Jeister  (s.  d.) 
nach  frOher.  Vorstellungen  veranlassen  können. 

—  3  die  mit  sogen.  Flatulenz  einhergehenden 
Krankheiten:  a)  Kolik  (Coliea  flatulenta)  Ilyrtl, 
K.W.  12.1),  b)  Tympanites  l>r  Minderer),  e)  Ilernia 

—  4  s  die  Geschwulst  und  Atifaedunsenheit 
eines  Körperteiles  Krhw  71;  r.  v  Sehm  7: ,  (Km- 
pbysemn  pulmonum,  cuianeum,  Tympanites, 
Ascites,  Hydrops).  —  (13W)  Blästigkeit,  ptartlkelt 
ISrhmelU-r  i.  stai  -aufgeblähter  Zustand.  —  Alp- 

FAf-)  Blast  (elfbläst)  s.  Anhaucli  (durch  den 
Alp» Dämon).  —  (1725)  Bürmutter- Bläst  An- 
schwellung der  Gebärmutter  mit  Blähung*- 
beschwerden  Thcs.  »an.  nr.  .rtoi  windige  Bläst 
der  Mutter  (Tympaniles  hystetiea).  —  (1609) 
/;./ic  /,- Blast  (-Blass)  Kiuar.  502!  Tympanites, 
AtifbliihniiK  des  l-eibes.  —  il".  Jahrh  |  bauch- 
blästig  (-bläBig,  -bläSBig),  von  schieb  bauchigen 
(s.d.)  Pferden  =  starkes  übermässiges  Flanken- 
»chlagen  am  Bauche  (Kalke  I,  200 ;  Mayer  167 ; 
Sehtiielier  I,  332),  1.  —  Kmphysema  pulmonum 
( Bayerland,  UM,  H.  419).  —2  =  Tymphanites  ab-  | 


dominis.  —  3  herzsehlachtig  (s.  sehlagen), 
krankhaft  durch  Lungenleiden  veränderter 
Zwerchfellstand  (mit  und  ohne  Herzschlägen^ 
n'r.  w  l.  11r.fi.  11..1,'  —  7»<irm-Bläst  Flatus 
iZw.  464i  —  Grobe  Pläst  im  Leib  Tympanites 

—  Gr<  utspläst  Dickdarm  Ilyrtl.  K  w  121  Gross- 
darm,  Mastdarm.  —  H6j>»:  .\f<>-ii  «-Bläst  Auf- 
blähung de*  Magens  v  M  II,  :d.  —  (I6991 
Auren -Blast  von  den  Nieren  (Krankheit! 
ausgehende  Atiflreibnng  des  Leibes  (v,  M  II,  40» 

—  (17.  Jahrh  )  11/  .  .  Blästen  -  Auftreibung 
des  Leibes  durch  Wasser  (Ascites)  iR.  A.  296).  — 
Blast  (biästig)  -  Ader,  -Bruch,  Dam,  -Fleisch, 
■({eistet;  -Molen,  -  Wind,  -  Wassersucht. 

Mastern  a.  blaustem. 

Blatt,  n  (Blättlein,  Blättchen),  tu  Blatt 

l  folluui);  ivorgerlii  bhlo- ;  irerni  bin-;  goth.  blatb  , 
ah.l  l.lat  =  Austreblulites,  AnsKewai  lix-ni-s,  Kluge*,  44  ; 
mhd  blut.  I  .-x.t  .'.'>  .  auf  l.lnttithnllche,  flache,  hilngeude 
»iliT  ausgespannte  tieblble   In   K..ri>er  atig«-wi'tnlet, 

1      Uvula  mhd     HaJmprebea,  Lexer35;  14SSdaa 

flat,  v.  Megl.g  lfi  34  uvula,  Auff  Zapfehen, 
Bckoieller  1.  42;  l&IH  das  blutt  uvula,  II.  v  »Jersd  !>s. ; 
bei  i.onleerus  uvula  Alemblait,  Hauch,  Haucti- 
hlalt,  Auf,  Huf,  Zftpfohen,  das  im  Bachen  blatt- 
förmig herabhängt  (s.  ( iurgt-l).  —  2.  Epiglottis 

—  Cbersetruug  des  loliuin  der  Arabisten  i'l.V  Jahrh 
bist  eulglotiiui,  1»  641,  Ilyrtl,  K  W.  10.  21/  ...las 
biatt  uff  der  xungeii",  Atetnblatt,  Keblblnlt  (s.  d  ), 
Kehldeckel.  —  3.  der  Scheitel-Wirbel  (siebe 
Hauptgescheid.  schlagendes  Bein)  auf  dem 
Kopfe,  der  beim  Kinde  noch  otl'en  steht  und 
nur  mit  einer  blatt-dflnnen  Haut  bezogen  ist 
für.  w.  II,  76).  daher  -  die  voidere  Fontanelle 
<les  Stlnglings;  ,.da«  Blatt  auf  dem  Wirbel*'  .Adelung'. 
(1740  fnna  pnlmuiil»,  Kalmus  67;  v.  skbold  69,  die 
nicht  rerknoehert«  steile  über  der  Stirn«  des  Klnder- 

feliadels,  Ilyrtl,  K  Vf.  21  13.r.  ff  da«  sehlagendu 
Blatt,  I  e.1.1  .  Btttttelu  tontaneln,  v  *  II.  Ii,  SM; 
Tlatner  I.  47s,  „Die  Kontanelle  Ist  hier  durch  ein  im 
ftetCn  viereckiges  Bbltlelien  gest  blossi-n.  unter  welebein 
man  die  Setilage  der  Ader  deutlich  sieht  und  fühlt", 
A  v,  II  I,  i*7«;  ist  das  Blatt  vollgespannt  11.  ge- 
schwellt, so  sagte  man  „das  Blatt  ist  geschossen", 
womit  man  die  Prognose  des  wahrscheinlich 
nahen  Todes  stellte;  daher  die  noch  übliche 
Bedensart:  „mirschiessl  das  Blatt"  als  Bezeich- 
nung der  Ahnung  von  etwas  Schlimmen  Wust 
mann  ivv  —  4.  das  Zwerchfell  (bei  Luther),  das- 
selbe schiesst  und  fallt  (w  ieder  Kinschuss-Faden 
am  Webstuhl  geht  es  gleich  massig  hin  und  her); 
auch  das  Flankenschln^en  der  Kinder  Herz- 
blatt der  Kinder  (Pneumonia?).  —  5.  -  tlas 
Brustbein  l.'.is  [.bitten,  II.  v.  tJersd  .  Ilyrtl,  K  W.  12Ü 
Hrnstblatt  (s.  d.)  —  «.  -  fifttöi  das  Schulter- 
blatt (s  d.)  bei  Mensch  und  Tier  (Coler,  Ii.  A.  143; 
Brehm  III,  13s;  Rirlinger,  Volkst.  I.  Schw.  I,  317).  — 
7.  eine  Zungengeschculst  II  7..  Xlil.  2n.'>)  in 
einem  deutschen  Segenspniehe ;  Terminlich  Angina 
(s.  Blatt  8).  —8.  =  Angina  -  das  Blatt  im  Halse 
„schiesst"  vor  die  Kehle  (Lonicerils);  bei  der 
Angina  suiipur.  schwillt  vor  der  Entleerung  des 
Abacesses  das  Blatt  (  l'vula)  Odomstd«  an  und 
hängt  herab,  fallt  herab,  aebiesst  vor  diu  Kehle 
(Cynanche  -  Sipiinantia  der  Arubisten);  veigl. 


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4H 


Blatt. 


Blatt. 


Zäpfchen,  Zttpfehenliräune,  Zäpfchenschiessen.  I 

—  D.  -  das  Blatt-  S 'cht •  s«c«  ist  die  .Siriasis  oiler 
Seiriasis  der  alten  Ärzte.  Poranus  von  Kphesus 
(XLVIIJ  z.  Sali  Trajans  sagt  (Huber,  die  Gynäkolog.  1>0) : 
„die  Siriasis  Ist  nach  des  Deniclrios  Definition  nichts 
weiter  als  ein  Brenufleber,  nach  der  Ansicht  anderer 
eine  Kntzündung  de»  Gehirns  und  der  Gehirnhallte, 
welche  Kinslnkcn  der  Fontanelle  (de*  Scheitelsl  etc. 
nur  Folgt  hat ;  den  Namen  leiten  einige  von  dem  Sterne 
Sirius  ab  wogen  der  Hitze,  andere  bringen  ihn  in  Ycr 
bindung  mit  der  eingesunkenen  Fontanelle,  siros 
heisst  namllch  bei  den  (griechischem  I-andleutcn  eine 
<>rube,  in  welcher  sie  den  Lein-Samen  aufbewahren  '' 
lii  i  tadn  Acgineta  Ist  slros  =  cavllas  (stuelpltls)  = 
Vorderhaupts -Grube  II.  13;  Kraus,  E.  HM]  Blatt- 
schiessen -  derStatus  turgescentiae,  indem  sich 
das  Blatt  (Fontanella)  befindet  (nyrti,  K.  w.  136) 
bei  der  Erhitzung  oder  Kntzündung  der  Hirn- 
häute und  des  Gehirns;  wenn  aber  die  über 
die  Hirnfontanelle  gesetzte  Haut  (-  Blatt)  sich 
etwas  setzt  und  vertieft,  so  ist  dies  =  Blatt- 
fallen  (.\.  v.  n.  I,  122.".'.  z.  B.  der  Status  collapsus 
fontanellae,  z.  B.  beim  Hydrocephaloid  der 
Kinder  (Hyrtl,  K.W.  13«;  Gr.  W.  II,  76j,  (vergl.  auch 
fallenl.  —  10.  =  der  Sonnenstich  oder  Hitzstich 
(1753  —  Siriasis.  ..wenn  das  Hirn  und  seine  Haute  von 
der  Sonnenhit/e  wann  und  entstündet  werden",  A  v.  II. 

II,  1274),  (vergl.  Gämperle,Sonnenschuss,Haupt- 
geschoss);  als  Siriasis  auch  bei  Adelung  (s.  Blatt  9) 
(Gr.  W.  II,  76),  eine  an  den  Stern  Sirius  iHunds-Gestin», 
die  helssen  Hundstage)  sich  anlehnende  Krkliining. 
Sirius  —  Orion,  Horton  is.  Inlluenza).  —  11.  —  Blatt, 
das  weibliche  tierische  Geburtsglied  (C.  v.  Schin. 
188)  (s.  reuchtblatt).  —  1 171>1)  abblättern ng  =  die 
Abstossung  von  Gewebeteilen  in  Blättchenfonn, 
z.  B.  von  Knochen  ( Exfoliatio)  fltlchter  I.  55.U  — 
(U.  Jahrh.)  .l/cm-Blatt  (atenblatt,  atenblattlin)  o 
Epfglottis,  l1  Villa  (Voc.  opt.  W.  10,  Hyrtl.  K.  W.21.7M 
'llOöatteinhlat -  epiglottis,  D.204)  —  Blatt2.  —  Auf  eil- 
Blatt  (1542,  1577,  1696-auftenbIat  —  Uvula,  Jessen  350; 
1>.  SU)  -  Hauch-Blatt  1  (s.  Auf).  —  Be in -Blättern 
-Exfoliatio  ossis  -  Beinfresser  (A.  v.  U.  II,  420); 
es  bltiltert  sich  eine  Knoehensehichte  durch 
Caries  oder  Nekrose  ab.  —  ito/incn-Blättchen 

-  Mädchennamen  (umschreibend),  wegen  der 
Genitalienform  im  Gegensatze  zum  Pfatmen- 
stielchen  der  Knaben  (Wuttke  364.i  und  in  Ana- 
logie zum  Feigenblatt  der  Eva.  —  [178s]  Brust- 
Blatt  =  das  platte  Bein  der  Brustpiatie.  Brust- 
bein. Sternum  Hyril,  K.  W.  Iii ;  Schoarschm.  I,  l::t". 

—  HG'J9)  ß««/  Blatt  Schulterblatt  am  Pfeide- 
btiL'  v  M.  1,  m.  —  Feig{en)-,  Feucht- Blatt  des 
tierischen,  brünstigen  (Menses  s  Feucht  2  und 
Wasserzeichen)  Weibchens  Geburtsglied  (Feige 
ist  entstellt  aus  Feucht  (C.  v.  8ebm.  188;  Brehm  III, 
167),  —  Fleisch  -  Blättchen  =  Partes  carnosae 
ungulae  —  die  weichen  Teile  des  Hufes,  welche 
blattförmig  gerade  unterrier  Fleischkrone  liegen 

—  FJeisehzehe,  Fleischwand,  Fleischtracht  (Gr.  Vi. 

III,  1756).  —  Fun  9  Blatt,  1.  -  Fnssrüeken,  Dor- 
sum  petita,  dieses  ist  „das  oberste  Fusshlatt" 
(l.,:;y;  i;r.  W.  IV,  1.  1U15;  Kulmus  22);  Platt  -  Teller. 
Hache  Schüssel,  daher  auch  Fuss -Schaufel 
(s.  d.).  —  2.  —  der  ganze  unterste  Teil  des  Fusscs 
a  b  in  seiner  Fläche  von  den  Zelten  bis  da,  wo 
die  Ferse  endet,  wovon  die  Fussohle  (s.  d.)  nur 


den  vordersten  Teil  einnimmt  (Gr.  w.  l.  cod.);  es 
wäre  demnach  Fussblatt  eigentlich  -  Fussüäehe 
m  Fussplatte  (gegenüber  dem  senkrecht  stehen- 


den Fuss  =  Schenkel,  Bein)  —  (1420)  GaHcn-Blatt 

—  bilis,  fcllW  et  irne  sede*  (D.  7»;  Gr.  W  IV,  1.  I1MJ  =- 
Gallenblase,  Fellicula  fei  circumdans.  —  Hauch- 
Blatt,  1.  =  (15S8)  Uvula  s.  Eva  colli  (=  Hauch) 
fl».  632;  (ir.  W.  IV,  2.  570).  —  2  -  (1541  hauchplatt. 
Hyrtl.  K  W.  21.  78;  D.  33H  -  Epiglottis,  Kehldeckel. 

—  3.  -  vergl.  u.  das  Hufhlatt,  eine  Krankheit. 

—  ik.77)  //'.'ii  Blatt,  1.  =  Os  parietale  (HjrrU, 
K.  w.  158,1,  als  ein  das  Blatt  3  (Fontanelle)  mit- 
bildender Schädelknochen;  auch  sonst  werden 
die  Knochen  öfters  als  Blätter  (Schutzhüllen) 
bezeichnet.  —  2  =  Bregma(s.  Brägen)  -  Fonla- 
nelle  (L.  eh  12;  1761)  Blatt  3.  —  Herz-Bl&tt,  1.  = 
(1620)  Zwerchfell,  Diaphragma  |Hr.  Minderer;  Heyne 

III,  142;  Schindler  I,  1171;  Gr.  \V.  II,  75;  III.  1888; 

IV,  2.  1226);  das  ..Schiessen'4  desselben  s.  Blatt  4; 
das  Zwerchfell  soll  dabei  als  Sitz  des  Lebens 
(==  Ferch,  s.  d.)  gedacht  sein.  —  2.  -  (l.vji)  der 
Processus  ensiformis  sterni,  an  dein  das  Herz- 
blatt 1  es  Diaphragma  noch  befestigt  ist  (Had 
Jun.  28;  L.  ch.  29).  —  3  =  Herzbeutel.  Perienrdium. 

—  4.  -  (1668]  eine  Kinderkrankheit,  Pneumonia, 
s.  Watt  4  (Beyn. 280).  —  (15.  jahrh.;  Bin  Blatt  üöso 

JZi»  W-Blättlein\  !l'>15  hireublatt  damit  urubgebeu 
Ist  das  hirn  —  meningea,  pellicula  in  cerebro,  D.  20,'t 

—  ilie  harte  11.  weiche  Hirnhaut,  die  das  Gehirn 
umgibt  (Gr.  W.  IV.  2.  1556),  Salvatella  s.  nandader. 

—  11*121  Horn  •  Blättchen  =  blattdünnc  Höni- 
sch ichten  am  Pferdehufe  (Falke  I,  408).  —  Buf- 
Blatt  die  Heb  (s.  d.),  Otdium  (nach  Sehmeller  I. 
332.  1038.  1064);  (vergl.  Huf  3).  Wenn  nicht  ein 
Schreibfehler  vorliegt  hugblalt  -  Huut  hbltttt;  hu*  = 
uvula,  s.  Hug,  Huek,  Hauch,  Gr.  W.  IV,  2.  6701.  so 
wäre  hufhlatt,  da  auch  sonst  „Blatt"  eine  Krankheit 
(s.  o.)  sein  kann,  vielleicht  —  Kroup,  was  mit  der  bei 
Sehmeller  1.  c.)  angegclienen  Hehatnllungsart  überein- 
stimmen wurde.  —  AYW-Blatt  (Kälhlältlin>,  1.  = 
das  blattförmig  ober  der  Kehle  oder  «lern  Kehl- 
kopfe aufstehende  Gebilde,  Epiglottis  =  Kehl- 
deckel (Hyrtl,  K.  \\.  21.  89).  —  2.  (1S02)  das  blaet, 
das  vor  dy  kele  schuest  =  Angina  (s.  Blatt  4  und 
B'attscbiessen).  —  (1783)  Ame-Blatt  (15.  Jahrh. 
kneb-blat  —  poplex ,  D.  4131  -die  Kniescheibe  als 
rundes,  flaches  Knochengebilde,  la  palette  du 
genou.  —  AVfz-Blatt  -  das  blattförmig  herab- 
hängende grosse  Netz  (Le-veUng  233).  —  OÄr-Blatt 
1I6SU  obrenblutlein;  1777  ohrenbluttchen  meringa, 
I).  358),  1.  -  Ührklappe  (bei  Tieren)  (Gr.  w.  VII, 
1252).  —  2.  —  Uhrenfell,  Trommelfell,  Pellicula 
in  aure  tibi  fit  audiln1*.  —  [15.  Jahrh.)  <^i«?»--Blatt 

-  Übersetzung  des  Diaphragma  -  Zwerchfell 
Hyrtl,  K.  W.  126;  R.  A.  246).  —  Äinrfs-Blatt  die 
blattförmiir  dOnne  Hindsdarm-Haut  (Gr,  w.  VTO, 
976).  —  Schlagende»  Blatt  (SeMa</-Blättchen) 
Fontanella  pulsatilis  beim  Kinderschädel  (Hyrtl, 
K.  W.  136)  h.  schlagendes  Bein.  —  ScAu/fer-Blatt 


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Blatte— Blatter. 


Blatter. 


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grlceh.  onioplate;  franz.  palettc  du  dos  [cspaulettc], 
A.  Parc;  engl  shoulderbladc ;  mhd.  schnltcrblat,  Ixxer 
220;  1591  schultcrblelter,  Had.  Jun.  896),  1.  ^Seapula, 
die  platten  Schulterknochen  beiderseits  am 
Rückgrate,  wie  Flügel  abstehend;  sog.  FlOgel- 
Schulterblätter  haben  die  BruBtschwachen 
(Pterygodes  Hippokr.).  —  2.  =  der  Schulter- 
knochen mit  Fleisch  nnd  Haut,  Schultergegend 
iFaike  Ii,  292).  —  (1754)  Stirn-Blättlein  -  Glabella 
(s.  Blatte)  (a.  v.  u.  1,  6w).  —  (1577)  Zanjfn-Blatt 
a  Langula,  Epiglottis,  Kehldeckel  unter  der 
Zunge  (D.  331).  —  Blatt- Feuchte,  -lAhme. 

Blatt«,  f.  iahd.  blaltn,  «irafl  III,  219;  mhd.  blatel, 

I.  =  Platte,  Glatze,  die  haarlose,  glatte  Fläche 
der  Stirne  (Glabella)  (Buck  19).  —  2.  ■  nament- 
lich die  Tonsurstelle  der  Geistlichen  (a.  Platte). 

—  3.  s.  Platte. 

Blatter,  f.  (Blattern,  Bloter,  Blätterlein, 

Blatterchen)  (Indogerra.  Wand  bhle  =  schwellen ; 
iiir  altgerm.  Wurzel  blA  (blc]  —  schwellen,  blähen,  llare, 
Kluse  *  43;  angin,  bledrac,  I).  615,  blacder;  ahd.  blAttara 

—  Blaae,  blatera,  II.  Z.  XV,  .133,  XVI,  99},  bladera 
H.  Z.  VI,  321.  plalra  II  Z  XV,  53:1  =  bulla;  plAtara 
l'Uiara  =  vcslca,  bulla,  carbunculus,  firaH  III,  235; 
O.  Z.  XV,  521 ;  9.  Jahrb.  blatr»  sa  vcslca,  Kah  Maur.  65; 
10.  Jahrh.  blatere  -  bulla,  II.  Z.  III,  36«;  11.  Jahrh. 
blAlcra  bulla,  H.  Z.  III,  Präger  Handschr. ;  1260  Mater 
■  Harnblas«.  Pfeiffer  23.  59 ;  14.  Jahrh  bleterlt  -  pustula, 
Voc.  opt.  W.  40;  14.— 15.  Jahrh.  platter,  plader,  blauter. 
blatcr  -  vcslca.  P  615;  Hyrtl.  K  W. ;  1445  platcrti  ss 
vesica,  Schmeller  I,  332;  1475  blaider  niarisca.  I)  319; 
1182  blatcr  =  pustula;  plater  —  papula,  pustularum 
aggregatlo,  vesica;  plaetterleln  papula,  roter  firtnt, 
Warzen.  Abdeln,  Zen.  Voc.  c.  1,  x  3;  1500  blättern 
Fraoxoaen.  Syphilis.  Pr.  I,  357;  1518  blotter  -  pustula, 

II.  v.  Gemd.  100,  bloter  -  pustula,  vesica,  cir.  \V.  II, 
131;  1590  Malern  -  Byphllb,  Paraccls  ,  l'r.  II,  174; 
15*3  bUtterlin  =  Karfunkel,  (ir.  \V.  IV,  2.  837 ;  1591 
Blatterle  s  pustula.  Had.  Jun.  385;  1612  blatcr  I  rin- 
blase,  Hyrtl,  K  W  13t;  Ulis  blatter  =  lue»  veturea. 
Paracet«  ;  SyphilU,  Pr.  II,  70;  1615  blattet  Webblätter, 
rrinhlasc,  Colcr.  A  339,  R-  392,  173t  Itlattem  Kinder- 

poeken,  Banatlarft;  1730  BUttterleui  xpaputae,  .  weiche 

auf  der  Haut  nicht  grosser  als  slecknadclkopfgross  auf- 
fahren, oft  auch  sehr  «pitzig  sind,  ohne  eiterichtu 
Materie".  A.  v,  H  I  1105  veslcae,  veslculae  *eu 
bullae,  Auspttx;  1750  Blattern  —  Pustulae,  ..ganz  kleine 
beschwüre  auf  der  Haut,  obwohl  es  auch  bei  vielen 
niemals  zu  einer  Schwürung  drr  Flüssigkeit  kommt", 
A  t.  H.  I,  IM1,  „Man  hol  sie  auch  für  eine  Abart  der 
Luslseuche  [s.  böse  Blatten)]  gehalten,  daher  sie  die 
Franzosen  )a  petltc  veröle ,  die  I.ustscuchc  alter  la 
grande  veröle  genannt",  A.  H.  I,  1314;  1838  Blatter 
die  kleine  Blase,  Sehw.  72,  1839  Blattern  Variola, 
Pocken,  Hehrend  3'j.  Blatter  [Bayern.  Schwaben, 
Tirol,  Österreich)  pustula,  papula,  bulla,  vcslca  urinnria, 

eüjentiich  also  stetsi  Blatter  soviel  als  Blase  und 
Blätter  lein    Blaslein,  Blätterehen  Bläschen. 

—  [15  Jahrh  |  bla t te rieht  -  mit  Blattern  versehen, 
pustulonus,  tuberosus  i>  tri  6ooi,  geschwollen. 

Blatter,  1.  =  Urinblase,  Harnblase  (a.  d.) 
Lexer  25)  —  2.  -  jeder  Hautausschlag  (Derma- 
tose) mit  Blasen-  od.  Bläschenbildung,  Pustulae, 
Bullae,  Miliaria,  aber  auch  Papeln  und  Akne- 
Knötchen,  Quaddeln,  Furunkel,  selbst  Kar- 


bunkel, weil  diese  mit  einer  umschriebenen 
Hautaufschwellung  grösseren  oder  geringeren 
Grades  einhergehen.  —  3.  =  vor  allem  aber  die 
eigentl.  „Blattern", Variolae  idies  «dt  dem  n.  Jahrh. 
bleibende  lat.  Bezeichnung  für  Pocke  la,  Schnurrer  1, 138) 
(Vaccina):  (570  Ines  cum  veslcls  et  morbus  cum  pro- 
lluvlo  ventris,  580  pustulac  inalae,  Hennig  in  Gerhardt 
I.  38  —  coralles,  mllinac  cum  pusulls  et  veslcis,  blacciae, 
humak  der  Aral>er ;  ärztlich,  nach  Hennig  I.  cod.,  am 
fnihesten  erwähnt  In  den  Pandekten  des  Ahron  von 
Alexandrien  7.  Jahrh.,  Haeser  II,  63;  dann  In  ahd., 
mhd.  und  nhd.  Zelten  Hrschlachtcn  —  Ausschlag  ge- 
nannt; ;  volksmedizlnlsch  wurden  auch  sie  dAmonistisch 
aufgetaut  (*.  Nachtblauer]  und  darum  mit  „Frau"  an- 
gesprochen, Behmell er  i,  soi),  ;i883)  als  „eine  infek- 
tiöse Angioneurose  der  Haut  mit  vorwaltend 
phlegmonösem  Charakter  der  Hautentzündung" 

(Auspitz  in  Ziemasen,  Hdb.  d.  sp.  Path.  u.  Ther.  XIV, 
L  274)  bezeichnet.  —  4.  =  Knoten,  Warzen,  (1495) 
syphilitische  Pusteln  und  Condylomata,tnsoferac 
auch  sie  MasenAhnllche,  umschriebene  Hauterhebungen 
i'AufMasungen,  Efflorescenxen)  darstellen  [Fuchs  I,  415; 
Pr  1, 336. 3371  und  wohl  auch  infolge  der  Übersetzung  der 
franz.  ralrolc  (veröle)  (15.  Jahr.)  die  als  grosse  veröle  (  - 
Syphilis)  von  derpetlte  veröle  (Variola)  gelrennt  wurde. 
Im  Allgemeinen  hat  die  Blase  (Bläschen,  Bläs- 
lein) den  Begriff  des  flüssigen  Inhaltes  mehr  be- 
wahrt alsd.  Blatter,  dieneben  „Blase"nueh  noch 
Geblähtes, Gesell  w  1 1. ü.  ?.  Warziges  (ohne  flüss- 
igen Inhalt)  bedeuten  kann.  —  Blatterling,  Bla- 
derling,  Bläderling,  Plätterer  =  Podex  (Tirol), 
dereinen  blasenden  Ton  von  sich  gibt  (Hintner 
7.  17)  oder  aus  dein  der  flüssige,  mit  Gasen  ge- 
mischte Kot  „gebladertu,  mit  Luftblasen  aufge- 
bläht, hervorkommt  (Furzblatter).  —  blättern, 
ndd.  bladern  =  pustulare  (l>.  474)  ■=  varicellis  seu 
variolis  laborare,  die  Blatternkrankheit  durch- 
machen. —  Blattcrheit  [ndd.  15.  Jahrh  bladerehelt, 
D.  474)  -  PuBtulositas.  —  ächts  Blattern  -  natür- 
liche Pocken.  —  .  1  n-;>  »'<  /Vs-Blattern  =  Pustulae, 
Morphaea  (Blatter  2)  mit  Entfärbung  der  Ge- 
sichtshaut (s.  Ausplu  in  Zlemssen.  Hdb  d.  sp  Path. 
u.  Ther.  XIV.  1.  227;  Zw.  139).  —  <4«f7iraj-Blatter 
(1518  „die  bloter  antrax  genannt",  H.  v.  tiersd.  73, 
Pustula  maligna,  Kohlenbeule,  Milzbrand-Kar- 
bunkel, „ein  scharfer  und  schädlicher  Siecbtag'1 
1  cod.)  Brandblase,  Rankkorn  (Zipp.  632).  — 
A  >-v7<  -  Blatter  Condylomata,  umschriebene 
warzige  Hautauswüchse  am  After.  assa)  warzen- 
artige Akanthome  (Auspitz,  1.  c).  —  (1615)  Augen- 
Blatter  Horpes  corneao,  entzündliche  Bläs- 
chen (Geschwüre)  auf  der  Hornhaut,  L'lcera 
oculorum  (Colcr  H.  A.  113).  —  Augoi  Blatterlein 
-idemdiuek  5i  .  —  (1758)  blaue  Blatter,  die  durch 
Übergang  in  lokalen  Brand  bläulich-schwarze 
Milzbrand-Beule  (Anthrax  malignus  s.  esthio- 
menus)  Puch»  ir.  293;  Bchnurrcr  Ii,  827)  -  blaue 
Rose,  Wurm.  —  1  ici •*)  Blei- Blatter  luxu»,  un- 
!  diruiae  (oedcina  Pnrne.l-I  (l'r.  II,  761  =  Stark  SCZer- 
i  nierende,  syphilitische  (s.  Luxus)  wttsserige 
Schwellung,  Blasenbildung,  die  mit  Blei-  und 
Zinnpflastern  behandelt  wurde.  —  Mut  Blatter, 
1.  =  Variola  haemorrhagica.  —  2.  -  Blutheule 
(t;r.  w.  Ii.  i7.v  —  3.  =  eine  Krankheit  im  Ma«t- 
darm  des  Viehs  ;?i  bmcllcr  I,  332)  (Milzbrand- 
Blatter,  Karbunkel).  —  böte  Blattern,  1  =  Sy- 


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Blatter. 


Blatter. 


philitische  Dermatosen,  welche  Hautfarben, 
ahnlich  den  Blattern  (Variola-)Narben  hinter- 
lassen (papulöee,  bullöse,  pustulöse  Syphilide), 
Fr.  I.  337 ;  II,  IM ,  Haeser  U,  221).  Bowle  die  syphil. 
Feigblattern  oder  Condylome;  (im  bösse  Matteren 

—  Syphilid,  Fr.  II,  181;  mala  trauen»  allo  nomine  po* 
platereu  und  lernt. ( clor  glleder,  Lorsch 201 ;  1 497  die  t>o»en 
Mattem  Syphilis,  Fuchs  I,  309.  31»;  1501  hosen  Matern 
die  man  nennt  malFrantzosen,  Fr.  1,371;  1609  1x>m>  blät- 
tern =  grosse  «yphllit.  Drusen,  Pr.  I,  IM  [Feigwarzen: ; 
1533  böse  plattem  o.  schaden  der  Franzosen  [Würzburg], 
Lammert,  Volks-Med.  ',  212;  1561  bosc  Mattem  -  Frau- 
zosen,  Bork,  Krtrbch.  Register;  1620  hose  Mattem  die  da* 
fleisch  verzehren,  Fr.  Minderer  - Ulcus  phagedaenicum ; 
1750 bose  Blattern  boarum  syphiliticum,  A.  v.  II.  1,221»,'. 
Mit  den  bogen  Blattern  (la  grande  veröle)  hangen  auch 
die  „Blattern -Ilauser"  und  „gute  Lout  ■  Häuser"  des 
spateren  Mittelalters  zusammen  (vcrgl.  8ehmcllerl,332). 
die  eigentlich  Syphllls-SpItalcr  wirvn.  —  2.  =  Hitz- 
blätterlein,  kleine  spitzige  Blatterlein  auf  der 
Haut  (A.  v.  H.  I,  229)  (vermutlich  solche  papulöse 
Dermatosen,  die  man  noch  nicht  sicher  als  sy- 
philitisch [giftig,  böse]  diagnostizieren  konnte). 

—  Brand-Bl&tteT,  1.  =  die  durch  Verbrennung 
erzeugte  Hautblase  (A.  v  H  II,  1237).  —  2.  =  Variola 
mit Zellgewebs-Brand  (Phlegmone,  Diphth.)  und 
Ausgang  in  Brand  (b.  d.).  —  3  =  Bulla  vencrea 
(Gr.  w  II,  29"j,  eine  brandige  Form  einer  syphi- 
litischen Dermatose,  vermutlich  brandiger 
Eichelschanker,  dem  das  Eichelblatterlein  (s.  d.) 
voraufgeht.  —  4.  =  Brandpocke  (s.  d  ).  —  5  = 
Brandblase  (b.  d).  —  braune  Blatter  -  Hnnds- 
blatter  (Kraus  f.,  1035).  —  breite  Blattern,  1.= 
(1009)  (nicht  spitzige)  Variola  (Guar.  775  .  —  2.= 
(1564,  157HJ  breite  Condylome  (Fr.  II,  145.  671).  — 
(1529)  brennende,  (1742)  ßrenn -Blattern  -  Pustulae 
ardentes  pJtonafsls;  Zw.  362;  177«  -  UritU,  Plenck) 
-brennende  Pusteln  Bohrend  6j ,  heisse  oder 
Feuer-Blattern,  Karbunkel,  Angqueiz.  —  (1661) 
rfte  schtearzen ,  brennenden  Blattern  ■  Variola 
illuck  101;  —  />rifsf  Blatter  d">  Jahrh.  bnistblneder, 
D.  411)  -  Papilla  mamtnae,  Brustwarze.  —  Car- 
bunkel-  o.  Karfunkel-Bl&ttern  Anthrax,  der 
auch  Pustula  maligna  o.  Milzbrand-Karbunkel 
(Karfunkel)  heiest  (Ignis  persicus)  (A.  v.  II  I,  ioi). 

—  dicke  Blatter  eine  blasen  förmige,  runde 
Weibsperson  [Plunzen]  (Sebmellorl,  333).  —  Druck- 
Blatter  [iw  tnickblatter,  i>.  ho*,  l.=die  bei  der 
Geburt  durch  den  Wehen-  und  Blutdruck  her- 
vorgetriebenen Hämorrhoidalknoten.  —  2.  = 
Warzen  (Condylomata)  am  sog.  Ausdruck  (antiB) 
Arscb  Matter.  —  läoo)  Drüsen  -  Blattern ,  1.  = 
(Strasburg*  die  mit  Drüsenanschwellung  u.  Haut- 
pusteln  einhergehende  Syphilis  (Fuchs  l,  313; 
Pr.1,3").  —  2.  =  Blattern (2)  ähnliches  Exanthem 
bei  der  Beulenpest  tu  Bnanschwelg;  Lorsch  203). 

—  (1756)  EtV hei  -  Blätterlein  Bullae  venereae 
(s.  Brand-Blatter),  cbancre  an  der  (ilans 
penis  (,\.  v.  n.  ii,  24s).  —  Kiter  -Blattern,  1.  - 
Eiterpooke,  Eiterbeule,  Eiterblase,  Pustula  auf 
der  Haut  (Or.W.  III,  392).  —  2.  =  eine  eitrige  Blase 
im  Auge  (Herpes)  (Wallb.  363).  —  (1529;  elende 
Blattern  die  Syphilis  der  Haut  bei  den  ,, Elen- 
den'* o.  „guten  Leuten"  (s.  d.)  (=Lues  vetteren) 

Fuchs  1.  359).  —  £riwt*n-Blattern  -  erbsen  runde 
und  -grosse,  glatte,  dunkle  Knötchen,  die  auch 


|  11776.1  Terminthu«  (ialenl ;  Plenck1  —  Krebs  (Cancer  en 
cnlrasse'')  genannt  wurden  —  Morbus  tereblnthinus 
Paracelsi  (Haeser  I.  462;  Behrend  5;  =  Ilerpe«  exeden* 
(Sobernheim).  —  falsche  Blatter  -  falsche  Pocke 
!Krau«,  E.  835)  =  Varicella.  —  faule  Blattern, 

1.  "  (1460  leule  lilator:  Condyloma,  Fr.  I,  354;  lVNj 
foulblattem,  Fuchs  I,  319)  —  syphil.  Hautgeschwüre 

|  mit  faulig  riechender  Sekretion  (Condylomata  ul- 
cerosa). —  2.  -  (MO»  Obelriechende  Variola  (Guar. 
771).  —  3.  =  Obel  secernierende  Hämorrhoiden 
(Feigwarzen)  (Fuchs  i,422>.  -  F«'<7-Blattern  11.  bis 
15.  Jahrh.  ficblatcra,  vicblatter.  ficblattem,  felgMottern, 

1   IL  Z.  III;  D.  140.201    haemorrholdes  ;  mhd.  vicblatter 

-  Felgwarzen,  Hämorrhoiden.  Heyne  II,  SH't;  1482  teyg- 
platter,  veigplater  -  nMnla,  Ileus,  vibus,  1).  2;!".  617; 
1517  —  1521  felgenblater,  -Matter  =  Sycosis,  D.  532; 
1618  fygblattera  Im  antcron  HumorrholdalMuttlussc 
aus  den  6  Adern  um  den  Alter  herum,  auch  Geschwüre 
und  Fisteln,  H.  v.  Gorsd.  54;  1551  Feigblattero.  Bock  43 
-—  Felgwatieu;  158S  offene,  verwundete  Feighlattern 
[Taliernaemont  ] ;  1645  fclgwblatteru  —  syphilitisches 
Wangengeschwür  (placques),  Coler,  H.  A.  216;  1740 
Feigblattera-  Feigwarzen.  Zw.  504;  1761  felgblattcr  am 
Hinteren  ■  atriecs  [atrox!.  peinigende  Feigwarzen  (Biek- 
arseh],  L.  eh.  10)  „Alles  was  vom  Afteifluss  (s.  d.) 
entsteht",  war  Feigblatter  (mit  Verwechslung 
von  Ursache  und  Wirkung);  da  die  blutroten 
Feigwarzen  soviel  als -Condylomata,  so  kann 
man  die  früheren  Feigblattern  ganz  wohl  auch 
als  Condylomata  annehmen  (Placques),  jeden- 
falls aber  als  Gold- Ader-  Knoten  (a.  Ader)  = 
Haemorrhoides  (vcrgl.  schmoiior  1,  <u'>9) ;  jeder  rote 
blutige  Ausduss  aus  dem  After  hiess  „Feig"  u. 
heissl  noch  das  Feig  (s.  d.)  (  — licus).  —  Jliessendc 
/"fi</blattern,  1.  =  dieCondylomatalataals  Plac- 
ques, in  der  Nahe  der  Schleimhflute  mit  starker 
Sekretion  verbunden  und  blutrot  wie  die  Feigen- 
Pulpa,  oder  auch  2  blutende  Hämorrhoiden  ; 
Geschwulst  der  güldenen  Ader  o.  Feigblattern 
(Tabernaom.)  =  Hflmorrhoidal-Anschwellungen; 
(l.VJSi  der  Feii;blattetn-Kj>pich  =apium  huemorrhoidn- 
nim  H  v  Gersd.  100.1.  —  Fersen -Blattern  =  Frost- 
beulen an  der  Fetse  (<;r  w.  n,  79).  —  Feucht- 
Blatter  (1477  felohtplatter  =  haumrrhuidae,  Ortolphj, 
Feuchtwarzen,  Feig  (s.  d.)  oder  Feigwarzen 
(Schweiler  i,  t.s.s  —  feuchte  Blatter,  1  =  fliessen- 
des  Ekzema  (Salzfluss  mit  Kkzema-Blaschen).  — 

2.  -  u<;»7)  Feigwarzen  als  Feuchtigkeit  abson- 
dernde Warzen  (Georg.  402).  —  Feuer- Blatter 

—  vermutlich  zuerst  entstanden  als  Übersetzung  des 
santo  igne  heiliges  Feuer  der  Waischen  -  Ignis 
porsieus  der  Lateiner,  worunter  verschiedene  mit  Rote 
und  Hitze  der  Haut  (Phlegmone!  einhorgehende  Krank- 
heiten verstanden  wurden,  vor  allem  1.  —  die  Pustula 
maligna,  Milzbrand,  Anthrax-Karbunkel  (An- 
thracion ,  Carbunculus  malignus ,  bösartige 
Pustel,  schwarze  Pustel,  ungarische  Pocke, 
Heunsche  Blatter;  Herdphlegmone  der  Haut) 
(Behrend  61;  Auspitz  1.  c. ;  v.  M.  II,  M),  —2  =  Ähn- 
liche mit  starker  Ilautröte  und  Hitze  (Brand) 
verbundene  Krankheiten,  z.  B.  Pest-Karbunkel, 
Furunkel,  „weil  sie  eine  sehr  rote  Geschwulst 
bilden"  (Behrend  61;  v  M.  II,  102).  —  8.  =  die 
Nacht-Blatter  (s.  d.),  weil  sie  unter  starker 
Hautröte  sich  als  umschriebenes  kleines 
Knolchen  (s.  Feuer-Bläschen, Pustel)entwickelt 


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Blatter. 


Blatter. 


51 


(Epinyctis  Hippokratis)  (Gr.  w.  in,  i58S;  vii,  ito). 

—  4.  —  auch  das  Eczema  acutum  „als  die  Wirk- 
ung eines  in  der  Tiefe  des  Körpers  steckenden 
Feuers  oder  Brandes"  (A.  v.  II.  I,  366;.  —  5.  = 
Variola.  —  Fliesa  -  Blattern  =  zusammenflies- 
sende  Blattern,  Variolae  confluentes  (Or.  ff.  III, 

1-93,  -  (US«  f^Z'Mc  \  M»tt«W«  <™er- 
oaem. ;  Pr.  I,  33?)  =  Syphilide  (s.  Franzosen  und 
Pocken),  auch  gamorrhoische  Blatter  bei  Para- 
celsus  (Pr  II,  70)  genannt,  weil  dieser  die  Fran- 
zosen auch  von  der  Gonorrhoe  (Tripper)  ab- 
leitete, wenn  diese  „pustulosisch"  (s.  blättrige 
Art)  wird.  —  Friesel  -  Blattern  =  (1700)  jedes 
akute  frieselartige  Exanthem  (A.  v.  H.  I,  6ii), 
namentlich  (1776)  die  Miliaria  (crystallina?) 
tPleuck;  Behrend  5)  =  Miliaria  alba  et  rubra  (s. 
Frieaelpocke).  —  Furcht- Blatter  s.  Schreck- 
blatter. —  (14.  Jahrh.)  Furtt-  Blatter  (=Yeslca, 
Voc  opt.  w.  Ii)  *a  Urinblase  in  der  Nähe  des 
Blatterling  (s.  d  ).  —  .Ftos-Blatter  =  Blatter  an 
den  Fussen  (Dermatitis  bullosa  ex  intertrig). 

—  (1482)  Gall. (vi  i-Blatter  =  Gallenbalg,  Gallen- 
blase (8.  d.);  (engl,  gallbladder,  Lehf.  38;  Gr.  W.  IV, 
L.  1191).  —  gonorrhoische  Blatter  s.  FranzOBen- 
Blatter.  —  Geblatter  (8.  Jahrh.  kapUtcr  =  Inflam«. 

Koro  -9)  =  Aufhlahung.  —  (1777)  Gerrtcn-Blatter 
=  Gerstenkorn  als  Pustel  am  Augenlide  (D.  532). 

—  Gerichts  -  Blätterlein  =  Acne  faciei  (Ruland) 
-  kleine,   umschriebene  Hauterhabenheiten 

bildende  oberflächliche  Follikel- Entzündung 
im  Gesichte  (s.  Finnen).  —  (1529)  Gift- Blatter 
faracel*.)  Sublimat- Ekzem.  —  grosse  Blatter 
(Chers.  der  franz.  Brande  Tairolc,  veröle,  Pr.  I,  337; 
II,  151)  -  syphilitisches  Exanthem,  böse  Blatter. 

—  grossbattende  Blattern  =  Kinderblattern  — 
Variola  (Guar.  775).  die  grossklumpige  Blattern 
macht.  —  1 15.  Jahrh.)  Harn-  Blatter  (Matter  des 
harn*  reslm.  d.  615,  Gr.  W.  IV,  2  487]  Harn- 
blaue,  Seichblatter.  —  (1777)  harte  Blatter  = 
Condyloma  (1).  140;  -  Warze.   —   (1.'«»)  Häutel- 

Blätterchen  -  Strophulus  (Behrend  M),  ein  mit 
Blaschenbildung  und  mit  oberflächlicher  Ab- 
hautung,  Abschälung  einhergehender  Ausschlag 
bei  Kindern  (vergl  Häutelbläschen  u.  Häutel-, 
Schalblftschcn)  —  (ms)  Haupt  -  Blätterlein 
Tabcrnacm  >  -  Eczema  capitis,  das  Bluseben 
auf  der  Kopfhaut  macht.  —  heisse  Blattern 

—  Brennblattern  (s.  d.).  —  Heunsche  Blattern 
=  Anthrax-Karbunkel  —  ungarische  Pocke;  die 
Viehseuchen  kamen  sehr  httufig  vom  Osten 
(s.  Feuerblattern  und  vergl.  Hüusche).  —  [16W) 
Hirschbrein- Blatterlein  =  Hautknotehen  von 
der  Grosse  eines  Hirsekorns,  Herpes  miliaris 
(s  Hirsekrankheit)  [v.  M.  n,  132'.  —  Hitzige,  Hiti- 
Blattern  (-Blätterlein)  cum  ktttUetteil«  rada- 
mlna.  D.  5ft4i  =  unter  Hitze  und  akutem  eyelischem 
Verlaufe  („auB  innerer  Hitze")  auftretende  Bla- 
sen und  Pusteln  fcalldabulla.  rauibolc,  eehaufTetures, 
Rri».  218).  1.  =  Herpes  ( -  Phlyctaenae)  <Zw.  342. 
811;  A.  v.  H.  Ii.  1236;  Huck  45).  —2  =  Ecthyma 
[Bohrend  48)  =  Phlyzacium  [Geber  in  Zlemssen,  Hdb. 
d  »p.  l'ath.  u.  Ther.  xiv,  l.  436»  als  Stauunga- 
Puste!.  Papulae  sudorales.  —  3.  -  (1577)  Suda- 
mi na.  d.  h.  unter  Schweissbildung  eintretende 
Hautbläschen  (A.  r.  II  I,  7W;  Krau»,  E.  731).  —  I 


4.  =  rote  Papeln  (1591  HiUMttterleln  =  papulae 
rubldac,  Had.  Jun.  38-1;  1750  papulae  rubra«,  A.  v.  H. 
I,  790,  papulae  rubentos,  Pustulae  benlgnac,  iehorosac), 
vermutlich  =  die  fieberhaften  Variolae  uud  Va- 
rioloides  (A.  r,  n.  I,  219).  —  5.  =  (1839)  der  Stro- 
phulus (-=  Häutelblälterchen,  b.  d.)  (Behrend  50); 
..Zahn-Ausschlag.  Zahnfriesel"  ist  hicfür  wohl  häufiger, 
obwohl  ebenso  unberechtigt  Im  Volke  gebraucht.  — 
6.  =  (nach  Behrend  50  u.  Kraus,  E.  339)  wurden 
fröher  darunter  auch  Ignis  volaticus,  silvestris 
(Wildnis,  Wildfeuer),  Milzbrand -Karbunkel, 
Liehen  igneus,  Ekzema,  verstanden;  weitere 
Synonyma  sind:  Schälbläschen,  Hftuteln,  Hitz- 
hlütchen,  Aussprung,  ausgesprungen  sein,  aus- 
fahren, Zahnfriesel,  roter  Ansprung,  rotes  Ge- 
Bämmte.  —  7.  =  die  Gribelsucht  =  Urticaria 
(Nesseln,  Nesselsucht.  Papulae  mordicantes) 
(A.  v.  H.  I,  790),  weil  nie  mit  Hitzegefuhl  und 
(Blättchen  =  )  Quaddeln  einhergeht  (vergl.  Nea- 
Belblatter).  —  8.  =  Blasen  und  Bläschen  durch 
Hitze  (calor)  erzeugt  (Gr.  w.  iv.  2.  1581),  Derma- 
titis bullosa  ex  calore.  —  9.  —  (1497)  auch  syphi- 
litische Hauteruption  (Fuchs  I,  310),  Thyma  = 
Thymion,  Quendel warze  (L  eh.  84;  Kraus,  E.  1049). 

—  (1588)  braune  Hiti -Blatter  'hltzbletteren,  Taber- 
naem.;  Jessen  214)  =  Karbunkel,  Brandbeule, 
Hitzbeule.  —  (i«99}  (schwarze)  //««ds-Blatter, 
l.  =  Variola  (z.  T?  Therminthus  Galeni  und 
der  älteren  Ärzte),  mit  schwärzlichem  blutigem 
Wasser  gefüllte  Blasen  (Pusteln).  —  2.  =  Schäl- 
blatter. —  3.  =  Pemphigus,  Phlyetaena,  Kyno- 
pemphix  (Kraus,  E.  287.  1035;  t.  M.  II,  130).  —  4.  = 
braune  Blatter.  —  6  =  Hundepocken  (Falke  I, 
42i).  —  (1742)  Huren  -  Blatter  <zw.  M7)  =  böse 
Blatter  (Syphilis).  —  hupf-  Blattern  -  durch 

|  die  Vaccination  (Impfung,  s.  d.)  erzeugte  Blat- 
tern (Schutzpocke).  —  7ucA- Blattern  (-Blätter- 
chen)  Prurigo,  HautknOtchen  mit  Juckreiz 
(1839;  Behrend  51;  Elchhorst  II;  die  alteren  Autoren 
hatten  für  Prurigo  die  Ausdrücke  Cncsmus,  pniritus, 
Scabies  Hier«,  formica,  herpes  scabiosus,  Bebrcud  L  Md.), 

—  (1590)  h'.mf  -  Blattern  (=  Pustulae  mallguae, 
D.  474)  —  )>Ose  Blattern  u.  Kotblatter  (h.  d.)  — 
Kind  i  s  Blattern.  1  ■  Variola, d. eigentlichen 
Blattern,  dasie  beiden  früher  meistungeimpften 
o.  noch  nicht  durchblätterten  Kindern  am  häu- 
figsten vorkamen  (heute  sind  die  Kinderblattern 
sa  Varicellae);  die  Variola  als  Kinderblattern 
sind  z.  T.  das  Bothor  Arabum  (vergl.  Aussatz); 
(2M1  klndsblateren  ;  pustulae.  Gr.  W.V.73I,  1577kind$- 
Mettereu  —  vari,  celhymata,  „barbnrlee  morbllll",  nior 
billla  [d.  h  rote  Kludsblattern],  <ir.  W.  V.  734;  Ii.  363; 
1580  kladaUattor  Pocken,  Gr.  W.  VI,  1700;  1591  = 
vari  und  morbllll  [rote  Kindsblattern),  Had.  Jun.  384. 
1725  Kindsblattcrn  =  variolae,  Thea.  sau.  Br.  93;  1742 
KludtTblattereu  -  variolae,  Zw  313.  Klndsblatteru  — 
Kiiulerpot  ken  [s.  dj,  Gr.  W.  11,  77;  V,  734;  17iil  Kinder- 

buttern  =  Variola«,  L.  eh.  87).  —  2.  —  Masern  — 
Kinderflecken  ( =  Papulae,  Boa,  Bova  der  älteren 
Autoren),  als  „rote  Killderblattern",  von  den 
eigentlichen  Kinderblattern  (=  Variola)  unter- 
schieden: (1561  rothe  Kinderblateren,  <ir.  \V.  V,  734; 
1577  rote  KinderMetterle ,  'ir.  W.  1  eod.;  1591  rote 
KiuderMatterle,  Had.  Jun.  384  tnaculae  nibrae 
rote  Flocken  [Masern]  -  KlnderflccU-n.  Kinder-Masern, 
I  Kotsucht,  s.  d  ).  —  3.      1592  rote  kludsblaWrUn 

V 


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52 


Blatter. 


Blatter. 


Papulae;  1899;  v.  M.  II,  IM;  D.  411!  =  wilde  oder 

falsche  Kindsblattern,  Varicellen  (s.  o.  1),  Schaf- 
blattern, Wasserpocken  etc.   —  (1394)  kleine 

Blatt«ni  (riseraen  dlj  kleinplater  lmpeügo,  D.  2891 
=  Risamen,  ROslein,  Engerling  im  Antlitze.  — 
Kot- Blattern:  (löf.i  kaatpiateren,  <;r.  \v.  v,  UN), 
=  „ein  kleines  Aiss  (Furunkel,  s.  Adel  -  Fiuger- 
geschwär),  das  bald  reift  und  ausgeht".  —  (1699) 
A'r./sf'fu'-Blatter  —  Varicella  als  hellglänzende 
Wasserpocke  (v.  M.  Ii.  im.  i»7).  —  A"iJi-Blatter, 

1.  =  Kuhpocke,  s.  d.  (Vaccine).  —  2.  aber  auch 
=  Kuhfladen  (Gr.  W  V,  2551};  (vergl.  u.  Vieh- 
Blatter).  1742  /.  '(.■;.;•  u  -  Blatt  crlein  Lungen- 
bläschen (Zw.  I6j.  —  (iöor)  Maul  Blatte rn  ;llort. 
min.)  =  alcole,  Apbthenbläscben  im  Munde  (siehe 
Mundblattern).  —  Mensclien  -  Blattern  -  die 
monschlichen  Pocken  (s.  d.)  im  Gegensätze  zu 
Kuh-,  Pferd-  und  Schafpocken.  —  (l.vttj  Mund- 
Blattern,  1.  =  Apbthenbläscben,  Mtuoid -Vari- 
cellen ;Krantw.  XUII,  v.  M.  II,  124)  bei  Kindern. 

—  2.  (all  alcola  maligna,  1497;  Pr.  II,  21)  —  syphi- 
litische Mundgeschwüre.  —  .Var/tf-Blatter  l  588 
Nachtblauer,  Gr.  W.  VII,  170  =  ,, eiternde  Blasen  und 
Heulen,  welche  sonders  den  Nachts  einen  grausamen 
(brennenden]  Schmerz  machen"  -  Sachtbrand  [*.  d.); 
1591  Kplnyclidcs.Tabernacm.  114A,-=  Naehtbrand-Blatter 

—  -•  Fcuerblatter  Wlhclsucht  (s.  d.]:  „welssblauliche 
oder  auch  ganz  schwante  Blattcrlein,  die  besonders  bei 
Nacht  hehr  beschwerlich  belsseu  und  meist  mit  einer 
Entzündung  verknüpft  sind ;  sie  zeigen  sich  auf  ver- 
schiedenen Teilen  de«  Leibes",  A.  v.  II  I,  604;  II,  395, 
Gr.  W.  Hl,  1488]  -  Hitzblätterlein  (Kpinyctis),  die 
über  Nacht  unterHitzou.  Brennender  Haut  aus- 
brechen .Tabernaem);  vermutl.  der  nach  früherer 
Meinung  vom  Nachtmännchen  (Schrecksele)  zur 
Strafen  n.  A.  Rh.  539t  veranlasste  Herpes  (Pustula 
nocturna)  (Fuchs  Ii,  454),  (vgl.  Gatterlein, Schreck- 
blatter) o.  die  Ecthynia-Pustel.  Vergl.  Komeo  und 
Julia  I,  •  „Oft  plagt  die  bose  Mab  mit  Witschen  diese, 
well  Ihren  Odem  Nascherei  verdarb."  —  natürliche 
Blattern  Variola  im  Gegensätze  zu  den  künst- 
lich eingeimpften  Schutzpocken  und  zu  den 
wilden,  falschen  Schafpocken  (Varicellae).  — 
(IUI)  Nessel  -  Blattern  (H.  Bock  3;  blaterlin  der 
nwmcleti;  1590  Nesselblaltcr,  Gr.  W.)  Nessel-Quad- 
deln,  Urticaria  (s.  Ilitzblatterchen  7  und  Gribel- 
sucht),  wie  durch  die  Nesseln  (Urtica)  erzeugt. 

—  Ohren  -  Blättchen  Ohren  -  Trommelfell, 
Membrana  tympani,  Meringa  fmerlx  —  Haut,  liyrtl, 
K  »  LMJ  Pest  Vestilcnt-  Blatter  :.:  llll  •  In 
Hautausschlag,  wie  er  auch  bei  der  Pest  als 
ecehymotischu  Pestflecken,  Peststriemen  [Pe- 
techien,  Stigmata]  vorkommt,  sondern):  1.  - 
die  angeschwollenen  (aufgeblasenen)  Pestbeulen 
der  Kubunon  •  Pest,  Pestdrüsen,  (l&M  pestllenz- 
bUtCf,  Bock  41;  <ir.  W.  VII,  1572;  A.  v.  II.  I,  101).  — 

2.  =  die  schwärzlichen,  infectiösen  Anthrax- 
Beulen,  Bankkorn  A.  v.  II.  1.  cod.;  Zlpp.  t72;  Falke 
II,  193;  foler,  l».  321  Milzbrandblalter,  schwarze 
Blatter.  —  P/Vrt/c-Blattern  -  Rossblatter.  — 
(im)  /VA-m-Blatter  die  Pockenpustel  (Va- 
riola) [Welckard.noi.  —  Äosa-Blatter,  1.  -  Equina 
(im  Gegensätze  zur  Vaccina  Kuhpocke),  die 
den  Menschen  auch  vor  den  Pocken  schützen 
soll  (?)  iBehrend  42)  a)  eine  oft  mit  der  Maucke 
(s.  d.)   verwechselte   Ecthyma  -  Pustel  beim 


Pferde  (Schutz -Räude),  oder  b)  eine  über- 
tragene Menschenpocke.  —  2  =  die  sog.  Hitz- 
beulon  (Falke  Ii.  195).  —  Rote  Blattern,  l.  - 
Masern  =  rote  Kinderblattern  (s.  o.).  —  2.  = 
Akne  Vm  rote  platterlin  im  angestellt.  Had.  Jun.  387). 
Bote  Blättericht  unter  den  Augen  =  Lupus  ex- 
foliativa». —  ScAöl-Blätter  -  Schälblase  2  u.  3. 

—  Schaf  •  Blattern  1592  scharTblateni ,  Wirsung, 
Arzneibuch)  -  Varicellae  wegen  ihrer  Ähnlichkeit 
mit  den  eigentlichen  Schaf-Pocken  (s.  d  );  (1597 
=  Nachtbrand.  Gr.  W.  VIII.  1998).  —  Schönfxits- 
Blätterchen,  1  =  die  das  schönste  Gesicht  ent- 
stellende, von  Müttern  sorgsam  beobachtete 
Akne  junger  Mädchen  iFuehs  II,  212).  s.  Venus- 
Blätterchen,  Venus-Blümchen.  —  2.  —  syphi- 
litische Akne,  die  man  in  Frankreich  mit  dem 
Schönheitspflästerchen  ä  la  mode  bedeckte.  — 
ScÄrccA-Blatter  -  die  nach  dem  Volksglauben 
durch  Schrecken  in  der  Nacht(Schreckmännlein, 
Schrecksele  etc.)  erzeugte,  rasch  auffahrende 
Gruppe  von  Bläschen  an  der  Lippe,  Nachtblatter 
(Herpes  labialis).  —  Schuss-,  Schoost-  (Q'schoss-) 
Blatter  =  Herpes  zoster,  HerpeB  corneae,  Con- 
juetivitis  phlyctaenulosa  (weil  wie  durch  einen 
plötzlichen  Einschuss  [s.  d.  =  Neuralgiaj  verur- 
sacht); sie  wird  „getötet"  durch  Blasen,  Anhauchen, 
weggeblasen,  volkstncdizinisrh  (Pauli  39;  Losch 223). — 
schwane  Blattern,  1.  -  Variola  haemorrhagica, 
Purpura  variolica,  la  variole  noire  (Brtss.  136) 
blacciae;  der  ausgetretene  BlutfarbstotTlässldie 
Blattern pustel  bläulicher  (im  Volksmundo  ist 
diesöfters^Bchwarz)er8cheinen;  (1881  die  »oh war- 
zen  brennenden  Blattern,  nock.  Krtrbch. ;  die  bösen 
schwarzen  Blattern  —  Variola  maligna,  «ir.  W.  II,  219; 
149ti  „blättern  die  man  nennet  variolas,  in  den  ist  die 
schworlz  und  zerbrochene  feuchtlgkcit  die  man  hey.ssel 
melancoliam",  Fuchs  I.  30).  —  2.  -  das  Austrock- 
nungsstadium  der  Variola  durch  die  bräunlich 
schwarze  Borkenbildung  (Fuchs  II.  1124).  —  3.  = 
die  schwarze  Milzbrand-Pustel,  Pestkarbunkel 
(s.  schwarze  Pocke  2)  [Sobernheim  841 ;  Kraus,  E. 

88  869;  v.  M.  11,  102,  liufeland  134,  Fries  113.  115). 

—  (1742,  Schweiss-,  (ITH)  (&-Atrtrz-)Blatterlein 

(Zw.  ml ;  a.  v  H.  Ii.  1281)  Schweissbläschcn, 
Sudamina.  —  (14.  Jahrh.)  SeicA- Blatter  (Voc.  opt. 
W.  11)  -  Vesica  urinaria.  il  ..Jahrh.  bereits  )  Harn- 
blase. —  77 erlei  Blattern,  in  Scgcntprüehes,  wie 

auch  77  Krankheiten,  Kleber,  Riten  (s.  d  )  auftretend ; 
dl«-  Zahlen  7  und  77  [s.  d.)  sind  Galgenzahlen  und 
heilige  Zahlen,  «leren  Bedeutung  einen  heidnischen 
l'rsprung  hat  und  hyperbolisch  Ist  (vgl.  Gr.  \V.  IV.  L 
116».  1179;  Oartenlaube,  Kleinpaul,  1892.  S.  Ml;  1-a.m- 
mert,  Volks  .Med.  182;  des  Verf.  Baum    u.  Waldkult. 

89  u.  a.  a.  o.).  —  spanische  Blatter  -  spanische 
Pocken  (Syphilis)  (Pr.  II,  151).  —  (1784)  spitzige 
Blätterlein  auf  der  Haut  (A.  v  II.  I.  219),  1.= 
Hitzblätterlein  (a.  d.)  und  2.  =  böse  Blattern 
(8.  d.).  —  üble  Blattern  lahd.  ubllblatera-  carbun- 
culus,  I).  100;   II.  Jahrh.  uhelblattera  carbunculus 

maiannu«  schwär,  D.344)  ea  Milsbrand- Karbunkel, 

i>..„<.. l  ,.,„ii,..,„        venerische  I  Blatter 
1  utuula  maligna.  —  t,  „,....  . 

b  Venus-     j  Blatterchen 

(Spitzpocken),  l.  =  Akne  faciei,  „weil  sie  meist 

junge  Leatoll,  dem  Venusdienste  holde  Personen 

befällt"  mehrend  .9;  (Corona  Veneris,  Schön- 

heitsblätterchcn).  —  2.    Schanker  Pr  II,  816).  — 


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Blatsohe— blau. 


Blauftt— Ületschen.  53 


'itaoi  vergiftete  (giftige)  Blattern  ansteckende 
Blattern,  1=  Variola  (D.  Minderer).  —  2. ^-Pest- 
beulen. —  3.  —  Milzbrand-Pusteln. —  Verstnn- 
dene  Blatter  Dysuria,  Anuria,  wenn  der  Urin 
verstanden  ist,  nicht  mehrana  der  Blase  (Blatter) 
seht,  lauft.  -  F«>A-Blattern,  1.  -  Milzbrand- 
Pusteln  (?)  oder  2.  =»  Kuh-  u.  Ross- Pocken,  sie 
werden  In  Argnuer  Segensprüchen  In  Kuhfladen  (  Kuh- 
blattcr)  binelnbeschworen  (Ztschr.  f.  d.  Mytbol  IV,  115). 

—  Wassw-Blatter  (ahd.  wazarplatra,  Graff  I,  1128. 
1129;  1590  wasserblater  =  vesica,  P.  61'»},  1.  Harn- 
blase (Ruck  17).  —  2.  -  Blasenwurm  (s.  d.)  — 
8.  =  (1515  waaserplatcrn  am  übe  usswendig  —  pustula 
[bullosa],  D.  -174)  ■  seröse  Wasserpocke.  —  4.  = 
IV  Jahrh.)  wasserblattcrn  —  hacmorrholdes  (D.  301)  = 
wässerige  Feuchtigkeit  secernierende  After- 
warzen. —  Wein- Blatter  (-Blätter)  =  Gutta 
rosacea  =  Roseolae  saltantes  (A.  v.  n.  11,  724; 

I.  731),  die  oft  durch  starkes  Weintrinken  ent- 
stehenden Knötchen  und  Hauterhebungen  auf 
der  Nase  (s.  Kupfer).  —  weisse  Blattern  (U.  Jahrb. 
wayMblatcr  —  custus,  Kalt,  D.  16 ."•  1.  —  im  Gegen- 
satze zu  den  schwarzen  Blattern  — ,, Morbus  popu- 
lorum  albaruin"  (Galssacber  Sterbebuch),  der  mit 
Fieberfrost  (Kalte)  einhergebende  Fuerperal- 
Friesel.  —  2  =  die  mehlweissen  Aphthenbläs- 
chen  im  Munde,  (1507  Hort,  tan.)  =  alcole  der 
Arabisten  =  Schole(s.  d.).  —  (i690j  wilde  Blattern 
■  unvollkommene,  unechte,  falsche  Blattern 
(Varicellae;  Wasserblattern)  (Kopp  in,  117;  v.  m. 

II,  IM).  —  (l.i88)  Zinn-Blatter  i.Tabcruaeuiont.)  - 
(die  mit  Zinnprlastern  behandelte?)  „Wund- 
sucht" ( -  Pseudoerysipelas,  Dermatitis  bullosa) 

bei  SchmeUer  II,  1132  ist  Zinna  -  arges,  böses  Gesicht, 
das  zäunt,  zennt,  klafft  durch  Spalten,  Einrisse) 
(s.  Bleiblatter).  —  Zu ngen  Blatter  1474  blättern 
off  der  czougcn  =  Cancer,  Krlegk.  I.  29),  1.=  Zungen- 
krebs in  Knötchenform.  —  2.  -  syphylitische 
Zungengeschwüre  (placques,  guma  exuieerans). 

—  3.  =  Rankkorn,  Milzbrand.  —  Blätter-, 
Blatter- Angesicht,  -Art,  -beizen,  -bletzig,  -Dohne, 
-Drüse,  -Fieber,  -Oift,  -Grube,  -Kind,  -Krank- 
heit, -Magen,  -Männlein  (-Mannl),  -Mase,  masig, 
-Narbe,  -Pest,  -Rose,  -siech,  -Stein.  -Steppen, 
steppig,  -stUpfUcht,  -  Wehtag,  -Zeichen.  —  Blat- 
tern- Kraut  -  Felgwarzen-  Kraut ,  Fioaria  ranuncul. 
(Hol.  65). 

Blatsche,  f.  (Schwaben  i  -  eine  Fliessblatter, 
zusammengeflossene  Blattern  o.  das  sich  aus- 
breitende Geschwür,  das  durch  die  Konfluenz 
sich  ergibt  =  ptlätsche ,  breite,  flache  Blatter 
(C  v.  9cbni  71 ;  Schmeller  I,  452). 

blau  (blow).  Entsprechend  der  Ansicht  von  L. 
Geiger,  dass  die  Farbenanschauung  des  Blauen  sich 
stufenweise  aus  der  des  „Dunklen"  entwickelte,  ist 
blau  Im  Voiksmunde  oft  auch  die  Bezeichnung  lur 
schwarz,  uud  schwarz  wieder  für  tiefbraun,  schwarz- 
bläulich,  blaugraulleh,  namentlich  bei  Körperfarben 
(s.  Farbe)  und  StreichmaBen  LGr.  \v.  n,  87),  daher 
Schlag-Beulen  als  ArofocAblau  bezeichnet  werden 
(ss  kölnischblau,  Elsass,  Schweiz:  lc  bleu;  engl,  blow 
=  Schlag,  Lehfcldt  145;  (ir.  W.  V,  1622;  Rrlss.  284; 
V  565,  vou  dem  kölnischen  Zeuge  mit  blauen  Streifen 
genommen).  —  knüst-,  ,1600;  knutsch-,  knutsch-, 
knii  blau  =  blau  gequetscht,  liyidus,  blaustrie- 


mig  (knQsten,  s.  d.)  (<;r.  \v.  v,  ivis.  1529;  V.  1447; 
D.  SM).  —  (1749)  verblauen  =  durch  Frostkälte  blau 
werden,  Ztsthr.  f.  d.  Phllol.  XXVI,  253.  Die  deutsche 
Sprache  IM  die  einzige,  welche  lür  alle  physiologischen 
Prinzipal färben  ein  exaktes,  ungemischtes,  einsilbiges 
Wort  hat  Blau  gehört  zur  Wurzel  bla  (dazu  blond) 
leuchten,  glänzen  Kluge*,  441;  Heyne  I,  446  halt 
,, dunkel"  für  die  eigentliche  Bedeutung.  —  blau 
(e,  er,  es)  -Auge,  -Blatter,  -Blindheit,  -Blut, 
-Flecken,-  Frais,  -geschwollen,  -Husten,  -Kopf, 
-Krankheit,  -Mal,  -Nagel,  -Nase,  -Ringe,  -Rose, 
■Schienbein,  -Schlag,  -Schüsse,  -Staar,  -Striemen, 
•Sucht,  -  Wurm. 

Blaust,  n.  blaustem  Blast  (s.  d),  Blähung, 
Geschwulst,  Gedunsenheit  (Schw.  71).  —  blau- 
stem Krauken)  =  blastern,  ein  verstärktes  Wort 
aus  blasen  b  starkes  Atemholen ,  schnauben, 
schnaufen  (Gr.  W.  V,  499  aub3,  Sehmeiler  I,  332). 

Bleck,  m.  (Blecker,  Bleckete),  Bleckling,  m. 

(goth.  blakjan  —  brennen,  leuchten,  s  Blick  u.  bleich; 
zu  ahd.  bleccheu  -  blitzen,  glänzen,  Kluge*,  44;  uhd. 
blecken  —  sichtbar  werden).  —  (1592)  Blecklein 
(bleckliu;  1603  bleckling  ineubus,  1>.  293)  =  Alp 
(s.  d.)  oder  Nachtmännlein,  das  sich  bei  der 
Nacht  als  schlecht  aussehender  Krankheits- 
dämon erblicken  läsat  Kluge*,  10).  —  Der  Blecker 

—  Zunge,  die  hervorblickt  beim  Grinsen  und 
dem  Gesichtsausdruck  ein  unschönes  Ansehen 
gibt  (Kohler,  V.  Gl  292,  Schmeller  I.  323'.  —  Der 
Bleckete  iTiroli  =  Podex  (Hintuer7.  I7.i,  der  beim 
Abziehen  der  Hose  vorblickt  (s.  auch  Plecken). 

—  Bleck-  Arsch,  -Bein,  -Zahn. 

Blei,  n.  —  Blei-Äaffcr,  -Darmgegicht,  -Kolik, 
■Lahmung. 

bleiben,  in  KindsnOten  bleiben  —  bei  der  Ge- 
burt sterben  (Gr.  w.  v,  7«o  —  bleibende  Haupt- 
pein. 

bleich,  Bleiche,  f.  ivorgerm.  bhlig  -  heller  Glanz 
[Blick];  altnord.  bleikr  =  blass;  angls.  blectha  =  rltiligo 
[Lepra  alba],  D.  623;  ahd.  bleib;  «uhd.  bleich  -  bleich, 

Kluge*.  45)  hell,  hellgelb,  weiss,  blass.  —  [IM») 
Antlitzes-Bleiche  -  die  bleiche,  weisslichgelbe 
Gesichtsfarbe  (Coler,  A.  339).  —  käs-  bleich  = 
weisB  wie  Milchkäse  (bei  Ohnmächten  z.  B).  — 
krank- bleich  krankhaft  blass.  —  leichen- 
bleich  -  blass  wie  eine  Leiche  (blcumourant, 
s.  d  .).  —  fo/en-bleich  [mhd.  töt-blelch,  Lex«  269) 
^  leichenblass.  —  Bleich(es)  Blut,  -farbig, 
■Leute,  -mäulich,  -Sucht. 

Blendling,  m.  (vorgerm.  bhlandh  ;  altgerm.  blandan 

—  mischen;  ahd.  blantan;  mhd.  blanden  —  mischen, 
Kluge  *.  45)  b  Mischling,  ein  Produkt  von  zweierlei 
Rassen,  deren  Abkunft  sich  an  dem  Blendling 
äusserlich  bemerkbar  macht  [Gnttthnlsaa  101.  132). 

blenden  s.  blind. 

Biese,  Blesse,  f.  s.  blass. 

BleSSUr,  f.  ein  durch  die  Franzown  kriege  über- 
noinmenes  Wort  für  Verwundung;  (franz.  la  blessure; 
dies  jedoch  selbst  aus  germ.  plez  offene  Wunde) 
(s.  Bletz  2). 

Bletschen,  f.  (Tirol«  -  Zunge,  namentlich  eine 
breite,  grosse  (Hlntner  6. 15) ;  sie  blösst,  entblösst 


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54  ßletz-blind. 

sich  leicht  beim  Öffnen  den  Mundes  (verg). 
biet«,  bletzen). 

Bletz,  m  (Platz,  Pietz,  Bloetzjenl,  Plötzen) 

(Bhd.  10.  Jahrh.  pleizzon  inflrmati  a  plagis  extincti 
corporis,  Hatlemer,  Benkm.  III,  Vj5;  plez,  plezzn  =- 
scedia,  Arsehrote,  geiles  Laster,  Keiles  Fleisch,  D.  619 
=  Condyloma,  Intertrigo,  (iraff  III,  3<">3,  nihd.  plez, 
plecz,  pietzer  oinasum,  I).  395;  1475plctten  -  abdomen. 
D.  2,  plecze  =  inneula  menda,  I>.  3.V»;  l'<07  pietzer  = 
der  Setilappen,  Omentum,  Hyrtl.  K.  W.  69  200;  l  vil 
pietzer  —  Klecken  ,.von  (Jrint  und  Ceschwiir  entstanden 
allenthalben  am  Leib",  Hock  1.  Itl2,  Gr.  W  II,  \W; 
1«.  Jahrh  plecz  feminal,  «ir.  W.  VII,  l'j3.1,  161S  pletz 
auf  dem  lumpt  kranke  Hautdecken ,  aren  Ccl*i, 
schmeller  I,  IM),  1.  =  leichte  Hautwunde,  die  die 
Unterhaut  entblösst,  fratte  Stelle  bei  Wulf 
(Intertrigo)  od.  Feigwarzen  (Condyloma)  (Bayern, 
(Schwaben).  —  2.  =  ein  Stück  Haut  an  einer 
solchen  entblössten  Wunde  (Gr.  W.  II,  109;  lam- 
beau  de  eulr  =  blcssure,  Briss.  279).  —  3.  =  der 
Schorf,  der  darauf  sich  gebildet  hat.  —  4.  = 
Feminal  =  Blosse  (Gr.  W.  II,  HO).  —  5.  =  Fleck, 
der  herabhängt,  Lappen  (Kluge4,  225).  —  6.  = 
Nettlappen,  Omentum. 

bletzechtigt  (bletzig),  eine  Wunde,  durch 
den  Abriss  eines  Hautfetzenstuckes  entstanden 
■  pannosuB  (Gr.  w.  n,  no.  —  abgerifter  Bletz 
(1541  —  Intertrigo,  B.  305)  =  <lurch  Abreibung  fralt 
gewordene  Hautsteüe.  —  blatt>  c-bletzig  =  pa- 
pulis  notatus  (Gr.  w.  n,  77t.  blatterBtüppig. 

bleumourant,  bltimeranth  (iß'>2  bi..merant; 

1670  plumerant;  au»  dem  Französischen,  eigentlich: 

blau  sterbend)  =  ein  mattes  Leichenblau,  das  Ohn- 
mächtige zeigen,  denen  es  „grün  und  blau  vor 
den  Augen"  wird  fschw.  422;;  nach  Wimmann  7n 
eine  kaufmännische  Bezeichnung  (wie  Kollnblau.  ».  d), 
die  im  30 jährigen  Kriege  nach  Deutschland  gekommen 
ist  (Kluge*,  461.  Nach  Andresens  Volksetymologie  ist 
es  aus  dem  Fluche  bleu  mourant!  entstanden,  wobei 
man  Bleu  mit  bleu  umging;  conf.  venire  bleu1  statt 
venire  de  Bleu  t 

Blick,  in.  vorgerm.  bhleg  fAs-fui,  flagroi ;  ahd.  blic; 
mhd.  blick  =  heller  Strahl  im  Auge  i Kluge*,  45).  — 
Anblick  (anplicke,  Schmeller  I,  324)  -  Gesicht, 
VultUB.  —  (1619)  bo»er  Blick,  bei  Luther  (Galater- 
Brief,  ilterer,  kürzerer  Commcutur;  eine  bei  vielen 
Völkern  angenommene  Krankbeits- Ursache  = 
böses  Neid-,  oder  übles  Auge  (s.  d.)  =  malocebio, 
gettatura  (s.  entsehen,  verluegen);  nach  dem 
Volksglauben  auch  die  Ursache  der  Verneid- 
oder  Vermeintkinder,  Wechsolbälge  fs.  d.),  ja 
Belbst  der  Pest  u.  SyphiÜB  (Paracelsus,  it.  II.  152; 
Wuttkc  147,  v  M  II,  67).  —  CAo/era  Blick  -  Facies 
cholerica  s.  Hippokratis  (b.  Anihtz)  bei  der 
Cholera  (Knut  E.,  22«!,  —  Judi  »i-Bhck  =  der  den 
Juden  (s.  d.)  zugeschriebene,  behexende,  ver- 
zaubernde böse  Blick  (s.  d.)  (Wuttke  141).  — 
(1515]  rof-blickig  =  sanguineus,  blutfärbig,  rot, 
gesund  erscheinend,  guter  Complexion  (D.  511). 
—  Blick-XrscA. 

blind  (blenden,  Blendung),  blenden  (ahd, 

plenten;  mhd.  Wenden)  =  die  Augen  blenden,  blind 
machen  f,,eln  st.  Zeitivort  Hindun  -  blind  sein  hat 
nie  existiert",  Kluge*.  45;  Gr.  W.  II,  104;.  —  Die 


blind. 

Blendung  =  Iris  (chorioidea)  (Gr.  w.  n,  107 
(s.  nachlölg.).  —  -du^en-BleBdung  -  Iris,  „weil 
sie  im  Auge  die  Stelle  des  in  allen  dioptriBuhen 
Instrumenten  zur  Abhaltung  der  Kandstrahlen 
angebrachten  Diaphrags  vertritt"  i.Ilynl,  Anat.  350) 

—  wblenten  =  erblinden  (Schmeller  I,  32$).  — 
blind  ohne  Sehkraft.  —  (i42o;  Blindheit  (D.  109) 
Caecitas,  der  Zustand  des  BlindBeins  („innerhalb 
der  indogermanischen  Sprachen  seheint  es  kein  allen 
gemeinsames  Wort  für  bllud  gegeben  zu  haben", 
Kluge  \  15;  ,,da  Übereinstimmung  höchstens  zwischen 
2  oder  3  Sprachen  besteht",  Kluge,  loc.  eod. ;  so 
scheinen  einige  Stamme  solche  Gebrechen  früher  al* 
die  ihnen  ursprachlich  verwandten  Nachbarvolker 
erkannt  bezw.  bezeichnet  zu  haben.  Bie  Gothen  hatten 
haihs  =  einäugig,  zu  lat.  caccus,  Kluge).  Das  Blenden 
(blind  machen)  war  in  jenen  Zeiten  noch  eine 
allen  offenbare  Folge  einer  That  des  Feindes 
(Waffen,  Daumendruck)  oder  eines  feindlichen 

Dämons  (8.  Alp  XI)  (vergl.  Slmrock.  H.  B.  M.*, 436); 
manchmal  ist  Mino!  =  einäugig  (Schmeller  I,  328), 
vergl.  auch  Blinddarm  Erklärung  bei  H.  v.  Gersd.j 
(sub.  Darm).  —  /»'in -Blindheit,  s.  farbenblind. 

—  erblinden  =  caecari.  —  .Erblindung  -Obcae- 
catio.  —  /arfcen-blind  =  jener  krankhafte  (seit 
1777  bekannte)  Zustand  (angeboren,  ererbt 
oder  erworben;  Daltonismus  (Parorasis  Galeni) 
(Kraus  E  743),  in  welchem  nicht  alle  optischen 
Farben  vom  Auge  empfunden  werden,  sondern 
gewisse  Farben,  z.  B  rot,  blau,  ausfallen  u.  ver- 
wechselt werden  (s.  darüber  Schmitt,  Jahrbücher  191. 
Band,  9.  73).  —  Ha  ,uck<  n -Blindheit  -  eine  Blind- 
heit bei  Pferden,  vermeintlich  infolgedes  Hauck, 
Hauch  (s.  d  )  i Falke  I,  376;.  —  Arfl-blind  fahd.  hel- 
bllnd,  Golth  411;  Kochh.  l,  72),  völlig,  ganz  und  gar 
blind,  todesblind  (conf.  hellichte  Nacht  —  völlig- 
dunkle  Nacht,  Schmeller  1,  1082,i.  —  11795)  monatlich-, 
monrfblind  (bei  Pferden)^  je  nach  dem  Wandel 
des  Mondes  blind  sein,  periodische  Mondblind- 
heit, mondäugig  (s.  d  ),  Ophthalmia  equi  perio- 
dica.  le  lunatisme,  la  luna,  the  moonblindness, 
Wechselauge  (s.  d.),  eine  periodisch  wieder- 
kehrende, %.  T.  durch  Distomum  ophtbalmobium 
s.  oculi  bum.  ;p.  willach)  verursachte  Augenent- 
ziindung  und  Schwachsichtigkeit  (Abiig.  90 ;  Braun. 

tier.  l'ara«.,  S.  146).  —  .1/  /blind-N'f  .'if    —  (l-r*R) 

Ä'oc/lNblind  ~  die  des  Nachts  nicht  sehen  (Tabcrnacm.) 
=  Nachtuebel  (s.  d.),  1.  —  „eine  besonders  durch 
Einwirkung  sehr  grellen  Sonnenlichtes  ent- 
standene Abnahme  des  Sehvermögens  bei  ge- 
ringer Beleuchtung  dos  Gesichtsfeldes,  das  wie 
durch  einen  Nebel  verhüllt  erscheint"  (Gr.  W. 
VII,  170)  (s.  Iluhnerulinz).  —  2.  =  Nyctalopia 
Hippokratis.  llemeralopia,  Amblyopia(s.  Nacht- 
schaden), eine  Schwächung  des  Sehvermögens, 
die  sich  äussert  durch  besseres  Sehen  im  Halb- 
dunkel als  an  der  Tageshelle  oder  durch  voll- 
ständige Blindheit  im  Halbdunkel  (Fuchs,  Hippo- 
krates  I,  521),  eine  Krankheit,  die  zu  Zeiten  von 
Epidemien  oder  Hungersnöten  bei  schlecht  genährten 
Völkerschaften  in  schlecht  ventilierten  Wohnräumen 
des  Mittelalters  vielleicht  hütifiger  gegeben  war  — 
rr(?fM-blind  -  völlig  kurzsichtig  [ia  ragen,  her- 
vorragend) -  erzblind  (Andreren  272;  Schwelt).  — 
rot-blind  s.  farbenblind.  —  sr/mn-blind  -jener 
Zustand,  in  welchem  sich  durch  die  von  den 


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blinken— Bloh. 


Block— Bloeut. 


56 


Schneeflachen  reflektierten  grellen  Sonnenlicht- 
Strahlen  bei  grosser  Lufttrockenheit  ein  heftiger 
Lidkrarnpf  mit  Verengerung  der  Pupille  vorfin- 
det (Arch.  f.  Ophtbalmolog.  XXV,  3,  3.  173).  —  Schön- 
Blindheit  -  der  schwarze  Staar  beim  Pferde, 
wobei  der  meist  erweiterte  Augenstern  schön 
hell  und  klar  ist  und  doch  das  Tier  stockhlind 
ist  (s.  Außenzauber)  (Herbst  15;  Kalke  II,  SN).  — 
Schrift- Blindheit  =  das  Unvermögen  Schrift- 
lichen zu  lesen,  Verlust  des  Verständnisses 
für  letztere.  —  staar-  (sfom-)blind  (ahd.  «tnrn- 
bttnter,  Grafl  III,  2ör.)  =  albis  oculls,  eigentlich  einer, 
<Ier  einen  weissen  Augenstern  [pupillae  lapideael  hat 
und  dadurch  nicht  sehen  kaun  ;  albloculus  [  =  aveugle], 
H.  Z.  XV,  369;  Graft  VI,  701,  Cas».  Gloss  .  Diel  120 
ftlaucom  iu  -f'/.aö;  s  Eule ;  mhd.  starbllnt.  I.cxer245; 
1476  »tarrplint  -  epipbora,  üppa  in  oculo  quando  pellis 
»ubducitur,  D.  204 ;  14S2  starnplindbeit  -  aurtsia,  Zenlng. 
Vor.  ee.  6-aorlsla,  D.  39:  15  Jahrh.  storbllnt  ■  caecus. 
D.  109 ;  früher  «alt  dies  als  solcher  Zustand ,  in  dem 
der  Augenstern  («tarn)  durch  einen  aus  dem  Hirn  in 
den  Suarraum  [s.  d.',  hernbgekommenen,  zu  einem  Häut- 
chen  (rerinnenden  Tropfen  verschlossen  wurde,  Beyn76; 
Haas  106,  Hyrtl.  K    W.  93,  s.  Staar;  also  eigentlich 
stemblind  («.  Ilrech-Auge);  Kluge ',359  erklärt  es  als 
Starrend  blind  (ahd.  stareu,  s.  Staar);  nach  Wustmann 
453  ist  staarblind  ein  Volkssuperlativ  geworden 
und  bedeutet  oft  völlig  blind.  —  (1602)  sfor/rblind 
ist.  Benno-  u   Iuchenhofer  Mir.-B. ;  Falke  II,  3«)  - 
blind  wie  im  GefangniBBtock  (stockfinster).  — 
ri790]  Ta^-Blindheit-  die  auch  am  Tage  vorhan- 
dene Blindheit  oder  das  beim  Tageslicht  gestörte 
Sehvermögen  ,'bei  Albinos  %.  B.)  im  Gegensatze 
zur  Sachtblindheit  (s.  d.)  iRlehter  III,  522;  Falko 
Ii,  335)  —  verblenden,  ^erblinden  (1260  virbiindct 

-  orbatu».  vorblint,  D.  399)  ganz  und  par  gehlendet, 
des  Augenlichtes  ganz  beraubt  und  erblindet 
gejn.  _  Verblendung  fehlerhafte  Blendung, 
Augen-,  Sinnestäuschung.  —  Blind(r)  -Darm, 
-geborener,  -geschlagen,  -goldene  Ader,  -Hämor- 
rhoiden, -Hessen,  -Sehleich. 

blinken  =-«u  Blick  bringen,  erscheinen  laRscn,  das 
Umklappen  der  Wiirfrtlnder  der  Stutenscham, 
wobei  die  Scheidenschleimhaut  hervorblickt 
(Falke  I,  128). 

Minzen,  (blinzeln  [blindseln])  =  blindezen 
oder  blinkezen  (0r.  W.  II,  128;  R.  haut  7«),  die 
Augenlider  öfters  zuschlagen  und  so  die  Augen 
öftere  blind  machen  (blindezen)  oder  mit  den 
Augen  wiederholt  blicken  (blickezen),  sie  öffnen 
und  schliessen,  Spasmus  nictitans  (Augen- 
zwinkern) (Srhw.  74 ;  F.khhorst  II,  3741  —  Blinzer,  m. 
(13.  Jahrh.  plyncer  -  nyctalraus,  L).  379!  -  einer,  der 
ein  Nachtauge  hat  (s.  d )  und  oft  zwinkert, 
blinzelt.  —  (1660  Hühner -Bhliz  (Gr.  w.  IV,  2.  1878) 
=  wie  die  Hühner  blinzen,  „eine  Blodigkeit  der 
Augen,  da  man  nichts  mehr  Bieht,  wann  die 
Sonne  untergegangen"  (Nachtblindheit  2  8.  d.), 
sodass  man,  wie  die  Hühner  bei  Nacht  wohl 
blinzeln,  aber  doch  nichts  sehen  kanu,  nacht- 
blind ist.  —  Blintz-.-iiw.  -Haut. 

bliBS:i611  Miss.  Nebenform  %u  blas»,  s.d.  Kluge  5, 44). 
Blitz,  ro.  Blitz-Katarrh,  -Fieber,  -Schlag. 
Blob-,  Bloh-Husten  (blau-Husten),  s.  Husten. 


Block-,  Block- Husten. 

Blöde,  f.  (blöde,  Blödigkeit)  (vorgerm.  bUUutM, 

be-lauths  l'/.öü)  -  l.ise]  Heyne  I,  456  =  entkräftet,  kraft- 
los, schwach  [bloss,  cntblossi)] ;  goth.  blauthua  = 
schwach ,  kraftlos ;  ahd.  blödi ,  plödi ;  mhd.  blöde  — 
gebrechlich,  schwach,  Kluge*,  46,  lnflrmus,  invalidus, 
lebcnsschwach,  Graft*  III,  251;  Gr.  W.  Q,  138;  ploder 
scadocas,  hinfällig,  krank,  I).  87;  1482  ploder,  pleder 

-  blöde,  krank,  depos.  Imbeclllu»,  Zening.  Voc.  r,  2; 
D.  175;  Gr.  W.  V,  2023;  15.  Jahrh.  Müdigkeit  =  defectus. 
I>.  169;  1C07  Blodigkeit,  0.  v.  Schin.  77;  in  Schwaben 
noch  volksüblich  in  dieser  auf  das  körperliche  Befinden 
bezüglichen  Bedeutung:  „blöd  von  körperlichen  Kräf- 
ten" =  schwach,  gebrechlich,  kränklich,  „eine  blöde 
Penon  seines  Leibes"  C.  v.  Schm.  77),  demnach :  blöd, 
1.  =  kraftlos,  schwach,  geistig  und  körperlich 
gehrechlich,  öde  im  Magen.  —  2.-  menstruierend 
(Himer  Apotheker-Ordnung b.  Ch.  v.  Schm  77  u.  Gr.  W.  II, 
139),  weil  zu  dieser  Zeit  sch  wach  u  .  gebrechlich.  — 
Blöde,  f.  ^das  Blöde  sein  (1).  —  Blödigkeit,  1.  = 
die  Blöde.  —  2=Blütigkeit  (b.  d.).  —  [IMS)  ader- 
blöd  (H.  v.  (iersd.  19) -krank  vor  dem  gewohnten 
Aderlässe;  cui  pulsus  arteriarum  languet(Gr.w.  I, 
17»).  —  (1742)  A ugi  n -Blodigkeit  =  Caligo,  Schwin- 
del vor  den  schwachsichtigen  Augen  izw.  196) 

-  Blödauge  (s.  d  );  blöde  Augen  =  Hebetudo 
Visus  (Gr  W.  I,  804;  Buck  13)  auch  -■  lippUB.  — 
Frauen  -Blödigkeit  Menstruatio,  Endome- 
tritis cat.,  WeissfluBB  (I.onleerns.  Thesanr.  San.  Br. 
499).  —  GeAörs-BlÖdigkeit  (IM  blodigkelt  der  ge- 
hört, Fries  88.  89;  1725  Thcs.  san.  Br  627;  1742,  Zw.  672) 

-  Laesio  auditus,  Surditaa,  gehörsschwach.  — 
Gesichts-  Blodigkeit  (K>32  blodigkelt  des  gesicht, 
Fries  88.  89,  1611  St.  B.  Mir  ;  Lonleeru»)  -  blöder 
Zustand  durch  rinnende,  kurz-  oder  schwach- 
sichtige Augen;  als  „bleuase"  vue  ins  Fmnzos.  über- 
nommen (Briss,  ;«<7).  —  (1742)  ZtrTZ-blÖde  (Iw.  626) 

-  herzschwach.  —  (I532j  Hirn -Blödigkeit  (Fries 
79.  80)  —  Nasen  -  Katarrh  und  Schwindel,  ein- 
genommener Kopf.  —  (1609)  Kopf-  Blödigkeit 
(Guar.  890)  =  eingenommener  Kopf,  matt  im  Kopf, 
vergesslich,  aber  auch  einfältig,  Ängstlich, 
furchtsam  (<:.  v.  Schm.  77).  —  (1532)  iröer-Blödig- 
keit  (Fries  110)  ungenügende  Blutsrhopfnng  aus  den 
mesamlscheu  Gefäasen  (Blutbereitung),  wo  Bonst  das 
Blut  frischfarbig  wird  (1532,  I.  c),  also  —  missfarbige 
Menses;  (icis)  blöde  Leber,  s.  d.  —  (1608)  Leibes- 
Blödigkeit  -  im  Gegensatze  zur  Geistesblödig- 
keit, Debilitas,  Kränklichkeit  (Gr.  W.  VI.  M6; 
Schmeller  I,  325,  Haltaus  17:1).  —  (1861)  Afaflfn-Blö- 
digkeit  ~  Kesolutio  stomachi,  leerer,  öder 

Magen  (Gr.  W.  VI,  1436,  C.  v  Schm    77).  —  (1609) 

monatliche  Blödigkeit  (Guar.)  ~  Mensee.  —  (1750) 
Vcrstand«-BlÖdigkeit  =  Dementia,  Verstandes- 

Bohwilche  i.V.  v.  n.  II.  68).  —  (1616)  weibliche  (weib- 
ische) Blödigkeit  iTheophrastus  Parocelsus)  -  Men- 
ses ischni.  I,  :'.25)  (s.  blöde  2).  —  ;iccw)  weisse  Blö- 
digkeit (<iuar.  8*5)  =  Fluor  albus,  der  als  Stell- 
vertreter des  Monatsflusses  der  Trauen  ange- 
nommene weisse  FIups.  —  Blöd  <e,  er,  es)  Augen, 
-Frauen,  -Gehirn,  -Geister,  -Gesicht,  -Glieder, 
-Haupt,  -Kopf,  -Leber.  -Leib,  -Magen,  -Natur, 
-Sinn,  -  Verstand,  -  Weiber.  (Vergl.  Gr.  W.  II,  138  ff. ; 
auch  Kluge  35  unter  bloss.) 

Bloest  (Bioesse)  s.  Bläst  u.  bloss. 


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Blötzen-Blüte. 


Blume. 


Blotzen,  f  (Bietzen,  Pletzen),  1  =  eine  haut- 
lose, hautentblösste,  nackte  Stelle  des  Körpers; 
(161H  pletz  nuffm  Haupt,  Schweiler  [,  46t)  c  ob.  Bletz 
U.  Blätzen  (bei  Schmeller  I.  XU  placzen,  wo  ..blalzeu", 
,, blitzen"  —  „sieh  ausbreiten",  was  aber  nicht  zutrifft, 
»ou.lern)  -  blossen,  offen  sein.  —  2  ^  der  darauf 
sich  bildende  .Schorf.  —  (i«99)  /W<-n-Blötze 
(plaetz)  =  offene,  geschwürige  Drüsenstelle  (v.  M. 

II,  104). 

blond,  Blondine,  f  [1200  Munt,  entlehnt  ans  franz 
blond;  mudl.  blont  au*  vulgurlat  blundus  und  dies  aus 
altgcrm  blunda;  vorgenn.  blndho  —  rötlich,  falb;  1676 

blond)  gelb  von  Haaren.  —  (1727)  Blondine  ■ 
(17WJ  ein  bleicbsQchtiges,  weissgelb  aussehendes 
Mädchen  (Masehenb  66;  Kluge &,  46). 

blOBS,  Blosse,  f.  (germ.  blauto  —  Mob»,  jung,  wehr- 
los, besitzlos,  Ileyne  I,  467;  Kluge*,  46;  ahd.  Möz; 
1260  bloezc  =  calvltlum  ;  mhd.  Moz ;  Kluge  1.  c. ;  Pfeiffer 
59)  =  entblösst,  nackt.  —  (1616)  Aancf-blosZ  (Para- 
celnu;  Gr.  w.  IV.  2.  365)  -  von  der  Hand  entblösst 
(einhändig?).  — (1528)  Haar- Blosse  (blosse  der  bor, 
H  v.  Gersd.  BS)  =  Alopecia,  Calvitium,  nackt  an 
der  Stelle,  wo  sonst  Haare  eich  befinden,  Glatze. 

blühen  s.  mute. 

Blümchen  h.  Blume. 

blümerant  s.  bleumourant. 

Blüst,  n.  (IMS)  ifrrz-Blüst  (Heyn,  im)  b  Herz- 
pülst,  Herzpule,  Herzklopfen. 

Bluet,  n.  s.  Blut. 

Blüte,  f  (blühen)  mhd.  bluot.  blüete;  ahd. 
bluot,  bluotl;  germ  blö;  indog.  bhlos,  Kluge*,  I«.  47) 

■  durch  hellere  Farben  von  der  übrigen  Um- 
gebung sich  abhebende  Körperstellen  werden 
als  Blumen  (s.  u.)  oder  Blüten  bezeichnet,  daher 
BlUtchen  1.  -  Papulae  [Behrend  U)  -  Gesichts- 
blüten, farbiger  Hautausschlag  im  Gesicht, 
Finnen  (engl,  blotch,  C.  v.  Benin.  MS).  —  2.  =  Blut- 
flecken, Blut  (s.  d.)  (C,  v.  Behia  7»).  —  3.  =  Blüh 
die  weissen  Flecken  an  den  Finger-Nägeln 
(Schmeller  I,  321) ;  {niemals  -  kleines  (ieschwur)  — 
Die  ilK«<a»-Bluten  (Gr,  w.  D,  IM)  sind,  wie  die 
farbigen  BiUten,  die  sich  andersfarbig  abheben- 
den weisseren  Stellen  beim  Aussatze  (Lepra), 
s.  Aussatz-Blumen.  —  Kauf- Blüten  „Efflores- 
cenzen  der  Haut,  Exantheme"  Ziemsscn,  Hdb. 

d.  sp.  Path.  u.  Ther.  XIV,  1.  224;.  —  Wir  deutsche 
Ärzte  könnten  mit  Fug  und  Hecht  bei  „Haut- 
blüten"  bleiben,  anstatt  Exanthem  zu  gebrau- 
chen. —  -Efiri-Blütchen,  1.  =  ein  frieselartiger 
Ausschlag  bei  Kindern  ohne  besondere  Hitze  (!), 
aber  mit  lebhafter  Röte  hervorragend,  und  Bich 
rasch  abschuppend.  —  2  —  Hitzblätterchen 
(s.  d.)  (Ackeriu.  505,  Behrend  51).  —  (MW)  monatliche 
Blühe  Menstruatio  =  Blume  (s.  d).  (Pollenu). 
—  Nagel- Blüten  =  Nagelblumen  (s.  d.),  die 
weissen,  durch  Epitheltrübungen  verursachten 
Flecken  auf  den  Fingernägeln  (Gr.  W.  II,  15«.  160; 
VII.  25»j;  sie  galten  seit  alten  Zeiten,  wenn  sie 
linksseitig  (auch  reebtsseitig)  waren,  als  gün- 
stiges Lebensprognostikon  (I.lehrecht,  z.  V.  K  329; 
Ulrllnger.  Volkst.  I,  4M;  Zingerle  13;  fruuell  III,  41; 
Wuttke  309).  Aul  den  Far.nrn  b. itssen  sie  norna-spor 
;».  Nornenspuren  und  auch  Mcrge) ,  Behrend  (65)  und 


Krau*  (B-  60»'^  bezeichnen  sie  als  Mendncla,  Lügner- 
Zeichen  (Wuttke  206).  —  ToU  nbau m- Bluten  -=  die 
weissen  Nagelblüten  (s.  d.),  Kummermasen,  lieh- 
flecken, Nornenspuren,  Leidspriessen.  „Wenn 
die  Uehflecken  (s.d.)  auf  unseren  Nägeln  blühen, 
dann  blüht  auch  schon  der  Baum,  aus  dessen 
Holz  dereinst  unser  Sarg  (=  Totenbaum)  ge- 
macht wird"  i  Kochbolz  I,  IM).  —  (1*.  Jahrh  )  Venus- 
Blüten  =  Venusblatter,  Venusblümchen,  Co- 
rona Veneris  (Pr.  II,  659),  Vögerl.  —  (16.  Jahrh  )  der 
Hn'orr-Blühen  -  monatl.  Blühe,  Kose  (Arzbch). 

—  Blüten-  Ausschlag. 

Blume,  f  (Blümchen)  (zu  germ.  blö  blühen ; 
eigentlich  Blume  die  Blühende,  Kluge  *,  46,  bildlich  ge- 
nommen für  tnnd.  blomeu ;  mhd.  bluome .  1394  eyn  Mo- 
men.  eyn  blume  —  menstmum,  1).  356;  15.  Jahrh.  blumen 
~  vlrglnlta»,  D.  170),  1.  =  Jungfrauschaft,  Virgi- 
nitas  (Glossar.  SchorzU  I,  169;  Schmeller  I,  327;  Lexer 
»-.;  C.  v.  schm.  369);  so  lange  die  weibl.  Blume  (2) 
(-  MenseB)  bemerkbar  ist,  ist  das  Mädchen 
nicht  schwanger,  daher  Jungfrau  (Gr.  w.  n.  IM). 

—  2.  Blume  —  Übersetzung  d  (ranz,  fleurs  (  —  Blumen! 
(s.  II.);  (mnd.  blomen;  mhd.  bluome)  =  Menses  = 
weibliche  Kose,  weibliche  Blume  (s.  d  ),  Men- 
Struum  (Lexer  26;  Magist  Barth.  90b;  1609  „weil  die 
Ankunft  solchen  Flusses  eine  Bedeutung  der  Zeitignng 
weiblichen  Leibes  ist,  dass  nie  zur  Frucht  nunmehr 
tauglich  sind  und  gleichwie  an  den  Gewachsen  vor 
der  Frucht  die  Blumen  hergehen,  also  vor  der  Zeltig- 
ung  der  Weibsbilder  dieser  Flusa  [(iuar.  893];  -  flueur 
«ums  nuss] .  aus  dem  Irauz  fleurs  [für  fluetim] 
BrKs70]  Blumen,  Blüten  übernommen,  auch  A  Pure 
hat  eiuu  ähnliche  phantastische  Erklärung  wie  üuari- 
noni,  Fries  und  Wirsung;  Hyrtl,  K.  W.  22.  62,  SchmeUer 

1,  327;  Gr  \v.  Ii,  160,  VI  24%)  -  Fluores  (äueurs), 
Monatafluss  —  3  =  die  kurze  Schwanzspitze 
der  Füchse,  Hasen  und  Hirsche  (Jägersprache; 
Gr.  w.  U,  654;  Brehm  i.  M7;  D,  163)  (in  der  Farbe 
abstechend  wie  die  blühende  Blume)  —  4.  - 
der  weissgezeichnete  Fleck  auf  der  Stirne  des 
Kindes  oder  Pferdes  Schweiz;  Gr.  w.  II,  160; 
Mayer  461,  „Blumi"  ( -  Blässe,  Stern),  in  der  Farbe 
von  der  Umgebung  abstechend.  —  5.  —  Eiter- 
bläschen auf  der  Haut,  Ausschlag,  Krätze 
(Schmeller  I,  327),  die  flieh  von  der  übrigen  Haut- 
farbe abheben.  —  0.  =  farbiger  Augenfleck  (ndl. 
bioem,  De  Cock  133).  —  .  1  ugt  n  -  Blume  -  farbiger 
(grau  weiss  et  Augenfleck  (ndl.  btoem  op  de  ogeu 
(De  tock  li).  —  Aussatz -'Blume  =  das  gelblioh 
abstechende  Eiteräuglein ,  Geschwürsblume, 
Eiterkopf,  wo  das  Geschwär  zum  Aufbruch 
kommt  (Gr.  w  Ii,  160).  —  cniblumen  deflorare 
schmeller  i,  327  .  Blume  1  (s.  blühen).  —  Frautn- 
Blume  1>32  Irölicher  blumen,  Fries  95;  1654  der 
Muom  der  frouwen)  inunatl.  Keiniirung  (Blume  2) 
(Gr.  w.  viii,  is5s  —  FrtUhof- Blümerle,  1.  = 
farbig  abstechende,  hektische  Wangenröte.  — 

2.  =  die  von  den  übrigen  Haaren  sich  unter- 
scheidenden ersten  grauen  Haare  (Schmeller  I, 
827).  —  (1676)  GeG/tifs-Blumen  (Thcophr  Paracels.) 
=  der  rote,  entzündete,  von  der  übrigen  Haut 
farbig  abstechende,  aus  dem  pestvergifteten 
BlutestammendePest-Karbunkel.  —  Getchcüra- 
Blume  der  Eiterkopf,  das  Eiteräuglein  des 
Cieschwärs,  s.  Aussatz-Blume  (Gr.  w.  n.  160).  — 
1573)  gncohnlitl*  Blume  =  die  gewöhnlichen 


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Schema 

für  den  Blutkreislauf  seit  Harvey  für  den  Rlutlauf  nach  lialena*  bis  auf  Harvey 


Lu   /(etitrtil  (hymt  fitrtlas 
Pnruma  I 


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Gr  h '/,  ifrnfser  Kreislauf" 
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Ff.  .1   /fortader  f  f-ftut  partarum  I 
Ao- Aorta 

I  A  l.ungenurterie  tArtena  /»tlmenaJis/ 
Ml  A  ■  .VfifAtider/  Irmir  Inrtms  (fuar  suaunt  a  stonuicko) 
6m  J  Mdadtr 

II.  rrchU  Korftrrseite  ILthenulerj 
Ii  ItnJn  timrperseite    I  Milsader'j 


II.  •  flrrs  Ka  ■  Kttnillnrrn 

Le  •  Lebtr  Ib  ■  Arrenrni/m, ivo  dir  Arterien  mit 

tili  •  Limye  den  l'tncn-in  Anastomose  Irrte*  leUdtrr 

Ma    Maqen  IlllutadeenJ  bringen  dos  £u  ff  r4r  &te,uöf 

Marmel,  eestere  dasPneuma 

fi  ■  l.tbe  rader  lllrundadsrf 


I'  •  feneti 

tfr  tt f.  profte  Uthlvene 

L  1'  •  l.linqetl-  fear  fffna  nulmonalisl.rwelrhe  das  mit  Pneufna 
wraeAnu  LungenMut  mm.  Unken 
Verhofe  bringt 


•*  Xaehtrag  a .  Hrgan  i  unuen  am  Schhisse  des  Merkes. 


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Blum. 


Blut. 


57 


Menses  (I-onicerus).  —  graut  Blume  erau- 
farbigos  Augenfell  (DeCock  i  —  Kupf<  r-Blume 
=  rot  geschminkte  Wange  (t;r.  W.  V.  2761).  — 
lüöo-Blümchen  =  Akne  faciei,  weil  sie  meist 
in  der  Pubertätszeit  auftritt  (Kehrend  M),  Venus- 
Blamcben  (s.  u.),  Venus-Bläschen,  Corona  Ve- 
neria —  Maien  -  Blümlein  ■  kleine,  mit  der 
wärmeren  Jahreszeit  Bich  einstellende  Sommer- 
sprossen (Maieren) ;  die  grösseren  heissen :  Koss- 
mucken  (Blrlinger,  Sitten  II,  94).  —  [1715)  Monat- 
Blume  der  Weiber  =  Menses  (<;r.  w.  vi.  2458).  — 
Sagei -Blume  =  Nagelblüh  (s.  d),  der  weisse 
Fleck  auf  dem  Nagel  (Or.  W,  D,  i6u).  —  fi«.  Jahrb.) 
Rosen  -Blumen  der  Weiber  =  Rose,  Weiber- 
blumen (s.  d.)  (Arzbch .).  —  (i>60)  Spital  Blumen 
;u.  Sach*)  b  die  Blumen  des  Aussatzes  und  des 
Geschwürs  (s.  o.)  {Gr.  w.  Ii,  160\  —  (1762)  Venus- 

Sehen,  )  1  =  Akne  faciei«  weil  8ie  mei8t 
Leute  in  den  Pobertätsjahren,  der  Zeit  der  Ent- 
wicklung des  Yenusdienstes,  befällt  Bohrend  59) 
(s.  o.  Liebesblümchen),  Akne  (Varus  =  Finne  im 
Gesichte)  „allermeist  in  der  besten  Blüte  der 
Jahre,  wo  der  Trieb  des  Geblütes  am  stärksten 
ist,  eintretend"  [A.  r.  II.  I.  S3t>;,  daher  auch  Hitz- 
blütchen,  HiUhlätterchen ,  die  die  Stirne  rot 
bekränzen;  graina  de  beaute.  —  2  —  Sommer- 
sprossen [nach  (ir.  w.  iv,  i.  law;?  —  3.  =  Corona 
Veneris  syphilitica  (V'enusblüte,  Venusblatter, 
Vögerl).  —  ns::.)  verhaltene  Blume  (Müller,  Krtrbch. 
90)  =  Amenorrhoea,  die  natürUche  Zurückhalt- 
ung der  Menses.  —  Verstopfung  der  Blumen  - 
dasselbe.  —  (1742)  VYriAer-Blumen  =  Blume  2. 
Frauen-Blumen  (Zw.  :vno),  namentlich,  wenn  Bie 
zu  stark  fliessen,  mensiutn  nimius  flusus;  nach 
Fries  (1532,  S.  116)  wird  „viel  böses  Wut"  durch  „den" 
Blumen  der  Weiber  hinweggeführt  V);  Wirsung  (15*4) 
sagt  „das»  dieser  Wcibsflu&s  bei  uns  und  anderen 
Nationen 'die  Blume  genannt  wird,  hat  diese  Trsach, 
da»*  er  gleich  wie  ein  Baum,  so  blühet,  taugendlich 
mr  Fruchtbarkeit  geachtet  wird,  dagegen  dieser  für 
unfruchtbar,  io  der  Blumen  mangelt  (den  Feigenbaum 
ausgenommen  ;  also  halt  es  sich  auch  mit  den  Weibern, 
das*  diese,  so  ihre  Zeit  haben,  taugentltch  sind,  Kinder 
ru  empfangen  und  ZU  gebaren,  das  denen,  so  dessen 
mangeln,  nimmer  mehr  zustehet".  Qui  ne  fleurit  ne 
graine,  sagen  die  franz.  Hebammen  (Briaa.  71).  Fleur 
-flueur  fFlna»).  —  TFrin-Blumen  -  Gutta  rosacea 
(Zw.  130?,  durch  den  Weingenuss  verursachter 
roter  Gesicbtsausschlag.  —  [MIB]  weisse  Blumen 
Pausa,  BadeorUnung  9;  Zw.  371),  1.  =  Fluor  albus, 
im  Gegensatze  zur  roten  Blume  m  Menses.  — 
2.  -  weisses  Augenfell  (ndl.  de  witte  bloem,  De  Cock 
135)  —  (1592)  Blum  stellen  =  sanguinis  menstru- 
alis  produvium  inhibere  (Fischart,  «arg.  77e,  (ir.w. 
O,  160:.  —  Mit  Weinblumen  bandeln  Zw.  130) 
=  Gutta  rosacea  (s.  o.  Weinblume).  —  Blumen- 
•Fick,  -  Verstopfung,  -  Tröpfeln. 
Blunz.  f.  Blunze,  f  (Plunze,  f  Bluzen),  Plun- 

zen,  f.  (zu  mhd.  blunsen  =  aufblähen,  Leier  26), 
1  =  Magen  und  Dickdarm  c  v.  Schm.  79  ,  deren 
Haut  zu  Würsten  (Plunsen)  verwendet  wird 
(s.  Plumsdarm),  daher  2.  =  plumpe  Nase  (Buck 
12),  die  wurstartig  dick  aufgebläht  ist.  —  8  = 
Scbmoer  bauch  (Gr.  w.  vn,  1949)  und  oin  fetter 
un behilflicher  menschl.  Körper  (Hlntner  5.  io).  — 


4.  Bluzen  (Blunzen)  =  die  durch  Parults  aufge- 
dunsene Wange  (l'usterthal;  Hintuer  6  15). 

Blut,  n  (Geblüt,  bluten,  blutig)  (ndl.  uehloed}. 

AuffiUHgerweise  fehlt  eine  gemeiulndogermanlKche  Be- 
zeichnung, es  ut  ein  erst  altgermanisches  Wort, 
dem  (nach  Kluge*,  44]  die  Grundbedeutung  ..glänzen" 
zukommt;  der  hcisxe ,  rntglflnzeude ,  Im  Bogen  auf- 
springende,  farbenspielende  »iottertrank .  der  beim 
Blutopfer  dargebracht  wurde  und  zur  Blutsverbruder- 
ung  führte,  hatte  die  kulturelle  Bedeutung  eines 
Lebenssaftes  und  göttlichen  Starketrankes  sicher  schon 
»ehr  früh  erlangt:  mit  der  Entwicklung  und  Son- 
derling der  religiösen  und  politischen  Anschauungen 
ergaben  sich  (wie  auch  für  den  Begriff  des  Glftesl  ver- 
schiedene Bezeichnungen,  ron  denen  erst  die  altger- 
maulschen  Volker  eine  ihnen  gemeinsame  für  Blut  (und 
Brust)  hatten:  (vorgerm.  bhlöto  zu  blühen,  glänzen?, 
ahd.  bluot;  1260  bluten,  Pfeiffer  34.  mhd.  bluot.  pluot, 
Leser  26 ;  1554  ndl.  bloedt.  De  Cock  277;  engl,  blood 
—  Blut;  bleed  —  bluten,  zur  Adcrlaasen,  Lchfeldt  1441. 
1.  ~  Sanguis,  der  rotfarbige  Inhalt  der  Blut- 
Adern  und  des  Herzens.  —  2.  =  die  Blutbeweg- 
ung, Pulsschlag,  Blutfluss  (Leser  26).  —  3.  =  Kon- 
stitution, „die  beste  und  edelste  Complexion", 
als  hitzig-feuchter  Humor  der  Humoralpatho- 
logie  der  warmen  und  feuchten  Luft  ent- 
sprechend, Blutzusammensetzung,  «unguis  con- 
stitutio,  Temperament  (s.  d.),  da  in  ihm  die 
Humores  am  besten  temperiert  angenommen 
wurden,  die  die  rechtmassige,  normale  Misch- 
ung (Complexio)  hatten;  Natur  (s.  d.),  Abstam- 
mung, Vererbung;  Galle  und  Blut  wechseln  in 
dieser  Bedeutung  (coler,  H.  a.  76;  Gr.  w.  iv,  l. 
11*4.  —  4.  =  Menses,  als  natürliches  Blut 
(Weibesfeuchte)  u.  als  Blutfluss.  —  5.  =  Sperma, 
s.  männliches  Blut  (Samenfeuchte).  —  6  =  San- 
guis morbus,  die  Krankheit,  die  sich  im  Blute 

(das  bis  auf  Paracelsus  als  „warmfeuchte"  Leibes- 
feuchtin  [Pletorius  41]  angenommen  wurde)  und  durch 
Blutungen  äussert,  z.  B.  Aflerblut,  Stickblut, 
Rückenblut,  wildes  Blut  (».  d.).  —  7  =  blut- 
reiches Gewebe,  z.  B.  die  Zähne  stehen  im 
Blute  (s.  stehen);  der  köstliche,  süsse,  wohl- 
temperierte Lebenssaft,  den  das  Volk  als  Seele 
ansieht  (Rochholz  i,  40;  V.  K  ),  das  Blut,  hatte  die 
volksüblichen  Bezeichnungen  seiner  pliysiolog. 
Thäligkeit  vor  dieser  Schullehre  fast  ausschliess- 
lich aus  der  Küche  der  Altgermanen  (vergl. 
Milz)  erhalten;  es  wird  beiss,  überhitzig,  kalt, 
tlatig,  unrein,  scharf,  grob,  hantig,  stockig,  zäh, 
es  siedet,  dickt  sich  ein,  läuft  über,  rinnt  zu- 
sammen (-  Septikämie),  gährt,  wallt  und 
gischt,  steht  ab,  stinkt,  fault,  es  ist  verbrannt 
(das  Blut  ist  die  Hauptstätte  des  „Brandes", 
s.  d.),  ist  versalzen,  sauer  (hantig),  wird  schwarz 
und  zuletzt  tot  und  verstorben,  es  wird  gestellt 
(durch  Besegnungen  u.  Besprechungen)  (Zeitsehr. 

d  V  f.  Volksk.,  1S9">,  8.  20;  Wuttke  160',  gestillt, 
festgestellt  wie  ein  tieschirr,  geschnitten  wie 
ein  Kuchen.  —  Blutung  das  Bluten.  —  blutig 
=  mit  Blut  gemischt,  befleckt,  cruentus.  — 
Blütigkeit  (ndd.  Blodigkeit)  -  die  Eigenschaft  des 
Geblütes.  —  Blutiger  (ein)  (sei.)  Hieb  -  ein 
leichter  De^en-  oder  Schlägerhieb  (s.  Auschiess) 
[Studentensprache).  —  Bluter,  m.  =  der  die  Blut- 
krankheit (s.  d.),  Haemophilie,  d.  h.  die  hämor- 


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58 


Blut. 


Blut. 


rhagisoho  Diathese  hat,  die  Neigung,  auf  ge- 
ringe Verletzungen  mit  schwer  stillbaren,  häufig 
tödlichen  Blutungen  zu  reagieren,  eine  nur  im 
männlichen  Geschlechte  vererbare  Krankheit 
(Eichhorst  Ii.  NOj ;  (vgl.  Konductoren).  —  bluterig 
(1530  bluetterig  -  foriolus,  I>.  243)  -  einer  der  oft 
Blut  verliert,  durch  die  Ruhr  z.  B ,  und  deshalb 
oft  hinaus  (auf  den  Abort)  gehen  muss.  — 
bluten  =  Blut  verlieren  aus  einer  Wunde; 
Wundschmerz  empfinden  (In  Redensarten,  bei 
Mensch  und  Pferd  durch  Besprechung  volksmcdiz.  be- 
handelt). —  (1789)  abgestandene*  Blut  -  durch 
Skorbut  (b.  d.)  schlecht  gewordenes  o.  mit  Eiter 
gemischtes  Blut,  in  Geschwären  z.  B.  (Buck  19) 
(s.  auch  abstehen).  —  After-Blut  —  Rückenblut 
(s.  d.)  =  Milzbrand  (Bardeleben  I,  299.  Ann.).  — 
(1618)  aufsiedendes  Blut  (PanasW)  --der  lebhaftere 
Stoffwechsel  (im  Blute).  —  ausbluten  (Gr.  W. 

1,  834)  =  sich  verbluten.  —  ausgeflossenes  Blut 
(14.  Jahrh.  uzgeflozen  bluot,  Voc.  opt.  W.  13;  I>.  640) 
=  das  abgelassene  Blut  =  Cruor  sanguinis.  — 
(1W3)  ausgelaufenes  Blut  ~  Blutextravasat  (a.  y.  n. 
11,434).— beissendes  Blut -scharfes  Blut  (s.  d.)  — 
blaues  Blut  s.  schwarze  Ader,  das  blawe  im  blut 
—  pitulta  vitrea.  Signum  quorundam  morborum  (164-5, 
coler,  a.  340);  die  Aderlässer  suchten  im  Blute 
die  Humores  mit  dem  Auge  zu  entdecken  und 
sahen  blaues  Blut  auch  in  den  Aderlasschüs- 
seln.  —  [von)  bleiches  Blut  =  Bleichsucht,  Cblo- 
rosis;  „es  bedeutet  den  Schleim"  (Fluor  albus) 
(fieorg.  871).  —  />'<•  ;>  n  -  Blut  (1183  bogeudez  bluet, 
pogent«  bluet,  M  B.  VIII,  519;  Haltaus  177;  1367  po- 
chundes  plut,  pogenblut  mit  wunden  -  sanguinis  effu- 
sio  curva,  Muhldorfer  Stadtrecht),  d.  h.  im  Bogen 
fiiessendes  (bogendes)  Blut  =  arterielle  Blutung, 
die  man  längst  als  lehensl>edrohlicher  erkannt 
hatte  als  die  Blutrunst  (s.  Bogwunden);  (bis  1C16 
erscheint  da*  Wort  bogwund  und  bogenblut  gebniueh- 

.  Geblüt  I  o 

lieh.  Böhm,  i,  216).  —  (1761)  böses  )  San- 

guis  vitiosus,  atra  bilis  (s.  Melancholie),  1.  = 
hitziges,  aufgeregtes  Geblüt,  Haemorrhoidal- 
anschwellnng.  —  2.  =  schwarzes  Geblüt  (L.  ch.  10) 
(s.  Melancholie).  —  Böses  Blut  der  Frauen  (Loni- 
ceru«)  =  Endometritis  (bei  Krebs  d.  Uterus).  — 
-ßranrf-Blut-cine  tödl.  Krankheit  der  Schweine 
(Milzbrand,  s.  d.)  (Gr.  W.  II,  297;  Falke  I.  148).  — 
(1518)  brandschearzes  Blut  (II.  v.  Gersd.  45i  — 
dunkles  septichämisches  Blut.  —  brüderliches 
Geblüt  =  das  heim  Wiedertreffen  und  Wieder- 
erkennen der  Brüder  in  der  Fremde  nach  dem 
Volksglauben  sichtbar  werdende  Blut  (s.  Kra- 
gein); (1684  ,,so  Jemand  ein  (iesehwistrigeu  hat  über 
hundert  Meyl  und  derselbe  etwas  leidet,  empfindet 
auch  dieser,  so  hundert  Meyl  von  ihm  entlegen,  in 
mlm  m  Geblüt  eine  schmertzliche  Veränderung,  das* 
ihme,  wie  oft  pflegt  zu  geschehen,  gelbe  Fleck  in  den 
Mauden  auffahren  oder  die  Na-en  sehweisset:  so  sagt 
Ihr.  da«  brüderlich  UeblQf  sagt  und  M-hlngt  zusammen", 

Rochholz  i.  42i.  —  (161«]  dicket  Blut,  1742)  ver- 
dickertes  Geblüt,  DicAr-BlÜtigkeit,  1.  =  Sanguis 
crosBiis,  das  Leiden  infolge  dicken  schweren 
Blutes  (Goldschm.  132;  Gr.  W.  II,  1079;  Zw.  95),  auch 

2.  =  Sanies,  blutiger  Eiter,  Detritus.  —  3.  =  (ic»7 
,,es  bedeutet  Verstopfung"  [Georg.  371]  In  den  Äderen) 
ThromboBis,  s.  hartes  Blut.  —  dUrmBlut  =  heiss-  | 


trockene  Konstitution  -  Complexio  cbolerica  im 
Gegensätze  zur  warm-  o.  kaltfeuchten  Konstitu- 
tion (s.  üherhitziges  Blut  und  Dörre,  dürr).  — 
(17.  Jahrh.)  eiterichtes  Grblüt  I  ,  t, 

(im)  eiteriges   Blut    f 'p^*™  =  pyaemi.. 

D.  239;  R.  a.  406)  =  Eiter  und  Blut  oder  Blut  mit 
Eiter  vermischt.  —  erfrorenes  Geblüt  =  kaltes 
Geblüt  =  dessen  Stei  gerung  im  Blutsystem  durch 
Erkältung,  die  bis  ins  Blut  gedrungen  ist  nach 
volksmedizinischer  Anschauung  {Pauli  •'■),  und 
daselbBt  Lungenentzündung  veranlasst.  —  er- 
hitztes Blut  (1260  irhlczet  bluot;  15.  Jahrh  erhiezt 
bluot  =  cholera  constltutio,  Ii.  131)  — Koller  (s.  d.  U. 
innhitziges  Blut).  —  erwärmtes  Blut  (UM  er- 
wermet,  wermet,  ndd  vorwannet  bluot  —  cholera 
constltutio,  d.  131)  =  erhitztes,  innhitziges  chole- 
risches Blut  (b.  Cholera).  —  (un)  faules  Blut, 
(1620)  faules  Geblüt  (Ortolf ,  ndl.  vuil  bloed,  Pe  Cock 
27.-..  faule  geblöd  Goldschm.  134;  D  Minderer;  1512, 
1518  vul  bloet,  ful  bluet  —  sanies,  H.  v.  Gersd.  18; 
D.  511)  =  eine  Krankheit,  z.  B.  Lepra,  mit  pu- 
tridem oder  giftigem  Infektions-Charakter;  ein 
wirklich  faules  Blut  existierte  früher  gewiss  mehr  in 
den  Aderlasschüsseln  als  in  dem  Korper  der  Menschen. 

—  1482)  flatiges  Blut,  1.  -  Phleuma,  Phlegma 
(s.  d  ),  wässeriges  Blut  (s.  d.)  (Zening.,  Voc.  h.  7, 
nn  2),  kaltfeuchte  Konstitution.  —  2.  =  eigentlich 
auch  schönes,  helles  Blut  im  Gegensatze  zum 
unsauberen  Blut  (b.  d.);  (ahd.  flit  =  Schönheit).  — 
.FercA-Blut  ahd.  ferhpluote,  ferhblnt,  verhplüt,  Graff 
III,  2.53.  6*3;  mhd  verchbluot,  I.exer  3171  —  lxjbens- 
oder  Herzblut  (b.  Ferch).  —  Fieber-Blut^ durch 
Fieber  lebhaft  bewegter  Pulsschlag.  —  Frauen- 
Blut  i frowltch  blut)  -  Menses.  —  gärendes  (güriges, 
gieriges)  Blut  (Geblüt)  =  der  Lebenssaft  Blut 
gährt  wie  der  Traubensaft  nach  früherer  Vor- 
stellung. —  gallen-blutig  =  einer,  der  Galle  im 
Blute  hat,  1.  -  constitutione  cholericus,  2.  =  qui 
morbo  cholera  laborat  (Gr.  W.  IV,  l.  ii9i>.  — 
gallicht  Geblüt  (ndl  galachtig  bloed,  De  Cock  275) 
n  Cholera  (constitutio),  s.  Cholera  (Gr.  w.  IV. 
l.  1191).  —  (18011  gallichtes  Bluten  =  das  Blutver- 
giessen  infolge  einer  fieberhaften,  aus  galliger 
Komplexion  (Geblüt)  kommenden  Krankheit 

(Vogel  V.  10),  —  Geblüt  ndd.  Gebloed;  erst  seit  dem 

14.  Jahrh  gebräuchlich)  .,das  Blut,  das  zusammen- 
gehört" (Gr  w  iv.  i  1793),  1.  -  die  gesamte  Blut- 
menge als  solche.  —  2.  —  das  Blut  als  der  eigent- 
liche Träger  der  im  Geschlechte  sich  fortpflan- 
zenden Art  des  Einzelnen  wie  der  seiner  Sippe 
=  Abstammung,  Vererbung.  —  3.  =  Konstitu- 
tion, Temperament,  Blutzusammensetzung.  — 
4.  =  Menses  als  Reinigung  vom  übrigen  Blute 

(Gr.  W.  IV,  1.  1794;  A.  V.  H.  I,  1024!  ;  ins  Geblüt 

fallen  s.  fallen.  -  (1842)  gefährliches  Geblüt  = 
der  Milzbrand  als  gefährliches  Brandblut,  töd- 
liche Seuche,  die  Gefahr  (s.  d.)  bringt  (Falke  1,313). 

—  geistiges  Blut  — der  Spiritus  Vitalis  in  dem 
Arterien-Blut  (  —  Ozon)  (Hyrtl  107),  s.  Geistader. 

—  fl687)  gelbes  Blut  =  Icterus  haematogenes 
(,.es  bedeutet  die  Galle",  Georg.  371).  —  gelibertes 
Blut  11260  daz  geliberte  bluot,  Ploss-BarteU,  I.  276; 
Pfeiffer  25,  15.  Jahrh.  daz  gellbert  plut,  Sehuieller  I, 
1414;  1551  das  gelyffert  blut  im  leib,  Bock  179;  1646 
geliefert  blut ,  Coler.  H.  A.  267;  1749  geliefert  Blut, 
Zeitschr.  f.  d.  Phllol.  XXVI,  241)  =  geronnenes,  zu- 


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Blut 


Blut. 


59 


sammengelaufenes,  giftiges  Blut,  das  z.  ß.  bei 
Puerperalfieber  zur  Peritonitis  führt;  („es  walget 
unter  den  rippen",  Ploss-Bartels  I.  276)  (b.  Kippen). 

—  (1876)  geronnenes  Blut  [Miller,  Krtbch.  712)  -- 
das  extravasierte,  gestockte,  klumpige  Blut.  — 
M620)  gesalzenes  (versalzenea)  Geblüt  (Dr.  Minderer: 
das  Blut  zu  verkosten,  lag  ebenso  im  Interesse  des 
Aderlässen  wie  des  Llebeudeu,  der  viel  Hüsslgkcit  im 
Blute  erhofft,  s.  des  Verf.  Volks  Medizin  8.  100)  =  die 

Anhäufung  von  „tartarischen  Salzen"  im  Blut« 
sollte  die  Ursache  einer  Safte- Anomalie  sein 
(s.  Nachfolgendes).  —  (scharf es)  geschärfte»  Ge- 
blüt (Zw.  19,  224)  =  scharf  gewordenes,  abnorm 
salzig,  „hantig"  schmeckendes,  also  nicht  süsses, 
nicht  gesundes  Blut,  das  namentlich,  wenn  es 
„zwischen  Haut  u.  Fleisch"  steckt,  zum  jucken- 
den Salzflusse  (s.  d.),  zum  Weissflusse  (s.  d.) 
Veranlassung  geben  soll  (Gr.  w.  vill,  2169;  l>auU30; 
Zw  224)  oder  zum  Scharbock,  Grint,  Aussatz,  beis- 
sender  Räude  führt  (s.  Blutschärfe)  —  gestocktes 
Blut  =  Blutstock  (s.  d).  —  giftige»  Blut  = 
faules,  gelüpertes  d.  h.  septisches  oder  septi- 
chämische  Prozesse  erzeugendes  Blut,  das  nach 
dem  Volksglauben  der  Peatseuchen  bringende 
Lindwurm  hat  (H.  A.  Rh.  662).  —  (i5S3j  grobes  Ge- 
bltit  ;<ir.  \v.  iv,  2.  837)  die  allmähliche  Verfeiner- 
ung der  Volksküche  lies  auch  eine  subtilere 
und  gröbere  Küche  im  Blute  des  Menschen 
unterscheiden  (s.  Bluthepfen).  —  gute»  Geblüt 
<r,T.  w  iv,  L  17W)  >  Sanguis  verus,  normal  warmes 
und  süsses  Blut.  —  {l.vto)  haemorrhoiachea  Blut 
(Paracels. ,  Pr.  II,  140)  das  Leberblut,  aus  dem 
man  die  Haemorrhoiden  (Feigwarzen)  ableitete. 

—  (l»if  kässlichea  Blut  =  Cruor  (Had.  Jim.  20), 
wenn  das  gelassene  Blut  durch  seine  schwär- 
zere Farbe  unschön,  nicht  frisch  hellrot  ist.  — 
Halb-Blut  -  ein  Pferd,  dessen  Kasse  von  einer 
Seite  der  Erzeuger  her  edel  ist  (s.  Vollblut).  — 
(US09)  hannige*  (hantige»,  händige»)  Blut  =  bitteres 
oder  saures  (versalzenes)  Blut;  falles  Scharfe  und 
Seure  Ist  --  hantig;  beim  Verkosten  des  Blutes  wollte 
man  die  gallige  Zusammensetzung  desselben  erkennen , 
normales,  gutes  Blut  stellte  man  sieh  als  süss  vor ,  das  ' 
hantige  Blut  wurde  aLs  Ursache  des  weissen  Flusses 
der  Frauen  angenommen,  ehemals  auch  als  solche  der 
Syphilis  [s.  d.].  Pauli  87;  Pr.  II,  162;  ahd.  hautac  = 
amarus  und  acidus.  «raff  IV,  972).  —  [IUI]  hartea 
Blut  fhertt  plutt.  Krautw.  XLQ)  —  geronnenes,  ver- 
stopftes Blut  in  den  Venen.  —  (JA  Jahrs.)  heid- 
nisches Blut  (beydUch  Wut  =  mumla.  1).  642)  -  die 
zu  Heilzwecken  verwendeten  Teile  der  ägvp- 
tischen  Mumien.  —  (1M2)  heimliehea  Geblüt  - 
Milzbrand  als  heimtückisch  gefährliches  kran- 
kes Brandblut  (Falke  I,  313).  —  (1477)  heisses  Blut 
(Ortolph),  1.  —  Fieberpuls,  raschere  Blutcircula- 
tion.  —  2.  =  cholerische  Natur  (s.  überhitziges 
n.  innhitziges  Blut  u.  Kollerer),  lee  chaleurs  de 

sang.  —  Herz-  |  jj  JJttt  j  (mhd.  herzcbluot,  Gr.  W. 

IV,  2.  1226;  Lexer  99;  =  das  eigentliche  (Ferch-) 
Lebensblut,  das  sich  das  Volk  als  die  Seele  in 
einem  eigenen  Reservoir  =  Herzkasten  (Blut- 
kasten) besonders  aufbewahrt  u.  abgeschlossen 
vorstellt.  Fliesst  dieser  Vorrat  als  Herzfluss  (•.  d.) 
ans,  so  ist  der  Tod  nach  demselben  Glauben  unver- 
meidlich, und  wird  darum  das  Herzgeblüt  besprochen 


I  (Köhler,  v.  Gl.  40s).  —  <\M?  jähes  Blut  ■  -  Milzbrand 
als  wildes  Blut  mit  höchster  Aufregung  des  Blut- 
kreislaufes (Falke  I,  137.  430).  —  (1721;  jostendc» 
Geblüt  =  lebhafter  Kieberstoffwechael  (s.  Jast) 
(Pauli  14;  Zw.  164  .  —  innhitzige»,  hittigea  Blut, 
(12.— 14.  Jahrh  j  Geblüt,  1.  -^d.  innere  hohe  Wärme 
des  normalen  BIuu>b  (i66i ;  Gr.  vv.  iv,  2.  iw ;  d.  131. 
640i  —  2.  —  das  dunklere  verhitzte  verbrannte Ge- 
blüt  der  früheren  Schullehre,  das  beim  Brande 
(s.  d.)    eine  solche  Beschaffenheit  annahm. 

—  3.  =  cholera  constitutio,  s.  Cholera  u.  Koller 
(D.  131.  640;  1631,  Besolt).  —  irdene.*,  irdisches  Blut 
(14.  Jahrh.  irdens  bluot,  V.  opt.  W.  13;  1414  Irdes  blot ; 
1630  Indisch  betrübt  plutt,  Besolt;  15.  Jahrh.  crdlsch, 
erdeseh  blüt,  blot,  Wut,  D.  364;  ein  eomplex  in  der 
do  herrscht  das  ertrieh,  melaucolia,  D.  I.  c.)  —  die 
Melancholia  constitutio  et  morbus  (s.  Melan- 
cholie); als  Ursache  dieses  melanchol.  Tem- 
peramentes (s.  d.)  nahm  man  ein  trockeneres 
(s.  Erde),  dickeres,  trägeres,  mit  schwarzer  Galle 
(s.  d.)  ausder  Milz  zu  stark  vermengtes  Blut  an  im 
Gegensatze  zur  edlen  sanguinischen  Konstitu- 
tion, bei  der  die  geistigen  Adern  (Arterien)  mit 
hellrotem  flüssigem,  leicht  beweglichem  Blute 
gefüllt  sein  sollten.  —  ,U/.'- blutig  =  von  phleg- 
matischer Konstitution  (s.  Phlegma);  der  Ge- 
frorene (s.  d.)  ist  noch  ruhiger,  selbst  empfind- 
ungslos. —  kaltfleumige»  Geblüt  -  fieutna  = 
Phlegma  (s.  d.)  (Gr.  w.  v,  so,  in  is..i).  —  klumpige» 
(schwarte»)  Blut  =  das  zu  unförmlichen  dunkel- 
rotbraunen o.  braunschwarzen  Stöcken  (s.  d.) 
geronnene  Blut  (Heyne  III.  390j.  —  (1796)  Lenden- 
Blut-  Milzbrand  mit  Bluterguss  (Schweiss,  s.  d.) 
im  Mastdarm  (s.  Überblut  u.  Kückenblut)  (Abiig. 
114 ;  Falke  11, 67. 247).  —  männliches  Geblüt  =  männ- 
liche Natur,  Sperma  virile.  —  mastiges  Geblüt 
=  das  fettweiche,  dicke,  schwere  Blut,  das  in 
don  sogen,  schweren  (s.  d.)  Familien  als  be- 
lastendes konstitutionelles  Element  (phlebek- 
tatische  Konstitutionsanomalie  nach  Bennecke) 
vererbt  wird  (Pauli  26).  —  Menstruation» -Jüxit 

—  monatliches  Geblüt.  —  monatliches,  Monat- 
stunden-Geblüt  (ahd  manod-pluotiu  —  monatlich 
Wutend.  Srhmeller  1,  1609;  ndl.  maandstonden  bloed. 
De  t  ock  43)  —  Menses,  Menstruatio,  die  beim 
weiblichen  Geschlechte  alle  Monate  periodisch, 
fast  auf  die  Stunde  erfolgende  blutige  Sekretion 
aus  den  Gentitalien,  die  die  Ärzte  bis  auf 
Joubert  (1629— 16*3)  als  „giftig"  ansahen  (Ge- 
schichte, Blume,  Blüte,  Regel,  Recht  etc.)  — 
Mond-Blut  ■  nach  dem  Glauben  des  Volkes  in 
der  Schweiz  (Llebr.  z.  V.  362;  Rochholz  I,  70)  fallen 
Blutstropfen  vom  Monde  herab  (s.  Tropfen), 
die  nicht  figürlich,  sondern  materiell  angenom- 
men weiden,  daher  der  Mond  auch  wie  eine 
menstruierende  Frau  „kränkt"  (Schindler  1, 1373). 

—  na  1 h  Muten  =  hinterher  nach  einem  früheren 
Vorgange  noch  bluten.  —  Nasen -bluten  -  der 
(durch  uralte  Bescgnunirsformelu  behandelte.!  Bluter- 
guss aus  der  Nase  ii.ammcrt  191),  Epistaxis  (s. 
brüderliches  Geblüt).  —  naturliches  Geblüt,  1.  — 
Menses  als  naturgemässer  Bluterguss.  —  2.  = 
die  natürliche  Blutmischung,  Constitutio  san- 
guinis (Blut  3).  —  «eue*  Blut  ahd.  niuui  plot, 
Graß  in.  263)  -  Cruor,  frisch  geronnenes  Blut.  — 
Pi*/«-Blut  =  arterielles  Blut  der  geistigen  Adern 


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60  Blut. 

ffir.  W.  VII,  2214).  —  qttatt  -  Blut  (mnd.  qiiadea  blod, 
ndd.  quades  geblocd,  Goldsihm  Mj  Mag.  Barth.  91»; 
[qtmt  -  Kot])  unreines  Blut  (s.  «!.).  —  reines 
Blut,  1.  =  ein  von  Krankheitstoffen  (Aussatz, 
Syphilis  etc.)  freies  Blut.  —  2.  —  sichtbare  äus- 
serliche  Hautreinheit.  —  3.  ^  keusche  jung- 
fräuliche Konstitution.  —  4.  —  von  Kreuzung 
freie  Zuchtreinheit  [Gr.  w.  VIII,  ßno  B.).  —  Rind- 
Blut  12.  Jahrb.  rindbbmd  sive  billistr  i'ialle .']  propter 
viscuin,  D.  623  [—  blutfarbige*  Eingeweide],  quod  est 
rindblond,  II.  Z.  II,  20">,i  bluttragender  Rinds- 
darm.  —  (14.  Jahrb.]  rindemes  Blut  (rinde  renne 

Wut,  noflm.  I,  322;  Schnuller  II,  1181  st  ein  ver- 
giftend wirkendes  Blut  (bei  der  Kinderbrunst?). 

-  (l.'c.i!  rotziges  "Blxit  (l'araccU.)  —  phlegmatische 
Konstitution  (s.  Kots  -  Phlegma).  —  (löic)  rohes 
Geblüt  (roch  Keblnet,  Gr.  W.  VIII,  1115'  -  Sanguis 
crudus,  imperfecte  coetns  =  Phlegma  (s.  d .); 
flaiiges  Geblüt  (Pituita),  wäsBrijrkalte  Feuchte 
(s.  d.)  des  Körpers.  —  rotes  Blut  =  frisches 
gesundes  Blut,  Gesundheit.  —  fiudten-Blut 

-  Milzbrand  mit  Lokalisation  der  Krankheit 
(Mastdarm-Karbunkel  mit  Blutung)  «wischen 
den  Schleimhäuten  und  Entleerung  von  Blut- 
stöcken aus  den  Kackenmarks-  und  Mastdarm- 
häuten beim  Rinde  (Lendenblut,  Überblut, 

Schwei88)  (Z.  Hdb.  III,  469;  Bardelcbcn  I,  300,  Aura.; 
Gr.  W.  VIII,  1362,  Förster  II,  142).  —  [1725)  scharfes 

Geblüt  -  das  nicht  normale,  nicht  süsse,  son- 
dern salzsaure,  hantige  (s.  o.),  bittere  Blut  als 
Ursache  von  Krankheiten  angenommen  (Thea, 
•an  nr.  655).  —  (1712:  schlimmes  Blut  =  böses 
Blut  (Hoffm.  VIii,  30i).  —  schwarzes,  schweres  Ge- 
blüt (1391  daz  swarae  blut  cholera,  D.  131;  ndd. 
»wart  geblocd,  bloedlgkelt,  Goldsehui.  14.  132;  Had. 
Jun.  372.  .'»2,  labern.)  =  melancholisches,  schwarz- 
galliges,  verbranntes,  dickes,  mastiges  Blut  nach 
der  Lehre  der  Humoralpathologie,  1.  =  Furor, 
Melancholia  ex  atra  bile  nata,  die  Constitutio 
melancholica,  die  nach  dieser  Lehre  durch  die 
schwarzverbrannte  Galle  (Bluthefe)  verursacht 
sein  sollte,  die  sich  in  der  Milz  und  auch  „um 
das  Herz  herum"  anhäufen  und  als  „schweres 
Geblüt"  in  den  sogen,  „schweren  Familien" 
forterben  sollte  [Pauli  26)  (s.  schwarze  Galle 
und  böses  Blut).  —  2.  =  das  dunklere  (bran- 
dige) Pfortaderblut,  das  sich  durch  dunklere 
Hautvenen,  Varicen,  Phlebektasien  bemerkbar 
macht  (Goldaehm.  132;  A.  V.  H.  I,  212.  981).  —  3.  = 
Cholera  constitutio  als  trockene  heisse  Geblüts- 
Komplexion.  —  Sippen-Blut  (14.  Jnhrh.  »IpMoot 

-  consnnqnlneus,  D.  143:  die  Abstammung  von 
der  gleichen  .Sippe.  —  (1743:  »korbutisches  Blut, 
Geblüt  —  die  anomale  BlutbeBchaffenheit  beim 
Scharbock  (s.  d.)  ibibl.  Media.  470  .  —  (1777)  sprin- 
gendes Blut  -  hochgradige  Erregung  des  Rind- 
viehs, das  wie  toll  herum  rennt  beim  Beginn 
schwerer  Infektionskrankheiten  (A.  M.)  (wildes 
Blut).  —  Sfidf-Blut  -  Milzbrand  der  Schafe, 
wobei  die  Tiere,  denen  das  Blut  aus  der  Nase 
und  dem  Maule  ausfliesst,  wie  in  ihrem  eigenen 
Blute  erstickt  hinstürzen  und  verenden  [Zlpp. 611) 
(Stockblut).  —  stinkendes  Blut  faules  Blut; 
eine  Bezeichnung,  die  aus  dem  Blute  der  Ader- 
laasch  Ossel  des  Mittelalters  und  dem  stinkenden 
Lochial-Blut  (Coagula)  entnommen  und  auch 


Blut. 

auf  das  kreisende  Blut  übertragen  ist  (Septi- 
kämie),  Brand,  s.  d  —  Stock-,  stockiges  (ver- 
stocktes) Blut,  -Geblüt,  1.  -  geronnenes,  ge- 
stocktes (klumpiges)  dunkles  Blut,  äholich  wie 
die  Milch  als  Stöckelmilch  „gestockt"  im  Milch- 
kasten (Lamm.  :  .  Volksnied.  200i;  Milzbrand  — 
Stockblut  (Lendenblut)  (Falke  II,  122),  im  Maat- 
darm geronnenes  Blut.  —  2.  -  Amenorrhoe, 
Ausbleiben  des  Monatflusses,  weil  nach  alter 
Volksanschauung,  die  aus  der  früheren  Schul- 
medizin stammt,  das  Blut  in  dem  weiblichen 
Blutkasten  (Uterus)  geronnen,  gestockt  ist.  — 
speisendes  Blut  (i5i8;  n.  v  Gemd  ;  Hyrti,  k.  w. 
212)  —  das  Venenblut,  welches  von  der  lieber 
und  den  Speise  aufsaugenden  Gedärmen  zum 
Herzen  zurückkehrt  a)  in  der  Vena  organalis, 
Fons  vitae  (Brandader,  untere  Hohlader);  b)  in 
der  Pfortader.  -  (1581)  subul  Geblüt  (Bock, 
Krtrbch.)  im  Gegensatze  zum  groben  Blut 
(s.  d.)  ist  dieses  feiner  gekochte  Blut  ein 
leichtes,  helles,  gutes  Blut.  —  süsses  Blut 

—  das  normale  Blut  enthält  schon  Zucker,  um 
so  mehr  das  gesunde  Blut  für  den  es  beim 
Aderlasse  verkostenden  Geliebten;  nach  diesem 
weitverbreiteten  Volksglauben  »oll  das  Ungeziefer 
(Laase,  Flohe)  solch  süssblütlge  Personen  besonders 
gerne,  wie  die  süss  schmeckenden  Pflanxenteile  auf- 
suchen. —  totes  Blut  (1518;  H.  r.  Gered  ).  1.  = 
Purpura,  Peliosis,  ein  roter  ekchyinotischer 
Hautausschlag  beim  Menschen  als  Zeichen  un- 
genügenden Blutlebens  aufgefasst.  —  2.  (todten- 
bluet,  R.  a.  661,  »aug  meurtrii  =  das  in  den  sogen. 
Steingallen  der  Pferde  befindliche,  geronnene 
Blut.  —  träqes  Blut  =  langsamer  Pulsschlag. 

—  trockenes  Blut  -irdisches  Blut  (s.d.)  (15.  Jahrb. ; 

D.  SM).  -  Über-  |  SS5ttt  }  -  eine  Blutanhäuf- 
ung im  Mastdarm  des  Rindviehes,  eine  Blut- 
krankbeit,  bei  der  auffallend  rasch  sogen,  über- 
flüssiges, weil  rasch  wieder  entleertes  Blut,  nach 
früherer  Annahme  verursacht  durch  Wurmbiss 
(a.  M.  7.  s),  daselbst  abgesondert  wird  (Rücken- 
blut, Lendenblut,  Milzbrand-Karbunkel)  =  (1735) 
j  ähes  C  berblut  -  R  ücken-,  Ü  ber  b  lu  t.  —  ( u .  Jah  rh .  > 
überhitziges  Blut  (Voc.  opt.  W.  13)  =  Cholera 
constitutio,  bei  der  dürres,  d.  h.  wasserarmes 

unmässiges  I 
Blut  überwiegen  sollte.  —  (1551)  unreines     )  Oe- 

unsauberes  I 
blüt  (Tabernaemontanus;  Bock  42J  -nicht  hellrotes, 
leichtes,  schönes,  Ästiges,  sondern  schlechtes, 
dickes,  schweres  (melanchol.)  Geblüt  (schlechte 
Blutmischung).  —  unter-laufenes,  -loffenes  Qt- 
bltit  (1756;  A.  v.  H.  I,  595;  Ii,  359)  =  aus  den  Ge- 
fässen  unter  der  Haut  rasch  ausgetretenes  Blut, 
Sugillatio  (blaues  Auge,  kölnischblau).  —  ver- 
bluten =  jede  stärkere  Blutung,  eigentlich  aber 
nur  der  tödliche  Blutverlust.  —  (1518)  verbranntes 
Blut,  1.  —  die  Galle  wird  in  dem  Blute  nach 
alter  Anschauung  verbrannt,  dunkler;  häuft 
sich  diese  schwärzere  Galle  im  Blute  an,  so  ist 
dies  m  Cholera  (nigra)  constitutio,  complexio 
(s.  Cholera)  (Gr.  W.  IV,  l.  n»4).  —  2.  =  der  mit 
Blut  gemischte  Abscess-Eiter  heisst  auch  wegen 
seiner  dunkl.  Farbe  verbranntes  Geblüt  (Back  19) 

—  verdorbenes  Geblüt  =  Iwtf^pfuvov  atjjia  Ga 


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Blut. 


Bobo- Bockel 


61 


leni  'Kraus,  E.  433.  434),  s.  verderben.  —  verhär- 
tetes (r.-blüt  =  Infarctus,  Thromboeis,  Blut- 
knollen, die  man  früher  in  hart  gewordenen 
(infarcierten)  Organen  annahm  iBaa*  3*4).  — 
verhaltenes  Geblüt  =  Amenorrhoea,  Chlorosie, 
allgemeine  Schwäche,  Blutarmut  mit  Ausbleiben 
der  Menstruation  (zurückgehaltener  Blutfluss) 
lUoldsehm.  Iii.  132V  —  verhitztes  Geblüt  h.  hitziges 
und  erhitztes  Blut  (Goldschm.  14).  —  verkühlte« 
Geblüt  =  erfrorenes  Geblüt  («oldschm.  14.  lioj. 

—  (1531)  verletzte»  Blut  -  durch  Eiterabecesse 
pyäraiach  gewordenes,  vergiftetes,  Versehrte«, 
infiziertes  Blut  iKrautw.  LXXXIII).  —  (1744)  ver- 
schleimtes {schleimeriges)  Geblüt  ■  eine  Konsti- 
tution, die  zu  Schleimbildungen  (Lungen-,  Ma- 
gen-Katarrhen z.  B.)  neigt  (Zw.  176)  (s.  Phlegma, 
rotziges  Blut).  —  versalzene»  Blut  s.  hantiges 
Blut.  —  Versehrte»  Blut  infiziertes  Blut,  fud- 
versehrtes  Blut  (pliiot  fued-sart,  Schmcller  II,  88t), 
durch  mütterliche  tienitalleiden  (s.  Fud)  infi- 
zierte Nachkommenschaft  (erblich  belastet).  — 
versessenes,  verstocktes,  verstorbenes  Blut  -  ge- 
ronnenes, nicht  mehr  laufendes,  gestocktes, 
sitzen  gebliebenes,  eingedicktes  Blut,  Bluter- 
gusa, blutende  Stelle  (s.  Krebs  u.  Totenbiss) 
p*uii  26).  —  Fo//-Blut,-Blütigkeit(ivoodie  tüiutisr 

de»  uebliieti  [BninnwlKl ;  ndl.  vollbloedlK,  De  Coek  '.'77 

m  pietbora,  A.  v.  H.  I,  113«),  1.  =  Zustand  der 

Blutfülle  (s.  d  ).  —  2.  =  ein  Pferd,  dessen  Rasse 

von  beiden  Seiten  der  Erzeuger  her  vollständig 

rein,  edel  ist  (Vollblut).  —  (1576)  Whsser-Blut 

iThcophr.  Br )  ^  Ichor,  Hydraemia,  wasserreiches 

n,„,      wasserfliessiges  Blut     I  „ .  ,  w  ,. 
Blut.  —    ..      '.       *     „  .       }  [14.  Jahrb.  wa««er- 
wasseriges       Geblüt  I 

flletijt  Mut.  Voc.  opt.  W.  13;  15.  Jahrh   waterig  blot, 

I).  239;  ndl.  wate  nichtig  bloed,  P«  t'oek  275;  ndd. 

waterach  gebloed,  Ooldschra.  14;  Heyne  III,  1043), 

L  ■  ein  an  Wasser  reiches  helles  Blut,  welches 

nach  den  Lehren  der  Humoralpathologie  der 

phlegmatischen  Konstitution  eigen  sein  sollte, 

da  diese  mehr  Phlegma  (Kotz,  Schleim)  bildet.  — 

2.  =  das  helle,  datige  Blut  im  Gegensätze  zum 

dicken,  schweren  (melancholischen)  dunklen 

Blute.  —  JVetiw  Blut  (14.  Jahrh.  wlbsbluot,  Voc. 

opt.  w.  13)  =  Menstruum;  erstocktes  Weibsblut 

—  Amenorrhoe,  verhaltenes  Geblüt  (s.  gestock- 
tes Blut).  —  wrissen  Blut,  1.  —  Chylus  (».  Milch) 

(Hjrrtl,  K.  W.  67;  Falke  II,  4;H).   —  2.  -  (1845)  LeU- 

kaemie  (Vlrchow)  (Weissucht),  Vermehrung  der 

weissen  Blutkörperchen.  —  wildes  j  jßjj**" 

1.  =  springendes  Blut;  das  bei  der  Kinder-Kolik 
aufgeregte  Blutgef&ssystem ;  eigentlich  nur  ein 
die  Aderlasstherapie  begründen  sollender  Aus- 
druck. —  2.  -  Milzbrand  als  Blutkrankheit  (Kalke 
l.  3l3i.  —  wohl  temperierte»  Blut  14.  Jahr.  wolge 
tempert  bißt,  Voc  opt.  W.  1.1;  15.  Jnhr.  Mut  wol  tem- 
periert, D.  644)  -  Sanguis  (oonstitutio),  ein  mit 
allen  Elementen  od.  Feuchten  (s.  d.),  Humores, 
gleichmässig  und  normal  erwärmtes  bezw.  ab- 
gekühltes, nicht  zu  kalte«  Blut,  das  auch  nicht 
Oberbeiss  ist;  normales  Blut  (h.  Wärme  D.  Tem- 
perament). —  wüstesBlrxt  (Pfalz  -der  tinschone, 
aber  normale  blutige  Wochenfluss  (Lochia) 
[P\om  itamiiM.Mi).  —  [1477]  wütendesBlut 
=  Aufregung  des  Nervensystems,  hitziges  Tem- 


perament, wildes  Blut,  hohes  Fieber.  —  (1725) 
zähes  Geblüt  Tb.  san.  Br.  654)  =  dickflüssiges, 
schweres  Blut.  —  (Mtw) r< m  blutend,  1.  =  infolge 
von  syphilitischen  Geschwüren  am  Penis  blu- 
tend iPr.  I,  371]  —  2.  -  an  der  Harnröhre  infolge 
von  Tripper  (s.  I  larn  winde)  blutend,  rottropfend. 

—  Blut-,  Geblüts-,  blutige(er,  es)- Abgang, -Ader, 
Aderlein,  -Aiss,  -Andrang,  -Anttoss,  -Apostem, 
-Armut,  -Auge,  'auswerfen,  -Bärmen,  -Balg, 
-Bauch,  -Beule,-Blase, -Blatter,  -Blutne, -brechen, 
-Bruch,  -Brunzet,  -Brust,  -Dämpfe,  -Dürre, 
•Drusen,  -Dunst,  -Durchgang,  -Eiter,  -Entzünd- 
ung, -Fall,  -Farbe,  -Faser,  -Feig,  -Feim,  -Fell, 
-Fieber,  -Finne,  -Fluss,  -Fülle,  -Galle,  -Gang, 
-Geschwär,  -Geschicür,  -Geschundst,  -Gierung, 
•Grimmen,  -Grint,  -harnen,  -Harnwinden,  -Hefe, 
•Hunger,  -Husten,  -Jauche,  -Kasten,  -Klauchc, 
-Knollen,  -Kolik,  -Krankheit,  -Kuchen,  -Lauf, 
-leer,-Leim,  -Mal,  -Maltzey, -Mauserung,  -milchen, 
-Molken,  -Nasen,  -Ohr,  -Pfropf,  -pi»sen,  Pocken, 
-raechsen,  -Reinigung,  -Renke,  -rensen,  -rinnsig, 
-ris,  -ri»tig,  -röten,  -Rohr,  -Rose,  -Rufe,  -Ruhr, 
-Kunst,  •  Säcklein,  -Säuberung,  -  Sauger, -SchadeHy 
•Schäbigkeit,  Schärfe, -Schaum,  scheissen, -Schelm, 
-scheu,  -Sthink,  -Schlag,  -Schwären,  -Schwamm, 
-Schwei8S,  -Schtcindel,  -Schwüren,  -Schwund, 
•Seuclte,-Spnt,  -speien,  -spucken,  -stallen, -Staupe, 
-Stellung,  -Stock,  -stocken,  -Strammen,  -Strieme, 
•Sturz, -Sucht, -  Thräne,  •  Tod,  -tragend,  •  Tropfen, 
-Unlauterkeit,  -Verderbnis»,  -  Vergeh.',  -  Verlust, 

-  Versammlung,  -  Wässerigkeit,  •  Wallung,  -  W<ir*e, 
-Wra»ser.  -Wolf,  Wuelfel,  -Wunde,  Wurm, 
-Zahn,  -Zapfen,  -Zerrinnung,  -Zirkel,  -Zwang. 

Bobo  s.  Popo. 

Bock,  m.  (ein  arm  (rem.  indogerm.  t'rzelt  bereits 
Maniinende.«  Wort.  Kluge*,  17,  das  wohl  zu  „pochen" 
l  Mossen]  gehört,  nnrh  Kluge  zu  bhügo  —  fuglo  der 
Flüchtige.  Von  dem  Bocke  [irru*.  trago*]  nahm  die 
alte  Schulmedizin  den  Ausdruck  für  1 .  Bo ck  -  Tragus, 

Ohrbock  (1748).  K.  a.  89).  —  2  Augenwinkel  (14S2 
pock  treu»  [hlrcus],  Zcnlng.  Voc.  r4).  —  3.  Mich 
stösst  der  Bock  Singultus ;  hier  ist  vielleicht 
Bock  Mar  (s.  d);  der  Bock  ist  die  Teufelsfigur, 
die  öfters  die  heidnischen  Dämonen  vertritt,  die 
d.  Menschen  anfallsweise  belästigen.  —  4.  Bock 
ist  auch  -  Podagra  wegen  der  Schmerzen,  als 
ob  das  giebtkranke  Bein  in  dem  Schraubstock, 
in  der  Daumenschraube  (Bock)  der  Tortur  wäre 
(Schräder  113).  —  Dei  .  I  u.^-Bock  hat  ihn  gestossen 
-der  nächtliche  Korn- Dämon  auf  der  Auclits- 
(Nacht) -Weide  hat  ihm  plötzliche  Kücken* 
schmerzen  gemacht  (Lumbago  rheum.)  (Jahn 4M; 
z.  d.  v.  r.  v.-K.  is«5.  s.  314).  —  iv.»i  Farz-Boc'k. 

ein  Mensch,  der  wie  der  Bock  oft  farzt  (pedet) 
(<;r.  w.  LH,  13S5).  —  Ge^en-Bock  (Übersetzung 
des)  Antitragus  (  Gegenecke),  dein  Tragus 
gegenüberstehend.  —  I7i:s  O/trrn-Bock  l'Wr- 
Setzung  de«)  tragus  (-Ecke),  fälschlich  Bock 
tpif  w„  dieUhrknorpel-Klappe  vor  dein  Eingang 
in  das  Ohr.  —  &7uir-Bock  s.  Scharbock,  Skor- 
but. —  Bock(8)-.li«(/t»,  heutig,  -ftbris,  -Fuss, 
-Haare,  -Hexe,  -Kinn,  -Knie,  Nieren,  -Stern, 
-Stimme 

Bockel,  m.  (bockellcbt)  -  Buckel  (buckelicht) 

(s.  d.),  Höcker  (Ur.  W.  U,  MM.  206). 


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62 


Boden— böse. 


Bofel— Bogen. 


Boden,  m.  (Bodem,  Bodler,  Bödel)  (ein  ur- 

lndogermanlsches  Wort;  indogerm.  bhudbnö  -  Grund, 
Boden,  fundus;  bhudhmen  a  rudu.Yjv  JBüdmlng]; 
sskr.  budhna;  goth.  budna;  ahd  bodam,  podatn, 
<;rafT  III,  86;  mhd.  und  bl*  iura  17.  Jahrh.  budein 
fundus^  der  «rund  eines  Sarkes,  worein  geschüttet, 
gegossen  wird,  Gr.  W.  II.  20*  ff;  I.exer27,  Schw.  78; 
14*2  podemlein  ■  pari»  suis  BU  ubera  adhaerent,  «umen, 
pinqtiedo  prodij,  Zenlng  Voc.  qq,l;  Ü.  jt>6  ■  Schweins- 
hauch  [vom  Mairensack  auf  den  Haurh*ack  ubertragen] , 
1495  bodler  budlcr  =  tiedarra,  Dickdarm,  Brark, 
Vocabul.  rcr. ;  15  Jahrh.  bodler- colon,  Schindler  I, 
211;  1691  der  bodem  de*  magens  -  fundus  rentrleuli, 
llad.  .Inn.  21»;  engl,  boltoui  —  Gcsass,  Boden;  franz. 
In  bodene  —  Wanst,  Grossbanch,  Bris*  36),  vergl.  Bo- 
densack, Bodenstück,  Büdming,  Bottich.  — 
//-".'(■•Boden  ■  Kupfsch warte,  bo  lange  sie  mit 
Haaren  besetzt  ist  (sonst  ist  sie  die  Glatze).  — 
Luit.'-  Bödel  (Tirol)  =  der  Kopf;  hier  geben  sich 
angeblich  bei  Kindern  die  Lause  am  liebsten 
ein  Kendez-  voue  (llintner  5.  12).  —  Äfat/en  Bodem 
(s.  o.).  —  Boden-firm,  -Krampf,  -Sack,  -Stück, 

-  Weite. 

boderig,  poderig  =  uuterkQttig,  unter  der 
Haut  durch  Stoss,  Schlag  verschwärend  (Schind- 
ler I,  210,  ru  banden  [».  d.]). 

Bodi,  tn.  n.  (Bödi,  Bottich)  -  Unterleib, 

Rumpf  (Pa«sau,  Plnzgati;  Gr.  W.  V,  1747,  xu  potahha 
-  corpora,  s.  Bottich  u.  Bottich ,  fraur   la  beudo  m 
Wanst,  Grossbauch,  Brlss.  36). 

Bob  bei,  m.  (Bubbel,  Pöppel,  Pop  er  In, 
poperiet)  -  Wasserblase,  Bulla,  Knoten-Bltta- 
cben,  Hitzblltttcrchen  (Schindler  I,  3990;  Gr.  W. 

Ii,  iy«  ,  vergl  l'öppel  u  Pöppelmun, 
Bödel  s.  Boden. 
Bödi  s.  Bodi 

Böhmen,  böhmisches  Schafgift. 

Bölken  (bolken.  Bolgach);  Bolgach  (zu  Bali?, 

«.  d.  ;  ti77  lepra  grti\ ls«ima  In  llllK-riila  ipiae  vocatur 
Bolgnch  [  —  I'rov.  ClstcrJ  Schnurrcr  I,  r>9)  —  die  durch 
Pocken  oder  l.epra  (Aussatz)  geschwellte,  wie 
ein  Balg  gedunsene  Haut.  —  bolken.  bölken 
=  koppen  (s.  d.)  bei  Pferden.  —  aii/bölken 
(ndd  upp-bolken,  (iiddwhm.  102)  -  sieh  aufblähen 
im  Bauche  und  aufstossen  (s.  auch  Bulgen). 

Bullung  s.  Bolle, 
böög  (Schwel/.)  s.  Pöpel. 

boereln  (zu  boren,  berra,  Bcbmeller  I,  2.r.a,  Köhler 
V.  Gl.  2»:i}.  das  Maul  verziehend  laut  weinen. 

Börpel  s.  Berpel. 

Börzel  s.  Bflrzel. 

böse,  iähd.  bost,  pösl;  mhd  boe*e  —  schlecht, 
unnütz;  ein  nur  dein  Deutschen  I nicht  auch  den  <Jur 
manen.  eigenes  Wort,  das  Im  ahd  geringereu  t'tnlang 
hatte,  aber  doch  durch  ,.Cbel"  ,.übel"  well  überwogen 
wurde;  Im  mhd  standen  bereits  beide  »Ich  gleich, 
im  nhd.  Ist  „bose"  vorherrschend  geworden  und 
hat  ,,übcr'  wesentlich  eingesehrankt,  ör.  W.  II,  136), 

—  bÖSe  (zu  ahd.  l»j*a,  uugao,  Bossen.  Kluge 4,  SO). 
Kin{,. Possen  treibender"  böser  Wicht  ^Böse- 
wicht) war  vermutlich  auch  früher  als  persön- 
liche Ursache  der  verschiedenen  („aus  Bosheit 


angethanen")  Krankheiten  angesehen,  zu  denen 
besonders  auch  die  ansteckenden  =  „schel- 
mischen Krankheiten"  gehörten  (conf.  Schindler 

I,  298).  —  Die  Böse  ( Flandern ;  1439  van  der  booUe  — 
Influenza,  i/emch  185)  =  böse,  ansteckende  Krank- 
heit, z  B.  Grippe.  —  DasBöse  (I500daspo«-8ypht- 
lli.  Fuchs  1. 320)  als  ein  bösartiges,  ansteckendes, 
giftiges  Übel,  vor  dem  die  Menschheit  zurück- 
schauderte (I-  c.  417).  —  Der  Böse  ist  auch  — der 
Teufel  (Pauli  56).  —  (1399)  „Vieren -Bosheit  tposhait 
dernieren,  Schindlern.  1089)  —  böses,  schmerzhafte« 
Nierenleiden.  —  böse  (r,  ff)  Augen,  Bauch, 
Bein.  Beulen,  Bi$»,  Blasen,  Blattern  Blick,  Blut, 
Bradem,  Brauen,  Breiten,  Brüste,  Bürde,  Ding, 
Drilsen,  Düsse! .  Feuchtung,  Feuer,  Fieber,  Finger, 
Flechten,  Flecken,  Fleckenfieber,  Fleixch,  Fluase, 
Franzosen,  Fuss,  Gehör,  Geschwüren,  Oesäfte, 
Gestalt,  Gichter,  Grint,  Hälse,  Halsiceh,  Hand, 
Häute,  hirnig,  Hüte,  Husten,  Kälber,  Kaulen, 
Kind,  Kindbett,  Knie,  Kopf,  Krankheit,  Kraut, 
Laussucht,  Leber,  Lust,  Magen,  Materie,  Maul, 
Melancholie,  Nagel,  Nase,  Plage,  Baude,  Böte, 
Rose,  Rüdigkeit,  Schärf e,  Schauer,  Schelm,  Sehen- 
kel, Schwämmchen ,  Schwären,  Schiceissucht, 
Seitenstich,  Seuchen,  Staupe,  Stätte,  Stechen, 
Sucht,  Tag,  Warten,  Was,  Wehl  (Wädl), 
Wehtag,  Wesen,  Wicht,  Winde,  Hunden,  Wurm, 
Zähne,  Zahnfleisch,  Zeichen,  Zitterach. 

Bofel  s.  Pofel. 
Bofist  s.  Fist. 

Boge,  f.  -  runde  Beule  (Schindler  I,  216), 
Pocke  (s.  d.). 

Bogen,  m  bogen,  Krümmung,  Biegung  (rorgerm. 

bhtik  .  gem.  germ.  bog  [bug,  Bühel] ;  ahd.  bogo  =  Corona, 
clrculus,  Khab.  Manr.,  mhd.  böge;  engl,  bow,  Kluge*, 48). 

—  U7:,3.i  Bogen,  1  -  Chorda  gonorrh.  (A.  v.  H.  I, 
70»).  —  2.  =-  Wirbelbogen  (Falke  I);  mhd  bogen 

-  im  Bogen  tiiessen  (von  Blut  und  blutenden 
Wunden)  (I.exer  27).  —  Alters  Bogen  s.  Geisen- 
hofen. —  Augen-Hogen,  1—  Circulus  in  pupilla 

—  Iris,  Regenbogenhaut  (Gr.  W.  I,  sOt;.  —  2.  =  der 
die  Augenhöhle  umgebende  runde  Knochenteil 
des  Schädels  (Falke  I).  —  Ellen-  Bogen  (urger- 
manlschc  Zusammensetzung,  Kluge*,  4M.  88,  aus  gern 
indogerm.  olena  —  KUe  -  Vorderarm  u.  Bogen,  eigent- 
lich Armhiegutig ,  ahd.  dlnbogo,  m.,  ellnboga,  f.,  die 
Biegung  de«  Cnterarmes,  KUenbogcn-Gdenk  ;  dlnbogo, 
tirafl  III,  39;  cubltus,  Gr.  W.  III,  403;  elllnpogun, 

II.  7.  XVI,  .'»2  ulna;  12.  Jahrh.  denbogo,  H.  Z.  II, 
20'»  -—  cubltus;  13.  Jahrh.  dlpogen  ,  Pfeiffer  52;  mhd. 
dleuboge,  dlenboege ;  1V58  ellbogen  —  Oberarm,  Ellen- 
bogen, Vorderarm.  Hyrtl,  K.  W.  43;  16.  Jahrh.  ylnboge 

-  allcnus  ulna]  eubitus,  D.  23.  IM;  1599  dienbogen, 
«.r.W.  VI, 720;  engl,  elbow,  Lehf  IM),  1.  a)  =  (wic  oben 
ahd.)  die  Stelle,  u  oder  Arm  an  der  Kllesich  beugt. 
,,Man  verwohnte  «ich  früh  ,, Ellenbogen"  für  d.  rnteram 
selbst  anzuwenden  und  dein  einfachen  alteren)  ,,Elle" 
(-Vorderarm,  s.  Elle)  lediglich  die  Massbezeichnung 
ra  überlassen"  (*,r  w  m,  <14ff.);  b)  nach  Hyrtl 
K  w.  43.  131)  war  Kllenbogen  aber  auch  =  Ober- 
arm (z.  T.);  c)  (I7s3)-das  Kllenbogen-Ende  der 
Ulna  (l.evdingns'  —  2.  =  das  tierische  Fussgelenk 
an  den  VorderfüBBen  zwischen  Bug  u.  Knie  bezw. 

;   Kessel   Gr  W.  III,  1  c  ).   -   3.  -  (mhd.  ellenhohe 


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Bohne— Bohrer. 


Bodach— boren. 


1699  elenbogen,  v.  M.  53;  Lexer  42,  R.  A.  667;  Gr.  W. 
vi,  720]  --  ein  Pferdefehler,  eine  Gelenkkapsel- 
erweilerung  cyetischer  Form  a)  am  Sprungge- 
lenk, b)  am  Bng  o.  eigentlichen  Ellenbogen  (Stol- 
lenbeutel), c)  am  Vorderknie,  wobei  die  Pferde 
..kniehängig"  werden  =  Ochsenknie  (s.  d.) ;  auch 

—  Leist  oder  Ellenbogenleiste..  —  AV/tribogen- 
Bug,  -Knörrlein,  -Leiste,  -Bohre.  —  En  v  /  Bogen 

1332  cngelpogen .  Or.  W.  III,  1529;  Schmeller  I,  111; 
enkelbogn,  <ir.  W.  III,  486,  Engelbögen  (Tirol),  Hlntner 
7  16)  =  der  Ellenbogen  (Andresen  73;  Iß.  Enkel).  — 
(rrm^n-Bogen  =  der  liebtgraue  Bogen  o.  ovale  j 
Streifen  an  der  peripheren  Zone  der  Hornhaut 
(fettige,  hyaline  Trübung.  Gero(n)toxon,  Arcus 
senilis,  Glasauge),  der  bei  alten  Leuten  sich  oft 
bemerkbar  macht.  —  (1632)  Regen -Bogen  (ahd. 
reginbogo;  mhd.  regenbogej  =  die  farbige  Regen- 
bogenbaut (a.  d.)  des  Auge«,  Iris  (Hyrtl,  K.  w.  161). 

—  Sch  /.--.-Bogen  =  die  Krümmung  des  Schoas- 
beins,  welche  den  vorderen  u.  unteren  Teil  des 
Beckenausgangs  bildet.  —  (1677)  ScAun66-Bogen 
'ahd.  iulpogo;  mhd.  swiboge;  15.  Jahrh.  swebe  böge) 

—  Schläfebein  mit  dem  bogenförmig  sich  an- 
setzenden  Joch  bogen  (Th.  Barthol. ;  Hyrtl,  K.  W.  141; 
a  anch  Andre^n  223  D.  Kluge  *,  342).  —  Bogen  Bl U t , 
-Elle,  -Ritt,  -Bücken,  -  Tripper,  -  Wunde. 

Bohne,  f.  (ein  urgermanischer  Name  d.  laba  [Bohne], 
Kitige  *,  48;  ahd.  t*ina;  mhd.  honender  «chwarzeKern 
der  Bohnenschottenf  nicht),  1.  =  der  Kern  (s.  d.  3) 
oder  „die  Kernung",  Marke  oder  Kundung  an 
den  Zähnen  des  Pferdes,  dessen  Altersgrenze 
man  ausder  Beschaffenheit  der  Bohne  (schwarze 
Tüpfelungen  in  den  bleibenden  sog.  RoHszflhnen) 
erkundend  schätzt  (Gr.w.  V,  r>96;  Mayer 33.  Abiig  3). 

—  2.  =  Nasenpolyp  (Zw.  :.75),  der  wie  ein  roter 
Bohnenkern  herabhängt  (davon  die  Fabel  von  der 
In  der  Nase  keimenden  und  wurzelnden  Bohne}.  — 
3.  -  (17.  jahrh.) eine  Parulis  -  rotes,  bohnongrosses 
Geschwär  an  den  Hundszähnen  des  Pferdes 
iR.  A.  ISO,  Kalke  I,  144).  frz.  fevc,  a.  Felfel).  —4  = 
bohnenförmige  Exkrement-Kügelchen  [Schmal- 
ler  1,246).  —  .Y  /->  >,- Bohne  -  Bohne  2.  —  Bohnen - 
BlätUhen,  -essen. 

Bohrer,  m.  (bohren)  Indogerm.  bhar  =  mit  einem 
»cbarfen  Instrumente  bearbeiten :  urjrerm.  börön  a 
forare ;  ahd  bor«n  ,  mhd  born,  Kluge  *,  48).  —  Bohrer 
(bourer)  (Tirol) -ein  kleiner,  aber  doch  kräftiger, 
menschlicher  Körper  (wie  ein  Bohrer)  (Hlntner  6. 
11).  —  -li<A>ohrung  des  Magens  (i:>69  ufboning, 
Gr.  w.  v,  1360)  —  der  Schmerz  den  Mauens,  als  ob 
er  aufgebohrt  würde  (Empörung^)  Singultus. 

—  Kn «-'-Bohrer.  L  =  Säbelbeine,  U-Beine  (s.  d.) 
luneigentlleh).  —  2.  =  eigentlich  X-Beine  («.  d.)  >< 
(iVsterr.  Militär-Ausdruck).  —3  =  bei  Pferden 
die  zu  enge  Stellung  der  Knie  mit  Neigung  nach 
innen  (Falke  II,  19;  Gr.  w.  v,  1426)  (Ochsenknie). 

—  A  i' '  Bohren  (Ü77  nabelbor,  Gr.  W.  VI,  2812) 
=  die  Kolik  mit  dem  Sitze  des  bohrenden 
Schmerzes  in  der  Naheliegend  o.  Magen- 
aufbohrung). —  nd^W-böhrig  (naegelpürrick,  Z  d. 
v.  f.  V.-K  1895.  817)  =  den  bohrenden  Schmerz  des 
Nagelwurmes  habend  (Mecklbg.)  —  Das  (grim- 
mige) Ohrenfell- Bohren  =  bohrender  Ohren- 
achmerz.  —  Tölpel-  {Esel-)  bohren  s.  tölpel- 
himig. 


Bolgach  1  böl. 
bolken  J  8  00X90 

Bolle,  f  (bollen.Böllung)  altgerm.  bolla  =  „rund- 
lich erhöhte  Form",  Kluge*,  49;  engl,  bowl  -  Schale  ; 
bowel»  —  Eingeweide ,  Lehfeldt  146,  eine  Ablautstufe 
zu  ball.  Kluge*.  26;  dazu  ahd.  bolön;  mhd.  boln  — 
rollen,  werfen,  schleudern,  Kluge5,  49).  —  (1560)  auf- 
böllcn  nach  oben  sich  rundlich  erheben  (von 
der  Leibesfrucht)  (H.  Sachs;  sc  hm  eil  er I,  232).  - 
Ausbölung  des  Nabels  -  Nabelvorwölbung  mit 
der  sogen.  Windkolik.  —  Drosse/- Bolle  (angls 
throt-,  dhrot-,  drot-bolla  —  gnrgulto ,  D.  271;  angls. 
throtu  ;  engl,  throiit  -  Kehle,  Kluge  \  78)  -  Adamsapfel 
an  der  I-Mosselkehle  als  Vorsprung  am  Halse. 

—  Haupt-BoUe  (angln,  heafodbolla.  Kluge*  49)- 
Hirnbolle;  dazu  [ndl.)  Bier-Bolle -durch  Bier- 
genuss  dicker  Kopf.  —  fftrn-Bolle  (ahd.  hirniholla 

caput,  firafflll.  96;  Hirnschale,  Kluge  37.  hirnibollun 
cerebrum.  II.  Z  XVI,  SM;  mhd.  hirnbolle  Schmellcr  1, 
232)  =  der  kugelförmige  Hirnschädel  selbst  (Hirn- 
scheibe; vergl.  Bollen-Grint).  —  hysterische  Bol 
(ndl.)  s.  Kugel ;  (is  het  de  baarmoeder  die  naar  omhoog 
komt,  V.  K  II,  232).  —  /.r»- Bolle  taltnord.  blaut 
bolli;  Golth.  641)  =  die  Hirnschale,  gefüllt  mit 
Opferblut  zum  Weissagen  o.  Losen.  —  (1627) 
R  m -Bollen  -  die  runden  Pferde- Exkremente 
(Gr.  w.  VIII,  1253).  —  rerbölen  =  aufschwellen 
(vergl.  verbellen),  das  Aufwerfen  ist  auch  ein 
Schwellen.  —  mbolen  -  verwerfen,  abortire 
(Schwaben ;  Sc.hw.4oi.  —  alte  VerböVLungen  (Ruck  18) 

—  alte  geschwollene  Schäden  an  Sehnen,  Kno- 
chen, Gelenken  und  Muskeln.  —  TVidcr-Boll 
(ahd.  uuidcrpolla,  (irafl  III.  91)  —  zurückgeschlagene 
Stirnwölbung.  -  B6ü-(Böü-)(er,cn)Auge,  Grint. 

Bolzen,  m.  Boltz,  m.  (bolzen,  polzen,  bulten, 
pulten,  pulzen)  (vorgenn.  bhldo-s  [  Sehiessnagel) ; 
ahd.,  mhd,  bolz  [mit  der  gleichen  Bedeutung',  Kluge  49; 
1497  boltzj.  —  Bolz  -  Us  humeri,  Oberarmbein, 
ähnlich  dem  Bolzen-Riegel  der  Stadtthore  (Hyrtl, 
K.  W.  23.  24).  —  bolzen  -  schlagen,  pulsieren.  — 
fjiobolzen  ahd  üzarpulzan)  —  obullire,  wenn  das 
Herz  dem  subjektiven  Gefühle  nach  wie  ein 
Bolz  hervorspringt  (Hr.  W.  1,  823;  Schmellcr  I,  390). 

—  (1620)  hervorbolzende  (Augen;  il»  Minderer) 
s.  Augen.  —  Bolz-  {bolzende)  Adern ,  -Augtn, 
•Bärmutter,  -Kopf  (s.  auch  Bülten  u.  Bulzen). 

Bomhart,  m.  -  Podex  Tirol),  der  wie  ein 
Bomhart  (pompardon)  ertönt  Ulintner  7.  17).  — 

Bonzen,  m.  (Tirol)  -  Magen  -  Banzmagen, 
Bansen  (s.  d.)  (Hlntner,  8.  18.  20). 

Boot,  n.  bootskrank. 

Bord,  m.  (ndd.  bord  Rand  nautischer  Ausdruck 
SchifTxrand],  Kluge*.  50;  167s  die  port  Nürnberg;, 

Vt.  ii.  131),  Wundrand. 

-boren  (geboren)  zum  indngerm.  VcrWlstnmm  ber 

—  Leibesfrucht  tragen  [fer] .  vorgerm  bher;  ahd.  gibiran  ; 
mhd.  geberu,  Kluge  ^  30  >.  baren];  ahd.  horuu;  mhd. 
born  —  geboren  ,  ahd.  und  mhd.  harn     Sohn,  Kind, 

Kluge*,  130).  —  Born- Kind.  —  angeboren  (uhd.  aua- 
giboran,  Graft"  III,  1 »'. ,  Cr.  W.  I.  Xi»  natura  (insitus, 
(1*14)  avitus  (D  81),  agnatus  (D.18)  von  Geburtaus; 
o.  schon  lange  bestehend.  —  final)  angeborener 
Fleck  —  Macula.  Naevus  congenita*  (Had.  Ina .887). 

—  il-.yl; angeborene  Maass  . lind  . Tun  ;:s) ,  .Maser) 


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64 


bor— Borste. 


Borten— Bottich. 


=  Macula  congenita,  angeborene  Fleischwarze. 

—  blindgeboren  (ahd.  plint  poraner,  Graft  III,  142) 
=  ohne  Sehkraft  auf  die  Welt  gekommen.  — 
/VuAgeboren  (15.  Jahrh.  zu  frue  geporen)  -  Abortus 
(Gr,  W.  IX,  1.  1844).  —  /..  us(  h geboren  U4*2  keuseh- 
geporner  =  castratus,  I).  84),  weil  durch  die  Kastra- 
tion zur  Unkeusche  (s.  d.)  untauglich.  —  neuge- 
boren  ahd.niwiboran.nraff  III.  142;  nihd  niuweborn, 
Gr.  \v.  vil,  664;  engl,  ucwboru,  Lehf.  so)  -neonatus. 

—  totgeboren  s.  Totgeburt.  —  »n^rboren  &ltnord. 
i'ibornom;  ahd.  öborni,  Slmrock,  H.  D.  M-  21") ;  mhd. 
ungeboren,  Lexer296) ;  ungeboren  ist  1.  =  das  Kind, 
das  nicht  auf  natürlichem  Wege,  nicht  durch 
die  Natur  geboren  ist,  sondern  z.  B.  aus  dem 
Mutterleibe  ausgeschnitten  wurde  (Gr.  W.  IV, 
1   ICH;  Jordan  MS.  351;  Wuttke  203J.  —  2.  =  der 

Abortus,  weil  Oberhaupt  nicht  als  Geburt,  son- 
dern als  fremdartiges  Gewächs  betrachtet.  — 
3.  =  nachträglich,  nach  des  Vaters  Tod  geboren, 
d.  h.  zur  vollen  Geburt  gehörte  eigentlich,  dass 
der  Vater  selbst,  noch  lebend,  die  Rechte  auf 
den  Sohn  Ubergehen  Hess,  weil  er  selbst  an  dem 
Erzeugen  und  Gebären  (durch  die  Eltern)  mit- 
beteiligt war  {Gr.  w.  1.  c).  —  ungeborene  Kinds- 
flüsse, s.  Fluss.  —  gestorben  wngeboren  =  abor- 
tivus  „in  beliebter  Rätsel-Fassung"  (Gr.  w.  IV, 
1.  1614)  b  nicht  lebensfähig  und  nicht  natürlich 
geboren.  —  umeitig  v  boren  (1483  geporen  zu 
untzelten,  Zening  Vor.  k.  8)  abortivus  (s.  unzeitig). 

—  voii'i'  boren  lahd.  fulboran  [Lege*  Langobard  .]. 
D«  fange  III,  623;  1475  fulbor,  D.  250)  =  ächter  Sohn 
aus  vollberechtigter  Ehe. 

-bor,  -pÖrung  iahd.  bor.  burian  ;  mhd.  bor^  oberer 
Kaum).  —  empören  (4M.  MUbftren  = erheben ;  mhd. 
eiaboren;  1528  erheben  ~  erheben  machen,  Kluge*,  S9). 

—  (1618.1  Gebärmutter-  h  r/ipörung  —  das  lief  Ohl 
des  Aufsteigens,  Sicherhebens  der  Gebärmutter 
(8.  steigen)  (Fama  IM). 

Borke,  f.  [ndd.  Lehnwort;  odd.  borke;  engl,  bark 
Binde ; altnord. borki  Kinde,  Kluge  ,S0; [tan obvrd. 
fehlend.;  bat  ltezug  zur  Birkenrinde)  —  Crusta,  ein 
Krunkheitsprodukt,  welches  durch  Vertroek- 
nnng  von  pathologischen  Absonderungsllüssig- 
keiteuaufd.  HautoberÜache'Rindej  gebildet  wird 
(Auspitz),  von  der  Schuppt-  (s.  <1.)  durch  Dicke 
u.  Bildungsweise  unterschieden.  —  //irn-Borke 
•  =  die  graue  Hirnsubstanz  (Rinde);  ein  sehr  un- 
zutreffender Ausdruek  des  Wiener  Anatomen  Leber; 
wohl  aus  dem  Brägensohorf  der  Niederländer  abgeleitet 
(Hyrtl,  K.  w.  166).  —  Sinn-Borke  Sycosis  menti 
(Bohrend  48),  Ausschlagskruste  am  Kinn.  —  MiUh- 
Borke  Crusta  laden,  Milchschorf  der  Saue- 
linge  oder  kleinen  Kinder  (Vefel  In  Zicmssen,  lldb. 
d.  sp.  l'ath.  u  Ther.  XIV,  1.  *5H;  aurh  l'orrigo  larvalis, 
Batemann;  Lactumon  Mauardi  I  cod.  .  Tinea  faeiei, 
Sobernheim  71,  Eczema  capillitii,  Aclior  mucitluus, 
Kczema  capitis  chron.,  Kehrend  X\  II  IT;  die  früheren 
Ärzte  nahmen  die  Borkcitbildung  als  Krunkheitsiinter- 
scheldungsinerkmal  an'1.  —  Borken  Kopf,  -  Krätze, 

Borpein  (Porpein)  ~  Rurpeln  (Morbilli),  s. 
Porpein. 

Borste,  f.  BÜrSte(n)  vorgerm.  bhers  ,  nenn  bar« 
spitz,  bors-,  Kluge*,  30.  50;  ahd.  hurst(n).  bunti,  f., 
tiraff  in,  215;  mhd.  börste)  =  Seta,  Borate,  1.  sa  das 
starre  Menschen-lluar  sdiw  .hi ' ,  das  wie  eine 


Bürste  (auch  spöttisch  =  Haarboden)  empor- 
sieht (vergl.  Bürzel).  —  2.  =  die  vom  Volke  viel- 
fach bei  Schweinen  als  Krankheits-Kriteiium 
benützte  Schweinsborste,  die  beim  gesunden, 
d.  h.  nicht  borstenfaulen  (s.  d.)  Schweine  an  der 
I  Wurzel  kein  dunkles  anklebendes  Blut  zeigen 
sollte  iv.  M.  i,  77).  —  3.  Borste  —  weisse  Borste 
(s.  d.)  (Falke  i,  145).  —  (isoi)  ScAtceins- Borste 
Comedones,  Mitesser,  bei  der  das  Augen  wimper- 
haar widerborstig  aufsteht  (Weickard  218}.  —  die 
weisse  Borste  (b.  Schwein)  =  Milzbrand  (Z.  Hdb. 

I  d.  sp.  Path.  xx.  Ther.  III,  470;  Zipperlen  633;  Kalke  I, 
145;  II,  46.  4*j,i ;  die  Haare  stehen  bei  Krank- 
heiten der  Schweine  (Milzbrand)  sehr  bald 
borstig  (s.  Staupe)  auf  und  bilden  an  leidenden 
Hautstellen  Büschel  von  12 — 15  Borsten ;  diese 
verlieren  ihren  Glanz,  erscheinen  darum,  na- 
mentlich bei  schwarzen  Schweinen,  entfärbter, 
weisser,  als  vorher.  —  W«fer-Borst  =  Brippel- 
Haare- unterm  Haupthaar  widerspäustig,  bor- 
stig emporstehende  Haare,  die  Zeichen  eines 
zänkischen  Charakters  sein  sollen.  —  Borsten 
Fäule. 

Borzen,  m.  (Burzen)  (Tirol)  =  kleiner  dicker 

Mensch  (vergl.  Bürzel)  (Hinterer  5.  io;  Schindler 

I,  285). 

Bossel,  Bossen  s.  Possen.  —  Bossel-Beule. 

Bost,  f.  (ndl.  =  Brust  [s.  d  ],  Goldschm.  118  [borst]!. 

Bote,  m.  Der  Bote  bringt's  =  es  kommt  ein 
Kind  auf  die  W:elt  Birlingcr  II,  20).  —  (1570)  der 
hinkende  Bott  (A.  v.  n.  I,  10771,  das  Oedema  (ex 
hydropo)  (s.  auch  Hotte  1*1  Bottich),  da  es  „oft 
ein  Zufall  innerlicher  Krankheiten  ist,  welcher 
nachkommt"  (nachhinkt).  —  <I699.  Vorbote,  1.= 
Vorläufer,  die  ersten  Krankheitssymptome  vor 
dem  eigentlichen  Krankheits-Eintritt(Aura).  — 
2  =  das  Krankheits-I'rognostikon,  aus  dessen 
Erscheinen  man  uuf  den  Grad  der  Krankheit 
schliesst  (t,  m  Ii,  68). 

Bott  s.  Butt. 

Bottich,  Hl  ,  n.  ; Bottech)  lahd.  botahha.  kelt 
both  —  made  Höhlung,  Briss.  36;  botah,  tiraff  III,  8.5 
truneu«,  corpus;  mhd.  botecb,  boteche.  f.;  1777  ecn 
botte  bydrops  [Wassersack],  IL  77;  Bottich  [s.  Bote; 
hat  Beziehung  zu  butte  [und  beutel?].  Kluge*.  51; 
Gr.  W.  V.  1747;  engl,  body  Bauch,  Bottich,  Kumpf). 
—  Bottich  —  Leib.  Man  nimmt  an,  dass  der  Leib 
nach  dem  hölzernen  Hausgeräte  Bottich  benannt  wurde, 
wie  dies«  Art  Kunengebung  bei  den  mangelhaften  und 
dürftigen  physiologischen  Vorstellungen  der  Urahnen 
ciue  «ehr  häufige  war,  es  ist  aber  in  diesem  Kalle 
wahrscheinlicher,  dass  umgekehrt  die  lederne  Bütte 
{—  Beutel,  bezw.  das  tierische  Bottich;  ein  beutel-  und 

]  sehlauebarUgea  Aufbewahrt! ngimlttel  de»  Nomaden 
war.  da.«  spater  bei  Se-obaftmaehung  aus  ergänzend» 
Binde,  ltiot  oder  Holz,  aus  festerem  Stoffe  verfertigt 
wurde;  obwohl  dann  aus  Holz,  wurde  doch  der  alte 

I  Name  aus  der  ursprünglichen  Lederzelt  beibehalten; 
die  ersten  Kenntnisse  der  Giiruugs-  und  Gerinnungs- 
VorgatiKc  leiten  sich  wohl  ab  aus  der  Beobachtung  des 
im  Hinds-Magen  mitgeschleppten  gerinnenden  Milch- 
und  regondtirchnassten  Korn-Vorrates;  diese  ursprüng- 
lich ledernen  Gegenstande  haben  danu  spater  den 

i  schwieriger  herzustellenden  Tonnen  (Bottichen),  Fas- 


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Botz— Bräune, 


Bräune. 


«m  etc.  ihren  Namen  überlassen,  wie  auch  der  Rumpf  1 
(».  d ).   (Vergl.  Büdming,  Pottich  und  Butte.) 

Botz,  n    Bötzen,  m.,  n.  —  Aasen-Botz(en) 

(15.  Jahrb.  das  nasehos,  Gr.  W.  V,  1448)  =  Schnupfen, 
Knobel  (s.  d.)  =--  Nasenbatzen?  (Bötzen  =  Katzen, 
Schmcllcr  I.  316 ,  wohl  besser  zu  hoese  [s.d.])  Nasen- 
l'bel,  InHuenza,  .Schnupfen. 

Brä  (Brach)  f.  Braue  (SchmeUer  1,  33.>). 

Brache,  f  Brache     die  rmbreebung  de«  Bodens 
nach  der  Bmte  (Kluge*.  51).  —  Brach- /*'<  W. 

Bracke,  f  (9.  Jahrh.  bracchou  -  uialae,  niaxillae, 
Rah.  Maur.  64 ;  I>.  344). 

Brackel,  in.  unförmige,  «ehr  beleibte  Per- 
son tHchmeller  I,  34C  —  bracket  dickbackig, 
voll,  dickleibig.  -  Brack-Äo«e. 

Bradem,  m.  (Brodem,  Broden,  Fradem)  ;ahd. 

hrädam,  prndaui,  (.nitT  III,  29"J;  pro-iit Vt;  vor  dem 
Atel«?,  KIukü*.  54;  odor,  Spiritus  flatus,  mhd.  bradem 
Hauch,  Dunst,  <ir.  W.  II,  295;  lloffm.  I,  361;  1483 
bradem  vapor,  l.nft.  Dampf,  Atem,  Schwadern,  Zcnlng. 
Voe.  e.  8,  z.  6;  engl,  hreath  Atem,  Brodem,  Kluge), 
(vergl.  Fradem  u.  Braten),  1.  =  Atemluft,  Hauch 
vorder  Atmnngsoirnnng  2  Dyspnoe,  Atem- 
not ss  (1477)  „böser  Bradem  (Ortolph  24a).  — 
3. -schädliche,  böse  (s.  d.)  Luft  (Tabcraaemonta- 
du»),  Miasma  als  Krankheitsursache;  nament- 
lich für  das  Ohrensausen  ist  „der  übrige  Bradem 
in  dem  Haupte"  nach  Ortolf  die  Ursache.  — 
Der  Brodem  {Or.  W.  Ii,  3%)  =  hitzige  Atem- 
luft bei  Lungenkrank  heiteo.  —  ;M77)  unreiner 
Bradem  unreiner,  übelriechender  Atem  (C  v. 
X«t*nbg.).  —  übriger  Bradem  zu  viel  üble  Luft, 
die  eingeatmet  wurde  (ortolf). 

Brägel,  n.  [Sebwats]  Blatter- Narben  als  nar- 
biges Kell  zu  hraccn  -  die  Kelle  oder  Ililnte  strecken, 
SchmeUer  I  351). 

Brägen  (Bracck)  s.  Bregen. 

Bräm  (Bram),  1  -  Braue,  Augen-Braue  (s.  d.) 

(SchmeUer  I.  355),  —  2.  Bram  =  Reis,  Zwei«.  — 
Bräm-^idfr. 

Brät.  n.  s.  Brat.  —  Braet-  H  wr»i. 

Bräune,  f.  (Braune,  Bräune,  Preun,  Prein) 

,*u  ahd.  brün  [germanische  ItezeichiiuiiK  der  l>ci  Krank- 
heiten «eilen  gebrauchten  Urämien  Farbe,;  mhd.  briune 

—  das  Braun  sein,  Kluge*,  52;  mhd.  ,,bruu"wurts  -- 
die  gegen  die  Rraune  gebrauchte  Braunelle,  Jessen  69; 
[15.  Jabrh.i  14K!  prewuin  als  Krankheit.  SchmeUer  I. 
35»; ;  I3M  brAunln,  linln-nu.  Mlr.-B.  —  die  Braune ; 
1518  prune  BrAune,  H.  v.  (iersd.  72.  771,  der  sie 
fälschlich  von  prunus  Pflaume,  wegen  der  dunkel- 
blauen, pdaiimenähullchen  <  iaujrntufurbc  ableitet  oder 
von  pruna^- die  Kohle,  wie  auch  Heyne  1.  4s2u.  Hennig, 
Gerhardt  I.  30.  Anm. ,  |536preune,  Paracclxu*  -=  Pestilenz 
Ixrsch224.  1542.  1543  breune;  1.563  bnine  -  Diphtherie, 
liecker  241 ;  l.V.l  breune,  Bock  15;  IVO  brenne  Angina, 
Pfets*  78;  1603  die  braun  angina.  Heyne  I,  482;  1612 
braeun  Felix  Wurf*.  1618  Itrelm  ardor  llnguae.  In- 
tUminatio  linguae  Aufkirch  Mirakel'.  Schnu  ller  I,  3V.) 

is  Zungenbraiiue ;  161s  Bruno  [pnino]  vulgo  der  Brand 
WDdleuer.St  Aiitotilu«feuer.  ParaceNu«  ,  17'>2  BrAune 

=  angina  gangraenosa,  brunella,  A.  v.  ü.  I,  88;  „bei 
welcher  Alles  unten  im  Hal«e  braun  oder  schwarz  aus- 
sieht ' ,  I777braeune,bnine    cynnnche,  D.5.16.  I<*>9,  mor- 


bus prunellae  [».  o.],  \.  ch.  7»'. ,  1790  Bräune  =  eine  durch 
das  sog.  Notleiter  behandelte  ansteckende  Schweino- 
btuche, Abergl.  175).  Eine  Reihe  von  Krankheiten 
verstand  und  versteht  man  zum  Teil  noch  unter 
Bräune,  1— die  Diphtherie  (Bretonneau  1815)  und 
Croup  JF.  Home  1765),  iL  h.  Angina  diphtheritica 
(Hals-,  Bachen-  u.  Mandel  braune)  „braunrote 
Entzündung  d,  Luftröhre"  (Doge]  u.  d.  Hachen- 
organe (Kehlenbrand)  mit  Ablagerung  von  haut- 
förmigen  Gebilden,  Pseudomembranen  (sogen, 
„häutcre  Bräune"),  „Geschwulst  der  Kehle"; 
(1668  Beyn  95).  als  gangränöse  Begleiterscheinung 
(„brandige  Braune")  bei  Kebris  puerper.,  Pest 
und  Ruhr  schon  im  16.  Jahrh.  bekannt  (Georg 
435;  als  tilcu«  syTiaeum  oder  ecyptiacum  lin  L  Jahrh. 
u.  Chr.  von  dem  griechischen  Arzte  Arctaeu«  und  um 
".so  al«  euninancie  [»piinamdc  Cynanche,  %'jvü^/t\  — 
morbus  anginae  ennninne] ;  spater  auch  zwynancia,  mor- 
bus seluantieus,  esquinantla,  «carnutla  etc.  bezeichnet. 
Du  «  Bture  VII,  :m.  354  VIII,  US;  span.  esquillencla 
[lauguedoej  le  lanel,  Bris«,  1S-5;  Haeser  II,  387). 
Man  verstand  unter  Bräune  aber  auch  den 
bräunlichen  Zungenschorf  bei  typhösen  Krank- 
heiten, z.  B.  (K.99)  beim  Petechialtyphus  (v.  M. 
II,  121).  2.  Milzbrand  (Schweinebräune, 
Kehlscuchei  mit  Lokalisation  des  Anthrax 
im  Halse  (bei  Schweinen;  Morbus  branchus) 
(Z.  Hdbch.  d.  sp.  Path  u.  Ther.  III,  470.  488.  Barde- 
tcben  I,  3U0;  Sehnurrer  II,  351;  Coler.  Schw.  462.  468; 

Falke  i,  140).  —  3.  Krankheit  der  Atemorgane 
wegen  der  Dyspnoe  mit  Croup  und  Diphterie 
(Bräune)  verwechselt  und  „Bräune"  auch  auf 
andere  Krankheiten  mit  Atemnot  oder  Schling- 
beschwerden übertragen  (s.  „Herzbräune").  — 
4.  Sehwämmehen  (Soor)  und  Aphthen  (C.  t. 
Schm.  (Aphthen bräune o.  Muudfiitile  w ird  häu- 
tig noch  mit  Diphtherie  verwechselt^.  Zungen-  u. 
Mundbräune  (s.  d  ).  —  5.  —  Angina  parotidea 
Hippok.  -  Parotitis  infectiosa,  wegen  der  hiebei, 
wie  auch  bei  Angina  diphtheritica  vorkommen- 
den Drüsenschwellungen  am  Halse,  ntit  denen 
sie  verwechselt  wurde.  —  6.  =»  Milchschorf  (C.  v. 
Schm.  92;  wegen  seiner  braunen  Krusten  auf  dor 
Kopfhaut  der  Säuglinge.  —  7.  ■  die  weibliche 
Scham  (mhd.  brune,  das  brüne)  wegen  der  braunen 
oder  dunkleren  Hautfarbe  des  Möns  Voneris 
(SchmeUer  I,  357).  —  8.  s  das  wilde  Feuer  (s.  d  ), 
Pseudoerysipel  .Schwaben;  C.  v. Schm.  921,  llaut- 
Milzbrand  (Falke  I,  146)  mit  Ausgang  in  Haut- 
gangrän  (..brandige  Bräune")  =  (1528  pro  na  = 
tote  Kohle,  Heyne  I,  482;  U.  v.  Gersd.)  (conf.  St.  An- 
tonien-Keuer);solche  missfarbige  Entzündungen 
sollten  sich  nach  F.  Würtz  (1518 — 157.5)  bei  Ver- 
wundeten auf  der  Wunde  zeigen  Hennig  1  c  ; 
die  Braunellen  und  Braunhcllpflanzen  [Bronella  vulgär., 
Ligustrom  vulgare]  olnd  volksubliche  Heilmittel  da- 
gegeu,  ebenso  die  alten  ltc«chwonmgsfornicln,  Zeltschr. 

d.  v.  f.  Voiksk.  is;<,.,  s.  23),  —  Aphthen -Bräune 
s.  Bräune  4  (Kraus,  K.  70).  —  (173yj  brandigiße. 
Bräune,  1  -  Diphtheria gangraenoee  mit  loka- 
lem tiewelisbrand  (I  leus  syriacum  >orc  throatl, 
Angina  maliiroa,  Kraus,  E.  1072;  Schnurrer  II,  28; 
M.  H.  I..  1, 157).  —  2.  =  Milchrand-Bräune  (Rank» 

I  korn)  beim  Schweine  (Falke  II,  123)  —  (1645) 
braune  Bräune  =  Bräune  1  (s.  o.)  zum  Unter- 

I  schiede  von  den  andersfarbigen  Bräune-Arten 

b 


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(50 


Braune. 


brauten— Brand 


Uder.  II  A.  130),  8  auch  hruune  Blatter.  —  Brust- 
Bräune  =  Augina  pectoris  =  Schmerzanfälle  in 
der  Brust-  und  Herzgegend  mit  ungeheurer 
Brustbeklemmung  und  Atemnot  durch  Herz- 
fehler z.  B.,  wie  hei  Braune  (Croup);  falsche 
Brust-Bräune  Angina  pectoris  ohne  Herz- 
fehler (KoP|.  in .  it.,  .  —  (17x2)  falsche  Bräune 
(Ackerm.  77.  si ;  M.  II.  I.  I,  l.v.j  lieberloser  l'wndn- 
Croup  mit  etoupahniiehen  Symptomen,  al>er 
ohne  Crouptnembtanen  (-  akutes  Mihar'sches 
Asthma;,  (1769)  ungefährliche  Halsentzündung 
(Ackerauuin  81).  —  faule  Bräune  =  die  septische 
I  on ii  der  Angina  diphtheritica  mit  Fäulnis  der 
Croupiueinbrancn.  —  Jraengcde  Bräune  das 
Wiangekorn  oder  Rankkorn  [*.  d.),  Milzbrand 
der  Schweine  im  Halse  ii  ynanehe)  (Kulm,  z.  IV. 
3.  ino).  —  Friesel  -  Bräune  Angina  miliaris, 
Scharlach  -  Friesel  mit  Sciiarlacii  - 1  »iphtherie 
(Hocker  200).  —  gemeine  Bräune  -  epidemische 
oder  gewöhnliche,  einfache  Diphtherie,  die  all- 
gemein herrscht.  —  V/ci/n  Bräune,  L»(l7S5vdor 
fiiiu'him  [Thes.  san.  Ur  sy.»,  Inphtherie  tu  Halse; 
1712  lancium  ardor  als  (omplication  der  l.uk'orsiu-ht 
(s.  tl.),  Im  17.  Jahrh.  bekannt,  Zw.  Ii;:  Angina  (»eil. 
diphtheiitica)  (Ur.  \v.  iv,  2  25«).  —  2.  Milzbrand 
im  Halse  der  Schweine  (Kaukkorn)  (Kalke  I,  382). 
—  (1.S07;  Haut-  {häutere,  häutigt  >  Braune  (llufeland 
IM;  Hocker  202.  MS;  Kalke  I,  3öy;  J.  I*.  Krank  VI,  30t] 
Croup  hei  Mensch  u.  Tier  (s  o.  lt.  —  iifi'jyj 
i/rrz-Bräune,  l.  —  Angina  (-  Beengung)  car- 
diaca  -  Angina  pectoris  Anglorum  s.  nervosa, 
Herzgesperr,  Heizgespann  (s.  d.);  'man  nt«.-r<*t/t« 
dU-  Angina  mit  Hräuno  [  Angina  diphthoritlssl,  mit 
der  Sie  nur  die  AtembeM-hwerde  od.  Dyspnoe  etwas 
gemein  hat,  v.  11.  II,  123).  —  2.  —  {IMS)  heftiger 
Schmerz  in  der  Herzgrube  beim  Ungar.  Fieber 
o.  Petechialtyphus  (Lorsch  vis,  Herker  211}.  — 
(1716)  schwarze  Üc/M-Bräune  -  eine  pestartige 
Epidemie  zu  Friesach  in  Karnthen  mit  heftigen 
Schmerzen  111  der  Herzgrube  bei  Beginn  der 
Krankheit  (t.ersch.Hl)  «.  l'cslbruune  u.  schwarze 

Braune).  —  7ii<>«/> -Bräune   die  krampfhaften 

Schlingbeschwerden  bei  der  lluodswul  (kyn- 
anche,  Cynanche,  Bräune  3)  (Krau*,  E.  67»).  — 
Kehl-,  Ai'/iiA-o/i/'-Bräune  Cioup  und  Kenlen- 
braiui  (s.  d.);  (engl,  »ore  throal).  —  (17'pO)  Kind<r- 
Bräune  die  bei  Kindel n  hautig  autiretende 
Augiua  diphtheritica  <\  r,  II  II,  1207).  —  (icwj 
J/«y<r«-Bräune  Herzbraune,  dl«  in  der  Uers- 
oder  Magengrube  am  meisten  empliiiiden  wird 
(r.  M.  n,  123).  —  AfandW-Bräune  -  die  haupt- 
saehbcli  un<i  zuerst  aut  ihn  .Mandeln  sieb 
bemerk  bar  machende  Angina  diphtheritica 
tonsillaris  s.  Morbus  branchus  (Kühler  II,  43; 
Kraie",  i:  171).  —  Jlt/zbrund-Bräune  Brand- 
braune2  (Kalke II,  23).  —  Aitoid-Bräune  Stoma- 
titis diphtheritica  u.  Stomatitis  pseu dornen* bra- 
nosa  (Soor).  —  (i  >42)  pestartige  Bräune  die 
höchst  ansteckende iiugiirisclie  Kiankheit  (S,  d.) 
mit  bräunlich  schwarzlichem  Zungenbelag 
flUeier  n.  S41).  —  Pferde- Bräune  Miangel  o. 
Hotzder  Bierde •,.Mulier,\M«'i,d.  spr  I.  is.3'.i,i),Coryza  | 
typhosa  mit  croiipalinhclieii  >yuipioinen  im 
Kachen  U.  in  der  Keine  des  Bierdes.  —  Rachen- 
Bräune  --  Angina  diphtheritica.  Schlund  braune, 
zum  l  ntersclnede  von  d.  Herz-Braune o.  Angina 


cardiaca.  —  (lftlö)  rote  Bräune  ■  entzündlich 
rote  Halsbräune,  Angina  (t  oler,  II.  130).  —  Botz- 
Bräune  -  Bierdebraune  (K  u.  r.  111,  — 
Srharlut  h  -  Bräune  --  Angina  scarlaimosa,  die 
bei  Scharlach  als  Begleiterscheinung  beutet  k- 
bare  Halsentzündung.  —  addechtc  Bräune  ■= 
schlichte,  einfache,  gewöhnliche  Angina  diph- 
theritica. —  [WH  schleimige  Bräune  —  eine  Hals- 
entzündung mit  Bildung  massenhaften  Schlei- 
mes (Angina  suppurativa)  (Nicolai  IV,  507),  — 
öWi/tmd-Bräune  -  liaehenbraune   Kalke  II,  2si). 

—  *dnairzlieJtr,  schwarze  Bräune  (Ur.  W.  II,  325), 

1.  -  Angina  diphtheritica  gangraenosa  vlillO  bis 
löiK.i,  zum  Unterschiede  von  der  weissen  Braune 
(s.  d.);  „der  Hals  ist  dabei  unten  ganz  braun 
und  schwarz-'  (A.  v.  H.  I,  89).  —  2.  (I57D  -  Best 
(Verf.  Volks-Med.  226J  wegen  des  hraunhch-sehw ar- 
zen  fuliginosen  Zungenbelages  (Crnsla)  [Colcr, 
H.  A.  IM).  —  (1731)  öYA»m»e-Bräune  gemeine 
Scbweinekrankheit,  Uankkorn.  Milzbrand  im 
Kachen  der  Schw  eine  mit  Erstickungsnot,  wobei 
die  Zunge  bräunlich  schwarz  wird  (A.  M.  2s) 
(Braune  2).  —  Steck-  {ütock-,  Stick-)  Bräune 

Croup  (Diphtherie  mit  Tracheal-Menose)  und 
Eratickungsgefahr  (Dyspnoe).  —  !17.v.j  trockene 
Bräune  =  Kinderbrftune  (a.  t.  b.  n,  1201)  mit 

helssem  Brande  und  trockenem  Husten  im 
Gegensatze  zur  falschen  Braune,  wo  der  Pseudo- 
croup bald  iu  einen  leuchten  Husten  übergeht. 

—  (1750)  wahre  Bräune  (A.  v.  n.  1, 89;  Ackermann  77) 

—  die  geiaiirhche  Diphlueiiu  gangraenosa  oder 

croupeea  (im  Gegensätze  zum  ungefährlichen 
Pseudo-Croup).  —  {m:,}  »risse  Bräune,  1.  ■  das 
frühe  Sladiuui  der  Angina  diphtheritica,  bei 
der   die    Belage   noch    weisslarbig  sind.  — 

2,  —  „eine  geringere  Angina,  bei  der  kein  Fieber 
vorhanden  ist  und  die  Mandeln  geschwollen 
und  wessslich  glänzen"  (A.  v.  H.  I,  89)  =  Angina 
herpetica  (der  „gestirnte  Himmel"  auch  ge- 
nannt). —  3.  =  die  weissen  Filzmaasen  durch 
Soor  (Oidium  albicans,  Aphthae)  [Coler,  H.  A.  130j. 

—  4.  -  weisser  Brand.  —  \\  ('//»-Bräune  Uy- 
kunehe  —  die  ktumpfhafte  Sciihiigbcsrl;  werde 
bei  der  Tollwut,  Wollswut  (Hundswut)  Krau*,  K. 
o:s;  —  Um«/-Bräune  Wund-Diphthene,„eine 
heftige  Hitze,  wovon  die  Wunde  ganz  braun 
wird"  (Zw.  uns]  (8.  o.  8).  —  Zfij/i/toi-Bräune^ 
brandige  Zaplciienenuumliing,  Blal  BC (Hessen 
(s.  d.),  Angina  diphttierilica  und  caiarrhuhs.  — 
(1C2D  -Kiiuj  Zungen- Bräune  [161S;  Schmellor  I,  35«; 
St.  Ilonno-Mtrakei-Bueh)  =  trockene,  braune  Zunge, 

Ardur  linguac,  indauiiuaiio  linguae.  —  Bräune- 

Fru  wf,  -  J<ihr. 
bräuten   coire  (<«r.W.  IV,  1  I3j  Scnnisller  I,  371 ; 

engl.  Urido). 

Brais,  m.  s.  Breis. 
Brampern  s.  Braue. 

Brand,  m.  [ahd.  brant;  mltd.  brand  zu  „brennen" 
vs.  d  ),  (Wurael   bren,;  vorRcnn.  hhren  Kluge*,  &1. 

.ter  örtliche  Ion  (Uarduleboii  1,  27.;,'  der  Me- 
dizinschulen; die  überlieisse  Bluikochuug  \nn 
YolksbegiilTe),  l.=jede  Krankheit  bei  Mensch 
oder  Tier  mit  hoher  Fieberhitze  (Inllammalio, 
Aesttis  consumens),  ohne  eine  dem  Baien 
erkennbare  Uusserliche  Ursache  und  mit  t«id- 


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Brand. 


Brand. 


67 


liebem  Ausgange,  namentlich  typhöse  Pneu- 
monien, Typhus  (1439  brand  "  eine  In  Flandern  hohe 
Sterblichkeit  veranlassende  Seuche,  Lersch  180;  Bock 
2-Vj;  „den  presten  [a.  iL]  uuJ  schädliche  I'lag  [s. 
nennen  «lle  Kauern  den  Brand";  ICSI  der  Bland  1 
„schlugt  «Ich  hinzu",  Gr.  W.  II,  295,  und  wird  uueh 
In  deutschen  Segen-pruchen  zum  welchen,  abweichen 
Ib.  d.)  itebannt  od.  „behoben".  Kuhn,  II.  f..  V,  380; 
lt.  Kaiudl,  tletit«ches  Beschwor  Buch  27;  Wnttke  161). 
Die  Vorstellungen  der  Allen  von  der  physiologischen 
Chemie  waren  grösstenteils  ihrer  hauslichen  Küche 
entnommen  (vergl.  Milz,  Blut,  verduuen  u.  kochen); 
was  durch  die  Hitze  und  Überhitze  Verursacht  worden, 
konnte  nur  Im  Blute  verbrannt  («rund)  sein;  wurden 
diese  überhitzten  verbrannten  .Stoffe  ausgochiedeu, 
z.  B.  als  2.  =-  Kot  („Abweichen"  de»  Branden 
durch  den  Brnndstuhl,  „der  Brand  geht  ab"), 
Urin  (Koterbrechen,  stark  tingierlerlrin),  loehi- 
ale  Bllllstrtcke  IPnuli  6),  so  war  dies  auch  der ,, Brand", 
wie  die  Sohwarzfarbung  der  lluure  um  di.«  Brunltrute 
und  der  schwarze  Fleck  unter  der  Zunge  des  zur  Brunft- 
zeil ulwrhllzigeii  Hirsche»,  Gr.  W.  II,  29:.).  —  3.  - 
nach  auü«en  machte  sich  die  innere  liitze  der 
Krankheit  auch  durch  „Verbrennung"  (Brand, 
Entzündung)  der  Glieder,  Sphaeelus  =  Inflam« 
matten  Gangraena  et  Nckrosis  (Fuchs,  tuppokratci 
i  ;*«  <•.,:,  r  h.  .\  ,.  d.  b  durch  den  Ausgang 
der  Krankheit  in  Brand  und  Braune  bemerkbar 
(Brand-  od.  Totentlecken,  rasche  Verwesung, 
Absterben  der  Glieder);  dagegen  sollte  auch  die 
Bnindwurzel  (Helleborus  viridis)  helfen,  (Vergl.  aticli 
l'Jage  und  Feuer)  —  3.  Hervortreten  von 
Schaum  aus  Mund  und  Nase  (Görna)  wie  beim 
Tode.  —  4.  =  Blutstocke  /.  B.  im  Wochenbette 
(s.  Schwamm  1.  2.  Motensehwangersehaft),  er- 
weichte, missfarbige,  übelriechende  Blutgerinn- 
sel, pcritonttische  Auftreibung  d.  Leibes  (Pauli  fi , 
vergl.  wo«  Schüller  [med.  Topogr.  d.  St.  Kegensburg 
1787  und  I>r.  Brenner-Schoffer,  Yolks-Mcd.  O.-Plalz  28j 
■agt  über  Brand;  dieser  früher  im  tiebiete  der  Meu- 
«ehciiheHkunde  alltägliche  Krankhcltsnuiuc  hat  sieh 
mehr  Ins  Gebiet  der  Tierheilkunde  zurückgezogen,  er- 
hielt »ich  nlier  in  der  .Schulmedizin  langer  und  dadurch 
auch  spater  wieder  rollt*  frisch).  —  5.  -  das  bren- 
nend« Hitz-  (Durst-;,  t  iefflhl  auf  Haut  u.  Sehleiru- 
Jlauten  (vergl.  Nesselbrand;.  —  6.  -  die  Haut- 
rote und  braunlich  verfüibte  Stelleu  auf  der 
Haut  ;.  i  irch  Hitze  und  Warmestrahlen),  Brand- 
stellen der  Haut  (engl,  brand  =  Uraudinal).  — 
7.  Milz-  und  Baiischbiand  als  „Flage"  (l.v.i, 
Brand  (Bock,  Krtrln-h.  2ÖÖ  .   —    Altci  H-HT&nd 

-  das  durch  Alters  Veränderungen  in  den  Adern 
verursachte  Absterben  der  Glieder.  —  Auf- 
Brand,  1-  =  Hautverbrennung  1.  Grades.  —  j 
2.  m  vielleicht  auch  Brand  am  Auf  (s.  d.)  ~ 

U  vula  gangraenosa.  — Augen- (Augenlid)  Brand, 
1.  =  eine  heftige  Entzündung  und  Geschwür» 
bildung  am  Auge.  —  2  =  Milzbrand-Katbunkel 
am  Augeiillde  l'ir.  W.  I,  804.  SOS;  II,  -W,  Barde 
M*n  I.  30«).  —  (IMs)  brmnender  Brand  heisscr 
lirand  (Z.  d  V.  f.  V.  K.  ist»:.,  s.  201,1.  —  Brunft- 
Brand  s.  Brand  2.  —  (nt>2)  Darm -Brand,  1.  - 
eine  Fntzündung  der  Gedärme  mit  Ausgang  in 
Nekrose  (Hern,  incarcer.  z.  B.)  (M.  II  U  I.  235). 

—  2.  -  „eine  Viehseuche,  («ir.  W.  II,  7*1  j  Kalkei, 
201)  =  Milzbrand,  bei  dem  fast  stets  gesehwürige 


Gediirraprozesse  mit  Abgang  dunklen  Blutes 
mit  verbunden  sind.  —  Druck  -  Brand  -  Ab- 
sterben der  Gewehe  durch  Druck,  brandiges 
Aulliegen  (Decubitus)  (Samuel  ßardeleben  I, 
2S7).  —  feuchter  Brand  —  Sphaeelus  (Schulaus- 
druck)  ,.wenn  sich  die  abgestorbenen  Körper- 
teile in  einen  braunlichen  oder  graugrünen  Brei 
aullösen"  (Bardelehen  I,  27.1).  —  Feuer-,  feuriger 
Brand  =  der  volksii blich  Besprochene  hitzige 
Brand  (s.  d.)  (Waiths  161.  162).  -  Fieicr-Brand 
=  die  Fieberhitze,  die  zu  Brand  (1)  iührt  (Gr.  w. 
III,  1621).  —  (I73.i)  fliegender  Brand  -  rasch  (na- 
mentlich am  Viehhaupt)  sich  ausdehnender 
Rauschhrand  (s.  d.  u.  Hug)  (Feser  69.  117,  Gr.  W. 
II,  29...  V  189.".;  A.  M.  f.;  wird  besprochen);  vergl.  An- 
griff, Kot 2 (Milzbrand-Ödem !.  —  .FiWi-Brand  ^ 
i'Vw^-Brand—  fliegender  Brand  (s.  d.);  in  Brand- 
segen  bei  den  Schwaben  in  Ungarn  und  in  Ost- 
preussen  (Z.  d.  v.  f.  v  K  is9:.,  fl.23).  —  Gebärmutter- 
Brand  ^-  das  septichltmiHche,  von  der  entbun- 
denen Gebärmutter  ausgehende  Wochenbett- 
lieber bei  Haustieren,  wobei  der  Uterus  die 
Zeichen  der  Gangran  aufweist  (Frank  47s). 
Gelb[er)  Brand,  1.  =  Icterus  neonatorum,  als 
Zeichen  innerer  Hitze  angenommene  sog.  Gelb- 
sucht ~  Blennorrhoea  neonatorum  (Arlt  3s).  — 

2.  =  Milzbrand  als  gelber  Knoten  o.  Knopf  (s.d.); 
in  Brandsegen  bei  d.  Schwaben  in  Ungarn  (gelber 
Schelm).  —  3.  -  die  Lammer-Huhr,  Darmseuchc 
der  Kalber,  bei  welcher  Krankheit  die  Faeces 
gelb  (spater  weiss),  die  fettig  degenerierte  lieber 
lehnifarbig  und  der  Magen  gelbrot  werden 
(Frank  M01.  —  Gerichts- Brand  =  Wasserkrebs 
auf  der  Gesichts- Wange,  Noma  (s.  d.),  Wangen* 
tirand,  der  um  sich  frisst  (weiden  —  >sjit3irc«t, 
dazu  *ou,fj  Hippokratis).  —  Gestuta- Brand  s. 
Brandzcichen.  —  GUtsditr- Brand  -  .Schnee- 
brand,  Sonnenbrand.  —  Glieder- Brand,  l.  - 
Knochenbrand  (s.  d.).  —  2.  -  eine  Knochen- 
Krankheit  des  Kindviehs  (Gr.  W.  V,  I4.>s)  (Osteo- 
malacia).  —  3.  -  Ergotismus  gangraenos.  Ab- 
sterben der  Glieder  durch  Mutterkorn- Vergif- 
tung (s.  heiliges  Feuer)  (I.ersch  81).  —  Greisen- 
Brand  =  Altersbrand  (8.  tl.)  (Samuel  87)  — 
(16,  Juurh.)  Hilf,,  Brand  (branndl  dess  hnrms, 
Arzn.-Buch)  —  dunkler  missfarbiger  Harn,  der 
Brennen  verursacht.  —  Hi ■  ■  Brand  -  „ein 
um  sich  fressendes  (verheerendes)  tiesehwiir 
(Ulcus  phagedaenicum),  dessen  Feuchtigkeiten 
sehr  atzend  und  flüchtig  sind,  sodass  es  bald 
um  sich  greift  uud  die  benachbarten  Teile 
verdirbt"  (1742,  Zw.  711)  (wie  der  verheerende 
Heerwurm);  da  die  Würmer  früher  eine  sehr 
häutig  angenommene  Krankheitsursache  waren, 
so  konnte  vielleicht  die  Erinnerung  an  den 
Heerwurm  (s.  d.)  auch  diesen  Namen  geschaffen 
haben  ;  (fressender  Wolf,  laufendes  Feuer).  — 
(1618)  fetaler  Brand,  1.  =  Fieberhitze  (s.  Brand  1) 
iGr  w.  11.296).  — 2,  =  Gangraena,  trockener  Brand 
(<;r.  w.  II,  295;  A.  v.  11.  II,  638)  (fi.  Brand  3).  — 

3.  =  Feuerbrand,  das  heilige  l-etior,  St.  Antons- 
Feuer,  IgniH  persictis  (ruracelsus,  Theoph.  Hodens'.  ; 
II.  r.  flcrsd.  77;  A.  v.  II.  II,  638.  I*r.  I.  «5;  Zw.  107); 

(„er  wird  durch  Arzneimittel  gelöscht").  —  Hert- 
Brand,  1.  =  schwarzes  oder  sogen.  Brand blut 
im  Herzen  des  milzbrandkranken  Kindviehes 

6* 


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Brand. 


Brand. 


(Gr  \\    tl,  295    IV.  2.  1227;  V«Rc  I   BS«    —  2 
brennendes  Gefühl  in  der  Magen-  <ider  sogen. 
Herzgrube  (Soodbrennen)  (conf.  engl,  hcartbum 

—  ni  rziji.spauu  [v],  Uhr.  52).  —  (1795)  //«n«Vr-Brand 
-Milzbrand  und  Kotlauf  an  den  dadurch  labm- 
ungsarlig  schwachen  hinteren  Gliedmassen  der 
Schweine  (Abllg.  IM;  Kalk«  I,  208;  Kipp. 672)  —  1660) 
ifirri-Brand,  1  SphakelosHippokratis,  hitzige 
fieberhafte  Erkrankung  mit  schweren  Gehirn- 
erseheinungen  (Plctor.  92,  Fuchs,  Hipp.  I,  389; 
Kraus,  K.  v>~i.  —  2  Gehirnerweichung;  als 
brandiger  Zerfall  gedeutet  —  hitziger  Brand 
m  heisser  Brand.  —  (lsoi)  Huspital  -  Brand 
Spitalbrand.  —  (1842)  Huf  Brand  Sphaeelua 
unguis;  entzündlicher  Brand  an  den  Weichteilen 
des  Hufes  Kalke  I.  416).  —  innerer,  innteändiger 
Brand  -  der  Herzbrand  1,  schwarzer  Brand, 
Milzbrand  im  Inneren  des  Tieres,  das  dabei  mit 
Abweichen  von  schwarzem  Brandblute  (s. Über- 
blut; behaftet  ist  und  weil  davon  „betroffen",  mit 
Segenspnichen  behandelt  wird,  «odati.se*  («Itimonistisch! 
„weicht"  (H.  Z  V.  HO:  J.  P.  Frank  VI,  425;  Falke  1) 

—  kalter  Brand  (1551 ;  Bock  121 ;  1599  eine  Herde- 
krankheit, Gr.  W.  II,  295;  161C  faule«  totes  Fleisch, 
GangTBcua,  (ir.  \V.  V,  »6;  1620  8«.  Benno-Mir.  H. ,  er 
macht  schwarz  [nekrotisch],  Dr.  Minderer;  1742,  1782 
»  sphacelus,  necrosis,  Zw.  407;  A.  v.  II.  1,  1234;  ndd. 
kole braud. Goldschm. 23. 85),  1 .  =  kaltes  Feuer  :s. d. 

—  2.  =  hochrote  Anschwellung  der  Haut  n.it 
lebhaftem  Fieber  (ndd.).  —  3  =  bei  Pferden  der 
durch  Besprechung  behand  Milzbrand  (Bausch- 
brand),  wobei  die  entfernteren  Teile  (Ohr,  Maul 
sich  kalt  anfühlen  durch  Abnahme  der  Herz- 
kraft  (Köhler,  V  Gl.  405;  Wuttke  162;  Z.  d.  V.  f  V.  K. 
1895,  3.30. 27, 1896,  S.  216).  —  4.  —  das  KaibeÜeber  der 
Kühe  ( Eclampsia  puerperalis),  wobei  d.  Tiere  wie 
leblos  mit  kühler  Haut  s.  Schlafsucht  )  daliegen 
(Krank  442).  —  AVA/en-Brand  (17.  lahrh.  kaehlen- 
brand,  hrcune  Benannt,  A.  B.),  1.  -  Halsbräune.  — 
2.  =  Milzbrand  in  der  Kehle  des  Schweines 
(Braune  2,  Kehlenbraune)  (Zipp.  670).  —  Kinder- 
Brand,  1.  —  Koma,  Stomatitis  gangraenosa, 
Wangenbrand,  Wasserkrebs,  der  bei  Kindern 
(namentl.  nach  Masern)  manchmal  beobachtet 
wird  (behrend  6).  —  2.  =  ih  r  Brand  (s.  o.)  im 
Kindesalter,  Nabelhrand  etc.  Diphtheria  geni- 
talium;  (Kohn  in  «lerhnrdt  IV,  2.  58).  —  Knorfttn- 
Brand,  1.  =  Knochen-Nekt<JSe,Caries,  Knochen- 
frass  (s.  d).  —  2.  =  Glieder  brand  (Osteomalacia) 
beim  Bindvieh  (Gr.  w.  11,295;  V,  MM).  —  Kropf- 
Brand  —  Schweine-Milzbrand  mit  Halsdrüsen- 
Anschwellungen  (llardelehen  I.  300)  —  laufender 
Brand    (liegender  Braml  (s.  d.).  —  L«i«T-Brand 

Milzbrand  in  der  Lederhaut  des  Tieres  Falke 
11.65).  Ait/j</c»-Brand,  1  Gangraenapulmon., 
brand.  Zerfall  d.  Lungengewebea  mit  jauchigen, 
fauligen  Zerselzuugsvorgängen  (Falks  II,  30; 
duraler  Ii.  254).  —  2  —  Anthrax,  Milsbrand  mit 
Liingenerscheinungen;  (i'tila Muri«- ;ciigi.  Baumln 

—  moriim. I.uc-.Mortalltit«,  Knlix-hia.,  Schimrrer  II.  299 
361). —  Mastdarm  Brand  =  Bücken bluf  [*  d.  O, 
Milzbrand  <1. Tiere,  wobei  mit  den  Exkrementen 
schwarzes  dickes  Blul  aus  dem  Mastdärme  ab- 
geht Zipp.  527),  als  innerer  Brand  (s.  d.)  abweicht. 

—  Jfti/.T-Brand(Wuuki»i6i)  =  vielleicht  =-  Milz* 
brand  oder  wilder  Brand.  —  M/r-Brand,  1. 


eine  der  altest  bekannten  Tierseuchen,  die  aber  noch 
Ton  Linne  als  Folge  des  Stiches  der  Purin  infernalis 
(s.  Furie,  Hollcnwunu  und  Drache,  Angriff,  Gefahr' 
angenommen  wurde  (Bardelelicn  I,  303;  Z  Hdb.  d.  sp 
I'nth  u.  Tb  III,  448  467);  der  Milzbrand  ist  eine 
meist  mit  rasch  erweichender  Milzschwellung 
und  dunkler  Verfärbung  des  rasch  faulenden 
Blutes  (~  „Brand")  einhergehende,  durch  Milz- 
brand-Bazillen verursachte  knotige  Anthrax- 
Karbunkel-Krankbeit,  wobei  Knoten  (Blattern) 
in  dem  Schlünde  (b.  Schweine:  Rankkorn  s.  tl.), 
Hautknoten  (Lederbrand,  Kohlenbeule.Anthrax 
s.  d.),  Blutergüsse  aus  der  Nase  und  dem  Mast- 
darm (a  Überblut  etc.)  erfolgen  und  oft  die 
schönsten  Herdestücke  wie  vom  Schlag  gerührt 
(s.  Gaech)  dahingerafft  werden.  Zum  Milz- 
brande rechnete  man  früher  auch  den  Bausch- 
brand (s.  d  );  diese  Krankheit  wurde  durch  den 
Viehhandel  aus  den  Ostmarken  Öfters  einge- 
schleppt als  gelber,  weisser  od.  schwarzer  Brand 
(Wurm).  Vergl.  Hünsche-,  Karbunkel-Krank- 
heit, St  Antonius- Feuer,  Knoten  -  Krankheit, 
gelber  Knoten,  gelber  Knopf,  le  charbon.  — 
2.  -  Leukaemie  der  Pferde  mit  Milzschwellung 
(Föntsr  D,  828).  —  Milzbrand-firdunc.  —  Mund- 
Brand  Noma,  Kinderhrund  an  der  Wangen- 
schleimhaut. —  Mutterkorn  -Brand  (nach  Lutz, 
Gesch.  der  Kpld.  Züge  der  Stadt  Krfuri)  =  Ignis  Sacer 

(epidemicus)  des  Mittelalters,  in  welcher  Zeit- 
periode allerdings  die  unreinen  Mehlsorten  (mit 
Seeale  cornutum)  solche  heilige  Feuer-  (s.  c\.) 
Krankheit  begünstigt  haben  konnten);  (frnn/. 

ergot,  seiglc  ergote,  Med  lorilll,  Hecker  311  ;  ltriss.  298;. 

—  AutV« -Brand  -  der  von  der  Nabel wnnds  beim 
Neugeborenen  ausgehende  Btand  (Gangraena) 
(Huhn  in  Gerhardt  IV,  2. 58).  —  Nach-,  iVrirJir-Brand 

(1584  nnchtbrannt,  Wirsung;  1602;  Gr.  W  VII,  170), 
ein  sehr  rasch  (über  Nacht)  unter  Fieberbitze 
auftietender,  mit  brauner  Borkenbildung  ab- 
heilender Ausschlag,  meist  im  Gesichte  und 
bei  jüngeren  Personen  (BSTSrtS  IV,  2  404;  Wuttke 
38»);  1.  =  Herpes  (zoster)  oris,  labialis  (  =  Nacht- 
blatter, Nachtachaden  s,  d.)  Phlyctaena  (Zw.  342; 
Gr.  W.  VII,  170)  (  vergl.  Guttel);  er  wird  besprochen 
in  der  l'ful*  „Nachtbrnud,  geh  Ubers  Land!"  (Wuttke, 
V.-Al«  rgl.  ::39j;  wie  öfter,  heisst  auch  der  diese 
Krankheit  nach  d  Volksglauben  verursachende 
Kobold  ebenso  wie  diese,  hier  Nacht  brand 
(Schindlern.  1038);  er  ähnelt  der  Nachtfrau,  dem 
Nacht  mar,  Naehtmiinnlein  u  dem  Bilwiz,  welche 
um  Mitternacht  die  Krankheiten  bringen.  — 
2,  (1597)  Varicellae  (mit  dem  Herpes  verwech- 
selt , ,  hitziger,  brennender,  wilder  und  kalter 
Nacht  brand  jammert,  V.  Med.  212;  Gr.  W.  VIII,  1998  . 

—  /i-Brand  Entzündung  «ler  Nasenbuiite 
mit  \u«gang  in  Nekrosis  1  \\  VII  III  -  (KU 
naturlithtr  Brand  •l'aracelsus)  —  St.  Antonius- 
Feuer  (s.  Feuer).  —  (1551)  AV.v« /-Brand  (Bock  3) 
-das  brennend'«'  Hiizcgefühl  bei  tler  Haut-Nes- 
sclsueht.  —  (IUI)  I'estilenzblatlnn-Br&nd  (Bock 
i  \  ilie  (iangran  'ler  entzündeten  Pestbeulen 
is.  tl.;.  —  /Wr-Brand  «ler  Brandschorf  durch 
den  Bolz  (  =  Cauterium)  (H.  Z.  XVI, 86, Preaaburger 
nioawn),  —  Rausch-  (rauschender)  Brand  {nach 
Fecei  i<9.  88)  kein  eigentlicher  Milzbrand,  sondern 
eine  Bausohbrand-Bazilleu-Infektions-Krank- 


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Brand. 


Branke— Brat. 


heit  mit  Rauschbrand -Stabchen  im  Blute,  bei 
der  «ich  im  fiachgeschwollenen,  meist  kalt  an- 
zufühlenden Unterhautzcllgewebe  der  von  dieser 
milzbrand&hnlichen  Krankheit  befallenen  meist 
jüngeren  Tiere  eine  brandige  Gas- Phlegmone 
(Hautemphysem)  entwickelt,  welche  bei  Be- 
rührung wie  Pergament  knintert  (blast,  rauscht) 
und  daher  auch  Windbauch  (h.  d.)  und  kaltes 
Feuer  heiust  =  das  Geräusch  (Schindler  II,  im). 
Mit  Milzbrand  verwechselt,  daher  auch  fliegen- 
der Brand,  fliegendes  Feuer,  Flugbrand.  Kot, 
Plage  genannt  ['/..  Hdi>.  d.  »p.  Puth.  u,  Ther.  TU,  172; 
Uppertea  527;  Falke  n,  22s)  (vergl.  Schelm,  Greif, 
Lindwurm).  —  Schlund  -  Brand  —  Diphtheria 
faucium,  Gangraena  pliaringis.  —  Schnee-Brand 

Gletscherbrand,  Sonnenbrand  (s.  d.),  Krythema 
solare,  Dermatitis  ambustionis  erythematosa 
(Veiel).  durch  die  stärkeren  Reflexe  gewisser 
Strahlen  desSpectrums  auf  beschneiten  Flachen 
leichter  eintretend.  —  schicat  zer  Brand  =  Herz- 
brand  (s.  d ),  bei  dem  sich  im  Herzen  viel 
schwarze*!  (milz-)  brandiges  Blut  findet  (bei 
Tieren")  fauch  in  Brandseifen  hei  «Ion  Schwaben  in 
'  tigarn  auftretend ;  Kthnol.  Min.  aus  t'nifarn  1*91,  S.  214  ; 
«r.  W.  IV,  2.  1227;  II,  295)  (Anthrax).  —  77 (Feuer-) 
Brand  s.  77  (Wutüco  101).  —  (iM3)  ScAim/-Brand 

Brandigwerden  des  Tierschwanzes  durch  die 
Sterzsenche  o.  Sterzwurm  (s.  d.)  (Falk.-  II,  :soi). 

—  (MM)  Sommer-,  (IMS)  SowncH-Brand,  1  -  Kry- 
thema solare,  durch  dio  Wärmestrahlen  des 
Sonnenlichtes  (beiTouristen)  eintretende  Haut- 
röte (Z.  Hdb.  d.  ap.  Path.  u.  Ther.  IV,  L  342;  r.  M.  II, 
130;  Colcr,  II.  A.  122;  Behren«!  6)  —  2.  =  Honig- 
Hecken  (s.  d.)  (A.  v.  II  I.  110:1  —  (1740)  Spital- 
(Ho*pital-) Brand  -  die  in  chirurgischen  Ab- 
teihingen von  Krankenhäusern,  selbst  zu  leichten 
Verwundungen  sich  gesellende  Gangraena  noso- 
comialis  (Anlaut;  den  ls.  .lahrh  poiirlture  im  Tlotel 
Pieu,  König  I,  162;  Bardeleben  I,  2-.M1)  (Wllllddiph- 
th<-rie  mit  Septichaemie).  —  (1R18)  trockener 
Brand  -  ein  Absterben  von  Gewebsteilen  unter 
Fintrocknung  und  ohne  jauchige  Sekretion, 
Gangraena,  Mumificatio,  im  G*-nensatze  zum 
feuchten  Brand  ( =  Sphnkelos)  (z.  d.  V.  f.  V.-K. 
H9,v  —  Porter-Brand^  Milzbrand-Kot  lauf 
an  den  vorderen  Teilen  des  Schweines  im  Gegen- 
sätze zum  Hinterbrand  (Zipp.  672).  —  Wangen- 
Brand  Noma,  Wasserkrebs  an  der  Wangen- 
schleimhaut fKinderbrand  1)  [Köhler  II,  17).  — 
warmer  Brand  St  Antoniusfeuer  -  beisser 
Brand  (Zeitscbr  d.  V.  f.  Volkk.  1895.  8.  20;  Zw.  107). 

—  weificr  Brand  (<-r.  W  II.  SM;  Falke  II,  m), 
1  -  weisse  Braune  (s.  d.)  (in  Urämischen  t.ei  den 
Schwaben  in  tfairam  vorkommend,  Kthnol.  MM.  anal'. 
MM.B.M4).  —  2.  —  weisser  Karbunkel,  das  Haut- 
Adnn  b  Hauschbrand  im  Gegensätze  zum  bran- 
dig-braunen Milzbrand  —  wilder  Brand  ein 
komplizierter  Knochenbruch  mit  Nekrose  des 
Knochens  und  gefürehteteiu  Flugbrand  oder 
Wild  feuer  (8.  d. )(WatU»,  Volks-Ahe n?l.  233;  Losch  25h; 
da  M  ditinonfatluchen  Hintergrund  hot,  wird  er  tu 
ostpr  BeaprecluinRen  onnnhnt,  aus  der  (lalle,  Ader,  au« 
Fleisch  11  Itlul  wo  er  schon  /.n  Inn  tri  (.'clnTrschl  au- 
tufahren  ;  Zeit.srbr.  d  V.  f.  V.-K.  1S9Ö,  B.  23).  —  wirk- 
licher Brand  -  Gangraena,  die  thatsäehliehe 
(iewebszerstorung  (I'latncr  1 ,  92).  —  Zungen- 


Brand  -  Milzbrandblatter  auf  d  Zunge,  Zungen- 
Anthrax,  Rankkorn  (Falke  11,  Mi),  —  Brand-, 
brandigfer)  Ader, -Antje, -Beule, -Blase,  -Blatter, 
■Blut,  Bräune,  -Eisx  (  Aiss),  -Fieber,  {-Milz- 
brandfieber', -Jauche,  -Kolik,  -Krankheit,  -Mal, 
-Marke,  Mascn,  -Maucke,  -Nascnkatarrh,  -Pocke, 
-Ranft,  -Rufe,  -Schaden,  -Schande,  -Schorf, 
-Schwär.  -Seuche,  -Stöcke,  -Stränget,  -Stultl, 
-Übel,  -  Weh,  -  Wunde,  -Wurm,  -  Wut,  -Zeichen. 

Branke,  f.  Pranke,  Er  ante,  Brente  ( Jäger- 
sprache) Vorderklaue,  Vorderfuss  des  Bären, 
Wolfes,  der  Wildkatze. 

braachet^  aufgedunsen,  dick  (zu  Brauschen, 

fl.  d.)  (Schmeller  I,  366). 

Brasein,  m  (mhd  hnwem),  1.  =  Gaumen,  2. - 
Gestank  (I-cxer  2s)  ( ^  Bradem?  n.  d.). 

Brat,  in.,  n  Brät,  n  (Gebräte,  Prat,  Pret, 
Brött,  Praet,  p  retig,  Bradde.Brotten,  Braten) 

(vorjrerm.  bhredh  [-Hitze,  («raten-),  Rauch?);  ahd. 
briito;  l.rat-pulpa  cornis,  nnilT  III,  2*1;  mhd.  brät, 
Lex.T28;  brate, Kliute*, f.i),  1.    Weichteile' nament- 
lich der  Waden  etc  ;  s  Wade  1  am  Korper,  mür- 
bes Fleisch;  vermutlich  vom  kulturellen  Brand- 
Opfer  entnommener  Ausdruck  im  Gegensätze 
zu  den  nicht  so  leicht  verbrennbaren  K nochen- 
teilen fs.  Rein) -die  Mauwe  fs.  d.)  (Cr.  W.  V,  53), 
1507,  U.tC  brat,  hrade  =  coxa  ^ohenkelfleisch),  I)  151; 
1616  —  hraet  —  Rebraete  foherd.  Kürzung,  <Jr.  W,  IV,  1 
ISIS]     da«  knochenlose  Fleisch  nm  menschlichen  Leibi', 
das  Fleisch,  Hell«".  777;  brott     femnr.  Ilyrtl,  K.  W.  I, 
d.  h  wohl  das  Fleisch  daran  ;  brotten,  Chronic.  Fribnrt; 
16  =  Fleisch).  —  2. Brat  -  l'aromala,  Fleischeslust, 
fleischliche  Sünde,  Libido  carnis  (biblisch-kirch- 
lich). —  Bradde  =  Testieulus  fßtkm  1.  SM)  als 
Genitale  (Bans  129  Ann»  )  und  als  Drüsen-Fleisch 
(s,  d.).  —  Brätig  (Pretig,  Brodig)  =  Caro  pulposa 
(1521  thorus,  D.590)  Daumenballen  als  fleischigster 
Handteil  .1540  llynt,  K.W.  125).  —  Die  Brätige 
(Breiige),  Brädigkeit  (mhd.  broedeeheit,  l.exer  29) 
-  geschlechtliche  o.  fleischliche  Lust,  Pruritus 
genitalium  (Schweiler  I,  bis).   —  //rtwe-Braten 
(ahd,  pmatbrato  —  pcctusculum,  lirafT  III,  285;  —  das 
Fleisch  an  den  Brustknochen  (s.  Brusthpin).  — 
Diech- Braten  (ahd.  dtMhbtato,  B.  z.  m.  xv.  349; 
deohpriunii  craO  Iii,  2s  1   v.  118    luffrago,  tribota 
opfentobe  in  Fleisch)     das  dicke,  knochenarmo 
Schenkelfleisch  Mauwe,  Sufl'rago),  das  man 
später  noch  den  christlichen  Mönchen  unter 
d.  alten  Opfernamen  („Braten")  zum  Geschenke 
machte  (Anatomia  culinaris  monacensis;  vergl 
LetndfleiSCb).  —  Futa  -BT&t  (15T7  n.ld.  eiiderhret 
-snnien,  n  5M)-^daa  fette  Fleisch  am  Schweins- 
enter  (Schlack brat).  —  F /ci*<7i- Braten  (ahd, 
(leisebrat,  CrntTIII.  776.  2S4,  Ion  Meise  prntis  kedfttllgtnl, 
L'iidniiiL'imi  ~"  ^edrankrt    volles    Fleisebbral  pili^ncdo 
earuintn,  «Irnff  V,  2i'd)     das  rohe  weiche  Muskel- 
fleisch. —  (/'«ri-Braten  (ll.  -'"hrh  mribpraten] 
.las  fertig,  gar  gemachte  Kinderfleisch ;  („ea  lebt 
etwas  ahd.  noch  in  diesem  Worte",  ür.  W.  IV.  1.  1337) 
(Vgl  Garb)  —  Ä*<7i/  Braten  ;ahd.kelbraIo-  deehallo 
-de  colleo,  «raff  III,  2s5;  1260  kelol.rndc  (15.  Jnhrh  ] 
kelei.rotc,  nteftmb.)—  I IalsUeiscb  am  Schlundbein. 
—  Lenden- (Land-,  /.«»i;iif/-)Bratenis.— 9.  Jahrh 

lentipri'ito,  »  ass  1  ili»ss.  lii.-zW  liimbnlum,  romiiul-che 
Iiemlnntivlorm  fnr  tuulms  |     I.ende]  -  klolue  I.endc, 


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70 


brauchet — Braue. 


braun— brausen. 


|  Brat 


(II  10  «chlcckhrat  -  lumbus;  1490 


<Ue  Nierengegend  [renuneulus] ,  nngls.  Icullbrcdu  - 
rcnlculus,  D  492;  9.  Jnhrh.  leudlbrnton  —  renc«,  d.  h. 
Nierengegend,  lt«l>.  Mnur.  65;  [10.  Jahrh  ]  lendebrnto 

—  reiwnculiiR  [wie  vorher];  renes,  lnmh],  lumbal), 
rirnff  II,  1094;  III.  284 ;  II.  Z.  XV.  317;  (ir.  \V.  VI.  74:5 
=  duÄ  Bruststück  einer  I.einlf ;  lendhrnt,  Icmdbratrn 
=  lutubu«  compadiutu,  Ilyrtl.  K.  W  UM;  I)  UM)  = 
Lendenfleisch  (au«  der  Anatomia  culmnris  der 
Mönche  stammend).  —  Lungen -Braten  =  der 
Psoas- Muskel,  der  bei  den  Sehlachtlieren  bis 
zur  Lunge  hinaufreicht  (V)  (Ilyrtl,  k.  \v  ms',  viel- 
leicht an  Lun^e  angelehnt  und  aus  Lambe  (s.  d.) 
entstellt.  —  Mo/Y-Braten-  ein  fleischiges,  fettes, 
schlappes,  weiches  Schweinefleisch  (Schur.  43«) 
(b.  nioll).  —  Maus-  (Musk,l-)BT&t  (ah*,  ausbrat 
Muskellk-l-ch,  Grnff  11.872,  III,  284:  {14.  Jahrb.}  tnusbmt, 
Voc.  opt.  \V.  11;  ind,  inulsebraten ;  1495  maussbrot . 
D.  843)  —  Musculus,  Timms,  MtiNkclfleisch  (Ilyrtl, 
K.  W.  112).  —  ifucA -Braten  (nhd.  niggibratun 
„palae  mint  dorsi  Icva  destraqoe  eininentla  memlira", 
Ural!  III,  285,  Schnuller  I,  370,  mhd.  rugkcs  priilcn, 
Meyer  Hclmbrecht  ITH  ■  Blicken  fleisch  im  Gegen- 
sätze zudem  Kuck  beine;  vuui  Schluchttiere  auch 
aufden  Menschen  übertragen  (Gr.  w.  vi  II,  1362).  — 
Schlacht- 
Schlag- 

«lacbrade  =  Hentern,  I).  149.  329.  339)  =  das  zur 
Schlachterei  verwendete  Fleisch.  —  Schlier- 
Brat  (14.  Jnhrh  lumbus,  Voc.  opt.  W.  11 ;  der 
Schlier  [s.  d.]  IM  meist  In  der  Leistengegend;  Leisten 
werden  manchmal  —  Lenden  gcuoinuicu)  =  Lenden- 
braten. —  (Kurz-),  H  iW  Brat  -  llirschhoden 
(Jägersprache;  s.  de«  Verf.  Volk«  Med.  162).  —  Wad- 
(Waik-) Braten  -  Waden-,  Muskelfleisch.  — 
Brat-Äi/jprn. 

bratschet  (bratschig,  bratschelig),  zu  Brat 

(s.  o.)  =  dick,  fleischig  [0.  v.  Schm.  89). 

Bratze,  f.  s.  Pratze. 

Braue,  f.  (Braune,  Bra  (Tirol),  Bram,  Bräm, 

Brämpern   (Tirol,    Bayern.  Österreich,  Schweiz), 

Brohe  [KIsh-«).  Broch  (ladoferm,  pro-tq«  Vor-Auge, 

vorgerm.  pro-£>qa  ~  die  Decke  vor  den  Augen;  (term. 
hrehwö,  Kluge*,  52;  nngels.  bnin,  Wackernagel,  Abhdlg. 
III,  M;  brtiwa  tautn,  V.  674,  ahd.  brnua,  tirnlT  III, 
315,  und  Urft  —  Braue :  8. — 9.  Jahrb.  prnwa  -  palpchrn 
[Augenbraue),  <  a»s.  lilo**  Dien  94  ;  1260  die  bni  -  Augen- 
braue. Pfeiffer  38;  mhd  brnwe,  brA,  prae.  Ortolph; 

14.  Jnhrh.  bniw     pn]|>ebra  und  citiiiui,  Voc  opt  W.  10; 

15,  Jnhrh  hrnge.      palpcbrnc  cilium,  I»  (113;  Hl«  prne 

—  palpebrae,  Schindler  I.  335;  15*3  Braue  super- 
cilium,  fir.  W.  II,  321;  engl,  brour  —  Augenbraue,  Stirne, 
I-.-hteldt  147)  -  Braue  bogiger  Haarstreif  Ober 
den  Augen;  man  verstand  demnach  unter  Braue 
ehedem:  1.  —  die  Ilaare  der  Stirnbraue,  Super- 
cilium  (obere  Braue,  Windbraue).  —  2.  —  die 
Haarean  den  Augenlidern (=  Wimpern),  Ciliutn. 

—  (15  Jnhrh  )  3.  -  die  Augenlider  selbst,  Palpe» 
brae(Schlau'brauen') -  Angenglied  -Aug-,Augen- 
Braue,  -Braune  (-Brachten)  -  Palpebrae  (Schm. 
I,  335),  Supercilium,  1.  -  die  Haarbogen,  welche 
das  Auge  beschatten  und  den  .Stirnseh weise  ab- 
dämmen. —  2.  —  fälschlich  auch  die  Wimper- 
haare (s.  Augenbrauen- Verkehrung)  (Hyrtl,  Amt 
53";  9.  Jnhrh.  »ugbrauua  palpebrae.  Hab  Maur.  64; 
abd.  ougbrawa,  augabr*      pnlpebrn,  nraff  I,  12.; ;  III, 


316;  mhd.  ougbrauua,  augebrnho;  1 172  augbraben  .  U7S 
ogen-,  oin-braid  palpebrae  slnus,  Iliefenb, ;  Vocab. ; 
Hyrtl,  K.  W.  13;  1182  ougbraw,  ougbrau,  Zen.  Voe.; 
16,  Jnhrh  augeubroe  —  cilium  und  palpebra,  lir.  W.  IV, 
I.  1816,  1516  augbrai  —  gena,  bueca,  I).  259,  1551  aug- 
broen,  Boek  102,  engl,  eyebrow,  l.ehf  171,  migenbramin 
(Öiterreieb,  Bayern);  atlgbramc,  Schur.  «9,  augbrame 
[Schweiz];  ögebrein  [Tirol],  IIlntner6.  13;  Augelibniune. 
Gr.  \V.  I,  78*  «Ol ;  Adelung;  Aper  [Tirol]  a'be,  Botamalla 
I,  335).  —  /  '-  Brauen  (nbd.  hodan  [bosanj  brauul 
llppus,  «rnff  Iii,  316)  -  Autienlidkatarrh  (Braue  3). 
iL-,;,  t -Braue  (15.  Jahrh  heubthraw-  cilium.  I>.  Iis) 

—  Augenbraue.  —  obere  Braue  (ahd.  opara  prauua, 
opaninpra  =  •upercUla,  Schmcller  I,  335;  oberbrt  = 
supercilium,  U.  Z.  XU,  Adm.  VOC;  1260  die  oberen  bni, 
Pfeiffer  3*,,  14  Jahrb.  ol*rbraw,  Vor.  opt.  \V.  10;  oberste 
ougbrouweu  urcualla,  1».  45;  1411  ober  pra,  Zlngerle 
194).    —   Prcr/ifM  -  Brauer   (8.—  U.   Jnhrh.  prehali 

praw  er,  Oan.  oio*». ;  <;raff  III,  sie)  -  Lippus,  dem 
es  vor  «Jen  Augenbrauen  jflrtnzt,  schimmert.  — 
(1-.91)  schäbige  Augen  Brauen  eine  Erkrankung 
des  Aucenbrauen  -  Ilaurboilens  mit  Ausfallen 
(Schabe)  der  Ilaare,  z.  B.  bei  Lepra,  Syphilis 
(Tnbcruncm).  —  S".  hi-i  i  Brauen  (ahd.  Rlecihraun 
palpfl.ru,  «trnff  III,  31«,  slngibrauua,  SehmeUer  I,  335) 
=  die  Augenlider  (s.  Braue  3),  welche  den  Lid- 
schlag machen.  —  t*7(Vr-Brauen  (ahd.  ublrprauul 
=  »tipereilinm,  II.  Z.  XV,  8;  ubarbrnwa  sn]>ercilium 
Hraff  III,  315;  Kluge*,  52,  -  obere  Braue,  mhd  uberbrü 

—  Augenbraue,  I.exer  278;  1483  ulverpriieri  —  idem,  C  v. 
Megetibg. ,  uberbniuun,  Hchmcller  I,  893)  -    Braue  1. 

Unter- Brauen  (ahd.  ratabm,  n.,  «iraff  III,  315; 
mhd.;  14.  Jnhrh.  underbraw,  Voe  opt  W.  10;  1129, 
1470,  1182  undrupmu.  Schmcller  I,  335;  ü.  303}  -  Inter- 
cilium,  der  Kaum  zwischen  den  Wimperliaaren 
und  der  eigentlichen  Braue;  Zwischenbraue.  — 
Wenk- Braue  Winkbraucn,  die  zusatumen- 
stossen  ober  der  Nasenwurzel;  ein  Schrattl- 
u.  Ilexenr.eichen  (s.  brauenwenken)  fV.  K.  IX.  HJ. 

—  H'lW-Braue  (  a  Wimper)  (9.  Jahrh.  unidbrauua 

—  BUpereilin,  Bali.  Maur.  64;  wlnlprauua  —  supercilium, 
'iraff  I,  626,  III,  316;  mild,  wynbraui-ti.  Mag  Hort  hol 
92b;  Hl 5  wintbrä  supercilium,  Leser  388;  Sehmeiler 
I,  335;  147'»  wijn-brald  pnliK'brne  slnus,  1)  st7;  14*2 
uynbran,  Zening.  Voc.  oo  6,  winprnm,  Wimpern: 
die  sich  windend»'  Braue,  Wimper.  —  Wild- 
Braue  (Sehm.  II.  900)  Windbraue.  -  Zwischen- 
Braue  (HS2  zwlscbeupmu  intercllium ,  IL  303; 
15.  Jahrh.  iwusehenbroge  lntercllluiii ,  U.  642)  b 
ünterbraue  is.  d.).  —  Brauen-//a«r,  -Schäbig- 
keit, -Schlag,  -teenken 

braun, Braune  s.  Braune  u.  Braue  —  braune 
Blatter,  -Hitzblatter,  -  Wurm. 

Brausche,  f.  Brauschen  mit nord.  brji.sk  Knor 

pi'l  s.  d  ];  engl,  bniise  Quetsehung;  bruisewort  ■ 
\Vnllwur7.;  mhd  diubriisehe;  I7"si  brausch,  A.  V.  II  II. 
1239.'  rundliche  Krhohung;  —  mit  Blut  untei  laulene 
Beule,  die  sich  nach  einer  Quetschung  oder 
einem  Slosse  ausbildete  und  hei  Berührung 
krepitiert,  knarrt,  knirscht  wie  ein  Knorpel 
(Kluge*.  52.  Schindler  I,  366). 

brausen  (brnsen,  brüsten)  r  .  Jahrb.,  ndd.  pro- 

sen,  prusten,  brüsten,  pruesteu  »ternutnre,  siugullnre, 
f).  536.  V.2,  16.  Jalirh.  prustunge.  pniystlnge  «ternu- 
tatlo  lMc«ung,  Sehnnrcbnngl.  Ii  :Ji2).  —  brausen 


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Braut— brechen. 


brechen. 


71 


lärmen  wie  der  Gischt  und  Schaum  des  stürzen- 
den Wassers.  —  atu-brausen  =  mit  hörbarem 
Geräusche  den  Nasenschleim  aus  den  Nasen- 
höhlen ausschleudern,  namentlich  heim  rotzigen 
Pferd«  fz.  Hrn..  in,  IV,  Anm  ).  —  o/tren -Brausen 

-  Ohrensausen  (s.  d.)  (Gr.  \v.  II,  329). 

Braut,  f.  -  <ler  als  Opferstftek  der  Braut  dar- 
gebrachte Schweinskopf  (KulLc  nie.  —  bräuten 

M.  O. 

Breche!,  f  (Broch!)  ;Tiroti  ---  Mund,  ähnlich 
dem  Werkzeuge  zum  Flachsbrechen,  das  be- 
ständig auf-  und  niedergeht  (lllutuur  c.  II).  — 
Das  Ä'inw-Grbröchel  i Tirol)  =  ein  Kinn,  ähnlich 
dem  Werkzeuge  zum  Flachsbrechen  (niiitiier?.  15). 

brechen  (Brech,  Oebrech,  Gebrechen,  ge- 
brochen, Prech)  (virsiTin.  bhnit;  ncm.  Renn,  brei  k ;, 
■hcl  brehhan ;  andil.  brorenn ;  nihil.  I. reeben,  Kluge &,  53. 

-  frnrnr^rr,  15.  Jnhrli  brechen  -  voiuitua,  I).  629;  nin<l. 
brak  Gebrechen,  Mangel ;  enirl.  break  —  Bruch,  Spalte, 
brechen,  Kluge  \  61)  -  brechen,  offnen,  den  Magen 
nach  oben  (lu  Schwaben  Ntcto  nach  uutcu  zu,  »tick  19) 
offnen,  platzen  machen,  crepare  (crever),  laxare, 
vomere,  erbrechen  ;ur.  W.  II.  343).  —  sich  brechen 

-  sich  erbrechen.  —  der  Urin  bricht  sich  = 
verwandelt  sich  rasch  in  andersfarbig«;  kleine 
Teile.er  sedimentiert.  —  ein  Geschwür  bricht  - 
eröffnet  sich  durch  Aufbrechen,  Vomica  (Gr.  \v. 
II,  349).  —  das  Auge  bricht,  in  seiner  Muskel- 
nnd  l.irbtkraft,  berstet,  erlischt,  stirbt.  —  die 
Gicht  bricht  (Schmellcr  I.  310;  D.  nj)  —  macht 
kraftlos  d'aralytirus  i  wie  ein  Knochonbruch.  — 
•las  Herz  bricht,  wie  ein  Knochen  innerhalb 
seiner  Hunder  (Hcrzbundel)  ;Gr.  w.  II,  MS)  -  es 
eröffnet  sieh  durch  Ucrstung.  —  das  Kind  bricht 
den  ersten  Zahn  (F.  Dahn,  D.  'i.  I,  295)  bekommt 
den  Zahn.  —  die  Mutter  bricht,  brechen  = 
vulvani  aperire,  das  Geburtschloss  geht  auf 
(namentlich  bei  Erstgebärenden)  (Gr.  \v.  II,  317). 
t/m-cA-brechen  nach  aussen  an  die  Oberfläche 
gelangen,  z.  B  die  Zahne  oder  eine  Krankheit 
in  der  Form  eines  sichtbaren  Hautausschlages; 
durch  den  Baueh,  als  Kotentleerung  (1515;  I».  Ml) 

i  Durchfall).  —  die  Krankheit  bricht  nicht  durch 
=  Acrisia;  sie  erreicht  den  kritischen  Tag  der 
Diagnose  und  Prognose  nicht ;  wird  nicht  offen- 
kundig, wie  eine  kritisch  sich  entscheidende 
Krankheit  CA.  v.  II,  I,  20);  die  Zeit  der  Kochung 
(s.  d.)  war  nach  f  lippokrate«'  Lehre  die  Zeit  des 
KrankbcUsbruches  (Krisis).  S.  auch  Bruch.  — 
'/'brochen  [•.  Jahrb.  kiproh,  Kiro,  giosm»u)  =  decre- 
pitus,  etwas,  was  dun  h  Uussere  Gewalt  oder 
inneren  Druck  auseinander  getreten  ist,  so  dass 
es  offen,  gespalten  i.st,  kraftlos  wird.  —  die 
Knochen  sind  gebrochen     Fraetura  ossium. 

-  (1532)  das  Geschwar  ist  u<  brochen   -  edlen 
durch  eigene  Kraft)  (Krie*  9*).  —  das  Blicken-  1 

Hat  wird  gebrochen,  indem  man  das  im  Mast-  ; 
dorm  ib  s  Bindes  angesammelte  geronnene  Klüt 
Milzbrand;  mit  der  Hand  herausholt  (Ur.  W.  VIII, 
1363]  und  so  nach  aussen  entleert  wie  beim  Blu- 
brechen.  —  (das  Herz,  das  Auge)  die  Stimme 
ist  gebrochen  e  die  Stimme  mutiert,  ist  kraft- 
los, als  ob  die  Stimmorgane  fStimmstock)  zer- 
brochen waren  (ür.  w.  IV,  l.  isöu).  —  der  Nabel 
ist  gebrochen     der  Nabel  ist  so  offen,  dass  die 


Baucheingeweide  durchtreten,  1.  =  Nabelbruch, 
Hernie  (Tabemacmont.).  —  2.  =  der  dadurch  ver- 
anlasste kolikartige  Schmerz  (Bavarla  HI,  l.  405). 

—  der  Leib  ist  gebrochen  herniosus  (A.  v.  II. 
II,  T 17),  so  offen,  dass  die  Kingeweide  austreten. 

—  der  Leist  ist  gebrochen  ,  i  "16 1  den  dto  iy»t  wer- 
i.roi  ln-ii,  <ir  u  \  i  742     delumhig, Islstenbrllchig, 

—  gebrochen  sein  =  (am  häufigsten)  herniosus 
(Pauli  121 ;  Gr.  \V.  11, 313 : 1 1.'«  (.rochen  -  hernlosu») ;  ge- 
nauer manchmal  bezeichnet  mit  hodenbrüehig. 

—  rerbrochen  b  ei  d.  Gemachten  (1501;  schmcllcrl, 
M93)  —  enterocelicus  =  bei  den  Lanken  (Lenden, 
Nieren)  gebrochen,  damit  machtlos,  kraftlos, 
impotent  (brüchig);  daher  auch:  gebrochen  - 
verschnitten  (cuuuchus;  UM  eaftrattu,  Gr.  \V.  IV.  l. 
1*09).  Der  sonst  nur  für  Schaden  und  Folgen 
einer  Verwundung  oder  eines  Bruches  übliche 
Ausdruck  Übertragt  sich  nun  auch  auf  andere 
bestimmte  Korper-  und  Leibesschaden  (Krank- 
heiten u.  Mitngel),  st»  dass:  (it;i6)  die  Gebrochen- 
er nicht  nur  1.  =  Fraetura  (ossium"  und  2.  — 
Hernia  (=  Leibschaden,  s.  d.)  (Gr.  \V.  IV.  l.  1S70J 
ist,  sondern  auch  3.  allgemeine  Kraftlosigkeit, 
hei  tlor  der  ganze  Korper  sozusagen  gebrochen 
ist.  —  Der  (das)  Brech  mini,  breche,!,  Brechen, 
als  die  Folge  oder  der  Schaden  eines  Bruches, 
ist  auch  darum  1.  =  die  Schwache  im  allge- 
meinen ^  Lahes,  Vitium  (15911;  II.  Sachs;  Gr.  \V.  II, 
:;il>,  lnfirmitas  (namentlich  in  Verwünschungen 
[Qr.  \v.  1.  eod.J  als  Beeinträchtigung  der  Brauch- 
barkeit im  allgemeinen).  —  2.  —  die  Schwache 
infolge  einer  Sucht  (s.  d.)  oder  Seuche,  Kpidemie 

-o.  diese  Krankheit  selbst;  daher  da*  Brechen 

—  a)  Fest  (1630  gemeiner  prechen,  brechen  (Gr.  W. 
IV,  1. 1*13)  ^  Pestis,  Lues  (=  allgemeine  Seuche), 
Pestilentia  (Schmellcr  I,  310  «üb  S),  (1560)  Lands- 
brechen  I'H.  Such?!,  Sehmcllcr  1.  cod.),  =  b)  (IftüG) 
Kühr  (lucheuh.  Mlr.-B.);  c)  =  Lepra  (1435)  der 
Prechen  der  Lepra  (O.  B.  V.  A.  24;  13.  Jahrb.  llk- 
priir-  Aussau  [Islam!  u.  Norwegen),  Globus  1S95.  S.  49). 

—  3 .  -  die  hohe  Sucht  =  die  fallende  Sucht 
(Ür.  W.  IV,  1.  1843  «üb  a):  (vergl.  schweres  Ge- 
brechen). --  4.  —  Gebrechen  (s.  d.  unten)  Zu 
brechen  gehören  demnach:  Gebrochener  Na- 
bel jeder  kolikartige  Schmerz  im  l^eibe  wie 
bei  einer  Nabelhernie,  auch  ohne  eigentliche 
Nabelhernie  (O.-PMs;  Itararla  III,  1.  405;  Wuttkc, 
Abend.  339;  Dr.  Brenner  Schüller  26).  —  (1677)  Ädcr- 
brechen  -  Ifaemorrhngia  (Heyn.  202),  Blutung 
aus  einer  Aderberstung.  —  «»/"-brechen  =  aus- 
od.  durchbrechen.  — ylM'/fW-brechen  B.  Prechen. 

—  (1551)  atMi/ihrochen^  (Kopte;  (Hock  0)  Kopfe, 
dereti  Haut  durch  eine  Krankheit  offen,  aufge- 
brochen ist   (irintaussehlag  z.  B,  Ausfall).  — 

—  (176UI  B/i<f-brechen  fcM-brechig)  =  Vomitus 
cruentus,  sanguinem  vomens,  Hacmatemesis, 
Meinen«,  vomissement  de  sang,  vomltlng  ot  Wood 

(a.  v.  11  1,  ;.:•>;  <;r.  w.  1. 17«;).  —  (1&6I)  tias  AVhrechen 
id.5ftü  sich  erbrechen)  —  den  Magen  so  eröffnen, 
dass  der  Inhalt  nach  oben  mit  Gewalt  entleert 
wird  (wie  man  einen  Schrank  erbricht)  (Gr.  vv. 
III,  736)  =  vomere,  Vomitus.  —  Blut-Erbrechen 
=  Vomitus  cruentus  (Th.  un.  Br.  862;  \  v.  11  1, 
l3io)  —  das  Brechen  von  Blut  aus  dem  Massen. 

—  gelbwüchtigeM  F.rbrechen  ==  Icterus  catarrh. 

—  Kot- Krbrechen  isobertdieim  125)  =  Miserere 


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72 


brechen. 


Bregen — brennen. 


(s.  d.).  —  Krampf- Erbrechen  (Sobernheim  25.  97) 

—  Vomitus  spasticus,  Erbrechen  mit  krampf- 
haften Erscheinungen.  —  (1689)  obenaus(er)- 
brechen  —  Votnitus  (Fries  lo»),  durch  den  Mund 
im  Gegensätze  z.  Erbrechen  nach  unten  (Durch- 
bruch, Durchfall).  —  schleimiges  Erbrechen 
(1875;  Müller,  Krftutcrnuch  234)  -  Erbrechen  von 
Schleim.  —  (1789)  schwarzes  Erbrechen  (HulWand 
129),  1.  =  gelbes  Fieber  mit  Erbrechen  von 
dunkler  Galle,  vomito  negro.  —  2. —  Morbus 
niger  Hippocratis,  Melacna,  Magengeschwür 
mit  Erbrechen  dunklen  Blutes.  —  Wasser- 
Erbrechen  (Sobernheim  266)  =  Hydreniesis,  Er- 
brechen von  wassei  heller  Flüssigkeit.  —  Ge- 
breche, n.  =  der  den  Boden  wühlend  auf- 
brechende Wildschwein-Rüssel  (Brehm  Hl,  545). 

—  Der  (das)  Gebrechen  (angls.  gibrec,  gihreec  = 
rheuma,  D.  497;  15. — 17.  Jahrh.  der  Gebreeh ;  15.  bi« 
IS.  Jahrh.  der  Gebreehe,  der  Gebrechen;  dann:  da« 
Gebrechen,  Gebrech,  ferner  der  Brech  [».  o]  od.  Breche) 
=  ein  geschehener  Bruch,  ein  Zerbrechen  und 
der  davon  kommende. Schaden :  Schaden,  Fehler, 
Mangel,  Krankheit,  Seuche,  schwere  Verwund- 
ung, Kranksein  überhaupt,  Beeinträchtigung 
d.  Brauchbarkeit,  Unvollkommenhcit  d.  Leibes. 
,,In  den  verschiedenen  Können  die«<-s  Wortes  liegt  eine 
Vermischung  und  Verwirrung  vor,  die  Meli  selbst  im 
Sprachbcwusstsein  vollzogen  hat"  (Gr.  W.  IV,  1.  IMS). 
Die  Haullgkeit  der  Benützung  de*  Wortes  ergibt  sich 
auch  daraus,  daas  selbst  Seuchen  und  andere  ffMU 
bestimmte  Krankheiten,  wenn  sie  nur  hilufig  waren, 
ü.  B.  Rheuma,  Huste  n,  Schnu|.fen  (Gr.  W.  IV,  1.  1813), 
sowie  Test  und  Kuhr  (1530  hei  <\  v.  Sehm.  93)  mit 
diesem  sonst  nur  für  Fiacturo  (Bruch.  Brech)  gebrauch 
liehen  Namen  Mitgt  wurden,  wenn  sie  vorzugsweise 
von  sich  reden  machten  (Gr.  W.  IV.  1.  1843).  —  Alters- 
Gehrechlichkeiten  =  die  durch  das  Alter  (s.  d.) 
verursachten  Leibesmängel,  Vitium,  Defectus 
(Gr.  w.  iv,  l.  1867).  —  der  Alte  (s.  d.)  mit  dem 
Grbrech  -  Katarrh  o<ler  Brustbeklemmung  bei 
Kindern  (Ethn.  Mitteil,  au»  rngarn  1*93.  III,  23).  — 
Drüsen- Gi  brechen  (16.  Jahrh.  der  (jebreeheti  der 
drill,  Schnuller  I,  66»)  =  Pesikrankheit.  —  Gull- 
Brech  iH.  .lahrh.  [Irliind]  galrahreae,  Sehnurrerl,  169; 
Lersch  103)  -  Beule,  (iescbwtilst  :(>alle  11)  mach- 
endes Gebrechen  oder  Leiden,  z.  B.  Pocken 
(s.  Bolgach).  —  Grfoirz-Gebrechen  s.  Gebätz 
(Batz).  —  (1875)  Harn-Gefässe- Gebrechen  (Müller, 
Krtrbch.  3«o)  =  ein  krankhafter  Fehler  der  Harn- 
Werkzeuge.  —  HuupUceh-  Gebrechen  (1602  gemaln 
prechen  der  haubtwehen.  Lersch  203)  Petechialüe- 
ber  mit  Kopfschmerz  als  allgem.  Epidemie.  — 
kalte  Gebrechen  --Rheuma,  rheumat.  Lähmung 
durck  Erkältung.  —  (17.  Jahrh .)  ifiWer-Brechen 
=  das  Kind  aus  d.  Mutterleibe  gewaltsam  ent- 
fernen (Baas2ö0).  —  A'op/"-Brechen- drückender 
Kopfschmerz  (Koppbraeckon,  Metklenbg.,  Z.  d.  V. 
f.  V.  K.  189t,  8.  191)  (Gebrechen;.  —  [lbm)  Krön- 
(Gejbrechen  =  Frattsein  an  der  Krone  bei  der 
Pferdefessel  (Gr.  W.  IV,  1.  67).  —  (16.  Jahrh  )  Leibs- 

Gebrechen  (Gebrechlichkeiten'  (Gr.  w.  rv,  1. 

1857)  -  die  Leibesfehler  und  körperlichen  Mangel 
^  Vitium,  Defectus,  Deformitas  corporis.  — 
»idcÄ(7ebrochen  =  wiederholter  Vorfall  einos  Kin- 
geweides  in  den  Bruch,  der  sich  so  erweitert 
(Gr/w.  vn,  32).  —  Nasen  -  Gebrechen  (gebrec  a 


noise  -  rheuma,  pltultu,  I).  439. 197)  -  Nasenkrank- 
heit,  Katarrh,  Nasenfluss,  Zipf,  Pipps.  —  (1517) 
><n/r -brechen  die  Glieder  des  Verurteilten  mit 
dem  Henkerrade  zerstossen  (rotare,  D.  6«;  Gr.  w. 
VIII.  44).  —  das  Podagra  radebrecht,  verkrümmt 
den  ganzen  I<eib  durch  den  Schmerz  (s.  Bockj; 
die  Knie  sind  wie  geradbrecht,  zerschlagen, 
gerädert  (Sehrader  389).  —  rotes  Gebrechen  (rot 
brech,  Gr.  w.  III,  UM]  =  rubicum  b  rote  Ruhr.  —  rot- 
brecht  s.  prechen.  —  (1645)  schweres  Gebrechen, 
1.  -  Epilepsia  (bibl.  Medik.  445;  Coler,  H.  \  101; 
Gr.  W.  IV,  L  1843),  als  eine  Krankheit  (schwere 
Not)  Ii.  Gesundheitsmangel,  der  von  sich  reden 
macht  und  vorzugsweise  das  Mitleid  erweckt. 

—  2.  -  der  Kopfdusel  beim  Rindvieh  (colcr,  n 
404,  v.  b.  39)  (s.  der  Brech).  —  Sinn  es-  Gebrechen 

(14S9  »in er  «inliehkelt  gebrechlich,  Kricgk  II,  364)  - 
Verstandesgebrechen,  L'nsinnigkeit.  —  Sprach- 
Gebrechen  -  mangelhaftes  Sprechen,  Sprach- 
fehler. -  (1554)  Verstandes- Gebrechen  (ndl.  ghe- 
lin  ken  des  vereiandts)  —  (Geisteskrankheit  (De  rock 
113).  —  /''././'-brechen,  1.  =  das  Durchbrechen 
der  Pferdezähne  beim  Fohlen  (Herbst  103).  —  2.  = 
das  gewaltsame  Entfernen  der  Zähne  durch  den 
Zahnbrecher.  —  zerbrochen  =  herniosus.  — 

I  5£eeäendes,  }  £»»9,  -XoHk,  -Sucht. 

Bregen,  n.  Braeck,  n  Braegen,  n  Breghen,  n. 

(mnd.  dal  bragen.  Maß.  Barth.  87a,  93b.  102a;  mhd. 
bregin,  n.,  Hoffui.  I,  361;  bringen  —  Gehirn,  Lexer; 
1425  breghen  —  cerebrum,  D.  115,  engl,  brain  =  Gehirn  ■ 
lightbrain  •  hohlkopflg;  mad-brnin  «=  Maden  [Grillen ] 
im  Gehirne  habend,  Kalt  seh  m  ;  ndd.  braegen, 
Goldschm.  132;  Hyrtl,  K.  W.  82;  Sehmeiler  I,  352; 
ursprünglich  mregh,  mrogh  anlautend,  Ist  das  Wort 
[nach  Kluge5,  51]  urverwandt  zu  i3f.Eyu.o-:  [ßpr/tu 
=  befeuchte]  =  der  durch  Grlntausschlag  feuchte 
Vorderkopf,  Grintkopf  [«.  d.i;  daher  ossa  bregmatie« 

—  Seitenwandbeine  un<l  hregma  —  fontanella,  K.  a.  14; 
Hyrtl,  Auat.  250;  dazu  [nach  Du  «'finge  I,  464]  aubrema 
rm  morbus  capitis  gravis,  lnllrmltaii  capitis  cum  nmcntf«) 
1.  — Gehirn.  —  2.  =  Gehirnschädel,  Vorderkopf 
(Hirn).  —  3.  =  leichtes  Schnupfen-  o.  Katarrh- 
lieber wegen  des  dumpfen  Vorderkopfschmerzea 
(Göldschen.  115.61).  —  Braegen- Pfanne,  -Schorf. 

Brei,  l».  (ftbd.  brio;  mhd.  bri,  vielleicht  zur  gerin. 
Wurzel  br!  —  kochen.  Kluge6,  53),  dazu  (1581)  GrUtt- 
Brei  -  Chylus,  der  dem  Griesbrei  in  der  Farbe 
ähnlich  ist  (Hyrtl,  K  W.  87).  —  Brei-GeseÄtcu/af, 
-Geicächs,  -Körner,  -Maul. 

Breim,  f.  (Brein,  Prein)  s.  Bräune. 

breit,  Breite,  f.  (1  tsa  imytlnne  der  stime)  -  die 
Dünne  <>.  die  Schläfe  als  die  Breitseite  derStirne 
(Zenlng.  Voe.  gg5).  —  breit-ne/ts/et,  Arsch,  -Fell, 
-Piergen,  -Rücken,  -schultervi,  -  Würmer. 

Bremsen,  pl  Bremsen-6V/nn«<ie/. 

brennen  (Wurzel  bren-;  vorgerrn.  bbren;  ahd  goth. 
brinnau;  mhd.  brlnnen;  engl,  burn,  Kluge*,  53)  brennen 
machen  (  =  ;inzünden)  u.  brennen  (-leuchten); 
die  durch  ilas  Brennen  der  Haut  beim  Keuersehr 
früh  kennen  gelernte  Schmerzeiuptindung  über- 
trug Hieb  auch  auf  andere,  mit  dem  Feuer  nicht 
in  Berührung  kommende,  verwundete«,  kranke 


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brennen. 


Bresten. 


73 


Organe  mit  verzehrendem,  innerlich  verletzen- 
dem Wehe  o.  Drange.  —  Brenner,  m.  =  1.  die 
Krankheit,  welche  brennenden  Schmerz  macht, 
Febris  ardens.  —  2.  =  Influenza  (1579  Lersch  259} 
wegen  der  brennenden  Fieherhitze.  —  Anbren- 
nen (161*)  Anbrunnen  (Schmellor  I.  358)  =  Haut- 
verbrennung 1°.  —  Zfartt-brennenpissechaude), 
1  =  Dyauria,  Stranguria  (Zw.  "78),  Ardor  urinae, 
der  Schmerz  heim  Urinieren,  als  oh  es  dabei  in 
der  Harnröhre  brennen  würde.  —  2.  --Tripper 
(Pr  Arzt  1S74,  s.  ist».  —  iTerz  Brennen  («tgL 
bantbnra)  s.  Herzbrand.  —  iTrwrn-rerbrennen 
=  Tripper  (Gonorrhoea)  s.  verbrennen  (engl, 
rössburnt;  Pr.  Arzt  1S74,  8.  129).  —  Judas-Bien- 
nen  b.  Sommersprossen  und  Jüttel.  —  Magen- 
brennen  -  das  Gefühl  des  Brennens  in  dem 
Magen.  —  Ot-,  Sod-,  Saud-,  (i<viö)  SoiV-brennen 
das  Brennen  im  Magen  beim  Sot  o.  Sod  (s.  d.); 
Ardor  stomachi  in  ore  ventriculi,  Oxyregmia 
(Erotiani\  la  colonne  de  feu  (Coler,  H.  B.  194, 
Kraus,  E.  719;  Brlss  ICH;  Pauli  64.  65;  Kluge  *,  350). 

—  Verbrennung,  1  =die  Folge  iler  Berührung 
der  Körperfläche  mit  einem  überheisson  anderen 
Körper,  sodass  störende,  seihst  zerstörende 
Einwirkung  der  Hitze  sich  zeigt;  brtilure.  echan 
bouillure,  1<»  mal  de  St.  I.orint,  Vv  Cook  41  29».  299; 
Zciuchr.  d.  V.  f.  V.-K.  1S96,  8.  8;  Bris*.  2S4.  285).  — 
2.  =  das  braunschwarze  Aussehen  des  Stuhl- 
gangs, der  wie  durch  innere  Körperhitze  an- 
gebrannt, schwärzlich  u.  trocken  ist  (Elchhorst, 
inters  II,  237).  —  sich  verbrennen  -  heim  außer- 
ehelichen (namentlich  ersten)  „hitzig  geilen" 
Beischlaf  sich  luetisch  infizieren,  wie  das  Kind 
heim  Fcuerspielo  sich  verbrennt;  a)  —  Tripper 
'Gonorrhoea),  h)  =  überhaupt  primäre  Syphilis- 
fnrtnen;  (schon  1162  In  England  unter  einer  Kolchen 
Bezeichnung  aufgeführt ;  Hr.  Arzt  1S74,  8. 129.  Hacscr  II. 
197;  ftosenbaura  26*.  Anm.  1).  Nach  lTokseh  1,  10ff 
hatte  dieser  Ausdruck  „Verbrennen"  Reinen  Ursprung 
-ogar  im  altliidl*chen  Mythus;  nnch  diesem  wäre  der 
«;ott  Chlwen,  der  unter  verschiedenen  <;estalten  die 
Menschen  zur  <ie«ehleehtslust  verfuhrt  hatte,  von  den 
bus«c  nden  Mensrhen  zur  Strafe  hiefur  durrh  „Brand" 
♦einer  liesrhlcchtsteile  beraubt  worden ,  wenn  nicht 
Wlsehuu  Ii  Urania,  die  Erhalter  der  »leschöpfe,  duri'h 
Mittel  den  „Brand"  gelöscht  hatten,  wodurch  der  all- 
gemeine. Brand  ivenerlsche  Seuche)  verhindert  wurde; 
iler  besänftigte  t'hlweu,  von  dessen  Erhaltung  der  «.'e- 
■rhlech tat  eile  der  Bestund  des  Menschengeschlechtes 
»t.hlng,  vennrach,  die  Welt  nicht  zu  „verbrennen", 
wenn  die  Menschen  den  losgetrennten  Teilen  göttliche 
Klire  erweisen  würden.  11(12  penilous  infirmily  of 
Imming  (hrenulng)  eine  gefährliche  Anstecktiug,  in- 
folge  eines  unreinen  lleis<  hhifes  in  Bordellen  ent- 
standet) Pr  I,  :tö0ff. ;  Z  Hdlwh.  III.  15;  i:!90  brcimlng 
of  the  pyntyl  -  apegalle,  IT.  I,  3V.\  1440  burnlug  Iii 
ili«t  part  by  a  womnn,  Pr,  1,352);  vergl  Windbrand. 

—  verbrannter  Stuhlgangs  trockener,  brauner 
Kot  s.  Galle  u.  oben  2  —  (i.*>is!  verbranntes 
Wut  (Geblüt)  (,'omplexio  cholera  (Gr.  \\.  V,  16; 
Schwaben;  Kuck  19)  =  Blut  mit  Eiter  im  Abseess 
z  1$  gemischt  mit  dunkler  Farbe  [Lammert, 
Volk*  Med.  20«)  (s.  Blut);  Blut  gemischt  mit 
schwarzer  (=  verbrannter)  Galle  (<ir.  W.  IV.  l. 
iisi;  —  Verbrannte  V)  Cholera,  Galle,  Gelbsucht, 
Melancholie,  Schleim   —  Brennende)  Augen, 


|  Blattern,  Fieber,  Geschwür,  Haar,  Harn,  Rache, 
Schaden,  Seuche,  Übel. 

Bresten,  m.  (Brossen,  press-,  Gebresten. 
Präst,  Prest,  Brestimg)  indogerm.  Wrzl  bhrest, 
Kluge*,  37;  ahd.  hresto,  brestan ;  mhd.  breste.  bresten 
(verwandt  mit  brechen)  ~  bersten.  „Der  Brest"  lebt  nur 
noch  In  der  Schweiz.  Gr.  W.  II,  173;  IV,  1.  1863,  als 
volksühlichcs  Wort  —  I.eibsgebreehen  ,  nusscrliehc 
Krankheit,  Bruch  u.  (nach  i\  v.  Schm.)  im  Schwabischen 
fort;  mhd.  gehrest,  gebreste,  gebresten,  Kluge*,  1.10, 
auch  bnist,  Hofbn.  I,  :W2,  gchreMhnfter.  Germ.  XVI II. 
37«,  „ein  im  I.aufp  der  nhd.  Zelt  absterbendes,  endlich 
sogar  abgestorbenes,  in  unserni  .lahrhundert  aber 
wieder  erwecktes  Wort",  Cr.  W.  IV,  1.  1S60,  das  In 
seiner  Bedeutung  sich  wie  tiebrechen  (s,  d.)  verhall 
(nach  (irttntn  I.  <•.),  1.  —  der  Bruch  i'Fraetura, 
Hernia),  der  einen  Schaden  bringt,  s.  Brust ; 
gebrosten  -  mit  einem  Bruche  behaftet;  auch 
Brual  f.  m  Bruch,  Bresten  (Schweiler  i,.HS7).  —  2.  - 

I  tler  körperliche  Schatlen,  der  durch  den  Bruch, 
Ausbruch,  Ausschlag  entsteht,  —  3. —Schaden 
überhaupt,  Mangel  an  Brauchbarkeit,  Un Voll- 
kommenheit. —  4.  =  Krankheit,  und  zwai: 
a)  im  allgemeinen  am  ganzen  Leib  als  Kränk- 
lichkeit, Gebrechlichkeit,  Brestung  (f.  v.  Sehra), 
Bresten  (171C  <Jr.  W.  II,  373)  =  Vitium,  Defectus 
(hrestbaft):  h)  an  besonderen  Gliedern  (fir.  w. 
IV,  L  lHf.a).  %,  B.  Atem  Gebresten,  Leber-Gebre- 
sten; e)  besondere  Seuchen  (16.  Jahrb.)  Pest, 
Viehseuchen,  hitzige  Bresten;  «I)  besonders 
auffallende  Krankheiten:  Epilepsie;  e)  der 
Mangel,  der  durch  die  Krankheit  (GebreBten  4) 
entsteht,  z.  B  :  Was  gehrist  dir?  =  Was  fehlt 
dir?  —  bresthaft  (presthaft)  (mhd.  pitsthaft, 
proesthaftlg,  Heyne  I,  491;  1512  bresthaft  an  den 
gemechten,  I>  483;  Schmeller  1,  367;  Gr  W.  IV,  1.  1S63) 
=  hernio8us,ratnico8us,miteinem  Brest,  Bresten 
behaftet,  verstümmelt.  —  alte  Gebresten  = 
langst  bestehende,  unheilbare  Schäden.  — 
Gebresten  —  tlurch  das  Alter  heilingto 
Krtrper-tiebrechen.  —  [1177]  ^I(cm-Gebresten 
(Ortolph)  -  Dyspnoe  —  ausbresten  (ahd  uzbresten, 
Waekemugel  43;  12f  0  ouzgebrosten,  Pfeiffer  31.  8«)  — 
einen  Ausschlag  auf  der  Haut  bekommen  (aus- 
brechen, ausschlagen';  (1332)  ausgebrosten 
(Schtneller  I,  34.")  ausgebrochen,  aussätzig,  mit 
Ausschlag  behaftet.  —  (14831  Ausbrestung  -  Aus- 
schlag (c.  v.  Megenhg ).  —  brcntentlich  Gebreste 
(Schindler  t,  367)  =  ein  Mangel  bringeniles  Leiden. 

—  Ärw.s<-Gebresten  Atemgebresten.  —  (1561) 
böser  Bresten  -  Nox:t,  Schaden,  der  schwer 
heilt  fir.  w  viii,  1975),  —  (isu)  Frauen-Gebresten 
=  Dysmenorrhoea  Bock  H6  lfi-s).  —  (1530)  Geist- 
Gebrest^n  (gebresten  der  geyst,  Künlgstip.  4«)  = 
Geisteskrankheit.  —  (lö.  Jahrh.)  hinfallende 
GebrestV»)  («ir.  w.  iv,  1  iscs)  --  Kpilepsia  ••s. 
Bresten  4d».  —  (152S)  Hinterdnrtn- Gebresten 
(Fries.  116)  =  Afterschmerz,  Masidarmleiden.  — 
(1551)  hitzige  Bresten  'Bock  U)  ~  hitzige  Krank- 
heiten. —  (i55i  kalte,  fewhu  Presten,  Gebresten 
(Bock  174;  Coler,  H.  A.  174)=  Leiden  aus  kalter 
Koiuplexion   Phlegma)  o.  kalter  Feuchte  (s.d.). 

—  Lticr- Gebresten-  I.eberkrankheit.  —  (1477) 
Leibes- Ausbrestung  (Ort.dph)  _  Knude  (s.  d.)  als 
Ausschlagskrankheit.  —  (15M)  Len^/ew-Presten 

j  [Bock  330)  ^  Nierenleiden.  —    (1477J  Männer- 


74 


Brett— briegen. 


Bries— Brod. 


i  -  bresten  (Ortolph1  =  mannliehe  Geschlechts- 
krankheit. —  (1607)  Mnlitzen- Orbresten  (Hort, 
san.)  —  Lepra  —  Maltzev,  maladie.  —  Sfilz- 
Gcbresten  =  Milzkrankheit.  —  M 'utter-Hr esten 

—  Weiherbresten.  —  (1561)  Nasen- Grbresten 
(praesten)  =  Ozaena  (Gr.  W.  VII,  411).  —  (16») 
natürlicher  Bresten  =  ein  Leiden,  das  anima- 
lisch ( tierische  natürliche  Ursachen  hat  und 
nicht  von  den  Geistern  oder  Planeten  kommt 
(nach  Frie«  119).  —  (1532)  Ohren -Bresten  fdcr  bresten 
der  gehört)  =  Ohrenleiden  (Fries  183).  —  (15.  Jahrh.) 
Pes.iVewz- Gebresten  (Gr.  W.  IV,  1.  1863)  -  Pest- 
krankheit (s.  Bresten  4e);  (16.  Jahrh.  der  gebraten 
der  pestllonz,  Gr  W.  VII,  1673).  —  (1561)  Iiiwlrr- 
Bresten  (praesten  der  rinderen,  Gr.  W.  IV,  1.  1863, 

cnriaijo  —  morbus  in  nrinentl*,  cum  corium  ndhaerel 
cosii«,  im  cmiRe  II,  5651  fLnntronseuehe?,  Rinder- 
pest'. —  Samen»- Gebresten  =  alle  Erkrank- 
ungen, die  mit  den  Schleimhäuten  der  mannt. 
Genitalien  Zusammenhang  haben  (Samenflnss, 
Gebittzgebreehen ,    Tri|)per,  Blasen-Katarrh:. 

—  (Ulf.)  sirhtige  Gc-bresten  —  öffentlich  sicht- 
bares Leiden  (Bnraeel* ).  —  stein -bresthaft  = 
mit  dem  Gehrechen  des  Blasensteins  behaftet 

—  (1532)  St.  Frt/cM/iws-Bresten  Fnilepsia 
(b.  Valentin)  (Frie»?2).  —  (18.  Jahrli )  FiVA-Bresten 
(vlchpresten,  Gr.  W.  IV,  1.  1S63;  Schmeller  I.  367) 
=  Viehseuche;  man  sieht,  dass  ursprüngliche 
Namen  rein  menschlicher  Krankheiten  sich 
(Im  16.  Jahrh.)  in  das  Gebiet  der  aiorhi  anima- 
lium  zurückziehen ,  wie  öfter  zu  finden.  — 
(UM)  IPfitcr-Presten  (Bock  177)  -  Frauenleiden 
(Muttcrbresten).  —  (n.lnhrh.)  icindi'jes  Ge- 
bresten  im  Hirn  (Lonicerus)  =  Vapores  (Neu- 
rasthenie), die  verschlafenen  Winde  spielen 
eine  grosse  Rolle  b.  Nervenkranken  —  (12.. Inhrh.) 
rerbresten  (1260  diu  nase  zehristet  Innen,  daz  *i  von 
den  mlchelen  schrunden  stincket.  BfciUer  16.  3'.i  >.e>) 
-innerlich  in  eine  Gcsehwflrsform  aufhrechen, 
Ozaena  ulcerosa,  Lungen  - Caverne  z.  B.  — 
(1532)  ^nnz/cn-Bresten  (Fries  85)  =  Zungenleiden, 
Sprachfehler.  —  bre&tentlirhe  (nivibrestrnde) 
Gebresten,  Wunden. 

W  Brett,  n.  (altt'crm.  brCdo  und  hordo;  nhd.  pretn. 
Cas*.  Glösa.,  —  ) 'dl in ii;  nihil,  tiriit  —  Ilrett,  Schild,  Kluse', 
53)  =  das  Hand -Teller  oder  die  flache  Hand 
(WttkcrnuKel  43)  (Tenner"  ;  dazu  steht  im  Gegen- 
satze: [1678)  fW-Brett  (fuszhret,  fir.  W.  IV,  2  1501; 
V,  1156)  =  Metatarsus,  auch  die  Schaufel  (s.  d.) 
genannt,  Britten  (s.  d  ',  der  Nächste  Teil  der 
Fussohle.  —  Auf  dem  Brett  liegen  =  tot  sein, 
eine  Leiche  sein,  die  auf  der  Bahre  liegt.  i  .S.  auch 
Brlt).  -  Bretter-ttciyer. 

Bretsche,  f.  f.  Britsche. 

bretzen  kränkeln,  weinerlich  thun,  wim- 
mern («ehmelier  1, 178»)  mit  der  Bretsche  -  Mund 
('s.  Britsche). 

Breune,  f.  «.  Braune. 

Bried     Brfltt,  s.  Brot 

briegen  (prieken),  ( -  ridlcnlo«  motu«,  npileliche 

Bebärdu,  neckende  «iehenlen  machen,  Sehm.  I,  352). 

—  3/(Jf-briegen  (ndd.  moorbruhen,  Ctridsrhm. 
103)  —  das  hysterische  tiefühl  im  Magen,  Mutter- 
aufstossen  infolge  des  Mar  (s.  d.)  oder  Alp 


I  (h.  Alpsucht  2)  oder  NobcIi  (b.  d.),  eines  necken- 
I  den  Koholds  (Fruchtwurm?). 

Bries,  n.  f.  [nnyern.  Österreich",  (Brieslein'A.  v.  IT. 

Ii,  TttJ,  Brösl,  Broschen  'schw.  *-,].  Brüslein 
'Schwallen',  Brützen.  Preis,  Prüss  \nr.  w  n,  44s. 
\43s].  Brissei,  Brüstchen)  (zu  Rrosam  'fcrltirerm. 
Wurzel]  brua;  Miel*,  brywin;  nhd.  [!>.  Jahrb.]  brösmn; 
'.  nihil,  bröseni.  Kitice  s,  ">1.  —  da«  Brösel  (oberdeutsch], 
was  sieh  abbröckelt  'mir«  panl«*  und  sich  beim  Kochen 
ab., bröselt")  =  die  Thymusdrüse,  die  ein  körnig- 
gehröseltes  Ansehen  hat  (ein  Teil  des  sogen 
Kalbsgerflusches,  Kalhsmilch,  Kalbs-Brosehen'< 
(Gr.  Vf.  V.  55),  Brustdrüse  Drüse  3  fKhign*.  M 
stellt  Umsehen  zu  Brust,  bnistehen  .  engl,  brüdeet ,  franz. 
brechet ;  Brustbein  -  o«  du  brechet  Ih-1  A.  Bare,  Briss.  28 ; 
s.  Brustbein).  —  ZfcfHr/i  -  Bries  ^  Pankreas  der 
Sehlachttiere,  das  den  gleichen,  mürhen,  „ee- 
hröselten"  Bau  hat  und  mit  der  Brust  nichts 
gemein  hat.  —  (1716!  Kolba-  fl73f>  Milehflriaeh-) 
Bries  (kulbspruss,  Schmeller  I,  365 ;  Hyrtl.  K.  W.  26) 
8  Brien  (s.  o.)  =  Thymusdrüse.  —  Wnmpen- 
Bries  Pankreas  derS<-hlaehttiere,  MürhfleiBch 
's.  Banchbries,  drflsichter  Korper  und  Drüse  3). 

Briest,  III  (Briester)  'eine  schweizerische  sowie 
t»eycri«ch-«ehwaMsche  dialektische  Nebenform  zu  Bii  st 

>.  d.].  KiuKc5,  tov  —  Ä»</i  -  Briester  ~  Biestmilch, 
Colostrum  der  Ktihmilcli  ■  Kuhpeter  [Or.  W.  V, 

2V,2;  0.  V.  Sehm.  332). 

Brill,  m  (Prill)  (Schmeller  i,  3.vi)  zu  Prügel  (?) 
b.  briegen  fs.  rl.),  Penis. 

bringen  =  herzuführen,  tragen,  geldlren  (Heyne 
1,493)  —  ein  bringen  eine  Krankheit  ■  verschlep- 
pen in  eine  andere  Gegend  (Fnlkf  I,  381),  —  »'or- 
bringen —  gebären,  ein  Kind  zum  Vorschein 
bringen  (Z.  d  V.  f.  V.  K.  isg«,  g,  si2).  —  zur 
Welt  bringen  =gignere,  jiarere  f(ir.  W.  IV,  1.  1612). 
—  mit  auf  die  Welt  bringen  -  angeborenes.  — 
die  Wumle  bringt  den  Tod  (den  man  als  eine 
Person  sich  vorstellte1  (O  \V.  II.  .is7) 

brinn-  (zu  jfoth.  brinnö  -  Fieber,  Gr  \V.  II,  215; 
III,  1620;  nhd.  prtnnfii  brennende  Fieberhitze; 
(vergl  Brunst,  Brünne»,  brinn-heiss). 

Brissei,  n.  s  Bries. 

Britsche(n),  f  (Bretsche)  [«n  britschein  -  in  der 

Nils«e  hantlen-n,  auf  etwas  Nn«<ies  schlauen,  Schmeller 
1, 374).  1.  —  Feminal,  2.  —  Mund  (verächtlich;  öftere 
wechn'lt  feminal  mit  o» ;  Bretsche  Tirol',  llliitiierö.  14) 
(s.  Pritsche).  —  Brit8che-V"r^»b  -Gunkel. 

Britten,  F.  -  Fussrftcken,  Schaufel,  Fussbrett 
(8.  d.)  ,'Schmeller  I,  373). 

brittisch  —  Brittische  Pest. 

-brochen  »-  brechen. 

Brocken,  m,  -  ein  grosses  (abgebrochenes 
St  ück  -  .4'fri»»ls-Br0Cken  i'nill.  iidiunshrok ,  Kliwe8, 4) 
=  Adanisl.issen  (s.  d.\  —  /-Yf/sr/i-Brocken  ein 
dick.  r,  wohlbeleibter  Körper 

Brod,  1 1  brodeln  (brudeln),  Brödigkeit  (Brot) 

(fern.  Brot  rfur  alleres  I.nib]  zu  brauen  —  dnrrh  <ilut, 
Feuer  bereiten;  ahd.  bröt  —  Brühe,  zu«amment;e- 
manschte  KlussiKkeit,  selu  ibennrtii;es  (MbSck,  Kliiden  ; 
mhd.  bröt  Brot,  KIubc*,  54  ff  ;  1616brodel|n)  s  colluvles 
ex  vnsis.  .(uiie  porcis  duturet  stercora  1i«iuida,  Heyne  I, 
4»:.).  —  brodeln,  1  ~-  die  Menses  (--  les  brouil- 


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Brodem — Bruch. 


Bruch. 


75 


leries)  haben  (Schmollet  I,  349;  Briw.  71).  —  2.  = 
eine  Brodel  thuen^  Flatus  (('.  r.  Schm.  99);  zu 
brodeln  —  bullire;  brod  -  hulla,  vapor.  —  BrÖ- 
digkeit  (mhd.  brödechelt)  8.  Bratigkeit  (sub  Brat, 
«.  auch  Brot).  —  Fohlen-Brod.  =  Hippomanes, 
(.atizel,  Zeltlein,  ein  manchmal  auf  der  Zunge 
des  Fohlen  liegendes  brttunliches  oder  grün- 
liches, platte«  Gebilde,  aus  abgeschnürten  und 
in  da«  Maul  geratenen  Fruchthullen- (Allantois-') 
Teilen,  dieahreissen  und  in  der  AllantoiHilüssig- 
keit  schwimmen  (Frank  75)  (s.  Rosswut  2). 

Brodem,  m.  «.  Bradem. 

brodig  [zu  ahd.  pro«!  =  »ruhe,  Gr.  W.  II.  396; 
Schmeller  I.  319)  -  schweisBig  (s.  brot),  vor  Fett 
schwammig. 

bröde  (ahd.  prodi;  mhd.  brocdc,  Schmeller  I,  349) 
=  gebrechlich,  blöde  f=  krank\  schwach,  hin- 
fällig 

Brösl  (Broschen) «.  Brie«. 
Brött,  1.  =-  Brat.  —  2.  =  die  Lausebrut  im 
Kopfhaare  fOldenbg. ;  Gold*chm.  43).  —  3.  =  Brett. 

Brommen,  n.  (Brummen)  Flatus  (Zw.  xi.vi), 
h.  auch  brummen. 

.  Brunn, 
m.  s.  Pros8. 
Brosseln,  pl.  =  Brossulae  (Syphilis  der  Haut) 
flUcfer  II,  221)  —  (157«»  au«- brosselt  faussge- 
proaselt)  =  mit  syphilitischem  Exanthem  be- 
haftet fTr.  n,  126:.  * 
Brot,  n  (Brütt.  Brit.Bried,  Oebröt)  -  BrOhe 

(h,  Brod  i,  (ahd.  pmda  -  Brühe);  figürlich  auch 
Schweins,  Blut  [Schneller  I,  349.  374);  hieher  viel- 
leicht: Brodt-Geschwar  (Taheruaem.)    ein  Blut- 
geschwär  (hassliches,  schmieriges?^  wenn  nicht 

-  Braetgeschwär  («.  Gebroet)  -  jjjg  ggj* 

-  Paronvchia,  ,,wenn  die  Haut  von  den  Nageln 
sich  abwirft  tind  abschalt",  so  dass  das  rote 
Fleisch  (Brat)  sichtbar  wird  (llad.  Jun.  3»s)  = 

Niednagel:  fgebniet  c*t  morbus  quandn  cutis  ilirnet" 
re*olvltur  circa  unquem  =  reduria  [redlviva  caro). 

r>  489).  —  Haar-Broten  'Zw.  8*»)  -  Haargrint, 

Tinea  favus  =  Bried  Steiermark;  Fossel)  =  Brdtt 
=  I-anse,  die  in  dem  Briltt  (Schweis«-  und  Blut- 
krusten desGrints^Läuse-BrutstUtte)  sich  auf- 
halten; fvergl.  auch  hrodeln\  —  Brott'en)  = 
Brat  (s.  d).  -  Brot-Fleisch,  -Geschwär. 

Bruch,  m.  (brüchig),  '*u  brechen  [*.  d  );  ahd. 
brüh;  mhd.  bruch.  Kluge*,  "'S;  ndl.  breuk  f.,  broeck 
=  traetura,  hernia.  Di*  i.'ock  42;  1515  bruch  ■»  rmmex, 
n.  US;  engl,  break,  Kluge),  1.  =  das  tiebrochene, 
a;  =  Fractura,  b)  =  (i2io  Kuptura,  Hernia;  .12:0 
('repatura  (=  erever\  la  rompure,  (leutere*  hat 

mit  llnicb  —  'irall  -lat  bräca.  Ho«e  ;  ahd.  bruch  :  mhd. 
bru"cti  ,  ariifH  brec  —  Stelss;  enel  brecch  Stelis, 
r.c«4ä<«.  Kluge*,  55'  nur  die  Lokalität  jjcmelnsatn ;  Gr. 
W.  II.  4<H;  1177  da*  hrftchet  in  den  lenden,  Ortolph 
-  Lel»tf-nbruch 'lendenbnicblg; :  1532  ..eine  AufledUc- 
ung  dur  Zu<ammverbihduueen  etlicher  Kellin  oder 
Tüchlin  ,  in  welchen  die  unteren  Glieder  [Gcnltalla] 
rerfasst  «ind  ',  Frie«  121) ;  c)  -  Biuch  -  Fissura,  Hins 
der  Schleimbaut  (Coler).  —  2.  =  Quetschung  im 
l.eibe  'Gr.  w.'ll.  10s  «üb  21.  —  3.  =-  der  Durch- 


bruch der  Füllenzähne  beim  Pferde  (s.  Zahn- 
bruch) (17.  Jahrb.  »eine  bruechc  thuen.  R  A.  20;  Gr. 
W.  H,40*).  Pie  verschiedenen  ..Bruch'-IMlanzen  wurden 
dagegen    angewandt.    —    brüchig,    1.  =  leicht- 
brechend.  —  2.  =  mit  einem  Bruche  lb  behaf- 
tet. —  JrtVr-Bruch.  1.  -  Varicocele,  als  Vor- 
tretung einer  ausgedehnten  Blutader  unter  die 
Haut.  —  2.  -  Aderrerreissune,  Phleborrhagia 
(t.r.  w.  1,  179»,  —  3.  =  Cephalhaematum.  — 
.■Dfbruch,  anbrtichi«,  1.  -  etwas,  was  anfangt 
gebrechlich,  bruchig  zu  werden   z.  B.  die 
Lungen.   —    2.  -=  am  Anbruche  -  Sebaffaule, 
KlauenfUule  leidend  (1645  Bern.  213;  roler  434; 
V.  B.   62).   —  olm-brttchtV;  =  im  Atem  be- 
schwert, asthmaticus,  dyspnoicus.  —  Auf- 
bruch  —  die  spontane  Errtffnung  eines  Ge- 
schwürs r.B.  —  (1756)  ^«i/cn -Bruch,  1  =  Proptosis 
1  \  v  lt.  n,  :si),  der  scheinbare  Vorfall  des  Auges, 
durch  Schlag  1.  B.  (Schwellung«- Erscheinung\ 
—  2.  =  Hornhautbruch  mit  Vorfall  der  Regen- 
bogenhaut (Falke  I,  BS).  —  Ausbruch,  l.=jeder 
akute  Hautausschlag,  der  rasch  (s.  d.)  durch- 
bricht. —  2.  =  Pernio  (Hud  Jun.  3*7)  =  Frostaus- 
schlag mit  Schrunden  -  ausgebrochen  (».  d.  o. 
„brechen"!.  —  (1699)  rotlaufischer  .tusbruch  = 
diffuse  Hantröte  die  bei  Petechialfiebern  aus- 
schlagt, ahnlich  einer  Rose  (v.  M.  II,  125).  — 
Bauch -Bruch  =  ein  Bruch  (Hernia)  durch  die 
Bauchwandung  (Bauehfell,Bauchvlies"  hindurch 
(Gaslrocele,  Hernia  abdom  V  —  ifein -Bruch  = 
ein  Knnchenhruch  Fractura\  — (I6»7)gespähnte 
Beinbrüche  (<;eorg.  365)  =  Knochenbrüche  mit 
weit  gespannten  Bruch-Enden,  starker  Dislo- 
kation. —  (16.  Jahrh.)  bläitiqcr  Bruch  -  Hernia 
veutosa  [Art, -Buch)  =  Windbruch.  —  (I7.vn  Blut- 
Bruch    eine  Bruchgeschwulst  am  Hodensacke, 
gefüllt  mit  blutigem  Inhalte  —  Haematocelo 
[A,  v.  II   II,  725).  —  (179H)  Blutader-Bruch.  ^ 
Blutbruch  ,  Aniammlung  von  Blutaderknoten 
im  Hodensacke,  Kirsocele,  Varicocele  (Kosr-m, 
36;  Richter  I,  966).   —    ß/M(-A«M-Bruch  =  ein 
Nabelbraeh,  aus   erweiterten    Blutadern  be- 
stehend (Gr.  w.  Ii,  1*7).  —  (1652)  Dflrm-Bruch 
il'ries  121?     ein  Bruch  (Hernia,  Ruptura")  durch 
die  Bauchwandungen    mit   Vorfall    von  (ie- 
diirmen,  die  Crepatura  Paracelsi  -  Hernia,  der 
Bruch  Siphac  der  Arahisten  durch  das  Peri- 
toneum (A.  r.  H.  II,  1232  und  I,  376).  —  duTCÄ- 
brüchig  !U«2,  IMS  =  laxus")  —  der  einen  Durch- 
brach (s.  d.)  hat  (Gr.  W.  H,  1596;  I>.  321).  — 
•  1637)  /)Mrc/t-Bruch  =  das  Erbrechen  des  Leibes 
mit  Entleerung  des  Leibes  nach  unten  (Gr.  \\  II, 
1596;  1750  =  Diarrhoe,  A.  T.  H.  I,  63t;  1757  -  ldem 
Hfl u ml.  33)  a  Durchfall,  Durchlauf,  Durchrluss, 
rote  Kühr,  auch   Frais  (s.  d.)  mit  Diarrhoe 
(Kneipp  US);  die  „burchbruchs-Krauter"  fperforata! 
sollten  wohl  hlepcgen  helfen.  —  '179C  einqesperrter 
Bruch      Hernia  incarcerata,  eingeklemmter, 
unbeweglicher,  nicht  mehr  in  die  Bauchhohle 
zurüekbringbarer   Netz-   «»1er  Gedärmhruch 
fRIchter  l,  s7 .  —  Kinz/ciccirfr-Bruch^  Enterocele 
Vorfall   von  Gedärmen ,    Eingeweiden  unter 
die  Bauchhaut.  —  .Fett-Bruch    Hernia  adiposa 
r  Netzhaut- Vorfall  durch  die  Bruch pforte  (das 
Netz  ist  fettreichV  —  (1591)  Finder-Bruch,  unter 
den  Folgen  der  Feehterhiebe  genannt  =  Digiti 


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7fi 


Bruch. 


Brach. 


fractura (Gr.  w.  Ol,  icn).  —  Flanken-Bruch  -  eine 
Hernie  in  der  Flanke  des  Pferde»  (Mayer  M).  — 
Fleisch- Bmch  -  die  Hernia  carnosa  -  Karnofel 
(b.  d),  Sarkocelo  Galeni,  eine  Brnchgesehwulst, 
aus  Fleisch  (s.  d.)  bestehend  Krau«  E.  916;  Gr 
W.  III,  1766;.  —  Frauen-Bruch  Muttervorfall 
Prolapsus  uteri  (Mutterbruch,  n.  d.\  —  (1*02) 
Oege* -Bruch  =  der  gegenüber  der  eigentlichen 
Verlotzangstolle,  entfernt  von  dieser  durch 
sogen,  eontrecoup  eintretende  Knochenbruch 
iHcll  III,  21).  —  yeilen-  (gaitn^i  brüchig  -  be- 
haftet mit  einem  Hoden-  (  =  Gallen,  s  d.) 
Bruch,  Hernia8crotalis.  —  (mhd.)  0>  -bruch  -  Ab- 
gang, Fehler,  Mangel  (L< aar  61).  —  (US]]  Gemäeht- 
Bruch  =  eine  Hernie  mit  Vorfall  der  Gedärme 
oder  des  Netzes  bis  zu  dem  Gemächte  (s.  d.) 

Hoden\  Hernia  scroti  =  Gailenbrueh  (s.  o.) 
(I>.  276;  A.  v.  IT.  II.  7*t)  oder  auch  Fleischbruch 
'f.  o.\  —  (1495)  yicAf-brÜchig,  1.  paralyticus 
(I».  412)  vom  Schlage  perOhrt  (s.  dicht)  =  das 
Giehtgebrechen  habend,  ,,dnz  ^cgibte  brichet  sie" 
(<;r  r».  M  II,  lios;  ah<l.  ham  ,  n  d .).  —  2.  —  erst  in  neu- 
erer Zeit  —  gichtkrank,  arthriticus.  —  (t6.  jahrh.) 
Gicht-Bruch  -  Schlaganfall,  Ltthmung  (1616)  = 
Hand  Gottes,  halber  Schlag  (Heyne  III,  lisi).  — 
«//iff/er-brüchig-glieilerlabm    —  Haar-Bruch 
es  haarfeiner  Knocbenbruch  (Fissura)  (A.  v.  H.  II, 
ISM).  —  i?im-Bruch  =  Kopfspalt  mit  Vorfall 
eines  Teiles  des  Kopf-Inhaltes  unter  die  Kopf- 
schwarte (Cephaloeele ,  Hernia  cerebri  (Gr. 
w.  iv,  2,  im*;.  —  (1551)  hitziger  Bruch  -  ent- 
zündete Hernie  (Bock,  2A4;  Gr.  W.  V,  220).  — 
(1561)  Hoden-Bruch  (-brüchig)  =  ein  Bruch  mit 
Kintritt  der  Kingeweide  in  den  Hodensack  = 
Hernia  scroti  («ir.  W.  IV,  l.  1870,  2.  1654)  ~  Gailen- 
bruch,  Gemachtbruch.  —  Horn-Bruch  =  I-os- 
trennungdes  Kindshornes  vom  Hornzapfen.  — 
JJornhaut-Bruch  —  Keratocele  (Arlt  i:t4)  -  Bruch 
1  b  an  der  Augen-Hornhaut.  — (151-)  Hifft-Bruch 
=s  lumbi  fractio  (D.  339),  1.  =  Hflftenknochen- 
bruch.  —  2.  ^Schenkel  bruch  (Hernia).  —  (i7«U 
ÄVAi-Bruch  =  Hernia  gutturalis,  Struma  scro- 
phula  (I..  ch.  12) ,  Blähhals ,  der  beim  Atmen, 
Husten  sich  vordräingt  an  der  Kehle  wie  eine 
Hernia  =  Bruch  (Tracheocelc  \  —  Ktack-  (l.va) 
(Klek-  \  Bruch  (1612  (Kalkbruch  ist  Druckfehler  Lei 
Zw.  297)  b  „wenn  Einem  nn  einem  .Schenkel  oder  im 
einem  andern  liliedc  eine  Kohre  zerknollt  i«t  und  auf- 
klccket,  als  Aufkleeken  kein  rechter  Bruch  ist,  sondern 
nur  ein  Spalt  oder  Elnrlsa"  1612,  Gr.  W.  V,  10>4J ; 
Spalthruch  eines  Röhrenknochens  (Zw.  297] ;  Fis- 
sura oesis  (A.  v.  H.  II,  5S4;  nach  l'lntner  II.  216]  ist 
der  Name  zuerst  von  Felix  Wunen  [Würtz],  dem  Chi- 
rurven,  gebraucht  worden,  flflser  I.  191»'.  —  Knochen- 
Bruch     Fractura  ossis,  la  cussure,  Beinbruch; 
(in  primitivster  Form  wurde  da  früher  RatUgntt  [ttür 
net-.  rtltmcl    d,  h.  mit  Ästen,  Zweigen  [Zainen]  ver- 
bunden, wie  heute  noch  beim  Tiere,  Schindler  II,  Iiis-. 
Knochenbrüchigkeit      die  Osteumalacia  bei 
Mensch  o.  Tier;  die  weichen  Knochen  brechen 
dabei  sehr  leicht  Merk  IM).  —  (1713]  Krampfader- 
Bruch-  Hernia  varicosa  l7l2  \.v.  n.  II,  7*5  Hoffm. 
Vll,  :;04;  Zw.  416),  Vurieocele  „Geich« u Ist  der  er- 
weiterten Samen -Atlern  in  dem  Hoden  sack  " 
(Gr.  W.  V,  2<U3)  (s.  Krampfadern).  —  Krankheit- 
Bruch,  Krisis  morbi  (s.o.).  —  leisten  bruchig  (1561 


lystbrüchig,  <ir.  W.  VI,  721=elumbus,  delumbU.  ..dem 
die  Landen  oder  die  lynl  ( =■  leiste,  Lende,  a.  U.|  ab  oder 
gebrochen  ist")  =  der  einen  I^istenbrnch  CHernia 
inguinalis)  hat.  —  /rw/m-brüchig  f-Bruch1  (H77, 
Ortolph;  (IV  Jahrh.)  lenbrucb,  Gr.  W.  VI,  74»;  14R2 
lcnndoprucb.  Zening.  Voc.  s7  =  lumbi  fractio,  lumbi- 
fragium  vermutlich).  1.  =  Leistenbruch  's.  o.*1  oder 
2.  -  Nierenleiden  —  LocÄ-Bruch  —  ein  Kno- 
chenbruch am  Schädel,  wobei  durch  seitliche 
Verschiebung  kleiner  Splitter  eine  rundliche 
Öffnung  entstanden  ist  —  J/aocn-Bruch  =  eine 
Hernie  in  der  Magengrube,  Bauchmnskel-Bruch 
(Zwerchfell  -  Magenbruch  ist  kaum  darunter 
gemeint)  'Ackerm  w>).  —  (1646]  Mastdarm -Bruch 
=  Einriss  (Rhagade,  Fissura  ani)  in  der  After- 
Schleimhaut  (Cotat  n.  A. .  219).  —  (1677)  Mutter- 
Bruch=  Prolapsus  uteri  (  A  v.  II.  II,  7!« ,  Beyn.  56; 
Frauenbruch  -  Muttervorfall  (die. .Hernia uteri"  (?] 
1761  in  Gr.  W.  VI,  2*11  u.  1.  ch  10  ist  eine  zu  enorme 
Seltenheit).  —  jVa&f/-BrUCh  (UW6  bruch  am  nabel, 
Gr.  W.  VII,  6;  17 IS  „eine  Ausdehnung  und  Hervor- 
tretung  der  Nabelschnur  '],  die  nicht  recht  verwahrt 
oder  zu  lanire  verknüpft  worden  Ist",  Gr.  W.  VII,  6, 
17 in  Zw.  w  -  ein  Austritt  von  Raueheingeweide- 
Teilen  durch  den  Nabel  oder  dessen  Umgebung. 

—  Nabel-  TFt'wflyruch  Hernia  ventosa,  Pneu- 
matocele,  Pneumatomphalus ,  eiu  Nabelbruch 
(s.  o.)  mit  Vorfall  von  lufthaltigem  Gedärme, 
oder  mit  Windkolik.  —  Aafwr-Bruch  fi«">  Jahrh 
brach  an  der  natur)  s=  Hernia  an  den  Geschlechts- 
teilen (s.  Natur)  (»ir.  ff.  VII,  Itt]  -  Hoden-  oder 
Schamlippenbruch.  —  AV^  Bruch  ein  Bruch 
mit  Netzteilen-Inhall  's.  Netz":  (die  hernia  zirbalis 
d«r  Armbisten  ,  1VJ2  bei  Fries  121  Zirbns^NeU.  epl- 
ploeele,  Gr.  W.  VII,  640  -  veutris  pliiRuedo,  1».  121). 

—  oßener  Bruch,  1.  =  eine  Hernie  mit  Kröff- 
nung  des  Bruchsackes  durch  eine  Kotfiste).  — 
2.  -  kompli/irte  Knochenfraktur.  —  Punssack- 
BrUCh  ndl.  pensak  breuek,  De  Coek  301)  —  Bauch  - 
fellbrueh.  —  Pesr-Bruch  Pestbeule  in  der 
Leistengegend  (s.  Toten- Bruch  2).  —  rjMMcnrtYr 
Bruch     Kotfistel  aus  einem  Bruche  (HerniaV 

—  (I'kId)  Rippen  -  Bruch      Fractura  costarum 

III.  Mraunschw.  ebtr.  »7b;  Wlr»uug.  ße>fister).  —  rot- 
brüchig  —  mit  roten  Finnen  :  Acne)  ausgebro- 
chenes,  rotprechtiges  Gesicht,  Hautauschlag 
(Schindler  II,  1*1 ;  Gr.  W.  VIII.  1301).  —  (1843)  Säftc- 
Bruch  ein  Bruch  (  Hernia  ,  worin  Wasser  oder 
Blut  ist,  als  Ablagerung  aus  den  Säften  (Falke 
Ii,  254).  —  (1801)  Sa  mm -Bruch  —  Spermstocele 
Samenstrangerweiterungiii  Bruchform  fKrampf- 
aderbruch)  (Weiknrd  JS*.  —  S.>»  /-Bruch  =  eine 
Art  von  Beinbruch  mit  Zersplitterung  des  Kno- 
chens in  ganz  kleine  sandformige  Stuckchen 
f.v.  v.  II  II.  :i2)  vergl.  auch  „Sandhall" am  Hoden). 

—  Sattel  Bruch  einGebrechen  o.  Schaden  beim 
Pferde  an  der  Stelle  des  Widerristes,  wo  d.  Sattel 
aufliegt  (Abu>  77)  (Salte!galle\  —  S<7u nÄW-Bruch, 
1.     Hernia  femoralis.  —  2.  —  Fractura  femoris 

—  Schiess-Bruch  Fissura  ossis  t.\.  v.  II.  II,  584)  - 
Schliessbruch.  —  gescltlitzter,  Sehlems-,  Sehlieim- 
&  Idietz  ■  Bruch  (1528  KhläUbruofa),  1.  -  Fissura 
ossis  (a.  v.  H.  II.  5si).  —  2.  aufgeschlitzter  Kno- 
chenbruch, Fractura  complicata  (H  v.  tiersd.  »s).  — 
^tÄncn-Bruch  —  eine  SehneuscheidenentzOnd- 
ung  (s.  Sehnenklapp),  krepitierend  wie  ein  Bein- 


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Bruck  — Bruder. 


Brücke— brummen.  77 


brach  (Falko  n,  309, 3ii).  —  (15»)  der  Bruch  Siphae 
(Frie*  12)  =  Daruibrueh  oder  Bauchfellhrueh  (cri- 
patura  *.  erepatura  l'aracelsi  =  flssurn,  rimn,  hernia, 
Du  fange  II,  615;  A.  v.  II.  I,  276;  II,  1232).  —  Spult- 
Bruch  ein  Bruch  mit  Spaltung  der  Knochen 
(Fissura);  auch  Splitter-,  Stern-  u.  Stück  Brüche 
unterscheidet  die  Chirurgie  —  67a» -Bruch  = 
die  Verkalkung  des  Produkte«  eines  abgelau- 
fenen, entzündlichen  Prozessesam  Hoden,  Pori- 
cele  [A.  v  II  II.  IMS),  —  (15.  Jahrh.)  77>/cn-BrUCh 
icyn  d<>t  Broch  livor  |hlau*chwar<e  l)rü*enbeule], 
D.  334)  =  M  ulum  m  or  t  uu  m ,  1.  =  „eine  Art  Hehr 
scheusslicher  Krätze  oder  vielmehr  eines  Aus- 
satzes (Lepra)mit  einer  dicken  höfrichten  Rinde, 
die  ganz  blau  und  schwarz  aussieht  (Gangrän) 
und  ganz  empfindungslos  ist"  (a.  v.  h.  i,  yio,- 
Maürbi'iiii.  387) ;  der  Lepra-Kranke  w  ar  als  sonder- 
siecher Gebrechlicher  schon  lebend  dem  „Tode" 
geweiht.  —  2.  [16.  Jahrb.)  Pestbeule,  Pestbubo, 
Pestbruch,  grangränoaer  Pest-Karbunkel  in  der 
l^eistengegend.  —3.  I7su)  atonische  krebste) 
Qetchwfln  (leblos)  (Platner  II,  IIS;  Krau«  K,  '»89) 
als  unheilbare  Gebrechen.  —  tVnfcr-Bruch 
Karnollel  (s.d.)  Schmellcrl,  1293).  —  (IC97]  Waid- 
Bruch,  I  -  Eingeweide-Bruch  (st  Bcnno-Mir-B, 
Srhwai«>n,  Buck  Hü  -  Weiddarm- Bruch,  Gedärm- 
hruch.  —  2.  Blutharnen  infolge  der  Weide- 
krankheit (Milzbrand),  als  ob  ein  Blutgefäss 
auf  der  Weide  gebrochen  wäre  (Falke  II,  432'.  — 
(r.2»j  IVar/cn  Bruch  Krle«  121)  -  llernia  varicosa, 
Varicocele,  die  Knoten bildungen  im  Krampf- 
auerbruch werden  als  Warzen  (Varices)  gedeutet. 

—  (um)  Wasser- Bruch  =  vänerigtr  Bruch  = 
llernia  aquosa  (Frie*j  —  Hydrocele(Epididyinilis) 
„da  sich  einige  Wasser  in  dein  Säckel  (Scrotutn) 
sammeln"  (Zw.  4H">,  421;  J.  I*.  Frank  V,  158).  —  (1748) 
Wtkken -Bruch,  1.  —  Bubonocele  (JE.  ch.  27«)  = 
bruchähnliche  Drüsenanschwellungen  der  Lei- 
sten. —  2.  -  eine  Hernie  in  der  Weiche  des 
Pferdes  (Meyer  84).  —  IFmd-Bruch  -  ein  Bruch, 
der  von  Winden,  Blästen  (Flatus)  kommen  sollte 

—  llernia  ventosa  (Fries;  Zw.  41t'.).  NB.  Eine  Wind- 
bmctmelle  im  Holz«  Iwl  Seeshatipt  am  St  um  bor«  er  See 
he!«t  Kannitlil  (».  d.)  =  carnofa  I 1 --  hernia  carnosa, 
FleUchhrurh)  =  „eine  Versammlung  der  Winde 
im  Hodensacke"  (Th.  wn  Br.  909);  (Nabel Wind- 
bruch, s  o.  Nabelbruch;.  —  H iW«äc/rW-Bruch 

—  llernia  scroti  Üatuitosa  (Zw.  423),  „wo  die  lie- 
inechte  von  Winden  (d.  h.  turgescierenden  Ge- 
därmen) aufgeblasen  sind".  —  ii74o:  windischer 
Bruch  -=  llernia  ventosa  (s.  o  ).  —  Zahn-Bruch 

beim  Pferde)  Mir  w.  Ii,  40s).  l.^-das  erste  Schie- 
ben der  Zähne,  wobei  die  Füllenzahne  aus- 
breehen,  auafallen  (s.  Bruch  3).  —  2.  —  «lie 
Fraktur  de«  Zahnes  (Kalke  n,  44»)  —  Bruch - 
Kinklemmung,  -Knabe,  -Kolik,  -Saget,  -Sack, 
-Schaden,  -  Wasser.  — 

Bruck,  f  s.  Brücke. 

Bruder,  m.  (todog  bhrat6r;  Kenn,  brötbar  [fnter]. 

—  Brüder  das  Hodenpaar  beim  Pferde  (t'ol.-r. 
M.  340).  —  /faucA-Brtldcr  (ahd.  bnchbrüder;  mhd 
pauchbrueder  -  Merl  im*,  «irufl  III,  301)  das  IUI 
Mutterleibe  Mit- Wohnende  (z.  B.  Kind,  FoetUS, 
Embryo,  Mola)  (Schweiler  II,  911).  —  .Horn-Bruder 
m  Leprosus,  wegen  des  Bog  Hornfalles  (s.  d.) 


aa  der  an  der  Lepra  Miterkrankte  (Schindler  I, 
11*55;  ohd.  bornglbmodar  =  leprosu»,  Otlrled ;  mhd. 
Iwrnbruoder;  davon  auch  die  sogenannten  Brtider- 
hftuser  —  Leprosen  -  Häuser.  —  Der  lampartisch 
Bruder  —  der  lombardische  (syphilitische) 
Landsknecht  >.  d.)  =  Mole  (s.  d.)  als  Bauchbruder 
o.  Aboitusmolo  infolge  von  Syphilis  (Schweiler  I, 
349;  1174,  „ein  ilclsehlelch  Stuck,   da«  wirt  In  der 

Formatter",  i  t .).  —  (1699)  Milz-Bruder  —  der  an 
der  .Milzsucht  (e.  d.)  —  Hypochondrie  gleichfalls 
leidende  Mitmensch  (v.  M.  1, 147).  —  6'nn/Brüderl 
=  Acne  potatorum,  die  rote  Säufer- Nase 
(s  Kupfer-  u.  Wein-Handel).  —  Spnnn-Bruder 
(ahd.  spunibrnoder,  (JrafTII,  301;  VI,  344);  mhd  spünnc 
bmoder,  spunnebröther,  npunnibrodlr,  I>  131 ;  lx:xcr 
243;  Hoffm.  I,  392,  engl,  fosterbrother,  Kluge*,  123) 

-Milchbruder,  collactaneus.  —  Penus-Bruder 

-  Syphiliticus  (Baeuml.  iw)  —  brüderliches 
Geblüt. 

Brücke,  f.  (altnnrd.  Iini  =  Brücke ;  ansls.  bryeg; 
engl,  brldge  =  Brücke,  Saucnrückcn ;  ndl.  brug;  ahd 
bnicko;  iiibd.  brücke),  1.  (1483  brug,  »'  v.  Megenbg.) 
=  Rückgrat  als  Korperhrucke  vom  Hals  zur 
Hilfte.  —  2.  (1588  Tabernaem.  44)  Hüftbein, 
als  Ende  von  L,  Os  coxne.  —  3.  =  die Jochbrücke 
am  Jochbein  (Hyrü,  K  W.  14C)  —  Hoe/i-Bruck 
(lnliUid.  höbrok,  häbrok  [Kdda,  Jordan  83]  =  einer, 
dessen  Rücken  und  Hüftbein  hochgestellt  ist. 

—  Bruck-i*7««tA. 

brühen  s.  briegen. 

brüllen.  —  Briüler-ffran&AeiT, 

brünnein  (1477  Urtnlph,  nach  Adelung  noch  1479 
In  Bayern  Reiten  mehr  gebraucht)  -  mingere. 

Brünnet,  n,  (ahd  pronadun  =  prorigo  cuti«, 
(iralTlII,  310)  das  brennende,  juckende  Gefühl 
der  Haut.  —  brünnig  (H82  hrynniger,  Zettln«. 
Voc.  e.  3)  =  brünstiger,  s.  Brunst. 

brünzeln  s.  Brunz. 

Brueachen,  Brüslein,  n.  s.  Briea. 

Brüstchen,  n.  (BrUsÜein,  Brüstl)  (ahd  prusttu 

pectuKctilum  Bruslflclsch,  tiralt  III,  277;  mhd.  brü- 
»telln,  brüstet,  Lexersuj,  1.  —  Bries  (s.  d  ;  Thymus- 
Drüse);  da»  zarte  Brusttleisch  (Biustbraten)  ist 
zu  „Blust"  in  Zusammenhang  gebracht,  damit 
auch  „Brüstchen"  —  Brieschen  \(ir.  W.  II.  44«), 
(vergl.  Brie»).  —  2.  —  (l.'ds)  Mammula,  die  kleine 
Brust  (H.  v.  Gerad.),  die  jungfräuliche  Brust.  — 
3.  —  Papilla  mammae,  Brustwarze;  s. auch  Brust, 
Brustbein. 

brüten  s.  Brut,  Bretten,  Brott. 

Brütt,  n.  1.  =  (figürlich)  Schweis«,  Blut.  — 
2  =  Lause  (Steiermark,',  ahnlich  wie  tiesott  für 
Abfall,  Häcksel  Scbmellcr  I,  374);  vgl.  auch  Brot. 

Brützen  s.  Bries. 

brummen  (brommen)  (vorgerm.  bhr.m;  p.  rm. 

brem  —  fremere,  ktiir>cbi'ti,  eine  Srhullbizclcbnung ; 
engl,  brhn  -  Itruall ;  abd.  brümau;  mhd.  brummen, 
Ringe*,  SS]  schreien,  brüllen,  summen.  — 
:  1.28,  das  Brummelen  (II.  v.  <icr»d.  100)  Torsiones 
ventris,  kollerndes  Bauchgrimmen  =  das  Leib- 
kollern. —  Kopf- Brummen,  dumpfer  Kopf- 
schmerz (Brummschädel).  —  Äfu^cn-Brummen 


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78 


Brunft—  Brun*. 


Brust. 


=  Hunger,  bei  dein  der  Magen  knurrt  ^bellt; ; 
vergl.  auch  Brommen.  —  Brummer- Krankheit. 

Brunft,  f.  =  Begattungstrieb  desjenigen  Wil- 
tles,  welches  dabei  brüllt  und  brummt  (Lessing; 
Kluge5,  56;  «;r.  W.  II,  4ai);  i,  vergl.  Brunst).  — 
Brunft  Brand,  -Schnur. 

Brunn,  m.  (Brunnen,  m.  Bronn,  Born)  (ait- 

genn  ,  goth.  hrunna  —  t^iu-lt ,  ahtl.  hrunno ;  min].  brunuc 
-  Quelle,  Hrunnwiusser,  Kluge*,  56),  1 )  —  Urin  als 
„natürlicher  Gang  de*  Brunnen"  (St,  Henno-Mir. 
1628)  aus  dem  Leihe.  —  2.  -  Menses  als  Blut  - 
quelle  aus  dem  J.eihe  des  Weihes  (ig.  .Iiihrh.  der 
bruu  jres  Muts,  Heyne  I,  602).  —  (1-182)  Harm- 
Brunnen  (C  v.  Mcgnbg.  34.  10)  —  Urin,  Harn.  — 
St7i/«</-Brunnen  -  Übersetzung  der  am  Kindes- 
scliadel  pulsierenden,  schlafenden  Fontanelle 
(s.  d  )  (ton«  -  Bninnen.  Ilyrtl,  K.  \V.  186).  —  (1351] 
weibischer  Brunnen  Hock  200,1  als  Weiberllus* 
(8.  d.)  —  BrunntenJ-V««-//,  -Rausch. 

Brunst,  f.  (goth.  hrun«ts  zu  brintM»  [k.  d.j,  <!r.  W. 
II,  438;  ahd.  bruiiM,  prunatl  =  prtirigo,  von  brennen 
[»,  d.],  wie  „Knust"  zu  „kennen",  Kluge4,  56,  mhd. 
ltninst)  —  Brennen,  Brand,  Glut,  Unze,  Entzünd- 
ung, 1.  —  brennende  Fieherglut  des  Körpers  und 
EottflndungBbitxe;  vergl.  (gotb.)  brinno  (s.  d.) 
oben).  —  2.  =  die  innere  Hitze  des  Begnttungs- 
iriehea  beim  Tiere  und  Menschen  F.  Holtmann; 
1712  nisuw  MXualia  ardens).  „Unwissenheit  und  Nneh- 
liittsigkclt  haben  das  Wort  Brunft  in  ltrunst  umgewan- 
delt" (Ltaring;  Kluse4,  44).  —  3.  =  ortliche  Hitze, 
namentlich  der  Haut  =  Prurigo  (Uraff  III,  310), 
t>.  Brünnet.  —  4.  ^  verbrannte  Hautstelle  (1260; 
1'fellTeröl).  —  (l.visj  slw/rn-Brunst  (Fries 79uj,  „wenn 
«las  Blut  in  oin  Auge  zeichi"  Augenentxünd- 
ung.  —  i.ViyBrünBti<7An'  Huck47j  Kngbrüstig- 
keit.  —  (i.'kH^j  L un yen- Brunst  (Tabera.;  Gr.  W,  II, 

438]    Lungenentzündg.  —  iieie.i  fy]^'  ^  Brunst, 

1.  =  der  Abgang  von  der  Stute  heim  Brunsen: 
a)  Urina,  Harn  (s.  Bruns);  b)  Liquor  vaginae 
s.  Hipjiomanes  (I).  27sj.  —  2.  —  Begattungstrieb 
des  Bierdes.  —  stillt  Brunst  ».'ine  nach  aussen 
weniger  stark  hervot  tretende  Brunft  der  Haus- 
tiere (Frank  64). 

Brunz,  m  (brunzen  |  brunnezenj,  brun- 
zeln,  brünzeln,  Brunzerl,  Brunzel,  Brunzung) 

-zu  Hnum  1  [s.  o.j;  1477  beprunzen,  (.'.  v.  Mcgbg. ;  1561 
brunz  -  urina,  Or.  W.  C,  141;  IV,  2.  487;  162s  bruusat 
St.  Heimo  Mir. ;  1482  pruntzcl  Zcnlng.  Voc.  cc  6,  15M 
brünzeln,  Hscharl  —  brunzeln  Itnyeru ,  Kindel 
spräche)  =  uiingere.  —  Brunzing  -  Actus  min- 
gendi  <.r.  w,  Ii,  4(21.  —  Brünzcl  [Würaburg] 
Penis  i<.r.  w.  u,  441).  —  Brunzer  [Pranken).  — 

Brunzerle  (Tirol,  Schwaben,  Schweiz,  Huck  16; 
lilntucr  8.  ls)  —  idem.  —  ffetf-Brunzer  -  di  r  an 
nächtlichem  Bett  pissen  <Knuie»is  nocturna; 
leidet.  —  (Iis»;  ittul-Brunzet  (Zenlng.  Voc.  cc  &) 
*  liaemorrboides  (der  Blase?).  —  .  1  i  Harth 
Bruntz  Urina  iiiad.  Jim.  20).  —  kalte  Brunz 
(Or.  W.  II,  44ij  strunguriu  (s.  kalt).  —  (1W4J 
Äo*»-Brunz- L  rina  e<juorum  [h.  Brunst,  ,'.r.  \v. 

VTU,  UM).  —  (1516)  .sYt^rw-Brunz  Hippornanes, 
der  .Schleim  hei  der  Pferdebrunst  (D.  27sj.  — 
Brunz- Blatter,  -Säcklein,  -  Hasser. 


BrUSt,  U.  (Während  viele  andere  Körperteile  von 
den  Indogermanischen  Spracb&tammeu  genieinsam  be- 
zeiebnet  wurden  [Kluge  ",  56],  differieren  diese  bei  der 
Hrust,  vermutlic  h  infolge  der  polltisch  kulturellen  Son- 
derling durch  die  verschiedenen  Orandopfer,  wobei 
Uns  Uhu  [».  d.]  und  die  Hrust  vermutlich  infolge  an- 
derer Methode  der  Upfcrtoluug  [Hentstich,  Drustütlchi 
auch  eine  besondere  Sprach -Holle  spielten;  altgenu. 
briisls;  ultnord.  brjost .  ahd.  prust  —  mumma,  pectus, 
Ca«.  (lloeaan;  (iraff  III,  276;  10.  Jahrb.  pnisti  ■=  ma- 
mlllae,  Uab.  Maur.  66:  „unter  der  Brual  Ist  die  Stark« 
de«  Menschen";  1260  die  brüsten  (pl.](  Weiler 3fi;  mud. 
borst  =  Brust,  Mag  Hürth.  89b;  nnd.  bost  =  Hrust, 
(iotdschm.  IIS;  mhd.  brüst  pnpillae  uinrnmae,  II.  Z 
XV,  !M,  brüste  -  Juguloa;  II.  Z.  XV,  »..;{;  1414  bront 

inamuia  rmi Herum,  1».  315;  14S2,  1521  prust,  brüst  — 
praeeordlum,  ZenlngVoc.,  t.  8;  lt.  452;  ndl.,  ndd. boret, 

1507  1  i,  D,  »45   na<  h  i  Ii  M   LI,  445  liegt  dem  Worte 

Hrust, engl,  breast,  das  „bresten",  „bersten"  zugrunde, 
also  —  <ne  keimenden,  vordringenden,  schwel- 
lenden, knospenden,  wachsenden  Brüste;  Brust 
ist  demnach,  l.  =  die  weibliche  Brust  =  Mamma 
des  Menschen  und  (an  der  gleichen  Stelle) 
(=  Enter)  der  säugenden  Tiere,  eigentlich  ur- 
sprünglich die  Brüste  (-Brustdrüsen  nebst 
Milch)  als  Statte  der  mütterlichen  Ernährungs- 
thäligkeit,  die  zeitweise  die  Brust  zur  Schwel- 
lung bringt.  — 2.  =  der  Vorderteil  desliumpfes 
unterm  Hals  bis  zum  Bauche  (I »ei  Menschen, 
Säugetieren  und  Vögeln).—  8.  -  Brusthohle  (und 
BruBttleisch)  mit  Eingeweiden  (hauptsächlich 
Lunge).  —  4.  =  Gebresten  ( -  die  brüst,  llotlin.  I, 
362)  (s.  u.).  —  brüstig  =  Brust  habend  —  (l 516) 
brust-haitig  -  brestiial'tig  (i>,  iwj).  —  brüsten, 

Brüstung,  B.  brausen.  —  dfibrÜStig  (ndl.  ambor- 
■tyohj  ndd.  anbostig)  =  beengt  an  der  Brust  heim 
Atmen  (Goldsehm.  112,  i>.  io7).  —  aufgelaufene 
Brust- Anschwellung  der  Brustdrüsen,  —aus- 
brusten  =ansbraU8en  (g.  d.)  aus  der  Brusthöhle 
(Z.  Hdb.  III,  42SJ.  —  Blut-Hmt  -  die  mit  Bluter- 
guss  anget  Hille  Brusthöhle  <iFnlkr).  —  böse  Brust 
(loos  st  B.-Mir.)  —  entzündete,  geschw  iiiige, 
eiternde  Brust  i  Abscess,  Krebs  der  Brustdrüse). 
—  (1/071  dämpfige  Brust  (U.  San.)  =  Dyspnoe, 
Asthma,  Kmohysem;  vetgl.  Dampf.  —  (1750) 
eingeschrui»i  jifte  Brüste  —  runzelige,  weibliche 
Brust  (tir.  w.  Iii,  316).  —  (1766)  Uder  Brust  (a.  v. 

II.  II,  37«;  lsso  Samuel  76j  —  um  Liter  getudte  Brust- 
hohle, Eiiipyenm,  Vomiea,  Apostema  (s.  dj.  — 
eny  j  )  BrUSt,  (-brÜStig)  (angln,  angbreost,  ndl.  eng- 
borstlgheld,  De  Cock  155;  15'Jl  engbrustleh.  Had.  Jun. 
;ty5  _  stheuothorax  —  anhelus,  iiugustl  pectoris,  tir.  W. 

III,  471,  sthenocardia,  aslhma ,  dyspnoe,  angustiao, 
Hulelalid  288 ;  Ackermann  239 ;  Zw.  15'J)  eine. »ich male, 
in  der  Almutig  beengte,  schwach«  BrtUt 
habend.  —  gichterische  LngbrÜstigKeit  - 
Asthma  convulsivum,  ein  die  Brust  beengendes 
Asthma,  das  anfallsweise  und  krampfhaft 
(gichtetisch)  auftritt  (A.  v.  Ii.  U,  154J.  —  (I7w 
/VfiAc/» -  Brust  =  eine  w  ie  Fleiaeh  sich  an- 
fühlende, nur  wenig  Milch  secernierende  weib- 
liche BrUSt  (l'letik  1 14).  —  (rVtd.sr-BrUSt  l'ectus 
carinatum,  Vogelbiust,  llühnerorust  ^s.  d.  und 
Bruslhein).  -  i/aMc/i/n-Brust  -die  spitittg  vor- 
springende Vogel-,  Ganse-,  oder  Hühnerbrust 
(beim  Pferde),  meist  infolge  Abmagerung  des 


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Brust 


Brust—  Brut. 


79 


Gewebes  um  den  dann  stärker  autfallenden  sog. 
Habicht- Knorpel  herum  (Mayer  3fi;  Zipperleu  98; 
Kalke 1,  .tss).  —  Hahnen-Brust  -  Hühnerbrust.  — 
jtof«BrU8t(lU2hcrtbniKl,  KricuöT]  ■  nichtHchliifi'e, 
sondern  vullstrotzende,  dick«  Brüste  (l">ss  Or. 

-S3}*»|Sa*K«' 

<ir  w.  iv.  2  1227)-  Fraecordium,  d.  Brustteil  vor 
dem  oder  mit  dein  Merzen  (als  Fleisehstüek;. 

—  h<n A-brostig  (i-v.i  <;r.  \v.  iv,  2,  um,  ivji  jia.i. 
Jim.  3'jä),  1.  —  Oer  eine  weite,  grosse  und  starke 
Brust  hat  =  pectorosus.  2.  =  Lordosis,  Verschieb* 
ungderhoekerichten  Wirbelsäule  mit  Verdräng- 
ung und  Vorwolbung  der  Brust  auf  Kosten  der 
hinteren  Lungenntume ;  der  hochbrflstige,  hoch- 
fahrende Lord  soll  nach  einer  scherzhaften  Ety- 
mologie der  Lordosis  den  Namen  gegeben  haben. 

—  (i".v.)  Iioekerichte  Brust  =  eine  durch  Hocker- 
büdong,  Kypbosis,  Skoiiosis,  LordoBia  (A.  v.  h. 
II.  est)  entstellte  Brust.  —  hohle  Brost  =  durch 
FetMebwund  und  Abmagerung  grubenl'ormig 
vertiefte  Brust  (Kalke  I).  —  Huhner  -  Brost  — 
Vogelbrust,  GansebruBt,  l.  =  rachitische  Ver- 
unstaltung des  kindlichen  Brustbeins,  wobei 
dieses  nach  vorne  gewölbt  wird,  und  der  Brust- 
kästen  die  Gestalt  eines  .Schillskieles  (Fee- 
tus  carinatum)  odoreiner  Vogelbrust  annimmt, 
und  die  Flanken  (Kippen)  einsinken.  —  2.  =  eine 
breite,  aber  in  der  Mitte  mehr  spitzig  oder 
buckelig  vorspringende  Pferde  brüst  (s.  Ha- 
bichtsbrust)  (ZlpperL  98,  Konis  II,  GM;  Förster 
n,  963).  —  Jnnen-BrUSt  mini.  irmbnini,  (Jrnff  I. 
2*8.1  -  das  Innere  der  Brust  (vgl.  Innuder).  — 
keuchende  Brust  —  schwer  atmende  Brust.  — 
(lfi.v>)   Kindsbettcrinnen-JiTÜBte,   rersch wollene 

—  Mastiiis  puerperale  (Lonicerua).  —  klebrige 
Brust  -  eine  Krust  wie  *ie  klebrige  Leute 
(8.  d.)  haben  (Heyne  III.  367).  —  klemme  Brust 
»(tusamiuengedrückte;  enge  Itrnst  tfeitsrh.  f  d 
I-hlloloK.  XXVI,  24t  .  -  krebstchte  Brost  =■  Brust- 
dri'sen-Krebs.  —  Ä'nrr  BrÜ8tigkeit  ndl.  kort- 
borst Igheit  =  Engbrüstigkeit  (De  Cock  1  •>•".).  —  (nuit 
Mi/r/V  Brust  =  eine  weich  sich  anfühlende,  von 
Milch  strotzende,  den  Gegensatz  zur  Fleisch- 
brüst  (s.  d.)  bildende  weibliche  Brust  (Henk  Hl). 

—  Mutter -Brust,  1  -  ilie  weibliche  Brust  (mll. 
moederborst.  De  Cock  ©G)  zur  Zeit  der  Säugling. 

—  'i.  -  die  Milch  derselben  (Mutter-Milch)  (Gr. 
W  VI,  2814).  —  (1712)  iWA  BrUSt  ^  der  bildete 
Teil  der  Frust  eine«  Schlachtlieres  (Qr.  W.VU,  33). 

—  rauhe  Brust  pelzartig  behaarte  äussere 
Brusthaut  l,«.r.  VV.  VIII,  261).  -  (gr)räumige  BrUlt 
(■Bd.  so  wert  de  borst  nun,  Mag.  Ilnrthol  '.Kla;  1607 
ruomlKe  bru»t)  —  eine  schleimfreie  Bru«t,die  leicht 
atmet.  —  ,t»is7)  schäbige  Brüste  —  die  durch  I  laut- 
krank  heilen  unebenen  weiblichen  Brü*tc  ;<ir.  \V. 
VIII,  ls»i4).  —  ScAnür-Brost-eine  »buch  zu  star- 
kes Schnüren,  nameniücli  auf  die  Kapacität  der 
bruslhohle  und  die  Leber  -  Konsistenz  sich 
äussernde  Druckwirkung.  —  ScAu.sr'cr-Brust  - 
eine  auffällige  Vertiefung  des  unteren  Endes 
des  Brustbein*,  welche  sich  namentlich  häutig 
bei  Arbeitern  entwickelt,  deren  Beschäftigung 
ein  öfteres  Anstemmen  gegen  diesen  Körperteil 
verlangt  (Eichhorn  Unter».  1. 120V  —  ar/iir«c/icBrost 

—  geringer  entwickelte,  schmale,  zu  Krank- 


heiten geneigtere,  menschliche  Brust  (Habitus 
phthisicus)  (Pauli  HO)  —  (11181) acAin'errM'iV  Brüste 
(l.wi  ndl.  »weerende  borsten.  De  Cock  fi7)  —  die  weib- 
lichen Brü»te  mit  eitrigen  Entzündungs- Ge- 
schwüren (tieorji-  4  io).  —  Tru  hter  -  Brost  ein 
durch  Einbringung  des  unteren  Brustbeinteiles 
von  oben  nach  unten  zu  trichterförmig  verengter 
Brustkorb.  —  (1843)  UnterBrust  =  der  zwischen 
den  vorderen  Gliedmassen  liegende  Teil  der 
tierischen  Brust  (Kalke  II,  J*y).  —  verschleimte ;ir.ii7) 
(achleimige)  Brost  =  Brustkatarrh  mit  Schleim- 
suswurf  illort.  Ben.).  —  Fo(/«/-Brust,  s.  Hühner- 
brust. -  1*12)  For-Brust  der  unterm  Halse  des 
Tieres  liegende  vordere  Teil  der  B  tust  (Kalke  1). 

-  (1713)  HVoc-BrUBt  =  ein  BrustÜeiseh,  das  der 
PrieBter  (Gode)  erhielt  an  Stelle  des  Gottwebi 
(  colobium,  i>olyuiitii,  »rotowebbl  eotawi'bbl  —  'jodes- 
uewebe)  oder  Wedel-Geldes«,  oder  des  Garnge- 
spinnsles^Vebb)  (UM.  Med. 219;  »irnffl,  847;  D.133. 
444.  i4fl;  BebmeUer  II.  292.  WO).  -  IFrifccs-Brust  (oh.i. 
wibesbniM  -  roamillu  liraffl,  GW,  III  27t.)  -  weibliche 
Brust  (.Mamma).  —  /.:<  >,  ..•  Brust  —  eine  sehr 
schmale,  magere,  in  der  Mitte  nach  Ziegenart 
ausgehöhlte  Pferdebrust  (Zipp.  ys).  —  Brust- .ddVr, 
■Angst,  -Ausdehnung,  -Bein,  -Beklemmung,  -Be- 
schwerde, -Beule,  -Blatt,  -Blatter,  -Braten, 
■Bräune,  -Dobe,  -drücken,  -Drüse, -Dürre,  Eiter- 
sucht,  -Enge-, -Entzündung, -Fahne,  -Fell,  -Fieber, 
-Fistel,  -Fleck,  -Fluss,  -Gang,  -Gebresten,  -Ge- 
schwür, Geschwelt,  -Geschwulst,  -Geschwür,  -Ge- 
tcolbe,  -G'hängel,  -Gichter,  -Grat,  -Grube,  -Haut, 
•Hücker,  -Holde,  -Husten,  -Kasten,  -Katarrh, 
■Kehle,  -Kengel,  -Kerbe,  Kern,  -Kirber,  Kister, 
•Klent  m  r,  -  Knochen ,  •  Kodt  r,  -Kra  mpf,  ■  Kran  kheit, 
-Kristen,  -Küssen,  -Lahme,  -Lappen,  -Leiden, 
-Löffel,  -Mausen,  -Riüie,  -Hippen,  -Rohre,  -Hose, 

-  Rutzen,  -Scldiessen,-SiMUs8el,-Schmerz,-Schteerc, 
-Schwindung,  -Seite,  -Stechen,  Steckling,  -Seuche, 
-Strenge,  -Siechtum,  -Sinken,  -Stimme,  ■  Spitz, 
-Stück,  -Sucht,  -  Trockne,  -Übel,  -  Volle,  -  Wand, 

-  Warze,  -  Wasser,  -  Wassersucht,  -  Weh,  -  Wehtag, 

-  Windgeschwulst,  -Zitze. 

Brust,  in.  =  Bresten  oder  Bruch  (s.d.  Brust 4). 
— ifri/'y-Brust'Ahd.  pulcbnist,  bee.Baiuuarior,,  Allan».) 

-  Huptura  pellis  —  Balgbrust,  Balgbruch,  Ge- 
bresten innerhalb  des  Balges,  auch  Knoehen- 
hnicb,  aber  ohne  äussere  Hautverletzung.  — 
Beulen-BrUSt  bes.  Alaiuann. ;  st  brachiuui  tagwtt 
nute  Ottbituiu  itu  ut  pcllem  nun  rumpat;  «i  o«  frcjferfi 
et  pellem  non  truKÜ,  .pioJ  puleprust  ülcuntj  -  L'on- 
tusions  Beule  mit  Knochenoruch  ohne  Haut- 
wunde (Du  CanKe  VI,  '*2,  vermutlich  bt  pulepru^t 
als  palcpnurt  zu  lesen).  —  Gcbrust  nitul.  icebniM, 
bexer  Ol)     Gebresten,  Gebrechen. 

Brut,  f  (brüten)  u-orm.  Im»  —  erwärmen,  erhitzen 
(Httlw);  aM.  t>ruot,  bruoten;  mhd.  bruot ,  bmeleu, 
Kluire1,  86.  :*;  cnRl.  breed,  bniod  IUce,  Unit.  KbiK'e 
i.  :.6.i  -  dutch  Wanne  beleben, durch  den  Brutakl, 
die  Bruthitze  erwärmen,  erhitzen;  das  durch 
!  die  Bruthitze  Erzeugte  (Klut:es,  .'*).  Vergleiche  mit 
dein  II tm<  (JefliiKel  sind  ln?t  Krankhelts-Namen  nicht 

s.-iten.  —  brüten  ;uuiubroten  nayerni,  umeia« 
anderbrttten  [BnyerD])  =  sich  übel  beiluden,  und 
dabei  tiewegungslos  hinstarren,  wie  die  Brut- 
henne, ohne  eigentlich  zu  wissen,  was  für  eine 


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HO  Bube— Back 


Backelorum— Büchsen. 


Krankheit  zum  Vorschein  kommt  =  Zipfen;  ein 
aus  der  Hühnerzucht  entlehntes  Wort.  —  hentu- 
brütend  =  dic  stille  (ieschlechtslust  der  Frauen 
ivergl.  Kluck);  ein  dem  BrutV(*r)angen  der 
Hühner  verglichener  Zustand.  —  /mibrüten  s. 
pretten.  —  Teuf eU-Brat  =  Wechsel  balg  (s.  d.) 

Kretin  (s.  d  ;  (Ravaria  IV,  l.  212),  als  eine  vom 
Teufel  mit  den  Hexen  am  Waipurgis  -  Abend 
erzeugte  Frucht  —  brütigrr  Hunger. 

Bube,  m  Bufe  lOst-Thurlngen;  ,,ci«  urdeutsches 
Wort  von  zweifellos  hohem  Alter",  Kluge*,  56,  aus 
einer  altgermanischen  Koseform  [boban-]  „junger 
Haan";  tbd.  buobo  [fehlt];  mbd.  buobc  =  Knabe, 
Diener,  zuchtloser  Mensen,  Kluge  1.  cod. ,  mbd.  buobo, 
engl,  boy  ,  1.  —  die  weiblichen  Krüste  als  Zwillinge 
(Ur.  W.  II,  401;  l.exer31)  Buben  —  2.  -  die  weihl. 
Brustwarzen  =  puppenart.  Duttenspitzen  (Fflpp- 
lein  ?)  (Schindler  I,  192,  in derScbwelz  bübbl,  Gr.W.  II. 

4.'i7.  4oi),  WeiberpQplein  (e,  Bull;.  —  3.  —  der 
Knaüen-Bvibe,  l'enis  im  Uegcnsatze  zum  weih- 
lichen Bühlein  Bube  1,  Püplein?)  {Gr.  W.  V,  1323), 
s.  Knabe.  —  Buben- Fist.  füttig  C*  Fotzet,  Gasse, 
Knabe,  -narret,  -Samen,  -Schellen,  -Sucht. 

Bllbo,  Iii-  (ein  durch  den  Verkehr  mit  Spezialilrzlen 
in  gewisse  Kreise  [Offizien:,  Holdaten,  Kommis  etc 
gedrungene«,  ursprünglich  entlehntes  Wort,  wofür  die 
altere  Sprache  eine  Reihe  von  Termini*  hatte),  Venus- 
Beulen,  l'ewt-Beulen,  Widergang  ts.  d.;,  Wachs- 
drüsen,  Drüsen,  Schlier,  Leist,  .Schani -Seite, 
Uchsen  etc.  (A.  v.  H.  1,  Ml;  hlbl  Med.  43H;  Sobern- 
heim 45.  322.  323 1;  auch  Bauhonen  (*.  d.)  werden 
erw  ähnt.  —  Bnbo  =  ßooßujv  (Ilias  VI,  492),  babo, 
pannus,  in<iuen  Struma,  <ib\Li ,  y, »j^sdAov,  '//>'.f.a; 
i'Pr.  1,  233;,  aster  atticus  Aetti,  543,  Letseh  36;  bnfo 
TaraceUt;  IT.  II,  141);  Irz.  boubon  hibou,  A.  1'arc;  ; 
bosseebancreuse,  poulain  ;Bri*s.  243)  fait  une  ceurie 
<le  «es  chausses"  =  GraHcIn  mit  den  Küssen  -Hegen  der 
Leiztendrusenschwelluugl.  In  '1er  Schuliuedi/.iti  der 
«•riechen  und  Arabisten  hatte  der  Hubo  einen  allge- 
meluereu  Begriff  als  heute:  buba  o<ler  bnbo  —  tumor, 
1.  =  mala  buba  in  Hxllla  imal  Buhln»)  =  Pcsidnisen- 
beule.  —  2.  —  tumor  ex  contusloue  iDu  lange  1,  763; 
I).  63SJ,  Kontusionsbeule.  —  3.  angucn  ».  anghlo 
\s.  Augen)  —  tumor  Speele»  carhuticuli  seil  uleeri«.  — 
4.  =  niptura,  inflrmitas  in  femnre,  Hruchbeule  (l>u  ('ange 

I,  251.  764,  IV.  308;  vergl.  Fuchs,  Ilippokrates  S  SM, 
Anm  40:.  —  5.  -  Kipparsch  is.  d.j,  Wolf  (I>.  63s).  Kar- 
UOfTel.  —  6.  Seit  Salieetti  127..  erhielten  die  Inguinal- 
bubonen  den  Stempel  den  Spezifischen,  und  Kuhn  wurde 
vorwiegende  Bezeichnung  fiir  venerische  Erkrankung 
der  I.eistendruseu,  welche  eitern  (s.  Schlier,  .  —  7.  Pa- 
rocelsus  (1618)  unterschied  zwischen  eitrigen  und  indo- 
lenten Bubonen  Ideo  was  ausschlecht  und  Raetidig 
Ist,  tion  faclt  buborna  id.  h.  macht  keinen  eitrigen, 
sondern  blo»  indolenten  Bnbo),  »ed  was  ult  ausschlaegt, 
attrahit  quic<|uid  in  membris  priitüghiosuni  est"  iPr. 

II,  73,  -  Ist  durch  die  Kiterung  des  Bubo  vorher  aus- 
geschieden, so  dass  es  nicht  zürn  Ausschlag  komintl. 
iVcrgl.  die  [IV  Jahrh.]  dragoncelll,  gavoccloll  der  Ita- 
liener, die  encordio»  114*3]  und  buba«,  boae  [lllspa- 
uorum],  I  l'.'s ,  Z.  Iidb.  d.  »p.  Path.  u.  liier.  III,  9, 
Krau»,  K.  166;  Pr.  II,  30.  142;  Haeser  II,  203.  211).  — 

Bubonen-  Typhus. 

Buck,  m.  Buckel,  m.  (Büggl,  Bttggile, 
Bückelchen,  Puckel,  Pickelchen,  buckeln) 


(zur  indogerm.  Wurzel,  bhuk,  bhiig  —  biegen,  Kluge  \ 
290;  Gebogenes,  Knimmung,  Biegung;  mhd.  buckel, 
Grlmm's  W.  VII.  1%»  stellt  es  zur  germanischen 
Wurzel  puh  ~  schwellen;  engl  bonge  —  (ieschwulst, 
Heyne  I.  MW  bull  Buckel  für  Übertragung  des  Schild- 
buckels auf  Buckel  2,  s.  Bugler),  1.  =  Kücken 
i  Doi  huih).  —  2.  -  Hocker,  Uibbus,  Auswuchs 
auf  dem  Kücken,  Kyphosis,  I>jrdosis,  Skoliosis, 
Malum  Fottii  ( 1713  — 1788)  (Schw  eiz,  Tind,  Bayern ; 
Hintncr  7.  17;  A.  v.  II.  II,  6*0;  Samuel  279)  -  Bog. 
Beingew  itehs.  —  3.  —  tieschwulst,  Beule, 
Tuber,  Tubereulum  (Gr.  W,  II,  486;  Schw.  98); 
Bückel,  Bückelchen  -  Knötchen  (Fickelchen) 
(1677  puckelen  -  papulae.  I).  411;  K>»nig  III,  674; 
Behrcnd  ls).  —  4  -  (1616)  die  Dickdarm- Kugeln 

-  Hausilra  coli  lllyrtl,  K  W  12).  vielleicht  weil 
sie  Ähnlichkeit  mit  5  haben.  —  5.  =  die  Haar- 
locken (Wuckel;,  die  Buckel  (Tirol,  Bayern,  Hint- 
ue r  6  12,  aus  dem  Französischen  durch  die  Grenadier- 
locken  i.oucle],  über  den  Rhein  gekommen,  Schindler 
l,  207).  —  6. -  t'repitus  ventris,  Puck  (SchmeUer  I. 
381).  —  bücken  (udd.)  -  buchen,  bauchen  [s.  d.;. 
[Goldecbm  139).  —  buckelt  buck(e)licht;  ipugk 

lochler,  German,  XVIII,  261;  1415  pucklat,  SchmeUer 
I,  206,  1591  bogeehtlg  =  l-.rdus,  lordosis,  Had.  Jun.  393 
=  giblH>su»,  «r.  W.  II,  4S6)  -  der  einen  Hocker 
Buckel  s.o.)  hat;  ein  solcher  gilt  nach  Volks- 
meinung für  gescheit,  wird  aber  nicht  alt 
(s.  Kinder).  —  dal  /--burkeln  mit  gekrümmtem 
ICücken  umhergehen  (SchmeUer  1,  206).  —  Ft.lt- 
Bnckel  =  lokale  Fettsucht  bei  Tieren  (Last- 
Tieren)  (Leukart  Uli.  —  iferz-Buckel ■  eine  Er- 
weiterung d.  FracordialKegemi  (voussüie),  auch 
ein  Vorsprung  des  Brustbeins  bei  Uückgratver- 
schiebnngen,  Khachitis  etc.  (Elchhorst  13.6«.  12C). 

-  (Hos)  ÄntV  Buck-  Kniescheibe  («r.  W.  V,  1427) 
(als  Kniehücker?  o.  Knie-Widerhuck).  -  8.= 

-  Kniebug,  Kniel>iege(s.  d.).  —  ÄVimim-Buckel 
krummer  Kücken.  —  rote  Bucklen  des  An- 
gesichts (Tabernaein.)  —  Buckel  3  =  Fickelchen, 
Bückelchen,  Akne.  —  /.  Buckel  ;iö  Jahrh. 
puckel  auf  dem  ruck)  -  Buckel  2  (Heyne  I,  509).  — 
sihclch- bucklet  -  mit  schiefem  skoliotischem 
Kücken  behaltet  iSchmeUer  II,  406).  —  Schnitt- 
Buckel  der  (w  ie  geschnitzelte  ;  Kinder-Kücken 
(c.v.  schm.  475;.  —  (1740)  ÖViVcm  -  Buckel -Scoliosis 
seitliche  Venireliung  der  Wirbelsaule  mit 
ilöekerbiidung)  (A.  v.  h.  n,  esi).  —  (ns3)  Stirn- 
Buckel  -  Stirn liöcker  (Tuber  frontis)  (Levellug 66). 

Wrbuckel««</  Hockerbildung  in  fehler- 
hafter (Jestalt.  —  IFiV/er-Buck  =  Kniebuck 
<;r.  W.  V.,  1427J,  entgegensleliende  Krümmung 
am  Knie  :  (ieschwulst). 

Buckelorum  (Rheinhessen)  -  Buckeliger  (bur- 
schikoser Latinismus;  Kluge»,  162). 

Budschurl  s.  Schur. 

Büchlein,  n.  -  Fallenmagen  >.  Kalender). 

Büchsen,  f.  (Büchs(e)  (ahd.btibaiMWfrieeb.  no|t; 
=  Buchsl>aunigefass,  Kluge  *,  5S ;  mbd.  bubse  Buchse  ; 
durch  die  Arzte  des  Mittelalters  in»  Deutsche  gedrungen 
als  Ausdruck  für  hohlenartige,  abgeschlossene  Uauiu 
RebUde),  1.  -  (162* buchten,  11.  v.  Gersd.  16)  =  Gelenk- 
hohle, „aus  dunen  genommen  w  erden  die  Wirbel 
der  Dyechoren",  d.  h.  die  Oberschenkel-Kugel- 
(Jelenk -Verbindungen;  (1651)  auch  die  Kugel- 


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Bflokel— Bürzel. 


Bürzel. 


81 


Gelenkhöhle  am  Schulterblatte  iiyrtl,  K.  w.  27), 
die  mit  Feuerbüchsen,  Kanonen,  aus  denen  die 
Kugeln  entleert  werden,  verglichen  werden,  — 

2.  -  die  Büchs  =  Keminal ;  (Buxe  =  nose  [Kannncn- 
rohr]  s.  KüchsenwoH ;  angls.  bnxus,  buxen  =  tibiale  , 
toi.  buxur  =  Hose,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1S96.  8.  242; 
u.  (*.".;  Sehmeller  I,  200,1.  —  3.  -  U'ftt)  die  Linsen- 
kapsel (Level. :m).  —  buchscln  =  coire (Büchse  2). 

-  Blärr- Büchse  (<ir.  W.  II,  los)  =  ein  Blftrr- 
Maul,  durch  Schreien  verzogener  Mund.  — 
(1594)  /Vi rz- Büchse  -  ein  Mensch,  der  oft  farzt 
(durch  die  Darmbüehse)  [Gr.  W.  in,  18SS)  (Farz- 
GlockeV  —  HiTT.i  goldene  Büchslein  (goltpuchscl, 
C  v.  Megeubg.)  —  der  Möns  Veneria,  ober  dem 
Scheideneingange  mitgoldgelhen  Haaren  dicht- 
besetzt  Schindler  I,  200)  (a.  Goldbüschel).  —  Salz- 
Büchsieln  Schwaben.  Uberbayern)  -  grosse  Augen, 
bezw.  Augenhohlen,  dio  den  gepaarten  Salz- 
und  Pfeffcrgefassen  gleichen  (<ir.  \v.  vin .  nii). 

-  Büchsen-  Wolf. 

Bückel,  n  Bückelchen,  h.  Buck  u.  Büngel 
(Bung). 

Büdming  m.  -  Netz,  das  zu  Boden  lianut  (zu 
Hoden  ».  d.  ;  ahd  budcmine.  liruff  III,  *7  Intestinum. 

precordium,  tirbus, Omentum,  Net*.  budemlng-  omcn- 
lum,  mcmbrnnum  quod  conllnet  Intestina,  H.  /-  XV, 
344;  budminc  —  Omentum  quod  tegit  Intestina,  H.  Z 
111,968,  14.  Jahrh.  hiidmlg.  budemlng -- zlrbus,  iiinni 
Ulm.  retlculnm,  Vor.  opt.  W.  II ;  Schindler  I.  212  .  Il>rtl, 
K.  W.,  69;  D.  211,  396). 

Büge,  f  s.  Bug  u.  biegen. 

Bühel  m.  fludodenn.  Wurzel  blink,  bhug  biegen, 
Kluse*,  59  —  du*  tiebogene;  ahd.  buhil,  mhd.  biilicl;, 
1.  =  (162S  buhil  =  caput  hepatli).  der  hngelförmige 
rechte  überlappen  (Hyrtl.  K.  \\  .  W).  -  2,  =  (bühclln 
nyrtl,  K  w.  r.2t  =  Schamlefzen,  Schamhügel.  — 

3.  -(buheiin    L'«'na\  Wange,  Apfelbacken  (n.  289). 

-  4  -  ;i5is  buhel-  tuber),  Geschwulst,  Auswuchs 
Maaler)  Pestbeulen  (lla»cr  II,  312).  —  Jrsc/t-Bühel 
=  Nates,  die  gebogenen,  erhabenen  ArBchballen, 
s.  Arschbtthel-Bein.  —  F-  j  /  Buhel  [vcigpüchel, 
Schindler  I,  696)  9  Keigballen,  Feigwarzen  m  d.), 

-  KekU ,,- Buhel  (l.V*7  buheilu  au  der  kele,  1).  603; 

-  Drosselbolle,  Kropf,  Humen.  —  (1497)  Sturm- 
Bühel  ll.VJOiiuirmbuehelobderM'hatn  -  pecteu,  Ii.  IIS), 

1.  =der  kamuiförmig  aufragende  Schamherg  als 
Stätte  des  Venuskanipfes.  —  2.  =«  das  ganze 
Darmbein, daawieeineSturmhaube  einen  hohen 
und  breiten  Kamm  hat  (muh  Hyrtl,  K  IT.,  91).  — 
Sturmbuhel- Bein . 

Bühne  f  (ndd.  byn,  baen,  Kluge*,  129.1  -  das  Ge- 
wölbe des  Gaumenbogens. 

Bülken  m.  =  I,eib  (Schnuller  1,  237;  ahd.  pnlgn, 
mhd.  bulgc,  l.  e  :.  8.  Bulgen. 

Bull  er  s.  Biller. 

Bünkel  (Pinkel)  (Banken)  -.  Bung. 
Bürd  (Bürdlein,  Bürtel)  s.  Burt. 
Bürste  s.  Borste. 

Bürzel  m  (Pürzel.Birzel.Bürz,  Bürzel,  Bor- 
zel.  Börzel.  Berzel,  Perzel,  Persel,  Pirsel)  :*u 

harzen,  honten  =  hervorstehen.  Schm  1,2s.".;  Kluge  \fil ; 
oder  zu  tioeren  iboerezen]     aufziehen,  conf.  Si  hin.  1, 

2. '*,  brrn,  hochrein,  Koohler,  V.  Ol.,  293;  beim  lauten 


Weinen  den  Mund  verziehen  ,  1361  pirezyl  ~  «  ine  Wurm- 
beule bei  Pferden  zwischen  Haut  und  Fleisch,  Hoff  mann, 
Ml.  Sehr.  f.  Schlesien  1*29,  U.  764  ;  ptrtzil, Adelung  Vachr. 
v.  altd.  «ied.  II.  297,  Koch  holz  II,  45;  innd.  bersel  - 
ein  Wurm,  der  eine  Krankheit  beim  Tier  und  Menschen 
macht,  Mag.  Harth.  100b;  [Hörtel  5  u.6j;  mhd  plrrezll. 
Ur,  w.  11,  999;  1422  ntfrsel,  porczel.  II.  z,  XV,  HO;  16. 
Jahrh  pirtzel ,  1VS7,  1590  burtzel  111.  iirnpygium,  oro- 
pytrlum,  i>.  401,  630;  iivi;>  purtzel,  roicr;  1717  boertxel 
—  uropyglutn,  u.  i'.30)  —  etwas  Kleines,  Kurzes, 
Abgestutztes,  aber  doch  aus  seinem  Boden 
noch  Hervorragendes  und  Auseinanderleben- 
des (confer.  Burzelbautn;,  1.  -  der  Steiss  der 
Vogel,  rropygium,  der  wie  ein  Maul  sieh  boert, 
aufzieht,  hoerzt.  Die  Borz-Henne  ist  ein  Huhn 
mit  herausbörzendem  vorstellendem  After  ohne 
Schwanz  (federlos)  (<:.  v.  Schtn.  8")  oder  («lr.  W.  II, 
217)  mit  borstig  aufstehemlen  Federn;  (vergl. 
Borstebi  i  Kluge',  50;.  —2.  ---  (KVI5) der  durch  Haar- 
ausfall besonders  gekennzeichnete  Schweif  lies 
Pferdes  i<ir.  w.  II,  41 ;  Colcr  7,  sei;.  —  3.  -  der 
kurze  Schweif  des  Hirsches  und  der  Wildsau 
(Ur.  W.  II,  554;  Brehm  III  ,  515).  —  4  =  (1677)  der 
Steiss  des  Menschen  (Hyrtl,  K  W.  9;  Schindler  I, 
2*5),  das  Steissbein  als  Uusserstes  Stück  des  Rück- 
grates {Heyn  2.13).  Die  „borwlig"  u.  namontlich  am 
Steisse  (Börzel)  aufstehenden  Haare  o.  Federn 
sind  ein  volksObliches(Wurm-iSymptom  beiden 
verschiedensten  Krankheiten,  namentlich  d.  Vo- 
gel (Zipf.Pfiffiz.  s.d.)  u.  der  am  Schweife  stärker 
behaarten  Tiere;  so  dass  Börzel  5.  auch  einige 
Pferde-Krankheiten  bezeichnet  (Anzeiger!.  Kunde 
dwehr.  Vor/  ls72  ls»,  Hr.  W.  II,  564)  und  zwar: 
aj  oino  Wurmkrankbeit  oder  „das  t'ngenantil" 
iSchmeller  I,  2S5  ,  ,.e»  sefnt  dreier  Hunzel  der  erst  hebt 
sieh  vornen  an  <ler  Nasen  ( —  Frölich,  Kotz.  Schnupfen, 
Intluenza; ,  der  ander  [  =  IlAutroU]  Wunn  ist  zwischen 
dem  Khnle  und  der  If lief  Hacken,,  der  drill  [Wunn] 
hebt  an  [als  Bürzel  —  Wurmstoppel  am  Vogclattcr]  1111 
dem  Zagel  [Schweif-  o  Sterzwunn],  Sehmeller  1  eod.  ; 
1»'.<»9  v.  M  I,  46;  purcztl  —  vennl* equorum.  j.  cod.;  au« 
dem  Steisse  wurden  auch  durch  Mittel  die  Würmer  her- 
vorzuloekcn  versucht ;  1398  benel  eine  Pferde  Wurm- 
krankheit m  eipio»  consumpsit  venni»,  proprie  dictum 
,. berzel",  quo»  percussenmt  ad  eampiini",  Anz.  d.  K. 
d.  dtseh.  Vorz  1.S72,  S.  WO  —  ITeixle  Kotz.  Wurm  le, 
dlewii  Biirzelwiirm  stellte  sich  das  Volk  al«  die  andere 
Ueetalt  des  HurzehUps  vor,  [s.  S.  12  .  die  Behandlung 
«les  Bürgel«  (134il  Rochholz  II,  45],  das  burzelkrnnko 
l'ferd  derlionnerstags-Sonneentgeg« •nzufiihren,  erklärt 
sieh  aus  iler  elfen vertreil«Miden  Macht  der  Sonne,  die 
darum  gruetl  alfa  [—  Alp-Verdniss,  E<lda]  heisst,  und 
aus  dem  t'mstimde,  du««  mau  um  Donnerslage  den 
Elben  opferte,  Schelhle  III,  169  ,-  l>)  eine  gtassie- 
rende  Sucht  (Pferde-lnlluenza)  iplruil,  Anz.  d. 
K.  d.  d.  Vor».  1S72.  8.  190;  eine  kntnrrlmli*che  Seuche, 
i.exer  32-.  —  6.  Wie  öfters,  so  werden  besonders 
Namen  von  Hühner«  ((ianser,  Zipf  etc.)  und 
Pferdekrankheiten  (also  von  Tieren,  die  vom 
Menschen  seitalter  Zeit  gezüchtet  und  im  Hause 
gepflegt  wurden)  auch  auf  den  Menschen  über- 
tragen und  zwar  ;  a)  Influenza  (s.  Gtippe,  Püfls, 
Zipf,  Ganser  etc.).  —  (13*7)  Bürzel  Intluenza 
epidemica  .Schmitt  Jahrher.  1*92.  1.  215;  „ein  Well- 
ing der  Menschen  ;  1.1*7  üasser's  Auualeu  v.  Augsburg; 
Zclt'chr.  f.  d  Philo).  I.  2::,  ,,mira  quaedam  epldemia 

6 


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Büschel. 


Büttling— Biif?. 


[bürzel]  hanc  urboni  totamque  luperlorem  Germanium 
corripiebat.  qu«  acgri  4  vcl  5  ml  Minimum  dies  molc- 
stissimis  dcstillutiouibus  -  Schnupfen,  Pinuse),  s.  d] 
lahorant  ac  ratione  privati  typhusuhnlich]  instar  phrcnc- 
tU-orum  furiebant  atuue  Indc  convalcscebant  paucis- 
simis  ad  un  uui  dcmls*i. "  tun  byrzellen);  1387  Augs- 
burgerChronik,  Moni»,  Am.  6.  257,  Zcilschr.  f.  «1  Philol. 
1,  23;  .,da  kam  ein  Wchtag  [*.  T»;'„  <I«-n  hicss  man  «len 
Btirczel  ;  «ler  kam  in  alle  Städte  und  in  alle  Lande  und 
in  alle  Dorfer  uu<l  lagen  die  Leute  3  Tage  oder  4  und 
stunden  dann  wieder  auf  .  es  vergingen  alle  läge  au 
dieser  Sucht  K  —10  Personen,  ju  es  mehrte  sieh  dieser 
Bürzel  von  Tag  zu  Tag  [also  eine  andere  Berichter- 
stattung als  die  vorangefuhrte] ;  14H  darnach  in  dem- 
selben wiutcr,  was  der  bürciel  als  weit  die  Christenheit 
was  desgleichen  in  der  heidensehaft",  Augsb.  t  liroti., 
Mone"s  Anz.  6.  736;  1417  do  man  zalte  1414  jor,  do  kam 
ein  gemeinge  Sieohtage  in  alle  fjint  von  dem  Klosse 
t~  Fluss  —  Katarrh1,  und  Husten,  genannt  der  Ganser 
oder  der  Bürzel,  Strassburger  Chronik;  Gr  W.  IV,  l, 
1276;  Kuhemoun  7),  b.  auch  andere  unbeslimui- 
bare  und  unbestimmte  Krankheiten  erhielten 
den  Namen  Biirzel,  nachdem  dieser  einmal  vom 
Volke  kennen  gelernt  worden  war,  sowie  auch 
heute  das  Volk  die  verschiedensten  Krankheiten 
unter  die  sogen.  „Infallenz"  einreiht  (Innrmltus 
generalis  ;  =  Sucht,  Seuche;,  vulgo  pet  tzel  grassabatur. 
sehm.  I,  285).  „Die  gesamte  Geschichte  der  In- 
fluenza lehrt,  dass  wir  uns  (zur  Diagnose  Inuucuzaj 
auf  den  Namen  allein  nicht  verlassen  dürfen,  da 
man  bei  wirklichen  InÜttenza-Epidemien  die 
sonderbarsten  Bezeichnungen,  die  zur  betref- 
fenden Zeit  aufkamen,  anwendete  u.  anderseits 
auch  wieder  Krankheitsnamen,  welche  schon 
für  gewisse  Leiden  existierten,  der  Influenza  bei- 
legte" ;Ruhemaun  l"j ;  abgesehen  davon,  dass  der 
Name  Influenza  i,s.  d.)  selbst  ganz  verschiedene 
Bedeutung  hatte;  meistens  aber  war  es  epide- 
mischer Schnupfen  (Gr.  W.II.  >M  Zeltschr.  I  «I 
Philologie  I,  24),  der  mit  Bürzel  bezeichnet  wurde 
(namentlich  in  Halle  und  Gottingen).  Der  Borzel 
hat  mit  elbiscben  Wesen,  obwohl  er  eine  sehr 
alte  Krankheit  ist,  dem  Namen  nach  nichts  ge- 
mein (Zeltschr.  f.  d.  Philologie  I.  312;  Gerland  meint 
die»  unter  Bezug  aut  Hur/elbautn  =  liulzelbaum;  eineu 
Segen  eontra  pircil  fuhrt  Weinhold  [Zeltschr  f.  d.  Philol. 

1,  23]  aus  einer  Münchener  Handschrift  an,  sowie  HofT- 
inann,  Mon -Sehr,  f.  Schlesien  1829.  II,  763.  764;  c» 
spricht  die«  wohl  für  das  Alter  und  den  schelmischen, 
clpischen  Charakter  dieser  volksüblieh  benannten 
Krankheit  an  und  für  sich ;  dauiunlstlseben  Hinter- 
grund hat  sie  nur  als  Bürzel-,, Alp"  >.  Alp  und  als 
,,Wurm").  —  bÜrzlich  (1Ö17  birtzlich.  D.  319)  =  las- 
civus,  geil  vorstehend,  den  Bürzel  hebend.  — 
«4r8c/i-Bürzel  =  Steissbein  (arsburtzel,  arspürzcl).  — 
i/cnnm-Btirzel  -  der  Hühnereteiss  (Gr.  w.  IV, 

2.  997).  —  //«nie-Perz(el)  =  der  beim  Hinken  den 
Börzel  (Steies)  reckt  (Or.  w.  IV,  2. 1447).  —  Zahn- 
fleisch- Bürzelein  =  Epulis,  Farulis,  das  starr 
hei  vorragende  Beulchen  der  Kieferbeinhaut  (A. 
v.  iL  I,  607).  —  (Vergl.  auch  Tannenwätschel, 

Grippe  etc;  -  gjj"j£ j  Al]>>  .Baunii  .]Vurt)L 

Büschel,  n  ,  Ui  nihil,  büsehel.  Verkleinerungsform 
zti:  ahd.  busc  [-  Busch],  Kluge*,  Cl,  =  Gebauschtes; 
1477  busehliii,  l.  v.  Megeubg.,  ^  der  biitchelfoi inige 


|   Haarwuchs  auf  dein  Kamp  Os  peclinis,  Mous  Veneri>., 
|  Hyrtl,  K.  W. ;  1.M3  btischelyu  =  Nachgeburt.  Itosslin; 
1569  buschlin  -    secundina  Hyrtl  K  W   29  buschclelii 

=  secundinae,  Gr.  w.  Vll,  60),  1.  —  Haarbüschel 
(Möns  Veneris  und  Capillitium),  gruppenförmig 
aufstehende  Haargebiete.  —  2.  =  Eingeweide- 
Bäuschen  der  schwangeren  Mutter  -  Nachge- 

I  burt,FlacentafSchiiielleri,297i(vert:l.  Bilusehlein), 
Kindubüschlein.  —  Go/d-Büschel  imhd  golt 
büsehel,  Leser  83)  =  die  goldblonden  Schamhaare 
mancher  Frauen,  weibliche  Scbamhaare  über- 
haupt. —  Haar  Busch  =  dichtes  Haar,  das  wie 
eine  Buschgruppe  auf  dem  Kopfe  steht  (Gr.  w. 
IV,  2.  26).  —  (1828)  Ä'i'ir/VBüSchlein  (H.  v  Ger-d  98 ; 
Gr.  W.  V,  733;  Hyrtl,  K.  \V.  2«;  -  der  Mutter-Kuchen 
(mit  Eihaut,  Amnion)  mit  dem  Ansehen  von 
GefilBs-BüHchlein  Fässlein  :  -  Ohr- Büschel  - 
die  Bockshaare  (s  d.)  im  Ohre  {Gr.  w.  VII,  tSSS); 
(vergl.  Silber'.  —  Sc/cim-Büschlein  ..da«  rauche 

I  aus  dem  Bayerland",  Hyrtl.  K  W.  2*  ff.)  —  Möns  Ve- 
neris mit  seinem  Haarbusche  (s.  Büschel  oben). 

—  JVmwi-BÜBchel  =  Fubes  crinosa  =  Scham- 
büschtl  Hyrtl.  K  W.  206  —  fiH;i.xi  \YU,  m  -Busche 
■  die  knaueiförmig,  dicht  beisammen  befind- 

I  liehen  Eingeweide- Würmer  (Merk  60). 

Büttling  (Bütterich)  s.  Butt. 
Bufe  s.  Bube. 

Buff  (Puff)  14*2,  Gr.  W  II,  1212).  1.  =  Fupa  (s 
Bube  ,  Brustwarze,  Duttenspitz.  —  2.  =  (Schweiz 
ein  durch  Kunst  erhöhter  weiblicher  Busen 

(Gr.  W.  I.  eod.).  —  3.  (buff  15.  Jahrb..  =  bucca  oris  in- 
llatlo;  1  «75  mit  opgeblnsen  kynbackeu,  1).  83)  —  Fans- 
backe. 

Bug,  m.  (Bueg,  Buch,  Bauch,  Büge)  -  Amins 

Vorder  bog),  Sull'rago  (Hinterbug);  (Indogerm. 
bhAghii  s  —  Arm,  l'ntcrarm .  Vorderfusse .  Armbug, 
Kluge  !>,  59;  vorgerm.  bhaghus  —  idem.  Kluge  1  c. , 
ahd.  buog;  mhd.  buog  Ubergelenk  des  Armes  und 
Beines,  Hüfte,  Achsel.  Tierbug;  14S2  ptigin  suffrago. 
Zeuliig.  Voe.  u.  6,  oa2;  L">12  buge,  bug,  boegbe  ■■ 
i  arnius,  scapula,  I).  64"';  1603  bug;  ndd.  buge,  bug  — 
tibia  [arxnus],  D.  682);  engl,  hought -  Bucht,  Gelenk. 
Glied;  1.  =  das  Gelenk,  wodurch  Arm  und 
Schulter,  Schenkel  und  Hüfte  (Coxn  ,  Knie 
und  Fuss  (Snffr&gO,  Beuge,  Kniebüg)  (pupta, 
Gr.  w.  II,  495;  v,  140),  Zehe  und  Vorderfuss  ver- 
bunden und  biegsam  werden  (Kluge  halt  Ableit- 
ung des  ,.Bug"  von  „biegen"  für  unmöglich  und  erklart 
die  Wurzel  dazu  für  unauffindbar,  1.  c. ;  Gr.  W.  II,  494). 

—  2.  =  das  Schulterblatt  seihst.  —  3.  «  der 
j  Schenkel  (namentlich  beim  Fferde)  von  der 

Schenkelhcuge  bis  zum  Knie  (I6ni;  <ir.  w  lif. 
1656);  Schlegel- Keule  am  Tiere  (Schw.  99);  (Zlller- 
thal;  Passeier)  Buegle  =  Schenkel  des  Menschen; 
Buegel,  Biegl  =  Fuss,  Schenkel  Hintner,  8.  20); 
Votder-  und  Hinterschenkel  ibei  Tieren).  — 

4.  =  vordere  Flache  des  tierischen  Sprungge- 
lenkes (Kalke  1, 164).  —  5  =  der  Oberarm,  (llleher 
gehört  die  Pflanze  huggul  (14.  Jahrh.],  Voe.  opt ;  1528 
bück,  IL  r.  Gersd.  100,  —  Buegler  =  Artemisia,  die 
Frauenraute,  Gürtler  [s.  Zeitschr.  d.  V.  f.  Volksk.  1893, 

5.  446],  welche  von  den  Krauen  in  der  Sonnenwend- 
nacht am  Bug  [—  Schambug,  Lende]  getragen  wurde, 
Schin«      •  I   21       IUi  Ii  Bu<  k<    in  1  UUCkl  I  .  ah«!.  bdggDj 

Schmeller  I,  206,  ganz  übereinstimmend  mit  dem  an- 


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Bugler — Bulge 


Baller—  Rurre. 


83 


«leren  Namen  dieser  l'flanze:  Beifus« ,  nh"l.  Iii  fimz, 
Kluge5,  M,  «He  beim  Fuss  getragen  wurde).  —  u.  8.  Buck. 

—  .  i p  tn  Bug  (ahd.  waapouc,  Grafli,  «6)  -  das  Ober- 
arm-, Schulter-Gelenk.  —  ei>j-bügig  =  mit  ein- 
wärtsgebogenen Schenkeln  behaftet  (Falke  1.231). 
--  Ellenbogen-Bug  =  Ellenbogen-Gelenk.  — 
.  //"r-bügig  -  am  Ellenbogen  (b.  d.  3  und  bie- 
gen), einer  Pferdekrankheit,  leidend  (1699;  v.  M.  , 
I.  35J.  —  cr-bugen  (Lexer  49;  mhd  )  =  buglubm 
machen  (s.  Bugl.2,.  —  feiner  Bug  (Metzgerspracbe; 
=  die  dickere,  fleischige  Gegend  de«  Schenkel- 
Gelenkes  an  Schlachttieren  (Gr.  XV.  II,  494).  — 
qroberBug  (Metzgersprachc)  sa  der  knochenreichere 
Teil  des  Schenkel-Gelenkes  an  Schlachttieren 
(Gr.  ff.  II  4M).  —     .  -  Bug  (ahd.  halsboug,  Groll  IV) 

da«  Halsfleisch  am  Bug.  —  (1616)  Hinter -Bug 
=  SutTrago,  der  hintere  Bug  bei  Tieren  (Hüft-, 
Schenkel-Verbindung,  Lauf  oder  Knie- Wange) 
(Gr.  w.  IV,  2.  14»9).  —  hinterbttgig  =  der  Gegen- 
satz zu  bock  beinig  (Falke  I,  393).  —  /wi'V-Bug 
iiuhd.  kniebuoe  —  Kulebeugo ;  15.  Johrh.  kniepug  •= 
fragus,  »ubfragui,  Ilechse,  pople»,  Hr.  W.  V,  1427;  14.S2, 
1587  kueubuog  -  pople«  suffrago  [l.  eod.),  D.  665; 
knelbug  -  Kniebug.  »ir  W  V  1422;  1740  kuiebug  - 
pople*.  Kniekehle,  Kulmus22),  1.  vergl.  Biege.  —  2.  = 
die  hintere  Beugcstelle  deB  Vorderkniea  beim 
Tiere  (Falke  II,  19).  —  Leisten  -  Bug  =  Leisten- 
beuge, „die  Tiennungslinie  zwischen  Bauch  und 
Oberschenkel,  welche  bei  angesogenem  Ober-  i 
schenke!  besonders  tief  ist"  (Hyrü,  Anat  417)  = 
Schambug.  —  Nasen-Bug  ■  Nasenkrümmung, 
Nasenrücken  («r.  w.  vil,  4ii).  —  (1270)  Rindes-  , 
(Bwh)  Bug  —  Rinds-Keule,  Schlegel  (vorderer) 
(Gr.  w.  VIII.  976).  —  rUck-bugig  =  zuweit  nach 
rückwärts  ausgebogen  i  Knie  *  IS.)  (Falke  II,  247). 

—  Scham-Bug  —  Inguina,  Inguen  (A.  v.  h.  II,  S60i 
■  Leistenbug  in  der  Nähe  der  Schamgegend 
(Or.  w.  vi,  72i;  viii.  211).  —  U7.  Jahrb..)  rerbuegen 
=  den  Bug  (des  Pferdes)  verrenken  (R.  A.  771). 

—  Vorder-Bug  =  Armus  (bei  Tieren),  die  Ober- 
arra-Schulterverbindung  (Gr.  w.  II,  491;  IV,  2. 149-.» 
(Kegel)  —  rorbügig  =  bockbeinig  iKalko  II,  4i6j 

—  (1.90)  Wider-Bug  -  Suffrago,  Kniebug  gegen- 
über der  Schenkelbeuge  (D.  666).  —  Bug-zldcr, 
-Drin,  -Blatt,  -Galle,  -Gelenk,  -Lähmung, 
-Sehwinde,  -Spittt. 

Bugler,  m.  (nach  Hytll  [K.  W  20y,  In  alten  Voca- 
buiorlen  ■  •ternum)  =  Brustbein,  als  Schild  auf- 
gefasst  (Buggier)  (Schtneller  I,  217),  Schildbuckel, 
oder  -  Brustbeinhöcker  (•.  Merzbuckel);  (mhd. 
buckel  --  erhabene  Rundung,  au«  [lal  ]  bueciila,  BAek- 
rhen,  Kluge*,  68). 

Buhle,  m.  (ein»t  trauliche  Bezeichnung  für  roannl. 
Verwandte,  weiterhin  (icllebter,  Gellebte,  Kluge1,  59) 

—  Teufeli-BuulVT  =  der  Alp  (s.  d  )  als  Succubus, 
wobei  der  Teufel  die  unterliegende  Buhle  (amiea; 
vorstellen  sollte  (Wahnvorstellung  aus  älterer 
Zeit).  —  Buhl-Gort,  -Teufel. 

Bule,  f.  a.  Beule. 

Bulge,  f.  B  tilgen,  m.  (ahd  bulga  -  lederner  Sack; 
gall.-lat.  bulga,  Fa**buueh ;  mhd  bulge,  verwandt  zu 
Balg  [a.  d.i.  Kluge1.  25.  59;  frans,  boyau,  BriM  56;  1419 
bulge n;  1433  pulgell ;  15.  Jahrh.  pulg.  bulge,  bulg.  fulg. 
volgc  =  Watsack,  lolliculu«,  uter,  1).  sl  631;  Schindler 


I.  237]  -  der  hohle  Leib,  der  Tragsack,  Uterus; 
(s.  Bülken,  Böiken,  Bolgach). 

Buller,  m.  (Tirol)  =  Penis  (HJntner  B  18;  Bull  ■ 
Stier,  Sehm  I,  233;  ein  au*  au«  dem  n.M.  entnommenes 
Wort,  Kluge4,  46). 

bulstern  -  tussitan»,  polstern,  mit  bellendem 
Bulltone  iiusten  (D.  603). 

Bülten,  m.  (ndl.,  150?,  1677  bult  =  pannus,  taber, 
D.  410.  ouo;  zu  bulg,  bol«  )  =  eine  timsehriebene 
Gesch wulst,  Abscoss  (Goldsehm.  *9.  91  129,  V.  K 
VI,  9)  ohne  Hautrote,  Buckel,  dicker  Kopf.  — 
f7iVA/-Bulten  fudd.  Jicht  bulten)  =  schmerzhafter 
( iiehtkooten,  umschrieben,  ohne  Hautröte  (Gold- 
«ehm.  90.  119). 

Bulzen,  in  (Pulzen,  Bulz),  l.^Bülzahn  (s.d.). 
—  2  =  eine  Pferdekrankheit,  (früher)  angeb- 
lich vom  Verschlingen  von  Federn  oder  Erd- 
reich oder  vom  Laufen  wider  den  Wind  ver- 
ursacht (Schindler  I,  238};  soviel  wie  bauch-  oder 
herzschlächtig  (s.  d.),  Asthma,  Dyspnoe  der 
l'ferde,  wenn  die  Flanken  sich  wie  eine  Beule, 
Bolle  blähend  vordrängen  (ausgedehnte  Lun- 
gengrenzen, Emphysem?),  wie  auch  von  Augen: 
hervorpolzen  (Boltz-Auge,  s.  d.  und  pulzen). 

Bund  m.,  8.  binden. 

Bung(Bunk,  Bünkel,  Bünken,  Pünkel,  Bun- 

gerer)  'ahd.  hungo  -  Knollen;  mhd.  billige,  Kluge4, 
23.  17'jobinkel  kielner  Illing;  engl,  buneh  =  Beule. 
Warze,  Kropf.  Knlt'i'hm.  I;  tnuiz.  beilgnes,  bigue«, 
Bris».  2M)  -  SehluglK'iile  all!  dein  Kopfei  ;  1.  =  Drüsen- 
knollen  (Beule:,  namentlich  bei  den  Gemachten, 
am  Reihenbein  o.  im  Diech  =  Bona.  —  2.  =  Kropf- 
beulen =  Bünkel  am  Hals.  —  3  =  ScbUgbeule 

namentlich  an  d.  Stirne) ;  forner  Hautknötchen, 
Hauthöcker,  Blatternarben  (Alg&U,  c.  v.  Sehm. 
107;  Sehm.  i,  394).  —  4.  =ein  knolliger,  bünkel- 
artig  im  Wachstum  zurückgebliebener  Mensch 

Hinter  5,  11).  —  5.  =  Penis.  —  bünkeln  fsach*. 
blukelii.  pinkeln)  =  urinare (I».  <>3ü  —  Bungerer 
Luftröhre  (Schwaben.  Schw.  42.  0.  v.  Sehm.  107).  an 
der  der  Kropfknollen,  Büngel  (s.o.)  sitzt.  —  Feig- 
Pünkel  (feigpüchel,  Sehmeiler  1,696)  —  Bubonescum 
condylomatibus  (a.  Feig  und  Bühel).  —  Herz- 
Pünkel «  Brual,  d.  h.  der  vortretende  Teil  des 

Brustbeins  -  Herzbuckel  (voussüre)  (nicht  -  llerz- 

bengel  oder  Henebnndel,  wie  Andre«ell  '.»4  meint  ;  Sehm. 

I.  391;.  —  Lähm  Plingel,  1.  —  Bubones  syphil. 
(vergl.  Lähm  2,.  —  2.  —  knollenartige,  trauma- 
tische Anschwellungen  von  Drüsen  mit  lilhm- 
ungsartiger  Schwäche  der  betellendeu  Extre- 
mität. —  (1699)  OAr-Büngel.Büekel)  =  Pestbeulen 
hinter  dem  Ohre  (Drüsenanschwellungen)  (r.  M. 
Ii,  102.  km).  —  irr-nusspünkelt- tnisp^'cstaltot, 
verwachsen  wie  ein  kleiner,  rundorNussknollen, 
verkrüppelt  (Bctua aller  I,  i"C5).  —  Bung-,  Binkel- 
(Binken-,  Pinken-),  -Dann,  -Ei**. 

Bunsen,  Bunzen,  m.  ein  kurzer,  dicker, 
menschlicher  Körper  (iiintner)  (vergl.  Blunzen) 
(engl,  punch). 

Burre,  f.  =  Geschwulst  iBuck  19j  -  Bürde  isehm. 
1,273),  Last,  an  der  man  träat ;  i'Eierstocks-t'vste, 
l'terustibroid  z.  B.).  —  Wechsel  Bui  ~  Wechsel- 
balg-Bürdo  (Kthnol  Mitth  aua Cntara  is94,  s.  240; 
(.  Wechselbolg). 

f/ 


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84 


Burach— Burt. 


Burt 


Bursch,  f.  (GebÜrSCh)  'tu  bursa;  ahd.  burls«a, 
Börse)  -  sacktthnl.  Eingeweide  (Mctzgerspr ,  Schm. 

I,  281).  —  i^rtSf 7-Bur sch  —  Nachgeburt,  Secun- 
dinae  (s.  Fasel  2,  der  Zuchtsack-,  Fötus-Balg1). 

Burt,  f.  (Geburt,  Burd,  Bürde,  Bürdlein, 

Bürtel)  (*"  gebaren ;  nrindogcrm.  bhcr  -  tragen  [ferrc) ; 
vorgcrm.  bherä  -  tragen  ;  oltgcrm  heran  -  tragen, 
Kluge9,  2S,  30.60;  Roth,  haurthel,  Kluge  ibid. ;  ahd. 
burdl  — Last,  mhd.  bürde  =  Last ;  law  biirdelln  —  sar- 
cinuln  surciuiicuhi,  Ii.  "d2,  Watsnek  ,  l  li.2bürdi  —  Triirbt- 
zcll,  ('.  v.  Scbni.  1U7,  Iii  portec],  15'>1  bürd,  Ininlleiti 
=  plnenim.  l.twbuerdclln.  D. U2,  Watsack,  IMSUM- 
lein  -  pliieetitii;  17 10  burdelelli  -  plueenta.  Zu  genuan. 
heran  gebaren  ;  goth.  gabaurtbs  ff.],  Kluge*,  13«; 
uhd  kapurt,  9.  Jahrb.  gihurill,  gibtirti.  Graf!  HI,  160, 
Pfeiffer,  Forsch,  n.  Kritik  II,  41,  purt.  GralT  Iii,  1">9; 

II.  Z.  XV,  "Ki;  mhd.  geburt,  burt  =  Geburt;  l.V  Jahrb. 
bort  (».  uleni."].  P.  6Stj  1961  geburt  =  partns,  suholes; 
1603  bürtel  [bührtel]  -  placenta  ;  17.  Jahrh.  gebürtleln 
!  b  1 1  r  1 1  c  I  n  ] ■• p 1 ac e  n  t  a ) j  bürtl,  n.(  =  Nachgeburt ;  ehr.  B. 
243.  494,  engl,  birth  -  Ueburt,  Traelit,  Wurf;  birlhwort 

—  Gcbärw urz,  Osterluzei).  —  Burt  (Geburt),  1 .  =  das 
Gebären  der  fruchttragenden  Mutter  =  Partus 
naturalis  -  der  Geburtsakt  im  Gegensatze  zur 
Bürde  -  die  Tracht,  die  Tragung,  das  Getragene, 
daB  Tragende).  —  2.  =  das,  was  aus  dem  tragen- 
den Mutterlei  he  geboren  wird.inseiner  verschie- 
denen Gestalt  (bis  zum  18.  Jahrh.  auch  von 
Tieren )  z.  B.  (1496)  Geburt  =  Plasma,  Zeugungs- 
BildungsstoÜ'fD. 440);  Foetus eoneeptus,  Frühge- 
burt (Abortus),  Missgeburt,  Totgeburt,  natür- 
liche Geburt,  Nachgehurt,  Gebürtlein,  Bürtel 

(gleichsam  die  kleine  (ieburt.  die  Nebengeburt,  (ir.  W. 
IV.  t  1903,  1907,  auch  als  (ieburt  mit  dem  Halglein. 
C.  v.  Mcgctibg.,  andere  Geburt ;  1.W1  =  da»  Juuge.  piirlus. 
subtile«,  Gr.  \V.  IV.  1,  1903 ;  1603  das  [die]  buhrtcl  Ge- 
bürtleiti]     Nnebgeburt,  Gr.  \V.  IV,  1,  11K17  ;  1603  lturtel 

—  placentn,  sceundlua.  Gr.  \V.  II,  Sil;  17.  Jahrh.  bürt- 
lein,  Tabemueiii  st  Nachgeholt,  sccundlna).  —  3.  —  die 
Art,  wie  das  Kind  geboren  wird,  z.  B.  Steissge- 
burt,  Missgeburt.  —  4.  —  die  Gebiirmtitter  und 
die  Geburtsteile  des  Weibes  <irW.iv,  l.  1903; 
Georg.  4l»i  Puerperium  OtUt*rl  Vagini  Du  CugS  VI 
:►.'>»,  17S3  „bei  den  Hebammen  werden  auch  wohl  die 
Geburtstelle  so  genannt",  Stein  1,  ISO;  l'latner  II,  7, 
Pauli  lg),  —  5.  =  Abstammung  von  der  Muttet 
(Eltern).  —  6. —  Natur,  angeborene  Art,  An- 
geburt  (Gr.  \\.  IV,  l.  19U2  ff.'i  (vgl.  „Natur").  — 
Bürde  <=  die  Trage  (s.  d.),  die  Last,  Tracht  des 
schwangeren  Weihes,  1.  =  das  was  getragen  wird, 
die  Frucht,  das  Kind  vor  der  Entbindung  m 
Magdbürde,  böse  Bürde,  Leibs-Bürde;  auch 
Geschwülste  im  Leib  sind  eine  Bürde  (vergl. 
Burre).  —  2  =  die  Zeit,  in  der  es  getragen  wird 
(MC9  bürd]  -  im  bürde)  -  dio  Tragzeit,  Trttchtig- 
keit  (c.  v.  sehm.  107).  —  -  das,  was  mit-  und 
ausgetragen  wird  mit  der  eigentlichen  Frucht 
(ltV.l  die  bürden,  Bock  17-  seeuudlua  ;  1-V.l  das  bürde- 
lin,  Heek,  llcgister  =  secundina;  ldl 3  biirdleln  -•  pla- 
centa,  Myrtl,  K.  W.  1  [Kiudsbürdleln];  1740  bürdelein 

—  Nachgeburt ,  Zw.  4">4;  da»  llurdlein  —  KCWMUlM, 
Sehmeiler  I.  273;  die  bürd!,  Schnei/)  -  Nachgeburt 
(Gr.  w.  IV,  l.  1903).  —  4.  =  die  Gebärmutter  als 
tragende!  Organ  (die  burd,  Bcbmeller  I.  liv  die 
burdl,  Schweiz  -  uterus,  Gr.  W.  IV,  1, 1903;  das  bfildlln 
■  Uterus.  C.  v.  Schui.  107;  bürde  =  Gebärmutter  (bei 


I  Kühen],  Sehmeiler  I.  273;  1668  sehr  schadhaft  nn  der 
gebürde  —  Gebarmutterschmerz,  Heyn.  14S.  151  Hit; 
Bürde  ist  niemals  der  Geburtsakt,  das  ist  nur 
Burt  oder  Geburt  ;  sonst  gehen  Bürde,  Bürdlein 
sowie  Bürtel,  Bürtlein  leicht  in  einander  über. 

—  (».—16.  Jahrh  )  geburtlieh  =  natürlich,  ange- 
boren (Gr.  w.  iv.  l,  1907J  (s.  u.  Angebnrt)  und  er- 
zeugend fc.  v  selim.  107).  —  geburt'iohe  Kraft, 
s.  Kraft;  an  «ler  (ieburt,  misslingt  einer  (IUI]  — 
abortare  [Or.\V.VI,2286). —  /icAfcr-Bürde  (od.  dtech.) 
=  Afterbürde.  —  (M83)  .dfrer-Geburt  (-pürt)  (<•. 
v.  Megbg.]  nachtrüjjliche  Bürde  ■  Nachbürde, 
Nachgeburt  bei  Mensch  und  Pferd  (engl,  afterblrlb 
-Nachgeburt;  I^hf.  97;  Hyrtl,  K.  W.  4;  R.  A.  885; 
I"i71  —  secundinae,  placenta  und  amiiion.  »ir.  W.  I, 
IM ;  17.  Jahrb.  aJlergeburt.  Taberneem ;  Or. \V.  1, 1068 ; 
1742  afftergeburt  =  seeuudinac ,  Zw.  109;  17M  Aftcr- 
geburt  -  «eeunditiae  (plaeeutal,  A.v.  Ii.  1,  1214  -  After- 
bürde, Gr.  W.  1,  iso;.  —  Agrippinische  Geburt 
s.  Fuss-  u.  Steissgeburt.  —  andere  Geburt  (1894 
MHlcrc geburt  bey/et  dasvel  dadaz  kint  in  der  muter leip 
Inno  leit  und  dui  mit  den  Lynden  geboren  wirt,  D.  BBS; 
IV  Jahrh.  die  ander  Geburt,  Gr.  W.  VII,  ".'.t;  1V29  ander- 
geburt,  Hyrtl,  K.  \V.  4  ;  Fries  126;  1V.1  andergeburt, 

lk.ek  2.%;  Gr.  w.  iv,  l.  i9ü;:i  -  die  durch  den  andern, 
d.  h.  zweiten  Geburtsakt  herausbeförderte  Ei- 
haut nebst  Plaeenta  =  .Seciindinae(Kindel-Fell). 

—  AngebUTt  'uhd,  anaburtl.  unabnrt,  Graft  III.  161; 
Gr.  \\.  |,  339;  IV  I,  1901;  1,'iOS  angeburt,  Gr.  W.  IV,  1. 
1904  »ub  4  b)  -  Natura,  angeborene  Art,  s.  Geburt  G 

—  ^lU^eburt  =  Foetus  (Gr.  W.  I,  SO«;  tdlnord. 
athuidr;  uorw.  utburd;  das  uugetanfte,  ausserhalb 
de»  Friedhofe."  beer-llgte  Klüd  oder  ein  tieist  Dflmon, 
sog.  Hufer',  der  nach  solchen  [Opfer-]  Kindern  schreit, 
I.iebrechtz.  Volksk.  319  ,  in  Itumanien  treibt  mit  solchen 
Kinderleiehen  der  Moroiu  [s.  Mar]  seineu  Spuk,  d.  h. 
er  holt  sieh  seine  Opfergabe,  1  npjell  ls9...  S.  02.  wie 
liei der  Teufelsbrut)  Missgeburt  vs.  d.),  wasauaser- 
halb  der  Natur  und  des  natürlichen  Geburt- 
Verlaufes  ist.  —  böse  Bürde  =  eine  missgestal- 
teto  Bürde  des  schwangeren  Weibes  (Mondkalb, 
Foetus,  Molenschwangerschaft  (Gr.  \v.  vi,  2008; 

riosa-BarteU  I ,  S7 5).  —  |  doppelte  Geburt, 

l.  =  Zwillings-Geburt.  —  2'^(i723!  Steiasgeburt 
(v.  siebobi  U2),  weil  2  Teile  vorliegen;  schon  bei 
Hippokratei  (Morb.  mulierum)  vorkommend 
(stein  Ii,  lio).  —  3.—  Fussgeburt,  bei  der  2  Füsse 
Sieh  zugleich  einstellen  (Plenk  373).  —  Erst-Ge- 
burt    die  erste  (ieburt,  primo  natus  (Erstling). 

—  fYM-Grburt^  fehlerhafte  Entwicklung  der 
Gehurt,  a;  Abortus,  fattsse  couche  (bis  1836  rech- 
nete man  den  Abortus  bis  /um  7.  Monat  derSehw unger- 
scliaft,  v.  Blebold  6»);  b)  Missgeburt  («.  d.).  —  (17. 
Jahrh.)  Fruh- Geburt  ^Opitz)  =  Partus  jiraecox 
(i»3ti),  damals  vom  7.  Schwangerschaft-Monat 
ah  gerechnet  ,v.  Hieb.dd  Kl).  -  iwr-Geburt  Imhd. 
\  ürgeburt,  Lexer  361)  erste,  vorausgegangene  Ge- 
burt. —  fttÄS-Geburt-tiebtirt  des  in  Fusslage 
befindlichen  Kimles  (Partus  ngrippinuo)  (147'.: 
agrippa  --  gebaeren  myt  groten  arbeyi  synre  moe<ler ; 
dycr  dat  mit  den  voeten  op  der  erden  tit,  T>.  19;  l'll- 
nlns,  Hist.  nat.  VII,  S  =  aegre  partus?.  Der  Partus  Agrip- 
parnm  ist  eine  mit  den  Füssen  zuerst  geborene  Frucht : 
nach  Krim«,  F.  39  von  agrios  hippos  wildes  Pferd, 
bei  dem  die  griechischen  Hirten  das  Werfen  de«  Fohlens 


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Burt. 


Bunden)— busen. 


mit  den  Füssen  [neben  dem  Kopfe]  voraus  beobach- 
teten.  nach  dieser  wilden  Rossgeburt  nannte  man  dann 
auch  beim  Mensehen  die  Kussgeburt  Agrippal  (s.  Steiss- 
Geburt).  —  (17S3)  Üawt-Qeburt    eine  Entbind- 
ung durch  die  Hand  des  Geburtshelfers  (Wend- 
ung; Stein  II,  loo).  —  harte  Geburt  —  schwere, 
schmerzliche  Entbindung.  —  (1783/  Kaiset-Ge- 
bort^die  durch  den  Kaiserschnitt  Sectio  cae- 
sarea) beendigte  Geburt  (caeso  matris  utero) 
(Stein  II,  241;  ganx  und  gar  unverbürgt  l*t,  das»  Julius 
< 'a*ar  auf  diese  Welse  Mir  Welt  gebracht  worden  sein 
»oll  { a  EWtos).  —  (MM)  Kinds-Hvadiein  -Bürd/rm) 
=  das  Bürdlein  (Mitbürde)  mit  dem  Kinde  - 
Secundina,  Amnion  (Gr.  w  v,  733;  l>.  523).  —  (1512) 
AVnn-Bnrden-Sarcinula,  Walsack,  Kleindarm 
(D.  512).  —  A'op/- Geburt  =  Geburt  des  Kindes 
mit  vorliegendem  Kopfe.  —  (1742)  .'  i  Bürde 
lengl.  bürden  of  the  wom ,   Kaltschm.)  —  Leibes- 
frucht (Zw.  144}.  —  leiehte  Geburt  -  natürliche, 
nicht  künstliche  und  verhältnismässig  schnelle 
Entbindung.  —  Magd  Bürde  (ahd.  magadburU, 
<;rail  II,  630  —  die  Leibesfrucht  einer  Jung- 
frau. —  Afa/- Geburt  =  ein  Kind,  welches  mit 
einem  entstellenden  Muttermal  (s.  d.)  auf  die 
Welt  kommt  (UnquelllV.  iki).  —  itfiiw-Geburt  (ahd 

mWsihiiri,  Graft  II,  863;  151«  „wenn  der  Teufel  in  Ge- 
stalt eines  Weibes  des  Mannes  Samen  empfangt  und 
alsoein  Kind  erzeugt,  «nk  dies  eine  Mi*sgeburt,  Luther 
10  «.ebote-l'redigt ;  1531  niKshurt,  Gr.  W.  VI,  22*1;  1680 
uiUshurtlg  =  «1?  eine  Mis*g>-biirt  auf  die  Welt  gekommen, 
tir.  W.  l.eoil;  1591  Mlssgebnrt  -  abortivus.  llad.Juti.  15; 
161s  in  .ler  natürlichen  F.ntwickelung  und  Knlhiudung 
gestörte  Frucht,  MlMbildung  und  falsche  Kindeslage, 
8t.  Benno  Mir.;  schwierige  (iuburt;  1722  ,, eine  DUVOll- 
komuienc  Geburt,  woselbst  diu  Kinder  ihr«  Glieder  Wir- 
kehrt  und  unförmlich,  und  eines  «u  wenig  und  das 
andere  [Glied]  Sit  viel  halien ,  oder  welche  mehrere 
Gliedmaßen  wie  unvernünftige  Tiere,  als  Kreits,  Vogel, 
Itaren.  mit  auf  dl«  Welt  bringen,  welchen  mit  Recht 
der  Namen  Mi««gcburt  gegeben  werden  kann",  Thea, 
san. ;  Br.  292 ;  17 «2  abortu«,  Zw.  'JOt ,  1751  —  monstntui, 
A.  v.  ii  I,  1021) ;  demnach  l.  =  die  verfehlte  Nieder- 
kunft, Fehlgehurt,  Abortus,  Partus  praematura!, 
unzeitige  Geburl,  schwierige  Gehurt  durch  fal- 
sche Kindslage  etc.  llyrtl,  K.  w .).  —  2.  =  das  iu 
der  Form  verfehlte  Geschöpf,  das  als  ein  Fehl- 
tritt der  Gebort  (Error  naturae)  angenommen«, 
missg-eborene,  weil  missgobddete  Geschöpf  (Gr. 
W.  VI,  22S6;  nach  dem  (Hauben  des  Mittelalters  ein 
Teufclswerk  oder  die  Folge  einer  Iinmoneii-Wirkiing. 
1  Alp.  Mar,  Trude  etc.),  die  durch  bösen  Blick  [s.  d  j  die 
Mutte  r  \ ergehen  oder  einsehen  [s.  d.;  macht!;  (vergl. 
uiiHscebAren  unter  -hären  und  Wundergeburt). 

—  Nach  Biirdle  (isea;  Gr.  w  VII,  ss):  (-Bürdlein) 

(1722;  The»,  san. ;  Br.  376;  ndl.  nageboort,  l>e  Cock  73), 
1. -der  zweite,  nachfolgende  Akt  dei  Gehurt, 
nämlich  der  Eihäute  und  <les  Mutterkuchens. 

—  2  diese  Teile  selbst  -  Nachgcbürdc.  Busch  • 
lein,  Mutterkuchen  etc.,  «elbst  die  lote  Frucht 
z  B. ;  [ii"*7)  angewachsene  Nachgeburt  (Genre -tie) 

l'lacentar  -  Adhäsion ;  die  erste  Nachgeburt 
fTh.  san.;  Br.  2*.K>)  =  die  Ausslossung  eines  toten 
Kindes.  —  jVWA/- Geburt  die  zur  Nachtzeit  er- 
folgende Geburt  (Gr.  \\  VII.  17b)  —  Neun  G'burt 

—  eineGeburt  mit  5*  Frachten  (von  l'aulus  Dlaconns, 
de  gestis  Langob  [Bachofen  261]  erwähnt).  —  Schliere 


Geburt  (1551  Bock,  Krtrbch.  150)  «schwierige  Ent- 
bindung. —  Spät- Geburt,  1.  =  die  Entbindung 
einer  Frucht  über  die  natürliche  Zeit  hinauB. 

—  2.  =  diese  so  geborene  Frucht  selbst.  — Steiss- 
Geburt  -die  Geburt  eines  mit  dem  Steisse  vor- 
liegenden Kindes,  Partus  agrippinus  =  (Agrippa 

der  alteren  Autoren,  A.  v.  II.  □,  30;  auch  Fussgebnrt 
[*.  d.)  -  psrtus  agrippinus,  auch  partu*  agripparom, 
Stein  III.  6;  ,,agrippae  dicuntur,  nuod  contra  nascen- 
thun  legem  pedes  prlusex  utero  protulerint,  quasi  aegre 
partlls".  Du  fange;  nach  dem  Volksglauben,  Wuttke 
203,  werden  sleis.-llngs  geborene  Kinder  steril  oder  im- 
potent [schwergebarend]).  —  (1879)  StWrr-Geburt  - 

eine  äusserst  rasche  Entbindung,  bei  der  das 
Kind  aus  dem  Mutterleibe  sozusagen  heraus- 
fällt, sich  überstürzt.  —  (1518)  totgeborene  Burt, 

I.  =AbortU8  (Gr.  W.  IV,  1.  1903;  Hurt  san.;  Ortolph) 
(s.  ungeboren  geboren}.  —  2.  —  Totgeburt,  tot- 
geborenes, aber  abgetragenes  Kind.  —  tiber- 
zeitige Geburt  -  eine  Ober  das  normale  Ende 
der  Schwangerschaft  hinaus  gehende  Zeit  des 
Fruchttragens  (v.  ßicbold  53).  —  unartige  Geburt 

—  wider  die  Art,  die  Kegel  geborene  Frucht 
=- Abortus  (Gr.  w.  iv  j,  1903).  -  (lesot  unvollkom- 
mene Geburt  -  Embryo,  Foetus  (Gr.W.  iv.  l,  1903). 

—  (1609)  unzeitige,  unzeitlt  Geburt  =  Abortus 
K.r  W.  IV,  L  1903;  DeCOCk  59;  Guar.  1066 i  The*,  san. 
itr  SIS)  (s.  Unzeit).  —  (16.  Jahrh.)  verstorbene  Ge- 
burt   Totgeburt.  —  verwerfliche  Geburt  =  Ge- 

;  burt  durch  Verwerfen  (s.d.)  =  Abortus  (Gr.  W. 
I  IV,  l.  1908).  —  Fier/tnp«-Geburt  —  Geburt  mit  4 
Früchten  (ZeiUchr.  f.  Geburtshilfe  u.  Gyn  III,  t.  166). 

—  »rtln-burtich  ("hd.  —  iniperfecte  s  male  natus, 

im  fanite  viii,  ioi).  —  (nw)  widernatürliche  Qe- 
burt  -  künstlich  beendete  Gehurt,  bei  der  die 
|  Nalurkrilfio  nicht  ausreichen  stein  i,  i:;ij.  — 
IFtVdcr- Geburt-  über  die  Vorstellungen  einer 
volksmedizinischen  Wiedergeburt  durch  <lie 
Therapie,  s.  Ofen  und  Mühle.  —  (17.2  Wunder- 
Geburt    Monstrum,  Missgebart  (A.  \.  IL  I,  lot; 

II.  1038)  „weil  das  Kind  mit  einer  ganz  verkehr- 
ten und  anderen  Menschen  ungewöhnlichen, 
verstalteten  Bildung  auf  die  Welt  kommt; 
kleine  Abweichungen  machen  noch  keine  (eigent- 
liche) Missgeburtaus".  —  Zangen  Gtburt-cine 
mittelst  der  Geburtszange  bestätigte  Entbind- 
ung. —  (i  IT  i  dieGeburtergettssen  (r.  v.  Megenbg.) 

Geburtsblutiingen.  —  die  Geburt  verderben 
(tir.  \V.  IV,  1.  1003)  =  Abortus.  —  (1616)  die  Geburt 
abtreiben  (Gr.  w  IV,  l.  1903)    Abortus  artificialis. 

—  die  Geburt  im  Mutterleib  —  Foetus  ('iraff  III, 
180;  ür.  w.  iv.  1.1903).  —  GebnrtS-,  -  Arbeiten, -Bein, 
•Drang,  -Fehler,  -Feuchtigkeit,  -Fleck,  Geschäft, 
-Geaehu-ulst,  -Glieder,  -  Häutlein,  -Geilen,  -Gich- 
ter, -Hehn,  -Lähme,  -Leber,  -Lust,  Mal,  Narbe, 
-Reinigung, -Scheide,  -Schmerz,-  Verderbnis,  •  Ver- 
drucken, -  FenrcArttfMMjf,  -  Wasser,  -  Wehe,  -Zeit. 

Burz(en),  m.  Burtzel  i/u  bom-n  -  hmorstchen, 
«.  Bürzel),  1.  a  ein  kleiner,  im  Wachstum  zurück- 
gebliebener, verwachsener  Mensch  (Buizen- 
prügel).  —  2.  -■  harte  Haut-  oder  DrOaenknollen, 
dte  beim  Pferde  hervorstehen  (R.  k.  555.  616; 
Blntnef  10;  Sehmeller  I,  285). 

Busch,  m.  s.  Büschlein. 

busen  (pusen)  =  pissen  (rim;  c.  v.  schm.  nov 


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80 


Busen— Butt  (*•). 


Butter— Butz 


Busen,  m.  (vielleicht  verwandt  zu  bog  >.  d.] ;  vor- 
gcrm.  bh&ftau-  [Am,  Achsel];  goth.  bösma;  ah<l.  buo- 
snm;  mhd.  buosem,  bOWIB,  Klug«»*,  61;  ndl.  bOWMB, 
I>e  Cork  65;  engl,  boitam;  1482  puBcui,  Zolling ., 
Voc.  cc 8  —  stnus ;  1609;  Guar.  770)  —  Wölbung,  ].= 
weiblicht  Brust.  —  2.  =  die  ganze  Brustgegend 
Tirol,  Hiiuncr  s.  17).  --  3.  -  (1652!  Haustra  coli, 
die  aufgeblähten  Kugeln,  Bausc  hen  de»  Dick- 
darms Blicke  (Hyrtl,  K.  W.  121.  -  4.  =  (17S.1) 
weibliche  Sdianibohle,  Scheide,  ScIiobs  (Levellng 
261;  n.  r-aul«).  —  5.  in  älteren  Gesetzen:  partu» 
sequitur  ventrem,  das  Kind  folgt  dem  Busen, 
soviel  als  -  Weil),  die  Trägerin  dos  Busens 
(Haitiiu*  199)  —  Busen- Schlag. 

Busse,  f  (ftlUnd.  bhadrüs  aus  der  Wurzel  bat  - 
Nullen.  heilsames.  «cReusreicheit  Interesse;  goth.  hol» 

—  Nutzen  ;  nhd.  buoza  =  Abhilfe ;  1260  hilezon  =  beseiti- 
gen, hellen,  bessern,  rielffer59;  mhd.  buoze;  engl  botch 

mit  Geschwüren  a.  Heuleu  bezeichnen.  Kai  He  Inn,) ; 
eigentlich  1  =die  Abhilfe  (Heilung,  Vertreibung) 
der  Krankheit  durch  den  sog.  Büs?er  (—  Heiler, 
Aizts  (Cr.  W.  IT.  MS;  Ethnol  Mitt.  uns  fug.  1893,  III, 
121;  Havaria  III.  1  313,  Anm).  —  2.  -  die  damit 
geheilte  Krankheit  selbst.  -  (1482)  Örin/  Bus- 
serin  (grindt  bucsserin  —  pusserln  =  senbiatrlx,  D.  616) 
=  die  mit  der  Behandlung  des  Kopfgrintes  bei 
Kindern  betraute  weibliche  Person  (s.  Grint). 

—  (1576)  St.  Johannen  Busse  (Theoph.  Parac.  73; 
r<der,  II.  2ö")  —  Gangraena,  l'aries  osBium  (cum 
Phlegmone),  Knochenfrass;  denn  St.  Johannes 
„verantwortetedieofienen  MicsBenden  Schilden" 
(152»Theoph.  ruraeel*.  de  impostur.;.  —  (1660)  St.  Qui- 
*  iw*  BU88e  [Schmellar I,  1396;  II.  Sachs;  1576  8t.  tjul- 
riiis-Uussp,  Theoph.  I'arao  ,  Rodenst.  —  caries  ossium ; 
1645  St-  Quirins -Wss,  Coler.  H.  A.  IM;  Klrisz-busz, 
«ir.  \V.  V,  835),  1.  —  „die  Bosheit  und  die  Schmer- 
zen des  fressenden  und  giftigen  Salzes  in  den 
Löchern  der  ollenen  Schilden  bei  „St.  Quirins- 
und St.  Johannes- Buss"  ~  Ekzema  varicosum. 

—  2.  =  Krvsipelas  und  Phlegmone  gangraenosa 
(die  vom  Ulcus  varicosum  oder  vom  Knochen- 
frasse  ausgehen).  —  '6.  —  Knochenfrass  (Caries 
ossium)  —  4  =  Krebsgesehwftr  (s.  d).  —  5.= 
Ölschenkel  («.  d.)  (l'arncclsus  1529).  (81.  Quirin  a 
Zcltschr  d.  D.  Ö.  A.  V.  1893,  8.  190.  Vermutlich  hatten 
die  Sit,  Quirins  Kloster  ein  Geheim  Mittel  [OltUi  prae- 
Mantissiinuin  tegurlnum,  St.  Quirins"l,  Krdfll,  Ichthyol; 
Regen  dl«  ,,( ir'.sohenkel ,  wie  die  Antonlter  Reuen 
81.  Antonius -Feuer  ;Krysipelas]  und  die  Yalentiner 
[II  Sachs]  Reuen  St.  ValentinvSieehtum  [s.  d.  und 
Verl  Volk. -Med.  S  138]).  —  BtlBS-wiiru). 

Butt(e),  n .,  f.  fbutten,  Bott,  Büttling,  m. 

BÜtterich)  zu  ahd.  ptitin;  mhd,  buten,  biitte  -  tie- 
fdss,  ltottich,  Hlntner  8.  18;  KhiRe*,  62,  1425  boten  - 
castrure;  15  .Tahrh  bydelinch,  holllng,  bUVUlf  = 
rnftronti«  'eastranisj,  Ii.  105;  1140  budel,  biidung  — 
onia^tim,  Ii.  395.  1*,.  Jahrb.  pute  —  verctruni,  Ii.  612t 

—  Bauch  als  runder  Eingeweide- Wanst  (Podig, 
8.  d.)  und  als  schlauchförmiges  Speisen-Gefä«s 
(vergl  Bottich),  -  BÜtterich  (ahd.  bntrth  =  oter, 

schlauch,  «irafl  III,  90;  1.90  butterieh  -  vcnter,  pnnti- 
cm,  D.  132.  410;  Had.  Jun.  396),  1.  =  Schmer  bauch, 
Wanst,  der  auch  zum  Personen-Namen  wurde. 

—  2.  =  Magen,  Leib  (Sehmeller  I,  310).  —  3.  = 
kleine,  kur/c,  dicke  tJestalt  Hnes  Menschen, 


Bott  (Schw.  104;  Sehmeller  I,  310),  Butten  =  im 
Wachstum  zurückgebliebener,  kleiner,  miss- 
gestalteter Kimleskörper  (Gr.  D.  M  I,  474),  der 
dem  Wechsel  balg  (s.  d.)  (Ilavaria  III,  1.  307)  ent- 
spricht. Balg  und  Butte  sind  Vergleiche  mit 
dem  dicken,  plumpen  und  unförmlichen  Bottich 
(Pottich),  der  früher  zur  Aufbewahrung  von 
Getränken  und  Speisen  diente  (Büttling  =  die 
Haut  eines  jungen  Kalbes);  daher  Büttling, 
E  =  ein  Kastrat,  Eunuch,  ein  seiner  Genitalien 
(Gebütt)  Entledigter,  Verschnittener.  —  2  = 
ein  kleines,  im  Wachstum  zurückgebliebenes 
Kind  mit  dickem  Kopf  und  plumpem  Körper 
(=  Wechselbutte,  Wechselbalg,  Wasserkalb, 
Essigkalb)  (nord.  bytingar  =  Wcchselhalg,  C.oltb.  139; 
Bavaria  III,  1.  30!«;  2.  935,  Wultke  355).  -  Gf  DÜtte, 
irVhütZe  (1445,  mhd.  Rebutte,  geputt  =:  cxentera, 
•  irafl  III,  87;  IL  216  219;  I.exer  62;  Sehmeller  I,  305) 

=  Eingeweide  (Lexer62)  (s.  Poltaeh)  —  rcrhuttet 
ist  ein  missgestaltetor,  verkrüppelter,  dicker, 
kleiner  Mensch,  ein  rhachitisches,skrophulöHefi, 
atrophisches,  missgestaltetes  Kind  (Lammen. 
Volks-Med.  \  142;  (.ir.  D.  M.  I,  474;  Sehmeller  1,  312. 
1387).  —  Der  V»  a«er-Butt(e)  (  Wechs,  ^-Butte(r) 
=  Wasserkind,  Wechselbalg,  "Wechselkind,  Kiel- 
kropf (Gr.  W.  V,  680;  Uavaria  III,  2.  935;  Sehmeller  I, 
312),  auch  =  Wechselhur,  Wechselbalg  (Etbno). 
Mitt.  aus  Ungarn  is94,  s.  246)  ( WechselbalgbUrde, 
Wechselburl),  als  ein  durch  Zauber  ausgewech- 
seltes Kind  (Büttling,  s.  d.),  das  nicht  gross 
wird  (vergl.  Wechsel-Balg)  und  einem  plumpen, 
ledernen  Wasserbutte  gleicht  (vergl.  Pott»ch) 

Butter,  f.  (gem.  oberd.  m.);  (ahd.  bntera;  mhd. 
huter;  engl,  butter) ,  „wenn  auch  die  Kunst  der  Kftsc  '  - 
bereitung  schon  vor  der  Mitte  des  vorigen  Jahrtausends 
aus  Sudeuropa  nach  dem  Norden  gedrungen  Ist,  so 
kann  das  Wort  Hinter  doch  erst  im  10  Jahrhundert 
aus  dem  Norden  nach  .Suddeutschland  gekommen 
sein"  [Kluge*,  62);  früher  gebrauchte  man  bin  auf  die 
neuer»-  Zeit  (im  Allemannisehen  noch)  das  Wort  ,,Auke" 
(  =  Jj'j'jtoptw  des  Ilippokrotes)  =  Schmalz  (Oberbayern  ; 
Schweiz)  ^Kuhschmer).  —  (1777)  Jw^en-Butter — 
das  Sekret  der  Meibom'schen  Augen- Drüsen, 
welches  Fette,  Seifen,  kaseinfthnliche  Eiweiss- 
korper  enthält  (Gramiae  oculi,  Lemositas)  - 
Augenkftse,  Augenzieger,  Augenkotz,  Augen- 
butzen,  Schlaf  (Gr.  w.  I.  S©5;  V.  1«W1;  Duck  12; 
Ii.  268).  —  Butter-/lH5<r. 

ButZ,  m.  (Putz)  (ahd.  buzo,  puzlng,  pozing  =  iie- 
spenst,  Teufel,  llutz,  GrufT  III,  233,  mhd.  blitze,  Poltor- 
geist, Schreckgestalt;  1482  putz  —  larvn,  Scheuche. 
I»  319;  In  niorphn,  H  316;  1512  butz  =  lnrvutus,  I).  319; 
1521  butz  =  mueus,  D.  309;  bntzi  ^  kleines  Hitudeheu, 
lTfttzeheti,  /  d.  V.  I.  V.-K.  1896.  292).  l8t  der  Büttling 

(s.  o.)  schon  eine  kleine,  dicke,  plumpe  Figur,  so 
wird  seine  andere  Koseform  „Butz"  (Heinz  von 
Heinrich,  Kunz  von  KonruJ  noch  kleiner  und 
schrumpft  als  Butz),  Bützlein  endlich  zur  win- 
zigen Larven-Gestalt  zusammen;  immer  aber 
bleibt  sein  Charakteristikum:  klein,  plump, 
rund, mißgestaltet, unförmlich,  auch  unreinlich, 
widerwärtig,  u.  so  ist  auch  das  Bild  des  1)  Wa  I  d  • 
Koboldes,  Butzi-Mann  (s.  Mann,  Butz- 
Nickel),  der  als  Unhold  die  Kinder  frisst,  derden 
Kindern  Krankheiten  bringt(s.  Auderbntz),  und 


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Butz— Cholera. 


Blitzen— Cholera. 


87 


an  den  die  Buzen- Wurzel,  Bar«lana,  l.appa  pcr- 
sonata  a.  r.  h.  I,  1S6)  erinnert;  er  nimmt  auch 
die  Gestalt  an  einer  2)  Larve  o.  Made  (Sehm. 
I,  316);  daher  auch  die  in  die  Nasen  von  Toten 
und  Schwerkranken  oder  in  offene  Geschwüre 
abgelegten  Fliegenmaden  mm  Butzimann,  POp- 
pelmann  (s.  Mann)  werden;  daher  heisst  auch 
jeder  rnadenförmige  oder  rundlich  eingetrock- 
nete Nasenschleimknollen  „Mann-Mann"  (siehe 
Mann),  „Pöppehuann"  (s.  Popel);  darum  aber 
auch:  3)Butze  (  =  Augenhutter,  Au  gen  käse  etc.), 
das  Sekret  der  Meibomschen  Augendrüsen 
muck  u",  (vergl.  Augenbutz):  4  Schleim  über- 
haupt i^Mucus)  (Or.  I>.  II.  475,  Aiuu.  2);  der  BuU 
ist,  wie  oben  schun  angegeben:  ft)  ein  klein- 
geatalteter  menschlicher  oder  tierischer  Krtrpor 
und  Korperteil;  ein  kleiner  Butt  (Hlntner  0.  II). 
Der  Butzl  -  eine  kleine,  im  Wachstum  zu- 
rückgebliebene Person,  wie  auch  der  Bützl 
und  Butzigel  Gr.  D.  M.  I,  474);  damit  kann  er 
auch  wie  der  Balg  «um  6)  Tumor  (Gr.  w.  n, 
M)  als  missgestaltetea  Gewächs  oder  knollige 
Drüse  werden,  sowie  in  noch  weiterer  Ver- 
kleinerung zum  Bützlein  fltilf.  hützlln  ,  Para- 
celstw,  chlr.  Schriften  432a;  Cir.  W.  II,  59«),  Caput 
ulceris,  weisses  Bützlein  im  Ader-Aiss;  7)  Kiter- 
autflein  in  einem  Geschwär  (anlehnend  an 
Butzen)  (SchmeiiiT  i,  H7),  sowie  llitzblätterehen 
iPffltzlein),  Butze  iSchw.  io:j)  und  Varicellae: 
(vergl.  Eissenbützle).  —  [1590, 11(67)  A  «^cn-Butzen 
=  Gramiae  >.  Butii  8)  i».  36* ;  «r.  W.  II,  SM).  — 
Audrr-Butz  1475,  14*2  awdcrputz,  Zenit»;  .  Vocab. ; 
endrischer,  euterisch,  1'fiO  auderputz.  Schmeller  I,  37. 
Dnriouccius  voentnr  auderputz.  •  1 1 a i  numpiani  vult  os 
nperire,  <|iia«i  inflexibilcui  habcns  buccatn,  Sehntet- 
ler  I,  316;  l>.  liwj  =  ein  blöder,  taubstummer, 
langweiliger  Mensch,  oder  ein  kleingebliebenes 
Kind,  das  durch  Däruoneneinw  irknngden  Mund 
nicht  öffnet,  taubstumm  ist  (ur.  W.  I,  1044):  „Man 
konnte  «ich  leicht  Bezüge  auf  Atiter  —  über,  hinzu- 
denken, z.  B.  <la*»  iler  Butz,  ein  dämonische«  Wesen, 
da»  Euter  !«ler  Kühe  oder  Behalt]  Mgsumclkcn  pflegt; 
dock  fehlt  die  Form  Kuterbutz").  Vielleicht  liegt  ein 
entstellter  Adel- Butz  Adel-,  Ader-,  Auder)  zu 
(»runde.  —  Äuiwn-Butzel  —  männliches  Kind 
(Sehl.  15).  —  (1561)  Etnen-Btttslft  [Or.  W.  u,  sai;, 
=  dieeingetrocknetenF.iterknollcheu,Crustulae 
ulcerum,  auf  der  Oberfläche  von  Geschwüren, 
wie  der  Nasen- Butz.  —  (1620)  Fm»izo»cn-Butzel 


(Dr.  Minderer)  =  knollige,  erhabene  Drüsenan- 
schwellungen (Bubones)  durch  die  Franzosen 
(-Syphilis,  Lähmdüppel).  —  (1645)  Qeschtcär- 
Pützlein  der  erhabenste  Punkt  eines  Eiler- 
abseesses  (Caput  aposteutatis)  coler,  II.  A.  251).  — 
Gnit/Butze  (Butzel,  -Bützlein)  =  die  einge- 
trockneten, krustigen  Sekrelknollchen,  Kflgel- 
[  eben  beim  Grintschorf  (s.  Grint)  (r,r.  w.  II,  •">(»). 

—  Ärtrftr  Butzel-  ein  harter,  erhabener  Fleisch- 
knollen (Caro  indurata)  (Gr.  w.  n,  591)  — 
l">v,   Xnsni  ButZ  (ruu,  blitzen,  botze,  putzen  von 

der,  in  der  näselt  -  mueusfoetor,  foedatio,  polypus  naris, 
D.  371,  415)  -  daseingetrocknete,  madenförmige 
Sekret  auf  der  Nasenschleimhaut  (Rotzknöll- 
chen) — Poppelmann  [Gr.  w.  vn,  in;,  heutzutage 
anlehnend  an  Butzen  (s.d.),  auch  Nasenbutzen 
„butzechtige  Nas-bieher"  s.  Ix>cb).  —  Ohr- 
Butzel  15  .lalirh   orbutzel  ,  Cr.  W  VII ,  1260.  1253 ; 

i.Mto  ohrenpützei  -  Parotitis,  D  in  -Ohrenschmerz, 
durch  den  Butzel  (Kobold)  verursacht,  der  in 
Wurm  form  (Milde)  sich  darin  aufhält  Ohr-Wu- 
tzel.Ohrmützel).  —  U620)  Pestilenz  Buttel  (Dr.  Min- 
derer)-erhabene  Pestknollen,  -Drüsen,  -Beulen. 

—  wei*u  Bütz/ei'n  =  Lepraknotehen. 

I  Butzen,  m.  au«  bugze,  bügaz,  Kluge*,  62;  staut- 
I  meud),  1.  =  Kerngehäuse  im  Obst,  mit  welchem 
(=  Griebs),  da  es  versteckt  liegt,  auch  mancher 
krankhafte  Zustand  im  menschlichen  Leibe  ver- 
glichen wird. — 2.  =  siehe  Butz.  —  Adams  Blitzen 
=  Adamsapfel  als  Kehlknoten  wie  der  Butzen 
im  Obsf.s.  Adamsbispen  (Kluse»,  4*.  -  1587)  Augen- 
Butzen  <,r.  w.  [,  8W;  v.  iwi)  =  die  im  Augen- 
winkel liegende  eingetrocknete  Augenhutter  (s. 
d.),  Augenkotz.  —  (1793)  Ei'rVr-Butzen  matrix 
puris  alterputzen.  Gr.  W.  III,  3W2 ,  Jessen  333)  —  der 
ans  dem  A  bscesse  wie  der  Butzen  aus  dem  Obste 
herausgeholte  Zell>;cwebspropf(8.  Eiter-Batzen). 
Er  hat  einen  Butzen  im  Leibe  c  r.  Schm.  ni; 
»uck  1R)  =  er  bat  einen  kranken  Fleck,  einen 
Krankheitskeim,  ein  lange  verborgenes,  unheil- 
bares Körper- Uebel(Eiterpfropf,  Krebs,  Tumor, 
Abscess,  als  Materia  peccans)  («st.  w.  II,  swj  in 
sich,  wie  «las  Obst  den  Kernbutzen;  eine  ganz 
beliebte  Ausrede  der  Pfuscher,  wenn  einer  ihrer 
Kunden  unter  ihrer  Behandlung  stirbt. 

butzen  s.  putzen. 
Buxen  »•  Büchse. 
Bywer  b.  Fieber. 


Carbunkel,  Carfunkel,  m.  s.  Karfunkel. 

Carnival  s.  Kamöfel. 

Catarrh,  m.  Cataerrhen,  pl.  s.  Katarrh. 

Causon  s.  Katison. 

Chnuat,  f.  fahd.)  s.  Natur  u.  Knnat. 

Cholera,  f  (au»  dem  gri.-ch.  JfoVlJ  -  «Salle,  X<M,tp« 
«  «Sallenruhr;  ahd.  cbolarun  -  [Koller,  rhulera]  do- 
ores  ventri*  «iraff  IV,  3!W;  12>  ü  pa«lo  colerica:  .,m> 


dem  uieUM-lien  daz  hotlbct  we  tuot  «taeteeliehetl.  daz 
i»l  c.  p. ;  der  nieehtuom  chuuil  von  dem  untnaezlivheti 
bluote";  [wen  <lie«es  Siechtum  verwirrt,  «lern  »olltcn 
die  Autren  Kendel  sein,  der  sollte  niebt  schlafen,  den 
Sonnenschein  nicht  an»chen  knnneu] ;  Ohrensausen  u. 
nnchtraiilichcr  Haariiu>fall  waren  Symptome  dieses  Lei- 
den«, rfeifler  3V  ;  der  Harn  war  bei  dem  colericus  dnun 
und  rot ;  dieser  Kranke  sollte  des  Hinte»  ztt  viel  und 
der  wässerigen  PeiWbtiekeltlm  Kori>cr  zu  wenig  hatten. 


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88 


Cholera. 


Cholera. 


er  musste  , .durch  Kot"  jrachroütig  sein,  da  Ihm  die 
«ialle  'Mangels  an  Wasser]  »chier  verbrannte  und  so 
heiss  wurde,  dass  ihr  die  natürliche  Feuchtigkeit  Im 
Korper  nicht  zu  widerstehen  vermochte,  I'felffer  21 ; 
II.  Jabrh,  colera  =  dlegrüne,  erbrochene  Calle,  Hoffm. 
I,  319,  323;  ebolorn,  die  erste  Natur  oder  da.s  ernte  Kle- 
mmt, welches  die  heisse  und  trockene  Complexion  , 
das  choIerischeTemperamcnt  bildet ;  15.  Juhrh.  colero  = 
dürres  Hlut  >.  d.],  Hr.  Vi.  V,  1616;  1482  eholera  colerica, 
eine  seuche  dovon  einer  scr  undewel  oder  zu  Rtul  geet 
[  =  eholera  morbus).  I).  131 ;  coleriea  passio  da  eins  die 
spyse  und  dastranek  nit  behalten  map  [eholera  morbus], 
D.  640;  cholorln  =  coli,  dolores  ventrts,  colica,  D.  131; 
1V.1  Cholera  -  verbrannte«  Hlut,  «[Unedam  eomplexio 
hominis;  I7.'>2  eholera  -  morbus  „von  dem  galligen 
Teni]wramente  genommen ;  die  Kranken  halten  Kr- 
brechen  von  scharfer,  gallichter  Materie  und  Durch- 
falle von  scharfer  «»alle".  A.  v.  II.  I,  35»S;  17S9  kolera 
eholera  morbus).  — Cholera -I.  Natura,  Com- 
plexio  cholerica  das  cholerische  Temperament, 
dessen  Bezeichnung  „cholerisch"  man  im  Alter- 
tum von  Cholera  II  (  =  Cholera  morbus)  genom- 
men hatte.  Nach  der  butnoralpathologischen 
Lehre  war  der  Choleriker  trocken-hitzig,  heiss- 
blütig,  leicht  erregbar  und  zornig,  leidenschaft- 
lich aufbrausend,  stiatl*  gespannt,  zähe  und 
beharrlich  im  Handeln  im  Gegensätze  zum 
(heissfeuchten)  Sanguiniker  (s.  d.)  und  kalt- 
feuchten Phlegmatiker  (s.  d.);  die  Humoralpa- 
thologie  Bchrieb  dieses  Temperament  (s.  d.)  der 
stärkeren  Beimischung  gelber  oder  toter  Gälte 
(yo>.Yj,  Cholera)  zur  normalem  Gcwcbsfcnchtig- 
keit  zu;  die  ialrochemischc  Schule  dem  beige- 
mischten Elemente  des  Schwefels,  die  solidar- 
pathologischc  Schule  dem  dünnHilssigeren  Zu- 
stande des  Blutes,  der  geringeren  Porosität  der 
feston, soliden  Substanzen,  den  diehterenFibern, 
die  Neuropathologen  den  stärkeren,  gröberen, 
(daher  vermeintlich)  reizbareren  Nerven,  „dem 
böberen  Grad  von  Tonus  der  Korperteile"  zu 
(s.  Koller);  daher  sollte  der  Choleriker  „ein  Irritalwl- 
M  tiorhisehcs  Temperament"  (Kraus,  K.  22S;  halten,  die 
ursprünglichere  Iltiniomlpiilhologic  hatte  die  grun- 
KtllM  oder  gelbrotc,  warm  entleerte,  zftbllüssigc  (Julie 
dem  helsscn  Botnnicr  angeglichen  und  die  astroloi;i«e|i 
Klnuhigcn  Anhänger  dieser  Lehre  Hessen  dies«  „mitt- 
lere Complexlon"  (16*»)  vom  «icstlrne  de»  Widders, 
[.Owen  und  .Schützen  regiert  sein  (»ir.W.V,  1616.  MM; 
Küulgsp. 32,  Ptotor.  ii  —II.  Cholera  morbus,  die 
mit  Krbrechen  von  grüngelber  oder  gelbroter 
Galle  und  Gnllestuhlirangen  begleitete  Cholera 
(ein  durch  die  Aerztc  schon  sehr  früh  eingeführtes 
Fremdwort,  dc««en  sieh  dieselben  [s.  auch  febris,  Fieber] 
auch  In  deutscher  Hede  bedienten;  von  dem  Cholera 
BOTbuirataalra  dicbumoralpatbologl»cbc  Schule  auch 
die  Bezeichnung  der  Cholera  consiltullo,  Cholera  I. 
,,I»ie  alteren  Sanskrit-Schriftsteller  haben  die  (  hotera 
gekannt  In  Mldan  der  Snohnita  ist  eine  Heschrelbung 
der  sog.  vishiichuka,  d.  i  des  anhaltenden  Abführen! 
und  Krbrechen«  mit  Fieber".  I.ersch  3911.  —  III.  Die 
durch  die  Anomalie  der  Cholera  I  (Constitutio) 
entstellenden  Krankheiten  (s.  rote  Cholera),  — 
IV.  Mit  Cholera  verwechselte  Krankheiten.  — 
(1829)  asiatische  Cholera  =  die  aus  d.  < Monte  ein- 
geschleppte indiscbeCbolera  II,  Typhus  henga- 
lensis  (auf  Münzen  allegorisch  als  geflügelter,  böser 


Seuchen-Genius  mit  Giftbecher  und  Flammenschwert 
dargestellt;  I'felffer,  PestUcntia  in  nummis;  Kopp  IV, 
310;  II,  137;  Ha«er  II,  731;  Kraus,  E.  1070).  —  einfache, 

einheimische  Cholera  -  Cholera  nostra«,  Chole- 
rine  (s.  d.)  zum  Unterschiede  von  der  schweren 
orientalischen  Cholera  (Haser  II,  720).  —  feuchte 
Cholera  tun  feuchte  colera  rubra,  Fries  70.  77.  108), 

1.  sa  der  Fluss  *  bei  der  roten  Cholera  (s.  d  ).  — 

2.  =■  Gallenruhr  mit  Blut.  —  3.  -  die  humoral- 
pathologische,  cholerische  Feuchte  (s.  d.),  die 
aus  dem  Blute  in  der  Leber  als  Blutschaurn 
abgeschieden  werden  sollte,  im  Gegensatze  zur 
schwarzgalligen  Bluthefe  (s.  schwarze  Galle) 
(Fries  ios).  —  (i6io)  gelbe  Cholera  ^  roto  Cholera 
(s.  d.)  im  Gegensatzo  zur  schwarzen  Cholera 
(I.ersch  277).  —  Huh m  >■- Cholera  —  Höhnerpest 

<  infolge  eines  Spaltpilzes  mit  sehr  dünnflüssigen 
i  Darmentieerungen.  —  (1R44)  Huren  -  Cholera 
—  Hurenkolik,  eine  mit  Cholera  II  verwechselte 
Ruhr,  die  bei  Freudenmädchen,  die  mit  Frem- 
den in  Berührung  gekommen  waren,  zuerst 
beobachtet  wurde  (Kraus,  E.  463).  —  (1831)  indische 
Cholera  —  die  aus  ihrer  Heimat  Indien  nach  Ku- 
ropa eingeschleppte,  asiatische  Choleraseuche, 
Typhus  bengalenis,  Hrechruhr  (Haser  Ii.  727  Schon 
1%40  fanden  die  Portugiesen  die  Cholera  In  Indien 
heimisch).  —  Ai^A-  r- Cholera  -  Kinder-Diarrhoe 
,  mit  choleratthnlichen  Erscheinungen  (Schmidt 
Jahrb.  186,  s.  i2).  —  (ir.M)  M agen  Cholera  -  M  agen 
entzündung  o.  Magenhitze  mit  Galleerbrechen 
;it<ick  llo).  —  natürliche  Cholera  =  die  Cholera  I 
(Complexio,  Constitutio)  als  natürliches  Tera- 
perainent,durchdieAnwesenhcit normaler  Men- 
gen gelber  Galle  im  Körper  gegeben  nacb  den 
Lehren  der  Huraoralpathologie  (s.  Natur,  natür- 
lich und  unnatürlich),  die  cholerische  Natur  (H. 
z,  v.  462.1,  natürliche  Galle.  —  orientalische  Cho- 
lera =  asiatische  Cholera  infolge  von  Infektion 
durch  den  sog.  Komma-Bacillus  flTftser  IV,  727 ; 
Kopp  IV,  310),  —  rechte  Cholera  („sein  dlestnel  rotz- 
oder  gelbmrb  mit  pluet  gemischt,  so  ist  das  die  recht 
colera",  Schindler  I,  1237)  — die  Cholera  II  morbus 
im  Gegensatz  zur  Cholera  I  Constitutio,  die 
an  und  für  sich  noch  keine  eigentliche  Krank- 
heit war.  —  (1177)  rote  Cholera  =  eine  im  Körper 
des  rotsüchtigen  (s.  d.)  Menschen  angenommene 
(rote  oder  eigentlich)  gelbe  Galle,  die  sich  nach 
Aussen  (auf  der  Haut  z.  B.)  rot  oder  rotlich  be- 
merkbar machen  sollte;  die  gelbe  Galle  als 
hitziger  und  trockener  Leibes-Humor  wurde, 
nach  dor  1 1  mnoral pat  hologie,  wenn  abnorm  oder 
unnatürlich  (s.  d.)  zu  einer  roten,  nagenden,  fres- 
senden, d.  b.  Geschwüre  machenden,  schmer- 
zenden Leibs-Materie  (C,  v.  Mcgb.;  Gr.  W.  VII,  271) 
(s.  Materie)  und  zwar :  1.  als  lokale  primäre 
Syphilis  (oder  Farn  dei  Balernllantscben  Schule,  oder 
Morbus  formicalis  Khane*.  f*r.  I,  277;  oder  die  l'orra 
Cholera  nibca  s.  Tumor  ijnl  tolam  entern  exuleerat 
Herpel  eslhiomenus  s.  Ulcus  a  flavae  bilis  copla  erss 
siore  et  acriorc  profectum  =  Schanfccr["'',  DuCangullI, 
417  ;  IV,  203  ;  nach  alter  Lehre  eutslaud  die  Syphilis  aus 
ilcrl.eber;  damit  crkliirl  sich  auch  der  „morbus,  quem 
\  nlgus  c(h)olerain  Cmchcrcfieam  appelhit .  circa  um- 
blllciim  et  partes  Inferiores"  [Du  Cauge  II,  81)  als 
Schanker  mit  nachgefolgter  Syphilis  ,  letztere  als  morbus 
uui  ab  utra  bUI  glgnttnr  oder  schwarze  Cholera  [melan- 


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Cholera— daempig. 


Cholerine- dalken. 


89 


chollscheForm  derSyphtll«,  tertiäre  Syphilis  der  Leber) 
(s.  persische«  und  St.  Antonius- Feuer  4).  — 
2.  fmtl.  Erysipel"  n«h  dem  mnd.  Mairist.  Barth.  102  a: 
,.dat  brachen  [s.  Bregen  —  «ichlru!  i«  tereln  dorn  hovede 
linde  de  wedaghe  kumpt  lo  van  eolera  rubca  de  <lar 
In  <ler  «tede  Hehl";  dieses  Erysipel».«  der  Mittellateiner 
litsst  aber  verschiedene  Deutung  zu.  da  es  aueh  For- 
mie«  und  Farn«  bedeutet,  Constantinus  Africanu«,  1070; 
Du  ränge  III,  417:  t'olera  ruhea  si  itit  simplex  et  ad  id 
quod  metnbrum  rideatur  descendere,  faett  apostema 
'Bubo?  Condyloma'']  quod  vocatur  formica  et  aliud 
Farsa  [i.  1.].  quae  sl  cum  sangulne  mlsccatur  [sekundär?] 
erisipcla  [roter  Ilautauschlag]  Inde  generatur).  —  3. 
rote  Kühr,  Darmgeschw  (Ire  (1260  coierirambea,  die 
die  lungel  viel  dicke  wund  machen  kann  davon  wird  der 
meiisen  so  Mcch,  das»  er  plui  spiet",  l'feiffcr  16.49)  (vgl. 
rote  Galle).  —  scharfe  Cholera  -scharfer  Koller 
(s.d.).  —  H183)  sefocarze  Cholera,  1.  -  «las  dicko 
sog.  verbrannte,  «eh  warzgallige  Geblüt  der  Me- 
lancholie (s.  d.)nach  den  Lehren  der  Humoral- 
pathologie  («ngL  blaek  choler;  C.  v.  Mcgbg. ;  Hort 
sanit.,  Gr.  Vi.  IV,  1.  11*4.  118'.;  VI,  I7S3).  —  2.  = 

tertiftre  I,cbersyphilis(?).  —  SrAiceme-Cholera 
—  die  cholera-ähnliche  Milzbrand-Epizootie  bei 
Schweinen.  —  tl"fii)  trockene  Cholera  —  Cholera 
sicca  llippokratis,  eine  Magenerkrankung  als 
Cholera  morbus,  bei  der  es  nicht  zu  Entleerung 
von  flüssiger,  gelber  Galle  (Cholera)  aus  dem 
Magen  kommt,  sondern  nur  wir  Rülpssucht, 
häutigem  Aufstossen  ohne  flüssiges  Erbrechen 
I,  ch  17;  J.  P.  Frank  Vll,  6S).  —  (i5o:>)  verbrannte 
Cholera  —  diu  Kachexie  mit  Ilautfarbenver- 
anderung,  die  der  schwarzen  verbrannten  Galle 
(s.  Melancholie)  zugeschrieben  wurde,  u.  a.  die 
Syphiliskachexie  (Fuchs  I,  313).  —  (15.  Jahrh.)  ver- 


hittle  Cholera  =  '1266  eallda  cholera,  Du  Cangc  II, 
312;  II.  z.  XIII.  382),  1.  =  fieberhafte  Cholera.  — 
2.  -  die  heissblütige  sogen.  Koller-Natur  (bei 
Haltaus:  „Bolgner  Mut")  —  Cholera,  chole- 
rischefr)  -Blick,  -Feuchtigkeit,  -Fieber,  -Fluss, 

:  Oeschu-är,  -Gesicht,  -Kalt,;  -Krankheit,  Sucht, 
-  Versehrung. 

Cholerine,  f.  (Iran*,  la  choleriue-  kleine  Cholera 
[morbus]i,   1.  =-  die  leichtere  Art  von  Cholera 

',  (Cholera  nostras  ohne  <len  Komma-Bacillus  der 
asiatischen  Cholera  ;elne  nach  der  schweren  Cho- 
lera-Epidemie 1829-^0  eingeführte  Bezeichnung).  — 
2.  =  (1831)  Influenza  oder  Grippe,  die  öfters  den 
Namen  einer  kurz  vorangegangenen  leichteren, 
wenn  auch  ganz  di  ll'erenten  Seuche  (s.  Influenza) 
übernahm  (Kraus,  F.  228.  :<V2\.  —  3.  —  ,,le  choh-rn 
nosiras  qui  se  presentalt  souvent  avec  des  allures 
asses  Braves  pour  meriter  le  üom  de  >trous«e  galante", 

I   Briss.  173). 

chronisch  {'■>  '/yw,  =  Zeit,  /povio;,  chronicus 
lange  dauernd).  —  chronische  Maucke 
Clarifunkel,  tu.  =»  Karlunkel  (s.  d.)  (Lcxer  119). 
Con-  s.  Kon-. 

Courage,  f.  (nia  Gr.  w.  vi,  212'.»)  -  Lust- 
empfindung;  weibliche  Geschlechtsteile.  — 
Sr/turtV/cr-Courage  =  Schnoiderskurzweil ,  die 
juckende  Krälze,  welche  „Schneide",  Heiz  zum 
Kratzen  macht,  das  die  A  rbeit  dann  unterbricht. 

St.  Crispinus  s.  Krispinus. 

Croup,  in.  Croupe,  f.  *  Krup  u.  Kruppe. 

Cypern,  Cyprianer  174»)  einer,  der  das 
1  Zipperlein  hat  [Haschenb.  -40)  (Wortspiel).  — 
j  cyprische  Seuche. 


Daal,  Dahl,  s.  Uatil. 

Dach(el),  n  (urjrermanl*ch«  Boielobnnng  für  da* 
llatisdach  das  Heckende,  Kluge*,  M)  =  der  Kopf, 
Hirnschadel,  als  Dach  (Giebel,  xsfaX-^),  sogen. 
Oberstübchen,  Dachstuhl  genommen. 

Dachs,  m.  s.  Dax. 

Dachsei.  f.  (Schmellcr  I.  482)  m  ein  grosses  Ge- 
scbwttr  —  d'  Assel  (s.  Assel). 

Dackel, m.  (Schwaben)  a)  Kretin  ;b)  ein  alter, 
gebrechlicher  Mann  (Hlrcher  s7;  Pchm.  I, ,".«»);  viel- 
leicht entstellt  aus  Dalkcl  [s,  d.)  oder  Tocke. 

damisch  (damisch)  (Bayern),  täumisch,  dam- 
lich indog.  t«-m    dunkclsein,  temnlentus;  (renn,  them 

ermatten,  ausser  Atem  kommen,  Kluge*,  6&  IT.)  ein 
Dammern  der  Sinne  habend,  taumelig,  schwin- 
delig  vgl.  Daum),  dummkollerig  (Tier)  (Falke  I, 
199 ;  (ioldschm.  112,  117). 

atmig  mit  beengtem,  hörbarem  Geräusche  at- 
mend 


Darre,  f.  s.  Darr. 

daeg,  -daewig,  s.  daueti. 

Daetz,  f.  s.  Detz. 

Daube,  f.  s.  dauen. 

Däumling,  m.  s.  Daumen. 

Dahl  s.  daul.  —  dahlen  (alinord.  thylja 
schwatzen ;  10.  Jahrh.  dahlen  =  garrlre,  Heyne  I,  1 ; 
H.1C  dallen  ;  IM  dalen,  dalmen  ;  Schwei/.,  tnlfem,  t*l- 
men,  Kluge  *,  05;  albern  [dalket]  sprechen;  engl,  lo 
dally;  coou  83)=  die  Unmöglichkeit ,  g  und  k 
richtigauszuspreeben  (Gammacismus  r  dalken). 

dalfern  (dalmen)  (Schwaben,  Schwei«),  I  [IC 
Jahrb.)  im  Delirium  rasch  sprechen,  unverständ- 
liche Worte  sagen,  wie  ein  Trtlpiscber  (Sehw.  712), 
oder  wie  ein  Dalpeter  (s.  dalpcn),  Talketer.  — 
2.  =  stottern  (  -  duttern,  dalken,  dahlen,  dulken) 
(«ehm.  I,  Ml). 

dalken  (dalkezen)  =  stotlern,  fehlerhaft  und 
mit  Anstrengung,  schwerfallig  sprechen  (s.  kolk] 
(engl  to  talk  -  schwaucn). 


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90 


dalpen— Dampf. 


Darm. 


dalpen  Schweiz)  =  schwerfällig  (wie  <u'i rech- 
liehe  oder  wie  ein  plumpes  Tier)  Rehen  Gr  W.  II, 
700  .  —  Talpe  -  Pfote,  Tappe  ;Schmeller  I,  603) 
(dazu  dalforn). 

dal(e)watsch,  s  Watseh  (el). 

-dam,  ?  B.  UYA-dam,  s.  tuom  hei.  -than. 

Dame,  f  Damen-stift. 

Damm,  in  <irenzerh«diung,  I.nntlcrb6hnnf  gegen 
Wa^ergefahr),  1=  Mitteltleisch  (Aekerm.  448),  Pen- 

naeum, Scham- Leiste  (s.  d.)  «wischen  After  un.i 
Genitale  (aiw d*m an  d  d . •tammeod ;  nicht  rolksflblicfa, 
last  nur  von  arztliehem  Mundo  icesprochen  [Stein  I,  :« 
in  neuerer  Zoll  aber  durch  die  Hebammen  und  Arzte 
et" ii«  eingeführt  nl«  Bezeichnung  fiir  den)  „Sülm 
zwischen  After  und  den  Gcburtsglietlern"  (Löve- 
ling 325;  <;r.  W.  VIII.  2118]  (s.  Steg).  —  2.  -  auf 
dem  Damme  »ein  -  krankheitsfrei,  wohlbehal- 
ten »ein.  —  3  =  Dampf  (s.  d). 

Dampf,  m.  (dampfen,  Dämpfe.  Daum)  ahd 

l»ni|.ho.  <ir  W  V.  27:«  -  Schnupfen,  Katarrh,  1>  10.;  . 
dampha,  damfo,  tampho  =  hranehus  [seil,  mortui*]  = 
Schnupfen,  Katarrh,  «JrarT  V.  »2,  II.  Z.  III.  368;  D  80; 
morbus  branens  =  rancedo,  A.  v.  II.  I,  231 ;  mofbot 
milao      Kehlkopf-Katarrh;  tnhd.  tampli.   Kluge  ,  (>f> ; 
llJOdamp,  damph,  domph  -  |.|ithl«l«.  cynanohe,  l> 
588;  ndl  ,  eitizl.  damp      Dampf,  Dunst,  Hauch,  Wind; 
man  «tollte  rieh  früher  vor,  da«  solche  im  Magen,  In 
«Irr  «.eWmutter  und  in  den   «Jcdärtnen  gebildete 
Dampfe,  ilumiife  Kcuohtigkoiten  wie  in  einem  ltnuch 
seh  lote  [«den  oder  Knmiti]  durch  Löcher  geisterhaft  zu 
den  öderen  Teilen  .,a«if«toigon"  und  dort  beengende  l«e- 
»chwenlen  bl«  zum  KrMlcken  veranlagen  i ;  deshalb 
Dampf,  1  =  Dyspnoe,  Asthma  [HuMaud  2SS; 
Ac  kermann  23'J).  Engbrüstigkeit  heim  Menschen, 
angestrengtes  Atmen  (1528  dampfy,  II.  v.  flcrsd.  9» 
-  asthma).  —  2  —  (übertragen  I'ferdekrankhei« 
mit  den  gleichen  Erscheinungen  (Dyspnoe  durch 
Kmphysema  pulmonum'  (Mayer  1«7 ;  Kalke  I,  71 
Ituek  48;  Schmoller  I,  .MO;  die»  schon  ahd.  tampho, 

duntpho).  —  3.  ss  Nervengeister  (s.  d.  und  Ofen), 
Wallungen.  —  dämpfen  'ahd.  demphan  =  Stllfo- 
eare,  im  Dunst  ersticken  ;K  und  Kr.  n,  77 1  Pfeiffer  - 
dämpfig  -ohw  130;  tnh'l.  dumphlg  =  aatbinattau* , 
IV  Jalirh.  dempich  phthlsU-u*.  D  170,  rauius,  D.  4S.">, 
130t  dauipiig  um  die  brüst,  Hort,  tau.!  m  dittnpig,  dltm- 
stig,  den  Dampf  habend.  —  dämptiger  Husten 
's.  d.)  -  linsten  mit  Dyspnoe.  —  Dämpfigki  it 
11420  dainphclt,  1512  dempflgkcit  asihma,  dlfflcultaa 
sptrandl,  l>.  66;  Lonieoni«),  1  —  Vapores,  vapeurs 
s  it  ,  das  ] leiden  durch  sogen  Wallungen  des 
Hintes,  die  man  früher  als  aufsteigende  Winde 
(8.  d.)  oder  als  wallende,  die  Atmung  behin- 
dernde Nervengeister  in  Dunstform  angenom- 
men hat  's.  Dunst  und  die  man  heute  mit  Neu- 
rasthenie bezeichnen  würde.  —  2.  =  Dyspnoe, 
hoher  Zwerchfellstand  durch  Auftreibung  des 
menschlichen  LeJbei  (rtconr.  394).  —  3.  =  der 
Dampf  (2)  als  Pfcrdckranklu  it  Müller,  Krauter 
buch  6so;  Haarachiecbtigkelt,  Uartschläcbtig- 
keit,  Baacliaeblacbtigkeit,  Langenpfeifen, Hai  t- 
Bcbnaufen,  Engbrüstigkeit).  —  (low)  ^«/dam- 
pfen ins  Haupt  Tausa  29  -Congestioa«lcaput  = 
Vapores  (Neurasthenie).  —  (Hk*j  /><(«<( /(-Dämpfe 
<-uar  o7l)    Vapores  ventris  von  den  Vi idauungs- 


organen  ausgehende  Blutwallungen,  die  Atem- 
beschwerde machen.  —  (1528)  / :■'>■  '  Dämpfe  H  v. 
(ier»ri  20i  -  Congestiones  sanguinis,  die  Blutwal- 
lungen.  —  fruchtet-  Dampf  =  Atem besch werde 
mit  lockerem  Husten  'Kalke  I,  2*1*.  —  iiöotj  gall- 
mchtige  Dämpfe  ~  Blutwallungen  gegen  das 
Gehirn  bei  der  GallBOeht  (s.  d  )  und  gallsüch- 
tigem  Blute  (v  M.  II,  ioy)  —  /rnri-Dämpfigkeit 
-Schwcralmigkeit.  —  //rrz-Dampf  =-  ,. der  Dampf 
am  Uenzen,  das  einem  der  Attmb  tschwar  ist",  Schm 
l.  510!  —  Dyspnoe  in  Folge  von  Herzleiden.  — 
I  i  //irn-Dämpfe  -  .die  dempf  de»  hirns  dnrvon 
har  wocli#M",  Krie»  7s  —  Blutwallungcn  zum  Cie- 
hime.  —  ;isn>)  l.u--<,  ,.■  Dampf  -  Asthma,  Em- 
physem, Pleuritis  citr.  —  (l.VMi  Mngt n-Dämpfe 
i«.)'<  k  i  t  Vapores.  —  AT<i«cn-Dämpflgkeit 
Atetn  besch  wem  is  infolge  von  Nasenhöhlen- 
Verstopfung.  —  [1381]  pe*tilrntix(hrr  Dampf  - 
Exhalatiopeslifera,  Heyne  III,  1121  —  I'esthauch, 
ansteckendes  Miasma  als  ül>el riechende,  Atem- 
beschwerde erzeugende  Luft  («Üfthauch)  ge- 
dacht —  Pfeif  er-,  pfeifender  Dampf  -  eine  bei 
Pferden  beobachtete  Atrophie  und  Degeneration 
der  Stimmritzen-  Erweiterer  der  einen  Heite, 
i  welche  solche  Atemgerausche  hervorruft,  dass 
'  die  Pferde  hörbar  pfeifend  oder  schnarchen«! 

BChnaUfen  i Kalke  I.  1'iK);  II,  194;  Zipperl  .109,  Korstor 
I  II,  :«0>v  —  schnarcht nder  Dampf  =  Pfeiferdampf 
!  der  Pferde  (Kalke  II,  IM).  —  trockener  Dampf 
Atembeschwerde  ohne  Husten,  ohne  Schleim- 
rasseln.  —  it  .  dampfen  —  etwas  unter  Dampf- 
cntwickelung  oder  Atembeschwerden  verar- 
beiten r.  B.  (M76  gebort  vordoinphen,  verdammen, 
|  Ü.  4)  —  einen  Abortus  bekommen  bei  Pneumonia, 
Tuberculosis  pulm  —  Dampf,  dämpfige  Leute, 
•Locher,  -Rinne,  Rohren,  -Schnur. 

Darm,  m.  (Gedärm)   indoKerm.  Wurzel  tar  - 
'   durehschreiten,  trame«,  -p^jt'z  .  also  Darm  1 
Durchgang  (Klutre*.  CA,  ahd    daran).  i.ralT  V,  SWj 
9.  Jahrb.  thartna  -  inte«tina.  Kab.  Matir.  (,:>;  tharma, 
daruil  -  vUeeru.  I>.  623;  II.  Z.  II,  205;  atiid«.  tbearm. 
I>.  21t;  mhd  dann,  «ir  \V.  11,779;  Kluge6,  C6,  l!t.  Jahrb 
dann    extum.  D.  219 ;  l'<  Jabrh  darin     poilox.  I».  Ii::, 
§18  [  -   Hai  kendarm,  Arsehdarm] ;  Iis;  dann  visou«, 
I).  SM;  1512  denn  —  vWcora,  I).  ti2:«).  —  2.  -  di«> 
Krankheit  im  Darm  (verg).  Kolkdarm);  (1607 
Parm  w,  llenterU,  Hynl,  K.W.)  —  A  fter- Darm  <IÖ09 
iiflterdarmb,  «iuar.  878;   18IH  aflerdarni,   l'aracolüiiK , 
«ir  \V   I,  IsC,  1C20  afterdarm,  Dr.  Mlmlerer,  1080  attcr- 
danu,«ir  w  vi.  wiij    Mastilarm,  Afterling  (s.  «I  ), 
Hinterdarm;  vergl.  After.  —  ^1r*f/i-Darm  ahd. 

arsdarm,  «Ir.  W.  I,  .«"»6  =  culn«,  eutalis;  11  Jahrb.  ar«- 
|  dann,  II  /.  III,  Präger  Hdsehr  -J  Colon;  11.  Jahrh. 
aivihirm  podex,  Voe.  opt.  W.  11;  anidermll  -  podi- 
eillui  [podex].  Vor.  op.  \V  11;  D.  143;  1112  an.darm 
Omentum,  Sebmeller  II,  914,  1420  enularm  ~-  pudclla, 
DIet;  II«  ar^darm,  Zenlng.  Voc. ;  149r»  dar^ann  — 
d'ar<darui,  Hynl,  K.  W.  10;  H.  443,  l.V  Jahrh.  aredanu 
-  vliru«,  <|aodcun<|iic  latot  In  pelle,  Intestina;  alle« 
«iedarro.  das  wie  «Jl  Ictt  IM,  D.  62:1  [s  Kettdarm];  ars 
dermlin  poddlUI  [podex],  D.  *4:t ,  16  Jahrh  ar*dnrin, 
nr— dnrm  pudella,  putellu«.  lonei*.  longaon,  Ion- 
L'iinou  lisciis  «li'reonim,  podex,  I>  'Mf>,  lyon,  I>.  32v, 
1  —  der  zum  Arsch  führende  Mastdarm  (s.  d.) 
und  S  romanum.  Afterdarm,  Enddarm.  —  2.  - 
«las  anstossende  unsclilittreiche  Eingeweide 


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Darm. 


Darm. 


91 


beim  Sohlaehttiere.  —  ArafhAum- Fistel.  —  (1641] 
ßacA-Darm  =  Packdarm.  —  ,      'Darm  =  In- 

teatinum  colon  =  der  Blähungsdarm,  der  Dick- 
darm, in  dem  sich  die  Blähungen  bilden  (Hyrtl. 
K.  W.).  —  (18»]  Blind -D&Tm  -  Cnerum  („also 
genannt,  dann  er  nicht  mehr  dann  1  Loch  hat  slcht- 
lich  und  hat  doch  2  LttcbCT  bei  einander",  II  v  Uersd. 
11,  it>lind  -  einäugig  in  diesem  Kalle,  daher  auch 
Monoculu*  -  Blinddarm,  Baa*],  Monocolon?  ».  Kin- 
darm), ein  Back  (s.  Backdarm),  der  anscheinend 
blind  endet.  —  bluttragend  Darm  -  vlscu«  'siehe 
Itindshlut)  —  Blutwurst''  (I».  236  Ilsen« 1  —  KimUlarm 
tnit  Blut  gefüllt,  eine  Im  9 .  — 10.  Jahrh,  auftretende. 
Wursiart  iliaa«  n:tj.  —  Bratwurst- Dum  =  In- 
testinum ileum  homin.,  vom  .SchweinsdOnndarm 
genommen,  der  zur  Bratwurstbereitung  ver- 
wendet wird  (iiyrti.  k.  w.  es).  —  (lfiso)  DicA-Darm 

—  daa  weit  ausdehnbare  Kolon,  xdjXmr,  Intesti- 
num erassum  (Gr.  W.  II,  1079)  —  Grossdarm.  — 
Z>i°m<-Darm  (im  Gegensalze  zum  grossen  oder 
Dirk-Darm  ■  Duodenum  jejunum,  ileum  (auch 
ein  Spottname  für  einen  mageren  Mensehen) 
;<ir  w  ii,2f>o),  Schmaldarm,  Zartdarm,  Randarm. 

—  £<n-Darm,  1.  —  Monocolon,  Monoenteron, 
Blinddarm  als  ein  für  sich  bestehendes,  ver- 
einzeltes Darmatflck  (Kraus,  B,  6:52).  —  2.  =  ein 
dörrer  Mensch,  der  gleichsam  nur  einen  Darm 
hat,  ein  unorBattlicher  Mensch,  hei  dem  alles 
nur  ein  Darm  ist  (Gr  w.  II.  2so,  Schwel«.  Haren»; 
Schindler  I,  .MO;  Andreren  TS  denkt  an  endorni'r,  ein 
lauler,  schläfriger  Mensch/.  —  A-M(W-Darm  (1420 
cin.leldarm,  1>-  329.  420  —  lycn,  pudex)  =  daa  Darill- 
Knde,  Intestinum  rectum,  After,  Mastdarm  flc 
trou  flnal,  trou  flgnon,  Itrlss.  55;  Gr.  W.  III,  46S;  Sehm 
II,  4?*).  —  (1661)  Fritsf-Darm  [fefasetl  darin,  Gr.  W. 
Iii,  1469)  =  der  Magen  der  wiederkäuenden  Tiere, 
mit  Fett  (Faist)  reichlich  Aberzogen  (s  Klob- 
dann).  —  .Furz -Darm  12»«  «arezdarm  podex, 
0.  4M)  sb  Farzadci.  —  [1540]  fastender  Darm 
(Übersetzung  des)  Intestinum  jejunum  s.  va- 
dium (leer'  (Hyrtl,  K.  w.  VA),  s.  Leerdarm.  — 

etzgersprachej  After-  oder  Arsch- 
l>arm  s.  d.),  Mastdarm,  um  welchen  herum  im 
Becken  der  Schlachttiere  viel  Fett  (Unschlitt) 
gelagert  ist  (Gr  W.  III,  1  .72;  Hyrtl,  K.  W.  Uli  — 
Galle,  Dann  =  Zwölffingerdarm,  in  welchen 
die  Galle  ergossen  wird  Küdlnger,  Anatomie-  — 
Grdäime  (ahd.  giderml;  mhd.  gcderinc,  Kluge*.  66; 
gedirme,  I.cxer  62 ,  I  I.  Jahrh.  gelerm  —  intestinum,  Voc. 
opt.  W.  Ii).  Die  zahlreichen  Spezialisierungen 
aller  Darm-  A  lisch  ni  tte  kennzeichen  das 
Interesse,  das  Gode  (Opferpriester),  Metzger  u. 
Viehzüchter  auf  diesen  Teil  der  Eingeweide 
legten;  die  Anatomen  begnügten  eich  mit 
weniger  Namen  als  jene  Materialisten.  —  ge- 
»chlängtlter  Darm  —  Dünndarmschlingen,  ver- 
schlungener Darm.  —  (1632)  gestrackter  Darm 
=  schlichter,  gerader,  gestreckter  Mastdarm, 
ftlMTM'tzung  de»  reetnm  (Hyrtl,  K.  W.  137);  (vergl. 
Langdarm).  —  (15.  Jahrh.;  gewalzter  geicrlezt) 
Darm  (■  rnersctzunir  de*  volvuhn)  =  Intestinum 
ileum  (Hyrtl,  K.  W.  16«).  —  Üeitud-Darm  s.  Weid- 
darm.  —  (1S07)  gewundener  Darm  Ileum 
Wickeldarm  (s.d.)  u.  r  trank  VI. :::<).  —  Grimmen- 
(Grimmer-  Kriemer-) Darm  =  Colon  (nhd.  Grimm- 
ii  .  .las  Colon  sollte  der  Sitz  des  Bauch« 


(11.  Jahrh    klein  darm  —  ileum ,  Voc. 


grimmens  (s.  d.  u.  Tormina)  sein  (Hyrtl,  K.  w  «5). 

—  Gross -Darm  (ans  der  Opfer- Anatomie  ent- 
nommen; ahd.  grozdarm,  Graft  I.  190;  marisca 
's.  >tari«seln'.,  I>.  rr>0  ~  Afterllng,  erozdarin.  Bchw.  210 

—  Colon,  Dickdarm;  grozdarma  enlales,  H.  7,.  XV, 
856  ;  9.  Jahrh.  erozdarm  ■  entöle«,  Rab.  Manr.  65; 
11.  JAhrh.  grozdarm  m  entalls,  n.  t.  tO,  808;  I>.  219; 
marisca,  I).  :H9,  extanus,  I>.  :>6o;,  1.  =  das  dicke  Ge- 
därm im  Gegensatze  zum  Kleindarm  (dünnes 
Gedilrm)  (Hyrtl.  K.  w.  no  ff.}.  —  2.  =  Marissen 
's.  d  ).  —  gurrendes  Gedärm  -  ein  Gedärm,  das 
den  Natnrlaut  gur-gur  gibt,  gurrezt.  —  Herz- 
Darm  =  AortB,  Ilerz-Ader  (beim  HirscIO  (a  de» 
Verl  Volks  Medizin  8.  162  n.  Ader).  —  (K.2S)  Hitlter- 
(1507  Hinterste  Darm  (Fries  113.  116;  Hort.  s«n. 
Heyn.  219)  =  Afterdarm.  —  Hinter-Daim- Fistel. 
(1712)  //«/»/-Darm  -  der  voluminöse  Blastdarm 

—  Colon  IZw.  116).  —  /nn-Ofdärm  (ahd.  Inndarm, 
innidarim  -  vitalia,  flbrai-,  liuestinae,  «iraff  I,  is«  299. 
15,  Jahrb.  ynnerlleh  «redenn  vUcera,  D.  60 j  1560 
tngedlrm,  EL  Sachs;  Gr  w.  IV,  2  2114)  ^  alles  Uauoh- 
oder  (iedftrm-„Fingeweide"  (vergl.  Innader)  im 
tiegensatxe  zum  Brust- Kingeweide  (ahd.  -  inn- 
hruMl}.  —  «/'({-Darm  (guledarm^aquallenlnm,  I).  l:?l 

—  Schweinsdarm  vom  .luleher  («ul  =  aper,  Eher. 
D.  39;  an(?ls.  geol,  Weihnachten,  Seh  melier  I,  UM). 

—  kalte  Grdärme  =  verschleimte  (s.  Thlegina) 
Gedärme  feuchtkalter  Komplexion.  —  Klein- 
Därmlein 
Darm 

opt.  W.  11;  16.  Jahrh  clelndermlln  ylia,  P.  «41;  1511 
kleine  daerm,  II.  v.  (iersd.  -■  Intestinum  ileum, 
Dünndarm  im  Gegensätze  zum  Grossdarm  (s.d.). 
Vom  llotim  hat  die  Danngicht  f«  d  )  =  Ilens  Ihren 
Namen.  —  (1561)  Kleb-,  (1590)  Ä'o/6-Darm  sa  Oma« 
BDm,  der  Magen  des  Klob -Viehes,  d.  h.  der 
klauentragenden  Wiederkäuer  im  Gegensatze 
zum  menschlichen  Magen  (Gr.  w  III,  Uf>9,  V,  121*»; 
D.  195;  Kolh  Ist  vertauscht,  Gr.  W.  V,  lfi<»2;  (ir.  W.  V, 
I2M  "ir.l  es  mit  Fftlltdarm,  Fettdanu  [s.  o]  erklurf. 

—  Kolk-  (Kalk-  Darm  =  Colon  =  Fassio  colica, 
Kolonschmerz  ,  (16.  Jahrh.  Kolk  ~  Kolik,  Hyrtl,  K.  W. 
124),  eigentlich  der  Kolik-Danu  (vergl.  Kolik). 

ÄVünr-Darm  —  <ler  sorgfältig  wie  ein  Kragen- 
Kranz  gekräuselte  Schweins-Gekröse- Darm 
(Gr.  w.  v,  :ti5v,  —  AVos-Darm  =  Gekröse-Darm 
(Ileum),  der  wie  eine  Halskrause  in  Falten  ge- 
legt ist  (Gr.  \v.  v,  24(>7i.  —  Krumm(en)  -  Darm 

(16.  Jahrh    kruinpdBrin  —  eolns,  1>.  640,  H.  v.  Ut»r»il.j, 

I.  Colon,  das  einen  grossen  krummen  Bogen 
um  das  dünne  (iedarni  macht  (Hyrtl,  K.  W.  lon). 

—  2.  -  Ileum,  als  das  längste  unter  den  dünnen 
<  iedttruien,  das  die  meist<-n  Krümmungen  macht 
(Or.  W.  V,  24'i2).  —  (1GI6;  Kuttcl-D&im  =  Jejunum, 
Lei-rdarm,  aus  dem  ihe  (1429)  Kutteltlecke  Schm. 
I,  1312)  zur  Speise  geschnitten  werden  (s.  Kuttel 
ii,  Kalllaunen).  —  (mhd  :  LaM>y-Darm  das  lon- 
gBo,  lonxaTo,  longanon  [    Inngna  ann»]  der  Arahlsteu) 

-Mastdarm;  (l*.2S  ,,der  la*ir»"  [seil  dann]  b.  H.  v. 
Gersd.  11 ,  Hyrtl.  K.  \v. ;  EtOMabaun  159).  „Bei  Tieren 
giht  es  kein  S  romanum,  sondern  bei  diesen 
zieht  der  letzte  Teil  des  Colon  ganz  gerade  ge- 
streckt und  lang  zum  After  fort"  Hyrtl,  Anal  62t). 

—  I  is  der  lanir  Baudarm  -  Ileum  II.  v.  Gersd  ). 

—  [1-Y28J  Lirr-Darm  |  Cber»  Urang  dea  Intcstlnnm 
jejmiumj  -  fastender  Darm  (a  o.)  iHyril,  K.  W.  loi), 


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Darm. 


Darm. 


der  bei  Hungernden  leer,  inhaltslos  gefundene 
Schlauchdarm  —  (1591  MagrnH&rm.  =  Intesti- 
num primum  nad.  Jim.  29;  —  Zwölffinger-Darm, 
weil  dieser  Bich  gleich  zuerst  an  den  Magen 
anschliesst  Hyrtl,  K.  \v.  124)  (Zwölfer).  —  Magen- 
Darm-ScwA»-  —  Afaif-Darm  1«.  Jahrh  natdana, 

m»«-1*rm  -  pudella,  podex.  lonpio,  lyen  >rhon  im 
IV  Jahrb.]  umiredeutct  in  [1476.  1482  Mastdarm.  Zenlng. 
Voc.  t  7.  Plct.  :>29.  336.  470;  1  '»II  ma«*.lann.  Kyfl;  Hyrtl, 
K.  W.  Hl;  vom  17.  Jahrh.  ab  au**chUe**lieb  Mastdarm. 
iir.  W.  vi,  17U.'  -  Rectum,  Afterdarm,  Waid- 
Darm  (von  man  —  Spei»e  oder  eigentlich  die  zuge- 
mw«Di',  an  dlellcrd-ienoMen  ausgeteilte  Kom  Futter., 
Hr.  W.  VI,  1721,  denn  fhermte  durch  den  hinteren 
Parin  [Atierdann]  aufgeführt  werden,  der  »o  zum  Ma»*- 
<i»rm  wird;.  —  il.v»  der  ausgegangene  Mast- 
Darm  Or.  w.  vi,  171.1)  —  Prolapsns  ani,  der  aus 
dem  Afler  vorgetretene  Ted  des  Mastdarm* 
(s.  Ausgang'  —  Atastüam- Brand,  -Bruch, 
-Fintel,  -Sarbunkel.  —  (bb  «um  17.  Jahrh  ;  Mikh- 
Darm  —  der  Dünndarm  als  Durchgang  für  den 
miichweissen  Speisesaft  (Chylus;,  der  dort  be- 
reitet wird  'nyrti.  K.  w.  113;,  {b.  Milchleber).  — 
(1592)  Mi it  Darm  After  als  kotausführendes 
Darm-Ende  (Hyrtl,  K.  w.  161).  —  (11.  Jahrh  ;  Mittel- 
Darm  =  Colon  (Voc.  opt.  W.  U),  1.  ■  der  in  der 
Mitte  des  Leibes  quer  hertl hergehende  Diek- 
Darm.  —  2.  r>.  Jahrh  spodar,  l>.  641)  Arschdarm 
in  der  Mittellinie  des  Bauches.  —  Sabel-Darm 
Nabelschnur  darmahnlich;  («ir.  w.  VII,  6).  — 

IV  Jahrh  niederster  Darm  -  Colon,  der  am 
meisten  nach  unten  reichende  Teil  des  (ieiiär- 
mes  (unterste  Darm    n  im}.  —  i*</cA  -  Darm 

ndsarh«  ,  !"•  Jahrh.  hacke-,  hach-,  pack-,  pag-dara  — 
auu*,  exUHs,  lyen.  pudella,  podex,  I>.  219.  329  420 
4*3;  1761  Paekdarm      anus,  L.  ch.  »I;  Hyrtl.  K.  W. 

120  ff.)  -  Backendarm  (Arsch hacken-),  Hinter- 
darm, Mastdarm.  —  Pinkel-  (Pinken-,  Büngen- 
Darm  -  Mastdarm  iiiyni,  K.  w.  12.  .  aus  dem 
w  ie  aus  dem  Bunterer  ;>.  o.  =  Luftröhre)  holde 
Töne  hervorgestossen  werden.  —  Blums  Darm 
der  Wnrstdarm  Blunze)  von  Kindern  und 
Schöps  (Leipziger  Met*gcr*prftche;  <<t.  \V.  V,  6V»).  — 

i  v»  i'i«rt-Darm  u  v.  ».cmd.  11)  ^  der  12  Finger- 
darm, der  sich  an  den  1'förtner  des  Magens 
(Pylorus)  anschliesst  (Hyrtl,  K.  w.  121.  191  „wann 
er  die  unterste  Porte  ist  de«  M«K<  n»"  II  v.  HitmI  — 
(Juark-   (Juat-  Darm  (1W*— 11*2  ouat-.  ouaytdann 

—  lyen;  1"<.  Jahrh.  <|tiackdann  pudella,  lyen,  podex, 
I».  :129.  420;,  1.  =  der  <|"s<kcnde  ('"  Lauto  von  sieh 
gehend«  Mastdarm.  Hyrtl,  K.  W.  126).  —  2.  =  der 

•  mat-  n  Kot- Darm  =  Maatdarm,  Podex  (Hyrtl, 
k.  w.  121).  —  r.is)  Ann -Darm  (H.  v.  t.er»d.  97;  ■• 
der  schlanke  Dünndarm  lleum  ,  das  Intestinum 
longnm  der  Arahisten;   ahd,  ran  ^  dünn.  Hyrtl, 
K.  w.  IM    —  -Darm     der  21  cm  lang- 

gestreckte Bchlaacbartige,  rauh  gerunzelte  war- 
zige Gehnrmutterkanal  der  Schweine  (Hr.  W. 
VIII,  1  •:>  .  —  Runzel- G<  därm  mlid.  ninsche  irc- 
dyrmo  -    ippla  [  --  herha  hippin   -  Anacnllis  arvcn»is  . 

D.  30s;  Jeanen  XV)  =  Hahnerdarm,  der  in  viele 
Falten  od.  Schlingen  gelegt,  gerümpft  ist,  Kms- 
darm  idavon  hat  die  Pflanze  ihren  Namen'.  —  Samen- 
Darmchen  Aufdruck  der  anatomischen  Schulen 
Hyrtl,  K.  W  l"  für  Säulengange,  Samen hhtschen, 
Vesicula  seminalis.  —  (102s;  SacA-Darm  Ii.  v. 


o«»d.  w)  =  Coecum,  der  Blinddarm,  der  den 
weitesten  sackartigen  Abschnitt  des  Dickdarms 
bildet  Hyni.  k.  w  132)  —  SrAeis*-Darm  i»7o 
schlss-,  »cbeysdarm      lyen,   P  329  -  Mastdarm, 
Arschdarm.  —  ScA/aeA-Darm  mttld.)  1.  m  der 
mit  Schlacken,  l'nreinigkeit  und  Auswurfs- 
etoflen  gefüllte  Mastdarm  Hyrtl.  K.  W.  13-.  oder 
auch  2  =  der  mit  Schlack,  geschlagenem  Brat, 
ausgefüllte  Wurstdarm.  —  Schiaß  -Dt^m  = 
Omentum  Schindler  II,  507),  das  schlaff  herab- 
hangende Netz    wenn  nicht  nach  Schweiler  1.  c. 
Ver»chreit>ung  au«  Schlackdarm,  der  aber  nicht  = 
Omentum  Ist).  —  JH5J  Schlauch-D*rm  ■  Jejunum, 
Leerdarm,  „weil  es  alleren  leer  ist  wie  ein 
1  Schlauch,  durch  welchen  die  verdauten  Nahr- 
ungsmittel schnell  ohne  Aufenthalt  hindurch- 
eilen" Ryff.  Hyrtl,  K  W  IUI.  136  .  —  152»;  Schlecht- 
Darm  n  v.  tierwl  itj  ^  das  gerade,  glatt  ab- 
wärts gehende,  schlichte,  gestreckte  Reetom 
'.CbervMxung;  ahd,  »lebt  —  eben,  irerade.  rectus,  Hyrtl, 
K.  W.  13«/.  —  schleimige  < , ■  darin e  Darmkatarrh 
mitSchleimsekretion.  —  .11. Jahrh  .VcA/iiwd-Darm 
(Voc.  opt  w.  10;  D.  271)  =  Gargulio,  tiula,  Gurgel 
als  Durchgang  der  gesclduckten  S|>eisen.  — 
\  Sehmal-D&Tm     Dünndarm  Hyrtl.  K  W.  170!.  — 
!  Schnättcl -Dorm  (  -  cxtali»,  ntedttdaetn,  H.  Z  V.  p.« , 
n.  219)  ,s.  Schn&ttelw  urm  .  —  77  (/Vdärme  tic- 
dirme)  als  Sitz  von  77  Fiebern;  in  einem  Sesen- 
spruebe  der  Schwal»end..rfer  bei  Itudaj^th  angeführt 
IHM,  Kthnolotf  Mltt.  au«  I  nKarn  162  ;  oh  nicht  ein 
SehrciMchler  vorliegt  •    77  (iewlrnie,  die  da»  »iefCTuI«  ! 
I  und  liriiunnii  \crur*«Hi« n     rther  77  s.  d.  i  —  Ii". 
!  unterste  Darm  .ortolphj     Knddarm,  Colon  und 
[  Mastdarm.  —  dieSucht  des  untersten  Darmes 

Colica.  —  (I    i  Versehrte  Därme  Bock  6t)  =»  eine 
i  schmerzhafte  Darmkrankh.  —  (l.v»i)  verwickelter 
I    r>5i  verwirrter  Darm      l  U  r^tzunK  des»  volvuhw 
der  trabtaten]     Intestinum  ileum,  das  geschlan- 
gelt und  wie  verwirrt  durch  einander  gehende 
Darmschlingen  hat  Hyrtl,  K  w.  156).  —  H7A- 
Darm,  1  =  Heus,  weil  tler  dünne,  leere,  hun- 
gerige  Dann  ^Jejunum)  auch  »tum  Sjtr.e  des 
Ileus  -  Miserere  s  d  ,  Volvulus  w  ird.  —  2.  — 
der  Mensch,  der  keinen  Schmerz  ertragen  kann 
üchmellei-  II,  h2i  (Weh-I^eider).  —  3.  -  der  Geis- 
hals,  als  Httngerdarm  ileus  spöttisch  hezeich- 
net.  —  Weid-   G'u-eid-,  Quayt-,  Weit-  Darm 
1       1 172  •iuuit<liiriii ;  16,  Juhrti  v'cweltdanu  pudella. 

podex,  u.  470;  —  Afterdarm  und  Dickdarm  (1832), 
weil  erzürn  Weidloch  -  Futterabfuhrloch  (Anus 
führt  (D.  470;  r.r.  Vf.  VI,  171»;  Hyrtl.  K.  W.  121.  161). 

—  Blattern  in  dem  Weid-Darm  Condylomata 
atl  antun  (ScbmelleT  I,  696.1.  —  > is4::  weiter  Darm 
aus  Weiddarm  (s.  d.)  verändert  (Falke  II,  43s).  — 

i»o",  U  i<  A(7-Darm  =  verwickelter  Darm  (e.  d.) 

Kell  IV,  12«  —  zarter  Darm  Dünndarm  (Hyrtl. 
K.  w.  170)   landarm)  —  Ztn-Darm  Wien;  ent- 

vtellende  AnlehnuuK  an  2  Parme  -  einer,  der  I türme 
>.  Dann  1'  —  Purchyunee  hat;  lls2  xwydont  iZwittcrj 
=  hermaphro<litii!«  ,,al»  ein  Men«ch ,  der  Zacel  und 
Kotten  hat",  Zettln*. Voc.  <|<|6;  Hyrtl,  K.W.  M;  mitant 

—  luriiittphroililu«,  i.r.  W.  II,  24;  ruitharm,  (iraff  V, 
730;  s.  hmellerl.  "»40;  II,  1170;  16M  Zwidarm  =-  ein  He- 
M/hupf,  welche*  zweierlei  i "■schlecht»  i*t,  Schmcller 
1.  cod.  Pie  KittMcllung  land  im  IV  Jahrhundert 
»tatt,  der  Zwitter  lautete  ahd.  rwitarn ,  zwitaran  a< 


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darr. 


dasig — dauen. 


aus  2  Völkern  gemischt  [„zu  «weiter"];  mhd.  zwitar, 
dann  Zwledoru  [zwetorn]  =  Zwitter.  <ir.  Gramm.  II. 
*w;  Andrescn  110).  —  (I.Vjh1  Zwolffinga-'D&rm.  ■ 
Duodenum,  dessen  Lunge  12  Daumenbreite 
misst  (Hyrtl.  Anal.  I»),  (Portdarm,  Zwölfer,  8.  d.). 

-  Sa?Sein"  |  Atlcr'  'Btmch'  'Brin'  niäst'  Dlut- 
gang,  -Brand, -Bruch,  -Dritslein,  ■  Falten,  -Fäule, 
•Fell,  -Fewhte,  -Fieber,  -Fistel,  -Fluss,  -Fraiss, 
•Frass,  -Gebäude  (-Gebinde),  •  Gemhnbsel ,  -Ge- 
HtMfiU,  -Gesucht,  -Gicht  er ),  -Grimmen,  -Haut, 
-Hohle,  -Jammer,  -Knochen,  -Krampf,  -Netz, 
-Pech,  -Pein,  -Plodern,  -Phlegma,  -Rose,  -Ruhr, 

■  Reisten, -Runzeln, -Saß, -Sand, -Schabe,  Schleim, 
-Schleiss,  -Schmarotzer,  -Seuche,  -Sieehtag,  -Stein, 
■Stichelsucht,  Streife, -Strenge, -Sucht,  ■  Unreinig- 
keit,  -Vergicht,  -Verschränken,  -Yersehrung, 
■Volle,  -  Weh,  -WeicJten,  -Werk,  -Wickelung, 

■  Wind,  -  Winden, -Wunn,  Zotten,  -Zteang. 

darr.  Darre,  f  Darre  /.  u  vorgerm.  tcrs  —  trorken 
sein  \'x'j"'.(l}.  dürsten  ;  altgcrm.  Iben ;  gerni  thnrt  ,  ahd. 
darra.  derrina;  mhd  darru;  derre,  Kluge*.  r.6  ;  Luxer 
33;  lirafT  V.  2W;  1182  derr  -  Schwindsucht,  Zcning. 
Voe,  irif  1  ;  15.  Jahrh.  darre  -  spasmus,  IV  544;  1742  diu 
Harre  =  tabes.  Zw  473).  —  Darre,  1.  =die  Austrock- 
nung,  Abnahme  der  Gewebe,  trockene  Schwind- 
sacht (s.  d.l  —  Atrophin,  Tabes,  Marasmus  (eor- 
ruptio  virvntl«  corporis  <|iiau  lit  obsiccltatcm,  Hu  tauge 
V,  25s),  welche  die  Sftfte  der  Menschen  und  der 
Tiere  auftrocknet,  verzehrt,  die  Kräfte  zum 
Schwinden  bringt  (^Schwindsucht,  Hundsalter, 
ÄlterJein,  Altmann,  s.  d),  Paedatrophia  f<;r.  W. 

II.  786;  Sebw.  131;  Seh  melier  I.  530;  volksmcdUinisch 
wird  diu  Karre  l>ci  Kindern  durch  das  sog.  DarrAb- 
inahlen  oder  Harr- Abhacken  [s.  (Huri  und  Muhle]  d.  h. 
durch  eine  Wiedergeburt  behandelt,  Frfachbler  43  44; 
auch  durch  da.«  Durchziehen  i »Ii eben  Bnunepalten, 
<  iehuruhilfe)  —  2.  =  bei  Vögeln  =  Zipf  (ein  kleines 
eiterndes,  tinnenartiges  Geschwür an  dem  Börzel 
der  Fett-  oder  öldrüse  der  Vögel  Aber  dem 
Schwansbeine);  in  der  Kegel  ist  dieses  Geschwür 
ein  marantisches  Terminal-Zeichen  einer  an- 
deren vorangegangenen  Infektionskrankheit  (s. 
Dürre  4).  —  3  =  Darre,  Därung,  Darrung  ahd. 

tarunga;  ndd  taernng,  tarung  -=  laesio,  Sehaden.  Heyne 
V,  240,  =  die  Atrophie  eines  Gliedes  als  Folge 
einer  traumatischen  Lasion,  Schwinden,  Lähm- 
ung, paralytische  Atrophie  mit  spastischem 
Krampf,  Phthisis,  Spasmus  (i>  Mi ,  Uoldsclim.  is. 
81.  US  Iii*.  —  i4r*ejn'Ä-Darre -Tabesaisenicalis, 
chronische  Abmagerung  und  Nervenschwind- 
sucht infolge  von  Arsenik-Vergiftunf?  (Kraus,  B. 
I2.S).  —  [ir.29j  .Ins -Darrung  (Parac.)  —  die  Abnahme 
des  Körpers  unter  Austrocknung  der  Gewebe 
wie  z.  B.  im  Alter.  —  Bergmanns-D&rre  =  Berg- 
sucht (s.d.)  Tabes  metallica,  Phthisis  der  Berg- 
werks-Arbeiter. —  />n<»  ji-Darre  -  Schwind- 
sucht b.  Gckrösdrüsen-Tuberkel  (Paedatrophia). 
—  (l.v — 16.  Jahrh )  Haid-Darre  -  Durities  ma- 
DUOtDi  die  Trockenheit  der  Haut  (s.  Fingerlohn; 
[dlfl  lerre,  dorre.  Gr.  W.  II,  1022}  (s.  Hautdörre).  — 
heisse  Darre  (bei  Pferden)  =  Phthisis  febrilis 
(Gr.  W.  n,  786».  —  [1379]  fu>llische  Darr  (in  Flüchen, 
(ir.W  11.786;  1, 38«)  -  Hückenmarksschwindsucht, 
tlie  man  wie  eine  aus  der  Hölle  kommende  teuf- 
lische Krankheit  betrachtete.  —  Lu«f -Darre  = 


Tabes  syphilitica,  ROckendarre  infolge  der  Lust- 
seuche (Kraus,  E.  I  I).  —  Milz-Da.rre  -  eine  dem 
Milzschwunde  zugeschriebene  Krankheit  mit 
Abmagerung  fll.  raul  SS;  Heyne  .V(6).  —  (1579'  Rii- 
ckfn  mark») -Darre  -  höllische  Darre.  Hücken- 
marksschwindsucht,  Tabes  dorsalis,  Phthisis 
notias  Hippok.  (Huck  15;  Kraus.  K.T'.'I;  die  man  durch 
teuflische  Zaubermlttel.  eigentlich  aber  damonistisch 
verursacht  annahm,  wenn/.  II  Zauhcrkrnutcr  unter  der 
Thürsehwelle,  dem  Hrtnionenplrttze,  vergraben  waren1. 

—  Sc/unrfcr-Darre-^einc  Krankheit  (Schwind- 
sucht)  der  Tiere,  tlie  zum  Schind-Anger  führte 
(<;r.  w  ii,  ts.;;  —  Darr-,  därrend(er)  -Fieber, 
•  Hand,  -Mttdc, -Matsch,  -Stimme,  -Sucht  (Vergl. 
dorren,  Dorre). 

dasig,  s.  tosen. 

Dassel,  f-  (zu  ndd.  Hase  —  Klndviehbrerase,  Kalke 

i,  207.  (s.  Oestin).  -  Dassel- Beule. 
dauen  (verdauen,  Däube  f.  iindoRerm.  tö«  - 

schmelzen,  T-fjXtu,  auflösen,  tauen  [s.  d.];  Renn,  than- 
Jaii  —  verdauen  ,  schmelzen  inaeheu  ,  wie  der  Schnee 
BnftaU I  und  da*  Schmal/.  schmilzt;  der  Grieche  und 
Lateiner  hatten  für  Verdauen  |K.-p«Is,  eoetlo  =  Kochen; 
sollte  hielsjl  nicht  schon  die  Ol-  oder  Kchmalzkuchc 
der  Volker  eine  Wnrtverschledenhelt  veranlasst  haben  ' 
,,llie  Hinter,  hie  lil"  Hesse  sich  an  die  SchcideweRO 
RehretlM'ti,  «  eiche  diu  beiden  Mcnscbenstrome  durch  den 
I'otitu«  euxinuü  getrennt  auseinander  führte,  schreibt 
M|>)>ert  in  «einer  Kulturgeschichte ;  auch  die  [rltui.] 
Milz  (s,  d.)  erUntert  diese  aus  der  Verschiedenheit  der 
Volkerküchen  sich  ableitende  verschiedene  Benen- 
nung von  Organfunktionen  noch  welter.  die  man  sieh 
in  naiven  Zeitperioden  verständlich  nrther  brachte, 
indem  man  sie  mit  dun  ausserlich  sichtbaren ,  all- 
täglichen .  namentlich  häuslichen  'iebräucheu  und 
Vorgängen  lu  Vergleich  brachte;  ahd.  douwen  [de 
wen],  dawjau  —  digerere;  codauuan ,  [far-]  Drdou- 
wen  verdauen;  mhd.  verdouwen  =  auflosen,  eon- 
Mimere,  Kluge4,  373.  378.  ff.;  Graft  V,  233;  dlRerere. 
den  SluhlRang  entleeren;  1 IS2  daeuwen  —  digerere, 
tir.  W.  II,  MS,  HS8  im  magun  daewet  sich  das  essen. 
Ortolph;  Schwaben;  die  Dil ll he  —  Verdauung,  C.  v. 
Sehm.  120;  Scbw.  1S2;  1645  dewbigkelt  =  eoneocllo, 
Ooler,  H.  A.  181 ;  deuwen,  daiben  =  wiederkäuen,  Huck 
17).  —  dauen  =  weich,  flüssig  machen,  durch  Auf- 
lösung atifsaugbar  machen.  —  Däube,  f.  =  Ver- 
dauung. —  dew,  deeb  =  verdauend  wieder- 
käuend, an  der  Gnupperkrankheit  leidend  (von 
Schafen),  wobei  das  Tier  sich  so  gebürdet,  als 
ob  es  wiederkäuend  gnuppere  (Kalke  I,  208).  — 
;i  ^dawu/ty  ,i  'Ss  abd&wen  -■  ruminare  =  voll- 
standige  Verdauung  (H.  r.  Oersd.  11.  14;  digerere, 
Tabern.  Krtrbch.  119.  591;  Schweiler  I,  477;  1.560  H. 
Sachs  .  — nWSfcrdauen  fahd  uz  fardawit  egestus, 
öriiff  V,  231;  das  Verdaute  abfuhren,  auslcereu.  — 
(1532.1  bose  DaWUN'/  „wann  der  Magen  die  Speise 
nicht  dowet",  Krle»  72.  102)  =  schlechte  Verdauung. 

—  (1620)  Missd&nungcn  -  Cruditates,  Hohes,  Un- 
verdautes entleeren  [H.  Minderer  12".,  127).  —  ring- 
däuig  i'<:i*'-  ringdaeulg,  Wlrsung;  lTlürlngdeulf,  <ir.  W. 
viii,  fit  gering,  leichtverdaulich.  —  [17.Jabrb.] 
nble  Däuung=l»öse  Dauung  [B.  A  840).  —  11470] 
sich  undätt(b?}en  =  Hieh  erbrechen  (schueUer  t, 
177).  —  undäui'y.  [162°]  und&wig  (Uad .  Juu.  43)  -  Vo- 
mitus  o.  Diarrhoe,  Erbrechen,  schlechter  Magen 


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94 


Paul  —  Daumen. 


I  »aussei  — Decke. 


'Srhw.i:w  j  ndd  undocge.  undagt  -  Unverdautes,  |eb*4< 
Imftes,  Goldschui.  15.  4-1.  12".).  —  wudaubi.'/rr  (un- 
döwycr;  Manen  (Schmeiier  I,  471)  =  ein  Magen, 
der  sieh  erbrieht  (i'.is  undeuwung  der  si»i«e  =  pla- 
stia  [BlMt] i  u  d  I  g  e  s  t  i  o ,  D.  440;  1<>77  t'ndaucti,  Ii.  iiikIiuh  ii 
werden,  Kranken]  — sich  erbrechen.  Sehw.  132;  ..«"ine 
Bewegung  des  Magen»,  wodurch  er  «lies  SoliH-llictie 
oben  auswirft".  Bcyn. ;  die  l'ndew  —  vomltns,  Schm. 

I,  477;  mhd.  die  undoenwe  =  daa  nicht  Verdauen, 
Erbreellen,  I.excr  295;  14K2  sehr  undewet  —  Diarrhoe 
mit  Schmerzen,  schmerzhafte  Kntleerung  von  unver- 
dauten Spellen  ,  Zcning.  Voc.  dd.  5,  1"61  böser  nmi 
undoUWigcr  Magen  -  stumacbo  laborarc,  <ir  W.  VI. 

II.  17;  1712  du«  l ugedauen  [?]  —  febris  hectlea,  tu!»,  - 
mcsanden.  Zu  .  10  -  ungedeihen!  —  Undätllichkeit 
(UM  uudeullgkatt,  Krantw.  VI)  —  der  Zustand  des 
nicht  Verdaubaren,  des  nicht  verdauen  Könnens. 

—  (lßtft)  Magens-Fndäuligkeit^  Apepsia,  Cru- 
ditas  stomachi  [Cot«!  EL  A.  IS1]  vergl.  auch  LTn- 
gedeihen,  —  unten  aus*  dewen  Sehmellcr  I,  47«) 
=  Stuhlgang  haben.  —  t rrdauen  lahd.  fardawjan, 

anlawJan.GrafTV,  23-1     egcrcre;  15J6 vcrdahen,  Maluch. 

«■clg.  Kont  .  1.  —  die  Speisen  aufsaugbar  machen  = 
verdauen.  — 2.  —  Verdautes  entleeren.  —  unver- 

dauen  (ahd.  unfardauuit  indlgestus,  Graff  V.  ZU  ; 
14S2  uuverdewct,  Zening.  Voc.  min  .V  —  ungenügend 
VerdauteB  entleeren  (Indigestio).  —  kranke  Ver- 
dauung (Gr.  W.  v,  2026)  -  Bchwache  Verdauung. 
Magen- Verdauung  —  die  erste  Verdauung  der 
Speisen  im  Magen.  —  Verd&Viungii-Fieber,  -Stö- 

Daul,  Dahl,  Daal,  daulen  (schwab.),  1  -  Ekel 
haben,  krank,  abgeschlagen  in  den  Gliedern  Hein 
(I620,  D.  Minderer,  Kluge  87).  —  2.  =  Panaritinm 
a.  v.  H  Ii,  a2C;  1203)  als  ekelhaftes,  bosos  Ding 
(b.  d.  und  Fingerwurm;  —  Dahl-,  Dal-/"«*«. 

Daum,  tu.  (ahd.  daum,  toum ;  mhd.  toura,  Schul. 
I,  .*.u».  Schwaben,  Schweiz,  Bayern;  C.  v.  Schm.  121; 
Or.  W.  U,  MI;  Bavaria  IV,  l.  272j  =  Dampf  (s.  d.) 
wässeriger  Schweis«,  Qualm,  Dunst,  Vapor,  Fu- 
mui,  —  däumisch^  taumelig,  schwindelig  (vgl. 
damisch). 

Daumen,  m  (Dam|en ,  Däumling,  Damer- 
ling) ".(erreich  indogcrui.  tu  schwelU-n,  dick  sein 
[MnchiflngcO  vorgerm.  tiimon  [tumeo  -  geschwol- 
lener, [starker);  gcmeingcrni.  thuma  =  Duumeii,  primär 
aus  uraltem,  selhststNUdigcn  Stamme  gebildet,  als  „der 
starke  Finger",  Kluge*,  67  ;  von  allen  5  Klugem  erhielt 
der  stärkere  Daumen  zuerst  in  allgermanischer  Zelt 
»einen  heutigen  Namen  -  Geschwulstringer,  starker 
Kluger,  mildem  mau  fassl  und  „begreift"  (».  d.);  augl*. 
thuma  sb  polles,  D.  445;  ahd.  dümo,  Ca».«.  Glossen; 
Ihiimoil  -  polllcctn,  II.  Z.  XV,  524;  tatu[«aliseh.  Gesetz], 
Hyrtl,  K  W.  36;  12.  Jabrh.  düme.  f.T  \\\  j|,  815;  1260 
tuomen,  Pfeiffer  2*;  mhd.,  mnd.  dume,  diimeti  ]Schwa- 
lienspiegci;,  Magist.  Barthol.  »7a;  Hyrtl,  K  W.  SS  ff.  ; 
1  ITOdaumcn,  Hyrtl,  l.eod.;  D.445;  15.  u.  16.  Jahrh.  dum, 
Gr.  W.  II,  M5;  150S  dum,  Gr.  \V.  1.  eod  .  1  .2s  dum,  II. 
v.  Gcrsd.  ;  eugl  thumb,  thünble)  =  Pollex,  »vTty f.f«  — 
Gegenhand,  kleine  Hand  =  Wolf-Finger,  Kauf- 
ieute- Finger,  Wodans-Finger, auffallend  grosser 
Daumen  t«ml.  Graf  Hrlch  mildem  Daumen  i+1265]  - 

—  Däumling  .Damerlhig,  14W>  deumlin«  -  pedica, 
ü.  420),  1.  =  der  Daumen,  bei  den  Arabisten  = 


Manus  parva,  die  kleine  Hand  =  Däumling  [Hyrtl, 
]  K  w.  35  ff  ),  dem  man  anch  die  Natur  und  die 
Kräfte  eines  kleinen  geisterhaften  Wesens  von 
kobold-  oder  alpartiger  Natur  übertrug  (conf. 
Hans  Düttikt;  Schcible  III.  68;  Gr.  D  M  ;  Gr.  W.  II, 
s|7);  darum  halt  man  auch  Jemanden  den  Daumen 
um  Ihm  den  glücklichen  Ausgang  zu  sichern  (adjuvare 
ali>iuem 1 ,  indem  man  den  störenden,  neckenden,  kobold- 
haften Däumling  fcstluUt,  und  bei  der  K.pilcpsie  öffnet 
man  ihn,  um'die  Macht  des  Dämons  zu  heben.  Wer 
vor  dem  Kinschlafen  den  Daumen  einschlagt,  ist  vor 
dem  Alpdruck  (s.  d.)  gesichert.  Wustmann  (100)  sagt 
uberdie  Redensart., den  Daumen  halten"  „In  unserem 
Gebrauche  der  Redensart  scheint  das  Wesentliche  von 
dem  alten  deutschen  Glauben  «.rlmrn  D.  M.:  erhalten 
zu  sein,  aber  beetnllusst  durch  die  antike  Vorstellung", 
dass  man  durch  iin-  Daumen-Halten  oder  Niederdrücken 
sich  Kettung  Odet  Hilfe  verschaffe,  wie  einstmals  für 
den  daniederliegenden  Glailiator  das  römische  Volk 
•••ine  Gnade  bezeugte  dun  h  das  j  olUoem  pnBMK 
(Schräder  392;  1260  war  das  Daumeueiuschlagcn  ein 
schlechtes  Kraukheitsprognosllkon ,  l'feiffer  2s,  weil 
damouisiiseh  begründet,  s.  u  —  2.  —  ein  klein  ge- 
wachsener, wie  ein  Kobold  gestalteter  Mensch 
[Gr.  W.  II,  851;  Seh  melier  1.  608;  der  pfiffige,  listige 
Allierich.  vgl  den  Artikel  „dt  r  Daumen  '  In  M.  Neueste 
Nachrichten  18'Jcl.  2  D.  zember,  und  was  Schräder  :iy2; 
gegen  Grimm  *  Deutung  des  „Dauuicuhaltens"  angibt; 
letztere  seheint  Immer  noch  die  bessere  zu  sein  ,  vergl. 
l^tuskraker)  —  3.  -  grosse  Zehe,  Fussdaumen. 

—  (I7'.'yi  /'e  '  -Damneii  =  das  von  Dieben  zum 
abergläubischen  Unsichtbarmachen  benützte 
Daumenglied  eines  unschuldigen  Opfers,  einer 

Leiche,  Schelmbein  (Legend,  f.  d  gem.  Mann  ;  Koch- 
holz I.  241  —  Fun*  Daumen  II  Jahrh.  -  fuosz- 
dumo,  Hyrtl,  K.  W.  86)  grosse  Zehe.  —  Daumen- 
Ballen,  'Finger,  -Maus,  -Hagel,  •Nickel. 

Daussel,  l.  Dassel  (AsselV 

Dax,  m  Dachs, Daxler,  daxein  zuindogerm. 

tek«  bauen,  graben;  germ.  dehs;  ahd.  tlahs  ;  mhd. 
dann,  Kluge*,  65).  —  DäXel  und  Daxler  meiner 
mit  der  Gangart  des  Dachs-Hundes  *Buek  12 

—  daxein  =  krummbeinig  einhergehen  wie  der 
Dachs-Hund  [daherdaxen  ;Ruck  l»;  .«chmcller  1, 
4S21.  —  Dachs-ßa»,  'Haut.  —  schlafen  wie  ein 
Dax  —  über  die  Zeit  hinaus  schlafen,  lange  und 
fest  schlafen  wie  ein  Dax,  der  ■/«  seines  Lebens 
im  Bau  verschlafen  soll.  — -  auf  der  Daxhaut 
liegen  =  schlafen,  kränklich  sein.  —  in  der  Dax 
haut  stecken  ~  menstruiert  sein,  krank  sein 
durch  die  Menstruation. 

Decke,  f.  Deckel,  m  Decklein  n.  :zu  decken . 

Indogerm.  teg  [  —  legere  ;  germ.  thakjau;  ahd  deechi. 
decchan,  mhd.  decken,  decke.  Kluge  ,  6sj  fÜrOrgltne 
genommen,  die  eine  Bedeckung  bilden,  1 
Kehldeckel  («.  d.  unten)  |1551  deekleln,  Hyrtl,  K. 
W  78;  doeckelein.Gr.  W.  U,  1213,  ■  Epiglottis,  Kehl- 
deckel, früher  als  eine  Drüse  angesehen  (Gur- 
geldrüslein'. —  2.  -  Kniescheibe  (s.  d.)  (1632 
dcckelln,  Hyrtl,  K.  W.  SS)  als  Deckel  auf  dem  Knie. 
'  —  3.  =  s.  Lid.  —  Decke  f.  =  Wildfell.  —  decken 
(i».  Pferden) = beschälen.  —  ic.  jshrb  |  Atemadcr- 
Deckel  Kehlblatt,  Atomblatt,  Kehldeckel, 
Fpiglotlis  (deckcllin,  doecklln  der  atemaderen, 
Gr.  W.  II,  1218 ;  V.  395).  —  (1676)  .4N^CN-DSCksl,  (1591) 


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Decksei— denken. 


Dener—  Deuter. 


95 


Decksei  Augenlid,  Palpebra  (llyrtl,  K.  w.  13, 
Pauli  39;  ür.  W.  I,  805;  Had.  Jun.  23;  Hcchnel  ■> 
deehesale  sa  vclanuntuui,  Sellin  1,  487)  (AugenLebel, 

Deckelglied).  —  /?<mrA-Decke  =  die,  die  Baueh- 
eingeweide deckende  Maut  (Peritoneum  und  Mus 
kein,  «;r  w.  1,  U86).  —  '^-decken  beachÄlen.  — 
i.v>.  //rrr-Decke  =  Perieardium  (Ii.  v.  <;er*d.  os; 
<ir  W  IV.  2.  122S,  llyrtl,  K.  W.  83),  der  Herzbeutel, 
dieThecader  Arabisten,  diedas  Herz  bedeckt  — 

[16M]  ÜTfW- 1  Meckel*11  (Decke>  =  EP'8io^». 
oft  auch  mit  dem  Zäpfchen  verwechselt  <;r  w. 
V,  395),  das  Decklein  (8.  o.)  als  deckende*  Blatt 
Ober  der  Kohle  (Löveling  v.i  —  <  >:,<  -Deckel 
die  Ohrklappe  (bei  Tieren;  (<;r.  W.  VII,  12'«3j.  — 
V  Idiiwl  -  Deckel  =  F.piglottis,  Kehldeckel  im 
Schlünde  der  Pferde  |R.  A  832),  —  Z</</«\'-Deck- 
lein  il-l'J'i  zageldecklin  pracputlum,  l>  T.'>6)  —  vei- 
deckende  Gliedhaut,  Schwan/hülle,  Vorhaut, 
Lid.  —  Deck- Glieder,  -Haare. 

Decksei,  in  s  Deckel  u  Dax 
deeb  s.  dauen. 

Degen,  m.  bei  den  Pferden  eine  degenähn- 
liche oder  kornähren  («.  Ähre)  -artige  Haar- 
furehe  am  Halse  längs  der  .Mahne  herab  (ür.  W. 
II,  S9W.  Zipp.  h».  Kalke  II,  31)     römischer  Degen. 

—  Degen- äi/»i\  -Stich. 

deihen  (diegen)  in<lof.'  thenh;  vorgeim  t.nk, 
t«-k,  genug  tiai.cn  angi.«.  iheagtan,  rollenden ;  Roth, 
iheihau  gedeihen'.  —  </<  deihen  ,angl«.  getheon; 
cnh  Kflthelhan,  ahd.  gldlban ,  mhd  gediheu.  Kluge*, 
l  »)  -  zunehmen  in  der  Dichte,  wachsen,  dichter 
werden,  sich  gut  entwickeln;  auch  von  Wim- 
dentieisch  (Schmeller  I.  497:.  Milch,  Fleisch  über- 
haupt etc.  —  »jw-  diegen  -  ausgetrocknet, 
dürrer,  dichter  geworden.  —  l'.f/.  deihen  = 
nicht  zunehmen  an  Fleisch;  mager  bleiben 
vom  Nutzvieh)  (Falke  II.  384]  (s.  auch  undäuen). 

—  Diegen- Fleuch,  -Milch  , 

Delirium,  n.  aus  tat.  delirare;  Iii*  =  Geleite. 
Kurche  entgleisen,  Kluge*,  232,  geistig  verrückt  sein., 
1.  =  Säufer- Wahnsinn,  Delirium  trenens  Tril- 
lirium  clemens,  scherzhaft)  (Andreseu  »v,  als  Ge- 
hirnaffektion,  deren  Haupteüge  Delirium  und 
Tremor,  Schlaflosigkeit,  Zittern,  Hallucinationen 
sind.  —  2.  =  (seltener  volksüblich)  Delirium 
febrile. 

Delle,  f.  «  Dale,  Dolle,  Dülle,  die  Vei  tiefung 
auf  der  Körperoberflache,  die  durch  Druck, 
Stoss,  Schlag  etc.  entstanden  ist,  s.  Bulle  Schmel- 
ler I,  49*.  301). 

Delm,  m.  zu  ahd.  duualm.  mhd  twalm  —  Dolm, 
Toltn,  Twaltn  [».  d  ].  Schmeller  I.  5a5;  Gr.  Vi.  II.  USt; 
Vir  ±m\  =  Betäubung,  Ohnmacht,  (jualm. 

St.  Deng.—  St  DengS- Feuer  9.  St  Antonius- 
Feuer). 

denk  s.  tenk. 

denken  (=  urspr.  scheinen,  ,, dünken";  dann 
scheinen  macheu  =  überlegen,  bedenken,  Kluge*,  t'.'.UT. , 
engL  t»  thiuk)  =  geistig  tbatig  sein  durch  Vor- 
stellungen, welche  erscheinen  und  zu  einander 
in  Beziehung  gebracht  „überlegt"  werden.  — 
/^»•-denken- Memoria  (Schindler  I,  7«).  —  hinter- 


denk/ir/i,  1  ~  schwermütig,  nachdenklich  Bu<  k 
14).  —  2.  (15.  Jahrh.  hinterdenken  =  ruminare.  ent- 
stellt aus  iterrenken     Iterruchen  1«.  d.],  I).  SM) 
wiederverdauend  —  Denk-  Kammer. 

Dener,  m.  s.  Tener. 

dengeln;  die  f.ermunen  kannten  (ins  Kastrieren 

nur  als  Zertrümmerung  de.«  Hoden*  mittel«!  de»  l>eugel- 
Steines  oder  Stcluhamiiicrs. 

Dengue  -  ein  (177<j)  in  Kairo  und  Alexandrien 
tinter  dem  arab.  Namen  Aburuka-Bah  (—  Vater 
des  Knies;  Aburockab,  in  hollind.  Baiavia  als 
Knockel-Koorts  s.  d.)  herrschendes  rheumati- 
sches Fieber,  namentlich  an  den  Knien  (s.  Knie- 
t ' bei)  u.  Knochein  (s.  Knöchellieber)  lokalisiert ; 
«pan.  dengiie,  engl  W.'j deugue, dandy,  Z.  Hdb  11,2. 4S3, 
Anm.j,  „wi-gen  des  steifen,  gezierten  Ganges,  zu 
dem  die  Kranken  gezwungen  waren,  vom  Volke 
Dandy-fever  genannt"  ('Dandy  =  Stutzer)  („Rhen- 
uuitismus  febrilis  exaiithemutirii«,  Searlatiua  miti«, 
Kxantheais,  Arthrosia,  InsolationsfM>er,  breltugfleber. 
vom  Vojkenueh  1'nlkntleber.  Giraffe.  Bonquet,  Colorado. 

break  boa  foebrofhenei  Hein;,  braken  wlnf  [PtMfelbrurb] 
genannt",  denen  447,  wegen  der  brechenden  nndbohr* 

enden  Gliederschmerzen;. 

Depp  (Tepp)  m  =  Kretin,  der  täppisch  ist  (s. 

Tappe)  (Knapp,  Kretinismus  6). 

derb  (dörb,  derben,  verderben)  [altgerm. 

therl  uotig haben  ;  ahd.  derb;  mhd  derp  trocken, 
dürr, mager  (Bayern,  Scaw.  15«;  Schnuller  i.  ..34).  — 
Ganz  verscbieilen  davon  ist  rrrderben  indogerm 
ter]'  —  sterben  ,  gotb.  tliatrfau  sterben  ;  ahd  derbau 
-  sterben;  mhd.  verderben),  ZU  nichte  machen, 
natu  fehlerhaft  verandern,  infizieren,  sterben 
i Kluge*,  338;  vorterbet  »atOletu« morbo,  I).  16,  nainent- 
lieh  galt  das  „verdorbene'  Meustruulblut  als  inlizierend  , 
giftig,  Tripper  erzeugend  selom  im  grauen  Altertum 
Iii«  auf  Joubert,  Pr.  I,  460,.  —  (1831)  /Mur-Verderb- 
nitt  -  die  aus  einer  Infektionskrankheit  (Safte- 
vergiftung)  entspringenden  Hautausschläge  (Pe- 
techien z.  B  )  und  Mundkrankheit  skorbutische 
f  tomakace)  (Behrend  12).  —  die  Qeburt  verder- 
ben, 1.  =-ah<>rtire,  die  tieburf  's,  d  2)  zu  nichte 
machen  ür  w  IV,  l  1903K  —  2.  -  Schaden  leiden 
bei  der  Entbindung  v<;e>.rK  hu.  —  1,1  .  i.»-  ki.ul 
verderben  =  foetum  abigeie,  einen  Abort  her- 
vorrufen (Or.  W.  V,  709;  Bock  403).  —  (1736)  Säfte- 
Verderbnis  =  eine  scIiiilgeinUsse  Bezeichnung 
für  fehlerhafte,  sehlechte  Blutmischung  %.  B. 
durch  Gicht  oder  Syphilis  (Kachexie)  Pr.  U, 
p»,  _  verdorbener?»^  Blut,  -Magen,  -Samen, 
■Schleim. 

Derre,  f.  8.  Darre  ttud  dorren. 

DetZ  (Daetz),  f.  aus  dem  franz.  la  tele  =  Kopf, 
ins  Plattdeutsche  übernommen,  Heilage  z.  Allg.-Z.  1»'."6, 
Nr.  U]  —  Koj»f. 

Deuter,  m.  (Deuterling),  deutsch  zu  deuten  , 

ahd.  dluteu  =  volk«inA«»li:  machen ,  verstandlieb 
macheu;  vorgerm.  leuta  Volk,  d.  h.  deutseh  verständ- 
lich machen.  Klinre  *,  70;  14.  Jahrh.  deitter,  deuler - 
dlgltit«  index,  llyrtl  ls«;  tir.  W.  II  1011;  III.  1CV 
Zeigefinger;  Deuterling  Zeigefinger.  —  Oc- 
deute  'angU.  getheode,  Kluge  *,  70)  =  Sprache, 
volksflbhche  Deutung  —  deutsche  Krankheit. 


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90 


Diarrhoe—  Diech  (e,  er). 


(liegen— Ding. 


Diarrhoe,  f.=  Abweichen  des  Darm-Inhalten 

an»  «lern  Leihe  (vom  griechischen  v.aopoi'z  =  Durch- 
fluss;.  —  Angst- Diarrhoe  =  durch  psychische  Ur- 
eachen veranlasster  Durchfall  (Dianhoea  emo- 
tiva)  (Samuel  203;  IC.  Jahrb.  foirolle  <le  male  peur, 

uns«  i7i).  —  (1A32)  der  Fluss  Diarria  Fries  ii  . 
Bauehfiuss.  —  (I876J  faulige  Diarrhoe  (Müller, 
Krlrbch.  342)  =  übelriechende,  weiche  Stuhlgänge 
(vcrgl.  Aroc).  —  Sommcr-Diarrhoe  -  die  zur  heis- 
sen  Jahreszeit  hiiutigeren  KJnderdurchfälle,  Kin- 
der-Choleritie,  Sommer-Krankheit  (Hufcland  i*7  . 

—  (l.süT)  Tl'MriM-Diarrhoe  Darmkatarrh  durch 
Darmwürmer  J  ü.  Frank  vi.  447). 

dicht  (fehlt  im  ohvrdcutfichen).  fn«l«l  &<dicht- 
w  esen    verstopft  sein  (Goldschm.  iu.,. 

Dieb,  m.  Diebs  -Daumen,  -Finger,  -Hand. 

Diech(e,er),  n.,  pl.  dick  (Oediech)  (tn  ge- 

deuten  [a.  d.];  aogla.  thcoh  =  coxa,  crura.  D.  154; 
ahd.  7.— 8.  Jahrh.  dheob,  dcoh,  Cas«.  Glos».;  9.  Jahrh. 
dcoh  femora,  Rab.  Munr.  65;  11.  Jahrh.  «lieh  —  fetniir, 
coxa,  B.  Z.  III ,  dlcch=  coxa,  cluues.  fetnur,  H.  Z.  III, 
368;  dich,  II.  Z.  VI,  321  —  sclu  i«chia\  coxa,  1).  51  v 
12,  Jahrh.  thloch  —  bathma,  II  Z.  II.  20".;  Krf  Glos*.; 
GraffV,  118;  1394  «Iii»  -  dihen,  D  .IIS;  sclasis;  IV  Jahrh 
diech  —  torumda  torus,  corus]  coxa,  D  590,  1475  tiiych 
ixll.     testleulus.D.  581;  mild,  <lic\  dleh  Oberschenkel, 

I.  excr  34;  IC.  Jahrh.  aln  dieeh -  - glossa  [coxa],  I>.  26... 
15IG  dlcche  snlTrago,  tlcugestelle  am  dicken  Fleuch 
der  Iluflc,  I»  665;  IC09  luchern  —  Olfersehcukel,  Guar. 
908.  engl,  thig  -  Oberschenkel,  I.ehf  81,  thiek  =  dick  , 

—  dick  =  dicht,  voll,  fest, schwanger  {Roth,  thlgn«, 
Kluge  A4;  ahd  dlechi  -  dicht,  dick;  mhd.,  126U  dicke. 
Schnu  ller  I,  4*8;  von  dcrfeuchle  [s.  d  J  wird  ein  Jeglich 
ding  diek,  Pfeiffer  21).  Diech  -  ilasdicke  Fleisch ; 
a)  der  dicke  Teil  des  Schenkelfleisches  ( -  Keule 
nebet  Umgebung,  Glanes)  und  der  Knochen  des- 
selben (eollum,  feiniir,  en.xa  [Hiiftknochen),  grossum 
crurls,  Du  fange  IV,  110;  regio  isehladlca,  II  Z.  XV, 
33.'.;  bis  zum  16.  Jahrh.  auch  in  der  Anatomie  üblich, 
Hyrtl,  K.  W.  36;  Bayern,  Schwaben;  Schnuller  I,  «82; 
c.  v.Schm.  117);  b)  Armhöhle,  Achselbeuge (bath- 
mos),  soweit  sie  eben  von  dickem  Muskelfleisch 
umgeben  sind  i  c)  Lende  (s  Jahrh.  dioh,  i/ass.  Glos*  ; 
10.  Jahrh.  dieeh,  Notker,  Psalmen);  d)  Arschl.allen 
(,,w i  iin  die  Dieeh  herfurpausent,  dasl.cdi.uit  Kiinuhcil ' "  , 
e)  Leistenbug  (15>s  Faltung  der  Dyceher,  II.  v.  <..rsd 
n)  Schenkelbeuge,  Kegioinguinalis,  Vorderhüfte 
Suffrago  (Hyrtl,  K.  w.  ios;  d  fi  Hoden  am 
Leistenbug.  —  (1532)  .Irm-Dickin,  f.  =das  dicke 

Fleisch  am  Oberarm  (Kries  127).  —  Bein- j  p-g^ 

(II.  Jahrh  Lelndleki,  -diech-  gösse,  gossa  >oxa];  Voc. 
npt.W.3"  ;  D  155  <.  10 ;  152Hbeyudycch  —  gessa-  =  gossa?]  ; 

II.  v.  (iinid.  97;  Hyrtl,  K.  W.  37;  Gr.  Vf.  I,  1385J  — 
dickste,  fleischigste  Stelle  am  Oberschenkel- 
beine. — /aKsf-dick  hinter  doni  Miren,  seil,  durch 
geschwollene  Drüsen,  die  die  Sammlungen  und 
Durehseiehungs-Organe  für  die  aus  dem  Gehirn 
kommenden  Stoffe  nach  früherer  Anschauung 
waren,  und  also  das  Depot  für  alle  List  und  Ver- 
schlagenheit bilden  sollten,  die  das  Gehirn  lie- 
ferte (vergl.  Drüsen  und  Wust}.  In  Grimm  w.  VII, 
212  1230  wird  der  Ausdruck  durch  den  Schalk,  als 
Dunum,  der  im  Nacken  sitzt,  erklärt;  warum  datin  aber 
gerade  faustdick?  Wie  die  guten  und  falschen  Adern 


als  Sitze  guter  und  falscher  Sinnesart  [».  Aderj  galten, 
so  auch  die  Ohrdriiceu  als  Kmunetoria  de»  Gehirns. 
Volkstümliche  Behadcltchrc  «ptelt  dabei  nicht  mit 
Wustmann  353),  sondern  die  alte  Humoralpalhologic 
der  Schulen,  die  dcriGchirnkodcr,  „den  dicksten  Dreck" 
(Leipzig]  in  den  Drusen  hinter  den  obren  namentlich 
beim  Pfcrdc-Kvifel  oder  „Schelm"  (».  d.  1.  bß)  suchte. 
Kin  breites  Hinterhaupt  galt  damit  als  ein  ltesmuieres 
Inteliigenxzelchcn;  derjenige,  der  es  nun  gar  faustdick 
hinter  den  Ohren  hat,  ist  klmrer,  als  man  es  sollst  meinen 
sollte.  Qaufen -Diech  (ahd.  «offe -dieeh,  GrafT 

V.  Ii")  =  das  dicke  Fleisch  der  Iiiuterbacken  (s. 
Ciauf  2).  —  (Di20)  das  GVdiech  P**  Minderer)  >.  O. 
Diech)  die  ganze  Gegend  (Diech  a— e)  (Sebm. 
I,  482}.  —  Mi hr- Bein  Diech  (7.—  8  Jahrb.  daxmaera 
peindeohes,  Gass  f.loss ,  Diez  i>6)  —  das  dicke  Fleisch 
am  grösseren  Schenkelknochen,  Os  majus  = 
Coxa.  —  (1X12)  die  Schenkel-  (und  Arm-)  Dickin 
(Krles  127)  =  Beindicke.  —  1  dickerung  =  das 
Produkt  einer  gleich  massigen  Volumen -Ver- 
mehrung, Massen -Zunahme  in  mehr  diffuser, 
nicht  umschriebener  Form  an  irgend  einem 
Körperteile  o.  eine  Eindickung  der  (Jewebssafte 
(Blut,  Galle,  Humorea,  Phlegma).  —  dicke,  <*) 
-Barken,  -Hauch,  -Bein,  -Blut,  -Braten,  -Darm, 
-Fell,  GeblUt,  -Geburtshäutlein,  -Hals,  -Haut, 
-Kopf,  -Krtistcn,  -leibig,  -Lippe,  Nabel,  -nasig, 
-Xercen,  -  Ohren, -Räude,  Rippe, -Sack,  Schenkel, 
-  Teil. 

diegen  s.  gedeihen. 

diessen  s.  dosten. 

dill  (Dille),  dill  (dttld)  =  betäubt,  verwirrt 

(Sehmeller  I.  499;  1594  der  dille,  Klachart;  Gr.  W.  II. 
1150;  dlltap  b.  Sehmeller  I,  500;  vielleicht  zu  toll;  ahd. 
inline  =  thorieht ;  Kerni.  dul :  IndoKenn.  dhul  bethi.rt 
»ein.  KlUKe4,  377).    —  Dill-  Tap    Waekernupel  Ab 

handlnnsen  zu  Spr.  K.  III,  157)  halt  Dill  für  Oidl  (s?t. 
Aegidius,  Sund  Dyli^eir.  der  einen  unbesonnenen,  leicht 
sich  übereilenden  Menschen  bezeichnen  soll,  9.  Zeitseh. 
D.  Ö.  A.  V.,  1893.  S.  201;  vielleicht  kam  die  „Tollheit" 
des  Herbsttest,  s  auf  Euidy  dem  entstellten  „Dihjrentan" 
cntKeRen  im  Volksmunde  und  entstand  soder  verwirrte, 
närrische  „Dill'  . 

Dille,  f.  s.  Dale.dölle.düle,  Beulen- Vertiefung 
(Bulle). 

Din,  pl.  s.  Diech  und  Dünne. 

Ding,  n.  (Oeding)  iudogerm  tenkos  [  =  letnpus;; 
vorKerm.  tenkos;  lanirobard.  thinx;  alluerin.  thing ; 
engl.  Illing ;  ahd.,  mhd.  dinc  eigentlich  Gerlehts-Tai;, 
dann  Gerichts-Sache,  weiterhin  Sache,  Ding,  Kluge*, 
73]  etwas  vorerst  nicht  Aussprechllehes,  dann  auch  die 
Umschreibung  einer  Reihe  von  Krankheiten,  deren 
wahren,  eigentlichen  Namen  man  aus  Scheu  vor 
den  Krankheitsdilmonen  nicht  aussprechen,  un- 
genannt lassen  wollte,  t.  B.  das  böse  Ding,  das 
heilige  Ding  (s.  d.)  etc  (nannte  man  doch  die  Tod 
und  Krankheiten  bei  Mensch  oder  Vieh  bringenden, 
hlpischen  Wesen  [UnboMen]  auch  aus  Angst  vor  ihnen 
gelbst  die  „Dinger"  oder  guten  Dinger  [  -  wihtlr],  Hon*- 
uiaun,  Uonatach,  f.  Bchleibsn  1829,  II.  757  Antn.;  Slniroek; 
II  D.  M  473;  dieselben  nahiuen  auch  In  Haut,  Ein- 
geweiden, Drüsen  und  Knochen  der  Menschen  ihren 
Aufenthalt  als  [von  Hexen  und  Teufeln  geschickte,  au- 
gezaubert.  ]  Krankheiten  erzeugende  Plage-  und  Quül- 


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Ding. 


dinsen— Diphtherie.  97 


gelster).  darum  belMt  auch  J.  =  die  Pestilenz 
(1616)  „das  Ding",  als  eine  schelmische  Krank- 
heit (Gr.  \V.  II,  1164;  Heyne  I,  ösi) ,  ferner  2.  =  die 
mit  Gesch  waren  und  Heulen  ein- 
hergehenden, damit  verbundenen 
Krankheiten,  l'anaritiutn ,  Eiterpusteln, 
Comedonen,  Rutlauf,  Karbunkel  (s.  u.)  (die 
de-halh  auch  durch  Segenspruohc,  wie  Dämonen  und 
boshafte  Wesen.  Wiirmer,  gebannt  werden  sollten, 
Gr.  W.  IV,  2.  837).  —  3.  -  die  plötzlich,  olino  für 
den  Laien  erkennbare  Ursache  eintretenden 
a;  Konvulsionen  der  Kinder  („Dinger")  (Pauli  52; 
Mali)  und  b)  die  Epilepsie.  —  Unter  dem  Ein- 
flüsse der  christlichen  Kultur  waren  auch  4.  die 
Namen  der  Genitalien  unaussprechlich,  daher 
das  Ding,  Gedinglein  {mnd  ere dink,  Mag.  Barth.  91  b ; 
mhd.  dingelin ;  15.  Jahrh.  ding,  dynck.  I>  422)  -  a)Geni- 
tale  utriusque  sexus  (Hlntncr  8. 19,  Gr.  W.  II,  1161; 
IV,  1042;  Buckl6);  b)  Penis  (Gr.  W.  II,  1164. 1171 ;  [vergl. 
Mannesding]);  <•)  11433)  Vulva  (Schindler 1, 520;  11,1152; 
Uaeser  II,  230;  (s.  Jungfernding,  Elend,  Gschoss  4); 
d)derCoitus  (Gr  W.  II,  Ut>4  ff.).  —  5.  =  (1742)  der  noch 
nicht  ausgesprochen,  vollständig  entwickelte, 
aber  doch  schon  eine  gewisse  menschliche  Forui 
verratende  Embryo  (Zw.  906  ;  ms  wunderlich»  ding 
von  gepurdt  —  monstrum,  D.  367).  —  6.  —  das  die 
menschliche  Form  be„ding"ende  Gewebsele- 
raent  (1530  ,.es  Mnd  4  Dinge,  durch  die  der  Leichnam 
gewidmet  ist,  mm  lliuc,  kalte,  feuchte  und  Trocken- 
heit". Besolt)  =  Humor  (s.  <!.),  Feuchte,  Element 
(s.d.), Com plexio, Natur«, Wesen  [1645, Coler  A.  76). 

—  (1515)  Jn-Ding^  Contagium  (D.H6J  s.  nachfol- 
gendes. —  (1645)  anfällige* Ding  =  eine  Krank- 
heit von  ansteckender  Natur  (Coler  H.  A.  207).  — 
(1646)  brechende*  Ding  =  die  laufende  (iliedergicht, 
bei  der  die  erkrankten  Gelenke  schmerzen  als 
ob  sie  gebrochen  wftren  (Coler  n.  A.  239)  (s.  bre- 
chen und  fahrendes  Ding).  —  das  böse  Ding, 
1.  =  (1742)  Panaritium  (Gr.  V.  M.  II,  iios;  w.  II,  1164 
«ub  10;  Kuhn.  Zeitschr.  f.  vergl.  Spr.  W.  XIII.  144  ;  Zw. 
5*3)  als  Wurm  (s.  d.),  Umlauf,  Ungenannt, 
Fingerwurm,  Nagplt?eschwür,  Paronychia, 
Epinyctis  fervens  (K.  ch.  323,  A  r.  H  II,  326;. 

—  2  =  die  Mitesser  (n.  d.)  Comedones  (<;r.  w. 
VI.  2343;  Arkerm.  Ö06J.  —  3.  =  die  Epilepsie 
(s.  d  ),  die  als  „(icwalt  Gottes"  eine  heilige 
Krankheit  («.  d.)  war  (Gr.  W.  Et,  2481  und  den 
Menschen  scheinbar  so  grundlos  plötzlich 
überfallt,  dass  man  vor  Scheu  sie  nicht  naher 
nennen  wollte.  —  4  -  „eine  Krankheit  des  Kind- 
viehs" (Gr.  \V.  II,  2i\i  (Unding),  das  Kalbelieber 
nach  dem  Kalben  mit  epileptiformen  Krämpfen 
(Eclampsia  puerp.).  —  5.  =  (1627)  die  Pest  (Lersch 
213)  s.  Ding  L  —  das  fahrende  Ding  ■  Gicht,  die 
herumfährt  von  einem  Glied  zum  andern,  (Ar- 
thritis vaga),  wie  vom  koboldischen  Qualgeist 
(Wurm?)  veranlasst  iSimrock  D.  M  ,  635)  —  Ge- 
ding  angK  gadinea  ■  mutinus(penls!  D.  374)  —  Ding 4. 

—  (15.  Jahrh.!  (jesrhisten  Ding  «tu  Iis.  ghschetten 
dink  =  merdia,  l).  357,  ~  Kot,  das  durch  die  Cacalio 
Gebildete.  —  gute  Dinger  =  (euphemistisch) 
die  Unholden,  welche  als  elhische  Wesen,  böse 
Alpgeister  durch  Zauberei  in  dem  menschlichen 
Körper  ihren  Sitz  haben,  ihn  besessen  machen. 

—  da*  heilige  (unheilige)  Ding  -  ein  Organ  oder 
eine  Krankheit,  von  der  man  wie  von  einem 


Heiligtum  fernebleiben  sollte,  z.  B.  a)  dieSchlag- 
ader  beim  chirurgischen  Schnitte,  der  zu  töd- 
lichen Blutungen  Veranlassung  geben  konnte 
(Gr.  W.  II,  llöi)  (die  heilige  Pulsader);  b)  der  gif- 
tige Karfunkel  (1583]  und  c)  (1615)  das  brandige 
Hotlauf,  Erysipelas  gangraenosum  als  Ausdruck 
ftti  «las  schulgemttsse  Ignis  sacer  (s.  heil.  Feuer, 
St.  Antonius-Feuer)  „die  von  grobem  Geblüte 
und  verderbten  Humore  entstehen"  (Gr.  W.  II, 
1164  ;  Gr.  W.  IV,  2.  837  ;  VIII.311 ;  Ackermann  11»  j  Coler 
II  A.  231.  253.  336;  Abcrgl.  P>0;  Kuhn,  Zetuchr.f.  vergl. 
Spr.  W.  XIII,  148;  C.  v.  Schm.  469).  —  Junqfern- 
Ding- Vulva virginalis{ür.W. IV,  2.  2385;  11,1164). 
—  (1477)  lebliches  Ding  =  Eingeweide  (Augsburger 
Bibel)  —  AI nu in  ••-'Ding  unter  den  Beinen  (Schwa- 
bensptaftl,  Gr.  w.  II,  H6i)  —  Penis  cum  scroto.  — 
(i.Vsij  natürliche  7  Dinge  =  die  auf  die  Natur  des 
Menschen  bezüglichen  Hauptsachen  nach  früh- 
erer Lehre  (Ptctorius  40  ß.)  im  Gegensatze  zuden(6) 
nicht  natürlichen,  d.  h.  Abnormes  herbeiführen- 
den Dingen  (zu  ersteren  7  rechnete  man  i  l.  die  4  Ele- 
mente :  Luft,  Feuer,  Wasser  und  Erde ;  2.  die  4  Com- 
plexlonen:  kalt,  warm,  trocken, feucht;  3.  die  4  Feuchten 
de«  Leibe«  Blut,  Phlegma,  Galle  [Cholera]  und  Melan- 
cholie; 4.  die  Glieder;  5.  die  Kräfte ,  6.  die  FunkUoneu 
oder  Wirkungen  ,  7.  die  Geister).  —  (1761)  nicht  natür- 
liche 6  Dinge  =  Res  non  naturales;  (1.  Luft.  2. Speise 
und  Trank ;  3.  Schlafen  und  Wachen  ;  4.  Bewegung  und 
Knhe;  5.  Gemütsbewegungen;  6.  Exeretus,  Retenla, 
I  L.  ch.  7j)  weil  sie  nicht  natürliche  d.  h.  abnorme 
Zustände  herbeiführen  sollten  nach  falscher 
alter  Physiologie  (s.  Überfluss).  —  Simbcl-Ding 
(simbrdl)  =  Clitoris  (sirabel,  «inewel  -  rund,  Pfeiffer 
so)  -  rundes  Ding  (Buck  16).  —  totgeborenes  Ding 
(16.  Jahrh.  abortus,  D.  4)  =  Ding  5  (Abortusmole).  — 
Truqe-Ding  ~  Monstrum  (trugtdlnc,  H.  Z.  XVI,  43; 
Münchener  Glossen)  =  Spücke-Ding,  spukende  Er- 
scheinung Verstorbeneres.  Marl— (7nding(„dass 
kein  Undiech  an  den  Leuten  geschehe  von  bösem 
Fleische"  [Augsburg),  Schmeiler  I,  621)  =  Rotlauf  (8. 
Wesen)  oder  ansteckende  Krankheit  etc.  —  (16. 
Jahrh.)  Weiber-Ding  (der  wyboron  Ihre  ding)  =  Ding 
4  a  (Haeser  II,  230). 

dinsen,  s.  dunsen. 

Diphtherie,  f  (ein  auffälliger  Weise,  weil  neues, 
selten  \om  Yulksmuude  entstelltes  griechisches  Wort 
der  heutigen  Medixlnsehule ;  1S21  diphtherlte  [Breton- 
neau!,  von  grlech.  O'.ftrsfiot  —  abgezogenes  gerbbarcs 
Tierfell)  =  häutige  Bräune  (s.  d.)=  die  durch  den 
Lonier'schen  Bacillus  verursachte  Erkrankung, 
wobei  sich  aus  dem  Schlünde,  Rachen-  oder 
Luftwegen  Häute,  braun  wie  gegerbtes  Tierfell 
aussehend,  abetossen  und  bei  der  gefährliche 
Erstickungsanfälle  eintreten  können  (xchere- 
weise  auch  <üfteritis  genannt)  (Andreren. 580;  cqui- 
nanele  -  squlnantia,  eyuanche,  Schnurrer  I,  161 ;  1031 
xovaYyif).  L  eod.  I,  205;  19.  Jahrh  span.  garrotillo  [s, 
Braune^  Erdrosselungs-Knebel;  1517  Angina  suffoca- 
tiva,  Schnnrrer  II.  65;  1609  angina  maligna,  L  c.  II,  163; 
1616  peste  a  la  gorge,  Briss  1%,  1620  pestileus  faucium 
adfectus,  paidanche,  Sehn.  II,  162:  1636  morbus  stran- 
gulatorius  s.  inalignus  faucium  carbunculus  II ,  163; 
17.  Jahrh  ital.  male  in  eanna  [Rohrubel],  Uaeser  II, 
392.  394;  1642  Spanien  Severinisches  Halsweh;  frz. 
mal  de  gorge,  Schnurrer  II,  289.  804  .  305.  813;  1752 
I  fr»,  louvet,  Hecker  268 ;  1773  engL  Krankheit  von  Kldder- 


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98  Hippel— Dohne. 


Dol— Dorn. 


minster,  II  3lt  genannt)  =  Ulcus  syriacum,  syrische  I 
Schlundpest,  Schulpest,  Halsbräune,  häutige 
Bräune  etc.  (auch  in  Diphtheritus  entstellt'  (Ac. 
Vor.  Hl.  1S96.  U*;  Hchwcd.  «try|u<JuU  Slrupfsucht, 
F.rdrositelu ii Keucht,  Hecker  272). 

Dippel,  id.,  1.  =  IvocAcn-Dippel  =  Wochen- 

Tölpei  (s.  d.)  (Württemberg,  0.  v.  Schm.  537)  =  die 
nicht  über  eine  Woche  dauernde  „tölpelhaftes 
Aussehen  verursachende  Parotitis  epidemica 
(Muuis).  —  2.  Dippel  ist  auch  =  die  Drehkrank- 
heit der  Schafe,  die  diesen  Tieren  „tölpelhaften, 
trottelnden  Gang  macht  (Zipp.  624).  —  3.  -  Ge- 
sch wulst,  Büngel,  Schwellblatter  (Chr.  Sani.  I, 
126  i  II,  309). 

Disen,  01.  (lu  alten,  sehlecht  uud  verständnislos  ge- 
schriebenen Manuseripten  vielleicht)  =  Pbthisis  (conf. 
Schmeller  I,  549  ;  wenn  nicht  =  Dusel  ».  d.). 

Dittmarschen,  pl.  dittmarsische  Krankheit. 

Docke,  f.  (ahd.  tocchi;  10.  Jahrh.  Wiener  Schlum- 
merlied, Pfeiffer  Kr.ll,  60;  nihd  tocke  =  Puppe.  Madeheu. 
kleine»  Kind;  echt  germanisch,  Kluge  -V.;  1482  dock  = 
puppa),  l.-Ttittenspite,  Papilla  mammae  [Gr.  w. 
II,  112).  —  2.  -  Penis  als  ttittenspitzähnlicher 
Zapfen  (b.  Kindern)  (Gr.  W.  II,  1210;  Schmellerl, 
4S8);  (vergl.  tocken). 

Dockes,  m.  s.  Dogges. 

Doctor,  rn.  (iu  lat.  doctor  [doceo  —  lehre],  Ge- 
lehrter, Gelehrton-Titel,  Gr.  W.  II,  1615;  Schmel- 
ler I,  498;  1500  Doctor  =  Arzt,  Kluse*,  1».  74).  —  er 
doctorlt  umeinander  =  krank  sein  und  von 
einem  Arzte  zum  andern  gehen.  —  vorn  Doctor 
liegen  =  krank  sein  (Oldbg.  \  Goldschm.  I),  —  Mond- 
Doctor  -  ein  1780  in  Berlin  mit  dem  Monden- 
sebein  behandelnder  Kurpfuscher  (Analogie  zu 
demjenigen  In  München  [1895],  der  mit  dem  Sonnen- 
ttther  kuriert,  Abergl.  183, 191).  —  (1625J  m  -d0Ctern  = 
Geldverbrauchen  zu  ärztlichen  Kuren  (Kluge6, 19). 

Dölle,  f  dolsch  (1612  dolsche,  Gr.  W.  II.  1233) 
=  geschwollen  (vielleicht  -  döllisch),  so  ge- 
schwollen, daes  der  Kingerdruck  eine  Dale,  Dölle, 
DflUe  hinterlässt.  —  Doüi'chenkel  s.  Schenkel; 
vielleicht  =  Dölsch-Schenkel. 

dönnen  h.  Dohne. 

Dörre,  f.  s.  dorren. 

Doggele,  n.  (Deminutiv  von  dogo;  zu  diuhau  = 
drucken)  —  Nebenname  für  Alp  (s.  d.)  und  Alp- 
druck) Incubus  (E1rii«s,  Schwei«;  Wuttke;  Golth.  76; 
H.  A  Rh.  415). 

Dogges,  in.  (Dockes,  Douches)  (Kranken,  ein 

jüdische»  Wort)  =  Podex  (Schmellerl.  493;  „kaum  zu 
hebräisch  tuchath  -  unterhalb",  Kluge  56). 

Dohne,  f.  (dönnen.  Gedon,  Ausdehnung) 

(iudogerrn.  ten  [TEtvu»,  Tatvt«;  teneo,  tendo]  dünn; 
j,-oth.  thunan  —  xlch  anspannen,  donjau,  Graft  V,  14G ; 
ahd.  dona  =  Ranke  [teuus  =  Strick,  T«viuv  =  Sehne; 
nervus  =  Sehne],  Spannader,  Nene,  Korstetnann,  Na- 
menbuch I;  Heyne  I,  Ml;  donOn  =  sich  anspannen;  mhd. 
done  Spannung,  Kluge*,  69.  76,  Beschwerde,  Zwang, 
nervus,  tendicula,  Schmeller  I,  615.  616;  ahd.  mhd. 
dennen  =  riehen,  spannen,  donen  —  aufschwellen, 
Lexer  3:.;  1539  drinnen  ;  1615  thonen)  =  aufgeschwol- 
len, ausgedehnt  (Hydrops),  gespannt  sein  (Coler 
449,  ür.  W.  II,  12201.  —  (1749!  Dohne,  f.  der  Schwel- 
lungszustand, Spannurgsschmerz  bei  Blattern 


(Variola,  Bolgach).  —  die  Adern  dönnen  =  die 
Blutgefässe  strotzen  (Schmeller  I,  515)  so,  dass  sie 
gespannt  sind.  —  (17S3)  .1  /</dohncn  des  Leibes 

—  peritonitische  und  tympanitische  l«eibes- 
hlähung  (Piatner  i,  601.  602).  —  (1749)  Blattern- 
Dohne  's.  o  )  (Zeitschr.  f.  d.  Phllolog.  XXVI,  239). 

—  Kruat- AnjtAfihnuntj  —  Inflatio  mamraarum, 
Milch-Kinfluss  (Zw.  436);  (vergl.  Tannwässel  und 
Ubertau). 

Dol,  f  (Schweiz;  zu  ahd.  doK'  n ;  mhd.  doln ; 
Gr.  W.  Ii,  121)  =  ein  schmerzhaft  zu  ertragendes 
Leiden  (dazu:  Geduld). 

Dolg,  Dolk,  n.,  m.  s.  Tolk. 

Dolm,  m.  (Tolm,  Delni)  lUayeru,  zu  ahd.  twalm 

—  sopor,  oppresslo  cerebri ;  mhd.  twalm  [s.  Qualm  u. 
Twalm]),  1.  =  Ohnmacht,  Betäubung.  —  2.  =  ein 
wie  in  Betäubung  befindlicher,  dummer  Mensch 
(Wolf  152;  Gr.  W.  II,  1229;  VII,  2309;  Schmeller  I.  605). 

donnen  s.  Dohne. 

donsen  -  dunsen  (s.  d.). 

Doppen,  m.  =  Tappe  (s.  d.).  —  doppig  =  weich, 
elastisch  von  Abcessgeschwülslen  (Goldschm.  91). 

doppelt  (zu  mhd.  toppel  —  Würfelspiel  mit  2  Augen, 
Kluge*.  77).  —  Doppel(t)- Bart,  -  Durst,  -Gänger, 
-Gebiss,  -Geburt,  -Gesicht,  -Gestalt,  -Glieder, 
■Bügel,  -Kinn,  -Knie,  -Köpfe,  -Lippe,  -Magen- 
fieber, Nase,  -Nieren,  -Sauger,  schlägig,  -Sehen, 
-Seufzer,  -  Tertianfieber,  -Zahne. 

Dorn,  m  (vorgerm.  trnu ;  goth.  thaürnus,  Kluge*,  75 ; 
ahd  doru;  mhd  dorn;  ndl.  doorn  —  Dorn,  Stachel), 
1.  =  die  äussere  Wadenbeinkante  ^Spina,  Crista), 
als  ilornförmiger  Vorsprung  desselben  (Gr.  w.  II, 
128l>).  —  2.  —  diis  Rückgrat  (1483  der  dorn,  der  den 
rucken  zesamen  hell,  C.  v.  Megbg.)  (Rüekdorn).  — 
3.  -  Blutaderknoten  am  Unteischenkel  (Doml) 
(Oldenburg;  Goldschm.  132).  —  Leirh-DOTTl  (isländ. 
llkthorn,  Kluge*,  232;  14.  Jahrb.  Uhtorn  =^  lentigo. 
Voc.  opt.  W.  40;  15.  Jahrh.  lichtdorn  =  lentigo,  D.  642. 
324  ;  15.  Jahrh.  ndd.  lyckdoru,  llkdoorns,  De  Cock,  263  ; 
D.  126;  ndd.  Ukdürn,  Mecklbg.  clavus,  Sam.  231.  243; 
Z.  Hdbch.  d.  »p.  Path.  u.  Ther.  XIV.  1.  484,  Acker- 
mann 394)  m  Clavus,  Hühnerauge,  als  ein  Dorn  im 
Körper  (s.  Leich)  aufgefaast,  der  Schmerzen 
verursacht,  Hühner-,  Elster-,  Krähen-Auge, 
Schwiele  (Gr.  W.  VI,  612;  Zw.  813;  Schmeller  I,  1425). 

—  angeBchusterte  Leichdörner  =  die  durch  den 
Schuster  veranlassten  Hühneraugen  (Lammert. 
V.  M.  122;  das  allgemein  bekannte  Leiden  gab  Ver- 
anlassung zur  Redewendung:  „dem  thuen  die  Leich- 
dorne nicht  mehr  weh"  —  er  hat  das  Leben  hinter  sich, 
L.  d.  V.  t.  V.-K.  1894,  S.  192).  —  LWsfen-Dorn  -  der 
Ursprung  der  Ohrleiste  (Helix),  welcher  über 
dem  äusseren  Ohrgange  an  der  konkaven  Fläche 
des  Ohiknorpels  vorspringt  (Spina  s.  crista 
helieis)  Hyrtl,  A.  564;  Harle»»',  496).  —  (1628)  Lid- 
Dorn  lyet  dorn;  H.  v.  Gersd.  99)  =  Lentigo,  Finne, 
Linsen-Mal,  l.aubilecken,  Hoppen,  eigentlich 
Dorn  im  Glied;  von  Leichdorn  oder  „Glied- 
dorn" übertragen  ohne  etymologisches  Ver- 
ständnis auf  schmerzlose  Hautflecken.  —  ,1483) 

§Jjj?"Jl>«»i  L  =  Spina  dorsi  (C.  v  Megbg.; 

l'epine  du  dos,  Bris».  26),  die  Dornfortaätze  der 
Wirbelsäule,  welche  durch  die  Rückenhaut 


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dorren. 


dos— Drache. 


9» 


sichtbar  aufragen.  —  2.-  der  Reihnagel  (s.  d.), 
Process.  epistropheus  iGr.  W  VIII,  1362).  —  usr.) 
SchenkelbcinDorn  =  Fibula,  das  sogen,  kleine 
Schenkelbein  bei  Pferden  (bei  Wiederkäuern 
fehlte«),  welches  spornartig  (s.  Sporn  bei  n)  dflnn 
u.  lang  an  der  Aussenseitc  de»  Schenkelsbeins 
sich  befindet  (Falke  273  274)  (Dornbein,  Hiiftlein). 

—  (1750)  Wind-Dom  (Sobernheim  430;  A.  v.  H.  II, 
12s«  -splna  ventosu,  „das  Hein  wird  dabei  von  iuneu 
heraus  so  aufgetrieben,  als  ob  eiue  Wtndgesehwulst 
vorhanden  wäre",  A.  v  II.),  1.  —  ein  Beinfrass 
(Caries  s.  Osteomyelitis  tuberculosa)  von  Innen 
heraus  mit  länglich-runder,  dorniger  Knochen- 
ablagernng  an  der  Außenseite  der  kurzen 
Röhrenknochen  (König  III,  664);  früher  auch  = 
Spondylarthrokace,  Rachitis (?)  (Platuor  I,  135; 
II,  227.  246).  —  2  =  der  Bückling  (h.  d.)  bei  Pfer- 
den, Knoehenwurni,  Kieferwurm  beim  Rind- 
vieh (Zlpp.  579 .  Falke  II,  440).  —  Ztei'-Dom  (  =  Zwi- 
darm;  b.  Zwitter)  (umgestaltet  auszwltarn,  Andrescn 

noi.  —  Dorn-ß«'n. 
dorren  (Dörre,  f  Denn,  Derr)  (Wurael  thor«, 

trocken  [torrco]  s.  dürr;  vorgerm.  tri  =  trocken  sein, 
namentlich  lu  der  Kehle,  weiterhin  au!  den  Übrigen 
Körper  übertragen;  gern),  thurrjau  —  dorren ;  goth. 
thaürsus  — trocken,  thorz;  altnord,  thorna;  ahd.  dorren 
=  mhd.  dorren,  1521  derre,  f.  =  phthisis,  D.  249;  15*7 
doerre  -  labe»,  D  »71  -  dürrwerden,  verdorren  [torrer«;, 
Kluge  »  66.  75.  81)  (h.  Darre).  —  dorret  =t höret  2. 

—  Dörre,  f.  -  das  Trocken  werden  (vergl.  Darre), 
a)  der  Haut  =  (Dom  [Dem],  Schtneller  I,  540}  = 
Schwiele,  Fingerlohn;  b)  der  Zunge,  „die  Dflr- 
rigkeit  der  Zunge",  (1612)  die  Austrucknung,  das 
Schwinden  eines  Gliedes,  Membrana  aridum, 

—  ■  Hand  (Gr.  w.  II,  l  1303  ,  c)  der  Lunge  {IM; 
t.  M.  I.  öl)  und  des  ganzen  Körpers,  Schwind- 
sucht, Phthisis,  Kirber,  (H..rr  iösterr.l,  Gr.  W.  II, 
1712,  die  Derr,  Schindler  I,  128ti,  Georg.  34»;;  d)  (1676] 
eine  verborgene  Hautkrankheit  (llauttroeken- 
heit)  (Theoph.  v.  Bodenst.)  (Diabetessymptom?), 
vermutlich  die  syphilitische  Dürre  (1496;  bei 
Fnch»  i,  31);  e)  derZipf  der  Singvögel  (s.  Bflrzel 
u.  Darre  2),  wobei  sie  am  Bürzel  austrocknen, 
borstig  die  Federn  aufstellen  und  diese  dann 
verlieren.  —  DÖrung  =  die  Abzehrung,  Aus- 
trocknung (s.  auch  Darrung).  —  Doerer,  m. 

(Edda  durin;  Jordan;  Golther  520;  im  Zwergen- 
Katalog  der  Voeluspu  der  zweite:  =  austrocknender, 
dürrrnachender  Dämon  (Wurnimade?).  —  dör- 
risch =  törisch  (s.d.).  —  (17W)  Abdorren  (der 
Frscblechten),  1.  =  F.xsiccations-Stadium  (von 
Masern,  Scharlach,  Blattern)  (A.  t.  BT.  I,  646).  — 
2.  =  Hectik,  Phthisis.  —  (15*4  dtwdörren  der 
Nieren  =  Nierenschrumpfung  (Tabem.)  (s.  auch 
Darre).  —  (I668I  .u». dorren  =  Paedatropbie, 
Magere,  Phthisis,  Febris  hectica;  (1512)  tlsieus 
ein  Krankheit  do  einer  gantz  ussdorret ,  lJ.  585; 
Heyn  234,  Itochholtz;  Aargau!  —  (162S)  Dörre  den 
Blut$  -  trockenes,  dürres  Blut  (s.  d.),  Com- 
plexio  cholerica  im  (.Ingensatze  zum  Phlegma 
(8.  d).  —  /.•  ..'•■s-Durrigkeit  »ml.  de  dorrichell 
das  lyves,  Mag.  Barth.  102  b  -  die  körperliche  Harre. 
Abzehrung).  —  (l>«lo;  Loser-Dörro  s  l.öserdilrre 
(BUdenbraud  18).  —  Sthre  Dörre  («a'r  thoerra, 
Q.  z.  xill,  195)  =  ein  langwieriges,  mit  Ab- 
tehrung  und  Schmerz  einhergehendes  Übel 


(Phthisis  pulmonum  ?),  ein  In  altheidntsrhcn  Segens- 
tormein  auftretender  Krankheit«  Name ,  der  einer 
dümonistlsch  aufgefaßten  Krankheit  beigelegt  wurde 
(s.  Dörmade).  —  (i52s)  lVidorrun/7  dtr  Alten 

—  Febris  hectica  senectulis,  Marasmus  senilis 
(Fries  133'.  —  (1754)  DoiTWCtf/  (A.  v.  II.  I,  7»7.  819. 
891.  903),  1.  -  Zittermal  ,  s.  d.)  -  Rotlaufi>latterlein 
in  der  Oberhaut  (A.  r.  II.).  — 2.  =  Impetigo  (1793; 
Gr.  w.  Ii,  1303),  Liehen,  Mentagra,  Serpigo,  d.  h. 
durch  Abschilferung  n.  Abtrocknungabheilende 
Hautkrankheiten,  namentlich  trockene  Flechten 
(Pauli  112).  —  3.  —  trockene  Warzen  fvergl.  Blmrock. 

H.  I>.  M.  392).  Aus  dem  bei  Siinrock  [L  c.)  angeführten 
Segenspruche  gegen  Warzen  , .Freue,  Freue,  dorr» 
weg'"  ist  zu  entnehmen,  das«  dieser  Name  für  Haut- 
krankheiten ein  seh,-  alter  (neben  Warzen)  «ein 
durfte  Die  Frau  Freue  Ist  die  Frau  Venus  des  Tann- 
lntuscr  —  Berehta,  aus  der  in  der  Volkssage  'Schweiz)  die 
Iii  Verena  (Veronika  in  Bayern  V)  wurde  (s.  Walpurgis- 
nacht v.  (arus  Sterne:  Tägliche  litindscbau  1894, 
N.  100,  S.  39»; .  Kqul-elnm  palustrc  heis-t  auch  Durweck 
als  Mittel  gegen  Warzen  [Falke  1,226).  —  Dorr  wecken 
ist  eine  Entstellung  aus  „Dorr  weg!"  (Pauli  US). 
(Vergl.  auch  Vergehe!'  —  Von- Fieber,  Hand, 
■Leib,  -Made-,  -Maul,  -Sucht,  -  Warte,  ■  Werken. 

dos-  s.  tosen. 

Dost  (Tost),  dostlen)  (dostig.  Dostel)  (zu 

dicstien  —  blähen ,  schwellen .  1477  dycsscut  sehlaeff, 
C.  v.  Megcnbg. ;  Schm  I,  517;  aufdlez»-<icnt  zu  blaet- 
terUn,  1.  eod  ).  —  dost      dost  .  —  <nt/(/<dost' f 

—  aufgebläht  (Schtneller  I,  550)  und  dabei  krank- 
haft aussehend  wie  der  an  Albuminurie  lei- 
dende, der  auch  „aufgedossteölschenkel"  (s.d.) 
bat.  —  Der  weissfahle,  gedunsene  Kretin  (mit 
buschig  verwirrten,  verfilzten  Haaren?)  (s.  d.) 
heisst  Dost  1  od  Dost  'tl  (schw.  l.eod  ,  Bircher  S7; 
Karnthen,  Steiermark,  Knapp,  Kretinismus ,  Sehmeiler 

I,  öte.  550).  —  Ä'ti/i>n-D08t  (Tost)  =  Sah  enzopf 
-- Hollenzopf,  Wichtelzopf  als  Haarbusch  (Han- 
nover; sellentost,  Gr.  D.  M.  I,  433;  Kochh  I.  333  Og.  6). 

—  Zi  <  dossenheit  :zedossenheit,  Schmeller,  I,  627) 
=  fehlerhafte  Aultreibung  «ies  l/eibes. 

Dotsch  (Dozen),  m.  ■  der  Dotschen,  d.  h. 

!  toreebenahn liehe,  kurze,  dicke,  plumpe,  fette, 
unbehiltliche  menschliche  Körper  (Hintner  5.  10; 
Schmeller  I,  557;  Dorischen  [von  11  torso,  der  Strunk] 
«lud  eine  Kuben-Art). 

dottö,  dotto  machen  =  schlafen  (Klndcrspr. ; 
Schw.  131;  zu  totte  =  ulrkeu,  schlummern). 

Dotter.  —  Dotter-i-'ucA. 

dottern,  Nebenf.  zu  stottern  (e.  d.)  (Schw.  149). 

Drache,  m  Drack,  m.  Dracke,  f  [•atfli,  draca; 

ahd.  trahho;  mhd.  traeeho,  ein  aus  [grlech.-lat  ] 
draco,  draec'i,  vordem  h.  Jnhrh  bereit«  In  Dcuti-ehland 
eingebürgerte«  Wort  für  ein  antikes  Fabeltier  [,, eitriges 

■  Gewürm".  Mortui  1,77,  fliegender  Wurm  oder  Schlange], 
«las  der  PlMUMasIt  der  Deutschen  Sinti  lieferte  un«l  «lie 
einheimischen  pcrman.-mytholog.  Gebilde  [l.lntwurm, 
Greif]  verdrängte,  Kluge*.  76f.  lu  <ler  Heraldik  ver- 
einigt darum  der  Drache  Wurm-  und  Vogelgestalt; 
vogelartiger  K"pf  und  Oberkörper  %  T.  geschuppt,  mit 
Flügeln,  ähnlich  denen  des  l'rvogels  (ohne  Festlieulen), 

l  feuerspeiend  ÜVstdampfel,  lurcheuanlger  Hinterkorper, 
geringelter  Schuppenschwan»,  «prühende,  stechende 

7« 


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100  Draller— Drang 

Augen.  In  der  Volk«*age  übernimmt  <ler  Drache  die 
Gestalt  de»  Seuchen  bringenden  UBtWunn»  xo  Hoch 
ein  drake  in  der  lucht  linde  so  was  ock  ein  grot  starveti 
(Scbnurrer  I,  230,  ad  annum  1094);  er  ist  als  solcher 
die  andere  Gcctalt  de»  Alp-Damons,  der  verschiedene 
Menschen-  und  Tierseuchen  bringt  und  aus  deu  Lüften 
als  Furie  herab  .«Ich  senkt  oder  als  Hohlenwurm,  Heer- 
wurm  etc.  ausfahrend  das  Land  verheert  (OlUwiirui). 
Im  Gebirge,  wo  die  Drache n«ttgen  besonder«  hervor- 
treteu,  vertritt  den  Drachen  auch  der  Stull-  od.  Tatzel- 
wurm. —  Drache,  1  —  Pterygium,  Leukoma,  d.  Ii 
das  durcli  weisse  Flecken-  oder  Fell-Bildung 
entstellte  Auge,  besonders  des  Pferdes  (confer. 
Du  Cange  I,  3*0;  1622  dragon  s.  argemn,  morbus  in 
equino  oculo  qui  ex  albugine  Ml ;  der  grimmige,  scheele 
Drachenblick  der  heraldischen  tiebilde  gab  wohl  zu 
dieser  Bezeichnung  Veranlassung)  (s.  Drachenschuss, 
Fell8chu8s).  —  2  =  der  nach  dem  Volksglauben 
durch  den  Lintwurm  oder  Drachen  erzeugte 
Milzbrand  in  der  Form  einer  Versetzung  der 
Milch  im  Kuheuter  (Drachenmilch},  s.  Lint- 
wurm, Alp,  Hfinnsche  etc.  (Wuttke  416).  —  3.  = 
das  nach  dem  Volksglauben  durch  Würmer 
erzeugte  Kotlauf,  Anthrax  (KreberotlaufV)  in 
Besegnungsforxncln  (Z.  d.  V.  f.  V.  K.  1895,  S.  296).  — 
4.  =  der  Morbus  draguneuli  —  Drachgeschwär, 
Dracotna,  „Speeles  ulceris  vel  cancri,  Ulcus  in 
oculi  palpebris",  Geeichtshautkrebs,  Augen- 
höhlensarkom ,  wegen  der  Veränderung  des 
Auges  (L.  ch.  26;  Du  Cange  III,  191.  192,  V,  517,  engl, 
dracunculus  =  die  dämonenhaften  Mitesser,  Kaltschm. 
Ii,  104).  —  (1645)  Höllen -Drache,  a)  -  die  fabel- 
hafte Furia  infernalis  Linne,  ein  fliegendes 
Wurmgetier  (1226  hcllcbrand.  Scbnurrer  I,  273), 
dessen  Stich  Viehseuchen,  Milzbrand  oraeugen 
sollte  (Höllenwurm,  Gurtelwurm,  Fadenwurm, 
Milzbrandwurm,  Furie,  h.  d  }  (t'oler,  P.  2«2,  Gr.  \v. 
II,  1321,  IV,  1.  761;  IV,  2.  1756;  Z.  Hdb.  III,  467);  b)  ss 
die  Krankheit  des  Milzbrandes  selbst.  —  Lint- 
Drache  [mhd,  linttrache.  Wackern.  Abb.  in,  46, 

Anm.  97,  Schnuller  I,  148«)  —  Lindwurm  aU  Vor- 
lauter der  Di achengeatalt,  s.  o.).  —  Drachen- 
Fell,  -Geschwür,  -Milch,  -Schuss. 

Draller,  m.  s.  Trailer. 

Drang,  ID.  (zu  drangen,  dringen;  germ.  thrinhw  ; 
uhd.  drlngan ;  mhd.  drang  =  Gedränge,  Bedrängnis ; 
engl,  throug,  Kluge  *,  7t..  77)  =  Tenesmus,  d.  Empfin- 
dung des  Knganscbliessens,  Drängens  im  Kör- 
per (s.  Ang).  —  (1742)  4/<cr-Drang  (Zw.  iB7)  - 
Teuesmus  aui  (Zwang).  —  Bi  \U-An drang  —  die 
fast  mit  Gewalt  herandrängende  Blutwallung 
=  Conirewtio  (s.  Rhope  tialem)  —  Grdräng 
(ahd.  gldrengl;  angls.  gethrong,  Kluge*,  76.  7S)  — 
öfters  wiederkehrender  Drang.  —  gedrangen 
von  Körpergestalten,  mehr  breit  wie  lang,  wie 
zusammengedrückt.  —  Grfwrfs-Drang  =  Drang 
des  Embryo  zur  Geburt  [Heyne  I,  696..  —  (1045) 
Hcrzgrübleins  -  Be drängung  **  Cardialgia,  die 
drängende  Druck- Kmpündung  bei  der  llerz- 
oder  Magengrube  (Coler,  11  A.  151).  —  (1742)  Hin- 
/»ren -Drang  (Zw.  imj  =  Afterdraug,  Stuhlzwang. 
—  Jsrib- Gcdrang  (der  getrang  In  dem  leib,  Schindler 
I,  667)  =  Colica  mit  Tenesmus,  andauernder 
Stublzwang,  —  Sin}.:  Drang  s  der  Zwang,  auf 
den  Leibstuhl  (s.  Stuhlgang;  zu  gehen.  —  (1620, 


drat—  drei. 

tteer-Drang  der  Knochen  =  das  Übereinander- 
drängen  der  gebrochenen  Knochen  (Dr.  Minderer). 

drat;  drate  Adern. 

Dreck,  m.  (altnord  threkkr  =  Satz.  Bete,  Kluge*. 
76;  abd.  dreeck ;  mhd  drec,  Graff  V,  253)  =  Kot, 
Schmutz,  Leibeskot,  Wundeiter,  Krankbeits- 
Stoff  (Pauli  117,  Baas  209).  —  />'.  !i  h  Dreck  (1615 
der  dreck  im  pauch  —  stercor  constipatum,  D  145) 
Leibeskot,  der  durch  Verstopfung  zurückbleibt. 

—  .HeirtVn-Dreck  =  Meconiutu,  Kindssehmalz, 
Kindspech,  im  Darme  der  noch  ungetauften 
Neugeborenen  (T.rbkot)  (Gr.  W.  III,  727;  IV,  2.  804). 

—  OÄrrn-Dreck  =  Ohrenschmalz  (s.  d.)  (Gr.  ff.  VII, 
1256).  —  (1583)  Boss-Dieck  (rosstraeck,  Gr.  W.  VIII. 
1255)  =  Kossballen,  Kossapfel.  —  Sau  Dreck. 

1.  =  Schweinekot.  —  2.  =  die  Schweinabeule,  ein 
Eiterhaltendes  Blutgeschwar  (Gr.  W.  VTJJ,  18«0).  — 
TVurw-Dreck  (im  Auge)  =  Wegscheisser,  tlas 
Gerstenkorn,  Cbalaceon  (dracontlcum,  Kraus,  E.  323), 
das  einem  in  der  Gesiehts-El>ene  die  Wegaus- 
iieht  nimmt  und  als  Kot  eine«  darinsitzenden  Wurmes 
(a.  Drache  4  und  Mitesser)  angesehen  und  besprochen 
wird  (O.  Pf.;  .Schonwerth  III,  239;  Krischbier  33).  — 
Dreck- Qrube,  -Hinke,  -Krankheit,  -Sack 

drehen,  Dreher,  m.  i'vorgerni.  tre  =  bohren, 
drehen  [dazu  Draht];  gemeingerm.  Ihre,  goth.  thraian 
=  drehen;  ahd.  drajan,  dräen;  mbd.  draejen  ss  drehen, 
sich  drehen,  Kluge  77).  —  Dreher,  1.  =  Schulaus- 
druck und  Übersetzung  für  Trochanter,  Kollhügel 
am  Oberschenkel.  —  2.  =  Epistropheus,  Reib- 
nagel (Gr.  W.  II,  1366).  —  3.  -  ein  Schaf,  welches 
das  Drehen  (s.  d.)  hat  (Falke  i.  216).  —  Drehen,  n. 
=  die  durch  den  Drehwurm  (s.  d.)  veranlasste 
(elbische)  Drehkrankheit  der  Schafe  (Gr.  w.  II, 
1367),  wobei  die  Tiere  mit  gesenktem  Kopfe  sich 
im  Kreise  oder  um  einen  festgestellten  Fuss 
bewegen.  —  drehend  —  schwindelig,  drehkrank 
(Gr.  w.  Ii.  1366).  —  Drehe,  f.  1.  =  die  Rahe  (s.  d.), 
D  rehe.  —  2.  =  die  Drehkrankheit  der  Schafe 
(Zlpp.  626).  —  Haupt-Drehung  =  Kopfschwindel 
(De  Cock  119);  „tous  ceux  a  qul  la  tete  «tourne« 
a'adressent  a  St.  Saturnin  pour  etre  guerls"  (De  Cock 
39. 126).  —  KiqJ  Drehe,  1.  —  Hauptdrehung.  — 

2.  =  dieDrehsuchl  (s.  d.)  durch  die  Gebirnquese 
im  Kopfe  des  Schafes.  —  Kreuz-Drehe,  f.  =  die 
Drehe  1,  wobei  die  Schafe  mit  dem  lahmen 
Kreuze  wackelnd  hin  und  her  schwanken 
(Zlpp.  626)  und  aufschreckend  zusammenbrechen, 
wie  wenn  sie  geschlagen  waren,  Rheuma  der 
Lendenmuskeln  [  -  Kreuzrähej  (s.  Traberkrank- 
heil) od.  chronischer  Wassererguss  im  Rücken- 
markskanal beim  Blasenwurm  (Falke  II,  43.  249. 
372).  —  Schäpn-Drehe,  1.  =  d.  Drehkrankheit  (js.  d.) 
durch  den  sog.  Dreh  wurm  im  Gehirn  der  Schafe, 
wobei  sie  schaps  gehen  (Wustmann  601).  —  Um- 
dreher,  1.  ■  Epistropheus,  Reibnagel  (Hyrtl.K.  W. 
1S7)  (s.  Dreher  2).  —  2.  =  ein  an  der  Drehkrankheit 
leidendes  Tier  (Falke  Ii,  384). —  ,  •  i  dreht.  1.  =  ver- 
rückt aus  seinem  Gefüge,  DiMonsio  (blbl.  Med.  417). 

—  2.  (bildlich)  —  veretandesverrückt,  wie  wenn 
einer  die  Drehkrankheit  hätte.  —  Wind- Drehe 
=  Wiud-Kabe  (».  d.)  —  Dreh-Kopf,  -Krampf, 
•Krankheit,  -Nabel,  -Schwindel,  -Sucht,  -Wurm. 

drei  (ein  uraltes  Zahlwort,  wie  alle  Einer,  Kluge  *,  77 ; 
ahd.  drl;  gen».  Indogerm.  trejei  =  tres,  tfsi;  =  mehr 


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Dreisen— Dross. 

•1»  die  beiden  niederen  Zahlen,  Bilder  I.  Gesch.  d.  d. 
8pr  13*1,  8.  244).  —  Drei' in-  (bis  zum  1».  Jahrh.), 
Drilling(nach  „Zwilling"  gebildet"  (ur.  w.  n,  1412) 

Dreisen  8.  Drüsen, 
drensten.  s.  trensen. 

dreschen,  Drescher,  m  vorgenn.  tresk = treten, 

lärmend  stampfen,  altgcrm  threskan;  goth.  thrtskan; 
ahd.  dreskan,  Kluse*.  77;  mhd  draschen,  engl,  to 
ihrashl.  Pas  Dreschen  war  unseren  Ahnen  schon  auf 
ihren  Wanderungen  aus  der  Indogermanischen  Ur- 
heimat bekannt;  die  Altgennanen  droschen  durch 
tanzende  Tret  ■  Bewegung ,  trampeln  (Kluge  1.  e).  — 

imi  Drescher  im  Haupt  =  CrapulB,  Betrunken- 
heit und  Katzenjammer,  Kopfschmerz,  als  ob 
im  Haupte  gedroschen  wurde  (Gehirnpuls- 
schlag) (Gr.  W.  II,  1404;  Hadrian.  Jun.  371).  — 
Erbten  sind  auf  ihm  gedroschen  =  blatter- 
narbig (Erbsen-Gesichl)  (Gr.  w.  n,  79). 

drenssen  s.  d rissen. 

Drill  (Driel),  m.  s.  Trill.  -  Drilling  s.  drei, 
dringen  s.  Drang. 

drissen,  -drUSS  (Indog.  trüd  =  (trndo)  drangen, 
«o»en;  germ.  thrut;  altnord  thraut  —  Mühsal,  angl.«. 
i  threotan  =  sich  ekeln;  engl,  throes  =  Geburtswehen, 
rurGehurt  dringen,  krelssen.  Kaltsehm.  1,968 ;  17.  Jahrb. 
dreu*«cn  —  drangen,  R.  A. ,  ndd.  drijten,  dricten,  Schtn. 
I.  Ml;  Kluge*.  180.  388)  -  cacare,  zum  Stuhlgang 

drangen,  treiben,  auftreiben,  anschwellen.  — 
«■«/-ffedrussen  ■  aufgetrieben,  angeschwollen 
>chm.  I,  50«).  —  Frr-drnsS  (mhd.  urdruz,  urdrutze, 
verdriez,  Kluge  \  388!  =  der  ZuHtand  des  Wider- 
willens, dor  AbstoBSung.  —  Futter- VerdmsB 
das  \Veg8tos8en  des  Futters  aus  Widerwillen 
(bei  Pferden)  K  a.  344;  stomarharl,  D.  v»4).  — 
Dniss-,  (Driss-)  Stuhl. 

Dröse,  f.  s.  Drüse. 

Droll,  m.  8.  Troll. 

Dross,  m.,  f  Drost,  die  Drossel  (Driissel) 

Bayern;  ancls  throtu;  enal.  thrush.  throttle  u.  throat 
s  Drossel,  Kehle,  Schlund,  Mnndsoor,  I.ohf.  '»7.  98. 
litt  2:iS,  ahd.  drozza=  Dm*sel,  Kehle;  mhd.  drozze,  in. 
-  Schlund,  Kehle.  Kluge*,  78,  slutia  [gtjHa],  Hoffm.  I, 
363;  I».  266;  löOtj  Droeaen,  Inchenh.  Mir.;  1710  Dross, 
Gr  w  Ii,  1488).  —  Drossel,  Dross,  1.  -  Schlund, 
Gurgel,  Kehle  (innerlich),  s.  Strosse,  Strotze, 
Drü*sel.  —  2,  -  Kehle  äusscrlich)  Adams- 
apfel (8ohw.  in),  Fettwulst,  die  Wamme  unterm 
Kinn  (Schweiler  I,  568).  —  3.  s  Schlüssel  bei  n- 
gegend  rschw.  i  vt ,  Hyrtl  K.  W.  lly;  —  gedrosselt  - 
an  der  Drossel  so  geschnürt,  gestrüpft  (s.  d.)  od. 
gedrflekt,  dass  sie  anschwillt;  damit  verglichen 
(v. Pferdeknie):  wenn  das  Knie  aufgetrieben  ist 
und  in  da*  dünnere  Schienbein  übergeht  mit 
scharfem  Ausschnitte,  der  wie  abgeschnürt  er- 
scheint (Zirp.  106.  11«;  conf.  throstline  eine  Krank- 
heit beim  Kinde,  da«  dabei  wie  an  der  Kehl«  gedrosselt 
erscheint  [Halsbräune],  Kallsrhin.  I,  666).  —  Atem- 
Drossel  [äteradrozel,  «temdroxe  —  gurgulio.  .cchmel- 
W  I,  56S;  Hoffm  i,  3;«)  —  Kehle  zum  Atmen  im  , 
Gegensätze  zur  Drossel  (-Schlundkopf).  —  j 
Drosselnder,  -Bein,  -Bolle,  -Drüftn,  -Flagge, 
■Flechte,  -Grube,  -HaU,  -Knopf,  -Kolben. 


Druck.  101 
Druck,  m.  (drücken,  Druckerle)  fiudogerm. 

trük;  goth.  thrnkks.  thrukkjan;  altnord.  thrüga;  ahd 
druck,  drueehen;   mhd.  druc,  drücken);  drücken 

—  durch  Last  beschweren,  bedrangen  (Kluge*, 
78  ff.);  namentlich  drücken  die  quälenden 
Krankheitsdftmone  Alp,  Nachtmar,  Trud  etc. 
den  Menschen  im  Schlafe  als  Ineubus,  Suc- 
cubuB.  —  Das  Druckerle  (Schwaben)  =  das 
drückende  Schrflttlein  (Incubus)  =  Alpdrücken 
(s.  Alp  S.  11)  (Meyer  171;  Gr.  W.  II,  1448,  Kluge*, 
10).  —  Druck,  f  -  die  drückende  Trud  (b.  d.) 
(Sehmeiler  I,  649).  —  Druck,  m.  1.  =  Druck- 
Verletzungs-Stelle.  —  2.  =  Druckgefühl.  —  ab- 
drucken, 1.  =  das  Herz,  z.  B.  „Man  glaubte, 
dnsH  das  Herz  sich  aus  seinen  Bändern  (vergl. 
Hcrzhitndel)  gewaltsam  löse,  an  denen  es 
hängt"  (Gr.  W,  IV,  2.  1210).  —  2  =  (15.  Jahrh  )  ab- 
trücken, entstellt  aus  iterruchen  (s.  ruechen)  (An- 
dresen  109).  —  Alp-Drücken  (b.  Alp  S.  11);  das 
Druckgefühl  beim  sogen.  Alptraum  (s.  d.),  das 
man  dem  Alp-Dämon  zuschrieb,  wobei  auch 
bekannte  lebende  oder  tote  Mitmenschen  als 
drückende,  quälende  Personen,  welche  „dru- 
cken gehen"  (b.  d  ),  im  Traume  geschaut 
werden.  (Nach  Golther  74  u.  Laistner,  Rätsel  der 
Sphinx,  entwickelte  sich  ans  diesem  Alpdrucke 
(Alptraum]  die  Alpsage,  die  Vorstellung  der  Scclen- 
wanderung  und  die  ganze,  niedere  Mythologie.)  — 
Ausdruck  (1321  ausstruck  -----  culu«,  podex,  D  162), 

1.  =  Stuhlzwang  und  2.  =  After  (Hyrtl,  K.  W.  14; 
franz.,  17.  Jahrh.  epresses.  Brtn.  176;  eprelntes  = 
tenesmus  anl).  -  äj  rrm -Drucken  =  das  Koppen 
der  Pferde,  die  dabei  die  Zähne  auf  den  Futter- 
Barren  aufdrücken.  —  .Brdruck  (-niss)  (betrieg, 
wetrieg,  wetrugnus,  Schmeller  I,  64)  —  das  Druck- 
gefühl  bei  einem  Organe,  z.  B.  Alpdruck,  der 
auf  der  Brust  empfunden  wird.  —  Blut -Druck 
=  die  messbare  Kraft  deB  vorwärts  gedrängten 
BluteB  in  den  Blutgefässen.  —  (164*)  Brust- 
Drücken  =  Druckgefühl  auf  und  unter  der 
Brunt,  Magenkrampf  (Coler,  B.  A.  116).  —  (1788) 
entgegen-  oder  rm-drucken,  1   s.  ruechen.  — 

2.  es  einbiegen  durch  Druck  ohne  einen  Bruch, 
z.  B.  am  Schädel,  zu  veranlassen  (1748 ;  K  ch.  60). 

—  hartes  Drücken  (1«1  hart  drucken,  Bock,  Regist  ) 
=  Tenesmus,  Sluhl<lrang.  —  f/fcAsrn-Druck  ~ 
das  Druckgefühl  durch  die  nach  dem  Volks- 
glauben drückende  Trud  (s.  d.)  oder  Hexe  (W.  B 

176),  —  fftri^uMgin.  )  Drücken  (1561  drucken 

uiub  das  hertz;  1A20  Hertr.entrucken  ,  Trifons  Adl- 
holzcns.  72;  Bock,  Ö8t;  Coler,  II.  A.  151)  Magen- 
druck,  Cardialgia;  Magen  und  Herz  wird  oft 
verwechselt  (mal  au  wur).  —  (i7x"ij  Zndruck; 
l'ndrucken  =-  mundartlich  entstellt  aus  iter-ruehen 
(a.  rue«-hen)  (H.  M.  25;  Andreara).  —  St.  Johanncs- 
DrUCk  (bei  den  Armorikonern,  Du  fange  V,  "17;  drouk 
sant  Jann)  —  Epilepsie  als  eine  veitstanzähnliche 
(danse  de  St.  Jean)  Krankheitsform  iß.  Veits- 
tanz u.  Johannestanz),  die  man  dem  elbischen 
Geisterdrucke  zuschrieb.  —  ii7r>)  Kopf-Druck. 

—  drückendes  Gefühl  im  Kopfe  s  Schädel- 
;  drücken)  —  Krippen -Drücker  -  Krippensctzer, 
j   Kopper  (Kalke  11,  45),  —  3frt^/cn-DrUCk  (Hort  san. 

Br.  81$)  =  Cardialgia,  drückende  Empfindung  in 
I  der  Magengrube  (llerzweh),  wie  er  z.  B.  durch 


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102  Drude — Drüse. 


Drüse. 


„schwere"  Speisen  veranlasst  wird.  —  (1750) 
Milch- Drücken  =  schmerzender  sog.  Milchein- 
schuss  der  Wöchnerinnen,  wohei  diese  das  Ge- 
fühlhaben,alsohdieMilchdrfleke.  —  11712)  nächt- 
lich»* Drücken  =  Alp  (h.  S.  11)  IncubuB  (Druck- 
Deister)  (zw.  121 ;  l.  eh.  29).  —  ni <<fVr- drucken 

mundartlich  entstellt  aus  Iterruchen  8.  rlltchan) 
(AuJresen  109).  —  Schädel  -  Drücken  -  Kopf- 
schmerz, als  ob  der  Schädel  Kerbrechen  wollte 
(Kopfbrechen)  (Z.  d.  V.  f.  V.  K.  1894.  S.  192).  — 
Schrä fMe-Druck  -  das  Druckerle  (s.  d  ;  (Meyer 
171).  —  (1500)  Stuhlqai  :  Druc  kung  (druckung  zu 
st8lgnng)  ~  Tenesmus,  Stuhlzwang  (Puchs  I,  313). 
TViui-Drücken  =-  Alpdruck  (S.  11  für  Urenner- 
Schaffer;  Stubenvolt  17.r.);  s.  auch  Tru<i  und  Druck- 
geister. -  imf  er- drückte  Hautausschlage (Sobern- 
heim 16.'i! ,  -Fussehweisse  (IST.'.,  Müller,  Krtrl.ch.  107); 
-Schweisse  (Sobernheim  1G">>;  -Tripper  (Pr.  II.  ii61). 
Man  stellte  sich  bislang  ft*i»  aut  Munter,  1728-1793) 
vor,  Jass  gewisse  Hüsse,  Hautausschlage  (Im- 
petigo) u.  Fussch weisse, normale, d  h.  fürdie Ge- 
sundheit notwend.  Frscheinungen  seien,  deren 
gewaltsame,  bezw.  durch  Ärztliche  Mittel  herbei- 
geführte Verdrängung  (Supprepsio)  zu  anderen 
Krankheiten  führen  müsse.  —  tvr-drucken  =  et- 
was unter  drängendem  Drucke  zugrunde  richten, 
z.  B.  durch  einen  Abortus  die  Frucht;  fr:..  Jahrb. 
gebort  verdrucken.  D.  4).  —  Druck-  drück'  «'/») 
Blattern,  -Brand,  -lieber,  -Männrhen,  -Punkt. 

Drude,  f.  s.  Trude. 
drücken  s.  Druck. 

drüben  —  gedeihen  (Aargau;  RoctaholU,  Zoitachr, 
f.  d.  Mylhol.  IV,  110),  s.  trüben. 
Drüse,  f.  (Drus ,  Druse,  Drüslein),  Droese 

(udd. ;  die  ursprüngliche  Bedeutung  war  nach  ür.  W. 
II,  I4j8  — schmutzige,  schmierige,  abgesonderte  Kcueh- 
tlgkelt  am  Grunde,  wie  Eiter,  Drüseninhalt  und  der- 
Klefcben,  auch  Schweinefutter,  Z.  d.  V.  I.  V.  K..  1890. 
301;  ahd.  tror  —  cruor.  tro«neh  —  facecs.  trusana,  dru- 
slna.  druse,  Hefe.  Graff  V,  MB  ff.;  truosana,  tniose  = 
ttirtarus  vinl,  I).  671;  dro«,  druos,  druosl  -  Glandula; 
9.  Jnlirli.  droos  =  glandula.  Rab.  Maur. ;  »'.  v.  »ehm.  .'.14 ; 
dazu  ,,druos"-u  urz  -  millcmorbla,  D.  3CI  {  Scrophu- 
lurlti  nodosa,  Itanuneulns  bulttosus,  Koland  .'i2;  Jes«eti 
36SJ;  druoselin  glandula,  tonsilla,  I).  2*4,  687;  druos 
=  Blandes,  II.  Z.  XVI,  73;  truos  glandulum,  H.  Z. 
XV.  3<iO;  dr.'><lli  -  glandula.  II.  Z.  XV,  310;  rtrös  «laus, 
H.  Z.  III,  36S  ff.;  drösclln  as  glandula,  IL  Z.  III,  308; 
11.  Jahrh.  dröz  =  glans,  II.  Z  III ;  12.  Jahrh.  druse  = 
Glandula,  rfelffer  H;  mnd.  de  dro«e  —  Halsdrüsen. 
Maul«t.  Barth.  89a;  mhd.  druos,  druos«» ,  ilrüese  (daher 
die  Nebenform  „Druse",  s.  u.],  dniosene  f.  —  faccus, 
Hefe,  Hoffn.  I,  163;  14.  Jahrh.  truosen,  druosi  glan- 
iluln.  Voc.  oii.  W.  11.  40;  Mul  >lroesen  =  Pestbeulen, 
Lorsch  Kit;  IMS tran  lerofttU,  Gr.  W.  II,  146» ;  1470 
druse  =  Klans;  Gr.  W.  II.  14'»8;  1177  druysse  —  Klans, 
D.  261 ;  16.  Jahrh.  drusse  =  Inpuinaria,  trijsc.  tricsclln 

—  iflanduU;  trlcs«  -  Klans  ;  drue.s  truosc  -  apostema, 
D.  IL  29S.  637.  641;  1613  triesen  m  totes,  I>.  686;  161t 
druess  r  paiinns.  I>.  lin.i  *odrus«,  II.  Sachs;  ir>90tnMMn 

—  Krtietzeu  an  sewen  (Kinnen'')  .  I».  2*U  ;  «Irucss  — 
paunus,  D.410;  1*09 das Drüss,  fimir  1131.  17i. 3 „Drusen 
sind  Teile  unseres  K'>rpers,  in  welchen  ltevondere 
Keuchtißkeltcn  abKesondert  werden  oder  präpariert  und 
zum  Blute  wieder  KCbracht  werden",  Plattier  I,  229; 


Bayern  Drues (altere Sprache];  Schweiz  trussa,  Gr.W.  II, 
1458 ;  Dreisen  =  Drüsen  ;  werden  besprochen  ;  Z  f  ö.V.-K. 
1896.166!.  -Vorder  sicheruraltcn  Bezeichnung  „Drüse" 
(  =  eigentlicher  Inhalt  der  Druse,  s.  o  )  mag  da«  in  alt- 
heidnischen  Segensformeln  auftretende  kyrnlll  —  Ker- 
nel. Kern  (s.  d  ',  das  korulK  sieh  anfühlende  Äus«eru 
der  Druse,  die  BezelchnuiiK  gewesen  sein  (IL  Z.  XIII. 
S.  194!  für  Druse,  die  selbst  wieder  als  Sitz  eine»  da- 
inonenhaften  Wichtes  besprochen  wurde  darum  .  gehen 
sie  (auch)  aus"  b  entleeren  sich  wie  der  Kern  einer 
Frucht;  die  gesunden  Drusen  werden  nochKernl  [«.  d.] 
in  der  Schweiz  genannt  (Gr.  W.  II,  1458).  —  Die 
Drüse,  l.=ein  eichelförmiger,  weicher  Teil  am 
menschlichen  oder  tierischen  Körper;  (als  Cbcr- 
setzun«  der  glans  und  glandnla  ;  -  Eiche,  Eichel;  der 
alten  Schriftsteller;  1470  glans  -  ein  druse;  Iis.»  druss 

—  glans,  Zeniug.  Vor.  f.  3).  —  2.  =  die  geschwol- 
leneu und  harten,  grösseren  und  kleineren 
Lymph- Drüsen,  die  meist  erst  durch  Anschwel- 
lung dem  Laien  ihre  Existenz  bekunden.  — 
Die  Drüsen  (anatom.)  =  Einfache  oder  zu- 
sammengesetzte Organe  zur  Bereitung  von 
Flüssigkeiten,  die  abgesondert  weiden,  von 
hautiger,  schlauchförmiger  oder  bläschen- 
förmiger Elementarbildung"  (Hyrtl,  Anat.  216). 

—  „Die  alte  Medizin  hatte  die  rohe  Ansicht,  dass 
diese  Absonderung  der  Drüsen  nur  eine  Art  von  Scih- 
ungs  i'roz.  ss  eine  Kegung  ein«  PUtXUH|  KU  tUm  Biete 
sei,  in  dem  letzteren  seien  alle  Sekrete  (Ja  fast  alle  Ge- 
danken schon)  bereits  praformiert  vorhanden"  (Hyrtl, 

I.  codi.  Daher  auch  die  I.ymph  Drusen  Feger  (s,  d.)  und 
Putzer  [«.  d.)  heis»en.  An  3  Orten  waren  nach  dieser 
Anschauung  diu  reinlgeudeu  Samtnel-Selher,  Emunc- 
toria.  hauptsaehlieh  von  der  Natur  angebracht  :  a)  vom 
(iehirn,  dem  Sitze  des  Geistes,  das  selbst  als  eine  Druse 
galt,  herab  zu  den  Ohren  ;  daher  hat  man  es  „faustdick 
hinter  den  Ohren"  (s.  dick) ;  hl  von  den  geistigen  Glie- 
dern (Blut,  Herz,  Lunge;  unter  den  Armen  ;  o)  an  den 
Beinen  (Leisten,  Reihen)  von  den  führenden,  spei- 
senden Gliedern.  Leber.  Darm,  von  der  Milz  und  den 
Nieren.  —  Man  hat,  bekommt  Drüsen,  leidet 
an  Drüsen,  wird  von  Drüsen  befreit,  drtistsich 
ausdurchden  Abgang  von  Eiter  aus  den  Lymph- 
DrOsenabsecssen  (Gr.  W.  II,  1161;  Colcr,  Schw.  4*0); 
die  gesunde  Drüse,  welche  nicht  nach  aussen  se- 
cerniert  unddiedem  Volke  nur  beim  Schlachten 
zur  Kenntnis  kommt,  heisst  Kern  (s.  d.  u.  o.). 

.)  -  die  solchen, meist  eiternden,  krankhaften 
Dni8enschwellun^en(2)ahnlichenGe8chwülste 
wie  Beulen,  Geschwäre,  selbst  Knochen- Frass 
(KoenlgIII,6C2;  Rheinprovinz)  etc.  u.  zwar  vor  allem : 
a)  die  Pestbeulen  (böse  Drosen)  U  V  — 17  Jahrb.  bei 
Luther,  Aventin  etc  ,Gr.W.  II,  1468  ff „  Schmellerl,  r*tf) ; 
damit  auch  b)  b  die  Festki ankiieit  |  Beulenpest) 
selbst  (namentlich luVerwuuschungsformeln  (Gr.  W.  II, 

II.  V»,  Sebmeller  I,  >69,  Heyne  I,  f.12);  c)  die  Blattern 
(1472trusen,  Gr.  W.II.  14.">S;  HU«  drusz,  Gr.  W.  1.  cod.); 

d)  Beulen  von  Stockschiugen  (Gr.  W.  1.  cod.),  weil 
as  „.Scliwellung"  («wcl.  Zen.  Voc.  f. 3,-  (Drüse  2); 

e)  Fingerwurm  (Aargau  (Brngger  BanptbüehlolD, 
Zeitschr.  f.d.  Mylhol.  IV,  133);  Q  Apostema  (1419 
drues,  «;r.  W.  II,  ll.'i»;  Schmeller  I,  669 ;  1470  ein  druze. 
(ir.  W.  II,  1468;  14S2  dru»s,  truss  -.  apostema,  Zeniug. 
Voc  f.  3  lih  'j.  -  piee,  bläh,  Schw.  166}  als  Geschwar 
mit  Schwellung  (vergl.  KehUlrüse  subd);  g)  un- 
reife, noch  nicht  entleerte  Gesch witre  von  drü- 


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Drüse. 


Drüse. 


103 


sichten  Teilen  (a.t.h.I,  1108),  sog.  Pannus  (  =  Ge- 
sehwnlst);  h)  die  Marissen  (s.  d.),  Marissae, 
Mariacae  der  älteren  Autoren  =  Feigwarzen,  Fi- 
cus.Malum  fici  (DuCange)  =  Condylomata  (A-.  t.H. 
II.  503)  ala  exta  prominentia  (auch  Druse  der 
Pferde ;  i)  druess,  trucss  —  an  gl  na  tonsillaris,  toles, 
P.  M.  6»6;  ala  Mandeldrüsen-  Abseess.  —  4.  =  Von 
den  äusserlich  sichtbaren  und  krankhaft  secer- 
nierenden  LymphdrÜBen(s.  Scrofulosis}i8t  durch 
die  Arzte  und  Anatomen  die  Bezeichnung  über- 
tragen auf  andere  Sekretions-  (Drüsen-)  Gebilde 
(Milchdrüsen  z.  B.);  ferner  spezialsiert  als  Drüse 
=  a)  Briest*.  <J  :  8chw.  153,  und  dorse,  Hyrtl,  K.  W.  33. 
203  =  draose)  =  Pankreas,  Wampen  Bries  (Baueh- 
bries ;  b)  Mandel  (Tonsilla) ;  c)  Hcrofulöse  Hals- 
drüsen  und  d)  schliesslich  —  Ziegen-Euter,  Auter 
(II.  Sachs'  (vergl.  u.  hangdrüsslat).  —  5.  =  die 
schon  erwähnte  Druse  der  Pferde  iBt  identisch 
mit  „Drüse"  und  nur  eine  Nebenform  der  (mbd.) 
letzteren  mit  spezialisierter  Bedeutung  (Klugeeo), 
weil  sie  mit  kropfähnlichen  Drüsen-Anschwel- 
lungen am  Halse  einhergeht  (  =  Scrophula  equlna, 
Falke  II,  308;  engl,  strängte*);  a  gutartige  Drusen 
=  Rhinitis  catarrbalis,  Kehlsucht  >1A93  drusen 
[namentlich  bei  Fohlen]  „Kröpfen",  Ct.  W.  V,  2401; 
Z.  Hdb.  d.  tp.  Palh.  u.  Ther.  UI,  425 ;  Forstor  II,  334 ; 
b)  bösartige  oder  falsche  Druse  =  Rotz  (s.  d.), 
Wurm  (s.  d.},  verursacht  durch  den  Drusen- 
Coccus  (Or.  W.  II,  14.5$;  Sehw.  155).  Hiegegen  wurden 
gebraucht :  a)  die  verschiedenen  Drus  Würzen  (ahd. 
druoswnrz,  Graff  I,  1051;  Jessen  96.  36S;  mhd.  drus 
wurz[l'by*lcad.h.  Hildegard]),  sowie  b)  wie  bei  allen  alt- 
bekannten Krankhelten,  die  Uesprcchungsworte  (14. 
Jahrb.,  Holtmann,  Monatschr.  f.  Schlesien  1829,  II,  763). 

—  Ich  stehe  auf  Druse  =  ein  Kavalleristen- Aus- 
druck  für:  ich  steheaufdemPunkte,eineGrippe 
(Druse)  oder  einen  Schnupfen  zu  haben  (Schräder 
6").  —  drüsig  =  drosenähnlich  oder  voll  Drüsen. 
Die  grosse  Anzahl  Ton  SpezlaldrüsenNamen  spricht  für 
den  echt  deutschen  Fiel*«  der  Anatomen  Im  16.  Jahrh. 

—  (1761)  7 -Drüsen  =  Lymphdrüsen  in  der 
Achselhöhle  iL.  ch.  37).  —  Augen  -Drusen  {Gr.  w. 
i.  mW)  =  Caruncula  lacrimalis,  ein  Talgdrüsen- 
Haufen  am  Augenwinkel.  —  au  artende  Druse 
=  eine  Druse  mit  Komplikationen  oder  sogen. 
Metastasen,  abnorm  verlaufende  Druse  (Falke  I, 
220).  —  Backenzahn  Druse  -  die  mit  der  Caries 
Her  unteren  Backenzähne  anschwellenden  Unter- 
kiefer-Lymph-Drüsen.  —  !•  i  w  /.■-Drüsein'i,  1.  = 
die  tuberkulösen  meseraischen  Drüsen- An- 
schwellungen im  Bauche.  —  2.  =  Tabes  me- 
Beraica  als  Krankheit  mit  solchen  Drüsen  (1). 

—  8.  —  Pankreas  (Wampen liries,  gr.  Magen- 
drflse,  Krösdrüse,  Gekiösdrüse).  —  bedenkliche 
Druse  ■  eine  chronische,  durch  «las  lange 
Hinziehen  der  Krankheit  bösartige  und  ge- 
fährlich erscheinende  Pferde- Druse  (5)  (Forster 
II,  334).  —  JSfottcr-Druse-eine  Druse  (5)  mit 
Bläschen  auf  der  Uppen-  und  Nasenschleim- 
haut  der  Pferde.  —  filu  '  Drusen  -  jene  Drü- 
sen (Thymus,  Thyreoidea,  Milz,  Neben- 
nieren), denen  man  eine  besondere  Beteiligung 
an  dem  Blutbildungsprozesse  (Bildung  und  Zer- 
störung der  roten  Blutkörperchen)  zuschrieb 
(Ranke,  Pbyilolog.  \  S.  417).  -  böse  Drüsen  (1344 
ejra  bosc  druse  -  scropba,  scrolula,  glandula,  D.  621; 


1477;  Ortolph),  1.  =  bösartige,  eiternde  skrofulöse 
Drüsengeschwäre.  —  2.  =  Pestdrüsen  in  den 
Lenden,  Achseln  und  Waden  ((bei  Luther;  Gr.  w. 
II,  249).  —  3.  =  die  Pferde-Druse  mit  schweren 
Komplikationen,  z.  B.  Lungenentzündung  (Herbst 
137).  —  Brand-,  brandige  Druse  =  Nasendiph- 
therie (brandiger  Strängel,  Streptococus  equi) 
mit  brandigem  Zerfall  (beim  Pferde),  mit 
der  Pferde- Druse  wegen  der  örtlichkeit  ver- 
wechselt (Forster  II,  334 ;  Falke  I,  148)-  —  Brust- 
Druse.  1.  —  (1740)  Thymus,  Bries  (Kulmus  no), 
das  beim  Kalbe,  Lamm  unter  dem  Halse,  z.  T. 
in  der  Brust  liegt  (Kalbsmilch),  Milchdrüse 
(Gr.  W.  II,  1458;  A.  v.  H.  H,  715;  Levcllng  269).  — 
2.  =  Mamma  (weibliche)  =  Milchdrüse  (s.  d.). 

—  3.  Lymphdrüsen  in  der  Brusthöhle  (Falke  I;. 

—  (i6«6j  Darm  -Drüsen,  -Drüslein,  1.  =  die 
kleinen  Anschwellungen  der  mesaraischen  Drü- 
sen. —  2.  =  die  Schleimhautdrüsen  des  Ge- 
därms (Gr.  w.  n,  78D.  —  (1793)  DroMcZ-Drüsen 
=  die  in  der  Drosselgegend  liegenden  Lymph- 
drüsen, Glaudulae  jugulares  (Gr.  w.  II,  1437)  — 
Eichel  -  Drüsen  —  die  das  Smegma  praeputii 
liefernden  Talgdrüsen,  Glandulae  penis  (Gr.  W. 
in,  79).  —  falsche  Druse  s.  Druse  5  b  (=  bastard 
strangles;  engl  ).  —  (1796)  Feifei- Drüsen  =  die 
beim  Feifei  (s.  d.)  angeschwollenen  Halslymph- 
drüsen des  Pferdes  (AbUg.  71).  —  Ferklein- 
Drüsen  —  Übersetzung  derScrofulae  s.  glandu- 
larum  colli  inturaescentia  (s.  Skrofeln)  (Zw.  505. 
765 ;  su»  scrota  =  das  Schwein ;  scrolula  —  das  Fcrklein). 

—  Fett- Drüse  ■  die  Bürzel-  oder  Steiss-Drüse 
«ler  Vögel  (Gr.  W.  III,  1573).  —  (1783)  Fliemcasser- 
Drüsen  =  die  Lymphdrüsen,  die  das  aus  den 
Geweben  fliessende  Wasser  sammeln  (Levellng 
245)  (Drüse  6a).  —  Füllen- Druse  =  ein  bei 
Fohlen  häufiger  beobachteter  Strängel  (s.  d.) 
infolge  des  KettenpilzeB  Streptococcus  equi.  — 
(1793)  r;,..f/,7i- Drüse  =  Glandula  biliosa  (Gr.  \v. 
IV,l.  1191),  eine  mit  der  Anschwellung  derGallen 
(s.  d)  beim  Pferde  bemerkbare  consensuelle 
Lymphdrüsen-Anschwellg.  —  (isi2)  Ganaschen- 
Drüsen  —  bei  der  Branddruse  angeschwollene 
Lymphdrüsen  hinter  den  Ganaschen  (Falke  I, 
148).  —  (169»)  Gans-,  Gäns-Drüsen,  -Drüslein  = 
die  Hautsehmeerdrüsen,  deren  Verstopfung  die 
Finnen  (Akne)  der  Haut  macht;  diese  Finnen 
(s.  d.)  verglich  man  mit  den  Federsloppen  auf 
der  Gänsehaut  (v.  M.  II,  122  123}.  —  Gaumen- 
Drüse  ~  Mandel.  —  GrVi-Drüsen  =  durch  weite 
Fusstouren  veranlasste  consensuelle  Anschwel- 
lung der  Leisten  -  Lymphdrüsen.  —  Gckros- 
Drüse,  I.  =  (1740)  Pankreas  ■  Wampenbries, 
obwohl  es  eigentlich  nicht  im  Gekröse  liegt 
(A.  v.  II.  I,  212;  Kulmus,  Register).  —  2.  —  das  Pan- 
ercas  Aselli,  der  Komplex  von  den  zwischen 
den  Platten  des  Gekröses  (Mesenterium  *  liegen- 
den mesaraischen  Drüsen  (Hyrtl,  K.  W.  99)  — 
Gelenk  -  Drüsen  =  die  Schleim  secernierenden 
Schleimbeutel  an  den  Gelenken,  die  man  früher 
für  Drüsengebilde  annahm  (Anten rietb.  S75).  — 
öi//-DrÜ8en,  l.=(bel  .Schlangen)  die  Gift  pro- 
duzierenden Drüsen  (Samuel  343;  BolUnger  in  Z. 
Hdbch.  III,  598).  —  2.  =  Pesttlrü-en,  die  den  Pest- 
eiter enthalten.  —  (1507)  gross?  Drüsen  -  syphi- 
litische Feigwarzen  (fr.  I,  366)  gegenüber  den 


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104  Drüse. 

kleinen  spitzigen,  nicht  syphilitischen  Condy- 
lomen. —  U«76)  Gut ■  /(/-Drüslein  =  Uvula,  da 
Zäpfchen  und  Kehldeckel  früher  als  drüsige 
Organe  angesehen  wurden  (Hyrtl,  K.  w.  21)  (siehe 
Auf)-  —  Hab(g)  (Hag-,  Hege-,  Hay-,  Hei-,  Heid-, 
Hog-,  Har-) Drüsen  (ahd.  hogdrusi,  Glos».  Komm, 

Llndebrog,  C.  v.  Scbm.  2'3;  9.  Jnhrh.  hegadruosl  = 
Inquen,  verenda,  pudenda,  Mon.  Glos*. ;  <;rafl  V,  263  ff. ; 
heldrose  --  Ingulna,  pudenda,  II  Z.  III,  368 ;  hegedrnse, 
II.  Z.  VI,  387;  hegedrösa  —  inirulna,  pudenda  corporis, 
H.  Z.  XV,  341  i  11.  Jahrb.  hegedröa  =  ingulna,  pudenda, 
H.  Z.  III;  hegednios  =  Schamselte,  Hoffm.  I,  875; 
18. — 14.  Jahrh.  hage-,  hege-drose.  Hyrtl,  K.  W.  80;  H29 
hardruci  —  Inquen,  D.  298;  H70  hegedmss  =  Driis- 
Sncht,  Gr  W.  II.  1463, ;  helddnwe  =- paradiota  [pnrotltl*], 
I).  411 ;  1176  heldrues  =  Parotitis,  D.  III ;  1482  haydruss, 
hegtruss,  herkdriiRR,  heydruss  —  tcstlculus,  D.  681; 
Zening.  Voc.  nS,  12,  o  2;  15.  Jahrh.  haghedros  = 
jugulum;  hegeilruse  =  authrnx  ;bubo?],  I_>.  39.  311;  l.VX) 
hagdrüsen,  Adelung,  I'estllenzbuch ;  IUI  hagdrossen, 
H.  v.  Gend.  78,  1529  hegerdruegen,  Paracels. ;  16.  bis 
17.  Jahr,  nag-  oder  heydruesen,  hel-drose  =  bubo,  Ilyrtl. 
K.  \V.  80;  D.  83;  Coler,  II.  A.  142;  1742  hagedrost  [dross], 
Zw.  120;  ndd.  hagedroesen  —  Halsdrüsen,  Goldschm.  89), 
\.  =  Hoden,  mannliche  Zeugungsteile  (c.  Schm. 
2..3)  (vergl.  ohen  unter  nhd.),  „weil  der  Hude  als 
ZeugungsdrOse,  als  Heckedrüse,  Ausbrütungs- 
drOse  angenommen  wurde" (?)  (nach  Hyrtl  (1.  c] 
u.  Kluge).  Diese  Erklärung  stimmt  weder  be- 
grifflich noch  lautlich;  es  ist  vielmehr  wahr- 
scheinlich, dassdie  durch  Infektion  krankhaften 
Ijtusten-Drüsen  (Inguinarin,  Verenila,  Puden- 
da), die  geheim  und  versteckt  im  Schosse, 
unterm  Bruch  (Kleid)  gehalten  wurden  (Sehoss- 
beulen,  Hejjdrüsen),  ihren  ahd.  Namen  2)  auf 
die  ganze  kranke  Umgebung,  die  sog.  Gemachte 
übertrugen,  und  so  auch  der  Hode  (vergl.  sub 
Ehren)  zu  den  Hege- Drusen  gerechnet  wurde; 
dass  es  auch  in  ahd.  Zeiten  bereits  Infektions- 
krankheiten der  Genitalien  („geheimer  Ort") 
gegeben  habe,  die  zu  Drüsen- Anschwellungen, 
zur  Drüsen-Sucht  (s.  d.)  führten,  ist  nicht  bloss 
inOglich,  sondern  durch  Kusenbaum  u.  Prokseh 
zur  Genüge  nachgewiesen.  Die  LmtVn-Drüsen 
galten  nun  als  die  Emunctoria,  d.  h.  Sammel- 
drüsen für  die  Materien  aus  dem  Hauche,  die 
dort  ausgesickert  wurden,  weshalb  sie  bei  den 
Infektionskrankheiten  (Pest  z.  P>.)  besonders 
aufKesucht  wurden  zur  Diagnose:  „Hab(g)druss, 
quaedam  pestis  circa  genitalia"  (Lues  venera) 
(Behaellei  I,  1028).  —  3.  -  auch  andere  versteckte 
Drüsen  worden  zn  Heu- Drüsen:  a)  Achsel- 
drüsen; b)  die  Thymus-Drüse  =  innere  Drüse 
(s.  d.)  (Hjrrtl,  K.  W.  80);  c)  versteckte  kleine  Hals- 
drflsen  (Serofula  fugax);  d)  die  Ohrspeichel- 
drüse; Hyrtl  bringt  sto  etymologisch  in  glaudula, 
thymus,  Thymlandni.o  n  oder  Heide  kmut  llmisehen 
=  Heiddrüs«  =  Hcldnisc  (?),  wilde  Warze.  Dm  die 
Hegedrusen  ~  (Samen  ausheckende  Hrnt,,drüsen") 
Hoden  selcu  (Kluge*  169),  Ist  ein  aus  der  neueren 
SchulmedUln  abgeleiteter  Hegriff  der  Drüsen,  der  Im 
nhd  norh  nicht  gegeben  war,  Im  nhd  l*t  ,  I'ruse"  nur 
die  pathologisch  secernlerende  I»ni»c  fs.  o.);  als  solche 
können  damals  nur  die  erkrankten,  mit  den  Genitalien 
in  Verbindung  stehenden,  bei  Schanker  und  Syphilis 
mitafficierten   Leistendrüsen   angenommen  werden; 


Drüse. 

|  weiterhin  und  »p»ter  allerding«  dann  auch  die  «o  er- 
krankten noden.  —  4.  =  auch  Bluteisslein  (an 
den  Genitalien)  hicssen  Hegedrüsen  (Zw.  120). 

—  Hals  Drusen  (1561)  haUztrusen ,  Gr.  W.  IV.  2. 
259),  1.  —  Mandeln,  Tonsillen,  die  aber  nicht  am 
Halse  sind  (Gr.  w.  II,  1458),  sondern  im  Halse. 

—  2.  =  Schilddrüse,  Kropf  (Hyrtl,  K.  W.  90),  — 
(1.-.60)  hang  -  drüsslet  (H.  Sachs)  =  mit  Hflnge- 
Drüsen  versehen,  d.  h.  mit  hangendem  Euter 
(Gr.  w.  iv,  2.  437).  —  Ham  -Drüsen  =  Nieren 

I  (s.  d.).  —  (1559)  harte  Drüsen  („unter  der  ueehsen 
und  oberhalb  de«  tchenkela")  =  Achsel-  u.  Leisten- 
Lymphdrüsen -Verhärtung  (Gr.  W.  VI,  1405).  — 
(16*6)  Haupt -Drüsen,  1.  =  Parotis,  die  gesunde 
Ohrspeicheldrüse,  als  die  grösste  Drüse  am 
Kopfe  (Gr.  w.  IV,  610;  vii,  1253).  —  2.  =  Parotitis 
=  M titns  als  geschwollene  Drüse  (Drüse  2) 
(A.  v  H.  i,  1109).  —  /f><7rr-Drtisen  s.  Hagdrüsen. 

—  (K,oi)  UeU  -  Drüsen  \ßbh.  um  -  Blatt]  -  die 
Hoden  als  glatte,  heile  Drüsen  (Hyrtl,  K.  W.  84) 
oder  wohl  richtiger  Drüsen,  die  beim  Kastrieren 
geschuitten  werden,  zu:  heilen  2  =  kastrieren 
(Scbmeller  I,  1077  [».  d.];  die  Annahme,  dass  Heildriisen 
eine  Entartung  des  Wortes  Heidrüsen  sei,  Or.  W.  IV, 
2.  823,  fallt  ohnebin  weg,  da  der  Volksmund  lieber 
ein  auslautendes  1  weglilsst  als  hinzufügt.  Heil  [Schw  ell] 
=  Hoden,  Kluge  170).  —  herumschtceifendeDrase  = 
wandernde  Druse  Talke  I,  220).  —  J/rrr-DrÜse 
(15.  Jahrh.  druse  umb  da*  hertze,  D.  41)  —  Apostetna 
(s.  Drüse  3  f.)  —  Brust-  oder  Herzgeschwar.  — 
(1632)  Hochbalg -Drüsen  (Hyrtl,  K.  W.  fi7)  -  Hoden, 
dte  unlerm  Hoch  balg  (s.  d.)  liegen.  —  Hüft- 
Drüse  =  Lymphdrüse  in  der  Hüft-  oder  Leisten- 
gegend (Gr.  \V.  IV,  2.  1871).  —  (16.  Jahrh.)  innere 
Drüse  '1528  strophula,  EL  v.  (iersd.  luO,  15.  Jahrh. 

'  inner  truese  — scroffula,  I).  644),  1.  =  die  skrofulösen, 
|  konstitutionellen  Drüsen,  die  inwendigen  kran- 
ken Lymphdrüsen.  —  2.  —  innere  Brust-Drüse 
■Thymusdrüse  (Hyrtl,  K  \v.  *o  ff.)  als  Hegedrüse 
(s.  o.).  —  /nscVififf-Drüsen,  1  =  Glandulae  seha- 
I  ceae (Talgdrüsen),  „die  einen  talgigen, unsciditt- 
!  artigen  Saft  haben"  [A.  v.  EL  II,  714).  —  8.  = 
I  Steatoma  (Tabernnem .).  —  [15,  Jahrh.)  inwendige 
Drüsen  —  innere,  skrofulöse,  konstitutioneile 
Drüsen  (H,  7.  XX.  24).  —  (1681)  italienische  Drüsen 

—  syphilitische  Driisenaiisehwellungen  (Heyne  I, 
612),  (mal  de  Naples,  s.  Franzosen).  —  Ktilber- 
Drüse- Thymus  des  Kalbes,  Bries,  Kalbsmilch 

I  (auch  untere  Kehldrüse'  (Gr.  w.  IT,  I4S;  v,  .v.J.  — 
Ä"c/l/-DrÜSe  (15.  Jahrh.  kiiel.lruoz.  keldnis.  r;r.  \S .  V, 
3".t*>;  1515  keledrn«      eytinnelie,  I».  -  «Ii«  Drüsen 

au  der  Kehle:  a)  Kropf,  als  obere  Kehldriiso, 
Schilddrüse  (Hyrtl,  K.  w.  «w,  Löveling  20s);  b)  die 
Drosseldrüsen,  Glandulae  jugulares,  in  «I.  Kehl- 
kopf-Gegend;  <  )  Thymus  =  untere  Kehldrüse 
(Ilyrtl,  K  \v.  '.io  weisse  Drüse; ;  d)  die  Kehlsucht 
(s  d.),  <>in  (Jeschwitr  in  «1er  Kehle,  Anschwel- 
lung an  der  Kehle  Oynanche  (Squinantia)  = 
Apuslema  gutturis  et  uvulae  t(<r.  \\.  V,  390.  — 
Krim-  Drüse  Hoden,  der  den  Samen  oder 
Keim  zu  einem  neuen  Wesen  liefert  (auch  Eier- 
stock) (Klelnpaul,  d.  Mittelalter  606).  —  Kinnbacken- 
Drüse  =  Glandula  submaxilhw  i«.  —  Äo/>/'DrÜse 
=  Haupt-Drüse  (s.  o.).  —  A'ms-Drüse  -  (iekrOs- 
driise  (s.  o.),  Pankreas  (Gr.  w  V,  2tos;  Hyrtl,  K.  w.). 

—  Kropf-Drüse,  1.  =  Schilddrüse  (Struma).  — 


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Drüso. 


Drüse. 


105 


2.  »  jede  kropfige,  kropfartig  geschwollene, 
strnmöae  Drüssenbeule  (Gr.  *'.  V,  2100).  —  Leber- 
Drüsen,  1.  =  Leberlymphdrüsen  (Hyrtl.  Anat.  69; 
r.r.  w.  vi,  462).  —  2.  =  e.  nachf.  Leisten-Drüsen 
der  austreibende  Ort.  der  Ablajrerunfrsrlatz  der  in  der 
1-eber  erzeugten  Cholera  nach  früherer  Anschauunp,  die 
Emunctnria  hepatiR,  Haeser  IT,  202;  l  roto  Cholera)  = 
die  Lymphdrüsen  der  Leistengegend.  —  Lungen- 
Drüsen  (Sobernheim  131;  Gr.  W.  VI,  1304;  Hyrtl, 
Anat.  965)  =  die  20—30  Bronchialdrüsen,  die 
hautig  verkalken  od.  tuberkulös  infiltriert  sind. 

—  Lymph- Drüsen  ■  drüsenartige  Anschwel- 
lungen, die  aus  erweiterten  Lymphgefässen 
bestehen,  in  welchen  die  Lymphzellen  oder 
weissen  Blutkörperchen  gebildet  werden.  — 
1 7*3) /ympAarwcAc  Drüsen  iPlatnerl,  102)  •=  Drüsen- 
Anschwellungen,  die  durch  verdickten  Nah- 
rungssaft (  =  Lymphe) entstehen  sollten.  —  fison) 
(«rosse)  Magen- Drüse  =  Pankreas  (Gr  W.  vm, 
1372 ;  VI,  1139;  Falke  II,  91;  Bell  IV,  129).  fl.  Baueh- 
drflse  etc.  =  drüsichter  Körper  (s.  d.).  —  Mandel- 
Drüsen,  1.  =  die  Mandeln  (s.  d.)  im  Halse.  — 
2.  =  die  Halt- braune  (s.  d.),  auf  den  Mandeln 

sitzend  (Gr.  W.  vi,  I5«ß).  —  Jj^jf**8  }  Drüsen, 

1.  (18.  Jahrh.)  (in  der  Gebarmutter)  =  Cotyle- 
dones,  Chorionzotten  (Kran»,  f..  2-3,  Hyrtl,  k.  w. 
183),  die  man  als  Drüsen  ansah,  die  mit  den 
Milchdrüsen  in  Verbindung  stehen  sollten 
(Mutterdrüsen).  —  2.  =  (1782)  Thymusdrüse 
wegen  der  milchahnl.  Gewebsfarbe  -  Lactes 
der  Kömer  (Hyrtl.  K.  Vf.).  —  3.  =-•  Brustdrüse 
|  Mamma).  —  4.  -  (1802]  alle  einen  milchähnlichen 
Saft  bereitenden  Lymphdrüsen  (Schilddrüse) 

vutenrieth  380).  —  Mu  ttet  Drüsen  -  die  drüsen- 
artigen Krhöhungen  an  der  äusseren  Frucht- 
haut (Cotyledones)  (Gr.  w  VI,  281.1]  —  Milch- 
drüsen 1  (s.  <!.).  —  A'orrcn-Drüse  =  Feibel  (s.  d.) 
(Gr.  W.  III,  1432;  VII,  3To)  (durch  den  Schelm  oder 
Kobold  veranlasste)  Halsdrüsen  hei  Pferden. 

—  Ol  -  Drüse  -  Fettdrüse,  Bürzel  (9.  d.).  — 
0/ir«i-DrÜse,  1.  —  dieOhrspeicheldrüse,  Parotis. 

2.  =die  Entzündg.  derselben,  Parotitis  (Drüse 2) 

—  Haupt-  oder  Kopfdrüse  (1482  „dniss  bey  den 
Oreu  vulgär,  buel;  Kuki-1  die-  in  dorn  or  oder  dabey 
»rechst ;  Kugel  dir  in  dem  mund  weehst  [|>nnnllotti 
parroHda'.  D.  411;  A.  v.  II.  1,  1109.  Gr.  W  VII.  1238). 

—  (I020)  Pe$t-,  {Pestilenz-} Drüsen,  1  =  Pest- 
beule,  die  in  den  Lymphdrüsen  der  Leisten-, 
Achsel-,  und  Nacken-Gegend  sich  bei  dei  Pesti- 
lenz zeigen;  (l«20>  Pest-Bubonen  (Dr.  Minderer; 
iSr.  W  VII,  1874).  —  2.  =  Anthrax-  oder  .Milz- 
brand-Karbunkel (\.  v.  11.  I,  101).  —  Pockcn- 
Druseu  —  eiternde  Lymphdrüsen  -  Anschwel- 
lungen hei  den  Pocken  (Variola)  (Kalke  II,  21«»). 

—  li>  •!•'  Drüsen  fl"'-  Tahfb.  droeseu  die  zuo  den 
tn-yn  [Gen'lhen]  plsent  [weisen]  tntrulna,  l>.  298)  — 
Leistendrüsen.  —  (1748)  flöte- Drüse,  L  =  die 
schleimbereitenden  Drüsen  der  Naseusehleiut- 
haut.  —  2.  =•  die  sympath. -infektiöse  Drüsen- 
Anschwellung  am  Hals  und  Unterkiefer  beim 
Pfcrde-Kotz  (K.  a.  H2).  —  Samen-Drüsen,  1.  - 
Hoden  und  Samenblaschen.  —  2.  —  Prostata, 
Vorntehe-Drtise  (die  teste*  minore«  des  C.  Varnlius, 

Myrti,  k.  w.  loo).  —  ScAam-Drtisen  Ilegdrüsen 
«cliw.  !.>'.)  in  der  Schamgegend.  —  (17M)  Schild- 


Drtise  =  Glandula  thyreoidea  auf  dem  sohild- 

I  förmigen  Knorpel  aufliegend  (,\.  v.  n.  II.  716).  — 
(1632)  ScMimm -Drtislein  =  Zirbeldrüse  (s.  d.), 
die  den  Gohirnschlamm  (Wust)  ausführen  sollte 
(n>-rtl,  K.  w.  45),  Glandula  pituitaria  =  Schleim- 
drüse. —  ;i;;.il  SrWcim-Drüse,  1.  =  die  Drüsen 
der  Schleimhäute,  Crvptae  mucosae  (a.  t.  n.  II. 
693).  —  2.  =  die  Glandula  pituitaria,  welche  den 
Gehirnschleim  ( =  Schlammdrüse, s.  d  )  abführen 
sollte  (1561;  Hyrtl,  K.  W.  48).  —  3.  bei  Hippokrate« 
ist  das  Gehirn  eine  schwammige  Schleimdrüse ,  die 
ihren  „Wust"  {*.  d.j  in  den  Ohrdrüsen  deponieren  sollte. 

—  Schmier  Drusen  =  die  den  sogen,  weihlichen 
Samen  der  Alten  liefernden  Glandulae  Bartho- 
lini lUnas  311.1.  —  M*2i  ScAirW/Drttse  (*wel,  swel- 
druM;  altsitchs,  sweldrfi»  —  apostema,  D.  41 ;  Zeninir. 
Voc.  K  8)  =  jede  Drüse,  die  geschwollen  ist  und 

[  Eiter  enthalt.  —  (1881)  Speck-DrÜBen  =  skrofu- 
I  löse  Drüsen  mit  nnschlittähnlichem,  käsigen 
I  Inhalte  (Tabcmacm.\  —  SpcicÄW-Drtisen  =  die 
Speichel  erzeugenden  Drüsen.  —  Srrin-Druse 
=  veraltete,  harte  Drüsenanschwellungen  beim 
Pferderotz,  verdächtige  Druse,  weil  sie  Rotzgift 
noch  enthalten  können  [Falke,  II,  3S8)  (s.  Stein- 
kropf, Stoinrotz).  —  (1*87)  S'  w  Drüsen  =  die 
Pest-  oder  Giftbeulen,  die  nahezu  sicheren  Tod 

anzeigten  (I.«inch8U;  Gr.  W  II.  14.9;  VIII,  1289;  bibl. 
XMUk.  432'.  (s.  Totenbruch).  —  (1721)  Stockzahn- 
DrÜsen  —  Unterkiefer-Speicheldrüsen  (A.  v.  H. 
II.  7U9J .  die  mit  dem  Erscheinen  des  Stockzahnes 
anschwellen  (neisterj.  —  Talg-Drüsen  =  Glan- 
dulae sebaceae  -  Unschlittdrüsen  (A.  v.  II.  II, 
714).  —  Traurigkeits-Drüse  =  Thränendrüse,  die 
bei  Trauer  funktioniert  (Hyrtl,  K.  W.  168.  189).  — 
Cnschlitt- Drüse  =  Steatoma  (Tabemaem.),  ein 
drttsenäbnlicher  Cystenbalg  mit  talgähnlichem 
Inhalte.  —  r/MfrWct'fcs-Drtisen  =  FerkeldrüBen 
(s.  d),  Scrofulosis  s.  Tuberculosis  mesaraiea, 
Tabes  mesaraiea.  —  verdächtige  Druse  =  eine 
Druse  (4)  beim  Pferde,  die  Verdacht  auf  In- 
fektion mit  Rotz-  (s.  d.)  Gift  macht  (Förster  II, 
384;  Mayer  158).  —  (1842)  verschlagene  Druse  - 
eine  Druse  (4)  beim  Pferde  mit  sekundären 
Metastasen  ^Versetzungen)  und  Fiterbildiingen 
in  inneren  Organen  (Förster  II,  334;  Falke  I,  220). 

—  verst'xktc  Druse  =  eine  latente  Pferdedruse, 
die  bei  StotTwechselerhöhung  erst  hervortritt 
(Mayer  1A9).  —  (178*1  Vorder-,  Vorst  eh(er) -Drüse 
^  Prostata,  das  drüsige  tiebilde,  das  vor  der 
Harnblase  sich  beiludet  (Stoll;  Plenk,  Zerpl.  296; 
J.  P.  Krank  V,  147  ;  16.  Jiilirh  [('(.er»  d.  Par«  ]  die  inisslin 

proRUta«,  Fr.  II,  232.  4A0).  —  M'acAA-Drtisen,  1.  = 
zur  Zeil  des  Wachstums  konsensuell  anschwel- 
lende Lymphdrüsen  der  Kniebeuge  und  Leisten 
(Widergitnge  oder  Wachsbeulen)  (A.  v  n.  I,  241). 
2.  der  Schmerz  in  der  Leistengegend  bei  wach- 
senden Knaben.  —  (1*12)  iranrfcrmtf  Druse  — 
eine  Druse  (4)  beim  Pferde,  die  schubweise  ver- 
schiedene Lymphdrüsen  befällt  (Fftrster  H,  884; 
Falke  I,  220;  II,  426).  —  (17ü)  JFaSSfr-DrÜSen  = 
die  «las  (iewebs-Wasser  ^Lymphe)  sammelnden 
Lymphdrfls<'n  (A.  v.  II.  II,  —  (1801)  uyisser- 
fähiges  Drüslein  =  Hypophysis  cerebri;  sie 
sollten  teils  Wasser,  teils  Sehleim,  die  ihnen 
durch  den  Gehirntrichter  zugeführt  werden, 
aufnehmen  (Hyrtl,  K.  w.  18).  —  (I7t,i)  Weuhen- 


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106  Drüssel— duenn. 


Duepflein — duerr. 


Drüse  =  Lymphdrüsen  in  der  Weiche  (Leiste) 
iL.  ch.  37).  —  (1632)  iceisse  Drüse  -  Thymus,  die 
milchweisse  Killberdrttse,  Bries,  Brustdrflse, 
Kalbsdrflse  (Hyrü.  K.  w.  163).  —  (1677)  Zirbel- 
Drüse  =  Glandula  pituitaria  s.  pinealis,  auch 
Schleim-  =  Schlammdrüse,  wegen  ihrer,  der  ge- 
wirbelten, gedrehten  Zirbelnuss  ähnlichen  Forin 
(Hyrtl.  K.  W.  45;  Gr.  w.  Ii,  H60).  —  Zttt-  (Zittnach-, 
ZU-)  Drüsen  (ahd.  zitdruosa  Graft  V,  263  O. ; 
Schw.  803),  1.  —  konsensuell  oder  sympathisch 
anschwellende  Drüsen  beim  Zitterach  (s.  d.)  = 
Impetigo  contagiosa  (Schindler  I,  549).  —  2-  — 
Impetigo,  Zitterach,  Zitterrose,  Zitterflechtc, 
Zitterlaus,  Zittermal  selbst  (Schw.  MS;  Gruft  1.  c). 

—  Drüsen- Anschwellun(f,  -  Beule,  •  Bläülein  -Blit- 
tern,  Darre,  -Entzündung,  -Fieber,  -Fleisch, 
-Gebrechen,  -Geschwür,  -Geschwülste,  -Geschwur, 
-Hohle,  -Körper,  -Krankheit,  -Krebs,  -Magen, 
-Pest,  -Saft,  Sack,  -Schäden,  -Schanker,  -Seuche, 
-SfUck,  -Sucht,  -  Verhärtung,  -  Wesen.  —  drüsicht 
idrüsenhaftj  =  drüsen&hnlich  oder  au-  Drüsen 
bestehend.  —  drüsicht(e,  es,  er)  Fleisch,  Körper, 
Lungensucht. 

Drüssel,  m.  (Druschel),  drüsseln  (ahd.  drosz; 

mhd  drüzzel ;  1477 drüssel,  Ortolph  ;  1482  trussel,  drüssel, 
Zoning.  Voo.  hh 2,  q2  —  Jugulum,  Kehle;  Druschel  — 
hmwl,  <;r.  W.  Ii,  H60)  =  die  DroBsul,  der  Dross 
(».  d.)  =  Schlund  (Schw.  154),  Drüssel  (Bayern).  — 
eich  drüsseln  =  ersticken.  —  der  Mar  drosselt 

—  macht  Erntickungsangst  als  ob  er  an  der  Kehle 
drücke  (<ioldschra.HH.  112).  —  /zWs-DrÜBsel  =  der 
Fettwulst  untorm  Kinn  (Doppelbarl).  —  Nasen- 
DrÜBSel  (mhd.  nasedriizzel,  I,exerl74)  ^die  Nüstern 
(beim  Pferde). 

Dmlla  =  Alp  (Incubus)  (Meyer.  Convon.  I.cxtkon 

i,  437)  (Troll?  s.  d.)  —  Drohen- Zopf. 
druss  I.  drissen. 
Druschel,  m.  a.  Drüssel. 
Druse,  f.  s.  Drüse, 
dudern  s.  tutern. 
dueld  s.  Dill. 
Duelle,  f.  s.  Doelle. 

Duemkt,  n.  s.  Daumen  (Dflmechen,  Daum- 
chen) (Scbeible  III,  68). 

Duenege,  f.  s.  Dünn. 

Duenkle,  f,  9.  Dunkle. 

duenn,  Duenne,  f.  Dünnung,  f.  Dünnichen, 

Dünne  (urindog.  tenü-s  [tenuls]  —  der  I-ange  noch 
ausgedehnt;  genn.  thunnus;  altiiord.  thuunz;  Roth, 
thunuus  --  dimn;  ahd  tlntiä,  Schlafengegend,  Stirne; 
dünnt  -  Dünne,  Caas.  lilosts. ;  Diez  92  ;  Kluge  \  Rj;  1260 
die  tinne  —  Schlafe,  Pfeiffer  31;  im  slaphcnl  die  tinne 
bcdenthnlhen  bei  den  nren,  Pfeifler  49;  mhd.  dünne; 
mnd.  duunynghv -- Schlufegcgcnd,  MauNt.  Kurth.  86b; 
14.  Jahrh.  lunne,  Ünn  =  tempus,  D.  577  ;  Voc.  opt.  W,  j 
IUI  dununge-  timpora,  D.  584;  1812  tynne,  dynne- 
Stlrnbrcltc,  Zenlng.  Voc,  ggö;  dunig  tiinpor»,  I).  58*; 
In.  Jahrh.  Uniin,  dünne,  Gr.  \V.  V,  3318;  1  >17  dunlnge 

—  timpora,  D.  5*4  ;  1589  tynen  —  Schlafe  [Werdcnfcbt] ; 
1749  das  Dünne  ■  Wetcbengegend,  Z.  f.  d.  Ph  XXVI. 
239;  1793  Dünnting.  Gr.  W.  II,  15&7 ;  ndd.  dünnjen  = 
Schläfe,  Ooldachm,  9C)  —  das  Gedehnte,  .Schmale, 
1.  —  die  Weiche  des  oberen  Hauches,  Bcgio  hypo- 


'  chondriaca,  wo  der  Leib  mangels  der  ganzen 
Rippen  weicher,  linder  (s.  Inende)  dünner  wird 
(dunnc  under  den  reiben  ;  daz  donne  under  den  reben 
=  hypochondria.  dlaphragma,  Rippenweiche,  Hyrü. 
K  W  120.  159;  Schnieller  I,  195;  I).  179.  276,  Gr.  W. 
FI,  1557;  Ltvaling  324) ;  a)  beim  Menschen  =  Mittel- 
bauch, Taille,  Knappe,  selbstdie  Leistengegend 
(die  Dünnichen,  Pr.  Ii,  295);  b)  bei  Schlachttieren : 
Bauchschlampe.  —  2  =  die  Schlafegegend  und 
der  Schlafeteil  derStirne  beim  Menschen,  Breit- 
seite der  Stirne,  die  Dünne  der  Wangen  (Or.  w. 
II.  1554;  Ortolf  23)  wo  der  Schädel  schmaler  wird. 

—  Dünnung  =  der  Zustand  des  Dünnwerdens, 
der  Ort  der  Dünne,  1 .  =  die  Seitenteiledes  oberen 
Schmerbauches  (Kulmus  20 ;  bibl.  Med.  89;  Hyrtl. 
K.  W  120).  —  2.  =  Mittelbauch.  —  3  =  Schlafe- 
gegend. —  4.  =  Schwangerschaft  (Gr.  w.  II,  1554). 
6.  =  der  dünne  weiche  Stuhlgang,  Durchfall, 
fluidapas8ioege8tionis(Gr.  W.j  1260von  dertrockne 
wird  ein  J «glich  dingschmal  oder  dünne,  PfeifTer21);  die 
feuchten  Entleerungen  machen  den  Körper  tro- 
ckener u. dünner.  —  Ha up u  Dünnung (1*.  Jahrb., 
D.  584)  =  Dünne  2.  —  (1880)  Ferdünnerung  =  Fett- 
abnahme mit  auffallender  Verkleinerung  des 
Umfantres  der  Körperteile  (Stein)  (s.  o.).  —  Wan- 
ffot-Dünnnng  (mnd  de  dunyngbe  der  wanghen, 
Magist,  Barth.  886)  =  Tempora,  die  Stelle,  wo  die 
Wangen  autfallend  dünner  werden ,  Schlftfe- 
gegend.  —  Dünne,  (er)  -.-IrscA-,  -Backe,  -Bauch, 
■  Bein, -Darm,  Fell,  -Fleisch, -Hals,  -Haut,  -Leib, 
■Marter,  Nase,  -Öffnung,  -Rippe,  -Scheiss,  -Sei- 
chen, -Seite,  -Stuhlgang. 

dIwIT]  8  T«pflein>  T°ppei  °nd  Dipp«'- 

dürfen,  -dürft,  dürftig  (germ.  thurf  =  entbehren, 
mangeln ;  goth.  thaürban ,  adh.  dürfen  —  entbehren, 
Mangel  haben  ;  mhd.  dürfen.  Kluge8,  81).  —  d  ü  rftig 
=  mager  am  Körper  (Gr.  W.  II,  1731).  —  Not- 
Durft  ahd.  nötduruf  t ;  mhd.  uMdurft,  Kluge  249)  - 
das  Bedürfnis  durch  die  Not  der  Natur  zur 
Stuhlentleerung,  natürliches  Bedürfnis  (In  dieser 
umschreibenden  Bedeutung  erst  nbd ;  1561  die  notdurft 
der  natur,  Cr.  W.  VII,  926). 

dünnig  >■  Durmel. 

dueiT,  Dürre,  f.  (vorgerm.  trs  -  trocken  »ein  In 
der  Kehle,  heiser,  rauh  von  Stimme;  urgerm.  thurzu 

—  trocken,  durr;  goth.  thaürsus  —  trocken;  ahd.  durri 

—  dürr,  trocken,  mager;  mhd.  dürre,  Kluge",  81;  1618 
dürre  —  fleischarnie  Knochen,  Pr.  II,  83;  1684  dürre, 
Gr.  W.  II,  1742;  vergl.  Darre,  Itorre).  ,,Xahe  bl*  an  die 
neuere  Zelt  (18.  und  selbst  19.  Jahrh.)  heran  nannte 
man  Menschen  und  Dinge  auch  dürr  (trocken,  heiss 
im  Gegensatze  zu  feucht,  nass  und  kalt),  da  die  mittel- 
alterliehe Natur-  und  Gesundhelts-Lehrc.  daa  Xntur- 
leben  uuf  die  Kinwirkutigeii  geheimer  Kräfte  in  den 
Kiementen  oder  Sternen  zurückführM;  dieses  wunder- 
liche, in  »einer  Geschlossenheit  selbst  bewunderungs- 
würdige System  der  «ichelm  Wissensehalt  durchzog 
aber  auch  die  (ledanken  des  Volkes  so  tief,  das*  in  der 
Sprache  allenthalben  die  Wirkungen  und  Spuren  davon 
aultauehcu"  ,(ir.  W.  V,  78).  —  Demnach  Ist  DÜIT6, 
1.  =  trockenes  Blut,  (ieblüt  (Magerkeit).  —2.= 
Trocken heit  des  Mundes, der  Kehle, des  Magens. 

—  3.  =  Schwindsucht,  Abmagerung  (Gr.  W.  n. 
1742).  —  4.  =  der  Zipf  der  Vögel  (Darre  2).  — 


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Dussel— Dummheit. 


Dampfe— Dunst, 


107 


B.=  die Schienbeinkantealsfleischmagore Stelle. 

—  6e»n-durT= knochendürr,  mager  am  Fleisch, 
so  dang  man  die  Knochen  sieht  (Gr.  \v.  i,  1335). 
Blut  Dürre  --■  Melancholie,  verbranntes  (ieblat 
(9.  d.),  heisses  trockenes  Blut,  Cholera complexio. 

—  2Jr«<f<-Durre  =  Phthieis  pulmonum  wegen 
Austrocknung,  Magerkeit  des  Körpers  durch 
das  ßrustleiden.  —  knochen- dürr  —  beindürr 
;ür.  \v.  v,  H58).  —  r  Dürre  -  Pestis  bovilla 
Kinderpest,  weil  bei  den  Tieren,  die  daran 
sterben,  das  Futter  in  dem  entzündeten  dritten 
Magen,  dem  sogenannten  Löser  (s.  d.) ,  dürr 
und  nicht  selten  tu  Pulver  vertrocknet  vorge- 
funden wird  (Gr.  W.  VI,  1196;  Falke  II,  75.  198).  — 
Mund  Dürre  (187".  Müller  Krtrbch.  svt)  ~  Trocken- 
heit im  Munde.  -  JJjjJjji  dürr  -  so  dürr  o. 

mager  wie  das  BaumraooB  (Kack)  (Gr.  w.  Vll,  34). 

—  rappel-iüxr  =  so  mager,  dass  es  wie  ein  Klap- 
perbein rappelt  (klappert  wie  eine  Rappel)  (<;r.w. 
VIII.  117).  —  DüiX-ßalg,  -Bein,  -Blut,  -Ferch, 
-Gr int,  -Büsten,  -Krähe,  T^eute,  -Maden,  -Maul, 
-Mensch,  -Natur, -Räude, -Schlag,  -Sucht, -Zunge. 

Duesel,  in.  (DtiBsel,  Düschen)  s.  Dusel. 
Düte,  f.  (Deute)  (obseön)  =  Vulva  (Gr.  w.  iv, 
176»;  (Tüte). 

duften,  Duft,  m.  =  der  eigentümliche  Geruch 
der  ausdunstenden  Kranken  und  Reconvales- 
centen  (Gr.  W.  II,  1003;  vergl.  ,, der  Geruch"  In  <ler 
Zcltschr.  d.  Ver.  I  Volkskunde  1893.  S.  438).  —  (17*8) 
.4usduftKn<7  =  Transpira»io  cutanea  (PUtncrl,  :>»). 

dulden  (Indogerm.  tel,  toi,  tla  —  tragen,  ertragen 
[latus] ;  vorgenn.  tel,  toi,  tlä;  germ.,  Roth,  thulau ;  ahd. 
dolen  ;  mhd.  dolen  I«.  d.}  =  dulden  ;  ahd  dulten,  mhd. 
dulten)  =  Schmerz  ertragen.  —  A/omfduldige 
[ahd.  manodtultiiriu)  =  die  alle  Monate  leidet  und 
Schmerzen  erduldet.  Dysmenorrhoe*  (Schmeller 
I,  1609)  (Monatsucht,  monatblutend). 

dull,  dullet  s.  toll. 

dulken  =  dalken  (s.  d.),  stottern. 

dumm  (indog.  dhnhh  ■znf\nr  blind;  goih  dumhs 
=  »nimm,  altn.  dumhr.  germanische  Grundhodeut  uug 
■  „itnmpf  In  Bezug  auf  Klnnesempnndung  un<l  Ver- 
stand", Kluge  ,  80,  ahd.  tuuib,  ttUBp  tauhsnimm. 
,,deni  die  Sprache  vertagt  Ist",  ('am,  OIohs.  ) J  in  einem 
altdeutschen  Mut.sttllungS'Segeii  de«  II.  Jnhrh. ,  .,tcr 
hellego  tumbo  (ein  stummer  gefühlloser  Ilergrie«e  V) 
versegenc  tlusa  wurida  '  (Gr.  1).  11.  1,  495  [s.  versegnet  j, 
«Jolth.  164.  191/;  <lie  einzige  Stelle  in  der  german. 
Mythologie,  die  für  heilende  Thitligkeit  der 
Riesen  spricht;  sonst  ist  dieselbe  nur  den  elb- 
iachen  kleinen  Dämonen  zugeeignet;  (mhd  ramp 

—  »erstandes«chwaeh ,  stumm .  taub;  K*7  dumme 
der  »Umm  =  raucedo  ,  1».  4*6;  1.91  dumm  -urdus, 
llad  Jun.  IM;  1781  tu  mm  taub,  durch  Narkotika 
uneui  pfl  u  d  1  Ich ,  L  ehir.  69;  ulter.  nhd.)  -  gehnr- 
und  verstandeaschwach,  taub.  „Worte  für  die 
Funktionen  einer  Sinnes- Wahrnehmung  wer- 
den überhaupt  gerne  auf  die  entsprechende 
einer  anderen  übertragen"  (Kluse  eil.  —  (1591) 
Dumme,  f.  Taubheit,  Surditas  (llad.  Jim.  875)  — 

»74»  rSSäSt:  \ 1  -  ^hörig. 

keit  (heisere  Stimme)  (Zw.  676).  — 2.  Stummheit 


•  (mhd.  tumbichelt,  Lezer  275).  —  3  =  Drehkrankheit 
I  (s.  d.)  (Taumel)  der  Schafe  (Kreutzer  Veterin- 

Mediz  ).  —  dummelicht,  s.  Taumel.  —  Dumm, 

-Koller-,  -sinnig,  -  Wurm. 

Dumpfe,  f.  Dumpfei;  dumpfig  <mm\.  dump«  = 

catarrhus;  mhd.  dumpfe  —  catarrhus,  Heyne  1 .  617; 

'    Ablaut  zu  mhdd.  impfen  ~  dampfen  [s  Dampf],  rauchen  ; 

|  dumpf,  m.  =  Engbrüstigkeit ;  1539  ^  blastig,  engbruslig, 
kurzatmig,  schnupflg,  (Jr.  W.  II,  152»;  II.  109) -„be- 
engend (durch  Dampf  oder  Rauch)  auf  Gehör 
und  Gesicht  wirkend"  (Kluge5,  so).  —  Dumpfen, 
m.  Dumpf,  m.  —  Dämpfigkeit,  Engbrüstigkeit 
(H.l'aul  y*;  Kaltschm.  II,  107).—  Dumpfheit  =  Blind- 
heit, Erstarrung  (Gr.  v>   II.  r>26).  —  Dumpfei 

(tuemphel,  tumphel  ,  tumpfle] ,  I).  197)  ■  Rheuma, 

Schnupfeu.  —  dumpfig  -diimpftg,  asthmatisch 

(Nassau). 

Duninge  (Dünege)  ■  Schläfe  (dünne  Wange, 
s.  d.)  (Kluge  so).  Vergl.  dünn. 

Dunkel,  n.  Dünklef  (vorgerm.  dhengwos ;  germ. 
dlmi,  ahd.  tunchal;  mhd.  tunke),  Kluge6,  80  — dunkel, 
trübe,  dumpf ;  1561  dunkle  -   callgo,  tenebrne,  Gr.  W. 

I  Dunkel  I 

n,  1«0).  -  Augen-  |Dlmkemeit  ]  «Runkel der 

äugen,  Fries  79.  79a).  „Pas  Finster  der  Augen  Ist  ge- 
melnlglieh ;  (das  Doppelschutt]  Im  anderen  Falte  nur 
bei  jungen  Leuten"  (  —  Syphilis,  1532);  (ltilrt  -  amau- 
rosis.  schwarzer  Staar,  <ir  W.  II,  1M0,  1742  augendunkle 
=  callgo,  Zw.  196  ;  17t.l  nyetalopia,  U  ch.  00.)  (s.  dunkle 
Augen)  —  IVrdunkelung -  vollständige  Horn- 
hauttrübung b.  Pferde  (Zipp  888).  —  Dunkles 
Gesteht . 

-d Unsen,  (donsen)  (lndog.  ten,  dehnen;  vorgerm. 
tens  ,  germ.  thens;  goth.  thlnsan  ;  ahd.  dinsan,  ziehen  ; 
mhd.  dinsen  —  ziehen,  «Ich  ausdehnen,  Kluge*,  130)  — 
aufschwellen  durch  Schwellung  sich  am  Leihe 
ausdehnen,  zerren,  intumescere  (Gr.  W.  n,  1558 ; 
1576  -  oedema  cutis,  Gr.  W.  ibid.).  —  (1716)  Leibes- 
Dunsigkeit  -  Lei besansch wellung  (Gr.  W.  II,  1559) 
Anasarca, 

Dunst,  m.  (Donst,  dunsteln,  dtinateln)  (indo- 

verm.  dhwena  ( -  zerstieben);  germ.  dwttus,  dun»  ;  ahd. 
tuulst  Sturm,  Hauch;  mhd.  dunst  es  Dampf,  Dunst, 
Kluge  *,  81)  aufsteigende,  sichtbare  Feuchtigkeit; 
1.  —  Blähungen  im  Leihe  (Vapores)  früher  als 
wallende  Dampfe  (s.  d.)  zum  Kopfe  aufsteigend 
angenommen  (1768,  Gr.  W.  II.  1681),  die  Luft  im 
Leibe  mit  hypochondrischen  oder  hysterischen 
Spannungsgefühlen  angesammelt.  —  2.  -  der 
Spiritus  Vitalis  (Pneuina), den  die  Adern  (Dunst- 
Adern  s.  d.),  aus  Luft  und  Blut  im  linken  Herzen 
bereitot,  mit  sich  führen  (Hyrtl,  K.  W.  107).  — 
3. —  die  Hautgedunsenheit,  tieschwulst.  —  4.= 
der  Schweis«  des  Menschen,  daher  dunsteln, 
d  ü  n  s  t  e  I  n  -  leicht  transpirieren  (Schmeller  1, 527). 

—  .4t</dünBtun?  (des  Leibes)  ~  Aufblähung 
(Wallbg.  3<m).  —  (1782)  (Haut  )  /lM«(dünstMM^  =  Per- 
spiratiofGr.  \V.  IV,  2. 7iu)  die  Wasserverdampfung 
durch  d.  Hautporen.  —  /Mii/Dunst,  1.  =  Dunst  2. 

—  2.  =  Blutgerueh.  —  3.  ^  Blutgase  (Falke  I). 

—  Gi/t-Dunst  -  Betilubung,  krankmachender 
(Jualm,  Pesthauch.  —  //irn-Dunst  =  die  die 
Wandungen  der  Hirnhohlen  bedeckende  Feuch- 
tigkeit, deren  Dunst  dieses  angebliche  Vacuum 


108 


durch— -Dusel. 


Dutte-Dux. 


auefüllen  sollte  (Autenriethin,  2ö).  —  (17«)  Magen- 
Dünste  =  Ructus,  Flatus,  Vapores  {Zw.  8«o}.  — 
(1799)  Samen  Dunst  **  der  Spiritu|  Vitalis,  der 
flüchtige,  riechbare  Teil  des  tierischen  Samens, 
den  man  früher  als  eigentlich  befruchtendes  Ele- 
ment angenommen  hatte,  Aura  seminalis  (Plenk 
12;  Krau».  E.  hg).  —  scharfer  Dunst  -  Pesthauch, 
noch  aus  (mhd.  s.  o.)  früheren  Zeiten  stammend. 

—  Dunst,  -Ader,  -Gefässe,  -Loch, 

durch-  (die  Zusammensetzung  mit  dieser  Vorsilbe 
»iehe  beim  betreffenden  Stammworte,  z.  B.  Durchbruch, 
Durchgang,  Durchlauf,  Durchmarsch  etc.). 

-dürft,  s.  dürfen. 

Durmel,  ro.  (dürmig,  durmelig,  dormelig) 

(1429  dürmlg:  Wy>  tormich.  Schindler  I,  622;  16.  Juhrh. 
durmein  a  taumeln,  <;r.  W.  II,  1733)  sehwindlich 
betäubt.  —  Oer  Durmel=  Vertigo  (<ir.W.  II,  1733) 
(vergl.  Turmel). 

Durrer,  m.  =  der  Fieber-Schwindel,  Taumel, 
Paroxysmus  des  Fiebers  (Dr.  Br.  Schiffer  27); 
turren  =  taumeln,  stürzen,  'Schmelleri,  «so). 

Durst,  DD-  (zu  dürr,  ».  d.)  —  die  Trockenheit  der 
dürren  Kehle,  das  Gemeingefühl,  veranlasst 
durch  dieSteigerung  derselben.  —  (1529)  Doppel- 
Durst  =  erhöhter  Durst,  Durst  f.  zwei  Kehlen 
U'aracels).  —  (1529)  unnatürlicher  Durst  =  ein 
nicht  normnies  Verlangen  nach  Wasser,  wie  es 
namentlich  Leberkranke  haben  (Parncel.«. ;  Thea, 
»an.  Br.  943).  —  Durst-SilCÄf. 

Dusel,  m.  (Dusel,  Tusel,  Tüsel,  Dussel, 
Düssel,  dusen,  duseln,  dussen,  Düschen) 

{eine  Reihe  von  begrifflich  nehwer  Jtu  vereinigenden 
Al.lautformcn :  indogerm.  dhus,  dhaun;  Renn,  douzn, 
Kluge  1.  c. ;  altiiord.  dusa  —  schlafen ,  Jordan  179; 
engl,  dizsineu  —  Schwindel ;  dlzzard  —  Schwindel- 
köpf,  Knltsebm.  I,  1H9;  II.  112;  dftn.  dos;  holl.  dnl- 
zeling;  uhd.  tusig  _  thoricht,  stullus  vcl  hebes; 
1361  tusl  -  Tannawatschl  [Mumsj  -  Influenza.  Zeitschr. 
f.  d.  Ph  Höing.  I,  21;  1M1  ducs«cl  -  pannus;  1.90  dls*el 
-  pannus  [inqulnnm],  I).  tlü;  lfiir.  duscl  es  «ieistcsl.«- 
t nutmng.  Kluge  *,  81  u.  ;J7.% ;  Heyne  I,  646;  <ir.  W.  VIII, 
119;  1735  thüsslieht  =  mit  dem  schweren  lichreehen 
Schwindel,  Epllepsl.l  behaftet,  V.  B.  39,  1742  dusslieh- 
kelt  ss  vertigo,  Zw.  477.  97".,  ndl.  duizelipheid  vertigo, 
De  Tock  117;  oberd.  duscl,  duscl  —  Schwindel.  Qualm, 
Kiet>er.  Schw.  I">9;  [Tirol]  da»  Dusele,  SchmeUer  II,  629; 

II.  960;  UrqBeU  III,  109;  1889  Tin).  Du-el  -  Influenza, 
Zeitschr.  d.  Vor.  f.  Volksk.  189-t. 171.  u  Tyi.hu«:  [Wettcraul 

lutchs,  Dax*  Traisen,  n.  i25pcrnicies).  —  Dusel,  1.  = 
Lreistiire  I!'  täubun  r,  8.  hu  indel  lau  te  II  ahd  , 
vielleicht  Iruher  nl-  l'olge  eine«.  Zauber*  oder  eines 
Krankhelisdiimon«,  der,  wie  öfters,  den  Namen  seiner 
betäubenden.  o,uiilcndcn  Thrttlpkolt  [Krankheit]  führt, 
angesehen',  daher  2.  =  Schrättel  O.  ein  Nach  Igelst 
>.s.  Duseltier)  (Salzburg,  Schweiz),  der  In  «.ostalt  clnea 
Hündchens  erscheint  \*ir.  W.  II,  175H;  Tuster,  Dusel, 
Dnsseli)  und  nächtlicher  Weile  die  Häuser  hesohloicht 
und  [durch  verschiedene  epidemische  Kiti'lerkrnuk- 
hellen]  die  Kinder  wepraubt  (Schindler I,  549.629;  auch 
ein  Vogclweibchcn  helsst  nach  Kalke  I,  222  „Dusel"). 

—  3.  =  die  von  «.»leben  Kriinklicitsiliunoiien  i.Wuld- 
geister,  wildeTlere;  verpl.  gnll.  Dunll    tauni,  Du  Cange 

III,  21V)  verursachten  epidemischen  Suchten  und  Krank- 
heiten halben  auch  den  Namen   „Wildnis "  (s.d.),  unter 


welchen  die  verachledensten  Krankhelten  [namentlich 

von  Kindern  und  Wöchnerinnen)  verstanden  werden; 
u.  a.  aber  auch  Dusel  =  W  i  1  d  n  i  s  in  der  Bedeut- 
ung Fieber,  fieberhafte  Krankheit 
(Schm.  I,  64S,  IT.  900),  Pest  (Pannus  inguinum), 
T  vphus,  Grippe,  In  fluen  za  etc.,  überhaupt 
Krankheiten  mit  Schwindel,  Botäubung,  Deli- 
rium.namentl.  wenn  sie  schelmischer  Natur  sind, 
d.  h.  epidemisch  auftreten  ;  darum  ist  auch  der 
Dusel  4.  =  jedes  „epidemische"  Unwohlsein, 
Zipf,  Mume,  Schnupfen  (SchmeUer  I,  648),  üble 
Laune  und  eine  5.  =  Viehkrankheit  (Feifei,  s.  d. 
und  ringelicht) u.  .Milzbrand,  als  Epizootie,  end- 
lich auch  6.  =  offene  Schaden  und  Beulen,  in 
dieser  Bedeutung  übernommen  vom  elbischen 
Dämonenschlag  o.  Tonnenwätschel  (s.  d.)  (1560) 
Ohrfeige  =  Dusel  (Schm.  I,  549) ;  daher  auch  Du- 
sel =  Mums  (Ohrdrüsenanschwellung);  über- 
tragen auf:  a)  Kontusions-Beulen  (im  Gesichte?) 
(Schmcller  I,  548;  (ir.  W.  II,  1757  ff.)  (Tüsel) ;  duseln 
=  prügeln  (SchmeUer  1.  cod.;  und  Dusen  =  Schlag, 
Ausschlagen  (or.  w.  Ii);  die  traumatische  Ge- 
sichtsbeule ist  wohl  mit  der  infektiösen  Mums- 
Beule  verwechselt;  b)  Parulis  (Gr.  W.  II.  1757  ; 

1  düssel)  die  Anschwellung  beim  Zahn-Abscess, 
die  Ähnlichkeit  mit  Mums  für  den  Laien  hat ; 
c)  Gesichtsausschliige  die  das  Gesicht  mums- 
artig  gestalten  (16.  Jahrh.  düssel.  Cr.  W.  V,  1533)  ■ 
aufgeschwollene  Blätterlein  (pannus,  ür.W.  II,  1757 ; 
Phlegmone,  nad  Jun.  3*3);  d)  mumsartige,  infek- 
tiöse Drüsen-Knöpfe  (1612  ein  harter  Düssel,  Or.  W. 
V,  1471;  1616  dnssel  =glan»,  tonsilla,  tuber,  tuberculum, 
Cir.  W.  II.  1757;  1561  pannus  [Knüttel],  Or.  W.  V,  1633, 
spitzige  wuetigo  dischlen  ■-■  düssleln  ,  Müllenhoff  und 
Scberrer  280).  —  tüselet,  tuslg,  tü&ig  (t06Sig)  = 
schwindelig,  benommen,  schwermütig  (Buek  14; 

!  Ooldschm.  132 ;  Oebr.  Zingerle  I,  237).  —  Alp'en)- 
Diesel  =  Milzbrand  (Falke  I,  38)  vermutlich  als 
elbische  Krankheit  durch  den  A  Ip-  (s.  d.)  Dämon 
erzeugt  Alpendlesel  Ist  nnr  gelehrte  fmgestaltung). 
—  Audorfer  Dusel  —  eine  Kinderseuche  in  An- 

l  dorf  (Parotitis?  Diphtherie?^  (Schmdier  I,  549). 

',  —  '  '  duselt  schlaftrunken  (Wolf)  —  (irr«)  böse 
Düsel  syphilitische  Bubonen  (V.  n.  61).  — dri- 
brrt  dussig{Buek  13)  =  mitTripperbeulen,  Hoden 
anschwellunpen  behaftet  (hnii  druiperd  Tripper, 
Pr.  II,  64»).  —  hitziger  Dusel  =  Typhus  (als  fieber- 
hafte Krankheit  mit  Delirium).  Man  muBs  sich 
erinnern  daran ,  das«  die  Namen  voraufgegan- 
Koner  Epidemien  auf  spätere  nachfolgende,  epi- 
demische Krankheiten,  z.  B.  Typhus,  Influenza, 
übet  tragen  werden,  die  mit  dem  ersten  Namen 
dann  etymologisch  sich  nicht  mehr  decken.  — 
Dusel- Tier. 

Dutte,  Dütte  s.  Tutte  und  totto. 

duttern  ^dottem,  (Nebenform  zu  stottern  [s.  d.]. 
Schm.  149). 

Dutter- Butz  (Auderhutz  . 

-dutz.  12  — 14.  .lahrh.)  L'/i-dutZ  ss  (idiota,  eUnqutS, 
D.  198)  —  einer,der  nicht  ein  mal  anslosst,  soudern 
ganz  sprachlos  als  Idiot  ist. 

Dux  s.  Dusel.  —  in  Dux  irohen  'Kluge5,  112) 
;  zum  Teufel  (Dusel  -  Teufel,  Dämon)  oder  tiöten- 
!  gehen  =  sterben. 


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echt— Ehren. 


Ei— Eichel. 


109 


echt  (fehlt  den  o.-d.  Mundarten  uud  iat  trat  UAch 
Luther  [Kluge  82)  ins  Hochdeutsche  gedrungen ;  ans 
ahd.chaft  —  gesetzlich,  wahrhaft).  —  Kriecht  —  falsch, 
iui  Gegensatz  zu  wahr  (».  d.).  —  echte(r,  s)  Beuten, 
Blatter,  Krätze,  Pest,  Pocken,  Rippen,  Seiten- 
stechen, Tripper,  Weichselzopf. 

Ecke,  f  Eck,  n.  =  scharfe  Kanu-,  Spitze  (indogerm. 
akyä;  rorgerm.  ak;  germ  ag  m  Spitt«  [acles] ;  ahd. 
ckkc ;  mhd.  ecke,  Kluge »,  83,  nur  in  Übersetzungen 
au«  dem  Latein  der  mittelalterlichen  Mcdlzlnschulen 
vorkommend).  —  Ecke  =  Tragus  =  Kante  des  Ohr- 
knorpels; 1^*70;  =  der  Bock  (s.  d.)  wurde  an  tragus 
im  Begriffe  angelehnt  (Hyrtl.  K.  W.  38).  —  um  die 
Ecke  «ein  =  lautlos  versehwindet  der  um  dloStrassen- 
ecke  Biegende  aus  dein  Gesichtskreise ;  daher  =  schnell 
hinwegsteiben  (Wustmann  111).  —  um  die  Ecke 
schauen  ■  schielen.  —  (1529)  .luv  »  Ecken,  1.= 
Augenwinkel  —  2.  =  das  darin  angesammelte 
Sekret,  Augenzieger  (eckendt  der  ogtn  —  grami«. 
D.  26*;  Brunfels;  Wlrsuug  27,  §  17).  —  GrT/m-Ecke 

b  der  Antitragus  des  Ohrknorpels  (Hyrtl,  K.  w  sn 
—  Gräfe»i-Ecke  =  Akromion  (Minderer)  als  Schul- 
terblatt-Grate =  Spina  scapulae.  —  OAr-Ecke 
=  Ecke  (=  TragnB),  die  vordere  Ohrklappe 
(s,  d.)  (Gr.  W.  VII,  I2'.3i.  —  Eck-ZaÄ»,  -Streben 

Eckel  s.  Ekel. 

ed  s.  oed. 

Edel  "  eäieB\0lied>  Stein>  TeU 
Edik  s.  Ettich. 

Edrich,  m.  (1640  edrich,  Kluge*,  16)  -  Appetit, 
(ielQste,  Heisshunger  (Ettich,  e.  d.). 

Eegenes, n.  (Samland,  Frischb.  18)    sein  Eigenes, 
d.  h.  Kot. 
Eetter  s.  Atter  u.  Eitor. 

Egel,  m.  (ahd.  egala  [Blutegel],  mhd.  .-gel,  Kluge s, 
176).  —  (1646)  Egel  =  das  blutende  Zahnfleisch 
beim  Scbarbock  oder  Skorhut  (Mundfaule) 
(Coler,  EL  A.  138).  —  (1660)  egeln  -  besinnungslos 
■ein,  taumeln  (Schm.iu-r  i,  52)  (als  ob  man  einen 
Egel  [Wurm]  im  Kopfe  hätte,  wie  ein  Schaf  mit 
d.  Drehwurm  behaftet),  phantasieren  (s.  elbisoh 
unter  Alp).  —  (l&co)  einen  Egel  im  Kopf  haben 
(  =  Grillen)  (E.  Such»;  vergl.  Igel;  Schneller  1,  62). 
11786;  Lebet  -Egel,  Distomuin  hepaticum,  haeina- 
tohium  =  ein  egelähnlicher  Parasit,  welcher  die 
Egelseuche,  Egelkrankheit,  l.eberfilule  veran- 
lasst. —  ÖAr-Egel  (Gr.  W.  VII,  I2&f)  =  Ohrwurm 
(s.  d.).  —  (Hits  /-lÄ-c  Egel  -  die  Zahnfleisch- 
blutung  beim  Skorbut  (Coler,  II.  \.  13»;.  —  Egel 
Krankheit,  -Schnecke,  -Seuche. 

Egerling,  m.  s.  Engerling. 

Ehren,  m  (Oeren,  Aeren,  Neren),  l  -  (Aigäu) 
jede  leichte  schmerzlose  Gesundheitsstörung 
mit  akutem  und  epidemischem  (schelmischem, 
elbiscbem)  Charakter;  das  Merkmal  dei  Ge- 
weinschaftlichkeit  ist  das  Typische  daran; 
ebeuso,  dass  die  Krankheit  selbst  eigentlich 


mehr  eine  „Plage"  (s.  d.)  als  eine  Gefahr  ist 
(Bavoria  11,  2  888);  es  entspricht  der  Ehren  = 
Zipf  (Bürzel),  der  Plag«  (Pfalz)  oder  der  Sucht 
(ObertMyero);  es  ist  nun  höchst  wahrscheinlich, 
dass  diese  Plage  als  ein  Ausfluss  übelwollender 
Gesinnung  eines  sonst  gut  gesinnten  Haus- 
dämons (tieistes)  angesehen  wurde,  dessen 
Bildnis  (Wachspuppe)  am  Feuerplatz  o.  Ehren- 
ort =  Ehren  (Lipp.  Gr.  460;  Schw.  25)  ehemals  wie 
das  des  Herdmannlein,  Plattenweiblein,  des 
Wichtlein  (s.  d.)  oder  guten  Helden  (Zening. 
Voc.  z2;  1482)  im  Leingaden  als  Penates  (  =  heim- 
liche Kammer,  da  man  abgoet  aubettet,  of  afgodeu  of 
beider  dairauff,  D.  422)  aufgestellt  war,  sodass  der 
Krankheitsdiimon  von  seinem  Ehrungsplatze 
(Ilonos,  Ehrort)  o<ler  von  dem  Hausähren  (ara), 
Hausflur  (Kluge*,  B),  wo  er  in  ethgie  stand,  den 
Namen  erhalten  hatte.  —  2.  =  Genitalis,  Prae- 
putium  (ahd.  erono  —  pracpullorum ;  stell  dero  eron 
-loci»  gcnitallbu*;  uuzl  zu  dr<">m  —  usque  ad  ilea  [wo 
auch  dk-  geheim  gehaltenen  Drüsen,  Hege-,  Heldrüsen 
ja,  d  ]  lagen.  Graft,  I,  442);  die  Schamglieder  (Pu- 
denda,  Yerenda)  waren  etwas,  wovon  zu  reden 
man  Scheu  trägt,  daher  Ehren  -  Genitalia  (mit 
Reverenz  gesprochen)  (Gr.  W.  III,  56).  —  Ehren- 
Krätizchcn. 

Ei,  n.  Eier,  pl.  Eir,  (gem.  germ.  aiaz  =s  Ki 
[övum  =  avis];  nnrd.,  engl  egg,  uhd.  egin,  eigir  -  Hier, 
mhd.  el,  Kluge4,  83.  15S1  uyr,  Sc h melier  I,  56);  1620 
ny,  Dr.  Minderer)  -  der  Körper  mit  einem  Keime  zu 
einem  neuen  Wesen,  1.  =  die  männlichen  Hoden 
(Testes)  wegen  der  eiförmigen  Gestalt  u.  natür- 
lichen Bestimmung,  wie  man  auch  Testes  mulie- 
bres  annahm ;  (1734  eyer  im  hodenaack.  Baumler  440, 
zum  Unterschied  von  den  Eiern  Im  Eierkorb  >.  d  ] ;  1077 
=  ovartum.  Hyrtl,  K.  Vi. ;  da«  wldder-aycr  -  Widder- 
boden,  öchmeller  I,  53).  — 2.  =  die  weiblichen  Hier 
im  Eierstock  (erat  seit  lt.  de  Graaf  1672  modern 
medizinisch).  —  3.  —  Eiförmiges,  z.  B.  Boss  Ei 
(lö.  Jahrh  ]  =  Hossballen  (Gr.  W.  VIII,  1257)  — 
Eilein  ;172  >  eyrleln  -  Ovula  [- Grafl'scUe  Follikel;, 
Thes.  su,  ür.  288).  Ist  das  weibliebe  Ei  durch 
Hydrops  angefüllt,  so  galt  es  früher  als  ein  von 
der  Natur  ohne  Befruchtung  ausgekochtes  Samen- 
Ey  .Thes.  tan.  Br.  294J.  —  Hacket  Ei  -  Hechsen- 
(s.  d.)  Iii  (Traden*  Ei),  das  das  Hageweib  oder 
die  Hexe  in  den  Finger  als  Wurm  (Panaritium) 
eingelegt  hat  nach  dem  Volksglauben.  —  (I7s8) 
häutiges  Ey  die  Eihaut,  als  eiförmiges  Gebilde, 
das  den  Embryo  umschliesst  (l'lenk  Zergl.  30tf). 
—  Truden  Ei  -  Wind-Ei  2.  —  NW-Ei,  1. 
Abortiv-Ei,  Mole,  ein  entartetes  Ei  ohne  leben- 
digen befruchteten  Inhalt,  gleichsam  lufthaltig 
(s.  Wind  u.  Trud).  —  2.  -  flüssige?,  durch  Tru- 
deneintluss  schalenlos  geborenes  Hühner-Ei, 
Truden-Ei  (Abergl.  112;  Coler  .MC;  V.  K.  VIII,  67 J.  — 
"Ei(eryHaut,  -Kasten,  -Klar,  -Kopfweh,  -Korb, 
■Leiter,  Milcli,  -Rot,  Stock. 

Eichel,  f.  (Eichelein)  (ahd.  elhhila  =  Elchel- 
fruchi,  eigentlich  die  kleine  Elche,  das  Elchenjunge; 


110 


Eisse 


mhd    cichel,  Kluge5,  84),  1.  =  (Ii.  Jahrh.  cychclein 

-  scrofulu,  glandula  [Übersetzung],  D.  264;  llyrtl, 
K.  \v.  sc)  ■=  Drüse  (s.  d.)  überhaupt.  —  2.  =  (1483 
Uvula,  C.  v.  Mcgenbg . ;  auch  iiuerculii  [!],  glandulu, 
Eichclcheu,  cychcllu,  llyrtl,  K.  W.  211  Ilrflschen 
o.  Zäpfchen,  auch  (1507)  .Mündel  o.  Weinbeere 
(Uva)  genannt  (Hort,  «an .).  —  8  =  Mandeln 
(Amygdahu*.  al«  Übersetzung  mit  dem  Namen  der 
bekannteren  Eichclfruchl  wiedergegeben.  —  (157«) 
härte  Eicheln  (Theophr.  B.]  —  Mandelanschwel- 
lung).  —  4.  -  (1705)  Glans  penis  s.  Kopf,  Haupt 
und  Nuss  (Übersetzung  von  glans,  Vadetnecuni  74; 
H.  v.  Donauer).  —  5.  =  (UttJ  die  Glandula  pinealis 
seu  penis  cerebri  im  Corpus  quadrigeminum 
(llyrtl,  K.  w. 86) Schlamm- o.  Zirbeldrüse  (s.  d.)  und 
6.  =  die  Hvpophvsis  cerebri  (Hyrti,  I.  cod.).  — 
Eichel- Bändeken",  -Blätterlein,  -Drüse,  -gesund, 
-Krone,  -  Tripper. 

Eier  ».  Ei. 

eifer  s.  Geifer. 

Ell,  f.  (zu  ulno,  Elle.  1).  625). 

Eilige,  f.  (eine  dialektische  Nebenform  zu  ligern 
[i.  d.]).  —  (1645)  die  Eilige  der  Zähne  -  Stupor 
denlium,  Zähne-Ilgern,  Stumpfsein  der  Zilhne 
(Coler,  H.  A.  135).  —  eilig  =  stumpf  von  Zahnen 
(Schweiler  1 ,  61 ;  15.  Jahrb.  eyllck  ss  dentes  acldl 
».  stupefactl;  ober»,  eilig;  frank,  elger  =  acerbns, 
I).  9;  algidus,  I».  22;  eilen -laug  werden,  FYlschb.  101, 
von  Zahnen). 

ein.  -  ein-äugig,  -Darm,  -Hoden. 

ein-  ;  die  Zusammensetzungen  mit  dieser  Vorsilbe 
suche  beim  betreffenden  nachfolgenden  Stammworte, 
z.  B.  Etnsaug-Adern  bei  Ader. 

Eirch,  m.  s.  Airach. 
Eis.  —  Eis-Bein. 

Eisen-  —  Sie  hat  ein  Huf  Eisen  verloren  = 
sie  ist  schwanger  und  kann  nicht  mehr  so  fest, 
sicher  auftreten,  durchs  Leben  gehen  wie  ein 
Pferd,  dem  ein  Eisen  fehlt.  Hufeisen  finden  ist 
nach  Volksglauben  ein  Glück;  Hufeisen  ver- 
lieren -  Unglück  (Schräder  49;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1894. 

s.  192).  S.  auch  Kissen  (pl.),  Eiss.  —  Eisen- 
Balmläfimung,  -Lunge,  -Säufer. 

Eiss,  n.  (Bayern),  eissen,  eissein,  eissig, 
(Eisse  [Alem.],  Eissle,  Eisslein,  Eisten,  Isel 

[Schwaben;,  AiSS,  AisSe  [Schwaben;,  Ast  [l'nssau,, 
Astel,  Axel  [Schwubeu],  Es  [Franken;)  ilndugerm. 
oid,  eine  Nebenform  zu  genn.  alt -giftige«  Geschwur ; 
golb.aita;  ahd  aidha  =  Glut;  ahd.  elx[m.)  =  Eiterbeule, 
Geschwür  [ulcus].  Kluge  »7;  elza  [plur.  ]  —  papulas, 
Graft  I,  641;  II.  Z.  XVI,  62  —  Abu,  Eiterbeule,  cisze 

—  ulcern  [=  Geschwür,  eixz,  H.  Z.  XV,  07=  Ulcus, 
eixel,  Schmellcr  1,  157;  mhd.  etz  [m.)  -  Geschwür, 
Eiterbeule,  elzel,  ein  kleiner  dz,  Lcxer42.  Hoilm.  1, 
366;  II.  Jahrh.  eiss  ^  Ulcus,  Voc.  opt.  W.  41;  1414  ays 

=  tubes.  Fleck,  Unrelnlgkeit,  1).  671;  llv.'  ayss  =  ulcus, 
Zeulng.  Voc.  m  3;  ayssleln  -  papula,  liluttcrlein,  Zeiiing. 
Voc;  als*  —  apostema;  1515  aUcb,  eysse  —  ulcus, 
Schwur,  D.  41.  026;  1630  «Im  =  vomlea,  putres,  Eiter- 
beule, D.  62«;  1561  aisseu  =  tiesebwar,  Gr.  W.  VI,  303; 
1588  eyssen  [Tabcrn.];  1591  eysse  -  herpes ,  zoua 
[  =  Phlegmone],  Had.  Jun.  384 ;  1620  cysteu  -  Eissen, 
Trifom  Adlholtz.  48;    1742  der  Dissen  =  Geschwar, 


Zw.  13  U.  119;  1777  ijse  =  hnlcns  [afirugo),  1).  209;  1S39 
ai>»  fiirunculosis ,  Hehrend  61  [Schwaben]  =  Eltcr- 
Hlutlerlein,  Geschwür,  <"  v.  Schm  301 ;  panarltlnm, 
C  v.  Schm.  33.  furuueulosi» ,  Huck  19;  ass  =  ayss , 
furuneulosis,  llyrtl,  K.  W.  7):  demnach  L  =  jede 
Eiter  bildende  Stelle  =  Ulcus  im  älteren  Sinne 
=  Geschwür,  unter  der  Haut  (des  Menschen; 
nicht  Geschwür)  und  zwar,  a)  Fnrunculosis 
(Papulae),  Blätterlein,  Akne,  Phytnata,  Meli- 
ceris;  b)  Phlegmone  (Panatitium,  Herpes, 
Zona);  c)  Karbunkel  (Blut-Aiss,  Brand  Aiss); 
d)  innerliche  einige  Abseesse  (1200  „elzze" ; 
die  sieh  erheben  an  der  matrlx  In  dem  Leib,  davon 
wird  das  Weib  so  siech,  das»  sie  dankt,  das*  Ihr  der 
I.elb  aller  sei  erschweren  und  überall,  wo  sie  greift  an 
den  Rauch,  da  dunkl  sie,  als  ob  sie  ein  Geschwär  greif; 
auch  geschwellt  Ihr  das  Geschalt  ;  =  labium  majus]  — 
perlmetritlsches  Exsudat,  l'feiffer  26).  —   2.  —  Aiss 

=  Aaa  (s.  d.).  —  eissen,  eissein,  aissein  -  zum 
Eiss  werden,  viele  kleine  Eisse  bilden.  —  eissig 
(1119  nizlg  =  haemorrholdus,  ulcerosus,  Mastdarmnstel 

I  [After-Elss?  s.  o.],  Schindler  I,  158;  1482  aysslger  33 
papulosa«  =  voller  Schwären,  Zcning.  Voc.  [aene  faciei] ; 
1615  alsslg  -  ulcerosus,  D.  62  >,  -  Eiss  bildend,  ma- 
chend —  (1016)  Ader  Eissle  „schwarze,  ausseuuin 
rote  Geschwüre  mit  einem  weissen  Bülxlln"  (Gr.  W.  I, 
179)  =  Furunculosis  an  den  Aderbeinen  (=Va- 
ricen).  —  (1742)  After  Aissen  —  Hämorrhoiden 
und  phlegmonöse  Prozesse  daselbst  (Zw.  ttt).  — 
: h  r-Eiss  (angweiz)  s.  i^uese,  Queise.  —  Blut- 
AiSS  I15.S9  bluttaisslen,  Paracelsus;  Lorsch  223;  Gr. 
W.  II,  177;  Coler,  II.  A  169;  A.  V.  B.  II,  630,  Zw.  119. 

120,  Buck  19)  =  Furunculosis,  Carbunculus,  mit 
blutigem  Kiter  (Brand)  gefüllte,  „aus  dem  Blute 
kommende"  Zel  Ige  webB- Abcesse.  —  (1708)  Brand- 
Ast  —  Brand-Eiss  —  Karbunkel-Geschwär.  — 
Bung-Aias  (Hamburg]  =  Kiterknötchen,  Furun- 
culus  (s.  Buug).  —  ii  .2»)  Lungen-Eissen  - 
Phchisis  pulmonum,  Lungen-Abscesse  iFrlestfS). 

—  Muchel-AiM9H  (müchel-aesza)  =  Muchel-Eiss, 
tieschwüre  an  der  Hand  vor  und  nach  der 
Kratze  (Schindler  1,  1501);  Muchel  (s.  d.)  =  ein 
heimlich  sich  einstellender  chronischer  Haut- 
ausschlag (Mauche,  Mattcke,  Meuchler,  s.  d.) 
(Gr.  W.  VI,  2159.  2162!.  —  ifijJ/J-EiSSen  (l»el  Zw.  954 
^  die  Uauhbeit  der  Haut-Narbe  vielleicht  an- 
deutend zu  „Riebeisen"  gemacht  =  Karbunkel, 
schwarze  Pestblatter  (unter  den  Kippen,  in  der 
Weiche?).  —  beise,  »ehe{.l)mige  AiSS  —  Schindler 
1,  16»)  durch  den  Sehelm  (?)  verursachte  Eissen. 

—  Spitz-Wn  ■  zugespitzte  Eiter-Furunkel.  — 
triefende  Eisse  =  Blittterlein  (Furunculosis, 
Akne)  (  =  Meliceris?)  (Gr.  w.  III,  403).  —  zeitige 
Eissen  —  Eiter-Absceste,  die  bereits  so  reif 

|  sind,  dass  es  Zeit  zur  Eröffnung  derselben  ist 
(Gr.  w.  m,  391).  —  EiB8(et)- Bützlein,  -fellig, 
•uürig.  —  eissiger  Krebs. 

EiSSe,  f.  -eiSSen  (     Furcht;  augels.  ege,  cgesa  ; 

egeslicum  geslhthum  =  schreckliches  Gesicht,  Gr.  D. 

M.  III,  y>6;  g"th.  agis  [i/o;, ;  ahd.  egison,  agiso,  ege- 
'  sam;  mhd.  egese,  eisen,  einsam,  Sehrecken,  schreck- 
I  llcher  Dämon,  Kluge  *,  85;  Lexer  40;  12  Jahrh  eigesa 

—  horror;  13.  Jahrh  eUUe  d}T  =  monstrum,  D.367;  1482 
aysen,  ayssen  =  fantaaiare,  Zenlng.  Voc.)  =  Schrecken ; 
Schrecken  empfinden  (Schm.  I,  25;  Buck,  Flurn.  2). 

—  (12.  Jahrh.)  ÄWlf-EiSSe,  f.  (=  nahteise,  Hoflm. 


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eitel— Eiter. 


Kkel-Elbe. 


III 


I.  365  3*5)  =  Pavor  nocturnus,  Nuohtsehreeken, 
Nachtschatten  («.  d.,  Alpdruck),  Nachtgeschrei, 
Jammer.  —  rer  eissen  =  ganz  11.  sr:»r  erschrecken, 
zum  Tod  erschrecken  (-  Fraisen,  s.  «Ii.  — 
eisslig  Tier. 

eitel.      eitl (tr)  -Magen  -sinnig. 

Eiter,  m  .n.  (indogerm.  oid  «jiM-hwulst  [oloji'i]; 
gerra.  alt  -  giftige*  Geschwur  >.  KU-.,  goth.  iiitri»; 
ahd.  aidua  =  Glut;  eltar  =  Gift  (virus,  vcnenum]  und 
Eiter  [sank-»,  pus],  Kluge  *,  87  j  [pus  =  Klterkorperrhen  ; 
sanies,  Eitoreerum],  Graft  I,  15»,  Griinm  [\V.  III,  801] 
»teilt  es  zu  eit  =  ignls  [halst]  =  das  entzündete.  In 
Fäulnis  übergegangene  Blut  [trat  aber  —  Brand  tat]; 
Welgand  [Worterbuch  I,  879]  eltar  =  voll  Flüssigkeit 
vom  Schwären  der  Wunden,  schwärende  Materie,  Schw. 
167;  10.  -  11.  Jahrh.  heltlrnezlla,  Ciraff  II,  1116  =  Eiter- 
nessel; 12.  Jahrh.  eyter  nesseln  —  brennende  Nessel; 

14.  Jahrh.  eyter,  H.  Z.  XIII,  216;  1476  citcr.  ethoo  = 
glaneula,  macula  in  oculo.  Eiterrleck,  H.  264;  1477  alt 
=  Gilt.  Ortolph,  14«!  ayt  =  Ei«,  Kaulin.  tauler  Eiter 
;tabe*],  Befleckung,  Zenlng.  Voc. ;  nyter  virus,  Zenlng. 
Voc. ;  15.  Jahrh  eiter  =  pus,  1420,  ndd.  eeter  =  pus; 

15.  Jahrh.,  ndd.  ethere  —  sanies,  pus,  II.  511;  eyter  = 
putredo,  D.  476;  1528  Eyter  =  sanies,  II.  v.  Gersd.  100, 
holl.  schwed.  etter;  dan.  edder);  Eiter  demnach  1.  = 
Gift,  das  beissend  brennt,  Schwellung  und 
Gärung  (s.  d.)  macht  und  so  tödlich  wirkt; 
namentlich  tierisches  Gift,  das  wie  Geifer  (s.  d.) 
durch  den  Biss  in  den  Körper  kommt  (Virus, 
Venenuni);  [dazu  Elterwurz,  Eitergift  =  Aconitum. 
Giftpflanze,  Rol.  97',  im  Gegensätze  cum  „Gift" 
(=  Gabe),  das  durch  Übergabe,  Übertragung, 
Vererbung  (=  Contagium)  zu  anderen  gelangt  ; 
(vergl.  auch  läppen).  —  2.  =  die  weitere  Folge 
einer  Petersen w&rung  oder  lokalen  Vergiftung 
=  dickes,  verdorbenes  Blut  und  Eiter  (Pus, 
Sanies),  die  ja  selbst  auch  noch  giftig  sein  und 
wirken  können.  —  3.  —  der  eigentliche  Eiter- 
flnss,  namentlich  mhd.  der  OhrenfJuss  (Laer 43). 

—  eitern  D  Eiter  bilden  und  absetzen  (Gr.  w. 

III,  392;  ahd.  kleltrit  =  viruleutua,  toxicum,  Graft  I, 
IM!  —  eiterhaft  (ahd.  eittarhaft  m  venenatum,  Graft 

I.  158  =  venenatus,  Gr.  W.  III,  392)  —  Eiter  hat)end. 

—  eitrig  (ahd.  eitriga,  H.  Z.  XVI,  48;  ettaraga  — 
citaraga,  H.  Z.  XV,  528;  eltarig  [eitrig],  Graft;  -  puril- 
lentus,  Eitereigenechaft  besitzend.  —  Eiterung 
=  der  Zustand  oder  die  Handlung  des  Eiter  na 
(s.  Eiterbildung),  Suppuratio,  Tabitudo.  —  [UM] 
vlN^cn-Eiter^Gramia,  daa  vertrocknete  .Sekret 
beim  eiterbildenden  Atigenkatarrh  (Ii.  268).  — 
Blut-  (blutiger)  Eiter  =  der  mit  Blut  vermischte, 
braunrote,  dicke  Eiter  zum  Unterschiede  vom 
weissen,  guten  Eiter  (s.  d.)  (Gr.  w.  n,  177;  a.  v.  h. 

II,  1263).  —  dicker  Eiter  =  weisser  Eiter  von 
dichter  Konsistenz.  —  dünner  Eiter  =  wässe- 
riger Eiter  (A.  v.  H.  II,  1263).  —  flies»ender  Eiter 
=  Eiterfluss  (e.  d.)  —  fressender  Eiter  =  Eiter 
aus  phagedäuischen  Geschwüren.  —  (12.  Jahrb.) 
grüner  Eiter  (altter  daz  grüne,  Uoftin.  I,  2ÖJ)  - 
giftgrüner  Auswurf.  —  (1790)  gutes(er)  Eiter 
(Richter  I,  39)  =  geruchloser,  weissgelber,  nicht 
wasseriger,  leichtdicklicher  Eiter  (Pus  bonum 
et  laudabile)  im  Gegensätze z.  Jauche.  —  Kröten- 
Eiter  =  Kröten-Gift  (Gr.  w.  V,  2417;  die  Im  Volks- 
glauben gütige  Kröte  [..  de»  Verf.  Volks-Med.  S  147] 


1  soll  durch  ..Anzeichen"  [s.  d.]  Haut  Phlegmone  hervor- 
rufen). ---  fVsf-Eiter,  1.  -  Pest-Gift,  d.  h.  der  die 
Pest  erzeugende  Stoff  (Toxin).  —  2.  =  (1630;  der 
aus  »1er  Pestbeule  oder  Pestdrüse  secernierte 
Eiter,  der  als  giftig  (-  Kiter),  kontagiös  erkannt 
wurde  und  dann  für  alle  übrigen  „Eiter"ungen 
(  —Suppuratio)  namengebetrl  wurde  (Gr.  W.  VII, 
1572;  IlaeMr  II,  374).  —  reffer  Eiter- der  zur  Er- 
öffnung  fertige  Eiter  im  Abscess.  —  schlechter 
Eiter  ^Jauche  (Falke  II,  2t>0).  —  (1783)  schwappen- 
der Eiter  fluktuierender,  beweglicher  Eiter 
unter  der  Haut  (Plattier  I,  741.  —  schwarzer  Eiter 
= braunroter  Eiter  (die  Farben  werden  oft  in  Namen 
verwechselt,  wie  auch  fast  alle  Slnnesfuuktionsbezeleh- 
nungen :  taubstumm,  riechen,  schmecken  etc.).  — 
stinkender  Eiter  =  schlecht  riechender  Eiter.  — 
(1761)  fVity-eiternd  =  anstatt  wirklichen  Eiter  bloss 
Tain  als  Geschwärs-Inhalt  zeigend  (L  ch.  80).  — 
tödlicher  Eiter  (ahd.  totlichiu  citer.  Graft  I,  15!*}  = 
giftiger  Eiter,  tödliches  Gift.  —  [162*31  verstockter 
Eiter  in.  Minderer)  =  versteckter,  tiefliegender 
Eiter.  —  weich-s  Eiter  ^  (ahd.  uuclchaz  eitar,  Graft 
I,  711)  =  Virus  elumbe,  weiches  Gift,  das  nicht 
brennt  oder  sehr  flüssig  ist  z.  B.  Niereneiterung. 
—  weisser  Eiter  =  guter  Eiter,  Pus  bonum  et 
laudabile.  (Die  Pflanzen-Namen  Elternessel,  Elter- 
wurz (12.  Jahrhr. ;  German.  XVIII,  74;,  Eiterkraut  er- 
innern noch  nu  Eiter  (- Toxicum,  Gift).  Besprochen 
wird  der  Elter  nicht.  —  Eiter-,  eiterigem)  -Auge, 
-Aussatz,  -Auswerfen,  -Batzen,  -Bauch,  -Bein, 
-Beule,  -bewollen,  -Bildung,  -Biss,  -Bläschen, 
■Blattern,  -Brust,  -Butzen,  -Fieber,  -Finnen, 
-Flechte,  -Fluss,  Frass,  -fressen,  -gärend,  -Oalle, 
■Geblüt,  -Geschwür,  Geschwür,  ■  Geschwulst, -Gif  t, 
-Grint,  Harn,  -Haus,  -Herd,  -Höhle,  -Knoten, 
-Lungensucht,  -Masse,  -Milch,  -Nabel,  -Pflock, 
-Pfropf,  -Pisstn,  -Placken,  -Pocken,  -Bächsung, 
-Bufe,  -Bahr,  -Sack,  -Schaden, -Schärfe, -Schleim, 
-Schwären,  -Seuch,  -Speiung,  -Staar,  -Stock, 
-SnrÄf,  -Trie/en,  -Weiss,  -Wunde,  -Wurm, 

Ekel,  I"  germ.  nikkla;  1G16  eiekel  —  nausea,  D,  376 
=  ein  durch  Luther  eingeführtes  Wort  —  oberd.  Walg- 
ung,  Sehwuleuug,  Widerwill,  Kluge5,  87)  =  heikel 
(s.  d.).  —  Xachl-'Ekel-  Nausea  nocturna,  nach 
schwerem  Abendmahle  oder  zu  reichlichen  Ge- 
lagen sich  einstellender  Status  gastricus  (Gr.  W. 
VII.  172)  —  (1761)  tyftsc-Ekel  =  Widerwillengegen 
Nahrung  (L.  eh.  Ii).  —  eklich  merklich)  -  ekel- 
haft; (vergl.  auch  Erkele). 

Elbe.f  Elben.pl  Elblein,  n.  (deraltere  Plural  zu 
Alb  [Alp,  s.d.];  mhd.  alp,  elbe,  elber  =  Marcngespeust ; 
15.  Jahrh.  Alp  und  elbelin.  Z.  d.  V.  f.  V.  K.  1896.  215; 
üolth.  124;  diu  elbe,  von  der  elbe  wlrt  untsen  vil  manic 
man,  Golth.  1.  e.)  =  Alp  (s.  d.)  und  Ülf.  —  elbisch, 
l.  =  dem  Alp  eigen,  ahnlich,  durch  den  Alp  ver- 
anlasst, z.  B.  von  den  Elben  verwirrt,  stumpf- 
sinnig, wahnwitzig,  maronhaft  (Golth.  124.  133; 
s.  o.  S  12)  (ursprünglich  wohl  von  dem  Egel- 
wurm im  Gehirne  des  drehkranken  Schafes,  der 
dieGestaltdes  Alpdamonsim  Volksglauben  war) 
daher  2.—  drehkrank  (s.  d.;  bei  Schafen)  (Falke 
I,  242).  —  3.  =  8.  Engerling.  (,, Das  engl,  elf,  elfisch 
drang  Im  18.  Jahrh.  durch  litterarische  Vermlttelung 
Ins  Deutsche,  welches  den  Gemeinbegriff  Alb  nur  noch 


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112 


Element— Elend. 


Elephant— Ende. 


in  bestimmter  eingeschränkter  Bedeutung  [  =  Alpdruck) 
kannte",  Golth.  124).  Aua  «lein  Alptraume  (fl.  d.) 
entwickelte  sich  (nach  Golther  u.  Lalstner]  die  nie- 
dere Mythologie,  die  Vorstellung  von  Geistern 
als  personifizierte  Naturkräfte,  deren  Vielsei- 
tigkeit auch  in  den  verschiedenen  Namen  der 
elbischen  Dämonen  sich  wiedergibt.  Die  An- 
gelsachsen unterscheiden  auch  Berg-,  Wald-, 
Feld-  und  See-Elbinen  (Aelfeunc,  vermutlich  Nach- 
bildungen der  Oreaden,  Dryaden,  Nojadeu  etc.);  die 
Edda  unterscheidet  Licht-Elben  (HJos  alfar)  und 
Dunkel-Elben  (dokkalfar,  Gohh.126);  zur  Heilkunde 
haben  Bezug:  ßugende  Elben  =  wie  angeflogen 
kommende  Krankheiten,  die  als  Würmer  oder 
sonstige  Parasiten  in  Schwärmen  den  Leih  des 
Menschen  in  Besitz  nehmen  und  ihn  in  Siech- 
tum bringen  [«.fliegen,  Schwärm,  Vogel).  — 
rote  Elben  -  Alpdämon  in  Gestalt  roter  Würmer 
(s.  S.  12).  —  verkehrte  Elben  —  verwirrt,  verkehrt 
machende  Elben  (s.  S.  12).  —  Wataer-Hlben  = 
Wassergeister,  die  den  Menschen  durch  den 
Erstickungstod  in  ihre  Gemeinschaft  entrücken 
(Golth.  148).  —  weisse  Elben-  Alpdämon  in  Ge- 
stalt  weisser  Würmer  (s.  S.  12).  —  HYwZ-Elben 

=  die  in  dein  Winde  fortlebenden  Seelen  Ver- 
storbener, die  nach  dem  Volksglauben  (Golth.  15«) 
zu  Feldgeistern  werden  u.  Wechselbälge  (s.  d.) 
unterlegen.  —  zehrende  Elben  (s.  Alp  VIII,  S.  12) 

=  Mittesser  ,z  a.  278).  —  Elben-,  elbische(s) 
-Feuer,  -Krankheit,  -Kugel,  -ScJilag,  -Schuss, 

Wichte. 

Element,  n.  (in  inhd.  Zeit  au»  lat.  ilementum  - 
das,  womit  eine  Sache  beginnt,  sich  erhebt,  anfängt)  — 
(Stoechion  Galeni)  der  Humor  oder  die  Feuchte 
(s.  d.)  der  Humoralpathologie ,  nach  welcher 
Lehre  jeder  Mensch  aus  der  Mischung  von  vier 
L'rBtoffen  oder  Grundbestandteilen  (Qualitäten 
oder  Elementen):  Luft,  Feuer,  Wasser  und 
Erde  entstanden  sein  und  besteben  sollte;  von 
dem  Irdischen  Elemente  sollte  er  kalt  und  trocken, 
von  dem  wässerigen  kr-1"  i:r.d  f  u  LH,  von  der  Luft 
warm  und  feucht ,  von  dem  Feuer  hei»»  und  trocken 
sein  Die  normale  Temperatur,  Farbe  und  Zusammen- 
neuiing  1<  'omplexio,  Teniiteriinienturaj  ergab  sich  aus  der 
richtigen  Mischung  dieser  4  Gruudfeuchten  (Huuiores); 
je  nachdem  er  von  einer  derselben  zu  viel  hatte,  dar- 
nach war  er  „genaturt",  der  erdfarbene  Melancholiker 
hatte  dementsprechend  der  Erde  zuviel,  er  glich  dem 
triM'keui'ti  Herbste;  der  weisse  Phlegmatiker  hatte  zu 
viel  Wasser  und  glich  dem  feuchten  Winter ;  der  rote 
Sanguiniker  hatte  mehr  Luft  und  glielt  dem  Lenze, 
der  braune  Choleriker  hatte  zu  viel  Feuer  und  wurde 
dem  heiseen  Sommer  angeglichen  (Kuenlgssp.  33). 

Elend,  n.  (eigentlich  =  in  ftemdem  Lande  befindlich, 
verbannt;  ahd.  ellleutt  =  Verbannung;  mhd.  eilende  - 
Not,  Elend,  Kluge  87).  Üer  Begriff  des  Wohneiis  in  der 
Fremde  trat  feeht  germanischem  Gemütc  entsprechen«!) 
in  den  des  I'nglurWs  und  der  Not  über  i,«.r.  W.  III, 
400  fl.),  ahnlich  bei  Leiden  (».  d.),  daher  Elend,  1.— 
körperliche  Not  (s.  Not  ,  als  deren  höchstes  die 
Epilepsie  (Gr.  W.  III,  409)  betrachtet  wurde.  — 
2.  =  Sonderbarer  Weise  ist  Elend  — Vulva  ,'prae- 
clpue  caprae  [Gr.  W,  III,  409,  als  kleines,  armseliges 

„Ding"?).  —  elende  Blatter».  —  Elende  »(UM 
exules  leprosi,  Lersch  101)  ■  Sondersieche,  Aus- 


sätzige, die  abgesondert  wohnen  mussten.  — 
graues  Elend  -  Katzenjammer,  der  alles  „Grau 
in  Grau"  sehen  lässt.  —  Hunds-Hlend  ■ Staupe 
(s.  d.)  als  krankhafter  Aussatz  der  Hunde  (Merk 
32«:.  —  trunkenes  Elend  =  Betrunkenheit. 

Elephant,  m.  («in  wahrscheinlich  au«  dem  griech- 
ischen Byzan/.  erhaltenes  Fremdwort,  für  das  Tier,  da« 
den  alten  Medizinern  wegen  seine»  plumpen  Dickfusses 
und  seiner  dicken  Haut  znm  Vergleiche  diente  bei  Be- 
nennung des  Aussatzes  am  Fusse)  (Elephantiasis) 
j  (A.  v.  H.  I,  57;  4.  Jahrh.  ..horrendlsslma  Elephautiae 
lepra'*,  sie  dlcta  quod  cutem  reddat  elephantl  corio 
similem,  Du  fange  III,  246;  16.  Jahrh.  franz.  elephantie, 
le  mal  St.  Sylvain,  Briss.  234;  die  alten  Griechen  ver- 
standen unter  Elephantiasis  vermutlich  nur  die  heutige 
Lepra);  s.  nachfolgende  Zusammensetzungen: 
Elephanten  -Auge,  -Aussatz,  -Bein,  -Fuss, 
•Krätze,  -Krankheit,  -Sucht. 

Elf,  m.  9.  Alb  (Alp),  Elb  and  Olf  (ursprünglich 
Ist  ehe  engl.;  ekand.,  angls.  aelf,  Kluge*,  s";  HzfL 
to  elf  bb  Haare  zur  Elfklatte  verfilzen.  —  JSif-Klatte, 
-Locke. 

elger  s.  Eilige. 

Elle,  f.  (Elen)  (Indogerm.  ölena  —  Vorderarm, 
ulna;  gerra.  alina  ;  goth.  allna  =  Elle;  ahd.  ellna  = 
|  Elle,  Kluge*,  88  ;  der  leibliche  Fnter-  oder  Vorderarm; 
9.  Jahrh.  (h)elllna  s  cubltus,  Rab.  Maur.  64  ;  elna,  H.  Z. 
III,  3t»  fl.  =  cubltus;  elln,  H.  Z.  XV,  335  as  eubitus  ; 
11.  Jahrh.  elnle  =  eline  -  colaphus,  H.  Z.  III,  Prager 
Glossen;  D.  131;  12.  Jahrh.  elen  —  eubitus,  IL  Z.  II. 
206;  Illen  (ylnbogen),  eü  m  ulna,  eubitus,  D.  160.  62.0) 
=  die  Elle  als  Ma«s  hatte  37  Daumen  in  der 
Länge  (Du  rango  VIII,  363);  Elle  u.  Daumen  waren 
die  ursprünglichsten  Maas-Einheiten;  das  Pferd 
wurde  nach  Fflustea  eemessen;  1.  =  Vorderarm 
(Lina).  —  2.  =  Ellenbogen  (s.  d.)  Cuhitus.  — 
Ellen- Bogen,  -Bogenieist. 

eilen,  Ellen,  pl.  stumpf,  lang  werden,  1.  = 
eilen,  eljjen,  s.  Eilige.  —  2.  =  Elfen  s.  Alp.  — 
Zehrende  Ellen  8.  Alp  (Thüringen). 

Elster,  f.  (im  Volksaberglauben  todverkündeuder 
Vogcldamon,  halb  weiss,  halb  schwarz  wie  die  Schick- 
salschwester).  —  Elster-^ll^c 

Email,  n.  s.  Schmelz. 

Enche,  f.Enchel,  n.  Enche  (ahd.  eucha  =  schen- 

kelbelnrohre ,  frz.  l'anche,  Lance,  la hauche,  lehanehau, 
i   l'oinehe  —  emlnence  allougee,  articulation  de  la  euisse, 
lajambe,  Briss.  27.  49,  Kluge*,  9U;  etnkan  -  tibia, 

crus,  iL  z.  x\  j.  -  Enchel  [n.  Jahrh.  eoehn=taU, 

talus,  D.  571;  1260  enchel  -  malleolus.  Pfeifler  81:  das 
Deminutiv  zu  Enche)  ss  Enkel  (s.  d.),  Knöchel  am 
Fusse. 

Ende,  n.  ;  vorgerni.  nntyo-;  gem.-germ.  audja -; 
goth.  audeis;  ahd.  enti,  Kluge  89;  9.  Jahrh.  cndl  = 
frons  [Gipfel],  Rah.  Maur  64  ;  1260  ende  -  calx,  Ferse. 
D.  92)  =  Grenze,  Ende,  Rand,  Ort,  Saum;  Ferse 
alw  Fu«isende.  —  gühes  Ende  (1230  der  gäbe  ente; 
1560  gehe  endt,  Schmeller  I,  100) -der  schnelle  Tod 
(bei  Seuchen),  der  dem  Leben  eineGrenze  setzt. 
—  (15.M!  heimliche  Enden  ~  Genitalia  als  heim- 
licher Ort  (s.  d.)  (Bock  81).  —  wenden  -  ster- 
ben, des  Lebens  Grenze  ganz  überschreiten.  — 
End(el)-,  Darm,  -Schalen,  -Sucht,  -Tag,  -  Teil. 


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Enderle— Engerling. 


England— Enkel.  113 


Enderle  s.  Engerling. 

eng(e),  Enge,  f  Engi  (Schweix),  Engen en 
Schwaben),  Ellgel,  f.  (Indogerui.  angh  [  —  angustti»); 
(tm.  ang  ;  alid.  engl,  angl ;  mh«l.  engl-,  Kluge  ,  89); 

(vergl.  Änge  u.  Engin).  ^i/f.  |  1  °  <ler 
beengte,  in  der  Beweglichkeit  behinderte  Zu- 
stand eine»  Organe«  z.  B.  durch  Krampf,  Schleim- 
hautsoh  wellung  (Gr.  W.  m.  »71 ;  A.  M. ;  C.  v.  Schm. 
165).  —  2.  =  die  Stelle  dieser  Beengung,  enge 
Gliederstellung.  —  eng  hinter  den  Ohren  Hein 
=  hungerig,  abgemagert  (geizig)  «ein  infolge  von 
Fettverlust  am  Nacken  (Gr.  w.  VII,  1230).  —  (1731) 
Engel,  f.  (A.  M.  25)  ■  eine  Viehkrankheit  (=  Enge). 

—  [IC  .iuhrh  .  ,l.'-»«-Enge  =  enger  Atem,  Eng- 
brüstigkeit, schweres  Atmen.  —  (1645)  Brust- 
Enge  =  Asthma  (colcr,  IL  A.  145).  —  (1530)  Kehl- 
Engnng  =  der  Zustand  des  Engseins  in  der  Kehle 
z.  B.  bei  Croup,  Angina  (Künigsp.  48).  —  Knie- 
Enge  =  X-Fuss,  Ochsenknie  (Falke  II,  19).  — 
itocAcn-Enge  —  die  hintere  Öffnung  der  Mund- 
hohle  (Isthmus  faucinm),  wo  diese  durch  die 
Gaumenbogen  und  Mandeldrüse  beengt  wird. 

—  Fer-engerung  =  der  Zustand  des  abnorm 
EngBeine.  —  [1761)  ForAaKte-Enge  =  Phimoeis, 
der  zu  enge  Zustand  in  dem  Sacke  des  Praepu- 
tium  peuis  (L.  chir.  67).  —  (1843)  Z<7K>n-Enge  =  ein 
durch  die  Stellung  des  Zehenleils  nach  innen, 
des  Ballentcils  nach  aussen  entstandener  Zu- 
stand von  Verengerung  des  Pferdehufes  (Zipp 
122 ;  Falke  II,  452).  —  Eng(er)-.D«"»  -Blut kosten, 
-Brustigkeit,  -Fall,  -Walkunj. 

Engel,  m.  [MI  lat.-grieeh.,roman.  angeln«,  '1-,'ft /.o; 

—  Bote,  entlehnt  durch  die  gothische  Vermlttelung;  ahd. 
»ngil;  mhd.  engel  —  Gutes  bringender  <iel*t  [Dämon], 
strafender  Pamon,  Kluge»,  89).  —  ß/a«  Engel  -  ein 
Kind  mit  Bausbacken,  wie  sie  .lie  kirchlichen 
Engcllitruren  zeigen  ( -  blasendes  Wichtchen;.  — 
(1721)  Äorw-Engel^ein  Pestseuchen  bringender 
Dämon  (Mittagsgast)  Bochh  I.  671.  —  Fe st  Engel 

—  eine  Personifikation  der  Pestseuche  (wie  sie 
itn  Bilde  namentlich  auf  Pestmünxcn  [Haeser  II.  540. 
«.  l'estilcntia  In  nurnmis  von  Pfeiffer]  sichtbar  Ist,  als 
fliegender  Engel  mit  dem  Flatnmenschwerte  oder  der 
Zuchtgelssel  in  der  erhobenen  rechten  Hand  ,  einen 
Tottnkopf  in  der  Linken ,  über  Leichen  schwebend, 
oder  den  Tod  mit  Füssen  tretendj.  —  Ü'iir</-Engel, 
l.=eine  Verchristlichung  des  heidnischen  Lint- 
wurmes  (s.  d.)  =  Pestseuche  (persouificierter 
Diphtheriedamon?  s.  Schulpest).  —  2.  =  (oder 
»ollte  der  warck-engil,  wartkengil;  wartgengel,  uarg- 
ingel.  wargangel,  warchengil  etc.  der  alten  Glossen  = 
rnrriculn,  curruca  [Schmeller  II,  199;  I>.  IUI]  dahinter 
»teeken.  der  als  Pest-  [Wald-Vogel]  Mantel-Krabe]  er- 
»eheintj.  Iiichtiger  Ut  die  Erklärung  Würgengel 
warc-gengel;  wäre  =  der  würgende  Wolf ;  geugel  ■ 
<i«nger  [Lupambulns,  Wollgang,  9.  d.i.  Andresen  61)  — 
Wolf,  der  als  Würgdftmon  verstanden  wird,  der 
in  den  Hundstagen  „umgeht"  (Schuurrer  II,  98). 

Engerling,  m.  {Anger,  Inger,  Inger! ,  En- 
gerich  (senwels),  Enderle)  zu  ahd.  ungar^  Anger- 

Ung,  Kluge*,  89;  1>.  16;'.;  ahd.  engerinc  ;  mhd.  enger- 
llnc;  IL  Jahrb.  engerinek -.  L3M  engring  —  Impetigo, 
1).  289;  141:»  engerieh  =  genus  serpentis,  D.  34;  1482  = 
enger  -  lcutlgo.  rosym,  D.  324;  1699  engering  =  ephe- 


lidcs,  rote  hitzige  Papeln,  v.  M.  II.  130'  ;  1.  -  Kornmude 
gurgullio,  lirall  1,  ;>">•»  —  curcnllO  vermis.  uasecns  in 
fructu  =  ,.cozun".  GrttfflV.  Wj;  D.  163;  vergl.  Kotten). 
—  2.  -  die  derselben  ahnliche  Bremsen-Made, 
Fliegenmade ,  die  als  Beisswurm  (».  d.)  beim 
Weidevieh  unter  der  behaarten  Haut,  wohin 
sie  die  Beissfliege  o.  Rindvieh-Bremse,  Kinder- 
bissfliege  als  Ei  gesetzt  hatte,  lästige  (p,  Anger), 
quälende,  peinigende  (s.  Peiner  ,  bis  taubenei- 
grosse  Abscesse  (Dassel beulen)  verursacht  (Schm. 
1, 107 ;  Falke  I.  24s;  Zipp.  579,  und  vom  Volke  früher 
als  Elbe,  Eibische  (e.  d.  u.  Alp)  d.  h.  als  die 
Wurmgestalt  eines  elbischen  Dämons  angesehen 
wurde.  —  3.  =  diese  Krankheit  der  Tiere  ist 
auch,  wie  öfters,  auf  ähnliche,  meist  juckende, 
quälende  Hautkrankheiten  der  Menschen 
Überfragen  (U89  Engerling  =  Rossmucken  [s.  d.]. 
f!r.  W.  III,  480;  1572  Engring  oder  weisse  Keulein  im 
Angesiebt,  Wirsung;  Schmeller  I,  107;  Gr.  W  V.  304 
-inorfea;  1616  engcrlln  -  Gesichts-Ausschlag,  Cr.  W. 
[II,  480 ;  1668  Engerllug  -  Hautausschlag,  Beyn.  113 ;  1716 
engerini;  =-  Gesiehtsausschuig,  Gr.  W,  III,  180;  das  Volk 
war  der  Meinung,  wohl  nur  auf  Grund  der  l>assel- 
beiilen-Beobuchtuug  bei  Haustieren,  dass  »olehc  mit- 
esserartige, verschiedenfarbige  und  lleckige,  knötchen- 
förmige Ausschlage  von  damonislischcn ,  alpischeu 
Engerlingen  [Maden  oder  Würmern,  I>racnncull]  bedingt 
seien.  Am  häufigsten  nannte  man)  a)  die.Morfea  't.  Th. 
l.epra,  s.  Aussntz;  :  „Högering  (Ausfahren  [s.  d  ]  oder 
nürrma«le)  unter  den  Augen"  und  dann  b)  die 
Akne-Knötchen  (s.  Mitesser,  Kotzen).  —  Enger- 
ling ist  der  kleine  Anger  =  ein  An^e  (s.  d.)  ver- 
ursachender älpischer  Dämon  in  Wurm-  oder 
Maden-Gestalt,  der  auch  als  Quitse- Wurm  (s.  d.) 
die  Ang-Quäsen  (s.  d.)  veranlasst  (er  heilst  auch 
1451  Ingerwurm  ,  Hoffm.  Mtsch.  f.  Schlesien  1829  II. 
759;  die  gewiss  uralte  Beobachtung  von  Schmarotxer- 
tleren  Im  Leine  von  anderen  Tieren,  besonder«  aber 
des  Egelwurms  Im  Schnfsgehirnc.  erleichterte  die  Pbcr- 
tragung  dieser  Vorstellung  auf  den  Menschen).  —  En- 
gerling im  Kopfe  haben  (Gr.  w.  III,  4so)  =  Grillen 
Maden,  Egel,  Würmer  im  Kopfe  haben  (vergl. 
Alp  VI,  Egel,  Motte)  wie  ein  tolpelhirniges 
I  Schaf,  das  mit  dem  Drehwürme  im  Gehirne  be- 
haftet ist.  (Mit  „engen  Bingen"  [des  Leibes]  hat  der 
Engerling  keine  etymologischen  Beziehungen). 

England ;  englische(r)-&7iK"e«u»,  Sucht  s.  auch 
Engel-Land. 

Enkel,  Dl-,  n.  (mit  zahlreichen,  altercrbicn  Neben- 
formen.  Kluge*,  S9    Änfcel,  Angel,  Knenkel,  Inkel  = 
,   Fusskuochel,  talu» ;  ahd.  anehal  in.,  anclmla  f.,  später 
j  cnchll,  enehlla  f.;  anchlao,  „dieses  der  Betlex  der  al- 
I  testen  Wortform"  [Klaue-;,  Kluge4,  71;  7.-8.  Jahrb. 

anehla>'  -  teclauum  —  talauum,  tnlns,  I».  574;  Ca««. 
|   Glos«.  Diez  97  ;  II.  Z.  VII  —  anchalö  =  Ulon,  Ulu*  ; 
9.  Jahrb.  ancll  =:  lall,  Hab.  Maur.  6"..  12.  Jahrh.  enkel 
talns,  H.  7..  II,  20.,  14.  Jahrh.  ankeli  =  talus.  Voc. 
|  opt.  W.  13  ;  1470  enkel  =  Knöchel,  Cr.  W.  V,  1452,  1489 
|  enkelcn  —  Fussknorren,  Gr.  W.  III,  4s5;  Knenkel. 
Schmeller  I,  111;  Enkel.  HintnerS.20,  Äukel.Schw.  20; 
Enkel  wllre  demnach  eine  —  Verkleinerungsblldung  zu 
ahd.  encha  [s.  o.)  und  mhd.  ankc)  =  Fussbiegung 
am  Knorren,  l.  =  Knöchel  am  Fussgelenke  (Mal- 
leolus),  Fussknorren.  —  2.  -  -lie  Beugestelle  der 
untersten  Gliedmassen,  Etwbenge  (Tftll»}.  - 

a 


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114  Fnker—  Erb. 


Erbsen — essen. 


(14.  Jahrb.)  Unter  Enkel  lunderankel,  VOC.  npt.  W.  13 
-  TObtuluit,  subtalixis,  i).  562)=  Fersenbein,  Hacke, 
weil  unter  dem  Talus  (Sprungbein)  liegend.  — 
Enkel -Bogen. 
Enker  s.  Anker. 

ent-  !<Uc  Zusammensetzungen  mit  dieser  Vorsilbe 
mielM  bei  dem  betreffenden  .Slammwnrle,  t  B.  Em- 
pfängnis bei  fangen). 

Epaulette,  f.  uu  lat.  scapula  [Schulter] ;  franz. 
epauleLSchulter],  epaule^mit  hoher  Schulter  behaftet, 
bossus;  cspaulette- Schulterblatt).  —  Epaulette.  I. 
=  Achselstück  ,  die  (lichteren  Haare  des  Neu- 
geborenen auf  dessen  Schulter. 

Ente.  f.  Enten-f«*»,  -Magen. 

Epilepsie,  f.  («riech.  isi).Y, 

-berühren,  lahmend  festhalten,  der  Sinne  berauben; 
„Epilepsie  Ist  ein  neue'»  Fabrikat",  Fuchs  11,  200)  - 
Anfall  von  BewusBtlosigkeit  mit  Konvulsionen. 
Zur  Zeit  Hallers  (A.  v.  H.  I,  603,  17f>4)  unterschieden 
•He  Arzte  nach  den  ü  rnacb.cn  16  verschiedene  Formen 
von  Epilepsie    nueh  das  Volk  halle  tu  Laufe  «einer 
kulturellen  Eniwlckelung  bei  dieser  Krankheit  ver- 
schiedene Irsacheu  angenommen  und   deshalb  die 
Epilepsie  mit  lobenden  Namen  belegt,  daa  Fallend 
(s.  d  ),  fallende  Sucht,  Fallabel,  Falbel,  Hin- 
fallend, obero  Begreifung,  St.  Veits-Arbeit, 
Kindliwch,    St.    Valentins-,    -Krisem  oder 
Siech  tag,  bösen  Wesen,  heilige  oder  schwere 
Krankheit,  Gewalt  Gottes,  schwere  Not,  Elend 
~  (cadueus,  radurans,  veeors,  dnemoulatlctx,  luna- 
lirus,  morbus  «-.unitiuli-,  Du  «'auge  IT,  14,  IS;  da.  •nionc 
correptus  qul  ■  dacmouihii«  teneri  dlcltur,  1  <•  III,  2. 
Kit  morbus  comitiali.«  der  Römer  hatte  den  Namen 
von  dem  eomillum      die  Beratung;  dieselbe  niusslu 
sofort  abgebrochen  «erden,  wenn  jemand  wahrend 
Ihrer  Dauer  von  der  heiligen  Krankheit  befallen  wurde ; 
der  Tag  wurde  zum  dies  religiosus  s.  uefastus,  vergl. 
I-ersch  '»1  und  Fuchs,  Ilippokratcs  I,  :J79,  Aum.  6;  die 
Epilepsie  hfc««  aueh  Ines  dl  vitin,  morbus  major  t.  her- 
euleus  s.  herneleus,  als  schweres  unheilbares  <  ..  brechen , 
dessen  Last  einer  physischen  Herkules -  Arbeit  auge- 
Kllehen  wurde.  Oder,  II   A.  101  ,  Kraus,  E.  161.  :i7«i. 

;  morbus  judaieus.  weil  sich«  die  Juden  angeblich  an- 
wünschen  sollten.  Coler  L  c. ;  morbus  reglus  als  be- 
sonders auffallende  Krankheit ;  1425  sollte  davcrtln. 
maladie  d  uvertin,  Brl*».  2T>6  [*.  Tropfen  ;  Route  felon- 
esse  [böser  Tropfen],  le  Krand,  baut,  beau  mal,  le  mal  ' 
de  terre  [tomber;,  le  mal,  mal  coduc,  Briss.  2^2,  mal  de« 
prophetes,  mal  d  Hercules,  mal  dAlcidc,  mal  St.  Jean, 

inaiadie  obscure.  nri«s.  2  .  .  ff  ).  —  Blei Epilepsie 
ein  fallj-ucht-uhnlicher  Zustand  infolge  von 
Bleivergiftung  (Meyer«  Conv-Eex.  \  Hl,  82).  —  epi- 
demische Epilepsie  Kriebelkrankheit  (s.  d.) 
(Schnurrer  II,  um.  —  U  Epilepsie  eine 
durch  den  Keiz  der  Eingeweide- \\  Qi mer  ver- 
anlasste Fallsucht  bei  Mensch  und  Tier  (cpl- 
lepsfe  rermlneuse,  le  coup  de  vers,  Briss.  112 .  Snhernh. 
I.V..  Falke  I.  271). 

er-  die  Zusammensetzungen  mit  die«er  Vorsilbe  s. 
beim  betreffenden  KUmni« -orte). 

Erb-  (eigentlich  —  Verwaister  [orbu«  ,  Rem  -germ. 
arbh  -  erben;  Roth,  urbja,  ahd  arbeo,  erbo;  mhd.  erbe, 
Kluge  \  'I  Erbe,  was  man  von  seinen  Eltern  und 
Sippen  (ienossen  erhnlt  [vergl.  Arbe];  hauptsächlich  \ 


also),  l.r~  Patrimonium  s.  Gcnitalia  virilia  (Krün«, 
K.  747}  (s.  Genosse).  —  2.  m  angeborenes  Ge- 
brechen, das  man  von  der  Erbschafts-Sippe 
mitbekommen  hat.  —  3.  —  ansteckendes  Leiden 
(Contagium)  (udl.  erf    Erbe,  Erbgrint,  He  Coek  72; 
es  ist  eine  bemerkenswerte  Thatsache,  dass  .1er  Begriff 
der  Infektion  durch  Contagium  [  =  Ansteckung],  z.  B. 
durch  Kriit/c,  gewissermassen  von  der  Sippen  Heimat 
ausgeht,  als  etwas,  was  von  der  Sippe  mitgenommen, 
„ererbt'-  wurde).  —  erblich  ist,  1.  =  zumeist  (d.  Ii. 
im  volksüblichen  Gebrauche)  ■  kontagiüs,  an- 
steckend durch  Berfthruog,  von  Person  zu  Per- 
son übertragbar  (nicht  hereditär,  dies  =  vom 
Mutterleib  angeboren).  —  2  =  (erst  Paracelsus  hat 
den  Begriff  „erblich"  =  hereditär  [syphilitisch]  cm 
wickelt,  i»r.  11,  71.  HK»  -  durch  die  Konzeption  von 
den  Eltern  aufdio  Kinder  flbertiagbar.  —  Erbe 
und  Gift,  beide«  sind  ursprünglich  nur  Übertragungen 
eines  Gebrechens  oder  einer  Krankheit  innerhalb  der 
Sippe,  innerhalb  deren  aber  auch  wieder  zur  Heilung 
der  Krankheit  die  verschiedenen  Formen  von  Wieder- 
geburt (Ziehen  durch  Erdlocher,  ltaumspalteti,  Eintritt 
In  einen  anderen  Slppeuverband,  der  damit  liesscre 
Gesundheit  bringen  kann,  Namen-Wechsel,  Haarselm r- 
i  Jodschaft  etc.)  versucht  werden,  s.  Kruuss,  d.  Haurx  hur- 
(lodachaft  bei  den  Südslaven,  IH'.M  11,  29  —  Erbling 
;ns2-cadax,  clnudus,  i).  87)  =  ein  von  Geburt  aus 
Lahmer,  oder  einer,  der  sonst  ein  angeborenes 
Gebreeben  hat.  —  (i&u)  anerben  -  (contagium ; 

löl2  ein  kranckheit  die  eyner  von  andern  erbt  als  bla- 
terra,  I>.  146) --eine  Sucht  oder  Krankheit  durch 
HenlhrutiK.  Ansteckung)  auf  einen  anderenuber- 
tragen,  an  dessen  Körper  sozusagen  anstecken 
wie  ein  geerbtes  Kleidungsstück.  —  Ver  erbung 
—  das  vollständige  übertragen  einer  erblichen 
(1.  2.)  Krankheit.  —  Erb-Gnn.,  -Kot,  -Krank- 
heit, -Laster,  -Sckiden,  -Seuciic,  -Siechtag, 
•Schwindsucht,  -Sucht,  -Siinder. 

Erbsen,  f.  Erbsen  galten  aN  i.ieblingsspclso  der 
zwergbaften  Elben  {  Maden,  s.  d  u.  Hohnene.seu).  — 
Erbsen- Blattern,  -Gesicht. 

Erdbeere,  f.  Erdbeer-iVA«!,  -Zunge. 

Erde,  f  Erd-Fall,  Sturz,  -  Wurm  (s.  auch 

Irden). 

Erkele,  n.  altoberd  Ekel  (Kluge  &,  S7  ;  zu  germ. 
erk     s|eherbn-chen,nauscarc;mhd  erkel.Schm.  I,  112). 

Ernte,  f.  Ernte -Fieber. 

Ers,  m.  s.  Arsch. 

Erstling,  tu.,  1.  das  zuerst  geborene  Kind, 
Erstgeburt.  —  2.  die  Erstgebärende  (icf.  «  „ler. 
w.  v;2  .  —  Erste  .er,  es)  -Bart,  -Geburt,  -Milch, 
-Nachgeburt,  -Sterb, -Wege,  -  HVA,  -Zahnen. 

Esch-  s.  Asche. 

Esel.  in.  (das  xeugungslustige,  |>llanrcnfressendc 
Tier  [aslnusj,  das  die  tiermanen  ums  1.  — 2,  Jnhrh.  v. 
Chr.  an«  Italien  kennen  lernten.  Kluge  *  y:t ;  engl,  casel, 
mhd.  esel)  =  Priapus  (Lexer  67).  —  Esels-  Harn, 
■Huf,  -Husten,  Krampf,  -Kreuz,  -Ohren 
■Rücken. 

essen  (Essen,  n.  Esser,  m.)  (aiiindogerra.  cd; 

gem. -germ.  et  =  essen;  ahd.  ezzan;  mhd.ezzen,  Kluge*, 
94)  (vcrgl.  Mass;.  —  Das  Essen  Soor,  Oidium 
albicans  f/tlschlich    Aphthae)  fl5R1  dn«  Es.cn  im 


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Fssig- Ettich 


115 


Muu<)t  =  Mundfaule,  Hock.  45.  198,  1588  die  Weisseti 
Blatterlein  im  Mund,  [Tabern.] ,  die  weissen  Pilzraassen 
wurden  als  das  vom  Essen  [Milrh]  Zurückgebliebene  = 
da»  Essen  angesehen  ;  diese  [Aphtheu  und)  Soorpilz- 
«telleti  »erden  häufig  noch  heute  zur  Mundfaule  >.  d.] 
Kt  rechnet!.  —  „Dax  Essen  an  der  Macht"  (Sehmeiler 
II,  1564)  -  fressendes  Geschwür  am  Gemachte, 
Ukni  genitaliutu.  —  /Mlrin-Essen  (»'  Laiesse) 
Allcüu).  1.  —  die  Extra-Diat  eines  angehend  men- 
struirenden  Mädchens.  —  2.  =  Menstruation, 
Menses  (BchmeUer  I,  161).  —  sie  isst  nicht  allein 

-  Schwangerschaft,  weil  die  Menses  fehlen 
iPloss-Bartcls  I,  480;.  —  Er  hat  Bohnen  gegessen 
=  er  hat  zur  unrechten  Zeit  (maden haltige) 
Bohnen  gegessen  nnd  ist  denk  verwirrt,  be- 
greift schwer  'Wustroonn  78;  *.  Alp  VI  und 
Maden) ;  in  den  Kauchnfichten  sollte  muu  keine 
Höhnen  «»der  Erbsen  ewen  ,  es  war  diel«  eine  deu  l«a- 
raonen  gehorice  Kultspeise  (s.  Fabian  ntul  Hohne}; 
<lie*e  rächten  sieh  nach  altem  Glauben  dann,  wie  x.  B. 
«ler  Alp  (f.  d.),  mit  Verwirrung  «der  mit  Schwären 
[Rochbob  II,  77;  Frischb.  61),  weil  die  Müden  in  den 
Krbsen  und  Höhnen  elbisch  verwirrten.  —  Mann- 
Esser  («  manezza),  Mannbeiseer,  der  l^eute- 
fresser  oder  Zauberer,  eine  sehr  abgeblasste 
Erinnerung  an  die  Anthropophagia  germanica 

—  Mitesser  (fniher  als  ,, zehrende  Elben"  [s.  d.  u.  Alp 
VIII],  wie  Motten,  Maden  \ind  die  Engerlinge  (s.d.]  an- 
sehen, Gr.  \V.  VI.  234:i ;  und  1680  so  benannt.  „Kino 
Schleimbildung  [!?]  in  den  Hautporen  von  der  Form 
eine«  Wnnne* ,  «lie  man  früher  als  dem  Kinde  ange- 
zauberte Wurmer  ansah,  die  dessen  Abmagerung  >  Mit 
gere]  bewirkten",  Gr.  W.  VI,  2343;  „sunfpie  erucae 
i  —  Mucken],  «pia.«  lauiiac  ex  eoitu  SAtbjUÜCO  proerenut 
ae  po«tea  per  fascinationein  in  memhra  hominuin  im 
mittunt"  ,Gt.  1.  cod.).  Im  Thesaurus  sauitatis,  Br.  137 
[1725]  wird  der  Name  Mitteler  noch  als  b.  reehtigt  er- 
klart: „denn  es  sind  kleine  Würmlein  (dracuneull],  die 
den  Kindern  ihn-  Nahrung  nehmen  ,  wenn  man  sie 
«lureh  ein  Vcrprrö«scnings-(ila»  ansieht,  s«i  wird  durch 
dieses  ihre  Farbe  als  braun,  haarieht  nnd  mit  .{  Käsern 
als  Homlein  betrachtet".  Diese  Ansicht,  <lo*s  die  Mit 
esser  ;i7:<2  eomedones.  sirones,  erinoues,  s.  Schnabel ; 
A  v  II.  I,  494  1225;  177*,  Plenkj  ..Hautwujmer"  ■>.  d.] 
seien,  die  mit  ihren  whwarzen  Kö[ifcn  hervorschauen, 
U  noch  heute  nicht  im  Vnlkeausgcstorbenl.  Die  Arzlu 
erkannten  sie  am  Ende  des  vorigen  Jahrhun- 
dert« als  Akne  punctata,  «loren  schwarz«' 
Pünktchen  (Köpfe)  man  als  die  entarteten,  ver- 
dickten Talgpfröpt'e  erkannte  [Behrand  60),  als 
eine  Steatose  (Auspitz).  „Wird  die  trichterför- 
mige Ausmündungsstelle  einzelner  Talgdrüsen 
der  Haut  durch  Staub  und  Schmutz  oder  auch 
durch  ein  dickeres  Smegma  verstopft,  so  sam- 
melt sich  der  Talg  im  Inneren  der  Drüse  an, 
dehnt  die  Wände  derselben  zu  einem  grosseren 
Beutel  aus,  welcher,  wenn  er  zusammengedrückt 
wird,  seinen  Inhalt  als  weissen  geschlftngelten 
Faden  mit  schwarzem  Schmutz-)  Kopf  heraus- 
schiesst,  welcher  Faden  denn  auch  vom  gemeinen 
Mann  für  einen  Wurm  gehalten  wird"  (Hyrtl, 
Anat.  M7i.  Diese  Würmer  oder  Milben  sollten 
•lämonistisch  als  zehrende  Elben  (s.  Alp  VIII) 
in  der  Hant  von  dem  allgemeinen  Nahrungs- 
safte  des  Körpers  „mitessen"  und  so  die  Ab- 
magerung der  Kimler  veranlassen,  daher  nie  mit 


('«»niedones  übersetzt  wurden.  —  f^cr-Essen 
(ahd,  unsuverun  uberazi,  «iraff.  IV,  70)  =  putris  era- 
pula,  das  Erbrochene,  was  man  vorher  zu  reich- 
lich verzehrt  hatte.  —  (1699)  uu-essig  =  nicht 
bei  Appetit  (v.  M.  i,  57).  —  VtW-Esser  =  einer 
i  der  nicht  aus  Hungergefühl,  sondern  aus  Ge- 
hässigkeit oder  Blödsinn  ungemein  viel  zu  sich 
nimmt  (Polyphagia).  —  wm-m-essig  (ahd  wurm- 
oaig,  Graff  I,  529  -  eariosus.  wurmazzig.H.  Z.  XVI, 96. 26. 

wurmaezic;  1590  wurtnesig  -  vermlnon»,  1».  613;  encl. 
wormeateness  -  Wurmstich.,  fauler  Zustund,  Kaltschm  ] 
1.  —  wurmstichig,  wurmbeissig  (Leier  395  — 
2  -  vom  Rotzwurmfs  d  )behaftet  (Schweiz),  w  urm- 
mitMsig  (Andrcsen  1019),  —  Ess(en,  8)  Gang,  Gr- 
srhiräv,  -  Girr,  -Kfhie. 

Essig,  m.  (aeetuin  ••-  otecuin,  nteko,  atik ;  ahd. 
ezzih;  mhd.  czsich,  Klutte  91).  —  (156.J  das  oft  Köp- 
pen  essigt  in  der  Kehlen"  (ur.  w  v,  I7ss)  -  saures 
Aufstossen  aus  dem  Magen. 

Ester,  m.  (bei  Du  Gange  IV,  291 ;  angeblich  „nraee«> 
elo«juio"j  s.  Oester. 

Ettich.  m.,  f.  (Ettick,  Ettike,  Edtiken,  in. 

Ettig,Ettikn,Ettikum,Etkum  jKlsass,  Schweiz), 
Ättich)  (ahd  ettiehun,  ettiehon,  etticho.  Gr.  W.  in. 
1175  —  eltikum  —  hectieutn;  -  tebri«  heetica,  morbus 
ethlcus,  febris  ethica .  s.  ethiealls ,  febrls  ectica  [Du 
fange  III,  229.  325]  der  Mcdizinschulen  von  t;:- 
haiiitus  ;  mhd.  ethica,  Schindler  I,  174;  11*2  etkuni, 
Zen.  Voc.  gg  1 ;  Gr.  W.  III,  117t.  woselhst  .,dle  Ver 
mischung  mit  dem  griechischen  Worte  hektlkon  als 
nur  scheinbar"  [V]  bezeichnet  wird,  —  Schwindsucht ; 
l'i28  ettik  —  tabes.  Schwindsucht,  <ir.  W.  III,  1175;  1.S29 
|   ethic  f.  [Paracels",  U>7i>eticuni;  l~>"Setickhum  -  Schwind- 
I  sucht  undllerz8e<parr,  Gr.  W.1V  2.  1246;  1AS2  etlcken. 
elkumm  =  febrih  heetica,  D.  274;  1591  Ettik  =  Schwind 
sucht,  Had.  Jun.  38«.»;  16.  Jahrb.  ettik'  -  tabes  hcctlcu. 
Ii.  >71;  1CI8  Bttlch  -  febris  heeti.-a.  Sehmeiler  I,  174; 
1646  E«ltieken  --  ausdörrende,   -erlK-nde  Krankheit, 
Zcit-scur.  «I.V.  f  Volksk.  189t.  S  i,») ,  demnach  1.  — 
Aegritudo,  Febris  heetica  —  Schwindsucht  oder 
schwinnende  Sucht,  Abmagerung  durch  Süfte 
Verluste,  Diarrhoe,  Rlutnuss  etc.  (Roehh.,  Zeitsehr. 
f.  dtsch.  Mythol.  IV.  110;  tabes,  atrophia,  i.r  W.  III. 
H7.">.  1181 ;  Gr.  W.  I,  595).  —  2.  =  Herzgespftrr  (s.d.) 
[Or.  W.  IV,  2.  1246)  als  Asthma  oder  keuchender 
Siechtag  der  Lungensüchtigen.  —  Der  fressich 
Ettich  I  lm)  -  Fres8-(R  ätticher  (Aargan)  /res- 

««;  Ättich  (Ettich)   das  /remtj^Etfetkia  Schweiz) 
—  Fresstieher  (C  v.  »ehm.  155),  Auszehrung  mit 
Heisshunger  (Zeitsehr.  f  d  Mythol.  IV,  110;  Grimm, 
Gesch.  46s);  Auszehrung,  Febris  heetica  Ißt.  w 
i,  595;  Hl,  in;.)  mit  Heisshunger  (s.  Fressfieber, 

I  hektisches  Fieber,  fressen).  —  (1723)  Kinder- 
Ettigk  (Thes.  san.  Br.  7.1}  m  Atrophia  infantium 
Abzehrung).  —  Ä'tci-Ettig  s.  Küh-sitttig  — 
(1529)  neue  Ethik  fnewe  ethica,  ParaceU.)  =  eine  Ver- 
zehrung des  Leibes  mit  Aünehmung  der  Sub- 

!  stanz  des  Fleisches  infolge  von  Quecksilber- 
Kachexie,  die  Paracelsus  als  „neu«'  Krankheit" 
schilderte 'Purac.  de  Impii'-turi»  .  —  (162'.»)  die  Schwei- 
nend  Ettich  SehmelKr  I,  i: i  -  «lie  Schwindsucht, 
Febris  h.vhca.  —  l.v.ii  der  vollkommene  Ettich 

|  (Had.  Jun.  38y)  =s  Marasmus,  Pebrifl  heetica.  — 
ettich  sein      hektisch  sein  (schmeüor  r.  I7( 


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116 


Euel— Fachs. 


extra— fahen. 


man  könnt«-  hiebei  nnrh  an  ctten  =  essen  denken  , 
s.  kübsatüg). 

Euel  (Evel)  s.  (  bei. 

Eunucho,  m.  (lövoö/o-  —  rf,-  s'j\y({  «'i/ot;,  etil 
ciibieull  augustaliscura  erat ;  Kastrierte  wurden  mit  Vor- 
liebe zum  Schutze  des  Schlafgcmachcs  der  Kaiser  be- 
dienstet). —  Eunuchen-Stimme. 

Euter,  in.,  n.  Euters,  Auter,  m.,  n.  i Bayern, 
osterreich).  Uter  Schweiz),  Euterlein,  Euterle. 
0  euterle  (Schwaben).  „In  der  Wurzel  niuss  die  Vor- 
stellung de«  Nährenden,  Frucht,  enthalten  sein"  *Gr.  W. 
III,  1197,  urindogcrni.  üilhr  =  Enter  [über,  0->»*-<zp], 
Kluge  94,  germ.  üdr;  Roth,  udr,  Gr.  W.  III,  HOT;  ahd. 
utar.  Mir,  UralT  I,  IM;  mhd.  titcr,  ntter,  uther  mamtuu 
niullcris,  C.  v.  Megbg. ;  Gr.  W.  III,  HOT;  D.  346;  1472 
utenut;  14H2 ntenwv,  > -terwe,  Wef. 315  =  lactes,  pellicula, 
cuter  f.  .  1.40  cuters,  Kluse  1.  e  ;  engl,  udder  -  Pf  erde - 
cuter.Kaltsrliin  ).  Auter,  Euter,  Euters,  1.  -  Milch 
drüseheim  Weibe  (Mamma)  („da  mirkst  n  Autei", 


«agt  das  ohcrtmycrischc  IWuicrnmadehcn  von  seiner 
hochhusigeu  Freundin)  =  Tutte,  Brust  (Gr.  W.  I, 
104» ;  Iii.  1197).  —  2.  =  tierischeMilchdrflse(Bauch- 
Euter,  Kuli-  Euter,  Koes-Auter).  —  Bauch  Euter 
für.  w  I,  n«7)  =  die  Milchdrüse  am  Hauche  der 
Säugetiere.  —  (1612)  Brust-Euter  (H  Sachs) 
Frauen-Brust  (Gr.  w.  III,  1197;.  —  Fleisch  Euter, 
l.  =  eine  Fleischbrust  (s.  d.)  —  2.  -  eine  fleisch- 
artig  sich  anfühlende,  umschriebene  härtere 
Schwellung  des  Tiereuters  (Fraas,  Falke  I,  289).  — 
I  euter  -  das  ganze  Milcbzeug.  —  Ä'a/ta-Euter, 
tetine  de  veau,  ein  wie  das  Euterfett  den  Milcb- 
kern,  so  die  Kalbsnuss  (s.  d.)  umgebendes  Fett- 
stock. —  AVi-Euter  =  Uber  vaccae.  —  strotzende 
Euter  (ahd  drojtlnta  utir,  II.  Z  V,  329  distenta 
üben»,  <ir  W.  III,  1198).  —  E'.itcr- .  .  -Brät, 
-Butt,  -Einschuss,  -Kegel,  -Knoten,  -Schlier, 
-Seuche. 

extra;  es  ist  mir  gar  nicht  extra  ich  bin 
nicht  besonders  wohl,  bin  unpftsslich. 


fabeln  (fameln)  (zu  mhd.  f«l>ele  =  fabula.  Kluge  &. 
9-r>;  1616  fabeln  -  clelirare,  {<ir.  W.  III,  121">;  delirium, 
Hnum.  7 .33)  =  etwas  sprechen  (im  Fieber),  was 
eigentlich  nicht  wahr  ist  (wie  ein  Fabelhanns 
einfältig  sprechen).  —  Fabel- fftte. 

8t.  Fabian.  —  St  Fabians-P/aj  -  Hunger 

(Sehraeller  1.  684;  vielleic  ht  mit  Beziehung  an!  die 
essbare  Hohne  faba,  die  Im  Januar  das  Bohnen- 
Bericht  [a.  Bohne,  Kultspciscl  lieferte.  Wer  in  den 
Zwölften  Hülsenfrucht«»  isst ,  bekommt  davon  Haut 
schwuren  [Hamonen-Raclie] ;  mehrere  Hautkrankheiten 
dcrludoucrniHtien  werden  nach  solchen  Hülsenfrüchten 
[Linse,  Ulme]  benannt;  Plclct,  In  Kuhn  s  Zcltschr.  f 
vergl.  Spr.-f.  V.  343) 

Fabrik.  -  Tt&gQtrKrankheiU*. 

Fach,  11  (Facht)  räumliche  Abteilung  (ahd 
fuhh;  mhd.  vach,  Kluge*,  9'.;  durch  Faltung,  l  äge  oder 

stufnng  =  stück,  t;r.  Vf.  111, 1220,  i-artitio  .  —  Fachen, 

1.  =  (1641)  Eebt'l  läppen  (Hyrtl,  K.  W.  47.  1677;  Heyn 

228)  —  2.  =  (1677)  Zahnfleher  (iiyrti,  k.  w.  87).  — 
(1783)  FeW-Fächer  —  die  mit  Fett  ausgefüllten, 
zellig  getrennten  .Maschen  im  L'nterhautzell- 
gewebe  (K.ssich330).  —  (IOT7J  Lcfcrr-Facht  -  Leber- 
lappen ateyn.  228).  —  (1616)  Quer-Y&ch  (des  Leibes) 
—  Zwerchfell  >  d  ,  Diaphragma  Heyne  II,  si;t), 
weil  es  die  (.iüeder  des  lvebens  (Herz,  Lunge) 
ültcrzwerchs  von  den  natürlichen  (vegetativen) 
Gliedern  (Lebor,  Milz,  Magen  samt  dem  Ince- 
weid)  trennt  unterscheidet'.  —  2ViK««t<f'-Fach 
der  3.  Magen  der  Wiederkäuer,  der  viele 
Fachen  (Fullen)  hat  (Beyn.  100)  —  Zahn-T&ch, 
Alveolus  dentis,  Abteilung  im  Kiefer  zur  Auf- 
nahme des  Zahnes.  —  Ztct-Fachl  (Österreich; 
Hyrtl,  K.  w.  174)  =  der  2 fächerige,  gedoppelte 
llodensack,  Scrotum. 

Fachs,  in  (Fechs)  s.  Fax  (Kretin\ 


Fachs  (Fahs),  m.  (7  — s  Jahrh  fahs,  l  as».  Glos»., 
Diez  »4;  GraU  III,  146)  =  Caesaries,  Oapilli,  der 
reiche  Haarwuchs  (auch  des  Pferdes);  in  der 
Schweiz  noch  ebenso  wie  in  Tirol)  Fax  =  dichtes, 
glattes  Haar  (Hintner,  5.  12).  —  Feuer-Fachs  - 
Kothaar,  Kotkopf  Gr  W  Ul,  1220J  —  geschoren 
Fachs  lahd.  kiskorln  fahs,  mhd.  gescoren  fahs,  I).  I60J 

abgeschnittenes  Haupthaar.  --  Haupt-Y  Achs 
(mhd,  honbetvahs,  i.exer  106)  Haupthaar  (Fachs- 
scheitel). —  Fachs-ScAWiV/,  -Strähne. 

Faden,  m.  (-  gedrehte  Faser:,  1  das  Gehänge 
(Herz  und  Lunge!  soll  nach  dem  Volksglauben  nur 
an  einem  Nahfaden  hatten  (l'aull  23)  Herzbändel. 
2.  =  Längsfaser  des  Fleisches.  —  3.  =  Faden- 
förmiges, t.  B.  Skotom-Gebilde  im  Auge  (Kopp 
iv.  28i).  —  Faden-wAen,  -Wurm.  —  Lebens- 
Faden  der  von  den  kriech.)  Parzen  gespon- 
nene und  seiner  Zeit  zum  Abschnitte  gelangende 
Faden  1  (ein  von  den  (iriechen  entlehntes  Gleichnis, 
das  wohl  vom  Lichtfaden  [Höcht]  ubertragen  ist;  vergl. 
Lebenslicht).  —  ScAi'c&M.VFaden  -  Lebensfaden 
(H  \.  Ith.  442),  den  die  nordischen  Nornen 
spinnen.  —  7Vip/>er-Fäden  —  die  von  Hecker 
1763— 1811)  zuerst  beobachteten,  bezw.  be- 
schriebenen fadenförmigen  Schleinigebilde,  die 
beim  Harnröhren-Tripper  im  entleerten  Harn 
schwimmen  (Pr.  II,  v>8.  651). 

Fänge,  pl.  s.  Fang. 
Färch,  n  s.  Ferch. 
Färzen  s  Farxen. 

Faserlein,  Faschen,  Fäserchen  s.  Faser. 
Fäule  s.  faul. 
Fäustling  &  Faust. 

fahen,  fangen,  Fang,  ra.  Fänge,  Fanger,  m. 
Gefange,  n.  —  fahen  (Ringe i,  m  ,  vorgerm.  pank , 

eem  germ    fanh ;  goth.  Lihan ;  ndh  fnhnn  fangen, 


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fohen. 


fahl— Fahne. 


117 


auffangen  Ifang,  vanc];  mhd.  vühen ;  1716  langen 
fallend  eioschlie»Heu  und  halten,  fesneln,  binden),  1.  = 
einen  Krankheitsstoff  (Gift)  fangen,  empfangen 
[ivss,  Gr.  w  III,  1313).  —  2.  =  ein  Kind,  a)  con- 
ripera  und  b)  auffangen  (durch  die  Hebamme;. 

—  Fänge!»  (Gefange)  -  die  Glieder  zum  Fan- 
gen, 1.  -  Fang-Zähne  der  Tiere  (Hunde,  Eber) 

'.'r.  W.  III,  l.tl.'i,  engl,  lang  liHiiiahne,  /.ahn wurzeln, 
i^ehf.  172),  Fachzahn  —  2.  -  die  Ffisse  der  kurz- 
beinigen Raubvögel  (<ir.  W.  iv,  l.  iooü).  —  3.  - 
einer,  der  da  fängt.  —  Anfang  in  Jahrh  auevang. 
Ur.  W.  IV,  2.  t.:iO)  =  „ein  l'ierdefehler",  vermutlich 

=  Überfang  (s.  d.)  oder  -  Anfall  (s.  d.).  —  Sie 
hat  einen  Anfang  (seil,  zur  Mutterfreude)  = 

schwanger  (,.«u  96,  -  ^gjgg^  j  Kropf, 

Lungensucht,  Tag.  —  Atem  fangen  (iöi7  atten 

Iahen  «plrltum  Mispendere,  Schindler  I,  727)  a  den 
Atem  ho  mühsam  holen,  dass  man  jeden  Atem- 
zug so  lange  festhält,  bis  ein  neuer  erfolgt; 
verlängertes  Kxspirinm,  Dyspnoea  bei  Emphy- 
sema  pulmonum,  Asthma.  —  (1591)  fwrt-fahig 
(Bad.  Jun.  394)  -  veetieeps,  dem  der  Bart  anfangt 
tu  wachsen.  —  Wangen  sein  mit  etwas,  z.  H, 
Siechtum,  Kind,  am  Leibe,  in  der  Wampe  (12.  Ms 
IS,  Jahrb. ;  Hoffm.  i.  Ii».  142)  -  etwas  bei  sich  auf- 
genommen haben.  —  empfangen,  Empfängnis 
!ahd.  cn(t)ptahen ,  mhd  empfangen ;  1618  entpfeng-  I 
misse  [coneeptlonen],  H.  v.  üernil.  18;  1532  empfangen  ; 
ndl.  ontfanghen,  I>e  Coek  4«)  =  coneipere,  das  Ver- 
schliessen  des  Muttermundes  nach  Aufnahme 
des  Hamens  (Kries,  123)  und  Schwangerschaft.  — 
(1799)  Ba uch  -  Empfängnis  —  Bauchschwanger- 
schaft,  Graviditas  extra-uterina  (Denk  70).  — 
(1726)  falsche  Empf&ngnVLBB  (The*,  san.  Br.  2S7) 
=  scheinbare  Schwangerschaft,  1.  =  Vortäusch- 
ung einer  Konzeption  durch  eine  Geschwulst 
oder  ein  Gewächs  im  Leibe,  oder  2.  =  un- 
richtige Schwangerschaft  (Molensch  wanger  - 
schaft).  —  (mhd.)  des  todes  sunft  enphähen 
•  sterben,  die  Gesellschaft  des  Todes  entgegen- 
nehmen [Laxer  tot)  und  mit  demselben  speisen 

(im  Jenseits),  l.  Kul-Mann.  -  j  fangen 

—  Mücken  fangen,  schwermütig,  griesgrämig  I 
sein,  als  ob  man  einen  Wurm  (Made,  I^arve,  ' 
s.  Alp)  im  Gehirne  hätte  (unter  Andeutung  des 
stillen  Hinstarrens  auf  den  Boden,  das  bei 
schwermütigen  Leuten  beobachtbar  ist,  als  ob 
diese  auf  demselben  mit  den  Augen  etwas 
suchten)  —  (17.*-.)  Lenden  -  Fang  -  Uhachitis 
(Tb.  «an.  nr  127).  ein  dem  Mckfuug  (Stich  In  das  Ue- 
nick  beim  Schlachten,  i.r.  W.  VII,  738)  nachgebildete« 
Wort,  wobei  man  sich  vorstellte,  dass  das  in- 
folge von  Uhachitis  nicht  gangfähige  Kind 
umkippt,  als  ob  es  einen  Stich  in  die  Lenden 
liekommen  hätte  (Lendenkrunkbeit).  —  Luft- 
Fänger,  1  ein  Pferd,  das  den  I'feiferdampf 
(«.  di  bat  und  dabei  Luft  einschnappt,  koekt, 
koppt  Knlke  II,  76).  —  2.  -  Windfänger  (s.  d.). 

—  Mücken  fangen  Fliegen  fangen,  Flockcn- 
lesen  (s.  d.  .  —  tWfang,  1.  =  wenn  sich  der 
Mensch  oder  das  Tier  beim  Schlucken  ver- 
fangen bat,  zu  viel  in  den  Hals  bekommt  oder 
etwas  beim  Schlucken  in  die  Nabe  des  Kohl- 
kopf-Hinganges  kommt  und  dadurch  Reflex-  l 


Würgakte  und  Huetenslöase  mit  Atemnot  = 
„nicht  richtig  den  Atem  holend  (fangend)", 
ausgelöst  werden  (Schindler  i,  730.1 .  —  2.  -  das 
schlechte  Schlucken  und  Würgen  überhaupt, 
z.  B.  durch  mangelhaft  gekaute  Speisen,  des- 
halb bei  Tieren  (Schindler  1.  c  ):  a)  leerer  oder 
trockener  Überfang,  wenn  infolge  von  schlech- 
ten, lockeren  Zähnen  (Skorbut)  o.  chronischem 
Magen-,  Darm-Katarrh  (auch  Mund-Katarrh) 
die  Tiere  scheinbar  schwer  kauen,  schlecht 
und  wenig  schlucken,  schon  trocken  ohne 
Nahrung  sich  verfangen,  Atemnot  haben  und 
abmagern  ■  räch,  steif  werden;  b)  nasaer  Über- 
fang, wenn  sieb  die  Tiere  nach  zu  reich- 
lichem od.  zu  schwerem  Futter  (nasser,  frischer 
Klee)  eine  Leibesau ftreibung  zugexogen  haben, 
daas  sie  nicht  mehr  schlucken  können  vor 
Atemnot  (auch  bei  verschluckt.  Fremdkörpern); 
c)  voller  Überfang  -  nasser  Überfang.  —  (1735) 
Verfangen,  1  -  Überfang  (s.  d.),  wenn  die  Pferde 
so  lahm,  räch  (s.  d.)  sind,  daas  sie  ihre  Glieder 
so  bewegen  und  so  steif  gehen,  als  ob  sie  sich 
in  etwas  verwickelt,  verschlagen,  verfangen 
hätten ;  damonlstbuh  aufgefaßt ,  daher  durch  Be- 
sprechungen behandelt  (Abiig,  .54  ;  Meyer  .21 ;  De  rock. 
V.  K.  1893,  S.  HO;  Zipperl.  680),  dagegen  «(.Ilten  das 
Verfangkraut  (Aruica  mnnlana)  und  Besprechungen 
(Wuttke  163)  bellen.  —  2.  —  den  Atem  nicht  richtig 
fangen,  halten,  ausser  Atem  kommen  (durch 
Brustkrampf,  KoKk,  Kot -Verstopfung,  Ent- 
zündung, Schreien  etc.)  =  Herzgespann  (Kneipp 
183;  Ooldschm.  36.  101.  111;  V.  II  «9,  Kalke  II,  I04J 
'».  verbalgen).  —  M  .  Fang,  1.  =  der  Wind- 
bauch vh.  d.)  der  Kinder,  in  dem  sich  die  Winde 
^ewissermassen  verfangen  (s.  d.)  haben.  —  2.  = 

Wind-Rähe  (s.  d.)  (Kalke  11,  440;  Irqucll  IV,  279). 

fahl,  falb,  Fahle,  f.  (germ.  (all-  [palleo,  palliduaj; 
:iskwln.  lalu ;  angls.  fualo;  ultnord.  folr,  nhd.  falo; 
mhd.  val.  Kluge  5,  96)  =  bleich  entfärbt,  gelb,  blond. 

—  Fahle,  f.  =  die  bleicheren  oder  grauen  Deck- 
haare der  Tiere  (Kalke  i,  171),  —  Malatzische 
Fahle  (ndl..  1475  niallaitschc  vale,  D.  21)  Albor 
leprae,  die  gelbweisse  Hautfarbe  bei  Lepra 
(Malatzie)  s.  bleich. 

Fahne,  f  Zeug,  Stoff  [tudogertn,  pen;  vorgertn, 
panou-;  nltgerm.  lano ;  gerui.  lanan  ;  nhd.  tanoj  mhd., 
engl,  vane,  Kluge*,  96),  1.  —  die  wie  ein  Fahnen- 
stoff  herabhängende  od.  sich  fortsetzende  Haut- 
steile  (Cr.  W.  III.  1242.  Schindler  I.  721).  —  2.  -  der 
Fahn  (Bayer«)  der  Hautlappen  am  Hals  des 
Rindviehs,  der  zur  Brust  herabhängt  Triel 
(s.  d.,  bei  Tieren)  oder  auch  Hals- Wamme, 
Hals-Wampe  (s.  d.),  Brustfshne.  —  3.  =  beim 
Hundegescbleclite  -  Uute  oder  Schwanz.  — 
Augcn-T&hnß  (ahd.  aug  fan...  iir »ff  1,  123  eine 
Übersetzung  dei  Ben  ulausd  rucke«) :  Pannus,  bei  dem 
an  der  übergangsfalte  zwischen  Hornhaut  und 
Bindehaut  durch  Fintzündung  eine  gelbe,  gelb- 
rote,  durchscheinende,  knollige  Inültrations- 
masse  sich  ausbibiet,  „als  ob  die  Cornea  mit 
einem  Tuche  od.  Felle  überzogen  wäre"  (Arlt  :?„', 
da«  Klugellelt  l«t  mehr  ««elendig  und  In  der  kfitM 
etwa*  abhebbar;  die  Angcufahne  [PaaBII»]  dagegen  feM 
uugen  ach»cu  und  ungleicher  Korm)  (s.  Allgenfell). 

—  £n«f-Fahne  [ahd.  brwt-huo,  ümn  in,  2:0) 


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11* 


Fahr — fähren. 


Falbel -fallen. 


Huhne  2.  —  Fersen  -  Fahne  =-  Achilles  -Sehne 
a  v.  H.  Ii.  1»)  als  Sehuenfranse.  —  OÄr-Fahndl 

(mlid.  or-vandel;  l&  Jahrh.  or-fandl  meringa,  Loxer 
182;  Schneller  I,  358;  D.  3Ö8)  -  Ohrfell,  Trommel- 

fei),  Obren  bltttchen. 

Fahr,  f  Gefahr,  f.  iindogerm.  peY  (pericnlum), 
germ.  MT;  ijoth.  fero;  ahd.  fära;  uord.  far  =  Unglück. 

1  l,lh,l  •  Kluge»,  )  tl).  Gefahr  nhd 
-  Nachstellung,  franz.  Je  danger  -  Mllzbrandsouche, 
Bris*.  118  (Börry;.  1609  gefahr  am  balss  leydeu,  tiiiar. 
311  -  da.«  gefährliche  Halsleidon  oder  Halsweh,  s.  d.) 
=  Seuche  als  Unglück  (durch  nachstellende 
Dämonen).  -  gefährliche«  Oeblüt,  -Haupt- 
krankhtit. 

fahren  (indogerm.  per,  por;  form,  far  -  Fortbe- 
wegung jeder  Art;  goth.,  ahd.  furaj,  [wondun.  ziehen, 
gehcu];  inhd.  varu,  Kluge*,  97);  das  Wort  ist  *o  ge- 
braucht von :  schubweise  oder  oft  erscheinenden 
plötzlichen  Bewegungen  der  Geister  (Nacht- 
fahren), der  kranken  Menschen  oder  der  Krank- 
heitszeiehen,  i.  B.  plötzliche,  schnelle  Entlee- 
rung von  Harnsteinen,  Eiter  I2C0.  Pfeiffer  M.  66] 

-  fährtig  s.  fertig.  -  Fahre,  f  Fahren,  pl. 

,ur"  -  fahrende  Hexe,  sal.  Gesetzbuch,  mbd. 
famn;  Uli,  mit  der  var  =  Hexenfahrt,  Klezler  20) 
=  die  fahrenden,  wie  Geschosse  (s.  d.)  rlie- 
gonden  Krankheitsgeister  =  Arthritis  vaga  im 
Kopfe;  vergl.  fliegende  Alpen  suh  Alp  (Gr.  n.  M 
Ii.  nw.  au).  -  Fahrt;  das  Kind  ist  au  der  Fahrt 

-  wird  entbunden.  —  Der  fahrende  Mann 
(s.  d.)  ist  -  die  Seele  vom  Leihe  geschieden,  der 
Schatten  (Zolling.  Voc.  hh  5;  schon  Im  Merscburger 
Zauberspruch  fahren  die,  Krankheitsgeister  zu  Holz). 

-  aMahren  -  bimmeln,  sterben,  den  Hellweg 
(Hella  -  Todesgöttin)  fahren.  -  zu  Acker  fahren 

-  coire  (s.  Hauer  und  Ziel)  (FuraceK .  Pr.  n,  71 , 
D.  isi)  —  ««/"fahren     a)  (172'.  uuflahtvu  im  schlaf, 
The»,  san.  Br.  b6)  —  Favur  nocturuus,  bei  dem  die 
Kinder  plötzlich  wie  vom  Nachtalp  „geschreckt" 
(8.  d.)  ans  dem  Bette  auffahren,  wogegen  nach 
Zingorle  Z.  f.  d.  M.  IV)  in  Timl  ,ii0  Versteht-  (s.  Gicht) 
Kok«  Paoonia  getrogen  wird  (s.  Nachtgeschrei);  j 
b)  (1517  „es"  Ist  mir  uffgefarn  -  mihi  abscessit,  1).  4)  — 
das  plötzliche  Erscheinen  von  Ei ter-A bscessen,  \ 
Fusteln,  Blattern  im  Gesichte  (Nachtschaden).'  ' 
—  Das  /l«*fahren  -  Hautauschlag,  der  schub- 
weise sich  ausbildet,  hervorkommt:  a)  (früher)  | 
Aussatz  (Lepra);  besonder«  b)  um  die  Augen, 
..du*  \u*fahrcu  der  Augen"  bei  Walther  von  der  Vogel- 
weide  (71 1  als  eine  Goitesatrafc  (  -  Aussatz)  benannt, 
(vergl.  „Engerling"  unter  den  Augen,  s.  fahren- 
der Wurm  3);  spater  auf  andere  Hautkrank- 
heiten ubertragen;  c)  {im  Ekzema  («ehrend  ::n 
und  d)  Strophulus  (s.  roles  Ausfahren,  auch 
Aussprung  der  Kinder)  {«ehrend  so»;  e)  auch  der 
Herpes  (Impetigo)  labialis  (Pauli  140;  Fuchs  in, 
10*0).  —  rotes  Ausfahren  -  Strophulus  inier-  ' 
tinetus  /Mehrend  »);  roter  Ansprung  (s.  d.)  —  j 
</urc/t-fährtlg  (1429  durterlig,  UUS  durch  vertig  im 
buch  -   bixus,  i)  -.vii:   -  den  Durchfall  (Durch- 
marsch) habend.  -  er  ist  mit  Frau  Holle  ge- 
fahren s.  wilde  Fahrt  (Schcible  III.  409).  —  Grfint 

B.  Fahr,  f.  -  ins.:  laufenden  Fahren  (lopenden 
varen  [nieder*.];  ..scharboekrthnltohe  Zufalle,  fffls ein 
grosser  und  widerrufender  Schmer*   mit   u„ic  <ift 


die  uervlglen  Teile  angreift",  .\.  s.  U.  I,  131U)  _ 
laufende  Gichtröte  (g.  Üiegende  Elben).  —  er- 
fährt (Nord-Franken)  =  erschreckt,  betäubt  (Schm. 

1.  739).  -  Xacht-  j  Jahren  j  (mM  nahtvftrn  _ 

Hexen,  Wulriderske,  Uoltb.  117;  14S2  nachtfar  -  lamia 
noctlvagus,  D.  318.  382)  e.  wilde  Fahrt  u.  fertig.  — 
Äom-Fahrt-^  Horn-Reise  (s  d.);  die  Wallfahrten 

der  schwangeren  Frauen  sind  heute  noch  häufig.   

Umfahrend  (mbd.  unvurnde  [Adj],  I^exer  303)  = 
durch  Krankheit  an  der  freien  Bewegung  he- 
hindert.  —  wilde  Fahrt  (Fahre)  ^  das  Gefolge 

der  Hera  In  der  wilden  Jagd,  die  in  den  Rauchnachten 
s.  Z.  der  Wintersonnenwende  und  des  germanischen 
Totenfestes  nächtlicherweile  durch  die  Lüfte  im  Sturm 
dahinfahrt  nach  dein  Volksglauben;  die  elbischen 
Berchtlein  und  Schrttttlein  etc.  sind  die  mit- 
fahrenden Krankheits-Dämonen  (Hollefahren), 
die  Hexensehuss  und  Hautscb waren  bringen;' 
(15.  Jahrb.  domlaa  Hera  [  =  Hcrka.  PerchU,  Statnpa! 
Holda]  volat  per  acra  (zwischen  Weihnachten  und 
hl.  3  Konig].  Gr.  Ü.  M.  232.  23;:.  SchmcUer  I,  7fi0) ; 
diese  mit  der  Frau  Holle  fahrenden  Dämonen 
verwirren  auch  die  Haare  (=  er  ist  mit  Frau 
Holle  gefahren).  —  zerfahren  -  verwirrt  in 

den  Haaren  und  (bildlich;  auch  im  Geiste   

fahrend  er,  et)  Gift,  Wurm. 

Faibel,  ÜB.,  n.  1.  =  Falbel  (Fallben  und  2.  = 
Feibel  (s.  d  ). 

Faisch,  faist  s.  feist. 

Falbel,  n.  Falbel,  m.  (Suehsen-ThUringeu ,  IM) 
in  Verwüuschnngsformeln  aultretend)  =  Epilepsie 
das  fallende  Übel,  Falliibel,  Falbl  (s.  t?hel)  (val- 
Ubel,  Cr.  W.  I,  SS6;  III,  VMS.  128«;  Cr.  1».  J|.  1110;  die 

Synonyma  g.  bei  Hinlallend  u.   Epilepsie  etc.).   

Falbel,  m.  -  ein  dummer  Mensch,  ein  Epilep- 
tiker. 1  1 

Falcadine,  n.  eine  syphilitische  Krankheit  an 
der  tirolerisch-italienischen  Grenze,  zuerst  im 
Dorfe  Falcadine  in  der  Provinz  Belluno  beo- 
bachtet; (1790)  tirolische  Seuche  (Uehrend  74- 
Fuchs  0,  71«;  K.  u.  P.  III,  US;  Pr  II,  MC  :.0«),  — 
falcadische  Krankheit. 

Falke,  m.     Falken- .4  «^e. 

fallen,  Fall,  m.  Fallen,  f.,  n.  [iadoferm.  phai 

[faUo]  sa  tauachen,  zu  Fall  bringen ;  vorgerm.  phaln , 
Kenn,  fall,  gem.  germ.  fallan;  ahd.  fallati .  mhd.  vallen! 
Kluge  97)  =  plötzliches  Abwärtskommeii ,  in  andere 
f.age  kommen.  —  Fall,  in.,  1.  =  die  einzelne 
Krankheit,  welche  den  Menschen  hefallen  hat. 

—  2.  =  der  Kranke  selbst,  der  diese  (1)  bat 

—  3.  -  das  Hinsterben  des  Menschen,  des 
Viehes  (Viehfall,  Sterbfall)  (sehmeller  I,  7tM).  — 
Fallen,  f.  (ahd.  falla;  mbd.  vnlle,  Kluge  97)  -  Klap- 
pen, Valvulae  cordis  s.  venarum  (Anatomischer 
SehulausUruck  des  MitteUltera,  Hyrtl,  K.  W.  46)  (vergl 
enge  Fall,  Fallthüre,  Überfall).  -  Fallend,  n  ,m. 
(seil.  Übel  od.  Weh,  Siechtag,  s.  d.j  (und  fallandiu 
iaht  [■.  Sucht  U,  St.  YalenUn]  -=  Kpllepsie  [s.  d .].  morbus 
comltialis.  Fall-Obel,  Falbel,  Falbl,  fallende  Sucht, 
Hinfallend  [s.  u.];  lö.  Jahrh.  der  vallient.  Schmellor  l' 
705;  daz  vallendo  epilepsia,  cadibundus  ijuj  een>bro['t 
ca-lit,  I».  87;  Gr.  W.  in,  128t.,  Uxer  311;  13«  der 
fallend  [seil.  Lochtum'      srolomia     Ohnmacht  (Kpl 


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fallen. 


fallen. 


11« 


leHa--}.  II.  v  <.er*d.  100;  l'*»  der  falleud  -  npilepsia,  r 
Inchenh.  Mirakel,  lölö  das  fallend,  Paracelsus;  Gr.  \V. 

in,  128»0  —  Morbus  cadueus,  Kpilepsia  =  der 
fallende  Sieehtag,  das  fallende  Übel,  eine  Krank-  j 
holt,  die  tn  einem  Seirenfipniehe  In  einer  Baseler  Her 
Kameulhandschrift  als«  Krankheltsperson  auftritt  (H.  2. 
XVII,  560;  verjrl.  FnUnd.  Falaud     Teulel,  Sehmelier  I 

1,  89«;  mhd.  välant;.  —  fallen,  1  —  hinfallen,  j 
z.  B.  bei  der  Epilepsie,  beim  Sterben  (Vieh, 
s.  Kampf).  —  2.  -  geworfen,  als  Junges  zur 
Welt  gebracht  werden  z.  B.  Schafe;  vergl.  Miß- 
fall). —  der  Arm  fällt  aus  der  Kugel  -  Luxatio 
humeri.  —  die  Verkühlung  fällt  auf  den  Hals 
(liutdaehm.  in-  (s.  sinken  u.  Flussfallen).  —  das 
Blatt  fällt  (f.  Blatt  9,  S.  48)  =  das  Fallen  der 
Schädelfontanelle  hei  Meningitis  (s.  u.  auch 
ZApfchenfallen).  —  vom  Fleische  fallen  =  mager 
werden  ftsr.  W.  III.  1753).  —  über  die  eigenen 
Küsse  fallen  =  durch  (paretische)  Kreuzung 
der  Unterfttsse  beim  Gehen  stolpern.  —  (1528) 
der  Floh  fällt  ins  Ohr  (Fries  «•)  ob  als  Krank- 
heit gemeint?.  —  ein  Fluss  fällt  (z.  B.  vor  die 
Augen)  =  rheumatische  Anschwellung  desOber- 
kiefers (Parulis)  mit  Augenlidsch  wellung  (Gr.  | 
\v.  in.  1856)  oder  der  Fluss  (s.  d.)  fällt,  sinkt  als 
Schnupfen  (  =  ndl.  vallln*.  DeCock  138  -  verkoudheid 
=  Erkaltungaschnupfen,  V.  K.  IV,  11;  rhume  tombc 
mr  in  poitriue,  Kri«.  ioij.  —  die  Kiankheit  fällt 
=  sie  hat  eine  andere  Wendung  genommen 

Schwel»;  Gr.  \\.  I.  eod  —  ins  Geblüt  faUen  - 
ein  ganz  plötzlich  eingefallener,  sich  einstel- 
lender Gebärmutter-BlutHuss  i-aulM»),  —  der 
Hauck  (Hucken)  ist  herabgefallen  -=  Zäpfchen 
fallen  (s.  d.  u.  Hauck)  (Frischt..  64).  —  das  Kind 
fällt  =  stürzt  im  Uterus,  Descensus  pueri  —  das 
Herabtreten  des  Kindes  in  das  Becken  (1783, 
stein  D,  l«}.  —  der  Ofen  fällt  ein  s.  Ofen.  — 

lö.Jahrh  )in  Krankheit  fallen  ineineKrankheit 
verfallen  ;<ir.  W.  V,  9088;  cd*!,  to  füll  «ick -blech, 
krank  werden1  —  die  Krankheit  fällt  anf  Einen 
(ja  Anfall).  —  der  gefallene  Leih  Leichnam, 
Kadaver  (Gr.  w  m,  1278).  —  (16«»)  die  Kehle  fällt, 
die  Mandel  fällt  -  das  Zäpfchen  fällt- An- 
schwellung des  Zäpfchens  (Uvula),  »las  dabei  im 
Halse  tiefer  zur  Kehle  herabhängt  i  m.  Halszäpf- 
lein^.auch  -  AnginamitOedemauvnlae  «ir.W,  IV, 

2.  270 ;  Heyn.  90;  nieder!  zinkitiR-  Sinken,  Fallen  des 
Xuj.fchen»,  De  rock  13s;  auch  norwegisch  ist  diese 
Vorstellung  vorhanden;  i.iebrecbt  «.  Volkskunde  1879. 
S.  339:  „Ein  einzelnes  Haar  nul  dem  Sehadel  steht 
mit  dem  ZHpfchcu  in  Verbindung;  triflt  man  dleaea 
lieim  Ausziehen  des  Ilaares,  dann  geht  das  Zäpfchen 
wieder  hinauf).  —  Auch  Löcher  fallen  brechen 
ein  ins  Zahnfleisch  (i.vj»;  Seuter.  Kossarzncy; 
«■ngl.  vard-fallcn  Rutenfalleu  port  ercctloncm  virgue). 
s.  tierte.  IMV  Fall-Munic  pnpm  er  eudueu*  macht, 
dass  mau  in  Schlaf  fällt  —  /Ifc-Fall,  1  -  Krisis 
inorbi ,  Teuiperaturabsturz  beim  Fieber.  — 
2.  -  Abmagerung,  Abnahme  der  Körperfülle. 

—  &  -  Abgang  eines  Teile«  -  f^f"'  [Abfall 

s.  ausschuhen  (Falke  i,  ii;> ,  Ii,  v. .  —  Abfallen 
des  2.  Blutstropfens  (Schwaben)  (s.  Tropf)  = 
Apoplexia  itavarinii. .'.  wtüj.  —  anfallender  F/us» 

-  (uhUr  fällig  h.  Rückfall   -  [loco  Unfall  - 
eine  Art  vun  unvermutetem,  feindlichem  An-  I 


griff  des  Krankheitsdämons,  Impetus,  Accessio 
morbi  (Paroxysmus  Galeni)  auf  den  Menschen, 
der  dadurch  in  Not  (s.  d.)  versetzt  wird,  z.  B. 
Epilepsie  ■  schwere  Not  (Zeluchr.  f.  d.  l'hilolog. 
xxvi,  SM).  —  Fieber-Anfall  =  Accessio  febris 
(Gr.  \v.  Iii,  1621)  im  Gegensatze  zur  fieberfreien 
Intermiuion.  —  Gicht-Anfall  der  Gicht- 
schmerz nach  längerer  Latenz  der  Krankheit. 

—  Krankheits-Anfall  (Gr.  w.  I,  ::2;;j.  —  Nerven- 
Anfall  =-  plötzliche  Schwäche  oder  Krämpfe 
infolge  von  Nervenreizung.  —  Nies- Anfall^ 
Heufieber  (Schc.b  189).  —  Pest-Anfall  =  Pest- 
erkrankung (Gr.  \v.  vii,  iö72).  —  Schlag-Anfall 

—  plötzliche  Lähmung  durch  den  Schlagrluss 
(s.  d.  u.  Schlag).  —  Schmerz- Anfall  =  der  plötz- 
lich eintretende  Schmerz  einer  sonst  latenten 
Neuralgie.  —  (igiö,  schwerer  Anfall  =  Epilepsia, 
Eclampsia  infantitim  [Coler,  K.  357J.  —  Sehnen- 
Anfall  (ndl.  zenuw-aan valleu,  V.-K.  II,  2:«»)  —  fallende 
Sucht,  die  in  den  Gliedern  u.  Sehnen  Zuckungen, 
einen  Nervenanfall  macht.  —  anfällig  (mhd.  an 
vellec.  Leser  7),  1=  contugiosus  (Gift,  Krebs, 
Seuche)  (Gr.  W.  I,  321.  Schmellcr  I,  7u6,  Coler,  H.  A. 
207).  —  2.  —  leicht  kranklich,  zu  Krankheiten 
disponiert.  —  .De/ -  Fall,  Aucht-TaXL  (ahd.  aohta 
=  Nachtweide,  couf.  Auehtblume,  Schmellcr  I,  31; 
Falke  i,  88)  —  Milzbrand  als  Herdfall  im  Sommer 
auf  der  Nachtweide  im  Gegensatze  zur  Winter- 
fälligkeit. —  .l.'-Fall  1.  -  Ausschlag  (s.  d.V 
2.  =  Vorfall  (s.  d.V  —  (1725)  After-Ausfall 
Mastdann -Vorfall,  Prolapsus  s.  procidentia  ani 
(Thes.  san.  Hr  18::.  431 ;  Zw.  100).  —  (1551)  Haar-Ausfall 
nu««fallen  der  harlln,  Hock  102,1  Alopecia  (s.  Haar- 
fall, Alopecia  leprosa)  [Neiner).  —  (H>6*)  Haut- 
Ausfall  —  Hautausschlag  •  >n.  120).  —  (1742) 
Leibs- Ausfall  —  Eingeweide -Vorfall  aus  dein 
Leibe  (Zw.  413),  Prolapsus,  Hernia  —  (10.  Jahrh.) 
Mutter-  (1712  Bärmutterhals-  Ausfallen) ^Pro- 
lapsus vaginae  et  uteri  (Th  >  •  s . tu.  Hr.  37«;  Arx.-Huch  ■ 
Zw.  loi.  260).  —  «lie  Zähne  fallen  aus  (ihren 
Fächern)  --  auffallen,  1  -  ausschlüpfen  aus 
dem  Ei  (Schindler I,  703).  —  2. -einen  Ausschlag 
der  Haut  erhalten ;  dazu  .100.0;  heftig  ausgefallen 
sein  (Inchenh  Mirakel,  Schmellcr  I,  703  —  senbie  occu- 
P«ii  iHüsj.  Sellin.  I  cod.;.  ausfällig  sein  —  ideui.  — 
8.  —  die  Eingeweide  od.  Glieder  durch  Fall  od. 
BÖHM  aus  ihrer  Lage  bringen,  z.  B.  einen  Ein- 
geweide-Vorfall haben.  —  (1200)  der  Iura  ist  ■£ 
geswoiicu,  diu  er  weile  rtzvallen  =  dass  er  durch 
den  Entzündungsprozess  zur  Spontanluxation 
gelangt  (l'feiffer  35).  —  einen  Zahn  oder  Arm 
ausfallen  (aus  seiner  natürlichen  Fügung).  — 
<t<.2U|  Bauch-TäXLiffkeitcti  {lt.  Minderer)  -  Durchfall 
mit  Bauchschmerz.  —  {/«--fallen  mit  einer  Krank- 
heit (s.  Anfall:.  —  /?/«f-Fall  -  Blutsturz  (Hac- 

moptoe;.  —  'icr~    I  fallen  (oberd.)  =  durch  Fall, 

Sturzsich  benchadiuen,  zerfallen,  zu  Tod  stürzen 
(Schweiler  I.  703).  —  (108»)  dwchWliy  (Had.  Jon.  8W; 
«.r.  W.  II,  lOtx.)  -  mit  dem  Hurchfall  behaftet.  — 
(l-^e;  Durch-Tsül  i^r.  W,  II,  1605),  1.  =  Diarrhoe, 
Hurchbruch,  Durchmarsch,  Abweichen,  L'ho- 
lerine  (Aekerm.  2i«;  llutclaud  48*>j.  —  (1676)  uvuf- 
Kierende  l'iurchfälle  epkteinwche  Kühr  (IlucM'i 
II,  385).  —  (1753]  Mutter- Durchfall  hysterische 
Diarrhoe,  „die  allein  von  den  Unruhen  der 


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12«  fallen. 

Mutternerven  (Hysterie)  kommt"  (A.  v.  H.  J,  stM). 

—  Zahu-Durchfäll  =  Diarrhoe»  infantium  ex 
dentione,  eine  Diarrhoe  zur  Zeit  des  ersten 
Zahnens  der  Kinder  (Köhler  Ii,  233).  —  2.  = 
(fränkische  Redensart)  den  Durchfall  haben  =  ein 
wenig  im  Kopfe  verrückt  sein  (verhüllende  Um- 
Schreibung.  Schmeller  I,  701).  —  Du irr  Fall  =  Dürr- 
faule  (Kalke  1,  223).  —  (1752)  das  .Einfallen  der 
Beine,  1.  ~  Altersknickung  der  Beine  —  2.  — 
X-Fflsse  (Hackerheine,  Genu  valgum)  (A.  v.  II- 
II,  42o>.  —  (1SIB)  enge  Fall  —  Schlund  Verengerung 
(der  .Schlund  als  Klappe  =  Falle  angenommen) 
(Pries  87,  engl,  jaw-fall  —  Kinnbackenkrampf  l  — 
«tf-fallen  -  ganz  zu  Grunde,  Verlust  gehen 
durch  Fall,  z.  Ii.  die  Sprache  (Coler,  H.  A.  110). 

—  (1482)  Errf-Fall  (mhd.  ertvall;  1482  ertfall,  D.  275, 
iMxet  55),  1.  =  Totschlag,  Wunde,  wenn  ein 
Mann  oder  auch  ein  Glied  desselben  nieder- 
gehauen wird  und  zur  Erde  fallt,  zu  Boden 
stürzt  (Gr.  W.  UJ,  7i.7;  IV.  2.  I0.su).  —  2.  -  Milz- 
brand S.  Krdsturz.  —3.  =  Rotlauf  (uerbarupertiana 
[D.  275]  sollte  dagegen  helfen).  —  erdfallig  (1252  ort- 
vcliik,  «ciuiu  lier  I,  705),  den  Krdfall  habend  (s.  o  ). 
[UM)  Haar-TaH  Alopecia  (s.  Fuchskrankheil), 
Maar-Ausfall  ;'s.  o.),  capillorum  defluviuiu  (ur. 
W.  IV.  2.  2«;  l'felfler  io).  ein  Zeichen  von  l.epra 
(Morfea),  Syphilis  etc.  —  Herd-Tall,  1  -  Erd- 
fall (s.  o.)  (Ur.  W.  IV,  2.  iosoi.  —  2.  =  tödliche 
Herdenseuche.  —  das  Hin-f allen,  das  Hin- 
fallende sei.  Weh,  Übel,  Seuche,  Siechtum, 
Gebresten;  die  Hinfallende  (Seuche,  Sucht); 
der  Hinfallende  (Siechtag,  s.  d  ),  1.  =  Epilepsia 
(s.  d.)  (mortui*  oadnena  i  eomlflallt,  Gr.  W.  IV,  l. 
1W»,  2  1429;  Sehmeiler  I,  705;  morbus  Avertlnl  = 
Ulli  a  i-ensu  avertit,  I)u  Cansre  V,  517;  siehe  diu  übrigen 
Synonyma  bei  fallende  Krankheit  und  Epilepsie.  — 
2.  =  eine  Kinderkrankheit;  die  böse  Staupe, 
die  Brandwut  [Gr.  w.  Ii,  :i02),  bei  der  die  Tiere 
plötzlich  hinfallen  ;  Krdsturz,  Erdfall,  s.  d.)  - 
apoplectiformer  Milzbrand.  —  3.  I17W)  eine 
Jlühnerseuche.  —  hinfällig  =  ohnmachtig,  in- 
lirmus  (Gr.  w.  IV,  2.  1430).  schwächlich,  leicht 
fallend,  uebrechlich  (hinfällige  Gesundheit).  — 
/»infcr-fällig  s.  Kückfall.  —  Horn-Tall  -  das 
Abfallen  der  Horntoile  (Haare,  Klauen,  Nagel), 
1.  =  Klauenseuche.  —  2.  -  Lepra  (II.  Z.  VI,  Oft; 
schui.  l,  llüi),  Lepra  nervorum,  bei  der  Auf- 
blätterung und  Zerbröekelun«  der  hornartigon 
Nägel  Stattfindet  (Neisscr,  Z.  ildb.  d.  tp.  Path.  ii. 
Tfaer.  XIV,  1.  6»)  (s.  Hornbruder).  —  Afis.s-Fall 
jsrhwed.  missfall ;  ifiw,  mll .  mlsval,  De  Cock  60;  ml«- 
vallen  van  kinde,  V.  K.  II,  »)  =  Abortus  vom  An- 
fange des  zweiten  Monats  (Ilyrtl,  Anat.  742;  Ackern, 
441),  Fehlgeburt,  wobei  die  Frucht  sozusagen 
schlecht  herausfallt  aus  dem  Leihe  (Gr.  W.  VI, 
22st)  (noch  gebräuchlich).  —  monaf-fallend  :«hd. 
inanod  fnllonti)  ;  lunaticus,  an  der  intermittie- 
renden Epilepsie  leidend  (Schmeller  I,  1608).  — 
Ohr-Taü  Erdfall  (s.  d.)  (15.  Jahrb.,  ndl.  orval, 
D.  275).  Nachdem  die  Ptlnuze  „Erdfall"  (Geniuium 
Rupertiaimm,  Itobertlanum)  auch  Ohr-Fall  forvall,  d.  h. 
Mittel  treten  diese)  heUst  (Gr.  W.  III,  767)  so  bt 
„ohrfair  uli  Erdfall  des  Ohres,  d.  h.  Blutung 
beim  abgehauenen  Ohre  zu  verstehen  (Gr.  W. 
VII,  1261).  —  Ohr- verfallen  (8.  u.).  —  Pcftf-Fall, 
1.     Festanfall.      2.  -  der  einzelne  IVstkrank- 


fallen. 

* 

heiUfall.  -  (1782)  BücA-Fall  (rückfällig* -Mor- 
bus recidivus  (15.  Jahrh..  ndd.  achtervellich  [s.  d.j. 
hmterfalllg) ,  wieder  auf  das  Krankenlager  zu 
liegen  kommend  (l».  487).  —  Riie kt all- Fieber, 

—  Typhus.  —  Runzel-  (fi«nre-)Fall  =  Cunnus 
|  (nach  Gr.  \V.  VIII,  1423  aus  [franz.]  ronceval  volks- 

etyraolofflseh  umffedeutet  auf  runse)  —  Falte.  — 
scJucerer  Fall,  1.  —  gewichtiger  Sturz.  —  2.= 
ernster  Krankheitsfall  (Fall  1).  —  1645)  Schultern- 
Fall  -  die  Verrenkung  einer  Schulter  durch 
Fall,  Store  (Coler,  B.  A.  143).  —  Stoib-Fall  (ndl. 
sterf  ffeval,  De  Coek  335)  s  eigentlich  das  zur  Erde 
fallen  beim  Sterben  und  =  Todesfall.  —  Torf- 
Fall  (mhd.  K.t-val,  töt-gevclle),  1.  =  eigentlich  das 
plötzliche  Sterben  durch  Verwundung,  wobei 

I   man  zur  Erde  fallt  (Gr.  W.  III,  1272.  l/nter  269).  — 
i  2.  =  der  einzelne  mit  Tod  abgehende  Krank- 
1  heitsfall.  —  7Vwn/c-Fällt0A-e»f  -  Alkoholismus, 
der  hinfällige  Zustand  bei  der  Trunksucht  (Pr. 
Arzt  187.".,  s  i:i»).  —  (1620)  ; 1  j  fallen  sein  -  flber- 
1  deckt  mit  Ausfall,  Ausschlag  (Zeltachr.  f.  d.  Philol 
XXVI,  242).  —  (1477)  fjVrfall,  m.  (überval,  Lcxer 
2*1),  1.  bs  Epiglottia  (C  v.  MegeubK).  herüber- 
t  reichende  Fallen-  (s.  o.)  Klappe,  der  Kehldeckel 
als  eine  über  den  Kehlkopf  herüberfallende 
Bedeckung.  —  2.  -  s  Überwurf  (Falke  II,  385).  — 
(160  .)  I/nfall,  Einfall,  1.  =  Viehseuche  (Anthrax - 

EpisOOtie;  (Inchenh.  Mir.;  1735  paehe  umfall  - 
schelm.  A  M.  18;  1777,  Schmeller  I,  705),  s.  Erdsturz, 
VtebfälL  —  2.  =  der  unglückliche  Fall,  Sturz, 
Unglücksfall.  —  (1661)  twfallen,  1.  -  Unfall  2. 
2.  ■  Krankheit  halben  (Hock  145)  in  Abzehrung 
und  KräfteBchwund  fallen, geraten  durch  Krank- 
heit. —  Ohr-verfallen  (1280  so  dem  menschen  diu 
«.reu  verwaebsent  oder  vervallent,  daz  er.  niht  ffelmreu 
mach,  Pfeiffer  :;7.  88).  —  (1681)  am  G'hör-veifallt 
leiden  (Manuskript  eines  Dorfbaders ;  kherverfoldt). 
1.  =  Obturatio  tubae  Eustachii,  bei  der  das  Hör- 
vermögen durch  plötzlichen  Schleimverschluss 
„sich  verschlagt",  wie  eine  zufallende  Thüre, 
die  den  Zugang  verschliesst.  —  2.  =  jede  Schwer- 
hörigkeit, gewissermassen  der  durch  Fall,  Sturz 
verursachten  analog;  (aufs  Hirn  gefallen  sein). 

—  (161»)  Todes-vorfallen  =  mit  dem  Tode  ab- 
gehen (Schmeller  i,  704) ,  das  Leben  ganz  be- 

I  schliessen.  —  VWi-Fall  -  Vieh-Seuche  (Epi- 
zootie).  —  Vorfall  -  regelwidriges  Zumvor- 
scheinkommen  von  sonst  mehr  im  Innern  des 
Körpers  liegenden  Teilen  (z.  B.  KindesteilenV 

—  Augapfel-,  Augen-Vorfall  —  Exophthalmus 
(A.  v.  H.  Ii,  42«:,  Proptosis  (Galeni),  Vortreten 
des  Augenbulbus.  —  Mutterhals- Vorfall- Fro- 
lapsus  uteri  (Zw.  622).  —  (1515)  tcieder-Wlig  = 
rückfällig  (s.  wiederfälligeSucht).  —  (1735)  winter- 
fällig  -  im  Winter  trotz  guter  Stalllütterung 
dürr  und  mager,  hinfällig  werdend  (v.  Tieren) 
{V.  B.  29),  im  Gegensatze  z.  sommerlichen  Milz- 
brand  auf  der  Weide  -  Umfall,  Aucht-  (Aug-) 
Fall.  —  Zufall  (mhd.  zuoval  —  accidens,  was  einem 
zufallt,  Kluge4.  100,  --  Symptoma  (Aristoieiu:,  Er- 
scheinung bei  einer  Krankheit,  deren  Hinzu- 
treten mau  nicht  erwartete  (Ackermann  ttf).  — 
Zufall  beim  Fieber  u>2  mfal  im  Heber  als  wpiak 
des  haupt  orler  llu*<  der  nitsen      symptoma,  Zeninff. 

|  Voc.  qq  l;  D.  587),  z.  B.  Wehtag  des  Hauptes, 
NasonfluHs,  Herzklopfen  (-  Herzzufall;,  ;i6«o) 


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falsch — Familie. 


Fang— Kar  he. 


121 


Speichelßuss,  Entzündung  (-  Kopfrufall,  (Kopp 
IV.  435;  Hildenbr.  49,  IslO,  Pr.  II,  279),  —  116  Jahrb.) 
melancholische  Zufalle  -  die  Komplexion  der 
Melancholie  (s.d.) als  Symptom  b.  Herzschwäche 

\nu.-Bueh).  —  Nervenzufälle  =  Eclampsia  syrap- 
tomatica,  hysterische  Krämpfe,  Ohnmächten; 

1361  zufallende  kränklichen  der  kinder  —  spasml 
[Eclampsia  sytuptoinatica],  Bock  I4«>j,  (conf.  Zufalls- 
Fieber  .  —  Ohren -Zufallen  =  Ohrensausen  und 
Schwerhörigkeit,  als  ob  vor  den  Obren  eine 
ThOre  zugefallen  wäre  (Pauli  no).  —  (1861]  Spann- 
ader-Zufälle (<:r.  W.  VIII.  16».'.)  -  NervenzufAlle 
(s.  o).  —  Fall-  fallen  U  Frais,  -Gicht,  -Schäden. 
-Schlier,  -Seuche,  -Siechtag,  -Siechtum,  -Sucltt, 

—  Thüre,  -  Übel,  -  Weh,  -  Wunde. 

falsch  (mhd.  valsch,  eine  relativ  junge  Neubildung, 
die  einem  aus  dein  Welschlandc  auf  Umwegen  erhal- 
tenen Worte  aus  Int.  falsus  [Kluge  97;  entstammt) 
unrecht,  unecht  ;  s.  d.),  unwahr,  vortäuschend.  — 

(WS)  ge-  I  mjudjj  _  fai8Ch  behandelt,  verdorben 
ver- 1 

i-nracel«.'  —  falsch^,  er,  es,  -Aufnahme, -Blatter, 
-Bräune,  •  Brustbräune,  -Drehkrankheit,  -Druse, 
•Empfängnis,  Frucht,  -Fruchtwasser,  Gliederweh, 
•Geruch,  -Haar,  -Harnröhre,  -Haut,  -Klaue, 
•Knochen,  -Krätze,  -Kunde,  -Lage,  -Märker, 
-Masern ,  -Pestseuchen  ,  -Pleuresch ,  -Pocken, 
-Quartier,  Hippen,  -Schafwasser ,  -Sehen, 
-Seitenstich,  -Siechtag,  -Schwindel,  Versamm- 
lung, -Wasser,  -  Wehen,  -  Weichseltopf,  -  Wochen. 

falten,  Falte,  f  Faltung  (vonterm.  pit ;  gem. 

serm  faltb  .  ahd.  lalt.  (altan  ;  mhd.  valte,  Valien  Kluge 
9*  —  tlachenhaft  zusammenlegen.  .  —  (1783)  Keldung — 
Faltung,  von  Eingeweidehäuten  (Löveling  197).  — 
Darm  Falte  -  die  Rumeln  der  Gedärmschleim- 
hant  (Valvulae  conniventos  etc.)  [Qr.  W.  D,  781). 

—  Z)»<-cÄ-Faltung  =>  Leistenbeuge.  —  Gaumen- 
Falten  —  Gaumensegel,  Palatntn  molle.  —  Ge- 
rii  Ii!*  Falten  —  Runzeln  (Filteln)  (Schnuller  i,  716). 

—  //  •'«'-Falten  —  Runzeln  (Schindler  I,  7io;.  — 

Mannith-  j  jaj^e^'  05  J  (15-Jahrh.  mauigfalt,  manch- 

falt  =  omasum  [omentum1,  tomoculum,  intestinum 
Kouni,  echlnus,  abomasus.  I).  196.  395.  587;,  1.  —  das 
dünne  Gedärm,  das  in  häutige  o.  viel«* Schlingen 
und  Falten  sich  legt.  —  2.  =  der  in  viele  Schleim- 
hautfalten gelegte  Psalter,  der  3.  Magen  der 
Wiederkäuer  (Schindler  I.  1605 ;  Und  Juu.  48;  Gr.  W. 

vn,  1206  —  Afund-Falten  =  Runzeln  um  den 
Mundwinke).  —  Stit  -.-Falten  -  Runzeln  auf 
der  Stirne  (Rugae;  8.  Abrahämle;  Filteln).  — 
Vi>/-falt  (ahd.  vilevart  vUefalt]  =  omaMi«,  D.  395)  a 
Mannigfalt.  —  Falten- Kranz,  Magen,  -Ring. 

Falz,  m.,  falzen  (indogerm.  peld  [dazu  Filz);  gern», 
falt  m  pcllere  [peldere]  —  »tossen  ;  ahd.  falzen  ;  mhd. 
valzen  -  zusammenlegen ,  Kluge  9S  anstoßend  ver- 
binden). —  Xagel-Talz  -  die  tiefe  I  lautfurche, 
mit  «1er  der  hintere  Teil  und  die  beiden  Seiten- 
teile des  Nagels  's.  d.)  zusamtneustoRiien  fityrtl, 
Anat.  622.  —  Falz  -  Wunde. 

f am  ein-  fabeln  (fama^i  [Kraus,  B.  :.;<;. 

Familie,  f.  (ein  seil  ca.  1700  eingebürgertes  Wort 
au«  [frz.J  familleu  [lat.]  familia,  Kluge  *,  9s;.  — Bluter- 

Famille    Familie,  in  der  alle  Generationen  der- 


selben Vertreter  der sogen.  Bluterkrankheit  auf- 
zuweisen haben.  —  Familien  -  Krankheit. 

Fang,  fangen,  Fanger  s.  fahen. 
fantalierenf il:!0S  famA?ift  =  ,rrwftbn;  ""  ,an" 

tastieus  -  idiota.  homo  lumitieus,  fanta.sU  =  cella  in  an- 
teriori  parte  capitis,  r>u  «Zange  IV,  413 ,  I).  226  ;  f  s.  Zelle; , 
zu  mhd.  fantaste  aus  [lat.-griech.)  phantaMa.  Kluge*, 
99;  Leset  311;  Du  fange  VI,  302  =  Einbildung,  enfan- 
tement;  1482  fantasiare,  Zening.  Voo. ;  1508  fanUstig 
.-  mit  Fantasien  behaftet,  delirierend,  «ir  W.  IV,  2.  1563: 
1594  faudasey  —  Gehirnkrankheit  [*.  Bayerland  1894 
s  43«.]). —  fantasieren  —  Delirien  äussern(Buek  Ii; 

—  (16.  Jahrb.)  krumme  Fantasie  —  verkehrte  Ein- 
hüllung, Melancholie  (D.  354).  —  berchtische  Tru- 
den  -Fantasie  eine  Einbildung  oder  Wahn- 
vorstellung als  Folge  des  Einflusses  derTru«len. 
des  Gefolges  der  Frau  Berchte  (Schnuller  I,  2721 

—  (lc.Jnhrh.)  <p-o«s«  Fantasie  -  lebhaftes  Fieber - 
delirium  bei  der  Pestkrankheit  (Lersch  272). 

Farbe,  f.  (ahd.  farawa;  mhd.  varwe.  Kluge*,  99  — 
da«  verschiedenartige  Aussehen  eines  Gegenstandes). 
1.  —  Hautfarbe  ah-  Gesundheit«-  oder  Krank- 
heitszeichen.  —  2.  =  Blut  (Schweiss).  das  farbige 
Spuren  hinteiläSSt  (Jägersprache,  Gr.  \V.  III.  1322. 
1324).  —  Blutharnen  -  färben  (Schindler  I,  761). 
(Nach  der  Farbe  unterschied  die  griechUchc  Medizin 
schule  die  vier  <len  Korper  der  Lebewesen  zusammen- 
setzenden Elemente  Blut  [rot],  Schleim  [weiss],  gelben, 
schwarze  Galle ;  auch  die  Arablsten  des  Mittelalters  legten 
nach  dem  Vorbilde  Rhazes'  [um  900]  in  dem  Itegimen 
j  scolae  salernitanae  den  Körperfarben  besondere  Bedeu- 
tung bei,  z.  lt.  war  rot  [aer,  «amiulsjdie  Farbe  des  Blutes, 
Klutzeuguisses,  der  8ch«.nhelt  un  Leib  und  Haar ;  bleich 
j  oder  gelb  [crocus.  ignls,  cholcra]  die  Farbe  der  Galle, 
I  des  Neides,  des  Zornes,  der  Krankheit  und  des  Todes, 
braunschwarz  Unten*,  lern«,  melancholia]  die  Farbe  des 
I  Hasslichen,   des  l'uglücke*.  der  Dämonen  [Teufel); 
weiss  [a<|ua,  phlegmal  die  Farbe  des  Stumpfsinns  und 
Schleime«;  blau  =  die  Farbe  der  Hcrzetiskalte  ,  grün 
die  Farbe  des  Wassers,  des  boshaften  Neides.  der  Krank- 
'  heit  [grüngelb]  und  des  Giftes  [«{alle  I,  2   aber  auch 
1  der  Fris«-he;  grau  —  die  Farbe  des  Alters  und  der  Dä- 
monen [abgeblasstes  Schwarz1. .  vergl.  Wackemagel,  «He 
KarlM  ti    und  Itlumenspr.  «1.  M. -Alters  Abhdl.  1,  151  IT. 
In  den  uralten,  deutschen  Besch wonmgsformeln  denten 
die  Krankheilsfarben  und  Wurmfarben  die  Symptome 
und  Stadien  der  Krankheit  an,  vergl.  Bartels  In  Zeitsehr. 
«1.  Ver  t  Volksk  1895.  s.  2»;  ».  Rose).  Man  bekommt 
^verliert  Farbe  =  erhalt  wieder  das  Ansehen 
der  Gesundheit  (Krankheit)  (Gr.  W.  III,  1322).  — 
atVfärbig  [abveer,  Schmeller  I,  750)  =  ungestaltet, 
bleich,  missfarbig.  —  (13.  Jahrb.)  «WctcA-farbig 
I  (mnd.  blekvaer.  Mag  Barth.  95i  m  hellgelbe,  bleiche 
j  Gesichtsfarbe  habend.  —  «Vitf-farbig  (blotfaro, 
j  blütfarwl,  Oraff  III,  253 ;  14.  Jahrh.  bluotvar,  Voc.  opt. 
W.  15.  31;  Gr.  \v.  VI,  1699)  -  frischrot  z.  B.  Wund- 
masen,  Gedärme  etc.  —  erd- farbig  1 175,  ndl.  ert- 
varwige  -  melamoUeus,  D.  354)  =  Voll  braungelber 
Missfarbe  infolge  irdischen  Blutes  (s.  d.)  oder 
8chwarzerGall<>;8.  Melancholie  —  Fteier-Farbe 
(1260  flwervar,  Pfeiffer  2«;  Gr.  W.  III,  1621)  =  Color 
febiiculosus  -  Fieberröte  im  Angesichte,  oder 
llarnscdimente,  hektische  Wangenröte.  —  Gccl-, 
Geifj-Farbe  ur  •  k- h eclr arw« — hepnttena,  D.203,  IUI 


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122 


Karre— Fauch. 


Fasel— Fass. 


Hock  36),  1.  =  Ikterus  hepaticus,  Gelbsucht  —  I 
2.  =  das  Aussehen  des  Siechtums  oder  Todes 
fg.  o.  u.  gelb).  —  Gesichts-Yasbe  -  der  Ausdruck 
der  Gesundheit  oder  Krankheit.  —  (ia»o;  gift- 
färbig  =  von  hüsslicher,  unschöner  (Urin)- Farbe 
« Pfeiffer  23.  «►:>),  —  gute  Farbe  =  gesundes  Aus-  ' 
sehen.  —  Leib  -  Farbe  =  Fleischfarbe  des 
menschlichen  Körpers  [Gr.  W.  vi.  ftyo;  Roch 
hoijt  II).  —  [1609]  glawe  l.einesfarb  fahlirraue 
Hautfarbe  -  Argyria  (Guar,  so?).  —  Jfi*»-Farbe 

l'ahd.  mlssafurui  —  miss-  und  verschiedenfarbig,  Graff 
III,  701;  1">U  mlssfarb  under  dem  angcslcht.  Hook  269 
-=  mnrphca  [Kkzetna,  Lepra  etc]  ,  1"*S  missfarbc)  = 
das  entstellende  Aussehen  des  menschlichen 
Angesichts  infolge  von  Krankheiten,  z.  B. 
Gelbiiucht  (Ikterus''  (Gr. W.  VI,  22Ä5)  oder  Hleich- 
sucht  (Chlorosie;  (Thea,  san.  Hr.  201).  —  (1699)  mol- 
Acn-farbig  -  kasbleich,  weiss  wie  Molke  (v.  II. 
II.  233).  —  rcA-farbig  (mhd.  re-var)  =  leichenfarbitr 
<r*  =  rew  Leichnam,  T.exer  196).  —  (1731)  rot- färbig 
=  meist  hlutfarbig  (A.  M.  31),  von  sanguinischer 
oder  cholerischer  Natur  iui  Gegensätze  zu  den 
erdfarbigen  Melancholikern.  —  sr hin ken- farbig 
(1561  porcinae  camis  salitac  c<»l<.r,  IT.  II,  212)  -  an  die 
rothraune  Kupferfarbe  des  Schinkenfleisches 
erinnernd,  fflrsyphilitische  Exanthema  charak- 
teristisch i's.  auch  Schinkenmilz).  —  (i.vkh)  Toten- 
Farbe  Facies  hinpokratica,  die  Ueichenblösse 
(1475,  Ddl.  dolt  varwich  ;  IftSO  todtcn  färb,  1).  346  —  [pa] 
luridus;  Tabernaera. ;  A  v.  H.  I,  NO  ;  mhd.  UVt-var- 
letcbenblaaa,  I^ezer  269)  =  eine  Hautfarbe,  die  nach 
dem  Volksglauben  (Wuttke  313)  durch  den  An- 
blick eines  Toten  sich  erzeugte.  —  (K>99j  rinn- 
farbig -  lividbläulich  von  den  Pestkndtchen 
[v.M.  II,  102)  —  Zim^m-Färbung  missfarbiger 
Belegder  Zunge  (Kalke  Ii.  —  farbige  maculosus, 
pigmentosus.  —  Farb(en)  blind,  Sucht.  —  farbige 
-Flecken,  Leute,  -  Weiber. 

Farre,  tn.  Faren,  m.  (jtem.-genji.  farz  [Kar**]; 

nhd.  larro;  mhd.  varre  und  pfarrc  (durch  Karin'  ab 

stechend,  Kluge*,  wi  =  Stier,  Faselochs  ischw  is7j. 

—  2.  —  (indogerm  porao  —  federahnliches  Matt  ;  ab«! 
virn  ;  mhd  varu    Karrukrtiut,  Kluge8,  99;  rund,  varni 
=  ein  Eingeweidewurm  (Mag    Harth  ioob.>,  der 
vermutlich  seinen  Namen  von  dem  Wurmmittel 
(Farrenkraut;  hat.   —  Farren- HrtVr.  -Höh, 

—  Wampe 

farzen  (färzen,  ferzen  fimyera),  furzen,  Farz, 

Farzer,  m.)  (gera.-lndogcrm.  perd  (iri^&tivj;  germ. 
fert;  ahd.  ferzan,  faratn  ;  mhd.  varzen  ;  altndd.  verton 

—  bombizare,  P.  78  ;  13.  Jahrb.  verzen,  vnrzcn  pederc, 
Kluse  99;  <Jr  W.  HI,  1335 ;  Im  15,  Jahrb.  erst  eut- 
standen  als  ..fartzen  \  <ir.  W*.  IV.  1.  SM;  l.V  Jahrb. 
verezer  =  anun.  1).  39 ;  1482  Zculng.  Vup.  hh  4 ;  einen 
Kant  [Kurz,  s.  d]  absehen  lassen,  Sehw.  222;  hunibisare, 
faist.n;  160".'  farzen  -  -  pod«-rc,  45  nur.  Restet,  j  engl  fart, 
Kaltacbm.).  — (1 1*7)  Farz  Crepitus  ventris  ,vForz, 
Furz,  Blähung)  fOr.  W.  III.  1334;  nyrtl,  K.  W.  6). 
Farzer  (Färzer)  Fodex  als  die  Statte  der  Er- 
zeugung des  Crepitus  (ursprüngl.  pordez,  Gr.  W. 
III,  l.'.3<;.  15.V4;  t.„  Jahrb.  verzer,  I»  —  T&TZ-Rock, 
■Buchse,  Dann,  -Glocke. 

Fasch.  n.  1.  -  s.  Foseh  (Gruitbnbwn  isii; 
Krau«,  e.j,  —  2.  «  Faist  (Schwein,  Blut 


Fasel,  m.  fgenu.  fu*  pari»  rpusi<<] —gebaren,  er- 
zeugen, Kluse*,  99;  ahd.  fasal  =  Junges,  foetu«,  feturn. 
Graft  III.  374;  I».  232;  mhd.  vasel-palus,  Plahl.  nudus 
ad  palum,  Pu  <  ange  =  faselnackt,  innd.  vesel  = 
trächtig,  Hoffm  I,  3.*),  1.  =  Penis  des  Tieres,  Och- 
senfiesel.  —  2.  —  der  Samen,  Semen,  Zucht- 
Foetus  (II.  Z  XV,  3:i0-fa.«ll  ;  1610  Kasel  ^  foetu».  «üb- 
ole«.  semen,  Gr.  W.  III.  1337;  C.  v.  Schro.  182).  — 
qute  Fasel  ■  gute  Zucht,  Abstammunz  (Kalke  I. 
273).  —  Tnfasel  -  bose  Frucht  (Schneller  I.  763  ; 
Leier  303i  —  Fasel- Bursch,  -Hann». 

faseln  (U.  Jabrh  ein  Auslaufer  deo  ahd.  fns.'.n, 
Kluge  99  =  hin-  und  her»uehen  [mit  dem  Kasel  '].  Kluge 
99.  100;  Gr.  vv.  Iii,  133H)  =  Flockenlesen,  Unsinn 
treiben,  thOrichtes  Zeug  reden,  delirare. 

Faser,  f  Fässlein  (Fäserlein,  Fäserchen, 

Faserle)  [*bd.  (MO,  fasa ;  12.-14.  Jahrh.  vase  ss  flmbria. 
Zotte;  mbd.  %*ase,  vaser;  1761  tacslein  —  fllamentum, 
f..  eh  34;  bischen,  »Joethe .  II.  Paul  134 ,  engl,  to  fea*« 
=  Faser  i  Fibra  ,  (lewebsfasern.  Schleimfftden, 
Frans*»,  Saum  (Kluge  99;  Hyrtl,  K.  W.  Sl;  Hoffm.  1, 
:t67;  It.  a.  3.7;  Gr  W.  III,  1339.  I340i;  von  nach- 
folgenden Zusammensetzungen  ergeben  sich 
die  Bedeutungen  der  meisten  selbst  [A.  v.  II.  II, 
500]  /Idcr-FaBern;  Bänder- Fasern;  Bein- 
Fasern;  ß.'urFasern  -  Faserstoff,  (ierinsel, 
Fibrin  (Gr.  w  U,  ist;  Falke  I.  SM);  Einqexceide- 
Fasern;  Flechsen -Fasern;  :i>s  fleischachiehtc, 
Fleisch-T&seTn  ~-  Nerven-  und  Muskelfasern; 
ßi/füta-Faser;  '"2  >:  //am-Fäserlein  (Tbes.  «n. 
Hr.  1047:  =  flockige  Epithelfetzen.  Fibringerinsel 
(1528  faesslin,  Im'I  Fries  113);  U  Faser  (Meyer  521) 
in  Segensprüchen  Schwabens  vorkomraeml: 
Knorpel  Faser;  Ifätw/cin-Faser;  Mögen  Faser; 

.Vasen-Faser  -  fasen  ~  Fetzen  (II.  Sachs ;  Schmel 
ler  I,  763);  AVrirn-Faser;  1 1"5«  praüichte  Fasem 

geschwollene  Fleischteile  Zeitschr.  t  d.  l'hih.i 
XXVI,  24A) ;  Sehnen -Faser. 

Fass,  n  fassen  (Fässlein,  Gefäss,  Fassung) 

( -  liehalter,  als  etwas  fassendes,  in  sich  greifende», 
bebtdene».  Kluge1,  99.  HK);  vorserm.  podo-.  gi  rm. 
tat-  zuaammonbalten  abd.fazz;  mhd.  viutz.  Klus»> lim, 
1477  vaz,  C,  v.  Megetil.g  34;  14S2  fasz,  Gr.  W.  IV,  1 
2131,  IV,  j  482),  1.  Behälter,  der  die  Körper- 
fltissigkeiten zusammenhält:  a  „ß/«^-Grfasse", 
die  das  Blut  fassen  (Gr.  W.  IV,  L  91*1;  II,  182. 
venac,  arterlae;  KOS  vas»zungen  =  v»*a  wingulfera, 
II.  v.  «Jersd.  13;  engl,  blood-vesnel,  Kaltschm. ;  llyrtl 
K.  W.  l'si);  h>  //nrnf  ?ffäS8e  (1477  ein  vaz  des  hann- 
prannen«,  V.  v.  Megenbg.  34;  Gr.  W.  IV,  2.  482)  = 
Harnblase;  c)  „Milch- Gc fasse"  (<ir.  w.  II.  782 

die  Darm-Sangadern,  die  durch  den  absor- 
bierten Chylus  das  Ansehen  bekommen  als 
waren  sie  mit  Milch  gefüllt  (Hyrtl,  \nat  06s 
(Tierwnrzeln.ChvIusgefUsse;  d  Gallen -Griasse 

Gallengang  (s.  d.);  e)  Statten- (Mässe  (1S28 

die  vausuDgea  des  BOineUS,  II.  v.  «iorsd.  13;  Hyrtl, 

]  K.  \v.  153)  =  Vaaa  sperinatica ;  damit  auch  2.= 
Behälter  der  Frucht  und  des  Samens  in  wei- 
terem Sinne :  a^  die  weibliche  [männliche)  Scham 
(iis2  las/.,  <ir.  \v  IV,  l  2131)  h  die  Nachgeburt 
(137«  .Jas  Ii  Klein,  Gr.  W.  II,  UV1) ;  c  Rute,  Virga  equi 
(u.  a  6;>i  —  3  Luft-GefteM  -  Vasa  aerlfera 
'llyrii  k  \v.  i;.:: .  —  4.  s.  auch  Fäserlein  -  Fitss- 

lein  t:  \  ar«7).  —  5  —  Bebalter  «ler  meosch- 


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tuten— Faul. 


Faul. 


12* 


liehen  Knochen.  —  2fetn-Fass  ^ngis.  uau-faet  — 
vu  oMinm,  Rochh.  i,  2;to;  =  der  menschliche  Leib. 

—  ^iu<fon«/utt£-GefäSBChen^  Sehweissdrflsen- 
ausführungsiränge  u.  Haut-Adern  (Nicolai  n,  549). 

—  (17.  Jahrb.)  Furz-T&SS^  Podex  (Gr.  W.  tV,  l.  95ü). 

—  Grfäss,  1.  —  ganzer  Behälter.  —  2.  =».  Fessel. 

—  (1699)  H(uir-Qefli&S6  =  Kapillaren  (v.  M.  II,  125). 

—  SaU-T&as  s.  Pfeirer.  —  rmsj  £du<7-f3t-fäS8 
«elggeta«)  =  Saugadern   (Masctaenb.  tio).  — 

H7iJ3)  WaMtr-Oeßune  —  Vasa  lymphatiea,  die 
da«  Flies«-  od.  Gewebswasser  fassen  (Planier  I, 
IM;  I»  rhir.  W).  —  Fass-,  (Qef&ss)-Beiniqkeit, 
-Fieber,  -Fistel,  -Haut,  -Knoten.  —  fassen 
[ahd.  fazzün;  mhd.  vazzen.  Kitige*,  99)  —  arripere, 
ergreifen,  z.  B.  die  Krankheits-Dätnonen  er- 
greifen, fassen.  —  [1598]  die  Pest  fasst  ihn  an 
=  befallt  ihn  (Gr.  W.  VU,  l.vn). 

fasten  (Kern.  Kerm.fa-tnn  -  fasten,  alsoein  religiöser 
Keeriff  schon  unserer  heldninehen  Vorfahren,  die  »leb 
!n  Hezug  auf  K«sen  und  Trinken  festliche  l  essein  an- 
legen und  sieh  zur  Sicherung  vor  Seuchen  fest  an  eine 
religiöse  Vorschrift  binden  wollten,  Kluge  100;  ahd. 
tasten,  inhd.  vaateo)  sich  des  Fssens  oder  ge- 
wisser Speisen  enthalten;  um  das  Gebint  zu 
verbessern  und  so  die  Krankheiten  zu  heilen, 
fastete  man  ebenso,  wie  man  auch  Kettensätzlich 
das  Fieber  durch  Abessen  und  Abtrinken  heilen 
wollte  fl'auli  lfi;  Im  1.1.  Jahrb.  Pfeiffer  :W  54]  glaubte 
man,  dass  vor  Tk'glnn  der  Ka*tcn*ett  das  Mut  im 
mennchlichen  Leihe  besonders  libel  sei.  und  fürchtete 
man  den  ,, üblen  Tropfen"  um  diese  Zelt)  —  fastmder 

Darm. 

Faul,  n.  Faul(e),  Fäule,  f  Faulung,  faulig 

(Fülly,  fUUl),  faul  (Adj.):  (indogerm.  pü  [r.->o\.  pus, 
putrldu»]  =  «Unkenden,  faulen  Geruch  der  Verwesung 
von  sich  geben;  germ.  fti  [dazu  HM,  ».  d.  —  cunnus); 
gotb  füls  —  faul ;  ahd.  fnl  —  cariosus,  pturidus,  Graf!  III, 
194;  mhd.  vül,  ndl.  vuil;  ndd.  ful ;  engl,  foul,  Kluge", 
kx»  -  putridus  bes.  vom  infizierten  Leibe  und 
Fleische  der  Menschen  und  Tiere,  wenn  dieses 
mürbe,  weich,  jauchig,  fibelriechend  geworden 
ist;  auch  von  Sekreten  (ür.  W.  III,  i:s73j.  --  (1477) 
das  Eiter  fault  die  Wunden  (Ortolph,  Sehmellerl, 
70**)  a  ma<*ht  sie  übelriechend    —  «las  Faul, 

I.  =  (MM  fawl.  Pr.  I.  lufi;  Schmellerl,  1561  sub  meuchel) 
=  Geschwflrhildung,  Knochenfänle  (Caries, 
Putredo;;  auch  2.  -  Faulfieber  (s.  d.).  —  3.  - 
Mundfaule.  —  4.  =  Wassel  sucht  bei  Schafen 
(Kopp  Iii,  2)  infolge  von  Leberfaule  ('s  d.")  — 
5.  =  (holl.  oggrufl libelrlechende.  schmierige  Augen- 
i.utter,  Plcrer  1).  —  Die  Faule,  Fäulin  ;«bd. 
lull  füllda  =  putredo.  Graft  III,  ICH;  mhd  \1ule,  Gr 
W.  III,  l:ir.l  -  putredo,  carte«,  «epsls;  flull  =  putr.-d" 

II.  Z.  XV.  37);  fullth»  -  putredo,  II  Z  XV.  523;  1'.7* 
feulne,  Pr.  II,  130),  1.  —  das  Faulsein  an  den  ver- 
schiedenen Stellen  des  Körpers,  namentlicli 
aber  im  Munde,  wo  sich  der  üble  Geruch  am 
meisten  l>emerkbar  macht.  —  2.  =  spez.  die 
Leberfaule  oder  Bleichsucht  der  Schafe  (s.  d >■ 
zipp  <-,i:  —  Faulheit  as  fahrt  taeUell  Utoi 
I>.  334)  =  der  faule  Zustand  von  Organen.  —  [1020) 
die  Faulung  (Hr.  Minderer]  des  Geblüts,  der  Le- 
iter, der  Lunge  i  —  Sepsis,  Dyskrasie,  Kachexie": 
aus  innerlichen  sogen.  Schürfen  oder  triftigen 
Krankheiten,  r   B  Syphilis.  -    li:o  Fäulnis 


I  (1507  vulnyss  -  «curia,  ü.  älß).  —  Faulen,  f..  1.  = 
Faule,  Fäulung,  auch  -  Syphilis  (Uoeser  II,  203; 
Fucb»  i,  421)  wegen  der  übelriechenden  Ge- 
schwüre. —  2.  =  faulende  Sucht  (s.  d.),  — 
fäulisch  =  anfangend  faul  zu  werden  (Falke  1, 270V 

—  .1  ugen -Faule,  1  =  Augeneiter.  —  2.  -  Faul  6 

—  BflH-Fäule  —  (1712  caries  ossiuin ,  Beinfresser, 
Meinkrebs,  Zw.  311,  earies  ossiuin,  paedarthroeae.- 
(tubercuUW,  Haller  I,  M:>;  II,  671,  „eine  Art  des  Krebs 
in  den  Beinen",  \  v.  II),  Beinfrass  mit  übel- 
riechender Eitersekretion,  Caries  ossium  (Gr  W 

j  I,  l:is6).  —  .Borsten -Fäule  —  ein  skorbutisches 
Zehrungsüeber  bei  Schweinen   (Parasiten  V\ 
wobei  die  glanzlosen  Borsten  mit  einer  kolbig- 
verdickten,  schwftrzlichroten  Wurzel  von  einer 
ödematös  geschwellten,  übelriechenden  Haut 
abfallen,  vorkümmern  oder  leicht  ausgezogen 
werden  (Zipperl.  <*m ,  Merk  27s).  —  (1x121  Darm- 
Fäule  =  Zustand  übelriechender  Sekretion  aus 
I  den  Gedärmen  bei  chronischem  Darmkatarrli 
'  (Falke  I.  ^u:i).  —  Dürr-,  Dur-  (Durch) -Fäule 
I   (1603  duriebe,  Gr.  W.  II,  641.  1721  =  aphthae,  D.  43; 
I   1742  durchfaule;  1777  duerrfiiule  -  aphthae.    I).  4.1; 
Zw.  'J«)4;  1M2  diirrlall.  Falke  I.  223  -  Milzbrand,  durch- 
faule =  ausfallende  Mauke,  1.  c.)  -  „haufenweise, 
kleine,  hitzige  Geschwürlein  und  Blätterlein  im 
Zahnfleisch  und  auf  der  Zunge",  welche  bei  der 
LeibeBdürre  ('Paed  atroph  ie,  Magere,  Altmann, 
8.  d.)  in  der  übelriechenden  Mundhöhle  etc. 
erscheinen:  1.  =  Stomatokace,  die  Mundfäule 
der  Erwachsenen.  —  2.  =  der  Mund-Skorbut. 

—  3.  =  der  Mundkrebs;  auch  Herpes  exedens, 
Lupus.  —  4.  =die  Aphthae  und  Schwämmchen 
der  Kinder  'Gurfäule).  —  5.  —  (lurfias,  Gurfoss 
(b.  d.  Bub  Foss)  —  6  =  übelriechende  Fesscl- 
geschwOre  bei  abmagernden  Pferden  (frz  Javart. 
ausfallende  Mauke,  Gr.  \V.  II,  1606,  Kalke  I).  —  7. 
Milzbrand  als  trockene,  dürre,  bran<lige  Krank- 
heit mit  Gangraena  (Brandbeule\  —  Horn- 
DurrÄ-Fäule,  !.«■  Klauenseuche,  Klauenfäule; 
2=Strahlfftule;  3.  -  Strahl  krebs  (Falke  I,  40s).  — 
[UM]  JWFäule  =  Klauenseuche  bei  Schafen 
und  Rindern  mit  übelriechender  Geschwürs- 
sekretion 'Klanenfäule  (Gr.  W.  IV,  1.  1021;  Heyne 
II,  S74).  —  '.'w  Faule  K.91  gurfel;  1M5  gurfel  n. ; 
17l>  gurvel  ,   Schmellerl,  y35;  Gr.  W,  II,  640.  1721, 

Culer,  Ii.  a  130;  K.  eh.  2  >s;  -  Aphthae,  Schwrtmm- 
chenfäule,  Hefefäule  (Soor).  —  (1M7]  Hrt/s-Fäule, 
1.  =  Bräune  (Diphtherie;  Oidium  albicans^ 
(Horms  »an  ).  —  2.  -  Halsflechte,  Mähnengrint 
als  übelriechende  Hautkrankheit  bei  Pferden 
'Kalke  I,  >-'■).  —  harte  Fäule  ~  der  geschwürig- 
faule Zustand  eines  verhärteten  Organs  'Scirrhus 
apertus)  (Kalke  l,  270).  —  flco-Fäule  -  Gurfiss, 
Gurfoas  (s.  d.).  —  innerliche  Fäulung  (Kuland) 

—  Sepsis  aus  Krankheiten  innerer  Organe.  — 
/f/ViMCTt-Fäule  Klauenseuche  der  Schafe,  wo- 
bei Jie Füsse  faidigeGeschwttrstellen  Anbruch  i 
zeigen  (Kalke  D,  li).  —  Knochen -Fäule  --  Bein- 
frass,  Caries,  Reinfäule  (Gr  W  V,  14SH).  —  Leber- 
Fäule,  1.  -  eine  Wurm-Epizootie  der  Schafe 
durch  den  Leber-Egel,  Pistotmim  hepaticum, 
der  meist  im  Herbste  in  deren  lieber  dringt, 
worauf  sich  im  Januar  <•■■.  Loberatrophie  und 
Wassersucht  einstellen;  im  Frühjahr  wandert 
der  Egelwurm  wieder  aus  (Braun,  tblcr.  Hur«*, 


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124 


Faul 


Faul— Fax. 


I.cuckart  Falke  II,  t.3).  —  2.  -  ein  aus  dem 
übelriechenden  Stuhlgänge  volksmedizinisch 
diugnosticierter  Krankheits/.ustand ,  le  foic 
pourri  \  =  |  lltridum  Bris«.  67).  —  (Ii*,.  Jahrh.) 
Leibet-Tivle  (fenl  Im  I.elb.  Gr.  W.  !,»»)  =  inner- 
liche, septisch-entzündliche  Prozesse,  nament- 
lich im  Magen  und  Gedärme.      Luft  Fäulung 

-  Pesthlft  ( Kraut  w.  1. XXXVII,  der  Magi«ter  Job. 
Koscnpu«fh,  Med.  Prikt  or,  1'rotoaotaitlU  zu  München, 
nuhm  zuerst  11452'  eine  „fnwl  de«  lufltts"  bei  der  Fest 
im  I  —  Miasma   anstatt  de«  geisterhaften  Schelm*  oder 

Alp*  |«.d.].  schmeiicri.  tos).  —  (is»)  Luno«»  Fäule, 

1.  Tuberculosis  pulmonum,  Lungenschwind- 
sucht, Lungenbrand,  auch  Lungensyphilis  ißir., 
Dr.  Hr-Schaff  29;  Faraccl*    l.o«ch  Is";  I»r.  II,  247).  — 

2.  —  Lungenseuche,  Lungenwurtuseuche,  Lun- 
genhrand  bei  Pferden,  Schafen  u.  Hindern  (Perl- 
Hucht),  wobei  dieTiereanYerjauchungder  Lunge 
zugrunde  gehen  -  weiche  Lungenfänle  (Müller. 
Krtrbeb.  lt»i  <.r  W   VI,  1904;  KBlke  II,  81,  4SI).  — 

3.  -  harte  Lungen  faule  =  das  Stadium  der 
Hepatisation  der  Lunge  bei  der  Lungenseucbe 
(Pellte  I,  SM).  —  A/aui-Fäule,  1  Maulseuche 
s.  d.)  beim  Rinde  —  2  —  Maulgeschwüre  beim 
Hunde  i(ir  w.  VI,  l»u*.  Kalke  II,  103).  —  Mund- 
Fättle  <  15»  „faulige  Au«ebwcilg.  de«  Zahnfleisches"  [!], 
Cr.  W.  VI,  26.17;  1747  -  seorbut,  llauml  34«;  17  .2  - 
«tomatokacc.  «corbutu«  ort»  „eine  Vcrfaulung  und 
«(■im ;,ri:i; l-  ir,  , i t n  Munde  von  eüma  rahm  Schal 
bock  herkommend",  A  v.  II.  I,  Uli  und  *korbiiti*cher 
Brand, A.  ?.  H.  II,  1279).  A  v.  Haller  «agt  weiter  (I,  IIS) ; 

Im  gewöhnlichen  Leben  nennt  man  die  Mundfaule 
denjenigen  Zustand  des  Mundes,  der  Zunge,  de«  Ra- 
chen«, Schlundes,  Magen*  und  der  dünnen  Ucdnrme, 
wo  alles  wei«*  aussieht  und  auf  der  « »bertlache  mit 
kleinen,  runden  Muttern  und  lie«ehwilrcu  bedeckt  i«t, 
die  zwar  nicht  tief  gehen  und  mei«tcn«  w  ei»«.,  hell  lind, 
manchmal  gelb  (walltlschgvlb),  braun,  blau  uud«ch\\  ar* 
werden'".  Demnach  versteht  d.  Volk  unter  Mu  nd- 
fäuie  jede  aashaft  riechende,  geschwürige 
KntzOndung  im  Munde,  im  Besonderen  aber: 

I.  i'isasj  Stomatitis  aphthosa  et  ulcerosa  (Kohlet 

II,  9)  ■  Aphthen  infliiinnioiund  Diphtherie 

—  2  -  Oidium  albicans  (Hob,  Gurfoss,  Kahm, 
Foseh,  Fasch)  (In?,  ehaucre  blaue,  A.  Forc  --■  cancer 
blane,  lirt««.  182,  Stomakace).  —  3. —die  Stomakacc 
seorbutica  (nach  a.  v.  Ii.  l.  c.)  =  Cheilokace  der 
Griechen-  Labrosuleium  der  Körner  s  Schar- 
hock,  Skorbut).  —  4  =  die  Noma  ((Jaleni), 
Wnxserkrebs  (Rehrend  70).  —  5.  —  Mundhohlen- 
Krebs  —  6.  Mundhöhlen-Syphilis  [Mundfaul- 
Krauter  fturl :  Chcuopodluiu  vnlvariae,  l'runella  vulg  , 
'•alitim  verum,  I.lgti«truin  vulgare  etc.,  Jc«»eu  59.'.,. 
Itcmerkeu*wert  Int,  da««  iu  den  gegen  die  Mundfäule 
gebräuchlichen  lte*|'rechui)gen  :».  d.  Verf.  Volk«-Mcd. 
N)  der  au««aizige  Job  auftritt .  Dodau«  man  an  eine 
frühe  AufTad*iing  dle«er  Krankheit  al«  eine  Infektion- 
Kam  denken  könnte  [«.  Zeltschr.  d.  V.  f.  Volks  Kd 
l*.»ö,  8.  7  U.  Wnltke  H.2);  du«  Ulelche  ergibt  Dich  auch 
au«  der  l'tlanxcnthcrnpic  de«  Volke«.  —  iVflM-Fäüle 
(Schweiz)  —  eine  llarnkrankheit  der  Ochsen,  die 
scheinbar  am  Nabel  harnen  [(ir  \v.  vn  ..  .  — 
»Vajf/Fäule  (162»  naeelfuly.  II  v,  Uemd.  100  (-  Pa- 
naritinm,  Fingeruurm,  Umlauf,  Astel,  Adel, 
Ungenannt  etc  —  Keytn  Tüvle  eine  Haut- 
krankheit   Milhenrüude)  der  Schafe,  die  sich 


rur  Zeit  des  Weideganges  unter  anhaltendem 
Regen  einstellt,  und  wobei  das  Vlieas  leidet 
(Falke  III,  223.  280).  —  (ISIS)  Bipi>en-Fäule  der 
Knochenfrass  an  den  Kippen  (  Caries  costarum 
mit  langwUhrenden  Geschwüren  (WUsnng).  — 
iW<-Fäule  -  eine  Fttulnis  der  Säfte  im  menschl. 
Korper  (Kachexia)  (<ir  w.  vill.  VHS),  frQher  bei 
allen  akuten  Krankheiten  angenommen  (Baas 93). 
—  .-.'f'n.v  faul  -der  Obelriechende  Zustand  einer 
abgestorbenen  Frucht  im  Mutterleibe.  —  Strahl- 
Fäule  =  eine  Krankheit  am  Hornstrahle  des 
Pferdehufes,  wobei  der  Obelriechende  Strahl 
wie  zernagt  und  zerfressen,  ueschwOrig  aus- 
sieht ;/.ip|>  201;  Falke  11,316).  —  SfuW-F&Ule  «tili- 
I  fiilli,  Aargau  ,  Rochholtz,  Zi  il*chr.  f.  d.  Mythol.  IV,  Hfl 
'Blähungen  durch  den  zurückgehaltenen  fau- 
lenden Stuhlgang  (beim  Vieh).  —  (1677J  Ver- 
fsLvlung  des  natOrlichen  Samens)  =  Pyuria 
gonorrhoica  (s.  Samenfluss; ,  Blasen- Katarrh 
(Heyn.  i29l.  —  ;i»42)  weiche  Faule  -  der  ge- 
schwOrig- faule  Zustand  eines  dadurch  sich 
erweichenden  Organs  (Falk,  i,  270).  —  lVt<nrf- 
Fäule  ■  der  auf  chirurgischen  Verletzungen 
sich  ausbildende  Hospital -Brand,  Gangraena 
nosocomialis  (Fuchs  II,  302).  —  Za/mFäule  = 
ZahnfraBS  mit  üblem  Geruch  heim  Menschen 
und  Hunde  Kalke  II.  449)  —  (1743i  Zwn^en-Fäule, 

1.  -  Zungenkrebs  mit  Ohelnechendem  Atem, 
auch  Zungenwurm  genannt  (MM.  Med.  287).  — 

2.  ~  Milzbrand  auf  der  Zunge  s.  Kankkorn 
Kalke  II,  n>i]  u.  Zungenbrand)  —  Faulte,  es,  er\ 
faulende,  fauliX«)  Ader,  Aufstosscn,  Bein,  Bn- 
scldaf,  Blut,  Bräune,  Brustentzündung,  Diarrhoe, 
Feuehtung,  Fieber,  Flecken,  Fleckfieber,  Fleisch, 
Fressen,  Frieselfieber,  Geblüt,  Halsentzündung, 
Jauche,  Krankheit,  Leber,  Lungenentzündung, 
Magenfieber,  magig,  Materie,  Milch,  Pocken, 
Rose,  Ruhr.  Sack,  Schaden,  Schenkel,  Sehrn, 
Seite,  Strahl,  Sucht,  Typhus,  Versammlung, 
Warum,  Wauer,  Wurmjficbcr,  Zustand.  — 
Faulenzia  neueste  volksübliche  Wortbildung 
für  InHucnza  wegen  der  Gliederseh  wache  bei 
derselben,  anlehnend  an  „fauler  Lenz"  (faul- 
lenzen). 

Faust,  f  (Faunst,  Funst,  Fäustling)  -  Pug- 
nus,  mrf(t4|,  die  zum  Zusammenstossen  (pungere) 
oder  Schlagen  zusammengedrückte,  geballte 
Palmus.  l).  40-;  .  krilftig  gewordene  Hand  (Qr.W. 
III,  133*.,  vorgerm.  j.nkstl ;  golh.  [UhStl,  funhsli.  Kluge*. 
101;  ahd.  fust  —  vola .  H.  Z.  XV.  353;  uihd.  vu»t ; 
1 1.  Juhrh.  tust  -  pugrius,  Voe.  o|>t.  \V.  11,1  l'.i.".  feynstlin  ; 
1  .'»07  vny«tgen ;  IMS  fenMel ,  lä*7  lneu«tle  [Schwaben], 
ÜHimt,  fuust       pugilla«,  1).  471.  473;  l).  v.  Seh.  1S3, 

engl.  UM).  —  (1643)  grindige  Fänste  durch  harte 
Grintborken  oder  Kkzema  palmare  entstellte 
Handballen  (<  »ler,  II  \  in  —  (14.  Jahrh  t  Klein- 
J  FaUSt  (  =  ptlgillus,  Voc.  opt.  \V.  as  leynatlln  ;  I  V  Jahrh 
^  Fäustling;  1512  cleln  funtlin  -  pofDlaS,  D.  171)  — 
Daumenbai len;  man  mass  früher  nach  der 
kleinen  Faust.  —  fausV/tcA-  hinter  dm  Ohren, 
s.  dick. 

Fax,  m.  Fachs,  Fechs,  Feggs,  Feix,  Fex 

']  irol  SaUbunr.  Steiermark  Kretin  s  d.)  als  blod- 
rinnip',  sonderbare,  komische  Figur,  „Närren- 

fe.\"  ii    v  Selnu.  17.;:.    Dei  Possenreisser  it.r  w. 


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Feber— Fee, 

in.  12»)  war  vielleicht  früher  mit  der  Maske  1 
eines  Menschen  mit  dichten,  glatten  Haaren  I 
(Fachs  s.  d.)  versehen;  die  hölzernen  Teufels- 
tnasken  in  Tirol  tragen  solches.  —  Feix  (<ir.  W. 
III,  »73)  =  Fax,  Fex   —  faxig  -  kretinös  («In- 
tal IV.  1863,  172;. 

Feber,  n.  s.  Fieber, 
febrieren  s  Fieber. 

febris.  —  6ocA«febris  (vielleicht  ein  Betalen» 

druck  an  da*  [tat .]  febria  ="  Kleber  anleimend)  ■  ganz 
fertig  (Schindler  I,  104). 

fechten.  —  ^nyefochtene=  Wahnsinnige,  die 
vom  Teufel  angefochten  werden  (1-aminert,  Volk«- 
Med.  248). 

Feckin,  f  =  weibl.  Fex  (Kretin)  (Kluge»,  im». 

Feden,  DB.  (Tee),  m.  (zu  Kaden  vorgerm  pet 
[sita'/.O*);  germ  feth  ;  angls.  lacthm  ;  13.  Jahrb..  inndd. 
vedeti,  Mag.  Barth.  «7b  =  penls;  1425  den  vec  utwerpen 

-  castrare,  I>.  105:  ndd.  vedc  =  verclruui,  l>.  612)  = 
Penis.  —  sehrer  Feden  (mnd  .  Map.  Harth.  97b)  - 
darch  Geschwüre  schmerzhaftes  männl.  Glied. 

Feder,  f.  (indogerm.  pet  -  fliegen  ;  vorgerui.  peterä; 
ahd.  fedara  =  Keder;  mhd.  veder,  Kluge  191  =  pennw, 
pinnae  -  Vogelliügel  und  -Kedern.  Gänsekiel);  damit 
(ormell  angeglichen:  1.  -  das  lange,  gänsekiel- 
artige Haar  auf  dem  Rücken  des  Wildschweins, 
Wildsaoborsten,  Schulterblätter-  und  Kippen- 
stück des  Wildes,  Hirschschwanz  (conf.  [Masim-n  , 
»»niipioro  -  Kcucrfeder  oder  durch  «rint  [*.  nacren- 
grintl  rot  entzündeter  dichter  Ilaarboden,  Kri.M  hl..  SÄ; 
Gr.  W.  III,  1393;  Brehm  III,  M5.  n.  435).  —  - 
Schneidezähne  ^Incisores)  [Gr.  W.  L  cckI.).  —  3-  - 
11.12»)  Lungenlappen  {-  übcnwtxuug  der  pennuU* 
der  Arabisten,  Hyrtl,  K.  W.  46  ff.).  Lungenflügel.  — 
Federlein  -  das  kleine  Knde  des  Schweins- 
rüekens,  der  mit  Feder  1  besetzt  ist  =  das 
Schwänzlein  der  Wildsau  (Brehm  III,  ws).  —  (1561) 
^«jen-Federn  a  Wimp*rba*re  (Hyrtl,  k.  w.  73). 

—  (.;.;.(,•/( -Federn  -  Gauchbart,  Gauchhaar 
(s.  d.)  (Hyrtl,  K.  W.  V,).  —  (1528)  Lebcr-TedeT  - 
l^eberflttgel,  Leberlappen  (H.  v.  <i.r*d  12.  16),  die 
in  Anatomie -Werken  federförmig  abgebildet 
wird  (Hyrtl,  K.  W.).  —  ScAm6-Feder  -  Calamus 
scriptorius,  ein  Gehirnteil,  mit  einem  Schreib- 
rohrstcngel  verglichen.  —  Sr««w-Federn  die 
Afterhaare  (derb),  s.  Feder  l.  —  Federlesen 
imhd.  sehon  vorkommen«!,  alx  da»  Zeichen  von  scrriler 
Schmeichelei,  die  die  Bettfedern  von  den  Kleidern 
der  Höheren  abliest,  Kluge  80)  -  floeeos,  plumulas 
legere,  das  Flockenlesen  der  Fiebernden ;  (vergl. 
das  Nachfolgende;  —  (1482)  Federklauben  (teder- 
klaw»*n.  Zcning.  Vor  <iu  1 ;  m  7)  =  greifen,  tasten 
(im  Delirium),  Flockenlesen  (s.  d.);  nach  dem 
iir>rwegi»cbcn  Volksglauben  haben  die  Huhner  eine 
t-ogen.  Unrub-fVfifT,  auf  welcher  niemand  schlafen 
kann,  weshalb  man  dort  auch  den  Sterbenden  da» 
Kopfki»«en  (Federkissen  l  wechselt  't.icbrccht  331),  um 

I  Feder(w)- 

den  Dämon  daraus  zu  entfernen.  —  ^  ferlernder 
Finger,  Hohle,  -Kengel,  klauben,  -lesen,  -Staar, 
•Sucht. 

Fee,  f.  Fei,  t  Fee,  m.  [ttl  lat.  fatum;  gem. -rom. 
fata  [pl',  «ing.  --  Schlcki>alg«.ttin ;  bnrgund.  faie.  feie; 
mhd  feie;  1399  fay.  veh.  fein;  1762  lee.  Kluge»,  101). 


feg— Feifei.  »25 

1.  -  eine  den  nordischen  Nornen  angeglichene 
Schicksalgöttin  des  Volksglaubens,  ein  fabel- 
haftes Geisterwesen,  welches  zauberhaft  auf 
trächtige  Tiere  einwirken  könne  (Kalke  I,  276). 

—  feyig  =  von  der  Schicksalsgöttin  (Fee)  be- 
rührt und  dem  Tode  geweiht  (Schindler  174).  — 
^c-feit  =  durch  die  Schicksalgöttin  (Fei,  Fee) 
beschirmt,  durch  Zauberkraft  unverletzbar  ge- 
macht (H.  A.  Ith.  449;  H.  Paul  137).  —  2.  Fee,  f.  = 
Fege.  —  8.  Fee.  m.  -  Feden. 

feg,  feeg  s.  Feige  7  (AndrcMO  97). 

fegen,  Feger,  m  Fege,  f  (indogerm.,  roegann. 

p.'k;  germ.  feh ;  ahd.  ICgon,  mhd.  vegen,  Kluge*,  101 

—  reinigeu);  wie  im  Altnordischen  faegja  s/ir  -  mun- 
dare  vulnera  -  die  sehren  Wuuden  säubern,  reinigen 
bleas,  co  hless  die  Hebamme  auch  Fegemutter  (Pauli 
101),  welche  die  Kege  (s.  d.)  besorgte).  —  man  fegte 

im  16.  Jahrh.)  das  Hirn,  den  Magen,  die  Wunde, 
auch  das  Ohr  (Ohrfeige) ;  vergl.  Putzer.  —  Fege,  f. 

=  die  Schöne,  Säuberung,  Reinigung  -  Plaeent«, 
Nachgeburt  (Kalke  I,  276)  —  Feger,  pl.  =  Putz«»r 

=  die  Drüsen,  die  die  Unreinigkeiten  ausführen, 

fegen,  putzen  (s.  Drüse  u.  Putzer)  (Hyrtl,  K.  w.  •*•). 

—  Fege-  Wurm. 
Feggs  *.  Fax. 

fehlen,  Fehler,  m.  Fehl,  in.  (Feil)  tum  1200  aus 

dem  fransosischen  fftilUr  =  fallere  [wie  „falsch"  aus 
dem  Welschlande]  entlehnt;  mhd.  velen,  Kluge  .  102 
verfehlen;  Irren,  mangeln).  —  Fehl,  Ul.  Fehler. 

1  -  Mangel,  Unart,  Gebrechen,  Pravitas  cor- 
poris (engl    fall,  H.  Paul  136;  Gr.  W.  III.  142«).  — 

2  =  Fehlgeburt  (Abortus)  (einen  feil  scheren,  Heytie 

Ii.  881)  —  (in  geborener  Fehler.  —  ^M^rM-Fehler. 

—  Geburt-Fehler  (™  angeborener  Fehler).  — 
ifauj>f-Fehler  =  Hauptmangel,  ein  die  Funk- 
tion eines  Organes  oder  die  Gebrauchsfähigkeit 
eines  Haustieres  hauptsäebl  beeinträchtigen- 
des Gebrechen,  eine  Gewährskrankheit  (Kalke  i, 
_.;6).   Herr-Fehler  -  angeborene  oder  erwor- 
bene krankhafte  Abweichungen  von  dem  nor- 
malen Baue  und  der  Funktion  des  Herzens 
A7fli)/J<"nFehler  =  Herzklappenfebler.  —  (1790) 
LcAw-Fehler  (Kichter  i.  Iii)  =  Gebrechen  an 
der  Leber  —  leiblicher  Fehler  —  (H«J  Natur- 
Fehler  ( =  angeb.  Gebrechen)  —  organisclur 
Fehler  s.  organisch.  —  SoAöMA«'f»-Fehler  =  ein 
Mangel  an  schöner  Form,  Gestalt  oder  Farbe, 
der  keine  sonstigen  nachteiligen  Folgen  für  den 
Organismus  hat,  also  eigentlich  keine  Krank- 
heit ist  (Kalke  n,  290).  —  Sprach-  oder  Zungen- 
Fehler.  Diese  Fehler  tragen  den  BegriiT  des 
von  Natur,  Geburt  aus  durch  die  Konstitution 
unveränderbaren,  unheilbaren  Gebrechens  oder 
Mangels  in  sich  »  Vitium  natnrae,  Defectus 
MW  Medlk.  im);  (vergl.  auch  Hirnfell  2  u.  Fell  4 

—  TML-gebären,  -Geburt, -norm,  -Reden,  -Kip- 
pen, -  Wuchs,  -Zähne. 

Feicht  s.  St.  Veit, 
feien  s.  Fee. 

Feifei,  m  .  f.  Feivel,  m.  Feufel,  Pfeif el, 

Fifel,  Viebel,  pl ,  Fiebel,  m.  Feibel  («u«  dem 

mt.-lateln.  vlvoe,  vivolae  (partes  vivae,  caro  viva  ,  Du 
Tange  II.  861.  862;  altfrani  les  avlves  Submaxillar- 

Driisenan-ehwcllung,  Bris..  48.  117;  chain.  vlves.  b..nr- 


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12« 


l'eig(e).  , 


Feig(ci. 


geons  dumni«  [  -  Finnen'.  Rriss.  6  =  wilde*  Fleisch. 
FleischwAnxhcu,  1  .  od.  2SS  ;  engl,  flvc«,  vives  —  Keif  ein  ; 

of  hor»es  Kehlsucht,  Kaltschm.  II,  146;  mtaU. 
vivcl,  tivol,  I.cxer  344;  1560  die  fcuffcl,  II.  Sachs,  Schm. 
I,  «9".;  1593  die  feifei  -  Nasenrotz,  r.r.  \V.  VIII.  13»; 
in  Flüchen  und  Verwünschungen  des  lö.  Jahrh  vor- 
kommend, tir.  W.  I.  hod.  »16;  III,  1432.  1609;  Hin  Faifel 
=  Falbel,  Fälbcl,  Fallubel,  Epilepsie  mittelst  Segen- 
«prüchcu  behandelt,  Losch  177;  als  Feifcl  aber  gerissen, 
gebrochen,  geschnitten,  geklopft,  gequetscht,  Falke  I. 

276),  1.  —  eine  „Anschwellung  der  Mandeln  und 
Submaxillar-,  Speichel-  und  Ohr-Ilrüsen  de» 
Pferdes,  die  sich  entzünden  und  eitern"  unter 
Bildung  granulierender  Fleischwärzchen  (Caro 
viva)  im  Geschwttrsgrunde  ,vs.  wildes  Fleisch  = 
avives):  ,.oln  gefahrlicher  t'niMaud  bei  den  Ffcrdeu, 
da  die  Drüsen  nahe  bei  den  Ohren  mil  einem  stinkenden 
Unflat  in  (iestalt  weiter  Hanfkorner  oder  •Schweins- 
linnen •  (>  d.)  erfüllet  sind,  die  man  alsdann  zu  reissen 
( =  ritzen?)  pflegt"  (Schmeller  I,  1731),  eine  Methode, 
die  vielleicht  mit  dem  Klnrelssen  des  Händchens  der 
Zunge  durch  den  Finger-Nagel  einen  Kntwickelungs- 
Zusammcnhang  hat.  Sie  wurde  als  eine  Folge  der 
Gicht  Fluss  (phlegmaoder  goutte,  goutes.  Du  Cange 
I.  eod.l  angenommenen  (rheumatisch  Vj,  aber  auch  als 
eine  Folge  eines  Wurmes  {—  Rolxwurm,  n.  d.;  Schw. 
i;i2,  .  namentlich  wurden  die  (meist  einseitig!  eiternden 
Drüsen  hinter  den  Ohren,  am  Halse  (Aktinouiykosts  . 
Kotzrj  al«  „die,  der  Feifei"  bezeichnet  (ür.  W.  11,  1462; 
Z.  d.  V.  f.  V  K.  1895,  S  294  ,  Blrlinger,  ans  Schw.  1.  461; 
Abiig.  71;  It.  A.  :ty;  Coler,  l>f.  361)  =  Schelm  (s.  d. 
u.  Schelmader  und  —  VVifel  s.  d.i.  —  2.  =  die 
Leisten  Leichten,  Schmeller  1,  143;  beim  Rind- 
vieh, der  Nillei  beim  Pferde  Schmeller  I,  1731; 
ilie  Troucada  der  Franzosen  —  Marissae  [».  Marrisscl", 
Du  dinge,  1.  eod.j.  —  13.  =  Falbel,  Feifei,  m.  Falbel 
il.  ,  Fallübe!  —  Epilepsie  bei  Mensch  und 
l'lerü;  (,,>las  Pferd  faellet  gantz  matt  und  krnfftlos« 
dahin,  legt  den  Köpft  auf  die  Knien,  streckt  alle  Viert; 
von  sieh  ",  K.  A.  100).  —  4.  =  „jede  von  PfuBchein 
nicht  erkannte  Krankheit  der  Thiere"  (Falke  I. 
276),  sogar  Windkoiik  u.  Darmgicht  beim  Pferde. 

—  Herz  ■  Felbel  ~  <'i"  Krankheltsname,  der  bei 
riuchen  ii.  Verwünschungen  vorkommt  (Gr.  W.  IV,  2. 
1214;  als  eine  sehr  schwere,  das  Flerx  bedrohende 

FpiJepaie(Faibel8).  —  AVirrcn-Feibel  -  Narren- 

drüse  (Österreich;  <ir.  \V.  III ,  1132;  VII.  370)  als 
schelmische  I»riisen,  die  der  Feifei  an  unge- 
wohnter, wiedernatürl.  (.„gespansiger",  Stelle  mit 
Hieb  bringt  's.  Schelm).  —  Bonn  Feifei  -  die  Rotz- 
krankheit bei  Pferden  [H.  Bachs;  Gr.  w.  VIII.  1260). 

—  Felbel-,  Feifei -.4 der,  Drmm,  -Gexrfavul*t. 
Feigte),  f.  (Fick,  Fig,  Vick,  m.  Ficb,  Veick, 

Gefig,  Gefeige)  ein  aus  dem  romani«ch-itallenlscheii 
fico  [lat.  flens;  roiu.  fix;,  Du  fange  III,  6X6;  frz.  Ii,  fiez, 
Pf,  I,  335,  315,  der  uordiudieiii-chen  Provinzen  (Mont- 
pellier] in  ahd.  Zeit  entnommenes  Wort ;  ahd.  figa,  fleh, 
He  =  Feige,  uralt  I.  1090;  III,  127;  12.  Jahrh.  flous  = 
Felgwarze,  Afterkraukheit,  l'felffer  14.  8s.  mhd.  viga, 
ficb  ;  13.  Jahrh.  uind.  weine  de  vik  in  dem  buche  wabset 
After-Condylome,  Mag.  Barth.  92a—  morbus  fleus  ; 
franz  ,  12.  Jahrh.  la  fle  =  Felge  iflgue;;  le  fle,  fye  - 
l.eber,  le  foie,  llriss.  a'> ,  dazu  ahd.  liewurz  [  Kanuu- 
«  uliis  fiearla,  Felgwarzeiikraul,  Jessen  325,  und  Fotcn- 
UBa  tonneiitilla  --  blutstillendes  Ruhrkraut ,  Rothell- 
wurx.  Ulm  kraut  [imnemtn  Rrtlstamm,  tannfnnaltig), 


Jessen  305;  engl  liirwort  Kmunwurz .  Kaluschm.  I. 
i  240  und  flg  — Fcigwarce;  ferner,  der  angelsichs.  licadl 
s=  Feigkraukheit,  morbns  fleus  ?  [s.  Adl];  1429  fig  - 
Ileus,  Feigwarze,  D.  233,  1477  das  Veick,  Ortolph  ;  14&: 
de  vicek  dat  ys  eyn  blodende  adern  unde  hetet  ragadin 

I ediler  emorrhoides  unde  synl  alle  by  deme  achler 
tenster,  Fr.  1,  371;  15.  Jahrh.  vlg  =  taaemorrhoidca. 
Schmeller  I,  696;  In  der  Mitte  de«  15.  Jahrh.  fix  ;franz.. 
--  liens,  Hacser  II,  201;  14.S3  -  das  veieh  as  Afterkreb*. 
C.  v.  Megenbg,;  1507  fleus  [morbus, passio]  =  eynrehaude 
ongemaeh  [=  Feige  2a],  D.  233;  1599  Gerig  [Kollectiv 
der  Felgwarzen)  =  eine  Fferdekrankheit  -  Rotzwnrm, 
tir.  W.  IV,  1.  2139;  1599  Feig  =  Feigwarze,  Gr.  W.  III. 
1446;  hier  ist  anzuführen,  dass  nillat.  tieus  [nach  D. 
,  233);  1.  =  Feigenfnicht  ;  2.  —  inlirmitas  plsciuiu ; 
3.  =  Feigwarzen ;  4,  =-  Ferch  [vergj  ist .  engl,  fig  - 
Felgwarze,  I.ehf.  33.!.  —  Feig,  1. -jeder  bl  U  tig- 
rote  AusHuss  am  After  (ähnlich  dem  Safte 
der  roten  F'eigenpulpa,  Syka  HippokratiB)  oder 
das  rote  Siechtum,  und  »war  durch:  a)  Hämor- 
rhoiden Ida«  Fig  in  dem  Arsch,  das  blutende,  fliessende, 
rote  Vi«;  1742  das  Gefeige  =  blinde  Hämorrhoiden,  Zw. 
M,  Schmeller  1,696);  b)  FVigwarzen  —  F  teils  ^Aelius). 
„Bi  lat  mindestens  sehr  wahrscheinlich,  dass  das  breite 
Condylom  sowohl  im  Altertum*.;  wie  Im  frühen  Mittel 
aller  bereits  bekannt  war"  (Fr.  Arzt  1S7«.  8.  75.  76;  s. 
auch  Rosenbaum  136,  Fr.  II,  199.  211),  es  l«t  aber  zu 
benieksichtigeii,  dass  die  Feigwarzen  (s.  d. selbst 
wieder  z.  T.  -  Hämorrhoiden  (s.  Feigblattern;  waren  ; 
meistens  alher  waren  und  sind  die  Kelgwarzen  that- 
saehlieh  -  die  Plaques  uiii  Anus,  t'otKiylomata 
syphilitica.  Ks  ist  schwer  den  Zeitpunkt  zu  bestim- 
men, wann  das  Feig,  oder  die  Feigwarzen,  Feigblattern 
als  syphilitische  Franzosen  ,i  Kraukheltssymptome  er- 
kannt wurden,  d.  h.  als  Fmhsymptom  der  eigentlichen 
syphllil,  Infektion;  vielleicht  erkannte  oder  wiederer 
[  kannte  mau  sie  erst  ex  juvantlbus,  bei  der  Behandlung 
der  „Franzosen"  als  syphilitische  Lokollsation  dieser 
Intektionssenehe  »m  Kode  des  15.  und  Im  16.  Jahrh  ; 
wenn  die  Condylome  gross,  breit  und  lang  waren,  «Tie 
die  unbehandelten  z.  lt.,  nannte  man  sie  sicher  Feige 
oder  Felgwarze  (A.  v.  II.  II.  502 J ;  «le  sind  die  Marissae 
(s.  Msrtssel)  der  Alten  (A.  v.  H.  I,  656.  657;  II.  503; 
mariscae  =  fleu»,  flc-adl,  Heus  morbus,  t.raff  III,  427, 
malum  fiel,  Du  Gange,  sub  voce  i  fleus ;  14S2  Im  Voc. 
!  opt.  11  auch  erwähnt;  152.*,  Heus  =  bose  lUattem  am 
Hinteren,  in  der  Mannes- Ruthen,  in  der  Nasen  und 
lagen,  II  v.  Gersd.  99,  Feiekh  ltlatlern  in  dem  wayt- 
Darrn  [  After:,  .Sehmeller  I,  696;  II,  85«  =  eondylo 
mala ;  1M0  da«  Gefeig  =  Feigwarzen.  .Schmeller  I,  IM 
=  condylomata,  1599  Feig  -  Feigwarzen  [condylomata  . 
|  Gr.  W.  III,  1146.  Zw.  107.  501  ;  lS02fici  =  condylomata, 
Hell  II,  2«2i ,  fj  tote  Ruhr   Ferch),  die  blutige 


•)  Schon  Martlal  (7.  Reh.  d.  Kplgr.  71.)  singt  :  „Fi- 
cosa  est  nxor,  lleo«us  est  ipse  maritus,  rtlia  fleosa  est  et 
gener  atijue  nepos,  nee  dispensntor  nee  villieus  tilccie 
lurpi  (ge-ehw  urige  Feigwarzen),  nee  rigidns  tossor  sei 
nou  arator  eget." 

•*j  ,,Man  warf  <lic  condylomat<isen  Formen  der  Sy- 
philis sehr  häufig  mit  den  Hämorrhoiden  zusammen, 
seitdem  es  durch  die  Araber  gebräuchlich  geworden 
war,  die  l'ulhologic  a  cupite  ad  ealeem  abzuhandeln" 
(Hae«erll,  202!;  die  Feigwarzen  waren  aber  allen  mittel- 
alterlichen Dichtern  und  Chronisten  etwas  Verstand 
,  liehes,  allgemein  Bekanntem  (Pr.  1.  199.  214). 


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Feig(e), 


Feim— feist. 


127 


Stuhlgänge  und  offene  Afterbaut  (Intertrigo; 

luacht  (Schtnelicr  I,  BW;  ,,dcr  röte  siechtuum  und  da* 
vic  macht  iuch  bleich  UM  1*1"  nelbling  II,  1190); 
<l)  Afterkrebs  (1483  das  siechtuom,  der  der  Krebs 
haizt  und  ist  den  lauten  an  detn  altem  und  haizent  In 
etleieh  daz  vetg,  C.  v.  Mgbg. ;  Sehmeiler  I,  SN),  well 
er  blutige  Absonderungen  hervorruft  und 
Krebs  (cancer)  mit  Schanker  verwechselt  wurde. 
—  2.  =--  blutigrote  Ausschläge:  a)  Grintaus- 
schlag,  Tinea  (Feigen -Grind :  (a.  v.  h.  I,  6>6  ff.), 
Ekzema  palmare  syphiliticum  (s.  o.)  wenn  das 
„rote  Fleisch"  des  Cieschw Ursgrundes  oder  der 
sonst  kranken  Hautstelle  sichtbar  w  ird,  ähnlich 
der  roten  Feigen-Pulpa-  Ficus,  Ficositas,  Her- 
pes ficoaus  =  Bartflechte  (Sycosis;  (Behrend  -18); 
b)  eine  rote  Beulengeschwulst  auf  der  Pferde- 
haut  (=  Cteflg;  1599  Gr.  W.  IV,  1.  2139)  (Pferde- 
feigwarzen)  Mari-sac,  bei  Du  Cange).  -  -  3.  =  ein 
blutigrot  fleischiger  Auswuchs  an  dem 
Auge  o.  an  den  Augenlidern  ^Plaques  der  üon- 
junctiva?;  ,'A.  v,  H.  i,  es»;).  —  4.  =  F'icus  unguis, 
das  Zurückweichen  der  Haut  von  der  Nagel- 
wurzel blutigrotes  Kntblössen)  (Behrend  8-">) 
^Gürtelwurm,  Umlauf);  (dan.  neglerot;  schwed. 
nageln»! ;  mnd.  vik  =  der  lx.se  Wurm  am  Finger.  Heyne  ! 
D,  911);  (Iben  ragen  von  derl'ferdefeige  Feige  2b)  | 
auf  den  Menschen  :  areidit  qaandoqM  qood  pes  j 
laeditur  *ubtu^  unguium  in  medio  solae  e\  ferro  vel  j 
ulia  rv  dura  intnintem  iisque  ad  tuellum  ex  quo  titellos 
laeditur,  ex  qua  laesione  cum  ungula  nou  incldltur 
cirrunqua«|ue  ut  «lebet,  nascltur  super  tuello  .juaedaru  | 
carnis  superfluitas  (wilde«  rotes  Fleisch),  quae  superat 
sola«?  «uperticium,  neu«  (  —  Feigel  vulgaritcr  nominatur" 
Petrus  Crcseent ins  de  agricultural.  Du  fange  III.  484; 
ndd.  nck  =  eln  Pingergeschwür;  wobei  das  Fleisch  rot 
-ichtbar  ist  und  der  Knochen  mitcrgriffen  ist,  (»oldschu. 
S»j.  —  5.  —  Ima^'t»  vulvae  ;117>  jkt  modum  Ileus,  | 
<.r.  W.  III,  1414  ;  [Wilsche  Felge] .  ital.  la  rica,  Schmeller 
I,  697  ;  s.  d.  Verf.  Volks  Med.  8.  19.'»).  —  Ü.  =  (mhd.  ros- 
vige,  1590;  <;r.  W.  VIII,  1260)  Kossfeige  —  Ross- 
apfel,  Rossballen,  Pferde-Kot  (I.exer  201).  —  7  = 
K&nz  etwas  Anderes  ist:  die  Feige  (ahd.  folgt; 

1260  veige,  Pfeiffer  28;  1475  velgh  =  sterblich,  D.  533; 
-ilicernus)  =  Feigheit  —  Todes- Not  =  feiger  Tag 
h.  d.y  —  feig  feg  »lein  Tode  vorfallen  oder  dem 
Tode  nahe  (Andresen ;  Hoffmann  I,  326;  Göldschen. 
5.  6;  or.  w.  III,  144'.)  (s.  auch  fey-igj.  —  8.  =  Feicht  I 
oder  Feucht  =  mauchmal)  Feig  (Schmeller  I,  688). 

—  9.  =B.  Fick.  (Di>-  [rote]  Fefgwurz.  rtewiirz,  Ficnria 
tormcntilla,  erwähnt  schon  ahd.  Oraff  I,  1050,  die  Ihre 
Verwendung  gegen  Feigwarzen  dem  Grundsätze  simllia  j 
siniilibus  verdankt.  Schw-.  192,  H  v  'ierd.  105  nennt 
»le  tcsticula  saeerdotum,  s.  Pfaffe).  —  Die  Hauer  n- 
Feige  -  Feige  U,  Stercus  ;«.r.  W.  I,  llsO;  VI.  793). 

—  rtas  I  Hut -Teig  ;i6.  Jahrh.  da«  blutend  vig,  8chm. 
I,  696;  Mutvlch,  Schmeller  I,  696.  836)  =  blutende 
Hämorrhoiden.  —  Brun*/  .  Brunft  Feige  =  die 
zur  LSrunfUeit  eine  übelriechende  Materie  ab- 
sondernde Drüsenhohle  hinter  den  Krickeln 
der  Gemse.  —  (16.  Jahrh  J  das  fliessende  Feig  (vig) 
=  blutende  Hämorrhoiden  (Mottet,  An»,  f.  K.  d. 

von  viii.  4io,.  —  ^j|J£A_  j> Feigen  {im  latieigen 

es  exeors,  D.  216;  Schmeller  I,  1633)  —  ein  Feigling, 
dem  das  Her«  in  die  Hose  fällt  wegen  Angst- 
diarrhoe,  auf  die  Feige  6  anspielend.  —  Pferde 


od.  Haas  Teige  s.  Feige  6  (Ztogerla  Jl;  w  a.  Bch.  si). 

—  rote  Feige  (rotvich,  <;r  D.  M.  II,  1112)  =  die 
roten  Hämorrhoidalknoten  und  I  eigwarzen 
(l.>.  Jahrh.  rotvlg,  Voc.  opt.  W.  41  —  haemorrhoidae. 
Ilyrtl,  K.  Vf.  71;  roth  glig  -  haemorrhoides,  Schmeller I, 
691).  -  Feig(en)-,  Fick- Adel,  -Araeh,  -Beule, 
-Blattern,  Buhet,  -Grint,  -Krusten,  -Mal,  -  Tag, 

-  Warzen. 

Feim,  m.  (Farn,  Faum,  Fiem)  (von  indog.  \iier; 

ahd.  feim,  velm.  n.  Z.  XVI,  40  =  Schaum,  Kluge*,  103; 
spuma;  nihd.  veim,  Schw.  190,  C.  v.  Schm.  1*3 ;  <Jr.  \V. 
III,  14'»0,  engl,  foam)  -  Speichel,  Geifer  (s.  d.)  — 
Jilut-Teim  (UM  plUOt  veim,  Pfeiffer  69;  Schm.  II,  12) 
=  der  blutschaum  ober  der  in  der  Leber  sedi- 
mentiereuden  bluthefe  ;s.  Melancholie),  dessen 
Überuienge  ^Phlegma)  dann  gelenkrftch  (s.  Lank- 
Kähe,  Glieder-Rneuma)  macht  nach  früherer 
Schullehre. 

fein,  a)  -  gesund  ;  b  -schmächtig,  uart  (tir.  \\. 
III,  1464;  Irin -echt,  lauter,  vollkommen,  ist  um  1300 
aus  dem  Französischen  ins  Deutsche  aufgenommen, 
Kluge  10J).  —  hunger- fein  =  Uünnhaarig  bei 
schlecht  genährten  Schalen  Frank  119:  Falke 
I.  125  . 

feist  (faist,  faias,  feiss,  feisch,  foisch  (flei- 
schen), Feiste.f.  Fei  s  tin ,  Feistigkeit,  feischen); 
feist  ist  das  echt  oberdeutsche  Wort  für  lelt 
(Kluge*,  103.  105;  vorgerm  paido;  goth.  faita  =  lelt ; 
goth.  faitiths  =  gemastet;  S.  Jahrh.  feizta*  —  erassum, 
Kcro  73;  ahd.  feiatxit  =  feiziti,  feizü  -  feiste,  firaff  III, 
739  =  pinguetudo.  adeps,  ar\inn.  Ut  W.III,  1471;  ffistaz 
Fett,  <ir.  W.  III,  14«S;  leiiiter - IcbJter,  corpulentus, 
Ut.  W,  UT,  1468;  veUlt,  Schw.  193;  feUU^arvina  B.  Z 
XVI.  8."»;  luhd.  veiz.  [SchweU,  Schwaben]  f.  ist,  pinguis, 
rra«su«,  <ir.  \X.  III.  l#Mj  fett;  ahd.,  10.  Jahrh.  veU 
pinguis;  veUeto,  veizte,  velzt  =  Feiste,  Gr.W.  III,  1471 ; 
Pfeiffer,  F.  u.  K.  III,  65.  letzet  -  feist,  eon>ulentns, 
•  ir  W.  III  1408;  votsM  =  Omentum,  Hyrtl.  K.  W.  69; 
14.  Jahrh.  fleisch  feissi  =  adeps  .  Voe.  opt.  W.  13 ; 
1470  flczl.  in  glandul«,  animella,  Gekroslett,  D.  3C ; 
1182  faistigkeit.Zening.  Voc.  ht  ^Schmer;  1483  veli>ztin, 
<'.  v.  Meghg.  —  Keistin,  pinguedo,  adeps,  (Jr.  W.  III, 
1473;  149".  leiste  an  dem  kyn  =  toru»,  D.  '.90;  US 
feysztin,  Fries;  Hyrtl,  K.  W.  48  -  pannieulosus,  adl- 
posus;  1528  uswendig  fuistigkeit,  H.  v.  Gersd  =  earnu- 
lentia,  Fettleibigkeit,  Ilyrtl,  K.  w  4s  112,  lfiflo  n leren 
liliste,  niere  faisti  [Basel]—  Nieri'nfett,  <Jr.  Vf.  VII,  833; 
hirzfaist  -  Hirschblut,  »ir.  W  III,  1165;  engl,  fot,  fat- 
nes»,  to  fatten.  Kaltsehm  II.  1471  —  Feist  -  Feisch, 
Falsch  (nur  Inder  oberd.  Jägersprache),  l.  =  hamrius, 
t'ruor,  das  vom  wunden  oder  getöteten  Wild 
Hiessendo  blut  (Hirsch,  Reh,  Hase;  (Gr.  Vf.  III,  1 165; 
Schw.  187  ;  C.  v.  grbm.  488);  (1716;  Gemsen -Falsch  — 
Gemsenblut  -  sog.  Seh  weiss  1  Jägersprache;  <.r.  \V 

in,  1615).  —  2. »  Kotwild-Fett,  DacbafeU  [i«aodach- 

sen  f»is.  h,  Dr.  Minderer)  —  feischen  =  falschen,  lac- 
schen    »auguinem  emittere  (Schmeller  1,773;  «ir.  \\ . 

in,  116.);  s.  auch  fleischen  —  Feist/,  er  Ader, 
-Darm,  Harn,  -Netzlein,  -Zeichen,  -Zirkel.  — 
Blut  uml  Fett  müssen  zu  einer  gewissen  Kultur-Zeit 
als  gleichw  ertig  angesehen  worden  sein,  da  beide  durch 
Faist  und  (das  verschlechterte,  dialektische)  Faiseli 
wiedergegeben  «  erden  ,  zum  Kratikhell8-«jebieto  haben 
|  weder  faist  noch  Falsch  «lin  kte  Beziehungen ;  ver- 
mutlich aber  zum  Kullnpler,  wobei  alles  l  ugeziefer 


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128  Feist— Fell. 

lerne  gehalten  und  nur  reines  Rlut  und  Ml  geopfert 
bezw.  verbrannt  wurde. 

Feist,  m.  (feisten,  Fiat,  tu.)  s.  Fiat. 
Feix,  m.  s.  Fax  und  Fex. 
Feld,  n.  Feld-i^tVorr,  -Krankheit,  •Seuche, 
siech,  -Siechtag,  -sprechen,  -Sucht,  -  Wurm. 
Fell.m.  (Fill.Fehl)  (vorgenn.  pello-  [pcllis,  r.iS'i.'i 

—  flaut.  Leder);  gera.-germ.  tella- ;  goth.  fllh;  ahd 
feil,  Menschen-  und  Tierhaut  ;  vellun,  H.  Z.  VI,  321 ; 
mhd.  VtU,  Gr.  D.  M.  1184;  Kluge  93;  engl,  feil),  1  = 
Haut,  Balg,  Schwarte,  Schinde  der  Tiere  (den 
Unterschied  dieser  einzelnen  Hautnamen  ».  <Jr.  \V.  III, 
U9C);  da»  Fell  ist  uns  heute  etwa«  graueres, 
dichteres  als  die  Haut.  Haut:  Fell  =  cuUh:  pell is. 

—  2.  -  menschliche  Haut  bis  zur  mhd.  Zeit  (Gr.  W. 
I,  io»5;  Schw.  IM;  Ulli  fael,  Schweix) ;  (vergl.  Haut  . 
Zwischen  Haut  und  Fell  (l*»»t  noch  ortolpb  aus 
den»  Haycrlande  1177)  zur  Ader  (da  heute  noch  nach 
dem  Volksglauben  dies  der  Sitz  vieler  Krank- 
heiten ist).  —  3  =  die  kindliche  Eihaut  —  Matrix, 

Amnione  (laut  (14S2.,icllcln, worin  du*  kind  imniutter- 
leibe  llgt",  Zening.  Voe.  h»i;  Kindstell  —  Kind«balg ; 
1532  fellln  =  Eihaut,  Fries  126).  —  4.  Ilautkrank- 
heit  =  die  kranke  Haut  (Flll  [Schwaben;,  Hautwunde 
vom  Drücken  und  quetschen  -  Atel,  Krau.  Schnicllcr 
I,  "09;  feil  =  Hautwunde,  C.  v.  »ehm.  1*9;  1699  die 
Kehl  —  rinnendes  Auge,  Augenfell,  v.  M.  I,  37  und 
Schwei*]  Gr.  W.  III,  1421  =  scable«,  Kratze,  Kinder- 
pocken, wilde  Pocken;  (irimm  meint  zu  fehlen  ^= 
krank  aein[?],  vergl.  Abfeil,  rote  Fell,  TntWell 
und  ndd.  Wien  -  da»  Kell  abziehen.  —  5.  ss  da» 

Augenfell  (e.  d  ),  Fell.  -*  b\  -  anatomisch  ist 
daa  Fell  =  Membran,  die  sich  über  Organe  hin- 
zieht, ausspannt,  Höhlen  auskleidet  (Brust-, 
Schadelknochen,  Kippen,  Zwerchfell  etc.).  — 
7.  fei  =  faul  (s.  d.)  u.  Fehler.  —  Fellein,  n.  (and. 
vellelln  ss  membrana.  t.raff  III,  460;  1482  fellein,  Zen. 
Voc.  h  6:  1529  fellein  -  periosteum,  Hrunf.)  Haul- 
lein  (s.  d  ).  —  fellicht  sa  hautig  illyrtl,  K.  W.  17). 

—  iibfell  [wie  Abass  zu  Aas  wurde,  sn  Abteil  zu  Atel, 
1411  «Bei,  Zlngerle  196;  1594  etling  —  iietlinc,  eine 
Weiterbildung  [wie  Kiinslling  zu  Faust;  aus  afel,  (ir.  W. 
III,  32;  1670  der  bcsorgltehc  affel,  <;r.  W.  I,  Ml);  (1688) 
alcl  =  lacslo  cutleulac  „ist  ein  Zufall  bei  allerlei 
Gllcdcrkrankheilcn  (—  d.  Kxtrciniiaten),  sie  seien  offen 
oder  nicht,  die  von  böser  Luft  und  anderem  üblen 
Verhalten  bei  denselben  lelchtllch  zuschlagen  und 
gross«  Entzündungen  (der  Maut)  verursachen"  (l'lnter; 
Gr.  W.  I,  181)  =  Wund-sncht  -  Ucrmatitis,  Erysipele; 
afel  b  ncachwuM,  F.ntzüudung  (H6fcr,  o-terr.  Wrthch. 
I,  7;  ehr.  Sam.  1);  wie  das  Versegnet  [s,  d.j  wenlen 
Afel  n.  Afelin  besprochen  und  treten  in  Segenspruchen 
wie  die  Wlldnia  («.  d  },  wie  Krankhcit'ditmoncu  auf 
(TirolJ.  demnach  t-t  Afel  1.  —  eine  Laesio  cuti- 
culae,  ecorehure,  abgeschundene,  abgeschalte 
Hautatelle,  Hautröte,  welche  Schmerz  verur- 
sacht. —  2.  =  die  davon  (1)  ausgehende,  schmerz- 
hafte Hautentzündung  (Dermatitis,  Krysipelas, 
Pseudo- Krysipelas,  l'hlcgmone),  Ungenannt, 
Wundsucht;  dagegen  sollte  «las  A Hei- Kraut  —  thcll- 
donlum  inaju*  I.  (Jessen  9»))  helfen  als  Srlullkmut  oder 
Sehellwurz;  Aetll-,  Äfft -Kraut  =  Grint kraut,  Kratze- 
krnut  (Roll.).  —  Zittcr-Afel  (-Abel)  (schwel*)  = 
schmerzendes  Zittermal,  Zitieraeh  (s.  d.)  (Schw. 
h«i).  —  äfelig  -  geschunden,  hautwund,  -sehr, 


Fell. 

-fratt  (Schmeller  I,  lü).  —  Augcn-TeU  (ahd.  aiigavel. 
ougavel  albugo,  patuius,  «iraff  1,  228;  III,  469;  126<i 
swem  duz  vel  «i  für  dnz  ouge  gegangen.  I'lelffcr  32; 
15.  Jahrb.  du*  fei  über  den  ougeu  ~  cattaraete;  ein 
feil  ob  den  ougen  =  lenebra,  relum,  D  6U9.  639  .  147t; 
ogenfel;  1516  fei  in  einem  aug  =  glancoma,  D.  264, 
1530,  1532  feilen,  facll  der  äugen,  Fries  79.  79e ;  Künigap. 
47;  1561  faell  In  den  äugen,  hock  21,  1561  augcntäl  = 
pterygium,  Gr.  \\.  I,  805),  11742)  Augenfell  —  pterygium. 
„ein  Hau  tiein.  so  aus  den  Augenwinkeln  hervor  über 
den  Augapfel  nach  und  nach  wachst  und  den  Augen- 
stern überwachst  und  die  Blindheit  verursacht"  sa 
Augen-Nagel  (unguis  oeull;  Zw.  206),  (1752)  Augfcll  = 
paunus  (pellieula  oculi).  ,,über  der  Hornhaut  zieht  sich 
eiue  rote,  llelschlgc  Haut  zusammen,  die  wie  ein  rote 
Tuch  über  dem  Auge  liegt  A,  v.  II.  II,  1207),  ».  Augen- 
Kalme  die  (das  Augenfell  («ir.  Vi,  VIII,  108;  Wullke 
160;  Duck  13);  olters  ist  da»  Augenfell  mit  albugo 
übersetzt  -  da»  weis»  (oder  grau)  erscheinende  Auge  - 
leuenma  corneae  -  das  weisse  Augenfell  (A.  v.  B. 
I,  41)  -  das  undurchsichtige,  dichte  ^weissgrauei 
Fell  vor!  dem  Auge  (d.  h.  Augenstern)  im  sog. 
Staar-Kaum ;  die  Membrana  oculi  (Sehfell),  siehe 
weisse  Augenentzilndung;  1.  ^Staar  s.d.  ;  (Gr.w. 
in.  1495).  2.  =  das  Flügelfell  (a.  d.)  ü.  l-ollrias, 
l'terygi"'"  I'aull  Aeg ..  Hymen  leukos  fialeni  (Krans,  K. 
863)  1  onglee.  —  (1710)  ausgespannte  Fell  -  (ObWMta- 
ung  von;  Peritoneum  fliyni,  K.  WJ.  —  Bauchfell  - 
Magen  feil  —  Peritoneum  =  Siphac  (siphar)  der 
Arabisten  (D.  tVI4;  Du  fange  VII,  495;  nicht  zu  ver- 
wechseln mit  «lein  buocljfel  —  membrnna  pergameidca. 
Bncblell,  Pergament,  9.  .lahrh. ;  Monseer  tilossen)  — 
(l  .ex  />/u<-Fell  (der  Augen)  -  Fanniculua  car- 
nusus,  ein  Fell  im  Auge  mit  auagetretenem  Blute 
(<;r.  \v  n,  181;  t'oier,  ll.  a.  Iis).  —  (1595»)  Brach- 
Fell  —  tlie  bei  Pferden  im  Brachmonate,  der 
Zeit,  in  der  der  Boden  umgebrochen  wird,  ein- 
tretende Trübung  der  Augen  (Maifell)  [Gr.  w.  □, 
282;  Arlt  121).  —  (1*.  Jahrb.)  breites  Fell  -  Dia- 
phragma, das  der  Breite  nach  sich  ausdehnende 
Zwerchfell  (1).  640).  —  ifnwf-Fell  (M.  Jahrb.  bruut- 

vel  —  diaphrugm»,  Voe.  opt.  W.  11;  lls.2  prustfei  — 
dia|>hragiiia,  I».  179;  1752  —  diiiphnurtna,  A.  v.  H  II, 

318).  also  1.  =  Zwerchfell  (Byttl,  K.  \v.  i26,i  ( Dick- 
teil, Loftfell).  —  2.  -  Brusthaut,  Pleura  Gr.  w. 
III,  149  .;  Hyrtl,  K  W.  47).  —  1710)  Darm-Teil,  1.  = 
Hauchfell  auf  den  Geilärmen  =  Peritoneum  vis- 
I  cerale  (Hyrtl,  K.W.1B0;  Kulmoi  16t).  —  2. —  Darm - 
haut  (s.  d.).  —  Dick  Fell  -  Zwerchfell  (s.  d.) 
(Hyrtl.  K.  W.  126).  —  J><7r/i<  M-Fell  iherba  sigellnde, 
[>  lOftis.  Drache  (Fte'ygium  .  —  (t ..  Jahrh.)  Dünn- 
Fell  («iphar  >:ph.»e;,  I».  «H.i  =-  das  zartere  Bauch- 
fell im  Gegensätze  wxa  dichteren  Zwerchfell. 
—  etsscZ-felliiy  Imbd.  elzclvillig,  atsüeliltlig)  =  eine 
von  eiternden  (jeHcbwitren  Kissen,  s.d.)  wunde 
Haut  habend,  ulcerosus  (Schmeller  l,  709;  <;r.  W. 
III,  1499).  —  Jeff-Fell,  1.=- Netz,  Omentum  (Hyrtl, 
K.  w.  17),  das  reichlich  fett  besetzt  ist  =  Schmer- 
fell.  —  2.  =  Pinguecula,  eine  fettgelbe  Binde- 
gewebsgesehwulat,  wie  ein  Flügelfell,  am  Horn- 
hautrande meist  alter  Leute.  —  (IMS)  Fleisch- 
Fell;  a)  in  den  Augen  Augenfell  2  i^tleischrot), 
Paunieulus  carnosus  oculi  («ir.  VV.  II,  181)  —  Pannus 
(Flögelfell);  b)  der  fleischige  Hautmuskel  am 
Halse,  Platysma  myoides  (Vadem  2.!;  A.  v.  n.  II. 
120«;  1740  der  pannlcnlns  carnosus  cutis,  Kubnns  ",2.' 


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Fell 

-  der  Teil  der  Haut ,  der  gegen  die  Fleischteile 
gelegen  ist.  —  Flügel  Fell  =  (übertcUung  des  lat.- 
trrieob,  pterygium  [riTip'j;  -  Flügel]  Galeui  s,  Cclsi, 
kraus.  E  s«3>-=  entzündliche,  partielle,  dem  Hügel 
einer  Fliege  (der  Korni  nach)  ähnliche  hyper- 
trophische Entartung  der  Bindehaut  des  Aug- 
apfels, wobei  von  der  Peripherie  aus  über  den 
Hornhaut  rand  eine  dH«  Auge  beschattende, 
tlügelförmige,  2  spitzige  Kalte  hinüberwachst; 
Iveiiu  Pferde  wurde  es  früher  dem  Drachen- 
schusse zugeschrieben  (s.  Drache,  Sehlis«,  Dra- 
chenschuss,  Fell-chuss)  (Arlt  91,  Falke  I.  292).  — 
Gefell,  Geflll  (GfiU)  (1572,  IMö  gefüll,  SchineUer  I, 
70»;  1612  ffetHd  =  Geflll,  Schmeller  1.  c.)  =  das  ganze 
tiehaiite  <>.  Fell.  —  (1599J  i/tr«W-Fell  =  ein  rotes, 
gelbe»  o.  einerleifarbiges,  wellentörmiges  Fell 
auf  den  Autten  der  Pfeide,das  im  Herbete  hautig 
entsteht  im  Gegensätze  zum  Brach-  und  Mai- 
Fell  (s.  d.)  (Gr.  W.  IV.  2.  1069;  II,  282).  —  Herz- 
Fell  (152*  herutellin,  H.  v.  Gcrsd  10  =-  pericnrdinm, 
Hyrtl,  K.  W.  47,  1666-  |*ricardium,  Gr.  W.  IV,  2.  1244) 
=  Herzbeutel.  —  Hirn-TeH  IßhA.  hirtilfell  —  Mem- 
brana, (irafflll.  469;  mhd.  hlrntvel,  hernevel;  13.  Jahrb. 
cerebrum,  Gr.  W.  IV,  2.  1558;  I>.  114  j  hirovel.  Luxer  102) 

Vleumges,  Hirnhaut,  1.  =  (14  Jahrh.  u«serhirnvel 
=  dum  mater.  Äussern  Hirnhaut,  VOC  opl.  W.  10; 
Hyrtl,  K.  W.  116  ;  inner  hitnvel  —  pia  mater ,  innere 
Hirnhaut,  Voc.  opt.  \\  10;  15.  Jahrh.  birnfell  —  dyra 
mater,  P.  6-10;  1482  hirnfei  =  aalvatrlx,  aalvaU-lla  [s.  d.J, 
Zening.  Voc.;  als  schuUende  Hülle  für  das  Gehirn; 
li28  das  starck  hyrnfellin  -  dura  mater,  H.  v.  Gersd.  26, 
10.  Jahrh.  hyetifeU  [verschrieben].  Schmeller  I,  1119; 
15.«  hyrnfell,  Gr.  W.  IV,  2.  1558  =  menlnRe«;  1612  die 
lehle  des  hirns  — •  menincps,  Gr.  W.  III,  1422;  1680  hirn- 
tell  =  inenlnire»,  Gr.  W.  IV,  2.  1558)  (s.  Hirnhaut). 

—  2.  =  das  irrobe  Uirnfell  (1898  pofa  hyrnvell.  H.  v. 
«iersd.;  Bnmf )  =  die  Dura  maier  (auch  Salvatella 
genannt,  s.  liamlader)  als  harte  Hirnhaut,  im 
Gegensätze  zursehleieraitigen,  zarten  Pia  mater 
(tiemlini  (Hyrtl.  K  W.  50).  —  3  =  {1482  hlrnfcl  - 
Krankheit  des  hin»',  meniea,  maniae«,  Zentnjr.  Voc.  o  >; 
r  3j  -  Hirnwut  als  Krankheit  des  Hirnfells  1  u.2; 
ob  zu  Fehler  oder  Fell?;  Organhezeicbnun^en 
siod  öftere  Puch  gleichbedeutend»-  Krankheita- 
Namen,  z.  B.  Drüse,  Blatt,  ZApHcin  etc.  — 
(15  Jahrh.)  Innere»  Fell,  1.  -  Pia  mater  s.  Hirn- 
fell (P.  M3J.  —  2  -  Bauchfell  =  sipbac  (0.  644)  als 
innere  Umhüllung.  —  J«n^rrn-Fell  (1482  fei- 
lein  der  Junckfrawscbafft,  Zettln»:.  Voc.  h6;  1616  feel 
der  junkfrawschiiüt  —  hyinen,  Heyne  II,  »92;  Gr.  W. 
iv,  2.  23*6)  =  Hymen.  —  Kindel -Teil  inhd.  kint- 
vel,  Lezer  123;  14.  Jahrh.  kindvell  secundtna,  Voc. 
opt.  W.  12;  15.  Jahrb.  klnlvel,  kindelfell  =  amuiou, 
serundina,  P  644;  <ir.  W.  V.  730  u.  7 SS;  1632  da*  tettlfl 
>i;i  <\tJ.  kind  inn  liegt  —  secuudiua  —  <lle  ander  «Schürt, 
Kries  126)  =  Eihaut.  —  L<i»Av-Fell  (ahd  litukevel! 
(8.  Übel).  —  (1612;  LultTeU  (luftfatat.  (ir  W  VI 
1202;  =  Diaphragma,  Zwerchfell,  durch  dessen 
Bewegung  die  Ateraluft  zutliesst.  —  maden- 
feilt 7  (ohd.  madewelltg,  Graft  I,  791;  II.  i".5s ;  mhd. 
nuwlerillec.  Schindler  I,  "09;  Leaer  US;  Gr.  W.  III, 
1199-scaturicQS  verntibus)  =  den  Hautwurm  (Kotz, 
0.  d.)  habend.  —  3fa9«i-Fell=  Bauchfell,  Peri- 
toneum, Siphac  der  Arabisten  (Gr  W.  VI.  1419).  — 
(r-99)  i/aien  FeU  =  Brachfell  (s.  o.),  die  wolken- 
farbige  Augentrübung  bei  Pferden,  welche  be- 


Fell. 120 

.sonders  im  Mai  eintreten  soll  (Gr.  w.  II,  202).  — 
•W/fW-Fell  -  Diafratton  Ualeni,  iseptum  medi- 
anum  =  Me<liastinum,  <)ie  Mittelhaut  der  Brust- 
höhle (Hyrtl,  K.  w.  170).  —  (1761]  Nagel-Teil,  1.= 
der  Augen-Nagel;  a)  (onyx  =  unguU,  Iritis  mitEiter- 
senkunp  in  der  Hornhaut  selbst,  Arlt  131;  ein  Eiter- 
herd der  Hornhaut  in  metiiseoider  Form,  Arlt  156 
lnnula,  Arlt  164);  b)  Plerygium-  oder  Flügel- 
fell- (s.  d.)  bildung  im  Au'ge,  „wobei  eine  Haut 
über  den  Augapfel  hervor  wachst"  (L.  eh.  92; 
Gr.  W.I  80'.)  —  2.  =  eineDeforniirungdes  Ftuger- 
Nagelö  (1776  Plenk  ;  Hehrend  5.  85)  (Neidfell)  „ein 

1  iellförmiges  Hinüberwachsen  der  Haut  von  der 
Wurzeides  Nabels  nach  seinem  Rande"  (ahnlich 
dem  Augenfell).  —  Neid-Teil  -  Neidnagel  und 
Nanelfell  J  (Heyne  Hl,  972)  (s.  Neid).  —  Ohren- 
Fell  (mh«l.  öre  vel,  I.exer  ls2,  1420  ornfel,  P.  358, 
15.  Jahrh.  orlel,  orevel,  feilet n  in  den  oren,  ornfell)  = 
Meringa,  Trommelfell,  Olirfandl,  Ohl  blatte, 
Trommelhaut,  Membrana  tympani,  die  ge- 
spannte Membran,  die  den  äusseren  Oehörgang 
abschließt  {Gr.  W.  VII,  1262;  Hyrtl.  K.  W  120).  — 
I7s3>  Qi«r-Fell  -  Zwerchfell,  Diaphragma  (Hyrtl, 
K  W  47  ;  I.evellng  125!.  -  Rippen-Teil  (1542  rlptaellin  , 

I  158*  ripfellin,  Tabernaem. ;  riptel,  ripfcllein,  ripfelin, 
<ir.  W.  VIII.  1034.  1620  rippfell,  Pr.  Minderer;  hotl. 

!  ribbenvel),  l.  -dasinnere  Brustfell  auf  den  Rippen 
(I'lfuracostalis)  ö  6ss;u»io-  (Kossm.  6).  —  2.  —  Uip- 

I  penhaut, d.  Äussere  Bedeckung.  —  3.  =  llücken- 

I  feil  2.  —  Rippfell  Qenchwär.  —  die  rote  Fehl 
(Schweiz)  die  durch  Ausschlag  rote  Haut,  Kot- 
Mlehl  :<ir.  W.  III,  1421).  —  /iiicArn-Fell,  I.  -  das 
tierische  Rtickenfell.  —  2.  —  da-«  Kippenfell  am 
Kücken  (Gr.  W.  VIII,  13t'.2)  (Kückenhaullein).  — 
(1742)  Schleim  FeU  in  den  Augen  =  Glauctima, 
grüner*  Staar,  durch  den  Augenschleim  ent- 
standen ansenomtnen  (Sehfell)  (Zw.  228).  — 
(1541j  Schmer-  I  _  „      , .  .  . 

I  (1748)  S<hmaU-\  FeU  ^  u'"e»tum»  Membrana, 
Zirbus,  Pinqoedo  involvens  intestina,  Netz  (Pn 

I  ränge  VIII,  432;  Hyrtl,  K.  W  47  138;  Masohenb.  101), 
«las  Netz,  das  wi<-  ein  Fettfell  f«.  d.)  die  Darme 
bedeckt.  —  (12  Jahrh  )  Seh-Tell  („■»  da«  fet  vor  der 
■chun [Sehe, Sehkraft] cotne",  ffeiffer.'O  79. »7) -  Mem- 
brana oculi  —  Maar  (s.  Augenteil)  (eonf.  sebel  — 
pannus  ocull,  Kraus,  F..  939).  —  S<l"frn-Fell  -  Kip- 
penfell  an  der  Brustseite.  —  (1588)  (ansehendes) 
Staar-  \ 

Sf«re»i-  Fell,  in  den  Augen  -  Staar  (s.  d  ),  Ca- 
Stuhr  \ 

taracta  (R.  A.  106;  Coler,  H.  A.  117;  Tunern  !,  den 
man  als  ein  Fell  ansah.  —  (1591)  Stern-Tell  = 
das  Fell  (Hier  dem  Augenstern --  Staar  (s.d.)  Ca- 
taracta, SlllTllsiti,  Scototnata  (Had  Jun.  374;  I-  eh. 
81).  —  Trommel-  ,[1H0]  Trummet)-TeH  —  Ohr- 
feil,  das  wie  ein  Leder  (s.  d.)  über  eine  Trom- 
mel gespannt  ist,  Membrana  tympani  (Kulmusy  v. 
—  TYiirtVFell  («oth.  thrüt«  flU,  Gr.  W.  III,  1495.  1499; 
angl«.  blec  thrust  fei,  blec  thrusfel  [  —  Mec  thru(d)s(t)- 
fell]  =  bitill|ro  [vitiliRo],  P.  623  =  weisse,  bleiche  Haut- 

j  krankbeit,  Hautleiden)  ■  I-epra,  weisse  Aussatz- 

1  haut  (Klutce*.  103.  388;  trüdo,  plage  =  truhan ;  indojr. 

,  tnid;  germ.  thnit),  Hautplage,  Aussatr.plage.  — 
trodsfeiliger  (Roth.  thnit.«rlllebj8  =  leprosu?)  =  «ler 
vom  Aussatz  Oeplagte  (vergl.  Angeftta).  —  (M77) 

I  umgespanntes  Fell-  Bauchfell  '    Chersetjuini?  des 


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130 


fend — Ferch. 


Ferklein  — fertig. 


Peritoneum,  Hyrtl.  K.  \V.  47.  IV».  —  Frtrfell  colli.  ' 
fatirafilll,  Kluge-1,  103)  =  Voihaut,  Praeputturn.  — 
(1645)  Wasser-TtU.,  1.  ■  Wasserhaut,  Waaser- 
balg/  Schafhaut  (*.  d.).  —  2.  =  ein  mit  Wasser 
durchsetztes  Augenfell  (Cnier  H.  A.  US).  —  die  1 
weisse  Fehl  (Schweiz)  -  im  Gegensatze  zur  Kot- 
Biicht  (rote  Fehls,  o.)  ^  Kinderpocken,  die  wein- 
gelben Blattern  (Gr.  W.  Iii ,  1421).  —  die  wilde 
Fehl  (Schwei*;  1513  dye  wye  fei  an  «Ion  äugen,  Schm. 

II,  86-1)  =  wilde  Pocken  (s.  d.)  (or.  W.  III,  »21)  ' 
(Witlel,  Pannus  oeuh).  —  (1M1)  ZiwcÄfell 
Querfell,  Diokfell,  Luftfell,  Diaphragma  fJByrtl. 
K.  w.  126),  die  twereh  (mhd.)  oder  quer  durch  , 
ilen  Leib  zwischen  Bruslhöhlo  und  Bauch- 
höhle gespannte,  innere,  dicke  Mnskelhaut, 
Zwerchhaut.  -  Zwerchfell- Gicht.  —  Fell-ßiss, 

■  Sehlis*. 

fend;  fend  schnaufen  =  behend  (pfend),  | 
eilig,  schnell  atmen. 
Fende,  m.  (abd.  femio,  Klage*,  10".  angis.  teda; 

mhd.  vende.  Fussganifer,  I.exer  31.*»;  *u  l'lad?)  — 
(1260)  Mann-  Fende  (maulende  =  Tnrsus,  FnssbUtt, 
Fusszehc  nach  Grimm,  Pfeiffer  72) 

Fenster,  n.    in  ahd.  Zeit  mit  dem  Beginne  der  ] 
Erlernung  des  Steinhaus- Baue*  aus  dem  lat.  fenestm 
[ahd.  und  goth.  -  AUgenlborl  entlehnt ;  ahd.  venstar  , 
rahd.  veoster,  Kluge*,  104  =  lochformige  Öffnung  [am 
Holzhause],  Auge;  neyne  II.  894. engl,  window.  —  [llsCI] 

Afkr-'\  Fen8ter  "  v  ^W**  1>r  »»  "|; 
Afterloch,  Anus.  —  (ici6)  ^«^cn-Fenater- Pu- 
pille, Sehloch  (Hyrtl.  K.  W.  W)  —  (U.  .Inhrh  )  Hin- 
ier-Fenuter  I hynder  venster.  Hjrrtl,  K.  W,  8)  -  After- 
fenster (s.  O.).  —  A'an^-Fenster  (H77  nas  venster, 
Ortolph;  1183  nasvenster,  C.  v.  Menenbg .)  =  Nasen- 
löcher, Nasengaden ;  Nares.  —  Ohren -Fenster 
(mhd.  da*  fenster  [»eil.  der  Ohren;,  Gr.  Vf.  VII,  1226)  | 

^äussere  Ohrgang-Üifnung.  —  (1177)  S-hweis*- 
Fenster  (swelzvensterlln,  Lexer  261,  C.  v.  M<-genbg) 

=  Schweissporen,  Schweisslöcher  der  Haut. 
Ferch,  n.  (Förrich,  Färch)  (ahd.  remb,  verah, 

ferehe  ■  vita,  sanguls,  Gr.  W.  UI.  1627;  'ir.»n  III,  682; 
mhd.  verch,  Gr.  W  III.  1627;  verch  =  Leben,  Korper, 
Hera,  Blut,  Tod.  Haltaus  460  ff.;  1*»1»  das  lerg  -  miis- 
cnlns  vltac,  D.  III.  :503;  da*  ferch  =  paralysls  Intcr 
carnera  et  entern  intercus;  1916  ferch  =  das  Leben, 
Gr.  Vf.  III,  ir»2H;  um  ferch  -  dysentert*.  Guar.  »71; 
1616  dlaphrogma,  Gr  Vf.  III,  1528;  ferch  -  acintlllatlo 
nculorum,  t'r.  Vf.  1.  e.  —  die  Erscheinungen  heim 
[kulturellen]  Verblulungstod,  das  [enttlieheude)  Leben  ; 
162'.»  das  Ferch  =  nystagmu«,  saltns,  Schindler  I.  761 ; 
16»a  das  Ferch  =  palpitatio,  nystagmu*,  „In  diesem 
Flhricren.  ruinieren  zeigt  sich  die  Lebenskraft",  Gr  ff. 

III,  \:,>n).  Es  ist  (irimm  (\V.  II,  76;  III,  1628)  «um- 
stimmen, wenn  er  in  ferch  (ferah)  das  Herr,  als  Sit* 
des  Lebens  aunimmt  (l'nenma) ;  das  Wort  ist  mit  der 
Opferanatomie  lu  Zusammenhang  *u  bringen;  nur  «O 
lassen  sich  dann  die  verschiedenen  Bedeutungen  des  , 
Ferch  crkl.ircn  i  Der  kulturelle  opfert  od  (s.  Korrcsp  Bl. 

L  Anthr.  lfc%.  Nr.  1).  der  ein  (Menschen -'Leben  der 
Gottheit  zum  Versohnungsopfer  darbrachte,  schuf  für  | 
dM  Volk  nachfolgende  Bedeutungen  des  Ferch:  1 
das  herausgenommene  Herz,  das  eben  noch 
pulsierte  und  schlug  =  Merz  als  Lebenssitz; 
MnW    ferahl'.s  -  leben«lo«,  herzlos,  Graft  II.  269; 


1629  saltu«  das  Ferch,  Schindler  I,  "51;  aus  der 
Beschaffenheit  des  Herzens  wurde  beim  Opfer  gewcU- 
sagt,  Golth.  «41).  —  2  das,  was  hei  der  Heraus- 
nahme des  Herzens  noch  mit  dabei  wegge- 
schnitten wird,  ein  Teil  des  Zwerchfelle,  das 
am  Centrum  tendineum  mit  dem  Herzbeutel 
verwachsen  ist,  daher  auch:  Ferch  -  Zwerch- 
fell, das  neben  dem  Herzen  der  lebenswichtigste 
Muskel  des  menschlichen  Körpers  ist,  dessen 
Stillstand,  wie  jener  deB  Herzens  unausbleib- 
lich schnellen  Tod  brinet  (Hyrtl,  Anat.  430;  Gr.  W. 
III,  IHM;  schmeller  I,  751);  (vergl.  Vorherz).  — 
3.==  das,  was  aus  dem  Herzen  beim  Ausschneiden 
herausliiesst:  Ferch  ~  Blut  (Gr.  w.  III ,  1322; ■; 
namentlich  aber  4.  =  das  pulsierende  Blut 
•'Ferchader,  e.  d  ),  das  im  Bogen  fliessende 
Ferch  (s.  u  ),  mit  dessen  Fortfliessen  der  Tod 
eintritt.  —  b.  —  das  auch  sonst  sichtbare  Blut: 

a)  blutende  Wunden  -  Ferchwunden  (s.  d.); 

b)  rote  Kühr  =  l'erch  (Tirol)  ■  Blutfluss  ((ir.  w. 
III,  152»;  Schmcller  I.  7.M;  Guar.  871).  —  6.  ferchen 
=  töten  (<:.  v  Schm.  17s  .  Färch  =  da«,  waa  ans 
Leben  geht  =  todlich,  z  B.  (mhd.)  Ferchwunden. 
7.  =  zum  Ferche  lassen  =  Aderlass  (Gr.  Vf.  III, 
1528).  —  H.  -  die  Zeichen  des  Verblutungstodes  : 
d:is  Zittern,  Fipern,  Zucken  und  Beben  der 
Muskeln,  namentlich  der  Augenlider  (Gr  W.  III, 
1528)  -  Nystagmus  (  =-  tourner  Foeil,  Briss.  116;  Schm. 
I,  751)  Ferch:  (palpitatio  .|ualls  in  membris  inter- 
dtim  seutitur  et  saepe  tu  palpebris  —  vlta  in  musculi»', 
Henisch  ;  1616  -  die  Mau*  [2],  „das  ist  der  ort.  welcher 
das  Ferch  heisst",  Paracclsus;  Gr.  W  III,  1">28).  — 
das  darre  Ferch  -  eingetrocknet«  Blut.  —  das 
fliessende  Ferch  =  das  lliessende  Blut.  —  Ferch- 
Ader,  Blut,  -los,  -.Wrtse,  -Schlag,  -sehr,  -  Wunde. 

Ferklein.  n.  (vorgerm.  porkos  [porens];  g-th. 
farh»,  ahd.  farheliu;  mhd.  verkclin.  Kluge*.  104)  = 
scrofula;  sti»  BCrub»,  das  Schwein.  —  ■;i482)  Ferchlein 
iZening.  Voc.  hh  2J  —  scrofula  =  flriise  i("ben>et*ung) 
s.  >kroleln  u.  heb  wein).  —  ferkeln  =  Ferkel 
werfen.  —  Ferklein-ilussrWaj/,  -Drüse,  -Fieber, 
■Lähme,  -Vbtl 

Ferse,  f.  Fersen,  f-  (altindogerniantscbe«  Sprach 
tut  fers-näni;  vorgerm.  pers-na-ni ,  Kluge  *.  104  ff 
:»hd.  fereana;  7.-8.  Jahrh.  fersna  =-  tali.  Gass.  Gloss. 
Die*  9S;  lerslaa  =  calx,  II.  Z.  III,  Wi»,  14.  Jahrh.  ver. 
xennc  =  e«lx.  Voc.  opt.  Vf.  13,  1578  die  vers,  Gr.  W. 
V,  143«;  1591  fersinc,  ferseben,  verssen  —  malleolus, 
Had  Jun.  35;  Tabcrn.  117  K. ;  nhd.  TONI,  versene. 
(erseii  ■  plant»  pedis,  Hyrtl,  K.  W.j  die  Anatomen  des 
17.  Jahrh  nahmen  Ferse  und  Sohle  identisch,  Hyrtl. 
1.  cod.),  1.  s=  der  sichtbare,  von  »i»?r  Haut  bede.  kte 
Ted  des  Fersenbeins  (=  Hacke,  s.  d.)  —  2-  - 
der  hintere  Teil  des  Pferdehufes.  —  Achilles- 
Ferse  =  die  Stelle,  wo  die  Achilles-Sehne  sich 
unsel/.t  Nach  der  griechischen  Sage  soll  die  Meer- 
BfttUn  Theti-  ihren  Sohn  Achilles,  um  ihn  unsterblich 
*u  machen,  in  Feuer  (auch  Styx)  eingetaucht  haben; 
nur  »lie  Ken-»',  wornn  sie  ihn  hielt,  blieb  ungefeit  und 
daher  verwundbar  iWiisim.  —  Fersen  Bla ttcr. 
-Fahne,  -Fleckte,  -Gatte,  -Sehne,  -  Wand. 

fertig  ahd  fnrtig  =  tur  Fahrt  (*.  d.]  ausgerüstet , 
mhd.  vertlc  =  zur  Fahrt  bereit,  Kluge',  106).  —  berg- 
fertig  -  fertig  (zum  Sterben)  durch  die  Berg- 
krankheit C-  primärer  Markschwamm  d.  Lunge 


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fernen—  Fett. 


Fctzel-feucht.  181 


l>ei  Bergarbeitern)  fMed.-chir.  uundsch.  1*7«,  s.  sr>3).  I 
-  a«60)  Nacht-  |  jgjggft  }  -  «rollchtl  Fahrt 

geneigt  als  Nachtwandler  (Mondsucht,  Schlaf- 
wandel)  (('ruRius,  de  noctc  etc.  :!37;  Mnscheab.  1589. 

f  erzen  s.  farzen. 
Fes  8.  Fos8. 

Fesen,  m.  1.  =  eine  Krankheit  de«  Sehweins  I 
(Milzbrand)  (SchmeUer  I.  767)  =  Korn  (=  Kose». 
Dinkel,  Spelt)  (a.  Korn,  Kern).  —  2  =  eine  (Je- 
schwulst  der  Lefzen  des  Pferdes  -  Korn  («.  d.; 
vergl.  .Mehlgrat). 

Feßsel.  m.,  f.,  n.  (Fesselat,  f.  Füssel,  Fessel, 
Fissel,  Fetzel,  Fistel,  Fissloch,  Gefäss)  (ah<i. 

Hanl,  vczztl.  Schw.  1%;  mhd.  Icm-l ;  Kluge  lu.V  12.'. 
und  Heyne  11,  899  »teilen  cg  zu  fet  -  Kusu.  als  Ablaut 
davon  —  das  Kü*«lein;  engl,  fetter.  Kaitschin.);  1.= 
der  untere  Teil  des  tierischen  Kusses  von  der 
Köte  (s.  d.)  bis  zur  Krone  (s.  d.)  des  Hufes 
reichend,  l'Hrs  pedis  ungnlao  proxima  (Gr.  w. 
III,  1666;  IV,  1.  42  -  fiefAss,  OefäMMSr,  Gr.  W.  IV,  1. 
2129;  1603  ober  und  untere  Ke-scl  [de«  Werden],  <.r.  W. 
III,  1666,  1699  fuwel  -  Kewel,  Gr.  \V.  IV,  1.  964).  — 
2. -der  Hinlerhiitf  des  Pferdes  (SnfFrago)  (<ir.  W. 
fü,  1692  ts  vlzzeloch  =  Fisslaeh.  Flwiloch,  eine  Ab- 
leitung zu  1«  -  Fun*  [Kluge  123)  =  Feasl  -ach,  Gr.  W. 
III,  1692;  conf  engl,  fellock  =  Kotenzopf,  Kaltschm. 
]_  23ä!,  —  (1639)  dieFeSSelut  (mh<l.  vczzelate)  -  ein 
Fesselgeschwür  an  der  Fesselslelle  (,« ;r.  W.  III, 
155).  —  GrfeBS  —  die  ganze  Fessel  (Gr.  w.  IV,  1. 
2129)  —  gefesselt  =  mit  einer  (langen,  kurzen) 
Fessel  ausgestattet  (Fnlke  II,  58.  58).  —  weiche 
Fessel  eine  starke  Senkung  des  Fessclge- 
lenkes  heim  Pferde,  wodurch  leicht  krankhafte 
Veränderungen  an  Bändern  und  Sehnen  ent- 
stehen,  als  ob  eine  solche  Fessel  besonders 
weich,  empfindlich  wäre,  so  dass  daB  Pferd 
stark  „durchtritt"  (s.  d.).  —  Fessel-.lrfer,  -Dritt,  ' 
■Galle,  -Geschwür,  -Gewirb,  -Lähme,  -Leiste,  1 
-Lockt,  -wund. 
fest,  Feste,  f.  —  km-ÜNt  ■  knocheaelark, 

heinrosch  (ahd.  kind  In  warobo  klfestlnot  «=  gravi- 
dita*.  pariu«,  «irufl  I,  s.*>3j  -  »las  im  Mutterleib«  mit 
Bundern  befestigte  Kind,  von  dem  die  Mutter 
entbunden  wird.  —  Grund-Teste  —  Urundbau 
(».  d.;  System)  —  fest-/»>yt-n. 

Fett,  n.  Fette(n),  f.  (angel».  fäcled,  faett,  ahd. 
fniia,  «in  er«t  durch  Luther  eingeführte*  Wort 
[  =  oberd.  feist];  au«  goth.  faltlth»  -  fai«t,  Kluge*. 
103.  I(i6;    alteren  KU  ;    vet  -    Kelt.  '.erttinn  XVIII, 

2T3   engl,  fat)  die  Fettiirk<-it,  Fette,  Fetten 

ll(ayern|)  -  Pinuuedo  (Cr.  W.  III.  15T3)  Feistigkeit. 

—  .4Mfl«(-Fett  -  Angenbutter  [Fällte  I,  88). 
Bauch-Tette  ■  Arvina  abdomiaia  und  der 
Bauch  Mlbet  (Cr.  W.  I.  I167j.  —  Knoihcn-Tett 
das  fettreiche  Knochenmark ,  Medulla  ossium 

-  -  Kragen  Fett  ~  Eingeweidefett  d.  b.  Feit 
am  kiagemkhnlichen  Gekröse  ('ir.  w.  V,  wi:.  — 
LeirAoi-Fett=  Fcltu  aehs,  Adipocire,  eine  fettar- 
tige Masse,  in  welche  das  Leidienlleiscb,  wenn 
es  in  feuchter  Erde  oder  unter  Wasser  lie^-t, 
umgewandelt  wird.  —  Mens'hen-Tett  ■  das  zu 
abergläubischen  Heilzwecken  benutzte  Fett 
eines  Hingerichteten  •'•null  66;  Rochbolz  I,  268) 


Arme-Sünder-Schmalz.  —  A'tVrc n -Fett  -  das 
die  Nieren  umgebende  Fett.  —  OAr-Fett  fndi. 
norvet,  De  Cook  302)  =  Ohrenschmalz  (Oerumen). 

—  (1645)  Schedes  Fett  =  blosses  Fett  ohne  Fleisch 
(toler  II  A.  91).  -  Ver  fettung  =  die  teilweise 
oder  gänzliche  Umwandlung  von  Gewebe-Ei- 
weiss  in  Fettmolekfiie,  Adiposis,  Steatosis.  — 
redtm-fett  ~  fett,  wie  eine  angesaugte  Zecke 
in  der  Schaf  haut  (C  v.  Schm.  642).  —  TeW(6)-Ader, 

—  Auge,  -Bruch,  -Buckel,  -Darm,  -Drüse,  -Fächer, 
-Feit,  Flechte,  Fleck,  Franzosen, -Hals,  Haut, 
■Herz,  Kinder,  Kräfte,  -Krankheit,  -Leber, 
-Uibiif.  -Magen,  -Räude,  -Schwanz,  -Schmelzen, 
-Sucht,  -  Wachs,  -  Wanst,  -  TVu/«f,  -Zeit 

Fetzel,  n.  s.  Fessel. 

Fetzer,  m.  —  Podex  als  Guttur  posterior  (Du 
Cange  IV,  144;  Gr.  \V.  III,  lr.77;  VI,  421 ;  Adelung; 
Hyrtl.  K.  W.  8;  „well  er  geletzt,  gestrichen  wird"  [?]). 

—  fetzen  =  einen  Naturlaut  von  sich  geben  wie 
Flüssigkeiten,  die  durch  enge  Köhren  binaus- 
ge»pritzt  werden:  „tfftz"  (fetzen  l»t  auch  —  den 
(iarten  spritzen  und  pluen,  Seh  melier  I,  780 ;  daher 
auch  Fei/gret  -  Margret,  die  Ileubrunzerin  im  Volks- 
munde. Zingerle  101). 

feucht,  Feucht,  n.  Feuchte,  f.  Feuchtin  f. 

(ein  au*  den  mittelalterlichen  Medizinschulen  in  die 
gelehrten  damaligen  und  späteren  Kreise  gedrungene», 
die  sehulgemässen  Htimore»  («.  d  ]  übersetzende«,  seit 
dem  Sturze  der  Hnnioralpnthologie  aber  daraus  ver- 
schwundene* Wort  :  ahd  füliti ;  mhd.  viuehte,  feuchtin  , 
UM  die  Huhtc  [hat  der  Mensch  von  dem  Wasser  und 
von  der  Keuchte  wird  ein  jegliches  Ding  dick]  nach 
Pfeiffer  20.  21  ;  1483  diu  facuehl  -  (legnia,  C.  v.  Megbg. ; 
UHM  leichte,  feuchtln,  fliehte  =  "minor,  Heyne  II,  9041. 
— -  Feucht,  11  ■»  Feig,  n.  (s.  d.)  (SchmeUer  I,  C88; 
da»  felcht).  -  Feuchte,  Feuchtin,  f  =  das  wäs- 
serige (»rundeleinent  (s.  Wesen)  der  mensch- 
lichen nnd  tierischen  Organe,  der  natürliche, 
aus  den  Speisen  zunächst  bezogene,  elementare, 
die  menschliche  und  tierische  Form  bedingende 
Wassergehalt,  der  je  nach  der  betr.  Komplexion 
(kalt,  warm,  trocken,  feucht)  nach  den  Lehren 
der  Hun.oralpathologie  in  verschiedenem  Grade 
in  jedem  Natur-Dinge  vorhanden  sein  sollte, 
und  mit  dessen  unnatürlicher  Veränderung  die 
verschiedenen  Störungen  (Krankheiten)  durch 
eine  Ait  von  Selbstvergiftung  entstehen  sollten. 
1.  =  Diese  Feuchtinen  deBmenschlichenKörpers 
(EeibcHfeiichten)  waren  nach  dieser  Lehre  als 
natürliche  Elemente  vorhanden  vor  allem;  a)  im 
Blute  (s.  d.),  wo  eine  nach  den  Jahreszeiten, 
selbst  nach  Tagesstunden  (Krautw  I.XXIXJ  und 
selbstverständlich  auch  individuell  wechselnde 
Komplexion  mehr  oder  wenigerstark  sich  aus- 
bilden und  hervortreten  sollte,  die  das  choler- 
ische, melancholische,  sanguinische  und  phleg- 
matischeTemperamento.  Geblüt  (s.d.)  bedingen 
sollte,  bezw.  den  feucht  warmen ,  feuchtkalten, 
trocken WMinen |  trockenkalten  Humor:  b)  in 
dem  Gen  der  und  Gelenken  als  normale  Ge- 
lenkfeuchte  .  Svnovia,  Phlegma)  ;c) in  den  männ- 
lichen und  weiblichen  Genitalien  als  geist- 
reiche Feuchte  des  Samens,  als  Monats-  und 
Wochenfluß;  d)  in  den  Schleimhauten  als 
Phlegma, Cholera  etc.  (Schleimnamsekret);  e)  als 


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its 


feucht. 


feucht 


seröse  Feuchtigkeit  auf  serösen  Flächen  (Peri- 
toneum, Pericardium  elf  ),  f)  als  Urin  in  der 
Feuchtblase.  —  2.  -  Wenn  diese  im  Körper  ge- 
kochten (e.  d.)  Fenchtinen  in  Form  eines  Flüssen 
(s.  d.  n.  Khenma,  Katarrh)  aus  dem  Blute  oder 
einem  Organe  an  andere  Organe  sich  versetzen 
ifallen,  sinken),  dann  entstehen  daselbst  nach 
jener  l«ehre  unnatürliche  Mischungen  (Kom- 
plexionen)  oder  durch  besondere  Schürfen  oder 
Salze  veränderte,  mehr  weniger  bösartige  Feudi 
ten,  z.  B. ;  a)  zwischen  Haut  und  Fleisch  als 
Anasarka,  Hautödem;  h)  auf  Schleimhäuten  als 
Katarrh  (katarrhalisches  Sekret,  Phlegma,  Cho- 
lera), Auswurf;  c)  in  den  Muskeln,  Geftder,  Ge- 
lenken als  Rheuma  oder  kalter  Fluss  (Phlegma  ;  , 
oder  Gelenkexsudat ;  d  in  den  Genitalien  als 
Verhärtung  (Infarctus,  Seirrhus)  oder  Samen- 
tlusfl  (Gonorrhoea,  Wei^fluss}  etc.  —  feucht 
wässerig,  stark  Kecernierend.  —  Feuchtigkeit 
(13  Jahrb..  mnd.  ruchtichcit,  Mag  Kanh.  las«;  14»;: 
vluhtekekeit;  1AM  fochtekoit ,  b-iichligkcit  liuranr 
mdkuIk.  »puturo.  Heyne  II,  901,  D.  Ml.  :*9}  Art 
u.  Weise,  w  ic etwas  Feuchtigkeit  enthält,  feuch- 
ter Zustand  der  Organe.  —  ßirir<-Feucht  =  die 
Feuchtigkeit  der  Brunft  am  Blatte  -weihliches 
tierisches  Geburtsglied)  (C.  v.  £chm.  71 ;  to  piss, 
engl.  Jägersprache).  —  Lose  Feuchte  IX  lahrh.  die 
böse  fluhtc,  I'klffer  IS  j  mnd  IM  da»  W  a»scr  [l'rin]  «1er 
Krauen  blelchlarhig,  und  ist  iler  Arkcl  (Zirkel  s.  d.j 
«laiin  manigfaltlg,  ohne  da»?*  man  das  Wasser  umrührt, 
««  hat  die  Frau  viel«!  humores  praves,  da«,  hetMt  buze 
vuchtlchelt  und  das  geht  ihr  bl»  an  das  Haupt  durch 
den  rugghe  knake  [Rückgrat]  und  sie  hat  grus«eti  Weh- 
lag an  ihrem  Haupte  [clavu«  b.j>tericu«  =  Endome- 
tritis catarrhalls;  nach  Mag.  Harth.  103a)  =  eine  un- 
natürliche (s.  d.)  d.  h.  krankhaft  vermehrte, 
anders  gemischte  oder  verfärbte  Gewebsfeueh- 
tigkeit  Oin  Gegensätze  zur  natürlichen  Grund- 
Feuchtigkeit)]  die  sich  dann  auch  als  giftig 
wirkende,  scharfe  Feuchtigkeit  (8.  d.)  bemerk- 
bar macht :  dieCau^a  materialis  uiorborum,  „die 
Materie,  daraus  jede  Krankheit  wir«!"  R'olnr,  H.  A. 
77);  speziell:  a) .  1507 ?  in  den  Augen  -  lippus  ;li<>rt. 
«an.)  -  Blenorrhoea  (bis  Ins  1*  Jahrb..  hinein); 
b)  (1Ö48,  Kuland)  zwischen  Haut  und  Fleisch  = 
Oedema,  Anasarka,  Salzfhiss,  Kkzema;  c)  in  den 
Geäilern  Rheuma  Flnss,  kalte  Feuchte)  — 
Kaltvergicht  der  Glieiler  und  Gelenke,  Rheu- 
matismus; d)  Endometritis  catarrhalis  (s.o.); 
e)  Katarrh  der  Luftwege,  —  cholerische  Feuch- 
tigkeit, 1.  —  Cholera  coiuplcxio),  die  normale, 
durch  Beimischung  der  roten  (gelben)  Galle 
l  hitzige  Feuchte)  entstehende  Gewebsfeuchtig- 
keit  der  Humoralpnthologie.  —  2  Cholera 
<  morbus)  —  Gallen  rühr  mit  abnormer  Entleerung 
von  gelber  (roter)  Galle  oder  „galliger  böser 
Feuchtigkeit"  («;r  W.  IV,  l  l  ist.  ns .  —  /aide 
Feuchte  (1477  füle  nuht©  diu  uz  dem  boubet  rinnet, 
ortolf  —  eine  phlegmatische  (astheuischc  Kiank 
heit  mit  Erguss  von  übelriechendem  Schleiin- 
hautsekrete.  —  (1C77:  ßrc  (tartarische)  Feuch- 
tigkeit iUeyn ,)  -  die  an  einer  bestimmten  Stelle 
festsitzet  d  •  abnorme  Feuchtigkeit  Jlumor)  als 
Ursache  von  Gicht  oder  Gliederkrankheiten 
(Tophus,  Gumma)  im  Gegensätze  zur  berum- 
ziehenden Gicht  (Arthritis  vag;»;    —  Frauen- 


Feuchte  flfiaafmwen  teuohir  -te* weihe* gesenenlia- 

«in,  Krics  '.<*.  PJrt;  1  Hock  UT.  d.  h.  den  Adcrlass  vertre- 
ten«!.- Menses  -  lliesseude  Fi auenfeuchtigkeit  = 

Menses  nimii  (*  fliessen).  -  ^gnMge 
Feuchtigkeit  >  bin*,  biiiosu*,  r.r.  w.  iv,  i.  nw»; 
ti  71)  die  durch  Beimiscnung  roter  o.  schwarter 
(talleentstehende  normale  Gewebsfeuchte  (Cho- 
lera s  Melancholia  constitutio.  Humor.  — (17>.i) 
f»Ftio7*-Feuchtigkeit  =  der  Loehientluss  oder 
Wochenlluss  nach  der  Entbindung  (I..  ch.  46)  als 
normale  Feuchte.  —  HTM]  geistreiche  Feuchtig- 
keit -  Sperma,  <ler  männliche  und  sog.  wein- 
liche  Samen  (s.  d.  un<i  Geist")  (I.  ch  79).  —  (I7«.i 
gläserne  Feuchtigkeit  -  Glask«irper,  Corpus  vi- 
treum  als  wasserklare  sulzige  Masse  im  Auge, 
die  vonderGla*haut  eingeschlossen  ist  (L.  ch.  40) 
im  Gegensatze  zur  ebenfalls  normalen,  krystal- 
linen  Feuchtigkeit  (l.inse)  des  Auges,  und  zum 
Augenkatarrhe.  —  Gleichen-,  6hV</cr-Feuchte 
I6S.S  die  feuchten  die  sich  in  die  gleich  und  gewerh 
■M'txen,  Tabemaem  ,  Gr.  W.  III,  1578) ■» das  almorme 
Phlegma  (s.  d.),  «las  sich  als  Exsudat  (Fluss) 
in  die  Gelenkhöhlen  ergiesst,  im  Gegensatz  zur 
normalen  Gelenkfeuehtigkeit  (Synovia;,  —grobe 
Feuchten  =  ungesunde,  unentwickelte  s.  rohe 
Feuchte)  Komplexion.  —  (K*9)  GrMnd-Feuchte 
[da*  hnmidniD  redlcalc,  Guar.  110-t  die  natürliche 
GewebffeuclitiKkeit  im  tierischen  Körper  als 
tirnndfeste  der  Gesun«lheit  (Norm)  —  Hirn- 
Feuchte  <iW-  daz  hlm  hat  roinner  pluotea  «an  kal 
nerlai  ander  vaeuhten  die  in  «lern  inenxchen  slnt. 
<:.  v  Megbg.)  r-  der  normale  Wassergehalt  des 
Gehirns,  das  sich  durch  die  Entleerung  des 
Rotzes  I'lilegma  s.  d.)  nach  den  Lehren  der 
Humoralpathologie  von  dem  1  berflusse  der 
Feuchten  reinigt.  —  innerliche  Feuchtigkeit, 
1.  =  der  Weiber,  =  Menses,  «lie  aus  dem  Inneren 
sich  entleeren  (iv.i.  Bock  l.ii).  —  2.  -  in  den 
Gliedern,  «lie  als  Serum,  Lymphe,  Synovia  etc. 
im  Inneren  des  Körpers  und  iler  Körperhöhlen 
normal  vorhanden  ist  (1591,  TAbcnuwn.  fl"  B),  — 
[lätt]  kalte  Feuchtigkeit  [TaberUAin.)  Phlegma 
(Rheuma')  (».  d.)  im  Gegensatz«  cur  bitsigen 
Feuchte  i  -  Cholera).  —  (iö.  Jahrb.)  fauVfeuchfi«? 
falitach«.  kolt  vluchtich,  I>.  2:is»  -  phleginaticiis, 
rhemiialicus,  .schnupfen  (CoryziO  bähend  («ir. 
W.  V.  90).  —  (17.  Jabrh  )  kryntallxnc  Feuchtigkeit 
=  die  Krystall- Linse  im  Aug«  im  Gegensätze 
zum  Huiiioi -aonetis  ilt.  A.  107;  L.  ch.  40).  —  Leibs- 
Feuchte  -  <ler  natürliche  Wassergehalt  des 
Körpers,  der  Organe,  .Schleimhäute  etc.  als 
Grundlage  der  sog.  Konstitution  o.  Komplexion 
und,  wenn  UnnfttQrlich  (s.  d.),  auch  Ursache  von 
Krankheiten.  —  'it'.MO)  «rohe  Feuchtigkeit  «les 
Leibet  -  Humores  erndi,  die  rohen  ungekoch- 
t«-n  (s.  d.)  inbsehleimigen  Darmentleerungen. 
—  (ltiifl)  nuttti  liehe  vier  Feuchtigkeiten  in  «lein 

Leibe  (gegen  welche  ParaceUus,  zuerst  sie  als  Lehre 
bekAinpfend ,  aultrat)  -_-  Humores  ijualu<ir  in  cor- 
pore  :  Sanguis,  Cholera,  Phlegma,  Melancholia 
[Im  l  ange  VIII,  461),  «lie  die  4  Ti  iuperainente  des 
menschlichen  Körpers  nach  alter  Schullehre 
darstellenden  Gewehs-  und  OiKunzustande  (s. 
Blut,  Cholera,  Phlegma,  Melancholie,  Sangui- 
niker, ausserdem  Natur,  Element  u.  I>ing).  —  <isoi) 


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feucht 


Feuer 


133 


melancholische  Tenchtigkeit,  1  -  Parmschleiui 
mit  schwarter  Ualle,  aus  der  aufgeblähten  Milz 
abnorm  abgeschieden  angenommen  -  Pest-Ruhr 
l,,da  alle  Pestlleuz  von  der  gxohen  Feucht*"  im  Metischen 
sich  erhebt"  [Loniccrns],  namentlich  aus  dem  schwar- 
zen Blute  der  Hohl- Ader,  Tabcrn.  74  h ;  Heyn.  178).  — 
2=die  nach  den  Lehrender  Humornlpathologie 
normal  beigemischte,  schwarte  Galle  (s.  Me- 
lancholie I)  in  der  Grundfeuchte  desKmpers.  — 
(1620)  mösichte  Feuchten  (der  Schaden}  (I>.  Min- 
derer;, t,  B.  Ulcus  varii  osum  mit  häßlichen  llech- 
ten-  oder  pilzartigen  Granulationen  —  (i«.v 
natürliche  feuchte  =  die  der  natOrlichen  An- 
lage entsprechend«  Organfeuchtigkeit  (s.  l,ei- 
besfeuchte,  Grundfeuchte),  Ilumores  serosi  im 
tJebirn,  Augenkammer,  Hertbentel,  Gelenke , 
auch  Liquor  amnii  fHyrtl,  K.  W.52;  roler,  H.  A).  — 
phlegmatische  Feuchten,  1.  =  das  nurmal  zur 
Urundfeuchte  des  Korpers  beigemischte  schlei- 
mige, kalte  Phlegma  ;  d.),  die  die  hitzige  ^cho- 
lerische; Keuchte  temperiert.  —  2.  —  die  abnorm 
stark  angehäufte  oder  entleerte  schleimige  .Se- 
kretion (Katarrh  od  KIuhh  als  Krankheiten  «1er 
.Schleimhäute).  —  rohe  Feuchte  mhd.  muhe  veuht, 
1483  röeh  faeuebt,  C  v.  Megbg.  ;  Or.  W.  VIII.  1115)  - 
die  groben,  noch  ungekochten  (s.  kochen  <,  noch 
nicht  zur  gehörigen  Entwicklung  gelangten  Ge- 
websfeuchtigkeiten  (Säfte)  —  Samcn-Feuchtig 
keit-dieim  menschlichen u. tierischen  Körper 
ausgebildete  normale  „geistreiche"  Feuchtig- 
keit (s.  d  welche  als  männlicher  oder  weib- 
licher Samen  (s.  d.)  nach  den  Lehren  der  Hu- 
moralpathologie  entleert  wird;  dazu  rechnete 
man  auch  das  Sebum  praeputii,  welches  man  (1797 
noch,  Borges  35»)  für  eingedickten  Samen  hielt; 
wurde  diese  Feuchtigkeit  durch  andere  Feuchten 
vermindert,  so  entstand  der  krankhafte  Samen- 
tiuss;  blieb  sie  im  Körper  zurück  ohne  Entleer- 
ung, sodicktesichdieFeuchte  ein  und  verhärtete 
sich  im  I^ibe  zu  Tumoren  »Jewäcbs).  —  (l7:U) 
scharfe  Feuchte  -  die  u.  A.  an  Magen  er- 
zeugten, ins  Blut  und  in  die  verschiedenen  Or- 
ganegelangenden Hu  mores  corporis  acres,  die  in 
grosser  Menge  zu  scharf,  zu  weit  wirken  sollten 
nach  den  Lehrender  iatrochemischen Schuleu. 
die  verschiedenen  Krankheiten,  namentlich  den 
Skorbut  erteugen  sollten  (Gr.  W.  vill,  2189).  — 
1532)  schleimichte  |{1875)  schleimige\  Feuchten  in 
dem  Parin  (Friea  Iii;  Müller,  Krtrbch.  *3;  Tahern. 
73C),  1.  -  Parmschleim  als  Zeichen  der  phleg- 
matischen Komplexions-Verändernng.  —  2.= 
».  phlegmatische  Feuchte.  —  (1496)  schwarze 
Feuchtigkeit,  1.  =  die  nach  humoralputhulog- 
ischer  lettre  der  normalen  Grundfeuchte  beige- 
mischte, sog.  schwarze  Galle  (s.  Melancholie  I). 
2.  =  die  in  krankhafter  Menge  aus  der  Milz  ins 
Blut  entleerte  schwarze  Galle,  welche  (nach  den 
Lehren  der Humoralpathologie)  beiden  9chwar« 
zen  Blattern,  bei  der  Melancholie  etc.  nach 
Aussen  sich  bemerkbar  machen  sollte,  als  dunk- 
lere Hautfarbe,  btäunlichschwarze  Pustelsekre- 
tion  etc.  vFuch»  I, »).  —  (1616)  tartarisrhe  (fixen.  <>.' 
Feuchtigkeit  (raracelsus ,  Zw.  327),  1  =  die  die 
Gicht  und  den  Blaeenstein  aus  dem  Tartarus 
(s.  <L)  erzeugende  Harnsäure-  Piathese  im 
Blute  Berti  ).  —  2.  -  nach  den  Lehren  dt»  Farn 


celsus,  welcher  einen  Tartarus  ,s.  d),  als  chemische 
Mlschungsveranderung  der  (iewebaleutbten  annahm, 
auch  =  Lepra  (Zw.  2«;  1742)  d.h.  die  dieseKrunk- 
heit  erzeugende,  tartarisch  veränderte  Gewebs- 
feuchte.  —  ungesunde  Feuchtigkeiten  s.  böse, 
irrobe,  rohe  Feuchten  (Müller-Krtrbch.  97).  —  Un- 
Ä-cwgcA-FeUChten  (1477  „die  fliehten  der  unkeusch" 
[Ortolph]  =  semen;  .die  feuchte,  die  in  der  kalten  mutter 
verbitrtet  Ist";  die  ursprünglich  chron.  entzündete, 
geschwollene  [feuchtkalte]  Gebärmutter  und  das  darin 
bewahrte  Semen  muliehrc,  ,,dle  sehleimige  Feuchtigkeit 
der  Alten"  [Kulmus  182]  sollte  allmählich,  namentlich 
zur  Zelt  der  geschlechtlichen  Kttlte  (*.  kalt,  Klimax], 
nach  dieser  früheren  Schullehre  zum  Sclrrhus  uteri,  In- 
I   faretus  uteri  verhärtet  werden)  =  Samenfeuchte^S.d.). 

—  [WS]  unnatürliche  Feuchten  —  s.  o.  Feuchte  2 
n.  unnatürlich  (Goler).  —  (1531 J  vergiftete  Feuchte 
_  böse  Feuchte  fKrautw.  LV.),  die  giftig  wirkt 
als  abnorm  gebildeter  Gewebssaft.  —  wässerige. 
I   Feuchte  (14M  waezzerige  laenhtln,  ('   v.  Megbg.). 

1.  -  Humor  aqueus  im  Auge  zwischen  Hornhaut 
und  Linse  in  der  sog.  Augenkammer  oder  dem 
Staar-  Raum,  der  beim  Staar  gerinnen  sollte.  — 

2.  =  die  wasserreiche  Grundfeuchte  (Komple- 
xion  ,  Konstitution)  im  Gegensatze  zur  zähen 
Feuchtigkeit  (diu  nettn  faeuehten,  C.  v.  Megcnhg.) 
--  die  Komplexion  die  mehr  Phlegma,  dicken 
.Schleim  erzeugt,  weniger  Wasser  hat.  —  Feucht 
(*?, er, es),  -Blase,  -Blatt,  Blattern,  Brand,  Brust, 
-Cholera  (u.*),  -Dumpf,  -Flechten,  -Glied,  Grint, 
•  Kehlsucht,  -Krätze,  Krankheit,  -Läuse,  -Leber, 
-Lungen,  -Melancholie,  -Xatur,  -Ohren,  -Baude, 
-Schenkel,  Siechtum,  -  Warzen,  -Zäpflein. 

Feuer,  n.  feuern  (Indogerm.  Wurzel  fü;  vorgenn. 
|i0  [süp];  westgerm.  tüir  -  Feuer;  ahd.  fuir,  fulr  [I» 
Altbayern  und  Schwaben  noch  so  gesprochen] ;  mhd. 
vlur.  Kluge*,  105;  mnd.  dat  vuer,  Mag.  Barth.  98a,  b, 
nnd.  für;  engl.  Are:  --  das  leuchtende  u.  wärmende 
Klement:  da»,  was  leuchtend  rot  Ist  und  brennt, 
1.  =  jedo  starke  Hautröte,  äusserlich  sichtbare 
Hautentzündung,  Permatitis  acuta,  Erytheuia 
volatile,  Ekzema  acutum  (Osrpreussen),  Herpes, 
Erysipelas  (bei  Geller  von  Kaisersberg:  „das  fewer 
an  eim  glied".  Mannh.  Zeltschr.  f.  d  Myth  IV,  104; 
W0ttkt  233;  Corpus  ignitum  -  Scharlach-  u.  Masern- 
Röte,  Hecker  217.  235),  wobei  zu  erinnern  Ist,  dass  auch 
die  I>epra  (le  mal  MCtä,  le  feu  sacre)  in  ihrem  Ver- 
breitungsprozesse nuter  dem  Bilde  eines  Erysipel*! 
verlauft  (Xeisser,  Z.  Hdb.  für  sp.  Fath.  u.  Ther.  XIV, 
l.  624).  —  2  =  die  abseedierende  Phlegmone 

|  (Apostema,  Karbunkel),  die  mit  starker  lokaler 
Hautröte  einhergeht.  —  3  =  der  Milzbrand- 

i  Karbunkel,  Kankkorn  und  lympbangoitisches 
Kotlauf  bei  Milzbrand  und  Rauschbrand,  die 
„Feuerkrankheit"  (s.  d.)  der  Rinder  (Gr.  W.  III, 
1W7);  das  Schweine-Rotlauf  (De  Cock  102  249)  ^ 
Erysipelas  pestilentiale;  dazu  da«  gegen  Schweine- 

'  rntlauf  gebrauchte  ,.Feuer"kraut  Helkborus  (Wrang- 
kraut). —  4.  =  die  Ausgange  dieser  Formen 
(1—3)  in  Sphacelus  und  Gangraena  (Glieder- 
brand z.  B.).  —  5.  =  Ergotismus,  Mutterkorn- 
brand als  heisser  Brand  (Gangraena).  —  6.  = 
Lupus,  rote  Haut-Knoten  (Herpes  aesthio- 
menus,  Vitiligo,  Lepra  Graecorum).  —  7. 

|  hohes  Fieber  (brinno  der  Gothen  1  bei  Schwind- 
sucht (Gr.  w.  Iii,  1586).  —  8  =  die  „heissc  Parre" 


134 


Feuer. 


Fetier. 


(b.  d.),  eine  Art  fieberhafter  Auszehrung  bei 
Pferden  (Heyne  11,  906;  Gr.  \V.  II,  78«).  —  9.  = 
Feuer- auch  Raehenrotlauf,  Cynanche,  Angina 
St.  Urbans-Plage  (Ranken  2)  (Gr.  w.  vnt,  9.1). 

—  10.  =  hitziges  Temperament  s.  Augenfeuer. 

—  feuern  =  glühend  heissen  Schmerx  verur- 
sachen und  rot  werden,  «.  B.  bei  Eiterbeulen 
(Gr.  W.  III,  1598).  Der  Ausdruck  „Feuer"  als  Krankheit 
stammt  wohl  au»  klösterlicher  Übersetzung  des  ignis 
der  griechisch  römischen  Medizinschriftsteller;  es  wird 
aber  in  alten  Besprechungsfornicln  (s.  Zeitsehr.  d.  V. 
f.  V.-Kd.  1895,  S.  22ff. ;  Wuttke  161)  anch  aufgeführt. 
,,Bruud"  (a.  d„  Ist  ursprünglicher.  In  nstpreussischen 
Besprechungsformeln  quillt,  spllctet  (splelsst),  rietet 
trfllxt),  schwellt,  kallt,  schleissl,  galten,  blutet,  sticht, 
bricht  das  ipersonlich  gedachte)  Feuer  als  Kotlauf 
(Frischb.  49.  84).  —  (1742)  Antoni-  ss  (15:*)  St.  Tonifes- 

—  Deng-  =  '1591)  St.  Toniijis-  =  Thöngis  -  (1551) 
St.  Antonius-Teuer  =  (12.  Jahrb.  Ignis  St.  Antouii; 
1213  gab  es  Krankenanstalten  für  am  St.  Antonius- Keuer 
Leidende,  Schnurrer  I,  269;  Haeser  II,  91;  14  Jahrh. 
sant  Antonien  fuer  =  10.  Jahrb.  sacer  ignis  —  [roma- 
nisch] santo  igne  oder  heiliges  Feuer,  Voc.  opl.  \V.  41 ; 
15.  Jahrh.  8t.  Antonius  fewer  =  Karbunkel.  Pestbeule, 
Pest-Kohle  [».  Anthrax],  Gr.  W.  V.  1688;  1516  Sanct 
authonlen  fuer  ignis  sacer,  1).  289;  1516  St.  Antoni- 
feuer,  Luther,  10  Oebote  Predigt).  Luther  erklärt  (1  C.) 
da»  Santoni-Feuer  als  sunto-igne  =  Santoni;  „wnfsch 
gesprochen  ist  da.«  soviel  als  heiliges  Feuer  und  dieweil 
nun  St.  Antonio  s  Namen  auch  so  klingt,  wie  dies 
Wort,  so  hat  mau  ihn  über  das  hellige  Feuer  zum 
Nothhelfer  gesetzt";  (152*)  St.  Anthonien  Icur  =  ignis 
sacer  (II,  v.  Oersd.  99):  „warum  das  St.  Antonien  fuire 
St.  Antonio  ist  zugekannt,  ist  für  sich  selbst  knntllch" 
(ersichtlich);  der  Meister  Sehylhanns  fühlte  ein  Be- 
dürfnis, dem  St.  Antonleu  Feuer  nachzugehen  und  es 
In  seine  Komponenten  zu  entwickeln;  er  zerlegt  das- 
selbe 1)  In  den  Herpes  esthiomenus  (z.  T.  Lupus, 
Z.  H<lb.  d  sp.  Path  u  Ther.  XIV,  L  IMS),  und  F.ry- 
sipelas  [die  Farsa  der  scola  salernitana],  Du  fange) ; 
b)  heissen  Brand,  ,,d.  h.  den  rechten  heissen''  (nicht 
kalten)  Urand  (sphncelu«)  „der  Tod  und  die  Zerstörung 
der  Glieder";  c)  ,,eln  (ieschlecht  der  Blatter  Antrnx" 
( —  Ifflalwandkarbunkel  oder  Rauschbraud  .  Staupe, 
Schweine-Rotlauf.  De  Cook  102.  249,  V.-K.  1895,  8.  42; 
Keser  «9;  Zipp.  «18.  670  [Kohle]);  dl  die  pruna 
(=  Braunol,  „die  mehr  von  der  Melancholey  (s.  d.) 
kommt  und  eine  pllaumen-  (prunus!  schwarze  Farbe  der 
Haut  macht"  -  brandige  Braune,  cj  ignis  perslcus 
der  Arabisten  (s.  d.),  ,,da*  mehr  von  der  Cholera 
kommt  und  eine  pflrslch-  (perslc)rotc  Farbe  hat" 
Ignis  sacer,  „die  Alten  wollten,  das«  diese  Krank 
holt  von  den  tJolteru  sacriert.  d.  h.  geheiligt  sei" 
(H.  (Jersd.  76.  77 ;  1535  absolutam  hanc  laborantis 
partis  corruptionem,  sensm  penilus  aufercntein  vulgus 
ignem  saueti  Antonil  «ftpellAt,  L.  Fuchs;  Lorsch  59  ff.  . 
1591  St.  Anlonlsfeucr  =  crysipclas  und  Ignis  sacer,  Had. 
Jun.  384;  15.S4  Wlrsung,  1616  St.  Antonius-Feuer,  Para- 
celsui  ein  natürlicher  Kram'.  Kotlauf;  Tabernaem.  ; 
17.  Jahrh.  St.  Antonlfeuer  —  Kotlauf,  K.  A.  .">9fl;  1616 
St.  Antonii  vier,  vulgo  rosa,  (ir.  W  VIII,  1178;  1645 
8t.  Antoni]  fewer  ~  Oelschenkel  [Phlegmasia],  Coler, 
H.  A.  232.  253;  1699  St.  Anthonls  Feuer,  kein  Arzney 
noch  Elseuwerck  mag  solch  Presten  heyleu,  v.  M.  I. 
839  —  Milzbrand  bei  Schafen,  1742  Antonlfeuer  n  gan- 
grtHHM,  Zw.  152,  und  Ignis  persienv,  hOrji**    i  sthio- 


mtnus.  Zw.  I0T  Rotlauf  [Eryslpelas],  „heilige«"  und 
„höllisches"  Feuer;  1777  St  antouius  feuer  —  pusula, 
Wildfeuer,  Rose.  Rotlauf,  D.  474;  ndl.  St.  Antonius 
vuur  ^  Schweinemilzbrand,  Staupe,  De  Cock.  V.  K. 
1895.  8.  HS;  ,.is  een  kwade  brand  die  sich  door  roode 
huldvlekken  veropenbaart",  V.  K. VIII,  58;  St.  Antonius- 
Kraut  —  Brunella  vulgaris  ■  Rrauuekraut,  Braunewurz, 
Jessen  t"«9,  und  KpUnblum  angustlfollum,  [Feuerkraut, 
Krebsblume,  l'nholdenkraut ,  Eberkraut],  ein  Mittel 
gegen  Milzbrand  bei  Seh« einen,  Jessen  139;  1842  An- 
tonius-Feuer. 1.  =  Schweine-Milzbrand.  —  2.  —  Rose 
beim  Menschen,  Falke  I,  52;  II,  120;  engl.  St.  Anthonys- 
Are  =  beiliges  Fener.  Rose,  Rotlauf;  Kaltschm).  Die 
erysipelatosen  und  phlegmonösen  Anthrax-, 
Karbunkel-  und  Lupus-Formen  sowie  Gang- 

1  rän  und  Sphacelus  (Lersch  59,  haben  also 

I  das  „St.  Antoniusfeuer"  gebildet.  Vom  Herpes 
zoster  o.  Zona  =  St.  Antonius-Feuer  ist  erst  (1790 
Richter  I.  104;  Kraus.  K.  1094)  durch  Ausdehnung 
des  Patronates  und  des  Begriffes  Herpes  (s  hei- 
liges Feuer)  (Briss.  219)  die  Rede.  —  Die  Antonirc/ 
die  schon  1095  als  ordo  zur  Pflege  der  am  ..heiligen 
Feuer"  (mal  des  ardeus)  Erkrankten  bestimmt  (Da  Cange 
1,304;  Hecker  3191  waren,  bildeten  eine  Laienverbrü- 
demng,  die  auch  in  Deutschland  sich  ausbreitete;  In  der 
Legende  des  hl.  Antonius  (dessen  Patronat  nach  Hecker 
349  von  dur  Feuerpest  sich  ableiten  991  soll  V)  spielte  nun 
da«  Schwein  eine  votksuhliche  Rolle  (s.  Kult  -Kalen- 
darium  in  2.  D.  ö.  A.  V.  1898.  8.  194);  wie  St.  Wolfgaug 
mit  der  Schafzucht  in  wirtschaftlichem  Zusammen- 
hange stehen  mag,  so  konnte  dies  bei  St.  Anton  mit 
der  Schweinezucht  der  Fall  gewesen  sein;  nahe  liegt 
es  darum,  unter  ..St.  Antonius-Feuer"  zuerst  1.  =  das 
Sehweine-Rotlauf  Milzbrand.  Staupe  [auf  1  Milzbrand 
beim  Rinde  treffen  löu  Milzbraudralle  beim  Schweine, 
K.  u.  P.  III,  2<'.ö]  (s  Saukrankheit)  zu  verstehen,  dann 
2.  =  die  übrigen  rotlaufartigcn  Milzbrandformen  und 
F.rysipelas- Arten.  —  .'•  Schafpockcti.  ,, Keine  Arznei 
von  Eisenwerk  mag  den  Schaden  von  St.  Antonius- 
Feuer  heilen".  Die  Antoniter,  welche  das  ur*prung- 

1  liehe  Sacer  ignis  oder  heilige  Feuer  (s.  d.)  z.  T.  zum 
„8t  Antonius  Feuer"  entwickelten  (mal  St.  Autolnoj 
da»  (1700)  ein  trockener  und  ein  feuchter  „Brand"  war 
{Heeker  325),  belassen  irgend  ein  'ieheimmittel,  wie  die 
St.  (Julrins  Kloster  gegen  St.  Quirinsbusse  (».  d.)  und 
die  Valentiner  gegen  St.  Valentins  Siechtum,  so  auch 
sie  gegen  das  Santo  igneo.  St.  Antonlfeuer;  „remedia 
quac  Ibidem  pauperes  lnllrmt  ac  gehenali  igni  (  ^  „höl- 
lisches Feuer,  das  die  Leute  hart  berührt")  eruciati 
imotidie  assei|uuntnr  I.ammert,  V.  Med.  8.  181  ff.).  Von 
einer  wissenschaftlichen  Frucht  dieses  frühesten  dem- 

|  sehen  Spezialistentums  verlautet  leider  nichts,  In 
Niederl  gebrnueht  man  gegen  St.  Antonius-Feuer  die 

I  ,,Brand"-\VurzeI  (Hellet. nrns  viridis  herbe  de  feil,  vier- 
eruydt,  De  Cock  V.  K.  1895.  8.  143).  Iu  Aargau  hics> 
es  St.  Deng-Feuer  oder  Thönlglsfeuer  und  wird  wie  da' 
Klugfeuer  (s.  d.)  besprochen  (Rochholz  II,  HO  u.  Roch- 
holtz in  Zeitsehr.  f  d.  Myth.  IV.  101).  Manche  Schrift- 
steller (z.  B.  Haeser  II,  9*>.  97;  Hocker  .".47.  34sj  halten 
übrigens  das  epiderninche  (!)  .st.  Antoniusfeuer 
des  11. — i;t.  .tahrh  j  für  Ergotismus  gangrae- 
nosum Mutterkornltrand,  wogegen  die  Mönche 
ein  vielleicht  ergotinfreies  Hrot  als  Geheim- 
mittol  (St  Antonius  Waflelgeback  In  Belgien,  De  Cock 
1895.  V.  K.  s.  4iM  Valien,  wobei  sehr  in  berück- 
sichtigen  ist,  dw8  man  in  IVutschland  den  F.r- 


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Kener. 


Toner. 


135 


gotisinnsnur  als  Kriebelkrankheit(s.d  )  kannte, 
in  Frankreich  dagegen,  dor  Heimat  des  St.  An- 
toniusfeuers,  dagegen  nur  als  Brand  (feu,  ar- 
dens);  (Synonyms  des  St.  Antonius  Feuer:  IMG  mor- 
bus St.  Andreae,  le  feu  St.  Antboyne  et  St.  Andrieu. 
Du  <  ange  V,  516,  1.WJ  morbus  St  Venmi,  Du  tauge 
V,  518  ■  mal  St.  Verein  -  erysipelas,  »ri*s.  216 ;  1411 
morbus  St.  Genovetac  b  Kotlauf,  Kose,  Du  Cauga  V, 
517  =  [1111]  mal  SU".  Ueuevieve,  von  der  Kirche  si.  Gene- 
vieve  de*  arden«  ,  Bris». ;  Heeker  349  ;  morbus  Itifer- 
□alU,  Du  Cange  V,  516).  —  ^«/-feuern  (nnd.  upp 
fuhrn,  Goldschm.  Ml  =  entsünden  (von  Organen). 
—  Augen-Teuer  -  das  gewissermassen  die  in- 
nere Seelenhitze,  die  Wärme  der  Empfindung 
nach  Aussen  spiegelnde  Glänzen  der  Horn- 
hautoberfläche (Pierer  II,  22,1.  —  St.  Brmhards- 
Feuer  ^einerotblaue,  insich  zerfallende,  spon- 
tan aufgehende,  brandige,  sog.  laufende  Rose, 
in  dem  Stadium  der  lokalen  Cyanose  durch 
Blutstauung  (De  <  oek  254.  288).  Da  das  st.  Bernhard- 
IIo«piU  (962)  auf  dein  grossen  St.  Bernhardsberge  öfters 
Hrnndrose  Infolge  von  Krostclnwirknng  J»ei  den  Alpen- 
reisenden  in  Pflege  und  Beobachtung  bekommen  hatte, 
«o  mag  davon  der  Name  St.  Bernhards-Feuer  =  blaue 
Ko*e  herzuleiten  sein.  —  Mattes  Feuer  (in  o§tpr. 
Bespr  ,  Krlschb.  4».  «31  =  blaue  Rose.  —  (1528)  böses 
Feuer  =  Serpigo  (n.  v.  Gered.  im)  =  bösartig  um 
8ichgreifendes,gifiiges  Rotlauf. —  Brand-Feuer 
;in  pren«s.  Bespr. ,  Frischb.  63)  =-  Brandrose.  — 

Elf**'*  \  Feuer  Alpflecken,  —fichtiges  Feuer 
(in  prcuM.  Bespr.,  Frischb.49)  -  vermutlich  als  sich- 
tiges Feuer  zu  lesen.  —  flechtendes  Feuer  fahd. 
ilehündea  fiur)  =  wildes  Feuer  oder  Rotlauf,  das 
von  den  Haarflechten  (Ekzema  oapillorum), 
ausgeht  (s.  Flechten).  —  fliegendes,  Flug-  (s.  d.) 
Feuer,  I.  —  Erysipelns  migrans  (1628  daz  flyegend 
leur-  aerplgo,  H.  v.  Oersd.  94.  100)  =  Wildfeuer,  das 
Fliegend,  Ignis  volatilis,  Morbus  papicus  (Du 
«  ange  v,  518).  —  2  -^Strophulus  s.  Ignis  volaticus 
infantil!  111  (fenx  de  denu.  Bris«.  213;  Kraus.  F..  .'.2«. 
1000  j  Behrcnd  50).  —  8.«  Hansell  In  and  beim  Rind- 
vieh und  Schweine-Rotlauf  (s.d.  u.  Feuerkrank- 
heit u.  Feuernder)  fPiorcr  7.  V,  113,  Sachs.  Herzog- 
turoer;  Falke  I,  291,  Keser  86;  Zipp.  687.  931).  —  4.= 
die  bösartige  Knöuhenflechte  (Lieben  agrius), 
wegen  des  schubweisen  Auftretens  von  hell- 
roten Knötchen  [Focht  II,  141;  feu  vologc.  gutta 
salsa,  morbus  Papiei,  Briss.  213;  Du  ("ange  IV.  291 
V,  518).  —  gelbes  Feuer  -  gelbe  Rose  (in  pveoM. 
Besprechungen,  Frlsehb  49. 63).  —  gicktisclu sTeuer 
iZeiUchr.  d.  V  f  V.  K  189Ö.  S.  32.  FrUchb.  49.  63)  ■ 
Uicht-Knse.  —   Geloh-  (GWi-,  -Gloch-  [Bayern], 

Glock-,  Glot ,  fach-  [Tirol],  Isick-,  Glauch-,  Klag-, 
Lodt-Feuer=  Rotlauf,  Erysipela«,  Phlegmone; 
(die  verschiedenen  Namensformcn  find  entweder  Ver- 
•  tiiintnelungeii  oder  t'mdeutungeti  den  nlid.  lohallur- 
Itnpetigo,  «iraff  II,  151;  III.  678  =  wie  Feuer  Lohe j, 
glänzende  Haut,  rote  heulenartige  üesehwulst;  Cr.  W. 
V.  1025;  VI,  3.5;  confer ;  l.ohe  m  Röteln.  Falke  II,  7; 
dazu  glauchen  glänzen,  glühen,  brennen,  das  bei 
abschweifen  GesehwuUteu  als  Name  gebraucht  wurde, 
Sebinellcr  I,  96»;  1591  gkickfcuer  —  erysipelas,  llad. 
Jun.  3*4  ;  1594  glockfeuer  =  St.  Antoniusfeuer  -  erysi- 
pela*. Fischart,  Cargnut.  26»»»;  Cr  W.  I,  501;  1609 
glockfewr    hitzige  Apo«teme.  erysipelas  (Phlegmone], 


t.uar.  871;    1618  glochfeur  —  erysipelas  .    ignis  sacer, 

schmeiier  1.970).  —  G/oc*feuer  =  wie  Feuer  glän- 
zendes Rotlauf  -  Tin  (Bartels).  —  GJicdVrFeuer 

(  =  in  preuss.  Bespr.  Frisehb.  93) Gliederbrand.  — 
;ifi78)  Heid-Teuer  (1578  heid  teurer,  Gr.  W.  IV,  2.  809), 
1  ii;h  „wilde  Feuer"  („die  Heide  als  etwas  Wildes, 
schreckliche«  gedacht")  (s.  auch  Heiden  u.  Wild- 
feuer) =  Erysipelas.  —  2  =  Lepra  alba  Grae- 
corum  (er.  w.  iv,  2.  809..  —  3.  =  „eine  um  sich 
fressende,  aber  doch  nicht  tief  in  die  Haut 
beissende  oder  sich  einsenkende  Rande" 
(Gr.  Vf.  I  e.)|  —  heiliges  Feuer  (Obersetzung  des 
Itt.  ignis  sacer  Vlrgilii  [=  Milzbrand]  Georg.  566, 
lolumellao  et  Celsi,  Du  (  ange  I,  374;  I^rsch  19;  590 
[Frankreich)  ignis  sacer;  10.  .lahrh.  ignis  sacer  - 
pestis  Iguiaria:  12.  Jahrh.  ignis  Sl.  Autonli,  Sl.  Mar- 
tialis,  beatne  Vlrginl* ;  ignis  luvisihill* ;  ignis  iufer- 
nalis,  NarFarsl;  1085  Arsura  [Arabum:,  turgido  erysi- 
pelota  -  tumor  ex  fervente  tennique  snngnine  cum 
tlavoe  liilis  permixtione  ezistens,  quem  latini  „saentm 
ignem"  appellant,  Du  (ange  IV,  292;  Lerscb  76;  1129 
plagalgnisdiviui;  1130  ingnis  St.  Genovefac;  1180  ignis 
sacer.  Lothriug..  Schuurrer  I,  264;  1248  morbus  ignis 
St  Marlae;  1317  feus-DIcu;  1321  pestis  quae  vulgo  dicl- 
lur  Igisaria  [ignis  sacer],  l.ensch  101;  1364  morbus  am- 
bianensis  -  1369  le  mal  d  Amiens;  1408,  1411,  142« 
morbus  St.  German!;  St.  Genovefae  ;  1482  Ignis  lnfer- 
nalis,  Du  lange  I,  291.  374;  IV.  291;  V,  516.  517  ff.; 
Letzterer  führt  noch  folgende  Synonyma  auf :  morbus 
St.  veranf;  1364  St.  Firmini,  St.  Vitoni,  St.  Andreae, 
St.  Sauctini,  Sl.  Maxentii.  morbus  infernalis,  tniquu«, 
ignis  subeulaneus,  Kosellio;  Rosolia,  puralysis ;  943 
maladlcdefeu.996maldc8  ardents,  Ix-rsch65;  Schnurrcr 
I,  143.  198  ,  86.  189.  191.  218;  couf  Haeser  II.  »7;  1414 
hellg,  1440  heisch,  1476  hellck  fuir,  vur,  vuer  etc.,  D.  285 

—  ignli»  sacer.  morbus  eryslpelas ;  1482  hellig  fewr  — 
ignis  sacer,  Zening.  Voc.  0  2;  1628  ,, ignis  sacer,  ignis 
persieus,  ignis  sanetus  wird  alls  für  eins  genommen", 
H.  v.  Cersd.  72  ,  1651  helliges  few  r  =  eryslpclas,  Bock  84  . 
1584  belüg  (ew  er  -  ignis  sacer.  Wlrsung ,  1630  Lonicerus 
stellt  das  hellige  Feuer  als  eine  Art  von  Brand  zu  den 
sog.  Sammungen  [s  d.];  1645,  1680.  1699  helliges  Feuer 

—  zona  herpetica,  herpes,  erysipelas  -  I'estrotlauf,  Pest- 
karbunkel, Feuerblattcr,  Gr.  Vf.  III,  1686;  IV,  2.  837; 
Coler,  II.  A.  253;  v.  M  II.  102.  131.  133,  1761  heilige« 
Feuer  m  erysipelas,  RoUauf,  L  ch.  31 ,  ignis  sacer  = 
aphthae.  Kraus,  E.  103);  nach  den  Angaben  dle-cr 
Quellen  uud  der  Lehrbucher  für  (ieschlcbto  der  Me- 
dizin ist  heiliges  Feuer  -  Sphakelos  Uippoktatis, 
eine  zuweilen  pest-  o.  seuchenartig  aufgetretene, 
mit  Hautröte  11.  Fieberhitze  (o.  auch  unter  dem 
Einflüsse  der  sog.  roten  Cholera,  Cholera  rubra 
s.  d.)  sich  entwickelnde  Krankheit  mit  Neigung 
zum  Anfange  in  „Brand"  Brandrose,  Brand- 
bluse s.Brand  i;  letzteres  scheint  ein  besonderes 
Kennzeichen  des  heiligen  Feuers  gewesen  zu 
sein ;  die  vielfachen  Krankheitspalrone  sprechen 
wohl  auch  fflr  eine  grosse  Verschiedenheit 
der  Auflassung  dieser  Krankheit  und  dement- 
sprechend auch  für  einen  sehr  wechselnden 
Charakter  in  Bezug  auf  Heilbarkeit.  Jede  rose- 
ähnliche oder  rot  lau  f  art  ige  Entzünd- 
ung der  Haut  mit  Neigung  zu  bran- 
digem oder  geschwQrigeni  Zerfall  des 
(Je  we  bes  tttUU  wohl  frflher  als  heiliges  Feuer 
aufgefasst  worden  sein;  dm  unter  reihen  sich 


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Fcu«t. 


]  etil  I 


min  ein:  1.  =  «ler  Anthrax-  oder  Milzbrand- Kar-  I 
bunkel  (incl.  Rauschhran«!)  —  die  Peetkohle  bei 
Tier  und  Mensch  (Falke  II,  120).  — 2.  =dieBrüune 
als  brandiges  Rotlauf  ij'euerblattern)  der  Haut 
und  Schleimhäute.  —  3.  =  das  eigentliche  Kot- 
lauf (s.  d.)  sowie  der  rotlaufartige  Hautwolf,  ■ 
Erysipelas,  Erythems,  Lupus,  Lupus  exfolia-  ' 
tivus  (Herpos  esthiomenus)  (Kehrend  25;  A.  v.  H.  | 
II,  TN),  —  4.  =  der  Mutterkornbrand  (d.  h.  die  i 
gangränöse  Form  des  Ergotismus  mit  Abfallen 
der  Glieder)  (Hirsch.  Gesch.  d.  Medis.;  Haescr  II, 
95.97;  Loth,  Geeeh.  d.  EpidemlenziiRe  d  St.  Erfurt)  als 
epidemischer  Gliederbrand  (big  zum  Jahre  1347), 
infolge  des  GenusseH  von  schlechtem  Getreide- 
mehl (Mutterkorn) ;  oh  alle  Falle  von  heiligem  Feuer 
so  aufzufassen  sind,  ist  sehr  zu  bezweifeln.  —  5.  = 
bösartiges  Schweinerotlauf  (Stilbchenrotlauf), 
früher  als  Milzbrand  angenommen  (Zipp.  671 ; 
Falke  I,  392).  —  <>.  =  früher  vielleicht  auch  Pocken 
(10.  Jahrh.  bei  den  Arabern,  Schnurrer  I;  Lersch  19.  30), 
Aussatr.  (Schottland,  Sehuurrer  I,  143.  19S),  Röteln, 
Scharlach,  Masern,  wenn  sie  mit  Lungenödem 
(s.  Brand)  endeten.  —  7.  =  (im  17.  Jahrh  )  als  eine 
„neue  Art  des  heiligen  Feuers"  „Herpes  zoster 
oder  Gürtelrose  oder  Zona  „herpetica"  (v.  M.  II, 
133)  aus  dem  „Herpes"  esthiomenus  s.  exedens 
entwickelt  (dies  vielleicht  der  sacer  ignis  Celsi)  ! 
il.erseh  19  Anm .).  —  8.  =  «las  aus  dem  Sacer  ignis 
entwickelte  St.  Antoniusfeuer  (s.  d.)  —  9.  siehe 
Sammungen.   Zur  Erklärung  dieser  Vielseitig- 
keit des  heiligen  Feuers  muss  erinnert  werden, 
dassda8 Studium  der  griech.-lat.  Medizin-Liter- 
atur, aus  der  in  erster  Linie  «lasselbe  als  übets. 
des  Ignis  sacer  stammt,  durch  die  Klöster  zum 
Laienelement  übermittelt  wurde;  mit  dem  Zeit- 
punkte, in  dem  sich  der  mehr  praktisch  t hange 
und  prüfende  Laieuarzt  mit  dem  sacer  ignis 
bofa*ste,  löste  sich  der  bisher  nur  klösterlich 
als  eine  Art  Pestfackel  (1106  „ignotis  morbls,  lgue, 
Qamina,  ardore  invislhlll  homlnes  cxsiceali  abseile  ad- 
u-tlonls  nota  extlncti",  Schniirrer  I,  230;  llriss.  9;  la 
Hamme)  oder  als  ein  Höllenfeuer  atifgefasste  und 
sehr  summarisch  ausgeartete  Begriff  des  heil 
Feuern  in  eine  Reihe,mil  zunehmender  Erkennt-  | 
ms  immer  grossere  Anzahl  verschiedenartiger 
Krankheiten  auf,  ähnlich  dem  Fieber  «ler  Schul 
mediziu  und  dem  Lintwurm  «les  germanischen  [ 
Heilkünstleis.  -  Hicronn  Feuer  -  Jtpfo  Röf  au*  j 
dem  Griechischen  von  Halbgelehrien  geschaffene  Be- 
zeichnung (Falke  I,  .192)  für  heiliges  leitet  in.  «I 
—  Höllen-,  hotlitchr*  Feuer  (l-'.Vt  „heiligen  Feuer, 
wegen  «einer  Verwüstungen  Ifollenfeuer  genannt"  [da 
mal«  wohl  Irius  infernalis  oder  innl  d'eiifer]  l.ersch  9H.  j 
107;  mnd.  dat  heische  vuer  eine  serieheil...  unde 
so  varet  dat  vlcsch  .lat  dar  vorbraut  1s,  dat  Varel  lieht- 
llken  uth",  Mag  Harth  97  b. ;  15.  Jahrh.  hellek,  helllch, 
heisch,  heische  fner.  fewr.  fuer     sacer  Ignis,  D.  285; 
14&;i  heltl'ch  feuer  —  ignis pendens,  «'.  r.M<  Rbg.  ;  iRiiis 
infernalis  —  1 177  ein  nagendes  sicebtuom,  <  »rti-lf ,  <,r.  W. 
IV,  2.  1758;  III,  1586;  1507  heische  fuere,  Hort.  sanit. ; 
Hchm.  I,  74:i.  1080  s  übers,  des  sacer  ignis  durch  die 
KJostermouche,  die  sich  dleliolle  stet*  nur  hels«,  feurig 
vorstellten,  du  „heilige"  Feuer  („heilig"  feuer)  wurde 
uiissversüwden :  „hoellg "  Feuer;  engl,  hell-llrc,  Kait- 
gehmitt);  1.  =  die  Hautröte  durch  Erysipel*!, 
Phlegmone  u.  Lvinphangoitis,  namentlich  mich 


vermeintlichem  Kröten-  (Ohm-, Molch-) o.  Vipern- 
bisse. —  2.  =das  heilige  Feuer  (8.  d.)  als  (HS21  Ig- 
nis infernalis,  judicialiu,  Plaga  Dei  jnsto  judieio 
«•ontingens,  Ignis  gehennae  (Du  <:ange  IV,  290 ff.  j 
v,  51«;  I,  374)  —  3  =  ein  brennendes  Gefühl  im  Ma- 
gen, brennender  Magenschmerz  (Schneller  I,  7i;i; 
wo  peniicHis  statt  positus  zu  lesen  sein  wird).  —  4.  = 
wie  dns  heilige  Feuer  (s.o.)  auch  Krgotismnsfdani 
siellelehl  bei  Du  fange  IV,  291  14X2  pestilentia  fjua 
piurimorum  pedes  lnvlsibili  igne  publice  comburi 
vldebautur).  —  St.  Johannes-Ttuer  =  Rotlauf 
(s.  d.)  „St.  Johannes"  kommt  als  Kalender- 
heiliger u.  Feuerkult- Vertreterm  «lieser  Krank- 
heit (Dalla  Torre  02;  Z.  d.  V.  f.  V.  K.  1895.  8.  15)  (8. 
Johannes- Bau).  —  haltest  Feuer  (1618  kalt  lewer 
=  ignis  perstcus ,  gangraena,  earbunculus ,  Coler  II.  A 
232.  209 ;  Gr.  W.  V,  15*6;  Falke  II,  5;  De  Cock  11.  283), 
1.  =  der  kalte  Brand  (s.d.),  Sphacelus.  —  2  =de-i 
Rauschbraml  (s.  d.)  (Falke  i,  77).  —  Kiwi-Feuer, 
1.  =  wildes  Feuer  1. 2.  (s.d.u.  Flugfeuer)  bei  Kin- 
dern (in  preuss.  Uesprech  ,  Z.  d.  V.  t.  V.  K.  1895.  S.  32; 
Frischbier  49).  —  2.=  Kinder- Rotlauf,  Masern. 
A'norAcn-Feuer  -  Gliederbrand  mit  Hautröte 

(iu  preuss.  Besprach.,  Frischb,  63),  —  Lach-,  Lack- 
Feuer -Gloehfeuer  >.  d.  un«l  Ungenannt)  (lack- 
fuier.  Dalle  Torre  02;  ehr  Sam.  II,  168).  —  laufendes 
Feuer  (ahd.  ümo  [«.  Ohm],  Gr.  (iramm.  7M3;  nnd.  '.opent 
für,  Goldsehm.  135;  Sehmeiler  I,  78;  Zeitschr.  f.  d.  Myth. 
IV,  104),  1.  =  Erysipelas  als  Ignis  volaticus, 
Ignis  sacer,  Rotlauf,  Herpes  zoster,  alle  eich 
schnell  ausbreitenden  u.  mit  dem  Gefühle  des 
Hautbrennens  verbundenen  Ausschlüge.  —  2. — 
Ulcus  phagedaenicum,  (1742)  Heerbrand  (Zw.  711), 
fressender  Wolf  (Lupus,  Herpes  esthiomenus), 
als  ein  emsig  fressendes,  fortlaufendes,  bren- 
neniles  Geschw  ür.  —  3.  —  Nesselsucht,  Febris 
nrticata,  deren  Röte  und  Hautbrennen  Einen 
Überlauft  (Gr.  W.  III,  15*6)  wie  das  Botlauf  (Nes- 
sel feuer).  (Mit  dein  „laub,  law"  in  Laubfleek  {*.  6.] 
wie  Böhm.  f.  1107  meint,  hat  das  Rotlauf  oder  „laufende" 
Feuer  =  Glon-Feuer  etymologisch  nichts  gemein.  — 
/.«'A-Feuer  s.  Glochfeuer.  —  MaydUin-TeueT 
-  wohl  soviel  als  Kind-Feuer  (-.  d.)  (Zcitsehr. 
d.  V.  f  V.-K  1895,  S.  32;  Frischb.  49;  in  preuss. 
Bcprecb  ).  —  Martialisch  Feuer  (1528  St.  Mar- 
tlalis  [scU.  ignis))  ~  St.  Anl«mius  l  euer,  «las  wie 
glühendes  Ki.teii  mar*)  brennt  (s.  d.)  (II.  v. 
'iersd.  70;  1742,  Zw.  107;  mal  St.  Marita]  feu  s  mal 
St.  Martin  js.  martialische  Krankheit).  Bris.«.  216}.  — 
mUäat  Feuer  in  Segcnspruchen  (Sehreib-  o.  Druck- 
fehler?) =  wildes  F«uer  (Wuttke.  Volkaabergi.  ML 
233).  —  XcxHfl  Feuer  —  der  brennende  Nessel- 
Ausschbig  m.  laufendes  Feuer  3).  —  AVun  und 
neunzig,  Xeunerlei  Feuer  -  alle  B«dlauf-Arten 
(s.  Neun).  (Oslpreus»en,  Uesprech.  Friscbb.  48.  4».  63. 
nil).  prrsmhei,  Feuer  -=  Ignis  s.  Morbus  per- 
sicus  Galeni  s.  Avicennao  -  „<ler  heisse  «Klcr 
rechte  Branil"  iH.  v.  (iersd  ),  1.  --  Gangraena  (Er- 
gotismus?),  Parftlyaia  (A.  v.  n.  L  638;  II,  12»4;  Du 
cange  V,  518).  —  2.  =  Anlhrax-Karbiinkel,  Milz- 
branrl,  Viehpeat-Beule  (a.  v.  u.  tl,  vsu,  Ducange 

IV.  291 ;  Kraus,  E.  520  ;  Z.  Hdbeh.  d.  sp.  Falb.  u.  Thcr. 
III.  4 jsj  >.  Kster).  —  3.  =  Ignis  sacer,  sanetus 
(IL  v.  Gersd.  7-  ^s.  heiliges  Feuer).  —4.=  „Mau 
hat  unter  dem  persischen  Feuer  (feu  persan, 
Narfarai,  Ateahl  farsi)  die  manigfnltigsten  aku- 


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Feuer. 


Feu  fei— Kick. 


137 


ten  und  chronischen  Exanthemau.  u.  die  Syphilis, 
Pr.  II,  21)  begriffen,  die  unter  Umständen  in 
mehr  od.  weniger  ausgebreitete  Ulcerationen 
übergehen  können,  (iber  welche  heute  eine  be- 
stimmte Diagnose  abzugeben  wohl  unmöglich 
ist"  (Pr.  I,  53) ;  selbst  Paraeelsus  hielt  das  per- 
sische Feuer  für  franzosenähnlich;  vermutlich 
galt  dies  nur  für  den  Lupus  sypb.;  ausserdem 
verwechselte  man  Anthrax  und  Schanker  (s.  d.) 
(Pr.  I,  5t  ff.).  —  5.  =  I^ersch  59  meint  darum,  dass 
der  Karbunkel  oder  Anthrax  hauptsächlich  von 
den  Arabern  als  persisches  Fener  bezeichnet 
wurde.  —  Rind-Teuer-  Milzbrand  beimRindp 
s.  Feuerkrankheit  (Z.  <1.  V.  f.  V.  K.  1895.  8.  32;  In 

rosiges\ 

preuss.  Besprecb.  Frischb.  019).  —  Rot-    \  Feuer  ■ 

rotes  I 

Rotlauf  (engl,  rol  fire  Rotlauf  d.  Schule,  Ktdlscuin. 
II,  160;  Frischb.  49.86).  —  «rÄtcnrrrsFeuer  ■  schwar- 
zer Brand,  Brandrose  (Frischb  6$).  —  sengendes 
Feuer  -  Brandrose  (Frischb  63).  —  sichtiyesTeueT 
=  sichtbares  Rotlauf.  —  springende»  Feuer  -  die 
Wanderrose  (Do  cock  256;  Frischb.  61]  (Krysipelas 
ambulans).  —  stürmisches  Feuer  ^zorniges,  wil- 
des Feuer  iFrischb.  85).  —  süchtiges  Feuer  =  eine 
zur  Sucht,  Krankheit  gewordene  rotlaufartige, 
sich  wiederholende  Hautentzündung  beim  Men- 
schen (in  preuss.  Bespr.,  Frischb.  49;  Zeitschr.  d.  V. 
f.  V.-K.  1895,  8.  32)  Ekzema,  Dermatitis  eczematoBa 
(süchtige  Rose,  s.  <1).  —  WiM-Feuer  -  das  aus 
dem  wilden  (s.  d.)  Walde  kommende  Feuer  (wie 
Blitz  =  Wildfeuer)  „.las  zum  Gesichte  heraus- 
schlägt" (Bnck  19;  1182  wildss  fewr  =  eryslpelas  S.  apo- 
ittini  factum  de  cholera.  Zenlng.  Voc.  ooä,  1507  wllt 
vner—  serpedo, Zitterach.  D.MO;  1528  wildfeur  =  serplK" 
[RoUauf!.  H.  v.  Gersd.  9».  1529  newes  wildes  fewr  - 
dem  Quecksllbermlssbrauche  von  Puraeelsus  zu- 
geschriebenes Kollaut;  1136  wlldrx  fewer,  Heyne  II, 
906;  1551  Wtldteucr  -  heiliges  Feuer,  Bock  13  und  11«; 
1576  W!ldfeuer  =  Karbunkel,  fir.  W.  II,  1164;  1576  Wild- 
feuer: „wen  die  wunde  am  letzten  von  hltze  anlauft, 
blauet  sich  und  bräunet  sich,  darnach  schwärzt  M  «ich, 
nach  demselben  zündet  es  die  (Wieder  an",  Tbeophr. 
Bod.;  1577  da»  wUd  feuer  o  pustula  [maliirnal,  D.  474, 
Milzbrand;  l"-83  wildfeuer  -  Anthrax  Karbunkel,  iirnis 
perslcus,  Gr.  W.  IV.  2.  839,  15S4  wlldfewr  =  eryslpela«, 
Phlegmone ;  Wlrsung ;  Arz.-Buch;  1591  wildfour  =  ignls 
sylvestris,  feu  sauvuge,  phlyetaena  [  =  herpes].  pustula 
1  =  Blatter:,  nad.  Jnn.  38»;  ..seit  Fernellus  Zelten  (1197 
bis  1558]  sogenannt",  l.eod. ;  1592  »Ilde  Feuer,  II.  Sachs 
~  vitiligo,  lepra  alba  [Lupus].  Or.  W.  III,  1586;  1618 
wildfewr,  gluende.«  wilden  fewr,  helsses  wildes  fewr, 
Paracels -luxus  persicu",  luxus  prunae Rotlauf  bei 
Syphilis.  Pr.  II.  Vi.  76;  1820  wilde  Feuer,  Dr.  Minderer 
—  kalter  Brand  ;  H99  wildes  Feuer  =  phlycleuae,  Hunds- 
blattern, v.  M.  II,  130;  1818  wilde«  Feuer  -  Ocsichts- 
iwe,  Z.  A.  V.  f.  V.  K.  1895.  8.  290;  engl,  wlldtlre  -  Hitz- 
blatter, Kalt«chm.  I).  Hauptsächlich  ist  also  das 
wilde  Feuer  -  Erysipelas,  Phlegmone  (Milz- 
brand), Tarhiinculu-s,  Anthrax  (vergl.  Wuttke307 , 
Falke  II,  439;  De  Cock  11.  36.  2X1.  289;  Buck  28,  Ft«er 
13«)  und  ausserdem  1.  —  Strophuhis  vulaticus 
wegen  der  lebhaft  roten  Papeln- Eruption  auf 
der  kindlichen  Haut,  »Jie  sich  Öfters  wiederholt 
u.  manchmal  mit  Fieber  einhergeht  fliegende 
Hitze,  fliegendes  Feuer  (Bchrend  30).  —  2  Hei- 


I  pes  (Zw.  342.  998)  (Feuerblatter,  weil  vom  wilden 
Männlein^ebracht?)  als  Übersetzungdes  Horpes 

i  (=  Fressendes;  s.  Wolf,  Wurm).  — 3.  =  Bräune 
der  Schweine,  Schweinerotlauf,  Milzbrand  der 
Schafe  und  Zielen  (Gr.  w  Iii.  i&s«,  c.  v.  s.hm.92; 
Stubenv.  76;  Zipp.  671;  Fuchs  n,  298).  —  4  =  [engt 
wildflre  -  Liehen  circumseriptus,  I.ehf.  246 ;  franz.  feu 
sauvage,  Roll  177:  ..on  gagne  le  mal  I  s  ,  »I  l'on  s'umusc 
a  moniere  des  eoipueltcots"  [pupaver,  Mohnkopt]).  — 
Wunden -Feuer  (In  preuss.  Besprech.,  Frischb.  49)  = 

Wundrotlauf,  Wundrose.  —  zorniges  Feuer  (in 
preuss.  Bcsprcch..  Frischb.  85)  =  wildes  Feuer.  — 
Feuer-  (feueri.</c,  er,  es)  -Ader,  -Bläschen, 
-Blatter,  -Brand,  -Fachs,  -Flecken,  •  Geschwulst, 
■Gier,  -Gürtel,  -Igel,  -  Kopfgeschwärlein,  -Krank- 
heit, -Lust,  -Mai,  -Masern,  -Pustel,  -Rose, 
|    Umlauf,  -Wolf,  Wunde. 

Feufel  s.  Feifei. 

Feuz  s.  Fex. 

Fex,  m.  (s.  Fax)  (ein  tirol,  Dialektwort.  18  Jahrh  , 
vermutlich  aus  rotnan.  lex  [conf.  Val-Fex  und  Fex- 
Gletscher  bei  Studer  105.  260]  ;  dies  aus  [1303]  Fedes; 
fetns  ffetus,  foctus]  —  Abortnsmole,  Wasserkalb,  s.  d., 
bei  Tier  und  jibertragen  bei]  Mensch)  —  Wechsel- 
bad (s.  d.},  Alpkalb  (s.  d.),  Kretin  (s.  d.)  — 
Haus-Teix  (17.  Jahrh.;  Kluge5,  106]  =  Hauskreuz 

s.  d  —  [westf  A'/dr-Fiks-  -  Knirps  (Krettnen 
bleiben  meist  im  Wachstum  zurück)  (Kluge  1.  c). 
—  (16.  Jahrh.)  Aarr(l)-F0X  (1605  narrifex,  Kluge  L  c.) 

-närrischer  Kretin.  —  Feckin,  f  =  weiblicher 
Kretin  (ist  wohl  erst  volksetymologische  Neubildung, 
Kluge  1.  c). 

St.  FiacriUS.  8t.  Fiacrius  (Dlacrius).  der  Stellver- 
treter des  Neptunus  F.aueater,  wird  in  Oberdeutschland 
durch  St.  Leonhard  ersetzt ;  er  wurde  1510  zu  Menth- 
Ingen  Im  Westrieh  verehrt  und  sollte  namentlich  vor 
Blattern  und  Felgwarzen  behüten  (Pr.  I,  356;  Fuchs  1. 
341);  er  hlcss  darum  auch  medieus  vlscosorum  s.  un- 
gutne  (ingulne)  plenorum  (Du  Cange  VIII,  355.  367) ; 
St.  Euakrius  und  St.  Flckard  sind  nur  Entstellungen 
von  St.  Flakrius  (s.  Flekarsch):  das  franz.  Volk  lehnte 
Fiacre  an  fle  atre  (s.  Bri«s.  179)  leicht  an  =  schwarze 
Felge  (Condylomata ,  schwarze  Blutaderknoten).  — 
Tia^xim- Krankkeit,  -Plage. 

Fiber,  f.  (aus  lat.  flbra)  —  Faser,  Strang,  Nerven- 
oder Muskelfaser,  Zäserchen  (Essich  241).  —  (I790,i 
GrAi'm-Fiber  =  der  Sehnerve  als  üehirnnerve 

(A bergt.  32). 

Fick,  1U.,  n.  (1425  vlck,  wijk;  1429  fig ;  1475.  ndl. 
vijck  ;  1507  vighe  —  inrirmitas  piscium,  eyn  eninckheyt 
der  vlsch  -  flcus,  vtcus  -  Feige  als  Flschfinneukrttuk- 
helt  =  Finne  [s.  d.).  D.  233;  1554,  mndl.  vljt,  fljt,  das 
ls  der  worm  aen  de  vlugeren;  worin  oft  den  vijt. 
Di'  Cock  291.  292,  h'Ah  lihk  —  das  ist  i  DU  wendig  auf 
den  dannern  ein  weiss  Ding,  wie  ein  lunger,  weisser, 
lebender  Warm  [=  Finne,  Parasit],  Coler,  H.  A.  142; 
Hgk  Pips  oder  Zlps  der  Ganse ;  Coler,  v.  d.  Endtcn 
496;  der  flgk  am  Halse  =  ein  graulieh  böses  Geschw  ür 
j  oder  Schwelle,  das  viele  Löcher  liekomrat,  zuertt  hosel- 
nussgross,  darnach  ul«  ein  lluhner>  i.  letxlleh  wie  ein 
Gansei,  Coler,  H,  A.  143;  noch  dein  Mecklenburger 
Volksglauben  soll  es  entstehen,  wenn  die  Mutter  In 
ihrer  Schwangerschaft  «inen  FWchflck  [Flnnenwurm] 
verzehrt  hatte  [1.  C.]j  1»07  Fick.  m.  -  frlctu«  ungui- 


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138 


Reken— Fieber. 


Fieber. 


Ur.  W.  II,  1C0&  1C16)  ~  ein  tinneuaitiger  Parasit 
(Wurm;  b.  Finne)  und  die  nach  altem  Volks- 
glauben von  diesem  Wurm  verursachte,  mit  der 
Feige  (s.  d.  4)  in  Verbindung  gebrachte  Krank- 
heit; 1.  =  Fingerwurin.  —  "2.  —  Drüsen  wurm 
(skrofulöse  Halsdrnsenanschwellung).  —  3.  = 
Fips  oder  Zipf  der  (ianse  (s.  d.).  —  4.  =  die 
Nagel-,  Horn-  oder  Klauenfaule  Leim  Rindvieh. 
5.  s.  Feige  4.  —  Blttmcn-Tick.  (ndl.  bloem  vijt, 
De  Cork  2911  —  I'aiiHritium ;  die  v o  1  k 8 medizinische 
Behandlung  desselben  crkUrt,  wie  lielui  lierstenkorn 
(s.  d.)  den  X*mcn,  der  Wurm-l'ara-it  »oll  aus  dem 
kranken  Finger  in  ein  vorgehaltenes  Blumensacklein 
zu  den  BUttern  kriechen  und  so  <lie  Fingerwurinstatte 
verlassen,  mit  welcher  Transplantation  dnnn  die  Krank- 
heit heilen  «oll. 

ficken.  Fickel,  m.  =  iiedeln,  geigen  i>.  d.)i 
coirefsthiu.ikr  i,*>89).  —  Fick  =  C'oitus.  —  Fickel 
—  Membrum  virilo  (Gr.  W.  III.  1617).  —  Fickeler 
(14*2  vlekeler  —  sirumpis  ><-rapias]  =  ludus  cum  quo 
puellaesolent  ludere  subtractlspedlbu*.  1>.  638;  Kraus,  K. 
945,  Scrapia  -  orehis  ntoriou,  Knabenkraut). 

St.  Fickard  s.  Fiakrius. 

Fidschi.  -  Fidschi- Auvxhltg. 

Fiebel,  m.  s.  Feifcl. 

Fieber,  n.  mdd.)  Feber,  fleberisch,  fiebern 

(ahd.  fiebar,  (iraff  III.  3S6,  12.  Jahrh.  rit.-  jouch  lieber, 
GrarT  II,  475;  12.  — 14.  Jahrh.  bivir,  Pfeiffer  59;  HofTm. 
I,  320;  1260  daz  Beber  erhebt  sich  von  dem  getrabte 
[Sucht],  Pfeiffer  22.  40,  inhd.  vlcber;  1 4 82  lieber  febril 
periodlca,  Ii.  4JC.I ,  ein  wohl  am  frühesten  der  Sehul- 
Medizin  der  Alten  entstammender  Krankheitsname,  der 
bald  populäre  Verbreitung  gewanu  (vergl.  auch  Bieber 
[S.42]  -  Fieber,  Gr.  W.  III,  lt;20,  Behw.  1981  u.  nauient- 
lieh  durch  die  deutsch  denkenden  l'ltersclzer  des  15.  u. 
16.  Jahrb.  der  Volks»prache  zum  Teil  einverleibt  wurde, 
den  nlteu  Ritten  (s.  d.)  ersetzend  —  Febris  =  Fyr 
Hippokr.  (auch  =  Frörer  [«.  d.],  Kaltweh  und 
hitzige  Krankheit)  -  eine  Kombination  von  Ge- 
sundheitsstörungen, deren  häutigstes  Symptom 
Frost  und  Hitze,  Temperalutsteigeiung  über 
die  Norm  ist.  (febril  eigentlich  —  ferbris,  fervebrli 
mit  der  Bedeutung  <les  Brennen»  [Trost;  ».  frieren], 
«ir.  W.  II,  370,  1620;  1518,  1530  daz  Feber  =  da«  Kalte, 
Ur.  W.  V.  Sfi,  Kunigssp.  lfi;  Heyne  II,  '.HO;  Goldschm. 
125;  WuttfceSOH;  1561,  1590  Feberle -  lebricula,  I).  228; 
<5r.  W.  III,  1385;  1646  dal  Feber,  Zcilschr.  d.  V.  f. 
Volks-Kd.  1894,  s.  450;  engl,  fever,  agne  [  =  acuta), 
Kaitsehm ).  —  (1694)  f eberhaft  =  fieberhaft, 
fobrlculoHlM  l<ir.  W.  III,  1385);  dann  werden  erst 
fieberartig,  fieberisch,  fiebericht  allgemeiner 
üblich  fflr  febiiculosus  (Gr.  W.  III,  1621;  nihd. 
fieberig,  Lex«  341).  —  (15.  Jahrh.)  fiebern  =  fehrici- 
tare  (D.  22«).  wie  im  Fieber  sich  gebahren, 
frieren,  zittern.  —  (1618)  „es  fiebert  I redlich  sehr 
in  der  Stadt"  =  febres  impense  grassuntur  in 
civitate  i Heyne  II,  91u).  Das  nicht  schulgemasse 
allere  Wort  lur  Fieber  war  „Kitten"  s.  d  ),  da»  f.oni- 
eerus  (I6SU)  noch  neben  „Feber"  gebraucht  (Krtrbch. 
118a;  Gr.  W.  III,  1626);  für  die  Gegenwart  ist  „Kitten" 
Kauz  verloren  gegangen,  weil  eben  die  früheren  {na- 
mentlich abd.l  Kullurepochcn  im  Fremdworte  „Kleber" 
einen  den  Auslall  vollständig  deckenden  Kreutz  bereit» 
KVfebetl  hatten;  so  werden  auch  die  77  Uitteii  (ICltlerJ 


von  den  77  Kicliem  verdrängt  und  Ii  liebtet  *i.  b  dl 
h.  Kitter  in  den  BauernKalcuder;  auch  die  Fieber 
wurden,  entsprechend  den  Ältesten  Anschauungen 
über  Krankheitsursachen ,  zu  Gesellen  und  Begleitern 
der  verschiedenen  Krankbcllspersorien,  welche  z.  B. 
in  Segensprüchen  den  3  Kugeln  auf  dem  Berge  Sinai 
begegnen  (13.  Jahrh  .  II.  Z  XVII,  .560;  Frischb.  60). 
Interessant  sind  die  verschiedenen  spater  gebildeten 
Fieber  t  omposita,  da  sie  den  allmählichen  Gang  der 
Erkenntnis  wiedergeben,  der  in  der  Ätiologie  des  Kle- 
bers sieh  abspielt.  Schon  im  S«kr.  findet  man  (nach 
rietet  in  Kuhn  s  Zeitscbr.  f.  vergl.  Sp. -Forsch.  V.  346) 
einen  3fus»lgcn  und  3 kopiigen  Kiebcrkobold  (=  febris 
tertiana;  und  3  lieberstadiet.  (KAIte,  Hitze.  Schweissi 
und  wird  das  Fieber  als  ein  persönliches  Wesen  be- 
trachtet babhru  —  Kolwild;  dazu  februus.  reinigend, 
(februarius)  und  ?  febris  (Fieber),  (deich  dem  rüttelnden 
und  schüttelnden  Kitten  wurde  auch  das  Fieber  vom 
Volke  früher  als  ein  Danion  (von  den  Schulärzten 
als  ein  „Kampf"  gegen  die  Krankheit,  Parecelsus; 
Baas  64.  208)  aufgefasst ,  der  den  Kranken  beutelt 
und  schüttelt,  anfallt,  anficht,  angeht,  angreift, 
1  anstosst,  mitnimmt,  machtig  anfasst,  unter  »ich  hat, 
heimsucht,  frisst.  verzehrt  und  wieder  verlasst.  der 
umgebt  wie  ein  Geist  und  vorübergeht  und  w  eicht ; 
das  Fieber  wird  deshalb  besprochen  u.  abgeschrielieii 
(volksmcdizinisch)  und  in  die  Baume  (Wald)  gebannt 
(Goldschm.  129;  Mannh.  20;  V.  Scheffers  Ekkehard, 
S.  283,  Anm.  214).  Die  nachfolgenden  Fiebernden 
haben  grösstenteils  symptomatische  Namen;  aus  den 
Symptomi  n  schloss  man  eben  früher  auf  die  Ursachen 
des  Fiebers,  daher  »ich  die  Alltags  ,  Tertien-  u.Quartan- 
Fieber  so  lange  durch  die  deutschen  Schulbucher  der 
Medizin  fortziehen  als  Haupt-  und  Anfangs-Kapitcl. 
während  solche  Kapitel  der  Medizin,  die  für  die  Krank 
heitsbchandlung  in  Deutschland  viel  mehr  notwendig 
gc« esen  waren,  unberücksichtigt  blieben.  Da»  Fieber, 
welches  l'aracelsus  von  im  Körper  angezün- 
detem Schwefel  und  Saliter  entspringen  Hess, 
wurde  dann  (1531 ;  Krautw.)  als  „eine  Fnztlndung 
der  ausivemhgen  Hitze"  aufgefaast,  damit  auch 
nach  dem  rleliennacheuden,  kranken  Organe  gesucht  ; 
die  Namen  von  Kieber-Arteu  mit  so  bestimmten  Sitzen 
der  ursächlichen  Krankheiten  in  Organen  gtcllen  sich, 
dem  Frkenntnisgrade  des  Volkes  entsprechend,  nur 
ganz  allmählich  ein;  noch  Ortoll  (1477)  kennt  nur  die 
Terminologie  der  (Malaria)  Fieber,  wie  sie  die  romischen 
und  griechischen  medizinischen  Klassiker  überliefert 
hatten.  Erst  das  Fortschreiten  der  arztlichen  Diagnostik 
(vergl.  Fmlfleber,  Fest  lieber)  und  der  Durchgang  des 
urzllicb  geschaffenen  Krankheit-Namens  durch  die 
Sprache  der  arztlichen  Handlanger  elc.  popularisierten 
dann  die  vielfachen  Kieher-Naiuen,  obwohl  auch  da« 
Volk  selbst  eigene  solche  Namen  schuf,  namentlich 
für  Fieberarten,  die  an  fremden  Orten  acquiriert,  be- 
ziehungsweise beobachtet  wurden,  z.  B.  ungarisches 
Fieber  etc.  Für  gewöhnlich  und  im  allgemeinen 
ist  heutzutage  noch  „das  Fieber"  =  das  autlal- 
lende Wechsel  lieber  (Malaria)  (Goldschm.  17; 
Pauli  15).  —  4&<tui'- Fieber  ein  leichtes,  nur 
abends  sich  äusserndes,  meist  hektische» 
Fieber.  —  (1591)  ablassendes,  (1873)  (abwechselndes) 
Fieber  (Had.  Jun.  3S8;  Müller,  Krtrbch.)^  Febri« 
intemiittens  (s.  Wechselfieber).  —  Aderlats- 
Fieber  [Samnel  143)  =  ein  Kntziehungsfieber,  wie 
es  nach  Blutverlusten  nachtraglich  zum  Vur- 


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Fieber. 


Fieber. 


ISO 


schein  kommt.  —  (itmj  aUtägiges  Fieber  = 
eine  Art  Wechselfieber  (kalte«  Fieber),  das 
täglich,  nicht  jeden  3.  Tag  sich  einstellt,  Febris 
amphemerina  (a.  v.  H.  I,  75)  (s.  auch  tägliches 
Fieber).  —  (1645)  alte  Fieber  =  chronische,  un- 
heilbare, schleichende  Fieber  (colcr.  II.  x.  lsö). 

—  j4m<mY/-Fieber  =  gelbes  Fieber  (s.  d.)  (span. 
amarlllo  =  gelb).  —  (1761)  anfälliges  Fieber  -  an- 
steckendes (kontagiöses)   Fieber  (L.  ch.  3a.). 

—  (1782)  .4n08/-Fieber  -  «in  den  Kranken 
beängstigendes,  beklemmendes  Fieber  oder 
aach  nervöse  Unruho  unter  dem  Bilde  eines 
Fiebers,  Asodes  pyretos  Galeni  et  Hippokr. 
(M.  H.  i..  l,  33;  or.  w.  I.  361).  —  anhaltende 
Fieber  (=  sovr/i-;  nopsToi  Hippokrat.)  Fcbres 
continuae,  intermissionslose  Fieber  (Fuchs  II, 
102)  (s.  Bluttieber).  —  (1761;  arges  Fieber  — 
bösartiges  Fieber  (L.  cb.  33).  —  Ausscldags- 
Fieber  ■  das  den  Ausbruch  eines  akuten 
Haut-Ausschlages  begleitende  Fieber  (Febris 
exanthematica).  —  (1744)  austrocknenden  Fieber 
^  auszehrendes,  hektisches  Fieber  (Zw.  551).  — 
(17»4)  auszehrendes  Fieber  -  hektisches,  am  Kör- 
per wie  ein  Wurm  zehrendes,  fressendes  Fieber 
(Zw.  13;  <!r.  w.  i,  1024).  —  (1588;  Bastard-Tieber 
(drittägiges)  (Tab«ruaem.)  =  ein  Fieber,  das  kein 
reines,  schulgemässes,  sondern  ein  irreguläres 
Weehselfieber  ist.  —  Beulen  -  Fieber  =  Milz- 
brandfieber  mit  Brandbeulen.  —  (1795)  Blasen-, 
Hängte»  Fieber,  1.  =  (lsos)  das  einen  blasen- 
bildenden Ausschlag  begleitende  Fieber:  a)  Fe- 
bris bullosa  s.  Pemphigus  febrdis;  b)  Ery- 
sipelas  bullosum;  c)  Maul-  und  Klauenseuche 
bei  Tieren  (Vogel  1805;  Weickard  230;  Kalke  II,  125). 

—  2.  -  ein  von  der  Harnblase  ausgehendes 
Fieber  (tir.  W.  II,  70;  tlevru  urethrale)  —  (1795) 
2?/<irf>rn-Fieber  =  Pockenüeber  (Variola)  (J.  P. 
Krank  III,  19»;.  —  (18SP)  ßhri-Fieber  -  Influenza, 
welche  fieberhafte  Krankheil  ihre  Opfer  blitz- 
artig heimsucht  un.l  befüllt  (s.  Blitzkatarrh) 
(Ruhemaun  83).  —  (1609;  Blut -Fieber  =  Febris 
synocha  (cum  et  sine  putredine)  =  Brandßeber 
(s.  d.  u.  Synoeha-Fieber)  (Guar.  871;  flr.  W.  II,  182; 
1454  febris  sanguinca  «Ive  de  sanguine,  dleitur  febris 
ehulitionis  et  ferveo  slve  ignea  propter  multitudtnem 
ealort*.  Du  fange  III,  426)  b  anhaltendes  Fieber 
mit  starker  Erregung  des  Blutgefäsaystems.  — 
faules  Blutfieber  =  Febris  putrida,  Pyämie 
mit  jauchigen  InlektionsstotTen  (l'estsloffen)  im 
Blute.  —  (1612)  hitziges  Blut  lieber  =  Synocha 
(at.  B.-Mlr.),  ein  pyämisches  od.  septichämisches 
hüben  Fieber.  —  (1677)  pestilenzisches  Blutfieber 
=  eine  typhusartige  Lagerseuche  (Iliieser  II,  369) 

mit  hoher  Körperwärme.  —  ,       ..  Fieber 
1  bösartige  | 

=  maligne,  ansteckende  Krankheiten  beglei- 
tende Fieber  (the  nmtlgnaiit  fever,  Ifeeker257;  Ifaeser 

i,  674,  Ur.  w.  Ii,  219).  —  £ran</-Fieber,  1.  =  das 
den  Brand  (s.  d.  3  =  Aufboren  des  Lebens  in 
einzelnen  Teilen  des  Körpers),  Gangraena, 
8phacelus,  begleitende  pyämische  Besorptions- 
Fifber  =  Blutvergiftung,  Febris  synocha,  Sy- 
nochus,  Ichorrhände  (Baulriaben  I,  281;  <;r.  \v.  II, 
297;  Samuel  95).  —  2.  —  (1751;  das  Fieber  beim 
„Brand"  (1),  ödet  die  Entzündung  innerer  Teile 
Cbcrhitze)  (v  v.  II  l.r.io)  -  8.     da«  bei  Haut 


Verbrennungen  (Brand  6)  eintretende Reaktions- 
tieber.  —  (17M)  BrecA-Fieber  =  Asodes  (Gr.  w. 
I,  sei),  ein  mit  vielem  Erbrechen  eintretendes 
Fieber,  dessen  Wiedereinsetzen  immer  wieder 
mit  starkem  Erbrechen  begleitet  ist  (a.  v.  k.  i, 
649).  —  Brc/iw-Fieber  (14*2  da*  prenet  lieber  = 
cau>on,  Zeidng.  Voc.  o7  =  hitziges  lieber;  1551  bren- 
nende lebern,  lloel  101;  1699pctochlnli»ehes  Breunfieber, 
v.  M.  II,  127;  1841  Brcnntleber,  Sobernh.  223;  engl, 
n  hurning  lerer,  the  Munin««  ol  a  tever,  Kaitschin.  I) 
=  Febris  ardens  (acuta),  ao&aec,  kausodes, 
kausoma,  kauma  Hippokratis  (Morbus  calldns; 
1356  male  de  cbateur,  l.ial  chault.  Im  Cange  V,  517), 

I.  =  das  akute  Entzündungslieber  (s.  d.),  dem 
brinnö  der  Gothen  entsprechend  (Gr.  w.  II,  370). 

—  2.  =  ein  biliöses  Fieber  mit  innerlicher  Hitze  u. 
äusserer  Kälte  (Euch«.  Illppokrau-s  I,  101.  437  Antn. , 

II,  99)  (Petechialfieber).  —  3.  =  Brenner  (s.  d.).  — 
fn-unnendes  Fieber  =  Brenn  fieber.  —  (1789)  Brust- 
Fieber  —  ein  von  Erkrankung  der  Brustorgane 
ausgehende«  Fieber  (Febr.  pectoralis)  (Nicolai  II, 
551).  —  (1770)  bösartiges  (hitziges)  Brust-Fieber 

-  Pneumonia  typhosa  (asthenica)  (Hecker  186).  — 
1677)  cholerische  Fieber  =  fieberhafte  Gallenruhr 
(s.  Gallenfieber)  (Beynon).  —  Um:*!', -Fieber  s. 
Dengue.  —  (1754)  Darr-  (Dörr-)  Fieber  =  ein  mit 
Auszehrung  (Darre,  s.  d.)  einhergehendes  hek- 
tisches Fieber  (A.  v.  H.  1. 747  ;  Gr.  w.  11,788).  —  Darm- 
Fieber  =  ein  von  der  Gedärmerkrankung  (Ent- 
zündung) ausgehendes  Fieber  (Gr.  \v.  0,781;  Kraut, 

K.  363;,  -  g^^'l  Fieber  s.  Dengue.  - 

Dreitags- ,  dreitägiges  Fieber,  1.  ■  s.  Tertian- 
fleber.  —  2.  =  in  wenigen  Tagen  sich  entschei- 
dendes Denguefieber  (Lorsch).  —  (1744)  druckendes 
Fieber  ■  Febris  intermittens  quotidiana,  das 
alle  Tage  quält,  plagt,  druckt  (Zw.  505),  wie  ein 
I  Quälgeist.  —  (1889)  Z)ru«c«-Fieber  =  fieberhafte 
Pferdedruse  (s.  Druse).  —  Zb-tf8«i-Fieber 
(E.  Pfeiffer)  --  eine  febrile,  akute,  infektiöse  Allge- 
mein-Erkrankung  (Wachsfieber)  mit  Anschwel- 
lung zahlreicher  oberflächlicher  Lymphdtüsen 
bei  Kindern  und  jüngeren  sogen,  lymphatischen 
Personen  (Jahrh  f.  Kinderh.-K.  XXIX,  3).  —  (1783) 

Eiter-,  (1790)  .Ei*<TMn;;s-Fieber  =  daH  pyämische 
Sta<liutn  bei  der  Eiterung,  z.  B.  bei  Variola 
(Pocken).  —  (1531)  EntzundungsTiebtT  =  Fieber 
vor  od.  in  Begleitung  von  Organ-Entzündungen, 
namentlich  von  solchen  des  Mesenteriums, 
KauBOn  Hippokratis  (Krautw..  F.  3;  «r.  W.  III,  672; 
Mayer  128,  Kraus,  E.  363).  —  £r»fe-Fieber  ein 
zur  Zeit  der  Ernte  bei  Feldarbeitern  auf  über- 
schwemmtem, durchnässten  Boden,  z.  B.  an 
der  Oder,  aufgetretenes,  flecktyphusäbnliches 
l  ieber  (Münch  med.  Woehenschr.  1894,  8.  803).  — 
faulendes  } 

Faul-  Fieber  d»77,  ortolf  m  febril  astheniea 

Faulungs- 1 

.1.  putrid»;  mnd  „Thal  der  Sieche  die»  nicht,  so  muss 
er  »ich  warten  lind  ihm  werden  anders  die  lebres,  da? 
dar  l«l  geheimen  ptitrlda  und  davon  faulet  ihm  diu 
I.imge  und  er  DUM  ilann  IteUffUch  husten",  nach  Mag. 
Harthr>l<t0a.  17.  Jahrb.  febris  quartana [I,ouleenw] ;  1772 
fanleute  (U  ber,  f'estllentia  in  »utiitnla,  Pfeiffer;,  1.  — 
aus  der  Blutfäule  abgeleitetes  septisches  In- 
fektionslieber,  Typhus  (peteehiatis  et  putridus 


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140  Fieber. 

und  alle  flogen,  typhösen  Krankheitsformen 
(Synoehus  putrid  =  das  Faul)  auch  Pneumonia 
asthenica  (1772;  Hecker  18«;  Kraus,  K.1070;  Or.  W.III. 
1376;  Ackermann  67)  jetzt  noch  gebräuchlich  für 
Typhus  —  2.  =  U572)  Febris  biliosa  putrida,  eine 
schwere  Malaria-Infektion  (Haeser  n,  320).  — 
3  =  septisches  Wundfieber  ;K..nig  I.  128).  — 
4.  =  Pferdetyphus  (s.  d.)  (Mayer  129;  Meyer  Konv.- 
Lex.).  —  (1708)  ^VM-Fieber  (wütendes)  =  Kriegs- 
Typhus;  vergl.  Feldsprechen,  Feldsucht,  Sol- 
datenfieber, Lagerfieber).  —  ^VrArrf-Fieber  = 
eine  nach  dem  Werfen  der  Ferkel  hei  dem 
Muttertiere  eintretende  Krankheit  (Kclampsia 
puerperalis)  (Krank  i6i).  —  FUck  Fieber  -  ein 
Fieber  mit  Fleekenanssehlag:  a)  Petechien 
(1620.  I>.  Minderer)  =  Kebris  petechialis,  Petechial- 
typhus (Or,  W.II.  101;  III,  174:>;  V.  203<J,  Bohrend  77; 
Zw.  378  u.  524);  b)  auch  (1699  ti  1725)  ungarische 
Krankheit  (Morbus  hungaricus,  s.  ds.)  (Pest- 
flecken?) (Th.  san.  ltr.  493;  Zvr.  518,  v.  M.  II,  121]; 
c)  Kinderblatter  (Variola  und  Varicellae),  iitoc; 
„das  Fleckfieber  schlägt  sich  zu  den  Kinder- 
hlattern"  [Or.  w.  V,  734);  d)  Msnernfleber:  Ma- 
sern =  Klecken,  Fleckein,  s.  d.)  («ehwed.  ilaeck- 
fclKT  —  Friese)).  —  il757  bösartiges  Fleck-Fieber 
a  Petechialtyphus  (Baumler  3).  —  1744)  falsches 
Fleck-Fieber  =  Petechialfieber  (Zw.  378).  —  faules 
Fleck-Fieber  =  Typhus  petechialis  (Schnurrer  II, 
359]  als  infektiöser,  fieberhafter  Frieselausschlug. 

—  (1699)  ungarisches  Flecken-Fieber  =  unga- 
rische Krankheit,  Typhus  petechialis  (v.  M.  II. 
125).  —  F/wss-Fieber,  1.  =  (172.'.)  epidemischer 
Katarrh  oder  Schnupfen  -Fluss;  s.  d.)  und 
Brustkatarrh  (Influenza)  (The*  san.Br.  IM;  Baurnl. 
64;  Lernen  37«;  Hecker  171 ;  ZW.  BMI)  (s.  Fluss).  — 
H788)  das  neue  Fluss-Fieber  -  Cryps  (Krips) 
oder  Influenza  (Kuheniann  37;  Haenrll,  804).  — 

2.  -  (17.V4)  rheumatisches  Fieber,  Febricula, 
Rheuma  ss  Fluss  (s.  d.  6)  (A.  v.  H.  I.  645;  auch  bei 
Lewing;  (ir.  W.  V,  2024,  Platner  I,  100:  Haescr  II,  441) 

—  3.  —  Sumpffieber  (s.  d  Malaria  Schmidt, 
Jahrb.  1S7.  Bd.,  s.  ns).  —  4.  =  ein  von  den 
Sftften  (Humores,  s.  Feuchten)  herrühren- 
des Fieber  (Kraus,  k.  477).  —  FrcmdcM-Fieber 

—  eine  fieberhafte  Krankheit,  welche  zumeist 
die  Nichteinheimischen,  Nichtakklimatisierten 
befallt,  z.  H.  das  gelbe  Fieber  (Pierrer  7.  VI.  400,:. 

—  .FV-Mis-Fieber,  1.  -  Heisshunger  (s.  d.),  in 
stärkerem  Grade  Hundshunger  (s.  d  n.  Fress- 
sucht );  Febris  famelica,  Ardor  edendi  ((ir  w. 
IV,  1.  138)  —  2.  =  hektisches  Fieber  (Or,  W,  1,59")) 
mit  Auszehrung  (s.  fressen  und  Kttich).  — 

3.  =  II  ungernober,  Hungerparoxysmus.  —  (17M) 
F rtVae/-Fieber  -  das  Fieber  heim  Friesel-Aus- 
schlag:  a)  Miliaria  alha,  weisser  Friesel  (s.d.) 
I\.  v.  IL  I,  642:;  l>)  Miliaria  rubra,  roter  Friesel, 
I'urpur-Koortsen  (A.  v.  H.  Ibid.);  c)  Scharlach-, 
Fleck-,  Masernfieber;  >Y  Wochenbettfriesel; 
e)  Typhus  exanthematicus,  Petechialtyphus 
illlldcnbr.  51)  =  (1771)  fauliges  Friesel -Fieber 
(Laien)  (s.  fauliges  F. eck  lieber).  —  Frost  Fieber 
=  Schaudertieber  —  Frithlinqs-Tie'beT ,  1.= 
eine  im  Frühling  auftretende  Intermittens : 
diese  Fieber  sollen  (Ackermann  122)  vom  Hornung 
bis  zum  Ende  des  Bracnmonats  gewöhnlich 
leichter  und  weniger  hartnäckig  sein.  —  2.  - 


Fieber 

I  der  Frflhlings-Katarrh  (Influenza)  (1767.  Ruhe- 

I  mann  30  ss  morbus  veruus''  [s.  Adl,  Lenten-Adl]).  — 
(jrtAw-Fieber,  l.  =  Gtlhnsucht  (s.  d.  u.gaumezen); 
«Jas  (iähnen  war  eines  der  ersten  Symptome 
einer  Pest,  die  im  7.  Jahrb.  in  Italien  herrschte 
(Gr.  W.  IV.  L  1151).  —  2.^  Ochsen  fieber  (Verdau- 
ungsfieber, 8  d.).  —  (1750;  Gallien)-  (gallige) 
Fieber  —  ein  asthenisches  Fieber,  wobei  die 
Kranken  (Mensch  und  Tier),  namentlich  in  der 
Augenbindehaut,  eine  ikterische  gelbe  Farbe 
zeigen,  Febris  ardens  (Typhus);  (1754)  Febris 
cholerica  s.  biliosu,  Febris  recurrens,  Febris 
gastriea,  asthenische  oder  biliöse  Pneumonie, 
biliöses  Typhoid  (dan.  gnldefebor  .  srhwed.  Kalifeber. 

I  Goldschm.  125;  Haescr  II,  440;  Köhler  II,  156;  A.  v.  II. 

I    I.  637;  1787,  HpfMfl  280;  Gr.  W.  IV,  1.  119»};  man 

|  brachte  es  in  Zusammenhang  mit  zu  vieler  und 
zu  scharfer  Gallo,  die  sich  durch  l.ebeikonge- 
slion  mit  dem  Blute  mischen  sollte  (Cholepyra, 
b-terus  febrilis,  Gallsucht)  (Or.  w.  IV,  i.  1191 , 
\<kerm.  6  .,,  überhaupt  fand  nach  der  lange  Zeit 
herrschenden  hippokratischen  Lehre  die  Ent- 
stehung des  Fiebers  ihre  Erklärung  aus  der  gal- 
lichten Blutbescbaffenheit.  —  garstiges  Fieber 
gastrisches  Fieber  («.  d.)  (Gr.  \V.  IV,  1379;  gar 
siin  —  ranzig,  verdorben,  Kluge  stellt  es  in  lut  fasü- 
dium  [fantidium]  o  zu  lat.  horridus  [ghorsidus].  Kluge 
to.!,.  —  gastrischen  Fieber  =  eine  Übersetzung  der 
M-hulmässIgon  febris  gutrien  (gaster  ~  Magen) ,  die  auch 
„das  Gastrische"  heisst  —  Nervenfieber,  Typhus, 
Magenfieber,  ein  Fieber  mit  Magenersehein- 
nungen.  —  (1829)  Grfäss  Fieber  =  eine  zur  Be- 
gründung lies  Aderlasses  genommene  Bezeich- 
nung einer  von  aufregender  oder  entzündlicher 

i  Blutgefäss  fülle  abgeleiteten  Menschen-  und 
Pferdekrankheit  mit  Fieber  (Mayer  IS1;  Falke  I, 

47.  316;  HolTin.   \rz     .1     —  öctttWa-  J  lieber 
l  Eclampsia  puerperalis  bei  Ziegen  u.  Schweinen 
1  i  Kalbefieber  i'Krank  475;  Zipp.  253).  —  (1805)  Gelb- 
fieber  —  ein  essentielles  Infeklionstieber  das 
(1H0.)  zu  Barcelona  und  Cadix  herrschte  :Pesti- 
lentia  in  nummis,  Pfeiffer),  so  genannt  wegen 
der  gelben  Färbung  derSrlerotiea,  der  Schleim- 
haut und  der  Haut  (gelbe  Fest;,  Typhus  biliosus 
Indiorum,  febris  flava,  febris  maligna  biliosa 
Americae,  eholosis  Americae,  pestis  americana, 
i  maladie  de  Siatn.  Yellow  fewer,  vomito  r.egro. 

—  (1764)  GtYM-Fieber  »  fieberhafte  Gicht,  Febris 
arthritica  (A.  v.  H.  I,  638).  —  Giess- Fieber  -  das 
bei  Guss-Arbeitern  in  Kupfer-,  Messing-  oder 
Zinnfabriken  vorkommende ,  durch  I)ampf-In- 
halution  verursachte  fieberhafte  Brustleidcn 
(Pneumon.)  =  Zinkfieber  (s.  d.)  ;Z.  Hdb.  d.  ip.  Patta. 
u.  Ther.  I.  419.  Samuel  I0:s).  —  (1687)  giftigt  Fieber 

ansteckende,  tödliche,  fieberhalte  Seuchen, 
Pest.  Hohr,  Typhus  (Georg,  sö'.».  4:;i).  -  giftige  Tie- 
bersiif/iL  —  (1020)  glostendt  Fieber  (or.  Minderer) 

—  glimmende,  brennende  s.  d.)  Fieber  =  Hilze- 
rtadium  des  Fiebers  (Fastigium)  gegenüber  dem 
schüttelnden  Froststadium  (Schweiler  II,  488).  — 
örci.sen-Fieber  Febris  soporosa  senum  (meist 
Pneumonia  hypostatica), ein  Entkriiftungsfieber 
der  alten  Leute  Kohler  II.  IM}.  —  (1609)  ÖrwndFie 
ber- Febris  hectica  [Guar  »Toi,  das  die  Grund- 
feuchte (s.  d.)  des  Körpers  verzehrt.  —  Harn- 


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Fieber. 


Fieber. 


141 


Fieber  -  ein  durch  Resorption  von  Harn  bei 
Verletzungen  der  Harnwege  z.  B.  entstehendes 
Fieber(Bla8enfleber).  — Aar/e«Fieber(vugl.Bhanl 
lever,  Knltschm.)  —  ein  starkes,  heftige«,  akute« 
Fieber.  —  (lT/w;  hekti$chea  Fieber  =  Febris  hec- 
tica  (a.  v.  H.  da»  bei  Lungenschwindsucht 

(Hektik  s.  Ettich)  u.  chronischen  Eiterungs-  u. 
Destruktionsprozesseu  vorkoinmonde,  meist  mit 
Nachtschweisseil  verbundene.entkraftende  Fie 
ber.  —  (164Ö)  heim:  h  -  Fieber  =  hektisches, 
schleichendes  Fieber,  das  ganz  allmählich  sich 
von  Woche  zu  Woche  steigert  (Cetor,  H.  A. 
Heyn.  207).  —  heim  s  Fieber  =  ,118a  da*  heyst  lieber 
=  kanson,  D.  6.1".",  knnma  =  Entzündung,  l>  10H;  C.  v. 
Megenbg  ,  mortui«  calidu*,  Gr.  W.  V,  86;  VII,  l'.TJ) 
infektiöse,  pestartige,  ansteckende,  hochgradige 
Fieber;  bei  den  Bulgaren  werden  diese  Fieber 
besprochen  (Ethnol.  Mltt.  a.  l"ng.  UM.  &  227).  — 
(l756)Hfr6*/-Fieber,  1.  ^eine  im  Herbste  wieder- 
kehrende Malaria,  welche  um  diese  Zeil  vom 
Heumonat  bis  zum  Januar  gerne  langwierig 
werden  soll,  8,  Spatjahr-Koortaen)  (Ackermann 
122;  A.  t.  H.  I,  638).  —  2.  =ein  heibütlichcs  Heu- 
tieber  (Febris  aututnnalis,  Herbstkatarrh).  — 
3.  =  der  namentlich  in  der  Herhstzeit  häufigere 
fieberhafte  Schafiolz  'Zipp.  630).  —  Herz-  (Her- 
ten») -Fieber  =  Febris  car-liaca  s.  heciica  (Gr.  W. 
IV,  2.  1234.  1244]  wegen  der  kardialgischen  Sym- 
tome.  —  (19.  Jahrb.)  Heu-Fieber  =  ein  typischer 
FrOhsommer-  (Mai  bis  Juli)-Katarrh  (Cr,  w.  IV, 
2.  1287),  (seltener)  Herbstkatarrh,  fieberhafter 
.Schnupfen,  durch  den  Pollenstaub  der  sogen. 
Heubluraen  verursacht  (Heuasthma)  =  Catar- 
rhus  autumnalis  (fr*,  catarrhe  de«  loins;  engl,  hay 
ferer.  die  Pollenlheorie  wurde  vonliack  [n.Med.  Wochen- 
M-hritt  1*86.  XII.  141>ugelochtcu,  Eichhont  I,  256).  — 
(ljasi  Hirn  Fieber,  1-  -  l'hrenitis  (llufcland  l<>8) . 
ü»42)  Meningitis  cerebro-spinalis  (Uaser  II ,  702) 

-  lieberhafte  Erkrankungen  mit  vortretenden 
Hirnsymptomen  (s.  Kopffieber,  Tobfieber).  — 
2.  =(1571,  Lcrsch  210)  vielleicht  auch  Petechialty- 
phus mit  vorwiegenden  Gehiinerseheinungen. 

—  (Ißtso)  hirntobendes  Fieber  (Witilch)  —  Influenza 
wegen  der  heftigen,  vom  (Jehirne  ausgehenden 
Delirien,  de«  spannenden,  drückenden  Kopf- 
schmerzes und  der  heftigen  motorischen  Agi- 

,.,12  Fieber 

(14»2,  C.  v.  Megenbg ;  1591,  Had.  Jun.  :Wi  -  heisses 
Fieber,  Febris  ardens  8.  cahda,  L  =  Typhus  ab- 
dominalis und  petechiale.  —  2.  =  Morbus  hun- 
garicus,  ungarische  Krankheit  («.  d.).  —  3.  == 
ein  EnUQndungBlieber  bei  Pfer.ien,  eine  fieber- 
hafte AllgemeinstOrung  im  ganzen  Korper  des 
Tieres  (Abu«.  15).  —  (1766)  Honpital-Tieber  =  der 
in  Spitälern  grassierende  Petechialtyphus  (La- 
zarethfieber)  (engl.  ho«pitallever,  Maser  II,  4.1).  — 
(UM)  //«wi/rr-Fieber,  1.  -ein  in  Eeyden  herrsch- 
ende« Fieber  (Hungertyphus?),  Typhus  fame- 
licus  (Hecker  153;  Schnurrer  II,  218).  —  2.  -  eine  mit 
sichtbarer  Blutwallung  auftretende  Fressucht, 
Hungerparoxysmus(engl.grcedyirit(ev.'r,Kalt«ehDi. 

in,  162).  —  (1066)  Husten- Fieber,  1  *  ein  mit 
Husten  verbundenes  Fieber.  —  2.  ■  Influenza 
(».  d.)  (engl,  eough-lever,  Lersch  62;  Schnurrer  I, 
I«.  2*1.  Gr.  W.  IV,  2  lgtni.  -    17«)  hysteritches 


tation 


Fieber  ein  Fieber  aus  hysterischer  (s.  d.)  Ur- 
sache :>l  lt.  L  I  »).  —  imp/-Fieber  -  'las  durch 
.lie  SchuUpOcken-iniplung  veranlasste  Fieber 
l>ei  Impflingen.  —  (iv>)  irrelauf'en>leii  Fieber 
(Fttes  ist)  -  „ein  Fieber,  das  ungleiche  Stunden 
(im  Verlaufe)  hat", atypisches  F.eber.  -  Kiilber-, 
Knlbe-Tieiber,  l  ein  urämisches  Fieber  (nicht 
Puerpeialtieber)  nach  dem  Kalben  bei  der  Kuh 

böses  Ding,  s.  d  ),  Geburtslilhine,  Schlafkrank- 
heil,  Eclampsia  puerperalis  (Krank  442;  Kalke  II, 
3.  279).  —  ~  —  uneigentlich  das  Puerperalfieber 
bei  der  kalbenden  Kuh.  —  :17.  Jahrh.)  kältet 
Fieber  (Lonlceru»)  -  Febris  intermittens  (Ma- 
latia)  (alter  int  Kaltweh,  so  genannt  wegen  des  utadium 
«tgidum  [Schüttelfrost);  1719.  Gr.  W.  V,  90;  1759,  Jahn 
145;  1807s  Wechselneber,  Pauli  15;  Ravaria  II,  2  8*0; 
Schmeller  I,  1241,  Ackerin.  121;  19.  Jahrh.)  —  Malaria 
oder  das  kalte  Siechtum  und  das  Kalt  (s.  d.).  — 

1740)  Karfunkel  Fieber  sa  das  mit  der  Bildung 
eines  Karfunkels  (s.  d.  und  heiliges  Feuer)  sielt 
einstellende  Fieber  -  (992)  Igm's  sacer  (feu  sacre) 

zw.  4M;  gehnnrrer  i,  um).  —  Katarrhal) -Fieber 

(1580  Katarrhtieber  —  Influenza,  Kuhemann  12;  1699 
giftiges  <atarrhnebcr  =  [']  Petechialtyphus,  v  M.  It.  121  ; 
Influenza,  I.  cod.  II,  161;  1729  contagiosa«  Catarrh- 
Kleber,  Kuhemann  25;  1752  epidemische«  Kleber)  — 
Inlluenza  (s.  d.)  mit  trockenem  Husten  u.  Brust- 
beschwerden, die  unter  Auswurf  von  katarrh- 
alischem Sekret  Bich  bessert  (A.  H.  i,  844.  63s: 
Zw.  560).  —  2.  —  bösartige  Krankheit  (eine  Dipii- 
therieform)  beim  Rindvieh.  —  3.  =  Pferdekehl- 
sucht,  Stritngel,  Pferdestaupe  (Merk  33).  —  (l "*s) 
/Tc/Zer-Fieber  (scherzhaft)  =  eine  Krankheit,  die 
man  sich  aus  dem  Weinkeller  geholt  hat  (s.  Kel- 
letgeschoss),  Status  gastricus  potatornm  (Or,  w. 
V,  516;  Schmeller  I,  1235).  —  (1750J  ÄVrAer-Fieber 
Gr.  W  V,  56$;  Schnurrer  II,  130.  309.  310;  Lerech  17'.». 
2 'S;  engl  jailfever)  =  ein  Typbus  infolge  iles  Ker- 
kerlebenB  (tiefängnistyphus,  der  1414  in  New- 
^ate,  1577  in  Oxford,  in  England  zuerst  beob- 
achtet wurde),  Typhus  exanlhemat.  —  (1794) 

rwnrfM/(«r)  -Fieber = Wocbenfieber  (s.  d.),  Fe- 
bris puerperalis  (Weickard  324  ;  J.  P.  Krank  I,  178).  — 
/wm/Vr-Fieber,  1.  -  Febris  mesaraica  (Haglivi), 
bei  skrofulösen  Kindern  häufig  (Sobernheim  253). 
—  2.=  Eclampsia  febrilis,  Fieberfraisen  (Kneipp 
133).  —  kleine  Fieber,  1.  -  Febricula,  leichtes 
Fieber.  —  2.  =  (im  Neu  Irschen  fiabbrai"»  bhsngn 
(febri«  paneaVl,  Z.  d.  V.  f.  V.  K.  1896.  S.  90.  192)  =  ein 
nervöser  Kopfschmerz  (?).  —  A7i»ia-Fieber  - 
eine  zymotische,  tniaamalische  Krankheit  (Ma- 
laria), durch  das  Klima  veranlasst  (Kcch«naeb.* 
Her.  d  New  Yorker  U'ben«  Ver«.  Ge«ell«ch  l.«l»|l.  — 
Ä'nor/i<-/-Fieber  s.  Dengue  u.  Knocke! koortsen 

rKneUer  in  z.  Ii.  ii,  2  4sij.  —  ÄoL>/-Fieber  iiitz- 

iges)  -  Febris  phrenettca,  Plirenitis  (Hirnfieber 
s.  d  ;,  Hirn  will,  Meningitis  (v.  r.  H.  I.  813;  Gr.  w 
V,  117t),  akutes  Deliriumlebiilf.  ~  ,;i«yo;  Krampf- 
Fieber  -  ein  15%  und  1C9:J  in  .Steiermark  be- 
obachteter Morbus  magnus  convulwivus  mit 
Frais  ^s.  d  ),  Ktitmpfen  utul  (iliederzittern  un  I 
epidemischer  Ausbreitung  '  Kriebelkrankheit, 
Krampfsucht,  Erirotismu*'  —  lC'.o  Krieg*- 
Fieber  oder  (I7,v.|  Lager- Fieber  -  FeMfielx-r, 
Febris  epidemica  castrennis,das  in  einem  Kriegs- 
lager, im  Felde  umgehen. le  Petechial- Fieber 


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Fieber. 


Fieber. 


(A.  v.  H,  r,  6»;  v.  m.  Ii,  las).  —  Kust, »Fieber 

—  das  an  niederen  Küsten  häutigere  Wccbsel- 
fieber  und  üelbüeber.  —  L ■;■;».  n  en  -  Fieber  = 
die  Malaria  bei  den  Osterreich.  Truppen,  die  in 
der  Lagunenstadt  Venedig  Garnison  hatten.  — 
fic.57)  Land-Fieber,  l.  =  das  in  einem  Lande  en- 
demisch herrschende  Fieber,  z.  B.  Malaria  (A.  v. 

H.  I,  «39).  —  2. -die  über  ein  Land  hereinkom- 
mende Epidemie,  die  das  ganze  Land  befallt 

Land  plage  s.d.)  (Gr.  \v.  VI,  liö).  — (1657)  auüäilige 
Landfieber  =  durch  das  ganze  Land  ziehende, 
höchst  ansteckende  bösartige  Seuchen  (P'Sl) 
(Haser  n,  27i).  —  L«M»ro-Fieber,  L  =  „verunder- 
liche  lieniülsstiinmung  umerm  Hilde  des  Fie- 
bers" (Gr.  W.  VI,  »48).  —  2.  (lo  caprice,  flOvre  qnin- 
taine,  lirlss.  269)^das  launenhaft  und  regelwidrig 
am  5.  Tage  erscheinende  Wechselfieber.  —  (17C5) 
Luttsanner  Fieber  (Schweiz)  =  Fneumonia  as- 
tbenica  epidem.  —  Alp(eii)slich,  der  damals  epi- 
demisch in  Lausanne  herrschte  (Feierabend,  der 
Alpenstich).  —  (1752)  Laxier- Fieber  -  Fehns 
eathartiea  nach  Sylvins  de  le  Bue  (a.  v.  II.  I,  2  V)). 
„eine  Art  des  kalten  Fiebers"  (?) ;  (vergl.  liadei  - 
zik);  s.  Purgii  lieber.  —  .L«r«»f'A-Fieber  (Stoil 
1742  —  1787)  —  der  in  Lazarcthen  epidemisch  auf- 
treten<ie  Typhus  exanthematicus  (Spitalfiebei) 
(Haeser  II,  NW;  Pr.  II.  451).  —  (1705,  Lieltes  Fieber 
=  Fehns  amaloris,  mal  damour,  mal  des  amanls 
=  Chlorosis  nach  dem  Worte  des  Dichters  i  „pal- 
leat  omnis  amans,  color  hie  est  aptus  amanti" 
(Eichhorn  11,  79ö.  Uris».  148;  Donaucr,  II.  V.;  MM. 
Med.  492;  Th.  sun.  Br.  201. 203)  (J  ungfernkrankheil), 
s.  auch  Liistseuche  1  und  iMinne,  Minnepein. 

—  longobardisches  Fieber  =  eine  Lagerkrank- 
beit,  von  der  das  im  Gebirge  der  Lombardei 
lagernde  deutsche  Heer  11^7  befallen  wurde 
(Kersch  SS).  —  (17.02)  (hitzigen)  Lunken  ■  Fieber 
(,,der  Ausgang  mancher  Pleuritis",  A.  v.  II-  I,  113»; 
1841,  engl,  lung-fever,  Lerseh  414,  Lungeneryslpel?)  = 
fieberhafte  Pneumonie.  —  (1843)  lymphatisches 
Fieber  -  Drüsenlieber  (Falke  II.  85).  —  Mah-  = 
Afngen-Fieber  f-  Cnem-UunK  der  lehrt»  gastrica) 

—  das  au*  einer  Magenkrankheit  kommende 
Fieber.  —  (UM]  faule  Magenfeber  (Book  7C  Recist  ;> 
=  Febris  gantrica,  Typhus.  —  (1C20)  Mayen- 
fieber  =  Febiis  svnochalis  [».  Fieber  gynoeha) 
(Dr.  Minderer;  (ir.  W.  VI,  1439).  —  (17,2,,  hitziges 
Magenfieber  -  Febris  slotnacbica  inflamma- 
toria,  d.  b.  ein  Fieber  mit  entzündlichen  gast- 
rischen Erscheinungen  (A.  v.  H  I,  645),  auch 
hektische  Fieber,  die  am  Abend  exaeerbie- 
ren  (Paull  «7;  noch  jetzt  volksübllch  besprochen, 
Wutlke  313;  Bavaria  IV.  2.  40'..  UftUMIt,  Volks-Med. 
137);  ebenso  da« doppelle  .Magenfieber  (Schleim- 
u  nd  Nervenfieber,  Typhus).  —  (1699)  Makel- 
Fieber  =  Petechialtyphus  (s.  Petechien)  fv.  M. 
II,  121).  —  A/flrscA-Fieber  ■  Febria  interuiiliens 
(Malaria),  in  den  Marschlanden  =  Sumpfland 
fgoth.  marlsks  ru  marcl  -  Meer.  Kluge  224).  Sumpf- 
lieber.  —  11782)  Jtfarrosm-Fieber  =  lieberhalter 
Kopfschmerz,  angeblich  infolge  von  Sonnen- 
stich bei  Matrosen  unter  den  Tropen  (M  Ii  I. 

I,  DM).  —  (UU)  melancholische  Fieber  (B»<-k 

—  <lyskrasi8che  (scharbockische)  Fieber,  die, 
nach  früherer  Anschauung  vorn  schwarzen  (ie- 
blüte  kommend  (h.  Blut,  Natur),  sich  nnlerschei 


den  vom  kalten,  phlegmatischen  Fieber  (s.d.)  — 
Cholera,  Ruhr,  fieberhafter  Skorbut.  —  Mer~ 
Aun'«/-Fieber  (bei  Hahmrmaan  1755— 1843,  vor  dessen 
homöopathischer  I.ehre,  IT.  II.  554)  =  ein  durch  Queck- 
silber bei  der  Sypbilisbehandlung  veranlasstes 
Fieber,  auf  dessen  Eintritt  der  Erfolg  der  Mer- 
kurialbohandlung  beruhen  sollte,  da  es  eine 
Art  von  Krisis  sein  sollte.  —  (18.  Jahrh.)  Milch- 
Fieber,  1.  -  „das  Fieber,  das  sangende  Frauen 
anstosst"  (Mastitis  febribs)  (Falke  II,  146;  Gr.  W. 
VI,  2192);  man  nahm  Iruher  eine  eormptio  lactis  (s.  ge- 
ronnene Milch)  durch  Zurückhaltung  der  Milch  als 
Ursache  an  (Inlekiio^c  Kntzündung).  —  2.  =  die 
Febrictila  puerperalis,  auch  ohne  Störung  in 
der  Milchdrüse,  al>er  in  die  Wochenbettzeit 
fallend.  —  3.  —  das  eigentliche  Wochenbett- 
fieber, wenn  der  Wochenfluss  milchartig  («iehe 
Milch)  oder  wasserig  wird  (M  11.  L.  I,  MW,  Ackerm. 
453;  Zw.  562;  Vogel  11.  231,  Flenk  91).  —  4.  =  das 
sogen.  Kalbefieber  (Fclampsia  puerperalis)  bei 
Kühen  (Frank  442.  476).  —  Milzbrand  -  Fieber, 

1.  =  der  fieberhafte  Milzbrand  (Z.  Hdb.  d.  «p.  P. 
u.  Ther.  III,  470;  Mayer  179).  —  2.  =  das  nach  dem 
üenusse  von  Milzbrand  -  Fleisch  auftretende 
Fieber  (Pierer).  —  (1712)  A/ortVFieber  ^  Influenza, 
über  die  man  anfangs  »pottelte,  und  an  der  zu 
leiden,  es  sozu.-agen  Modesache  geworden  war 
(Ruhein.  21).  —  JtfuffVr-Fieber,  1.  =  Febris  puer- 
perale (Woehenheltlieiit-r),  weil  von  der  Uebftr- 
mutter  kommend  ; Ackern».  160).  —  2.  =em  Fieber, 
das  durch  Gebarmulterbesehwerden  entsteht 
(Gr.  w.  vi,  2Hi6]  —  A'ucA-Fieber  --  ein  nach  dem 
kritischen  l  leberabfall  noch  nachtraglich  ohne 
andere  nachweisbare  Veranlassung  sich  ein- 
stellendeH  kürzeres  Fieber.  —  (157$)  nachlassende 
Fieber  TaM-rnaera.)  —  Febris  r<  mitten*  (s.  ab- 
lassende Fieber).  —  Aarrro-Fieber  (Oldenburg) 
—  jede  fieberhafte  Krankheit  mit  Delirium,  in 
der  närrisches  Zeug  vom  Kranken  gesprochen 
w  ird  [Qoldachm,  17)  =  närrischer  Ritten  (s.  d.).  — 

(Ende  den  ls.  Jahrh.)  Xercen  -  Fieber ,  1.  =  jede 
fieberhafte  Krankheit,  beiderdas  Nervensystem 
des  Menschen  oder  Tieres  wahrend  des  ganzen 
Verlaufes  schwer  ergriffen  int  (Gr.  W.  VII,  618, 
Falke  II,  156).  —  2.  -  spezialisiert:  Typbus  (Eich- 
horn II,  9.'»6),  weil  dieser  solche  cerebrale  Er- 
seheinunnen  am  hautigsten  zeigt.  —  3.  =  auch 
nervöse  Erregtheit  (ohne  Fieber)  in  Rede- 
wendungen. —  ansteckendes  Nervenfieber  — 
Petechialtyphus  (Krau-,  K.  M70;  Fuchs  II,  1234).  — 
(1791)  faules  Nervenfieber  -  Tvpbus  abd.  (Hacser 
II,  W),  —  hitziges  Nerveiifieber  *  Typhus  acu- 
tus (Kraus,  E.  107ti).  —  schleichendes  Nerven- 
fieber =  das  Stadium  becticum  b.  Ileo-Typhus 
(Febris  hectica  maligna),  oder  Typhus  lentus 
(Kraus,  e.  1070).  —  nervöses  Fieber,  L  — ein  lieber- 
haft  erregier  Zustand,  der  sich  auf  dem  Boden 
einer  sogen,  nervösen  Konstitution  entwickelt 
und  durch  nur  zeitw  eise  aullallende  sogen,  ner- 
vöse  Symptome  kennzeichnet  (Falke  II.  liO).  — 

2.  (1734,  engl,  nervous  fever,  Ltrsch  353)  =  Nerven- 

lieber,  Lleoiyphue.  —  (i7.>2)  -W.s«r /-Fieber  —  acut 
I  fieberhafte  Nesselsijcht  \*.  d.)  (A.  v.  H.  I,  648; 
Ackerm.  118;  Gr.  W.  VII,  61»;  Behrend  22).  —  99erki 
Fieber  (in  preuss.  Besprech.,  Frisehb.  55)  ■  alle 
Arten  (f.  Neun)  von  Fielier.  —  i«so)  Ochsen- 


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Fieber.  Fieber.  143 


Fieber,  I.  -  der  nach  einer  reichlichen  Mahl- 
zeit nicb  einstellende  Verdauungs  -  Schauder 
(<;r  w.  VII,  U33),  tievre  de  digestion  (Brocca);  es 
ist  an  die  Matdteiten  gebunden  und  billigt  meist 
mit  krankhaften  Störungen  der  Verdauungs- 
organe  zusammen  (Auto- Intoxikation).  —  2.  = 
das  Gtthnfieber  (h.  d  ),  Schlafngkeit  als  Vor- 
zeichen der  Allgemeinstörung,  die  das  folgende 
Fieber  macht;  (auch  Gftbnsucht).  —  (1500— 1754) 
Pettüenx-  (Pc*t),  pcatilentischcs  Fieber^  Febris 
aentissima  maligna,  1.  =  das  mit  einer  wirk- 
lichen Pest  verbundene  heftige,  typisch  ver- 
laufende Fieber;  (1582)  das  heisse  oder  pesti- 
lenzisch Feber  (Strassbnnt) ;  sie  sind  auch  als 
„hitzige",  „triftige",  „trid hebe"  Fieber  bezeich- 
net (Gr.  W.  V,  86,  VII,  1572.  157t.  Bock  157;  Kraut«. 
LXXVI;  A.  v.  H.  I.  »421.  —  2.  -  „eine  Reihe  ganz 
ditferenter  (bösartiger  u.  ansteckender)  Krank- 
heitsprozesse" (Bauer,  Gesch.  der  Aderlässe  149; 
Rowob.  17— 23),  z.  B.  (1529)  Seh  weisslieber  (Bieter 
II,  311);  (1493)  Blattern  oder  Syphilis.  —  (1749) 
PeteUchen-,  Petechial-,  U7.V4)  Petechien  -  Fieber, 
1.  =  der  Pelecbialtypbus  (A.  v.  11. 1, 643 ;  Behrend 77). 

—  2.  =  Makel-  oder  Fleckfieber  (s.  o.).  —  3.  = 
Purpura  febril  s  (Zeitachr.  f.  d.  Fhlloloß.  XXVI,  248; 
Bchrend  77.  «pan.  tabartillo ;  1490  von  einem  purpur- 
roten Kleide  benannt,  I-ersch  199,  Sebuurrer  II,  27) 

s.  Purpurtieber  u.  Petechien).  —  4.  =  Pferde* 
Typhus  (s.  d.),  Morbus  maculosus  equormn 
(Meyer.  Konv  -I.ex.).  —  (1688)  phlegmatische  (kalte) 
Fieber  (Tabern  )  =  Schleimlieber  (s.  d  )  mit  ge- 
ringer Fieberhitze,  die  man  dem  Phlegma  früher 
zuschrieb.  —  Polka  -  Fieber  =  Dengue  (s.  d.), 
wegen  der  eigentümlichen  gezierten  Gangart 
der  daran  Leidenden  'l.emcb).  —  (18.  Jahrb.)  Por- 
z-h  ;  ».-Fieber  -  Urticaria  tebrilis;  die  weissen 
Nesseln  machen  die  Haut  porzellanartig  ge- 
tigert, bunt  gefleckt  (Kram,  E.  383).  —  Purgier- 
Fieber  =  Laxiertieber  (s.  d. Febris  cathartica 
(iiadetzick)  s.  caecatoria  (A.  v.  H.  I,  2öo;  Krau«,  E. 
178);  Stofl  Wechsel  Veränderungen  rufen  hie  und 
da  Fieber  hervor  {%.  B.  Aderiaaslieber,  Semmel- 
kurfieber). —  Purp ur- Fieber,  1.  -  Purpelfieber 
(s.  Purpel)  (Bebrend  77;  Ur.  W.  VII,  2263;  engl,  a 
purple  fever  sa  Schariaebneber  Kalt«rhm.  1)  —  2.  — 
Petechialtyphus.  —  Quar tan -Fieber  (früher  in 
ärztlichen  Kreisen  »ehr  häutig  und  noch  1805  ge- 
zrbrtuchlicta)  =  vierlttgiges  Fieber  (s.  t^  larinn, 
Kartanie)   (Gr.    W.    VII,   2320;    Bchw.    522.  — 

(1708)  raHeVl,  \  Fieber  =  D«lirium  t*hT"*>  tlas 
sich  mit  Raaerei  bekundet,  z.  B.  bei  Typhus, 
Petechialtyphus  etc.  Lewch  MS).  —  Reinigung*- 
Fieber,  1.  —  fieberhafter  Zustand  bei  <ler  weib- 
lichen Reinigung  (s.  d.).  —  2.  {flVvre  depuratolre, 
Bri««.  134)  —  Febtis  herpetica,  das  El  scheinen 
der  llerpesblaaen  sah  man  als  eine  natürliche 
Reinigung  an.  —  (IMS]  Äriz-Fieber  =  die  auf 
einen  äusseren  Reiz  bin  bis  zum  Fieber  Bich 
steigernde  Reaktion  (Kalke  II,  233).  —  Rosen- 
Fieber  =  der  durch  den  Blütenstaub  der  Rosen 
verursachte  fieberhafte  Nasen- Katarrh  -ehech 
188).  —  rote»  Fieber  <170;  tttver  rouge,  Herker  22\' 

-  Scharlachtieber.  -  17821  Äof7an/-Fieber  - 
fieberhafte«  Rotlauf  (M  H  L.  1,33).  —  (1668:  Ruhr- 
Fieber  -  fieberhafte  Dysenteria  (Hacker  II,  ist,. 


—  Scharbock- Fieber  typhöses  Fieber  bei 
skorbutisch  kranken  oder  sonst  schlecht  ge- 
nährten Personen  (Hecker  181).  —  scharfe  Fieber 
(1508  scharpfe  febre*.  Gr.  W.  VII.  1574;  1528  »charpfe 
febern,  Frie«  111;  1531  seharpffe  lieberen,  Krautw. 
XI.V11I  j  1260  da»  lieber  daz  da  bettet  acuta.  Pfeiffer  8»; 
nind.  dat  vever  dal  dar  het  acuta,  Magist.  Barthol.  90a; 
febri«  amta  —  1510  -|.it*e  Pebresl  —  akute  Fieber. 

—  (1756)  Seharlach-Tieber,  1.  =  das  den  Schar- 
lach («.  d.)  begleitende  Heber  (engl  »earlct  fever, 
dun.  «karlager«  feber;  »ehwed.  «karlakan«  fetter; 
Hecker  223  .rote  Fieber;;  A.  v.  II.  I,  645;  Aekerro.  115; 
Gr.  w.  VIII,  2204J.  —  2.  =  oft  auch  mit  dei  Miliaria 
puerperale  verwechselt.  —  £cAat«ier-Fieber  — 
Febris  algida,  Pyretos  phrikodes  Hippokr.^ein 
mit  starkem  Frostschauder  begleitetes  Fieber 
(Kraus,  E  45.  792).  —  (1754)  5fVlia/"-Fleber  =  Coma 
febrile,  letliargus,  „die  höchste  Stufe  der  Schlaf- 
sucht" (A  v.  H.  I,  8H6),  weil  der  Fiebernde  wie 
in  tiefem  Schlafe  daliegt;  (vergl.  Schlafkrank- 
heit u.  Schlafsucht).  —  (1891)  ScWomm-Fieber 
=  Schlammkrankheit  (s.  d.)  —  (1742)  Schleich- 
Fieber  ~-  langnam  verlaufende  oder  versteckte 
(heimliche  Fieber,  die  sich  anfangs  wenig  aus- 

—  m.  -  ™g  ÄT  |  «*- 

dun.  »lim  fetter;  «ehwed.  Metnfeher)  ein  mit  ver- 
mehrter (Mund-  und  Rachen-)  Schleimbil- 
dung, die  subjektiv  meist  zuerst  geklagt  wird, 
einhergehendes  Magenfieber  (Morbus  mucosus, 
Febris  gastrica,  Typhus)  rilaeser  II,  415 ;  Krautw. 
XI.III).  phlegmatisches  Fieber;  dem  Überflüsse 
des  Phlegmas  schrieb  man  früher  diese  Krank- 
heit zu,  die  man  beim  Menschen  und  Tiere 
(Pferd)  so  bezeichnete.  —  schnelle  Fieber  (1551 
da*  schnell  Feber,  Bock  142.  160)  -  akute  Fieber, 
die  schnell  einsetzen  und  den  Kranken  hefallen 
(i.onireru«).  —  SeAnu/>/Vn-Fieber,  1.  =  Induenza 
oder  Grippe,  die  mit  Katarrh  (Schnupfen)  ver- 
bunden iBt  (a.  Bragik)  —  2  =  ein  bösartiges 
Katarrhalfieber  mit  Neigung  zu  Gewebshrand 
(Zipp.  M7)  beim  Rindvieh.  —  (1620)  schüttelnde* 
Fieber  'l>r  Minderer)  =  das  kalte  Schütteltieber 
im  Gegensätze  zum  Intrigen  (glostenden)  Fieber 
(schmeiier  ii,  last  — öVÄMi-Fieber,  l.  =  thatsäch- 
licbe  Erregungszustände,  wclcbe  dem  Schüler 
zugefügt  werden  durch  Furcht  vor  Strafe  oder 
durch  zu  stark  geweckten  Ehrgeiz  (Med.-chirur. 
BundM'hau  1879,  S.  79«).  —  2.  =  (spottl&ch)  wenn  die 
Schulkinder,  Krankheit  simulierend,  sich  ins 
Bett  legen,  um  dem  Schulbesuche  auszuweichen. 

—  ScAiracAe-Fieber^ein  mit  grosser  Schwache 
des  Körpers  verbundenes  sogen.  Faul-  oder 
asthenisches  Fieber  (bei  Mensch  u.  Tier  ftievre 
lasse,  »V\rc  de  langucur.  Briss.  149)    —  schwarzes 

Fieber  (1280  daz  »war/.  Heber  „er  i*t  langeUlecb  mit 
Verfaulune  der  Milz  und  er  pfne*chet  staetechllch". 
ffeiffer  77i  -  pyatnischer,  septischer  Singullus 
mit  schwärzlichem  Urin  bei  entzündl.  Lungen- 
Ahsccssen  i  '  schwarzer  Tod,  schwarze  Krank- 
heit 3  —  (1895)  sVAicarztcasÄcr-Fieber  (Peatseb* 
o*tafrik:i)  -  perniciose  Malaria  mit  Haeiin»-1<>- 
bmtiria,  d.  b.  Entleerung  von  schwarzbraunem 
Blutharn  (Münch.  Med.  Woehennehr.  189V:.  -  (1629) 
Schwei**-  (1754.  isoi)  (Scltwttt-) Fieber,  1  -  der 
coniquative  .Schweiss  des  hektisch  Fiebernden 


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144 


Fieber 


Fieber 


mit  Htarkou  Remissionen  des  Fieber)',  ho  dass 
Maller  (A.  v.  H  i,  6|5j  sie  für  eine  Art  von  Weeh- 
eelfieber  hielt.  —  2-  (i486)  Sudor  anglieus,  der 
englische  Schweis»,  Schweiss-Sucht ;  (152*  H«m 
bürg,  Lübeck,  Augsburg;  rfMnUT  II,  301.  304,  I3H 
Würzbnrg  und  Nürnberg,  1772  auch  in  ftöttlngcn  epi- 
demisch, Vogel  II,  60;  Heiode*.  A.  v.  H.  I,  91.  586); 
(s.  Schweis»).  —  3.  -  Febris  miharia  (Hotfmanu) 
(Behrend  30).  —  4.  ■  Frieselfielter  mit  starken 
Sch  weissen  (Behrend  30).  —  (1802)  rheumatisches 
Schweis^fieber-—  Schweissfriesel,  Sudor  angli- 
cus  (Haeser  II,  669j.  —  (1588)  schwindsüchtige, 
(ifl.  Jahrh.)  Schwind-Tiebet  =  Febris  hectica  bei 
der  fieberhaften  Schwindsucht  (s.  d.)  (Heyne  DD, 
108.  Taben».;  Zw.  561.  847).  —  (1797)  Sihmtz-TiebeT 

—  Sch weisslieber  (s.  d.)  (J.  P.  Frank  V,  31).  — 
See-TieheT  =  Matrosen  lieber  (s.  d. ;  calenture, 
Kalender),  das  unter  den  Tropen  bei  den  See- 
fahrern sich  einstellt.  —  (1889)  tibirischa  Fieber 

—  die  von  Sibirien  herkommende  Bibinscbe 
Krankheit  (h.  d.)  =  Influenza  (Ruhemann  52).  — 
77  (72),  70  Fieber  (Ethnol.  BUtt  au»  Ungarn  HM, 
S.  162;  1894,  8.  244 ,  Zeltscbr.  d.  V.  f.  Volksk.  1896,  8.  8; 
Paiül  70,  Birlinger,  Volksk.  I,  209;  Buck  61 ,  Frischb.  54) 
st  entsprechen  den  77  Kitten  (K  tteru);  77  ist 
eine  „Galgenzahl"  (Gr.  D.  M.  H,  1107,  CXL,  27; 
Kuhn,  Zettsehr.  f.  vergl.  gpr.-Wlsseniich.  XIII,  129; 
Wuttke,  VolkttAbergl.  158.  251;  Stubetivoll  76;  tir.  W. 
IV,  1. 1168.  H79;.  eint-  heidnisch  heilige  Zahl  (Klem- 
pau], Gartenl.  1892,  811)  (s.  Sieben);  die  77  Fieber 
sollen  durch  Segenspi  üche  gewissermassen  auch 
in  der  Zahl  wie  überaus  ebrfurcbtgebietende, 
mächtige  Personen  hyperbolisch  angeredet  und 
durch  das  Wort  in  den  Wald  oder  Kaum  ge- 
bannt werden  (Gr.  D.  IL  II.  1107).  Sieben  ist  auch 

—  immer,  fortwährend;  77  also  =  unablässiges, 
vielfach  wiederkehrendes  Fieber;  (vgl.  Sieben- 
schläfer); über  70  u.  72  s.  dieses  selbst  unter 
Sieben).  —  (1754)  Soldaten -Fieber  -  Laxer-  oder 
Feldfieber  (s.  d.)  (A  v.  H.  I,  83R).  —  (1827]  Snmmer- 
Fieber  -  das  in  Mitteldeutschland  im  Sommer 
damals  herrschende  Malaria- Fieber  {Ilm-«er  II, 
•7s).  —  (1813]  Spital  -  Fieber  --  Febris  nervosa 
stupida  =  Hospitaltyphus,  der  in  den  damaligen 
Spitälern  giassierende  Petechialtyphus  (Mell- 
riehstadt),Lazaret-Fieber.  —  H51U)  spitze  Febres 
(Gr.  W.  VII,  1674)  =  Febree  acutae  (.ObMMtSUag) 

—  scharfe  Kiel  »er.  —  starke»  Fieber  \l'M*>  «lax 
starehe  vleber,  Heiffer  23;  mm),  dnt  starke  vetier, 
Mine.  Harth.  91b)  —  heftiges,  hochgradige«  l  ieber. 

—  SfaMt-Fieber^eine  akute,  riebet  halte  Luft- 
wege-Erkrankung durch  Einatmung  von  Zink- 
staub Zinkdilmpfe)  l  Hdb.  d.  *\>.  lMth.  u.  Ther. 
I,  449)  —  stehenden  Fieber  i'Sydenham's  Febris 
stationaria)  =  riebet  hafte  Krankheits-Prozesse, 
die  durch  bestandige  Ausflüsse  .Miasmen)  aus 
dem  Erdkörper  und  durch  solche  Luftverun- 
reinigkeiten  entstehen,  welche  jene  nach  sich 
ziehen;  sie  sollten  dann  das  Prototyp  für  die 
einzelnen  Formen  der  endemischen  und  auch 
sogar  der  interkurrierenden  anderweitigen  Er- 
krankungen Hein  (Haser  I,  ölü;  Bau«  2-v';.  —  1-  I  •. 
stetiges  Fieber  =  beständig  andauerndes  Fieber 
(Febris continua)  (ColerH  A.  ts:»,  le  traineau  ;  Hri<is. 
129).  —  (173">)  Sfop^rJ-Fieber  ein  in  Holstein 
hei  Feldarbeitern  beobachtete«  .Malaria-Fieber 


1  (Sehlammrieber  ?'i  (Huer  n,  —  Sumpf '-Fie- 
ber, 1  -  die  in  der  Nähe  von  austrocknenden 
Sümpfen  häufigere  Febris  intermittens  =  Ma- 
laria, ein  „essentielles,  nicht  entzündliches 
Fieber,  bei  dem  sich  im  Blute  der  ganze  Prozess 
der  Fieber-t'rsache  abwickelt"  =  Maischfieber. 
—  2.  =  (1889)  Schlammfieber,  Schlammkrankheit 
(e.  d.)  (Münch.  Med.  Wochenschrift  1*91  3.  805).  — 
l  3.  ss  Milzbrand  des  auf  austrockenden  Sümpfen 
j  und  Mooren  weidenden  Kindviehs  (K.  n.  P.  III, 
|  264;  Falke  II,  350J.  —  .St/nodwi-Fieber  i  -  Synocbus 
,  lialeni,  febris  synocha.  Kraus,  E.  1019;  1260,  von  dem 
lieber  kommt  ein  Siechtum  der  hei*«  Syuocha  lebris  ; 
da»  Fieber  kommt  von  dem  unmässliehen  abnormen 
Blut,  nach  Pfeiffer  22;  mnd.  ,,dat  teuer  dat  genomel 
Pynocha",  sie  wird  von  dem  unreinen  Wut  de» Mensrhen 
und  die  macht  nicht  zu  Stuhl  gehen,  nach  Mag.  Barthol 
102b;  febris  vlsluocha  —  lebris  «ynoeha  a  (iraeco 
Cim/%,  quae  numeniam  intermittit ,  attamen  eerto 
tempore  excandescentiam  habet  sensibilera  ,  Du  fange 
III,  420;  1.  eod. ;  slcijue  nunc  aigorein,  nunc  calorem 
pati  ut  Vlsinochls  lebribus  Herl  solet ;  1528  das  Feber 
slnocha  genannt,  Fries  69;  Gr.  W.  VI.  1139)  =  sep- 
tisches, pyainisehes,  typhöses,  asthenisches, 
adynamisches,  coDtiniiierlicb.es,  anhaltendes 
Fieber.  —  2.  =  auch  Herzgespann  (Herzkrank- 
lieit  verallgemeinert?).  —  77i<7«f-Fieber,  l.  =  ein 
tägliches  Fieber  (Febris  ephemer») ,  das  nur 
l  Tag  dauert  (Hofeland  91  ;  l'effimerie,  Bris».  132;.  — 

2.  «  Febris  quotidiana  (Malaria),  ein  in  Mittel- 
europa kaum  vorkommendes,  jeden  Tag  wieder- 
kehrendes Fieber.  —  (1528)  „täglirhes  Fieber 
über  den  anderen  und  3.  Tag"  (Wüntburg,  ljunmert 
Volks  Med.  265)  =  Tertianfieber.  —  (15SS)  Tertian- 
Fieber  =  Malariafieber  mit  dem  genau  jeden 

3.  Tag  cyklisch  wiederkehrenden  Rückfall.  — 
doppeltes  Tertianfieber  =  mit  2  Fieberanfällen 
am  3.  Tage  des  sonst  cyklischen  Fieberverlaufes 
(RythmUN  duplicatus  febris  tertianae).  —  halbes 
Tertianfieber  =  ein  solches,  welches  einen  leich- 
teren Tag  (Nacht)  u.  einen  ganzen  schweren  Tag 
(Nacht)  abwechselnd  bringt  (Fach* II,  101).  —  (1752) 
Tofc-Fieber,  1.  =  Hirn-Fieber,  hitziges  Kopf- 
Heber,  Fhreniti»,  Tobsucht  infolge  von  hohem 
Fieber  (a.  v.  h  I,  i«o.  1120.  —  2.  =  Influenza  s.  hirn- 
tobendm  Fieber.  —  (1770)  tolles  Fieber  -  (West- 
falen) hochfebriler  Scharlach  (?)  (Petechialty- 
phus?) ülecker  211).  —  Tot eu -Fieber  =  das  Sta- 
dium algidum  des  eigentlichen  Fiebers  mit 
totenähnl.  Kälteder  Extremitäten.  —  (1414)  Tona- 
wäfsdd-  ( r.ooiaicä*«f)-Fieber,  „Tona  waesches 
Fieber"  =  lnHuenza, Kuhemann  7i,  die  man  früher 

]  Tannewässel  (s.  Watschi)  nannte.  —  Typhus-, 
typhoides  Fieber,  1=  typhoid  fever,  typböses 
Heber,  Fieber  mit  Erscheinungen  des  Typhus 
(«.  d.).  —  2  -  Pferdestalle,  Pferde- Influenza, 
Pl'erdetyphus.  —  (1542)  ungerutche  Feber  ■  eine 
höchst  ansteckende  und  gefahrliehe  Seuche, 
Lues  pannoncia,  Febris  hungarica  iHäser  II, 

'  310),  die  die  Leute  ans  dem  bayerischen  Ober- 
lande (Flösser)  und  Soldaten  (s.  Soldaten- 
ktankheit)  in  l'ngarn  befiel,  l.-ein  bösartiges 
liallenfieber  (Cholera?)  nannten  es  die  einen; 
2.  —  die  anderen  rechneten  es  zu  der  Ruhr  mit 
Diphtherie  -  (Bräune)  -  Symptomen;  nach  den 
Schilderungen  wieder  anderer  wird  es3.  =auch 


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Fieber. 


St.  Fiecht— Kiki». 


14S 


ungariBche  Krankheit,  Petechial-Typhns  ge- 
wesen  sein;  es  Bind  vermutlich  alle  fieberhaften 
u.  infektiösen  Seuchen  (selbst  die  Beulenpest), 
dieanf  dem  Wege  von  und  ana  Ungarn  acquiriert 
werden  konnten,  darunter  verstunden  worden 
(Guar.  tat.  410,  1012  Landtag. -Verh.,  Behmclkr  I.  109; 
1620  Minderer ;  1G37  Sehnurrer  II,  115.  1S2;  1660  Alt- 
•  ittinger  Historien.  Schindler  1,  109;  167»  Bogcuberger 
Mirakel,  Schindler  I.  loa);  vergl.  auch  HanptBUcht, 
ungarische  Krankheit  und  ungarische  Pest  (1633 
Iftl  1634);  «ie  tritt  um  das  Jahr  1M2  «lernt  unter 
■  Uesen)  Namen  mit  und  wnr  damals  vermuüich  die 
Pest,  mischte  sich  im  VolkshegrifTe  mit  dem  pestartigen 
Petechial-Typhiis  und  gegen  das  1".  Jnhrb.  verstand 
mau  meist  uur  den  Petechialtyphus  und  die  Ruhr  da- 
runter —  t/mm-n/äfs-Fieber  der  junge  Leute 
im  Alter  von  IS— 25  Jahren  mit  Vorliebe  be- 
fallende Abdoniinal-Typhus,  der  1649  und  1711 
unter  den  Studierenden  in  Königsberg  und  Alt- 
dorf epidemisch  beobachtet  wurde  (Schnurrer  II, 
m.  2«),  —  (Iis")  unsinniges  Fieber  =  Delirium 
febrile  (Lerseh  195)  s.  rasendes  Fieber.  —  (17.ii) 
Urschicchtcn  -  Fieber  -  Blatternfieber  (s.  Ur- 
sdilechten)  (A.  v  n.  I,  <n&).  —  Verdauungs-Tiebn 
(Ochsenfieber)  ■  die  nach  reichlicher  Mahlzeit 
eintretende  Störung  des  Allgemein-Befindens 
(üevre  de  digeslion).  —  Vereiterunqs  Fieber  - 
h.  Elterlicher.  —  (Iiis)  vergiftiges  böses  Fieber 
englischer  Sch weiss  (s.  d.)  als  ansteckenden, 
schweres  Senchenfieber  (Haser  II.  3121  —  (I7.M) 
verzehrende  Fieber  =  hektische  Fieber  (Baum. 
ms).  —  viertägige*  Fieber  s.  Quartanfieber.  — 

Jy^^"")  Fieber -ein  mit  der  Zeit  des  Län 

genwachstumsu.  der  sog.  Kntwickelungsperiode 
bei  tuberkulös  belasteten  Organismen  eintret- 
endes, schon  von  Hippokrates  beobachtetes  sog 
Streckfieber  (s.  Drüsenfieber,  vVachsdrüsen), 
Tuberculosis  larvata  (Kraus.  R,  CA  ;  Münch.  Med 
Wochenschr.  1896.  8.  507).  —  Wechsel  -  Fieber 
Febris  mtermittens  (Malaria),  weil  dieeinseloen 
Fieberanfalle  in  annähernd  gleichen  Zeiträu- 
men mit  völlig  fieberfreien  Perioden  abwech- 
seln =  das  eigentliche  „Fieber"  (g.  o.),  auch 
das  Kalt,  Kaltweh,  kalte  Fieber,  Frörer  elc 
isrhwed.  Texelfeber;  holl.  Kourtsen).  Die  neueste  Kur 
sebung  hat  ergeben,  das«  den  einzelnen  Malaria-Typen 
MM  h  veischledene  Malaria  Parasiten  (Plasmodium  um 
lariae),  die  Innerhall,  der  roten  Blutkörperchen  sieh 
••cllnden  und  von  Aussen  durch  lokale  Einflüsse  und 
liedlngungcn  eingedrungen  sind,  entsprechen;  der 
Zerfnil  der  verschieden  lange  Zelt  zur  Entwickeluni; 
bedürftigen  Parasiten  In  sog.  Sporen  ist  der  Grund  zur 
Entstehung  des  charakteristischen  Tertian-,  oderQuar 
Uuflebcr-Anfalle*.  Kamonlsmus  und  Parasitismus  bc 
gegnen  sich  also  beim  Wecbselfieber  (a.  Blutwürmchen  j. 
—  (157t>)  weisse  Fieber,  der  Jungfrauen  =  Chlor- 
osis  (Theophrastus.  der  Giftjäger  ,,von  der  Pestilenz", 
S  29.  flevro  blanche,  Brtss.  119)  Zu  Pestzeiten  hhIi 
man  die  Malaria-Anämie  auch  alseine  Pestform 
an  und  so  mussten  zu  Zeiten,  in  denen  epi- 
demische Fieber  herrschten, die  bleichsüchtigen 
Mädchen  auch  ein  Fieber  haben;  denn  es  war 
Mode  geworden,  „Fieber  zu  haben",  also  taufte 
man  die  Chlorosis  weisses  Fieber  (Th.  »an.  Br.  201. 
202V  —  (1*70)  wiederkehrendes  Fieber  ~-  Febri« 


I  recurrens  (Eichhorst  Ii).  —  (1757)  lVunJ-Fieber 
-eine  in  Novellen,  Romanen  und  Erzählungen 
des  19.  Jahrh.  häufige  Beigabe  zu  jeder  Ver- 
wundung des  Romanhelden;  eigentlich  =  ein 
Wund-Entzündungsfieber  (Reaktion)  zum  Un- 
terschied vom  pyämischen  und  septischen  (Re- 
sorptions)- Fieber  (Brandfieber),  das  Dank  einem 
Lister,  Nussbaum,  Volckmann  etc.  sehr  be- 
schrankt worden  ist  (Baum.  113;  Samuol  Hl;  A.  v. 
EL  n,  M7).  —  TVur/Fieber  -  Kalbefieber,  üe- 
bftrlieber  der  Tiere  nach  dem  Wurfe  der  Jungen 
(Zfpp.  SB8;  Kalke  ii,  44*»).  —  (lGoo)  Wurm-Fieber 

(1717  flevre  vermlneuse,  Briss.  103;  I.ersch  354),  1.  — 
j  „Fieber  mit  offenbaren  (!)  Zeichen  von  Ein- 
geweide-Würmern: grosser  Hunger,  Abmage- 
rung und  Schwäche"  (!)  (A  v.  H.  1,  fi49).  Leukart 
(156)  geht  mit  Recht  gegen  diese«  mittelalter- 
'  liehe  Überbleibsel  zu  Felde,  das  bis  auf  unsere 
I  Tage  auch  bei  Ärzten  eine  Rolle  gespielt  hatte, 
<  nachdem  die  Ägyptier  bereit«  an  Wurmfieber 
geglaubt  hatten  (s.  Oefele,  Oloss.  zur  altagypt.  Med. 
1391.  s.  18).  —  2.  =  „Darmkatarrh  oder  sonstige 
örtliche  oder  entferntere  Zufälle  (Cachexia  ver- 
mino»a)  infolge  von  Würmern"  (Köhler  II,  297. 
Haeser  Ii,  üi2).  —  3.  —  (1772)  sogar  Typhus  als 
faules  Wurmfieber  (Hecker  186;  Hennig  in  Gerhardt 
I,  30),  d.  h.  ein  Faultieber  (Typhus)  mit  Abgang 
zahlreicher  Spulwürmer  (bei  unreinen  Leuten 
mancher  (legenden).  —  ZaAn -Fieber  =  das  mit 
«lern  Reize  der  Zahnung  zusammenhängende 
Fieber  bei  \  »jährigen  Kindern  (Febris  dentalis, 
Odaxesmus)  (A.  v.  n.  I,  689;  II,  »09;-.  —  Zehr- 
Fieber  das  wie  ein  Madenwurm  vom  Körper- 
fieische  des  Kranken  zehrende  Fieber,  Febris 
hectica.  —  i«20)  ziehende  Fieber  (Dr  Minderer) 
ss  kontagiöse,  epidemische  Fieber,  welche  bin- 
zucken  (s.  d.),  plötzlich  da,  bald  dort  auftreten.  — 
Zink  Fieber  (s.  Giess- Fieber)  =  das  durch  Ein- 
atmung von  Zinkdämpfen  entstehende  Staub- 
fieber (Samuel  403,  Z.  Hdb,  d.  sp.  Path.  u.  Ther.  I. 
449).  —  (1566)  Ziffer-Fieber  Unch.  Mir  ^Schüttel- 
frost (.Stadium  algidum;  bei  Malaria  (Febris  in- 
termittens). —  (1754)  Zu/Vif/«-Fieber  ■  sympto- 
matisches Fieber,  dass  sich  zufällig  zu  einer 
Verwundung  z.  B.  gesellt  (A.  v.  H.  II,  S47;  14*2 
zufall  im  feber,  Zenlng.  Voc  )  (s.  Zufall).  —  Fieber-, 

fiebrischi/,  er,  a)  Ablas*,  -Anfall,  -Angst,  An- 
stois,   Heulen,  -Bild,  -Bluse,  -Blässe,  -Blut, 

-  Brand,  Farbe,  Frost,  -gelb,  -Geschwätz,  Glut, 
■Grillen,  -Harn,  -Httie,  -Kalt,  -krank,  -Kuchen, 
-Mata-ie,  -Milz,  -Mücke,  -Puls,  -Rote,  -Schäden, 
-Schauder, -Schauer,  -sierh,  -Sturz,  -  Tag,  -  Traum, 

-  Tüpfel,  -  Wahn,  -  Wut. 

St.  Fiecht  s.  St.  Veit. 

fiedeln  s.  ticken  (engl   bum  flddle  —  Ann-  al- 
srhallerzeugcndt»  Körperteil,  s.  Borahart). 
Fierich  s.  f  euer- Igel. 
Fiesel  s.  Fisel. 
Fifel,  s.  Feifei. 

Fifflz  B.  PÄfe,  Pfipa  (ahd.  (Itflr,  Graff  III,  330). 
Fig  B.  Fick  u.  Feige. 

Figur  f.  (aui  l«t.  flgura;  1414  ftgure,  D.  234)  - 
|  (teHtalt. 

Fiks,  m  s.  Fex. 

10 


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14« 


Fill— Kinger. 


Finger. 


Fill  8.  Kell. 

Filteln  -  Kaltein,  Hautfalten  (Nagte)  (Schm. 

I,  716». 

Filz,  m  -  filtrum  findogcrm.  pold.  Kluge  9K; 
vorgerm.  peldot,  goth.  fllil»,  ahd.  Alz;  engl,  feit,  mini. 
vlU,  Kluge*,  107)  =  da«  wirre,  verwachsene,  zu- 
satnmengi  '  klumpige  Haar  =  Weichsel- 

oder  Wichtelzopf,  Post,  Mauke,  Rappe  ,<ir.  W. 
1H,  ißa2,  Hintnor.v  12)  (ß.  Zopf  u.  Maukwurm).  — 
Aujen-TÜZ  [1483  fllu  der  äugen,  Zenlng.  Voc.  h  7, 
Y*opia  M,  PÜanzcnmittcl,  llppu»,  ein  Fleck  [panuu»; 
im  Auge  pj,  Gr.  W.  III,  1634;  es  ist  wahrscheinlich  ein 
Schreibfehler  vorliegend  flllr.  -  llitz  (Flusse),  was  etil 
der  Erklärung  llppus  [I>.  310.  332.  612)  übereinstimmen 
w  urde).  —  (1616)  Zungai-Tüz  -  Brflune  (s.  Zungen- 
bräune), Ardor  linguae,  Inflammatio  linguae. 
Fuligo,  bräunlicher  Zungenbeleg  mit  Verdick- 
ung des  ZungenepitheM  —  TÜZ-Gtlrich,  -Laus 

finden  (vorgenn.  pent  ,  germ.  fenth,  goth  flnthan ; 
ahd.  tlndiin,  mhd.  Tlndi-n,  Kluge*,  107  =  Kusspuren 
[«.  Fendt]  erkennen,  suchend  verspüren,  fühlen).  — 
sich  Erfinden  (altere  spr.),  1.=  eines  KindcH  Bich 
befinden  (Gr.  w.  v,  70*.>i  —  schwanger  sein.  —  2.  — 
sich  besser  föhlen  (Pauli  30).  —  sich  nicht  be- 
finden -  sich  schlecht  fohlen.  —  entpün&lich 

—  reitbar,  irritabilis  Gr.  W.  III,  4M)  —  empfind- 
licher Wehtag. 

Fingeier,  m.  =  der  4.  oder  Ringfinger  (s.  d.;, 
der  den  Fingerling  trftgt  (r.r.  w.  III,  1649)  (Gold- 
finger) Digitus  annularis. 

Finger,  m.  (indogerm,  penge  —  schon  in  altger- 
manischen Zeilen  hatte  joder  der  ri  Finger  der  Hand 
seine  feilte  Spezialbezeichnung;  vorgerm.  penkm, 
Kluge5,  101;  goth.  flggra  ,  4.  Jahrb.,  FlrUas;  ahd  rinpur, 
KlugeS,  107;  7. — S.  Jahrh.  ringra,  (to.  tiloss.  Diez  9* . 
mhd.  viniter,  eug).  litiger.  Für  die  Natneu  der  »ich  an- 
einander  reibenden  5  Finger  der  Ilaud  icalt  (ruber  lol- 
trender  Qedlehtnis-Hexamcicr  Doctor.  marcator,  stul- 
tiif-iue  maritus.  amator.  Die  10  Finger  h<  i*scn  auch  die 

io  <;.  bote  oottea,  v.  k.  vi,  M),  —  Finger,  I.«  Dac- 
tylus,  Digitus,  die  3  iiiissersten  Körper-Glied«, 
wovon  ">  an  einer  Hand  sind.  —  2.=-  Membrum 
virile  (D.  165).  —  ^ir*cA-Finger  =  Digitus  longUB, 
Mittelfinger,  dem  longauon  -Arsch)  der  Ara- 
histen  entsprechend,  einesteils  weil  seine  Auf- 
richtung als  Einladung  für  die  Pedicones  galt 
'Ilyrtl,  K.  W. ;  lövl  Fischart,  Garg.  120a),  anderntOÜS 
weil  man  ihn  als  Jucktinger  (s.  d.)  betrachtete. 

—  .Arx/-Finger  -  Digitus  medicus  s.  iatricus 
(Pliniil«'l  II  I  IT  dliritu*  medicinulis.  qui  tninimo  vicinus 
est,  Du  fange  III,  116  ff. ;  llacbofeu  177),  weil  die 
Ärzte  mit  dem  rechten  Finger  die  Medikamente 
zu  mischen  pflegten  illyrtl.  K  W.  12'.]  =  der  4.  o. 
Ringfinger  iler  rechten  Hand,  Laxner  *.  <! )  = 
;ahd.  lahhi,  c'aa«.  ulois.) ;  (s.  ungenannter  Kinger). 

—  /M-Finger,  1.  =  der  überzahlige  ti.  Finger  an 
1  Hand,  welche  dem  Volke  sonderbar  erschein- 
ende Anomalie  in  manchen  Geschlechtern  sich 
vererbt,  Digitus  medicinalis  eomplicatus  (Bach- 
ofculsi,  Suinu.  l2y7.no6).  —  2.  =  derjenige,  der 
einen  solchen  ü  Finger  tragt  i<;r.  w.  n,  26;  HU 

—  sauberhält,  spukhalt,  r.  B.  Hilvviz,  Bilzeielun,  Itilatz, 
Bilunk;  Kleinpaul  [d.  Mittelaller  606J;  die  Krklaruug 
bülf-nnger  =    12   Kinger    ;       2    BIKInger  +  10]  Ist 


kaum  liegriindbar ;  bülf  —  12     —  büSer  Finger 

schmerzhafter  Finger;  namentlich  =  Panari- 
tium,  Onychia  (Zw.  562;  Wuttke.  Volks-  Abergl.  32«) 
(».  bOft),  Digital  hippoeraticus  (Atteltritt).  — 
ßa/M-Finger  (Schwaben,  C.  v.  Schm.  Iis)  ■  ein 
verstümmelter  Finger,  der  durch  einen  Schlag 
so  verunstaltet  wurde  [tafeln,  deffeln,  dclfeln  <*• 
schlagen,  klopfen.  Schindler  1,  491;  Scbw.  701,  <ir.  W. 

!  I,  678).  —  2.  =  Dahl-,  Daul-,  Dawel-  (?)  Kinger 
l'anaritium ;  (l.r>29  DalAnger  ein  Personenname).  — 
Z>aumen-Finger  -  Digitus  impudicus,  „weil  er 
vor  Kindern  das  Bauchnabele,  vor  Alten  den 
Penis  darstellt,  während  Zeigefinger  und  Mit- 
telfinger das  Muliebre  (s.  Feige  5)  darstellen" 
^lluek  25,  duuiM'h  lommelnuger      Däumling;  Pierer) 

,  (s.  Mittellinger)  —  dernarre.tr.  Finger  =  durch 
Frost  taub,  „gespassig"  gewordene,  unbrauch- 
bare, ungeschickte  Finger.  —  D iebs- Finger  ~ 
Diebsdaumen  (Uochh.  i,  242).  —  dritte  Finger 
(Leg  Bajuw.  III.  13)  =  Mittelfinger  (■.  d).  —  edfte 
Finger  -  Penis  (robd.  ellfte  flnger,  11—12.  Jahrh. 
dlgitus  nrilis  ,  Stabönger  («.  d.) ,  Schmeller  I  ,  731 ; 

i.exer  342,  Heyne  Ii.  916).  —  eingctchlaf cne  Finger 
=  lokale  Asphyxie,  Digiti  mortui ;  die  Finger 
bekommen  durch  krankhafte  Kontraktion  der 
kleinsten  Arterien  ein  wachsartige«  Aussehen 
und  gestörte  Empfindung,  als  ob  Bie  tot  oder 
schlafend  wären.  —  federnder  Finger  =  schnell- 
ender Kinger  (s.  d.).  —  .Fjn^fr/wi-Finger  * 
Ringfinger  Schmeller  i,  731).  —  ßefaf-Finger  » 
Zeige-,  Schwurtinger  (s.  Ked-  und  Zeigefinger). 
—  (1592)  geschändte  Finger  (Wirsung ;  Hyrti.  k.  w. 
'  186)  —  St?hamtinger,  Muteltinger  (digitus  medicus 
k.  infamu,  BOsenh.  110;  dlgitUI  lertius  s.  impudicus. 

Du  cange  Iii,  liüii )  —  (Jhtbillincn  Finger  =  Zeige 
linger,  an  dem  dieGhihellinen  den  Siegelring  ge- 
tragen haben  sollen.  —  (1881)  GoM-Finger  (hoii. 
goudvingeri,  1.—  Ringfinger;  4.  Kiuger  wegen  des 
Gold-Reifringes,  «len  man  an  diesem  Finser 
trägt;  (Kingerling)  (KUahjtMp. 4P ;  Hynl,  K.  \v  1251 
s.  Goldträger  und  Laxner;  schon  altgermanisch 
als  Goldfinger  (Digitus  annularis)  bezeichnet 
(Kluge*,  M;  D.  36).  —  2.  =  (I7M)  der  kleine  finger 
(Schaar«<  hm.  I,  167)  —  grosser  Finger  =  Mittel- 
finger (s.  d.)  (Hluiner  7.  17),  langer  Hanns  etc.  — 
(15.  Jahrh.)  ifcrx-Finger  =  Goldtinger,  Arztfinger, 
„die  goldenen  Ringe,  die  man  daran  trug,  sollten 
das  Her»  stärken"  (Or.  w.  IV,  2  1244;  nach  der 
durch  die  mittelalterlichen  Ärzte  verbreiteten  altajryp- 
tischen  Prtetterlelue  [Boas  33j  tollte  ein  Nerve  [Motu] 
oder  I.uflilderleln  [1<i4"i]  direkt  vom  Herten  »um  kleinen 
Kinder,  nacli  A.  zum  Kinglinger  gehen,  Ilyrtl,  K.  W.  124  , 

coltr,  u.  a.  102  a.).  —  Jom-Finger  =  (in  der 
Chiroinanlia)  Digitus  index  (Hyrtl,  K  \v  it>6). — 
(1482)  JucA -Finger  (jug  flnger.  Zen.  Voc.  ps)^  Mit- 
telfinger, mit  dem  man  sich  in  ano  (s.  Arsch- 
tinger) beim  Jucken  kratzt.  —  Jimj/Vrn-Finger 
m  Ringfinger  (s,  d.),  Herzlinger;  man  trägt  den 
Brautnngan  ihm.  —  Kaußeute-TingeT  =  Dau 
men,  Digitus  numerans  (Du  Cange  III,  117),  wegen 
des  damit  vermittelten  tieldabztthleiiH  l  »aumen- 
kraut-  (iold).  —  (1697)  kaulichte  Finger  knge- 
licht  geschwollene,  rundliche  Finger  für  w.  III, 
165.1).  —  A't^-Finger  (ahd  cheti  Ungar,  Uraff  III, 
.21)  (Index,  Digitus  salutaris  s.  linguosiiB)  (Du 
I  (ange  vii, 372)  -  dergrQssende.Zeichen  machende 


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Finger. 


Finger. 


147 


Zeigefinger,  Weisefinger  (keden  ^ sagen,  »frechen, 
«chmeiier  f,  1224).  —  klamme  Finger  ■  vor  Frost 
erstarrte,  krampfige  Finger  (Gr.  w.  v,  936).  — 
klopige  Finger  =  kol big  gestaltete,  unförmliche 

Finger  (Heyne  III .  383).  -  |  Finger 

{161 5)  =  ivmindeste  Finger,  s.  d.\  auch  Obrtinger, 
Digitus  auricularis  D.  «2)  Junkerfinger,  der  l*ip- 
Hannes,  der  wie  eine  Person  alles  verrat,  was 
seine  Brüder  gethan  haben.  (KindererzAhlung:  der 

Artt  legt  den  Pflaumen-Xascherlns  Rett,  der  kleine  Ilm: ' 
gebrt,  der  böge  Wteht  (s.  d.]  ober  rerrat  alles).  (Irimin 
nimmt  im.  du»»  man  ehemals  auf  die  Vir:  i  Natur  und 
Kraft«  alp»rtigcr,  kleiner,  geisterhaf  terWcseu  übertragen 
hatte,  vergl  Bllfinger  u.  1  Minnen;  schon  oltgermanlsih 
«1*  kleiner  Finger  bezeichnet.  Kluge  51 ;  auch  ah  Kleln- 
jaekchen  (Johann]  kurzer  Johann,  Piphanns,  I'etcr 
Müllermann  spaterbenannt).  —  KlluHji  Finger  'engl 
clumsy  flnger.  Kaltarhm.)  =  dicke,  plumpe  Finger. 

—  A'noM-Finger  -  ungewöhnlich  dicke,  knol- 
lige Finger  (Gr.  w.  v,  1465.  uns).  —  knorrichte  Fin- 
ger =  durch  Gichtknoten  verunstaltete  Finger 
(Gr.  W.  V,  1491).  —  krumme  Finger  =  durch  Seh- 
nen, Narben  oder  Krampf  eingesogene  Finger. 

—  kurzsichtiger  Finger  =  der  verschmftchtigte, 
spitzige  Zeigefinger  ( -  in  acutnm  deslnens  (Spitz- 
finirer]  ».  myop»,  Hyrtl,  K.  W.  1*>).  —  lahme  Finger 

—  unbewegliche  Finger.  —  {JJ"J*'C  )  Finger  i 

Jahrb.  lengeste  flnger,  1607  längste  (Inger.  D.  290.  003) 
=  Digitus  impudicus,  verendus  (verpu*),  l'odex, 
Jud,  Mittelfinger  (s.  d.),  Langmar,  Langmeier 
fAndrwn  103).  —  Leid-Finger  —  Mittelfinger,  wo- 
mit der  Zornige  einem  anderen  im  Gesichte 
Leid  anthut,  ihn  verletzt.  —  JtfrrtMr-Finger  - 
(in  der  Chiromantie)  Goldfinger  (Hyrtl,  K.  W.  186). 

—  ifffz^er-Finger— Mittelfinger  (s.d.),  vermut- 
lich wurde  er  aul  das  Opfertierhaupt  beschwör- 
end aufgelegt  —  (1482)  mindester  Finger  (C.  v. 
Megenbg.)  =  kleiner  Finger.  —  ütttW  Finger  (f.  bb 
».  Jahrb.  mlttoroato,  Ca»».  Glos». ;  1482  raittelftnger,  I».  803 
^longio.  D.  33«,  engl,  middle  flnger);  langer  Finger, 
langer  Mann,  Langmännchen,  langer  Luchs, 
Jud,  auch  langer  Hanns  (Tirol),  Lancmar  (Lang- 
marlin) ~  der  lange  Mar-  oder  KoboldfiiiKer  — 
Narrenfinger,  auch  der  ungezogene  Finger,  weil 
er  wegen  seiner  Grösse  und  Lange  (namentlich 
aber  bei  schmerzhaften  Krankheiten  an  dem 
selben)  Oberall  sich  besonders  (s.  Sonder)  vor- 
drängt (Leidfinger);  Digitus  impudicus,  weil  er 
den  Penis  vorstellt  und  zum  Podex  (o.  .lud) 
Beziehung  hatte.  Schon  in  altgermanischen 
Zeiten  als  Mittelfinger  bezeichnet  (Kluge  51)  — 
Arschfinger,  namenloser  Finger,  Juektlnger, 
Schamfinger,  Schandfinger,  Spottfinger,  Jud, 
Metzgerfinger  etc.  —  namenloser  Finger  -  Di- 
gitus impii'ticus  =-  Mitteltinger  (s.  ungenannter 
Finger).  —  A'arrcn -Finger  —  Mittelfinger  (s.  d.). 

—  Ohl  Finger  (ahd  or  ringer,  Graff  I,  159)  =  der 
kleine  Finger,  weil  man  mit  ihm  im  ülne  kra- 
belt,  wo  er  die  geheimsten  Dinge  erfahrt  und 
dann  als  Digitus  linguosus  (».  kleiner  Finger)  sie 
ausplaudert  (Wu»unann  HS;  [l'nurienlalrel  digitus 
nnricuJort*  proeo  quod  eo  anreni  scalpirau*,  Im  fange 
Ut,  n: .  earflnger).  —  (1MJJ  an^-Finger  Had  Jun.) 
■  der  Kingfinger  *s.  d.)  mit  dem  man  prangt 


(Hyrtl,  K.w.  i2i).  —  Pn/a-Finger  der  den  Puls 
fühlende  Arztfinger  (Gr.  w.  vii.  2214).  -  (1581)  rane 
Finger  -  magere  Finger  (Gr.  w.  ni,i662).  —  Ring- 
{Heif)  Finger  (dBn.  ,  engl.,  sehwed.  ringflnger)  - 
Goldfinger  (s.d.),  Ilerzlingerfa.  tL),  Jungfernlin- 
ger  (s.  d.),  I.axner(s.  d  ),  Prangfinger  (s.  d.),  unge- 
nannte Finger  's.  d.).  Von  diesem  Digitus  anularis 
sollte  (1578,  Gr.  W.  VIII,  1010)  eine  besondere  Ader  direkt 
zum  Herzen  gehen  ;  daher  sollte  «iold  nnd  Edelstein  an 
dieser  Stelle  ein  besonder»  kraftiger,  t  nheil  abwehr- 
ender Talisman  sein  fs.  Herafinger).  den  man  als  vin- 
gerltn  (Flngerleiu)  am  Kinger  trug  (Schneller  1,  731). 

—  Saturn-Finger  —  (in  der  Chiromantie)  der 
Mittelfinger  (Hyrtl,  K.  w.  ise).  —  ScAam-Finger-- 
Digitus  impudicus  (s.  Mittelfinger,  Spottfinger). 

—  Scha nd- Finger  =  Digitus  impudicus  (s.  Mit- 
teltinger, Spotitinger).  —  schnellender  Finger-^ 
eine  eigentliche  Bewegungshemmung  der  Mnger, 
bei  der  der  Finger  willkürlich  weder  vollständig 
gebeugt  noch  vollständiggeatreckt  werden  kann 
und  wenn  ad  maximum  gebeugt  oder  gestreckt, 
wie  eine  losgelassene  Spannfeder  in  die  frühere 
Stellung  zurück  schnellt  (engl,  »napplng  flnger. 
I.ehf.  :i" ;  well  der  Finger  nnter  Geransch  wieder  ein- 
schnappt ,  Med,  chir  Uundsch.  1875.  8.  571;  Deutsch. 
Z.ifchr.  f.  pract.  Med.  1875.  No.  7  H.  8).  —  Sechs- 
flnger  =  Bilfinger  1.  2.  (Kleinp.  d.  Mittelalter  C06). 

—  Schwör-,  Schwur  Finger  =  der  zum  Schwüre 
auf  ein  Kultobjekt  gelegte  oder  zum  Himmel 
gereckte  Zeigefinger  (s.  d. ;  abgelegter  oder  ge- 
reckter Eid)  (Rochholz  I,  213;  F.  Dahn.  d.  G.  I,  214). 

—  Sormcn-Finger  -  (in  der  Chiromantie)  der 
Ringfinger,  Digitus  annularis,  wegen  des  kreis- 
runden Ringes  (Hyrtl,  K.  w,  186).  Spite-Finger 
=  Zeigefinger,  der  kurzsichtige  o.  verschmäeh- 
tigte  Finger  (Hyrtl,  k.  w.  186).  —  Spott-Finger 
=  Schandfinger,  Mittelfinger,  Digitus  impudicus 
(Hyrtl,  K.  W.  146),  der  Schand  und  Spott  verdient 
>.  Jud).  —  (1749)  Stab  Finger  ■  der  elfte  Fin- 
ijer,  Penis  s.  Virga  virilis;  >ub  =  Penis,  so  nackt 
wie  der  Stahhnger  (Zeltschr.  f.  d.  PhUol.  XXVI. 
252.)  —  starker  Finger  -ein  bei  Zabnsch  merzen 
durch  Berührung  des  Zahnes  heilkräft.  Finger, 
entsprechend  dem  Laxner  (s.  d.)  u.  ungenann- 
ten Finger  (Goldschm.  124).  —  Trommelschlegel- 
Finger  —  die  Ptnger,  deren  Kuppen  tromm«*)- 
schlegelartig  verdickt  sind  (ost«4«  arthropathiepneu- 
nilque  [Marie] ;  »chwed  Tromraelstick -fingn  ),  Fhthisifl- 
Zelehen  (Sehmidt  Jahrb.  192.  Bd.  S.  176j.  — unnllklein- 
ster  Finger  ~  der  nicht  allerkleinste,  sondern 
der  dem  kleinsten  Finger  am  nächsten  gestellte 
Finger  »Kingfinger  (Tirol  fllntner  7.  17).  —  (1477) 
ungenannte  Finger  [Ortolpb  UM;  Gr.  W.  III.  1652) 
b  der  4.  Finger.auch  der  lahhi  («■  Arzt),  d.  h.  der 
zu  Besprechungen,  zur  Besaubcrung  durch  das 
Heil-Wort  bentttzte  Ked-Finger,  durch  dessen 
Auflegen  die  Zauberei  entweichen  sollte,  den 
man  daher,  wie  alle  zauberhaften  Dinge  (s.  Un- 
genannt) nicht  einmal  aussprechen  sollte  (s. 
Laxner)  (Gr.w.  in,  1651.  1652).  —  Vor  der) -Finger, 
1.  -(1684  fordere  Fluger  [Steiermark;,  Zeit-ehr.  .I.V.  f 
V.-K.  1896.2S4,.  das  vorderste  Endglied  der  Finger, 
Fingerspitzen.  —  2.  =  der  die  Frauen  vorauu 
grüssendeZeige-Finger,  Weiser,  Kedfinger  (L.  ch. 
42;  en?l  foreflnger). — (1507J  Weist  Finger — (wytM 
ling.r    index,  D.  294;  ndl.  wiji  viuger,  V  K.  II,  138, 

KP 


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148 


Finne. 


Finstere. 


Hyrtl.  K.  Vi.  18«),  Digitus  index  =  Zeigefinger,  der 
hinweist  =  Deuter  (s.  d  ).  —  Welfen-Tinger  = 
der  mit  Scbwielenkurv.  ii  charakteristisch  ge- 
zeichnete Daumen,  mit  dem  die  Weifen  siegelten 
(Daumen-  Veste)  „in  Ermangelung  eines  Dienst- 
siegels", Maclittinger,  den  mau  aufs  Auge  setzt. 

—  (13W)  der  wenigere)  Finger  =  der  kleine  Fin- 
ger (Schmellerl,  922).  —  Woda  »«-Finger  =  Daumen 
(s.  d.),  angeblich  weil  Wodan  auch  Gott  des 
Spieles  und  der  Diebe  war  (Slmrock,  H.  D.  M.  179) ; 
die  greifende  Spanne  der  Hand  heisst  auch  Wo- 
dans-Spanne (s.  d.);  der  Daumen  eines  gehäng- 
ten Diebes  ist  auch  ein  Glücks- Amulett;  ausser- 
dem war  Wodan  Heil-  u.  Zauberkünstler,  sowie 
Stammvater  aller  angelsächsischen  Könige, 
deren  Königshand  (s.  d.)  die  Kröpfe  heilen 
konnte  (Ooith.  299).  —  (M*)  %cü»te  Finger  (Zen 
Voc.)  =  Digitus  impudicus  -  Spott-.  Schand-, 
Scham-,  Mittelfinger  (s.d.).  —  U628)  Zeige  Finger 
=  Weisefinger  (s.  d.)  (aha.  zelgarl ;  IM  Zeigefinger, 

H.  v.  Gered. ;  dan.  pcge-;  seh  wed.  pekflnger),  der  Zei- 
chen gibt;  man  »treckte  hon  In  frühen  Zelten  dte 
beiden  (Daumen  und  Zelge-)Finger  zuin  Zeichen  de* 
Schwüre«  auf,  ohne  ein  Heiltum  zu  berühren;  (ahd. 
lekarl),  Butter-Lecker,  Topf-Lecker,  Suppen- 
Schlecker  (Hlntner  7. 17),  Leck-Männchen;  Knei- 
per (Schwaben).  —  zweite  Finger  —  Zeigefinger 
(Leg.  Bajuw.  m,  12).  —  Finger-ZfrucA,  -Entzün- 
dung, -Geschwür,  ■  Gleich,  -  Glied,  -Knöchel,  -Knoten, 
-Kork,  -Kuppe,  -Lohn,  -Plage,  -Spitze,  -SucJit, 

-  Wurm. 

Finne,  f  Pinne  (schw.  199;,  Ffinne,  Fenne 

(Schw.  199;  Lehnwort  au«  [lat.]  pcnna,  plnna  Fetler 
[und  die  Uansestoppeln,  die  auf  der  Haut  zurückbleiben, 
!>.  Rupfen  und  Gänsedniscn],  Heyne  Ii,  917  ,  golh.  pln  , 
mhd.  vlnne,  pftnne,  Kluge  107  .  12.  —  14.  Jahrh.  pfenhe 
Halsdrüsen-Gcschwulst,  II  off  in  I,  386;  1482  pfynne. 
Zeniug.  Voc.  y  7.  8.  =  stinkende«,  [finnige*]  Fleisch, 
dessen  weisse  Knotehen  [Finnen  Blasen]  verglichen 
wurden  mit  den  Gan.»e-Hautnnnen  ,  1"..  Jahrh.  vynno, 
llnne  —  ordeolu«,  D.  MV;  1111  flnne  =  flaeeor;  Mi" 
pfinne  au  eline  swlu,  D.  237;  1517  pflnncn  —  furfure» 
carninm,  D.  253;  1731  pflnncn —Schweinefinnen,  A.  M. 
31;  Finnen  =  lentlgo.  D.  324;  [akne,  comedonea,  tuber, 
scrofula]  ■  knotehen-,  Btoppel  förmiger  Haut-Ausschlag, 
Kluge  107;  Goldscbu.  135 ;  Schmellerl,  722;  schwed. 
tinne  =  Schwetnsfinne;  engl,  pimple  fln.  Kaltsehm.  II 
152)  =  Gänsestoppeln  ähnliches  Knötchen,  1.  = 
Hautfinne,  Akne  (Jonthns.  Varus,  Papulae;  1776. 
Plcnk;  Bacchla  [=  Saufbrüdcrl,  s.  d .1,  yot/.aCou  = 
Hagelkorn,  Oerstcnkorn.  [Hordeolum],  Coxus.  Cossus 
[Wurm,  eoccus],  Grutum  [Grütze],  Milium  der  alteren 
Autoren.  Comedones  (Mitessers,  d.],  Syrones  [s.  Sürtg- 
keit],  Mentagra  [llartflntie],  les  buuton»,  bourgeons  der 
l'ranzosen,  Puisten  [Pustel]  der  Hollander,  Venusblütn 
rhen  ,  Venusfolatterehen ,  Venusknutchen  ,  Blümchen, 
Pocken,  A.  v.  H.  I,  830;  Kehrend  69;  Blattern,  Sellin. 

I,  722;  (iesichtsblattera,  lir.  W.  III,  16G">;  Hoppen  [s.  d.), 
Uansc-Bupfen,  fliesen  (s.  d.]).  —  2.  —  die  mit  den 
•Syphilis-  unu  Kolzknoten  verglichenen  Finnen- 
knütchen  im  Schwein  fleische  (finniges  o.  Fran- 
zosen-FlelBch  s.  d.)  (Schw.  199) ,  die  Cestoiden- 
Blasen  (Cossns,  Cossis  [Vegetli],  In  Ladrerie  [Uttrt1! 
morbus,  ab  Italia  grandinc  appellatus  oui  instar  gra 
ininls  pullulat;  1250  porcus  gramiguosum  vel  guastum, 
Du  fange  VI,  416;  1646  Annen  -  grandines,  Coler ;  Schw. 


■m)  (Schweinefinnen,  Judenfleisch,  s.  Fleisch) ; 
diese  im  Körper  der  Haussäugetiere  seit  uralter 
Zeit  bekannten  Finnen-  oder  Quesen-Bläschen, 
die  den  Scolex  des  Blasenwurmes  (Cysticercus) 
o.  des  späteren  Bandwurms  bergen,  sind  wohl  zu- 
erst mit  den  Hautstoppeln  der  gerupften  Gänse- 
haut (s.  o.)  verglichen  worden ;  daher  auch  Fick 

\  (s.  d.)  a)  =  Fischfinne ;  b)  Hautwurm ;  c)  Gänse- 
zipfoderPips.  —  3.  =  Speicheldrüsen- Anschwel- 
lung bei  Pferden  (s.  Schweinsflnnen  2\  —  4.  — 
Im  Norwegischen  sind  Finnen  =  Elben  (Liehrecbt 
«.  Volksk.  330)  s.  Finnenball;  vielleicht  sah  man 
die  parasitischen  Finnen  als  die  G estalt  elbischer 

1  Dämonen  an.  —  5  =  die  Tuberkel  (Knötchen, 
Finnen)  bildende  Perlsucht  (Franzosen)  beim 
Kindvieh  (Falke  1,  284).  —  6.  —  niemals  sind  die 
Finnen  ein  Geschwür  (H.  raul  141).  —  (1744)  An- 
gesichts-Tinnen^  Vari  (=  Akne).  -  (imö)  Augen- 
Finnen  —  Gerstenkurn,  durch  mitzehrende  W  fl r 
mer  veranlasst  angenommen  (Ootar  H.  A.  113).  — 
Bart  Finnen.  1  =  BartnVrhte  (s.  d),  Sycosis  pa- 
rasitiert (Behrend  4«;  Eichhorn  II,  268;.  —  2.  =  Akne 
mentagra.  —  (1744)  Blut  Finnen  =  Pustulae  san- 
guineae,  „wenn  sie  sich  zur  Genüge  sammeln, 
können  sie  die  Miselsucht  (  =  Lepra)  erwecken" 
(Zw.  376).  —  (1776)  Eiter-Timxe  =  Pustulae  (Plenk), 
Eiterblnlter  (ur.  W.  III,  392).  die  eiternde  Akne 
(Behrend  5).  —  Haut-Tinne  -  Akne,  Varus,  zum 
Unterschied  von  Drüsenünnen  (Eichhorst  II,  26*). 

—  Ä"«p/fr-Finne  =  Acne  rosacea,  wegen  der 
kupferroten  Uautknötchen  (Behrend  60).  —  ■Bin- 
der-Finne, L  =  der  Blasenwurm  od.  die  Wurm- 
blase (Cysticercus  bovis),  zu  der  sich  das  Band- 
wurmei  (Taenia  mediocanellata)  entwickelt 
(Blasenfinne).  —  2.  =  die  Perlsucht  als  finnen- 
ähnliche  Knötchenbildung  (Franzosen).  —  (1594, 
1686)  Sau-Finne  s.  Schweinsfinne  (Gr.  \v.  viu, 

18M)  ~  (ieM)  Iöi«/^  [  Füme  =  Baccnitt  C^'nne) 
=  Sauf brüderl  =  Akne  potatorum  (Behrend  3) ; 
die  Akne  =  Finne  im  Angesichte  der  unmäs6ij£ 
Trinkenden  ;Gr.  w.  vm,  1484).  —  schief eriqe Finne 

-  abschilfernde  Akneknötchen.  —  Schiceins- 
Finnen,  1.  =  die  entozoische,  eigentliche  Fin- 
nenkrankheit der  Schweine  =  Cysticercus  cel- 

1  lulosae,  Wurmblase,  zu  der  sich  das  Band- 
wurmei  (Taenia  solium)  ausbildet  (i^euckart  47 , 
Bmi  !  ticr.  Paras.  178),  —  2.  =  die  Anschwel- 
lung (Scrofulai  der  Speichel-  oder  Unterkiefer- 
Drüsen  bei  Pferden  (Schnuller  I,  17S1)  =  Nifel  5, 
Feifei,  Fifel,  FeicheK"  dessen  Drüsenkörner  mit 
Schweinsfinnen  (1)  Ähnlichkeit  haben  sollen  und 
mit  der  Scrofula  (sus  scrofa  =  Schwein)  in  Be- 
ziehungstehen. —  finnig  (pfinnig  finnicht(mnd. 
lynlg- mneidus.  nllginosns,  r.loss.  Sax.  ;  Du  Cange  I, 
189;  1343  flnneht,  Schindler  I,  722,  1420  fynnig  van  den 
gemecht  =  inguinartus,  1).  298;  1482  pfynnlg,  pfennlg 
franeus  —  Franzosen,  D.  246;  15.  Jahrh.  Önnyck,  vyn- 
narhtich  - raneldus,  D.  IM;  farclnosus,  D.225;  [g.  Rotz- 
wurml),  L  =  mit  Finnen  oder  Franzosen  besetzt 
(Zeulng.  Voc.  >•  7).  —  2.  =  wie  mit  Finnen  durch- 

I  setzt,  schleimig,  rotzig;  auch  Ekzema  humiduni. 

'  —  finnig  (e,«)  (Finnen  ) Ball,  -Fleisch,  -Gesicht, 
-Krankheit,  -  Wurm. 

Finstere,  f.  ( =  Dämmerangsdüster,  dunkel.  Kluge, 
107,  Wurzel  them,  nhd.  dinstar,  durch  Verschiebung 


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fipern— Fiat«! 


Fiz— Flach«. 


149 


nustar).  —  Augen- Finstere  [MM  äugen  finstrin, 
Zenlng  Voc  ;  1491  finstere  der  Aug«n)  =  dunkles 
Sehfeld  der  Augen  (Tabernaein.  92  H  =  Scotomia, 
Ohnmacht,  Schwindel  (Schwindung). 

fipern  (fippern,  flbern)  (nach  dem  l«t  vlbrare, 
zittern).  —  die  Augenlider  fipern  -  Nystagmus. 
—  die  Lippen  fipern  =  labiis  treraere  [Gr.  W. 

III,  1671). 

Fi«  s  Furz,  Farz. 

Fisch,  m.  —  /-n  /.  Fisch  =  der  kleine,  unaus- 
Kewachsene,  Mos»  zum  Racken  geeignete  Fisch  al»  Bild 
für  ein  halbwüchsiges  Mädchen  (Schräder  476). 
Cht  da«  Backen  der  Menschen  s.  Altweibermühle; 

(8.  auch  Fise,  Fosch.  —  Fisch- Kopf. 
Fischlein  b.  Fistel, 
fischpeln  -  lispeln. 

Fisel  (Pfisel),  m.  -  Zunipf,  Zers,  Fasel  («.  d.), 
Zise! ;  fsu  ahd.  rUlson  =  callere  [erectione],  vorstehen 
<lurch  Schwellung,  0.  90;  1182,  mhd  viselln  -  priapus, 
Zenlng  \'oc.  pp  *;  Maul  —  muto,  rast  rat  im.  D.  374), 
1  -  Penis  ']<•>  Menschen  (Schwaben,  Bayern), 
Mentula  (Schindler  I.  768).  —  2  =  Membrum  s. 
Nervus  bovinus  beim  Stiere  (Ochsenßsel)  (Schm. 

I,  76«;  Falk.-  I,  2*5.  Hyrtl,  K.  W.  171),  Penicillus.  — 

3.  =  Kastrat.  —  Fisel- Ha  ir,  -Haupt. 
Fiss,  (Föss) ».  Foss. 
Fissel  (Fistel)  8.  Fessel  u.  Fistel, 
fist  »■  feist. 

Fi  st,  m.  (Feist,  Fiz,  feisten,  fisten)  (gem.- 

indogerm.  pezdl  =  pedere;  altnonl.  fi*a,  Heyne,  II, 
921;  geiu.  genn.  fiatl,  Kluge*,  10S;  ahd.  flstas;  mhd. 
nwn,  vist,  flrt  ■  ventus,  tacitui,  bombus,  Gr.  W.  I1J. 
11«;  D.  417  s  fei«;  1429  Baten,  felsen  =  pedere.  Schm. 
1,777;  bom»jis«re[14*2]  veysten,  »-eisten  =  (ar/en.  pedere, 
Zcning.  Voc.  hh  4;  hh  8);  den  Naturlaut:  fffst  (?) 
ertönen  lassen.  —  fix,  fist,  Feist  =  Ventus  taci- 
tllS,  Flatus  (Buck  17;  Gr  W.  III ,  144,:.,  engl,  rUz, 

tele.  Kaltschm.  1).  -  J  Fist  (8.  Papst); 

'1398  bubenftst,  Klug.-*.  4«,  ndd  p..fl*t.  1761  bewiest, 
cn>pitn«  lupl.  L.  ch.  22). 

Fistel,  f.,  iu.  (Fischöl,  Fischlein,  Fissel, 
Pi stein,  Fisslen),  eigentliche  Bedeutung  1.  = 
„ein  in  Kohren  oder  hohlen  Gängen  tiefgehen- 
des Geschwür",  Ulcus  angustum,  callosum  et 
»innosum  (Du  Cange  ni,  51«)  -  Kohrloch  im  Kör- 
per; ferner  2.  =  Fistelstimme  (s.  d.);  (aus  dem 
lat.  fistula.  ahd.  fiatul;  mhd.  fUtel,  Klug.-  106  =  „ein  ; 
liieasender,  rinnender  Schaden";  mnd.  de  flstelen, 
Mag.  BarthoL  97a;  14.  Jahrh.  Vissel  =  ftstula,  Voc. 
opt  Vi.  U,  15.  Jahrh.  vlstel  =  vistula  Untirmita»!, 
1>  611;  1521  flstel  =  fistula  morbus,  D.  237;  1628  „ein 
hohler  Schaden,  auswendig  eng  und  inwendig  weit 
und  tief  gleich  als  ein  Pfeift"',  Fries  139;  1>48  der 
FUtel,  Ruland;  1576  Fistel  =  Noli  me  tangere  Paracet«! 
[Ruhr  mich  nicht  an,  s.  d),  ein  Geschwür,  syriux, 
Theophrast.  Bod. ,  Kossm.  34).  —  «las  Fischlin  (Schm. 
I,  771  ss  nstelin,  Fistel,  Krcb*.  Bcyn.  29»).  —  Ader- 

od.  A  rtVWoss-Fistel  =  eine  nach  dem  Aderlass 
beim  Pferde  zurückbleibende  lange  und  tief 
eiternde  wunde  Stelle  {Mavcr  76;  Zipp.  40ü).  — 
,1754)  Anch-  (Artchdarm-,  After-) Fistel  -  Mast- 
darmfiatel  fA  v  H.  ll,  73«),  die  am  anus  sich 


Offuet.  —  (1744)  /iMjm-Fistel  =  ThränenÜBtel 
=  Thränen-Nasen-Kanal-Fistel)  (Zw.  212),  „ein 
iessend  oder  eiterrinnendes  Hohlgeschwär  deB 
ThränensackB  in  dem  innern  Augenwinkel".  — 
/-Mi  -  ken -Fistel  =  ParuliB, ZahnfiBtel  vom  Backen- 
zahn ausgebend.  -  j%ue»-Fistel  —  Harnblasen- 
listel,  Urinnstel.  —  (1875)  Brust  -  Fistel ,  1.  = 
Empyem-Fistel,  die  in  die  Brusthöhle  gebt  — 
2.  =  Brustdrüsen-Eitergang  (Müller.  Krtrbcb.  3S8). 

—  Darm -Fistel,  1.  =  Mastdarmfistel  (b.  Arsch- 
Östel.  —2  =  Kotfistel  (a.  u  ).  —  (1801)  Oe/äss- 
Fistel  =  eine  aus  vereiternden  Blutgefässen 
(Hämorrhoiden)  sich  entwickelnde  AAer-  oder 
.Mastdarmfistel  (Bell  III,  382;  Vogel  V).  —  (1576) 
Öf/räs#-Fistel  =  Lupus  (=  Noli  me  längere)  = 
Formica  morbus  (Theophr.  Bod.)  (s.  Rühr  mich 
nicht  an),  „fangt  an  W  der  Nase  ein  kleines  Rülleln 
(rotes  Borkenknölchen),  so  man  es  kraut,  so  seyflert 
es"  0-  cod.);  (vergl.  Gefräss).  —  flam-Fistel  - 
Hohlgescbwür,  aus  dem  sich  Harn  entleert.  — 
Hinterdarm  Tistel  -  Mastdarmfistel.  —  Knorpel- 
Fistel  s.  Kronenfiatel.  —  ATof-Fistel  =  Darm- 
fistel mit  Kot-Entleerung.  —  JTrofi(«m)Fistel  - 
ein  aus  der  Tiefe  eiterndes  Fistelgeschwür  an 
der  Krone  des  Pferdes,  das  am  Hufsaume 
durchbricht  und  kleine  Knorpelstückchen  ent- 
leert (Wurm,  Kronwurm,  Hornwurm)  (Meyer  116; 

Zlpp.  441 ;  Gr.  W  IV.  2.  1833 ;  V.  23S8).  —  (IMS)  Lungen- 

Fistulen  (Fries  87)  =  Empyeni -Fisteln  (?)  (Brust- 
fistel  1).  —  3f<wr<fa>-»M-Fisteln  =  Fistelgeschwüre 
am  Mastdarm  (8teissfistel).  —  Nacken -Fistel  - 
die  in  der  Tiefe  nach  aussen  eiternde  Genick- 
beule oder  Maulwurfs-Geschwulst  beim  Pferde 
(Zipp.  59Sj.  —  Nayil-  Fistel  —  unterwaebsener 
Nagel  (b.  d.).  —  (1752)  SU is  *  Fistel  —  Mastdarm- 
fistel (A.  v  H.  Ii,  S36).  —  (1783)  TVa/wn-Fistel  - 
ein  FistelgeBchwür  am  Thränenkanal  (Platner 
Ii,  102,1.  —  Za/in-Fistel  =  die  von  der  kranken 
Zahnwurzel  ausgehende,  am  Backenbein  sich 
Öffnende  Fistel.  —  Fistel-  Gang,  -Schäden, 
-Stimme. 

Fiz,  Fitzlein  s.  Fist.  -  Fitzlein  -  Feistlein, 

b.  FeiBt. 

Flabbe,  f  (142. ,  sächsisch)  =  grosses  Maul, 
Hange- Maul,  Ob  oris  (l>  402;  Gr.  w.  vi. 4)  (Plappe, 
s.  d.),  Flappe. 

flach.  —  Flach- Fuss,  -natig;  (s.  Flag). 

Flachs,  m.  (Flachse,  F,  Flachse.  Flochsen 

[I  ngurnJ  (1609  Flachs  uervus,  Hyrtl,  K  W.  19.  MM 
Flach«  =  nerrus,  Gr.  W.  III.  1707)  —  Flechse,  Gr.  W. 
III,  1792  ss  Flachs-Ader,  Sehne  (Scbw.  203],  Spannader, 
vergl.  Flechse)  =  „Chorda,  Tendo,  Nervus  (Sehne), 
weil  die  Sehne  (Chorda)  zähe  und  fest  wie 
Flachs  ist,  gleichsam  aus  Flachs  geflochten" 
C'ir.  W.  III,  1701).  Der  Flachs  (linum)  at.er  hat  erst 
von  den  Flachs-Adern,  Flachsen,  seinen  Namen  erhalten, 
al*  man  vom  Zusammendrehen  d  Flechsen  zu  Schnuren 
(Garn,  s.  d  )  nberjrin»;  «um  Zusammendrehen  der  Ge- 
spinstfasern (Gr.  w.  iv,  i.  i3<;s  fr.).  —  Flochsen 

•>.  Ethnol.  MItt  au»  I'ngarn  1893,  8.  1«V3>  -  Fliichsen. 

—  die  Flachsen  sind  verzogen  -  Subluzatiu 
mit  Dehnung  der  Sehnen  (Pauli  117).  —  Flachs-, 
Flächs-,  flächsigte  Adern,  -Baltam,  -Beinchrn, 
-Geäder,  -Maier 


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160  Flack— Flammen. 


Üaudelu— Fiat. 


Flack,  f.  ,iow,  v.  m.  i.  36)  s.  Flag. 

Flade(ü),  BD.  (vorgerm.  platan  [  =  Flaches];  ahd. 
Hatto  —  Opterkuchcn;  inhd.  vlade.  engl.  Hat  cake, 
Kluse4,  109  =  dacher,  düuner  Kuchen)  —  Mutter- 
kuchen (».  d),  Placenta  (Hyrtl,  K.  W.  2(M;  Gr.  W. 
Iii,  1707).  —  AW« -Fladen  (Pflatter),  Ephelidee, 
Sommersprossen  (Birlinger  I,  198.  [312],  Huck  .Vi;. 
(8.  Pflätter). 

Flächse  a.  Flachs  u.  Flecliae. 

Flähme  (flammen)  ».  Flamm. 

Flammen  (Flämmle)  a.  Flammen. 

Flappe,  f.  h.  Flappe,  Flabbe. 

Harren  (Flärr)  8.  flarren. 

flärtechen(flart8chenKschweUj  =  durch  Trief- 
augen (Haren,  s.  d.)  undeutlich  sehen  (Gr.  w. 
II,  106). 

Flät,  m.  (und.)  ^  Flu«  (■.  d  ).  -  Flätern  - 
ein  leicht  vorübergehendes  lokales  Leiden, 
durch  schlechten  Säftezusammenfluss  entstan- 
den angenommen.  —  flätrig  —  flüssig  (s.  d.J 

(Goldschm.  1«  122). 

Flag,  f.  (flach,  Flack)  -  ein  Teil  am  Vorder- 
fuss des  Pferdes;  vielleicht  =  (lach  im  Gegen- 
satze tum  (gebogenen)  Bug  (Gr  w.  III,  1709), 
oder  weil  es  sich  beim  Niederlegen,  rur  „Flack" 
(Scbmeller  i,  35;  v.  M.  I,  :.  )  darauf  zuerst  nieder- 
licst. 

Flage,  f.  b.  Plage. 

Flamm(e)  (Flämmen),  1.  Uppen,  Haut- 
lappen, speck-  u.  Fettlappen;  ixt9)  Netzlappen 
bei  Tieren  u.  Wildpret  (Gr.  w.  m,  1714),  nament- 
lich in  der  fettreicheren  Flanke  (Weiche,  DOnne, 
DOnnung)  (Schw.  202;  Falke  1,285);  dazu:  (1677, 
/frrz-FUmmlein  =  die  3spitzigen  Klappen- 
zipfel am  Herzen  (Hyrtl,  K.  W.  so).  —  2.  —  flammen 
(1569;  H.  Sachs;  Beb.  I,  791),  Schleimbatzen,  die 
aufgeworfen  werden  wie  Lappen  (Flammen). 

Flammen,  f.,  pL  (Flämmen,  Flämmle)  (uihd. 

flamme  ans  (dem  lat.]  Humum,  Kluge  109  —  lodernde» 
Feuer)  — am  Korper  dasjenige  Leiden,  welche« 
<lurch  die  abstechende  Farbe  der  rot  strahlen- 
den, flammenden  Blutgefässe  von  seiner  Um- 
gebung sich  unterscheidet,  namentlich:  a)  im 
glänzenderen  Auge,  s.  Augenflammen  (Hucki3;; 
1»)  die  dünne,  zarte,  schleierartige  l'ia  mater, 
die  überreich  an  zarten,  fnrbiiren  Blutgefäss- 
strablen  ist  (1541  Memlin,  Hyrtl,  K.  YV.  I»);  c)  die 
auflaufenden  Adern  des  Kuh-Euters,  die  als 
blutrote  Strahlen  (Striemen  und  Striche)  ein 
Zeichen  der  Milchfülle  sind  (Gr.  W".  III,  17M), 
(Derglassen,  a.  d.);  d)  die  blutrote,  gefäss- 
reiche  Haut  an  den  Augen  des  Auerhahns 
(Gr.  W.  III,  1711,  Heyne  II,  926/.  —  Au;<  -Flammen 
(1561  die  in  äugen  gcwaeli«.  11.  Hemmen,  Hook;  1578 
flohmtr  und  (eil  der  augeu,  Taben».  ,  1".  Jubrh.  gewach- 
sene lloemmeti  der  äugen,  t.onire  rus ;  Augen  ttemrale, 
Huck  38  —  panniculuK,  (ir.  W.  III,  1712)  —  der  mit 
lebhafter  oberflächlicher  Gefflssetilwickelung 
(roten  Strahlen)  einhergehende  Pannus  (-Lap- 
pen) im  Auge,  wobei  sich  die  geschwellten 
Venen  wie  die  Venen  am  Handrücken  über 
das  Niveau  erheben  (Arle  32).  —  die  weissen 
Flammen  in  oder  vor  dem  Auge  bilden  den 


schlüsslichen  Gegensatz  zu  den  eigentlichen 
(roten)  primären  Flammen,  die  dann  in  eine 
ins  Grauliche  apielende  Bindegewebsbildung 
sich  verwandelt  haben. 

Handeln  (xu  (leimen  =  tlere,  plorare,  Gr.  W.  III, 

1723,  Schw.  200;  ahd.  flanneu.  —  .4  u  ;■  n-Flandl 
Wimpern  am  Auge,  die  hin  und  her  geflandert 
werden  (Schindler  1, 792)  s.  dänischen,  flentschen 

Flanke(n),  f.  (17.  Jahrb.  aus  dem  (ranz,  flaue. 
Uan-iue,  das  aber  selbst  aus  dem  ahd.  hlanea  =  Seite 
[».  l.nnke]  stammt,  Kluge  •  109;  engl,  fl&nck  m  das 
Mittelstück  eines  Schlachttieres,  I.ehl.  174,  Kaltschm. 
I,  244)  —  die  beiden  seitlichen,  zwischen  Lippe 
und  Hflfte  befindlichen  Bauchweichen  (Hyrtl, 
Auat.  inj  (conf.  Lanken  und  Dünnung);  die 
Weichen  fa.  d  )  sind  die  medianwärta  gelegenen 
Flankenteile.  —  hohle  Flanken  —  „das  Hohl- 
sein des  Raumes  zwischen  der  letzten  Kippe 
und  dem  Hüftbeine"  (Gr.  w.  IV,  2.  1714).  — 
Flanken  Bruch,  -Fuge,  leicht,  -schlagen,  -Span- 
nung, -ziehen. 

Flanschend  (Flenschen.Flans.m.  Flunsch, 

Flensel)  [mhd.  vlans,  Fareival  II,  1629;  Lcxer  34.>. 
vlensel,  vlanselj  s  der  breite,  offene  od.  verzerrte 
Mund  (Schindler  I,  749;  Schw. 205) ;  dazu :  pflienslen, 
pflänslen  (e.  d.). 

Flappe,  f  (engl,  flan  —  Luppen,  bellt  174,  und 
Mundlüule,  Kaltschm.  I,  244;  s.  Flabbe  und  Flappe, 
Schw.  201)  =  das  (bei  Mundkatarrhen)  herab- 
hängende Maul.  —  Z)ros«7-Flappe  (engl,  throat 
flap,  Kaltschm.)  —  Kehldeckel  u.  das  in  der  Drossel 
herabhängende  Zäpfchen.  —  I  >Ai  -Flappe  (engl 
earflap)  -  Ohrlappen  (I.ehf.  82J.  —  Flapp-  Ohr 

Flargen,  f.  =  zäher  Schleim  (=  Piergen),  bei 
dessen  Auswurf  eine  Flarre  (s.  d.)  gemacht 
wird,  um  ihn  aus  dem  Munde  zu  bringen  oder 
der  bei  der  Plerge  (s.  d.)  abfliesst 

flarren,  Flarr,  f.  Flarre,  f.  Flarren,  Flärr,  f. 
Flerre,  Pierre,  Plarre,  Piergen  (ahd.  flarr*, 

ttarriä,  Hera .  flarift;  mhd.  vlarrc,  vlerre,  (ir.  W.  III, 
1724;  Lezer  345),  1.  das  Geplan,  Hiatus  oris, 
Blerre,  Blarre,  Plärre;  „f  und  b,  p  wechseln 
oft"  (ür.  W.  III,  1721);  ein  Lippen-Maul  (Schm.  I.794J 
=  (ioschen,  Heulmaul  (c.  v.  Sehm.  190).  —  2.  - 
Vulnus  grave  patens,  eine  wie  ein  verzerrtes 
Maul  weit  offen  stehende  Wunde  (Gr.  W.  III, 

1724.  1770;  1618  vulnns  amplum,  Schindler  I,  794).  — 
3. klänge,  breite  und  unförmliche  Narben  und 
noch  entzündete  Stellen  von  Schnitt-  oder 
Hiebwunden  (Gr.  W.  III,  1724),  namentlich  wenn 
sie  im  Geeicht  sind  und  das  Antlitz  verzerren 
(C.  v.  Schm.  19",),  Area,  Areola  (Sehmeiler.  1.  c 
(-Rhagade*?  s.  auch  Plerge).  —  Harren- 
pissen  aus  der  Flarre  (1)  =  (vulva,  die  oft  mit 

i  Maul  verglichen  wird.  .Schm.  I,  794)  (beim  Vieh).  — 
[18.  Jahrh.)  Flarr- Augen;  (vergl.  Blärr,  Blerr, 
Geplerr). 

Flasche,  f.  (goth.  Hasse«  ;  uhd.  Hasca;  mhd.  vlascbe. 
,,elu  (ruh  unter  den  Germanen  heimisches  Wort ,  da« 
derKiit.Mehuag  aus  [dem  lat.]  vasculum  verdachtig  ist". 

Kluge4,  icw,  —  (1594)  MiWiFlasche  =  weibliche, 
milchhaltende  Brnnt  (Or.  W,  VI,  2192). 

Fiat  (flatig)  igoth.  tled,  ahd.  UAt  —  Sehnubeit, 
I   Kluge*.  JSÖ).  —  J/'flat  (ndl.  utlaal.  V.  K.  VI.  91)  ■ 


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Um— Flachte. 


Flechte. 


IM 


'".nflat,  III  f.  n.  (mhil.  nnvlat;  1404  unvlode  —  Aus 
wurf.  Kersch  177;  Gr.  W.  III,  u>s)  -  Unredlich- 
keit, Schmutz,  8qualor,  1.  =  die  vom  Kranken 
in  den  inneren  Organen  gekochte  „Sauerei" 
(s.  d.)  (Buck  22)  =  Auswurfsstoffe,  Unrat,  Speichel, 
Halle,  Rotz,  Ohrenschmalz,  Schweiss,  Darmkot, 
Darmachleim.  —  2.  —  Coutagiurn  (mn«l.  untladi- 
cheyt.  It.  Z  XVII,  »8;  13.  Juhrh.  unrlat  =-  livor,  fest- 
ster, D.  334).  —  3.  -  (1482)  die  Tobsucht  (Zening., 
Voc.  q  q  5),  d.  h.  bei  fieberhafter,  ansteckender 
Krankheit,  Delirium  febrile.  —  4.  ~  (1783)  das 
Meconium  des  Kindes  (Heidenkot)  (Mattier  Ii,  483). 

—  salziger  I ' i,  fl.it  =  salzig  schmeckendes  Sekret. 
iSalzfluss).  —  schwefeliger  f  xflat  -  schwefel- 
gelbe Galle,  die  entleert  wird  (J.  Hoffru.  VH,  70). 

-  flatiges  Blut 

flau.  Flaute,  f.  (ndl.)  flauw  -  matt,  ohnmäch- 
tig; (1762.  zu  germ  tau.  Kluge»,  109).  —  Flaute  ■ 
0|Minmcht(Oldenbg.,Goldschm.49;  ndl.  appelflauwte. 
V.-K.  IV,  40)  =  A  poplexiü  (unter  Anlehnung  an  ,.flan  " 
aus  letzteren»  gebildet). 

Flausen,  p).  s.  Pflausen. 

Flaxe,  f.  Flaxen,  f.  s.  Flachse  (noeh  voiks- 

ublidi  in  Bayern  und  Österreich). 

Flech,  Fleche  s.  Flechte. 

Flechse,  f.  —  Sehne  (nach  Kluge5,  110  vom  [tat  ] 
flexus,  durch  die  Medizinschulen  leicht  verbrettet  bei 
Anlehnung  an  Flachs-Ader;  17.  Jahrh.  „weisse,  zHhc, 
au»  Zasern  bestehende  Adern  der  Muskeln",  Adelung; 
llyrü,  K.  W.  4»)  =  Nervus,  Tendo  (Gr.  w.  III,  1738); 
vergl.  auch  Flachse,  Haarwachs,  Nerv,  Sehne, 
Ader.  —  Fersen-Flechse  =  Achillessehne,  Tendo 
Achillis  (Fersensehne)  (A.  v.  II.  II,  l»).  —  ge- 
drosselte Flechse  -eine  in  ihrem  Verlaufe  durch 
zu  grosse  Sehnenbeinchen  (Ossa  seaamoidea 
oder  Flögelbein)  gedrückte  Sehne,  die  dadurch 
nicht  freibewejjlich  ist  (bei  Pferden)  (Mayer  37). 
-  Flechsen- Haut,  -Sprung,  -Stricke. 

Flechte(n),  f.,  pl.  Geflecht,  Flechten,  pl.,  n. 
Flechtem,  Flicht,  Fleche  (Goidschm.  tu;  Sclmel 

ler  I,  786;  lndugerm.  piek  [tc'/.ixuj];  vorgi'rm.  piekt, 
gertn.  tteht;  ahd.  tlOhlan ,  tubd.  vlehteu,  Kluge»,  110, 
ahd.  fleht*  =  Hautkrankheit;  mlid.  Hechte,  vlehte, 
«;.*.  W.  III,  173*;  Schweiler  1.  7H6;  ruhd.  daz  flehten, 
Gr  W.  L  c. ;  1«  Jahrh.  flechtern,  Schweiler  L  c. ;  cigent 
lieh  ^=  Flechtendes o.  Geflochtenes(»cll  Haar] ;  IL  Jahrh. 
flechtinde  [seil,  rüda),  flechtende  Bände,  welche  nach 
altem  Volksglauben  durch  Vermittelung  der  Klhen, 
[Zwerge,  Maren,  Wichllelu]  ilie'  Haare  zu  Flechten  zu- 
sammenklebt ~  cryslpelas  ;  =  Dermatitis  eczematosa, 
die  uft  mit  Keilnut  verwechselt  wird,  die  aber  auch  zu 
H.jtlaul  »ich  stehjern  kann;;  II  Z.  III,  368),  I.  diese 
häutige  Kopfflechte  (Grintflechle;  Ekzema 
madidans  capillitii,  Tinea  (la  teigne)  =  tuenia 
(Warm]  (Vciel,  Z  Hdb.  d.  sp  I'ath.  u.  Ther.  XIV,  1. 
367;  Bris».  326}  oder  krankhafte,  menschliche 
Haarflechte  (nicht  aber  die  pflanzliche  Flechte, 
b  Geflecht)  gab  Veranlassung,  dass  der  Name 
„Flechten"  verallgemeinert.  wurdeaufoineReihe 
von  Hautkrankheiten,  über  deren  Namensbe- 
Kritfe  man  bis  auf  die  Neuzeit  nicht  einig  wurde; 
a)  H776)  Herpos  (Plenk),  Herpes  humidus  (A.  v. 
II.  I,  78S,  Behieud  ls3».  S.  ö.  M) ;  b)  der  Herpes  der 
Alten  Kkzema) ;  c)  Serpens,  Serpigo,  Forinica 
(corrosiva)  der  spat  mittelalterlichen  Autoren 


1  (1528  serpigo,  H.  v.  oersd.  100;  pnstulae  serpiginosae) , 

d)  Impetigo,  „Liehen",  Mentagra  (A.  v.  H.  II.  1026) ; 

e)  Zona,  Zoster;  f)  sogar  Ignis  sacer,  persiens 
(A.  v.  H.  I,  787.  819.  891;  II,  903.  102Ö;  Bchrend  36, 

'  Goldschm.  134 ;  Gr.  Vi.  Hl,  173s,.  —  II.  a)  ein  Geflecht 
von  Gew  ebs  fasern,  Nerven,  Adern,  Haaren ; 
h)  flechtend  =  ausbreitend,  epidemisch.  —  Ge- 
genwärtig versteht  man  unter  Flechte  jeden 
chronischen  Hautausschlag.  Charakteristikum 
aller  dieser„Flechten"  ist  ihr  nahezu  auschliees- 
liches  Vorkommen  beim  Menschen,  da  nur 
I  dessen  Haare  geflochten  werden ,  ihre  kriech- 
[  ende,  herpetifortne  Ausdehnungsneigung  (Schw. 
204),  ihre  Vorliebe  für  die  behaarten  (Flechten)- 
Stellen  (selbstverständlich  nichtausschliesslich) 
und  ihr  geringer  Juckreiz  (der  bei  Kratze,  Kaudc, 
Jucken,  ßeiss  mehr  ausgesprochen  ist,  da  diese  auch 
auf  den  nicht  behaarten  reizbareren  HauUtellen  sich 
entwickeln).  „Das  Mittel  zwischen  Aussatz  und 
gemeiner  Kratze"  bildete  die  Schuppenflechte, 
Psoriasis  (A.  v.  B.  I.  um);  (vergl.  Grint,  Krätze, 
Aussatz).  Ihm  Alter  des  Krankhelts-Nnmcns  ergibt 
sich  aus  den  vielen  Beschwörungsformeln  (Wuttke  162. 
317;  Zeltschr.  d.  V.  f.  V.  K.  1896,  S.  7;  rrnuell  IV.  278; 
Frischt».  '.17)  und  ans  seinem  Regriffe,  der  das  damo- 
nistische  Werk  des  Flechten«  von  Haaren  wiedergibt 
(*.  Geflecht).  —  (17S3)  aderichtc  Flechte  =  „ein 
feines  aderichtes  Gespinst  von  Schlag-  und 
Blutadern"  (LereUog  190),  Sinus  cavernosus.  — 
Alpen-Tlecht6  —  die  Pellagra  (pella  =  Haut  uud 
agrn  s«  Schmerz),  die  seit  1770  in  den  nord- 
italienischen subalpinen  Gegenden  einheimisch 
und  bekannt  ist  (Alpen-Skorbut)  und  eine  Ähn- 
lichkeit mit  I.epra  hat  (mal  roaso,  mal  de  sole, 
mal  de  la  rosa),  durch  den  Gennss  verdorbener 
GereaJien  (Mals,  nach  l.ombroso)  erworben  wird 
(mal  de  mlsere,  Briaa.  in)  und  eine  Abart  des  Ergo- 
tismus darstellt,  wobei  au  den  dem  Sonnen- 
lichte ausgesetzten  Hautstellen  ein  chronischer, 
polymorpher  Hautansschlag  (mal  de  sole,  mal 
rosso)sich  bildet  (F.iohh.  H.  23:»;  Bchrend  58)  (Lepra 
italieaf?]).  —  Barf-Flechte  =  Sycosis  (-Ficus, 
Ficositas,  Herpes  fleosus  [Sycosis  barbae  Celsl],  malum 
horridum  barbae  Pltnii,  »ehrend  48)  (Felgen-Grind), 
eine  Hautkrankheit  an  den  .Bartstellen,  welche 
zur  Vereiterung  und  Verödung  der  Haarbälge 
(Sycosis  capillitii)  u.  bleibender  Kahlheit  führt. 
—  B/Ä«cAf«-Flechte  =  ein  chronischer  Hautaus- 
schlag in  Bläschenform  —  Herpos  (Eichhorst  II, 
2to)  (F.kzema).  —  1795)  böse  Flechten  -  Bläschen 
am  Schafmaul,  Aphthae  contag  (V.  B.  64).  — 
Bor Aren-Flechte  -  Herpes  crustaceus,  Ekzema 
squamosum,  Borken  (s.  d.)  bildende  chronische 
Hautkrankheit  —  .Eiter -Flechte  =  Impetigo, 
eiterbildender  Pustelausschlag  —  j7rt/-Flechte 
=  eine  Hautkrankheit  (Räude)  bei  Pferden, 
wobei  die  Haare  ausfallen  und  an  den  kahlen 
Stellen  eine  weissbläuliche,  schmierige  Fettlage 
zurückbleibt.  (Zipp.  3.7  Falke  I,  279)  —  (1839) 
fruchte  Flechte  =  nässende  Flechte  zum  Unter- 
schied von  der  trockenen  .Schuppenflechte  ■ 
Ekzema  (Bchrend  31).  —  Feuer- Flechte  -  die 
auf  gerötetem  Grunde  stehenden  sogen.  Schäl- 
knötehen der  Haut.  —  Flanell-Tlechte  =  ein 
durch  das  Tragen  von  Flanellhenulen  verur- 
sachter Akne- Ausschlag   —  (1678)  Franzosen- 


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152 


Flechte. 


Flechte. 


Flechte**  \  =  8yPhilid  (8  Kra«"°»en)  Cr- 
127).  —  fressende  (Frese-) Flechte  =  Lupus  exe- 
dens  (Rehrend  71;  Z.  Hdb.  d.  *p.  Patb.  u.  Thor.  XIV, 
l.  SM),  Herpes  (eathiomenus)  Hippocratis  (siehe 
Wolf).  —  (1578)  frische  Flechte  ITabera.)  =  wohl 
die  akuten  Rückfälle  des  Ekzema  chron.  — 
Geflecht,  n.,  f.  (152»  gefleebten-^  Zitterach.  ParaceN. ; 
1630  geflocht  =  mentagra.  I».  357;  Impetigo,  D.  289 ; 
1)76  geflacht,  Theophr.  Rod. ;  IMS  die  geflächt  —  ver- 
markte Flecbtenkranklicit,  Gr.  W.  IV,  1.  2149;  1610 
geflechtig  =  räudig,  schäbig,  erligrlnllg,  Paracet»  ; 
Gr.  W.  III,  721;  1620  geflaccht  s  Zttterach.  Impetigo, 
Dr.  Minderer;  1721  gellecht,  The«.  Ran.  Br.  939;  17« 
Geflechten  =  Zlttennaler.  Impetigo,  liehen.  Zw.  150. 
1038;  G'llechter  s  Flechten,  Buck  W;  die  Geflecht  = 
Ziiiracb,  Gr.  W.  IV,  L  2113);  demnach  1.  —  die  ver- 
stärkte, ausgedehntere  Flechtenkrankhoit  (Ek- 
zema diffusum).  —  2.  =  Zitterach  (s.d.;  Impetigo), 
1603  „der  einlache  Zittere",  Ur.  W.  IV.  1.  2143)  und 
Psoriasis.  —  3.  =  die  Krätze,  Räude  der  Tiere, 
Schabe,  Erbgrind.  —  Gefloch  (Flochten)  =  Ge- 
flocht, Geflecht,  Flechten  (MascheDb.  302);  slmrock 
(H.  D.  M.  539)  meint  mit  Recht,  das*  „dieses  (die 
Thällgkeit  des  Haar- Flechten*  mehr  ln'/.eiohnende) 
Wort  auf  den  Glauben  nn  elbtsrhon  Ursprung  de«  t'bels 
Ider  Flechten)  abzielt";  (vergl.  MarlUihten,  Marlocke, 
Mantopf,  Alpiopl,  KlfklatW',  Trollenznpf,  HihvUsepl, 
Hexenzopf,  Sehnittelzopf ,  Trudenzopf,  Saidentost, 
Ilollezopl,  Weichrtl-,  Wlehtelzopf  etc  ).  —  4.  —  Plexus, 
Ader- Geflecht,  Nerven -Gellecht  —  Oetoürt- 
krämer- Flechte  =  das  bei  Händlern,  die  mit 
Staub  hantieren,  öfters  vorkommende  Ekzema 
palmare  in  der  Hohlhand  (Pnoriasis  palmarls  bei 
Fueh»  IT,  132),  nieist  mit  Schrnndenbildung.  — 
Gltitz -Flechte  =  eine  Glatzen,  glatte  oder  kahle 
Stellen  bildende,  trockene  Kaudeflechte  am 
Pferdehals  (Zipperl  358;  Falkel,  313)  (Tonsurgrinfi 
Qnitt-  Flechte  =  Gneiss  (s.  d),  Herpes  cru- 
stosus,  juckender  Ausschlag  bei  .Schafen  (Falk.- 
1, 345).  —  griechische  Flechten  -  Impetigo  l'linii) 
=  Liehen  Graecoium  (a.  v.  H.  II,  Ki2).  —  Haar- 
Flechte  (1618  harflechten  —  coralcnlum,  P.  152)  = 
Bart- Flechte.  —  Hämorrhoidal- Flechten  - 
juckender  Knötchen-  und  Bläeehen-AuBBchlag 
in  der  Aftergegend  bei  den  Leuten,  die  mit 
der  goldenen  Ader  (s.  d.)  behaftet  sind  (Köhler 
n,  275).  —  (187.-)  /faMr-Flechten  =  zum  Unter- 
schied von  den  Baumtlechton  und  Bart-Haar- 
flechten, die  auf  der  haarlosen  Haut  bestehende 
Flechten  -  Krankheit  (Müller,  Krtthch.  326).  — 
2/t>«en-Flechte  =  Herpes  miliaris,  weil  hirse- 
korngrosse  Illaschen  dabei  sich  entwickeln  - 
Herpes  benignus,  meist  mit  Ekzema  verwechselt 
(A.  v  H  II,  705  ff  ).  —  //i'/r-Flechte  Ekzema 
acutum  febrile  (bei  Pferden)  [Ztpp.  357,  Falke  i, 
400),  Hitzbeule.  —  r/Twu^-Flechte  Favus,  Por- 
rigo  favosa,  Impetigo  mit  Bildung  von  gelben, 
honigwabenartigen  Vertiefungen  im  Haarboden 
(Favus,  b.  Grint)  (Behreud  31. 46),  Sehmutzgrint. 
—  Kinn  -  Flechte  ~  Mcntagra,  syphilitische, 
wilde  Flechte  (Liehen  ferus),  „weil  sie  um  das 
Kinn  herum  anfängt  mit  hassliehen  Schuppen 
und  dicken  Haufen"  (A.  v.  h  I,  997  \  Roiienbaum 
279  2M)  —  Äirien-Flechte  -  Pityriasis  (Pauli, 
Aegln.),  Hautkleie,  Lieben  furfuraceu»  (»ehrend 


M.  ■  ur.  \v.  v.  lose),  jeder  kleienförmig  abschup- 
pende chronische  Hautausschlag  (Dermatitis 
exfoliativa),  Schuppenflechte  (s.  d.),  Mehlflecbte 
(s.  d.).  —  rote  Kleienflechte  =  Pityriasis  rubra 
(Eichhorst  Ii).  —  Kohar  i'  Flechte  s.  Ringflechte 
tu  Kokarden-  (i-oq  =  Hahnenabzeichen)  Form 
(Euch«  Ii,  151).  —  krebsichte  Flechte  =  Herpes 
exeden»  |  Herpes  esthiomenus)  (Sobernheim  331), 
Lupus  exedens.  —  ta  uchende  Flechte  =  Lupus 
(Behrcnd  71).  —  Muh  nen  Flechte  —  meist  hart- 
näckige Räude  (s.  Mähnengrinl)  an  der  Pferde- 
mähne (Falke  I,  144);  In  Norwegen  heistt  tle  tnste- 
flettc  -  Zwerggeflecht,  da«  man  weder  abschneiden 
noch  entwirren  soll  (Llebr.  it.  V.  324).  —  Mager- 
Flechte  -  Impetigo  =  die  Mager  (s.  d.),  als 
trockene,  magere  Flechte  (Gr.  w.  VI,  1444).  — 
(i7io)  Marieny  I  n  h  e  (  Trica  incQ. 
Alarireti-  | 

borum  (Wichtelzopf  oder  Weichselzopf,  s.  d.) 
(achwediich  marlock),  nach  dem  früheren  Volks- 
glauben vom  Mar  (s.  d.),  einem  alp-  od.  kobold- 
artigen Dämon,  geflochten  (Gr.  W.  VI,  1468;  Mar- 
Zopf  [Geflocht,  I,  o.)  =  plien  poloulca,  A.  v.  B.  I,  1140, 
II.  1241,  Btrllnger,  Sitten  X,  407;  U  ch.  85,  Og.  5;  Weese 
47.  4»).  —  AT  Af-Flechte  =  Liehen,  wegen  der 
mehlartigen  Abschuppung  der  Haut  (Schwind- 
flechte, Kleienflechte)  (Rehrend  5i).  —  Narben- 
Flechte  =  Lupus  tuberculusus  als  eine  die 
zerstörte,  zerfressene  Haut  in  Narbengewebe 
verwandelnde  chron.  Hautkrankheit.  —  nasse 
(nässende)  Flechte,  n)  -  (1890)  Ekzema  als 
Hautkatarrh  (Z.  Hdbch  d.  sp  Path.  u.  Thcr.  XIV, 
1.  351;  1764  Herpes  humldns  [-  Ekzema].  A.  V  H.  I, 
788);  b)  —  auch  Impetigo  ff)  (Behrend  M)  (Impe- 
tigo herpetiformis).  —  Nerven  -  Geflecht  =  die 
anatomischen  Nervenbündel,  die  mit  einem  ge- 
flochtenen, gestrählten  Flachs  (s.  d.)  Ähnlich- 
keit haben.  —  pdnis(he  Flechte  (1747,  ndl.  pooi- 
sehe  wlecht,  Og.  fn  Anm.)      Weich Reltopf  (s.  d.), 

Lnea  aarmatica.  —  Pustel-Flechte  ~  Impetigo, 
chronische  Hautkrankheit  mit  um  sich  grei- 
fenden Hautbläschen,  die  einen  eiterigen  In- 
halt haben.  —  (1843)  A'.f/.iV -Flechte  (eine  Tau- 
tologie, die  aus  der  mangelhaften  Ätiologie  früherer 
Epochen  entspringt)  kräueausschlag,  der  von 
Tieren  als  flechtende  Räude  auf  Menschen  uber- 
tragen wurde  (Falke  II,  22t).    Über  den  rnterachied 


von  Rmnli 


il  Flechte  *.  bei  dian 


Ringel- 

Flechte  -  Herpes  circinatus  (=  Liehen  circi- 
nalus),  Kingwurm  [Behrend  Hfl;  Kalke  II,  240;  Fuchs 
II,  l">0),  eine  ring-  oder  kreisförmig  sich  aus- 
dehnende Flechte,  meist  infolge  von  Tiycho- 
phytOQ  tonsurans  (s.  Tonsurgrint),  auch  kreis- 
förmiges Syphilid;  Herpes  annulatUB  (Regen- 
bogenflechte,  Kokardentlechte),  Herpes  Iris.  — 
(17.  Jnnrh  |  schärft-  Flechten  s.  Flechtenschärfe 
(B,  A.  542).  —  (18411  schceremle  Flechte  =  Herpes 
tonsurans  (Tonsurgrint-  s.  d.),  l'ilzkrankheit 
durch  Trychophylon  tonsurans;  Male  teigne, 
gale  tignon  (Bris.*  r-'sj,  Mcntagra  Plinii  (nach 
Huber).  —  SrAi7/cr-Flechte  =  eine  tierische  Haut- 
krankheit mit  reichlicher  Abschuppung  od.  Ab- 
schilferung (s.  d  ).  —  im»)  ■SeAmu/z-Flechte  - 
Rupia  (Behren-l  38),  1.  ein  syphilitischer  Bor- 
ken- Aubbi  Ii lag,  dessen  an  Schmutz  erinnernde 


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Flecken. 


Flecken. 


15ft 


Farbe  den  Namen  gab.  —  2.  -  Käudetlechte 
<ler  Tiere  (Falke  U.  286).  —  (0889)  Schuppen- 
Flechte  ■  P8oriaBi8  vulgaris  and  schuppendes 
Ekzem  =  Kleienflechte,  Mehlflechte  (b.  o.) 
(Bohrend  55).  Pityriasis,  Liehen  furfuraceus,  Der- 
matitis exfoliativa  infantiura;  (ist»)  —  Psoriasis 
|Z  Hdb.  d.  ip.  P»th.  u.  Ther.  XIV,  1.  m>.  —  Schwind- 
Flechte  —  Liehen  (1839 ,  Behrend  51)=  Liehen  pla- 
nus b  (Papula  Celsl,  Impetigo,  Scabies.  Mentagra, 
Asperitas,  Prurigo  lichenodes)=  Anflug,  Hautinoos, 
Mehlflechte,  Kleienflechte,  Zitterflechte,  Zitter- 
mal, Schwinde;  hauptsächlich  dürfte  darunter 
a)  die  Pityriasis  versicolor  der  Sc  h  windsQch- 
tigen  verstanden  werden,  bei  der  sich  die  Haut- 
flecken  membranartig  abbauten,  und  ferner  b) 
der  Liehen  planus  der  mit  Jucken  einhergeht 
und  z u r  A  bzeh  r u  ng  (Sch  winden;  f  Ü  b  rt  (s.  Sch  w  i  n 
den  3)  ;c)  eine  gutartige,  „rasch  verschwindende" 
Pferdeflechte  (Räude)  (Zlpp.  358;  Falko  II,  :t06;  sie 
wird  wegen  de«,, Schwindens"  besprochen,  Verna!.  814). 

—  rote  Schwindflechte  =  Liehen  ruher  (Eichhorn 

II.  283).  —  ra&aAr-Flechte  =  ehron.  Ekzema  bei 
Leuten,  die  viel  mit  Tabak  manipulieren  (K.  a. 
P,  IV,  27«j).  —  iisi»)  Frißp<r-Flechte  =  eine(Byph.) 
Hautkrankheit  infolge  von  venerischem  Tripper 
(Pr.  Am  1874.  s.  188).  —  trockene  Flechte  =  Psori- 
asis, im  Gegensatze  zur  nässenden  Flechte 
(  =  Ekzema;  tKuchs  II,  126;  »ehrend  66).  —  wilde 
Flechte  =  Kinnfleohfe  (s.  d.,  [1752]  Liehen  ferus,. 
(a.  r.  H.  Ii.  997>.  —  Zitt«r-Flechte  (die  alu-Hte  Dif- 
ferenzierung der  ..Flechten" ;  1518  »ytter  Hechten  — 
lmpeügo,  11.  v  Onui.  9'.i ,  1.77  «IttcrmaeU  Hecht  Im- 
l-tigo.  D.  289;  Had.  Jnn.  .183)  =  Kopf-  o.  Gesichtfl- 
Hautausschlag  (  =  Flechte),  infolge  des  sogen. 
Zitterachs  (e.  d.)  =  Impetigo  (seltener  Ekzema) ; 
es  ist  immer  ein  trockener,  abschuppender, 
hauptsächlich  imGesichteo.  auf  behaarten  Kopf- 
teilen  sitzender,  chronischer  Hautausschlag; 
Behrend  (51)  rechnet  hiezu  auch  den  Liehen 
(  =  Schwindflechte)  —  Flechten-  (flechtender)- 
Ausichlao,  -Gr int,  -Gürtel,  Kräfte,  -Krankheit, 
-Mal,  -Rande,  -Schärfe,  Seuche,  'Warten, 

Flecken, m. (Flecklein), Fleck, m.  mgi«.  «e*h. 

flio  =  albngo,  albedooculorum,  I».20;  und  liee.  fleecho 

-  naevu»  ;  fleclilniu  =  maculac,  H.  Z.  XV,  63,  < . ruft  Iii, 
757;  1260  flcckcliii  =  dem  I  rin  t>eigeni«ngte,  ihn  truli 
ende,  ander«  färbende  Hänichen,  Pfeiffer  x-H  ;  mhd. 
rlecke,  <ir.  VV.  III,  1743;  1182  Heek  b  raaeula,  „rufe" 
infaele,  *enniiinurca[sonneninm'keii].  Zcniug.  Voc.  h  >; 
I».  '2o,  um  vlecke  =  lue«,  D.  338)  —  ausgezeichnete 
oder  sich  abhebende  Stelle,  namentlich  jede 
anders  gefärbte  Stelle ,  Makel  (Kluge  no) ,  be- 
sonders auf  der  Haut  (s.  Hautileckcn)  u.  nament- 
lich der  des  Gesichtes  (Hornhaut),  die  mit  und 
ohne  akut  fieberhufte  Erscheinungen  zum  Vor- 
schein kommen  oder  auch  schon  angeboren 
sind;  demnach,  1.  =  akute  Exantheme,  nament- 
lich bei  Infektionkrankheiten:  Masern  =  „Fle- 
ckeln",  Petechien  etc.  (A.  v.  H.  I.  in»),  die  nach 
früherem  Claubcu  auch  vom  Jüttel,  Jüdel  (s.  d.)  einem 
kobnldartlgcn  Wesen,  herrühren  sollten  (dlmrock,  H.  1). 
XI.  45-1.  536,.  —  2.  -  chronische  Exantheme,  (Lauh- 
tlecken,  Lentigo,  Lupus- Knötchen).  —  3.=  eine 
andersfarbige  Fleisch-  oder  Eingeweide-Stolle 

Pannus  (Lappen,  Fetzen  ,  Pictacium  «ir.  w. 

III,  1741).  Kuttellleck.  —  4.  -  Äugenflccken  (s.  d.), 


als  eine  sehr  alte  Krankheitsbezeichnuug.  — 
5.  =  Urintrübungen,  die  von  der  normalen  Harn- 
farbe abstechen.  —  Flecklein  =  ein  kleines  Mal 
(Gr.  W.  VI,  1493).  —  flecket  (ahd.  fleeboter  =  macu- 
losa, II.  Z.  XV,  07;  lir.  W.  III.  1746;  vergl.  u.  befleck 

iteh).  —  flecken  (fleckten)  ■  an  Flecken  1.  2. 

leiden  (engl,  to  flek  =  fleckig  machen).  —  (1827)4/p(?n)- 
Flecken  =  Maculae  Ii vidae,  Hautflecken,  Blut- 
'  austritte  unter  der  Haut,  welche  nach  dem  Volks- 
,  glauben  durch  das  Blutsaugen  des  Alp,  den 
Alpdruck  oder  das  Geisterkneifen  zum  Vor- 
schein kommen  soll  (Adler,  de  ineubo,  Dlssert,,  Ber- 
lin, S.  18;  II.  A.  Kh.  417;  vielleicht  der  alflld  (  =  Klfcn- 
'  teuer]  der  Schweden.  Mannh  62)  («.  Alp  und  Geist- 
j  kneifen,  Teufelmal,  Hexenmal).  —  Alters-Tle- 
cken=Melasma;  Blutaustritte  an  Händen  oder 
1  Füssen  älterer  Personen,  die  leicht  zerreissliche 
Blutgefässe  haben  (Kraus,  K.  603).  —  (i.">9i)  ange- 
I  I '■■irrner  Fleck  (Had.  Jun.  ;t«7 ;  ahd.  ilecho  mit  diu  mau 
«eporan  uuirdit,  Uraff.;  I).  37y)  —  Naevua  (Muttermal), 
Macula.  —  (1691)  A  n tlitt-  Flecken  (Fischart,  Garg.) 
bi  Gesichtsrlecken.  —  Augen  Flecken  (ahd.  aug 
vleeco.  «iraff  I,  US;  sie  kommen  auch  in  dem  schon 
erwähnten  uorthumbrischeti  Segenspruche  eines  angel- 
sächsischen codex  med  vor  als  flean  on  cagan  —  Flecken 
in  den  Augen;  Sie«  =  ulbugo,  H.  Z.  XJII,  202;  D,  30; 
lts2  weysscr  Heck  In  äugen  -  glaucoma,  D.  264  ;  Zenlng. 
Voc.  nnö^leucoma  corneae,  A.  v.  U.  II,  a02;  ndl.  de 
vlek  op  het  oog.  De  Cook  14)  Hornhautflecken  im 
Auge  Maculae,  Nepheliae,  Leucomata,  Cica- 
trices  corneae,  die  undurchsichtigen  Hornhaut- 
trübungen =  Leucomata  (—  Albugo)  und  halb 
durchsichtige  Maculae  h.  Nubecnlae,  die  sehr 
oft  in  einander  Obergehen  (Arlt  i**y.  Anin.  l ;  Gr.  W 
I,  806;  A.  v.  H.  II,  993;  Wuttke  160.  Zeitschr.  d.  Ver 
f.  Volksk.  1894  .  8.  449)    —  (1482)  6cfleck/l'cA  (Zeuing 

Voc )  b  naevosus,  maculosus.  —  (1482)  Bedeckung, 
l.  =  Contagiura,  die  Ansteckung  (b.  d.)  (Zenlng 
Voc).  —  2.  —  die  dadurch  veranlasste  Krank- 
heit (morbus,  nul  viclnos  inflelt  ut  Scabies  et  lepra  =: 
morbus  contagiosum,  Zening.  Voc;  D.  146);  das  An- 
stecken der  inficierten  Kleider-Flecken  auf  die 
Leibkleider  -  die  Befleckung  gab  Veranlassung 
zu  dem  uralten  Begriffe  der  Ansteckung  (  =  Con- 
lagium)  (z.  B.  1497  betteckt  mit  der  Krankheit  der 
bösen  blättern.  Kriegk.  I.  527).  —  (1532)  Hautbefleck 
ung  =  Morphea  ( Lepra  z.  Th.),  weisse  u.  sch  warzo ; 
(Fries  140).  —  (1591)  mit  den  Franzosen  befleckt 
(Tabemaem.  26 C  )  —  syphilit.  Hautausschlag.  — 

(1771)  Selbst-      I  Befleckung.l.    Onanie  (s.  d.). 

nächtliche  |  "  v  ' 

—  2.  =  Pollutio  nocturna,  unnatürlicher  Satneu- 
fiuss  (Gonorrhoea  der  alten  Schule,  die  den 
Begriff  der  Ansteckung  auch  im  Worte:  Selbst- 
befleckung fortführte).  —  blaue  Flecken,  1.  = 
die  ßlutunterlaufungdes  Neugeborenen  (Cephal- 
haematom.).  —  2.  —  Ecchymosen  -  Sugillationea 
(Ackermann  4»4);  im  Volksglauben  häufig  dämon- 
istisch  verursacht  durch  Alp,  Mar,  Meermänner 
(Schindler  13).  —  knitz-  (knutach-)blaue  Flecken 
=  blaue  Flecken ,  Sugillationen  ,  Echymosen 
durch  Knitschung  -  Kontusion  (Gr.  \v.  v,  1447).  — 
blinder  Fleck  =  der  sog.  Mariotte'sche  Fleck  an 
der  Eintrittstelle  des  Sehnerven  in  das  Auge, 
wo  da«  in  das  Auge  eingedrungene  Licht  nicht 
empfunden  wird,  weil  an  dieser  Stelle  dieStäb- 


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154 


Pierken 


Flecken. 


eben-  und  Zapfenschicht  der  Netzbaut  fehlt.  — 
-Bluf-Flecken  =  Macula  sanguinea  (Gr.  w.  Ii,  182), 
Blutextravasate  in  die  Haut  und  in  die  Angen- 
bindehaut,  Petecbien,  Stigmata,  Vibiccs,  Ecchy- 
tuosen  ,  Ecehyinomata  (Schwimmer  in  Z.  Hdb.  d. 
»p.  rnth.  u  Ther.  XIV,  1.  s.  321),  namentlich  die 
Purpura  seorhutica  s.  Peteehiae  (Behrend  76 ;  A.v. 
B.  1, 1119).  —  (UM)  böse  Flecken  i  ich« 1.  313;  B.9.), 

I.  —  Pestnecken.  —  2.  =  A  umti  (s.  d.),  vor 
ihnen  fürchtete  Bich  die  ganze  Menschheit,  ob 
ihres  Grouels.  —  Brand  Flecken ,  1.  -die  Fle- 
cken auf  der  Haut,  die  den  Brand  (todlichen 
Ausgang  innerer  hitziger  Krankheiten)  anzeigen, 
lokale  Blutstauungen  vor  dem  allgemeinen  Tode 
(Totenflecken,  Leichenflecken).  —  2.  =  durch 
direkte  Wirme,  Hitze  verursachte  Brandflecken, 
Comhustio  (A.  v.  II.  II,  382).  —  3.  =  die  Anzeichen 
des  lokalen  kalten  Brandes  (s.  d.)  an  den  Ex- 
tremitäten («r.w.n,  2i>7),  Maculae  gangraenosae. 

—  4.  =  fleckige  Druckbrandslellen  auf  dem 
Pferderücken  (Falke  I,  148;  Mayer  80;  1776  Plenk; 
Bohrend  5).  —  farbichte  Flecken,  1.  —  Pigment- 
flecken. —  2.  =  Exanthemata,  die  von  ihrer  Um- 
gebung o.  ihrer  Grundlage  farbig'abstechen  (a.v. 

II.  1.622).  —  F«u'  Flecken  =  Brandflecken  Macula 
putns  (engl,  putrid  spot,  Cr.  \V.  III,  1375)  (s.  faul),  Faul- 
nis-Flecken.  —  .JVff-Fleck  -  Pinguecula,  Felt- 
fell  am  Auge.  —  (n>9a)  f'Yttfr-Flecken,  1.  =  die 
roten  Potechien  bei  der  hochfebrilen  Pest  (v.  M.  II 
ii8).  —  2.  =  die  roteu  Masernfleeken  (Kraus.  E  9U5). 

—  f/oA«iic/i-Flecken  -  Peetileniflerken,  Pete- 
chien (a.  v.  b.  Ii.  iio).  —  (1754)  Fiwi/-Flecken  - 
„helle  oder  dunkelrote,  rasch  kommende  und 
wiederkehrende  Flecken  auf  der  Haut,  die,  wenn 
sie  sich  an  die  Mund-,  Nasen-,  Augen-,  Ohren 
Öffnungen  setzen,  leicht  todlich  werden"  fd.  h. 
schlecht  prognostische  Symptome  sind),  „sie 
kommen  besonders  bei  Kindern  vor"  (A.  v.  II. 
II.  995)  (lokale  Blutstauung  -  Hyperämien?)  = 
meningi  tischer  Fleck  (Trousseau).  —  Fluas  "Fle- 
cken —  rote  Hantflecken  beim  chronischen 
Rheuma  (FIusj-),  Peliosis  rheum.  (Fuchs  II,  927). 

—  GY6«<rr«-Fleck  =  Geburts-Mal,  angeborenes 
Mal,  Muttermal,  Naevus  (Gr.  \V.  IV.  l.  1908;  Du 
Cook  53).  —  GVfleck  —  Liehen,  Psoriasis,  als  eine 
Summe  von  ausgedehnten,  zahlreichen  krank- 
haften Flecken  (Gr.  w.  IV.  1.  2143).  —  (ifi»y)  Gift- 
Flecken  =  die  durch  Ansteckung  zum  Vorschein 
kommenden  Petechien  (böse Flecken)  (v.M.11, 100). 

—  -  Äfr*-Fleck  =  diesichtbarklopfendeStelle,  wo 
das  Herz  liegt  u.  anschlügt  an  der  Brustwand.  — 
(16.  Jahrh.)  grintichte,  Grillt  Fleck-  Grint  (s.  d.), 
Ausschlags-,  Aussatzstelle,  auch  Krtttr.etleck.  — 
häufend  flecken  (1"H2  bauftVnd  fleckten,  Lerach  227) 
=  in  grösseren  Gruppen  von  Fallen  die  Masern 
(•der  Flecken  überstehen.  —  //'fr.'  Flecken  = 
Maculae,  „Veränderungen  der  Farbe,  Dichtig- 
keit und  Konsistenz  der  Hautoberflflche  ohne 
wesentliche  Veränderung  des  Niveaus''  (Auspitz, 
Z  Handb.  d.  spez,  Patb.  D.  Ther.  XIV.  L  225).  — 
(l»5l)  kriechende  Ha  u/flecken  -  Dermatomykosis 
=  Pilzbildungen  (?)auf  der  Haut  (Hock  im»)  i'king- 
wurm).  —  //»nt^-Flecken-,, verdächtige,  meist 
honiggelbliche,  rötliche, auch  braune o.  schwarze 
Flecken,  die  sich  besonders  im  Gesichte  von 
Weibsbildern  äussern  und  entweder  von  der 


LuBtseuche  oder  von  einer  Schärfe  der  Safte 
herkommen"  (a.  v.  h.  i,  hos).  —  Hornhaut- 
Flecken  =  Augenflecken  (s.  o.).  —  (1590)  Kar- 
tatsch- (KartättchyTieck  =  Vulva  (Gr.  w.  V.  211); 
verglichen  mit  der  mit  Kugeln  oder  Patronen 
gefüllten  Blechbüchse,  die  andersfarbig  war 
als  die  übrige  Uniform  (Fleck  3;  auch  die 
Büchse  [s.  d.l  andeutend).  —  K «w-Fleck  = 
(1608  „das  flecklein  Im  weissen  des  eles"),  der  sogen. 
Vogel  oder  Hahnentritt  in  der  Keiinblase  des 
Eies,  von  dem  die  keimende  Frucht  ihre  Aus- 
bildung beginnt,  Macula  germinstiva  (Gr.  W.  III. 
1715;  Falke  II,  10).  —  (1&84)  Kinder-,  (1669)  Kind»- 
Flecken,  1.  =  Fleckein  od.  Masern  (im  Gegen- 
satze zu  den  Kinderblattern,  s.  d.) ;  auch  Röteln 
(Rnbeolae)  und  Rotsucht  (1622;  liacscr  n,  sei; 
v.  M  II,  184  ;  c;r.  W.  V,  736;  Bohrend  5).  —  2.  =  das 
Chloasma  gravidarum,  die  Schwangersehafta- 
flecken  (v.  m.  ii  ,  130).  —  knitz-  (knutsch)blaue 
Flecken  s.  blaue  Flecken.  —  Krä («-Flecken 
=  ein  Grintfleck  (s.  d.)  (Gr.  w.  v,  2080).  — 
A'uitwAs-Flecken;  der  Kukuk  als  Vorbote  des 
Sommers  soll  nach  früherem  Glauben  diese 
Sommerflecken  (s.  d.)  erzeugen  (s.  Kukuk);  in 
Steiermark  sind  es  die  Leberflecken  (Gucker- 
schecken), welche  die  Kinder  erhalten  Bollen, 
wenn  sie  um  die  Zeit  des  Kukuksschreies 
entwöhnt  worden  waren.  —  Ä«p/«--Flecken 
-die  kupferroten  Akne-Knötchen  (s.  Kupfer). 

—  (1482)  Ruttel- Fleck  ■  (ableguinlna,  partes extorum. 
D.  3)  b  Wampenfleck,  Rindsflecken,  Kaidaunen 
(s.  d.),  Fetzenfleisch  (s.  d.)  =  die  wie  die  Flecken 
am  Küttel  farbig  abstechenden ,  meist  pig- 
mentierten, andersfarbigen,  nicht  fleischroton 
Eingeweidestücke  der  Schlachttiere  (Gr.  w.  in, 
1741;  V,  2MI7,  Kutten  -  die  Kinder-  und  Mönchs- 
kleidunp.  Sehmcller  I,  l:H02).  —  L«i»6-Flecken 
(14.  Jahrh.  lonb  vleckel  =  uaevu.«,  Voc.  opt.  W.  40; 
1561  liiubllaeken  am  leib  --  lcuticnliie,  lentllio,  Gr.  \V. 
VI,  295;  1588  laubllecken,  Iii.  W.  VI,  295;  lfiyi  Laub- 
llccken  -  lentiso.  Und.  Jun.  383;  1616  laubflecken  — 
IcuÜfro,  (ir.  \V.  1.  c. ;  1618  laubfleck  ■  innculao  subrufae 
nd  modum  lentis  [Utiscnflecke] ,  Schruellur  I,  1405  ■ 
1744  Laubflecken  =  Sommertleckcn,  Zw.  8:10  —  Sommer- 
sprossen,  die,  wenn  dns  Lanh  hervorkommt,  starker 
hervortreten,  I.insenflecken,  Leberflecken  [noch  heute 
in  der  Schweiz  volksüblich] ;  „Laub"  hat  alter  mit  Laub 

-  folium  keine  etymologische  Beziehung ,  sondern 
kommt  von  lih-la,  (ir.  W.  VI.  29'.  2S9  =  varix,  clcarriK; 
».  darüber  sub  Laub  uud  Lach).  Sie  stellen  als 
Leibflecken  eine  erworbene  Anomalie  der  Pig- 
mentbildung in  der  Haut  vor  (Lentigines, 
Ephelides)  (Auspitz,  Z.  Hdb.  d.  sp.  l'ath.  u.  Ther. 
xiv,  L  27u).  —  Lf&cr-Flecken  =  leberbraune, 
gelbliche,  auch  schwarzbrftunltche,  mehr  oder 
weniger  grosso  und  breito  Hautflecken  = 
Chloasma  vulgare  . Hehrend  80),  das  auf  einer 
partiellen,  gesprenkelten  Filrbung  dor  Haut 
durch  dunklere  Pigmentierung  der  Zellen  und 
Zellenkerne  der  Haut  beruht  lllyrtl,  Anat.  521; 
1725,  Th.  »an.  Itr.  938;  1744.  Zw.  835;  175«,  A.  v. 
II  1,  937;  II,  »94;  1776  Ephelis,  Ftaoek;  Gr.  W.  VI, 
295.  462)  i Sommerflecken,  Laubllecken,  Mutter- 
Hecken,  Sommermirl),  auch  Pityriasi«  versi- 
color  (Förster  II,  1051;  Köhler  II,  N8).  —  Leichen- 

\  Flecken  -  Li  vores  mortis,  bläulich  rote  Flecken 


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Flecken. 


Beb  men — Fleiich .  155 


(„Brandflecken",  wenn  sie  schon  vor  dem  Tode 
entstehen),  die  auf  dem  Rücken  der  Leiche 
8  bis  12  Stunden  nach  dem  Tode  meist  blaurot 
bis  hellrot  durch  Blutsenkung  sich  zeigen  (Sam 
«l;  De  Coclc  71).  —  Lidtpalten-Fleck.  s.  Fett- 
fleck; Fettfell.  -  Linww-Flecken  (ie.  jahrh.  = 

Sprntlen,  Flecken  im  Angesicht,  (ir.  W.  VI,  1053;  15s» 
=  Chloasma  Tabeni.;  Gr.  W.  VI,  S9S;  1714  maculae 
laclcl,  ..braunschwarze  Flecken  im  Angesicht",  Zw.  136 ; 
franz.  U-s  kntlllcs)  -  Leberfleckejj,  Laubilecken. 

—  (i6«o)  Mauer-  Flocken  =  Masern- Exanthem 
tfir.  Vf.  VI,  1701],  der  Ausgang  zu  dem  Worte 
„Masern",  pl.  (s.  d.)  =  Morbilli.  —  (1754)  Mehl 
Fleck  ~  mehlweisser  Fleck  (der  Lepra),  1.  — 
weisser  Aussäte,  Alphns,  Vitiligo  alba,  die  Lepra 
nervorum  (Virchow.;  a.  v.  h.  1,  67;  II.  ;<02;  Z.  Hdb. 
«1.  sp.  Patb.  u.  Ther.  XIV,  l.  636).  2.  =  das  i»clerema 
neonatorum  (isoi ;  Welckard  115),  die  stellenweise 
weisse  Hautverhärtung  der  Neugeborenen.  — 
Milch  -  Flecken  =  die  milch  weissen  opalinen 
Kpitheltrübungen  auf  der  Zungen-  und  Wan- 
genscbleimhaut  bei  Leukoplakie  (Syphilis). 

—  Mit'!"  Fleck  fhull.  raocdorvlek; ,  1.  -  Chlo- 
asma uterinum  (Leberfleck),  fuscniu,  bräun- 
lich gelbe  Flecken  der  Haut,  die  namentlich 
beim  Frauengeschlechte  besonders  stark  her- 
vortreten um  die  Zeit  der  Periode  (Förster  n, 
1061).  —  2.  =  Naevus  congenitos,  lenticnlosus, 
vascularis  fBehrend  7s),  Muttermal.  —  ii--6)Nagel- 
Fleck  =  Nagel blüte  (s.  d.),  1.  -  die  weissen 
Klecken  am  Nagel  (s.  Rehflecken  2),  Selene 
iPleurk  .  Krün-,  E.  IM'.»;  Behreud  5).  —  2.  -  die  blauen 

Nagelflecken,  Ecchymomata  unguis,  Blutflecken 
unterm  Nagel  («.  Leidspriessen,  Kuinmermasen) 
Rehrend  5;  Gr.  W.  VII,  266).  —  Nebel-  (Nabel-) 
Fleck  =  Nepheliuro,  Nubecula,  ein  halb  durch- 
sichtiger Hornhautflerk  (in  d«>r  Mitte  [Nabel]  der 
Hornhaut,  Falke  II,  113.  Qr.1T.VII,  479;  Arlt  IM  Anm.j. 

—  iisyi)  Oder-Flecken  =  die  petechienartigen 
Flecken  bei  der  flecklyphusartigen  Schlamm- 
krankheit (s.  d.)  itn  überschwemmten  Oder- 
flussgebiete (M.  med.  Wochenschr.  ly.M.        —  U6S2 

Pest-,  PestUem-Tlecken  =  Pestmal,  Giftfleck. 
Petechiae  pestilentiales:  die  nach  dem  Stadium 
oder  nach  der  Art  der  Festkrankheit  verschie- 
denfarbigen, bei  dem  Petechialtyphus  roten, 
bei  der  eigentlichen  Pest  aber  blei-  oder  rinn- 
farbigen, auch  pfeflergrauen,  lividen  Flecken 
mit  roten  Pestetriemen  und  Streifen  verbunden 
iv.  Sf.  II,  126;  OUt.  121,  <.r.  W.  VII,  1572)  (s.  Pfeffer- 
pest%!.  —  fl6y."  Rtt  h  Flecken  (wohl  nur  volksety- 
mologisch au*  den  nicht  mehr  verstandenen  ,,Keh- 
tlecken"  unter  Anlehnung  an  Rache  [Pcstplage]  ge- 
bildet, v.  M.  Ii.  ioi.  121).  —  Utk- Flecken  (im 
reerleckcn  *o  »ich  dann  die  r.  f.  erzeigtend  es  waeren 
irlych  die  roten,  brunen  oder  »chwarzeu  etc.  [  —  Pest- 
Hecken],  KoehhoU  I.  137,  1564  root  revlleekeu  sunt 
exantbemalu  die  septimo  der  Loderen  [«eil.  sucht,  «.  d 
schwarz  recliocken  letale»,  sanguis  nigricans  e  naribiH 
omatno,  Gugenbühl  13;  1736;  A.  v.  II.  I,  643j,  1.  - 
die  an  dem  halbtoten  Pestkranken  sichtbaren 
gesprenkelten  Pestflecken  (b.  d.),  Pestpetechien 
der  Haut  (ahd.  hreo  =  Leiche,  s.  Keh).  —  2.  —  die 
sogen  Rehposten  (=  Rehblusten),  weissfarbige 
Nagelblüten, dieschieksalverköndendenNornen 
spuren  (s.  d.j,  die  auf  den  Tod  hinweisen  Bollen 


nach  dem  Volksglauben  (Rochholz  I,  i36j.  — 
Rinds  TUcken  -  Kuttelflecken.  —  (isooj  rote 
Flecken  =  Variola,  Morbilli,  Scarlatina,  Röteln, 
Rottieber,  Rotsucht  (D.  607,  Thes.  san.  Br.  117  .  — 
schändliche  Flecken  (1536  Foutlgraf.  Mal.  Geiger) 
=  Flecken,  die  das  Gesicht  entstellen  (Unflat). 

—  ScAarfcocfo-Flecken  =  Purpura  siroplex  pa- 
pulosa, Morbus  maculosus  Werlbofii,  eigent- 
lich aber  nur  Skorbutttecken  (A.  v.  H  I,  702.  937: 
1776  Maculae  scorbutieae  Plenk  [a  Keharbock];  tleur«. 
Notre  Dame,  Bris«.  153;  „sie  alle  entstehen  nach  Haller 
[l.  c.l  hauptsächlich  in  dem  Scharbock  durch  eine 
grosse  Scharfe  [s.  d  ]  de»  allzu  sehr  verdünnten  Ge- 
blüts"; 1362  Morbus  B.  Mariae  =  Marien-Bosen,  ma 
cnlae  scorbutieae  et  erysipelatoaae.  Da  fange  II.  527; 
v.  517).  —  Scharia, -A-Flecken  s.  Scharlach.  — 
Srhicriss- Flecken  =  Sommerflecken,  I^eber- 
flecken  (Gr.  w.  vi.  162).  —  Si  hin Ind- Flecken  = 
.Schwindflechte  (■.  d  ).  —  SfAncn-Fleck  =  der 
sehnenartig  weissglänzeude  Rest  einer  Herz- 
beutelentzündung, der  als  solcher  Fleck  auf 
der  Herzoberfläoho  sich  nachweisen  lässt.  — 
l66->  Sommer  -  Flecken  i'schwed.  »onimarflacckarj 
=  Laubflecken  ('s.  d.),  Lentigines,  Ephelides 
(lache»  de  rousseur  [chez  lea  femmes  a  cheveux  rotix]. 
Bris«.  207  ,  eine  erworbene  Hautchromatose,  die 
im  lichtreicheren  Sommer  und  bei  Blondinen 
starker  hervortritt  (Lenticula,  Pannus  lenti- 
cularis, Phakos  Mehrend  SO.  Zw  1SK;  Beyn.  1X4).  — 
(1756)  .Sonnen-Flecken  -  .Suminertlecken,  beim 
höheren  Sonneiistande  Btärker  hervortretend, 
Lentigines,  Ephelides  (A.  v  H.  II,  wo).  —  Toten- 
Flecken,  1.  -  Leichenflecken  (s.  d  ;,  die  das 
Volk  als  Zeichen  der  Verdammnis  ansieht  (17901. 

—  2.  =  schmutziggraue  oder  blaue  Flecken, 
Melasma  maculosum,  wie  sie  sich  bei  alters- 
schwachen Lentcn  an  der  Haut  der  Extremi- 
täten bilden  (Fach*  II ,  3*8 ;  Lehf.  109).  —  (1776) 
venrrisrh-  Flecken  -  Maculae  venereae  (Plenck; 
»ehrend  5),  sypbilit.  Hautflecken  (Syphiliden; 
s.  Venerie)  —  (leaoj  vergiftete  Flecken  =  Gift- 
oder Pestfleckon  (r.  M.  Ii,  121).  —  Wampen- 
Fleck  'mhd  wampenvlec.  Luxer  366)  =  Kuttelfleck 
(s.  d  ),  Kaldauen  s.  d.)  Schwaben;  Gr.  W.  V,  2897). 

j  —  (1748J  Wrisser  Fleck      Nagelfleck,  Lunula 
I  (K.a.  :U).  —  Tleck{en)- Fieber,  -Geschwür, -Krank- 
heit, -Mal,  -Sehnen,  -Sucht,  -  Typhus. 

nehmen  s.  flenen  unter  Flensel. 

Fleiresin  s.  Pleuresch. 

Fleisch,  n.  (Flesch,  FlöschtSch« ai>en],Fleisch 

lein,  fleischen)  (wentgerm.  llelsk;  ein  durch  Verall- 
gemeinerung des  nord.  tlesk  [ndl.  vlccsch  ;  engl  Hc>li 
-Schwelneflelsteh,  Speck]  entstandems  Wort  für  unser 
heutige*  Fleisch;  ahd.  tlelsk  ;  8.  Jahrh.  Heiscco;  Ken» 
71;  mhd.  vleiseh,  Kluge  110  =r  caro,  S'ioj,  *o>a;)  - 
die  weiche  Muskelmasse  des  tierischen  und 
menschlichen  Körpers,  1.  =  der  Gegensatz  zu 
Haut  u.  Knochen,  laviande  ( =  vi venda),  das  zur 
I  Ernährung  dienende  Bratfleisch,  M  nskelfleisch, 
Urüsentieisch;  Flöscb  (Sehwaben;  -  schwam- 
michtes  Fett  (C.  v.  Seh.  rj7).  was  unter  der  Haut 
auf  den  Knochen  liegt;  auch  die  Drüsen,  Zunge 
u.  der  Knorpel  sind  zum  Fleisch  gerechnet.  — 
|  2.  m  alles  rote,  fleischartige,  auch  pathologische 
i  Gewebe,  die  von  der  Haut  entblösste  Körper- 


150 


Fleisch. 


Fleisch. 


stelle,  wo  das  (rote)  Fleisch,  wie  das  Volk  sagt, 
„rausschaut",  selbstdie  unbedeckte  Haut;  daher 
Fleischlein ;  a)  =  (1496)  Caruncula  lacrimalis 

(Übersetzung;  ü.  104 ,  Hyrtl,  K.  W.  107),  b)  —  Cotl- 
dylumata  venerea  als  rote,  feigenartige  Fleisch- 
gewachse (A.  v.  H.  II,  165);  ferner  ist  auch 
c)  =  das  Drüsengewebe  =  Fleisch  (Hyrtl.  K.  w.  92) 
(Caro  glandosa)  d)  ~  Nasenpolypen;  ebenso 
e)  =  die  Corpora  cavernosa  der  älteren  Ana- 
tomen =  Fleisch  /Hyrtl,  K.  W.  87);  f)  =  Carun- 
culae  der  Harnröhre,  Strikturen  (Pr.  II,  46.  13«). 
—  3.  =  Fleisch  (Caro)  ist  (kirchlich)  Libido 
carnis,  Genitalia  utriusque  sextis  (s.  Brät)  (B«as 
129,  Pr.  I,  73.  79).  —  4.  =  in  Redewendungen  ist 
Fleisch  =  der  Leib  des  lebenden  Menschen  (im 
Gegensätze  zum  lelch,  leiehe  [s.  d]  -  toter  Leib,  Gr.  W. 
III,  1754;  nach  den  Fosteugeboteu  der  kath.  Kirche 
wird  du  Fleisch  der  nicht  warmblütigen  Tiere,  i.  B. 
da»  des  Frosches  sowie  da»  »eis««  Flschfleisch,  nicht 
«um  Fleisch  gerechnet,  daher  der  Ausdruck  „nicht 
Fisch,  nicht  Fleisch",  dagegen  Ist)  Fleisch  und  Blut 
der  gesamte  feste  und  flüssige  Leib = Leben,  — 
Fleisch  und  Bein  — das  ganze  Fleisch  (mit  den 
Knochen),derganze  Leib  (Gr.W.  1, 1382).  —  Fleisch 
in  Fleisch  ^Coitus  (Schindler  I,  795  ;  ahd.  in  (leise- 
nissa  -  incorporntio.  Graff  I,  285).  —  Fleischen,  m. 
fleischen,  1^  denBlutfluss  haben,  „Bluttriefen", 
wegen  der  roten  lleischähnliclien  Blutgerinnsel; 
„diu  Kindbetterin  fleischt  sich  sauber  aus  und 
hat  einen  ganzen  Fleischen  unter  Bich"  —  die 
Ausstossungen  von  fleisebähnlichen  Blutgcrino- 
sein  und  Blntklumpcn  als  Nachfolge  der  Gebart 
(Schindler  i,  799);  (vergl.  weisses  Fleisch).  —  2.  = 
eine  Fleisch- Wunde  machen  (11  Paul.  142).  — 
fleischig  —  brätig  (s.  d),  rarnosus,  callosus,  pul- 
posus (Gr  w.  III,  17  .9).  —  (l'.ylj  fleischachtlich  = 
musculosus  (Hud  .lun.  3»o).  —  es  sitzt  zwischen 
Haut  und  Fleisch  -  es  bildet  sich  eine  Phleg- 
mone (Hautentzündung)  aus  unter  der  Haut  (vrgl. 
fXnuov-ribef  KoMin.  37j.  —  :  152»)  aderige»  Fleisch 
=  Blutgerinnsel  aus  den  Blutadern  (Fries  HO).  — 
allerwirstisches  Fleisch  (H.  z  xx,  270)  -  Zunge 
(weil  sie  eine  wüste,  d.  h.  die  loseste  Sprache 
führt).  -  .-Irm-FleiSCh  (bei  Andrea«  Hufer;  Cir.  W. 
l,  .69)  der  unbedeckte,  entblösste  Arm  (der 
Weiber).— /i  1*7™  Fleisch  =  (Augen)  Luckfleisch 
(s.  d.)  («ein  Fehlen  ist  imeh  dem  Volksglauben  ein 
Zell  In  n,  dassda»  Kind  uiehl  langeleben  wird  ;  Schindler 
174).  —  ausgetrachsenes Fleisch  =  Caro  luxurians, 
wildes  Fleisch  (  \  v.  H.  II,  819),  —  Ban-Fleisch 

(1515  fleisch  an  belli  -  =  mnseulus,  l>  37;i)  das  bratige 
Fleisch  (Maus)  am  Knochen.  —  biästig Fleisch^ 

volles  Fleisch  (Or.  W.  II.  72).  -  K">  &  ... 

fi <;;:.j  bomirhtiges 

Fleisch,  L-  linniges  (Schlacht-,  luden-) Fleisch 
(Schmeller  1,  521).  —  2.  -  wildes,  faules  (Wund-) 
Fleischfür.  SV  111,392).  —3.  -  Caro  mala  =  Syphilis 
(IT.  II,  15;  V.  B.  61).  —  (16.  Jahrh.)  Brot-  (Brat-) 
Fleisch,  1  =  die  wie  Brodkruinme  weiche, 
schwammige  Pulpa  d.-r  Organe  'Milz,  Knochen- 
mark) (nyrtl,  K  W  ),  —  8.— auch  das  Bratfleisch, 
das  weiche  (brätige),  knochen-  und  faserlose 
Fleisch.  #r»c&-Fleisch  =  <las  Fleisch  am 
„Brug"  (s.  d.)  des  Ochsen  Halsfleisch,  häutig 
und  aderig  (sehuieil.  r  i,  347;.  —  Cüs/ntun-Fleisch 
-das  Fleisch  des  kastrierten  Widders  o.  Ham- 


mels (Gr.  W.  II.  609).  —  (1793)  die*  fleischig  =  car- 
nosus  (Gr.  w.  II,  1081).  —  diegtn  Fleisch  (1618  dlgcn 
llalsch  =  pulpa  carnis,  Schmeller  I,  497)=  das  dichte, 
kernig  sich  angreifende  Muskelfleich.  —  (1754) 
Drüsen-,  drüsichtes  Fleisch  ,  1.  =  das  Drüsen- 
Gewebe,  für  das  (Hyrtl,  K.  w.)  noch  Rockitansky 
den  Ausdruck  „Fleisch"  gebrauchte,  Caro  glan- 
dulosa  (A.  ▼.  H.  D,  IM).  —  2.  =  ein  Fleisch  voll 
Drüsen  oder  drüsenähnlichen  Teilen  (Schweiz, 
er. w.  Ii,  1462).  —  Z>dnn-Fleisch  -  die  Dünne  (s,  d.), 
Weichen  (s.  d  ),  Flammen  (s.  d.),  Bauchschlam- 
pen (Schmeller  I,  195).  —  (1735)  durchwachsend 
Fleisch  =  das  mit  Fett  durchsetzte  Schlacht- 
IteiBch  (V.  B.29).  —  Eir>/-Fleisch  =  Übersetzung 
des  Pan  kreas  (=  ganz  aus  Fleisch)  (also  auch 
schon  bei  den  Griechen  galt  das  Drii  senge  webe  als 
Fleisch  ;  eitel  =  rein,  lauter,  unverfälscht,  Klage  68).  — 
faule»  Fleisch,  1.  -  Pankreas  (Zw.  12.  58;  Hyrtl. 
K.  W. 203),  weites  als  kein  richtiges  Muskelfleisch 
galt,  und  weil  man  Uber  dessen  physiologische 
Thätigkeit  noch  keine  Vorstellung  Bich  machen 
konnte.  —  2.  -  gangränöses,  übelriechendes 
Fleisch,  Krebs  (Had.Juu.3S5),  Polypen  (b.  Nasen- 
fleisch).  —  8.  as  das  tote  oder  w  ilde  Fleisch  (s.  d.) 
Caro  luxurians  (Granulationen  in  Wunden)  (Mül- 
ler »6;  Pauli  119,  oiit.  iv,  ios),  faules  Fleisch  in 
den  Wunden  und  Geechwären.  —  (1518)  feistes 
Fleisch  =  fettreiches  Muskel-  und  Drüsenge- 
webe (n.  v  Ger«!  11).  —  (1482)  JYfzen-Fleisch  = 
ein  Fleisch-  oder  Kingeweido-Lappen,  der  als 
anders  gefärbte,  pigmentierte  (nicht  fleißchrote) 
Kuttelfleck  (s.  d.)  geringwertig  ist  (Gr.  W.  III. 

im-  -  ifiäi'ht  i piei8ch  (i4?e  i>flnn,cM  flcuch 

—  caro  foetida,  mancorinn.  D.  346;  caro  uuevi.su,  D.  S79 , 
14S2  pdiinlg  tieisch)  =  mit  Bandwurmfinnen  oder 
Perlsuchtknötchen  durchsetztes  Fleisch  (Gr.  W. 
VII,  1703;  O.  B.  V.  A.  45.  Md.,  S  8?.)  (s.  Finne),  Ju- 
denfleisch. —  (1783)  frisches  Fleisch  =  alles, 
was  in  einer  Wunde  mit  rötlicher  frischer  Farbe 
anwächst  (Platner  Ii,  331).  —  gebeultes  Fleisch 
(12.  Jahrh.  beuillet  flesc,  H    Z.  II,  205;  Erl.  Gloss  ) 

—  Beule  im  Fleisch,  Contusio.  —  (1576)  geiles 
Fleisch,  1.  =  üppiges,  wildes,  unnützes  Fleisch, 
Caro  luxurians,  Granulationen  (Theophr.  Bod. ; 
Zw.  710;  „es  wirft  sich  aus  Schäden  au«",  Zw.  10»">). 

—  2.  =  (1618)  der  Luxus  luxalis  Paracelsi  =  die 
syphilitischen Gesch würswucherungon  (Pr.  11,76) 
(s.  LUXUS),  —  (1618)  griffiges  Fleisch  (Schmeller 
I,  49*)  s.  Diegenfleisch.  -  gross  mit  Fleisch  = 
schwanger,  gravida  'P.  26y;   —  grünes  Fleisch 

frisches,  rohes  Fleisch  (Vorarlberg,  Tirol;  Wolf). 

—  /7ati/>/-Fleisch  Caro  capitalis,  Hauptstück 
vom  Schlachttier  (D.  iShanpSesch)  s.  Stückfleisch. 

—  Heiden- Fleisch  =  Mumie  (die  zu  Heilzwecken 
verwendet  wurd.'.  JVI.t  ■  '     I   :v  .         //""  r-FleiSCh 

—  Herzmuskel.  —  [l  vi)  Juden  Fleisch  =  finnige« 
Fleisch  (O.  B.  V.  A.  Bd.  45,  S.  183),  das  für  die 
Juden  gut  genug  war.  —  .Katern -Fleisch  = 
falsches  Fleisch,  das  blosse,  sichtbare  Fleisch  2 
an  Händen  u.  Armen  (Z.  f.  ö.  v.-K.  is»..  207).  — 
(1612!  krrkes  Fleisch  (ahd.  Heise  qm-ckaz  =  caro  viva, 
Or.  w.  V,  376)  -  frisches,  lebensfähiges,  gesundes 
Fleisch,  das  in  einer  Wunde  z.  B.  wächst.  — 
(1607)  A'.  /.'-Fleisch  m  Mandelhypertrophie,  die 
Üeischartig  ober  der  Kehle  sich  lagert  rtlort  »an.) 


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Fleisch. 


Fleisch. 


U7 


—  (1592)  ÄV (/"-Fleisch  =  die  aus  festerem  Drüsen- 
gewebe  bestehende  Lebersnbstanz  im  Gegen- 
satze zur  Lunge  (Wlrsung;  keil  =  fest ;  1«18  =  ge- 
heil, Schmeller  I,  1057.  12*9  —  was  fest  hebt,  halt, 
Heyn.  —  A'crn-Fleisch  -  das  nahrhafte, 
kernhafte,  derhe  Muskel-Fleisch,  an  der  Wade 
x.  B.  (Gr.  W.  V.,  606).  —  Kitztl-Tleisc      1.  = 

(14.  Jahrb.  kuxeUlelAch  -  titlllitus,  Voc.  opt,  \V.  11; 
1491  kuUelfleisch ,  10.  Jahrb.  kiczlig  fleisch  -  titlllicus. 
k'tmelflcisch,  p.  686)  —  das  Fleisch,  das  kilzln-h 
int  itn  Leben  (z.  B.  unterm  Arm)  (<:r.  Vf.  v, 
290»).  —  2.  =  Eingeweidefleisch,  Kutteifleik 
:  Kotfleisch),  ein  anders  pigmentiertes,  nicht 
rleischrotes,  dem  vielfarbigen  Kuttelfleck  ver- 
glichenes Eingeweidestück.  —  (1528)  klotxichtes, 
>lj91)  Kl,  n -Fleisch  (H.  v.  Gersd.  6),  1.  ■  hartes, 
knolliges  Drüsentleisch,  z.  B.  unter  der  Zunge 
i^Krebs?)  (Hyrtl,  K.  \v.  96),  Plexus  coeliacus 
i^s.  Rottel).  —  2.  =  Mola  (Had.  Juu.  3*1)  als  un- 
förmliche, klotzige,  fleischahnliche  Masse  (un- 
gestaltes  Fleisch  s.  d.),  Klotz,  Wasserkalb,  lom- 
bardischer Bruder  etc.  —  3.  =  (1578)  syphili- 
tischer Geschwürsgrund  (Sclerosis)  (Pr.  II,  131). 

—  (Knockel-,  Knorpel-,  Knorpel-,  d Mi)  Knorren-), 
U719)  jYaorr-Fleisch  =  ein  knorpeliges  und 
hautiges,  halb  weiches,  halb  hartes  Fleisch 
(<ir.  W.  V,  148«.  1488.  1490).  —  koderig  Fleisch  = 
juihes,  wüstes,  nnniges  Fleisch  (Gr.  ff.  V,  1673) 
(s.  Köder).  —  (1667)  Ä-;./'- Fleisch  =  Fleisch  vom 
Kopfe  oder  Haupte  des  Tieres  (Gr.  w.  v.  1774>. 

—  (I4a2)  A'off- Fleisch  =  Kutteltieck  (Kitzel- 
tieisch)  =  Fleisch  aus  der  Wamme,  Omasum 
(Wellfleisch)  (Gr.  \v.  v,  1900 ;  D.  395).  —  Kron- 
(Gron-,  Kraia-,  Kran-) Fleisch  =  die  Krone, 
Zwerchfell  =  (kraw;  ahd.kra  —  Eingeweide.  Gedärm, 
Gr.  W.  V,  1982,  2339,  ein  aus  der  Opfer-Anatomie  Be- 
nommenes Wort  [Grimm; ,   Chraia  •  Flehten  (Schwell] 

—  Krontlflaeh,  «r.  \v.  v,  2239j  (vergl.  Kraw).  — 
176$)  Krospel-,  (Kiy  Kruspel-,  Krastel;  Krostel-, 

Krüssel-,  Krosscl  )  Fleisch  ^  Knorpelfleisch  or. 
w.  v,  2411. 2412. 2479)  (Kruspel),  Pulpa,  ein  Fleisch, 
<  las  beim  Beesen  knirscht  zwischen  denZahnen, 
wenn  es  geröstet  ist  (Hyrtl,  K.  w.  loo).  —  Lauter- 
Fleisch (luterfleisch  =  Übersetzung  J  —  Caropura.der 
roten  Farbe  wegen:  das  Zahnfleisch  (Gingiva) 
nyrtl.  K  w.  188)  (s.  auch  Eitelfleisch).  —  ifOcn- 
diges  Fleisch  - das  gesun<le  Fleisch  im  Gegen- 
satz zum  toten,  wilden  Fleisch,  woran  keine 
Lebenskraft  ist  (Or.  w.  VI,  432;.  —  Lemd-  {Lern-) 
Fleisch  ■  ein  aus  der  Anatomia  culinaris  der 
Mönche  stammendes  Wort  für  Leudenfleiech 
(Lendenbraten,  Psoas)  (Hyrtl,  K  w.  ios).  —  Uhn- 
(1531)  lindes  Fleisch  —  weiches  Fleisch  (Pulpa; 
Kruutw.  XXXI ;  engl,  lean  fleshed  —  mager,  hager).  — 
1528)  Lm  '.-Fleisch  (H.  v.  Ger«d.)-das  Fleisch  (2) 
in  der  Augenlücke,  Caruncula  lacrimalis,  das 
Augenfleisch  (s.  d.),  das  rotfleischig  aussieht 
(Fleischlein,  s.  d.;  (nicht  von  lucker  =  locker,  wie 
Hyrtl,  K.  W,  106  ff.  meint).  —  Lumel  Fleisch  — 
Inenden-  (lumbi)  Fleisch  (au«  der  Kiiehe  der  Mönche, 
Hyrü,  K.  w.  107)  =  Psoas-Muskel.  —  Mager- 
FleiSCh  ahd  uiagarflelski .  10.  Jahrb.  magher  vlesch, 
1».  407;  Graß  II,  f&,)  -  fettloses  Muskelfleisch 
.Pulpa  carnis).  —  (1699)  Mark- Fleisch  —  das 
kernige  Drüsentleisch  des  Pankreas  (Kauch- 
bries,  Bauchspeicheldrüse)  \r.  M.  n,  US).  —  Maus- 


FleiSCh  (1541  meussüclschj  -  das  Muskelflcisch 
j  zum  Linterschiede  vom  Knorpel-  und  Drüsen- 
Heisch  (s.  Maus)  (Hyrtl,  K.  w.  112;  ivi9,  155»  die 
langen  meusz-tleiseh  MuskeltkHeh,  Gr  W.  VI,  IsZ!, 
ein  Wort  «us  der  Auatomle«chule,  das  auch  als  ..mauss- 
lleiseh"  bsl  Tabi mtiemontanu*  vorkommt;  1G77  Beyn. 
IS9).  —  Afdixj. fleisch  -  Schwant.  —  Menschen- 
Fleisch  ^wildtV      Heidenfleisch  oder  Mumie 

(Kochholz  I.  268).  —  Mil,  /.-Fleisch.  1.  -  (17431 
Thyuius-Drüae,  Kalbsmilch  wegen  der  Milch- 
farl>e  des  Drüsenfleisches  (Fleisch  2)  (Leveling 
269;  b»bl.  Medikus  275).  —  2.  =  Milchdrüse,  Brust- 
drüse (Fleisch  2).  —  3.=  junges,  zartes,  schlap- 
piges Fleisch  (bei  Säuglingen)  (Gr.  w.  VI,  2192». 

—  (1801)  Mittel- Fleisch  -  Perineum  -  Atter 
(s.  d.j.  ihis  die  Mitte  zwischen  Anus  undScrotum 
einnenmende  Fleischstück  des  Dammes  (Vogel 
V.  99).  —  .Um Fleisch.  L  =  U576  raorfletseh)  - 
das  mürbe  Fleisch  unter  den  Nieren  am  Rück- 
grat (Psoas).  —  2.  =  Pankreas  als  bröseliges, 
mürbes  Fleisch  (Wampenbries,  s.  d.)  (Hyrtl, 
K.  W.  203;  Zw.  519).  —  (161s  mustlicht  Fleisch 
-Muskelfleisch  (H.  v.  Ueno.  88).  —  (1632'  A'osen- 
Fleisch  (fleisch  in  der  Naaeu,  Fries  83)  =  ein  Ge- 
wächs, Nasenpolyp  als  Fleischgewttchs.  —  na- 
türtiches  Fleisch  =  der  künstlerisch  aufgefasste 
nackte  menschliche  Körper  (Heyne  II.  932j.  — 
AVid"-Fleisch  =  die  wunde  Hautstelle  am  Neid- 
nagel ^s.  d.)  (Gr.  w.  vii.  664).  —  p/inniges  Fleisch 
=  linniges  Fleisch  (•.  o  ).  —  nthes  Fleisch  (engl, 
raw  üesb,  Kaluchm.)  =  rotes ,  frisches  Fleisch, 
Wundgranulation,  Gallus.  —  (1612)  Ii<>ss  Fleisch 
=  „rohes",  noch  nicht  ausgebildetes,  wildes 
Fleisch  =  Gallus  der  gebrochenen  Knochen 

(Bohl  =  Boss)  (Gr.  W.  VIII,  1261).  —  (1583)  Satt- 
Fleisch  hartes,  dichtes,  volles  Fleisch  (Gr.  w. 
VIII.  lsisj.  —  Sdidmen-Tleisch  ~  Aasfleisch 
(s.  Schelm).  —  2. —  faules,  wildes  Fleisch  ^s.  d.) 
am  Lebenden  (Gr.  w.  vi  Ii,  2618.  2-M9).  —  schwam- 
miges Tiei&ch.  =  wildes,  ausgewachsenes,  üp- 
piges Fleisch,  Garo  luxurians  a.  v.  H.  11,  820). 

—  /.--Fleisch  M  glutaei,das  den  Sitzknorren 
umgebende  Fleisch.  —  i'o/datcn-Fleisch  =  das 
billige,  von  den  Soldaten  in  Wien  gerne  ge- 
kaufte Fleisch  (Kruspelspitz)  (Hyrtl.  K.  W.  MM». 

—  spünnwidderige»  Fleisch  =  Fleisch  von  einem 
Sauglamm  (s.  Spünue  u.  Widder).  —  stinkendes 
Fleisch  l:V.U  daz  Ainckende  vleysch  daz  in  der  nasyu 
wechsit.  D.  445)  —  Ozaena  polyposa  narium  =  übel- 
riechender Nasenpolyp.  —  (1475)  ÄiucAr-Fleisch 
=  ein  Hexen -Namen,  der  vermutlich  vom 
heidnischen  Opfermahle  herrührt  (lilrllnger  I, 
509),  wobei  jeder  Teilnehmer  ein  Stück  erhielt, 
das  vom  Opfertiere  abgehauen  war  (s.  Fleisch - 
brocken);  daher  auch  —  Teufelsgnack  (s  d.) 
(1475  compadlum,  1).  149;  Corr.-lil.  f  A.  E.  1>>. ,  .-v  4). 

—  (nw,  Thränen-  Fleischchen  =  Caruncol» 

j   lacrimalis  (Leveling  MH).  —  totes  Fleisch  1183 
daz  tot  flaisrh  auz  den  wunden,  <  .  v.  Megbg;  1476 

|  ndl.  doit  vlelsoh.  D.  26;  engl,  dcad  Seih),  1.  -  wildes 
Fleisch  (s.  d.),  Garo  luxurians,  Granulationen, 
(Gr.  W.  III,  17..3'.  —  2.  =  Gangraena  (Cancer?  can 
crenum.  Du  <  angc  II,  81.  die*  wohl  was  in  einem 
northumbrisehen  Segenspruche  «us  einem  angelsnch- 
■Uchen  Codex  medicinali»  bereits  als  dead  tlaesc  vor- 

|  kommt,  H.  Z  XIII,  20S)  =  ahgeslurbenes  lirandlg- 


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158 


Fleisch. 


flennen—  fliesen. 


gewordenes  Fleiscligewebe.  —  triefendes  (1376 
Ireffanf)  Fleisch  -  verbotenes,  finniges  Fleisch 
Ibebr.  treffe,  Jurten  fleisch,  Schtneller  I.  650).  —  (1618) 
übriges,  übermässiges  Fleisch  (in  der  Nase)  - 
Xasenpolyp, Polyp  Uberhaupt  (R  a.  153;H.  v.Gersd. 
loo).  —  ungestaltetes  Fleisch  =  Mole,  Mond- 
kall) =  Klotzfleisch,  (Gr.  W.  VI,  2508).  —  (1483) 
tinreines  Fleisch,  l.=  wildes  Fleisch  (Künigssp.  H). 

—  2  -  Feigwarzen,  Condyloma  syph.  (Fr.  i,  37i). 

—  untericachsenes  Fleisch  =  das  mit  Fett  unter- 
wachsene  Muskelfleisch.  —  (1*43)  Vrrfleischung 
---  die  abnorme  fehlerhafte  l'mwandlung  eines 
Organes  in  eine  fleischähnliche  pathologische 
Afterbildung,  Entartung,  Degeneration  (Falke 
Ii.  104).  —  verrufenes  Fleisch  =  durch  Zauber 
(s.  verrufen)  veranlasstes  sogen  wildes  Fleisch 
(dal  volkamedizinisch  durch  Besprechungen  behandelt 
wird,  Frischb.  3i).  —  (mhd.)  \\ 'angen -Fleisch  — 
Fleisch  an  der  Wange  (wangevleisch,  Lcxer  367; 

—  (1U8]  weisses  Fleisch  Jm  Blute)  (H.  v.  Gersd.  BS] 
=  die  weissen  Faserstoflgerinnsel  zum  Unter- 
schied vom  roten  Fleischen  (s.  o.);  Speckhaut.  — 
Wetf-Fleisch  (Franken,  Sachsen)  =  Kuttelfleisch, 
Kotttieisch,  das  im  wallenden  Sude  gekocht 
wird  zur  Schlachtsch (Issel  (Gr.  W.  V,  isioo).  — 
Wild- Fleisch  (1483  daz  wild  flalscb  auz  den  wunden, 

C.  v.  Megbg. ;  1615 wild  fleisch  =  fleclno  [llectim  '\  fungus 
scrolulosu* ,  D.  239)  =  totes  Fleisch  1  o.)  = 
Caro  luxurians  s.  fungosa  (Hypersarcosis),  3'ip>; 
(Kossm.  39,  Goldschm.  s8;  R.  A.  MO;  A  v.  H.  II,  81'0, 
Brand  237)  -  scharlachrote  Fleischwarzchen 
(s.  Feifei),  die  pilzförmig  Ober  das  Niveau  der 
Wunde  oder  des  Geschwüres  hervorragen  mit 
lymphfollikelähnlichem  Stroms,  die  nicht  zum 
eigentlich  gesunden,  natürlichen  Fleisch  ge- 
rechnet wurden.  —  (M.  Jahrh.)  wohl  greifendes 
Fleisch  (Voc.  opt  w.  12)  -  bräligea  Fleisch,  das 
sich  leicht  angreift  *.  d.)  =  Pulpa  carnis.  — 
(1568)  wolfbissiges  Fleisch  —  Metzgerfleisch,  das 
von  einem  durch  tollwütige  Tiere  gebissenem 
SchlachttiereBtanimt(8chtnellerIl,902i.  —  Wurm- 
Fleisch  =  ein  mit  Madenwflrmern  besetztes 
Fleisch.  —  Zahn-  (Zant-,  Taut-,  Zamp-  [Tirol] 
Fleisch  (ahd.  *and-lleisc,  Graff  V.  0*5;  mhd.  zant- 
vlclseh,  Lexer  397;  1175  ndl.  tantvlelsch  ---  gingiva, 

D.  263;  dentlgo,  dentale,  D.  173;  HS2  zanfleisch  - 
(ringt va,  Zeuing,  Voc.  pp  2;  15.  Jahrh.  zandfleisch  s 
gingiva,  D.  2*3;  l.'.l".  das  fleisch,  das  in  deu  zcnen 
hangt  -  dentiva,  Diel. ;  1561  zanfleisch.  Bock  193)  =  der 
rote  Schleimhaut  Überzug  zwischen  den  Zahnen 
und  auf  dem  Kieferknochen.  —  (17.  jahrh  )  böses 
Zahnfleisch  (Lonieeru*)  =  Stomatitis,  krank- 
haftes Zahnfleisch.  —  Bürteleln  am  Zahnfleisch 

—  Epulis,  Parulis  (A  r.  H.  I,  «07).  —  schwammiges 
Zahnfleisch  — Scorbut,  bei  dem  das  Zahnfleisch 
anschwillt  (Müller,  Krtrbch.  157).  —  ZnAnfleisch 
Geschwür.  —  (149M  zermürschtes  Fleisch  (Gr.  W. 
V,  1447)  ~  gequetschtes,  morsches  Fleisch,  Con- 
tusio  musculotuin.  —  zugelhanes  Fleisch  =  ein 
Abscess  im  Fleische,  der  noch  oder  wieder 
geschlossen  ist.  —  fleischliche,  Fleisch-/! der, 

—  Auswuchs,  -Bauch,  -Bein,  -Bengel*,  -Blättchen, 
■  Braten,  -Brocken,  -BrncJi,  -Brttst,  ■  Brustwand, 
-Euter,  -Feiste,  -Fell,  Gabel,  Gaden,  -Ge- 
schwür, -Geschwulst,  -Gewächs,  -Haut,  -Kamm, 
•  Karnüffel,  -Kitzel,  -Knorren,  -Knoten,  -Krank- 


I  heit,  -Lappen,  -Leim,  -Lette,  -Lunge,  -Made» 
-Malen,  -Mauer,  -Maus,  -Mertel,  -Mondkalb, 
-Prikel,  Saum,  Schwammen,  -Schcindel,  -Sohle. 
-Strahl,  -  Teil,  -  Tracht,  -  Typhus,  -  Vermischung, 
-Wand,  -Wasser,  -Warte,  -Werk,  -Wunde, 
-Wurm,  -Zolin,  -Zäserchen,  -Zehe. 

flennen,  Flensel,  n.  (FlenzeL  Flentscbin,  m. 

Flanschen,  Flunsch)  (zu  vorgerm.  plo*  [plörare]  u . 

urgcrm.  flaxnan  (?] ;  germ.  (las  ;  ahd.  Ii»::  •    .       .«  Ge- 

licht  verziehen,  Kluge5,  III;  mhd  vlan»)  =  FJänsel, 
,  ein  verzerrter  Mund  {Hintner  6.  14;  .SchmeUer  I, 
!  7»4).  —  der  Flentscbin  =  ein  etwas  langes  und 

schlaff  herabhangendes  Ohr  (Hintner  6.  13;  Tirol); 

vergl.  auch  Flanschen.  —  flennen,  flenen-die 

Oberlippe  in  die  Höhe  ziehen  (beim  Pferde ; 

auch  beim  Weinen)  (Zlpp.  320,  Falke  I,  2*7  290). 

Flerre  s.  Darren. 

Flercijn  s.  Pleuresch  Fleuresie)  (1694  flelrsyn 

=  pleure*ia,  Piefrnb.  44.1). 

Flesch  s.  Fleisch. 

Fleum,  n.  (IV  Jahrb.  fleum,  vlome,  vlomen  =  arvina. 
D.  62)  =  Phleuma,  Phlegma  (s.  d  ),  1  flumiges 
=  helles,  frisches,  gesundes  Blut  (Gr.  w.  III,  1851  . 
V.  180).  —  2.  =  Adeps  {Hyrtl,  K.  w.  179),  als  Folge 
des  gesunden  Blutes,  Fettablagerung. 

flicken  «*  einen  Fleck  aufsetzen,  ausbessern, 
nicht  vollständig  heilen.  —  get&ckt  sein  =  noch 
nicht  vollkommen  von  einer  Krankheit  wieder 
hergestellt. 

Fliege,  f.  (Floigen,  Fleugen),  fliegen (rorgerm 

pleugh.  plugh  [plüma  Feder; ;  gern -germ  fljuga  m 
fliegen ,  ahd.  Üioga,  fliogan ,  mhd.  fliege,  vliegen,  Kluge  * 
111;  alter  ist  ,, Mücke'-  (».  d  ]).  —  fliegen  =  rasch 
kommen  (im  Fluge)  und  vorübergehen.  — Flug 
(s.  d.).  —  (1729)  das  Herz  fliegt  im  Leibe  -i'ai- 
pitatio  corpus  exercet,  lebhafte  Bewegung  des 
in  Bändern  hängend  angenommenen  Herzens 
v.  Gehrer,  von  Gespenstern ,  S.  14).  —  (1632)  das 
Fliegend  (seil.  F  tuer,  s.  d.)  —  Frysipelas,  Rot- 
I  laut  (Gr.  w.  III,  1786)  —  (1754)  die  .1  Fliegen 

j  =  mouches  volantes  (A.  v.  h.  n,  1043).  —  Fliegen 
{de,  r,  «)- Brand,  -Elben,  -fangen,  -Feuer,  Guht, 
-Haupipein,  -Hitze,  -Kopf,  -Krebs,  -Maul,  -Mü- 
cken, -Pocken,  -Scharlach,  Spinne,  Übel,  -  Wol- 
ken, -  Wurm, 

1     Flies,  n.  s.  Vliess. 

fli essen  [eigentlich  =  oben  auf  schwimmen;  indo- 
girm.  plurt  [pluere  —  regnen] ;  rorgerm.  plud,  pleud  j 
germ.  Acut,  flut  ;  ahd.  Illozzan  -  schwimmen  u.  Messen  j 
tnhd.  vliezen  -  schwimmen  und  Messen,  Kluge*,  111  = 
als  Flüssigkeit  sich  fortbewegen).  —  Das  Blut  (die 

Thräne)  fliesst  -  rinnt.  —  fliessen  (z'fliesset 

werden,  L,  =  den  Blulfluss  haben  ivbei  Wei- 
bern), Haemorrhagia  uteri.  —  das  Herzblut 
ist  z'fliessed  (ge)wor(de)n  -  eine  sehr  gefähr- 
liche, das  Lenen  bedrohende  Blutung  (aus 
einer  besonderen  Keservekammer  des  Herzens, 
nach  Volksglauben).  —  (1645)  ifioar-Fliessung 
=  Haarflnss  (s.  d.),  Haarausfall,  der  sehr  Btaik 
ist  (Coler,  H.  A.  sl)   —  Fh-ssen  =  Schnu- 

pfen, Coryza  (Zw.  972).  —  (1668)  l",/fliessuH-/  der 
männlichen  Natur  /Heyn,  ni  =  chron.  Spermator- 
rhoe,  Gonorrhoe,  als  lange  dauernder  abnormer 


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flimmern— Flacht 


Flfljrel —  Fluss. 


ist 


Fluss.  —  in  rfliessen  —  abnorm  oder  lebensge- 
fährlich bluten  (von  Frauen).  —  flieBS>,ttct*(e,  er,es) 
■Augen,  -Batich,  -Blattern,  -Feudihgkeit,  -Feig, 
•Geschwüre,  -Grind,  -Hirn,  -Magcrin,  -Nasen, 
-Oelschenkel,  -Ohrengeschwär,  -Bocken,  -Schaden, 
-Schenkel,  -  Schnupf en,-Siren,  -  Wasser,  -  Wunden. 

flimmern,  flirren;  flimmern  vor  den  Augen 
(m  Fliram.n  [nammp;.  Kluge*,  inj  =  Öftere  Flam- 
menbilder vor  dem  Au^e  haben  (Marmarygae 
Aretaei). 

Flitterling,  in.  —  Abortus  habitualis  o>ei  Kur 

furstin  Adelheid  z.  B.  so  genannt  —  unvollkommen, 
was  wohl  fliegen  mochte,  aber  blow  flattert)  -  Ull- 
vollständig  entwickelte  Leibesfrucht  (8.  Klitter- 
img). 

Flix,  pl.  (1808  flix  in  den  ougen.  Ur.  W.  III.  1S09 
=  mar ula  oculorum  [verwandt  zu  flirren  und  Hirzen  ''} ; 
wahrscheinlich)  flitz  =  Flüsse  (n.  d.)  (engl,  flix  = 
Durchfall,  Abweichen,  Kaltscbm.  I.  246;  -  flitz  io  äugen, 
Ur.  w.  III.  ISO»)  =  Lippitudo,  übertragen  auf  andere 
Augenfehler. 

Flochsen  s.  Flachs. 

Flochten  s.  Flechten 

Flocke,  f.  (ahd.  floccho;  mhd.  vloccke  [zu  Iiiegen, 
s.  d.,'  oder  besser  zu  flackern,  Kluge5,  108.  112  =  was 
in  der  Luft  flatternd  fliegt).  —  Flocken  (Bett- 
tiocken)  leeen,  8.  Feder. 

Flösch  b.  Fleisch. 
Floetzen,  floessen  ».  Flosa. 
Flog -Flug. 

floeten,  n.  das  bei  schnell  gehenden  Wallach- 
pferden durch  Einsaugung  von  Luft  in  «las 
Schlauch  roh  rstoss  weise  entstehende,  eigentüm- 
lich gurrende  oder  tönende  Geräusch  (Kalke  i, 
29ij.  —  floeten-^eAcn. 

Flor,  m.  (Florie),  Flor  (feines  Gewebe)  vor 
«len  Augen  =  Schleier  vor  den  Augen  (mhd.  floier 
^derKoptpntz  mit  flatternden  Brtndern,  Kluge*.  112); 
F'lorie  (mhd.  florie.  Lexer  34».)  -  frischer,  blühender 
Hautglans. 

Flosa,  f.,  m  (Floetzen)  (»u  fium  [a.  d.]),  I.  - 

(uihd.  vlozzc.  Lasar  SM)  =  Kehl-.  —  2.  =  Rheuma, 
Fluss  (a.  d.),  Katarrh  (Hoffn».  I,  368).  —  3=  Euter- 
Oedem  bei  Kühen  Frank  5031.  —  flötzen  f.  (dy 
Üoeczn  in  dem  paweh,  Schmeller  I.  HC)  —  Darm- 
katairh,  Bauchfluss,  Diarrhoe.  —  (1619)  durcli- 
flössig-den  Durchflnss,  Diarrhoe  habend  (Coler 
U.A.  205)  —  (1645)  Eier  Flössen  -  flüss^e,  schalen 
lose  Eier,  Windeier  legen  (tolcr  v.  d.  Huhn  516; 
da«  franz.  bois  flotte,  qui  desceute  =  rheumatismus, 
iBriss  143]  i«t  wohl  nur  falsche  ÜbersetStUMJ  des  Klos- 
[  =  F1um  und  messendes  Ilolzfahrzeug]). 

Flotz;  Flotz-A/flMf 

Finch,  m.  £uA-Fluch  -  C'halanion,  durch  Ent- 
gegenbrüllen einer  Kuh  veranlasst  nach  dem 
Aberglauben,  wenn  man  nicht  gleichzeitig  aus- 
spuckt [Urquell  II,  58)  (vielleicht  zu  Flu*:);  [ob  hie- 
be! nicht  die  böhmische  l'estjungfrau  Kuba  >.  d  ]  volks 
etymologisch  zur  Kuh  wurde?) 

Flucht  —  /«iren-Flucht  =  zügellose  Gedan- 
kenjagd Geisteskranker. 


Flügel,  m.  (zu  fliegen  [s.  iL);  mhd.  vlugel.  Werk 
zeug  /um  Fluge):  mit  den  beiden  Vogelflügeln  werdet) 
verglichen,  1.  -  die  Labia  minora  vulvae  (1677 
Üugel,  1680  flicgeln  der  schäm,  l*r.  II,  277;  llyrü,  K.W. 
52) ;  ferner  2.  =  die  oberen  Teile  der  Ohrmuschel, 
wenn  diese  flügeiförmig  abstehen  (Heyne  II,  946). 
—  3,  --seitlich  abstehende  Knochen-  u.  Sehnen- 
beinchen  (s.  Flügelbein  und  Blatt  ,  l'terygodes 
Uippokrutis.  —  ylt««7«rn -Flügel  —  das  Plerygium 
oder  Flügelfell  (s.  d.)  (a.  v.  h.  Ii,  1207).  —  Lun- 
gen-Flügel -  die  die  beiden  Seitenhälften  «les 
Brustkorhes  einnehmenden,  sich  beim  Atmen 
bewegenden  Lungenkegel.  —  (18.  Jahrh.)  Nasen- 
Flügel  =  die  unten  auswärts  gebogenen  Seiten- 
wände der  Nase,  die  sich  beim  tiefen  Atemholen 
und  bei  Entzündungen  der  Lunge  rasch  be- 
wegen (Gr.  W.  VII.  411).  —  Sc/wm- Flügel  8.  Flü- 
gel 1-  Flügel-tf«»,  Feü,  -Schulterblätter. 

Flnender  -  Blasen  wOrmer  in  der  Leber  der 

Schafe  (17%,  Abiig.  97.  i2fi  im). 

Flug,  m.  (xu  fliegen  [n.  d.];  ahd.  Aug;  mhd.  vlug, 
Kluge  II-,  übertragen  auf  alles  schnell  sich  Bewegende, 

daher  auch  =  Fliegende«),  rasch  (s.  d.),  kommende 
und  verschwindende  Hautröte.  —  Flug  u  Flog, 

1.  a  Anflug  (s.  U.)  (»chwed.  Uag,  nach  einem  alten 
schwedischen  Seg^nspniche,  Kuhn,  Zeitschr.  f  vergl- 
Sprach-Wis»en»ch.  XIII,  52),  Macula  volaMli*  infan- 
tiutn  (1699,  v.  II.  II,  130,  fau  de  «lentt ,  Briss).  — 

2.  =  Rosa  volatica  (Flugrose,  Flugfeuer)  das  wie 
eine  fliegende,  rote  Wolke  (s.  d.),  „herumzieh- 
ende Rotlaufen,  das  bald  da  bald  dort  mit  einer 
Röte  ausbricht"  (-  Erysipelas  migrans)  (A.  v.  H. 

I,  1339).  — 3.  =  Liehen, Serpi«o=  Ekzema  acutum, 
Dermatitis  (A.  v.  II,  II.  90.ii,  Zittermal  oder  Dorr- 
weg, böse  Räude,  Haarwurm  etc.  (a.  v.  H.  I.  787), 
d.  h.  eben  jede  mit  rasch  kommender  und  habt 

|  verschwindender  akuter  Hautröte  verbundene, 
chronische  Hautkrankheit  (166>,  Beyn.  237).  — 
4.  =  Nesselsucht,  die  bald  da,  bald  «fort  auf  der 
Haut  sich  äussert,  Purpura,  sang- volage(Briss.  4). 

!  —  5.  =eine  Viehkrankheit  =  das  wüste  Wesen, 

Milzbrand,  Rauschbrand  (s.d.';  (der  ausbricht,  weuu 
i  . 
nach  dem  Algäuer  Volksglauben  die  wilden  Elbischen 

sich  sehen  lassen,  ltei-er  I,  145.  17.'!;  C.  v.  Sehm  '»IO; 

|  Martin  122;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895  8.  293;.  —  Anflug 

=  Erytliema  als  rasch  verschwindende,  nicht 

haftende  Krankheit  der  Haut  =  Dermatitisacuta, 

Liehen,  Schwindflechte  (s.  d.,  Kehrend  51;  Fuchs 

II,  1012).  — lässiger  Flug  =  Ery  sipelas,  dos  lässig, 
läul  ist,  nur  langsam  weichen  will  (in  Segen 
spruchen.  Losch  228;  ,?)  lästig.  —  tc'dder  (mdder) 
Flug  -  Liehen  mahgnus,  als  gefürchtet«  Haut- 
krankheit, wildes  Feuer(Lupus,  s.  Wolf  Wuttke 
Volks-Abergl.  IAL  233).  —  Flug- Heule,  -Brand, 
■Feuer,  -Flecken,  Haut, -Bot.  (Die  Althaea  vulgaris 
[A.  v  H  I,  46]  helsst  auch„Flugwurzel",  weU  sie  gegen 
den  ..Flug"  hellen  soll'. 

Fluss.  m.  (Fl us sei  Flaet,  F10SS)  [an  Messen 
[«.  d.);  goth.Üuti,  ahd.  (lux.  fluzida,  Graft  III,  253;  mnd. 
vlote  —  wedaghe  des  hovedes,  Ma«  Barth  87b  =  Flu**, 
Kopfschmerz;  mhd.  vluz ;  1260  vi  uz  f. ,  Kluge',  114; 
I).  497 ;  vloze,  flösse  =  Ines :  und.  flaet ;  ndl.  vloed ; 
engl,  äood,  flower,  flux,  Kalt«chm. ;  D.  338;  De  Cock; 
fioldschm.  79;  Or.  W.  III,  350;  V,  273;  V,  510  -  eine 
nachbildende  ('l»er«etzung  riin  dem  griech  f-iOu.«  = 


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160 


FlUHS. 


Flow. 


das  Rheuma  [s.  d]  ~  Gerinn,  houieeru« ;  ahd.  ruma, 

H.  Z.  XV,  353 -morbus  reirius  =  Hos«,  U.  Z.  XIII,  205; 
Mone  VI.  469  —  Gallfluss  lu  einem  altd.  Bannspruche) 
=  das  Fliessen,  Fluor,  Fluxus  von  körperlichen 
Se-  und  Exkreten  (Haemorrhagia,  Blenorrhoea) 

ErgusB  (namentlich  ein  sehr  starker  und  sehr 
lange  dauernder,  s.  Überfluss),  1.  =  Catarrhus, 
der  Sch  I  ei  mha  titfluBB  (i.exer  346) ;  a)  aus  der 
Nase,  den  man  seit  tiippokrates  als  Hauptfluss 
(de  capite)  in  die  verschiedenen  unteren  Urgane 
Messend  annahm,  „der  Fluss  fallt"  oder  „sinkt" 
(Kuchs,  Hippokrates  I,  171;  Anui.  6;  Gr.  W.  EU,  1886; 
1414  Flnss  Katarrh,  Gr.  W.  IV,  1.  1276  ;  16S7  Fluss  - 
Nasen-Katarrh,  <;eorg.  :J83;  [Influenza];  1725  Flusse  _ 
Katarrh,  Th.  sau.  Ilr.  77ü;  1741  Flusse  —  utarrhi,  Zw 
678),  b)  aus  der  Augenbindehaut  (achon  Im  7.  und 
1  Jahrh.)  uud  den  Ohren  ,  c)  aus  den  Bronchien 
und  dem  Rachen  (bei  TrisUnj.  —  2.  -  Wundsekret, 
WundhlutungfSchm.  1,796),  Bluttluss{Flus..bluuie- 
GnaphaUumarenarium  L  ,  die  gegen  blutige  Kühr  helfen 
sollte,  Jessen  168),  Eiterfluss.  —  3.  .-  aus  Küige- 
weiden  als  Bauchfluss,  alter  Fluss,  (Jholeraflus*, 
Darinfluss,  Harnfluss.  —  4.  =  Ekzema  und  Im- 
petigo alsilautkatarrh,  Hautfluss,  Gesichtsfluss, 
Salzfluss,  Fl  Ossel.  —  5.  =  Sehlagnus8,  Bluterguss 
in  Gehirn  und  Lungen.  —  6.  -  Fluss- Rheuma 
Rheumatismus,  Neuralgta  rheumatiea; 
(inhd.  vlör.,  m.  vlöic,  f.  —  rheuma,  Lexer  346;  176-1 
Kluss  Rheumatismus),  weil  er  wie  ein  Fluss  bald 
da-  bald  dorthin  zieht,  und  weil  man  ihn  als 
einen  lokalen  Erguss  von  Schleim  (Phlegma), 
schlechten  Stiften,  Galle  (s.  Gallfluss  u.  Rotz  7) 
betrachtete  (Goldachm.  16;  a.  v.  h.  II,  1260),  der 
sich  durch  Verkaltung  ÜuBsarlig  in  gewisse 
Teile  settt  (A.  v.  H.  I,  143  1179;  Baum.  3*6,  Hnfeland 
217;  Wnttke  Vulks-Aberglauben  IM.  W.  170.  186.  229. 
;.33):  Fluss  ist  dementsprechend  auch  -  Gicht 
(Dr.  Br. -Schaff.  28;  Gr.  W.  IV,  1H56)  (Arthritis  syphi- 
litica, rheumatica).  Man  dachte  sich  das  Rheuma 
(=  Fluss)  als  einen  abnormen  Schleim-,  Galle- 
oder Blutfluss  nach  einem  anderen  Urgane  hin 
(damonixUscber  Untergrund,  wie  Schindler  [171]  an- 
nimmt, besteht  hiebet  nicht),  den  man  durch  „Ab- 
leitung" (Deiivatio)  bekämpfte.  —  7.  -  (1508J 
die  Fontanella  (^  der  künstliche  Fiuss  durch 
Maarseile  etc.;,  (als  ÜIktscUudk  des  lat.  fons  und 
rum.  fonunelU,  Gr.  w.  III,  1856).  —  8.  —  die  Menses 
als  normaler  Erguss  der  Frauen-Feuchtigkeit 
[„gbtuont  Uiic  flu*  trA  bluutes",  Herne  II,  948;  A.  v.  B. 

I.  1024)  and  die  Lochion,  sowie  Menses  nimii. 

9.  =  jedes  Leiden  schlechthin,  dessen  Ur- 
sachen das  Volk  (In  Schwaben)  nicht  ergründen 
kann  (Buck  IS),  —  lu.  =  Fluss  —  Flnxus,  ge- 
schwinde, rasche  Krankheit  überhaupt  (Ilaar- 
IIubb,  heisser  Fluss  etcv  (Pauli  1  —  3).  (Der  Fluni  wird 
versucht  wie  ein  Bach  durch  „Stocke'-  «um  Stillstand 
gebracht  zu  werden,  rauli,  1  cod.).  — FlÜSSel,  n.= 
Impetigo,  Crusla  lactea,  als  Schmer-  (Schmalz-) 
fluss  =  vermehrte  Hauttalnfsekretion  (Sebor- 
rhoe*, Scbmerfluss,  Gneiss)  (rauli  114);  „es  zieht 
sich  aufs  Her*"  -  als  Zeichen  einer  Konsti- 
tutions- Anomalie,  die  andere  Erscheinungen 
mit  sich  bringt  (Pauli  l).  —  flüssig  (mbd.  Tloexig, 
Lexer  346),  1.  =  (1616)  zum  Schnupfen  geneigt 
IParaceUtis) ,  Catarrhus  fluens  de  capite  =  flüssiges 
Haupt  (1483;  C.  v.  Megbg.)  =  vom  Katarrh  be- 


fallen. —  2.  =  rheumaticus  Irahd.  vliizzec.  I.exer 
347)  —  3.  =  durchfilllig  (flüssiger  Bauch,  s.  d); 
(1Ö12)  bauchflüssig  -  profluvio  laborans  (Gr.  w. 
i,  1167).  —  4.  =  sezernierend,  z.  B.  ein  flüssiges 
Angesicht,  flüssige  Füsse  -  ekzematicus  (Gr.  \v. 
LH,  1*53).  —  (1477)  Plüsslinge  (ortholph)  =  Liquores 
lymphatici  corporis,  Glied  wasser,  die  Läufe  des 
Gewebswassers  (s.  Geflüsse).  —  (1750)  abfallender 
Fluss  =  Katarrh  («.  d.)  (Ten*.  2:*),  fallender  Fluss. 

—  MrtYr-FlUBS  s.  Goldaderfluss.  —  ^/Yer-Fluss 
=  Proktorrhoea  mueosa  =  Mastdarmkatarrh 
(meist  gonorrhoischer  od.  syphilitischer  Natur). 

—  alter  Fluss  =  chronische  Diarrhöe.  —  Augen- 
FluSS  (7.  —  8.  Jahrh.  nugiflnz.  Cass  Glos».  —  lippltudo, 
14.  Jahrh.  [tluzaugi]  ougtluz  -  lippus,  Vuc.  upt.  W.  40; 
1482  augcnllus,  Zolling.  Voc.  =  lippltudo;  1615  äugen 
fluss  =  lippltudo,  Ü.  382;  1528  llyt«  In  den  auiren 
llppu»,  11  v.  'ier»d.  99;  fllU  In  äugen  s  Um  in  den 
engen  —  lippltudo,  Gr.  \V.  III,  isos,  und.  flaet  nppc 
ogen,  Goldschui.  16.  95;  II  na» -Auge  Trief-Auge), 
1. —  chronischer  und  akuter  Bindehaut-Katarrh 
im  Auge  (Gr.  W.  I,  806),  s.  Augentilz.  —  2.  —  der 
rheumatische  Augenschmerz  (Fluss,  s.  d.  b);  (für 
den  oberen  flu»»  der  Bugen,  Sehmeller  II,  1186  =  Neu- 
rrdgia  subraorbitalis,  Nagel).  —  4K#flUS8  =  das,  was 
aus  einem  Organe  herausrinnt,  vorgeht,  z.  B. 
ein  bedenklicher  kontagiöser  Nasen-Katarrh  bei 
Pferden  (Förster  II,  ;i34)  oder  weisser  Fluss.  — 
roter  Ausfluss  =  Ruhr  (C.  v.  Megbg)  mit  blutigen 
Diarrhoen.  —  Eingeweide-Ausfluss  -  Hernia 
(D.  276).  —  der  auswendige.  Fluss  (mhd.  das  usz 
wendig  flo«,  Gr.  W.  V,  1448),  1.  —  Schnupfen  (Nase- 
boz),  Knöbel,  Coryza,  als  äusserlich  sichtbarer 
Nasenfluss.  —  2.  —  Glieder-Rheuma.  —  BaucJi- 
FluBS  (  -  1532  lienteria,  „ein  Klu»s  des  Bauehe«,  in 
welchem  unverxehrt  die  Speisen  und  der  Trank  hinaus 
gehen,  inmaaseu  wie  sie  oben  empfangen  sein  worden", 
Fries  115;  1690  bauch  11  us  panUces,  I».  410;  159V 
Bauchihi's  —  Ij-enterie,  lhirchlaul,  rote,  weisse  Buhr, 
Gr.  VT.  VIII,  116»;  1616  Bauehfluss  =  fluvlus  alri, 
l'nnteelsuK ;  Gr.  \V.  1,  1167;  1725  Banchfluss  =  Ruhr 

|  und  Uarnikatarrh,  Thes.  san.  Br.  716).    Man  unter- 
I  schied  (1532)  bereits  3erlei  Bauchflüsse:  1.  die 
|  Diarrhöe,  2.  Ruhr  (roter  Bauchfluss),  3.  Lienteria 
(weisser  Bauchfluss).  —  (ir>5l)  langwahrende 
BauchflüSS  (Hock  375)  =  chron.  Darm-Katarrh. 

—  pestilenzische  BauchflÜBSS  -  Ruhr,  die  seu- 
chenartig und  infektiös  war,  wie  die  Pest  — 

'  (1756)  roher  Bauchfluss  =  Lienterie,  bei  der  die 
Speisen  ganz  roh,  unverdaut  abgehen  (A.  v.  H. 

.   I,  892;  Üux,  flu  de  venire,  Du  l  ange  V,  102;  Bris«.  171). 

I  —  roter  BauchfluBS  —  Ruhr  mit  blutigen  Stuhl- 
gangen. —  scharfer  Bauchfluss  =  Cholera  mit 
heftigen  Entleerungen  (Gr.  w.  I,  1167).  —  (1651) 
State  BauehflÜBSe     chron.  Diarrhoe  (Bock  37j 

—  (1561)  neisser  Bauchfluss  =  Lienteria  (Bock. 
Kegist.)  (s.  O.)  —  Blut-TlVLBS  lahd.  bluote«  fluo/, 
(Jr.  W.  II,  182;  blut  fluzzteb  haemorrhol«.  I>.  201; 
blöt-lluzidu,  Grafl  III,  2M,  ndl.  bloed  vloed,  De  Goek  62, 
bloedlng),  a)  =  Wundblutung  —  Piotluvium  san- 
guinis (Gr.  W.  II,  182),  Haemorhagia;  (engl,  bloodr 
liux.  a  flu»  of  blood;  fron*,  perte  de  sang.);  b)  - 
Frauen  hllltflUSS  (1482  freue  die  den  tiuss  de«  pluts 
leidet  =  haemorrholssa,  Zenlng  V«C.  0  2;  1551  der 
übrige  blutfluss  der  Weiber,  Bock  69)  —  Meno-  und 

Meitorrhagia  od.  (Tebärmutter-BlutflusB  (siehe 


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Fl  1188. 


FIllS* 


161 


Blume);  c)  =  Ruhr  (i.v;2  der  Du..*  de*  blut»  =  dya- 
Koit'ria,  Blutruhr,  Friea  113);  d)  Nasenbl  titung  (1699 
der  blutfluss  ron  der  nasen ,  Fries  83);  e)  =  [U89J 
Leberbluifluss  (Fries  lio)  =  blutige  Ruhr,  die 
man  von  der  Leber  kommend  annahm.  —  (1645) 
melancholischer  Blutfluss  -  goldene  Aderblu- 
tung (Haemorrhoides ),  die  sehwarzgalliges  Blut 
entleeren  sollte  (Coler.  H  A.  218).  —  (isoi)  rheu- 
matischer Blutfluss  -  „ein  Blutergus»,  der  ent- 
steht, nachdem  ein  Rheuma  die  gewohnte  Stelle 
verlassen  hat"  (Vojtel  v,  10).  —  (iöm)  böse  Plüsse, 
1.  =  Cholera  und  Ruhrdiarrhoe,  bösartig,  weil 
leicht  tödlich  (D.  M.  Wochensehr.  1«96,  11).  —  2.  = 
(IC  Jahrb..)  rheumatoide  Schmerzen  bei  Syphilis. 

—  Bntrt-Fluss  (14,  Jahrh.  fluss  der  brüst  =  eatarrhus, 
Voc  opt.  Vf.  40,  1725  rlüsae,  die  vom  baupte  auf  die 
brüst  fallen,  Th.  oan.  Br.  568)  ~  Bronchialkatarrh, 
BiustkaUrrh.  —  (17«)  Brustschlagfluss  iZw.  167) 

—  Lungenödem,  Lungeninfarkt,  Oedema  pul- 
monum, dem  Gehirnschlag  Ähnlich,  durch  einen 
plötzlichen  „Fluss"  in  die  Lunge  verursacht 
angenommen.  —  Cholera  -  Fluss  (l.vsi  der  Flu*« 
Cholera,  Bock  7)  =  Choleradiarrhöe  als  Bauehfluss. 

—  (1591)  cholerische  Flüsse  =  (iallfluss  4  (Tabern.  79). 

—  Darm-TVass  -  Bauehfliis«,  Ergusa  aus  den 
Gedärmen  (Diarrhöe,  Ruhr,  Cholera,  Lienterie), 
Passio  coehaca  (Gr.  w.  II,  781).  —  Diarrhöe-TlnOB 
IIÖX2  ..der  fluss  dJarrta  llt  ein  Flu?«  de«  Hauch*  c< - 
daeuet  und  ohne  Blut",  Frie»  113.  115)  =  Diarrhöe 
(s.  d).  —  (H20)  liunh flüssig;  (1645)  DtircA-FlusB 
iCbersetsung  der  Diarrhoea,  Durchlall  habend,  fluxu« 
morbus,  Coler,  II  A.  20»,  D.  241)  =  Diarrhoe.  —  (1618) 
eingesessener  Fluss  =  eingewurzelter  Fluss  (6)  = 
Gicht,  Rheumatismus  Tnnsa  61).  —  (16.  Jahrh.) 
ftfrr-FllMB  'aytterflu«,  Sehniellerl,  llisub  antraten), 
a)  aus  Schleimhautflächen  (Blenorrhoea,  Gonor- 
rhoea); b)  aus  Wunden  und  Geschwüren.  — 
(172*)  venerischer  IM. ••fluss  =  Fluxus  seminis, 
Gonorrhoea  (Pr.  I, M;  The«  »an.  Br.  ta).  —  fallen- 
der Fluss  ■  der  Fluss  (Rheuma)  fällt  auf  Haupt, 
Brust  (s.  Katarrh),  Glieder,  wie  ein  Wassersturz 
herabfällt  =  Congestio,  tlyperaemia.  —  feuchter 
Fluss  fO.-Pfalz)  =  Fussgeschwflre,  Ekzema  vari- 
eosum,  SaDfluss  [Dr  Br  -Schiff.  28).  —  (1.29)  fran- 
zösischer Fluss  =  rheumatoide  Schmerzen  in- 
folge von  Syphilis  (Paracet».).  —  gähe  Flusse 
rasch  eintretende,  rheumatische  Erkrankungen ; 
Rheuma  =  Fluss  Gcon?.  tos).  —  Ga//-FlU88  = 

nach  noch  volksühlicher  früherer  Schullehre) 
die  ergossene  giftige  Galle,  die  in  die  Knochen 
u.  Gelenke  sich  setzt,  namentlich  an  den  Unter- 
extremitäten,  1  =  Knochen-Karies,  namentlich 
an  der  Fusswurzel  (OherbayernV  —  2.  ~  (172".) 
Podagra,  Fuss-Gicht  [Thea.  «an.  Br.  &'>2)  (Kaliv**r- 
giftet).  —  3.  =  Knochenkrehs  uml  Krebs  ühcr- 
haupt  (Gr.  w.  iv.  l.  n*s),  weil  man  z.  Z.  Taber- 
naemontanus  die  dort  ergossene  Galle  als  giftige 
Ursache  der  „gallflüssigen  Schäden"  ansah.  — 
4.=  die  gallige  Diarrhöe,  das  sichtbarste  Zeichen 
des  Galle-Ergusses,  cholerische  Flusse.  —  5.  - 
der  akute  Gelenkrheumatismus  als  Gallschuss. 

—  (1744)  Gradcr-Flusa  «  Synovia  Zw  ä40;  e»"v 
im  Jambes,  Bris*  144),  das  in  d.  Gelenken  befin-tl. 
Gltedwasser.  —  GVflÜSSe  (10.  Jahrh  .  nhd.  keftu'- 
cldo  =  Liquor,  Hatte  tu  .  Denkm.  III,  596,  irlfluszidiin 
^  Irmr-hae  fluviale«.  II  Z.  XVI,  **)  =  Liquor  lym- 


pliaticuH  (Flusswasser,  s.  d.).  —  2.  -=  Blutfluss; 
^  (1507)  überflüssiges  Geflüss  (EI.  8.).  —  (I6lü, 
gesalzene*-  Fluss  =  Salzfluss  (s.  d.)  (coler,  H.  a.  9vj. 

—  GfsicAte-FlusB,  1.  =  Ekzema  faciei,  nässende 
Flechte  im  Gesichte  (Fluss  4).  —  2.  =  Rheuma 
im  Gesichte  (Parulis),  Neuralgia  (Fluss  6,  Haupt- 
fluss).  —  Gicht  Fluss  (1618 .  nnd.  jlchtflaet,  Goldschtn 
118.  122,  Pausa  .'«)  =  Rheumatismus  und  Gicht  der 
Gelenke  (Fluss  6)  (Dr  Br. -Schaff.  28;  Pauli  l — 3). 

—  hitzige  Gichtflüsse  —  entzündliche  rheuma- 
tische (ielenkkrankheiten  (Ackcim.  176).  —  kalte 
Gichtflüsse  chron.  Gelenkatfektionen  ohne 
Fieber,  ohne  Hitze  (also  kalt),  ohne  Röte  oder 
Geschwulst  (Tripper-Gicht)  (Ackermann  181).  — 
(1531)  GoM«iiVrFltt8se  =  blutentle  Hämorrhoiden 
(Krautw.  LXXIX),   8.  Goldader.   —   (16.  Jahrh.) 

Haar'  {  Fliewung  |  "  (C1""«UU0*  Deflu" 
vium  capülorum,  Fluxus  (Galeni),  Alopecia, 
rascher  Haar- Ausfall  (Gr  W.  IV,  2.  28);  ein  Hippo- 
kretische»  Proirnostlkon  (Aphorism.  V,  11.  121,  das 
»einen  Wert  verloren  hat.  —  (1744)  //  i:  •  -Flusse  ■ 
Hals-Katarrh  (Zw.  ?r."  ^Fluss  ld);  er  fällt  nach 
früherer  Annahme  kaskadenartig  vom  Haupte 
herab  (s.  Hauplfluss)  in  den  Hals.  —  hanniger 
Fluss  =  hantiger  Fluss  (hantig  ist  salzsauer, 
■idiarf)  =  Salzfluss  (s.  d.).  —  Harn-TlnsA,  1.  = 
die  zu  reichliche  Harnentleerung  (Diabetes 
insipidus,  Harnruhr).  —  2.  =  krankhaftes, 
anormales  Harnfliessen  bei  Blasenlähmung 
(Gr.  W.  IV,  2.  487;  Falke  I,  309).  —  Haupt-TlxiBS, 

1.  —  (14.  Jahrh.  houpttlus  =  rheuma,  Voc.  opt.  W, 
40;  1414  da«  flos  des  henpta  —  rheuma.  phkKma, 
erurtio  hurnorum,  II.  497;  1518  hauptflussz  -  rheuma. 
n.  v.  Gersdorf  iooj ,  d.  h.  Rheuma  im  Kopfe 
[~  Neuralgia  rheumatica),  auch  Parulis.  — 

2.  —  (1361  hauptlluM,  der  ateta  heraber  in  den  hal« 
fällt,  Bork  196;  15.-16.  Jahrh  das  fliessend  de*  haupts. 
de  vlotte  des  houede»,  hovptflus;  fluss  vom  haupte  - 
rheuma,  phlefrma,  D.  497)  aa  Katarrh  der  Nase 
X'oryza),  der  nach  noch  volksüblicher  Vor- 
stellung direkt  vom  Uehirne  kommt  (Hirnfluss, 
kalter  Haupttluss;  Influenza?).  —  Haut  Flu&s 
=  Ekzema  (Hautkatarrh).  —  (im)  heimlicher 
Fluss  ■  Gonorrhoea  (Bork  B74),  Fluss  an  heim- 
lichen Orten  (s.  d.).  —  (l  <>7)  heisser  Fluss  am 
Leibe  Erysipelas  =  Flug  (H.  8  ).  —  llerz- 
FlUBS,  1.  -  arterielle  gefährliche  Blutung,  die 
das  Herzhlut  (s.  d.)  entleert  (namentlich  bei 
(ieburtsblutungen  gebräuchlicher  Ausdruck), 
Metron  hagia  (Burk  sfil.  —  2  -  (l'«l  flu"  im  herz 
grüblein,  Gr  W.  V.  2028  ;  Dr.  M.  Luther«  Todesursache); 
vermutlich  —  Hytiropel'icatdiuni  als  Erguss  in 
den  Herzbeutel,  der  subjektive  Empfindungen 
in  der  Herzgrube  macht.  —  Wtrw-Fluss  = 
Hauptlluss  (s.  o.),  dravedo,  Corv/.a,  Nasen- 

|  Katarrh  (das  fliessende  Hirn).  —  hitzige  Flüsse 
=  fieberhafte  Krankheiten  mit  Durchfall  (D,  M 
W.  Sehr  181«  Ii;.  —  7»tn-FlUS8  'mh<l.  lnvlus,  Lcxer 
114)  s  Krstickung  durch  einen  inneren  Krguss. 

—  (I72."i)  kille  FlüSBe,  1.  =  rheumatische  AHek- 
tionen  d*-r  (ielenke.  —  2.  =  Schleimtblsse.  — 
AVW-F1U88  (14.  Jahrh  tVi»  in  dl  kek-n.  Vo.-.  opl  W. 
40  =  morbus  braneus  =  Bronchial  Kutnrrh  :  lt..  Juhrli 
flösse  In  dir  kehlen)  —  Kehlk« jpt-Katarrh ,  die 

;  Kehl,  auch  =  (Jrippe  -  Influenza  der  Pferde 


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182  Fluss. 

(Gr.  W.  V,  ÜM;  ZeiUehr.  f.  .1  Philo«,  t,  2t).  —  Kind- 
betterin-  (Kindbett-)  Fluss,  1.  =  Lichienfius*. 
Wochenfluss  (a.  v.  u  Ii.  assj.  —  2.  Wochenbett- 
blutung (Zw.  376).  —  A'/nntni-Flnss  =  rheuma- 
tischer Kinnbacken- Krampf,  der  zur  Mund- 
klemme  führt  (Gr.  w.  v,  936,  Ml).  —  ifop/ Fluss 

—  Hauplfluss  (s.  d.),  Gravedo,  Coryza  (Gr.  w. 
Iii,  1856;  V,  1774J.  —  (neu  AVcis  Flui»  -  Kreis- 
lauf des  Blutes  (I,.  chir.  75).  —  Kropf- Fluss  = 
KehlfluBs  (h.  d.)  eine  Pferdekrankheit,  Grippe 
mit  katarrhalischen  Erscheinungen  und  starken 
Anschwellungen  der  Lymphdrüsen  am  Halse 
(=  Kropf),  die  durch  Eiterung  sich  entleeren 
(Feifei,  s.  d.)  (Gr.  w.  v.  imoi).  —  (i74.s)  LäAm-Fluss 
=  Sohlagfluss  mit  Lähmung  der  Nerven  [K.  in. 
ch.  210).  —  Lrber-Tlam  =  Fluxus  hepaticus 
■  lull  levcrsdoorloop,  Vogel  V,  IM;  15  Jahrh.  nannte 
.k  r  lcbcr^c*tarrlius  ImW.»),  1.  ~  „die  rechte  Kühr", 
„weil  ilabei  ufl  gestandenes  und  geronnenes, 
glänzendes  und  schwarzes  Geblüt  abgehl,  als 
ob  es  wirklich  Fetten  und  Stücke  der  Leber 
waren,  ungeachtet  es  gar  kein  eigentlicher 
Zustand  der  Leber  ist"  (A.  v.  H.  I,  6fi3);  (man 
dachte  eich  früher  die  Kühr  aus  schwarzer 
Halle  durch  Leber  -  Verstopfung  kommend  ; 
darum  2.  -  Darmkatarrh;  (is:u<)  „eine  durch 
Verstopfung  der  lieber  entstandene)  Diarrhöe" 
fllufeland  4B;>;  s.  Leber-Rubr;  (180t)  ein  blutiger 
oder  fleisch  waaserähn lieber  jauehiger.schrnerz- 
luser  Ausfluss  aus  den  Gedärmen  infolge  von 
Stockungen  im  Systeme  der  zu  «1er  Leber  sieb 
entleerenden  Pfortader  (J  r.  Krank  VI,  IU; 
Vogel  V,  14 j-,  M.  EL  L,  I,  037}.  —  Leibs- Aui>Au&&. 
s.  Auslluss.  —  Ltn'b-FlUBS  »  rote  Ruhr  als  Aus- 
tlussausdem  Unterleibe.  —  (1  ai)  Lietiteric  Fluss 
ss  (hta  na)  der  weisse  Bauchtluns  (s.  Baueh- 
fluss).  —  (17.  Jahrh  )  fanatischer  FlUBS  --  Mond- 
(Idss  2  Falke  Ii,  7<>).  —  (IM.-!)  Lunt/rn-Fluss 
Lungenkatarrh,  Bogen,  schleimige  Lungensucht 
(Falke  Ii,  81).  —  Ma*tdarm-TlVL&B  -  Mastdarm- 
Katarrh,  „von  ihm  wachsen  die  Feigwarzen" 
il.onlceruü).  —  Aft/c/t-Fluss,  1 .  weisser  Baueh- 
tluss  (s.  d.)  =  Lienterie,  bei  der  die  Speise  milch 
weiss  abgebt  (Hectica  chylosa).  —  2.  =  Galae- 
torrhoe,  Ab-  und  Auslaufen  der  Milch  aus  der 
Milchdrüse  (St.  Jakobs-Strasse).  — 8  =  Abgang 
von  Chylus  durch  einen  den  Ductus  thoracicus 
betreffenden  Wundkanal  Krau«,  K.  2;7  j  :m. 
Milch-Harn-Fluss-  Diabetes  chylosus,  Abgang 
von  i'vermeintl.)  MilchdurchdeB  Harn  (A.  v.  H.  I, 
447),  Pyorrhoe,  Pyurie,  Eiterharn.  —  Afi/z-Fluss 

—  falsche  Übersetzung  der  I.leu-teria  flien  — Milz)  — 
Bauchfluss  (Kraus,  K.  r>6*).  —  Monds-  Monats-  ' 
Fluss,  1.  -  die  allmonatlich  wiederkehrende 
Frauenfeuchte,  Ulms  (Hippokratis),  Menses;  fto- 
ckender  Monalsfluss  Amenorrhoe  (Müller. 
Krtrbch.  550;  ndl.  maand  >loe.l,  He  rock  290).  — 
2. -dieals  monatlicher  Fluss  s.d.  1  hl /.um  Auge 
da  llu\lon  periodique  luniuique    Kraus,  K.  Gto)  auf- 

gefaaste  Mondblindheit  (s,  d.  u.  Mond  Falke  n, 
7».  131).  —  AfufYer-Fluss,  1.  -  Menses.  —  2  = 
Metrorrhagia,  roter  Mutterfluss.  —  8.  —  Endo- 
metritis catarrh.,  weisser  Muttei  fluss  (Gr,  W,  vi 
281»i).  —  (172))  AVicA-Fltisse  -  der  nach  der  Ge- 
burt  natürlicher  Weise  nachfolgende  Wochen- 
fluss,  Lochia  (The-    «an    1»    !K»j  Zw.  «:>".).  — 


Fluss. 

AWM-Fluss  =  Pollutio  nocturna  (A.  v.  H.  I,  1143). 
die  nilchtlicher  Weile  erfolgende  Ejaculatio 
seminis.  —  Xagcl- '_/<  flösse  -  Ulcera  sub  ungue 
(A.  v,  II.  II.  326),  Eiterlluss  aus  dem  Nagelge- 
schwür. —  A'ascn-FlUSS  (14.  Jahrh.  flu«z  der 
nasen,  Voc.  opt.  \V.  40;  15.  Jahrh.  nanenos-  =  coryza, 
D.  040;  lf.92  lluss  zu  der  na*en  =  coryza.  D.  Ml)  = 
Coryza,  Gravedo,  Nasen-Katairh,  „Fluss  zu  und 
in  die  Nase"  vom  Haupte  herab  Hauplfluss. 
8.  d.)  (tir.  W.  III,  1S50).  —  roter  Fluss  aus  der 
Nasen  —  Polypenhlutung  aus  der  Nase.  —  (152S) 
Natur-  (naturlicher)  Flnss,  L-der  ordentliche, 
regelmässige  blutige  Ausfluss  im  Wochenbette, 
Lochia.  —  2.  —  Gonorrhoea  '  —  Spermatorrhnea) 
als  Fluss  der  Natur  (■—  Sperma,  s.  Natur)  (II.  v 
Glend.  99).  —  Nerren  ScIdagHu&B  —  ein  Blulerguss 
(Fluss  b),  der  wie  ein  plötzlicher  Schlag  aus- 
schliesslich Teile  des  Nervensystems  lahmt 
(Lahmfluss,  Nervenschlag).  —  Mrai-FlUBS,  1  - 
Olorrhoea,  Fluxus  auriuin,  Otitis  catarrhalis. 
auch  als  überlluss  des  Ohrenschmalzes  ange- 
sehen (!«>■'.  Guarinonl  808).  —  2.  =  rheumatisr 
OhrenBchmerz.  —  uois,.  podayriKcher  Fluss 
die  podagra-ähnlicben  «»der  rheumatoiden 
|  Schmerzen  bei  syphilitischen  Knochenschmer- 
zen an  den  Füssen  (Pawel*;  l'r.  II,  *:'>.  — 
(io».s)  rechter  Fluss  -  die  gehörig  fliessende, 
seeernierende  Fontanelle  (FlilflS  7)  (Haas  Slot. 

—  (1742)  ßfmi«/«M</s-FlU88  (der  Kindbetter- 
innen) -  Fluxus  lochiahs,  den  man  als  eine 
Säuberung  (s.  d.)  betrachtete  (Zw.  954;.  —  iusi; 
roter  Fluss  -  rote  Kühr  (c.  v.  Megenbg.),  —  Rot- 
lauf-Tinos— ein  Fluss  : -Gicht-  oiler  Gallfluss, 
s.d.,  mit  Rotlauf  oder  Böte  der  Haut  (Phleg- 
mone -  heisser  Fluss  am  Leibe  (I)r.  Br. -Sehrt.  2m. 

—  (I7<t)  J2u/r»t-FlU8S  Trippersekretion  aus  der 
i  Mentula  vlrilis  (Uoseul».  ls).  —  .SWz-FlU8S 

Behalt/euer  llu*.<«,  C'oler,  II.  \.  iHj;  und.  «ollen  lins* 
Holten  ilaet.  QaÜdPebm.  su),  1.  m  Ekzema  vai  icc  sunt 

—  eine  Flechte  (HautkaUrrh),  die  eine  MÜcig, 
„hannig,  hantig"  schmeckende  und  scharfe, 
atzende  Flüssigkeit  absondert  (s.  hantiger  Fluss : , 
namentlich  an  den  varikösen  Unterschenkeln 
(Huck  19;  Gr.  W.  VIII.  1714;  Z.  Hdb.  d.  »p.  I'alh.  u. 
Ther.  XIV,  l.  351),  wie  der  Gallfluss  (a.  o).  —  2.= 
Ulcus  varicosum,  Hautgeschwüre  am  Unter- 
schenkel in  Verbindung  mit  dem  Ekzema  vari- 
cosum V<  { Ackermann  395) ;  daher  Fluss-  Ader  (s.  d.). 

—  3.  -  Herpes  esihiomenus,  „weil  die  spröde, 
harte  Haut  immer  wieder  aufbricht  und  weil 
dieses  mit  viel  Beisseu  (Jucken),  Brennen  und 
Empfindungen  einer  grossen  Scharfe  geschieht, 
nennt  man  es  Salzrluss"  \.  v.  II.  I,  7ss)  =  der 
fressen  le  Wurm  —  gesaltzene  hlüsse  (iwum.  3M  j 
Coler,  U.  a.  % ;  Falke  II,  j  >  ,  weil  durch  sog.  gesal 
sene  safte  (Syphilis  u.a.  hervorgerufene  Flüsse. 

—  >'«M<rN-FiuSS,  1  =  (Übersetzung  der  gonorrhoea, 
'(wrt  =  .Samen,  fttv  —  tliesseu  ;  also}  S  a  m  e  n  v  n  l- 
leerung  ohne  Libido  |I50;  Gonorrhoea  ,,au> 
den  unfreiwilligen  Samenrohreu",  llort.  »au. ;  1532  „iai 
ein  unnatürlicher  Flu**  tnftnnlichen  Samens,  «perma 
genannt,  Oha«  Willen  des  Menschen,  Fries  120  -  Sper- 
mntorrhoea,  eine  durch  Nervenreize  erfolgende  Samen- 
eiKi'-^ung  [Phlegma  naturale],  nächtliche  äamentlüssc, 
Sobernheim  373,  Gr.  IV.  VIII,  1734,  [Naehtfluss];  kalte 
SumenflÜsse  -  ohne  libldo).  —  2.  =  der  Tripper, 


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Fluss. 


Fluss. 


163 


Gonorrhoe»,  als  solcher  auch  Samenfluss  ge- 
nannt (1744  =  chaud  de  pisse,  Zw.  692;  Fluor  albus, 
Zw.  372,  gonorrhoea  notha;  17»3  übler  üamenflnss  — 
gonorrhoea,  Platner  I,  300;  Vella,  Tractutm  de  tuorbo 
iriillico,  1505).  —  3.  =  Prostatorrhoe;  schon 
Soranus  (Huber  127)  erklärte  die  Gonorrhoea  als 
Katarrh  (Ausfluss)  der  Harnröhre  oder  der  Vor- 
steherdrüse. —  (16.  Jahrb.)  französischer  Saruen- 
fluss  =  venerieeher,  syphilitischer  Tripper  (Pr.  II, 
231).  —  giftiger  Samenfluss  -  Tripper,  der  an- 
steckend -=  giftig  ist  (Zw.  %i).  —  kalte  Samenflüsse 
=  AbgaDgvonProstataschleitno.von  Samen  ohne 
Libido  (s.Natnr,  kalte).-  (1743)  nächtl.  Samenfluss 
—  Nachtfluss (s.d.),  Pollutio nocturna (blbl. Medikus 
46t),  Ubier  Samenfluss  (s.o.).  —  Schenkel-FlxiSS  — 
xsiuaToi  Hippokr.  FuchtII.275  —  FlussG  am  Ober- 
u.  Unterschenkel.  —  (1725)  Schlag-Tinas  {-carus 
;  =  qut  parte  aliqua  muülusest,  Du  Gange  II,  197];  Thes. 
.«an.  Br  87,  dan.  ulagflod)  =  ein  plötzlich  gewisse 
Teile  (Hirn,  Her«,  Nerven,  Lunge)  wie  ein  Schlag 
(s.  d.)  befallender  (Blut-,  Schleim-  oder  Serum-) 
Erguss  (Fluss),  der  diese  Teile  ganz  oder  tum 
Teil  lahmt;  ist  der  Erguss  durch  Blutung  er- 
folgt, so  ist  es  ein  Blutschlagfluss,  wobei  sich 
beim  „hitzigen  Blutschlagfluss"  die  Glieder  und 
namentlich  das  Gesicht  heiss  anfühlen;  fühlen 
sie  sich  aber  kalt  an,  so  ist  dies  der  „kalte 
Schlajjfluss"  (  Ackermann  153) ;  ist  der  Erguss  aber 
eine  akut  gesteigerte  Sekretion  von  Schleim,  so 
heisst  man  dieses  den  Schleimschlai?,  Sehleim- 
fluss.  Schleimschlagfluss(Hyrt],  Anat.  212) ;  istder- 
eelbe  so  stark,  dass  er,  z.  B.  in  den  Lunken  den 
Luftzutritt  hemmt,  so  ist  es  der  SlickfluSB  — 
Schlrini  TlriSB  =  Schlei  msehlay  fluss  s.  o.>.  l.  = 
LungenschleiuiBchlag,  Oedema  pulmonum.  — 
2.  ™  eine  krankhaft  gesteigerte  Sekretion  des 
Schleimes,  der  Schleimhäute,  z.  B.  der  Blase: 
,.Schleirutius8  der  Blatter"  -  Blasen-Katarrh.  — 
(is;v)  Schmalz-  (Schmer)-T\VLB8,  1.  =  Fiuxus  seba- 
ceus,  Schmerflnss,  weil  hei  dieser  Hautkrank- 
heit ein  vermehrter  Erguss  von  flüssigerem 
Schmer  4),  Hautfett,  Hauttalg,  Hautwachs  er- 
folgt [BettYendCl),  wobei  die  Haut  einen  ungemein 
fettigen  Glanz  erhalt  (nebtont  II).  —  2.  =  Akne 
sebacea,  Hautknotehen,  Finnen,  oft  eine  Folge 
de«  gesteigerten  Schmerflusses  (Gneiss,  s.  d.) 
(Eichnrst  II).  —  (1668)  »chmertlicher  Fluss,  1.  - 
Neuralgia  rheumatica.  —  2.  —  Podagra  =  Gicht 
als  Gallfluss  (Fischart;  Gr.  W.  IV,  1.  1033    —  Schul 
ter  Fluss  =  Gicht  o.  Rheumatismus  der  Schulter 
(  =  Omagra)  (A.  v.  H  i,  iow)  (Fluss  6).  —  Schiceiss- 
Flnss  —  Hyperhidrosis,  eine  durch  Nerven  roll 
übermässig  gesteigerte  SchweiBsbildung  (Angst- 
schweiss)  (Fuchs  II,  103).  —  (1754]  SpaV/tW-Fluss  = 
Salivatio,  Ptyalismus  (Hippokratis),  der  durch 
verschiedene  Reize  erfolgende  vermehrte  Er- 
guss von  Mundspeichel  (  \.  v  lt.  I,  1200).  —  [174«) 
Stick-  (Steck-).  StocJtr-Fluss,  1.  =  eine  meist  durch 
plötzlichen  Erguss  von  Bronchial-  und  Lungen- 
sctileim  (Serum)  verursachte  Beeinträchtigung 
der  Atmung,  die  zu  Erstiekungserscheinungen 
(Orthopnoea)  führt;  Capillar- Bronchitis,  Ca- 
tarrhus  suttocativus,  Oedema  pulmonum,  Brust- 
waasersucht,  Glottisoedem  (Maacheob.  79).  — 
2.  -  die  bloasen  Symtome  eines  solchen  Stick- 
flusses ohne  wirklichen  Erguss  von  Flüssig- 


I  keit,  als  ein  Erstickung  bringender  Fluss  zu 
den  Lungen  gedacht  (Pauli  (»2),  z.  B.  Asthma, 
Dyspnoe,  Glottiskrampf,  Laringismus  stridutus 
(Schw.  674)  —  Stuhl-  ([1507]  Stuhlgäng-)  Fluss 
(II.  «.)  =  Diarrhöe  (inhd.  stuolvluz,  Lexer  354).  — 
TAräiwm-Fluss  =  ein,  meist  auf  psychische 
Reize  hin  eintretender,  vermehrter  Erguss 
von  Thränendrflsen-Sekret,  Lippitudo  hurnida, 
Trief-Auge  (Zw.  223).  —  (1609)  tiefe  Flüsse  —  aus 
dem  Innern  des  Körpers  kommende  Ausflüsse, 
z.  B.  Eiterflüsse  (Guar.  908)  aus  Fisteln.  —  (ls.  Jahrh.) 
Tripper  Fluss  (Richter;  Pr.  II,  604)  =  die  Sehleim- 
hautsekietion  beim  Tripper  (s.  d.).  —  trockene 
Flüsse  (O.-Pfalzj  —  der  Gegensatz  zu  den  feuchten 
Schäden  mit  Schmerzen  schmerzhafter  Scha- 
den (Fluss  —  Neuralgie),  aber  ohne  Erguss,  ohne 
Feuchtigkeit,  also  trockene  Flüsse  =  trockene 
Schmerzen  (Dr.  Br.-Schff.  29).  —  Uber-  (übriger) 
FlUBS,  1. -der  Weiber;  Ü477  der  rote  überfluzz  der 
traweu,  C.  v.  Megenbg. ;  1631  der  übrige  fluss  der  wei- 
beru,  weiblicher  Übcrlluss,  Bock  S3,  87;  1591  übrige 
!tü*s  der  weiber,  Tabernaetn.  33  D ;  1609  der  inunatlioh 
OberflOM,  Guar.  1306)  =  der  rote  Überttuss  der 

l  Frauen,  Menses  nimii ;  noch  heute  glaubt  das 
Volk,  dass  solche  Frauen  mehr  Blut  als  erforder- 
lich haben  (bibl.  sicdlk  354).  —  2.  =  der  Verdauung; 
(1609  der  dewung,  Guar.  HCS)  -  Erbrechen,  Erguss 
von  flüssigem  Mageninhalt   Vor  Paraceta»  nahm 

man  13  Überdüsse  Humore»  (12.  Jnhrh.  ubcrtluzzigin, 
Pfeiffer  17  e.  läng)  an  ■  1)  in  der  Verdauung  —  das 

\  tndauen,  Erbrechen,  2)  der  Galle,  3)  Harn  (&  d.),  4)  Rotz 
und  Sehkim,  t»  Ohrenschmalz  (OhrllusM,  6}  weibliche 

;  Blodigkeit  (menses),  7;  essentielle  Plethora  uulversali- 
(„AderblutäberfQUe") ,  8)  OoldaderUutfttUe,  9)  Haut- 
dampfe  (Ferspirallo  iMMIlrtMlfa),  10)  Scunreiu  (Truu 
>piratio),  II1  Haare,  12j  N Airol,  13)  da«  Blut  zwischen 
Haut  und  Bein  (Guar.  868).  —  -     ;  fluss.  ;■  -  GeflÜBS 

—  Metrorrhagie  (s.  o.  GeÜüss  2).  —  tibertLUmigc 
Krankheit,  s.  Krankheit.  —  (1744)  übermwustger 
Fluss  =  Fiuxus  mensium  nimius  (Zw.  :iooj.  — 
(I507j  ungeborent  ÄoeZ-flüsse,  1  -  Metrorrhagia 
ex  abortu  (H.  san.).  —  2.  —  Schwangerschaf  ta- 

I  blutungen  (ungehoren  2,  s.  boren,  geboren).  — 
(1618)  unnaturltchtr  IFcmtrHuss  ■  Endometritis 
catarrhalis,  Leukorrhoe,  Abgang  einer  abnor- 
malen wasser&hulichen  Feuchtigkeit  (Pansu  »). 

—  unreine  Flüsse  im  Leibe,  von  denen  der  Kor- 
per sich  durch  ihre  Entleerung  reinigt,  1. -in 
fektiöse  Darmkatarrtie.  —  2  =  krankhafte  Lo- 
chien.— 3.  =  rheumatoideSchnierzeu  infolge  von 
Syphilis  -  IT-  rVm-Flusa  HarnfltlMfBHlefc 
189).  —  (1783)  H'as«c7  -Flüsse  =  wässrige  Sekre- 
tionen im  Gegensatze  zum  Eiter,  Blut,  etc  Fluss 
fi:-*lcli  261).  —  (1588)  Weiber-  (KMj  {weiblicher,) 
Fluss,  l.  -  Menstruatiofeminarum,  s.Muliebria. 

—  2.  ■  wässeriger  Weihet  fluss  =  Endometritis 
catarrhalis,  wässeriger  Austluss  durch  Frauen- 
leiden. —  Wfin  er) -FlUSS  (1V>1  der  weisse  Üus«, 
so  den  weibern  von  gesehwär  sieh  erhaben,  Bock  31] 
Endometritis  et  Kolpitis  catarrhalis,  blenor- 
rhoica,  gonorrhoica,  Fluor  albus,  l.eucorrhoea 
(Furor  uterinus),  Fiuxus  albus  -  inordinatum 
sanguinis  albi  acsaniosi  profluvium<iuomulieres 
interdum  laborant  ;i)u  (.'auge  III,  529 ,  a.v.H.  I,  062); 
\Veis.--fluSB  der  Augen  —  Bindehaut-Gonorrhoe. 

—  venerischer  \\Vis*flusB,  1.  -  Scheidentripper. 

IV 


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164  Foehn— Foss 


Fotzfe). 


'2. = syphilitischer  BdieMulwtorri*.  —  Wodten- 
Flusa  ss  der  schleimig  blutige  Ergttss  in  den 
«Wochen  post  partum,  Fluxus  lochialis.puerper 
alis  (  v.  v.  II.  Ii,  irin).  —  Zahn-  (Zähm- )  Flnss  (ir.:>i 
,,iaenf1uss"1,von  «len  kalten  zähen  aufRcstleRenC  (Iiisso", 
,,«lie  Aus«  vcm  <li'n  bösen  z«nen",  ..zeenlhiss',  Kn<  k  92, 
117.  271,  Mussum  ziilin,  Itiitiml  IUI;  16GS  EahnflllMd  Heyn 
8">),  1.  Neuralgin  rhcumatica  dcntium,  durch 
einen  Fluss  ( =  Hheuma)  entstanden  ((leorg  WS). 

—  2  Parolis,  Periostitis  rhettmatica.  —  Fluss 
(Flosa-,  flüssiger)- Ader,  -Fieber,  -Flecken,  Fasse, 
-Fundament ,  -Galle,  -Gany,  -Geschwüre ,  Ge- 
suchte, -Kinder,  -Krankheit,  -M<ttcric,  -Note, 
•  Schärfe,  •  Wasser,  -Znhmveh. 

Foehn,  in,  («h  tat.  taTonlu*  —  Westwind]  lud. 
fiivonio;  rtuetoron  tavuogn  ;  we«i*cbw.  focu  -  su«i- 
wind.  Sunderluft.  Kluge*,  III).  —  TÖhn-Sucht. 

Förch  h.  Ferch. 

Forsche  (Tirol)  -  Ferne  (Hlntuer  s.  20j. 
Föss  (Fiss)  ■.  Fues. 
Fössel, «  Feaeel. 

Fohlen,  n  (Fullen),  Fohlen  Brod,  Gift,  Hemd, 
■Krankheit,  -Lähme,  -Pech,  -Zahn.  —  rtfcfüllen 
=  die  (ieburt  eines  Fohlen  beenden  (Falke  I,  4). 

—  (1592)  Schlauch-  (Schleich  -Füllen  Hengst- 
fühlen  mit  l'raeputium  penis  (Seb.  239). 
t'errttllen=  Abortus  bei  Pferden  (Kalke  II,  inj. 

Folge,  f.  Folge- Krankheiten. 

Fölma  (ahd.)  f.  (indoR.  pil;  Rerm  föl ,  all»  lolm. 
Kluge  ,  121  IT.;  i>alm  van  der  liant;  palmc,  1),  407)  = 
die  fühlende  Hand,  Palma  maniiH  (s.  fühlen). 

Fontanelle,  f.  1.  (  =  Ausdruek  der  anatomischen 
Schulen  für  Vertex  pulsatllls  I'llnli)  =  Sfirn-Fonta- 

nelle  =  Blau  (s.  d.),  Blattchen  (Hyrti,  k.  \v.  im) 

—  2  —  das  künstlich  erzeugte  Geschwür  oder 
der  GeschwürsflnsB  (s.  Fluss  7),  der  zur  Ent- 
fernung einer  angenommenen  Materia  peccans 
am  linken  Arme  oder  in  der  Nackengruhe  offen, 
beständig  fliessend  erhallen  wurde  ,'fons  =  Quelle, 
Brunnen ;  fontaueOa — der  kleine  Brunnen), 

fort-  (die  ZnaimmeiuotzmiKen  mit  dieser  Vorsilbe 
«nebe  beim  folgenden  Stammwort«). 

Forz,  in.«  Farx  (».  d.)  Furz,  vontris  ctopitus. 

(tlr.  W.  IV.  l.  41). 

Foss,  m.  :<..i  (Vo8,  Foschlnd  ],  Vosch,  m  , 
Fasch,  n  ,  Fes,  Föss,  Füss.  Fiss,  Fuchs)  I  rietet 

[in  Kuhn,  Zeltschr  V,  312);  stell!  nord.  vosnls  llaii!iil,el, 
Pustula,  seahies  zur  [«anskr.]  Wur/.el  vas  intertlcere 
[duu  verwesen,  s.  d  ]).  —  f088  =  faul,  schimmelig, 

wurmbrfichig,  wurtnfreteig,  durchlöchert  (Gr.  w. 
IV,  l.  41).  —  Fosch,  FOSS,  m.  -  Rehwämmchen 
(fälschlich  Aphthen),  Oidium  albicans  (t.r.  W.  II, 
640;  Hufeland  K4,  Aekennann  518;  Schmeller  I,  1038) ; 
Fuchs  (in  Hamburg  und  Holnstein)  =  Vosa  =  die 
Halsbräune  (Hr.  W.  IV,  1  340)  dies«"  oft  mit  Soor 
verwechselt).  —  der  (das)  Gur-Foss  ( K urfes,  Kur- 
fo«eh,  liurflss,  Kurvusf.  Curliss,  Curfes,  Kur- 
fress,  Kttrfes)  -  Schwammchen,  Pilzbildungen 
(Soor),  die  «ieschw Orsprozesse  im  Munde  des 
Menschen  od.  im  Pferdemaule  machen  (l  >99  cur- 
fl«s,  ..eine  Krankheit,  welche  die  Russe  in»  Maul  an- 
alogst, das«  ihnen  dos  Zahnfleisch  Reschwillt  an  den 
Stockznhncn  und  sonst  anderen  Zahnen,  fallen  Ihnen 


auch  I^K-ber  «Ircln"  .  Or.  W.  II .  CIO  ,  1603,  1629  da» 
•  urfes  [-  Citirloss]  —  aphthac  [idcola),  ulcera  In  orc 
pueril  nasrenlla,  Schuiclhr  1. 1291  ;  I».  13;  Colcr,  K.r.9; 
U  A.  1äI)  -  Kurfes-Gesicht  (#.  Sucht  :  (vergl.Gur  ). 

—  Mil  -Fasch  (Foss)  —  I.aetueimen,  milch- 
weisser  Soorbelag  im  Munde  (Kraus,  K.  &S2).  — 
Sand-Toss  =  Soorbi Uhingen  auf  der  kornig-pa- 
pillären  Zunge  (Kraus,  E.  io~>.  723)  u.  nachgebildet 
begrifflich  aus  <lem  „Mehlgrand"  ( -  Mehlsand). 

Fotz(e),  n.,  m.,  f  (Futz(e),  Fot,  Fut,  Fud, 

Füdlein)  (indoRortn.  pu  den  Verwesungsgeruch  von 
sich  gelK'li ,  keltisch  fod,  lol,  fud,  futt  —  inatrix,  Vulva, 
|)u  !*aiiKe  III,  >n  ;  Renn  fn  ;  aus  fu  bildeten  mehrere 
Renn.  Uialektc  futh  —  ciinnus,  KIurc4,  79;  a'.tnord.  fud 

-  cutnius,  Klupe*.  17'.;  ahd.  fudt,  tut,  fotte,  foi  = 
vulvs,  cunnus,  llyrtl,  KW.  U;  (iriunn  (W.  IV,  1.  1060; 
stellt  es  tu  Roth  fiutan,  pudere,  sieh  aehamun.  dem- 
nach w  urde  der  Jetzt  unziichtiKC  Sinn  de«  Wortes  von 
einein  zuehttRen  abstnuiuien  ;  ür.  W.  IV,  1  13.  H,  IUI 
futl,  ZiiiRurlc  191 ;  1171  fud,  tos  —  cunnus,  vulva,  Schm 
I,  «W ;  im  lud  =  TOlT»,  Or.  W.  IV,  1.  «  ff. ;  1476  f otxen 

-  vulva,  janua  ventris,  lir.  W.  1.  eod  ;  HS2  fud.  fott 
vulva,  ZeniiiR.  Voc.  Iii;  (Jr.  W.  IV,  1.  43.  3452;  1482 

foUe  -  Nase,  Zeninp.  Voc  il;  1IS7  fud.  Schmeller  I, 
«193;  im  li>  Jahrh.  wird  da.«  Wort  aus  Anstand  Remiedeu. 
i«l  aber  heule  noch  [Bayern,  listcm'leh,  Schwaben. 
Tirol]  gebrauchlich  St  «lallen,  futz  cunuus,  vulva, 
(ir.  W.  IV.  1.  1102;  Schwaben,  fud  =  weibliche  Scham, 
<•.  v,  Schm.  207;  fudle,  fudlelu  =  podex.  8chw .  306, 
Tirol,  fud,  fut  =  podex.  Hlntuer  7.  17;  vtdli,  Z.  f.  Ö. 
V.  K  1S96.  '.19,  fotz,  «ir  W.  IV.  1.  46;  Schmeller  I,  6*1; 
1702  Fezl  Fotzl,  Weibsbild;  Tolleleg.  222).  —  Fttt 
(dieses  die  rii-htige  Schreibweise,  ist  demnach),  1.  = 
Cunnus,  Vulva,  weihliehe»  (iesehleclitsglied 
Feminal, Schnallen,  Masche,  Britischen)  (Fotxen- 
kraut  —  C'hetiopodlum  vulvaria,  L.  Jessen  92).  —  2. — 
dieser  Begiitl'  1  ging  auch  in  den  des  nächsten 
Körperteiles  =  Podex  über  (Schmeller  I,  7»2).  — 
3.  =selhst  auf  «las  männliche  (ieschlecht  wimle 
es  (in  Scheltworten)  übertragen  ((ir.  W.  IV,  Ltd. 
1060)  —4  =  wie  öfters  wird  das  Wort  für  Cunnus 
auch  auf  «len  menschlichen  Mund  und  das  Maul 
der  Tiere  übertragen  (mit  verächtlicher  Bedeu- 
tung (Schindler  I.  7*2;  Schlicht  114) ;  Ft>t«  =  Maul. 
Fotzen  f.  =  Maul,  Vulva,  Podex  (vergl.  Triel- 
fotl),  (AufTHlllR  ist  und  wohl  nur  mit  «lern  KnU-npfer 
von  Tieren  erklärbar  die  VerwendniiR  dieses  Kortter 
teiles(Schweln]  zu  aberRlaubischen  Hellversuchen  [Jahn 
22-'>;  f.  Thes.  »an.  ßr.  84;  Gr.  W.  V,  2901],  sein  Vor- 
kommen in  der  MeURcrsprachc  und  die  IlenennunR 
von  Waldteilen  mit  die»em  Namen,  i.  11.  Hnndsfutt- 
holz,  Kuhfui  [Kuhflucht V)  s.  auch  Kcff  '  1.).  —  Fütle 

(Pidle),  Fütlein,  Fütel  (Füdel),  l.  --  Vulvula 

|<lr.  W.  IV,  1.  36:t,  370.  1064,  1101;  Schmeller  I.  691). 

—  2  -  Pod«  X  (Schwulien.  Tirol.  Hävern,  Cr.  W.  IV, 
1.  870;  Hintner  7.  17;  Schneller  I,  694;  C.  v.  Schm. 

207).  —  (i6os)  Ftttlach  (Fudloeb,  Födiaeb),  1.  = 

Vulvula.  —  2.  —  l'o  lex  -  fudl  ohi  ,, durch  Verdun- 
kelunR  Ist  dos  a  In  Fiitlach  zu  o  [Futlochi  geworden, 
*ir.  W.  IV,  1  370.  371).  —  (17101  Ftttung  .'Kulmua  187), 
1.  —  das  Coagulum  visciduiu  (tlutinoeum,  der 
Brunstschlidm  der  Stuten,  aus  der  Fut  ausge- 
worfen. —  2.  —  der  entwickelte  I'ferde-Foetus 
der  ersten  Wochen  (im  Innern  der  Fut).  —  (Die 
l-tlanzen-Namen  :  Fotz»  ein  tind  lr»39  FotzxwanR  [  =  or- 
ehl«]  cehoren  hieher.  f!r  W.  TV.  1    tfl  Aphrodlslaca). 


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Fradem— Frais 


Frais 


ja  läufig  (von  Weibern)  (Schindler 
:   -    --:    —         fl  :  ir-Fotz  -  vüius  da« 
lockte  Schamhaar  am  Mona  Venens  fetninae 
I>.  «:>  —  ifatne-Ftidle  =  „eui  alvus  sua  sponte 
nuit-  vBuck  i*.  wie  bei  Hahnern  —  Triei-Totz 
:  Mund  ober  dem  Triel  >.  d ).  —  Fotzen-, 
(Fltsen-  .  Put-,  Fotx-)  ßarf,  -Gigei,  -Haar, 
Lapp,  Maul,  ■nackei,  Xoll,  SekU<-ker,  rrr«hrt, 
v-99  futzeln.   .  -— 

fotxelnj1  =colre"  ~  2 '* 
übelriecben  ;0r.  w  .  iv.  L  1102 

Fradem.  m.  (Fratem   -nd  fr«-.,  m  Gral  m, . 

<;r  W.  TV.  L  «7.  s-h«  214;  =  Bradetu  ,«  d  \  Vapor 
fraess  *.  frass. 

Frais,  f.  (Fraiach,  Fräsch,  Fr  eissam. 
Fraischem.  Fresem,  Fraisen.  Freissum. 
Fräset  Fraiseln.  Fr  aislein,  FraissJ,  freiss 
Gfraiss.  O  frasch)  neulich! 

r-cls«*n;   Kl»   ».  d.  —  Srhrvekeu 
analog  tu    Iresaen  -  ^erewn;  gvth  frai«*n 
f-e-ncnlum  fao-rr    ahd.  frri-va  =  j*-ncu!utn.  <5ralT  III. 
VJP    frviuam  -  rnaltiroutn.  tn*tc.  «iralT.  1   <■   III.  vT..', 
mhd  vtwj«  -  FurrM.  Schrecken  vrvwsain  ^  Schr-  cken 
•ehrw.-kliclw  Krankheit .  IV  Jahrb..  Trw*m  -  cooler* 
D.  131.  14«  tr»r»e  Zening.  Voe.  bb  S; 
na.  Im«» um    U.  Sa«-h»  —  ery«prlas    i:>10  frai« 
=  phreaeau;  1-H*;  fraiaam  .  H.   v.  Gersd.  102  1VKJ 
(rviMum  =  i-irtnt.  King e  *.  14V  lisS  du  frainl.  <_.r.  W. 
IV.  S.OT;  15«  freissUeh.  Tabero.  37  B;  1614  frai» 
•U*  Venrift  [81  ■  M  :.  161-  fraiseln.  fri*el 

1*».  Koehler  VG1  SS;  17 
kr  Fohlen.  K.  A.  SO»;  ndl.  vre«. 
I>e  Cocfc  36.  177J  fraisaam  =  Grint  Kheinpr  fre*«m 
-  <;rtnt.  Klare  \  H'>  Die  verschiedensten  Krank- 
heiten werden  mit  diesem  uralten  Namen  be- 
zeichnet: L  jede  Schrecken  erregende,  plötz- 
liche, konvulsivische,  eklamptische,  apoplecti- 
forme,  epileptische  K  rankhei  t ,  die  den  Menschen 
oder  das  Pferd  „anfallt",  „anstosst",  seine 
Utujfebung  in  Jsmmer  und  Schrecken  ver- 
setst;  a}  =  Convulsiones  infantiam,  namentlich 
das  Angenverdrehen  der  kleinen  Kinder  .„Ver- 
stellen" e.  d .),  vom  Volke  personinaiert  als 
Fr. ti  sie  in.  Oefraislein  «.  d)  ^tobeoToll  U7; 
Bavaria  D,  2.  SS5;  Gr.  W.  IV,  z  124t  .  Schneller  I,  ; 
B4T«rU  III,  L  4ü4 ;  iv,  i.  221'  Ivergi.  Gefraiscb, 
Gichtern,  Vergicbt,  Jammer  ,  b)  Hydroeepbalas 
acutus  infantium,  Kopffrais,  schreiende  Frais, 
stille  Frais;  c)  Eclampsia  infantium,  Termin, 
Wurmfrais,  Zahnfrais,  Vergift  =  Vergicbt  st.B.- 
Mir  ).  Gichtern,  Darmtfcht.  Noch  heute  ist  der 
eklamptische  Anfall  Fraisen^  eines  Kindes  der 
Schrecken  (vreissam,"  aller  Nachbarweiber,  nicht 
blou  der  Motter.  FreUamkratr.  —  Lathraea  tqoa- 
L,  Jeaaen  SC  -  Gicht-  Verficht  ;  W  unel.  '  .-cht- 
=  Paeonl«.  die  den  Alp  ]*.  d.]  rertreibti;  d)  Epi- 
lepsia,  als  schreckliche  Krankheit  mit  Konvul- 
sionen, {„da*  Hinfall  und  Kral«!  »ind  G^vrh  a  i«rert 
[Bo«n.  Mirakel],  Schmeller  I.  SÄ.  «27;  Scbw.  ZU,  = 
fallende  Frais,  Unkraut;  e,  Eclampsia  par- 
turientium  tSchmeilerl.to:,  Mutterfrais;  f  Con- 
vulsiooea  hystericae  (Paaaa  lt.  ;  Apoplexia, 
das  Fraislicb;  h)  plöUlich  eintretende  Bene- 
gungflhemmangen,  Sperrfraise,  Herrgespann 
(Frisch)  (Gr.  W.  IV.  2.  124« :;  ij  -  Tussis  convul- 


siva als  Krampfhusten  mit  bedrohlicher  Er- 
stickungsnot; k)  febrile  Tobsucht,  Phrene- 
SIS,  Pest  (s.  Vergifl)  ,,dit-  wutende  Sucht  phrene*i» 
ftoannt".  Frie*  im.  B5).  —  II.  a)  =  der  unver- 
daute, grünliche,  gehackte  Stuhlgang,  die  ver- 
meintliche Ursache  iur  Eclampsia  symptoma- 
tica  infantium  (..wenn  die  Kinder  die  unnatürbehi 
Hiu  ul<rlaaft  nnd  Baach  weh  hal*n"  .  Volks-Me«!  d 
Verl  S  99.  (Darmgicht);  b)  o  (U.  Jahrh.)  Cholera 
(I).  isij.  —  III.  =  Hautausschlage,  durch  deren 
Vertreibung  das  Volk  die  Frais  I  hervorzu- 
rufen fürchtet,  oder  die  auch  son*t  ob  ihres 
Aussehens  oder  ihrer  elbischen  Ursache  ein 
Gegenstand  der  Furcht  sind:  a)  Impetigo  lar- 
valis  iBehrvnd  17;  Freisam, ,  <irintaust-chlag 
s  Grint  Urusta  lactea  Kavaria  IV.  t  219.  C  r. 
>.  hm  201.  in  der  Pfalz  l're.-eTn.  fanli  114  :  in  der  Rhein 
i.rorini  Fre«.<in,  Klare  *.  i«-V ;  b)  Erysipelas  U.  An- 
l  hrax  Phlegmone  Hort  aan  rote  Frais  .  Fraissgut 
•»  d.),  ..das  Frais»"  il.tSZJ  ■  Milibrand-Karbunkel 
Ignis  persicus,  Wildfeuer  r.  w.  iv,  2.  SV7/; 
i-  =  Fiiesel  ,c  v  <ohm.  201);  d  -  Icterus  culanens 
ifelbe  Frai*  .  b  <  d  konnten  auch  tu  Frais 
1  k  sagereiht  w  erden  —  Da.«  Frais  1  ich 
lieh)  -  die  Selig  (s.  d.)  od.  Apoplexia  (ndl.  \ 
lüke;  JkwUUk,  qnod  dicitar  Sele«a  '.  I-ammt  rt.  Volk»- 
Med  BS«,  das  Schreckliche,  Grauenhafte  >eil 
Leiden  Schnuller  I.  «.^3,  l*e  i  ock  12;.  —  frais  .: 
1x17  vre*ich  ■  Umoratu?,  l>.  :»s3j  —  mit  der  Frais 
l»ehafiet.  —  (l&rv.  angehörte  Frais  -  durch  Zau- 
ber (s.  d)  einer  Hexe  veranlasster  hysteri- 
scher Fraisen -Anfall  tv.  iL  IT  Anh  >  — 
W<ii*<*  Frais  -  der  konvulsivische  Blau  Husten 
t/Tussis  convulsiva).  —  16«,  Darm-Frais,  1  - 
die  konvulsivischen  Muskeiliewegungen  u.  das 
Geschrei  bei  der  Darmgicht  'Darmvergicht, 
Gichtern,  Darmjammer  <ir  w.  11.  7-1  —  2.  = 
der  gehackte,  dyspeptisclie  Muhlganjr  der  Saug- 
linge als  Ursache  su  Konvulsionen).  —  fallende 
Frais  =  Epilepaia,  Convulsiones  epileptiformes. 

—  fraise  h  ^ifraisen)  eigentliche  die  Mehr- 
xahl  von  Fraisen-Anfällen  'Convulsiones)  oder 
alle  Fraisen- Arten  susammengenommen ,  also 
auch  Haut-Ausschlage.  Gefrais  lehnt  «ich  wie 
Fra«e!  »ehr  an  Gefras*  «  d J  aa  Bararta  III,  1  704. 
IV.  t.  221;  Gr.  I).  M  U.  1111;  Wultke  476  M2;  Müller 
Krtrl-ch  90.  f.  r.  Schm.  201  .  E»  kann  nicht  wunder 
ueh::ieo  ,  »enn  die«  in  der  Kiudemut»«'  so  oft  ver- 
tretene  Krankheit  in  ihrer  rr**che  eine  damonlsti**  h-> 
PertoniSkaUon  noch  erfahrt ;  wie  fast  alle  altbenannten 
Krankheiten  wird  da*  «iefrais  durch  Bann-Worte  1-c- 
»prochen,  und  in  ihnen  tritt  das  deffeischlem 

.  I-acimert  Wvlk« -  Med. v  auf  '  >b  -Franken:  ver((l  Schreck- 
aelr  n.  Gtcbüeln)  —  gelbe  Fr&U  =  Icterus  (mit 
Konvulsionen?)  —  Cr 'mn A -Frais  -  Meningitis 
cerebrospinalis,  Genick-Krampf.  —  grtitilicKe 
Frais  =  schreckliche  Pest.  —  grünt  Frais, 
L  =  der  gallig-grüne,  gehackte  Stuhlgang  der 
Kinder.  —  2.  =  die  Eklampsie,  die  bald  tum 
Tode  führt  (fahlgelbe  Todesfarl  e  der  Haut). 

—  Hirn-  \Kopf-  Frais  -  die  Konvulsionen  l>ei 
Hydroceplialus  aeul  inf.  liitziger  Wasserkopf) 
und  Risor  Hippokratis.  —  Mut ■  ■  Fr;-.i -  =  Con- 
vulsiones ex  utero:  a'  Eclampsia  puerperalis 
>ilde  Fraisen);  b)  Convulsiones  hystericae 
'Scbmelltr  I.  s.-     —  rote  Frais  -  Kotlsnf  (mit 


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10<»  Fruugvn—  Franzosen. 


Franzosen 


Delirien).  —  ScAatfm-Freis  -  vermutlich  ent- 
stellt aus  Scheitelfreis  oder  Scheiden-Frais,  die 
vom  Kopf  ausgehende  oder  zur  Scheidung  (Tod) 
ffthrende  Frais  (Schmeller  II.  484).  —  schreiende 
Fiais  =  Reizungs-Stadium  beim  hitzigen  Was- 
Herkopf,  der  mit  Krampfanfallen  sich  einleitet, 
(crie  hydrocephalique,  s.  stille  Frais).  —  alle  77 
Frais  =  die  höchste  und  schwerste  Form  der 
oft  unxilhlig  wiederkehrenden  Fraisen-Anfälle 
i  s.Sieben).— Spcrr  Tnis  -  Trisnius  neonatorum, 
plötzliche  Mundxperre  (s.  d.)  bei  Kindern  (nicht 
Speiseröhre  wleSchmelle-I,  82<>  steht.'.  —  Stick-Tr&is 
=  der  konvulsivische  Stickhusten  (Tussis  con- 
vulsiva). —  stille  Frais  —  Lahmungs-Stadium 
beim  hitzigen  Wasserkopf  (Hydrocephaloid), 
Gegensatz  zur  schreienden  Frais  (s.  d).  — 
unredende  Frais  [n<11  onredelljeke  vresse,  De  Cock 
177)  =  stille  Frais  —  xible  Fraise  (1489  ubel  frayse, 
Zcun.  Voc.  b  b  s)  -  Schaden  (Perieulum  in  rnorbo). 
—  Wasser- Frais (ndl.  watervTees)  =  Wasserscheu, 
Wasserfurcht  (s.d.).  —  tri/dY  Frais  =  Eclampsia 
puerperalis.  —  Wiirm-Frais  =  Konvulsionen 
der  Kinder,  deren  Ursache  man  in  Eingeweide- 
würmern sucht  —  ZaAn-Frais  =  Eclampsia 
symptomatica  in  denlitione  difficili,  Konvul- 
sionen durch  Zahnungsreiz  (Schmeller  I,  826).  — 
FraiSS-GMf  —  FreUnmkrauter  =  Achillea  clavnta, 
Herba  clavtlata,  Viola  tricolor,  H.  v.  liersd.  102; 
Schmeller  I,  827;  Volki-Mcd.  d.  Verl  S  99). 

Frangen,  p).  (zu  wrangh ;  roifern  trank  [  renken]; 
ndl.  wrong  -  eine  Krankheit  der  Kuhe  {».  Hirsch- 
krankheit], Kluge*,  ungls.  wrenc  -  Krtitntuung, 
1475  wrangh,  wränge  —  Kaukkoru  der  Schweine,  pnrrigo 
|  —  inflnuita-i  porromm]  f>  448,  [Westfalen]  frangen) 
■  frangende  Braune  (Milzbrand,  Kankkorn  der 
Schweine),  wobei  die  Tiere  den  Hals  krumm 
oder  steif,  wie  verrenkt  halten  (s.  pfrangen).  — 
frangendc  Braune. 

Franken.  —  fränkische  Seuche ;  s.  Syphilis 

u.  Franzosen. 
Franse,  t    Franze  (aus  dem  ronaa.  trange, 

f' angin  -  nmbria;  ndl.  frone  n  1.  Hautfalten; 
2.  =  Muttertrompeten  (De  ruck  24-,  Kluge»,  117, 

Knlke  1,  2M). 

Franzosen  (Frantzen,  französisch),  1.  = 

Syphilis  des  Menschen  mit  Krankheils  -  Er- 
scheinungen, die  „die  Franzosen"  genannt 
wurden,  weil  Frankreich  von  jeher  als  das 
Mutterland  der  Syphilis  gegolten  hat;  auch 
(1183)  Morbus  Palliens,  neapolitanus,  hispanicus 
etc.  (cf.  Syphilis)  —  eine  Infektionskrankheit  '.«.sc, 
giftig',  welche  Haut-Kufen  und  -Knötchen,  eine  kop- 
rirlite  Haut,  Narben  mneht .  wie  wenn  die  Kranken 
die  Pocken  hinten  oder  aussätzig  waren,  sodass  mau 
die  Krankheit  auch  die  .,l...«et>  Blattern"  (s.  d.)  [1515 
bo«eu  blättern  die  man  nennt  mal  frimlrnsen  Fuchs  I, 
351;  C\  x.  Schm.  471]  auch  „watsche  Bo«cn  oder 
Purpcln"  nannte;  dabei  fahren  Heulen,  Bälle),  Tüppel 
und  ,, aufredende"  (iir.  \V.  IV,  1.  611  „wilde  Warzen" 
ßcfluseller  I,  826)  auf,  die  zu  „gTossen  Schaden"  »Ich 
auflehnen  ( -  Locher;,  welche  Krankheit  mit  einer 
allgemeinen  (ilicdcr-  oder  Knochen-Schwache  Lahme 
«.  d.)  einhergebt  und  häufig  einen  Knochen-  oder 
«'«elenkprozc«  hintcrlff-st ,  der  zum  ,,Contr»ct-Mal" 
V  d.)  führt  (Schmeller  I,  825-  mtl.  Bcttr.  z.  Anthrnp. 


!  u.  fruesch  Bayerns  XI,  6»;  sie  i«t  dt.  st  Monus 
Krankheit  [■.  d.],  Schmeller  I,  825).  —  In  der 
„Franzosen"-Schmier  liegen  =  eine  Schroier- 
kur,  wie  sie  „die  Frantsosen-Artzel"  (1681,  Para 
celmiü)  verordneten,  gegen  Syphilis  gebrauchen; 

1  Franzoisen  scheint  richtiger  und  ursprunglicher  zu 
»ein.  —  2  =  die  mit  Syphilis  verwechselten 
Tierkrankheiten:  a)  die  Perlsucht  (Tubercu- 
losis) der  Rinder  als  finnige  Krankheit  (s.  d. 
u.  Finnen)  Falke  I,  296);  b)  die  Schweinefinnen 
(s.  d.)  (Falke  I.  c  J;  c)  die  Besehalerseuche  bei 
Pferden  (K.  A.  632),  d)  der  den  Franzosen  (  =  Sy- 
philis) am  meisten  ähnliche  Pferdewurm  (Kotz) 
(Helmont;  Kalke  II,  27 1 K    Man  nalim  am  Ende  des 

l  15.  Jahrb.  an,  das«  diese  Krankheit  (1)  von  Frankreich 
her  alt  eine  ganz  „neue  Krankheit"  (■.  d.)  erschienen 
sei;  »ie  war  aber  sicher  (Haeser  II,  225;  Fr.  I.  402.  414 
-chon  früher,  vor  1472  auch  in  Deutsehland  bekannt, 
l'rocksch  („die  «Jeschicbte  der  venerischen  Krank 
heiten")  sagt  auf  Grund  eingehender  Studien 
über  die  Syphilis-Geschichte :  „das  Volk  kannte 
die  Krankheit,  wenn  auch  nur  in  einzelnen, 
grellen  Merkmalen  und  sehr  unvollständig  lange 
vor  den  Ärzten  oder  doch  wenigstens  lange 
vor  der  Syphilisliteratur"  (II,  IX»,  auch  in  diesem 
Krankhelt«namenbuche  sind  viele  Belege  für  diesen 
Ausspruch  zu  linden;  nach  dem  langst  üblichen  <.e 
brauche  des  gemeinen  Volkes  (..vulgo")  wurden  die 

I  Franzosen  ins  Latein  der  I.iterotur  als  morbus  gallicn* 
übersetzt.  [1467  malum  Franciae,  Fr.  I,  360 ;  1472 
fetulentns  morbus,  oul  dieitur  mala  franzos.  Haeserll, 
227;  1.  c.  II,  222.  223;  Fr. 1,372;  1480  franeois  -  morbus 
galllcus ,  Schmeller  I,  824);  schon  das  Auftreten  der 
,, Franzosen"  im  Jahre  1472  spricht  dagegen,  dass 
dieselben  als  „neue"  Krankheit  zuerst  MM  im  August 
Im  Heere  Karls  VIII.  vor  Neapel  (Mal  de  Naple)  «ich 
gezeigt  hatten  (als  mal  fratice»e,  ;  1493  frantzosen  ^ 
morbus  gallleu«,  Z  Hdb.  d  sp.  Path.  u  Ther  III, 
in;  149  .  malum  Franciae  -  Haeser  II,  227,  1495  mala 
Kranzosa  Khonbeschr.,  Schnurrer  II,  46;  1496  fran- 
zosen,  Lersch  201,  Z.  Hdh  III.  II;  1196  malum  de 
Francia,  Haeser  II,  212;  malum  franclcum.  Fr.  II, 
20;  mal  de  Franzos,  Fr.  I,  876;  malum  Franciae,  Pr.  1, 
359;  1497  plaga  francosen,  Schmeller  I,  824,  malla 
franUo««a  Rhonbcschr.],  mal  franzoso.  Fr.  II,  23;  1491 
mala  frant/o«sa,  Bavaria  IV,  L  221;  1497  betleckt  mit 
der  Kranckheit  der  l»o«en  blättern  genant  Male  Frau- 
ClwM,  Kriegk  I,  >27;  119!»  morbus  franeu«,  Haeserll, 
21".  1499  Frcchn,  den  man  nennt  mala  Kranntzos. 
\  ierordt  79,  1"<00  malum  franeum,  Haeser;  1601  malum 
Franciae,  Haesc-r  II,  214;  1506  Iran t zogen  schir  jeder 
mann  hat  Wf  :  \\]  lew  t  freaMD  sy  gar  hinweg,  Vlerordt 
79;  1507  Mdgo  morbus  gallieus  sivo  franzouicus  -ive 
iiialafrauzo«ii  Sehnurrerll,  59;  1509 Franzosen  —  morbus 
KnUiOtts;  1514  malum  Franzo-iae,  Fuchs  1,3.51,  IM  I  mala 

j  francosz  -  mentagra   Rosenh.  27»;  Ct.  W.  IV,  1.  64. 

'  1519  frantzooen,  Fuchs  I,  858;  Fraatzosen  oder  Blätteren. 

j  VierordtSO;  15.-16.  Jahrb.  mala  de  Frantxos,  Schmeller 

I  I,  S24  ;  1*10  fnmt/o«  -  morbus gallicus,  D.  36»,  15.17  Iran 
tzosen  =  mentagra  [syphll.],  Fuchs  1,874;  1686  Fran- 
zosen -  arme  Leute;  1  «60  Frantzen,  H  Sachs,  Schmeller 
[,  825;  15*0  die  Frantzosen,  Fuchs  I,  377;  1591  mit  den 
l'rantzosen  befleckt,  Tabern.  26 1  ,  1616  Französisch, 
ParaceUus ;  Ct.  W.  IV,  1.  63  =  morbo  galllco  comiptu» 

,   [franzosi«eh  teldsiech];  Gr.  W.  III.  14S9;  1618  Fran- 

,  tz<.-en,  die  mala  Frantzoscn,  Paracel»)  —  (1527)  tran- 


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Frass. 


Kratsche-Frau.  167 


ZOSicht  =  HVpliilitlKch  (Karlsbader  Badeschrill  — 
französisch  =  nach  Franzosen-Art.  —  (1WS) 
Französer  =  einer,  der  an  den  Franzosen  (Sy- 
philis) ei  krankt  int  (Gotar,  H.  A.  288).  —  (UM) 
arme  Franzosen  (FranzbBigen)  (Kranken)  =  arme 
1-eute,  gut  Leute  =  syphilitisch«  Spital-Kranke 
i<;r.  w.  iv,  i.  6a).  —  böse  Frantzosen  (H96  das 

Ih*m  FranUo«  -  wilde  Wunen  [»yptill.  Feigwnrüen};  | 
l»«.s,.n  Franxo*  -  wilde  Wunen;  UM  hose  Franzosen,  j 
*cit  1491  In  der  Auvcrgnc.  Fr.  I,  Ml ;  Ftich*  I.  '.'7,  28.  90; 
Haeser  II,  216,  fr.  I,  «*.  S6s.  376;  Beek  307)  -  an- 
steckende, giftige  (wilde)  Warzen  (Sehmeller  I. 
-24),  Franzosen-  oder  „böse  Blattern"-  (s.  d.) 
Krankheit :  (1496  ein  todbringender  »iochtag,  wolehen  , 
die  roemisch  zung  nennet  du»  boe*o  Frunzos  [Fuchs 
!.  c.)  =  mal»  Frantzos).  —  (1748)  eingerissene  Fran- 
zosen -  die  konstitutionelle  Syphilis,  die  nicht 
mehr  lokal  sich  zeigt,  sondern  den  ganzen 
Organismus  ergriffen  hat  (K.  m.  eh.  i;»Ü.  —  fette 
Franzosen  =^  Fi  anzogen  2,  die  Perlsucht  der 
Kinder,  wobei  die  Tiere  ftusserlioh  keine  Be- 
einträchtigung der  Ernährung  zeigen  im  Gegen- 
sätze zu  den  magereren  Franzosen  (K.  n.  r.  II, 
IM),  —  (M1S)  giftige  Frantzosen  (Pansu  2)  -  an- 
steckend, infektiös  (Pestis  miseranda  et  lugu- 
bris)  <z  Hdb.  in,  U|.  —  07.-.t»  halbe  Franzosen 
-.  nicht  ganz  ausgeartete  Syphilis  :stnr  :m).  — 
Hun^rr-Frantzosen  =  die  Franzosen  (2)  beim 
Kindvieh,  eine  mit  stickendem  Husten  und 
Abzehrung  verbundene  Krankeit,  welche  das- 
selbe mager  macht,  als  ob  es  Hunger  litte  (Gr. 
w.  IV,  2.  m;>)   —  (K*o)  innstehende,  (UM)  inn- 
irendige  Franzosen  -  die  in  den  inneren  Or- 
ganen beobachtete  sog-.  Visceralsypbilis  Wr.  II, 
40.  276).  —  (um»)  junge  Frantzosen  =-  frisch  er- 
worbene Franzosen,  primareSyphilis  (Ouar.  910;. 
—  (17.  Jaurh.)  köpriehe  Franzoisn  -  Syphilide 
der  Haut,  welche  diese  holperig,  mit  Narben 
und  Knötchen  durchsetzt  machen  (Gr.  W.  V, 
i7Wi  _  magere  Franzosen    die  Perlsucbl  der 
Kinder  mit  Abmagerung    K.  u   V.  11,  1U;.  — 
ii6i8)  menstruosische  Frantzosen    Syphilis  mit 
sekundären   Affektionen  an  den  weiblichen 
Geschlecht«- Organen  (menstruum)   (Pnrneels. ; 
Vr  II>  S1)  _  (i5.«o)  pocketc  Franzosen  -  Lues 
venerea  fwalscho  Pocken)  (Gr.  \V.  VII,  UMS), 
welche  Narben  wiedie  Pocken :  ^  Variola  hinter- 
lft8Bt  —  Franzosen-,  französische  (r,  es)  Art, 
■Aussatz,  Beulen,  Beutzcl,  Blüthrlein,  Butzcl, 
■feldsiech,  -Hechte,  -Firns,  -Galanterie,  -Ge- 
fiechter,  -Gesrhicär,   Gift,  Hinke,  Jutcelmkram, 
-Klauenseuche,  -Knollen,  -Krätze,  -Krankheit, 
-Lahme,  Leute,  Locher,  Natur,  Pocken,  Kurf en, 
-Samenfluss,  Schadm,  Schlier,  Schritt, -Schrun- 
den, S-Jttceine,  Seuche,  Sucht,  ■  Tritt,  ÜM,  ■  Ver- 
giftung, -Wurm,  -Zapfen,  -Zeith n, -Zitterach. 

FraSS,  m.  (FrOS8)  (zu  fressen,  ahd.  Mi;  nilid 
vmx),  1 .  -  das  Essen  und  2.  ^  der  Fresser  (s.  d.) 
Kluge  1171,  Homo  vorax  (b.  Kindelfresser).  — 
3.  =  der  Hungerzustand  (Wolfshunger,  Hunds- 
bunger;  (K.  a  337).  —  Bein-  {Knochen  )Frass  - 
dieVcrzehrungdes  Knochens  (s.  Knochenwurm) 
durch  den  sogen,  kalten  Brand,  Carie«  (von  v.s-f-oj 
a  fressen)  —  (lMa)  Z)arm-Frass  =  Kolik  (bei 
Tieren)  (Kalke  i,  203),  als  ob  ein  nagender  Dit- 
monenwurm  im  Darm  fi  assc  und  die  Schmerzen 


verursache  (engl  frei  -  Hauehgrinimen  .  bellfretting. 
windkolik).  -  GrfräSS  s.  b.  Fressen.  —  gefrässig 

-  viel  fressend,  durch  FraBS  gedeihend  (Roch- 
doli  II,  263).  —  Üi<«-Frass,  1-  =»  der  fressende, 
atzende  und  aufzehrende  Eiter.  —  2.  =  s.  Kiter- 
frefser.  —  Gi>r-Frass  -  eine  Art  von  Blutsauger 
fs.  d.)  (Pommern).  —  (l&i*)  hündischer  FraSS  - 
Bulimus  (Hnndshunger)  (11-  v.  Gersd.  99).  — 
A'nocArn-FTass  =  b.  oben  Beinfrass.  —  Yiel- 
FraSS  (ahd.  fraz  vel  filourezo  -  ganeo,  D  2.'<7i  1.  einer , 
der  viel  isst  (Bulimus)  (Kluge*  391;  Z.  t.  ö.  V.  K. 
1896,  211).  —  2.  ein  rhachitisches,  heisshunge- 
riges  Kind  (Urquell VI,»»).  —  ZnÄn-Frass-  Spba- 
kelos  Hipp.  (Fuchs  11,27)  Caries  dentis.  —  Frass- 
Geitigkeit. 

Fratsche  (Tirol),  Fratze(n).  f     eine  Fratze 

-  ein  Gesiebt  mit  verzogenem  Munde  (Hlntner 
6.  14;  Frotüchcn,  Sehmeller  I,  832.  Frutze  vom  Itnl 
trasche  -  Fossen,  nach  Kluge  117).  —  rj'.fratzen  - 
abfressen  (s.  Benedict.  Jahr.  H.  33). 

fratt  fadj.),  frätten,  Fratten,  n  ,  Fratt, 

f ,  n  ,  m.  (zu  ahd  Inttou,  (imlT  III,  819)  -  sich  den 
Schenkel  wund  reiben  ( -  trotten,  Schweix;  Gr.  W. 
IV,  1.  68).  —  Fratt  (ahd.  trat,  freti,  f.;  mhd.  vrat, 
mite,  f..  vrele  f.,  Cr.  W.  IV,  1.  67.  110;  Sehmeller  1, 
829,  Hoffm.  I,  869;  UV.  Jahrh.  vracl,  HoBm.,  Mon.-Sehr 
f.  Schlesien  18'.HJ  1,  90;  1>01  traten,  u.,  in.,  Intertrigo, 
Ii.  30  .;  IMS  trat  a  frnridn«,  Ur.  W.  IV.  1.  67;  IMS  da* 
Frau  -  Kronbrechen  und  intertrlgo,  r,r.  W.  IV,  1.  67; 
1616  dai  Fratt      uh  u»  Intertrigo,  «ir.  \V.  IV.  1.  67;  161H 
fru.l  -  exulceratun,  Sehmeller  I,  829),  1.   "  Arschwolf 
's.  d  ),  Intertrigo,  als  aufgeriebene,  brennend 
Hchmerzende  Haut  am  Gesilss  (Behrend  5;  Fuchs 
II  iu7)  Fn'thema  Intertrigo  (»ehrend  M),  nament- 
lich bei  Kindern,  die  durch  Harn  und  Kot  sich 
verunreinigen  und  die  Haut  reizen  (Buek  s„, 
schw.  214);  auch  Erythems  oculorum,  wundge- 
t  iebene  äussere  Augenlidhaut.  —  2.  ■  Schleim- 
hautkatarrh  mit  dem  Schmerzgefühl  des  Wund- 
sejn8.  _  3.  =  Kronbrechen  der  Pferde,  wund- 
uerieben  zwischen  den  Fesseln  (Gr.  w.  IV,  L  17) 
s.  auch  pfritt).  -  frätten  (vreten)- entzünden 
durch  Reibung  (Hoffm.  I.  .%'.•)  —  Frattlgkeit  - 
,1570  Sehre  der  Haut,  (ir.  W.  IV.  1.  0»,  1616  =  cutis 
a.»|,erllM  cum  |.ruritu.  tir.  W.,  1.  eod. ;  1716  Irattlgkcit 
<les  IcUm-a.  Gr.  W„  1.  eod.;  172A  Iraltigkelt.  The».  MD, 
»r  i:ii), (1744» -Intertrigo (Zw  6271. das  KntzOndet- 
8ein  der  Haut  durch  Reibung.   —  Frätter 
(Fretter)    ein  durch  Frsttsein  Versehrter,  auch 
Krüppel' (Tirol,  Wolf).  —after-tt8.tt=  einen  After- 
Wolf  (s.  d.)  habend,  Intertrigo  (von  Lntmtero)  und 
l'aratrimma  fDioscoridis)  (Schwimmer,  7.  Udbch. 
xiv,  L  3oy,  Aum.).  —  au/"frätten  -  wund,  ollen 
reiben  bis  zur  Entzündung  der  Haut  -  Augcn- 
Frätte  =  Augenlid -Schrunden,  auch  sogen, 
spore  Augen  (s.  d.)  (Sclimeller  II.  684).  —  Darm- 
Frätte  (»ehwed.  tarmvred  s  Darmgicht,  Plcrer  7) 
DflrmfraSS  (s.  d.),  Gedilrmkatarrh  mit  Kolik- 
Bchmerz.  —  Pocfcm-Frätte  (engl.  |.oek  fretten, 
Kaltwhm.)  -  der  fratte  Zustand   vor  der  Ver- 
narbung der  Blattern,  Pockennarben.  —  fratte 
Glieder,  Ohren. 
'    Fratze,  f.  B,  Fratsche. 

Frau,  1.  (Indog.  prwo  =  der  erste  (prwyo);  ali.l.  Ir.. 
Herr;  dazu  uh<l.  Iruiiwa     Herrin,  (iibieteriii,  Wölb. 


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1«S 


Freisch  —  Freien. 


Fresset) 


K1u;t!,  117,  uibd.  vrouwe).  „In  Segeusprüchcn  wird 
a)  die  personifizierte  Gebärmutter,  bj  die  Blatternkrank- 
beit  mit  Frau  angesprochen"  (Schm.  I,  801).  d.  h.  der 
diese  Krankheit  bedingende  Dämon.  —  blöde  Frauen 

-  menstruierende  Frauen  (Thea.  san.  Br.  499)  (siehe 
blöd).  —  .9  Frauen-  3  Schwestern.  —  Fahrende 
Frau  »altniedcrl.  barende  vrouwe,  Lalstncr  I,  309J  = 
wilde  Fahrt.  —  Kram-  Kräm  Frauen  (krämvruw) 
^die  Kindbetterin,  die  den  Wehenkrampf  hat; 
puerpera  (Ualtaus  1199)  s.  Kraruni  (De  Cock  62.  36; 
D.  471)  =■  de  klndelbeddesche  Iruwe  (Urquell  1895,  S.  146). 
M tiz  -Frau  ein  weiblicher  Alp,  der  drückt  und 
eine  Milzkrankheit  (Milzbrand?)  verursacht, 
vermutlich  die  Leesa  der  1/elten  (Böhmen;  Z.  d. 
V.  t.  V.  K.  1*95.  8.  22,  ranzer  II,  1ÜO  254).  —  Nacht- 
Frau  =  Nachtbrand  (s.  d.)  und  Mastitis  neo- 
natorum erzeugender  weiblicher  Kobold  u.  min- 
nend  drückende  Nacht-Mar  (Lalstncr  Ii,  403,  I, 
75;  Einpusa  (s.  Uukej;  mhd.  nabtrrouwcn,  Golth.  117). 

—  Mitt  /  /--Frauen  e.  Mittagsgeister.  —  Pest- 
Frau  =  der  die  Pest  voraussagende  Schicksnls- 
dftmon;  (vergL  die  Todtin)  (Zeitsehr.  f.  d  Myth. 
IV,  noi.  —  Stäinger,  Snh  je  Fräulein  s.  salig.  — 
schwarze  Frau  =  ein  Kinder  raubender  weih- 
licher Seuchendämon  wie  die  Pestfrau.  — 
IFffAseZ-FraU  (Mahren.  Z.  d.  V.  t.  V.  K.  lswi,  264) 
sa  weisse  Frau  2.  —  weisse  Frauen  =  (der  Ge- 
gensatz zu  den  schwarzen  Frauen)  die  blond- 
haarigen schönen  Holden,  pennte* ,  Saligen 
(s.  d.);  (14.  Juhrh.  wys*c  frauvven ;  1420  witrrauweu 
■  lamia,  larva,  maga,  niulier  scioln  I).  .'.18.  4S2;  Jahn 
154);  l.  =  Pestfrau  (1593  im  Moselthal,  Merk  22).  — 
2.  =  die  weissen  Weiher,  welche  auch  als  Kinder 
raubende  und  vertauschende  Dämonen  auf- 
treten (Schindler  15;  Lalstucr  II,  270;  II.  a.  Rh.  164 ; 
Z  f.  D  M.  III,  3.  368;  Verna!.  127,  Z.  d.  V.  t  V.  K. 
18%,  252).  —  xcÜde  Frauen  =  Kinder  raubende 
und  Totgeburten  veranlassende  weibliche  Dä- 
ninnen (Böhmen ;  Vcrnal.  234  247. 249 ,  Luistner 1, 75).  — 
Frauen-  (frawen-,frowlieh-)  Ader,  ■  Apfel,- Bauch, 
-Blodigkeit,  -Blumen,  -  Blut,  -  Bruch,  -Entscldics- 
sung, -Feuchtigkeit,  -  Geblüt,  -  Gelbsucht,  -  Gemacht, 
-Gespann,  -Gift,  -Glied,  -Grimmen,  -Heimlich- 
keit, -Hüffe, -Krankheit, -Lende,  -Mangel,  -Melk, 
-Milch,  -Mutter,  -Natur,  -Netz,  -Recht,  -Saelde 
(Selge,  Selten),  -Scham,  -Schlund,  -Schicäche, 
-Seuche,  -Siechen,  -Spiel,  -  Stätte,  -Stund,  -Sucht, 
-Tripper,  -  Unrecht,  -  Unreinigkat,  -  Wassersucht, 
•WetMl,  -Zeichen,  -Zeit. 

Freisen  s.  Fraisen. 

fremd.  -  Fremden -Fieber. 

Fresem  s.  Fraisana  (puuii  114). 

Fressen,  n.  Fresse,  f.  fressig,  Fressein,  f. 

(  --  aufesseu,  gnuz  veresseu,  verzehren  :  fra-ezzan  ,  ahd. 
D-ezzan;  mhd.  vnzzen,  Kluge*,  US;  1020  fretzen  eine 
wunde  =  den  Wundraud  mit  kaustischen  Mitteln  Weg- 
ätzen, Dr.  Minderer;  1610  das  fressen,  1'ararelsiu  — 
Syrer  [»•  d.;  fressende  Fleehte,  Lupusj,  Gr.  W.  IV,  1. 
137);  Eiter,  Geschwüre,  Gift,  Magensaft,  Krank- 
heits-übel u_  -Schaden,  sowie  Wunden  fressen 
=  brennen  und  ätzen  ihre  Umgebung  auf;  dem- 
nach, fressen  (uinfrcssen)  =  eine  Korrosions- 
Wirkung  entfalten,  sich  ausbreiten.  —  die 
Fresse  =  Vuhus,  Maul,  Mund,  Fol«?  (Schindler 
I,  S27;  ZeiiMhr.  f.  d.  Philo!  XXVI.  211;  nintner  6.  II; 


(ir.  W.  IV,  L  66)  —  Gefriss.  —  freS8<g  (14s2  -  mordax  : 
1513  =  mandax;  Zening.  Voc.  y  5;  D.  34*5;  Or.  W.  IV, 
1. 138)  =  fressig  Ettich  (s.  d.).  —  Fresser  =  der- 
jenige, der  frisst  (s.  Frass),  z.  ß.  Mentagra 

(1592;  Beb.  111].    —    (1576)   FreSSeln    (Tb..  S.)  = 

friesel  artiges  Ekzema.  —  (1788)  Affen-Getrie&s 
=  Maulaffe,  affenähnliches  Antlitz  (Leg.  f.  d. 

•  g.  M.  I,  204)  —  An-,  Auffressung,  1.  =  Auf- 
atzung (Gr.  W.  I,  647),  z.  B.  der  Wangen  durch 
Thränen,  der  Knochen  durch  Eiter.  —  2.  = 
von  einer  Seuche  wie  von  einem  reissenden 
Tiere  (Dämon)  befallen  werden  =  aufgefressen 
werden  (Ler»ch  241).  —  Bt.  ,:/i-Fresser.  !•  =  (I576j 
St  Johannes  Buss,  St.  Quirins  Buss  =  Gangraena 
(Theophr.  B. ;  I'aracelsus,  chlr.  Sehr.  361  aj,  (1618)  — 
Caries,  s.  gangraena  (s.  Beinwolf).  —  2.  =  (1743) 
Caries  ossium,  Paedarthrokace,  Spina  ventosa, 
„eine  Krankheit,  wo  das  Bein  von  innwendig 

I  angegriffen  wird,  ehe  man  es  aussen  verspührt" 
(1761;  Zw.  311;  bibl.  Medikus  403;  L.  ch.  79;  K.  eh.  171) 
=  Kyphosis  ex  carie  vertebr. ;  (1754)  Caries  os- 
sium (A.  v.  II.  I,  315;  Ii,  si4).  —  3  =  Kinnbacken- 
Karies  (Losch  233).  —  £i<«--Fresser  =  die  vom 
Kiter  der  Dassel  beule  (s.  d.)  sich  ernährende 
Dasselfliegen-Made  (s.  Engerling)  (Falke  1.  240). 

—  i';t< .'-Fressen,  n  -  eine  Art  von  Faulfieber 
inSchafheeiden  infolge  von  Wuruakrankheiten, 
das  faulem  Futter  zugeschrieben  wurde  (Falke 

I,  275).  —  ■  fräSS,  1.  =  (1576)  lupus  (-  Noll  m« 
tangere)  NU  morbus  formiea  —  Verrucae  —  apostemata 

I  vulgo  ,,porra"  nppellata  (  —  Hai  um :  Geschwulst  bei 
I  Du  Gange,  liloss.)  =  lues  slve  „formiea"  in  collo  cujus 
ignis  eeusim  in  reliquam  corporis  partem  prorogal  et 
t  urne»  misere  urit  (Du  Cange)  —  Ignis  sacer,  Anto- 
niusfeuer,  Karbunkel,  Feigwsrzen,  Lupus 
(=  Herpes  esthiomenus).  —  2.  =  (1754)  Carci- 
noma (\.  v.  11.  I,  SS3]  (h.  Rührmichnichtan).  — 
3.  Gefriess  =  Mund  als  Kau  Werkzeug,  Antlitz 
(Fresse),  unschönes  Gesicht.  —  Grfräss  Fistel. 
— Gur  Fress(Kurfress,  Kuifress),  verdorben  au» 
Gurfoss  (s.  d.)  Aphthae.  —  Haur-Fressel  (1576; 
=  Ekzema  (Theophr.  Bod.)  (lcifi)  juckender,  beiss- 
ender  Hautausxcblag  iTh.  Farac. ,  Gr.  \V.  IV,  2.  711). 

—  Uo/r-Fresser  =  Tiere,  welche  infolge  von 
Magenkrankheiten  (Pica)  Holzteile  benagen 
(Falke  I,  406).  —  Äindd-Fresser  —  eine  früher  per- 
sonifizierte Kinderseuche,  die  als  allegorische 
vermummte  Gestalt  bei  Winter-  und  Sommer- 
Festen  herkömmlich  mitgeschleppt  wurde  (Blr- 
I Inger  IT,  81;  vergl.  K.  Kleinpaul,  Gastronomische  Mär- 
chen). Kindles-Verwflrger  (Elben)  wurden  als 
Fratzengestalten  auf  Brunnen-Säulen  gesetzt 
(Gr.  W.  IV,  1.  67;  Buck,  schwill..  Volks-Abergl.  29; 
Gebr.  Zingerle  11, 136.  237).  —  (1645)  Lauter-,  Leute- 
Fresser  sind  Zauberer  (s.  d.  Verf.  Volksmed.  25); 
(vergl.  auch  Re-Schwelger  |  Leiehenverschlinger] 
sowie  Wauwau  U.  Wehrwolf)  (Riezler293;  Lalstncr 

II,  85. 87.)  —  Sa«d-Fre8Ser=  Lecksucht  bei  Fallen 
(Falke  II,  261).  —  (157s)  un /fressen  =  um  sich 
greifende  Geschwürsform  fl*r.  127).  —  PiVZ- 
Tres&igkeit  =  Bulimus  ;Heisshunger,s.  Vielfrass) 
(Hufeland  32v).  — fressewtV,  er, es,  Fress)- Aussatz, 
-Batich,  -Ettich,  -Fieber,  -Flechte,  -  Geschwär,  -Qe- 

[  schwär,  -Grind,  -Krankheit,  -Krebs,  -Natur, 
I   Ralu;  -Räude,  Rätticher  («.  Ettich),  Sack,  Scha- 
de, Sucht,  -  Wanst,  ■  Wolf,  -  Wurm. 


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fretWm  —  Friesel. 


Friesel 


fretten  s.  fratt  und  fressen. 

Freude,  f.  =  Libido  feminae  in  conceptione, 
Wollnstgefahl (z. a.215>  -  AacA-Frende (Schwaben) 
=  Nachgeburt, dieerscheint,  nachdem  dieMutter 
schon  vorher  mit  dem  Kinde  erfreut  worden 
ist,  Placenta  (c.  v.  schm.). 

Fricht,  n  =  Vergicht  =  Vericht  (s.  d.  bei 
Gicht)  =  Fraisen,  Konvulsionen  (Schmeller  I,  806, 
S27,  870). 

frieren  (friesen)  Frierer,  m.  Frörer,  m.  ^ 

(da«  Stechen,  Jucken  und  Brennen  des  lndoRerm.  noeh 
fehlenden  Frosten,  vorgerm.  prus  [prürio ,  prn-ln, 
jucken] ;  germ,  frnx ;  gotb.  friusan,  frius  [  =  Fro-a] ,  shd. 
friosan  ;  mhd.  vriesen [dazu  Friesel.  Frost,  s.  d.],  Kluse*. 
119  ;  15.  Jahrh.  vresen  =  dat  vresent  haben  —  febricitare. 
D.  22»;  1414  tntin  =  febri«,  D.  580;  142«  ndd  fryssen. 
fresen,  Vreden,  fryesin  =  febris quartana,  D.  477 ;  1440  der 
(roerer,  Irorer,  frerer  —  febris,  I>.  228.  6-11;  14 15  der  triezen 
=  febris.  Schmeller  I,  82»,  1476  friezen,  friesen,  n.  — 
febris  D.  22**;  1482  friesen  =  gelare,  febricitare,  Zening. 
Voc.  1.3;  1306  frorer,  frierer,  Inchenh.  Mlr.-lt.  —  Stadium 
algidnm  der  febril  Interrnittens .  1517  im  freuset  -alget, 
D.  22;  1534  frorer  =  feber ;  1682  frorer  [fröwer]  -  febri«, 
Kallweh,  Gr.  W.  IV.  L  249,  1591  frörer  -  febris,  Had 
Jnn  SS8,  1645  friesen,  n.  =  Fieber,  Coler,  II.  A.  183; 
engl,  freezc.  freezing).  —  Frörer,  1.  =  kaltes  Fieber 
(Gr.  D.  M.  183;  Simrock.  n.  I).  M.  53.5,  well  es  mit  Frost, 
Frieren  beginnt  [Schwaben,  Schweiz!;  C.v.Schm.  205'. 

—  2.  =  der  Frör  =  Malaria- Fieber  (Ravaria  II.  2. 
S*0,  IV,  2.  105;  frorer  =  Fieber,  Gr.  W.  III.  1620;  frairer 

Fieber,  Wechselnder  {Sehwaben;,  I.ammert,  Volks- 
Med.  260;  Bück  29;  Dr  Br -Schff  27;  frarer  =  frierer). 

—  3.  ■  eine  Fferde-Krankbeit  (Book  48).  das  um 
gehende  Kalt  (s.  d.) ,  das  Anfangs-Symplom 
einer  Epizootie.  —  das  Frieren  =  Frorer  2  (Pauli 
159.  Heyne  II,  982).  —  a  wsvji  froren  und  utfraren) 

—  durch  lange  dauernde  Kälte- Einwirkung 
krank  (lokal  und  allgemein)  (rioidschm.  18).  — 
der  =  er-£rieren  (-frören)  1616  =  congelarc.  erfrieren 
machen,  Gr.  \\.  III.  80s,  810  uud  frigore  contleere;  — 
die  Frostaffektionen  I — III.  Grades.  —  Gefrier 

-frören  (-frörer,  -frörets,  -fröstig,  -fristig)  = 

Frostbeulen  (Zw.  741),  Pernionea  (c.  v.  Schm.  20>) 
(s.  Frost,  Gefrüst).  —  [1687)  Gefrorungen  ■ 
Frostbeulen  (Georg.  415).  —  Gefrörer  -  »1er  ge- 
frorene Mann,  der  Kaltblütige  im  höchsten 
Grade,  der  durch  die  Zauberei  der  sogenannten 
Passauer  Kunst  wie  gefroren,  leblos,  unver- 
wundbarer einegewisse  Zeit  (zeitliche  G 'frier) 
stich  und  kugelfest  gemacht  ist  (Zingcrle  97;  Z.  d. 
V.  f,  V.K.  1896.  8.  411;  Stubenvoll  1*2,  Wuttke  260. 
475.  Simrock,  II.  D.  M.  183;  Uebreeht  t.  V.  K.  1879. 
S.  34«;  Z.  f.  Ö.  V.-K.  189«.  151;  l>|tiell  1893.94).  — 
(1571)  hitziger  Frörer  -  das  Hitze-Stadium  der 
Febris  interrnittens  (Gr.  W.  IV,  1.  219'.  —  (1530) 
«cArtr/erFroerer  -  akutes  Fieber  (Kunigssp.  66).— 
(15.  Jahrh.)  tätlich  Frieren  (taßelich  vresen  =  pesüa) 
Pestfieber  (D.  154).  —  tr/frieren  (I2i.0  vorfrlsen — 
aljrere.  dolere,  D.  22)  =  ganz,  und  gar  durch  Kalte 

Frier-  I 

leiden,  erfrieren.  —  friesende     -Gebhtt,  Glie- 

erfrorenes  I 
der,  -Haut,  -Knochenmark,  -Sucht. 

Friesel,  tu.,  n.  (zu  Roth  trhu  =  Kalte  ,  »h.l  rriowin 

—  frieren,  mhd.  vriesen  -  frieren  [s.  d.j;  1 14-"»  der 


I  friezen  =  febris,  Schmeller  1.  s2S ,  mundurtileh  DOfh 
frieseu  —  frieren,  Eckstein,  IU.  Monatsh.  1895  Apr.  105; 
1665  der  friesel,  Haser  II,  505;  Schnurrvr  II.  199;  1686 
j  der  friesel.  Kluge*,  119;  1741  das  Friesel.  Kluge  1.  c. ; 
!  dan.  frisier;  «chwed  frisel)  =  das,  was  beim  Froste 
auf  der  Haut  erscheint,  Frostausschlag.  Kluge*, 
119  stellt  „Friesel"  neuerdings  zu  Riesel  [=  Sommer- 
sprossen), friesel:  wricsel   riesel  und  nimmt  ndd.  Her- 
kunft des  Wortes  an  ;  nun  ist  aber  Friesel  (das  nebenbei 
nach  Fuchs  II,  901  auch  „rauher  Wollstoff"  bedeutet! 
ein  klein  uud  raubkiiotiehtcr  ruter  Hautausschlag  bei 
akuten,  mit  Frost  eiiiberKehenden  Krankheiten  (z.  B. 
der  Wochenhettfricscl,  das  Prototyp  aller  sog.  Friesel- 
l  aufschlage)  uud  wird  in  der  Bleichen  (oberd.)  Land- 
[  schart  von  den  glatten ,  bleibenden ,  dunkelfarbigen 
|  Sommersprossen  oder  rieberlosen  Rieseln  [t,  d  )  wohl 
Retrennt;  überhaupt  sind  die  vulgaren  Ausdrucke  für 
,   Haiitrcrniideningen  sehr  differenziert  und  eine  Ver- 
I  wechselung  der  Frieseln  mit  Kieseln  kaum  denkbar. 
I  —  Friesel.  1  =  jeder  mit  Fieberfrost  oder  Ge- 
fritst  (s.  d.  und  Gänsehaut  i  einhergehende, 
akute,  meist  rote  (seltener  weisse)  hirsekorn- 
ahnliche,  diffuse  Haulausschlag,  der  mit  den 
Frostknötchen  (Froströte,  Frostfriesel,  Frost* 
i  nessel)  verglichen  winl,  die  infolge  von  Kftlte- 
ein  Wirkung  auf  der  Haut  erscheinen  und  eine 
ganz  alltägliche  Beobachtung  sind  ;  dieser  Frie- 
selausschlag  kann  nun  Röteln,  Hitzbläschen, 
Scharlach,  Fleeköeber,  selbst  Masern  bedeuten, 
j  da  diese  unter  sich  wohl  vom  Volke  verwech- 
I  seit  werden  können;  ,,in  allen  Berichten  (selbst  der 
Ärzte)  aus  der  1.  Hälfte  des  l*.  Jahrh.  ist  die  Beschreib 
ung  der  unter  -Friesel-    anueführten  Krankheitser- 
scheinungen so  unklar,  so  durchwebt  mit  Tbeorieen 
und  Hypothesen,  daas  selbst  der  redlichste  Wille  ein 
Urteil  zu  gewinnen   scheitert"  (Pauli  35  ,  Ilaescr  II, 
*3;  Wallb.  IM;  Dr.  Br.-Sch.  28).  —  2.  -  vor  allem 
ist  Friesel  —  Kindbottfriesel  (s.d.)  und  der  akute 
Schweissfriesel  (epidemischer  o.  idiopatischer) ; 
(1655)  Febris  miliaris,  Miliaria  alba  et  rubra,  Su- 
ette  (Frankreich),  Migliare  (Hullen) ;  (Zw.  129 ;  Behrend 
30;  tiotdschm.  135;  Auspitz  in  Z.  Hdb.  XIV,  1.273, 
Haeser  II.  199.  .506 ;  Pauli:!.,  Köhler  V.- Gl.  405;  der 
auch  besprochen  wird)  -  Rieselausschlag  (östur 
reich     -    ;5     =  Schweissblaschen  (SutMinitMl 
ohne    Frosterscheinungen    (V'esiculae  sudo- 
rales)  (Behrend  30),   (Papulae  sudorales)  bei 
sporadischen  Krankheiten ,  über  in  ganz  ähn- 
licher Form  wie  beim  fieberhaften  epidemischen 
Friesel  Ausschlag  (Pauli  '5!.  —  4.  =  die  Hydroa 
der  Griechen,  Aehaaef  der  Araber  (Behrend  so;. 
—  Äti.'' -Friesel  -  Miliaria  thermica  (Bade- 
krätze) ;  durch  zu  intensiven  Hautreiz  beim  Bä- 
dergebrauebe  erzeugter  Frieselaussehlag  (Kraus. 
E.  578;  Pierer  7).  —  Bräune-Friesel  =  Miliaria  an- 
gino*a    Scbarlachrtecken  mit  Diphtherie  (Kraus. 

e.  7i).  —  i5runnc»  Friesel  -  Badefrieeel.  — 

(1725J  Kindbett-  {Kindbetterinnen  -Friesel  =  Fe- 
bris miliaria  puerperalis  (1655  „novus  pnerperus 
morbus"  «jui  der  Friesel  dicitur,  Sehnurrer  II,  190  ;  Thes 
-an.  Br.  433;  A.  v.  H.  I,  1160;  nach  Lämmer!  [V.-Med 
174]  angeblich  erst  seit  dem  Aufhören  der  öffentlichen 
Badestuben  aufgetreten  [']  d.  b.  unter  diesem  Namen 
in  Suddeutschland)  =  Milehfriesel.  KryataU- 
Friesel  -  Miliaria  diaphana,  die  l'riesolblascben 
nind  dabei  besonders  bell  u.  durchsichtig  (Behrend 


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170 


fri»'(>*  —  Fritz. 


Frorer  - 


Frosch. 


31;  Anspit»  iu  Z  Hdb  ,  XIV,  1.274).  —   (1832)  Kuh- 

/>ocArrn-FrfeBel==  Impfausschlag  in  Frieselform 
(Kraus,  K.  8«).  —  Milch  Friesel  =  Febris  miliaris 
puerperalis  (Gr.  W.  VI.  2193)  (Kindbettfriesel), 
der  weisse  Friesel  der  Wöchnerinnen.  —  Nessel- 
Friesel  —  der  uro  die  Nesselquaddeln  herum  be- 
findliche, kleinknötige,  rote  Ausschlag  (Ur.  w. 
vi  l.  61»)  (Nesselsucht,  Nesselfieber).  —  Porzdlan- 
FrieBel-oin  Frieselausschlag,  dessen  Bläschen 
wie  kleine  Porzellankrtrnehen  sich  ansehen  und 
ein  dickliches,  weissliches  Serum  enthalten 
(Porzellan-Fieber)  (Bebrend  öl)  =  Esscia  (Hufcland 
v*).  — .Pwrpur-Friesel,  1=  roter  Friesel  (».  d.), 
Rotein  (Kneipp  160;  Bebrend  31).  —  2.  =  Skorbut- 
Hecken  (rote,  Purpura  toxica)  (Kopp  H,  324).  — 
roter  Friesel,  1  =  (1754)  (Purpura  s.  Miliaria 
ruhra)  „ein  bösartiges  Fieber  mit  kleinen  roten 
Blätterlein  (Bläschen),  die  aber  in  ihrer  Grosse 
und  Gestalt  viel  röter  sind  als  der  weisse  Friesel 
(s.  d.)  und  mit  einer  stärkeren  Hautentzündung 
verknüpft  sind  ,  manchmal  ist  der  rote  und 
weisse  Friesel  (s.  d.)  zugleich  da"  (a.  v.  H.  I,  n«i); 
durch  die  Bläschen,  die  hervorbrechen,  schim- 
mert der  unterliegende,  gerötete  Hautgrund 
durch  (Hehrend  31).  —  2.  =  (leys)  Scharlach  ;8obemh. 
461 ;  Hecker  227 0.).  —  8.  =  Masern.  —  4.  ■  Röteln. 

—  Scharbocks-Trie&el  Purpura  scorbutica,  ein 
frieselartiger  A  usschlag  (Purpurfriesel)  bei  skor- 
butischen  Kranken  (A.T.H.I,  iißi)  (Peliosis  rheu- 
matica,  Purpura  scorbutica  s.  toxica,  papulosa). 

—  Scharlach  -  Friesel  =  Ausschlagsform  bei 
Scharlach  (s.  d  ).  —  6'cAtm««-Friesel,  l.  =  Suda- 
mina  (s.  Friesel  8).  —  2.  =  (1734)  epidemisches 
Schweissfieber  (wahrer  Friesel)  (itto  -netto  des 
Picard»,  ne.-kcr  177;  ITacser  II  499.  506).  —  (1S3I) 
.Sonncn-Friesel  =  Erythema  solare  mit  Ilaut- 
bläschen,  Helco-psydracia  (Sonnenstrahlenwir- 
kung)  (Kraus,  k  im).  —  (i7fi6)  weisser  Friesel  — 
(liauml.  a.  v.  Ii  i,  r.42.  1159)  Purpura  (-  Mili- 
aria alba  (fle-vre  mlliaire,  pourpre  blane,  Urbs.  137); 
.juckende  Blatterlein"  hirsekorngross,  „«loek- 
hell"  rund  oder  spitzig,  um  den  Rand  herum 
rot,  fieberhaft  und  bösartiger,  gefährlicher  als 
der  rote"  (A.  v.  H  l.  «.),  „die  Haut  unter  den 
Bläschen  scheint  weiss  durch"  =  Miliaria  alba 
(»ehrend  :u).  —  IForAcn-Friesel  =  Febris  miliaris 
puerperalis,  Kindbett-,  Milch-,  Wochenbett- 
Friesel  (Behrcnd  3ij,  auch  „ Wochen pocken"  ge- 
nannt webender  Hautbläschen(Blatter=  Pocke). 

—  Z<iAfi-Friesel  =  Liehen  strophulus,  Hitzblät- 
terchen  (s.  d.)  der  zahnenden  Kinder  (»ehrend  50). 

—  Friesel  -  Ausschlag,  -Bildung,  -Plattem, 
■Bräune,  -Fieber,  -Gift,  -Pocke. 

-friess  s.  fressen. 

Frisam  =  Fraisam  (i"<92;  Seb.  342;. 

frisch  (neu,  jung,  munter,  rostig;  ahd.  frlse, 
Kluge*,  119.  mbd.  vrisch).  —  frischen^  Frischlinge 
werfen  (Falko  1.  29.;).  —  frische  Flethten. 

Flissel,  f.  (1678,  anlehnend  an  fressen  [«.  d.])  = 
Fistel  (Gr.  W.  VIII,  1188). 

Frist,  m.  (nd.,  mlttuld.  au*  Wittel,  Gr.  W.  VIII.  1041) 
^Kist  (s.  d.),  Reihen  (s.  d.),  der  obere  Teil  des 
Fusses. 

FritZ,  tu  Koseform  zu  Frledel<  ^  Buhle)  ss  Clitoris 
»uek  16)  (Futgigel). 


Frörer,  m.  s.  Frierer. 
Froetter,  m.  s  fratt. 

FrOSCh,  m.  (-  da*  schon  bei  den  Komcru  zum  Ha- 
chuskulte  und  zur  zeugenden  Kraft  der  tellurUehcn  <ie- 
wäüser  in  Beziehung  Mehende,  hüpfende  Sumpftler  mit 
aufgeblähtem  Leibe  u.  vorstehenden  Augen  .  ahd.  frosk  , 
mbd.  vroseh,  als  Krankhcitsnamcn  vermutlieh  mir 
Übersetzung  de»  [tat.]  ranula;  14*2  froschlein  =  quaedam 
species  morbi,  Zening.  Voc.  c4;  1699  frosch-2  kleine 
spitzige  Dorrwarzeu  auf  beiden  Seiten  der  Zunge,  iir.  \V. 
II,  1303;  157G  „die  rantibi  [=  Froschleiu]  wachst  den 
Kindern  unter  der  Zunge,  es  schwillt  auf  und  siebt  au-, 
wie  ein  Frosch;  er  wird  nicht  (angeboren,  int  alte* 
Fleisch ;  dauu  was  in  narlccs  zlebeu  sollte,  dasselbe 
geht  in  ein  Apostcin  In  die  Region  der  Zunge  [überV 

==  Suulnantla  =  Synanche.  Kynancbe,  Theophr  Bed. ; 
,.das  Froschlein  setzt  sich  an",  Raural.  14»)  =  die 
Ranula  (Fmachgewulst  s.  d.) ;  (Batrachos  hypo- 
«lossus  [Aetii],  Kraus,  E.r>09,  „Frosch"  ist  Übersetzung 
Ins  Deutsche;  Kröte's.  d  ]ist  ursprünglicher,  Schw.219), 
jede  unter  der  Zunge  zu  beiden  Seiten  des  Zun- 
genbändchens  vorkommende  Geschwulst ;  a)  bei 
Kindern  entzündete  Drüsen,  Balggeschwülste, 
die  das  Unterkinn  an  der  Zungen  wurzel  frosch 
ähnlich  verbreitern  und  durch  Zunahme  des 
Volumens  KrBtickungs-Anfälle  (Cynanche)  ver- 
anlassen können ;  [ranula  s.  rnnunculus  est  tumor 
phlegmonodes  sub  lingua  potlsslmum  in  pneris.  aug- 
mentatio  carnea  sub  ltngua  cum  gravedine  et  fluore 
salivarum  «piasl  in  radice  llugnae,  alia  lingna  oriri 
videatur;  rana  est  tumor  inllamatus  sub  lingua  in 
puuris,  Du  fange  VII.  13.  15,  Bardeleln-n  III,  527).  Da 
solche  prall  gefüllte,  glatte  Bälge  unter  der 
Mnndschleimhaut  schön  durchscheinen,  so  lag 
ein  Vergleich  mit  dem  glatten  Froschbauch  (nach 
Albert.  Chirurg.  III!  auch  etwas  nahe ;  (1576  „Frosch 
[ranula!  wachst  den  Kindern  unter  der  Zunge  wie  ein 
Frosch",  Theo.  Bod.;  1645  Frosch  Znugenschwamm, 
<  olcr,  H.  A.  12.*.;  166S  Heyn.  96.  108;  Gr.  W.  IV,  1.251; 
V,  740;  Wuttke,  i.v*.  520),  b)  eine  Wassergeschwulst, 
durch  Ausdehnung  der  am  spitzen  Teil  der 
Zunge  liegenden  Blandin-Nuhn'schen  Zungen- 
drüse oder  durch  Speichelsteine  in  der  Spei- 
cheldrüse verursacht  (M.  H.  I,  89$;  Schoch  43); 
r  übertragen  (17.  Jahrh.)  bei  Pferden  u.  Rindern 

=  Dörrwarze  («.  d.  und  Bürzel),  Gaumen-  und 
Zahnfleisch- Anschwellungen  (Parulis),  Lippen- 
Halggesch wülste,  Drüsenanschwellungen  z.  B. 
beim  Milzbrand,  Speiehelsteinknotcn,  welche 
das  Pferdemaul  verunstalten  (s.  Plarro  6)  etc.; 
namentlich  unter  der  Zunge  und  an  der  Nase 

Bürzel  wurm,  z.  T.  Rotz,  Actinomykosis,  s.  auch 

Kröte)  (Falke  I.  297;  Mayer  57.  U;  Buck  48;  It.  A. 
]S9;  r.  M.  I,  46;  franz.  la  grenouillete  ;  eugl.  lampas). 
f  Im  rhaupt  ums*  man  sich  sehr  leicht  die  Vorstellung 
geschalten  haben,  als  ot>  ein  Frosch  im  menschlichen 
l.eibe  existieren  könne,  denn  abgesehen  von  den  anek- 
dotenhaften Fröschen  im  Magen  Hysterischer  und  der 
du  monistischen  Kröte  (Hopptn,  s  d  I;  gibt  es  l.=ein 
Froschblähen.einc  Lymphdrüsenanschwellung 
am  Halse,  die  den  Hals  wie  bei  der  Ranula 
froschähnlich  verbreitert.  —  2.  -  ein  Frosch- 
<|iiaken  im  Leibe,  ein  mit  dem  Herzschlage 
synchronisches,  quakendes  Geräusch,  das  bei 
Herzleiden  (organischen  Herzfehlern)  und  Ver- 


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Fross— Frucht 


fmb— fühlen 


171 


w  achsungcn  de»  Herzens  mit  lufthaltigen  <  >r- 
ganen  entsteht  (Buct  20)  —  3.  -  das  Frosch- 
Ilnpfen  sind  die  fibrilliiren  Muskelzuekungen, 
wie  sie  der  abgehäutete  Froschschenkel  zeiyt 
(Sehnenhupfen).  —  Frosch  -Ader, -Auge,  Bauch, 
-Geschwulst,  -Maul,  -  Wurm. 
Fross,  m.  s.  Frass. 

Frost,  tu.  (Gefrost,  Fruss,  -fruest)  [tu  frieren 

[K.d  );abd.trOtt,  Gr.  W.  IV,  1.  2>5;  mhd.  froM  ;  15.  Jahrh 
fru-s  -  febris  quartana,  O.  477)  =  Collgelatio,  das 
Frieren  n.  Erfrieren,  Morbus  frigoreticus;  irrigu« 

—  ubl  extretnae  parte»  membrornro  inalgescunt ;  horror 

-  nbi  totum  corpus  intremit,  Du  Gange  III,  609).  — 
(10W]  alter  Frost  =  chronischer  Hautauschlag 
an  Händen  oder  Füssen  infolge  von  Fiostaflek- 
tion  (v.  M.  l,  1^2).  —  der  Fieber-Trost  oder  das 
kalte  Fieber  =  Stadium  algidum  der  Febris  inter- 
uiittens.Frigus  febriculosum.dusden  Menschen 
„befällt"  (Gr.  W  III ,  1621).  —  (i:>29;  Grfrust,  f. 
(1619)  GffrÖBt,  (1674)  Grfrüstd'aracelsus,  Schwaben  ; 
Birlinger,  Sitten  I,  498;  1619  YVUdbrunn  Welzheim  S.19) 
dasselbe  settt  offene  alte  Schäden,  1.  -  puer- 
perale Brustdrösen-A  bscesse,  die  unter  Schottel- 
frosten  sich  ausbilden  und  gegen  welche  da« 
t.efnist-Biichleiu  lu  Anwendung  gezogen  wurde  (Be- 
sprecbungidorm).  —  2.  —  ein  durch  Thrombosis 
verursachter  offener  Schaden  bei  Syphilis  oder 
Quecksilber- Kachexie  (Paracelsus).  —  Haupt- 
Trost  (mhd.  hubetvrost.  I.exer  166;  =  Erkältung  am 
Kopfe.  —  Klapper-Trost  =  Fieber  mit  Zähne- 
klappern  (Hufcland  81).  —  MUch-Gefröat-  das 
Milchfieber  im  Wochenbette,  das  Brustdrüsen- 
Vereiterung  zur  Folge  haben  kann  (A.  v.  H.I,  c«i ; 
II,  wo).  —  (iis2)  Bi/ren-Frost  =  Paroxysmus 
febris,  der  Frost  beim  Kitten  (s.  d.)  Zenlng.  Voc. 
bb  2).  —  Schiiitel-Trost  -  die  mit  dem  Steigen 
der  Eigenwärme  herbeigeführte  Beschleunigung 
des  Wärmeabflusses  veranlasst  eine  reflek- 
torische Scb Uttel bewegung  der  Muskeln  (Zähne- 
klappern etc  ).  —  Sfarr-Frost  -  das  Stadium 
algidum  bei  der  Cholera  foudroyant,  wobei  die 
kalten  Glieder  wie  frost?tarr  werden,  Rhigos 
Hippok.  —  Wintfr-Frost  =  die  im  Winter  ver- 
schieden stark  auftretende  Frostwirkung  auf 
der  menschlichen  Haut.  —  YTum/Frost  =  der 
Fieberschauder  nach  Verletzungen  und  bei 
offenen  Wunden  (Gr.  \v.  viil,  2303).  —  Frost- 
Ballen,  -Beulen,  -Fieber,  -Schaden  —  [1891]  «las 
Frostden  =  Paroxysmus  febris  (Und  Ina.  Sit»); 
(vergl.  (i rasel) 

Frotschen,  f.  s.  I  ratsche, 

Fmcht,  f.  fein  mit  den  iüdUchefl  PflMSVS  in  ahd. 
Zeit  eingeführtes,  am  dem  [lat.]  fnictus  entnommene* 
Wort,  ahd.  Iruht  ;  mhd.  vruht,  Kluge  121.  1 IS2  frucht 

=  foetu»,  infan«  in  utero.  Zen.  Voc.  I4)=d;t8  durch 
Zeugung  hervorgebrachte  Junge,  geboren  und 
ungeburen  'Foetus,  Partus)  (Gr.  w.  IV,  1.  261).  — 

1433)  angebundene  Fracht  -  ein  in  den  Fruclit- 
bändern  (s.  d.)  befindliches,  d.  b  schwer  ent- 
bindbares Kind  (Foetus)  (D.  232  ,  Totgeburt,  die 
nur  ganz  schwer  geboren  wird.  —  tffruchf'-f  - 
geschwängert  (Gr.  W.  f,  1274;  dän.  befnigle;  holl. 
bevruchten  ,  schwed.  befrnkta,  Pierer  7).  —  (lt:s">,  Be- 
fruchtiin*7  =  der  Kontaktdes  weiblichen  Fies  mit 
dem  männlichen  Samen,  der  zur  Entwiekduog 


der  Frucht  führt.  —  (l6ö7)/7i/«cAe  Frucht  Mond- 
kalb (S.  d.  U  falsch)  (Gr.  W.  VI,  1808).  —  (15S1)  ge- 
storbene Frucht  im  Mutterleib  =  TotKeburt  (Bnek- 
lö8).  —  fl.v  Jahrh.)  hingeworfene  Frucht  =  Abortus 
(Gr.W.  IV,  2  lM4}(s.  werfen).  —  tf/wm/z-Frucht^- 
Mole  (s.  d.),  Mondkalb  (Krau*.  E.  630).  —  Leibes- 
Frucht=das  zu  gebärende  o.  geborene  Wesen, 
Embryon  (Gr.  W.  VI,  695).  —  (1495)  tote  Leibes- 
frucht— arbortivus,  Totgeburt  (s.  d.)  (D.  6X6).  — 
(1725^  unnatürliche  Leibesfrucht  =  Missgeburt 
(8.  d.)  (Thea.  sau.  Br.  293).  —  (15*8)  tote  Frucht  (149 , 
todes  leibes  Iruehte  =  aborlivus,  D.  636),  1.  =  Tot- 
geburt (Cnier,  w.  346;  Gr.  W.  VII,  33).  —  2.  =  Abor- 
tus. —  (7»frucht/>arA-rif  =  Sterilitas  (s.  bären). 

—  umeitige  Frucht  —  eine  nicht  zeitig  ausge- 
ladene Frucht  (Abortus)  (Gr.  W.  IV,  l.  262).  — 
Frucht-Jrfer,  -Bande,  -Blase,  -Olied,  Halter, 
-Kindlein,  -Kleister,  -Mutter,  -Schmiere,  -Trä- 
gerlein, -Wasser,  -  Windlein,  -  iriirwi. 

früh  (Frühling,  Frühjahr)  (15.  Jahrh.  Frühling, 

die  (ruhe  Jahreszeit,  zu  früh  vorgenn  pro  =  vor  [seil, 
dem  hohen  Sonnenstand«  ];  goth.  fröö ;  ahd.  fnio  (früh 
Morgen*];  mhd.  vruo,  Kluge  121;  Gr.  W.  IV,  1.  29SJ. 

—  der  Frühiii/'  (Frühling,  FrMi-Peter)  =  Früh- 
kind, ein  zu  früh  nach  der  Trauung  geborenes, 
also  vor  dieser  erzeugtes  Kind,  das  Bich  etwas 
zu  früh  einstellt  (Schmeller  I,  ftOÄ;  Gr.  W.  IV,  1 
297).  —  Früh/rtArs-  Früh/im/s-;  vergl.  auch 
Lenz-)  Ausschlag,  Fieber,  -Katarrh,  früh- 
qebären,  -geboren,  -Geburt, -Gang,  -Kinder,  -reif. 

SS)  •  »™< 

Fuchs,  m.  (g"th  fonhö  ;  ahd.  folia,  fnliH ;  vorgeriu. 
püka  — das  geschweifte  Tier ;  altnord.  tox;  mhd.  vuh«, 
vohe,  Kluge*,  1211  (s.  auch  Foss),  1.  -  ein  Mensch 
mit  rotem  Kopf-  od.  Itarthaar.  —  2.  =  (l«0fuchsse 
in  den  harn  ^  fnrfurea  eriuium ,  D.  2>3)  =  die  wie 
beim  räudigem  Fuchs  (s.  FuchBSUcht)  aus  den 
Haaren  abfallenden  Hautschüppchen;  dazu 
fuchsen  =  durch  Juckreiz  bei  der  Haarrände 
(Alopecia)  quälen.  —  das  fachst  mich  ^  quält, 
plagt  mich  durch  Kratzen  'Federfuchser  =  Feder 
kratzer.  der  durch  sein  Sehreiben  Uatig  wird,  Z.  f.  Ö. 

|  V.  K.  1896.  210).  —  Fuchs- Bau,  -Husten,  -Räude, 

[  -Sucht. 

Fuchtel,  f.  (fuchtig),  fuchteln  (zu  fechten, 

Kluge 5  121)  —  Fuchtel  Hanns  ■  ein  „überspann- 
ter"  Mensch  mit  w  ild«-n  t  ieb»Td<'ti  [Boeh  r).  — 
fuchtig  —  aufgeregt  (s.  bnuiier  i  i  s>).  —  fuchteln 
=  eine  Gangart  der  Pferde,  wobei  sie  die  PttBM 
schleudernd  auswärts  werfen  wie  die  Pauken- 
schläger die  Hände  ,  oder  die  Tabes-kranken 
Menschen  die  Füsse  (Herbat  2»,  Kalke  l  2»i 
II,  190). 

Fud,  f.  Fut  (Füdlein)  8.  Fotze.  —  Tut-Loch, 
-nickend. 

fühlen  seit  Luther  scliriltdeutsch  s  merkeu  [alem.], 
empfinden;  indogertn.  pal  [palma,  *.  Folnia'.;  germ. 
UA,  goth  foljan  [=  fühlen);  ahd.  fuolen  [fühlen  und 
taMen];  mhd.  vuelen,  engl,  to  feel ,  Kluge*,  121) 
durch  die  tastenden  Finger  etwas  wahrnehmen 
und  durch  Wirkung  auf  einen  Körperteil  oder 
den  ganzen  Körper  etwas  empfinden  (Gr.  \V.  IV. 
,  |.  W7).  —  Ich  fühle  schlecht  -  ich  befinde  mich 


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172  fahren  —  Fuge 


Fumnicl— Furche. 


Hchlecht  (Deutscb-Amerikan. -Ausdruck).  —  (IS.  Jahrb.) 
Fühllosigkeit  =  Unetnpfindlichkeit  Anaesthesin 
'Gr.  W.  IV.  l.  «D.  —  Tftbl-Aderv,  Haart,  -lo*, 
-Nerven. 

fUhren  'ahd.  fuorcn  ~  führen  [früher  muh  -  leiten, 
iu  Bewegung  setzen,  fahren,  gehen' ,  mhd.  vueren , 
Kluge*,  122)  —  itie  Ernährung  befordern,  Kraft 
gehen  (Heiser  361).  —  «''führen  =  Diarrhöe  (Ab- 
leitung de«  Kotes).  —  (1774)  Abführungen  =  Ab- 
leitungen auT  den  Dann,  Stuhlgang  (Gr.  W.  I,  12). 

—  aufführen  =  durch  Fahren  aul  der  Haut  wund 
machen,  t.  H.  aufgeführter  Hals  (Zlpi'->  —  dunh- 
ftthren- durch  den  Darm  ableiten  als  Diarrhöe 
(Mayer  55).  —  (1583)  GefÜhr  =  Tierkot  (Forer.  Tier- 
buch;  (It.  w.  VIII,  1388),  —  Lrib*-TÜhxung  =  die 
Kmährung,  auch  Keinignug  des  Leibes  durch 
.len  Stoffwechsel.  —  (1592)  jfi«f-Führer  Mist- 
darm,  der  den  Kot  abführt  (Hyrtl,  K.  W.  löl).  — 
tod-tührijf  (mhd.  tötvuoric,  I.exer269)  -  todbi  ingend 
(Krankheil).  —  (12.  Jahrh. j  UvgetVäa  der  Augen 
(  —  Mähte  ungefuure  der  ougenl  Ubier,  böser  Zu- 
stand der  Augen  (Heiner  13.  «:.),  eigentlich,  was 
die  Augen  an  bösen  Stoffen  nicht  abführen.  — 
fuhrende  Gliedtr, 

Fülle,  f.  (tu  voll  [s.  d.];  indogerm.  pelno  (plenus] ; 
uhd  fullf.  vulle  -  Vollheit;  tnhd  vulle,  Kluge»,  122, 
3tt;  1477  füll.  Ortolpb.).  —  füllig,  1.  =  stark  beleibt, 
korpulent  (  =  völlig).  —  2.  =  schwanger,  beson- 
ders in  den  vorgerückteren  Monaten,  in  denen 
man  diesen  Zustand  auf  den  ersten  Blick  er- 
kennen kann  (ur.  w.  IV,  l.  1518).  —  Bauch  Fülle 
ahd.  bticbuulle  —  ventris  ingluvics,  Graft  III,  4M)  =  der 
Inhalt  des  vollen  Bauches.  —  Blu '  Fülle  -  Voll- 
blütigkeit,  Plethora  Galeni,  Hyperaetnia.  — 
Af'j^cn-Fülle  =  das  Vollsein  und  Vollfühlen  im 
Magen  (Or.  w  VI.  h:jo).  —  U bcr-Y füle  [gotb.  ufar- 
lullel,  Kluge4,  98).  -  Blut-  fWfülle  s.  ISIutfülle. 

-  FüU- Bauch,  -Warnt. 

F uellen  s.  Fohlen. 
Ftilly,  f  s.  faul. 

Fuem,  ui.  (1392;  seb.  198,  lui.  2U7)  =  Feim  (s.  d.). 

Funfling,  m.  —  das  Kind,  das  mit  4  anderen 
Geschwisterteu  von  einer  Mutter  auf  einmal 
geboren  wird  (Gr,  w.  IV,  l.  568;  Bachofen  261). 

Fuer,  n.  (fbr)  s.  Feuer  u.  vor. 

fürben  mhd.  furbau;  1260  hüben,  Pfeiffer  35;  mhd. 
vurben;  l;i.  Jahrh.  —  reinigen,  putzen,  entledigen,  fort- 
schaffen, Hoffm.  I,  369).  —  (1200,1  rrfurben  =  repur- 
gare,  sich  reinigen,  durch  die  Menses  die  Matrix 
reinigen  (l'feiffer  25.  89)  oder  durch  den  Woehen- 
llllss  ~<  Bloss- Bartels  I,  276).  —  Z,«6sFürben  (1477 
tnrben  des  lelbs,  Ortolpb)  durch  Auswurf,  Stuhl- 
gang, Urin  etc.  —  Nieder- Fürbe  (mhd.  diu  nider 
vurbe  [Fürbe])  =  der  Stuhlgang,  der  nach  unten 
purgiert  [Behmellet  1,  751). 

ftitzeln  (foetzeln)  a.  Fota. 

Fuge,  f.  (zu  fügen —passend  gestalten,  verbinden; 
indogerm.  pek  ;  germ.  fag;  goth.  fögjän;  ahd  iuogcn, 
fuogu;  mhd.  vuegen  und  vuoc  sa  Fug,  Sehickllchkelt, 
Kluge*,  121;  1681  log  —  junelnra,  articulus  [liliederver- 
bindung,  Gelenk,  Gleich,  Knoten^,  <ir.  W.  IV,  1.  379; 
lt'..  Jahrh.  fuegen  —  die  Nahte  der  Schiidelknochen, 
itecken-Sytuphyscu,  liyrtl,  K.  W.  5J;  1603  fuge  -  der 


behaarte  Teil  der  Herdefuss-Krone,  Hornwurzel,  Or. 
W.  IV,  1.  379;  V.  2378;  1744  Fug  =  der  Gelenk- 
kapsel-Spalt, durch  welchen  ein  Gelenkknocheu  aus 
seiner  Verbindung  oder  Fuge  ausgetreten  iit,  Zw.  25) 
=•  die  Vereinigung  (lunetura)  von  Teilen  des 
menschlichen  oder  tierischen  Körpers  durch 
Nahte,  Bander,  Zwischenknochen  und  durch 
die  Geschlechtsteile.  —  (1609)  Flanken-Tnge 
=  die  Lambda-Naht  am  knöchernen  Schädel, 
die  2  Flanken  (s.  d.)  oder  Seiten  aufweist 

(Hyrtl.  K.  W.  50).  -  Glied-  [j^*^*  j  «n 

der  lide  Gliedfuge,  Gelenk,  Pfeiffer  33.  89;  14.  Jahrh. 
lld  fugi  -  compago,  Voc.  opt.  W.  12 ;  15.  Jahrh.  gelyd- 
fuge  =  compago,  D.  840;  1515  glidfugung  zusamen  = 
compage*,  D.  136,  1.M8  glyd  fug  — compago  [conjunetio 
nrticulorumj.  U  v.  Gersd.  97  —  vertebrum  coxae,  Du 
tange)  =  Gelenkverbindung.  —  //(»fuge  (ahd. 
hifuogri)  ^  Zeugungs- Vereinigung.  —  (1632)  Hirn- 
Fuge  =  Stirnnaht  am  knöcheren  Schädel,  Stim- 
mte, Fontanelle  (Hirn,  s.  d.  -Stirne)  (Hyrtl,  K.  w. 
4. 10).  —  Knochen-TVigung  -  Articulatio  (Gr.  W.  v, 
1458,\  —  (1576)  A'row-Fnge  =  die  Kronennaht  am 
knöchernen  Schädel  (Gr.  Vf.  V,  2388)  —  Leibs- 
Fuge  =  die  leibliche  Vereinigung  (Gr.  w.  IV,  L 
379).  —  (1518)  Leisten-,  Lusxen-Tuge  (fuegen  der 
luaaen.  H.  v.  Gersd.  15;  Hyrtl,  K.  W.  53)  =  Hüftgelenk. 
—  (14.  Jahrh.  (?])  Af<innr*-Fuge  =  die  Heischliche 
Vereinigung  mit  einem  Manne  (Weruherr  von 
Tegernsee,  Gr.  Vi.  IV,  1.  378).  —  ScAaw-Fnge  =  die 
Vereinigung  (Symphysis)  der  Scharabeinkno- 
chen.  —  (1561)  SfracÄr-Fuge  =  die  Pfeilnaht  am 
j  knöchernen  Schädel,  die  schnurstracks,  verläuft 
!  —  (1808)  unfbglich  =  ungeeignet,  unpassend  (s. 
Ader).  -  H  inAe/  Fnge  =  Schädelnaht,  die  einen 
Knochen-Winkel  bildet  (Hyrtl,  K.  W.  56). 

Fumniel,  f.  üru  fummeln  -  hin  und  herbe  wegen  | 
=  Vulva,  Feminal  (Gr.  W.  IV,  1.  525;  Schmeller  I. 
719;  ahd.  fimllci  —  Bewegung;  ndl.  Ammeln  =  hin  und 
herfahren.  Goltb.  461).  —  fummeln  =  coite. 

Fundament,  U  (ndl.  fondameut;  trr..  fondement ;, 

1,  —  Sitzfleisch,  Anus  (De  fock  84;  Brtss.  55).  — 

2.  -  Unterextremität,  Unterschenkel.  —  (imw) 
flussiges  Fundament  d-eb.  176)  =  flüssige  Schen- 
kel (s.  d.). 

Fundin,  f.  (fuudlnn,  B.  'i  XXH,  I95)  =  ein  weib- 
licher Krankheits  wicht,  der,  wie  öfter,  mit  einem 
ihn  scheltenden  Geisternamen  bei  Krankheits- 
beschwörungen angeredet  wird  =  die  spitzfin- 
dige Ränke-Ersinnerin,  wie  so  auch  der  Tropf 
(s.  d.)  angesprochen  wird  (bosefünde  =  arglistige 
Krflndungen.  Haltaus  547). 

Funke,  f.,  funkeln  mit  den  Augen  =  blinzeln 
bei  Pferden.  —  (1645)  funkeln  vor  den  Augen 

Flimmern,  subjektive  Lichtererscbeinungen 
(Coler,  H.  A.  115).  —  roter  Funke  =  roter  Hund 

(s.d.)(ndl.roodvonk,  De  Cock  170. 260 ;  1577  root  vonk. 
D.  564  -  sudamina),  1.  =  die  durch  starke  Tran- 
spiration gerötete  u.  juckende  Haut  (Schweiss- 
friesel).  —  2.  -  Scharlachfieber  (Schnurrer  11, 
337),  als  gespreckelter,  feuerroter  Ausschlag  der 
Haut. 

Furche,  f.  ivorgerm.  prk-  [—  porca,  Ackerbeet,  Er- 
höhung zwischen    Fun  heu];  ahd.  furnh,  furahi;  mhd. 


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Furcht— Furz. 


Fuhr. 


17» 


raren,  Kluge*,  vii)  -  Kuga,  Furche  ;  a)  der  Haut 
==  Hunzel  i».r.  \v.  IV,  i.  678);  b)  au  inneren  Or- 
ganen -  Sulcus  dir.  w.  IV,  l.  678),  als  eine  einer 
engen  Rinne,  einem  .Streifen  vergleichbare  Ver- 
tiefung. —  tfanrf-Furche  (in  der  Chiromantie) 
^Kascata,  Querfurche  der  Haut  der  Hohlhand 
zwischen  Handwurzel  und  Vorderarm. 

Furcht, Forcht,  f.  —  (Angst,  Besorgnis ;  indogem. 
prk;  germ.  forh.  furhtjau;  ahd.  lorahta;  mhd.  vorhle, 
Kluge*,  122)  -  rote  Kühr  (Tirol;  0.  v.  Schm.  178 
[„Voretat"],  wonn  nicht  entstelltes  Ferch  «  d  )  als 
dämonistische,  schelmische  Krankheit,  ähn- 
lich der  Epilepsie,  vor  der  man  sich  fürchtet. 
—  Pfote-Furcht  -  Agoraphobie  (s.  Plntz- 
sch Windel).  -  W  rmer  Furcht,  1 .  «  (».  Jahrb. 
„swen  ein  wutenderhnnt  bizet,  dem  trimmet  grewiletaen 
unde  zürnet  ane  schulde  unde  slbct  allez  hinter  sieh 
>chaul  nicht  gerade  vor  »ich]  linde  muc  nicht  erliden 
daz  man  in  nnslhet  unde  vürchet  daz  WMW  unde 
swennc  er  ez  anslehet  so  bükt  er  als  ein  bunt", 
Hoffm.  I.  321;  1518  Rabies  canlna,  „eine  melancholische 
Krankheit,  da  sieh  einer  f  ürehtet  vor  lauterlem]  Wasser", 
H  v.  Oersd.  99;  1712  Wasserfnrehter  -  hydrophobla, 
Zw.  317;  1783  Wasserfuretat  ~  hydropbohla,  Iluml«wut, 
Platner  I,  161)  -  Wasserscheu  s.  d.  —  2.  =  (1482) 
Wassersucht  5  (Zenlng.  Voc.  m  *).  —  Furcht- 
Blatter.  -  furchtsame  Krankheit,  -Paucken. 

Furie,  f.  (»us  Utt  furia  entlehnt),  l.  =  Will, 
Haserei  (Or.  W.  iv,  L  749).  —  2.  ~  ein  dänioni- 
stischea  Wesen  (Furia  infernalis,  s.  Hollenfurie) 
in  Wurmgestalt,  das  höllische  Fein  (r>i5;  u.  253} 
verursacht.  —  3.  =  eine  wütende  menschliche 
Person.  —  (n»3)  höllische  Furie  ■  „«in  kleiner, 
haarlonnlger,  angeblich  aus  den  lappländischen  und 
bothnlsrhen  Sümpfen  kommender,  al»er  auch  Im  nord- 
lichsten Mvland  sich  findender  Wurm  (Brandwurm, 
Zirkelwunu,  Tollwunn),  der  sich,  wenn  er  auf  die 
Haut  des  Menschen  oder  des  Viehs  (besonders  des 
Pferde*)  lallt,  in  dieselbe  schnell  einbohrt  und  Jutken 
mit  heftigen  Schmerzen,  sowie  vou  Kntzüudung*tl<:ber 
begleitete  Brandflecken  verursachen  soll(l),  zuweilen 
mit  tödlichem  Ausgange  (Or.  W.  IV.  1.  751 1;  es  ist  dies 
alKir  0*74;  s-  Z.  Hdb.  III,  467)  der  Milzbrand  (An- 
thrax); als  Furia  infernalis  sah  man  angeblich 
im  vorigen  Jahrhundert  im  nördlichen  Schwe- 
den ein  aus  der  Luft  herabfallendes  fabel- 
haftes, geflügeltes  Tier  an  (-Lindwurm,  flie- 
gender Krebs),  das  den  Milzbrand  erzeugen 
sollte,  welcher  (Haube  so  fest  wurzelte,  dass 
selbst  Linne  und  .Solander  dasselbe  unter 
diesem  Namen  in  das  zoologische  System  auf- 
nahmen, eine  Annahme,  die  später  auch  Pallas 
adoptierte  (Bollinger  in  Z  Hdb.  III,  467;  Anm.  1) 
(vergl.  Angriff,  Höllen  wurm,  Drache,  Brand- 
wurm, Krebs). 
Furunkel,  n.  m.  —  Furunkel-  Krankheit. 
Furz,  m.  (Furzer,  m.  furzen  Farz,  Forz, 

FiTZ)  (ahd.  flrz,  furz,  ffr.  W.  III,  1334;  1487  farz  = 
ventris  crepitus,  Gr.  W.  III,  1334;  Fint.  Forz  =  ventris 
crepltns,  Gr.  W.  IV.  1.  41;  furzen  [Altbayern j ;  1429 
torUen;  1440;  1.-56  furzen;  1608  furtzelen)  =-  pedere 
(Gr.  W.  IV,  L  961.  95;.).  —  Furzer  (Karnthen)  ■  der 
einmalige  CrepitUB  (Gr.  w.  IV,  l.  9.6).  Bauchwind. 
-  Tun- Ader,  -Fass,  -Glocke;  (vergl.  auch 
fareen). 


1      Fuss,  Ul.  [ittdogera  pod,  poü,  ped  =  Fuss  [zzw] 
[ped];  altnord.  tet  -  Fuss  (dazu  Fessel,  •.  d.]  und  ahd. 
fezzan  —  gehen ,  gem.  germ.  föt ;  goth.  fotus;  ahd.  fuoz, 
;  Kluge*,  123;  7.-8.  Jahrb.  fotzl,  Caaa.  Glösa;  8.  Jahrb. 
fuazze  —  pede,  Kero  M ;  9.  JBhrh.  phuoi  =  pes,  Hab. 
Maur.  6-'.;  12.  Jahrb.  voz;  mhd.  vuoz;  ndl.  voet;  engl, 
foot),   1.  =  „der  auf  den  Boden  aufzusetzende 
untere  Teil  eines  der  Glieder  des  menschlichen 
oder  tierischen  Körpers,  durch  die  dieser  auf 
jenem  Boden  sich  erhebt  und  forthewegt"  (Gr. 
!  w.  IV,  l.  1035  0.),  Pes,  Femur,  Crura,  Planta  pedis 
=  FllBBBohle  (Bück  16;  Schnieller  I,  769,  Falke  I,  29!») 
Huf,  Klaue  .  —  2.  =  (1632)  Steigbügel  im  Ohr 
(Uyrtl,  K.  w.  14«).  —  3.  =  der  Fuss  ist  im  Volks- 
glauben auch  ein  der  Fruchtbarkeit  (Geburt) 
förderliches  Organ  (s.  Grossfuss  und  gross 
gehen);  an  ihn  soll  (nach  Bachofen  389)  die  be- 
fruchtende Erdkraft  vorzugsweise  geknüpft 
sein;  auch   „die  Perchta  mit  dem  Fusse" 
(simrock,  H.  D.  M.  477)  erinnert  an  diese  Vor- 
stellung, dass  die  Beinkrankheil  (s.  d.)  = 
Wochenbett  ist  —  4.  =  (1790)  Fuss  =  die  Wurzel 
eines    polypösen    Fleischgewächses  (Polyp) 
(Kleiner  l,  375).  —  5.  =  die  Gangart  mit  dem 
Fusae,  die,  weil  Spuren  machend,  für  die 
früheren  Kulturepochen  mit  grosser  Aufmerk- 
samkeit beobachtet  und  oft  trefflich  benannt 
wurde.  —  6.  =  der  Träger  des  Fusses;  nament- 
lich waren  die  Hausdämonen  mit  abnorm  ge- 
s  alteten  Füssen  behaftet,  mit  denen  sie  durch 
die  Räume  schlärflen.  —  Fussel,  1.  =  ein 
kleiner  Fuss  [Or.  W.  IV,  L  1019).  -  2.  -  (IM*) 
Kessel  (Or.  W.  IV.  1.  964;  Oberbayern).  —  fÜBSlicht 
=  an  dem  Füssel  mit  Hautkrankheit  behaftet 
(Falke  I,  299).   —  (1482)  FUSSlein,  Gr   W.  IV,  1. 
1035),  1.  -  ein  kleiner  Fuss.  —  2.  =  Fussohle 
(SchmeUcr  I.  769).  —  (UM)  FÜBSling  -  ein  Kind, 
das  mit  den  Füssen  zuerst  auf  die  Welt 
kommt  (Or.  W.  IV,  1.  1035).  —  (1566)  fusaling 
geboren  werden  =  mit  den  Füssen  voran  ge- 
boren werden  (Fusslage,  Fussgeburt;  Partus 
agrippinus)  (Gr.  W.  IV.  l.  1036).  —  (1641)  fuss- 
los =  apes,  pedibus  carens  (Gr.  W.  IV,  I.  1036). 
—  Alp-Tn&B  =  Trudenfuss  (Dttmonenfuss)  (n. 
A.  Rh.  416;  I'ierer  IV,  932).   —   Ant-TXLBB  (ahd. 
antfuos,  antfuoz  ^  qui  tortum  habet  pedein  instar 
birl  [-  Kiemen,  Streifen],  lorpe»  —  loripes.  Lahmfuss, 
Bielatal!,  Klumpfus«,  I'lumpfuss,  dessen  Stellung  der 
Norm  entgegeiiKesetzt,   umgedreht  und  [manebiuul 
«uch!sehmerzhaft[untlist,GraffI,3?.2[s.andl  14.  Jahrb. 
antfuos,  anfii*  ■  lorlpe«,  Voc.  opt.  W.  11).  —  der 
ytni-FuBB^Klunipfiiss;  er  hat  einim  Ant-Trat 
s.  d  ),  einen  schmerzhaften,  fehlerhaften  Tritt; 
vergl.  Dollftiss,  Sabelbein.  Die  Annahme  ant- 
fuoz =  Fntenfnss  (plattfüssig)  als  Attribut  der 
Perchta  (Simrock,  11.  I».  M.  390B)  ist  hinfällig; 
volksetvmologiscli   werden  die  koboldischen 
Hausge'ister  oft  „entenftissig"  genannt;  Bie 
Bind  aber  scharrfüssig,  antfflssig,  d.  h.  schlär- 
fend,  latschend  wie  beim  Antfuss-Gebrechen ; 
die  WasserdämonenallerdingshabenSchwimtn- 
I  fflsse  (s.  d.).   —    ftrtar-fuss  =  unbeschlagen 
(b.  Pferde).  —  hären  fussig  -  nach  Art  der 
Bären  mit  dein  Fesflelgelenke  stark  durch- 
tretend (b.  bärentatzig).  —  Bell-  (Ball-)  Fuss, 
l.^ein  durch  falsches  Auftreten  oder  durch 


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174  Fuss. 

Aufstossen  angeschwollener,  verballter  Fuss 

(Schneller  1 .  22y).  —  2.  -  dasselbe  auch  bei 
Pferden  (Schneller  I,  228).  —  (16.  Jahrb.)  bieglkher 
Fuss  —  (ilexipis,  I).  239)  =  leicht  beugbarer,  gän- 
giger Fuss.  —  Bocks-T\lB&  -  der  nach  dein 
Volksglauben  einen  solchen  tragende  Teufel 
(s.  d.}.  —  (1477)  boüer  FUBB  (ürtol|.h,  engl,  broken- 
footed,  Kuluchm.  I)  =  oll'ener,  eiternder,  ver- 
letzter Fuss.  —  Dahl-  {Doli-,  Doln-j  Fuss 
(fuesset  11673)),  1.  —  Dickfuss,  Dollschenkel 
mit  bleibender  Geschwulst,  der  eine  Dolle, 
Dalle  hinterltaSt  <<ir.  W  II,  1228;  Schneller  I, 
Ml),  s.  ölschenkel.  —  2.  =  Klumpfuss,  ein 
klumpig  verwachsener  Fuss  (ur.  \v.  V,  12m), 
der  durch  KnoehenfrasB  Schmerzen  (Dol, 
s.  d.)  macht  -  Anlfuss,  Loripes,  Stelzfuss 
(Schw.  (.76)  (Talipes  varus).  —  3.  der  Träger 
eine«  Bolchen.  —  Droit-  (Troll-,  Drula-) 
Fuss  s=  Klumpfuss,  DollfoM  («r.  Vf.  II,  hsoj 
(s.  Troll);  vermullich  liegt  dem  Drollfuss  eine 
«lilmonist.-atiologischo  Anschauung;  zu  Grunde. 

—  Elefant™  -Fuss,  1.  =  Klephautiasis  cruris, 
••ine  Anschwellung  des  Fusses  durch  I.ymphau- 
goitiB  hypertroph  ich,  die  den  Fuss  ins  Unge- 
heuerliche vergrößert  (Kehrend  65)  (s.  Elephant 
und  Knollfuss  1  st  Barbadoos-Kein,  das  auf  den 
kleinen  Antillen  iu  Britisch- Westindien  hautig 
beobachtet  wird.  —  2.  =  eine  mehr  gerade 
steilere  .Stellung  des  hinteren  Sprunggelenkes 
beim  Kinde  mit  ganz  offenem  Winkel  zwischen 
Unterschenkel  und  Schienbein  (Marti«  66).  — 
A'nfrM-Fuss  ■  ein  in  Sagen  den  mythischen 
Wesen,  Klhen,  Zwergen  und  Wassel frautn 
(volksetymologisch  für  Günsefuss)  beigelegten 
körperliches,  an  ihren  Ursprung  durch  Sumpf- 
/eugung  (Telluiismus)  erinnerndes  Attribut 
[UMta  llncbofen  336,  ör.  W,  III,  öl;  BlrUngcr,  Volkst. 
I,  58),  das  sie  den  Nixen  oder  Wassergeistern 
zureiheu  soll;  doch  vergl.  Antfuss.  —  fl.wij 
/{tich-fÜ&Big  illad.  .Inn.  IM)  pluutus  l'latttuss 
(s.d.)  (plölua,  piuiii  zu  vorgvnu.  phuhaii ,  Hoch,  platt. 
Kiuue  sc).  jlusxiijer  Fuss,  I.  >al  /.H  uss,  Kk- 
zema  cruris.  —  2  =  feuc  hte,  nasse  Maucke  beim 
l'ferde.  —  Fiöfuss  *  VorlUBB.  —  (1516)  gänz- 
licher Fuss  (nexipes.  D.  23»)  =  ein  Fuss,  der  beim 
Gehensich  leicht  bewegt.  -  (V</>usr-Fu88  =  Enten- 
fuss, Antfuss,  l'iattfuss  (Schilder),  Schwimmfuss, 
ein  Attribut  der  elbiscbeu  Gestalten  des  Volks- 
glaubens (H  a  Ith.  557. 270).  —  geschwollene  Füsse 

—  durch  Haut-  Wassersucht  geschwollene  Heine. 

—  U680)  geschwundene  FUsse  Ipede«  »tri.»«,  exsucci 
nacle  pellucenie«,  Heyne  V.  Ml)  -  durch  Muskel- 
schwund magere  Hutzel-Beine.  —  (1692)  ge- 
zeichnete FÜSB6  ss  durch  Haarfarbe  ausgezeich- 
nete l'ferdelusse  (seb.  202).  —  (ilatt-T\l&S  - 
m  der  Mensch  mit  glatter  Sohle  gegenüber  dem 
Tiere  («,  Kauchfues)  (Z.  d.  V.  f.  v.  K.  WM,  s.  isi>; 
ulatfot,  Motktbfj  ).  —  G> ät*ch-  Fuss  =  Sahelbein 
(s.  d.j,  Getiu  valgum,  ein  GrittlingsfusK,  der  ^ritt- 
lings geht,  wie  die  Kavalleristen  (s.  Krebsfuss, 
Grttlschel,  Keiten).  —  Gm'/"- Fuss  —  ein  Fuss 
mit  krallenartiger  Einziehung  (Kontraktur)  der 
Zeheu,  Pesgryphius.  -  :i5ix)  grettet  Fuss,  L  = 
das  grosso  Schienbein  sa  Oberschenkel  II  v. 
<;crs<l.  14J.  —  2.  —  (gro*sfod,  Holstein)  grossfÜSSig 
(MM gmsuti»,  D.  269),  a) :  scli wangei ;  b)  =  schwer- 


Fuss. 

fttesig,  weitausschreitend.  Im  Mittelalter  galten 
Weiber  mit  langen  Füssen  als  besonders  frucht- 
bar (Kindsfüsse).  Das  Treten  des  Strohaackes 
(Geburtlager)  mit  den  Füssen  war  ein  Aphro- 
disiacum.  Ausgehauene  Fussiritte  in  Steinen 
sind  Fruehtbarkeits-Statten  (Zetuchr.  L  VoOofc. 
ihm,  4s);  daher  die  kinderbringeude  Perchta 
auch  als  Stampfende  (s.  Stampa)  auftritt;  der 
Fusstiitt  ist  wohl  eine  Art  Geburtshilfe  in 
der  Urzeit  gewesen.  —  Hacken-Tusa  =  Pes 
calcaneuB,  ein  Fuss,  der  nicht  mit  der  Sohle, 
sondern  mit  der  Ferse  oder  Hacke  (Hacken) 
den  Boden  berührt,  wobei  durch  Verkürzung 
der  Mußkeln  die  FusBohle  nach  vorne,  der 
FuBsrücken  gegen  die  vordere  Flache  des 
Unterschenkels  zu  steht.  —  Hinter-TUBB,  1.  = 
der  zwischen  der  Fusswurzel  (TarauB)  und 
den  ersten  Gliedern  der  Zehen  liegende, 
aiiB  5  länglichen  Knochen  (MetatarBUs)  be- 
stehende Teil  des  Fusses  =  Mittelfuss  (Meta- 
tarBiis),  Fuesbrett  (Schaufel)  (Gr.  W.  IV,  2.  1501). 
—  2.  =  Pes  posterior  bei  4  f üswigen  Saugetieren ; 
{engl,  hindfood;  Gr.  W.  IV,  2.  1501).  —  (U>95)  hittige 
Füsse  =  durch  akute  Gicht  (Podagra)  mit 
flautrote  befallene  Füsse  [Vterofdl  56).  —  hohler 
Fuss  -  Gegensatz  zum  1'lattfusB,  eine  paralyt. 
Lähmung  gewisser  Fussmuskeln,  wodurch  der 
Vorderfuss  eine  abnorme  stärkere  Sohlenwöl- 
bung  erhalt  (Duchenne;  «ir.  W  IV.  9  1711)  —  Horn- 

Fuss    Huf.  —  jyjjf }  Fuss Hinkfuss,  einer, 

der  auf  einem  Fusse,  einer  Hüfte  hinkt,  hüpft; 
(engl,  hipjied  --  kn  luliibin  ,  bucklu  -  Ilultc,  Kullschui. , 
/..  .1.  V.  f.  V.  K.  1*95,  8.  263;  Schneller  I,  1050)  ( Ein- 
bau kei    —  Jgels-Ttm  —  eine  vernachlässigte 
Pferde-ifaueke  vs.  d.)  am  Fusse,  wobei  das  nicht 
ausfallende,  ober  deiu  Hufe  auf  der  verdickten 
Haut  stehenbleibende  Haar  borstig,  stachelig 
oder  struppig  sich  in  die  Höhe  richtet,  empor- 
stntubt  (Strupfhuf  <>d.  Straubfuss).  —  Ä'tfs-Fuss 
[Dletmanch.,  ke*  tot)  -=  kurzer,  dicker  Fuss  siehe 
grosser  l  uss)  (Uebrecbt  VJl).  —  A'i«r/«-Fuss,  1.  - 
der  durch  die  Kindsadern  (s.  d.,  Vances)  an- 
geschwollene Unterschenkel  (Cr.  w.  v,  757,  8chm. 
1,  I2«.ii.   —  2  =s   grosser  Fuss.  —  Klump-, 
Klunk- ,  [I7S-I]  Kluns-,  Klunt-,  [17S4]  Klunz-j 
Fuss  -  Klumpt uss,  Dollfuss,  Pes  varus,  Loripes, 
Vatrax,  N'alriosus,  klumpig  verdickter,  kolbig 
V6r*tUuimelter,  veränderter  l'uss  oder  Fuss- 
stumpf  («Sr.  Vf.  V,  1294.  1302;  Üardeleben,  Chlr.  IV, 
S62,  P«ull  U;  eiißl.  dnUoot,  Kluse*,  -179;  clovenloot 
=  bUkUCOtntt ,  Huf,  Knltsrhin. ;  nord.  klubbu-lötr, 
j   KtuRU  ,  20J  -■  klopii;,  kolbig  veränderter  Fun»),  — 
!   Klunker-TVLBS,  1.  =  ein  Klumpfuss,  der  kluu- 
kerl  (mb«l.  glunkem  -  baunein,  scblcukcru,  Kluge5, 
202).  —  2.  =  der  Träger  eines  Bolchen.  — 
Knick-Tnsa  =  der  Tod  (Streckebein),  der  des 
Menschen  Leben  7.um  Falle  bringt,  ihn  wie  eine 
Blume  abknickt  (t'ripiell  IV,  17).  —  A'no//-FU8B  ■ 
knollig  verdickter  Elefanten -Fusa  (».  d.  und 
Klumpfuss);  (Kehrend  65;  skr.  gnjnpuda  -  Ktefnnten- 
lu^s,  Krnu«,  K  313;  Karbados  Kein).  —  AYitk-FuSS 
der  1'  uss,  den  die  Mar  is  d  ),  marascytropodes 
bat,  die  damit  auf  dem  Boden  scharrt,  scblttrft, 
kratzt.  —  (16.  Jahrh  )  AVf^s-Fuss,  1      Genu  val- 
guni,  der  die  Füsse,  wie  der  Krebs  die  Scheien, 


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Fuhr. 


Fuss. 


175 


auseinander  halt,  oder  2.  =  vielleicht  auch  aus 
Grätscbfuss  (s.  d.)  entstellt  (Gr  w.).  —  3.  =  ein 
Fuss  mit  dein  Fuss  krebs  (n.  d.)  behaftet.  — 
AVem-Fuss  =  in  Kreuzform  X  gestellte  Beine. 

—  Krotttn-TvM  =■  der  Seckige Trudenfuss,  ein 
Attribut  der  elbischen  Dämonen  des  Volks- 
glaubens (H.  A.  Rh.  416).  —  (1501)  Krummb-,  (1482) 
krump(cr)  Fuss  fussi</  =  Loripes,  Tortipes, 
bogenfüssig,  krummschenkelig  (Säbelbein)  (Cr. 

W.  II,  220;  V.  2444.  2462;  Zening.  Voc.  r  3;  Hftd.  Jun. 

3»7).  —  lahmer  Fuss  =  durch  Lähmung  und 
lähmungsartige  .Schwäche  in  normalem  Ge- 
brauche behindertes  Bein.  —  Latsch -Fuss  ■ 
l.atschbein.  —  (1482J  Lttt-tasaer  (-ftissu/e)  (Zening. 
VoC  bh2;  D.  617;  ploti  [plauti]  •|iit  sunt  planlspedihus ; 
let  fusslge.  D.  442)  —  scarrus,  scaurus  =  breit-  oder 
laischrusaig,  scbieffüssig;  der  die  Schuhabsttizi' 
durch  schiefen  Gangabtritt;elbischen  Dämonen, 
den  T rüden  u.  Maren,  wurde  ein  solcher  schar- 
render, schleifender,  scherfelnder  s.  d.)  Gang 
zugesprochen  (Birlinger,  Volkst.  I,  305,  Zening.  Voc. 

1.  e.;  Gr.  W.  VI,  277).  —  Lungel -FUSS  -  ein  durch 
hereditäres  Lungenleiden  varikös  Kewordenes 
Uein  und  dessen  Folgen  Ulcus  varicosnm)  (egom 
x  u  jamtx;,  iiriiw.  2«)),  die  man  nach  dem  Volks- 
glauben nicht  heilen  darf,  ohne  die  Lungen  zu 
oedrohen.  —  Mahr-Tw&B  —  Alpfttss,  Trudenfus.s 
s.  Mar  (Meter  IV,  932).  —  (1743)  Mittel-T}1B&  = 
Metatursus  (<»r  w.  IV.  ■<.  UOl;  Mlil.  Med.  334),  die 
:"i  kurzen  Röhrenknochen  in  der  Mitte  «wischen 
Fusswurzel  und  Zehen.  —  (1599)  Neun  Füsse 

von  sich  strecken)  =  sterl>en,  verenden  wie 
ein  vierfOssiges  Tier  (ur.  \V.  iv,  l  99c),  das  alle 
i  von  sich  streckt  (9  hyperbolisch?  oder  vom 
Kegelspie)  mit  9  Fussknochen;  s.  der  7.  Fuss; 

—  offene  Füsse  -  Uleera  cruris  (Zw.  6:15),  durch 
■  •Ifene  Wunden  kranke  Küsse.  —  pelzige  Füsse 

Fasse,  die  durch  GefQhlslähtnung  wie  auf 
Telz  gehend  empfunden  werden  ;b.  Pelz).  — 
Pfa-,  (lssi)  Pferde-TxxBS  -  Fes  tipiinua,  1.  =  ein 
Fuss,  dessen  Rücken  so  in  die  l^nge  and 
Hohe  gezogen  ist,  dass  er  wie  beim  Pferde  in 
der  1  Längsrichtung  des  Unterschenkels  steht 
SpitzfuSS;  (Kanke  I;  Z    f.  Ö.  V.  K.  1896,  2*4).  — 

2.  =  gehörnter  Pferdefuss  -  der  Teufel  als  Trager 
eines  solchen  im  Volksglauben  (Abergl  "-Ol.  — 
Platt-  (platte,  Platsch-)TxiM  (14.  Jahrh  blatefuoz, 
platvuoz ,  H.  Z.  X;  Kluge1,  287;  1776  plattfu*  - 
Kussbrett,  Gr.  W  VII,  1912:  1782  platfussc,  Gr.  W.  1.  e  , 
engl.  flook-foled,  Hat  toot,  Leht.  84 ,  KalUchm  ;  ndl. 
plat  voote-u,  V.  K.  IX,  11),  1.  =  der  Fuss  ohne  oder 
mit  abnorm  geringer  Wölbung  des  Filssrückens 

—  Pes  valgUS  (Oyrtl,  Anat.  369.  Bardeleben  IV,  872). 
ohne  Aushöhlung  der  Fussohle.  —  2.  —  der 
Mensch  mit  einem  solchen  flachen  Fusse,  der 
dann  platsch-platsch  auftritt,  wie  im  Wasser 
tretend  (b.  Hexen).  —  3  =  die  platte  Fläche 
des  Fusse«  =  Fussbrett  (s.  d  ):  a)  =  Hinterfuss 
(Gr.  W.  VII,  1903.  1912);  b)  =  (1787)  Vorderfuss 

Fussplalte.  (Vogel  II,  73).  —  (1592)  podagramische 
Füsse  (b.  Podagra,  (s«b.  301 .  —  BawcA-Fuss 

(engl,  rongh-footed,  Kaltschm.;  dasypodiu»  -  Hase 
Meiklbg.  ruglot)  =  das  Vieh  im  Gegensatze  zum 
Menschen;  der  rauhe  Huf  (Pfote)  der  Tiere 
hinterlässt  andere  Trittspuren  als  die  glatte 
Menschensohle  (Z.  <1.  V.  f.  V.  K.  isoi,  nr,h  -  Reh 


Fuss  s.  Kehbein.  —  (1699)  rinntnder  Fuss,  1.  - 
ein  Fuss  mit  rinnender  Hautkrankheit  oder 
offenen,  secernierendeu  Geschwüren  (Ekzema 
s.  ulcus  varicosum).  —  2.  =  Straub-  oder  Igel- 
fuss beim  Pferde  (v.  M.  I,  09).  —  ScAarr-Fuss 
m  scarrus,  Kratzfuss  d.)  (Schmeller  II,  449; 
Zeitschr.  f.  d.  Hitlol.  XXVI,  249).  —  Sche{l)chs-  (1618) 

ScAiecA-Fuss  =  ein  schief  (scheel,  schelch)  ge- 
wachsener od.  entstandener  Fuss  (V'arus)  (Schw. 
592;  Schmeller  11,  364,  368).  —  Schinn-TTMB  (West- 
falen sohieufuot  =  cbelidonium  majus,  Roll.  196;  d.  h. 
das  dagegen  angewandte  Schellkraut)  =  ein  mensch  - 
hcher  Fuss  mit  starker  Hautschuppen-Bildung, 
Ekzema  fiquamosum.  —  >>/■/••//•  Fuss  (1420  ileyp- 
voot  —  dromo  atta,  D.  191)  =  ein  im  Gange  uaeh- 
geschleilles  Bein,  wie  es  öftets  die  alten  Leute 
(atta)  zeigen,  oder  die  faulen  Schlingel  (angl. 
splayfooted).  —  Schlimm  -  FUSS  (udl.  slimvoet 
loripc«,  D.  336)  =  Schlimmbein  s.  d.).  —  Schmal- 
Fuss  -  der  Träger  eines  solchen.  —  Schrättdes- 
Füsse  =  TrudenfUsse  (H.  a.  Rh.  416).  —  Schrannm- 
Füsse  -  geschränkte,  gespreizte  Pferdefüsse 
|  (Ochsenknie),  die  wie  Füsse  einer  Schrank- 
bank abstehen.  —  U744)  schwache  Füsse 
Khachitls  der  Fussknocben,  die  weich,  nach- 
giebig, schwach  werden  (Imbecillitas  pedutn 
(Zw.  638).  —  ScAtcrtss-FUBB  =  ein  Fuss,  der  stark 
schwitzt  HyperidrosiBpedum;.  —  schwerer Fuss 
=  schwanger  sein  («rossfüssig,  s.  d.;  (Floss-Bart. 
i,  474).  —  ÄVAtcimm-Fuss  -  die  mit  Schwimm- 
hautbildung  zwischen  den  Zehen  versehenen 
Füsse  (Gänse-,  Knien-,  Kröten- Füssel  sind 
nach  dem  Volksglauben  ein  Kennzeichen  der 
elbischen  Nixen,  welche  ihre  Wechselbälgc 
(b.  d.)  den  Menschen  einlegen  (II.  A.  Rh  221.  242). 

—  siebenter  FUSS  (15  Jahrh  den  snehendeu  {sielten 
den]  lux  verloren,  Schmeller  I,  769,  11,  1071).  Dies  l«l 
wohl  so  zu  deuten  der  Helfu»  (Artemisla,  ».  Ii  agier), 
welcher  in  iku  Sonuwcndunchleu  von  den  Befruchtung 
ersehnenden  Weibern  ani  Bug  (s.  d.)  getragen  wurde 
(credentes  illiquid  valere  vel  invenire,  Schmeller  II,  "02), 
galt  als  Ziiubcnaittel ;  der  Itcifuss  (bivuoz,  Kluge*,  34) 
ist  nun  zum  Sonnenwendfuss  (suunbendfush,  sul*eir 
sinnbeul-Kurtcl)  geworden  und  aus  Mi«.sversian<lnis 
zum  aiebcnteii  Knss,  wer  diese  Zauberptianze  (Raute) 
verlor,  hatte  damit  dann  den  7.  Fun*,  d.  h  =  den 
Verstand  durch  Zauber  verloren  (SchmeUer  1, 
769).  Fischart  steigert  (1599)  hyperbolisch  und  aus 
damals  schon  vorhandeueui  Mis.svenit*ndninse  des 
7.  Kusses  sogar  bis  tum  9.  Fusse.  In  Buyern  sagt  mau 
auch:  seine  7  Zwetschgen  —  seine  ganze  Habseligkeit 
; Schmeller  II,  1184)  —  sehr  wenig;  was  aber  mit  dem 
7.  Kusse  —  Verstand  kaum  in  Beziehung  gebracht 
werden  kann.  —  5pecr-FuS8  =  der  rechte  Hinter- 
fuss  des  Pferdes,  dessen  Heiter  auf  der  rechten 
Seite  den  Speer  trägt  (engl  spear  toot,  Kaltschm  ). 

—  Spitt -Fuss  =  Tahpes  equtnus,  Pferdefuss, 
wobei  die  Ferse  in  die  Höbe  gezogen  ist,  und 
der  Betretlende  mit  der  Spitze  des  Fasse«,  d.  h. 
mit  den  Ballen  der  Zehen  auftritt.  —  Stelz- 
{[11»:  öto/i-,  Stull-,  Stutz-,  Stolz-,  Stolz-  Fuss 

einer,  der  mit  einer  Fusstelze  Kusstuhl;  geht, 
die  er  zur  Stütze  braucht  .ieis  auf  elm  fuess  ittdara 
[stallen,  stolzeu],  Schmeller  11,  754;  «Jr.  W.  VII,  l'.'s v 
~  Stelzbein,  Loripes.  —  Sehnen-6'r</ifÜ8S  =  eine 
Beugesehnenscheidenentzündung  am  Pferde- 


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17ß 


Fuse— Gabel. 


Fut— Gadern 


fuss,  die  dessen  Bewegung  so  behindert,  das» 
da«  meist  „struppierte"  Pferd  steif  wie  auf  einer 
Stelze  geht  (Korsler  II,  102.r.;  Kalke  II,  340;  Maier  112) 

(Ölschenkel).  —  (im»)  »linkende  Fttsae  =  Fuss 
mit  Fuss-Stank  s.  d  ,  Sehweissfuss  (Coler,  H,  A.  1 
240).  —  (l'i92i  iträli  füss'/  -  fratt,  einrissip 
zwischen  den  Fesseln  bei  Pferden,  die  dann 
gerne  die  Streu  aufsuchen  (Bob.  Ml;  Gr.  W.  HI, 
US»;  IV.  L  67).  —  (1646)  Straub-  {Straup-)THBB  = 
eine  Pferde-Mauke  (s.  d.)i  wobei  das  nicht  aus- 
fallende, stehen  gebliebene  Übrige,  meist  verfilzte 
Haar  sich  struppig  aufrichtet  (Falke  II,  114;  «oler, 
PL  371).  —  Der  Strecke-TUBB  —  Tod,  der  beim 
Todeskampfe  den  Menschen  bleich  hinstreckt, 
ähnlich  dem  Gehängten,  der  llflnde  und  Fflsse 
lang  ausstreckt  [Or.  w.  II,  99;  Schräder 4M;  Scheit.le 
III,  136).  —  Stumpf -Tubb  =  Klumpfuss  (engl, 
stumpfoted,  Kaltsrhm).  —  /  rl  lt\  tmeistet  -Füsse  ».  | 
Stellung.  —  Tapp-TxL&s  -  eine  schwerfallige 
♦  Gangart  bei  Menschen  und  Pferden  (s.  tappen) 
Zlpp.  130;  K.dda,  Jordan  1K4 ,  Kalke  II,  357).  —  Tripper- 
Fuss  =  die  Lokalisation  d.  (ionnorrhoe  (Tripper 
auf  einen  Knochen  oder  ein  Gelenk  am  Fusse. 
—  2Vudrn-FuBS  -  das  die  Menschen  tretende 
is.  d.)  Attribut  der  elbischen,  aus  der  Wellen- 
heimat stammenden  weibl.  Dämonen  (Nixen\ 
die  im  Boden  die  Spuren  dreier  in  einander 
verschlungener  Dreiecke,  das  sogen. 
Alpkreuz  hinterlassen  iirutenvuoz;  1343 
truten  luize,  Sthm.  1,  649,  l.aiütner  II,  20*. 
30S;  Vernal.  272;  Abergt  137,  II  A.  Rh.  416).  — 
("nAomVn-Fuss  -  Trudenfuss.  —  For-FuBS  — 
H743)  Forder-Fuss,  1.  -  der  Zehenballenteil.  — 
2.  -.  Pusswurzel  (Tnrstin"j  (engl  fort«  foot,  Leve- 
lirut  *«;  bibl.  Medlk.  883).  —  {17R.t)  weiss  -  fiiSSf  t 
»iigl*.  hultfot  =  alblpedlu«,  I».  an.  SVhinetler  I,  769  1 


Gabel,  f.  fnhd,  Riit.nl  ;  mh"l.  gnbel  ~  el«ft»,  »n< 
giebelartige ,  sptuwlukllge  Form  h«t ,  Klug".'*,  121; 
s.  Crhel.  «;»n.  i:.  1.--  die  Brustbeinspitze  oder  der 
Processus  ensiformis  sterni  (la  fnurrhettc,  A.  Pare  ; 
öbenetansg  4er  ArabLsten  gahelin  -  fnrrutn  Inferior. 
Ilynl.  K.  w.  64;  !iri«s.  2S).  —  2.  -  Schhisselhein 
(IMS  gabelin  —  furenle  Oer  Arahlsten,  H.  v.  <!ersd.  H; 
Hyrtl.  K.  W.  M) ,  die  eine  Feder  oder  der  eine  Ast 
dieser  Gabel  sollte  zur  einen  Achsel  (Schulter) 
gehen,  der  andere  nir  andersartigen:  V;  vermut- 
lich von  der  Gabel  der  Hühnerbrust  (<;r.  W.  IV, 
l  1120)  genommen.  —  3.  -  das  Mitteltieisch  (Peri- 
neuin)  (In  fourche  dea  Jambas,  12  labrb.  luNbeuie; 
IS.  Jahrb.  loorehuro,  ürtus.  3h)(-  von  welchem  ans 
die  beiden  unteren  Gliedmassen  eine  Doppel- 
egge (s.  Älter)  bilden  (Hyrtl,  K.  W.  164).  —  4.  = 
(i.'j30)  Luftröhren-Vergahelung  (MeobUUH  ander den 
gahlen,  Künlgssp  19,  In  fonrcelle,  nris«  184).  —  6. - 
•  las  gabelförmige  Zungenbein  (Rochholi  I.  227). 
—  ü.  =  der  leere,  gabelförmige  Kaum  am  llorn- 
schuh  des  Tieres,  den  der  sogen.  Strahl  ein- 
nimmt (Falke  T,  30O>.  —  (1618}  ««/"gabeln  einen 


770  .  vermutlich  hu*  mtl.  ulhlpediu*  l  —  elben  fus-ig, 
Alpfims'  zurüekul>e.rf<et*t  lu  \vei«<s-  {albus]  füsfiig;  der 
Alptritt  sollte  verwirrt  machen)  -  albern,  toll.  — 
A'-Füsse  =  Genu  valgum,  Bückerbein,  Ochsen- 
knie (itardd.  IV,  soo  wegen  der  ><  Stellung 
der  Beine.  —  Zu<  '.  Fuss  =  der  Hahnen-Tritt 
s.  d.)  b.  'spatigen)  Pferde,  das  dabei  zuckende 
Tritte  macht  (Kalke  II,  459).  —  Fuss-  (Fttssr/-) 
Adir,  -Ballen,  -Bein,  -Belle,  -Blatt,  -Blattern, 
-Brett,  -Daumen,  -Entzündung,  -Fäule,  -Qallr, 
-Garbe,  Geburt,  Gelenk, -Geschwelt, -GeschwuUt, 

-  Geschwüre,  -  Guht,  -  Gram,  -  Gramerin,-  Grimmen, 
-Hacke,  -Hicl,  -Hohle,  -Kehle,  -Kiaue,  -Knochen, 
-Knorren,  -Krätze,  Krampf,  Krankheit, -Krebs, 
■Kriimme,  Lage,  lahm,  -Leiden,  •  Lidsucht,  -los, 

Mangel,  -Nagel,  -Plärr,  Quetschung,  -Räude, 
Reihe,  -Reissen,  -Rist,  -Rolle,    Rotz,  Ruch, 
■Schaden,  Schaufel,  -Schmück, -Schmerz, -Schtceiss, 
•  Sehne,  -Seuche,  -Siechtum,   -Sohle,  -Sparre, 
-Spitze,  -Stank,  -Stapf,  -Sucht,  -  Tritt,  -übel, 

-  Weh,  -  Wetzer,  -  Wurzel,  -Zehe,  -Zipperlein. 

Fut  s.  Fotz. 

Futter,  n.  (Indogerm.  pal  =  essen,  germ.  föd,  fad; 
gotb.  li>dr  —  Nahrung;  abd.  fuotar;  mhd  vnoter,  Kluge 
128 {  engl  food  =  Nahrung)  —  Futter  Kind, -Kolik, 
-rarh,  -  Verdruss,  -  Verstoss. 

Futteral,  n.  leine  Ableitung  aus  ah<).  fotar,  nitlat 
fotrnle,  Kluge  124;  latinisierte*  „Kutter"  llotrum,  to- 
drum]  =  Überzug,  Hülle,  EL  l'aul  IM}.  —  Htm- 
Futteral  =  Kopf,  ScbÄdel  (Cr.  W.  IV,  2.  IM*)  als 
Behaltet  für  das  Hirn. 

Futz  (Futze)  s.  Fof,  Fotz«.. 

fmü  Md.)  s.  faul. 


Krankheitsstoff  (gleichsam  an  die  Gabel)  an- 
stecken (s.  d.)  und  aufgreifen,  colligere.  — 
Fleisch- Oabel,  1.=  Penis,  der  2  teilig  am  Scham- 
l'Ojjen  wuizelt  (tjr.  W.  III,  I7M).  —  2  -  Kniegalgen 
(<*.  d.).  —  Luf  t»  oAr-Gabel^  Bronchus,  die  spitz- 
winklige Teilung  dei  Luftröhren  in  2Ä-«te  (Hyrtl, 
K  W.  107).  —  Oabel  /A-iw,  -Ges-hwür. 

gabig,  gabisch,  gäbisch  -  Unkisch,  ver- 
kehrt, bäuerlich, gäuisch,  lölpiscb,  (s.d  )  (itayem, 
i  ,r..i  Wolf  iv.).  —  gabische  Hand,  -Zeichen. 

gach  s.  gab. 

Gack,  gacken,  gaeckeln  -=  eucare  (Schmetl« 

I  BK  ;  «.'aek  m  -Podei  ndl ). 

gacksen  s.  gagecen. 

Gadern,  n  ,  m,  Gaden,  n  ,  m.  (Qat,  Oater)(aii 

nonl  Kfitrt,  k'nt  -  Loch  ;angls.gea1  .  ahd.gadum,  pndnm; 
mhd.  gadem,  gaden  ;  147  i  galer,  Ii.  304,  alUarhs.  gat  — 
Lora,  Hohle;  ndl.  gaten.gat  =  (MTnung,  Einlaas,  Gemach, 
Kammer,  Kluge*,  124).  —  .Jr*<A- Gaden  11420  eers- 
gat,  I).  427,  n.ll  iuir«ßnt,  V.  K.  VI,  7)  -  Perineum, 


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Gaderzick — Giimper. 


Gämperle— Gafe. 


177 


Damm,  räumliehe  Abteilung  zwischen  Annsund 
Vulva.  —  (16.  Jahrh.)  Fli  UM  h  -  Gaden  (D.  102.  Gr.  w. 
III.  I79S;  Schmeller  I,  871)  =  (1018)  Carnarinm,  Va- 
gina als  fleischlicher  («.  d.)  Einlass.  —  Nagel- 
Gat  (DeCoek;  v.K.  ix,  1895.  s.95. 127)  =  Gesch  »ftr- 
nagel  =  AbsceBsöflnungam  Kopf  desGeschwärs. 

—  (1475)  A 'ii.it 7i  Gaden,  Gater  (ndd.  nasengater  m. 

—  Intcrflnlum ,  pirula,  pennula,  lummt  pars  naris, 
I>.  MM.  423;  1507  naessgat,  D.  876;  ndl.  neuscgatcn,  De 
Oock  8*i.  293 ;  loopende  Katen  =  coryza,  Sasenflusa)  = 
Nasenlöcher  als  Eingang  zur  Nasenhöhle.  — 
(1507)  Schweis»  Gat  (D.  i«)  =  Porus, Dunstöffnung 
in  der  Haut.  —  Strotz  Gat  (1607  strolit  gatt  =  jugu- 
lum  j  1621  strott  trat  -  gurgulio,  1).  271. 311)  =  Drosscl- 

gang,  Kropfgang,  Kehldrossel. 

Gaderzick  (1788;  I  ubcrnaem.  -  HS..  (itocaolO  m 
Durchbruch,  flüssiger  Bauch  (von  purgatio  „cathnr 
tlca"  per  anuin,  Reinigungsmittel,  Gr.  W.  IV,  1.  113.">; 
<)ie  xcii*ap3t;  :'  •kraut  ,.<|iiae  eil«  ventrem  purgnt", 
1».  IM). 

gaebisch  s.  gahig. 
gäch  *.  gäh. 

Gäck  ,  gaecken,  1.=b.  Äck.  —  2=-s.  Goeck. 

—  Gaeckelein    die  Kake  (cacare)  (Schmeller  i. 

882;  conf.  [Tirol]  Gaggele  =  El,  Wolf  153). 

gäfern  s.  Geifer. 
Gaefter  s.  After. 
Gaegel,  f.  s.  Gagel. 

gäh  Cgäch,  gach)  (ahd.  gahl  =  schnell,  ploullcb ; 
mhd  gache,  gach.  Kluge  178)  =  jäh  (s.  d.).  —  gäh- 
lich  (1590  =  rabiosus,  D.  482)  =  wild,  wütend.  — 
(173.'.)  das  Gaeh  (Gech)  =  eine  plötzliche  Er- 
k  rankungdes  Viehes  (F.rdslurz},apoplectiformer 
Milzbrand  (H.  B.  14)  „eine  Erbsucht"  (».  d  ),  die 
sich  als gäbesÜberblut.gähe  Blase,  gäherUmfall 
etc.  äussert  und  übertragbar  ist  —  Gah-  gaclu  i- 
Blatt,  -End,  -Erstickung,  -hitzen,  -Hunger, 
Ritten,  -schussig,  Sucht,  -  Tod,  Überblut,  -  üm  fall. 

gaelt  s.  alt  und  galt. 

gähnen  (glenen ,  gannen ,  gäunen ,  geunen) 

(vorgerm.  ghl  [hlatüs];  germ.  gl;  ahd.  gien ,  ginen, 
giwi-n,  Klage*,  121;  gewön  —  das  Maul  aufsperren . 
gthnen  [eine  «chw.  Nebenform  des  ahd.  ginen]  mit 
vielen  Neben-  u.  Schwcslcrformen ;  altnord.  gln  ;  mhd. 
ginen,  oberd.  giweu  ;  14-10  galneu  ;  1478  gey Den  ;  1495 
glenen;  1615  gähnen,  O.  402;  l.'>91  gynen,  glwen  =  oscl- 
tatlo,  flad.  Juu.  378;  Kluge',  124;  glenen  [Schweiz], 
K&unen  [Bayern],  gabnen  (o. -Schwaben j,  gaucn,  geuen, 
geuwern  [Bayern],  Scbw.  224  ;  gelnen,  Zw.  254)  -  hiare, 
oscitare,  namentlich  vom  hysterischen  (»ahnen 
((iähnsucht)  gebraucht  (Zw.  r*  .  Coler  H.  a.  132). 

—  (1645)  nach  der  Luft  gähnen  (beim  Asthma). 

—  QÜhn-Fieber,  -Krampf,  -Surht. 
Gaehning  h.  gaeren. 

Galen,  pL  s.  geil. 

Gaelle,  f.  s  Galle. 

Oaem,  m.  s.  Gaumen  u.  Kahm. 

Gammel  b.  Gammel. 

Gämper  (Gämpel)  ficis  Gemper.  it.  Saabs;  ver- 

mntlicb  euUtellt  an«  Ganter  I".  d.].  Schmeller  II,  284) 
-Herz,  Herzpinkel.  —  Gim/>r/-Gempel  =  l'cnis 

(Schneller  I.  911.  1195).  Ist  Giimper  vielleicht  «  In  Kratik 


heiuskobold,  der  auf  das  Herz  BtOHtl  (».  nachfolg. 
Gaempel-Af  ann. 

Gämperle,  n.  (Tirol;  zu  Gammel,  «.  d .),  l.  =  ein 
Krankheitsdämon  (Teufel).  —  2.  -  die  von 
diesem  veranlasste,  fieberhafte  (epidemische?) 
Krankheit  mit  Delirium,  die  in  den  Hundstagen 
(s.  Sonnenstich)  umgeht  und  bei  der  tolles,  auf- 
|  geregtes  Zeug  ( =  aus  vermeintlicher,  teuflischer 
(  Veranlassung?)  gespr«>chen  wird  (Gr.  W.  IV.  t. 
i  1214;  Gamperle  In  Karathen  ■  der  Teufel,  der  tolle 
Sprünge  macht,  Gr.  W.  IV,  1.  1214.  1255;  der  aber  Irgend 
eine  heidnische,  dämonenhafte  Figur  hiebet  Teriritt). 
Gaenter  s.  Ganter. 

gären  (germ.  Jet  [dazu  Gischt];  ahd.  Jtrian  =  garen 
machen,  josan  =  garen,  sebaumen;  mhd.  geren,  jeseu, 
Kluge &,  127).  —  (1699)  Jn/'gärung  =  Aufstossen 
des  gärenden  Magen-Inhaltes  (v.  M.  i.  145).  — 
das  Blut  gärt  =  wallt  auf,  wie  das  gärende 
Bier,  das  im  Hause  fiüher  bereitet  wurde.  — 
ext  er  gärig  (abd.  clt&rgerio  =  veneticus,  Graft  1,  612), 
das  Eitergift  wird  nach  alter  Vorstellung  unter 
Fieberhitze  im  Leibe  ausgegoren  (nach  Ilippo- 
krate*  „gekocht")  und  wird  so  cur  Ursache  der 
Eitervergiftung,  zum  pyämischen Todesgift;  — 
(wie  nahe  ist  doch  diese  Vorstellung  schon  der  heu- 
tigen Theorie  der  Bazillen-Wirkung  '.).  —  das  Ensen 
giert miraufher  (Bayern)  =gär-aaures  Aufstossen 
(Gr.  w.  iv,  l.  1365).  —  das  Oeblüt  giert  (e.  .lest). 

—  (1645)  «fcergieren  =  Eitergift  über  sich  aus- 
scheiden ^on  Wunden)  (Coler  »7. 879J.  —  (I680)die 
Wunde  gieret  mit  Eiter  —  Vulnus  purulenlum 
=  erzeugt  septischen  Eiter.  —  Gaerangs- JTranft- 

'  heilen. 

Garn  s.  Garn. 
Gärte  e.  Gerte. 

GätZ,  n.  =  Geätz  (Schindler  I,  ISO.  967)  =  dio 
Eingeweide  mitsamt  dem  Inhalte  (Kssen  =  Aez) 
(s.  Essen).  —  gätzig  (gatzig,  gassig)  =  schmutzig, 
breiig,  schmierig  (Sehnt  L  e). 

Gaenfse  s.  Gafe. 

gannen  s.  gähnen. 

-gaewe  s.  haben  (gehaebe). 

Gaewer  (zu  Gaumen,  s.  d.)  =  der  Akt  der  Gau- 
menötfnung,  des  Schnappens  mit  dem  Munde 

(Schmeller  1,  M12). 

Gafe,  f.  (Gaf,  Gaff,  Gafen,  Gaffen,  Gafel  n. 
Gaufen,  Gauf,  m.  Goffe.  f.  Gufel,  Gauchse. 
Gaufe,  f.  Gaupse,  Gauf,  Gaufe)  (ahd.  eontanj 

IL  Jahrh.  goffe  eoza,  H.  Z  III;  12.  Jahrb.  gofen  — 
clunes,  H.  Z.  II ;  cofla,  goffa  -  uates,  pyge,  D.  128;  1260 
goufe,  f.  =  die  Höhlung  der  Hand,  Pfeiffer 65;  gocuf«e.  f. 
=  die  doppelte  Mohlhnnd,  HofTm.  I,  371 ;  14.  Jahrb. 
goffe  =  clunls,  Vor.  opt.  W.  12,  14.  Jahrb.  gaipe,  gau- 
pesche  =  raca,  D.  482  ,  16.  Jahrh  geffte  clunls,  D.  640, 
14S2  uawfj  -  vola,  Zeuing  Voc.  k  3 ;  gawebsz  ■  Gauehse 

—  concavllas  manuum,  Gauff,  Gr.  W.  IV,  1.  1W7  ;  1615 
gauseb.  gawcliss,  gawrhsse  »  vida  manus  ;  1582  gufel 
(=r  gu»«el]  =  volnmanus,  n.  628;  1691  gauf  -  vola  mauus 

Mittelhohle  der  Hand,  Ilad.  Jun.  34  ;  1692  gaffen  = 
palma,  voln  manus,  \Vlrsung561;  1613  gauf  =  vola 
manus,  Ilyrtl,  K.W.  Vi ,  Josterr.]  gauffel  beide  ITande 
voll,  rbr  Sam.  5),  1.  =  Concavitas  palmae  manus 
(Hohlhand),  plantar  pedis  (Hohlfuss»)  (ür  w  iv 

12 


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17« 


Gaffeln— galant. 


Cial  gen— Galle. 


t,  1*12),  auch  als  Grafen,  Gafe  uiul  Gallen 
Illintiicr  7. 16)  volksüblich  in  Tirol.  —  2.  —  Hinter- 
baken,  Clunes  (nhd.  goßVn,  H  z.  Ii ,  Krf.  <:lo«s.  goffa . 
mhtl.  goffc,  ««ffc,  gofen.  Schindler  I,  *7.>;  posterior 
pars  aulmall»;  TWfL  stop-gap  -  «lai  letzte  Kind  einer 
Krau,  welches  die  Gebiirtsoffnung  [gap  l.orh).  ver- 
siopft,  boefellCMt,  Kaltschm   t,  «127).  —  3.  ■-  ballte 

Mund  Mund  Verzerrung)  als  gähnende,  oder 
schlürfende  Mundhöhle  (?).  —  4.  ^  (1731)  Gauffcl 
as  Maulschaum,  Geifer  am  Tiermaul  (A.  M.  10; 
Gr.  W.  IV.  1.  1546;  «ub.  III,  2;  ob  Gaule  3  zu  [wkr.j 
jabh  -  schnappen,  uenu.  gap  =  gähnen,  Kluce  4,  121, 
engl,  jaw  —  Kinnbacken''  Ks  liest  vielleicht  bei  1 — 3 
ein  gemeinsames  Wort  ca(  —  Höhlung  zu  Gruudc,  da» 
sich  in  diesen  3  lledeutungen  spezialisierte;  ,.dcr  oltene 
Mund  wurde  auf  alles  irgend  Ähnliche  in  der  kleinen 
und  grossen  Welt  In  kindlicher  Vermenschlichim«  über- 
trafen", «ir.  W.  IV,  l);  vergl.  Fol*  und  Mund, 
Lalle.  —  (1M0)  FwsÄ-Gauf  ~  (<uncavitas  pedis, 
I>.  sä»;  pianta  pedU)  a  Fusshöhlung  an  der  bohle. 

—  Oauf  Barg,  -Diech. 

Gaffeln,  f.  (I>i0!  -  Schlüsselbein  (von  Calle 
=  lurca;  Nebenform  zu  Gabel,  s.  o. ;  llyrtl,  K.  W.  ö4). 

gaffen  (kaffen)  (germ.  gap- gähnen;  ahd.  gaffen, 
kapfen  ;  mhd.  gaffeu.  kapfen,  Kluge  *  124),  mit  offenem 
Munde  anseheu,  den  „Kopf"  aufrecken  beim 
Schauen  (Gr  w  iv,  1. 1  I36),auch  =  karten.  —  Geffe, 
Gefl  (Tirol ,  Illntner  ■>.  13)  Mund.  —  Gaffel- 
Stirn. 

Gag,  f.  (Gagg),  m.  Gagg  -  Ga»h,  Ganck 
Narr,  Tölpel.  —  Gacken  =  Kretinen  (Hirchcr  87; 
Knapp,  Kreünism  6).  —  aus  der  Gag  kommen  =  ver- 
wirrt sein  (Schm.  1, 877. 1203).  —  Schreck-,  Schröck- 
Gagerl  (Erzgeb.,  Grohmann,  Aberg)  16)  Schrecken 
einjagender  AlpdHinon  (Kobold,  Schreckuoe- 
gerlj.  —  rrrgägelt^  geisteskrank  (Buck  i:i,  nach 
Grimm  zu  jagein,  jagen,  lärmend  hin  und  herlaufen, 
schreien).  —  gag  irrig. 

Gagel,  n.  Gaegel,  f.  (ndd.  dat  gagei,  d.  4on) 

-  Gaumen,  Zahritteisch,  das  Werkzeusr,  der  Ort 
«um  Schreien  od.  Gacken  (Schmellerl,  «77;  Kluge  \ 
12»),  —  f-rgagen  vor  Schreien  ganz  fehler- 
hafl  atmen,  ausser  Atem  kommen  'Schm.  1.  c). 

gagezen  (gacksen)  [ahd.  gaxixön  —  natire,  eine 

onomatopoetische  Bildung  -  gaggag  machen,  w  ie  die 
Hühner  schreien,  Kluge*.  121;  die  Stimme  verändern, 
auch  undeutlich  wie  ein  Kind  sprechen)  stammeln, 
stottern  (Gr.  W.  IV,  1,  1131.  engl,  to  gagglc  =  gackern), 
vergl.  auch  Gaxen. 

gaggeln-  cacare.w  iediegackernden  Hühner, 
die  ins  Zimmer  kakieren  (Kinder*pr.).  —  britschi- 
gaggeln  ~  coire,  auf  die  Britach«  gacken  wie 
»lie  Hühner  (Selunellcr  I, .'!?,'.).  —  Lämmer- Gagein 
(14.  Jahrb.  lainliergagelu.  Iloffm.  I.  32.1)  -  Lamincr- 
geilen,  Lammshoden.  —  zer  (der-)  gagget  = 
mit  Kindskot  beschmutzt  (Tirol,  Wolf);  (s.  auch 
kacken). 

Gallen  s.  Geilen. 

galant,  Galanterie  (aus  franz.  galant;  partic. 
praes  von  gala  (zu  nt-iV.  =  artiu  ;  P.Tn  galant  -  a  la  inode 
gekleidet  und  gegen  das  schone  tieschleehl  zuvorkom- 
mend, Klelnp.  40;  Gr.  W.  IV,  1.  1136;  Kluge*,  121).  — 

Galanterie,  —  grosse  =  Syphilis;  —  kleine  ■ 
Tripper  und  seine  Folgen  (Gr.  \\.  IV,  1.  1130),  als 


I  galante  Krankheiten  (s.  iL)  oder  d«pj)  Galan- 
terie-Ware (Haescr  II,  Anh.  M)  bezeichnet ;  (an  den 
franzosclnden  Hofen  de«  17.  und  IS.  Jtihrh.  mit  ihren 
■iffaire«  d'nmour  galt  es  u  la  uiode.  derartige  Krank- 
heiten zu  haben  [vergl.  Modekrankheit],  daher  auch) 
(1743)/>nfii««sr/4t  Galanterie.  I.  =  Syphilis  (Hahn). 

—  2.  -Trousse  galant,  Tripperhoden  (Lersch  ttft 
Anw).  —  Galanterie-  (galante)  Beulen,  Krank- 
heit. 

Galgen,  Ul.  (vorgenn.  ghalgha-;  germ.  galgan-: 
uhd.  gnlgo;  mhd.  galgc,  ursprünglich  =  lange,  bieg- 
same Hute  eines  Baumes,  an  dem  man  früher  das  Auf- 
hangen der  Verbrecher  vornahm,  Galuen  und  Zieh- 
brunnen, Kluge1,  125).  —  (ifiso)  /we -Galgen  - 
Fleischgabel  (F.xercitium  venereum)  (ur.  w.  v. 
1121.  1I2.V  142S),  Goitui»,  Lusus  venereus.  —  im 
Kniegalgen  hangen  -  coire  (t;r.  w.  L  cod.,  Heek- 

Icnburgl. 

Gall,  n.  (Galler)  =  Schall  (Gehall)  (Gr.  W.  IV. 
L  Iii»;  Schindler  I,  s»l ;  engl,  to  call  =  rufen),  dazu 
die  Gill  (s.  d.),  galstern  (s.  d.),  Gilscht,  gilfern, 
galfen.gelfen;  (vergl.  rufen,  schreien  u.  kallen). 
H  Ii rnt-  Galler  (angls  vyrrn  galcre  =  lncantator  ser- 
pentium,  Du  Cange  I.  2ss)  —  einer  der  die  Schlangen 
durch  seineu  Zaubergesang  (s.  galstern)  bezau- 
bert (s.  Wurm). 

Galle,  f.  Gallen,  f.  (gem.iudogerm.  ghcl^gelb 
oder  grün;  [fellis;  lat.  f  im  Anlaut  entspricht  germ.  gl; 
vorgerm  ghol  [yo/.Tjj;  gem. -germ.  gall  -  Galle;  ahd. 
k-alla,  II.  Z.  XVl!  70;  angls.  gealla,  galra;  Irisch  galar. 
galradh  b  Krankheit ;  mhd.  galle,  Kluge  »,  12Ö.  133; 
fielet  in  Z.  f.  v.  Sp.  W.  V.838;  engl,  gall -Galle,  Gall- 
apfel, Hitze,  Schramme,  Wolf  (frntt,  wundsein],  sich 
ärgern,  I.ehf.  177 ;  Kaltschm.  I,  2t>">),  I.  l.  =  die  bit- 
lere, gelbgrüne  Galle  (Fei,  Bilis,  Cliole)  bei 
Menschen  und  Tieren,  der  Urgrund  des  cho- 
lerischen Temperamentes,  vieler  Krankheiten, 
I  namentlich  der  Fieber  und  des  Galltlusses  (Ar- 
thritis) (nach  der  Anschauung  der  alten  Medizin, 
welche  eine  gelbe  und  schwarze  Galle  annahm  ,  seit 
Aristoteles  1,1»  auf  Paracelsus  eine  Lehre,  die  heute 
DOCh  In  Volke  fortlebt,  Gr.  W.  IV.  1.  1183.  sub.  l.a). 
so  dass  Galle  selbst  schon  =  Morbus,  Krankheit 
(s.  o.  galar)  ist,  namentlich  =  Morbus  regius, 
Artbesis,  Arthritis  (s.  Wundgallen) ;  Galle  des- 
halb auch     Gift,  das  aus  der  Galle  1  entsteht. 

—  2.  =  als  Galle  ist  auch  der  Inhalt  der  Gallen 
(II)  an  den  Geienken  und  Sehnenscheiden  der 
Pferde  angesehen  worden,  tlen  man  (l.v.w)  der 
giftigen  Galle  (1)  in  der  Gallenblase  gleichhielt 
(Gr.  W.  I.  c.  11S7;  die  I.eber-<;alle  wurde  beim  Opfer- 
tiere all  allein  unbrauchbar,  unrein,  gleichsam  wie  ein 
»rittiger  Naturfehler,  herausgenommen  [to  gall  —  exeo- 
rieri,  damit  die  Gallenbittere  nicht  ins  Schlachtier  aus- 
laule:  deshalb  Ist)  II.  die  Galle  =  Geschwulst, 
krankhafte  Blase  mit  galleähnlicbem  Inhalte 
(13.  Jahrb.  Jordauu*  Rnfus  ,,galla  est  <iuacdam  tume- 
facllo  mollls  ad  modum  vesicae  magna  ut  gallo  vcl 
avellana".  Du  Cange  IV.  16;  mhd.  galle;  Kluge4,  125 
•lenkt  an  eine  Vermischung  des  [lat.-rom  ]  Fremdwortes 

'  galla  [  =  Gallapfel]  mit  einem  lautlich  anklingenden 
germ.  Worle;  Grimm  [W.  IV,  1.  1187]  dagegen  sagt,  dass 
die  [Pferde  ]  Fluss  Galle  weit  alter  i«t  als  der  au*  dem 
Welschlande  eingeführte  Namen  der  nallilpfel  [galla 

,  scu  avellnna  ;  antl«.  gallu«  —  call,  D.  2N«  —  Bedegar, 


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Galle 

.1          ■■:>  :  d<  r  i  iiillnpfiO  I ■  a i ..•  umgekehrt  -.  im;n  Kamt  D 

ton  der  tierischen  »ih  r  menschlichen  Galle  liltertntgen 
bekommen;  beide  Gallen  [1  und  II)  berühren  sieh  in 
der  Bedeutung  „Mageninhalt"  und  in  der  als  „im- 
brauchbare*  Xw",  Gr  W.  IV,  1.  1189);  Galle  11,  l.m 
gesehwulstartige  Stelle  über  dem  Knie  am  Hin- 
ter-und  Vorderbeine  des  Pferdes  (Kluge),  au  Ge- 
lenken und  Sehnenscheiden  (Sehnenscheiden- 
oder  Gelenkkapsel-Erweiterung),  die  (16.  Jahrh.) 
als  „Galle"  eine  mangelhafte,  zarte,  weiche, 
haaelnuss-  his  welschnussgrosBc  Stelle  mit  (gal- 
ligem) nassen  lnhalto  zwischen  der  grossen 
Maus  und  der  Röhre  darstellt  (Schw.  227;  <.r.  w. 
IV,  1.  1187).  —  Nach  Förster  (U,  lOMjistGalle  II  1 : 
a)  —  eine  Sehnenscheidenentzündung  mit  An- 
häufung einer  dicklichen  Flüssigkeit  innerhalb 
der  verwachsenen  Balgwände  ;  h)  =ein  Hydrops 
articuli  saccatus (Gailling-,  Gallschuss),  Gelenk- 
kapsel-Erweiterung, die  für  sich  einen  eigenen 
Balg  mit  Inhalt  bildet.  —  2.  -  die  Gallen 
(Geilen?  caro  luxurians)  im  Maule  des  Pferdes, 
ein  hantiger  Auswuchs  unter  der  Zunge.  — 

3.  =  „Pferdefehler"   überhaupt,    weil  Galle 
II  1)  bei  Pferden  überhaupt  sehr  häufig  ist 

(Gr.  w.  iv,  l.  1187)  bb  allerlei  Wundes,  Fehler- 
haftes (schw.  227),  darum  auch  —  Scabies  (feuchte 
Kaude,  =  H:iutüla«e,  squabrosite  —  la  gale  = 
ila  mauraise,  Du  Cangc  IV,  16;  rtrlw.  16.  230).  — 

4.  =  namentlich  aber  alle  wasserigen  Ge- 
schwülste (Wassergallen)  beim  Pferde  (s.  gal- 
licht 2)  als  Zusammenrluss  von  Feuchtigkeit  an 
einer  Stelle,  wo  sie  fehlerhaft  ist  (Schw  2/7;  dun 
Kalle  —  weiche  (ieschwuUt  hei  Herden,  I'ierer  7).  — 

5.  =  der  Pips  (s.  d.)  beim  Federvieh  =  Zipfel,  i 
Bürzel,  Finne,  Fick  (s.  d.),  weil  ein  feuchtes 
Hautblaschen  (Wurmhlase)  am  Steiss  des 
Federviehs  die  Krnnkheit  ist  (S<  hm.  I,  »91;  Gr.  W. 
IV,  1.  1187).  —  G.  =  PMS)  die  U'beiegel-  (Cysli- 
cercus)  oil.  I''innenblasebeim  Schafe  (colcr;  L.  ch. 
437).  —  7.  =  Galle  -  (»eile  (s.  Gallenruhr).  —  gall- 
ioren  -  zum  (Galle  )  Erbrechen  einnehmen,  ana- 
log dem  Laxieren ;  (daher  Gallen-Kraut  =  Gratioia 
<dficlnali*~  Abfuhrkruul,  Laxlcrkraut.  Jessen  IM,  170: 

^•hraeiier  i.  89o).  —  gallicht,  gallicht  (gelieht), 

1.  =(1790)  von  der  Galle  (bilioes)  kommend,  durch  j 
Galle  verursacht,  gallenahnlieh ,  gallenbitter, 
Galle  enthaltend  (Richter  Iii,  9.  -19).  —  2.  -  wenn 
ein  Tier  eine  Druckblase  ((ialle  J  1.4)  hat  (Gr.  W. 
IV,  1.  1187,  11%).  —  gallisch  (gallig)  (altgrlecb. 
/rjl.üi'jr*..  Hipp. ;  Fuchs  11,  90;  mhd.  gullliie,  Lexcr  59 ; 
l'r.  I,  219)  =  mit  Galle,  mit  galliger  Scharfe  (s.  d.), 
gallegelhem  Eiter  verseben,  behaftet.  —  (1599) 
allerlei  Gallen  (Galle  11,  3)  =  allerhand  Pferde- 
fehler  (Gr.  W.  VI,  720).  —  (MM)  ausgestreute  Galle 
-=  der  (iallrluss,  der  polyarticular  sich  zeigt 
|oberd«er.  .fahr»..  18H  s  M7).  —  Blut  Galle  =  Blut- 
spat (Falkcl,  136).  —  /.'«;/  Gallo  -  ein  sog.  Wasser- 
spat  am  Buggelenke  des  l'ferdes  (Zipp.  120).  — 
durchgehende  Galle  Kreuzgalle  [Falke  II.  II).  — 
>?(/tr-Oalle  (mhd.  eltertcnlle,  Lexer  12;  1515  altergall, 
l>.  40«)  ss  Üxyrheuma,  1 .  =  scharfer,  giftiger  <  Jalle- 
(1)  FIubb  (Hier  Ergn»«  im  Magen,  durch  Auf- 
stossen empfunden,  Eructatioacetosa  in  guttun*, 
Apepsia.  -  -  2.  —  Empyema  in  gutture,  übel  und 
bitter  schmeckender  Eitererguss  aus  lialsab- 
PCCMCti;  Eiter-  und  Gnllgeschwülsten  (Galle  II) 


Galle.  1 70 

(Im  fange  I,  30V;  I».  toi ;  Gr.  \V.  III,  392).  —  ogälleu 
(mini,  ergellen,  Lexer  50)  —  sich  mit  Galle  erfüllen. 

—  i«V*rn- Galle- Galle  II,  Gelenkkapselerguss 
an  der  Aussenseite  des  Pferde-Sprunggelenkes 
(Zil-p.  liy).  —  i*cs«e/-Galle  -  eine  Fessel-Gelenk- 
Kapsel-Entzündung  mit  balgarliger,  runder 
Abkapselung  der  Gelenkflüssigkeit  an  den  vor- 
deren und  hinteren  Pferde-Gliedmassen  (Förster 
II.  1026;  Mayer  96).  —  Floss-  (Fliiss)  Gallen  (H.Jabrh. 
mhd.  vlözgallc;  16.  Jahrh.  vlozgallen  ;  1615  Hogsgall, 
Oder  1,7.  368,  Schmuller  I,  796;  II,  838)  m  die  tierische 
Galle  (I)  als  bitterer,  fehlerhafter  Balginhalt  ist 
1.  -  auf  den  P  f  erd  ef  e  h  1  e  r  am  Kötengelenke 
übertragen ;  in  dem  Safte  der  „Flosa-,  Fluss- 
Gallen"  sab  man  eine  Art  Gift,  das  man  viel- 
leicht als  dahin  aus  der  Galle  I  „geflossen"  an- 
nahm (Gr.  W.  IV.  1.  1187  ;  Mayer  88.  90),  die  daselbst 
kleine  haaelnussgrosse  Knoten  bildet.  —  2.  = 
aber  auch  knöcherne  Geschwülste,  Exostosen, 
Beingewächse  (Bchmeller  I,  796;  II,  838;  Gr.  W.  III, 
1857;  IV,  l.  1187),  sah  man  als  „Fluss-Gallen" 
an,  als  eine  durch  Gallefluss  (Rheuma)  ent- 
standene, ergossene  Anschwellung  (s.  Fluss). 

—  8.  ss  ebenso  die  weicheren  Anschwellungen 
auf  der  Seite  der  Fesselknochen  bei  Fohlen 
(Gr.  W.  III,  1822)  und  4.  =  (1731)  einen  fetten, 
weichen  Höcker  voll  gelben  Wassers  =  Druck- 
beule (Gr.  w.  iv,  l.  1187).  —  <1S92)  durchgan- 
gende  Flosvgallen  s.  Kreuzgallen   ,'seb.  177). 

—  Fuss  Gallen  =  Fessel-  oder  Köten-,  Fluss- 
Galle  (Mayer  <*.).  —  gelbe  Galle  =  die  normale,  in 
der  Gallenblase  angesammelte  (nach  Galenus 
das  Tertianneber  veranlassende)  Galle  zum  Un- 
terschied von  dersch warzen  Galle,  die  schwerer 
ist,  nach  unten  sich  senkt,  nach  aitgriechischer 
Medizinschullohre  (Fuchs,  nipp.  II,  101).  —  Oelenk- 
Galle  =  die  Fluss-Galle  (II)  in  der  Nahe  der 
(ielenke  bei  Pferden,  Schleimbeutelhygrom.  — 
Gries-Galle  (schwed.  gräsgaller,  Kluge  *,  125)  =  Stein- 
galle. —  (1609)  grobe  (gröbste)  Galle  =  die  dicke, 
zahe  Galle  (1)  in  der  Gallenblase  (Guar.  868).  — 
Gross-  Galle  -  i"  bergalle,  Rinderpest  (b.  d.) 
(K.  u.  P.  HI.  NS;  Falke  I,  3.52).  —  (15.  Jahrh.)  Haut- 
Galle  ihutgail)-=  Pustula  als  Hautblase  (Galle  II, 
4  u.  5)  (Gr.  w.  iv,  l.  1187).  —  (1687)  hittige  Galle 
=  hitzige  Leber  (s.  d),  (Georg.  352).  —  Hüh- 
wer-Galle  =  s.  Geile.  —  Äm<-- Galle  =  Ramp 
(s.  d.),  eine  Kapselerweiterung  durch  Flüs- 
sigkeits-Eiguss  (Galle  11)  unter  die  Knie- 
scheibe des  Pferdes  (Zipp.  114).  —  Kbten- 
Galle  ^  Flussgalle   beim   Pferde   (Mayer  90). 

—  Kreuz  -  Galle  —  eine  Sprunggelenk -Galle 
(s.  d.),  deren  balgartige  Aussackungen  auf 
beiden  Seiten  durchgehend  (s.  d.)  über  Kreuz 
X  innen  und  aussen  oberhalb  des  Rollbeins 
und  am  Hacken bein  hervortreten  (Mayer  97; 
F,.r«ter  II,  10J6;.  —  (i:.  .l)  Magen- Galle  ~  die  beim 
Erbrechen  aus  dem  Magen  entleeite  gelbe  (ialle 
(flava  bilis,  Cholera),  Magen-Gilb  (Kock  .vi.  201, 
Coler,  11.  .\.  176).  —  (1615)  Mund- Galle  =  eine 
Schleimhautcyste  im  Pferdemaul  (Coler,  PI.  368). 

—  ATrt6e/-Galie  (engl,  navel-gall,  Kalucbm.  I.  423) 
=  eine  Haut  Verletzung  am  Pferde- 1  lodensack 
(Nabel  3).  —  (12.-14.  Jahrh.)  Neid  Galle  [nitgalle, 
neltgalleun  —  fclllticl,  D.  Sil ;  Hoffm.  1,  385;  Schmeller 

!  1,  890)  =a  der  Neid  als  Folge  des  GallenQber« 

12* 


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ISO 


«all*-. 


Gallicani 


Busses  (-=  fellitlcus,  voll  Galle).  —  f  W,.,,  n -Galle. 

1.  -  ein  Blutspat  (Galle  II)  beim  Pferde,  der 
ein  einseitigen  Ochsenknie  (s.  d.)  verursacht 

Boa)  (Mayer  97).  —  2.  =  Fei  tanri,  «He  flüssige 
Galle  I  beim  Rinde.  —  Pfannm-QaXLe  =  eine 
Buggalle  od.  Wasserspat  an  der  vorderen  Fläche 
des  Sprunggelenkes,  an  der  sog.  Gelenkpfanne 
beim  Pferde  (Zipp.  120 ;  Kalke  II,  IM).  —  rote  Galle 

-  Cholera  rubra,  Bilis  rufa  =  rote  Cholera  (".  d.) 
=  Gallenruhr  {nicht  =  seil*  Galle,  wie  Gr.  \V.  IV. 
1  HSö  angenommen  wird)  —  Satt'!  -  Gallen  {engl. 
Mddtofal),  Kaltschm.)  =  vom  Satteldruck  offene 
Hautstelle  (beim  Pferde,  Saltelbruch).  —  scharfe 
Galle  ■■  die  laugenhafte  alkalische  Beschaffen* 
heit  des  galligen  MagenschleimB  (Acrimonia  lis- 
OftfOM  Sylvii  [t  1672],  Haeser  I.  591).  —  schwarze 
Galle  -  Bilis  atra  h.  nigra  (Bilnicker;  s.  Bil),  ein 
ans  den  Kriech.  Meditinschulen  stammender  Ausdruck 
IQr  1.  =  den  nach  der  Lehre  der  mittelalterlichen  Ärzte 
ntu  dem  Mute  abgesonderten  bräunlichen,  dicken, 
schweren ,  zähen  Gallen-Saft,  der  »ich  In  den 
Nebennieren  od.  „im  Milz"  (Milzpulpa)  befinden  «.»Ute, 
wo  er  das  schwarze  Geblüt  (Galle.  Melancholie)  be- 
reitete, was  man  auch  die  „schwarze  Cholera-'  nannte 
(».  d.).   Vom  IS.  Jahrhundert  ab  Ist  die  schwarze  Galle 

2.  =  Melancholie  (s.d.),  gallige  Verstimmung,  in- 
dem die  Ärzte  keine  schwarze  Galle  meh-  ,,im  Mute" 
(intiahmen  ;  wir  Zelt  de»  A.  v  Haller  (1764  ;  I.  212  u.  981) 
verstand  man  unter  schwarzer  Calle  3  -  das  dicke, 
Beb  warte  Geblüt  in  den  Pfortader-Ästen  ausser- 
halb der  Leber,  welches  daselbst  stockt  (s.  Brand; 
und  von  der  Gallenmntcrie,  welche  es  mit  sich  fuhren 
sollte,  auf  allerlei  Art  scharf  und  verdorben  werden 
sollte;  die  schwarze  Galle  war  also  damals  ■  Bltlf, 
das  die  Bildungsstotfe  zur  Gallenbereitung 
schon  präformiert  enthält,  aber  noch  nicht  elgent- 
lichc  «.alle,  „die  Grundsuppe  und  Hefe  des  Geblütes" 
(IS77;  Bejrnon).  Als  eine  Voigt  dieses  dicken,  schwarzen 
niutes  sah  man  unter  anderem  die  Melancholie, 
d.  h.  die  „schwere"  Komplexion  (s.  schwer), 
die  GemütsverBtimmung  mit  depressivem  Cha- 
rakter an,  weil  man  annahm,  die  melancholisch 
Verstimmten  seien  (ibergallig,  hätten  zu  viel 
schwarzes,  schwere«,  uritfelautertes  Gallen-Blut 
(ndl.  zwartgnlllir  —  meluncholUeh ,  hypochondrisch, 
V.  K  vi,  7,,  iliiH  in  gewisser  Menge  jeder  Ge- 
sunde habe.  Diese  normale  schwarze  Galle  des  tie- 
sunden  machte  sein  Temperament,  seine  Nutur,  sein 
(Jeblüt  aus,  daher  Galle  und  Blut  in  der  Bedeutung 
früher  wechselten  «.  Blut  3  U.  Nickerbil)  (A.  v.  II. 
I,  »Hl;  Gr.  \V.  IV,  L  11*5).  —  (1688)  schwirze,  vtr- 
/•rannte  Galle  ! Tuberuacin  ),  ].  —  das  Pfortader- 
Blut  fe.  schwarze  (»alle  3).  —  2.  Glieder-Ent- 
zündung [bei  di  Ii  lttilgarf-n  ..schwarze-  Angebranntes" 
genannt,  s.  Kthnol.  Milt  au-  Ungarn  l.vu.  S.  227) 
;< ialillus»).  —  (17!..;.;  Sehnen- Galle  -  Schnen- 
llygrom,  eine  beulen  förmige  Anschwellung,  die 
Schlimmste  Art  der  Fluss-Galle,  zwischen  der 
Sohne  und  dem  Knochen  am  Kotengelenke  bei 
Pferden  (Galle  II,  1)  [Abüg,  ho.  Mayer 97).  —  Spat- 
Galle  eine  Gallengeschwulst  beim  Pferdefuss, 
die  dem  Spate  (s.  d.  1  u.  Gallenspat  gleicht.  — 
S/>t>r?if  Galle  (engl,  spurgall,  Kaltschm  )  —  durch 
V  erletzung  b  Spnrndrucke  entslan<lene  offene 
llautstelle  beim  Pferde).  —  Sprun<)geltiik  Qa.]le 

eine  lialgartiL'c  Aussackung  der  Sprungee- 


i  lcnk-Kapsel  des  Pferdes  entweder  nach  innen 
oder  nach  aussen;  ist  sie  an  beiden  Seiten  zu- 
gleich, innen  und  aussen,  dann  ist  es  eine  durch - 

1  gehende  oder  Kreut-Galle  (s.  d  )  (Förster  II,  1026). 

—  (1815)  Stein  -  Galle.  1.  =  eine  verknöcherte  od. 
verkalkte  Gallengeschwulst  am  Pferdefusse, 
auch  Exostose,  Beingewächs  (Fluss-Galle  2  .  — 
2.  es  auch  ein  Bluterguss,  durch  Anstoss  an 
einem  Gries-  oder  Strassenstein  (Coler,  Pf.  36* , 
Abtig.  86;  Mayer  SS.  110  =  aggravure,  Brtas.  296)  an 

I  der  Hornsohle  des  Pferdes  entstanden.  —  über- 
gallig,  -gallig  (-Galle),  1.  =*  (vom  Vieh),  tu 
viel  schwarze  Galle  im  (verbrannten)  Blute  hab- 
end; eigentlich  =  Rinderpest,  1-öserdörre,  bei 
der  die  Gallenblase  infolge  gehemmten  Ab- 
flusses der  Galle  übermässig  viel  Galle  in  eich 
anhäuft  (Ruhr  3,  Gallenruhr)  (K.  u.  P.  III,  76.; 

,  schraeller  I,  890;  <;r.  VV.  IV.  1.  1196).  —  2.  =  da« 
Gallenweh,  Gallsueht  (Losch  200;  A.  M.  13),  eine 

I  Art  von  Gliederschmerz  (früher  dem  Flusse 
[Kheuma]  überflüssiger  Galle  zugeschrieben), 
wobei  daa  Vieh  mit  den  stärkeren  Hinterfussen 
weiter  voraustritt,  d.  h.  über  den  Tritt  der 
schwächeren  Vorderfüsse  hinaus.  —  vergällen 
m  bitter  machen.  —  verlegene  Galle  =  die  er- 
brochene (im  Magen  zu  lange  gelegene)  Galle, 
die  sich  nach  früherer  Anschauung  sehr  leicht 
irgend  wohin  versetzt,  verschiesst  —  verschossene 
Galle  =  Rheumatismus  durch  Gallenversettung 
(s.  verlegene  Galle;  entstanden,  wie  man  früher 
annahm.  —  Wasser  Gallen,  -Galle,  1.  =  (1616) 

I  „blasenartiger  Auswuchs  an  den  Augenlidern 
mit  weissem  Safte"   =  Gerstenkorn?  (gtde  d  eau 

—  eruption  prurigtneuse,  Brtas.  332;  Gr.  W.  IV,  L  1187). 

—  2.  —  (i">76)  1-epra  mit  Geschwürsfon)  ;  Apo- 
steraa)  l<epraexpulsa  (Theophr.  Bod. ;  bei  Paracelsns 
[1616]  Pr  II  76  ebs  loxul  hydrophorblae)  =  syphilitische 
Wasselblase  .  Varicella?).  —  3.  -  eine  balgartige 
Aussackung  der  hinteren  Kniebeug-  oder  vor- 
deren Sprunggelenk-Knöchel  beim  Pferde  mit 
flüssigem  Inhalte  (Förster  II.  1026;  Seb.  176.  177; 
frz.  1°>92  espreuians.  1.  eod  ).  —  4,  (ndl.  water- 
gal)  gallig  gemischtes  Wasser,  aus  dem 
Magen  aufsteigend  (De  Cock  184).  —  (17.  Jahrb.) 
H  ind"  Gallen  =  Spina  ventoea,  eine  Knöchel- 
Geschwulst,  die  wie  aufgeblasen  sich  ausnimmt ; 

!  (engl,  windgall  —  kleine  Geschwulst,  Flussgalle  t>ci 
Pferden,  It.  A  .  660;  Kaltschm.  I,  766).  —  (1612)  Wund- 
Gallen  =  eine  (pyämische)  Glieder-Entzündung, 
Wundsucbt,  Wundlieber,  Wundfrost  (Gr.  w.  VIII. 
2303).  —  Gall  «0-  (galliscAc  Ader,  -  Aufsteigung, 
-Ausguss,  -Ausschlag ,  -Balg,  •bitter,  -Blase, 
-Blasenstein,  -Blatt,  -blutig,  -Brech,  -Brustent- 
zündung, -Drüse,  -Fieber,  -Fluss,  -Gang,  -Gefäst, 
-Gicht,  -Gries,  -Grimmen,  -hantig,  -Köder,  -Kolik, 
-Koller,  Krankheit,  -Mangel,  massig,  -Rinne. 
-Rohre,  Ruhr,  -Säcklein,  -Schärfe,  -Schuss, 
•S<hiceiss,  -Sthwinnigkeit ,  -Scitenstich,  -Seuche, 
-Spat,  -Stein,  -Storkunt,  -Sucht,  -Überlaufen, 

—  Vergang,  -  Vergift,  -  Weh,  -würgen,  -Zahn. 

Gallicani,  pl.  =  (l'.l9)  die  am  Morbus  gallicns 
Erkrankten  -  Syphilitische  Franzosen)  (Schm.  I, 
1101  ;  14 morbus  gnlliens:  1497  morbus  gallicus;  epide- 
mia  quum  ,,vu)go"  morbum  gidliciiLi  vocant ;  l.">93  mor- 
bus gallicus,  Ilaesir  II.  212  u.  22.'.  17 (s  morbm  gallicns 
,  ist  eine  Krankheil  so  sjrh  gemeiniglich  mit  einer  hel- 


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Gallop— Gamma!. 


Ganaechen  —  Gang. 


tigen  üonorrhoea  anfangt  u.  mit  deutsch  die  Frantzoscn 
Benannt  werden Masehenb.  2<Vt ;  Proksch  I,  »60.  JI75 
396  »12;  II,  15.  24.  31  bat  morbus  gallicus  14*5,  1488; 
1493  schaedllche  seuche  de»  morbus  gallicus  oder  sog. 
*.  v.  Frantzoseu ;  HUT  morbu»  gallicus  —  8} phlllspustel ; 
1498  morbus  gallicus  =  Elephantiasis  Galen! ;  15O0 
morbus  quam  ,,vulgo"  gallicus  aonellant  etc.).  IIae*er 
(II,  222)  halt  es  für  durchaus  nlrht  unwahrscheinlich, 
dass  Galle  (in  morbus  gallicus)  in  den  Galläpfeln  (galla, 
Zapfen)  seine etymologlscbcWuntcl  habe ;  vergl.  darüber, 
was  oben  (s.  Galle)  Kluge  und  Grimm  Äussern. 

Gallop,  m.  (goth.  galhatipan  ;  mhd  galopiereu; 
l<51ti  galupplren,  Kluge5,  125  =  rasch  laufen).  —  gal- 
lopierrnrt'e  Lungensucht,  -Schwindsucht. 

Galster,  n.  zu  altgerm.  galan  =  singen,  Kluge *, 
MS;  angls.  gealdor;  ahd.  galdar,  calstar,  gnLslar  m  In 
caniatlo  vcnellca,  Graff  IV,  179;  mhd.  galstcrn:  --  Zau- 
berei, nrspr.  Zaubergesang  (zu  gal  =  Gesang  und 
stcr  m  Werkleng.  Gr.  W.  IV,  L  1201  [s.  Gall] ;  Island, 
galdramenn  =  Zaul^rer,  Z.  d.  V.  f.  V.  K.  189«,  SM).  — 
galst  mi  -  öfters  einen  lauten  Huatenton  Hab) 
von  sich  geben  (Schindler  I,  903;  tir.  W.  V.  704).  — 

bc-  |  g^jjltert  |  (»hd-  bcgalolln  ['  begalstiu]  -  tactu 
infecla,  Hattemer,  Denkmale  III,  608;  bigalan,  Ixjgalön 
=  incanure.  «ioith.  62*)  —  durch  Berührung  ver- 
zaubert, angesteckt.  —  m  galst'  rt  (1590  vergal- 
»tern  =  fa*cinarc,  D  22t".;  Schwebe)  —  verhext,  ausser 
sich  gebracht,  intiziert,  angesteckt,  bösartig 
(durch  Zaubetei)  {<ir.  w.  IV.  l.  laoö).  8.  Wurm- 
Galler,  berufen  und  beschreien. 

galt  (gelt,  gaelt),  gelte,  f.  (ahd.  gialta  =  stcrills, 
Irlfruchtbarkeit.  Milchvcoiegung  durch  Alter  und 
Krankheit,  Graff  I.  197;  SchmelUr  I.  903),  keine  Milch 
gebend  (Gallvieh,  Galtstutc).  (Herbst  116;  Schw.  241 ; 
Brehm  III,  167),  well  zu  alt  (gealtert),  krank,  ver- 
schnitten oder  hochtrtchtlg  (auf  letztere  3  Bedeutungen 
aus  dem  galt  =  gealtert,  unfruchtbar,  milchlos  [s.  all], 
übertragen,  Gr.  W.  1V>1.  120..);  die  Verschneidung  dar 
Tiere  Ist  eine  Importierte  Kunst  (s.  Wallach);  darum 
ist  auch  gald  ■  verschneiden  (Kluge*,  133)  kaum  die 
primäre,  sondern  die  übertragene  Bedeutung.  —  die 
Gälte  (Gelte)  s  eine  Futerkrankheit  (s.  gelber 
Gall)  bei  der  Kuh,  infolge  deren  die  Milch  auw- 
bleibt und  das  Euter  schwindet,  klein  ist,  wie 
beim  Galt-  od.  Geltvieh  (Gr  w  IV,  i  1206;  schw. 
241).  —  Galter  ahd.  glaltlro,  galtiro,  galtro,  (iraff  I, 
200  =  coaetaneus;  mhd.  Kalter)  —  im  gleichen  Alter, 
Klienall  iß.  d  ),  Genoss  (s.  d  ).  —  (1859)  gelber 
Galt  -  plötzliche  Verminderung  od.  Veisiegnng 
der  Kuhmilch  ohne  A  llgemeinerkrankung,  wobei 
das  Fleisch  und  Fett  auffallend  gelb  int  und  das 
Euter  wie  bei  alten  Kühen  schwindet,  infolge 
einer  ansteckenden  Euterentzflndung  (Schwei/; 
Krank  ><>3;  521).  —  I' in  gelt  8.  gelb. 

Garn,  m.  Gamatzer,  m.  s.  Gaumen.  —  (ui&) 
Gamatzer  Hiatus,  lauten  Githnen  mit  offenen 
Gaumen  (D.  270). 

Gammer,  m.  s.  Jammer. 

Gammel.  Dl.  (Gämmel)  (zu  ahd.  gaman.  mhd 
gamen  ^  Mutwillen.  Spaaa  treiben),  1.  =  161«)  Sala- 
citas,  Geilheit,  tiesehlechtskitrel  [Hcbw.  22*).  — 
2.  =  Penis  (<;r  W  iv,  l  i2ii).  —  Gämmelichkeit 

(14.  Jahrb    gmimcllch;  13,  Jahrb.  ge>  melichekiv  i  - 


gainiio,  d.  257,  gaetnellichait ■  gemeinllehkelt ,  forn- 
licheit  =  mania,  D.  346),  1.  =  Geilheit.  —  2.  =  Toll- 
heit (s  Gämpel,  Gitmperle;. 

Ganaschen,  pl.  Ganasse.  f.  (aus  dem  franz. 
ganache,  f.)  =  die  winkelig  abgerundeten  oberen 
Teile  des  Hinterkiefers  beim  Pferde  vor  dem 
Kehlgange  Herbst  152;  Mayer  31;  Falke  I»  SOS).  — 
Ganaschen  -  Drüsen . 

Gang,  m,  —  das  Gehen  (s.  d.)  (vorgerm  ghimgh  ; 
altgerm.  gangan  =  gehen ,  ahd.  gang  [das  Gehen] ;  mhd. 
ganc,  Kluge4,  125,  15>>i  gang  =  vena,  ßlnigung,  D.  M8), 
1  .äs  das  Gehen  (Weggehen;  des  Körpers,  »1er 
Körperteile,  körperlichen  Flüssigkeiten  and 
Auswurfstoffe,  der  Leibesfrucht  etc.  —  2.  —  die 
Stelle  des  Ganges  (1),  als  Üew  egungsstätte  und 
als  Organ  für  Sekrete  des  Körpers,  normale 
und  abnorme  Flüssigkeiten  und  Körperkräfte 

—  3.  =  die  Gangart.  —  4.  =  Verlauf  (der  Krank- 
heit). —  gang  'gängig)  =  leicht  beweglich  (Stuhl- 
gang z.  H.  i  (1531;  Gr  W.  IV,  l.  1211.  1250),  Beine 
(14.  Jabrh  ),  Adern,  Fösse,  Nerven;  (1680]  gftnge 
=  gängig  (bei  Flüssigkeiten  und  Feuchten) 
(Zcltschr.  f.  d.  Philol.  XXVI,  241).  —  die  Galle  ist 
ins  Blut  gegangen  =  übergetreten,  Icterus  der 
Haut  (Dr.  Br.-Schitff.  29:.  —  (Iber  etwas  Böses  oder 
über  einen  Guss  gegangen  sein  =  durch  einen 
Tritt  über  eine  l'nstätte  (s.  d.),  wo  ein  zauber- 
haft wirkendes  Wachsbild  (s.  d.  Verf.  Volkmncd. 
S.  196}  oder  eine  Abortusmole  (Molgus«)  ver- 
graben ist,  z  B.  über  die  Thürschwelle,  an  Aus- 
zehrung oder  Schwindsucht  leiden  (w.  Mag.  108). 

—  Gänger  -  einer,  der  geht  feugl.  longgangrcl  - 
langbeiniger  Mensch,  Kaltschm)  —  l/>-gang  (1532) 
(-gangl,  -gänglein,  -gängling),  1.  abgegangene, 
verworfene,  ausgestossene,  meist  unreife  Leibes- 
frucht. —  2.  -  8tuhlganp,  LeiboHölfnung  (üohl- 
schm.  23;  De  Cock  185;  Gr.  W.  I,  43;  Fries  129;  ab 
ganklin,  Hyrtl,  K.  W. ;  Schmeller  I,  1*21 ;  Baeum.  496). 

—  Blut-,  Frucht-,  Kinds-)/l6gang  =  Rejectio, 
Dejectio  sanguinis  (abortus,  foetus\  —  After- 
Gang  (1661  aftergender .  Had.  Jun  381)  -  After- 
Bluttluss,  Hämorrhoiden.  Hyrtl  (K.  w  71)  meint 
gender  —  beider;  doch  wiederholt  sich  gender  öfters 
und  bal  im  Text  lu-ziehunt:  i  Blutbewegung  !  -  gehend 

—  Zugang,  1.  -  (1*8  der  nachlassenden  Fieber 
ss  Anfall,  Anfang  der  Febris  reroittens  Tabern  j. 

—  2.  1260  aneganc,  Golth.  i'üW;  Pfeiffer  21.  67)  —  das 
Haupt,  als  Anfang  des  Menschen  (s.  angeben;. 

—  3.  (ahd.  agenggun,  agengunt,  I>.  316  =  I.nmla,  Hexe 
(s.  d.],  deren  Anganv.  Entgegenkommen  am  Anfang 
de*  Jahre«  oder  Tages  noch  heute  im  Volksglauben 
von  Uhler  VotbedeUtttUK  B»chho|z  I,  149;  P,  Imbn 
<l  I.  29ft'.  —  .4ii/gang  -■  spontane  Eröffnung 
eines  Ueavhwttrs.  —  .1  Umgang  (i-'*>  onzgang  - 
Durchfall.  Ifeinerl-.;  «lts.trhs.  üteBiir,  II  /.  N  III,  201 
Anns.;  1512  uss  gang  von  einem  geswer  —  hlrex 
[abscessu»;,  D.  •"■3> '.  nach  allerer  l'hvMologic  1.  —  das 
Attsfllhrnngswerkzeug  für  die  Sekrete  it.  Organ- 
Atolle  F.niunctoriuni)  aus  ilem  Leibe;  dies 
waren  a)  die  Haut  als  corporis  maximum 
emunetorium  daher  die  Behandlung  durch 
Schröpfen  und  Aderlass  etc.'  ,(;>•<. ru-.  :;ti);  b'  die 
Nieren  als  llarngang  oder  llainrinne;  c)  der 
Mastdarm  als  Ausführungsoigan  für  den  Wust; 

i  d)  die  Achsel-Blutader  für  llerz  und  Longe; 


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1*2  Hang. 

e)  die  Aehseldrüsen  für  Herz  un<l  Lunge  (tiu- 
geng  der  üchsclenl;  f)  die  Leisten-  und  1/eber- 
drüsen  (s.  d.)  für  die  Leber  (uszgeng  der  leber) ; 
g)  die  Caruncula  lacrimalis  i  ThrÄnendrüse)  für 
das  Auge;  Ii  die  Nasenhöhle  für  das  Hirn  (usz- 

gcng  de«  hlrnwustcs,  des  hyrns  uszgcng);  i)  die  Pa- 
rotis für  den  Hirnwust;  k)  Pankreas,  Neben- 
Niere,  Thymus,  für  die  Gedärme,  Kehle  etc. 
(I.  a— k  [löisj  nach  II  v.  (JersdorfT,  Voc.  anat  ;  Keld- 
arzneybuch  <J7 ;  Hyrtl,  K  W  152.  153  Am).  —  2  - 
der  Kot-,  Blut-  und  Schleim- Abgang  aus  dem 
Leibe  -  Durchfall  fPtelffer  45;  <ir.  w.  I.,  865); 
(IMS)  =  Ruhr  [Or.  W.  I.  c )  —  natürlicher  Aus- 
gang bei  Luther)  =  Stuhlgang  (<>r.  W.  1.  eod 
—  tum)  der  Ausgang  junger  Kinder  =  Kindcr- 
diarrhoe  (Diarrhoea  infantium).  —  loter  Aus- 
gang (1'21  rot  ussgang,  rode  utganc,  uz  i,-ang,  1»  17'.>. 
185)  —  Dysenteria  (Uzsueht),  Blutabgang  bei 
der  Ruhr  aus  dem  Leibe.  —  3.  =  Verlassen 
de?  normalen  Ortes  (Irrgang)  von  Seiten  innerer 
Organe  (Vorfall),  (1565)  der  Ausgang  der  Bilr- 
mutter  -  Prolapsus  uteri  s.  vaginae  (ur.  W.  III. 
316;  Hort.  HUI.).  —  Blut-Qxag  (ahd.  blntgunk  s  dy- 
senteria, tiraff  IV,  103;  13.  Jahrh.  mnd.  blotgank  = 
dissenUria,  Mag.  Barthol.  «6a,  „das  ist  eine  Sucht, 
daran  viele  Leute  sterben;  die  Sucht  erkenne  also  es 
steckt  Ihm  In  dem  Leibe  wie  Nadeln,  liiiierwetlen  wird 
es  ihm  [bebend]  bevene  in  dem  Leibe,  so  geht  im  schon 
Klüt  aus  dem  Halse";  14.  Jahrb. ;  ndl.  blotgauek  = 
dysenteria;  1477  plutganck.  I».  1*5;  14S2  plutgnnk, 
Zcnlng.  Voc.  e  1,  z  4  bb3  =  fluxus  sanguinis  per  venas 
haamorrholdes,  huemorrhagia, dysenteria;  1  «ispliitgang 
ss  haemorrhagia,  Kuland ;  1.51  blütgaug  der  mutter, 
Bock  144;  1580  blulgang  ^  Kotschaden,  rote  Ruhr,  Gr. 
\V.  VIII,  1458,  Rotleid;  1618  blutgang  —  haemorrhagia 
[Sl.  B.  Mirakel];  1761  anfälliger  gemeiner  blutgang  — 
dysenteria  epidemica.  L  eh.  21 ;  nndl.  bloedtgankk, 
V.  K.  II,  Mi  dan.  blodgang  -  Kotlauf  und  Rohr), 

1.  =  Haemorrhagia  aus  den  Blutgefässen.  — 

2.  =Cursus  sanguinis  per  venas  (Gr.  W.  II,  182) 
(Blutlauf).  —  3.  =  rote  Kühr  blutiger  Stuhl- 
gang), „der  rote  Blutgang  des  Darms"  Blut- 
gangsucht, Rotscliaden,  das  Rot).  —  4  =  Uterus- 
blutung, Menses  nimii;  (1580)  monatliche  Blut- 
gänge (ür.  \v.  vi,  21S6.I.  —  ö.  -  Rotlauf  (s.  rote 
Cholera).  —  <iso.i)  Bmst-QaXLg  -  Ductus  thora- 
cius,  der  grosse  Lymphgang  (Gang  2)  (Gr.  w. 
n,  449;  Bell  IV,  116).  —  Doppel-Q'&ngOT  =  ih\S 
sogen,  zweite  Gesicht,  d.  b.  die  seelische  Kr- 
seheinung  einer  Person,  die"  an  einem  ent- 
fernten Orte  körperlich  weilt  (geht),  eine  sinne« 

I  it  i  ischu  ng,  die  seit  den  lehren  Mesmers  (1776)  In'soii- 
ders  mystisch  im  Mesmerianismus  behandelt  ward« , 
(d»n.  doppelgtvenger;  engl,  double  ganger;  holl  dubbel 
ganger;  sebwed.  dubbelga'ngarel.  —  Durchgang: 
a)  des  Geblüts  (Menses  nimii,  Dysenteria) 
iZeniug.  Voc.  bb  5);  h)  fndd.  durch-,  dorch-,  dnr-ganck 
=  lienteria,  D.  S29]  des  Darm-Inhaltes  mit  un- 
verdauten Speisen  (Hyrtl,  K  \v.).  Diatrhoe.  — 
(IV  Jahrb.)  Pferch- Durchgang  -  Kutentleerung 
beim  Pferde  (K.  A.  283).  —  durchgängig,  I.  = 
(15.  Jahrb.  laxu»,  l>.  321)  mit  dem  Stuhl  sich  leicht 
entleerend.  —  2.  -  1616)  transpirabel  (l'aracelsus, 
<-r  w.  Ii,  1611)  —  :i.  -  in  einer  Richtung  durch- 
gehend, z.  B.  Kreuzgalle  (15-c,  Beb.  1T7>.  —  (1532) 
Eingang  <ler  Mutter  -  Bftrmutterhals,  Mutter- 


Gang. 

inund  (Kries  125;  Pr.  II,  297).  —  (1477)  Essens  Gang 
(des  ezzens  ganch,  C.  v.  Megenbg.)  =  Mastdarm,  wo 
das  verdaute  Essen  (  —  maz)  seinen  Ausgang  hat 
|  (Or.w.  IV,  1.1227)  (Massgang).  —  FwM-Gang-  die 
Stelle,  wo  schwärende  Wunden  oder  Geschwüre 
röhrenförmig  in  die  Tiefe  des  Körpers  gehen. 
—  (1740;  Fliessieasser  Gänge  =  Vasa  lymphatica 
(Kulrous  29,  btbL  Med.  113J,  die  „Röhrlein",  die 
das  Gewebswasser,  die  niessende  Lymphe,  dein 
Blute  zuführen.  —  i»7uw-Gang=  Alveus,  Darm- 
Hubb,  flüssiger  Bauch,  Durchgang  (Gr.  w.  III. 

1857).  —  (160t»)  ^orf-Gang  =  Übersetzung  des  Pro- 
cessus -  Knochenfortsalz  (Hyrtl,  K.  w.  \~.\).  — 
FniA-Gang=  Abortus,  Frühgeburt  | Hyrtl,  K.  \V  ). 

\  —  Gallen-  G(illenblascn)-Q&iig  =  Ductus  chole- 
dochus  et  eysticus,  die  die  Galle  aus  der  lieber 

t  nnd  der  Gallenblase  abführen  ,'anatotnUeuer 
Schulausdnick).  —  (164  .:  Q?si  hts  Gange  =  Seh- 

I  nerve  als  Adergang  für  das  Sehvermögen 
(Coler,  k.  H  H  O  —  (H77)  G/icrfcr-Gänge  (die  gang 
in  die  gellder,  <\  v.  Megenbg.).   Man  nahm  früher 

|  eigene  („inwendige")  Gange  für  das  Glied- 
wasser (Synovia)  an.  —  11  ■  L •  n -Gang  —  eine 

|  ataktische,  ungeschickt  wie  mit  der  Ferse, 
Hacke  stampfende,  hahnentritt-  s.  d.)  artige 
Gangart,  die  auf  einer  Koordinationsstöning, 
d.  h.  dem  Fehlen  des  harmonischen  Zusammen- 
wirkens der  einzelnen  Muskelgruppen  zu  einem 
bestimmten  Zwecke,  beruht.  —  //am- Gang 
(15;!0  gen«  dess  hnrns,  Kunlgssp.  56;  1536  harmgnng, 
Malacb,  Gelger  44;  1551  der  g«n«  zum  Imrn,  Itoek  29; 
1664  harngaug,  Tabcrn),  1  =  die  Abtlusstittte 
für  den  Harn  (Urethra)  .'nii-O;  Dr.  Minderer).  — 
2.  —  die  Urinentleerung  (Ur.  W.  IV,  2,  487).  — 
(MS3)fli'ngang(hiuganch)  des  Leibes  (C.v.  Megenbg  ) 
=  Durchgang,  Durchfall,  Diarrhoe.  —  (lissj 

,  innwendige  Gänge  (C.  v.  Megenbg)  =  Lympb- 
gefässe,  die  man  damals  bloss  vermutete,  als 

|  Flüsse  (Oeflüsse).  —  7rr-Gang  =  (15.  Jahrh.  ndd 

I  errc-,  irre-ganc  =  dellrumentuni,  l).  172,  Hr.  \V.  IV,  2. 

.  2168;  1532  das  irrgon  der  miiter  —  praeeipitatio  matriei«, 
„wenn  die  Mutter  unier  sieh  lallt  oder  sich  neigt 
auf  eine  Seile;  die  Krau  beiludet  elu  l»lng  von  einer 
Seite  zur  andern  laufen  wie  eine  Kugel  [globus],  des 
halb  etlicb«  Kranen  sprechen,  sie  haben  ein  lebendiges 
Tier  [Kr.'te,  Hoppiti,  s.  d  ]  bei  ihnen",  Fries  128); 
1  -  das  Verlassen  der  normalen  Stelle  z.  B. 
von  Seite  eines  Organs  (vergl.  irre  und  Auf- 
steigen). —  2  =  (1677  Irwm g  r=  das  Gehörlaby- 
rinth (Vestibulnm  et  canales  semicirculares) 
:H>Ttl,K.  W.88).  —3.  -  geistige  Störung,  Verlassen 
der  geistigen  Norm.  —  i.  Drehkrankheit  der 
Schafe,  Dummkoller  der  Pferde  (Gr.  W.  IV,  2. 
2168;  Falke  I,  441).  —  ATimmer-Gang  («dl  kamer- 
gangh.  DeCocklS'J)  —  Stuhlgang  (s.d.).  —  Kehl(en)- 
Gang  —  der  ausserlich  an  dem  Pferdehalse 
Kehle)  beim  Schlucken  sichtbare  bewegliche 
Teil  der  oberen  Luftröhre  (Mayer  ;u,  Herbst  152) 
/Toi/Yr-Gang  =  Coryza  als  Abgang  von  Köder 
(s.  d.)  =  Pituita  (Auswurf)  (Hyrtl,  K.  W ),  — 
Kraft- Gänge  =  die  markhaltigen  Nerven  als 

;  Bewcgungsstatten  der  Nervenkraft  (t;r.  w.  IV, 
L  1227  and  I6:i<>).  —  (1501)  Km  mm  Gänge  =  Gyri 
cerebri,  die  Hirnwindungen  illyrtl.  K.  w.)  Schul- 
«nsdruck  früherer  Zeiten.  —  (1..32)  Leber •  Gänge  - 

,  Gallengitnge,  Pfor tader  [Frlw  110)  (s.  o.  I^ber- 


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Gang. 


Gange— Gans. 


ansgitnee).  —  [14S3]  Leib  Gänge  (gange  Im  Leibe, 
c.  v.  Megbg.)  =  die  Ausführungsstälten  de« 
Körpers:  Stuhlgang,  Mast  gang,  Lebergange, 
Harngänge,  Muttergänge  etc.  (<Jr.  Vi.  IV,  l.  1211). 

—  (14S2)  itfa^en-Gang  (gangck  mm  magen,  Zening. 
Voc.  k  l ;  Gr.  Vi.  IV,  i.  1227)  =  Oesophagus,  Speise- 
r6iu-e.  —  .V.(...--Gang  ■  des  Kanena  (mar.)  Gang; 

mhd.  muzganc ,  1572  tnaszgang  —  Mistpforte,  podcx, 
Cr.  \V.  VI,  1710,  15*4 .  UM  maasgang ,  D.  413  —  po- 
des,  After.    I5S8   mansgang  =  podex,    Gr.  W.  IV, 

1.  1227.  VI;  Dr.  Minderer;  1710  Hugaog  [Schwaben], 
C.  v.  Sebtn.  376).  —  JftfcA-Gang  -  der  Milch- 
leiter in  den  Milchdrüsen  (<.r.  w.  vi,  219.1).  — 
ilonat-Qtmg  (14S3  monalgunck,  r.  v.  Megbg.)  = 
Menses.  —  (IT»-'.)  Mutter- Gang  —  Scheide,  als 
Gang  zur  Bürtuutter  (Vat-ina)  (Hyrtl,  K.  ff.  210; 
LeveiiDg  j«4).  —  Nacht- Gänger,  1.  -  Noctatnbu- 
lus,  l.unaticuf,  Mondsüchtiger,  Nachtwandler, 
Nacbtfahrer  (s.  d.)  (14R2  nachigeugel.  gonger  n 
noetivagns,  D.  3S2,  (ir.  Vi.  VI,  2512)  „«eiche  besonder* 
um  die  Mondsveranderung  herum  In  l'nruhe  l*'i  der 
Sucht  Im  Schlatc  geraten"  (17;«;  A.  v.  H.  I,  930).  — 

2.  =  Kpilepticus  nocturnus.  —  AWti  Gang  - 
[Schatansdrack]  der  Raum  unter  der  Nasen- 
inuRchel  (b.  NasengadX  —  natürlicher  Gang 
■  Stuhlgang,  der  aus  natürlicher  Not  (s.  d.) 
erfolgt.  —  (is.  Jahrb.)  Ohr  Gang  ■  „der  Gang 
des  Ohres"  (d.  h.  zuni  Mittelohr)  =  Auris  al- 
veolus,  Meatus  auditorius  extemus  (Gr.  Vi.  iv, 
i  1227).  —  PiM-Gang  =  Diabetes  —Harngang 
Uberhaupt,  Harnflues  (Hyrtl,  K.  W).  —  (1412) 
lJulsa der- Gang  (pulsaderganck,  Zening.  Voc.  aa2) 

—  Puls,  Blutlauf.  —  (1759)  Aj/ruaufr-Gänge 
die  Gänge  des  salzig  schmeckenden  Gewebs- 
wassers, Vasa  lymphatica  [Hyrtl,  K.  Vi.  211) 
(Salzfluss  -  Ekzema).  —  (1690)  6YWö/-Gänger  ■ 
Nachtwandler  (s.  d. :  Nachtfährtiger,  Nru*ius  de 
nocte  etc.  8.  S37).  —  Schieim-Gang,  1.  =  (1754) 
Sinus  mcdferii  die  Schleimhaut -Krypten 
[A.  v.  EL  1,  712).  —  2.  ■  der  achleimige  Stuhl- 
gang.   —    Sn  A-Gang  («ayehgank.  Hyrtl,    K.  Vi .) 

—  Pissgang  (s.  o.)  —  &fu/d-Gang  (mhd.  stnol- 
ganc.  Leser  l'A ;  142t»  zu  stulgcn  =  egerere.  D.  ll«6 ; 
UM;  H.  v.  <.crsd.  10U;  15.  Jahrb.  all«,  to  Mole  gau  - 
egerere,  n.  lue)  =  Epanastasis  Hippok.,  eigentl. 
der  Gang  zum  Leibstuhl  (ndl.)  (in  der  Kammer), 
um  dort  den  Kot  oder  die  Kammerlauge  (s.  d.) 
ru  entleeren  =  Stuhlentleerung.  Ute  Bauersleute 
gehen  noch  oft  bloss  in  den  Stall :  ( =  Stuhl  iur  lndo- 
genn.  Wurzel  stal .  Kluge  347 ;  der  oberdeutsche  Triz- 
Muol  ;Schmeller  I,  ftsl]  war  paedes  ad  cacandum[vergl. 
Drlaaen  u.  ahd.  stuligon  bei  „stuhl")].  —  (l.%83)  satter 
Stuhlgang  =  fester,dichter,harterKot;<;r  W.Vlll, 
lsif*).— verbrannter  Stuhlgang -^dunkelbrauner, 
harter  Kot.  —  weisser  Stuhlgang  =  weisse  Kühr 

17.  Jahrb.,  Fr.  Kr.  B.  116).  —  (l.VCj  .Stuhlgangtltlss 
iH.  ß.)= gängiger  Stuhl  (s.d.;.  —  Tmpf.Qa.ng 
=  Apoplexia,  durch  den  Tropfen  s  d.  ,  der 
herabfällt,  verursacht.  —  [1609]  Tut!.  \  -Gange 
=  die  Processus  mammillareB  des  Gehirns, 
welche  in  die  Riechnerven  übergelu-ti  (früherer 
^chulansdruck.  Hyrtl,  K.W.S5).  —  TW-Gangl^y 
(und.  aewergang)  =  ein  vorübergehendes,  leich- 
teres Unwohlsein,  an  dem  mehrere  Personen 
gleichzeitig  leiden,  fidvre  passag.re,  la  detornee 
[Sehroeller  1  122;  aoMaehn  16;  BavmrU  n,  2.  sss).  — 


t7»igang,  1.  =  eine  wie  ein  Dämon  umgebende, 
epidemische,  gutartige  Krankheit  (Pfal*.  Pauli 
108).  —  2.  =  (1592  umbgaengung,  Seb.  150)  =  epi- 
zootischo  Hauptaucht  beim  Rinde.  —  LVgang 

—  Ausgang,  Durchfall,  Diarrhoe,  Aussucht 
(SchmeUer  I,  922).  —  rrrgangen  =  Aufhören, 
z.  B.  der  Milch  durch  Stillstand  der  Sekretion, 
deB  Schmerzes.  -  uxilzender  Gang  =  eine  der 
Kreuzdrehe  beim  Schafe  ähnliche  Gangart  bei 
Pferden,  die  infolge  von  Schwäche  in  den 
Lendenmuskeln  die  Kruppe  schwankend  hin- 
und  herbewegen,  s.  Wolfsgang  (Falke  II.  42c). 

—  IVdwrr-Gang,  1  =  (lcoi)  Harnleiter  (Ure- 
theres).  —  2.  =  (1632)  Urachus.  —  3.  =  (l«77)  Aquae 
duetus  vestibuli  im  Gehörorgane  (lauter  frühere 
Schulausdrücke,  Hyrtl,  K.  W.  159).  —  4. -(1608)  das 
unfreiwillige  Abgehen  deB  Harnwassers  (Harn- 
tröpfeln;: (st.  Henuo -Mirakel);  (vergl.  auch  Wasser 
und  Salzwaaaergang).  —  (lö&i)  TVcürr-Gänge 
(Bock  17)  —  Ausflüsse  bei  Frauen.  —  (1594)  Wein- 
Gang  =  Kehle  (Gr.  Vi.  IV,  l.  1241)  (Weinstrasse). 

—  lVitfcr- Gänge  (ahd.  «idergangan.  «iraff  I.  637)  — 
Widergehend  (s.  d.),  angeschwollene  Lymph- 
drüsen, die  beim  Gehen  entgegenstehen,  wider- 
gehen (z.  B.  in  der  Schenkelbeuge,  WacbB'lrüsen) 
(A.  v.  H.  I,  241).  —  Warg-Q&ng  (Wolfs-Ganjf),  s. 
Würgengel  und  Wolf.  —  WtVrfer-Gänger  =  Men- 
schen, welche  nach  dem  Volksglauben  zur  Sühne 
ihrer  Sünden  nach  ihrem  Tode  wieder  als  Alp- 
Gespenster  auf  der  Erde  ruhelos  umgeheu 
müssen  (Lipp.  ehr.  437;  mhd.  widergune,  Golth.  629; 
nltnnrd.  aptr-ganga,  xchwed.  atergongere,  Gulth.  SÄ.  67; 
UlstDcr  I,  49).  —  H'o//s-Gang  =  eine  Gangart  bei 
Pferden,  die  mit  ungewöhnlich  stark  rückwärts 
gestreckten  oder  nachgeschleiften  Hinterftissen 
nach  Wolfsart  sich  bewegen  (Zlpp.  131).  —  Gang- 
(Gängel  )hcil,  -Lauf,  -Röhe. 

Gange,  f.  (Ganggi,  m.  Ganken,  f.)  (Tirol,  uiutner 
5.  10)  =  ein  langer,  hochgewachsener  Körper,  der 
grosse  Schritte  machen  kann,  langfüssig  (Srbm. 
I,  923;  der  Teufel  alü  Berggeist  hebst  auch  Gankel, 
Gankerle,  man  denkt  daln'i  an  eine  Ablösung  der 
mythologischen  WodnD? -Gestalt,  dleala  gangradr,  giiug- 
leri  vorkommt,  Slmrock,  H.  D  M.  170.  207;  Verna). 
232;  Wolf). 

gankern  =  sterben  (Wunsiedel;  Schmeller  I,  923). 

Gans,  f.  (Ganser,  m  )  (urindogerm.  ghan;  indo- 
gerin.  gbatii;  vorgerm.  ghanH  [gandn' ;  germ.  ganta , 
ahd.  gati«,  f.  ganazjto,  m.  ;  mhd.  gans,  f.  ganzer,  m., 
Kluge  *,  12»V'.  Dieser  «ehwcrfallig  fliegende,  leicht  fant;- 
bare,  «chon  In  urindogermaniaebeu  Zelten  benannte 
Vogel,  den  die  Germanen  fehr  in  der  Zueht  pflegten, 
und  dessen  Federn  fpennae,  pinnae  —  Finnen  [».  d  ] 
und  Haiiwtoppen)  nach  Korn  verhandelt  wurden,  musste 
I  schon  fruhe  in  seinen  Krankheiten  eine  «ielegenbdl 
J  zu  Beobuehtiingen  u.  Namenbildungen  geben,  niiment- 
lieh  dureh  »eine  charakteristische  «iansehaut  («.  Finne, 
Gansedrüsen,  Hupfen),  1.  =  der  bflrzelförniigc  Penis 
des  Knaben  (SchmeUer  1,  924;.  —  2.  -  (13*fi,  1414) 

Ganser  =  Bürzel  's.  d.s,  Influenza,  Zipf,  Pfifl's, 
j  KehltluBs,  Dusel,  Tannwütschel  (Gr,  Vi.  IV.  1. 12»; 
|  Zeilechr.  f.  d.  Phito;.  I,  23;  Schnurrer  I,  02;  er  hat 
/  seinen  Namen  nicht  von  dem  gackenden  <iÄu*e-Toii 

de»  Hustens  [wie  Gr.  Vi.  1.  c.  gemeint  wird],  sondern 
!  vom  Gtinicbuntel,  der  auch  Zipf  -  Zipfel  genannt  wird 


184 


(lauter — Garn. 


gargatzen — gatzgen. 


-Influenza.  —  Ganse •/.•rfi.  -Brust,-Fuss,  -Hain, 
•Haut,  -heiser,  -Kopf,  -Kragen,  -Kröts,  Rupfen. 

G anter ,  m.  =  (ein  hölzernes  Bcbältnlss).  —  Herz- 

Gänterli= Herzbeutel  (Tirol). 

ganz  =  unverletzt,  vollständig,  heil,  gesund 
Kluse  102).  —  (UM)  glicd-gnnz  -  heile  Glieder 
habend  (Gr.  W.  IV,  1. 1250).  —  (1529)  i  <  ?  ganzen  (ver- 
gentzen)  =  wieder  ganz  zusammen  heilen,  ver- 
narben (Brunf  ).  —  ganz  - ,  e»)-Bein,  Oebiss,  -Pe- 
stilenz, -Rippen,  -Sohlen,  -Starre. 

gappen  ( gapsen ,  geb sen)  (germ.  gap  =  gähnen  ; 
engl,  gap,  gape  —  Raffen,  klaffen,  gähnen,  Kluge1.  UM) 
bs  nach  Luft  schnappen,  heftig  atmen,  wenn 
diu  Dane  Ii  danken  schlagen  und  man  mit  auf- 
gesperrtem, gaffendem  Munde  Luft  holt  (Gr.  w. 
IV.  1.  1311.  1879).  —  Oappnng  (H.  Jahrh-,  ndl.  ga- 
plnge  -  hlatus,  D.  276)  =  die  Handlung  des 
GappeiiH. 

Garbe,  f.  (liidogirui.  ghrbh  =  zusammenraffen; 
nh<l.  R»rba[garib?]  -  Handvoll^  manlpulum,  mh<l.  garl.e, 
Kluge  *,  127;  die  den  Göttern  beim  Schlachtopfer  dar- 
gebotene, mit  der  Hand  ergriffene  Fleischgabe  [?),  Gr. 
W,  IV.  1.  1337;  vielleicht  eher  zu  gar  [■.  Garn])  ta  fertig, 
gar  gemachte  Opferspeise  (germ  garwa.  Kluge*, 
127.  125«;  engl,  carwey  ;  s.  Correspbl.  f.  Anthrop.  1896 

s  7)  -  .Fuss-Garbe  =  ein  Stock  vom  Binder- 
Schenkel- Fleisch  (Schm.  I,  933;  Anatomia cullnarls). 

—  flfl/s  Garbe  (Gaben)  =  ein  Stück  vom  Kinder- 
Hals-Fleisch  bis  unter  die  Schulter  (Schmelier 
1 ,  196.  9U3  ;  AnatomU  cullnarls).  —  Garb,  (Garb-'i 
Braten,  -Schale. 

Garn,  I  Garn  (Schwaben),  Görn(altn.,lndogerm. 
gbar  (  =  drehen] ,  zusammengedrehter  Darm  als  Garn 
[dazu  haruspex  u.  gormAnadr  —  Oktober,  Blutmonat. 
Sihlachtmonat,  Weinhold] ;  ahd.  garn  =  Netz.  Garn ; 
[s.  gorawnnt]  ;  altnord.  gor  ss  der  Inhalt  der  beim 
Schlachten  ausgeweideten  Darme  ,  Weinhol«] ;  mbd. 
garn,  Kluge4,  127;  engl,  yarn;  „da»  Garn  tritt  in  dio 
vorgermauisehe  Urzeit  zurück  und  zeigt  unmittelbar« 
Beziehung  zum  Opferwesen",  Gr.  W. ;  das  ahd.  kariwlc 
=  vlctima,  Graft"  IV,  241  ff.  —  Opfertier,  Tieropfer,  was 
der  Gotth«!it  zu  Diensten  gestellt  und  als  Gabe  gar  ge- 
macht, bereitet  wird ;  das  gar-  [nach  Kluge5,  126  Ist 
Kernt,  garwa  =  ga-arwa  —  fertig  gemacht]  o«l«r  fertig- 
Gebratene  konnte  vom  Opfertiere  ausgegangen  sein ; 
das  alllat.  haruspex,  harvtga,  banigo  —  hontia  stimmt 
zum  ahd.  kariwic ,  und  wenn  der  haruspex  ursprung- 
lieh ein  Eingeweideschauer  war,  so  galten  die  Einge- 
weide als  besonders  beliebt«  Opferstüeke",  Gr.  W.  IV, 
L  1368  ff.  ;  aber  Kluge5,  127  stellt  Garn  zu  ghar  - 
drehen).  —  Garn  (=  Faden  ans  Flschdarmen  ge- 
dreht als  Fischgarn  und  Fisch-Netz.  Gr.  W.  IV,  L 
1368),  I.  -  Eingeweide  (Anatomia  cultuurls) ;  a)  «1er 
zweite  Magen  der  Wiederkäuer  (Mutze,  Haube, 
Netzmagen)  („als  Rest  de»  garu  [b]  =  ganzes  Gedärm 
festgehalten".  Gr.  W.  IV,  1.  I36S;  Falke  I.  906.  376); 

b)  das  ganze  Gedärm  des  Ochsen  ialtn.  garn-umr 

-  mesenterlum  -  Gedärmfett,  Gr.  \V.  IV,  1  1368;  uli- 
säeh«.  midgerum,  Kuhn  Zeltsohr.  V.  189;  ahd.  initli- 
gnrni,  mitlilairarn,  (irafl  II,  671;  IV,  264  -  du.«  Mittel- 
eingeweldefett,  Kluge*.  127  =  Miekker,  Mittiger,  a.  d); 

c)  Darm,  Eingeweide,  Saite,  Darmsaite  (Gr.  Vf. 
IV,  1.  1.K.S1I.).  —  II.  -  (in  der  Schulanat«>mle  Ober«. 
[1601])  der  Plexus  chorioidei  der  llirnkammer 


.  (Ilyrtl,  K.  \v.  85)  =  als  Geflecht-  oder  Garn-Ähn- 
liches. —  3/i.'M-Garn  (ahd  miltila  canti  Schmelier 

1,  937)  =  Mücker  (s.  d.  u.  o.).  —  (1609)  iYrte-Garn- 
lein  =  Retina,  Netzhaut  des  Auges  (Hyni,  K.  w. 
107).  —  Q&tini-Sehaden,  •  Wunde. 

gargatzen  s.  gartzen. 

Garret,  n.  s.  Jarret. 

garstig,  garstige  Fieber. 

Gart  s  Gerte  (Zweig)  —  Qtrt-Ader. 

Garten,  m.  =  (eingefriedete  Pflanzung,  ahd  gario; 
mhd.  Karte,  Kluge*,  127,  engl,  garden).  —  Yenux- 
Garten  "  Jungferschaft  (Gr.  w.  IV,  l.  law). 

gartzen  (15.  Jahrh.  gargazeu  ;  1440  goerzen,  garzen 
=  ruetuare,  D.  25.  502;  onomatopoetisch  ')  -goerpsen, 
rülpsen  (s.  auch  Geiz). 

Gas,  n.  (1727  aus  franz.  gas  [dies  vom  Alcbyini<ten 
van  Helmont  in  Brüssel  +  1644]  nach  dem  Ventu»  tex- 
tilis  =  Gasgewehe  aus  der  altsyrischen  Stadt  Gaza],  1 .  - 
luftartiger  Körper  (Kluge*,  128;  Kleinp.  18).  — 

2.  -  Blähungsluft  (flatuosite).  —  Darm-Qa.se 

—  les  gaz  intestinaux ,  Gas  2  aus  den  Ge- 
därmen. 

Gasse,  f.  (urapr.  Bedeutung,  .mit  Kingaugsthor  ver- 
sehen"; gotli.  Ratw«"i  —  Weg,  Strasse,  Pfad;  altnord. 
gat,  n.  gata  —  Loch.  Einlass,  Öffnung;  ahd.  gazza; 
inhd.  gaste;  sächs.,  ndl.  gat  =  Oeffnnng,  Htihle,  Loch  ; 
engl,  gate,  Kluge*,  118  =  der  Weg,  der  zwischen  etwas 
hindurchfühlt  [s.  auch  Gadern ,  Gat]).  —  gassig  8. 
Gaetz.  —  Buben  Gasse  =  Sinus  pectoris,  der 
Busen  als  Gasse  zwischen  den2Buben  Mam- 
mae, Zwillinge)  (Gr.  w.  Ii,  463). 

gastrisch  (aua  dem  grlcch.  '(<xzrrfi  =  Bauch).  — 
das  Gastrische  (seil.  Fieber)  =  Nervenfieber 
(Gr.  w.  iv.  L  1379).  —  gastrische  Fieber,  -Un- 
reiniakeit. 

Gat,  n.  s  Gadern  und  Gasse. 

gatten,  Gatte,  m,  Gattung,  f.  (mhd.  gat«  = 

Genosse;  urapr.  Bedeutung  =  zusammenpassen  [Gutes, 
a,  d.  ;  Zusammengehöriges  was  ein  Paar  macht),  Gr.  W. 
IV,  L  1512 ;  die  ZiiNammengeh..rigkeit,  Kluge  *,  128. 129). 

—  frfgatten  st  coire,  paaren.  —  ßrgattungs- 
Seuche.  —  (1676)  Q&ttungen  (Cbereetzung  der  Con- 
Jugatlo,  Hyrtl,  K.  W.  im)  -  Nervenpaare.  —  (1561) 
gättisen  (glitsch)  (Schweiz)  =  petulans,  laseivus, 
geil,  männersQchtig  (schw.  239;  Gr.  W.  iv,  1495). 

Gatter,  n.  (germ.  ga-doro  =  das  Ge-thor;  ahd.  ga- 

|  tarn,  mhd.  gater.  Kluge  *,  129  —  Klnschliesaung  aus 
Teilen).  —  gattern  (In  preusslsehen  Besprechungen 
Frlschb.  49)  =  beim  Kollauf  der  Haut  (Feuer) 
Verwachsungen  bilden  (s.  vergattern).  —  Afaul- 

■  Gatter  -  Kiefer-Gelenk.  —  (lö07)  Mund  Gat- 
tern M agenpforte  —  Gardia  des  Magens  (Hyrtl, 
K.  W.  110).  —  ScÄMf«-Gätterto'n  =  (Übersetzung  der 

I  echulgemä-ssen)  Valvulae  venarum,  Aderklappen 
(Zw.  83).  —  FergatterHis*  (1507  Tergadcrnis.se  der 
leden  -  compages,  n.  13«;)  =  ganz  feste  Vereinigung 

|  der  Glieder  und  Gelenke  (1475  bulten  vergadereu 
=  tubermre,  D.  600)  =  durch  rundliche  Anschwel- 

|  lungen  unter  der  Haut  etwas  verengern  und 
vereinigen. 

I     gatzgen  s.  katzgen. 


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Gauch— Gaupse. 


Kauschet -gehen.  ISo 


OaUCh,  Hl  (QoUChen)  (das  altgerm.  Wort  für 
das  jüngere,  onomatopnietlsche  [oder  15.  Jahrh.  buh 
dem  Latein  stammende?)  Kukuk;  abd.  coueb,  gouh ; 
mbd.  (Couch  ;  16.  Juhrh..  ndl.  guyrhel,  I).  32;  end 
gowk.  gawk  -  Thor,  Narr,  Hauch ;  eigentlich  aber  - 
Kukuk  1*.  d.Hder  »eine  Eier  in  fremde  Nester  unter- 
legende  Vogel,  dessen  Brut  unter  anderen  Vogeljungen 
wie  ein  untergeschobener  Wechselbalg  erscheint) ;  1.  = 
blödsinniger,  närrischer  Junge,  Kretin,  Wech- 
selbalg  (s.  d.)  (Wallis) ,  dem  nur  ein  Gauchsbart 
(s.  d.)  wachst  (Bircher  1883.  8.  22.  Kraus,  K.  503).  — 
2.  =  Pubes,  das  erste  8chani-llaar  =  der  erste 
Gauch  (s.  Gauchsbart)  (neyne  III.  lOfH ;  I».  170). 

—  Gauchis) -Hart,  -Käfer. 

Gauche,  f.  s.  Jauche. 

Gaucke  Kücken  (Bregen Mrwald,  Schindler  [, 
**2.      (s.  Gauf). 

Gaufe,  Gau  fiel  «  Gafe. 

Gaumen,  tu.  (Gam(en),  m.,  f.  (Oettrrateb,  Ttrol, 

Schwann),  liutn  (Schwaben;  indogerm.  gheu  =  klaf- 
fen ;  germ.  gau  =  Kluft  [da*u  gftnen  =  gawen  =  das  weite 
Öffnen  des  Mundes];  ahd.  gumo  =  [ursprünglich  wohl) 
Mund  uud  Rachenhohle,  gottmo  =  Kehle,  Rachen, 
facht,  I).  222 ;  fauces,  guomun  =  «aumen,  also  schon 
ahd.  spezialisiert  auf  den  oberen  Teil  des  Rachens,  die 
obere,  fleischliche  Wölbung  des  Mundes  von  den  Zahnen 
an  bis  an  den  Schlund;  9.  Jahrh-  glunio  =  palatum; 
1260 guem,  n.  =  Kehle,  «aumen,  Pfeiffer  CG  ;  mhd  goume 
[liaumcn].  Kluge»,  12V;  Gr.  W.  IV,  1.  1Ü77  =  palatum, 
Mundhimmel ,  Mundgeuolhe  .  Buhne.  Schw.  23« ;  1445 
guem  =  palatum  durum,  «r.  W.  IV.  1.  l'»79;  13.  Juhrh. 
gumme  =  «aumen,  faux,  amygdale,  H.  v.  tiersd.  97  ; 
guem  -—  superlor  pars  palati,  Schm.  1,913,  lö92gumenn, 
Seh.  183;  gaui,  gum.  gume  -  eplglottis,  Zäpfchen.  1)  201; 
«r.  W.  IV.  I.  1579;  C  v.  Schm.  TO;  «am.  «amen  [*».- 
Schwaben],  «r  W.  IV.  1  1119;  [Tirol],  lllntner  6.  15; 
osterr  (iaem,  ehr.  Sam.  9;  llyrtl,  K.  W.  116;  aeawod. 
gom  —  «aumeu  ;  engl,  gu ms  —  Zahnfleisch  ;  white  gum 

—  Liehen  stropbulus,  Zahnausschlag,  Zahnfrlesd.  L«bf. 
216.  red  gums  -  die  ungewöhnliche  Backenrote  bei 
Neugeborenen,  soru  gtims,  sebres  krankes  Zahnfleisch, 
Kaluchm.  t ,  28.V  527)  =  Wölbung  in  der  Mundhöhle 
mit  Zäpfchen  (Uvula)  u.  Zahnlleisch  (b.  Bahne, 
Himmel,  Gagel).  —  harter  Gaumen  -Palatum 
durum,  das  Knochengewölbe  des  Gaumens.  — 
"/„  /--Gaumen  (1646  oberguem)  =  Kumen,  der  hin- 
tersts  Teil  des  Gaumens,  der  in  die  Kehle  über- 
geht («r.  w.  IV,  1.  r.79),  Fornix  pharyngis.  — 
weicher  Gaumen  -  die  von  derSchleimhaut  Aber- 
zogenen, weicheren,  beweglichen  Muskeln  des 
Gaumenbogens  oder  des  Isthmus  fauciutn  (Pa- 
latum molle).  —  Gaumen-. I'/"-,  -Beule,  -Drüse, 
•Falte,  -Qeachtcür,  -Indruck  [§,  ruechet?,,  -Kitzel, 
■SchwulKt,  -Segel,  Siuht 

gaumezen,  gaimezen,  (gamen  l*u  oaunn 
•  d.j).  —  (gamen,  geimen,  gaumezen  [n'n'M ,  gau 
Bietzen,  gaumaleEcn,  gümezen  [ux,])  -  gähnen, 
öfters  den  Gaumen  aufmachen  ;  es  galt  als  da«  erste 
schlimme  Zeichen  liel  den  früheren  l'estaeuchen,  bei 
welchem  mau  sich  schon  segnete;  daher  l'est  —  das 
tödliche  «ahnfleber  Schm.  I,  Vi  1  913;  Our,  BOT).  — 
trrgaimrzfn  —  sein  Cohen  ganz  aushauchen  aus 
dem  Gaumen  (vom  Sterbenden)  (Schindler  I,  91 1). 

Gaupse.  Gauchse  ».  Gafc. 


gaUSChet  (gOSChet)  =  (dialektisch  verschlechtert 
!  aus)  _^  bauschet,  boschig,  aufgedunsen,  fett 

(Schindler  I,  KS). 

Gaxen,  n.  =  ein  Sprechfehler  (Angophrasia) 
(Kussmaul)  mit  ungebührlich  langer  Ausdehnung 
der  sonst  normal  gesprochenen  Wörter  (Coen  43). 
wobei  die  Worte  gacksend  (b.  gagezen)  hervor- 
1  gebracht  werden,  balbutire,  singulare  ut  gal- 
lina  (D.  SMK 

ge-  (die  ZusaniinenM.ij!unKeii  mit  dieser  Vor>lll>« 
suche  heim  folgenden  Slammworlc,  z.  B.  geboren  hei 
bor,  gebaren  hei  bar,  tielenk  bei  I.ank ,  <<cbandc  bei 
Band,  «ereb  bei  Reh,  i.lied  bei  Lid  [«elid] ,  «leich  bei 
Leich  [«deich],  gesund  l>el  -sund). 

Gebel,  m.  («hd.  gebul,  mbd.  gebcl)  -  Sclul.lel, 

Kopf,  s.  Giebel. 

geben  (gem.-gcrm..  golh.  glban  [dazu  «iftj;  ahd. 
güban;  mhd.  geben.  Kluge  130).  —  (15.  Jahrh.)  den 
Geist  ausgeben  --sterben,  exhalare  (D.  214);  vgl. 
Geist).  —  nachgeben  mit  demFusse  =  hinkend, 
den  Fuss  nachtraglich  vorbringen.  —  sich  uber- 
geben —  vomere  =  den  Inhalt  seines  Magens 
nach  aussen  an  einen  anderen  Ort  geben,  er- 
brechen, 1.  =  (16.  Jahrh.  Übergebung  =  vomltns,  I.ersch 
272;  li07  onorgculnge,  ouergeben  =  vomltus,  Schmdler 
I,  866;  D.  629,  Buck  19)  =  vomere.  —  2.  -  von 
Leichen,  wenn  sie  Lungenschleim  (sog.  Brand) 
vor  dem  Munde  haben  (*.  Sod),  den  sie  nach 
oben  entleeren,  über  sich  geben.  —  (mhd.)  Ver- 
gebung =  Vergiftung  (s  Gift)  (I,exer3l9).  —  (mhd.) 
tn,  /-geben  (ndd.  weddergefen;  1507  wlddergelnm 
=  vomere,  1).  629)  ■  das  Gegessene  durch  Er- 
brechen wieder  von  sich  geben  (Lexer  180),  was 
beim  „Gift"  besonders  häufig  vorkommt. 

gebsen  s.  gappen. 

Gech,  n.  s.  Gaeh. 

Geck  (mhd.  gec  =  alberner  Mensch.  Narr;  ndl.  gek. 
Kluge  *  130).  —  Geekheit  (1521  geeheit  =  ddiromcii- 
tum,  I).  172)  =  Narrheit.  —  (1482)  geckisch  -  när- 
risch, lächerlich  l>.  199.. 

Geffe  s.  gatfen. 

Gegel,  f.  die  Zahne  schiessen  in  die  Gegel 

(Otdbf.  ;  «oldschm.  20),  s.  (iagel. 

gegen-  (die  Zusammensetzungen  mit  dieser  Präpo- 
sition siehe  beim  betreffenden  nachfolgenden  Stamm 
worte). 

Gegend,  ■>.  eine  Nachbild  ti  ng  des  aus  dem  [tat.] 
coDtra  stnmuieuden  contree  oder  ital.  coulrada  =•  mhd. 
«egenote,  Kluge  107;  glegenode,  Schmdler  I,  879  .  — 
Darm-,  Leisten-,  Magen-,  Nieren-,  OAr-Gegend 
-die  Eingebung  von  versteckteren,  bedeckten, 
inneren,  nicht  sichtbaren,  aber  schmerzhaft  em- 
pfindbaren Organen,  deren  Kenntnis  man  a<ich 
1  sonst  hat  (s.  Kevier). 

gehen  indogerm.  i  ]-  Ire];  germ.  ga-l  -  gehen; 
goth.  ga  im;  ahd. geu, giin  ;  nihil,  «ön,  gän,  Kluge*,  131 
=  den  Stand,  bestand,  Zustand  verändern  .  —  13'sl, 
die  Lunge  geht  in  die  Kehle  (Pr.  I,  363)  =  kurz- 
atmig sein  durch  Veränderung  der  Luftbe- 
wegung an  der  Kehle  aus  der  u.  in  die  Lunge 
(/..  B.  bei  Kropf)  —  das  geht  an  die  Hippen 
greift  das  Kippenfeit  an,  *<i  <la*s  die  Kippen 
„eingehen";  mattet  ab  («r  w  VIII,  WWJ.  —  liWa) 


ISO 


gehen. 


Geier— geil. 


mit  (zu)  einem  Kinde  gehen  (Krle«  12-i,  Gr.  W.  V, 
705,  TO":  as  ein  Kind  gebaren  wollen,  schwanger 
gehen.  —  fif.18  sie  geht  auf  der  Zeit -est  vicina 
partui  |S<hm.  D,  11*1)  =  sie  nähert  sich  der  Ge- 
burtszeit, Entbindung.  —  sie  ist  bleiben  gehen 

-  schwanger  Mos»  Barteln  i,  179)  (beleibt?).  — 
zum  Stuhle  gehen  s.  Stuhl  und  Stuhlgang.  — 
Geh(u)-woadl  (Tirol,  Woll  IM)  =  Diarrhoe,  lauf- 
ende Kathl.  —  .4 '»gehend,  n.  (15.  Jahrh,  abgennd 
=  foius,  D.  232)  —  die  beim  Abortus  abgehende 
l«eibesfrucht.  —  angehen  (HM  aaefta,  Pfeiffer  '»7) 
=  anfallen,  ergreifen,  von  Krankheiten.  — die 
Krankheit  geht  einen  an  (15.  Juhrh.j  -  stosst  an, 
befallt  (Buyerlm.d  1894.  s.  :;oo  ,  fvergl.  An-Uang). 

-  ausgehen  lassen  -  Darmgase  entleeren,  die 
sich  nach  oben  bemerkbar  machen.  —  (l«iä 
ausgehen,  z.  R.  tlie  Drüsen,  Wund-Abscesse, 
die  Frucht  der  Mutter  etc.  (Georg.  Hohberg;  coler, 

H.  A.  214)  (s.  Aus-Gang).  —  drucken  gehen  ■ 
trutengehen  (s.  Trud)  (Verna).  209).  —  durchgehen, 

I.  -  ein  unfreiwilliges  Entfernen  eines  Organe», 
z.  B.  das  II  in  weggleiten  der  Hand  beim  Schreib- 
krampf (Eichhorn  11,  665).  —  2.  =  durebgehend 

-  Sprunggelenk-Gallen  (s.  Durchgang),  welche 
nicht  einseitig,  sondern  durchgehend,  auf  beiden 
Seiten  als  „Kreuzgallen"  sich  vorfinden  (Falke  1, 
224).  —  eingehen,  1.  =  mager  werden,  durch 
Muskelschwund.  —  2.  —  allmählich  verenden 
(v.  Tieren).  —  (1692)  entgehen  =  abgehen  un- 
freiwillig, z.  B.  Harn  (Seb.  loa).  —  fluten  gehen 

-  sterben ,  austönen  wie  ein  verhallender 
Fiötenton  (?)  8.  flaute  (pleitegchen?).  —  gross 
gehen  (ndl.  gToot  goan,  Do  Cook  f.2)  =  schwanger 
sein  (s.  grosser  Fuss).  —  Jura  logehen  (vor- 
gehen) =  Subluxatio,  Prolapsus  (Pauli,  117 ;  Coler, 
II.  a  211),  —  (1607)  hinkend  gehen  =  varicare 
(D.  OTT)  —  irre  gehen  s.  Irrgang.  —  tnank  gehen 

-  fehlerhaft  gehen  ü.  C07).  —  [i.W]  nach-gehen, 
das  geht  ihm  nach  =  die  Krankheit  ist  noch 
mit  etwas  gefolgt,  hat  nachgehende  Folgen 
(Gr.  W.  VII,  «1;.  —  H  OT)  schwanger  gehen  =  gross 
gehen  (s.  d.)  (Easich  212,  l>.  171)  (puerpera)  (siehe 
schwanger).  —  truten  gehen  s.  Trut.  —  über- 
gehen, 1-  -  übergegangenes  Kotlauf  =  eine  Ent- 
zündung, die  ohne  Kotlauf  vorübergegangen  ist 
[Pauli  7).  -  2.^  die  Zeit  der  Purgierung  (Abführ- 
kuren) vorübergehen  lassen.  —  3.  —  über  die 
rechtmässige,  normale  Schwangerschaftszeit 
hinaus  noch  schwanger  gehen  (Wuttkc  355).  — 
umgehen  -=  epidemisches  Auftreten  oder  herum 
springende  Krankheit,  z.  B.  das  wie  ein  Raub- 
tier sein  Opfer  umkreisende,  umgehende  Kalt 
(s.  d.  u.  Umgang).  —  das  Umgehend,  1.- Kot- 
auf (epidemisches),  Milzbrand.  —  2.  —  s  Um- 
lauf (Schm.  I,  860).  —  ungerade  (unrichtig)  gehen 

-  Fehlgeburt,  die  zur  Unzeit  zu  Ende  «eilt 
<ir.  1>  M  II,  IUI;  l'los*-Bartel*  I.  Ml).  -  -  unsinnig 
gehen  (19M  uaiynniok  gehne  —  lynphattena,  i>,  330) 
mondsüchtig  Deliramentum  febrile,  Wut 
(Wassersucht),  Wasserscheue.  —  irrgehen  = 
versiegen,  verschwinden;  a)  „Vergeh!"  —  eine  ! 
Haiittiechte,  die  durch  Besegnung  so  ange- 
rufen wird,  wie  auch:  „Dorre  weg!"  (*.  d.)  1 
(Gr.  w.  Iii,  vm\     Höre  auf!;  b)  „Blut  vergeh  V* 

liu  Beschwnrung*loriiieln  der  »MpreaaeM,  Friachb.  M; 

EelUehr.  4,  v  f  v  k.  1*9.».  s.  37 ;  dabei  auch  das  gegen  | 


Blutungen  gebräuchliche  Vergeh-Blut  =  Plantago 
major  L.,  Jrs**a  292)  -  eine  der  3  h.  Frauen  (s.  Mor- 
gen). —  im  Wasser  gehen  =  der  watende  Hah- 
nenschritt  der  am  Dumm-Koller  leidenden 
Pferde  (Fatke  I,  433).  —  VTtaYrgehnd  (ahd.  wlder- 
gan  —  contra,  (irafl  I,  637;  14.  Jahrh.  wldergend  sa 
glandula,  «crofulu.  1440  wIdergent;  15.  Jahrb.  widder- 
fMde,  wlderzend  ~  serofula,  D.  261.  621)  =  das,  W88 
einen  beim  Geben  hindert,  einen  Widorgang 
(s.  d.)  macht,  z.  B.  die  Drüsen  der  Leistengegend 
(Voc.  opt.  w,  40;  Ruck  19).  —  wund  gehen  =  die 
Fusshaut  beim  Gehen  auffratten  (ja.  Galle).  — 
z**amm«igehen  -  coire  (ftberaetzung?,  Birlingcr 
siticn  n,  234).  -  zergehen  =  erweichen,  das  Ge- 
hirn zergeht,  Gehirnerweichung  (Encephalo- 
malacia)  il>r  Br.-Schff.  29).  —  xurUck  gehen  =  zu- 
rücktreten (d.  Krankheit  z.  B.)  (Z  d.  V.  f.  V.-K. 
1896.  8.  412)  —  Qeh  Drüsen,  -  Werk,  -  Wurm.  (vgl. 
Gang). 

Geier,  m.  (indog.  gher;  gern»,  gor.  glr  =  heftig  ver- 
langen; ahd  .  mbd.  tri r  =  der  gierige  Vogel.  Kluge  *. 
132;  Zeitschrift  für  deut-che  Philologie  XXVI,  241)  - 
Tod,  Teufel ;  (gellügclte  Weaen  [».  fliegend)  nahm  man 
fniher  al*  todbringend  an,  da  sie  blutgierig  wie  ein 
Yatnpyr  [Glerfrasa.  Gierhai«  .  Gierracb,  Uiereehlund] 
sind).  —  er  sieht  aus  wie  ein  Hainl-  (Hühner-) 
j  Geier  iz.  f.  ö.  v.  k.  1*96,  320)  -  ein  magerer 
Mensch. 

Geifer,  m.  (Geiferer,  m.  Gäfr  [Schwaben],  gä- 

fern)  (,,tr*prung  dunkel".  Kluge  *  US;  vielleicht 
Ge-elfer  {~>]  oder  m  garten ,  gaiffeu  —  auseinander 
«teilen,  Schmellcr  I,  874;  mbd.  geller;  1429  gaiffer  — 
Speichel,  oscedo,  Sehmcllerl,  871;  1182  gayffer  =  ialiva, 
Zeutng.  Voc  )  =  der  aus  dem  gaffenden  Munde 
(von  Kindern  und  zahnlosen  Alten  s.  B.)  ab- 
messende Speichel.  —  Gaifezer  -  Geiferer 
(Sehra.  L  eod.;  Buck  17),  einer  der  oft  Geifer 
verliert  beim  Sprechen.  —  begeiiern  =  saliva 
foedare  (Gr.  w.  1. 1290)  (s.  Palo).  —  Geifer- M aul. 

Geige,  f.  (ein  gerat.  Wort  Kr  Fiedel  (i.d.];  vorgerm 

ghikä,  fem.  gign  ,  inhd  gige.  Kluge*,  132)  -  Feminal 
(Gr.  W.  VII.  2374;  Schräder  3211.  —  geigen  (wie 
fiedeln,  s.  d.)  -  coire.  —  iieis)  Ilm -Geigen,  1.= 
langer,  dürrer,  weiblicher  Körper,  von  einem 
Werkzeuge  bei  der  I  leuernte  entnommen(IIintner 
5.  10;  Schmellcr  1,  879).  —  2.  =  blödsinnige  Person, 
die  nur  mechanisch  thätig  ist  (Schindler  I,  1028), 
(eonf.  Hackstock). 

geil, geilen,  Geilen,  pl.  Geile,  f.  Galen  (Gele), 

gaim-  (germ.  gail;  dftiu  gala  =  Fröhlichkeit,  FeslluM, 
Festkleid  [Kleiop.  III)  und  galant  [a.  d.];  goth.  u.  ahd. 
gail  -  üppig,  lustig,  ausgelasKcn  und,  da  der  Scherz 
leicht  in  S<  hlmpf  tibergeht,  10  wird  das  Scherzhafte 
zur  Schande ;  mhd.  geil,  geile,  geyliu,  gll  =  Hoden. 
Geilheit,  Kluge*,  132;  Gr.  W.  V,  1323;  1120  geyle,  gail 

-  tenticulu»,  1>.  581  ;  16.  Jahrh.  gil  -  hemia.  D.  276), 
l.=(l«77)  Hoden,  deren  Bestand  geil  macht  und 
Hodenbruch  (Heinia)  (Beyu.  140).  —  2.  =  Eier- 
stöcke, als  Testes  muliebres  (liyrt),  K  \v.  vs  ;  zw. 
253).  —  3 ,  =  die  Gilbe  und  Galle  ^dialektisch  : 
Gaill,  Geil)  und  pUUA]  Fett,  Pinguis  (Schm.  1.  890). 

-  -  4.  —  der  Bürzel,  Zipf  der  Vögel,  die  an  dem 
After  Genitalien,  dem  Sitze  der  Geilen  ein 
Kiterbläschen  bekommen,  infolge  dessen  sie 
abzehren  (die  Dürr,  Pips':  (sebmelU  r  I.  v.u ;  Gr.  w. 


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geinen — Geister. 


Geister. 


187 


IV,  nsT)  (a.  auch  Gagein  u.  Galle  5).  —  Geile,  f. 
1.  —  Geschlechtstrieb  (Seb.  23^.  —  2.  =  der 
Brunstsehleim  der  rossigen  Stuten  (Kalke  I,  324). 

—  geil  =  fett  (Sehineller  I,  h90)  —  geilen  (ent- 
geilen  :  =  kastrieren  [Sehw.  239;  Hyrtl,  K  w.  .-»). 

—  sich  geilen  1592;  Beb.  237.  =  Hieb  ireschlecht- 
lieh  erregen.  —  (IT.  Jahrb.)  Gtburts- Geilen,  a)  = 
Testee  muliebres,  Eierstöcke,  und  b)  =  Testes 
virile«,  Hoden  bei  .Mensch  und  Pferd  (<;r.  w.  iv, 
J.  1908;  n.  A.  303;  l7tV3;  L.  chlr.  64.  BS).  —  /urn -geil 
(tnhd. .  Schindler 1,  lift!)  —  aufgeregt  bis  zur  Hirn- 
wut,  Krotoruania.  -  knch-geüüi-  fleischig,  fett 
(Schmeller  I,  MO),  —  Hühner- Geilen  (Galle) -= 
Hahnhoden  (1592,  seb  13.1  —  AVfcm-Geilen  — 
Nebenhoden  (Hyrtl.  K.  w.  19).  —  OAnf-Geilen 
fongeil)  -  Eunuchus  (a.  d  ),  Castratus  (Hyrtl,  K.  w. 
68).  —  Femw- Geilen  =  durch  Venuslust  (Syphi- 
lis. Gonnorrhoe),  erworbene  Hoden-Anaciiwel- 
lung,  Orchitis  venerea  ,'A.  v.  U.  I,  12*1)  —  geile 
(«,  s,  Gaim-,  Geilen-)  bruchig ,  -Entzündung, 
-Fleuch, -Haut, -Herz, -Laster,  -Säcklein,  -Seiche, 
-Seuche,  -Sucht,  -Sünde,  -  Wunden,  -wütig. 

geinen  s.  gähnen. 

GeiSS,  f.  fallgerra.  ghaldo  »;  lat  haedus;  ahd,.  mhd. 
geiz ;  oberd.  -  Ziege,  Kluge).  —  tfffOf  r -GeiSS  -  der 
AlpdUmon  des  Volksglauben  in  der  Gestalt 
des  Nachtvogels  (Caprimulgus  od.  Strix  alueo), 
welcher  Habergeiss  (nachijUstnerll,  251.  2M  ■  avar- 
gagis,  avergels  —  Sacbjagcr,  Nachflattcrer,  after,  afer, 
aver-gagerj  genannt  und  als  die  Seele  eines  Ver- 
storbenen angenommen  wird,  welche  niarartig 
und  halb  Mensch,  halb  Vogel  in  sphinxartig  ge- 
mischter Gestalt  a)  Nachtschaden  (s.  d.)  bringt, 
b)  die  Muhnebaare  bei  Pferden  verfilzt  und 
wie  der  Nachtrabe  (s.  d.)  den  Tod  voraus  ver- 
kündet (den  Tod  in  die  Ohren  blasend);  d)  den 
Menschen  als  Seuchendämon  aufl'risst;  e)  und 
ein  Aufhocker  (a.  d.)  ist,  der  den  Menschen 
hexen-  und  alpartig  drückt  (f.alsiuer  I,  219.  220. 
334;  II,  251.  25».  258.  2.9 ;  der  Uabergelss  Vogel  ist 
nicht  zu  verwechseln  mit  der  Habergeisa  Haber- 
hnuer  oder  Spinne].  &  f.  .  ..  V.-K.  UM.  312).  —  Gel  Sri  - 
Augen        -Grint,  -Minner,  Molch. 

Geister,  pl.  (vorgerm.  ghaisdos;  gom.-gcrw  ,  ahd., 
mhd.  gclst ;  engl,  ghost  =  überirdische»,  anderes  We«en 
im  Gegensätze  tum  Körper,  das  iinkOrpcrliehe  Wesen 
.'«.  Wicht  ,  da»  alter  ego  das  I'latn'st  lie  ,,  Wesen  für 
»leb  innerhalb  des  Menschen",  das,  wenn  es  den  Men- 
schen verhtsst  (goth.  usgaisjan»,  denselben  „ausser 
»ich"  und  In  Verzückung  (l.  dl)  bringt,  das  sich  durch 
Zauberei  in  ein  anderes  Wesen  verwandeln  kann,  so 
das«  ,,ein  anderer  Heist  aus  Ihm  spricht",  der  ziiruen. 
•leti  Menseben  binden  und  sich  uufregeti  kann,  und 
den  mau  als  Atem  beim  letzten  Seufzer  1182  Batst  = 
atem  splraeulnm,  D.  M7]  beim  Sterben  nach  aufwart« 
von  sichVbcn  bUst  =  ..aufgibt"  ;  dieses  geistige  Wesen, 
„belebende  Prinzip"  11.  Paul  1(57)  dachte  sich  die  Schul 
medizin  nach  Sylvius  (t  it>7_'  als  Lebem-Qeist  Spi- 
ritus vitalia)  —  in  der  Form  einergeistigen  Feuch- 
tigkeit an  die  in  den  Nervenröhren,  wie  der 
Hauch  oder  Dunst  in  den  Ofenröhren,  zirkulier- 
enden Nervensafte  (s.  d.)gebuuden,  wohin  er  von 
der  Gehirnfeuchte  (Materie)  aus  und  als  Xeroen- 
Geist  od.  Nerven-Ätber  (F.  Bofbunn ;  Humboldt) 
mittels  der  Nerven  zu  den  Organen  gelangen 


aollto;  im  Samen  (s.  d )  sollte  (i'>32)  durch  die 
Bewegung  (Kraft)  dieser  lebendigen  Geister  der 
Samen-Materie  Gestalt  gegeben  (Frie.«  123).  d.  h. 
die  Empfängnis  und  Entwiekelungdea  Homun- 
cnlus  bewirkt  werden,  der  die  „Leibes"-Gestalt, 
die  Hülle  für  die  überainnlicbe  „Seele"  sein 
sollte;  <lieser  (.ebenageist  (Pneuina,  Seele)  war 
durch  llarvey's  1057)  Entdeckung  des  Blut- 
kreislaufes aus  den  Arterien  o.  geistigen  Adern 
(s.  d.)  vertrieben  worden  u.  fand  durch  Sylvius, 
wie  erwähnt,  seine  Zuflucht  bei  den  Nerven, 
wo  er  als  AVrmi-GeiBt,  Lebensäther,  Seele, 
Pnetima  (Haeser  I.  SM;  II.  r-os),  sich  fortfristete. 
Dieser  menschliche  Geist  sollte  naeh  I'araceUus  (Koch b 
I,  111  ein  magischer  Schatten  sein,  der,  well  er  aus 
dem  Cuivcrsum  stamme,  naeh  des  Menschen  Tod 
der  l.clb  der  Seele  bleibe;  der  Geist  derer  aber,  die  an 

,  die  Erde  gekettet  sind,  bleibe  als  eine  unselige  Dunst- 
gestalt in  der  Nahe  des  von  Ihm  verlassenen  Leibes 
(also  noch  ganz  damonisttsch  aufgefasst)  ;  auch  das 
Volk  nahm  (nach  i,aistnerund<ioltbcr74)  infolgeder 
Versuche.den  A  Iptraum  (s.d .)  zu  erklaren,  solche 
unsichtbare  Wesen  an,  und  namentlich  sollten 
die  Seelen,  die  Geister  der  Verstorbenen,  die 
mit  dem  Tode  deren  Körper  verlassen  hatten, 
in  anderer  Gestalt  (Gespenster)  als  böse  Geister 
(Unholden)  fortleben:  sie  waren  die  Plage- untl 
Qual- Geister,  die  als  neckende  Kobolde  's.  d.) 

1  etc.  ihre  Personirlkation  als  Krankheitsdämonen 
erhielten ;  besonders  waren  es  die  im  Walde 
wohnenden  Wald- Geister ,  denen  ein  grosser 
EinHuss  auf  Kommen  und  Verschwinden  von 
Seuchen  bei  Menschen  und  Tieren  (s.  Wald- 
krankheit) beigemessen  wurde  (Ooltb.  IM  ff.); 
solche  ursprünglich  aus  dem  unheimlichen  wil- 
den Walde  gekommene  Krankheüs-  Geister 
waren  die  Geister  der  verstorbenen  Sippen-Ge- 
nossen, welche  als  Holzfiguron  (1577  huys  godekens 
=  neustes,  D.  422;  s.  Wlehtel ,  Khren)  wieder  ver- 
körpert und  zu  //'Pc-Geistern  wurden,  die  in 
solcher  Gestalt  mit  den  Geschlechtern  mitwan- 
derten (dazu  die  Folge-Kngel,  fylgja-engils,  Rochholz 
I,  93.  fylgjur,  <iolth.  98IT  )  und  im  Leinwandgadon 
(gute  Kammer),  am  (nord.)  Hochsitze  oder  mit 
Vorliebe  am  Hcrdraume  (Ofenplatte)  weilend, 

1  das  Hausglück  (s.  Glück,  Spiritus  familiari*) 
und  den  Folge-  oder  Sc/mfx-Gei8t  (s.  Kobold) 
der  Siedeluug  bildeten.  Gerade  diese  mit  den 
Individuen  wandernden,  den  Menschen  nie  vor- 
lassenden, ihm  stets  folgenden  Geister  wurden 
auch  zu  den  nachtlich  quälenden  Nacht  Geistern 
(s.  Nacht,  Alp,  Schelm)  oder  .-1^.  Geistern,  die 
dem  Einzelnen  Alpdruck,  Vergicht,  Epilepsie 
etc.,  derSippe  aber  fieberhafte,  pestilenzialische 
Krankheiten  (s.  d  ),  Suchten  brachten  als  Strafe 
oder  Plage  («.  d.)  und  als  Hache  (s.d.)  der  Opfer 
fordernden  Gottheit  (v.  Gehren  ITSft,  S.  9;  Abergl. 
Hl),  wahrend  die  wie  der  Kobold  i's.  d.)  an  das 
Haus  oder  an  den  Ort,  die  ((ausstatte  selbst  ge- 
bundenen, nicht  wandernden,  mehr  sessbaflvn 

J  , .Geister"  (Spukgestalten)  (stetigot  —  Heimchen 
IHaus-otter,  Schwalbe]]  mit  der  Erzeugung  von 
Krankheiten  bereils  weniger,  bezw.  seltener  in 
Beziehung  stehen  iRochbolz  II,  13;»);  diese  letz» 
leren  Geister  dos  Volksglaubens  traten  vielmehr 
als  helfende  («Ute,  holde,  traute,  edle,  Haiige' 


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18» 


Geister. 


Geit— gelb. 


Däuionen  (kleine  llerrlein,  gut«  Kinder)  auf  I 
(z.  B.  bei  der  Geburt)  und  führen  meist  Kose- 
namen (Gr.  ff.  IV,  1.  1908  ;  LJppert  Christ  44ß).  Nach  | 
und  nach  aber  verlor  Hieb  das  Bildliche  der 
„Krankheits- Geister",  die  Gestalten  werden 
fluchtiger,  geheimer,  durch  Verwechslung  der 
guten,  mit  den  bösen  Geistern,  auch  gefürch- 
teter;  als  „Geister"  immer  weniger  sichtbar, 
verlieren  sie  sich  endlich  ganz  in  die  Allegorie, 
i ns  (v bersin n Hebe,  Metaphysische,  im  19.  J ahrh . , 
in  das  Gebiet  des  Spiritismus  u.  Hypnotismus 
oder  als  „Kraft"  in  das  deB  Materialismus.  — 
blättige  Geister  -  die  nach  früherer  Anschauung 
im  Gehirne  sitzenden  oder  durch  den  Blast  (s.d.)  : 
wie  durch  ein  Rauchschlot  dorthin  gelangenden 
DüllSte  (<ir.  W.  II,  72;  Strahl  IderAlp  uuil  sein  Wesen, 
Herlin  1833]  will  beim  Anfühlen  lies  Kopfes  nun/  deut- 
lich «Ho  Unit  der  Darm  gase,  die  Inn  «.ehlrn  gestiegen 
Mnd,  daselbst  gefühlt  haben  [unbegTdaich]).  —  (1742) 
blöde  Geister  (Zw.)  =  schwache  Lebens-Geister, 
diean  die  Stelle  der  kräftigen,  normalen  treten.— 
(15.  Jahrb.)  hone  Geister  (ndl.  <tuaede  boozegheestcu, 
De  cock  84.  232.  238);  (s.  o.)  die  n.  a.  den  Krüppel 
besetzen,  «um  daemoniacus  machen,  da  sie  den 
vollen  Gebrauch  eines  Gliedes  in  schelmischer 
Weise  lähmend  hindern  (Gr.  W.  V.  2478).  —  liuhl- 
Geist  -  dei  Alpdämon  (s.  8.  10),  der  als  Auf- 
hocker (s.  d),  wie  alle  elbischen  Wesen  lüstern 
und  minnegierig  geschlechtlichen  Verkehr  mit 
den  Menschen  erstrebe  (  =  der  erotische  Alp- 
traum, s.  d.);  der  Teufel  loste  als  „Buhlteufel"  j 
diese  heidnische  Dämonenfigur  ab  (Golth.  78)  = 
Incubus,  Succubus.  —  Dengrl  Geiat  =  Tod,  Sen- 
senmann iSohwabeni,  der  seine  Sense  dengelt, 
scharf  macht  auf  dem  Friedhofe  und  den  Sterb- 
enden die  Augen  zudrückt  (Meyer,  Konvers.-I.<jx. 
3.  IV,  116).  —  Druck-  Geist  -Incubus  (s.AlpS.  11 
und  drücken)  (E.  Mogk  in  Paul»  Grundruu  der  germ. 
Philologie  I,  ioi3  über  germanische  ..Druckgcistcr";, 
Druckgeieter  Bind  aber  nicht  bloss  Alp  und  Mar 
(wie  Lipp.  Christ.  44H  meint; ,  sondern  auch  der 
Troll,  F.ilwiz,  Hexe,  Schritt],  Trude,  Holde, 
Wichtlein  etc.,  überhaupt  alle  aus  dem  Alp  ab- 
gelösten Krankheilsdänionen;  so  auch  die  Mit- 
<<«</*- Geister  =  Mittags-Teufel  (s.d.)  Daemonium 
(nicri)diantim,  ein  meist  weihlicher  Alpdämon 
(Mittagsfiau,  Foldsehe;,  welcher  a)  zur  Zeit  des 
höchsten  Sonnenstandes  alparti^  mit  den  Son- 
nenstrahlen, Sonnenstich  (s.  d  ),  am  Ta^e  Alp- 
druck Und  heftiges  Kopfweh  macht  (vor  seinen 
Angriffen  ist  man  bei  trübem  Himmel  und  zur  Zeil  de« 
nahenden  Gewitter*  sicher,  Laistner  I,  32.  67.  73) ;  b)  er 
stiehlt  Kinder  u.  c)  saugt  den  Frusten  der  Neu- 
geborenen die  Milch  aus  <;olth.  57.  l  >7;  LatUner  I, 
65.  156;  U,  199.  43.">.i ;  d)  bringt  in  Lintwurmgestalt 
i  .Milzbrand-) Festaeucben  (Kocbh.  I,  es).  —  U677, 
Hirn  Geister  -  Nervengeistor  in  den  Gehirn- 
nerven (s.  d.)  ;Heyn.i<jo).  —  174L-  flüchtige  Lcbctts- 
geister  Spiritus  animales.diedurchdieNerven 
zu  den  Hautdrüsen  llicssen,  dort  den  aus  den 
Geistadern  (C.  v.  Mogbg.)  (=  Arterien)  zuströin- 
enden  Saft  zur  Ernährung  des  Körpers  tüchtig 
machen  und  so  in  die  Glieder  wieder  hinaus- 
treiben  sollten  iZw.  17  v.;  Kulmu*  .  —  (15.  Jahrb.) 
nbclthätige  Geister  n  z.  xx.  21);  sie  sind  die 
l'lagc-  und  (^«//-Geister.  -  teuflische  Geister 


-  die  Nachfolger  der  heidnischen  Dämonen  als 
Krankheits- Flachen.  —  (iß.  Jnhrh.'  unmilden 
Geister  (u.  z.  1  c.)  =  das  Gleiche.  —  Geist(er)- 
(geistig)w4tfcm,  -Blut,  -Entrückung,  -Entzück- 
ung, Feuchtigkeit,  -Gebresten,  -Glieder,  -Knrpe, 
•krank,  -Mumie,  -Sehen,  -Sinnen,  -Störung, 

-  Tanz,  -Zerrüttung,  -Zuckung.  —  geistern  ■ 
sterben. 

Geit-,  Geiz,  m.  (zu  geizen  =  habgierig  nein,  gierig  . 
indogerm.  ghatdh;  germ.  gaid,  gld;  ahd.  git,  mhd.  git, 
Kluge  '  132;  15.  Jahrb.  gelez,  gitz,gltzc,buli*mtui,  vorax, 
1).  84.  629.  638;  1477  gelez,  Ortolph  =  Heisshuneir ; 
14K2  geytz  =  bollsmuR  ,  Zenlng.  Voc.  K.  6;  15.  Jahrh. 
gltz  =  ballsmus,  bulimus,  faux,  11.228.  638;  15.  Jahrh. 
gnrtz  [  -  geitz]  -  Imlimu»  [polismus],  die  dyne  kränklich 
habent  »int  alwegen  lustig  zu  essen  und  mag  man  sie 
nlt  wol  erfüllen  mit  deheyncr  kost,  Ii.  888;  geit  — 
Heiashunger,  Schw.  239;  Schindler  1,  967l  —  Wolfs- 

hunger,  Bärenhunger  (s.  Hunger,  Geitwurm) 

—  GeitzigAei*  11012  gytzlkelt  =  gula.  D.  271!  ■  das 
Hungergefühl,  M agen brennen  ,  Kebllrockene. 

—  [1809)  Frass-Qeitigkcit  (Guar.  si5)  =  Fica  (Fitta, 
Fissa,  Gitta)  der  schwangeren  Weiber,  welche 
ungewöhnliche  Kas-Gelüste  (8.  d.i  haben.  — (UM] 
hitz-geitige  Paracelsus)  -  eifrig  verlangende  (Ge- 
bärmutter) (Pr.  II,  72;  lir.W.  IV.  2  1584).  —  hunger- 
geitig  (13.  Jahrh.  hungergUIg)  =  heiss-  (geiz-)hung- 
ri(t  (vom  Bären)  (Wustmann  50).  —  (15.  Jahrb ) 
M  a  /en-Geiz  (=  gula,  gulo&ltas,  d.  3io;  =•  Hunger- 
gefühl im  Magen.  —  Geiz-ifacAm,  -  Wurm. 

gelb,  Gilb,  n.  Gilbe,  f.  Gülbe,  f.  (indogerm. 

ghel;  vorgerm.  ghdwo-;  gem.-westgerm.  gelwa;  ahd. 
gelo.  glHwi;  mhd.  gel,  glitte,  Kluge*,  188.  139;  1437 
die  giilb  =  Gelbsucht,  t\  v.  Sehm.  249;  1482  gel  oder 
plaieh,  C  v.  Mcgbg. ;  Wackernagel,  Abhandlg.  I,  154; 
14K2  gilbe  ~  lnflrmitas  quaedam  lcterlcla,  Gelbsucht, 
Zcnlng.  Voc.  k  7;  1507  die  gheyl  =  Icteritla  [Gllbel. 
D.  2S3;  [Luxemburg]  gielzech  —  geltK!  8euche  [s.  d.]; 
engl,  yellow»  —  Gelbsucht).  —  [1851]  Gilbe,  1.  = 
Gelbsucht  beim  Menschen  (Hock  *.  4y)  —  passio 
flava  s.  Icteritia,  morbus  regius,  co  quod  tlavos  et  ex- 
unguis  universos  iruos  invusil ,  etllciebat  (Hu  lange 
III,  521)  (s.  auch  Farbe).  —  2.  -  dasselbe  auch 
bei  Tieren.  —  Gelbke  -  Gelbchen,  der  Träger 
eines  goldgelben  Haares.  —  gelblich,  gelbeeh- 
tig  (13  Jahrh.,  mnd.  gellachtlg ,  Mag.  Barth.  102a) 
=  gelbe  Farbe  habend  (Urin,  Haut).  — 
Augen-  Gilbe  (1477  die  Gilbe  in  den  Augen,  Or- 
tolph; Schindler  I,  S95;  15.  Jahrb.  augegel  —  albugo. 
ri.  20,  1.VJ4  ouggUbeii,  Kisehart,  (iarg  ,  Gr.  W.  I,  «14. 
1165)  -  die  ikterisebe  Konjunktiva,  gelbgefärbte 
Augenbindehaut  (Albugo).  -  /ictfr-gelb  =  durch 
länger  dauerndes  Malariafieber  gelbbleich  ge- 
worden im  Aussehen.  —  (1551)  Magen- Gilbe 
(Hock  276;  1888  mag gilb)  —  Icterus  catarrhalis, 
eine  Gelbsucht,  die  vom  Magen  kommt  (Gr.  W. 
VI.  1440).  —  OArTW-Gelb  (1701  gelbe  am  ohr  -  cern- 
meu,  L.  ch.  !7) -das  gelbbraune  Ohrenschmalz.  — 
sc/iin-gelb  =  von  Gesichtfarbe  gelb  erscheinend, 
nicht  gesund  [Schindler  11,  425).  —  IVm-gelb  (1440 
umgclt,  ungelde  —  gelesucht,  aurlgo,  morbus  rcglus, 
D.  62)  =die  am  ganzen  Körper  aufiretende  Gelb- 
sucht {».  gelber  Galt).  —  irr-,  cr-gilben=  kränk- 
liches, gelbes  Aussehen  bekommen  (wie  die 
Flatter  im  Herbste  gelb  weiden  und  abfallen), 


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geld— Gerte. 


gessen— Gicht. 


189 


unter  Gelbwerden  dahinsiechen  (Frischb.  20).  — 
Den  Leuten  gelbe  K (Ittel  anhangen  =  Icterus 
(Gelbsucht)  (c.r.  o.  M.  Ii,  im);  verschiedene 
Stände  mussten  im  Mittelalter  eich  gelb  kleiden ; 
diese  Bezeichnung  stammt  wohl  ans  der  Mytho- 
logie; die  h,  Jungfrauen  erscheinen  in  gelben 
Kleidern  und  werden  gelbbäuchigo  Saelden  ge- 
nannt ;  sie  strickten  mit  gelben  Nadeln  gelbe  Ge- 
wander, die  sie  dann  den  Menschen  zur  Strafe 
anhangen.  —  gelb  - .  •■>■,  •  »  •  Blut,  Brand,  Cholera, 
Durchlaufen,  Färb,  Feuer,  Fieber,  Frais,  Galle, 
Galt,  Geschwulst,  Gicht,  Qund,  Knopf,  Knoten, 
Melken,  Pest,  Rufen,  Samen,  Schelm,  Schleim, 
Sehen,  Striche,  Stnar,  Sucht,  Typhus,  Wasser, 
Wurm,  Zahn. 
geld  s.  galt. 

Gell,  gellen  s.  gällen.  —  Gell-Sr-Äits». 

geistern  s.  galstern  und  kdstern. 

gelt  s.  galt.  —  Oeltllng,  m.  =  ein  galt  ge- 
machtee,  verschnittenes  Tier. 

Geize,  f  geizen  (ahd  rein,  gaiza;  mhd  gel», 
galzoi  =  geschnittenes  Schwein  [Klmte*.  133).  — 
geizen  -  kastrieren,  Kälteten  (s.  galt);  (15.  Jahrh. 
gelezen  -  castrare,  D.  10">).  —  l'rrgelzen  (mhd.  ver- 
gelzenj  -  vollständig  kastrieren  (l.excr  :i29j. 

gemein.  —  gemeine^,«)  Blutgang,  Krankheit, 
Pisse,  Schelmentod,  Schtceinekrankheit ,  ScucU, 
Sterben,  Sucht,  Tod. 

Gempel  s.  Gämpel. 

Gend  B.  gehen. 

•gentzen  s.  ganz 

gerben  (zu  „gar"  machen;  ahd.  gariwen ,  mbd. 
garwen,  gerwen,  Klnge  .  135;  auch  von  Speisen,  die 
man  durch  Drucken.  Kneten  durcheinander  rührt  und 
gar  macht,  Schindler  I,  9M)  ;  unter  drückender  Be- 
wegung wird  auch  der  Mageninhalt  beim  Er- 
brechen herausgewQrgt  -  gegerbt  (Schmeller  I, 
932;  Or.  W.  IV,  1.  13.T8).  Heyne  (II.  1113)  sagt,  gerben 
sei  Studentenausdnick  —  speien  wie  tierberhnnde : 
aber  bei  C.  v.  Megbg  (1483)  wird  auch  das  Essen  im 
Magen  «um  «hymu«  gegerbt  =  irar  gemacht.  (Vergl. 
engl,  flay  the  tox ;  Cranz  plquer  un  reuard.  Bell  z. 
Allg.  Ztg.  1*96,  171  S.  6;  ceorcher  le  renard,  renarder, 
Brias.  166). 

Gereb  (Greb),  n.  s.  Kreb. 

gemischten  -  kreischten,  seufzen  Pauli  im). 

Gern  s,  Kern. 

Gerner,  n>.  s.  Gernerkopf. 

Gerste,  f.  (imlogerm.  ghrs  =  starren  Ihorsere,  hor- 
rere,.  vorgenn.  ghcrzdii  =  horedeum,  hordeum;  ahd. 
gerstn;  mhd.  gerate,  1260  gerste,  Pfeiffer  04).  Ob  mHll 
mit  dem  Schmerze  der  „starrenden"  Abreti- 
stacheln  {Kluge*,  135)  die  Augen  -  Gerste  (1777 
genten  zwusrhen  den  unteren  augi'nbranien  —  rrithe, 
I».  158)  m  Augen -Haber  (s.  d.)  (Or.  W.  I,  80t.)  = 
Chalacion  (Gerstenkorn,  ti  ersten  blätler,  llagel- 
korn)  verglich ,  als  ob  die  stachelichte  Gerste 
ins  Auge  steche  und  ähnlichen  Schmerz  ver- 
anlasse?. Vergl.  Erklärung  bei  Cierstenkorn.  — 
Gersten  Blatter,  -Korn. 

Gerte,  f.  (indogenn  ghazdä  -•- hasta  [Sperr] -  germ. 
gazda    goth.  gaxdi   -   Stecken ,  ahd   galt«,  gartja  _ 


virga;  mhd.  gart,  gerte.  Kluge*,  136;  engl,  yard  = 
peni»  e<|ui,  Kallschm  II.  777  =  Hute,  Zweig,  Stab)  = 
Chorda  venerea:  „der  Mannen  .Siechtum,  die  haltet 
die  Ganten"  (.Schmeller  I,  'Ml),  daher  die  erotische 
Gart-Hcil-l'ilanze  (Artcmlsla).  —  Adutits-Qerte  — 
Priapns  (tir.  w.  I.  176).  —  Mannen- Gartten  = 
Virgil,  Chorda  venerea,  l'riapus.  --  (1MB]  Xabel- 
Gärtfein  (Gert,  Gerte)  =  Funiculus  umbilicalis 
(Nabelschnur)  (ogsiander'g  Entb.  K.  I,  $73;  Beynon 
166.  224;  Hyrtl,  K.  w.  16).  —  Gart  Ader,  -fallen. 

-gessen,  rrrgessen  (indogenn.  ghed;  germ.  get 
serlangen,  erreichen;  westgertn.,  angla.  forgitan ; 
ahd  flrgczzan;  mhd.  vergezzen ;  ndl.  vergeten,  Kluge5, 
shu)  —  aus  dem  Besitz  (des  iiehugee  oder  Ge- 
dächtnisses) verlieren ;  abvergessen  =  vergess- 
lieh. —  Vergessenheit-SKrA*. 

Gest,  m.  1.  =  Hetseher,  Get rger  (onoma- 
topoiettsch;  Uli  gest  —  singilltus,  H.  v.  (icrwl.  100; 
15S8  gest  —  Klux,  singultus,  f>r.  W.  V,  1260;  Getzger, 
Schwaben)  -  Singultus  (Meyer  507).  —  2.  =  Gischt 
(Schaum;  gären  s.  d.). 

gestern.  —  gestrig  =  übernächtig,  von  ge- 
stern her  (Schmeller  I,  955). 

gesund  -  sund. 

getzger  s.  liest. 

Geudel  =  Keitel  (s.  d.). 

Geuwer,  m.  s.  (iaewer  u.  Gaumen. 

gewelmiscb  s  Qualm. 

gftll  s.  feil. 

Ghör  s.  Gehör. 

gieben  (nd.-saeh*.)  —  kichen,  keuchen  (Kran«, 

E.  137). 

Gicht,  sing.,  f.,  n  (Gegicht,  n.  Gichtern, 

plur.)  Gicht.  Im  Sanskrit  ist  der  Same  der  Gicht 
mit  väta,  vAtaroga  (Windkrankheit),  vatarakta  (Wind- 
blut),  vatapitta  (Wludgallc)  wiedergegeben  (t'ictet  in 
Kuhn  Zeltsehr.  V,  353);  Gicht,  ein  urdeutsches  Wort; 
angla.  gihda  =  Gliederlähmung  durch  Schmerz,  Kluge  *, 

|  139,  Körperschulen ,  gehda  [femin  ]  =  Gedrucktheit. 
Kummer,  Seelenschment  [Heyne  in  Ebstein,  Natur  und 

!  Behandlung  der  Gicht,  S.  2[ ;  ahd.  gihido,  Kluge  1.  c. ; 
12.  Jahrh.  gicht  [Physicn,  Hildegard.];  13.  Jahrh.  gibt 

-  gicht.  II.  Z.  XVII,  560,  als  Krankheitsperson  In 
einem  Segenspruche  auttretend;  mhd.  giht,  [vor  1313] 
dasgegiht;  1462  gilht,  gllh  [D.];  1477  da.«  Gicht  Or- 
tolph];  1482  gicht,  ein  suhte  =  paralysi«,  Zening.  Voc. 
I.  *J.  K)'cht,  gegichtc  —  paralysi«,  Zening.  Voc.  k.  )>; 
geicht  =  Krämpfe.  Gr.  W.  I,  488;  13.  Jahrh  gieht  - 
=  «pasmu»,  D.  544;  1559  Gicht  =  Mu«kclnVi«chkrainpt, 
Gr.  W.  VI,  1823;  1582  du  Gicht  In  ihren  Beinen, 

\   Schmeller  I,  870;  1645  gicht,  I.  =  Schlag,  paralysi«, 
schwere  Not,  Kpilepsie,  folcr,  H.  A.  109;  1090  gicht  — 
i   l'eatfrais,  convuUlo  in  pesti,  v.  M.  II,  110,  1714  Gicht 

-  convulslo,  Fraisen;  17 IS  da.«  Gieht  -  Epilepsie, 
Maschen».  215 ;  ndd.  Jlcht  -  Glcbtfluas ;  tu  dem  Wör- 
terbuch.- des  Uauderseheti  Volkes  fehlt  dagegen  jicht 
[nach  l>e  Cork  wnfnr  durch  witlsche  Niiclihar- 
verniltleliing  die  gotittc  u.  |>lcure«Ia  [tleuresin,  s.  d.] 
sich  als  «ÜchtfluM,  letzteres  mit  Bedcutungwccb-el 
einschoben;  1790  glegd,  giegdi,  giegda.  giegdal  lu 
einem  Bannspruche  gegen  die  (iicht,  Abergl  179!.  — 

Gicbtern  (lvast :  Th. «.  itr  eo).  zum  Hlnnd  gab  wohl 

I   Veraula«suiig  der  •.laulx.-,    da««  die  ve^-hledeOCM 


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190  Gicht.  Gicht. 


Gichtformeii  IZuckuiigen)  von  verschiedenen  bdWB, 
plagenden  Geistern  herrühren,  «Ii«*  durch  VerzauKrung 
dieselben  vcranli»<-4  n  un>l  durch  lte«i>rcchung  gebannt 
werden  sollen  (Zeitschr.  «1  V.  f.  V.  K.  189.'»,  S.  5  u.  31  ; 
V.  Scheffel  «  Ekkehnrl  Anm.  214);  1732  dachte  man 
bereits  au  eine  den  Nerven  scha.tliche  Saure  (g.  d), 
die  dleiilehl  generieren  k..nne;  1744  unterschied  man 
auch  bereit»  da*  „Verflicht"  (Kpllepsia ,  Apoplexia. 
Tetanus)  von  den  „Gichtern"  (■=  Cunvulsiones);  („hei 
den  Gichtern  alterniert  der  Krampt  mit  der  Relaxation" 
Zw.  713,  "14,  717;  1744  üichter  —  passiones  hysteriene, 
Zw.  252;  1756  Gichter  =  Anfalle,  von  Konvulsionen. 
A.  V.  H.  1.  474.  Hüft.,  wo  10  ärztlich  verschiedene 
Formen  „Gicht"  aufgeführt  werdeu;  <iichter  =  Klnder- 
dcllrlen,  liuek  14;  Gichtern  =  asthmatische  Paroxys- 
uien,  Krumpfe.   Verfllchts-Zuekuugeu  bei  Kindern, 
Kopp  III,  234,  C  v.  Schm.  229;  Itavaria  II,  2.  »»5; 
IV.  2.  »46;  Pauli  62).  —  (15»8)  Gichtlein  =  eine  Art 
von  Peraonifikation  tler  Krankheit,  wie  durch 
einen  quälenden,  kleinen  Krankhcitsschelm 
veranlagst  (confer.  St.   Andreaskrankheit)  ^ 
Kindergichler  (Gr.  W.  V,  2029;  vergl.  Fralsehleln, 
und  werte  Gicht).  —  Demnach  ist  Gicht.  1.  = 
zuckende,  zitternde,  krampfhafte  Bewegung 
Oberhaupt:  a)  Epilepsio,  b)  Eclampsia,  c)  Te- 
tanus, d)  Convulsioncs       Frais,  Fraisan«), 
Morbus  comitialis.   —   2.  =  Ifthmungsartige 
Schwache  (Lähm,  8.  d.)   mit  krampfhaften 
Zuckungen  alternierend;  dieses  Schmerzsymp- 
tom hat  der  eigentlichen  „Gicht"  (  =  Podagra, 
Urarthritis,  s.  d.)  den  Namen  verschafft;  der 
kleine  oder  halbe  Schlag  (s.  d.),  Paralysis  hiess 
auch  Gicht.  —  3.  =  Kiatuplschmer'zen ,  na- 
mentlich im  Leihe  (illosu«,  D.  285i,  Hals,  Gliedern, 
wohin  sich  die  Gicht  „schlagt"  (Havaria  IV,  1. 
219).  —  4.  =  die  Glieder-Gicht ,  das  Gliotlei- 
reissen  -  Urarthritis  (t»outtc,  Gutta  aithetica, 
Tropf,  s.  d.;  Podagra)  und  Arthritis  rheuma- 
tica  (Arthetica  der  mittelalt.  Schriftsteller;, 
Morbus  articularis.  —  6.  =  die  Gichter  (s.  o.) 

—  Krämpfe,  Kindhweh.  —  6.  —■  Vergichf,  Pest- 
anfall.  I>io  vcrschieilcnen  GichlkrAuter  (ahd.  geht-, 
gihtwurz  -■  Ajuga  chamaepitys,  Jessen  14;  12.  Jahrh. 
herhoglcht  [1'brsica  St.  Hildegard],  mnd.  gitword, 
Jessen  1.  eod  ,  Paconla  etc.  sollten  gegen  «Ii«--««-  Krank- 
heit  helfen  wie  auch  der  ..Blutsauger"  (s.  d.)  genannte 
Papaver  Rhoeas.  —  gichterisch,  (1521)  (gichtig) 

—  von  der  (iicht  (1 — 5)  ergriffen,  zucken«! ;  (l*9o: 
gichtisch  m  durch  die  Gicht  he«lingt  oder  ver- 
ursacht (Richter  Iii,  si).  —  Gichtung  =  Gisehung, 
Kisterung  (I).  536).  —  ;u72)  Adrrn-Qicht  =  (der 
«dem  geglht.i  -  Arthetica  passio),<ielenkrheuma. 

—  Arnien-Qlcht  ~-  Arthritis  nodosa,  deformans, 
eine  meist  hei  armen  Leuten,  die  vi**l  mit  ihren 
Händen  im  kalten  Wasser  zu  thun  hatten,  sich 
entwickelnde  chronische  Gclenk-Knlzflndunj.', 
im  Gegensatze  zur  „reichen  Leute-Gicht" 
(l'rarthritis).  —  (Isis)  ,1h</«ti- Gicht  -  Kopf- 
gichtern  fs.  d.)  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1S95,  8.  SM).  — 
autmerliche  Gicht  =  Gliedergieht  (t.  d.),  an  den 
äusseren  Teilen  schmerzen«!.  —  äussrrlichr 
Gichter  =  äiisserlich  sichtbare  Konvulsionen 
(Pauli  52).  —  ZtonrA-Gicht  ■  Dtwm-Gicht  (s.  d.i. 

—  Brhrr-Qicht  und,  baewern  Jicht)  m  das  Zittern 
(üehen)  «ler  (alten  Leute  s.  «Ins  hebende  Aller) 
«.oldsehni  ipy  —  (1072)  /Vrai-Gicht  Iis:  der  pait< 


flicht)  -  Podagra  [<",  v  Megbg.)  =  ;i59J)  Ischias, 
«Joxalgia  (H.  s.).  —  (181»)  Bodenkrampf-  Gicht 
1.  =  Epilepsia,  die  zu  Roden  wirft  (Z.  d.  V.  f. 
v.  K.  1S95,  s.  296).  —  2.  =  Podagram  (s.  d.).  — 

—  böse  Gicht  r  ■  gefährliche  Eclampsia  (Zw. 
LX1V).  —  (1818  Brust- Gichter  -  Eclampsia 
febr.  bei  Rrustkrankheiten  der  Kinder  (Pneu- 
monia)  (Z  d.  V.  f.  V.-K.  is»,  s.  296).  —  Darm- 
Gicht  (  Wrgicht)  (13.  Jnhrh.  darmgicht,  lienteriu, 
l>.  329;  1482  darmglchte,  Zeuing.  Voc.  tu  7  e4  —  eolica 
iliaca  [Ileus;.  Iiarmsiechlag ;  1518  der  kleine[n]  daenii 
gegicht  -  Ileus,  H.  v.  Gersd.  »9;  1530  darmgicht  = 
Ileus.  I).  2S5;  1532  darmgegyeht ,  a)  ■  (  idlcn  passlo, 
„ein  grosser  Schmerz  tu  dem  Darm  Colon  genannt", 
Fries  113;  b)  —  Iliaca  [passlo],  ,,eln  Schmerz  «ler  kleinen 
Darme  ober  dem  Nabel  unter  den  Rippen",  Fries  114; 

'  UM  Darmgicht  [bei  Pferden],  ein  schmerz  des  Unter- 
hauches,  so  in  «lern  Dnrm  ileon  genannt  entspringt, 
Gr.  W.  II,  781;  1.;1S  Darmgicht  ^  verminatlo,  tormina. 
Ileui,  Schmeller  I.  »70;  1743  Darm-GIcbl  -  miserere. 
bibl.  Med.  584;  176C  «Ins  Darmgicht  =  ileus.  miserere. 
volvulus,  tormeutum,  A.  v.  II.  1, 399;  II,  S30,  Darmgicht  Bs 
miserere,  Ackerm. 200,  dau.gigt  i  langtarmen,  Pierer"). 

—  Darmgicht,  f.,  n.  ist  demnach  1.  =  Kolik  (s.  d. , 
auch  bei  Ruhr,  Würmern,  DarmgeschwOren, 
HauehfellentzOndung  bei  Mensch  u.  Tier)  (Mayer 
148;  Pauli  62;  Laimneri  254;  R.  A.  374;  Falke  I,  204); 

vergl.  Futterkolik).  —  2.  =  Ileus,  Volvulus  Mi- 
serere, kotiges  Erbrechen  mit  Kolik  (Maschenb. 411 ; 
Hoffm.  Ar/..  90,  J.  P.  Frank  VI,  363).  —  3-  =  (1592. 
Seb.  107;  Nachwehen  im  Leibe  nach  der  Ent- 
hindung. —  Blei -Darmgicht  =  die  Bleikolik 
der  Bleiarbeiter  (s.  Kolik)  (Gr.  W.  II,  99)  (s.  Ver- 
gifl).  —  (1668)  grosse  Darmgichter  =  schwere 
Anfälle  von  Darmgicht  (Heyn.  215).  —  fahrende 
Gicht  =  Arthritis  vaga  (Zw.  723;.  auch  Polyar- 
thritis iheum.  =  Gleichsucht,  die  von  einem 
Glied  ins  andere  zieht,  das  fahrende  Tier 
(Gr.  D.  M.  II.  1108).  ■  ■  (1818)  fallende  »)  Gicht 
=  (Gicht  la)  Epilepsiu  (Pauli  54;  Z.  d.  V.  f. 
V.-K.  1895,  S.  296).  —  fliegende  Gicht  ( lYrgicht) 
15.  Jahrb.  das  umgehende  Verglcht  oder  das  fliegend 
Vergicht,  Schmeller  I,  870,  ,,«lle  herumziehende  vage 
<i lebt  wnrde  Im  17.  Jabrhun«lert  in  Norddcutschland 
das  lautende  Tier  genannt",  <.r.  D.  M.  II,  110S;  17S« 
die  fliege n.le  Gicht,  weil  es  nach  Art  eines  Flusses 
oder  Rheumatismu«  Immer  von  einem  Glied  und 
Gelenk  zu  dem  andern  zieht  und  iilemaU  lange  In 
einem  «uiet,  A.  v.  II.  I,  143)  =  polyarticulftrer 
Klit  utiiatiMiitis.  —  Fma- Gicht,  f  ,  n.  -  Wrgicht 

(15.  Jahrb.  tnssverglcht  podagra,  D.  443,  1483  die 
fuez  giht  -  podagra,  <  v.  M.gbg.)  -  Zipperlein, 
Poila^ra  et«1.,  Kusssucht,  <lic  sich  an  «l»«r  grossen 
Zehe  festsetzt  l'ir.  \V.  IV,  L  108S;  De  (  <«k  312). 
[  —  Gallen  -  Gicht  —  der  Gulltluss,  «ler  in  die 
|  (ilitnler  Bich  ergiesst,  sollte  d;e  (ileichsucht 
(Rheumatismus  art.  acut.)  veranlassen  (siehe 
FJtIM  6;  Gallvergichl).  —  Giburts- Gichter 
die  bei  der  Gehurt  auftretenden  Zuckungen, 
Eclampsia  parturient.  Pauli  2;.  —  Gtgicht,  n  ,  f. 

(Gejechl)  (1313  das  gegibt,  Schmeller  I,  870;  1482 
gegichtiger  paralyticus,  Zeniug.  Voc.  k5;  IM  ge 
gicht  ennvulsin  letanica,  tri»tnus  [Hrunf.,  «ilcht  lc] 
gegicht  =  clinicum  [paralysi«] ,  D.  127,  das  Gejicht  b 
i.iled.  rkratikheit,  Schmeller  I,  870)  ■  das  Kollektiv 
[  der  Gichtern  (Itavaria  IV,  l.  221)  und  Gichtanfttlle, 


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Gicht. 


(licht. 


191 


das  Hände  mal  Ffisse  „bricht"  (ir.  1».  M.  II, 
IMS.  Seh.  Schindler  I,  $70),  d.  h.  paralytisch 
=  gichtbrüchig  macht.  —  Abend  -  GVgicht, 
das  abendlich  sich  immer  einstellt  (Gr.  1».  M. 
Ii,  in»)  (Nachtgicht).  —  anhaltendes  Grgicht 
(Gr.  D.  M.  L  0.)  =  Arthritis  chronica.  —  Bein- 
Gfgicht  <H.  s.)  =  Beingicht  (s.  a).  —  Glieder- 
<><  gicht  =  Polyarthritis.  —  laufende  Grgicht 
i«ir.  1).  M.  II.  lii»0)  s.  laufende  Gicht.  —  wertes 
Gefleht  (Gr.  D.  M.  L  eod.)  in  einem  Segen- 
apruche  wie  eine  hohe  Person  kosend  an- 
gesprochen.  —  gitterndes  fr<gicht  (<.r.  D.  M. 

I.  eod.)  =  Zipperlein  od.  Convulsiones.  —  (lsisj 
gelbe  (gelänget)  Gicht  -  vermutlich  Gelbsucht 
mit  Gicht  »Z.  d.  V.  L  V.-K.  1895,  S.  296).  —  (UM) 
Bali  Gichter  =  Angina  convulsiva = der  wahre 
Croup,  „eine  Bräune,  wo  keine  Geschwulst 
oder  Entzündung  wahrzunehmen  ist,  sondern 
der  Hals  (krampfhaft)  zusammengeschnürt  ist; 
dabei  zieht  es  den  Kranken  den  Hals  in  der 
Tiefe  zusammen,  dass  es  ihnen  ist,  als  ob  sie 
ersticken  wollten ,  die  Ursache  liegt  in  den 
Nerven"  (a.  v.  h.  i,  8«.  476)  (=  Pseudocroup). 
I>ie  Erklärung,  welche  Grimm  (W.  IV,  2.  263)  liefert. 
Ut  nicht  zutreffend.  —  (H83)  Hund  dicht  (der 
hendgiht,  r.  v.  Megbg.  =  olnu  =  Chiragra,  Tophi 
an  der  Hand  (Fingern;  Fingersucht).  —  Haut- 
Gicht  =  Tophi  in  der  Gesicht shant  (Eichhorn 

II,  870).  —  heilige  Gicht  (de  bilige  »rieht,  Z.  d.  V. 
f-  V.  K.  1896,  s,  21«)  =  gefürchtete  Gicht  (Vergicht?); 
nie  plagt  den  Menschen  und  wird  dem  Birnbäume, 
wo  der  Glchldamon  »einen  Sit»  hat,  geklagt,  well  du 
monistisch  vom  Volke  aufgefasst.  —  (16.  Jahrb.)  das 

keine  Gicht  (hitzige  Gicht)  ■  Arihriiis  acuta 
ifk-hmeller  I,  870),  die  Kranken  beklagen  sich 
dabei  über  Hitzgeftthle.  —  floWrn-Gicht  = 
die  gichtische  Erkrankung  an  den  Diaphysen- 
fortsfilzen  der  Knochen  des  Höhlenbaren  im 
Gegensätze  zur  Arthritis  deforraans  an  den  Ge- 
lenkteilen (Epiphysen)  des  Menschen  (Virchow; 
Z.  E.  v.  1895.  706).  —  2Ta/Y«t-Gicht  =  die  Gicht 
an  der  Höfte  (Coxalgia)  (Heyne  III,  lisi).  — 
innerliche  Gicht  (Gichter)  =  die  bauch-  oder 
Darmgicht  oder  -Gichter  im  Gegensatze  zur 
ausserlichen  Gliedergicht  (Pauli  :>2).  —  (1678) 
Jugend- GVgicht  =  Kindergicht  (<;r.  \v.  v,  753). 

—  kalte  Gicht  (da«  ehalt  »rieht,  Schweiler  I,  870, 
wobei  die  Kranken  immer  mehr  Krönt  leiden)  =  Ar- 
thritis frigida  (*.  Kallvergichi)  (A.  v.  H.  I,  142) 
(Rheumatismus  art.  acut.).  —  Kinlei  Gicht  er 

-  Eclampsia  s.Convulsionesinfanlium  (Fraisen) 
(Ur.  w.  V.  7M).  —  Arne- Gicht  -  Gonagra,  Lo- 
kal tsation  der  Urarthritis  auf  das  Knie  (Gr.  W. 
V,  1428).  —  (1756)  knopßchte  Gicht  ■  Arthritis 
nodosa,  la  gouile  nouce,  durch  Gichtknöpfe 
(Tophi)  verkrümmte  Glieder  (A.  v.  H.  1,  142). 

—  Knorpel-Gicht  =  Gichtknoten  (Tophi)  im 
Ohrknorpel  (Eicbhorst  II,  869).  —  Knorren- 
(Knurre)- Gicht  -  Knoten-Gicht  (s.  Knorren) 
(ahd.  knure,  l'r<iuell  VI.  1831.  —  Änofm-Gicht  — 
knoptichte  Gicht  (Kraus,  E.  6*5).  —  (1818)  Kopf- 
Gicht  =  Rheumatismus  der  Kopfmuskeln  und 
Kopfknochenschmerzen  aus  (vermeintlicher; 
gichtischer  Ursache  (Cephalagra,  Parulis, 
Exostosen,  .Syphilis  etc.  (Meyer  Konvo.-I..  XIV, 
70*;  Kopp  iv.  4:u>\.  —  Kopf- Gichtern,  1.  wenn 


die  Konvulsionen  der  Kinder  (Fraisen,  krampf- 
hafte Zuckungen)  sich  mehr  auf  den  Kopf 
(d.  h.  Gesicht)  beschranken,  z.  B.  Verdrehung 
der  Augen  (Augengicht)  (A.  v.  IL  I,  475;  Pauli  52). 

—  2.  =  durch  Gehirnan&mie  (Eclampsia  puerp.) 
veranlasste  epileptiforme  Krämpfe  bei  Kühen 
(Krank  442)  (Kai beHeber).  —  kreischende  Gichter 
=  Konvulsionen  mit  Kreischlauten  der  Kinder 
(FWÜl  02).  —  das  liihmtige  Gicht  (nnd.  lamme 
jiebt)  =  Gichtschmerz  mit  Lfthmungs- Erschei- 
nungen (Goldschin.  118;  Schindler  I,  870).  —  (1645) 
laufende  Gicht  (nnd.  lopen  jlcht),  1.  =  (liegende 
Gicht,  Polyarthritis  rheumatica,  Arthritis  vaga, 
die  aus  einem  Gelenk  ins  andere  ziehende 
Gliederkrankheit  „ein  Gesnecht  in  allen  Glie- 
dern" (Coler,  H.  A.  236;  blbl.  Medik.  486,  Goldschm. 
118;  Stieler;  A.  v.  II.  I,  143;  Krause,  der  medU.  Land- 
plarrer,  S.  107)  (vergl.  Tier).  —  2.  =  Pes  varus 
(A.  v.  H.  I,  1315),  weil  bei  der  Gicht  (4),  deren 
Schmerzen  oft  ihren  Ort  wechseln,  der  zumeist 
ergriffene  Fusa  iu  Varus-Stellung  gehalten 
wird  beim  Gehen.  —  das  lebendige  Gicht,  das 
Bewegung  zeigt  =  laufende,  akute  Gicht  (Schm. 
I,  870).  —  (1818)  Lenden- Gicht  =  Lendenrheutna, 
Lumbago,  Ichias  (Z.  d.  V.  f.  v.-K.  1895.  8.  296).  — 
J/ajen-Gicht  =  Magenkrampf  {Cardialgia)  bei 
Gicht  (Metasiasis)  (Z.  d.  V.  L  V.-K.  1895,  S.  296). 

—  (1818)  Milt- Gichter  =  von  der  Milz  (s.  d.)  aus- 
gehende Kramptrorm  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895,  8.  296). 

—  Mutter- Gichter  (im  convulsloncs  hysterlcac. 
Th.  8.  Br  260)  -  Dysmenorrhoe,  krampfhafte 
Schmerzen  und  Zuckungen,  die  einem  Gebftr- 
multerleiden  zugeschrieben  wurden  (Z.  d.  V.  f. 

V.-K.  1895,  8.  296;  A.  v.  H.  I,  476.  807);  1744  ,,dem 
Patienten  ist  als  wenn  Ihm  eine  Kugel  im  Leibe  herum- 
liefe, Ja  es  linden  sich  Mannsbilder,  welchen  gleiche 
Zufalle  begegnen,  sodass,  wenn  sie  Weiber  waren,  man 
gleich  die  Gebarmutter  (s.  d.)  als  die  Ursache  dieser 
Empfindungen  anklagen  wurde"  (Zw.  266.  160).  — 
(1818)  Nacht  Gicht  =  bei  Nachtzeit  eintretender 
gicht.  Krampf  (Z.  d.  V.  f.  v.-K.  1895.  8.  296)  (Abend- 
|  gegicht).  —  (1783)  AVrwn  Gicht  -  Kheuma  und 
J  Urarthritis,  die  sich  sowohl  im  Zenlral-Nerven- 
1  syatem  als  besonders  in  den  peripheren  Nerven 
.„Gichtnerve"  z.  B.  Nervus  ischiadicus)  lokali- 
siert. —  99  Gichten  =  die  Summe  aller  Ver- 
gichtanfalle,  die  als  Krankheitwesen  gedacht, 
in  den  Wald,  woher  sie  als  Krankheitdamoneti 
gekommen,  zurückgebannt  werden  (Zettachr.  d. 
v.  f.  v.-K.  1895,  8.  33;  Krlschb.  63)  (s.  90).  —  A'ieren- 
Gicht-die  I  kakinatinn  der  Gicht  Urarthritis^i 
in  die  Nieren  (Nierensteine).  —  ^m^eZ-Gicht 
=  die  Gicht,  wobei  der  Kranke  weinerlich  klagt, 
„pimpelt",  wie  eine  Glocke  bimmelt  (Gr.  w  VII. 
1H5S),  —  iVo*Yf>»i- Gicht  -  Arthritis  deforraan«, 
die  Gicht  der  armen  lernte  (s.  Armengicht V 

—  (1587)  reistendeiy  Gicht  ■  die  zumeist  an 
einer  .Stelle  zerrenden,  ziehenden  Schmer- 
zen: a)  bei  der  (iIieder-Gicht,  die  da  und  dort 
durch  ltann«pn>che  gehellt  werden  sollen  (Z.  d.  V.  f. 
V.-K.  If*«j5,  33  .  296;  Coler,  H.  A.  236;  Urquell  VI,  IBS; 
Wallt».  400;  blbl.  Med.;  Mascheub.  39);  b)  In  i  der 
Svphilis  der  Knochen  und  Gelenke  (Pr.  II,  3*7'. 

—  ÄtirArn- Gicht  =  Kheuma  in  den  Kncken- 
muskeln  (Mark-Geschoss).  —  Scldrmmer-Qicht 

|   =  Reiche- Leute-Gicht,  im  Gegensatze  zur  Pro- 


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192  Gicht. 


Gickel-  Gien 


leten-Gicht;  les  extremes  ae  touchent  (Eick- 
horst, Ii  s«i).  —  schreiende  Gicht  —  schreiende 
Frais  (s.  d.)  (z.  <l-  v.  I.  V.-K.  1S96).  —  schtcarziges 
Gicht  =  eine  Gliedererkrankung  mit  schwarzen 
Brandstellen  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895,  8.29«).  —  schwel- 
lendes oder  Schwulst  Gicht  (und.  «wellen  Jicht) 

-  eine  wanerige  Anschwellung  der  Glieder 
an  den  Gelenken  ohne  Hautröte  mit  u.  ohne 
Schmers  (Goldschm.  119;  Z.  d.  V.  f.  V.-K  189»'.,  S.  2«'.). 

—  ftsis)  schwimmende  Gichter  (Z.  d.  v.  f.  V.-K. 
1895,  s.  290)  =  falsch  verslanden  för  schwindende 
Gicht  od.  Gicht  mit  Schwindel.  —  77  Gichter 
=  die  ungemein  zahlreichen  Krampfanlälle 
(Sehlis«),  die  In  Segewrtormcln  besprochen,  angeredet 
and  In  den  Wald  geliannt  werden  (s.  Siehen)  (Wnttkc, 
d.  Volks-Abergl.  169.  247.  :I09.  316;  Z.  d.  V.  f.  V.-K. 
im96,  s.  s).  —  springende  Gicht  =  Arthritis  vaga 
(«ir.  i).  M.  U,  uro).  —  stille  oiler  stumme  Gicht 

-die  latente  Gicbt  ohne  akute  Exacerbationen. 
--  stille  Gichter  =  stille  Frais  (s.  d.)  im  Gegen- 
sätze zur  schreienden  Gicht  (i'auU  52).  —  (Isis) 
tobende  Gichter  -  wilde  Frais  (s.  d.)- Anfalle 
rz.  d.  V.  f.  v.-K.  Mi,  s.  296J.  —  das  tote  Gicht  - 
Gegensatz  zur  akuten,  lebendigen,  laufen- 
den Gicht,  die  stille,  latente  oder  chron.  tiieht 
(Schm.  I,  870)  —  Tripper-Gicht  -  die  Arthritis 
gonorrhoica,  durch  den  Tripper  bedingt  (1477 
,, Gicht,  da»  von  l'nkeuach  kommt",  Ortolpb).  — 
umgehende^*)  Gicht,  VVrgicht,  1.  =  (15.  Jahrh  ) 
Arthritis  vaga,  die  ihren  Sitz  ändert.  —  2.  — 
Rheumatismus  art.  acut  epidemicus  (wie  ein  1 
umgehender  Krankheitsdftmon).  —  3.  =  epide- 
misches Vergichl  ( =  Festilen  •  —  Vrrgicht,  n.  f. 
(ahd.  flrgihta  vcl  virgihlcgote  =  pamlylicun,  Schindler 
I,  870;  12.  Jahrh.  dl  vcrglhtcn  =  paralytici,  Hoflm.  I, 
101;  1260  vergibt,  vergiebten  —  Krampf,  Gicht  be- 
bt »iiimen,  Pfeiffer  87.  21;  nihil,  verglht.  II.  Z.  VI,  493. 
vom  uberezzen  kiimt  verglht  --  podagra;  1445  verglcht 
Podagra,  Schindler  I,  870;  VA»  Verglcht  -  Fraisen, 
cdnmp'la ,  Inch.  Mir.;  l.'.7i!  Vendcht  —  da»  Zittern  an 
allen  Gliedern,  das  Maul-  und  Augen-Verkehren  ~- 
convuUlonea,  eclampsia,  KraUen.Thcophr.  Bod.,  „wenn 
die  Glieder  alle  zuxauimen  Im  GeAder  mit  Zittern  »Ich  ! 
krummen"  [I.  cod.];  l»7s  verglcht  —  ccUmpzta  Infan- 
tlum,  Kinderweb.  Gr.  W.  V,  763;  Ucyuon  47)  (s.  Vergifl) 

■  das  vollständig  die  Glieder  lahmende,  ge- 
brauchsun fähig  machende  Keissen  und  Zucken 
des  Körpers  oder  der  Glieder  mit  Krämpfen, 
bei  (iicht  und  Vergiftung,  jähem  Tode,  Fest  etc. 
~~  Fricht  -  Ver-icht,  -gicht.  —  Darm- Verglcht 
s.  Daun-Gicht.  —  dienend  Verglcht  s.  (liegende 
GichL  —  Kalt-\  ergicht,  n.  -  Rheumatismus 
art.  acut.,  auch  Ischias  rheumut.,  von  Kulte 
(s.  d.)  kommend  (<ir.  W.  V,  94:  Schm.  I,  s70;  Chr. 
sam.  II,  37.1).  —  wilde  Verglcht  ^  u  tuende  Gicht 
(i  hr.  Sam.  II,  378).  —  vorbeigehend?  Gicht  =  Kpi- 
lepain  s.  Felampsia  symptomat.  infantium,  die 
keine  bleibenden  Krampfschmerzen  od.  Krank- 
heiten macht  (a.  v.  H.  I,  <m).  —  1  Va ngen- Gicht  - 
Kheumatismus  der  Wange,  Farulis,  Neuralgia 
rheum.  intraorbitalis.  —  Wan<7f  n-Gicht  *r — 
Gesichtamuskelznckungcn  (Pauli  n).  —  icarmes 
Gicht^im  Gegensatz  z.  Kaltvergicht,  V.Wirme 
kommend,  heisse  Gicht.  —  (ws)  Weh(en)- 
Gichter  -  Geborts-(iichter  (s.  d.)  (Pauli  02;  | 
Z  d.  V  I  V.-K  l*9j,  S  Sp*/.  —  (Isis)  wütende  Gicht 


ss  Gicht,  die  in  den  Knochen  oder  Gliedern 
wie  ein  Tier  wfltct,  tobt  (Wodan  hat  damit  keine 
Beziehung,  wie  bei  Ur,  1>.  M.  II,  1108  und  Simrock, 
II.  D.  M.  vt.'p  angenommen  zu  werden  scheint;  vergl. 

Tier;  Z.  d.  V.  I.  V  K.  189..  8.  2961.  —  jj^e-  öicllt 
=  Farniis,  Neuralgia  infraorbitalis,  als  rheu- 
matischer oder  Gichtfhiss,  elbischer  Zahn- 
schuss  angenommen  und  durch  Besprechung  be- 
handelt (Frlachh.  99).  —  (1818)  Zalm  -  Gichter  = 
Convulsiones  ex  dentitione,  Zahnfrais  (I'auli  SB). 
|  —  (1761)  Zungen -Gicht  -  Glossagra  (L.  ch.  37) 
I  Nenralgia  lingualis,  reissende  Zungensch  mer- 
zen. —  Zwerchfell- Gicht  =  Angina  pectoris, 
Gicht-Asthma  s.  Heresperre  b.  —  zwickende 
Gicht  =  reissende,  zerrende  Gicht  (z.  d.  v.  f. 
v.-K.  is9.,).  —  Gicht-,  gichtische  (Kcrgicht-, 
gichtcTMicA)  -Ader,  -Anfall,  -Asthma,  -ästig, 
■bruchig,  -Bülten,  Engbrüstigkeit,  -Erschüt- 
terung, -Feuer,  -Fieber,  -Fluss,  -Orimmen, 
-Hund,  Husten,  -Keuchen,  -Kolik,  -Krampf, 
-krank,  -Krankheiten,  -Materie,  -Migräne, 
-Xerren,  -Kheumatismus,  -Schmerzen,  -Stoff, 
-Sucht i  Tripper, -übel,  -Umstände,  -  Verzückung. 

Gickel  s.  Gigel. 

gicken  (gickezen,  gigzen,  gitzgen)  (ahd. 

gigazeu  =  balbutlre,  lrglecazan  --  inulire;  V».  Jahrh. 
gitzgen,  giebzeu,  gtxen,  gi'cben,  I).  68«  ss  «ingultire. 
rümpfen;  15ir>  gikauote  red  =  balbutle»,  I).  tH>;  1617 
gigezon  —  stottern,  Hammeln,  Schindler  I,  884,  9<>8), 
eine  den  getiehenden  Singultua-Ton  ,,gick"  nach- 
ahmende Wortbildung  für:  1.  =  Singultus,  der  den 
abgestossenen  Laut  gich,  kik  verursacht.  — 
2.  -  die  Sprachstörungen  des  Stotterns  und 
Stammeins,  anlehnend  an  gilgezen  (s.  d.), 
wobei  nur  unbedeutende  Stosslaute  gehört 
werden  (.vergl.  kicken  und  kikesen).  —  gigkeln 
--  gägeln,  gagein  s.  Gigel. 

Giebel  (Gebel)  (Indogerm.  ghehbala  ','  — 

-  Ki>)if;  l'rbedeutung  ist  -  Kopf,  und  er»t  deuen  Be- 
griff wurde  auf  das  Iiarh  übortiagen.  Kluge*.  139; 
ahd.  gcbal  Kopf,  glbll  —  Vorderseite,  Hirnselte,  gi- 
Mlla,  (iraff  IV,  128)  =  Schädel  (s.  d  ),  Kotunditaa 
capitis.  —  Haupt- Giebel  (ahd.  houblt-gibllla  = 
calvarta,  Gniff  IV,  129).  —  kahler  Giebel  (ahd.  chala 
gibllln  ss  enlvaria  {Graft  1  eod.)  =  kallischttdel.  — 
Gebel    Schädel  (schm.  i.  sei).  —  Giebel-SrAcin. 

Giegel,  pi.  s.  Gigel  u.  Jucken. 

Giel,  1=8.  Gill.  —  2.=S.  gelb  (gielzech  =Jau 
nlme,  Gelbsucht,  s.  gelbe  Seuche.  Bett.  190). 

Gien,  gienen,  ginnen,  Giener  (Ginner)  (indog. 

ghl;  altgerm.  gl  =  klaffen,  Kluge*.  139;  altnord. 
gln  es  Tlerraohen,  Kluge  !',  121 ;  ahd.  glnön  =  gähnen  j 
mhd.  glnen,  (.rafflV,  106;  ».  gähnen,  1260  geinen 
=  ginen)  -  gähnen,  den  Hachen  aufsperren 
(Pfeiffer  63).  —  aiisginnen  =  durch  Gähnen  die 
Kiefer  ausrecken  (Schindler  I,  919).  —  cv-gienen 

-  das  Maul,  den  Kuchen  aufsperren  (wie  zum 
Gähnen)  (Schnuller  1.  c).  —  iVbrrgienen  (mhd  . 
U-xer  279)  =  das  Maul  überweit  aufsperren, 
beim  Gähnen  das  Unterkiefer  verrenken.  — 
wet'f«  Giener  =  Maul,  das  weit  gähnt  (US3  weite 
giner,  C  v.  Megbg.       weite-.  Mault.  —  Glen-AocA, 

Mo  ul 


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Gier  —  Gift 


Gift. 


IM 


Gier,  f  lindog  gher;  gern»,  ger  heftig  verlangen; 
alid.  giri,  girlda;  mhd.  glr.  girdc,  Kluge  *,  135,  139)  - 
Begierde  (1532  »taettc  Ugird  zu  harnen,  Fries  119) 

-  heftigen  Verlangen  (zum  Harnen  =  Diabetes, 
DyHnriaV  —  /•'<.-.  Gier  —  unniäasiger  Appetit. 

—  .fcmr-Gier-  l'yromania,  eine  angenommene 
Geisteskrankheit  mit  Brandstiftungtrieb  und 
Lust,  Feuer  zu  sehen  (AUff.  Med  .(cntralz.  IV*, 
B,  SM).  —  Oier-^Vrm,  •//«/»,  -Hachen,  -Schlund. 

gieren  s.  garen. 

Glesch,  f.  =  Gosche,  Maul  (Schweix;  Sehm.  1,9  .2). 

giessen  (vorgerm.  ghud  [i  »pferguss "  (undo  ;  goth. 
giutan  =  giessen ,  altnord.  gj«>ta  [  =  Junge  werfen] .  ahd. 
giozan,  ausgiessen,  strömen,  vergiessen ,  mhd.  Kiezen 
=  giessen,  Kluge 4, 13V ;  austilessen machen, *.  schulten). 

—  giessig.giesset  -  wie  im  Gusse  (Messend  (Schui. 
1,  »jlj.  —  /\>giess'<nv  ■  Kluss,  Abgang.  —  (1483) 
die  Geburt  crgeUBScn  (C.  v.  Meghg)  =  Junges 
werfen  (vergl.o.)-  —  (1782)  Milch-.ErgieBSung 
der  früher  angenommene  Erguss  von  .Milch  in 
derWeiberbrust.diezu  Kopf  steigt,  „als  milchige 
Feuchte  Bich  in  den  Kopf  sieht"  IM.  11.  Z.  I,  531) 
und  Gehirnerscheinungen  (Mania  puerperal»*; 
veranlassen  sollte.  —  unfreiwillige  Samen-Er- 
giessun^  m  Pollutio.  —  Glufen  giessen  -  .Spei- 
cheirlusa, Ptyalismus,  bei  dem  der  Erguss  des 
sahen  Speichels,  wie  beim  Giessen  der  Steck- 
nadeln dAnn  und  lang  erfolgt  (Burk  l.t,  (Spinn- 
husten). —  (1340)  Innern  giessen  meinen  gewal- 
tigen, gelbgalligenErgussaus  dem  Magen  tiiessen 
lassen,  erbrechen  (SchmeUer  I,  imsi.  —  Giess- 
Ader,  -Fieber;  (vergl.  Guss). 

Gift,  n.,  m.,  f.  (virus  [*.  verwesen];  lai  poiio; 
franz  poison  [=  potio],  zu  get>en  [n.  d.];  goth  gilt»; 
ahd.  gilt,  f.,  mhd  Gift,  I  ^  Gabe;  <.lft  [virus]  wurde 
mit  ahd.  luppl,  mhd.  Kippe  wiedergegeben;  Gift  = 
Handlung  de*  lieben*  und  Gegebene*  ;  zu  Krankheiten 
bezüglich  ist)  Gift,  1  —der  Ansteckungeatoff  bei 
seucheartigen,  meist  kontagiösen  Krankheiten, 
die  von  ausserhalb  des  Korpers  übertragen, 
oder  durch  das  „Geben"  (-  Gift,  s  Erbe) 
vermittelt  werden;  (vergl.  chancre  donne  ou  non 
donne  in  (ranz.  Segensformeln,  Briss  183;  sowie  An- 
steckung und  erben)  (Endemien  und  Epidemien); 
namentlich  war  Gift -der  Friesel,  Pocken,  Pest, 
Syphilis  (Pauli  KS).  —  2  =  die  unbrauchbaren 
Ausscheiduogsstotfe  des  Körpers  (Paracelsus, 
Baas  207),  Geschwürs-  u.  Wundsekrete  ,'Tiipper- 
Xift),  Hautausschläge  (Frantosengifr),  Menses 
(Schwaben  ,  (deren  ,, Giftigkeit"  erst  von  Joubert  [152B 
W»  I583]gelaugnet  wurde,  Haas  197 1,  Speichel.Seh  leim, 
Galle,  tierisches  Gift,  z.  B.Spinnen-,  Schlangen-, 
Milzbrand-,  Rott-Gift,  selbst  Katzenhaarc  nach 
dem  Volksglauben,  insofetne  sie  bei  anderen 
Leuten  Infektionen  verursachen  können.  — 
(1045)  die  Gifft  hat  ihn  schon  begriffen  (s.  be- 
greifen) =  der  Pestgifistoff  ist  schon  mit  ihm  in 
Berührung  gekomi..en  fOoler  P.  297);  das  durch 
schmerzhaften  Bisa  oder  Verwundung  bren- 
nende (heisse  oder  Hitze  machende)  Gift  war 

-  Eiter  (s.  d.  u.  Kröten-Eiter,  Eiternessel);  das 
Gift  „schneidet",  ist  „scharf",  wenn  es  schmerzt 
(s.  d.)  (Tirol;  WoU  137).  —  3  =  Gicht  (s.  u.  Ver- 
gift).  —  giftig,  1.  —  Gift  (Venenum,  Virus)  habend 
oder  onthnlt«»nd,  zur  Blutvergiftung  führend, 


ausleckend,  den  ganzen  Kor) »ei  verderbend 
(ndl.  wnijug  [veiiciius],  Iw  lock  2S2;  Hocscr  II,  203). 

—  2.  =  tornig,  cholerisch  durch  das  Gift  der 
Gallo  (s.  «!.).  —  Giftignng  (I«>1R,  Paracel*.)  =  die 
1  »urcbsel zung  desKörpers  mit  ( i iftigem  (Pr  II,  74) . 

—  Amjtit-Qift  =  Diarrhoe  (s.  d.),  die  bei  der 
Angst  gewisserniassen  als  Giftstoff  den  Körj>er 

1  verlasst  (Gr.  W.  I,  KV1),  wie  der  übelriechende 
Angstschweiss.  —  Auaen-QiSt  -  was  die  Augen 
und  durch  die  Augen  (s  Augenzauber)  auch  den 
Menschen  vergiftet  (Gr.  w,  I,  $06).  Xoch  im  16  bl* 
17.  Jahrhundert  nahm  man  an,  das*  da*  i.ift  durch 
blosse  ZauiH.-rei,  f.  11  der  Juden  (*.  d  ),  in  den  mensch- 
lichen Korper  gebracht  wenlen  könne  (*.  bosc»  Auge, 
bnner  Hlick),  und  nach  Dr.  Minderer  (1620)  konnten 
menstruierende  Weiber,  deren  Venenum  menstruale 
selbst  als  l'rsaclie  der  Syphilis  angenommen  wurde 

|  (1601  -  1.1H'.,  Pr.  11,  37),  zu  Infektionszeiten  schon  durch 
das  blosse  Anschauen  den  Menschen  vergiften  ;  nament- 
lich vor  der  Fastenzeit  (s.  Fitsten),  sollte  sich  das  (Hfl 
al«  Krankheitsstoff  im  menschlichen  und  tierischen 
Korper  iiiilututen  (173'>,  V.  IS.  67;  SchmeUer  1,  S70).  — 
lila  'Zern- Gift  =  Virus  variolarum,  der  ansteck- 
ende Krankheitsstoff  der  Blnttern  (Variola); 
heute  noch  üblicher  Ausdruck.  —  (1551)  Buhl- 
Gift  iiHielgiftt.  Hock  136J,  Buhlschaftsgifl  (Ven- 
erie  '  ,  Hurengift  (Lues).  —  Eiter-  {eitrige»)  Gift 
(mhd.  eitergift  sa  aconitiim,  GUtpflan»,  Kol. 97;  14  Jahrh. 
eitergift,  Voc.  opt.  W.  45)  -  Virus,  tierisches  Gift 
(dorl  unler  den  Keptilien  und  Würmern  abgehandelt, 
«r.  «  in,  392),  eitriges  Gift  (1708)  ist  -  Virus  puru- 
lentum.  „Kiter"-Gift  ist  eigentlich  ein  bren- 
nendes, „beisses"  (eit)  Gift  (h.  Eiter  u.  Lüppe). 

—  fahrendes  Gift  —  fahrender  Wurm  (s.  d.  und 
fahrendesTier).  —  Fun/cn- Gift  =  das  als  Liebes» 
gift  (s.  Kosswut'2)  benützte,  manchmal  giftgrün 
aussehende  Fohlenbrod,  Zeltlein,  Laetizel, 
Pferdegift (s.  diese),  Hippomanes (Frank  7:.;  Falke 
I,  »is).  —  (ivj9jFr<in«w«i-Gift  =  der  ansteckende 
Krankheitsstoif  bei  der  Syphilis,  ähnlich  dem 
Biattern-Gift  fParaeels.}.  —  (16.  Jahrh.)  Fraum- 
GÜt  (Lonicenis)  ^  das  böse  faule)  Blut  der 
Krauen  sollte  nicht  nur  die  Kranzosen  (syphi- 
litische Blutvergiftung)  erzeugen,  sondern  sogar 
als  übernatürliches  (weil  vom  Monde  ^s.  d.]  be- 
einflusstes)  Blutgift  liebestoll  machen,  selbst 
föten.  —  (175t)  FnV*W-Oift-  Miasma,  Contagium 
beiderKrieselkrankheit. — Fullen-QitX  -  Kohlen- 
gift. —  Gci/m-Gift  =  der  als  Gegenmittel  gegeu 
ein  schon  einverleibtes <»ift  wirkende  Stoff'.  — 
(1779)  Oicht- Gift  ~  der  die  Gicht  erzeugende 
Krankheits^tofl,  der  namentlich  im  Knochen- 

|  mark«  versteckt  und  dort  Gärung  machend 
angenommen  wurde  Hippel  II.  321).  —  Hand- 
Gift  (mhd  haut -gift,  I.exer  91,  1460  hant  gift, 
SchmeUer  II,  10;;7 .  Hallnui-  »Ol.)  -  „ein  stillschwei- 
gend ,  ohne  gefordert  zu  werden,  gegebenes 
(NeujahrB)-Geschenk  (Gift),  das  nach  dem  Volks- 
glauben gewisse  Krankheiten  hervorbringen 
kann"  (da*  Noll  ereifere  an  unhuld,  pilwls  hantglfl, 
[SchmeUer  Lt.]  deutet  auf  ein  verhextes  Geschenk ; 
vgl.  mal  donne  r=  Piugerwiirtu,  Ilriss.  292).  —  '17.  Jahrh.* 
hitzuffs  Gift  =  unter  Hitze  Kiter  erzeugender 
Krankheitsstotr  (Fr.  Kr.  B  *ti!.  —  (1744)  Huren- 
Gift,  venerische«  -  das  durch  die  Huren  im 

!   Kontagium  vermittelte  venerische  Gift  (Lues, 

13 


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1»4  Gift. 

Gouorrhoea)  (Zw.  oh.-.).  —  (1734)  Krmtkheits-Qitt 
=  Miasma,  Virus,  Krankheitastorr  (s.  d.)  nament- 
lich solcher,  der  durch  Ansteckung  von  Mensch 
tu  Mensch,  von  Tier  zu  Tier  in  den  Ländern 
sich  verbreitet  (A.  v.  H.  I,  1010).  —  (1789)  JTrärz- 
Gift  =  der  die  Kratze  (Scabies)  vermittelnde 
Ansteckungsstoff  (s.  Materie)  (Nicolai  II,  526).  — 
Kreba-Qift  =  Gift  vom  Krebsgeschwür  (Cancer). 

—  Kropf- Gift = einer  krankhaften  Feuchtigkeit 
(Miasma?)schriebman  früherdie  Entwicklung 
der  Halskröpfe  (Struma)  zu  (Gr.  w.  v,  2402).  — 
Jfrö/cn-Gift,  8.  Eiter.  —  LcicAcn-Gift  -  Ver- 
wesungs-Gift, das  toxisch  als  ein  alkaloid- 
artiges  Stoffwechsel-Produkt  von  Mikroben  in 
dem  Leichen- Ei  weiss  (Ptomaine)  wirkt  (Ver- 
wegen ahd.  flrwPsan  zur  gem.-indogerm.  Wurzel  wls 
=  verwesen,  au*  welcher  :o~,  virus  [vlsus]  geflossen 
sind;  da«  Kelchen-  oder  Verwesungs-Gift  [Aas]  ist  dem- 
nach begrifflich  einer  der  ältesten  Giftnamen).  — 
Pest-  (Pestilenz  )  [1680]  patilenzischai  Gift,  -  Yer- 
gift  [1500]),  1.  =  Virus  pestiferum,  der  die  Test 
durch  Kontagium  verbreitende  Krankheitsstoll 
(Heyne  III.  1121).  —  2.  =  der  Pest -Eiter  -  Pest- 
gift, von  dem  wohl  zuerst  das  Wort  „Eiter" 
( =  Suppuratio)  entnommen  wurde  (s.  Pest-Eiter) 
(Gr.  w.  VII,  1572. 1574).  —  3.  =  die  Erkrankung  (Ver- 
gicht  —  Vergifi)  an  der  Pest  (Strasburg  1500).  — 
(1777)  Pferde  Gift  ■  HippomaneB,  s.  Fohlengift 
(D.  278).  —  PocAvtt-Gift=  Hlatterngift  (s.o.)  ((ir.  w. 
VII,  1965).  —  Rotz-Qift  =  der  die  Kotzkrankheit 
durch  Contagium  und  Infektion  vermittelnde 
KrankheitsstofT  (Rotz-Bazillen).  —  (l&so)  Schaf- 
Gift,  behaimisches  (höhmische»«)  =  Her  die  In- 
fluenza (1580  =  franz.  tnomone;  ltai.  mal  de  castrone, 
s.  Schafhusten  2b)  veranlassende  Infektionstotf, 
aus  Böhmen  nach  Deutschland  verschleppt 
(U-rsch  261).  —  (1782)  scharbockisches  Gift  =  der 
den  Skorbut  veranlassende  Kranklieitsstolf 
(M  n.  L.  I,  99).  —  (ir«5)  scharfes  Gift,  1.  Vene- 
nutn  acre,  weithin  wirkendes  Krankheits-tüft 
(Gr.  W.  VIII,  21S3).  —  2.  =  der  scharfe  Gift=jeder 
akute,  ansteckende  Haulausschlag  (Pauli  35).  — 
Scharlach- Gift  =  der  die  Scharlaehkrankheit 
hervorrufende  KrankheitsstotT(Gr.  w.  Vlll.  2205). 

—  (1744)  Schnnder-Qift,  venerisches  ~  Lues  der 
Schleimhäute,  deren  schleimiges  Sekret  an- 
steckend ist  (s.  Schnuder  u.  Schnottoif)  (hiq 
snuder  -  niucus  sercatns,  eatarrhus,  Schmeller  II, 
573;  zw.  6.S8) .  —  ScMc/icn-Gift  =  Miasma  (A,  v.  Ii. 
II,  1030),  der  die  Seuchen  erzeugende  infek- 
tiöse Krankheitskeim  —  SfVirff-Gift  =>  der  in 
manchen  Städten  einheimische  Tvphus-Krank- 
heitsstoff.  —  Syphilis  Gift  =  venerisches  Gift 
oder  (1**4)  Lnstgarten'schcr  Syphilis- Bacillus: 
Franzosengift.  —  (17<m)  Tripper  -  Gift  —  die 
durch  Kontaginm  verbreitete,  ansteckende  Go- 
nococcus-Materie  (J.  P.  Krank  I,  65;  Baas  401).  — 
M&fT-giftig  (mild  ,  14.  — 15.  Jahrb.  overglftieh,  .1  f 
nd.  8p. -F.  XV,  115)  =  durch  zu  viel  Gift  des 

Todes  werdend  oder  tötend.  -  j™|  ^ ^ 

Gift  ■»  der  KrankheitsstofT  bei  Syphilis,  Tripper 
und  Schanker,  den  man  ehemals  im  Frauen- 
gift,  in  Würmern  (1725),  sauren  Sälten  etc. 

suchte  (Pr.  II,  290.  337;  bil.l.  Med.  463).  — 


Gift. 

'  Gift,  11.,  f.  (holl.  vergilt ;  schwed  forgift;  mnd.  de 
vorgift  =  da*  Vorgift,  womit  man  vergibt,  Mag.  Harth. 
93a;  14.Jahrh.  die  vergilt  -  Magensaurc.  Eitervergiftung, 
HofYinann  I,  322,  1447  die  Vergilt  s  venenum  im  Gift- 
sack der  Tiere  ;  147«  —  intoxleatio.  Ortolnh  ;  vorglft  — 
infeetus,  I>.  29C>;  1477  Vcrgift  =  „eine  Krankheit,  dureh 

'  welche  die  Säfte  abstehen .  die  Nerven  »ich  einziehen 
[wie  beim  Vergirht ,  s.  d.];  und  allerlei  Lähmungen, 
Niederbeugungen  und  dergleichen  entstehen".  Schm. 
I,  876  ;  1483  vergilt.  C.  v.  Megbg  ;  1500  die  Vergilt  = 
pcstllcutlabci  llieronym.  Brunsehwig.).  I>a«lml5.  Jutirh 
vielleicht  volksublicher  gewordene  „Gift"  {  —  virus) 

|  wurde  (wie  heute  noch)  mit  dem  alteren  ,, Gicht"  (Ar- 
thritis. Eclampsia  etc.)  verwechselt.  —  das  „Vergift" 
int  1  zumeist  =  „Vergicht"  (s.  d.),  „vergifftige 
Leute'  sind  darum  (1476,  Ortolnh)  —  Gichtkranke, 
Gichtbrüehige  (s.  (iicht).  —  (ini4)  das  Vergift  — 
Fraisen  {Vergicht,  (iichtern)  (St.  B.-Mir.).  Zu  dieser 
Verwechselung  und  Bedentnngs-Vcrmlsehung  trug  l>ci 
der  Hang  des  Volke«,  dämonische  l'rsachen  (z.  B.  Hexen, 
welche  vergiften,  verzaubern,  s.  ZaulM?r)  bei  solchen 
Gicht-Krankheiten  zu  suchen;  denn  bei  jeder  mörder- 
ischen Seuche  denkt  das  Volk  zuerst  an  Vergiftung, 
d.  h.  boshafte,  menschliche  o.  dämonische  That  (s.  ver- 
gifteter Sehlis»);  ebenso  aber  trug  auch  die  giftige 
Galle,  beew.  die  Schul-l-ehre  vom  Gnlltluss  (Rheuma. 
8.  Kings)  bei,  sowie  die  lautlich  leichte  Yersehlebbar- 
kuit  von  f  und  ch.  —  2.=  durch  Giftwirkting  ganz 

j  untl  gar  beschädigt  (akut  und  chronisch,  z.  B. 

j  Quecksilbervergiftung.  —  Blutvergiftung  ■ 

j  Intoxicatio  sanguinis,  Veränderung  des  Blutes 
durch  Giftstoffe,  die  in  dasselbe  eingediungen 

I  sind  (1424  z.  Ü.  das  gehlevpulver  aus  den  1381  zu  Augs- 
burg zuerst  hergestellten  Schles«gewehrcn  [Ritas  171], 
das  als  Gift  galt)  —  Darm-vet gift  =  Darmver- 
gicht (s.  Vergicht),  Darmgrimmen,  bauchgrim- 
men  (bei  Pferden),  Gedärnientzündung,  Harn- 
zwang (Gr.  W.  II,  782;  Schindler  I,  87Ü).  —  (Ifils) 
französische  Vergiftung  -  die  Durchsetzung  des 
Körpers  mit  dem  ansteckenden  Krankheitsstoffe 
der  Syphilis  's.  Franzosen;  (Paracelsus,  Pr.  II,  72). 
—  gail-twgiftet^an  krampfhalt.  Gichtschmer- 
zen leidend  (mit Gelbsucht?)  vergiebtet,  durch 
Galleergus8  nach  der  Schul-Lehre  früherer 
Zeiten,  die  seit  Plinius  an  die  Giftigkeit  der 
Galle  glaubten  :  „Gift  und  Gall".  —  (1477)  Kftlt- 
rergift  =  Kaltvergicht  (s.  d.),  Kältvergicht  = 
Rhetim.  art.  acut,  und  (U505)  =  Ungenannt  (Inch. 

1  Mir.).  —  (1500)  Pestilenz -Vergift  (Brunswig.)  = 
Pestinfektion  (Pr.  I,  357;  Lersch  203).  —  (1482)  voll- 
giftiger  -  venenonu  (Zenlng,  voe.  n  4).  —  (1S20) 
Wurst-Qftft  =  die  von  .histinns  Kerner  zuerst 
in  ihren  Wirkungen  genauer  geschilderte,  in  den 
Fleischwürsten  sich  lindende,  toxisch  wirkende 
Substanz.  —  Wuf -Gift  =  der  Krankheitsstoll 
bei  der  Hundswut  (Lyssa)  und  das  auch  sonst 
„in  Wut  gebrachte"  Krankheitsgift  (Zw.  44).  — 
Zorn-Qift  -  wie  beim  Angstschweisse,  Angst- 
gift (s.  o.),  so  soll  der  beim  Zorne  (Hundswut) 
in  der  Mundhöhle  schlangengleich  abgeson- 
derte Speichel  giftig  sein  {Gr.  \v.  I,  361).  —  das 
Gift  hat  sich  zum  Herzen  geschlagen  =  Pyaemia 
=  veneno  extinetus  est.  Die  Paracelsisten  er- 
fanden eine  Reihe  neuer  Körpergifte,  wie  flüch- 
tige, scharfe,  ätzende,  wilde,  schteefelichte,  rcal- 
garische,  ungesalzene  Gifte,  die  in  dem  austeck- 


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Gifteritit — ginen. 

endenKrankheitsgeblüte  vorhanden  sein  sollten 
(Zw.  523) —Gift-  ( Wrgift,  giftige(a)Ader,  Beulen,  ! 
-Blase,  Blatter, -Blut,  -Brand,  ■  Brustkrankhext, 
-Dunst,  -Farbe,  -Feuchte, -Fiebersucht,  -Flecken, 
-Franzosen,  -Geschwür,  -Glieder,  ■  Hauptkrank- 
heit, ■  Harnwinden, -Krampffieber, -Krampf sucht, 
-Krätze,  -Krankheit,  -Materie.-Plage,  -Päckchen, 
-Schuss.  ■  Schweissucht,  -Seuche,  -Stoff,  -Strahlen, 
-Sucht,  -  Unrat,  -  Wunden,  -  Wurm,  -Zolin. 

Gifteritis, f.  ™  Diphtheritis(Andr.99;scherzhaft). 

Gigel,  m.  (Gickel,  Giegel,  pl.  Gückel),  gickeln 

c.Tin.  gug  ~  sich  hin  und  her  bewegen  in  auffälliger 
Welse;  angls.  gyceae  =  prurign,  Schindler  I,  881. 
gyecan,  gyeda  =  Jucken  [».  d.],  Kluge*.  179;  mhd. 
giege  =  Narr.  Kluge *,  139;  mhd.  giggel  =  Jucken, 
Klud).  —  gickeln  =  vor  Kittel  sticken,  beben 
(Schw.  234).  —  Gigel,  m.  (1482  gygel  =  tenttgo,  Id 
rjuod  in  vulva  apparet  =  rlltori«,  Gr.  W.  V.  877 ;  Hyrt)  52 ; 
D.  578 ;  Schindler  I,  8M ;  15.  Jahrh.  gygel  =  landle 
[  =  nymphac]).  1.  =  Clitoris.  —  2.  =  8.  Jucken.  — 
Giegel,  pl.  =  die  lebhaft  bewegten  Füsbo  (Wolf 
im).  —  (1429)  Fut  Gigel  «=  Clitoris  -  Fritz  (s.  d.) 
(Hynl.  K.  W.  52;  fndighfgd  -  tentigo,  Schmeller  1,  884). 
—  Qiegel-auf recken, -Schritt  -  Gigges-Gagges- 
M<tnn. 

Gilbe,  f.  s.  gelb. 

gilf  ern  (gelfen,  galfen)  =  vor  Schmerz  seu  f  ze  n , 
achten,  winseln,  bellend  sprechen  (Schmellcr  I, 
901;  C  v.  Schm.  230;  Schwaben,  Franken);  (zu  gall, 
s.  o.  Gehall). 

gilgezen  (kilgezen,  gölgezen)  ■  Töne  aus 
dem  Rachen  (l  iiel,  s.  Gill)  hervoretossen  (Zieniann, 
mhd.  Wrtrbch.  183») ;  a)  =  Keuchhusten  (Schw.  227 ; 
Gr-  w.  v,  1614);  b)  =  Stottern.  (Vergl.  Kolch, 
kölkern). 

Gill,  m.  (Giel)  (indogerm.  ghl  =  klaffen,  Kienen; 
altxcnn.  gl  m  klaffen,  Kluge*.  139;  ahd.  gll  =  hiatus. 
ii?-')rn.  Schlund,  irturi»«,  das  KlaffMdt  |  ferner  L  ■ 
Hernia  =  Kuptura  (Graff  IV,  129).  —  2.  =  (1482  gyel ; 
alt-jkeh«.  eyl)  =  Schlund,  Gula  (Zentner.  Voc.  k  8; 
I>.  271);  Hachen,  Fauces,  Goschen,  Maul  (Hlmner 
«.  15;  C.  r.  Schm.  230;  Hyrtl,  K.  W.  l»7).  —  3.  viel- 
leicht ist  auch  hieher  gehörig:  „Oil"  (Gr.  w.  vm, 
los)  alseineSchlundkrankheit=  Rankkorn  (s.d.), 
Schlundbränne  (Milzbrand).  —  4.  ■  s.  gelb. 

Gill,  f.  =  das  Ohtengällen  (s.  Gall),  Kellende 
Töne  im  Ohre  (Schmeller  I,  891). 

Gilscht,  m.?  =  der  gelle,  gillende  Ton  des 
Singultus  (Schm.  I,  903)  (Hetsch,  Glux,  Gischen). 

gilte,  gilze,  gist  =  gelt,  galt,  gaelt  (Falke  i, 

:t»  342.  353). 

Gimken,  pl.  s.  Heimchen  (Chimchen). 

Gimpel,  m.  (mhd.  gümpcl;  r.u  mhd.  gumpen:  Im 
Schone  springen,  hüpfen),  1.  =  Penis,  vielleicht 
anlehnend  an  Gingel  (s.  d.);  (mhd.).  —  2.  =  der 
hin  und  her  trottelnde,  schwankend  gehende 
Kretin,  Tölpel,  dummer  Mensch  (Liebrecht  497; 
Z.  f.  u.  V.  K.  18%,  322).  —  3.  =  gimpelrote  Nase 
(Z.  f.  ö.v.-K.  1896,322).  —  Gimpel  Gempel  tLeaer  U] 
■  Penis,  der  beim  mutwilligen  Opfertanz  der 
heidnischen  Orgien  sichtbar  war  (Zersteufel) 
(l'rquell  1894,  S.  212;  Liebrecht,  z.  Volksk.  497). 

ginen  --  gähnen  i*.  d  und  gienen). 


Gingel — glatTem  ll>5 
Gingel  s.  Ginkol. 

Ginger,  m.  —  Hals  (Tirol;  Hiutncr  7.  US),  der 
gähnende,  das  Gähnen  (=  gienen,  8.  o.)  aus- 
fahrende Hals  und  Mund. 

Gingidi  (M97).  Guidera  (l 520)  etn  aus  der  arab 
Schul  Anatomie  (widadseb)  entnommener  Ausdruck  für  i 
die  inner©  Drosselader  (Vena  jugular.  intern., 
beim  Pferde  und  Menschen)  (Hyrtl,  K.  W.  70; 
Hyrtl,  D.  Arabische  und  Hebräisehe  in  der  Anatomie 
§  1.8—147  ff.). 

Ginkel,  m.  (Güngel,  Gingel)  (Schweiz),  1.  = 
männliches  Glied  (Penis)  (Schw.  269)  als  baumeln- 
der, hin  und  her  sich  bewegender  Teil,  gankeln, 
gunkeln  (Schmellcr  I,  923)  (Glachcl,  Oimpei).  — 
2.  =  der  hin  und  her  baumelnde  grosse  Kropf 
(Schw.  269). 

Gipfel,  m.  (Gipflein)  =  oberste  Spitze  (siehe 
Giebel).  —  Gipflein  =  Epiglottis  (Hyrtl,  K.  W.  1*7) 
=  kleiner,  spitziger  Gipfel  ober  dem  Kehlkopf. 
(1530)  Leber-Gipfel  ■  die  Höhe  des  Leberorgans 
unterm  Zwerchfell  (Künlgssp.  49). 

Gips,  ra.  s.  Gyps. 

Giraffe  s.  Dengue  u.  Knie- Übel  (arab.  Scrahfe 
=  lieblich). 
Girbel,  m.  =  Wirbel  (s.  d.) 
gissen,  gischern,  gischken,  1.  =  kistern  (s.  d.), 

schwer  keuchen  (Schwaben;  15.  Jahrh.,  ndd.  dnt 
glschkent  —  anhelltus;  gysschin  =  singultus,  D.  3  V  336, 
Schindler  I,  949,  Gr.  W.  V,  439).  —  Gischung  =  die 
Handlung  des  Seufzens  (l>.  356).  —  2.  =  giekezen, 
gicksen  (s.  d.)  (D.  536).  —  kalter  Gischen  (mnd  , 
14  —  15.  Jahrh.  weder  den  colen  gischen,  J,  f.  nd.  Sp.-K. 
XV,  131)  =  Singultus  bei  chronischen  Magenleiden 
(s.  kalt).  —  stille  Gisse  =  Milzbrand  mit  Lungen- 
ersebeinungen  ^Weidekrankheit)  als  lautloses 
Keuchen  (s.  Hinsehe)  (Falke  II,  342). 

Gischt,  m.  s.  Jaest. 

Gitschen,  t,  pl.  1,  -  alte  zahnlose  Jungfer 

(Wolf  154 ,  Zeitschr.  f.  Volksk.  1894,  80).  —  2.  =  Pferde, 
deren  Gebiss  durch  künstliche  Mittel  an  den 
sogen.  Kunden  eine  Alterstausehung  haben 
(Zlpp.  149;  Falke  II,  96  .  367);  Malochen  (s.  d.).  — 
Gitschen- Haut. 
gitzen  (Gitzen).  —  gitzen  =  eaeare  (schmciiei 

I,  %!>).  —  Gitzen  -  Durchfall  (Schmellcr  1,  cod.); 
zu  giessen  (?). 

gitzgen  =  gickezen  (s.  d.). 

Glach-  (Tirol)  (Glag-  [Klag-,  Klack],  Gloch- 

j   (Hartw.  l'eetz,  Chiemgauer  Volk  II,  >.9),  Glof-,  Glück-, 
Glot-)  Feuer,  B.  Feuer. 

Glachel,  m  -  Penis  (Hyrtl,  K.  w.  203)  (Ulangel '). 
der  wie  ein  (ilockenschwengel  niederhan^end 
hin  und  her  baumelt  (=  Ginkel,  s.  o.)  =  Penis 
cum  scroto  (.«chmeller  I,  ml),  Glenker;  glangern 
=  baumeln  (Tirol ,  Hintner  5.  lu). 

Gläff(Gleff)s  Uff. 

Glär  s-  leer. 

Gläser  [pM  =  Augen  (s.  Glas)  (Alpbc.  64^. 
Glätte  (Glätze)  s.  Glatze, 
-glaffern.  —  n )  -glafern  s.  I.eif. 

i:r 


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Glandelu— Glen. 


«Kendel —Glück. 


Glandeln,  pl.  -  Lymphdrüsen,  Mandeln 
(Glandulae). 

-glarren;  (mhd )  rerglarren  -  nicht  recht 
Belien,  eigentl.  mit  Hl  .1  rangen  (s.  d ),  Stier- 
augen sehet)  (Lexcr  82.  ?>M;  ani:l.  gittere  ~  [glän- 
zendes, gla  »klare«'.  Haiitnhant,  Kluge*,  110). 

QlaB  (Glast)  {urperm.  «Iura,  glänzen  [glesum  - 
der  Bernstein];  »rein  -germ  glas;  ahd  «las;  mhd.  glas 

—  da*  durch  die  l'hönizicr  importierte  Glan,  Kluge*, 
HO;  engl,  glas»  :  inhd.  glasl  —  Ulanz  'nicht  zu  Glas 
gehörig ] .  Heyne  1191),  17.  Jahrb.  «last  =  Augen- 
Bcheinen  (Kr.  Kr.  B.  3ii>.  —  gläsern  =  glänzend, 
durcliBichtig,  vom  Schleim  t.  B.  —  (H7<>)  der 
- 1  u.ir,,-- Glast  (ongengla«t,  Lexer  183)  =  da«  Scheinen 
im  Auge,  „wenn  einer  meint  »es  sei  glksin  ,  dann 
ist  er  in  e  I  a  n  c  h  o  1 1  sc  h ' '  (c.  v.  Megbg.)  (Augen-Glans). 

—  'fcrgla&sen  —  die  glänzend  rote  Anschwel- 
lung des  Kuh-Euters  (b.  lassen).  —  verglasen 
(gläsern)  =  das  Brechen  des  Augenglanzes  wie 

I.  lind  werdendes  Glas  =  sterhen  (Sehmeller  I.  976; 

II.  Faul)  —  gläserne,  Glas-.4  u  ,  -Feuchtigkeit, 
-Haut,  -Körper,  -Soft,  -Schleim 

Glasur,  f.  (eine  latinisierende  Itezelchnung  für 
glasglAnzendcr  Dbersng)  =  Hufhit 'itchell  auf  der 
Hufwand  des  Pferdes. 

glatt.  -  Glatt-fu**. 

Glatze,  m.,  f.  (Glätze,  f.  Glätte,  f.  Glatzl,  n 
Klitsche,  Glitze)  (vettern,  ghiadiu  m  ;  goth,  glatla  ; 
mhd.  glatx  =  glatte  Stelle,  Kluge  *,  HO;  IV  Jahrh  platz. 
=  glaber,  D.  264  ,  1.  =  die  glatte,  haarlose  Stelle 
des  Scheitels  (Corona  cleriealis),  die  Stirne,  die 
Platte  n)  Calvities)  (Du  Cange  II,  r.72,  Sehmeller  I. 
«78;  A.  v.  H.  LI,  Li»;  Schw.  254),  Atzel  (s.  d.).  — 
2.  —  der  ganze  Kopf  (Tirol;  Hlntner  5.  12);  (vergl 
Kol).  —  Glatzheit  =  Kahlheit  (d.  h.  ttaued.  Jahr 
s  32i).  —  ;i;»eo  glatzet,  glatzig  -  eine  Glatze 
hal.end.  —  «w-glatzicht-aeraivu.  i)  6*  vorne 
an  der  Stirne  eine  Glatze  haltend.  -  Glatz- 
(glatZ'fVr  -Flcrhtt;  -Knab,  -Kopj. 

glan,  glauch  (ndl.)  =  hell,  scharf,  glflnzond, 
besonders  von  Atigen  (H.  Paul  185;  Kriech,  glau- 
kopis), —  glauch  =  glauich,  glänzend,  glühend 
warm,  von  Beulen,  die  im  Zustand  der  Abseess- 
reife  sind  {«.  gluegen  u.  Klamme),  Phlegmone 
(Gr.  W.  V,  102">;  engl,  glootn,  (flow  =  glühen).  — 

Glauch  'Feuer, 

glaunen  (Schwaben*  =  Strabismus,  Schielen 
(C.v.Schuj.  23.1,  tm[  ]  glau  -  schlau, odei  lauen,  Innern, 
diiatcr  blicken). 

Gleer  (Glär)  s.  Geleer,  leer. 

Gleffs.  Laff. 

gleiben(gleien)^climeriausserung  (liuek  i!>.i  = 
schreien  (Schindler  I,  KS). 

Gleich,  n.  s.  Leich. 

Gleif  s.  Uli 

gleimezen,  Gleimezer.  m.  (ahd.  chiamexii  = 

haeret  hlnns  ,  inhd.  glainaczen  =  bio  ;  Kleinen  — -  grunzen 
der  Schweine,  wenn  sie  hungrig  >itid,  Schru.  I,  97:!,— 
ängstlich  und  mit  Mühe  Atem  holen,  stöhnen, 
schluchzen,  weinen,  quieksen  (Schmeilei  l  «od. . 
Sehl.  V).  —  Gleimezer  =  einer,  der  gleimezt. 

Glen,  n.  s  Gelnnge  (Lunge). 


Glender,  pl.  *.  Gelender  (Lende). 
Glenker,  m.  =  Penis  und  Scrotuin,  weil  diese 
glanken,  baumeln,  wie  der  Glachel  (s.  o.)  («ir.W. 
V,  »52)  (s.  Lank). 

Glennen  s.  Gelenk  i  .an  k 
Gliber  s.  Geleber  (Leber), 
gliebrig  ■  gelenkig,  starkknochig  [Tirol,  Wolf 

l'*5;  zu  Leib'r). 

Glied  s.  Lid. 
Gliffer  s.  Leff. 

Gling,  n.  =  Gelnng,  die  oberen  Eingeweide 
bei  Sehlachttieren  (Gr.  W.  V,  1962;  C  v.  Schm.  317; 
Itayern,  Österreich,  Schwaben),  s  Lunge. 

Glitze  s.  Glatze. 

glitschen  {1012  gUtaMhra  =  labus ,  u.  313)  = 
statzgen  (mit  der  Zunge  öfters  ausgleiten), 
stottern. 

Glocke,  f.  (wahrscheinlich  urkeltischen  Ursprungs 
und  [8,  Jahrh  )  durch  die  irischen  Missionäre  nach  ger- 
manischen Landern  gebracht,  klukko;  ahd.  glocka, 
clocchön  =  klopfen ;  8.  Jahrh. ,  mlat.  clocca ;  mhd. 
glocke  [das  C.elocke,  was  zum  Feste  lockt V],  Kluge*, 
HI;  Heyne  1206L  —  Glocker  (Klöcker),  m.  m  ein 
grosser  Mensch  (Buhe),  desseu  I lodensack  mit 
einem  Glockensehwengl  ;>.  Klachel)  verglichen 
wird  (Tirol,  Wolf  iüo).  —JFart-dWH]  Fürt)  Glocke 
=  Farzbüchse,  crehro  pedens  [Or,  w.  III,  1336,  IV, 
1.  BAS).  —  ii'0(r-Glocke  =  die  Schleimstrange,  die 
bei  Kindern,  die  sich  nicht  putzen,  von  den 
Na8enöfTniingen  herabhangen  wie  Glocken- 
strange (ür.  W.  VIII,  1328). 

Glorren  (Glurren)  =  Augen  (Bayern  sch»-.  xa  ■ 
sehmeller  i,  97t»)  =  die  Lauernden.  —  mglorren, 
aHglurren-  anstarren  mit  den  Augen  (Schtn.Lc). 

glosten  (ahd.  glostat  -  pustella,  l>.  474  ;  mhd.  glosten 
=  glimmen,  Schm.  I,  977)  =  brennrote  Haut  haben, 
llautpusteln  haben. 

glotzen  (klotzen)  (abd.  gloMön  ;  mhd.  glotzen) 
=  scharf  schauen  (vielleicht  vom  glostenden  [gluh- 
euden]  Katzen-Auge.],  ilan.,  schwed.  glo  =  glotzen, 
,  Pierer  7;  engl  to  gloat  --  gierig  blicken,  Kluge*,  142). 
—  der  Glotzer  =  der  starre  Ulick-iMoment  bei 
Schrecken  (Schindler  1,  980).  Glotz   i  ugi 

glotzgen  (gluckezen)  =  oft  zuckenden,  klopf- 
enden (gluckenden)  SchmerE  machen,  z.  B.  vor 
dorKrötl'nungeines  Finger-Geschwärsfc.  v.  Schm. 
234;  Ilm,  Itayern),  (vergl.  kltlkezen). 

Glouten  (Tirol,  Uintner  5.  12)  -  ilie  wild  zer- 
zausten Zottenhaare  (Klatte 

gluchssen  (1692;  s<tb.  99)  9.  klazen. 

glucken  (glucksen)  s    klucken  (klopfen) 

;l'aull  Cr.;. 

gluegen  (eu  klauchen,  glauch,  s  d.)  =  glühend 
heisset  Hautgefflhl  mit  Juckreiz  haben  (prnrire, 
iu-nire,  1515;  1>.  28.r».  469.  artlnr  camis,  prnrign  ex  der 
umtilide). 

Glück,  n.  ahd.  gilucchl  fehlt ;  mhd  gelücke  - 
glücklicher  Zufall,  Kluge  ',  142  ;  LI  Jahrb.  gluck,  ge- 
lueke!  —  Secundina  —  (island.  fylgla  1.  —  filüek*- 
haube,  2.  —  glfiekbrlngendcr  Kugel  oder  Folggeist, 
Roebfa.  1,  92  ff;  IT,  Iii]      <;iuckshatibe  (s.  d.), 


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Glufe  — Gnass. 


gnaugcn- gögel.  197 


Glüekahelm,  Kindahaut  (D.  G2S).  —  ^glückt 
(1592;  8eb.  2M)  =  mit  einem  Glück  verheissenden 
Zeichen  versehen.  —  i. I74:s)  Z/wgltick,  1.  —  Epi- 
lepsia,  fallende  Sucht,  schwere  Krankheit  etc. 
als  unglücklicher  Zufall  («;r.  w.  iv,  2.  2253;  mm. 
Medik.  445;  A.  v.  H.  I,  801;  aoldscbm.  149;  Wuttkc 
334).  -  2  =  (14.  Jahrh.  noch  slueg  ny  chain  ongeluch 
aanü,  /..  f.  d.  a.  188»,  s.  112)  =  übler  Zufall  hei 
der  Wundbeilung,  Wundsucht  z.  B.  —  un- 
glücklich werden  (nein)  =  abortieren ,  einen 
Unfall  haben  und  die  Mutterfreuden  verlieren; 
fansee  couche  (hämmert  V.-Med  101 ;  Pauli  IS).  — 
01ück8-//<i«tf,  -Htlm,  -Kappe,  -Kind,  -Kleid, 
-Milch,  -Rose. 

Olafe,  f.  Klufe  (ansH.  dute  -  «plca;  itbd.  ebtnl 
=  forclpula,  t  ■raff IT,  M7;  zu  Kluft,  die  durch  Nadeln 
/.uMimmeo  «ehalten  wird  —  Stecknadel)  =  die  Spindel 
(Hein)  b.  Pferden  (1.792 ,  s«h.  176).  —  Olafen  giessen. 

Glut,  f.  n.,  ivorgerm.  «10«;  Renn,  gl<>,  gle;  ahd. 
\i\uo\ ;  angln,  glt  d  j  uihd.  gluot .  ndl.  gloed  Kluge*,  112  ; 
engl,  glect  =  Nachtripper,  Lehf.  77  -  brennendes  Illu- 
uetühl  in  der  Harnrohre)  ^  die  glühende  Hitze.  — 
Fieber-Qlnt  (t:r.  w.  III,  1621)  -  Fieberhitze.  — 
heissrs  Glut  =  heisaes  Rotlauf  (s.  Feuer)  (in  preuss. 
Bespr ,  Krisehb.  84).  —  Gluder  (glutendc;  .  I ; 

Glutsch  !  gl  ut  sehen,  glutzen  [1668],  Glutzger, 
Glucksen,  gluckzen,  kloxen,  glozgen)  (onuumo- 

poletlsehe  Bildung  de»  Klux-Toue*  beim  Helschen.  s.  d.) 

-  SingultUfl  (Huck  19.  «4;  Belm dler  [,  980;  Hochhob 
in  Zcltschr  f.  Myth.  IV.  IM;  Beynon  127;  Birllnger  I, 

Ml.  10);  (vergl.  kluxen). 

glozen  (glucksen)  ».  Klux  (Singultua). 

Omilb  a.  Milbe. 

Omilk  ».  Milch,  melken. 

Onad  (-gaat)  ».  nennen. 

gnager,  s.  nagen. 

Knappen  s.  knappen. 

gnarscb.cn  h.  knirschen. 

Gnass,  in.  Onatz,  m.  Onatze,  f.  Gnäss, 
Gnätze  ,  f.  Gniss  ,  Gnit zc  ,  f.  Gneis  s ,  Gneist,  1 

gn atzet  (vielleicht  zu  ahd.  [g]nclzon  —  eniclare;  uihd. 
[g]nelzcn  -  bedrängen,  plagen,  beschädigen,  Schindler 
I,  ViM  ,  dann  wäre  Unel«i)  =  Qeneüs  =  die  öfteren 
Plagen,  namentlich  durch  juckende  Ausschläge, 
die  nach  früherem  Glauben  ein  Kobold  als  nag-  ' 
ender  (engl,  gnaw  — -  nagen,  Kaltsch.  I,  275)  Gnatz- 
oder  GneisBwurm  verursacht ;  da  solche  Aus- 
schläge  auch  oft  nässen  (s.  netzen),  so  lehnte 
die  Volksetymologie  gleich  hier  mit  „Nasse"  an 
(aluachs.,  13.  Jahrh.  gniden  —  fricare,  I).  217;  mhd. 
guau,  Lcxcr  82  ;  IV  Jahrh.  gnatz  ■  glaher,  kohl?,  platte 
Htelle,  D.  2*1 ;  1482  gnaUeter  -  glaher ,  kahl  [durch  ' 
Kraukheit  des  Uoarbodcn«!  Zenitig.  Vor.  11;  16  Jahrb. 
gnetz  =  Hautge»chwür  (?],  Or.  W.  I,  1746;  guetzlg  = 
unrein,  ritudlg,  kratzig.  <ir.  W.  V.  2081  ;  finatz  =  Kratze, 
Orint,  Schindler  I,  980,  1620  gniitxe  =  Knude,  Zeitseh. 
f.  d.  Philo!.  XXVI.  242;  IMS  gnatz  =  Herde  Baude, 
Coler  Ff.  374,  gnatz  —  porrlgo,  Krbgrint.  Kehrend  3-*». 
41 ;  gnclss  —  crusta  lactea  [  177«»].  Bchrt .nd  5 ,  öchw.  2>7  ; 
nablet,  porrigo,  Krbgrint,  Behrend  35.  44;  Ii  nein  t  m 
Schuppen  auf  dem  Kopf,  (Jrint,  Ackerm.  508;  Qneias 
Scabies,  aeborrhoea  capillitii,  Ummer!  IIS,  Gneis  j 

-  Seborrhoe«,  Pchmecrfliisi«,  Kichbonit  H;  Uuelrt  = 


Üucu  capitis  Pauli  U4,  guilzu  =  Undftiillochte,  Kalke 
I,  345)  -  Hautunreinigkeit,  die  andauernd  juckt 
(und  nasst):  a)  Grint  (s.  d.;  Favus);  b)  Sebor- 
rhoea,  vermehrte  Hauttalg-Sekretion  (Schtner- 
fluss)  (Puchs  II,  22«),  Akne  sehacea  (Köhler  II,  843 ; 
cienatz-natjan,  nezzen  [s.d.)  =  ni«s  machen?)  (Flüesel), 
triefende  Räude  (Favus);  c)  Krätze,  Porrigo, 
Schäbigkeit,  Juckausschlag (I^ser.s2;  rrnuell  1895. 
s.  44);  d)  Kahlheit  als  Folge  von  a— c,  wie  auch 
der  Grint  (ahd.)  —  Alopecia  ist  ((iraff  IV,  330) 
(s.  fuchsen  u.  grantig);  e)  Pferde-Räude,  Schaf- 
räude, als  juckende  Hautkrankheiten.  — 
(16.  Jahrh.)  gnatzig,  l.  =  grin.1ig,  rauh  durch  Ek- 
zema z.  B.  (II.  Paul  188;  Heyne  1216).  —  2.  =  phleg- 
matisch, mürrioch  (1645;  Coler  II.  B.  108).  —  (1687) 
Ȋugender  Gnatz  (der  selgende  gnatz  =  acor,  D.  10) 
=  der  Erbgrint  auf  dem  Kopfe  der  Säuglinge.  — 
Gnatz-  Kopf,  -  Wurm.  —  Gneies-fYVcAfr,-  Wurm, 

gnaugen  «.  nauen. 

gnengen  =  näseln  (lautmalend  ?). 

Gnier  (Gnirr)  a.  knarren  (knirren). 

Gnitz,  m.  Gnitze,  f.  s.  Gnatz.  —  Gnitz- 
Fleehte. 

Gnnder  (Gnüder)  =  allerlei  knotiges,  schlech- 
tes StOckfleisch  (fir.  w.  V,  lvn). 

-gnuegen  —  vergnügte  Beine. 
gnubbern  s.  knuppern, 
gnurschen  s.  knirschen. 
Gocken,  pl.  s.  Gögel  und  Gauch. 
Gods-  8.  Gott. 

Goder,  m.  (Gonder,  Köder)  (ein  vermutlich  im 

Worenrcrkehre  mit  dem  romanischen  Illrtcnvolkc  von 
diesem  übernommenes,  uns  guttur  entstelltes  Wort  ■ 
uhd.  gutter  —  submentum,  UyrÜ,  K.  W.  7  ;  14«2  goder- 
leln  vorn  am  hals  =  eplglotti.<<,  faux,  r>.  2M ;  Zen.  Voc. 
1 5,  n  3  ;  1 19'>  goederlein  =  guttur,  Wamme  an  der  Ochsen- 
brust, Rlndcrdrosscl,  D.  406 ,  Bchmeller  I,  873;  1612. 
Ii.  Sachs;  franz.  goitre),  1,  =  Gurgel,  Schlund,  Gill, 
Hinderdrosael.  —  2.  =  Kehldeckel  (Epiglottia) ; 
3.  =  die  äussere  (beim  Kaufe  zur  Futtbemeaaung 
befühlte)  Gegend  vorn  am  Halse  unterm  Kinne 
beim  Schlachttiere  und  (übertragen  beim)  Men- 
schen ;  Doppelkinn,  Fettaack,  Palear  (A.  v.  II.  11. 
130;  Schindler  I,  873.  1226;  Ilintiier  7.  15);  dazu  (?)  : 
Goderle,  Golle  f.  =  Halskehle  (Schnuller  I,  893). 
(vergl.  Keutel). 

Goeck  s.  Gaeck  und  Goegel. 

göcksen  =  rülpsen,  aufstossen,  koppen  (beim 
Pferde)  (<:r.  \v.  V,  lT'.u)  (m.  köeken). 

gögel  (gogel,  Gocken,  Goeckerl)  (zu  gaurkein , 

germ.  guu.  geus.  Raug  —  sich  hin  und  herbeweßen  ; 
mhd.  gogel  —  auscelassen.  lippiK,  Klugu  ,  129,  Reil, 
jucken  ;  1 149  fioeßel  —  seil,  Schmcller  I,  871» ;  1 182  gogel 
=  geil,  Zenlng.  Voc.  kl).  -  Gock  =  juckende 
Kratzepuntel  (Schmcller  i,  ssö),  Finnen,  Beulen, 
Pocken,  als  juckende  Knötchen- Ausschläge,  bei 
denen  man  kratzend  (gauckelnd)  sich  hin  und 
her  bewegt.  —  Gockerl,  1.  =  kleine  Hautcrhöh- 
ungen,  Pusteln ,  welche  jucken  (daher  tiaekarsch 

—  Kosa  canlna  i„  =  Ar«chkltzler,  Hagebutte,  Jessen  33»). 

—  2.  -  Kretin,  nörgeliger  Mensch,  Fex  (Z  f.  d.  Ph. 
III.  nr;'.;  Annrau)  (».  auch  Gogel 


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1J)8  Gögel— Gosse. 


Gott— Grit!. 


Gögel,  n.  =  Kengl,  Gbängl,  Schleimtapfen, 
der  herabhängt  (Gr.  w.  v,  630). 

gölgezen  s.  gilgezen. 

Goel  8.  Gögel. 

Goelsen,  pl.  1.  =  8.  Gehe  (Galt).  —  2.  =  (goelsen, 

pulsen  =  satlrus,  saturiaases,  verreis  volant,  Culex,  Stech- 
mücke, n.  U4).  —  Goelsen-  Tnppel. 

Goelt  8.  Galt  (Gaelte). 

Göm  «.  Garn. 

görpsen  (goerschen)  >.  gorbsen,  ruetuare 

(D.  502). 

Gogl(Gagl,  in.  Gagile)  (zu  gögi  =  stwu*  [Tirol], 
=  kleiner,  zwergaitiger,  menschlicher  Körper, 
Kind  (Hintncr  5.  10;  Schnieder  I,  879) ;  hieher  wohl 
ScArecA-Goeckerle  (  =  Gagele)^ein  die  Kinder 
erschreckender,  kleiner  Hausgeist  (Köhler  V.-ui. 
137;  Volgtl.);  (s.  Schrecktnannlein,  Goeckelmann 
u.  gagein). 

Gold,  n.  (indogerm.  ghcl  =  cell»  »ein  ;  vorgerm. 
ghlto;  poth.  gulth  ;  ah<l.  gold ;  mhd.  golt,  Kluge*,  112; 
(iold  und  .Silber  haben  das  Slarischa  und  Gerinanlsehu 
gemeinsam  durch  den  Handelsverkehr,  der  von  Osten 
her  da»  Vieh  nach  Deutschland,  da»  «iold  und  Silber 
aber  nach  dem  Slavtschen  brachte)  ~  glühend  rotgelbes 
Möhnetal,  wertvolles  (ield,  das  die  Ml  inschen  alt 
„Glück"  betrachten.  —  Gold-  (golden  V,  er,  es])- 
Ader,  -Büchslein,  -Biischel,  -Finger,  -Haube, 
-Pforte,   Träger,  -  Wurm. 

Golken,  f.  =  die  Eiterung  bei  der  (juckenden) ' 
Hilude  (gocken,  8.  d.)  (C.  v.  Schm.  2.»). 

golksen  (1513  golkotzen,  golkatzen,  goelgesen  = 
gurgulare.  ruetuare,  D.  271. 502)  ^görpsen, goerbsen, 
rülpsen. 

GoUe,  f.  (aus  friinz.  colller;  mhd.  kolKr,  kolller, 
gollier,  goller  ----  Halsbekleidung,  Kluge*,  20s ;  kolder 
—  eollarlnm).  —  Gollen Kopf. 

Golzen.  —  Golzen-  Kopf. 

Gondel,  n.  -  der  Zweichfellechlitz  fflr  den 
Durchgang  ^on)  der  Speiseröhre  (II.  v.  Gend.  13; 
Druckfehler?). 

gorbsen  (görpsen)  (i6is  gürpsen    ructiiari,  Hehn». 

I,  »37;  Zw.  860  =  gorksen.  gocksen  [lautmalend  ?J  ss 
rülpaon  (Rochhulz,  Zeititchr.  f.  d.  Myth.  IV,  116). 

Gösch,  f.  | 

Gosche,  n.,  f.  ]  (vom  Kmicü  [coMe]  u. 

di  r  Mühle  oder  vom  Gusstein  der  Küche  [Gosse]  über- 
trugen auij  1.  =  ein  grosses,  viel  aufnehmendes, 
entstelltes  oder  böses  Maul  (löt.ogoscben,  H.  Sachs 
Schweiler  i,  :>:,2  ;  Wulf  i5A).  —  Bären  Goschen  = 
iW  Goschen  -  breiter  Mund.  —  Brutl-Qo- 
schen^  weiter  Mund  des  VieleBsers  (Schoieiior  i, 

369).  —  -P/Wl-Goschen  -  Pfnultgoschch  (.Schm! 

I,  963).  —  /fo/z-Goschen  —  St/it7c/«-Goschen  = 

schiefes  Maul.  —  2.  =  die  N'ates  („gössen"  in  alten 
Vocabularen.  ü.  l'JÖ;  Ilyrtl,  K.  W.  1U9J  ;  wieöfter  wird 
der  Mund  mit  dem  Anus  verglichen.  —  goschet 
s.  gausehet. 

Gosse,  f.  ( =  die  Ansgusstelle),  I .  -  Gosche  (s.  O.).  I 
—   2.  =  (1603  die   Übersetzung  de»  Infundlbulnm. 
beiW.  die  I-acuna  der  Arahlst        Hyrtl,  K.  W.  148)  m 

Gehirntrichter.  —  :t.  -  Gosse,  eine  fleischliche 
Krankheit  tu.  ir.)  am  Podex  (e dem i natu*). 


Apo- 
plexia, 
schwere 
Krank- 
heit, Not, 
die  selige 
Krank- 
heit etc. 

der  Jeder- 


Gott,  m.  (Indogerm.  ghuto  =  das  augerufene  Wesen  ; 
gem.-germ.  guda;  ahd.  got;  mhd.  got,  Kluge*,  1«; 
mhd.  der  gütes  ulac.  Ur.  D.  M.  I,  17 
Anm. ;  Schickung  Gottes.  Gr.  D.  M. 
II,  1106,  eine  christliche  Auffassung 
einer  Krankheitsursache,  die  auf  na- 
türliche Welse  nicht  erklart  werden 
kann;  11507  HandGottcs,  Kuland;  152« 
die  handt  gottes,  H.  v.  Oersd.  99 ;  1532 
hand  gottes,  Kries  75;  1615  hand 
gottes  u.  gottes  gewalt  (St.  B.  Mir. ; 
1724  gottes  gewalt  „ein  jahllnger  Zufall, 
mann  für  Augen  und  den  Menschen  so  plötzlich  über- 
fallt, dass  man  bei  den  Meisten  keine  gewisse  l'rsache 
sagen  kann,  daher  es  auch  die  Gewalt  Gottes  genannt 
wird  ',  Th.  s.  Ur.  574).  —  Gottes-,  ist  auch  =  Godes- 
(Gode  ^  Opferpriester  der  heidnischen  Ger- 
manen) ;  Gutschlag  ist  nicht  =  Gottesschlag  sondern 
gut-Schlag;  gutta  --  Tropf  (g.  Gut  und  Tropfen).  — 
Gottes-GeWf,  -Band,  -Leber,  -Lunge,  -Sclilag. 

Gouch  s.  Gauch. 

Gouder  b.  Goder. 

grabein,  grabbeln  s.  krabeln. 

Graben,  m.  (zu  graben;  ahd.  grnbau,  grabu ;  mhd 
grabe,  Kluge  *,  143 ;  gTaeving  =  Dachs,  da»  grabende 
Tior,  Brehm  II,  115).  —  .4r*cA-Grabc»»  =■  Aiterkerbe. 

Gradel  (Graitel,  Grätl)  s.  Grfttl. 

Gräfler,  Graeving,  1.  -  s.  Kraffl  (Kräfüer) 
und  Graben.  -  2.  =  Aflerklauen  beim  Kindvieh. 

Graenellen,  pl.  (ItaL  graaetU,  Sciuueiicr  i,  wa) 
=  Hirschhoden,  Geschröt. 

gräntig  (gräig)  s.  Grantner. 

Gräte  8.  Grat. 

Grätl  (Graltl,  Grattel  iKrattel1,  Grätsch, 
grätschen,  Gratschnng)  (zu  mhd.  gritcu  [«.  reiten] 

=  mit  ausgespritzten  Beinen  gehen);  dazu  [JJjJJJ  f' 

1.  =  die  Stellung  der  Füsse,  auseinander  gesperrt 
wie  beim  Ueiten  (Schenkelachluas).  —  2.  =  der 
Zwischenraum  zwischen  d.  so  gestellten  Beinen, 
Damm  (Hlrllnger  Sltt.  II.  232;  Sehmeller  I,  1017)  n 
Kochonc  Hipp.,  Perineum.  —  (i6is)  grait'en 
=  divaricari  bei  Mensch  und  Pferden,  mit  weit 
auseinander  gestellten  Füssen  gehen  (schmellor 
I.  1016;  Zippcrl.  131),  —  Grattel  (Schwaben)  -  ein 
Fingergeschwär  (Panaritium)  an  den  Sehnen 
der  Hohlhand,  wobei  die  Finger  auseinander 
gestellt  werden,  wie  bei  der  Graittelstellung 
der  Beine  [C.  v.  schm.  240).  —  grietet  =  hohl- 
beinig  wie  ein  Reiter  (Wolf  156».  sich  ver- 
(«er-)graiteln  (1590  die  beln  rergretten  =  varieare, 
D.  607  j  1«.  Jahrh.  von  einander  grillen.  I.  cod. ;  13.  Jahrh. 
zergritten,  zergrvitel  =  ilivarteatU»,  D.  1S8;  1590  zer- 
grickeln,  zergriggeln,  I.  cid.)  =  die  Beine  so  weit 
auseinander  setzen  (z.  B  auf  dem  Eis  sich  ver- 
renken), dass  sie  nicht  wieder  können  zusam- 
mengebracht werden  (Sehmeller  I,  1016  ;  C.  v.  Schm. 
121),  auch  auf  die  Finger  der  Hand  übertragen. 

—  (1777)  Graetschling  (varlenlus,  d.  eo7)  -=  einer, 
dergraetsehet.  —  graitsch=graitisch^  grätsch. 

—  grätschen  =  graitiBch  gehen,  grätschen  (vari- 
cari),  krumm  gehen.  —  grätschon  (Iterutivhiidung 
uns  griitsen  und  graten]  -  die  Beine  spreizen.  — 


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Graffl— Grantner. 


grappeln— Gräte.  191) 


gra(d)lawatach  —  graitl-weit,  mit  weiten  Knieen. 

—  grätsch  in ii  k  f  t  fgraachlngad,grauchhcnglch[C.  v. 
Schm.  421],  gratschinket)  =  hinken  mit  grätsch- 
igen  Füssen,  wobei  die  Füsse,  bezw.  Kniee  in 
X  oder  O-Stellung  «ein  können ;  {1797  krft'scbinkigt, 
Denis,  Lcsefruehte  II,  126)  -  übelgebogene  Füsse, 
enge  Kniee,  wie  beim  Kuhbein  (Gr.  w,  V.  2551) 
<>d.  bohlbeinig,  wie  beim  Säbelbein.  —  Grätsch- 
Bein,  -Fuss.   (Vgl  Grittel). 

Grafll  (Gräfner)  s.  Krafti,  Kräffler. 

grageln,  graiteln,  1.  -b.  Graetl  (Wetten«;  1741 
grageln,  D.  18-")  =  graite In  (divaricari).  —  2.  -  siebe 
Kragen. 

gralewatsch  -  knieweit  =  graitelweit  (s.  o. 
tirütl)  (Schmeller  I,  1017) 

Gramein,  pl.  -  (Rai.  grat.elH.  Schweiler  I,  999.  990 
ss  .Schaf-  u.  BockB-Hoden  (s.  tiraenellen). 

Gramm,  n>.  (Gramerin)  s.  Kramm.  —  (um) 
Ftus-GrammcWn  =  podagramm  =  Podagra  (8.  d.) 
(r.r.  w.  VII,  um),  Fusskrampf,  Fassgrimmen.  — 

'l^j5äT  I  0ramm  =  Fussgramm  (Schrad  U; 
<"<ilcr,  H.  A.  23«;  l'fotetikranipf,  jaci  causa  male  saltans, 
„well  da«  Podagra  <len  Pfoten  de«  Menschen  grossen 
Graru  und  Schmer*  bringt". 

grammein  (grammen,  Grammel,  pl.  Gramm- 

ling)  (vorgerm.  ghroruo  [fremu,  knirschen];  goth. 
irratmi,  ahd.  graruon ;  tnhd.  graimucn,  Kluge6,  MS)  — 
mit  den  Zahnen  knirschen,  z.  B.  beim  akuten 
Hydrocephalus;  dazu:  Grammel,  die  (gram- 
melndon,  knirschenden)  Zähne.  —  Grammling 

—  die  Kinnlade,  worin  die  Zahne  stecken  (Hintner 
f..  15).  —  f/ncji-grammr/n-gristgrammen,  knir- 
schend mit  den  Zahnen  grammein. 

gramsen  (gramsein)  =  kratzen,  jucken  (Schw. 
*7j  und  dabei  vor  Reiz  grammezen,  d.  h.  die 
Zahne  Öfters  über  einander  beissen. 

Grand,  n,  Grant  i  vorgerm.  gtmndb  j  dazu  Orinl 
[»,  4.;  frendo  =  knirschen];  germ  grand  ~  mahlen; 
angU.  Krinda«;  nhd.  grand  -  Sand,  Kitige»,  113).  — 
(1699)  Grand,  m.  =  Aphthenblttschen  (s.  Grint) 
b.  Pferden,  (Mehl)  Mundschwämmchen  (  —  Soor 
beim  Menschen)  (v.  M.  I,  89).  —  //«rn-Grand 

—  Sand  und  Gries  im  Urin  (Krau»,  E.  8-53).  — 
M'i-  '  Grand  =  SandfoBS,  wie  Sandniehl  ausge- 
streuter weisser  Soorpilz  (Mehlgrat).  —  grantig 

—  mürrisch,  launisch  durch  den  juckenden 
Grint  (Grant)  am  Kopfe  (wie  fuchsen  u  gnatzig). 

Granne  (Gran),  f.  (indetem.  gru  =  »pit*,  borstig; 

Island,  granar,  granir  —  I.ippcnbart.  Edda,  Jordan  102; 
goth.  grnn«;  ahd.  grana  —  Schnurrbart,  grvno,  II.  '/.. 
VI,    .2...  mhd  grau,  f.)  =   Haarspitzc  (Kluge*  U3), 

1,  -=  Barthaar  an  der  Oberlippe,  Schnurrbart.  — 

2.  —  buschige,  borstige  Augenbraue  (Schneller  1, 
99^)  (Supercilium).  —  3.  -  Möns  Veneria,  der  sich 
bartet,  Crinis  pubescens  (Sehmeiler  L  eod.)  — 
4.  =  Gräte  (Kluge».  14t).  —  5.  =  Krauel  (Krone). 

—  Grann-^rt*nye. 

Grans  'mhd.  grau«  —  gcruuus  [  —  Tkrinaul],  I.exer 
SL  192)  -  Vulva  als  Baueblei I. 

Grantner  (grantig,  grantig  [ gräig )  (in  der 

rolwUlaehen  Gaunersprache  lief  Mittelalters)  —  die- 
jenigen,  die  des  Mitleids  wegen  als  Bettler  die 


|  Epilepsie,  Ausschläge,  Geschwüre  etc.  simu- 
lierten ;  (traue«  bourgeols,  Kleinpaul,  d.  Mlttelalter609). 

—  (1&18)  gräntig  (ss  qutrulus ,  Scbmeller  I,  1003; 
Buck  15)=-  verdrießlich,  hypochondrisch,  wider- 
spenstig. —  (ij.  Jahrh.)  Grantigkeit  ss  Molestia, 
Reizbarkeit,  Verdriesslicbkeit  (D.  3«r>;  zu  Grane 

—  Borste,  Stachel?  oder  zu  r.rant  (».  d.],  knirschend) 

grappeln  (gräppig,  grappig)  (hs2;  zening. 
Voc.  pp  4)  -  zappeln,  Palpttatio  (cordis).  — 
gräppig  (grappig)  =  einer,  der  grappelt,  nicht 
gut  geht,  noch  zappelt,  sich  erst  erholt,  Rekon- 
valescent,  der  wieder  zu  Kräften  kommt. 

Gras,  m.  —  Gras  St  u 

Grassein  (Grass)  =  (Steiermark)  Roseola  (Ma- 
sern, Scharlach),  wegen  der  Hautlöte  verglichen 
mit  dem  wilden  Rot-(Blut-) Hänfling  (  =  Grassl, 
Grasl)  (Schmoller  I,  loi«.  1009.  1010;  Fossel  139). 

grassieren  =  häufiges  und  starkes  Auftreten 
von  Krankheiten  (l»t.  grassari,  zum  Streite  geben, 
weit  und  breit  morden,  Du  fange  II,  607;  1617  gras- 
sleren,  Kluge»,  144). 

Grat,  m.  Gräte,  f.,  pl.  Graet,  n.  (Grithe) 

(zu  Wurzel  gra  —  splu,  borstig  sein,  Kluge»,  144;  mhd. 
grat  =  Rückgrat,  Ahrcngrane ;  1 182  grat,  vinhgrat  — 
ass«  -  Jossa),  D.  5.'- ;  1198  grat  -=  Halswirbel,  tir.  W.  VII, 
SM;  1907  graet,  grat  —  ossiculum  [Glttc '],  1).  102,  1528 
grot  =  Rückgrat,  H.  v.  Gersd. ;  17.  Jahrh.  gralh  =  Ruek- 
grat;  graet,  n.  -  ITerderuckgrat,  R.  A.  85;  1718  graetc 
=  spinn  naris,  K  a.  87). 

Gräte,  Grat,  1.  —  die  Spitzen  der  Rücken - 
und  Halswirbel  —  Rückgrat  (Processus  spinosi). 

—  8.  ss  die  borstigen  Haare  am  schrundigen 
Pfurdefuss  (Rattenschwanz)  —  3.  =  Nasen- 
rücken. —  4.  =  Rückgrat  und  Rückenwirbel- 
dornfortsatz. —  5.  =  a)  die  Raspe  am  Sprung- 
gelenke und  b)  die  Knochenleiste  an  der  Ge- 
siebtsfläebe  des  grossen  vorderen  Kieferbeins 
beim  Pferde  (Falke  I,  34«).  —  Zfrusf-Grat,  m.,  n. 
(bei  Tieren)  -  Spina  pectoris  (Ur.  w.  II,  449;  erst 
seit  Goethe  „dos"  Bmstgrat,  Gr.  W.  VIII,  IMS).  — 
(1593)  gedruckter  Grat  ~  gequetschter,  fratter 
Halsteil  beim  Pferde  (seb.  149).  —  HaU- 
Grat  —  Halsteil  des  Rückgrates  beim  Ochsen 
(v.  M.  I,  67).  —  Kinn  -  Öraete  —  linienförmig 

,  starrer  Vorsprung  in  der  Mitte  des  oberen 
Randes  der  Kinnlade  bei  Pferden  (Falk«  Ii,  12). 

—  AfeM-Grat  -  Aphthen,  Soor,  Mehlhund 
(Sebmeller  I,  1038.  1507;  =  Mehlgrand,  Sandfoss. 

—  Riick-  (Rucken-,  Ruck  )Qr&t,  Ul.,  n.  (=  Über- 
setzung der  tat.  «ptna  dorsalls)  ss  der  knoebenstar- 
rende,  fettarme  Rückenteil  an  dem  die  Dorn- 
fortsätze wie  eine  Kette  (ebaine  ss  »atena;  eagne, 
chagne,  cagnon,  Briss.  3t)  an  einander  gereiht  sind 
und  wie  die  Spina  des  antiken  Zirkus  (Khlup. 
161)  hervorragen ;  (14.  Jahrh.  ruggrat  ss  «pina  dorti, 
Voc.  opt.  W.  12,  1429  niggengrat;  1482  nick-  [rucken-] 
grat  —  nucha,  Zening.  Voc.  bb  4,  bb  6;  149S  ruekgrat, 
Gr.  W.  VIII,  IMS;  1599  niggeugrad ;  1616  ruckengrat, 
l'aracel». ,  Bcynou  239 ;  ndl.  ruggegniat)  =  Wirbelsäule 
als  Kollektiv  der  Wirbel  (grat).  —  (1677)  erkäl- 
teter Ruckgrat -Rheuma  der  Ruckenniuskeln, 
Lumbago  (Tabwn.).  -  Rück- Grats-  Krampf, 
-Schmtri,  -  Wirten.  —  Grat-  (Gräten-)  Ecke, 
■Rilcken,  -RUrklcin. 


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200  Grätsche— Groif 

Grätsche  (Grotsche),  f.  =  Hand  (Schindler  l,  I 
1017),  su:  grätschig,  gespreizt  (vergl.  Grattel). 

Grattel,  f.  =  (i55i)  Panaritium  der  Hohlhand  , 
(^das  Mittel,  s.  d.)  (Bock,  KegUtcr),  wobei  die 
Finger  der  Hand  graitteln  (d.  Ii.  gespreizt 
gehalten  werden),  die  graitelnden  Beine  also 
b  Graitel.  —  Grattier  =  die  Gangart  mit  ge- 
spreizten Beinen  (Buck  12).  —  <ir.94)  7>v;>i-Gratt"' 

einer,  der  eine  falsche  Beinstellung  hat, 
Pes  varus  od.  valgus  (Gr.  W.  I,  138«).  —  Mocheles- 
Grattc/  (Birlinger,  Sitten  II,  232)  -  der  Zwischen- 
raum zwischen  den  Beinen,  wo  der  kinder- 
bringende Mochele  (s.  d.)  die  Kinder  heimlich 
verborgen  halt  (heimlicher  Ort). 

grau  (grab)  (vnrgerm  KhrdghWO-  [  ],  ahd.  griio; 
mild  gm.  Kluge5,  1«),  1.  =  die  Farbe  (s.  d.) 
zwischen  weiss  und  schwarz.  —  2.  -  traurig, 
langweilig,  öde.  —  Grauer  (In  preuss.  liespr., 
Frisetab.  SS)  =  einer,  der  grau  ist,  z.  B.  ein 
stechender  Wurm  (Schlange)  oder  ein  Fieber 
bringender  elbischer  Dämon  (Schwartz  883).  — 
Gräue,  f.  (u.  Jahrh.  BTeuwin)  =  Canities,  das 
Grattwerden  der  Haare  (Voc.  opt.  W  40;  Bayern: 
Kral.  —  Krau);  grau  ist  die  Farbe  der  Krankheits- 
diimonen  (Würmer),  welche  da«  Fieber  bringen 
flS.  d.  V.  f.  V.-K  IS»'.,  s.  30)  (a.  o.).  —  -t  Kranen 
=  anfangen,  an  den  Haaren  grau  zu  werden 
(Vicrordt  64).  —  grau(<*r,  e,  es)  -Alter,  -Blume, 
-Elend,  -Kopf,  -Staar,  Stein,  -  Wurm. 

Graupe(n),  f.  =  (Hagelkorn,  Elsgraupe;  U.  Jahrb. 
ein  wahrscheinlich  im  Slavischen  beheimatetes  Wort, 
KluBe  »"  1«,  das  =  Genie  tat).  —  (1616)  Grütt- 
Grauprn  -  das  Gerstenkorn  an  den  Augen- 
lidern, das  wie  ein  Grütz-  (Gries-)  Korn  her- 
vorragt (Chalacion)  (Gr.  w.  iv,  l  1187). 

grausen  grauwen  -  ekeln,  Abscheu 
haben  vor  dem  Essen,  Nausea  (D.  376;  Coler, 
IL  A.  1S2).  —  Grausig,  n.  =  Gespenst  (Alpbg.  132). 

Greb  s.  Heb. 

Greben  s.  Grieben. 

Greck  (Grieck,  Groicken,  Greucken)  (1200 

griekeh  —  llppus,  vom  Schleim  in  den  Augenwinkeln 
,üc>  "<int  diu  oiigcn  grlckcch",  Pfeiffer  6r>,  1IS2  greek 
in  den  Augen  ~  pituita,  morblM  galltnarum  =  Zypff 
l  =  Influenza,  Gripp«],  Zolling.  Voc.  m7  ;  LV32  gregk  = 
lippa,  Bchmellcr  I,  993,  croudum)  ---  die  eingetrock- 
neten Scbmeerkrüstchen  der  Meibom'sehen 
Drüsen  (s.  Schlaf)  in  den  Augenwinkeln;  aus 
krachen  (s.  d.)  od  kracken  (wie  die  gerösteten 
Fettgraupen)  umlautend  gebildet;  ebenso: 
gregget  -  verkrüppelt  (wie  dürres,  krachendes 
Astwerk  (Wolf  I.V.;.   —   Gregge,  m.  (Karnthen), 

Gregger,  m.  (Tirol),  Greckele,  n.  (Tirol),  Grick 

sei  (Walz)  -  ein  kleines,  unansehnliches,  ver- 
krüppeltes,  verwachsenes,  elendes  Kind  (Gr. 
W.  V,  1928.  1929;  Hintner  5.  10;  Wolf  IV.),  (vergl. 
(iriebe,  Griebs). 

Gredel  s.  Griti. 

Greif,  in.  greifen,  Griff,  m.  ßndogenn.  gfarib; 

geni.-germ.  grelpan ;  Kenn,  gnpo,  ahd.  grifan,  grilo, 
griffe-;  mbd.  grifeu,  Urtfl  IV,  319!  —  Greif  (uripo) 
=  der  Vogel  Greif,  der  Krgreifer,  ein  fabelhafter 
Geier- Vogel,  heraldisch  darges teilt  mit  Adler- 
Oberkörperu.  Eöwen-Hinterkorper.den  Löwen-  I 


greinen— Greis. 

Schweif  durchgesteckt  zwischen  dun  2  Greif« 
fQsBen,  mit  denen  er  Menschen  u.  Tiere  ergreift 
und  entführt  (Kluge*.  14-4.  „Aqulliculus  =•  daemou. 
<iui  in  similitndlne  aquilac  apparei",  Du  Gange  I).  — 
greifen  ■  mit  den  Fingerspitzen  oder  Krallen 
lassen,  tasten,  fühlen  (1530;  Besolt).  —  Greifing 

—  der  mit  den  Krallen  grabende  Dachs  (Brehm  II,  14*>). 

—  Greifung  (ndd. ;  In.  Jahrh.  gryppynK,  griplng, 
griffung)  =  Haptus,  geistige  Verzückung  (D.  4s.j; 
durch  den  sein  Opfer  ergreifenden  Geist  oder  Dämon ; 
engl,  griping  —  kneipender  Leibschmerz,  dry  grypes  = 
trocken«  Kolik.  Bleikolik,  Blcldarmgicht.  Kaltschm  ; 
ndl.  147:.  grypende  ■  ravus  [Raptus,  rabies],  D.  486). 

—  (H.  Jahrh.)  Griff,  l.  =  die  Stelle,  wo  Fettan- 
häufnng  oder  Milzvergrosserting  durch  Greifen 
konstatiert  wird  (8chm.  I,  1755;  Fries  112-  „herdte 
de»  niili  am  griff").  —  2.  =  (17.  Jahrh.  griff.  Kr.  Kr.  B  64) 
Tactus,  Taslung,  Empfindung.  —  Angriff,  1.  ■ 
Milzbrand,  Rauschbrand,  vermutlich  ist  der  Vogel 
Greif  (ahd.  grif,  grUb,  (iraff  IV,  319;  1227  griffi,  griphu» 

—  aquilae  celeriter  convolantes,  Du  Gange  IV,  112) 
genieint.  der  als  Furie  (s.  d.)  rauschend  vom  Himmel 
herabfallt  und  anfnllweise  dvu  Milzbrand  als  Viehseuche 
erzeugt,  wie  die  Gottesgcwalt  den  Menschen  mit  !'<>■ 
dogra  „begreift"  (Hayerland  1892,  8.  479)  und  wie  der 
Lindwurm  die  menschliche  Test  erzeugen  sollte 
(s.  Lind-  und  Höllenwurm,  Drache);  dun: 
gripper  (s.  Grippe);  (manu  agripare  carnem  nu 
ungulbus  arripere.  Du  l  ange  1,237  ff. ;  Miiller,  Wissenseh. 
d.  spr.  n,  2.W).  —  2.  ■  (1748)  Angriff  -  Insultue 
febrilis,  Krankheits-Anfall  überhaupt  (Maschenb. 
325),  namentlich  direkte  oder  indirekte  An- 
steckung mit  Krank  heitstoffen;  (bei  Psracebroi 

•   Med    el  Ir   Centr  Bl    1896    B    IW]  daher  «ypliilit 
Infektion.  —  3.  =  in  den  Lege*  Ijingobard.  Ist  An- 
griff: Anogriph,  Anagrlp,  Augrlp,  Angrelff  a)  =  der 
Angriff  auf  die  geschlechtliche  Frauen-Ehre 
und  b)  -  Secretum  mulieris  (Du  lange  I,  237  ff.) 

—  (16-15)  Begreifung  (obere)  =  Vergicht,  Raptus, 
Kpilepsia,  als  ob  der  davon  Befallene  von 
einem  Dtlmon  oben  beim  Kopfe  gopackt  und 
niedergeworfen  würde  (D.  484;  (der,  Test  297; 
u.  a.  54]  —  -  greifen  -  mit  dem  Geiste,  Ver- 
stände etwas  von  allen  Seiten  fühlen,  groifen, 
verstehen,  erfassen.  —  (1692)  AacAf-Grlff- 
der  Angrill  eines  Nachtgeiates  's.  nachfolg.) 
(Wirsung,  Arzu,  Much  31.  33;  Gr.  D.  M.  II,  1116),  diese 
Krankheit  wird  durch  Messen  vi.lksmedizlniscb  (Schind- 
ler 180)  behandelt,  d.  h.  durch  eine  genau  abgemessene 
opf,  rg«l.e  wird  der  gefurchtste  Dämon  beschwichtigt. 

—  Tuten  mann  Griff  (uorw.  doedmands  greb,  Llebr. 
z.  Volkk.  Sl»  Totenknitf  («.  d.)  plötzlicher, 
lahmender  Schmerz,  durch  Jen  Grill' eines  Dä- 
mons oder  Geistes  aus  dem  Totenreiche  veran- 
lasst angenommen  (vergl.  Geist-Kneifen)  (Heiser 
S46).  —  Greif-,  -griffigtes)  Fleisch,  -Fuss,  -  Klaue. 

greinen  [VOrgOim.  ghrl;  germ.  grt;  angln,  gninlan 
«rltiseii  ;  uhd.  grinau;  mbd.  grjueti  —  den  Mund 
verziehen,  grinuen  -  knirschen,  Kluge5,  144;  engl, 
grr-nn  sa  iuhzen,  *t..hnen,  to  grin).  —  Greinung  — 
Gannitio,  Zahnung,  ZUhnetletschen  (D.  257). 

Greis,  m  =  >ler  grau  behaarte  Mann  (Griese), 
Mann  in  hohem  Alter.  —  Greisen -.  1  "<■>■. 
Bogen,  -Fieber,  -Krankheit,  -Hin,),  -Steifigkeit, 

—  Warze 


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i 


greislet— Grien». 


Griedl-Grille(n). 


•201 


greislet  =  greuslich,  grieslich,  kornig  =  iler 
sedinientierende,  trübe  Urin. 

Grell  s.  Grfttl. 

grelzen  b.  grölzen. 

Grenze,  f.  (18.  Jahrb.  pnli,  r.  im  deutschen 

Ordenslande  aus  poln.-ru-».   graniea  aufgekommen, 
Kl  DK*1  \  14ö  =  Mark).  —  Ars  '.-Grenze  !Anf.  <i.  XV. 
Jahh.  grenlcz  Tor  dem  ars  =  podicu«,  pars  cull  ante 
foramen,  P.  443)  =  Arachkrinne,  Arscbkerbe. 
Greps  s.  Griebs. 

Gretl  ■  Margaretha.  —  Gretcheu  in  der 
Küche,  eine  noch  ungeborene  Tochtor  analog 
zum  Hftnnschen  (8.  d.  u.  Kflche)  im  Keller. 
(Näheres  darüber  in  Wackernagei.  Abhdlngn.  m,  137). 

Greube  s.  Griebe. 

Greucken  a.  Greek. 

Grldl  (Gridel)  «.  Gratl. 

Grlebe(n),  (Greube,  Grubi,  Griube)  [abd. 

griobo,  grlebo,  grlubo,  griupo,  GrafflV,  310  —  crcmlum 
—  ausgelassener  [gerösteterl  Fettwiirfel,  Kluge*,  121; 
engl  greaves;  grulbc,  greub,  grewben,  gliche,  gribc, 
griben,  gryben,  grebe,  grile,  griffe,  greifen,  griefen  BtQ  , 
I».  l '<  b,  dasselt*  wie  Grcck  [«.  o.y^das  eingetrock- 
nete Sekret  der  Meiboiu'achen  Drüsen  (den 
Kettgraupen  ähnlich;  Krücke);  der  hat  Gre- 
ben,  Groelwn,  Grüben,  Grieben  geleckt  («.  d.) 
oder  hat  die  Grieben  beim  Schlachter  geholt 
=  er  hat  fettgraupenähnliche  Herpes-  Bläschon 
im  Geeichte  (Rosenb.  28  t). 

Griebel  s.  Kribbe),  Kriebel. 

Griebs,  f.  m.  (Grips,  f.  Gröba)  (mim.  grobiz, 

grublz  =  Kerngehäuse  im  Obst,  der  harte  Mittelpunkt 
d.s  obste»  [Blitzen] ,  damit  ist  verglichen) :  1.  =  Kehl- 
kopf, Poraum  Adaini  (Klage  145).  als  harter 
Luftröhrenknoten  im  weichen  II  altoteil:  „bei 
der  Griebs  packen"  (im  lsarthal  werden  (Jratulauden 
„gekraxelt"  [«,  d.]  am  Namenstag  —  ,,1m  I  der  Grieths 
packen"  [Bayern,  Tirol,  Mahren,  Schweiz).  Gr.  YV.  II, 
JW;  V.  2329).  verallgemeinert:  2.  -  Hals  und 
Kehle  überhaupt  (Sehmeiler  I,  1007  [Mittelrhein], 
lt>0  larynx,  Stieler,  Heyne  1254).  —  3.  —  (17A8  kryps,  !., 
Rubemann  37,  anleimend  au  Pieps)  —  Influenza 
(=  Grippe),  wie  der  Zipf,  Greck,  I'liiF«  etc. 
(■.  d. ;  a.  die  Grippe,  Kripps  und  Kroup).  — 
Adams- Griebs  (Gröba)  —  l'otuum  Adarni,  „weil 
dem  Adam  der  Griebs  des  von  der  Eva  dar- 
gereichten Apfels  in  der  Kehle  stecken  ge- 
blieben sein  soll",  s.  Adamshissen  u  Adams- 
apfel (Volksetymologie ;  Gr.  W.  I,  176  ;  [Hessen]  Adam*- 
Grups;  [Kaaael]  Adanu-Gruwc» ;  [Leipzig]  Adams  Greps, 
Kluge  *,  i)  (vergl.  oben  1). 

griechisch.  —  griechisch (e,  er)  Awtmtz, 
flechten,  Liebe,  Seuche. 
Grieck  s.  Greck  u.  Krücke 
Griggel  b.  Krücke. 
Grien  s.  rinnen. 

GrieSS (GrtitX,  Gries)  (Kerm.  grüt  Korn.  angl*. 
greot  =  Sand,  altnord.  grjöt  —  Gestein;  ahd.  gruzzl, 
Saud,  Kies,  inhd.  griuxe,  grinUe,  grti/,  griez  - 
-«aodkorn,  Sand,  Kies,  Kluge5,  14">.  117.  |.\7«  das  Gries«. 
Theopbr.  Bod. ,  MM  grutzeu  an  sewen  -  liruscnbeulen 
bei  Sehweinen,  glandnla,  I>.  26-1;  lüOV  das  Gries«  = 


Nierenstein.  ,,elne  (iebtirt  der  Vonu*"  i'),  Guar  1146; 
1620  das  Griess.  Dr.  Minderer;  1615  grle«  =  griesniehl- 
artiger  Soorpllz,  Grand,  Oldlnm,  8cbwammchen,  Coler, 
II.  A.  130,  1744  (iries  —  dolor  nephrlücus  [nephralgla]. 
Zw.  744  ;  1756  das  Gries  -  Nierenstein.  A.  v.  H.  I,  113; 
j  das  Gries»  =  Blasen-  oder  Nierenstein,  Wallb.  406;  Gries 

-  Harnsand,  Huck  18),  l.  =  der  reissende  Schmerz 
bei  Nieren-  und  Blasensleinleiden ,  Lithiasis, 
Nephrolithiaais,  la  gravelle.  —  2.  =  jede  Urin- 
beschwerde wird  (Oberbayern)  als  -  „an  Sand  und 
Griess  leiden"  angenommen  (DyBuria).  —  3.  = 
das  sandige  Harn-  oder  Gallen-Sediment  selbst 
(chellus  11,  221).  —  4.  =  die  weisse  Bräune  =  Soor- 
pilz  der  Mundhöhle,  welcher  weissen,  gries- 
kornähnltchen,  mehligen  Beleg  (s.  Semmel  u. 
Grand),  Schwärnmchen  macht.  —  grieslicht 
(griesig)  (12*0  griexich.  griozeloht,  groutelobt)  -  san- 
dig, sedimentierend  (Pfeiffer  22.  23.  cc).  —  Blaaen- 
Gries  =  der  nach  dem  Entleeren  des  Harns  aus 
der  Blase  in  diesem  entstehende  sandige  Nieder- 
schlag  (uach  Hippokrates  Lehre ,  Fuchs  II ,  261).  — 
Gallen  Griess  '-in  feinkörniges  Sedimeut  wie 
eingedickte  Galle  in  der  Gallenblase  (Elchhorst) 

-  Barn  Griess  b  Harnstein ,  körniger  Harn- 
sand (Alcola  Paracelsi,  Sabultim  urinae  (Heyne 
1247 ;  Kraus.  K.  43  ;  Kalke  I,  309).  —  (1756)  H.<u<- Griess 

-  Hautgrütze  (Milium),  Bildung  von  griesskorn- 
ähnlichen  Talgdrüsen-Knötchen  in  der  Haut, 
die  beim  Hinübertasten  eich  etwas  hiirtlich  an- 
fühlt, wie  Griesel  (Horripilatio)  bei  der  Gänse- 
haut und  beim  Frostochauder  (A.  v  H.  i,  74a).  — 
Len>l  ■••Griess  =  Colica  nephritica,  Nephritis 
acuta  (Zw.  744);  die  Nieren  liegen  in  beiden  Len- 
deneeiten  (Lendenstein)  (Gr.  W.  Vi,  743).  —  UMsj 
AVcrrn-Griess  sb  Lenden-Grieae,  Niereneand, 
der  sich  namentlich  bei  der  Gichtnicro  ,  also 
schon  vor  der  Entleerung  des  Harns,  im  Leibe 
körnig  niederschlägt  (Or.  w.  VII,  833;  Heyne  1247; 
Fuchs;  Hipp.  II,  2611.  —  roter  Griess  —  körniger 
Harnsäure-Niederschlag  im  Urin,  Sedimentum 
lateritium,  heute  noch  als  ein  Zeichen  der  über- 
wundenen Krankheitsmaterie  betrachtet  (Leuba- 
.Salkowsky,  die  Lehre  vom  Harn  S.  413).  —  (1766)  Sand- 
Griess  —  „Niereuscbmerz  von  dem  erdichten 
(s.  lehmig  und  Erde)  Sand  in  den  Nieren, 
welcher  sich  durch  den  sandigen  Harn  zeigt" 

(engl  gravel- Nierensand,  A.  v.  H.  I,  1063)  (Nieren- 
Griess)  —  ä'frtn-GrieBB,  L  =  der  in  Griesform 
gebildete  Harnstein.  —  2.  =  Nephritis  calculosa 
=  der  Nierenstein-Schmerz  (Colica  nephritica) 
(A.  v.  H.  I,  1063).  —  weisser  Griess  —  eiu  durch 
harnsaure Salze  weisslich  undurchsichtiger  Urin 
nicht  zu  verwechseln  mit  der  Chyluria—  milch- 
iger, fetthaltiger  Urin,  infolge  von  Filaria  san- 
guinis, die  äusserst  selten  in  Deutochland  beob- 
achtet wurde.  —  Griess  Gallen,  Gerinn,- Harnen, 
•Kolik,  -Schmerz,  -Stein. 

Griedl,  GrieU,  Grieggel  s.  Gratl. 

Griff,  m.  Griffel,  m.  s.  greifen.  —  Griffel- 
Hein. 

Grill  =  Grittl,  s.  Grtttl. 

Grille: n:  f.,  pl.  (angel«.  gryllan  kuirM-ben, 
Kluge*,  145.  11»;,  grell  tonen;  ahd.  grillo,  tSU  j  mhil. 
u-rille  Heimeben  [s.  d.).  niebl  aus  demlat.  gr.  Yp'i.Wov 
=  Heuschrecke,  Kluge  *  11".,  MtnOem  zu  „grell"  «regefj 


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Grimasse— Grimm(e). 


Orinn— Grint. 


ihres  Tone»,  Heyne  1248 .  —  er  sieht  ans  wie  eine 
Grille  ■  er  ist  dflrr,  mager  (Z.  f.  ö.  V.  K.  1896.  331), 
wie  ein  Heimchen  (e.  d).  —  grillisieren 
(latinisierend  im  16.  Jahrb.  gebildet ,  Kluge*,  n.Vi.i 
=  Grillen  im  Kopfe  haben  -  (drollige)  Einfalle 
haben  (=  Schrullen,  s.  Alp  VI,  Made,  Sekten 
und  Raupt- 1  (avolr  des  grillon»  [=le  ver  coquln 
s  Alp]  dang  la  tete,  Bris«.  26«;  dan.  «rille;  hell, 
gril ;  sehwed.  grill  —  Schrulle,  Laune,  Pierer  7  ;  schon 
1220  all  musca  in  cerebro  aufgeführt.  Wustmann 
ISU ;  1517,  l'.UOgryln  im  kopphe  ~  atra  Ullis,  1).  57;  s.  mania 
—  melanchnlia:  li.isluxus  locustalisParacdsi[s.  WUfU* 
stichigl,  Pr  II,  76)  =  melancholisches  Irresein,  als 
ob  man  Wurmmaden  \ß.  Alp,  Elben,  Heimchen) 
im  Gehirne  hätte  wie  ein  tölpelhirniges  Schaf, 
das  den  Drehwurm  hat.  —  Fieber- Grillen  = 
die  subjektive  Gehörempfindung  dea  Grillenge- 
zirpes im  Ohre,  das  bei  Blutwallungen,  Fieber 
z.  B.,  manchmal  stark  sich  bemerkbar  macht 
[tir.  w.  m,  1621).  —  Grillen  /Ww^fn. 

Grima8S6,  f.  (1739  grimace,  f.  —  wunderliche  Miene, 
Heyne  1219  ;  aus  dem  Franzosischen  entlehntj  -  Fratze 
(b.  d.  u.  schneiden). 

Grimm(e),  (grimmen,  Grimmen,  m.,  n. 
Grimben,  pl )  [tudogaiiu.  WA  gma  —  knirschen , 

vorgerm.  ghromo;  Roth,  grimtna  =  graui,  unmu- 
tig, wild,  Kluge*.  1«;  ahd.  grimml.  ehrlminan; 
mhd.  gnimme  =  wütender  Schmer«,  Lexer  HO  .  inhd 
grimme;  14.  Jahrh.  griui,  krlmme  —  passlo  ili[a]ca, 
Voc,  opt.  W.  41;  15.  Jahrh.  grymmen  =  ehrlarc,  sevire, 
I>.  157;  1440  grimmung  =  tortis  (t"rmen  intesttnorum] 
D.  589;  1482  grymen  -  pfet/.en  ,  kneipen  (Im  Leib], 
Schindler  1,997;  1521  grym,  f.,  1587  grymmen  -  tormina, 
1).  588;  16.  Jahrh.  das  grimmen  —  Bauchweh,  Luther; 
11509  der  '.rimtnen  =  der  Krampf,  (Juar.  121;  1(120 
die  (trimmen,  plur.  =  colica.  Meyer  526;  Pr.  Min- 
derer ISt.  MO;  17'rf>  das  «irimmeti  —  inliea,  tormina, 
•  lyseuteria  etc..  A.  v.  H.  1,  1289;  'irimmeu  =  Kolik, 
Pauli  68)  =  kriminen  (s.  d.)  =  der  heftige,  wilde, 
rcissende,  krampfhafte,  kneifend  packende 
Schmerz;  a)  in  den  Gedärmen  (Colica,  s.  Kolik) 
bei  verschiedenen  Krankheiten,  namentlich 
im  Grimmdarm  (Colon),  der  davon  seinen  'und.) 
Namen  hat,  wie  die  Kolik  von  der  l'assio  colica 
(Ilyrtl,  K.  Vi.  65);  b)  in  der  Gebärmutter  (Dysmen- 
norrhoea  colica,  einfacher  bloss  „Bftnuutter" 
genannt  i>  d.);  c)  in  den  Gliedern  (Gicht,  vgl. 
krimmen).  Grimmen -Kraut  =  Scneelo  vulgaris 
(Jessen  371),  da»  beim  AKinann  (s.d.)  gebrauchte  Greta« 
(Kreuz-)  Kraut-,  auch  Iieutarlo  hull.lfcra  —  Scharnikel 
(oder  Bruehschuelderkraut)  =  Grimmwurz,  Holl.  243).  — 
Grimmung^Torturaiiiteslinortim,  der  Zustand 
beim  Grimmen  (D.  690).  —  Barn  /»-Grimmen  d^i 
=  colica,  tlr.  W.  I,  1167  ;  1725  —  colica,  Thes.  san. 
lir.  7(H>),  wie  Darmgrimmen.  —  /tfur-Grimmen 
=  jeiie  Kolik  beim  Vieh,  deren  Ursache  das 
Volk  nicht  kennt,  bei  dem  es  aber  eine  lUnt- 
lasse  vornimmt ;  (der  Namen  beherrscht  hiebet  die 
Therapie).  —  Darm  -  Grimmen  Darmkolik, 
Darmvergicht,  besonders  daB  heftige,  windende 
Iyeibschneiden  im  Grimmdarm  —  Strophus  Gii- 
leni  (Kraus,  E.  looO;  <:r.  \v.  IT,  781).  —  färrh  grim- 
mig (mhd.  verehgrlmme,  Lexer  317)  =  bis  ans  Leben 
wütender  Schmerz  (b.  Furch).  —  (1687)  Frauen- 
Grimmen     Colica  uterina  (ueorg.  43511,  heftiges 


Matterweh,  Muttergrimmen.  —  (1590)  FustQrim- 
men  (podagram  [-  Podagra],  anlehnend  an  gram  in 
(Krampf]  =  Fussgicht  als  heftiger  Schmerz  («ir.  w. 
iv,  1.  1028).  —  (1744)  Gallat-Qrimmen  =  Colica 
biliosa  (GallenBteinkolik)  (Zw.  640).  —  (1744)  Gicht- 
Grimmen  =  krampfhafter,  heftiger  Gicht- 
1  schmerz  (Zw.  115).  —  (i502)  Än7>- Grimmen  (das 

gTlmmen  Im  leib  oder  bermutter  — colica,  Würzburger 
Apotb.-Ordnung,  1>.  589.  .90;  1615  grimm  Im  leib  e 
tortura,  tormen,  D.  590)  ~  heftiger  Leibschmerz  in 
Krampfform.  —  <17.  Jahrh.)  Lenden  -  Grimmen 
=  Lendengriee,  Nierenkolik,  Lumbago  (Kr.  Kr. 
B.  401).  —  (1756)  Mutter  Grimmen  =  Tormina 
hj-Bterica  s.  Colica  uterina  (Uterinkolik)  (A.  v. 
H.  I,  451.  806.  1289;  (ir.  W.  VI,  2817).  —  (1744) 
Xieren  -  Grimmen  =  Nierensteinkolik ,  Colica 
nephritica  (Zw.  Ulf.  —  die  obere  Grimme  (<ir.  D. 
M.  II.  1111)  —  das  Bauchgrimmen  zum  Unterschiede 
von  dem  unteren  Muttergrimmen.  —  (1744)  Winr/- 
Grimmen=  Windkolik, Colica  flatulenta(Zw.  11.'.). 

—  (mhd.)  icMot-grimme  =  wutgrimmig  (Lcxer  Uft). 

—  grimmige(r)  (grimme  r  ,  Grimmen-,  Grim- 

mer  )Bauch,  Darm,  -Hitz,  -Hunger,  -Krimme, 
•Mutter,  -Siechtag,  -  Tod. 

Grinn  b.  rinnen  (Gerinn). 

Grint,  m.  Grinden,  pl.  Grinder,  pL  Grind, 

(SrÜlt?  l'ngarn);  vorgerm.  ghrendh;  angls.  grindau 
=  mahlen  ;  ahd.  grint  =  Impetigo,  pustula,  alopecia: 
,,pllos  in  alhutn  mutatos  colorem  ut  grint  facit", 
tiraff  IV,  SM;  crint  =  Grind  (glabrio],  Wackcrnagel; 
11.  Jahrh.  grint  —  alopecia,  glabrio,  II.  Z.  III,  36* 
-alopecia.  H.  Z.  III,  Prager  Handsehr.;  12.  Jahrh. 
griut  =  alopecia,  H.  Z.  XV,  33;  VI,  «1  =  glabra, 
H.  Z.  XV.  363,  Anm.  1769)  =  calvus;  12.  Jahrb. 
Urintwurz  [Physica  St.  Hildegardis) ;  12.  Jahrh.  grlnd 
~  Impetigo,  Scabies,  Pfeiffer  19.  65;  mhd.  grint  — 
Kopf ,  Wackernagel  117 ;  14.  Jahrh.  grint  —  rasta 
[=  rautaj,  Baude,  D.  485;  15.  Jahrh.  gryndt,  grint, 
alopecia,  scabera,  Schmcllei  II,  40ti;  I».  637;  1475  grynt 

—  porrlgo  [morbus  porcorum],  D.  448;  1482  gryndt, 
grind  —  glaber  [Kahlheit],  seubies.  Pruritus,  prurigo — 
ardor  carnls,  I>.  469 ;  Zenlug.  Voc.  ni7  =  ccrua[  =  favus], 
Zcning.  Vor.  m8;  tinea  [Wurm],  D.  25;  rawte  .Baude, 
Kankkorn],  D.448;  morphaea  [  Aussatz],  Schübe,  Zcnlng. 
\ ...  11 ::  1  .21  grund  .  scabl«  1,  II.  US;  Dag«  *,  ttf; 
1540  grind  frelssum  [s.  Fralsam] ;  1615  grlnden,  pl., 
Coler,  H.  A.  84;  1756  ürind  =  Scabies,  A.  v.  H.  I,  1207; 
1775  grlnd   -  fralssam  [s.  d.].  Kluge4,  145,  1776  r.ründ 

—  tinea  —  taeiiln  [Wurm],  Behrend  5;  1783  Clrind 
ausgetrocknete  ..Binde",  Ptatner  I,  330,  Schorf;  1797 
grund,  J.  P.  Frank  V,  127;  l&i'J  (irlud  =  Borke,  Kruste, 
Behrend  19.  porrigo,  dessen  Krusten  einen  widerlichen 
Porry  [Allium  l'orrum]-(;erucb  geben.  Behrend  45;  nnd. 
grund  —  Grint  [oldbg.];  Cioldschm.  134;  confer.  lutu- 
mella  ■  g0ach*fOUener<lriti(l,  I».  30«'.;  grynt,  grind  —  livor, 
acor,  acora  [  =  achorlon],  U.  334.  636).  —  Grind,  1.  — 
jeder  borkige  Ausschlag  mit  Bildung  grantähn- 
licher,  feinkorniger  Krusten  (  =  jrumc ,  ccorce , 
Binde,  Briss  221:  u.  zwar  fast  ausschliesslich  auf 
dem  behaarten  Kopfe  (namentlich  der 
Kinder)  da,  wo  das  Haar  getlochten  wird  und 
die  Haarflechten  sich  befinden,  Porrigo  favos 
infolge  von  Achorion  (Schonlein;  1839)  <Grint- 
llechte,  s.  Hnchten):  diese  Bezeichnung  war  schon 
in  gwmanlBCh«M  Seiten  ublli  h,  da  die  <>cnnanen  sehr 


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Grint. 


Grint 


2o:i 


viel  auf  I ...  hielten  und  großen  Werl  uul  die*« 
legten.  Nach  Pe  Cock  9.  10  wiir  Im  10.  Jahrh  In  einer 
flandrischen  Stadt  eine  eigene  Frau  (OrindthuMerln, 
».  d.)  ange*tellt  an  den  Schulen,  um  die  Schulkinder 
von  ihrem  Schorfhaupte,  d.  h.  von  ihrer  grintigen 
SchürfUgkeit  nnd  Kopfläusen  zu  befreien.  „Zitterach" 
ist  auf  der  übrigen  Haut,  „Kaude"  ist  noch 
allgemeiner,  „Grint"  geht  fast  nur  vom  Kopfe 
aus  als  Hautausschlag  (=Kopfraude)  und  ist 
ohne  allgemeine  Symptome.  —  2.= 
da  als  Grind  fast  ausschliesslich  und  ursprüng- 
lich wohl  nur  der  Kopf-  oder  Kopfflechten- 
Ausschlag  (infolge  von  Pilsbildung  daselbst, 
Acor,  Achorion)  bezeichnet  wurde,  so  galt 
Grint  —  Kopf,  Schädel  (aber  nur  in  deshalb 
l>ejfriindetem ,  verächtlichem  Sinne  als  Driudkopf. 
Sehmelier  I,  1003;  Zingerle  HS,  Kluge*,  HS.  In  dem 
cimbrljichen  Wörterbuch«  12(1  -  S 1 1  r  n  c.  Nach  Wacker- 
nagel Ist  Griut  eret  mhd.  =  Kopf;  der  ahd.  Griutau« 
»chlag  wäre  also  da«  altere,  C.  v.  Schm.  -.'43;  Huck  12; 
1482  gryndtlclu  —  glabella,  Zenlng  Voc.  m  7  =  8  1 1  rn  e , 
Kluge  HS  »teilt  grint  zu  fron»  urverwandt?).  —  3. — 
die  Kolgen  des  G  rintausch  lages; 
diese  sind:  a)  Kahlheit,  Haarverlust,  Schäbig- 
keit,  die  manchmal  der  Genesung  folgen 
(Trichophyton  tonsurans;  Porrioo  decalvans) ; 
b)  Jucken,  das  mit  dem  Ausschlage  der  Haut 
(Favus)  verbunden  ist  (Schärfe);  c)  die  kleien- 
artige  Abschuppung;  d)  der  unvermeidliche 
Parasit,  die  Kopf-Laus  (s.  Grindlaus).  — 
4.  =  der  Wundenschorf,  die  Kinde  der  Haut- 
wunde (8chw.  265).  —  5.  =  Borken  bildende  Räude, 
Milzbrandpusteln  und  Wundenschorf  auf  der 
Haut,  namentlich  am  Kopfe  beim  Vieh  (Müller, 
Krtrbch.  39;  Falke  1,  319;  Herlwt  HS).  —  6.  -  Aussatz 
(auf  d.  Kopfe,  Lepra,  Morfea);  auch  andere  Haut- 
kiankheiten  (Lupus,  Psora,  Herpes,  Scabies).  — 
Der  Grint  schlagt  sich  u.  a.  wie  der  Welchselzopf 
(«.  d.),  nach  Volksmelnung  auf  die  Lungen,  wenn  er 
t.  B.  ein  «krophuloser  Hautausschlag  ist ,  du*  i«t  Aber 
nur  eine  Verallgemeinerung  de»  Hegriffe»  und  eine 
Volk»erfahning  au«  Jüngerer  Zelt.  Auffälliger  Welse  wird 
dertJrlnt  fast  nur  pflanzlich  behandelt.  Grint-Kniutcr 
«Ind  die  altbekannte  Arctlnm  lappa,  Lappa  personata. 
lapathom,  die  zu  Ifellung»zwccken  larvenartig  auf- 
gelegt wurde,  daher  ihr  Name,  ferner  Rumex  obtu- 
«ifol. ;  CheUdonla{  =  grintwurz,  «irafTI,  1U51!,  Fumnria 
olflcinalU  f  —  Alpraute,  Roll  206).  Heyne; II,  12SO]  »teilt 
i;rind  mit  Recht  In  Ablaut  und  engste  Verwandtschaft 
zu  Granl  =  Sand,  grober  Klesaand ;  dann  wäre  (Jrint  m 
Krustcusaud  auf  dem  Kopfhaarboden.  —  Grinden, 
Grinder,  pl.  —  die  Borkenkrusten  beim  (Jrint, 
bei  der  Kappe,  Staupe  etc.  (Kalke  n.  :j7.\;  Ktfbtef 
V.  Ol.  350;  engl,  uppergrinders  —  die  mahlenden,  Sand 
od.  Orint  machenden,  reil»endcn  MnhlziUinc,  Knlt«rhm. 
I,  722,  the  grinder»  »tone  Mahlzahn.  I.  e.  II,  272).  — 
grintig  -  grlndicht  (II.  Jahrb.  grlndoehte  -  atopl- 
tiosu»,  B.  z.  III,  ahd  grlntohUr  -  anircus  [yrnrohu>] 
=  irrugntu»,  hlreutu*  =  hantrunzcllg,  I>.  52,  310;  mhd. 
grlnttlngcn.  Oerman.  XVIII,  261;  14«!  gryndlger,  gryti- 
dechter=  »eahrosu*.  »cabldu«.  lorldu»,  Impetlglnosu», 
Zening.  Voc.  ro.7;  l».  33«;  IV  Jabrh.  grindecht  =  in- 
turtu«,  I).  30«;  grinniger  =  «eahrosu« ;  I>.  515;  1515  grin- 
dig =  morpheatlcii»,  I».  3fis ;  |.r>21  gnitidig  -  *cnbidii\ 
I».  5is)  =  mit  Grint  (1—  *',)  behaftet  (Schmeller  l. 
lütM  ;  <;ebr.ZingertelI,  198).  —  grinten  tmhd.Krinden, 


I  l.exer  U)  =  grintig  werden.  —  (1551)  allerhand 
Grint  (Hock  42;  man  hatte  also  schon  damals  die 
KopfuussehlAge  zu  differenzieren  begonnen).  —  Al(p)- 
Grind  =  das  mit  dem  Alpzopfe  behaftete  Alpkind 
(s.  d.),ein  verwachsener  Kretin  mit  dickem  Kopf, 

Wechselbalg  (Aargnu  ;  Z  f.  d  l'hllol.  III,  336)  —  (1839) 
.4ifce«/-Grint  =  Tineaatuiantacea,  „ein  Ekzema, 
dessen  Sekret  längs  der  Haare  hinabfliesst  und 
um  jedes  einzelne  Haar  an  seinem  Wurzelendc 
eine  Art  von  Hülse  bildet  ähnlich  einem  Asbest- 
fuden"  (»ehrend)  —  (16.  Jahrh  )  aussätziger  Grint 
fl.uther;  <.r.W.  I,yi4i  =  Lepra,  Aussatzkrankheit.  — 

Barm-  \  Grint  B>  Börn8«-int-  —  Bart-Qrint 
Bartfinne.  —  (17.  Jahrh.)  beissendtr  Grint  - 
beissender  juckender  Hautausschlag  (Fr.  Kr. 
B.  199).  —  (1839)  ß/o«<  ."-Grint.  1  =  Rupia,  Schmutz- 
borke, Schmutzblase,  ein  Hautausschlag,  der 
sich  aus  einer  Blasenform  zuerst  ausbildet 
(Bahrend  28).  —  2.  ~  Ecthyma  (die  Phlyzacia  der 
älteren  Autoren,  Phlyctides,  Agrin,  Scabies  fera, 
Furunculi  atonici  etc.1  (Hehrend  48).  —  3.  =  s.  Bla- 
senkratze. —  Blut-Orbit^  mit  blutigen  Krusten 
bedeckter  Grintkopf  (Fanli  in).  —  ßdm-Grint 
Xauenburg;  bomgrind,  Wuttko  316)  ^  Kinder-Grint 
lahd.bam  =  flliu».  *  bar;  bernegrund,  hernegrind,  barm- 
grund  ,  Frtsehb.  35 ;  in  prcuM.  Besprech.  ,  «.Feder). 
I  —  böser  Grint  =  a)  (1">07  mit  WUrmleiu  vermischt, 
I  H.  8.)  (=  Favus?);  b)  eine  Geslalt  der  Malytzy 
(Malatia-  Lepra)  (Hort.  San.)  (Krebs  od.  Lupus  ?), 
meist  wohl,  namentlich  seit  dem  17.  Jahrh.  als 
Impetigo  contagiosa  (Erbgrint),  Tinea,  Crusta 
lactea  angesehen,  wenn  dabei  die  Hautgeschwür- 
ehen „b" »sättiget"  und  das  Leiden  hartnäckiger 
waren  (a.v.  h.  I,  IS;  II,  491.  lasn.  1287;  Ackerm.  sio), 
deshalb  auch  sehr  gefürchtet  als  „gar  böBer 
Grint"  (Beynon  62;  Heyne  12.51);  c)  (1460  böaser  grlndt 
=  Syphilis,  Fr.  I.  35«;  1197  t.-.ser  «rlnt  au  dem  leib, 
Fuchs  I,  ::10,  1701  böser  grlnd  ~-  Kaphat  um  [Sapbatl 
Arabum),  L.  ch.  75;  Heben,  I..  ch.  15)  —  ansteckende, 
syphilitische  IlHutatTektii>n.  —  i9o//fn-Grint. 
l.sErbflrint  (Haarwurm)  (Rochholz  Zeltschr.  f.  d. 
Mythot.  IV.  112),  der  Grint  auf  dem  Hirnbollen 
(s.  d.)  -  Hirnschale  (Schmeller  1, 232).  —  2.  =  dicker 
Kopf,  auch  BQffel -Grint  genannt  (a.  Benediktiner 
Jahr  121;  C.  v  Schm.  84,  !  Im)  (wie  Grint  2).  — 

(17.  Jahrh.)  jBrus/-Grint  ■  Hautkrankheit  an 

oiler  auf  der  Brust  (der  Frau)  (Fr.  Kr.  B.  690t.  — 
dürrer  Grint  (1394  ttirre,  dürre  grint  =  papula,  D.  473; 
1482  durrgrint,  Zenlug.  Voc.  f3;  Or.  W.  II,  1715) 
=  Impetigo,  die  trockene  Borken  setzt  durch 
Verhärtung  und  Austrocknung  des  geschwür- 
igen,  pustulosen  Hatitsekretes  (harter,  trockener 
(Jrint).  —  Eiter- Grint  -  eiterbildender  Aus- 
schlag, Impetigo.  —  Erb-  {erblicher)  Grint 
jeder  erbliche,  d.  h.  (in  der  Volkssprache)  an- 
steckende, Übertragbare  Grint,  der  sehr  ge- 
fürchtet war:  a)  Impetigo  contagiosa,  Porrigo 
favona,  Favus-Pilz,  Achorion  Schoenleini  K  auf 
der  Kopfhaut;  b)  Ekzema  capitis  der  Kinder  — 
fiiessender  Erb-Grint  117.  Jahrh;  Fr  Kr.  B.  355); 
c)  syphilitischer  Hautausschlag  auf  der  Kopf- 
haut der  Kinder  (engl,  heredltary  »call,  »curf, 
-call;  1.51  der  messend  Krbgrindt ,  Hock  139;  1576 
I  rbgrindl  -  alopieiu,  Tlieuphr.  Bod. ;  MM  Frb- 
grind  =  porrigo,  Ür.  W.  III.  721;   1'arnouUu»;  172'. 


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204 


Grint. 


Grint. 


K.rbgrind  -  tinca,  „trockene  oder  Messende  Baude 
nl.cn.  K»nze  Haupt",  The».  San.  Br.  114;  1764  Krbgrind 

—  Impetigo,  Unea  capitis,  A.  v.  H.  II,  491.  831  j  1761 
Erbgrind  sa  ptora,  L.  eh.  71 ;  1776  Krbgrlnt  —  Scabies 
capitis  lupiua,  Kehrend  46 ;  1777  erbgrind  acor  — 
[1839  Acboriou  Bchocnleinü],  I),  10.  1807  Krbgrind  — 
aii-teckcnder  Grlntauswhlag .  Ackerro.  MO  |  183V  ge- 
niciuer  oder  wahrer  Krbgrint  =  porrigo  favosa,  Hehrend 
II;  [bl*  1893  hatte  man  9  Arten  von  Kavus-Pilzen  ge- 
funden]; die  Synonym:»  [nach  Kehrend  44]  Cerim, 
«  crea  [Honigwabe,  Wach«,,  Kavus  [Hntilgwabc],  Scabies 
rapid*  [Ilauptraude],  Psora  capltüi  [der  Griechen  und 
Homer],  Saphatlm  der  Araber,  Tinea,  Tinea  favosa  et 
fleosa  [Fclgengriut].  Pityriasis  [der  mittelalterlichen 
Autorin],  Krfaehorfde  [s  Erbschorf].  Douw-worm  der 
Holländer,  Onatx  oder  Gneis*  [s.  d.),  e.  Hotiig-Grint). 

—  ritt-  (rr-)grülten  =  rändig  werden  (Schmeiler 
i.  low).  —  Fetgen-Onnt  =  Tinea  (syph.),  welche 
Ähnlichkeit  mit  der  Feigen frucht  haben  soll, 
„«obald  die  gelbe,  harte  Rinde  de«  Borkenaus- 
schlagea  weggefallen  ist,  liegt  da«  (feigen)rote 
blutende  „Fleisch"  (=  der  Feigenpulpe)  bloss, 
das  den  inneren  Feigenkörnern  gleichsieht" 
( v.  v.  II.  I,  66«.  667.  1287).  —  feuchhr  Grint  [1888 
leuchte  (rrynd,  II.  v.  Gemd.  96)  =  „eine  Veiun- 
reinigung  der  Haut  mit  Gesehwären,  Schuppen 
und  Hurtigkeiten"  =  (1889)  Impetigo  (Kehrend  46) 
=  fiiesaender  Grint.  -  Flechten-  [flechtender) 
Grint  =  der  Grint.  der  die  Haare  deB  Menschen 
zu  Flechten  xusammenklebt  (  =  Flechten,  s.  d.), 
Kkzcmu,  Tinea  serpiginosa;  dieser  Grint  gab 
V  eranlassung  zu  dem  Namen  „Flechten"  als 
menschliche  Hautkrankheit.  —  (1699)  flietaender  j 
Grint  -  Ekzema  capitis,  missende  Hechte,  näss- 
ender Grint  [r.  M.  II,  IM).  —  fressender  Grint  =■ 
eine  um  eich  greifende  Borkenkrätze  (Ausschlag, 
Serpigo  diffusa)  auf  dem  Kopfe  (Fuchs  II,  626).  —  I 
GYi««  Grint- ein  aphthöser  Borkenausschlag  am 
Maule  von  Sauglämmern  (Kipp.  64«j  (Maulseuche). 

—  (1744)  gemeiner  Grint,  1.  =  Porrigo  favosa 
(Kehrend  44).  —  2.  =  Ansprang  («.  d.)  (Zw.  4M), 
der  allgemein  sichtbare,  bekannte  Kopfgrint 
(der  häufig  war.  da««  man  z  K  in  Holland  au  den 
Schulen  besondere ,  die  Kopfhaut  der  Schüler  über- 
wachende Krauen  Im  Mittelalter  anstellte,  HaescrII.  81U). 

—  (1797)  Gesichtä-OnnA  (Grind)  —  Finea  faciei,  , 
Ceaichtsausschlag,  Eczema,  Herpes  (J.  P.  Krank 
v,  ii'7).  —  Grow-Grind,  1  -  O6-10)  Capito,  der 
ein  grosses  Haupt  hat  (Kluge *,  146;.  —  2  - 
(ll'JO  gros«  grinht,  gross  grint  —  morphea  Laxari, 
l>.  368)  —  der  grosse  Hautlläehen  einnehmende 
Aussatz,  Ijizaruskrankheit.  —  harter  Grint  - 
dürrer  Grinl  (s.  d.)  (17.  Jahrb.  .;  Kr.  Kr.  B.  106).  — 
Haupt-Qrint  (grint  auf  dem  haupt,  1>.  630)  =  jeder 
abschuppende  Kopfausschlag,  Achora,  l  urlures, 
Serpedo  capitis,  Furfuratio,  Pityriasis,  Porrigo 
U>.  630;  A.  v.  n.  I,  19;  II,  629).  -  dürrer  Haupt- 
grint^- trockenes  Ekzema  capillorum  fTabern.). 

—  fliessender  Hauptgrint  =  nässendes  Kkzema 
capillorum.  —  (1688)  rufrichter  Hauptgrint  = 
Impetigo,  Krusten-Ausschlag  auf  dem  Kopfe 
(Tahcra.).  —  Haut-Qrlnt  (11*2  gryndt  auff  der  haut. 
Zening.  Viic  ms,  pp8,  udd.  grlui  uff  der  heut,  hude, 
hudeu,  I>  630)  =  der  die  blosse,  nicht  behaarte 
Haut  befallende  Grint  =  .Serpedo  (Serpigo,  Fk- 
zema, Zittermal,  Zittcrsch).  —  Honigioaben- 


Grint  ■-  Tinea  favosa,  Favus  Melicerum,  weil 
nach  der  Kntfernung  der  Borkenkruste  (Rinde) 
die  den  Honigwaben  ähnlichen,  geschwungen 
Vertiefungen  sichtbar  werden  ;  der  Favus-Pilz 
bildet  schwefelgelbe,  becher-  oder  näpfchen- 
förmige  Krusten,  die  mit  den  Honigwaben  ver- 
glichen wurden  =  Cerua  (Zening.  Voc.  in 8)  (Honig- 
fiechte,  Wachsgrint),  Impetigo  (Zss  Hdb.  d.  «p 
Path.  u  Ther.  XIV,  233;  Rehrend  46).  —  hilldrigcr 
Grind  ■  hohler  Kopf  (verächtlich.  Wolf  158).  — 
/in/  Grind  =  ein  Borken  bildendes,  räudear- 
tiges  Strablgeschwür  am  Pferdehufe  (la  teigne) 
(Kalke  I.  418).  —  Hunds-Qrint  (hundsgrint,  grint 
auf!  den  hunden  —  serpedo,  I).  630)  =  Hunds-Übel, 
Hundschflppel  HundiiUide.  —  Kahl- Grint  - 
Rasiergrint.  —  Äindcr-Grint  =  der  bei  Kindern 
häufiger  bemerkbare  Kopfgrint  Grinlkopf, 
Milch-  oder  Börn-Grinl).  —  (1666)  Äinn-Gnnt 
—  Menlagra,  Ausschlag  im  Kinnbarte  (Gr  w.  v, 
778),  im  Gegensatze  zum  Grint  auf  der  nicht  be- 
haarten Haut.  —  ff<Vim- Grint  ^  die  Haut-Ab- 
schuppung, die  mit  Ausschlagen  der  Haut  des 
Kopfes,  Bartes  etc.  verbunden  ist  (Hautklcie) 
(1776   Porrigo;    1889  Pityriasis,    Kehrend  6.  66.  .7; 

Pauli  im).  -  j  Grint  (zwischen  Fell  u. 

Fleisch  (17.  Jahrh. ;  Kr.  Kr.  K.  178)  =  kleine  Kratze 
od.  Kratzlein  mit  mehr  Juckreiz,  als  man  nach 
der  oberflächlichen  Erkrankung  d.  Haut  erwar- 
ten sollte  (begrinnende  WanderuDg  der  Krätz- 
milbe in  die  tieferen  Hautschichten).  —  Kötcn- 
Grint  -  Mauke  (s.  d.)  an  der  Pferdeköte  (Zipp..i«oj 
(Javart).  —  (1830)  Kopf-  Grint  -  Hauptgrint, 
Kopfschäbe,  Impetigo  capitis,  Favus,  Ekzema, 
Pityriasis  tabesc.  (<ir.  W.  V.  1774;  Bohrend  12;  da- 
gegen sollte  da.«  Kopfgrlntkraut  •  helfen,  Wuttke,  V. 
a.  198.616)  — (1*16) gutartiger  Kopf-Grint=  Favus 
(Neumann)  {Kehrend  n)  (s.  Grintkopf)-  —  Waben- 
Kopfgrints.  Honigwabengrint.  —  imi) krätziger 
Grint  (B,  s.)  ■  krätzeähnlicher  Ausschlag  am 
Kopf.  —  a6ji)ATtV</ieH(icrGrint(Kock  49)  =  Lepra 
Graecorum  (Lupus?).  —  AViurrn-Grind  (tauto- 
logisch)  =  .Schorfausschlag  (Kalke  1.  1%).  —  Mah- 
nen Grint  =  schuppende,  lokale  Pferderäude 
unterm  Kamme  uer  Mähnenhaare  (Kalke  II,  8«; 
Mayer  76).  —  >iW-Grint ,  1.  -  Teigiuaul  (s.  d.), 
scüorfiger,  aphthöser,  ekzematöser  Ausschlag 
am  Maule  des  Saugkalbes,  I-ammes  und  Fohlen 
iZipp  r.77;  Kalke  II,  104).  —  2.  =  Mundgrint.  — 
M<hl  Grint,  L  —  Aussatz  (s.  d.;  Alphus,  Leuke, 
Vitiligo).  — 2.  =  weissgraue  Hautkrflstchen  bil- 
dender Kinderausschlag,  StrophuliH  (Kuchs  11, 
si4).  —  jUi/f  M-Grint,  1.  as  (1669)  der  krustige  Kopf- 
ausschlag  der  Säuglinge,  Crusta  lactea,  Börn- 
grint  (Gr.  W.  VI,  2194;  1776,  Kehrend  6;  „honigartige 
tiesehwure"  —  Favus  der  Kinder  [I.orry],  Hehrend  f.; 
eroüte  laclcuse,  Hrlss.  221)  (Milch-Rufen).  —  2.  — 
Teigiuaul  (Crusta  lactea)  oder  Mundgrint  (Falke 
II,  116).  —  Afwnd-Grint,  1  die  Lippen-Krusten 
beim  Herpes  labialis  (I.auimert  2H3I.  —  2.  -  Skor- 
bul(.'escliwüre  im  Munde.  —  (1839)  nässender 
Grint  -  feuchter,  fliessender  Grint,  nässende 
Impetigo,  Hechte  mitEiterbhlschen,  namenlich 
am  Kopfe  (Kehrend  46)  =  Ekzema  capillorum.  — 
1776  Saget- Grint  Tinea  nngitim,  Onyehounr- 
Lufis  (plenk,  Kehrend    selten  auftretende  Loka'li- 


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Grinl 


Grippe — grolsen. 


2or, 


Kation  des  Favus-I'ilzes  auf  die  Fmgernagel- 
gegend.  —  Pocken- Grind  -  Kopfgrint  (Borke) 
Sehafpocken,  Pferdepoeken  (Falke  i.  337;  II,  209. 
404).  —  ßanittom-örint  [Ü.  Jahrh.  raininren 
griudt  =  porrlgo  [Innrmltas  porcorum],  U.  448)  =  der  , 
l'uatel-Aussehlag  auf  dem  Kopie  der  Schweine 
beim  Rank-Korn  (s.  d.)  (D.  44R;  Gr.  W.  VIII, 
106).  —  Äostrr- Orint-  Herpes  tonsurans,  Tinea 
tondens,  eine  parasitäre  Flechte  (Trichophy-  , 
ton  tonsurans),  die  im  Ilaarboden  bei  Mensch 
und  Tier  kahle,  wie  ausrasierte  Stellen  ver- 
anlasst (s.  scherende  Flechte)  (nach  Huber  l» 
vermutlich  die  Mentagra  Plinit,  die  an«  Alten  durch  1 
einen  römischen  Finanzbeamten  nach  Kom  importiert 
wurde,  von  der  aber  Sklaven  und  Frauen  verschont 
blieben).  —  roter  Orint  (1470  rotte  grint.  rot  grinth 
-  papula,  D.  411;  roth  grund,  Oldcuburg  ;  IMS  grint 
under  den  augen  so  einer  rot  Ist ;  rot  under  den  äugen 
an  angeslcht  =  roorfea,  D.  368;  Zen.  Voc.  «3,  bb3)  = 
Blattei  l<  in  ,  Warzen,  Aisslein,  vermutlich  der 
Aussatz  (Lepra)  od.  Lupus,  im  Gegensatze  zum 
gelben  Grint  (=  Favus);  er  gilt  als  bösartig, 
schwer  heilbar.  (Goldachin.  134;  oldbg.)  —  Rufen- 
Orint  =  Impetigo  capitis,  ein  mit  Borkenbil- 
dung verknüpfter  Hautausschlag  am  Kopf.  — 
(1551)  schäbichür  Orint  -  Kinder-Grintmit  Haar- 
ausfall (Grint-Schäbigkeit)  (Bock  385)  (Tricho- 
phyton tonsurans,  Porrigo  decalvans).  —  (14«2) 
scharfer  Orint  =  juckender,  beissemler,  frischer 
Giintausschlag  am  Kopf,  (Scabies,  Pruritus, 
Prurigo)  (Zenlng.  Voc.  cc.  2,  m7)  (h.  Juckung).  — 
im'.i,  schildförmiger  Orint  ■  ein  Grintausschlag, 
l>ei  dem  die  Kavus-PuBleln  keine  Ringe  (wie 
beim  Ilaarwurm)  bilden,  sondern  Scheiben 
oder  Schilder  in  Gruppenform  (Behrcnd  46).  — 
Schlangen- Orint  =  eine  schuppende  Ausschlag- 
Form  (Ichthyosis)  (Schwaben ;  Bnck  12).  —  Schleim- 
Orint  =  Impetigo  Inrvalis,  die  eine  mehr  schlei- 
mige Sekretion  des  Geschwürs -GrundeB  hat 
(Behrend  47).  —  Schmutz  -  Orint  =  Impetigo 
(Rupia),  Schmutz- Flechte  (s.  d  ).  Synonyma: 
Psydraeia,  Meliceris  (Aetii;,  Meliceria  (Celsi), 
Liehen  humidus,  Herpes  humidus,  nässender 
Grint,  nässende  Flechte,  feuchtor  Grint,  Honig- 
Flechte  (Behrend  46).  —  ScAuppcn-Orint  =  Kleien- 
Grint  in.  d.)  (Buck  16).  —  StV»«A-Grint  =  Pityriasis, 
Kleiengrint  (Buck  15).  —  Tonaur-Qxint  -  siehe 
Rasiergrint.  —  trockener  Orint  (1414  drucken-, 
dracken  grint  =  Impetigo,  1).  2*8;  1482  druckener  grlut 
=  Impetigo,  Zcning.  Voc.  f  3;  1582  truckene  gryud, 
II.  v.  (jeradorff;  1781  trockener  Grind  =  lurfurutio, 
L.  cb.  30)  =  der  dürre  Grint  (s.  d.)  im  Gegensätze 
zum  nassen,  Iiiessenden,  feuchten  (irint  (Gr.  W, 
11,1745).  -  Tüppel- (Dübel-,  Dw/e/-)0rint  =  Kretin 
mit  einem  Bullen-,  beulen  ( =  Tüppel)  Kopf  (sieh. 
Tüppel)(Z.  f.d.  Pihlol.  III,  336).  —  (16W)  venerischer 
Esels- Orint  (Guar.  11.19/  =  syphilitischer  Borken- 
Ausschlag,  den  man  durch  eigene  Schuld  sich  /.u 
gezogen  hat.  —  (17.  Jahrh.)  verwundeter  Orint  — 
Wundschorf  (Fr.  Kr  b.  Ts;.;.  —  voll  Orint  (rai  rel 
grund  ^  Hcabiosns.  D.  511)  =  grindig.  —  (1764) 
HWu-Orint  =  Favus,  Tinea  favosa,  „wo  der 
Kopf  oben  viele  grosse  Geschwüre  und  Locher 
hat,  dass  seine  ganze  Oberfläche  wie  ein  Honig- 
kuchen aussiehl"  (A.  v.  H.  II,  491)  =  Wachs- 
rnfen.  -  Waffeln-  ( Waben  [-  Weefhj  Orint  ,  HVi- 


bim  ■  Kopf  grint )  -  llonigwabengi  int  (Buck  15); 
diese  Honigwaben  gleichen  in  ihrer  Kegelmüssig- 
keit  den  gewebten  Fadenkreuzen  oder  auch  den 
Feldern  des  Honijr-Wahenkuchens  's.  Waffel). 

—  (1507)  weisser  Orint  =  ein  weisse  Hautschup- 
pen bildender  Ausschlag  (Lepra?)  (II.  s.),  der 
von  einer  „undäuigen"  Leber  herstammen  sollte. 

—  U'o(/s-Orint-  Forrigo  lupinosa,  Favus,  Erb- 

grlnt  (s.  Wildnis).  -  Q^f.*6^  j  Ausschlag, 

■  Batten,  -Blasen,  -Busserin,  -Buttel,  -Faust, 
-Hauptschorf,  -Knopf,  -Kopf,  -Krusten,  -Laus, 
-Nase,  -Hufen,  -Schäbigkeit,  -Schüppel,  -  Teufel. 

Grippe,  f.  (au*  dem  frnu*.  Krippe,  f.),  1.  =  (1743) 
Inttiieiua  und  jeder  starke  Katarrh  1.  2;  (,.dlc»e* 
Drlppe  rieht  selb*!  wie  deutsch  nun",  Gr.  W.  V,  2326; 
Haeser  II,  801;  Kopp  III,  24;  IV,  26«.  Vergl.  o.  Gricb* 
■  Influenza;  ferner  grippen  -  angreifen  [s.  d.  u.  Kluge :>, 
III];  angrlppen  [agripper);  lirippe  -  die  zum  Zugreifen 
bereite  Hand  [Düsseldorf],  Z.  d.  V.  f.  V.K  1892.  S.  82; 
engl,  grlpps  -  I,elbkticlfeu ,  I-ebf.  48,  61.  grlpinge, 
griffunge  tactus,  I».  571 ;  le  tac  [lactus]  Influenza 
[*.  Tag];  Angriff  -  eine  Seuche,  s.  greifen).  Grippe  war 
früher  fast  nur  in  Frankreich  gebräuchlich  (Kuhein.  10; 
ctre  grippo  —  enrhume.  Bris*.  168).  Die  Polen  (.  t'hrypkii, 
bei  Kuhemann  29  Anna.)  haben  das  Wort  seihst  erst  von 
den  Deutschen.  —  2.  Grippe  =  Krnp  (■».  d.)  (Pfalz; 
raull  6i).  —  Grippe -P»ckrn. 

Orippen  8.  Kippe  u.  Krippen. 
Orips  s.  (iriebs. 
Orif«  s.  Gries  u.  Riss, 
gristgrammeln  s.  gramnieln. 
Grithe  s.  Grat. 

Oritt  (Grittel,  Oritteln,  Oritten,  griten) 

s.  Gratl  u.  reiten. 

gritzen  =  schluchzen  (lautmalend,  wie  kluxen, 
heischen  etc.,  Singultus  i<;r.  w.  iv.  1  1267). 

Oriube  s.  Griebe. 

gT0D  =  (gerob;  angls.  hrcof;  ahd.  riob  -=  scabiosus, 
Kluge*,  145)  =  rauh,  unfein.  —  grobes)  Augen- 
irciss,  Hände,  Leibestcinde,  MalUey. 

grochsen  (grnchzen,  grogezen  [mhd.],  grach- 

litzen)  Schweiz,  Nebenform  zu  krochen  [krachen)j 
=  mit  einem  krachenden  Tone  (bellend )  husten 

(Gr.  W.  V,  2348). 

Orodel  s.  rodeln. 
Oroeb(n)  s.  Reh. 
Oröbs  s.  Griebs. 

grobsen  -  rilCtari  Igerenpacn,  <lr.  \V.  V,  17vt). 
s.  ropsen,  Geröpsen. 

grölbezen  1609).  grölzen  (grelzen)  (1020) 
rülpsen  (s.  d.)  =  ruetan;  gerUlpten  (Guar.  885.  88«; 
«Jolcr,  R.  91;  The»,  tan.  Br  MW{  Gr.  W.  V,  1791;  VIII, 
H79;  Schmeller  1,  991).  —    H-77  saures  OrÖlzen 
saures  Aufstossen  (Beynon  in] 

Oröme  (Qrömmleln) Gromen. 
Oroene,  n.  =  s.  grün. 
Qroicken  t.  Greck. 

grolzen  =  grölzen  (s.  o.),  rülpsen,  ruetari 

(«•'chmellcr  I,  991)      tierolls,  S  Rolle. 


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Gromcn— Grube. 


Grube. 


Groraen  (Gröme,  Grömmlein)  :u.  Juhrh.  gn>- 

men,  Schindler  I,  UM;  UM  gromrucn,  Hyrtl,  K.  W.  66, 
vom  lat,  crumcn»  --  l.edcrtawhc.  l>.  15k),  1.  — Hoden- 
sack =  Grdmensaek  (ZerssHckel.Ivuffiansbeutel;. 

—  2.  =  Hoden  als  Inhalt  de«  Giömensackes; 
(ir.«»7  grambldn  =  nodennrueh  [angMborencr],  Si.  B. 
Mir.  33«  gromlctn  oder  Hoden,  Schindler  I,  IM;  1725 
grooimeti  —  testen.  Zw.  6*2;  1-iTT  grommen  —  Hoden, 
Beynun).  —  3.  =  (UM)  Samendrüsen  (Hyrtl,  K.  Vi.  M). 

gronen  ».  grünen. 

gropfezen  (grophezen) s.  ropfezen. 

grOSS  (Indogertn.  ghrud;  vorgerni.  ghraudo;  golh 
granta,  ahd.  gröz;  mhd.  groz,  Kluge*,  146;  1260  gröz 

—  dick,  schwanger,  I'feiHer  2-».  05).  —  Ain<(es-grOSS 
[mild,  Müdetgroz  1061  gross  zum  klode)  —  SO  gross 
schwanger  sein,  daases  zum  Gebaren  des  Kindes  ] 
kommt  (Gr.  Vi.  V,  70y)  =  am  Kinde  gross  gehen 
;ur.  Vi.  L  eod.j  —  gTOBSen  (mhd.  grözen),  1.  = 
schwanger  werden.  —  2.  =  an  Fleisch,  Wachs- 
tum zunehmen  (Leser 85;  D.  2>,9).  —  grosB- ) , er, es) 
Grössen- Adern,  -Arm,  -Augenwinkel,  -augiger, 
-Bauch,  -Bläst,  -Blatttrn,  •  Blatternpest,  -Blut- 
rohr, -Darm,  -Drüsen,  -Fantasie,  -Finger,  -fuss, 
•Galanterie, -Gallr,  -gehen,  -geschwollen,  -Gesicht, 
-Haarwachs,  -Hauptweh,  -hörig,  -hüftig,  -Husten, 
-Kehle,  Kopf,  -Krätze,  -Krankluit,  -leibig, 
-Lungen,  -Magen,  -Maul,  -Maua,  -Nagel,  -Nerve, 
-Pocken,  -Flesten,  -Rohre,  -Rufen,  -Schelm, 
-Schenkel,  -S<hlag,  -Schmecker,  -Sehne,  -Seite, 
-Seuchen,  -Siechtum,  -Spannader,  -Sterben, -Stirn, 
-Sucht,  -Tod,  -Übel,  -  Walin,  -  Waffeln,  ■  Wang,, 
-Zäpflein,  -Zehe,  zersig. 

Grotsche  s.  Grätsche. 
Grotzen  —  Gioeps,  Griebs, 
grotzen  =  groppezen,  grolbezen  (s.  d.),  ittlp- 
sen,  ruetari  (Schindler  I,  10191;  (vergl.  krötzen). 

Grube,  f  Grttbdl,  n.  (zu  graben  i  vorgerm.  ghrabb ;  | 
gem.-gcrm.  grnli  -r  'irnb,  goth.  gröba.  Kluge*,  113, 
nbd.  gruolm,  gntblloli  —  bohrend  Kraben;  mhd.  gniohe; 
gruebden,  Kluge*,  HC  nimmt  Knllehnung  aus  ruli 
mtllat.]  grupta  [Grotte,  lirurt]  an).  —  Die  autlalligste 
Grube  (Vertiefung)  um  mensch!.  Körper  ist  das 
Grübe!  =  die  Magen-  od.  Herzgrube  (s.  d.)  (Gr. 
Vi.  VI,  2683).  —  Grüben  (Gräben),  1.  =  (bei  den 
Deutschen  in  Südungarn;  Kindcrki tit?.«  angeblich, 
well  die  Kranken  wegen  des  Juckreizes  bohrend  in  die 
Haut  graben?  [grippen  —  kratzen],  Schmellcr  1,  10U6, 
vergl.  engl,  grub  =  Wurm,  Made,  Kngerllng  «.  Haut- 
wurm,  OnetHWurtn  u.  Sürrigrublcr],  =  Grieben  ^s.  d., 
als  Krustcnkoiner  beim  Gesichtsausschlage  der 
Kinder.  —  2.  =  ;icss)  Pockennarben  der  Kinder« 
blättern  (Beysea  M.  214  =  lea  lomi  [des  vüroics], 

liri**.  —  grublen  —  bubienden  Schmerz 

haben  .Bück  19).  —  grübeln  -  nach  einer  Kcke 
oiler  Tiefe  hin  mit  nein  Blicke  starren,  stieren, 
nachsinnen ;  vom  Pferde,  »las  den  sogen.  Lausch- 
koller  hat.  —  Grüblein,  1.  =  die  Zahn- 
fächer, Alveoli  dentium.  —  2.  —  Grübchen.  — 
3.  =  die  eine  Grube  aussen  unterm  Auge 
machende  Oberkiefer- Fistel :  Bolhrion,  Ulcus  [ 
cavum  in  oculo,  Botbor d. Araber (D.  77;  l.  cb.  in. 

—  Grübler  s.  Stirngrübler.  —  Grübchen  =  die 
kleinen  Vertiefungen  der  Wangen  oder  hacken 
bei  manchen  Leuten  (Nymphae);  (US2  grnWdn 


In  ein»  [1  ]  wuebeuden  menschen  wang  —  Incumilla 
[laeuuula;.  D.  IM).  —  .4 chscl  -  Grube  ■  Achsel- 
liöhle.  —  j4rm-Grnbe  =  die  Vertiefung  zwischen 
der  Bru9t  un<l  den  Vorderfüasen  des  Pferdes 
(Zipp.  97,i.  —  (1515)  4u#en-Grube  =  Augenhöhle, 
Augenring  (Orbit»)  (U.  399;  Gr.  Vi.  I,  sob.i..  — 

ßacA-CTi-Grübchen  s.  o.  —  Zfaitc/i-Grube^Fossa 
ventris  ;d.  315)  =  Magengrube.  —  i&iffern-Grube 
=  Blattern  -  Narbe ,  Pocken  -  Narbe,  die  die 
stärksten  Vertiefungen  macht  von  allen  Haut- 
krankheiten (<;r.  w.  ii,  7äj.  —  Zfr-u«(-Grübe 
=  die  3eckige  Vertiefung  in  der  Mitte  der 
Vorbrust  der  Pferde  (Falke  I,  ici).  —  Dreck 
Gmbe  (15.  Jahrb.  dreggrub*  ca  polypus,  foetor  naris, 
D.  445)  =  die  durch  Krankheiten  übelriechende 
Nasenholde.  —  (l«T.*>)  Hand-Qmbe  =  Vola  manus 
(Hyrtl,  K.  W.  55.  213).  —  ZZerrGrube  (15:10  hertx- 
grublc  —  preeordlum ,  ü.  452;  1561  herzgniblin ;  158s 
herzgrubldn  ;  1645  hertzgrübichen  =  eardia,  Ooler,  H.  A. 
80;  1701  Herz-Grube,  Gr.  Vi.  IV,  2. 12 17)  =  die  Magen- 
grube (s.  d.),  Scrobiculus  cordis  (Hyrtl,  aast  All. 
418),  oder  das  „Grübel"  (s.  o.),  das  sich  unterm 
Brustbein  ober  dem  Nabel  in  der  Regio  epiga- 
striea  befindet  (Wuttke  4»  ..  523.  575).  —  Herzgru- 
ben Bedrängung,  •  Drückung.  —  (1541)  Him- 
Grube  -  Hirnkammer  Ulyrtl,  K.  Vi.  84).  —  Hunger- 
Grube- Hungerlücke,  Hungerloch,  eine  3eckig 
vertiefte  Grube  beim  Kinde  und  Pferde,  xu 
beiden  Seiten  der  Lenden  (Flanken)  wo,  nament- 
lich links,  das  Fett  am  raschesten  schwindet, 
e.  B.  bei  trachtigen  Kühen  (Frank  117;  Falke  I, 
74.  425),  od.  bei  abgemagerten  Pferden.  —  (15S0) 
A'i»d*6ia/rern-Grüblein  =  Pocken-Narben  (Gr.  Vi. 
vi,  1700).  —  iiccc)  K in n  Grüblein  =  die  Vertief- 
ung zwischen  Unterlippe  und  Kinn,  Nympha 
(<ir.  W.  V,  778;  Sehrader  405).  —  Kurbel -QrnbleVa 
=  Oberlippen-Grube  (s.  Kurbe)  (Hyrtl,  K.  Vi.  123). 

—  LacA-Grüblein  -=  7  M&sIvqi,  Wangengrübchen, 
die  sich  durch  Spannung  der  (ieeichtsmuskeln 
beim  Lachen  bilden  (Kraus.  K.  414).  —  (1677)  Lieth 
Grüblein  ■  die  Furche  in  der  Mitte  der  Ober- 
lippe (Hyrtl,  K.  Vi.  ist),  die  beim  Kusse  in  Be- 
ziehung kommt  (Nympha).  —  jtfa^en-Grube ■ 
die  schmale,  ebene,  aber  vertielte  Fläche  an 
der  oberen  Bauchwandung,  die  namentlich  un- 
term Schwerlknorpel  zu  einer  Grube  eiueinkt 
(Hyrtl.  Anat.  411),  unrichtig  auch  —  Herzgrube 
(Gr.  Vi.  vi,  Hio).  —  .!/.•.'• Grubchen  ■  die  Ver- 
liefung an  der  Warze  der  Brust  (oder  Milch- 
drüse, Euter).  —  (15.  Jahrb.)  ;\  aeivn- Grube  = 
„die  flache  Grube  zwischen  den  Muskelnwül- 
sten der  oberen  Nackengegend",  wo  die  Fonta- 
nelle (s.  d.)  gesetzt  w  ird  -  Fontaneila,  coneavitas 
retro  in  oeeipite  (Gr.  W.  VII,  243;  D.  242).  —  Ohr- 
GrÜbler  (  GrÜbel),  1.  =  (ahd.  orgniblcr;  U,  Jahrb. 
orgribler.  orengrubel,  oregribel,  <;raff  I,  15'.»;  D.  C2.  63s) 
^- Ohrtinger,  Digitus  auriculans  IScbmeUer  I,  984) 

—  2.  .ler  Ohrwurm  (Gr.  w.  VII,  1255)  (s.  d.).  — 
Pocken- Grube  (UM)  -<grübig)  =  Pocken-Narbe. 
Blattern-Narbe,  blatternatepplg  [Thee.  s.  nr.  US; 
v.  M.  II,  212;  «ir.  Vi.  vn,  1905)  (Gruppen  -  Blatter- 
Narben,,.  —  R ^rz-Grüblein  -  das  Oberlippen- 
Grüblein,  wo  das  Nasen-Sekret  Bich  anhäuft 
(Hyrtl,  K.  W.  128).  —  Sr/wwi  Grube  navi- 
cularis  (Slcbold  34j  in  der  weiblichen  Scham.  — 
SYim-Grübler    die  Bremsenlarven,  die  in  den 


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Grubi— Grund. 

Nasennebenhöhlen  od.  .Stirngruben  bei  Schafen 
und  Ziegen  sitzen  (s.  Schleuderer)  und  die  so«, 
falsche  Drehkrankheiterzeugen  (Kalke  II,  344;  149). 

—  H  anflcn-Grübchen  s.  Grübchen.  —  Gruben-, 
Gräbel  Gesicht,  -Kopf,  -Kranklieit,  Sucht. 

Grub!  s.  Griebe. 

gruchzen  s.  grochsen. 

Gr  neben,  pl.  fl.  Grieb. 

grübig  (grtiwig)  =  geruhig  =»  Rekonvalescent 
(s.  ruhen). 

Gruebs  (Grueps)  b.  Grieb«. 

Gruecken  =  Krücken  (s.  d),  Heine  (sehmeller 
I.  9«;,  Hintncr  S.  19). 

Grügler  s.  rogel. 

Orttll,  f.  =  ürittel,  s.  Grätl. 

Grülle  s.  rollen. 

grültzen  =  grölten,  rülpsen  fv.  SC.  Et,  33). 

grün  (grünen)  (indog.  ghrä  [Gras];  angin,  growau 
s  wachsen,  gedeihen ;  germ.  grü  (gra]  —  wachsen, 
grünen;  nh<l.  gruoni ;  mini,  gnienc,  Kluge5,  144.  147 

—  die  Farbe  de*  frisch  gewachsenen  Graves) ;  meist 
nieht  das  Volk  gelbgrün  (berggrün)  für  giün 
an;  hlaugrün  ist  ihm  darum  schwarz  (s.  d.)  (1483) 
welches  Menschen  Farbe  grün  oder  schwarz  ist, 
der  ist  böser  Sitte,  sagt  <J.  v.  Megbg.  (Heyne  II, 
1262),  sie  ist  dann  eine  Missfarhe  u  krankhafter 
Art,  die  Giftfarbe.  —  grünen  (grünen)  (1343 
gruenen,  Pfeifler,  Forsch.  D.  Kritik  I,  80)  =  körperlich 
gedeihen,  lebltulte  Farbe  bekommen,  von  Kin- 
dern (Birlinger Ii.  37)  («.Farbe)  —  Grüne,  f.  =  die 
grüne  Farbe.  —  Grüne,  n,  I.  —  das,  was  grün 
ist.  —  2.  =  das  Gerinn  (s.  rinnen)  (v.  M.  I,  291: 
Seb.  302.  587).  —  Grünling  -  Ilirsciihoden  (ent- 
stellt aus:  Graenellen,  s.  d.)  (Schindler  I.  999).  — 
zirkelgrün  =  grün  wie  der  Urin  im  (früheren, 
grünen)  l'ringlase,  optische  Täuschung  beim 
hellen  Harn« asser,  s.  Zirkel  (Colcr,  II.  A.  187). 

—  grün  (e,  er ,  es)  -Altrr,  -Eisen,  -Fleisch, 
■Fraisen,  -Gelbsucht,  -Harn,  -Lefzen,  -Materie, 
-Milch,  Phlegma,  Pips,  Räude,  Hinge,  -Sthuxiss, 
-Siechtag,  SiecJttum,-Seite,-Sucht,-St(Mr,  Wurm, 

—  Wasser,  Zahn,  Zirkel. 

grüssen  (1260)  die  fallende  Sucht  gruezet  den 
Menseben  =  (bildlich  für)  befallt  (s.  empfangen) 
(pfeifler  44).  —  Gmss- Krampf,  -Sucht. 

Grutz  (eine  dialektische  Nebenform  zu  Griebs  [s.d.), 
Kluge* ,  121). 

Grütze,  f.  (germ.  »mit  =  Korn  ;  ahd  gruzzl ;  1282 
jrrmzhin^gnitum.  Grütze,  Du  Call««  VIII,  4M;  »nhd. 
Krütte[  =  «trüttbrei;,  Kluge  \  147;  engl,  grit ;  Orot! 
[fiahe  verwandt  zu  Urie*])  —  Gries  (s.  d.) ,  Furun- 
culosis,  Akne,  die  Hautknötchen,  welche  wie 
ein  Grieskorn  aus  der  Haut  auflagen.  —  er  hat 
Grütze  (im  Kopf)  =  s.GrOtzkopf.  —  i7au<-GrÜtz 
(Milium),  s.  Hautgries.  -  GrÜtz-ßenM,  -Grau- 
pen,  -  Kopf. 

Grund,  m.  (vorgerm.  ghrentu  ;  germ.  gruudu  ;  ahd. 
grünt;  mhd  gnind.  Kluge  147),  l.=der  Buden  des 
{Schädels  (  =  grund  ve«,  Hyrtl,  K.  W.  lsi)  als  Basis. 

—  2.  =  s.  Grind.  —  Jfajm-Grund  —  Fundus 
ventriculi,  die  blindsacklörmige  Ausbuchtung 


Ürnpfel— Guinea.  207 

der  linken  Magenseite.  —  Grund- ßet«,  -Feste, 
-Feuchte,  Fieber,  -Krankheit,  -Säfte,  Stoff". 

Grnpfel  s.  Kröpfet. 

gruseln  (gruseln,  grüseln)  (zu  gramen :  <">'»• 

grusön.gruwison  =  Schrecken  empfinden  ;  mhd.  grüsen. 
Kluge6,  114.  147;  Heyne  1210.  1269).  —  GrUSSele,  n. 
(Schwaben)  =  Vulva  (C.  v.  Scbm.  24'))  (wegen  der 
Sensationen?).  —  gruseln  (lättl  grle»eln,  II.  Sachs; 
Sehmeller  I,  1013),  Hautfrost  =  Gansehaut,  wie 
bei  der  Horripilatio ;  (lf.18)  gruselen  »  Formi- 
eatio,  Ameisenlaufen  (Schmellerl.  eod )  —  Gruse 
(Aargau)  =  Ekel,  Schauder  (Kluge  871.  —  Haut- 
gruseln  =  Formicatio  cutis.  —  Herz  grüseln  - 
Pochen  des  Herzens  bei  Schrecken  und  Schau- 
der (Kaufbenren);  (daxtl  krutzeln). 

gucken,  1.  -  jucken  (*.  d.)  (D.  4i,9).  —  2.  = 
s.  nach  folg. 

Gucket,  pl.  =  Augen,  mit  denen  man  guckt, 
neugierigschaut  (mhd.  gucken,  Kluge  *,  147;  Buck  13  ; 
vielleicht  zu  og  ~  da«  Auge  ;  ge-og  =  beide  Augen, 
die  man  bei  der  Neugierde  besonders  anstrengt  xum 
Schauen).  —  i>7*rn-Gucker  =  ein  Pferd,  mit  einem 
sogen.  Hirschhalse  (s.  d.),  das  mit  seinem  hoch- 
gehaltenen Kopfe  ausguckt,  als  oh  es  gegen  den 
Himmel  blicken  wollte  (Hafer  St  \  Falke  IT,  SU), 
—  Guck-<-ii<0ciV. 

gudern  (Gtidel,  Gidel,  Geudel)  (MW  tMel, 

Bfftt,  K.  W.  ii8 ;  lf>28  güdel,  m.  —  Omentum,  Bauch- 
fellsnck,  clrbus,  IT.  v.  Gersd.  37;  1541  geudel,  Kyff  4<",  a 
=  Netz;  gudl  —  gude  =  Füllsel  im  Netze  [''],  Sehmeller 
I,  874),  1.  m  das  herabhangende  Netz  bei  Tieren 
u.  Menschen  (Hyrtl,  K.  w.fi».  C9).  —  2.  =  vielleicht 
auch  bei  Tieren  die  Bauchwampe,  der  Wam- 
pensack (aus  Goder  [s.  d  ] ,  dem  fleischigen  Hant- 
sack  unterm  Kinn,  entstellt  und  ubertragen)  und  da- 
mit bei  Menschen:  gudern  =  gurren  im  Bauch, 
kollern  (C.  v.  Sehm.  216;  Buck  17.  19). 

Guegken  (Gügl ,  Gunggele)  (Ganken),  1.  = 
gunkelnde,  gaukelnde,  baumelnde  Beine(HintniT 
8.  19;  Sehmeller  I,  8*7).  —  2.  —  (V<90  gneggen  =  miilirc, 
D.  374)  =  gilken,  giksen  (s.  d.).  —  Gueggis  (Gun 
kes)  -  (Teufel  als  Hampelmann,  s.  Frquell  V,  1891. 
8  .  242,  Kluge a,  112;  guukns  =  Teufel).  —  Ruefen- 
Gueggis  —  Grindteufel,  Grindrufeu  erzeugender 
I  »Simon  (s.  Teufelskopt)  (Rochholz  1,  39).  —  das 
Gunggele  ist  ein  Weiblein,  bei  dem  die  Brüste 
hängend  sich  hin-  und  herbewegen  (gaukeln, 
gonkeln),  baumeln  (Tirol;  nintner  s.  17). 

Guelbe,  f.  s.  gelb  (gilb). 

gülden  s.  golden. 

Güle,  f.  Gesicht,  Mund  (Tirol;  vom  Italien,  culo, 
Hintner  6.  13). 

Gülle,  f.- Jauche. 

Gürtel  (gürten)  «.Gurt. 

Gutterchen  (Gütterlein  Güttgen)  s.  0 Uttel. 

Gugel,  f.  {ahd.  kugula ;  mhd.  gugele  =  die  Tuch- 
kappe, die  uberden  Kopf  gezogen  wird  '.Monchskapuz<-]i 

=  Prmepuüom  nl*  Hülle  der  Glans  penia  (Hrrti, 

K.  W.  141*. 

Gugger  B.  Kukuk  u.  gucken. 
Guhr,  f.  s.  gären  11.  Gur. 
Guinea-  Wurm. 


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20S 


Gull — Gurgel. 


gurpsen— Gurt 


Gull.  r.  Gulle,  f  Gullen  f.  taill«   auglna  por-  ] 

■  ..mm  [gulli,  gallo],  I).  I IH  ;  porrigo  -  Vitium  porcorum  ; 
au«  lat.  gula  -  Kehle,  Sohlund;  U.  .Inhrh.  pulten  = 
miwn,  gullen  -  imu*ciirc,  I).  37m,  1.  Liehen, 
Sohlund,  Hai«,  Kehle  (Schindler  I,  ***).  —  2  = 
Milzbrand  im  Hachen  der  Soli  weine.  — 3.  =  das 
Würgen  im  Schlünde.  —  (altrtch.)  Gulsichkeit 
(holl.  gulnigheid ;  1  IT'i  gulhieboit  —  crapula,  1»,  IM  ;  eine 
Neubildung  aus  ratlui.  guloslta«.  I».  271)  —  Hunger- 
gefühl im  Sohlund«  (>.  Geil),  Wiirgreir. 

Gnm,  m.  s.  Gaumen. 

gumpen  (  durch  atossetide,  pchwappeude  Be- 
wegung etwa»  heraus  oder  bmnfbrinKen  [den  Ton 
sum  nachahmend,  -  ndl-<  h.  pumpen).  —  c«  gumpt 
im  Kauehe  =  schwappt  fBuek  1'.»)-  —  es  gumpt 
im  Kopfe  ■  schläft  (wie  ein  l'umpwerk)  mit 
Schmers  im  Kopfe  (Huck  H). 

Gund  (Gunt)  (ahd  gund.gunt  -  Kiter,  <.ift,  sanics, 
huinor  tahidus,  tabes,  livor,  Graft  „'ltl.  220.  goth.  gunds 
-  Kiter',  Kluge1,  M7j  gunl  -  Übe«,  Tim».  It.  Z.  XV. 
363;  guud,  guntigiu  ~  labidus  hnm.ir,  II.  Z.  XVI,  55. 
71.  76.  M)  =  Piie.  Da»  tieiiache,  duroh  Kibb  ver- 
mittelte Gift  war  Kiter  (b.  d  ),  das  duroh  Be- 
rührung ausleckende  Gift  der  Seuchen  —  Gift 
(>«.  d.),  das  flüssige,  rinnende  Gift  —  Gund;  (die 
gundereba  [12.  Jahrb.  Physica  Pt  Hildegard!«]  hat  wohl 
dazu  Beriehungal«  Heilmittel).- (12.Jahrh.)Gc/r>GuJld 
(ahd.  gela  kunl  [gunlV]  =  morbus  regiu»,  II.  Z.  XVI,  82; 
I). 642) -die gelbe,  flüssige  Gallo,  alsoals Gift,  das 
das  Rheuma  („morbu>  reglus,  ld  c«t  nima",  II.  z.  XV, 
3A3)  oder  auch  den  Galltluss  (Gelhsuoht  3e  etc.) 
veranlasst. 

Our,  f.  (Cur,  Gor)  [Glrong,  Spund  tiefe,  Boden' 

satz-Ilefe  ,  Garungs-Pllz  ,  Sohmeller  I,  '.'31;  ultn<>rd. 
Gor  =  das  halb\erdaute  Kutter,  der  MageubodensitU , 
«iorr  [Schweden]  =  Jrt-t,  "•Ischl,  Spundhclc,  <Jr.  \V.  IV, 
1  1.117;  aui  h  Kahm      Gur.  Weinschw  rtmmehen  ;  also 

«iur)  =  dasselbe  wie  Hefe,  Heb  (■».  d  ),  Kahm, 
Semmel,  Gries,  Schwitmmchen  (h.  d.)  -  Oidiom 
nlhioanB  -  der  Mundhöhlenpil« ,  der  mit  der 
ärztlichen  „Kur"  |<;r.  W.  II,  r,40)  durchaus  keine 
etymologische  BeKiehut.g  hat  —  Our- Fäule, 
{-Fay,  Fei,  /et),  -Fosa  {-Fona,  fotch,  -Fes»,  -Fi»«), 
-Fr  es». 

Gurgel,  f.  (Gorgel)  (ahd.  gurgnla.  ein  auffallend 

frühes  Lehnwort  [wie  Goder  und  (iroiMo]  aus  Im. 
gurgulio,  da«  ein  „damit  urverwandtes,  eohtgorni  Wort 
verdrängte",  nämlich  ahd  guCrchala,  guercha  -  Gurgel, 
Ringe*,  W;  vermutlich  durch  den  Viehhandel  mit  i 
den  Koinaneu  oder  Hörnern  eingeführt  ,  mhd.  gurgel ;  | 
1.V92  gurgele,  u.  -  Irinnen,  I»  219,  cnirl   gargle,  Borge,  I 

Kalt-schra.  II,  197),  1.  -  Jugulum  (liiu.s.scl,  Üiussel, 
lllyrtl,  K.  W.  l»),  Schlund,  Sohlundkopf,  Luft- 
röhre, Speiseröhre,  Kehle  (äusserlich  u.  inner- 
lich). —  2  =  (1301)  Kehldeckel  [Had.  Jun.;  ür.  W. 

V,  391)  als  Teil  derliurgel  (Schlund)  —  3.  =  (iiVi7) 
Zäpfchen,  Klatt  (Gurgeldrüse  und  Gorgel)  = 
Uvula  (ityrti,  K.W. 21).  —  (i"..M)  Luft  Gurgel  Luft- 
löhre  (Hyrtl,  K.  W.  131;  lwi::,  <;r.  w.  vi,  I2i>i)  =  Luft-  j 
lohre  (s.  d.)  als  luftzufiihrendes  Gurgelrohr.  — 
(15611  .Mayen-Gurgel  =  Stomachus,  Speiserohre, 
Schlund  ;als  .Magenmund,  unteeipando)  (Or.  \v. 

VI,  1H0).  —  schlöttiye,  acklutzriije  Gurgel  Wölf  in 
mit  Schleim  belegler  Lachen    —  unircktt 


Gurgel  Luftrohre  —  (l  Ml)  Ii'-  Gurgel  • 
u-iirgclin)  =  l'omiim  Adami,  Adams-Apfel,  dessen 
llervorragung  Saufknubbel,  Bierknoten)  frü- 
her als  Zeichen  des  Küfflings  angenommen  wurde 
Hyrtl,  k  w  US  |  Kluge*,  t).  -  gurgeln.  1.  =  dumpfe 
knurrende  Töne  aus  der  Gurgel  hervorbringen 
(HoSm.  I.  37ft).  —  2.  —  die  Gurgel  ausspülen.  — 
Gurgel- A  der,  -DrUse,  -Knopf,  -Knoten,  -Ritte, 
■Roh;  -Stimme. 

gurpsen  (gurksen,  gorksen,  gurrezen,  gur- 
ren) (lautmalende  Bezeichnung  Iur  rülpsen  und  gurren, 
ractari ;  UM  guri>s  =  rnetna,  Had.  Jim.  37»,  C  v.  .Schm. 
23S;  ßchmcller  1,  932}  -  rülpsen. 

Gurre,  f.  1.  Mund  (Tirol;  Hintner  6.  M),  — 
2.  =  langer  weiblicher  Körper  (namentlich Stute) 
[Hlntoer  *>.  9).  —  Die  Weiblichkeit  und  der  Mund 
haben  manche  etymologische  Gemeinsamkeit 
i  Gauffe,  Fotzc).  —  pergurret  =  bartsohlächtig 
wie  ein  alter  Stutengaul  (0.  v.  Schm.  2ö0). 

gurren  (onoBatopotct).  —  (16W)  der  Magen 
gurret  ihm  (<>r.  w.  VI,  H3")  =  der  Magen  macht 
gur-gur,  stomachus  latrat.  —  (172.5)  kurren  = 
gurren  Im  Leibe  (Thes.  «an.  Br.  29ö).  —  Baueh- 
Gurren  -  flöten  (bei  Wallachen)  (Kalke  I,  105). 

Gurt,m.  Gürtel, m. gürten (germ. gerd  -liarten, 
Zaun,  goth.  gairdan  -  gurten,  ahd.  gurten,  gurtjan, 
gurtil  -  Gürtel;  mhd.  gurt ,  gurten,  gurten,  gürtel. 
Kluge*,  H7  ff. ;  engl,  glrdlc,  ginh,  UM.  47,  Kaluehm. 

-  starke,  sehr  breite  Binder  zum  Gurten),  1.  -  als 
strangförmiges  Gebilde  im  menschlichen  Leibe: 
u)  der  Nahelstrang  (gurt .  gurten  .  girdten  ,  llyrtl, 
K.  W.  71)  (Nabelgurte);  b)  das  Leberband  (Liga- 
mentum teres)  s.  u.  Nabelgurte.  —  2.  =  gürtol- 
ahnlich  sich  um  den  I<cib  oder  ein  einzelnes 
Glied  schlingende  und  wie  „ein  feuriger  Um- 
lauf" sich  ausbreitende  Krankheiten:  a)  „der 
Gflrlel"  (1799)  ■  ilerpes  loster;  b)  Zona.  ignt»  aacer 
<iul  medium  dominum  amblt  cingitqne  (Du  Cange  VIII, 
133;  15.  Jahrb.  peMlleiilis  morbi  gravisitimum  symptoma 
«piod  /onain  vulgo  nuneupant,  Hecker  a.  T.  7. 15;  llufe- 
land  216;  »ehrend  37;  J.  P.  Krank  II,  30.  40)  m  Pest- 
flecken.  Synonyma  Ignls  sacar.  Zoua  ignea,  repens 
aerpiglnoaa,  <  ingulum,  Zlncilla,  <  Irclnus,  Eo'slpelas 
bullosiim,  Kryslpelas  Zoster ,  Ignis  St.  Antouii  (nach 
Behrend  37  ti.  Richter  1,  101),  Keuergurtel ,  Ontola 
herpetica.  —  3.  —  vlie  Güttelgegend  deB  Menschen 

Taille),  Unterleib  (s.  Nabel).  —  (177(5)  Brenn- 
odei  Feuer  -  Gürtel  =  Herpes  Zoster,  Uretlo 
zoster  (Behrend  5;  Kraus,  L\  5.".j).  —  Brust  Gürtel 
Schullergürtel.  —  Flechten-  Gürtel  =  Keuer- 
gtirtel  (s.  d.  u  Gürtelrose).  —  Kabel  -  Gurte, 
1  -  Nubelstrang,  Uhorda  umbilicalis  ;i">öl  nabcl 
gurten,  Hyrtl,  R.  W.  71).  —  2.  (1W6  hlntadrlge  nnbel- 
g.irde)  Ligam.  teres  hepalis  (Hyrtl,  K.  W  ).  —  3.  <=" 
(1«M  lufftige  Xabelgurl)  die  vertrockneten  Nabel- 
Luftadcrn  (Arterien)  =  Ligament,  vesico-umbil. 
later.  (Hyrtl,  K.  W.  71).  —  (17M)  Rotlauf-  Gürtel 

—  Feuer-Güilel  {*.  o  ),  Herpes  Zoster  (A.  v.  II. 
II,  13i:>).  —  ScJiultcr- Gürtel  =  der  Knochenring, 
welcher  wie  ein  Keingürtel  oder  Hängewerk  für 
die  beweglichen  Arme  aus  den  Schulterknocben 
gebildet  ist  u.  vorne  vom  Krust  bein  geschlossen 
ist  (Harles.  2.  177).  —  muruektt  Gürtel  -  die 
den  After-  oiler  den  Scheiden-Hingang  gürtel- 
förmig umgebenden  PlftCqUefl  (Xcnmann,  neuer 


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Gusche— Haar 


Gtitlol-Haar. 


200 


VeuuMpicgel  -JO).  —  Gürtel- A Umschlag,  -Flechte, 
-Kind,  -Rose,  -Schlag,  -  Wurm. 

Gusche,  f.  =  Gosche  (s.  d.). 

GU88,  m.  (ahd.  gu»,  *a  giesaen.  s.  d.),  1.  =  das 
was  gegowen  wird.  —  2.  =  du  womit  man  giesat, 
ausschüttet.  —  GuB  —  Penis  (Schwaben),  die  Harn- 
rohre, da  der  Harn  darin  seinen  Lauf  hat 
(Buck  16).  —  Gass,  m  =  Bluterjmss.  —  (1646)  An- 
gTlSS  {eine  getreu  nachbildende  Übersetzung  der  Int 
affiuio  =  Kriech  parenchyma)  =  Placenta  (Hyrtl,  K.  W. 
204).  —  Ei  guss  =  Effusio  sanguinis,  fellis  etc. 
—  Mal  guss  (malgus,  Schindler  I,  1593)  =  Menstru- 
atio  nimis,  Abortusmole  mit  Bluterguss  (s.  Ober 
einen  Guss  gegangen). 

Gust,  m.  Güster,  m.  Gusto,  (U.  („das  dem  lat. 

nillab  entstellte  alte  Kust",  Schmeller  1,  955) 
(jeschmack. 


gut,  Gut,  n.  (gerin.  god,  gath,  dazu  Gatte,  Ge- 
gattei;  Grundbedeutung  ist:  zusammenpassend ,  ge- 
hörig, ahd.,  mhd.  guot,  Kluge5,  14«;  engl,  good;  ndd. 
good)  =  Sache,  Besitz.  Stoff.  Werk.  Davon  versc  hieden  : 
(1495  guot  -  gutta,  ßchlag,  Ueruhrt,  I>.  571)  -  11591) 
da«  Gut  =  l'aralysis,  Apoplexia,  Tropf-Schlag 
(Had.  Jun.  373;  Schmeller  I,  965;  De  rock  40;  1612 
gutta  =  ein  art  der  gyeht,  D.  271 ;  1592  das  Gut  =  Tropf, 
Beb.  00;  1602  da«  gutt  -  apoplexia,  Rochholz  I,  41; 
in  gutta  =  Schlag  [s.  Tropf],  in.  goutte;  13.  Jahrh. 
goutte  rose  -  Kotlauf.  l*r.  I.  337 ;  1*1  den  Flandern 
ist  ein  St.  Gotte  I'atron  gegen  die  goutte  =  Gicht 
[Tropf],  De  Cock  1.  c.;  Andrcscu  »6;  goutc  felonnesse, 
Du  Cange  IX.  223  =  Epilepsie ,  engl.  gout  =  Gicht,  hlp 
gout  ~  Hüftschmerz,  I/ehf.  179;  Kaltschm  .);  aus  den 
Medizinschulen  als  Gut  entstellt  übernommen  ;  ebenso : 
Qnt-Schlag  (wenn  nicht  =  Gottesschlag, s.  Gott). 
—  Gute,  f-  =  der  Kosenamen  für  einen  Krank- 
heitsdämonen  und  die  von  letzteren)  gebrachte 
Krankheit  (=  das  Sälige),  Apoplexia,  Vergicht 
(Schindler  171).  —  (1683)  «las  Fratss-  (heilige)  Gut 
»  das  wie  das  heilige  Gut  (corpus  Christi) 


respektvollst  behandelte  oder  wie  der  schreck- 
liche Fraisam  gefürchtete  Karfunkel-Geschwür 
(Anthrax),  Ignis  persicus,  wilde  Feuer  (Milz- 
brand-Karbunkel)  (Or.  W.  IV,  2.  SS7).  —  (1633) 
Heirat-Qnt  =  Penis  (Tr.  II,  262).  —  gut  (f,  er) 
Dinger,  Eiter,  Farbe,  Faid,  Helden,  Holden, 
Kinder,  Leute,  Mann,  Sachtigkeit,  Sack,  Schlag, 
Schweis*,  Sinne. 

Guttel,  (16.  Jahrh.)  Gütterchen,  Gütterleüi, 
Guttlein,  tum  Gttttgen  (Jttttel)  (mhd.  gutir  = 

Bilwiz,  Kobold,  clblscher  Hausgeist  -  Heimchen,  Hein- 
zelmännchen, Wichtelmännchen,  gute  Leute,  good 
fellows,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895,  8.  223;  Stubcnvolt  65; 
Schm.  I,  963;  Kluge  162;  Slmrock,  n,  D.  M.  «64 ;  Urquell 
IV,  33 ;  auch  Berggeist  (Gr.  W.  V,  1540],  der  Ton  den 
Bergleuten  gesehen  wird  in  der  Gestalt  kleiner  Funken, 
die  sich  in  den  Glashütten  oben  über  den  Schmelz- 
pfannen zeigen,  wenn  es  Zeit  ist,  das  Feuer  abgehen  zu 

lassen.  Gr.  w.  iv,  2. 2407).  —  Gutteren  ^Gütterle) 
—  Wasserblattern,  Bulla,  Blätterle,  Papula  (senm 
I,  963);  vermutlich  —  der  Nachtbrand  (Herpes 
phlyetenulosus),  der  durch  diesen  Hausgeist 
verursacht  angenommen  wurde.  —  das  Jttttel 
Gflttel)  hat  das  Kind  verbrannt  ■  rote 
Flecken, Ölflecken*,  Alpflecken  (Masern?)  (rergl. 
avoir  du  bren  de  Judas  =  Sommersprosien;  Briss.  207), 
im  Gesichte  der  Kinder  (Gr.  D.  M.  II,  112;  simrock. 
D.  M  454.  53:,).  —  das  Jttttel  (Gütchen)  spielt 
mit  dem  Kinde  =  das  Lächeln  der  kleinen 
Kinder  mit  halboffenen  Augen  (Gehirnreizungs- 
Symptom  beim  akuten  Wasserkopf);  dann  ver- 
langt die  Volksmedizin,  das*  man  dem  Jüttel  etwas 
zum  Spielen  gebe,  damit  o«  von  dem  Kinde  abla«se 
und  dieses  nicht  sterbe  ;  A Hertel.  20t ;  K-hlcr,  V.-Gl.  477  ; 
Laiitner  II,  212), 

gW  Bi  qu. 

Gyps.  —  gTPSig  —  mit  harn-  od.  phosphor- 
satiren  Kalksalzen  (Tophus)  durchsetzt,  hart, 
kallös  (A.  v.  H.  I,  143)  («.  rechtes  Gliederweh  und 
Speichelstcin).  -  gypsichtefr)  Körper,  Materie. 


Haar,  n.  (germ.  hera  =  Haar  [möglich,  dass  dieses 
mit  harwa  =  Flachs  zu  verbinden  Ist],  ahd.,  mhd.  h«r, 
Kluge*,  148;  früher  dafür  auch  vahs.  fuhs  [jetzt  ver- 
acbollen]  gebraucht;  engl,  hair;  ndl.  haar),  I.  —  das 
menschliche  Haar  (Kopfhaar,  Barthaar  etc.); 
Coma  =  das  Haar  der  Frauen  auf  dem  Kopfe 
(A.  t.  H.  Ii,  134);  Caesaiies  =  das  buschige,  ge- 
wellte Männerhaar,  das  dem  Cä*ar  eigen  sein 
sollte  (A.  v.  H.  II,  134);  Pilus  =  Capillus  (capitis 
pilus) .  du- lange  Haupthaar,  das  äussere  Kenn- 
zeichen des  freien  Deutschen  in  früheren  Zeiten ; 
Crini»  =  Cincinnus  -  Kraushaar;  Cilia  =  Wim- 
perhaare; Glandebalae^  Achselhaar;  Vibrissae 
=  Nasenhaar;  Tragi  =  Ohrhaar;  Mystax  = 
Schnurrbart;  Julus  =  Backenbart.  Für  das  Haar, 
das  ein  besonderes  Zeichen  der  Männlichkeit,  Kraft, 
Freiheit  und  der  ZengnngsfahigkHt  war. 


die  Germanen,  die  einen  grossen  Wert  auf  die  Haar- 
pflege legten  (Kochholz  II,  219),  eine  grosse  Auswahl 
von  bezeichnenden  Namen;  „welcher  mau  vil  hiirs  hat 
an  dem  part  und  an  der  prn*t,  der  macht  schier  kint" 

C.  V.  Meghg. ;  Heyne  III,  338)  (».  Zehe).  —  2.  -  das 
Tierhaar  (Borstenhaar)  (Gr.  W.  II,  11).  —  3.  =  (16S7) 
die  zu  haarfürmigen  Fäden  (Spene)  geronnene 
Muttermilch  (Lac  mulieris),  die  geronnen  auch 
dann  „der  Käs"  (Gr.  W.  IV,  2.  12}  genannt  wird. 
—  4.  =>  s.  hart.  —  Kr  hat  Haar  auf  den  Zähnen 
s.  Zehe  =  er  ist  ein  haariger  Kerl.  —  haaren 
här<-n)  ■  Haare  verlieren  oder  wechseln.  — 
haarig  (hoarig),  1.  =  mit  Haaren  versehen 

hirsutus).  —  2  .^heiser,  als  oh  ein  rauhes  Haar 
im  Halse  wäre  (vergl.  Gr.  W.  IV,  2.  89;  wo  „heiser " 
auf  kesara  ss  Mähne,  Haar  zurückgeführt  wird;  Steier- 
mnrk.  Fo^eV    —  3.  -  hungerig  (Schmeller  I,  1132) 

14 


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210  Haar. 

(s.  Hnngerhaar).  —  (isoi)  Haarigkeit  ■  abnorm 
behaarter Zustand  (Weikard  1211.  —  .i"  Haerung 

—  der  in  verschiedenen  Jahreszeilen  auftret- 
ende Abfall  von  Haaren  bei  Pferden.  —  Achsd- 
Haar=  Uechsenhaar  (s.  d.)  Unterüehsen  (s.  d.). 

—  itorf-Haar  =  daB  Haar,  das  den  Bart  bildet. 

—  #au< /i-Haar  das  Haar  am  Bauche  (in  der 
Linea  alba  zumeist).  —  behaart  {13.  Jahrh.  he- 
hür,  German.  XVIII,  '.'<il)  —  mit  Haaren  bewachsen. 

—  ÄVwiz-Haar-  durch  den  Kobold,  Bilwiz  (f.d.) 
verwirrtes»  Haar  (Wichtelzopf,  s.  iL)  (SchmeUer  I, 
•jao).  —  •  Haare  -  «He  am  Ohr- Eingänge 
büschelförmig  (bei  alteren  Leuten)  berausrag- 
enden,  dichteren  u.  längeren  Haare  (Vibrissae, 
Tragi)  (Hyrtl,  Annt.  566).  —  Ztorffat-HMM  =  bor- 
stig aussehende  Stichel  -  Haare.  —  ßrawu- 
(fi»*«-)Haar  (l-riilinr,  brohnr,  Sch  melier  I.  17*2.  1145) 
^=  die  Haare  an  den  Augenbrauen.  —  Brenn- 
Haar  =  die  brennenden  Schmer«  auf  Haut  und 
Schleimhäuten  verursachenden  Haare  der  Pro- 
zessionflraupe(Chctocampa  processionea  (Brehm, 
Tlarlcben ix.  42«.  429).  —  itö-  Jahrh  )  ito/vl-Haar 
=  Utlspelhaar,  Cincinnus  (l>.  120).  —  Brippel- 
Haar  —  die  widerspenstig  unter  den  auderen 
Haaren  hervorstehenden  einzelnen  Haare,  die 
einen  zänkischen  Charakter  anzeigen  sollen 
(Schnuller  I,  303)  (Uauchhaar).  —  Deck -Haare  - 
die  kurzen,  glatten,  weichen,  helleren,  die  ganze 
Hautdecke  überziehenden  Ilaare  beim  Tiere 
(Falke  I,  10*).  —  (uns)  falsches  Haar,  L  =  Coma 
adoptiva  (Schindler  II,  3s7),  angeschUftete  Per- 
rücken. —  2.  n  schlechtes  Wollhaar  bei  Schafen. 

—  F-nw,,  >»  -Haar  —  das  feine  Wangenhaar, 
namentlich  an  der  Frauenwange  (Hyrtl,  Anat. 
527).  —  (14S2)  /Wi-Haar  =  das  Haar  oberhalb 
des  b'isels  (  =  Penis)  —  Pubes  (cir.  W.  IV,  1.  45; 
1).  85),  Burgulio  (Budschurl?).  —  (HS2)  Fotten- 
Haar  =  das  Haar  ober  der  Fotze  (*=  Vulva)  = 
Pahes,  Burgulio  m.  85;  Gr.  w.  iv.  1.  45).  —  Fühl- 
Haare- die  Tasthaare  an  der  Schnurre,  Uber- 
lippe mancher  Tiere  (Falka  I,  291;  II,  357).  — 
Gart-  (Gnrsf-)Haar  imbd.  garzchAr.  öehtueller  I, 
SM'»;  l  >  xcr  Co;  —  das  Milchhaar,  das  mit  garstigen, 
ranzigen  Urintborken  (Crnsta  lactea)  durch- 
dachten ist,  wie  os  hei  Kindern  vorkommt  (psrznn 
=  Knabe  [garcon).  I.cxer  CO).  —  Gnuch  B.&SLT  (1582 
gauchhaar,  Gr.  W.  IV,  1.  15:14  ;  IV  ::17  —  laimirn;  1589 
gauchhaar  —  w  Idcrhoratige  Zunkbiuirc,  Panu-eNus  ;  Gr. 
W.  IV,  1.  1531,  1091  guughaar,  Ilad.  Jun.  23),  1.  = 
das  Wollhaar,  das  den  (tauchen  (Kretinen)  au 
Stelle  des  dichteren  Mannerhartes  w  liehst 
(-  Kretinenbart);  ebenso  2.  das  erste  Bart- 
haar, das  die  jungen  Milnner  bekommon,  die 
noch  manchmal  Gauche  —  Thoren  sind,  Daunen 
(dumet,  duvel),  poils  (Milchhaar,  Hungerhaar); 
sowie  das  erste,  leine  Haar  am  Möns  Veneria 
(Kran«,  K.  :::u;  Hri«-.  si).  —  .'i.  das  widerborstige 
Zankhaar  (lirippel-llaar) ;  der  Gauchs  Kukuk 
gilt  als  zornig  (7).  —  G'.haar  (G'bar)  -  Capil- 
lamcntum  =  dicker,  voller  Haurschmuck  (Sehni. 
I,  1146).  — (15.  Jahrh.)  haaret  —  crinitiis,  be- 
haart (D.  158).  —  (t776)  gespaltene  Haare  (Plank; 
Batnaad  6),  „es  wird  als  ein  Fehler  der  Haara 
angesehen,  wenn  das  äusserste  Ende  der  Haare 
entzwei  gespalten  ist".  —  Grmf-Haar  (mlid  grint- 
hAr,  UmM): das  Haar  auf  dem  (.mit  2  ( Kopf). 


Haar. 

—  U'>.  Jahrh.)  /«7rt-haerig  (hertherlg  -  htrclpllomi») 
=  hockshaang,  steifhaarig  (1).  278).  —  Haupt- 
Haar  (mhd.  houbet-här,  I.cxer  106 ;  het-hoar,  Schm. 

1,  1145),  1.  =  Capillus  hominis,  Kopfhaar.  — 

2.  =  Mahne.  —  heimliche  Haare  =  Pubes  (Gr.  w. 
iv,  2.  Ii).  —  //"»/"-Haare  =  Kotenzopf  (s.  d., 
heim  Pferde)  (Gr.  w.  in,  1692).  —  JIunrfs-Haare 
verschluckt  haben  =  Neigung  zum  Erbrechen 
haben,  wie  ein  Hund,  der  ein  Haar  (Gt&ser) 
verschluckt  hat  (s.  gerben)  (Cr.  W.  IV;  l*J6 ; 
Schmeller  I.  1129J.  —  Hunger  Haar  (ahd.  hnn- 
gerhar  =  pill  pubertatis  vel  faml«,  Oraff  IV.  982), 
l.  m  Lanugo,  das  wie  eine  Hungerpflanze  küm- 
merlich wachsende  erste  Gauchhaar,  Milch- 
haar, der  erste  keimende  Bart  (Gr.  w.  IV,  2.  11. 
1946;  vom  Wollhaare  der  hungerfeinen  [s.  d.]  Sehnte 
übertragene  Bezeichnung).  —  2.=  das  Ohrhaar  bei 
Pferden  -  Silber  (s.  d.),  bei  Hungerzustanden 
oder  mit  mangelhafter  Ernährung  einhergeh- 
endan  Krankheiten  des  Pferdes  im  Ohre  starker 
sichtbare,  mit  einem  weissen  Hautepithel  be- 
legte Haare.  —  JWas-Haar  —  rotes  Haar  (s.  rot) 
(V.  K.  1895.  S.  212).  —  junge»  Haar  (13.— 14.  Jahrh. 
jutichnr  ;  Uli  jnnghar,  junghair  =  pubes,  D.  470)  = 
das  Schamhaar  der  mannbaren  Jugend,  Milch- 
haar. —  (1825)  Xi»n-Haar=*  Kinnbart  (Or.  w.  v. 
778).  —  A'of-Haar  =  Kötenzopf ,  Hufbaar  (Gr.  w. 
V,  1896).  —  Kraus  Haar  (1">.  Jahrb.  kruMiar.  Gr.  W. 
V,  1090.  2102)  =  krauses  Haar  (Crispus).  —  (1580) 
Kruspel-'RdMt  =  dassich  krospelicht,  knirschend 
anfühlende  Haar  (Pferdehaar  z.  B.)  Gr.  w  v, 
2110).  —  (14.  Jahrh.) 7in<*ü«'/  Haar(cruespelhar,  Voc. 
opt.  W.  10;  Ii.  120;  Gr.  W.  V,  2333)  =  Ctncinnus, 
namentlich  Pubes  (f.  v.  Hchm.  32s)  -  gerispeltes, 
krauses  Küspelhaar.  —  (1515)  LocJt«i-Haar  = 
Capillilium,  Gaesaries,  das  in  Locken  (s.  d.) 
herabfallende  Haar,  wie  es  die  altfränkischen 
Könige  (Keges  criniti)  trugen  (D.  97;  Kolbe  ioj 
(Spannhaar).  —  AfarAt-Haar  (IM.  maga-här, 
Sehmcller  I,  156t)  =  Schamhaare  am  Gemachte. 

—  (1521)  M:n,u-  Haar  —  ('aesariee,  das  kurz- 
beschnittene Mannerhaar  im  Gegensatze  zu 
den  langen  Frauenzöpfen  (D.  116).  —  meliertes 
Haar  =  menschliclies  Haupthaar,  das  mit 
grauen  Haaren  gemischt  (fr*,  mele)  ist.  — 
(H14)  AfiicA-Haar,  1.  =  Lanugo,  das  Wollhaar 
der  Säuglinge.  —  2. —  das  zarte  Haar  des  keim- 
enden Barles  (Hungerhaar,  Gauchhaar).  —  3.= 
Pubes  (milch-,  melllch  ,  melk  har,  I).  470,  Gr.  W.  Vi 
engl.  iHllkhalr,  J.ehf.  35).  —  A'<WH-Haar  —  Vi- 
hrissae,  die  Haare,  die  bei  alleren  Leuten  aus 
den  Nasenlöchern  herauswachsen  u.  den  Staub 
abhalten  sollen  (Gr.  w.  Vit,  412).  —  AVid-Haar 

—  3 — 4  lange,  über  den  Augen  des  verhexten, 
„Verneideten"  Viehes  befindliche,  beim  Be- 
sprechen desselben  ausgezogene  Haare  (s.  ver- 
neiden).  —  OAr-Haar  -  Hungerhaar  (s.  d.).  — 
/iatVn -Haar  =  rabenschwarzes  Haar.  —  (1561) 
ranrh  Haar  =  (1.M2)  rauh  haar»?  (mchhartg  =  hir- 

cutna,  D.  27» ;  Gr.  W.  VIII,  266.  272)  =  mit  rauhen 
1  Liaren  belmftet,  Gapilli  asperi,  borstiges  Haupt- 
haar. —  fie<"d-Haar  (ZU  ahd  ridan.  rei.len  ■  drehen, 
.Sellin.  II,  57.  58;  15.  Jabrh.  raidbaar.  «  .  v.  fchm.  423) 

—  kraus  gedrehtes  Haar.  —  rofrs  Haar  s.  „rot". 

—  Rüspel-,  Rüspel-  CÄMi'»;j«'/-)Haar  =  krauses 
(gerispoltes),  gelocktes  Krüspelhaar  G4.  Jahrb. 


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haben. 


Haber—  Hachse.  211 


rüspclhaar.  Voc.  o|»t.  W.  10;  cinrinnus,  SrhumluMUr, 
Pubes.  Hyrtl,  K.  W.  132,  <.r.  \V.  V,  2333;  VIII,  IV*). 

—  (14.  Jahrh  )  Scham-HULT  (raraex,  Voc  opt.  W . 
12;  D.  6IS;  l  i<;2  schamhar  b  ramex;  1515  scham- 
har-^ pubes,  pecten  [s.  Kamm}.  I>.  41«.  470.  483)  —  die 
Haare  an  den  Schanigliedern,  Pilosilas  in  pu- 
dendis  (  =  ratnus.  rnmlx,  rame«  =  mcntula  vel  vlrga 

vlrilU.  Du  Cange;  Gr.  W.  VIII.  2115).  —  JJjjJ 

Haar  =  das  Haar  am  Scheitel  (SchndelX  — 
ScAfT-Haar  =  da«  abgeschorene  Haar  (Gr.  w.  VIII, 
SS87).  —  (16J2)  »cAinn  haari;/  =  haarlallig,  wobei 
die  Haut  .Schinnen  (s.  d.)  fallen  lasst  fschmdlcr 
II,  42ö).  —  (mhd.)  Spann-Haar  (spllnhar,  Lexer  239) 
=  das  hobelspanartig  geringelte  Haupthaar 
(Caesaries)  (Voc.  opt.  w.  io;  D.  116).  — Spur-Haar 
=  Nasen haare,  Fahlhaare  (bei  Katzen)  (Hyrtl, 
Anat.  :»27).  —  (1613)  Staub-  (Sfaup-)Haar  =  Lanugo, 
das  erBte  Wollhaar,  Stoppelhaar,  Feg-Haar,  das 
wie  eine  Statippe  (Kegerute)  auf  der  Haut  er- 
scheint (Hyrtl.  K.  W  56;  u.  nach  P.  Ahraham  a  Santa 
(laraim  vierzehnten  Jahre  om  die  Lefzen  heraus  „stnpf- 
flei",  eohmellcr  Ii,  7761  —  (1748)  stechende  Haare 
=  die  bei  der  Distichiasis  auf  die  Augenlidhant 
stechenden,  weil  falsch  gestellten  Wimper-Li- 
lien) Haare  (K.  ch.  225).  —  Sftcfoi*- Haare  =  einzeln- 
stehende,  steife  Haare,  die  schon  einen  Stich 
ins  Graue  haben,  oder  sonst  auch  zu  einer  Ver- 
änderung in  Form  oder  Farbe  neigen ,  wie  ein 
Spiesskäs ,  der  angestochen  eine  andere  ab- 
stechende Farbe  erhalt  (Falke  II,  341;  Schindler 
11,724).  —  «iVÄ-haar  =  mit  steifen,  starrenden 
Haaren  (Schindler  II,  729).  —  last  Haar  =  Ffihl- 
haar.  —  (1482)  £VA*«i-Haar  (Zeniug.  Voc.  hh  7; 
Hyrtl.  K.  w.  150)  =  Lanugo,  das  Achsel  haar.  — 
[.'n/cr-Haar  (15.  Jahrh.  unterhar  pnbes,  Schindler 
I.  1145;  D.  420)  =  Haar  am  Unteren  (s.  d.).  —  rrr- 
haeren  ■  die  Haare  ganz  verlieren.  —  irildc 
Härle  (Haare)  =  Distichiasis,  Wimper-Haare, 
die  wegen  ihrer  falschen,  irrigen  Stellung  die 
Augenbindehaut  reizen;  sie  bilden  gleichsam 
eine  Reihe  von  unnatürlichen  (verirrton?  = 
wilden)  Cilien  (Buck  13;  Pauli  io).  —  Wimper- 
Haare  ■  Haare  an  der  Windbraue  (Wimper) 
des  Auges  (Cilien).  —  Woll -Haar  ■  Lanugo; 
a)  das  feine  Haar  (Milchwolle)  beim  Foetus  im 
fünften  Schwangerschaft-Monat;  b;  bei  Kindern, 
Frauen,  Kretinen  und  Kastraten.  — zerstrühltes 
Haar  (1743,  r».  i57)  =  Criniapassus-<las  in  «rosse 
Mrahlen  zerfallende,  weibl.  Haupthaar.  —  Haar 
Balg,  •Bein,  •Bleichsucht,  -Flechte,  -Flicsxung, 
-Fotz,  -Gefässe,  -harnen,  -Keim,  -Kopf,  -Krank- 
heit, -Kugel,  -los,-Mangel, -Mensch,  Milben,  -Pein, 
•Bänke, -Rohren,  -Scheissung,  schlächtig,  -Schratt- 
lein,  -Schuppel,  -Schuppen,  -Schwarte,  -Schwund, 
-Schteinde, -Sträuben,  Stumpf,  -  Tauche,  -  Ycr Hand- 
lung, •  Wach»,  -  Wechsel,  -  Weh,  -  Wirbel,  ■  Wuchs, 
•  Wurzel,  ■  Wutzel,  Zopf,  -Z-dte,  -Zange,  Zwiebel. 

haben  (vorgenn.  khabh;  gerra.  habal;  ahd.  baMn; 
mhd.  haben,  Kluge*.  148.  149  -  habere,  besitzen  als 
Eigentum).  —  Was  hat  er  ?  -  woran  leidet  er? 

—  Kr  hat  es  vorm  Herzen,  auf  der  Brust  in  der 
Kehle,  im  Magen  =auf  der  Brust  in  der  Kehle, 
am  Magen  krank  sein  (Ooldschm.  lioj.  t  —  Ge- 
habe, ürh&be  (ahd  glhaba,  Schm.  I,  lOM.i-Habi- 

tus,  Befinden  -  Kindt  Habung  M  »]  Haberin 


—  A-iWc*haft  (md)  =  schwanger  sein,  ein  zu  ge- 
barendes Kind  habend,  gebarend  (<;r.  w  V,  t*»; 
Schmeller  [,  1261).  —  übel  (sich)  /-haben  [b«l  Luther ; 
H.  Paul  170;  1618,  Srhmeller  I,  1031  ff)  -  seine  üble 
Schmerzempfindung  doreb  entsprechende  Ge- 
bärden ausdrücken.  —  r»i<7rhabe{nnd.  ungaewe) 

—  Ungesund,  Gebrechlichkeit,  keine  feste  Ge- 
sundheit zeigend  Goldschm.  131 ;  Schmeller  I.  1032), 

—  (1MW)  unter-  |  jj|fljf?^  |  ('ul1-  onderhevig,  l>c 

Cook  92)  =  einer  Krankheit  leicht  unterworfen 
sein,  unter  d.  Einflüsse  eines  Gestirnes  stehend. 

—  tttJWrhaft  («  Jahrh  wazarhaft.  Graft  I,  1128  m 
hydroplcui)  =  der  Wasser  im  Leibe  hat;  (vergl. 
Haber).  —  Hab -Drusen 

Haber,  U.  (Hafer),  t.  ■  («hd.  habaro;  mhd 
halHT,  man  leitete  das  Wort  gewöhnlich  von  altnord. 
hafr  =  Ziegenbock,  lat.  caper  ab,  was  [abseihen  von 
Habcrgciss]  etymologisch  nach  Kluge*.  14$  unm»g 
lieh  Ist;  manchmal  aus  a)  ahd.  avarön  =  rügen,  oder 
b)  aber,  aftir  umgebildet,  z.  H.  Haberfeld,  Habcrgciss  ; 
LalMner).  — A ugr «-Haber.  1 .  =  Aegilops,  8.  Geiss- 
auge  (  ■  „superiluaecarnesin  angulls  natne  oculorum". 
Du  fange  1, 115  ;  1584  „eine  Feuchtin  [  =  Flu«]  zwischen 
der  Nasen  und  grösseren  Augeneckc,  die  sieh  auch  xa 
Zelten  nach  lengs  In  die  Augenbraune  •eist",  Wimnng 
Ann.-U.  ;  17'.6  „ein  Thranengeschwiir  beim  grossen 
Augenwinkel  ohne  Verbindung  mit  dem  Hauptthräuen- 
gang  zum  rnterschie<le  von  der  Thrllneti  (ie«chwul«t 
und  Thranenflstel",  A.  v.  II.  II,  28  ;  Aegllops  helsst  auch 
eine  Hafer  Art,  Krause,  K.  28).  -  2.  =  der  „Haber" 
tritt  beim  „Augen-Haber"  Hordeolum,  Ger- 
stenkorn (s.  d.)  an  die  Stelle  des  „Korns",  weil 
Haber  «las  älteste  und  für  ganz  Deutschland 
ehemals  das  gewöhnlichste  Getreide  war.  I'as 
Aegilops  ,  „Ziegenauge"  (Bocksauge)  hat  that- 
sachlich  keine  etymologische  Beziehung  zueaper 
(haber  -  Ilock,  Kluge*,  Hl;  hafr  [s  o.]  -  ZiegenWk) ; 
Bocksauge  (s.  Bock)  ist  bloss  fvl>ersctzers-FJy - 
uiologie  aus  dem  (falschen)  Aegilops  ^richtiger 
Ankylops).  — J7iiz-Haber-Singultus  (Hitsch, 
Heisch)  =  einer,  der  Hitscher,  Hetscher  hat 
;Memmlngcn).  —  Haber- Geiss,  Klaue,  -Tlarr. 

Habicht  (  —  der  seine  Nahrung  mit  dem  Schnabel 
tcstpuckcndc ,  hebende  [caplo]  Vogel).  —  Habicht- 
Sasc. 

hachen  -  keuchen,  mit  Beschwerde  atmen 
[nd.-silchs.,  Krüns,  K.  137). 

Hachse  (Hächse,  Häckse,  Haxen,  ro. 
Hechse,  Heese,  Hehse,  Hesse)  (uriudog.  k«k»a 

[coxa,  roxlm]  =  Arhs.tgrnbc.  Hüfte,  Kniekehle,  goth. 
hahsl  ;  ahd.  hahsa  -  Kniebug  des  Hinterbeins,  <;raff 
IV,  .S00;  atigl.  hi.\etie,  hohsina;  mhd.  hali-e,  helise, 
hach«e,  hehsen,  pl.,  Kluge*.  159 ;  Schindler  I.  104«; ; 
UiO  huhsn  -  poplex.  1».  443;  IIS'»  heehsso  =  poplex. 
Zening.  V««c.  ol;  h«?chse  —  Sehne,  (ilos«.  Pehentil ; 
Hyrtl,  K.  W.  113;  1*7  hese  =  poplex,  I».  443;  15.  Jahrh 
hesen  nates.  I>.  376;  ndl.  hesctic,  heisene  -  poplex. 
D.  443;  |«N  he.cn,  h.'«sen  -  Haechsc.  v.  M.  I.  52.  BS; 
Kulte  I.  392;  engl,  honghsene,  fries.  hoxene  Knie- 
kehle), ].  z-  KiiK'liug  und  Kniescheibe  iZftiine. 
Vor  oii.  Kniekehle,  Poplei (Bcbw. 275; C  r.8chm. 
252)  mit  Sehnen  und  Biindi-in,  besonders  bei 
\  ierfüssern  (Schmeller  I.  104«  ,  Falke  T.  X.»).  —  2.  = 
iint«-re  Extremität  üb.-rhaupt  (verächtlich  bei 

14' 


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Hacke- Hacke(n). 


Haeke(n). 


Menschen);  beim  Kind vieh:Sprnngi?elenkflpitie, 
hintere  Fusswurzel  (C.  v.  Schm.  262;  Schm.  I,  104«; 
Falke  I.  858.  892;  II,  48).  —  3.  =  die  Gegend  um 
die  Achilles-Sehne,  die  grosse  Flechse.  —  4.  = 
das  hinkende  oder  krumme  Bein  (Augsburg,  c.  v. 
Schm.  252)  (beinhaltet,  l^lhmhaxe).  —  5.  =  ein 
dürrer,  schwächlicher ,  knochenzeigender, 
menschlicher  Körper  (Ulntner  5.  11;  Tirol).  — 
hechsen  (heesen,  hessen)  (ahd.  hahslnön;  inhd. 
hohsenen,  Kluge*,  159)  =  subnervare,  die  grosse 
Achillessehn"  durchschneiden  (s.  hemmen  und  j 
ham).  —  (fii/Tiaechsen  —  den  Penis  zur  Errek- 
tion  bringen  (Schindler  I,  IM").  —  bein-  (bon-) 
hazet  -  auf  einem  Beine  hinkend  (Delling).  — 
/•  'i  Haxel  =  einfüssigerMensch.— /mim/>-haxet 
(oberd.)  =  krumm füssig.  —  hih  haechsig,  -hes- 
sig ,  -hösig,  flechsig  =  mit  einer  unschönen 
Stellung  behaftet,  von  Pferden,  deren  Haechsen, 
Hinterkniee,  wie  bei  Kühen  stark  ><  nach 
einwärts  gerichtet  stehen,  im  Gegensat«*  zur 
Säbelbeinigkeit  (Kalke  II,  48).  —  /»my-haxet  = 
langfüssig.—  Lr»i;>rn-Hachsen  -  Lähmhechsen, 
gelähmter  Fuss  (Schm.  i,  1471).  —  schrlch-haxet 
=  schiefbeinig  (schlecht  geheilte  Knochenfrak- 
tur z.  B.)  (Schindler  II,  105).  —  Haxen  = 
spandünne  Beine  (Schweiler  I.  66S). 

Hacke  (Haeggele)  Hackel,  f.  —  HackekEi. 

Hacke(n),  f.,  m.  Häckerlein,  Häckerchen, 
Häckelein  (Haechel,  Haü)  (alid.  hacko  -  Baaken,  j 

gebogenes  Gert»  «um  Festhalten;  hahü  -  auch«, 
oeeiput,  Graff  IV,  797.  880;  hall  -  hahll,  I).  302;  mhd.  I 
hacken,  m  hecken  —  stechen,  hdssen  mit  den  Zahnen, 
[Gr.  W.  IV,  2.  74.5]  der  Hechte  (XII.  Jahrh.  haecchid,  ; 
Pfeiffer  60J  «nd  Schlangen  besonders,  Kluge*,  151; 
12.  Jahrh.  gehekken  =  morsus  serpentls,  Pfeifler  1»; 
„die  Schlange  ein  Wurm,  wenn  der  einen  Menschen 
heckt  oder  sticht,  so  blutet  er  sich  jsu  Tod  =  hac- 
morrhols",  Zening  Voc.  cc5;  ndl.  hak,  hid;  angl. 
höh  -  Ferse,  heia  [as  hoehila));  hackenförmige 
Gebilde  im  menschlichen  oder  tierischen 
Körper  sind:  1.  =  Zähne ;  a)  =  die  ersten  Zähne 
der  kleineren  Kimler,  die  durch  das  Zahn- 
fleisch durchstechen  (Häckerchen)  (Gr.  W.  IV, 
2.  105;  Heckerlein.  Hackertein,  1680  Heekdetn,  Belsscr- 
lein,  dentleuli  infantis  primi  emissi,  Gr.  W.  I,  1-102 ; 
IV,  2.  105;  V,  III;  Schindler  I,  104'.»;  C.  v.  Schm.  2*5; 
H.tekerii,  Franken);  (IMS)  die  Hacken  sind  ge- 
schossen =  rasch  durchgebrochene  Kinderzähne 
(Coler,  H.  A.  .r-0  ;  b)  =  die  nach  dem  Ausbruche 
der  Backen-  oder  Stockzähne  (beim  Hirsch 
und  Pferde)  folgenden  2  stumpfen  Zähne  im 
Uberkiefer,  sowie  die  Hauzähne  des  Wild- 
schweins (Gr.  \V.  IV,  2.  178,  Brehm  III.  545).  — 
2.  =  der  Vorsprung  des  Fersenbeins, 
der  den  vom  Unterschenkel  hackenförmig 
umfassten  Teil  des  Fusses  (Hiele)  bildet 
(12.  Jahrh.  hacchun,  hacken  m  calees,  GroH  IV,  763 ; 
Gr.  W.  IV.  2.  100;  Kluge»,  14»,  Hyrtl,  Anat.  366;  14^0 
hacke  -  calcanenr-,  D.  89;  1507  hack  =  eulx,  I).  92); 
durch  Verallgemeinerung:  3.  -  (Urf>7)  die  Ferse 
selbst ,  die  beim  Auftreten  und  Stampfen 
mehr  Druck  und  Stoss  ausübt  und  auszu- 
halten hat  als  alle  anderen  Knochen  des 
Fusses  (Hyrtl,  K.  W  III;  Gr.  W.  IV,  2.  100).  — 
4.  =  die  Fussohle,  Planta  pedis  (Hyrtl,  K  W.). 


5.  =  Häker  (s.  il.)  =  Hetacher,  Singultus  (Blr- 
Hnger  II,  39).  —  6.  =  der  oberste  vorspringende 
Punkt  de«  Sprunggelenks  oder  hochhervor- 
stehende „Bürzel"- Knochen  am  Hinterknie 
des  Pferdes  (Meyer  45;  Falko  I,  358;  v.  IL  I,  46). 

—  7.  «=  der  hackenförmige  Vorsprung  am  Hin- 
terhaupte (Hail-Anke).  —  Hackler,  Häckler 
(ndl.  bakkda&r  =  begue),  l.  =  einer,  der  hetochend, 
abgehackt,  stammelnd,  stotternd  spricht  (engl, 
haw,  Kaltschm.  I,  293;  De  Cook  39).  —  2.  =  Finger 
(engl,  hook,  Kaitsc  hm.  I,  307),  mit  denen  man 
„tiackelt"  (Schmeller  I,  1071).  —  (1717)  das  Glied 
sitzt  in  seinem  Hacken  =  es  steht  in  seinem 
gehörigen  Verbände  mit  dem  nächsten  I/eibes- 
teile  (wie  ein  Kleid  am  Hacken).  —  Haechel 

—  Gelenk  aus  festhaltenden  Hacken  gebildet 
(Schmeller  I,  1041).  —  (1680)  hcickern  (häcken, 
hecken)  =  dentire,  die  ersten  spitzigen  Zähne 
bekommen  (Gr.  w.  I,  884;  IV,  2,  105.  106).  — 
hackein  ---  mit  den  Fussen  (Hacken  2-4)  beim 
Gehen  wie  mit  einem  Häckel  scharren.  — 
(1697)  aujrhäcken  (Zähne)  -  dentire  (Gr.  W.  I, 
884).  —  /faum-Hackel  (1482  paumuaeckd.  C.  v. 
Megbg. ;  l">lß  poumheckel  —  merox,  D.  3"<S)  —  jucken- 
des Haut-Kkzema,  das  Schrunden  macht,  wie 
der  Baumhackel  ( =  Spechtvogd,  Picus)  an  der 
Baumrinde  sie  aufhackt  (Schindler  I,  1048.  240; 
dafür  sollte  da.«  Bauinhtickclkraut ,  herba  meropis 
helfen,  c.  v.  Megbg.).  —  2.  =  die  Blatternarben 
.»Is  Hautveränderung,  die  wie  aufgepeckt  er- 
scheint (daher  franz.  beque  =  frapi*-  n  coups  de  bec 
=  Variola.  Brlss.  134  und  bee«juerlau  =  herpes  des 
ICvres,  Nachtblatter}.  —  FA-H&CÜe  =  ein  eiför- 
miger Pip-Hacken  (s.  d.;  b.  Pferde;  Hacke  6). 

—  /•'K.-s-Hacke  =  Ferse,  Hacke  3  (Gr.  w.  IV, 
L.  1028).  —  //ihackt  -  wie  durch  Hieb  abgeteilt, 
verkleinert,  z.  B.  Hals,  Darmkot.  —  (1678)  HaU- 
Hacken  =  (übcrseuuug  der)  TonBÜla,  Halsruan- 
■  leln,  (tonsilla  =  der  hackenformic/c  Schiffspfahl  im 
Hafen,  Coler,  H.  A.  126;  Hyrtl,  K.  W.  74).  —  Hascil- 
Hacke  (beim  Pferde  u.  Kinde)  =  das  doppelte 
Knie  (la  courbe),  „eine  längliche  Erhabenheit 
am  Unterteil  der  Hinterseite  des  Sprungge- 
lenkes" (Hasenspat),  ungefähr  eine  Handbreite 
unterm  Hackenbeine  der  Vorderfüsse  (Mayer 
101 ;  Herbst  155;  Gr.  ff.  IV,  2. 537),  eine  Auflockerung 
der  Bänder  und  Sehnen  mit  Wucherung  von 
vorspringenden  Knochenmaasen  auf  der  hin- 
teren Seite  des  Pferdesprunggelenkes  (Förster 
II,  1909;  Falke  I,  375),  die  das  dadurch  weniger 
geradehnig  gewordene  Bein  dem  Haseolauf 
ähnlich  machen.  —  ArticA-hacken  =  mit  dem 
Krücken-Hacken  gehen  a's  altersgebrechlicher 
Mensch  (Mecklbg. ;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1894,  186).  — 
JruA-häckig  -=  vom  Pferd,  dessen  Hinterbeine 
mit  ihren  Kniehacken  /  \  sich  nahezu  be- 
rühren und  beim  Gehen  '  )  fast  aneinander 
stossen  wie  bei  d.  Küheu  '  \  (Gr.  w.  v,  25i6) 
(  =  kuhhilchsig).  —  J/ärr-Hackel  -  ein  kinder- 
schreckendes Gespenst  in  Tirol,  das  den  Kin- 
dern die  Schenkel  (Schinken)  abschneidet 
'„Blutschink")  (Zlngerle  4.  5. 7;  Leistner  II,  31 ;  Man 
[s.  d.l  =  Tod).  —  Milch- Hacken  =  die  backen- 
förmigen  Milch -Zahne  bei  frischgeborenen 
Schweinen  (Hacken  1).  —  Jfi/z-Hacken  =  Milt- 
stechen  (s.  o.  Hacken)  und  Herzklopfen  (Back  42; 


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Hadern— Hämorrhoiden. 


Hampelehen- Härte  218 


15V2  so  einem  du  Miliz  huck;,  Beb.  192);  nach  »chwab. 
und  bayer.  Volksglauben  hat  man  Schnelläufern  In 
der  Kindheit  die  Milz  ausgeschnitten ,  sie  könnten  nur 
deshalb  so  schnell  laufen,  weil  sie  keine  MUx  haben. 

—  Neid'  (Gfü-)Hacken(r),  1.  =  Neidnagel  (d.d.), 
Nagel»  urten  (Gr.  W.  VII,  558;  Andreren  202).  — 
2.  =  (conf.  nldhauggr,  Edda,  Jordan  '.'6.  3*>.  71}  Neid- 
wurm (b.  d.  u.  Hacker  2).  —  X_i,'-Hackchen 
=  kleiner  Nesthocker  (s.  d.),  Nestküchlein.  — 
Piep-,  ity-Hacken  =  eine  hackenförmige  Haut- 
verdicknng  oiler  auch  Schleimbeutel-Ausdeh- 
nung  am  Sprunggelenke  des  Pferdes  auf  der 
Spitze  des  sogen.  Hackens  (Ferse),  ahnlich  dem 
Sporne  eines  Piphahnes  'Stollenschwamm,  Tu- 
mor cysticus  calcaneus)  (Förster  II,  1026 ;  Mayer  96 ; 
Herbst  iv>);  (vergl.  Pi packen).  —  Sau^-Hacken 
UM')  üuegkhaken  =  tonsillae)  =  die  hacken  förmig 
vorspringende  Umgebung  am  Gaumenbogen, 
der  Halshacken  (s.  d.)  der  Säuglinge  (Coler,  H.  A. 
12«).  —  Zähn>.  Hacker  =  die  ersten  über  da» 
Zahnfleisch  hervorragenden  häckchenartigen 
Zahnspitzen  bei  I.  zahnenden  Kindern  (A.  v.  H. 
n,  308).  —  (1777)  Zähne  haecken  -  dentare  (D.  173). 

—  ^hackär  }  Änke>  -rortotg,  -Ftu,,  -Gang, 
-Hals,  -Natt,  -Schmerz,  -Stock,  -Zähne. 

Hadern,  pL  —  Hadern-A'ranfcArif. 
Hachse  s.  Hachse  u.  Hexe, 
häckelig  s.  heikel. 

Häcker,  Hackler  (Schwaben),  1.  =  Hetscher 
(s.  d.  u.  Hacke  5),  Singultus  fBuck  M.  64;  c.  v. 
Schm.  265).  —  2.  =  (1645)  ein  hackender,  stechen- 
der Wurm,  der  Pferdewurm.  —  3.  =»  eine  diesem 
vom  Volke  zugeschriebene  nuasRrosse  Beule  am 
Hufe  (Coler,  PI  378). 

Hacke rlcin  ! Ha ckelein,  Ha ckerchen i  siehe 
Hacke. 

Haft  lein,  n.  (vorgerm.  kap  (capio);  genn.  haf  — 
haben,  haltend  ergreifen;  ahd.  haft;  mhd.  haft,  Kluge*, 
ISO;  1551  hafUln  =  flbula  [Wadenbein],  Hyrtl,  K.  W. 
79) ;  „das  Wadenbein  der  grosseren  Haustiere  hat 
Ähnlichkeit  mit  einein  Bpitzen  Dorn,  mit  dem 
man  früher  die  Kleider  zusammenheftete"  (flgere 
=  heften,  flgibula  =  flbula).  das  tierische  Bein  gab 
dem  menschlichen  Wadenbeine  diesen  Namen. 

—  IxhittoUr  Mann. 

Häggele,  f.  s.  Hexe. 

Hämorrhoiden  (Hämeritten)  («riech.  at|io£- 

fOl;;  «tu.«  =  Blut;  j>iut  =  fliessen.  t'utcr  haemor- 
rhols  Terstand  man  Im  Mittellatein:  1)  lnflrmltas; 
2)  serpens ;  3)  varlx ;  4)  venarum  1111x11*  ;  5)  inetrorrhagia, 
D.  201 ;  1391  haeuiorrbols  ist  ein  ader  An  dem  hyndoren 
venstere  dy  blutlckt  dlrke  sere;  eine  seuche  wenne  von 
dem  menschen  nidenne  blut  geht,  I».  201;  15.  Jahrh. 
emorroida  das  sint  funff  ädern  ober  den  rucken  brtl 
zu  dem  zagel  die  gont  mit  bluol,  I).  1.40.  Die  'z'fiof,- 
'fri\'il'.  der  Altgrierben  und  des  Galcnus  waren;  a)  die 
Uamorrholdal-Veueu ,  b)  deren  Vurleen  ;  c)  Bluterguss 
aus  diesen;  dj  lilutung  aus  dem  After  uud  f)  blutende 
Feig  Warzen  am  After,  Kraus,  E.  443]  -  BlutflOsse 
Oberhaupt,  namentlich  die  aus  Blutknoten 
(Varicen)  am  After,  worunter  man  aber  ehemals 
auch  Kondylome  (Fei«,  s.  d.)  und  gutartige 
Warzen,  nicht  bloss  Goldader- Varicen  <>tc.  ver- 


stand (HyrtJ.  K.  W.  71;  IC.  Jahrh.  Uuterschlaug  [s.  d.J 
oder  Blutwurm  [s.  d.],  ,,cin  Schlang,  welches  Bisse 
oder  Ilaecken  macht,  das*  Blut  ausfliegst",  nach  alt- 
griechischer Lehre,  tir.  W.  IV,  2.  745;  1801,  ndl.  speeuen, 
ambeyen  [s.  Angbcorc],  daamen,  Vogel  V,  93 ;  sie  spielten 
am  Ende  des  vorigen  und  im  Anfange  des  jetzigen 
Jahrhunderts  eine  grosse  Rolle  als  Ablöser  der  alteren 
„Goldader"  [s.d.);  1645  „wlcwol  sonst  die  Haemor- 
rholden  ein  gemeines  Wort  ist,  wird  es  auch  von  den 
Medicis  gebraucht  für  alles  Herausbrechen  des  Blutes, 
es  geschehe  an  welchem  Theile  de*s  Leibs  es  auch 
geschehen  kann",  Coler,  H.  A.  121);  sie  sind  heute 
hauptsächlich  eine  Bezeichnung  für  1.  -  Moli- 
mina haemorrhoidalia.  —  2.  =  die  Goldader 
(s.  d.;.  —  (1801)  . I ftt  r-Hamorrhoiden  im  Gegen- 
satze zu  den  nachfolgenden  (Vogel  V,  112).  — 
(i80i)  ZMiam-Hämorrhoiden  =  Scbleim-Hämor- 
rhoiden  der  hypertrophischen  Harnblase,  über- 
haupt wiederkehrende  leichte  Blutungen  au« 
derselben  (Vogel  V,  112;  Köhler  II,  443).  —  (1761) 
blinde  Hämorrhoiden  (—  «1  ■t'JSÄai  aijiof^ovSic 
des  Paulus  Aegin  ,  Kraus,  E.  443)  =  nicht  Über  den 
Anus  hinaus  zum  Vorschein  kommende,  also 
nicht  sichtbare,  am  Sphinkter  ani  internus 
sitzende  (innere)  Blutader- Knoten  (z.  T.  auch 
die  Mariscae  der  Alten)  (I..  ch.  39).  —  (1801)  fliet- 
sende  Hämorrhoiden  =  blutende  oder  blutig 
secernicrende  After-Varicen  (»las  Feig,  s.  d.). 

—  (I801)  Mutter- Hämorrhoiden  =  Bluterguss 
aus  der  Blutader  am  Halse  der  Gebärmutter 
(Vogel  v,  112  las).  —  rote  Hämorrhoiden  =  die 
blutroten  Aderknoten  am  After  im  Gegensatze 
zu  den  weissen  Hämorrhoiden.  —  Sack- Hämor- 
rhoiden -  abgesackter  Bluterguss  aus  den 
Blutadern  in  der  Aftergegend  (Vogel  V,  93).  — 

Bchleimichte  \  Hämorrßoiden  =  die  mit  Schleim- 
sekretion verbundene  Varikosität  der  Mast- 
darmschleimhaut. —  (lsoi)  unterdrückte  Hämor- 
rhoiden =  die  angeblichen  Folgen  des  Ver- 
schwindens  von  Hämorrhoiden  durch  künst- 
liche „Stellung"  (Stillung)  des  Blutflusses  aus 
denselben;  „sie  werfen  Bich  aufs  Kreuz,  auf 
die  Lunge  etc."  —  (1797)  toeisae  Hämorrhoiden 

—  Abgang  von  weissem  Schleim  oder  Eiter  aus 
dem  Mastdarme  (b.  weisse  Goldader)  bei  .Mast- 
darmkatarrh (Tripper,  Syphilis,  Proctitis  etc.) 
(j.  p.  Frank  v,  19»;  vi,  229).  —  Hämorrhoidal- 
Beutcl, -Blut, -Flechten, -Kinder, -Kolik,  -Krank- 
heit, -  Triebe. 

Hämpelchen,  Hämpelken  Md. ,  zu  trampeln, 

sich  zappelnd  bewegen,  ür.  W.  IV,  2.  325)  -  Penis. 

Hämpfel  (Hampfel)  (=  Handvoll  [Hatupfelns]; 
Pranken)  =  ein  Scbnupfen  mit  massenhaftem 
(ss  handvoll)  Sekrete. 

Hankol  s.  Hanke. 

Häppe  (Hippe)  s.  Happe. 

hären  s.  Haar. 

Häring,  m.  ■  eine  dünne  magere  Person  nach 
dem  Vorbilde  des  schlanken  lianeren^  Heer- 
flsches  (Schmeller  I  1117;  V.  K.  VI,  5).  — 

Neue. 
härmen  s.  Harm. 
Härte  s.  hart. 


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luiser  —  Halft. 


Hals. 


häser  -  heisch. 

hässig.  —  AuA-häBSig  s.  kuh-hftckigu.  Hachse 

(Hesse)  (Mayer  46). 

Hätsch  b  Hasch. 

hätschig  —  schlüpfrig-schleimig  (wie  dl«  Kroto 

-  Het-ich,  Hltaob,  BehmeUer  I,  im-,  C.  v  Belm,  M8). 
Hauslein  s.  Haus. 

Häutl  (bäutlen)  ■.  Haut. 

Hafen,  m.  ,'vorgcrm.  kap;  germ.  linf  —  heben  ;  ahil. 
havan;  mhd.  haven;  ein  spuzlt.  oberdeutsche«  Wort, 
Kliit;.;  ir,^  Topf  [s.  d.i.  Behälter,  der  etwas  fa«st,  liebt) 

—  da«  Häfle  (Schwaben)  Perineum  (Burk  17), 
weil  man  sich  darauf  setzt.  —  Gf/7-Häferl  - 
s.  überlaufen  (Gallenblase).  —  (r>28)  Haupl- 
Hafen-Calvaria  (llirnschfldcl,  Hirntopf)  fhubt- 
haven,  It.  v.  Gersd.  96;  llyrtl ,  K.  W.  »7j.  —  den 
Hafen  «erbrechen  -  detiorare  (b.  Ofen)  (Gr.  \\. 
IV,  2.  122).  —  den  (ierm-Hafen  «erbrechen  = 
einen  hefegelben  Stuhlgang  machen  (n.-Bayerni. 

Haffer,  m.  s.  Höfel. 

Hage-  (da/u  hegen,  ah.I.  hag;  mhd.  huc  =  Elu- 
friedung;  angll.  haga  =  oehege ;  hagau  —  glgnalla, 
Kluge*,  IM),  l'-y.  lfio,  nhd.  heguu;  uihd.  hegen  - 

pflegen,  bewahren).  —  J  Bart,  -Drüsen. 

Hagel,  m.  (da*  einzelne  Hagel-Korn  nanute  man 
Stein;  mlid.  HugeUteln,  Kluge  IM)),  1.  -  das  Haber- 

korn  »  Chalacion.  —  2.  =  (i&s3)  Augenstern 
(Linie)  wegen  der  Form -Ähnlichkeit  (Ii.  v. 
ticmd.  5).  —  Hagel-  Rötung. 

-hagen  (indogertn.  rak  —  stark  sein,  Itchilllich  teilt  ; 
vorgerin.  kak;  ahd.  blhagao  =  behagen ;  mhd.  behagen, 
Kluge5,  iso)  =  beiluden,  behagen.  — gutes  hagen 
sein  (innd.  „gudes  hagen  »fwn")  —  gut  befinden 
Mag  Harth  103b),  —  !<«''•  hagen  („wan  du  un hagen 
bin",  Mug.  B.  1.  eodj  — sich  übel  befinden. 

hager  —  rahn  (s  d.)  ;mhd.  hager— macer,  Or,  W 
IV,  i,  r>13;  Heyne  Ii)  =  mager,  mit  wenig  Fleiflch 
versehen  —  Haegere,  f  ■« hagerer  Zustand. 

Hahn,  n.  mdog.  kan  [  —  cano] ;  altgerm.  hanan ; 
goth.  hana;  ahd.  bano;  mhd.  han  =  Sauger,  Knth- 
vogel.  Kluge*,  IM).  —  Pi/>-Hahn  -  Penis,  der  mit 
ili-m  die  Öllnung  verschliessenden  Fass-Pip- 
liahn  Verglichen  wird  tZ.  f.ö.  V.-K.  18U7.  321)  (siehe 
Zapfen^.  —  Ziri'c-Hahn  =  Zwitter,  utrius.pie 
sexus  bomo,  der  zweierlei  Penis  hat  (Schmcllerli, 
1170).  —  Hahnen-//«/",  -Schritt,  -Spat,  -Sporn, 
Stick,  -Tritt. 

hai  b.  Hag. 

halb-,  halb'r,  er,  r.-  -Blut,  -Franzosen,  -gestor- 
ben, -Outsehiag,  -Ifauptwch,  -Hirn,  hörend,  -Kre- 
tinen,  -tappet,  +Nnrr,  -Nerven,  -Rippen,  -Schlaf, 
-Schlag,  -sehen,  sichtig,  -  Tertüwfirber, -tot,  -  Ver- 
renkung. 

Habt,  (gem.-Rcrm.  h*l*a-,  Kluge*  1S3  s*  Collum 
[  —  colMim]  =  hervorragender  Körperteil  [exeello] ;  goth. 
beb;  ahd.,  7.  —  H.  Jabrh.  hui»,  Ca«».  Glon«. ;  8.  Jnbrh. 
linliu,  Kero  72;  9.  Jahrb.  hals  —  Collum,  Itab,  Muur.  6t, 
11.  Jahrb.  hal« - cervlx,  H.Z  III;  mhd.  hal«;  1'».  Jahrb. 
hals«  ~  guloaita«,  I».  271),  1.  =  der  zwischen  Brust 
und  K<.pf  gelegene  „Stiel  des  Kopfes"  (llyrtl. 
Auat.  \<r>).  das  Bindeglied  zwischen  Kopf  und 
Kampf  (s.d.)  sowohl  aosserlich  wie  innerlich 


inel.  Nacken.  —  2.  =  der  Sitz  der  luftführenden 
Kehle,  Stimme,  de*  epeiseführenden  Schlundes 
und  der  Halskrankheiten  (Or.  w.  tV,  2.  242:,  der 
„zugeht"  (Tonsillitis)  (Pauli  10).  —  3.  =  Hals- 
Ähnliches,  d.  h.  schmalere  Teile  zwischen  brei- 
teren, z.  B.  Haarhals  (Kalkei,  412)  (Schenkelhals). 

—  4.  =  das  Leben  (in  der  Rechtssprache),  weil 
der  Scharfrichter  den  Kopf  am  Halse  abschlug 
;  Hal  tau»  783).  —  5.  =  s.  balz.  —  (1645)  er  hat  (das 
Unglück)  die  Pest  um  Halse  =  sein  Leben  ist 
durch  die  (Pcst)krarikheit  bedroht  (Coler  308; 
l.  c.  H.  a.  207).  —  halsen  (halsen)  (ahd.  baisön ,  mhd. 

hulseu  =  umhalsen,  Kluge1,  15.1;,  l.  =  (1661)  coire  (Or. 
i  w.  IV,  2.  261 ;  Schmeller  1, 1095).  —  2.  -  das  Kragein 
(8.  d.  und  Griebs)  [C.  v.  Schm.  258).  —  3.  =  aus 
dem  Halse  entfernen.  —  /tussrn-Hals  —  äussert' 
Seite  des  Halses  (Coler  H.  A.  142).  — ausgehauener 
Hals  Achselhieb  (Zlpn.  87).  —  2Mö)i-Hals 
Struma  hyperplastica,  der  nur  beim  Aufblähen 
sichtbar  werdende,  durch  Kropf  dicke  Hals 
(s.  blähen).  —  ftöse  Hälse  (sie  regieren)  =  Hals- 
Geschwüre  durchs)  Diphthcriaepidemica  (s.  Un- 
kraut) (Coler,  II.  A.  12'.,  1V.0  bo»  halaliu?  [bueg- 
hAlalin],  or.  \V.  IV,  2  1664);  b)  Schweinebrilune 
(Milzbrand)  (1777,  a.  B).  —  rficAw  Hals  =  Schild- 
drüsenanschwellung ,  Struma  (or.  W.  II,  lOsi; 
wallb.  371),  auch  Fellhals,  Speckhals,  Satthals. 

—  £>ro*sr/-Hals,  1.  ^  kleine  Struma  in  der  Dros- 
selgrube oder  2.  =  der  Fettwulst  unterm  Kinn 
(Ilalsdrüssel).  —  du nner  Hab)  =  mager  am  Halse. 

i  —  (16,  Jahrh.)  Farren-HalB ,  1.  =*  runder  Hals, 
wie  ihn  der  Farre  (Stier)  hat.  —  2.  =  die  am 
Halse  (s.  Strosse,  Strotze)  herabhängende,  fett- 
strotzende Falte  beim  Rindvieh  (Wamme,  Pa- 
lear),  Pellia  e  gutture  tauri  pendula  (s.  Cioder). 
(eine  beliebte  CnterKuebuug^ütelle  aiil  Fettrcichlum  de« 
HandelviebeH,  llyrtl.  K.  W.  157.  Or.  W.  III,  1334).  — 
.fVieWatf-Hals  =  Sonntaghals,  Feiertag-Schlund, 
Gurgel  für  den  Feiertrank.  —  /•',/,'  Hals  =  Speck- 
hals, ein  durch  Fettwulste  oder  nicht  abgrenz- 
bare Fettansammlung  verdickter  Hals.  —  (16S0) 
Gänse-Hais,  1.  —  ein  langer  Hals,  der  mit  dem 
dünnen  Halse  der  Gänso  verglichen  wird  (bei 
Mensch  nnd  Pferd).  —  2.  -  ein  Trinker-Hals 
(Gansewein,  gilnseheiser)  (Gr.  W.  IV.  L  1271).  — 
gehackter  Hals  -  Hieb  2.  —  OVr-Hals  -  der 
|  Tritger  eines  gierig  schlingenden  Halses  oder 
,  Rachens;  der  alpartige,  bltitsaugende  Vampyr 
(H.  a.  Ith.  421).  -  (1783)  heiserer,  heischerer  Hals 
=  rauher  Hals  (Ksslch  128).  —  Hirsch-Kais  (bei 
Pferden)  wenn  die  beim  Pferde  sonst  oben 
bemerkbare  Rundung  des  Halses  mehr  an  der 
Kehle  sich  zeigt  und  der  Kopf  hoch  getragen, 
aufwärts  gehalten  wird  wie  zum  Sterngucken 
s.  d.)  t<ir.  W.  IV,  2.  IM; 7 ,  Mayer  34;  Falke  I,  339).  — 
Kropf-Hals-  Struma  (Baum.  422),  Hals  miteinetn 
Kröpfe  <Ütnsekragen).  —  kru m mer  Hals  (1577 
krumb-,  ndl.  eromhal»  ~-  übnüpu*,  I).  3'J0),  1.  =  (1591) 
Caput  <»l)stipum,  seitlicher  Schiefhals,  Starr- 
hals  (Gr.  W.  V,  2462;  Dad.  Jim.  :;93).  —  2.  =  (1756) 
Lordosis  (A.  v.  U.  I,  WO),  Verbiegutig  des  Halses 
bei  Riickgratsverkrümmungen.  —  8.  —  Angina 
(Burk  16);  Kranke  mit  Halsgeschwüren  halten 
den  Hüls  wegen  der  Drüsensehwellungen  ein- 
seitig etwas  steif.  —  langer  Hals  -  (iinsehaia. 

—  Irt:>*  Hals    offener, ratdier  HaU  J.ultrohre), 


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Hain. 


halt-halz. 


der  wie  verwundet,  verlctxt  sich  fühlt  (akuter 
Rachen-Katarrh),  St.  M  artinspluge,  mal  ä  la  gorgc 
(Pauli  140).  —  jtfu/tVr-Hals  (1C7T)  bereits  unter- 
schieden in  a)  der  grosse  oder  Mutter- Hals 
(stricte  sie  dictum)  =  Scheide,  Collum  longum 
Bartholini  =  Vagina,  d.  h.  hei  den  alten,  die  Ge- 
burtshilfe äusserst  selten  ausübenden  Ärzten 
bis  zum  17.  Jahrb.  =  Vagina  uteri  (Zw.  94;  1047 
GeburUzangcnerflndungt);  b)  der  kleine  —  Cor  vi  x 
uteri  =  Collum  breve  (Bartholini)  (Kosam.  XII. 
XIII,  Hyrtl,  K.  W.  74).  —  (1592)  06-Hal8(Set>  14!»  —  Rü- 
ckenteil des  Ochsenhalses.  —  .•f/imv  Hals  (1521 
offen  hals  -  palatus,  D.  4üö),  L  -  (1640)  harter  Gaumen 
Mundhimmel,  Bühne  (Hyrtl,  K.  W.  116).  —  2. 
der  ollen  sich  fohlende,  sehte,  letze  Hüls  (Ha- 

cb.„-K.U,rh)  _  gg  ~*-|  Hals-  R»««k1o. 

Hachen-  und  Kehlkopf-Katarrh,  der  die  Stimme 
pelzig  (s.  d.),  rauh  (s.  d.),  belegt,  heisch  macht, 
Heiserkeit  und  das  Gefühl  der  Räuhe  im  Halse 
veranlasst  (Gr.  W.  VI»,  267;  Pauli  9;  Cola  W.  353). 

—  (1521)  Satt-,  Sott-  (1793)  iW-HalB,  1.  =ein  mehr 
oder  weniger  starker  Grad  von  Halskropf 
(Struma),  mehrals  der  Blähhals,  weniger  als  der 
eigentliche  „Kropf,  ein  gesättigter,  in  seinen 
Geweben  vollgestopfter  Hals  (wie  bei  den  ge- 
kröpften Vögeln;  grosse  Kehle,  dicker  Hals) 
gutturosus  (Seh melier  II,  KU  ;  I>  272).  —  2.  ~  der 
Träger  eines  solchen  (r.r.  w.  vi»,  i»30).  —  schel- 
eher,  sehe  pH  =  Schief -  (lfisoj  schiefer  Hall  "Tor- 
ticollis  (meist  rheumatica) ,  krummer,  steifer 
Hals  (Collum  obvtipum)  (ctre  <|uinttM  [gnlogola,  /u 
cuincher  hangen]  UrU«.  299.  Gr.  W.  VI»,  2683;  Böhm. 
»,  06;  Huruü  V,  291) ,  der  nicht  gerade  gehalten 
oder  bewegt  werden  kann.  —  schlimmer  Hals, 
1.  =  (15.  Jahrb.  «Umhals  -  obstlpua,  l).  390  ,  1734  Cervtx 
obstl|Mi,  lleyno  V,  393)  —  schiefer ,  krummer  Hals 
(s.  schlimm)  —  2.  -  innerlich  kranker  Hals  (An- 
gina, Rachen-Katarrh).  -  ScAm  Hals  =  Blürr- 
maul  (s.  d.)  («Inn.  skraalbnl« ;  schwed.  skrlkhals).  — 
(1592)  Schwanen  Hals  =  ein  schön  gebogener, 
ruhig  getragener,  glatter,  langer  Hals  bei  Pferd 
und  Mensch;  bei  ersterem  im  Gegensätze  zum 
sog.  Hirschhalse  (Schräder  260;  Zlpperl.  ;  Seb.  209). 

—  Schweins-Hsils  -  ein  kurzer,  dicker  Pferde- 
bals  mit  breiter  Brnst  und  schlechtem  Kopf- 
ansatz (Falke  II,  304).  —  Sonntags-Kala  ■  unrechte 
Kehle  oder  Gurgel  = Schlund,  Feiertags-Gurgel 
für  den  Sonntagstrunk  (ülrlluuer  1 ,  494.  13).  — 
(1592)  Hals  =  wulstiget  Fetthals  bei  Mensch 
oder  Pferd,  die  dadurch  kurzatmig  und  keu- 
chend werden  (Seb.  177  .  209;  Huck  16;  Mayer  35; 
ColscPt  300).  starker  Hals  =  dicker  Mals, 
Struma.  —  starr  halsig  —  krampfsüchtig  (Teta- 
nus). —  steifer  Hals  — Torticolhs  rheutu.,  Hals, 
der  wegen  rheumatischer  Schmerzen  nicht  be- 
wegt, steif  gehalten  wird  (Puull  9).  —  stinkender 
Hals  =  übelriechender  Atem  (Gr.  W.  IV,  2.  255). 

—  (17'.7)  venerischer  Hals  =  syphilitische  Han- 
gesch wttre  (Bauwl  »7  .  453).  —  (1551)  verwundeter 
Hals  -  Halsentzündung  mit  dem  Gefühle  des 
Wundsehmerzes  (Bock  74),  sehrer,  letzer  Hals. 

—  (1495)  Wdrr-Hals  (1521  da«  vorder  am  ha!«  = 

wenk- 

Kiita.  D,  271)    Kehle,  Drossel.  —        (uci)  mmk- 

(14.  Jahrb.;  wind- 


j  halsen  -  colli  snprema  retorsione  nuaerero 
(Schmeller  I,  1096;  Ii,  949.  959);  mit  krutnm  gedreh- 
tem Halse  seitlich  schauen.  —  Werktag-HAls 
(Werft Inhal«,  Ruck  16),  Gegensatz  zum  Sonntaghals. 

—  trunj-halsen  (ndd.  wruckhalsen,  Goldachm.  106) 
=  aus  dem  Halse  würgend  entfernen.  —  wunder 
Hals  -  letzer  Hals  (s.  d.)  (Krau«..  E.  468).  —  Zahn- 
Kola  =  der  engere  Teil  des  Pferdezahns  unter 
der  Krone.  —  Hals-  Ader,  -Anthrax,  -Band, 
■Bein,  -Beulen,  -Blatt,  -Blatter*,  -Bräune, 
-Bug,  -Drüsen,  -Drüssel,  -Fäule,  -Flüsse, 
-Garbe,  -Geschwür,  -Geschwür,  -Gesehwulst, 
-Gewerbe,  -Gewäclis,  -Giclttem,  -Grat,  -Hacken, 
•Katarrh,  -  Kitzel,  -Knödlein,  -Knöpfe,  -Knorpel, 
-Knoten,  -Krankheit,  -Krapfl,  -Kröpfe,  lähmig, 
-Löcher,  -Mandel,  -Mängel,  -Fest,  Ring,  -Rohr, 
-Schlag,  -Schlier,  -ScJtmerz,  -Schwellen,  -Schwind- 
sucht, -Sehne,-  Sehrigkeit,  •  Siechtag,  -Siere,  -stark, 
-Starre,  -strack,  -Trockne,  -Wamme,  -Weh, 
-Wirbel,  Zapfen. 

•halt  s.  halz. 

halten  (iudoRerni.  kalt  o.  kol  (xöXo;  =  Herde?]; 
allgcrm.  haldan  =  einc  Herde  hüten,  zusammenhalten  ; 
Kein. -(renn,  haldan  JVleh  weiden];  ahd.  haltan,  be- 
wahren, erhalten;  inhd.  halten,  Kluge*,  153;  engl,  to 
hold  ;  ndl.  houden;  angl».  bealdan  —  In  l'mfanir  und 
in  Hut  haben).  —  Haltung  =  das  Verhältnis, 
die  Art  und  Weise,  wie  die  einzelnen  Körper- 
teile zu  einander  gelagert  sind,  —anhalten  (den 
Harn)  =»  den  Urin  dauernd  zurückhalten,  um 
Abtluss  verhindern.  —  anhaltende  Fieber.  — 
Atem  halten  —  eine  hei  Kindern  benbachtbnre 
mehr  weniger  lang  dauernde  Atempause  in- 
folge eines  Brustmuskelkrampfes  =  Verfangen 

|  (Pauli  59).  —  (1693)  7l<haltung  ~  Beiwohnung, 
Coitus  (Schmeller  1,  1101).  —  (1532)  Behsltung  der 
Feuchte  —  Amenorrhoe,  Verhaltung  der  Menses 
(Kries  106).  —  .Frudit'-Halter  —  Cterus  als  Be- 
hälter für  das  sich  entwickelnde  Ei.  —  Kind- 
f.' -halten  =  das  Wochenbett  einhalten  ,  die 
Bettruhe  bewahren  nach  der  Gehurt  (Gr.  w.  V. 
727).  —  konnliche  Zu  haltung  (16U  koulichu 

|  zuehalttinjj,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896,  42»)  =  Coha- 
bitatio  polen s,  eheliches  Zeugungsvermögen. 

—  Blumen-,  Harn-,  Milch-.Samen-, Stall-,  Urin-, 
Wasser-  Vorhaltung  -  -  der  Zustand  beim  zurück- 
gehaltenen, nicht  eingetretenen  Monats-,  Mut- 
ter- ( -  1-qehaemlaSoraui,  Kosum  36J,  Milch-,  Samen-, 
Uriufluss  (Zeit),  der  sich  sonst  regelrecht  er- 
goBsen  hat.  —  Der  Kranke  hält  -  verhält  sich 
ruhig  (bei  einer  Operation),  nimmt  sich  zusam- 
men (Gr.  W.  IV,  2.  284  «ub  7a.).  —  H'aa»fr-halten 
snrinam  inhibere=  Urinverbnltung  (Or.  W.  IV, 
2.  286).  —  En  fiialtaamkeits- Tripper. 

-halz  (-holz)  (Roth,  hall» ;  ahd.  halz  ;  1  i.  Jahrb.. ,  ndl. 
halt,  l>.  12C;  mhd.  balz  [ein  Im  Deutschen  erloschenes 
Wort),  Schmeller  I,  1061;  Schw.  211  ;  I.exer  90  ;  aucls. 
heilte;  engl,  halt  =  hinkend,  lahm,  I^ehf.  181)  =claudus 
hinkend,  lahm.  -  (mhd  ;  halzen  =  hinken.  -  (mhd  J 
gehalten  —  lähmen  (LexcrM).  —  hnft-hdlz  :  Mufe- 
halz)  (mhd.  huf-  [huflc-]halz  (  halc/,  hufaltz,  hufUo'.ti] 
=  hüftenlahm,  Schindler  I,  1063.  1103),  1.  =  hinkend 
durch  Hüftleiden,  Cuxitis  chronic.,  Gicht  oder 
Schenkelhalshruch,claudus,ehiinhis(Hyrü,K.W. ; 
i  .  x.  r  108).  —  2.  =  der  Träger  eines  solchen  Ia}\- 


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210 


ham— Hammer. 


Hampel  — Hand. 


denB.  —  /ä'Am-halz  (angl«.  laerapihaU  =  lurdus  [leuip- 
hald]  H.  Z.  V. :  schwed.  laghalt,  Pier.  7;  D.  340)  m  (tan- 

tologtsch)  infolge  von  Lähme  hinkend.  —  2jjj££ 

halz  (holz)  =  das  Rind ,  dessen  Fuss  lahm  ist 
(Zlngerle  55 ;  ndd.  o»senhals,  Goldschm.  167).  —  Sprung- 
halz  (engl,  springhalt,  KalUchm.)  =  am  Hahnentritt 
(8.  d.)  leidend  u.  so  beim  Sprunae  lähmig,  hin- 
kend. —  spur-halz  (mhd.  spnrihalz ,  Leser  2t4  ; 
Müllonh.  Scherer  IV,  I  und  279)  =  sparlahm  (von  I 
Pferden),  fusBtapfenlahtn  oder  auf  einem  Fusse  | 
so  lahm,  dass  das  Pferd  nichts  verspürt,  keine 
Spur  hat  =  empfindungslahm  ist.  —  rerhalzen 
(hillzen)  (mhd.  verhälicn  [verhalzen])  =  verlahmen, 
ganz  halz  (  =  lahm)  machen  (Lexer  321;  Schmeller 

1,  1103).  —  gäh  ivrhalzen  =  plötzlich  lahm  sein 
(gaehlu  verhelcet,  Schmeller  I,  1103). 

ham  (ahd.i,  Hammeln),  f.  Hammel,  m.,  n. 

(gerui.  ham  =  verstümmeln,  verkrüppelt;  engl,  ham- 
«trtng  —  die  Knfekehlensehne,  mit  deren  Durchschnei- 
dung der  „ham"  gehemmt  [*.  d.],  gelahmt  Ist;  goth. 
hammn;  ahd.  ham  =  lahm,  durch  Lahme  gehemmt, 
gichtbrüchlg ,  hamal  —  verstümmelt,  lahm  [dazu  hem- 
men], Kluge*,  154.  164;  hammalön  — -  verstümmeln 
[durch  den  Stein-, , Hammer" '],  Schw.  277;  ahd.  hamma, 
Gass,  i'iloss .,  Dici  12U  =  campa  jjainbon,  jambe],  poplites, 
I).  93 ;  12.  Jahrh.  hnmmen  =  suffragines,  capita  femorum, 
H.  Z.  II,  20-"»  IT.;  mhd.  hamme  —  suffrago,  Schlegel, 
Kluge ;  (ir.  W.  IV,  2 ;  hameln  —  verstümmeln ;  14.  Jahrh. 
hnmme  =  suffrago,  I>.  565;  1175,  ndl.  ham  ol  scholder 
of  schonck  =  ancha.  laganum,  D.  34  ;  1482  ham  =  suffrago 
[Stelzfuss],  Zenlng.  Voc.  n  6,  f  f  1 ;  knye  ham  ss  suffrago 
[Kniebug],  Zenlng.  Voc.  aa  2.  In  (Ir.  W.  IV,  2.  309 
wird  Hammel,  Hamm  iu  der  Wurael  hnm  =  biegen, 
krümmen  bezogen;  hamma  =  das  Gebogene,  Krumme; 
ahd.  ham  -  verkrüppelt,  gebogen,  lahm,  stclzfüssig; 
engl,  ham  =  Kniebeuge,  Kuiekehle,  Schinken.  Schenkel, 
Lende,  L*ht  «1.  94.  IU;  Kalt*chm).  —  Hämmling, 
Hammel,  m.  ■  Castratus,  Eunuch  (s.  d.)  als 
Verstümmelter  (verschnittener  Widder),  auch 
geschlechtl.  unreifer  Mensch  (Kluge*.  154,  H.  Paul 
201;  Gr.  w.  IV,  2.  311).  —  hammein  -  kastrieren 
(bei Lämmern)  (Merk  25«).  —  Hammel,  n.  =  Nach- 
geburt der  Kuh  (dies  wie  ndl.  bam,  haem,  hamr, 
(De  Cock]  =  Nachgeburt,  Eihaut,  Kindeshülle,  zur  in- 
dogerin.  Wurzel  kam  sich  bedecken  [schämen,  sham); 
uhd.  hämo  "Decke,  Hülle,  Hemd  [s.  d.J,  Eihaut;  =  diu 

kleine  Hülle  (hamel,,  die  das  Kalb  verhüllt 
(Gr.  w.  iv,  2.  307);  dazu  der  Hammeini  =  ein 
beutelförmigea  Netz  tschw.  276;  Gr.  W.  IV,  2.  307). 
—  Hamme,  f.  (ahd.  hamma;  mhd.  hamme;  1C1R 
hammeu  =  Dicchfleisch,  Schmeller  I,  498.  1106)  (s.  o.) 
=  Sutfrago,  Poples,  das  sich  biegende,  krüm- 
tnende  Glied,  1.  =  menschlicher  Schenkel.  — 

2.  -  Hinterkeule,  Schlegel,  Hinterschlegel  (beim 
Tiere),  Puma  (Gr.  W  iv,  2.  :;oy).  —  3.  =  s.  Ham- 
mer. —  trhammelt  ahd.,  in:jtj  bihamaloter  =  muti- 
latus,  Schmeller  I,  llot>)  =  bei  der  Hamme  gelahmt, 
verschnitten.  —  Ä.',..  -  Hnmme  (s.  o.).  —  Rotz- 
Hammel  =  unreifer  Junge  (s.  Rotzer)  (Z.  f.  0. 
V.K.  1896,  8.  282).  —  Hammen- Strang,  -  Wamme. 

Hammer,  m.  (Hämmerlein)  fgem.-germ.  =  stein, 

steinerne  Waffe  [s.  dengeln];  ahd.  hamar;  mhd.  hamer, 
Klupo  *,  154),  Im  altgerm.  Donnr-Thor-Kulte  das  Symbol 
des  befruchtenden  Phallus  V  <  orr.  f.  A.  K.  ü.  tSM,' 


s.  62),  daher:  Hammerwurf  =  Befruchtung  („der 
smlt  von  ot>erlande  warf  «inen  bamer  lo  minea  »ho«1'. 
Frauenlobs  Marlenlied).  —  hämmern  -  klopfen 
(vom  Herzen  z.  B.)  Palpitatio  cordis,  itaAu,oc 
Hipp.  (Euch«  1, 491;  11, 43).  —  Hämmerlein,  1.  = 

(16*7;  CberacUung  des  malleolus,  Hyrtl,  K.  W.  97) 
Knöchel.  —  2.  =  Tod  (s.  d.)  -  Meister  Hämmer- 
lein. —  (1592)  fii«rf*-Hammer  (Hammen)  (Über- 
setzung des  franz.  maru-au  sa  martellus  =  malleus 
[humidus];  „das  Wee  oder  die  Krankheit,  welche  die 
Franlzosen  die  Rindshammer  vnd  Martcau  nennen", 
Seb.  i;.i)=  Rotzstränge,  harte  Wurmknoten  (v.  M. 

1.  68;  Falke  II,  238;  Du  Gange  V,  291).  —  Hammer- 
-Bein,  -Stiel 

Hampel,  m.  =  Einfaltspinsel,  Kretin;  ver- 
mutlich zu  Gampel  (s.  d.  und  Heimchen). 

—  hampeln,  1.  =  einfältig,  weinerlich  thun 
(Schmeller  I,  1118).  —  2.  =  gebeugt  einhergehen 
(Z.  t.  d.  Pbiloi.  in,  344).  —  Hampel- Mann. 

Hand,  f.  (die  meisten  lndogennan.  Sprachstammc 
haben  bereits  je  eigenartige  Bezeichnungen  für  die 
fangende,  fassende,  greifende  Hand;  goth.  hinthan  — 
fassen;  gem.-germ.  hant  m  manus,  Kluge*,  1.54;  goth. 
handus;  ahd.  hant;  mhd.  hant;  engl,  band;  ndl.  band; 
angls.  hond),  1.  =  die  menschliche  Hand  vom 
Handgelenke  bis  zur  Fingerspitze  (incl  Finger) 
(Gr.  w.  iv.  2. 324  ff.)  als  Teil  des  ganzen  Menschen, 
der  Hand  und  Herz,  Hände  und  Füsse  hat  — 

2.  =  die  rechte  Hand  des  Menschen,  als  die 
eigentliche  zumeist  thätige,  fassende  Hand,  das 
Organon  organorum,  daher  (engl,  bowhand  —  die 
deu  Rogen  spannende  Hand ;  spear-hand  —  die  rechte 
Hand  des  Reiters,  der  den  Speer  tragt,  Kaltschm.).  — 

3.  -  die  Affen-  oder  Tierhand  (Gr.  W.  IV,  2.  324). 

—  4.  =  hant-  ist  In  einzelnen  Fallen  Entstellung  aus 
ant-,  /..  B.  hantprahti  statt  antpraeten,  contractu«  (Graff 
IV,  970,.  —  5.  =  mythologisch  ist  das  Händepaar 
die  natürliche  Kraft,  das  Symbol  der  mütter- 
lichen Plastik,  Zeugung  und  Fruchtbarkeit 
(itacbofen  173—175).  —  handeln  s.  Handel.  — 
äussere  Hand  =  Handrücken.  —  aufgesprungene 
Hände  —  ein  bei  Arbeitern  häufiges  Ekzema 
palm.  chron.  >  irint  ,  das  bei  äusseren  Schäd- 
lichkeiten durch  Hinrisse  in  der  sonst  schwielig 
harten  Haut  sich  sehr  bemerkbar  macht,  (daher 
engl,  seahand  [bei  Schiffern  oder  Seeleuten],  Finger- 
kork). —  auf  der  Bens er  Hand  sein  -  ein  Zustand 
des  Besserwerdens  (Schmeller  I,  1122).  —  (1591) 
Beutel -'H.&nde  =  durch  Gicht  zitternde,  beu- 
telnde Hände,  Tremor  manuum  (Gr.  w.  I,  1762). 

—  Bogen- Hand  —  Hand  2.  —  böse  Hand  =  quam 
Hand  (s.  d.).  —  Zta  -  Da  -  Hand  (Klnderspr.)  m 
schone,  rechte  Hand  (s.  d.).  —  Darr-  (dürre, 
dorige)  Hand  (goth  mana  gatbaursana  habend«  handu 
[einlas];  abd.  thurnin  hant,  Graff  V,  200)  m  paralytisch 
atrophische  (verdorrte)  Hand,  die  abmagert. 

—  die  denke  Hand  (1260  teDke  hant,  Pfeiffer  4s 
=  linke  Hand;  1332  die  tenken  band;  1417  tenk  hant , 
1182  tenke  bandt,  Zenlng.  Voc.  gg  4,  1  2)  =  die  lang- 
samere, ungeschicktere  linke  Hand,  main  basse, 
main  pote  (=  lourde)  (Du  Gange  IX,  258;  Bris».  38; 
Schmeller  I,  524;  ndd.  luchte  hand;  engl,  bridle  band 

—  die  Sattelhand,  welche  den  Rosszaum  halt).  — 
er  thut  alles  tenkisch  (mit  der  linken  Hand) 
[8chm.  1, 524).  —  DU fcs-Hand  =  eine  durch  Hände- 


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Hand. 


Hand. 


217 


arbeit  (Stehlen)  rauhe  Hand  (Kaltschm  ).  —  ein- 
händi'/  (»tad.  alnhentlr  =  mancu«,  T).  »46;  mhd.  ein- 
hendec,  Lexer  41)  =  nur  eine  Hand  habend.  — 
(17«)  flache  Hand  -  Palma  manus  n.  Metacarpus. 

—  gäbiscke  (gabische,  gabige,  abiche)  Hand,  1.  — 
ungeschickte  Hand.  —  2.  =  linke  verkehrte) 
Hand  (gabisch  zu  Gau;  mb<l.  goenwisch,  bäuerlich, 
gaulscb.  Schtneller  I.  8*>7,  »43;  Hintner  7.  16).  —  ge- 
streckte Hand  (U.  Jahrb.  gestrachtl,  15.  Jahrb.  ge- 
streckt hant,  Voc.  opt.  w.  Ii;  D.  643)  -  Palma 
(Strackhand).  —  (14*>>  glinke  (gelenke)  Hand 
(Zenlng.  Voc.  gg  4)  =  Manus  sinistra,  tenke  Hand, 
die  schräg  (gelenkte)  verkehrte  linke  Hand 
(gvlcnke  a.  Schmeller  I,  624;  1573  gelenke  hande, 
Plos«  Bartels  II,  146).  —  (1507)  GotteS-R&nd  (1587 
unsere»  herren  gottes  band,  D.  41 ;  1592  schlag  oder 
band  Gottes,  8eb.  30,  1608  band  «iottes,  Schlag,  Sehm. 
I,  1120)  =  Apoplexia  (s.  Gott),  als  Ursache  einer 
sonst  nicht  erkl&rharen  Krankheit,  die  (1940)  bei 
Pietorius  77  bereits  als  eine  Verstopfung  der  (ichlrn- 
kaatlein  erklart  wird  (Coler,  H.  A.  107).  —  Grind- 
Hand  =  die  aufgesprung.  Hand  (s.  d.)  (Kaltschm. 
1, 569).  —  (1692)  grobe  Hand  -  rauhe  Hand  (Seh  M). 

—  harte  Hände  (15.  Juhrh  =  eaüoau,  O.  91)  = 
durch  feste  Schwielen  rauhe,  derbe  Hunde  (engl, 
bardbanded).  —  ftVti-Hand  s.  Königshand.  — 
Httiter-Hand,  1.  =der  zwischen  Carpus  und  den 
ersten  Fingergliedern  liegende  Teil  der  Hobl- 
nand  (Heyne  HI,  169).  —  2  =  die  Hinterhand 
oder  Nachband  bei  Vierfflssern  (Gr.  w.  iv,  2. 

1506;  Falke  I.  596).  —  (1561)  hohle  (Hohl-  Rand  = 

Palma  manus,  Manus  cava  (Gaufe,  s.  d.),  ein- 
wärt* gekrümmte  Handfläche  (Gr.  W.  IV,  2.  1714). 

—  innere  Hand  (13.-15.  Jahrh.  inhant,  lnhende  = 
vola  manus,  D.  628;  1507  eynrehande,  D.  233)  —  innere 

Handflache  (Palma)  =  ir-Hände  (1420  irhende  - 
cleiTal.  Tola  manu».  D.  126)  -  Ir  s.  d.)  oder  i(nne)r 
Hand.  —  innerhand-  Ungemach.  —  (iöS2j  kalte 
Hand  (des  Todes,  der  alles,  Gross  und  Klein, 
kalt  friast)  (Gr.  w.  v,  77).  —  klamme  Hände  - 
von  Frost  erstarrte,  krampfige  Hande  inains 
potelees)  (BrUs.  3s,  or.  w.  v.  936).  —  £7aur/i-Hand 
=  eine  lange  bestehende  Lähmung  der  Hand- 
nerven,  wobei  die  Finger-Endphalangen  volar 
klauenförmig  gebeugt  sind.  —  kleine  Hand  (vber 
Setzung  der  Manus  parva  der  Arablsten,  Hyrtl,  K.  W.  16] 
m  Däumling  (s.d.  n.  Handkopf).  —  Ä/u»i/>-Hand 

—  Talipomanus  vara  s.  valga  (congenita),  eine 
klumpig  (massig;  verwachsene  Hand,  eine  un- 
förmliche Hand  mit  Verkrümmung  des  Hand- 
gelenkes nach  der  Kleinfingerseite  hin  (r,r.  W. 
V.  12»»  .  Förster  n.  981).  —  Knochen-Kind.  -  eine 
fettarme,  knöcherne  Hand  (ur.  w.  IV,  2.  328)  — 
A'm  /t'-Hand  -  Elephantiasis  manus  (Lepra),  die 
apfelgrosse  Hautknollen  an  der  Hund  macht. 

—  knotige  Hand  =  schwielige,  haut-  und  kno- 
chenharte Hand  (Gr.  w.  v,  15U).  —  A'om'^-Hand 
=  die  das  königsübel  (Kropf  und  Hals-Skro- 
pheln)  durch  Auflegung  heilende  Hand  der  eng- 
lischen u.  französischen  Könige  (s.  Wehrwolf) 
(Bircber  3  ;  Nicolai  II,  261),  ein  Volksglaube,  der  darin 
«eine  Erklärung  finden  wird,  dass  l>ei  den  Xoniger- 
manen  die  weltlichen  Herrscher  das  Götteropfer  leiteten 
(Oolth.  619)  ,  die  Opferhand  war  die  hellende  Hand ; 
darum  Ist  auch  Wodan,  der  Stammvater  aller  angrl- 
sacliiiscben  Könige  (tiolth.  JV9)  Zauber-  u.  HeUkünstler 


j  (i.  WodaMflnger ;  i.  auch  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1S96.  443).  — 
kranke  Hand  =  leidende  Hand  («r.  w.  V,  2024; 

I  15.  Jahrh.  eyn  krangh  band  =  ehiragTa,  D.  II.  91).  — 
lahm?  Hand  =  gelähmte  Hand,  die,  wenn  die 
Lähmung  sich  nicht  hebt,  zur  Darrband  wird 
(engl,  brokenhanded  =  lahm  an  der  Hand  wie  durch 
Knochenbrueh,  Kaltschm.).  —  lasse  Hand  =  m0de 
Hand  (fir.  W.  VI,  268).  —  Z.e6cT-Hand  (OberseUting 
der  Manus  hepatls  der  Arablsten),  1.  ss  der  Leber- 
lappen, dersich  bandförtniganden  vollen  Magen 
anlegt.  —  2.  =  die  Pfort-Ador,  weil  sich  die 
Leber  derselben  wie  einer  Hand  bedient,  um 
denChylus  anzuziehen  (Hyrtl,  K.  W.  74)  (s. Leber  . 

—  linke  (luchte)  Hand  s.  denke  Hand.  —  (1743) 
-Uif f"'  Hand,  1.  -  Metacarpus,  Palma  manus,  die 
die  Mitte  zwischen  Fingern  und  Arm  bildende 
Hohlhandfläche  (bibl.  Mcdlk.  2«3).  —  2.  -  der 
Mittelteil  des  Pferdekörpers  zwischen  Vorder- 
und  Hinterhand.  —  Na ch  Hand  =  der  hinter 
der  Reiterhand  befindliche  Teil  des  Pferde- 
körpers im  Gegensatze  «ur  Vorhand  (Mayer  26; 
Falke  I,  396.  Ii,  141).  —  06e»-Hand,  1.  =  der  obere 
Teil  der  Hand  (Handrücken).  —  2.  =  Hand- 
wurtel  (Gr.  W.  TO,  10BS).  —  offene  Hände  -  auf- 
gesprungene, hautkranke  Hände.  —  Patsch- 
Hand  =  die  Gruas-Hand,  Dadaliand,  schöne 
Hand,  rechte  Hand,  in  die  man  beim  Grusse 
schlägt,  dass  es  „patscht"  (patsch,  ein  lautmalendes 
Wort).  —  platte  Hand  =  Palma  manus,  flache 
Hand.  —  quate  Hand -die  böse,  durch  Zauber 
krank  machende  Hand  (De  Cotk  so).  —  (1599)  räu- 
dige Hände  -  Hände,  die  an  der  Räude,  Scabies 
(b.  d.)  erk  rankt  sind  (Grindhand)  (ür.  w.  VIII,  256). 

—  rau/icHand  =  durch  Ekzcma,Syphili8,Tylosie, 
Scabies  (Grint),  wie  rufig,  dick,  unfein  sich  an- 
fühlende Haut  der  Hand,  Grindhand,  Seehund, 
Diebshand,  Fingerkork,  Fingerlohn  (Veiel  in  Z. 
Hdb.  d.  sp  Tath.  u.Ther.  XIV,  1.365).  —  rechteR&nd 
«.  Hand  2.  —  ifu/ite-Händigkeit  s.  tenk.  — 
rUferige  Hände  =  rauhe  Hände  (Gr.  w.  VHJ,  1408) 
(s.  rauhe  Haut  u.  Rufe).  —  schändliche  (schänd- 
line)  Hand  =  linke  Hand,  die  nicht  schöne  (häss- 
liche'  Hand.  —  (kaü  scherbichte Hände  =  schrun- 
dig gespaltene,  zerborstene  Hautschwiele  in  der 
Hoblhand  (Coler.  H.  A.  144).  —  schlimme  Hand- 
kranke  Hand  (nintner  7.  16).  —  schöne  Hand  = 
die  Rechtshändigkeit  ist  angeboren  (auch  bei  den 
afrikanischen  Bagirml  ist  die  rechtu  Hand  die  sch<>ue 
Handj.  —  Schwi  i  s  -  Hand  -  stets  schwitzende 
Hand.  —  .SVr-Hand  s.  aufgesprungene  Hand. 

—  StrackH&nd  (=  manus  extensa.  D.  407),  s.  ge- 
streckte Hand.  —  tenke  Hand  8.  denke  Hand. 

—  Toten- Hand,  I.  —  die  Hand  einen  Toten, 
welche  nach  dem  Volksglauben  wie  die  Königs- 
hand den  Kropf  (Königsflbel)  heilen  sollte 
(BlreherS)  (s.  Wehrwolf).  —  2. -manus  mortua, 
dead  person,  der  eine  Erbschaft  hinterlassende 

[  Gestorbene.  —  (1743)  verdorrete  Hand  —  hand- 
lahm, eine  Hand,  die  durch  paralytische  Atro- 
i  phie  (oder  Gicht)  magerer,  trockener  geworden 
I  ist  (s.  Darrhand)  (bibl.  Med.  487;  Lipp.  Chr.  180).  — 
(1713)  Fon/cr-Hand,  1.  =  die  menschliche  Hand- 
wurzel, CarpUS  (Hyrtl,  K.  W.  75;  bibl.  Medikus  263). 

—  2.  -  der  vor  der  Hund  des  Reiters  befind- 
liche Teil  des  Pferdekiirpprs  Mayer  M;  engl, 
lorcbaml;.  —  wehe  Hand  -  eine  verletzte,  Weh 


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21 S  Handel— hangen. 


Hanke— Hann». 


ver jrsachende ,  kranke  Hand.  —  iru»<<  Hand 
(ahd.  wlnstern  hant,  n.  Z.  VIII,  116)  =  linke  Hand 
(„wüst  im  Gegensatze  zu  hott")  (Schmeller  I,  962). 

—  Zesem  Hand  (abgentorbene»  «ort;  ahd.  MMrea- 
[xe«euuaj-hant  -  rechte  Hand,  n.  Z.  VIII,  116  \  Schm. 
I.  621.  962.  II,  UM).  —  (ü.  Jahrb.)  z ugcthane  Hand 
=  geschlossene  Hand  (pnlmus[»iei],  Voc.  opt.  W.  ll). 

—  Hand  (Hände-Mder,  -Ballen,  Bein,  -Berg, 
-bloss,  -Furche,  -Gelenk,  -Getücht,  -Oichl,  -Gift, 
•Gleich, -Grube, -Hohle, -Knubel, -Kopf,  -Krampf, 
■Krümme,  -lahm,  -los,  -Mal,  -Marn,  -Podagra, 
-Rauchigkeit,  -Räude,  -Rechen,  -Rinne,  -Rist, 
-Rucken,  -ScJitceiss,  -Schwellen,  -Sihtcitzen, 
-Schrunden,  -Seuren,  -Sohle,  -Spanne,  -Stiel, 
■Sucht,  -Teller,  -Tisch, -Weh,  Wurm,  Wurzel, 
-Zipperlein,  -Zittern. 

Handel,  m.  (tH  huflelO  —  mll  de»  Händen  lassen, 
arln-ltcn,  die  Waren  mit  den  Hunden  vorzeigen)  — 
(1752)  Kupfer- Handel  —  Facies  ebrosa,  die  kupfer- 
rote Nase  der  Weintrinker,  alB  oh  diese  mit 
Kupfer  handeln  würden,  Acne  rosacca  (Gr.  W. 
V,  2759.  2764)  (Kupfer-Nase,  Kupfer-Finne,  (Jutta 
rosacea)  (13.  Jahrh.  goutle  ro«t< ,  IT.)  (s.  Kupfer) 
(Bück  IS;  Behrend  5.  60;  A.  v.  II.  II,  721.  7:il  ;  Nicolai  ; 
Hau tul.  429).  —  (1592)  \'<  -nua-Handel  sa  L'oitns 
iHeb.  yj'i).  —  (1609)  W«'6er-Handel~  Weiher-(Je- 
Mhtfte,  weihliche  Blodigkeit  (Menses)  (Guar.  932) 

—  Wcinbluni<  n  Handel  =  Gutta  rosacea  der 
Weintrinker,  die  auf  eine  feine  Blume  Wert 
legen  (s.  Gewerbe  2)  (zw.  iso). 

handig  (hantig,  hantig) ;  hantig  =  fest,  scharf, 
bitter,  salzig,  sauer,  heftig  schmeckend  (im  Ge- 
gensatze r.u  süss).  —  Hant,  in.  -  Bitterkeit 
(8chmeller  I,  1127).  —  (1790)  GaM-Haendte  (li'.ls) 
f/rtW-hantig- gallebitter  (Schindler  i,  89o  1137).  — 
hantig'.'.  «%  es)  Blut,  -Firns,  Gall,  Geblüt. 

hangen  (hängen,  Gehäng)  (gem.  germ.  tmnh; 

Roth,  hfthan ;  ahil,  hAhnn  ;  mhd.  bähen.  Kluge5,  l.Vi) 

—  hei  Korperteilen  meist  Zeichen  der  Schwache 
der  Muskeln  oder  der  Nerven,  z.  B.  den  Kopf 
hängen  lassen.  —  auch  einem  eine  Krankheit 
an  den  Hals  hängen  (hangen  machen).  —(1748) 
.1 /'hangung  -  der  Zustand  des  Herabhängen*, 
st.  B.  eitie  entstellende  Geschwulst  des  oberen 
Augenlides,  der  Wamme,  Schlichten  etc.  (K.  ch. 
323),  —  (HU)  anhangend  —  anklebende,  wie  an 
den  Hals  fest  angehängte  oder  durch  „Befleck- 
ung" (s.d.;  l'ontaginm:  übertragene  Krankheit 
(s.  Sucht;  (D.  n&.  mg).  —  (1646]  «««hängen  = 
etwas  so  verdrangen  oder  in  soiner  Lage  ver- 
ändern, dass  es  nach  aussen  zu  herabhängt, 
z.  B.  sonst  im  Inneren  befindliche  Organe  bis 
vor  die  äusseren  Leibes.dlnungen  heraussenken 
lassen  (Fterus,  l'enis  equi)  (oder.  II.  a.  21  i).  — 
ßrhäng  der  bei  der  Kote  de«  Pferdes  herab- 
hängende Haarzopf,  der  viele  starke,  lange 
Haare  hat,  desgleichen  am  Pferdeschen kel  ((Je- 
hflng  4).  —  />a»hang  s.  Vorhang.  —  GVhäng 
(1656gehenk  Omentum,  (Jr.  \V.  VII.  639;  1581  gehenck 
=  exu,  Ilyrtl,  K.  W.  57.  5».  191;  D  219;  1592  «ielieu.  k 

—  Schafolunge,  Seb.  166;  lüso  gehange,  <ir.  W.  V,  59), 
1.  -  alle«  hängende  Eingeweide  der  Brust  und 
des  Bauchs  (Wamme,  Intestina)  (Ilyrtl,  K.  w.  191); 
namentlich  hangen  die  edlen  Teile  der  Brust, 
Herz,  Lunge,  nach  der  Volksanschauung  nur 


i  an  einein  Faden  (=  Herzbände]  oder  Lebens- 
faden). —  2.  =  namentlich  das  dünne  Gedärm, 
welches  an  einer  langen  Bauchfellfalte  hangt 
(Schweinsdarm,  Kalbsgekröse)  (ö«terrelch.  Ilyrtl, 
K.  W.  57.  68,  1680,  Gr.  w.  V,  5y).  —  3.  =  die  herab- 
hängenden Ohren  des  Jagdhundes.  —  4.  =  Köte- 
zopf  beim  Pferde  (Behang)  (Gr.  W.  III,  1692; 
Mayer  38!.  —  Brust -Gth&ngel  (Kengel)  =  das  in 
der  Brusthöhle  hangende  Brusteingeweide  (c.  t. 
Schm.  aus).  —  .Ein^raeirtVGr-häng  [15M  . heuek 
nmb  die  eingeweid  =  prnecordla,\  Gr.  W.  VII,  639), 
Nett, Omentum.  —  A nit -hängig  -  die  Ellenbogen- 

I  (s.  d.)  Stellung  der  Pferde,  wobei  die  Knie  wie 
beim  Ochsenknie  (s.  d.)  nach  vorne  hängen.  — 
[1592)  «6cr-hängig  -  wenn  ein  unteretändiges 
(s.  d.)  Pferd  mit  Brust  und  Hals  vorn  überhängt, 
mit  den  Vorderfüssen  zu  weit  unter  den  Leib 
gestellt  ist  (Seb.  222;  Kalke  II.  383).  —  Vorhang, 

1.  —  am  Gaumen  =  Gaumensegel  (Kalke  1,  308; 
Heyne  II,  1035)  (Palatum  molle).  — 2. -(17011  Haut- 
Fürhang  —  eine  hautige  Umhüllung,  z.  B.  (Cal- 
lus-Sehwarte)  vor  einem  Knochensequester 
(vierordt  (u,).  —  hangende,  Hänge-  (Hang)-£a- 
cken,  -Bauch,  Brüste,  -drüsslet,  -Lanken,  -Maul, 
■Spint,  -Ucen. 

Hanke,  f.  (Hänkel)  (ahd.  ancha;  mhd.  ank. 
„dem  sich  wlu  Ofterl  elu  h  vorgeschoben",  Gr.  W.  IV, 

2.  4>5;  171C  hanke  [=  Anke];  engl,  haunuh  -  Hüfte, 
ixdif.  54.  lsi),  1  =  Hüfte,  Schenkel,  Lende, 
Hinterleib;  heim  Pferde  namentlich  die  beiden 
Seitenteile  der  Kruppe  (Kalke  I,  365).  —  2.  = 
menschlicher  Schenkel,  Bein  (henkel,  hänkel; 
Tirol,  Gr.  W.  IV,  2.  V<h;  Hlntner  8)  (vergl.  Henkel 
u.  Anke).  —  Hankerl  =  Heinkel,  Helmke!, 
Heimchen  (s.  d.),  Zwerg  (Schoenwerth  II,  316; 
Lahmer  11,  186),  —  Km-Hanker  (Tirol;  i.h istner  1, 

7.1;  11,90.91 ;  enonger;  Zingerlc,  Sagen 96;  uennangger), 
1.  —  einhüftiger,  einfüssiger  Mensch.  —  2.  = 
auch  Alpdämon  mit  halber  Menschennatur, 
halb  Geist  (Sphinx);  (auch  [Ante  hlesscn  $0  al» 
Dämonen,  Alpb.  263).  —  3.  =  s.  halber  Mensch. 

Hanns,  in.  =  Johannes  («.  d .).  Der  häufige 
Haueriinaine  Hann»  galt  ab  Scherlbezeichnung  lur 
verschiedene  Begriffe  ein  besonders  kräftiger 
Mann  (Schi.  3).  —  Hannsen,  1.  =  dl«  Unterhose 
der  Weiber,  die  Genitalia  femluae  wie  eine  Kutte,  Kotze 
>.  d  ]  verhüllend.  —  2  =  Gehnrtsteil  der  Kuh 

schmeller  1. 1135).  —  Hanns«!  (Hänslein)  =  Penis 
(Gr.  w.  iv,  2.  k.ii  -  Hämischen  im  (ausm) 
Keller  («eherehalt)  —  das  mannliche  Kind  im 
Mutterleib,  das  nach  dem  Glauben  der  Kinder- 
stube aus  dem  Keller  des  Vaters  kommt 
(ndl.  hauxjo  ult  den  kelder,  I  r<iuell  VI,  218;  Heyne  III. 
60;  Gr.  W.  IV.  2.  402  .  Waekcrnagel,  Abhdlgn.  III,  132) 
(Kmbryon)  s.  G  retchen  im  Keller.  — 
(15.  Jahrh.)  A-A-A-Usum»  =  (blessiu,  halhui,  D.  77) 
—  einer,  der  nur  abgehackt,  stotternd  oder 
slainmelnd  spricht.  —  Fasd -Karins  =  Über- 
spannter Mensch  (Huck  15),  niitrischer  Hanns 
[FHcInacbl ;  s.  Fasel  u.  Ki-ei).  —  f-WAM-Hanns 
«.  Fuchtel  (Huck  15;  Schmeller  I,  MS).  —  langer 
Hanns  =  Mittelfmger    (s.  d.)    (Iliutner  7.  17) 

Scbamlinger).  —  .WW/ir-Hanns  =  ein  nach 
Älpart  aufhockender  (s.  d.)  Mar  (Hilmon)  des 
anterfrankiaclieu  Volksglaubens   (i.aistuei  11, 


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Hippe— Hann. 


Harn. 


22J).  —  il77";  l\.-p  Hanns  Popanz,  Alphito,  ein 
kinderfressendes  Gespenst  (Poppe)  des  Volks- 
glaubens (Lalitnerll,  209,  D.  36).  —  Schmal Hanns 
=  ein  schmaler,  magerer  Mensch  (eugl.  nlggard). 

—  SrAramm-Hanns  =  ein  mit  vielen  Narben 
bedeckter  Mensch,  Raufbold  (Wackern.  Abhdlg. 
Iii,  im).  —  Hanns- Mors. 

Happe,  f.  Happen,  m  Häppe,  Hippe  (»hd. 

hnppa;  mhd.  happe,  (.  ~  das  sichelförmige  Wlnzer- 
meuer,  Gr.  W.  IV,  2.  471,  Kluge*,  168).  —  Hape 
(Happen,  m.,  Happ),  1.  =  Habichtsnase,  Adler- 
nase (Germania  XVIII,  24;  Buck  12).  —  2.  =  Haupt 
(Cr.  W.  IV.  2.  MW).  —  3  =  Processus  falciformis 
durae  matris  (Oyrtl,  k.  w.  na).  «  4.  =  ein  gutes 
Fleischschnitzel,  wie  mit  der  Hippe  geschnitten. 

—  hippig  =  ein  krankhaftes  Verlangen  (Lust  2) 
auf  feine  Bissen  (Pica)  habend  (von  schwan- 
geren Weibern),  gelüstig  (Gr.  w.  IV,  2.  1554; 
Schmeller  I.  1139). 

hapl  ^-  gebrechlich,  verkrüppelt  (von  Vieh 
u.  Mensch)  (Scbmeller  I,  1143). 

happern  (innd.  hapereu  ^-  verfehlen,  stottern 
Kluge*,  155)  =  stottern,  mit  dem  Munde  schnap- 
pend sprechen. 

Harant,  m.  (Ktidrun  :  böraut;  15.  Jabrh.  der  hnruut 

—  calamlu,  lnflrmita«,  D.  II,  6.'.) ,  zu  Heer  =  ver- 
heerende Pestseuche  (porsonif.). 

Harb,  n.  e.  Hör. 

Harm,  ro.  Harn,  ts.  n.  Harin,  Hurin,  m. 
harnen,  härmen,  härmen  (aiundiseh  ikar 

ausglesaen,  Gr.  W.  IV,  2.  487  [sxiüp  —  Kot];  allgcrin. 
«kam  =  Kot,  abd.  harau  =  Urin,  Kluge*,  156;  1260  dai 
harn,  Ffeiffer  21 ;  14.  Jahrh.  da«  harn,  Germ.  XVIII, 
71 ;  1482  barem,  harui  =  «ayehet,  urlna,  Zcnlug.  Voc. 
n  7,  bb<;  härmen  —  prunren,  8ch nieller  I,  1162,  mhd. 
harn,  H  Z.  XV,  350,  härm  —  minetura,  I)  361;  14*1 
härm,  C.  v.  Megbg. ;  14*9  härmen,  Gr.  W.  IV,  2.  483; 
härmen.  Zcning.  Voc.  n7;  15.  Jahrb.  harnen,  Hyrtl, 
K.  W.  133;  1531  hären,  m.  =  urin,  Krautw.  I.XIX).  — 
harnen  »  den  Leibesbrunnen  entleeren,  aus- 
giessen,  laufen  lassen.  —  Harn  ■  Urina, 
Minetura,  Mictio.  —  /;•  tt  harnen  (1529  betharnen, 
Kriea  119;  1725  Dettharuen,  The«,  s.  Mr.  —  Enuresis 
nocturna,  Bettpissen.  —  (1699)  bleifarbener  Harn 

—  livider,  nicht  dunkler  Harn  (v.  M.  II,  233), 
optische  Täuschung  durch  die  ehemaligen 
Uringläser  (s.  Zirkel).  —  (1744)  Blut  harnen 

Stetiger  Harn)  —  Mictio  seu  Urina  cruenta, 
aematuria,  Haemoglobinurie,  Blutbeimisch- 
ung  zum  entleerten  Urine  (ndl.  bioedwatcnug,  Ew. 
877.  781;  Vogel  V,  19»;  bluet  geharmbt,  Schm.  I,  1162). 

—  (16.  Jahrh. )brennender  Harn  (Harm)  =  Dysuria, 
pisse  rasoirs,  Tripper,  kalter  Piss  (Pausa;  Arzn.- 
Bueh  52;  Pnüst.  Amt  1871.  8.  12-j),  s.  Harnbrennet), 
Ardor  urinae. — Eiter- Harn  -  Mictio  purulenta, 
Pyuria,  Eiter  (mit  Blut)  im  Urin  (Gr.  \v.  III,  MS; 
Zw.  781).  —  (1797)  £w/s-Harn-der  durch  Scheide- 
sekret (Weisslluss) ,  etwas  getrübte,  weisse 
Frauen-Urin  (j.  p.  Krank  v,  lao;  crina  Krina  mppo- 

kratU.  der  Harn  der  l'tlauzenire*ser  L-t  häufig  trüb  und 
dünn,  Vi.  I,  227).  —  (1477)  feister  Harn  (Ortolph, 
1699  v.  M.  II,  233),  1.  =  dicker  Urin,  in  der  Farbe 
gesättigter  Harn.  —  2.  -  feister  Zirkel  (h.  d.)  — 
JV/f  Harn    t'byluria,  Fottbeimengatt|{  zum 


I  Urin  (bei  Filaria  sanguinis),  Milch-Harn.  — 
(16.  Jahrh.)  fiebriger  Harn,  (la.  Jahrh.)  Fieber  - 
Harn,  1.  ^  die  bei  Fieber  auftretendo  Urin  Ver- 
änderung, die  sich  meist  in  dunkelroter  Sedi- 
mentierunu  (Sedimentum  lateritium)  kennzeich- 
net (z.  Hdb.  IV,  2.  73).  —  2.  =  Eiterharn  mit 
FieberfroBt  (Arz.-Boch).  —  Grrö-Harn  s.  Gries, 
Stein,  -r  (1260)  grüner  Harn,  1.  =  eine  damals 
prognostisch  schlechte  Farbe  des  Harn  (s.  grüner 
Zirkel)  (Pfeiffer  65).  —  2.  ^  (carobus  =  caprasmus, 
carnls  visio  est  Speeles  coloris  urinae  [viridis],  Ü.  102 ;  II, 
76)  friscberUrin.  —  (1762)  Haar  harnen  =  „wenn 
mit  dem  Urin  Haare  abgeben"  (A.  v.  H.  II,  1291), 
durch  Kommunikation  der  Harnblase  mit  einer 
Dermoidcyste  (Zw.  Hdbch.  IX,  381).  —  (1530)  hart?. 
Harnung  'Ii'-  Handlungdes schwierigen  Harn- 
lassens (Künigssp.  51).  —  (1726)  kalter  Harn,  1.  = 
Stranguria,  Harnwinde,  s.  kalt  (Th.  San.  Br.  i**.j. 

—  2.  =  Tripper,  Ardor  urinae  (calidus).  —  (169»; 
kreisloser  Harn -ein  Urin  ohne  Zirkel  (v.  M.  II. 
235)  (s.  grüner  Zirkel).  —  (1599)  lauter  harnen - 
Urina  potus,  klaren,  hellen  Urin  entleeren, 
lauterstallen  (Gr.  w.  v,  379).  —  (1752)  Jfi/cA-har- 
men,  -Harn  =  Diabetes  chylosa,  Chylurie,  Fett- 
harn, ein  milchig  aussehender  Urin  durch  Fett- 
beimengung (bei  Filaria  sanguinis)  ,  wobei  der 
Harn  wie  Milch  Feltrahm  absetzt  (Schindler  I, 
1162;  Gr.  W.  VI.  2194  ;  Frank  149)    —  (1699)  ölerhter 

Harn  s.  feister  Zirkel  (v.  11. 11, 231).  —  roter  Harn, 
l.  =  (1533)  Urina  rubens,  rubra,  rufens,  Sedimen- 
tum lateritium,  wenn  der  Harn  einen  roten, 
ziegelmehlartigen  Bodensatz  zeigt  (Gr.  w.  IV,  2. 
487;  Künlgsp.  32).  —  2.  (15.  Jahrh.  dlssenteria,  Ü.  641) 
=  durch  Blut  rot  gefärbter  Harn,  s.  rot  pissen, 
blutharnen  (Merk  139;  Kalke  II,  216).  —  aandichter 
Harn  =  ein  Harn  mit  sandigem  Sedimente 
(Gries,  Urina  arenosa)  (Gr.  W.  IV,  2.  4*7).  —  (1699) 
schuppichter  Harn  =  Kleien  (s.  d.)  im  Harn 
(v.  M.  11,  234).  —  (1591)  schwerlichea  Härmen  =  be- 
schwerliche Urinentleerung  (Taben».  53g).  —  Stau- 
uri0»-Harn=ein  dunkler,  konzentrierter,  meist 
etwas  eiweisshaltiger  Harn  bei  Stauungen  des 
Blutes  durch  Herzleiden,  Schwangerschaft  etc. 

—  Ston  Harn  =  Harnsand,  Gries,  Harnstein 
(s.  d.)  (Kraus,  K.  572).  —  (1699)  »tücklichter  Harn 
-=  Harn,  in  welchem  die  Tripperfäden  (s.  d.) 
als  lange  Schleimstücke  schwimmen  (v.  M.  II, 
235).  —  Trupfiein-  {tröpfelnder)  Harn  (1477 
troeptllngeii  harn,  Ortolph;  1532  das  tropfllngen 
harnen,  Fries  118,  1551  da»  droepffelieht  harnen,  Bock 
12»)  -  Stranguria,  Dysuria  (Blasenkrampf), 
Ardor  urinae  (Tripper),  „wenn  der  Harn  beim 
Abschlagen  brennt,  wegen  Schärfe  zum  Ab- 
schlagen treibt  und  dennoch  nur  tropfenweise 
gelassen  werden  kann"  (Zw.  749.  778).  —  (i">92)  übel 
harnen  -  schlecht  urinieren,  Dysuria  (Seb.  587). 

—  (16.  Jahrh.)  überflüssiges  Härmen  =  Hamlluss 
[Am,  Buch).  —  ungedäuter  Harn  (1532  uugedewte, 

uugedowte  lmru  =  diabete«  [Inslpidus],  ,,et  ixl  nicht 
anders,  dann  eine  Viele  des  llarus  und  Bcglerd  zu 
harnen,  und  Ist  doch  der  ltam  nicht  genugsam  ge- 
kocht, deshalb  dieser  Brest  vergleicht  wird  dem  Bauch- 
Ihm  Ltonlerie",  Fries  119).  Nach  der  Galenischen 
Schule  war  der  Harn  die  Uberflüssigkeit  (s.  d.) 
und  das  Resultat  der  S.  Diiuung  (in  der  Leber); 
Verdauungsstörungen  machten  sich  demnach 


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220  Harpfe— hart. 


Hasch— Hase. 


nach  dieser  alten  Physiologie  vor  allem  im  Urine 
bemerkbar.  —  (16.  Jahrh.)  vergessener,  verstan- 
dener Harn  =  Dy 8 nria,  eine  Harnentleerung,  die 
nicht  im  richtigen  Gange  ist,  sondern  fehler- 
haft zeitweise  stille  steht,  sitzt.  —  verschlagener 
Harn  ^  lechuria,  ein  Harnrluss,  dessen  Entlee- 
rang schnell  eich  verlegt,  so  das«  er  an  normaler 
Stelle  gar  nicht  erfolgt  (R.  A.  462)  (verstandene 
Blattei).  —  (16.  Jahrb.)  wilder  Harn  =  der  un- 
natürliche, nicht  normale,  auf  schwere  Krank- 
heiten hinweisende  Urin  (Gr.  W.  IV,  2.  4S2).  — 
wolkiger  Harn  s.  Wolke.  —  (1672)  Zucker  Harn 
=  Diabetes  mellitus,  der  zuckerhaltige  l'rin, 
der  schon  seit  Ayus  Veda  bekannt  ist  (Salkowski- 
Leube  294).  —  Harn-  (Harm-)  Blase,  -Blatter, 
•Brand,  -brennen,  -Brunnen,  -Bruntz,  -Drüsen, 
-Faserlein,  -Fass,  Fieber,  -Fistel, -Fluss, -  Gang, 
-Grand,  -Gries,  -Häutlein,  -Haut,  -Krankheit, 
-Kreis,  -Läufe,  -lassen,  -Leiden,  -Leiter,  -lösen, 
-Mangel,  -Pfeife,  -Rinnen,  -Rohre,  -Ruhr,  -Säck- 
lein,  -Sand,  -Schnur,  -Schweins,  -Sperre,  -Stein, 
-Strenge,-treiben, -tröpfeln,-  Verstopfung,  Wasser, 
-Wege,  -Werkztvg,  -  Winden t  -  Wulst,  -Zicang. 

Harpfe,  f.  auf  der  Karpfen  liegen  (Harpfe  = 
ein  Scbuubau  für  Getreidegarben  aus  aufgerichteten 
Baumstämmen  mit  tjuerstangeu,  der  Ähnlichkeit  mit 
einer  Harfe  [geni.-gcrm.  harpa;  ahd.  harpha;  tuhd. 
harpfe,  Kluge*.  166]  haben  soll)  =  auf  der  Struu 
liegen  (s.  d.)  =  krank  sein  (da»  Krankenlager  war 
neben  der  Schieder-  oder  Lotterbank,  früher  im  ITeu 
des  Kubeis,  Gr.  W.  IV,  2.  476). 

harsch  (zu  hart  [s.  d.];  engl.  harah  -  streng, 
I.ehf.  107).  —  ./'harscht  (ahd.  giharscart,  Graft  IV, 
mc)  =  verhflrtet,  contractu».  —  t  < » harschen  = 
harten,  festen  Schorf  machen  auf  der  weichen 
Wunde  (Rufe),  die  sich  rauh  anfühlt  wie  der 
Harscht  oder  gefrorene  Schnee  (barsch  =  hart. 
Kluge»,  186.  29»).  —  harsche  Haut. 

Harscherl,  n.  (zu  baischen,  Hilfe  lordern,  z.  I. 
d.  Phil.  Hl,  334)  =  armes  Geschöpf,  Kretin. 

hart,  Härte,  f.  (Wuml  kar=Mhun,  machen,  vor- 
genn.  kartüs;  gem.-gcrm.  hartus ;  goth.  hardus;  ahd. 
hBrti  =  hart;  mbd.  hertc  -  Schulterblatt  [als  knochen- 
harter Teil]  Schweiler  I,  1170,  mhd.  hart  =  hart,  fest, 
schwer,  schmerzlich,  Kluge*,  150;  haertin  ■  scirrhus; 
engl,  hnrd ,  hardness) ,  1.  —  schwer,  schmerzlich 
((ieburt,  Druck,  Krankheit,  Gehör  z.  B.)  (Heyne 
Ol,  67).  —  2.  -  harte  Stellen  am  und  im  Leibe 
(UrOscn,  Beulen,  Huf,  Leib,  Knochen,  Rippen 
etc).  —  die  Härte  (ahd.  hertc  =  spatula  [scapulaj, 
D.  546:  1521  herte  -  cnllu«,  D  91;  franz.  durUlon  - 
i-alloalte,  Bris».  211 ;  1616  die  hartin)  -  harte  Körper- 
stellen im  Gegensätze  zum  weicheren  Fleisch 
{Paracelsus;  Gr.  W.  II,  190).  —  Als  klinisches 
Sym  ptom  scheint  „die  Härte"  nicht  vor  dem 
15.  Jahrb.  sprachlich  im  Deutschen  sich  fest- 
gesetzt zu  haben,  zuerst  wohl  als  Kotvorslopf- 
ung,  dannals  Uterushbroid  -  Mutterverhärtung, 
sowie  =  (1687)  hart  um  die  Rippen  -  Rachitis 
(Georg.  4.:.2j;  hart  =  verstopft  im  Leibe.  —  3.  — 
als  besondere  (bei  dem  Opferkulte  und  Speer- 
stiche) auffallende  Härte,  das  Schulterblatt  (ahd. 
- ik.-rti,  herti.  hurti,  Graft  IV.  1026  ;  Klug*  *,  3-1«;  altnord. 
hordhar ,  über  das  anlautende  S  s.  Z.  f.  d.  A.  1^8.  195; 


ahd.,  7.-8.  Jahrh.  unter  hartiuum  =  inter  scapulas  = 
spatium,  quod  inter  scapulas  est,  Gass.  Glösa.  Diez  95  ; 
Graft  IV,  1026;  mhd.  hertc  ■  scapnla,  8chm.  I,  1170), 
der  harte  Nacken  ergab:  hartnackig.  —  4.  = 
Hart  (Haar)  =  Herz  (s.  d  ).  —  (1*92)  Härtigkeit 
=  Scirrhoma  (8eb.  112.  34»),  verhärteter  Zustand 
der  Gewebe.  —  (1677)  Härtung  =  Verhärtung 
(Beynon  163).  —  (1495)  /■' iui  ,V  Harte  (hert  In  dem 
bauch  =  consUpatus,  P.  145)  —  Verstopfung  durch 
harte  Kotballen  im  Leibe.  —  (1777)  Bein-  Harte 

-  Knorpel,  Ossilago,  Kruspelbein  (D.  402).  — 
Erhaltung =  Verhärtung.  —  Hand  Härte  (harte 
In  den  banden ;  1470  cyn  hert  in  der  band  —  callu«, 
I).  Ii,  67)  =  Callosilas,  Handschwielen  (Gr.  W.  IV, 
2.  616).  —  Haut-Härte  (1482  bert  in  der  haut  = 
bocio,  boihrlum)^Durities  manus  =  Handschwie- 
len (D.  77)  (l.  harte  Hand).  —  Mih-Rarte  (mnd. 
14  —1'.  Jahrh.  der  mlltchardichcit,  J.  f.  nd.  Sp.-F.  XV, 
131 ;  berdte  des  miltz  am  griff,  Fries  112  ;  1588  haertung 
des  miitzcus,  Arz.-Buch)  —  der  harte,  greifbare  Milz- 
tumor. —  (1677)  Xieren- Erhärtung  —  Nieren- 
schrumpfung (Beynon  232).  —  (7nfrr-Härte  - 
Mittelschulter  (s.  d.).  —  (15.  Jahrh.)  twhärtet; 
(1754)  Verhärtung,  L  =  Sklera  (Hippokratee) 
Scirrhus  —  barter  Faserkrebs,  Carcinoma.  — 
2.  =  der  Zustand  des  abnorm  Hart-  und  Steif- 
werdens auf  der  Haut,  an  Gelenken,  Knochen 
und  sonstigen  Organen  (A.  v.  H.  I.  1210;  Fuchs 
Hipp.  II,  64;  Bavarla  II,  2.  882).  —  Drüsen- Ver- 
härtung =  Lymphomat«,  Scirrhositas  glandu- 
larum.  —  Geblüts-  Vt  rhärtung  =  Thrombosis, 
Infarctus  (Baas  384).  —  (1507)  Haut-  Verhärtung 
(Hort.  San.)  =  böse  Räude  (s.  d.).  —  (1744)  Leber- 
Verhärtung  Scirrhus  hepatis  Hippokratis  (Zw. 
st4),  Leber-Infarkt  (A.  v.  H.  1,782).  —  (1420) im  Leibe 
verhärtet  —  Induratio  faecum, Constipatio,  Kin- 
trockungdes  Kotes  im  1  ,eibe  (Coler,  n.  A. 220;  D.  145). 

—  Lungen-  Verhärtung  =  ein  durch  Schrumpf- 
ung des  Bindegewebs  veranlasster  Zustand  des 
Hartwerdens  des  sonst  weichschwammigen  Lun- 
gen-gewebes.  —  Magen- Verhärtung  -  Magen- 

\  krebs  (franz.  avoir  le  pylore,  Briss.  112).  —  Mandel- 
Verhärtung  Mandelliypertrophie  (Kohlcrll.  52) 
'harte  Eicheln).  —  Mutter-  Verhärtung  (1561  die 
verhärte  Muter,  Bock  14)  -  Uterusflbroid,  Scirrhus 
uteri.  —  (1699)  Nieren-  Verhärtung  Hodentumor 
(s.  Niere)  (v.  M.  Ii,  40).  —  hart^e,  er,  es)  Anstehen, 
Beingeschwulst,  -Beulen,  -Blatter,  -Blut,  -Brust- 
geschwulst,  -Butztl,  -Drücken,  -Drüsen,  -Fäule, 
-Fieber,  -Geblüt,  -Geburt,  -Geschwür,  -Gesehwel- 
len, -Gesrhicür, -Geschwulst,Grint,-härig,-Hand, 
-Harnung,  -Häutigkeit,  -Höppel,  -hörig,  -hufig, 
-Husten,  -Kehle,  -Klieren,  -Knüppel,  -lieber, 
-leibig,  -  Lungen  f aide,  -Mammen,  -Masern,  -vtäu- 
Kff,  -Milz,  -nackig,  -Nerven,  -Niederkunft, 
-Schädel,  -Schlaf,  Schleim,  -Seite,  -Spann,  Stät- 
tigkeit,  -  Warzen,  -  Wurm,  -Zitterach,  -zustehen. 

Hasch  (Hätsch)  =  Hetsch,  Heschen,  Klus, 

SilJgultUS  (Gr.  W.  V,  1260). 

Hascherl  s.  HaraeherL 

Hase,  m.  Das  schncllAufige,  kleine,  äusserst  furcht- 
same und  fruchtbare  Wild  mit  den  Springbeinen  und 
langen  Ohren,  der  eigentümlichen  Lippenbildung  und 
den  im  Schlafe  angeblich  offenen  Augen  dient  *n 
manchem  Vergleiche.   —  Hasen  -  Auge,  -Hacke, 


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Haspel— Haube. 


Hauch. 


-Kopf, -Lippe, -Mund, -Ohren, -ScJiaden,  -Scharte, 
-Schlaf,  -Spat,  -Sprung. 

Haspel,  f.  Hispel  (Gispel7)  haspeln  (n  ait- 

germ.  haupa  =  Thürbarken  und  Garnwinde  ,  Ha*pe  ; 
fthd.  haspa  und  hasptl  —  Garnwinde  ,  mhd.  Haspel. 
Kluge  *,  157  ;  1018  hospcl  —  perturbatus,  Burk  15 ;  Schm. 
I,  118.');  Schwaben;  Oberpfalz)  =  der  wie  auf  einer 
Haspel  aufgewunden,  umgedreht,  (geistig)  über- 
spannt ist.  —  haspeln ■  gehen  wie  ein  Krumm- 
beinigvr.dessen  Fasse  wie  verwickeltsind  (Gr.  W. 
IV,  2.  645). 

Ha ss ,  m.  hässlich  —  .  hassig  -  Ii vidus,  blau- 
striemtg  verunstaltet  (I>.  834;  die*  nach  Sehtncller 
I.  1174  zu  Eisse  («.  d.  8.  1101.];  cgisltch,  elsllch).  — 
AuA-h  aasig   «  kuh-häukig  und  Hachse. 

hastig.  —  hastiger  Siechtag. 

Haube,  f.  (indogerm.  kup  =  Haupt;  germ.  kaup 
[rouput,  caput] ,  ahd  büba  -  Milnnerhaube  ;  mhd.  hübe 
(Frauenbanbe  und  Uelrn,  l'ickclhaube],  Kluge*,  157  = 
Hülle  dir  den  Kopf  und  Kopfforrnigcs,  sowie  hauhen- 
artige  l'mhüllung),  1.=  l'raeptilium  (1528 hub  —  prac- 
putium,  H.  r.  GerRd.  15;  Hjrtl.  K.  W.  111;  Schwant/.- 
kappe,  Qugel).  —  2.  -  der  zweite  Magen  der 
Wiederkäuer  wegen  der  Ähnlichkeit  mit  einer 
aus  Garn  hergestellten  netzförmigen  Frauen- 
Haube  (Gr.  w.  IV,  1. 1368;  VI,  4),  Netzmagen,  Lab- 
haublein. —  3.  =  das  (JlückshUublein  (s.  d.)  (15M 
lianbleln,  Gr.  W.  IV,  2.  565.  588;  die  Kindshaut,  Schaf- 
haut,  A  v.  iL  n,  633;  1677  twIHAdchei)  ;  beim  Knaben 
oder  Degenkind  der  Helm  od.  Glückshelin,  s.d.,  Hyrtl, 
K.  W.8I)  (s. Kleid,  Kleidchen).  —  4.  =  der  Träger 
einer  Haube.  —  Glüt  ks- Haube  —  das  Kinderbalg- 
Jein,  Pileus,  Caput  galeatum,  Vitta  (  —  mitra),  nc 
coitfe,  nascer  vestito  (  =  Amnion  oder  Wasser- 
haube) oder  «He  Schafhaut,  die  manchmal  auf 
dem  zuerst  beiderGeburt  erscheinenden  Haupte 
des  Kindes  wie  eine  Haube  oder  ein  Helm  (s.  d.) 
aufsitzt,  welche  Ober  den  Kopf  gespannte  Be- 
deckung als  ein  besonders  gutes  Omen  (peau 
divine,  s.  Glück)  seit  den  griechischen  Zeiten 
und  an  den  verschiedensten  Orten  betrachtet 
Wird  (Pauli  110;  J.  Grimm,  D.  M.  829;  Wuttke  203; 
Rochholz  I,  92;  Bavoria  IV,  2.  346;  Stein  I,  «8;  Ploss- 
Bartels  II,  253;  Mannhardt,  Zcitschr.  f.  d.  Mylhol.  IV,  3  ; 
Kwai*  de  Mjrthol..  Max  Müller;  Briss.  321);  sie  wurde 
früher  sorgfaltig  aufhewahrt  o.  unter  derThür-Sehwclle, 
dem  Datnonenplatze,  verKraben  (s.  l'iistatte);  das  Volk 
wahnte,  der  Folge-  oder  Schutzgeist  (s.  d.)  des  Kindes 
oder  ein  Teil  seines  eigenen  Ichs  habe  darin  seinen 
Silz;  auch  als  sieg-  und  glückbringender  Schutz  gegen 
Verwundungen  wurde  sie  neben  dem  Krrtten-Segen 
verwendet  (Gr.  I).  M.  828.  829;  Gr.  W.  V,  733.  760  2423; 
Wuttke  125;  Urquell  1892,  S.  117]  und  am  Leibe  getragen, 
daher  als  Kamillenheiligtum  getrocknet  u.  aufbewahrt 
(Lammen  114.  Anm.  115;  vcrgl.  Haupthut;  Slmrock, 
H.  D.  M.  165);  aie  heUat  auch:  Glück,  Wester  Haube. 
Webmuttcr  Haublein,  WcMerhemdlein,  Lab  Hiiuhlein, 
Klndcrhalglcln.  Balglcin  (a  d.  Verfassers  Volkü-ModMn, 
S.  204).  In  England  soll  die  Glückshaube  beute  noch 
in  den  gTösslen  Zeltungen  für  Geld  (eil  geboten  werden 
(Huber;  Soranus  132).  In  Island  heisst  sie  sigur  kufl, 
Norwegen  slgerhuva;  gowiellkvar-belgus  =  (inadetibatg 
=  Opfergabe  (Eihaut  des  Kalbes,  Z.  d  V.  I.  V.  K.  1H%, 
8.  236).  Schweden  i  segerhue  ;  Dänemark  sejr  skjorte 
=  8iegs«hürtze  (rrqucll  1892.  117).  -  OoW-Haube 


—  Glückshaube  (s.  d.,  Gold,  Geld  =  Glück)  - 
Glückskleid  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  189«,  S.  253;.  —  Hirn- 
Haube  (mhd.  hirnhubc ;  ndd.,  IV  Jahrh.  hernhawbe  -- 
ineuica,  pellis  quae  eireumdat  cerebrum,  D.  3'<6  ;  Gr.  W. 

IV.  &  IM0)  -  Hirnhaut,  Meninges.  —  Königs- 
Haube  =  Helm,  Glückshaube,  pean  divine  (Falke 
II,  so).  —  Lo6-Haublein,  l.=der  2.  Magen  der 
Wiederkäuer  (s.  o.  Haube  2).  —  2.  =  auch  (nach 
Ploss,  das  Weib)  Glückshaube.  —  Schlaf  Haube 

—  eine  schlafsüchtige  Person.  —  SrAnen-Haube 
=  Galea  aponeurotica ,  die  sehnige  Kopf- 
SOh  warte,  die  den  Schädel  bedeckt  (Kraus,  E.806). 

—  Sturm  Haube  =  „eine  besondere  Art  eines  hef- 
tigen Kopfschmerzes,  der  ringsum  den  Kopf 
wie  ein  breites  Band  oder  wie  eine  Sturmhaube 
cinschlicssl"  (A.  v.  H.  II,  63«)  (Neuralgia).  — 
VFasÄrr-Haube  —  Kihant  mit  Fruchtwasser (l'loss 
Härtels  ii,  l'.'»3).  —  HVA»mtt<r  Haublein  =  GlüekB- 
Haube,  Westerhemdlein,  Helm,  Schafhaut  etc. 
;ilavarla  IV.  2.  346,  Gr.  I>.  M.  II,  828).  —  (16.  Jahrb.) 
IVVnfVr-Haublein  ,,das  Fellln,  das  die  Kinder  zu 
Zelten  ob  ihrem  Angesicht  mit  ihnen  an  die  Well 
pringen"  (Blrlinger,  Sitten  II,  234  ;  wo  weiteres  über 
den  dabei  gebräuchlichen  Al>erglauben  ;  vestis  —  Kleid) 
(-.  Glückshaube,  Westerheuxl).  —  Hauben  - 
Stork. 

Hauch,  m  (hauchen),  Hauck,  Haug,  hau- 
chen f., ein  aus  Luthers  IHlielspriiche  in  der  2.  Hälfte  des 
18.  Jahrb.  auflebendes  Wort"  fur  blasen,  wehen;  oberd. 
schnaufen;  mhd.  bücheu,  Kluge*.  157).  —  Hauch 
i>  Hang,  Hauck,  Huck),  l.  =  das  Zapflein  oder 
die  Stelle,  wo  der  Hauch  als  Atemluft  aus  der 
Atemrohre  hervorkommt  (s.  Bradem)  (ahd.ucco, 
mnd.  huch  =  frumen,  1).  219,  angel*.  hnf.  I).  L  c.  ; 
14.-1.').  Jahrb.  mnd  so  welich  in  in  «che  deine  sin  huch 
[hnghe,  büke]  hniighct  an  ileme  halse,  J.  f.  nd.  5p, 
F.  XV,  115.  16.  Jahrh.  hueck  =  uva  colli,  D.  632; 
16.  Jahrh.  houg  |hauck]  =  uvula  [Uauchblatt] ;  1646 
hugk  -  uvula.  Zapflein,  Coler,  U.  A.  126;  1773 
huge  -  uvula,  Gr.  W.  IV,  2  570;  1S55  Hauck  = 
uvula,  Knllsehm.  II,  206;  engl,  hock,  hockherb  = 
Malve,  1.  eod.  I,  303;  gegen  Entzündungen  des 
Hauches  (Angina)  sollte  das  Hnueh-,  Huck-,  Haucke-, 
Hocckc  Blatt  helfen,  Campanulatruchclinm,  Ruscus  h>  - 
poglossu«  etc.,  Malva  Althea,  Jessen  76.3'8).  391).  —  2.  = 

beim  Pferde  (leis  hang,  haukj  -  Pterygium  - 
Flügel  (Nagel,  s.  d.),  Hauch blatt,  ein  Augen- 
übel,  eine  haucharligeHornliauttrübung(Nagel), 
iJie  wie  nebelig,  wolkig  ist  (Gr  W.  VII,  263;  Coler. 
It.  108).  —  3.  (nach  Fulke  I,  37ö)  -  der  stärker  vor- 
tretende Bhiii-hautknorpel  (Nagel)  beim  Pferde 
ohne  Hornhauttrübung;  letzlere  ist  die  Hau- 
ckenblindheit.  —  4.  =  Huck  —  Hauchblatt  (s.  d). 

—  hauchen,  1.  -  die  Atemluft  ausblasen.  — 
|  2.  =  kauchen,  kauern  (ScnmcUer  i,  1012).  —  An- 
hauch-die  Vorstellung,  dass  Krankheiten  wie 
lurch  einen  elbischen  Anhauch  (Elf- Anhauch) 
veranlasst,  wie  ,  angeblasen"  den  Menschen  be- 
fallen (s.  Wahl),  ist  eine  weitverbreitete  (Gr.  1». 
M.II,  1120;  schwed.  elfveblrtst.alfgust  ;  norm  elfblaest, 
Maniih.  62;  Golth.  132;  v.  Gebren  7.  8;  Venin!.  6; 
i:ie/.ler  13  j  Schwarz  IM.  411) ;  dieser  Flatus dämonum 
-.  Genius  epidemicus  (Miasma)  sollte  a)  (ilie- 
•  lersch wellung,  b)  Pestbeulen,  c)  Nachtbrand 
(Herpes  labialis)  oder  Nachtschaden  (s.  Un- 
htiltte)  erzeugen;  auch  d)  die  Influenza  kommt 


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222  hauen— Haupt. 


Haupt. 


wie  „angehaucht"  (Uuhem.  11).  —  (i»v».%)  .4i«/<>» 
Hauch  =  Hang  2.  (r-oier.  rr.  s.vj).  —  Prirf -Hauch 
^verpestete  Luft,  Pest  qualin ;  der  Atem  ilcr rost- 
kranken galt  als  giftig  und  ansteckend;  früher  war  der 
Klben-Anhauch  (s.  d  )  als  Ursache  angenommen.  — 
Hauch ,  Hauck-ß/n«,  -Blindheit,  ■  Tropfen. 

hauen,  Hauer,  m.  (vorgerm.  kow  -  schmieden ; 
gcrin.  hauw;  abd.  honwan  ;  mhd.  houwen,  Klnge5,  158). 

—  Hauer  =  die  Slosszäbne,  die  mit  den  Hau- 
zähnen der  Wildschweine  Ähnlichkeit  haben. 

—  es  houet  im  Bauch  =  es  schmerzt  wie  ein 
schneidender  Hieb  (Buek  19).  —  es  houet  im 
Kopf  =  es  hämmert  (schmerzend)  im  Kopf 
(Buck  14).  —  Knochen  -  Hauer  —  der  mit  den 
Knochen  hämmernde,  klopfende  Tod  (Z.  d.  V. 
f.  V.-K.  1896,  8.  342).  —  vi  i  -hauen  =  durch  Hauen 
verletzen.  —  E&vl- Krankheit. 

Haufe,  m.  Hauflein,  Hüfel)  (vorgerm.  baub 
[dazu  lat.  lnCUbo  =  Alj»]  =  dle  Erhobung;  gotb.  haups, 
hüpa  [Hufe,  Hüft«  Kind  Ablaute  dazu);  ahd.  hüfo,  bouf, 
hiuflla,  Wockernogel  186;  7.-8.  Jahrh.  hinffllon,  Ca««. 
Clous.;  8.  Jahrh.  hiufllon  =  genae  Inferiores  parte« 
oculorura,  Itab.  Maur.  64;  mhd.  hufe,  honte  [Haufe, 
Schaar],  hiufel.  Kluge*,  158;  Schindler  1,  1056).  — 
daB  Häuflin,  1.  —  Bucca,  Gena,  Wange,  als 
rundlicher  Fleischhügel  (hawfl,  hufelin,  D.  259; 
Schmeller  L  eod.;  Schw.  36)  (s.  Huf,  Hüfte).  — 
2.  =  weibliche  Brust  (Wackcrnagel  136).  —  3.  = 
Hüfel  -  schadhafte  Stellen  (/Häuflein),  Höfel, 
Hu  fei,  die  neuerdings  leidend  werden,  oder 
Nacbwehen  einer  noch  nicht  gehörig  verheilten 
früheren  Krankheit  sind  (Scbm.  1, 1064 ;  Lammen  85) 
(s.  Höfel).  4.  =  Hufel  =  ein  grosser  Hofer  (s.  d.) 
(St.  B.  M.).  —  AnYi&vdungen  (von  Würmern) 
(Müller,  Krtrbch.  766)  =  Wurm -Nest  (s.  d.).  — 
ÄVW«i-Hufe  (11.  Jahrh.  gelehufe  —  anglna,  1».  35), 
1.  es  eine  die  Kehle  beengende  circumscripte 
Anschwellung.  —  2.  —  Kehlbüchel.  —  hauifg 
=  angehäuft  (Zw.  126).  —  häufend  ßecken. 

Haupt,  m.  Haupp  tOstenctch),  Haut  (Heupt) 

itidogenn.  kabh,  hubh,  Grimm  W,  IV,  2.  .97  -  empor- 
ragen, Heyne  III,  70;  kelt.  fcab,  ahfranz.  cab,  Bri».  SO; 
kotipot,  Kluge4,  158  [caupnt  =  caput,  XcS.«/.Yj);  das 
sanskrit.  kapalo«  bedeutete .Schädel,  Schale,  Scherbe; 
die  Hirnsehale  als  Gcfn«s  wie  der  Kopf  [«.  d.]  aufge- 
faßt,  Gr  W.  V,  174».  174»i  altgerm.  hanplt;  goth. 
haut.lth  [Haupt];  ahd..  8.  Jahrh.  houblt,  Kero71;  mhd. 
houbet,  hout.it,  houbet  ss  Kopf;  16.  Jahrh.  letzter«* 
beim  Menschen  dafür  eintretend,  aber  beim  Vieh  noch 
langer  bleibend,  lfiSl  noch  ,,Haupt"weh  [Manuskript 
de«  Dorfbaders  von  Hohenaschau],  Bcitr.  ?..  Authr.  u. 
t  rg.  B.  188»,  8. 166  Anm.  2;  146U  haupp  »Haupt,  Gr.W. 
IV,  2.  596  [Österreich];  15.  Jahrh.  lieubit,  houbt,  heupt 
cervix.  Haupt  [Mittelrbein],  Ii  115,  Gr.  1.  cod.; 
gegenwärtig  Im  Volksmuudc  ObcrdeulKchiand«  fast 
ganz  verschwunden,  oder  auf  die  edlere  Sprache  be- 
schrankt; da«  „Hinterhaupt"  bürgert  sich  aber  wieder 
allmählich  ein  ,  ndl.  hoofd  ;  ndd.  hoevet,  hoeft  =  Haupt, 
Goldschm.  17;  De  Cock  70;  mittelengl.  heved,  hCd  — 
Haupt  —  engl,  bead ,  Kluge  I.  c.  —  Kopf,  dazu  bar 
headed  —  barkupflg;  eoolheaded  ~  kaltkopllg;  clot- 
head  —  Klotzhaupt,  Dummkopf;  elubheaded  =  klump- 
kupllg,  dickköpfig;  glddy  headed  —  »chwindelkopilg ; 
growt-head  =  Krautkopf,  Dickkopf;  heavy  headed  = 
«chwcrkr.pflg,  dumm;  light  headed  leichtkftpflg. 


hohlki.plig,  verrückt,  longhcaded  —  langscbhdelig, 
spitzfindig;  mad-,  maggoty- headed  =  madenkopfig, 
grillenhaft!« ;  hogshead;  d*n.  oxehoved;  schwed.  ox- 
hufvud;  ndl..  ndd.  okshoofd  =  Schwetnskopt  [Oxhoft] 
1  als  Getränke-,  Klüssigkeiubottlch  [s.  Bottich];  dän. 
l>arhovedct;  schwed.  barhufvud,  I1ercr7;  dan.  krus- 
hoved  —  Krauskopf;  achwed.  lokigt  bufond  =  Locken- 
haupt;  struphufvud  =  Drosselkopf,  Kehlkopf;  holl. 
«trottenhoofd  -  Drosselhaupt,  Kehlkopf).  —  Haupt, 

1.  =s  das  Tier-  und  Menschenhaupt  als  das  Her- 
vorragende und  aufragende  Glied  des  Körpers 
(Gr.  w.  iv,  2.  697),  das  nach  der  Farbe  der  Haare 
auf  dem  Schädel  und  am  Barte  seine  Farben- 
Bezeichnung  erhält  —  2.  m  Hauptähnliches, 
was  hervor-  oder  aufragt.  —  3.  =  Haupt  = 
Gehirn  (Hauptentrichtung).  —  4.  =  der  ganze 
Mensch,  das  ganze  Tier  als  der  Trager  des 
Hauptes  (Stück)  (Gr.  w.  IV,  2.  697;  bibl.  Med.  114). 

—  5.  =  das  flechsige,  sehnige  Ende  des  Muskels. 

—  (15.  Jahrb.)  /1/Ycr-Haupt=  Hinterhaupt  (D.  392). 

—  (1551)  blödes  Haupt  (Bock  57)  =  Blödhauiptigkrit 
(Gr.  W.  II,  141)  =  InÜrmitas  capitis  (namentlich 
bei  Schnupfen)  =  schwach  durch  den  Haupt- 
fluss  (s.  d.).  —  Breit- Haupt  =  Breitkopf  (Knrz- 
schädel).  —  i^sW-Haupt  (mhd.  rtsclhoubet,  Gr.  Vf. 
V,  1769;  15.  Jahrh.  viselhawpt  =  praepuüum,  D.  466) 
=  Glans  penis,  Schwanzkopf.  —  (1483)  flüssiges 
(1668  fliessendes)  Haupt  =  Coryza,  Nasenfluss, 
Hauptfluss  (Beynon  14;  C.  v.  Meghg. ;  Gr.  W.  III, 
1863),  ein  Fluss  (s.  d.),  der  das  Hirn  (Haupt) 
reinigen  sollte.  —  (1588)  ein  (leichtfertig)  gesund 
Haupt  =  ein  leicht  auf  dem  Halse  bewegtes, 
freies  Haupt  (Gr.  w.  vi,  642).  —  JzWer-Haupt 
=  Occiput;  (dieses  ninterhaupt  [Afterhaupt]  war  zur 
Zelt  A.  v.  U.  nicht  mehr  viel  gebraucht,  gegenwartig 
ist  es  durch  die  Arzte  wieder  etwas  in  den  Volksmund 
gebracht).  —  /firn -Haupt  =  Freu  =  Hirnleil  des 
Kopfes  (D.  246).  —  (1528)  Lcfcrr-Haupt,  1.  =  (Ober- 
Setzung  des  caput  hepatl«  der  ArabUten,  Fries,  Arzncy- 
■pfegcl, ;  Hyrtl .  k.  w.  77)  der  rechte  Leberlappen 
als  der  tun  meisten  hervorragende  Teil  der 
Leber.  —  2.  =  (Übersetzung  des  gibbum  hepatls  der 
ArabUten ;  1544)  die  gesamte  Oberfläche  der  Leber 
(Hyrtl,  K.  W.  78.  105).  —  Lotrcn-Haupt,  L  =  ein 

[  dicht  behaarter  Kopf  (schwed.  lelon  hufvvtd).  — 

2.  =  der  Träger  eines  solchen.  —  3.  =  s.  auch 
Leontiasis  bei  Aussatz.  —  (1G66)  Luftröhren- 
Haupt/ein  =  Laiynz,  Kehlkopf  (Hyrtl.  K.  w.  90; 

Gr.  W.  VI,  1261).  —  JftfM-Haupt  (1414  mytolhoblt; 
15.  Jahrh.  mlddclhouct;  16.  Jahrh.  niittelheubt,  mittet- 
haupt  e=  interclput.  D.  303)  =  der  Scheitel  als  Mitte 

zwischen  Vorder-  und  Hinterhaupt.  — 

Haupt  fmhd.  überboubet)  =  der  vordere  oder 
obere  Teil  des  Kopfes  (Gr.  W.  VII,  1090;  Hoffm. 
I,  396).  —  (1534)  {feuchtes)  pf miselich  Haupt  (beubt) 
Niisen-Katarrh  (<;r.  W.  VII,  lTsfi).  —  Huuch- 
Haupt  -■-  der  Träger  eines  wollig -rauhen 
Kopi  haares  (s.  Raucbfuss).  —  Hufen  -  Haupt 
(13.  Jahrh.  reutTenheupt  —  cabus,  D.  86;  engl,  »cald- 
headed,  Kaltsehm.)  —  Kufenkopf,  Grintkopf.  — 
(1645)  schwaches  Haupt  c  oier,  n.  it.  tu)  s.  Haupt- 
schwachheit.  —  (mhd.)  7'ofcn-Haupt  (töten  houbet 
z=  calvaria,  D.  91;  Lexer  M9)  =  Totenkopf.  — 
jM./cn-Haupt  (ahd.  tutlenhttubit,  Graff  IV,  759)  - 
I  Papilla,  Brustwarze  ids  aufragender  Teil  der 


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Hann. 


Bant. 


Tutte  («.  d.).  —  (1)78)  ungeachaffenes  Haupt  - 
unförmlicher  Kopf,  unnatürlich  gebildet  (z.  B. 
Kretinismus}  (Gr.  w.  v,  oso).  —  (I52»i  vermorschtes 
sermorschtes)  Haupt  (IL  v.  Gersd.  27)  —  ein  zer- 
spiitteter  Hirnschädel.  —  Vor  -  Haupt  [tobt. 
vnrhoubet,  Lexer  361 ;  12.  Jahrh.  furhoubct,  Pfeiffer 
IL  8»;  15.  Jahrb.  fürhouj.t  =  »inelput.  1>.  644;  147',. 
ndl.  Torhoyfde.  vorhoofd,  D.  19;  De  Cook  72;  engl, 
forehead.  Kluge5,  482),  1.  —  Votderkopf,  Stirne. 

—  2.  —  b.  Vorkopf.  —  HVrg-Haupt  =  ein  flachs- 
haariger Kopf.  —  (l3t/9)  Z-ry.'.s-Haupt  -  Glans 
penis  (Schmcller  II.  mv).  —  Haupt- Ader,  An- 
Sprung,  -Baart,  -Balg,  -Blatt,  -Bolle,  -Braue, 
-Drehung,  -Drüse,  -Dünnung,  -Entrichtung, 
-Fachs,  -Fehler,  -Finne,  -Fleisch,  -Flwss,  -Ge- 
scheid,  -Geschein,  -Giebel,  -  Grint,  -Haar,  -Hafen, 
-Hir,  -Hitz,  -Hut,  •Krankheit,  -Laus,  -los,  -märig, 
-Mangel,  -Maulwurf,  -mierig,  -Milben,  -Mittel, 
-Nagel,  -Niss,  -Pein,  -Pfanne,  -Sand,  -Schabe, 
-Schäbigkeit,  -Schädel,  -Schale,  -Senats,  -Scheitel, 
-Schlotter ,  -Schmers,  -Schuppein ,  -Schussel, 
-Schwachheit,  -Schwären,  -Schcarte,  -Schwere, 
-Schwindel,  -Sehre,  -Seuche,  -Siechtag,  -Siech- 
tum, -Stechen,  -Strang,  -Sucht,  -fettig  (-tobig), 

—  Tosung, -Übel,  •  Verwirrung,  -  Wackelung,  -  Was- 
ser, -Wassersucht,  -Weh,  -Wehtag,  -Wirbel, 

—  Wunde,  -  Wurm,  -  Wut,  -Zerrüttung,  -Zittern, 
•Zwacken,  -Zwatzerung. 

Haus,  m.  (indoijrcrm.  küth  [dazu  cutis];  gerui.  hüd 
-  bergen ;  irolh.  hü«  (Bergende*;  eustns,  Hütte];  Hhd. 
böa;  mhd.  hü«,  Kluge*,  168.  176,  Heyne  III,  74),  1.  = 
bildlieh  für  die,  die  geistigen  und  körpei  hohen 
Teile  bergende  Hülle  des  Menschen.  —  aus  dem 
Hausl,  Häuschen  kommen  =  ausser  sich  sein, 
ausserhalb  seiner  Sinne,  ausser  seiner  Hülle 
(Haut)  sein  (s.  d.),  geistig  krank  (Ruck  U;  II.  i'aul 
207).  —  das  Haus  knackt  (Schmcller  I,  1177)  =  die 
Geburtsstunde  naht  (Gr.  P.  M.  II,  Uli).  —  das 
Haus  ist  eingefallen  =  die  Geburt  iet  erfolgt 
(Or.  d.  M.  n,  im);  (vergl.  Hafen  u.  Ofen).  — 

2.  =  Spezialisiert:  (1591  hauaxlin  =  Mutterleib; 
16.  Jahrb.  hcuslcin  ,  Gr.  W.  IV,  2  <'>79;  Vulva.  — 

3.  =■  (1624  gehauslln.  Hyrtl,  K.  w.  Ion)  Orbita,  die  : 
Augenhöhle  als  das  <lie  Aujjen  bergende  Haus. 

—  Augen-EÄnslein  ■  Orbita  (s.  Haus  3)  (Hyrtl. 
K.  W,  103).  —  J3rni-Hau8  (anifls.  banhüs,  Roehholz 
I.  290)  =  der  menschliche  Körper  als  Knochen- 
gerippe u.  sterbliche  Hfllle.  —  Birnen  Hauslein 
(H.77;  Hyrtl,  K.  W.  20;  1754;  A  r.  H.  II,  32)  -  der 
Ciehörgangmitdem honigartigen  Ohrenschmalz. 

—  2,'ifcr-Haus  (Häusle)  =  Kiter- Auge,  Eiter- 
Kopf,  der  Zellengewebspfropf  in  dem  Furunkel 
(Huck  19  72).  —  (1613)  /fcrr-Häuslein,  1.  =  I'eri- 
cardium,  der  Herzbeutel  als  bergende  Hfllle  für 
das  Herz  (vergl.  Herzbilndel).  —  2.  =  Herzkam- 
mer (Gr.  W.  IV.  2.  IMS;  It.  A.  390;  L.  rhir.  66).  — 

(17.  Jahrh  )  /iirn-Häuslein  =  Caput,  Crmnium, 
Hirnschadel  als  bergende  Hülle  für  das  Hirn 
(Or.  W.  IV.  2.  1560)  —  Kropf  Haus  -  der  Kopf, 
die  HiHte  Aber  dem  Kröpfe  (Gr.  W.  V.  2402).  — 
Seelen-H&US,  1.  -  Kopf  als  Sitz  der  Seele,  s.  Ge- 
bin] (nochh.  I,  ztt;  Tirol).  —  2.  -  Herz  als  Hirn- 
kasten (Blut  -  Seele  im  Volke).  —  (161.,)  e$Üt  rer- 
haust  =  actum  est  de  eo  (Schindler  I,  ins)  —  es  ist 
um  ihn  geschehen,  er  iBt  aus  seiner  Hfllle  ge- 
schieden. —  (1515)  Fojrf-Haus  -  Vulva  (s.  vö- 


geln) (D.  633}.  —  (15.  Jalirb.)  W  Virmi-Haus  =  Anns 
(wegen  der  Feigwarzen)  (Ehlingen).  —  Wurm- 
Haus  die  im  Leibe  des  .Menschen  angenom- 
mene Wurmbehausung,  die  In  Obcrd.  utsehland  am 
Allerseelentage ,  im  Oldcnburgischen  am  Krcltag  oder 
Samstaß  (Itochholi  II,  .56;  Goldschm.  144J  offen  sein 
sollte,  daheran  diesem  Tage  Abführmittel  geRen  Wurmer 
uehrauehi  (Rochholzi  (Wurm-Nest).  —  M7C1)  Zahn- 
Hauslein    Alveolns  dentis,  Zahnfach  (L.  ch.  3). 

—  Haus-jVrx,  -Kreuz,  -Plage,  -  Tripper,  Übel, 

-  Vater. 

Haut,  f.  HautU  n.  Haeut,  f.  (sing.)  häutlen 

(indugerm.  khud  [verhüllen;  daxu  Haus,  Hütte];  sku 
[bergen,  bedeckeu] ,  Grimm;  Kluge  *,  15* ;  vorgerm. 
kütis  =  lat.  GUUS;  goth.  ht'nh«  =  Haut ;  ahd.  hüt,  hütili 
(-dünne  Haut,  Hantrhen];  mhd.  hüt  =  Haut,  Gr.  W. 

1,  1085;  hit  -  Haut,  Hyrtl.  K.  W.  17;  mnd.  huet.  hiu- 
tclin- Haut,  Mag.  Itarth.  K«;  1  >29  hutlein.  Rrunf. ;  1612, 
o.-rf.  Haut,  f.,  Sehmelier  I,  11*7,  angel».  hyd  ;  engl, 
hide,  coat,  horuy  coat  —  Hornhaut,  lilinzhaut).  — 
Haut,  l.  =  die  Hfllle  des  ganzen,  menschlichen 
und  tierischen  Körpers  (Cutis,  Corium,  cuir) ; 
gegenüber  dem  (früheren)  Fell  (s.  d.)  ist  uns 
houte  die  Haut  stet«  etwas  Dünneres,  Feineres, 
Zarteres.  Zum  normalen  menschlichen  Körper 
gehören  mehr  als  „Haut  und  Knochen"  oder 
„Haut  u.  Bein",  es  fehlt  dann  dabei  das  Fleisch 
[Gr.  \v.  IV,  2.  705) ;  aber  ,  Haut  und  Haar"  ist 
das  Kollektiv  des  Süsseren  Menschen  (Gr  W.  IV, 

2.  706),  in  bildlicher  Redewendung:  mancher 
steckt  in  keiner  „guten  Haut",  weil  man  seine 
Krankheit,  z.  B.  (1761)  Kachexie  (L.  ch  12),  schon 
von  Aussen  erkennen  kann;  er  möchte  dann 
gerne  aus  seiner  Haut  fahren:  der  Zählebige 
hat  wie  die  alten  Weiber  od.  Hexen  (Gitschen) 
' '  Häute,  weil  er  so  ausdauernd  ist,  wie  ein  aus 
9  Hauten  zusammen  gefertigter  Koffer  oder 
Ledergurt,  so  dass  der  Bader  t)X  das  Schröpf- 
eisen einschlagen  muss  bei  demselben.  In  Reiui? 
auf  dl.-  Kntitebung  der  organischen  Wesen  nahm  die 
altere  Bcbötdungsthcorlc  au,  dass  die  Geburt  der  Tiere 
und  das  Auskeimen  der  l'tlanzeti  etgeutlieb  nicht« 
als  die  Itefreiunp  des  warhsenden  Kmbryous  au» 
einer  es  umgebenden  und  umhüllenden  Haut  sei; 
die  Rückbildung  Ünvolutlo)  Rnit  darum  als  ein  Zu- 
rückkehren In  diesen  häutigen  Zustand  und  wer  be- 
sonders lang  lebte,  hatte  schon  von  Gehurt  aus 
darum  9  Haute.  Hallt  Fell  =  cutis  :  pellis  (Gr.  W. 
III,  1495).  —  2.  = dünne  Decken  u.  Umhüllungen 
an  Teilen  des  inneren  Körpers  (Gr.  w.  IV,  2.  7rx.  fff, 
t.  B.  Schleimhaute,  Magenhäute,  Rocke  (s.  d.), 
Tunica  membrana.  —  3.  =  der  sich  bildende 
CbefMJg  oder  Decke  auf  gerinnender  Milch, 
Blutgcrinnseln,  Geschwüren  etc.  (Heyne  III,  82). 
Speckhaut,  Milchhaut.  —  Zwischen  Haut  und 
Fleisch,  s.  Fleisch  8.  15b\  —  4.  =  s.  Haupt.  - 
Häuter,  m.  1.  -  ein  Pferd,  dessen  Haut  schon 
dem  Schinder  zugefallen  ist  Schmcller  I,  IIS*).  — 
2.  =  armseliger,  kranker  Mensch  (Wolf  15S).  — 
Häutlein  =  Fellieula,  Gutieula  {Gr.  w.  IV,  2.  712; 

1IS2  hentlein.  do  ein  kint  oder  die  frucht  oder  ein  todt 
klnd  Inn  lljtt.  Zcning.  Voc.  06)  =  Secundina.  — 
(1634)  HäUteln  Liehen  Btrophulus,  die  Kinder- 
llautpapein,  Schälknötehen,  die  sich  rasch  ah- 
häuten  und  bald  wiederkehren  (Bclirend  50).  — 
häuten  =  die  Oberhaut  verlieren.  —  Häutung 


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221  Haut. 

h.  Abhäntnng  und  Mauserung  —  häutig  (mhd. 
hiutee;  16S0  heutig,  Gr.  w.  iv,  2.  711)  =  mit  einer 
Haut  versehen  oder  aus  einer  dünnen  Haut 
bestehend.  —  .1'- Häutung  'lf"  mehr  (lachen* 
hafte,  weiche  Ablösung  der  Oberhaut,  gegen- 
Oher  der  Abschillung,  die  mehr  trockene,  rund- 
liche llnutgebilde  entfernt.  —  (18.  Jahrb.)  Ader- 
Haut  =  Chorion ;  a)  =  Nachgeburl  (v.  Hicbold  UJ 
•lie  äussere,  mit  Adern  durchsetzte  Haut  des 
Mutterkuchens  (Hyrtl,  K.  W.  183;  Grimm  [XV.  I,  179] 
denkt  an  Entstellung  aus  Achterhaut,  Nachhaut,  Nach- 
geburthaut); h)  im  Auge  (Chorioidea) ;  c)  die 
Tunica  der  Blutgefässe  (Schulausdruck).  —  Augen- 
Haut  =  die  den  Augapfel  bildende  Haut  Tunica, 
weisse,  harte  Augen  haut,  Lederhaut  4  (Selero- 
tica)  (Hyrtl,  Anal.  545;  Gr.  W.  I,  806).  —  Au-jen- 
Häutl,  1.  -  «las  Hautl  (Fell,  s.  d.),  ahnorm  im 
Ange  gewachsen  (Pannus,  I.eucoma,  Pterygium 
etc).  —  2. —  (1560)  die  Hornhaut  als  erstes  Augen- 
häutlein  (Plctor  81).  —  3.  —  (16r.o)  die  Linse  als 
zweites  Augenhitutlein  (i'lctor  82).  — £<i«c/i-Haut 

—  die  zarte  Haut, diedie  Innenhohle  des  Bauches 
auskleidet  (ur.  W.  1, 1167;  Hyrtl,  K.  W.  150),  Peri- 
toneum.  —  (1742)  jBrin-Haut  =  die  feine  Haut 
auf  «lern  Knochen,  Periosleuui  (Zw.  29$),  —  Mini- 
(ZMite-)Haut-  die  nagel-  oder  halbmondförmig 
gebogene,  knorpelige  Nickhaut  oder  Vogelhaut 
im  Auge  des  Pferdes  (s.  Augen-Nagel  d  und 
Haut  3}  (Gr.  w.  VII,  203).  —  bosc  Häute  =  Mere- 
trices,  die  ansteckende  (hose)  Hautkrankheiten 
haben  (s.  rauhe  Haut),  Trüllerin  (Schindler  I,  661. 
1187;  Lammen  89).  —  /frowce-Haut  ■  Mor  btiB  Ad- 
disonii  wegen  der  schmutzig,  bräunlichen  Ver- 
färbung der  Haut  (s.  Addisonsche  Krankheit). 

—  £rtwt/-Haut=  Brustfell,  Rippenfell  (1532  „das 
hentlln  der  brnst" ;  in  ihm  erwachst  ein  gescbwtr,  von 
dem  der  hust  knmpl",  Kriech»;  Pleura,  A.  v.  H.  II.  322; 
(Ir.  W.  II,  440;  Löveling  2t)9).  —  7Atr»i  Haut  =  das 
die  Gedärme  umgebende  Bauchfell  und  die  ein- 
zelnen, den  Darm  bildenden  (lewebsscbichten. 

—  /Jai-Haut  —  „in  der  Daxhaut  stecken"  = 
menstruiert  sein  (s.  Dax).  —  dicke  Haut  — 
Schwiele,  Hautveihartung,  HautdOrre,  Callo- 
sitas,  Elephantiasis  (dan.  tykhud,  r,r.  W.  II,  nwi). 

—  ZWfcr-Haut  =  Zona  peilueida  des  Eies.  — 
dünne  Haut  -  Eihaut  (Hoss-narteli  I,  Ml;  1396 
dunnshaewtel,  Sehmeller  I,  1188).  —  Ei  Haut,  1.= 
Cuticulaovi,  (Schafhaut,  Kindsbalglein  (Gr.  W. 
III,  1495).  —  2.  (1513  hut  in  dem  ay  —  meinbninum 
tenue  InOVO,  Ü.  35.-.;  146«  huitly  Im  eyg;  egeshud 
membrana,  I).  11,  250)  -  das  weisse  Hautchen  am 
Ei  des  Huhnes.  —  (i»30)  Entiundungs'H&nt  -= 
Speckhaut  (s.  d.)  (Kopp  IV,  402).  —  (1783)  falsche 
Haut  -  kallose,  fungöse  Wucherung  an  <je- 
schw  ürsrandern  [r.ssleb  NO).  —  /V^-Haut,  1.  = 
(1788)  Membrana  adiposa  [<<r.  \v.  III,  l .-.73;  ltiebter 
I,  102,-  Plenk  Zergl.  220),  Pannicuius  adipOBUP, 
die  unter  der  Haut  hegende,  zellgewebige  Fett- 
sehichte.  —  2.  =  (17S3)  die  Speckhaut  des  Blutes 
(Euleli  240).  —  Fli  rh  sen  Haut  -  eine  dünne,  breite, 
haullormig  ausgedehnte  Flechse  (Gr,  W.  III,  i7jhj. 
(Aponeurosis).  —  (18.  Jahrb.)  Fleimh'Ra.ut  ^Pla- 
tysma myoides  (Hynl,  K.  W.  62).  —  /»'/wy-Haut  - 
das  bei  Menschen  zwischen  den  Fingern  oder 
Zehen  wie  bei  den  fliegenden  Tieren  (Fleder- 
maus) ausgebreitete,  von  normaler  Haut  be- 


Haut. 

I  deckte  (iebilde.  —  JVtrr-Hattt  =  Gänsehaut 
(s.  d.)  beim  Frost  oder  Frieren  (b.  Friesel)  (Eck- 
«teiu  d.  Monatsh.  1895.  April  106).  —  l'rMC.Ar-Haut 
=  die  Schafhaut,  Kimisbalg,  Wasserhaut,  Harn- 
haut, Amnion,  die  sich  aus  der  Keimhaut  der 
Frucht  abhebt  und  diese  bis  zur  Geburt  um- 
schlieSBt  (s.  Haube)  (Gr.  W.  IV,  1.  273).  —  (1590) 
Oän  Haut  -  Peripsyxis  s.  Phrykia  (Hippok.), 
Cutis  anserina,  die  fröstelnde,  menschliche 
Haut,  die  Bich  durch  die  Wirkung  von  glatten 
Uaut-Muskelfasern  in  Fältchen  legt,  wodurch  die 
Haartaschen  der  Haut  emporragen  u.  ungefähr 
wie  die  zahlreichen  Hauthügelchen  (Gänse- 
drüsen) der  gerupften  Gansehaut  (s.  .Staupe) 
aussehen;  sie  „überlauft"  den  Menschen  (engl, 
gocuo  »kin,  Lehl.  38;  Hyrtl,  Anat.  512;  Gr.  W.III,  1497; 
Samuel  138;  Z.  Hdb.  XIV,  1.  229).  —  (1677)  Qeburta- 
Häutlein  (  Haut)  =  Frucht-  Haut,  die  das  zu  Ge- 
barende (Embryon,  Foetus)  einschliesst,  Am- 
nion (Gr.  w.  IV,  l.  1909).  —  (1761)  dickes  Geburts- 
häutlein  **  Chorion ,  Schafhaut  (L.  eh.  18).  — 
(Vf/öwi-Haut,  1.  =  Aderhaut,  Chorion,  aussei c 
Eihaut  Hynl,  Anat.  745).  —  2.  =  Tunica  der  Blut- 
gefässe. —  (17>4)  (teilen  Haut -die  Tunica  testig 
(I lodenhaut,  s.  Geilen)  (A.  v.  II.  II,  410).  —  Oe- 
«icAfr-Hant  =  die  ßichlbaro,  von  den  Haaren 
(auf  der  Kopfschwarte)  unbedeckte  Haut.  — 
geschärfte  Haut  =  Intertrigo,  Kxeoriatio,  haut- 
letz, fratt  sein,  sehr  sein  (A.  r.  H.  II,  417).  — 
fr(,'v.  hl-  Haut  =  alte  Hexe,  die  9  Haute  (s.  o.) 
hat  (Z.  f.  d.  0.  V.-K.  1896.  s.  loo).  —  Qlas  Haut  - 
die  den  Glaskörper  umgebende  Membrana  hya- 
loiilea  des  Auges  (Sohulau>dnick,  Hyrtl,  Anat.  558). 

—  Harn  Haut,  (is..i«hrh.) -Häutlein,  (17.-4)  -Häut- 
chen, 1.  «s  AilantoiB,  „ein  Glied  des  uropoie- 
lischen,  harnbildenden  Systems  des  Embryo" 
(Hyrtl,  K.  W.  ;  A.  v.  II.  II,  31;  Falke  I,  369),  da« 
zwischen  dem  Amnion  uud  dem  Chorion  als 
hautförmiges  Gebilde  in  der  Nachgeburt  liegt 
(Gr.  W.  IV,  2.  488)  (Harn-Sfick)ein).  —  2.  =  das 
schillernde,  irrisierende  Hautchen,  daa  sich 
auf  dein  langer  Btehonden  Harne  bildet.  — 
harsche  Haut  =  durch  Schorf  bildung  harte  Haut, 
Haut-Kruste  (c.  v.  Schm.  26).  —  (1761)  hartes 
Häutlein  ^Sclerotica  membrana  oculi,  die  den 
Augenbulbus  bildende  Leder-Haut  (L.  ch.  49).  — 
//arf-Häutigkeit  =  der  ZuBtand  der  Trocken- 
heit, Steifheit  und  Harte  beim  chronisch  er- 
krankten Rindvieh  (Zipp.  564;  Kalke  I,  77).  —  Hei- 
dVn-Haut  =  die  Haut  deB  Neugeborenen,  die 
sich  nach  dem  kalten  Bade  der  Taufe  abschuppt 
(Hyrtl,  K.  W.  519),  s.  Heide.  —  heile  Haut = glatte, 
unversehrte,  un verwundete  Haut;  (1783)  von 
heiler  Haut  entsteht  ein  Schaden,  d.  h.  ohne 
sichtbare,  äussere  Verletzung  (Platner  I,  124).  — 
//WZ-Haut  (schlechte)  ■  eine  meist  bei  Skrofu- 
lösen beobachtbare  Anomalie  der  Haut,  welche 
selbst  bei  einfachen  Verletzungen  nur  langsame 
Heilung  zeigt.  —  Ha  * -Häutlein  {lfi«6)  (-Haut) 
rs  Herzbauslein,  Pericardium,  als  Herzbeutel 
oder  hüllende  Hecke  über  dem  Herzen  (Gr.  W. 
IV,  2.  1248).  —  Wirn-Haut,  (1587)  Hirn-,  (KftO)  Ge- 
hirn HäUtlein  tmhd.  hlrnhüt,  Gr.  W.  IV,  2.  1560; 
hvw tiein  in  dem  biru  -  mirtagn  [tuculngeaj;  1587  hirn- 
i  Imentlein  —  meniea  [meningea],  1).  356.  3G3)  =  obere 

|  u.  untere,  harte  u.  dünne  H.-H.;  letztere  =  pia 


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Haut. 


Haut. 


mater  als  hüllende,  schützende  Decken  Ober 
dem  Gehirn  (Meningen)  (Gr.  w.  IV,  2.  712 ;  nach 
Da  fange  VII,  231  auch  Rarratclla  [von  salvarv]  ge- 
nannt). —  (1680)  IiirnscAa/en-Häutlein  -  Peri- 
cranium,  das  Zäserhautlein  —  Knochenhautlein 
unter  der  straffen  Kopfseh  warte,  auf  und  über 
der  Hirnschale  (Gr.  W.  IV,  2  712).  —  (1761)  Born- 

Haut  I  ^  =  ^orneB»  n^e  hornharte,  glatte, 
durchsichtige  vordere  Augenhaut  (Gr.  w.  IV,  2. 
1826;  I..  ohlr.  19);  Honih&VLt- Bruch,  -Flecken.  — 
2.  —  dicke,  hornharte,  kallöse  Stellen  der  Haut 
(Siegfrieds  Hornhaut);  dazu  Hühnerauge;  siehe 
Ilürnenauce*  (nord.  horund  m<m  horn ;  Welt  irisch, 
9.  Jahrh.  conganchnesu,  z.  t.  d.  A.  18*8.  293)  (s.  Haut- 
horn). —  innerste  Haut  (1515  Inderste  hut  am  ynge- 
weyd  =  xlphac,  Peritoneum,  Dlef.j  —  lnneufell, 
Bauchfell.  —  (1748)  Jungfern  -Häutchen  =  Hymen 
(SU'boldss),  Scheidenklappe,  Jungfernschlösslein, 
Jungfern -Schatz,  Hochung  Hyrtl,  Anat.  715; 
K.  a  56).  —  ÜTiKfo-Hautlein  =  das  Hautlein  (s.  o.) 
(1632  ..das  bcutlin  da  daz  klnd  Inn  liest,  xecundina 
genannt  und  wird  von  etlichen  wclbern  genannt  die 
ander  geburt",  Fries  126)  =  Eihaut,  Fruchthaut, 
Schafhaut,  Kindsbahr,  Kindsfell,  Lämmern- 
Häutlein.  —  Meinet  Hautlein  =  Epidermis,  Cu- 
ticula,  das  oberste  nautlein  der  Haut  (Hyrtl,  K. 
w.  94)  (Oberhaut).  —  Kopf  Haut  Kopfschwarte. 

—  (1482)  krätzige  Haut  =  Cutella,  räudige  Haut, 
Kratze  (Hautkrankheit)  (Gr.  w.  v,  2081 ;  I).  165). 

—  Kn  ,t,  n  -  Haut  ( —  la  grenouille  [  =  Frosch),  la  peau 
conKtarament  moulUce,  Bris».  210).  1.  =  stets  aufge- 
weichte, leicht  einreissende  Haut  (d.  Wascher- 
innen). —  2.  =  warzige  Hant  (s.  Warzenkönig) 
(Alpbg.  216.)  —  A"ic7ir(4-Haut  —  Chorion,  die  am 
Mutterkuchen  befindliche  Eihaut  (Kalke  u,  46).  — 

i  La  IM  tm  r  n  -  Hautlein  (Übersetzung  des)  A  mnion 
=  Schafhaut  (Vesal  führte  statt  des  grlech.  amnioa 
die  [cutis]  agnina  und  damit  diese  Übersetzung  ein, 
llyrtl,  K.  W.  81.  104);  beim  Schafe  sieht  man  das 
Embryon  durch  die  hesonders  zarte  Schafhaut 
hindurch.  —  Z,edev-Haut,  1.  =  Corinm,  Narb, 
Derma,  Cutis,  die  die  streifenförmigen  Bauch- 
runzeln bei  der  Schwangerschaft  (Striae  gravi- 
darum) u.  die  Narben  der  Hautwunden  bildende 
Hautschichte,  welche  beim  Tiere  durch  Ab- 
kratzung der  (beim  Irchener  [von  hlrcus  -  Hock] 
durch  Lauge  erweichten)  Oberhaut  als  Leder- 
haut  zur  Gerbung  vorbereitet  wird  (llyrtl,  Anat. 
513  -,  K.  W.  183).  —  2.=  das  Chorion,  die  äussere, 
dichtere  Eihaut  d.  reifen  Embryon  (beim  Foetus 
oder  beim  jungen  Ei  ist  es  eine  zottige  Flache) 
(v.  fllebold  5«).  —  3.  =  die  Crusta  pleuritica,  Ent- 
zOndungsschwarte  auf  dem  Blutkuchen  beim 
Fieberaderlass  (Huteland  45).  —  4  =  die  harte 
Augenhaut  (Sklera).  —  Liri-Haut  -  die  Haut 
des  Augenlides.  —  (1699)  Ifacuss-Häutlein  = 
die  das  MauBfleisch  (Musculus)  umhüllende 
Haut  (Fascia)  (r.  M.  Ii,  134).  —  Jfa</r«-Haut  = 
die  Umbüllungsdecke  des  Magens.  —  Magtums- 
Haut  (15.  Jahrh.  hüte  des  inaytutnes,  d.  277)  -  Jung- 
fernhäutchen —  Maledit-  (Afa/«fy-)Haut  « 
Lepra  (Malaua,  s.  Maltzey),  die  schwarz  pig- 
mentierte Haut  beim  Aussatze  des  Mittelalters. 

—  M arA-Haut ,  1.  =  die  Haut  im  Innern  des 
Knochens,  die  innere  Beinhaut.  —  2  =  die 


Netzhaut  des  Auges  (Retina)  (Gr.  w.  vi,  1640),  die 
vom  Markhflgel  (Colliculus  nervi  optici)  aus- 
geht und  als  Retina  sich  ausbreitet,  „das  Ge- 
hirn des  Auges"  (Hyrtl.  Anat.  554).  —  Menschen- 
Haut  (14.  Jahrh.  menschenhud,  D.  165)  =  Cutis  (s.  o. 
Haut).  —  AfüeA-Haut^das  sich  auf  der  gerin- 
nenden Milch  bildende  Oberhautchen  =  Hexe 
(s.  d.).  —  (1001)  das  nächste  Häutlein  =  Dum 
mater,  das  Hautlein  (hfitlin),  daB  zunächst  auf 
die  Schadelknochen  folgt  (Hyrtl,  K.  W.  116).  — 
Nagel  Haut  ■  der  sog.  Augennagel  beim  Pferde, 
die  am  inneren  Augenwinkel  befindliche,  nagel- 
harte  Nickhaut  (Mayer  29).  —  .V.  i Id  Haut  ■  die 
Haut  am  Neidnagel  (s.  d.)  (Gr.  w.  vi,  GM).  —  (17S3) 
j\Vrtw-Haut  =  die  nervenführende  Haut-  oder 
Schleiinhautschichte  (Essich  143).  —  (1756)  Netz- 
Haut  (-Häutlein),  1.  =  Retina,  die  aus  mehreren 
Schiebten  besteht  u.  sich  wie  ein  Nerven-Netz 
becherförmig  im  Inneren  des  Auges  ausbreitet 
(Gr.  w.  vil.  612).  —  2  =das  Chorion  der  Eihaut, 
das  netzförmig  den  Foetus  umspannt  (A.  v.  II. 
Ii.  37).  —  Nick- Haut  ss  die  das  Auge  schätzende, 
knorpelartige,  bewegliche,  nickende  Blinzhant 
(s.d.),  Membrana  nictitans.Blinzknorpel  (Hauck) 
am  Pferde- Auge.  —  (1529)  OiMx-Haut,  1.^  Epi- 
dermis, Cutieula  (kleines  Hautlein)  (Besolt,  Brunf). 

—  2.  —  die  Narbenseite  der  Felle  gegenüber  der 
Aasseite  (  =  Unterbaut) :  (Närb)  (Gr.  w.  Vit,  1090). 

—  (178«)  Ohr,  «-Hautchen  =  Trommelfell  (s.  d.) 
Meringa  (D.  S58).— peckete Haut  =  eine  durch  viele 
Aderlass-Stiche  (Pickeisen)  narbig  gewordene 
Haut  (Birlingcr  Ii,  15).  —  Pergament-  (Perment-) 
Haut  (pcrmentlsch  bautlln),  1.  =  die  Herzklappe 
(al«  übersetz,  der  [r>61]  Membrana  pergamenica,  Hyrtl, 
K.  W  121).  —  2  -  Hymen  (1646.  Hyrtl,  K.  W.  1.  eod  ). 

—  3.  =  (1551)  das  Neurilemma  nervi  optici  als 
Membrana  =  Pergament  genommen  (Hyrtl,  K.  W. 
121.  122).  —  rauhe  Haut,  1.  =  ein  bei  Arbeitern 
häufiges  Ekzema  palmare  der  Hohlhand ,  die 
infolge  äusserer  Schädlichkeit  rauh  wird,  un- 
eben, schorfig  aufspringt  (aufgesprungene 
Hände,  rauhe  Hand),  Scabra  cutis  (Gr.  w.  vm. 
265).  —  2.  (engl,  rawhlde  =  nure  [s.  böse  Haute], 
KaltKchm  I,  301)  s  Psoriasis  palmaris  syphilitica 
(s.  Elle*).  —  Regenbogen-'Ha.VLt  =  die  wie  der 
Regenbogen  vielfarbige,  hitutförmige,  kreis- 
runde Augenblendnng  (iru;  vom  ägypt.  Irl-  Augo, 
Baas  36)  (Traubenhaut).  —  Ripi>m-Haut  (Häut- 
lein) -  Rippenfell  (s.  d.)  (Gr.  W.  VIII,  1031) 
Pleura.  —  (1776)  rote  Haut  =  Hautröte  (Belm  nd 

—  (1713)  J2o/z-Häutlein  ■  Nasen-Schleimlmut- 
stelle,  Membrana  Schneider!  (MM  Med.  48.1).  — 

(1769)  Rücken-  \^lf6in)  =  Rippenhaut  (Pleura), 

an  den  Rücken-Rippen  sich  ansetzend  (Vad.- 

mecum  54 ;  Gr.  W.  VIII.  1363).  —  (1729)  rUtlZclichte 

Haut  -  die  Schleimhautfalten  in  den  Gedftrmen 
(Hotlmann  VII,  277).  —  (1591)  scfiäbichte  Haut 
krätzige,  rttudige  Haut  bei  Menschen  od.  Tieren 
(Gr.  vv.  vm,  1953).  —  .s,  ;,-,•./.,'  Haut  -  Pericraniuin, 
Kopfschwarte.  —  6VAa/-Haut  =  Amnion,  die 
innere  Eihaut  des  Kmbryon,  die  man  der  (cutis) 
agnina  (Vcsal)  nachbildend  so  ins  Deutsche 
übersetzte  (Iranz.  ognelette,  Itrlss.  310;  span.  zurron. 
Hyrtl,  K.  W.  81;  Anat.  743;  Ärtzl.  Intellgzbl.  1882.  125; 
v.  Siebold  55)  (Lammcrn-Hautlein,  s.  d.  <>.).  — 

16 


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22U 


Haut. 


Heb— Hecht. 


Sdi  nein--  Haut  =  Gansehaut,  beim  Frost- 
achauder  auffahrend  (Gr.  W.  VIII,  2305).  — 
Schrill,  «-Haut,  1-  =  die  Schleimhaut  der  Va- 
gina (Scheide,  s.  d.).  —  2.  —  die  einen  Körper- 
teil wie  eine  scheidende  Hülle  umgebende 
Haut  (Tunica)  (anatomischer  Schulausdruck,  Or.  W. 

vill.  2*u).  —  (1713)  Schdmen-Hvit  =  eine  nach 
dem  Volksglauben  durch  TeufelskQnste  (siehe 
Schelm)  unverwundbar  gemachte  Haut  (Cr.  w. 
vill,  2.*>U).  —  er  ist  ein  Schelm  in  der  Haut 
(Schindler  I.  1187)  =  ein  Teufelskerl.  —  Schleim- 
Haut  =  die  Auskleidung  der  Innenhohlen 
jener  Organe,  welche  mit  der  Aussenwelt 
durch  Öffnungen  kommunizieren,  und  die 
durch  ihre  Drüsen  Schleim  (Kote)  absondorn 

(SchleimflllBS)  (Hyrll,  Auat  210.  212;  holt,  slijmhuld; 
dän.  sltmhut;  schweu.  slcuihud).  —  (1783)  Schmeer- 
Haut  =  Membrana  adiposu,  Unterhautfettge- 
webe (Lcvellug-  308).  —  (1743)  sc hwarze  Haut  =  der 
schwärzliche  Ton  der  Pigmentierung  bei  der 
Lepra-Haut  oder  Maledithaut  (biblisch.  Med.  Hl). 

—  SpecAr-Haut  =  die  oberste,  weiss  gelbliche, 
wie  Speck  od.  Fett  aussehende,  häutige  Schichte 
des  in  der  Aderlasschüssel  geronnenen  Blut- 
kuchens, die  aus  Blutfaserstoif  ohnu  Blutkör- 
perchen besteht;  ihr  Vorhandensein  galt  früher 
als  Entzündung*-  oder  Fiebersyuiptoui  (daher 
früher  Crustainflammatoria.s.Bl'utentzündung). 

—  (1743)  süchtige  Haut  =  eine  Hautkrankheit, 
die  immer  wieder  eintritt,  chronisch  geworden 
ist,  wie  eine  Sucht  (Ekzema  cliron.)  (bibi.  Med.  494 ; 
Samuel  124;  Kopp  iv,  402).  —  (17.  Jabrh.)  stinkende 
Haut  =  durch  faulige  üeschwürssekretion  übel- 
riechende, meist  tierische  Haut  (F.  Kr.  u.  »84). 

—  (1677)  7 'raub,  ii  Haut,  Las  (Übersetzung  der  Uvea 
[<ialeni],  Hyrll,  K.  W.  161)  -  Iris.  —  2.  =  (19  Jahrh). 
Membrana  uvea,  die  hintere,  pigmentierte 
Fläche  der  Iris.  Die  Traubenhaut  der  griech- 
ischen Autoren  ist  -  Iris  -f  Chorioidea,  „vermut- 
lich weil  sie  zusammen  dem  Balge  einer  Wein- 
beere ähnlich  sind,  deren  Stiel  am  Sehloch 
angerissen  wurde"  (Hyrtl,  Anat.  551;.  —  Trommel- 
Haut  —  Trommelfell  (h.  d.),  Membrana  tympani. 

—  f/Wer-Haut  =  Aasseile  des  Felles,  wo  das 
Unterhaut-Fettgewebe  ist.  —  unterhäutig  <= 
subkutan.  —  (1M7)  verhärtete Haut  (Hort.  Sau.)=- 
böse  Räude  (s.  d.;  I^pra).  —  Fo^ei-Haut  ■ 
die  nach  Art  der  Vogelaugen  blinzende,  nickende 
Schutzhaut  (3  Augenlid)  am  l'ferdeauge  (Zlpp 
82;  Falka  II,  418).  —  For-  (ForrlVr-jHaut^rber- 
setzung  des  praeputium  ;  franz.  avaut  |>eau  und  St. 
l'npuce,  Briss.66;  12.  — 13.  Jahrh.  pruepulitiin  :  Data  illa 
vlrills  dlgitl  [s.  elfter  Finger]  pellicula,  Hchtn.  1,  7:11  ; 
13.  Jahrb.  praeputium  daz  mau  deu  judeu  abesuyt  an 
dem  dinge  fom,  D.  4'>€;  1399  Vorderhaut  des  Zügels, 
Sc  hmeller  I,  332;  1429  die  vorderhaut  an  dem  cxagel 

—  praeputium,  D.  4:*;  1482  vorhutt  -appendlx,  Zening. 
Voc.  mm  2;  16.  Jahrh.  hut  vornen  am  zers,  die  vorder- 
haut an  dem  zers,  D.  456).  —  Vorhaut-  Enge.  — 

1  i  ii  rst -Hautlein  (»chulgemasse  Übersetzung  der  Al- 
lantoia,  A.  v.  H.  II,  31)  —  Harnhaut  (s.  o.),  die  die 
früheren  Anatomen  miteiner  Wursthaut  ( Wur«t- 
Säcklein,  wurstartiges  Schläuchlein)  wenig  wäh- 
lerisch verglichen  (Hyrtl,  K.  w.  109).  —  [Uta]  Zäser- 
Häutlein  (ceterhütlin,  Frie»  97)  =  die  Faserhaut 
oder  Beinhaut  der  Hirnschale  (Hyrtl,  K.  w.  ai». 


die  nach  der  stratTen  Kopfschwarte  durch  die 
Faserung  au  Hallt  (Zaser  =  Faser.  Schindler  II,  1164). 
—  (17.  Jahrh.)  Zotten-YL&uX, ■  Crusia  villosa  ven- 
tricula,  die  faltige  Magenschleimhaut,  die  den 
sog.  Netzmagen  bildet.  —  Zwei  /-Hautlem  - 
„das  die  Brust  der  Länge  nach  unterscheidende 
Zwerchfell"  (R.  A.  246)  beim  Pferde.  —  Haut-, 
hautige  >,  r)  -Ansteckung,  -Ausdünstung,  -Aus- 
schlag, -Bälge , -Beschwerdnis,  -Beutel,  -Binar, 
-Blüten,  -Bräune,  -Dörre,  -Ei,  -Entzündung, 
-Finnen,  -Flechten,  -Flecken,  -Fresset,  Gallen, 
-Gewächs,  -Gicht,  Gries,  Grint,  -Grütt,  -Härte, 
•Horn,  -Jucken,  Kleie,  -Kräuspen,  -Krebs, 
-Krummen,  Krunsel,  -heim,  letz,  -Made, -Mann, 
-Moos,  -Plaqr,  -Räude,  -Röte,  -Runzel,  -Sack, 
-Salbe,  -Schauder,  -Schieissen,  -Sehmiere, 
-Schmitze,  -Schrunden,  -Schüpprln,  -Schwiele, 
sehr,  -Seuchte,  -Siechtigen,  Staar,  -Staub, 
■Sträng,  -Striemen,  -Talg,  -  Unsauberkeit,  -Übel, 
■Vorhang,  -Wachs,  -Warzen,  -  Wolf,  -Wunde, 
■  Wurm,  -  Wurmsucht. 

Heb,  f.  (oberd.)  (Hef,  Hefe)  (Indogerm.  kap  [capio] , 
guth.  hafjan ;  germ.  hat  —  hebend.  Kluge  *,  159;  das 
Mittel ,  wodurch  sich  in  der  garenden  Flüssigkeit 
etwas  emporhebt  oder  beim  Herausschopfen  gehoben 
wird;  altnord.  hetja.  Jordan,  Kdda  388  «s  heben  (Hcb- 
amme] ;  ahd.  hevo,  hepfo,  hevllo ;  mhd.  heve,  hepfe, 
hevel  —  (iärungspilz ,  mundartlich  :  Hebe  =  Hefe, 
fermentum,  Gr.  W.  IV,  2.  718;  1087  Frheb  Sauerteig, 
Georg.  29<),  1.  -  Mundpilz  =  Oidium  albicans 
(Soor,  Schwämmchen,  Mehlhund,  Mehlgrat, 
Fasen,  Foss,  Spreu,  Kahm,  Our  etc.).  Vermutlich 
wegen  des  Anklang«  an  die  iiedeutung  heben  -  hatten, 
zähe  kleben,  blieb  das  altere  ..Heb"  im  oberd.  Volks- 
muudc  bestehen,  wahrend  dieser  bei  der  Bierhefe  von 
,, Hefen"  (Hepfen)  spricht.  —  Dos  Volk  hatte  demnach 
schon  laugst  eine  Ahnung  von  der  parnjitlschen 
Fflanzeuntitur  der  Heb,  Soor,  Kahm,  Voss  etc.  — 
2.  =  Heb  1  (=  Soor)  wird  oft  mit  Diphtherie 
und  Aphthen  verwechselt  (Hort,  san.);  Alcola 
der  Arabisten  (Gftrungspilz:  Alkohol?).  (Vergl. 
dies  und  Hefe,  Hepfen).  —  (1699)  Afunrf-Hebung 
=  der  Zustand  des  Belegtaeins  der  Mundhöhle 
mit  dem  Heb-Pilz  (v.  M.  I.  166). 

Hebel,  D).  hebig  (zu  heben;  ahd.  hevllo;  mhd. 
hebcl  -  das  Mittel,  etwas  aufheben  zu  machen.  Kluge5, 
159).  —  (169-j)  anhebig  =  an  etwas  besonders 
gerne  haftend  (v.  M.  II,  130).  —  Augen-Hebel 
(-Gchebel,  -Hobel)  =  Palpebra,  der  das  Augen- 
lid hebende  Deckel  (Schin.  I,  373,  l.  Zelle,  1036. 1038) 

heben  (indogerm.  kap  [capio,  X4MCV)];  goth.  hafjan 
=  aufheben ;  augls.  hebban ,  engl,  to  heave ;  ahd. 
hefTau;  mhd  heben,  Kluge  *  169).  —  „68  hobt  mich" 
=  der  Magen  erhebt  sich  zum  Erbrechen,  übel- 
keitsgefilhl  (wie  durch  einen  angreifenden  Dä- 
mon). —  er  hat  sich  -hoben  -=  durch  über- 
mässiges Heben  sich  einen  Schaden  (Hernie) 
zugefügt.  —  Heb-^irtV,  -Mutter. 

Hechel,  n.  s.  Hacke. 

Hechse,  f.  s.  1.  Hachse  und  2.  Hexe. 

Hecht,  in.    (als  der  häufigste  Fisch  auch  am 
httuilgsten  zu  Vergleichen  getiraucht).   —  Hecht 
(Hechtm-)  Bauch,  -Qebiss-,  -gesund,  -Kopf, 
-leibig,  -Maul,  -Stime. 


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hecken— Heil. 


Heil. 


227 


hecken,  1—8  Harken.  —  2.  =  fortpflanzen, 
gebftren  (hegen,  heien)  (Falke  I,  »81 ;  Kochh.  II,  68). 

—  Hecke  -Ihn»,, 

HectUc,  f.  s.  Hektik.  ' 

Heer,  m.  (=  grosse  kriegerische  schar).  —  Heer- 

-  Brand,  -Krankheit,  •  H  urm. 

Heese,  f.  s.  Hachse  u.  heis«. 

heesch  ^  heisch  (s.  d.)  (Goldscbm.  in).  — 
heesche  Stimme. 

Hefe,  f.  (Hefen,  f.  Hepfen,  f.)  (ahd.  heffo, 

hevo,  m.;  mhd.  heffe,  m..  f..  Schindler  I.  IUI,  als 
hebende,  tieb  emporhebende  und  dann  als  Bodensau 
zurückbleibende  Masse  [fermentum] ;  zu  beben,  s.  d. 
u.  Heb).  —  Hefe  —  Unverdautes,  Erbrochenes, 
das  mit  der  Bierhefe  verglichen  wird  =  Grund- 
sappe (Hahn)  des  Magens.  —  (ltt»)  Blut- Hepfen 
=  das  nach  alter  Lehre  grobe,  wie  Bierhefe 
dicke  (melancholische)  Blut  (s.  d.  u.  Galle  8. 180) 
(Guar.  868). 

Heft  (Höft),  n.  (zu  heben  [halten,  fa*«en];  ahd. 
hefil  —  Messer-  oder  Schwertgriff ;  mhd  hefte.  Kluge», 

160).  —  (1592)  i  in  vfhafft  (htifft)  —  heftet  =  fest 
nach  einwärts  angewachsen;  von  der  Haut 
(Seb.  H9)  (s  Lederbund  8.  43).  —  Heft-Bein, 
-A'aae. 

hegen,  Heg-  s.  Hag. 

Hehse,  f.  s.  Hachse. 

heickel  (häckelig)  (,,elnc  Sekundarblldung  zu 
Ekel'«  [s.  d.],  Kluse».  87). 

Heide,  m.  (  =  paganns  [4.  Jahrb.] ;  goth.  haithnö  = 
Heldin,  die  BAaerin  auf  der  Heide  wohnend  und  län«er 
heidnisch  als  die  früher  christlich  gewordene  Städterin, 
Kluge»,  161 ;  ahd.  heldan  j  mhd.  helden  .  1")  Jahrh.  beide. 
Alles  l/ngetaufte  Ist  —  Heide,  also  auch  das  Neuge- 
borene.  solange  es  noch  nicht  getauft  Ist,  Zeitschr.  d. 

V.  f.  V.-K.  IM«.  262).  -  Hrtdif>>    |  AuucMa!'' 

-Blut,  -Dreck, -Elben,'  -Feuer,  -Fleuch,  -Haut, 
-Kot,  -Pocken. 

heien  (goth.  beiwa  =  Haus;  altnord.  hjü  =  Mann 
nnd  Weib;  angls.  hlwan;  ahd.  hiun  =  beide  hatten; 
14.  Jahrh.,  ndl.  biwelec  eoneubitus,  coitus,  D.  130. 
139,  16.  Jahrh.  hiwen  =  colre,  D.  ISO).  —  heien. 
heielen  =  beischlafen,  schlafen  (dazu  Heirat). 

—  etnheieln  =  ein  Kind  (=  haje  [XIII.  com.)  ^ 
Kind)  einschlafern  (Schmeller  l,  1028).  —  -,'-  heien 
(keien)  =  coire  (D.  130)  (s.  Keutel).  —  Heirat-Ottf. 

Hell-  8.  Hacke  (hahll,  hall). 

HeiL  n.  (heil,  heilen  hallen  ,  heilig).  -  heU 

[indogerm.  kailo-,  Kluge*.  161;  vorgertn.  kailos  = 
vollsUndig,  ganz  unverletzt  im  Kampfe;  altpreus». 
kailustikan  =  Gesuudbeit;  altgerm.  bailaz  [dazu  der 
Kinderspruch  „heilah";  über  diese  s.  Kuhn,  Zeitschr. 
f.  vergl.  8pr. -Wissensch  XIII,  IM];  goth.  hails  =  ge- 
sund ,  heilsam;  ahd.  hell  =  gesund,  ganz,  frei  von 
Krankheiten;  mhd.  heil  -  gesund,  ganz;  engl,  heal 

-  heilen;  halc  =  heil,  unverletzt),  1.  =  unverletzt, 
frei  von  Krankheit,  körperlicher  Verletzung 
oder  Wunden  (für  die  ans  der  Schlacht  Zurückge- 
kehrten die  erste  Anfrage  und  BegruMting  in  den 
kampfesregen  Vorzeiten,  Gr.  W.  IV,  2.  818;  heilah! 
ruft  man  noch  den  Kindern  zu,  wenn  »le  bei  latentem 


Unfälle  weinen  [eine  Art  von  Segen  sgruss  oder  Bann- 
ungswort]; mit  dem  Kindringen  In  die  Kinderstube 
hörte  dasselbe  auf,  thatsachlich  als  Segen  verwendet 
zu  werden,  Kuhn,  Zeitschr.  f.  vergl.  Spr.-Wlssensch. 
XIII,  IM;  dazu  Allheil,  engl,  allheal  -  Gliederkraut 
für  verwundete  Glieder).  —  2.  —  geheilt,  hergestellt 
von  Verletzung,  8chäden  u.  Gebresten,  t;»vrr,-, 
Hipp.  (Fuchs  II,  236;  Gr.  W.  IV,  2.  818).  —  3  =  (all- 
nordisch Ist  hcUl  =  nicht  schwanger  [Liebrecht,  z.  V.-K. 
491],  gesnnd ;  well  krank  [s.  d.  3]  =  schwanger  ist).  — 
heil  werden  von  Wunden  oder  Geschwüren  = 
heilen  (h).  —  heilen,  1.  —  (ahd.  hellän;  mhd.  hellen 
ss  , .hellmachen"  und  ahd.  hellen  —  ,,  hell  werden", 

Kluge».  161;  Gr.  w.  iv,  2.  823)  a)  herstellen  von 
einer  Krankheit  und  b)  heil  werden ;  (1482  heylen 

—  sanare,  curare.  Zenlng.  Voc.  m  2;  D.  163).  Volks- 
tümlich ist  nur  „heilen"  (gesund  werden) ;  das 

!  Gesundmacben,  heilen  ist  feinere  SprachQbung : 
(1482  hayl  machen,  Zenlng.  Voc.  n  3).  —  2.  ss  (1425 
heien,  heylen  =  eist  rare,  D.  105;  Schmeller  I,  1077) 
kastrieren,  lOppen,  verschneiden  (sprachlich  nicht 
identisch  mit  hellen  (1),  Gr.  W.  1.  cod.).  Hier  mag 
erwähnt  werden,  dass  das  lat.  mederi  morbo  ursprüng- 
lich bedeutete  „der  Krankheit  fluchen",  d.  b.  dem 
Krankheltsdkmon  einen  Fluch  entgegenwerfen,  so  dass 
dieser  vom  Kranken  ablasat  (Kuhn,  Zeitschr.  f.  vergl. 
Spr.-Wlssensch.  V,  8.  52).  —  (1645)  der  Heiler,  1.  = 
ein  junges,  verschnittenes  (gelipptes)  Pferd 
(s.  Wallach,  Spat)  oder  Rind  (Gr.  W.  IV.  2.  826; 
Coler,  Pf.  340),  dem  die  Hoden  —  Geilen  (Schweiz) 
ausgeschnitten  sind  (heilen  2).  —  2.  =  der 
heilende  oder  Heilringer  (s.  d.)  an  der  Heilhand. 

—  das  Heil  (salus,  ahd.  belllda,  Kluge».  161;  mhd. 
hell)  =  Gesundheit,  Befreiung  und  Genesung 
von  Krankheiten  (Gr.  w.  iv,  2.  818).  —  Heü 
(Schweiz)  =  Hoden  =  Heildrüsen,  die  man  aus- 
schneidet (heilt,  s.  o.  2;  s.  Drusen  u.  Geildrüsen) 
(Kluge*.  170).  Zu  beachten  ist.  dass  Uppen  und  hellen, 
beide  die  Bedeutung  des  Hellens  u.  Kastrierens  haben. 

—  (16.  Jahrb.)  heilbar  =  was  wieder  herstellbar 
ist  (Gr.  W.  IV,  2.  822).  —  heilig  =  Heil  habend  und 
spendend,  sanetus,  sanus;  goth.  hellag  =  welhs; 
letzteres  das  altere  altheidnische  Wort,  Kluge»,  161; 
mit  dein  christlichen  Teufel,  mit  dem  die  Menschheit 
kämpfen  sollte,  zog  auch  das  Heilige  ein  —  das  Ge- 
fürchtete (»eil.  Wesen,  Krankheit,  Werk).  — 
die  Heiligen  =  Saligen  (s.  d.)  (Tirol ;  h.  a.  Rh.  261) ; 
Aipbg.  21).  —  Heilige,  in.  ■  ein  Kretin,  der  das 
Vaterunser  sprechen  kann  und  wie  ein  un- 
schuldiges Kind  (s.  d.)  angesehen  wird  (Zeitschr. 
f.  d  Philol.  III,  365;  Aargau).  —  das,  die  Hellig 
(seil.  Krankheit,  Leiden)  (dat  hillig;  Mecklen- 
burg), 1.  =  Epilepsia  bIb  gefürchtete  Krankheit. 

—  2.  =  die  Kose  (Erysipelas)  (Jahn,  Zeitschr.  f. 
Volksk.  I,  80;  Zeitschr.  d.  V.  f.  Volksk.  1895;  Kuhn, 
Zeitschr.  f.  vergl.  Spr.-Wlssensch.  XIII,  148;  vergl.  das 
Iii. ctiit  oder  heiliges  Weh  =  Epilepsia).  —  a  n  -  heilen 
=  heilend  anwachsen.  —  '/'"''/-heilig  tahd.  kang- 
helll.  gangkaill,  kankhelll,  (.raff  IV,  864)  =  heil  (1), 
gesund  (im  Gang)  auf  den  Füssen  im  Gegen- 
sätze zu  eang-raech  (Gr.  W.  IV,  L  1250).  —  mni- 
heil  (debilis,  Schmeller  Ii,  'J7s;  -  gleichsam  heil, 
halb  heil.  —  Unheil  (ahd.  uubail  —  insauus,  tiraff 

[  IV,  863)  =  nicht  gesund.  —    ...  heilig  («hd.  »au«- 
helllc,  f.  =  eine  Krankheit*  ;Scuche-;Bczeicbuung  bei 
,  Cir.  I>.  M.  11,  1105;  ürafl  IV.  864  ■  debilltas;  wanaheil 

15' 


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228 


Heim— heisch. 


Fleische— Heiter. 


-debllis,  gebrechenhaft,  8ch melier  II,  917 ;  Kluge*,  i 
394).  mangelhaft  od.  fehlerhaft  heil  (8.  Wahn  2).  I 
—  heilig  f,  er,  es)  Bein,  -Blutader,  Ding,  Feuer, 

Gicht,  Gut,  Krankheit,  Pulsader,  -Tod, -Weh, 
•  Wiirch,  -  Werk.  -  HeÜ-,  «/«-heilt,  heil'/,  es)- Anke, 
■Bern,  Drüsen,  Hand,  Haut,  -Mann,  maulet, 
■Stätten. 

Heim  (heim)  (gotb.  haims  =  Wohnung,  Dorf; 

nhd.  heim;  rahd.  heiin).  —  Heimliche,  n.  (mhd. 
heimliche,  Lexcr  SM)  =  CoitUB.  —  heimeln  = 
Heimweh  (Nostalgia),  Heimsucht  haben  (C.  v. 
Sehm.  27o).  —  heimlich  =  geheim,  verborgen,  | 
beim ;  dazu  Heimen  ss  Mannshoden  als  geheime 
Glieder  (c.  v.  schm.  270).  —  Heimchen,  Heimiii, 
I.  =  dio  Schutzdämonen,  Heimgötter,  Stittte- 
götter,  Hausgöttlein  (Wichtlei  n)  (uord.  sknrdRodh, 
die  wie  die  Wlchllein  («.  d  ],  als  geschnitzte  od.  Wachs- 
Bilder  an  der  Hcrdatitttc  [s.  Ehren]  des  germanischen 
Wohnhauses  standen  u.  Ihren  hegenden  Schinndienst 
gegen  Krankheiten  bringende  Walddainonen  o.  Sippen 
geister  versahen,  Itochholz  II,  134;  Scheible  III,  461 ; 
Kohler  V.  til.  183;  Lippcrt  Chr.  416.  4."i0.  '.Oi).  —  2.  - 
die  elbischon  Maden  als  andere  Gestalt  des 
Alpes  oder  Heimwichtes  (Lalftaer  II,  190J  =  Heim- 
chen, Chimken,  Gimken  (1.  c.  II.  76.  iuo).  —  er 
sieht  aus  als  hatte  er  Heimchen  gegessen,  siehe : 
Bohnen  essen,  Erbsen  u.  Fabian  (Lolstner  n,  190). 

—  die  Helmen  sind  an  ihm  =  er  sieht  aus  als 
ob  die  elbischen  Maden  mit  ihm  zehren  (s.  Mitt- 
esser) u.  so  mager  machen  (<;rafaeh.Mark  j  Lalalaer 
L  c.) ;  er  sieht  aus  wie  ein  Hiemk  (Heimchen) 
(Hinter  l'ommcrn  1.  eod.)  =  wie  ein  altes  elbisches 
Wichtlein  oder  wie  ein  Alterchen  (s.  d.).  —  der 
Frauen  (  Weiber)  Heim/irAArt7  =  Menstrua  (14  bis 
15.  Jahrh.,  mnd.  der  vrowen  hemelicheyt,  Z.  f.  nd. 
Bpr.-P.  XV.  133;  Ortolf;  Tabern.).  —  7n-Heim  (lares: 
hiheimon,  Hatlemer,  Denkmale  III,  001)  -  Heimchen, 
Hauskobold  (als  Inleute),  der  Nattern-  oder 
Grillengestalt  annimmt  (s.  Heimchen).  —  die 
unfertige  Heimlichkeit  =  Amenorrhoe,  wenn  die 
Heimlichkeiten  (Menses)  noch  nicht  fertijr  sind 
(s<  hm.  1,  1109).  —  heim-ifif/i,  -lichre,er,es)  Durch- 
sucJicn,  Enden,  Fieber,  Fluss,  Geblüt,  Gemächt, 
Glieder,  Haare,  Krankheit,  Mutter,  Ort,  Plagen, 
Saphena,  Stätte,  Stich,  Treiber,  Wicht,  Waschet. 

Heinerich  =  ein  jammernder  Mensch  der 
immer  hient  (Schm.  i.  1120;  nuck  13).  —  Heinel 

-  ein  närrischer  Mensch.  —  Freund  Hein(erich) 
=  Tod.  —  knöcherner  Hinrik  -=  ein  äusserst  ma- 
gerer Mensch  (Wackern.  Abudlg.  Dt,  149.  ISO;  old 
Harry  —  Teulel). 

heisch,  heesch,  heischer  (17. -ib. Jahrh  j  heiser, 
heister,  Heiserkeit,  häser  [m  tmd.  ;  Umringen  ; 
O.-Sachsen  ;  gerni.  hals,  hwTs[wlspeln,  flüstern,  klstern] ; 
goth.  haisa,  Kluge»,  163;  ahd.  heis,  helsl,  heiserl.  f. 
helsunga,  f.;  11.  Jahrh.  faehlr,  f.  =  raucedo,  H.  Z.  III; 
halicr  -  raueus,  II.  Z.  XV,  101;  12.  Jahrh.  helslr  = 
raueus,  H  Z.  XV,  361 ;  heisce  -  raucedo,  H.  Z.  XV,  347 ; 
haeiser.  Pfeiffer  29;  1S40  heli«ch ;  mnd.  heesch,  Mai,'. 
Barth.  S9b:  de  heesch  1s  uude  kan  nicht  wo]  gheluden 
[lauten]  an  der  stemmen;  mhd.  heis,  heütch,  hetsc. 
heiser  [rauh,  heiser],  Hoffm.  I,  376;  die  helserin;  mndl. 
heersch,  heesch,  Kluge  I.e.,  engl.  honr«e  —  heiser; 
1(8.)  haiserhait  =  raucedo.  C.  v.  Megbg.  ;  15.  Jahrh. 
heysz  =-  Heiserkeit,  (ir.  VC.  V.  2165;  1528  die  helzerc, 


Gr.  W.  IV,  2.  902;  H.  v.  Oersd.  88;  Frie*  87;  heisch 
[vom  16.  Jahrh.  ab  fast  aucscbllesslich].  Gr.  W.  IV,  2. 
897;  zu  klstcru  [().  Gr.  W.  V,  499;  1688  die  heischer. 
diehelscre  ;  1668  heissere*  Beynon  106  ;  IS.  Jahrh.  heiser, 
wieder  wie  im  ahd.;  1731  Heiserkeit  =  raucedo,  (ir.  W. 
IV,  2.  902;  1752  Hclseherkeit  —  raucedo,  morbus  brau- 
chus,  A.  v.  H.  I,  231.  1169;  1737  die  Heischer  =  Heiser- 
keit, Blum.  213 ;  1761  heischer,  Gr,  W.  IV,  2.  900)  - 

rauh,  belegt  in  der  Stimme.  —  Heisere,  f.  ■  Kau 
cedo  (schmeller  1. 1167),  der  Zustand  des  Heiser- 
seins. —  heister,  heisterig  (Schweix)  ^  heiser 
(Gr.  W.  V.  199)  (heisere  Kehle).  —  Heschheit  (ndl. 
heeschheid.  De  Cork  U0;  Arteriasis  [arteria  aspera  ■ 
Luftröhre],  Hieschheit,  D.  185;  schwed.  heshet;  dän. 

haeshed)  -  Heiserkeit,  Raucedo.  —  Heiserkeit 
=  Raucedo  =  das  Heiser  sein  (D.  486).  —  Heiser- 
nng  —  der  Zustand  der  Heiserkeit,  Raucedo 
(D.  185).  —  (1596)  G/fnsrheiser  (ganseheiser)  -  durch 
Trinken  des  kalten  Wassers  od.  Gänse-Weines 
(Gänsehals,  s.  d.)  heiser  ((Jr.  W.  IV,  1.  1271).  — 
heisere(r)  -Hals,  -Kehle,  -Stimme  (vergl.  haarig 

U.  [(ir.  W.  IV,  2.  897]). 

Heische,  f.  s.  1.  =  H Oiuche,  Heunsche.  — 
2.  =  Heiser. 

heiss  (Heisse,  f.  Heisch,  n.  Keisch)  germ. 

hlt  [dazu  Hitze]  ;  goth.  helu,  heitö  ■-■  Fieber,  (ir.  VC. 
III,  1C26;  ahd.  hei  =  HlUe;  heiz,  Kluge*,  163  ;  mhd. 
hei«,  hei,  gehe!  -  Hitze  ;  15.  Jahrh.  heys  =  arteri- 
neus,  artheticus,  rheumatieus,  D.  51)  —  heiss  (hoher 
Grad  der  Körperwärme),  im  Mittelalter  und  bis 
auf  die  neuere  Zelt  wurde  eltie  hclsse  Komplexion, 
Natur,  Konstitution  angenommen  (neben  kalt,  trocken 
und  feucht) ;  der  Sanguiniker  war  heiss  und  feucht, 
der  Choleriker  aber  heisser  und  trockener  Natur  (siehe 
Cholera),  namentlich  waren  die  Fieber,  Suchten,  Ge- 
schware,  Brandstellen  etc.  „heiss"  und  deshalb  Ätio- 
logisch als  Folgen  der  heissen  Komplexion  betrachtet. 
—  heisch  -  entzündet,  heiss  (lu  Segensprüchen 
gegen  Geschwülste  so  öfters,  Lammert  206 ;  also  In 
personiflclerter  Bedeutung).  —  das  Heisch  =  Ent- 
zündungs-  Geschwulst  (Lammen  204).  —  die 
Heisse(n)  =  Hitze,  Ardor,  Aestus  (Gr.  w.  iv,  2. 
»«*;  Schmeller  I,  1175).  —  der  Heiss  -  Krunkhcits- 
hitze  (c.  v.  Schm.  271);  „er  geht  aus"  und  „wird 
ausgetrieben"  (wie  ein  Krankheitsdämon).  Die 
alte  damonistische  (Jrübelel  der  mittelalterlichen  Hell- 
künstler extra  scholam  Hess  nicht  nach,  immer  wieder 
eine  PersonlllkoUon  der  Krankheits  ursachen  in  Sccne 
zu  setzen.  —  brenn-  (brinn-)  heiss  =  durch  bren- 
nende Fieberhitze  erwärmt.  —  (1722)  hunger- 
heiss  =  Hitze  fühlend  im  Magen  aus  Hunger 
(Ode);  (Tiber.  352).  —  heiss(tf,  er,  es)  Ader,  Atem, 
Beulen,  Blattern,  -blütiq,  Blut,  Brand,  Darr, 
Feigwarzen,  Fieber,  Fieberhitze,  Fluss,  Ge- 
schwär,  Glut,  Harnwinde,  -herzig,  -himig, 
Hunger,  Koller,  Koortsen,  Leber,  Magen, 
Mut,  Natur,  Pein,  Podagra,  Ritten,  Schlaf, 
Suchten,  Würmer,  -zornig. 

Heiss,  m.  l.=eln  lautmalendes  Wort  für  den  Sin- 
Kultus  (Hetsch,  Hesel»,  KIux)  (Gr.  W.  IV,  2.  89ö; 
v.  1260.  216.-.).  —  2.  =  Hinnulus,  das  wiehernde 
Fullen  (Schmeller  1,  1179)  =  hinnend,  heinezend, 
Heiuss  =  Heiss.  —  3.-s.  heiss. 

Heiter,  m.  s.  Haut. 


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Hektik— Heuid. 


Hemelte— Hering.  229 


Hektik,  f  (Hectika) !».  Etüch,  morbus  ethicus,  I 
(ebri*  etbtca,  ethlcalls,  ectlca  ab  I;:;  —  habltus,  Du 
i'ancp  III.  229.  325;  febril  hoctlca,  solutu  dlfficüt»,  qua  i 
Uboram  tabescit)  =  das  Schwinden,  Abnehmen 
infolge  andauernd  hoher  Fieber  (Beynon  131; 
Brun.  1»).  —  (177»)  Hektikus  =  ein  magerer, 
dürrer  Mensch,  der  sozusagen  nichts  als  Haut 
und  Knochen  hat  (M.  H.  I.;  I,  326;  Hippel  II,  415). 
—  hektische(r)  Schwein,  Röte. 

Helfs.  Alb  u.  Elb  (Olf)- 

hellen,  hellig,  hell,  hellig  {Terminlich  zu  kellen 
S*.  d.]  =  <i<i*l«a;  „dunklen  l'rsprungs",  Kluge*  IM; 
mhd.  heiligen  —  plagen,  quälen ;  hellic,  ermüdet,  er- 
schöpft ;  nhd.  heilig)  =  ermattet, ermüdet, sehr  dur- 
stig von  Fieber  (Goldschm.  156 ;  Schindler  1. 1082).  — 
Helligkeit  —  brennendes  Gefühl  im  Magen  = 
Magenleere,Magen-Oede  (Pauli  65).  —  ^  heiligen 
(1334  erhclgen,  Schmeller  I,  1082).  —  »chinder  heilig 
m  matt,  entkräftet  tum  Abdecker  bereit  (Schm. 
1, 1082).  —  «pf/ten-hellig  =  mager,  zaundürr  wie 
ein  Spalt  (Schmellcr  I,  1082).  —  Hell-Wtntf,  -Sehen, 
-hungrig. 

Helm,  m.  (lndogerm.  kel  =  hehlen,  hüllen,  eclarc; 
vorgerm.  kelmo-;  geui.-germ.  helma- ;   goth.  hilnui, 
Kluge*,  IM;  ahd.,  mhd.  heim  =  Helm,  plleus,  galea ; 
als  Vergleichungswort  für  :)  1.=  Kopf,  Caput  (Tirol; 
Hintucr  5. 12),  wie  man  für  letzteres  auch  „Dach" 
sagt.  —  2.  =  (1632)  Amnion  =  Haube,  Glücks- 
haube, die  ganze  Schafhaut  (s.  d.)  als  Haube 
(d.  d.)  gedacht  (Hyrtl,  K.  W.  81  ff.  ISO.  Gr.  W.  IV. 
2.  977;  [s.  auch  Uaupthut];  1740  Helm  =  Kalea,  „eül 
Teil  des  Amnion,  welches  manchmal  ein  Kind  auf 
dem  Kopfe  mit  inr  Welt  bringt",  Kulmus  190  ■  pOflOI 
naturalis,  membrana  vel  pclllcula.  qua  Interdum  pueri 
caput  involutl  nascuntur  uude  quo«  Jelices  esse  didi- 
clmus  aut  futuros  auguramur  =  nez  coeffez,  Du  Cangc 
VI,  323),  s.Glück,  Glückshaube.   —  Oeburta- 
(Qlücks-  (1677)  Kutih!'  in  Reim  ~  die  hauben- 
oder  helmartige  Kopfhülle,  die  die  ganze  Schaf- 
haut über  dem  Kopf  des  zu  gebärenden  Knaben 
(oder  Degenkind;  beim  Mädchen  Haube)  bildet, 
wenn  dieselbe  beim  Wassersprunge  nicht  an 
der  tiefsten  Stelle  einreisst,  sondern  über  der 
Kopfstelle,  so  dass  der  unter  dem  Kopfe  lieg- 
ende, unversehrte  mit  Wasser  wulstig  gefüllte 
Teil  der  Kindshaut  wie  eine  Kopfbedeckung 
sich  anfühlt  und  aussieht,  waa  man  als  ein 
glückliches  Zeichen  betrachtete  (Glückshaube, 
f.  d..  Hyrtl.  K.  W.  81  ff;  Gr.  W.  IV,  1.  1909;  vergl. 
Wehmutter-Hftubletn,  Hemdlein,  W'esterhemdlein). 

Hemd,  Hemet,  Hemat,  Hemdlein,  n.  =  Hülle 

lurgcrm.  kamitjo  ;  Renn,  hama  =  Kleid  [eamlsla  — 
tunica  Interior;  5.  Jahrh.]  ndl.  kamingja,  De  Cock, 
Folklore  ;  goth.  kamitjo.  hameithl  —  Kleidchen  ;  lat. 
vestls  -  vastja;  goth..  angla.  haam ;  engl,  heam  ; 
ndd.  haam,  Engel.  274  »  Nachgeburt.  Hemd;  ahd. 
hemldi  -  langes  Unterkleid  ;  mhd.  hemedu  =  Hemd, 
Kluge*.  164;  D.  93)  —  Hammel,  n.  (8.  d.)  =  (1632) 
Hemdlein  (hemmetlin  -  camlsla  der  Arablsten,  vcslis) 
=  die  innere  Eihaut  des  Kindes  (Wehmutter- 
Häublein)  (Hyrtl,  K.  w.  81).  —  Fohlen-Kemd 
=  die  Eihaut  des  Pferdes  (Kolbe  70).  -  {im) 
;./•</ 'er-Hemd  =--  das  Wehmutterhäublein  oder 
die  Schaf  haut  des  Kindes  im  Mutterleibe 
(Plenk  32).  —   rTesrrr-Hemd  (mhd.  Westerheide, 


Lezcr377)  =  da»  Wostcr  [vestls ;  seil.  Hemd);  IV  Jahrh. 
eyn  weMirhomde  =  secundina,  D.  II,  333;  das  (MOS] 
Westcrlcin,  das  „Chrysamhemd",  das  das  Kind  bei 
der  Taufe  als  neophytos  erhalt,  dessen  Überrest  noch 
als  „Taufhaubchcn",  von  dem  ,,Gothe"  geschenkt, 
figuriert,  und  da*  lifters  in  Mlrakelbueheru  ;i696) 
als  Stellvertretung  des  Kindesoplers  zur  Erreichung 
des  Kindersegens  ex  voto  erwähnt  wird ;  ein  durch 
das  gothlseh-roniUche  Christentum,  dessen  erste  Kennt- 
nis von  den  «iothen  der  Batkanbalbinscl  unter  die 
Übrigen  Germanen  drang  [Kluge  XX],  vermitteltes 
Lehnwort  „vestls",  das.  mit  dem  (urgermaniiehen) 
-Hemd  verbunden,  die  Bezeichnung  des  Täuflings- 
Hemdes  =  Weiterhemd  Im  Mittelalter  wurde  ;  dieses 
ist  nun  übertragen  auf  das  Wehmutter-IIäublein 
oder  die  Glückshaube,  die  Schafhaut,  Eihaut 
(A.  v.  EL  II,  t«:i;  Ploss-Bartels  II,  263)  (f>.  Wcsler- 

haube).  —  Hem(e)d-Lrtiz,  -Stingrl. 
Hemelte  s.  Himmel. 

hemmen  (zu  germ.  ham  -  verstümmeln  [durch  Be- 
sehneldung  oder  Zertrümmerung  des  Hodens  mittels 
des  Hammers  au«  Stein  ?1 ;  ahd.  hamal  —  verstümmelt, 
gelfthmt;  nammel,  Kluge*.  154.  164;  weiterhin  durch 
Resehneidung  der  Sehnen  [s.  Ham  u.  Hachse]  lahmen 
[s.  auch  Spat],  das  Weidepferd  hemmen). 

Hendsch  (Hentsch)  s.  hünisch. 

Hengel,  Henkel,  m.  (zu  henken;  nhd.  henken; 
mhd.  henken  =  aufhangen,  henken;  der  <;  egenstand, 
der  das  hangen,  henken  vermittelt  -  Henkel,  vergl. 
auch  Uaukel ,  mhd.  hengel ,  Lalst.  11 ,  US]  ■  das 
Unterkinn,  we  Iches  als  Fettwulst  herabhängt. 

—  Henkel-  Bein 

Hengst,  m.  (germ.  hanglsla;  ahd.  hcngUt  -  equui 
castratus  .  mhd.  hengest),  l.  es  männliches  Pferd 
(Kluge*,  16'.).  —  2.  =  (entstellt)  Hex,  m.  (0.  T. 
Schm.  277). 

Henne,  f.  Von  dem  brütenden  Zuchtvogel  werden 
i  manche  Vergleiche  bezogen   (h.  auch  Huhn).  — 
Hennen-  Ba  um,  -brü  tend,  - Bu rzel,  - Fä  die,  ■  Sprit  U, 

-  Trittlein. 

Hentsch  s.  Hünisch. 
Hepfen,  s.  Heb  u.  Hef. 

her-  (die  Zusammensetzungen  mit  dieser  Vorsilbe 
suehc  beim  betreffenden  folgenden  Stamm« orte). 

Herbst,  m.  =  dle  Jahreszeit  zwischen  Sommer  und 
Winter  [September,  Oktober.  November),  in  welcher 
das   M-hwarze.  verbrannte  Blut   sich  im   l.eibo  ver- 

|  mehren  sollte  (1530,  Besolt).  —  Herbst- Fell,  -Fieber, 
■Katarrh. 

Herd,  Ol-  {-  Feuerstaue,  gem. -germ.  her  -  brennen, 
I  Kluge»,  165;  foeus).  —  Amt'  i  \ i in  g •  Her d  =  die 
Stätte,  von  wo  die  erste  ansteckende  Krank- 
heit sich  weiter  verbreitete  und  epidemisch  od. 
epizootisch  wurde.  —  Eiter-Keti  s.  nachfol- 
trendes.  —  Kran kheits  Herd  -  die  Ausgangs- 
Stätte,  wo  die  (Fiebcr-)Hitze  (und  die  Eiterbild- 
ung) zuerst  beginnt  und  zur  Krankheit  (zum 
ApoHtem)  wird,  Atrium  morbi,  die  Stelle,  wo 
die  Krankheit  ihren  ursprünglichen  „Sitz"  («.  d.) 
hat  (Kraus,  K.  :m) .  wie  der  Krankhoitsdämon 
seinen  Ehren  (s.  <l.)  -Platz  um  Herde  hatte 
(s.  Wichtlein  und  IMattenweiblein). 
Hering,  m.  s.  Uäring. 


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230 


Herr — Her«. 


Herz. 


Herr,  TD.  herrschon  (ahd.  heriro  —  Herr,  der 
hehrere;  [»hd.  her  =  hehr,  ehrwürdig],  herro  —  Brodherr; 
9.  Jahrh.,  engl,  hearra;  alt«,  herro  —  zumeist  Anrcde- 
wort  des  rntergebenen  an  »einen  Brodherrn;  weiter- 
hin wurden  auch  die  gefürchteten  Krankheiten  wie 
dAmonistlsche  Personen  angesprochen,  «.B.Herr  Kipp? 
Herr  Tod !  Herr  Nagel !)  so  auch  der  IV:.  -  als  Herr 
Mann  (Hermann)  (Wackern.  Abhdlg.  Iii,  87).  — 
KU  i 'i-Herrchen  (Kleynherchen  =  larva,  D.  819)  = 
das  Schrat  lein  (s.  d).  —  otVr-herrig  (vom  sog. 
wilden  Fleisch)  =  durch  zu  üppige  Wucherung 
vorherrschend  (Goldschm.  88).  —  herrschen  —  do- 
minari;  von  Krankheiten,  die  in  einem  I.and- 
gebiete  ihre  Herrschaft  zeigen,  Endemia,  Epi- 
demia.  —  Herren-AVan&Äct'f,  Maus,  Zipfel. 

Hersen,  f.  (heute  nnr  ndl ;  gcm.-Indog.  her.,  her« 
=  Kopf;  altgcrm.  herxn  =  Kopf;  altnord.  hjarso  = 
Kopfwirbel;  m.-engl.  hemes,  ndd  ,  1420  harsen ;  ndl., 
13.  Jahrh.  hersc,  hörnen  =  freu,  Ü.  246;  Kluge  *,  169; 
Schmeller  I,  im)  =  Sinciput ,  Occiput,  Gehirn, 
Hinterhaupt  (s.  H itzel).  —  Hersen-  Decken,  -  Bein, 
-Pfanne,  -  Vlies». 

Herz,  n.  (Herte,  Harte,  Hart,  Hearte  [od.}, 
Hertza,  Hertz,  Herze  (hd.)  (zum  ollertU testen 

Wortbestande  des  Indogermanischen  gehörend,  Kluge*, 
59;  altlndogertn.  kerd  — cord[ls],  cardia;  germ.  horten; 
goth.  hatrlö;  4.  Jahrh.  herto,  l'lfllas;  nngls.  heort; 
engl,  heart;  S.  Jabrh.  herzu,  Kero  73;  mhd.  herze, 
Heyne  III,  141 ;  13.  Jahrb.  berizo  =  praecordiiim,  I).  4">2; 
15.  Jahrh.  die  herl«  —  mammne,  Schmeller  1,  1171; 
1482  hertzen,  Zening.  Voc.  p5;  16.  Jahrh  ,  1881  herU 
=  herz  [herrschende  Form]  =  praecordium.  D.  452), 

1.  =  das  menschliche  oder  tierische  Herz  (als 
Blutumlaufs  Organ ;  Herzmuskel  u.  Herzbeutel, 
Vorherz),  das  wie  ein  zweites  lebende«  Wesen 
in  dem  Körper,  Leib,  Busen,  Brust  lebt,  sodass 
es  wallt,  hupft,  schwillt,  bebt,  zittert,  in  Angst, 
Not  und  Pein  gerat,  gezwängt,  verstrickt  und 
gedrückt  wird,  bricht  (vergl.  auch  Ferch); 
(„ain  prunn  und  aln  umprlnch  der  kreften  aller  andern 
gllder  und  ein  schntzlAdlelu  de*  leben»",  C.  v.  Megbg.). 

—  2.  =  der  wie  ein  Uhrwerk  regelmässig 
gehende  Herzschlag  und  die  Herzbänder  (Gr. 
W.  IV,  2.  1210).  Weil  das  Herz  in  netzförmigen 
Bändern  (Uerzbändel,  s.  da.)  liegt,  so  kann 
es  auch,  wie  ein  Kasten,  „brechen"  oder 
„bersten"  (Gr.  w.  Ii.  343);  es  ist  schwer  (herz- 
schwer)  U.  hart  (hartherzig)  (engl,  hardhenrted). 

—  3.  =  die  äussere  Herzgegend  (franz.  courtau 
conrec  [cura<,'°n!,  Bris».  163  =  cor  u.  Magen),  Brust, 
weibliche  Brust  (Mamma,  Kern),  J/eher-  und 
Magengegend  (s.  Herzgrube)  =  Regio  epiga- 
Btrica  (entsprechend  der  grlech.  kardla.  die  L  Herz, 

2.  Magcnelngang.  S.  Lebergegend  bedeutete,  l.  Fuchs, 
Hippokrates  I,  245;  Goldschui.  99,  Pauli  110;  ir>.  Jahrh. 
hertz  dye  nlt  saugent,  Schmeller  I,  117;  Bück  10;  Dr. 
Br. -Schaffer,  25).  —  i.  -  in  Redewendungen 
Herz  =  der  Mittelpunkt  des  menschlichen 
l^eibes,  der  Sitz  aller  Lebenskraft  (Gr.  W.  IV, 
2.  1210)  und  des  Gemütes;  das  Innere  eines 
Dings.  In  neuester  Zelt  brachte  man  Herz  (kerd)  mit 
Herd,  Fcuerstelle  (gem. -germ.  herdö  =  Herdboden, 
Kluge*,  1C5)  In  etymologischen  Zusammenhang;  die 
ältesten  Vorstellungen  über  die  Physiologie 
des  Menschen  (wie  die  vom  Blute,  der  Milz  etc.) 


sind  oft  der  Häuslichkeit  entnommen;  nach 
H.  v.  Oersdorff  (1628)  blast  und  weht  die  Lunge  (wie 
ein  Blasbalg  auf  das  Herdfeuer)  so  auf  das  Herz  zur 
Krqulckung,  sonst  entwickelt  sich  der  „Ilerzdampf" 
bei  ungenügender  Tbatlgkcit  der  Lungen.  In  der  Nahe 
de»  Herdfeuers  befindet  sich  auch  In  der  Regel  der 
Vorrats-Kostcn ;  »o  hat  auch  nich  der  volksübllcben 
Vorstellung  das  Herz  noch  einen  Reserve  Blutkasten, 
dessen  Ausglessung  und  Fluss  („das  Herzblut  Ist  zu 
fllessen  gekommen")  die  unmittelbarste  Todesursache 
Ist.  An  diesen  Blut-Kasten  (Herz)  „stosst  Ihm  der 
8chmcrz  an"  (1608,  St.  B.-Mirakel)  =  Choq,  Hentcnleld; 
„es  liegt  mir  und  steht  mir  für  dem  Herzen" 
(Gr.  I>.  M  II,  1112),  sodass  der  Blutkasten  (nerz)  nicht 
frei  aufgeht,  gehemmt  Ist;  der  Kasten,  der  gedruckt 
wird  (Herzdruck),  (knarrt  und)  seufzt  sehr  (C  v. 
Megbg.);  ein  Wurm  lebt  In  Ihm  (Herzwurm)  und  speist 
dem  Menschen  das  Herz  ab,  wie  im  Vorratkasten  der 
Mehlwurm.  —  .r>.  =  Herzader  (15.  Jahrh.  herzen 
[seil.  Ader]  —  porta  lactis  s.  vena  mediana,   D.  II). 

—  herzig  (hirzig)  =  vom  Herzen  ausgehend 
oder  zum  Herzen  gehend.  —  ,W-herzer 
(ahd.  aherzer  =  exeors  —  herzlos,  Gruft  iv,  10t."-, 

|  ahd.  nnaherza  —  vaecors,  Graf!  IV,  1016;  1420 
ndd.  hartcloes ;  1472  hcrtzloss,  hertzloysse  —  exeors, 
D.  616)  =  herzlos,  ohnmächtig.  —  (1893)  Bier- 
Herz  (BolUnger)  =  dilatative  Hypertrophie  des 
Herzens  durch  zu  starken  Biergenuss  und  oft 
zu  starke  körperliche  Anstrengung  (D.  Med. 
Woeh.-schr.  1894,  s.  203).  —  .f Vt7-Herz,  1.  —  die 
Zunahme  des  Fettgewebes  auf  dem  Herz- 
muskel. —  2.  =  fettige  Entartung  des  Herz- 
muskels. —  gebrochenes  Herz,  1.  =  das  zu 
Rupturen  neigende,  fettig  degenerierte  Herz- 
lleisch.  —  2.  —  die  gebrochene  Herzader  (Lun- 
genblutader) (engl,  a  broken  heart).  —  Ge«'t*-Herz 
(ahd.  goleherzi  ■  lasclvia,  Graft  IV,  1017)  —  durch 
Gedheit  aufgeregtes  Herz.  —  heiss-heTZig, 
Iltisses  Herz  (ahd.  halzherzt  [belzherzi)  ^  furor, 
Graft  IV,  IM7.  1076;  U,  Jahrh.  eyn  do  eyn  heyt  herte 
heft  =■  carditus,  D.  II,  76),  1.  -  heissblütig.  —  2.  = 
(1534  das  hertz  muss  zu  solcher  Wirkung  (Ausbreitung 
dos  In  der  Leber  gekochten  Blutes  in  die  Nervengelster] 
der  langen  auch  stetz  gebrauchen,  denn  die  obgenann- 
ten  gelsler  werden  nicht  allein  auss  dem  Mut,  sondern 
auch  aus  der  lufft,  die  durch  die  luugcn  geholet  und 
wider  aussgelasten  wlrt,  gemacht,  so  muss  auch  das 
heisse  hertz  mit  dcrselbigtn  lufft  on  untherlass  ge- 
kület  und  erquicket  und  von  dem  raueherichten  dampft 
oder  Flaust  [  ="  Blast],  so  in  solicher  kochung  entstehet, 
gortuger[t]  werden,  Kuriclus  Cordus,  nach  Peters  II, 
184)  =  das  thiitige  Herz.  —  krankt»  Herz  (raud. 
14. -1.1.  Jshrh.  den  luden  de  en  Krane  herte  hebbet, 
J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  132),  1.  --  ein  krankes  Herz. 

—  2.  =  einen  kranken  Magen  (Herz  3)  habend. 

—  Lowen-Herz  =  Cor  grossitudine  praestans, 
ein  grosses  Herz,  wie  es  König  Richard  Coeur 
de  Hon  gehabt  haben  soll  (VKrordt  34).  — 
(1601)  Üffl<7«»-Herz  (Übersetzung  der)  Cardin 
des  Magen»  (Hyrtl,  K.  W.  110).  —  O.Äsm-Herz 

—  Cor  taurinutn  s.  bovinum,  ein  sehr  grosses 
Herz  (Hypertrophia  cordis).  —  (ahd.)  n>  herzt 

—  exeors  (Graft  iv,  1040).  —  (1779)  verkehrtes 
Herz  —  Situs  cordis  per  versus,  das  in  der 
rechten  Brustscite,  also  verkehrt  liegende 
Herz  (Hippel  Ii.  ISS}.  —  Vm-(Für-)Rerz,  1.  = 


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hesch— Heschen. 


Hesse— Hexe. 


231 


Cbersetzung  der)  pmecordla  IHjrrtl,  K.  W.  126;  ahd. 
furihcrclda  =  praceordla  [s.  FHrch],  H.  Z.  XV,  S.  62)  — 
Zwerchfell.  —  2.  =  Pericardiuro,  weil  vor  dem 
Herz  gelegen;  (1512  ingeweyde  vorm  hertz;  ndd.  vor 
hcrte  ^  praecordlum,  D.  452;  1497  vierherz,  Hyrtl,  K. 
W.  83 ;  1 182  vorhertz  =  Brust,  Zening.  Voc.  z  8).  —  3.  - 
Card»  de«  Marens  (1528  Vorhertz,  H.  v.  Gersd. 
10.  18;  Hyrtl.  K.  W.  l.r>C ;  2.  tut  ein  vermutlich  Rita  der 
Opfer-Anatomie  stammender  Ausdruck  (vergl.  Fftrch 
u.  Corr-Bl.  f.  A.  1896,  8.  1  ff).  —  4.  =  die  sog.  Brust- 
geschwulst  (avant  coeur)  bei  Pferden  (Falke  II, 
421).  —  (1512)  weh-herzig  =  (vecors  haben«  vc  In 
corde,  I).  608)  —  ohnmächtig  infolge  von  Iler/.- 
weh.  —  weiche»  Herz  =  schwache»  Herz  (engl, 
weakened  heart  =  Ohnmachtszustand,  Herzschwäche). 

-  weuses  Herz  s.  weisse  lieber;  letztere  als 
Blutauslaufst«lle  nach  alter  Schullehre  an- 
genommen wie  das  Herz  (SchmeUer  I,  1171).  — 
mitende»  Herz  (abd.  wuotanherx,  I-alatner  11,  411 
=  tyrannu«)  =  bOser  Wicht  (I>öwenherz?).  — 
Herz  (ens)- .4  rier,  -Angst,  -Antündung,  -Asthma, 

Aug,  Bändel,  -Bäuchlein,  Beben,  Bein,  -Bengel, 
- Bestremmung ,  -Bestrickung,  -Beutel,  -Blatt, 
•Blut,  -blöde,  -Bräune,  -Brand,  -brennen,  ■  Brüst- 
lein, -Buckel,  -Büngcl,  -Dampf,  -Decke,  -Drücken, 
-Erweiterung,  -Fehler,  -Feibel,  -Fell,  -Fieber, 
-Finger,  -Flämmlcin,  -Fleck,  -Fleisch,  -Flu*», 

Ganter,  Geäder,  Gesehtcär,  -Gespann,  Gesperr, 
-Geicächs,  Grube,  -Haustein,  -Häutlein,  -Haut, 
-Hitz,  -Innader,  -Kammer,  -Kastel,  -Kaule, 
-Keistern,  -Kister,  -  Klappen, -Kleittem, -Klemme, 
-Klopfen,  -Knoclien,  -Knopf,  Knorpel,  Krampf, 
-Krankheit,  -Kröte,  Kuchen,  -Kulk,  -Lähmung, 
-Leere,  -Leiden,  -los,  -Mangel,  -Mattigkeit, 
■Nabel,  Netz,  -Noth, -Ohnmacht,  Ohren,  ■  Ohr- 
läpplein, -Pein,  -Pochen,  -Polyp,  -Pünkel, 
-Piitzchen,  -Puffen,  -Pumpern,  -Putzer,  -Rad, 
■Bebe,  -Rick,  -Rippknchen,  Riss,  Ritten,  -Ritz, 
-Schelm,  schlächtig,  Schlaq,  Schlagrti,  schluckig, 
■Schock,  Schrein,  -Schwäche,  -Schwäre,  Schwund, 
■sehr,  -Seite,  -Seufzen,  -siech,  -Siechtag,  -Spann, 
-Stammeln,  -Stechen,  -Steffen,  Stein,  -Stich, 
■Stoss,  -Strang,  -Sucht,  -Vbel,  ■  Verstricken, 
■  Wasser,  ■  Weh,  Wthtag,  •  Werkstätten,  -Wunde, 

Wurm,  Zittern,  -Zwang. 

hesch  s.  heiser. 

He  sehen  (Hesch,  Hösch,  m.  He  sc  he.  Hat  sc  h, 
Heschge  ,  he  sengen,  heschzen,  het  sehen, 
Heschitzer,  Hosehetzer  Haecker,  Heiss  , 
hi.se hen,  hicken,  hichzen  hitzgen.  hixen !, 
gesehen,  gischen  G  hätsch,  G  hotsch,  Jest 
■.  d.)  (ahd.  besket  sa  slngultus,  Graff  IV,  1062;  mbd. 
gesehen,  gischen,  Gr.  W.  IV,  2.  1267,  hischen,  hesch. 
Gr.  W.  IV,  2.  1266.  erblichen,  I-exer;  12.-14.  Jahr),. 
Mische,  m.  =  Schluchzen,  Hoffm  I.  51.  376;  1445 
beschiu  -  singnltus,  Schmeller  I,  1184;  1483  ht.sche 

—  slngultus,  t\  v.  Megbg  ;  1182  hesche  —  slngultus, 
Zening.  Voc.  06;  1507  hosch  =  slngultus,  Hort,  san.; 
1529  hotsch  =  slngultus,  zittern  des  magens,  Paneels, ; 
1533  hescta,  Fries  104.  100,  Ur.  W.  IV.  2.  1261,,  1561  hixen 
ss  «ingultus,  Gr.  W.  IV.  2.  1  >86;  1569  hcsehcn  =  sin- 
giiltus.  Gr.  W.  V.  1260,  1584  heschen,  hesebitz  —  sin- 
rultus,  Winrong ;  15*8  heische ,  hetsch ,  heschgen 
(Tabern  );  1591  hixen,  hatsch  =  singultus,  Ha«l.  Jun. 
378;  1609  heischen  s  slngultus,  Guar.  888;  Bayern : 


HeUichcn,  netschcr,  heschen,  bischen;  Franken: 
Hatscher;  Pfalz  Hetsch;  Schwaben:  Hesch,  Hoseh, 
G*h<>tsch,  Hacker,  h lechzen,  hischen  ;  Tirol:  beschgen. 
besehen,  heschzen;  Schweiz:  Hitzgen,  Gr.  W.  IV,  2. 
1266.  1267;  V,  438,  C.  v.  Schm.  275.  277.  322;  Schm.  I, 
1184,  flaml.  hick ,  franz.  höhnet;  engl,  hicket.  beckup. 
Brias.  167)  =  lautmalende  Bezeichnungen  ftlr: 
Singultus.  Man  stellte  sich  früher  (1532)  vor.  dass 
der  Hescher  eine  unnatürliche  Bewegung,  ein  Krampf 
des  Magens  sei.  wie  der  Husten  ..eine  Beweglichkeit 
der  Lungen"  ist  (Fries  104.  109);  1569  eine  heftige, 
damonistisch  aufgefaßte ,  daher  durch  Besprechung 
behandelte  Bewegung  oder  ,, Anfhohrung  de»  Magens" 
(ufborung.  Gr.  W.  V,  1260).  Das  Wort  selbst  Ist  ein 
Typus  der  Tonmalerei  in  8prochlauten  der  dialektisch 
verschiedenen  Zungen,  die  ungefähr  den  Schluchzlaut 
nachahmen  wollen,  die  formlich  sehr  weit  von  einander 
I  abstehen ,  aber  begrifflich  alle  diese  Gemeinsamkeit 
dos  Naturlautes  haben  (vergl.  Kluxer,  Keller- 
geschoss,  Schnackler,  Hick,  Marbriegen). 

Hesse,  f.  Hesen,  Hessen,  pl.  s.  Hachse 
(Falke  II.  41*).  —  ÄruA-hessig  s.  llechse  (Hachse) 
n.  Hacken. 

Hessen.  —  blinde  Hessen  =  eine  Bezeich- 
nung des  von  den  Weifen  sich  ableitenden 
Volkes  der  Hessen,  die  wie  die  jungen  Hunde 
(Wolfe)  dann  auch  blind  auf  die  Welt  kommen 
sollten,  blinde  Weife  =  blinde  Hunde  (Mehr.  21; 
II.  Paul  217).  —  hessische  Kranklwit,  Seuche. 

HetSCh  s.  Hesch. 

Heu,  n.  (zu  hauen  sa  zu  bauende*  Gras,  Kluge  *, 
166).  —  Heu  Asthma,  -Bauch,  Fieber,  -Geigen, 
-schlechtig. 

Heuel,  m.  s.  Holle. 

•heuer  (indogerm.  keqro;  ahd.  -hiuri  [stnik],  un- 
hiurl  —  grausig,  schrecklich,  ungihiuri  —  unheimlich, 
!  schrecklich.  Kluge  *,  3h6.  131)    —  (1609)  Ungeheuer 
tun  Iure  —  eigentlich  schrecklicher  Berggeist  aus  dem 
Walde).   1.  =  Menses  (Guar.  934).   —   2.  -  (rahd. 
!  ungihiuri,  1394  ungeheurin ;  1420  eyn  ungehuecr  = 
tamln,    D.    II,   227;   Schweiz   unghür)  ■  der  Alp 
(Incubus)   (l>.  293;   Hoffm.  I,   358;    «orresp.-Bl.  f. 
Anthrop.  1»S6,  s.  10.5),  auch  Nachzehrer  (s.  d.), 
der  Krankheiten    bringen  oder   den  men- 
struierenden Woibern  arg  mitspielen  sollte. 
—  8.  =  Rotlauf  als  Wildnis  oder  wildes  Tier 
(s.  d.)  (Alpdrache.   Lalstner  II,  278;   Riesen-Geb ; 
Reinsb.  22).   —  4.  sa  Kinder-Kuteln ,  Masern, 
Schafblattern  (if.99;  v.  M.  II,  im 
heujänen  =  hochaufgähnen  (Fromm,  vi,  212). 
heulen  =  das  Darmgeriiusch  bei  der  Pferde- 
kolik fit.  A.  375). 

heimisch  Uunsoh. 

Heupt,  D.   (15*1  das  heupt,  Tiihernacm.  76  c)  = 
das  Haupt  (s.  d  ). 
heute.      heutiger  Mann  (heute  =  hin  meu 

=  an  diesem  Tage,  11.  Faul  217). 

Hexe,  f.  Hechse,  Hex,  m.  ahd.  bagamuuo  = 

Haagweib,  Waldwalb,  Weigand  I.  SM;  Kltigu*.  167; 
anels.  haegtesse ;  mnd.  hagftisse,  <;olth.  116;  13.  bis 
14.  Jahrb.  hegeclsse,  Gr.  W.  IV,  2  1299;  mbd.  h.  c«e  - 
»triga.  strix.  furia  ;  engl.  hag.  Das  Wort  „Hexe"  drnng 
[nach  Golth.  116]  erst  im  Gefolge  der  Hexenprozessc  im 


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282  Hexe. 

10.  u.  17.  Jabrh.  weiter  ins  Volk ;  vorher  war  rnholdin  I 
[*.  d.]  vorherrschend),  I.  =  Hageweib  (Haeggele) 
weiblicher  Dätnon  aus  dem  Walde,  feindselige 
Waldfrau,  die  in  der  Hexennacht  ausfahrt  (s.  d.). 
Wie  olle  Krankhcltsdaraoneu  aus  dein  Walde,  dir  t'm- 
hcgung  der  Sippcnslcdclung.  stammen  und  die  vou 
denselben  ins  Haus  gebrachten  Krankheiten  wieder 
daliin  zurück  gebannt  werden,  so  steht  auch  die  Hexe, 
die  rnholdln  au«  dem  Walde,  zu  den  Krankheiten  in 
inniger  Beziehung.  Die  Erklärung  dieser  Stellung  wird 
in  zweifacher  Weise  versucht.  K.  Eckstein  'in  Wetter- 
manns Monatsh.  1894.  Apr.  114)  und  A.  nehmen  an 
(eonf.  schott,  haxa  —  Oberpriesterin).  das«  das  Wnld- 
welb  eigentlich  nur  die  in  der  Umgebung  des  germa- 
nischen HelllgtuniB  als  zaubcrkiiudigc,  giftinisehctido 
Priesterlti  lebende  Hexe  gewesen  sei,  die  dann  später 
nls  Christusfelndllchc  Erinnerung  aus  dem  Hei<leutum 
mit  dem  Satan  in  Verbindung  gebracht  wurde  und  ,,als 
Hofgesinde  des  Teufels"  mit  diesem  sich  in  das  Kult- 
Inventar,  aus  der  heidnisch-dämonischen  Zeit  iilier- 
nommen,  teilte,  »o  dass  der  Teufel  selbst  zum  „Hex- 
erich"  (Trudercr)  wurde.  Andere  hinwieder  halten, 
und  wohl  mit  Recht,  die  Hexe  für  einen  schon  primär 
germanisch-heidnischen,  weiblichen  t'nholden-Dttmou 
(Lipp.  S69.  571;  Oolth.  IMS.;  Weiler):  „Aul  gemein- 
samer Grundlage,  auf  dem  Maren-  und  Seelenglanl.cn 
erwachsen,  müssen  Hexcngeschiehten  überall  (auf  röm- 
ischen wie  germanischen  Boden)  ähnliche  Zuge  auf- 
weisen" (Golth.  118),  u.  wie  alle  germanischen  Dämonen, 
so  galten  auch  die  Hexen  als  besonders  schädlgcnde 
Weseii,  deren  „Werk"  (s.  Hexenwerk)  bestand  in:  1.= 
Herbeiführung  von  plötzlichen  uner- 
klärbaren, durch  übernatürliche  Kräfte, 
Zauberei  („Hexerei")  hervorgerufenen 
Krankheitserscheinungen  bei  Menschen 
und  Tieren,  z.  B.  Hysterie  u.  Lähmung.  —  2.= 
derTruden-od.  Alpdruck  (s.d.)  (Meyer  177;  Wund. 
B.  376;  Golth.  654;  Kohler  V.-Ul.  421),  s.  Hexendrurk. 

—  3.  =  diezopfformigeVerfilzung  von  Haaren  hei 
Menschen  und  Tieren  (Zipp.  as)  (Hechsenzopf). 

—  4.  =  das  Blutsaugen  (s.  d.).  —  5.  —  das  Ver- 
zehren von  Menschenfleisch  und  Kinderherzen 
(s.  Zehren)  (Da  Cange  VII,  ein.  Ol  t ;  Lex  sallc.  Capttul. 
Carol  Magn. .  Bleitor).  —  ü.  -  die  Behexung,  Krank 
wachung  der  Menschen  durch  den  bösen  Blick 
(böses  Auge,  Gluderauge,  Hexenauge).  —  l.~ 
das  Ausblasen  des  Augenlichtes  (plötzliches  Kr- 
blinden).  —  8  =  sie  senden  den  Menschen  Stiche 
(s.  Schüsse),  mittels  „gellender Speere"  (gyllende 
guras,  Golth.  630;  Mannh.  Cö  ;  Baader  69 ;  Birllnger  I, 

136. 137.  H3)  und  verwanden  [Laistua  ii,  420).  — 

9.  —  sie  machen  Hexenmilch  (s.  d.)  (Meyer  175) 
Hexenhutteretc,  melken  die  Kühe  aus,  machen 
sie  unfruchtbar  und  ihre  Milch  versiegen.  — 

10.  aa  sie  plagen  die  Menschen  als  Succuba 
oder  Incuba  im  Traume  und  erzeugen  Hexen- 
eier, Mondkalber.  Sie  gleichen  demnach  in 
ihrer  Thätigkeit  vollkommen  dem  (indogerm.) 
Alp  (s.  d);  nach  dem  Volksglanben  verwandeln 
sich  die  100  Jahre  alten  Hexen  in  schwarze  glüh- 
augige  Katzen,  ihre  Kinder  sind  Kätzchen  (catuli 
lamlae)  und  die  elektrischen  Funken  der  Katzen 
haare  helssen  engl,  hag  -  Hexe  (Kaltscbm.  I,  887; 
Schräder);  sie  verwandeln  hieb  aber  auch,  wie  die 
anderen  Krankheit«  -  Dämonen  in  Nachtschwalben. 
Schmetterlinge,  Habergeiis,  Ziegenmelker,  Kröten  (s.  d.) 


Hexen— Hieb. 

Eideohsen  etc.  (Abergl.  113;  Stubenvoll  96 ,  Gr.  W.  I, 
1341;  IV,  2.  1299;  Gr.  D.  IL  I,  187;  II,  1042;  F.  Dahn 
Baust.  I,  209;  Schindler  I,  1068.  1387;  H.  Z.  IX,  542, 
Anm.  65;  Z.  d.  V.  L  V.-K.  1895;  Golth.  120;  Riezler; 
Alpenbg  256.  259.  260;  Buck  35;  Wuttke  163;  Schw. 
419;  Zingcrle  33;  Laistner  □,  188.  251.  318).  — 
H.  Unter  dem  Einflüsse  der  christlichen 
„Hypertrophie des  Dogmatismus" (Stedar)  wurde 
als  Hexe  auch  nach  dem  allgemeinen  Volks- 
glauben  jede  weibliche  (erst  sehr  spät  und 
sehr  selten  auch  männliche)  Pereon  (auch 
Frauen  von  Juden  s.  d.)  angesehen,  welche 
im  Verdachte  stand,  mittels  eines  Bundes  mit 
dem  Teufel  (s.  d.)  übernatürliche,  d.  h.  Zauber- 
kräfte zu  besitzen,  die  sie  immer  nur  in  einer 
schädigenden  Weise  gegen  Mensch  und  Tier 
ausübe.  Diese  die  Geister  (s.  d.)  beherrschende  Gewalt 
oder  Zauberkunst  (Hexerei)  musste  erlernt  und  er- 
worben und  geprüft  sein;  daher  es  auch  1683  experi- 
mentierte, in  Ihrer  Kunst  approbierte  Hexen  gab.  Als 
solche  Wesen  stellte  man  sich  vom  Teufel  „ge- 
zeichnete" (s.  d.),  meist  versch rümpfte,  alte, 
zahnluckige,  halbblinde,  triefäugige,  z.  T.  bär- 
tige, blutarme,  kahlköpfige,  hinkende  od.  daher- 
schlurfende  Weiber  mit  zusammengewachsenen 
Augenbrauen  (s.  Ratzel  u.  Schrattel)  vor  (Vergl. 
Itiezler;  Brinzing,  Apokalyptischer Leuchter311 ;  Köhler 
V.-Gl.  420 ;  Wund.  B.  72).  —  Hex,  m.  =  männliche 
Hexe  (Laistner  Ii,  188).  —  hexenWf  =  Hexen- 
zeichen (s.  d.)  an  sich  tragend,  nach  Hexenart 
gezeichnet  (Klezler).  —  (1699)  angehext  =  mittels 
Hexenkunst  angezaubert  (v.  IL  EL.  Anh.  28).  — 
Bock  Hexe  =  die  nach  dem  Volksglauben  auf 
einem  Bocke  (Gabel,  Stock)  reitende  Nachttnar 
(s.  d.,  Walriderske),  welche  Alpdruck  (s.  d.  u. 
S.  12)  macht  (Wuttke  255).  —  M  1:  ixe  =  die 
in  der  Gestalt  eines  Nachtfalters  (Ziegenmel- 
kers) die  Milch  ausmelkende,  d.  h.  zum  Ver- 
siegen bringende  oder  Hexenmilch  (s.  d.)  mach- 
ende, weihliche  Dämonin  (Martlny).  —  Nacht- 
Hexe  (engl,  nighthag)  =  weiblicher  Nachttnar. 
—  Sehn ><mc/-Hexe  =  Milchhexe  (Schwand  =  Mileh- 
sahne).  —  Spänn-Hex,  t.  =  goldene  Ader, 
Hämorrhoiden  (ndl.  spönen  -  Hämorrhoiden),  beim 
Mastdarmtripper,  wobei  milchähnl.  Schleim- 
hautsekret  auslauft  (s.  laufende  Spenen),  wie 
wenn  „Hexenmilch"  im  After  sich  erzeugt  hätte 
(S.  Goldader)  Birlinger  Volkst.  I,  96;  Schindler  I, 
1047).  —  2.  =  Milchhexe,  f.  Hexengespänn.  — 
TV-ut/rn-Hex -  Alpdruck  machende  Hexe  oder 
Trade  (Aipbg.  ^oj.  —  m-hext,  1.  =  durch 
Hexerei  hysterisch  (Pauli  62),  „der  hats  die 
Hexe  angethan"  (s.  d.).  —  2.  -  durch  Zauber- 
gift verändert  (Boehh.  II,  119).  —  Hexen-.<lt<.;', 
-Drtuk,  Gespanne,  Gespinst,  -Qewerk,  -Läuse, 
-Milch,  -Schutt,  -Schweigen,  -Stich,  Zeichen, 
•Zopf. 

Hexen,  f.  s.  Hachse  (Hehse). 
hichen  =  kichen,   keuchen  (nieders.,  Krau», 
E.  137). 

hichzen  s.  besehen. 

hickeln  —  hinken  (Hchm.  I,  1050.  1133). 

Hick,  lacken  -  Heschen  (S  i  n  g  u  1 1. ) (Do Cook  170) 

Hieb,  in.  (17.  Jabrh.  Neuschöpfnng  aus  hauen),  l.m 
Hiebwunde,  Hiebspur  (Gr.  W.  IV,  2.  1307).  — 


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Hicle  — hinken. 


hinlich — Hippokrates. 


233 


2.  =  eine  fehlerhafte  Vertiefung  an  der  Achsel 
zwischen  dem  Kamme  and  dem  Anfange  des 
Widerristes  beim  Pferde,  die  wie  mit  dem  Beile 
gehackt,  ausgehauen  erscheint  (Gr.  w.  i.  cod.; 
Falke  I.  95.  218)  (gehackter  HalB).  —  3.  (bildlich) 
=  Rausch,  Schwips  (H.  Paul  217)  (Stich  6).  — 

(5uÄi>  )Hieb = Hieb  2- -m**-sp«r>  - 

Hiele,  (angl.  höh,  helft,  hoehllo;  nord.  haoll;  ndl. 
hiel;  engl,  heel,  heeled,  narrow  heeled  =  engen  Huf 
habend,  zwanghuftg,  Kaltschm.  I ;  Kluge  1  1 19)  ■  Ferse, 
Hacke.  —  Fuss  Hiel  (15.  Jahrb.  *ubtel  =  »ubtalu*, 
i>.  644)  =  Fusshacke.  —  (iöm)  Kak  Hielen  = 
Frostbeulen  an  der  Ferse  oder  Fusshiel  (s.  d.) 
(De  cock  soi). 

hiemen.hienen,  1.  =  weinen,  hündisch  heulen 
(Schneller  I.  1120)  (s.  Heinrich).  —  2.  =  wiehern 
(ndl.  paarden-gchlnnlk,  De  Cook,  Folklore).  —  3.  = 
mit  dem  eigentümlichen  biem-Ton  atmen,  von 
Pferden  dieden  Pfeiferdampf  haben  (Falko  Ii,  194), 


Hilderer  =  Höhler. 

HÜ  sehe,  m.  =  Heschen  (s.  d.). 

Himmel,  in.  (nltgorm.  ham  —  bedecken,  verhüllen 
(Hemd];  gcm.-germ.  himana,  hiinlna,  hemeno  =  Decke, 
das  alle«  Überdeckende,  Himmel,  Heimstätte  derootter, 
(Wtcrheim ;  goth.  himin«  =  Decke ;  ahd.  himll.  hlml- 
llzxi;  mhd.  hlmel,  himelxc,  Kluge5,  187 ff. ;  14.  Jahrh  ., 
ndl.  himelte,  D.  406;  mnd.  hemeltc  =  Zimmerdecke  und 
liaumen,  Schüler-Lübbcn  II,  2S7 b;  ndl.  bemelen, 
V.  K.  IV,  15  =  agonisare  sterben;  gchemelte  = 
Gaumen,  Pierer7  ;  altbarer.  himmel  —  Krde-  u.  Zimmer- 
decke) =  Qaumenge wölbe  (Palatum).  —  bim- 
meln =  sterbend  (Agonie)  gegen  die  Zimmer- 
decke schauen  (ndd.  hemmein ,  Fromm  VI,  260). 
—  himmlizen  -  öfters  zur  Zimmerdecke  starr 
schauen  (beim  Hydrocephalus  acutus  infan- 
tum %.  B.)  (ahd.  himmüixzi,  Or.  W.  IV,  2  1371; 
8chw.  289).  —  der  gestirnte  Himmel  ■  An- 
gina follicularis,  weil  die  weissen  Punkte  der 
Lacunen-Pfröpfe  auf  dem  roten  Schleimhaut- 
grunde  der  Mandeln  wie  die  Sterne  auf  dem 
dunkeln  Himmelsgewölbe  sich  ausnehmen.  — 

Mund  |  ^^^g1]161  !1592)  j  (übersetz,  des  Coelum 

ort«  der  Arabluten)  =  der  gewölbte,  harte  Gautuen 
als  vorderes  Mundgewölbe  (Sei».  176;  nyrtl,  K.  w. 
116;  nranoi  Hippokratt*).  —  rerbimlizt  sein  =  ge- 
storben sein  (s.  himmeln)  (Schmeiier  i,  1112).  — 
For-Himmel  (alttachs.  vorbomclte  van  dem  munde  ; 
1507  verhemelt  van  dem  uionde,  D.  106)  —  PalatUlt), 
Mundbimmel  (s.  Bühne). 

himpern,Mmpezen(himpelzen.himpfelzen; 

=  gleichsam  humpelnd,  hinkend,  abgebrochen 
weinen,  stossweise  Bchluchzen,  Singultus  (8chm. 

1113). 

Himsche,  f.  s.  Hünnsch. 

hin-  (die  Zusammensetzungen  mit  dieser  Vorsilbe 
«iehe  beim  betreffenden  folgenden  Stammworte). 

hinern    weinen,  hienen  (Schm.  I,  1121). 

hinken  (Mckeln)  (indogerm.  kheng  ;  germ  hink; 
ahd.  blnkan,  binchan  =  elaudlcare,  mhd.  hinken, 
Klug«*.  188  =  claudicare,  Graft  IV.  962  ;  1182  hinkender 


■  varua,  Gr.  w.  v,  2443),  1.  =  lahm  gehen,  kramp 
sein.  —  2.  =  stottern,  mit  der  Zunge  stockend, 
happernd  sprechen  (Thüringen;  Gr.  W.  IV,  2. 1444). 

—  Hinke,  f.  =  die  Klauenseuche  der  Schafe, 
weil  diese  bei  derselben  zuerst  zu  hinken  an- 
fangen. —  lh-rck  Hinke  e.  Moderhinke.  —  (1826) 
französische  Hinke  =  Krüme,  eine  bösartige 
Klauenseuche  (bei  Schafen)  (Falke  I,  w.;  IT,  32»), 
durch  spanische  Merinoschafe  1826  aus  Frank- 
reich eingeschleppt.  —  (1807)  freiwilliges  Hinken 
=  das  ohne  nachweisbare  äussere  Ursache 
durch  blosses,  funktionelles  Unvermögen  ver- 
anlasste Labmgehen  (Krau«,  E.  273;  Helm  70;  engl. 
Hip-Joint),  meist  beginnende  Coxarthrokace. 

—  ^räfscA -hinken  =  ein  graitisch  (grätsch) 
gekrümmtes  Bein  haben,  bo  hinken,  dass  ein 
Bein  in  der  (irätsch-Stellnng  ist  :  |<  oder  j) 
(s.  grätsch).  —  f/oMr-Hinker  (angli.  hcllehinca, 
Kluge*,  168)  =  Teufel  (s.  d.).  —  Moder- Hinke 
=  eine  sehr  häufige,  aber  nicht  bösartige,  durch 
unreine,  modernde  Ställe  verursachte  Klauen- 
seuche der  Schafe.  —  sehr  hinkend  (16.  Jahrh 

claudlcusquicito  vclsacpc  Claudicat,  D.126)  —  schmerz  - 
baft,  lahm  gehend  durch  Versehrung  (s.  sehrung- 
erstorben).  —  apanische  Hinke  =  französische 
Hinke  (Falke  II,  323;  eine  vermutlich  von  den 
menschlichen  Franzosen  [s.  Ijlhmc]  In  die  Veterinär- 
medizin übertragene  Bezeichnung).  —  Hinke-  (hin- 
kend er,  es)  -Bein,  -Bürzel,  -Bote,  -Fuss,  -gehen, 
-Pink,  -  Weh. 

hinlich  s.  Hund. 

hinnern  (1445.  Schmellcr  I,  1118)  -  wiehern  wie 
ein  Füllen  (s.  iieiss  2). 

Hinsch  s.  Hünnsch. 

hinsken  =  weinen,  heulen  wie  ein  Hund 
(Schmeiier  I,  1121). 

hinter,  Hintere,  m.  (ahd.  hlntaro,  daz  hinderora; 
mhd  hiuder  —  posterior.  Kluge*,  16«;  Schmellcr  1, 
1138;  1529  hyndera,  Brunf.).  —  Der  Hintere  (1783) 
Hinterste  =  Posteriora,  der  äussere  Teil  des 
Podex  incl.  Fut  (Liebrecht  z.  Volksk.  Mi;  in  Tirol 
gilt  ,,der  Hintere"  als  ein  vornehme»  Wort  und  wird 
dort  seltener  gebraucht,  Balthasar  (s.  d  );  Hintner7.  17; 
i'latner  li,  184).  —  hinter  für  =  geisteskrank,  bei 
dem  das  Hintete  nach  vorne  gedreht,  d.  h.  ver- 
kehrt, verrückt  ist  (Buck  13;  Reiser  206).  —  hinten 
sein  =  in  der  rückwärtigen  Kreisstatt  (s.  d.),  in 
dem  Wochenbette  liegen  (Schm.  I,  ii36)(s.  (unter- 
kommen). —  (1688)  der  schicärende  Hintere  - 
Anus  exulcerauB  (Gr.  w.  IV.  2.  1497)  (das  Feig, 
8  d.,  Kipparscb).  —  Hinter-  hinter  [e,  er,  es]) 
-Angel,  -Arm,  -Backen,  -Bein,  -Bug,  -Darm, 
-Fenster,  -Fuss,  -  Qewölbe,-Hand,  -Haupt,  Hüfte, 
-Knie,  -Knollen,  -Knopf,  -kommen,  -Maul, 
-Mausen,  -Patzen,  -Quartier,  -Rücken,  -Scham, 
-Schrunden,  -sinnen,  -  Teil ,  •  Thürlein,  -wärt*, 

—  Warzen,  -  Wust,  -Zahne. 

Hippe,  f.  hippig  s.  Happe. 
Hippel  h.  Höppel. 

Hippokrates  (gebor.  160  v.  dir.  auf  der  JonWchcu 
Insel  Kos,  ,,der  Gcburt*>*liltU)  «1er  heutlgeu  Well- 
inedizln",  nls  Sohn  eines  Asklepladcn  und  einer  Heb 

antat ,  Baas  37.  61).  —  hippokratisches  Antlitz, 
-Gesteht. 


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284  Hir— Hirn. 

Hir,  f.  (plnr?),  m.  (ein  ausgestorbenes  Wort:  goth. 
hauri  =  Ignls  [brennender  Schwcrtscbrnerz?] ;  I  I.  Jahrh. 
hier  =  dolor,  Schmeller  I.  1155,  aus  dem  Nachfolgendes 
entnommen  Ist).  —  (10.  Jahrh.)  hirlich  =  vehemens 
(Notker).  —  (/ehiren  =  schmerzlich  machen  (Schm. 
I.e.).  —  grosses  Hir  (Gliederschmerz?)  =  grosses 
Weh.  —  (mhd.)  Haupt -Hir  (houbethlr,  I^xer  106; 
1638  die  haubthlrcn,  Schmeller  I,  1156)  rt  Cephalea, 
Kopfweh  (s.  d.).  —  OÄrcn-Hir^Otalgia,  Ohren- 
weh (der  hir  di  r  oren).  —  Schaden-Bil  =  Dolor 
vulneris  inflammati,  ulcerum  (der  hir  zu  den 
schaeden).'—  Schläfe-IIii  =  Schläfe-Schmerz  (die 
schlaffendt  hir  an  dem  schlaffe,  Schmeller  I,  1156). 

—  schlagender  Hir  («Iahender  hir)  -  klopfender 
Schmerz. 

bircheln  (hörcheln,  hürgeln  ,  hirchezen, 
hinten,  Hirxer,  Hirge)  =  rollend  rasselnde, 
gurrende,  röchelnde  Geräusche  (Rhonchi)  aus 
dem  Halse  oder  Bauche  hören  lassen  (A.  v.  II. 
I,  1180;  lautnachahmendes  Wort  [wie  hetschen  und 
röcheln]  Buck  19;  Gr.  W.  IV,  2.  1802);  a)  =  Oedema 
pulmonum,  SchleimraBsoln  (C.  v.  Schm.  280;  Schm. 
I,  1159;  Lammen  129);  b)  =  da«  anstrengende 
Hüsteln,  wobei  der  beengende,  nicht  ausge- 
worfene Schleim  noch  röchelnd  gehört  wird  = 
hinten  (Herzgesperr)  (Buck  19;  Gr.  W.  IV,  2.  1246); 
c)  =  der  dabei  ausgeworfene  Schleim  (Sputum), 
Hirxer  (Buck  19);  d)  =  die  geschwollenen  Hals- 
drüsen (Beulen),  die  solches  Schleimrasseln  im 
Halse  veranlassen  (Hürgc)  (c.  v.  Schm.  293).  — 
(1588)  hörcheln  (Taberu.;  Gr.  W.  IV,  2.  1802.  1246) 
=  röcheln  (Herzgesperr).  —  der  IToffn-Hirchel 
■  die  letzten  röchelnden  Atemzüge  des  Ster- 
benden (c.  v.  Schm.  280)  ^  Oedema  pulmonum. 

Hirn,  n.  (gem.-lndogenn.  ker.  kons  -  Kopf  [cero- 
brum  aiiH  ceresruin],  XSpac  [Horn];  altgenn.  herzn, 
hersn-  [s.  HerHc];  Roth,  hvulrnel,  f.,  hnirtil,  nhd.  hirni, 
hlrne,  hiren,  herne,  Kluge b,  lf.H;  11.  Jahrb.  hirni  — 
cerebrnm,  II.  Z.  XVI,  69;  GraiT  IV,  103r.;  mhd.  hirne; 
1531  das  hyren,  Kraut».;  nltnord.  hjarne,  dftn.  hjnema; 
schwed  hjerna,  l'lcrcrT;  mittclerigl.  bernes;  cnRl.  barns 
=  Ulm,  Kaluchni.  I),  l.  -  der  obere  gewölbte  Teil 
(Hirnschale)  des  Kopfes  (fir.  W.  IV,  2.  1665)  ~ 
Fron»,  Fren,  Stirnteil  (Bayern.  Tirol),  Hirnschädel, 
wo  beim  Schlacht-  u.  Opfertiere  da«  Gehörn  sitzt 
(das  Hirschkhurn  =  Hirschhorn).  —  man  fallt  auch 
aufs  Hirn  (Stirn)  (Miltner  5.  12)  -  ist  dumm,  ver- 
wirrt, wie  ein  durch  Sturz  Betüubter.  —  2.  = 
a)  die  Gehirnmasse  uls  .Mark  dcB  Kopfes  (Me- 
dulla  capitis),  die  früher  als  eine  Schleim  be- 
reitende Drüse  angesehene  weisse  und  graue 
Substanz  innerhalb  b)  der  Hirnhäute  (15.  Jahrb. 
hirn  -tenuissimn  pellis  eerebri,  I).  240)  und  des  Schä- 
dels (Üerebruni,  Cerebellum,  Medulla  oblong  ); 
(1661  hirnclin,  byrnelein  =  cerebellum  [Kleinhirn], 
Gr.  W.  IV,  2.  1061;  Hyrtl,  K.  W.  82).  —  3.  —  der  Sitz 
der  Denkkraft,  die  beim  Fall  auf  die  Stirne 
(Hirn)  naehlässt  oder  schwindet,  „aufs  Hirn 
gefallen  sein"  —  4.  =  obere,  rundliche  Teile 
von  Gegenständen  od.  Organen.  —  bimig  (1495 

capltosus,  i>.  y7)  =  grossgrintig,  einen  Dick- 
schädel habend,  ein  krankes  Gehirn  habend. 

—  hir  neu  =■  nachdenken  (Schmeller  1,  H63),  mit 
dem  Gehirne  thätig  sein.  —  aus-  (♦  r-)hirncn 
(ahd.  arhirnjau  =  excerebrare,  Graf!  IV,  WM)  -  das 


Hirn. 

Gehirn  aus  dem  Schädel  nehmen.  —  (15.  Jahrh.) 
i4u»«cr-Hirn  =  Dura  mater,  äussere  Hirnhaut 
(D.  192).  —  blbd(es)  Hirn  (-hirni«/)  =  Schnupfen, 
der  auf  der  Stirne  KmpÜndungen  macht  und 
als  Schleim-Abfluss  aus  dem  Hirne  (Stirne)  an- 
genommen wurde  (hebe»)  (Gr.  w.  II,  Hl).  —  (1512) 
fco8-hirnig  =  cerebroBUS,  toll  durch  bösen  Hirn- 
wuest  (s.  d.)  (n.  in).  —  eigen-  (rin-)  hirnig  (1495 
eygenhürnlg,  cinhiernig  =  astrosus  —  lnnaticus,  I>.  56 ; 
Schmeller  I,  1163)  =  eigensinnig  wie  ein  Gehirn- 
kranker (Mondsüchtiger,  Rasender),  den  man 
von  den  Gestirnen  beeinflusst  früher  annabin. 

—  fliessendes  Hirn  =  Naaenkatarrh  (als  AbÖuss 
aus  dem  Gehirne  früher  angenommen),  Hirn- 
nii88,  Coryza,  rhume  de  cerveau.  —  (16.  Jahrh.) 
Gehirn  =  die  Gehirnmasse,  Medulla  capitis 
(Hyrtl,  K.  W.  82),  die  „drüsige"  Gehirnsubetanz 
Malpighi's,  die  die  NervengeiBter  absondern 
sollte  in  die  Nervenröhren.  —  (1668)  gesunkenes 
Hirn  -  das  Verlieren  des  Verstandes  (Beyn.  88) 
durch  Hirnschwund.  —  //.  .  Hirn  =  ein  nicht 
vollständig  geistig  normaler  oder  schwach  be- 
anlagter  Mensch  (Blrlingcr,  Volkst.  I,  460).  —  (leos) 
Ams-hirni«/  =  hitzig  im  Haupte  (Gr.  w.  IV,  2.  9is). 

—  (15.  Jahrh.)  innw-Hirn  -  Pia  mater,  inneres 
Hirnfell  (D.  432).  —  (l&ui)  kaltes  schtoaches  Hirn 
=  ein  durch  den  kalten  Hauplfluss  (Coryza  ■ 
weisser  Nasenschleim)  geschwächtes  Gehirn 
(h.  weises  Hirn),  schwache  Kopfnerven  bei  Kopf- 
und  Nasengebresten  (Tabern.  37  c,  53  D).  —  (1590) 
katzen-hxrnig  =  toll,  närrisch,  schwindelig  (von 
Pferden),  wie  ein  Mensch,  der  Katzenhirn  (Hirn 
vom  heiligen  Tiere  der  Liebesgöttin  Freya)  ge- 
gessen hat,  was  nach  altem  Aberglauben  toll, 
namentlich  liebestoll,  veigiftet  und  gedächtnis- 
schwach machen  soll  (Katzenkrankheit,  s.  d.) 
(Gr.  W.  V,  2%;  Schräder  170.  175;  Blrlingcr,  Sitten  I. 
416).  —  Xaih-Hini  =  Kleinhirn,  weil  es  bei  den 
Tieren  hinter  dem  grossen  Hirn  liegt  (Hyrtl, 
K.  W.  82)  (Cerebellum;.  --  (1577)  8rAr<7-hirni.'/  ■ 
durch  Krankheit  Behellig  (s.  d.),  hirnrasend, 
auch  =  Bchiefhirnig  (schelch),  unsinnig,  ver- 
rückt iv.t.  w.  III,  1215;  vm,  2501)  (8.  hirnschellig). 

—  (1681)  sc/itriwiW-hÜrig  (hirnig)  =  vom  Gehiin 
aus  schwindelig  (Brinslng  lll).  —  fähiges  Hirn  = 
betäubt  im  Hirn,  dumm  (Schm  1,  579).  —  tippel- 
hirnry  a  blödsinnig  (t:.  r.  Schm.  125)  (tölpelhirnig). 

—  tolpe /-hirni?  =  vom  Drehwurm  (s.d.)  behaftet, 
verrückt,  dumm  wie  ein  Tölpel  (s.  d.);  (1789  ist 
das  Tölpelbohren  [—  diu  KröfTming  der  Srhadelkapsel 
durch  Bohren,  um  den  l>rehwunn  Im  Gehirne  aufzu- 
suchen] eine  besondere  Kunst  der  Vieh-Hirten,  Leg. 
f.  d.  gem.  Mann  209,  couf.  Kselbobren  bei  Schräder 
S.  74);  violleicht  sind  die  Kunde  von  prähistorischen 
trepanierten  Schädeln  auf  diese  Vorstellung  eines 
Wurmes  im  Gehirne  auch  beim  Menschen  zurückitn- 
fuhren.  —  thorichtes  Gehirn  ■  lymphaticus,  durch 
Wasserscheu  (Wassersucht,  Lymphe),  Hunds- 
tollheit erkranktes  Gehirn  (D.  330).  —  Unter- 
Hirn  =  Kleinhirn,  weil  es  beim  Menschen 
unterm  grossen  Hirn  Hegt  (Hyrtl,  K.  W.  82)  (Cere- 
bellum). —  »reiches  Hirn  =  die  weiche  Stelle  der 
Stirn  (Hirn  1),  Fontanella  der  Kinder  (A.  v.  H. 
1,  667)  (Blatt).  —  (1615)  weisses  Gehirn  =  kaltes, 
schleimiges  (s.  weiss)  Gehirn  -  Coryza,  Nasen- 
katarrh,  als  Abüuss  aus  dem  Gehirne  angenom- 


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Hirsch-Hitze. 


Hitze. 


men  (Coler,  H.  A.  105).  —  (16.  Jahrh.)  wölken  farbiges 
Hirn  —  graue  Hirnrinde  (Hyrtl,  K.  w.  166)  (Hirn- 
borke). —  wüste  Hirn=  Hirndruck  (vergl.Wüst). 

—  zerrüttetes  G.hirn  =  der  geistige  Zustand  des 
Wechselbalges  (s.  d.)  (bei  Luther:  zurütt  gehlrn), 
der  mit  einem  gewaltsam  erschotterten  Gehirne 
verglichen  wird  —  Blödsinn  (=  Kretinismus) 
(Gr.  W.  V,  680).  —  Zerf-Hirn  =  Glans  penis  (Hyrtl, 
K.  W.  170;  Schindler  II,  1152)  (Hirn  4;  s.  Zers).  — 

Qi hirn-  )         ■  ^ rtnut,  -Bauch,  -Becken,  -Bein, 

-Blatt,  -Blöde,  -Bolle,  -Borke,  -Brand  (u.*), 
-Bruch,  -Brüten,  -Dampf,  -Erweichung,  -Fell, 
-Fiber,  -Fieber,  -Firns,  -Fuge,  -Futteral,  -geil, 
-Geister,  -  Geschwür,  -Gespinst,  -Gewölbe,  -  Grube, 
•Häuslein,  -Häutlein,  -Haube,  -Haupt,  -Hödlein, 
-Hohle,  -Kammern,  -Kasten,  -Klotz,  -Kopf, 
-Kraft,  -Krampf,  -krank,  -Lähmung,  -Lappen, 
-Lauf,  -Leiden,  -los,  -Magen,  -Mark,  -Materie, 
-Nieren,  -Pfanne,  -I'oUen ,  -Putzer,  -Quese, 
-Rebe,  -rissig,  -rützig,  -Saft,  -Schädel,  -Schale, 
-Scheibe,  -Scheidung,  -Scheitel,  schellig,  -Schiel, 
-Schlag,  -Schwamm,  -schweinig,  -Schwindel, 
-Schtdnge,  -Schwund,  -Sengel,  -siech,  -Sinnigkeü, 
-Spiegel,  -Spreissen,  -Stall,  -Stein,  -Sucht, 
-täppig,  -Teil,  -Tobigkeit,  -toll,  -  Topf,  -Tütten, 

—  Typhus,  -unsinnig,  -  Verstopfung,  -  Wehe,  -  Win- 
dung, -  Wirbel,  ■  Wust,  ■  Wütigkeit,  -unmd,  -  Wurm. 

Hirsch,  m.  ( —  das  gehörnte  [männliche]  Jagdtier). 

—  hirschig,  1.  =  pfinnig  (beim  Rindvieh)  oder 
„hirsig",  wegen  der  kleinen  Finnenknötchen 
{=  Miliaria  oder  [1699]  Hirschbreinbltttterlein) 
(Hirlinger  II,  243;  r.  31.  D,  132).  —  2.  ~  an  der 
Hirschkrankheit  (s.d.)  leidend. — Hirsch- ßaucA, 
-Krankheit,  -Kugel,  -leibig,  -Rute,  -Schalen, 
-Stein. 

Hirse,  f.  (—  Milium,  xtY'/po-  Hlppokratl*.  Fuchs 
I,  321,  II,  173;  In  den  schwell.  Pfahlbauten  gefunden; 
ahd.  mllll  und  hlrsl,  hlrao.  Kluge*,  lt,9).  —  Hirse- 
Sucht,  -Korn,  -Krankheit,  -Pocke. 

hirxen  (Hinter) «.  hircheln. 
hirzig  s.  herzig. 

hisch,  hischgen  (hlcsgen,  ie*gen;  angln,  iesca  — 
Mngultu«,  I>.  537)  s.  hielschen.  —  Hischhcit  - 
Heiserkeit  (s.  d.).  —  (14.  Jahrh.j  erhischen  -  auf- 
Blossen,  schluchzen  (Hoflm.  I,  3Cf>). 

Hispel  s.  Haspel. 


»,  f.  Hitzen,  plur.  (ein  n  „hei*»"  selten- 

verwandtem  Wort;  gerin.  hft  i  halt  —  helss;  gotli.  hilja, 
hell«  =  Kleber;  ahd.  hei,  gehet,  htt/a,  hi/za  —  uredo, 
calor,  fervor,  eauina,  Graft  IV,  1073;  mhd.  hitzc,  hizze, 
Kluge',  163.  169;  12(10  hltze;  1482  hytzlgkelt  -  callditas, 
Zenlng.  Voc.  o6;D.2ll;  preua».  heet Klebe 
53;  engl,  beat  -  Ritzhlilschen,  KalUchui.  II, 
Zustand  des  Heissen,  namentlich  vun  lioher 
Körperwarme  bei  Krankheit  etc.;  1.  =  die  nn- 
törliche  Wärme  (Komplexion,  Hitze)  im  Innern 
des  Menschen ;  erhöhte  Lebens-Ausserung ;  lokal 
erhöhteaTemperatur-(Hitze-)Gefühl  (stechende 
oder  brennende  Wärme);  (12^.0  die  Wanne  und  die 
Hitze  [als  Komplexinn  de«  Mcnochen]  hat  dieser  von 
dem  Keuer,  dem  Natur- Kiemente  [2  deutsehe  Arzney- 
hücher.  Pfeiffer  20]).  —  2.  -  Krankheiten,  die  mit 
Hitze  (Fieber)  einhergehen,  Fieber  überhaupt. 


—  die  Hitz  (ahd.  hlzza)  =  hitzige  Krankheit,  Ty- 
phus, Kauma  Hippokratis,  akut  fieberhafte 
Krankheit  überhaupt,  Fieber  (Schweiz,  Bayern). 

—  3.  =  der  Brunstschleim  der  hitzigen  bluten 
(Gr.  W.  IV.  2.  15*3).  —  4.  =  fieberhafte  Hantaus 
schlüge.  —  hitzig  =  erhitzt  durch  innere  oder 
äussere  Warme,  heissmachend,  brünstig  (Gr.  w. 
IV,  2.  UM  sub  5;  Falke  I,  400),  eine  sehr  häufige 
Bezeichnung  bei  Krankheiten.  —  (1531)  Hitzig- 
keit =  brennende  Schmerzempfindung  (Krantw. 
xxxil).  -  (1744)  After-Bitze  =  Ardor  ani,  Ery- 
thema,  Intertrigo,  Hauthitze,  Böte  am  After 

■»  »-SÄ«-!811"*""1" 

Augen  oder  die  hitzige  Apnsteraen  In  den  Augen, 
Seb.  9:.),  1.  =  Psorophthahuus,  entzündl.  Binde- 
hautkatarrh mit  Ekzema  palpebrae,  das  ein 
starkes  Hitzegefühl  auf  der  Haut  veranlasst 
(Zw.  217).  —  2.  =  Augengeschwftr.  —  Blut-Hitze 
m  heisses  Blut  (engl,  blood  heat,  Lehf.  145).  —  (1177) 
böse  Hitze  (Ortolph;  1607;  H.  san.),  1.  =  Fieberhitze 
bei  schweren  Infektions-Krankheiten.  —  2.  = 
Urinverfärbung  b.  solchen  Krankheiten  (Ortolph). 
das  Symptom  für  die  Krankheit  genommen.  — 
eimeendige  Hitzen,  pl.  =  dio  äusserlich  mangels 
sichtbarer  Ursachen  vom  Laien  nicht  wahr- 
genommene, aber  doch  angenommene  Hitze 
innerer  Organe,  die  sich  durch  Durst,  trockene 
Zunge  etc.  bemerkbar  macht  (Bayern,  Pfalz)  (inn- 
hitziges Siechtum).  —  Fackel -Hitze  —  (Fabel- 
bitze?)  eine  Hitze  mit  Delirium  (Fabeln)  (Pauli  27). 

—  (1680)  fieberische  {Hebrichte)  Hitzen  =  nicht 
vorübergehende,  flüohtige,  sondern  durch 
länger  bleibendes,  wirkliches  Fieber  veran- 
lasste Hitze  des  Körpers  (stieler;  Heyne,  A.  v. 
H.  1,  S8S).  —  fliegende  Hitze  —  das  schnell  ent- 
stehende und  rasch  (s.  d.)  verschwindende 
Hitzegefühl  mit  äugen hlicklicher  Gesichtsröte. 

—  .y.;/j-hitzen  =  rasch  erzeugte  Hitze  äusser- 
lich bemerkbar  machen  (Schindler  I,  888.  1191). 

—  (171S)  giftig  erhitzt  ■  Phlegmone  (infec- 
tiosa)  (Tolle  lege  97)  —  entzündliche  Hautröte 
durch  Infektionsstoff  erzeugt  —  (b'.is)  grimme 
Hitze  =  heftige  Hitze  (Schmellcr  I,  99»;).  —  (1477) 

Harn-  [  fftf**6**  J  =  »die  böse  Hitz  d.  Harns" 

(Ortolph);  1.  =  böse  Hitze  (s.  o.).  —  2.  =  (1&31) 
der  brennende  Schmerz  b.  Urinlassen  (Tripper) 
(Krautw.  XMII).  —  Haupt-Bitze  =  Kopf- Warme, 
heisser  Kopf,  Congestio  ad  caput.  —  herzige 
(hirzige)  Hitze  ■  Dyspnoe,  die  vom  erhitzten 
Herzen  (lilutwallung)  ausgeht  (Sehm.  II.  848).  — 

)  Hitze  =  einwendige  Hitze  mit 

dem  Gefühl  des  inneren  Brandes  (innhitzig); 
[IUI  Inbrunstig  hyt*  =  ardor,  I).  46;  Pauli  26).  — 
Hitze  (14  -16.  Jahrh.  mnd.  de  mike  van  der 
helle  der  lereren,  J.  f.  nd.  8p. -F.  XV,  10t>)  s.  er- 
hitzte heisse  Leber.  —  (\~-<0)  Milch-Eitze  - 
das  Hitzegefühl  beim  sogen.  Finschiessen  der 
Milch  der  Wöchnerin  oder  nach  dem  Ab- 
nehmen des  Säuglings  (starteius  273).  —  Mund- 
Hitze  -  Mundkatarrh  mit  brennender  Em- 
pfindung auf  dem  Mundschleimhaut.  —  Nacht- 
Hitze  —  das  durch  das  Nachttnännchen  (s.  tl.), 
welches  die  Nachthlatter  =  Hitzblatter  (s.  d.) 


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230 


Hitzel— hoch. 


Hocke. 


nach  dem  Volksglauben  bringt,  verursachte 
Hitzegefflhl  (ehr.  Sam.  II,  161).  —  (1609)  natürliche 
Hitz  =  die  natürliche  Körperwärme  als  Grund- 
feste ruenschl.  Gesundheit  (Guar.  nos),  gegen- 
über der  unnatürlichen  krankhaften  Fieber* 
hitze.  —  /''  >'tl>  ni  -Hitze  =  die  FiebcrhiUe 
des  Pestkranken  (Gr.  w  VII,  1574).  —  (U77) 
rittige  (Ortolph.)  =  (14.  Jahrh.)  Ätffcn-Hitze  (Voc. 
opt.  w.  41)  =  Fieberhitze,  Paroxysmal  febris 
gegenüber  dem  Kälte-Stadium  im  Fieber  (sieh. 
Ritten)  (Zcn.  Voc.  bb2,  Gr.  W.  VIII,  1052).  —  (1513) 
Humen-Hitze  = die  grossere Sainenwärme  sollte 
Knaben  erzeugen  (Ploss.-Baricls  I,  469).  —  (1609) 
schlecht  hitzig  =  einfach  heiss.ohne  eigentlichen 
bösartigen  Infektionscharakter  (v.  M.  II,  127).  — 
Schweil-Hitze  =  die  Zeit  der  Pest- Fieberhitze, 
bei  der  die  Haut  zu  schwellen  beginnt  (v.  M.  II, 
123),  (s.  Schwell-Merge).  —  (1699)  Schnur-Bitze  = 
die  Zeit  der  Fieberhitze  bei  der  Pest,  in  der  sich 
die  Peetstreifen,  Striemen  (Lymphangoitis)  be- 

reit,  ausbilden  (v.  M.  11.130).  -  ^  fjj£ 

Hitze  =  Sonnenstich  (Bock  37" ;  F.  Kr.  B.  174) 
(s.  Schwarmzeit).  —  (1502)  stete  Hitze  =  Febris  I 
continua  remittens,  Peatilenzial-Synocha  (s.  d.)  ! 

(W»rzb«rger  Apotheker- Ordnung).  -  JJJJ  JJ^  ] 

Hitze  (der  Leber)  (ortolph;  D.  62)  =  Calor  super- 
Uuub,  Morbus,  Entzündung,  entzündete  Leber. 

—  (1507)  unnatürliche.  Hitz  (Hort,  »an.)  =  krank- 
hafte, gesteigerte  Fieberhitze.  —  (1742)  Venus- 
Hitze,  geile  (Zw.  72)  =  Inflamuiatio  pudendorum 
(s.  Venus-Krieg  und  verbrennen).  —  (16.  Jahrh.) 
ivrhitzt  (ndl.  verhlttlnghc,  De  Cook  148),  1.  =  durch 
Krankheitentzündotod.  in  übermässig«  Körper- 
wärme versetzt  (U.Z.  XIII,  382),  z.  B.  verhitzt(es) 
Geblüt,  Glieder,  auch  =  St.  Antonius-Fouer ; 
ferner  2  —  eine  Schafseuche  mit  hohem  Fieber 
(Merk  244).  —  Hitz  (hitzig[f,  er, es}) -Ader,  -Apo- 
steme,  -Augen,  -Augenweh,  -Aussrfdäge,  -Beule, 
-Bläschen,  -Blase,  -Blattern,  -Blutchen,  -Blut,  \ 
-Blutfieber,  Brand,  -Bresten,  -Bruch,  -Dusel,  | 
-Feigtcarzen,  -Fieber,  -Flechte,  Flüsse,  -Frorer, 
■Füsse , -Gall , -Geblüt , -Gebresten, -geitig,  -  Ge- 
schwür, -Geschwulst,  -Gicht,   Gift,  -Gichtflitsse, 

-  Glieder, -Gliederweh,  -  Ha ber,  ■  Ha u p t weh ,  •  Husten, 
-Kollo-,  -Kopffieber ,  -Kopfseuchc ,  -Krankheit, 
•Leber,  -Leibesbescfutff'mheit ,  -Leute,  -Magen- 
entrichtung,  -  Magenweht  um  ,  ■  Materie,  -Natur, 

■  Nerven firber,  •  Pocken ,  ■  Podag ra,-Ruhr,- Schäd en , 
-Schlag,  -Schuss,  ■  Sehn  arhheiten ,  ■  Seitenstich, 
-Seticlien,  -Siechtum,  Stich,  -süchtig,  -  Versehrung, 

■  Wassersucht,  -Wimmerl,  -  Wut. 

Hitzel,  m. ss Genick,  Nacken  ischmellerl,  1194; 
wo  es  7.n  Hersc  [s.  d.]  gestellt  wird,  Hersel?). 

hitzgen  (hixen,  hischgen.higschen,  gischen) 

8.  Heschen  (Gr.  W.  V,  4a».  1200;  D. 

hoarig    haarig  (h.  d.). 

Hobel  (Höfel),  in.,  l.-{i'.»2)  die  wie  mit  einem 
Hobel  ausgehöhlte  Furche  (Kanal)  zwischen 
den  Hinterbacken  an  der  Krupp  des  Pferdes 
(Seb.  210;  Strassburg).  —  2.  =  Hebel. 

hoch  (hauch),  Höhe,  f.  (vonrenn.  könko  [Hügel, 

Krhohuug];  gem.-gerui.  hnuh     hoch;  ahd.  höh;  mhd. 


hoch,  Kluge9,  169) -  erhaben  (heilig).  —  hochein 
z.  B.  das  Herz  hochelt  =  hoch  aufspringen 
(klopfen)  (Taben».),  Palpitatio  cordis.  —  (1429) 
der  Hoch  (choch)  =  Bulla,  die  hohe  Blase  (Gr.  w. 
v,  1662.  1S86).  —  Hocher  (Höchel),  1.  ^  Wirbei- 
säule Hofer)  (Hyrtl,  K.  W.  129).  —  2.  -  dos 
Genick,  Oberkopf  (Hintoer  7.  16).  —  das  Höchst 
(seil.  Siechtum)  =  Epilepsia  (als  heil.  Krankheit), 
hoher  Siechtag,  hohe  Sucht  (Zeltachr.  d.  V.  f.  V.-K. 
1895;  Frtechb.  46;  Gr.  W.  IV,  2.  1597).  —  (1530)  Leber- 
Höhe  =  Lebergipfel  (s.  d.)  (Künlgssp.  49).  — 
Magtums-Hochvng  (13.  Jahrh.  eyn  hochunge  des 
mattüz  =  hymen ,  D.  277;  das  emt  von  Fallopla 
1523—  1562  beim  Menschen  nachgewiesene,  Mb  dahin 
von  AHers  her  viel  bestrittene)  jungfräuliche 
Hymen, '  das  man  (anlehnend  an  hymnus  —  IToch- 
gesang)  uls  eine  kronenartige  Erhöhung  der  Va- 
gina auffasste.  —  Schulter-Höhe  =  Acromion  - 
der  am  meisten  nach  oben  u.  aussen  vorragende 
Vorsprung  am  Schulterblatte.  —  höh  (c,  er,  es) 
(hoch-,  Höhere-Achsel,  -Balg,  -Bruck,  -brüstig, 
-Fussspur,  -Knochen,  -lefzig,  -Nabel,  -Nieren, 
-Not,  -Rücken,  -Schlaf,  -Schulter,  -sehicanger, 
•Schwindel,  -Siechtag,  -Siechtum,  -sonnig,  -sünnig, 
-Stirne,  -Sucht,  -trächtig. 
Hocke,  hocken  (huckeln,  huchen)  („ein  nr- 

altes  Wort"  aus  der  weit  verbreiteten  Wuntcl  buk, 
hukk  (hoch,  Hügel],  Kluge*,  170;  mhd.  huchen)  — 
sich  ducken,  kauern.  —  Hucke  =  der  hohe 
Kücken  (8chw.  «02).  —  an  ,  au/nuckeln  ~-  Alp- 
druck (Br. -Schaffer  33)  als  Druck  eines  auf  der 
Brust  kauernden,  elbischen  DämonB  ange- 
nommen (s.  Alptraum)  (13.  Jahrh.  ich  vorhithe  dir 
aneblascn,  Ich  vorbithe  dir  alb  ruche,  cruchen  vn  ane- 
hutchen,  siu.-Ber.  1867  .  7).  —  huckend  geboren 
werden  =  in  der  Steisslage  des  im  Mutter- 
leib kauernden   Kindes  (UrqueU  1894,  B.  254). 

—  huckeln  -  hinken,  auf  einem  Beine  hüpfen 
(A  schaffen  borg ;  Cr.  W.  IV,  2.  ]«48).  —  Hock 
'engl,  hock  =  Kniebug,  Springgelenk  beim  Pferde; 
hocka  Fus*e,  Kaltschm.  I,  303)  =  Kniekehle, 
Ferse  (Hacke),  die  beim  Hocken  sichtbar 
vorspringenden  Beinteile,  Fflsse  (Schw.  297).  — 
Hocker,  m.,  1.  =  einer  der  hockt.  —2  =  In- 
cubiiH,  AI))  als  Aufhocker  (s.  d.)  (D.  Br.  Schaff.  33). 

—  Hocke  s.  Hauch.  —  Hockauf,  m.  =  der  Alp 
(s.  d.),  der  den  Leuten  unter  verschiedenen  Ge- 
stalten (Mahre,  Habergeiss,  wilder  Jäger  etc.) 
aufhockt  (Aufhocker)  (Gr.  W.  IV,  2.  1648)  (s.  auf- 
buckeln) ;  daher:  er  hockt  mir  — ich  bin  wider 
Willen  übler  Laune,  weil  ein  schelmisch  plagen- 
der Alp  auf  mir  hockt  und  mich  dazu  zwingt. 

—  (1591)  1  \<  hocken.  1.  =  im  Volksglauben  ein 
elbischer  Dämon  (s.  Alp,  S.  11),  der  als  Schrfttz- 
lein  (s.  d.),  Trade  etc.  in  verschiedener  Gestalt 
auf  den  .Schlafenden  sich  setzt  (Incubus,  Suc- 
cubuB,  s.  besessen)  und  dadurch  Alptraum 
(s.d.)  oder  Alpdruck  veranlasst-,  er  setzt  sich 
auch  nach  dem  Volksglauben  auf  die  Leichen 
der  Kindbetterinnen  (bei  Abortusmole,  Fehl- 
geburt, Wochenbettkrankheit,  s.  Krott-Olf)  neue 
Opfer  verlangend ;  auch  der  Mittagsalp  (siehe 
Geist)  setzt  »ich  dem  Wanderer  aufs  Genick 
(Sonnenstich)  (Gr.  W.I,  670;  Z.d.  V.  f.  V.-K.  1895.  85  ; 
l-aisluerl,  18«.  219.  220;  II,  222.  238).  —  2.  -  das 

Gefühl,  als  ob  „etwas"  auf  dem  Kücken  sitze, 


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Hocker— Hoden. 


Höber— Hölle.  237 


Schwächegefühl  am  Racken  bei  Herz-  u.  Unter- 
leibskrankheiten. —  Nes  f  Hocker  =  der  jüngste 
Neugeborene,  der  zutatst  im  Neste  (Mutterleib) 
war,  schwächer,  kleiner  geblieben  ist,  der  noch 
flattert  (s.  FlQtterling).  —  Hieher  vielleicht  auch 
Högerl  =  Singultus  (Schnackler),  der  den  Kran- 
ken „stosst"  (Schm.  I,  1069),  wie  der  Bock  (s.  d.), 
vielleicht  anlehnend  an  den  dämonistischen 
Hocker,  Aufhocker,  der  diesen  Zustand  hervor- 
rufen sollte. 

Hocker,  in.  (Hoger,  Höger,  Höcker)  (die  jün- 
gere Form  des  ahd.  hovar  —  Hofer  (s.  d.],  au«  dem  es 
im  1.1.  Jahrh.  umschlug  (nach  Gr.  W.  IV.  2.  1651]  in 
hoger  u.  hocke,  in..  Hoffm.  I,  376;  1482  hoger=  hofer 
=  gibbus,  Zening.  Voc.  o»;  mhd.  hoger.  hocker  (In  den 
ersten  Jahren  des  15.  Jahrb.],  hoker;  13.  Jnhrh.  hocker 

—  Buckel ;  1591  boger  -  tutnor  rotnndns.  Hart.  Jun.  383  ; 
1646  boger=H*cker=  haustra  coli,  Darmbuckel,  Hyrtl, 
K.  W.  12;  1762  nocker  =  gibbus,  A.  v.  H  I,  680;  Höcker 
■  prow!«us  anconaens  am  Ellenbogen,  ein  Knochen- 
vorsprung, A.  v,  H.  II,  248).  Höcker  (heute  üblich 
nur  in  der  Schrtf taprache ,  mundartlich  sonst  oberd. 
Buckel),  1.  =  buckeliger,  krummer,  runder,  harter 
Auswuchs  am  Körper,  namentlich  am  Kacken. 

—  2.  =  (1740)  Olecranon  (Höcker,  Hocker)  (Kulmus 
21.  oo).  —  3.  =  Buckel-Ähnliches  (Darm-Hoger, 
z.  B.).  —  4.  =  (1588)  Podagra  als  Gichtknoten 
(Anneybucb).  —  höckericht  (högericht,  backe- 
richt)  =  gekrümrot,  gibbosns,  ineurvus,  cebuluB, 
strumosus,  gebrechlich,  lahm  (1482  hogereebt  = 
squammosus,  Zening.  Voc.  08;  1508  hochrecht  -  gib- 
bosus,  Gr.  W.  IV,  2.  1652;  1561  hogerächtig,  Gr.  W.  IV, 
2.  1651.  1705;  1591  högerachÜK  =  gibbosns,  Had.  Jun. 
395  ;  1742  högericht  =  gibbosns.  Zw.  160 ;  1756  höckericht 

»  lordosts,  a.  t.  h.  Ii,  680).  —  -Bruaf-Höcker  = 
Gibbus  pectoris,  vorn  erhöhte,  höckerichte 
Brust  (=  Kyphosis,  Lordosis,  Scoliosis)  (Gr.  w. 
II.  449).  —  Ellenbogen-Höcker  -  „die  zweite  Fort- 
setzung" (des  Ellenbogens)  über  den  Kondylen 
(Heyne  in.  180)  =  Olecranon,  Enke.  —  Högerl 
s.  hocken. 

Hoden,  m.  Hodden,  plur.  Hotten,  Hode,  f. 

fahd.  hodo,  hodun,  huodun  =  coleus  [cotleus],  Kluge*. 
170;  Gr.  W.  IV,  2.  1653;  8.  Jahrh  hodo  =  testlcull,  Rab. 
Maur.  65;  11.  Jahrb.  bodoloser  =  hernlosus,  Gratf  II, 
271;  mhd.  hode  =  testiculus;  14.  Jahrh.  hodo  —  testls, 
Voc.  opt.  W.  12;  1420  hoden  =  genitale,  D.  2<",0;  1482 
boden,  Zening.  Voc.  08;  1521  hod  =  coleus,  D.  181; 
18.  Jahrh.  hode,  f. ;  engl,  cod  j  häufiger  hört  man  für 
noden :  Eier,  Nieren,  Geilen,  Grommen)  =  die  den 
männlichen  Samen  bereitenden  Geschlechts- 
drüsen. —  (1491)  Hödlein  (hedlln  =  testlculus, 
D.  581),  1.  =  Testes  minores  =  Prostata  als  2  lap- 
pige Drüsen  an  der  Harnröhre  (Hyrtl,  K.  w.  loo) 

—  2.  =  übers,  des  Testiculus  =  Hoden.  -  hödig 
=  Hoden  habend,  unverschnitten  (Schmeller  I, 
1064).  —  Ein  Hode  =  Monorchis ;  einer  der  nur 
einen  Hoden  bat,  im  Gegensatz  zum  normalen 
Doppelboden  und  zum  ebenfalls  abnormen 
3  Hodenbesitzer  fconf.  Klclnpaul,  Das  Mittelalter, 
8.  606).  —  (1497)  geschwollene  Hoden  =  luetische 
Hodengeschwulst  (Puchs  I,  310).  —  Hägi  -Hoden 
=  die  Hirsch-  und  Biberhoden  (Bibergeil),  die 
heimliche,  versteckte  (gehegte)  Drüse  (Buck  46) 
(s.  Hei-  o.  Hegdrüsen).  —  Htrn-Hödlein  =  (alter 


anatomischer  Schulausdrnck  für  das)  Corpus  qua- 
driReminum  im  Gehirn  (Hyrtl,  K.  w.  26).  —  Leisten- 
Hoden  =  die  im  Leistenringe  oder  im  Leisten- 
kanale  zurückgehaltenen  Hoden.  —  (1530) 
Manns  Hoden  s.  Hoden  (Künigssp.  51).  —  (167-j 
oberliegender  Hode  =  (1756)  Ober  -  "Rödlein  — 
Nebenhoden,  Übersetzung  der  Epididymis  (.*.  v.  II. 
II.  391;  Gr.  W.  VII,  1092;  Hyrü,  K.  W.  119;  LeveUng 
197).  —  ÄO»8-Hoden  (nach  Gr.  W.  VIII,  1263.  1271 , 
in  Verwünschungen  :  „dass  dich  der  Rosshoden  schau  d 
und  blend '"  entstellt  und  verstümmelt  aus)  Gottes 
Odem  (Atem).  —  Sand -Hoden  =  Sandkloss, 
Venushoden,  Gumma  testiculi  (Pr.  II,  473).  — 

S  lecker)  Hoden  =  syphilitische  Hoden- 

geschwulst  (Gumma)  und  Epididymitis  gonor- 
rhoica Nebenhodenentzflndung  (A.  v.  H.  Ii.  12S5 ; 
J.  P.  Frank  158).  —  (1810)  weihlicher  Hoden  -  Eier- 
stock (Grulthulsen  15  ;  bis  1667  galten  die  Eierstocke  als 
weiblichen  Samen  bereitende  Hoden  ,  Baas  94.  312 ; 
testesrnnllebrea).  —  Hode(n)  -Adern,  Balg,  Bruch, 
-Geschwulst,  -loser,  -Sack,  Stein. 

Höber  s.  Höfel. 
Höchsten,  s.  hoch. 

Höchel,  m.  hocken  s.  Hacke  (=  hecken) 

(Krautw.  I.X). 

Höcker  (Höger)  s.  Hocker. 
Höfe  s.  Huf. 

Höfel  (Höfel,  Hofer,  Höber,  Haffern,  Hufer) 

(dies  die  alte  ahd.,  heute  durch  „Hocker'1  [s.  d.)  ver 
drftngte  Worttonn,  die  im  Oberdeutschen  bis  ins  16. 
Jahrhundort  ausdanerte,  Gr.  W.  IV,  2. 1664;  7— 8.  Jahrh. 
hova  roebter  =  gyppus,  Cass.  Glos*.  ;  Dlex  120;  H.  Z 
VII,  7;  XV,  340,  hofar.  Kluge  145;  Graft"  IV,  838; 
11.  Jahrh.  hover  =  glppus,  H.  Z.  III;  bovir  =  gippus. 
n.  Z.  XV.  355;  hover  =  gubtos  =  gippus,  H.  Z.  III.  368; 
hofolt  =  hernlosus,  ponderosus,  H.  Z.  III;  mhd.  hover 
=  Buckel ;  13.  Jahrh.  hoffir  in  dem  beruen  =  gibbus ; 
1521  hofer  uff  dem  rucken  =  gibbus  in  domo,  D.  262 ; 
1528  hofer  =  gibbus,  H.  v.  Gersd.  97;  hoffart,  haffern 
=  gibbus,  Schmeller  I,  1063;  1530  hofer  =  gibbus ;  IM! 
hofer  =  Kropf,  Gr.  W.  IV,  2.  1664  ;  1687  hofer  =  Buckel, 
Georg.  391 ;  Slebbg.  heffl ,  ndl.beuvel  =  Hügel,  Kluge*. 
173  ;  Hofer  =  Höcker,  Buckel.  Gibbus,  C.  v.  Schm.  283  ; 
Höber  =  Höcker,  Gibbus,  Gr.  W.  IV,  2.  1590.  1661). 
—  ho  f  rat.  hofrechte  (Stirn  =  Stirn  beule), 
hiefrig  (höfrig)  =  gibbosus,  verkrüppelt  (Gr.  W. 

IV,  2.  1309;  strumosus,  D.  557).  —  Hofer,  1.  =  Er- 
höhung, krumme  Erbebung  des  Rückens, 
Buckel,  Höcker  (Horzbuckel,  Rückenbuckel).  — 
2.  =  Auswuchs,  Kropf.  —  3.  =  (in  ahd.  Zeit  auch 
Hodenbruch  [s.  o.]  hovalobter  =  ponderosus,  hernlosus, 
Cass.  Giosi.  Diez  120).  vergl.  Hoppen,  Hüfte, 
Haufel. 

Höft  s.  Heft  u.  Haupt. 
Höhe,  f.  s.  hoch. 
Höhle  s.  hohl 
Höhnische  s.  f  i ansehe. 

Hölle,  f.  (zu  Höhle;  indogerm.  hei  [verbergend 
verhüllen];  gem-germ.  hei  —  lnfenium  [Halja  —  die 
Todesgotthelt  der  Uennaneii];  ahd.  hella  [HadesJ,  mhd. 
belle;  16.  Jahrh.  hülle,  Kluge  171  —  dunkler  Aufuut- 
haluort  der  unterirdischen  UeUter).  —  höllisch  = 


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238 


Utflne— hören. 


Hösch— hohl. 


aus  der  Hölle  kommend  oder  geschickt,  stark, 
heftig.  —  Höllen-  (hÖllucft[e,  er,  es])  Darr, 

-  Drache, -Feuer,  -Furie,  -Hinker,  -Pein,  -Schmerz, 

-  Wurm. 

Hölne,  f.  s.  hohl. 

hoenen  (honen),  huenen  =  nlgnen  (Fromm. 

VI,  3*1). 

Höppel  b.  Hoppe). 

Höppin,  f.  (Bayern;  iHoppmg,  f.  [(Tierreich], 
hopps)  (zu  hüpfen;  altgerm.  huhbon ;  ahd.  boppon ; 
uibd.  hoppen ,  Kluge  \  175).  —  Hopper ,  in. 
Höppin,  1-  ■  die  (hflpfende)  Kröte  [C  v.  Scbm. 
jsi  ;  Fromm.  VI,  212).  —  2.  =  damit  wird  auclt 
verglichen  eine  närrische,  ausgelassene  Per- 
son (c.  r.  Scbm.  1.  cod.),  die  eine  hopfende 
Gangart  hat,  die  hopsasa  oder  hobbasse  geht 
(Duck  12).  daher  hopps  sein  —  (berauscht, 
närrisch  und  auch)  schwanger  sein  (Gr.  W.  IV, 
2.  1800;    Schindler  I,  1142;  C.  T.  Scbm.  2*1).  Die 

Höppin  seicht,  Bpritxt  (spürzt)  nach  dem 
Volksglauben  dem  Menschen  auf  die  Haut 
(Scbm.  I,  114a)  und  erzeugt  dadurch  Geschwüre 
(Lymphangoilis).  Da  die  Kröte  auch  =  kranke 
Gebärmutter  (Organbild  und  Krankheit)  ist 
und  den  Namen  Höppin  führt,  so  wird  die 
kranke  Bftrmutter  tu  einem  hüpfenden  elbischen 
Tiere:  „die  Barmutter  ist  einer  am  Bache  »chlafenden 
Krauen  zum  Maul  herausgekrochen,  sich  in  dem  Bach 
Kdwdet  und  wie  ein  Mausleiu  in  aller  Kile  wieder  zum 
Munde  eingekrochen  ;  von  alledem  habe  die  Krau  nichts 
empfunden ;  aber  die  dabei  gesessenen  Hirten  haben 
zugeschaut  und  haben  dieses  erzahlt"  (The*,  san.  Br. 
262).  —  buntete  Höppin  -  eine  runde  (s.  Bunzen) 
weibliche  Person  (Schindler  I.  1140).  (Vergl.  aber: 
Aufsteigen,  Irrgang,  Kröte,  Mutter,  Krottolf). 

hörcheln  s.  hircheln. 

hören, -hör,  horchen  (lndogerm.  ous,  Ob»  (Biidire 
--  ausdire):  vorgerm.  kous-;  gem.-germ.  hauzjan ;  ahd. 
hören,  börechen;  mhd.  hören,  horchen,  Kluge*,  172; 
angls.  hearcian ;  mittelcngl.  berken ,  engl,  bearing  — 
Gehör,  I.ehf.  41;  to  hearken  m  horehen)  -  durch  du« 
Ohr  wahrnehmen  (s.  lusen).  —  horchen  =  mit 
Absicht  lauter  hören.  —  Höret,  n.  -  Gehör 
(1482  hurdt  =  auditus,  Zening.  Voc.  p.  1 ;  UM  das  ge- 
hoerd  —  Gehörsinn,  <'.  v  Megbg, ;  1528  das  gebort; 
mud.  van  dem  hörende,  J.  f.  nd.  8p  -F.  XV,  116)  = 
Auditus  (II.  v.  Gersd.  96)  —  (16.  Jahrh.)  Loaes  Gehör 
=  blöde«  Gehör  (1677,  1099)  Blödigkeit  des  Ge- 
hörs =  Auditus  laesio,  Surdita*,  Schwachhörig- 
keit (Beyn.  140;  v.  M  II,  II;  Thes.  san.  Br.  <i27)  oder: 
(I532)  bresten  der  v  hord     Gehörleiden  (Krles83). 

-  /'"'./-huren  =  fehlerhaft,  schwer,  schlecht, 
Übel  hören.  —  ■  hörig  =  leicht  hörend ;  (nach  dem 
Volksglauben  boren  die  Sterbenskranken  vor  Ihrem 
Tode  ttesonders  gut,  Sehm.  I,  1136).  —  Grosa-Hörig- 
keit  —  Schwerhörigkeit  (Steiermark,  Kossel),  hart- 
hörig (8chm.  I,  101.1).  —  halb  -hörender  (ahd.  halp 
horter  =  semauditus,  D.  525)  -  «1er  nur  auf  einem 
Ohre  Töne  empfindet.  —  (1701)  /wrMiörig  = 
Schwerhörig  (Gr.  W.  IV,  2.  513;  I'auli  110;  engl,  hard 
of  bearing,  Lchf.  100;  mlshear).  —  Sau- Gehör  = 
die  Gehörknöchelchen  des  Schweins,  die  durch- 
bohrt als  Amulett  gegen  Ohrschmerzen  getragen 
werden.  -  schweres  Gehör  -  schwierig  oder 


falsch  hörendes  Organ  (Ackcrm.  217).  —  stumpfes 
Gehör  ■  ein  in  der  Einpfindunirpschärfe  schwach 
gewordenes  Hörvermögen  (n.  I'aul  448).  —  (1582) 
übeles  Gehör  =  schlechte«  Gehör  (Fries  si  \  Zw.  679). 
—  ungehÖTcnd  (14.  Jahrb.  uugehorender  =  surdus, 
Voc.  opt.  W.  15)  =  einer,  der  gar  nichts  hört.  — 
das  GeAdr  verschlägt  sich,  verfällt,  d.  h.  die 
häufigsten  Gehöratörungen  treten  erfahruntrs- 
gemäss  nach  Schlag  oder  Fall  ein,  welche  Be- 
zeichnungen auf  andere  (mit  Empfindungs- 
störungen  verbundene)  Krankheiten  des  Ohres 
übertragen  wurden.  —  hören  ist  auch  =  riechen, 
einen  Geruch  geben  (Scbmeller  I,  1157),  wie  auch 
schmecken  und  riechen,  taub  und  stumm  ver- 
wechselt werden.  —  Hör-SeAne,  -Sucht. 

Hösch,  m.  s.  Heschen,  Singultus,  Bulimus, 
Magengeiz  (16.  Jahrh.;  D.  643.  644). 

-hosig  s.  Hose. 

Hosten  s.  Husten. 

Hof,  m.  (eingefriedigter,  abgegrenzter  Platz),  l.  = 
farbiger  Ring  um  die  Augen  (s.  King)  bei 
schwachen  Menschen  (Heyne  III,  181).  —  2.  = 
(1740  hoff;  1759  hoefgen)  Areola  der  Brustwarze, 
Warzenhof  (Kulmus  III;  Vadem.  60)  als  farbiger 
Kreis  um  diese  (Heyne  III,  182).  —  Maden-Hof: 
„der  kommt  auch  bald  nach  M.-H."  =  in8\Vurni- 
land  (s.  Pierland),  in  den  Friedhof  (z.  d.  V.  f.  v.-K. 
1894, 187).  —  TFarre»i-Hof=die  runde  Verfärbung 
(Area)  um  die  Brustwarze  herum  (der  weru  hoff 
=  area,  D.  46).  —  hof iren  =  cacare. 

Höfel  (Hofer)  s.  Höfel. 

hoffen  (zu  lndogerm.  kug;  germ.  hugön,  hopön; 
mhd.,  1150  hoffen.  Kluge 5,  170  =  auf  Zukünftiges  ver- 
trauen). —  Hoffnung  =  der  Zustand  des  Höffens. 
(18.  Jahrb.)  guter  =  (19.  Jabrh.)  tn  der  Hoffnung  sein 
(auf  ein  Kind)  =  schwanger  sein  (Gr.  w.  IV,  2. 
1675).  —  Vorgebirg  der  guten  Hoffnung  =  Pro- 
montorium d.  Geburtshelfer.  —  (17.  Jahrh.)  unter- 
hofft  =  Sterilitas. 

Hoffer,  m.  s.  Höfel. 
Hoger  s.  Hocker. 

hohl,  Höhle,  f.  Hölne,  f.  (griech.  *oti.ov  = 

Hohle;  lat.  coelum  —  Himmelshalbkugel;  germ.  hei 
l  [umhüllend  verl<ergen];  goth.  hula  =  Hohle;  ahd.  holi 
=  Höhlung,  hol  —  hohl;  hola  —  hernia;  holohtcr  = 
pouderosus  etil  humor  viscerum  in  virilia  labitur  = 
Hydrocele,  Enterocele,  Schindler  1,  1083;  mhd.  hüle 
[Höhlung!,  hol  -  hohl.  Kluge*,  170  =  Ausbuchtung 
oder  Hohlraum  im  menschlichen  Körper;  152s  höly  = 
Bauchhöhle,  H.  v.  Gersd.  38,  carum  abdominbi,  l&öl 
holen  =  Zahnfacher,  Hyrtl,  K.  W.  87;  1678  bovine  = 
Geschwürsraum,  hohler,  Pr.  II,  Ml;  1692  huliu  —  Herz- 
kammer, veutrlculus  cordis,  Wirsung;  Hyrtl,  K.  W.  83, 
engl,  bollow)  =  Hohlraum  am,  im  Leibe,  Hernie, 
Hydrokele,  Knterokele.  —  Das  Höhle  (Tirol)  - 
Nackengrube  als  hohler  Teil  (vielleicht  auch  - 
ut  ile  —  [noll]  HluterUauptiigrube,  Hintuer  6.  12).  — 
Hohligkeit  =  der  ausgehöhlte  leere  ZusUnd 
(F.  Hotfmauu  vii,  24).  —  es  hohlelet  (im  Haucb) 
=  es  tönt  wie  in  einem  leeren  Fasse  (gurrt) 
(Duck  19).  —  (1483J  ÄcJUer-  (After-)Rbhie  -  Arsch- 
grübe  (Pr.  i.  374).  —  (1743)  .-IcW-Hohle  =  Arm- 
höhle, Üchsen  (Gr.  W.  I,  1C4;  blbl.  Med.  259)  - 


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Hohle. 


hojahnen — hold.  289 


Arm  -  Höhle  =  Armgrube  unter  der  Achsel, 
Achselhöhle  (Gr.  W.  I,  559;  engl,  armhole).  —  (1120) 
/tr«c/i-Höhle  -  Anus  (Hyrtl,  K.  W  1*0;  I).  II,  296). 

—  ^U^«M-Höhle  (dun.  oiehule;  holl.  oogholte; 
schw.  ugouhal,  I1erer7;  1591  augcnholy,  Had.  Jun.) 
=  der  Schädelraum  fOr  die  Augen,  Orbita 
(engl,    eyehole;    Gr.    W.    I,    80C;    Hyrtl,    K.  \V.). 

—  (H82)  Backen  -  Höhle  =  Faux,  Mundhöhle 
(D.  228).  —  Bärmutter  -  Höhle  =  Muttermund, 
Orificium  uteri  (Gr.  W.  I,  1137).  —  Bauch- 
Höhle  =  Cavum  abdominis,  „die  Höhle"  für 
die  Baucheingeweide  (Gr.  W.  I,  1167;  II.  v. 
Gersd.  38).  —  Becken  -  Höhle  =  das  mit  einem 
Barbierbecken  verglichene  elliptisch  gestaltete 
knöcherne  Behältnis  am  Unterleibe  (s.  Becken). 

—  Brust- Höhle,  1.  =  Cavum  pectoris,  die  Höhle 
furdießrusteingewefde  (dan.  brysthulo;  holl.  borst- 
holte;  si-hwed.  brosthala.  Pierer  7).  —  2.  =  hohle 
Brust.  —  Darm-Höhle  =  das  Lumen  des  Darms. 

—  /Viesen-Höhle  =  Lumen  glandularum,  der 
Hohlraum  für  das  Drusen-Sekret.  —  (1790)  Ei/er- 
Höhle =  der  Eiter  bergende  Hohlraum  des 
Abszesses  (Richter  i,  64).  —  (15M)  .FVriVrn-Höhle 
=  CalamuB  scriptorius,  frflher  Schulausdruck 
für  einen  Hirnteil  (Hyrtl,  K.  w.).  —  *t««-Höhle 
(1468  fusshülln  ;  15.  Jahrh.  tGsshulll  ■  subtal,  l>.  II,  SU; 
1482  fusxhole;  149"»  fuoszhtllln,  Gr.  W.  IV,  1.  1030; 
1507  hol  von  dem  (uou,  Hyrtl,  K.  W.  53;  1628  die  fuss- 
hüly,  H.  v.  Gcmd.  18)  =  Planta  pedis,  der  aufwärts 
gebogene  Teil  der  Fussohle  (Gr.  w.  IV,  L  1030).  — 
//rt/irf-Höhle  (1507  hol  ran  der  haut  off  van  den  voesseu 
(D.  62»)-  Vola  manim,  Concavitas,  s.  Innerhand, 
Ir,  Handfläche.  —  Hirn-Höhle,  1.  =  die  Schadel- 
höhle als  Hirnballe.  —2  =  die  Höhlen  (Ven- 
trikel) im  Innern  des  Gehirn«.  —  Hu/-Höhle 
(1.12  huffholen  =  chelidon  equl ,  H.  110)  =  die  Ver- 
tiefung auf  der  Hornsohle  des  l'ferdef».  —  (1577) 
Kinn-  Hohle  =  das  Kinngrüblein  (Nympha) 
zwischen  Unterlippe  und  Kinn  (Gr.  W.  V,  778).  — 
Amt  -  Höhle  (augls.  cncowholen  -  entoholueu,  enio- 
holen  —  Vlctoriale,  ruscus,  allium,  I).  24.  604.  tiis ;  diese 
l'flanzeiinatncn  für  Kuobloch  mögen  wohl  Mlssver- 
standnlsse  »ein:  Knieloch?)  =  die  Grube  in  der 
Kniebeuge.  —  Leber  Hohle  (14.  Jahrh.  leberhüll ; 
15,  Jahrh.  lebhlel  -  syraa,  D.  534.  641)  =  die  Konka- 
vität, KrQmmung  der  Leber,  in  der  die  Leber- 
pforte liegt,  Sima  (Cima)  (Voc.  opt.  w.  ii;  Zenlng. 
Voc.  •     hier  Druckfehler  :  leberbolm  statt  leberholin). 

—  Lnies-Höhle  =  der  Hohlraum  im  tierischen 
Körper,  welcher  die  Bauch-Eingeweide  (Leib  5) 
nmschliesst.  —  (178.1)  Jfa^cn-Höhle  =  der  Hohl- 
raum des  Magens  (Essig  219).  —  (16.  Jahrh.)  Mund- 
Höhle  (das  hol  des  mundos,  Gr.  W.  VI,  2670)  -  Cavum 
oris,  Bucca,  die  im  unteren  Teile  des  Kopfes 
zwischen  den  Kieferbacken  liegende  Höhle.  — 
iVacA-m-Höhle  =  Nacken-Grube,  wohin  man  die 
Fontanellen  zu  setzen  pflegte  (holln  bey  dem  nack). 

—  Natt  n  Hohle  [IB.  Jahrh.  naaenhol  =  naris,  D.  376) 
■  die  Geruchshöhle  untor  und  zwischen  den 
beiden  Augen  bis  zur  Rachenhöhle.  —  (1530) 
OAmi-Höhle  (orenhüle,  Künlgssp.  17),  l.-^Ohren- 
muscbel-Höhle  (Concha  externa).  —  2.  m  der 
breite  äussere  Ohrgang  (Concha  interna).  — 
OAr-Höhler  (Höll)  =  der  in  der  Ohrenhöhle  be- 
obachtete Ohrwurm  (s.  d.)  (1429  orhol ;  ltilS  obren- 
hell,  Scbm.  I,  10S3;  ehr.  Sani.  II,  262;  Tirol  Ohrcu- 


hllderer;  Fromm.  VI,  148).  —  (14.  Jahrh.)  Richen- 
Höhle  (rachenhüll  —  faux,  \'<>C.  opt.  W.  10) ,  der 
mit  der  Mundhöhle  und  Nasenhöhle  kommuni- 
zierende, vor  der  Wirbelsäule  liegende  Teil 

der  Schlundhöble.  -  <™>  j  Höhle  = 

Vagina,  xoXrco?  Sorani  (Kossm. ;  a.  v.  11.  II,  683).  — 
St •hin  i.vs  Hohle  (15.  Jahrb.  =  sweysa- ;  nd.  swet-höl 
=  porus,  D.  449)=Schweissloch.  —  Stirn-Höhlen 
=  die  Hohlräume  des  Stirn beinknochens,  Sinus 
frontales.  —  Wangen-Wöhle  =  Backenhöhle.  — 
Wurm-Höhle  (engl,  wormhole)  =  das  Wurmloch 
im  wurmstichigen  (s.  d.)  Knochen.  —  Zahn- 
Höhle  -  Alveolus  dentis  (Kasten,  s.  d.).  —  Hohl, 
holl(e, er,  es)  -Ader,  -arschig,  -Aug,  -Augenge- 
schioär,  -Bein,  -Brust,  -Darm,  -Flanken,  -Fuss, 
■Geschtcär,  -Hand, -Husten,  -Ort,  Schädel,  Schä- 
den, -  Teü,  -  Wand,  -  Wangen,  -Zähne.  —  Höhlen 
Oicht. 

hojahnen,  hojoapen  (onotnatopoletlach,  L.  eh. 
64;  1761;  Engel.  220)  -  oscitare,  gähnen.  —  Hoi- 
Mann. 

hold,  Holda.  f.  Holle(nh  Holl,  Holdichen,  pi. 

Hollinen,  Hulden  (altgerro.  hal  -  sich  neigen  ;  gcm.- 
germ.  hold ;  goth.  hultb  -  gnädig ;  ahd,  hold,  hald  ■  ge- 
neigt, güusttg;  holdo  =  genlus;  mhd.  holden  =  penates, 
Kosenamen  der  Holdichen,  Holderchen,  Ilolllnen,  die 
sonst  böse  Elben  [Elfen,  s.  d.]  u.  eigentlich  Unholden 
[s.  d.]  sind ;  conf.  dlo  Kosenamen :  Trut,  Adel,  Sallge, 
Perchta)  d.  h.  üble  Hulden,  gräuliche  Holden 
(Lalttner  VI.  403).  —  BercAi-Holden  =  glänzende 
(s.precht),  erlauchtel  Iolden  (Kosenamen)  (precht- 
olterln,  brechbold,  C.  v.  Schon.  93;  Meier  45;  Laistner 
II,  399  ;  sie  teilen  sich  nach  Laistner  II,  400  in  zwei 
Kurzformen  )  a)  die  Berchteln  (=  Schrättlein, 
Heimchen);  b)  die  Holden  (s.  o.);  nach  dem 
Volksglauben  sind  sie  nachts  umfahrende  Gei- 
ster, welche  den  Kindern  Schrecken  (s.  d.)  be- 
reiten und  anderseits  die  Schar  der  elbischen 
ungetauften,  unzeitigen  Kinder  (Laistner  II,  402. 

4<M).  —  ^JjJjJ  |  Holden  (w»n»noW»  =  unaholda, 
Kogel)  =»  ungnädige  Holden  ,  die  ihre  geneigte, 
günstige  Eigenschaft  nur  falschlich  besitzen. 
—  Frau  Holde  —  die  aus  der  Schar  der  Holden  her- 
vorragende, zur  Anführerin  derselben  Im  Volksglauben 
gewordene  Dumonln,  die  mit  Perchta,  Stampa,  Sempa, 
Trempn  übereinstimmt ;  (Xordfranken)  Hollefrau, 
Frau  Holl  (Schnuller  I,  1084).  —  gute  Holden  (gut 
guede,  gude,  de  guten  hojden,  guten  helde,  gode  holten, 
hulten  =  penates,  1).  122)  =  die  als  gutthätige  Elben 
(Wichtlein)  aufgefassten  Hausgeister  des  Volks- 
glaubens, die  man  In  efflgle  auf  dem  Ehren  (s.  d.)  od. 
über  dem  Herdfeuer  als  Wlchtelmaunchen  aufstellte, 
als  Hausgötter  (stetlgot  =  genius)  oder  auch  Im  Leln- 
gadeu  als  „pllde  zu  gedechtnus  der  todten"  (1482, 
Zeu.  Voc. ;  D.  422)  oder  in  ,, heymilche  kammern  da 
man  abgoct  anbetet"  (1512,  D.  422) ;  ..heyuieliche  kamer 
of  afgoden  Ol  beiden  dair  äff  "  (1507,  1».  422;  *.  Kobold) 
im  Gegensatze  zu  den  Un-holden  (s.  d).  — 
iVacAf-Hulden  (mhd.  nahthuldc,  Laistner  II,  40:1)  = 
die  im  Säldenheere  mitfabrenden,  wilden  Sal- 
den, nachtfahrende  Dämonen,  die  im  Alptraume 
(s.  d.)  die  Menschen  minnen  (s.  d.)  (Laistner  II, 
354.  403).  —  Schön  Holden  (Scbanholden)  =  gute 


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240  holen— Holstein. 


Holz— Horn. 


Holden ,  blondhaarig*)  weihl.  geburtshelfende 
Dämonen  (Kluge  *,  206;  Westfalen).  —  schweigende 
Holden  (angls.  tagantes  hclde  =  Artemisia,  D.  U  ; 
goth.  thahan  -  abd.  dagen  -  laeere,  Kluge  *,  260)  ~ 
die  stummen  Holden  o.  lispelnden  3  Schwestern 
als  gute,  geburtabelfendeDämonen  („all  der  holden 
Kräfte,  die  In  Pmcht  und  Blüte  schlafen'",  13  Linden, 
8.  23).  —  L'n-Hold(e),  f  ID.  (goth.  unhultbö  dA- 
monion  j  ahd.  untaoltba  =  dlabolus ;  unahnlda.  una- 
bolduu  (Kogel  in  Bcltr.  i.  Gesch.  d.  d.  Spr.  XVI,  612] 
^lamla,  raonstrum,  R  Z.  II,  546.  547;  XV,  88;  1022 
dcmouuui  turbaquam  vulgaris  stultttla  homlnum  [un-V] 
h<it< Um  vocant,  Riezler  25;  1484  Frau  Bcroht  oder  Krau 
Hold,  Riezler  31  —  Anführerin  der  nachtfahrenden  Dä- 
monen |Hexen]-Schar;  1578  ein  unholdt  —  der  Hexerei 
[8.  d.l  verdächtiges  Weib.  Riezler  164 ;  1590  unholden 
oder  zailberiunen,  Riezler  192  ;  1605  unholdin  —  nexe, 
Riezler  178  ;  1625  unholdere!  s  Hexerei,  Riezler2M.  222). 
Im  Volksglauben  stimmen  diese  nicht  holden  Dämonen, 
die  wie  die  Hexen  1  auf  Baumen  (,,1'nholdenbaumcn", 
Huck,  Flurnamen  110)  u.  in  Thalern  („rnboldenthalcr", 
Riezler),  d.  h.  Im  wilden  Walde  wohnen  (auch  Im 
Wasser,  als  Wasser-,  Brunnenholdcn,  Meerfeen,  Meer- 
katzen) mit  den  n «entfahrenden  Hexen  (s.  d.)  überein. 
I.  Als  KrankheitBdämonen,  1.  =  durchziehen 
sie  als  Warmmaden  den  Körper  nnd  zerfressen 
ihn  wie  die  zehrenden  Elben;  2.  =  machen  sie 
Wundfeuer  (Friacbb.  4»),  weshalb  sie  in  Wund- 
segen rittend  (Rito,  s.  Ritten-Fieber),  splittend 
od.  spleissend  (offene Stellen  machend),  blasend 
und  schwellend  (-  Hautblasen,  Rotlauf)  be- 
nannt werden  (Gr.  D.  M.  II,  1109;  Schindler  171; 
Martlny  26} ;  3.  =  sie  minnen  (s.  d.)  und  lahmen 
die  männliche  Potenz  (SchmeUer  I,  1576) ;  4.  = 
nehmen  wie  die  Hexen  (s.  d.)  den  Kflhen  die 
Milch  weg;  6.  =  verwirren  wie  der  Alp,  die 
Hexe,  das  Wichtel,  die  Trade,  der  Bilwiz  etc. 
Haare  (Gr.  D.  M.  I,  433,  Ii,  1109)  und  6.  treten 
(Schwaben,  Unnot  =  Unhold,  Meyer  266)  als  kimler- 
raubende  Spukgestalt  auf;  darum  erhalten  sie 
auch  als  Hollinen  im  Wachholderbuschc  Nahrung,  da- 
mit sie  des  kranken  Kindes  vergessend,  dieses  nicht 
holen  (Wuttke279);  das  luholdenkraut  (1587) -  Rhodo- 
dendron (D.  500),  Kplloblutn  angusUfolluui  (Jessen  139) 
Ist  auch  elu  gegen  Milzbrandrotlauf,  St.  Antonius-Feuer 
(s.  o.  2)  gebrauchtes  Volksmittcl  —  f7nholden-^V8«, 

Hollen-Kopf,  ■  Volk,  -Zopf.  —  II.  Unholde  ist 
auch  -  Hexe  2. 

holen  (gerin.  hal,  hol  [ciliare  =  zusammenrufen] 
xa'/.ilv;  ahd.  holön ;  mhd.  holn  =  rufen,  einladen, 
herbeiführen,  Kluge  *,  171)  =  die  Krankhcitsdtt- 
tnonen  holen  die  Menschen  und  Kinder  als 
ihre  Opfer  und  machen  sie  verwirrt.  —  Atem- 
holen  (1420  daz  odtm  hol  =  arteria,  D.  II,  35)  =  Luft 
atmen  mittels  der  Luftröhre. 

holla  =  hol-auf !  richtig,  wohlauf;  nicht  holla 
sein  =  nicht  recht  bei  Sinnen  sein  (Fromm.  VI,  153). 

Holland  -  holländürrrur  Pips,  -Sucht. 

Holle  ( =  Heule,  Ueulemuttcr  -  Holla,  Hulda)  - 
Holleneopf  (Aargau  ;  Rochh.  I,  333). 

holpern  =  „mit  dem  Fusse  beim  Gehen  an- 
Stossen"  (H.  Paul  225). 

Holstein  —  holst  ein it  cfo  r  Aussatz,  -Bauern- 
krankheit,  'Leiden. 


Holz,  n.  =  harter  Stoff  des  Baumes  unter  der  Rinde 
■  (in  übertragener  Bedeutung),  Penis  (Rute,  Prügel) 
I  (Gr.  w.  iv.  2.  1766).  —  er  hat  ein  Hölzl  im  Munde 
=  er  spricht  mit  gehemmter  Zunge,  stottert.  — 
sie  hat  Holz  bei  der  Wand  (Htttte)  =  ist  hoch- 

busip  (Schindler  I.  1103;  Wolf  158;  Tirol,  Bayern, 
wo  Holz  vor  dem  Hause  aufgespeichert  wird).  —  (1546) 
Im  Holz  liegen  =  Syphilis,  d.  h.  eine  Schwitzkur 
mit  Franzosenholz  (Lignum  Guajaci)  dagegen 
im  Holzhauee  (1619)  anwenden  (Laminert240;  Schm. 
I,  1103).  —  In  die  Holzbirnen  gehen  =  sterben  ; 

1  die  heidnischen  Rclhengrabcr  wurden  in  christlichen 
Zeiten  nicht  selten  mit  (verwilderten)  Obstbäumen  be- 
pflanzt u.  bilden  manchmal  traditionelle  FriedesUltten 
(Freithof).  —  Der  Holzmeier  (Dorfmeier)  ist  der 
Tod  (Gr.  D.  M.  Ii,  810)  (der  Förster,  der  die  Baume 
umschlägt).  —  Rinderholz  b.  rinderhalz.  — 
Holz  -fressen,  -Krankheit,  Mann,  -Mar,  -Meier, 

\  -Stimme,  Weibchen,  -Zunge. 
honen  8  höhnen. 

Honig,  m.  Mit  dem  von  den  Bienen  bereiteten,  in 
den  Honigwaben  abgelagerten,  süssen,  kornigen  (xov.; 
sa  Staub)  Safte  wurden  manche  körperliche  Sekrete 
verglichen.  —  Honig- Beule,  -Flechten,  Flecken, 
•Geschwulst,  -Harnruhr,  -Mal,  -  Wabengrint. 

honaz-  (*')  honacktsch  =  galant  —  onax  (s.  d.) 
heimlich  eine  galante  Krankett  (Schmeilcr  I,  im) 
haben,  krank  sein. 

Hoppen,  f  (Hoppern,  Höppel,  Huppe,  Hü- 
belchen, Koppen)  (zu  Hofer,  s.  d  ).  -  §2JJJr 

=  Buckel,  Btlckelchen,  Erhabenheit  der  Haut, 
Akne,  Varus,  Jonthus  (Schindler  1.  1140;  Krau«,  E. 
1082),  meist  mit  ungleichmässiger  Verteilung  und 
von  borkiger,  rufiger  Beschaffenheit  (Beyn.  163; 
;  1584  hoppen,  Wtrsung  ;  1592hoppen  =  Pferdehautkrank- 
heit, Seb.  262)  =  Akne  (l'fochen,  Finnen)  (1687  hop- 
pern =  Finnen,  Georg.  380;  1683  hoppen  =  Pocken, 
I  Finne,  Schw.  301 ;  Brinslug401 ;  Hoppen  =  Blntgeschwar 
i  Im  Angesicht,  A.  v.  H.  II,  1297),  Hoppen-Gescbw&r 
=  Furunkel.  —  Huppe  (Schwaben)  =  Hautbläs- 
chen, das  sich  in  die  Höhe  hebt  (c.  v.  schm.  288).  — 

[im  Hübekhen  | (lC9w  h,ppcl  =  p'pul*e>  pu,tuUe' 
v.  M.  n,  130;  Kopp  v,  128)  =  knötchenförmiger 
Masern -Ausschlag,  BOckelchen.  —  harter  Höp- 
pel- hartes  Hautknötehen,  das  Ober  das  Niveau 
emporragt  (v.  M.  II,  102).  —  (1629)  ruf/Hopp en 
(rot  hoppen  unter  dem  angesicht,  Laubflecken,  Schm.  I, 
mo  sb  Leutigo)  =  Akne-Knötchen  (Gänsedrnsen). 
—  hoppet^voll  Finnen  (= Federstoppel). 

Hör,  m.  (ahd.  horo;  mhd.  hör  —  lutum;  horwe, 
harwe,  harb ;  1125  hör.  horch,  D.  310;  8chm.  I,  115; 
Vieh-Kot,  Schmutz).  —  O-  hör,  Grhül  ••  =  Kot- 
menge. —  Hör-  Sack,  -IVt»rwi. 

horchen  s.  hören. 
Horion  s.  Influenza. 

Horn,  n.  (lndogerm.  ker  [xtfjt-  =  Horn],  dazu  Hirn, 
s.  d  ,  u.  Hirsch  ;  gem.-gcrni.  horna  [cornu) ;  ahd.  hörn  ; 
mhd.  horu;  engl,  com  —  Hühnerauge,  Leht,  157  — 
Hornauge,  hürnen  Auge  {;],  Klugc',172)  -  harter,  spitz- 
iger Auswuchs,  1.  —  das  Horn  mancher  Tiere 
(Hörner,  Huf).  —  2.  =  HornähnlicheB beim  Men- 
!  sehen  u.  Tiere;  a)  Morbui  campanui  HoraUI  (6  Satyr. 


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hornnägeln. 


Horst— Hucke. 


241 


1  Hb.},  syphilitische  Exostose  am  Stirnteil  des  Schädels 
(engl,  borneholic  =  chorda,  s.  Zink) ;  b)  Comu  hu- 
manuni, Excrescentia  Cornea ;  (1010)  das  Horn, 
ein  hornartiger  Auswuchs,  meist  an  besondere 
gedrückten  Stellen  (les  cor«)  u.  beim  Verbrennen 
wie  Horn  riechend,  auch  an  Hunden  u.  Füssen 
als  Hühnerauge  vorkommend  (Behrend  Ki ;  Gr.  W 

IV.  2.  1816  ;  1819  sub,  12)  (Huf  2);  c)  (ahd.)  die  Auf- 
blätterung und  Zerbröekelung  der  Nägel  und 
Haut  bei  Lepra  nervorum,  Aussatz  (vgl.  Horn- 
fall, Hornniigeln,  Hornbruiler)  (Schmeller  I,  1165, 
ziemss.  Hdb.  xiv,  L  634) ;  d)  (1599;  „ein  fleisch- 
licher, aber  hart  wie  Horn  werdender  Auswuchs 
auf  dem  Rücken  des  Pferdes,  der  dasselbe  ver- 
sehrt"  (=  Callus)  (Gr.  \v.  IV,  2.  1319),  dasselbe 
auch  an  der  Wurzel  des  Hufes,  V*  Ei  gross,  sog. 
Zwang  (s.  d.)  (Gr.  w.  iv,  2.  1*50).  (Hornlein).  — 
hörnen  —  aus  Horn,  hornhart,  z.  B.  hörnin  ouge, 
hürntnouge,  woraus  durch  Entstellung  Hühner- 
auge (s.  d.)  gebildet  worden  sein  soll  (Z.  I.  ö.  V.- 
K.  1*96.  :!24).  —  flfhürnt  =  mit  einem  Horn  ver- 
sehen. —  (1776)  Haut-Horn  =  Cornu  cutaneum 
(Horn  2a)  (»ehrend  5;  (l'apillouia),  tierhörner- 
iihnlicbe  Hauterhebungen ,  aus  Hornmassen 
bestehend  und  bornartig  konisch  gekrümmt 
(POlMer  II,  1049;  Kohler  II,  847;  Fuchs  II,  431).  — 
Küster-,  LottcA-Hörn'l  —  Nase,  ähnlich  dem 
hornförmigen  Blechgefässe  (cteignoir),  mit 
dem  der  Küster  die  Kirchenkeizen  ausloscht, 
di impft  (ndl.  kostenhoren,  doniphoorn.  domperhorn, 

V.  K.  VI,  22.  92  II.  52).  —  Mutter-Homer  =  (1712) 
„die  Erhöhung  zur  rechten  un<l  linken  .Seite  der 
Gebärmutter,  in  welche  ein  sonderbarer  Kanal 
oder  Gang  geht,  der  von  der  Geilen  (Ovarium) 

herkommt"  (Zw  288),  —  j  Horn  =  8.  Ran- 

Korn.  —  (unj  ackavmcnd  icü$t(e*)  Horn  (Seb. 

176)  =  ein  Pferdehuf  mit  Mauke- Ausschlag, 
dessen  wüstes  Sekret  wie  Schaum  aussiebt. 

—  tchell  hörnig  —  im  Scherze  für  schellhirnig 
(s.  d  ).  —  (1843)  totes  Horn  =  «las  von  der  unteren 
SohlenÜache  sich  ablosende  Horn  (Falke  II,  371). 

—  versunkenes  Horn  =  durch  Schwund  ein- 
gefallener Pferdehuf  (Seb.  150).  —  Horn-, 
Hörner- .4 usumchs,  -Beulen,  -Blättchen,  -Bruch, 
-Bruder,  -Durchfäule,  -Fall,  -Fuss,  -Haut, 
-Hüjten,  -Javart,  Kluft,  Kolik,  -Krankheit, 
-Mauke,  -Nachlass,  -Nagel,  -Nessel,  -Pocken, 
-Ritz,  -Schaden,  -Schuh,  -Schwamm,  -Schrung, 
-Sohle,  Spalt,  -Strahl,  -  Wüchse,  -Wand,  ■  Warze, 

—  Wurzel,  -  Wurm.  -Zapfen. 

hornnägeln  (hornigeln,  hurnigeln,  hur 
nie  Ion.  hornageln,  hurnögeln,  urneglen. 
fnirnöglen.  uraigeln,  ausigeln,  oanigeln,  igeln, 

ilgern,  SChumigeln):  Allen  diesen  verschieden 
lautenden,  aber  doch  ahnlichen  Wortbildungen  liegt 
das  Gemeinsame  des  Begriffes  „in  den  Finger- 
spitzen empfindlich  sein"  zu  Grunde,  das 
Prickeln  der  mit  Nageln  versehenen  Finger 
oder  Zehen  (durch  Kalte  z.  B),  die  sogen. 
Formica,  die  namentlich  bei  den  Lepra- 
Kranken  sehr  unangenehm  auftritt.  Die  Lepra 
nervorum  macht  paroxystnenweise  auftretende, 
lancinierende  Formicationen,  die  ein  patho- 
gnomonisches  Anfangs-Symptom  der  tuberku- 
lösen  Auasatzform    (=  Hornfall)    sind;  die 


Hornnägel  der  Lepra-Kranken  gaben  Ver- 
anlassung zu  der  Bezeichnung  dieser  gleich- 
zeitigen Sensibilitätsstörung  durch  „horn- 
niigeln"; (älteste  gedruckte  Form  1612  hornageln, 
Gr.  W.  IV,  2.  1826).  Die  Volks-F.tymologtc  suchte  tinch 
dem  Verschwinden  der  Lepra  (am  Ende  des  1<'>.  Jahrb.), 
da  c«  den  „Hornfall"  (s.  d.)  und  „Hornbruder"  (s.  d.) 
nicht  mehr  selbst  «ah,  da  und  dorthin  tastend  nach 
Anknüpfungen  mit  anlautenden  lUzciehuungen  von 
Empfindungen,  z.  B.  ilgern  (.Stumpfwerden  der  Zahne, 
Schmeller I,  CT),  das  Stechen  de«  Igels  etc.  (Ur.  \V.  IV,  2. 
2046);  das  Horn  wurde  zu  hum,  urn,  ja  seilist  mm 
Fnir  (reuer);  (Gr.  W.  IV,  2.  1827);  es  wurde  sogar  der 
Stich  der  Hornisse  »ur  Vergletchung  herangezogen, 
obwohl  daselbst  bereits  auch  der  Zusammenhang  mit 
„Horn"  geahnt  wurde.  (Pbcr  die  verschieden  wech- 
selnden diesbezüglichen  Anlautworte  s.  Gr.  W.  IV,  2. 
1826;  Schmeller  I.  52.  135.;  II,  116ö;  C.  v.  Öchm.  287; 
I   Fromm.  VI.  389). 

Horst,  IU.  (1120  horstiger -horripilatio,  1).  II.  2ÖC) 

=  borstige  Haareteile  am  Rist  (Falke  n,  436). 
Horwe  s.  Hör. 

Horzn,  m.  horzen,  Hoerzi:  (Ablaut  aus  hor- 

chezen,  hochern,  hober  mucheu  —  öfters  aufragende 
Stellen  bUden,  z.  B.  beim  Hocken).  —  Horzen.  Dl. 

=  Höcker.  —  Hoerzi,  n.  -  im  Wachstum  zurück- 
gebliebenes, knorrig  verbildetes,  verkümmertes 

Vieh  (Fromm.  VI,  154). 

Hoschetzer  s.  Hachen. 

Hose,  f.  (germ.  Bezeichnung  für  Belnbeklcidung. 
j  Kluge  *  173  [s.  Buxe  u.  ItuxenwolfJ)  —  stark  ent- 
wickeltes Muskelfleisch  an  dem  Rind-  und 
Pferdo-Hinterechenkel  bis  zum  Sprunggelenke 
(Mayer  14;  Falke  I,  113)  entsprechend  dem  mensch- 
lichen Hosenbein  (s.  d.),  das  hei  Landsknechten 
fleischig  drall  durch  die  Hosen  bemerkbar 
war.  —  gut  behost  —  wenn  <lie  drallen  Mus- 
keln, wie  bei  einer  gut  gemachten  anliegenden 
Laudsknechthose  ausgebildet  am  Pfcrde- 
scbenkel  sich  bemerkbar  machen.  —  kuh- 
hÖSig  (verderbt  aus  kuh-hehsig)  s.  Hächse  (PlercrT). 

Hospital,  n.  s.  Spital.  —  Hospital- Fieber. 
|     Hosten,  m.  s.  Husten. 

Hotsch,  Hottel,  f.  (s.  Höppin)  =  weibliche 
;  Person  (Kröte)  (Fromm.  VI,  155). 

Hotten,  pL  hotten,  l.-s.  Hoden.  — 

hotten  =  coagulare  ,'D  1.  133). 

Hotzel-Potzel  -  Culus,  Po<lex,  einer,  der  an 
den  Hocus-poeus-Handgrifl'  der  Taschenspieler 
I  (Wimm.  229)  erinnernde  Bewegungen  in  eoitu 

muclit  (Schmeller  I,  119'>). 

huchen  s.  hocken. 

Huck,  m.  Hucke,  f.  (15.  Jahrh.  hnech  =  nva. 
passlo  gutturis;  1502  die  hoeck  in  den  hals  i»  uvu. 
I).  II,  387)  -  Hauch  (s.  d.),  Hauchstelle,  Hauch- 
blatt  (s.  d.)  -  l'vula.  —  abgefallene  Hucke,  f. 
(Frischb.  64),  s.  nachf.  —  abgeschossener  Huck 
(ndd.  dalgeschattcne  huk)  =  da«  vom  weichen 
Gaumen  infolge  von  plötzlichem  Kinschuss 
herabgefallene  d.  h.  verlängerte  Zäpfchen 
(Goldschm.  8.  116)  (Angina,  s.  Hauch). 

Hucke  (hu ekeln),  Hucker,  m.  Huckel,  m. 

zu  hocken  («.  d.),  gekrümmt  sein,  sitzen  mit 

16 


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242  Ilübelchen— Hüfte. 


Hiigcl— Hünsch. 


vorspringenden  Hüften.  —  (13.  Jahrh.)  Hucker 
=  Höcker  (Hoffm.  I,  377).  —  Huckcl  =  Buckel, 
Rücken  (Schw.  302 ;  engl,  hucklc  as  Hüfte,  Kai  lach  m.  |), 
—  huckeln  — auf  einem  Beine,  auf  einer  Hüfte 
(seitlich  gekrümmt)  hüpfen  (Gr.  w.  iv,  2.  1305), 
hinken.  —  Huckepack  =  Aufliocker,  Incuhux, 
die  Trud,  Alp  (s.  d.),  der  wie  ein  Pack  auf  dem 
Kücken  hockt  (Br.-Sehff.  32).  —  anhucken 
liocken.  —  irrhuckt  —  verkrüppelt  geslultet 
(Burk  12). 

Hubelchen  s.  Hoppe.  —  HObel-Krankheit. 

hUbsch,  Hübsche,  f.  (gehOrt  zu  hoflsch;  ahd. 
hublsc;  nthil.  hühesch,  hüvesrh.  Kluse  *,  17:;;  «;r.  W. 
IV,  2.  18M  =  das  »m  Miseueliui  auf  die  Btnnc  wirkt, 
angenehm  auffallt).  —  dioHübsch,  1.  ■  die  Schöne 
(h.  d.),  Erysipelas,  Dermatitis,  wegen  der  roten 
Hautfarbe  (h.  rot).  —  2.  —  (15*1)  schöne  I^ibes- 
gestalt  (Krantw.  XXI). 

Hüfel  s.  Haufe. 

Hüfte,  f.  (Bayern,  Tirol)  Hilft.  (Tirol,  Kaminen) 
Huf,  Huff,  (Siebenbürgen,  Sachaen)  Hoff;  (die  «illere 
Wurzel  ist  (Or.  W.  IV,  2.  1871)  cu  (cumulusj,  von  der 
eine  Reihe  Worter  abstammen,  «lenen  der  gemeinsame 
Begriff  des  Emporrasenden,  Kmporstehendeu  liine 
wohnt  vorgerm.  kübl  [x'ißo;  Hohluns  von  der 
Hüfte] ;  gerni.  hüpl;  golh.  hups;  ahd.  huf,  Kluge*, 
173;  Heyne  III,  206;  mhd.  huf  [dauert  auch  noch  im 
nhd.  an,  vgl.  Höfel,  Haufen,  Hüfel];  engl,  hip  -  Hüfte, 
Ii0bf.  183;  ndl.  henp,  De  Cock  307 ;  15.  Jahrh.  huft  [hat 
»ich  noch  erhalten  in  Mundarten];  die  Hüfte  ist  eigeut-  1 
lieh  der  l'lural  von  Hüft,  m.),  1.  =  „der  zwischen 
den  letzten  Kippen  und  dem  Schenkel  des 
Menschen  u.  Tieres  befindliche,  äussere,  etwas 
erhabene  Körperteil  unter  den  Weichen,  der 
vom  Hüftenbeine  gebildet  wird"  =  Hüfte,  Coxa, 
(eosela  [euUse,  coisse,  «jueuase,  cauches,  cüsses],  cossia, 
COm,  Du  Lange  II,  .'«92.  593 ;  Brlss.  29}  mit  Umgebung,  I 
z.  T.  also  auch  Femur  u.  Lende  (Lumbi)  [Ut.  W. 
IV,  2.  1871),  sowie  Climen  (8.  Jahrb.  hufphi  =  clune«, 
coxae,  Itab.  Maur.  65.  add.  huf  =  os  coxae,  roxa,  femur 
lumbl.  Hyrtl,  K.  W.  ;  U.  Jahrb.  huff  —  femur,  Voc.  opl. 
W.  12;  1Ü0  huf  —  nates,  D.  37C;  1482  hufft  —  femur, 
Zcnlug.  Vor.  p2,  IC  Jahrh  nin  huff  —  asrella,  Vorder-  I 
hiifte,  I>.  53;  1506  hyff  =  Hüfte.  Inchenh.  Mir.;  1561 
huff  =  femur,  Or.  W.  IV,  2.  1871;  1691  huff  =  femur. 
Had  Jun.  35;  1618  hyff  s  coxa.  Schweiler  I,  10»«,  1652 
hufft  =  femur.  Hyrtl,  K.  W.  38).  —  2.  (hufft  =  hofer, 
i.  d.)  =  Gibbus,  Kyphosis,  Höcker  als  der  her-  I 
vorragende  Teil  (s.  o.)  (Sehw.  304  ;  Iliutner  ».  18; 
1628  hufft  =  Hofer,  II.  v.  «Jered.  97;  gibbus).  —  3.  = 
Hüfel,  s.  Haufe  und  Hufcl.  -  hüftig,  1.  -  auf 
die  Hüfte  oder  2.  =  auf  den  Huf  (s.d.)  bezüglich. 

—  3.  =  s.  heften.  —  (1699)  aufgelöste  Hüften  ■ 
Schlotterbeine,  die  wie  aus  der  Hüfte  ausgelöst 
baumelnd  bewegt  werden  (v.  M.  I.  67).  —  Bein- 
Htifte^  Hüftbein  (s.  d  ),  Os  coxae  (Gr.  W.  1, 1387) 
zum  Unterschiede  von  der  fleischigen  I,enden- 
hüfte  (Lumbi).  —  «w-tjrhttft  s.  heften.  —  ein- 
hüftig  =  mit  einer  Hüft«  niedriger  oder  diese  i 
nachschleppend  gehen  (Mayer  93),  einseitig  an 
der  Hüfte  schwindend,  Kinhanker.  —  (1449) 
FraUi  K-HÜfte  (frawenhüff  =  feinen,  Schm.  1.  1063) 

—  die  weibliche  Hüfte ;  sie  ist  weiter  hervor-  j 
ragend  als  die  männliche.  —  gehörnte  Hüften 

=  wie  ein  Kuhhorn  stark  hervorspringen. le  ! 


Hüflknochen  beim  Pferde  (Zlpp.  9»).  —  gross- 
huftig  (engl,  great  hipped)  =  mit  hohen,  stark  vor- 
springenden Hüftknorren  versehen.  —  (lMftj 
Hinter- Huft  Hinteischenkel  d.  Pferdes  (« «der. 
Pf.  8M).  —  (1419)  A/nw«*-HÜfte(manshuf.  huffe.  hufft. 
•huff.  Sehmeller  I,  1063;  D .222  j  nmnxtbul,  niaoueabufft. 
man  hufft  femur,  «ir.  w.  IV,  2.  1871).  —  Schenkel- 
Hüfte  =  11  tili"  am  Schenkel  =  Coxa,  Coxendix 
(Gr.  W.  IV,  2.  1871)  zum  Unterschiede  von  der 
oberen  (Lenden)- Hüfte.  —  Vorder -Hüfte  = 
Pferdebug.  —  uxin  hüftig  s.  Huf.  —  Weiber- 
Hüfte  (1428  weybhuffte  -  fernen,  Zening.  Voc.  nu  4; 
16.  Jnhrh.  wybeshofl,  welbeshufft  =  fernen.  Gr.  W.  IV,  2. 
1871)  =  Krauenhufte.  —  Hüft-^rfcr,  -Bein, -Drüse, 
■halz,  -Holz,  -Knochen,  -Krankheit,  -lahm,  -Pein, 
■Ifonne,  -Schale,  -Schloss,  -S<huss,  -Strauch, 
-Sucht,  -  Weh,  -  Winkel. 

Hügel,  m.  (zu  hoch  [s.  d.)  m  massige  Erhöhung). 

—  /)ojo/)f/- Hügel  —  weiblicher  Busen  (Heyne  III. 
206).  —  (17.  Jahrh  )  kleine  Hüglein  ■  Carunculae, 
Keigwarzen  (Pr.  II,  296).  —  Leber- Hügel  -  die 
Erhabenheiten  an  der  Leber  neben  dem  Pfort- 
ader-Einsrange, Tuberculnm  papilläre  et  cau- 
«latiim  (Wenk  282).  —  Scham-,  Schoss-,  Venus- 
Hügel  -  Möns  Veneris  (Slebold  31).  —  Thränen- 
Hügel  -  (1728)  Thrilnen- FleiHcliehen  =  Caruncula 
lacrymalis  (l.eveling  304 ;  Hyrtl,  K.  W.  18»), 

Hühner  s.  Huhn. 

Hülle  s.  Hiebt  u.  Höhle  (sub:  hohl). 

Hülse,  f.  {irerm.  buhl  [verbergend  verhüllen  j  ;  ahd. 
huiisa.  hulsa,  mhd.  hülse,  Kluge*,  174)  =  häutig«'« 

Behälter.  —  (1.28)  Schwan tz -Hülse  -  Präpu- 
tium als  Hülle  des  Penis  (H.  v.  Gersd.  14,  Hyrtl, 
K.  W.  141). 

huempeln  b.  humpeln, 
huenen  s.  hienen. 

Hünsch,  f.,  m.  Hinsehe,  Himsche,  f.  Hendsch. 

hunnisch  (entweder  zu  1.  hune  Kiese,  Henne  [Huiiu 
in  Ortsnamen  ist  -  Hoben]  oder  sehr  viel  wahrschein- 
licher zu   2,  hüne       l'ngar  [limine,,  urgerm.  bnnB 

—  hochgewachsenes,  riesiges,  fremdes  Volk.  Kuhn, 
Z.  X,  275;  aitgerm.  hunike  ( =  hunnisch);  germ.  hune; 
ahd.  hun;   mhd.  hiune  =  Riese  [dies  erst  seit  dem 

13.  Jahrh. 1  =  Henne,  Kluge*  175;  hiuniseh  ~  hünsch, 
hlnseh.  «.r.  \V  IV,  2  1202;  eouf.  hnulsc  druba  -■  hun- 
nische Weintraube,  e<iuus  büuiscus  —  Wallach  [hongre] 
und  heunlscher  Wein  =  t'ngarwein ,  II.  Z.  VI ,  267 ; 
hutintscl  as  ctjui  ex  huuguriu,  Du  fange  IV,  265).  — 
I  die  Hünsche  (««•iL  Sucht  oder  Krankheit)  ist 
vor  allein  eine  aus  dem  Ungarlande  (z.  B.  die  82t) 
und  1223  am  l'ngaru  gekommene,  Schnurrer  I,  172) 
durch  den  Viehhamlel  uiul  Keldzüge  so  und  so 
oft  nach  Deutschland  gebrachte  Viehseuche  «ler 
Pferde  (Rinder,  Schafe,  Schweine ;  vergl.  auch 
Kog)  (1551  hynseh^eine  Seuehe  beim  ltindvleh.  Bock 
126.  ;i09;  1".  Jahrh.  huensch,  f.  -  Bindviehseuche,  K. 
Kr.  B.  391 ;  Schweiz :  Hündscbe.  Hündscbl  =  eine  brand- 
artige Seuche  unter  Menschen  und  Vieh,  Gr.  W.  IV. 
2.  146S)  u.  zwar :  a)  AI  i  1  z  1»  r  a  n  d  ,  iler  auch  heim 
Menschen  vorkommt,  namentlich  aber  ist  der 
Milzhratul  beim  Pferde  gemeint,  d.h.  die 
hunnische  Blattern  -  Milzbrand- Karbunkel, 
Anthrax-Beulen,  ungarische  Kose,  Drache  (s.  d. 
-Lintwurm)  (Schindler  ist'  —  :r-vO  der  lau/ende 


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Hansell. 


hüpfen— Huf. 


Hendsch  —  eine  Pferdekrankheit  (=  laufender 
Brand,  im  Gegensatz  zum  Flugbrande)  (Gr.  w. 
IV,  2.  085.  u.>  stets  auf  eine  Krankheit  der 
i'ferde  mit  innerliehem  Brande  bezogen;  sie 
beginnt  damit,  dass  das  Tier  von  Zittern 
und  Schaudern  ergriffen  wird,  dann  fahren 
rasch  (laufen)  gelbe  Knöpfe  (Anthraxbeulen) 
an  den  Adern,  die  von  der  Leiste  bis  zur  Brust 
verlaufen,  auf;  daher  auch  „kalte  Geschwulst" 
o.  auch  der  „gelbe  Knopf"  genannt  (v.  M.  I,  53; 
Kochholz,  Zelucbr.  f.  J  Mjrth.  IV,  117) ;  da  dabei  auch 
Lungen- Krscheinungen  vorkommen  können, 
so  werden  auch  herzsehläehtige ,  keuchende 
Ro«se  als  „hinseh"  bezeichnet  (1591.  Had.  Jim.  63; 
vgl.  Ali»  XII,  wo  schweres  Atem,  Keuchen  hol  Pferden 
als  Hintsch  [durch  den  Alp  verursacht]  aufgeführt 
wurde ,  Gr.  W.  IV,  2.  UM.  1470] ,  h)  der  II  I  ]  z- 
hrand  am  Euter  der  KDhe  (Anthraxbeule) 
mit  Eiterbildung  (ungarische  Kose,  s.d.)  (Bayern, 
Übeln!'  Hessen],  durch  Übertragung  vom 

Pferde  auf  die  Kahe  durch  das  Melkerpersonal 
damit  auch  der  Name  übertragen  (ür.w.  iv,2.  I4«s), 
eine  Verbreitungsart,  die  beim  Volke  sehr  oft 
als  durch  Verzauberung,  Verhexung,  An  wünsch- 
ong  oder  sonstige  dämonistische  Einflüsse  er- 
folgt angenommen  wird  (Gr.  W.  I,  i?46 ,  Seh  melier 
L  1119);  e)  (l^os)  Pest  fie  bor  beim  Menschen, 
namentlich  wenn  sie  durch  den  Verkehr  mit 
Ungarn  (Orient)  herausgeschleppt  wurden.  Hie 
Hünsch  =  Beulenpest  (Gr.  W.  I,  1746;  iv,  2.  146S. 
19.3) ;  heunsche  Blattern  =  Pestbeulen  (1621)  = 
Bubo  (pestilentialis)  (Dr.  Minderer;  Schm.  [,  1119). 
Das  epidemische  oder  epizootische  Auftreten 
solcher  Seuchen  hat  das  Volk  von  jeher  Krank- 
heitsdämonen, namentlich  solchen  in  Drachen- 
gestalt zugeschrieben,  u.  diese  letzteren  erhielten 
dann  den  Namen  der  Krankheit  (eonf.  die  l'estin, 
das  Gefraisehlein  etc.),  so  dass  11.  der  Hünsch 
-  die  Hünschen  (Hüntschen,  Höhnische) 
Gr.  D.  M.  II,  Iii:.;  Wutlke  §  697;  Knhu  Wcstphal. 
Sagen  □,  211)  als  Krankheitspersouen  in  Segen- 
sprüchen, Verwünschungen,  Flüchen  auftreten 
(s.  Alp  XII),  da  nur  böse,  fremdartige,  alpische 
(elbische)  Wesen  nach  früherer  Annahme  des 
Volkes  solche  Krankheiten  herbeizaubern 
konnten.  Die  Beziehung  (I)  zu  Hünen  -  Kiesen,  wie 
sie  tiriuim  (1.  c.)  und  seine  Nachfolger  in  den  Vorder 
grund  stellten,  ist  demnach  nicht  nötig.  III.  Daus 
Hinsch  —  Keuchen  des  Kindviehs  od.  Alp  (s.  d.j 
ist,  erklart  sich  aus  dem  Gebrauche  de» Hünsch 
krautes  (-  Hanfl  gegen  den  Alp  (12  Jahrh.  hn- 
nlchlschie  würz  =  espurium  [eupatorium  cannat.inum. 
Jessen  147.  3i"  ;  D.  210]  =  Alpkraut ,  vergl.  was  Kluge1. 
VA  über  das  Wort  Uanf  sagt;  das  Bedürfnis  nach  nar- 
kotischen Mitteln  war  sicher  uralt).  —  hünnisch 
([1591]  heoniSChj  (bayerischer  Wald,  Wiüsern)  in  Be- 
tug  auf  Hunger  ist  nur  Verschlechterung  au* 
hündisch  (Schm.  I.  1119;  Gr.  W.  IV,  2.  1291),  l.  = 
heisshungerig  (s.  Hunger  ;,  Bulimus.  —  2.  -  siehe 
hündlieh  (Hund).  (Uegen  die  Hinsch  versuchte  man 
das  Hinsch-  ;(Jüuz-]Kraut  —  15a3  hyuM-hkraut  —  cha- 
maepitys,  D.  92;  1V,1  Solanum  dultauiara,  Stnlliix,  Bock 
309;  17.  Jahrh.  Hynd»chkraut  =  Amara  duli )|l  (  Dul- 
camara],  F.  Kr.  B.  43;  Taberoaemont. ;  Jessen  38.  152. 
381;  schon  ahd  hunlica  [herbaj.  Wackeru.  Wetsobr. 
Ütb.  S.  82,  auch  Heun-Wurz  ■  Helleborui  aiger,  Brand- 


würz;  als  ,,Alp"  vertreibendes  Mittel  ist  hiebe!  nur 
der  aus  dein  Heunenlande  bezogene  orientali.-che  Hanl 
zu  betrachten). 

hüpfen  (hoppen)  (tnhd.  hupten,  Kluge  \  175 ;  engl . 

hop).  —  Dan  Hupfen  im  Leibe = Kindabewegnng 

(Floss-Bartels  I,  574).  —  (1795)  Sehuc /i-Hüpfen  = 

Muskelzuckungen,  wobei  auch  deren  Sehnen- 
fäden sich  mitbewegon ,  Subsultus  tendinum 
(Frank  59). 

hürgeln  s.  hircheln. 

Hütlein,  n.  s.  Haut. 

Hüttel.n.  =  Güttel,  s.  d.  u.  Hut  (Kohler  V.Gl.  398). 

Hütte,  f  (ahd.  hutta,  nihd.  hutte,  aus  der  gleichen 
Wurzel  wie  Haus  und  Haut  [s.  d.]  =  bedeckter  Schul i- 
ortl.  —  (tOul)  //crr-Hütte  (hutte  des  herUens,  Hyrtl, 
I  K.  W.)  =  Herzkammer,  Ventricnlus  cordis,  als 
Blutkasten  (s.  d.).  —  Hütten- Katie,  -Kotz, 
-Krätze. 

Huf,  m.  (vorgerm.  kopo  ;  gerrtt.  hofa ;  goth  bofs, 
ahd.  huof,  Kluge  5,  173;  14  Jahrh.  huob  =  ungula,  Voc. 
'  opt.  W.  12;  htiffo  =  hubo  =  hübel  —  uvula,  H.  Z.  VI. 
32'.;  tnhd.  huof,  hueve,  pl. ;  1182  hufT  =  ancha,  Klaue, 
knewl,  Z^ning.  Voc.  p2;  HS2  huelf  —  ungula  e<|ul, 
Heyne  III,  201 ;  ndl.  hoef-die  hornartigen  Klauen 
(Knäuel)  am  Fussende  mancher  Tiere,  bezw. 
des  Menschen,  1.  =  der  mit  Horn  umgebene  Teil 
des  Tierfusses,  Ungula,  Hornfuss.  —  2  =  die 

MlrrUr«  Srrahlfurcht 

Ballen 

Hornstrahl 
Trachren-Wand 
EcKarreben 
Seitenwand 
'  Weifse  Linie 
Zehen -Wand 

^  Horn-Wand 

Horn -Sohle 

Hornhaut  an  den  Händen,   die  sich  durch 
harte  Arbeit  (Fingellohn,  s.  d.)  bildet  (('allus) 
(<ir.  W.  IV,  2.  lSM-,1.         Ii.  (Zapfen,  eine  Erhöhung, 
Rundung,  Knäuel  Im  Schlund.  H  Z.  VI,  326  =  Huf 
Watt,  schm.  i,  nx>»>  =  das  Zäpllein  (s.  d.)  als 
i  knäuelformig  geschwollenes  Organ  (wohl  be^er 
nls  entstelltes  Huch  [s.  d.]  zu  deuten).   —  After- 
Hufe,  pl.  =  überzählige,  kleine  Hufe  meist  an 
j  den  Vorderbeinen   des    Pferdes;    ein  Küek- 
j  schlag  auf  Vielhufer-Ahnen  (Pierer7.  r.aö).  —  (lctö) 
G-hufe,  -Grhöfe,  n  -  Hahnhuf  der  Pferde 
(<  oler  Pf.  371).  — au</cn-hüng=  wenn  der  Pferde 
huf  Löcher  (=  Augen,  Auge  II.  3)  hat  (<:r.  w. 
I,  KM),  —  (IM»]  WucA-hüflg  -  flaehhulig,  platt» 
hufig  (•'olerl'f.  371).  —  Bock-Hof  =  hochträchtiger 
Pferdehuf  mit   senkrechter  Zehenwand  und 
stockartig,  steilgestellten  sogen.  Bocksbeinen 
(Falke  1, 143).  —  ««</(<•  hüfig  =  einhüftig(s.  Hüfte), 
einseitig  gehend  (Burk  12).  —  (l  >92]  /Vs./a-Huf  - 
schmaler,  hoher,  aber  kleiner  Pferdehuf  (Herbst 
14;  Seb.  211;  Falke  I,  2«.:l)-  —  flach-,  hart-,  tief-, 
.  imYA- hufig  (selbstverhtändliche    I lufbezeich- 
j  Bangen).  —  Gagen-  (hmsj  GY</tn-Htife  =  der  iä|>- 
pige  j».  d.)  Zustand  an  der  dem  eigentlichen 

16« 


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244  Hufe— hugen. 


Hnhn— Hund. 


Hufe  des  Pferdes  gegenüber  stehenden  Köte  J 
(etiler  Pf.  «71;  v.  M.  I,  56).  —  (17.  Jabrh.)  Hahn-Rvd  • 
(lianhufi,  K.  A.  677)  =  ein  rauher,  schuppender, 
warziger  Pferdeimf  (Hahnenhorn,  s.  Sporen  2,  i 
Anhuf).  —  Igels-Hut  -  Igelfuss  (b.  d.)  (Falko  I, 
432;  K.  A.  677).  —  Klump-Haf  s.  naehfolg.  (Falke 
II,  ls).  —  /.•'«•/.•  hufig  —  durch  Kntzündung  des 
Hufbeins  und  krankhafte  Hornbildung  an  der 
Hufsohle,  namentlich  am  Zehenteile  knollig 
missgestaltet  (Mayer 39.  ii6;  Kalkt- II,  28).  —  Oclisen- 
Huf^=  Hornkluft,  Hornspalt,  wo  der  Pferdehuf 
gespalten  ist  wie  beim  Klauen-Vieh  =  Ochsen- 
spalte  (Or.  W.  VII,  1135;  IJalke  II,  170).  —  platt- 
hufig  (mhd.  blatehuof,  Kluge  »,2*7;  Mayer  125;  Gr  W. 
viii,  is3ü)  -  satthulig,  flachsohlig,  so  an  der  Huf- 
sohle ausgefüllt, vollhufig,  dassdie  Wölbung  der 
Sohle  sogar  über  der  Trachten  wand  nach  unten 
hervorragt.  —  Räch-,  2?c/«-Huf  =  eine  entzün- 
dete Huflederhaut  mit  Formverilnderung  des 
Hufes  u.  Funktionsstörung  (s.  Hufrache)  b.  Pfer- 
den (Kalke  II,  231).  —  Ring-,  Ringel-Hof  =  der  Teil 
des  Pferdchufes,  den  das  sog.  Kingbein  bildet 

(Mayer  56).  —  (i:>41)  Sfl/f-Huf,  JJ^jU  j  L-eln 

Pferdehuf,  dessen  sog.  Leben  (Kern)  zu  stark,  j 
zu  voll,  zu  dick  gewaebseu  ist,  so  das*  er  des 
Lebens  zu  viel,  mehr  als  notig  hat  (1592,  Beb.  irr.. 
177.  212  satt  hüftig  =  dc  la  acte  uu  »elule;  Gr.  W.  VIII, 
18.10).  —  2.  (salhtefig  «=  plOtUI  Ut  eijuus,  D.  442)  m 

klumpfüssig.  —  schiffer  Huf  -  ein  Pferdehuf,  j 
dessen  eine  Trachten  wand  niedriger  als  die  an- 
dere gestellt  ist  (ZIpp  l'Jl ;  Kalke  II,  27'.).  —  »prüder  | 
Huf  =  ein  leicht  splitternder,  gebrechlicher  Huf. 

—  Stock  Huf  Bockhuf.  —  strupf-ho&g  =  mit 
einem  Straubfuss  (s.  d.)  behaftet  (lt.  a.  828).  — 

Vol!-  {  hufig  um  1  -  ein  M-  ",Ier  Platth,lf 

höheren  Grades,  wobei  die  Sohlenwölbung  be- 
sonders voll  erscheint  (Scb.  212).  —  (1102)  wann- 
hüftig  ( N'W-Hueff)  (Seb.  IT...  177)  -  fehlerhaft 
(s.  wan)  gebildeter  Huf  des  Pferdes.  —  Wasser- 
Huf  =  ein  besonders  weicher,  angeblich  durch 
zu  vieles  Waten  im  Wasser  weich  gewordener 
Pferdehuf  (Kalke  II,  129).  —  Zienng-Kof  m 
ein  Pferdehuf,  deswen  Strahl  verkleinert  und 
dessen  Hallen  emporstehend  ist,  so  dass  er 
hinten  zusammengezwängt  erscheint  (h.  lluf- 
ZWailg)  (Falke  II,  165;  Mayer  119.  122}  —  Huf- Abfall, 
•Brand,  -Eisen,  Erschütterung,  -Falz,  -Grint, 
-Haar,  -Hohle,  -Knötigkrit ,  -Lähme, -Mangel, 
•Rahe,  -Ring,  Scldag,  -süneeinw ,  -Sehuinne, 
-Schwund,  -Seuche,  -Spalten ,  -Wand,  -Zehe, 
-Zwang. 

Hufe  s.  Haufe. 

Hufel,  n.  (ah<i.  hiuflia,  Muteten  =  Buckeiucbltfe, 

GralT  IV,  n:i2;  mhd.  hnt,  hinfel,  hüfcl.  I.cxer  102.  103. 
108;  15.  Jabrh.  büflel  —  Rena.   1>.  641;  1468  huffel 

—  geua,  est  pars  factel  tibi  barba  Inchoat  naquo  ad 
oniloa  i.roiensa,  D.  11,  190)  =  Hacken,  Wange,  die 
lleiechigeren,  runderen  Teile  an  derselben. 

Hufer  s.  Höfel. 
Hug,  m.  b.  Hauch. 

hugen,  -huge  [nord.  htigr  Men»chensecle,  Golth. 
M;  [uianiialiiiKiri,  ahd.  hugjan  -  denken  ,  mhd  hugen 


■  gedenken,  buht  =  Gedächtnis  ,  Hoflraann  I.  377,. 

—  ßrhüge,  f.  n  (ahd..  8.  Jabrh.  kyhukkiu;  1260  gc- 
huifet;  mhd.  gehügede,  f.  —  tiedacbtnl* ,  Pfeiffer  63; 
Pfeiffer,  Korseh.  u.  Krit.  11,32;  ndl.  geheugen,  DeCock  7; 
das<;ehüge  liegt  naeh  frnherer  Lehre  [1260]  iu  einer  Zelle 
[  =  Slebbcinzellen],  worin  sieb  auch  da«  Phlegma  [RolxJ 
befindet,  daher  Niesmitlel  das  Gedächtnis  bringen 
tollten,  Schindler  I,  1061). 

Huhn,  n.  —  Hühner  . !>  <  '',  -Augeu.*,  -Bein, 
-Bline,  -Brust,  -Cholera,  -Gall,  -Geile, -Nest, 
■Pest,  -Pocken,  -Sucht,  -Weh,  -  Wurzeln, -Zip f. 

Hummel;  hummlet,  hummelich  -  keine 

Horner  haltend  (naeh  Schindler  I,  1112  au»  dem 

■tev.  komoiy).  —  hummel-K?i**%. 
Hummer  s.  Hunger. 

Humor,  m.  (oberbayer.)  Hamor  ;  (sauskr.  hu  - 
Opferguss  ;  vorgerni.  ghud  =  ehymus,  //»JA«  —  Krguss, 
Kluge'.  139;  Brlaa.  85;  lat.  humor  ■  Feuchtigkeit, 
Keuchte).  1.  =  der  Lebenssaft  (s.  Feuchte)  im 
menschlichen  Körper;  entsprechend  den  -I  äusseren 
Natur-Elementen  nahm  man  bis  auf  Paracelsus  auch  im 
menschlichen  Körper  t  Huuiores  an  (Cholera,  Sangul«, 
Phlegma,  Melanclmlia),  welche  dessen  Konstitution  be- 
dingen (s.  d  )sollten  ;  daher aueh  2.  Humor  (16.  Jahrb.) 

Laune  (s.  d.  u.  Cholera,  Sanguiniker,  Phlegma 
u.  Melancholie)  als  Gemütsstimmung,  die  der 
betr.  Keuchten  (Humor  1)  entsprechen  sollte. 

—  Humoral-  Krankheit. 

humpeln  (humpen,  himpen,  [Schweiz]  huem 

peln)  (18.  Jahrh.  Ablautform  von  hinken,  Kluge  174; 
sehmelier  I,  1113)  =  plump,  wie  hinkend  gehen 
(Gr.  W.  IV,  2.  1908;  Sehw.  305;  engt,  hlmple). 

Hund,  III.  Der  Vermutlich  nach  seinein  htinenden 
(Sehmelier  I,  1121)  Ilellaute  benannte,  behaarte  llttud. 
dem  Bts-Igkeit  ,  Gefräßigkeit  und  Geilheit  zum  Vor- 
wurfe gemacht  wird ,  gab  trotz  seiner  guten  KJgen- 
schatten  als  grenzenlos  verachtetes  Tier  zum  Sehimpf- 
worte „Hund"  Anlas*,  (indogerm.  kun  — Hund  [eanis, 
schon  getrennt  von  „Wolf"];  gern  -germ.  hunda;  ahd. 
bunt,  mbd  hund,  Kluge4,  174);  dies  soll  in  Namen- 
Verblnduugcn  uiei-l  du*  Verächtliche,  Unglückliche  (als 
Kegleiter  der  Hella,  Tode-gOttiu,  Koebholz  I,  159).  Ver- 
fiuebte  andeuten  ;  bei  den  Sudslaven  Ist  nach  F.  8. 
Krauss  Hündchen  eine  Koseform  für  Aphlhenbläscben 
oder  Sch wammchen,  die  iu  Segensformeln  besprochen 
und  damoiilstEsrh  aufgefaßt  wurden.  —  GicAf-Hund 
=  tler  heissend  gefühlte  Gichtschmerz,  wie  von 
einem  wütenden,  fahrenden  Tiere  (s.  d.)  verur- 
sacht (Sehl  127).  —  J/e/d-Hund  =  Oidium  albi- 
cans, Soor,  Hebe,  Sch wammchen,  Alcola  (Avl- 
cenna),  das  Mehl,  Mehlgrat  etc.,  zum  Unterschied 
vom  roten  Hund  auf  der  Haut,  Mueor  glauctis 

—  Hundahaar  (Schimmel)  (Gr.  W.  II,  640;  Schm. 
I,  1129;  Falke  II,  108;  A.  v.  H.  i,  49)  (vergl.  Hunds- 
Alter)  —  roter  Hund,  I.  —  Sch  weiss-  und  rote 
Ines. -In  (Nciaeln?  Röteini)  (1577,  ndl.  roothont 
=  sudatnlna.  D.  56|  j  1591  rothont  st  Zittertnal  ['],  rube- 
obie.  Krau«,  E  906;  ndl.  roothont  [Im  Volksmnnd  ent- 
stellt roudvonk,  roodjonk],  l>e  Cock  170.  2"K);  Hatl. 
Ivo.  381;  (ir.  W.  iv,  2.  1919;  Gr.  D.  M.  II,  1108)  als 
eine  Art  von  beissender,  juckender,  quälender, 
verfluchter  Krankheit.  —  2.  =  Hunde-Räude, 

|  die  rote,  aufgekratzte  Haut  macht.— 3.  =  Tropen- 
i  Ausschlag,  Liehen  tropicus,  prickly  beat,  wiedie 


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Hunger. 


Hnppe— Husten.  245 


Hunderäude  (Hundsgrind)  nesselartig  juckend, 
Erytheraa  laevo,  papulosum  8.  bullosum  {M.  M. 
w.  1S97,  S.  92).  —  4.  =  auch  Scharlachfriesel  (nach 
Hccker  22«).  —  weisser  Hund  (Gr.  D.  M.  II,  1108). 
vermutlich  der  weisse  Mehlhund  (s.  o).  —  hün- 
d(i)sch  -  kränklich,  elend  (bei  Bauch-  u.  Kopf- 
weh) (Gr.  W.  IV,  2.  146$).  —  hündlioh  (hinlich) 
iBaull  140)  —  matt  wie  ein  Hund,  hundsmatt.  — 
Hunds  (hÜndi*ch[e,er,a\)-Alter,  -Appetit, -Blat- 
ter, -Bräune,  -Elend,  -Fleisch,  -Fotze,  -Frass, 
-Fud,  -Grint,  -Haar,  -Hunger,  -Husten,  -Kopf, 
■Krätze,  -Krampf,  -Krankheit,  -Lachen,  -Leben, 
■mager,  Mensch,  Nase,  Fest,  Pocken,  -Raserei, 
-Räude,  -Ring,  -Rott,  -Schlaf,  -Schnatize, 
•Schueppel,  -Schüttler,  -Seuche,  -Sporn,  Staupe, 
-Sucht,  -Täube,  -Taubsucht,  -Tollheit,  Übel, 
•Unsinnigkeit,  -  Wurm,  -  Wut,  -Zahn. 

Hunger,  m.  udogerm.  kenk,  konk  [=  nuälen, 
schmerzen! ;  vorgerm.  knkru-;  gein.-germ.  hunhru- 
( Hunger],  huneru;  germ.  hanhon ,  ahd.  hungar;  mhd. 
hunger,  Kluge1, 175)  =  Farnes  (vergl.  Appetit),  Ess- 
begierde als  Gemeingefühl,  dessen  Steigerung 
zur  krankhaften  Qual  wird.  —  itöroi-Hunger, 
1.=  Wolfs-Hunger,  der  alles  auffressen  konnte 
wie  der  gewaltige  Bar  (13.  Jahrh.  hunger-giilger  ber). 

—  2.  =  Honig-Gelüste  (Wöstmann  fio).  —  blutiger 
(ß/u/'-Hunger  =  ein  Hunger,  der  das  Blut  in 
Wallung  setzt  (Heiss-Hunger),  vehementissima 
fames  («r.  w.  II,  1.84).  —  brutiger  Hunger  (Algan) 
=  brutheiHser  Hunger,  Heisshungor  (Schmellcr  I, 
374).  —  GoA-Hnnger-  Heiss hunger,  dei  jäh  ein- 
tritt, namentlich  bei  hysterischen  Weibern,  Bn- 
limia  hysterica  (Eichhorst  II,  7«;2),  darum  auch  als 
„Hexen"-Wirkung  u.  Folge  des  Gäh-Wurmes 
vom  Volke  angenommen  wird  (s.  Hexe)  (Buck  13; 
ndl.  geeuw-,  vee-hongcr.  De  Cock  1S4).  —  (14*2)  grim- 
»»«'Hunger  =  schrecklicher  Hunger  (C.  v.  Megbg.  j 
rnuli  131).  —  2Zeü«-Hunger  =  ein  das  Blut  in 
Wallung  versetzender  Hunger,  Bulimia  (Samuel 
176).  Appetitus  caninus,  wobei  ein  hoher  Grad 
innerer  Wärme  (Vagusreizung)  verspürt  wird 
(«ir.  W.  IV,  2.  918;  1352  orexia  s.  orexis,  ardor  a  tartaro 
i ii  st'imacho  excitalus,  Du  fange  VI,  631.  —  heiss- 
hungerig  =  hflnnisch  =  hündischer  Hunger 
(Schindler  I,  1119).  —  h eil  hungerig  =  bis  zur  Er- 
mattung fs.  hellen)  Hunger  leidend  (Sehmelier  I, 
10*2)  —  Hunds  Hunger  =  hündischer  Appetit 
( Loniceru«),  Farnes  cani na,  der  starke  Grad  des 
Kressfiebers  (h.  d.),  Kuh-  o.  Wolfs- Hunger  (,,ver- 
mls  lacertae  slmilis  In  stomaeho  hominis  habitat"  [Herz- 
wurm, *.  d.  2;  vgl.  aueh  Magen  und  Werren  51,  Or.  D. 
M-  II,  1112;,  l.  =  der  nagende  Hunger  (1533  Hunds- 
hunger —  ..eine  Erfüllung  de*  Magens  In  soleheu  Matthen, 
duss  er  nicht  befindet  die  Leere  anderer  Glieder;  ein 
Hunger  aller  Glieder  ausgenommen  des  Magens"  (Fries 
103} ;  (1576), .Ilundshunger  eine  Krankheit  des  Menschen, 
wobei  dicLcut  nimmer  satt  werden4*;  (1603)  eine  Krank- 
heit der  Pterde,  appetitus  caninus  (Gr.  W.  IV,  2.  1937; 
1019  Hundsshunger,  Wildbrunn,  Wcluheim  17;  <ir.  W. 
IV.  1.  138;  V,  2556;  1725  Hundshunger,  Th.  S.  Br.  612). 

—  2.  —  auch  das  Magengeschwür,  habituelles 
Erbrechen  und  der  M  agenkrebs  scheint  darunter 
verstanden  worden  zu  sein,  „wenn  die  Speisen 
immer  wieder  ausgebrochen  werden  trotz  allem 
Hunger";  der  «efrässige  und  nagende  Hund 
wurde  «um  Vorbilde  für  diese  Art  von  Hangar* 


I  Gefühl.  —3  =  Hnngerübel  (s.  d  ).  —  Kuh- 
\  Hunger  =  der  Bulimus,  Bolisinus  |ävi>.:u.©e,  (D.  »5; 
aus  Aviecnnn  clurch  Übersetzung  übernommen  ;  1532 
küw-hunger,  Fries  KU;  1615  kuhhunger,  Coler,  H.  A. 
1*0 ;  1725  =  fames  canina  „zu  starker  Magen -Appetit", 
Zw.  82»)  =  Ochsenhunger, fahnde  boeuf, boulimie. 

—  Lw/f-Hunger=  Dyspnoe  im  Gegensatze  zum 
Speisehunger  dos  Magens.  —  Or/tsrn-Hunger 
(Übersetzung  des  £o''>.V.u.«i£  -  jjls-j ot^  Xt|ii>':,  also  eigent- 
lich bulimus  —  1475  ein  scer  groyt  hunger;  15.  Jahrh. 
unezeydiek  hungir,  unsclellch  hunger,  D.  85)  =  ein 
grosser  Hunger,  wobei  der  Körper  trotz  des 
Essens  doch  nicht  zunimmt.  —  (1532)  Ohnmacht- 
Hunger  =  Fames  syncopalis  (,, daran  stirbt  der 

I   Mensch;  eine  Blodigkeit  des  Magenmundes",  Fries  103) 

—  ein  bis  zur  Ohnmacht  führender  Hungerzu- 
stand. —  Ji'. ..sv-Hunger  =  gewalliger  Hunger, 
Ochsenhunger,  lalm  de  Choral,  fames  caballi,  faim- 
calle  (fringales,  vielleicht  fames  calida^  Helsshungcr). 

I  —  (1660)  Wolfs- Hunger  =  Appetitus  caninus, 
Heisshunger,  Hundshunger,  Bärenhunger (Pictor 
7»;  R.  A.  330;  Coler,  H.  A.  18«;  Z.  t.  Ö.  V.-K.  1896.  210, 
Guar.  871;  Gr.  VY.  IV,  2.  1937;  dan.  ulvehungcr).  — 
zerssiger  Hunger  =  der  Geschlechtstrieb  der 
Hirnen,  das  Verlangen  nach  dem  Zers  (s.  d.) 
(Schm.  Ii,  1152).  —  Hunger-/rin,  -Fieber,  -Fran- 
zosen, -Qrubc,  -Haar,  -heiss,  -Kasten,  -Krankheit, 
•Linie,  -Loih,  •Lucken,  -Pest,  -Räude,  -Sucht, 

—  Tod,  -  Typhus,  Obel,  -  Wurzel,  -Zahn,  -Zitze. 

Huppe  s.  Hoppe. 

Hur  ',  f  ( --  der  gewölbte  UnuehKing,  wo  der  lUuch 
..hurtig"  zum  Dache  hinauszieht  [in  Oberbnyern  so  ge- 
nannt], Schindler  I,  1157;  mhd.  hurreu  =  sieh  schnell 
bewegen  [hurrah  '],  Kluge*,  175;  [in  .Schwalten  noch 
heute  in  dieser  Bedeutung  gebräuchlich] ;  dazu  i 
8.  Jahrh.  huruwa  =  palatum,  Hab.  Maur  6C)  =  Gau- 
mendach. 

Hure*,  f.  (ahd.  huora;  mhd.  huore  =>  feile  Dirne; 
ndl.  hoere;  in  Namen  medizinisch  verwendeter  Bilanzen 
oft  <a  Hexe,  Dümonln;  engl,  whore);  Kornmutter 
(der  grieeh.  Demeter  entsprechend,  I.aistner  II,  29*). 

—  Knien- Beulen,  -Blattern,  -Cholera,  -Kolik, 
-Krankheit,  -Lust,  -Seuche,  -Spiegel,  -Sucht, 
•übel,  •Zeichen,  -Zink. 

hurnigeln  (hurnielen,  hurnögeln)  s.  horn- 

nftgeln  u.  ljjoln. 

Husar.  —  Husaren-  Tripper. 

Husten,  m.,  f.  (Wüesten)  (indogerm.  kas  = 
Husten,  Bietet  in  Kuhn  Zciischr.  V,  317  (viele  Worter, 
die  mit  der  Kehle  in  Beziehung  stehen,  gehen  uul  die 
W  urzel  ka  zurück ;  kuka  ist  der  erste  Hustcntnn  des 
Kinde«];  vorgerm.  käs;  gerin.  hwos  \lnzu  das  Schweiz, 
„wuestcu"  =  husten],  Gr.  W.  IV,  2.  1976;  goth.  hwosta; 
ah<l.  huosto,  ni. ,  huosta,  f.  =  tussls,  f.,  Kluge*,  175; 
H.  Z.  XV,  16.  349;  Gr.  \V.  IV,  2.  897;  Sehmeiler  !, 
1186;  14.  Jahrh.  huost,  VOC  opt.  W.  41  =  tuaiis;  mhd. 
I   huosie;  1477  die  husten  -  tussis,  Ortolph ;  1182  hiis=t 

—  tus«is,  Zening.  Voc.  p  3;  15.  Jahrh.  husten  —  tussls, 
Gr.  W.;  huesten,  Gr.  W.  IV,  2.  1976;  1531  die  hosten, 
Krautw.  I.XIX;  1532  der  „hust"  Ist  ulcht  anders  dann 
eiue  natürliche  bewegliehkeit  der  austreibenden  kraft 
der  überllüssigkeit  von  gelegenheit  der  brüst,  Fries  s*; 
1561  der  husten,  Gr.  W.  IV,  2.  1976;  1592  hoesten,  Seb. 
IM ;  1609  „die  Husten  ist  eigentlich  eine  Klngerung 


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Husten. 


Husten. 


der  Brost",  Guar.  885;  1666  die  Hust  [ObernfaU,  Bayern, 
Hochfranken],  Gr.  VV.  IV,  2.  1977;  ndd.  hoosten;  ndl. 
hoc«;  engl,  haust)  =  krankhafte,  mit  Schall  ver- 
bundene AusstosBting  der  Luft  aus  den  Luft- 
wegen. —  der  Husten  bricht  sich  —  löst  sich 
ab  durch  Schleimauswurf.  —  hüsteln  —  leicht 
(»der  öfter  leise  husten.  —  husten  -  Husten 
ausstossen.  —  alte  Husten  =  chron.  Lungen- 
leiden,  Bronchitis,  Tuberculosis.  —  böse  alte 
Husten  =  unheilbare  Lungenleidcn  mit  Aus- 
wurf. —  Baut  rn -Husten  =  grober  Husten,  bel- 
lender Kselshusten.  —  .BlASf-Husten  =  ein  mit 
bestandigen  blaäenden  Geräuschen  u.  Atemnot 
verbundener  IluBten  ohne  Auswurf  (Kraus,  K. 
law)  —  blauer  od.  HM,-  (Bayern,  Wal*,  Schwaben] 
Husten  (MM)  plaen  husten,  it.  z  xv,  ui;  1675  m»w 
hust«n,  Gr.  w.  IV,  2.  1977;  H.  Sachs)  -  Tussis  con- 
vulsiva (Pauli  61)  =  der  Keuchhusten,  wobei  die 
Befallenen  im  Gesichte  durch  die  krampfhaften 
Anstrengungen  blau  (eyanotisch)  werden.  — 
ü/oc&-Husten  =  dor  Husten,  ähnlich  d.  blocken- 
den Schafhusten  (croupähnlich)  (Kopp  IV,  Z7S). 

—  (178.1)  B/uf-Husten  =  Husten  mit  Blutauswurf 
(Haemoptoe,  Haemoptysis,  Tussis  cruenla) 
(Gr.  w.  II,  184;  Ksslch) ,  Blutsturz.  —  bösartiger 
Husten    Hunten  hei  unheilbaren  Lungenleiden. 

—  Brust  -  Husten ,  1.  =  von  der  Brust  selbst 
ausgehender  (nicht  rcllektor.  erzeugter)  Husten 
(Ackerm.  22-1 ;  mnd.  ,,der  host  de  langlu*  ghewaret  heft 
Iti  deme  mynschen  unde  der  borst  [Hnist]",  Magist. 
Harth.  89c).  —  2.  —  Keuchhusten  (Gr.  W.  II,  440). 

-  dämpfiger  Husten  =  HuBten  mit  Dämpfig- 
keit (b.  d.)  -  aHthmatiflcher  Husten  (chron. 
Bronch.  mit  Kmphysema  pnlm.).  —  (l.Vil)  dürrer 
Husten  —  trockener  Husten  ohne  Schleimaus- 

=  Husten  mit  eitrigem  Auswurf  (Heyn.  SM;  Ksslch 
148).  —  £w/.s-Husten,  1.  =  jeder  stark  bellende, 
und  dem  Eselsgcschrei  (reprise)  gleichende 
Hosten.  —  2.  —  namentlich  der  Keuchhusten 
wegen  der  Bogen.  Reprise.  —  (1782)  fruchter  = 
flüssiger  Husten  Husten  mit  leichtem,  Hfls- 
Hlgcm  Auswurfe  (Ackerm.  ÜJs,  M.  It  1.  I,  H09).  — 
i'Mf/is-Husten,  1.  -  Keuchhusten  (Gr.  W.  V,  189) 
(Hundshusten),  vielleicht  verächtlich  wie  der 
M aleflzhus ton .  —  2.^  Gottesacker-Husten  (s.  d.).  \ 

—  (172-'.)  gichterischcr  Husten  =  Husten  mit 
Gichtern  (s.  d.)  =  Convulsiones,  Tussis  convul-  | 
siva,  Keuchhusten  (A.  v.  II.  J,  476;  Thes.  ssn.  Hr.  49). 

—  Gof/f.Srtc/.v»--HU8ten  |  -  tonx  de  renard.  Schmidt, 
d.-lr.  Worterh.  18«".7,  S.  404,  <jul  conduit  au  terrier 
[  —  tnmbeau],  qni  mene  jusc|u'au  lerrier,  Brlss.  199; 
parier  rennud  =  le  crl  du  renard  -  raucedo)  =  mit 
bellend  rauher  Stimme  husten  (wie  ein  l  uchs, 
der  sich  in  seinen  Bau  zurückzieht)  bei  Phthi- 
sikern,  die  bald  ins  Grab  kommen.  —  (1..04) 
grosser  Husten  =  eine  wie  die  grOHse  Pest  auf- 
fallend grosse  Anzahl  von  Menschen  befallende 
Influenza  (s.  d.),  deren  Hauptsymptom  der  | 
quälende  Husten  damals  war  (Kocln,  Lerseh  205; 
1174  tussis  gravissima,  Kersch  89).  —  harter  Husten 
--  schmerzhafter  Husten.  —  heisser  {hitziger) 
Husten  —  Pneumonia,  trockener  Husten  hei 
fieberhafter  Erkrankung.  —  (1735)  hintentclliger 
Husten  =  ein  nach  anderen  Krankheiten  sieh 


einstellender  oder  zurückbleibender  Husten 
(Thes  »an.  Br.  10t).  —  hohler  Husten  =  ein  Husten 
mit  dem  Kluck-Ton,  der  aus  Hohlräumen  der 
Lunge  (Kavernen)  kommt.  —  Z/u  urf*- Husten 

=  Keuchhusten,  Tussis  convulsiva  (Gr.  W.  V, 
isy),  eine  die  Krankheit  verächtlich  machende 
Bezeichnung  für  den  bellenden  Keuchhusten. 
—  (1677)  kältiger  (trockener  kalter)  Husten  = 
durch  Erkältung  zugezogener  Husten,  oder 
Husten  ohne  Fieber  mit  wenig  Auswurf  (Beyn. 
220;  Vi.  Kr.  B.  341).  —  fiararrAaZ-Husten  =  Husten 
infolge  von  Katarrh  (Ackermann  22-3).  —  Kehl- 
Husten  =  Husten  bei  der  Kehlsticht  (s.  d.) 
(Kalke  i,  s).  —  Keirh-  (Keuch-,  -Kich,  keuchete) 
Husten  -  Husten  mit  Kelchen  (Blasen)  un.i 
Atembeschwerden  (hlauer  Husten,  Stickhusten, 
Kinderhusten,  Krampfhusten)  (la  Quinte  [if.95]  - 
Tu  sali  nuinta)  (s.  Quint),  Tussis  convulsiva  seu 
ferina  — die  Keuch  (vgl.  d.);  die  älteste  Husten- 
form-Bezeichnung  (vielleicht  die  Udyuga  in  dem 
Atbarva-Veda,  Zcitsehr.  d.  V.  f.  V.-K.  189.,  17;  schon 
der  Schlnimelreiter  o.lin  wird  um  ein  Mittel  gegen  den 
Keuchhusten  gefragt ;  angls.  clneuug;  engl,  kink  — 
kynanche,  squlnantla  [?|  chln  cough  (nasaliert  aus  klk); 
ndl.  kinkhoest.  Kluge*,  191;  Liebreehl,  r.  Volkskunde 
1897,  B.  Ml;  Schnurrer  II,  l»2.  226;  Ackermann  fil9, 
Gr.  W.  V.439;  altfrz.  quahouette,  .|iiehnettc  [BeniehonJ 
B  COquelnclM  (s.  Influenza],  Hriss.  III  —  Huhiierweh 
[—  chln  cough),  Kaltschm.  II,  22."»).  —  (1668)  (junger) 
A'mrtYr-Husten  =  der  hei  Kindern  besonders 
häufige  Keuchhusten  (Gr.  W.  V,  439.  7.19 ;  Ackerm. 
,r.19;  Boyn.  282).  —  King  -  Husten  (Holstein;  ndl. 
kink-,  kiek-,  Ulk  hoest,  De  l  ock  88.  191;  Kluge*.  191)  - 
Kich-  tuler  Ketii'hhusten  (s.  d.).  —  Kirehhof- 
Husten  (engl,  the  Choreh  ■  y ard  cough,  Kaltschm.  1) 
».  Gottesacker-Husten.  —  /w'::.  '-Husten,  l.  - 
Husten  mit  Kitzelreiz  im  Halse  oder  Bachen 
(<;r.  W.  V,  875;  engl,  tickllng  cough).  —  2.  =  ein 
durch  Kitzel  reflektorisch  erzeugter  Husten; 
vergl.  Kitzel.  —  AYam^Z-Husten  (1717  Gr.  w. 
V.  2011;  17f>2  tussis  BpanmfifUfft.  ein  trockener  Husten 
ohne  Auswurf  mit  ErsltokUQg*-Anf Allen,  A.  v  II.  I. 
12119)  -  der  höchste  (irad  <les  angestrengten 
Hustens  ähnlich  dem  Keuchhusten  'mit  Pa- 
roxysmen  (Riegel;  Ziems».  Hdb.  IV,  2.  02.  Hit,  Z.H. 
v.  f.  V.-K.  189'»,  8.  17).  —  ArecA-Husten  =  ein 
schwindsüeht.,  keichender,  mit  einem  krachen- 
den Tone  begleiteter  Husten  (Gr.  W.  V,  2318).  — 
Kropf- Husten  -  ein  Husten  (Kehl,  Grippe, 
Feifei  etc.)  mit  kropfartiger  Anschwellung  der 
Halsilrösen  bei  Pferden  (Gr.  W.  V,  2102:.  —  Leber- 
Husten,  1.  —  Magenhusten,  den  man  von  der 
lieber  ausgehend  annahm  (Hnfeland  :;00),  nament- 
lich bei  Greisen.  —  2.  -  Pneumonia  asthenica 
mit  Icterus  conjunctivae.  —  3.  -  ein  auch  sonst 
bei  Berührung  von  lieber,  Milz,  Magen  reflek- 
torisch eintretender  Husten  (Pierer 7).  —  Lungen- 
Husten  =  Brusthusten  (Hnfeland  802,  Merk  H2) 
■=  chronisches  Lungenleiden  bei  Mensch  und 
Hornvieh.  —  iini;  Mag,  »  Husten,  1.  ■  ein  von 
den  Magen-  und  Rachen-Nerven  (Nervus  vagus) 
reflektorisch  ausgeloster,  namentl.  hei  Trinkern 
und  Bauchem  morgens,  aber  auch  nach  dem 
Essen  sich  einstellender  Husten,  Vomitus  matti- 
tintlH  I17..7;  HSU ml.  213;  A.  v.  H.  I,  1299,  Hnfeland 
802;  Aekerrauun  224;  tir.  W.  VI,  1440;  Pauli  f,7).  — 


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Husten 


Hm—  Hysterie. 


247 


2.  -  eine  Bronchitis  mit  Magenerscheinungen, 
oft  aus  Selbsttäuschung  einem  kalten  Trünke 
zugeschrieben  und  von  den  Lungensüchtigen 
vorgeschützt  für  den  eigentl.  holden  Lungen- 
husteu  [I'auli  67 j  Goldschm  112).  —  3/af>/ir-Hu8ten 
=  verächtlich  machende  Bezeichnung  für  den 
Lungensuchtshusten  (Buck  22).  —  (1812)  Masern- 
Küsten  =  der  Husten  bei  Masern  (s.  d.)  (Heim 
.21).  —  (I7M)  Muttei  Husten  -  Tussis  hysterica, 
ein  von  den  Nerven  der  Gebärmutter  (?)  ausge- 
loster, sonst  aber  objektiv  nicht  begründeter 
Husten  (a.  v  H.  i.  **>)  mit  Mutterbesch  werden 
(Gr.  w.  vi,  2*18).  -  Xacht- Husten  =  ein  namentlich 
bei  Kindern  nachts  eintretender,  meist  nervöser 
Hustenanfall,  falsche  Braune  (Scheeh).  — Rachen- 
Husten  — ein  von  d.  chron.  erkrankten  Rachen- 
schleimhaut  ausgelöster,  bei  Predigern  und 
Sandern  häufiger  Hustenreiz  (frani.  hcml  [ono- 
matopoiet .];  Schech  102,  Briss.  117).  —  (1*43)  Reiz- 
Husten  =  sehr  heftig  auftietende  Husten-Pa- 
roxysmen  bei  nur  geringer,  selbst  vollständig 
fehlender  Expektoration  (Falke  II.  BS;  Riegel;  , 
Ziems«.  Hdbch.  IV,  2.  62).  —  1 hustig  =  eine  | 
Kehlkopf  -  Krankheit  der  Pferde,  wobei  sie  | 
einen  rollenden,  rauhen  Hustenton  erzeugen  j 
<  r  w  vni .  11191  —  Schaf-  (io  Jahrh)  Schaft- 
Husten.  1.  =  ein  trockener,  laut  bellender  1 
Husten  ohne  Auswurf,  ähnlich  dem  Husten  der  I 
Schafeis.  Luftröhren- Kratzer)  (Gr.w.vill,  2039  0.; 
A.  v.  B.  I.  363;  Gr.  W.  IV,  2.  1977;  Z.  f.  Ö.  V.-K.  1896, 
2S2<.  —  2.  =  a)  Keuchhusten,  Tussis  convulsiva; 
b)  (Obersetxung  de»  Iran*,  moutonc  {1580];  ital  mal 
ili  caMrune  (*.  Schataglft)  =  (1899)  Influenza  (s  iL) 
wegen  des  quälenden,  bellenden,  keuchenden 
Hustens,  weshalb  auch  der  eigentlich  der  In- 
fluenza zukommende  Namen  coqneluche  spater 
auf  den  Keuchhusten  übertragen  wurde  (I.ench 
2«l,  Rulionmnn  12;  v.  M.  II,  128).  —  3.  —  eine  wahre 
Kpizootie,  durch  den  Drehwurm  der  Schafe 
il.>  ukart  35j  veranlasst,  die  sich  als  Luftröhren» 
Kratzer  (s.  d.)  äussert.  —  u.v>i)  scharfer  Husten 
=  harter,  schmerzhafter,  kratzender  Husten 
(K..clc  47).  —  [1783)  Schleim  -Husten  =  ein  Husten 
mit  Schleiinauswui  f  fUsMt  h  143).  —  Schramm- 
Husten  =  ein  trockener  Husten  mit  dem  Ge- 
fühl des  Wundseins,  Schrainmens  (s.  d.)  auf 
der  Brust  (Goldaebm.  112).  —  gehrer  Husten  = 
Husten  mit  dem  Gefühl  dos  Wundseins  auf  der 
Brust  (Ortolph,  <;r.  W.  VI,  TS<,.  —  zeitiger  Husten 
=  Husten  beim  Seitenstich  =  rneumonia,  Pleu- 
ritis,  rieurodynin.  —  Spinnen -Husten  —  ein 
Husten,  wobei  die  Kranken  am  Schlüsse  einen 
zähen,  spinnenfadenähnlichen  Schleim  aus  dem 
Munde  wehen  (s.  Glufengiessen),  namentlich 
bei  Tuberculosis.  —  »porer  Hüsten  -  trockener 
Husten.  —  St'rft- Husten  =  ein  in  unreinen, 
staubigen  Stallungen  auftretender  Pferdehusten 
[Falka  II,  339).  —  »tarker  Hüsten  ■  scharfer 
Husten,  der  keine  Ruhe  zulässt.  —  Steck-  {Stick-) 
Husten  =  ein  Husten  der  Krstickungsnot  macht 

(Schw.  674).  -  ttrupf- )  |  1  "  Bräune" 

huaten  (Diphtherie;.  —  2.  =  ein  Pferd,  das 
lollhustig  ist  (h.  d.),  wobei  der  Hustenton 
struppig,  rauh  (wie  bei  der  Bräune)  wird  (.Inn. 
«mbe  ho«le.  I'iercr.  Gr.  W.  VIII.   1149).  —  (1782) 


trockener  Hüsten  =  ein  HtiBten  ohne  Auswurf 
sporer,  dürrer  Keldhusten  (M.  H.  L.  I,  509).  — 

II  /-Husten.  l.  =  ein  Magenhustea  (Vomitus 

malutinus),  reflektorisch  bei  Bandwurm  vor- 
kommend (llufeland  3O0).  —  2.  =  der  bei  Wurni- 
parasiten  vorkommende  Hustenreiz  (Bronchitis 
verminalis)  bei  Tieren  (Kalkei.  426;  11.44«).  — 
zahn-  Husten  fl55l  der  dürre,  zehe  husten;  Bock  16; 
F.  Kr.  H.  29M  —  Husten  mit  zähem  Auswurfe.  — 
il7.i6)  /:'  nl Husten  =  der  Husten,  den  nament- 
lich zahnende  Kinder  durch  Fortsetzung  des 
Mund-Katarrhs  auf  den  Rachen  etc.  oft  haben 
[A,  v.  n.  11,  309).  —  Husten-Fit-frcr,  -Beiz,  -Seuche. 

Hut,  DO.  dndogerm.  kädh,  kät  [caaaüt  —  Helm'; 
gerra.  hattu-;  ahd.  buot;  mhd.  huot,  Klug«*,  175  ff.  = 
Kopfbedeckung  [«.  auch  Haut)).  —  Hutchen  (1652 
hudekln  vel  h oedekln  darumb  da»  «ie  In  eines  armen 
Man«  Gestalt  mit  einem  rauen  Flltxigen  Hut  bedecket 
erschienen,  Crusiu*  315)  —  Alpdätnon  des  Volks- 
glaubens. —  (1532)  Haupt  Hut  (huot  des  haupt«, 
<la*  plleum  naturale  der  Arabisten)  =  Amnionshaut, 
die  bei  der  Geburt  in  einem  um  den  Kopf  de« 
Kindes  herumgehenden  Kreis  einreisst  =  Galea 
Helm)  der  Degenkinder  oder  Knaben,  die  Vitt» 
oder  Haube  der  Mädchen,  Glückshaube  (Hyrtl. 
K.  w.  81),  Helm,  Schafhaut,  Kinderbälglein  etc. 
—  Zumpfen-WMein  =  Praeputium  penis  (siehe 
ZnmpO  (nyrtl.  K.  W.  1:1). 

Hüt,  f.  Hüter,  tu.  (germ  h.'.d  [ä.  Hut,  m.];  ahd- 
hu<«U;  mlid  hnole ,  huot  =  Schaden  verhindernde 
Aufsicht,  Kluge5,  176).  —  Hilter  =  der  die  Auf- 
sicht am  Tbore  führende  Wächter,  Pylorus 
(K.  «.  39).  —  (1601)  .4/YrroW-HÜter  =  fermeur, 
Sphinkter  ani  (II>Ttl.  K.  W.  138).  —  p  /hütet  - 
durch  »He  Aufnahme  der  Larven  des  Leberegels 
beim  Weiden  auf  feuchten  Stellen,  also  durch 
Schuld  des  Hüters  an  der  Leberegelseuche  (der 
Schafe)  leidend  (PteMf  7). 

butteret  (Tirol;  Fromm.  VI,  157)  =  haderig, 
kränklich,  schlecht  aussehend. 

Hützel,  f  —  rr» hutzelt  =  zusammenge- 
schrumpft wie  ein  gedörrter  Obstschnitt.  — 
Hutzel-ß«'n. 

Hypnotismus,  m.  (tu  t\sw©5  =  Schlaf)  ein  [tMl] 

vn>n  liimes  Rraid  (daher  mu  h  Braidismus,  eingeführte* 
Wort  für  den  fruher  ,, magnetischer  Schlaf"  (s.  u.) 
bezeichneten  Zustand  der  durch  die  sogen. 
Suggestion  veranlassten  Herabsetzung  der  Er- 
regbarkeit der  Gehirnzentren  mit  gleichzeitiger 
einseitig  und  circumscript  erhöhter  Enegbar- 
keit  anderer  Gehirnfunktionen. 

Hypochonder,  m.  Hypochondrie  s.  Milz- 
sucht, Kippsucht,  Milz,  Melancholie,  Spleen; 
xu  i-',fytw.'i%'i^  =  der  an  der  MiU.  die  unter  den 
Kippen  li<'^t,  Leidende. 

Hysterie,  f  dO  am  dem  Munde  der  neueren  Ante 
in»  Volk  gedrungenes  Won  fur  Frauenleiden  jzxtfim 
n  uteru»,  morbus  uterij  verschiedenster  Art,  deren 
Frsachen  dasselbe  nicht  kennt,  und  die  das 
Volk  an  manchen  Orten  dem  „Verhextsein" 
zuschreibt  (ja.  Hexe).    Auch  inet  Tieren  nahm  man 

■Fieber,  -Sieche,  -Übel. 


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jftcken— Jahr. 


St.  Jakob— Jammer. 


jäcken  =  jucken  (s.  d.)  (Goldschm.  88). 

jägeln  (jegeln)  1129, 1187  jechcn,  Jacchcn  -  fugare, 
Schindler  I,  1205;  D.  250).  —  &ui-jägeln  (Schwaben) 

coire,  mit  den  Beinen  (Giegeln)  jagein,  heruui- 
jagen  (Huck  18).  —  nieder-^pjegelt  =  durch  zu 
starkes  Hetzen  mit  den  Beinen  nach  vorne 
überhangig  und  ho  niedriger  gestellt  (v.  Pferden) 
(ehr.  Sam.  I,  9). 

jäh  (  =  g«ch  [w  ie  Jauche  zu  Hauche]  dialektisch  zu 
jiUi  entwickelt ;  alul.  gnhi;  mhtl.  gache,  glich  =  schnell, 
plötzlich)  s.  gib.  —  Jach.  in.  der  gilbe  Tod.  — 
jähr(r,  »)  Blase,  Blut,  Sterben,  Tod,  Überblut. 

jähren  =  Ritren  (s.  d.)  und  jilsen  (s.  d.  und 
Juni)  (Schindler  I,  1211).  —  (1584)  Jährling  (Tabern.; 
Gr.  W.  IV,  L  1425)  -  l'utrefactio.  —  (1725:  Jährung 
im  Magen  (The«,  sau.  Br.  14)  -  Magengärung. 

jäppen  s.  jappen. 

jäsen  s.  Jast 

jag-  k.  gaggen  u  jilgeln. 

Jahr,  Ii.  (gem.-germ.  jflr  =  Lenz,  Frühling,  utpa ; 
Roth,  jar;  ahd.  jar;  mhd.  Jar,  Kluge*,  178)  -  Zeitraum 
von  365  Tagen.  —  die  Jahre,  1.  -  vorgerücktes 
Alter,  Altersstufe.  —  2.  -  Wechseljahr,  Klimax, 
kritisches  Alter.  —  (IG.  Jahrh.)  fcrjahrt  -  alt  ge- 
worden. —  beste  Jahre  =  provinziell  verschie- 
den lang  ausgedehnte  Jahre  der  besten  Mannes- 
kraft. —  Bräune -Jahr  =  ein  Jahr,  in  dem  die 
1  hphtherie  (s.  Braune)  besonders  stark  herrscht ; 
(anno  de  loa  irarrotlllos  [ic.i.'I],  Heeker  242).  —  klimak- 
terische Jahre,  1-  =  das  neunte  .Stufenjuhr  (s.  d.). 
—  2.  —  spezialisiert  beim  Weibe  auf  die  Zeit  des 
sogen.  Wechsels  (s.  Wechseljahre,  Menopause 
=  Annus  climactericus  (Kossm.  ;to).  —  Milch- 
Jahre  das  unreife  Alter.  —  (16.  Jahrb.  )  8cham- 
Jahre  -  Anni  pabertatii  (Gr.  w.  vin,  211»).  — 
Schelmen- Jahr  ein  Jahr,  in  dem  schelmische 
(ol bische)  Krankheiten  herrschten  (Gr.  W.  VIII, 
2514).  —  SchwitKhuchln-Jsihie  -  die  Pubertäts- 
zeit, in  der  die  Tubcrkuiosis  ihre  meisten  Opfer 
holt  (Pauli  IG;  couf.  Hipjwkrates  Aphorts.  V,  9).  — 

.s'ir/i»jahr-  Zähne.  —  Sterb-  Jahre  =  Seuchen« 
jähre  für  Mensch  und  Vieh.  —  (1609)  Stu/m- 
Jahre  -  die  Abstufungen  der  sogen.  Wechsel- 
jahre (Klimax,  \  x>.ijiot£)  „in  <ier  menschlichen 
Leibesverkehrung"  (Guar.  25);  schon  Hippokrntes 
teilte  auf  grund  der  heiligen  Zahl  Sieben  dos  Menschen- 
leben in  Altersstufen  (Uarhofcn  2!>0)  von  7 — 9  Jahren  , 
„da*  Jahr  63  Ist  gemeiniglich  der  Alten  Tod,  weil  es 
SOWOM  von  7  als  'J  Jahren  (7X9  und  9  X  7)  ein  Stufen- 
Jahr  Ist"  (Ahcrgl.  35G);  dieses  war  das  allcrgcfiihrlichste 
Lebensjahr  und  < galt  als  eigentliches  klimaktcrWchcs 
Jahr  iKossm.  so).  —  die  Fo//stufe  der  JiJue  ist 
nach  Heyne  (III,  1257)  — die  Grossjuhrigkeit;  „die 
Jahre  411 — ö*3  Jahre  sind  die  bedenklichsten" 
(A.  v.  n.  I,  432)  für  die  Gesundheit,  bexw.  das 
Leben,  da  sich  mit  denselben,  als  den  grossen 
Stufenjahren  (1749;  Zeitschr.  f.  d.  Philol.  XXVI, 
252),  die  senilen  Veränderungen  einzustellen 
pfiegen  =  neuntes  Stufenjahr  0J  X  7  -  63).  — 


tt/wr- jährig  (14.— 15.  Jahrh.;  mnd.  oberjarich,  J.  nd. 
Spr.  XV,  118)  =  chronisch,  übers  Jahr  dauernd. 

—  üblen  Jahr  («r.  1».  M.  II,  1113;  Übersetzung  de» 
malum  rnalannum),  1 .  =  carbuuculus  rcl  malae  Pustulae 
(=  Milzbrand),  quod  malum  vulgo  dicunt  ..malamp- 
num" ;  eine  dagegen  gebräuchliche  Pflanze  hiess  Ma 
lannus  (ahd.  achalm,  Ach-Halm?,  wenn  nicht  =  achalp; 
alpe,  pl.  =  semidel  =  malanmis,  D.  344a)  =  (Milz- 
brand-)Karbunkel,  üble  Blatter,Anthrax  (D.  344h), 
der  zeitweise  in  Kpizootien  oder  Epidemien 
auftritt,  bezw.  auftrat.  —  2.  =  Augeukrebs 
(8.  Schwamm  1  c)  (otulorum  morbus,  quem  Kranci 
per  antiphrasin  morbum  nomlnant  bonnm  rnalan- 
num. Du  fange;  ,,ipse  orbls,  Ipsa  supercilia  nasusque 
»patium,  imum  a  tumorc  execsserant ,  tot«  facies 
largtus  extuberabat",  Du  Cange  V,  191.  205;  vermut- 
lich zu  „malanum"  entstellt  aus  Melanoma  — schwarzer 
Angenschwamm,  Cancer  melauodes,  Kraus,  K.  167.002). 

—  3.  —  Morbus  comitiali8  (Kpilepsia,  s.  d.).  — 
Das  ü  blo  Jahr,  vermutlich  nur  die  Übersetz- 
ung des  (latein.)  malannus,  dürfte  als  Name 
die  Volkserfahrung  (das  Gesetz  der  Multipli- 
citat  der  Fülle)  wiedergeben,  dass  in  manchen 
Jahrgängen  gewisse  Krankheiten  (und  krank- 
hafte Auswüchse?)  häufiger  zur  Beobachtung 
gelangen,  ohne  gerade  epidemisch  zu  werden 
(das  malum  malaunum  w  urde  in  ahd.  Zeit  [1070 — 1090] 
als  Schwamm  [s.  d.  1  c]  durch  Heschwoningsspriiche 
behandelt,  s.  Holtmann,  Mt.-Schr.  f.  Schles.  1829,  II, 
762;  Waekernasel ;  Wcssobmnner  Gebet,  Anhang  09). 

—  voqtbare  Jahre  (1513  volk-,  vogk-,  vogt  paro  iarc 
=  pubertns,  D.  470)  =  die  geschlechtsreifen  Jahre, 
in  denen  der  Jüngling  und  die  Jungfrau  sich 
selbst  vertreten  können,  mündig  sind.  -  Wechsel- 
Jahre  -  Klimax,  die  Jahre  der  Gewebsmeta- 
morphose  heim  Weibe  (45.— 50.  Jahr),  s.  Stufen- 

j  jähr  u.  Klimax. 

St.  Jakob,  (über  St.  Jakob  si.hc  Kultkalcndarinm 
In  Zeltschr.  D.  ü.  A.-V.  1893.  S.  201).  —  St.  Jakob- 
Strasse. 

Jammer,  m.  (Amer,  Gammer)  ;«sk.  am  -  aegro- 

tum  esse,  < i rnlT  I,  .'>9<i,  dazu:  Ti|JU£iO"  -  sanft,  milde; 
yama  —  Zügel,  durch  Zügel  gebändigt,  niedergehalten; 

I  goth.  jetnara;  ahd.  jämur,  n.  =  da»  Traurige,  miseria; 

:   mhd.  jämer.  Kluge4,  17S;  entspricht  am  meisten  dem 

I  mhd.  vreissam  [Fraisen,  s.  d]  —  Schrecken;  (Tirol] 
Ammer),  1.  =  das  Autfahren  d.  Kinder  im  Schlafe, 

I  Puvor  nocturntis  (Wallberg)  =  Schrecken,  Fraisen 
(s.  d.)  =  der  Wehschrei,  Nacht-Kisse,  Nacht- 
geschrei (s.  d.).  —  2.  -  QMS)  Kpilepsia  (schwere, 
heilige  Krankheit,  Fraisen)  («r.  W.  IV,  2.  2253; 
bibl.  Med.  445;  Maschenb.215). — 3.  =  apoplecti  former 
Milzbrand,  da«  Hinfallen  des  (seuchenkranken) 
Viehs  unter  Zuckungen  (Gr.  \\.  IV,  2.  2253).  — 
4.  ■  der  Katzenjammer  (s.  d.)  (Gr.  W.  IV,  2.  2253) 
als  jämmerlicher  =  jämmerig(er)  (gammerig) 
Zustand.  —  (ICC'".)  /torwi-Jammer  -  I>armfraiB 
(s.  d.)  (Gr.  w.  U,  781).  —  Kotten-  (Kotten-) 
Jammer,  l.-dm  Ktnplindung  eines  klaglichen 
körperlichen   (physischen)   und  moralischen 


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Janus-Jast. 


j  auein— Idiot. 


249 


Zustandes  (Gr.  w.  iv,  2.  2203),  wobei  das  Katzen- 
geheul (Kater)  Obertragen  ist  auf  die  Empfin- 
dung des  Hörens  solcher  „katzenjanimerlichen 
Musik"  (Andreaen  11 ;  Gr.  w.  v,  296) .-  aus  der  Studen- 
tensprache (moralischer  Katzenjammer).  —  2.~ 
Tussia  matutina,  Vomitus  matutinus  (Hufeland 
30i),  Magenhusten,  Status  gastricus  alcoholicus 
(physischer  Katzenjammer) ;  die  Studenten  stei- 
gern den  gemeinen  Hauskater  zum  gestreiften 
Wollkater  und  grauen  Elend.  —  schlagender 
Jammer  =  Eclampsia  (Epilepaia)  infantium, 
der  mit  Schlagen  der  Glieder  (Zuckungen)  ver- 
bundene Jammer  2.  —  jämmeriger  Tod. 

Janus.  -  Janus-A'o/»/". 

St.  Jan  s.  St.  Johann. 

janen  ^gähnen  (D.  J75). 

jappen  (ndl.  gapeni  =  gaffen,  den  Mund  auf- 
thuen,  schnappend  Luft  holen  (beim  Sterben) 
(engl,  jaw  =  Kinnbacken). 

Jarret,  n.  (Ganet)  (korn.  gar  =  Bein  ;  kymr  gar 
ss  Schenkel;  bret.  gnr  —  Schienbein;  prov.  garra  — 
Kniebug;  «pan.,  port.  garra,  Körting,  roman.  Wörter- 
buch; 1592  (Jarret  -  Leitung  [u.  Keldung,  mal],  Seh.  176; 
altfranz.  garret ;  frz.  Jarret,  jaret,  garex,  geret,  garret, 
Brl«* .  20.  38  ,  ltal.  fjaretto,  paretta.  Sehne  über  der  Ferse 
und  Kniekehle,  le  creux  popllte. ;  mtl.  1113  garcttuni 
»eil.  cruris  —  «uflrago,  pople»  [bei  l'etrtis  ("rescentius] ; 
garectum,  Du  Gange  IV,  32  ;  IX,  217;  weitere  Ktymo- 
loste  fehlt),  1.  =  Kniekehle  heim  Rinde.  —  2.  = 
krankes,  leidendes  sogen.  Ochsen-Knie  beim 
Pferde.  —  3.  nach  Im  Gange  IX.  241;  IV,  280  ist 
Jarie,  Jarreia,  Jaretta  i'Jarrect«  —  Garrecta)  auch  eine 
menschliche  Krankheit;  (1  »67  le  »juel  Kanon  H  plaigny 
d  une  Jarie  et  dit  on  que  pax  esenivissemeut  mauvaiMie 
et  malice  ce  dudit  garjon  ou  aatrement  lul  vint  une 
i.minado  on  bosse  Tosten]  eu  laync  [in  an.)],  grosse 
eammo  le  polng)  =  eine  Beule  am  After  (Du  Caoge 

IV,  280). 

Jast,  m.  (Jäst,  Jest,  Jescht,  jeschen 
gischen  .  jasen  joesen)  («u  einem  aus  der  irxcit 

ulK-rkommenen  Wortstamme  ja»  [Jls]  —  zischend  spru- 
deln; ahd.  Jcsan;  dazu  ahd.,  mhd.  gast,  Gr.  \V.  IV,  1. 
13.2;  engl,  yest  =  Hefe,  (Sarstoff  J.  —  Jast  Je  st. 
Jäscht)  ■  der  Schaum  als  Produkt  der  Garung 
(Schindler  I,  1211;  Sehvv.  SU;  Graft  I,  611;  1482  JoM  = 
Biertarung,  Zen.  Voc.  p  5).  Die  Physiologie  früherer 
Zeit  Obertrug  die  Vorgänge  der  häuslichen 
Küche  (s.  Blut,  Verdauen,  Herz,  Eiter,  Milz  etc.) 
auf  den  menschlichen  Organismus;  die  Thätig- 
keit  des  Blutes  hei  fieberhaften  Krankheiten 
äusserte  sich  durch  den  Jäst  ■  Orgasmus,  Auf- 
wallung, Hitze,  Unruhe  in  den  Adern,  Nerven- 
Heftigkeit  (Schw.  308 ;  a.  v.  H.  H,  1173;  Buck  19); 
man  nahm  (I72ßj  einen  Gärungssehaum  Jäst 
im  fieberheissen  (ieblüte  an  Thea,  »an.  Br.  ioi0), 
von  wo  er  in  die  Drüsen  uuter  der  Haut  und  durch 
die  Bewegung  der  Glieder  fortgeschafft  wurde,  von 
den  Gedärmen  au»  sollte  stets  neuer  Jast  durch  den 
Ductus  thoracica  dem  Blute  zugeführt  werden  (Zw. 
3«.  50.  52.  5.'.).  —  <  nasen  —  von  Eiter  auf-  und 
untergeschworen  (Gr.  W.  IV,  L  1364),  wie  wenn 
alles  im  Grunde  in  Gärung  wäre,  Putrefaclio 
(s.  eitergierig).  —  das  jästende  Geblüt  (Zw.  IM] 


ist  also  =  Fieberwallung,  erhöhter  Stoffwechsel 
im  Fieber. 

janeln  =  kläglich  wimmern  (bei  Kindern) 
(ndd.  Tonwort  nach  dem  Hundegeheul,  Heyne  III,  250). 

Jauche,  f.  (Gauche)  (ein  buh  dem  BUTtsehea 

[Kluge6,  178,  oltslov  jucha  =  Suppe  ;  altind.  yüsän  = 
Suppe,  1.  eod.  187]  entnommenes,  durch  die  modernen 
Arzte  allmählich  eingeführte«  Wort  [Jus  =  Brühe];  1411 
Jüchen  jus,  D  312;  diabetisch  Gauche;  1645  Jauche 
=  eitrige«,  scharfes  Augensekret,  Coler,  H.  A.  112)  = 
anormale  Eitermasse,  die  durch  Beimischung 
von  Blut  graubrflunlich  wie  eine  Suppenbrühe 
gefärbt  ist.  —  Bfuf-Jauche  =  Blut  mit  Eiter 
(Gr.  W.  D,  IM).  —  (1842)  Brand  Jauche  =  die 
beim  Brande  der  Extremitäten  etc.  (s.  Brand) 
abgesonderte  Jauche  (Falke  I,  15©).  —  Eiter- 
Jauche  =  die  durch  Umwandlung  des  Eiters  zu 
einer  missfarbigen  ,  dünnen ,  übelriechenden 
Flüssigkeit  entstandene  Masse.  —  (1790)  faule 
Gauche  =  missfarbige.  Obelriechende  Eiter- 
masse (Richter  i,  81).—  (1790)  Krebs  Gauche  =  miss- 
farbige Absonderung  aus  Krebsgeschwüren 
(Richter  I,  2»2).  —  (1790)  salzichte  Gauche  =  miss- 
farbiges Sekret  beim  sogen.  Salzflusse  (Richter  I, 
491).  —  (1*13)  W urm-Jauche  ■  die  missfarbige  A  b- 
sonderung  aus  Wurmgeschwüren  (geschwäten) 
(Falke  Ii,  446).  —  Jauche,  jauchiges  Geschwur. 

Javart,  m.  ,,Ce  mot,  tire  du  lcxi<|UC  vetcrinalrc, 
designe  ,  selon  lAcadeinie,  une  tumeur  ulecreuse  au 
ba«  de  In  Jambe  du  cheval.  L  etymologie  en  c«t  in 
1  connue,  ce  <iul  nc  l'a  poliit  empechc  d'etre  usite  dnn« 
le  rleux  fran<;ai*  pour  toutes  les  vorictes  de  maladies 
uleereuses  ;  mals  il  est  sitiKtilicr  de  le  voir  perslslcr 
jus«iu'a  nos  jours  et  servir  u  designer  1'afTection  »cor- 
buti.pie  des  geneives"  (Iltis«.  S.  153  Ann». ;  Du  Gange 
IV,  281b;  IX  241);  Javarina  =  haatae  g.  JacuU  speck-, 
lancea  ;  Javelina  -  «pecies  hastae ;  Javart  =  Carcinoma!!» 
Speeles,  homlnum  tnorbi  trenn«;  1  IIS  Ie<]tio1  Kobin  avoit 
une  grant  inaladle  ipie  l'on  nppelle  chancre  ou  Javart 
a  la  verge.  —  Die  deutsche  Veterinärmedizin,  die  dieses 
Wort  au«  dem  Französischen  (16.  Jahrb.)  über  Btraas- 
bürg  ubernahm  (Seb.  176;  Falke  I,  279.  411.  430;  H,  IS), 

versteht  darunter  (1842) :  1.  =  ein  fistulöses  Fessel- 
oder Koten-Geschwür  bei  Pferd  und  Ochs 
(Klauenwurm,  Kröte  5),  eine  „ausfallende" 
Mauke,  und  unterscheidet  einfacher  Javart, »  enn 
diese  Mauke  nur  die  Haut  u.  das  Zellengewebe 
betrifft;  //orji-Javart,  wenn  das  Geschwür  sieh 
am  Saurnbande  oder  unter  der  Hornwand  be- 
findet; Änor/>f/-Javart,  wenn  der  Hufknorpcl 
infolge  geschwnrigcr  Entartung  abgestossen 
wird;  Sehnen- Javart,  wenn  der  entzündliche 
Prozessmit  Eiterbildung  auch  die  benachbarten 
Sehnenteile  befallen  hat.  —  2.  -  syphilitischer 
Schanker  beim  Menschen.  —  3.  —  skorbutiihn- 
liche  Mundhöhlen-  (Kiefer)  Erkrankung  beim 
Menschen  (Syphilis?). 

ichaezen  =  ächzen  (.vipbg.  192). 

Ichsei,  f.  s.  l'echsen. 

Idiot,  m.  (0  ".ouuTTj-  =der  für  sich  allein  labende, 
Sonderlliur!,  1.  =  Blödsinniger  (1420  Idiot«  =  torc, 
D.  Ii,  20si.  —  2.  =  nach  dem  Volksglauben  ein 
elbisches  Wesen,  z.  B.  Kobold  (s.  d.),  der  das 


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250  Idee— ilgern. 


Ille— Influenza. 


menschliche  Wesen  in  ein  solches  seines 
Gleichen  verwandelt  hat  (Z.  f.  d.  Phil.  III,  832). 

Idee,  f.  (Kriech.  '.Stit  =  ltus*ero  Erscheinung.  Art. 
das  gedachte  Ding).  —  (1810)  fixe  Idee  =  eine  feste, 
fixe  Vorstellung  Ober  einen  Gegenstand,  von 
der  einer  nicht  abzubringen  ist,  l.  =  ein  abson- 
derlicher Gedanke,  ständig  gewordener  Wahn, 
den  jemand  nicht  aufgeben  will  od.  kann  (Waat« 
mBun  244;  Hlldcnbr.  GS).  —  2.  =  Wahnsinn  (itufc- 
Und  251),  mit  einer  prävalierenden  Idee,  die  die 
ganze  Phantasie  des  Kranken  beschäftigt.  — 
Ideen-Flucht. 

Idoma,  n.  (  =  1528  Oedema,  H.  v.  Ger*d.  99). 

idrüchen  s.  ruechen. 

jecht.  —  Gc-jecht  s.  Gicht  (Ge-icht). 

jegeln  s.  jägeln. 

jeren  (1502  yeren  als  Uer  =  babire  (biliare],  D.  II,  47) 

—  wiehern. 

Jest,  n.,  1.  =  (1528  »ingultus,  II.  v.  Gersd.  r.'J) 
Klucks,  Hetscher  (eine  Nebenform  zu  Heisch,  Uesch, 
Gr.  w.  v,  1260).  —  2.   s.  Jast. 

Jcxen,  pl.  s.  Uechsen. 

Igel,  m.  Den,  pl.,  1.  =  Igel  (Echinus);  als  bor- 
stiger Igel  auch  die  Gestalt  eines  aufhockenden 
(8.  d.),clbischen  Dämons  (Schrätzlein)  des  Volks- 
glaubens (Laistner  I,  9t;  II,  66).  —  2.  (-  Verwerhs- 
luug  mit  Egel;  ahd.  egala;  mhd.  egel  [Wurm,  Grille], 
Bcbm.  I,  52) ;  a)  (lMl)eine  Viehkrankbeil,  zwischen 
d.  Klauen,  wovon  das  räudebebaftete  Vieh  hin- 
ken miiHs  (nr.w.a. 2015) (Wurm,  Egel);  b)  (1645)  Ilen 
=  Igeln,  Egelwfirmer  an  der  Schafs- Leber  (Coler 
geh.  4M).  —  3.  =  Igel  -  Nickel.  —  Feuer-Igel  - 
Feuer  -  Egel ,  nach  dem  Volksglauben  „ein 
Wurm,  der  im  Leibe  Hitze  und  Kolik  macht" 
(Bthnol  Mitt.  au*  Ungarn  isu;;,  in,  im)  (Eiericb).  — 
Jtfcrr-Igel  =  Werren-Nickel  (P.  xi2).  —  muh  iglet 

-  langhaarig  und  bnrstenhaarig  (beim  Vieh) 
durch  Abmagerung  (s.  Bürste)  übertragen  auf 
den  Menschen  (Kehmell.  r  II,  :>-2j.  —  Schlaf Igel  — 
l.angschläfer,  Besinnungsloser,  der  einen  Egel 
(4 1 rille,  s.  Alp)  im  Kopfe  hat  (Schindler  I.  52).  — 
HYrrai-Igel  =  Werren-Nickel  (D.  158)  —  einen 
Igel  stechen  =  coire  (das  üble  folgen  haben 

kann)  (Gr.  W.  IV.  2.  2044).      ^j^™  j  -  «l|?**rn  — 

Igel- Jim,  -Huf,  -Kälber. 

Jicht,  f.  =  Gicht  (s.  d.). 

Den,  pl.  1.  =  Igel  2  b.  -  2.  -  Ellen». 

Ilf  s.  Alp  u.  Elf. 

ilgern  (igeln ,  eilig)  (ahd.  liki     famen,  Stridor 

dentium,  tiratt  I,  245;  11»2  illgcrn  =  ohstupescera,  Zen. 
Voc.  p5;  15UH  lllgern  ta  ot.siupescere;  15.  Jahrh.  oyllck  ; 
ober«,  eilig;  frank,  elger  -  acerbus,  ilentaa  aeldl  *. 
itanefaetl,  D.  »;  1520  yglern  =  ilgern,  Gr.  W.  IV,  2. 
2060;  1615  die  eilige  der  Zahn.-,  Uolei  11  135)  =  das 
Stumpfwerden  der  Zähne  durch  saure  Speisen  o. 
durchdie  Vorstellung  davon  (Ur.  w.  IV,  2.  2060).  — 
an-  I 

ein-  Jigeln  -  (l6l«)algere,|?"|den  Zähnen  stumpf 


horn-  I 

fühlen  (D.  22).  —  hurn- !  igeln,  s.  hornnägelü  (Gr. 
um-  I 

W.  IV,  2.  2046  wird  ganz  richtig  dieser»  „igeln"  von 
„ilgorn"  getrennt,  im  Gegensatz  zu  '.ir.  W.  III,  108), 

—  Jltck-Hge  [ahd.  juklltgi  —  i>rurlgo,  ardor  carnls, 
!  Graff  I,  593)  =  Ameisenlaufen  u.  Juckempfindung 

der  Haut.  —(1482)  Zahn  Ilgern  (zuuillgeru.  Zenlug. 
Voc.  |ip5)-obf»tupescere.  «las  Stumpfworden  der 
Zähne  (s.  Eilige). 

Die,  f.  s.  Elle. 

Illen,  f.  1.  =  Beule  (Schwaben ;  Schmeller  I,  61), 
vielleicht  zu  Elle*.  —  2.  =  Egel  (Igel  b). 

impfen  (7.  —  8.  Jahrh  aus  dem  lat.  putare  [  —  Baume 
beschneiden]  entlehnt  ;  ahd.  impitön .  Irapfltön  — 
pfropfen;  mhd.  Impfen,  impfeten  =  pfropfen,  Kluge6, 
176;  Gr.  W.  III.  222;  ein  Propfreis  durch  Schnittchen 
einsetzen;  18.  Jahrh.  beizen,  einpfropfen,  Impfen)  — 
Vaccinatio,  Inoculatio,  Revaccinatio,  durch 
Jenner  (1798)  populär  gemachte  Pockenschutz- 
melhode,  wonach  Pockenstoff  von  Kühen  auf 
Kinder  (Menschen)  übertragen  wird,  durch 
einigeSchnittchen  in  die  Oberbaut.  Jenner.  Wund- 
am  in  Borkelou  (Gloueestorchirc),  fand  kalbst  schon  die 
Erfahrung  unter  dem  Landvolk*-  vor,  das*  vorher  durch 
Kuhporken  Angesteckte  nachher  von  Menschcnblattern 
nicht  mehr  befallen  wurden.  In  China  null  man  schon 
Im  Jahre  10-10  PockenstofT  eingeimpft  haben  (Gerhardt 
1,600;  Pfeiffer;  M.  Med.  Woch  l»y6,  S.  442)  (s.  beizen). 

—  Poe ken  Impfung  =  die  Impfung  a)  mit  dem 
Stofi*  aus  menschlichen  Pocken  (Variola,  siehe 
Pockenkaufen);  b)  mit  dem  Stoll  aus  Kuh- 
pocken (Vaccina).  —  Impf- Bläschen  ,  -Blatter, 
■Fieber,  Narbe,  Pocken,  Rotlauf,  -Schaden, 
•Stoff  -Syphilis,  -  Wunde. 

Indien.  —  indische  Brechruhr,  Cholera, 
Krätze,  Pest. 

Indigestion,  f.  =  akute  Dyspepsie,  wobei  die 
Speisen  nicht  verkocht  (s.  d.),  nicht  digeriert 
werden  nach  alter  Schullehre. 

Indruch  (Indruck)  s.  ruechen. 

Infektion  (zu  lat.  infleio  -  etwa*  hineinbringen  in 
den  Knrpvr,  anstecken  [*.  d.jl  —  quade,  hässlirhr 
Infektion  [tS.  Jahrb.,  ndl  i|uaede  Infamie,  Pr.  I,  SI9) 
-Ansteckung  mit  Lepra,  Syphilis  etc.  —  Infek 
tions -Krankheit,  -Sucht. 

Influenza,  f.  (von  lat,  Inflnere  ■  eiutiieucu;  in 

Italien  ursprünglich  eine  Bezeichnung  fur  alle  mög- 
lichen, durch  Gestirne  und  äussere  Wittern  nga-,,Eta- 
Ibisse"  [-  lnfluenUa,  1611  „Elngiessung  des  (istirns", 
Wl Oboet  11]  angeblieh  verursachten  epidemischen  Kr- 
krtltungükraukhelten,  welche  die  italienischen  <  hronlkcr 
meist  mit  den  Worten  anfuhren  .  fu  nna  Influenza  da 
freddo  ■  ,  daran*  entstand  nach  Zevianl  [Mcmorle  dl 
mathem.  et  dl  flMca  etc.  1804]  der  Name  für  unsere 
moderne  Influenza,  der  erst  seit  der  174»- Epidemie 
durch  Iluxhum  eingeführt  wurde  und  von  da  ab  für 
diu  späteren  Epidemien  verblieb),  l.  =  die  durch  In- 
fektion mitdem  1'feill'erVchen  Intluenza-Bacillus 
veranlasste  Krankheit,  Influenza  des  Menschen 
I  (1743;  Heren  Synouyuia  sind  s  Febri«  tnasteulOM  Bippo 
,  kratis,  I.ersch  13  ;  »27  Pestis  .pia-si  et  tu.ssl«,  Kersch  58  , 
|  »77  febri*  italica  [  ^  italienische*  Husten  lieber]  dolor- 


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Influenza. 


Inger— irr. 


251 


<jue  oculomm  Germanlcntn  populum  graviter  rexarlt ;  I 
S89  itallc«  lehri*  tussfendo  perplnrlmos  rexabat,  Dn 
fange  III.  428;  Fieber,  linkten  u  Auge  lisch  merz  [durch 
ganz  Germanien] ;  11.  Jahrb.  ziphiz;  1173tn»sis  intolera- 
bttti  et  inaudita  omne  teutonlcnm  regnum  pervasit. 
Schnurrerl,  211 ;  12.  Juhrh.  pflM*;  14.  Jabrta.  Kebl- 
flusj«  [flosze  lu  der  kelcn],  ganscr;  1»:»»  bcrzel ;  1366 
Tanawetzel,  Tanabeczl,  Tusl ;  1387,  1403  una  Influenza, 
miraquaedam  epidemia,  bürzcl,  burczel,  byrczcl,  eoque- 
lnche,  15.  Jahrb.  bippsez;  1401  Purzel  od.  ßterb,  Nürn- 
berg; 1414  Bütczel,  Tannwaschel,  Taunweczschel ;  1401 
le  Horton  (=SWos,  s.  Blatt  und  Sonnenscbuss;  Horton 
—  Iiundstag,  Sirius  und  Schlag,  tac,  Uctu!«,  auf  den 
Kopf] ;  coqneluche,  1401  le  tac,  quaedam  pestls  univer- 
sal! rntarrhl  et  frigoris  et  tustis,  quod  vlx  homine* 
poterant  respirare,  Du  l  ange  II,  222;  Schuurrer  I,  361; 
H14  en  mar«  au  dit  an  cotnmenca  u  Pari*  une  maladie 
populairc  qu'on  nommait  le  tac  ou  horion  qul  dura 
3  semalues  au  plus  et  plus  de  } 00000  personne*  furent 
»tu  inte»  ;  mal»  nul  n'en  mourrolt  [Briss.  142]  —  la  grippe  ; 
in  der  Normandic  belMt  die  Influenza  noch  horion. 
Bris*.  9;  entsprechend  unserem  Blitzkatarrh,  der  wie 
ein  Blitzschlag  den  Menacben  berührt  oder  wie  ein 
Dämon  begreift  ['irippe'j;  I  V  Jahrh.  Struche  [Sträuchen] 
=  Pestis  [Influenza?].  I».  II.  290;  1427  I-a  Dando ,  La- 
demio. I.er*ch  182;  1482  G reck  =  Zipf;  16.  Jahrh.  Kehl- 
Aus.*  ;  1510  coqueluche,  coecoluehe,  coccoluccio,  quod 
qui  morlm  tenebantur  ciiculllone  [Monchsgugel]  caput 
velarent,  Schnurrer  II,  61;  gravedo  anhclosa  [Pfnüscl, 
epidemisches  Kopfweb;.  I.ersch  20».  1551  pips ;  1557 
roquel liehe  ;  1560  Piperlein ;  1580  catarrbus  febrilis, 
febrii  catarrhalls.  dolor  capitis,  Schnurrer  II,  186; 
»panischer  Ziep,  spanischer  Plp,  Scbafhusten,  Schaf- 
krankheit.  Schafgift.  Hühner  Ziep,  Hühner-Web.  male 
del  castrone,  malo  dl  castron«  l  =  Scbafhusien],  Lorsch 
263;  Mazouchi,  Moutone;  Baraqnette.  Kolctu-,  Allure  I 
chapeau  quarre,  I.ersch  261;  16'>8  catnrrhns  epidemicus, 
the  vernal  feaver  ;morbus  vernus] ;  16S7  Fluss;  1699 
Schafhnsten  '.tnoutone],  v.  M.  II,  128;  1712  a  la  mode, 
•  ialantcriekrankheit,  Modefieber,  1725  Flussfleher ;  1708 
morbus  vulgari  nomine  castronis,  I.ersch  334;  172".'  Ka- 
tarrblleber; 1738  tabardillo;  1712  la  grippe,  Schnurrer 
II,  275.  295;  1744  Flussfleber ;  1762  baraquette.  petite 
postc,  petit  Courier,  allgemeines  Bru«t leiden  :  1781 
maische  Krankheit,  die  von  der  chinesischen  Grenze 
Kiachta'  her  sich  ausbreitete  .  1782  russischer  Katarrh  ; 
nordischer  Kaiarrh,  la  Kusse,  la  piadosa  [  =  gutartige,  j 
milde  Kraukheit],  Schnurrer  II,  373.  376,  la  flippe,  Blitz- 
Katarrh  ,  Mode  Krankheit ,  1788  neues  Flusafieber, 
Knyps  ;  1800  Kopfwustigkeit ;  1801  Ziep,  1806  la  Gregor- 
ienne.  weil  um  diese  Zeit  Bonnpart  den  gregorianischen 
Kalender  wieder  eingeführt  hatte;  18.10/31  Grippe, 
russische  Krankheit  ;  1831  la  cholerine,  Kraut,  k.  228; 
[s.  t  holerinc] ;  1833  Grippe,  HuBtenseurhe  ,  1S5">  I.nnd- 
«hnupten,  allgemeines  Flu«stieber ;  lS8y  sibirische» 
Fieber,  Modekrankheit  .  BliUkatarrb  .  Influenza,  la 
grippe,  Blitzlleber,  nene  Krankheit,  Faulenzia,  Infal- 
lenz.  Dusel,  la  foletto,  la  coquette.  la  ltu«*e,  la  grenade, 
la  generale,  la  collete,  däu.  snue  med  feber).  —  2.=  I 
Influenza  der  Pferde,  Schelm,  FloHskehle,  Kahl- 
and  Kehlsucht  (1840;  Kalke  1,  183),  Krnstsetiche, 
Pferdestaupe  iMeyer,  Conv.-L«.  *.  III,  5*9).  —  Tier 
Influenza»  ein  Sammelname,  unter  welchen  ganz 
verschiedenartige,  mit  der  Menschen-Inlluenea  1 
nicht  einmal  klinisch  ähnliche  Tierkrankheiten 
fallen  (Rubemann  188). 


Inger,  m.  s.  Engerling. 

Ingetum  8.  thuen  unter:  -than. 

Inka  —  Inka- ämocäcw. 

Inkurabel,  m.  -  Lepra  oder  Krebs-Kranker, 
Siecher,  Unheilbarer. 

inn-  (ahd.  lnna,  Innaro  =  inwendig;  mhd.  inne. 
innere.  Kluge»,  182;  1515  inderst).  —  lxa^en)Ader, 
■Bein,  -Brust, -Darm,  -Geräusch,  -Geschlackt,  Gc- 
irart,  -Geiceide,  -Haut,  Mark,  -Ohr,  -thum. 

innerlich,  innerer.  —  innerlich(c, er,  es)  Aug- 
apfelgcschwar,  Faulung,  Feuchtung,  Gicht,  Glieder, 
Halsweh,  Hirn,  Hitie,  Knollen,  Kräfte,  Krank- 
lieit,  Mund,  Muttermund,  Ohrwurm,  Schlotts, 
Schmer,  Sträuchen,  Sieclitag,  Tramin,  Wurm. 

Innida  (ahd..  7 — 8.  Jahrb.  ludinta  linnlda)  =  Ein- 
geweide; (aus  dem  roman.  Intrange,  lat.  interane«, 
<  as».  (ilosa. ;  Diez  100). 

InnUOlu,  III.  (ahd.,  8.  Jahrh.  hinnuoull,  Rab.  Maur. 
65;  Uran'  1,  298;  durch  Vermitteln!)--  de»  Romanischen 
aus  dem  lat.  geulculum,  Wackernagcl ;  Schm.  I,  95)  — 
Viseera,  Innader  (a,  d.). 

innwendig  (einwendig) »  «enden. 

Inschlitt  ([Unachlitt] ,  Inschelt,  Inschel. 

Insel t)  (alter  ungslit ;  ahd  ,  8.  Jahrh.  unsllt  =  sebum, 
Kero  88;  mhd.  unslit,  Insllt,  insclt  =  Talg.  Kluge  868 j 
Inschlitt  eine  Nebenform  r.ntii  eigentlichen  l'nschlitt, 
Gr.  W.  IV.  2.  2141).  -  Inschlitt  (UnsiMitt  )Drü*ai. 

Inster.  ii  Iniestina.  interiora,  Falke  I.  414;  ndd. 
dat  insler  kop,  hnls,  arm  de  foelt  bot  an  de  Kncc  d«l 
heet  he  goeaekroe» ,  Z.  1.  d  \  1888.  8.  170)  =  Ein- 
geweide beim  Schlachtiere  (aus  InseW  [».  satzl 
gebildet). 

St.  Job  (—  der  An»»atz-,  Skorbut-  und  Syphilis- 
Patron,  ersten-s  nach  der  BIbol,  letzteres  durch  Über- 
tragung aus  Jener).  —  St.  JaibarKrankhctt,  -Sucht, 
-Übel. 

.locken  h.  jucken. 

St.  Johannes  (Über  St.  Johannes  s.  Kultkalcn- 
darinm  in  d.  Zeltschr.  d.  D  6  A.  V.  1898,  S.  191.  19-, 
216;  St.  Johann  übernahm  in  den  Volksgebräuebeii 
öfters  Teile  des  heidnischen  Kultin ventars  aus  der  Feier 
der  Sommersonnenwende).  —  Hanns-,  St.  Johannes 
(8t  Jan-  Busse,  -Druck,  -Feuer,  -Krankheit, 
-Moer,  Mors,  -Rauch,  -Sucht,  -  Tanz,  Übel. 

Ir  (ahd.  lr,  yr,  Graft  IV,  566;  1521  lr)  =  das  Mittel 
der  Hand,  die  innere  Handfläche  ir  =  l(un)r, 
D.  126  =  tenner  [s.  d.J,  D.  642)  —  Jx-Hände. 

Irchsen  (Ichsen)=  Uechsen. 

irden  (irdisch)  (zu  Knie  |».  d  ]  zur  Krde  gehörig, 
Im  Gegensatz  zum  tlelsl  [Seele,  =  meUncholleus.  siehe 
Melancholie,  Maschenb.  402,  Bcsolt).  —  irdene(s) 
{irdische)  -Blut,  -Suchtuni}. 

Irmel,  m.  h.  Arm. 

irr,  irren,  Irre,  m  —errate  (ersare),  (vorgerm. 
ers;  goth.  alrzels  —  delirarc  [  =  aus  dem  Gelelse,  lira, 
kommen];  ahd.  lrrl  w  erzürnt  durch  Abirrung  des 
Geistes,  irrön;  mhd.  Irre  närrisch],  irren,  Kluge4. 
177  =  Irre  geben,  irre  sein)  =  geistig  gestört,  wahn- 
sinnig (Gr.  w.  iv,  2.  yyi).  —  Irrling  -  das  mit 
der  Drehkrankheit  behaftete  Schaf,  das  sich 
von  der  Herde  verirrt  (Zipp.  624).  —  gag-  {j(ij-) 


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irrtichen — Juck. 


Jud— Jungfer. 


irrig  — irrig,  verlegen,  wie  aufgescheucht  (8ctam. 
I,  1303).  —  (1532)  Mutter-Irrung  (-Irrigkeit)  =  das 
Verlassen  (Abirren)  der  normalen  Gebärmutter- 
stelle  (  =  Irrgang,  s.  d.)  (Fries  128;  Ortolph),  Sulfo- 
catio  matris.  —  Fcrirrte,  n.  =  Irrsein  u.  hyster- 
ische Konvulsion  als  eine  angehexte  Krank- 
heit (Tirol,  z.  f.  ö.  v.-K.  im,  s.  150).  —  Irr-Gang, 
-laufen. 
irrüchen'-s.  ruechen. 

Ischias,  f.  Ischiatik,  (Schiatik)  =  Passio 
ischiadica,  Ischiast(Hippokratis  -  Hüftweh), 
Arthritis  coxae  (A.  v.  ü.  I,  835;  Kossm.  17).  —  (1754) 
Schiatik  =  Hüftweh  (A.  v.  H.  II,  879;  Buck  65; 
lschlatlk.  A.  v.  11.  I,  Ö70) ;  etatique  ( =  ciutica  passjo, 
s.  guttu  oder  ciaita,  dolor  ischiaticus ,  Du  fange  II, 
323);  Ischias  =  '*"/.'•*  ^tt  laX*1  T0''>  Ulb-rjiixo')'. 
(Roseubaum  216)  bedeutete :  1.  =  die  Muskelinasse  am 
unteren  und  kuneren  TeUe  de?  os  illum.  —  2.  =  das 

Kauze  Oesass.  —  3.  —  die  Weleukpfunne  des  Ober- 
schenkels; Izyiw.v.iz  —  der  an  Ischias  1  —  3  Leidende. 

Italien.  -  italienische  Drüsen. 

itern  (itrichen,  iterachen,  iteruchen,  itru- 
cken,  lydrigenj)  s.  ruechen. 

Juch.  —  Juch-Krampf. 

Juck,  m.  (jucken,  jucken)  (keii.  irisch  gicgii,  z. 

t.  d.  A.  188S.  8.  287  ;  germ.  jukk  ;  goth.  jukkjan  ;  angls. 
g} Scan,  gyccil,  1).  469 ;  gyeda  —  pruritus,  Scabies,  Kluge*, 
179;  [s.  Gicht  IL  Glget];  engl,  itrh  —  Rande,  l.ehf.  87; 
ahd.  jucchnn,  jnechido,  n.,  m.,  Kluge4,  159  -  Kratze, 
prurlgo,  Impetigo,  «.raft  I,  592.  593;  H.  Z.  XV,  528.  619; 
Gr,  W.  IV,  2.  2347;  11.  .lahrh.  jukedo  =  petlgo,  prorigo, 
uredo,  H.  Z.  III,  368;  H  Z.  XVI,  48.  321 ;  juchede,  juch- 
edo  petigo,  prurlgo,  H,  /.  in  Pragei  Mandschr.  ; 
Gr.  H.  M.  II,  1112,  Juehido  =  petigo,  prurlgo,  Scabies, 
uredo  cutis,  H.  Z.  XV,  346.  346.  318.  353.  828;  14.-15. 
.lahrh.,  mnd.  jocken,  de  jockc,  J.  f.  nd.  8pf.  XV,  131; 
1 12U  gucken  prurlgo  [wlcGauchc  m  Juucbcj  —  jucken, 
1).  169;  llv.'  juck,  jucket  —  eine  .Sucht  zwischen  Kell 
[Haut]  u.  Fleisch,  Zcnlng.  Voc.  rT6;  D.  303.  3*1;  Krätze, 
Zen.  Voe.  r3;  jucken  ■  frleare.  Zen.  Voc.  p.  7  ;  tnhd. 
jucken;  148»;,  1507,  1529  jucken  ^  tltillare,  palpiuire, 
Hort.  san. ;  Brun!. ;  D.  II,  277 ;  mnd.  joeken ;  ndl.  jeukeu  ; 
und.  jaecken,  Kluge  1.  c  ;  Goldschm.  88;  Do  Cock  40; 
1V77  jeuktc  ;  1839  Jucken,  n.  —  prurlgo,  Juckbluttcrchcn 
[s.d.],  Bohrend  51)  Hautreiz,  Kitzel  empünden, 
diellaut  mit  (geigenden  ?)  Fingern  kratzen  bei 
den  verschiedensten  Hautkrankheiten'  (scalpu- 
rigo,  n.  516).  —  Juck.m.  f. -die  Kratze,  Kratzlein, 
kleiner  Grint  (Gr.  \V.  V,  2073;  Schindler  I,  1201).  — 
(1482)  Juckiger  =  hcabidns,(  irinti^er  (Zcn.Voc.  p7). 

—  Juckung  (1182)  -  Handlung  des  Juckens, 
z.  Ii.  bei  Grint,  Baude,  scharfer  Grint  (Zen. 
Voc.  p  7).  —  (1714)  ^IrscÄ-  (Aft er  ) Jucken  -  Pru- 
ritus  ani  (Zw.  l  .7),  das  juckende  Gefühl  im  After 
infolge  von  Erylhema,  Intertrigo.  —  au/-jucken 

—  frieare  cutetn,  die  Haut  aufreiben  durch  den 
Juckreiz  (Gr.  W.  I,  673).  —  (1529)  .dti^tn- Jucken 

=  fratte,  juckende,  offene  Haut  um  die  Augen 
herum  (Ekzema)  fColcr,  H.  A.  113;  llruntels).  — 

Haut  Jucken  =  Prurigo,  Pruritus  der  Juckreiz 
auf  der  Haut  (Gr.  w.  IV,  2.  712).  —  /w7/-jaecken  - 
leicht  schmerzend  jucken  (s.  kellen)  (Goldacbm.  88). 

—  Wangen  Jucken  den  Aberglauben  dabei,  ■.Gr.  D. 
M.  II,  1071).  —  ZdA'tc-Jucken  =  Udaeismus,  das 


Beissen  und  Reiben  der  zahnenden  Kinder  am 
Zahnfleische  (A.  v.  H.  II,  1157,  Gr.  W.  IV,  2.  23is). 

—  Juck  -  Ausschlag,  -Blätterchen,  -Bläschen, 
•Blatter,  -Finger,  -Geschwür,  -Ilge,  -Knötchen. 

Jud,  m.  Judas,  Juden,  pl.  —  Jud,  1.  =  die 

jüdischen  Ärzte  standen  im  Mittelalter  Im  Verdachte 
der  Zauberei  (s.  Judenblick),  ihre  eigentümliche  Haar- 
11.  Bartfrisur  in  manchen  Gegenden  gab  Veranlassung 
zu  einigen  Vergleichen ;  daher  Jud  —  Ü8  petrosum, 
Felsenbein  amSehtldel,  das  un  verbrenn  bare, 
steinige  Bein,  das  ganz  einem  Kopfe  mit  spitzem 
Barte  ähnelt  (Qef.  Mittig.  des  U.  M.-Kat  Dr.  Huber  iu 
Memmingen)  (s.  Judenknochen).  —  2. -das  Volk 
der  Juden  war  ausserdem  grenzenlos  verachtet ; 
daher  man  auch  den  sonst  Podex,  Arsch-, 
Schand-,  oder  Mittelfinger  benannten  Finger 
Jud  nannte  (1482),  wobei  das  christliche  Volk 
die  Legende  erfand  (n.  613)  ,  dass  die  Juden  an 
jedem  Christi  Kreuzigungstage  durch  den  After 
Blut  verlören,  das  sie  dann  mit  diesem  Schand - 

finger  wegwischten.  —  jQ^en[-^ic*»  -Baar 

-Fleisch,  -Knöchlein,  -Laus,-Nase,  Zopf. 

Jüttel  (Jütel,  Jtidel)  s.  Gutta)  (=  Gate), 
Gütchen). 

Jüttland.  —  jüttländische  Krankheit. 

Jugend,  (jugendlich);  sie  hat  ihr  Jugend- 
liches verloren  —  Amenorrhoea  ehlorotica  (Pauli 
SS).  —  Jugend  =  Kind  (Neugeborenes)  (Tirol ; 
Z.  d.  V  f  v.-K.  UM.  oOsj.  —  Jugend- Krankheiten, 
Sünde. 

julfern  (onomatopoiet.)     heulend  weinen 

(From.  VI,  214). 

jung  (Junker)  {indogerm.  yu  =  jung  «ein  ;  yuwren 
[juvenis];  vorgerm.  yuwenko-s  [jnveneus] ;  gem. -germ. 
jung»;  abd.  jung.  mhd.  junr,  Kluge*,  179)  -  tinbe- 
jahrt. —  Junge,  m.  (Junger)  (ahd.  juiigir-I'ul>es, 
Uraff  I,  602),  Penis  (Gr.  W.  IV,  2.  2377).  —  (1618) 
Jung,  n.  —  Kingeweide  bei  Hausvögeln  («las 
Entenjung,  Gänseklein,  Gftnuekrös),  der  kleine 
gleichsam  unentwickelte,  jun^e,  unansehnliche 
Abfall  (die  jung  gans  -  acrocollo  anseri»,  Srhmeller 
i,  924),  übertraKen  auf  das  Geflügel  vom  fleisch- 
ilrmeren  Jungvieh  =  das  am  kleineren  Tiere 
allein  Verwertbare  (s.  klein).  —  Junker  Tun- 
kerle i  -~  roter  Junker  [OdL  roodjonk,  De  Cock  230), 
1.  -  Kothhund  (s.  d.)  als  juckender  Hautauschlag. 

—  2.  =  rote  Hautblilschen,  die  um  die  Pubertäts- 
zeit auf  der  StirneeiHcheinen,(Vemi8blümchen), 
Corona  vencris,  Akne  (C.  v.  Schm.  302).  —  St.  Ur- 
bans- Jünger  einer,  der  an  St.  Urbansplage  mit 
Anteil  nimmt,  daran  leidet  (From.  IV,  7;  bei 
Fischart)  (s.  Bruder).  —  Jung{c,  er),  jüngster 
Ftnger,  Franzosen,  Fmuenbauch,  Binar,  Seufzer, 
Strupfen. 

Jungfer,  f.  mhd.  Juucvrouwe  es  Edclfraulcln,  junge 
Frau.  Der  Stund  der  Juugirauschaft  war  bei  den  Ger- 
manen in  hohen  Khren).  —  S'uu-Jungfer  =  das 
erste  und  zweite  Wirbelbein  an  der  Stichstelle 
im  Genicke  unterm  „Hoch-Huck"  der  Schweine 
(BlrUnger,  Volkst.  1, 122.  [179  ]  MO.  [584];  das  vermutlich 
den  als  Zauberer  verschrieeneu  Juden  zu  nbcrglaublgcn 
Zu  ecken  dienen  sollte,  w  egen  seiner  Form,  die  man  so 


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Jungfer— Käfer. 


Juppiter—  Käule. 


258 


ansah,  als  «iUse  eine  kleine  Figur,  Jungfer  in  einem 
Bade-Zuber  oder  Melzgerkufe;  es  ist  cler  sogen.  Juden- 
knochen  [s.d.],  Auterstehungaknochelchcn,  Luss  [siehe 
l.ui],  Suuludi,  Koenig  etc.  (s.  d.],  das  beste  am  Span- 
ferkel still  das  sogen.  ..Krauzl"  sein  [IlalHWlrbelMellc;; 
der  es  erhalt,  Ist  die  „Jüdin",  Hirling.r  1.  e. ;  s.  Z.  d. 

v.  f  v  k  isyö.s.  ioi).  -  Jungfert>0-/lrftT>  -Bort, 


-Ding,  -Fell,  -Häutchen,  Kathl,  -Kitzel,  -Krank- 
heit, -Krone,  -Milch,  -Schitz,  -Schloss,  -Schtoer- 
mut,  -Sucht. 

Juppiter.  —  Juppiter-Sh>tiP. 

juschen  tu»-',  »•  n.  3to)  ^  besehen,  hitschen, 
singultare. 


Kaat,  n.  (Koat,  Kaht,  Kat),  1.     Kot,  Quat 

(8.  d.).  —  2.  =  Eiter  ((ir.  W.  V.  1892.  1896).  —  3. 
(tnnd.  ghaet,  Mag.  Barth.  97a)  Krebsgeschwür,  das 
eitert  und  fault.  —  (1749)  auat&tern  =  die  Haut 
von  Kot,  Schmutz  befreien  (Zeitscbr.  f.  d.  PhttoL 
xxvi,  237).  —  3fu«-Kat,  1.  =  Kinderkot  bei 
Mehlbrei-  (Mus-)  Ernährung  (Mltt.  z.  n.  v.-Kd. 

1S96,  3).  —  2.  =  Muskat  -  MaUBkot  (Dicfenb.  373). 

—  Kz$X-Blattern. 

Kachel,  f.  kachen  {zu  koehen  und  Kuchen ;  ahd. 
kachala,  mbd.  kachele,  Kluge*  ISO  =  Kochgeschirr). 

—  kacheln  =  (in  das  Geschirr)  urinieren  (siehe 
ausserdem  Kuchen,  Topf,  Hafen).  —  //fkacht 
(ir..  Jahrb..  D.  129  =  coctua). 

kachezen  (kächezen,  kakatzen,  kächzen, 

kecksen)  (rabd.  chachazen  —  cachlnare,  Hyrtl,  K.  W.  7) 

—  husten,  trocken  husten  ohne  Auswurf  (Delling; 

Z.  f.  Ü.  V.-K.  1896,  II,  73;  fJr.  \V.  V,  438.  -139)  wie  ein 

Schwindsüchtiger,  d.  b.  den  Naturlaut  kaka 
(s.  d.)  ausstossen,  keuchen.  -  die  Kächse  (Kekse) 

Schwind8ucht8-Husten. 

Kacke,  f.  (kacken,  Kaktus)  =  menschlicher 

Kot  (s.  gaggen).  —  kacken  (=  aus  der  latein. 
Studentensprache;  1">21  kacken,  D.  SC  =  cacare.  ex- 
onerare  alvum,  Heyne  III,  26«;  Kluge  180;  engl,  tocack) 
(dazu  Kaktus;  s.  auch  Gack  und  Quack).  — 
Kackele  =  Ei,  das  per  anuru  gelegt  wurde 
(Krotnm.  VI,  181). 

Kader  s.  Köder  u.  Kater, 
käch  s.  keck. 

kächezen  (Kächse)  s.  kachezen. 

Käfer,  m.  (=  da«  mit  den  ,, Klefern"  nagende 
geflügelte  Insekt  oder  Schädling,  vom  Volke  wie  die 
Haupen.  Grillen.  Egel,  Würmer  etc.  [*.  d.]  als  Alpgcstult 
aufgetaut)  =  Magenwurm  (s.  d.)  beim  Pferde 
(v.  M.  i,  61).  —  einen  Käfer  im  Kopfe  haben  = 
Gehirnreizung  (Delirium)  =  spinnen  (s.  d.)  etc. 

(vcrgl.  Alp  VI,  S.  12)  (Duck  13.  i:>).  Alles  kriechende 
Gewürm,  vor  dem  unsere  Vorfahren  (und  z.  Teil  heute 
noch  das  Volk,  einen  grossen  Abscheu  hegten,  war  als 
die  Gestalt  einer  bösen  Macht,  eines  alpl»chen  Geistes, 
Kraukheludamons,  angesehen,  unter  der  sich  dieser 
In  des  Menschen  oder  Haustieres  Leib  begeben,  dessen 
Organe  er  zu  ganz  ungewöhnlichen  Äusserungen  ?er- 
anlaasen  konnte ;  der  Käfer  ist  hierbei  als  ein  geflügeltes 
Wesen  nnd  Wurm  (*.  Vogel,  Sekt,  fliegen)  gedacht.  — 
GäWc/i-Käfer  b.  Knolster  u.  Magen  wurm;  ein 
elbischer  Dämon  in  Mistkäfer-,  Maden-Gestalt 
beim  Vieh  (D.  st:.  —  Käfer-  Wurm. 


Kahle,  f.  s.  Kehle. 

käken  (köcken,  göggen  [Schweiz]),  1.  -  unter 
dem  Naturlaut  käk  rülpsen  (kachezen),  würgen, 
erbrechen,  Übel  sein  zum  Erbrechen  (Gr.  w.  V, 
13«7).  —  2.  =  seine  Stimme  verändern,  wie  z.  B. 
nach  dem  Käken  (1)  od.  Würgen  (garrire)  (Gr.  w. 
V,  49).  —  käkig  =  kränklich  aussehend  als  wie 
nach  dem  Käken  (1),  ohne  Farbe,  gelblicht 
(Gr.  W.  V,  49;  Thüringen).  —  K&ck-HUlcn. 

källen  s.  kellen 

Kälte  s.  kalt. 

Kämmerlein  s.  Kammer. 

Kämpfer.  —  Kämpfer-  Wunde. 

Kanslcin  (Känzli)  (zu  kens,  Uns  =  Verdickung 
[clavus]).  —  Känslein,  Känzli  (Würzburg)  — Haut- 
schrunden innerhalb  der  Hautverdicknngen 
(Schwielen)  der  Hohlhand  (Fingerlohn),  von 
harter  Arbeit  (Schnuller  I,  12C7)  (s.  Ken). 

Käppel,  n.  s.  Kappe. 

Karben  =  kirben  (s.  d.),  röcheln  (Gr.  w.  V,  790). 

Käse,  m.  (Kas)  (vor  dem  5.  Jahrh.  zu  den  Ger- 
manen als  castus  [rulgarlat.]  gedrungen,  Kluge*,  187). 
—  1  m  (1508  kose  —  gramiae;  lft&O  kaese)  Gramiae 
=  Augenkäse,  Augenbutter,  Schlaf  etc.,  das 
Sekret  der  Meibomsehen  Drüsen  des  Auge» 
(Gr.  W.  V,  250).  —  2.  =  1687  kaes  =  da«  Haar,  s.  d.) 
die  zu  haarförmigen  Fäden  geronnene  Mutter- 
milch (Gr.  w.  IV,  2.  12).  —  käsen  (keesen)  =  das 
Aufstossen  einer  geringen  Menge  von  Magen- 
Inhalt,  käsig  geronnener  Milch,  kurz  nach  dem 
Trinken  der  Milch  bei  Säuglingen  (Goldschm.  löfi; 
Kohler  II,  132).  —  käsig  (kasi)  =  käsebleich  (b.  d.) 
(Schmeller  I,  1300);  s.  auch  kask.  —  (1741)  Augen- 
Käse  *s  Augenbutter  (s.  d.),  Gramiae,  Katha- 
reinlein  (s.  d.)  ((ir.  w.  i,  805 ;  l>.  269).  —  Ferkäs- 
ung =  Tyrosis,  die  mehr  weniger  vollstäudige 
Umwandlung  eines  sog.  Tuberkels  (=  lympha- 
tiBche  Granulationsgeschwulst)  in  einen  küse- 
ähnlichen,  trockenen,  gelbweissen  Herd,  durch 
dessen  Erweichung  das  tuberkulöse  Geschwür 
entsteht  (Samuel  248;  Kossm.  40).  —  K&S- Fuss, 
•Magen,  -Masse,  -Rinne,  -  Wasser. 

Kästen  s.  Kastanien, 
kätzgen  s.  katzgen. 
Katzlem  8.  Katze. 
Kau  (käuen)  s.  kauen. 
Käule  B.  Keule. 


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254  käupeln-Kakh-käkh. 


Kaktus— Kalb. 


kaupeln  (keupeln).  —  umkäupeln  i  =-ai»»rtire, 

Hr.  D.  M.  II,  Uli  =  umkippen,  umfallen  wie  eine 
Kaupe  [a.  Kluge  sub  kaufen]  oder  Kaufwarc,  Gr.  W. 
v.  :!6l)  =  verwerfen  (h.  d.)  durch  Abortus. 

käusen  (Soll weil;  zu  kauen,  s.  d.)  —  den  Ton 
erzeugen,  wenn  jemand  den  sähen  Speichel  erBt 
im  Munde  sammeln  iuubs  (wie  zum  Kauen), 
ehe  er  ihn  auswerfen  kann  (Gr.  w.  V.  au). 

käustern  s.  keistern. 

kahl,  Kahle,  f.  (=  ealvus,  von  «lern  es  {nach 
Kluge*.  16.  181]  wegen  de*  Verkaufes  von  germanisch 
blondem  Haare  in  Korn  entlehnt  ist;  gerin  kalwa-, 
ahd.  chalo  =  Kahlkopf,  Gr.  W.  V,  27;  chalawa  =  cal- 
vieles  (ealvaria  ■  Schädel,  fleischloser,  kahler  Knochen  ] , 
12.  Jahrb.  ehalwe;  mhd.  kal,  kalwe;  14.  Jahrh.  kclwin 
=  Calvities,  Gr.  W.  IV.  30;  1420  kal,  kael  =  ealvus, 
ü.  92;  1512  kal  -  depills,  D.  174;  1591  kaal  -  ealvus, 
Ifad.  Jim.  391;  ndl.  kael hey t,  Ue  Lock  288;  engl,  callow). 

kahl  — von  Bedeckendem  entblösst.  —  Kahl- 
heit (15.  Jahrh.  kalekelt  =  c*lvtüci;  1501  kaelheit  = 
calvaria,  D.  91)  =  die  kahle  Stelle  besonders  am 
Vorhaupte.  —  die  alte  Kahle  (ehalwe,  Pfeiffer  42) 
-  die  Kahlheit  d.  alten  heute.  —  ur-kahl  (urcaler, 
Schmeller  I,  1232)  =  ganz  und  gar  kahl.  —  tor- 
kahl (vorkal,  acalviis,  Schmeller  1.  «od.;  D.  6;  1521 
voer  caell,  vornen  cal)  =  au  der  Stirne  vorne  kahl 
(".  Glatze);  (das  Kablwerdeu  wurde  vom  Volke  als 
die  Folge  elbischer  Datnonenthtttlgkclt  aufgefasst  (siehe 
Htmrwurm),  Alpenbg.  207).  —  kahl  i  ,  er,  <  a  (Kahl-) 
Gebein,  -Giebel,  -Grint,  -Kopf,  -Statt,  -Stirne. 

Kahm(en),  m.  Kahn(en),  m.  Käm,  Keim, 
Gam,  Kon,  Kum,  Kuhn  (<  ■in  wahrscheinlich  g*m.- 
germ.  Wort  =  Hülle,  Kruste,  Heyne  III,  270;  mhd.  kam 
[kän);  1482  kon  -  cauma,  D.  108;  Kluge',  181;  mit 
sehr  wechselnden  Formen)  -  Schimmelpilz  (Weltipllz, 
i.itruugspiljt  [Gur,  *.  d.},  Schw.  322;  mueor,  coagulum, 
ur.  \v.  v,  32  (cauma])  =  Lampe  Hippok.,  Oidium 
albicans  (Soor,  Heb,  Schwämnichen ,  Gur, 
Foss  etc.),  der  Mnndhöhlenpilz,  der  mit  dorn 
auf  Wein  gedeihenden  Garungspilz  verglichen 
wird  (Schmeller  I,  911.  1253;  Pfalz).  —  Kulm  (1482 
kon  -  Mehlthau,  Kutzuudung  [seil,  der  Mundhöhle], 
Zening.  V'oc.  r  3;  Bayern  Kün;  Pfalz  Kuhnen.  Pauli 
125)  =  Soorpilz.  ..Mit  der  Entdeckung  des  Soorpilze* 
K  Su.ir,  1S40)  l»t  in  Erfüllung  gegangen,  was  das  Volk 
M-it  Jahrbuiiderteii  In  den  treffenden  Bezeichnungen 
.Schi»  Arnim  heu,  Kahn,  Kuhn  vorausgeahnt  hatte"  (Hohn 
in  i.erbardt  III,  82;  IV,  2);  (8.  auch  quinen). 

Kaib,  m.  s.  Keib. 
Kaiser.  —  Kaiser-  Geburt. 

Kakerlak,  m.  (nach  einem  Volke  (bakerla*  auf 
der  Insel  Java,  das  welssgelbe  Hautfarbe  und  licht- 
scheue Augen  haben  soll  [Falke  II,  ;!],  benannt),  1.  -- 
Leukaethiops,  Leukopathia,  Dondos,  Blafardt 
(Hyrtl,  Anat.  527),  weisser  Neger,  Albino  (bei 
Mensch  und  Tier),  weissüchtig  (1802;  Auknrleth 
§  991).  —  2.  =  mit  Unrecht  (Kraus,  E.  703)  auch 
Kretin  (s.  d.). 

Käkh-kakh  =  der  Naturlaut  des  Kindes  beim 
Husten  und  Schreien  aus  vollem  Halse  («anajrrlt 
kakulaka  -  der  Kehlkopf,  Gr.  W.  IV,  2.  570).  Die  ver- 
schiedensten Formen  entwickelten  »ich  aus  diesem 
uralten  Worutamme,  (vergl.  keuchen). 


KaktUS  s.  Kacke. 

Kalawatsch,  1  -Dalle- Watsch.  —  2.=  (nach 

Schmeller  I,  ISN  ;  II,  105*)  eine  (mhangtasche ,  damit 
ist  verglichen  d  er  Mums-(Parotitis  und  Parolis-) 
Sack  (s.  Watsche). 

Kalb,  n.  Kalbe,  f.  (germ.  glbb,  Kluge  *,  181  ff. ; 
i;oth.  kalbo,  ahd.  cbalb;  mhd.  kalp;  engl,  calf  —  Junges 
vom  Rind,  vitulU ;  Kalb,  t.  =  zeugungsfähiges  weib- 
liches Kind;  das  Kalbfell  [Bültliug]  wurde  als  „Bottich" 
für  verschiedenen  Inball  (Wasser,  E*.«1r,  gehacktes 
Fleisch  etc';  benützt ;  der  prall  gefüllte  Hautsack  [Balg), 
an  dem  die  abgeschnürte  Haut  der  4  Extremitäten  in 
Stummelform  abstand  ,  diente  zu  verschiedenen  Ver- 
gleichen mit  menschlichen  Tollen  und  Gebilden),  1.  = 
bottichartig  entstelltes,  verkrüppeltes  Kind 
(Mondkalb,  Wasserkalb,  Aberkalb);  auch  = 
Dummkopf.  —  2.  =  balgartig,  weiche  Fleisch- 
pulpa  (1517  kalb— pulpa,  Gr.  W.  V,  53;  1777  kalf  van 
bet  hont,  muys  —  pulpa,  1).  472.  512;  engl,  calf  — 
Wade  [Brat]),  die  dem  Inhalte  des  Wurstbalges 
I  (Sarcina)  ähnelt.  —  kälbern,  1.  =  sich  mit 
hasslichem  Laute,  wie  ein  blockendes  Kalb 
erbrechen  (s.  Ulrich)  Schräder  90).  —  2.  =  ein 
Kalb  werfen.  —  Aber-  (<4/Ycr-)Kalb  =  ein  un- 
echtes Kind  (Gr.  D.  M.  II,  im),  das  man  nicht 
als  daa  seinige  anerkannte,  weil  es  als  „Alper- 
kalb"  (e.  d.)  entstellt,  entartet  war  (Molen- 
Schwangerschaft,  Hydrocephalus ,  Totgeburt, 
fötale  Rhachitis)  und  das  mit  dem  Kalbsbalge 
(Waaserbalge,  Wasserkalb)  verglichen  wurde. 

—  4iner-Kalb  =  die  andere  Gestalt  des  Alp  X, 
(S.  12),  die  entstellte  menschliche  Frucht;  (iu  Bc 
sehwürungsformeln  [s.Z.  d.  V.  f.  V.  K.  1WKS,  S.  213]  heisat 
es:  „Alp,  Alp,  du  bist  geboren  wie  ein  Kalb"),  das 
.Afterkalb  ist  diese  Gestalt  bezw.  Produkt  des 
AlpilämonB,  der  die  Menschen  minnet  (s.  d.) 
and  so  dieses  Unwesen  erzeugt,  daher  auch  Fex 
=  Kretin  (vaccas  fetas  —  ahd.  chuai  mit  chalbirum, 
Graft;  l».  232);  Fex  (s.  d.)  -  Alpkalb,  die  Frucht 
des  AlpdUmons.  —  böse  Kälber  =  die  sich  schwer 
ablösenden  Mutterkuchenteile  (Cotyledones, 
Multerdrüsen)  bei  dem  Klauenvieh,  die  dann 
leicht  brandig  (böse)  werden  (Falke  I,  144).  — 
iyrb-Kalb  =  die  bei  der  Umstülpung  des  ent- 
bundenen und  vorgefallenenTragsackesder  Kuh 
sichtbare,  frucht-  (Kalb)  ähnliche  Geschwulst, 
die  mit  blumenkohlartigcn ,  gestielten,  leicht- 
blutenden Warzen  (Rosen  =  Decidua  serotina) 
wie  mit  Blutegeln  besetzt  ist  (Frank  31)  (s.  Igel). 

—  (10.  Jahrh.)  Mahl-Kalb  (bei  Luther;  Zeltschr.  f  d. 
j  Philo!  XXVI,  55)  =  Mondkalb  oder  Wechselbalg 

(s.  d.)  (udd.  mall,  mal  =  thörlcht,  närrisch,  also)  ein 
verstand-  und  geistloses  Wesen  in  Kalbs  -Bült- 
ling-Gestalt.  Möglich  wäre  auch:  Molkalb  = 
Molen-Kalb  (s.  Mole),  da  begrifflich  identisch. 

—  Monat-Kalb  =  Mondkalb  (Kraus,  K.  C30).  — 

ÄfOM-^      'Kalb  (engl,  aooncalf)  — eine  entstellte 

Frucht  (Molensehwangerschaft ,  Wasserkalb, 
i  Muttergewäehs),  zuerst  als  das  blosse  Produkt 
„verhaltener  Monatszeit"  (nicht  als  na- 
i  türliche,  menschliche  o.  tierische  Frucht  durch 
Kmpfängnis  von  einem  Manne)  erklärt;  das- 
selbe sollte  in  der  Gebärmutter  wachsen  und 
nach  alter,  uxtiologiseh-glilubiger  Anschauung 


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Kalk 


Kaleh. 


255 


{1680}  „unterm  widrigen  EinfluBBe  deB  j 
Mondes"  zu  einer  Missgeburt  in  Gestalt  eines 
unförmlichen  Kleisehklumpens  entarten,  der 
Wasserball? ,  Wechselbalg  (s.  d.),  Wasserbutt 
etc.  genannt  wurde;  noch  spater,  als  man  die 
Erfahrung  gemacht  hatte,  dass  doch  ein  be- 
fruchtender Beischlaf  vorangegangen  war  bei 
solchen  Missgeburten,  suchte  die  Volksetymo- 
logie deren  Entstehung  zu  erklaren  (172C  ,,\vcil 
du  Weil»  solche  Frucht  während  des  Monatsflusses 
i  Mondzelt]  cotizlplcrt  hat",  ,,o*  ist  ein  Stuck  Fleisch, 
so  kein  vollkommenes  Leb«  11  hut  11.  weder  Rein  nnch 
Inngeweide  hat  und  demnach  sich  sn  2 — 3  Jahren  in 
der  Rarmutter  enthalten  kann",  TheR.  san.  Br.  2*8); 
jede  nicht  lebende,  entstellte  Fötus-  und  dege- 
nerierte l'lacenta- Bildung  (Traubenmule)  (Vogel 
V,  i«*.i)  wurde  tum  Mondkalbe,  d.  h.  zum  wasser- 
balgähnhchcn,  mit  dem  Mondeinflusse  in  Ätio- 
logischen Zusammenhang  gebrachten  Wechsel- 
balge (l>el  Luther;  Gr.  W.  VI,  2So8).  Aberkalbe  od. 
Wasserbalg  oder  Büttling,  der  aber  auch  beim 
Rinde  vorkommt  (s.  Wasserkalb)  u.  vom  Land- 
manne den  Folgen  eines  Versehens  am  Frosche 
oder  an  einer  Bulldogge  oder  einer  geschlecht- 
lichen Vermischung  des  Menschen  mit  einer 
Kuh  zugeschrieben  wird,  so  dass  er  sphinxaitig  ! 
halb  Mensch  halb  Tier  ist  (da  er  bei  beiden  I 
eben  vorkommt);  je  eher,  je  lieber  muss  dann  eine 
solche  Kuh  mit  Haut  u.  Haar  verscharrt  werden  (Krank  ! 
3*7;  Coler.  R.  397).  So  gross  war  die  Furcht  des  Land-  j 
manne«  vor  diesem  Mondkulbe  oder  (1777)  Monkalb, 
<Ia«s  er  dieses,  sobald  e«  von  der  Kuh  geworfen  war,  an 
der  Nabelsehnur  mit  einem  „seidenen"  Kaden  von  der 
Mutter  abband,  diese  rnterhiudungsatelle  mit  heiasem 
\Va*M  r  oder  Milch  reinigte  und  den  Nabelschnur- Rest 
wieder  in  den  GeburtsAchlauch  zunirkbrachte,  damit 
die  Kuh  davon  vollständig  getrennt  sei ;  eine  solche 
.Visageburt  „voller  Knoten"  (  =  Poschen)  durfte  die  Kuh 
nicht  einmal  sehen,  sonst  geht  die  Kuh  darauf.  (Bewahrte 
Arzneimittel  für  das  Rindvieh;  Frankf.  u.  Lelpz.,  8.20; 
1777.  Ueilbrunn);  der  Name  dieser  fötalen  Miss- 
bildung  bei  der  Kuh  wurde  auf  alle  mensch- 
lichen Missgeburten  (incl.  Abortus)  übertragen 
und  so  wurde  Mondkalb,  1.  =  Mola  uterina,  Caro 
in  utero  nascens  (1548,  ,,der  Weiber  Mole  od.  Mond- 
kalb", Ruland;  A.  v.  H.  I,  101»;  Gr.  D.  M.  II,  Uli), 
auch  Uebärmutter-üewächs;  (1G87  Mondkalb,  „in- 
dem die  Natur  ihr«  Wirke  durcheinander  In  eine  Un- 
ordnung werfend  verwirret,  so  wird  aus  dem  Samen 
und  diesem  Geblüt  ein  rechter  ungeschnffener  Klumpen, 
das  wir  Mondkalb  nennen  und  das  «Ich  gewoniglich 
anderswo  nicht  erzeuget  als  nur  in  der  Frauen  Ihrer 
llnrtnuttcr  uud  sich  nimmer  mehr  od.  doch  gar  selten 
In  allen  anderen  Tieren  In  der  Barmutter,  well  diese 
keine  Monatzeit  haben,  linden  UUat",  Moriceau,  How 
Bartels  I,  576;  1687  Mondkalb  =  „ein  Klcixehklumpen 
ohne  Beine,  ohne  Gelenke  und  t'uterschled  der  Glied- 
maasen ;  der  hat  keine  Gestalt  noch  ordentliche  uud 
ausgemachte  Bilduuss  und  wird  wider  die  Natur  in  der 
n&nnulter,  nach  dem  Belschlafe  von  des  Mannes  und 
Weibes  verdorbenen  Samen  gezeuget",  I.e.);  diu  Tier- 
medizin unterscheidet  auch  a)  Fleisch-Mond- 
kalb =  Mola  carnosa;  b)  Blasen-Mondkalb  — 
Mola  hydatidoea  (=  Trnubenmole,  Hlasenmole) 
(Lolcr,  R.  397;  Falke  1,  28«;  18.  Jahrh.;  Gr.  W.  VI,  2504. 

2^os).  Mondkalb  ist  auch  =  Uternsftbroid,  Cyst- 


ovaritim,  ,.cin  fleischicht  und  sehwammicht  Gewächs 
in  der  Mutter,  ein  Stück  aderig  Fleisch  ohne  Rein  und 
ohne  Leben"  (Bttuml.  513),  (vergl.  Kugel).  —  2.  = 
der  Fötus  in  den  ersten  Schwangerschafts- 
Monaten  (Gr  w.  VI,  LMsr.).  —  3.  =  Abortus-Mole 
(Zw.  »06;  Selm.  1.18;  Plattier  II,  i7y.  48fl)  —  Mond- 
kälber, die  aus  Überresten  der  Placenta  oder 
Abortusmole  entstehen  sollten  (s.  ausserdem 
Mond).  -  Muf {cr-Kalb  =  das  in  der  Gebär- 
mutter wachsende  Wasser-  oder  Mond -Kall» 
(Wechselbalg,  Wasserbalg  etc.)  (Zw.  906)  (Uterus- 
übroid).  —  (1645)  Nieren  -  Kalb  („wenn  .10  uud 
mehrer  Kalber  auf  einmal  geboren  werden ;  jedes  ein 
Finger  lang,  Coler,  R.  3i>7)  =  Chorion-Myxom,  ein 
Konglomerat  von  traubenähnlichen  Wasser- 
bälgen (degenerierten  Chorionzotten),  das  das 
Volk  den  männlichen  Hoden  (Nieren)  vielleicht 
genetisch  zuschrieb  od.  den  überflüssig  Wasser 
(Harn)  bereitenden  Nieron.  —  Spr,  /,-Kalb  = 
Wasserkalb,  dessen  Zellgewebe  speckig,  fettig 
infiltriert  ist  (Schweiz;  Falke  II,  328 j  Hpp.).  —  Ver- 
kalben  -  ganz  fehlerhaft  ein  Kalb  gebären, 
verwerfen,  namentlich  epizootischer  Abortus 
(s.  käupen)  (Falke  Ii,  405).  —  Wasser-Kalb  (ahd. 
uuazarchalp  —  hyilrops,  GrBfl  IV,  391;  13.  Jahrh.  wasir- 
kalp  -  seto,  D.  631,  1260  wazerchalp  -  eine  im  Leibe 
wachsende,  den  Bauch  blähende  Geschwulst,  Pfeiffer 
26.  16 ;  mhd.  wazzerkalp,  Lcxer  370;  wem  der  panch 
/.eplat  [s.  blühen]  ist,  dem  das  Wasserkall»  wachst;  wem 
der  panch  vast  geplaet  ist  oder  wem  das  wasserchalb 
wachsen  wil,  Schweiler  I,  1238;  1429  wasserkalb  =  Tolea 
[  =  ?J.  I).  II,  366),  1.  =  die  Molenschwangerschaft 
und  das  fötalrhachitisch  geborene  (kretinöse) 
Km  1  oder  haarlos  geborene,  gleich  entartete 
Kalb,  das  man  mit  dem  Waaser- Büttling  aus 
Kalbsbalg  verglich  (Abbildung  s.  Ranke  II,  349, 
Frank  387;  Zeitschr.  d.  V.  f.  V.-K.  1896.  S.  56;  vergl. 
Oxhoft  =  Ochsenhaupt  als  FlüssigkelUbalg} ;  (1687)  aber 
auch  das  unreife  Kind  (=  Schürften  od.  Schüb- 
ling, s.  Schorf)  (Georg  410).  —  2.  =  vermutlich 
auch  wegen  der  Laien  leicht  möglichen  Ver- 
wechslung der  Schwangerschaft  mit  Hydrops 
ascites  et  ovarii  auch  =  Bauch-  und  Eierstocks- 
Wassersucht  (-  Hydropißis  gravida, b.  Infantia) 
(Du  fange  iv.  352),  die  man  sich  beim  Ausbleiben 
der  (iebutt  und  Fortbestehen  des  Ascites  oder 
Hydroovarium  als  pathologisches  Produkt  einer 
stagnierenden  Masse  vorstellte  (Lammert  2t<i; 
Schm.  I,  1238;.  —  Das  menschliche  wie  tierische 
Wasser  -Kalb  ist  eine  Haut  Wassersucht  mit 
Höhlenwassersucht,  meist  auch  mit  kongeni- 
taler Rhacbitis  (Kretinismus?);  die  kleinen 
Füsse  stecken  tief  in  wässerig  gedunsenen, 
speckigen ,  faltig  aufgebauschten  Hautge- 
sehwülsten, die  bei  der  Haarlosigkeit  des 
Kalbes  ganz  das  Aussehen  eines  wasserge- 
fü Ilten  LederschlaucheB  haben;  beim  mensch- 
lichen Wasserkalbe  (Kretin)  ist  „eine  erwach- 
sene Haut  über  einem  verkümmerten  Skelette" 
(Virchow)  es,  welche  die  ganze  Abscheulichkeit 
dieser  Monstrosität  hervorbringt  (s.  Ranke,  d.  M. 
II,  349;  Frank  387)  (b.  Mondkalb)  —  Kalbe-, 
Kalbs-,  Kälber-Ju^«*,  -Drüse,  -Euter,  -Fieber, 
-Lähme,  -Mayen,  -Milch,  -Mumie,  -närrisch, 
-Nüst,  -Ruhr,  -Sack,  -  Sucht,  -Zahn. 
Kalch,  m.  s.  Kalk 


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256  Kaldauncn— kalt. 


kult. 


Kaidaunen,  f.,  pl.  (mti.-iat.  eaiduna,  Du  Gange 

II,  28;  keltisch  coluddyn  —  Darm;  spat-rahd.  caldüne, 
koldun,  Heyne  III,  273 ;  calduuln,  ealdunc,  Du  (ange 
VIII,  443;  Ableitung  des  Grundwortes  caldüineu  von 
Int.  calidiiK,  caldu«,  Kluge*,  182;  15.  Jahrh.  kaldune, 
kolditne ,  ealdunc  —  scrutlnutn  oraasius  [omentuiu] 
Purpura  [purlupn,  Kuttelfleck],  praecordia,  D.  396.  396. 
474.  52l)-stripin,  Stirpe,  D.  IM),  l.  =  das  dampfende 
Eingeweide  frisch  geschlachteter  Tiere.  —  2.= 
aber  auch  Eingeweide  der  Menschen  (Heyne  m. 
27;t;  Kleinpaul.  d.  Mittelalter  190;  liest  keltisch.  Kultur 
In  Deutschland :).  —  3.  -  dann  Gedärme,  Kuttel- 
fleck (h.  d.)  (nach  Gr.  W.  V,  Gl ;  nur  md.  u.  ndd.  Wort). 

Kalender,  m.  (15.  Jahrh.  kalender  aus  tat.  calen- 
darium  =  Zeitbuch,  TageweUer;  eugl.  calenture;  nach 
A.  v.  H.  I,  263):  1.  =  „eine  besonders  fremde 
Krankheit  (Seetieber,  Matrosenfieber?),  womit 
besonders  diejenigen  ergriffen  werden,  die  nach 
Westindien  schiffen,  wenn  sie  nahe  gegen  den 
Sonnenwendzirkel  (Tropico)  kommen ;  sie  äus- 
sert sich  durch  verdorbene  Einbildungskraft, 
Schwäche,  ungleichen  und  langsamen  Puls  ohne 
Fieber,  ohne  Hitze".  —  2.  =  der  3.  psalter- 
förmige,  wie  ein  Kalenderbuch  (Büchlein)  in 
Blätterreiben  gelegte  Wiederkäuermagen  (Gr.  W. 
vi,  1196).  —  Das  Alter  hat  den  Kalender  am 
Leib  —  verspürt  die  Jahreszeit.  —  Sie  hat  den 
Kalender  verloren  (Siebenbürg,  Sachsen)  =  sie 
ist  schwanger,  weil  sie  nicht  mehr  nach  dem 
„Monatlichen"  zu  rechnen  hat  (Ploss -Bartels  I, 
•so).  —  Sie  hat  rot  im  Kalender  =  sie  ist  monat- 
lich so  regelmässig  menstruiert  (Gr.  w.  VIII,  1289), 
wie  die  rotgedruckten  Tage  im  Kalender  regel- 
mässig sind  (s.  Kurdinal). 

Kalk,  m.  —  KaXk-Bevie,  -Materie,  -Niere. 

Kalke,  f.  (altnord.  kJAUd;  15.  Jahrh.  kalke,  D.  II, 
353)  =  Su bmentum  (s.  Kelch). 

Italien  (bis  zum  i:>.  od.  17.  Jahrb.;  nhd.  cballon; 
nihd.  kallen)  =  laut  reden,  schreien,  garrire  (Gr.  W. 
v,  C9);  (vergl.  Gall).  —  (17.  Jahrh. j  tVnkallen,  n. 

—  mit  einer  Stimme  reden,  die  nicht  mehr  hallt, 
verfallene  Sprache  (F.  Kr.  H.  439).  Dazu  (kälUen-j 
kelzen  (s.  d.). 

kalt,  Kalt,  n.  Kälte,  f.  (gerin.  Wurzel  kal-  = 
kühl,  gelarc;  goth.  kulds ;  nhd.  knlt,  clinlti,  f.;  mhd. 
kalt,  kelte,  Kluge *,  1S2,  eigentlich  =  gefroren,  Wurme 
entbehrend;  engl.  cold).  —  kalt,  1.  -  der  Gegen- 
satz zur  natürlichen  normalen  Körperwärme, 
Lehenswärme,  Erkaltung,  Erkältung,  die  Todes- 
kälte, die  kalte  Natur  (s.  d.)  oder  kalte  Kom- 
ploxion,  die  den  vier  Elementen  (s.  d.),  speziell 
dem  kalten  Waeser  entsprechend,  im  Gegen- 
satze stand  nach  den  früheren  physiologischen 
Anschauungen  zu  der  heissen  Natur  (s.  kalte 
Krankheiten,  Flüsse,  Gebrechen,  Schäden  etc.). 

—  2.  =  dio  abnormalen  körperlichen  Wärme- 
und  Kältegrade,  Frostompfindungen  bei  Fieber, 
Schmerz,  Alter  etc.);  kalt  =  afebril,  iieber- 
hitzelos,  schmerzlos.  —  3.  =  Kolt  =  Kolk  (s.  d.) 
(D.  131,  Falke  II).  —  4.  =  kolt  au*  lat.  calida  entstellt. 

—  Kälte,  f.  1.  =  das  Kalte.  —  2.  -  die  kalte 
Natur,  kalte  Komplexion  (s.  Frauennattir);  (1200 
die  chehen  hat  der  Mensch  von  dem  Luft(-Eleinent), 
Ptelfler  10) s Schleim,  Phlegma,  Katarrh  und  3.^ 


I  Fieberfrost  (1420  die  caclde  =  febrU;  1507  die  kalde 
van  den  Vierden  daghe  =  (ebrls  quartana,  D.  228.  477 ; 
engl,  to  catch  cold  =  sich  kalt  holen,  einen  Schnupfen 
bekommen ;  wird  besprochen.  Frischb.  53).  —  Kalt«,  D. 
(mhd.  doz  kalte.  T.exer  118;  mnd.  dat  kolde  oder  de 
rede,  Mag.  Marthol.  89a;  1414  daz  kalde  =  febris  quoti- 
dtann,  D.  154;  14V»  das  Kalt  =  das  Fieber,  Schmeller 
1,  1241  ff.,  15.  Jahrh.  dat  knlde  =  febris  (In  einem 
Manuskripte  Segcnspruch),  H.  Z.  XVII,  429;  Hoffmann, 
Mon  Sehr.  f.  Schlesien  1829,  1,  90;  Blrliugcr,  Sitten  I, 
447;  1500  die  colde  -  febris.  D.  II,  169;  1507  dat  kalte ; 
1613  du  kalt  =  frigor  febrb,  D.  247 ;  UM  das  Kalt  = 
da*  kalte  Fieber,  das  kalte  Weh,  febris  synocha,  febris 
nlglda;  1582  das  Kalt  =  der  Frorer,  Gr.  W.  V,  85.  86; 
164".  da*  Kalte  =  das  Heber,  Coler,  H.  A.  183;  1709  das 
Kalte  =  Weber.  Gr.  W.  V,  86;  1754  du  Kalte  =  febrl», 
A.  v.  H.  I,  63«'.;  [Schweiz]  das  Kalt  =  Fieber,  Gr.  W. 
V.  87;  Schw.  198;  Zeitachr.  t.  d.  Mythol.  IV,  107; 
[Schwab. 1  das  Kalte  =  Wechselfleber,  Meyer  519;  't  koole 

—  Wechselfleber  [Oldenbg.],  Goldschm.  17.  125;  [Neu- 
Kuppln]  kollet  ^  kaltes  Fieber,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1*97. 
8.76;  ndd.  kohlt  =  kaltes  Fieber,  Frischb.  53 ;  [Pommern] 
das  Kalte  =  Fieber,  Wuttke  158).  —  das  Kalte  ist 
demnach:  1.  =  jedes  mit  Kältegefühl  oder  Frost 
(Schüttelfrost)  einhergehende  Fieber  (nament- 

,  lieh  Febris  rheumatica),  Febris  ephemera,  Kalt- 
i  weh,  kalter  Siechtag,  Kaltvergicht  (s.  Gicht), 
1  l'algide,  la  fiövre  froide,  le  froid  (Schmeller  I,  1242; 
Heyue  III,  276).  —  2  =  speziell  das  Wechselfieber 
als  typisches,  mit  Schüttelfrost  beginnendes 
Fieber,  Malaria  intermittens  =  der  Frörer  = 
Stadium  algidum.  —  3.  =  (1618)  kalte  Seiche, 
kalte  Pisse,  Stranguria,  Harnstrenge  (Tripper; 
Gonorrhoea  -  pissa  „calida")  (Gr.  w.  V,  87;  Schni. 
1,  1242)  (s.  kalt  4).  —  4.  =  das  Zeichen  der  kalten 
Natur  (Phlegma,  Schleimkatarrh ;  s.  kalte  Netze 
oder  Seiche).  —  6.  =  was  sich  kalt  anfühlt.  — 
Kälten,  n.  (1C99 ;  v.  M.  II,  125;  dy  keld  oder  der 
seuche  =  febris,  l>.  II,  169)  =  eine  kalte  Empfin- 
dung oder  Fieberfrost  haben.  —  Kaltigkeit 
(14. — 15,  Jahrb.;  mnd.  koldechelt,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV, 
I  140)  =  der  Zustand  der  Kälte  4.  —  C'Ao/cra-Kälte 
=  das  Stadium  algidum  bei  der  Cholera  morbus 
(Kopp  11,526).  —  Dnfrcnfa^s-Kalte,  n.  (ndd,  darden- 
diigskolde,  Fromm.  VI.  2->8)  =  3tägiges  Fieber  (s.  d). 

—  #rkältun<J  (1592  erknltung,  Seb.  177)  =  eine 
Modifikation  der  Erkaltung,  d.  h.  der  Zustand 
und  die  Empfindung  hochgradiger  Erhöhung 
des  Wurmeverlustes  oder  hochgradiger  Vermin- 
derung der  Wärmeproduktion;  eine  Temperatur- 
depression leichteren  Grades  führt  zur  Ver- 
kühlung (s.  d.),  d.  h.  zu  krankhaften,  unter 
Umständen  noch  auBgleichbaren  Störungen  ein- 
zelner Organe  (sogen.  Erkältungskrankheiten, 
z.  B.  Schnupfen,  Diarrhoe,  Rheumatismus, 
Amenorrhoe,  llautrote  etc.).  -  erkaltete  Nerven. 

—  /lYoer-kalt  (18*1;  engl,  fevorish  cold  wlth  palns 
in  the  lluibs  =  Typhus,  Vierordt  75)  —  durch  fieber- 
hafte Krankheit  kalt  sich  fühlen  (Gr.  w.  in,  1622). 

—  ö/itvf<r-Kälte  (H*2  knelte  in  den  Gliedern,  Olit. 
IV.  131)  =  Gelenkrheuma.  —  LcicAcn-Kälte  =- 
Algor  mortis.  —  (14S3)  J/a^cn -Kälte  =  Magen- 
Katarrh  mit  kalter  Natur  (=  Schleim,  Phlegma) 
(c.  v.  Mgbg)  —  Mutter- Kälte,  1.  =  angeblich 
kalte  Natur  =>  Katarrh  (Phlegma)  des  Frauen- 
Organes,  der  Gebärmutter,  die  (durch  den  Ka- 


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Kamel— Kamm 


Kammer— Kamp. 


tan  Ii)  Siorilttät  verursacht  (Gr.  W.  VI,  2ais) 
(9.  kalte  Männer,  kalter  Bauer,  kalte  Hef- 
matter).  —  2.  =  ein  hysterischer,  nervöser 
Schänder  (anämischer  Frost)  bei  schwangeren 
und  weissfiüssigen  Fraaen  (A.  v.  II.  I,  807).  — 
Starr-Kälte  —  Rigor  (z.  B.  bei  Cholera) 
(Ha.l.  Jnn.  390)  (Starrfrost).  —  (1477)  das  w»i- 
gehende  Kalt  =  eine  Epizootie  (Schmeller  I,  12-12), 
d.  b.  das  Anfangs-Syinptoin  einer  fieberhaften 
Infektionskrankheit  bei  Tieren,  welche  wie 
ein  I>äruon  umgeht  (s.  d.)  —  Hauptsucht  beim 
Kinde.  —  Yerkältung  =  die  häufigste  volks- 
0 bliebe  Krankheitsursache,  der  zu  abnormer 
Kälte  des  Körpers  und  Schleimhautkatarrhen 
führende  Zustand  stärkerer  Verkühlung  («.  d.), 
meist  Febris  ephemera  (Paul!  5;  holl.  iwarc 
Terkoudheld  =  Katarrh).  —  (17.  Jahrb.)  verlegene 
Kälte  =  verlegener  Schleim  (Phlegma)  =  kalte 
Materie,  s.  verlegen  (F.  Kr.  B.  364).  —  Kalt- 
kalt  [e,  er,  es])  Abscess,  Atem,  Bauer,  Beulen, 
Blase,  -blutig,  Brand  (u. *),  Braten,  Brunz, 
Feuchtigkeit,  Feuer,  Fieber,  Flüsse,  Gebrechen, 
Gedärm,  Geschtculst,  Gesucht,  Geicerb,  Gicht  (u.»), 
Gichtflusse,  Gischen,  Glieder,  Hand,  Harn, 
Harnen,  Hauptfluss,  HaupUceh,  Hefmutter, 
Hirn,  Husten,  Katarrh,  Koortsen,  Krankheit, 
Leber,  Leut,  Lungen,  Männer,  Magen,  Mark, 
Materie,  Milzsucht,  Mutter,  Narr,  Natur, 
Nerven,  Netze,  Oedem,  Pein,  Pest,  Pisse, 
Podagra,  Samenfiuss,  Schaden,  Schlag  fluss, 
Schleim,  Schmerz,  Schweiss ,  Seich,  Seuche, 
Siechtag,  Siechtum,  Stechen,  Sucht,  trockener, 
Übel,  Taubsucht,  Vergicht,  Yergift,  Verstopfung, 
Weh,  Wehtag,  Weiber,  Zipperlein. 

Kamel,  n.  («mit.  gamal ;  gotb.  albandus,  s.  Ele- 
fant'). —  Kamel-  Tier. 

kamlet  =  g(e)hummelt,  ohne  Hörner  («ehm. 

I.  1112). 

Kamm  (Kamp)  (vorgerm.  gonibho-  [föftfor]  = 
gezahntes  Werkzeug;  altgerm.  kamb  =  Kamm;  goth. 
kamt.«,  abd.  katnb,  cbamp;  mhd.  kam  —  Kamm  —  mit 
Zahnen  versehenes  Gerat  (mit  weitestem  Sinne],  Kluge*, 

lsS).  —  Kamm  (Kamp,  Kaempf),  1.  -  der 

obere  Teil  des  Halses  bei  Tieren  (Pferd),  auf 
dem  die  Mähne  wächst,  vom  Kammhaare, 
das  kammähnlich  angeordnet  ist  (IMS;  Seb.  177), 
auf  den  Halsteil  übertragen.  —  2.  =  das 
Sehl  ach  tfleisch  (Kamplgratstück)  zwischen  Bug 
und  Nacken.  —  3.  -  vom  Tiere  auf  den 
Menschen  übertragen  =  Nacken,  Schopf  (fir. 
W.  V,  lo:,).  —  4.  -  (11*3)  die  behaarte  (s.  o.  1) 
Schanißegend  (kamp,  dA  daz  püscbel  [s.  Bueschel 
S.  82)  steht;  kamp  du  die  rauben  piischc  wachsen! ; 
item  sein  semllrhe  weil»  duz  in  der  kainpli  M«  irt  [uleus 
luvtirum]  als  dy  man  licy  ir  sein  gewost,  dax  ist  ain 
gross  prech.  Schmeller  I,  liSO  =  xtivs;  Illppokratis, 
X«:;  Galeni,  Fuchs,  Hippokr.  1,  325;  Kossm.  9.  XII; 
Ital.  1363  pettignone;  peeteti ;  mon«  Veneria,  pulte«, 
<:.  r.  Megbg.,  Schmeller  I  1250.  Ii.  418;  l'r.  I,  31  ) 
. —  5.  — -  Kamp  (*"  ahd.  kamb  ~  Kamm  =s  crl'ta), 
b  das  gauze  Darmbein,  das  herdförmig  ab- 
fallend, wie  ein  Kamm  aufragt  (II.  Z.  XV,  337; 
Ilyrtl,  K.  W  91)  (s.  Kamp).  —  F/cwrA-Kamm 
-  Caruncula,  eine  gezackte,  papilläre  Haut- 
wu.-herting,  die  deischrnt  i-i  [ür  w  in  U'.y). 


•  —  Hahnen-Kamm  (zu  ahd.  kumpa  -  crista  galli, 
Heyne  III,  279),  1.  =  (übertragen)  spitze  Kondy- 
lome (s.  Kleinod),  papilläre  Hautwucherungen, 
die  dem  Hübnerkamme  gleichen  (cretes  de  coq, 
Brlss.  llö;  crista  galli;  Kohler  II,  561).  —  2.  =  die 
sogen.  Strahlgruben-Hfigel  auf  der  Innenilächo 
des  Hornstrahls  am  Pferdehufe  (Falke  I,  412).  — 
(1645)  P/eyfi«-Kaempf  =  Kamm  1  (coier,  Ii.  a.  8i). 

—  Trauben-K&mm  =  der  angeblich  durch  den 
Genuss  von  abgebeerten  Weintrauben  (Träbern) 
-stielen  (=  Traubenkamm),  auch  des  Beeren- 
laubes entstandene  Knoten- Ausschlag  auf  der 
Haut  des  Rindes  (Falkell,  375)  od.  Pferde-Mauke 
(s.  Träberkrankheit).  —  Kamp-ScAicären. 

Kammer,  f.  (Kämmerlein)  (ein  mittelalterliches 

Kulturwort  aus  dem  [gem.-rom.]  camara  —  Zimmer, 
camera  =  domus  lapidcus,  Du  Cange ;  griechisch : 
xajiäpa  —  Kaum  mit  gewölbter  Decke;  abd.  ebamara 

—  Gemach;  mhd.  kamer.  Kluge6,  183  —  Inucnraum), 
1.  =  höhlenartige  Abteilung  im  menschlichen 
Körper  (Herz,  Auge,  Uterus,  Ohr,  Gehirn) 
(Gr.  w.  V,  114).  —  2  =  ta8cbenförmigo  Ver- 
tiefungen  in  den  Gefässwandungen ,  t.  B. 
Kämmerlein  (1677  kärnnierlein,  Hyrtl,  K.  W  ),  solche 
hinter  den  Venenklappen.  —  3.  =  (in  Banufor- 
meln.  Friscbb.  71)  Häuslein  (s.  d.),  der  Ort, 
wo  die  als  Kröte  (s.  d.)  gedachte  Gebärmutter 
ihren  Ruheplatz  bat  —  die  Kammer  ward 
entlochen  =  die  (Uterus-)Kammer  (3)  hat  ein 
Loch  bekommen,  die  Geburt  ist  vorüber  (Gr. 
D.  M.  II,  ml).  —  .4  u^ftt- Kammer  -  der  Kaum 
im  Auge  zwischen  Hornhaut  und  Linse.  — 
Dt  nk  Kammer  -  Cella  memorativa  in  capite 

(1482;  1466  danckkaintne-  =  eellula  memorativa,  D.  Et, 
83)  (s.  Zelle  EL  Hirnkammer).  —  (1677)  Herz- 
Kammern,  1.  =  Herzbeutel,  Herzhäusl,  Peri- 
cardium  (Hyrtl,  K.  w.  83).  —  2.  =  die  beiden 
Herzhöhlen  (Ventrieulus  cordis)  im  mensch- 
lichen Herzen.  —  3.  ^  (Jagdspr.)  der  Ort 
zwischen  den  Vorderläufen  unter  den  Bügen 
der  Jagdtiere,  wo  die  Rippen  enge  zusammen- 
kommen ,  und  wo  das  Inngeräusch  (Herz) 
liegt  (<ir.  \v.  IV,  2  1250).  —  (1679)  //(.'-«-Kammer, 
1.  ■  Hirnventrikol  (Gr.  w.  I,  114).  —  2  =  (148S) 
Schädelgruben.  Noch  <\  v.  Megenberg  hut  die  Ge- 
hirnschale 3  Kaminerlelu  (Zellen,  Gruben) :  eines  für 
die  Phantasie  oder  Einbildung,  eines  für  die  Vernunft 
und  eines  für  das  Gedächtnis  (s.  Hug  U.  Zelle).  — 

(1676)  Luft  Kammer  =  Luftröhre  (Bronchus) 
(Hyrtl,  K.  W.  107J  als  Luftraum.  —  (M01)  Nieren- 
Kammer  =  das  Nierenbecken  (Hyrtl,  K.  W.  123) 
ab.  Hohlraum.  —  (1795)  S/Kif-Kammer  ■=  die 
Stelle  am  Pferde-Knie-Oeleuke,  wo  durch 
räumliche  Ausdehnung  der  Gelenkkapsel  ein 
sogen.  Spat  (s.  d.)  sich  ausbildet  (Abllg.  M).  — 

(1677)  Spei» -Kammer  des  Milchsaftes  =  Cy- 
sterna  chyli  (Hyrtl  K.  w.  123).  —  Kammer- 
Gang,  -I*auge,  -Mäuslein. 

Kamp  m.  (aus  Int.  rampus  —  eiugebegtes  Stuck 
Kehl,  campus  Marti«  —  Kampffeld ;  mndl.  kamp, 
Kluge*,  US).  —  Der  kommt  bald  nach  Küsters 

Kamp  (Mecklbg.;  Zcitsehr.  d.  V.  f.  V.-K.  189«,  B.  1*7) 

=  aul  Mesners  Alm  (O. -Bayern)  —  er  stirl»t  bald 
timl  kommt  dann  in  den  Friedhof  (Maden- 
I  Imf,  s.  d  ). 


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258  Kamp— kapores. 


Kappe— Karbunkel. 


Kamp  ',  Dl.  (vermutlich  entstanden  mm  kappen 
[s.  dl.],  kapeu,  Cir.  W.  V,  13-1.  IU5);  Kamp  (1590  kampj 
=  der  „Wulf  (».  d. ;  Krythemn  intertrigo, 
lupus),  der  Einriss,  das  Frattsein  fler  Haut 
(II.  Snchs;  conf.  kaempe  —  „ein  zahmer  Eber",  Heyne 
III,  282)  (s.  auch  Katniii). 

Kampf,  in.  (zu  Kump ',  s.  iL).  —  TWrs-Kampf 

s.  Tod  (z.  d.  v.  f.  v.-K.  um.  1*6;  mtl.  Agoae,  Komm, 
xvi).  —  Venus  Kampf-  Ohus  (f.  Hoffm.  vn,  HS). 

Kanada.  —  Kanadische  Krankheit. 

Kanal,  in.  (Int  cannli*  zu  carinii  ■  Kohr.  Kraus, 
E.  187)  -  llohrgang,  IJohl-Grtibe  (b.  Pferden)  - 
Hobel,  b.  d.  (1S9S;  80b.  228). 

kanen  s.  Kahm  u.  quinen. 

Kanker,  m.  (Kanzer)  (uralte  deutsche  Bildung; 
germ.  gongro  {'{'»'{ 7J>^i  -  Auswuchs],  dazu  f*?  -ff«a;v.t 

—  krebsartiges  Geschwür  und  Cancer,  nlid.  cancher 
(»raff  IV,  154,  eaneur,  ehanchur =  Krebsschaden  an 
Pflanzen  und  liaumcn;  1196  cangreim  Schanker- 
HMWbwflr,  rnchsl,  30;  1S54 kaneker  =  Krebskrnnkheit, 
De  Cock  2t»3 ;  157-1  kankerkraut  =  elehorium  intybus, 
Krebskraut,  Jessen  9H;  engl,  ranker  —  von  einer  an- 
steckenden Krankheit  zerfressen  werden,  Kaltschm.  I, 
95;  canker  rose  =  wilde  Kose «  Hagebutte).  —  Kanker 
Ist  Vermischung  de»  gnt  gerinanisehen  gongro  mit 
einem  gTieehi-ehen  oder  lateinischen  Fremdwort« 
(Kluge1,  184;  daxu :  Schanker  fc  d.J,  Or.  W.  V,  163 
[«.  Krebs];  13.  Jahrh.  eyn  sere  dat  het  de  Cancer  na 
deine  creuete  [Krebs]  und«  so  grefl  et  lnwart  alzo  de 
Grevel  achter  riigghc  cru|>et  unde  leuet  .  .  .  nndo 
strouwe  dat  in  den  canehcr.  .Magist.  Harth.  05a,  b  = 
Carcinoma  —  canceroma,  cancerauma  -  aposlemata 
retrogredientia  m Cancer,  quod  genus  morbi  inett- 
rabile  nieiiici  derivato  nomine  a  caneere  cancerauma 
vocltant  =  cancrenuin,  Inn  ange  II,  81;  ndl.  kankerbloem 
=  l'apaver  rhoeas,  Koll  17t  =  Blutsaugerblume;  ndl. 
kanker,  De  Cock  12;  kankerachtlg  =  krcbslg,  räudig, 

I.  r  HO;  Pierer  7).  In  der  Wortsippe  Kanker,  Kanzer, 
(iangriin,  Schanker  spiegelt  sich  die  Kläglichkeit  der 
frühmittelalterlichen  Geschwulst-  und  Geschwür-Lehre ; 
sie  bedeuteten  :  1.  --  Auswuchs  mit  Ciesehwfirbil- 
dung,  und  zwar:  a)  Krebsgesehwflr  (Kanzer) 
(H.'.7  eyn  gestückelte  malcdle  dy  man  nennet  den 
kanker,  Kriegt  i,  527)  (Careinom;  siehe  Krebs); 
b)  I.upus-tieschwür  (  =  Noli  me  längere;  Kank- 
rom);  c)  syphilitischer  Schanker  (s.  d.};  d)  der 
Wolf  (Fuchs  i.  SM).  —  2.  -  brandiges  GeechwOr 
(Uangraenuj  üherbaupt,  namentlich  an  den 
.Schienbeinen,  bezw.  Enterextremitaten. 

Kanz,  in.  s.  Kens  u.  K:lnslcin. 

Kapann,  m.  (angls.  Captin  =-  gallinnccu«,  Kluge  *, 
185;  P.  256;  engl,  capon;  uhd.  ehappo  aus  dem  lat. 
eappo;  gem.-rom.  cuppnriern  ;  HOC  caponoK,  [>u  fange 

II,  143;  mhd.  kappün  —  gallinuccus,  castratus  c  1183 
homo  castratus,  c,  v,  Megbg. ;  Iis;!  alu  maldcn  oder 
ein  eappaun  (dax  isl  ain  man  der  seiner  gezeuglein 
niht  hat]  der  Ist  poe«er  slten,  C.  v.  Mcgbg. ;  Schmeller 
t,  1569  ff.;  1701  komu  castratus)  =  Eunuch  (s.  d.).  — 

(1..S.0  pfoteniframmische  Kapaunen  impotente 

Podagraieten  (lischart ;  Ur.  W.  V,  182;  Heyne  III,  288), 

—  Kapaunen-.S7ni«. 
Kaporal  s.  Korporal 

kapores  [ein  hebräische*  kaporah  -  der  geschlach- 
tete Opfcrhahn;  kapporelh    Suhliopfer)     kaptlt,  tot 


I  (Schräder  502).  „Am  Vorabende  des  jüdischen  Ver- 
si'hi'tingstages  wird  das  sog.  Kaporrhuhndlan  Stelle  des 
Sündenbock»  geschlachtet"  (Kleinpaul  56). 

Kappe,  f.  (Kapuze)  (nicht  vor  dem  8.  Jahrhundert 
au»  dem  int. -lat.  cappa  —  Mantel  entlehnt;  ahd.  chappa 
~  Mantel;  mhd.  kappe;  ndl.,  1577  cappeken  =  Kapp- 
chen, I».  156  =  mantelartiL.es  Kleid,  Kopfbedeckung, 
Kluge6,  185  =  Haube,  haubenartige»  Kleidungsstück). 

—  Kapuze  (au»  mtl.  cnpncium,  lud.  capucclo  ent- 
lehnt -  Mönchskappe;  dazu  Kapuziner,  Kluge6,  186). 

—  Kappe,  l.  =  die  Eiterhaube,  da«  Eiter- Auge 
am  Abscess  =  Kappele  (Buck  72).  —  2.  =  eine  Haut- 
verdick 1  m  lt.  die  wie  eine  llaube  oder  Kappe  am 
Hintergelenke  eines  Pferdes  aufsitzt  (ür.  w.  V, 
195).  —  3.  =  (1776)  Haube,  Netzmagen  der  Wider- 
kftuer  (Heim  17).  —  Elbel  Kappe,  1.  =  die  Tarn- 
kappe iler  Elben  (Mumme,  s.  Letzelkappe).  — 
2. -  alte  Weibsperson  (s.  Mumme)  Schm.  1, 1268). 

—  GliU ks- Kappe  =  Glückshaube  des  Kapuzen- 
kindes (Urquell  VI,  205).  —  Letze.  Kappel  (Wcissen- 
burg;  Latstner  I,  155)  =  der  Name  eines  Alpdämons 
(s.  1/etzel),  der  eine  Tarnkappe  (Hütchen)  trügt 
und  Alpdruck  macht.  —  (1197)  Loci,  Kapplein 
(loch-kappclin,  Hynl,  K.  w.  202)  =  Praeputium  clito- 
ridis  in  rima  vulvae.  —  Sc Auvittz-Kappe  =  Prae- 
putium als  Haube  für  den  Penis  (Hynl,  K.  W.  Hl). 

—  verkappt  =  verhüllt,  verlarvt  (s.  d.),  wie  ein 
DAmon.  —  Wanst  Kappen  -  Hungergrubebeim 
Vieh, die  bei  Hunger  einfallt  als  „Hungerlücke", 

!  wenn  es  sich  aber  vollgefressen  hat,  als  eine 
I  kappenartige  Aufblnhungsich  zeigt  (von  Magen 
Gasen),  wo  man  den  Luftstich  macht  (Cr.  W.  V, 
195).  —  Kappen -S/ünrtVr.  —  Kapuzen- Ä'tnd. 

kappen (15.  Jahrh.  gekappet  =  gallinaceu»,  castratus. 
I>.  II,  188)  =  spalten  (s.  Spat),  abhauen  (couper) 
=  durch  Spaltschnitt  die  Hoden  entfernen.  — 
(1618)  Kappen  =  Schlagbeule  (Schmeller  I,  1270 ; 

Kluge  *,  185). 

Kappes,  m.  (zu  mhd.  kabez  =  Kopfhohl  [Dalla 
Torre  19);  übertragen)  —  Dummkopf. 

kaput  (17.  Jahrh.  ein  französischer  Splelcrausdruck 
für  tot  [matt]  im  Spiel)  -  entzwei  sein,  tot  (Wöst- 
mann 257;  besser  ist  wohl  Schräders  Erklärung  502  = 
volksublifhe  Abkürzung  für  Caput  mortnum  [Totenkopf] 
auf  den  (tlascrn  der  Alchymlsten ,  In  denen  der  un- 
brauchbare, <|uasi  tute  Kückstnud  war). 

Kapuze  a.  Kappe. 

Karbe,  f.  s.  Kerbe. 

Karbunkel,  m.  (Karfunkel)  m.  (mhd.  kartmokel, 

aus  dem  lal  .-.»  I  -in.  „).,v   l'hnil   1  e)»l,  Adr.;  kleine 
Kohle  [».  Kohle]  entstanden).  —  Karfunkel  (eine 
Nebeaform  unter  Anlehnung  an  den  roten  Funken  des 
Kohlenfeuers,  Kluge  °\  l.s6)  —  Kohlen  beule,  die  wie 
j  eine  kleine  glühende  Kohle  brennt  und  rot 
1  glänzend  oder  glühend,  dann  schwarzbraun  er- 
scheint, (iss3)  „eine  akut  und  cirkumskript  ein- 
bergehende  Entzündung  der  Kutis  und  des 
Unterhautzellgewcbes,  welche  von  mehreren 
Punkten  aus  zu  Mortiükation  iler  befallenen  lie- 
webe  und  durch  den  progredienten  Charakter 
zu  einem  grösseren  Brandherde  führt"  («ieber, 
/.  Hdb.  XIV,  1.  tili;  15.  Jahrb.  carhuncillus  ein  ge- 
I  M»cr  ist  zum  ersten  ••warlz  darnach  rot  als  ein  gliigende 
I  l«.riloelifeuer]  Kole,  15JHcarbuncnlo,  II.  v.Hersd. 


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karcheln— Karnoffel. 

72;  „eiue  l>osarUge  blutige  Kote  die  viel  liebreslen  zu 
Ihr  leicht";  1577  Carfunkel,  Bodenst. ;  Carbunkel  = 
ignls  persicus,  8clle ;  1743  Karbunkel  =  schwarze  Host- 
blatter, bibl.  Med.  438 ;  1754  Katfunkel  =  Pest-Carbunkel, 
Anthrax,  „gewöhnlich  Zeichen  und  Wirkungen  einer 
Pest,  doch  geschieht  es  auch,  das«  man  sie  ohne  diese 
wahrnimmt",  A.  v.  II.  I,  101;  auch  =  pruna  der  Altcu 
[Braune],  Bchrend  61);  demnach  1.  =  Milzbrand- 
(Kotz-)KHrbunkel,  Qble  Blatter  (Anthrax)  beim 
Vieh  (z.  Hdb.  in,  469 ;  XIV,  274).  —  2.  =  Pest-Kar- 
bunkel (Ignis  persicus  ?)  (A.  v.  H.  1, 101 ;  Behrend62). 

—  3.  =  „Es  scheint  mir,  das»  bei  Aetiua  unter  dem 
Namen  Karbunkeln  nichts  anders  als  Pocken 
(s.  d.)  an  verstehen  sind"  (Lersch  34).  —  4.  =  Fu- 
rxtncnloflis  der  Haut,  von  der  der  Karbunkel  sich 
nur  durch  die  Ausdehnung  und  (nach  Helm  88) 
durch  ein  asthenisches  Fieber  unterscheidet, 
Blutfinne,  Blutschwär.  —  5.  =  ein  Fieber  (Basel  j 
Gr.  w.  v.  212),  das  sich  mit  der  Bildung  eines 
Karbunkels  beendet  (Zw.  454).  —  6.  =  (1561)  Kar- 
nöffel  (s.  d.)  als  Anthrax-Beule  (Heyne  Iii,  292). 

—  7.  =  Teufel  als  Krankheitsdamon,  der  solche 
Krankheiten  bringt  (Birtinger,  Sagen  I,  128).  — 
brandiger  Karbunkel  =  Pestboule,  die  mit  Brand 
(=  Synocbalfieber)  einhergeht  (Behrcnd  62).  — 
hitsige  Karfunkel  (1592  die  hitzige  carfunckcl  der 
huffweh,  Beb.  2»)  =  Phlegmone  bei  Coxarthro- 
kake  (?),  Leistenkarbunkel,  Variola  mit  Lum- 
bago. —  iLOß/"-Karbunkel  =  Milebrandbeule  am 
Schweinskopf  (zipp.  673).  —  Maatdarm  -  Kar- 
bunkel =  Milzbrand  mit  Lokalisation  des  An- 
thrax-Karbunkels  in  der  Nähe  des  Mastdarms 
(beim  Vieh)  (Z.  Hdb.  ni,  469).  —  Miltbrand-K&T- 
bunkel  =  eine  Angio- Neurose  durch  Milzbrand  - 
Bacillen  -  Infektion  mit  vorwaltend  phlegmo- 
nösem Charakter  der  Hautentzündung  (z.  Hdb. 

Pest- 

XIV,  L  274).  Pustula  maligna.  -  ^  p„tiltntt_ 

Kar(b, Dunkel  =  entzündete  Pestdrüse  (Seb.  317). 

—  (1587)  roter  Karbunkel  =  Pestdrüse,  Pest-  Kar- 
bunkel, Pestilenz-Aposteme,  die  bei  Abscess- 
bildung  (Phlegmone)  äusserlich  rot  werden  (Or. 
w.  viii.  1289).  —  Äote-Karbunkel  =  dasselbe  wie 
Mtlzbrandkarbunkel,  aber  durch  Rotz-Infektion 
(Maliasmus).  —  weisser  Karbunkel  =  im  Gegen- 
sätze zum  roten  K.  =  weisser  Brand,  Kausch- 
brand (akut  purulentes  Oedem)  (Falke  Ii .  434). 

—  Karfunkel-  (Karbunkel-)Btoif«-n,  -Fieber, 
-Gesicht,  Krankheit,  -JSase. 

karcheln  =  rochein,  hircheln,  hörcheln  (s.  d.) 
(Gr.  W.  V.  790 ;  lautliche  Xcbenlorm  n  letzterem). 

Kann  —  Kerbe. 

Kardinal,  m.  (anlehnend  an  Kardinal-Kot,  aus 
[Minus]  cardinalis  (HauptUuss  de»  Herzblutes]  ge 
bildet,  Hjrrtl,  K.  W.  30) -roter  Monaisfluss,  Men- 
slruatio. 

Karnöffel  (Karnüffel.  Karnoffel,  Karniffel, 

Karnefel ,  KamiVOl)  (ein  ohne  Zweifel  von  den 
Ärzten  den  Mittelalters  ausgegangenes  und  durch  die 
Arztknechte  und  Bader  verbreitetes  Wort,  da*  in  seiner 
eigentlichen  medizinischen  Bedeutung  1460  [Pr.  I,  355] 
als  karoffel  vorkommt;  1175  bat  das  Wort  [noch  Gr.  W. 
V,  219]  der  niederrhelnisehe  Teutonia:  carnuffel  als 
Landsknecht  [s.  d.]  im  Kartenspiel  Inns  conilfollnm 


Karnoffel.  259 

Hornblatt?  Schräder  421  ],  an  da*  vielleicht  eiu  anderes 
aus  dem  lateinischen  entnommenes  und  beim  Ab- 
schreiben entstelltes  medizinisches  Schulwort  leichten 
Sinnes  angelehnt  wurde.  Dieser  Irrtum,  durch  die  Schuld 
des  Abschreibers  veranlasst,  wurde  zur  geschichtlichen 
Thatsacho  [vergl.  über  analoge  Fälle  Diefenbach  XI] ; 
carnofel  tritt  1632  zuerst  auf  In  Fries  121 :  ,,die  briieh 
werden  geteilt  in  syben  teil ;  der  erst  hernia  ventrosa, 
ein  windischer  bruch  (  =  Windbruch],  der  ander  hemia 
nquosa  ■  ein  wassrlgcr  brueh  ,  der  drltt  herula  carnofa 
=  eln  fleischiger  [  =  hernia  earnosa  des  Mondini  1314]. 
Die  Carnofa  [  =  Carnöffel,  Fleischbrnch,  s.  u.]  Ist  dem- 
nach ein  zur  Zeit  der  ersten  Buehdmckerei  entstan- 
dener Druckfehler;  [über  diese  Zelt  hinaus  Ist  der, .Kar- 
nüffel" überhaupt  nicht  nachgewiesen].  U.  v.  Gersdorff 
[1628]  hat  ihn  noch  nicht.  [1543]  karnoffel  [Ulm]  =  ein 
Bruch,  der  geschnitten  werden  muss,  Or.  W.  V,  220 ; 
karnüffeln  daher  auch  —  schlagen,  durchblauen,  Haut- 
wunde; 1551  Karnoffel  =  Hodenbruch,  Bock  245;  1561 
karnöffel  =  carfunkel,  anthrax,  durch  Mlssverstandnis 
verwechselt,  Gr.  W.  V,  212 ;  1561  karnöffel,  ein  schäd- 
licher Cebresten  an  den  Gemachten;  1561  carfunkel 
oder  karnöffel  =  nnthrax,  von  Maaler  missverstanden, 
Heyne  III,  292;  Gr.  W.  V,  210;  15*1  karneffel  =  alters- 
schwache Hoden.  Gr.  W.  V,  220;  Schindler  I,  1293; 
ein  Begriff,  der  sieh  erst  einstellen  konnte,  nachdem 
die  Karnöffel  durch  Kastration  geheilt  wurden  ;  1588 
karnöffel  =  ein  Bruch,  Paracclsus;  1591  karnöffel  = 
ramex,  Had.  Jun.  381  =  membrum  virile  ;  1592  karnöffel 
~  ramex  rarnoxux  [  —  bubo  syphiliticus]  Landsknecht, 
[s.  d],  Gr.  W.  V,  220;  Seb.  110;  161C  karnoffel  =  hernia 
carnosa,  Gr.  W.  I.  eod. ;  karniffel  =  ein  Bruch  der  Ge- 
machten rupto  perltoneo  eplplocele  intnmescit.  Gr.  W. 
V,  219;  1618  karneffel  ~  ramex,  Schindler  I,  1293,  1666 
karnöffel  =  Fleischbruch,  herula  rarnosa,  ramex  — 
Hodenbruch,  Gr.  W.  V,  220;  1680  karnoffel.  karniffel; 
j   170S  karnoepfel  =  nodenbracta  oder  -Gesehwulst,  Gr.  W. 

V,  219;  1735  Carnöffel  =  Fleischbruch,  Th.  san.  Br.  180; 
1744  Carnöffel  -  sarcocclc,  Flelschbruch.  „er  Ist  ganz 
hart  und  gibt  dem  antastenden  Finger  nichts  nach", 
Zw.  69.  416.  425;  1754  Carnüfel  --  sarcocele ,  Fleisch- 
brach,  A.  v.  H.  I,  1204;  II,  1263;  karneffel  a  Brach, 
Schindler  I.  330;  carnöffel  =  epiplocele ,  cuterocele, 
Gr.  W.  V,  219;  Karnoffel  =  I  nterbrach,  Schm.  I.  1293; 
Kartiival  =  Saudstein  [Hoden]  =  Orchitis,  Pauli  45;  1801 
carnüffel  =  eine  fleischige  Vergrösserung  des  Hodens, 
Fleischbruch,  Welkard  67).  Der  Karnöffel  als  „Wind- 
bruch" (=  Hernia  ventosa,  Zw.  416)  wurde  sogar  scherz- 
haft auf  Windbruchstellen  Im  Walde  übertragen  (Kar- 
nüffel bei  Seeshaupt  am  Starubergcrsee  (.  B.)  aualog 
der  „Fratte"  =  verwundete  Stelle  im  Walde  [HoUUobt*, 
Holzschlag,  (ir.  W.  IV,  1.  67)  Wie  der  knollige,  knü- 
tellge  „Lauch"  ein  Bild  für  den  Prügel  wurde  (Gr.  W. 

VI.  300).  so  konnte  auch  der  vtelgesehifiiue  VolUsvcr- 
gleich  den  kiiolligeu  Hoden-Karniiffel  tiehmen  all  Bild 
für  dasselbe  Wort,  so  dass  (185S)  karnüffeln  -  schlagen, 
stossen  (mit  der  Kneipfaust),  knflffeln  Ist  l'Kalt.«rbtn. 
II,  236;  Fromm.  VI,  173.  216),  dies  um  so  leichter,  als 
nlffeln  (Sehwelz)  s  stechen,  stossen,  und  als  der  Kar 
nuffelkratike  geschnitten,  hart  behaiid.  lt  (gl -schunden) 
dermanzt  wurde  (Schmeller  I,  1293).  Die  Karniffel-, 
KarnoffeUvurz  —  geum  montanutn  (Jessen  164)  lint 
ihren  Namen  rOD  gurlffd.  carynphylluin,  der  nclkenduf- 

Karnöfel.  i 

(enden  »enedielenwur/  —  KarnÜffel,|l  Fleisch- 

Karofei,  I 

11* 


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'260  Karpf— KaBtcn. 


Kaßtrat— Katarrh. 


brueh.  —  2.  =  Hodenanscbwellting.  —  3.  —  Bubo 
inguinalis,  Uernia  venerea  (Pr.  II,  399).  —  Im 
16.  Jahrhundert  unterschied  auch  Tabernae- 
ruontanus :  .FVmc/i-Karatiffel  =  Hernia  carnosa, 
auch  Elephantiasis  scroti  (Fuchs  II,  704).  —  (1668) 
Kinder-EMTDÄSel  =  Kinder-Hodenbruch  (Beyu. 
241).  —  (Hftü)  Xieren-K&ToSel  =  schmerzhafte 
HodeniresehwulBt  (Pr.  I,  356).  —  Wasser-K&T- 
ntiffel  =  Hernia  afjuosa  (Hydrocele). 

Karpf,  in  —  Karpfen  Gebiss,  Maul,  -Rücken. 

Karspcl,  in.  Karschbein)  (zu  karsen  m  knir- 
schen; dazu :  1616  karibetD  -  Knorpel  bei  n.  cartilago, 
Gr.  w.  V,  230;  Hyrtl,  K.  W.  du)  -  Knorpel. 

Kartanie,  f.  (mhd.  kartanie,  I-czcr  120)  =  Quar- 
tanlielier,  s.  Quartan. 
Kartharr  (Kartar)  -  Katarrh  (Ackern».  225; 

Pauli  7). 

Kartoffel,  f.  (=  Üal.  laxtula.  lurtufola  bs  Trüffel, 
übertragen  auf  die  Im  16.  Jahrb.  durch  die  Spanier 
mich  Italien  importierte  amerikanische  Knollenfrucht , 
1691  taratouphli;  1675  tartufUen;  das  anlautende  t 
sprang  leicht  in  k  um,  Kleinpaul  133;  Kluge*,  187).  — 
Kartoffel  Hauch  -Kolik. 

Kas  s.  Käse. 

kask  (oldbg.)  =  rüstig,  frisch,  von  alten  Leuten 
=  gehasig  (Schmciler  I,  173;  Goldsehm.  155-,  ha«ic 
=  platt  ohne  Hautkrankheit  [Tirol],  Kromra.  VI.  146; 
hasanön  =  venustns). 

Kastanie,  f.  Kästen  -  die  kastanien-  dat.  cu- 
stanea;  ahd.  cheMinna;  xisw»  =  Stadt  am  Pontus ; 
armen.  Koskenl,  Kluge5,  Iss)  artigen,  runden  Horn- 
warzen am  unteren  Innenteil  der  Vorderfüsse 

des  l'ferdes  (Gr.  W.  r\",  2.  1832;  V,  627;  1599  keste 

—  hornige  Warze  am  inneren  Pferdeseben kel,  <ir.  W. 
v,  209.  627);  sind  sie  spitzig,  so  heissen  sie 
Sporn  (h.  d.). 

Kastell,  n.  (ndl.  kasteel  =  podex,  V.  K.  VI,  11)  = 
geheime  Statte  (s.  Schlose). 

Kasten,  in.  (eigentlich  Irdener  Topf  [kasaj;  gnth. 
kasta;  ab<l.  kasto;  mhd.  koste,  Kluge  *,  188)  =  vier- 
eckiger Behälter,  Ann>ewahnuig«ort).  Ha  die  Korper- 
teile mit  einer  gewissen  Vorliebe  wohl  «hon  in  uralten 
Zelten  nach  den  einfachen  Hausgeräten  (der  alteren 
Zelten)  vergleichweise  benannt  werden  (Kopf,  Hecken, 
Bottich,  Butte,  Pfanne,  Kolter  etc.,  Gr.  W.  V,  267.  1747), 
Ml  kann  es  nicht  Wunder  nehmen,  wenn  auch  der 
Kasten  In  vielfneher  Weise  zu  Vergleichen  genommen 
wird,  nm  Hohlräume  oder  Sekret  Reservoir1«  zu  l>c- 
nennen ,  dämm  aneii  Kasten  =  Zahnhöhlen  in 
den  Kinnhacken  (Laden)  (Gr.  w.  V,  26»;  Heyne 
in  i  :tou).  —  Blut-  Kasten  -  Cista  sanguinis 
(Schweiz,  Bayern),  1.  —  das  Herz  als  Bluthöhle 
(Gr.  W.  II,  180,  V,  207)  und  Schrein,  in  den  man 
jemand  geschlossen  „verkasteh"  (Schin.  I.  1306) 
hat  und  den  man  uuh.se hättet.  —  2.  (UM)  Vena 
cuva,  die  Hohlader,  die  am  meisten  Blut  heim 
Ktollhen  zei^t  (Guar,  sog).  —  8.  =  Uterus,  als 
.Schrank  für  das  Weiberblut  (Mutterkasten),  „er 
fällt  um"  -  Uetroflcxio  uteri  cum  metrnrrhagia. 

—  enger  (verstopfter)  Blut-Kasten  (Schweiz)  = 
Engbrüstigkeit,  Astbma.  —  unreiner  (gefälsch- 
ter) Blut-Kasten  —  Morfea  (Lepra);  mau  stellte 

sich  vor,  da«  wie  im  Spcl«cschrank  eine  «chlmmdige, 


unreine  Speise  die  anderen  ,  guten  Vorräte  an.sU.-ekt, 
auch  hei  Lepra  dos  gute  Blut  von  einem  (durch  Lepra- 
hacillen)  verunreinigten  ,  gefälschten  Blute  lanciert 
werden  könnte.  —  (1800)  /o-u*/ -Kasten  =  die  Brust- 
höhle als  Herz-  und  Lunken -Schrank  (engl. ehest 
-  Brust,  I.ehf.  152;  Gr.  W.  II,  186;  V,  267;  Stein).  — 

(1684)  EU  r- Kasten  =  Eierstock,  Eierkorb,  Ova- 
rium  (s.  auch  Hodensack)  (Gr.  w.  V,  267).  —  (1560) 
GeAim-Kästlein  =  s.  u.  Hirn-Kasten.  —  Htrt- 
Kasten(-Ka8tl),  1.  (1077hcrzkiUtlein.nyTtl,  K.  W.  83) 
j  =  Herzbeutel,  l'ericardium  (Mein  Herze  wlrt  in 
jnmmcr  da  verkAstclt,  Sehmelier  I,  1306).  —  2.  =■  das 
Herz  als  Blutkasten  Sohweisskasten).  —  3.  = 
Thorax,  Rippenkasten  (Buck  16).  —  (18.  Jahrh.) 
Hirn-  (1560)  CrVAtrn-Kästlein  (kestlin  de«  gehim», 
Pictor.  77),  1.  =  Hirnschale,  Hirnschädel,  Hersen- 
bein,  Hersenbecken,  der  Kopf,  Cranium  (Gr.  w. 

H.  186;  IV,  2.  1560;  V,  267;  Hyrtl,  K.  W.  88).  —  2.  = 

Uehirnkammer  (Ventrikel).  —  Hunger  Kesten 
=  Magen  ((!r.  w.  II,  186).  —  Mannsxrhutz  Kast- 
lein  =  Samen bläschen,  Samenkästlein  (Hyrtl,  K. 
w.  133).  —  (1084)  Mu/i fr- Kasten  =  der  Blutkasten 
der  Frauen,  Uterus  (Gr.  W.  V,  267).  —  (1677)  Pro- 
riant -Kasten  =  Magen  (Beyn.  160).  —  Rippen- 
Kasten  =  der  Brustkorb  als  ein  Knochengestell 
aus  Kippen  (Gr.  W.  VIII,  1034).  —  (1705)  Rohr- 
Kasten  =  die  röhrenförmige  ('interna  chyli 
(Übers.,  s.  nachf.)  (Hyrtl,  K.  w.  123).  —  (1769)  Sam- 
mW -Kasten  =  Keceptaculum  chyli,  Cysterna 
chyli,  die  geräumige  Ausdehnung  des  die 
Lymphe  (Milchsaft)  des  Verdaaungskanales 
sammelnden  HauptstammeB  des  Lymphgefäss- 
systemes  (Vadem.  36),  den  man  mit  dem  Milch- 
kästen  verglich.  —  (1677)  Samen  -  Kästlein  = 
Samonbluschen  als  Aufbewahrungsraum  des 
Samens,  Vesictilae  neminales  (Hyrtl,  K.  W.  133). 

—  aehtmriy alliger  Kasten  =  Neben-Nieren  (Über- 
setzung der  capsulae  atrahilariae  s.  glandulae  supra- 
renales,  Hyrtl.  K.  W.  53;  die  atro  bllis  Ist  die  breUge 
Marksubetanz  der  Nebenniere,  Hyrtl,  Anat.  682).  — 
Schweina  -  Kasten  (Jogdspraehc)  =  Blutkasten, 
Schweis*  (s.  d.  2)  -  Blut.  —  UVi'nAdt1«- Kasten 
(mhd.  der  wize  kästen)  =  Frons ,  Stirne  (=  Hirn, 
s.  d.)  als  .Sitz  der  Weisheit  (Gr.  w.  II,  186). 

Kastrat,  m.  Kastraun,  m.  (14.  Jahrh.  castrawn; 
1515  gaxtraun,  D.  374-mnto,  D,  II,  260)  -  castrattis, 
s.  Kapaun  und  Eunuch.  —  Kastraten- Stimme. 

Kat  s.  Kaat. 

Kataer,  f.  ».  Katarrh. 

Katharina  (Kathl,  Katherl)  (anlehnend  an 

diesen  Namen  bezeichnete  man  wortspielend  damit 
|   froher  >lns  x'iit'xf,|i'z  =  Verunreinigung,  Wackernagel 

Abhdig.  Iii.  Iis).  —  Kathareinlein  =  verhärtete 
Ans;enbutter,  Käse(s.  d.)  Gr.  w.  V,  276).  —Jungfer 
Kathl  ■  Menstruatio,  monatliche  Reinigung 
(Gr.  W.  V,  276;  Sehmellcr  I,  1309).  —  laufend  Kathl 
=  Bchnelle  Katharina,  Venter  solutus  (alter 
Schulwitz):  Diarrhoe,  Darmkatarrh  (Gr.  W.  II,  609, 
V,  270;  Schindler  I,  1309;  Tirol  ■  geha-wondl  —  geh 
schnell !,  Wolf  154)  (s.  laufende  Spenen).  —  schnelle 
Kathrin"  (Trine,  Trenne)  Darm -Katarrh 
(Gr.  Vi.  II.  009;  V,  270;  Schm.  I,  1309).  —  katharii.ß) 

-  mit  Schnupfen  behaftet.  —  Katharina-  Wiel. 

Katarrh,  m.  (Oatarrh,  Catarrhe,  Kater)  (von 

x<xt*j*5,ttv  =  defluere,  KMvm,  Flow  [«.  d.)  zn  den 


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Katarrh 


Kater  -  Katze. 


20! 


Gliedern:  xatifiot  =  früu/z-a,  Hlppokr.;  1331  cx  I 
„catarrbo"  mortuus  est,  Du  Gange  II,  225;  1621  cat&rr 

—  catarrhus,  D.  106 ;  1615  desllllallo  catarrhus  vulgo 
dtcta  =  InflucDia,  Schnurrer  II,  100;  1645  x»tdpf.oc  = 
„ein  Fluss,  der  vom  Haupt  durch  den  Schlund  und 
Hals  in  den  Magen  oder  aut  die  Lungen  fallt",  Coler, 
fl.  A.  96 ;  cattanu,  der  Flu««  von  dem  houbt  der  off 
die  brüst  flüxset,  D.  639;  1699  catarrh  =  pflffsen  der 
huenner,   v.  M.  I,  91;  „ein  abfallender  Klus«  vom 
Haupt",  l.eod.  n,  9;  „Katarrh"  Ist  erst  seit  der  1.  Hälfte 
de«  17.  Jahrb.  aus  der  ärztlichen  Schule  (1660  entdeckte 
Schneider  die  sog.  Schneider  sehe  Membran  als  Geruchs- 
schlelmhaut ,  Baas  29.  309]  in  die  besseren  Kreise  ge- 
drungen und  jetzt  ganz  volksuMirh  durchden  Umgang 
der  Kranken  mit  den  Ärzten ;  früher  wurde  dafür  und 
zum  Teil  wird  noch  gebraucht:  Sträuchen,  Schnupfen,  , 
Kluss  [rheuma],  Rotz,  Influenza,  Hlrnfluss,  nauptfluss, 
Pfnüael  [tampho]  etc.;  1521  catarr^ Sträuchen,  Cr.  W. 
V,  273 ;  152»  catarrhus  ein  Haupttluss  zur  Brust,  H.  v. 
Gersd.  99;  1609  Catbar,  Gnar.  8*2;  l«j*4  Catarrh,  Ca- 
tharu,  Gr.  W.  V,  273;  1687  die  Calärrhen,  Catarrhcn, 
Georg.  382;  franz.  catherre,  Brlss.  97;  1731  wenn  die 
ochsen  ein  Geschwär  oder  Schwall  unter  der  Gurgel 
im  Kühnbacken  oder  im  Hals  bekommen  und  Blut- 
zelchen,  da«  belsst  man  Catharren  [  =  Rotz],  A.  11.  27 ; 
1777  daskatarrhen,  1.  eod.    Belm  Volke  blieb  Katarrh 
=  CoryzA.    In  den  Medizinschuh  n  nntersebied  man 
schon  im  16.  Jahrhundert  den  auf  die  Brust  „fallen- 
den" [s.  d.]  Haupttluss;  „cum  tluit  ml  pectus,  vocatur 
rheuma  catarrhus,  ad  fauces  branchus,  ad  uares  esto 
coryza",  A.  v.  H.  I,  231 ;  branchus  —  „morbus  branebus 
=  rauce»lo  pulmonum  indo  et  tussla  fit",  Du  Gange  I, 
73A;  1677  „Katarrh  ist  ein  abfallender  Fluss  vom  Haupt 
(».  fliesslg..  Häupter],  der  sich  In  die  Kehle.  Nasen  od. 
Brust  senkt  und  daselbst  Verstopfungen  anrichtet", 
Beyu.  123).  —  Katarrh,  1.  —  Coryza,  krankhafte 
Scbleiinabsonderung  aas  der  Nase,  schleimiger 
Nasen- Ausflugs,  den  man  vor  Schneider  (1660) 
von  der  schleimigen  Gehirndrüse  (s.  Hirn)  ab- 
gesondert  annahm,  DestiIIatio,Gravedo,  l'ituita, 
KoUigkeit,  Strauche  (Kopfkatarrh).  —  2. -Ka-  I 
tarrh  =  Influenza(  Symptom)  od.  auch  Bronchial- 
-Katarrh.  —  3.-^  RotzkrankheiL  —  4.  Schul-  J 
gemäss  ist  Katarrh  (nach  dem  Vorbilde  der  am 
häufigsten  beobachteten  Nasen-  u.  Luftrohren- 
Bchleimhautkatarrhe)  =  Schleimhautentzfind- 
ung  Oberhaupt,  bei  der  eine  Exsudation  auf  die 
freie  Oberfläche  der  Schleimhaute  erfolgt  in 
Form  einer  schleimigen  Sekretion.  —  (1774)  Bla- 
.wi -Katarrh  *■  die  katarrhalische  Entzündung 
der  BlasenBchleimhaut,  Blasenhämorrhoiden  i 
(bei  Vogel  V,  110;  Pr.  II,  473).  —  (1729)  Bit .':  Katarrh 
=  Influenza  (s.  d.),  die  den  Menschen  wie  eine  . 
elektrische  Influenz-Maschine  plötzlich  durch- 
zieht und  befällt  (the  suddenness  of  the  attack  was 
aatbonlshlng.  Schurrer  II,  274  ;  1889  -  Influenza,  Rnhe- 
mtnn  83).  —  (1782)  Brust- Katarrh  —  Bronchitis 
catarrh.  (M.  H.  L.  I,  517).  —  Bostock scher  Katarrh 

—  Heuasthma,  Heufieber,  Herbstlicher,  das 
von  J.  Bostock  (18191  als  Catarrhus  aestivus 
zuerst  beschrieben  worden  war  (z.  iidbch.  n,  215). 

—  (1846)  Frühjahrs  -  Katarrh  (Saeuiisch)  -  eine 
seltene  Varietät  der  Conjunctivitis,  die  meist 
im  Frühjahre  beginnt  und  in  der  wärmeren 
Jahreszeitexacerbiert(Arlt,  7.  Anm.).  —  (Ulf,  1809) 
FntAsoiMw«  -Ka tarrh  ^  Heu  lieber  (*.  <1 )  schech 


188;  Phocbu«  naco  Uuber).  —  (1782)  ÜaÜ-Katarrh 

=  Angina  catarrh.  (M.  H.  L.  I,  517).  —  Herbst- 
Katarrh  —  Catarrhus  autumnalis  =  das  meist 
gegen  Ende  August  auftretende  Heufieber  (s.  d.) 
(Med.  chlr.  Rundsch.  1875.  S.  889;  Deutsche  Med. 
Wehschr.  1880,  XII,  141).  —  (1677)  kalter  Katarrh 
=  ein  durch  Erkaltung  entstandener,  mit  Frost 
einbergebender  Nasenkatarrh  (Bern.  126;  a.  v.  u. 
i,  345).  —  (1782)  Jfop/"-Katarrh"Coryza,  Schnu- 
pfen in  der  Nase  mit  Kopfschmerzen  (M.  H.  L. 
I.  517).  —  (1842)  Nasen  -  Katarrh  (brandiger)  = 
Rotzgeschwüre  beim  Tiere  (Falke  I,  H9).  —  (1782) 
nordischer  Katarrh  -  russischer  Katarrh  (Ruhe- 
maun  34).  —  (1782)  russischer  Katarrh,  1.  =  In- 
fluenza, weil  diese  damals  in  Russiand  zuerst 
beobachtet  wurde  (Ruhemann  34).  —  2.  ( =  nach 
Kraus,  E.  891  wäre  dies  auch  —  Raphania,  Knebel - 
k  rankheit  [?]).  —  (isla)  Sommer- Katarrh  =  Heu- 
fieber im  Sommer,  Catarrhus  aestiviiB  (Elchhorst 
i,  250;  Ii,  939).  —  (1790)  &/ec&-Katarrh  =  erstick- 
ender Schleim hautkatarrh  der  Kinder  (Pneu- 
monia  catarrhalis).  —  trockener,  versteckter 
Katarrh  =  ein  noch  nicht  durch  Auswurf  oder 
Schleimfluss  nach  aussen  sichtbar  gewordener 
Katarrh  der  trockenen  Respirationschleimhäute 
mit  wenig  Husten.  —  Katarrh- Fieber,  -Materie, 
•Schärfe. 

Kater,  m.  1.  =  Katarrh,  einen  Kater  auf  der 
Brust,  eine  pelzige  Stimme  haben  (Laryngitis 
crapulosa)  (Heyne  in ,  soo).  —  2.  =  Status  ga- 
stricus,  Magen-,,  Katarrh",  in  der  Studenten- 
sprache vielleicht  aus  letzterem  umgedeutscht 
unter  Berührung  des  „Katzenjammers"  (s.  d.) 
(Gr.W.  V,  273;  Audresen  201 ;  udl.  katterigheld  —  Kal/en- 
jammer);  (gemeiner  I laus- Kater,  gestreifter  Woll- 
Kateretc).  —  3.-8.  Köder  (kater  —  parasynauche, 
aus-erliches  Halsgeschwar,  D.  112).  —  Kam  '.-Kater 
=  Kater  2  infolge  zu  starken  Rauchens. 

Kathai-tiks  (iadetzik. 

Katze,  f.  (Kätzlein.)  (ein  gcruelneuropalsohes 
Wort,  das  in  der  Volkerwanderungszelt  den  Germanen 
von  einem  Nachbarvolke  von  Aegypten  her  [Kleinpaul 
127  ff.]  zugeführt  wurde,  für  das  l«haarte,  augeufun- 
kelude  Haustier,  das,  wenn  es  20  Jahre  alt  geworden, 
nach  dem  Volksglauben  zur  Hexe  [s.  <l.]  wird,  Kluge*, 
188.  Die  haarigen  Itlütenkolbchen  gewisser  Straucher 
[der  Weiden  z.B.]  helssen  Katzeln,  Kätzlein);  damit 
wurden  verglichen  1.  =  die  Morfea  (Lepra),  die 
Hautknöllchen  macht.  Bei  den  Südslaven  bt  nach 
F.  S.  Krauss  „Kätzchen"  in  Bespreehuugsformeln  der 
Kosename  für  die  damonlstisch  aufKefasste  Kotlauf- 
bcule  (Phlegmone,  carbunculus).  —  (UM)  ice isse  KätZ- 
lein,  1.  —  Engerling  (s.  d.)  im  Angesicht  (Wirsuug; 
1597  wisse  Kittzlein,  fir.  w.  V.  3<>4).  —  2.  -  eine 
Nasonkrankheil  (Burk  13),  vermutlich  Akne  in 
den  behaarten  Übergangsstellen  der  Nasen- 
löcher. —  3.  —  der  Möns  Veneria,  Feminal  (conf. 
Mautze ,  Mütze)  Sehmeller  l,  1313).  —  katzlen 

—  kotzen,  sich  erbrechen  (Gr.  W.  V,  1905;  Tirol). 

—  i/ufrVn-Katze  -  HüttenkoU.  Würgkrämpfe 
oder  Erbrechen  bei  der  Bleikolik  der  Hütten- 
arbeiter in  Bleibergwerken,  Colica  saturnina 
(Malerkolik).  —  K&tzen-Aut/en, -Beule,  -Fleisch, 
hirnig,  -Jammer,  -Kopf,  -Krankheit,  -Peter, 

-Sporn,  -  Veit,  -Zunge. 


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2<»2  katzgen— kaufen. 


Kaule— Kegel. 


katzgen  (kätzgen)  (Bayern.  Schweiz.  Tirol)  - 
würgen,  stottern,  Ekel  empfinden;  zu  kacken 
(8.  d.)  =  kftkezgen  (Intensivbildung;  Gr.  W.  IV,  1. 
1517;  V,  1996). 

kauchen  (mbd.  kücben ,  eine  alle  Nebenform  zu 

hauchen,  Gr.  \v.  v,  Mfi)  keuchen.  —  Kau  eher,  ui. 
1.  =  der  Hauch.  —  2.  =  einer  der  (kauernd?) 
keuchend  haucht  (Schmeller  I,  1041.  1219;  engl, 
cough). 

K ander,  m.,  kaudern  —  ein  unangenehmes 
Vorgefühl  eines  öfteren  Wechsel,  im  körper- 
lichen Befinden  (Aigin),  das  Inkubationsstadium 
einer  Krankheit,  die  man  noch  nicht  erkennt, 
die  einem  unverstandlich  ist,  wieder  Kauderer 
(Kauderwlilsehe)  (kaudern ,  Iterativ  zu  kauten  = 
lauschen,  handeln,  wechseln,  Kluge  163;  Schmeller  I, 
1221)  (vergl.  kludern).  —  kaudern  =  Unverstand  - 
lieh  schreien,  plappern  (waischen).  —  kauderig 
=  ein  leicht  wechselndes,  zweideutiges  Uosund- 
heitsgefühl  (Schm.  1.  cod.;  C  v.  Schni.  ;i07) ;  (vgl. 
kuderig). 

kauen  (käuen,  Käu,  f.  Koie,  Kai)  -  man- 
ducare,  masticare,  mit  den  Zähnen  die  Speisen 
verkleinern,  beissen  und  essen  (liidngenn.  gjü, 
giw  =  kauen;  vorgerm.  glw;  gerrn.  kiw,  ku ;  ahd. 
chiuwan,  chiwan  .  mhd.  kuwen,  kiuwi-n  ;  engl,  lochew, 
to  ohaw  ,  Kluge*,  189;  Gr.  W.  V,  311)  =  mit  deil 
Kiefer-Zähnen  zermalmen.  —  Käu,  f.  (ahd.  chlwa, 
chowc,  dumm,  chöwe  ■  fanx ;  12.  Jahrh.  chof  =  rumen 
in  guttuie,  Gr.  W.  V,  1769;  II.  Jahrh.  visch-cao,  chlwe 

—  hrancia,  D.  80;  Voc.  opt.  W,  ;  mhd,  kiwe,  kiuwc; 
15.  Jahrh.  keu,  f.  =  mondibula,  faux,  Gr.  W.  V,  305; 
1517  koy  -  niaudibula  cui  duntes  inflxl,  Schm.  I,  1211; 
1590  kacu,  kew  ^  Kinnbacken,  Gr.  W.  V,  1800;  kouwe 

-  fauces,  H>rtl,  K.  W.  187;  [Bayern]  Käu  a  Kieler,  Kinn. 
Gr.  W.  IV,  1.  1577;  Koi  =  Kinnbacken,  Gr.  W.  V.  1600; 
ausserdem  auch— Maul,  Gr.W.V,  777;  subih;  Wange, 
Gr.  W.  V,  665,  sub  3;  [Tirol]  Kole  =  dns  [kauende]  Kinn, 
Hintner  6. 15 ,  rösterreich]  Kol,  Kuie ;  engl,  chaw  e  Kinn- 
backen, Eehf.  l  .i)  —  Die  Käue  =  Kiefer,  Maul, 
Kauwerkzeuge,  Kinnbacken,  Kinn,  Wange  (Gr. 
W.  V,  305).  —  afterkauen  [aberkuwen,  aderkowen. 
D.  505)  -  ruminare,  wiederkäuen.  —  «kauen 
(eercauwen,  ü.  503)  =  ruminare,  vollständig  aus- 
kauen.  —  .Vä</fJ-Kauer  =  einer,  der  aus„grillen- 
hafter  Gewohnheit"  (angeblich  aus  erblicher  Be- 
lastung nach  Berillon,  in  La  semaine  medic.)  an  den 
Fingernägeln  u.  Nagelwurzen  kaut.  — gespitztes 
Koi  =  spilziges  Kinn  (Schm.  I,  1214).  —  it-,  iter-, 
wir^er-käuen  (15.  Jalirh.  widderkuwen,  -kewen, 
-keügen,  D.  503,  l.  =  aufstossen,  das  Essen  wieder 
heraufgehen,  itterruechen.  —  2.  (1807)  =  d.  seltene 
Anomalie  beim  Menschen,  das  sogen.  Wieder- 
kauen, Ruminatio  (.Schmeller  I,  176.  <H7  ;  II,  19  ,  J.  P. 
Krank  VI,  319;  Kohler  II,  132);  eiue  bei  sog.  ner- 
vösen Konstitutionen  u.  ungenügenden)  Magen- 
(Cardia-)  Verschlusse  willkürlich  erfolgende 
Heraufziehung  des  Mageninhaltes  aus  dem 
Magen  In  die  Mundhöhle;  (beim  eigentlichen 
Wiederkäuer  wird  dieser  dann  noch  einmal  ge- 
kaut zwischen  den  Zahnen).  —  Käu  -  Adern, 
-Gesucht. 

kaufen.  —  Porkai  kaufen  -  den  zum  Zwecke 
der  Pockenimpfung,  d.  h.  zum  Schutze  vor 
schwerer  Pockenkrank!),  hergegebenen  Pocken- 


eiter aus  isolierten,  leichteren  Pockenfallen  zu 
landesüblichen  Preisen  bezahlen;  ein  Brauch, 
den  die  griechischen  Handelsleute  vermutlich  von  den 
Chinesen  kennen  gelernt  hatten;  die  Griechen  über- 
lieferten diese  Methode  der  Erzeugung  milderer  Pocken 
an  die  Venetlaner  u.  Italiener,  diese  an  die  Englander 
(buylng  the  atnallpox) ;  (1722)  „im  Herzogtum  Cleve 
und  in  der  Grafschaft  Mors  stellte  diesen  Gebrauch 
Dr.  Schwenke  1713  bereits  fest  u.  fast  ein  Jahrh.  früher 
erwähnt  ihn  Bartolin  in  seinem  Briefe  über  die  Über- 
tragung der  Kränkelten,  der  In  Kopenhagen  1637  ge- 
druckt wurde"  (Tagl.  Rundschau  1896,  8.  450).  Man 
steckte  sich  mit  den  gekauften  Pockenpusteln  leich- 
terer Krankheitsfälle  künstlich  mit  Blattern  an,  um  der 
Krankheit  den  gefahrlichen  Charakter  zu  nehmen. 

Kaule,  f.  (Kaulchen)  (eine  Nebenform  zu  kugele  ; 
mhd.  küle,  Kluge5,  189  =  eine  Kugel  von  geringem  Um- 
fange ;  ndd.  kühle,  Goldschm.  120;  1517  dy  kule  = 
clunieuius,  r>.  128).  —  Kaule.  L  =  die  Keule  am 
tierischen  Körper  (Clunieuius).  —  2.  =  Beule, 
Geschwulst  (namentlich  am  Halse),  Überbein, 
wässerige,  Dellen  machende  Geschwulst  (Oe- 
dema),  Pünkel,  Gichtknoten  als  kleinkugelige 
Anschwellungen  (Gr.  w.  v,  IM).  —  (1645)  Käulchen 
=  Keulichen,  kleine,  geschwollene  Halsdrüsen 
(Gr.  W.  1.  cod.;  Coler,  H.  A.  142).  —  käulicht  = 
kugelichtgeschwollen,schwanger(Gr.  w.  m,l>S3; 
V,  Ml).  —  (1615)  böse  Kaulen  (boss  kaulen,  Coler, 
R.  406)  —  bösartige  Lymphdrüsen  -  Anschwel- 
lungen beim  Vieh  (Rotz,  Milsbrand,  cambuca). 

—  Hirrr-Kaule  (ndd.  hart  kühle,  Goldschm.  100)  = 
HerzpUnkel  an  der  Magengrube,  Herzbuckel, 
Herzputzchen.  —  Kaul-  kau/t'c/i/V. er, esJ)-Arsch, 
-Finger,  -Kopf,  -Kropf. 

kauxen  =  kauchezen,  keuchen  (Gr.  w.  V.  43») 
(s.  kauchen). 

KaUZ,  DD.  (Käuzen)  (vielleicht  zu  Kodcr.  Goder) 

-  Unterkinn  =  die  Fetthaut  unterm  Kinn  bei 
starken  Leuten  (Kienzl)  (Gr.  w.  v,  870;  Tirol ; 
Fromm.  VI,  292). 

Kebel  s.  Kiefel. 
kebig  s.  Kaib. 

keck,  Kecken  (Kicken)  (urindogenn.  giw  = 

lebendig,  lebhaft  sein  ;  gfwös  =■  lebendig;  vorgerra. 
giwo-  [virus];  goth.  giwa  -  lebendig;  ahd.  quec,  chec 
=  lebendig;  mhd.  kec,  guec,  Kluge*,  190).  —  sich 
kecken  (kicken)  ■  sich  erholen,  beleben  =  er- 
kicken (Schmeller  I,  1223)  (s.  queck).  —  Keck- 
(kecke)  -Ader,  -Fleisch,  -Leib. 

kecksen  s.  kachezen. 
Keelen  s.  Kehle. 

Kegel,  m.  (vorgerm.  gagho  =  Pflock.  Nagel,  Keil  ; 
goth.  kagils ;  ahd.  kegil  -  Pflock,  Knüppel,  Kegel ;  mhd. 
kcgel  =  conus.  Kluge*,  190),  1.  =  beim  Pferde, 

a)  (1066)  die  Gegend  des  Tauben-  bezw.  Bug- 
Gelenkes,  wo  die  Schulter  endet  n.  der  Schenkel 
(Vorarm)  anfängt  bis  aufs  Knie  (Armbein); 

b)  (1599)  der  runde  Teil  des  Fusses  unterm  Schien- 
bein über  dem  Hufe,  über  den  Fesseln  und 
über  der  Köte  (Bebt*.  211;  die  kegel  als  nerolich 
wie  das  .«chlubeyn  auffhört,  blss  auH  den  Preiss  oder 
Huf.  Gr.  W.  IV,  2.  1624;  V,  383).  —  2.  =  runder 
rollender  Gelenkknochen,  der  zum  Spielen  be- 


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Kehle. 


Kehle 


2«3 


nützt  wurde  (lamolcttc,  Bris*.  297;  15.  Jahrh.  ,,.|Uodam 
os  in  pede  Übiae  et  surae  cum  qno  luditur",  Gr.  W. 
V.  383.  3Ä6).  —  3.  (mhd.,  1*82  -  spurt  us,  D.  549)  - 

aneheliches  und  jüngstes  Kind  des  Kebsw  eibes, 
•och  Bankert,  NestquÄckchen ,  mit  dem  man 
scherzend  spielt  (Schmclter  I.  1231 ;  Kluge*.  190); 
vergL  „Kind  und  Kegel"  [WuMomn  26"  ;  Schräder 
452).  —  Kegel  schieben  =  coire,  mit  dem  Penis 
spielen  (s.  d.),  kegeln  (Gr.  W.  v,  390).  —  (1578)  auf- 
kegeln  =  sterben,  wie  ein  getrolfener  Kegel  um- 
fallt (vom  Schlachtfeld  genommen)  (Gr.  W.  V, 
2163).  —  i!<-kegeln  ~  aus  den  Gelenkknochen 
(Kegel  2)  herausfalle:;  (Gr.  W.  V,  383),  die  Kugel 
des  Beines  aus  dem  Gelenke  verrenken  (Buek  iß! 
oder  auch  beim  Kegeln  sich  den  Oberarm  aus- 
renken (wie  austreten,  ausfallen,  ausschlagen) 
und  dann  auf  andere  Gelenk-Luxationen  über- 
tragen; demollete  —  ausgekegelt  (Bris*.  297);  den 
Arsch  auskegeln  =  sterben  (Schmeller  1,  1231).  — 
.lu-s-kegelt,  n.  (1592  ausskeglet,  n..  Seb.  177)  -■  der 
ausgekegelte  Zustand  beim  Pferd.  —  Auter- 
Kegel  =  der  Hinterschenkel  beim  Kuheuter. 
—  Hüft  Kegel  -  Trocbanter  majur  femoris.  — 
kurz- /-kegelt  (1592;  Seb.  211)  =  kurze  Kegel  1  I» 
habend.  —  ATe*f-Kegele  (Schwaben)  =  „letzt»-« 
Kind  einer  Ehe"  (Schneller  I,  1231).  —  Kegel- 
Ader. 

Kehle,  f.  (Kehl,  Kehln,f.  Kahle,  f  Keelen.  f.) 

(vorgerm.  gila  —  gula  [Kehle];  goth.  kil<>,  Kluge'',  190; 
ahd.  chclä,  Graß*  IV,  3.*M~g\ila,  guttur.  fauces,  brancla; 
S.  Jahrb.  chula  =  gurgullo,  Hab.  Maur.  6t ;  chcluuti  — 
gulae,  Kero  77;  IL  Jahrh.  kela  =  gul».  D.  &  III.  368; 
XV.  340;  kela  =  trolla,  II.  Z.  XV,  354  ;  1260  .He  chel, 
1'feilTer  27  ;  mhil.  kele  ;  1420  keel  =  gula,  D.  271  ;  1482 
kcl  —  guttur,  Druss-el,  Zening.  Voe.  i|2;  jngulum, 
Hyrtl,  K.  W.  154  -  vordere  Halsgegend,  Ilyrtl,  K  W.  »9; 
15.  Jahrh.  gyel,  gyl  =  (rula.  guil«.  D.  271 ;  1528  kael  » 
cplglottl.»,  gula,  guttur.  EL  v.  Gersd.  97 ,  nach  Gr.  \V. 
V.  395  ff.  im)  Kehle,  I.  =  Biegungs-Höhlung  am 
menschlichen  oder  tieiischen  Korper,  Röhre, 
Kinne,  etwas  Ausgehöhltes  (Ilyrtl,  K.  w.  89),  1.  — 
die  Biegungsbohlung ,  in  der  Hals  und  Kopf 
unterm  Kinn  zusammentreffen,  mit  Einschlug» 
der  benachbarten  Teile  des  Halses,  die  eigent- 
liche Kehle  im  Gegensätze  r.ur  Kniekehle:  a) 
Hals  überhaupt,  z.  B.  die  Kehl  abschneiden, 
an  der  Kehle  packen;  b)  Luftröhre  und  Kehl- 
kopf (Lungenkehle) ,  als  vorderer  und  innerer 
Teil  der  Kehle,  welche  Töne  hervorbringt; 
c)  Schlüsselbein  -Grube,  Jugulum  (nyrtl,  K.  w. 
89.  154);  d)  Fett  und  Fleiseht«ile  unterm  Kinn; 
Kehls  (Schwaben  ;  Gr.  W.  V,  504;  Bück  16)  -  beim 
Vieh  die  herunterhängende  fette  1  laishau  tdleyne 
III,  312);  e)  Speiseröhre,  z.  B.  durch  die  Kehle 
jagen,  unrechte  Kehle  (Schw.  334),  auch  wie  der 
Hals  (s.  d.)  als  Sitz  des  Geschmackes  angenom- 
men (Schm.  I,  561  Zeile  2  r.  o.)  (Ksskehle,  Magen- 
kehle,  Speisekehle).  —  2.  —  die  Biegungshohle 
an  dem  Arme  unter  der  Achsel  (Brustkehle), 
mit  einer  Kehle  verglichen.  —  3.  =  die  Bieg- 
ungshöhie  unterm  Knie  (Kniekehle).  —  4.  =  die 
Biegungshöhle  unterm  Fuss  (Kusskehle).  — 
II.  =  die  bei  I.  1.  a-e  sitzende  Krankheit:  Kehl- 
sucht, Flosskehlen,  Kehlfluss  -  Kehlen,  Kehl 
(„die  kühne  Kursung  •  Kehle .  für  die**)  Krankheit»- 
iiaiuen  »out  eine  grosse  Häufigkeit  .)er  Krnnkueit  nnd 


des  Gebrauches  des  Namens  voraus",  Gr.  \V.  V,  JOvj.  — 
III.  Kehle  =  Kiehl  (s.  d.).  —  kehl--  »  (kehlsen) 
n  aus  voller  Kehle  öfters  bellend  husten  und 
würgen  (1482  kclssen  -  )ugultare,  würgen,  Zening 
Voc.  q2).  —  (1498)  die  4  B>  «>.'  Kehlen,  eigentlich 
=  Achselkehle  mit  4  seitlichen  Muskelhündeln, 
die  eine  Höhlung  bilden  (Braunschweig;  Chirurg. 
105;  „das*  der  arm  sich  ruck  für  sich  [  =  nach  vorne] 
HUB  vordertheil  und  das  gesehit  selten  um  der  vUe 
wegen  der  nerven  [Sehneu,  Blinder]  und  um  das  vor- 
stehen der  4  kehlen  der  brüst  oder  grübleiu  oben  an, 
die  das  beschirmen",  Gr.  W.  V,  3961.  —  /  -  -  Kehle  = 
Oesophagus  (Hyrtl ,  K.  \V.  200).  —  falsch*  Kehle 
=  unrechte  Kehle.  —  i ^  Kehle  [UM  tinue- 
kelen,  I.ersch  179;  Gr.  W.  V,  509.  Schnurrer  I,  332)  ■ 
KehlfluM  =  Influenza,  Flusskatarrh  (Bhmss).  — 
Fuss-Kehle -die  Höhlung  unlenn  Fuss.  —  (i'6lj 
grosse  Kehle  =  Struma,  Satthals,  der  den  Kehl- 
kopf ftusserlich  vergrossert  erscheinen  lasst 
(Gr.  VV.  VIII,  1830).  —  harte  Kehle  (H77  hartigkelt 
der  kele,  ortolph  ;  1551  harte  kille,  bock  40)  =  schmer- 
zende Kehle,  Kachenenlzündung.  —  heuere 
Kehle  ■  Larynx- Katarrh.  —  hohle  Kehle  ■  die 
Kehlkopfshohle,  Lumen  laryngis  (Gr  w. VIII,  I52i;. 

—  h'iin  -Kehle  (mhd.  kniekcl,  I.exer  128j  —  Fossa 
Poplitea  <le  jarret  [  -  garra.  pople«),  Briss. .» ;  a)  heim 
Mensehen  ein  ungleichmassig  vertieftes  Dreieck 
in  der  Kniehöhle  mit  der  Spitze  nach  oben,  an 
der  Hinterseite  des  Knies,  welches  die  Gefasse 
und  Nerven  dieser  Gegend  einschliesst  und  mit 
der  Halskehle  verglichen  wird  (Hyrtl,  Anal,  ist) ; 
die  seitlichen  Sehneu-  und  Muskelbündel  als 
Leisten  der  Kniekehle  gaben  auch  Veranlassung 
an  der  Brust  (Achsel)  4  Kehlen  (s.  oben  Brust- 
kehle) ZU  suchen  (Brauuschw.  Chirurg.,  Gr.  W.  V, 
1129);  b)  s.  Jarret  l;  c)  beim  Pferde:  der 
Kniebug  am  Vorderknie,  bezw.  die  Hinter- 
rlachc  des  Backen-  oder  SehenkelbeinH  (Kalke 
Ii.  i9j.  —  rTm>kehlen-ddVr.  —  (I609)  Lungen- 
Kehle  (Guariti  65)  a  Luftröhre  im  Oegensatz 
zur  Magenkehle.  —  (1609)  Magen  -  Kehle  - 
Ksskehle,  Speiseröhre,  Schlund  («iiiarln.  869). 

—  raulte  Kehle  (1551 ;  Bock,  Krtrbch. ;  i  »9i  rauhe 
Keel,  Tabern.  21 B;  ..racuehe  der  keelen"),  1.  b 
die  Empfindung  des  Rauhen  beim  Kachen- 
und  Kehlkopf-Katarrh  (rauhe  Stimme).  —  2  — 
Trachea,  Übersetzung  der  Arteria  aspera  wegen 
der  ungleichmäßigen  Knorpel-Oberllache  der 
Trachea  im  Gegensatz  zur  Innenwand  der 
eigentlichen  Arterien  (Hyrtl,  K.  w.  131).  —  reine 
Kehle  =  freie  Stimme,  reiner  Larynx.  —  scharfe 
Kehle  ,  1.  =  schmerzender  Rachen  (wie  rauhe 
Kehle  1)  [15,  Jahrh.  die  Schaerphing  der  kele,  C.  v. 
Megbg ).  —  2.  =  Trachea  (wie  rauhe  Kehle  2) 
(Hyrtl,  K.  W.  134).  —  (17.  Jahrh  l  srhleimiijc  Kehle 
=  Rachen-  u.  Kehlkopfkatarrh  (Fr.  K.  B.  170).  — 
Speine  -  Kehle  —  Oesophagus,  Ksskehle.  — 
(15.  Jahrh.)  Uber-  (CHfcr-)Kehle  =  der  obere, 
bezw.  untere  Schlundteil  der  Kehle  (Gr.  W.  V, 
39C.  ;jy7,  I).  2iy),  Ingluvies,  Frumon  (s.  Kelcti).  — 
(16.  Jahrb.)  unrechte  Kehle  =  Trachea  (Hyrtl,  K. 
W.yj  ,  die  Arteria  aspera,  die  falsche  Gurgel 
(s.  d.)  (Gr.  W.  v,  397;.  —  (1551)  verwundete  Kehle 

—  oftener,  rauher  Hals  'geschwüriger  Rachen- 
katarrh) (engl,  sore  thruat  =  sehre  Drossel,  Kaltschm. ; 

'  üoek  162).  —  (1507)  zerschtcMeiie  Kehle  Hurt,  san 


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kehren — Keim. 


keipeln— Kelch 


-  Angina,  als  Geschwulst  in  der  Kehle  Hals). 

-  KehKenM<fcr  («  *),  -Apfel,  -Apostem,  -Bart, 
-Boss,  Bein,- Blättlein, -Bräune, -Brand,  -Bruch, 
-Bühel,  -Deekel,  -Drüsen,  -Engung,  -Fleuch, 
-Fluss ,  -Gang ,  -Geschwür ,  -Geschwulst,  -Hufe, 
-Husten,  -Knopf,  -Knorpel,  -Knoten,  -Knüppel, 
■Kopf,  -Krankheit, -Kropf,  -Krospel,-Fein,-Ritze, 
■  Rohre,  -Schlund,  Seuchte,  -Sucht,  -Sod,  Stimme, 

-  Wehtag,  -Zünglein ;  (vgl.  Kelch). 

kehren  (goth.  knrjnn  ;  ahd.  chcriiin,  kerian  -  fegen  ; 
cherren,  keran  =  wenden ;  tnhd.  koren  =  fegen;  keren, 
kerren  =  wenden,  Kluge5,  191  =  auf  die  andere  Seite 
wenden;  Island,  kar  =-  Schmatz,  Hautunrclnlgkelt). 
Kehrer  =  Putzer,  die  Drüsen,  welche  Organe 
vom  Wust  (s.  d.)  reinigen,  fegen  (Glandulae) 
(Hyrtl,  K.  w.  29).  —  h  kehren  (Bekehrung)  =  um- 
kehren (14.  Juhrh.  bekerd,  Voc.  opt.  W,  11;  14.  — 15. 
Jahrh.  mnd.  so  wan  he  bekeret  an  dem  swete,  J.  f.  nd. 
Spr.-F.  XV,  nr>)  =  Krisisder  Krankheit  —  Wendung 
zu  einem  anderen  Stadium  der  Krankheit.  — 
Bekehrung  (15.  Jnhrh.  bekerde ;  1129  bekerung  des 
slcehtaRcs)  =  Krisis  morbi  =  iler  kritische  Tag 
(s.d.),  der  urteilende  Tag  in  der  Krankheit 
(Schmeller  I,  59:»).  —  17&<T-Kehre  (ahd.  ubareharn 

-  perlpsoma,  Klnge  *,  191}-  Hatltunrcinigkeit  auf 
den  neugeborenen  Geschöpfen.  —  nmkehren, 
den  Magen  i.  B.  -  Ekel  verursachen,  aufstossen 
(renvoi)  durch  die  vorgestellte  Wendung  des 
gefällten  Magens,  Anatrope Galeni.  —  f7»ikehr 
umj^  Vorfall  (der  Gebärmutter,  d.  After«)  (Kalke 
II,  3»5).  —  (1.30)  Ferkehrung  (der  Aughrauen) 
=  falsche  Stellung,  Lage  oder  Richtung  der 
Augenwimperhaare  (!)istichia8is\  auch  des  Her 

7-ens  (Hippel  II,  132;  Künigsp.  47). 

Kehrlecken,  pl.  s.  Lücken. 

Keih(e),  m.  (Kaib,  Keb)  («chwab.-alemnn.;  1314 
cayb  —  calcaneus  [Schclmc-nbeln],  Hacser  I,  3:18  [Aas- 
fcnoehw?];  1482keyb=pestls,  Sucht;  kcyblger  -  peatl- 
lens,  schelmiger,  süchtiger,  Zen.Yoc.  q2;  Gr.  W.  V,  432. 
488;  1491  kclb  =  Leiche.  Ana.  Hyrtl,  K.  W.  106;  15.  Jahrh. 
keblg  sebclmlg  [Mlttelrheln].  Gr.  W.  V,  133;  kalb  = 
l'est ,  eine  schelmische  Krankheit,  ('.  v.  Sellin,  r.04  ; 
Schm.  1, 1216  ;  keub  [tu  einem  älteren  Viehsogen,  Mone's 
AOS.  VI,  467]  -  Seuche,  Sncht  [beim  Vieh),  Cr.  \V.  V, 
432),  1.  =  Aas  vom  gefallenen  Tier  (Kluge»  IM). 

-  2.  =  Viehseuche  (  =  Schelm,  s.  d.).  —  3.  = 
Pest,  Seuche,  Sucht,  Epidemie,  Epizootie(l>.  im , 
Bchtnellcr  I,  1216).  —  keibig  =  schelmig;  (den  bo- 
endlichen  Zusammenhang  von  1.  2.  und  3  vermittelt 
wohl  die  Verschairung  «Ks  gefallenen  Tieres  Ik;I  Pest- 
seuchen). 

keichen  s.  keuchen. 
Keidel  s.  Keutel. 
keien  s.  heien. 

keif  (zu  mhd.  kiben;  nhd.  keifen,  Kromm.  VI,  293) 
=  fest,  derb,  heftig.  —  Kei(- Fleisch. 

Keil.  —  Keil- Arsch  (s.aucb  Keutel  u.  Keule). 

Keim,  m.  (gerra.  ki  [dazu  Keldn  =  Sprossllng,  siehe 
Keutel]  =  keimen  ,  bersten,  zerrilatzen  .  aufspringen; 
goth.  keirna;  ahd.  kirn,  kimo;  mhd.  kirne,  kim;  aiikrls. 
uluu  -  UU>  Sprung,  Klug«  \  IM),  1.  Blutt  n  a,  .;.<- 
was  aufspringt,  emporprosst.  —  2.  ~  s.  Kahm, 
keimen  (1730;  Btaric.  2soj  -  an  den  emporgerich- 


teten Brustwarzen  aufspringen,  Schrunden 
machen.  —  (1477)  <iu/"keimen  (Orlolph;  Schmeller 
I,  1246)  =  aufschwellen,  aufspringen,  z.  B.  der 
Zunge.  —  Haar-Keim  -  Papilla  pili,  das  kleine, 
gefass-  und  nervenreiche  Wärzchen,  aus  dessen 
Grunde  das  Haar  aufkeimt  (Hyrtl,  Anat.  524).  — 
Krankheits-Keim,  1.  =  der  Mikroorganismus 
(Bakterium,  Mikrobe),  durch  dessen  Wachstum 
innerhalb  des  lebenden  Körpers  die  Krankheit 
(s.  d.)  entsteht.  —  2.  as  die  (latente)  erste  Ur- 
sache zu  einer  Krankheit  Uberhaupt  (bildlich). 

—  Keim-Drüse,  -Fleck. 

keipeln  s.  käupeln. 

KeiSCh  (eine  Nebenform  zu  heisch  [s.  d.],  <Jr.  W. 
V,  499).  —  keischen  -  keuchen  (s.  d). 

Keist,  m.  (keisten,  keistern,  Kister,  Kisten, 
kistern,  käustem);  Keist,  l .  =  der  menschliche 
und  tierische  Samen,  Keut  (s.  d.,  Sperma),  „als 
das  von  innen  herauskeimende  Mark"  ?  vermut- 
lich eher  als  speichelartiges  Sekret  (s.  Speichel) 
(Gr.  w.  V,  499. 655).  —  2.  =  ausgeworfener  Schleim, 
Speichel,  Sekret.  —  keisten  =  onanitare  (Gr.  W. 

V,  499),  den  Keist  (1)  auswerfen.  —  keistern, 
1.  —  Schleim  auswerfen,  screare;  den  Samen 
auswerfen  heisst  auch  (Bayern)  —  speien  (siehe 
Speichel)  (Gr.  w.  v,  199).  —  2.  =  heiser  sein  mit 
schwerem  Atem  (kistern)  (Schmeller  I,  1306).  — 
3.  —  keichen  (Schtneller  1.  cod. ;  Gr.  W.  1.  cod.).  — 
Kisterer  —  ein  Engbrüstiger,  der  Auswurf  hat. 
die  Kistere  (Keistere,  das  Kister)  (15.  Jahrh.  ki 
siigl  —  tuis  [ptisis],  d.  II,  366),  1.  =  Heiserkeit  mit 
Auswurf.  —  8.  =  (1668)  Engbrüstigkeit  (Heyn.  232). 

—  kisterig,  keisterig,  keisterisch  ns.  Jahrh. 

kmartrlach  -=  pltaltosus,  Gr.  W.  V,  199;  IMI  kysterlg- 
asthmaticus,  Gr.  W.  V,  499;  kclchend;  1591  kystcrlg)  = 

iistbma(ticus),  d  vspnoicus  (iiad.  Juu.  3«5).  —  Brust- 
Kisten,  Kisterei  (  Keisten)  (mo  bruat  kisirie  = 

phthlsis  [ptyais],  D.  MS;  1I7S  brust-kysty  -  phthlsis, 
Schleim-Auswurf  bei  Urustschwindsucht,  Gr.  \V.  V,  499; 

VI,  1305;  1182  brustkistrle  =  phthlsis,  Zening  Voc.  e  3) 

—  Phihisis,  da»  Schleiraauswerfen  des  Luneen- 
süchtigen  (Gr.  \v.  v,  199).  —  Herz-Kiste  (-Kei- 
stern, Kleistern)  (IS.  Jahrh.  herzklat,  D.  644)  = 
Herzschwäche  (Syneope),  Schweratmigkeit  mit 
Herzschwäche,  Engbrüstigkeit  (Oedema  pul- 
monum) (Gr.  \V.  V,  499;  Tritons  Adlholtz.  63). 

keitzeln  s.  kitzeln. 

Kelch,  Dl.|  f.  (nicht  zum  entlehnten  lat.  kallkem 
=  Kelch  [Gefitss]  «ouderu  zu  Kehle;  ahd.  chüla;  aanskr. 
gala  =  Kehle,  gula ;  anord.  kiälki  -  maxllla.  I).  560 ; 
aubinentum,  Kalke,  1.  eod. ;  ahd.  kclca  -  slruma,  n.  Z. 
XVI,  109;  chelcha  e»  strnma,  II.  Z.  XVI,  48;  chelh. 
cheleh,  keleb,  D.  557  ;  Hattemer,  Denkm.  III,  607 ;  chelch 
=  stromae,  lumores,  II.  Z.  XVI,  26;  ehelh  —  Struma, 
Gr.  W.  V,  BM;  11.  Jahrh.  chelo  -  Struma,  II.  Z.  III; 
chelch  =  Kropf  —  atrutua,  Graft  IV.  385 ;  mhd.  kelch 
=  Struma, -ehelich  =  Struma,  Schmeller  I.  1210;  chelch 

—  Struma,  tuuior,  Ib. (Tin  I,  37 S  ;  15.  Jahrh.  kalke  — 
submentum  [slruma],  (ir.  W.  V,  501),  1.  —  Kettwulst 
und  Haut  unterm  Kinn,  Doppelkinn  (Schmeller 
I,  1240 ,  tir.  W.  V,  504).  —  2.  -  Kropf« ulstam  Halse, 
Strun^a.  —  Kelklelli  (kelklin,  Schmeller  I,  1240)  - 

!  die  Haut  unterm  Kinu,Ingluvies,tori.  —  kelchig 
(kelch«'!)  (ahd.  Chetchobtcr,  Schuieller  1,  1210;  Cirall 


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Kelheim— Kengel.  Keimung—  Kern.  265 


iv.385)  =  strumosus,  mit  Auswüchsen,  z.  B.  Kropf, 
behaftet.  —  Kelch- Kropf '. 

Kelheim.  —  Kelheimer-Basd*. 

kellen  (killen)  =  das  Ilgern  (s.  d),  Stumpf- 
werden der  Finger  u.  Zehen  hei  starker  Külte 
quälen  [«.  d.];  ahd.  qnelan,  quellen,  wie  keck  zu 
quec,  germ.  qel ;  Indogerm.  gel  —  «techenden,  quälen- 
den, tobenden  Schmer*  In  den  Gliedern  haben.  Kluge  *, 
164.  291  ;  8chmeller  I,  '.»36.  1234—1237;  J.  f.  nd.  Spr.-F. 
XV,  IIS;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1897.  S.  5«;  Jordan  270;  1 17fi, 
ndl.  kellen,  kellyng  =  algina,  alginare,  durch  Frost- 
cinpßudung  Schmerz  haben,  D.  22;  kaellcn,  FrUichb. 
HD)  =  quälend,  hrennend  schmenten  in  den  Fin- 
gern, Zehen  (namentlich  bei  Frost,  Gicht  oder 
Wundfeuer).  —  okellen  ahd.  erchelon  [Notker], 
Schindler  I,  1236  0.)  =  erkälten,  erfrieren  unter 
■  luälenden  Schtnerzenipfindungen  (Goldschm.  66). 

—  m/ü  kellig  -  empfindlich,  schmerzend  (Gold- 
schmidt 156).  —  kill  (kell-)jäckcn.  —  kellende 
Oicht 

Keller,  m.  =  unterirdischer,  gemauerter  Raum  als 
Behälter  lür  Wein-  und  Bier-Ueratc.  auch  der  Aul- 
enthaluort  des  Hausgeistes.  —  liannscheu  im 
Keller,  s.  Hanns.  —  Der  ist  in  /friM/au-Keller 
gegangen  (Mecklbg.)  =  in  der  Meerestiefe  verun- 
glückt (z.  d.  v.  f.  v.-k  um.  19;:)  —  Keller- Fieber, 
-GeMchoss,  -Krankheit;  (s.  Greteben  u.  Köche). 

kehrte rn  (kelzen,  külstern)  (*u  kiistcro.  s.  d.), 
1  -  mit  widrigem  Tone  aus  voller  Kehle  bellen, 
husten,  würgen  (C.r.8chm.2i9).  —  2.  =  keuchend 
und  tief  (aus  der  Kehle)  husten  mit  Auswurf 
(Gr.  w.  v,  704)  (vgl.  auch  kölstern,  kolstern). 

Keminat,  f.  (ahd.  chcnilnAta  ;  mhd.  kemenäte  - 
Camera  camlnatA,  heizbaren  Zimmer,  Wochenstube  mit 
Kamin  ;  ze  chemenaten  gan)  ^  hinterkommen  (».  d.) 
{Schmeller  I,  1137). 

Ken  (Kens,  Kins)  (»7".  in  den  banden  reeten, 
spleeten  of  kernen  —  plemen  [phlcgmcn]  ,  I).  239  — 
tumor  sanguinis;  1152  ken[ds?)  =  kynu  =  knuchel  an 
dengelaichen  —  condu* [Verdickung  1  cundylu«],  D.  Hl ; 
Zolling.  Voc.  qä;  Gr.  W.  V,  779  wird  es  als  „Gelenk- 
knochen" vermutet ;  es  dürfte  aber  als  tophus,  callui, 
Knebel ,  Knoten  zu  deuten  und  in  dieser  Bedeu- 
tung aul  die  Gelenkkuocben  übertrugen  »ein)  =  Ver- 
dickung (Condylus,  Nodus);  vergl.  Kauz  — 
Kücken,  Nackenerhohung  (Buck,  Fiurnam.  I3u). 

—  Kinsen.  Kinsten  (Quintsele)  =  Hautverdick- 
nngen  mit  Schrunden  (Krebs?)  (Scbmeller  1, 1266). 

—  Kenle  {osterreich)  =  knorpeliges  Fleisch  an 
der  Kalberbrust.  —  Kinseln  (166»  küentzkn. 
Beyn.  143)  =  Drüsenknollen  in  der  Weiberbrust. 

kenden  s.  kinden. 

Kengel (»chw ib.,  1577kcngel  -stirla,  I).  .53  =  Rotz- 
kengel  [s.  d.)  =  Rinn«,  Rohre,  Kanne).  1 .  —  Bein- 
rrthre  (Schweiz).  —  2.  ^  Bruströhre,  Brusthöhle. 

—  3.  -  Schleimrinne,  namentlich  an  der  Nase 
(c;r.  w  vi».  1329).  —  firtwr-Kengel  =  Brusthohle 
(Schwaben;  Gr.  W.  V,  530)  (s.  hangen).  —  (1609) 
Federn- Kengel  (Schindler  I.  1266)  -  Federn-Kinne 
oder  -Stengel  —  Calamus  scriptorius  im  Gehirn 
(Hyrti,  k.  W.  17).  —  (uu)  ß»/;- Kengel  =  Stiria, 
Cuneus,  Kotzrinne  au«  der  Nase  [Or.  W.  V,  530; 

Vlir.  1330;  D  162.  553;  1018;  Sellin.  I,  1206)  (s.  HoU- 

Keutel!.    -  (i5i7j  Schmuler- Kengel  Schleim- 


Kinne  durch  den  Schnöder,  Schnupfen  veran- 
lasst (Gr.  W.  V,  530). 

Kennnng,  f.  s.  Kundung. 

Kens  s.  Ken. 

kenzen  =  kratzen  (kinaen)  zu  Kens  -  Ver- 
dickung der  Haut  (Schmeller  I,  1206). 

Kerbe,  f.  (Kerb.m  Karbe,  Kann)  (mhd.  kerbe,  f. 

korp,  m.  =  die  F.inkerbung,  der  Einschnitt  am  Holze. 
Rinne ;  ndl.  dialekt.  kert,  I»e  Cock  250 kert  -  podex,  V. 
K.  III,  121 ;  engl,  carre  —  ausschneiden),  1.  ss  Körper- 
spalt,  Kinne.  —  2.  =  Vulva,  Anus  (Krinne,  s.  d.) 
(15.  Jahrh. ;  Gr.  W.V,  558;  ndl.  kert,  ket,  kit.  De  t'oek). 

—  3.  =  der  Klanenspalt  beim  Rindvieh  (Gr.  W. 
v,  US).  —  (im;.)  kerhicht  (kelbieht)  =  schrundig, 
auf  der  Haut  gespalten  (Colcr,  H.  A.  127.  HO).  — 
j4r8CÄ-Kerbe  (14.S2  arsskerbe ;  1 17u  arskarbe,  Zenlng. 
Voc. ;  pari»  culi  ante  foramen,  scissurn  ani,  8chmcller 
I,  14«;  D.  443.  585;  Gr.  W.  V.  558;  1C66  kerbe  zwischen 
den  Hinterbacken,  Heyne  III,  324)  =  Arschgraben, 
Gesftsspalte,  Podex.  —  Auskerbungen  (Auskerf- 
hungen) =  mit  Feinschnitten  in  die  Haut  ver- 
sehene Stelle.  —  (18.  Jahrh.)  Brust  Kerbe  =  die 
Rinne  auf  der  Mitte  des  Brustbeins  f<;r.  w.  v.  558). 

—  Hala&rhnen  YLerbe  (ahd.  halssinikerl .  friesisch. 
Gesetz;  Gr.  W.  V,  .v»7j  =  eine  Wundrinne  infolge 
von  Durehschneidungder  Hals-Sehnen.  —  Kerb- 
Schmerz,  -  Weh. 

Kerker,  tu.  ( =  ciefangni*).  —  Kerker  Fieber, 

—  Typhus. 

Kerl,  in.  teoth.  karla  —  der  Mann  in  voller  Mann- 
heit.  Kluge*.  193;  ahd.  charl.  I».  319;  karnl  =  amutor. 
maritus;  angln,  ceorlian  -  heiraten;  ceorl  =  Mann; 
mhd.  karl,  Schmeller  I,  1291)  =  Penis  (Gr.  W.  V. 
1319). 

Kem,  m.  (altgerm.  korua.  kerna ;  golh.  kairoo; 
angls.  cyrnel ;  engl,  kernel ;  nhd.  keruo;  mhd.  kern, 
Kluge*,  193  —  der  bessere,  lebensvollere,  testere,  mar- 
kige Teil  unter  einer  Schale ,  Äusseren  Hülse  ,  Fett- 
schicht« etc.),  1.  =  der  empfindliche  Teil  des 
Pferdehufes,  das  Huf- o.  Hornmark  (I592geren,m., 
Seb.  177;  1599  der  keren,  Gr.  W.  V,  SOS;  Seb.  194),  der 
Huf-Kern  als  Zeichen  des  „Lebens"  im  Hufe 
(<ir.  w  VI,  423)  (s,  Leben).  —  2.  =  der  Knochen- 
punkt, der  Knochenkern,  als  Keimpunkt  des 
Wachstums  für  den  Knochen.  —  3.  =  die 
„Bohne"  an  den  12  bleibenden  Rosszähnen  der 
Pferde  (<ir.  W.  V,  596  -  die  kernung  an  den  zilhncu),  an 
deren  schwarzgetüpfelter  Kernfinur  (Kunde  od. 
Kohle,  s.  d.)  man  das  Alter  der  Pferde  erkundet, 
da  sie  sich  nur  bis  auf  eine  gewisse  Zeit  des 
Lebens  erhalten  (Abu*.  3).  —  4.  =  eine  der 
Gaumenfurchen  (Staffeln, Stuhl)  imPferde-Maul, 
wo  der  „Kern"  gehrannt,  bezw.  mit  Hirschhorn- 
spitzen  gestochen  wird  (vergl.  Korn  u.  Kern  9) 
(eine  uralte  Behandlungsmethode  diu  den  Aderlaas  ver- 
tritt). —  6.  =  derbweiches,  knochenloses  Fleisch 
(Brustkern,  Wadenkern)  unter  äusseren  Fett- 
schichten hei  Mensch  und  Tier.  —  6.  =  die  ge- 
sunden ,  drüsigen  Teile,  besonders  geschlach- 
teter Tiere,  bei  denen  oft  der  Schnitt  in  den 
Kern,  ins  Mark  der  Brüse  fällt  (8.  Korn)  (Schweiz 
cherna.  cherneli  -  gesunde  Drusen,  Gr.  \\.  II,  115S; 
dazu  das  in  einem  altheidnlsrhcu  Segensprucho  fur 
Drüse  [Malsdrüse,  I'forlieu,  Mandeln]  auftretende  kyr 


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260  kerren-  keuchen. 


keuen  —  Keule 


iiill  [=  kerncl,  II.  Z.  XIII.  194],  der  in  nhd  utierselxl 
lautet  ,, Kernlein  [Druse?],  die  nicht  aufhört,  fahre  du 
Wicht  nun  In  einen  Pfahl  ['-];  es  zaubere  dich  Thor, 
der  Herrscher,  dich,  Kernlein,  da«  nicht  aufhört,  auf 
andere  Männer'"  Ob  diese  Ueut  u  ng  kyrnill  =  Drfiae 
die  richtige  Ist,  iit  noch  ungewiß ;  Kern  ist  sonst  nur 
die  gesunde  Drüse ,  diu  beim  Schlachten  als  „kern- 
gesund" gefunden  wird,  vergl.  engl-,  14.  Jahrh.  called 
kernels  =  geschwollene  Pestdrusen,  Hecker  sch.  T.  10). 

—  7.  -  die  weibliche  Brust  -  Mamma,  das  Herz  3 
(<;r.  w.  V,  59«;  Schweix),  als  gesunde  Drüse  oder 
als  Xueleus  pinguetudinis  (Bruatkern)  unter 
der  Fülle  äusserer  Fettschichten  ;  in  Nürnberg 
int  Kern^der  bultergebende  Milchrahm,  Milch- 
kern (Schindler;  Kluge*,  133;  engl,  kernmilk ;  desgl. 
mndl.  kerne;  Island,  kjarna)  —  8.  -  (1534)  Penis, 
Ülans  penis  als  Kern  hinter  der  Schale  (Prae- 
putium)  (Gr.  W.  V.  1606;  Pr.  I,  355).  —  9.  m  ver- 
dachtige (Kotz-)Druse  mit  Gaumenersehlaf- 
fnng,  wobei  dann  der  Kern  am  Gaumen  ge- 
brannt  oder  gestochen  zu  werden  pflegte  (Falke 
II,  111).  —  10.  =  der  Mittelpunkt  od.  festere  Teil 
von  Darmsteinen  (Falke  L  c.)  —  .luvt  Kern  = 
das  aus  den  3  durchsichtigen  Teilen  (Glaskörper, 
Linse  und  Augenwasser)  bestehende  Innere  des 
Auges  (Hanke  I.  572).  —  Brwt  K*Tn,  1.  ■  (1616) 
der  abgegrenzte  Teil  des  weiblichen  Brustfettes 

—  Mamma  (Gr.  w.  III,  1172).  —  2.  -das  knochen- 
lose, markige,  feste  Fleisch  (Kügerl)  unterm 
Fett  der  Kinder-  oder  Kalbsbrust  (Gr.  w.  v,  596). 

—  3.  —  das  Brustbein  (Sternum),  als  der  kernige, 
feste  Teil  unterm  Brustfeit.  —  Fleisch-Kern 
das  fesle  Muskelfleisch  (Heyne  III,  327!.  —  Kno- 
chen-Kem  -  Kern  J.  —  Krankheit»  Kern  -  der 
Mittelpunkt  des  Übels  (Or.  W.  V.  598).  —  Milch- 
Kern,  1.  -  Sahne,  Kahm,  als  dichterer  Milch- 
teil. —  2.  =  (ndd.)  gewisse  drüsige  Teile  des 
Srhweins-Futers  (Heyne  III.  813).  —  schwarzer 
Kern  =  Bohne  (s.  d.)  und  Kern  3.  —  Waden- 
Kern  =  das  knochenlose  derbe  Fleisch  unterm 
Fett  der  (weiblichen)  Wade.  —  Kern- Fi eisch, 
•gesund,  -Milch,  -Schumi,  -Schwinden,  -Staar. 

kerren  kirren. 

keschen  (kischen)  [tontnalsade  Bezeichnung  de«) 
Hetsch,  Hesch,  Klux  (Schluchzen),  Singultus 
(0r.  w.  IV,  L  1267). 

Keste,  f  ■  Kastanie. 

Ketsen  s.  Konrtsen. 

Kette,  f    -  Ketten-  Wurm. 

kettern  (ndl.)  -  kichern  (t>.  108). 

Ketterle,  n.  s.  Köder. 

kettig  (ketschig)  (zu  Kot,  s.  d.)  -  schleimig, 
breiartig  «eich,  von  Wunden  und  Schilden,  von 
innen  herauseiternd,  schwärend  (Gr.  w.  v.277; 
Sehmellerl.  1310;  MM.  Medikus  I"-!).  —  (1761)  Unter- 
Kötung,  unti  '  kuttig  —  unterschworen,  eiternd 
unter  der  Oberfläche  (unterküttig)  (L.  eh.  31). 

Ketzer,  tu.  -  Sodomtt  tltuek,  Fluni,  in?), 

keuchen  (keichen,  Keich,  Keuch,  m. 
Keiche.  Keuche,  m.,  f.  Keucher,  Kucher,  kei- 
schen,  keuchsen,  keuken)  (germ.  klk;  [nasalten 

zu:  klnk.  ».  Keuchhusten' ,  uhd.  chiclinu  haiicheii, 
horhnrstark  iitmeii,  btelicu  ;  nngli.  cohhcltnti     huste!  , 


inhd.  kieben  =  schwer  atmen,  stark  hauchen  ;  tnhd  , 
mndl.  küchen  [schnaufen],  kiebe ,  f.,  I/txer  123  — 
Asthma,  Keuchhusten.  Kluge*,  IM;  15  Jahrh.  kichung 
=  pteuresis.  f).  II,  295.  15U7  keiegen  umti  dy  brüst  = 
asthma,  D.  56;  1M5  keUchen  =  phthlslcare,  D.  585;  die 
landschaftlich  verschiedenen  Ausdrucke  für  das  hör- 
bare Atmen  gehen  [nach  Gr.  W.  V,  434  ff/,  alle  ron 
einer  Grundbedeutung  des  keuchenden  Klanges 
'  [Tonmalerei  aus  dem  uralten  .Stamme  kakh,  a.  o.] ; 
15.  Jahrb.  keichen  =  Üsicare  sicut  pueri  flentes  tisicaot. 
Keuchhusten,  Or.  W.  V.  435;  1477  kench  =  tussU  con- 
vulsiva. Ortolph;  16.  Jahrh.  der  Kelcher  -  asthmaticu« 
pulraonarius,  Gr.  \V.  V.  439,  15o7  kycheo,  Hort,  «an 
=  asthma,  dyspnoea;  1632 da*  Kelchen  =  asthma,  Gr.  W. 
V,  439;  1542  keichen  =  Keuchhusten  haben,  Gr.  W  V, 
434;  IM?  das  keichen  ss  schwerer  uthem,  Heyne  III, 
333,  anhelatio,  1591  kelchig  -  asthmatleus,  Had.  Jun. 
395,  dyspnoea;  1599  das  keuchen  =  Enge  der  Brust, 
Gr.  W.  V,  439;  1605  diu  Keichen  -  das  Keuchen.  Keuch- 
husten,  Gr.  W.  V,  434;  Schineller  I.  1219;  li.64  der 
Keichen  -  Engbrüstigkeit,  Gr.  W.  V.  439;  174»  Kelchen 
=  trocken  keuchen,  asthma,  Zw.  159;  1754  das  Kelchen 

—  Orthopnoe«,  A.  v.  H.  I,  1095,  asthina.  resplratio 
dlfllcills  [dyspnoea].  A.  v.  II.  I,  154;  1757  das  Keichen 

—  Engbrüstigkeit ,  linuml.  257,  Schweiz:  der  Kelch, 
("hieb  =  atmen,  Keuchhusten,  a*thnm.  dyHpuoea,  Gr.  W. 
V,  134.  137,  [Kucken],  sogen,  eimbrisehe  Gemeinde, 
Kaiche  -  asthma;  Gr.  W.  V.  Iii;  keuckin.le  Sucht 

—  Orthopnoe«,  Keuchhusten ,  Schineller  I,  1223).  — 
keuchen  ist  demnach  1.  =  laut,  stark  oder 
schwer,  angestrengt  attuen  (Dyspnoea).  —  2.  — 
den  Keuchhusten  haben  (Tussis  convulsiva). 

—  3.  -  mit  Engbrüstigkeit  husten.  — Keachung 
(Kiehung)  =  die  Handlung  des  Keuchens  bei 
Brustkrankheiten.  —  keuchig,  1.  -  kurzatmig. 

—  2.  sa  asthmaticus.  —  3.  =  mit  dem  Keuch- 
husten behaftet  (Gr.  Vi.  V.  439).  —  keuchsen  - 
keuchezen,  schwer  atmen  (Gr.  w.  V.  439).  —  an- 
keuchen ~  anhelare,  anhauchen,  anblasen.  — 
böser  Keuch  -  ansteckender  Keuchhusten  mit 
gefahrliehen  Erscheinungen  (Heyne  III,  333).  — 
gicfUerisches  Keuchen  =  Keuchhusten  mit  Gich- 
tern (  =  Krämpfe),  Asthma  convul?ivum, 
Krampfhusten  (Zw.  160).  —  H532)  Lungen-Keu- 
chen  -  Dyspnoe  (Gr.W.  V,  189),  die  schwere  An- 
strengung der  Lungenthatigkeit  —  (1597)  melan- 
cholisches Keuchen  —  Dyspnoe  aus  Plethora 
(Gr.  Vi.  v,  439),  eine  Atetnstorung  mit  I-eberer- 
seheinungen.  —  Keuch-  (keuchend re,er])  Atem, 
-Brust,  -Ilusten,  -Siechtag,  Sucht. 

keuen  s.  kauen. 

Keule,  t  Källle,  Kulen  (Nebenform  zu  Kugel 
[s.  <!.].  Kluge*,  194.  219;  mhd.  küle  [Kaul,  s.  d  );  kiulc 

—  Keule,  Stock,  Stange  mit  kugelförmigem  Kude  ;  1420, 
ndd.  kule  -  livor  [Beule] .  morbus  cambuoa,  D.  92  ; 
kewle  -  cancer  [Gcschwar,  Kolben  -  mentula],  (ir.  \V. 
V,  35ii.  619;  1577.  ndl.  cullekenscruyt  —  Hoden- oder 
Knubenkraut,  i>.  399).  1.  lünterschenkel,  Uinter- 
bugu.  das  Ellen  bogen  bein  von  Tieren  (Fferden), 
sowohl  die  Fleischteile  wie  Beine  unterm  (Hin- 
ter )  Backenknochen  (Gr.  W.  Ii,  494;  V,  649;  Hyrtl. 
K.  w.  37 ;  Heyne  III,  333);  letzteres  früher  als  Keule 
gehraucht.  —  2.  -  der  dicke  Schenkel  von  Men- 
schen (scherzhaft  derb),  Diech,  l'etnur  (Adelung). 

—  3.  -  Schanker-Geschwür  (Kolb,  s.  d.)  (Ur.  W. 


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keupeln— -Keut. 


k  «Mitsein— Kiehl. 


267 


v.  350.  849)  mit  kugeliger,  kolbiger  Anschwellung 
der  Glan«  penis  und  des  Praeputium  infolge 
de«  Geschwüre  ( =  Morbus  cambuca,  s.  Syphilis). 

—  4.  =  Kuli  =  übermässig  grosse,  kugelförmige, 
krankhaft«?  Anschwellung  der  Hoden  (Urquell 
Ii,  «3«)  und  des  Hodensackes,  Hernia,  Hydrocele. 

—  5.  =  (1507)  Kulen,  Kuleken  =  normale  Hoden 
als  eiförmige,  kuselige  Gebilde  (les  couillons) 
(Jtyrtl,  K.  W.  59;  Schm.  I,  123«;  die  Volksetymologie, 
die  aus  der  volksmedlzlnlscheu  Behandlung  (Durch- 
Ziehung  de*  Kranken  durch  Keilspaltenl  abgeleitet  Ist, 
».  Frtachb.  58    Keile ,  f.  =  Knie)    —  6.  =  8.  Raul 

(Keulchen).  —  akulig  -  kugelig  abgestumpft, 
z.  B.  Zähne  (Köhler  892).  —  ^^"}  Arsch. 

keupeln  -  käupeln. 

Keur.  —  Kera-Wunde. 

keusch  (künsch)  [intJogerra  g«,  gSw  (-fp'/iu]; 

altgcrm.  Wurzel  ku  -  zart  und  rein,  zur  helligen  Opfer- 
Handlung  zugelassen.  Gr.  W.  V,  654;  Kluge*.  IM; 
dazu  germ.  küml  —  schwächlich,  kümmerlich.  Kluge*, 
ISO;  ahd.  chüskl  st  enthaltsam;  mhd.  kinsche;  Ii,  bis 
15.  Jahrb.,  mnd.  kuslik  -  kenschlich,  J.  f.  nd.  Spr.-F. 
XV,  114  ;  ni7  künsch,  s.  hm.  1, 1303)  r^rein,  zart,  zier- 
lich,  fein,  schwächlich.  —  unkeusch  -  unrein 
(von  Wunden),  angesteckt,  namentlich  durch 
den  Beischlaf  (13.  Jahrh.  „Ist  da«  Weib  iinknsch  »o 
nym  Werniuth,  Sesseln,  Ciren.«ing  elc.  und  gib  ihr  den 
AbMid  zu  trinken  I  Abende  und  I  Morgen  so  wird  ihr 
dink  [genitale,  s.  Ding]  gut",  nach  Magist.  Harth.  91  b; 
11.  Jahrb.  vncheusch  =  unrein  von  Wunden,  Z.  f.  d.  A. 
1*88.  S.  Hl ;  1447  der  unkünsrh  coitus,  Sehmelier  [, 
1301;  onkeusch,  diu  unküsch.  1.  eod. ;  149'.  vnkeusch 
=  ganeo  [«.  Bufflan).  O.  2S7).  —  /  r keusch,  f.  (ahd. 
nnküski  =  Schmutz,  in  üblem  Zustande  Befindliches, 
Kluge  *.  194).  1.  =  Coitus  (Schmeller  I,  1303).  —  2.  (vn- 
kusch  =  luxuria;  IS.  Jahrh.  —  luxus ,  H.  642;  unge- 
hewsch  =  luxuria,  Schm.  I,  13041  —  Syphilis  (siehe 
Luxus).  —  (1477)  Feuchte  der  (7nkeusch  (Ortolr.h) 
=  Semen,  Sperma,  Gonorrhoea.  —  (1551)  ledige 
i  .'ikeuschheit  (lt.  Jahrh.  lidige  unkusckelt,  Schm. 
I,  1439)  —  der  außereheliche  Beischlaf.  —  Uöer- 
fluss  der  /'»ikeuschheit  (Rock,  Krtrbeb.)  =  Gonor- 
rhoea, Spermatorrhoea,  als  starker  Ausßuss 
des  Genitalsekretes.  —  keusch  geboren.  —  un- 
keusche  Blatter  *,  Glieder,  Gelüste. 

Keut,  n.  (Keutel,  m.,  n.)  Keut  (vergl.  Keist) 
(1507.  ndd.  dat  kuyt  -  pulpa  carnis,  I).  472;  1502  dat 
kuyt  van  den  been  -  »ura,  D.  II,  3.56),  1.  =  Kin- 
greweide,  DarmnetzniitFettklflmpehen,  Wa«lon- 
fleisch.  —  2.  =  männlicher  Samen,  Sperma 
(  m  Keist  1)  (Bchmeller  I,  1226)  (s.  Keut  austreiben). 

—  Keutel  (1422  kewtil  =  palcar,  Gr.  W.  V,  655;  D.  400), 
1.  =  sackähnlich  herabhängende  Wamme  oder 
Unterkinn  (Köder,  Goder)  und  Darm  (heim 
Schwein).  —  2  -  eine  kleine,  harte,  geschwol- 
lene Halsdrfl.se,  die  (wie  ein  Keutel  1;  herab- 
hängt (Gr  W.  V,  65«,  Sachsen,  Thüringen).  —  Xasen- 
Keutfrin,  I.™  Nasenschleim.  —  2.  -  das  Grüblein 
an  der  von  der  Nase  herabhängenden  <  Iberlippe 
ohne  und  mit  dem  Nasenschleime  (Gr.  w.  vn, 
412).  —  J;  '.-  Keutel  (Keil)  (Gr.  W.  VIII,  1330)  = 
«las  aus  der  Nase  herabhängende  Kotzstltck 
(Kotzschlägel)  («Höh»  „Kell"  ist  jedenfalls  ans  Keidel, 
Keutel  ciilslan.lcn). 


keutzeln  &  kitzeln. 

keuweln,  keweln  (itenllv-BUdnag  u  kauen, 
«.  <l.). 

Kichel,  dl  s.  Kochel, 
kicheu  s.  keuchen. 

kicken  (kickezen  gigezen]),  1.  =  nur  den 

unbedeutenden  Naturlautkikkik  hervorbringen 
=  stammeln,  stottern  (H.  A.  Ith.  310;  Gr.  W.  V, 
661.  662),  balhutire,  ahstossend  husten,  lachen 
wie  ein  Kobold.  —  2.  =  s.  kecken.  —  kikazen 
(ahd.  kichazzen  —  lachen.  Kluge*.  194)  —  kikezen 
(gigezen)  (oberd.  Weiterbildung  zu  kiken),  1.  =  öfters 
u.  nicht  laut  husten.  —  kichern  (nhd.,  onomato- 
poletisch  =  udl.  kettern  ;  angls.  ceathettan,  Kluge  *. 
194;  D.  IM)  =  öfters  kiken  oder  keuchend  husten. 

Riefe,  Kiefel,  m.,  f.  Kiffel,  Kiefer,  m.  (Kufel), 

Kiff,  n.  (zu  «hlwan  =  kauen;  vorgerm.  geph,  gebh, 
germ.  kef  [kaf],  keb  [kab];  goth.  klfru,  Kluge  191 ;  ahd. 
ehina.  (irafTIV.  931;  1477  kew,  Ortolph  =  Kiefer;  119S 
kuflel  =  Kinnbacken.  Gr.  W.  V,  777;  mhd.  klnwe,  kiu- 
wel.  kewe,  klvcr,  klvcl,  kiveie  =  Kiefer,  Kinnbacken, 
maxilla;  I  V  Jahrb.  kieffel  =  palatum .  D.  406;  1528 
kyfel  -  Zah n fleisch  ,  Klnnbaeken  .  II.  v.  Gersd.  86; 
1.90  kiefel,  Gr.  W.  I,  536;  1594  der  kifel  =  Kiefer,  (ir.  W. 
V.  665;  1612  kiefel  —  Kinnbacken,  Cr.  W.,  V  665;  1616 
kyfe,  küftel,  kufel.  kifel,  llyrtl,  K.  W. ;  Coler,  II.  A. 
138  =  ober-  und  fnterkiefer;  1684  knie  =  maxilla,  Gr. 
W.  V,  661 ,  1684  kirbel  -  maxilla,  Gr.  W.  V.  789  [Neben- 
form  zu  Klefer];  1716  kiefel  -  Zahnfleisch,  glngiva; 
Österreich  Kebbcl  =  Kiefel).  —  Kiefel  (ist  eine  K«.rt- 
bUdoat  von  Kiefe  und  oberdeutsch  im  Volke  vor- 
herrschend, Gr.  W.  V,  C65).  —  KÜWekhen  (Nassau  ; 
Gr.  W.  V,'G65)  m  Kinnbacken  (Kieferchen).  — 
Kieftmg  (ahd.  kiwunga,  Graß  IV,  535)  -  IctUS 
dentium ,  Kauung.  —  kiefeln  =  benagen  mit 
den  (zahnlosen)  Kiefern,  leer  kauen.  — 
Kiefe,  Kiefel,  Kiefer  (nach  Gr  w.  v,  665),  1.  = 
Kinnbacken,  Kinnlade,  Maxilla,  Mala,  als  kau- 
ende Werkzeuge  (Ober-  und  L'nterkiefer)  ((ir.  W. 
v,  669).  —  2.  =  Backenwange  als  fleischliche  Be- 
kleidung des  Kinnbackens  oder  der  Kinnlade. 

—  S.  —  Kinn  —  Mentum,  Tauta,  Gauta  (DuCange 
IV,  is).  —  4.  =  Zahnfleisch  (ohne Zähne,  Gingiva, 
Zahnkiefer).  —  erkiefen  =  (1512  erkyfft  -  rosus, 
p.  500)  —  abkauen,  mit  den  Kiefern  abnagen.  — 
Hinter- Kiefer  —  Unterkiefer  beim  Tiere  (Falke 
i.  397).  —  06cr-Kiefel  (-Kiefer)  (Zw.  ns)  =  Ma- 
xilla superior.  —  (1592)  Äoss-Küfel  ■  l'ferde- 
kiefer  (Ganaschen)  (Seb.  206).  —  tVn/er-Kiefer 

—  „die  untere,  bewegliche  Hälfte  des  Gesichtes, 
gewissermassen  die  in  der  Mittellinie  verwach- 
senen Arme  «los  Kopfes"  (llyrtl,  Anat.  724).  — 
Za/in-Kiefel  (Zw.  713)  =  Ginciva  (s.  Kielel-Zahn). 

—  zusammengefallene  Kiefel  =  dünne  Wange, 
Backen ,  unter  denen  man  «lie  Knochen  sieht 
(Gr.  w.  v,  (kvi.  -  Kiefer-  (-Kiefel-).4tt««a^,  -Ge- 
schwür, Klemme, -Podagra,  -Stellung,  -  Wurm, 
-Zahne. 

Kiehl,  Kiel.  m.  f.  ?,  1.  (U7H  kiel  =  Quell  [Kropf 
brnnoen ?|,  Matberios,  ^arepta  68 b).  — -  2.  =  Kiehl 
ist  im  Dialekte  auch  =  Kehle  (s.  d.)  (ahd.  chlel 

branchla,  cruiT  IV,  r,87).  —  3.  =  lluminkopf, 
T.dpel  (  KielkropP'  Kretin  (Sehn.  I,  IÄ16).  — 
Kiel- Kopf,  Kropf,  Sucht. 


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Kien—  Kind. 


Kintl. 


Kien  s.  Kinn. 

Kienz  (Kienzl,  (Kienzlen)  s.  Rine. 

Kiesel,  m.  (Kiesel  =  kleine«  Kiesutück.)  —  Kiesel 
Lunge. 

Kiff  (Kiffel)  s.  Riefe. 

KÜbe,  KÜber  f  (ahd.  chllpara;  mhd.  kilberc, 
Fromm,  vi.  3M)  =  ein  weibliches  Schaf,  das  noch 
keine  Jungen  hatte. 

kilkezen  (gilgezen)  -  gilgezen. 

killen  i.  kellen.  —  killende  Gicht*. 

Kilpe,  f.  =  Nase  (s.  Kolben)  (Schlesien;  Urquell 

II.  168). 

kilstern  (geistern),  Küster,  m.,  1.  =  hüsteln. 
—  2.  ^  Schleim  auswerfen  (vergl.  galstern,  gei- 
stern). —  Der  Küster  =  schleimiger  Auswurf 
(Gr.  W.  V,  :w)  (dazu  kelzen,  geistern). 

Kind,  n.  (Kindl,  Kinnl)  (indogerm.  gen  [genus. 
"i'J^t,.  s.  Knie);  germ.  kun,  kcu,  kan  =  gebaren,  or" 
zeugen  [s.  Kuuue]  ;  golh.  kinthu  [  =:  das  Erzeugte], 
Kluge*,  ISN?;  ahd.  chlnd,  chinth  In  wamlm  kifestinot 
[-  graviditas.  Kinderhände]  Puerperium.  Graff  I.  8.V.; 
8.  Jahrh.  chlnd  -  infantes,  Kero  79;  mhd.  klut;  engl, 
kln  —  Verwandte;  klnebin  -  Kindchen;  Kind  —  Ge- 
schlecht, KoltBchm.  I,  357)  —  menschlicher  Sprosse, 
1.  —  da«  von  den  Eltern  erzeugte  Junge  (Puer), 
das  bei  der  (Jeburt  „ansteht"  (s.d.),  Leibes- 
frucht (1716  Kind  im  Mutterleib  =  embryo;  gcborcues 
Kind  -  foelus,  unzeitig  K.  =  abortu«,  K.  a.  Reg.;  171.» 
allweileu  der  I.elb  ein«  Kinde«  also  klein  unter  dem 
nmtterlirhcn  Hertzen  lieget,  da  ihme  die  Scol  wird  ein- 
gegossen .  dnss  solchen  l.elb  ein  Ymhlcin  mit  seinen 
Klügeln  überdecken  kunnte.  Toll.  leg.  SHVt).  —  2  =  dem 
Kinde  Ähnliches:  a)  im  Bilde  (s.  Kindlein  u. 
Augenkindl);  b)  im  Aberglauben  kindlich  kleine 
Dämonen,  Kngel.  —  3. -Kinn  (s.d.).  —  (UM) 
Kindig,  n.  —  das  Kollektiv  von  Kind  (Sehmellcr 

12611  ~  (17S2J  SSdisch|=einemKin,leg,eich' 
wie  ein  alter  Mensch  ,  der  aberwitzig  wird  und 
thnricht  spricht.  (Kraus,  E.  ,V.>;  M.  II.  L.  I.  679).  — 
kindbar  kindertragend,  schwanger  (Schindler 
I,  860) ;  in  der  Kindersprache  heisst  das  Kind 
„Titti"  (s.  d.).  -  kinden  (kindein,  kindern) 

(kenden,  kinnen*!  (ahd.  ehind.,n  ;  mhd.  kinden  = 
infanture,  keimen,  Schnieder  I,  1303) ,  1.  =  Kinder 
irebaren  (t;.  v.  Schm  318;  Schindler  I,  1268;  Gr.  W. 
V,  731.  782.  744).  —  2.  =  eines  Kindes  genesen 
(Gr.  W.  V.  782).  —  3.  =  im  Kindbette  liegen,  Puer- 
perium (Kftrnthcn;  Gr.  W.  V,  7  !1).  —  (1309)  auf- 
boren zu  kinden  -  Klimax,  (Urminne,  s.  d.), 
nicht  mehr  empfanden  (Ur.  W.  V,  732).  —  (loisj 
mit  dem  oder  zum  Kinde  kreisten  oder  gehen 
(s.  gehen)  =  gebaren  und  schwanger  sein  (Schra. 
1,  i2ci).  —  (iMKi)  zum  Kinde  mißlingen  -  abor- 
tire  (Inch.-Mlr.j ,  durch  Ab<irtus  die  rechtzeitige 
Rutbindung  eines  Kitides  verfehlen.  —  am 
Kinde  sterben  —  an  der  Kntbindung  sterben 
(ür.  W.  V,  709)  —  vom  Kinde  kommen,  1.- ent- 
bunden wei  den.  —  2.  -  meist  abortire.  — eines 
grossen)  Kindes  sein  (1602,  8ob.  tos)  =  (hoch-) 
schwanger  sein.  —  eines  Kindes  genesen:  siehe 
genesen.  —  mit  einem  Kinde  niederkommen 
zu  liegen  kommen,  sich  niederlegen  müssen 


wegen  der  Geburt  eines  Kindes  (Gr.  w.  v,  708). 

—  (1561)  Kinder  verderben  =  Abortus  (Bock  ioö). 

—  ein  Kind  verlieren  =  eine  so  leichte  Geburt 
haben,  dam  das  Kind  ge wisse rmassen  entfallt 
(Gr.  w.  v.  709).  —  kindeinen,  kindeinzen,  kind- 
einzeln (Obpf. ;  Schm.  1. 1263)  =  kindisch  sprechen. 

—  Kindl,  n.  (Kindlein),  1.  -  (Überzetzung  des 
lat.  pupilla,  i'llniu«),  da«  verkleinerte  Reflex-  oder 
Spiegelbild  soincr  selbst,  das  man  als  Augen- 
mannlein  (s.  d.)  auf  der  Hornhaut  Ober  dem 
Augenstern  des  anderen  sieht,  das  verkleinerte 
Bild, das  Püpplein  (Pupilla), daskleineMadchen- 
bild  als  Puppe.  —  2.  =  übertragen  auf  den  Raum 
im  Auge,  in  dem  dieses  Bild  l  sichtbar  ist,  das 
Sehloch,  Sehe,  Fenster,  Augenstern  (1M1  kindlin 
=  pupilla,  Hyrtl,  K.  VV.  93;  1569  kendlelu,  Gr.  W.  V, 
768;  1V>1  kindlin  =  pupilla,  Gr.  W.  V,  768;  1612  kindletn 
=  der  Sternen,  pupilla,  Gr.  W.  V,  768;  1675  zwei  kindlln 

—  pupillae.  Gr.  W.  V,  76s).  Durch  die  ganze  Welt,  darf 
man  sagen,  stehen  sich  In  Bezug  auf  die  Behandlung 
der  geborcueu  menschlichen  Leibesfrucht  zwei  nur 
durch  die  Rohheit  früherer  Kulturpcrloden  erklärbare 
Gegensätze  gegenüber.  Von  der  Ängstlichsten  Kürsorge 
für  das  Gedeihen  derselben  und  für  deren  Schutz  vor 
den  kinderraubenden  <s.  d.)  Dämonen  einerseits  Ms 
zum  Klndes-opfer  und  Kindermord  anderseiu.  Da** 
bei  den  Germanen  das  Kindesopfer  Volkssltte  war, 
lasst  sieb  (unter  Hinweis  auf  Grimm,  I).  M.  I,  40;  Jahn 
18,  Ann»,  u  61)  aus  den  deutschen  Volks-Sagen  er- 
hchliesscn.  Wie  sollen  wirden  tirolcrischen  Blutschinken 
(s.  d.),  deu  klnderraubeuden  DAmou  andere  deuten 
denn  als  einen  Dämon  ,  der  ein  blutige«  Kinderopfer 
will  '  Warum  schneidet  die  kinderentfuhrende  Stamj>a- 
Percht«  den  Kindern  den  Kauch  auf?  Warum  wirft 
man  bd  Keuersuot  die  In  deu  Gohnachten  gclmckencu 
Kinder  Teigllgureu  in  die  Klamme ?  Das  volle  Kindes- 
opfer  ist  es,  was  dahinter  verschleiert  Ist,  wie  l>eim 
Kinderblute  ,  das  als  Heilmittel  in  der  Alteren  Volks- 
Medizin  galt.  Nach  Upper!  (Kultur-Gesch.  II,  84]  ist 
das  Kindesopfer  bei  den  Nordgermanen  sogar  geschicht- 
lich bezeugt.  So  lesen  wir  auch  noch  Im  spaten  Mittel- 
alter (Schme.ller-Krouiann  II,  ltt'.7)  ,,So  man  ein  kind 
oder  ain  gewandt  opfert  zu  aim  pilbispawn  und  daselbs 
lugel  machen ,  uud  das  pllbls  Ist  nit  anders  den  der 
tewfel";  dies  lehrt  uns,  dass  das  Kindesopfer  vielleicht 
das  letzte  blutige  Opfer  war,  das  unsere  Ahnen  voll- 
zogen, denen  dos  kindliche  Leben  unter  Umstanden 
weniger  Wert  hatte  als  das  Leben  der  Erwachsenen , 
denn  erst  die  l'apltularlcn  Karl  dei  Grossen  und  die 
Gesetze  der  Westgotheu  setzten  deu  Kindermord  dem 
Menschen-Mord  gleich  ;  diu  Kindesopfer  war  aber  auch 
vielleic  ht  das  erste,  das  durch  Stellvertretung  (Tier, 
Kleid.  Nfirbgeburt,  GehHck  etc.)  unter  Umstanden  er- 
setzt »erden  konnte,  auch  aus  diesem  Rudimente 
können  wir  auf  ein  volles  Opfer  zurücksehliessen.  Der 
diese  Stellvertretung  besorgende  Kultpriester  erschien 
dann  ebenso  als  zaut>erkundiger  Heilkünstler ;  mit  dem 
Christentum  kam  der  Gi  dauke  an  das  ursprüngliche 
volle  Opfer  ullintihllch  ganz  in  Verfall,  das  Rudiment 
aber  blieb  ein  Heilmittel  gegen  Dämonen  wie  Jenes. 
In  der  Volkssage  erhielt  sieh  noch  die  verhlasste 
Krinnening  an  das  Kindes-Opter  In  schleierhaft  um- 
wobencr  Korui;  so  erklärt  sich  denn,  das«  das  ge- 
opferte Kind  wie  die  opferkuh  zum  Lurod  (Lalstner). 
zum  L'lbWcb.c.11  Wesen  wird;  daher  auch  die  Umwand- 
lung der  nicht  getauften  (heidnischen)  Kiuder  in  Ko- 


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Kind. 


Kind. 


263 


holde,  Bilwize  und  Heimchen,  die  einen  Zuwuchs  bil- 
deten mm  Gefolge  Wodan "s  oder  «um  Kinderzuge  der 
Slanipa-Perehla,  die  Ihre  auserlesenen  Opfer  in  den 
Göb-  oder  Kindcniachtcn  oder  an  anderen  bestimmten 
unglücklichen  (weil  heidnischen)  Kult-Tagen,  Alpzeiten 
(».  Llppert ,  Christentum  592)  kennzeichnete  und  die 
„kinderrauhend"  (*.  d.)  sich  diese  holte  als  Rache  für 
das  vertagte  volle  Opfer;  so  werden  uns  die  Sonntags-, 
Freitags-  u.  Montags-,  Bilwiz-,  Quateml>cr-,  Frohnfastcn- 
nnd  Glückskinder  ebenso  verständlich,  wie  der  Aber- 
glaube, dasa  pulverisierte  Klndcrbelne  ein  Medikament 
für  Geschwülste  oder  Geschwüre  am  linken  Bein  (s.  d. 
=  Schwangerschaft),  d.  h.  für  Frnchtbarkeit  sein  sollen 
{1790;  I*g.  f.  d.  gem.  Mann),  dass  die  Kindesbeine  (s.  d.) 
schon  im  Abd.  bezeugt  sind,  in  welcher  Zeit  Kein  noch 
im  Gegensätze  stand  tu  Fleisch  oder  Brat,  und  du»» 
die  Kinder  als  besonder*  wichtige  Welssngungs-Organe 
galten  (Köhler,  V.-B.  SM).  —  ahgestorltrnes  (abgestan- 
denen Kind  =  Totgeburt  (1515  klndt  das  In  muttet- 
lyb  krank  ist  -  (hy]stcrieu* ,  D.  551 ;  Bcyn.  158).  _ 
^//rr-Kind,  1.  =  Nachkind  (Posthumus).  — 

2.  =  falsches,  uneheliches  Kind  (Gr.  w,  V,  710).  — 

rjSEö- 1  Kind  (s.  Alp  X  S.  12),  1.  -  jedes  durch 

den  Einfluss  des  Alpe«  od.  der  Elben  abnorme 
Kind  (Embryon  nnd  Fötus),  namentlich  a)  der 
vom  Alpdämon  untergeschobene  Wechselbalg 
(s.  d.)  (Golth.  79;  Lalstnerll,  336)  (Alpkalb);  b)  das 
unzeitige  (ungetaufte)  Kind  (Abortusmole,  Kitt- 
tenalp,  wilder  Alf).  —  2.  =  (13.  Jahrh.  albesklnd 
in  withelin,  Sluber.  d.  Akad.  1867,  S.  7)  das  elbische 
Wichtlein  seihst,  in  dessen  Wesen  l.a.  h.  ver- 
wandelt sind.  —  (18*7)  angewachsenes  Kind,  1  •  — 
ein  Kind,  das  schwer  od.  nicht  geboren  werden 
kann  (Georg.  445),  weil  man  es  mit  gewachsenen 
Bftndern  an  den  Mutterleib  befestigt  (s.  d.  und 
Entbindung)  glaubte  (Bcjro.  171).  —  2.  =  jede 
beliebige  rätselhafte  innere  Krankheit  der 
schwangeren  oder  gebarenden  Frau ,  die  die 
Entbindung  erschwert  und  die  das  Volk  dem 
Anwachsen  (1)  des  Kindes  zuschreibt  (Dr.  Br- 
schff.  26).  —  8.  =  s  anwachsen.  --  (1569)  Augen- 
Kindlein  =  das  Kindlein  (s.  o.)  (Or.  w.  v,  76S; 
A.  t.  H.  u ,  878).  —  ausgeschnittenes  Kind  (mhd. 
üzgesniten  kint,  Laistnerll,  273;  1482  ausgesnlten  klnde; 
15ir>  geschnitten  klnt  von  der  mutier  —  ceso  [caesaries], 
D.  116;  II,  87)  a  durch  den  Kaiserschnitt  aus  dem 
Mutterleibe  entferntes  Kind  (s.  Kaisergeburt  u. 
ungeboren).  —  Bank-Kind  -  Bankert,  das  auf 
der  Bank  erzeugte  uneheliche  Kind  (Kegelkind), 
Bastard  (Wustm.  207;  orW.  i,i  112).  —  Beruf 'Kinder 
b.  berufen.  —  Beschrei-  (low)  beschrienes  Kind  — 
Paedatruphia  (s.  beschreien  und  berufen),  ab- 
zehrendes (verzaubertos  Kind)  (Kinder- Fttieh) 
(v.  M.  II,  Anh.  27;  s.  d.  Verbissen.  Volks-Med.  S.  29  u. 
207).  —  Bilmes-  (Bilwiz-,  Wiletz-,  U  i7<Vr-)Kind, 
1.  =  ein  Kind,  dessen  Haare  durch  Bilwi/.- 
Äotten  (s.  d.)  verwirrt  sind  infolge  der  vermeint- 
lichen Thätigkeit  des  koboldiscben  Bilwiz  (s.  d.) 
(Schmeller  II,  890).  —  2.  =  der  Teufel  [Delling  I,  W), 
als  Nachfolger  des  Bilwiz  im  Volksglauben.  — 

3.  -  das  am  ßilwizbaume  (s.  o.)  geopferte  Kind, 
welches  am  Altmann,  Alterle  od.  Baum*  leidet, 
d.  h.  durch  den  Bilwiz  hilwizähnlich,  alt,  greisen- 
haft aussehend  wurde  (s.  irquell  is'J7,  s.  33).  — 
Ä/afrmi-Kind-ein  Kind,  das  die  Blattern  hat. 


—  Loses  Kind,  1.  =  Abortus,  Frühgeburt,  Miss- 
geburt, Totgeburt  (s.  hose  Wochen)  (Gr.  W.  V. 
709).  —  2.  —  (ndl.  poezcligeklndcren,  De  Cock  58.  69) 
an  Veitstanz  leidende  Kinder  (bfisc  ist  oft  = 
durch  Zauberei  veranlasst).  —  ßorw-Kindl  =  neu- 
geborenes Kind  (Reinsb.  543;  Volgtl ;  bornkinnel, 
Köhler,  V.Gl.  2S7)  —  Deqen-Kxnd  (ahd.  degan- 
chlnd,  H.  Z.  XVI,  65;  1260  degenchint,  Pfeiffer  2S; 
altgerm.  Degen  -  Held,  Krieger,  Kluge  51.  52;  14.  bis 
15.  Jahrb.,  mnd.  deghenkint,  J  f.  nd.  Sp.-F.  XV,  12-S; 
1483;  C  v.  Megbg. ;  s  Helm)  =  mas  infans,  Knabe. 

—  (1483)  Dirnen  -  Kind  —  Madchenkind  (C.  v. 
Megbg.;  eigentlich  das  Kind  des  Knechtes  oder  Cn- 
freien,  daher  selber  unfrei  nnd  Dienerin.  Kluge6.  M 
^Dlrnl  (Bayern]).  —  Elben-Kind  -  Alpkind  (s.d.). 

—  jFVM-Kinder  -  die  in  gewissen  Familien  durch 
Vererbung  od.  Anlage  besonders  häufigen,  fett- 
leibigen Kinder.  —  (1687)  flüssiges  Kind  =  ein 
Kind,  das  am  Fluss  4  (Ekzema,  Impetigo)  leidet 
(Georg.  Sil).  —  Freitag -Kinder  =  die  an  einem 
hl.  Freitage  geborenen  Kinder  ;  (sind  sie  an  einem 
Sonntage  getauft,  so  gelten  sie  einem  sog.  Sonntags- 
kinde [s.  d.J  gleich;  nach  dem  Volksglauben  hal>en  sie 
im  Leben  viel  zu  leiden,  Wuttke  57 ;  Rochholz  IT,  54). 

—  Frohnfasten-Kind  —  ein  am  Sonntage  Prohn - 
fasten  (Februar-Qnaterobcr,  Schwarmezelt  der  Elben 
und  Umzug  der  Frau  Perchta  [s.  d.]  oder  Stampa  (*.  d.)l 
geborenes  Kind  ;  (ein  solches  Kind,  das  gleichsam 
von  diesen  elbischen  Dämonen  abstammt  oder  Ihnen 
gehört,  kann  nach  dem  Volksglauben  alles  voraus 
sagen,  wird  al«er,  well  besonders  gescheit,  nicht  alt. 
z.  d.  D.  ö.  a  -v.  18S1 ,  1S9J  (s.  Sonntags-  und 
Witzboldkiml).  —  (i:.yi)  frVwc/if-Kind  =  ein 
lebensfähiges,  ausgetragenes  Kind  als  volle 
Frucht  der  Eltern  im  Gegensatze  zur  Frucht- 
mole (s.  Kalb  u.  Mondkind)  (Bad.  Jun.  14).  — 
-FruA-Kind,  1.  =  ein  sogen.  Frühling  (s.  d.).  — 
2.  =  ein  Kind,  das  im  ehelichen  Frühling,  im 
ersten  Jahre  der  Ehe ,  zur  Welt  kommt  (tir.  w. 
IV,  i.  297).  —  /\Jttfr-Kind  =  ein  nicht  oder  nicht 
mehr  mit  der  Mutterbrust  genährtes,  sondern 
mit  Brei  gefüttertes  Kind  (Kraus,  E.  no).  —  ge- 
wendetes Kind  -  ein  durch  Selbstwendung  oder 
durch  gcburtshillliche  Entbindung  (Wendung 
aus  der  Schieflage  im  Mutterleibe)  geborenes 
Kind,  (was  die  Volksmedizin  auch  durch  Abbeten  er- 
reichen will,  Fossel  29).  —  Glücks-Kind,  1.  =ein 
mit  der  sog.  Glückshaube  (s.d.)  geborenes  Kind. 

—  2.  =  ein  mit  2  Wirbeln  (s.  d.)  auf  dem  Kopf- 
haare geborenes,  dadurch  ausgezeichnetes  Kind 
(Wuttke  203.  357).  —  Gürtel -Kinder  s.  Mantel- 
kinder. —  gute  Kinder  (13. — 14.  Jahrb.  Kinder  guode 
=  neustes,  D.  422;  Lipp.  Christ.  441)  -  «Ute  Holden, 
Wichllein.  —  (isoi)  hämorrhoidalische  Kinder 
ein  mit  angeborenen  Afterblutknoten  (s.  Hämor- 
rhoiden) infolge  von  Loberleiden  behaftetes 
Kind  (Vogel  v,  109).  —  AViDNZcn-Kind  -  das  mit 
der  Glückshaube  (s.  d.)  geborene  Glückskind 
(Pommern;  l'r.piell  Vi,  205).  —  Kindbett  Kindlein 
=  ein  Neugeborenes  einer  Kindbelterin ,  das 
selbst  krank  ist  (Bituml.  550).  —  A'om-Kind  -ein 
Seuchen  (Kornstaupe?  Kankkorn?)  bringender, 
kleiner  Korndftmon,  Mittagsalp,  Kornengel,  der 
namentlich  Mittags  gespenstig  erschreckt  (Golth, 
15«;  Rochholz  I,  67).  —  lediges  Kind  =  ein  im 
ledigen  Stande  erzeugtes  Kind  (Bayern).  —  Mantel- 


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Kind. 


Kind. 


Kinder  -  Kinder,  welche  von  den  Brautleuten 
vor  der  Trauung  erzeugt  und  bei  der  letzteren 
von  der  Mutter  „bemäntelt",  «1.  h.  legitim  ge- 
macht wurden,  indem  sie  ihren  Mantel  (Gürtel) 
über  das  Kind  ausbreitete.  —  Maren-Kind  = 
ein  durch  den  Einfluss  der  Mar  auf  die  Mutter 
erzeugtes  Mondkalb  (s.  d.).  —  Milch-Kind  = 
Säugling  im  Gegeusatze  zum  Fütterkinde  (Gr.  \v. 
Vi,  219:1).  —  Monat-  (Mond-, Mohn  ,  Mon  ,  Manen  ?•) 
Kind,  1.  (Zclt*ehr.  f.  d.  I'hilol.  XXVI,  65;  engl,  aooter 
ktn  =  Monkalb,  Manen-  [Maren?!  Kind.  Kaltschm.  I, 
605;  bei  Luther  eine  unrechte,  vertragene  Geburt  [Km- 
bryon])  die  von  selbst  dahinstirbt  uml  verdirbt)  m 
Schwangerschafts-Mole,  Missgeburt,  Mondkalb, 
Plaeentar- Reste,  Blut-Coagula  (»r.  W.  VI,  2486. 
2508;  Colcr.  W.  347 ;  Plenk,  Zergl.  52.  83),  Cystovarium; 
(1754  „wenn  Int  gellen  Weibsbildern  ohne  Beischlaf 
«ich  uuter  dem  Just  di  r  übertrieben  wohllimlgen  Em- 
pfindungen ein  Kl  vom  Eierstocke  losgerissen  hat  und 
ohne  weitere  Befruchtung  weiter  wachst,  oder  wenn 
nach  einer  wirklichen  Geburt  etwas  von  der  Nachgeburt 
zurückgeblieben  ist,  oder  wenn  sich  geronnenes  Blut 
in  der  Gebarmutter  angesammelt  hat",  A.  v.  n.  II,  1033) 
(s.  Mond-  und  Mondkalb).  —  2.  =das  geborene 
1  Monat  alte  Kind  (Gr.  W.  VI,  24*«).  —  Montag- 
Kind.  —  ein  an  einem  Montage  (Schlechtes  be- 
deutender Tag)  geborene«  Kind,  das  nach  den) 
Volksglauben,  wie  das  Freitagskind,  eines 
schnellen  Todes  sterben  soll  (Wuttkc  57.  59),  — 
Morgengabs- Kinder  —  die  mit  in  die  Ehe  ge- 
brachten, sog.  ledigen  Kinder,  welche  der  Gatte 
der  Braut  wie  eine  (altgerm.)  Morgengabe,  Mit- 
gift bei  der  Verheiratung  übergibt.  —  A>ti- 
sonntag-Kind  =  an  einem  Sonntag  im  Neumonde 
geborenes  Kind  (Kärathen).  —  (1766)  niedergeseg- 
netea  Kind  =  ein  durch  Segengebete  u.  Zeichen 
vor  unheilbringenden  unmilden  Geistern  ge- 
sichertes Kind,  an  dem  die  Klnengewalt  durch 
den  Segen  nach  dem  Volksglauben  nieder- 
gehalten ist  (Laistner  II,  71;  Bauern-Kegeln  US).  — 
jVicA-erta-Kind  =  die  vom  elbischen  Nickert  (s.d.) 
nach  dem  Volksglauben  eingelegten  Wectisel- 
bälge  (s.  d.  u.  Kielkropf),  Alpkind  (Abcrgl.  60). 
—  Quatetnber  -  Kinder  —  Frohnfastenkinder 
(Wuttke  351).  —  ram  ,  mn-Kind  -  ein  Kind,  das 
nicht  mehr  sangt  ,  sauber  und  entwöhnt  ist 
(Schindler  II,  103).  —  Schenk-Kvad  -  ein  Kind, 
das  die  Mutter  selbst  schenkt  (a.  d.),  Brustkind 
(Heiser  321).  —  SY/tftvms-Kind  =  das  nach  der 
Ammensatfe  vom  Storche  o.  Schwane  gebrachte 
Neugeborene  (Rügen;  Leipzig;  Froncl!  1S94,  251; 
1S35.4).  -  (ivs3)«c/»i/vrrit« Kindlein  -  du-  schwarze 
Pupille  ly>t.  w.  V.  7iW).  —  Siebenmonat-Kind  - 
ein  im  7.  Schvvangerschafts-Monate  neborenes 
Kind.  (Schon  Hippokrates  [Aphor.  IV,  1)  wu«stc,  da*s 
dieser  Monat  besonders  häufig  zu  Frühgeburten  günstig 

l»t).  —  Siebente»  Kind  =  das  7.  Kind  einer  glei- 
chen Reihe  von  Madchen  oder  Knaben  einer 

Mutter:  (die  Zuuhcrzahl  7  [s.  d.]  wirkt  hier  nach  (lern 
Volksglauben  so  ein,  dass  das  betr.  Kind  zum  Alp, 
Wehrwolf,  Mar,  nur  Walridcnike  wird;  es  kann  Alp- 
zauber  losen,  und  darum  traute  man  Bolchen  Kindern 
wie  dem  Millinger  [».  d.J  oder  den  Hcllhandcn  [siehe 
Kouigsubcl)  besondere  Heilkraft  zu,  Laistner  1,  273;  II. 
so.  354).  —  (1779)  SonMfa^Ä-Kinder  -  die  an  einem 
Sonn-  oder  Festtage  geborenen  Kinder,  welche  J 


nach  dem  Volksglauben  (Tirol,  Pfalz,  .Schweden)  be- 
sonders gekennzeichnet  sind  durch  einen  Kreuzkopf 
(  —  rhachltlsche  Schftdelfontanclle)  und  als  fnihreif,  be- 
sonders klug,  ja  sogar  als  geistersehend  gelten  und 
welchen  gegenüber  auch  die  Schrattlein  machtlos  sind 
(s.  Frohnfasten-  u.  Witzboldkind,  Köhler,  V.-Br.  358; 
Gollh.  647;  V.  K.  IX,  14;  Hippel  III,  585;  Zlngerle  75, 
Birlinger,  8.  1, 129).  —  .V<  m-Kind  Lithopaedion, 
Mumie,  eine  im  Mutterleibe  extra  uterum  ab- 
gestorbene, durch  Kalksalzablagerung  hart  ge- 
wordene lxjibesfrucht  bei  der  Extrauterin- 
Schwangcrschaft  (Kraus,  E.  671).  —  7Vu/eZ*-Kind 

—  Alp-  od.  Markind  (s.  Kielkropf).  —  totes  Kind 
=  Totgeburt,  Abortus  (14. — 15.  Jahrb.,  mnd.  dot 
klnt.  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  142;  16.  Jahrh.  ein  totte« 
klnd  in  dem  bauch,  D.  II,  3).  —  (1728)  eines  toten 
Kindes  genesen  =  Totgeburt  (Zw.  261).  —  tot- 
geborenes Kind  (16.  Jahrh.  ein  tot  geboren  klnt  = 
abortivus,  D.  4)  —  totes  Kind.  —  totschwaches 
Kind  =  Kind,  das  mit  Zeichen  der  Asphyxie 
auf  die  Welt  gekommen  ist  (Bauml.  552).  —  (1515) 
ungeborenes  Kind  =  unteitig  geborenes  Kind, 
Embryon  (D.  199).  —  ungefreite  Kinder  =  die 
ungetaufteu ,  nicht  auf  dem  Freithofe  be- 
grabenen Kinder;  sie  geborten  nach  dem  Volks- 
glauben (II.  A.  Hb.  176)  zum  Kinderzuge  der  Frau 
Sttlde,  Solde  (s.  Alp,  Wlchtleln.  Sehraitcl,  PerchU). 

—  ungerechtes  Kind,  1  =  Abortus,  die  nicht 
rechtzeitig,  nicht  natürlich  ausgetragene  Lei- 
besfrucht (Steiermark;  Fosael  65).  —  2.  —  das 
durch  übernatürliche  Künste  verzauberte,  ver- 
schriene Kind  (s.  beschreien).  —  unschuldige 
Kinder  =  als  solche  bezeichnet  das  Volk  die 
ungetauften,  ungefreiten  Kinder,  die  durch  den 
Einfluss  der  elbischen  Dämonen  in  Bilwize, 
Wichtlein,  Heimchen  (s.d.)  verwandelt  wurden. 
In  schweizerischen  Thälern  sehen  die  Eltern  in 
ihren  Wechselbälgen  (s.  d.)  od.  Kretinen-  (s.  d.) 
Kindern  sogar  Sehutzgeister  des  Hauses  (Z.  f.  d. 
Phil.  III,  336).  —  (1591)  unvolltragenes  Kind  =  Puer 
abortivua  (Had.  Jun.  15),  das  nicht  vollzeitig  aus- 
getragen« Kind  (Leibesfruclit).  —  unteitig  ge- 
borenes Kind  (13  Jahrb.,  udd.  ein  onzidlgkint  geboren 
=  abortus,  I).  4  ;  14.  Jahrh.  unzitig  geboren  kint  -  abor- 
tivu»,  Voc.  opt.  W.  14;  unzitec  kind.  Laistner  II,  273; 
1482  unzeitig  geporen  klnd  —  abnrtivus,  Zen.  Voc.  kk  6) 
=  Abortus,  Fötus,  Embryon,  Flühgeburt,  als 
Krötenalp  die  Gestalt  eines  Aipwesens  (Elben, 
Wichtlein)  (Laistner  II,  273).  —  (1715)  Pcmtw-Kind 
=  ein  dem  Venusdteuste  sich  hingebender 
Mensch  (Toll.  leg.  867).  —  Vermeint-  (  Vemeid-) 
Kinder  =  Kinder,  die  dem  Teufel  od.  der  Hexe 
aus  Neid  (s.  d.)  oder  bösem  Blicke  (s.  d.)  (Wuttke 
152),  verzaubert  (s.  d.),  vermeint  (s.  d.),  verrufen 
(s.  d.),  zugedacht  sind  (—  Paedatrophia,  Kinder- 
Ettich  und  rhachitische  Kinder)  (s,  d.  Verf.  Volks- 
Med.,  8.  207).  —  verrufenes  Kind  =  vermeintes 
Kind  (s.  d.)  (Frischt».  8;  ein  solches  hat  sauren 
Schweis*  auf  der  Stirn  und  schreit  viel ,  weil  es 
durch  Hexen  verzaubert,  berufen  Ist)  (s.  Huf).  — 
rersprungenes  Kindl  (Kinnel)  -  Keratitis  phlyc- 
taenulosa, wobei  sich  auf  der  Hornhaut  desAuges 
ein  Gcechwürchen  ausgebildet  hat,  so  dass  der 
Pupillen-Teil,  das  Sehloch  der  Hornhaut  (Kindl, 
s.  o.  2)  ollen,  aufgesprungen  ist  (Pauli  40).  —  (1799) 
verworfenes  Kind  [18.  Jahrb.   eyn  vonvorpen  kiut 


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King— Kinn 


Kinnel-kirbcln.  271 


jp  abortivu.1,  1).  II,  :{)  —  Abortusmole,  als  Frucht, 
die  ausgestossen  wurde.  —  Tor-Kind  =  ein 
Kind  aus  früherer  Ehe  (Schin.  1,  1-J62).  —  wach{t)- 
getauftes  Kind  =  ein  durch  die  Nottaufe  buh 
seiner  Asphyxie  erwecktes  scheintotes  Kind 
(Vernal.  46)  (Wegtaufe  in  Ungarn).  —  Wasser- 
UV,  hsel-  Kind  (mhd.  wehselkint,  I.cxer  372),  1.  = 
Wechselbalg,  Wechaelkind,  Kielkropf,  Wasser- 
butt  (Gr.  W.  V,  6*0;  Kiezler  336);  man  verglich  sie 
mit  dem  Wasserkalbe  ( =  Wasserbalg  aus  Kalbs- 
haut) und  glaubte,  Bie  seien  durch  Dämonen 
ausgewechselt  worden  (s.  Kalb  u.  S.  25) ;  „es  gibt 
in  Schwaben  nicht  leicht  einen  Zwerg,  Krüppel 
oder  Kretin,  der  nicht  als  Wechselkind  an- 
gesehen wird"  (Meyer  274  ;  ,.ron  der  unnatnrllchcn 
gu>*»y  de*  haupt*  der  kind,  darum  m»n  sie  wechsel- 
klnd  hallt",  Schindler  II,  MO  =  cambio,  Weehsling 
[».  d.])  bs  das  fötalrhachitische  oder  kretinose 
Kind,  (Jauch  (a.  d.).  —  2.  =  ein  Kind  mit  einem 
Wasserkopfe  (s.  d.)  (Schmeller  I,  1353).  —  Wülez- 
Kind  s.  Bilwizkind.  -  (v*i)  Wit:bol rf-Kinder 
-solche,  die  früh  witzig.altklug  (Kluge*,  4io)sind, 
aber  nicht  leicht  „geraten";  der  lebhafte  Blick 
der  rhachitischen  Kinder  läsat  nach  dem  Volks- 
glauben diese  besonders  gescheit  sein;  sie' 
werden  aber  nach  demselben  auch  nicht  alt  (da 
sie  anderen  Krankheiten  häufiger  erliegen), 
ebenso  wie  die  von  der  Stampa  gekennzeich- 
neten  Sonntags-Kinder.  —  (1645)  W'ocAcn-Kind 
=  ein  Kind  (Säugling),  dessen  Mntter  in  den 
Wochen  liegt  (Coler,  H.  A.  132.  362 ;  1748 ;  K.  m.  ch.  SS). 

—  Zeit-Kin&  =  ein  bis  zur  rechten  Zeit  nach 
7  X  40  Tagen  ausgetragenes  Zehnmonat-Kind. 

—  (mhd.)  ZwilichKind-  Zwilling  (s  d.)  (Kluge*, 
424;  Lexer4l2).  —  Kind-,  kindlicher, -Ab- 
sterben, -Ader,  -Alter,  -Arbeit,  Balg,  -Balsam, 
-Bande,  -Bei*», -Beschreien,-Bett, -Betterin,  -Bett- 
/Uber,  -Bettßuss,  -Bett/riesel, -Blattern,  -Bräune, 
-Brand,  -brechen,  -Brüche*,  -Bürdlein,  -Büch- 
lein, -Cholera,  -Ettich,  -Fell,  -Feuer,  -Fieber, 
-Flecken,  Friesel,  -Fuss,  -Gebärerin,  -Getön, 
-Gewächs,  -gewinnen,  -Gichter,  -Qrint,  -grots, 
-Habung,  -Häutlein,  Husten,  Insätz,  -Karnüffel, 
-Kolik,  -Kopf,  -Koortsen,  -Krankheit,  -LäJtmung, 
-Lage,  -Leute,  -Lid,  -Mangel,  -Masern,  -Melker, 
-Nett,  -Nöten,  -Ohren,  -Pech,  -Pest,  -Plager, 

Pocken,  -Porten,  -Qual,  -Räuber,  -Bührunif, 
-Schleim,  -Schmalz,  -Schmerz,  Schwämmchm, 
■schwanger,  -Schwarten,  -Schwere,  -Spiel,  -Stätte, 
-Sterben,  -Teil,  -Tod,  -Tracht,  -Verschnürung, 
-verthuen,  -  Watter,  -  Wechsler,  -  Wehen,  -winster, 

—  Wurm,  -Zahn,  -Zeichen,  -Zelle. 

King-,  Kink-  s.  keuchen. 

Kinn,  n ,  m.  (Kien,  Kanne,  Cnins,  Kinge, 

Kind,  Kinne,  f.)  (indogerm  gen  |  =  zerschneiden  ]. 
Dum",  196  [gena  =  Wange];  *an«kr.  Moni  =>  maxilla. 
<ir.  W.  V,  774;  goth.  kinnu*  =>  Wange,  Backe;  ahd. 
kinnl,  chinni  =  maxilla,  mala,  menuim.  Graff  IV,  450; 
angls.  «Vnln,  D.  510;  engl,  chln;  7.  —  s.  Jahrh.  chinni 
~  mentiim,  (.'«**.  Gl««..  I>iez  '.Kl;  11.  J«hrh.  chinne 

—  tneutum,  H.  7..  XIV,  298;  XV.  364.  528;  kln,  kyn, 
chind,  kin.  Hyrtl,  K.  \V.  92  =  tnlerklcfcr.  1462  kind 
sa  Kinn.  I>.  357,  1IS2  kynne  -  mentiini,  Zcuiug.  Voc..|4; 
15.  Jahrli.  knnne  =  mentum,  <Jr.  W.  V,  776;  mhd. 
kinnt-  [Mi  zum  16.  Jahrh.|;  16.  Jahrh.  kyn  =  Maul, 


Mund,  <.r.  W.  V,  777  min.  I;  [Schweiz.;  kind,  kün  ;  [Tirol] 
Kluge,  Hinttur  0.  15),  1.  —  Kinnlade  als  die  zer- 
schneidende oder  kauende,  zermalmende  (kaen) 
oder  als  die  den  Mund  öffnende  (gähnende). 

—  2.  =  das  bebartete  Kinn,  weil  früher  jeder 
Mannbare  einen  Bart  trug.  —  3.  =  (vom  16.  Jahrh.) 
Maul,  Mund.  —  4  --  Wange;  (die  ursprüngliche 
goth.,  nord.  und  ahd.  Bedeutung  des  Kinns  war  die 
ganze  riesichtsllache  unterhalt)  der  Augen,  namentlich 
die  Wangen  [s.  Kinnzahn]).  —  Apfd-KiOXL  =  (Über- 
setzung des  Os  malae  [mall],  Gr.  W.  I,  53t  535)  =  ein 
besonders  rund  gebildetes  Kinn.  —  JSorJts-Kinn 
=  ein  Kinn,  bei  dem  das  Mittelstück  desselben 
(Corpus  maxillae)  etwas  mehr  wie  beim  Bocke 
zugespitzt  ist;  (nach  I-avaterein  Zeichen  de«  Hange« 
zum  Gell,  Hyrtl,  Anat.  274).  —  Doppel{f)-KiBH  - 
das  Kinn  und  das  darunter  hängende  Felt- 
oder  Unterkinn  (s.  d.).  —  wn  rkinnet  =  ein 
gespitztes  Kän  habend  wie  der  Bock  (Schmeller 
I,  1256).  —  riiizig  Kinn  ^  rotzbedecktes  Kinn. 

—  spitziges  Kinn  =  Bockskinn  —  dl.  Jahrh.) 
/  n  >'  r  Kinn  (ahd.  uuter  chinni,  underkynue  =  sul>- 
mentum,  Graft  IV.  451;  D.  560;  1».  Jahrh.  under  kynn, 
1).  644)  =  der  Fettwulst  (Kinnsack)  unter  ilem 
Kinne(Fettkinn);  (Tirol)  Unterkinge(Hintner7. 15) 

—  Wackcl-  (zittericht-)Khin  -  ein  bei  Auf- 
regungen oder  nach  Lähmungen  wackelndes, 
zitterndes  Kinn  (Gr.  W.  V,  776).  —  Kinn  -  --1 
-Packen,  -Backenbein,  -Darf,  -Bein,  -Borke,  Ge- 
brochel,  -Geschwür,  Gräte,  -Grint,  Grüblein, 
-Haar,  -Hohle,  -Krätze,  -Krebs,  -Lade,  -Bxid, 
■Räude,  -Raffel,  -Reff,  -Reif,  -Saek,  -Zahn. 

Kinnel  (Kinnl)  -  Kind. 

Kins  (Kinsen,  Kinsten)  s.  Ken. 

Kinz(e)  (Kienz,  Kienzl,  Kienzlen)  (kineinzein, 

der  kleine  kienze.  [16  Jahrh  ]  =  Doppelkinn,  Gr.  W.  V, 
774  779;  15*3  kinx  [Kücnrel]  —  die  Gegend  des  Kinn 
harte«,  Gr.  W.  V,  370.  779;  17.  Jahrh.  »chlaffcunlz  = 
der  bartahnliche  Auswuchs  an  Rosen,  den  man  als 
Schlafmittel  unter  da«  Bettkissen  legte.  Fr.  Kr.  B.  114; 
1668  Küenulen  [zu  Ken.  s.  d.])  =  kleiner  Knebel, 
Knebelhart,  Fettansatz  unterm  Kinn  (Wackern., 
Abhdlg.  III,  165). 

kippen  |  =  schlagen,  auMossen.  umschlagen  [siebt 
kappen!.  Kluge*.  196;  H.  Paul  246  stellt  kippen  zu 
Kippe  ~  Ecke,  Spitze;  kippen  —  im  Begriffe  sein  um- 
zustürzen). —  t4m-  kippen  —  verwerfen  (s.  d., 
Abortus  .  —  Kipper  =  Köper  (s.  d.  4) 
trockener  Katarrh  mit  stossend  -  keuchender 
Atmung  (Pauli  y).  —  kipp-baMcAen. 

kirbeln  (Kirber,  Kirbel,  körbein)  (die  Kon 

hildung  von  einem  Stamme  klr  [*.  kirren]  oder  kar, 
Gr.  W.  V.  790).  —  kirben,  I.  ■  das  Köcheln, 
Morcheln  des  Sterbenden  Oedema  pulmonum) 
(Schw.  ;:i0).  —  2  =  jedes  schwerfällige  Atmen 
mit  kirrenden,  knarrenden  UaKselgeräuxehen, 
namentlich  beim  l'lithisiker  (Schnuller  I,  1286) 
(keUtfero).  —  3.  si<-h  erbrechen  (k<">rl>elli) 
(Schweiz;  Schw.  361;  tir.  VV.  V,  Ihd;.).  Kirber,  "i 
(Kirbel),  1  —  das  schwerfällige,  rasselnile  AUiumi 
des  l'hlhisikers.  —  2.  -  (KWi!  Maxilla  (eine  N\  i».n 
form  zu  Klefe  {«.  d.J.  Gr.  W.  V,  788).  —  Uri4jrf-Kirber 
=  Lungen-PhihiHis,  bei  der  die  Kranken  kirben 
(2,  8.  o.)  (Schmeller  I,  12*6  ein  prustklroer). 


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272  Kirehhof-kitzeln 


kitzig  Kladde. 


Kirchhof,  tu.  —Kirchhof Bldmlcin',  Hunten 
St.  Kiriss  s.  Quirin. 
Kirn,  n.  —  Gehörn. 

kirren  (kirschen,  kirnen,  kyrren,  kerren). 

—  kirren  (kirnen)  (ah<l.  chim-n .  cherran;  rnhd. 
klnien,  kerren  ;  kirren,  Schmeller  I,  128»)  —  das  ton- 
malende Krepitations- Geräusch  (Thoren-  oder 
Scheibenknarren)  beim  Atmen  oder  Husten,  Ver- 
schlucken (N'eulcderk  narren ) ;  Knochenreiben  od. 
das  Zähneknirschen  (Zw.  29.  165;  Sebw.  3io;  (ir.  w. 
V,  841.  842)  heim  Hydrocephalus  acut.  inf.  z.  B. ; 
(vergl.  knirren,  knirschen).  —  (UM)  kirschen 
(Schweiz  noch;  verstärkende  Nebenform)  -  knirschen 
(Gr.  W.  V,  847).  —  (1618)  sich  erkirnen  (tusslm  irrilaro 
clbo  Tel  potu  guttnrl  itnuiisso,  Schmeller  I,  1294)  ~ 
iler  kirrende  Hustenton  beim  Verschlucken 
(=  »«-kirnen)  (wninger  i,  491).  —  (i5T6)  Zähne- 
Kirren  =  das  knirschende  Geräusch  der  sich 
reibenden  Zahne,  z.  Ii.  beim  akuten  Hydro- 
cephalus (Or.  W.  V,  8-12). 

Kirsper,  m.  =  ein  lieiserer  Husten  (Schwaben ; 

C.  v.  Schm.  313;  Gr.  W.  V,  790;  Weilerbildimg  von 
kirnen  unter  Anlehnung  an  Kruspel). 

kischen  s.  kescheu. 
Kissen,  n.  s.  Küssen, 
kistern  s.  keistern. 

kitt-  —  kitt  bauchen.  —  kittig  s.  Kdteu.  Kot. 
kittern  -  (1590)  kettern,  kichern  (D.  87). 
Kitz,  n.  —  Kitz-Bar/,  -Backen,  -Niere. 

kitzeln,  Kitzler  (kützeln),  Ktitzel,  n.  Kitze- 
lung. —  kitzeln  (germ.  klt,  kut;  on<imati>p.-germ. 
Ncuschopfutig,  ,,cl!c  elementaren  Laute  zum  Malen  des 
erregten  Reizes  benutzt",  Heyne  III,  350  [hier  wohl 
den  Kicherton  beim  Kitzeln  nachahmend],  Grundform 
kulll.-.n  ;  ahd.  kizzih.n,  kuzzllon,  Kluge  »,198;  11.  Jahrb. 
chuzilnn  =  prurire,  II.  Z.  XVI,  48;  kltllAn  -  prurire, 
It.  '/..  XV,  528;  mbd.  kitzeln,  kutzeln;  1482  kuUelu  - 
titillare,  Gr.  W.  V,  877;  1476  küczellen  ;  15.— 17.  Jahrb. 
kutzeln.  kltzlen.  kützlen,  kutzeleu  -  titillare  ;  [Tlniriu- 
gen,  Sachsen,  Schweiz!  kutzeln  und  kutzüYh,  Gr.  W.  V, 
876.  884 ;  engl,  kittle,  tickloj  -  juckenden  Nervenreit 
hervorrufen.  -  kitzlig  (kitzlich)  fmhd.  kitzellich ; 
11x2  kutzlleh.  (ir.  \V.  V,  884;  1.'..  Jahrh.  kitzelich)  = 
Kitzel  empfindend  (Gr.  W,  V.  886;  kutzelig  —  titfl- 
lieus,  qui  incitat  vel  ineitntur  ad  coltum,  Gr.  W.  V, 
87".).  —  Kitzeln m;  (ahd.  cbizllunga;  LS,  Jahrh. 
kitzelunge;  1518  knlzelnrig)  -r  Tltlllalio,  1.  =  das 
Kitzeln  (aktiv  und  passiv).  —2  =  die  Kitzel- 
stelle.  —  Kitzel,  in.  (1498  kutzel,  m. -die  kitze 
liehe  Stelle  unter  der  Achsel,  Gr.  W.  V,  §71;  15.TJ 
kutzel,  Ii.  =  das  gleiche,  (ir.  W.  II..;  erst  nbd.  (  =  ll- 
lUIUi,  k.  Prurigo]  aus  dem  Verl.um  kitzeln  gebildet, 
Klutre;  ls.  Jahrb.  Kitzler  -  clltorls ,  Cr.  W.  V,  881; 
tentigo,  <pine  apparet  in  Vulva,  Uli  Gange  VIII,  64; 
demnach)  Kitzel,  ut.,  1.  =  das  Gefüllt  lies  (»e- 
kitzeltwerdens,  die  durch  den  kitzelnden  Ner- 
venreiz befriedigte  Empfindung,  Gemeingefnhl. 

—  2.  =  die  Handlung  des  Kitzeins.  —  3.  das 
Ding,  womit  man  kitzelt.  —  4.  =  die  Fähigkeit, 
den  Heiz  zu  empfinden.  —  5.  -  die  Kitzelstelle 
am  Korper  ((ir.  W.  V,  *7l)  des  Menschen  und 
Pferde».  —  »J.  —  das  durch  blosse  Vorstellung 
des  Kitzels (1)  hervorgerufene  Verlangen  (II.  l'aul 


246).  —  7. -s.  Kuttel,  Kotzen  (Kützeu).  —  Arsdm 
Kitzel,  1.  =  Pruritus  in  ano,  der  äusserliche 
Juckreiz  am  After  (Kr.  Kr.  ».  113;  1482  am«  kutzel 
=  coniutn,  die  solchen  veranlassende  Hagebutte,  D.  152). 

—  2.  =  Tenesmus  ani,  der  Krampf  im  After 
(Zw.  163)  mit  dem  Keize  der  Entleerung.  — 

l "  !<  '.'-Kitzel  ~  Pruritus  oculorum ,  wenn  die 
Haut  der  Augengegend  zum  Jucken  reizt  (Gr.  \v. 
V,  871).  —  j7/«i«cA-Kitzel  =  die  Wohllust- Em - 
ptindung,  die  Geschlechtslust,  die  von  Alters- 
zeit her  zum  Kitzel  in  Zusammenhang  stand 
(Gr.  W.  V,  872.877).  —  (1594)  Gaurn-  ■!  Kitzel  (gumeu- 
kltzel,  (ir.  W.  V,  871)  =  was  den  Gaumen  reizt  und 
der  Reiz  selbst.  —  Hals  Kitzel  —  der  kitzelnde 
Reiz  (aktiv  und  passiv)  im  Halse  (Gr.  w.  V,  871). 

—  Herzgruben  Kitzelung  ^  die  Kitzelstelle  da- 
selbst (Ackcrm.  224).  —  Jungfern-Kitzel  =  CB- 
toris,  s.  Nymphe  (Sorani)  (Gr.  W.  IV,  2.  2385).  — 
(1596)  iVrtscM-Kitzel  =  der  Kitzelreiz  in  der  Nase 
(Gr.  W.  VII,  412).  —  O/trcn-Kitzel  =  einseitiger 
Juckreiz  in  der  Haut  deB Ohrganges.  —  Rachen- 
Kitzel,  1.  =  das  kitzelnde  Gefühl  im  Rachen 
und  Schlund  (Gaumenkitzel).  —  2.  =  der  Gegen- 
stand ,  der  dies  hervorruft  (Gr.  w.  VIII ,  16).  — 
Kitzel- Husten,  -  Trutlein. 

kizig  =  kitzig,  kützig,  kötzig,  s.  kotzen. 

Kla,  f.  s.  Klaue. 

Klabater.  —  Kla.b&tet- Männchen. 

Klaber,  f.  (Klaper,  Klopper)  (ii36)  =  Klaue 
(s.  d.,  Einger  und  Hände  des  Menschen)  (Gr.  W. 

V,  888.  9.3,  Schm.  I,  1320.  1336). 

Klachel,  m.  Klächel,  1.  =  das  wie  ein  Glocken- 
schwengel (Klockel)  hin  und  her  baumelnde 
Scrotum  u.  Membrum  virile  (bei  Tieren)  (Gr.  w. 
•  V,  889;  schm.  I,  1323).  —  2.  =  ein  grosser  Mensch 
j   (Kronitn.  VI,  173;  Wolf  159).  —  <liiv  >  - klachel n  = 
j  plump,  schwerfällig  gehen.  —  U  idder  Klacheln 
=  Hoden  beim  Widder  (Sehm.  I,  1323).  —  Hotz- 

llochel]  Kot*kenSel»  Rotzglocken,  herab- 
I  hängender  Nasen-Schleim  «ir.  W.  V,  888;  Fromm. 

VI,  295). 

Klack,  1.  =  8.  Klag.  —  2.  (mhd.  klac;  1529 
kl.ick  -  flssura,  I).  237)  =  Spalt,  Riss.  —  Klack- 
liruch. 

kläubeln  s.  Klaue. 

Kladde,  f.  (Klater),  Klodden,  Klatte(n),  f. 

Klette,  f.  (1»3.  Jahrh  ,  ndl.  klmlde  a  linsaiilicrkcil  ; 

|  18.  Jahrh.,  udd.  kladde  —  Klitler-  oder  Schmutzburh, 
siiilcll.iicb.  Schmeller  f,  1341;  nndl.  Klodden,  De  Gock 
220;  II.  l'aul  217)  a  Menstruatio,  monatliche  Reini- 
gung.  —  Klattung  (MM  klatting,  D.  II,  98)  =  kle- 
bende Unreinigkeit,  z.  It.  an  den  Augenlidern 
Coalitus  palpebrae.   —  klätticht  (kletticht) 

1  (15.  .lnbrb.  klctecht,  klettich  —  hipputu«,  pilosus,  1).  318) 
mit  filier  die  Haare  verklebenden  llureinig- 
keit  behaftet.  —  Klatter,  f.,  1.  =  Cacatio  soni- 
lans  rsehmeller  I,  1311)  \  .•runri-tni^iing  durch 
Diarrhoe.  —  2  ~-  Marklatte  (s  d .),  Woichselzopf 
als  llaarunreinigkeit.  —  A7/"Klatte  (ndd.,  Sebw. 
410;  Pchelble  IX,  409)  =  die  durch  den  Alp  IX  od. 
Mar  nach  dem  Volksglauben  veranlasste,  die 
Haare  zum  Weichselzopf  verfilzende  ünreinig- 


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Klaff- Klappe. 


Klar-Klaue. 


278 


keit  Im  Hurboden.  —  Ma>  -Klatte  es  Klfklatte 

(flrhw.  410  ;  Irouell). 

Klaff,  in.  klaffen -ein  klapperndes  Geräusch 
machen.  —  Klaffer,  m.  (IHM .  D.  II,  147)  =  elingnis, 
ein  undeutlich  Sprechender.  —  Arsrh -Klaff 
(amciaff.  Hurk.  Fl.  X.  Ii)  =  Flatus  tonans  ex  ano. 

—  Zahn-  Klaffen  JBehwaben;  *;r.  W.  V.  847)  = 
Zähneknirschen,  Zahneklappern  (I4«i2  zanklaffcr. 
I»  II,  351). 

Klafter,  f.,  n.,  in.  (ahd  kläflra;  mh<l.  khitler, 
Kluge6.  195;  D.  160)  -  Cubitus,  die  klaffend  aus- 
gespannte Arm  breite. 

Klag  (Klack);  Klag-  (Klick  )  Feuer,  -Mutter. 

Klamm,  m.  Klemme,  f.  Klamme,  f.  Klamp, 

klammern,  klummern  'ahd.  chlamma ,  hiehlemmeii 
mit  den  Klauen  packen,  eug  uni«chlie««cu  ;  mb<l 
klamme,  klnm,  klemmen,  klemme,  klembe,  Kluge *,  198) 

—  Einengung,  Beklemmung,  Zwang,  Krampf, 
Klaue.  —  Klamp  (mhd.  klambe.  Gr.  W  V,  y.M.  937 ; 
klamme,  Gr.  W.  V,  1138;  engl,  clamp ;  eine  Nebenform) 

—  der  Krampf  an  Kunden  und  Füssen,  Waden- 
krampf (Gr.W.  V,  911 ,  Obcrlausitz,  Schlesien,  Sachsen). 

—  es  klammen  die  Hände  m  erstarren  (Gr.  W. 
v,  938)  —  es  klammert  (klnmtnert)  in  den 
Händen  =  starr  an  den  Fingern  sein  durch 
Kälte,  frostkrampfig  (Gr.  w.  V,  336  und  KM).  — 

—  Klamm,  1.  =  Krampf  in  ilen  Kxtremitäten, 
/.  B.  Fr«flt-,  Schreibkrampf  (Franken  ;  Gr.  w.  V, 
BM]  und  in  den  Kiefermuskeln,  in  der  Nahe  des 
Ohres.  —  2.  -  Lnftrührenkrampf  =  Brftune 
(Croup)  (Schwr.  312;  16Ö6  klamm  -  cyuanehe,  (ir.  W. 
V,  931)  (Brualklemme).  —  3.  =  eine  Schweine- 
krnnkheit  durch  das  Rankkorn  (s.  d.)  (Gr.  W. 
V,  935)  im  Gaumen  mit  Gaumenklemme  und 
Schlundkrampf.  —  4.  =  der  bei  Krampfzu- 
standen auftretende  klebrige  Schweiss  (<ir.  w. 
V.  93Cj  —  klamm  sein;  (vergl.  Klemme).  —  der 
(die)  OArcrt-Klamm>,  er)  (1545  ohrklamm  ;  1588 
obrklamb;  16  Jnhrh,  ohrklamm,  I).  414;  17.  Jahrb. 
ohrklammer.  Kr.  Kr.  U.  163;  -  Parotitis,  Olalgia  mit 
Kieferklemmung  durch  Schmer«  n.  Schwellung, 

1.  -  das  klemmend  schmerzende  Ohren-Ge- 
schwär  (=  Ohrmfitzel,  s.  d.)  {Or.  W.  VII,  12«4).  — 

2.  =  Ohren-Zwang  (=--  Schmerz,  r..  B.  bei  ( Hir- 
A  Bscessen),  überhaupt  jeder  Ohrenschmerz, 
nach  dem  Volksglauben  (der  Pfalz)  meist  durch 
einen  „Fluss"  (Rheuma)  verursacht  (Pauli  lio). 

—  3.  —  Drusen  hinter  den  Ohren  (Parotitis, 
nieist  infektiös)  (Gr.  W.  V.  935.  937;  VII.  1256.  1264). 

—  Klammer)-  klamm/,  er.es  :  Hein,-  Finger, 
-Fun*,  Hände. 

Klaper  -  Klaber. 

Klappe,  f-  (klappern)  ''mhd.  =  eine  onnmnlo 
j.oiciivhc  Wortbildung  für  den  öffnenden  oder  sehlies- 
g*nden  Rchlagton  au«  Hohlen  beim  Hersten  od.  Klaffen , 
i  B.  der  „fairen  [  =  Felshrthle]  klappt,  wie  dl« 
..ralv'ula  [Herzhöhle;  klappt,  Sehmelier  I,  1337;  engl, 
to  rlapper!  =  was  mit  lautschallendem  Tone  sich 
ötlnet,  schliesst,  bewegt;  bewegliche  Schluss- 
vorrichtung.  —  Klapper,  Klapperl,  m.  tv>  Jahrb. 

clepor,  clappercl  =  fusutn,  leproii,  I).  II,  187)  —  die 
mit  der  Siechenklapper  (»lechenklaff,  r>  II,  97)  ein- 
hergehenden Leprosen  0.  Aussätzigen.  —  Darm 
Klapp«  s  eine  im  Inneren  des  Darme«  ange- 


brachte Schlussvorrichtung,  von  Schleimhaut- 
falten  gebildet  —  Herl  -  Klappen  =  die  die 
Herzhohlen  abschliessenden,  beweglichen,  häu- 
tigen  Klappen  (Valvulae)  —  OÄr-Klappe  =  die 
blattartigen,  eckig  eingestülpten  Knorpelhäute, 
die  sich  (beweglich  beim  Tiere)  vor  die  Ohr- 
höhle  legen  (Ohrhlatt.Ohrbock,  Ohreck)  Tragus, 
Antitragus  (Gr.  W.  VII,  1261).  —  St  Actf/cn-Klappe 
=  Hymen,  das  vor  dem  Lumen  vaginae  sich 
befindet  (Stetmld  33).  -  Seh nen  Klapp  =  Tenonto- 
crigmus,  Sehnenscheidenentzündung  unter  dem 
Knie  an  der  Beugeseite  des  Pferdefusses ,  bei 
dessen  Bewegung  die  verdickte  Sehne  ein  kna- 
ckendes Geräusch  macht,  als  ob  sie  gebrochen 
wäre  (Sehnenbruch)  (Forster  IT,  102'.;  Kalke  II,  311 ; 
Mayer  99;  Kran«,  K.  1«»;  ZTpp.  107.  130).  —  (15.  Jahrh  ) 
/^rt/»Hr-Klappern  II120  ezen  clappirn  —  sinniere, 
I»  11,  3..0)  -  d*s  Geräusch  der  an  einander  schla- 
genden Zähne  der  Mundhöhle  beim  Schüttel- 
fröste (Gr.  w.  v,  2332)  —  Klappe(r,n) -Fehler, 
•Fruit. 

Klar,  n.  (aus  lat.  clariw;  mhd.  klar.  Heyne  III,  359) 
hell,  rein,  frei  von  (II. mt -'Krankheit.  — 
.<iii£m-KlarAfi7  (c.  v.  Megbg.)  =  helle  Augen.  — 
AVer-Klar  ■  Serum  ovi ;  <lies  fibertragen  auf 
das:  (157*.)  G'flpffr-Klar  [Theophr.  BodenM.)  =  Sy- 
novia, das  hellklare  Gliedwas^er  in  derGelenk- 
höhle  (les  cliUrcs  =  phlegma,  Url<«.  SC). 

Klatte,  f.  I.  (mhd  klate  -  Kralle;  1510  klatc  - 
unguis,  Kralle;  1618  klatte  —  ungui«,  Sc  hm  I,  1341; 
(ir.  W  V.  1007;  Bayern,  Tirol;  Fromm.  VI,  290;  Hintner 
7.  16)  =  die  Hand  (verächtlich  mit  der  Klaue 
verglichen).  —  die  Klatten  =  Kralle.  —  IL  siehe 
auch  Kladde. 

Klane  (Klo,  Klanber,  klauben,  klaubein. 

KlÖlein)  (vorgerm.  glu ;  gern  germ.  klu  {-  Klaucl; 
I  gnth.  kloua- Klaue,  Kluge5,  199;  ahd  kläwa,  rhloa. 
klawenti  —  pnirientes,  Cr.  Vf.  V,  10:-3 ;  12»i0  chlö  = 
Klane,  l'fote  l'felffer  69;  mhd  klawe,  clawa,  klu, 
14.  Jahrh.  clauue  =  Klaue;  kla  =  ungut«,  Voc.  opl. 
W.  12;  15C1  klauw  =  unguis,  Maaler;  161"<  klowe  = 
uiigiiis.  Schnuller  I,  1319;  Im  !  den  Heanzen  in  I  ngarn 
kl<"-,  Fromm.  VI,  3.1*,;  en«I.  claw  —  Klaue,  kratzen, 
Lehf.  163) ,  die  Klaue  =  Kratzwerkzeug;  daher 
heim  Menschen,  1.  =■  Finger-Nagel.  —  2.  =r- 
Pinger  und  Hand  (<ir.  W.  V,  to;w).  —  3.  =  (Olden 
bürg)  Ktfttze,  als  das  mit  «h-n  Fingernageln 
auf  der  Haut  Fi  zeugte  (Goldsehm.  134).  —  4.  = 
Fussklaue  und  Füsse  bei  Tieren  —  klanen 
(kläuen;  klauben)  (ah<l  klawjau  -  prurira,  «iraff 
IV,  541),  1.  =  mit  den  Fingernägeln  kratzen, 
jucken  (<.r  w.  v,  1033).  —  2.  =  mit  den  Finger- 
nägeln aufhehen,  auslesen.  —  er  klaubt  sich 
wieder  zusammen  =  er  erholt  sich  wieder,  er- 
hebt sich  und  seine  Glieder  wieder  vom 
Krankenlager  (engl,  claw  off).  —  kläubeln  (1709 
kbibeln  niminarc}.  d.  h.  mit  «Jen  Klaubein 
(Klauen)  nagen,  wie  man  mit  den  Zähnen 
kaut;  vom  Nagen  auf  das  Kauen  übertragen 
[Or.  w  V.  1019).  —  Klauber,  m.  -  Klaue,  Hand, 

Fuss  (Tirol;  »regonzer  Wald;  <Jr.  W.  V,  1021,  Scbin. 
1, 1322;  Wolf).  —  (1099)  Aber-  (After-,  Habir-)  Klaue 
Hinter-,  Wider-Klaue  heim  Vieh  (iir.  w.  i, 
33;  IV,  2.  S4;  v  M  1,3(3;  holt,  achterklau« en.  Plcrvr). 
—  nii/klauben  eine  Krankheit    sie  sozusagen 

18 


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274  Klauche — kleben. 


Kleek— klein. 


wie  einen  Kleiderfetien  mit  den  Fingern  auf- 
greifen und  ro  »ich  mit  derselben  anstecken 
(s.  d.).  —  Klaub  auf  =  eine  hayerisch-tiroler- 
i«rln*  Dämonenfigur  des  Volksglaubens,  diu 
alles  aufklaubt,  was  sie  am  Weg«  findet  und 
Kinder  frisat  (Wauwau)  ( Alpenbg.  4«.  60;  Schm. 
I.  1328),  vermutlich  geht  diese  Vorstellung  vom 
Grintklauben  (grinlklawbcii.  grlntcluben  -  Mribaft, 
I).  II,  328)  auf  dem  Haarboden  der  Kinder  ans 
(s.  Grintbusserin)  [1439;  D.  1.  c).  —  falst  >»■  Klaue 
=  After  klaue.  —  (irai)  Fuss-Klaue  ((om  Uawea, 
Gr.  W.  IV,  l.  1001}  =  die  Hornbedeckung  am  Tier- 
fusae.  —  (rfn/rti-Klaue  =  Gryphosis,  klanen- 
formige  Veikrümmung  der  Kingerglieiler  und 
Nägel  ähnlich  den  Vogelkrallen  (s.  Greif)  in- 
folge einer  chronischen  Nagelbettentzttndung. 

—  Haber  Klaue  -  Aberklaue.  —  Ht.,tn-  Klaue 
(engt  hindelaws)  =  die  Klaue  an  den  Hinter- 
extremitäten der  VierfÜ8ser  (Widerklaue).  — 
Hubertus-Klivie  =  Wolfs-Klaue,  eigentlich  ein 
rudimentärer,  verkümmerter  Daumen  beim 
Kace-Jagd- Hunde  (St.  Hubertus  ist  Jäger- 
patron).  —  (lae)  7.« «/"-Klauen  die  Fttsse  des 
schnelläutigen  Hirsches  (»eb.  6«s).  —  (1473> 
06«"-Klaue  [OberClO,  Schindler  I,  1319;  Seb.  672)  = 
die  oberen  Klauenleile  (Hirsch).  —  Ochsen- 
Klaue  =  Hornspalt  der  Länge  nach  beim 
I'ferde,  das  dadurch  die  Klaue  des  Klo-Viehes 
erhält  (er.  W.  VII.  1136;  Mayer  122).  —  (160«.»)  weuhe 
Klaue  (Glawe)  =  Nagelerweichung  [Guar.  775). 

—  weite  Klauben  (wcitkionbm,  w«.ir ;  Tirol)  ~ 
lange  Küsse,  die  sich  weit  spalten  in  der  Grittel. 

—  WiVf«r-Klauen  =  Hinterklaue,  Afterklauc, 
gegenüber  d.  Klaue  am  Vorderfuss  (Gr.W.  I.sa).  — 
UV/v  Klauen  -  verkümmerte,  höher  stehende, 
gleichsam  verwilderte  Zehen  an  den  Hinter- 
fflssen  der  Hunde  ( 1 1 n bertus- K laue).  —  Klauen- 
(Kläubel-,  Kla-,  Klo-)  Abfall,  Bei»,  -Fäule, 
•Geschwür,  Hand,  Krankheit,  -Schmalz,  -rchr, 
■Seuche,  Stein,  Sucht,  ■  Folg,  ■  Vieh,  Weh,  Wurm. 

Klauche,  n.  Klauter,  Klauren  (vermutlich 

mi  glatichcD  =  glänzen,  glühen,  brennen;  vergl. 
Glaocbfeuer  —  Rotlauf  dir  Haut  and  glw  gen, 
Klauche    Rlutbla*e[Oet*rUnd],  Ur.W.V, 

1025;  Klaureu  Ha]sdni»ciiire«ehwulst, 

Gr.  w.  v,  UM  [stobenbüner  sach«eu); 

Kloler '  |  <!r   W    v-  10j:' 

[Mitlelrheln] ;  Klaudcr  -  aufgelaufene 
harte  Hinitsiclle  von  Insektenstichen. 
Schw.  342;  Schm.  I,  1326  [Wetterall, 
Kfirmviiuli])  —  umschriebene,  rote, 
entzündet*»,  glänzend  geschwellte  IIaOt-6 teile 
ist  der  gemeinsame  Begriff.  —  klauch 
klauig  (glauich)  -  bleich  und  aufgedunsen 
(Sehmeller  l,  9t>y:.  —  2>/u/-Klauche  =  rot  farbige, 
glänzende  Blut  blase  (Gr.  W.  V,  102V.  —  Klauch- 
(Olauch-)Fcurr. 

kleben  (vorgerm.  glip.  Kluge*,  200;  germ.  kllb  = 
klelien  ;  Roth,  kliböu  ;  ahd.  chleben  ;  mhd.  kleben  — 
•Ahe  hat  Ich  ,  feM  nllzcn ,  Kluge4,  19v);  vom  Sehweisse 
hauptsächlich  gehrancht,  der  klebt  unil  klebrig 
i-t  bei  Kranken  (Phthisikern)  J  daher  auch  (MM) 
klebrig  =  kränklieh,  schwächlich,  zart  (vom 
Körperbau,  wie  der  Phthisiker),  schmächtig, 


land- 
schaftlich 


Kfaiedene 

Neben- 
formen 


knapp  (C.  v.  Sellin  31.;  Gr.  W.  V,  1050;  Sehmeller  I, 

1322),  einer  der  bloss  herumhockt,  und  überall 
klebt,  sitzen  bleibt.  —  klebern  =  engbrüstig 
sein,  viel  atmen,  wie  die  klebrigen  I/eute  (Gr.  w. 
V,  1050)  (s.  auch  Klepper).  —  ankleben  =  Krank- 
heiten anstecken;  beklebend  raachen,  eineThä- 
tigkeit  der  Hexen  des  Volksglaubens  (Alpb.  256V 

—  In  kleben  ^bekliwen)  (Oldenburg)  =  mit  Krank- 
heitstoli  bekleben,  anstecken  (Goldschmied  17). 

—  (1735)  rof-klebicht  =  mit  einem  roten  Blut- 
punkte an  dem  Boden  klebend  (V.  n.  71).  — 
kleberne  Brust,  Leute,  Natur,    (uieher  gehört 

wohl  auch  da«  ndl.  klera  -  Hebe  [■. d.],  der  anklebende 
Sonrpllz  [Mundschwämmchen],  De  Cock  75). 

Kleck,  m.  (mhd.  klar  -  Riss.  Spalt.  Kluge5,  m). 
-  Kleck-  (oder  Klack  )Drueh. 

Klee,  m.  Elee-Kranklteit. 

kleibeln  s.  Klaue  und  Leib  (geleiben). 

kleiben  (vorgerm  gllp;  germ.  glif,  klib  =  kleben; 
altnord.  klifa  =  klettern,  klimmen;  ahd.,  mhd.  kleiben 

—  machen,  das«  etwas  klebt,  festheften.  Kluge*.  WO; 
1104  klibben  =  Im  Leibe  bleiben.  Lcrsch  177).  —  Klei- 
bung  (iöi.i-maculatio)  =  Ansteckung  (1).  342)  Con- 
tagium.  —  ankleibig  (ndd.,  i:>07  anciivich,  D.  1.12) 
=  ansteckend,  contagiosus.  —  '  kleiben  (ahd. 
plcblipun,  piehleib,  plchlelp.  Schm.  I,  1322 ;  allsach«. 
bikliban  -  kleben,  haften,  Kluge;  151'.  foedare.  niaeu- 
lore  ;  D.238;  1123  beelalbt  =  intertedatns,  I».  II,  219),  1.  ■ 
anstecken,  bei  Jemand  einen  Ansteckungsstoir 
haften  machen,  empfangen,  coneipi  in  utero.  — 
2.  =  verhungern,  durch  Schwäche  «u  Grunde 
gehen  (Sehmeller  I,  1322),  klebrich  werden. 

Kleid  (Kleidchen),  n.  (die  zur  Bedeckung  de* 
Korpi  rs  angezogene  Hülle)  =  Kinderhälglein  (Am- 
nion), das  Häufchen,  womit  das  Kind  im  Mutter- 
leibe umgeben  ist  (Schafhaut,  s.  Haube  u.  Hemd) 
(Gr.  \V.  V.  733. 1072. 1074).  —  Gl ii cks  Kleid  =  Glücks- 
haube, Goldhaube  des  Kindes  (Island,  liknar 
belgur  =  Gnadcnbalg,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896.  236.  233). 

Kienen  I.  f.  kleigen  (  =  zerriebene  Getreiiiehülsen, 
Abfall  au«  dem  Getreide,  Kleber  (Wurzel  kl i  =  kleben], 
MeblUele;  ahd,  ehlia.  chliwa.  Kluge*.  200;  1260  chliwe 
■  Kleienfarbc  de»  Harns  als  Zeichen  eines  Lungen 
gesehwnre*.  furfiire«,  Pfeiffer  23;  D.  253;  mhd.  klie; 
1410  kleib  =  furfur,  Sehmeller  I,  131»;  1588  kielen  = 
Hautschuppen.  <ir.  W.  V,  liifC, ;  1592  kleycn  =  Haut 
schupfKii.  Sei.  y.i).  1.  =  Hatilkleie  (s.d.  u.  Fuchs). 

—  2.  =  kleienartiges  Urinsediment  (s.  Kleien - 
materie)  —  (17M)  Haut- Kleie  =  Furfnralio 
(n.  hrend  5!,  Pithyriasis  =  Kleieii-Grint,  Kleien- 
lleehte,  I  laarschuppen,  Schund,  Schinden ;  eine 
chronische,  oberflächliche,  nicht  ansteckende 
Hautkrankheit,  die  sich  durch  äusserst  kleine, 
kleienartige,  leicht  abfallende  Hautschüppchen 
kennzeichnet  (Bohrend 56;  A.  v.  n.  1, 682).  —  Kleien 
Aussatz,  -Flechte,  -Grint,  -Materie. 

kleien  klauon  (s.  klauben),  mit  den  Finger- 
nägeln kratzen  (II.  l'aul  248). 

kleigen  (K«.  Jabrh.  clergen  -  eutella,  D.  II,  12'.)  =^ 
so  kratzen  auf  der  Haut,  dass  Hautkleie  abfällt 

klein  [clgentliehe  Hedeiitung  —  gesalbt,  mit  Fett 
oiIit  Seife  beitrieben  ,  rein;  daher  engl,  eleanse  — 
reintgCD,  *lobero;  cl«an«lngs     w«»<  benbelirelnlgimg, 


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Kleister— Klemme. 

Lehf.  15.  391  ;  Wurzel :  kli  =  kleben  [durch  Öt?j;  ahd. 
chliol,  chleini,  zierlich,  rein,  sauber;  mhtl.  klein  — 
rein,  zierlich,  fein,  zart,  mager,  unansehnlich,  Kluge4, 
200;  nebensächlich  Uirtnse-,  Hasenklein,  la  j>etite  nie, 
als  Küchenabfall,  s.  Jung,  Kleinod]).  —  Kleines,  II. 

Kind.  —  Der  Kleine  =  Penis  (<;r.  W.  IV,  1 
2377 ;  V,  1102),  als  kindliche  Kleinigkeit  o.  Kleinod 
(8.  d.:  Od).  —  Klein-  (klein  e,«,«])  Ader, 
-Arm,  -Armrohr,  -Bauch,  •  Blatter,  -Bürden, 
-Darm,  -Eingetceide,  -Faust,  -Fieber,  -Gericht, 
-Glied,  -Grint,  -Häutlein,  -Hand,  -Herrchen, 
-Hitzblatter*,  -Hügel,  -Knie,  -Mut,  -Isätse, 
-Laus,  -Mut,  -Niere,  -Not,  -Od, -Pest,  -Rippe, 
-Ritten,  -Röhre,  -Rosen,  Schilm,-Sterb,  -Stimme, 
■  Schwären,  -Sucht,  -  Wurm,  -Zehe. 

Kleister,  m.  (germ.  Wurzel  kli  [  =  kleben] ;  ahd. 
chleuan,  ehlelman  —  kleben,  schmieren  ;  mhd.  klenster, 
khster.  Kluge*.  200  -  Klebemilte])  m  Speichel  (Gr.  W. 
V,  1134).  —  FrurAf-Kleister  =  Vernix  caseosa, 
das  schmierige  Kindsschmalz  (s.  d.),  das  an  der 
Haut  der  Leihesfrucht  nach  der  Gehurt  wie 
Firniss  (Vernix)  kleht  (v.  sicbold  6f>). 

kleistern  (fehlerhafte  Nebenform  zu  kellern  [s.d.;, 
Ä<r*-kleistern  =  lungensücbtige  Kngbrüstigkeit 

(Schmeller  I.  WO). 

Klemme,  f.  (klemmen)  (Nebenform  zu  Klamme, 
«.  d  ,  mhd.  klemme,  klemde,  f..  Kluge  *,  198).  — 
klemmen,  1.  (ahd.  i>lchlctnmit,  mhd.  klemmen: 
mit  den  Klauen  packen,  das  Gefühl  des  Klem- 
meiis  (Gr.  W.  V,  im.  Duck  19}.  —  2.  =  mit  einem 
klemmenden  Holzinstrumente  die  Tiere  kast- 
strieren  (Seb.  i%).  —  Klemme,  f.  1=  der  Klamm, 
die  Klamme  (s.  d .).  —  2. -(1791)  Kinder-Krampl 
(Pavor  nocturnus)  (Gr.  W.  V.  lins).  —  3  —  ein 
krampfhafter  Schmers  überhaupt  mit  der  Km- 
pfindung  der  Kinklcmmung  (Muck  19).  —  4.  = 
eine  Schweinekrankheit  (s.  Klamm  iJ  u.  Pank), 
ein  kornartiges  Gewächs  (s.  Kankkorn)  im 
Gaumen  (Gr.  W.  V,  935.  msi.  —  ">.  =  eine  Pl'erde- 
krankheit  =  die  sogen.  Hirschkrankheit  (s.  tU 
(Abiig.  »s;  Gr  w.  iv,  2.  UM;  v,  933).  —  klemm  - 
beklemmt,  enge  (vergl.  Klamm  und  kleben).  — 
fccklemmen  (holl  beklemmen;  schwed.  beklrtmma. 

—  bei  einem  Organe  beengen,  beklomtueu  sein. 

—  Bruch-Ein klemmung  =  Hernia  incarcerata. 

—  Brust-  Beklemmung  =  Anbelitns,  das  Boge- 
gefflhl  auf  <ler  Brust  heim  Atem  holen  (Or.  \v 
II.  447).  —  .Brtttf-Klemme  =  Brustbräune,  An- 
gina pectoris  (Klamm  2)  (Eichhorst  I.  210).  —  Hebe- 
mut :'■  .'--Klemmen  [14.— r>.  Jnhrh.,  mnd.  so  welliker 
vrowen  de  hevemodor  klemmet  umme  dnt  herte.  J.  f. 
ndd.  Spr.-F.  XV,  120)  =  hysterische  Herzklemme 
(«.  Hebemutter).  —  Herz-Klemme  (hartklemm, 
Oldenburg;  Golduchm.  99)  =  Herr- Angst,  ein  Be- 
klemmungigefühl  (Krampf)  bei  Herzkrank- 
heiten und  Hysterie.  —  Kiefer-  (174«)  (Mund  ) 
Klemme  =  Trismus,  der  tonische  Kiefer-M  tickel- 
kraropf,  der  das  Öffnen  des  Mundes  verhindert 
(d*n.  mundklemme,  Gr  W.  V.  77« ;  Pchech  46 ;  K.  eh.  252) 
(Maulsperre,  Mundsperre).  —  M utter  Klemme 
s.  Hebemutter -Klemme.  —  Ohren  -  Klemmer 
(-Klemme),  1.  =  Ohrklamm  (s.  d.\  Ohrenzwang 
(Gr.  W.  V.  1138,  Heyne  III.  376).  —  2.  =  der  Ohr- 
mfltzel  (s.  d. :  oder  Ohrkäfer  (Gr.  W.  VII,  UM).  — 
(17.  Jahrh .)  xer  klemmet  =  durch  Klemmung  ge- 


Klengel-Kloben. 975 

j  quetscht  (Kr.  Kr.  b.  3is)  —  Klemm-  (klemme) 
äuget,  -Brust. 

Klengel,  n.  (zu  ahd  kachlankian,  kichlenkan  ;  mhd. 
klanken,  Henken  =  formiere,  schlingen).  —  Klenkel 
(  -  Klengel  —  Schling».  Strick  oder  geschlungener 
Knoten)  =  der  Schleimzapfen  an  der  Nase,  Uotz- 
klengel  (Gr.  W.  V,  952.  1145).  —  .Kofr-Klengel  =^ 
Kotz  zapfen  [Gr.  W.  v,  952;  Schindler  I,  ir,35j. 

Klepper,  m.  (1561  das  mit  kurzen  schlagenden, 
kleppernden  Schellen  versehene  l'ferd,  Kluge1,  200; 
Seb  18H)  =  ein  abgehetztes  mageres  Pferd.  — 
-kleppern  s.  kleben. 

Klette,  f.  s.  Klatte.  —  Kletter- Afar. 

Kletzeln  s.  Klotz. 

Klieren,  pl.  fangls.  hleor  —  gena,  Wangenge- 
[  «ehwulst,  l>.  259;  holl.  klieren  =  Skrofeln  [s  klier  - 
|  Schlier'];  klierachtlg  =  skrofulös;  1507  etyren  *  totes 
(=  tnnsllla],  l>.  586,  1741  ndl.  harte  klieren  =  Driisen- 
bculen,  IT.  II,  40S7;  1777  llerc  =  gena,  D.  259;  Schm. 
I,  533)  -  Schlier,  eiternde  Drüsen  beule ,  Bubo, 
skrofulöse  Drüsengescbwilro.  —  Klier  en-Si«7if\ 

Klima,  n.  (xX:p.'x  =  FlAchcnneigung;  Weltgcccnd, 
|  die  mich  ihrer  Hodenllüchc  und  Sonnenstände  ver- 
I  achiedenc  W  arnieverhaltnisse  zeigt).  —  Klima-,  kli- 
matische -Fieber,  Krankfait. 

Klimax,  f.  (xXtuag  =  stufe  =  stufen  jähr  [«.  d.]. 
=  Climacterium  „ist  ein  unglücklich  gewählter 
Ausdruck, der  bei  den  Alten  vorkommt"  (Komb. 
30,  Anm);  „wie  man  siebt,  hat  das  Stufenjahr 
eigentlich  mit  der  Menopause  gar  nichts  zu 
tinin"  (l.  eod.),  die  menschlichen  Stufen-  oder 
Wechseljahre  (  —  Klimax)  wurden  auf  die 
Wechselzeit  (Menopause)  des  Weibes  erst  spat 
spezialisiert  bezogen.  —  klimakterisches. Jahr. 

Klimse,  f.  s.  Klumse. 

klingen  [gem.-germ.  klank,  eine  selbständige  ODO- 
I   matopoictische    Bildung    vom   singend  klingenden 
Sehwertton     ahd.  chlingan  ;  mhd  klingen  [im  Ohre;. 

I  Kluge*  20i).  —  (1531)  O/ircM-Klingen,  1.  -  die 
subjektive,  klingende,  sausende  Tonempfindung 
(Gr.  W.  III.  1671;  V,  IIS«;  VII,  1227.  1256;  VIII,  1932) 
—  2.  =  dasselbe  infolge  von  Hlieuma  als  Kei- 
zungserscheinung  (Gr.  w.  V.  ll«6),  früher  häufig 
als  ein  charakteristisches  .\vmptorn  der  Syphilis 
mit  Unrecht  angesehen  (I*r.  II,  362).  Pas  Ohren 
klingen  wird  als  Wirkung  einer  üblen  Nachrede  durch 
abwesende  Ilritte  vom  Volke  aufgefasst  Unlehnuug  an 
die  dikinonisiischc  Ätiologie  der  Krankheiten,  vergl. 
Wustmann  X51I;  wenn  um  rechten  Obre  es  klingt,  so 
bedeutet  es  (ilück. 

Klinke,  f.  der  klingende,  tonende  Thürricgel,  Thür 
schnalle,  Schnalle  (s.  d.)  =  Cunuus  (Kud). 

Klitsche,  f.  =  (ilatze  (s.  d.),  oder  Glitze  [1686 
durch  etymologisierende  Verwechslung,  Gr.  W.  V,  1211). 

Kutterling,  IU.a  Piuterling,  Homo  inürtuae, 
dubiae  valetudinis  (Schweiler  I.  1341). 
Klo,  f.  s.  Klaue. 

Kloben,  m.  (zu  klieben,  Indogerm.  glubh  =-  mit 
einem  scharfen  Messer  bearbeiten;  germ.  klüb  ;  goth. 
klübati  —  spalten  ;  ahd.  klobo  -  H«,lzs|,alt  zum  Vogel- 
fang; mhd.  klobc  -  gespaltenes  Holzslück,  Klegel, 
Spalt.   Fuge,  Kluge  \  201;    H20   kloven  =  niplare, 

IS* 


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276  Klocken- Kloes. 


Klot-klucken. 


zahnen,  klafen.  tv  5««;  16  Jahrh.,  nrt.l  kloeven  = 
rfOHM  i  rhagades,  I).  483 ;  cloue ,  klonen  s  rhagade*. 
Impetigo,  D.II,  211-  fcmlnal,  Luxer  127;  ndl.  Kloven, 
kloot!",  De  ('ock  :i02;  engl,  clew)  -=  1 1  .m :  i  ,--<■  an  den 
Händen  infolge  von  Frost.  —  <ler  Kloben  — 
Vulva  als  weibliche  Leibesspalte  (<:r.  \v  v,  1216). 

—  Klob(en)-  (klobige)  Darm,  -Spaltumj 

Klocken  s.  klopfen  u.  Cilorke. 

Klodden  s.  Kladde  (Klecks). 

Klöbeln  (Klöwern)  s.  Klopern. 

Klo  lein  s.  Klaue. 

Klo ten.  Kloetres  s.  Kloss. 

Klopern  (Kloben,  Klopen,  Klöbeln.  Klo 
werl,  Klopper,  Kluberln)  («o  klauben  [mit  den 

Fingern);  1588  kloppern  =  Kluger .  (ir.  W.  V,  1222; 
Königsberg;  Kranken,  1609  Kloben),  I.-daa  5 spal- 
tige Kndteil  an  Händen  und  Küssen  (llyrtl.  K. 
W.  95).  —  2.  Kloper,  f.  =  Hand  (Schnell«  i,  133t, 
noeli  heute  heisst  man  in  Wien  kurze.  ktauenfortnige 
Finger  mit  latiRen  Nageln  Klöbeln,  Schweix  Kiepen 

—  Klaue  und  Finger,  (Jr.W.  V.  1222;  Schw.  348;  Ct.  \\. 
V,  IfttO;  Sehmeiler  I,  1.119.  (Tromnielsehlilgei  - 
ünger  der  Fhthisiker).  —  Klop- Finder. 

klopfen  (Ablaut  xnm  Schallwort  klapp  [*.  0 .1, 
Kluge*,  2U1  ;  goth.  kluppön  ;  ahd.  chlopfuii  [chloehön, 
klockön],  «iraff;  8.  Jnhrh.  clohhot  -  pulsal,  Kero  »'•; 
mhd,  klopfen,  kloekeni  —  pocher,  wie  ein  Polter- 
geist oder  als  Zeichen  des  pulsierenden  Blutes, 
das  anklopft  und  Bein  Dasein  meldet;  darum: 
Ader-,  Mut-,  Brutt-,  Gefäss-,  Geschwür- Klopfen. 

—  BaurA-Klopfen-dassftusserlich  wahrnehm- 
bare Schlagen  der  grossen  Blutgefässe  im  Be- 
reiche des  Unterleibs  bei  Aneurysmen,  Knt- 
zündungen  oder  Geschwülsten  verschiedener 
Organe,  auch  beim  fortgepflanzten  stärkeren 
Herzschlag  (Nervöser  s.  B.).  —  (1580)  Hert- 

KM.'  j  -  »'«"Pitatiocordis,  Fulsatio  arte- 

liarum  (Hippokr.),  le  pantellement  (Th.  %  nr  661 : 
Or.  W.  IV,  2.  1251;  Zw.  SO?,;  Hufelaud  2%).  als  Anfall 
beschleunigter  und  meist  auch  verstärkter  Herz- 
ihatigkeit,  die  meist  subjektiv  empfunden  und 
als  Herzklopfer  personiticiert  wird.  —  Ohr- 
Klopfen  =  das  subjektive  Empfinden  des  Fuls- 
schlages  im  Ohre  (<;r.  W.  VII.  1264).  —  Klopf- 
Milch. 

Klops,  m.  (1756  eine  Kurzform  für)  Klopf-Fltiseh 
(Kluge»,  21«). 

Kloss,  m.  (Klöten,  Klotten)  (germ.  um  = 

Kl..--,  Rallen;  goth.  klutta-  [klauta  -];  ahd.  klöz  -  Hall. 
Kugel ;  inhd.  klöx  —  Klumpen.  Knollen,  Kugel,  gehallte, 
runde  oder  formlose  M*«v,  i ir.  W.  V.  1210  lt.;  Uli; 
14.  Jahrh.  cloM,  kloz,  clot  ■  testieulu».  I).  561;  U,  36;: ; 
UM  kloM,  Tabernaern.  ;  1646  kloetres  =  Hodenpaar 
heim  Werde,  Coler  Pf.  340  =  Hoden,  (ir.  \V.  IV,  2.  1658; 
V,  350.  1247;  Österreich,  Nassau;  Hyrtl.  K.  Vf.  9>:  16"»9 

klotten,  t.  M.  I,  68;  engl,  clod),  1.  «  Hoden,  Testi- 
culns,  als  kugelförmige  Gebilde  (<;r.  W.  V,  1246; 
Hyrtl,  K.  W.  59;  Heyne  III,  r.85)  (vergl.  Kugel  und 
Brtuler).  —  2.  =  (1554)  Geschwäre,  Geschwülste, 
soweit  sie  rundliche  Form  haben  (Gr.  W.  V,  !2S3j 
(vergl.  Klotz).  —  3.  —  Hornballen  am  Ochsen 
(v.  M.  I,  68).  —  4.  =  Kugel  (s.  d.).  —  Nerven- 


~  Globus  hystericus  p.  Kugel  4.  Mutter- 

kugel  3.  -  (1754)  Snnd-  j^jLel  (n'J' '  17,1  zn'U 
kloot  =  testleulus  veuereu§,  Fr.  II,  408)  —  alte,  rund- 
klumpige  (Hoden-  und)  Nebctihodenanschwel- 
lungen,  die  beim  Anfühlen  die  Empfindung 
eines  auf  denselben  liegenden  Sandes  geben  (V) 
(A.  v.  H.  Ii,  1285;  iv.  II.  41.1.  473)  (Karnüftel,  Sand- 
stein,  Sandbai),  Sandhoden),  Kpididymitis 
gonorrhoica,  Hernia  humoralis  :.,sand"  Ist  hierbei 
wohl  als  Pberselxung  des  tophu«  [Tuff)  -  liumma 
STptaU.  aufzufassen  (s.  am  Sand  5).  —  Spüal  Klosse 

-  das  zusammengebackene,  zu  Kügelchen  ein- 
getrocknete Sekret  der  Meiboru'schen  Drüsen 

\ugenbutter)  bei  unsauberen ,  unreinlichen 
Kenten,  armen  Spitalern.  —  Kloss  Sack. 

Klot.  -  Klot-Frw. 
Kl  ölt  s.  Kloss. 

Klotz,  m  ,  n  (Klutzen)  i'germ.  klnt  [Hallen]; 
goth.  klutta  ,  ahd  chlox;  mhd  kh>x,  Kluge1.  202; 
vertritt  [ober,!.]  die  Schwester  form  Klos»  [*.  d.)  = 
trnneus,  massa.  globus,  (!r.  \V.  V,  1250;  1414  klox  = 
Testleulus,  Gr.  W.  V,  1253;  1532  klötx  -  Hoden,  Ur.  W. 
I  eit;  ndl.  kloot  =  TexticOtaa,  De  Cock;  engl,  clotted 
=  klotzigt,  1.  =  Augen- Klotz  (>«.  d.).  —2.  =  Hoden 
(Klotzen,  Klutzen,  Kugel).  —  3.  =  runde,  harte 
Geschwulst  (Klotzfleisch).  —  4  —  Leibesfrucht 
(Mola),  als  klumpige  Masse  aus  Klotzblut  (engl, 
elottcdblood'  bestehend  (Burk  2s),  (Kloizfletsch, 
s.  «I.).  —  f>.  =  ein  grobgestalteter  Mensch.  — 
klötzeln  =  in  Stückchen  abbrechen.  —  auf- 

kletzebi  |"in  kleinen  8ch°rfteilen  aufbrechen 
(von  Wunden)  (Wien;  Schindler  I, 1342).  —  Auqen- 
KlotZ  —  Augenapfel  (üchkloz  bei  den  Sielienhurgcr 
Sachsen,  fir.  \V.  V,  1252)  —  (15411  //tm-KlÖtze  - 
d.  halbkugell'örmigen  Gehirnhemisphilren  (Hyrtl, 
K.  W.  M),  —  MauArn -Klötze  (15.  Jahrh.  musen  clote 
=  (MtlcuU,  D.  681)  —  Hernia  carnosa,  KarnofH, 
runde  fleischige  Hodenanschwellung  (Kpidi- 
dymitis) im  Gegensatz  zum  Wasserbruch,  Wind- 
bruch (Maus -Fleisch).  —  (1554)  runde  Klötze 

—  runde,  harte  Geschwulstknollen  (Gr.  W.  V. 
1253).  —   >■■,.■■/- Klo t  siehe  Kloss.   —  Klotz 

i  klotzt  e,  er,  *»;)  Fleisch,  -  Kopf,  -Materie,  -Milch, 
■  Wunde. 

Kluberln  s.  Klopern. 

Klubs  s.  Klux. 

Kluck,  m.  (Klück,  Klux),  1.  -  Hfthnerweb, 
„der  reizbare,  kränkelnde  Zustand,  in  dem  sich 
die  gluckenden  Bruthennen  befinden,  flber- 
I ragen  auf  Frauen";  (vergl.  brüten).  —  2.  = 
(1  MO)  der  Fips  der  Hühner  (Gr.  W.  V,  1258.  1260 ; 
VII.  1704,  (Ffipfs). 

klucken  (glucken,  gluchsen,  glucksen, 
klukezen,  klukzen.  klutzen,  glotzgen,  glucke 

Zen)  (zu  ahd.  chlocchön  ;  mhd.  klocken  —  klopfen, 
puiMire.  Schraeller  1,  t?.2S.  1.-H8  klunkexen,  Gr.  W.  V, 
1299;  Sehw.  346;  16X7  klutzen  =  kliKkxcn,  Gr.  W.  V, 
1309;  klucken,  klukezen,  kluxen,  Sehmeller  1.  13?.5). 
1.  —  klopfender  Schinerz  durch  das  Fulsieren 
des  Blutes  an  krankhaften  Stellen:  a)  bei  Neu- 
ralgin capitis  (Kchw.  257);  b)  bei  Abscessen,  (Je- 
Bchwaren:  der  pulsierende  Kiterungsschmers 


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Klucks— Klump(en). 


Klumsen— Knarre  277 


(Sehw.  257;  Gr.  W.  V,  1228.  1261).  —  2  =  kluxen 
hetschen  (s.  ».). 

Klucks  (Klux,  Klubs,  Kluxe,  kluxen,  kluken, 
Klocker,  Kluxer,  Olutzger,  kluxern,  kloxen, 
klucksen,  kluchzen,  klukzen)  (germ,  Uakk 

[onomatop];  ringls.  clocclan  -  kluksen,  Kluse  *,  202; 
15.  Jabrh.  klux  —  slngultus,  D.  644;  kloxcs  =  siiigultus. 
Dil  fange  IV.  490;  UM  klux,  H.  V.  Gcrtd.  39.  100;  1532 
kluxen,  MM  101.  1533  klux.  Gr.  W.  IV,  2.  1266;  1561 
du  kluxen,  Bock  172;  1576  gluxen,  Gr  Vi.  IV.  2.  12t»; 
1584  kluken.  Cr.  Vi.  IV,  2.  1267;  158«  klux,  Tabern. , 
1591  kluxen  =  Magenaufstossen,  Tabern.  C3  B ;  Plctor.  57 ; 
Waekeruagel,  Abhdlg.  III,  15&  Aom  ),  1.  —  das  den 
kluk-  oder  klux  Ton  des  Hetschern  (Singultus) 
lautmalende  Wort  (=  Hesel),  Heise,  Hetscher, 
Schnackler  etc.),  da»  landschaftlich,  ja  sogar  indi- 
viduell verschieden  wiedergegelien  wird  (Gr.  Vi.  V, 
1267.  12C9  ff.)  uud  durch  lulcnslvbildungen  weiter- 
gebildet l«t.  —  2.  =  der  gleiche  Ton  heim  schluch- 
zenden Weinen,  der  einzelne  Schluchzer  (Gr.  Vi. 
v,  1221).  —  3.  =  Has  Schluck -Geräusch  beim 
Sauglinge  (Gr.  w.  V,  1259).  —  4.  =  (l'.si)  der  Un- 
willen und  die  Unlust  zum  Husen,  die  sich 
meist  bei  Magenleiden  (mit  Singultus)  finden 
(Anorexia)  (Bock  172).  —  5.  —  das  Klucken  = 
klopfen  (s.  vorig.  Wort)  des  Aufbrechenden 
AbecCM-Eiters  -  Sphygmos  Hippok  (Fuchs  I. 
131;  n,  43;  Gr.  W.  V,  1260  ff).  —  6.  ^  der  Kluck 
(«.  o.)  —  Hnhnerwoh  (Gr.  w.  v,  I26u)  —  Magen- 
Kluxer  (ie.  jahrh.)  (-au/kluxen)  =  Rioguttae 
ftomachi,  llesch,  Schnackler  etc.  (Gr.  Vi.  V,  1257. 
VI,  1440). 

kludern  (anklingend  au  ,,kaudern"  [*.  d.J)  = 
krankein,  frösteln  (Schwei*;  Gr.  Vi.  V,  lu>6.  154»). 

Klück  s.  Kluck. 

Kluenker.  —  Klunker- /uss. 

Klünsel  s.  Klumpsen. 

Klufe,  f.  s.  Glufe  (u.  Spindel). 

Kluft,  f.  (indogerm.  glubb;  germ.  klüb  -  mit 
einem  scharfen  In«trumentc  bearbeiten  .  getn.  altgerm. 
kliuhan  [spalten]:  ahd.  chluft  —  Spaltung;  nihil,  kluft 

Spalte,  Kluge*.  202;  Heyne  Iii,  387)  ■  Kralle  des 
Kaubvogels.  —  (1592)  Horn-Kluft  ~  eine  krank- 
hafte Hornspaltung  in  die  (friere  am  l'ferde- 
hufe,  Esel  etc.  (Seb  177.  211;  Mayer  124;  Coler,  IT. 
370,  Abllg.  87;  Gr.  Vi.  IV,  2.  1829). 

klumern  s.  Klamm. 

Klump(en),  n.  (Klunk-),  m.  (ans  ndd.  klump; 
ndl.  klomp  in.  ^  Klos«,  Klotz;  nord  kltlttibn  =  Keule  ; 
nasalierte  Lautfonn  zu  Nel<cnf.  klubha;  goth.  kulhan 
Stock  mit  knolligem  Ende  [globtis],  Kluge",  .112. 
208  —  Kolben,  runder  Klotz,  Kcnle  mit  klotzig  dickem 
Ende,  verkrüppelte*  hing;  engl,  clumps  —  ein  plumper, 
schwerfälliger .  dickköpfiger  Mensch.  Kultschm.).  — 
(Tirol)  Klumper  =  «In  an  .Schwindsucht  leiden- 
der, lungenkranker,  siecher,  dürrer  Mensch 
(Wolf  160).  —  <>•  kluinpfen  =  zusammenge- 
schrumpft, dftrr,  an  den  Beinen  %.  B.  (Schindler 
1, 1331).  —  Klump  Blut,  -Finger,  -Frucht,  -Fuss, 
-Band,  -Huf,  -Milch.  —  klumpicht  =  giobosua, 
informis.  —  Klumpel  (mit  Nebenform):  (1710) 
Klunkel  =  Geschlinge,  Hnnr- Flechte  (Itlrllnger, 
Sitten  I,  407;  mhd.  Klungelcr,  f.  =  Troddel,  Klugo*, 


202);  dazu  die  K lungere  (Zürich;  Alpbg.  49)  =-- 
Holda,  Perehta  (s.  d.),  die  so  als  Dreckzottel  oder 
Sudel  benannt  wird,  wohl  weil  sich  das  Volk  diese 
DHrnonenflgur  mit  IlaaxzoMeln  behaftet  vorstellte. 

Kl ■.nnsen.  f.  (Klunsen,  Klimsen,  Kluntz, 

Klünsel)  (mhd.  klunsc,  klumac,  klumze  m  Spalte, 
Kluge*  "01 .  HW  clunwMJU  —  rlina,  I).  498;  Sehnicllur 
I,  1336;  1497  clunaen),  1.  =  Stiturae  cranii,  die 
Schftdelnahtspalten  (nyrtl.  K.  Vi.  53).  —  2.  = 
Weibsperson,  ex  rima  vulvae  (sehmcllcr  1,  1336). 

Klunkel  s.  Klump. 

klunkezen  =  klukezen  (nasaliert). 

Klupe,  f.  (zu  mhd.  klübe,  (ir.  Vi.  V,  1024;  norweg. 
klubha  =  Ra<les)-ge  [Beiart  3]  =  syphilitische  Entartung 
der  Fingerhant  oder  Nagel)  =  Kloben,  Klauher, 
Klaup,  Kinger  (Schweiz). 

Klutzen,  pl.  s.  Klotz  (Gr.  W.  V,  1253). 

Klux  s.  Kluck  u.  Kluck« 

Knabe,  m.  (ahd.  chnabo  [Knabe,  Knap|ic,  Knecht]; 
mhd.  knobe  =  männliches  Kind),  1.  =  Penie  (Knaben- 
bube, s.  d.  u.  Knecht).  —  2.  =  Hoden  («.  Bruder). 

—  3  =  Hüilenhrneh  (HS2  =  henila  vel  tumor  [scroti], 
Geschwulst  od.  AusIIum  des  Ingewclds,  Gr,  ff.  V,  1303). 

—  Bruch- Knabe  =  Und«  (Orchis)  im  Bruch 
(=  Hose)  ((ir.  W  II,  413;  V,  1323).  —  glatzetcr 
Knabe  =  Penis  retraefo  praeputio  (Gr.  \V.  V,  1119). 

—  die  zwei  stolzen  Knaben  =  Hoden  (Gr.  W.  V, 
1323).  —  Knaben-ßwAc 

Knack,  n.  Knacken,  n.  (engl,  knack;  ..zu  gründe 
liegt  eine  latituachahmendo  Wurzel,  die  dem  Germa- 
nischen eigen  Ist",  Kluge*,  202;  Aberglaube  über  das 
Fingerkuacken  s.  Rochholz  I,  241;  s.  auch  nagen  und 
Knochen).  —  Li,  u  v Knacker  h  :  -dam ;  Luseknecker, 
Engel.  192)  —  Daumen  (s.  Krscker).  —  Sehnen- 
knacken  —  Sehnenklapp  (Kraus,  E.  1033).  — 
TcitA/s-Knack  s.  Nacken. 

Knäbel  (Knäwel)  s.  Knebel. 

Knappe,  f.  1.  -  die  Stelle  des  Körpers,  wo 
der  Mensch  am  knappesten  ist  =  Taille,  l»Qn- 
nung,  Weiche  (Goldschm.  156).  —  2.  =  s.  kneifen 
(Knepe). 

Knäuel  s.  Knebel. 
Knäutel  s.  Kneuter. 

Knaispel  (Knarpel,  Knarbel)  (i5.— iö.  Jahrh. 

und  z.  teil  noch  heute)  -  Knorpel,  Cartilago;  zu 
knarpen,  knarheln,  m.  knarrendem  Tone  beissen 
(Gr.  Vi.  V,  1351  ff.,  1192;  Bück  17).  —  (16C<)  Nascn- 
Knarpel  =  Nasenknorpel  (Coler.  II.  \  («iehe 
knerfeln).  —  Knarpel- Bein. 
knallen  s.  knollen. 

knappen,  gnappsen  (gnappen,  knaupen), 

l.  -  (15*7.  1018  knappen  mit  den  fussen)  -  vaclllurc, 
hinkend  und  kurz  einknickend  gehen  (Buck  19; 
I>.  313.  604)  =  kniekeln,  mit  den  Knieen  napfend 
einsinken  beim  Gehen  (Kchmeller  I,  979. 1344.  1351. 
1352.  1751).  —  2.  (1560  guapen  mit  dem  köpfe)  =  mit 
dem  Kopfe  kurz  nickend  wackeln. 

Knarpel  s.  Knaispel. 

Knarre,  f.  (zu  mhd.  knarren,  «narren  =  knarren, 
knurren.  ..junge,  onotnalopoletisehc  Ncusehrtpfung". 
Kluge  Ä.  203  ;  die  Nachahmung  eines  rauhen,  zitternden 


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278 


knastern  — Knebel. 


Knecht— knerfeln. 


Schalles,  Heyne  III,  ;;yj ;  INeiilcdcrkuarreul).  —  die 

Knarre  ■  da«  sog.  Knarrband  [bei  Prtohb.  6»  auch 
„der"  Knurrbuii.t)  (s.  iL),  «las  Gelenkknarren ;  (hi.rt 

mau  nach  dem  Volksglauben  im  Walde  die  Baume 
knarren  und  spricht  man  nicht  gleich  Scgcnsworte  da- 
gegen, so  bekommt  man  ,,die  Knarre",  ».  Kuurrbelu. 
t  r.jiietl  1894,  S.  88;  es  wird  besprochen,  Trischb.  09). 

—  Knarr-  Btnid. 

knastern  —  ein  krepiticrendes,  knatterndes 
Geräusch  machen.  —  (i7»y)  G<  knaster  =  da« 
Krepitationsgerttuseh  (Zdtsch.  (.  d.  PhU.  XXVI, 244). 

Knatterle,  n.  s.  Knecht. 

Knauer,  m.  h.  Knurre. 

Knauf,  Knaupe,  f  (Knoppel)  -  vielleicht  knor- 
pelig harte,  ubertlilchlich  geschwürige  Beule 
(Knauf.')  am  Knöchelgelenke  (Tumor  albus  tarsi, 
TOpfana  eXllleerallS  (Gr.  \V.  V,  1470.  1471;  ndl.  knoop 
ws  KDOpf,  Knauf,  Kluge5,  203;  knobbel,  der  kleine 

Knopf,  De  Coek  288).  —  Knöpfel.  Knaupel  (Knob 
bei)- Knochen,  -Hose.  —  knaupen  s.  knappen. 

—  Knauperling  =  ein  Knirps,  ein  kleines,  im 
Wachstum  zurück  gebliebenes,  sozusagen  ge- 
knöpftes Kind  (Schm.  I,  ir>2).  —  f/n/w-Knäufel 
(1432  vnderchnnwfel  =  iulernodlum,  1).  II,  219)  = 
Zwischenknöchelchen  im  Gelenke. 

knaunchzen,  Knaunz,  f.  =  mit  nasalem  Tone 
(naun)  etwas  sprechen,  mit  schnüffelnder  Nase 
reden,  weinerlich  sprechen  (Schindler  I,  1351).  — 
Knaunz,  f.-eiue  gnaunzende,  winselnde,  weh 
leidige  Person  iscbtncller  1.  c). 

Knaule,  f.  s.  Knauter. 

Knaur  s.  Knorren. 

Knau&s,  m.  Knausse,  f.  (Schwaben),  Knaust 

KnUSt  (niederd.),  Kneussel,  n».  =  knopliger 
Ansatz  (Knauf),  1.- Knorren,  Knöchel.  —  2.= 
knopriger  Auswuchs  am  Nacken.  — 3.  —  Beule 
(Gr.  W.  V,  1373;  Huck  19;  Schindler  I,  1334). 

Knauster,  m.  =  Knorpel  beim  .Schlachttier 

(Lippe,  Tromm.  VI,  209). 

Knauter,  m  (Knauder,  Kneutel,  Knäutel, 
Kneitel,  Kneidel,  Kneust)  (alte  Nebenformen  zu 

Knoten  [s.  d.);  knaule,  t.  =  Knautcl,  Kraus,  K.  795), 
1.  =  harte  Drüsenknoten  namentlich  am  Halse, 
(Gr.  W.V,  1S74).  —  2.  =  harte  Insektenstichbeulen 
(Schneller  I,  1326;  Schw.  342).  —  3.  =  Elumptusfl 
als  Knoten  am  Kusse  (Gr.  w.  v.  i:M2).  —  rot? 
Knaule  Scrofula  fugax  (Kraus,  k.  795)  —  eine 
vorübergehend  durch  Lntzündung  der  Haut  ge- 
rötete I.ymphdrüsenanschweliuug. 
knawweln  (ndd.)  -  knabbern,  mit  den  Zahnen 

liagcn  (Fromm.  VI, 

Knebel,  m.  (Knöbel.  Knabe!  Knäwel,  Kneu 
wel,  Kneuffel,  Knäuel),  t.    Knöchel,  Knorren 

an  Finger  und  (ielenken  (and.  knebii  —  Knöchel, 
mhd.,  i:>.  Julirh.  knebel  --  condylus,  nodus,  Gr.  W.  V, 
1376;  Kluge5,  203;  Sehwaben,  Sachsen,  Thüringen. 
Tosen.  Niedcrlausitz).  —  2.  =  (1616)  verwachsene 
Knopfe  und  Knoiren  an  Gelenken  u.  Knochen 
(Gr.  w.  v,  1071).  —  3.  =  die  ganzen  Finger  (Knä- 
Welen)  (Gr.  W.  V.  1:77;  Bremen,  Tömmern).  —  4.  - 
(1032)  die  kntUtelformig  in  einander  geschlun- 
genen, zusammengeschnürten  Darmsehlineen 
(Volvulus  der  Arabisleu)  -  Dünndarm  (Ueum) 


(die«  [I]  zu  mhd.  knebel  —  Kunltel,  II.  Taul  2"<7  ;  wie 
Kncbdbari,  Hyrtl,  K.  \V.  96).  —  L >nte\  Kne bei  siehe 
K  nobel  (Knobel).  —  Knebel- Hein. 

Knecht,  m.  —  l'enis  (Gr.  Vf.  v,  mg)  (s.  Knabe, 

Hube)  (mud.  knechtkeu  -  Knabchen,  Mag.  Barth.  94  a; 
Infantulus  [1419],  Schindler  I,  134«;  OtM.  v  Wolkenst. 
kniichtlin,  Tromm.  VI,  29S)  dazu  Knatterle  - 
Knechtchen,  Knablein  kleines  Kind.  —  Landt- 
Knecht  (— '  Soldat  im  Picnste  des  Landes,  Kluge  &, 
22"> ;  der  namentlich  im  Walschlnnde  Im  16.  Jahrh.  in 
üblem  Uufe  stand;  als  lombardischer  Bruder  (s.  d.), 
war  er  auch  In  Deutschland  zweideutig ;  die  durch  Ihu 
vielfach  verbreitete  Syphilis  erhielt  seinen  Namen ; 
l'.tl  landtsknecht,  m.,  landsknecht  [1550  und  1.581]  als 
femin.,  Tuchs  I,  37.V  37C.  377)  -  Fraozosenkrankheit 
(s.  d.),  besonders  die  Feigwarzen  (malafrantzoss) 
und  der  Karnöirel  (Ramex  carnosns),  der  die 
Doppelbedeutung  Landsknecht  (im  Kartenspiel. 
Schräder 424)  und  Bubo  inguinalis,  Orchitis  gonor- 
rhoica hatte. 

Kneidel  s.  Knauter. 

Kneif,  m.  kneifen,  kneipen,  m  Kneiper, 

Knepe,  f.  (altg.  kuib,  hmp  -  kneifen,  Kluge  \  IM; 
md,,  13S4  kneipen  =  das  Zwicken ;  1<V40  kneufen;  1729 
knepu,  f.,  pl.  [Itostock],  v.  Gehren —das  durch  Kneifen 
Erzeugte;  IV  Jnhrh.  kneifen  [noch  wenig  bekannt!, 
(ir.  \V.  V,  14i»2;  ndd.  gnoepen;  eugl.  kulfe  —  Kneif; 
to  nlp  =  kneifen)  =  zusammendrücken,  klemmend 
schmerzen  =  Tormina  (Eichh.  1,793).  —  Kneif,  in 
l.  =  Colica,  das  Bauchgrimmen,  als  würde  man 
innerlich  geknippen,  gezwickt  (Gr.  w.  V,  M08). 

—  2.  m  das  Kneifen  der  Haut  (kniffen,  kniffein, 
kniften)  =  kratzen  (C.  v.  Schm.  319;  Schm.  I,  13j0). 

—  (17.  Jahrh )  Kneiper,  1.  -  der  (kneipende) 
ZeigeÜnger.  —  2  =  das  Bauchkneipen.  —  3.  = 
das  einzelne  Kneiperchen,  d.  h.  der  plötzliche 
Aufschrei  der  Kinder  durch  ein  vorübergehendes 
Hauchgrimmen  (ur.  \v  V,  m>.»).  —  kniften  - 
kneifend  kratzen,  reihen  (Schm.  I,  1350).  —  (1M0) 
/i<n«c/i-Kneipen- das  Kneipen,  Bauchgrimmen, 
Colica  (Gr.  W.  V.  2307.  1108)  (Knipperdolling).  — 
(1729)  Geint -Knepe  =  Maculae  liveecentea  et 
luridae  sugillationes,  die  durch  deu  kneipenden 
Pruck  gespensterhafter,  elbischer  Geister  ver- 
anlassten Blutaustritte  unter  de»  Haut  (Alp-, 
Totenflpcken)(v.  Gehren,  von  Gespenstern  8).  —  (16S0J 

Ohren- Kneipen,  1  der  kneifende  Ohiren- 
Bchmerz  [Gr.  w.  VII,  1256),  —  2.  -  Ohrwurm  (■».  d  ), 
als  der  einen  solchen  Schmerz  veranlassende 
Parasit  im  Ohre  (conf.  hniplngr,  Kdda,  Volotpa).  — 
Tuten- Knepe.  I   (dan  doeding*  kneb,  l.iebrecht,  r.. 

V.  K.  313)  -  der  Totemanns -Griff  (s.  d  ),  eine 
plötzliche  Lähmung  durch  den  kneifend  zu- 
greifenden Dämon  aus  dem  Totenreiche  erzeugt, 
nach  dem  nord.  Volksglauben  (s.  Geistknep) 
(z.  il.  v.  t.  v.-k.  ih93.  h.  25).  —  Kneip-Fm^r 
•Nagel,  -Zahn. 

kneisten  [Tirol)  =  kreisten  (s.  d.),  schwer 
atmen,  schnauben, stöhnen  (Gr.  W.  V,  2162;  Fromm. 

VI.  298). 

Kneitel  s.  Knauter. 

Knepe,  f.  s.  kneifen  u.  knapp. 

knerfeln  -  mit  knarrendem  Knorpel -Tone 
die  Zahne  bewegen,  knirschend  nagen  (Tauli  52). 


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KneuÜel— Knie. 


Kniebel— knischen.  27» 


[  s.  Knebel. 
Kueussel  s.  Knausse. 

Kneust  (Knentel)  s. Knanter  (ig  Jahrh.;  <.r.  w. 
V.  1373)  =  harte  Drüsen  KD  den  Leisten  etc. 

Kneuwel  s.  Knebel. 

KnibeditS,  tn.  =  Knirps  (Aachen). 

knicken  (s.  Knie).  —  L«its<  • Knicker  siehe 
knacken)  (diethmar*.  Luescnknicker.  Imucll  II,  so) 

—  Daumen  (V.  K.  U,  142).  —  Knicke  -  Bein, 
-Fuss. 

Knie.n.  (kniegeln)(irem.-lndogcrm.  [genu,  gerat), 
gnu  ,  Kluge*,  204;  genu  -  Knie;  dazu  gea  [griccb.)  = 
Erde  al»  grosse  Mutter,  Eckstein;  germ.  knu,  engl, 
knee;  sehwed.  knft;  goth.  kniu,  kniwa  (dazu  knirken, 
Kluge  1.  c  .  u.  glgncre  =  gebareu];  die  kauernde  Knie- 
Stellung  wird  die  ursprünglichere,  natürlichere  Geburts- 
»tcllung  schon  bei  den  IndoGermanen  gewesen  sein ; 
ahd.  chniu,  chneo  ;  7.-8.  Jahrh.  chnlu  -  genu,  Gass. 
Glos«.,  8.  Jahrh.  chnlu  =  genua,  Knb.  Maur.  =  jinuuola 
[rom.]  =  mtl.  genlculum,  Gass.  Glos*. ;  Diez  96;  Ii.  Jahrh. 
knnl  =  genu,  Voc.  opt.  W.  1.  13.  2U8;  1440  knu  -  varlx, 
I».  6.K1.  1482  knyo  =  nifTrago,  Zen.  Voc.;  15.  Jahrh.  knul 
=  genu.  knyc  =  suffragines,  popllces,  V.  566;  Gr.  \V. 
V.  1422;  tnhd.  knie;  152«  kueu ,  II.  v.  Gersd.  53; 
17  Jahrh.  knü,  Gr.  W.  V,  1121 ;  Voralberg  kneu  ;  Schwell 
krnm;  o.-pfali  knel),  1.  =  das  Knie  bei  Menschen 
und  Tieren  als  bänderreiche  Verbindungsstelle 
zwischen  Ober-  und  Unterschenkel,  und  au  (fäl- 
ligster Beugungsort  <lerselben  beim  Gehen  und 
bei  der  früheren  kauernden  Gebnrtastellung 
(Sullrago,  Varix,  Genu,  Vorder-  u.  Hinteiknie). 

—  2  =  die  Stätte  des  Lusus  venerotis  (s.  Galgen) 

—  Pas  Knie  des  Ehemannes  war  der  Vorläufer  des 
liabartMtUhl«,  dn  das  gclxtrcnde  Weih  ehenuils  auf 
den  Kuhn  des  Vaters  die  Kindsweheu  verarbcitele ; 
daher  Ist  Knie  auch  zur  Bezeichnung  der  Verwandt 
sehaft  (h  Knlebasleln  *,  8chm.  I,  1313)  genommen  und 
bezeichnete  die  Erbfolge  nach  des  Vaters  od.  der  Mutter 
Knie  (Kochholz  I.  211;  Scheible  IX,  26«J,  Gr.W.  V,  1421). 

—  3.  =  Knie-Ähnliches,  d.  Ii.  wie  ein  gebogenes 
Knie  winkelig  Gestalteles.  —  Knielein  (ahd. 
chuielin  --  genlculuin,  Graft  IV,  575;  das  kleine 
Knie,  z.  ß.  bei  Kindern.  —  knie^eln  (knickein) 

—  in  den  Knieen  gnappen  (s.  d.),  hinken,  heim 
Gehen  mit  den  Knieen  kurz  einsinken  (<.r.  w.  V, 
1418;  Scbm.  1, 1311);  (vergl.  Knickebein).  -  Bocka- 
Kaie  (beim  Pferde)  -  eine  Anschwellung  der 
hockähnlich  nach  vorne  geboutrlen  Kniec  (<;-.  w. 
Ii,  20*).  —  (1020)  böses  Knie  =  (lWD  brenthaftcs  Knie 

krankes  Knie (l»r.  Minderer;  Hock  363).  —  Doppel- 
Knie  =  ein  darch  Deformierung(r..  Ii.  angeborene 
Kniescheiben-  Verrenkung  auf  den  auss.  Gelenk- 
knorren, condylus)  gedoppelt  erscheinendes, 
weil  gleichsam  2  knorriges  Kniegelenk  (M.  Med 
Wi.ch.  l«'.»5.  s  58s)  —  gebrauchte  Kniee  (mhd.  ge- 
branchte  chnie  -  geuua  ineurvala,  Schnuller  1,  338; 
.  brauchen«)  -  gebogene,  gebeugte  Kniee.  — 
UinU  »--Knie  =  das  Sprunggelenk  beim  Pferde 
am  Hinterbein  (Mayer  »4,  Herbst  121,  —  Klein- 
Knie  (13.  Jahrh.  klein  kney  =  genlculuin,  I»  260)  - 
Knielein.  —  OcJisen  Knie ,  1.  =  die  X-FOSM, 
Genu  valgum  (engl,  calfknee  -  Kalbkuie),  beim 
Menschen  u.  Pferde,  wenn  die  Kniee  wie  beim 
Ochsen  allzu  enge  nach  innen 


(Gr.  W.  v,  112«;  vi,  H34)  (Knieboluor).  —  2.  = 
Boa,  la  infratione  di  Ii  gambe  =  Tumor  crurum 
e  labore  viae  collectus ;  also  ein  einseitiges, 
durch  Geschwulstbildung,  Ochsengalle  (s.  d.) 
verursachtes  Ochsenknie  (Du  fange  I,  682;  ctre 
gambl,  BrUa.  296).  —  Tripper  Knie  =  ein  durch 
die  Trippertrieht  (s.  d.)  erkranktes  Kniegelenk. 

—  Uber -Knie  (ahd.  uparknlul,  Graf!  IV,  575)  = 
Femur,  der  ober  dem  Knie  befindliche  Teil  des 
Oberschenkels.  —  Vorder  Knie  =  das  eigent- 
liche Knie  bei  Vierfüssern  (Kalke  II,  u».  419),  d.  h. 
«1er  Gelenkteil  zwischen  Kegel  und  Schienbein 
an  der  vorderen  Gliedmasse.  In  dem  I.andc  der 
„englischen  Krankheit"  unterscheidet  man  Aussenknlc 
(oulkuee)  -  Sabelbelnc,  Bogenknle  (bowknee)  =  O-Bein ; 
Innenknle  (inknee)  =  Baekerbein ;  Ilauswagdkuic, 
housemuidskuec  (Knieschwnintu ,  ».  d);  Knockknie 
(knockknee)  as  X-Bein  (Lehfeld.  12.  81.  125. 183.  186. 205) 

—  Knie  wider,  -Aug,  -Basel*,  -Bein,  -Beuge, 
-Beide,  -Biege , -Biss,  -Blatt,  -Bohrer,  -Buek, 

-  Bug,  Enge, -Galgen.  Galle,  -Gelenk,  -  Geschwulst, 
•  Gicht,  Homme,  -hängig,  Holde,  -Kehle,  Knollen, 
-Knoten,  -Lotterer,  -Paternoster,  -Pfanne,  -Rad, 
•Rotel,  -Schale,  -Scheibe,  -Schnapper,  -Schwamm, 
-Schwiele,  -Sehne,  -Spitze,  -Stecher,  -Stelz,  -Sucht, 
-Tropf,  -Übel, -Weiche,  -weit,  -Wenke,  -  Wetzer, 

-  Winkel,  -Zipperlein. 

Kniebel,  m.  s.  Knobel. 
Kniffel,  m.  s.  Knüpfel. 
kniffen,  kniften  ~  kneifen  (s.  d.)  (t .  v.  «ehm. 

31B  ;  Sebm.  I,  1350;. 

knipfen,  knippen  =  hinken,  knappen  (s.  d.) 
oder  knippen  (Schm.  I,  1352) 

Knipperdolling  (1611  ein  verhüllendes  Scherzwort 
für)  Bauchkneipen  (s.  d.),  Crepitus  ventris  (Gr.W. 

V,  1437). 

Knips,  tu.  (1691 ;  Kluge  &,  204)  Knirps. 

Knirbeln  ~  kntfrpoln,  knirschen  mit  den 
Zähnen  (Schmeller  I,  1353). 

Knirps,  m.  -  ein  kleiner,  zwergartiger,  ver- 
krüppelter Mensch  (zu  Knorf,  ndl.  ■  Knoten, 
Kluge  *,  204). 

kninen  ■  knarren,  knirschen  («.  d.)  (Gr.  \v. 
v,  1414).  —  Knirr-  (Gnier-)Band. 

Knirxfil  -  Knirps  (1788;  Kluge»,  201}. 

knirschen,  knerscheln,  knirschein,  knirsen, 
knürfeln,  knirbeln,  knirbschen,  kirschen, 
kniseien,  knarschen,  knarren,  knarpeln, 
knarspeln,  knaschen,  knorsen,  (udsachs.)  gnur- 
schen,  gnarschen  ~  eine  tonmalende,  den 
hurten  Ton  der  reibenden  Zähne  nachahmen- 
des Wort  mit  vielen  Verschlechterungen  und 
anlautenden  mundartlichen  Schwesterformen  - 
dentibuserepitare.griesgramen  (Gr.W.V,  Uli  IT.); 

,    , .       r,  .,      I  knirren  (iWl) 
(oberd  )  kirren  (s.  d  ).  -  Zahne-  (  knir8chen 

—  knirschen  (schon  In  den  nordischen  t'rzelten  als 
launfrlftOir    Zahnknirscher  vorkommend,  Slmrock, 

II.  0.  M.  236). 

Knirwes    Knirps  (N.-ithcln).  —  Knir-Fcr 
knischen  s.  niesen. 


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280  knitschen  — Knochen. 


Knochen. 


kni Ische n  (kni sehen,  tauschen,  knisten, 
knutschen,  knusten,  knüssen,  knauzen, 
knisten ,  knistern)  (ahd.  chnistian  =  oontorero, 

GratT  IV,  57 1 ;  cbnussiiti  =  Widert',  Kromin.  VI, 
■.»98;  mhd.  knisten,  Kluge*,  204;  1599  knisten  =  zer- 
knittern; l'.Ol  zerknlslen  =  coniuudcre;  mit  einer 
Reihe  von  Nebenformen,  die  alle  eine  gemeinsame 
Bedeutung  haben ,  indem  sie  onomatopoictlsche  IUI  - 
düngen  sind,  die  das  ist-  oder  itsch-üeruusch  de»  Kni- 
Sterns  oder  Knifchcns  beim  Quetaoben ,  Zermalmen, 
Reiben  nachahmen.  Cr.  W.  V.  Mit  ff  ,  152«;  dazu) 

knütschW'in  (knizblau).  —  Zähne- Knisterung 

(Mit  gulstcruugc  der  zene  =  Stridor  dentluin,  I).  . •n«; .> 

—  Ziihneknirschung.  —  Knitschung,  f.  (Knist- 
ung,  Knitzung):    /•  •  Knitschung  (Knutsch. 

UUg)  —  t),nct8chung  (Trifona  Adlb.  48;  1620;  1591 

eontnalo,  Rad,  Jun.  ;sst).  —  Knitter  (udd.,  Lippe). 
Knitzer  (Schwaben),  1.  =  Hitzbluschen  (Finnen), 
die  man  aufkuitscht,  aufquetscht  (r„  v.  Schm. 
320).  —  2.  a  die  Quetflchungeetelle  (<;r.  W.  V,  1417; 
Sehmelier  I,  1776).  —  knitterig  -  mit  Finnen  be- 
setzt (Fromm.  VI,  209). 

Knittel,  m.  s.  Knüttel. 

Knitten,  pL  —  Ge-Nitt,  s.  Niss. 

Knohel,  m.  Knöbel  (obd.),  Knebel,  Knowel 
(od.),  Knotfei  (md  ).  Knübel,  Km  ober;  Knobel 

(seit  dem  18.  Jahrb.,  nach  <ir.  W.  V,  1418),  1.  —  Finger- 
knöchel  (Schw.  352).  — 2.  =  Finger,  Hand,  geballte 
Faust,  eofern  die  Knöchel  dabei  berücksichtigt 
■lad.  —  3.- Internodium,  die  an  den  Finger-CSe- 
lcnken  vorspringenden  Knochenknöi  rlein  (Schm 
I,  1345).  —  4.  -  verhärteter  Auswuchsknorren 
(Hävern;  Schm.  I,  1346),  —  5.  —  Schnupfen,  „ein 
auswendiger  Fluss"  (15  Jahrh. ,  N-Rhein)  =  dazu 
[taUH  Knobloch  =  ein  Augenfehler  (Kerato- 
konus?)  beim  Kind  (Seb.  150).  —  6.  =  Penis 
(Knofel).  —  Unter  Knöbel  [18.  Jubrh.  rnterknenllel ; 

11SJ  uutcrknebel—  inleniodium,  I).  304J  =  Zwischen- 

knöchelchen.  —  (U88]  knobelicht  =  <-in  ver- 
wachsener .Mensch  <;r  w.  v.  iti9).  —  Knobel- 
Bcin. 

Knochen  (Knöchel,  Knüchel,  Knöchsel) 

(Roth.  knu<|ii;  engl,  kiiuekle  —  Knocbengelenk,  Kall- 
schm.  1  ;  [dUU  Knocken  ,  m.  d  de*  II.  Sacht] ,  spat 
mhd.,  13.  Jahrh.  knoehe  n  Astknochen,  Knorren,  der 
harte  Knochen;  mnd.  knuken  =  Knochen,  Mag.  Hürth. 
97  a;  knochen  fehlt  noch  bei  Luther  und  ist  im  Obcrd. 
[«.  Gnack]  meist  durch  „Bein"  [».  d.)  gegeben; 
(„Knöchel"  Ist  jedoch  gut  oberdeutsch  geworden,  letz- 
teres verdrängend),  14S3  knoch  =  condylus,  nodus, 
tophus,  Gr.  W.  V,  1101  «üb  2;  Zeiilug.  Voc.  .|  8 ;  laltts, 
Gr.  Vf.  V,  145  » ;  knoch  bluten  am  nack  m  nueba,  Zen. 
Voc.  <i  S;  knoch  an  holt/,  Astknochen,  Zen.  Voc.  r  1; 
U>23kn«chel  -  knod,  gleich,  Kluge*,  205  ;  1748  knochscl, 
Jiyrtl,  K.  W.W;  Oldenburg,  Ohcrpfalz  kDBken  ■  Kno- 
chen, Goldschm.  16;  Schm.  1, 1347).  —  Knochen  (noch 
ür.W.V,  1455  ff.)  -  fester  Teil  d.  tierischen  Körpern, 
harter  Wulst,  Knorren  (Unterschied  vom  Beine, 
».  d.) ;  L  =  Knöchel  (  =  Enkel,  b.  d.).  —  2.  =  Ulie- 
derkuorreu  (Condyius,  Epiphysis,  Tophus).  — 
3.  =  Gebeine  Oberhaupt.  —  4.  -  Zehen  (nloderd. 
knnken).  —  5  =  lebendes  Gebein,  (ilieder,  Ge- 
lenke. —  G.  —  Tierknochen.  — 7. —  Totengebein. 

—  8.  =  Fliese  (Heine).  —  Knöchel  (mhd.  knogerlln, 
knüchel,  kniigcl,  Kluge*.  205,  „der  kleine  Knochen", 


„kuolcnurtlge  Erhebung",  <.r.  W.  V.  14.1;  dem  mhd. 
Knöchel  wird  da*  Denken  an  „Knochen"  den  Sinn 
verschafft  hüben,  Gr.  1.  cod.;  mhd.  kuochcl,  ktuichel 
( — ■  arliculus,  condyius,  taluv  nodus],  nach  Gr.  W.  V, 
1451;  1615  kuochsel  =  talus  pedum,  Coler,  H.  A.  216), 

1.  =  der  Knöchel  über  dem  Fuss  (=  Enkel, 
Fessel,  Malleolus).  —  2.  -  Knöchel  an  der  Hand 
(osselets),  Handwurzel,  Ballen.  —  3.  —  Finger- 
knöchel an  den  Gelenken.  —  4.  =  Faust,  Hand, 
Finger.  —  5.  =  Zehenknöchel  (Hyrtl ,  K.  W.  97). 

—  B.  =  Knöchelgelenk  u.  Fesselgelenk  (seit  l«S2, 
Falle«  II,  28).  —  7.  = Kücken  wirbel  (Froc.  flpinosi). 

—  8.  —  krankbaftcr  Knoten  (Tophus).  Die  Kitte 
der  GCTinMlMI,  dem  Toten  Knochen  ins  Gmb  mit  zu 

'  geben,  Knochengalgcn  u.  ReinhUueer  zu  errichten,  er- 
klärt Rochholx  (I,  237.  32«)  mit  der  Wertschätzung  der 
körperlichen  Vollkommenheit  auch  im  Jenseits.  Die 
Lehre  von  der  körperlichen  Fortdauer  noch  dem  Tode 
war  un  die  Erhaltung  der  Knochcnsubslauz selbst  gebun- 
den, n.  der  durch  Jagd  u.  Krieg  mit  Wunden  und  Ver- 
stümmelung geuugeud  vertraut  gewordene  Germane 
durfte  nicht  hoffen,  alle  seine  Glicdmassen  unversehrt 
mit  In  daa  Grob  bringen  zu  können  ,  daher  gab  man 
ihm  im  Notfälle  einen  Ersatzknochen  mit  in  das  Grab; 
was  sagen  unsere  rhirurgen  zu  dieser  Sitte V  Die  Wert- 
schätzung des  menschlichen  Knochens  ergab  sieb  ehe- 
mals aus  seiner  tirüsse;  nach  den  alemanUchcn,  frie- 
sischen und  longobardisehen  Gesetzbüchern  musste 
z  R.  ein  Knciehenscjuester,  der  beim  Wurfe  auf  dem 
Schilde  klirrte  und  nach  einer  Verletzung  ahgestossen 
worden  war,  mit  Geld  abgelöst  werden  :  „cum  os  magne- 
tudiuis  est,  vit  jactum  trnus  viam  publicam  12  aut  24 
pedum  in  scutum  acreum  forte  aut  ferreum  sonum  ita 
edut,  ut  atidlri  posslt"  (Du  fange  VI,  7U;  Gr.  Kcehtjs- 
Alterth.  77;  Rochholz  I,  213).  —  knochig  (1-182),  1.- 
ossibus  plenus,  nodosus,  condylotnaticus.  — 

2.  —  gichtknochig  (tophis  impositu»)  (Gr.  W.  V, 
1461).  —  knöchericht  —  voll  Knochen,  au«  vielen 
kleinen  Knochen  bestehend,  mager  (Gr.  W.  V, 
1401).  —  Knöchhr  =  Knöchel-  (Knochen  ) 
Mann,  Tod,  auch  Hanns  Knöchler  genannt 
(Gr.  W.  V,  1481;  Wackernogel,  Abhdlg.  III,  Iii).  — 
sltif-Knochen  =  Auswuchs,  Knochen  am  Holz; 

j  Asi  =  Buckel,  Auswuchs  am  Kücken  od.  (iliede; 

Bich  einen  Ast  lachen  =  den  Buckel  voll  lachen, 
'  d.  h.  bei  heftigem  Lachen    inuss  man  Bich 

halten ;  kann  man  sich  nicht  halten  vor  Lachen, 
;  dann  fahrt  der  Kopf  zwischen  die  Schultern, 
I  und  der  Lacher  erscheint  wie  buckelig,  hat 

einen  Astknochen  wie  das  Holz  (b.  giehtastig) 

(Wustmann  30).  —  ,lu/Vrsh7iuH7*-KnÖchclchen 
Kr  m  ,   E.  57H     Roi  nholz  1  ,  21» j   Zeit«  Ii r.  .1.  V  f. 

V.  K.  1895,  s.  loi),  s.  Judenknochen  und  Lax. 

—  Awjen- Knochen  -  Backenknochen  unter 
dem  Auge  (Gr.  w.  i,  807).  —  autknöcheln  =  durch 
Verstauchung  den  Knöchel  aus  seiner  Verbin- 
dung bringen.  —  iificAcn-Knochen  =  Os  maxil- 
lare,  der  unter  der  Backe  [».  d.)  befindliche 
Knochen,  Jochbein  (Gr.  w.  I,  ioc.7).  —  Beckcn- 
Knochen  :  die  das  Becken  (Knochen  -  Ring) 
an  der  Hüfte  bildenden  Knochen.  —  Brust- 
Knochen  -  der  Brustkorb  (b.  d.)  (Wd.-R.  689).  — 
Darm  Knochen  --  Darmbein  als  der  den  Go- 
ditrmcti  nächster  Knochenteil  (<jr.  W.  11,  782).  — 
iYrsrtfz-Knochen  9.  oben.  —  /?.rrrrt>r-Knochen 

—  die  bei  altgedienten  Soldateu  im  groBBen 


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Knochen. 


Knochen. 


281 


Brustmuskelsich  bildende  Verknöcherung,  her- 
vorgerufen durch  den  stetigen  Druck  des  Ge- 
wehres. —  Finger-Knöchel,  l.  =  dieNodi(Cei*us). 
2.  =  Nodi  et  Internodia.  —  3.  —  die  Tophi  als 
knorrige,  knochige  Auswüchse  bei  der  Gicht 
(Gr.  w.  v.  hö3).  —  Fiuz-Knochen,  I.  =  Knöcliel 
=  Knkei  (s.  d.,  Malleolus,  Fussknöchel)  (Gr.  w. 
IV,  l.  IMS;  V.  1455).  —  2.  =  die  den  eigentlichen 
Fuss  zusammensetzenden  Beine  (Gr.  w.  IV,  l. 
1033).  —  3.  =  die  das  ganze  Bein  (untere  Ex- 
tremität) zusammensetzenden  Knochenbeine 
(Gr.  w.  IV,  l.  loat).  —  Hai»  Knochen  (13.  Jahrli. 
eyn  hals  knoke  =  ola,  D.  II.  270)  =  Hals-Grat,  Wirbel 
und  Schulterknoehen,  Cervix,  Nueha.  —  Hand- 
Knöchel  (1515  hant  knlcbel  =  gausapium  [carpusium], 
D.  268)  =  Carpus  (Handwurzel)  im  Gegensätze 
zu  dem  Kussknöchel  (Malleolus).  —  /<  ••.••'knocb>; 
=  beinfest,  auch  langlebig  (Roehhotz  I,  29u).  — 
Herz  Knochen,  1.  =  Brustbein  über  dem  Herzen 
(Hyrtl.  K.  W.  124).  —  2.  =  das  bei  alten  VierfflSBern 
(Hirsch)  am  Ende  der  einen  od.  anderen  Herz- 
kammer oder  auch  bei  beiden  sich  vorfindende, 
durch  Verknöcherung  des  Herzmuskels  entstan- 
dene Knöchelein  (Krenz).  —  höchste  Knochen 
[13.  Jabrh.  de  hoghesten  Knokcn  -  pale,  D.  II,  27G) 
=  Schulterknochen  (beim  Tiere)  u.  Halswirbel, 
Hochruck,  Kist  2.  —  Hüft  Knochen  =  Hüftbein, 
Darmbein.  —  In  l  i  Knochen  =»  der  durch  eine 
Quernaht  an  dermenschl.  Hinteihauptsschuppe 
abgetrennte  obere  Teil  dieses  Knochens,  welche 
Anomalie  Tschudi  bei  den  alten  Peruanern 
(Inka*)  sehr  häufig  fand  und  dieselbe  als  Inka- 
Eigentümlichkeit  autfasste,  so  dass  Tschudi  an- 
nahm ,  jeder  solche  Schädel  stamme  ans  Peru 
(corr.  f.  A.  E.  1896.  158  ff.).  —  [1740]  Juden-Knöch- 
lein,  L  —  Processus  odontoideus,  Dens  epistio-  j 
pheus ,  Reibnagel  beim  Schweine,  Ossiculam 
Judaeorum  ;  nach  dem  Volksglauben  ein  bezaubern- 
der, »cblafbringender  Knochen  fs.  Jude  und  Jungfer  im 
im  Badej ;  ,.cs  soll  dies  ein  besonders  kleines  Beiu  um 
menschlichen  Leibe  «ein ,  so  bort  und  (est ,  das*  ex 
weder  durch  das  Feuer  noch  au(  irgend  eine  andere 
Art  zernichtet  werden  kann,  und  die  Juden  sollen  sieh 
davon  bereden,  es  bleibe  bis  an  die  Auferstehung  der 
Toten  unverändert,  und  au«  Ihm  werde  bei  der  Auf- 
erstehung der  ganze  Mensch  gleichsam  wieder  von 
Neuein  hervorgebracht..  Inzwischen  sind  Hie  noch  nicht 
anter  einander  einig  geworden ,  was  dies  eigentlich 
für  ein  Knochen  sei;  denn  einige  behaupten,  er  liege 
zwischen  verschiedenen  Wlrbelbcineu  >.  Saujungfer), 
andere  gcl.cn  vor,  er  sitze  im  Nacken,  und  wiederum 
andere  setzen  ihn  ins  Kreuzbein".  A.  v.  II.  Ii.  925). 
,  ,Ks  träumen  die  Rabbiuen  noch  von  einem  besondern 
Heinlein,  so  sie  -Lus-  (s.  Luz)  nennen,  welches  ausser 
allen  diesen  bemcldlcn  Knochen  um  menschlichen 
Korper  zu  finden  und  so  hart  sein  solle,  dass  es  durch 
keine  Gewalt  zerschlagen  noch  durch  Feuer  od.  einige 
andere  mögliche  Zernichtung  verdorben  werden  könne, 
sondern  bis  au  den  letzten  Tag  unverweslich  dauere, 
woraus  alsdann  der  ganze  Mensch  w  ieder  solle  gebildet 
und  aufgeweeket  werden.  Sie  sind  aber  bei  dieser 
Fabel  selber  nicht  einig,  indem  es  einige  bald  hier, 
bald  da,  zwischen  den  Wirbelbeinen,  im  tienicke,  in 
den  Lenden  ,  am  UeUigbeine ,  bald  auch  am  grossen 
Zehn  vergeblich «uchen  wollen"  (Kulmu'52;  I.  Zctt«ehr. 
<!.  V.  f.  V.  K.  1896.  S.  101;  sowie  Itochbolz  1,  219.  2121. 


—  2.  -  das  äusserst  harte  Os  petrosum,  welches 
einem  Kopfe  mit  spitzem  (Juden-) Barte  ähnelt 
(Gcfälllgu  Mitt.  des  H.  Med. -Rates  Dr.  Huber  in  Mein- 
mlngen;  [s.  steiniges  Bein]).  —  Knaupcl -Knochen 
=  Knorpel  (Gr.  \v.  v,  i486).  —  knorrichte  Knöchel 
=  dicke  Enkel  (Gr.  W.  V,  1497).  —  Knusper- 
Knochen  (undd.  knusperknaken  ,  Kluge8,  205)  - 
Knorpelknochen  (s.  Knorpel  und  knuspern).  — 
(1788)  AVr'ur-Knochen  =  Kreuzbein.  —  Laden- 
Knochen  =  die  Kieferlade  beim  Pferde  (Mayer ..2) 

—  (1788)  Linsen-Knochen  =  Sesambein,  s.  Roll- 
knöchelchen  (Schaarschm.  I.  206).  —  Mark(»)- 
Knochen  =  mit  iMark  (s.  d.)  erfüllte  Knochen 
(Gr.  w.  vi,  16»D.  —  (1482)  Nacken  Knochen  (knoch 
hinten  am  nack;  1482  nack  in  den  knochen  o.  gepain. 
Gr.  W.  V,  1156;  ü.  384)  =  Cervix,  Nackenteil 
der  Wirbelknochen.  —  .Y  .'/('-Knochen  =  die 
zwischen  den  Knochennähten  (s.d.)  am  Schädel 
befindlichen  Beinchen.  —  Aasen  Knochen  = 
Nasenbein  (Gr.  \v.  VII,  412).  —  OTtr-Knochen  - 
der  Knochen  (Os  temporis),  in  welchem  das 
Gehörorgan  seine  Stätte  hat.  —  ß<  .••■•Knochen 
(Preusaen)  =  das  Brustbein  (s.  d.  und  Gänsebein) 
des  Geflügels,  weil  es  bei  Tisch  von  2  l'ereonen 
zerrissen  wird  unter  dem  Wunsche:  wer  das 
grössere  Stück  behält,  dessen  Wunsch  erfülle 
sich!  (Gr.  w.  viii,  763).  —  Reit(er-) Knochen 
der  bei  altgedienten  Reitern  in  dem  Addnctor- 
Muskel  des  Oberschenkels  durch  langen  for- 
zierten  Druck  sich  ausbildende,  dem  Exerzier- 
knochen  des  Infanteristen  analoge  Knochen 
(engl,  ridersboue,  Lebfeldt  »8,  Förster  II,  1015).  — 
Rohr-  (Ä-../  •  .•  Kncchen  =  die  langen,  hohlen 
Extreraitätenknochen,  Humerus,  Femur,  na- 
mentlich aber  die  Tibia.  —  (i:s8j  A'.j/(  Knöchel 
chen  =  Ossa  sesamoidea,  die  früher  zum  Spielen 
benützten,  leicht  gewölbten,  linsennbnlichen 
Knöchelchen  (Hyrtl,  K.  W.  64;  Schaarscbm.  I,  206), 
welche  man  als  rollende,  walzende  Unterlage 
für  die  Sehnen  deutete.  —  /.''<.  A-e-u-Knochen  • 
das  den  Rucken  bildende  Wirbel-Knochenge- 
rüste (innd.,  lt.  Jabrh.  rtigghe  knake ;  1420  rugge 
knacke  =  spoudyle,  I).  548;  II,  346;  15.  Jahrh.  rocken 
knoche  —  der  Sitz  der  Kreuz-  und  Rückenschmerzen 
bei  Fraueuleiden,  nach  Mag.  Barth.  103  a).  —  Schädel- 
Knochen  -  Kopfknoehen,  die  den  Schädel 
bilden.  —  &7iam-Knochen  =  Os  ischii,  Schoss- 
bein an  den  Schamteilen  (Gr.  W.  VIII,  2ils).  — 
S  hi  Knochen  -  eine  Knochenspange,  die 
sich  in  den  Muskeln,  namentlich  im  Brustmuskel 
(Pectoralis),  durch  den  Rückstoss  des  früheren 
Gewehres  beim  Schiessen  ausbildete.  —  Schulter 
Knochen  (is.  Muh.  MhuMerkaak«  -  scapuia,  D.  U, 
t>9)-^  Schulterblatt  als  Knochenteil.  — singender 
Knochen Röhrknochen,  Tibia,  Canna  (Roebb. 
1,243).  zur  Schalmey  verwendet  —  Spann- 
Knochen  =  die  Rückenwirbelbeine,  an  denen 
sich  die  den  ganzen  Stamm  spannenden  Rücken- 
muskel  ansetzen  (Falke  II.  ;>23)  (z.  B.  beim  Starr- 
krampf). —  Spart  -Knochen  -  ein  die  Sparre 
(g.  d.j  hervorrufendes  Überbein  (Falke  II,  32$). 

—  (1740)  S/arr-Knochen  =  der  hervorstarrende 
Börzel  {«.  d.\  Steissbein  (Kulmus,  Register).  — 
?/irn  Knochen  -  Os  frontale.  —  7'inÄa-Knochen 
bi  Os  tincae  in  der  knorpelharten,  vorderen 
jungfräulichen  Mutteruiundslippc,  museau  de 


2S2  Knocke!— Knollen. 


Knölster— Knopf. 


tanclie,  Ähnlich  der  Mundspalte  einer  Schleie 
(Cyprinus  tinca)  (Hyrtl.  Auat.  TOD;  D.  sat).  —  (UM) 
'/'»/«»-Kilochen  =  Skelett  (Kluge  *  850).  —  Yer- 
knöcherun^  —  Ossificatio,  Exostosis,  Synostosis, 
1.  =  meist  nur  Verkalkung  ohne  bestimmten 
Knochenbau  oder  2.  ^  pathologische  Knochen- 
Neubildung  (wie  der  Spat  beim  Pferde),  Ver- 
einigung Bonat  getrennter  Spalten  durch  Kno- 
chenbildung. —  IVVrW  KllOChen  =  der  einzelne 
Wirbelan  der  Wirbelsäule. — Z  wisch  en  ■  Kno  c  h  e  r. 
=  die  zwischen  "2  anderen  Knochen  o.  Knochen 
enden  liegenden  Verbindungsknochen,  Dia- 
physis,  Internodium,  KnObel,  l'nterknitufel, 
Schalt-Koocheo.  —  Knöchel-,  Knochen-  (knö- 
chern [e,  er,  es])  Auftreibung,  -Auxwurhs,  -Bau, 
-Brand,  -Bruch, -Brüchigkeit, -dürr,-Enreichung, 
-Fäule,  -Fett,  -Feuer,  -Fieber,  -Frost,  -Fuge, 
•  Gebäude,  Geripp,  -Gerüst,- Hauer, -Haus, -Haut, 
-Heinrich,  -Knopf,  Krankheit,  -Kreb*,  -Macht, 
-Mann, -Mark,  -Mnitrie, -Saft,  Schädel,  -Schwin- 
del, -Spalt,  Spat,  -  Typhus,  -  Verwirrung,  -  Weiche, 

—  Wurm. 

Knockel,  Knocken,  m.  (Knöckln)  (1120  knokei 

a  ascclla,  iniemodium,  I).  .\3;  H2"i  knoke,  1).  103  = 
cartilagii.  r»'j0  knocken  aus  [goth  }  knu.pi,  Kluge*,  2Üö) 

—  Knochen,  1.  -  Knöchel  am  Fuss,  Finger  oder 
an  den  Händen.  —  2.  =  Gelenkknorren.  — 
3.  -  (tC.  Jahrh  )  krankhafte  Knoten  oder  Knorren, 
Tophi  (Gr.  W.  V.  »61)  (s.  Knochen).  —  welket 
Knocken  d  128  tratadl  knoke  yn  dem  vlesehc  — 
cariihkgu,  L>.  kb)  =  feuchtweicher  Knochen, 
Knorpel 

Knode,  m.  (Knödel,  in.)  s.  Knoten. 
Knöbel  s.  Kniebel. 

Knöchel,  Knöchsel  b.  Knöchel  bei  Knochen. 
Knöch,  Knöck,  vermutlich  -  Geneck  (siehe 
necken)- 

Knölster  B.  Knolster. 
Knöpfel  f.  Knopf  u.  Kampe. 
Knurr  lein  s.  Knorren 
Knörsung  s.  Knoreel. 
Knörtzel  s.  Knorren. 
Knötchen  (Knödli)  s.  Knoten. 

Knollen,  Hl,  («b  zu  nhd  hnol,  nol.  nollo  —  Gcnoll, 
Gnotl.  Spitze,  lüpf.«!.  Hülfet,  Schw.  352''  Noll);  kelt. 
Hollo;  mini  knolle;  engl,  knoll  =  Klumpen,  Kluge*, 
2U5).  am  Körper  nahezu  rundliche,  mehr  form- 
lose, ungleichmässig  feste  Gebilde  (Gr.  w.  v, 
IM«!.  1.  -  Nodus,  Tuber,  Tumor,  tiibbus,  wenn 
sie  nicht  besonders  hart  oder  nicht  ganz  rund 
Bind,  —  2.  =  Drüsenschwellungen,  wenn  sie 
sich  leicht  in  Kiter  verwandeln,  Phvnin,  Bubon 
Hipp,  Keulen,  Furunkeln  (Zu.  *27,  s.-b.  296, 
Puchs,  Uipp. ;  1013;  Hyrtl,  K.  W.  97).  Schwielen, 
(159a)  Brustdrüsen  und  Mandelanschwellungen 

—  3.  —  geschwollene,  gedunsene  FingerknOchel. 

—  4..  =  eine  unförmlich  dicke,  kurze  .Menschen- 
gestalt. —  5.  =  „Knoll,  Knollen  mit  weggelas- 
senem Anschlag  -k  heisst  Kopf,  Grint"  (Stinler, 
Schweizer  Ortsnamen  I«!).  knollen  knüllen;; 
-=  coire  (zu  -noll  [genoll,  s.  d  ],  Sch  melier  I,  13'iO). 

—  knoll«ir  =  was  viele  Knollen  hat.  —  uv.n 
ß/M<-Knollen,  L.  -  Varices,  Blutader- Knoten 


|  »Gr.  w.  v,  Mix.  —  2.  =  Furunkel,  Hautknollen 
(aus  dem  Blute  abgelagert  nach  früheren  An- 
schauungen (Bcbrcud  61).  —  (1620)  französische 
Knollen  =  Tophi  luelici  (s.  Franzosen).  —  (1582) 
Gleich- Knollen  —  Podagra  der  (Fuss-)Glieder, 
Tophi  arthritici  (Tabcrnaem.).  —  (Utt)  hintere 
Knollen  -  Condyloma»  ani  (Tabernaem.).  — 
hitzige  Knollen  =  entzündliche  Beulen  der  Haut. 
Furunculosia  (Behreud  Ol).  —  (MM)  innerliche 
Knollen  —  Mandelanschwellungen  innen  im 
Halse  (Bock  243>.  —  (1511)  Knie- Knollen  -  Topiii 
an  den  Kniegelenken  (Gr  W.  V,  1*66).  —  iU>vj 
iiOrtfraA7-Knollen  =  Gieht- Knollen  mit  krampf- 
iger  Stellung  der  Fingergelcnke  (Tabern  .).  — 
,V/i/c/*-Knollen  =  Milchdrüsen-Knoten.  —  [U&l] 
Ohren- Knollen  =  ausserliche  Knollen  am  Ohre 
(Parotitis)  (Hock  ;;•.•;>.  —  (lwo;  Sehl  ■  ■  Knollen  ■ 
akrophulose  Drüsenknollen  der  torpiden  phleg- 
matischen Form  (Phlegmata;  (pblegma- Schleim, 
Dr.  Minderer).  —  Kno]l{en)- Aussatz, •Bein.-Fingcr, 
-Fu8»,  -Hand,  -Huf,  -Krebs,  -Milch,  -Sucht. 

1     Knolster,  m.  (Knölster)  (i  >»2;  scb.  152 ;  r.TT, 

1C1S  ktioel«ter,  I)  St;  bupreslis,  buprc&sa,  Schmelier  I, 
l.r.l;  lureulio,  D.  II,  62)  -  der  F.ngerling,  Magen- 
wurm beim  Kind. 

Knopf,  in.  (Knöpfel,  Knoppel,  Knup,  Knop, 
Knoppe.  Knoep,  Knobbel,  Knob,  Knowel) 

Korm.  knup;  goth  knauppa-  [knuppa,  Knauf];  ahd. 
euopf,  ebnoph  =  bulla,  Knopf  [iJewsebs  =  Knorrv, 
Knoten],  Kluse 5,  20"..  chnophen  =  nodos,  H.  Z.  XV,  8; 
enopf  —  ncrvin  —  Schncnknorpcl,  H.  '/..  XVI,  69;  mini, 
knöpf  [du/u  Knüppel,  ».  «!.);  1T3I  Knopf  —  A  nach  Wei- 
tung Im  Halse  des  Rindes,  A.  M.  28;  ndl.  knobbel  = 
Ktiutcu,  Schwiele;  engl,  knob;  nach  Gr.  \V.  V,  H70fl  ) 
schwülstige  Krhöhung,  1.  -  Knoten,  Knor- 
ren, Auswuchs,  kleine  Warzen  oder  Drüsen- 
geschwulst (Bulla);  (al*  solche  letztere  eine  sicher 
alte  Bedeutung,  da  <lcr  Knopf  durch  Segennpruche 
bebanileh  wurde;  Knopfe  -  Beiden.  Gr.  W.  V,  1171 
(Tiroll;  173Ä  Kurunkel;  1Ö18  Aunsatzknoten;  IA»9 
knoepftel  I>rn«ciikti<-tcliL-ii  []'araeel«ii!>],  l,er>ch  221; 
ir,i2  Knopf  —  Dössel,  [*.  d.];  14112  Oberbein  (Ganglion). 
Gr.  W.  1.  c. ;  16-15  knoepücli)  =  NabelschuarkiioteD, 
Oder,  W.  3f7;  Buck  19;  Knopfe  =  Hämorrhoidalknoten, 
Pauli  72).  —  2.  "  rhachitische  Auftreilmngen 
der  Gelenkknorhen  und  ktiopffrtrmige  Ver- 
dickungen der  Kippen-Knden,  als  krankhafte 
Knoten  am  Leihe  (Kippen)  (<;r  w.  V,  1471,  I6M; 
15.  Jahrh.  knöpf  —  tuber,  inflatio  pectoris,  Gr.  \V.  V, 
17<.9).  —  geknüpft  Sein  <iuil  geknoopt,  l>e  l  ock  S3i 
=  Uhachitis  vs  Zwie-Wuchs  und  knüpfen); 
dem  rhachitischen  Kinde  ist  der  Knoten  oder 
Knopf  des  Wachstums  gemacht  wie  von  einem 
SSopfknOteO  bildenden  Ditmon  (vcrgl.  t'rquell  UNS, 

-  i:ü  ,  heim  Gi  leihen  sl  ihm  dann  dei  Knopf 
aufgegangen  ;nuek  tu;  (s.  englische  Krankheit). 

—  3  -  KnOchel  (Tirol).  Nodus  und  Internodinm 
iknopf.-l.  llintncr  ls;  Gr.  \V.  V.  1179;  1603  knoeppfe 

malleoli,  Knöchel.  Hyrtl,  K.  \V.  97).  —4.  =  Kopf 
(kuoppedotz  —  Scha<lel,  Kupf  [Siebenbürgen],  Gr.  W. 
V,  M71).  —  5.  -  Hoden,  Testicttli,  „die  am 
Dilltapp  (s.  d.)  hängen"  [Schmellet  I,  .wo).  — 
»}.  =  Nabel  (Knöpfle)  (Buck  16).  —  7.  ^  der 
kleine,  kurze  Mensch  von  untersetzter  (iestalt 
Knirps.  —  S.  -  das  runde  Hude  eines  unter  der 


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Knorfel. 


Knorpel.  288 


Haut  vortretenden  Knochen«  (Rippe)  iMougcr- 
u.  Jacerspraehe.  Schweiler  II,  394  «üb  Schalen).  — 
y.  a  die  warzenförmigen  Teile  de«  Mutter- 
kuchens (Mutterknöpfe)  hei  Wiederkäuern 
[Kalke  II,  140).  —  10.  =  der  sogen.  Übeiwurf  als 
knopfförmiger  Bauchfellbruch  (Falke  II.  IS)  (bei 
Tieren).  —  knoppert,  knöpfet,  knopficht,  1.  = 
durch  Tophi  verkrOturat,  durch  knotige  Aus- 
wüchse verändert  (knappet),  n  >dosus,  tubero- 
»us  (Gr.  VC.  v,  HSO).  —  2.  -  dick,  untersetzt 
(Schindler  i.  nit)  (verg).  Knüppel  n.  Knflpfel). 

—  <1716)  Ader-Knöpfe  =  Variees,  Haemorrboides 
;zw .09,  (ir.  Vi.  v,  iiTi,  =knotige  Anschwellungen 
der  Blutadern.  —  U735)  AusMitz  Knöpfe  = 
Knopf  1;  syphilitische  üautknoten,  Venus- 
beulen (s.  Aussatz)  (V.  U  61).  —  B  n  Knopf 

-  das  verstärkte  Ende  der  Knochenmasse 
Gr.  Vi.  I,  ia>:)  —  Z>ru«e/-Knopf  -  der  beim 
Hirsch  stark  vorragende  Kehlkopf  an  der 
Luftröhre  oder  Drossel  (Brehm  III,  13*).  — 
Gebärmutter-Knöpfe  —  die  warzenartigen  Er- 
höhungen (Multerkuchenteile)  auf  der  Schleim- 
haut des  trächtigen  Uterus  der  Wiederkäuer 
(s.  Kufeidarm).  —  (1803)  gtlber  Knopf  =  Milz- 
brand der  Pferde  (Anthrax;  gelber  Knoten) 
auch  gelber  Wurm,  -Brand,  -Schelm  (s.  d.) 
iZelUchr.  f  d.  Mythol  IV,  117,  Kalkei.  32« ;  11,38; 
Schnurrer  II,  iwj.  —  Ge/ewA"-Knopf  —  Gelenk- 
Knorren,  Condvlus,  Condyloma  (Kraus,  E.  261). 

—  (1532)  Gleichen- Köpfe  =  Tophi  arthritici 
(Fries  122)  —  die  Gichtknoten  an  den  Gelenken 
durch  den  Tropf  (s.  d.).  —  Grin t- Knopf  = 
Schlier  (s.  d.)  als  grösserer  Knäuel  von  eitern- 
den Halsdrusen  infolge  von  Kopfausschlägen 
ll'aull  129»  (s.  Grint).  —  Gurgel  Knopf  -  Pomum 
Adami  (Kehlknopf)  (Huck  16'.  —  (1601)  Hah- 
Knopf  (1V41  -Knöptfein)  =  Kehlkopf  (Hynl.  K 
w.  so).  —  //ai(/-Knöpf/i*tn  ■  Furunculosis.  — 
Herz-Knopf  (16.  Jahrh.  hertzkoopt  am  herezeu  — 
cardio,  I).  loo),  1.  —  das  Gefühl  eines  Knotens  in 
iler  Herzgrube  bei  Herz-  oder  Magenleiden. 

—  2.  -  Herzknorpel.  —  (r  l)  hintere  Knöpf 
=  Condylomata  ani  luetica  (Bock  171)  (s.  Lust- 
knöpfe)'  —  Stift'  (Huß-^  Knöpfe  [Tirol]  - 
Hüftknochen,  die  herausragen    Hintncr  8  m). 

—  A'i  hl  Knopf  -  (ÜtMMSCUnng  de*  Nodus  guttun* 
iler  Aral.Uten)  Kehlkopf  mit  dem  Pomum 
Adami  (le  dwiiiI  de  la  gow  ;  nilil.  de  knoep  an  der 
kele,  Kluge*,  I;  Hyrtl,  K.  W.  »9,  Gr.  Vi.  V,  399).  — 

(iTtu)  Knochen- Knopf  =  Caput  ossis,  das  knoj.f- 
förmigo  Ende  eines  Köhrenknochens  (I..  ch.  14). 

—  [17M1  Lust  Knöpfe  ■  Phymata,  Condylomata 
(A.  v.  II.  II,  1235),  Feigwarzen  bei  der  Lustseuche 
(Syphilis).  —  (1761)  A'a6<7- Knöpfe  -  Nabel- 
schnurknoten (L.  ch.  so).  —  .Vasen-Knopf  -  die 
abgerundete  Nasenspitze,  namentlich  wenn  sie 
durch  Frost  geschwollen  ist  (Gr.  \v  VII,  112). 

—  ArM*e/-Knopf  s  knüpfen.  —  ÄucA-cn-Knopf 
(MM  roekcaknopff,  D.  Ii.  2:*)  =  Palus,  Ruckbein- 
spitze als  das  untere  Ende  des  Rückgrates.  — 
'■  'knüpft  8.  knüpfen.  —  Wac/u»-Knopf  =  eine 
nozige  knollig  angelaufene  Leistendrüse 
(sympatli.  Bubo),  als  Folge  des  zu  starken 
Wachsens  (Tuberculosis?)  angesehen  (l'auli  i:so) 
(Wachsdrüse).  —  Knopt-Getmrhß. 

Knorfel,  in  s  Knorpel (l'artilago  Gr.w.v,  um  . 


Knorpel,  m.,  f.,  n.  (Knarpel,  Knarbel, 
Knorfel  Knorvel  .  Onorbel,  Knörbel,  Knor- 
spel,  Knuspel,  Kruspel,  Kurpel,  Korpel) 

IGoth,  knuilm-  [Knüppel]  oder  knanrha-,  Kluge*,  205; 
mhd.  knon»el,  knorbelbein.  kno«|>«l  =  cartilago,  mit 
einer  Reihe  landschaftlich  verschiedener  Nebenformen, 
die  aber  alle  eine  tonmalende  liedeutuug  haben  und 
das  Knarren  den  Hclx«eus  darstellen  »ollen;  115*8  knar- 
bel -  Knorpel,  'ir.  Vi.  V,  UM;  1512.  1518,  1529  knorpel, 
knorblen  =  puIpa  carnls,  caro  sine  pin^uedlne,  caro 
grossa  sine  ossibus,  D.  172 ;  seit  dem  Knde  des  IS.  Jahr- 
huuderts  überwiegt  „Knorpel",  Hyrtl.  K.  W.  100);  der 
Grundbegriff  des  Knorpels  ist  „halbweich,  hall>- 
hart",  gallertartiger  (siehe  welker  Knocken) 
Knochenansatz;  man  knorpelt,  knorpst  an 
demselben,  wobei  es  knirscht  (nach  Gr.  W.  V, 
um,  demnach)  1.  =  Cartilago,  Knorpelbein.  — 

2.  =  das  derbe,  sehnige,  knotige  Fleisch  ohne 
den  harten  Knochen,  Caro  grossa  sine  owibus, 
Pulpa,  Muskeltieisch,  Hau  (Heyne  in.  m).  — 

3.  —  Knöchel,  Astragalus.  —  4.  -  (in  abcrglau- 
bischen  oebräuchen)  —  Penis  iLiebrecht,  z.  V.  K.. 
s.  330:.  —  (1719;  knorpelicht  =  cartilaginosus 
(Gr.  W.  V,  IM«).  —  Äint/  Knorpel  =  die  elastisch 
festen  Verbindungsteile,  polsterähnlichen  Knor- 
pel (Cartilago  tihrosa)  zwischen  den  Gelenk- 
enden. —  Blinz- Knorpel  —  der  Hauck  3;  eine 
vom  inneren  Augenwinkel  her  beim  Blinzeln 
hervorspringende  knorpelharte  Haut  (Nick- 
haut, Blinzhaut)  bei  grösseren  Säugetieren. 

—  (1M6J  brücken  formiger  Knorpel  —  Epiglottis, 
Kehldeckel,  der  eine  Brücke  über  den  Kehlen- 
Kingang  bildet  (Hyrtl.  K.  W.  189).  —  (1MI]  guttcr- 
igoder- förmiger  Knorpel  -  Giessbecken-Knor- 
pel,  schlechte  Obereetzung  der  Cartilago  gut- 
turnlis  (Godcr.  5.  d.  =  gultur,  gurgellormig.  Hynl. 
K.  Vi.  72).  —  //a/ncÄ/s-Knorpel^der  Brustbein- 
knorpel beim  Pferde  (Kalke  I,  ;>vsi,  der  wie  eine 
Vogel  brüst  oder  Schnabel  stark  hervorragt, 
wenn  die  Umgebung  des  Knorpels  magerer 
geworden  ist,  ein  Analogon  zum  Processus 
ensiformis  —  //«/-Knorpel  (engl,  canebone  = 
Rohthcfn,  Gurgelbeln,  Kaltsehm.  II,  MB)  =  Kehl- 
knorpel. —  I/erz-Knorpel  —  Brustbein-Ende 
(Processus ensiformis  sterni;  Herzknopf, Schild- 
knorpol)  (Gr.  w.  iv.  2.  i2öi).  —  AVW-Knorpel 
m  Pomum  Adami  (Kehlkuopf)  (Gr.  w.  V,  HM). 

—  (I61.6)  iVciscft  -  Knorpel  =  Nasenzwischen- 
knorpel    iMaphragma  narium)  (tir.  \\".  VII,  US). 

—  (IST«]  Ohr- Knorpel  —  die  halb  weiche,  halb 
harte  Zwischenlage  der  Ohrmuschelhaut  (Cr.  W. 
V,  UM;  VII.  12«4).  —  £ifi^  Knorpel  =  der  ring- 
förmig die  Luftröhre  umgehende  Knorpel.  — 
Rippen  -  Knorpel  -  Caitilago  costarum.  — 
•SVAaMM-Knorpel  =  Processus  ensiformis  sterni 
beim  Pferde,  handgritlnhnlicher  Schwertfort- 
satz am  Brustbeine  (Kalke  l,  1,  11,  2721.  —  Schüd- 
Knorpel,  1.  Processus  ensiformis  am  Brust- 
bein des  Menschen  (Übersetzung  des  siutum  iler 
Arabi-d"  n;.  —  2  =  der  schildförmige  Kehlkopf- 
knorpel beim  Menschen.  —  3.  ~  die  Hufwand 
des  Pferdes  als  knorpelharter  Schild  für  das 
Hufhein  gedacht  (Mayer  120;  llyrtl,  K.  Vi.  «).  — 
Schopf- Knorpel  =  Qieasbeckenknorpel  im  Kehl- 
kopf, das  Giesslipcken  als  Schöpfgefäs«  gedacht 
(Hyrtl  K  \V  72:  „Schuepf  Druckfehler  für  , .Schopf"). 


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284 


Knorren  — Knorsel. 


Knorspel  —  Knoten. 


-  Knorpel  -Bein,  -Ftitcl,  -FUisih,  -Gicht, 
•Javart. 

Knorren,  n».  (Knörrlein,  n.  Knor,  Knorre, 
Knauer,  Knorrchen,  Knörtzel)  du»«i.  knur 

(chuorro,  knorz];  mhd.  knorre,  knure,  knont  -  Knoten 
am  Leibe  [-  Knaus;  Schweiz];  15.  Jahrh.  knorr  = 
lubcrculum,  tuber,  toi.hu*.  (ir.  W,  V,  1489,  runde, 
harte  HervorrntriiDK  [Knollen],  die  knurrt,  knirnsebt 
beim  Zerbetssen,  Gr.  W.  V,  1489;  engl,  knar  =  Knorren 
Noeh  Gr.  W.  V,  1488  Knaner.  Knaur  =  Geschwulst. 
Heule;  [Knor,  Knuwer],  Hchmeller  I,  1*58),  l.  =  her- 
vorstehender, harter  Knwhen  (Hüfte,  Wirbel. 
Spondylus,  Knöchel,  Condylus,  Kippe)  (Gr.  W. 
V.  1488;  Ktilmus,  ReKist  ).  —  2.  =  namentlich  die 
Finger-  und  Fußknöchel,  Tains,  Malleolus 
(Gr.  W.  V,  1152;  Hyrtl.  K.  W.  20;  Schw.  353;  Heyne 
III,  4lu).  —  3.  -  (mhd.)  Knorpel,  auch  =  derbem, 
sehniges,  knotiges  Fleisch  ohne  Knochen  (an 
den  Waden)  (nord.  kropalr  knuar,  Kdda,  Jordan  183, 
191;  Gr.  W.  V,  1184).  —  4.  -  Auswuchs  am  Leibe, 
harte,  verwacliHene  Stellen,  Knochenheulen, 
Kiss  (auch  Kondylome,  Tuherculnm).  —  5  = 
(mhd.)  ein  kurzer,  dicker  Mensch  (Gr.  \V.  v,  1492). 

—  Knorzl  =  ein  kleiner  Knorz,  dicker  Knirps 
(Sehmeller  I,  UM).   —   (1528)  Knörrlein  =  (1713) 

Knörnlein  -  Knörrchen  =  Knörzchen,  1.  ~ 
Olecrannn,  Ellenbogenknorren  (Gr.  w.  V,  1492, 
Zciuchr.  f.  d.  I'hllol  XXVI.  244).  —  2.  =  ein  knor 
peliges  Gewebssiüek  (Gr.  w.  V,  1487).  —  3.  - 
verdickte,  kleinere  Stelle,  z.  B.  Kiss  (s.  d.) 
(II. — 16.  Jahrh..  mnd.  mennleb  tnlnschc  de  Is  vol  an 
dem  antlate  unde  knorrech,  J.  1.  nd.  spr.-F.  XV,  113; 
II.  v.  Gerxd.  70),  als  Knötchen  (s.  Knüerz).  — 
knorr i  t  t.  knorzicht  (ahd.  chniurfg;  chuorzzig, 
Schiu.  I,  1364)  =  knotig,  derb,  lest,  hartknochig, 
mit  grossen  Fumkoorren  oder  Gichtknoten 
verschen  (Kluge6,  20,'»;  Gr.  W.  V,  1491),  —  (1C60> 

flJSj/  |  Knorren,  1.  =  (16.  Jnhrh.  vertibul». 
vertebra,  l).  614)  ossiuni  partes,  besonders  harte 
Teile  am  Knochengerüste  (Wierbelfortsatze).  — 
2.  =  Tophi  arthritici,  Knochenauftreibungen 
von  Beinhilrte,  Exostose«  (Cr.  W.  V,  <V5).  —  (1.28: 
Diechbein  -  Knorren  --  Troehanteres,  die  vor- 
springenden  Kollhügel  am  dicken  Schenkelteil 
(Hyrtl,  K.  w.  36;  H.  v.  Gerad.  11).  —  Ellenbogen- 
Knörrlein  =  Olecranon,  Anconeum  (Gr.  W.  v, 
1  IR'J)  —  Finger- Knorren  -Condy Ins.  —  Fleisch- 
Knorren  -  sehnige  Fleischteile  (Gr.  w.  v,  uns . 

—  Ftm- Knorren  =  Enkel.  —  (nos)  Gleit h- 
Knorren  =  Nodi  articulorum,  vorspringende 
Gelenk-  oder  Gliederknochen  (Gr.  w.  v,  nss). 

—  (löOl)  Unis  -  Knörr/cin  -  Kehlkopfknorpel 

(Adamsapfel  bei  Mannern)  (<;r,  W.  v,  iisy).   

(15.  Jahrh  )  Rucken  Knorr(cn)  (1429  ruckenknoerr 
=  spoudlle,  I).  II,  346)  =  die  hervorstehenden 
Schulter-  und  Wirbelknochenteile  (Spondvlus) 
(Gr.  w.  v.  I48S;  viii,  Li«.!).  —  II 7i</.  «Knorren 

(1521  knorren  an  waden  —  varix ,  D.  607)  =  d;c 
Knochenvorsprünge  unterm  Knie  ober  der 
Wade  als  Ansatzpunkte  sehniger  (adriger)  Teile 

—  Knorr-  (knoTrieht'e,  er,  es),  Knurr  -Bein, 
-Finger, -Fleisch, -Gicht, -Glieder,  'Hautt/rtcäcltse. 

Knorsel,  Knörsung  (U.  Jahrh  knoersung,  <Ir.  W. 
V,  1492 -  Nebenform  zu)  Knirsclinng,  Zermaluiung, 
tiuetsehung.  -  Knorsel -Bein. 


Knorspel  s.  Knorpel. 

Knortsch  (Knorz,  Knortz),  m.  (ahd..  mhd 

knorz  -  Auswuchn.  Knoten  ;  Weiterbildung  vou  Knorre ; 
nach  Gr.  W.  V,  1493)  1.  =  recht  derber,  harter 
Knochen,  Knorren,  namentlich  Handknöchel. 

—  2.  =  ein  kleiner  Mensch,  der  nicht  wachsen 
will  (Knirps,  Knortsch,  Knösel),  mehr  dick  alu 
lang  ist  im  Verhältnis  (Kluge5,  204;  Pfalz). 

Knospe,  f  (Knospel,  Knorspel)  1  Wurzel  knus; 

mhd.  knospe  =  Knorre  [mit  reich  entwickelten  Nchen- 
fc-rmen],  Kluge  *,  20 VI ;  dazu  Knospel,  Knospel,  Knosp- 
chen,  als  Deminutiv  von  Knospe;  1414  knospein  = 

|  cartilago;  1610  kn<Mpeln  -  cartilago,  Gr.  W.  V,  1496; 
knospechln,  Hoffm  [,  379;  1016  knorspel  =  Knorpel, 
Gr.  W.  V,  1492;  1016  knospein  =  Knorpeln.  Gr.  W.  V. 
Ii»'»);  nach  letzterem  1.  =  ein  Knorren  oder  knor- 
riger Auswuchs  am  Körper  (Überhein).  —  2.  » 
Knöchel  am  Finger-  oder  Handgelenk.  —  3.  = 
Knorpel,  als  ein  beim  Beisseu  knirschendes, 

I  knarschendes,  knorriges  Gewel>e.  —  4  =  Knöt- 
chen der  Haut  (houtons).  —  knospich,  knospet 
■  knorrig,  knotig,  z.  B.  vom  Penis  gewisser 
Tiere  (Sehw.  I,  1355).  —  AWn -Knospe  (Knoster) 

—  NasHnspitz» ,  Nasenknorpel,  Nasenknopf 
(15.  Jshrh.  knoster  der  neue  —  Interllniuin,  D.  II,  219; 

<;r.  w.  vii,  4i2).  —  llV«n-Knöspchen  -  Akne 
(s.  Weinhandel)  (Kraus,  k.  ms).  —  Knospel- Bein. 
Knoster  -  Knospe. 

Knoten,  m.  (oberd.),  Knoden,  Knoder,  Knödel. 
Knotze,  Knotten,  Knötchen,  Knötli,  Knuten) 

Roth.  knattus  (Ball];  »ltnord.  knutr.  knüta  -  Spiel- 
kniichelthen  [knottr],  Kluge,  engl  knot;  ahd.  chnodo, 
chnoto,  kinoto,  kuod  -  taln.s,  Hyrtl,  K.  W.  20;  10.  Jahrh 
ohnoden  -  malleolus  [Knöchel],  Hyrtl,  K.  W. ;  mhd. 
knote,  kuode.  knotze  —  natürlicher  Knoten  am  mensch- 
lichen Körper  [knotze],  Kluge»,  206;  Gr.  W.  V,  1500; 
knode  -  Fingerkm.chel,  Hoffm.  I.  379;  16.  Jahrh.  knod 

—  Bokel,  Knorren  am  Fussgclunk,  «ir  W.  V,  1500;  1512 
knod  —  pulpa  cnrnls  [Knorpel,  ».  d.],  D.  472,  caro 
OMIbM  grossa;  1528  knod,  H.  v.  Gersd.  43  =  Gelenke. 
Gr.  W  V.  1501;  1531  knoden  =  Kuöchel,  Enkel.  Gr.  W. 
1.  cod  ;  1561  knod  =  artlciilus,  Gr.  W.  IV,  1.  379;  1575 
knoden  =  Finger.  Gr.  W.  V,  1.500;  1599  knoden  -  Kote, 
«ir.  W.  V,  1500;  162S  Knoden  —  Knöchel,  St.  II. -Mir.  ; 
SchuR-ller  I,  Ulis,  Knotzen  —  Knie,  Knorren  am  Knie, 

Schneller  i,  im).  —  Knoten  mach  Gr.  w.  v.  i5ooj, 
t.  die  natürlichen,  gewachsenen  Knoten  am 
menschlichen  Korper:  l.  an  harten  Teilen: 
a)  Gelenke  (normal);  b)  vorspringen<leKnochen- 
teilo  am  Hals,  Nacken,  Knie,  Kücken,  Fingern; 
c)  Finger  und  Hände  überhaupt  als  hauptsach- 
lich aus  knotigen  Knochen  bestehend;  d)  der 
Knkel  (Talus,  Malleolu«),  Knoden  (Huck  17), 
e)  die  Pferde-K0te4  der  Gelenk-Absatz  zwischen 
Huf  und  Schienbein;  f)  gichtisch  verknotete 
Gelenke.  —  2.  an  tieischigen  n.  hautigen  Teilen 
als  etwas,  was  den  knochigen,  harten  Knoten 
ähnlich  ist  [■pätet  OKI  übertragen  auf  diese  (2)  vou 
den  letzteren):  a)  die  derberen,  kernigen  Fleisch- 
teile (s.  Kern,  Pulpa);  b)  Hatttknolien  (Fleisch- 
knoten): c)  Drüseiiknollen  (luberkuloae,  skro- 
fulöse etc.,  z.  B.  Mandeln)  =  ilie  Knödel  im  Hals 
(Hyrtl,  K.  w.  97),  harte  Geschwulst  od.  Geschwür- 
stelle,  Fiterknoten  (Heyne  III,  in),  d")  Aderknollen 
(Wutknoten);  e)  Warm -Beulen  (Karbunkel), 


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Knoten. 


Knoten. 


2*5 


Krebs-Geschwülste.  —  II.  bildlich  „dei  Knoten 
geht  auf",  ist  zerrißBen,  wenn  da«  Wachstum 
eines  Kindes  wie  durch  einen  fllpiseh  (elbiseh) 
«jder  zauberhaft  geknüpften  Knoten  verhindert, 
war  und  dann  ganz  plötzlich  sich  entfaltet  (Gr.w. 
V.  1607);  (vergl.  knnpfen  u.  Knopf  2).  nie  Ent- 
stehung von  Knoten  am  Körper  oder  «on«t\vo  sehrieii 
•Im  Volk  friihcr  mit  Vorliebe  dem  Klnflumc  von  Krank- 
liviUKcUtcrn  tu  (ü.  Mannhardt  13  —  IC.  19—22;  Irunell 

i«««.  8.  257).  —  Knbtlein  (Knöt-hen,  Knödli) 
Jahrh.  knodlln),  1.  —  Gelcnkknochel  an  den 
tingern  (Nodulus).  —  2.  =  Internodium,  das 
Zwischenknochleiu  von  einem  Knochenende 
zum  anderen.  —  3.  =  Tuhercnlum,  kleiner 
Knoten  oder  Hautknoten,  ytpn.  Hippokratis.  — 
4.  =  Farulis  als  Beinhautknötchen  (Cr.  w.  v.  MM). 

—  knot  g   (IV  Jallth.  knölicht;    1551  knoderirht, 

tir  w.  v.  1461.  läii;  l».  140)  =  rnndylomatirtis, 
Pustulosis,  hart,  schwielig,  rauh,  knochig,  mit 
tiichtknochen  behaftet.  —  Ader-Knoten  (K*l 
Hdcnrntitcn)  =  Varices,  Haemorrhoides,  Ader- 
knopfe, als  knolligaufgetriebenc  Erweiterungen 
<ler  Klntadern  (or.  W.  V,  1507).  —  Alrppo- Knoten 

—  eine  in  vielen  Teilen  Asien»«,  namentlich  in 
Aleppo  häutiger  beobachtete  Hautkrankheit 
(sog.  Bouton  =  Biskra- Beule  in  Algier),  die 
meist  im  Gesichte,  meist  nur  hei  Kindern  und 
Frauen,  als  einfacher  od.  lupusahnl.  Fleck  od. 
infiltrierter  Knoten  auftritt.  Polak  (Med.-Chir. 
Ktind«cb.  1S7.">,  rt.'i,  vermutete  in  ihn)  einen  Aus- 
läufer der  Lepra.  —  A rm- Knödel  ü»9>  <ia«  koödel 
inwendig  oder  oben  anf  dem  arm)  =  Handballen 
oder  Handknöehel  (ur.  W.  V,  l'.ll).  —  Bauern- 
Knoten  (norw.  Uoiida-hnuta,  f.,  Liehrecht,  z.  V.-K. 
36»)  =  ein  starker  Vursprung  am  Knochen,  wie 
ihn  ein  raubeiniger  Bauer,  der  starke  Knoche! 
hat,  zeigt;  beim  Schafe  oder  Kindvieh  -  der 
Sprung-Oielenk- Vorsprung.  —  /iicr-Knoten  = 
fSaufknnppel,  Kehlknopf,  Kehlknoten  vor  der 
Gurgel  (  =  Weinstrasse)  (Kluge*,  4).  —  (1761) 
Blut-,  (1790)  Blutuder-  Knuten  -  Aderknoten 
(s.  o.),  Grumus  (i„  ch.  »/.  —  £ifcr-Knoten  - 
scharf  umschrieb.  Fiteranhkufungen  im  Inter- 
hautzellgewebe  =  Vomica,  wenn  in  der  Lunge 
hefindlich  (Falke  I.  210;  Forster  II,  1«1;  neyne  III. 
411).  —  Euter- Knoten  =  Hiichknoilen  (Falk.  I, 
266).  —  /(tischt  Knoten  =  dl«  stellen  weisen  An- 
häufungen von  Whartonischer  Sülze,  die  Va- 
ncen  (Aderknoten)  in  dem  Nabelschnurstrange 
vortauschen  (Hyrtl,  Anat.  719;  —  /7rt</rr-Knoten 
!ahd.  uchon  vorkommend  —  1-S7  flngerknr>d,  ein 
knoeche]  dz  an  den  Fingern  wach«<t,  [).  140  =  condylo*, 
nodos  [(Mü\i  —  Knoten  J.  1  b,  Knotlein  1  'Gr.  W. 
V.  1S0U;  Heyne  III  41o  —  i^/mrA-Knoten,  1  - 
knotige  Aus«  Ochse  der  Haut  oder  in  der  ürual- 
drüse,  die  sich  wie  Fleisch  anfühlen  Lipoma, 
Sarcosig  cutis)  iBehrend  6»  .   —  2.  —  die  l'ulpa 

carnis,  der  Kern  (s,  d.).  —  3.  =  01.  Jahrh  die 
Cotyledones  am  Cbonon,  die  fleischige  Teile 
eme«  knotigen,  runden  Gewächses  .Mutter- 
kuchen) Bind  (er«te  Fruchthaat)  Hynl.  K.  w.  IS 

—  (15381  Fu*t  -  Knoten  knoden  d*r  lue«.  H.  r. 
(Mnd,  5J;  knod  am  fuss  —  taln«,  -  F'i**-'  ielenk  - 

Kmvchel,  Talus,  Malleolus.  —  G*  f a*»  -  Knoten 

—  Aderknoten  's.  d.)  an  Blut?efu---n.  —  \-s: 
=  Milzbrand  (Anthrax),  der 


-  s.  falsche  Knoten 


durch  Lyn.pbgof-issentzOndllOg  gelbe  Hatil- 
knoilen  macht  (gelber  Knopf,  s.  d.),  aus  denen 
eine  gelhe  Sülze  abHiesflt  (Pater  130;  Förster  II, 
»02),  —  Gelenk- Knoten  ■  Podagra,  Tophi,  tiieht- 
knollen  auf  den  (ielenkfliichen  (Cr.  w.  V,  1801). 

—  (1719)  Grttc/uVKnoten  -  krankhafte  Hatit- 
verdickungen  im  Gesichte,  z.  B.  Furunkel  (<;r  w. 
v,  ifioi).  —  GieJU-,  (n  Jnhrh )  G/«'rA-Knoten  = 
harte  Verdickungen  durch  Gichtatoll",  der  an 
den  Knochen-Gelenken  abgelagert  ist  (Tophi 
rtrthritici)  («ir.  W.  V,  1501).  —  (1557)  grosse  Knoten 

an  den  FflBsen)  —  scaurus,  einer,  dem  die 
FtiBsknorren  stark  hervorragen,  so  dass  er  zum 
Kanehbein  (Rauchfuss)  (=  dasypodius)  wird. 

—  Gur^cZ-Knoten,  1.  -  Kropf  (Struma),  der 
um  Halse  auf  der  burgel  aufliegt  (<;r.  w.  v,  UN). 

—  2.  =  Kehl-Knopf  (le  noeud  de  la  gorge).  — 
1616)  Unix  -  Knöd/ci n  rrnhenia«.m.)  =  Struma 
liutgelknoten,  Kiopf)  (»Jr.  W.  IV,  2. 201)  —  Haut- 

Knoten  -  knollige  Verdickungen  der  Haut.  — 
[isn)  Huf- Knoedigkeit  -  Knollenbildung  am 
Hufe  (Knoiliiuf)  (Seh.  US).  —  (1829)  Juck- Knöt- 
chen =  C'nesmus,  Tubercula,  Liehen,  Juckreiz 
verursachende  kleine  Hatiterbcbungen  (Behr.  in. 

—  (1718)  A">A/-Knoten  (knoten  an  >ler  kehl,  K.  a 
lieg.)  =  der  Adatimspfel.  —  A  -  Knoten  (..der 
knod  under  dem  knie")  =  die  die  Kniekehle 
luldetiden  N'orsprfinge  des  Kniegelenkes,  Suf- 
frago  <;r.  \v.  v,  1001).  —  (1761)  M>^  h  Knoten  = 
Knollen  in  der  Milchdrüse  «<i.  Kuter  (I..  ch.  m  -■ 
SaM-  | 
Sabfhrhnur-  } 
(Sieboid  68).  —  Nacken  -  Knoten  =  Elautknoten 
im  Nacken,  Bock*tern  (Furunkel)  .«.r  W.  V,  lsoi! 

—  (1756)  Kercen -Knoten  =  Ganglion  (A  v.  II  II, 
i~M).  graue  Nerven- Verdickungen  od.  Anschwel- 
lungen dunen  eingelagerte  tianglienkugeln  Hyrtl, 
Anat  171).  —  flSfit]  O/irrn-Knoten  -  Parotitis 
Hock  858),  knollig  hervorragende  OhrdrOsen- 
arisch wellung.  —  P/irrdc-Knoten  —  der  Al>satz 
zwischen  dem  Hnfe  und  <lem  Koten-Gelenke 
Heyne  III,  410  0  ).  —  ÄOM-KnÖdel  =  Uossballen, 
Pferdeexkrement«  (Soh melier  I,  m9).  —  Rotz- 
Knoten  =  knotenförmige  Haut-  (Lymphgefa**-) 
u.  Schleimhaut-Anschwellungen  (Wurmknoten, 
s.  d.  u.  Granulationsgeschwulst;  heim  Pferde- 
Kotze  —  //  Knoten  n  Jahrh  roekckiMta 
=  -j  "n'lyli.  l>  =die  Dorn foi taatze der  Wirl»el- 
knoohen  als  durch  die  KOckenhant  hervor- 
ragende Teile  l'ir.  w  V,  VaH)s,  —  Schäl-Knötrhrn 

—  ahsciiälen  le,  frieseUrtige,  rote  Hauiknotrhen 
besonders  ttei  zahnenden  Kindern),  Feuer- 
Hechte,  Liehen,  Stropbulu«  (Kobler  II,  tOO).  — 
S> hwind-EjkiiUhcn  =  gruppenartig  heisamruen- 
t-tehende,  rote  und  weisse  Papeln,  die  unter 
kleienformiger  Abschilferung  heilen  'Schwind- 
H-'chte).  —  Sehnen  -  Knoten  Man.  aeneknude 
Ilerer  7,=  Überbein  1  b.  —  fii32i  Km**- Knöt^ien 
=  Akne,  O<rona  Veneris,  HautknOtchen,  l»ei 
j-inüen  Venus-lienern  hau  Ii/  rBehrend  Mr..  — 
Wrhnder-  Knoten  =  Aderknoten  (Varices)  an 
der  Franen-  oder  Kinds-Ader  (s.  <\  ).  —  (IsM, 
It'urm-Knoten  -  Botrknoten;  Wurm  =  \iul% 
'Malleus  huiiiilu«^:  tlie  Lyniphgefa^«e  beim 
Kotz  bilden  stran/f»rmi^'e  Knoten  fforner  II. 
Z>i  Htl  10-  2    Falk-  II  44«:  l^nkart  «0  — 


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286  Knowel— Knüpfe!. 


Knüppel — Knüttel. 


i knotige  >,  er,  es})  Ader,  -Aussatz,  -Bein,  -Qe- 
tehculst,  -Gicht,  -Glieder,  -Krankheit. 

Knowel  s.  Knopf. 

Knuat,  f.  (ahd.  ehnuat;  lat.  natto;  goih.  knods  ss 
substantia,  natura,  Cr.  W.  VII.  429;  3.  Jahrh.  man 
na«klu  ehnuat  =  natura  humaua,  Kit«  TS.  82;  Sc  hm. 
I  MB]  =  Geschlecht,  Erzeugung,  natürlich  Ge- 
wachsenes. 

Knubel  s.  KnQbel. 

Knubs,  m.  =  Knirps  (Hessen  ,  Mecklenburg; 
Kluse  \  204). 

Knucbel.m.  (Knugel.  Knügel.  Knucken) 

(ah<l.  enugel,  EL  Z.  XVI.  326  =  Flngerknochel ;  1489 
knuchel  der  geli<nler  =  condylu»,  vcrlehra.  Zen.  Voc. 
«1  8,  r  1  ;  1182  knuchel  an  <len  gclaichen  as  condylu«, 
Gt  lcnkknorren,  Gr.  W.  V,  779;  UM  knuckel  =  condilus, 
D.  II.  107;  1606  knügel,  knuchel  a  tnallcolus,  llyrll, 
K.  XV.  97;  knuchel  =  occanu»,  ocuus,  D.  393),  1.  m 
Gelenkknorren,  Knochenfortsätze  (Wirhel\ 
Enkel,  Knöchel,  Fussknochcn  (Schmeller  I,  ms.1. 
— -  2.  =  kleiner,  untersetzter  Mensch  (Gr.  Bf.  v, 
1514).  —  3.  =  knorpeliges  Stück  Fleisch  vom 
Schlacht- Vieh  (Schm.  I,  UMS), 

Knucke  s.  Knuchel. 

Knübel  (Kntiwel,  Knübelen,  Knubbel, 

Knobbel)fmhd  knubel,  Kluge5,  206.  15.  Jahrh  knubel 
-  Kingcrknocbel,  Gr.  W.  V,  1513;  16*0  knuhel  -  talus, 

er.  w.  v,  1M4),  l.  =  Knorpel  (Kuorbl,  KnObl, 
Knühl,  Knel>el),  namentlich  das  Internudium 
der  Zwischenknorpel  zwischen  2  Gelenkenden 
(Schmeller  I,  134*;  llinlncr  7. 17).  —  2.  =  die  knollig 
vorstehenden  Fingerknochel  (Gr.W.  V.  1126  1452. 
1613.  1514;  Ilintncr  7.  17]  (Knubblein,  Knublen\ 
Finder-,  Faust-,  Fussknochel.  —  3  -  verhärteter, 
krankhafter  Auswuchs,  Geschwulst  (tir.  XV.  V, 
1.M3;  Schm.  I,  134-0  —  /Iriknübele  ^  ein  schwttch 
liches  geknüpftes  (s.  d  ),  rhn<  hitisches  Kind 
(Schmeller  I,  1345).  —  Hand  Knubel  (1515  knuhel 
an  der  haut  —  gmin-pium  carpu«lum,  |).  25S1  — 
Carpus,  Handknochel.  —  Sau  /"-Knubbel  (Oatpr.) 
Kehlkopf  an  der  Weinstrasse  (Gurgel,  Gurgel- 
knopf)  ;  Kluge»,  4). 

Knücken  h.  Knuchel. 

Knüfel  s.  Knüpfel.  —  knüflg  -  klein  von 
Körpergestalt  Schmeller  I,  1350). 

Knüffel  s.  Knüppel  u.  Knüpfet. 

Knügel  s.  Knuchel. 

Knüll  s.  Genüll  unter  Noll,  Noll. 

knüllen  -  coire  =  genollen,  genüllen  (s.  d.). 

Knüpfel  (Knüfel,  knüpfen,  Knüpf)  (abtaten- 

des  Deminutiv  zu  Knopf,  Ringe*,  206;  mhd.  ehnupfc! 
-kleiner  Knopf  [b.  d.).  Schm.  I,  1S50),  1.  m  Drüsen- 
Anschwellungen  als  knopfformige  Knoten 
(16.  Jahrh.  knlpfel  =  Ohrdrüsen,  Halsdrüsen,  Leisten- 
drüsen, pannus,  Cr.  XV.  V,  1518;  1599  knlpfel  =  Drüscn- 
an&cbwellungen  bei  der  Keblsucht  der  Pferde,  Gr.  XV. 
V,  1518;  1620  knüpfel  -  Knoten,  Knorren,  Auswuchs, 
Heule,  Dr.  Minderer;  17.  Jahrh.  knüfel  -  knoten-  ( 
lonniger  Auswuchs,  Leehf.  Mirakelb  ;  Sehwaben.  Knü- 
pfel —  Anschwellung,  Gr.  XV.  V,  1618;  Bnck  19;  Schm. 
1,  1.:'.::).  —  2.  =  ein  kleiner,  dicker  Mensch 
(Schwaben?  (vgl.  Knopf  u.  Knflppel.  —  ^knüpft 


a=  durch  knopfförniige,  rhachitische  Knorpel- 
Auftreibnngen  verändert  (s.  Knopf)  (da*  Volk 
legt  etymologisierend  einen  ddmonistischen  l'ntcr- 
gtund  sieh  zurecht,  conf.  rrqnell  1892,  S.  257  ;  Schm 
I.  ins.:)  (s.  Zwiewuchs).  —  11199)  Settel-  Knüpf 
(»renn  man  in  die  Hosen  Nesteln  [huudslederne.  vorne 
geknöpfte  Bandstreifen ,  welche  In  die  Locher  ein- 
gesenkt w  erden]  des  Khemanns  heimlich  einen  zauber- 
ischen Knopf  macht,  so  wird  jener  nach  früherem 
Volksgla>il*n  impotent,  wogegen  nur  das  l'issen  durch 
das  [übergestülpte]  Rohrlein  eines  Kelberbauraes  [l*Ui- 
raosls-Therapleinder  Volksmedizin]  helfen  sollte  [  —  le* 
aiguillettes  nouees)  —  Phimosis  oder  Kinschnürung 
der  Vorhaut  wie  durch  ein  Band,  s.  spanischer 
Kragen;  (177S  wurde  zu  Bordeaux  uu  nouenr  d  «i- 
guillettes  verbrannt  fjl  Zauberer,  llriss.  303;  Mal  St. 
I'aterne,  s  St.  Algnebout ;  Pahn.ltaust.  1.  SO;  Schmeller 
I,  108| ;  1699  nestel  nefariae  ligaturae  —  Impotentla  viri. 
v.  M    I.  207,  Z.  d.  V.  I.  V.-K    1896.  427;  Z.  A.  211; 

starte.  265;  v»drb.  63)  =  Ligatura  neonymphorum. 

—  .SVritr/kntipfen  --  Nestclknüpfen  (s.  d.)  (141* 
Senkel  =  ligatura.  renda,  Hosennestcl,  Schm.  II,  314 ; 
i).  492).  —  verknüpft  -  wie  durch  einen  zauber- 
haft geschlungenen  Knoten  verwickelt ,  ver- 
schlungen, %.  B.  a)  an  einer  Darm-Verschlingung 
leiden  (Wuttkc  251);  b)  geknüpft  sein  an  den 
Knochen.  (1782)  Verknüpfung  der  Kinder  - 
Rhachitis  (M.  II.  L.  I,  236). 

Knüppel  (Knubbe,  Knüppel,  Knüffel,  Knüp 

lein)  (mhd.  knüpf,]  Knüttel],  zu  mhd.  knöpf  = 
Gewiichsknorren,  Kluge*.  206),  1.  —  (1620(  verhärtete 
Knüppel  -  lUihones  lymphatici  ;i»r.  Minderer», 
als  knotige  Geschwulst.  — 2.  =  {ifius)  die  grossen 
I.ymphdrflsenbenlen  unterm  Ohre  und  Kiefer 
hei  der  Kehlsucht  oder  Kopfstrenge  der  Pferde 
l  eifel),  dieselben  machen  die  Haut  strang- 
formig  gespannt ,  so  dass  die  Tiere  den  Kopf 
und  Hals  pfeif  (strenge)  halten  (Gr.  \v.  v,  1M4. 
1.23.  1780.  2104).  —  3.  =  Kehlkopf  als  knotiger 
Vorsprung  am  Halse,  Knüpplein  (Hyrtl.  K.  W.  90). 

—  4.  =  (1588)  Hautknoten  (Gr.  \v.  v,  1.22  1533). 

—  (1719)  AV/i/  Knüppel  (Knul>el)  =  Knüppel  3. 
(Kluge*,  4). 

Knürfel  (Knurspel,  Knürspel)  (Nebenform  zu 
Knorpel  [i.  d.J;  Schwaben:  Gr.  W.  V,  1484;  nyrtl.  K 
W.  98.  119).  —  knorspelicht  =  cartilagineus. 

knuerz  =  wie  ein  Knorzelein  angeschwollen, 
verdickt  werden  durch  Wassersucht  (bei  der 
Leberfäule  der  Schafe  (Falke  n,  :to). 

Knüsel  (Knüssel)  s.  Knusel. 

Knüspel  1.  Knuspel. 

knüssen  (knütseben)  s.  knitschen. 

Knüttel,  tn.  [|Q  Knoten  [s.  d  ];  ahd.  knntil,  Pemi- 
nutivvon knoto=  Knoten [s. d.];  mhd.  knüttel,  Kluge  *, 
206;  Gr.  \\ .  V,  1531;  1556  =  Schlunddrüsen,  Ohren- 
drüsen, I.eistcndnis,  n,  Gr  W.  V,  1*33;  knüdel  =  Flnger- 
knochel,  HoCfin.  I.  379;  1-C1  knüttel  =- pannus,  Dussel. 
Gr.  W.  V.  1533;  VAS  =  megere  [s.  Magere],  Gr.  W.  L  eod. ; 
1  90  knittel  -  Dussel,  Ausw  uchs,  pannus,  D  410;  Gr.  W. 
1.  eod.;  1591  knuttcl  -  [phlegmoue]  pannus,  Had.  .tun. 
383  =  kurzer,  derber,  astiger  Stock,  ästiger  Auswuchs). 
1.  =  Knochenknorren,  knotige  Hervorragungen 
derselben.  —  2  =  Finger,  Fingerkntichel  (Gr.  \v. 
V,  15:2;  neyne  III,  HO.  —  3.  ^  Phlegmone,  Beule, 


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Kaflwol— Kobel. 


Koher— kochen.  287 


Hautknollen  ,  Haut  -  Auswüchse;  (UM)  oufge- 
*ckieoV>  n>  Knüttel  (<ir.  W.  V.  l.Vtt;  Heyne  III,  III) 
=  harte  Drüsen-Knoten  (Dflasel,  Drflse,  Pannus) 
(namentlich  Im  Allemaulschen)  (Magere)  (Gr.  W 

I.  cod.).  —  4.=  ein  kurr.er,  fettwanstiger  Mensch 
(c.r.  w.  i.  cod.)  —  ar.99)  TWcn-Knüttel  =  Toten- 
bruch (s.  d.),  Pestbeulen,  die  als  ein  lethalea 
Symptom  galten  (v.  IL  II,  IM). 

Knuwcl  s.  Knftbel. 

knüppeln,  knuppern  (Onupper)  ■  an  etwa.« 
Hartem  nagen,  mit  den  Lippen  Hängende  Be- 
wegungen machen.  —  Gnupper  =  das  an  der 
Traberkrankheit  («.  d)  leidende  knuppernde 
Schaf.  —  (Onupper),  Knnpper-  Krankheit. 

knappet  =  knöpfet  (S..hmeller  I,  1.138). 

knurren,  1.  -  i,  Knorren.  —  2.  -=  der  Magen 
knurrt  —  Borborygmus,  kollerndes,  rumpelndes 
Geräusch  aus  lufthaltigem  leeren  Magen. 

Knurspel  s.  Knftrfel. 

KnUS,  m.  Schweiz  ;  zu  Roth,  knus,  Kineo  &,  20"..  206) 
—  Knorren,  Auswuchs.  —  /ÄrrArn-Knus  (mhd. 
backenknus)  —  das  Zusammenstoßen  des  Ba- 
ckens, so  dass   dieser  knorrig  hervorsteht 

(I^-xer  10). 

Knusel,  m.  (Knüsel,  Enüssel)  (ivji  isuusci 
defttntua  ad  naret,  Had.  jnn  sro»  Ablaut  von  tfnuael 
[«.  d.])  =  Bfnfl8el,  Schnupfen,  Hauptrtuss,  Nasen- 
schleim, Nasen katarrh,  Gravedo,  Coryza  [Gr.W. 
V,  273.  1326). 

Knuspel,  DD.  (KnÜspel)  Nebenformen  zuKnospel 
[-.  d  ],  Gr.  W.  V.  1527). 

knuspern  =  mit  hartem  Laute  nagen.  — 
Knusper- Knochen. 

Knust  s.  Knauese. 

knusten  h.  knitschen. 

Knuten  s.  Knoten. 

Knutze.f.  =  Knflttel,  Knoten ,  Geschwulst 

(Huck  19). 

Koä  =  der  Schrei  eines  Süuttlings  (kakhak, 
s.  d.),  kaxen,  koaxen  wie  ein  Frosch  (Gr.  w.  V, 
15H7). 

Kobel  in.  Kobler,  tu.  Kobold,  m.  (ein  echt 

germanisches  Wort  [Kob«r  od.  Kobel];  rahd.  kobel  = 
onecs  Hau«,  angls.  cofa  =  Gemach;  etiu-l  eove  -  Ob- 
dach, Kluge  *,  206;  dazu  Kobold  ;  eigentlich  kubn 
hultli*  =  Schützer  de»  Kobens  od.  Kobel«,  de*  Hauses, 
des  lli  im«.  holder  Hausgeist,  Spiritus  famillarl«,  I'ac- 
tolnm  ;  12.  Jahrb.  Gobcllniis,  Covalus,  Hu  fange;  Pro- 
culin* ;  engl  eol.alt,  angls.  Cofgodas  -  Iure«,  cofgodu 
--  penates,  Golth.  III;  D.  tC2;  Lalstner  II,  279;  Hoch 
holz  II,  112;  Al<ercl  57;  Engel.  75;  als  tolebe  elMsche 
ITansgelster  [Helmehen]  galten  Im  Volksglauben  da«. 
Wichtelmännchen,  Heinzelmännchen,  Iiutzitnann, 
Fanken,  Nix,  Mar,  IV.ppelmann,  Gütchen,  Mnmmart ; 
mit  dem  Namen  Kobold  Mnd  sie  als  vorwiegend  gut- 
artige, elbische  Wesen  charakterisiert,  deren  Thutlg- 
kelt  besonder»  an  die  Wohnstatte.  Sehwelle,  Raiken, 
[Okel].  Dachtraufe  geknüpft  galt,  Golth.  125;  Lalstner 

II,  27'J.  317;  so  lange  ihm  täglich  Opfer  gegeben  wurde, 
war  es  hold  gesinnt  und  lebte  als  guter  Hausgeist 
[».  d.]  mit  den  Hausgenossen  mit ;  wurde  diese?  Opfer 


übersehen,  so  strafte  es  die  Menschen  n.  zwarl  1.  — 

mit  V'iehseuclien,  die  dann  „der  Kobold"  oder 
der  Schelm  (s.  d.)  hiessen  (—  Milzbrand)  (o.-pf. ; 
Schweiler  I,  1217;  Gr.  W.  V,  iwo).  —  2.  —  durch 
Auswechseln  der  Kinder  j  ein  solcher  unter- 
gelegter, dickköpfiger  Wechselbalg  (s.  d.,  sowie 
Alp  X,  S.  12  b)  (LaT.dsherg  i.  Pr  ;  Neumark  ;  Z.  d.  V. 
f.  V.-K.  1S92  79)  heisst  ebenfalls  Kobold.  —  3.  — 
da  man  früher  die  Dämonen  In  effigle  am  Ehren  (s.  d  ) 

I  oder  über  der  Herdplatte  (s.  d  ),  über  dem  Ofen  (s.  d.), 
aufstellte  (12.-11.  Jahrh.  kopold  -  Idola,  D.  611)  so 
wird  der  Name  Kobold  für  =  Gelenkknöchel 

!  (s.  Klaubelbein)  der  Schafe  als  Belnflgur  des  Ko- 
bolds, die  dann  spater  zum  Spielzeug  (Krampus)  wurde, 
zu  deuten  sein  (Gr.  w.  v,  l  vio).  —  4.  =  als  elbischer 
Danton  ist  der  Kobold  auch  „ein  kleines,  rauhes 
Dingelchen  (s.  Wicht  u  Alp),  wie  ein  Wurm, 
der  die  Pferde  reitet  (s.  d.)  u.  ihnen  den  Koller 
(fl.  d.)  macht"  (1790;  Legende  für  d.  g.  M.  IV,  US). 
—  5.  =  wie  alle  elbischen  Dämonen  machtauch 
der  Kobold  Alpdruck  (15.  Jahrh.  kobult  =  pro> 
cnbus.  d.  Ii,  3oi).  —  (ins)  Kobler,  m  Köblerin,  f. 
=  die  im  Sieclienkohel  oder  Mannskobel  unter- 
gebrachten Lepra- Kranken  (t.oehner,  d.  Sonders, 
in  Nürnberg,  S.  lS9j.  —  koebiseh  (15.  Jahrh.  koe- 
visch.  eoueeht  =  morbidus.  D.  II,  25)  =  krank  wie 
ein  Kohler.  —  Kobold-  Werk. 

Kober,  m.  (Köber)  (mhd.  kol>er  Tasche,  Korb. 
Kluge*.  20C.  figürlich  für)  L  -  Hauch  als  Ksa-  od. 
Fress-Kober  (Gr.  w.  V.  vat.).  —  2.  =  Gibbus,  ala 
Tra>{korb  (Docker)  (<:r.  W.  1,  eod  .).  —  3.  =  ein 
I  klagender  siecher  Mensch  (Tirol,  v.  Horninn n  116) 
=  Köhler  (Kobler).  —  .Ro/z-Kober  ■  Kotzmaul, 
Kotz- Nase,  als  am  Rot/,  kranke  Teile  (Gr.  W. 
VIII,  1330). 

-kobern  (erkobern,  erkofern)  (ahd.  irkoboK.n. 

vom  lat.  reruperare;  altfr.  reeovrer;  ,,das  lateinische 
Wort  hatte  offenbar  noeh  ans  alter  Zeit  her  von  der 
ganz  westlichen  Kulturwelt  Besitz  ergriffen ;  ihm  kam 
das  germanische  koveru  [  —  sieh  vom  Kampfe  erholen] 
j  schon  in  verwandter  Bedeutung  entgegen;  das  latei- 
nische recuperare  aber  erhielt  von  dem  deutsch-fran 
kischen  irhal6n  (=  erholen]  seine  weitere  Richtung, 
drang  aber  so,  innerlich  uingcdeutscht  u.  neu  geboren, 
auch  selbst  nach  Osten  vor",  Gr.  \V.  III,  S79;  Schwann, 
t  ntermain,  Bayern);  (vergl.  kofern). 

Kobold,  s.  Kobel. 
Koch,  m.  s.  Hoch. 

kochen:  wie  \iele  andere  Ausdrücke  ans  der  germa- 
nischen Küche  [Tgl.  Herz.  Blut,  Milch,  Galle  ete  ),  so 
wurde  das  mit  der  besseren,  ans  Italien  eingeführten 
Kochkunst  (im  5,-6.  Jahrh. 1  für  das  „sieden"  ein- 
tretende, fremdländische  ,, kochen"  («hd.  chohhön  aus 
lat.  OOqolR,  coqnere.  Kluge*.  206)  verwendet  (nach 
Hippokrate*  Vorbild)  als  Ausdruck  der  grieehiseb- 
lateln.  physiologischen  Chemie  früherer  Jahrhunderte, 
die  das  sog.  2.  Stadium  der  Krankheit,  den  Höhepunkt, 
als  eine  Dlgestio  oder  Söcking  auffasste  (=  coctio) 
wie  sie  auch  die  Bluthcreftunir  als  eine  Kochnue  des 
Blutes  In  der  Leber  (s.  d.)  sieh  vorstellte  (conf.  schwante 
Küche  =  Alchjrmisteti-Laboratorium).  —  «las  Blut 
kocht;  der  Mngen  kocht;  (U*>.  Jahrb.)  der  Schleim 
wird  gekocht  in  der  .Mutter  und  auf  der  Brust, 
ja  sogar  das  Kind  wird  im  Muttorleibe  „ge- 


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2S8 


kocken— Koder. 


Köb— König. 


kocht"  (Flandern;  De  (ock  63);  auch  „die  Krank-  I 

heits-Matciie  war  im  18.  jahrh.)  gekocht,  wenn  | 
nie  sich  von  den  gesunden  Säften,  denen  sie  i 
beigemischt  war,  schon  so  abgesondert  hat, 
dass  sich  der  Körper  ihrer  entschQtten  (ent- 
ledigen) kann"  (Gr.  W.  V.  1556),  wie  die  Mutter 
ihres  Kindes:  (hol),  gekookt  zijn  =  i-ftbi:  Hippok.  = 
Obetreif,  lätschig,  ermattet  sein,  Fuch*.  Hipp.  II, 
im).  —  (i"."8)  Kochung,  1.  =  Magen-Verdauung 
(s.  d.)  (Gr.  W.  v,  1564).  —  2.  =  Gärung  der  Krank- 
heit; nacb  Hippokrates  Lehre  die  Scheidung 
derjenigen  Stoffe  vom  Blute,  welche  als  kritische 
Ausleerungen  dann  nach  der  Krisis  (s.  d.)  weg- 
gehen (Sydenbam).  —  (1477)  [/»kochen  (im  I-eibe) 
(« irtolpb)  =  Verdauungsstörung,  Indigestion.  — 
i'"  kochen  =  verdauen. 

kocken,  ko ecken  -  koppen,  ruetuare  (D.  602 j 
Falke  Ii,  31.  76)  -  l.uft  aufstosseo  mit  Koeck-Ton. 

Köder,  m.  (Köder,  Kötter,  Kuder,  Kader, 

Kater, Kotter)  (goth.  i|tiithu«  =  Rauch  ;  ahrt.  qnerdar 
Docht  [vielleicht  verwendete  man  hlestu  ehemals  Qnrgel- 
teile1,;  mhd.  koder.  köder  [Ij»j»|K!ti] ,  Kluge  *,  2W7 ; 
15  Jiihrh.  ködern  =  auswerfen,  husten,  Gr.  W.  V,  1573; 
1699  koeder  =  l.ungenanswnrf  In  Kt>rm  von  Sehlelin- 
faden,  v.M. 11,25;  nhd.  koder  —  fadenfonnigerStreifcn) ; 
17:51  keder  =  Koder;  angls.  eudu,  cweodu;  engl,  eud 
-  der  innere  Teil  de*  .Schlünde*  bei  w  iederkäuenden 
Tieren,  Köder.  Kluge  1.  0 ),  1.  =  Unter-  (Doppel-) 
Kinn  (Kett  läppen),  Submentum  (D.  560),  l'alear 
(vgl.  Goder) ,  Fettkropf  (Schm.  I,  1226);  hieher 
wohl  auch  Ketterle  (Kolter),  Ködeil)  = 
Brüste  (weibl.)  (Köhler.  V.-Gl.  289).  —  2.  =  näher, 
fadenförmiger  Schleim  in  a)  (auf)  der  Brust 
(1508,  1590)  Phlegma,  Pittrita  (D.  239.  439),  Zipf, 
Lungen- Auswurf,  Rotz;  als  solcher  wird  der 
Koder  von  den  inneren  Organen  gekocht  (  =  „er 
röchelt"),  wie  der  Lampendocht  im  Leacht 
fette  (Burk  19.  22;  C.  v.  Schm.  322),  und  herans- 
geworfen,  wenn  er  ausgekocht,  ausgebrannt  ist; 
I»)  (icio)  Koder  =  menschliche  Feuchtigkeit  und 
c)  (1583)  ebenso -(ieifer,  Speichel  i^Koderei, 
Kctdericbkeit)  (Gr.  W.  V,  UM.  1573.  1886).  —  3.  = 
(16.  Jahrh.)  auswendiges  llalsgescbwilr,  das  Kiter 
oder  Wasser  entleert,  gänseeigross  beim  Vieh 
und  Menschen  (Zipi^rl  eis ;  oder,  ILA. US; R. 4M; 
paraeynanche  -  kader ,  Gr.  W.  V,  1569;  D.  412).  — 
4.  =  Kiter  (c.  v.  Schm.  322;  Gr.  W.  V,  1569)  aus 
der  Lunge,  der  ausgeworfene  eitrige  Schleim 
(Pauli  >0).  —  6.  =  Vormagen,  Schlund",  Gurgel 
der  Wiederkäuer  =  Goder  (s.  d.)  =  guttur,  als 
Stelle,  wo  dieser  Koder  häutig  stttt?).  —  (lWii) 
Koderichkeit  =  ilalsverschleimung  (Gr.  W.  V, 

1573).  -  |ödereT'm')  =  ein  a'^  Hustcr,  Spu- 

tator  (Gr.  W.  V,  1573;  D.  549).  —  koderig,  I.  = 
schleimig,  rotzig,  pituitosus.  —  2.  =  phleg- 
maticuB,  die  kaltfeuchte  Komplexion  als  Ur- 
sache der  Schleimbildung  (Gr.  W.  V,  1573).  —  Ii.  — 
kränklich  (Gr.  W,  V,  1568)  (vergl.  kauderig).  — 
(1MB]  blutiger  Koder  =  blutiger,  schaumiger 
Auswurf  (Gr.  \V.  V,  1569).  —  Brust-  (Lungen-) 
Köder  t'*!;  Tahem.)  =  Lungen- Auswurf.  —  (1596) 
galten  -  ködert«/  —  phlegmatisch  -cholerisch  =- 
schleimig  oder  schleimbildend  infolge  phleg- 
matischer und  cholerischer  Komplexion  [Gr.  w. 


IV,  1,  1591).  —  (K..  Jahrh  )  grosser  Koder  =  Husten 
mit  viel  Auswurf  (Gr.  w.  v,  1569).  —  Mai  Koder 
(Kudder)  —  ein  im  Frühjahre  auftretender 
I  Listen  bei  Ziegen  (Gr.  W.  V,  1568;  Westfalen) 
( =  Lungenwurm).  —  (1619)  phlegmatischer 
.Verven  Koder- schleimiger,  angeblich  von  den 
Gehirn-Nerven  herabkommender  Nasen-Ana- 
wurf (Wildbrunn-Ueschrcibung  von  Weltzhetm).  — 

Koder-  (koderig)  Fleisch,  -Gang. 

Köb,  DB.  (ahd.  trquepan  —  emortuns ;  mhd  queli 

—  dampfen).  —  KäÖW  (Altmarki  —  Husten,  Schnu- 
pfen (<ir.  W.  V,  1547).  —  köb-ln  (Sehwatien)  —  an- 
eckeln  (<ir.  W.  V,  154)  (vergl.  köppeln).  —  köb?- 
lich  ■  Kkel  empfindend,  krank  (C  v.  Schm.  321). 

—  (1620)  köbisch  ^käbscb)  (kubisch)  =  unwohl, 
kränkelnd,  von  Menschen,  Hühnern  u.  Schafen 
(Gr.  W.  V,  1547;  Sehmeller  1,  1215;  Coler,  v.  d.  ff,  SM). 

köbeln  a  koppen. 
Köber  s.  Kober. 

Kochel,  ro.,  n.  (Küchel,  Kichel),  (zu  hoch) 
1.  -  Httfel,  Höfel,  Höchel,  Höcker  (c.  v.  schm. 
283).  —  2.  =  das  erhabene  Brustfieisch  vor  <ler 
Brusthöhle  (beim  Ochsen)  (Sehmeller  I,  1219). 

kocken  (göggen,  gäcken)  (onomatopoieiisch, 

den  koek-,  heisch-,  he«ch-,  klux-Ton  naehahmend ; 
16  Jahrh.  koecken ;  dazu  kokezen  «a  kotzen  [s.  d.]), 
1.  —  speien,  erbrechen,  rülpsen,  übel  werden, 
aufstossen  (Gr.  \v.  V.  1567;  1500  göcken.  II.  Sachs). 

—  2.=  Koppen  der  l'fcrde  (*  d.)  (Herbst  17).  — 
«n*köcken=-eructuare,  ausrülpsen  (Gr.  ff.  I,  sv*« ; 
Sehmeller  I,  885  1223);  (vergl.  kolken). 

koecken  =  koppen  (beim  Pferde). 
Köder  s.  Koder. 
köfern  s.  kofern,  kobern. 
koegeln  s.  Kegel, 
kolkern  s.  kolkern 

koellisch,  Kölschen,  f.  (r>90  koeiüsch  von  su-ei 
chen  -  suglllatio,  D.  565)  =  blaue  Stelle  auf  der 
Haut  durch  Blutaustritt  (kölsch  =  kölnisch  blau 
[s.  d.J,  vom  blauen  Kölner  ZeugstolT,  Gr.  W.  V,  1622). 

kölstern  s.  kolstern. 

können,  können,  Könne(n)  (indog.  gon,  gn.*., 

gen;  altRerm.  kann;  angls,  cennan  —  gebaren;  alid 
kunnan  j  nihil,  kunnen  =  können,  im  Stande  sein. 
Kluge",  209;  1200  konuc ;  alts&chs.  knn;  15.  Jahrh. 
kunne,  koeue),  1.  =  Gesch lechUvermögen  (siehe 
Macht  und  Kunne).  —  2.  =  Hoden  (Schweiler  1, 
1258).  —  (tint)  könnlich  =  potent  (z.  d.  v.  I.  v.-K. 
1896,  428)  —  Kon  AfflMn,  -  Werk. 

König,  m.  (-  ,,Sohn  [s.  können]  eine«  Mannes 
von  vornehmer  Abkunft"  (Kluge  209].  Oberster  des  Ge- 
schlechts [nobiiitas]i  =  Dens  epistropheus,  Kpistro- 
pheus,  2.  Halswirbel,  welcher  einen  hervor- 
ragenden, eapfenförmigen  Aufsatz  (Krone)  trägt 
(s.  Judenknochen,  Jungfer  im  Bade)  (Rochholz 
i,  227).  —  (1..80)  iVascti-König  -  Nasus  oblongns, 
einer,  aer  durch  seine  lange  Nase  hervorragt, 
wie  der  Kinäugige  unter  den  Blinden  (Gr.  w.  VI, 
m;  vii,  412).  —  Rippen -Königin  s.  Kippe  1.  — 
roter  König  -  ein  Körper- Glied  oder  eine 
Lebensperiode,  die  durch  Röte  auffällt,  1.  = 
(mhd  )  Penis,  durch  die  rote  glans  =  l'faffenzink 


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Köper— Körper. 


Köte. 


nir.  \v.  V,  irtvj).  —  _'.  -  Menses  und  Mennes  nimii 
(<ir.  W.  IV,  1.  1794;  VIII,  1289;  Blick  43).  —  Warzen-  ! 

König,  1.  ss  einer  »1er  doreb  viele  Warzen  auf-  i 
lullt  (<Jr.  vi.  V,  ltijwj.  —  2.  =  nach  dem  Volks- 
glauben auch  eine  Warzenkröte,  als  Gestalt 
eines  elbischen  Dämons,  der  solche  Wanten 
erzeugen  kann  (s.  Mediz.  Mllrcbeu  von  Phllander  71). 

—  H'«r»i-Könlg  (Schweden  ormkung)  ein  be- 
sonders durch  seine  Grösse  auffallender  Wurm- 
Parasit.  —  Königreich  =  Kindbett  (Srhm.  i,  1268 
i»;i)  Kindshof,  Kindbett-Hof.  -  König(s)- 
Ader,  Hand,  -Haube,  -Reich. 

Köper  (koppeln)  s.  koppen. 

Koer,  Koerb,  Kor-  =  Gurgel  und  alles,  was 
daran  bangt,  beim  Schlachttiere,  Geschlind. 

—  Koe(de)r,  Koi.dc IT  lehr.  Sam.  I,  S;  Österreich). 

—  Koerl  -  Koederl  (Schmeller  I.  1281.  1285)  = 
Gurgel,  Schlund.  —  Koer-LdcAen  {Lachen), 

—  Wunde. 

körben  s.  kirben. 

Körper,  in.  (indogerm.  krp;  oltgcrm.  corp  [  =  cor- 
por-,  corpus,  urverwandt]  dazu  nhd.  href  —  Mutterleib; 
hralw  =  corpus;  19.  Jahrb.  korper,  korpcl,  kor|»er; 
15.  Jahrb.  corper;  IM.»  kr>n>er;  15H6  cor]>el  =  corpus, 
I».  l'>2  aus  [dem  lat.]  corpus  =  I.eich  [s.  d.]  entlehnt. 
Die  McdUlnschulcn  nnd  noch  mehr  da»  Corpus  Doinlnl 
lHilm  Abendmahl  der  Kirche  trugen  zur  Einbürgerung 
des  Wortes  bei.  Kluge',  210;  in  der  Volks-Medizin  fehlt 
es  vollständig.  Nach  Hr.  W.  V,  1*3:5)  —  Leib;  1.= 
Kadaver,  toter  Körper,  Leichnam.  —  2.  = 
lebendiger  Leib;  da  „Leib"  zu  »innlich  belebt  galt, 
so  wurde  (Im  13.  Jahrb.)  ,, Körper"  vorgezogen,  das 
einen  gewissen  gelehrten  medizinischen  Anstrich  hatte. 
3.  —  Kumpf,  „das  Körperliche  am  Körper  am 
eigentlichsten  darstellend"  (Gr.  w.  L  c).  —  4.  = 
Substanz  des  I^eibes,  Materie,  Wesen,  Stoff, 
Art,  Form  (1C16  „drei  sind  der  Sul-stanzen,  die  da 
einem  jeglichen  sein  corpus  geben,  das  ist,  ein  jedes 
corpus  steht  in  3  Dingen"  [Sulfur,  Mercurius,  Sali, 
l'nraeelsua;  Hoescr  I,  456;  161«  das  corpus  der  Frantzo- 
sen  m  syphiliUsche  Korm  ,  Franzosonart ,  l'arncels. ; 
Pr.  II,  791.  —  korpulent  =  wohlbeleibt.  —  (1740) 
ß«*M-Körper  =  Skelett  (Kulmus  33;  Hyrtl,  K.  w., 
I..veling  59;  A.  r.  II  II,  1266).  —  (1551)  drUsicJiter 
Körper  =  Pankreas  (e.  Wampen-Bries)  (Hyrtl, 
K.  w.),  eine  Substanz  im  Leibe,  aus  drüsigem 
Gewebe  bestehend.  —  Fremd- Körper  =  jeder  | 
ins  Innere  des  menschlichen  Körpers  gelangte  | 
und  daselbst  fremdartige,  nicht  natürlich  dort 
entstandene  Stoff.  —  (UM)  gehäufte  Korpcl  = 
Cadavera  congesta  (Gr.  w.  V,  i»34).  —  Gelenk- 
Körper  —  freibewegliche  Konkremente  fibröser 
od.  knorpelicher  Natur  innerhalb  der  Gelernt  - 
höhle (s.  Gelenkmaus).  —  lila»  Körper  =  Corpus 
vitreum,  das  von  der  Glashaut  eingeschlossene 
wasserklare,  sulzige  Wesen  in  Kugelform  im 
Auge  (Hyrtl,  An.  55*).  —  (1712)  gypriehter  Körper, 
1.  «■  die  harnsauren,  weisslicben,  dem  Gyps- 
pnlver  (Tuff,  tofns)  verglichenen,  harnsauren  j 
EkUae,  in  den  gichtisch  erkrankten  Gelenk- 
Machen  abgelagerte  Materie  (F.  Hoffra.  VII.  227). 

—  2.  =  syphilitischer  Gallus,  Topbus  (s.  Materie 
u.  Sand).  —  (1783)  üTrystoW-Körper  -  Augen- 
linse, die  Substanz  der  Krystall- Linse  (Leve- 
ling  toi).  —  (b-No)  7>t7>c«-KOrper  =  Rumpf,  Ka- 


daver  (Gr  \v.  v,  i*34).  —  menschlicher  Körper 

—  nach  primitiven  Anschauungen  eine  beseelte 
Quelle  von  I/cbenskraft,  an  deren  Wirkungen 
allcTeile  des  Organismus,  selbstder  Hlick,ihren 
Anteil  haben ;  menschlicher  Ix>ib  (s.  Leichnam). 

—  M u/fer-Körper  =  der  grössere,  nicht  in  der 
Scheide  befindliche  Teil,  der  eigentliche  Leib, 
die  Substanz  der  Gebarmutter  (Corpus  uteri). 

—  Ober  -Körper  m  der  Unter-„Leib'<  ist  der 
Gegensatz  zum  Ober-,, Körper"  („Oberleib"  ist 
Kleidungsstück).  —  Re  Korper  chen  =  reis- 
kornahnliche  Gelenkfransen,  die  sich  von  der 
Synovialtneinbran  ablösen  und  freie  Gebilde 
darstellen  (Corpora  oryzoidea).  —  Riesen- 
Körper  -  der  Leib  eines  Riesen  (s.  d.).  — 
7'orrn  Körper  (16.  Jahrh.  die  todten  cörpel,  Gr.  W. 
IV,  L  1109;  1561  todtner  cörpel  =  corpus  Inane. 
r,r.  W.  V.  1834;  ISN  ein  todtcr  cörpel  -  cadaver,  I>.  87; 
1609  todter  corper,  Guar.  514)  =  Cadaver,  Leichnam, 
Aas.  —  Körper- Bai«,  -Kraft,  -Säfte. 

Köte,  f.  (Köthe)  (lrles.  kate,  f.  =  Gclenkknochen  ; 
U.  Jnbrh.  kote;  1470  kutte;  sortis««,  artteuli,  os  cum 
quo  In. laut  pucllae,  P.  MS;  1501  koete  =  Knöchel, 
Glied,  1507  koten  —  spondyli,  D.  548;  1615  kotten  = 
sortis*»,  D.  543;  1577  koten  =  talus  In  bubns,  D.  572; 
1517  kotbo  =  vertebra,  ludus,  1».  614  ;  mnd.,  1588  kote 
Gelenk  am  l'Ierde-IIufe ;  1599  kot  =  Geschwulst  am 
Plerdeschenkel  [s.  auch  Kot  =  Milzbrand);  Gr.  W.  V, 
1S86;  1640  kotben  =  Flngcrknöchcl  und  Kote  6;  1716 
kotte  —  koten  [Kote  6];  1719  kote  —  Knöchel;  1777 
pickel  vel  kote  ■  talus  (sordissa],  I).  543;  ndl.  koot, 
Kluge*,  211);  nach  Gr.  w.  V,  1886 ff.  1.  =  mensch- 
liche Fuss-  (Finger-)  Knöchel.  —  2.  =  Rück- 
gratknochen, 8pondylia.  —  3  =  das  Horn  an 
den  Tierfüssen.  —  4.  =  Tierknöchel  (Spiel- 
knoehen,  Loswürfel).  —  5.  =  die  Köte  beim 
Pferdefuase  (schw.  3«0i,  d.  h.  Gelenk  in  dor  Köte 
über  dem  Fessel,  wo  das  Schienbein  aufhört; 
(im  18.  Jahrh.  rechnete  man  die  Fessol  noch 
dazu)  (Gr.  W.  III,  16»2;  IV,  2.  1624).  —  6.  =  die 
Fessel  (18.  Jahrh.)  (s.  d.).  —  7.  =  der  starke 
Haarzopf  an  der  Köte  des  Pferdes.  —  8.  = 
(ieschwulst  am  Schenkel  des  Pferde«  (wenn 
nicht  zu  Kot,  b.  d.).  —  9.  =  Blütchen  im  Gesichte, 
weiche  llautgeschwttre  (N.  Kheln;  Gr.  w.  V,  1901; 
ob  zu  kote  —  flufgelenk?  und  nicht  besser  zu  KMM  Od, 
Kot  ?).  —  aus-  (über-)  kot  n  es  aus  der  Köte  heratis- 
od.  über  die  Köte  hinaustreten  =  Verstauchung 
im  Kötengelenke.  —  (1688)  über  die  Köte  ge- 
HchoKsen,  über  Kot  schiessen  (Gr.  w.  V,  1886).  — 
Bickel-Köte  s.  Pickelkote  n.  Klaubelbein.  — 
(UM)  geschwollene  Köte  =  Köt»-n-(  iehnk-Schwel- 
inng  (Gr.  w.  V,  1888).  —  hoch  kotig  -  hohe  Köten 
tragend  (Gr  w.  rv,  l  1624).  —  iyVrvfc-Köte 
Köten  Gelenk  (Köle  5)  beim  Pferde  (Knuten) 
für.  W.  V.  1886).  —  Fkkel-Kote  (13.  Jahrb.  ptcklt 
knie;  15ßl  bickel  koten;  1517  plekclkothe.  D.  543.  672) 
=  Talus,  Sortissa,  ein  Spielknochen,  I-oos- 
knochen  zum  Schicksal  fsors)  erforschen, 
Wttrfelbein  in  Pickelform.  —  (1796)  übergetretene 
Köte  =  Distorsion  <ies  Kötengelenkes  durch  zu 
starkes,  übermässiges  Eintreten  des  Fusses. 

—  ti/xr-köten  =  die  Köte  über  die  Norm 
hinaus„schiesHcn"  lassen,  wobei  das  Pferd 
nicht  mehr  durchtritt,  sondern  die  Kote  zuerst 
nach  vorne  und  dann  erst  nach  rückwärts 

PJ 


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290  Kötter-Kohlc. 


Kohlt— Kolben. 


l>ewent  (Zipp.  10»;  Ablg.  7s).  —  unter -tätig 
-küttig)  ■  unterschworen ,  von  innen  heran», 
unter  der  Oberfläche  eiternd  (wie  die  Mauehe 
am  Kötengelenk  des  Pferdes?)  (Schw.  7:ir>;  Gr  W. 
V,  1886 ;  Schmcller  I,  1310),  besBer  r.u  Kot  (s.  d.  n. 
ket).  —  KöKenJ-ßnn,  -Gallen,  -Gelenk,  Grint, 
-Haar,  -Locken,  -  Warten,  -Zopf. 

Kötter  h.  Köder, 
kotzen  (Kötze)  s.  koteen. 
Kötzle  b.  Kot*, 
koevisch  s.  Kol>er. 

kofern;  fi'")»  kofern  (Bayern)  =  sieh  erholen. 
(TkÖfern  (Schwell,  ahd.  obercoverön,  Gr.  W.  V,  1544) 
(vergl.  kobern). 

Kog(e),  m.  (Koger)  grote  knghe  -  grosses 

Peststerbe  n,  Pcstscncbe,  Lcrseh  202;  14.  Jabrh..  ndl. 
coko  =  contaginm,  D.  14". ;  1475  coghe  ■  porrigo  [inor- 
bns  poreorum],  D.  HM;  coutagium ,  I>.  Mi;  cotghs, 
kngisch  -  contaglosus  (schelmisch),  1>.  14t ;  1«.  Jabrh. 
coge  =  Schelm,  contagtum,  Gr.  W.  V.  1577),  1.  we  Aas 
(  =  Schelm,  Keib)  (Bayern,  Schwell,  Vorarlberg, 
Schwaben ;  Schindler  1 ,  1231 ;  Kogenschinder  =  Ab- 
ilecker,  der  da«  Aas  schindet,  abhäutet  und  da«  Kogen- 
bein  Im  Schindanger  vergrabt ;  das»  das  Aas  infektiös 
«ein  könne,  muss  eine  alte  Krfahning  sein).  —  2.  = 
Contagium  vaccarum,  porcorum,  ovium  (Milr- 
brand  ?),  eine  ansteckende  Viehseuche  =  Schelm 
(s.  d.  u.  Kobold)  und  (*lav.)  kuga  =-  Pest ;  da  es 
im  Slavlschen  auch  eine  Pestgöttin  oder  Pestjungfrnu, 
kuga,  kuha,  gibt,  »o  denkt  (<ir.  \V.  V,  1577)  man  an 
Import  des  ,,Kog"  vom  Osten  her;  die  Viehseuche  Ist 
eben  auch  eine  schelmische  (=  aashafte)  Krankheit; 
Schelm  und  Aas  wechseln  cticnso  wie  Schelm  nnd 
Seuche;  der  südslavlsche  <;inube,  dass  der  in  ein 
scheckige«  Kalb  umgestaltete  Krankhcllsschelm  durch 
sein  BUvcken  das  Vieh  lote  (Schmeller  I,  1231)  fand 
sich  (im  17.  Jahrb.)  auch  in  Oberbayern;  mit  den  Vleh- 
.  seuchen  kam  wohl  auch  die  volksübliche  Ätiologie 
derselben  von  Osten  (vergl.  Hünnseh).  —  3.  =  ein 
Krüppel,  siecher  Mensch  oder  sieches  Tier  im  i 
allgemeinen  (Schwaben;  Huck  18;  Kouenflieker  = 
Wunderdoktor  oder  Plergenblndcr  s.  Hliirre ,  Kuck  18 ; 
Lammert,  V.-Med.  w);  wie  hQnn'seh  =  seuchen- 
krank  und  kränklich,  so  ist  auch  Ko>j-^ Seuche 
und  Krankheit  überhaupt  (vgl.  kuggeln);  beim 
Begrille  des  „Siechen"  verhält  es  sich  ebenso. 

—  kogeln  =  aashaft  stinken,  futuere  (Gr.  W.  V, 
157s).  —  (1...  Jabrh.)  kOgisch  (1401  kogesch  -  mit 
Influenae  behaftet.  Lerseh  177;  krank,  <ir.  \V.  V,  1678; 
1420  cogesch  =  morbldus.  I).  367;  1175  colghs  kogisch 
o.  schelmisch  =  conlaglosui.  D.  116),  1.  =  schelmisch. 

—  2.  -  ansteckend,  coutaitinsiis.  —  3.  -  kränk- 
lich (morbidus).  —  groxs  Koge  (ndd.  grot  koghe. 
Schm.  [,  1231)  =  grosse  Seuche.  —  Kogen-ßcn, 

—  ßcngel. 

Kohle,  f.  (Kohl),  n.  (gem.  germ.  kol,  abil.  kölo.m. 
mhd.  kole,  f.;  ndl.  kool  =  die  schwante,  ausgeglühte 
od.  feurige,  noch  glühende  Kohle),  1.  der  schwarze 
Fleck  (Kern,  Hohne;  s.  d.)  in  den  Hohlen  <ler 
Eckzähne  der  Pferde,  zu  deren  Altersbestim- 
mting  benützt.  —  2.  -  Übersetzung  de«  Kar- 
bunkel (Carbo  =  Kohle,  charbon)  der  Medizin- 
schulen,  demnach  St.  Antonius-Rache,  St.  An- 
tonius-Feuer ^sacer  iKnis,  santo  igne,  Anthrax, 


Pestbeule  (du  ctan  a,  \*o,  i>e  «ock  MO).  —  (is») 

Pest-Koble  =  Anthrax  oder  Pestkarbunkel 
schwarze  Pestblatter  (v.  M.  II.  102.  \.  v.  II.  I.  101 ; 
r.r.  w  vii,  i.75).  —  Kohlen ■  Beute,  Lunge, 
-Sucht. 

Kohlt,  n.  a.  kalt. 

Koie,  1.  -  m.  kaoen.  —  2.  -  Rah. 

Kol,  m  Kolle,  f.  (Kolben)  Im  knhi ;  aha,  cha 

lawa;  mhd.  kalwe  |  -  Calvities);  nach  <;r,  \V.  V,  1601. 
1">17  dy  kulbe,  kollw  —  calva,  calvaiia,  05  capiti* 
nbi  capilli  esse  consuevere,  I>.  91 ;  kol  [kolck]^  Vertex 
capitis,  n.  614).  1.  —  Vertex,  Scheitel,  Kopf,  Hirn- 
schade),  soweit  man  ihn  kahl  sieht  ((ihtfze).  — 
2.  =  Haarschopf  als  Teil  des  SchftdeJs.  —  3.  = 
der  weisse  Fleck  auf  der  Pferdeslirne  ((Jlatxe). 
—  kolben  =  kahl  seheeren.  —  (1C12)  kolhet  - 
platt  geschoren  (Schmcller  I,  1239). 

kolbe,  Kolben,  m.  (indogerm.  gi-bh  [globtia]  dtekes 

Kn<leeine«Ob|ektes,  Menschenkopf.  fir.  W.  V,  MOS,  1409; 
germ.  klumb;  goth.  kulban  —  Stock  mit  dickem,  knol 
ligem  Bude;  ahd.  cholbo  -  Pflanitcnknollcn.  Wosser- 
knollen;  mhd.  kolbe  =  Kolbe,  Keule,  Knüppel,  Kluge  \ 
208  =  Keule  [n.  d.]  chancre,  Gr.  W.  V,  360  suh  3  ;  1429 
kolb  =  Cancer  In  virga  vlrill,  D.  II,  70;  15.  Jahrb. 
cholben  =  cambuca,  virga  [Rute,  mcntula  —  Schanker- 
geschwür  am  peni»),   D.  92;  1482  kolble  ■  Cancer 
( =  8chankcr-Gcsehwür]  tnnc  signlficat  infirmitatein 
membrl  vlrllis,  Gr.  W.  V,  1611  =  cambuca  [  m  Keule, 
s.  d.],    Cir.  \V.  V,  1606,  1611;   1521  kolb  -  cambuca 
virga,   D.  92,   1561  kolben  =  Riss.  Gr.  W.  V,  160V.; 
16.  Jahrh.  kolben  =  eine  männliche  «ieschleehtskrank- 
helt,  Gr.  W.  V.  1129;  1576  kolb  =  cambuca  [Keule. 
Stab,  Kolben,  8.  Du  Cange  III,  44) ;  „ein  Geschwister! 
des  Schliers"  [-  bubo],  Tbeophr.  Rod.;  1591  Kolbe  - 
der  Kopf  eines  reifenden  Furunkels.  Had.  Jun.  3*5  ; 
lf«03  kfilblln  —  eine  harte  Driisenboule an  den  Schenkeln 
des  Pferdes,  ans  kaltem  Phlegma  entstanden,  »Ir.  W. 
V.  8«.  1811;  1609  kolben  =  ein  durch  den  unreinen 
Ooltoa  erworbener  Schallen,  Ouar.  8M  ;  1616  „derkolben 
kompt  von  der  miiteri  des  schliers"  (umgekehrt  iler 
l.ubo  [  —  Schlier]  kommt  vomSchankcrgeschwur[cancer] 
am  Kolben  des  penis  (^Kolb),  tir.  W.  V,  160»'. ;  I>.  94  ; 
1618  kolben  =  luxus  virgalis,  Parncels.  ;  Pr.  II.  76  = 
cRmhncca  Panicels.  [  -  Vorbote  der  Syphilis,  noch  nicht 
harter  Schunker,  der  noch  nicht  ,,in  die  franiosi*che 
Art"  übergegangen  ist  ,   was  erst  durch  den  sogen. 
„Luxui"  [■.  d.)  geschehen  aollte.  Pr.  II.  72.  73 ;  17  io 
kolben  ■  Franzosen.  Z.  A.  ;  nach  (Jr.  W.  V,  1605 ff; 
Heyne  III.  419:  Kolben  (  s  Stange  mit  dickem  Knde), 
1.  =der  menschliche  Kopf  (in  Redewendungen) 
mit  Haar  und  Haarschopf  (Kulpe) ;  Calvitium 
(=  kolbe  auf  dem  hanpte),  s.  Kolbe.  —  2.  =  Kehl- 
kopf als  dicker,  rundlicher  Halsteil  (Sehw.  3-56) 
und  Ende  der  Luftrohre.  —  3.  =  (1534)  tilan» 
penis  (Hyrtl.  K.  w.  iis9)  =  Eichel  («.  d.).  —  4.  = 
der  Eiter-Kopf,  Caput  in  abscessu,  ubi  erup- 
tionem  minatur  (Kiterbutren ,  s.  d.  n.  l"*l  Sagel- 
kopf bei  Maaler),  sowie  venlicktes  Haarwuntelen.le 
bei  Schweinen.  —  5.  =  Ulcus  syphiliticum  Sim- 
plex (h.  Schanker  und  Syphilis)  et  induiatum, 
Schanker-tieschwflran  der  (llans  penis  mit  dem 
Schlier  (=  Kuho)  verbunden  (Schmcller  II,  533) 
=  Satyrion,  Kollien-Cieschwnr,  dann  immer  nur 
an  Geschlechtsteilen,  wobei  das  männliche  (Mied 
wie  ein  Knflttelstock  ( Virga)  oder  Stab-Keule 


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Kolch-Kolik. 


Kolik. 


2f>l 


kolbig  anschwillt  (dagegen  sollte  das  Kolblein»- 
kraut,  Sanqnisorba,  Ruthkopf,  Jcswn  362;  Stabwiir*  etc. 
helfen).  —  Ii.  -  keulenförmiger  liinterjich<»nkel 
an  grösseren  Tieren.  —  7.  =  Dröaenbeule  od. 
Knochenauftreiliun«  daselbst  (R.  A.  672).  —  8.= 
Schlagheule  (eainboule)  (nri*s.  B).  —  Destillier- 
Kolben  =  «las  immer  tröpfelnde  breite  Nasen- 
Ende  'Ruck  12).  —  (15<m)  /)«4tYl-Kölblein,  a)  - 
Penis  (er.  W.  II,  1150)  wcjren  der  Ähnlichkeit  mit 
(ahd.  tntileholbo  =  Rohrkolben,  Schindler  I,  654;  der 
selbst  verglichen  ist  mit  ilcr)  b)  BrUStspitZe?  (l'utte). 

—  (1793)  Z>r<M»r/-Kolben  -Kehlkopf  als  dickeres 
Ende  der  Luftrobren  f<ir.  \V.  II,  1137).  —  (1591) 
Srlncantz-Kolben  =  Glans  penia  (IM  Jnn.  ni  • 
Gr.  w  v,  iTco).  —  Kolben-Art*«. 

Kolch  s.  Kolk. 

Solchen,  1.  -  Kolik  (Colica,  a.  n.).  -  2.  - 
a.  Kolk. 

Kokk  .«.  Kolk. 

Eolde,  Kolle,  n.  s.  Kalt. 

Köhler,  m.  s.  Koller. 

Koldun,  1.  -  Kaidaunen.  —  2.  -  Knltan. 

kolen  =  m  kohlen  (ahd.  fereholcn  ,  Notker; 
Schmeller  I,  12!"  ;  ahd.  Ablaut  zu  quelMI  ;  mhd.  queln) 
=  unausgesetzt  peinliche  Schmerzen  leiilen 
(vergl.  «.^ual,  Qualm). 

Kolik,  (Kolk,  Kulk,  Koolke)  (an*  dem  tat. 

eoliea  [seil,  posslo]  =  Darm-  [Colon,  xiii/.v/  -  x',:).^, 
vw/o;  hohler  sei.  Dorm;  Schmer«;  auch  abgekürzt  In 
Kolk,  Kulk;  Ilyrtl,  K.  W.  124  =  colica  jumentorum 
[Vcjrtlii],  Slrophus  [Galeni] ,  Kraus,  F.  10OO;  13.  bis 
11.  Jahrh.  ,,wem  weh  ist  in  dem  Kntichc  das  heisst 
pasüio  colica.  da  hast  dieses  zu  kennen  er  ist  triu; 
uii.l  unmuthig  und  schwillt  gross  an  binnen  in  dem  1 
Lclbc  und  ihm  wird  das  Kleber,  das  da  helsst  »eiiu" 
1=  Peritonitis V).  nach  Mag.  Barth.  90a;  1420  kolek, 
kolk  —  eustus.  weisse  Blatter,  I).  165;  [Blasenkolik ; 
15.  Jahrh.  eoliea  eyn  sucht  des  niderstrn  darms 
[Colon]  da  dye  spisse  tiss  get  und  kommet  von  eym  | 
geswer  «n  Ist  urab  das  gernecht  goswollen ,  I).  13t 
=  bernia  tacarcerata  et  Peritonitis;  15.  Jahrh.  eyn 
de  de  kolk  heft  =  eolicus,  Ii.  II,  100;  1517  kol, 
kolk  -  Vertex  capitis,  D.  6U  ;  [llauptschmerz ?  s.  kahl]; 
1564  colicompas  -  passio  collea,  De  Cork  1*9;  1699 
eholic,  v.  M.l,  177:  1741  eollekc  =  ventrleulo*us,  der  das 
Banchwehe  hat,  Kirsch  12J5;  bei  den  Ostpreussen  wird 
die  Koolke,  die  im  Kopfe,  Mark,  Hera,  Plauze  oder 
F.ingeweide  schmerzt,  in  Besprechungsfnrmeln  w  ie  ein 
krampfhaft  greifender  [s.  d  ]  Krankheitsdamon  ,  der 
die«»  Schmerzen  verursacht  [vergl.  Krampf  und  engl, 
trtpas]  ermahnt,  doss  sie  in  ihr  Bettehen  schlafen 
■•be,  Z.  d.  V.  f.  Volksk.  1895.  S  22  ;  Frischt).  791  und 
auch  an  anderen  Orten  wird  sie  l>eschworen,  Wacker- 
na«fel,  Wessobrunn  er  «lebet,  S.  69,  Anm.) ;  demnach 
i«t  Kolik,  1=  Bauchschmerz  im  Gedärme,  Colon, 
volksübhch  meist  der  genossenen  Nahrung  zu- 
geschrieben. —  2.  =  Bauchschmerz  überhaupt. 

—  8.  -  windender  Kontraktions-Schmerz  auch 
an  anderen  Gliedern,  der  qualitativ  mit  Kolik 
verglichen  wird  (Kopfkolik,  Nierenkolik,  Herz- 
kohk).  —  4.  =  Kolk  ans  Kolt,  Kalt  (..kolt.  kolk, 
knicke  ein  suchte".  D.  131)  ^  eoliea  (*.  Kalt).  — 
6.  -  Kolck  sUtt  Kol,  s.  kahl  (1517  vortex  capitis, 
1»  SM).  —  6.  =  Kolk  (Koiiik.  RnteLai,  Aon,»).  — 


Augen  Kolk  (14  Jahrh.,  ndd.  eyn  ogh  kolek.  I)  561  ; 
snboculare)  -  Augenschmerz  unter  dem  Auge, 
infolge  von  Rhenm«,  Xeuralgia  infraorbitalie, 
s.  Oberkolk).  —  (1778)  bauchlaute  Kolik  =  Baad» 
schmerz  mit  kollerndem  Geräusche  (Gr.  W.  I, 
lies).  —  Blatt-Kolik  ■  Bauchschmerz  durch  Blilh- 
ti n gen  veranlasst  (Windkolik)  (Sobernheim  167). 

—  (lxoi)  (vegetabilisch)  (1782) /?/«'-Kolik  =  Colica 
saturnina  darnnoniorum,  die  durch  Bleiver- 
giftung verursachte  Kolik,  z.  B.  bei  Trink  waasern 
in  Bleiröhren  (.Madrid,  z.  B.)  oder  die  Kolik  «1er 
unter  den  Bleidächern  eingesperrten  Gefan- 
genen (Blei  =  saturnum  vegetabile)  auch  Maler- 
kolik  (Cr.  W.  II,  101;  J.  P.  Krank  111;  M.  H.  L.  I, 
204).  —  (1783)  Blut-Kolik  =  eine  durch  «lie  Blul- 
wallung  bei  der  Entzündung  des  Bauchfells  er- 
klärte Banchkolik  (Falke  I;  M.  H.  L.  I,  213).  — 
Brcch- Kolik  =  Cholera,  Brechdurchfall  mit 
Kolik.  —  Bruch-Kolik.  =  Leibschmerz  infolge 
einer  Hernie  (Bruch)  (Falke  I,  156).  —  Cydcr- 
Kollk  =  der  Leibschmerz  vom  jungen  Apfel- 
wein (Cider,  stxspa)  (1769  the  epidemieal  collc  of 
Devon.  Schnurrcr  II,  268),  die  epidemische  Ruhr, 
die  man  dem  Cidergenussu.  auchBleigeschirren 
zuschrieb  (Kraus,  K.  KS9;  lo  carmet,  Briss.  172).  — 
7)nr»i  Kolik  =  windender  Gedärmschmerz  (holl. 
darmkoiick).  —  Entzündung»  -  Kolik.  —  Bauch- 
schmerz infolge  von  (Gedärm-) Entzündung 
(Aekerm.  244).  --  Frauen  -  Kolik  =  Mutterkolik 
(Kugel.  265).  —  (is42)  FMrrpr  Kolik  =  (1878)  Wnrm- 
krankheitder  PfenlefBoliingcr).  ein  Leibschmerz, 
der  dem  übermässigen  Futtergenusse  zuge- 
schrieben wurde  (Gr.  W.  IV,  1.  1078;  Falke  I.  300) 
(Darmgicht  der  l'fer«le,  Pferde-Kolik).  —  (17IK) 
Gallen-  (gallige)  Kolik,  1.  =  der  Schmerz  bei 
der  Gallenstein- Kolik,  bei  der  öfters  Gallefarb- 
KtotF  im  Urine  oder  auf  der  Haut  zum  Vorschein 
kommt.  —  2.  =  Colica  biliosa  (Gr.  w.  I,  1191 ; 
Maschenb.  109),  ein  Leibschmerz,  der  dem  Er- 
güsse von  Galle  in  die  Gedärme  zugeschrieben 
wurde  (Aekerm.  247),  Neuralgia  hepatica.  —  Oicht- 
Kolik  ■  Melaslase  der  Gicht  auf  dio  Gedärme, 
welche  kolikartigen  Schmerz  macht  (auch  Blei- 
kohk  mit  Bleigicht)  (enpl.  arthritlcal  «rripe»).  —  (1782) 
goldene  i4rfcr-Kolik  s.  liämorrhoidalkolik  (siehe 
auch  Spännhex)  (M.  II.  L  I,  Sei).  —  (1754)  Gries- 
Kolik  -  Nierenstein-K«)lik  (A.  v.  H.  I.  451).  —  (1782) 
Hämiyrrhoidal  -  Kolik  ---  Schmerz  ilurch  Mast- 
darm-Krampf bei  Entzündung  der  Hämor- 
rhoiden (Köhler  II,  275;  M.  II.  L.  I.  204;  Voecl  V, 
101).  —  7/c»r-K0lik  (herzkulk.  Gr.  D.  M.  II,  11121- 
Colica  ventriculi,  kramplltafter  Schmerz  in  <ler 
Herzgrube.  —  /iurcn-Kolik,  1.  =  Hurencholera 
(Kraus,  E.  KS).  —  2.  —  (engl,  honicholic.  Kaltschm. 
I,  ;to)  —  Chorda  gonorrhoica,  Harnwinden  mit 
hogenlörmiger  Steifheit  <les  Benis.  —  Kartoffel- 
Kolik  -  die  «lern  Kartollelgenusse  zugeschrie- 
bene Pferdekolik  (Falke  I,  6)  (Futterkolik).  — 
(1782)  7fiMf/Mfm'wrM-Kolik  =  Nach  wehen  (M.  H. 
L.  I,  5»7).  —  (1782)  Kinda  -Kolik  =  Leibschmerz 
bei  kleinen  Kindern  [U.  II.  U  I,  I9ö).  —  Kopf- 
Kolik  —  krampfartiger    Koptsehmerz,  Ce- 

phnlea  intermittens.  —  (1737)  Krampf-  j^^^^ 

-  krampfartiger  Bauchschmerz  im  Magen  od. 
Gedärme   (Baum    ".nc.;   si.»  wir.1  beproehen  und 


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202 


kolkern 


Kollane— Koller. 


gebrochen,  Frischhicr  71-,  Ii« neu  :!06J.  —  Kujifer- 
Kolik  -  durcli  Grünspanvergiftung  veran- 
lasster Leibschmerz.  —  (178'.')  lieber  -  Kolik 
=  Gallenkolik ,  I«eberselimerz  (Köhler  II,  30R). 
—  /  n/7  Kolik  =  die  Kolik  beim  luflkoppen- 
den  (s.  d.)  Pferde.  —  Madrider  Kolik  -  Blei- 
kolik (Plcrer7.  II,  1329).  —  (1782)  M.e/fH -Kolik  = 
Magenkrampf  (M.  R.  L.  I,  207).  —  (1782)  Maler- 
Kolik  =  die  bei  Malern  (Bleiweissfarben)  häu- 
fige Blcikolik,  Coliea  pictorum  (Sobernh.  279; 
m.  h.  l  1,202).  —  Mtoortiitd-Kolik^ein  Pferde« 
milzbrand  mit  Koliksymptomen  (Ztpn.  2*%).  — 
(1782)  Miserere  -  Kolik  -  die  Kolik  mit  Kol- 
erbrechen (s.  Miserer»)  [M.  11.  L.  1,  199).  —  (1843) 
Mist-Kolik  —  Fntter-  oder  Vorstopfungskolik 
bei  Tieren  (Falke  11 ,  IM).  —  Mutter  Kolik 
der  Leibschmerz  bei  Gcbnrmuttcrleiden  der 
Frauen.  — (1532)  iVicren- Kolik,  L  —  Nierenstein- 
Kolik.  —  2.  =  Nierenentzundungsachmerz  (Falke 
II,  164)  ,,»0  der  Schmerz  vou  den  Nieren  knmpt,  so 
Ist  er  hinten  im  Leihe  behaltet  um  die  Gelegenheit 
der  Nieren  und  im  Harn  erscheinen  Fasslln  (Filserchen) 
und  Sand"  (Frlei  113).  —  (17«1)  OtVr-Kolik  =  Clavtis 
hypochondriens  s.  hysteriens  (a.  Nagel) ,  die 
als  Migräne  am  Kopfe  auftretende,  nach  oben 
„versetzte"  Hämorrhoidalkoük  (L.  eh  lfi)  (Augen- 
kolik) Neuralg.  supraorbitalis.  —  (1706)  Pettitenz- 
Kolik  =  Ruhrkolik,  wenn  die  Ruhr  epidemisch 
wie  eine  Pestsenche  auftritt  (A.  v.  11.  I.  452).  — 
Pferde- Kolik,  I.  -  Luft-  oder  Wind-Kolik  der 
Pferde.  — 2  —  Wurmkolik  der  Pferde,  fast  immer 
verursacht  durch  ein  Wurm-Aneurysma  in  den 
Gelassen  der  Baucheingeweide,  wo  sich  em- 
bolische oder  thrombotische  Vorgänge  unter 
Schmerz  entwickeln  (Bollinger;  I.euckart  168).  — 
reissende  Kolik  =  reissender  Bauchschmerz 
(Baum  306).  —  (1782)  Huhi  -  Kolik  =  Leibschmerz 
mit  Blutabgang  (s.  Ruhr)  (M.  H.  L.  I,  207).  — 
Samen  ■  Kolik  -  ein  meist  bei  Tripper  oder 
sonatiger  geschlechtlicher  Reizung  entstehender 
Krampf  der  bei  dem  Blasenhais  mündenden 
.Samengflnge  (Ductus  ejaeulatorii)  (Schmidt,  Jahrb. 
185.  Bd.  n»,  sc).  —  i?cAi/F*-Kolik  =  Bleikolik  durch 
verunreinigtes  Trinkwasser  auf  Schillert  (Köhler 
II.  193).  —  (1782)  SclUeim  -  Kolik  -  l*ib-  oder 
Magenschmerz  mit  Abgang  von  Schleim  durch 
Stuhlgang  oder  Krbrechen  (M.  II.  L.  I.  211;  Falke 
II,  281).  —  (1782)  Sfrin-Kolik  Nieren-Kolik 
infolge  von  Nierensteinen  (M.  II.  L.  I,  207;  Falke 
I,  205;  D,  338;  engl  »tone  cholie  ~  <irie«knlik|.  — 
Uberfütterungs-Kohk  s.  Fntterkolik.  —  Wttxscr- 
Kolik,  f.  (Kolk),  m.  (Oldenburg  woterkolk,  «iold- 
schmtd  103)  -  Wasserspeien,  Wasaerwürgen, 
Sodbrennen  mit  Magenkrampf,  zu  kolkern  2 
(B.  d.)  (Köhler  II,  107  ,  Kraut  K.  4S2  .  Kopp  IV.  4).  — 
(1782)  Wind  Kolik  =  Verstopfung  mit  Blahkolik 
bei  Mensch  und  Tier,  Mal  St.  Agapet  (Apagc?) 
Colica  flatulent»  (Ackerai.  2ih;  itriss.  122).  —  Wurm- 
Kolik  =  Pferde-Kolik  2  (Mayer  152).  —  Kolik- 
i  K»l lc-) Darm. 

k  o  1  kern  (kölkern,  kelkern),  kolken,  kolksen, 
Kolch,  Kolk,  i    (Kulk)  [16.  Jahrh.  de colk ejm  snke, 

I)  II,  100;  c-ilk  =  rheuinu,  profundiUM  aipine.  1>.  II, 
318;  eyu  kolk  —  guffula,  bumor  gutturi«,  1».  II,  198; 

kulk  Ithcnma,  Schnupfen;  Kolllk  =  Kolk,  tiefe 
Wasserstelle,  Engel.  20,  Antn.  21),  1.  =  das  Kollern, 


Rumpeln,  das  Geräusch  des  wie  in  einem  Kolk 
(~  Wasser-Strudel,  -  Wirbel)  plätschernden  od. 
«urgelnden  Wassers  im  Magen,  Hachen  od.  in 
den  Gedärmen  -  das  Kluck-Khick  (»ie  beim 
Schlucken)  (ein  onomatnpoieiisthes  Wort,  Gr.  W.  V, 
1613;  ndl  kolken  sprudeln;  ndd.  kölken).  —  2.  - 
rfllpsen,  (sprudelnd)  sich  erbrechen  (s.  auch 
kolpem)  kolkizen  (Schmeller  I,  1211).  —  3.  ~ 
(1578)  hohl  husten  (wie  ein  kilkezender  Brust- 
kranker mit  Lungenkavernen)  (Gr.  W.  V,  1612. 
1613).  —  4.  =  s.  Kolk  (-Kolik)  Kork  u.  Kolch.  — 

WjflOCr  |  kolken!  ~  ^'°,n'lU8  matutinus,  das 
sprudelnde  Krbrechen  wässerigen  Schleimes 
bei  Gewohnheitstrinkern.  —  kolkwt  -  mit  gur- 
gelndem Tone  sprechen,  unboholfen  sprechen. 

—  den  Magen  rrrkolken(kulchen)  =  den  Magen 
ganz  venlerl »eu  bis  zum  hörbaren  Erbrechen 
des  Inhaltes. 

Kollaue,  f.  -  Kolik,  Kollern  (Cholera)  bei 
Pferden  (Frischb.  43;  in  Besprech  ) 

Koller,  m.  Kolder,  Kolderer)  fahd.  cholem, 
choloro,  aus  dem  grieeh.  yoXtf.'x;  lat.  cholera  [siehe 
Cholera],  durch  die  Sprache  der  Ärzte  eingeführt. 
Kluge  *,  208,  cholorin  plur  =  coli  dolores  rentri«,  (iraff 
IV,  390;  Chcrgangsform:  rindere,  eholcre*  -  hu  innre«, 
Du  Cange  II,  100;  mhd.,  14.  Jahrh  rholere.  kolre  = 
ausbrechende  oder  «title  Wut,  Kluge*,  208;  15.  Jahrh. 
koler— koler«,  cholera,  Inhitzige»  »tut,  Gr.  W.  V,  1616 

—  Wut.  Neigung  zur  Tobsucht  ;  Tirol  Kolderer;  Schweiz. 
Schwaben  Kolder,  Kolderer  ,  engl,  collar  ;  holl.  kolder  ; 
sehwed.  kotier,  d»n.  kuller),  1.  -  der  Zustand  des 
Zornigen,  Wutigen,  lleiasblütigen,  als  Folge 
der  cholerischen  Komplexion  (Cholera  1),  die 
den  Menschen  zum  Kolerer  (Kolderer) ,  chole- 
ricus  (s.  Cholera)  machen  sollte  («ir.  W.  V.  1612. 
1617, 1618;  Falke  II,  32),  durch  Anhslufungsch  warten, 
verbrannten,  zu  stark  erwärmten,  inhitzigen 
Blutes,  das  eich  in  der  Leber  (s.  d.)  bilden  sollte, 
und  durch  Krgieaaung  dieser  hitzigen  Galle  aus 
letzterer  (171fi).  Die  Diagnose  des  Kollers  (—  Paulo 
cbolerlca)  war  (1260)  ,,wenn  dem  Menschen  das  Haupt 
stets  weh  thnt,  so  ist  das  eine  vom  (4berniass  der  Blut- 
menge  kommende  Krankheit  (Siechtum),  die  Augen 
sind  rot  und  der  Kranke  kann  nicht  schlafen,  er  kann 
den  Sonnenschein  (s,  Sonncnschuss)  nicht  anseheu. 
die  Ohren  sausen ,  die  Ilaare  fallen  aus,  der  Harn  Im 
dünn  und  rot ;  der  Kranke  hat  dos  Blutes  SO  viel 
(nicht  aber  des  Blutfeiines,  s.  d.),  der  Feuchte  hat  er 
zu  wenig  :  so  ein  Kranker  inuss  aus  Zwang  (Not)  gaeti- 

1  mutig  (zornig)  sein  ;  denn  Ihm  entbrennt  die  Galle  so 
stark,  dnss  dieser  Hitze  die  (natürliche)  Feuchtigkeit 
nicht  mehr  zu  widerstehen  vermag"  (noch  l'fetffer21. 39). 
(13.  Jahrh.)  der  colericus  ist  nach  dem  Magister  Bar- 
tholomaus „ein  Mensch,  dessen  Wasser  (Clin)  dünn 
und  rot  ist,  der  des  Blutes  zu  viel  hat  und  der  Feuch- 
tigkeit zu  kleine  von  dem  Wasser  und  der  tnuss  aus 
Not  gor  zornig  sein  und  das  kommt  ihm  zu  von  der 
Gallen  wegen,  wenn  diese  entfacht  wird  und  die  Feucht- 
niss  ihr  nicht  widerstehen  kann"  (I.e.  101b) ;  desgleichen 
(87  a)-  ,,dem  das  Haupt  stetiglich  weh  thut  dein  lietrt 
passio  colera  darlnn  und  die  Sucht  kommt  von  über- 
fltissiKeiu  Blute;  die  Sucht  erkenne  also;  die  Augen 
sind  ihm  rot  und  er  mag  nicht  schlafen  (schweigt)  und 
er  mag  nicht  nach  der  Sonnen  Schein  sehen  und  dl« 


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Koller. 


kolpern- Koltun.  293 


ohreu  »u«tn  Ihm  All«  Zoll."  ,.dls  siut  coleiici  genant 
die  werden  ahm*  bekam  griin  rodehafft  ial  Ir  farwe" 
( =  sie  sind  warmer  und  trockener  Natur,  Adelung, 
Nachrichten  von  altdeutschen  Gedichten  II,  164;  14.  bis 
IV  Jahrh  ,  mnd.  der  kolre,  der  rode  colre  (*.  rote 
l 'holen] ,  der  hete  colre ,  der  bose  colre  van  deine 
maghen.  J.  f.  ndd.  Sp.-K.  XV,  129,  130,  131.  13'.') ;  in 
dieser  Zelt  bildete  sich  al»o  In  Ndd.  „der"  Koller  aus. 
(15.  Jahrh  )  colericus  (D.  610  coroblcus)  ist  ein  sucht 
in  dem  hanbt,  da  von  die  lutte  kallent  und  in  su  er 
gedrnmmet  und  ftiehent  das  liecht.  —  2.  —  die  in- 
fektiöse Wutkrankheit  der  Pferde  (Meningitis, 
.Morosis  cquorum,  Lyssa\  Schieber,  Happel  3 
(1592  das  vierdt  laster  des  gemiit«  ist  dieses  wann  ein 
Ross  cholert,  welches  der  vnsinnigen  weiss  nicht  vnaun- 
lleh.  Seh.  260;  Coller  oder  würfig,  1.  eod.  177;  diUuo- 
n  Misch  aufgetaut,  ».  Kobold,  Huck  4«;  Gr.  VY.  V, 
1617 ;  Mayer  130.  ('.  v.  Schm.  322;  Schw.  S5C;  da- 
gegen «ollte  hellen  i  das  Koldcrkraut ,  Kolerkraut, 
Gallenkraut  Veronica  chamaedrys  et  otlicinalis  oder 
der  Kollerbusch  ( Hexenbesen J.  sowie  der  Gamander, 
Gauchheil,  Jessen  433).  —  3.  =  der  rollende  Klang 
(s.  kolkcrn)  in  den  Eingeweiden,  Borborygtni 
(Gr.  W.  V.  1617;  Klchhorst  I,  793).  —  4.  =  der  Leib- 
schmerz (s.  o.)  der  dabei  empfunden  wird.  — 
5.  =  ein  Pferd  das  den  Koller  2  hat  —  Kollerer.  — 
kollern,  1.  =  den  Koller  haben.  —  2.  =  einen  rol- 
lenden Kollorton  (zu  ndd.  knie  -  Kugel,  Kluge  *  208) 
in  den  Gedärmen  hören  lassen.  —  kollericht 
(koller'seh,  kollerig),  1  -  eholcricus.gahzoruig, 
durch  trockenhitzige,  cholerische  Komplexion 
(Gr.  \v.  V,  1617).  —  2.  =  den  Koller  habend.  — 
'"-■kollem  (1592  8iraa«burg;  aus»  gecholiert.  Seb. 
2»vo)  -  uusgetohi  beim  Koller.  —  bwrr  Koller 
(innd.,  II.— 15  Jahrh.  der  bose  colre  van  dorn  magheu, 
j.  f.  ndd.  Sp.-K.  xv,  132)  -  infektiöse  Cholera 
(Kühr).  —  / 'im,, </(  Koller,  1.  —  stiller,  apathi- 
scher, lethargischer  Koller,  ein  chronisches  Ge- 
hirnleiden,  welches  sich  durch  Schwache  des 
Bewußtseins  und  der  Empfindung  äussert,  im 
Gegensatz  zum  rasenden  Koller  hei  Pferden. 
—  2  -  Lfthmungsstadium  hei  der  hitzigen 
Kopfkrankheit  =  akuten  Gehirnhautentzün- 
dung der  Pferde  (Koller  2)  mit  Herabsetzung 
de«  BewusstseinB  (Mayer  161,  Kalke  I.  223).  —  (1691) 
jo/if-n-kollerig  -  durch  die  troekenheisse  Kom- 
plexion u.  schwarze  Gallo  aufgeregt  (Gr.  w.  IV, 

I.  ii9i ;  v.  161«.).  —  ^'"f}  Koller,  1.  =  scharfer 

Koller.  —  2.  =  Aufregungsstadium  bei  der  Ge- 
hirnentzündung der  Pferde  (Kalke  I,  401).  —  (1*43) 
Lautch-KolleT  ~  ein  I'ferdc- Koller  (2),  wobei 
das  Tier  durch  Gehirnreizung  Gehörstfiusch- 
ungenhat,  infolge  deren  es  lauschende  Geberden  ■ 
u.  ein  unregelmassiges  Ohrenspiel  macht  (Kalke  | 

II,  co).  —  (im2)  Magen -Koller,  1.  =  rollender, 
kollernder  Klang  im  Magen.  —  2.~  Aufregun^s- 
stadium  bei  Magenentzündung,  Magenkolik  der 
Tiere,  Meningitis  equorum,  der  Mutterkolik  zu- 
geschrieben (Kalke  I,  115;  II.  92).  —  Mm  I  Koller 
=  eine  Art  von  Pferdekoller,  die  sieh  angeblich 
nur  beim  Mondschein  äussert  (Gr.  W.  VI,  J  -os).  — 
M uff er- Koller,  1.  -  ein  bei  der  Stute  nach  dem 
Volksglauben  „durch  teuflische  Anfechtung*' 
unter  dem  Werfen  des  Jungen  auftretender 

um:>)  Pferde- Koller  (Dummkolier)  (coier  pt.  itt). 


—  2.  ^  Samenkoller  (s.  d.)  der  Pferdestuten 

(Mayer  ifil  ;  Kalke  II,  139).  —  (1716)  ratender  Koller, 

1.  —  das  erste  (Reizungs-)Stadium  (beim  Pferde) 
der  Hirnhautentzündung  (Meningitis),  die  mit 
Erregungssymptomen  (Toben,  Käsen)  beginnt 
(Abllg.  16;  Mayor  161;  Kalke  II,  227).  —  2.  n  perio- 
dische, tieberlose  Tobsucht  der  Pferde.  —  roter 
Koller  =  rote  Cholera  (J.  f.  ndd.  Spr.-K.  XV,  130. 
131).  —  (17.  Jahrh.)  Sa  nun  Koller  -  ein  bei  Pferde- 
stuten durch  zurückgehaltenen  Geschlechts- 
trieb mit  der  Befruchtung  sich  verlierender 
Mutter-Koller,  bei  Pferdehengsten  angeblich 
auch  durch  zurückgehaltenen  Samen  entstehen- 
der Koller  (Mayer  10,  161;  R.  A.  34).  —  (14.  Jahrh.) 
scharfer  Koller  (die  ncarfu  kolre,  Gr.  \V.  V,  1616)  — 
«lie  scharfe,  hitzige,  akute  Cholera  (s.  d.)  m 
Ruhr,  Dysenteria,  —  Sehieb-KollGT  =  Schieber 
(Kidke  i,  223).  —  Schlaf  -  Koller  -  stiller  oder 
Dumm-Koller  (s.  d.)  (Falke H,  279).  —  (1843)  Sonnen- 
Koller,  1  =  eine  Art  des  rasenden  Pferdekollers, 
die  sich  angeblich  nur  beim  Sonnenscheine  od. 
anhaltender  Hitze  (Siriasis)  äussert  (s.  o.  Mond- 
koller). —  2.  =  die  Drehkrankheit  der  Schafe, 
ehemals  fälschlich  dem  Sonnenstiche  zuge- 
schrieben (Kalke  II,  312).  —  Spring  Koller  =  ra- 
send, toll,  wütend  machender  Koller  der  Pferde. 

—  (17.  Jahrh.)  stiller  Koller,  1.  ■  das  Terminal  od. 
Knd-(Lähmung8-)Stadium  des  rasenden  Pferde- 
Kollers.  —  2. —  auch  leichtere  Form  des  Dumm- 
kollers, wobei  die  Pferde  apathisch,  besin- 
nungslos werden  und  schlafsüchtig  verenden 
(R.  A.  31  ;  Abiig.  46 ;  Falke  II.  342).  —  (17.  Jahrh.) 
tauber  Koller  (taub  coUurcr,  R.  A.  63;  Kalke  II,  367) 

—  Dummkoller,  ein  sogen.  Hauptmangel  bei 
Pferden.  —  (17.  Jahrb.)  toller  Koller  -  rasender 
Pferde- Koller,  Morbus  peracutus,  Phrenitis 
(K.  A.  45).  —  Tod  Koller  =  Schlafkoller.  —  urii- 
tender  Koller-  das  erste  od.  Keizungs-Stadium 
des  Ausbruchs  der  Pferdewut.  —  Koller 
Ader. 

kolpetH  (kolpezen)  (Seiteuforni  zum  klang- 
mnlenden  kolken,  kolkcru  [s.  d.  o.]),  1.  -  rülpseil. 

—  2.  -  abgestossen  husten  (Gr.  W.  V,  1622).  — 
Kolperer,  m.  =  Magenwind  (Bebm.  I,  1241). 

knistern  (kölstern,  kolsten)  { =  lßie  <iuchstcrti 
«.  <iuai*teru)  -=  das  Husten  gebrechlicher  alter 
I*eute,  die  den  zähen  Schleim  (=  Kolster, 
Ijtialater)  nicht  heraufbringen  (Gr.  W.  V,  1623) 
(s.  knistern).  —  (leso)  ein  alter  Kolsterer  =  ein 
alter  Mann,  der  immer  hustet  (kolsterl)  (Gr.  w 
v,  1623).  —  dämpfig  kolstern  =  husten  mit 
Dampf  (beim  Vieh),  Dyspnoe,  Emphysem  (Gr  w. 
V,  1628,\ 

KoltOn,  Koltun.  Ul.  (1">70;  Weese  4S;  rotruüs. 
kolton,  koltau,  koltun  zu  kol  =  Pfahl,  Og.  2;  16O0 
plica,  quam  l'oloul  Gwozdziec  ( =  Nagel],  Roxolaui 
koltunum  [=  Pfahl]  vocant,  Og.  29,  Anm.  a;  1S30 
koli..n  -  Pfahl,  Og.  6;  ,,elu  au»  verdorbenen  Halten 
sieh  entwickelndes  Obel,  das  von  den  Knochen  durch 
die  Haut  gedrungen  der  Gicht  und  Kratze  gleich- 
kommt und  «Ich  besonders  durch  das  am  Haupte  ver- 
flochtene Haar,  das  empfindlich  Ist  und  einen  Nagel 
oder  Pfahl  darstellt,  ausspricht",  og.  6;  bei  den  Ott- 
preuiwen  ein  durch  Hexen  angezauberter  Weichsel- 
zopf,  Krischb.  96),  1.    Weiebselzopf  (s.  d.).  -  2.  - 


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21M 


k<iinmen. 


Kon— kontrakt. 


die  angeblichen  Folgen  (?)  oder  Ursachen  des- 
selben (Syphilis,  Skrofulosis).  —  Koltun-Ge- 
scJncür,  -Krankheit,  -  übel. 

kommen  (Kunft)  (indogcrman.  Wurzel  Kein 
[  —  veuio] ;  urgerm.  i|Uctnau ,  Koth.  qiwau  :  ahd.  kueaiau 
[<iucman]  =  kommen.  Kluge4,  208.  1200  trehumen, 
Pfeiffer  43;  mhd.  kotneu  —  wohin  gelangen),  l.=das 
Eintreten  einer  körperlichen  Sekretion  oder 
Funktion  (Sinne,  Milch,  Samen):  „es  kommt 
ihr,  ihm"  (Gr.  w.  Vi,  2187);  za  sich  kommen  - 
eil  seinem  eigenen  Ich  wieder  kommen  (Gr.  w. 
V,  166»)  =  er  kommen  (s.  o.).  —  2.  =  das  Aus- 
stossen  und  Verlieren  eines  körperlichen  Teiles 
(oder  des  Lebens),  z.  B.  der  Frucht  (Gr.  W.  V, 
70'.»).  die  damit  anderswo  hingelangt;  vom  Kind 
kommen  =  Abortus  ,  ums  Kränzchen  kommen 
■  Defloratio  (Gr.  w.  V,  2067).  —  3.  =  die  Entfer- 
nung, der  Verlast  einer  normalen  Funktion,  so 
zu  sagen  das  Fortkommen  derselben  aus  dem 
Körper;  von  ihm  selbst  (vom  Zeug,  von  Sinnen) 
kommen  =  den  Verstand  verlieren  ,  Alienatio 
mentis  (Gr.  W.  V,  1669 ;  15.  Jahrh.  vt  dem  synue 
kommen  sa  exutsis.  D.  II,  16::);  ums  Augenlicht 
kommen.  —  4.  =  das  Hinzutreten,  llineintreten 
des  Körpers  iu  eine  andere  Lage:  (UMS)  in  eine 
Krankheit  kommen  (fallen)  (Gr.  w.  v,  2038).  — 
Kunft  =  s.  u.  —  (lMs)  das  -I1'  kommen  (des  Lei- 
bes) =  Phthisis  (Kuland),  der  Verlust  von  Ixsibes- 
fülle.  —  (1618)  der  Krankheit  abkommen  -  sich 
derselben  entledigen  (Schmeller  I,  1247).  —  (IM»] 
es  kommt  ihn  eine  Krankheit  an  =  es  befallt 
ihn  eine  ansteckende  Krankheit  [Coler,  P.  313). 

—  das  Aufkommen  =  die  Änderung  des  Kör- 
pers, aus  der  Bctllnge  wieder  auf  die  oigenen 
Heine  kommen,  genesen,  gedeihen.  —  auf  die 
Well  kommen  =  als  Seele  aus  dem  Engellande 
(s.d.)  des  Volksglaubens  von  den  kinderbringen- 
den Heistern  auf  die  Welt  (s.  d.)  gebracht  und 
geboren  werden.  —  au»  einander  kommen  — 
den  normalen  Gedankengang  nicht  mehr 
haben,  den  Verstand  verlieren,  wahnsinnig 
werden.  —  /.kommen  -  wenn  etwas  neues 
zum  Korper  hinzutritt,  z.  B,  eine  Narbe;  auch 
eines  Kindes  bekommen  (scbmcllur  I,  1247).  — 
keine  Luft  bekommen  ~  wenn  der  normale, 
ungestörte  Luftzutritt  behindert  ist  (Dyspnoe). 

—  es  bekommt  ihm  gut  -  es  macht  keine 
Störung,  er  vertragt  es  leicht.  —  davon  kommen 
----  vom  Kind  kommen  (s.  o),  abortieren.  — 
d"u>  c/ikommen  =  durch  die  Gefabren  der  Krank- 
heit hinwegkommen,  diese  (iberstehen.  —  er- 
kommen  (ahd.  arqneman;  1200  erchiiiueu,  Pfelff« 
43,  62)  -  aus  einer  Lage  (Schlaf,  Krankheit)  zu 
sich  kommen  —  Aufschrecken, Zusammenfahren 
der  Kinder  aus  dem  Schlafe,  l'avor  nocturna*. 

—  das  Ei  kommen,  die  Erkomme  (dta  trohüme, 

Schmeller  I,  1218)  =  l'avor.  —  (1068)  /irrat-kommen 
(der  Bar-Mutler  in  den  Leib)  -  Senkung  der 
Gebarmutter,  Lageveranderung  iHeynon.  183).  — 
herab-kommen  -  Veränderung  zum  Niederen, 
Schlechteren.  —  hinter  kommen  -  in  das  hin- 
tere, separierte,  andere  Lager  (Kreisatatt) 
kommen,  gebaren  (niederkommen)  \tt  tframe- 
naten  gan,  Schmeller  I,  1137).  —  Aot/t-kommen 
erbrechen  aus  dem  Ma*en  nach  oben.  —  das 
iYacA-kommen    Sekundinae,  das,  was  nach  der 


ersten  (Kindes-)Ueburt  noch  nenerdings  nach- 
kommt, das  Nachwesen  (a.  v.  H.  Ii,  1269)  Pla- 
centa(Afterburt).  —  Nachkömmling  — ein  nach 
längerer  Konzeptionspause  nachträglich  noch 
geborenes  Kind.  —  nirrtVr-kommen  —  das  sich 
Niederlegen  auf  das  Kranken-  oder  Geburts- 
lager -entbunden  werden,  gebären  (diiu.  komme 
ned,  Gr.  W.  VII,  768)  (Niederkunft).  —  runter- 
kommen  ■  abkommen,  aus  dem  aufrechten  in 
den  gebeugten,  niederen  Körperzustand  kom- 

I  men,  an  Kräften  abnehmen.  —  umkommen  --- 
um  sein  Loben  kommen,  unterliegen  (Gr.  w. 
V,  1677).  —  »oW-kommen  (whd.  volkomen)  -  zum 
Ziel  gekommen,  mit  der  Entwicklung  ausge- 
bildet (Kluge*,  stflt),  —  (171»)  n-r -kommen  =  zu- 
erst hervortreten,  vorliegen,  z.  B.  vom  Mutter- 
kuchen (l'lacenta  praevia)  (Pleuk  322j.  —  vurher- 

I  kommen  =  die  ersten  Zeichen  der  Schwanger- 
schaft, antezipiert  für  das  (Unterkommen  (s.d.) 
der  Wöchnerin  (Hlrllngcr,  Sitten  11,  2T.2).  —  (16-M) 
Zusammen -kommung  (die  Vereinigung  am 

|  Kreuzungspunkte)  =  Chiasma  nervorum  opti- 
corum  (X)  (Ilyrtl,  K.  W.  172  ff.). 

Kon  (Kan),  m  ,  f.,  1.  -  s.  Kahn.  —  2.  -  siehe 
Kunl.  —  Kon-Mann. 

Konduktoren,  pl.  -  die  Frauen,  bezw.  Mütter 
von  „Blutern"  (s  d.,  Haemophilie);  der  Volks- 
mund hat  denselben,  da  sie  selbst  von  der 
Bluterkrankheit  (s.  d.)  frei  bleiben,  aber  doch 
dieselbe  auf  ihre  Kinder  übertragen  ,  diesen 
,  Namen  beigelegt  (KtehtaonM  U,  »31). 

Kone,  f.  Konde,  f.  e.  Kunle. 

Konstitution,  f.  («u  lat.  con-statuo  -  tesuetaea) 
~  festgestellter  Zustand  im  Körper  und  in  kör- 
perlichen Saften  (s.  d.)i  Katastasis.  —  kon- 
stitutionelle  Krankheit. 

Kontagion,  n.  (aus  lat.  contagltim  =  Berührung 
(i.  d.]  —  Befleckung,  Uekleibuug,  Im  fange  II.  530, 
die  mau  früher  datnoulktisch  [».  Schelm,  Kog]  auffalle, 
nach  l'aracehus  aber  In  einem  geisterhaft  fluchtigen, 
unsichtbaren  [miasmatischen]  Snl/.e  (sal  volatili-s]  im 
ltlute  suchte,  welche»  den  l.eib  des  Menschen  „feind- 
lich Unfällen"  [lfi'j"J;  v.  M.  II,  138]  und  dessen  Gebllil 
in  Wallung  und  Aufregung  verseilen,  von  Mensch  zu 
Mensch  umgehend  jeden  *o  llefalleueu  [mit  Miasma] 
beflecken  sollte;  1600  coiitagion  -  peste  a  lu  gorice. 
Bris».  186  =  Diphtherie  oder  Sebulpett)  ■  Seuchen 
erzeugende  Ansteckung  (Bekleibung).  —  kon- 
tagiöses  VM. 

kontrakt  (Kontraktur)  (ans  dem  lat.  contraher« 

~  krlinpfcn,  krampten (B.d.J,  durch  dieamllchc Sprache 
ins  Volk  gebracht,  wi>lur  mau  früher  ,, versumpft", 
„verkrümmt"  [».  d.J  gebrauchte,  Gr.  W.  V,  2444) 
-gekrümmt  a)  durch  Parese  oder  l'aralyse  = 
Lähmung,  b)  durch  Krampf,  c)  durch  Vei- 
wachsungen  (Gliedersucht,  Adersucht,  Kon- 
trakt-Knollen) -  kontrakte  Nerven.  —  (1742) 
Kontraktur  -  der  Zustand  des  Gekrümmtseins 
durch:  1.  —  I'aralysis,  e\  colica  (m  Vergicht) 
(Zw.  Hl],  2.  —  i'seudoankylose;  i$.  =  Krampf 
(Spasmus).  —  (1687)  O/w/cr- Kontraktur  (Georg 
:K.i|  -(iliederverwachHuiig,  (ielenksteitik'keit.  — 
Afrj/-Kontrakt  syphilitische  Pseudo-Kontrak- 
tur  uml  Atrophie  (Lahme)  bei  der  mala  frantzo- 


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Kontur— Kupf. 

sen  (s.  d.)  (eine  Abbildung  derselben  lu  Dr.  v.  Heuss, 
chirurg.  pathologische  Tafeln  V;  Fuchs  I,  427). 

Kontur,  ra.  =  (le  contour  -  Uinriss).  —  Kontur 
Schuss 
Koolke  s.  Kolik. 

Koors- Gallenfieber  (Oldenburg;  Goldschm.  125) 
=  Koorlsen  (b.  d .). 
Koortsen,  pl.  (Korsen,  Ketsen,  Kessen) 

(ndd.  Oldenburg;  Goldscbm.  125;  uindl.  cort*e;  15*7 
het  acneomcn  der  cortsen  -  paroxysmus  lebrilK  D.  414 ; 
iittfh  J.  VerronUle'«  etym.  W.-H.  1890  zu  [sankr.]  jurtl; 
von  jvar  s  glühen  (analog,  jnra:  gara:  Karl.  Kerl], 
ebenso  Ten  Doornkaal  Koolman.  Worterb.  d.  oslfr.  Spr. 
1882  i  nicht  zu  <i<>»rta  [febris],  Kleüip.  141,  da  das  „s" 
u.  d.  I'lur.  dabei  unerklärt  bleiben).  —  Koortsen,  pl. 
_  die  glühende  FieberhiUe,  Fieber  übeihaupt, 
sowie  lleberhafte  Krankheiten,  les  fievres, 
FebreB  od.  Auszehrungen  (l>e  Cock  37.  ts2.  MO); 
Petechien,  Mnsern  etc.  (s.  nachfolg.),  (m>  nicht 

die  ndd.  „kurzen"  Wlcbtleln  bei  den  „Koortsen"  Im 
Spiele  sind').  —  rtiMXrflr«ttdcKoortsen(uylteerendc 
kortse.  De  rock  232)  =  AuBzehrunjjsfieber.  —  ein- 
gesessene Koortsen  (uangezelto  koortsen,  De  rock 
2X!)  =  eingewurzelte  Fieber-Krankheiten,  welche 
gleichsam  durch  bösen  Kinfluss  den  Menschen 
in  Benitz  nahmen.  —  heim,  (MM]  hitzige  Koort- 
sen (heete,  hitteghe  cortsen,  kortsen,  De  Cock  232; 
Ursen  IM)  «  hitzige  (Influenza-)  Fieber.  —  kalte 
Koortsen  (koude  können,  Do  rock  232)  =  kalte 
Fieber.  —  ATeWer-Koortsen  («dl.  kelderkoort*. 
Cranell  1*97.  87)  -  Keller-Uesehoss.  — -  Kinder- 
Koortsen  (De  Cock  2:r.>)  =  lieberhaft«  Kinder- 
krankheiten. —  AnörAfZ-Koortsen  (ndl.  kuockei- 
koorts.  Züchter  lu  Z.  ndb.  II,  2.  4SI)  =  das  Dengue- 
Fieber  auf  Java  (1779).  welches  die  kleinen 
Gelenke  befällt,  schmerzhaft  und  unbeweg- 
lich macht  (b.  Knöchelfieber  und  Dengue).  — 
lanqdauernde  Koortsen  (gedurigbe,  laugudurende, 
De  rock  232)  ■  langwtthrende  Fieber.  —  l'est- 
(pestighe)  Koortsen  (De  rock  232)  =  Festlicher. 

—  /ytTf/c-Koortsen  (ndl.  peerde  koorts;  hij 
beeft  de  koort*  gellgh  een  peerd,  V.-K.  IX,  90)  — 
ein  gewaltiges  Fieber.  —  Purpur  Koortsen 
(holl.  purperko'orts)  =  Purpein  u.  Friesel  (s.  d.)  al« 
fieberhafte  Exantbeme.  —  rote  Koortsen  (1770 
kwaadartlgo  rotkoorts,  rotte  koorts,  De  rock  8*.  2.'*. 
Dl;  schnumr  II,  356)  =  fieberhafter,  ruter  Haut- 
ausschlag, z.  B.  Masern  (Morbilli)  u.  Petechien. 

—  ScAartocA-Koortsen  (holl.  soharlskenkoorts)  = 
Scharlach  tieber.  —  Schleim  -  Koortsen  inoll. 
Mijmkoort*)  =  Schleimfieber.  —  schmeiMliche  (smet- 
telijke  Koortsen  =  ansteckende,  fieberhafte 
Krankheilen  (De  rock  23?).  —  Sehnen- Koortsen 
(holl.  zenuw  koorts)  =  Nervenfieber.  —  Spät  jähr- 
Koortsen  (1782  najanrs  [Nachjahr]  koortsen ,  Lersch  373) 
=  Malariafieber  (in  Seeland,  Flandern),  Herbst- 
fiel,«.,.. _  viertägige  Koortsen  (l&M  Vierde  daegbsche 
kort«?.  De  rock  in)  =  Febris  quartana.  —  » 
Koortsen  -  iwlssel  koort«;  ,.dat  de  koort*  haar 
vorsprong  heft  In  dulvels  en  hek«erij,  geldt  in  de  eerfte 
plaal*  voor  de  wlsselko  orts",  De  rock  229).  —  Koort  - 
sen  Leiden,  -Siechte. 

Kopf,  m.  (urgerm.  cop  l?J  ■  Spitze,  oipfcl ;  altgerm. 
koppa;  goth.  kuppa(Vl;  angls.  cuppc  =  Kopf,  D.  886; 


Kopf  395 

cugl.  Cup  -  Schale,  Kopf;  cop  -  Kuppe,  Gipfel, 
Kallschm. ;  dan.  kop  =  Schale,  Schröpfkopf;  ein  echt 
germ.  Wort  mischte  sich  frühzeitig  mit  einem  mtlat.-ro- 
manischen  Worte  (ertpa],  Kluge  *  209 ;  ahd.  köpf,  chuph  ; 
11.  Jahrh.  chopf  =  ocelput,  Ur.  W.  V.  1747;  mhd.  köpf 
=  Trlnkgefass,  Hirnschale.  Kop'  [caputj;  erst  In  der 
mhd.  Zelt  ohne  Zweifel  aus  [dem  ahd.)  Kopf  -  poculum, 
calix  entwickelt,  das  alte  „Haupt"  (•.  d.  =  engl,  head] 
verdrängend ;  es  bedeutete  zuerst  nur  den  Hinterkopf 
oder  das  Hinterhaupt  als  denjenigen  Schadeltoll,  der 
einem  Becher  oder  einer  .Schale  ähnelt ;  die  Hirnschale 

—  Hirnkopf  wurde  zum  kürzeren  Kopf  und  bedeutete 
nach  Gr.  W.  V.  1747  ff.  (1425;  ndd.  cop  =  Caput,  Haupt, 
D.  99]):  1.  m  der  ganze  lebende  Menschen-  oder 
Tierkopf  =  das  altere  Haupt  (b.  d.)  sowohl  in 
seiner  äusseren  Erscheinung  als  in  »einen 
inneren  Bezügen  (Gr.  W.  IV,  2.  597)  alfl  Sitz  der 
Gedanken,  des  Willens  (u.  der  elbischen  Para- 
siten), z.  B.  Mucken,  Grillen,  Tauben  etc.  im 
Kopfe  (=  Gehirn)  haben  (b.  Alp,  S.  12).  — 
2.  m  (nhd.)  Haarschopf  (Kopf-Haar).  —  3.  = 

I  Stirne.  —  4.  =  Glan8peniB,  Rutenkopf.Schwanz- 
kopf.  _  5.  =  Haarwurzel  (der  Kopf,  Kolben 

j  des  Haarfadens).  —  6  =  das  dickere,  obere 
Ende  der  Luftröhre,  der  Hand,  des  Zahnes, 
Schlundes,  Armknochens,  Oberechenkelkno. 
chenB  (Platncr  II,  341;  Kulmus,  Kegist.).  —  7.  = 
runde  Geschwulstforraen.  —  8.  -  die  knopf- 
förmige  Anschwellung  unterm  Schröpfkopf.  — 

I  9  =  der  durch  Krankheiten  veränderte  Kopf, 

I  Kopfkrankheit.  -  10.  =  der  Träger  den  Kopfes. 

—  köpfig  *  grosaköpflg  (r>r.  W.  V.  1775).  —  (I8ti>) 
AlUceiber  Kopf  =  ein  langer,  schmaler,  hagerer, 
hohläugiger  Pferdekopf  mit  hangender  Unter- 
lippe, traurigem  Ansehen  (Kalke  I,  39;  Gr.  W.  I, 

i  275-  Mayer  27).  —  (1551)  ausgebrochener  (1725  aus- 
geschlagener) Kopf  =  Kopf  mit  Hautausschlag 
(Kxanthema,  Ekzema),  meist  mit  Erbgrint  (s.  d. 
U.  Grintkopf)  (nach  Vlerordt  87  die  Krankheit  dos 
13  jahrigen  Schiller,  1773;  Ackern».  166;  Hock  5;  »eh- 
rend 44).  —  (1682)  ausganaiteter  Kopf  =  ab- 
gespannte, erschöpfte  Kopfnerven  (Olli.  IV.  132). 

—  Biwi-Kopf  =  ein  verworrener  (unruhiger 
baseln  =  trippeln.  Schindler  I.  286)  Mensch  (Fromm. 
VI,  51).  —  J3au(tt)*  Kopf  (Schlesien;  t:r«|uell  II, 
139)  =  dickaufgeblähter  Kopf.  —  blauer  Kopf  = 
Kopf  mit  Blutbeulen  (blaues  Auge)  und  blauen 
Flecken  (Gr.  W.  V,  174«).  —  blöder  Kopf  =  ein- 
genommener, wüster  Kopf  mit  Schwächegefflhl 
(C.  v.  Schm.  77).  —  (1712)  böser  Kopf  ~  ein  durch 
auffallende  Hautkrankheit,  z.  B.  Ekzema  capitis 
b.  capillorum,  Porrigo,  Favus,  entstellter  Grint- 
kopf (A.  v.  H.  II,  495;  Zw.  481;  Gr.  W.  II,  249;  V.  1750; 
Buck  16;  Kehrend  44;  Platnerll.  140).  —  Borken  Kopf 
=  Kopf  mit  Grintborken  (Crusta  lactea)  (Buck  15). 

—  ßrr^m-Kopf  (ndd  ,  15.  Jahrh.  breghen  cop  = 
craninm,  D.  Ii,  inj  =  Hirnkopf  (s.  Bregen).  — 
Data-,  Dnmmels  Kopf  =  Tös-  od.  Taumelskopf 
(Schlesien;  t'r.|ücll  II,  139)  (s.  Sch würbel-KopO-  — 
DicA-Kopf,  1.  -  runder  Kopf  (Kappes)  (Tirol) 
bei  Menschen  (homme  tcHu,  cabochard)  und 
Tieren,  Pact  hycephalus  (Buck  12).  —  2  =  grosser 
Wasserkopf  des  Wechselbalgs  (».  d.)  (Wuttkc) 

—  Doppel ^  Kopf,  l.  -eine  Missgeburt,  z.  B.  bei 
Kühen;  einfacher  Rumpf,  worauf  2  Kalbsköpfe 
sitzen  (Frank  MS;  Kraus,  K.  159).  —  2.  -  ein  Kopf, 


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29ü 


Kopf. 


Kopf 


auf  dem  noch  eine  grosse  Balpgeschwulst  als 
zweiter  Kopf  sitzt.  —  Dreh  Kopf  =  das  mit 
Drehkrankheit  behaftete  Schaf  (Kopf  10) 
(Falke  I,  217).  —  Dusel  Kovf  (Schlesien;  l/r.|Ucll  II. 
139)  =  der  Trüger  eines  beduselten  (s.  Dusel) 
Kopfes.  —  eingenommener  Kopf  =  ein  in  seiner 
Funktion  nicht  freies  Gehirn,  dessen  äussere 
Bedeckung  dabei  durch  Blutwaliung  drückend 
und  wärmer  gefühlt  wird.  —  Fisch-Kopf,  1.  — 
Hechtkopf  (s.  d.).  —  2.  =  ein  Kindskopf  mit 
ähnlicher  Verunstaltung  (aufgezogene  Nase, 
Hammelnase  (nach  alten  Gesetzen  sollten  die  Weiber 
Fische  essen  dürfen  in  der  Schwangerschaft,  weuu  sie 
Gelüste  hatten;  anderseits  sagt  das  Volk,  das«  schwan- 
gere Frauen  dies  nicht  thnen  sollen,  sonst  t «.'komme 
das  Kind  einen  Fischkopf,  Y.  K.  II,  24;  engl,  the  poll 
u  tisch  =  Kaulquappe).  —  Fliegen-Kopf  m  Caput 
muscae,  Myokephalon  (Pnuli  Aej  )  =  Vorfall  der 
Regenbogenhaut  dureb  ein  Hornhautgeachwflr 
und  Verwachsung  derselben  mit  der  Hornhaut, 
so  dass  vor  derselben  ein  mfickenkopfförmiger 
Gewebsteil  der  Iris  vorliegt  (Fliegenmaul).  — 

—  Gä  >  Kopf  -  einer,  der  nur  Gänsewein 
(Wasser)  vertragt  (Schräder  49.  243).  —  (1783) 
gekrönter  Kopf  =  der  Kopf  des  Kindes  in  der 
Krönung  (s.  d.)  (Stein  I,  163).  —  [1SU]  Oemer- 
Kopf  (13.  Jahrb.  keruder,  garoer  —  Karncrkopf,  aus 
dein  lat.  carnariutn  [Flciachkammer]  ~  ossuarlum  der 
Friedhofe)  =  ein  Beiner  Schwarte  u.  Fleischteile 
entledigter  Schädel  (Hyrti,  K.  w.  61).  -  (17.  jahrh.) 
G/afZ-Kopf  (ndl.  gladkop,  kletskop,  V.  K.  VI,  8)  = 
Caput  calvutn,  Calvities,  Kahlkopf.  —  Onatz- 
Kopf,  1.  =  ein  durch  juckend  quälenden  tinatz, 
(8.  d.  =  Gneissilechte,  üneisswurm)  grintig 
entstellter  Kopf  (II.  Faul  i»s).  —  2.  =  ein  mür- 
rischer, launischer  Mensch  (bildlich),  den  sein 
juckender  Kopf  gleichsam  fuchst  (s.  d.)  (l'r- 
uuell  Ii,  139).  —  Gölten  Kopf  =  Goderkopf,  ein 
Kopf,  der  ein  Fett-Collier,  Fettkoller  tilgt 
(Hiuk  12).  —  Go/ren-Kopf  —  Acephalia  spuria, 
eine  mit  dem  Golzenteil  eines  Schubes  ver- 
glichene Missgeburt  mit  erhaltenem  Gesichts- 
schüdel  und  fehlendem  Hirnschndcl  (Kraus,  f..  s). 

—  (177«)  Grau-Kopf  =  ein  Kopf  mit  grauen  oder 
weissen  Haaren,  l'anilies  (Uehrend  6).  —  (1751) 
Grmf-Kopf  =  die  stärker  entwickelten  Haut- 
krankheitb-Formen  von  Tinea  capitis,  PorrigO 
capitis,  Crusta  lactea,  ein  grintiger  Kopf,  Gnatz- 
köpf;  (s.  Grint);  (A.  v.  u.  II,  4M;  Ackern.  500;  i'r- 
>iuell  1S90,  Ö.  130.  139;  Gebr.  Zingerle  11,  198;  Pauli  III; 
Kopp  IV,  223.  Man  betrachtete  früher  den  (Jrfiitkopf 
nls  „etwas  Gesundes",  was  man  nicht  vertreiben  dürfe, 
da  der  Grint  als  eine  vom  Gehirn  ansgoschw  ilzte  Keuch- 
llgkeit,  die  an  der  Luft  eintrocknet  un<l  eine  Krusten- 
Kinde  bildet,  angesehen  wurde  ;  von  dieser  Feuchtigkeit 
[ßptyui  —  twfeuchtcn]  haben  die  ossa  bregmatlca  und 
der  |3pi /nie  =  Vorderkopf,  vielleicht  auch  das  Hreglicn 
[s.  d.] -  Gehirn  ihren  Namen,  Hyrtl,  Auat.  250).  — 
(IUI]  Gruw- Kopf,  1.  =  Hydrocephalus  congeni- 
tus,  der  durch  angeborene  Hirnwassersucht 
vergrosserte  Kopf  (Wasserkopf).  —  2.  =  der 
durch  Khachitis  der  Sehiidelknocben  grösser 
erscheinende  Kopf,  Capita  lata  Celsi  (nach 
Hcunlg  in  Gerhardt  I,  17).  —  3.  -  Macrocephulus, 
der  Träiter  eines  solchen  (Had.  Jun.  391).  — 
Gn<6c7-Kopf  -  ein  nachdenklicher,  grübeln- 


der Mensch.  —  Grtifz-Kopf ,  1.  -  einer,  der 
Grütze,  Gries,  Sand  im  Kopfe  bat,  Dumm- 
kopf. —  2.  ^  einer,  der  skrophulöse  Grütz- 
beutel, d.  h.  DrQsen  mit  Grützbrei -artigem 
Inhalte  am  Kopfe  hat  (siehe  faustdick).  — 
Haar  Kopf  =  der  stärker  durch  die  Mähne 
behaarte  Teil  des  Pferdekopfes  (Mayer  2s).  — 
(1781)  .Hand-Kopf-  Daumen  als  der  dickere  Teil 
über  der  Handwurzel  (Hippel  III,  2.  575).  — 
.Hasen-Kopf,  1.  —  ein  Kopf  mit  einer  Hasen- 
scharte (nach  dem  Volksglauben  eine  Folge  des  Ver- 
sehens od.  Erschrecket!*  an  einem  Rasen,  I'loss-Bartels 
i,  n06;  Kanke  I,  154)  (s.  Hase).  —  2.  =  (1692)  ein 
breitstirniger,  engmauliger  Pferdekopf  mit  einer 
grossen  Blässe  (Stirnfleck)  (Gr.  \v.  IV,  2.  53S;  K.  A. 
3«.  63;  Beb.  206).  —  Hecht-Kopf,  l,  —  dicker,  breit- 
stirniger, vorne  an  dem  Nasenrücken  etwas  ein- 
gebogener Pferdekopf,  wie  ihn  die  arabischen 
Pferde  haben.  —  2.  =  ein  damit  angeglichener 
Kindeskopf  mit  Missbildung  der  Zähne  und 
eingefallenem  Nasenrücken  (Gr.  \v.  IV,  2.  740; 
Mayer  27,  Falke  I,  381;  II,  151).  —  (1CS0)  Hinte»  - 
Kopf  =  OcdptJt  ( -  Kopl  im  U  Jahrb.,  Gr.  W.  IV, 
2  1509).  —  HYrn-Kopf  (hirnecop,  D.II,  CS-calvarla; 
15.  Jahrh.,  ndd.  hirnekop,  D.  614;  II,  117;  1502  hirn- 
kopfi)  =  Hirngefnss,  Vertex  capitis,  Cerebellum, 
Cranium  (Gr.  W.  V,  1747).  —  Holler-Kopf  =  ein 
Kopf  mit  Hollerzopf  (s.  d.),  durch  die  Holden 
oder  die  Holla  verwirrtes  Haar  (Wuttke  M.  26). 

—  Huromf/er-Kopf  -  Bombus,  abgestumpfter 
(eigentlich  hornloser)  Kopf  (Huck  12).  —  Hunds- 
Kopf,  1-  =  ein  den  Menschen  erschreckendes 
Fabelwesen  des  Volksglaubens,  halb  Mensch, 
halb  Hund,  3 beinig  (s.  d.)  u.  mit  einem  Hunds- 
kopfe ausgestattet  (.Schindler  I,  1129;  reters  I,  167). 

—  2.  =  Hundsmensel) ,  Wehrwolf.  —  Ja  nun- 
Kopf  (nach  Kraus,  K.  520  bei  Zschocke)  =  eine  Miss- 
gebtn  t  mitdoppeltem  Antlitze,  wieder  römische 
Gott  Janus,  der  am  Kingange  und  Ausgange 
der  Thflre  (ja""»)  abgebildet  war.  —  Kahl-Kotf 
=  Klatzkopf  (Rauml.  131).  —  A'arzcn-Kopf  =  eine 
Missbildung  des  fötalen  Kopfes  (Acranius, 
Hemicepbalus),  die  mit  dem  Katzen-  oder 
Krötenkopfe  verglichen  wird  wegen  der  grossen 
seitlich  gerichteteu  Augenhöhlen  und  der  stark 
vorspringenden  Kiefer  (KrOtenkopf)  (Samuel  295; 
Förster  II,  556).  —  (1684)  AanJ-Kopf  =  ein  Kugel- 
oder Keulenkopf,  ein  dicker  Kopf,  wie  ihn 
die  Kaulquappe  hat  —  Wecbselbalg  (s.  d.,  als 
Missgebnrl)  (Heyne  III,  S07;  , .unartige  [d.  h.  un- 
natürliche] nnd  verwerfliche  Geburten  (  —  Missgeburten, 
Ausgehnrten]  pflegen  wir  Wechsellialgc  oder  Kaulkopf 
zu  nennen",  1713,  Gr.  W.  V,  351 ;  die  Kunst  des  17.  Jahrh. 
stellte  Verdammte  und  Dämonen  in  dieser  Gestalt  dar, 
vergl.  Kielkropf).  —  AV/U-Kopf  (ahd.  kclachof  = 
strutim,  ii.  i.  xv,  528),  1.  =  dicker  Halsteil  infolge 
von  Kropfbildung.  —  2.  —  Kehlknopf  (Larynx), 
das  obere,  knorpelige,  dickere  Ende  der  Luft- 
röhre; (1591)  Caput  et  Ustitim  arteriae  asperae; 
roniuin  Adaini,  Adamsapfel,  Adamsbissen  (s.d.) 
(engl,  head  of  the  wlndpipe;  lind.  Jun.  22;  Gr.  W.  V, 

39».  1769),  Luftrohrenkopf.  —  Kehlkopf- Pfeifen. 

—  Kiel-Kopf  =  ein  mit  Kielkropf  behafleter 
Wecbselbalg  (Schindler  1,  1236;  Brandenbg.  koel- 
koepplje  kluger,  Engel  205).  Klotz-Kopf  "dicker 

massiger  Kopf  (engl,  elotpftt,  Schmeller  1, 1348).  — 


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Kopf. 

ÄVdte-Kopf  -  Grint-  oder  Gnatzkof  Urquell  III, 
250).  —  Kraus-Kotf  (holl  kroeskopi  -  ein  Kopf 
mit  kt aasen  gelockten  Haaren.  —  Kreut-Kopf 
=  ein  durch  Rhachitis  ungewöhnlich  grosser, 
weicher  Kindskopf,  dessen  Fontanellen- Ecken 
kreuzförmig  weit  von  einander  abstehen  (siehe 
Wasserkopf  2  u.  Sonntagskind);  (der  Volksglaube 
«pricht  solchen  Kindern  besondere  Gelehrigkeit  xu. 
Srhmeller  I.  1390;  Lammen  118;  Zlngerle  76).  — 
Kriebcl-Kovt  =  Grflbelkopf.  —  AVöfcn-Kopf 
Katzenkopf  (s.  o.)  (Samuel  295;  Forster  II,  558).  — 
krospelichter  Kopf  -  Caput  hutneri,  der  Ober- 
arrukopf  mit  seinem  Knorpel-Überzug  (Zw.  24). 

—  AVitnim-Kopf,  1  =  Caput  obetipum,  Schief- 
hals.  —  2.  =  ein  vorn  von  den  Ohren  bis  nur 
Oberlefze  bogenförmig  gekrümmter  Pferdekopf 
[Gr.  W.  V,  2464)  (Ramskopf.  —  Kurz- Kopf  = 
Kurzschädel,  Brachycephalus.  —  Lan<7-Kopf  ■ 
Langschädel  (Dolichocephalus),  als  Gegensatz 
zum  Kurzkopf  (iuerkopf).  —  Lctus-Kopt  ^ 
sin  mit  Lausen  besetzter  Kopf,  bezw.  Trager 
desselben  (Urquell  H,  139).  —  (18.  Jahrb.)  Le7*--Kopf 

—  Kretin,  der  vom  Letzel  (a.  d.)  —  Schienz  (ahd. 
•le*o)  veränderte  Wecbselbalg  des  Volksglaubens 
(Zürich ;  Z  f.  d.  l'bllol  III,  33.",).  —  (166.5)  Luftrolircn- 
Kopf  =  Larynx,  Kehlkopf  (s.  o.)  (Gr.  w  vi.  12a). 

—  AfoArm-Kopf  —  Kopf  mit  krausein  Haar  und 
dunklem  Teint  (Huck  12).  —  Mollen-,  (1592)  Mollis- 
Kopf  -  ein  dicker  Kettkopf  (ur.  w.  vi,  2ü*o), 
Gtchwollschädel  (ruol  =  welch,  zerrieben,  fettle). 

—  Motten-Kopf  -  Wuesenkopf  [Urquell  II,  HS). 
JfMcÄm-Kopf  =  6.  Fliegenkopf.  —  Nagel- 

Kopf  ■  die  Erhöhung  beim  Augennagel  (s.  d.) 
,Krau*,  k.  4«8).  —  Xiss-  .nissiger)  Kopf  =  Kopf 
mit  Nissen  (s.  d.)  in  den  Haaren  (Gr.  W  VII,  •»«)). 

—  Niete*-,  Noellen-Kopt  -  der  kretinose  Dick- 
köpf,  der  einen  Noll  (s.  d.)  macht  (Z.  f  d.  l'hll. 
III.  s.v.).  —  O&cr-Kopf  =  Oberteil  des  Kopfes.  — 
ü  hm n  Kopf,  1.  =  Setikopf  (s.  d.).  —  2.  =  ein 
dicker,  unten  wie  oben  fast  gleichförmiger 
Pferdekopf  mit  breiter  Stirne,  plumpen  Ga- 
nssrhen, dicken  Lippen  (Gr  W  VII,  11%;  Kalke 
II,  172;  Mayer  27).  —  Patz-  {B<itz-)Kopf  =  ein 
Kopf,  auf  dem  Haare  und  (irint  (s.  d.)  in  einen 
Batzen  gebacken  sind  (Gr.  \V.  VII,  1510;  entspr. 
rtan.  «moerkop,  die  gegen  den  l'alzknpf,  •Schmerkopf 
verwendete  lllanzu    FlcarU  ranunculoide*,  Roll.  66). 

—  Pi  -  '-Kopf  (boll.  pealkop,  I  roucll  III,  lt.9)  - 

Träger  eines  entstellten,  durch  schwere  Krank- 
heit veränderten  Gesichtes  (Kopfes).  —  Quatsch- 
Kopf  =■  der  Trüget  eines  kaulojnappenartig  ver- 
breiterten Kopfes  [i  rquell  II.  20S).  —  (^inr-Kopf 
bnracfKttff,  Bück  12)  ^  Brachycephalus.  —  Quesm- 
Kopf  =  der  Trauer  eines  elbisch  verwirrten 
Kopfes,  in  dem  der  Ouesen wurm  oder  dieQuäse 
(s.  d.,  Mottenwurm)  als  elbischer  Dämon  sitzend 
angenommen  wird,  ein  Mensch  mit  verrückten 
Einfallen  (II.  l'aui).  —  Ranis  Kopf,  1  =  Widder- 
ts* Kam-)  Kopf.  —  2.  =  ein  vom  Scheitel  über 
d.  Nasenrücken  bis  zur  (Iberlippe  mehr  weniger 
convex  gebogener  l'ferdekopf,  wie  ihn  das 
Dorische  Pfenl  hat,  ähnlich  dem  Widder-  (siehe 
Rain-)  Kopf,  Krumkopf;  (vergl.  Ramsnase).  — 
3.  =  ein  halber  Katuskopf,  ein  w  eniger  gebogener 
Ramskopf  2.  —  4.  =  ein  Pfenl  mit  einem  solchen 
Kopf  (engl,  ramshead,  Gr.  W.  VIII,  W),  Falke  II,  151. 


Kopf.  297 

2^ij.  —  Rappel-Kopf,  1.  ein  Kopf,  der  den 
Kappel  (s.  d.)  hat  (rr  ,ueil  n.  209)  —  2.  =  Koller 
beim  Pferde  (Rappel  3).  —  3.  =  das  Pferd,  das 
einen  solchen  Rappelkopf  2  bat  (Gr.  w.  VIII,  117). 

—  (17.  Jahrb.)  rappeiköpfisch,  1.  —  dem  es  im 
Kopfe  rappelt  (s.  d.\  geistesverrückt.  —  2.  = 
ein  Pferd,  das  den  Koller  hat  (Gr.  W.  VIII,  117). 

—  (1591)  roter  Kopf,  l.  =  rothaarig  (Had.  Jun.  3vi ; 
brennrote  Haare  gelten  wegen  de»  Fuchse»  In  der  Tier- 
fabel als  unschön  im  Volke,  obwohl  sonst  rot  =  schon 
ist  [s.  rot  u.  schon];  ndl.  goudkop  —  Goldkopf,  V.  K. 

1.  277).  —  2.  =  ein  durch  Blutfülle  gerötetes  An- 
gesicht. —  Rufen-Kopt -  Borken-Ausschlag  auf 
dem  Haarboden  des  Kopfes  (Buck  U]  (s.  Rufe 
n.  Rufenhaupt ;,.  —  Run  /-Kopf  =  Rundschädel, 
Trochocephalus.  -  Äu*rAW-Kopf  =  d.  unruhige 
hastige  Trilger  eines  Kopfes  (H.  Paul  36«).  — 
fi«/m-Kopf=  Caput  virgae,  Glans  penis  (a.  v.  h. 
11,  va)  (==  Pfaffenzink)  —  $cAä<iW-Kopf=  Hirn- 
schale (Gr.  VI.  V,  1748).  der  trinkgefflssähnliche 
Teil  des  Schädels  (Craniam,  Tests).  —  (IMS) 
5< /"'/s- Kopf,  1.  =  ein  Mensch  mit  Schafs- 
gesicht, Ramskopf  ähnlicher  Nasenbildang.  — 

2.  =  eine  bestimmte  Pferdekopfbildung  mit 
I  schmaler,  langer  und  etwas  gebogener  Stirne, 

die  dem  Schafskopfe  (s.  Ramskopf)  ähnelt  und 
als  schön  gilt  (Gr.  W.  VIII,  204«;  Falke  II,  269;  Seb. 
205).  —  Schenkel  -  Kopf  =  Caput  femoris,  das 
kugelförmige  obere  Ende  des  Schenkelknochens 
(s.  Kugel).  —  Scherbellen-Kopt  -  ein  mageres 
Scherben-  (Knochen-)Gesicht  (Gr.  W.  VIII,  2864). 

—  Schief-Kopf,  1  =Torticollis  rheumatica,  ein 
durch  Rheuma  der  Halsmuskeln  einseitig  steif, 
schief  gehaltener  Kopf  (Krummkopf),  Caput 
obBÜpum.  —  2.  =  schiefgewachsener  Schädel, 
Plagiocephalus.  —  3.  -  verrückter  Mensch.  — 
Schlägel -Kopf  ^  ein  kurzer  Pferdekopf  mit 
oberem  breiten  Teile,  unterem  schmalen,  spitz- 
igen (Lippen-) Teile  (Falke  Ii,  280).  —  Schlund- 
Kopf  —  der  hinterm  Kehlkopfe  liegende  Teil 
des  unteren  Rachens,  derohere,  dickere,  weitere 
Teil  der  engeren  Speiseröhre  (Fauces).  — 
Scftimr-Kopf  s.  Patskopf.  —  Schorf-Kopf  m 
Grintkopf.  —  Schüttet  Kopf  e  Hauptwackelung 
(Ouatsehkopf)-  —  schwacher  Kopf  =  ein  Leiden 
mit  Blodigkeit  (s.  d.)  de9  Haupts  (Katarrh).  — 
S  hu  inz  Kopf  =  Glans  penis  (Gr.  \V.  V,  1769).  — 

,  ScJiceiw»-Kopf  =  ein  kurzer,  dicker  Pferde- 
kopf mit  eingedrücktem  Nasenrücken  bezw. 
Stirnbein  u.  herabhängenden  Ohren  (Mayer  27; 

j  Falke  II,  151.  304).  —  Schwindel  Kopf  =  einer,  der 
Schwindel  im  Kopfe  hat  (Schwtlrbelkopf)  — 
(1,560)  Srhwoll-Kopf  =  dicker  Kopf,  Schwellkopf 
(Schm.  Ii.  «30  631).  —  Schwürbel  Kopf  -  das  Gefühl 
des  Wirbels  od.  Schwindels  im  Kopfe  mit  tosen- 
den Ohrgeräuschen  (Däs-,  DHtnel-,  Dusel  Kopf). 

—  Setx-Kopt  —  ein  Mensch  mit  Eigensinn,  det 
sich  boshaft  den  Vorschlügen  widersetzt  (Z.  f.  d. 
fhilol.  III.  3-- 1  —  (1511)  Spitz-Kopf,  1  -  geg*«n 
den  Scheitel  zugespitzter  Turmkopf,  Cilu, 
Procephaluf,  Homo  angusti  capitis,  Oxycepha- 
lus,  Caput  acuminatum,  Kephalon  (Sad.  Jun.  391  j 
II.  A.  Ith.  315;  l>.  119,  Buck  12).  —  2.  ■  der  Träger 
eines  Kopfes  mit  spit/mnusartigcin  Munde 
(Volksglauben).  —  sf>i/<r  Kopf  (hüll  Myfk-,. 
rrqnell  Mi.  ifi'.O     schiefer  Kopf.  —  StänKopf 


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2»S 


Kopf. 


Koppe—  Koppen. 


—  ein  besonders  knochenharter  Schädel  im 
Gegensatz  zum  weichen  Kreutkopf.  —  Stroh- 
Kopf  —  „ein  dummer  Mensch,  doBsen  Kopf 
gehaltlos  ist"  (H.  Paul  446 ;  der  bildliche  Gegensatz 
zum  schweren  mit  .Jerlel  Korn  gefüllten  Kopfdreier).  — 

—  Strübl-  (Strobl)  Kopf,  I.  -  Kopf  mit  krausem 
Strubelhaar.  —  2.  =  der  Träger  eines  solchen 
(s.  Strubelpeter)  (f.  v.  Schm.  ">14;  Buck  12).  — 
(17-11)  &7ufr-Kopf  =  Capilo,  harter  Kopf ,  der 
einen  StoBB  leicht  atiHhält  (Kirsch  181).  — 
Trufels-Kopt  (ahd..  9.  Jahrh.  tnfelskoph  (Hattcmer, 
IX-nktnale  I11>60h]  in  Beschwörungsformeln  auftretend) 
=  der  durch  Dämonen  in  seinen  Haaren  verfilzte 
Holler-,  Bilwiz-,Grint-od.  Rufenkopf  (s.  Teufel). 

—  ToiCTl-Kopf  (nihd.  tölenkopf,  Lcxer),  1.  =  hohl- 
äugiger lebender  Kopf  (Buck  12).  —  2.  =  Gerner- 
kopf (s.  d  ),  Calvaria  (IBM;  n.  91)  —  Tottel-Kopf 
(udd  doddclkop,  Fromm.  VI,  67)  =  ein  ungeschickt 
sprechender,  stotternder  Mensch.   —  (1647) 

£r£-}Kopfl  1  =  dio  Trud  fr  welche 
nach  dem  Volksglauben  an  die  Betttarge 
trottend  Krankheiten,  namentlich  Alpdrücken 
und  Trudenzopf,  bringt  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  lsstö. 
.S.  216;  n.  de«  Verf.  Volksmedizin,  S.  23)  (s.  Bett- 
Zairle).  —  2.  =  ein  Kretin,  der  von  der  Trude 
zu  einem  Wechselbalge  (».  d.)  verwandelt 
wurde  (z.  f.  d.  Phllol.  in,  ss«i).  —  (i.vjoj  Tünnel- 
Kopf  =  Schwindoikopf  (Ur.  w.  Ii,  1788J.  — 

Ten  üdItTr  \  KoPf-  1  =  Verrückter,  dessen  Kopf 
und  Gedanken  sotusagen  an  eine  andere  Stelle 
verrückt  sind,  Wahnsinniger.  —  2.  =  fehler- 
hafte Haltung  des  Embryokopfes,  der  gegen 
die  falsche  Seile  umgewendet  ist.  —  (loisj 
verhüllter  Kopf  —  ein  bei  der  Geburt  mit  der 
Glückshaube  (Helm,  Sturmhaube,  Hütlein, 
Käppiein)  bedeckter  Kindskopf  (Coler,  lt.  A.  347). 

—  Vttie  Köpfe  =  ein  gleichsam  mit  kleinen 
Köpfen  versehener,  mit  Balggeschwülsten 
(Atherom.)  besettter  Kopf  (Schmidt IS]  s.  Doppel- 
Kopf.  —  Vogcl-Kopt,  1.  ~  ein  Mensch  mit  star- 
ker Habichtsnase  (Huck  12).  —  2.  =-  eine  Zwerg- 
bildung mit  Vogelgesicht  (Naturspiel?),  z.  B. 
Pobus  .länos  aus  1'ngarn  (is»>).  —  Vor  Kopf 
b  das  Caput  succedaneum  (engl,  forehead),  Vor- 
baupt),  die  meist  am  Vorderkopfe  bemerkbare 
Geschwulst  (Cephalhaemntom)  bei  neugebore- 
nen Kindern  (Kneipp  146).  —  Wasser- Kopf, 
1.  -  Ansammlung  von  Serum- Wasser  im  Kopfe 
( H  vdroeephalus  chronic);  (der  Aberglaube  dnlwi 
s.  I'loss-Bartels  II,  507).  —  2.  —  der  rhachitische, 
grossiie wölbte  Scbildel  (h.  Grosskopf  2).  (Nach 
dem  Volksglauben  Millen  die  Wasserköpfe  nicht  selten 
ein  frühreife«,  erregtes  Seelenleben  bekunden,  diu* 
lebhaft  glänzende  Auge  iRehange]  <ler  rhnchitlxchen 
Kinder  mag  wohl  die  Veranlassung  zu  diesem  Ulaubcn 
sein  [».  Kreuzkopf]).  —  hitziger  Wasserkopf  - 
HydrocephaliiB  acut.  inf.  fieberhafte  Gehirn- 
bohlenwRssersucht  (s.  Ver-meinen  3)  Morbus 
cerebralis  Whyttii  (t7l  1—1766).  —  (1787)  Weli- 
Kopf  ■  ein  schmerzhafter  Kopfausschlag  (Im- 
petigo). —  HVi*s- Kopf  =  Kopf  mit  silberweißen 
oder  hellblonden  Haaren.  —  icildcr  Kopf  — 
ein Grintkopf,  bei  dem  sich  der  I  lautauHScblag 
entzündet  hat  (s.  Wildfeuer,  Wildnis)  (ehr. 


8am.  Ii,  39).  —  Wolfs-Kopf  -  ein  Mensch  mit 
einem  Wolfsrachen  (s.  d.)  als  tierähnliche 
Missbildung.  —  Wotfen-Kopf  ■  Kopf  mit  sogen. 
Wollhaaren  (Mohrenkopf)  (Buck  12).  —  zer- 
brochener Kopf  =  der  Träger  eines  zerrütteten, 
verwirrten  Gehirnes,  Geisteskranker.  —  (M8J) 
zersih  wollener  Kopf  =  ausgedehnte  Anschwel- 
lung des  Schädels  durch  Uedem a  capitis, 
Erysipelas  faciei  (Bock  162).  —  (1807)  zurück- 
geschlagener böser  Kopf  =  s.  zurückschlagen 
(Ackermann  3%).  —  Zu; Kopf  =  Doppelkopf 
(Krau«,  E.  150).  —  Kopf- .-1  der,  -Angst,  -Anthrax, 
-Bein,  -Blödigkeit,  -Brechen,  -Brunnen,  -Drehe, 
■Druck,  -Drüse,  -Fieber,  -Fleisch,  -Fluss,  Frais, 
-Geburt,  -qerecfit,  -Geschwulst,  -Gicht,  'Gichter, 
■Grint,  -Haut,  -Karbunkel,  -Katarrh,  -Kolik, 
■Krankheit,  -Laus,  -Niss,  -Pein,  -Pfanne,  Räude, 
■Rose,  -Schabe,  -Sclielm,  -Scherbe,  -scheu,  -schiech, 
■Schmerz,  -Scliwarte,  -Schwellen,  -Schwindel, 
-Seuche,  -Starre,  -Stimme,  -Strenge,  -  Typhus, 
•Ungeziefer,  -  Unsinnigkeit,  -  Wackeln,  -  Wasser- 
geschwärlein, -Wassersucht,  -Weh,  -Wehtag, 
-Wirbel,  -Wunde,  -  Wut,  -Zu/all. 

Koppe,  1.  ss  s.  Kuppe.  —  2.  =  Ochs  mit 
kurzem  Hals  und  dickem  Kopf  (ahd.  chape  «= 
eaptto,  schmellcr  I,  1271).  —  3.  =  Koppen,  Kapaun, 
s.  kappen. 

koppen,  Kopper,  m.  Köpper,  koppeln, 
koppezen,  köbeln  (köcken)  (u.  Jahrh.  koeppal* 

=  aufstocken  und  aufstossen  machen,  <;r.  W.  V,  KS*; 
IUI  kopier,  Kr«utw.  XI. III;  zu  kopp,  m.  —  ruetns  fl571], 
den  kopp  [kok]-Ton  laut  werden  lassen,  wie  der  kop- 
pende Habe,  <;r  W.  V,  17H4.  1790,  vielleicht  nur  ein 
angewandtes  kippen  =  plötzlich  umschlagen,  nach 
o»>cn  schnappend  aufsteigen).  1.  =  aufstossen  aus 
dem  Magen,  kotzen,  rülpsen  (1632;  Fries  it»; 
A.  v.  H.  I,  HV2),  den  Magen  umkippen,  umwenden 
(Gr. W.  V,  17S8),  wiederkäuen,  Ekel  empfinden.  — 
2.  =  heftig  atmen,  nach  Luft  schnappen  mit  rülp- 
sendem, kuppendem  Köck-Tone  (bei  Pferden, 
die  dabei  ihre  Zähne  auf  die  Krippe  aufsetzen) 
(Schw.  ::.v»)  (pipaken,  8.  d.).  —  3.  —  husten  bis 
zum  Erbrechen.  —  (lösi)  der  Kopp,  Kopper 
(llaii.  Jim.  378)  (Köper,  Kiper),  1.  —  der  einzelne 
Rnetus,  ßombus  («:.  v.  Schm.  32lj,  ein  volksüb- 
liches  Zeichen  normaler  Verdauung,  Magen- 
wind, Koppezer  ((ir.  w.  V.  1791).  —  2.  -  das  kop- 
pentle  l'ferd  (l.  cod.).  —  3.  —  der  rülpsende  Mensch 
(I.  cod.).  —  4.  =  ein  trockener  Katarrh  der  Brust, 
wobei  nur  kuppend  gehustet  wird,  ohne  Ent- 
leerung von  Schleim.  —  koppeln,  (1483)  koppeln, 
koppezen,  köppizen  öfters  aufstossen  (Schm 
I,  1272).  —  mit  der  Kehle  koppeln  --  nach  Luft 
schnappen  unter  Kehllauten  (Schindler,  1.  eod  ). 

—  koppet  —  das  Koppen  habend  <<;r.  W.  V,  1791). 

—  (184;!)  Luft-  od.  U'iW-Kopper  -  ein  nach 
Luft  schnappendes,  ohne  aufzusetzen  kup- 
pendes l'ferd  (Falke  II,  440;  Ur.  W.  VI,  12-57)  im 

Gegensatze  zum  {]m]  ggtw».  j  Kopper  "  ein 
l'ferd,  das  beim  Koppen  die  Zähne  auf  dem 

Krippen-Barren  aufsetzt  Herbst  is;  scn.  222).  — 
Kopp-  Ton. 

Koppen,  pl.  -  Huppen  (s.  d.  u  ";  Furunculi, 
Akne)  (Zw.  82;  d»n.  kopper  =  Blalternpustel ; 


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Kor— Korn. 


Korn. 


kopper  —  Kinderbeuern;  hopar-koppan  t  —  blatter- 
narbig; schwcd.  koppor,  koppaerrlg,  Herer  7). 

Kor,  m.  —  KoT-tcachen. 

Koralle,  f.  (579  coralcs,  Schnurrer  I,  110)  =  rote 
Hautpustel. 

Kordel,  f.  (Int.-griech.  chorda;  fr«,  corde;  ci>rdelle 

—  Schnur;  ndl.  koord;  schwed.  koertcl  =  Schilddrüse  ; 
balskortcl  —  Mandel.  Pierer  7;  dän.  kjertelsvag  — 
drüsenkrank ;  begrifflich)  =  Stränge!  (s.  d). 

koren  (»25;  ndsAchs.  coren ;  1768  koeren,  D.  621») 
=  vomere  =  kolleren  (s.  d.;  ko[lleJren). 

Kor  s.  Kör. 

Korb,  in.  (zu  einem  ererbten  altgcrmauischen  Wort 
[da*  Korb  bedeutete]  wurde  in  jüngerer  Zelt  [da«  Int.] 
corbls  eutlehut,  Kluge',  183;  ahd.  korb,  chorp,  churlb 
[  corbU],  mhd.  korb  — geflochtenes,  tragbares  (Ma)i 
1.  =  Behälter  für  Organe  des  Menschen.  — 
L'.  —  eine  Pferdekrankheit,  eine  Art  von  »Spatz 
(vom  itol.  corba  oder  franz.  la  courbe,  Gr.  W.  V,  1804) 
(a.  Kurbe  1).  —  Brust-Korb  =  Thorax  (Rippen- 
korb) als  bewegliches  System  von  Knochen- 
Kpangen,  die  die  Brusthöhle  umfassen.  —  (1677) 
£i'er-Korb  =  Eierstock,  Uvarium  (HyrU,  K.  W.). 
(17«)  Loffel-Korb  =  der  Mund  als  Behälter  für 
diu  mit  dem  Löffel  zuueführten  Speisen  (Bauern- 
regeln, s.  SM).  —  (i5«>0)  Nonnen-Körblein  =  Vulva 
i<;r.  w.  V,  211;  VI,  884).  —  Rippen-Korb  =  Brust- 
korb, den  die  Rippen  (Wirbel  und  Brustbein) 
für  die  Brustorgane  bilden,  Thorax. 

Kork,  m.  1.  ■  (nd.-f.ach»..  =  Kolk,  Falke  II.  Sil; 
(=  Wasserstrudel]) ,  die  Wassergeschwulst  bei 
leberfaulen  Schafen  (Knlke  II,  83).  —  2.  =  (an»  lat 
rortci  ;  ital.  scorza;  span.  corcho;  ahd.  scorza[9ebcrtzlJ ; 
ndl.  ai-hors  — Binde,  Kork;  1663,  ndl.  kork;  engl,  cork 

-  Kinde,  Kindenbolz.  Kluge*,  210).  —  Ftriz/er-Kork 
=  die  rauhe  Haut  in  der  Hohlhand  («.  Finger- 
lohn), die  sich  wie  Kork  anfühlt,  namentlich 
bei  Seeleuten,  Taglöhnern  etc.  (Kalt-cl.ra.  I,  569). 

Korn,  n.  (vorgcnn.  grno  m  [gninum] ;  gein.-gerin. 
korna—  da«  einzelne  Getreidekoni,  Kern;  gotli.  kaum; 
ahd.  korn ;  mhd.  körn ;  engl,  corn,  Kluge*,  210  — 
kleiner,  rundlicher  Fruchtkor j>cr,  bildlich  gebraucht 
lür)  korngrosse,  kornähnliche  Auswüchse;  a) 
namentlich  am  harten  Gaumen  bei  Tieren  und 
Menschen,  korngrosso  Anschwellungen  (sieho 
Kern)  [Niederbayern) ,  auch  beim  Zahnwechsel 
der  Fohlen  vorkommend  (s.  Grane);  b)  Haut- 
ausschläge (1508  korn  -  glandula  bei  «Innigen  Ferkeln, 
Gr.  W.  V,  1820;  16.  Jahrh.  körnig,  cornich  -  innig 
[vlnnieosns,  naevosus],  tir.  W.  V.  1837};  c)  (15.«  k..ru- 
kin;  1592  kornlln  der  lelfel  genannt,  Seb.  178)  =  Drü- 
senanschwellung o.  Bildung  von  Granulalions- 
geschwülstcn  beim  Feifei  (s.  d.  u.  Kern)  (Tabern  ; 
«r.  W.  III,  im);  d)  Korn  =s  die  Kleien-. Malcrie 
(fi.  d.)  im  Urin  (Mag.  iiarthol.  io3a).  —  Körnung 

.  Kornbildung,  Granulation.  -  (,7W)  Jjjj* 

Korn  -  Ohnlazion,  Granum  bordei,  Grützbrei 
enthaltendes  Gerstenkorn  von  der  Grösse  eines 
Hirse{Brein)-Korn8  (M.  H.  L.  !,  SS;  D. 40).  —  (1645) 
Geraten  -  Korn ,  1.  ■  Hordeolum  ,  Chalazioii 
(Augenhaber)  (MM  eyn  gerMeukorn  im  äuge,  i>.  Ii 


20'.;  1777  =  Sycosis,  D.  532;  crithe,  D.  15»;  Zw.  221  ; 
Coler,  II.  A.  118;  Du  Cange  VI,  57;  Brlss.  110,  301; 
A.  v.  H.  II,  802;  Pistner  I,  242),  grain  d'orge,  les 
orgeolets,  le  compere  loriot,  Hagelkorn,  Augen- 
gerste (s.  d.;  älter  ist  Haber,  s.  d.);  man  nannte 
es  vielleicht  deshalb  Haber  oder  Gerstenkorn, 
weil  man  den  mitessenden  Elben  (s.  Mitesser), 
welche  als  Maden,  Werren  od.  Würmer  (siehe 
Wurm)  das  Ühalazion  verursachen  sollten, 
Gersten-  oder  Haber-Xhren  (auch  Fleisch)  vor- 
hielt, damit  die  verzauberten  Dämonen  durch 
„Transplantation"  in  das  Korn  hinein  sich  be- 
geben (vergl.  die  allen  Volksmittel  der  Edda  [Jordan 
2M],  unter  welchen  die  Ähre  als  Zaubermittel  gnlt ; 
Mannh.  Baumkult  17;  Schindler  181 ;  Kugel.  264;  die 
Kurmetbodo  gibt  in  der  That  hie  und  da  den  Namen 
für  die  Krankheit,  vergl.  Rlumen-Flck).  —  2.  =  das 
erbsen-  bis  bohnengroese  Hankkorn,  Milz- 
brand beim  Schweine  (Zlpp.  672;  Merk  26»; 
Falko  i.  .tu).  —  Grie*-Körner  =  rundliches, 
griesgrosses,  kornäbnliches  Harnsediment.  — 
(1748)  Hagel-Korn,  1.  =  Hordeolum,  Chalazion, 
Grando,  vielleicht  entstellt  aus  Haberkom, 
korngrosse  Entzündung  der  Augenlid-Drüsen 
(A.  v.  H.  II,  201.  723;  Platner  II,  36;  K.  ch.  225).  — 
2.  =  auch  die  verkalkten,  steinharten  Beste 
des  Hordeolum.  —  .ötrÄi'-Korn  -  Hordeolum, 
Chalazion  (Gerstenkorn)  {Gr.  W.  IV,  2.  1572).  — 
(1754)  MW-Körner  —  die  sogen,  blinden  Hä- 
morrhoiden, die  als  geschwollene  Köpfe  o<ler 
kornähnliche  Blutknoteu  der  Mastdarm- Venen 
erscheinen  (A.  v.  H.  I,  7U;  Gr.  w.  VI,  1719).  — 
Mutter-Koni- Brand.  —  (1699)  iye/frr-Körnlein 
=  kleine,  livid  gefärbte,  korngrosse  Pestblat- 
ter, aus  der  sich  ein  schwärzlicher  Pfropf 
(Butzen)  entleert,  „so  aber  au*  solcher  Pcst-Hitzc 
Fcnerblatterlein  enUtehcn  ohne  Kiterung  von  allerlei 
Crosse  und  Farbe,  so  bekommen  «le  den  Kamen  Pfeffer- 
körner, persisches  Feuer,  Jhelsser  Brand",  v.  M.  11, 
102.  152)  (wegen  dieser  Ähnlichkeit  des  Haut- 
ausschlages mit  Pfefferkörnern  heisst  man  die 
Krankheit  auch  Pfefferpest,  s.  d.).  —  Ran- 
{Ron-,  Rank-,  Ranf) -Korn  (-Horn)  „ein  in 

alten  Glossarien  vielbezeugtes  Wort"  ;  mhd.  rankorn  , 
13.  Jahrh.  rankkom  —  anginn.  I».  35;  1170  rnckkoren; 
1483  rnnekorn,  15.  Jahrh.  rantkorn,  rnnkhorn,  rankorn, 
rankborn  ---=  porrigo,  lnflrnilins  poreorum  [ab:  porcus), 
I».  418;  Lcxer  192;  Kluge  293;  Kon  Korn,  Schin.  II, 
loa),  1.  =  eine  kleine,  korn-  oder  erbsengrosse, 
anfangs  weisse,  später  schwarz  werdende,  bran- 
dige, rtinde  Blatter,  welche  den  sogen.  Hank 
(s.  d.)  hervorruft,  am  gefurchten  Gaumen  der 
Schweine  (Milzbrand)  und  Hirsche  (=  Maul- 
o.ler  Gaumen-Anthrax  s.  d.,  Klamm)  (Ziemten, 
Hdb.  III,  <70;  Kluge*,  293;  V.-B.  69;  Fuchs  II,  .'96; 
<.r.  Vi.  V11T,  108;  Bchmeller  II,  102;  llnrdcleben  1,  300; 
das  Itankkorn  [s  Kornkind]  wird  , .gelost"  und  heisst 
auch  [1731]  Kau  Horn  [verstümmelt].  A.  M.  .30).  —  2- 
(übertragen  wie  Kauk  2)  die  Cynancbe  (Diph- 
therie  oder  Croup)  beim  Menschen  (Gr.  W,  VIII, 
108).  —  Rankorn  —  frangeude  Bräune  oder 
Hank-Korn,  Kenkkorn,  wobei  der  Hals  gerenkt, 
gestreckt  wird  (s.  Hank).  —  fl7s-j)  Sand-Korn 
«las  verhärtete  mit  Kalksalzen  imprägnierte 
(ierstenkorn  (M.  H.  L.  I,  38),  -  Körner  ,  Korn 
Enget,  -Kind,  -Krankheit,  -Staupe,  -Muhme. 


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300  KorpeI-Kotz(e). 


kotzen— krachen. 


Korpel  8.  Knorpel. 

Korporal,  m.  (frz.  caporal  ;  1600 ,  »ehm.  I,  1295) 
^  Kahlkopf,  der  ein  Caporale  trägt. 

Korpulenz,  f.  =  Polysarcia,  ein  fettreicher 
ZusUnd  des  Körpers. 

Korst  b.  Kruste. 

Kortsen  a.  Koorlsen. 

Kosak  (Kossack)  s.  Sack. 

kosen  (ahd.  kösön  ~  Gesprach  fuhren,  plaudern  ; 
uihd.  k"8*n  —  [hessisch-thüringisch.  Zip«].  Kluge  *,  210). 

—  abkOSen  (delirare,  Schweiler  1,  1190;  II,  55)  = 
geistesabwesend  sprechen,  plaudern. 

Koss.  —  Ko&s-Hauch. 

Kot,  in.,  n.  (Koat)  (indotremi.  o,u  =  caccare;  In- 
disch «|Utha-  cxcrcmcnta;  vorgertn.  ,  ;.  •,!>  .  [•.  kellig]  j 
goth.  qeda;  ahd.  <juat;  mhd.  köt,  qua»,  kat  =  Bierens, 
Kluge»,  .»II ;  15.  Jahrh  kantt,  quadt,  D.  Kl;  1691  koat 

—  alvu«,  exerementuro,  Mad-  Jun.  20;  1092  kat  —  L'nrat, 
Schmutz,  l>reck,  Seb.  94);  nach  Gr.  W.  V,  1»90,  1.  = 
Angriff  (s.  d.,  Milzbrand  od.  Anthrax)  (Schwele) 
als  Viehseuche.  —  2.  ■  fliegender  Brand  (Rausch- 
brand)  als  Viehseuche,  beide  (1,2)  mit  schimpf- 
lichen Namen  belegt  wie  bei  Dämonen  (siehe 
Schelm).  —  3.  =  s.  Kaal,  Ouat.  —  kÖtig  =  kettig;, 
ketschig  (s.  kettig).  —  (1609)  (verhaltener)  Bauch- 
Kot  =  (zurückgehaltener)  Stuhlgang  (Guar.  871). 

—  Bleistift-Kot  =  ein  dünner,  bei  Dartnver- 
rengerang  eintretender  menschlicher  Kot  mit 
sehr  geringem  Durchmesser  wie  der  eines  Blei- 
stiftes. —  (IM.  £r6-Kot  —  Mekonium,  Kinds- 
pech,  Sordes  infantium  recentium  a  partu,  das 
erste,  was  das  Kind  oder  Füllen  entleert  und 
sozusagen  von  seiner  Mutter  mit  erhalten  hat 
(<Jr.  W.  Iii,  727;  V,  760;  Herbst  M ;  Kalke  I,  257).  — 
Heiden-Kot  —  der  Krbkot  oder  das  Kindspech 
der  noch  nicht  getauften  Kinder  (Mekonium) 
(Gr.  W.  IV,  2.  800).  —  (1583)  Rnsb  Kaat  i :  ose -  K  ol 
(Gr.  W.  VIII.  1266).  —  Mntrr-kötig  s.  Köte.  — 
Kot-.fi/aMcr,  -Erbrechen,  -Fistel,  Fleisch,  Sack, 
-Stein. 

Kote,  f.  s.  Köte. 

Kothc  ,  f.  (angls.  eodha  =  l'cttkrnukhelt .  Kuhn 
Zcitschr.  V,  301 ;  nord.  kudua  ~  marcc«ccrc ;  1120  rede 
kotbe  an  der  »ythen  =  hesper  [  -  herpes] ,  ennceus 
1-cancreus,  Kleba),  noli  me  tätigere  ;  1  »76  ein  slecbtum 
der  lu  den  rlppeu  geswillt,  D.  276)  =  roter  (Krebs  ) 
Karbunkel  (s.  Rohr  mich  nicht  an);  (frcKnau 
cot  he  j  angls.  -  mlsererc.  Schw.  213=  ?  freiig  Jwreng]- 
cothe,  Windende,  krimmende  Krankheit). 

Kotter  s.  Köder. 

Kotz(e),  f.,  BD,  (Kötzle)  (ein  spezifisch  deutsches 
Wort;  ahd.  kozzo  ,  in.  chozza,  f.;  eozun  =  eureullo 
[Engerling],  l>.  163;  GrafT  IV,  039;  mhd.  kotze,  m.  = 
grobes,  zottige*  Wollzeug,  Kluse  211),  1.  —  einge- 
trocknetes Sekret   unter    behaarten  Stellen: 

a)  Augenbuttcr  (Augenzieger,  Augenkäse,  Au- 
genbutze),  (iramiae  an  den  Augenwimpern; 

b)  Eiterbläschen,  Pustulae  («.  Engerlinge,  Mit- 
th.-ei  )  auf  der  behaarten  Haut  (Sofa Waben;  tir.W. 
V,  1901 ;  BcJuneller  I,  1318;  C  v.  Schm.  823;  Ituck  19). 

—  2.  =  behaarte  Stellen  am  Korper,  Vulva 
(l'uhes)  (f.  v.  Schm.  207,  323;  die  Kutz  KueUen  — 
Kotze,  Schm.  1,  1308;  davon  kotzin  —  Hure,  Schm.  I, 


1317).  —  3.  =  s.  auch  nachfolgendes  kotzen.  — 
kotzig  =  voll  Eiterbläschen  (C.  v.  schon.  323).  — 
(1&87)  Augen-Kott  =  Kotz  1  (Gramiae)  (Gr.  W  I, 

905;  II,  590;  V,  1901;  D.  268).  —  Kotl   I  .  ;./,  -Sucht. 

kotzen,  kotzen,  Kotzen,  n.  Kotz,  n.,  m.,  f. 
Kötze,  f.  kuetzen,  Kotzung  (1476  koczung  ~ 
nausea,  D.  II,  262  ;  1482  kotzen  =  vomere,  Zen.  Voc.  r  1 ; 
1490  koczen  ■  vomere,  Sehmelier  I,  1318;  1029  kotzen, 
Paraccls. ;  1512,  1591  kolzung  =  vomltus,  Had  Jun.  378  ; 
D  629.  kotzen.  Tabernaemont).  „Obwohl  im  10.  Jahr- 
hundert erst  auftretend,  doch  sicher  weit  alter;  der 
Ijiiit  des  Hustens  und  Würgens,  der  das  Krbrecbeu  be- 
gleitet, ist  gewiss  der  eigentliche  Inhalt  des  Worte*" 
(Gr.  W.  V,  1906;  „wohl  aus  kökexen",  s.  kneken, 
U.  Paul  259),  1.  =  sicherbrechen  (  vomere ;  zskr.  ram  ; 
franz.  vomlr,  gomlr  [s.  gerben]).  —  2.  =  übel  werden 
zum  Erbrechen  =  „mir  kotzet".  —  3.  -  kraftiges 
Spucken.  —  4  —  starker  Husten  mit  Auswurf. 

—  5. —  räuspern,  die  Kehle  reinigen  durch  Aus- 
wurf (=  Kotz,  Kotze)  (Westerwald,  Elfel,  Thüringen, 
Sachsen;  Gr.  W.  V,  906.  1900;  Buck  19).  —  (1669) 
kotzern  -  öders  zum  Erbrechen  reizen  (Schm. 
I.  1318).  —  Kotze,  f.  1.  =die  Thätigkeit  beim 
Husten  oder  Erbrechen.  —  2.  =  das  dabei  Aus- 
geworfene. —  Kötze,  f.  L  —  (Futter-  oder  Hress- 
Korb  [Kotze,  Kieze),  Kluge*,  185).  —  2.  =  (damit  ver- 
glichen) =  dicker  Bauch  (Gr.  w.  v.  1904).  — 

|  (1741)  Kotzer,  m.  l.  =  der  Vomitor.  —  2  .  =  der 
Screator.  —  3  =  der  Husten  selfast  (Gr.  w.  V, 
1907;  Schm.  I,  1318;  Kirsch  784).  —  Kotzete,  f.  = 
da«  Erbrechen,  das  Erbrochene  (Gr.  W.  V,  i9oa). 

—  kotzieht  ([16.  Jabrh.]  kotzerlieh,  [1684lkötZerig 
[külzig,  kizigj)  =  vomitorius,  Erbrechen  erre- 
gend (evomens),  verschleimt  (mucosus)  (Gr.  w 
V,  1907,  1908).  —  Kotzigkeit  =  Phlegma  (s.  d.), 
Katarrh,  Schleim  (Gr.  w.  V,  1908).  —  Blei  Kotze 
s.  Hültenkotze.  —  ää«<m-Kotz(e)  =  (s.  Hütten- 
Katze)  Colica  saturnina  «.  mineralis,  s.  picto- 
rura,  Erbrechen  bei  der  Kolik  der  Blei-Arbeiter. 

—  hau/m  kotz-7  I.  i«  =  eine  Pferdekrank beit 
(Influenza  mit  Husten,  Kotze)  (Blrllnger  II,  9,  243). 

—  (gelbes)  Wasser  kotzen  =  Herz  wasser,  Magen- 
wasser (mit  gelber  Galle)  erbrechen  (Gr  w  IV). 

—  Kotzen-  Jammer 

krabbeln  (krabeln,  Kräbel,  Krabler)  (voiks- 

etjmologlschü  Anlehnung  an  KrabW  [der  nordische 
Meerbewohner],   mhd.  krappein,   krabelen  [Iteraliv- 
|  bUdiing  zu  graben,  s.d.).  —  krabbeln,  1.  ■  kratzen, 
mit  den  Fingern  tastend  graben  (Gr.  w.  V,  lult). 

—  2.  -  kitzeln,  ein  krabelnde?, gl  abendes  Jucken 
empfinden  (Gr.W.  V,  1911, 1912;  engl,  grapple,  grabble). 

—  Kräbel,  f.  =  die  Kratzwunde,  Schramme 
(Gr.  w.  V,  1914).  Krabler,  1.  =  der  dritte,  vierte 
und  fünfte  Finger  (Gr.  W.  III,  1650)  (vgl.  KrafH). 

|  —  2.  —  ein  langsam  gleichwie  ein  Käfer  sich 
fortbewegender  Mensch,  Kralewatsch  (Schm.  I. 
1308).  —  brgrabeln  (er  hat  sich  wieder  beitrawwclt. 
z.  d.  v.  f.  V.  K.  1891,  187)  -  er  hat  sieh  wieder  aus 
dem  Bettgrabe  aufgerichtet  (s.  Bell),  steht  wieder 
auf.  —  CMr-Krabler  =  der  kleine  od.  Ohrfinger 
mit  dem  man  im  Ohre  krabbelt  (s.  Ohr-Finger, 
S  147). 

krachen  (krachezen,  kräckeln  kräglet, 

kriegletl)  [vorgerm.  Kfg,  B«rm.  krk  ;  goth.  krakta; 

I  ahd.  chrahh.On;  mhd  krachen,  KliiRe",  212  —  einen 


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kracken— Kr»  he. 


Krämer— Krätze. 


M»1 


scharfen,  kurzen  Schall  od.  Knall  geben ;  nach  Gr.  W. 
i:ma  ,  1922).  1.  -  das  Krachen  der  Finger  und 
Gelenke,  CSrapillM.  —  2  -  das  sojrcn.  Kraehen 
des  Herzens  (Herzkastens,  Herzbttndels)  bei  Ol 
Sterben  (nihd.  herzekrachcn ,  Lcxer  99;  ICH  da** 
der  herzbendel  kracht,  Flichart;  Fromm.  VI,  329; 
bildlich).  —  3.  =  das  Krachen  der  Stimme,  (1447) 
des  Brustkastens,  des  l^ibes  (Alvus)  (engl, 
rracker  =  podex,  Kaitschin.  I,  148 ;  Schm.  I,  1308).  — 
4.  =  das  Krachen  des  l^eihes  (Kippenkorbes) 
im  Alter  =  kränklich,  gebrechlich  sein  (Schm.  I, 
j3.jfl).  —  5.  =  das  knickende  Gehen  wie  mit 
krachenden  Knochen,  wie  eine  Kracke  =  Schin- 
derroähre  (Gr  W.  V.  1923;  Schwabei.).  —  krach.-!  n 
(krächeln,  krachen)  =  seufzen,  mit  krachender 
Stimme  stöhnen,  näselnd  reden,  heiser,  lallend, 
mit  gebrochener  Stimme  reden,  rauh  hnsten 
(Schwaben;  Gr.  W.  V,  1916;  Lippe;  Fromm.  VI,  217). 
—  kräglet  (Schwei«)  (krieglet  [Bayern])  =  mit  hei- 
lerer Kehlesprechend  (Gr.  w.  v.  1965).  —  Kracher 
(Krachsler),  Krachezer,  l.  =  ein  alteregebrech- 
licher  Mann  (ahd.  krekil  =  krank.  Fromm.  VI,  SOI ; 
Back  12;  8ch melier  I,  1360);  (verj<l.  Krackler).  — 
2.  =■  Sputator,  ein  Kodcrer,  der  heiser  ist  u.  viel 
ausspuckt)  (Schweiler  L  c. ;  D.  549).  —  Krach(el)- 
Brin,  -Husten,  -Wadrl. 

kracken  (gracken,  gräggeln,  krecken, 
Krack,  Kracke,  Kräcker,  Krackler)  <*u 

krachen,  s.  o  ),  1.  =  mit  krachendem  Tone  aus- 
werfen, rülpsen  (krachsen,  krachezen)  (Bayern), 
(«ragKlen)  (Schwel«;  Gr.  W.  V,  1931).  —  2.  =  ein 
Glied  verrenken  (unter  Krachen).  —  3.  —  die 
Glieder  knacken,  krachen  machen  (Tirol;  Gr.  W. 
V,  1931).  —  Krackler  (12.  Jahrh.  chrachender,  Graft* 
IV,  589)  =  ein  vor  Altersschwache  in  den  Knochen 
krachender  Mann,  decrepitus  (Kracher,  Krachs- 
ler, s.  o.).  —  Krack,  Kracke,  f.  =  decrepiter 
Zustand  eines  durch  Alter  oder  Gebrechlich- 
keit gekrümmten  u.  arbeitsunfähigen  Kranken 
oder  auch  eines  schlechten  Pferdes  (Schräder  >6), 
eines  rhachitischen  Kindes  (Island,  krackt  **  tcnel- 
lus  puer,  Schm.  I,  1362;  Gr.  W.  V,  1928;  Mittelrhcln ; 
Schwaben).  —  Dein  Kracker  franz.  etre  bancroche 
-  arolr  les  jambe*  (=  beln,  ban]  crochues  [crach]  = 
rhachltlsmc,  französisch  gemachter  deutscher  Aus- 
druck. Brise.  155)  s.  Krachbein.  —  Laus  Kräcker 
=  der  die  Läuse  mit  krachendem,  knackenden 
Tone  U)teiKl6  Daumen  (ndl.  luUo  kraker,  V.  K.  II, 
142;  Hlntner7.  17).  —  wrrkracken  (UMj  Schm.  I, 
1362)  =  verrenken. 

Kräbel  s.  krabbeln, 
krachein  s.  krachen. 

krächzen  (krächzgen)  (zu  krachen,  s.  o. ;  ahd. 
chrocchexan  =  krächzen,  crocelzan;  mhd.  krorhzen) = 
«las  Ach  und  Krach  bei  schwerer  Arbeit  (Ge- 
burt, Krankheit),  kreisten,  seufzen,  stöhnen 
mit  mangelndem  Atem  (Gr.W.  V.  i»25,  Kluge*.  202). 

Kräcker  s.  kracken. 

Kräfler  s.  Kraftl. 

kräglet  s.  krachen. 

Krägli  (krägeln)  B.  Kragen. 

Krähe,  (-  <ier  krähend*  Vocel).  —  Krähen- 
•Augr,  -Schnabel. 


Krämer,  m.  (Krämpl)  Krammer,  m.  ( -  der 

eine  Krame  [Zeltluch  libcr  der  Ware]  hat.  Kluge*, 
212),  s.  Kramm.  —  Beinl  Krammer  (Bayern)  = 
/'".'. t,  Kranipel  (Bayern)  —  der  Tod,  der  seine 
Knochen  im  Skelette  auskramt.  —  Edelstein- 
Krammer  —  einer  der  mit  Akne  rosacea  oder 
Karfunkel-Nase  (s.  d.  und  s.  Weinhandel)  be- 
haftet ist,  —  Prozets  Krämer  =  3er  am  (Juern- 
lanten-Wahn  (s.  d.)  Leidende.  —  Krämer- 
Flechte,  Kräfte. 

krämpeln  =  kratzen,  wie  mit  einem  Krllmpel 

(Wollkamm)  (Fromm.  VI,  334;  Heanzen,  Ungarn). 
Kränke  (kränken,  Krankling  s.  krank. 
Kränzli  (Kränzchen)  s.  Kranz, 
kraetsch,  1.  -  grätisch.  -  2.  =  krötisch. 
Krätze,  f.  (Krätzen,  f.)  Krätt,  f.  (zu  kratzen 

[s.  u.].  Kluge  214,  zuerst  sanskr.  nagha  =  die  Nagende, 
Gr.  W.  VII,  270;  auch  kba*A  =  Kobold-Mutter  genannt, 
well  die  Kraue  früher  als  ein  böses  Wesen  aufgefassl 
wurde,  Bietet  in  ZelUchr.  f.  vergl.  8pr.-Korsch.  V,  336 ; 
aber  auch  1.  eod.  sanskr.  pAman  a  Kratze,  die  dnreh 
pA  maghnl  [Schwelel]  vertilgt  wird.  „Vielleicht  Ist  es 
nicht  zufällig,  dass  gerade  für  Krau«  und  Ausschlag 
mehrere  übereinstimmende  Benennungen  sich  in  den 
indogermanischen  Sprachen  Huden;  denn  diese  Krank- 
heit musste  bei  dem  Schmutze  und  der  ITnreinllchkelt, 
von  denen  wir  uns  das  l/eben  der  l'rzeit  begleitet 
denken  müssen,  besonders  häufig  sein";  auch  ahd. 
fehlt  „Kratze",  dafür  riUidc,  Jucken,  grint  [s.  d.];  erst 
mhd.  kratz,  kreU;  1480  die  krett.  II.  Foltt;  Gr.  W.  VI. 
177;  ndl.  krett,  I>e  Cock  347;  1618  kraelzln,  f.  =  syphi- 
litltchcs  Kxanthem,  Paracelsu«;  IT.  II,  77;  1782  kratze 

—  Aussalz,  M.  H.  L.  I,  70,  75;  Krälzenblume  sa  Chcli- 
donlum  majus.  Roll.  196;  Afel-  [«.  d  ]  Schlnn-Kraut ; 
Krätz-Heil  =  Fumarla  [  -  Alpraule  oder  Grlntkraut], 
Roll.  206;  Xeu-Rupln  Kratt,  1.,  Z.  d.  V.  I.  V.-K.  1897. 
8.  65).  —  Krätze  =  jede  Krankheit  der  Haut, 
die  zum  Kratzen  derselben  (ahd.  jukldo,  s.  Jucken) 
oder  zur  Abschabung  der  Haut  (la  grateile, 
la  pale,  le  räche,  Schäbigkeit)  Veranlassung 
gibt ;  demnach,  1.  =  Scabies,  Milben-Krätze  und 
alles,  was  man  früher  unter  „Kratze"  verstand 
(1482  die  kratze  =  Scabies.  Gr.  W.  V,  2073;  dasa  Para- 
siten die  Veranlassung  dazu  sein  konnten,  vermutete 
man  schon  im  12.  Jahrh.  [s.  Siren  -  slrones,  Brlss.  232]; 
aber  man  [z.  B.  Hahncmann]  hielt  slo  lür  etwa«  Zu- 
fälliges, Sekundäres,  das  man  nicht  vertreiben  noch 

i  zurück  verhalten  sollte  [s.  Psora,  Kratxesiechtum,  Krtttz- 
■  stoff],  wenn  man  nicht  die  Konstitution  durch  Meta- 
stasen verschlimmern  wollte,  Kichh.  II,  298).  —  2.  = 
die  „Räude"  (s.  d.)  als  Hautkrankheit  der  Tiere 
(Schal«,  Gnatz,  Gneis),  die  sieh  (im  16.  Jahrb. 
beiläufig)  von  der  Krätze  (Räude)  des  Menschen 
trennt.  —  3.  =  Mauke  der  Pferde  (*.  Mauke) 
und  der  Milzbrand  der  Schweine  (1699  =  la  «öle 
du  porc  —  la  rogne,  v.  M.  I.  77;  Brlss.  230;  Gr.  W. 
V.  207d;  nerbst  145).  —  4  =  1'rurigo,  Pruritus, 
weil  mit  Jucken  verbundene  Hautkrankheiten 
(Behrcnd  35;  14.  Jahrh.  kratz  =  pmrigo,  Voc.  opt. 
W.  40;  16.  Jahrh.  die  kretz  —  prurlgo,  <ir.  W.  V,  2073). 

—  5.  -  Herpes  (?)  (Sielermark  ;  Kossei)  It,  Kkxemn. 

—  U.  a  Psoriasis  als  abschuppende  Flechte.  — 
7.  -  svphilitische  Exantheme.—  8.  ^  Synonyma dei 
alleren  Autoren  (nach  Behrend  35)  i  Psora  (  -  Impetigo], 


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•Mi 


Kratze. 


Krälze. 


Kuesmo*  (x\<iC<o  =  kratze),  Knisinos,  Hysmos  der 
Griechen,  Kcabrilies,  Seabretudo,  Seabrilia  cutis.  Scabra, 
KultiK".  Kcabrosilas,  Bcahrcdn.  Asperilas  sordida  (Du 
fange),  I'noriasiMNeunuinuMM),  LepnfA.T.  EL  I.  120*), 
Psydracia;  franz.« >n.  ]a  mau vaise  Ja  charmante  | Urins.).  — 
krätzig  (mbd.  kretzobt  —  scablosus.  <ir.  W.  V,  2U81 ; 
1482  kretziger  =  pruriginosus,  entieu«.  inturtu«,  Gr.  \V. 
v.  20SI ;  D.  30«,  469),  1.  =  mit  der  KrüUe  behaftet 
(scaliioBiis) ,  laudig.  —  2.  =  schäbig,  äußer- 
lich ekelhaft  (<;r.  W.  V,  Jost).  —  Krätzigkeit 
(Krätzige),  f.  (1561  Scabies;  1591  prurlgo,  Had.  Jim 
304;  Gr.  W.  V,  2us2)  =  der  Zustand  des  Behaftet- 
seins  mit  der  Krätze.  —  krätz'dn  -  kratzen 
'Gr.  \v.  v.  207'.).  —  (1699)  Krätzlein,  1.  ^  ein  gut- 
artiger, krätzeähn lieber,  leichter  Hautausschlag 
(v.  M.  II,  130).  —  2.  ~  s.  kleiner  Grint  u.  *  —  (1794) 
ächte  Krätze  =  die  wahre  Krätze  (Behrend  c),  die 
aber  erst  mit  der  Kntdeckung  der  Krätzemilbe, 
Sareoptes  scabiei  hom.  (Hebra),  »cht  und  wahr- 
haft befunden  wurde.  —  ägyptische  Krätze  = 
(149«)  Nu  iisi  egipeinea  (Kracostoro,  Lopez  de  Villa- 
lobM,  Pr.  1,  67;  Ii,  151)  =  syphilitisches  Exanthem 
(in  Ägypten  soll  die  I.nes  nach  dienen  Autoren  schon 
hingst  gehaust  haben).  —  , /»kratz.  /  (mhd.  onkreuic, 
Gr.  W.  I.  387 ;  V,  2072.  2081)  =  mit  der  Kratze  an- 
gesteckt, behaltet,  räudig,  mala  prurigine  in- 
fectufl.  —  arabische  Krätze  =  arabischer  Aus- 
satz, KlephantiaBis  Arabum,  b.  Klefantenkrätze. 

—  (1754)  Ati'it n  Kratze  =  Ekzema  orbicnlaro 
faciale,  die  Bläschenflechte  um  die  Augenlider, 
die  durch  das  katarrhalische  Sekret  der  Binde- 
haut juckend  wirkt  (A.  v.  H.  Ii,  i2ßi).  —  Bade- 
Krätze  =  Psydraciathermica,  Miliaria  balnearis, 
der  sogen,  kritische  Hautausschlag,  durch  un- 
nötige Überreizung  der  Haut  in  den  mittel- 
alterlichen Badehäusern  veranlasst  (falsche 
Krätze,  Badefricsel).  —  (1839)  fWcAcr-Krätze 

—  Ekzema  (Behrend  32,  5tJ).  Scabies  pistorum,  eine 
juckende,  durch  die  Hantierung  mit  Hitze,  Teig 
und  Mehlstaub  unterhaltene,  zumeist  an  Armen 
und  Händen  sich  zeigende  Hautkrankheit  (Gr.  W. 
V,  2073).  —  Äirr-Krätze  =  Bartflechte,  die  juckt 
.^Sycosis)  (Behrend  48).  —  .ßfiss-Krätze  («hd.  pets- 
kres  —  mordax,  Graft  III,  232)  —  die  jllckenUe,  boi8- 
sende  kratz,  krankheit.  —  (IStt)  ßlasen-Kiütze 
=  Stranguria,  Dysuria,  infolge  von  Urinblasen- 
Verschwärung,  Scabies  vesicae  Hippokratis, 
Cystilis  blennorrhoica  =  gonorrhoica  (engl.  acal- 
ding  In  the  urine,  Knltschm.  I,  563;  scald  =  Grint, 
Kratze),  die  aut  üeiu  Boden  des  Uringlases  sicli 
Indlndende  kleienarlige  Abschabsei,  Schleim- 
Fäden  und  liewebshäutchen  liefert ;  dabei 
klagen  die  Kranken  Ober  ein  unerträgliches 
Jucken  am  Möns  veneris  und  kratzen  sich  be- 
ständig daselbst  (Blasentuberkulosis?)  (Pr.  II, 
121.  179  ,  1,  224;  Mural.  368;  ruschmann)  —  bösartige 
(tW) Krätze-  bösartige  Räude,  Syphilis  (\.  v.H. 
I,  1208;  Haaer  II.  221).  -  BorAm-Krätze  =  eine 
mit  starker  Schorf-  oder  Borken  bildung  ver- 
Imndene  Milbenkrätze,  die  bei  Fiebernden 
leicht  mit  Pocken  verwechselt  werden  kann 
[KlobbOMt  II,  1191  =  1848  spcdalskhed.  Huber;  %.  B. 
Itndesygc;  Gunter«  4 ,  infolge  von  Hareoptes  seablei 
criisiosac.  die  (nach  Braun,  tier.  Paras.  1895,  B.26lj  eine 
in  Norwegen  besonder«  hilnlig  vorkommende  Kritu- 
milbe  ist).  —  (l">.  Jahrh.)  dürre  Krätze  (1515  dürre 


kretz  ss  Impetigo,  Ii.  2sx)  —  Aposyrmala  i'auli 
Aeginetae),  Impetigo,  Scabies  sicca  (trockener 
(irint),  jede  trockenen  Schorf  liefernde,  juck- 
ende Flechte  (trockene  Räude)  (A.  r.  H.  I.  121 ; 
Gr.  w.  11, 1742 ;  v,  2073).  —  Elefanten  Krätze  = 

(1615  hoe  erat  scabiei  genu»  Klephantlae  nomine  appel- 
latum ,  I/erseh  so)  =  seuchenhaft  aufgetretene 
l'ocken  mit  konfluierenden  Pusteln  und  hoch 
gradiger  Hanlgeschwulst.  —  (1791)  falsche  Krätze 
=  Psydracia  spuria,  Psoriasis  (Daniel ;  Behrend  t.i. 
die  wie  die  wahre  Krätze  Hautabscbälferungen 
liefernde,  aber  nicht  juckende  Sehuppenflechte 
(Psvdracia,  Ekthvma,  Ekzema)  (Fuchs  II,  182).  — 
fette  Krätze  ■  feuchte  Krätze  (s.  u.),  weil  sie 
wie  fetlgelb  aussieht  (Behrend  3.'.).  —  (17'.7)  feuchte 
Krätze,  1.  sa  eine  sogen,  nasse  Krätze  beim 
Menschen  mit  stärker  secernierenden  Eiter- 
bläschen ,  Scabies  purnlenta  (Banml.  395;  Behr- 
end 31).  —  2.  =  (1796)  eino  Pferdehauikiankheit 
(Mauke)  mit  Absonderung  einer  Feuchtigkeit 
(Abilg.  44).  —  (17..1)  flechtende  Krätze  -  Men- 
tigo  (s.  Geflecht) ,  hose  Kinnräade  (mentagra. 
D.M6;  L.chir.49).  —  fran zösische Krätze  (  =  Rog na 
franclosa;  1496  «cnblcs  gallica;  1499  racana1,  I'r.  I, 
375;  II,  151.  155;  =  Exanthem  hei  der  Syphilis 
(s.  Franzosen).  — Fuhrnianns-Kl&tze  -Scabies 
cachectica,  eine  durch  die  schlechte  Konstitution 
böBartige  Krätzform ;  Fuhrleute  galten  als  solche, 
die  auf  ihre  Gesundheit  am  wenigsten  achten, 
n.  deshalb  als  besonders  ungesund  (Behrend  36). 

—  .Fuss-Krätze  =  eine  epizootische  Epidermis« 
erkrankung  an  den  Füssen  der  Hühner  infolge 
von  Dermatomyctes  mutans  (Milbenart)  (Meyer. 
Con.-Lex.  XIV,  496).  —  (1741)  garstige  Krätze  — 
=  rauhborkige  oder  abschuppende  Haullleclit«-, 
Psoriasis,  Räude  bei  Tieren  (Kirsch  977).  — 
Gfl'fVNJWIcfc-Krätze  (1751  =  Psoriasis  scroti,  A.  v.  II. 
II,  12.30)  =  Ekzema  scroti,  eine  juckende  Hodeu- 
sackflechte  (trockene  Geilensackkrätze).  — 
gelinde  Krätze  —  eine  wenig  ausgebreitete  und 
juckende  Krätze  (A.  v.  II.  1,  1208).  —  gemeine 
Krätze  =  die  alltäglich  und  überall  vorkom- 
mende Krätze,  Scabies  vulgaris  (Behrend  as). 

—  (153».)  gesalzene  Krätze  (hei  Malachias  tieiger. 
Körnig.  II,  19)  —  Ekzema  als  Salztluss  ,(s.  d.) 

—  Gewürz- Krämer-Kr&tze  =  Bläschenflechte 
(ähnlich  der  Bäckerk ratze),  gale  des  epiciers, 
vielleicht  auch  nur  ein  bis  zur  Bläschenbil- 
dung gesteigertes  Erythem,  wozu  der  Reiz  des 
Material-Staubes  Veranlassung  gibt  (Psoriasis 
manus  —  Kkzema  manu»,  Behrend  56.  32).  —  giftige 
Krätze  -  ansteckender  Hautausschlag  infolge 
von  Syphilis  (Scabies  gallica)  (Fachs  1,  417).  — 
(1782)  grosse  Krätze  =  stärker  eiternd«  r,  ausge- 
dehnterer krätziger  Hautausschlag  (M.  II.  1..  I. 
587).  —  Hätten  Krätze  =  ein  in  Hütlenberg- 
wciken  durch  »I.  Metallstaub  (Blei,  Arse  tik  etc.) 
veranlasster  juckender  Hautausschlag,  meist 
Ekzema  (Sobernheim  2791.  —  (1782)  -Hunds  Krätze 
=  die  Hundsräude  al-  Krätze  auf  den  Menschen 
übertragen  (M.  II.  L.  I,  582).  —  indische  Krätze 
=  Scabies  indica  (Pr.  I,  328 ;  II,  151)  =  Syphilm 
(aus  Wesiindien  durch  die  Spanier  angeblich 
gebracht).  —  innere  Krätze  =  als  Krankheit 
name  eint*  unsinnige  Ausgeburt  des  Hom.no- 

[  pathen  llahneinann  —  Psora  (s,  d.)  (Kopp  II,  37s. 


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Krätze. 


Kränel-Kraft.  303 


»*.  in).  —  A'i'n»- Krätze  =  Mentagra,  Bartflechte 
(h.  d.)  (A.  v.  H.  II,  1025).  —  Ärämrr-Krätze  - 
s.  o.  Gewflrzkramer- Krätze.  —  (1618)  melancho- 
lischt  Krätze,  1--  einetrockene  Hautkrankheit, 
tlie  aus  dürrem,  dickem,  schwarxgalligeui  Blute 
(Dyskrasie ,  s.  Melancholie  I),  nach  früherer 
Anschauung  hervorging  (im  Gegensatze  zur 
feuchten  Krätze)  (i*ansa,  Badeordn.  2)  mit  Neigung 
zu  Haut-Krehsbildung.  —  2.  =  Purpura  scor- 
butiea?.  —  (174»)  Milben  Krätze  =  da«  durch  die 
Obertragharen  Milben-Parasit«n  (e.  Hautmilbe, 
Aearus  acabiei  L.  s.  Sarcoptea  hominia  Kasp., 
Sarcoptes  scabiei  Braun),  veranlasste  juckende 
Hautleiden.  —  (1782)  misse  Krätze  =  mehr  ei- 
ternde, pustulöse,  krätzige  Hautkrankheit  (H.H. 
L.  I.  587)  (feuchte  Krätze,  Wasserkiätze).  —  nea- 
politanische Krätze  =  Scabies  neapolitana  (Pr.  i, 
32» ;  II,  151),  Syphilis  (a.  d.,  mal  de  Naples).  — 
noncegiaihe  Krätze  s.  Borkenkrätze.  —  (1892) 
I'itraf  fin-Kr ätze  =  ein  durch  den  chronischen 
Keiz  von  unreinen  Paraftlnprodtikten  ver- 
an lauste«  Hautleiden  (Kkzema)  mit  allerlei 
Schuppen  und  Warzenbi Uhingen  (Schmidt,  Jahrb. 
1892. 4.  it.).  —  (1782)  schäbige  Krätze  —  trockene 
Kratze  (M.  II.  L.  I,  587).  —  Schnridrr  Kx&tze  = 
Scabies  vulgaris,  die  Schneider  haben  durch 
die  alten  unreinen  Kleider  der  Kundschaft  oft 
Gelegenheit,  die  Milben-Kratze  zu  bekommen 
(lichtend  35).  —  (1754)  Schuppen^  (schuppichte) 
Krätze  =  Psoriasis  (Sehup|>entlechte,  Käudig- 
keit,  trockene  Flechte)  (Behren«!  65),  weil  die 
rauhe  kranke  Haut  immer  neue  Schuppen  auf- 
wirft ;  „sie  ist  das  Mittel  zwischen  Aussatz  und 
gemeiner  Krätze"  (1754 ;  A.  t.  n.  I,  1153)  (trockene 
Krätze).  —  spanische  Krätze  =  Scabies  hispa- 
nica  =  spanische  Kaude  (Syphilis)  (l'r.  I,  328; 
II,  15D.  —  2'rcr-Krätze  -  ein  durch  den  chron. 
Keiz  von  unreinen  Teerprodukten  verursachtes 
Hautleiden  (Ekzems)  (Schmidt,  Jahrb.  1892.  4.  65) 
(ahnlich  der  Paraffin- Kiätze).  —  (U,  Jahrh) 
trockne  Krätze,  1.  =  Impetigo  {—  trockene 
Kaude),  im  tiegensalz  zur  feuchten  (Kkzema) 
Kratze  (A.  v.  n.  II.  831,  W2;  lunml.  39:.;  Ackern.  1«). 
—  2.  -  Lepra  (A.  v.  II.  I,  1208;  II,  831,  832),  trockene 
Auesatzkrankheit.  —  (1743)  rtturitehe  Krätze, 

1.  =  eine  krätzefthnliehe  syphilitische  Haut- 
krunkheit,  deren  Ursache  man  damals  in  der 
Anwesenheit  einer  Menge  länglichter  Würm- 
chen im  Blute  annahm  (MbUscb.  Med.  149),  — 

2.  =  (1795)  Syphilis  bei  einem  Kratzigen,  d.  h. 
mit  der  Krätzmilbe  Behafteten  (K.  o.  V.  III,  114; 
Nicolai  Ii,  531,  541).  —  reraltete  Krätze  -  ein- 
gewurzeltes, unheilbares  Hautleiden  (Müller, 
Krtrbch.  644).  —  Wäscherinnen  Kratze  =  Ekzema 
lotorutr.,  durch  die  Schärfe  des  Laugen- Wassers 
erzeugt.  Hautatisschlag(Krötenhaut).  —  ll'uascr- 
Krätze  —  Scabies  lymphatica,  Ekzcma-artige 
Scabies,  bei  der  die  Bläschen  mit  etwas  mehr 
Serum  oder  Lymphe  (Gewebs- Wasser)  gefüllt 
sind  (Bebrend  35)  —  {1754)  wilde  Krätze  -  fres- 
sende und  abschilfernde  Flechte  oder  wilde 
Kaude  (s.  d.),  Psora  s.  Scabies  sicca  s.  agria 
s.  ferina  (Lepra?)  (A.  v.  n.  I,  1250).  —  Ziegen- 
Krätze  Kappe,  Kaude  bei  Zielen  (Fromm.  VI, 
Ii«).  —  zurückgetretene  Krätze  =  ein  wohl  mit 
Ekzema  acrofalosum  verwechselter  Hantaus- 


!  schlag,  dessen  plötzlichem  Verschwinden  man 
früher  und  iioch  jetzt  angeblich  höchst  gefähr- 
liche Zufalle  zuschrioh  (Bohrend  35).  —  Krätze- 
(krätzig  e,  er,  es\)  -Blasen ,  -Fleck ,  -  GeschwUr, 
-Oift,  -Grint,  -Haut,  -Kopf,  -Krankheit,  -Ma- 
terie, -Milbe,  -Räude,  -Siechtum,  -Sucht  (s.  auch 
Ratze). 

Kräuel  (Krauwel,  Kräwel)  fnh.i.  kronnii 

nnguls,  Graft;  erowU  —  creagra;  D.  155;  chrouw&n, 
k  ron  w  ö  n ;  mhd.  kroeuwcl.  m. ;  1419  krtel,  rreul;  15S9 
creel.  kroel),  1.  =  Kralle,  Klaue  (Kluge*,  214;  Schm. 
I,  1357).  —  2.  =  (1512  krawung  prnrigo,  D.  469;  ndl. 
kraauwel  -  Kralle,  Finger-Nagel,  kraauwen  -  kratzen, 
krauwage,  krauwscl)  =  durch  das  Kratzen  mit  den 
Fingernägeln  verursachter,  peinigender  Schorf- 
ausschlag (De  Cock  217  ;  Schwell)  Kräuel.  —  Kraul 
ler,  m.  =  Kratzwunde  (Schm.  I.  1357).  —  Marter- 
Kräuel  (14.  Jahrh.  marterkrewel  =  unguis,  Voc. 
opt.  w.)-  Kräuel  2.  —  (1551)  quate  Krauwagien 
(belgisch,  De  rock  252.  293)  =  bösartige,  juckende, 
krätzeahnliche  Hautkrankheit  (scalpurigo,  D.  51C). 

Krausei  s.  Kraus. 

Kräupen  s.  Krospel. 

Kraffl,  f.  (Graffl,  Orappl,  Kräfler)  =  Hand 
(Tirol;  Hlntner  7,  l«),  als  krallendes  Werkzeug 
(s.  Krauwel).  —  Kräfler  (Grätler)  =  Afterklaue 
bei  Tieren. 

Kraft,  f.  (zu  irre  Ken  (s.  d.J;  die  Kraft  de*  Armes 
[s.  Armschmalz]  oder  der  Hand  Iniim  Greifen  war  die 
ursprüngliche  Bedeutung,  Gr.  W.  V.  1934;  ahd.  chmfl, 
kraft  [geistige  und  körperliche  Kraft];  mhd.  kraft  ■ 
Lebenskraft  [vis],  Zcugungskratt ;  1483  F.mpflndung«- 
(und  Keaetions-]Verraogen,  C.  v.  Megbg. ;  die  causa 
a.  vi»  efrtciens,  Helmont;  Haser  I,  479;  Btldungstrieb, 
Blumenbach),  1.  -  das  Greifvermögeo  des  Armes 
und  der  Hand.  —  2.  =  körperliche  und  geistige 
Kraft,  Zeugungs-  und  Lebenskraft.  —  3.  —  tae- 
tiles  Empfindungsvermögen  (,,die  kraft  des  greyf- 
fens  ist  in  dem  ganzen  Leichnam  um  ein  Setzlein 
gezogen  zwischen  2  Hautlein,  deren  eins  die  Ober- 
haut, das  ander  In  dem  Fleisch  ist",  1530;  Besolt).  — 
4.  =  Sinnesempflndungs-  S'ermögen  überhaupt 
(1530  dec  5  k reffte  der  5  Btnne  [Auge,  Or,  Nase,  Zunge 
n  Hand],  Resolt).  —  5.  =  die  Causa  efficiens.  —  (1477) 
Ab-  (zl-)Kraft(dei  geistigen  Glieder)  (<:.  v.  Megbg  ) 

-  Ohnmacht  des  Nervensystems  (Fnkraft), 
sexuelle  Schwäche.  —  Enfkl&ftung  =  Infirmitas 
(Tode*- Ursache)  Erschöpfungs-Schwttche  (Or.W. 
III,  562).  —  geburtliche  (gebärende  AVirwr-)Kraft 
=  Zeugungskraft  (C  r.  Schm.  107).  —  (1687)  Hirns- 

I  Kraft,  sinnliche  =  Starke  der  Gehirnnerveit« 
I  Empfindungen  (Georg.  355).  —  (i.i.  Jahrh.)  inner- 
liche Kräfte  =  Viscera,  Eingeweide  als  Kraft- 
quelle (D.  623).  —  A'örp<r-Kraft  _  Leibeskraft. 

—  Lebens- Kraft  =  Enormon  (Hippokratis) ,  Ar- 
cheus  (t.  Helmont),  Anima  (o.  k.  suhl).  „Die 
Ärzte  des  vorigen  und  noch  der  ersten  Hälfte 
dieses  Jahrhunderts  wussten  sich  nicht  anders 
zu  helfen,  als  dass  sie  eine  besondere  Kraft  im 
Innern  des  erkrankten  Individuums  annahmen  ; 
sie  personifizierten  (als  1/chensgeist,  s.  d.)  die 
Kraft  gewissermassen  u.  schrieben  eine  solche 
eklatante  L'mstimmung  des  Krankheitspro- 
zesses, wie  wir  sie  z.  B.  bei  der  Pneumonie  be- 


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ri04 


Kragen. 


Kralle— Krampf. 


ohachlen,  «1er  Lebenskraft  zu.  Sic  Klaubten, 
«lass  ein  (zugreifender)  Spiritus  rector  liinter 
den  Heilungsvorgängen  stehe  und  «lie  Lebens- 
funktionen  «lirigiere;  auch  da,  wo  oll'enlmre 
Keeinllnssiing  durch  Medikamente  zu  kon- 
statieren war,  fassten  Bie  die  medikamentöHe 
Wirkung  immer  ho  auf,  das»  durch  «ie  die  Thil- 
tigkeit  der  Lebenskraft  in  nndere  Bahnen  ge- 
lenkt wurde;  immer  aber  war  es  diese  geheim- 
nisvolle vitale  Kraft,  welcher  bei  günstigem 
Ausgang  die  (Jenesung  r.u  danken  war.  In 
unserer  Zeit  ist  die  I^ebenskraft  und  Naturbeil- 
kraft in  .Misskredit  gekommen"  (Behring,  Zukunft 
20.  X.  SM).  —  (15.  Jahrh  )  LflWKraft  »  Körper- 
starke  («r.  W.  VI.  in»?).  —  Lenden  Kraft  =  Zeu- 
gungskraft, die  man  in  die  Inenden  (s.  d.)  ver- 
legte (Heyne  Iii,  459).  —  Manne*»- Kraft  -  l'otentia 
virilis  (*.  Grimms  Keehts-A.95fT.).  —  natürliche 
Kraft  =  Semen,  Virus,  die  aus  sich  selbst  etwas 
erzeugenden  Stolle  (Cr.  W.  VIII,  172»;  Heyne  V,  201). 
—  iVfram-Kraft  =  die  Spann-Kraft  der  dehn« 
hären  Sehnen  (=  Nervus,  s.  Nerve)  und  Mus- 
keln. —  (I7S2)  Sr#W(7-Kraft  =  Tonus,  Spann- 
kraft der  Nerven  (M.  H.  L.  I,  213).  —  (I2fi0)  Un- 
Kraft  =  Abkraft  (s.  o.), Kraftlosigkeit  (des manne* 
nnchratt,  I'feltfcr  33.  85 ;  Wackernngcl,  altd.  I.cseb.  I, 
1C60;  Kleinpaul,  A.  Mittelalter  COS).  —  rrrkraften 
(mhd.  verkreften,  Lexor  322)  m  ganz  entkräften, 
schwachen.  —  (1483)  versuchende  Kraft  -  das 
Geschmack- Kmpfindungs- Vermögen  heim  Ver- 
suchen, Verkosten  der  Speisen  (<".  v.  Megbg.).  — 
Kl&ft-Ader,  -Bein,  -Gänge,  -loa,  -Sauger  in. 
Kragen,  m.  (Krage,  Kragel,  Krägli,  krä- 

geln)(vorgerm.grongho(  =  ßP'TX'''  =  Kehle,  Schlund. 
Luftwege] ;  goth.  kragn  —  Hals,  Kehle  (colliim,  faux], 
Kluge  *,  212;  ahtl.  kra,  chragu  —  guln,  Jugulum.  llcn  = 
Eingeweide,  D.  328;  Ci raff  IV.  587;  Hyrtl,  K  W.  IM; 
mhd.  krage  ■  Halsbekleidung,  Hai«,  Nacken;  engl. 
crng  =  Nacken,  Genick;  von  kragen -  laut,  aus  vollem 
[Kragen  oder]  Hals  schreien  [kragelcn]  wie  die  Hühner 
(engl,  craw  =  Kragen,  Vogelkropf,  Magen]  u.  Kinder, 
(ir.  W.  IV,  L  13<«;  V.  195«; ;  1300  krage  =  Eingeweide; 
1482  krage  =  Milz,  Darm,  Or.  W.  V,  li>62;  1761  kragen 
Mesenterium  [Gekros],  L.  ehlr.  jO);  nach  Grimm,  1.= 
Kragen,  Hals  von  Menschen  und  Tier  (inner- 
lich und  äusserlich).  —  2.  =  Nacken.  —  3 .  = 
Halsbekleidung  (nach  dem  14.  Jahrh.?)  und  was 
damit  Ähnlichkeit  hat.  —  4.  =  Gekröse  des 
Schlachttieres,  Eingeweide,  obwohl  vom  ton- 
gehenden  Kragt u  (1)  ganz  verschieden,  wogen 
zufälliger  Ähnlichkeit  des  in  krausige  Falten 
gelegten  Gekröses  mit  Kragen  (3)  so  genannt  u. 
umgedeutet.  —  Kragerl  (Krägli)  —  Schweine  od. 
Gänse-Eingeweide  (Schw.  362).  —  krägeln  (kra- 
gein), 1.  =  krachende,  krilhende  Töne  hervor- 
hringen  w  io  «lie  Hühner.  —2.  =  lallen  (Schwanen), 
heiser  sprechen  aus  rauhem  Halse  (Kragen) 
(.Schwei*,  Bayern;  (ir.  \S.  V,  195-'.).  —  3.  =  bei  «1er 
Griebs  packen  (vgl.  Schindler  I,  I3«i)  Bei  Namens- 
tags- od.  Geburtstags-Wüuschcn.  d.  h.  bei  der  Namen- 
gebung  pllcgt  mau  Im  Iaarwinkel  wie  Im  Bohmerwalde 
den  betreffenden  Gratulanden  bei  der  Griebs  zu  packen, 
Ihn  zu  krageln  (iihnlich  «lern  Drisehel  Würget  iu  An- 
dorf; der  Helsete  oder  Würget«'  In  Aargau;  Hochholz 
II.  Wff.);  es  Ist  dies  ein  Zeichen  näherer  Verwandt- 
schaft; es  scheint,  dass  der  Familienvater  früher  das 


n*phykitM  he  K«U*BUoreU0  su  lange  IcUOttcttO  nud 
würgte,  bis  diene*  Blut  von  sich  gab.  Dieser  väterliche 
Dsu*  oder  Verwaudtschafthhanillung  hat  sich  vielleicht 
auftieiHieburtslHKuKrtragen  ;  weshalb  auch  die  Volks- 
meiuung  geht,  dass,  wenn  man  jemand  aus  der  Ver- 
wandtschaft sieht  u<ler  spricht,  ohne  ihn  zu  kenneu. 
man  Nascnbluleu  (s.  brüderlich«'»  Geblüt)  bekommt. 
Im  (12.  Jahrh.)  Kenaut  de  Montauban,  einem  Iran 
zosiKchen  Gedichte  über  die  urdeutachen  Hcimons- 
kin«ler,  umarmt  der  Vater  der  letzteren  seine  ihm  bisher 
unbekannten  vier  Sohne;  dabei  drückt  er  den  jüngsten 
so  fest  an  sich,  dass  dem  Jungen  die  Nase  zu  bluten 
anfangt,  worauf  er  ihn  erkennt.  —  kragezen  (krfl- 
gezen)  —  ruetuare  (ü.  612).  —  '.'•!>»>« -Kragen. 
1.  =  (I69ö)  langer  Hals,  Tiinkerhala  (Gr.  W.  IV.  l. 
1271).  —  2.  =  (1534)  Kropf,  Hals  (Gr.  W.  V,  2395), 
Struma.  —  (1742)  spanischer  Kragen  =  die  krank- 
haften Veränderungen  an  der  Kichel  und  Vor- 
haut des  Menschen,  wodurch  unter  dem  Kopfe 
der  Eichel  ein  kragenähnlicher  Wulst  entsteht, 
l'araphimosis  (Zw.  602  .  882;  K.  ch.  289);  diese 
schnellende  Zurückziehung  und  Einschnürung, 
Einstrupfung  der  kragenähnlich  umgeschla- 
genen Vorhaut  mit  Geschwulst  geschieht  ab- 
gesehen von  angeborener  Fhimosis  (s.  Nessel- 
knüpf),  namentlich  infolge  von:  a)  Gonorrhoe 
(Eichhorst  II.  1080) ;  b)  Schanker  (Klchhorst  Ib. ; 
A.  v.  II.  II,  145.  222;  l'lanterll,  108),  c)  syphilitischer 
Sklerose  (l'araphimosis  venerea)  (Pauli  43).  — 
Kragen  Bein,  -Fett, 

Kralle,  m.  =  ein  kropfiger  Kretin,  der,  wenn 
er  hustig  isst,  aus  dem  Schlünde  ein  rollendes, 
grabendes  Geräusch  hervorbringt  (Schwaben; 
Z.  f.  d.  Phil.  III,  334). 

Kralle,  f.  Kraller,  m.,  1.  =  hornartiger  spitz- 
iger Auswuchs  an  den  Zehen  von  Tieren  (zu 
mhd.  krellen  =  kutzen).  —  2.  =  Hand  mit  stark 
entwickelten  Fingernägeln  (Tirol;  Hintner  7,  icj. 
—  Kraller,  m.  =  die  mittels  «ler  Fingernägel 
durch  Kratzen  erzeugte  Hautverletzung  (l'ong- 
lade)  in  Streifenform  (Krauler). 

Kram,  m.  Kramb,  m.  Kramm,  m.,  1.- siehe 
Krampf.  —  2.  -  Ware.  —  (i74;s)  französischer . Ju- 
irt'icn-Kram  =  (ialanterieware- Syphilis  (troussc 
galant,  Unser  II,  Anh.  M;  Hahn)  (s.  Galanterie, 
Ueiratsgut,  Gutsack). 

Krampf,  m.  (Kramm,  Kramp,  Krampe,  Ram, 

Rampe)  (vorgeschichtlich  nach  Gr.  W.  -  klainpf  mit 
Wechsel  des  1  in  r,  germ.  krampa  =  spasmus,  Hippok ; 
eontrnetio,  extensio,  Du  Cange;  gern  -westgerm.  cramp 
=  Krampf,  Kluge  i,  213,  mtlat.  ernmpa  [crombe,cn«m|>c], 
Du  Dange  II,  606  =  krumm  gebogen,  zusammenge- 
zogen; ahd.  chrattipfo,  cratnpp  =  ungulae,  arthesis, 
articulorura  dolor,  H.  Z  XV,  .23;  XVI,  94;  angls. 
hrnmma,  Schm.  I,  1379;  12.  Jahrh.  rramfo  =  ebiragrn, 
Gr.  W.  V,  2010;  18.  Jahrh.  crampho  -  eine  Krankheit*- 
Person,  H.  Z.  XVII.  560;  cramphe,  Pfeiffer  18:  12. — 14. 
Jahrh.  krame,  kraminen,  m.,  Hoffm.  I,  322.  379;  mhd. 
krampf,  kram,  kramph  -  tenasmus,  tetanus,  Vor.  opt. 
\V.  41;  14.  Jahrh.  krnmpz  —  tenesmus.  D.  577;  1411 
ehratnp,  Zlngcrle  1W> ;  1420  raem,  ram,  ramme  =  spas- 
mus,  D.  544;  147".,  ndd.  krnem,  crame  —  Puerperium, 
D.  171;  holl.  in  <le  kranm  komen  —  niederkommen; 
1482  krampff  ~  spasmus,  tetanus,  Zening.  Voc.  r,  2 ; 
1483 der  kramm,  C.  v.  Megbg. ;  15.  Jahrh.  chrem,  chramp 


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Krampf. 


Krampf.  30« 


—  spasmns,  Gliederstcifhelt,  Gr.  W.  V,  2003;  15.  Jahrb. 
kranipfc,  kramph  =  ehlragra.  Gr.  W  V,  2U10;  I).  121; 
15  Jahrh.,  ndd.  kramp«,  f.,  I>.  >U ;  kramp  =  spasmo*, 

<Jr.  W.  V,  2011  ;  crampc  =  cyn  »uke  condilo- 
i,  Gliederkrampf  (Kondylenl,  D.  II,  107;  1502 
chram  -  Rpasmns,  D.  II,  344;  1532  kratupff  -  ,,ciu  An- 
ziehen oder  eine  Ausbreitung  der  Nerven  nn<l  Lacerten 
des  ganzen  l^cibo«,  und  sonderlich  des  Hnl«cs"  [=  te- 
tanus,  Krie*  76];  1589  krampt  =  Gicht  [Vergleht] , 
.  wenn  die  Nerven  und  Muskelileisch  wider  unseren 
Willen  und  Begehren  unnatürlich  gedehnt,  gespannt 
oder  gestreckt  werden,  Gr.  W.  VI,  18£S;  17.VI  Krampf 

—  spasnnis  eyuleus,  Verzückung,  grarapu«,  A.  v.  II.  I, 
1231;  1M1  eine  Verstriipfung  des  Geilders  [Muskel- 
werk»]; engl,  cramp;  liel  den  Masnrcn  sind  Krämpfe 
nne  ..Strare"  Gottes.  Frischh.  73;  «Wrr.  kramb  m 
Krampf.  Chr.  tfam  I,  S).  —  krämpfiger  (14SJ  kremfT 
Igtr,  Zcnlng.  Vor.  1  1  ;  1515  kramptlg  =  apRstnaticus, 
eyner  den  der  kramp  czuget,  D.  M4).  —  (kriimpf  ::. 

krampf  krampt  mift,  krampig, kramig),  •  m 
arthetieus,  glieGerbruehig,  vom  Krämpfe  ge- 
plagt, befallen,  gesogen,  vom  Podogra  behaftet, 
breathaft  an  den  Gliedern  (Gr.  w.  v,  H2i,  2010 ; 

Schindler  I,  ir.68).  —  2.  =  alte  Glieder  willkürlich 
steif  zusammenkrimpfend.z.  R.  die  Hände  (<ir.  w. 
v,  2015).  —  3.  =  ein  in  der  Kmptlndung  dienern 
Ahnliche»  TaubheitsgefClhl  in  den  llitnden  od. 
Füssen  habend.  — 4. -das  Wesen  einer  diimo- 
nistischen  Krankheitsperson  (Geist)  habend, 
durch  deren  Hinflugs  dieGlieder  in  krampfhafte 
Stellung  ti.  Schmer«  geraten  [turnt.  Mhwed,  irasta 
kramning  =  Gelstcrkrampfung,  Z  d  V.  f.  V.  K.  1S'.»T, 
s.  61).  —  5.  =  „zusammengeschrumpft,  mager, 
kriinklirh, schwächlich"  (.«ehm.  I,  l?.>A),  —  Kram- 
pein, pl,  Krampen  m  ,  1.  =  die  kurzen,  kriim- 
nien,  krumpflormig gebogenen  Finger,  Krallen, 
Klane  (Gr.  W.  V,  20ns,,  ityrtl,  K.W.  »ehm.  1, 13«i; 
beim  epileptischen  Krumpfe  druckt  man,  um  den  ganzen 
Krampf  xii  l«>sen,  flen  I>aumeu  auf;  dnher  ahd.  crampo 

—  nngulae,  II.  Z.  XV.  523;  d.  h.  die  krampfhaft  ge 
schlosscncn  Fingernagel  [Kramme],  <!r.  W.  V,  2004). 

—  2.  ss  g.  Krämer.  —  Krammel  (Kramme)  - 
rauher  Hals  mit  Schhtndkrampf  (Gr.  I».  M.  II. 
1112;  Gr.  W.  V,  2001).  —  (IS.  Jahrli  )  krampfen 
(krütnpfen)  (ndl.  krampen,  c.t.  w.  v.  2m  i)  =  im 
Krampfliegen,  z.  B.  Eclampsia  parturientium 
(m.  krempfen)  od.  Cholera  (De  Hock  306).  —  (Nach 
«;r  w.  v.  2010)  Krampf  -  Spasmus,  Contraetio 
(—  Kramp,  Kramin},  1.  -  das  klommende,  wie 
mit  Klammern  (Klauen)  ausgeführte,  unwill- 
kürliche Einziehen  der  Glieder,  da«  subjektiv 

menschliche)  Gefahl  des  Packens,  Reinsens, 
Ergreifen»,  Krimpfens  durch  einen  Dämon  mit 
Klauen  (vergl.  Angriir)  wider  den  Willen  der 
Kranken,  allgemein  od.  in  besonderen  Körper- 
teilen (fast  nur  beim  Menschen);  ■)  Arm-  oder 
Bein-Glieder,  (Gicht,  Vergicht,  Chi  nigra,  Po- 
dagra, Kpilepsia,  Eclampsia  puerperahs) ;  ««*) 
letztere  Krampfforni  ubertragen  auf;  (knuun 
ndd.  ndl.,  Oldenburg;  kraen  [kracui],  Italtan*  1127) 

—  Wochenbett,  Kindbett,  d.  h.  tieburtswehen 
(Nachwehen)  im  Wochenbett«  (Kluge4,  ist'. ; 
Gotdaehmld  92);  daher  ,M)  Misskraam  -  Miss- 
Woehen  (Gotdsrhm.  Ib.)  n.  Kraen,  m.  -  Kindel- 
bette fkrclssendc  Kitulbetlerin,  vocifcratis  pnerpera, 
Haitau«  1127  .  kraem-rrnnwe  -  pnerpera,  Hnlti.us  ib.; 


I'loss  Bartels  U,  ir.0;  Kluges  Etymologie  (212 IT.]:  ndt 
kraam,  f.  Wochenbett,  komme  von  der  Bedeutung 
kram  —  ausgespanntes  Bettuch  (Ober  dem  Wochen 
1-ctte]  trlfTt  sicherlich  nicht  zu) ;  b)  Hals  (Krammel, 
8.  o.),  Genickkrampf,  Drehkrampf;  c)  Hände 
und  Finger  (Krampel,  s.  o.,  Chiragra).  —  2.  - 
der  einzelne  solche  Krampfanfall  n.  die  rasche 
Wiederkehr  desselben  als  Kollektiv  der  ein- 
zelnen Anfülle.  —  3.  sa  die  wie  durch  einen 
Nervenkrampf  veranlasste  krankhafte  Ver- 
renkung und  Stellungsveränderung  der  Glieder 
durch  Verdickung  derselben  und  l.ähuiung 
der  Muskeln,  Nodositas  membrorum,  l'assio 
condylomatica  ( •=  Knöchel- u.  K norrenschmera), 
Gichtknoten  (<;r.  w.  v.  i  i«i)(Arthritisdeformans, 
vgl.  Ramm,  Kampf)  (Krampfkniuter  sind  nament- 
lich die  Distelarten;  Onopordon  acanthlum,  Je««pn  2."v:. 

:w6).  —  Krämmling  —  einer,  der  krumplig 
(krnmmig)  ist.  —  /trtVr-Krampt  -  iler  durch 
Ulutstauungin  den  Muskeln  K  rümpfe  derselben 
auslosende  Aderknoten,  Varix  (Gr.  W,  I,  180) 
Krampfader)  —  .Ik.;-  n  Krampf  (mhd.  ougen 
krimpt,  Gr.  W.  I,  $07),  1.  =  Blepharospasmus,  Lid- 
krampf,  die  durch  Lichtscheu  reflektorisch  ver- 
anlasste krampfhafte,  andauernde  Verschlies- 
sung  tler  Augenlider.  —  2.  =Spasmus  nictitans, 
Nystagmus,  das  Öfters  sich  wiederholende,  kurz 
dauernde,  krampfhaft  erfolgende  Augenzwin- 
kern (Klchhorst  11.  374).  —  Harken  Krampf- siehe 
Kinnbacken-Krampf.  —  Zfoucft-Krampf,  1  - 
Rauchgrimmen  durch  krampfhafte  Bewegung 
.ler  Gedärme  (<;r.  w.  I.  lies).  —  2.  -  klonischer 
Bauchruuskelkrampf  (Blehtaanrt  Ii,  37'.»;.  —  Hein- 
Krampf-  Wndenkrampf,  1'iilerschenkel  -  Hein 
-  />Vr<;-Krampf  —  Brustbeklemmung«).  Asthma 
auf  Bergeshöhen  (s.  Asthma).  —  Blähung*- 
Krampt- krampfhafter  Bauch-Schmerz  durch 
Harmbltthungen.  —  ßArsoi-Krampf  Cysto- 
spasmus,  Urinblasenkrampf.  —  lilutnrnmaihcr- 
Krampf  =  Kingerkrampf  bei  Blumentnachern. 

—  /;.'■. '-Krampf  frlltier  wurde  als  solcher 
der  Alpdruck  falschlich  bezeichne!  und  der 
Überfüllung  des  Körpers  durch  Menstrual-  od. 
lhlmorrhoidalbhit  zugeschrieben  (BArner  i  D.  — 
/fodVn-Krampf,  I.  =  Podagram  (Potengrarom). 

—  2.  =  Kpilepsia,  die  zu  Boden  wirft  fz  d  v  r. 
V.-K.  IMS,  S.  W6;  mal  de  terre,  Brlss  2V2J  —  BrOtt- 

i  hial-,  Brmt  -  Krampf  Bronchial  -  Aalhma, 
Anfall   von    Atemnot  mit  Brustbeklemmung 

(Börner  13;  Kielihorst  I,  351),  wie  er  u.a.  fälschlich 
auch  beim  Alptraum  (s.  d.)  angenommen  wurde 
s  Alpsucht,  S.  11).  Cyart-cnmar/irr-Krampf 

—  der  beim  Wickeln  der  Zigarren  entstehende 
Kinger-Muskelkrampf  (Kicbborat  II,  MS),  —  (1799) 

M»-W-i5rämPfUn«!  -  die  Schmerz  -Bowe- 
I  Krampf  \ 

gungen  nn<i  der  Zustand  des  Menschen  hei  der 
Darmkolik  (Gr  w.  Il,7s2;  rienk  —  Drechnler- 
Krampf  ein  klonischer  Muskelkrampf  in  den 
die  Drehbewegungen  erzeugenden  Unterschen- 
keln bei  Drechslern.  -  /Vr/i-Krampf  ein 
klonischer  Krampf  di  r  Halsmuskeln  mit  stän- 
diger «Drehbewegung  nach  der  kranken  Seite 
liinfKIchh.  ii,  »77).  —  erkrampfen  ■=  am  Krampf 
(s.  o.)  erkranken  [Hr.  W.  V.  20H).  —  (ir40J  EM* 
Krampfs  knunpfhafterwnrgen.ler  Ivselshtislen 

20 


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306  Krampf. 


Krampf. 


[H.  Sachs;  Fromm.  VI,  7;  r,T.  \\.  v,  soll),  wobei  die 
Hände  und  Füsse  Li  neu  und  zittern  und  eine 
Reprise  genommen  wird  wie  beim  Schreien  des 
Esels.  —  Finger- Krampf  —  ein  dem  Schreibe- 
krampfe  sehr  nabe  verwandter  klonischer 
Krampf  der  Finger-Muskeln.  —  (15.  Jahrh.)  Fuss- 
Krampf  (H20  der  rui  cramp  —  podogra,  1>.  D,  290). 

I.  ==  klonischer  Fussmuskelkrampi  bei  einzelnen 
mit  dem  Fusse  hantierenden  Beschäftigungen. 
—  2  =  Podagra  (Pfoteukramm)  (Gr.  Vf.  V,  2011  ; 
D.  443).  —  <  ■  ahn  Krampf  =  üscedo  s.  Chasmus, 
ein  meist  durch  Anämie  (Blutleere)  des  Gehirns 
veranlasster  kloniscber  Zwercbfellkrampf  mit 
reflektorischer  Mitbeteiligung  der  KespirationB- 
muskel  (Giihnsucht,  Ocbsenlieber).  —  (1822)  Gc- 
nir&-Krampf=  die  Genickstarre  bei  der  eitrigen 
Hirnhautentzündung ,  Meningitis  erehrospi- 
nalis  (Kichhomt  n.  1207).  —  GrricAfo-Krampf  = 
der  tonische  oder  klonische  Krampf  im  Gebiete 
des  Gesichtsnerven  (Nervus  facialis),  wozu  aucli 
der  Augoukrampf  zahlt  (Eichhorst  II,  34.3  ff.j.  — 
Gt'o/ir-Krampf —  Zusanimenziehung  der  Glieder, 
Verkrümmung  der  Gelenke  infolge  von  Gicht, 
il  est  crampu  de  goutte.  —  Grmrwr-Krampf  = 
eine  Art  des  Fingerkrainpfes  bei  Graveuren,  die 
bei  der  mit  der  Loupe  geführten  Grillelarbeit 
sich  überanstrengen  (Eichhorst  II,  m).  —  (I62si 
grosser  Krampf  =  Tetanus  „mit  Kinziehung  der 
Nerven  vom  Haupt  im  Kücken"  (H.  v.  Gcrsd.  10oj. 
Starrkrampf.  —  Gruss-Rrampf  -  Nickkrampf 
(s.  d.)  (Elchh.  II,  375).  —  i/and«"Krampf(ls.  Jahrh. 
hendekrampf,  clilrw«,  1>.  121  ;  15.  Jnhrh  heudkraniph ; 
1  132  hcmlchram,  l>.  II,  91;  hentchrain;  1174  der  kramp 
In  der  hant,  1).  121;  Heyne  Hl,  437;  Ot.  W.  V,  2003, 
2011,  2444)  ~  C'liiragra,  Handgicht,  die  durch  Stcl- 
lungsvei  ünderungen  in  den  Gelenken  die  Kinger 
zusammenkrümmt.  —  Harfenspieler- Krampf- 
eine Art  von  klonischem  Finger-Muskclkinmpf 
bei  Harfenspielern  (Eichhorn  II,  5».T.i,  ähnlich 
dem  Scbreihckrampfd  h.  d  ).  —  (law)  Urrz- 
Krampf,  l.  =  der  früher  in  den  Herzbeutel  ver- 
lebte krampfhafte  Herzecbmerz,  Herzbraune 
(ür.  W.  IV,  2.  1251).  —  2.  =  der  Herztetanus  (Elchh. 

II,  t501)  beim  Starrkrampf.  —  i/i»«-Krampf  ■ 
•  las  tiefühl  von  krampfhafter  Beengung  und 
Eingenommenheit  im  Kopfe  mit  Verwirrung 
und  Angst  (M.  Med. WocheuMhr.  S.  2<tl.  — 
Holtsäger-  Krampf  ~  ein  klonischer  Finget  - 
muskeikramjit  i  Elch  hörst  II,  .v.sj.  —  (ni»)  Humh- 
Krampf  —  Spasmus  cynicus,  Kynospastuus 
(Actii  et  Celsi)  -  die  Veränderungen  des  Ge- 
sichtsausdtuckes  durch  das  Verziehen  des 
Mundes  nach  dem  Ohre  zu,  laconvtilsion  canine 
(Hits*.  278).  mit  Freiwerden  der  Zahne  gleich  dem  i 
Lachen  oder  Zürnen  eines  Hundes,  oder  dem 
Mienenspiele  eines  Sardonus  ähnlich  (=  Risus  J 
sardonicus,  s.  sardonisches  u.  Hunds-Lachen), 
verursacht,  1.  -  durch  Trismus,  Kieferklemme, 
Kinnbacken-Krampf;  a)  beim  Tetanus  O.  Starr- 
krampf (Beek  1".;   Ma«chenl>.  650;   A.  v.  II.  I.  526,  I 

i»i,or.w.v,  20U);  b)  bei  derllundswut  (Habite, 

Lyssa);  c)  beim  Ti  Ismus  der  l'ferde  (Itnck  4SJ. 

—   2.  =  durch  Lähmung  gewisser  Gerichts-  i 

m Datteln,  —  Ji«7r  Krampf  (Elberfeld)  ■  der  mit  | 

einem  juchzen. leti  Schiel  verbundene  Stimm-  \ 

ritzenkrampf  der  Kinder,   Laryngismus  »tri-  | 


dnbiH  (Kopp  v,  355).  —  A'o*»t«rcr-Krampf  =  ein 
durch  das  Aufzahlen  von  Geld  oder  Banknoten 
entstandener  klonischer  Fingermuskelkrampf 
(Kichhorst  II.  568;  ,,le  petit  juif",  parce<jiie  la  con- 
tBIlOfl  du  nerf  culdtal  derriere  le  coude  lalt  t>rus«jue- 
ment  (eruier  les  dolst*,  Urls*.  7S).  —  ÄlWer-Krampf 
Eclampsia  infantium,  Kindlweh  (s.  Fraisen, 
Gicbtern).  —  Kinnbai  ken-Rrampf  =  Trismus, 
KisuH  sardonicus,  sri  donisches  Luchen,  Hunds- 
krampf  (s.  o.),  die  Kieferklemme  (»Jr.  W.  v,  778), 
die  beim  Starrkrämpfe  (s.  d.)  in  Vordergrund 
tritt  —  /f/nrürrspiWcr-Krampf  —  ein  nament- 
lich beijungen  Damen  gewöhnlich  in  der  rechten 
Hand  vorkommender,  durch  Überanstrengung 
beim  Klavierspielen  veranlasster,  klonischer 
Fingermuskelkrampf  (Eiehhorst  II.  r.67).  —  Kopf- 
genick -Krampf  =  Meningitis  cerebrospinalis 
(s.  Genickkranipf).  —  La cA- Krampf,  1.  —  ein 
klonischer  Zwercbfellkrampf  unter  respira- 
torischen l^achbewegungen  aus  meist  centralen 
(hysterischen)  Ursachen  (Eichh.  II,  379).  —  2.  = 
krampfhaftes  Lachen  mit  der  Mundbewegung 
(s.  Hunds-Lachen),  Trismus  sardonicus.  —  Läm- 
.  Krampf  Starrkrampf  (?)  bei  Lämmer- 
schalen  (Falke  II,  65)  (s.  Gelenkseuehe).  —  Lid- 
Krampf  =  Blepharospasmus,  krampfhafter 
Versen luss  der  Augenliuspalle.  —  Lunken- 
Krampf-  Bruslkrampf  (s.  d.),  Atemnot-Anfälle 
Astlima  bronchiole  (Eichhorst  I,  354,  ».>rner  13). 

—  (1632)  jV(i^«l-Krampf  (ndl.  roaaff-kramp,  l>c  «  ock 

17.1),  l.  ■  ein  krampfhafter,  anfaliswcise  auf- 
tretender Magenschmerz  (Cardialgia),  den  mau 
bei  I'ferden  auch  „vermuton"  kann  (nach  Kalke 
II,  92).  —  2.  —  Hesch  (r>32  ,.elne  unnatürliche  He 
weKuug  des  Magen«,  wie  der  Husten  eine  Hcwexlich- 
keit  der  I.uujre  ist",  Erl«  101,  104)  (Slligullus).  — 
Mann  t  Krampf  =  etu  klonischer  Fingerkrampf, 
der  das  Führen  der  Maurerkelle  vereitelt  (Elch- 
homt  Ii,  5i.8).  —  (1861)  AfWA-Krampf  =  der  klo- 
nische Fingermuskelkrampl,  der  manchmal  bei 
Melkern  beobachtet  wird  (Eichh.  II.  668,  encl. 
mllkmnld«crainp}.  —  Afws-Kram(pf)  (ndl.,  ndd. 
mlsskraam,  mlskraam)  =  Ahoi  tue,  Mole,  Miss- 
wocheu,  d.  h.  1.  =  der  Akt  der  Fehlgeburt 
durch  ilie  Misswehen  ;keine  eigentlichen  Ge- 
biirweben),  welche  nur  eine  Mole  ausstossen. 

—  2. -das  daran  sich  anschliessende  Wochen- 
bett (PloM-HarteU  II,  150;  tioldichm.  92;  De  (  ock  59; 
A.  v.  H.  II,  12;  /.cllschr.  f.  d.  Piniol.  XXVI,  216).  — 
A/um/  Krampf,  1.  ^  Kiefersperre, Mundklemme. 

—  2.  —  sardonisches  Lachen  (s.  d.),  Tortura 
oris  spasmodica ,  Srtrdiasis  (Kraus,  E.  1036).  — 
Mutter  Krampf,  1.  =  krampfhafte  Geharmutter- 
sch  merzen.  —  2.  ~  allgemeiner  Gliederkrampf, 
infolge  von  sogen.  Mutterkrankheit  (Hysterie) 
(17  -1)  Spasmus  hystericus  =  Hystero-Kpilepsie 
i.V.  v.  II.  1,  ms;  Pauli  63;  »it.  W.  VI,  2819).  —  Näk- 
Krampf  - ein  klonischer  Fmgeriuuskelkrampf, 
d<  i  su-li  unter  Umstanden  heim  Nahen  ein- 
stellt,  itbnlich  dem  Schreibekrampf  (Eichh.  II. 

•  v.  —  A7i/i>WJA<7ii«fM-Krampf  -  ein  klonischer 
Krampf  von  [JnterecbenkeiruUBkeln ,  der  eich 
unter    lUnstUnden    beim    J'reten    des  Nab- 

maachinen-Brettee  einstellt  (Eichhorst  n,  sca).  — 
AuA-Krampf  ■  Salaain-Kranipf,  ein  klonischer 
Krampf  in  den  beiden  Kopfnicker  -  Muskeln, 


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Krampf. 


Krampf. 


307 


wobei  der  Kopf  Nick-  o.ler  Uruasbewegungen 
marht  (Salaam  —  tJniss ;  Kichhorst  II,  376).  —  Sie»- 
Krampf-  l'taimus,  Sternutatio  convulsiva,  ein 
klonischer  itespirationsinuskelkrampf  unter 
Niesbewegungen,  meist  auf  centraler,  seltener 
auf  peripherer  Ursache  beruhend  (Klcbh.  II,  379), 
«lann  meist  von  der  Nase  aus  reflektorisch  nusge- 
lOst.  —  Orgelspieler-KlAiapf  =  ein  dem  Sehreibe- 
oder  Klavierspielet-Krampf  ahnlicher  Finger- 
muskelkrampf  (Eichhorn  II,  :*7).  —  (1&9U)  Pfoten 
(Kramm),  Krampf  =  wie  Bodenkiampf  eine 
scherzhafte  Umdetiluug  des  podegrain  (-  po- 
dagra)  (hei  Ki-cliart ;  (ir.  W.  I,  2011;  nach  Amlnweii  C"> 
auch  bei  Aachen  nml  im  \Vt-st<;rwal<lc  Bel»rmichli<-h). 

—  rti**en<lcr  Krämpfen  —  eine  im  Voigt  lande 
l>espn>chene  kramplhalte  Sehtnerzart,  die  zum 
Krankheitsnamen  wurde  u.  die  «lamonistische 
Aetiulogie  des  klammerartig  packenden  Kram- 
pfes \h.  o.)  bezeichnen  sollte  (Z.  «I.  v.  t.  Volksk 

,  „•  a  (mv.)  Rücken-     l-        .  r.  ■ 

189...  s.  27>  -        ßuekgratt,\ Krampf  ( >(.«- 

thotonus,  Uückenmuekel -Starrkrampf  oder  klo- 
nische Krämpfe  der  Muskeln  am  Kuckgrate  in- 
folge von  l'olioenccphalitis;  das  20 jahrige 
leiden   Heines  (Vieronll  (.8;   Kalke  II,  247).  — 

■Su/omn  Krampf  iiru*skrainpf  (s.  o.)  Spasmus 
nutans.  —  Hehn  u'<  d  ■Krampf  =  ein  klonischer 
Finger-  und  Arm-Muskelkiampf,  der  die  Füh- 
rung des  Hammers  unter  Umstanden  unmög- 
lich macht  (Kichb.  II,  V57).  —  >>'rAn»*i<7t-r-Krampf 

—  ein  klonischer  Arm-  und  Finger-.Mmkel- 
krampf,  der  die  Führung  von  Nadel,  Scheere  etc. 
unter  Umstanden  unmöglich  maclit  (Kichh.  II, 
'*'>").  —  Srkrn  Krampf  ein  klonischer  Krampf 
der  Uespirations-Muskeln  unter  Bcbreibew»- 
gungen,  ähnlich  den  Lach-  oder  Wen, krum- 
pfen, meist  auf  zentraler  (hysterischer)  Ur- 
sache (Ricbh.  Ii,  879).  —  Sclireibe  Krampf 
Ciiaphospasmus ,  Oicirospasmus ,  tonische 
oder  klonische  Muskelkriunpfe,  im  Haumeu, 
Zeigefinger,  dritten  Finger,  in  den  soge- 
nannten Schreibe-Muskeln  eintretend  und  das 
.Schreiben  unmöglich  machend  (Kichhorst  II,  v,r,; 
«r.  W.  V,  2011;  enffl.  »ritersernmp,  Mrivt-nerscraiup, 

r.  —  Schriftsetzer-  Krampf  -  dei  beim 
>elzen  der  l/Cllein ,  ähnlich  wie  heim  Uhr- 
macherkrampf, unter  Umstanden  eintretende 
klonische  Finger-Muskelkrampf.  —  Sehuxtcr- 
Krampf  -  ein  klonischer  Finger-  und  Arm- 
inuskeikran.pf,  der  die  Führung  der  Pfrieme 
unter  Umstanden  unmöglich  macht  (Kichhorst 
II,  v,7),  eine  Ueschaliigungs-NeuroHe.  —  Starr- 
Krampf,  I.  =  Tetanus  Qftlefli  (147G  tecanus  est 
tnorhn«  dtf  'lern  menschen  <ly  »«lern  Uunniucn  t/i  w  ct 
das  er  nicht  mair  nml.seben.  D.  Ml ;  teunm  von  tsivu» 

—  «lehnen),  iU«  Aultieien  von  lomscheu  Muskel- 
krampfen  und  klonischen  Zuckungen,  nament- 
lich in  den  Httckenmuskeln,  infolge  deH  vom 
Tetanus-Bacillus  gebildeten  Tetano-Toxin ,  so 
«lass  der  Kranke  (Mensch,  Tier)  w  ie  eine  starre, 
tote  Masse  daliegt  (Totenkrampf)  bei  vollkom- 
men erhaltenem  ßewusstsein.  —  2.  -  (1831)  Te- 
tanie (Archive  general.  «1.  tne«l .  ls.il.  190  ;  Kti<nuanl, 
Berl.  kl.  Woohcn»chr.  1S72.  Nr.  37).  —  3.  -  Husch- 
krankheit  .ler  Pferde  (Mayer  lfrl ;  übertrafen  ti» 

auf  da.«  llausllerj.    -  (USS) 


Sti\ 


tm  Krampf,  1.  =  eine  Kinderkrank- 
Stimm-        J         r  ' 

heit,  hei  welcher  es  zu  kurz  dauernden  An- 
fällen von  Muskelkrampf  der  Stimmritzen- Ver- 
engerer kommt,  so  dass  dadurch  die  Atmung 
unterbrochen  wird  (Kichhorst  I,  313),  Asthma  thy- 
micum,  Spasmus  glottidis,  Asthma  Koppii,  le 
mal  St.  Loop  (s.  Wolf).  — 2.  -  ein  auf  neurasthe- 
nischer  Grundlage  eintretender  Stimmbänder- 
krampf  in  Verbindung  mit  allgemeinen  hysteri- 
formen  Krämpfen,  die  sich  bei  lotonations- 
Versuchen  einstellen  iKmm,  K.  788).  —  Stre»- 
Krampf  =  die  krampfhafte  Bewegung  beim 
sogen.  Hahnentritt  (a.  d.)  »ler  Pferde,  die 
liesonders  beim  Umdrehen  od.  Seitwitrtslreten 
in  »ler  Siallstreu  hemeikhar  ist.  —  Strirk- 
Krampf  ein  dem  Nahkrampf  ähnlicher  klo- 
nischer Finger-Muskelkrampf  (Kichhorst  II,  .v.9). 
7Viiuo--Krampf- ein  Fuss-  u.  Waiten-Musk«-!- 
krampf  (Kichh.  II  —  Telegraphistett-Krtimpt 
(»»nimn«)  -  eine  Art  klonischer  Finger-Muskel- 
krampf, wodurch  Telegraphisten  nicht  mehr 
imstande  sind,  ihre  Schuft  an  »lern  Dnu  kappa- 
tate  wiederzugeben  (Kichhorst  II,  ."«7).  —  Todes- 
Krampfs  »ler  Kintritt  de«  Todes  unter  krampf 
tieften  Erscheinungen  (der  Brust  z.  B.)  Heyne 
III,  457).  —  (I7  .t)  Tuten  -  Krampf  Tetanus 
(Hiprmkr).  »ler  scheintodtUinhehe  Zustand  heim 
Starrkrampf  (A.  v.  II.  I,  IUI;  J.  V.  Krank  V,  U; 
Kalke  II,  37»}.  —  Uhrmacher- Krampf  ein  klo- 
nischer Finger  -  Muskelkrauipl  bei  den  Uhr- 
machern, »lie  mit  den  Fingern  feinere  Schrauben 
einzuführen  haben  (Kichb.  II,  508).  —  Unterteil*' 
Krämpfe  (klemmende,  kneipende,  grimmendc) 

-  Mutierkiampfe ;  Unterleib  ist  meist  Um- 
sein eibunt;  für  w  eibliche  Genitalien:  „es  krampft 
mich  im  Unterleibe"  (Gr.  W.  V,  8014).  (nihil.) 

■  'krumpfen  ■  krampfliaft  zusammenzucken 
ii^»er  322).  —  ViolimpicUr-KnMtt **  ein  bald 
die  greifende  Linke,  bald  «lie  bogenführende 
rechte  Hand  befallemler  klonischer  Musk«-1- 
krampf  (Kichhorst  II,  fr»').  —  (1  Jahrb.)  Waden- 
Krampf  Klcr  kramen  in  »lern  wal«chlnkel,  Schmeller 
II.  vm|  -  UrampUH,  «  in  tonischer,  schmerzhafter 
Krampf  in  der  Waden-Muskulatur  (namentlich 
bei  t'h<dera)  (133.'i  rnnftis  [crnniftis,  rramptis],  Im 
OUf«  VII,  14;  uach  Falke  II  ),  seihst  bei  «leli  nonst 
waden losen  Tieren  ^ Fuhlen)  angenommen  siehe 
Fohlenlahine; ,  wenn  ein  oder  beide  Hinter- 
Schenkel  unbeweglich  starr  gehalten  werden. 

—  H'etrr-Krampf  »  in  mit  «lern  Sehreihe-  od. 
llolzsau'er  -  Krämpfe  etc.  Qbereiustimmemler 
Hand-  n.  Finger-Sluskelkrampf,  «ler  heim  Hin- 
u.  herwerfen  des  Weherschi  Hebens  untei  Um- 
standen entst.  iit  Kichh.  u,  M8).  —  »'.  (»-Krampf 
=  ein  klonischer Zwerchfellki am pf  mit  Heaptra- 
tionemaekelbeleilignng  unter  «ler  Brecheinang 

<les  Weinens  (meist  auf  zentraler  «•.  hysterischer 
Ursache)  (Kichhorst  II,  87v).  —  UuiVr-Krampf 
ah.l.  wi.lerchrami.h.  «.raff  I,  C37)  -  krainpthaltert 
Hemmen  <lei  Muekelhewcgung.  —  HiiHiftdin- 
Krampf  ein  Starrkrampf  von  Verwundungen 
aus.  —  Zahn  Krämpfe  -  die  durch  «len  Kein  der 
schiebenden  Zahne  ausgel« >sten  Konvulsionen 
«ler  Kinder,  meist  Hydm«-ephahis- Krämpfe  (mal 
St.  Loop,  mal  d'AJfQtrlV«,  BrU*.  201).  —  Zeichner- 

2U* 


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.108 


Krankheit 


Krampf  -  .Schreibekrampf  (Kichhorst  II,  5C8).  — 
Zifkertpulcr-Kx&Tajif  =  ZilherBpielerkrankheit 
(s.  d.)  fBerllncr  kl.  Wochcnschr.  XVII,  21,  8.  304).  — 

(1817)  Ziffer  Krampf  =  Schüttellähmung,  Zitter- 
bewegungen mit  starrer  krampfartiger  Rigidität 
bestimmter  Muskeln  (meist  Sehreibestellung 
der  Hand,  Paralysin  agitane).  —  Krampf- 
(krampflg>,<r,f8]),  Kx&mm.  •  Ada- ,  -Aderge- 
schwär,  •Bett,  -erbrechen,  -erstarrt,  -Frau,  -Ge- 
üder,  -Glieder,  -Husten,  -Kolik,  -Krankheit, 
-lachen,  -Leiden,  -Rias,  -Schlag,  -Schmerz, 
-Sucht,  ■  Trechung,  -Übel,  -  Wehen,  -Zittern,  Zuck- 
ungen. 

krank  (Kränke,  f.  Krankheit,  kranken, 
kränken,  Krank,  m.  Kran  kling  Krankler); 

krank  (zur  Wurzel  kring ;  indogerm.  grengh  =  sich 
drehen  [Krlng];  angls.  cringan,  cranc  =  gebrechlich; 
engl,  eriukle,  crineum  m  Zusammenziehnng ;  schwed. 
krank  —  der  böse  (iclst,  Schindler  I,  1875;  gem.-west- 
germ  kriHikn  —  sich  windend  wie  ein  tödlich  Ver- 
wundeter; ahd.  chrancholon  =  gebrechlich,  schwach 
werden,  Kluge  *,  213.  21«.  325;  rohd.  erste  Hälfte  des 
12.  Jahrh.  kmne  =  tnllrmus,  acgTotus,  delombls,  im- 
bcclllus,  Ihiccldus,  D.  237  ;  UM  kranck  —  fragilis,  Sellin. 
I,  1371 ;  der  durch  Verwundung  Gelähmte,  diu  Hin- 
geschrumpfte,  Schwächliche,  Krnltlose  [durch  Alter 
und  sonst];  noch  t;r.  \V.  V,  2023;  1.  =  lei beBBchwach, 
kraftlos,  schlaf!',  durch  Alter, Verwundung(<;r  W 
IV.  1.  isla)  oder  Krankheit  gelähmt;  Im  15.  Jahrh 
w  ar  unser  „krank"  noch  durch  „siech"  wiedergegeben ; 
krank  war  damals  =  verwundnngsschwach ,  ohn- 
machtig, kraftelos,  emembris .  debilis  ,  (I>.  II,  H8) ; 
exeors  (I).  II,  100),  invalidus,  welche  nedenluug  bla 
mm  17.  Jnhrh.  andauerte,  aber  seit  dem  13.  Jahrh.  das 
alte  „siech"  («.  d.)  zurückdrikugte ;  bei  „krank"  Ist  der 
altere  däinonlstlsche  Hintergrund  noch  im  nermau 
isclirn  vorhauden  gewesen.  —  2.  =  krank,  d.  h. 
abnehmend  und  schwach,  kleiner  werden;  im 
ärztlichen  «Inno,  d.h.  durch  eine  Lcibeskrankhelt 
schwach  (damit  im  «.egensatze  zu  „gesund")  erscheint 
„krank"  erst  im  IG.  Jahrhunderte  und  so  von  der 
früheren  Itcdeittuiiv  (1;  =  Invalidus  vollständig  abge- 
löst, aberitn  15.  Jahrh.  noch  durch  den  Iteisatz  „Leibes" 
auf  diu  heutige  liedeutung  beschrankt,  Schm.  I,  1371). 

—  3.  —  speziell  innerlich  leibe.skrank  (16.  Jahrb.) 
im  Gegensatz  zu  Biech  (=  allgemein  krank), 
leidend,  ungesund,  kränklich,  unwohl,  unpass 
[»  male  aptns  —  franz.  malade,  Kleinp.  18;  15.  Jalirli. 
krank  -  aegrotus  [aegrlle],  leprosus,  Gr.  W.  V,  2021; ; 
namentlich  galt  man  auch  durch  Schwanger- 
schaft, Periode  u.  Wochenbett  „krank"  (blöde) 
(l.iebrecht  x.  Volkk.  191);  desgleichen  war  krank 

-  pestkiank,  weil  dieses  Kranksein  sozusagen 
selbstverständlich,  beziehungsweise  die  l'est 
eine  häulige  Krankheit  war  (Heyne  III.  160).  — 
4.  -  schwach  im  allgemeinsten  Sinne  (dünn, 
gracilis).  —  (1C97)  krank  Rein- krank  liefen,  in 
eine  Krankheit  fallen.  —  kranken  (kränken) 

'11S2  die  seuche  krenkt  den  menschen  und  macht  ihn 
allgesrhaffen  —  gebrechlich  machen,  Zcn.  Voc.  d  d  7 ; 
HH3  das  Parnlys  krankt.  C.  v.  Megbg.  ;  1177  kninken  = 
kleiner  machen ,  zum  Abnehmen  bringen .  z.  lt.  die 
Milz,  Ortoll;  HS2  krankeu  -  deeumliere,  <ir.  W.  V, 
2030;  schwach,  bl.nl  werden,  anheben  zu  kranken, 
Gr.  W.  V,  2i»29;  Oldenburg  kn.nkeii  stöhnen,  <i»ld- 
scimiid  157),  1   -  krank  sein,  krank  werden,  | 


schwach  werden,  erlahmen.  —  2.  es  erkranken 
(an  etwas).  —  3.  —  krank  (kleiner)  machen 
(Gr.  w.  v,  2029).  —  4.  =  an  der  fallenden  Sucht 
leiden  (<;r.  W.  V,  2030).  —  kränkein  =  leicht  krank 
Bein.  —  kränklich  (mhd.  kranclich.  nach  Gr.  W.  V, 
2039)  1.  ^  Bchwach.  —  2.  =  kränkelnd.  —  3.  = 
krankhaft.  —  Kränklichkeit  =  Aegritudo  imper- 
fecta. —  krankhaft,  1 .  =  körperlich  kränklich.  — 
2.  =  anormal,  gegenüber  der  Norm,  nach  Gefühl, 
Aussehen,  Keiezustand.  —  Kranker  (n.  Jahrb. 

cranker  =  dchills.  Gr.  W.  V,  2023  ;  1182  kranker  =  im 
lK?oitlus,  Zeil.  Voc.  r2),  l.  =  ein  Schwacher.  —  2. - 
ein  an  einer  Krankheit  Leidender.  —  Krank,  m. 
(mhd.  kranc.  krank),  l.  =  (1119)  Krankheit  (5?chm.  I. 
1371).  —  2.  -  Krampf,  Spasmus  (Gr.  W.  V.  2012. 
mb  III,  7.  2029  sub  Iii ;  v,  202«);  (vgl.  der  Gesund 
=  die  Gesundheit)  (Tirol).  —  Krank,  n.  (seil. 
Lent,  Mensch)  =  ein  kranker  Mensch  (Fronni. 
vi,  301).  —  (17.— 19.  Jahrh.)  Kränkler  (Kränküng) 
=  ein  kränkelnder  Mensch  (oder  Tier),  einer 
der  viel  kränkelt  (Schwächling)  (Falke  II,  M; 
Qr.W.V,  2010).  —  Krankheit  (mhd.  krnncheit),  1.= 
der  Znstand  des  Krank-,  Schwächlich-,  Kraftlos- 
seins, Infirmitas.  —  2.  =  (seit  dem  Ii.  Jahrh  )  wirk- 
lich krank  durch  eine  richtige  l.eiheskrankheit 
(1111  nmentla,  I>.  29  ;  1512  negrimonia,  aegritudo,  1>.  197; 
vecordln,  I).  fiOS;  pondo  [=  lAst,  I«a.«tcr] .  I).  117 
Nosos  Hip|K.kraiis)  namentlich  war  a)  die  Ix;pra; 
b)  Pest;  c)  die  weibliche  Periodo  (Menstruum) 
und  der  WoehenfluBB  „die  Krankheil")  (Pfeiffer 

III,  ICl  ;   Kriegk.  I,  30)  =  die  Sucht  (ij.  d.)  und 

im  ärztlichen  Sinne  -  i-eibeskrankheit  im  all- 
gemeinen. —  3.  =  spezielle  Organkrankheit 
(r.r.  W.  V.  2038;  1563  war  nach  den  Lehren  der  Hn- 
moralpnthologle  die  „krankbeit  eine  fehlerhafte  Com- 
plexlon  des  korpers  und  hauptsächlich  der  liuraores", 
i  Keuchte  s.  d.J,  I'iclorius  Mff. ;  d.  h.  ein  Miswcrhalt- 
nl.i  in  der  Mischung  der  1  tirundfeuchten,  ein  Über- 
gewicht der  einen  oder  anderen  dcrsell>eri  ;  1609 
„krankbeit  ist  ein  Verwirrung  der  natürlichen  Ordnung 
derlelber",  Guar  25).  —  (issO;  Krankheit  =  Störung 
des  typischen  Ganges  der  Funktionen  des  Or- 
ganismus, soferne  die  Regulation  derselben, 
das  Anpassungshcstrebcn  an  diese  Störung  in- 
su fficient  ist  -  anomales  Weiterleben  (Samuel  ]  ; 
Miinch.  med.  Wochenscbr.  1895,  8. 196).  —  HieKrank 
heit  dachte  mau  sich  früher  wie  den  Tod  als 
etwas  ganz  Personliches,  und  alle  Äusserungen 
derselben  w  urden  in  solchen  persönlich-aktiven 
Bedeutungen  sprachlich  wiedergegeben,  na- 
mentlich waren;  1.  Vergleiche  mit  dem  Gegner 
im  Schlachtenkampfe  sehr  gebräuchlich:  die 
Krankheit  befällt,  ergreift,  packt,  «chflttelt, 
rüttelt,  rcisst,  wirft  nie.ler,  streckt  hin,  ver- 
folgt, sticht,  tötet;  ferner:  2.  Vergleiche  mit 
der  Thatigkeit  einer  feindlichen  dämonistischen 
Gewalttbat  von  aussen  :  die  Krankheit  ist  an- 
geflogen (w  ie  ein  Pfeil  oder  das  Geschos«  der 
l'lben;  K.  Hahn,  Hausteine  I,  270;  Härtels,  Med.  d.  N. 
V,  S.  Mtl.);  sie  haftet  am  Menschen  als  „Vincu- 
lum  Diaboli"  (Luther  VIII,  2-12),  ist  angethan 
(s.  d.),  angewunschen,  gebt  um  wie  ein  Geist, 
wird  aufsteckt,  wie  ein  mit  Krätzemilben  be- 
hafteter Kleiderlappen,  und  so  „vererbt".  — 
■'{.  Die  Krankheit  ist  selbst  ein  od,  gar  mehrere 
Dflmonen  im  Inneren  des  menschlichen  Leibes 


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Krankheit. 


Krankheit. 


300 


(Parasit),  die  man  bespricht  u.  vertreibt;  solche 
Krankbeitsdämonen  aind:  a)  die  Geister  der 
Verstorbenen  {«.  B.  Mora,  e.  Mar);  b)  Tiere 
( En  tozoen ,  I'arasi len .niedere Organ isuien) (eouf. 
Pr.  O,  346)  («.  Kröte,  Wurm,  Grille,  Küfer  etc.); 
e>  der  (»eist  einea  Tiere«;  d)  ein  dämonischer 
Mensch,  ein  feindlich  gesinnter  Nebenmensch 
mit  bösem  Wicke,  der  leibhaftige  Feind.  —  4.  Die 
Krankheit  ist  ferner:  ein  Fremdkörper  oder 
Giftstoff,  der  ins  Innere  gelangte,  die  Orts- 
veränderung  eines  Organea,  selbst  das  Heraus- 
treten aus  dem  Körper, der  Verlusteines  Körper- 
bestandteiles, Entstellung.  —  Die  Krankheit 
tritt  darum  heraus,  schlagt  aus,  bricht  aus 
(A.  t.  1J.  1,  i»)  oiler  aie  schlügt  sich  hinzu  und 
zurück,  steigt  auf,  stosst  an,  wächst,  nimmt  ab, 
frisst,  schlägt,  reisst,  nagt,  zehrt,  sticht,  brennt, 
macht  sehr,  nimmt  Besitz  (besessen)  uud  stirbt 
selbst  wieder  ab.  Dieser  Dämonismus  in  der 
Aetiologie  der  Krankheit  ist  fast  immer  be- 
gründet in  der  „Strafe"  der  (iultheit  für  Ver- 
säumnis der  Opfer,  daher  die  Behandlung  der 
Krankheit  durch  Sühneopfer  (Lipp  ehr.  179).  — 
5.  Der  Begritf,  dass  man  nicht  bloss  durch 
äussere  fremde,  sondern  auch  durch  eigene 
körperliche  Schuld  (Boden,  Diät,  Excesse,  Dis- 
position) eine  Krankheit  sich  zuziehen,  „holen" 
kann  (aus  einer  anderen  Gegend),  dürfte  erst 
aus  jüngerer  Zeit  stammen,  namentlich  aus  der 
an  Beobachtungen  reicheren  Zeit  der  mittel- 
alterlichen Bäder  (s.  Haineomethodik  im  Mittelalter 
vom  Verfasser  8.  14).  Den  Übergang  zwischen 
dem  altüberlieferten  Dämonismus  u.  der  neueren 
Nosologie  bildete  wohl  die  Anschauung  des 
Paracelsus  (16.  Jahrh.)i  wonach  ein  Krankheits- 
samen in  den  Körper  gesät  wird,  aus  dem 
dann  die  Krankheit«  -  „Materie"  erwächst; 
„dasselbe,  das  Erwachsen  ist  die  Krankheit" 
(Hmms  I.  im)  (nicht  die  Materie,  nicht  der 
Samen);  vergl.  auch  Kochen.  Nach  Pastenr  sind 
«liu  Krankheiten  Prozesse,  welche  von  zwei  Fak- 
toren bestimmt  werden,  von  der  wechselnden  Ite- 
schafTcnhcit  der  Parasiten  einerseits,  von  der  lte- 
wlmrTcnh.it  des  Wirtes  andererseits,  also  von  einem 
Kampf  ums  Dasein,  dessen  Ausgang-  von  den  ver- 
schiedensten und  grösstenteils  noch  Ranz  unbekannten 
Einflüssen  bestimmt  wird.  Es  ist  aber  alles  »chon 
einmal  dagewesen;  setzt  man  «n  die  .Stelle  des 
Parasiten  den  Wurmdtluion ,  so  wiederholt  sich  In 
Pasteurs  I.ehro  die  uralte  voltsühllchc  Nosologie.  — 

Krankt,  f.,  m.  (Kränket,  f.  Kränkte,  [IMl] 

Kränke)  (am  ,, Krankheit"  zusammengezogen  und  zu 
.  Kranke"  verkleinert;  noch  Gr  \V.  V,  -041),  1.  = 
Krankheit  im  allgemeinen.  —  2.  =  Epilepsie, 
{um  Gicht,  Krampf,  Fest,  Leibeskrankheit, 
Schwäche.  —  8.  -  Teufel  =  Krankt,  in. ,  um 
den  Namen  des  Teufels  nicht  aussprechen  zu 
müssen.  —  4.  —  die  schwache,  leere,  dünne, 
weiche  Stelle  am  Leibe  (Weiche,  Dünne,  Öde, 
(s.  d.)  (Ur.  W.  VII.  1H6).  —  (Kranken)  Kränket  - 
Kpilepsie.  Pest  (Ur.W.V,  U0I1).  (Vorarlberg,  Karnthen) 
Kränke  -  Krankheit,  Kränklichkeit  (Ur.  W.  V, 
a>29  ff  ).  —  (Nieder- Kheiu)  Krenke,  Krenkde  = 
Korperscbwftcho  (Gr.  w.  v,  2084.  joii).  —  (Franken, 

Kl»**«,  Hais]  Kränk,  f.  Krampf,  Epilepsie,  Pest 
II  Paul  2«o;  r,r.  \\.  v,  atwuj.  —  Demnach  ist  als 


„Krankheit"  (stricte  sie  dictum),  weil  die 
schwerste  und  auffallendste  oder  weil  zeitweise 
(bei  einem  Individuum)  häutigste,  meist  ver- 
standen: n)  Epilepsie  (Sehmeiler  I,  1.(75) ;  b)  Fest 
(Schindler  1.  cod.);  c)  Seuche;  d)  die  Kränklich- 
keit im  allgemeinen,  Aegrimonium,  Morbus, 
Inlirmitas;  e)  weibliche  Periode  (s.  Blödigkeit) 
(1631,  Kraut w.  XXI;  I73'i  mcnMruum,  V.  11.  7"i)  Luther 
nahm  schon  „mehr  denn  JOO  Krankheiten,  die  des 
Menschen  l.eib  plagen",  uu  (Zettsehr.  (.  d.  Piniol.  XXVI, 
3*J.  86);  im  Laufe  der  Zeit  sind  sie  nicht  weniger  ge- 
worden. —  (läMJ  Alkiänkung  -  Inlirmitas,  das 
Schwachwerden,  Abnehmen  (Gr.  \\.  I,  61).  — 
(1G2.h)  abnehmende  Kr.  —  das  Zehrfieber,  wobei 
der  Kranke  an  Fülle  des  Körpers  abnimmt, 
Febril  hectica  (U.  r.  Gcrsd  s-.»).  —  (1630)  abscheu- 
liche Kr.  =  die  schreckliche,  arme  Krankheit, 
Epilepsia  (Frais,  s.  d.)  (St.  «.-Mirakel).  —  (1616) 
absterbliehe  Kl.  —  eine  Epidemie,  die  allmählich 
von  seihst  aufhört  (Paraeelatu,  ap.  i,  J89,-  Gr.  w.  I, 
131).  —  (1*64)  Addison  sehe  Kr.  —  die  nach  dem 
englischen  Arzte  Thomas  Addison,  der  über 
dieselbe  1S55  zuerst  geschrieben,  benannte 
Bronzekrankheit  (s.  d.),  eine  allmählich  ein- 
tretende, dunkle  bis  bronzeartige  Verfärbung 
d.  Haut  mit  auffälliger  Muskelschwäche  (Neben- 
nieren-Erkrankung; nach  anderen  eine  Er- 
krankung durch  den  Nervus  sympathictis), 
Melasma  stipraronale  (Averbeck,  d.  A.  Krkbt.,  i»C9, 
Erlangen).  —  äayptische  Kr.  s.  Augenkrankheit. 
—  (17504/7^- Kr.  =  einescheinbare,  eingebildete 
Krankheit  (wie  der  Afterglaube  kein  wahrer 
Glaube)  (a,  v.  H.  I,  izua).  —  Aleppo-Kl.,  1.  -  ein 
KollektivbegrilT  für  eine  Reihe  von  Hautkrank- 
heiten, die  nach  früherer  Annahme  etwas  für 
Aleppo  Spezifisches  haben  und  selbst  auf  Tiere 
übertragbar  sein  sollten  (Kalke  Ii.  Ii)  —  2.  — 
Aleppo-Beule  (s.  d.).  —  (17*>)  allgemeine  Kr., 
1.  —  eine  Epidemie,  die  allgemein  herrscht, 
„umgehende  Seuche"  (A.  v.  II.  II,  699).  —  2.  - 
die  den  ganzen  Körper  beherrschende  Konsti- 
tutionskrankheit  (Scrofulosis,  Gicht  etc.).  —  (1862) 
Alkohof-Kx.  =  Gesundheitstörung  infolge  von 
Alkohol  (s.d.*)  Vergiftung  (Pierer  7. 1.C06).  —  Alp 
(älpische,  elbische)  Kr.  =  s.  S.  12  b  u.  Nacht- Alp, 
|  elbisch,  Elfadl,  Alpschuss,  Alpdruck,  Alp>lusel, 
Alprasen,  Alpstich,  Alpsucht,  Alptrug,  Alpzopf, 
Nachtmar  (Incubus)  (Gr.  W.  VI,  H66;  alc  werden 
am  Donnerstag,  dem  'Inge  Donar'*,  de«  Klbenbehcrr- 
sebers,  beschworen,  Hochholz  II,  31;  K.  Dahn,  d.  G. 
I,  296).  —  alt-kx.,  -Kr.,  1.  =  chronisch  krank, 
diu  aegrotus  (Gr.  w.  I,  273).  —  2.  -  durch  Alters- 
schwäche krank.  —  3.  =  (ir>i2  «In  altkranckhelt  — 
Inlirmitas  quac  lacit  hotnlneni  diu  languere,  D.  616) 
eine  Krankheit,  die  durch  ihre  Dauer,  ihr  Alter 
den  Menschen  schwächt  (ehron.  Krankheit).  — 
(1743)  amerikanische  Kr.  -  die  angeblich  durch 
Matrosen  des  Amerika- Entdeckers  Christof 
Columbus  nach  seiner  Kückkehr  aus  den  ameri- 
kanischen (westindischen)  Ländern  mitge- 
brachten spanischen  Pocken  Spanische  Rande, 
indische  Krätze}  =  Syphilis  (MM.  Medik.  160).  — 
(1316!  St.  Andrcas-Kr.,  1.  -  St.  Antoniu«feuer 
(s.  d.),  Ignis  sacer  (Du  fange  V,  61«)  (Schweine- 
rotlauf, Milzbrand);  St.  Anton  und  St.  Andren* 
hüben  Itezug  zum  Schweine  ;  am  St  Amlreastage  opferte 


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310  Krankkeit 


nun  mit  Weizen  gemästete  Schweine  (Kolbe  119); 

ilaher  St  Andreaskraukbelt  er  (1317)  iiilinnilai  saneti 
Anlonii;  die  Autouilcr  wieder  hatten  ein  Amlreas- 
kreuz  im  Wappen  (Ilaeser  II,  121  *.  auch  l*r<|nell 
18U7).  —  9.  =  Gicht,  weil  St.  Andreas  (licht 
patruii  ist  (Vergickt,  Kaltwek).  —  angeborene 
Kr.  =  eine  Krankkeit,  welche  dos  Kind  kei 
der  Geburt  mit  auf  die  Welt  bringt,  die  also 
sekon  im  MuMerleike  auagebildet  vorbanden 
war.  (1A7SJ  angetcunscfienr  Kr.  (~  „Jede  Krank- 
heit, welche  vuiu  Teufe!  dem  Menschen  am  gotl- 
lieber  Vcrluingni*  angcwuiiMcht  winl",  Thiirnci*scr ; 
<;r.  \V.  I,  .'»22;  [Tirol]  ungewungehte  kn-nket,  Wolf) 
die  nach  dein  Volksglauben  durch  neidischen 
Wunsch  angezauberte  (s.  vermeinen)  Krankheit. 

—  «»kränkeln  -  anstecken  (s.  d.)  mit  einer 
Krankheit  (<ir.  W.  I,  887).  —  (I7jf.)  ansteckende  Kr. 

—  Morbus  contugiosus  (s.  anstecken  1),  jede 
«buch  Infektion  mittelst  (ibertragbarer,  wenn 
auch  nicht  immer  sichtbarer  Mikroben  ent- 
gehende Krankheit(A. v  II.  1,470).  —  St  Antonius 
Kr.,  I.  -  St.  Antonius- Feuer  (s.  d.).  —  2.  = 
St.  Kiakrius- Krankheit  (In  maladie  St.  Antoine) 

—  Feigwarzen  (Feig)  (itriss.  iso.  219]  (s.  St.  Anton). 

—  3.  =  8t.  Andreas-Krankheit  (s.  o.).  —  (ir.32) 
St.  Apallinnrü-Kx.^  Vergeht,  Gicht,  Analepflie 

[ A poUinari* - WSHer  waren  «chon  seit  etrmki«(lut> 
Zelten  tieriihmt,  und  «lern  (Julie  Apollo  schrieb  man  bei 
Ucnesungen  den  Hauptaaleil  zu  [BeiInge  z.  Allg.  7..  ls;*, 
IMS.  8.  4];  gegenwärtig  Ist  Apollinaris  -  Wasser  ein 
Ulcntwasnr  [s.  ßt.  Apollinaris]).  —  (is7:i)  Arbeiter- 
Kr.  -  eine  Krankheit,  die  durch  den  Arbeiter- 
bernf  veranlasst  ist  —  arme  Kr.  ■=  Epilepsie 
(Samson  :  die  Schutzheiligen),  als  hemit leidenswerte 
Erscheinung:  daher  auch  (l^sy  maladie  obecore, 
Da  Gange  V,  :.18)  =  Morbus  obscurns  (s.  fallende 
Krankheit).  ■  (1751)  Armee-  Krankheiten 
Krankheiten,  die  eine  Kriegsarmee  befallen 
kdnnen,  wie  Ruhr,  Petechialtyphus  etc.  (K.  u.  1'. 
I.  121;  Pringle Un  ding).  —  .-lrZM<*»-Kr.  =  eine  durch 
Hcilmittel-Missbrauch  erzeugte  Krankheit.  — 
;n;-.".<:  antratet  he  Kr.  ^  die  nach  früh.  Glauben 
durch  die  Gestirne  (aster)  beeinfiussten  Krank- 
heiten, die  man  durch  das  Tragen  von  Metall- 
kk.'cken,  als  Anziehern  der  magnetischen  Kraft, 
heilen  wollte  (1719,  W.  Mag.  77;  t.  M.  II.  210).  — 
Äugen ~ KT.  =  Morbus  oculi;  die  nutkklligstcn 
Augenkrankheiten  der  nhd.  Zeit  waren:  Blind- 
keit,  Staar,  Sckielen,  übersichtigkeit,  Horn- 
hantflecken, Flügelfell,  Mondauge;  der  Binde- 
haut-Katari h  (Kit)  Augcnlider-Kr.  —  (lsi'j) 
ägyptische  Augen-Kr.  die  seil  Napoleons 
Ägyptischer  Expedition  17t IS —  IS01  in  Europa 
unter  den  Soldaten  herrschende,  ansteckende  j 
Uindehautentzflndg .,  Ophthalmo-blennorrhoea 
epidemica  militari»,  contagiosa  s.  granulOM  s.  ; 
diphtheritica  etc.  (Arlt  41;  Ilaeser  II,  C77).  —  (U-90) 
äussere  Kr.  —  ehirutgische  Krankheit  (s.  d.), 
Hautkrankheit,  nicht  in  inneren  Organen, 
Sitflen  od.  Nerven  sitzende  Krankheit  (Stemm. 
266).  —  (isla)  ausdorrende  Kr.  (Aatgau)  -  Febri« 
hectica,  eine  Krankheit,  wobei  der  Korper 
magerer,  trockener  wird  (Kochholz,  Z.  f  d.  Ifythol, 
IV,  110;  Z.  d.  Yer.  t.  V.-K.  1894,  8.  4"*).  —  (180A) 
ausländische  Kr.  -  vom  Ausland  mitgebrachte  ' 
Krankheit,  Syphilis  z.  13.  —  Ausschlags  -  Kr.  =  I 


Krankheit. 

Kxanthema  febrile  (Sobernheim  ISA).  —  (1810) 
Basedowsche  Kr.  =  die  Glotzaugenkrankeit 
(h.  d.),  (aiieh  Maladie  de  (Irnrcs;  ls.T'<  Graves  dlswwt; 
il  morbo  «Ii  Flajnni  [vom  römischen  Arzte  Klajan  ziem- 
lich genau  beschrieben],  Villar.  I,  IM»,  Ann.;  ,.1M0 
beschrieben  von  einem  Mereeburger  Arzte  Basedow", 
Huber).  —  (l.v.i)  6«urA-kr.  =  Leibschmerz  em- 
pfindend (Hock  214).  —  (1417)  Bauern-Kl ,  hol- 
steinische -  Mutterkorn -Vergiftung  unter  der 
dortigen  Bevölkerung  (liecker  317).  —  (1510)  be- 
fleckte Kr.  —  durch  Ansteckung,  Befleckung 
(Contagium)  erworbene  Krankheit  (I).  146).  — 
(t69i>)  Bei-Kx.  =  das  bei  einer  bekannten  Krank- 
heit vorhandene  nebensächliche  Symptom  (v.  M. 
11,  114).  —  Bein-Kx.,  1.  -  eine  Krankheit  am 
Reine  (Fuss).  —  2.  =  Wochenbett  (s.  Fuss  8 
8.  173)  (Mebrccht,  ».  V.-K.  4M ;  ItochhoU,  aleraan- 
nlacbe  Kinderspiele  127  IT. ;  Zcitschr.  d.  V.  f.  V.  K.  ls->i, 
8.  48).  —  Berg-Kr.,  1.  =  (K.ie)  die  von  der  Berg- 
manns-Arbeit herrührende  Krankheit  im  all- 
gemeinen (Permoebnu),  chronische  Phthisis  durch 
Staub-Inbalation  (Bergsucht)  (l'r.  II,  93).  —  2.  = 
(1S.M)  das  Bergasthma  (s.  d.),  mal  de  montagne, 
mal  ile  ballon  (Luftschifl'er-Anamie),  Mal  de 
Buna,  di  Buna,  Sorroehe,  Marco,  Hypsonosoi« 
(Alex.  v.  amöboid;  Krau»,  K.  61d;  Mltt.  d.'p.-Ü.  A.  V. 
iss'.,2t>,  iierer.7. 1.sss).  durch  Luftverdünnungund 
Muskelanslrengung  in  Höhen  (Höhenkrankheit) 
verursacht.  —  3.  —  der  primilre  Lungenkrebs 
bei  Bergwerksarbeitern  (Lungenkrebs)  (Archiv 
f.  Heilkunde  1878;  Samuel  2431).  —  4  die  Grtlhen- 
krankheit  (s.  d.).  —  5.  =  der  Kretinismus  als 
Oronosos,  dessen  Entstehung  man  dem  Mangel 
an  Licht  auf  der  Schattenseite  des  Gebirgen 
(».  Alpenkropf)  oder  dem  B«»rgwa«ser  zuschrieb 
;Kraus,  E.  703).  —  6.  =  engl,  miners  clbow,  ViU.  U,  316) 
■  eine  kei  den  englischen  Koklenarkeitern  ke- 
ohacktele  Anschwellung  am  Ellenbogen  (Bursa 
olecrani).  —  Berufs-Kl.  ~  eine  Krankheit, 
die  man  sich  durch  Ausübung  seines  Berufes, 
Geschäftes,  Gewerbes  zuzieht.  —  Bcschälcr-Kr. 

—  Krankheit,  Seuche  (s.  d.)  der  Beschltlpferde 
i  Franzosen).  —  besprochene  Kr.  =  durch  zauber- 
haftes Besprechen  (s.  d.)  veranlasste  Krankheit 

—  (1713)  Bettel-Kr.  =  die  hei  gemeinen  oder 
Bettel-  Leuten  hantiger  beobachtete  Lepra  (Aus- 
salz) (blbl.  Medikus  577).  —  2.  s  Bettelmann.  — 
(1787)  Bibel  -  Krankheiten  =  die  in  der  Bibel 
erwähnten  Krankheiten,  die  der  bibl.  Medikus 
(I7t:t)  zusammenstellte,  z.  B.  Aussatz,  St.  Jobs- 
krankh  ,  Zaiaath,  St.  Lazaruskrankh.,  Fest  etc. 
(Pr.  I,  86;  1(172  morbt  biblicl  Bartholini.  llut«>r).  — 

(I.VJ6)  blätteriehteKr. »  Blattern k rankheit(ZeMeehr. 
f  d.  Phllol.  XXVI,  238).  —  Blasen-Ex.,  1.  =  Urin- 
l>lasenleiden.  —  2  =  Blasenansschlag,  Pem- 
phigus chron.  (Fnobi  II,  4MJ.  —  3.  =  Maul-  und 
Klauenseuche  als  Morbus  apbtboaus  (Bläschen). 

—  St.  Blasius-Kx.  ^  Angina,  Gynanche  (siehe 
St.  Blasius)  (Zcitscbr.  d.  Ü  Ö.  A.  V.  1893,  8.  181; 
l»u  fange  V  .".17;  - 1 laiskrank h.  -  (ir.18)  Blaltern- 
Kr.,  a)  (l'arnrelsiiH :  nlvo  vom  Schlier  und  AuwaU 
ist  entsprangen  die  kranckhett  tlcr  blatern)  Syphilis 

s.  Blattern)  (l'r.  II.  147) ;  b)  =  die  Pockenkrankheit, 
Variola  (Menschenhlnttcrkrankkcit).  —  blaue 
Kr.  Blausucht  i's.  d.)  (Fuchs  II,  349).  —  Blei- 
Kr.  =  die  durch  Bleivergiftung  veranlassten 


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Krankheit. 


Krankheit. 


311 


körperlichen  Veränderungen,  Morbus  satur- 
ninus  (s.  Kolik,  Gicht,  Epilepsie).  —  blcieheKl. 

—  Bleichsucht  {Cht.  Sam. 1, 210).  —  Bliit-Kl ,  1.  " 
eine  Krankheit,  «lie  im  Blute  liegt,  d.  h.  aua 
fehlerhaft.  Blut«|ualitftt entspringt, z.  B.  Anämie, 
Skorbut,  Leukämie,  Hämophilie,  Chlorosis  uml 
andere  konstitutionelle  Krankheiten  (le*  mnla 
■lie*  dans  lc  saug,  Kichhorst  II,  7'JO  H  ).  —  2.  =  (174'.») 
Blntanhiiufung  im  Mastdarm  (Schindler  I,  3.*»; 
Kulte  I,  rnj  (s.  gähes  Blut,  üherhtut),  Anthrax 
od.  Milzbrand  in  der  unteren  Rfiekenmarks- 
höhle  =  Milzblut -Krankheit.  —  3=  früher 
=  Saftekrankheit  (s.  d  ).  —  Bluter-Rr.  -  krank- 
hafte Anlage  nnd  Neigung  zu  unstillbaren 
Blutungen  (Blutfluss)  selbst  nach  geringfügigen 
äusseren  Verletzungen  (Haemophilia,  Melaena 
neonatorum)  als  Ausdruck  der  sogen,  hämor- 
rhagischen Diathese  (h.  Konduktoren)  (K<»iifr, 
<  hinir*.  I.  30).  —  (1775)  Blutfleeken-Kl.  Morbus 
maculogus  Werlhofti  (Ziems».  Hdb.  xiv,  l  32ä.  321»). 

-  (1M6)  Blutlebens-Kx.  ■»  eine  Krankheit,  die 
mit  der  Änderung  des  sogen.  Blutlebens  (regres- 
sive Metamorpliose,  b.  Mauserung),  z.  B.  im 
Alter,  in  Verbindung  gebracht  wurde,  z.  B.  dir 
grane  Staar  (Gr.  W.  II.  1*6).  —  böse  Kr.,  1.  -  jede 
schwere,  besonders  auffallende  od.  Ansteckende 
Krankheit,  Morbus  mslignus,  r  •:.  Typhus  (als 
mechanle  tievre,  Bris«  131;  Gr.  W.  II,  249).  —  2  ~ 
Kpilepsia  (A.  v.H.  1,  COI;  Steiermark;  l'lalz;  ruuli  54; 
Kaltsrbm.  II;  1711;  Kirsch  10t).  —  3.  =  Morbus 
ini<pni8  s.  malus  =  heiliges  Feuer  (s.d.)  (im  CaiiKe 
IV.  3.*,  V,  517).  —  4.  =  (1620)  Pest  (Dr.  Minderer; 
s.  d.  Verl.  V.-Mcil.  S.  226).  —  5.  -  (1631  mala  fnuiio-.se. 
Lainraert,  V.-Med.  l'j«)  Syphilis  (Neumarkt  1.  Opf.) 

—  G.  =  vergl.  hundertfältig  hose  Krankheit, 
durch  bösen  Zauber  angethane  (s.  d.)  Krank- 
heit —  tW«-kr.  -  seekrank  (Uklbg.j  Z.  d.  V. 
f  v.  K.  1S95,  «7).  —  Borna  »che Kr. ■  eine  seuchen- 
haft  aufgetretene  Ccrebrospinalmeningitis  bei 
Pferden,  die  von  einem  Thierarzte  in  Borna 
Sachsen)  zuerst  genauer  beobachtet  wurde.  — 

(1827)  Bricht sehe -Kl.  =  (die  nach  dem  Londoner 
Ararte  R.  Brtght  [1789-  18,1s]  benannte]  Nierenkrank- 
heit. Albuminurie  und  Wassersucht  bei  akuter 
oder  chronischer  Nierenentzündung  (Baas  460; 
Bricht  Kehrauehte  die  Ausdruck«-  [Iv.-T]  Disease«!  kldney 
in  dropsy,  [18t3]  Renal  disea-u  nec  ompiiKiiled  »Ith 
letnaÜon  of  albuminous  urine'",  Huber  4).  —  (ls56) 
Bronze-Kr.  s.  Addison'sehe  Krankh.  («  anstatt. 

Jahr  -Her  ).  —  ^iff.    !  ^T-  -  Stiersucht  (s.  d.). 

—  (1577)  Brunner -Kl.  —  eine  Syphilis-Endemio 
in  «1er  Brünner  liegend  (Österreich),  durch  das 
Schröpfen  in  einer  Baderei  entstand. -n  bezw 
verbreitet  (Schnurrer  II,  12V;  Kuchs  II,  7 16 ;  lt<>sen- 

tS;  pr.  II,  40],  —  (IMS]  brust-kl.,  1.  -  (Leipzig) 
eine  verhüllende  Umschreibung  für  Verrückl- 
sein  (Wustmann  426).  —  2.  =  eine  Krankheit  der 
Brustorgane,  namentlich  Pneumonie  und  Eng- 
brüstigkeit (Gr.  W.  II,  U\>;  Colcr,  II.  A.  11«;).  —  (MM) 
giftige  Brustkr.  =  eine  ansteckende  seuchen- 
hafte  Krankheit  mit  vorwiegenden  Brust  - 
Symptomen  (Fnentnonia  c.  Petcehiis  ?..  B.)  (v.  M. 
II.  121)  —  seuehige  Brustkr.  =  Pferdegrippe  als 
Epizootie  (Mayer  174).  —  (17^-J;  chinesische  Kr.  * 
Influenza  (isoi,  Dr.  Vogel;,  aus  China,  angeblich 


durch  Miasmenbewegung  verbreitet  angenom- 
men. —  (if.it;)  chirurgikalische ,  (isu7)  chirur- 
gische Krankheiten  -  «lie  durch  äussere  hand- 
greifliche (wundarzneiliche)  Manipulationen 
Operationen)  heilbaren  örtlichen  Krankheiten 
gegenüber  den  sogen,  inneren  und  allgemeinen 
Krankheiti-n  od.  inneren  Siechtagen  fl'antrelst» ; 
Haeser  II,  161;  Helm  84).  —  (1531)  Vhulera-Kl.  - 
Cholera  morbus  (s.  Cholera;  (iioeser  II,  731).  — 
deutsche  Kl.  =  Syphilis  (Kichhont  II,  UM};  von 
«len  polnischen  Nachbaren  der  Deutschen  ge- 
brauchte Bezeichnung;  die  Deutschen  machten 
die  Kranzosen  hiefür  verantwortlich.  —  dietmar- 
sitche  Kr  ,  H7S.1)  Morbus  dithmarsicus  (Inauc - 
Dlss.  W.  Genters.  Kiel  1878).  1.  =  Radesyge  (Nor- 
wegen), schlechte  Seuche,  l.epra  bolsalica,  nord. 
Aussatz,  holsteinischer  Aussatz  itchrcud  72).  — 
2.  =  (noch  Ziems»  Hdb.  III,  17  und  K.  u.  I*.  III,  112 
nicht  I.iprn.  sondern)  Syphilis  (nach  «ienters  1.  c. 
Syph.  hereditaria  tarda)  in  «lietmarsischeni  Lande 
(=  deutsches  Marschland),  wo  unter  den  meist  aus 
Norwegen,  der  Heimat  der  Radesyge,  stam- 
menden Deicharbeitern  an  «1er  Westküste  von 
Holstein  u.  unter  den  Leuten  in  den  russischen 
Ostseeprovinzen  diese  Krankheit  herrschte; 
(vergl.  Marsch-Krankheit).  —  (1616)  Dreck-Kl.^ 
Syphilis  (?)  (s.  schlechte  Krankheit  u.  Radesyge 
b.  Syphilis)  (Or.  W.  V,  2039,  ruraeelsus).  —  Dreh- 
Kr.,  1.  B  Drehsucht  der  Schafe,  die  mit  ihren 
charakteristischen,  durch  einseitigen  Blasen- 
druck  im  Gehirn  veranlassten  Drehbewegungen 
's.  Rausch)  eist  einige  Monate  nach  der  In- 
fektion des  Gehirns  mit  dem  Blasen-  od.  Dreh- 
Wurm,  Coenunis  cerebrales,  tjuase  (Schöps- 
drehe)  auftritt  (l.eukart  17  t,  <ir  W.  II,  1367;  Wustm. 
101)  (s.  verwerfen  u.  Cmgiinger*).  —  2.  —  beim 
Menschen:  Schwindel  mit  Neigung  zu  Ohn- 
mächten, Ilingus  fTheophrasti)  (Krau*,  K.  527; 
Müller,  Krtrbcb.  572).  —  3.  =  (nach  Alpb«.  110 
angebtleb  auch)  Rausch  (als  Rausehbrand).  — 
falsche  Drehkr.  =  die  durch  Larven  der  Schaf- 
bremse (Oestrus  ovis  L),  die  nur  in  den 
Nasengruben  (s.  Grübler),  nicht  im  Gehirne 
sitzen,  erzeugte  Schleuder- Krankheit  oder 
Bremsenschwindel  bei  Schafen.  —  DriiHcn- 
Kr.,  L  -  Scrofulosis  (s.  d  ),  welches  A 11- 
getneinleiden  sich  fast  stets  mit  lokalen 
Drüsenanschwellnugen  sichtbar  macht  (Gr.  W. 
II,  H62).  —  2.^-  Perlsticht  d«^r  Rimlcr  (Tuber- 
culosis glandularis)  (K.  u.  r.  II,  lü).  —  3.  — 
ir.vj  clandium)  P«'st  's.  Beulenpest  und  Sterb- 
drüse)  (Schnurrer  I.  M8).  —  (1848]  Eyel-Kl.  =die 
Krankheit  der  Schafe  (s.  Leberfaule)  durch 
ilen  I  eber-lytiel  I  Mstomum  hepaticum  i  alke 
II,  53).  Kijersund-Kl.  ~  Radesyge  (Syphi- 
lid) im  norwegischen  Eirersunde    Vill.  I,  IM). 

—  einfache  Kr.,  L  -  eine  ohne  weitere  Zufalle 
oiler  Komplikationen  nach  dem  schulgemttsseti 
Krankheitsbilde  verlaufende  Krankheit.  —  2.  « 
eine  leichte  Krankheit.  —  eingebildete  Kr. 
Afterkrankheit  (s.  d.)  o.ler  eine  solche,  die  nur 
in  «1er  Einbildung  existiert.  —  einheimische  Kr. 

-  Morbus  enchoricus,  Endemia,  eine  an  einem 
b.-st;niitd<'ti  t  »rt»-  bes«in«lers  oft  wiederkebr«n«le 
o«ler  beobachtbare  Krankheit,  z.  B.  Kropf,  Kre- 
tinismus, Malaria,  Typhus  etc.  (s.  Landkrank- 


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812  Krankheit. 

heil).  —  Ei«<n-Kl.  -  nach  dem  Vorgänge  von 
Karacelsus  (Haas  20s)  die  Bezeichnung  für  eis« 
Huret)  Eisen  heilbare  Krankheit.  —  elbisdte 
Krankheiten  -  s.  s.  12  b  u.  ob.  Alp-K  rankheit. 

Elephaiitcn-Kx.,  1.  ~  Elephantiasis  arabica, 
die  den  monströsen  Elepbnnteu  -  Kuss  (s.d.), 
Knollfuss  (Makropodie)  macheiule  Lepra  (Hohr. 
01)  (».  elephantische  Aussätzigkeit  \4],  Knoll- 

Sltcht  U.  Klephant);  (951  clefaneiasi  pestc,  Lorsch  6«; 
I  i.  Jahrh.,  mini.  Klcphnncin  ( ■  Lepra,  Aussatz]  das 
l«l  eine  Sucht,  wie  tialigcuus  l>eschiiel>en,  ilic  wird 
davon ,  wenn  einem  Menschen  da«  Ulm  beginnt  xu 
faulen  »11  seinen  Adern  und  aus  der  natürlichen  Hitze, 
die  da  Ist  in  dem  Magen  und  in  der  Leberen  und  in 
der  Lungen,  wann  die  beginnt  aufzubrechen,  und  das 
wahrt  *>■  lange,  bl«  der  Hitze  nicht  mehr  Innen  Ist, 
110  winl  das  Herz  bcschwarl  und  muss  siech  werden, 
dieweil  es  dies  vermag  und  das«  et  die  natürliche 
Hllxc  hm ;  diese  Sucht  [suke]  ist  allcrschw  erste  und 
heisst  Kl<  phaneia  nach  einem  Thiure,  das  heisat  elephas, 
und  «las  ist  stark  und  gross,  und  diese  Sucht  erkenne 
uls«i .  die  Augen  sind  ihm  senuevolt  [—  Augenschmer- 
erfüllt]  und  die  Wynbraune  lallen  Ihm  aus  und  ist 
rodclachtkh  [rotllcht]  unter  den  Augen  und  sein  Blut 
ist  also  faul  innerhalb  [bynnen]  und  seine  Haut  ist 
alle  Zeil  (ett.  als  üb  sie  geachmieret  sei,  und  kein 
Wasser  kann  darauf  halten,  nach  Mag.  Harth.  62b  B.j. 

—  2.  =  Stauung»-  oder  Kntzündungsoedem, 
vuriki.se  Lymphangoitis  (ehron.),  als  Ursache 
solcher  abnormer  Verunstaltung  der  Küsse.  — 
3. -der  Kaden  wurm  (als  Ursache  von  2),  Kilaria 
sanguinis.  —  4.  —  Hypertrophie  der  Extremi- 
latenknochen  durch  Syringomyelie.  —  5.  = 
manchmal  auch  vielleicht  Syphilisaffekiion  und 
l'ocken  (h.  Elephantenkrittze).  —  ti.  =  der  liaut- 
rotz  beim  Pferde,  der  durch  die  Rotzbazillen- 
wncherung  eine  unförmliche  Verdickung  der 
Küsse  macht.  —  (1050)  englische  Kl.,  1«  -  Kha- 
chitis,  die  (1613  cc.)  näher  erkannt  und  (lßi?) 
von  englischen  Ärzten  zuerst  genau  geschildert 
Win  de  ( l>'K»plnc  U.  Tlcot,  liruudriss  der  Klndcrkrank- 
heilen  S.  i.e.  Lersch  2  so  Auw.)  . uuterwaehsen, 
iloppeite  Glieder,  geknüpft,  lieinkrümme,  engl. 
r-ii-u<d>le,  Zwiewuchs,  Zahnen  durch  die  tilieder), 
Morbus  anglicus  engl.,  ltiüu  tue  rlkela;  dan.  riset, 
Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1*97,  49;  KichhoM  II,  90S;  A.  v.  II.  II, 
6.HH;  Ackerm.  622;  IT  II,  505;  l'latuer  II,  Btt;  Stbnurrcr 
II,  158;  l>e  lock  79).  —  2.  »  (fälschlich  auch) 
•  >slcomalacia,  Knochenerweichung  (Kraus,  ]■.  ,. 

—  3.  —  eine  pyümisehe  lielenkkrankheit  der 
l.itmmer  mit  Anschwellung  der  Knochen  (Merk 
259).  In  Skandinavien  unterscheidet  das  Volk  mehrere 
Arten  >on  Khuchitis  (  _  sVcrlva,  skefva)  a>  Kak  skerfva, 
eine  Kuchen  Uh.  (s.  Kuchen);  b)  Jord-skerfva  —  Krd- 
Kli.  (mit  Käsen  behandelt) ,  e)  llor-skcrfva  durch  Hurcn- 
blick  (bo-er  Mick)  veranlasst;  d)  Lik-skerfva  —  Leichen- 
Kh.,  die  bald  zum  Tode  führt  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1SU7, 

52.  63).  —  £njAuttsfl»i/.eiN-Krankheiten  =  die 

angeblich  aus  der  geschlechtlichen  Abstinenz 
entspringenden  Krankheiten  bei  Miinnern  und 
Jungfrauen  (Griesinger  203).  —  (1889) Entwicklung** 
Kr.  —  ein  wahrend  der  geschlechtlichen  und 
koiperlichen  Ausbildungsperiode  (Wachstum) 
sich  einstellendes  Leiden  (Kraus,  k.  388).  —  (17SJJ 
/.'«^«Hdnnf/.s-Krankheiten  -  die  mit  Entzün- 
dung (s.  d.)  einhergebenden  (akuten)  Krank« 


Krankheit. 

heilen  (M.  H.  I.  I.  598.  GOG;  Helm  277;.  —  (16.  Jahrb.; 
Erb-  (erbliche)  Kr.,  1.  -  Morbus  contagiosum, 
ansteckende  Krankheit,  ursprünglich  wohl  die 
in  der  Sippe  fortcrerbte  od.  aus  der  Erbschafts- 
Sippe  übernommene  Kraukheit,  die  man  [1661] 
schon  durch  die  Anschauung  (contagio  aspectus : 
eines  Kranken  erhalten  zu  können  glaubt« 
(Gr.  w.  III,  731)  und  die  man  in  andere  Dörfer 
mittelst  eines  Gegenstandes  (Fleck)  vertragen 
I  konnte  (s.  Befleckung  u.  Ansteckung).  —  2.  — 
Morbus  a  parentibus  propagatus  s.  hereditarius, 
s.  eonnutritus,  dies  die  wirklich  vererbte,  von 
deu  Erzeugern  u.  ihren  Ahnen  durch  die  Zeugung 
überkommene,  von  l'aracelsus  zuerst  als  „erb- 
lich" (heredit.tr)  bezeichnete  Krankheit  tivri  und 
werden  also  Krhkraukhcilcii  daraus»,  wie  wir  dann 
scheu,  das  es  auch  unter  uns  Menschen  geschieht, 
das  et  w  ann  das  leidig  Podagn  Uttt6M,  BWttkea  Od« 
Kendenweh,  Apoplexia,  Mangel  des  liesichl,  Hoeler 
und  dergleichen  such  mehr  in  ein  üe-schleclit  ein- 
wurulen,  Seb.  221;  Krbkranckheilen,  das*  sein  ncmlich 
diejenigen,  so  einem  Kos»  von  seinen  Kltcni  her  und 
also  von  Natur  angeboren  werden  als  da  Ist  ein  boess 
liesicht,  Speckhalsig,  ein  schwerer  böser  Athen),  satt 
od.  vollblütig,  tlussige Schenkel  u.  andere  dergl.  Krauck- 
heiten  mehr,  Seb.  261;  171C  , .solche  Gebrechen,  diu 
von  Natur  oder  von  den  Kitern  angeboren  werden") 
=  hereditäre  Krankheit  (<Jr.  W  III,  727,  VIII,  lll.s; 
Pr.  II,  71  ;  bibl.  Med.  3».2).  —  3.  =  (speziell)  die 
durch  Ansteckung  (s.  Erbe)  erworbene  Syphilis 
(s.  Erbsucht)  (Uaas  195).  —  Erkältung* -Kl.  =- 
eine  durch  Abkühlung  der  Haut  (s.  kalt)  ent- 
standene Krankheit;  Erkaltung  (s.  d.)  ist  eine 
der  häufigsten  Krankheitsursachen  im  Volke, 
eigentlich  nur  die  Disposition  zur  Krkran'-ung. 

—  Falkadisehe  Kr.  =  s.  Falcadine  (Schnurrer 
II,  a7).  —  iuz>)falUnde  Kr.  =  die  fallende  Sucht, 
St.  Valentins- Wehtag,  schwerer,  strenger,  büBer 
oder  empfindlicher  Wehtag,  Waih-Tag  (dies 
die  alteren  Namen  für);  Epilepsie  (s.  d.),  die 
Kränkde  (s.  o.),  weil  die  Kranken  bewusstlos 
hinstürzen  und  von  ganz  auffälligen  Krämpfen 
befallen  werden  (1119  fallinde  kräng  hell,  Kricgk  l, 
5.  27;  or.  W.  III,  12S6;  V,  2011;  A.  v.  H.  I,  UiOl ; 
Synonyma  Morbus  cailucus,  gn>ssus  s.  magnits  *. 
comitlnlls  s.  siicer  s.  dlviuus,  «  Jaleni;  Morbus  81.  Ger- 
man!, üu  fange  IV.  142;  V,  517;  ias9  Morbus  obscu- 
ms  ( —  la  maladle  obscure];   1401  Morbus  puleher 

—  1404  [le  bcau,  grant,  gros  mal],  Du  lange  V.  518; 
IX,  260  (ex  adverso);  1463  Morbus  St.  Nazarll;  Morbus 
St.  Muthurinl  =  114S  maladie  St.  Mathurin  [1.  c]  = 
Mit,  Morbus  -t.  MatheUnl;  Morbus  St.  I.upt  -  Uli 
iiinl  St.  Leu;  1113  mal  Monsieur  Saint  Kotip;  1.152 
morbus  beali  l.upl;  1:152  Morbus  sonticus,  Morbus 

I  St.  Valenlinl,  8t.  Johannis,  mal  de  sein;  1382  mal 
j  d'Avertin  [adversaltts]  —  morbus  qui  n  sensu  avertit; 
1425  maladie  d  Avertin  de  lesle  liommcc  gotlte  Islehe 
Tropfen');  mal  de  l'Ksvurtlu  -  l:kS9  aveurc  mal  caduc; 
Du  fange  1  c.  j  engl,  falling  sickuess).  —  Die  gross 
fallende  Kr.  -  Epilepsia  im  (iegensatz  zum 
[franz.)  le  petit  mal  (Iiock  222).  —  i"rtmi7if«-Kr. 

—  eine  in  derselben  Familie  öfters  aufgetretene, 
zumeist  vererbte  Krankheit  (s.  d.)  o<ler  Krank- 
heitsanlage, z.  B.  (ieistesslörung.  —  (Knde  des 
l«  .inlirh  Faul-Kr.,  I  -  putride  Infektion  (Ty- 
phus) (üolüachin.  155,  Or.  \v.  in.  137».;  uls  Krauk- 


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Krankheit. 


Krankheit. 


31.1 


heit,  die  durch  Fäulnisstofle,  die  in  den  Körper 
(Hängten,  entstanden  wäre  (auch  Dyskrasie) 
{Kvll  III,  282;  eh.  L.  Holtmann  i  1721  —  1807]  war  nach 
Haas  3vl  ein  Uauplvcrtreler  dieser  Doetrin).  —  2.  — 
die  Waldkrankheit  (s.  d.)  der  Schare,  weil  die 
Tiere  dahei  sehr  faul,  kraftlos  werden  (AMIg. 
126,1.  —  3.  -  die  Federsucht  (s.  d.)  (Goldschw.  15.. . 

—  (i»2S)  Feigtcarzen-Ki.  =  tum  Unterschiede 
von  der  Tripperseuche  (s.  d.),  die  mit  Condy- 
lomen sich  äussernde  Venerie  oder  Syphilis 

Sycosis  llahnemanni,  s.  Fiakers -Krankheit) 
(Kopp  II,  M9;  Kraus,  E.  1010;  llaeser  1,  US).  —  (174») 
Feld-Kl.  ~  Armee-  oder  Lagerkrankheit  (a.  d.) 
(K.  m.  ch.  168).  —  Fett-Kx.  ----  Fettsucht  —  feuchte 
Krankheiten  — -  in  der  alteren  Medizin  die  aus 
Phlegma  und  Hheuma  (s.  Natur  u.  Feuchte) 
hervorgegangenen  Krankheiten  (Gr.  w.  V,  so).  — 
Feuer-Kl.  ■  wildes  Feuer  (s.  d.)  oder  Milzbrand 

Kankkorn)  der  Kinder  (Gr.  W.  1586.  1587.  UM; 

dazu  auch  das  Feuerkraut  =  Helleborus,  Wrnnijkraut, 

(1591)  St.  Fiakers- 
Bmodworwl,  Kol.  82.  87).  —  St.  Fikarius- 

(1741)  St.  Fikards- 
Kr.  -  Apostemata  (Du  caiigc  v,  517  (syphilitica) 
53  Schanker  und  Condyloma  (  =  tuberculum  ex 
iuflainuiatione  natis  eircum  anum,  Du  Cause  II,  487) 
-  Feigwarze);  (auch  der  oberdeutsche  Si.  Fiaertua, 
d  h  St.  Leonhard  [Neptun us  e^uester]  war  Patron  bei 
Syphilis,  wie  auch  St.  Mouuu,  St.  Valcntiiiu«,  St,  An- 
tonius; die  Reliquien  des  hl.  Fiaerius  wurden  von 
Meaux  nach  l'aris  gebracht,  um  den  After  de»  Kar- 
dinals Klehelieu  N  heilen,  Itriss.  17»;  Zeitschr.  d.  D.  Ö. 
A.  V.  1493,  S.  199 ;  Beitrage  xur  Anthrop.  und  Urgeseh. 
Häverns  1894,  3.  65;  Had.  Jtin.  386,  Morbus  St.  Julian!, 
».  8t.  Diacrii,  St.  Evogrii.  Du  lange  V.  517;  le  fle  d« 
St.  l-'iacre  [fle-atre  —  schwarzes  Afterblut,  s.  Itriss.  179. 
IM)]  —  cenus  cancrl,  carnosls  partibus  adhaerere  aolitu«. 
primo  calli  instar  dures.  il  [ludurlerter  Sehanker],  dein 
callus  in  pus  converstis,  proxlmo»  partes  sensim  de- 
pudroi  [-  phagedanUchl,  Du  fange  VIII,  3.5.  3«7), 

—  (1777)  St.  Fickards-IÜT.  -  Condylom«  <D.  110) 

—  unter  Anlehnung  au  Plg-Arach  Condyloma)  um- 
Rebildet  au«  St.  Fiakrius- Krankheit  (s.  d.).  — 
fieberte.,  1.  -  mit  Malaria-Krankheit  (Wechsel- 
tieher) {  =  Intermittens  s,  pyretos  Galenit  behaftet. 

—  2.  —  an  einer  mit  Fieber  («.  d.)  einhergehen- 
den  Krankheit  leidend.  —  Filaria-Kx.  —  eine 
durch  die  Anwesenheit  eines  Fuden-  (filum) 
Wunnes  (Filaria  medinens.  s.  Bancrofti,  Guinea- 
Wurm,  Goldwurm)  im  Blute,  in  der  Müs,  im 
Hoden,  Samenstrang  etc.  veranlasste  Krank- 
heit, wobei  nicht  selten  infolge  von  Lymphe- 
stauung in  den  unteren  Extremitäten  ele- 
phantiasisartige Anschwellungen  am  Moden- 
sack und  Unterschenkel  eintreten;  der  Wurm 
kommt  in  allen  Tropenlandern  vor,  also  in 
den  früher  zumeist  von  Arabern  bereisten  tie- 
bietet), daher  Elephantiasis  Arabum.  —  (1838) 
.Finnen -Kr.  —  Erkrankung  an  Eingeweide- 
würmern, z.  B.  Cysticercus  (s.  Finne,  auch 
Trichine)  bei  Schweinen  u  Menschen  (Bothrio- 
cephalus- Anämie),  Franzosen  beim  Hornvieh 
(Leukart  1»9;  Merk  155).  —  (19.  Jahrh.)  Fisthnchuppen- 
Kr.  =■  Ichthyosis  ■  Albarras  nigra  (Bua  133), 
eine  angeborene  oder  erworbene  abnorme  Bil- 
dung von  Hautschuppen-Massen,  die  neben- 


einander liegen,  wie  die  Fisehsehuppon  od.  die 
Eidechsenhaut  (Kehrend  83,  Förster  11,  1017;  Klein- 
pauI,  Mittelalter  605).  —  (1860)  Fiume-Kx.,  1-  - 
Pellagra  (s.  mailandische  Kose,  Alpenfleehte), 
die  in  den  oberitalienischen,  subalpinen  Pro- 
vinzen Vorkommt  (»ehrend  74).  —  2.  =  die  (17W) 
im  Fiumer-Comitate  epidemisch  aufgetretene 
Syphilis,  mal  di  Fiume,  mal  di  Fueine,  la  maladic 
de  Scherlievo  (K.  u.  i'.  III,  112;  Sehnurrer  II,  MI). 

—  ;ici6)  flechtende  Kr.  —  Kühr,  die  als  eine 
ansteckende  Krankheit,  wie  eine  wuchernde 
Flechte  sich  ausdehnt  (s.  flechtende  Seuche 
llaeser  II,  381).  —  fleischliche  Kr.  (13,  Jahrh.  Ileiss- 
tiehe  kraukeil  efteuiiuatus ,  I).  v>;,\  -  Wohltust 
(s.  d.,  Brät  u.  Sünde),  \o0;o;  JH/.ita,  Pae<lerastia, 
Psychopathia  sexualis  (Pi  I,  27).  —  (is42.  Fluss- 
Kr.  *  Fluss  (s.  d.),  Rheama  Falko  i,  2SSJ.  — 
Fotge-Kx.  =  eine  namentlich  durch  die  Beob- 
achtungen hei  den  venerischen  Krankheiten 
gewonnene   Bezeichnung   für  Nachkrankheil 

'  (Nachtripper  z.  B.,  s.  hinkender  Bote)  (Pr.  Ii,  <oi. 

—  1629)  französische  Kr.  =■  Franzosen  (s.  d.) 
(Beitrage  z.  Anthrop.  u.  I  rgesch.  Bayerns  lsyi,  S.  65; 

faracelsus;  Pr.  Ii,  173).  —  (1472,  löioj  Franzosen- Kr.. 

1.  —  Morbus  frnnciosus  =  Franzosen  (s.  d.) 
(Mainzer  Urkunde;  II.  Sachs;  Fr.  II,  t*.7;  1762,  17s2, 
L.  ch.  4«;  Vierordt  33;  Fucha  3IC.  377;  Du  fange 
V.  517).  —  2.  =  die  Peilsucht  der  Kinder  (siebe 
Franzosen,  Finnen)  (nuo,  Heim  51  „warum  man 
diese  Krankheit  die  Franzosen  genannt  hat,  kann  ich 
nicht  sagen;  vielleicht  well  sie  mit  den  Feigwarzen 
bei  den  Venerischen  unseres  Geschlechtes  Ähnlichkeit 
haben.  Unter  den  Schlächtern  geht  noch  eine  alte 
Soge,  das»  einmal  eine  ganze  Familie,  die  derartiges 
Fleisch  gegessen,  die  wahren  Franzosen  [I.ues  venerva] 
im  hoehsten  Grade  bekommen  hal>en  soll"  [*.  Fraii- 
zosen]).  —  (15.  Jahrh.)  Frauen-,  (ls.  Jahrh  '  (Fraticn- 
zimmer-)  Kr.,  1.  Menses  (Krankheit  2)  (H82 
frawenkraukheit,  Zenlng.  Voc.  e  2  =  menstruum  = 
•{Iii  semel  struens  in  mens«,  Gr.  W.  IV.  t,  so  152-s 
frawenkranckheit  —  Menses,  H.  v.  Gersd.  100;  1881 
newe  frawenkranckheyten ,  Paneels.  =  Blnlflun  lu- 
folge  v  tiuecksilber-Missbrauch  ,  15^0  frawliehe  knitu  k- 
heit,  Küuigssp.  51;  1551  Krawen  ihre  krankheil  = 
menses;  verlegene  Frauenkrankheit  =  amenorrhoea, 
Bork  151.  165.  108;  1630  Frauenkranken  —  menses 
ILonlccni»],  Fraueublodlgkelt,  Fratienzeit).  —  über- 
flüssige Frauenkr.  =  Meno-,  Metrorrbagia.  — 
Frauenkr.  ■  die  Spuren  der  Menses  im  Hemde 
und  auf  der  Haut,  zu  abergläubischen  Zwecken 
verwendet  (Menstruum).  —  2.  =  ,nw:  Morbi 
mulierum,  Krankheiten  des  weibl.  Geschlechts- 
apparates  (1725  Fraueuzimmerkrankheiteu,  The«  sau. 
Br.  214 ;  v.  sicbold ;  Frauenzimmer  =  Frauen-Gemach 
[1467]   =  der  Anfenthalt  sittsamer  Frauen;   in  der 

2.  Hälfte  de*  18.  Jahrh.  hlesu  jede  wohlgesittete,  vor- 
nehme Frau  Frauenzimmer,  Gr.  W.  IV.  1.  83;  Georg 
438);  (veral.  Weiberkrankheit)  —  li'JT)  fremde 
Kr.  =  ieyne  vre m de  krenckde  heyseh  sent  Jobs 
kreackde,  Fuchs  313;  i^rsch  201)  St.  Jobs-Krank- 
heit (s.  d  ),  als  ausländische  Krankheit  (s  d.)  = 
Syphilis.  —  Fress- Kr.  -  Fresstieber,  Heiss- 
hunger  (Or.  W.  IV,  1.  138)  (BoHtnie).  —  Frählings- 
Kr.  -  Kronosos  (llippokr  ),  Morbus  vernus  =  die 
durch  die  klimatischen  Faktoren  des  Frühlinirs 

|  häutigeren  Erkrankungen,  wie  Schnupfen,  An- 


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314 


Krankheit. 


Krankheit. 


ginen,  Katarrhe  überhaupt  (Knuis,  E.  380.  6C8). 

—  (X14.V  Fuchs-KV.  (Jl'uur.i/Ä'i)  (=  Alopecia,  .piod 
rulpei  crebro  Id  mortri  pailatur  vcl  nuod  aimcant 
herlme,  HU  lolitim  vulpis  lueril  eflusum,  l)u  «'ange  1, 
franz.  alopiste,  alopeele,  peladc,  isrtss.  22V)  —  Haar- 
ausfall, weil  die  Füchse  hei  der  Kaiide  (s.  «I.) 
die  Haar6  verlieren  [Cotor,  B,  A.  >i)  (s.  Fuehg). 

—  Fullen-Kx.  -  Fohjenlfthme  (Kalke  i.  298).  — 
fnrchtsame,  -bare  Kr.  =*  Epilepsie  als  schwer© 
Krankheit  (s.  Epilepsie)  (Schindler  I,  759).  — 
Furunkel-Kx.  ^eine  anhaltende  Erzeugung  von 
Hlut*ehwären  (Furtiuculosis)  (Ki.jh>  II,  331  -Tagax 
[t.ucilll]  „»  taugen«!«»  dletus"'  ['.');  frans,  furonele* ; 
im  ferougle.  Da  «  äuge  III.  IM;  IX,  199;  froncle«  - 
le  und  St.  Clotid  [«  Ions  elavus  =  Naget,  Hlutsehwar); 
funiiniilus  =  der  klrine  Iiiuli,  weil  er  ah  Mitesser, 
«I.  h.  Nahrung  wegnehmender  hieb  in  Wurmmaden- 
gestull  galt  -  larroneel  —  latniuctilus  —  kleiner  Dich. 
Bris*.  292;  Du  fange  III.  OK;  VIII.  12;  andere  stellen 
IM  sa  fervmu  uliis  =  Feuer-  oder  Mit/eblatterV ,  Kirsch 
497,  oder  xu  tuivus  —  «litnkclsehwarz  (-],  VIII.  1,0-15). 

—  (1002)  Fuss  (-kr.)  Kr.,  1.  —  an  den  Ftlssen 
leidend  durch  «diene  Stellen  der  Fusshant 
•»der  Unterschenkelgesehw  Are.  —  2.  =  Fubs- 
gtcht  (Podagra).  —  3.  =  Maul-  und  Klauen- 
seuche hei  Tieren  ((ir  w.  IV,  l.  1033).  —  4.  - 
I  lufkrankheit  (Seh.  176).  —  Grtrun^-Krank- 
heiten  —  sogen,  zymotischo  Krankheiton,  deren 
Entstehung  man  der  Ferment-  (s.  garen) 
Wirkung  eines  Infektionskeitnes  zuschrieb  (seit 
den  Kelten  des  Hlppokrates,  der  In  der  I.eber  eine 
($|M»9tC  annahm,  Fuchs  II,  196).  —  galante  (Galan- 
terie-) Kr.  Geschlechtskrankheit  (Veneric 
durch  nohle  Galanterie  (s.  d  )  zugezogen  ((ir.  W. 
IV,  l.  H5a,  Pr,  11,  %44),  die  an  den  Höfen  im 
Iii.  Jahrh.  zur  Mode  (a  la  mode)  gehörte  (siehe 
Modekrankheit  und  nohle  Krankheit);  ein  ftmo- 
aoMM-her  Kdeiniann  soll  na«  h  Vierordt  gesagt  liaheii 
ponr  etre  genlilhonmie,  II  laut  avoir  etö  fournaise  et 
retosda  pour  le  inoini  sept  IoIb.  —  2.  =  (1712)  In- 
fluenza, weil  sie  ehenso  ä  la  mode  war,  wie 
«he  Influeimt  1ÜS9  00  als  „neue  Krankheil" 
(Kuhemann  21).  —  (1015)  Gallen  Kr.  =  eine  Krank- 
heit, «leren  Frsache  mau  früher  in  einer  zu 
reichlichen  oder  zu  verdorhenen  (lalle  suchte, 
Cholacmie ,  <  iallhlüt igkeit ,  Gallen vergifl ung : 
a)  galliges  Erbrechen  mit  Durchfallen  (Ackcr- 

inailti  2*1;  Oder.  II.  A.  K",  US);  h)  die  gallflüssige 

Cholera  (Morbus)  («;r.  w.  IV,  l.lltl).  —  (15**) gall- 
flitssii/r  Kr.  (Tabernaem.)  =  Clmlera  (Morbus; 
<  iallenlluss,  s.  <  iallenkrankheit)  ;w.  iv,  i.  ny»;).  — 
(in?")  gallische  (li?»7) gallige:  ,n;iö)  gallsächtigc  Kr., 
1  -  Krankheit  der  Leber,  als  des  «lie  Galle  be- 
reitenden Organen,  ouer  des  Magens,  der  beim 
Magenkrebs  sogen,  schwarzgalliges  Erbrechen 
macht.  —  2.  -  Cholera  Morbus)  als  Gallfluss 
(s.  d.)  (Iteynon).  —  3.  =  Gelbsucht  (Galletiver- 
stopfung,  ( ialh-nüberlaufen)  (1617,  1699;  <  «>ler, 
H.  A.  107,  168;  v.M.  II,  M).  —  (1787)  schwarz-gallige 
Kr.  -  Morbus  nigerHippokratis.:?;  (Milser II. 
«las  im  Magen  veränderte  Blnt  sah  mau  als 
schwarze  Galle  an  —  gastrische  Kr.  -  Magen- 
krankheit fllnfetan«!  234).  —  (HVI5)  gen  btf  Kt. 
Erbkrankheit  (s.  d.)  (Coler,  II.  A.  166;  1682  con- 
togln==kran<kheit,  die  [jrr]erbt,  K.  W.  I,  r.7l).  —  (1529) 
gefälschte  KT.   (INirm  t  lhii» ,   de  Impo-sluris),    1.  « 


falsch  erkannte  Krankheiten.  —  2.  =  Krank- 
heiten, deren  normale»  Bild  durch  die  Therapie 
verderbt,  verändert  ist,  i,  B.  Syphilis  durch 
Quecksilber  (-Missbraueh).  —  geheime  Kr.  «■ 
heimliche  Krankheit.  —  gcistes-lu.  ~  geistig 
schwach,  geistig  gestört,  anomal  in  Bezug  auf 
das  Geistesleben.  —  GcistesKx.  =  Hirnkrank- 
heiten, bei  welchen  die  Prozesse  des  geistigen 
Lebens,  nicht  mehr  den  äusseren  Anbissen 
entsprechend,  sondern  unharmonisch  mit  den 
Vorgängen  der  Sinnen-  oder  Aussenwelt  ab- 
laufen. ..Unsere  Sprachen  besitzen  nicht  nur  eine 
Menge  von  Ausdrucken  lur  die  verschiedenen  Arten 
und  Urnde  von  tieistes.«tortingen ,  sondern  das 
hantige  unil  weilgrcilcnde  Zusammentretten  dieser 
Wörter  in  allen  Zweigen  des  grossen,  indogermanischen 
Stammes  (»eweist  auch,  <lass  diese  Krankhei'cn  uralt 
sind,  unil  dass  der  Mensch  immer  narrisch  genug 
gewesen  ist"  (Pletet  in  Zeitsehr.  f.  vergl.  Spr.-Forsch. 
V,  322);  als  solche  (ielstesstorungen  von  indogerm. 
Alter  sind  nach  dieser  Quelle  anzunehmen  ausser  Ile- 
trunkeiiheit  (mattus.  Meth)  die  Unsere!  (mauia),  sowie 
Tor,  Uuscl ,  toll ,  dumm  (s.  Geistes-Gebresten). 
—  (1T77,1  Gelehr tcn-Ki.  =  die  durch  die  sitzende 
Lebensweise,  wie  sie  Gelehrte  meist  einhalten, 
verursachten  Gesuiulheitsstörungen  (l.eher- 
anschoppung  z.  B  ).  —  (17*2)  Gclenkc-Kl.,  1.  = 
die  Gleichsucht  (s.  d.)  (IL  II.  I«  I,  626).  —  2.  - 
Füllen-,  Kalber-,  Ferkellahme,  infektiöser 
Gelenkrheumatismus  vom  Nabel  ans  bei  jungen 
Tieren.  —  fis.  Jahrh.)  ganeine  Kr.,  1.  -  Lepra 
(Aussalz)  als  allgemein  damals  bekannte  Krank- 
heit (Kriegt  I,  30).  —  2.  —  Endemia,  Morbus 
populuris,  Sucht,  Mause  (1941;  Kirsch  — 
!  (17*3)  Gemüts  Kx.  m  eine  Anomalie  der  em- 
plindenden,  denkenden  und  wollenden  Seite 
des  Seelenlebens  (=  Gemüt),  Herzbetrübnis 
und  Herz- Angst  (auch  Heimweh)  (BIM.  Med. 
SM;  1781;  nippel.  III,  l.  H>)  —  Geschlechts- 
Kr.  =  eine  venerische,  durch  den  Venusdienst 
erworbene  Krankheit  (Syphilis,  Schanker, 
Tripper.  —  (iv/2)  geschwinde  Kl.  =  Febris 
acuta,  Eclampsia  febrilis,  hitziger  Siech- 
tng  (Seb.  no).  —  Gctcfl/irs-Krankheiten  -  von 
Rechtswegen  bestimmte  Krankheiten  beim 
verkauften  Nutztiere,  die  innerhalb  einer  ge- 
wissen Zeit  sich  herausstellen  müssen;  ist  «lies 
nicht  der  Fall,  so  hört  die  Gewahr  einer  Ent- 
schädigung auf;  solche  sind  u.  a.  Hartsehlüeh- 
tigkeit,  Rotz,  Kaude,  tauber  Koller,  Lungen- 
n.  Leberfaule,  Mondblimlheit  etc.  —  Qeicerbe- 
Kr.  —  die  durch  den  Beruf  als  Gewerbsmann 
zugezogene,  den  einzelnen  Gewerben  in  ge- 
wissem Sinne  eigentümliche  Krankheit,  z.  B. 
Gewerbe- Ekzeme  (Geweihe  2).  —  gicht-)s.x 
(18.  Jahrh.)  (jjichtische  Krankheiten)  =  am  Po- 
dagra (s.  d.  u.  Gicht)  oder  an  Krankheit«!), 
die  auf  gichtischer  Komplexion  beruhen, 
leidend  (Macser  I,  733).  —  (1699)  giftige  Kr. 
Infektions-Krankheit  (v.  M.  II,  128),  bei  der  ein 
wie  Gift  (s.  d.)  wirkender  Stoft"  vielen  Menschen 
zugleich  oiler  auch  nur  einem  einzelnen  ein- 
verleibt wurde.  —  (16s*)  Glieder- Kl.,  1.  - 
Krankheit  einzelner  Organe  gegenüber  den 
allgemeinen  Krankheiten  («ir.  \V.  I,  181).  — 
2.  =  Morbus  sagittae    ;>ohuss,  Einschuss), 


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Krankheit. 


Krankheit. 


315 


(Du  rmisre  V,  sis)  oder  (1713)  Rheumatismus  arti- 
culorutn  acutus,  als  hauptsachlich  die  Glieder 
befallende  1  i  s-)Krankheit  ((iutta,  Podagra, 
Morbus  articulorum  artheticu  bei  Du  Cantrc), 
Aderv'icht  (S.  1!M)  u.  *),  laufende  Gicht  (BIM. 
Medikus  IM;  Nlemeyer).  —  Glotzaugen- Kr.  =  ma- 
ladie  do  Graves,  Graves  disease,  Morbus  Base- 
dowii  -  ein  ständiger  Krregungszustand  der 
van<idilatatorischen  Fasern  des  llals-Sym- 
(■athikus,  wodurch  a)  Glotzauge  (s.  d  ),  h)  Sehild- 
drusenansch  wellung  (Kropf)  und  «•)  Herzschlag- 
bcsehleuni»cnng  (Taehycardie)  entstehen.  — 
Gmwper-Kx.  s.  Knupper-Kr.  —  (!«■*")  grassie- 
rende Kr.  —  weit  und  breit  herrschende,  epi- 
«leinim-he  Seuche  (Georg.  31  i;  MM.  Medikus  613). 
—  (1S.V7)  Gmacn-Krankheiten  =  die  senilen 
Veränderungen  im  höheren  Alter  des  Mensehen 
und  deren  Folgen,  z.  B.  Verkalkungen,  Blut- 
stauungen ,  Sekretionsverminderung  etc.).  — 
Grillen-IZz.  =  das  hypoehondrisch-hysteriBche 

Temperament  a»cmokr.  in.  »).  -  g^X£ 

Kr.  -  Syphilis,  istrische  Kflstenseuche  (Fachs II, 
719;  K.  u  l\  in,  112).  —  grosse  Kr.,  1.  -  (16.  Jahrb.) 
Kpilepsia  (s.  o.  S.  114),  Morbus  gr«>ssns  sen 
magnus  (miil  d'llereule,  le  grnnd  mal,  Du  «ange  V, 
•'•17 ;  Fuch*  Blpp.  II,  IM;  <oler,  II.  A.  101)  —  2.  — (IA99) 
Verlieht  -  Kheumatismus  articulorum  acutus, 
beide  als  schwere  Krankheiten.  —  Gruben  Kr., 

1.  -  die  hei  den  Grubenarbeitern  des  Gotthard- 
Tunnels  zuerst  genauer  beobachtete  Erkran- 
kung durch  den  Kingeweide-Wurm ,  Ancylo- 
stoma  duodeni,  «1er  sich  hei  Ziegel-  und  Berg- 
arbeitern findet  und  durch  italienische  Ar- 
beiter verbreitet  wird  Ägyptische  chlorosl«, 
mul  «octir  [Antillen],  Tun  Tun  (Kolumbien),  «>|»ilacao 
[Brasilien),  itrann,  tier.  Parasiten  ls»5,  s.  23»).  — 

2.  =  s.  Bergkrankheit.  Gritbcl-Kl.,  1.  ■ 
Kriebelkrankheit.  —  2.  —  Grübelsucht.  — 
Grnnd-Kr.  -  «lie  bei  einem  krankhaften  Zu- 
stande die  llaupterscheinungen,  sozusagen  den 
Grund  bildenden  Symptome,  die  einem  be- 
stimmten Krankheitsbilde  entsprechen,  im  Ge- 
gensatze zu  den  zufällig  gleichzeitig  vorhan- 
denen Nebenerscheinungen.  —  Haar-Kr., 

1,  =  lljHteria,  „ein  itrowr  Schmerzen  «1er  BrMt, 
den  die  Weilar  bekommen,  wann  nie  etwa  uugetrthrllch 
ein  Hiu«r  eintrinkeii"  (Taburnaem.),  Anomalie  der 
Empfindung  auf  hysterischer  Grundlage.  — 

2.  =•  (17*2)  das  Ausfallen  der  Ilaare  am  Hinter- 
haupt«* (Crnnio  laben)  der  rbachitischen  Kinder 
(M.  Ii.  4.  I,  479).  —  3.  =  Eiterpusteln  im  Uaar- 
bodi-n,  flherhaupt  Krankheiten  des  letzteren 
(=  Trlchtaola,  Hlppokr. ;  Kraus.  F.  Ii«!).  —  4  -  die 
falsche  Stellung  der  Wimjierhaare  (Distichiasis, 
Tiehinsis  oculi).  f>.  =  der  Wichtelzopf  (M.  II. 
i.  l.  o.;  Felke  II,  376).  —  (1870)  Hadern-Kr.  -  der 
durch  das  Sortieren  der  Wolle  aus  den  Hadern 
Verbreitete  Milzbrand  frngpi.  ker*  disease,  l.ehf.  is; 
Bollinger).  —  (179o;  Hämorrhnidnl  Kr.  =•  (Gold- 
ader, Hämorrhoiden  (s.  d.)  (Vogel  V,  111).  — 
(1602)  H(d*-¥LT.,  böse  -  Diphtherie  uls  lnf«-k- 
tionskrankheit  (»  ynanche  [SrpilnantUi],  es.julnanee, 
mal  Monsieur  St.  Marlin;  1343  Inflrmlla»  8t.  Martini, 
MwtbM  St.  BtaslI;  n.  St.  Rlasiui  u.  St.  Marlin;  Inclienh. 

Mirukülb. ;  Du  couge  v,  &17;.  —  Harn-Kx.,  L  -  eine 


Krankheit,  wobei  das  Harnen  behindert  ist. 

—  2.  —  eine  Krankheit  «1er  Harnblase.  — 
3.  =  eine  Krankheit  des  Harn-  und  ßeschlfiehte- 
ap parates  (Gr.  w.  IV,  2.  491).  —  harte  Kr.  = 
schweres,  schmerzhaftes  Leiden.  —  Hau-Kx. 

—  eine  durch  Aufnahme  von  Blei  in  «lie  Kin- 
geweide  bei  Rindern  veranlasste  Erkrankung, 
wobei  die  Tiere  krampfhafte,  an  das  Hauen 
mit  ilen  Hörnern  erinnermle  Kopfhewegungen 
machen.  -  -  Haupt-Kx.  (thürlng.-hunneberg.  liaet 
kränket,  Fromm.  VI,  017),  1.  =  die  grosse,  haupt- 
sächliche Krankheit,  Morbus  epidetnieus  (1579 
neue  llauptkronkheit  jetziger  Zeil  =  Pestis,  l'hreiicsis 
(Typhus),  Ur.  W.  IV,  2.  f.is).  —  2.  =  eine  Krankheit, 
«lie  vor  allem  im  Haupte,  Kopfe,  oder  Ge- 
hirne ihre  vorwiegenden  Symptome  hat  (Haupt- 
weh,  Migräne,  Hauptgeschwilr,  Wehtag  des 
Hauptes,  llauptgesficht  etc)  (<it.  W.  L  eo<l.; 
Ooler,  B.  A.  KU)  l'hrenitis,  Mania  fehrilis,  De- 
lirium eitrn  febrim,  auch  Kpilepsia  (Frais).  — 
3.  —  K»fi6, 1637, 1677)  Morbus  hungaricus,  ungarische 
Hauptkrankheit  (s.  ungarische  Krankheit), 
„welche  vom  Lager  von  Komorn  (in  Ungarn) 
aus  mit  dem  entlassenen  («leutschen)  Heere 
(Iber  S«d-Kuropa  sieh  verbreitete"  (ir.i.fi;  Lereefa 
•,M7)  untl  wegen  «1er  vorwiegenilen  Gehirn-Kr- 
scheinungen  (Kopfschmerz,  Schlaflosigkeit, 
Delirium)  so  benannt  wurde  (Zw.  7SS)  —  l'ete- 
cbial-Typhus  oder  l'etechinl-Fieber  als  <i  .7-j) 
gefahrliche  Hauplkr.  (I.erwrh  V<0)  -  (1699)  „hitzige 
Hauptkr."  o«ler  „ßtflii;e  Hauptkr."  (A.  v.  II.  I, 
643;  v.  M.  II,  121.  126;  Lerscb  249;  Baeser  II,  369. 
115;  Schnurrer  II,  1S2).  — •  4.  —  siebe  auch: 
Grundkrankheit;  ursprüngliche  Hauptkr.  (1483 
nuprinekUelM  knutekbelt  des  lumbpu  —  müemnua, 
«lolor  capitis,  D.  200)  -  Migrftue  (s.  d.)  als  Krank- 
heit des  Kopfes,  die  in  den  Haupt-  oder 
Gehirnnerven  selbst  ihren  ursächlichen  l'r- 
sprung  hat.  —  (i»2y)  ^«u/-Krankheiten  —  „alle 
Veränderungen  der  Textur  und  Farbe  der 
Haut  sowie  auch  alle  funktionellen  nnd  dy- 
namischen Störungen  derselben"  (Hehren«!  II) 
Veiwhledsnt  ButllkrMkbcItcn  (Kratze,  /itterncli,  lt"it 
luul,  Flechten,  <»lim,  blättern,  Muttermal  etc.)  hatten 
schon  in  liidoKermaulsnben  Zeiten  ihre  llexcichnuugtll ; 
iiberhaii|>t  »lud  <lle  Namen  fiir  Ilautkrankheiteii  Im 
Volkomuntlc  »ehr  hflnlig  und  in  ihrer  Art  u.  Weise  oft 
K»nz  treffend  gewählt  (Kuhn,  Zeilschr.  V,  311).  — 
(1620)  Heer-Kx.  —  die  beim  Kriegsbeere  häufig 
vorkommende  Krankheit,  Dysenteria  v«ir  allem, 
(Dr.  Minderer),  Febris  petechialis,  Lagerrubr, 
Feld-,  Armeekrankheit,  KriegBtyphus.  —  (iv,i) 
heftige  Kr.  -  Morbus  acutus,  scharfe,  hitzige 
Krankheit  {<;r  \v.  vm,  2181).  —  (W4Ö)  heilige 
Kr.  (-  i"berset/.unK  des  Morbus  saeer  Hipiiokr.,  mal 
sacri1,  Hriss.  IfV;  Fuchs  II,  .'»!),  „weil  sie  mit  Kni- 
•  idiuuuk'  «ler  «iotlhelt  und  Itesehworuiiir  der  Dämonen 
behandelt  wurde",  1.  -  Lepra  (Alfiis,  Vitilig«») 
(Du  fange  I,  176),  als  gefürchtet«',  weil  unheilbare 
Krenkheil  —  2.  =  Syphilis  lcs  Morbus  sacir, 
mimliili"  intirmitu«,  Fuchs  311.  117,  cui  diviui  aliquid 
inest),  vor  der  die  ganze  Menschheit  zurück- 
schauderte. —  3.--  Fclampsia  infantium  (Bippo 
cratea,  do  aere  III)  (fl.  4).  —  4.  =  Hieronosos 
(Arutaui)  (Kram,  K.  168)  =  Kpilepsia,  eo  <|Uo«l 

|  sacrai  hominis  partes  ut  est  caput  et  meutern 


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310 


Krankheit. 


Krankheit. 


oceupnt;  bei  vielen  Naturvölkern  so  bezeichnet, 
als  unheilbare  und  besonders  au  (fällige  Krank- 
heit (bei  Kindern  ist  die  Eclampsia  alt« 
Kindlweb  mit  Kpilepsia  vom  Laien  verwech- 
selt) (Du  Cwig«  IV,  142;  Colcr.  H.A.  101,  Baas  es ; 
Itipfiokr.  1.  c.J.  —  Heim-Kx.  -  Heimweh  (s.  d.; 
Noslalgia)  (engl,  homeskk).  —  heimlitlu;  geheime 
Kr.  ■  innerliche,  nicht  offene  Krankheit  fia 
inuliulle  »eeretc,  [VA>v]  oli-cure  -  Kf.ih  j.siii  «.  H  ,  Du 

tenge  v,  5is>.  —  //.rWKranklieiten  =  die 
schon  hei  HippokrateB  (Aphorismen  III,  l)  er- 
wähnten, mit  der  rauheren  Jahreszeit  ein- 
tretenden sogen.  Erkältungskrankheiten  und 
herbstlichen  Malariatieber.  —  Herden-Kx.  = 
die  unter  deu  Herden  des  Weideviehs  oder 
des  Wildes  auftretende  ansteckende  Krankheit 
(Pocken,  Wildseuche,  Kunde).  —  (low)  Herren- 
Kr.,  lustige,  reiche  —  Podagra,  Misoptochos, 
das  zumeist  die  Lebemänner  befallende,  die 
Armen  mehr  verschonende  Zipperlein,  Gicht 
Ciliar.  n::t;  A.  v.  H.  I,  in)  (Mannerkrankheit).  — 
Herz-  (-kr.)  Kr.,  1.  -  Herzleiden,  Morbus  eordis 
s.  eatdiaeus,  den  Veda-Indiern  schon  be- 
kannt {liuns  48).  —  2.  —  (mal  de  coeur)  Magen- 
leiden (s.  Herr.).  —  hessische  Kr.,  1.  —  [1803)  die 
durch  hessische  Truppenkontingente  nach 
Deutschland  eingeschleppte  Syphilis  (K.  u.  P. 
III,  112;  l»r.  II,  506).  —  2.  -  (1693)  ein  „giftiges", 
in  Hessen  grassierendes  „Krampfticber"  (Er- 
gotismus, Kriebelkrankheit?)  (v.  M.  II,  160).  — 
3.  =  s.  hessische  Seuche.  —  Heun  sehe  Kr.  - 
die  HOnnicbe  (s.  d.)  und  die  ungarische 
Krankheit  (s.  d.);  d'Heüseh,  Haische  (Losch, 
Würit.  Jahrb.  1890,  227).  —  hinn'sehe  Kl.,  1 .  -  die 
Httnnicbe  (s.  d.)  und  ungarische  Krankheit. 
2.  —  der  hündische  Appetit  [a.  d.;  Bulimia).  — 
Hiobs-Kx.  s.  Jobekrankheit.  —  ÄiVn-kr.  - 
geisteskrank  (<ir.  W.  IV,  2.  vm).  —  (las)  Hirn  Kl. 
kalte  (TiiiK-rnui  m.)  =  rheumatischer  Kopfschmer«. 
—  (l"'.i:.  Hirseh-Kl.,  1  das  Steifsein  (s.  Räch) 
des  Pferdes  auf  einem  oder  auf  allen  Gliedern 
(Hr.  w.  IV.  2. 13i'.8).  —  2.  i=  der  Trisrnus  (Tetanus), 
Starrkrampf  beim  Pferde,  Kieferklemme,  Maul- 
sperre, Kinnhackenkrampf,  Klapbia,  mal  de 
cerf  (AlitlB.  58;  Mayer  161;  Gr.  W.  VI,  lSus.;  engl, 
hari-evll,  Hlnchübel),  wobei  das  Pferd  den  nach 
vorne  gestreckten  Kopf  durch  die  Halsspannung 
(s.  Ranke;  so  tragt  wie  ein  Hirsch.  —  üsi2 
Hirse-Kr.  -  Hirst'sn.'ht  (Falke  1,  399),  —  (17. Jahrb.) 
Iiitz-kl.,  1- krank  durch  Sonnenhitze,  Sonnen- 
stich, Hitzschlag.  —  2.  -  durch  eine  hitzige 
Krankheit  (».  d.)  (Fr.-Kr.  B.  iuh).  —  (1781)  hitzige. 
Kr.  (nhd.  hiwn.  m.  Hitze),  1.  Kebris  calida,  Ücvre 
chande,  Morbus  calidus,  mal  cbault,  mal  de 
clialear  (Dadug«  ix.  2r,o),  je.le  akut  fieberhafte 

Krankheit  überhaupt.  |z.  ü.  [Ti:-.l]  hluigu  kn.iiket 
Lungenentzündung,  Wolf,  ille  llnitmc  [s.  it.],  1,'hr. 
Snm.  II,  12;  ländlicher  rniversaluams  aller  Krnnl. 
beltea,  Hippel  III.  266).  —  2.  -  Pestis  (Petechial- 
Typhus?)  (bei  Abraham  «St.  rlaro).  —  £  =  Typhus 
abdominalis  IHavarla  II,  a.  »79;  l>r.  Br.  Sch.  27).  — 
Hodgkin  sehe  Kr.  ;  die  von  Hodgkin  (i7v^ — ix.r.j 
zuerst  (1832)  geschiblerte  Pseudo-l.eukaemia 
(lfabw).  —  Hohen-Kx.  =  Bergkrankheit.  — 
llirner-Kr.  ~  ein  bösartiges  Katari  hallieber 
beim  Klauvieh,  wobei  die  Fleisch  wand  der 


I  Hörner  und  Klauen  sich  loslöst  und  fault 
(Zli>p.  52»  IT.).  —  Holz-Kl.  e.  Waldkrankheit.  — 
Hormeurm-Kx.  die  durch  den  Aufenthalt  der 
Sehafbremse  (Hornwurm)-Maden  in  den  Nasen 
höhlen  der  Schafe  verursachte  Krankheit  (ZJpp. 
626).  —  (17&*  )  5»*.  Hubertus-Kx.  =  Lyssa,  Rabies 
(au«  «lern  Kran*' tischen  entnommen ;  le  mal  ilc  St.  Hu- 
bert, Bulletin  de  Kolklore  18;i3,  II,  B;  in  Frankreich  ist 
St.  Hubert  l'utron  gegen  «lie  Ilundswtit,  deren  Bl*s- 
wundeii  mau  mit  dem  llubertusuchlussel  ausbrannte 
[wie  anderswo  mit  den»  Aldlngor  oder  l'cters  .  llrichs- 
Schhissel],  A  v.  IL  I,  129 ;  Leutheuuinver,  Forst  32; 
namentlich  um  das  Jahr  17.1.'.  scheint  die  Hundswut 
besonders  stark  oplzootiscb  aufgetreten  zu  »ein)  (siebe 
w innig  und  Hundswut).  —  Hupel-  (Hiebel)-Kx. 

-  die  Kriebelkrankheit  (s.  d.)  (law.  IM),  welche 
kleine  brandige  Hüpel  (Knötchen,  Pusteln) 

J  macht  (Schnurrer  11,  9S.  liti;  weuu  nicht  fulsch  gc- 
)  lesen:   W  iehclkraukheit  [s.  Wtebel»ucht]i.    —  (1529, 
15U)  Huft-Kx.  *  Ischias,  der  Schmerz  an  dem 
hinter  der  Hüfte  ausgehenden  Ischias-Nerven, 
I  „ein  kalter  Schmerz"  (-  Rheuma)  (Bock  166).  — 

—  (1529)  neue  Hüflkr.  =  Nierenschmerz  bis  zur 
I  Hüfte,  dem  damals  bei  der  Syphilisbebandlung 

eingerissenen    Quecksilbertnissbratich  zuge- 
schrieben (Paracelaus).  —  Humoral-Kx.  =  B&fte- 
j  (=Humores)  Krankheit  (Kalkei,  OO).  —  hunnsehe 
Kr.  s.  Hünsche.  —  Hundc-Kr.,  1.  =  Morbus  cani- 
i  nus,  corebereus  (H99)  -  Syphilis ;  ein  Scheusal 
I  gleich  einem  Höllenhunde,  so  nennt  ein  Regens- 
burger Domherr  seine  Krankheit  in  wegwerfen- 
der Bezeichnung  (VoohsttS,  m).  —  2.  =  ein  epi- 
sodischer Darmkatarrb  bei  jungen  Hunden 
(sog.  Sucht),  vermutlich  durch  einen  Parasiten 
im  Fleische  verursacht  (Gr,  W.  IV,  2.  19S2).  —  3.  = 
8.  Hund  (engl.  dog*lck).  —  hundertfältig  boxe  Kr. 
ss  eine  ungeheuer  bös?,  schwere  Krankheit, 
wofür  man  früher  77  od.  99  sagte  (s.  77)  (Kuhn. 
!   Wolf,  sagen  II.  213,  M6  ;  Zeitschrift  für  vergl.  Spr  - 
Wlawnacb.  Xlll.  1:10).  — Huudsfoder-Kx.  —  Nost- 
!  algia ,    Heimweh   (Nicolai,  Reisen),   eine  ver- 
|  ftehtliche  Krankheit,  deren  man  sich  schämen 
soll  (Schweizerkrankheit).  —  hunyarischt  Kr. 
=  s.  angarische  Krankheit.  —  Hunger -Kx., 

-  die  bei  ungenügender  Krnilhrung  besonderH 
in  Hungersnöten  meist  seuchenartig  auftreten- 
den Krankheiten, z.  B.  Flecktyphus.Skorbut  etc. 

-  (1713)  Huren  Kr.,  a)  =  Syphilis  (Hlbl.  Med.  M7); 
b)  bösartiger  Tripper  (1761 ;  L.  cb.  3s).  —  Jährt»-, 

I  jährliehe  Kl.,  1.  —  die  Krankheiten,  die  das 
ganze  Jahr  hindurch  vorkommen,  wogegen 
man  ehemals  den  St.  Johannisgürtel  trug 
ILonlc.  181;  1-W  kriiuekheiten  dess  JnhrsV  —  2.  — 
(151  >  jahrliche  kranckheit  -  aunolus  [morhusj,  I>.  :t6; 
Kirsch  62)  =  eine  alljährlich  sich  bei  einem 
Individuum  oder  in  einer  Gegend  einstel- 
lende  Krankheit.  (1797)  ^airx-Kr.  (morbus 
Jnw»  dictum,  7.  1101).  XIV,  1.  70S;  Toepelm.  293  .  Hirsch. 

lldijch.  d.  b.  gen«,  l'ath.  1883,  Ii,  69)  =  ein  parasi- 
tkres,  syphihsalinliches  Hautleiden,  das  durch 
Sklavenschiffe  aus  Afrika  nach  anderen  WeH- 
teilen  verschleimt  wurde  und  bei  den  Malayen 
unter  dem  Namen  Jaws  verbreitet  ist.  —  ihre 
Kr.  =  Menses  (Frauenblödigkeit).  —  Infektions- 
Kr.  eine  hauptsächlich  unter  den  Erscheinun- 
gen von  Kntzüudung  u.  Fieber  sich  äussernde 


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Krankheit, 


Krankheit. 


317 


durch  die  Ansteckung  (s.  d.)  od.  Aufnahme  von 
Krankheitsgift  »h?r  Mikroben  in  den  Korper 

veranlasste  Krankheit.  -  }  Kr., 

1.  =  eine  in  den  inneren  Organen  «ich  entwick- 
elnde Krankheit,  im  Gegensatze  zu  den  äusseren 
Krankheiten.  —  2.  =  die  Psora  Hahnemanni 
(s.  Krätze).  —  8.  -  Epilepsia,  Eclampsia,  von 
inneren  Organen,  dem  Nervensysteme  aus- 
gehend froler  W.  353).  —  (HW)  St  j'ohs-Kl.  (Seut. 
Jobs  krenekdc),  1.  =  Syphilis,  Morbus  gallicu«, 
8.  St.  Maevi  (n»ser  II,  222;  Krau«,  E.  633;  Pr.  I.  71, 
86;  1«  mal  St.  Job,  Bris*  „MO  ,  eonf  .  engl.  Jobs  dock 

—  ein  Schwitz- Kasten  zur  Behandlung  des  Speichel- 
flusses bei  der  merkuriell  behandelten  Syphilis, 
Kaltscbm.i.  —  2.  =  I<eprn  Hebraeoruin,  Zaraull) 
(*.  auch  8t.  Jobssucht),  Morbus  Job.  (Fuchs  i, 
AIS),  1510  ,,mlt  dieser  Krankheit,  vermeinten  etliche 
Menschen,  halten  die  Teufel  durch  Yerhnngung  Gottes 
den  geduldigen  Job  gestraft"  (1.  c.);  der  biblische  Job 
litt  an  einem  schweren,  entstellenden,  in  Geschwürsfonn 
übergegangenen  Ausschlage  mit  Knochensehmerzen 
'Syphilis)  —  morbus  pustularum  quem  morim  Joii 
pleri<jue  appellavernnt  f  1  ">  1 1  u.  H99;  Fuchs  I,  312). 

(16910  St.  Johannes-Kl.  =  fallende  Sacht,  Epi- 
lepsia,  Veitstanz  (s.  Tanz)  (die  durch  den  Gennss 
von  Geiss  [Bock-]r*lei|sch  [Kulie'sen '']  verursacht  an- 
genommen wurden  («.  St,  Johannes],  v.  M.  I,  SO;  auch 
Morbu«  solsütiali«  genannt  [ltri«s.  2M.  256),  wegen 
des  St.  Veits-  oder  St.  Johanncstnnzes  in  der  Zeit  der 
Sonnenwende;  dem  hl.  Johannes  wird  aneh  In  Flan- 
dern ein  ,,le!*endes  Her/"  in  f. estalt  einer  „Itlgrlm" 
genannten  Henne  geopfert,  De  <ock  V.-K.  1H9.'i,  8.  12) 

—  (1785;  jutländische  Kr.  —  dietmarsche  Krank- 
heit (s.  d.)  =  Syphilis  (K.  u.  P.  III,  112).  —  (175-1) 
jM^cnrf-Krankiieiten,  1 .  solche  Krankheiten, 
die  in  der  menschlichen  Jugend  häufiger  Bind, 
wie  Blutsturz,  Nasenbluten,  l.ungentuberkel, 
Skrophulosis,  hitzige  Fieber  f.\.  v.  H.  I,  813).  — 

2.  =  bei  jungen  Tieren,  z.  H.  Fohlenlttlime.  — 

.        ,.i  .,  (1706)  Jungfrauen- 

"■  =      J'^ndsündcn.    ~   flT2.-.»  Jungfern. 

Kr.,  l.  =  Febris  amatoria  s.  flava  (Liebeslieber, 
s.d.),  Morbus  virgineus  — Chlorosis  (Dr.  Pommers 
Han*val«-rbneh  ;  Thea,  «an.  Br.  201;  A.  v.  H.  I,  395; 
«;r  w.  IV,  2  23sr,;  _  die  bei  mannbaren  Jung- 
f rauen  häufige  Bleichsucht  (b.  d.)  (Pauli  88).  — 
2.  =  cblorotisches  Fieber  (-  progressive,  per- 

nicioBe  AnUmie)  (Elehh.  II,  793  ;  die  sog.  Jungfern 
krank  heilen  [Partheuonosos]  wurden  namentlich  zu- 
erst von  Gnill.  Haillou^l'AH  — 161»'.  Paris]  beriicksfchtlgt : 
Mennig  In  (ierhardt  I,  34).  —  flÄtt)  kalte  Krank- 
heiten =  aus  kalter  Kumplexion  (s.  kalt  3)  er- 
folgende cltronische  Gelenk-Krankheiten  oder 
Katarrh  (Flüsse)  (Maachenb.  1*1 ;    Kraut»  XXIV 

—  (isoi)  Kanadische  Kr.  =  dio  in  der  nordamen- 
kanischen  Golonie  Ganada  am  Huronsee  ein- 
heimische Svphilis  (Toepelm.  293;  Pr.  11,606).  — 

(1822)  Karbunkel),  &  _  Milzbrand  beim  Vieh 
(1S20)  Karfunkel  ) 

(Anthrax  -  Karbunkel)  (Feser  130;  ltardeleben  I, 
300;  Zlerossen  ndb.  III.  469)  (s.  Karbunkel).  —  (1670) 
Katien-Ki.,  1.  =  (16«0)  katzenhirnii.'  >.  d),  als 
ob  man  Katzenhirn  gegessen  hatte ,  das  als 
eine  zauberhafte  Arznei  betäubt,  schwindelig, 
toll,  närrisch  machen  tollte  (Gr  tv  V,  296).  — 


2.  —  s.  Kalzenveit.  —  KehlKr.  fl7.  Jahrb.  krnnk- 
heit  der  Kehlen,  Fr.  Kr.  B.  *:*>)  =  Krankheit  an  der 
Kehle  (s.  d.).  —  (172..)  Ä'inrfer-Krankheit<en), 
1.  -  hauptsächlich  die  im  Kindcsaltcr  hau- 
filteren  (zuerst  eingehend  namentlich  von  A.F.  Herker 
[lTi.3 — mi]  beschriebenen)  Krankheiten ,  z.  B. 
Keuchhusten,  Masern,  Diphtherie,  Veitstanz, 
Rhachitis,  (1625)  Scharlach  (Pr.  II.  620.  701  ■  Hecker 
222).  —  2.  =lm  The«,  sanll.  Br.  (127)  wird  speziell  die 
Khachitis  als  „die  Kinderkrankheit"  bezeichnet, 
wie  sonst  der  Keuchhusten  als  Kinderhtisten. 

—  3.  =  die  Kinderblattern  (s.  d.).  Im  Durchschnitt 
ergriffen  die  epidemischen  Blattern  alle  fünf  Jahre  die 
pockenfithlge  Bevölkerung  Da  nun  diese  Pocken- 
fähigen  grösstenteils  aus  der  seil  der  letzten  Kpideinie 
durch  Getmrt  zugewachsenen  Bevolkcriingsklassr  be- 
standen, so  wurden  die  Blattern  allmählich  eine  Kinder 
kraiikheit,  und  zwar  eine  solche  der  schlimmsten 
Art.  —  4.  =  (scherzhaft  entschuldigend)  =  Jugend- 
sflnden  (s  d.V  —  (1795)  Klauen-Kx.  =  Maul-  u. 
Klauenseuche  mit  Blasehenhildung  zwiachen 
den  Klauen  des  Hornviehs  (Ablg.  Iis).  —  Klee- 
Kr.  =  eine  bei  Pferden  bisweilen  auftretende 
Maulentzündung  infolge  von  Fütterung  mit 
Hastardklee  (Trifolinm  hybridum),  eino  der 
LnpinOfle  (s.  d.)  ähnliche  Krankheit.  —  klima- 
tische Kr.  —  die  in  dem  Klima  einer  Gegend 
begründete  Krankheit,  s  .Frühlings-,  Ilerhst- 
krankheit  (Kraus,  K.  MS).  —  Knir-Kl.  -  F.xo- 
stosen  und  Synostosen  am  Garpus  (Knie)  deH 
Wildes  und  Kindes  (Forster  II,  loio).  —  (1792) 
K nochvn  -Krankheiten  =  die  im  Knochen- 
system auftretenden  Krankheiten  (Pr.  II,  497). 

—  (1822)  A'Mo/cH-Krankheiten,  1.  -  Karbunkel- 
beulen bildender  Milzbrand.  —  2.  =  Kausch- 
brand, weil  beide  Hautknoten  machen  (Feser 
C9,  l.-oV  —  Kmtpper  (<7«up/wr)-Kr.  =  die  Tralicr- 
krankbeit  (s.  d.)  oder  das  Schruckigsein  iler 
Schafe,  wobei  die  Tiere  nervöse  Keizungs- 
erscheinungen  darbieten,  z.  H.  Knirschen  mit 
den  Zahnen,  Benagen  der  Haut  (Knuppern), 
Zusammenbrechen  im  Kreuze  (Kreuzdrehe, 
Kreuzruhe)  (Zipp.  627;  Falke  I,  345;  II,  13.68).  — 
Königs-Kx.  s.  KonigB-Gbe).  -  -  (UM]  Körner- 
Kr.  =  Conjunctivitis granulosa, Trachom,  Binde 
hautentzttndung  mit  Bildung  von  froschlaich- 
artigen, körnigen  Wacherungen  auf  der 
Schleimhaut  des  Auge«  <PIcrvr7,  II,  26;  M.  Med. 
W.  1897,  S.  182.  453;  „eine  Volkskrankheit,  deren 
Kenntnis  bei  den  Ärzten  der  hippokratischon  Schule 
eine  ganz  vorzügliche  war,  Im  Mittelalter  ntver  gänzlich 
verloren  ging",  L  c  ).  —  Koltons-Kl.  s.  Kolton.  — 
konstitutionelle  Kr.  eine  auf  der  Anomalie 
aller  Safte  des  ganzen  Körper«  beruhende 
Krankheit  wie  Scrofulosis,  Syphilis,  Gicht.  — 
K<>pf-K.T.  (mhd.  houbetsieeh,  Gr.  W.  V,  177*",),  1.  — 
eine  Krankheit  oder  ein  Leiden  im  Kopfe 
(meist  ■  Gehirn).  —  2.  -  eine  akute  kalarrha- 
lische  oder  diphtherische  Entzündung  der 
Nase  und  Stirnbeinhöhlen  (Gehirnhäute)  im 
Kopfe  des  Haus-Kindes  =  hitzige  Kopfkrank- 
heit mit  starker  Benommenheit  des  Bewusst- 
seins  und  Schlafsucht  =  Katart  halfiehcr  2 
(Förster  II.  335,  Martin-,  Zipp.  ''17.  292).  —  3.  =  der 
Kopfgrint  der  Kinder  (1*01;  Weikard.  Kegist. ).  — 
Krtitzi  -Kr.,  innerliehe  (Hahnemann)  -  jede  nicht 


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Krankheit. 


Krankheit 


syphilitische,  nnf  sogen.  Blutschitrfe  (Psorn) 
beruhend  angenommene  chronische  Dyskrasio 
(Kopp  Ii,  378.  398.  in).  —  iiVa»Mp/-Krankheiten 
—  Krankheilen  mit  Symptomen  von  Konvul- 
sionen oder  Krämpfen  (Asthma,  Epilepsie, 
Eklampsie,  Koliken,  Keuchhusten  etc.)  (So- 
bernheim 199).  —  (1561)  KrebaKl.  —  Cancer  (siehe 
Krebs)  (Hock,  Krlrheh.  ReRisl. ;  morbus  dracuncnll 
=  morbus  cunori,  DnCQOgt  V.  ">17).  —  (1M1)  Kriebii- 
[Kribbel-)Kl.,  1  —  Krampfsucht,  ziehende 
Seuche,  Kricbelsucht,  Mutterkorn  Vergiftung 
(Ergotismus;  Pellagra?)  nach  dem  dabei  vor- 
handenen juckenden,  knebelnden  [grübelnden, 
daher  auch:  „GrübelBucbt")  Hautgefühle,  na- 
mentlich in  den  Spitzen  der  Extremitäten 
(=  Ameisenkriechen,  Formica)  (Unser  Ii,  351.  4:ty. 
ISS j  1374;  Lcrsch  166;  Ackermann  ts-i ,  Kichhorst  11, 
235.  5T.2;  Sehnurrer  II.  137—151,  Herker  316.  318; 
Kram.   K.   645.  891;   Gr.   \V.   V,   2015.  L'JOT»);  (1648) 

Plnueneche  Kriebel-Kr.=die  damals  im  Büchs. 
Vogtlande  herrschende  Mutterkorn-Vergiftung 
(Ht-ckcr  321).  —  2.  —  Kaphunia,  Formicatio  —  «las 
krankhafte  Gefühl  des  Ameisenlaufens  als 
uliopatischcH  Leiden.  —  3,  =  als  Übersetzung 
des  alten  Krankheitsnamens  Formiea:  a)  Ignis 
sacer  (s.  St.  Antonius- Feuer);  (leu  «aerc  [11.  Jahrb..] 
Villar  I,  598;  1828  Kryttaenia  cpidcmleum.  Vill.  I,  30); 
Ii)  Anthrax  (s.  d.)  (Kolke  II,  45);  Vieiordt  (75) 
sagt  über  diese  Verschiedenheit  der  Au  Häu- 
sling und  des  Verlaufes  des  Ergotismus  gan- 
graenosum: „es  bedarf  nur  einer  Veranlas- 
sung, vor  allem  des  Einsetzens  irgend  einer 
akuten  Krankheit,  z.  B.  Typhus,  Pocken, 
um  in  dem  durch  Mutterkorn  vorgifteten 
Körper  die  schlummernde  Neigung  zum 
kalten  Brand  (s.  Feuer)  hervortreten  tu 
lassen".  —  (UM)  Krimmische  Kr.  =  „eine  be- 
sondere Kachexie  mit  1  lautleiden"  (Bebiead; 
Piarar 7;  II,  110)  (Aussatz,  Lepra  taurica).  -  Kropf- 
Kr.,  I.  >tnima,  die  Kropf-Bildung  mit  ihren 
krankhaften  Folgen  und  Störungen  beim 
Herwehen  (Bobenheim  an).  —  2.  =  Pferdekropf 
(1796]  (s.  d.)  (Abllg.  28).  —  3.  =  katarrhalisch*-  F.nt- 
zündung  der  Luftröhre  beim  Rinde  mit  An- 
schwellung der  Ualslymphdrosen  (Nfartin).  — 
KtUttn-Kx.  =  eine  nur  an  Küsten,  nicht  aber 
an  hochgelegenen  Orten  vorkommende  Krank- 
heit, z.  B.  gelbes  Fieber.  —  Kurländische  Kr. 
Syphilis  od.  lithauische  Krankheil  (IT.  II,  506). 

—  Laden-Kl.  —  Krankheit  od.  Verletzung  heim 
Pferde  an  dem  zahnlosen  Teile  der  Kinnlade 
(Gebiss;  s.  Frosch).  —  lAhmunga-Kx.  «■  die 
Pferdeheschal-Seuche,  welche  in  Lahmungfl her- 
geht (Zipp  329).  —  (1734)  Läitsf.-Kr.  (leu«  krankheit) 

—  Pblheiriasis ,  eine  frflher  als  Morbus  sin 
generis  angenommene  Krankheit,  wobei  Lause 
und  Maden  den  Körper  angeblich  durchkrochen 
(Gr.  W.  IV,  2.  639),  und  an  der  selbst  Könige  und 
Ahle  gestorben  sein  sollen;  es  ist  aber  wahr- 
scheinlicher, dass  diese  Todesfälle  durch  chro- 
nische anderweitige  Krankheiten  verursacht 
waren,  die  ein  langes  Krankenlager  zur  Folge 
hatten,  wobei  auch  bei  sonst  reinlichen  Leuten 
l'ngezicfer  sich  einstellte  [Ktohhont  II,  MM),  das 
dann  überhandnehmend  diese  Rogen,  l.aus- 
krankheit  darstellt  (Irans,  le*  tfro*  j.oux  *  appe- 


latent  „etrani  [s  Sircii]  de  St,  Job"  11  n'en  laut  .|nc 
trola  pour  faire  Uli  ladre  [  -  AmüsaU],  Itrls»  224 ;  ?*£'.f< 
■  Lau»  [pen];  Thes  .«an.  Br.  141)  (vergl.  Lausesucht). 

—  (1752)  J^iger-Kx.  —  Morbus  castrensis  s.  mili- 
taris,  jede  ansteckende  Krankheit  unter  den 
Soldaten  im  Feldlager,  namentlich  der  Petechial- 
typhus und  die  Ruhr  (Feldkrankheit,  Krie«- 
krankheit,  ungar.  Krankheit,  Lagersucht  etc.) 
(A.  V.  n.  I,  840;  Gr.  W.  VI,  68).  —  (1754)  Land-Kx. 
=  Endemia  der  alten  Griechen,  jede  Krankheit, 
die  in  einem  ganzen  Lande  endemisch  oder 

I  epidemisch  herrscht  (Skorbut  in  Holland  t.  H.) 

i  (nach  A.  v.  II.  I,  598;  L.  chlr.  51).  —  (1546)  lang- 
urieriqe  Kr.  =  chronische  Krankheit,  die  schwer 

;  zu  heilen  ist,  Morbus  tenax  (Cir.  W.  VI,  1S7),  im 
Volksmunde  zu  (1743)  „langweiliger  Kr."  um- 
gebildet (Andre«en  99;  Hahn).  —  St.  LaxurUS-Kx. 
(1369  mortui»  9t,  I. azart,  Dil  Cnnce  V,  517;  1699  de« 
Lazarl  krnnkhclt,  v.  II.  II.  l:tt;  mal  St.  Ladre  -  la 
ladreric,  AiiMatz)  —  Lepra,  Aussatz,  an  dem  der 
biblische  Lazarus  gelitten  haben  Boll  (au*  den 
l.eprogcnhauscru  entwickelten  dich  die  Lazarelho, 
Kehrend  66;  Mihi.  Medik.  576).  —  Leber  Kl.,  L  — 
Leiden  an  der  Leber  (s.  d. ;  Morbus  hepaticus). 

—  2  -  (161 S  alt  leberkranekhelt)  =  Syphilis  (l'ara- 
celBii»;  IT.  II,  79);  diese  Krankheit  sollte  nach 
alter  Humor  alpalhologie  ihren  Sitz  in  der  blut- 
bereitenden Leber  haben.  —  Lebercgcl -Kr. 
m  Leber  faule  (s.  d.).  —  Leibes-  (leibliche)  Kr., 

I  1.  =  {14331  eine  wirkliche  Krankheit  des  Körpers 
I  gegenüber  der  blossen  Schwache  oder  Krank- 
heit im  alteren  Sinne  (s.  o.  S.  30S)  (Maycrland  1892; 
I  a.  479).  —  2.  m  (1G16)  eine  innere  Krankheil  im 
Gegensatz  zur  äusseren  Verletzung  oder  Wund- 
krankheit,  die  vom  Wundarzte  zu  behandeln 
war  (IT.  II.  78;  Gr.  W.  VI,  604).  —  3.  -  leibliche 
(physikalische)  Krankheit  (vom  Physikns  zu 
behandelnde  Krankheit)  im  Gegensatze  zur 
Seelen-  oder  Gemütskrankheit,  die  vom  Seelen- 
arzte oder  Priester  zu  behandeln  war.  — 
Leinweber-Kl.  =  Scabies,  Krfttze,  die  bei  Tand- 
lern  und  Leinewebern  hautig  war  wegen  der 
leichteren  Übertragung  durch  alte  Leinentlecke 
(s.  Bedeckung  u.  Ansteckung)  (Mehrend  tt).  — 
Lenden-Kl.  (1512  cranph,  krank  in  den  lenden  - 
clumbia,  Ii.  199;  II,  130),  1.  =  (1741)  Khachitis 
(Lenden fang,  s.  d.),  weil  die  Kinder  lenden- 
schwach sind,  u.  der  Lendenteil  der  Wirbelsäule 
lordotisch  nach  vorne  gebogen  ist  (Kirsch  1037). 

—  2.  =  lendenschwach  überhaupt  (Gr.  w.  VI,  743; 
M.  H.  I,.  I,  267).  —  (1779)  Linden  Kl.,  -kr.  (erwahnl 
in  Hippel  II,  419.  491;  III,  1.  141.  3.x;.  .Jeder  I.tuden- 
baum  brachte  sie,  gleich  zun»  Tiefsirin  Wenn  die 
Linden  Mühten,  war  sie  immer  in  Thränen;  die  rc- 
inciru  ii  I  oute  uannt<  n  c«  6tM  UudewkflUÜchQll  .  , 
„der  I.indenliuuin,  der  BO  nlt  wie  sie  war  und  In  ihren 
letzten  Wochen  MMgtenti  habe  ihr  den  Kopf  ver- 
dreht" die  UndeokMnkhelten,  die  oll  Betthr- 

licher  olt  leichter  als  die  Lcll*gebrochcn  sind")  — 
(nach  dem  Volksglauben)  eine  Krankheit,  von 
der  man  befallen  wird,  wenn  man  im  Linden- 
schatten (Lindendtift)  schlaft;  eine  Weiter- 
bildung des  weitverbreiteten  Glaubens  an  den 
Miltagsalp  (Lnisincri,  9"),  der  die  im  Freien 
Schlafenden  mit  dem  Alptraume  (s.  d.)  =  mit 
elbischer  Verwirrung  überfallt  (Rocbholz  I.  78). 


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Krankheit. 


Krankheit. 


819 


—  (isa.)  lithauische  Kr.  =  in  den  lithauiBchen 
Lankern  beobachtete  Syphilis  (K.  u.  I\  III,  112; 
IT.  II,  506).  —  Lothringer  Kr.  =  Syphilis;  loth- 
ringische und  spanische  Truppen  verbreiteten 
dieselbe  im  Anfange  dea  IG.  Jahrh.  (Gr.  W.  IV, 
l.  11»).  —  Lungen-  (  kr.)  Kr.  =  Leiden  an  der 
Lunge,  meist  Tuberculosis  (ringelten  sollten  die 
verschiedenen  Lungenkrautcr  helfen).   —  Lungrn- 
icurm-Kl.  =  Bronchitis  veruiinalis,eine  Epizootie 
unterm  jungen  Rindvieh  und  bei  Schafen,  durcli 
die  auf  der  Weide  aufgenommene  Brut  des 
runden  Strongylus  Wurmesindie  Luftwege  ver- 
anlasst (Forster  II,  309).  —  Lupinosr-'EkX.  8.  Lupi- 
nose.  —  (I6ls)  Luxische  Kr.  =  Syphilis  (h.  Luxus) 
(Paracelsus;  fr.  II,  7»j.   —  (IS.  Jahrh.)  Männer- 
( Mannes-)  Kr.  =  Podagra,  die  meist  Manner 
heimsucht  (Herrenkrankheit)  (Gr.  w.  VI,  1575; 
vn,  1967).  —  (14*3)  Magen  (-kr.)  -Kr.  («Je«  magen 
krankhalt,  0.  v.  Megbg.)  —  krank  am  Magen,  ein 
blöder  Mayen.  —  (15^9)  neue  'Magenkr.  =  Sin- 
gultus  mercurialis,  Quecksilber- Kachexie  mit 
Magensymptomen  (Paraeels).  —  mailän.:  Kl 
1.  =  AussaU  (Lepra).  —  2.  -  Pellagra  (s.  Alpen 
skorbnt,  mailandischer  Skorbut,  Alpenflechte, 
lombardischer  Aussatz,  Sommeraussatz,  mai- 
lilndiache  Kose)  mal  de  misere.  —  (1785)  Mar&h 
Kr.  ■  dietmarsische  Krankheit  (s.  d.)  in  hoi- 
steinschen  Marscldändern  =  Syphilis  (Bchrond 
72  —  Lepra?  als  holsteinischer  Aussatz,   Beiart  33; 
Ziemsscn,  Ildbeh.  III,  17;  K.  u.  I*.  III,  112  =  Kadcsyge 
[ss  schlechte  Seuche],  Kuch»  II,  746).  —  [IMS]  »wir- 
tkdüche  Kr.,  1.  =  nach  Paracelsus  durch  das 
magnetische  Kisen  (inars)  heilbare  Krankheil, 
(BluUluss  z.  B.)  (Coler,  n.  A.  216).  —  2.  m  mar- 
tialisches Feuer  (s.  d.).  —  3.  —  mal  St.  Martlal 
,,trop  prochö  parent  do  St.  Martin  [s.  St.  Martlnskrauk- 
hcitl  du  iiiüIds  pur  la  forme  de  son  nom  rx.ur  u'avoir 
luv«  les  mt-mes  vertu»  quo  lui",  Iiriss.  21<>).  —  St.  Mar- 
tinx-Kx.,  1.  ■  (mal  st.  Martin  [ebrieto*])  Katzen- 
jammer, weil  St.  Marlin  Patron  der  Trinker  ist 
[OOBf.  das  Kultkalcndarium  in  Zeitschr.  f.  D.  Ö.  A.  V. 
Is»!,  S.  209;  Schmeller  I,  16u*;  propter  vina,  niiae  in 
feriis  [Anfang  de*  germanischen  Jahres;  St.  Martins- 
Minne]  seu  nundinis  vinariU  circa  lextum  St.  Martini 
dUtrahuntur;  raalSt.  Martin  -  ivresse,  Du  (  ange  V,  517; 
IX.  260).  —  2.  =  llalskrankheil,  Schlumlbraune 
(1342  Morbus  St   Martini  =  Angina,  Cynanche  =  e*- 
qnlaanctoi  Du  <  ungo  V,  517;  IX,  2H0,  iulinuitu>  gulnc 
St.  Martini  propter  magnam  inflaturam  in  trnla  [=  rin- 
ii.  ii. ler  Zapfen],  Mal  monsieur  Saint  Martin,  s.  St,  Mar 
tin).  —  3.  -  de  feu  St.  Martin)  martialisches  Feuer 
(s.  d.)—  Kiysipelas  (Roliauf)  (on  appclait  „racaille* 
du  man  St.  Martin"  les  roclures  de  1'eryslpele,  JtrKs.  21»;). 

—  Mascrn-Ex.  s.  Masern.  —  Mam  Acn-Kr.  = 
IJippina  s.  Etjuina  s.  Mauke  (Kraus,  &  469).  — 
Afenschen-üt.  (13.  Jahrh.  meniche  krnnkheid,  mensch- 
lich krangheit  ^  anthroposp.itho* ,  passio  humniia, 
D.  39)  -  die  das  Menschengeschlecht  betreffende 
Kiankheit  im  Gegensätze  zu  den  Tierkrank- 
heiten. —  Merkurial- Krankheiten,  1.  =  die 
von  Paracelsus  zuerst  beschriebenen  krank- 
haften Krscheinungen  hei  der  Einverleibung 
von  Quecksilber  (Pr.  II.  70)  (s.  Merkurial  lieber). 

—  2  =  die  durch  Merkur  (Quecksilber)  heil- 
baren Krankheiten  (Panu-ctsu*).  —  ntilzkx.  an 
der  Milz  leidend.  —  MUz-Kx.,  1.  =  Morbus  lienis, 


I  ein  Milzloiilen  =  Mi  Ufr  an  (s.  d.)  (die  Lecsa  der 

Letten,  welche  durch  drohende  Itannworte  nu*  den 
I  Kranken  tu  weichen  veranlasst  werden  soll ;  veruiutlteh) 
m  Milzbrand   (Härtels.  Z.  d.  Ver.   f.  Volksk.  1995, 
t  S.  22;  Kochholz  II,  275).  —  «.  =  (1660)  Morbus 
hypochondriaeus  (vergl.  Spleen,  Milzsueht  und 
Hypochondrie) (Maschenh.  279. 292. 02S;  B&nmlerSM; 
Gr.  W.  VI,  2221;  Itlbl.  Medlk.  470).  —  3.  =  (17 13) 
Skorbut  (s.  Schar bok),  weil  mau  diese  Blui- 
krankheit  mit  Milzvei Änderungen ,  d.  h.  mit 
Veränderungen  «les  Blutes  in  der  Milz,  in  Zu- 
sammenhang brachte  [Bihi.  Med.  47ü).  — Milzblut- 
Kr.  =  Milzbrand  (s.  Blulkrauklieit  2)  (Falke  II, 
129).  —  (18<<)  Minen-Kx.,  1.  =  diejenigen  Krank- 
heitserscheinungen, welche  beim  Aufenthalle 
in  Gallerien  nach  Minensprengung  durch  die 
Einatmung  gefährlicher  Gase  Kohlenoxyd)  ent- 
stehen (K.  u.  P.  III,  27$).  —  2.  =  8.  Grabenkrank- 
heiL  —  Mode-Kx.,  1.  =  (1712)  eine  neue  Krank- 
heit a  la  mode  (s.  d.),  die  gleichsam  zur  Mode 
gehört,  wozu  man  früher  (1782)  die  Inlluenza 
(Grippe;  s.  Mo.lefieber)  (KuhcmannSt;  Rchnurrcr 
II,  247)  zahlte,  wie  auch  lBSy/UO,  zu  welcher  Zeit 
man  auch  lächelte  Uber  diese  „neue  Krankheit" 
(a.  d.)  (Ruhemann  34.  55),  wozu  ferner  2.  =■  in 
neuerer  Zeit   nach  verschiedenen  ärztlichen 
Aussprüchen  die  Neurasthenie  gebort  (vergl. 
neue  Krankheit).  —  3.^  eine  Krankheit,  welche 
man  als  Folge  einer  gewissen  noblen  Mode 
(«.  B.  der  Kleidung,  Korset)  oder  eines  Mode- 
lasters  (Galanterie  s.  d.)  halt  (Gr.  \V.  VI,  2rts).  — 
(1592)  Monats-Kx.  <=  die  allmonatlich  wieder- 
kehrende Frauen blödigkeit  (Menses)  (Seh.  343). 
—  Mond- Krankheiten  ■  Krankheiten,  die 
durch  den  tintlusa  des  Mondes  (s.  d.)  ver- 
anlasst werden  sollen,  z.  B.  Mondsucht,  Nacht- 
wandeln (s.  Mond)  etc.  —  8t.  Monus-  (Möns-, 
Möns-)  Kr.  =  Malfranzois  oder  Lues  syphilitica 
(„die  blättern  genannt  krankheit  St.  Menns  ..der  on- 
trackt  mal  die  Frantxosen";  versl.  Zeitschr.  d.  D.  O. 
A.-V.  1S93.  8.  199;  Sehuieller  I,  S25.  1619;  II,  1011). 
besonders  die  Feigwarzen  oder  wilden  Warzen 
bei  Syphilis,  —  Jtfioid-Kr.  =  eine  Krankheit 
im  Munde.  —  Muskel-Kx.  -  Krankheiten  der 
Muskel,  z.  B.  Rheumatismus,  Lähmung,  Krampf, 
Degeneration,  Schwund  etc.  —  (1761)  Mutter- 
Krankheiten,  1  —  alle  Krankheiten  des  weib- 
lichen Geschlechtsapparates.   —   2.  =  Gebar- 
mutterkrankheiten Speziell.  —  3.  -  Hysteria, 
Allectus  hystericus,  weil  früher  meist  mit  der 
Gebtkrmutter  (s.  d.)  in  Verbindung  gebracht 
(la  aaladle  de  la  merc,  L.  ch.  41;  bris«.  258).  —  (1593) 
Aafcf/-Kr,  -  Kiankheit  am  Nabel  des  Lauches 
(Gr.  w.  vn.  6).  —  AacA-Kr.  -  eine  im  Gefolge 
und  nach   einer  voran  (gegangenen  anderen 
Krankheit  (».  B.  Syphilis,  Tripper)  zurück- 
gebliebene Störung  des  normalen  Organismus 
mit  fühlbaren  Folgen.  —  (15m)  nackgthendt 
Kr.  —  eine  Nachkrankheit  (s.  d.),  die  sich  nach 
den  ersten  Lokaleracheinungen  einstellt,  z.  It. 
Syphilis  (Gr.  w.  VII.  61).  —  iVöAiMasc/u'ncn-Kr., 

1.  —  der   Nithmaschinen-Krampf  (s.  d.).  — 

2.  ss  die  Perimetritis  und  Perioophoritis,  die 
sich  bei  bleichsflchtigen  Mitdcheii  durch  das 
Treten  des  Nahmascldnenrades  einstellt.  — 
(1743)  Xational-Kx.  -  eine  Krankheit,  wovon  die 


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SSO 


Krankheit. 


Krankheit. 


meisten  einer  „Nation"  (französelnd)  oder 
eine«  lindes  hefallen  werden  (Blbl.  Med.  SC2).  — 
(1035)  natürliche  Kl.  (Lonlcen«),  1.  =  der  natur- 
gemässe  Wochenfiuss  ioi  Kindhette  (Puer- 
perium). —  2.  =  die  Periode  als  „natürliche 
Frauensucht".  —  3.  =  die  nicht  durch  (iifi 
(8.  d.)  veranlasste  Krankheit.  —  neapolitanische 
Kr.  =  Syphilis,  Lues  italicn,  (1491)  bei  der  Be- 
lagerung  von  Neapel  den  Franzoflcn  (s.  d.) 
„angehängt",  mal  napolitain  (mal  de  Naples) 
(Zw.  583;  Michail!«  u.  Helmont  sprachen  die  Vermutung 
au«,  dass  diese  Krankheit  nicht«  anderes  als  l'Ierderotz- 
K  rankheit  gewesen  sei,  l'r.  11,       [*.  Franzosen  wunn]). 

—  iVcrmi-Kr.  =  eine  Krankheit,  die  sich  im  E£D- 
Iralen  oder  peripheren  Nervensystem  ahspielt: 
n)  Krampf,  Vergicht  (Gicht),  Lähmung,  z.  15.  Te- 
tanus venereus,  Kpilepsia,  Apoplexia  ver.erea  = 
venerische  .V,  .•„•kr.mkheiten  (bei  stoii.  l'r.  II, 
•»:.:!);  h)  Schmerz  (Nenialgia);  c)  Geisteskrank- 
heit ;d)  Gehirn- u.  Kückenmarkskrankheit  (Gr.  W. 
VII,  114);  e)  als  „hitzige  Nervcnki."  =  Typhus, 
der  vorwiegend  mit  nervösen  Keieungs-  oder 
Lähuiungssymptomen  einliergeht  (Dr.  Brenner 
Schff.  27) ;  I)  schleichende  Xer  venia.  =  chronisches 
Nervenleiden,  namentlich  solches  venerischer 
Natur  (Kalke  II,  2si).  —  Nrssel-Kl.,  1.  =  Nessel- 
siicht  (s.  d.).  —  2.  —  (1761)  Skorbut  wegen  der 
roten  Purpur-Flecken  (Gr.  \v.  VII,  «19;  L.  chir.  27). 

—  neue  Kr.  —  A)  jede  wieder,  angeblich  oder 
faktisch  neu  auftretende  oder  nur  mit  einem 
neuen  Namen  belegte  Krankheit;  B)  nach 
Paracelsu»  (<ie  Import.)  selbst  das  erste  Stadium 
einer  Krankheit,  die  erst  entstanden  ist; 
'1529  ,,<ler  neuen  kranckheyten  endt  seind  noch  nlt 
geporn",  1.  eod.  k2),  1.  =  (1193)  Franzosen  (s.  d.) 
(1493  noviiH  ille  et  Rravissimus  homlnnm  morbus  quem 
ralfO  nmlum  frnm-luat  voennt,  I!nc«er  II,  229.  228, 
1490  newe  knuicktiL'it  niulcn  Frantzosen,  Fuchs  1,  nWi ; 
l'r.  II.  ici).  dass  14113  die  Sy  p  h  1 1  i s  eine  ganz, 
„neue  K  i  an  kheit"  gewesen,  ist  durch  die  jüngsten 
Forschungen  (I'rokseh  n.  b.)  unhaltbar;  vielleicht 
wurde  sie  von  den  Ärzten  von  da  ab  erst  als 
eine  neue  Krankheits-Spezies  aufgefasst,  d.  h. 
als  eine  Krankheit  sui  generis  (Haumler  iu 
'/..  IMbch.;  l'r.  II,  4),  deren  Symptome  unter  ver- 
schiedenen anderen  Krankheitsnamen  figurier- 
ten. —  2.-^(14S6)  Scharbock  (..zuvor  unerhört", 
Haeser  II,  98;  15S0  newe  krankhelt  der  zehoorbock, 
Fuchs  I.  377;  IUI  newe  krankheit    Scharbork,  Gr.  \Y. 

\  in,  -iT-  -  lijoi  die  Peit  im  Morgen* 
lande  (St.  .Tobssucht,  e.  d.)  (Gr.  W.  V,  2041: 
die  nnewe  krenkde  [Köln]).  —  4.  ^  (1502)  Pe- 
techialtyphus, „nova  et  dira  aegntudo" 
(U'rsch2oi;  Haeser  II,  326).  —  F>.  =  (1510)  Influ- 
enza (Ruhcmann).  —  6.  —  (1529)  die  durch  Queck- 
silbermissbrauch  bei  der  Syphilis  erzeugte 
M  e  r  k  u  r  i  a  1  k  r  a  n  k  h  o  i  t  (s.  d.)  („so  durch  die 
Irnnlzoesisehen  Ärzie  [-  Sjrpnilissj.eir|alisten]  gemacht 
und  aulcebra«  ht  worden",  1'arncelsus,  de  imposl., 
l'r.  Ii,  93).  —  7.  =  (1579)  die  neue  Hauplkrank- 
heit  jetziger  Zeit  —  Pestis  und  Phrenesis 
(Phrenilis,  Typhus);  (1684)  der  Koltun  (s.  d.) 
oder  Weichselzopf  (s.  d.)  (oK.  22.  28).  —  8.  = 
(i»>7;  ir.97)  K  Hebel  krankheit]  <iie  aber 
schon  (i;t7i)  in  Deutschland  u.  (insi)  im  Lfine- 
burgischen  aufgetreten  war  (HH«erM,  352;  Heeker 


317;  Lcmch  1C6).  —  (1693)  neue  Kindrrkr.  =  Schar- 
lach, der  gewiss  alter  ist,  nur  von  ähnlichen 
akuten  Exanthemen  nicht  unterschieden  wurde 
(Beekes  222;  Gr.  W.  vm,  217s).  —  9.  =  (1455) 
Scbweissfriesel  bei  Wöchnerinnen  (Ha*er 
II,  .505;  Schnurrer  II,  190;  Leipzig);  sowie  (1441]  neue 
Krankheit:  ein  ansteckendes  Nervenfieber,  z.  T. 
mit  Ilalsdrüsenanschwellung  (Israeli  SOS).  — 
10.  —  (1709)  larviertes  Wechselfteber,  Tertiana 
perniciosa,  Malaria  (Hauer  II,  515 IT.).  —  11.  = 
(1763)  Diphtherie,  auch  Severinsches  Hals- 
weh genannt  (im  Berner  Siementhal;  Hi.scr  II,  13«) 
Schnurrer  II,  253).  —  12.  =  (1837)  A I  p  (e  n) b  t  i  e  h 
(Pneumonia  epidemica  astlienica;  Neumodi- 
krankheit) Schweiz).  —  13.  m  (ISM]  Influenza 
(Kuheinnnn  9.  86),  aber  es  ist  „Alles  schon  dage- 
wesen", nil  novi  sub  Bole.  —  14.  m  (1991| 
Schlaminkrankheit  (s.d.).  -  (1513  )  Nieren- 
Kr.  =  Nephritis  (18.  Jabrh.)  morbus  renum.  Gr.  W 
VII,  833).  —  noble  Kr.  =  galante,  vornehme 
Krankheit  (s.  d.)  =  Gonorrhoea  (Tripper)  und 
Lues  (  =  Franzosen)  mit  ihren  Folgen.  — 
Nonnen  Kr.  =  die  in  Nonnenklöstern  häufigeren 
Krankheiten  (Anämie,  Tubercidosis  etc.)  (Ar.  w. 
VII,  nhi).  —  (1782)  nordische  Kr.  =  Inthieiua 
(l»r.  Vo^ei:,  die  man  vom  Norden  (aus  Kussland) 
gekommen  annahm  (s.  nordischor  Katarrh).  — 
(1700)  Olter-Ki.  =  eine  mehr  zur  Begründung 
der  Aderlass-Therapie  eingeführte  Bezeichnung 
jener  Krankheiten,  bei  denen  an  den  oberen 
F.xli  emitäten  die  Blutader  eröirnet  wurde 
(Wd.  B.  202).  —   Ohren-Kr.  -  Allectio  aurium 

—  (I8.v.'i  Organ-Kx.  —-  Krankheiten,  die  in 
einem  bestimmten  Körperteile  ihren  Sitz 
haben  (s.  Organ)  (Uadenmchcr;  Itaa.«  2»8).  —  ( 1  s».  1 
Papageien-Kx.  =  Psittaeosis,  eine  spezifische 
Infektionskrankheit,  welche  eine  typhöse  Sep- 
tichaemie  ist  und  von  Papageien  auf  Menschen 
übertragen  wird  (M.  Med.  Wochen  Sehr.  lsyc.  X.  45, 
!*.  1122)  —  pe8t-kx.~ui\i  der  Peel  (8.  d.)  behaftet. 

—  Fest-  (pestilenzialischi)  Kr.  =  Pestseuche  und 
jede  äusserst  kontagiöse  Krankheit  mit  hoher 
Sterbeziffer  (Gr.  W.  VII,  1574.  157%).  —  ir.99)  petc- 
chialische  Kr.  s.  Petechien  v.  M.  II.  121).  —  (1494) 
pfinniije  Kr.  —  Franzosen,  die  linnige,  pocken- 
ähnliche  Ausschläge  machen  (Facta  I,  S2).  — 
(1018)  physikalische  Kr.  (lVimcelnun ;  l'r.  II,  78) 
s.  Leibskrankheiten  II.  —  (is43,i  P»/z-Kr.  -  eine 
durch  parasitäre  Uautpilze  verursachte  Krank- 
heit (Wabengrint,  Favns,  Tonsurgrint  etc.).  — 
jo«c/ic«kr.  =  blatlernkrank.  —  (I6f.2)  Pocken-Kr., 
1.  =  f.l«.  vonjitti^e  krnnrheit  der  pocken)  Syphilis 
Puehl  I,  376)  (s.  Blattern  u.  Pocken).  —  2.  = 
Variola  (Ackermann  90.  10»),  wahre  (gutartige  und 
bösartige}  Pocken  (falsche  P.  =  Varicellae).  — 
(1735)  polnische  Kr.,  1.  =  die  in  der  polnischen 
A  rmee  damals  herrschende  1  <agersenche  (Kriegs-- 
typhus)  (HiiM-r  II,  13t).  —  2,  =  polnische  Mochte 
(s.  d.).  —  (isat)  Porzvllan-Kx.  s.  Porzellanfieber 
(Urticaria)  IJuaddelkrankheil  (Kraus,  K.  3^3;.  — 
jPrirrtf-Kr.  —  die  im  Gegensätze  zu  der  Landes- 
krankheit den  Einzelnen,  privatim  Ixjfallende 
Krankheit  (v.  II.  II,  J22).  —  (juaddel-Kl.  = 
Nesselsucht  (s.  Quaddeln)  (Gr.  w.  VII.  2291).  — 
Quecksilber-Kx.,  1.  etne  Metallintoxikation  bei 
Arbeitern  in  Quecksilberbergwerken,  Fabriken 


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Krankheit. 


Krankheit. 


SSI 


oder  hei  mit  Quecksilber  behandelten  Kranken 
(s.  neue  Krankheit  n.  Merkurialkrankheit).  — 
2.  —  nach  «lern  Vorgänge  von  l'aracelsiis  (Raas  20s 
eine  von  Rademacher  (1772  —  1SI'.»)  gewählte  Bezeich- 
nung für  eine  durch  Quecksilber  behandelhare 
Krankheit.  —  lläh-  [Bäk-,  Reh)Kl.  s.  Rühe 
(lir.  W.  VIII,  1120;  Merk  2».;  fievre  de  courbaturc, 
lirl««.  132).  —  [14.  Jahrb.  reihte  Kl.  =  eine  richtige 
Krankheit,  keine  blosse  Seh  wache,  kein  „Kran- 
ken" in  früherer  Bedeutung  (<.'r.  W.  V,  203S).  — 
lv  Jahrh  )  rtijierendc  Kr.  -  herrschende  Krank- 
heil (<  hr.  Sam.  I,  226).  —  fl«;.*<»)  reicher  Leute  Kx. 

-  lustige  llerrenkrankheil  (h.  Podagra)  (Gr.  W. 
VII,  19"6  ,.cibo*  regios  »cntintnr  morbi  regii  ul  lii|>u» 
[  —  Kcigwarzcn]  et  gutta  (  —  (ürhi  oder  Tropl],  •  j n t  mm 
litanter  qulescnnl  in  hoininlbiiN  j.nni*  et  labnriosi«", 
Im  fange  V,  l.Vfi;  «lie  Podagra  wollte  (Wackernagel, 
Abhdlg.  III,  134]  nach  ihrer  Prophezeiung  tai  reichen 
llannwn  nnd  gro««cn  Herren  zur  Herta  ixe  einkehren  ; 
s.  auch  Vierordt  AI).  — ■  rrrirr- kr.  —  der  nieht  iui 
Lazarete,  sondern  im  Hevier  (Quartier)  bchan- 
delte  kranke  Soldat  (ür.  W.  VIII,  »Vi).  —  (US!) 
rheumatische  Krankheiten  (Kraut«.  LXZII)  = 
die  durch  Kheuina  (s.  d.  u.  Huss)  zugezogenen 
Krankheiten,  z.  B.  Schnupfen,  Katarrh,  (Glie- 
der-, Muskelschmerz.  —  Rigy'sche  Kx.  —  eine 
chronische  Zahnw  urzelhaiitentzOndung,  na- 
mentlich bei  älteren  Leuten,  die  der  Arzt  Uigg 
zuerst  beschrieb  (Meyer  Kon  v.- tax.  XIV,  761).  — 

Rote-  I  „ 

(181")  Hotel  i  ~  ^n';,  r(,,,n1"rrain  rote«  Sterben 
[bei  Schweinen),  Kaluchm.  I,  r.2»;  Heim  315),  1. 
Schweinerollaul  (Siabrhenroilaut).  —  2.  = 
s.  ROteln.  —  [UM]  Ross-Kx.  -  Pferdekrankheit 
(Tatarnaem.)  —  Rotz-Kl.  —  Malleus  humidus, 
Wurm  (s.  d.  2e),  eine  durch  ein  fixes  Contagium 
(Uotzbazillut)  verursachte  Krankheil  hei  Pfer- 
den, die  auch  auf  den  Menschen  übertragbar  isl 
(s.  Franzosenwurm).  —  Riirkm  Kl.  —  Spina 
nodosa,  Khachitis  «;T.  W.  VIII,  UM),  die.  die 
auffälligsten  Entstellungen  am  Kücken  hinter- 
lassenden Krankheiten.  —  (mt/82)  russische  Kr. 

—  Influenza,  nordische,  sihirische,  chinesische 
Krankheit  (la  Kusse),  die  durch  diese  Lander 
sich  über  Fmland  und  Polen  nach  Deutsch- 
land verbreitete  (Dr.  Vogel  1»01;  Lerscta  37«;  Robe- 
mann  34,  Ann.;  Milser  II,  »tu ;  1n"0  31  russische 
Krankheit  =  Influenz«,  Kuheinann  40)  (f.  Krips  3 
u.  russisches  Heber,  russischer,  nordischer 
Katarrh).  —  (Ant.  d.  18.  Jahrh.)  Sä/te-Kl.  -  eine 
in  den  Körpersäfteu  (s.  Humor,  Feuchte,  Safl) 
begründete  Krankheil,  la  maladie  dans  les  hu- 
meurs,  Morbus  humorum,  im  Gegensätze  zur 
solidar  pathologischen  Auflassung  (Krau*.  E.  177; 
Pr.  II,  SM;  Krina.  IM).  —  (1741)  Sauf-,  Sauf  er  Kl. 

=  Ciapula  (Kirsch 3lo)  (Morbus  St.  Martini),  eine 
zusammenfassende  Bezeichnung  für  krankhafte 
Veränderungen  und  Störungen  im  menschlichen 
Organismus,  die  durch  Alkoholmissbrauch  her- 
vorgerufen sind.  —  (18!>C)  Saibon-Kl.  =  die  in 
gewissen  Jahreszeiten  od.  festgesetzten  Jahres- 
perioden auftretende  Krankheit,  z.  B.  lleuüeber 
(taweh  210).  —  (1862)  SartenKx.  =  eine  endemische 
Hautkrankheit  bei  den  russischen  Barten,  das 
sogenannte  Taschkent-Geschwür,  Granulati- 
onstumor  durch  einen  Parasiten  veranlasst 


(Zifinwn,  Hdh  d.  »p.  I'nth.  n.  Ter.  XIV,  1.  »,1M  -- 
SViH-Kr.  (1512  snukrunckheit  forrigo,  D  148; 
1561  ^wkranekheii)  =  augiiioser  Milzbrand  der 
Schweine  (s.  m.  Antonius- Feuer,  Schweins-  o. 
Kankkorn)  im  Halse  (Kork  116.  214;  Regen  dieselbe 
sollte  da«  Srtukrnut  oder,  weil  eine  «chclmischc  Krank- 
heil,  der  Nachtschatten  helfen).  —  Sauschädet-Kx. 
(Steiermark)  -  Parotitis  epidemica,  Munis,  weil 
sie  einen  dicken,  unförmlichen  Kopf  macht. 

—  (l,v*o)  Schaf -Kx.  (rnoulone),  1.  —  Influenza, 
wegen  des  bellenden  Schal hustens  (s.  d.  2  b); 
(1699  „wegen  der  Glelelinn*««  dieser  Thierzu.«taende", 
v.  M.  II,  128;  Ruhemann  12).  —  2.  =  S.  Sciilalsucht. 

—  Schofiker  Kr.,  1.  -  <»ie  auf  Schankerinfektion 
(nicht  aul  Tripper)  folgende  Syphilis  (s.  Schan- 
ker) (Kopp  II,  349).  —  2.  =  die  Beschälseuche 
bei  Plerüeu,  die  man  mit  dem  menschlichen 
Schanker  verglich.  —  scharbock-Tu.  =  krank 
durch  Skorbut  oder  Scharbock  (s.  d.).  —  (15.il) 
scharfe  Kr.  ~  Morbus  acutus,  namentlich  akutes 
Infeklionslieber   ((ir.    \V.    VIII,   2184;  Krauiw. 

1.  xxxvii).  —  Scharlach -Kr.  =  s.  Scharlach- 
tielter.  —  schein  kr.  -  scheinbar  krank  durch 
Einbildung  oder  Simulation.  —  Scheiss-Kx. 
(Schwaben)  =  eine  allgemeine  epidemische  Krank 
heil  (Sucht),  bei  «ler  man  wegen  ihrer  schein- 
bar geringen  Symptome  keine  ärzliche  Behand- 
lung braucht,  «lie  aber  doch  dem  Kranken  zum 
Ärgernis  gereicht  (Kuck  18)  und  so  verächtlich 
benannt  wird  (vergl.  Unkraut  u.  Scheissen  5). 

—  schelmische  Kl.,  I.  =  epitiemische,  durch  den 
Schelm  (s.  d.)  veranlasste,  auc)i  „älpische" 
(elbisch)  genannte  Krankheit,  die  in  der 
Schwarmzeit  der  Kiben  (Krankheilsdämonen) 
sich  ausbreitet  (Infektionskrankheit;  Dusel, 
Alp,  Khren,  Plag,  Milzbrand  etc.).  —  2.  =  plötz- 
lich, d.  Ii.  ohne  für  den  Laien  erklärbare  Ur- 
sachen eintretende  Krankheit  (Nachtschaden). 

—  (1790)  Scherljevo  Kx.  s.  Fiumekrankheit  und 
Scherljevo-i'bel  (Sehuurrcr II,  434).  —  schiecheKx. 

—  die  hässliche,  enlsleilcude  Biatlernkrankheil 
(z.  d.  v.  f.  Volksk.  i>>9;.,  s.  M).  —  schiß-}a.  =  see- 
kiank.  —  {WM)  Siläaf  Kr.,  L—  Influenza,  ver- 
mutlich mit  (jehirndepre&sions-Krecheinungen 
(-Nona,  s.  d.),  die  der  Sehlummersucht  gleichen 
(taweh  315.  163;   Schmidt,  Jahrb.  1892,    1.  147).  — 

2.  —  t'otua  febrile  (vei^l.  Scldaffieber  und 
Schlafsucht).  —  8.  =  febriles  Depressions- 
Stadium  bei  PferdekrankheKen  (R.  \.).  —  4.  = 
das  urämische  Coma  beim  Kalbelieber  (Eclamp- 
sia puerperal!«)  (Falke  n,  279;  üsterr.j.  —  dsai) 
Schlamm-Kx.  =  eine  nach  üoerschwenunungen 
auf  schlammigem,  morastigem  Boden  (oder- 
geblet)  aufgetretene,  fiecktyphusartige,  lieber- 
liafle  Erkrankung  (Schlammtieber),  die  nament- 
lich unter  den  Drainage- Arbeitern  beobachtet 
wurde  (Münch,  med.  Wochenschr.  18W,  8.  77i).  — 
schlechte  Kr.,  1.  =  Syphilis,  well  meist  von  ge- 
meinen Huren  erworben  (i  r-iuell  1890,  t>.  130), 
deshalb  aus  Decenz  umschrieben  (Radenyge 
[rada  —  schlecht,  «yge  sa  Krankheit]  Norwegen).  -- 
2.  -  Kiebs  (umschreibend)  le  ninuvoi*  ou  mechant 
mal  -  -  eancer,  lirl«*.  118;  Schanker  u.  Kanker  hatan 
gleichen  etymolog.  rwprong;  *.  KthnoL  Mltt.  au« 
1  ngarn,  1891.  B.  214).  —  (1699)  sc/Urchthttziye  Kl. 
=  eine  einfache,  schlechthin  bloss  mit  Hitze 

21 


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Krankheit. 


Krankheit 


verbundene  Krankheit  ohne  eigentlichen  bös- 
artigen uder  infektiösen  (Fäulnis-)  Charakter 
(v.  M.  II,  127).  —  »chleichrtr  (ndr)  Kr.  =  siehe 
schleichendes  Fieher  u.  Nervenkrankheit  (Wolf). 

—  (1759)  Srhlrim-Kl.  =  Morhun  mucosus,  Schleim 
fieher,  Typhus  (Haser  II,  4ir.).  —  Schleuder-Kl . 
=  Bremsensch  windel  (s.  d.)  heim  Hopenannten 
Schleuderer  (s.  d.);  falsche  Drehkrankheit  dei 
Schafe.  —  schlimmeKx,  —  F".pilopsia,  als  schweres 
ühel  (s.  d.)  (Steiermark)  oder  schwere  Krankheit. 

—  Schniutz-Kx.,  1.  =  im  Laufe  der  Zeit  ent- 
standene Ablagerung  von  Schmutz  auf  der  Haut 
mit  Bildung  von  panzerartigen  llornschildem, 
auf  denen  sich  der  Schmutz  sozusagen  ab- 
krystallisiert  (Schnii.lt,  J.  n.  l.ss3,  III,  185).  —  2.  - 
Stiimutzflechte.  —  3.  s.  unreine  Krankheit. 

—  Schneider- Krankheiten  =  die  b.  Sehneider- 
gewerhe  häutigen  Krankheiten,  t.  B.  Lungen- 

■  - >«- 

fluenza  der  Menschet),  die  in  manchen  Epi- 
demien mit  starken  Nasenschnnpfen  (Cory/a) 
verbunden  ist  (vetgl.  I'fiffis,  Zipf,  Börzel) 
(Vogel  Ii,  202;  Hncscr  Il.sat).  —  2.  —  ein  meist  durch 
tuberkulöse  oder  actino-mykotiHcher  Prozesse 
in  den  der  Nase  benachbarten  Knochen  ver- 
anlasstes Katarrhallieber  bei  Schweinen,  wohei 
die  Tiere  schwer  atmen,  schnauben,  schnüffeln 
(Zipp.  <".7fi;  Kalke  I,  ins).  —  schul-toc.  =  das  Schul- 
lieher  (s.  d.)  habend.  —  Schul  Krankheiten  = 
diedurch  dieSchule  verbreiteten  od.  erworhenen 
Krankheiten,«.  B.  Wirbelsäulen- Verkrümmung, 
Kurzsiehtigkeit,  Bleichsucht,  Schulkropf,  an- 
steckende Krankheiten,  vor  allem  Diphtherie 
und  Masern  etc.  —  Schuppen -K.T.,  1.  —  siehe 
Fischschuppenkrankheit  —  2.  —  Schuppen- 
fiechte.  —  (1754)  schxcarxe  Kr.,  1.  =  Morbus 
niger,  ui>.atv«  (vcoop)  IJippokratis,  Abgang 
von  schwarzem  Blut  oder  schwärzlichem 
Stuhlgang  durch  den  After,  schwarzes  Kr- 
brechen  hei  Magenblutnng  (A,  v.  R,  i,  1021, 
„well  ohne  nllc  Kusscre  (iewalt  durch  den  SttihliratiK 
beinahe  nichts  als  schwarzes,  geronnenes  nchlüt  ab- 
geht", Hufeland  461 ;  Vogel  V,  74 1  J.  P.  Frank  VI.  201 . 
die  Melaena  der  Neueren  ist  »»Ions  bei  den  Neugeborenen, 
Klchlioret  I,  812).  —  2.  =  (bei  den  Bulgaren  den 
wahren  Namen  (1.  d.]  umschreibend)  Kpilepsia 
(KthnoL  Mi»,  au«  Ungarn,  1894,  8.  290).  —  3.  — 
schwarzes  Fieber  (m.  d.),  eine  l'estepidemie  (1462) 
zu  Itegensburg  (I.ersch  190).  —  4.  =  sibirische 
Seuche,  d.  h.  Milzbrand  mit  schwärzt.  Brand- 
pusteln (I.erseh  431).  —  5.  =  Cholera  mit  Abgang 
von  schwärzl.  (blutigen)  Diarrhoen  (VIII.  I,  302). 

—  6.  s.  schwarzer  Tod.  —  (1735)  Schweinc-Kx., 
L-  Rankkorn  (s.  d.)  (V.  B.  68)  (s.  Saukrankheit). 

—  2.  b  Skrofelkrankheit  (s.  d.).  —  Scliwcins- 
berger-Kx.  ~  eine  Leber-Cirrhose  mit  akuter 
Dyskrasie  bei  Pferden,  welche  Bcuchenhaft 
auftritt  und  von  einem  Tierarzte  in  Schweins- 
borg  (Kurbessen)  zuerst  genauer  geschildert 
wurde.  —  (1705)  Schtrcizcr-KT.,  1.  =  (ein  au* 
Scheuehzer's  „Seltsame  Naturgeschichte  des  Schweizer 
I-andes"  Nr.  IS,  8.  57  stammender  KrankheltMiauic, 
der  auch  in  andere  Bücher  überging,  Cr.  W.  IV,  2.  884) 

—  Heimweh,  Nostalgia,  die  besonders  die  aus- 
wandernden Schweizer  befallen  soll  (Hundsfod- 


krankheit,  s.  o.)  (\.  v.  u.  I,  10:2;  Ringe  MS).  — 
2.  —  s.  Schweiss  (s<-h«-iu).  —  (1518)  schwere  Kr. 
(Kränke),  1  -  lang  dauernde  und  schmerzliche 
Krankheit,  Morbus  ponderosus  (im  «'«nee  v,  Ms. 
Gr.  W.  VI,  62«  sub  8),  Kheiimatismus.  articulorutn 
acutus.  —  2.  —  Kpilepsia  u.  Fx-lampsia  (nvdXmatin. 

Mnn  -Sehr.  Schlesien  182".»  I,  219,  l>r.  Brenn.  Schliff. 30; 
Schin.  11,  527  .  645)  ■-  (it«:t)  schwere  Not,  St.  Va- 
lentin- oder  St.  Johannes  -  Übel ,  hinfallende 
Krankheit,  Frais  (fir.  W  V,  2029;  Coler,  W.  353; 
II.  A.  loi;  im  fange  V.  517),  Morbus  gronMis  h. 
magnus,  als  ganz  auffallendes  taiden.  —  3.  = 
schwer  zu  heilende  Krankheiten,  lgnis  sacer, 
Fisteln,  Karbunkel  (Anthrax),  Krebs  und  „ner- 
vöse Leiden  aller  Art"  (Fuchs,  Hipp.  II,  537;  II.  \: 
Certd.;  Schmeller  II,  211).  sq/tliixche  Kl.  - 
Morbus  foemineus  Scythnrttm  Hippokr., 
voösor  (llerodol)  —  weibliche  Krankheit,  Viri 
molles,  I'athici,  Cinaedi  (s.  Itnsenbanm.  «Jcsch  d 
1 .11  s  t  sc  n  eh  e ;  ferner  Friedrich,  Aualcktcn  /..  Nni «ir-  und 
Hellk..  Wurzlig.  i*u,  s.  2sj,  perverser  Cesehlechts- 
trieb  infolge  v.  (ieistcskrnnkheit.  —  (1696)  See- 
(krank)  Kr.  -  (itoh  „die  schändliche  WonHntf  oder 

Seekrankheit",  schcnthalt  jo  benannt  —  \'x'>ttH|  [tlip 
pokrales,  Aphor.  IV,  14],  Morbus  iiaulicns,  s.  navalls. 
Nansen,  Nnutn,  Voinitus  marinns,  le  mal  de  mer,  le 
mal  d'amarry,  Itriss.  III.  153.  165),  1.  =  ein  die 
Schilfsleute,  die  zum  erstenmal  auf  der  See 
fahren,  befallendes,  hartnäckiges  Erbrechen 
mit  hochgradiger  Apathie  und  beständigem 
Schwindclgefühl  (A.  v.  II.  I,  1023;  Bans  SM;  die 
SchinNkrankhcit  ist  sehr  wahrscheinlich  schon  bei 
den 'Indogermanen  bekannt  gewesen;  vcrgl.  ultnord 
voma;  Kriech.  silSuj;  lat.  vomo;  »kr.  vam,  Schräder, 
Spr.-Vergl.  [lsyo]  COS;  Hauke  II,  542).  —  2.  =  das 
Gleiche  (1.)  auf  »lern  Lande.  —  3.  =  Skorbut 
der  Seeleute.  —  4.  =  Seehand.  —  Behrendt  Kr. 

—  schmerzhaftes  Leiden  (Schmeller  II,  32-.').  — 
(1616)  Scirh-Kx.  =  Dysuria  (Paracelra«;  Gr.  W.  V, 
2035).  —  (1615)  SeUen-Kx.  ~  Seilenstechen  (s.  d.), 
Lankobel,  mal  de  flaue  (coler,  H.  A.  14s).  —  (1C4«>) 

!  »erbende  (tfirteende)  Kr.  =  auszehrendes,  ent- 
kräftendes Leiden  (Schmeller  II,  324;  ZeiUohr.  d. 
Ver.  f.  Volksk.  1891,  s  450).  —  sibirische  Kr.,  1.  " 

j  (1822)  Siiltbrand  (s.  d.),  der  aus  Sibirien  einge- 
schleppt wurde  (PeaarlM).  —  2.  =  (1782)  Influenza, 
die  (1779)  von  China  und  (1782)  vom  sibirischen 

I  Norden  und  als  sibirische,  chinesische,  nor- 
dische Krankheit  auch  nach  Deutschland  kam 
(Dr.  Vogel  [1801]  II.  193).  —  77  (72,  7())  Kl.  =  77, 
die  gedoppelte  Siebenzahl,  ist  die  heidnische 
(ialgenzahl,  die  das  Ü bergrosse,  Immense  aus- 

!  drücken  sollte;  sie  bedeutet  das  unzählbare 
Kollektiv  v.  Krankheitsarten,  die  durch  Segen- 
sprllche  wie  Dämonen  gebannt  wurden;  72  u.  70 
sind  Oelehrten-Zu«ittze  spaterer  Zeit  (Kuhn.  Zeit-schr. 
f.  vergl.  Spr.-Wissetisch,  XIII,  l'C.  Ct>er  die  einzelnen 
Krankheitsformen.  die  mit  der  verdoppelten  Sieben- 
zahl (77)  auftreten,  siehe  unter  „Sieben"  (7).  —  Silber- 
Kr.  -  Argyria,  die  graue  Verfärbung  der  Haut 
infolge  von  silberhaltigen  Arzeneien.  —  «inn«r- 
kr.  (1481  vast  kräng  an  sinen  synen,  Kriegk.  II,  354) 

-  geisteskrank.  —  (178.5)  Skropliel-Ex.  ~  ein  als 
„•Krankheit"  wohl  nur  durch  die  neueren  Ärzte 
(llufclandj  und  Ihre  Bücher  vermitteltes  Wort  für: 
1.  =  Scrophtilosis.die  von  sus  scrofa  (  =  Schwein) 


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Krankheit. 

nrnl  scrofula  (-  Ferklein)  ihron  Namen  hat,  ' 
d.  h.  von  den  Drüsen  (glandes),  wie  sie  nament- 
lich beim  Schweine  vorkommen  (daher  auch 
Schweinekrankheit  genannt)  (Krau»,  K.  22f.)  und  [ 
wie  nie  der  Mensch  durch  konstitutionelle 
'skrophulose)  Pradisposition  (  —  Phlegma  fs.  d.], 
htimeurs  froides  der  alten  Schulen)  erliitlt  (franz. 
«-ernnelles;  Sobernheim  2«'.l)  (s.  skrophlllos).  —  2.  — 
ilie  Darrsucht  des  Kindes  (skrophuloKe,  tuber- 
kulöse Erkrankung  der  <lekros«lrüsen)  (Forster 
II,  m;  lliuwr  I,  819).  —  (ic:iT)  Snldalrn-Kx.,  1.  = 
KcMkrankheit,  Fa«crkrai.kheit  (Ma«ol.enb.  IM; 
^hmin-er  II,  1S1 ;  v.  M.  II.  121)  -  Petechialtyphus 
oder  (V<CC)  ungarische  Soldatenkr.  (fchris  militari*. 
Schnurr«  II,  113J  (ungarisches  Fieber).  —  2. 
Ophthalmoblennorrhoe», die  Ägyptische  Augen-  j 
krankhcit  (s.  d.)  (Krau»,  K.  9-.w).  —  (1831)  Fommer- 
Kx.  -  die  in  der  wiiimeren  Jahreszeit  häufiger 
auftretenden  Krankheiten,»:.  15.  Kinder-Cholera 
(Brechdurchfall)  (Haeser  II.  «23),  -  (17  V.)  spanische 
Kr.,  1.  —  lothringische  Krankheit,  l.ues  venerea ; 
das  spanische  Kriegsvolk  soll  die  „Franzosen" 
(spanischer  Kragen,»,  d.)  erst  durch  den  Kriegs- 
mc  Karls  VIII.  nnch  Neapel  erhalten  haben; 
rtoeh  war  s|eher  «lie  Krankheit  srhnn  vorher  <la  (Bloml. 
in  Kteausm,  IHK  d.  sp.  Path,  n.  Thor.  III.  9;  K.  r.  II. 

I,  922;  Proktch  I.  II)  „Wahrend  <lic  Italiener  he-  ' 
hanpteten,  die  ..neue  Kriinfcheit"  (s.  il.)  von  «Ion  Kran- 
iwn  art(niri«  rt  tu  hnlxn  (mortui«  Rallicus),  lx<haup 
t»-ten  die  Krnnjtoscn  das  «~;<?Kenteil  un<l  nannten  «lie 
Krankheit  mal  de  Nantes  (I'r.  I,  119);  M  wurde  so  fast 
allenthallien  Hrnueh,  if io  Seuche  nach  demjenlRcn  ; 
Votice  zu  benennen,  mit  welch om  man  dien  lu  Be- 

nihruns  Rekommin  war".  —  _'.  =  spanische  Kopf- 
seuche  «ler  Pferd«  (s.  d.)  (Falke  II,  IU).  —  3.  = 
spanische  Hinke  (bei  Schafen).  —  Spttaf-Kr. 
In'ireeg.  «pcdalskhed.  Kraus,  E.  961)  =  Lepra,  die 
die  damit  Befallenen  am  häufigsten  in  die  Ho- 
spitaler, I-azarethe  o.  Siechenhäuser  brachte.  — 

s  nssr  i &  -  **- "'»«»""'«« 

(  =  (ieniusen«lemieus),  eine  beständig  l>eobaeht-  \ 
bare  und  wohlbekannte  Krankheit  an  einem 
Orte,  die  daselbst  nicht  gerade  epidemisch 
herrschen  muss,  die  aber  immer  wie  auf  einem 
Wachposten  „lauert,  um  loszubrechen"  (Kraus.  E 
Haeser  II,  630).  —  (17"j6)  Stein-Kl.,  1.  =  Nieren- 
oder Blaaensteine,  Lithiasis;  Steinkolik  (Falke 

II,  339).  —  2.  =  durch  Kalksalzablagerung  ver- 
härtetes Chalazion  (Drüsen-Sekret,  Werren)  in 
einem  Augenlide,  „die  wie  kleine  Kieselsteine 
aussehen"  (A.  v.  II.  II,  921),  eine  Kalkbildung  in 
den  Meibom'schen  Drüsen  (Arlt  11.  30).  —  (1800) 
Steinhauer -Kr.  —  die  chronische  Lungenent- 
zündung durch  Einlagerung  von  Steinstaub  bei 
Arbeitern  auf  Strassen  oder  in  Steinbrüchen  j 
[Sehlehdorfer  Sterbebueh  [Ohcrtiayern] ;  frz.  calllontc,  | 

ttrim.  17).  —  (1779)  Sterttens-  !  .   **  [l.m  schwere,  1 

l  KT.,  ! 

leicht  zum  Tode  führende  Krankheit  (Hippel  n, 
■112).  —  2.  =  so  schwach  sich  fühlend,  als  ob 
man  sterben  wollte  (Andreren  273).  —  (1582) 
sterbliche  Kr.  =  letale,  zum  Tode  führende 
Krankheit  (Lonic  47).  —  Stich-Kx.  (bösartige)  , 
=  Seitenstechen  bei  der  epidemischen  Pneu-  i 
monia  asthenica  (s.  Alpenstich).  —  (üM3)  Sturm-  \ 


Krankheit,  323 
I 

Kr.  ~  die  mit  stürmischen,  heftigen,  akuten 
Krscheinungen  der  Tubsuclit  und  Raserei  ein- 
hergehende Gehirnhautentzündung  der  Rinder 
(Falke  II.  349).  —  (1374)  TVjMZ-Kr.,  a)  =  die  Pro- 
zession der  springenden  I  (eiligen,  die  in  Echter- 
nach a;  Rhein  den  sogen.  Willi  brordus  -  Tanr. 
(s.  Veitstanz)  aufführen,  indem  sie  im  Reigen 
ohne  Rast  Ii,  Ruhe  zum  Friedhofe  der  St..  Willi- 
brordtis-Kircbe  springend  sich  begeben;  b)  — - 
Tarantismtis  (s.  Veitstanz)  [1761,  I-.  eb.  83).  — 
lartarischc  Krankheiten  -•  Jnaeh  l'araeelsus)  die- 
jenigen Übel,  die  sich  durch  Ablagerung  fester, 
nicht  ausgeschiedener  Krankheitsprodukte  aus- 
zeichnen und  sich  aus  den  (tartarischen)  Nie- 
derschlügen im  Urin  am  besten  erkennen  lassen 
sollten;  ,,eitie  jeirliche  ultima  materia  <lcr  wachsen- 
den Dingen,  so  nie  Im  Leihe  (aiiN)Ke»cbei<len  werden, 
hei<*t  tartarus"  (l'araeelsti«);  wenlen  sie  nieht  aie-ire- 
«■chledcn,  kommt  e«  xtir  tnrlar.  Krankheit  (Haeser  I. 
144;  Bau  209).  —  Tolprl-Kl.  -  s.  Tidpel  (Parotitis 
epi«l.)  (navaria  l,  2.  10-^7).  —  tixlliche  Kr.  ~  Morbus 
letalis,  eine  Krankheit,  die  zum  Tode  führt. 

—  fW-kr.,  I.  =  sterbenskrank  bis  zum  Tode 
sich  fühlend  (Andreren  273).  —  2.  -  bald  sterben«!. 

—  Trafor-Kx.,  1.  -  die  durch  den  Drehwurm, 
Coenurus,  im  Gehirne  verursachte  Schafkran  k- 
heit,  wobei  «lie  Tiere  wie  angetrieben  in  gleicher 
Richtung  dahinlaufen  (=  wtirllg).  —  2.  —  ein 
Rückenmarksleiden  der  Schafe  mit  erhöhter 
Empfindlichkeit  (Reizung«  -  Symptomen)  und 
nachfolgenden  l>ahmungserscheinungen,  wobei 
die  kreuzrähen  (s.  d.)  Tiere  hin-  u.  herschwan- 
kend und  trippelnd  kleine  Schritte  machen 
oder  im  Kreuze  zusammenbrechen,  sehruekig 

(..  d.)  sind.  -  }  Kr.  -  «He  durch 

Fütterung  mit  Trübern  (=  Traubenkamm)  o«ler 
Trestern  angebl.  erzeugte  Pfer«lemauke  (siehe 
Traubenkamm)  (Zipp.  "M;  Kalke  II,  373).  —  (1872) 
Trichinen  -  Kr.  die  durch  Triehina  spiralis, 
einen  seit  1SJ8  bekannten  Schmarotzer  und 
Parasiten,  verursachten  Krankheits- Erschei- 
nungen, «lie  namenll.  in  den  zumeist  besetzten 
Muskeln  sich  Äussern  (üraun,  I'aras.  232;  K.  u.  P.}, 
Zflfti  —  Haare;  weil  «1er  1  mm  Innce  Parasit  haer- 
formiK  l»t  untl  In  Spiralen  anfirow  iekelt  >ich  einkapselt. 

—  2Vo/)rn-Kr.,  1.  =  eine  Krankheit,  welche  in 
den  Tropen  (ö  X'ix/.o.;  Tpoitixo-  =  Wendekreis,  wo 
die  .Sonne  «irh  K'letrhsam  xn  »enden  scheint,  Kraus,  E. 
ior.6)  h.tidig  ist.  —  2.  =  speziell  Malaria.  — 
Tuberkcl-Kx.,  1.  =  Tuberculosis.  —  2.  =  Finnen, 
Franzosen,  Peilsucht.  —  3.  —  Mauke  oder 
Straubfuss  wegen  der  warzigen  Bihlungen  (?) 
oder  wegen  Übertragung  «ler  „Franzosen"  auf 
diese  Hautkrankheit  der  Veterinär- Medizin 
(Falke  II,  378).  —  ritnnc/-Kr. ,  l.  =  Grubon- 
(oder  Minen-)  Krankheit  (Korr.-Bl.  f.  A.  K.  r. 
1882,  s.  63).  —  2.  =  s.  Bergkrankheit.  —  über- 
fiUsngf  (Frautn-)  Kr.  =  s.  o.  Frauenkrankheit. 

—  (l«v,6)  ungarische,  (i:.67  numerische,  hiinn- 
sche)  Kr.  (lßflT  rnfreriaebe  kranekheit,  fct.Hs  DMNfna 
cum  maeuli<  rubei.s  Renent,  <  IberiMtff.)  (1557)  Morbus 
hungaricus  (i.ersch  2;«),  Lues  pannonica,  Syno- 
chns  putridus  s.  lenticularis,  F«'bris  hungaria, 
1.  =  der  aus  Ungarn  verbreitete  Petechial-  oder 
Fleck-Typhus  (s.  ungarische  Hauptkrankheit), 

21* 


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324 


Krankheit. 


Krankheit. 


der  als  „Krankheit"  (jüngerer  Name  gegenüber 
dem  [1M2]  alteren  tingarischen  „Fieber"  [n.  d.])  aus 
dein  Lager  des  deutschen  Ueichsheeres  vor 
Ofen  (Koniorn)  verschleppt  wurde  (Soldaten- 
krankheit) (v.  M.  II,  HL  ISS;  Wichner35.  114;  nae<er 
II,  MO  lt.;  Lnth,  Gesch.  d.  Kpid.  Zuge  d.  Stadl  Erfurt} 

—  2.  =  „sonsten  kannten  auch  elnive  in  dem  Geblute 
gesammelten  Würmlein  (Hirnwurm)  zu  dle«<r  Krank- 
heit VeraulasMUig  geben,  innren  mm  durch  die  Ver- 
fn"<'^"eninK-i  l<lii'«'r  beoltaehtete ,  das*  in  dem  GcMut 
der  mit  ansteckenden  Krankheiten  Ix-hafteten  Personen 
viele  kleine,  lange  Wurmer  sich  gereckt  haben"  (Zw. 
618;  nach  Athann-Ius  Kircher)  =  (lT2-r»;  1  latlptsucht, 
hitzige«  Fieber  (Thea,  -an  Itr.  492.  199),  \'ernie.M 
cerebri  (Hirnwurm),typhttsesLngerfiehor(.\.  v.  Ii 
I,  617;  Schweiler  I,  109;  Gr.  W.  V.  20.19;  Genre.  362. 
Haeser  II,  3io  «.).  —  3.  =  die  orientalische  Beulet i- 
pest  mit  verschiedenen  Lokalisationen  in  in- 
neren Organen  (A.  v.  II.  I,  647;  Chr.  Sam.  II,  71.  73) 
und  „mit  bösartigen  heulen"  (Lues  pannonira, 
vergl.  ungarisches  Fieber);  Krato  von  Kraft- 
heim (ici:i)  unterscheidet  die  ungarische  Krank- 
heit vmii  Petechialfieber  als  eine  besonder«' 
ansteckende  Seuche.  —  -4.  =  die  Kühr  =  ruhr- 
artige Diarrhoen,  Frbrechen,  pestartige  Bräune 
(im  Hals)  (The«,  san.  Hr.  MS,  4U9;  Dr.  Minderer  91.  92). 

—  5.  —  Malaria  endemica  oder  Wechseifieber 
fllae-er  II,  340)  (vergl.  die  Hünnache);  Fngarn 
war  im  18.  Jahrb.  „das  Grab  der  Deutschen". 

—  (17.  Jahrh  )  unnatürliche  Kr.  -  jede  durch 
Zauber  oder  Gift  (s.  d.)  veranlasste  Krankheil, 
die  durch  ausser  Uer  Natur  liegende  Stolle  ent- 
standen ist,  z.  B.  die  dämonisch  veranlasst  an- 
genommene Seuche  beim  Menschen  oder  Tier 
(Kr.  Kr.  ii.  i75).  —  (i:.29)  unreine  Krankheiten  ■ 
Syphilis  u.  syphilisahnliehe  GeschlecliiHkiank- 
heiten  (Paraeels).  —  (18.  Jahrb.)  Unter-Kx.  —  der 
Gegensatz  zu  Oberkranklieit  (s.  d.)  (Wd  I».  202). 

—  unterlciba-kx.  -  umschreibend)  mit  einem 
Frauenleiden  behaftet.  —  Untcrmaiser-Kl.  = 
das  alkoholische  Delirium  (s.  d.)  tremens;  „die 
l'ntermaiser  (hei  Meran)  zahlreichen  Wein- 
schiinken  sind  am  meisten  von  Trinkern  be- 
sucht, daher  das  Delirium  unter  denselben  nicht 
selten  vorkommt"  w-df).  —  {ismj  f7r-Kr.  =  All- 
gemeinkrankheit,  die  mit  Urstotl'en  (Urtinktur) 
behandelt  wenlen  soll  (BadenMrtMf  1772—1849; 
Raa«  2U*).  —  (I8l.li  Urinwerkzi  W)c-Kx.  —  Nieren« 
oder  Blasenleiden  (Salzachcr  Krel-Mntt  isi3,  S.  1182). 

—  Urmen-Kl.  =  Lyssa,  Hydrophohia  (Dr.Wbdoeki ; 
Crmen  —  Schlf k'alsfruti,  die  diese  Krankheit  M  einigen 
Zli.'euncr'tauiincn  1'ngnrn«   veranlasst,    l'ripiell  1*91, 

8.  13..).  —  St.  ValmtiM>-,  St.  Valtena-,  St.  Vcltina- 
Kr.  (I  II'.  Mal  <:<•  St.  .lehan,  epilepsl»  qul  et  morbus 
Valentin!  dlcitur  [s.  grosses  Fbel),  l'eijpers  92;  V<ß. 
Fnchs  I.  376;  UM  St  Velten  [seil.  Krankheit],  Hoff- 
manu,  Mou.  Schrift  dir  Schlesien  1S29,  I,  249;  1582 
St.  VeUIns-Kranckhcit,  Martin  107),  1.  -  die  fal- 
lende Sucht  (s.  d.  und  St.  Valentin),  Epi- 
lepsia,  Morbus  St.  Valentini  Had.  Jun.  392; 
Coler,  H.  A.  101;  Du  fange  V,  61«).  —  2.  =  Veits- 
tanz  (s.  d.)  (Wiehner  7;  Schw.  738):  St.  Valentin 
ist  Patron  der  Liebenden.  —  3.  =  vermutlich 
auch  Syphilis  (St.  Valentin  ins  Franz.  entstellt  — 
8t  Foutlti,  Bris».  2-10).  —  (1S94)  Frt0Ci/>C<7-Kr.  = 
eine  durch  das  Sitzen  und  Fahren  auf  dem 


Velocipede  hervorgerufene  Adektion  an  den 
Dammorganen  (Harnröhre  und  Venenentzün- 
dungen) (Munch.  Med.  Wochen-chr.  1S'.»4,  S.  219  — 

(174S)  venerische      |  rr_    .  , 

;  ,      ,  Kr.,  1.  —  1527  Morbus  vene- 

(i  v.»2,i  V  cnn»«nr/icn-|  ' 

rens  (s.  Venerie),  alle  infektiösen,  im  Ge- 
schlechts- od.  VTenti8dienste  erworbenen  Krank- 
heiten des  Menschen  (Tripper,  Schanker  und 
Syphilis)  —  2.  =  (mit  menschlicher  Syphilis 
verwechselt,  s.  Franzosen)  beim  Tiere:  aj  I'eil- 
sucht  (Tuberkelkrankheit);  b)  Wurm,  Kot*. 
(Faike  iv.  399).  —  (i:.29)  verderbte  Krankheiten  = 
gefälschte  Krankheiten  (Paracet«,  de  Impost .).  — 
(1722)  vergiß te  te)  Krankheiten -giftige  Krank- 
heiten (Tiber.  120)  —  (Kurie  de«  ls.  Jahrh.)  verlern  te 
Krankheiten  —  die  unter  dem  äusseren  Hilde 
einer  anderen  Krankheit,  *.  B.  Wassersucht, 
Luntrensucht,  auftretende  innerliche  Krankheit, 
t.  B.  Syphilis  (Syphilis  larvata),  Eingeweide- 
Syphilis  (Hr.  II,  543.  549.  577;  Falke  II,  406).  — 
(lsi.:)  verwickelte  Kr.  ;-  eine  in  dem  normalen, 
glatten  Ablaufe  durch  dazwischen  eintretende 
schwerere  Zufalle  gestorte  Krankheit  (Kom- 
plikation) (Kalke  IV,  410).  —  (174H)  verzehrende 
Kr.  =  Febris  hectica  (s.  Hektik,  Kttig),  Zehr- 
fieber  (A.  v  D.  I,  1310;  Maschenh.  281.  383;  Fr.  II, 
6.r.)  —  Veterinär- Krankheiten  =-  Tierkrank- 
heiten (s.  Veterinär).  —  (1795)  Volks-Kx.  — 
eine  die  Gesundheit  des  ganzen  Volkes  be- 
drohende Krankheit  (I'andemie,  Endemie) 
(J.  V  Trank  III,  142)   —  vornehme  Kr.  =  galante, 


noble  Krankheit  (s.  d. 


(isj.)  M7ir7«fuwj?-Kr. 


Kntwicklungskrankheii.  —  (17951  Wald -Kr., 

1.  =  eine  Krankheit  der  Schafe  (Drehwurm, 
s.  d.),  welche  sie  angeblich  bekommen  sollen, 
wenn  sie  in  Holzungen  (daher  auch  Holzkrank- 
heit genannt)  auf  feuchtem  Boden  weiden.  — 

2.  =  andere  Haut-l'arasiten  (  —  le  mal  St.  Syl- 
vain)  bei  Schafen  (Falke  1.406,  Abiig.  127;  Rri.s.«.  2.14). 
—  3.  =  Milzbrand  (Typbus  sylvestris),  dessen 
Entstehung  man  dem  Genüsse  von  Waldbaurn- 
Spnisslingen  zuschrieb  oder  sonstigen  Schäd- 
lichkeiten auf  der  Waldweide  (Falke  II.  425);  ver- 
mutlich Meckt  hinter  dem  Namen  eigentlich  die  Vor- 
stellung eines  Walddamons  (Sylvanus  -  Fangg)  (siebe 
Milzfrau,  Bettelmann,  Holzweiblein).  —  4.  = 
Blutharnen,  das  beim  Rindvieh  am  häufigsten 
auf  Wald-  und  Buschweiden  vorkommt.  — 
Wander -Kx.  —  die  von  Land  zu  Land  wan- 
dernden Epidemien  (Ven'.ffentl.  d.  Kais.  Gesnndh  - 
Amtes  1877).  —  Waren  'sehe  Kr.  =  ,, Waren,  nom 
donne  en  Westplialie  a  uue  maladie  herxdltaire  dans 
pltisk'urs  fumilles;  eile  «  annonce  par  douleurs  vague« 
et  tresvives  en  tont  le  corps  et  partieulicrement  au  dos 
et  aux  lombes  etc."  (Mure  et  Robin  Dietionnalre  de 
nudecitie  II,  p.  1657;  Peypers  87)  =  vermutlich  here- 
ditäre Syphilis  in  der  mecklenburgischen  Stadt 
Waren.  —  H839)  BVc/isc/-Kr.  =  eine  Krank- 
heit mit  intermittierendem  Typus,  ähnlich  dem 
Wechsellieber  (Ilaeser  II,  93).  —  (1680)  weibliehe, 
,iö:.i)  HVi&rr-Kr.,  1.  —  Menses,  Gynaecia,  als 
Weiberblodipkeit,  Weiberschwäche,  Menstruum 
IL.  eh.  38:  KünlgUp.  61;  Bock  21;  Cr.  W.  V.  2039).  — 
2.  =  (16.  Jahrh.)  Wochenbett,  J schien  (Gr.  W.  V, 
2039;  blbl.  Med.  457).  —  3.  =  Schwangerschaft 
(Zw.  «98).  —4  =  Frauenkrankheit  2  (e.  d.) 


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Krankheit 


Kranl— Kranz. 


fll»erhaupt.  —  f>.  =  weisser  Fluss  (h.  iL),  alt* 
(U>8i)  „weisse  Weiberkrankheit"  spezialisiert 
(Endometritis  suppur.).  —  6.  =  auch  sonstige, 
das  weibl.  Geschlecht  vorzugsweise  befallende, 
auch  infektiöse  Krankheiten,  z.  B.  Sehlauim- 
krankheit  (Münch.  Med.  Wochenschr.  1*91,  S.  77"-). 

—  (verborgene)  Weichseltopf -Kl.  —  s.  Weichsel- 
zopf  (Uutcland  587) ,  (1599)  Morbus  cirrorum,  Cir- 
ragra;  (i«83)  Morbus  vulgo  dictus  plica  polonica, 
Lues  pocutiensis  (Gabzien;,  saruiatiea  (Polen) 
coltonica  (s.  Kolton),  Trica  ineuborum  (s.  Alp- 
zopf), Trieboma,  Heiotis,  Ropalosis  etc.  (Og.  6. 
26.  26).  —  Wride-Kx.  =  im  Gegensätze  zur  Wald- 
k rankheit  (s.  d.),  jede  der  Fütterung  auf  der 
Feldwcide  zugeschriebene  Tierkrankh.,  Staupe, 
Milzbrand  etc.  {Falke  II,  337.  132).  —  !17i:.)  Werlhof- 
sche  Kr.  =  eine  skorbutabnliche  Erkrankung 
mit  kleinen  llohstichartigen  Blutaustritten  unter 
der  Haut;  (1775)  Morbus  tnaculosus  Werlhofii, 
Purpura  haemorrhanicn  (Werlhof,  i'anl  Gottfried, 
let.te  1*99 -1767,  linier).  —  IPcte-Kr.  -  die  Traber- 
krankheit der  Schafe,  wobei  «lie  Tiere  sich  be- 
ständig am  Kreuze  wetzen,  scheuern,  an  der 
Nase  reiben  (s.  Keiber).  —  (1.07)  ir»'rrf«--kr. 
(=  rectdlvuf,  I».  «7)  —  rückfällig  an  derselben 
Krankheit.  —  (lstM)  Wiener  -  Kr.  -  Morbus 
Viennensis  (Dr.  Kämmerer)  —  Luniren-Tuberku- 
losis,  in  Wien  früher  sehr  häutig  (nach  einem 
Vortragt  auf  <ler  66.  Naturforscher-  u.  Ärzte-Versamm- 
lung zu  wie»).  —  (i7w)  H'iriirt  -Krankheiten  = 
solche  Krankheiten,  die  im  Winter  häufiger 
sind,  z.  B.  Schnupfen.  Husten,  Oberhaupt  Re- 
Bpirationsschleitnbaut-Katarrhe  (a.  v.  ii.  1,  790). 

—  (Uly:  UVr/crwn^Ä-Krankheiten  s.  klimatische 
Krankheit  (Herker  221).  —  W<Jhortiaer-Kx.,  L  — 
eine  infektiöse  Lungenentzündung,  durch  den 
Wollstaub  verursacht.  —  2.  =  Hadernkiank- 
heit.  —  teumtkx.,  (löie,  lFioirf-Krankheiten, 
1.  =  verwundet,  aeger  ex  vnlnere.  —  2.  — 
von  einer  erhaltenen  Wunde  aus  krank  oder 
auch  nur  schwach  (Gr.  W.  V,  2023).  —  3.  ~  die 
Krankheit,  die  sich  zu  einer  olfenen  Wunde  in 
ihrem  Verlaufe  der  Heilung  hinzugesellt,  z.  B. 
\Vundsucht,  Wundfieber,  Wundstarrkrampf 
i Tarncelsu»,  Baas  209;  Haescr  I,  4'i6>.  —  (1018)  wund- 
artzntyische  Kr.  =  Leibskrankheit  2  (ParaceliHi* ; 
Pr.  II,  n).  —  (IT«)  Wurm-Kl.  =  die  ktankbaften 
Zustande  im  menschlichen  Körper  infolge  von 
Eingeweidewürmern,  namentlich  durch  den 
.Spulwurm  (Helminthiasis)  oder  auch  nur  mit 
Symptomen,  die  bei  solchen  Entozoen  vor- 
lianden  sein  können,  Morbus  vermieularis 
(Bremser;  Leukart  IM.  157.  ISO;  Itavaria  II.  2.  8*3 ; 
Lebert  in  Gerhardt  IV,  2.  291;  bibl.  Med.  579).  —  (1741) 
Wurst-Kl.  —  Farciminium  (Vegelii)  (Kirsch  43S) 
Hautwurm,  wurstförmige,  infarzierte  Rotz- 
knoten beim  Pferde.  —  Wui-Kr.  -  Lyssa, 
Rabies,  eine  akute  Infektionskrankheit,  welche 
bei  den  Tieren  des  Hundegeschlechtes  manch- 
mal seucheuartig  auftritt  und  auf  den  Menschen 
und  alle  Haustiere  ubertragbar  ist  und  unter 
Wnterseheinungen  (rasende,  tolle  oder  stille 
Wut,  h.  d.)  zum  Ausbruch  kommt  (Bollinger 
in  Zienwen,  II.1t.  III,  :m)  (St.  Hubertuskrauk- 
heit).  —  (MM)  ZauberKx.  =  eine  durch  Zauberei 
(s.  d.)   veranlasst  angenommene  Krankheit 


(über  die  der  kalserl.  Hofmedikus  Maximilians  II., 
Namens  Karrichter,  sogar  eine  Abhandlung  schrieb; 
v.  M.  II,  Anh.  1;  bibl.  Med.  670.  710,  Uegister).  — 
(18S7)  Zehr-Kx.  =  verzehrende,  serljeude  Krank- 
heit, chronisches  Leiden  (Schmidt,  J.  lt.  1887  Ii, 
237).  —  (1896)  Zeit-Kx.  =  eine  unserer  Zeit 
eigentümliche  Krankheit,  z.  B.  Morphinismus 
(Dr.  Biedert,  Diätetik  S.  7).  —  (ls»0)  Zitherspieler- 
Kr.  =  eine  professionelle,  lokalisierte,  dege- 
nerative Finpcrnerven- Entzündung, durch  über- 
triebenes Zitherspiel  b.  sonst  gesunden  Spielern 
veranlasst  (s.  Echo  vom  Gebirge  1889,  7.  71;  Berliner 
klln.  Wochenschrift  XVII,  21.  301).  —  Zorn -Kr. 
(kranckheit  des  zorns  dair  die  hals  vys  kompt  -  agli» 
(aiiKina)  glandolac,  D.  18),  1.  =  Halsdrüsen-Mandel- 
abscess  mit  Entleerung  von  gelbem  (s.  d.)  Kiter; 
gelb  =  die  Farbe  des  Zorns.  —  2.  -  Wutkrank- 
heit (s.  d.)  —  3.  =  Koller  (s.  d.  u.  heisszornig). 
—  Zucker-Kx.  —  Zucker- Harnruhr,  Diabetes 
mellitus.  —  (iv.i)  zufallende,  (17.  Jahrh.)  zufällige 
Krankheiten  -  symptomatische  Eclampsia  als 
t'onvulsiones  aecidentes,  die  mehr  zufällig  ein- 
treten, ohne  das  Wesen  der  eigentlichen  Krank- 
heit zu  sein  (Bock  lie);  auch  die  Parasiten  hielt 
man  zuerst  für  die  ausschliessliche  Ursache, 
dann  für  einen  Zufall  bei  einer  anderen  Krank- 
heit (Krätze  t.  B.)  —  zymotische  Kr.  s.  Gtt- 
run  ks  krank  heit.  —  Kranken-,  Krankheits-, 
(krank [e  er,  es],  krankhaft)  Anfall,  -Asthma, 
-Aussehen,  -bleich,  -Bruch,  -GescMecht,  -Gicht, 
-Glieder,  -Herd,  -Herz,  -Keim,  -Kern,  -lahm, 
-Laus,  -Materie,  -Men*h,  -Mütigkeit,  -Mutter, 
-Samen,  -Scliärfe,  -Schlaf,  -Schtcitzen,  -Sinnig- 
keit, -Stimme,  -Stoff,  -süchtig,  -  Tag,  -  Tritt,  -  Ver- 
dauung, -Verzehrt,  -  Wechsel,  -  Wicht,  -Zeugung, 
-Zustand. 

Kraul  -  Schneidezähne  beim  Hirsch;  (zu 

Krone  ?). 

Kranz  (Kränzli,  Kränzchen)  »  (reifartiges 

Ziergetlecht;  ahd.  krauz;  mhd.  kränz),  1.  =  sinn- 
bildlich für  den  bekränzten  Zustand:  ums 
Kränzchen  kommen  —  Defloratio  (Gr.  w.  V,  2037). 
-  2.  =  kranzförmiges  Gebilde,  z.  B.  a)  Ziegen- 
und  Kälber-Därme  (Schweiz;  Schw.  362)  oder 
b)  der  Haarkranz  nach  der  Mönchs-Tonsur 
(10.  — 12  Jahrh.  cranz  -  cirros,  crlnc,  Schindler  I, 
1376)  (vergl.  auch  Saujungfer).  —  3.  =  der  Urin- 
Zirkel  (s.  d.)  (13 — 14.  Jahrh  ,  mnd.  de  crans,  Magist. 
Barth  102a).  —  .4w7cti-Kranz  ■  Corona  oculi 
s.  Iris  =  Faltenkranz  (Kirsch  so&).  —  Ehren- 
(Jun'ifem-)  Kränzchen  =  Jungferschaft,  als 
dereu  symbolisches  Zeichen  auf  dem  Kopfe 
von  den  Mädchen  ein  Kranz  getragen  wurde 
und  zum  Teil  auf  dem  Lande  noch  getragen 
wird  (Gr.  w.  v,  285).  —  .F<i/rc»-Kranz  ■  das 
strahlenförmig  gefaltete  Corpus  eiliatum  im 
Auge  (Schulaiisdniek,  Hjrrtl,  K.  W.  166)  (gefal- 
teter Ring).  —  -Suscn-Kranz,  1.  =  die  bei  der 
englischen  Krankheit  (Rhachitis)  zu  beobach- 
tende Auftteibung  der  Rippenknorpelverbin- 
dungen,  die  auf  beiden  Seiten  des  kindlichen 
Brustkorbes  einen  Bogen  bilden,  der  beim 
Darüberfuhlen  mit  dar  Hand  den  Kindruck 
macht,  als  ob  man  über  die  Kugelehen  des 
1  Rosenkranzes  (Paternoster;  s.  Nüster)  hinweg- 


S2G  Krapf- Kratze. 


Krauel— Kraxe. 


gleite.  —  2  =  «lie  Menses  (s.  Blumen),  die 
einen  roten  Sekret-Kranz  machen  (Österreich). 
iKr  Kosenkraux  hat  vermutlich  von  den  zu  Kränzen 
aneinander  gereihten  Samenkörnern  der  oiehtrosc 
»einen  Namen.  —  3.  ^  die  Kuau  9.  —  Tuttcla- 
Kränzl  (tuttel»  grausel)  —  die  von  dem  Warzen- 
hof kranzförmig  Umgebene  Brustlätze  (Wolfram 
von  Kschcnbach ,    l'arzival  II,   1G29;    l.exer  »I).  — 

Vt-mwi- Kranz  -  Corona  veneria-  die  auf  der 
Stirne  bei  Syphilitischen  oder  Venerischen 
beobachtbaren  roten  Haulknötchen  (Seumann, 
neuer  Venusspiegel  42;  cha|.elet  puslukux,  Dornbl.  2t) 

—  Kranz- Dann,  -Kopfweh. 

Krapf,  in  Krapfen,  m.  Krappen  (alid.  kftpbo, 
Gr.  W.  V,  2063),  1  —  Klaue,  Kralle,  die  »ich 
zusammenkrampft ,  krümmt  wie  ein  Haken 
(13. — 14.  Jahrli.  crapphe  —  uneus,  D.  t>26).  —  2.  = 

kmptig  gestaltete  Hautwarzen  beim  Pferde 

(15U2;  8cb.  ITC  —  Krapf,  tu.  =  kleine,  verwach- 
sene Person      :, melier  I,  i::7'J).  —  iiWs-Krapfl 

—  Hulskrapfchen,  der  gewölbt,  klnuenförmig 
vorspringende  Adamsapfel.  —  Krappen-AfaL 

krappig  s.  grappig. 

kraspeln   (1483— ieis)  =  crepitare  dentibus 

(Helmieller  I,  13S2;  C.  v.  Mcgbg.). 

kratteln  =  graitteln  (reitlen). 

Kratze,  f.  (Kratz,  m.  Kratt,  f.  Kratzer, 
kratzen,  Krätze),  kratzen  («hd.  ohnoOn, 

krazjnu.  kraxün  -  iHrrfrlcarc,  sealpcre  [dazu  franz. 
grattcr].  Uralt  I,  586;  mhd.  kratzen,  kretzen,  knitt..n 
[eine  hochdeutsche  Verschiebung]).  -  die  Kratze, 
Kratzet  (10.  Jahrh, ;  nhd.  ehraxznta  —  facies  diisecla, 
Mfittemer,  Henkln.  III,  6'.*6;  mhd.  kretz,  kratz,  Kluge  \ 
214)  =  der  Zustand  des  Gekratztseins.  — 
Kratz,  in.  Kratzer,  m.,  1.  =  das  einmalige 
Kratzen  (Kratz)  (Heyne  III,  462).  —  2.  m  die 
durch  das  Kratzen  entstehende  .Schramme  (der 
Kratzer  o.  Kraller)  u.  Kral-wunde  (egratignure). 

3.  =  die  Finder  und  Nittel,  womit  man  krazl 
(Gr.  W.  V,  2072)  (die  Kratze,  der  Kratzer!.  — 

4.  =  (1C80  der  kratzer,  Gr.  W.  V.  2ü7'J)  derjenige 
i,s.  Fuchs),  der  kralzt  oder  die  Kratze  hat, 
seabiosus.  —  5.  -  die  Krittze  (s.  «1.)  oder  Rande 
(Scabies),  (14.  Jahrh.  der  kratz  —  prurigo,  Voc.  opt. 
W.  30;  IS.  Jahrh.  der  krau  —  Knude,  Ur.  W.  V,  2071). 

—  6.  =  der  Schorf  der  Kratzwunde  (Gr.  W.  V, 
2071)  —  7.  <=  (1578  die  kratt)  eine  Halskrankheit 
(Gr.  W.  V,  2070).  vermutlich  eher  zu  Kröte  (s.  d  ). 

—  (is.  jahrh )  krättig  (kretti«),  t.  -  räudig 
(beim  Vieh).  —  2.  =  mit  dem  Hautwurm  («.  d.) 
behaftet,  kratzig  ;ur.  W.  V,  2071,  alemannisch).  — 
kratzen,  1.  -=  aktiv  kratzen.  —  2.  =  die  Ktn- 
ptinduug  des  Juckens,  Kitzeins,  Kratzen« 
haben  oder  auslosen  (Gr.  W.  V,  2077);  auch  die 
Gebärmutter  „kratzt"  (wie  ein  Tiei  —  ab- 
kratzen  -  eigentlich  Ins  Uro»  bellend  (».  d.)  und 
den  Sandboden  mit  den  Klugem  erfassend,  kratzend 
in  der  Schlacht  sein  Leben  aushauchen  --  verenden 
(Spless  II,  2).  —  Ader- Kratze  =  [alld.  adar  creti, 
alhargrnti.  adargrati  [I.egea  Itaiuw.  1.  3),  Graft  IV. 
all;  Du  Gange  I,  4">o)  —  wenn  eine  Ader  so  ver- 
letzt, angekratzt  war,  dass  das  Blut  nicht 
ohne  Feuer  gestillt  weiden  konnte;  ein  Aus- 
druck, der  vermutlieh  von  der  alleren  Form  des 


|  Ülutabloftiteu«  lAderlassj,  die  Ader  durch  eluen  Dorn 
aufzukratzen,   ut<erlrageu   wurde,    spater  wurde  sie 

I  aufgeritzt  und  aufgepickt).  —  auskratzen  (und. 
uzknuon,  Graff  iv,  587)  -  die  Adern  und  Ktn- 
geweide  (Augen)  herausnehmen  mit  kratzenden 
Fingern.  —  Lti/Yro/irc»-Kratzer—  «ler  Lungen- 
wurm  (Strongylus  tilaris),  der  bei  den  Schafen 
den  kratzenden,  krächzenden,  bellenden  „Schaf 
husten"  macht. 

Kraupel,  m.  -  Kroppel,  Knorpel  (sebm.  1. 1378). 

kraus  fein,  geringelt  (ns2  krau,  crau*  = 
tortilU,  ur.  w.  V,  20*»ff.)  (dazu  Gekröse,  s.  d.).  — 
Kräuseln,  pl.  =  die  geringelten  Sehlehnfaden 
im  Harne.  —  Kraus-,  krause) s)  tjlicdrüj,  Haar, 
-Kopf,  -Linke,  -Stirne. 

Kraut,    n.     (Indogeriu    grüto;    goth.    kruth  C'J, 
Kluge*,  214;    ahd.    krüt;    mhd.    krnt ,  vielleicht 
geraule  -  da»  Kollektiv  des  kleineren  Mauerwerkes 
1=  Raule]  bei  IMIanzen,  Zeluchr.  f.  Yolksk.  18*1/91, 

s.  MC).  —  krautig  (krutig)  =  lebhaft  und 
frisch  wie  ein  frisches  Kraut,  frisch  auf  (von 
Rekonvaleszenten),  gesund  (Gr.  W.  V.  2121  .  — 
Ab-  (An-,  (1017;  t/n-)  Kraut  -  jede  Krankheit, 
die  man  vor  Abscheu  und  wie  ein  unbrauch- 
bares, unnützes  (Zauber?-)  Ktaut  wegwerfen 
mochte  (Gr.  W.  V,  2105.  2110),  in  wegwerfender, 
verächtlicher  Bedeutung  (zu  kruit,  krudde,  Sehw. 
794,  in  keiner  liezichuug,  Gr.  I).  M.  II,  1110).  I.- 
Kpilepsia,  ilystero-Kpilepsia  (Schw.  734;  Wuttke 
3:ts).  —  2.  =  Eclampsia  infantiuni  (Wuttke  33s ; 
Dr.  Br.-8chff.  30).  —  3.  -  stille  Gichter  der  kleinen 
Kinder,  Fraislein  (schmeller  I.  13%;  Scbw.  734). 

—  4.  =  heftiger  Kopfschmerz.  —  5.  -  Wurm 
am  Finger  (Panariliutn)  (Schmeller  1.  eod.i.  — 
tj,  =  böser  Hals,  Diphtherie,  Croup  (isis;  z.  d. 
V.  f.  V.-K.  im.  s.  29it.  —  7.  =  Galle  (Paracelsns). 

-  bosca  Kraut,  1.  =  (noch  Z.  d.  V.  I.  V.-K.  UM, 
s.  216J  bösartige  Kose  (welche  besprochen  wird). 

—  2.  =  jedenfalls  auch  Unkraut  1 — ü.  Auch  die 
Krau  eine»  Walddüiuuiis  oder  Schratts  wird  als  „Krau 
Übelkraut"  bezeichnet  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896,  8.  S24). 
Hei  vielen  Volkern  tiudel  sich  die  Vorstellung,  dun» 
die  I'tlanze  der  Wohnort  eines  iHttnons  Ist;  die  von 
diesem  Ditmon  [l'nkraut;  verursachte  Krankheit  über- 
nimmt dann  auch  den  Namen  s.  Daum*)  de>sell>en. 

—  [1482]  </>oss-krauti'7  (C.  v.  Itagenbf.)  -  auf- 
gebattseht  wie  das  Ulatterwerk  einer  Kraut* 
pilanze.  —  f*;M-Kraut,  t'n-Kraut  s.  Abkraut 
U.  böses  Kraut.  —  Kraut-.Jdcr,  -Bauch. 

Krauwel  (Krauwagien  [od.])  a  Krauel. 

Kra(w)  (Krön),  n.  lahd.  kraiw];  1300  kraw  [Nurn 
lierg);  13«t  kra  [Wien],  Schmeller  I,  1373  ~  llcn,  Ge- 
därm des  Menschen,  Tiergedarm:  „ein  Wort,  das  bis 
vor  die  Teilung  der  germanischen  Stumme  zurückgeht" 
und  vermutlich  aus  der  Opfer-Anatomie  genommen  ist, 
[  worauf  es  In  die  Anatomia  cullnaris  überging  und 
noch  weiter  begrifflich  ausgedehnt  wurde,  Or.  W.  V, 
1062)  =  alles,  was  mit  dem  Kra-  (Laut-) Organen 
(IJachen,  Luftröhre,  Lunge,  Magen)  zusammen- 
hangt und  spater  zum  sogen.  Kragen  (s.  d.) 
w  urde  =  Kingeweide  (vet  gl.  Kronfleisch,  Krcb). 

Kraxe,  f.  -  dürrer,  magerer  menschlicher 
Kot  per  (wie  ein  langes  TraggetteÜ,  HeU, 
Krachse)  Türol,  lllutner  b.  11). 


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Kreatur— Krebs. 


Kreb«. 


827 


Kreatur,  f.  (creare  -  schaffen,  D  lr>3)  -  Ge- 
schöpf, Kunder. 

Kreb,  D  (KrÖb,  Krebe),  DD.,  n.  (ah<l.  krftwi; 
nihil,  kraewc;  ml.  gcrcb  [Bayern],  da»  Kreb  [Uro], 
Österreich],  Fromm.  VI,  30'.';,  1.  ---  das  Eingeweitlu 
geloteter  Tiere  (Lunge,  Leber,  Milz,  Herr), 
die  oberen,  mit  dem  Kra-  (Laut-)  Organe 
(Karben,  Kragen)  zusammenhängenden,  doeli 
bei  der  Opfer- Anatomie  mit  diesen  gemeinsam 
herausgenommenen  Eingeweide  von  Tieren 
(Gr.  W.  V.  1%-'.  2137.  2.12'.;  liehe  auch  fiercb  hei  Hebe; 
«Iii-  hcruiiitastende  Volksetymologie  schuf  gerade  l>ei 
alten.  In  Gebrauchverfall  kommenden  Worten  ver- 
schiedene, die  Deutung  erschwerende  Nebenformen). 
—  2.  —  dureb  Schwindsucht  kranker  Körper. 

-  Ha, -in-  Krepp  -  Gemsen- Leber  (Noc.  «.sterr. 
seehuch  84).  —  lumpete  Gröb  das  übel  lieh 
befindende  Eingeweide  (Gedärm)  (Österr.  Jahr- 
buch Ihm,  S.  H7). 

krebeln  =  kräbeln,  krabeln  (Schnuller  I,  IS»). 

Krebs,  m.  Krebsen,  in.  ich  goth.  krabita;  ahd. 
chmpfn  =  Hacken,  chreblc;  daraus  romanlslcrt:  eerc- 
TtaM,  Müller.  Spr.-W.  II.  267;  der  nackige,  scheren- 
tragende  Kreb..,  Kluse \  2U.  chnpaco,  chrepa*  = 
cancer;  mhd.  krebeze  -  das  dem  Indogermanen  be 
rcits  bekannte  [Schräder,  spr  -Vergl  lsyo,  8.  376]  krab- 
belndc  Flussiicr  [Gr.  W.  V.  2129],  das  von  Galenus  »um 
Vergleiche  gewählt  wurde  tur  die  krebsfussfthnllchen, 
rndienturmigen  Aderschlangclungcn  uro  da»  Krebs- 
Beschwur  herum;  mhd  krehec  KreVki-inkbeit, 
Lexer  132,  als  Cbcrsetcung  des  alten  Cancer,  canenim 
[13.  Jahrh.],  II.  Z.  XVII  ~  Schanker  [s.  d.],  IT.  I,  406, 
gaugraena.  Gr.  W.  V,  2129;  II.  Jahrh.  krebs  =  Cancer, 
Voc.  opt.  W.  41;  1466  krebss  =  Cancer  [morbus}.  D.  II, 
70;  1482  sichtuom  der  der  krebz  haizt,  C  T.  Megbg. ; 
IM}*  der  siechtag  des  krvps  =  Cancer,  (ir.  W.  V,  212V . 
1617  krel«"is  =  |>ect(>rale  [Brustkrebs  j ,  l).  41S,  1528 
krebs  In  dem  antlitz  —  noli  me  tatigere  [  =  Lupus] : 
„ist  der  sieche  alt,  so  warn  ich  -lieh,  tlrn  deine  hiindt  ab. 
es  Ut  nicht  gut,  da*s  du  in  unterstandest  anzururen". 
H.  v.  Gcrsd.  74,  „derselbe  erscheint  etwau  klein  und 
ist  zu  sanft  und  nicht  schmerzlich,  ein  ander  ist  gross 
und  hat  auch  grosse  schmerzen"  [a.  c.  L  eod.],  „eine 
andere  lose  blatter  als  der  anthrax"  [I.  eod.];  lr>::J  der 
kreps  ist  ein  melancholisches  [s.d.]  geschwftr  [apostema 
melaueholtcum]  rotunder  ligur  mit  grossen  schmer/eu 
und  nagendes  Heisch,  Fries  135;  1577  krebs  i«t,  wenn 
die  wunden  sich  erhitzigen  und  in  derselben  ein  lluss 
einfallt,  der  neben  der  wunde  rSClWt  und  um  sich 
».clsst.  Theophr.  Bod. ;  16.  Jahrh,  kreb«  s  fauler  Seha- 
den. Are-Buch;  1590  [beim  I'fcrd]  ein  schaden,  der 
die  haut  und  fleisch  hlnwcgfrlsst ,  <ir.  W.  V,  2129; 
17.  Jahrh.  das  faule  Fleisch  oder  krebs  in  der  Nasen 
genannt,  Fr.  Kr.  B.  502;  1616  krebs  ein  messender 
vchaden  vorne  oder  hinten  am  leib  [nicht  Im  Angesicht 
oder  Hals],  Faracelsus;  bei  letzterem  ein  Luxus  [s.  d.] 
Noll  mc  tangerc  mit  Ausgang  in  Uangraena,  anfange 
syphilisahnliches  Kplthelcarrinom,  Pr.  II,  75;  Gr.  W. 
IV,  1.  IST;  1699  krebs  ein  wehtutnb  der  entsteht  unten 
bei  deu  f u essen  [des  Pferdes;  und  untersten  kette 
[Kote]  auf  der  kröne  beim  fnss,  v.  M.  I,  53  -  Strahlen- 
krebs  beim  Iterde).  —  Krebs  1  —  ein  fressendes  Ge- 
schwür,  so  genannt,  well  die  um  das  Geschwür  He- 
genden und  verstoidten  Blut-Adern  Krebsfüssen  ähn- 
lich sind,  Schw.  3«5;  nach  dem  mnd.  Magist.  Barthu 


lomau-s  95a,  l>  betest  ,.der  cancet  [s.  Kanker]  nach  dem 
Krebse,  und  so  greift  derselbe  eiuwarls,  wie  der  Krebs 
rückwärts  kriecht  und  lebt;  man  erkennt  ihn  also:  er 
ist  groas  geschwollen  und  liegt  darum  ein  Knud"  = 
I  Cancer,  Carcinoma,  carcinus,  noll  nie  taugere  [=  Lu- 
pus c.  T.].  serpigo  [der  Alten],  upostema  caiicrosum, 
uposteiiia  liielalichollcum ,  thermiutus,  Behretid  CS, 
-cyrosis,  sciroma  [seirrhusj,  Uu  fange  VII ,  383.  Im 
I  ;  Jahrhundert  wird  der  Krebs  [cancrum],  wie  der 
Wurm,  als  eine  persönliche  Krankheit  besprochen, 
II.  Z.  XVII,  560;  die  Milch  , .dampft"  den  Krebswurm; 
die  \  crschlcdeiicu  ,, Krebskrauter"  werden  dagegen 
angewandt  [Krebsdistel,  lierba  Kuperti,  Scrofularia  etc.], 
Ii.  v.  «iersdorf  74.  Bei  den  Magyaren  wird  der  Krebs 
durch  den  Namen  eines  Kratikheitsgeistes  ,,Fene"  be- 
zeichnet, Ethnol.  MItt.  aus  Ungarn  1891,  S.  214;  In 
ahnlicher  Weise  wurde  nach  Du  fange  III,  458  der 
Krebs  [  =  cancer  aut  quid  simile  «piod  partes  alTeclas 
corrodenilo  Tulneret]  atich  felsus  [ein  Märtyrer  oder 
Plagheiliger .-]  oder  f  elos  [  =  Kelos]  benannt ;  [le  mal  de 
8t  Olllea],  le  mal  de  St  Julien ;  137C  le  mal  St.  F.loy 
I  [—skorbutisches,  melancholisches  Geschwur,  Cancer 
scorbuticus],  St.  Loup.  De  C'ock  290.  295;  Du  fange  V, 
517;  le  mauvais  mal,  le  mechant  mal,  mlserere,  Briaa. 
118;  die  Krebs-Distel  =  ouopordon  acantbium  L.  Ist 
die  bei  Frauenleiden  gebrauchte  Krampfdlstel,  Jessen 
2V5,  ndd.  kraewt  =  cancer,  Carcinoma;  dän.  kraeft  = 
cancer,  Goldsehm.  91).  —  Der  Krebs  ischulgemasse 
Übersetzung  des  lat.  cancer),  1.  =  zuerst  offenes, 
dann  gangränöses  Geschwür,  Vulnus  cancre- 
num  s.  Kanker  u.  Schanker.  —  2.  =  Krebsähn- 
liches. —  3.  =  Organverhärtungen.  —  krebsen 
—  (scherzhaft)  wie  eine  Hebamme  in  den  weib- 
lichen Genitalien  krabelnd  tasten  mit  den 
Fingern  (Schindler  I,  1359).  —  ,1  dar  Krebs  = 
eine  Krebsgeschwulst  mit  zahlreichen  und 
I  weit  ausgedehnten  Blutadern.  —  (1529)  auf- 
\  gebrochener  Krebs  —  offener  Krebs  (Brunf.).  — 
i  ii  :•  ii  Krebs  —  ein  Krebs  an  der  Bindehaut 
lies  Auges  w.  (Ildes  Jahr  2)  (Ur.  W.  l,  so7).  — 
(1742)  Bein-Krebs,  L  =  Paedarthrocace,  Spina 
ventosa,  eine  Speoies  cariei,  „die  vor  der  Venus- 
seuche nicht  bekannt  (?)  war,  vielleicht  Ist  sie  von 
dieser  gekommen"  (Zw.  311)  (tuberkulöse  Caries, 
Beinfrass  \  —  2.  -  Knochenkrebs  (Osteosar- 
conia).  —  Drüsen-Krebs  ^  der  Krebs  in  drü- 
sigen Organen  (isoliernhelm  334;.  —  (1528)  rissiger 
Krebs  - der  schrecklich  aussehende,  stinkende, 
jauchig  ulcerierende  Krebs  (II.  v.  Gersd.  74).  — 
fliegender  Krebs  ndd.  de  fleegnde  krew,  Jahn  M] 
=  Morbus  dracuneuli  —  der  Krobsgesch wären 
ähnliches  Kotlauf  (Milzbrand?)  bringende 
Drache  (s.  Lintwurm)  des  Volksglaubens  in 
Schleswig-Holstein.  —  fressender  Krebs  - 
geschwürig  zerfallender  und  peripher  um  sich 
greifender  Krebs.  —  Fuss  Krebs  —  Fuss-Fäule 
=  Klauenseuche  tler  Schafe,  deren  Hornklauen 
stinkend  abfaulen  oder  verfaulen  wie  beim 
I  Cancer  (Gr.  W.  IV,  l.  1024.  103:!)  (Fuss-Rotz).  — 
I  (WI7)  gelinder  Krebs  —  weicher  Krebs  (s,  d.) 
icheliu»  II,  37li.  —  (16.  Jahrb.)  ge-,  verschworener 
Krebs  =  geschwüriger  tistubiBer  Krel»  (Arzn.- 
Buch;  Zw.  439).  —  luirtcr Krebs  =  Seirrhus  Hippo- 
kratis.  —  (1817)  7/au^-Krebs  ^  Krebsknoten 
in  der  Haut  Cancer  terebrans  -  ofTenes  Carclnom. 
Behreud  69;   Chelius  II,   I  i     —    Huf -Kie\)9  = 


32* 


K  reb». 


krecketi— Kreis. 


Rtrahlenkrebs.  —  Kinn-Krebs  -  Mentagra 
(Aütii),  hose  Kinnräude  als  {Kraun,  k.  eus)  ge- 
schwuriger  Prozess  der  Haut  um  das  Kinn 
herum.  —  Km-  '.•  •.  Kul:>,  1.  =  Knochenfäule, 
Knoehenfrass,  Caries,  Beinkrebs.  —  2,  = 
Krebsgeschwulst  im  Knochengewebe  (Osteo- 
sarcoma).  —  3.  =  Beinkrebs.  —  Knollm-Kiebs 
■Cmen  blanc(?)  Keloid,  le  erabe,  „weil  der 
wiihrc  KuoIlenkrebH  (in  der  Haut)  Jas  An- 
sehen einer  Krabbe  hat"  («ehrend  71).  —  (17499 
Leffzen-  (Lippen-)  Krebs  =  <ler  Krebs  an  der 
Lippe  (Zw.  mo)  (Raucher-Krebs,  s.  u  ).  — 

Lribes-KiebB  (1100  krebs»  de»  lü>es  -  ouon  mi.rt.u«, 
I).  n,  70)  =  das  Krebsgcschwür  am  Leibe  im 
Gegensatze  zum  Gliedschanker  an  den  Geni- 
talien. —  (1M3)  Lun  /( «  Krebs,  1.  =  Lympho- 
sarcoma  endotheliale  bei  den  Schneeberger 
Grubenarbeitern  (Bergkrankheit  3).  —  2.  = 
Lungenseuche  bei  Tieren  (tiangraena  pul- 
monum). —  3.—  Leberlunjre  (s.  ds. ;  fianz  mit 
Unrecht  aus  2  entwickelt)  (Kalke  Ii,  M).  — 
M  '■!■  n  Krebs  —  Krebs  im  Magen  (Samuel  981; 
franz.  avoir  le  pylori-,  Itriss.  112).  —  3/ftftcr-Krebs 
=  Krells  an  der  Gebärmutter.  —  AViscn-Krebs, 

1.  =  wirkliches  Kpithel-Carcinoma  der  Nase 
(13. — 14.  Jahrh.  peRen  den  Cancer,  da  <ln  ausbliebt  an 
der  nczen  [Nn.se;  oder  andenwo.  Mnit.  Harth  97a).  — 

2.  =  Nasenpolyp  (früher;  (s.  u.).  —  iiaaii)  neuer 
Krebs  =  das  nach  Krebsart  um  «ich  fressende 
syphilitische  Geschwür  (l'araceK)  (siehe  neue 
Krankheil).  —  offener  Krebs,  1.  =  (17«3)  ge- 
schwflriger  Krebs  (PUtoex  D,  144;  Falte  II,  174). 
Carcinoma  Hippokratis.  —  2.  —  il7.vi)  alle  chro- 
nisch ulcerierenden  Hautatrektionen,  Lupus, 
les  loups,  ulceres  louvetieres,  phagedünischer 
Schanker,  Anthrax,  Krebs  (A,  v.  II.  I,  IUI; 
Htbss.  290;  liecker  263).  —  11592/  Ö/ir(c")Kreb8  ~ 
=  ein  parasitäres  krebsähnliches  Milben-Ge- 
schwür am  Behang  (Ohren)  der  Jagdhunde 

(Gr.  W,  VII.  12.-.7;  Kalke  II,  41.  176;  Beb.  679),  sogen, 
äusserer  Ohrwurm;  le  cancer  aux  oreilles.  — 
(177'.;  Parafßn-Kxebs  —  ein  durch  den  chro- 
nischen Keiz  von  unreinen  Paraffinprodukten 
meist  auf  die  Hodenhaut  beschrankter  Haut- 
krebs (Schmidt,  Jahrb.  1*92,  4.  ü5,.  —  Raucher- 
Krebs -ein  durch  den  chronischen  Keiz  der 
Hauch  pfeife  auf  die  Unterlippe  veranlasster 
Epithel  krebs  (nur  Lei  Männern.  Samuel  257}.  — 
Russ-  Krebs  =  Schornsteinfeger  -  Krebs.  — 
Ä'c/i!ca»i»i-Krebs  —  der  wie  ein  Baumschwamm 
hervorwuchernde  Krebs  ((lehrend  8»),  —  177.. 
Schornnteinfegcr-Krebs  -  ein  durch  den  chro- 
nischen Heiz  des  Kaminrusses  veranlasster, 
meist  auf  die  Hodenhaut  beschränkter  Epithel- 
Krebs,  Concor  verrucosus,  Russwarze  'Schmidt, 
Jahrb.  IMG.  4.  65;  Kehrend  6»;  POMtOT  II,  376).  — 
Strahlen-Krebs  =  ein  geschwüriges  Papillom 
(Hautwucherung)  am  sogenannten  Fleisch- 
strahl des  Pferdehufea  (F0«ater  U,  1095.  1090; 
zt|.p.  20.),  wobei  die  Hautzotten  wie  Kronen- 
slrahlen  vom  Hufe  abstehen.  —  {1775)  Teer 
Krebs  ■  Paraffin-,  Kuss-  od.  Schornsteinfeger- 
Krebs,  durch  den  Keiz  unreiner  Teerprodukte 
veranlasst  (Photogen  -  Krebs)  (Samuel  217).  — 
umfr -tauender  Krebs  —  gesehwflrijjer  Krebs.  — 
<17»3)  verborgener  Krebs  -  die  Krebsgeschwulst, 


die  noch  nicht  aufgehrochen  ist  (l'latner  II,  241). 
—  (Bado  d.  18.  Jahrb.)  wahrer  Krebs  =  der  eigent- 
liche Krebs  (Carcinoma)  im  Gegensatze  zu 
krebsähnl.  All'ektionen,  z.  B.  Noli  me  tangere 
(s.  Röhr  mich  nicht  an!)  (fr.  II,  439).  —  (is2>j 
H*a«8cr-Krebs  -=  Ulcus  noma  (yj  vojir,  =  Weide- 
l-lttU,  Hof).  Mundbrand  (ObersettunK  des  holland. 
woterkauker,  vau  der  Voorde;  Iteusner),  der  mit 
einer  wässerigen  (ödematosen)  Geschwulst  auf 
der  äusseree  Wangenhaut  beginnt  und  mit 
einem  brandigen,  hofartinen  Schorfe  auf  .1er 
Innenschleimhaut  der  Wange  sich  weiter  ent- 
wickelt. Synonyma  ,'nach  Kehrend  70)  Aphtliac. 
t'alarrhu»  ad  ^IiiRivas  (Fnbrlc.  Hildan.),  Stomaciwe 
Kiuiwraenosn.  Mundfaule  (s.  d.  —  le  caucer  blanc).  das 
Mulum  mortuuui,  Miserere,  la  male  mort  (Hris*.  229; 
nnch  Henning,  Geneh.  der  Kinderkrankheiten,  Cierbardt 
l.  II)  =  Cancer  ae.irbutteus.  —  (1817)  weicher  Krebs 
=  der  schwammige,  linde  Knollen  bildende 
Markschuamm  (<  heiiu*  II,  374).  —  (1731)  Zungen- 
Krebs,  1.  =  der  Krebs  (Carcinoma)  an  der 
Zunge.  —  2.  =  (17*6)  Milzbrand  -  Karbunkel 
(Anthrax)  mit  Geschw  ürs-Lokalisation  auf  und 
unter  der  Zunge  oder  am  Gaumen  des  Rindes, 
Schafes  und  Pferdes  (nicht  Rinderpest)  (Ke*er 
|  116,  Bardelebeu  I,  300;  Merk  167.  249;  Schnurrer  II, 
6.(.  27H.  393;  I.erseh  9*).  —  Krebs  krebsü/[c,  er,  es]) 
Auqen,  Enden,  -Brust,  -Fleehten,  -Fuss,  Ge- 
schwur,  -Gestank ,  -Gicht,  -  Hautübel,  -Jauche, 
Krankheit,  -Loch,  -Materie,  -Ruhr,  Schaden, 
Schärfe,  -  Siechtag,  -Übel,  -  Warzen. 

krecken  =  (1680,  1749)  erbrechen,  vom  krachen- 
den, würgenden  Tone  (Zeitschrift  für  d.  PhUol. 
XXVI,  214). 

Kreepel,  m.  =  Krüppel  (fronen  in,  im). 

Kreide,  f.  (lat.  erüta  -  Erdart  von  der  Insel  Kreta  ; 
ahd.  krida;  rohd.  kride,  Kluse5,  215).  —  kreide  - 
Haas,  -bleich,  -Gesicht,  -weiss.  —  Kiei&ling  — 
Kretin  (s.  d  )  wegen  der  kreide« eisseti  Haut- 
farbe  [Kraus,  K.  27tl;  Meyer,  Konv.-Lex.  *,  X,  693). 

—  Per-kreidwM(/  =  Arteriitis  chronica,  Sklero- 
sis,  die  Ablagerung  von  flachen,  harten  Kalk- 
Konkrementen  in  die  Aderhaute  der  Blut- 
gefässe (CMeriaier'j  200). 

Kreis,  nu.  (ahd.  clurets;  mhd.  krei*.  kiur«*,  21:»; 

12.  Jahrh.  chreiz  -  clrculus  urinae,  l'feiffer  21 ;  1"..  Jahrh. 
krnlss  =  Kranz,  Hinjr,  Kreislinie,  Rand  ,  davon  ge- 
nommen 1.  =  Orbita,  Augenring  (tir.  W.  V.  21&2). 

—  2 .  =  der  Harnzirkel  (s.  Zirkel,  Kranz,  Bokcij). 

—  yli<yoi-Kreis  =  Gibita  (Gr.  W.  I,  807).  —  Harn- 
Kreis  (IS.  Jahrb.;  mbd.  der  ehreli  de»  bartiK,  die 
eonnia  de«  Job.  Actiiariux;  1C99  harn» -crelssen ,  v. 
M.  II,  234}  =  der  Harnschaum  an  der  Peripherie 
der  Urinoberlläche  im  kreisrunden  Uringefass 
(Salkowüki  u.  I.euhe,  die  Lehre  vom  Harn  18s2,  8.  29»). 

—  (1741)  ÖArcn-Kreis  -  Helix,  der  randliehe 
Knorpelrand  am  Ohre  (K.  a  8»;  Kirsch  ?>62).  — 
Riss  Kreis  1  •  Jahrh.  kralsi  des  rynsls  =  vibex  est 
»Ikiiuui  quod  remuuet  post  laeslouetu)  =  der  rOt- 
liche  Hand  der  Schwielen,  Narbe  (Gr.  w.  V, 
2152).  —  kreisen  -  im  Kreise  herumgehen, 
laufen.  —  das  Blut  kreist  in  den  Adern  = 
Circulatio  sanguinis  (Blutkreislauf)   —  Kreis- 

.  Fluss,  -Lauf. 


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kreischen— kreisten. 


K  rem  ine  —  K  reti  n . 


kreischen  (zu  ahd  kriskan;  tnhd.  krischen  = 
scharf  schreien.  Kluge*,  lsu,  n<ll.  krijscheii,  grijzeu, 
De  Coek  TT),  1.  =  kreissen  (e.  u.).  —  2.  =  auch 
(vom  zischenden,  krischenden  Klange  d.  Bratens 
genommen)  Fieberhitze  bei  tödlicher  Krankheit 
haben  0«.  u.  IT.  Jahrh.;  Gr.  W.  V,  UU).  —  auf  - 
kreischen  -  Pavor  nocturnus,  das  scharfe 
Schreien  (s.  d.)  der  im  Schlafe  auffahrenden 
Kinder  iTrakt.  Arzt  tsTt,  S.  293;  le  pliorant  [lAusannc], 
Z  f  .1  PbIL  III,  Uli. 

kreissen  mhd.  krizen.  „eine  der  drei  Ausgestal- 
tungen des  Stammes  kri  =  schreien",  Gr.  \V.  V,  21rH 
=  getnere ,  sebarf  schreien,  stöhnen,  ächzen;  iifteh 
Gr  I.  c.)  1.  =  stöhnen,  schien,  mit  gellender 
Stimme  schreien.  —  2.  =  ächzend  husten 
(15.  Jahrh.  da«  krlsxeu  in  der  kein  —  kreissen,  Gr  W. 
V.  C16S1.  —  g.  —  ohrenkhngen  (16.  Jahrh.  die  ohn-n 
kntaten,  »;t.  w.  v,  2165).  —  4.  =  das  schmerzliche 
Stöhnen  und  Schreien  der  Gebarenden.  —  5.  = 
(früher)  der  gesamte  Geburtsvorgang,  das  Ge- 
baren selbst;  (, .schriftstellerisch  ist  da*  Wort  noch 
über  Wasser  erhalten  durch  das  lloraz  sehe  :  parturtunl 
tnonteK,  nascetur  ridietilus  mus  [der  krclssende  llorg]", 
Gr.  W.  V.  Jict:  1677  kreuszen  —  gehären,  «ir.  W.  V, 
3M&  öle  Krklärung:  kreisten  -  im  Kreise  sich  beim 
Gebaren  hin-  und  herbewegen  [l'loss  Härtels  II,  78)  ist 
nicht  zutreffend,.  —  Kreissung  (16*0  kreussung. 
Gr.  w.  v,  2166)  kreiBsende  Wehen.  —  Kreiss- 
Statt  (Kreischte)  -  Geburtsstätte,  I -agerstatte, 
separates  Heulader,  Kreistbett. 

kreisten  (kreischten,  kressen,  kresten, 
kneisten),  Ereister,  Krester,  Kreisterin, 

KreistUng  («nhd.  kristen,  Kluge»,  215  =  gemere. 
parturire;  ndl.  krijten,  De  Cock  77  ;  „eine  der  drei 
Ausgestaltungen  eines  Stammes  kri  schreien",  (Gr.W. 
V,  2161);  nach  letzterem  1.  —  stöhnen,  ächzen, 
anchlzen  vor  Schmerz  u.  Anstrengung  (16  Jahrh. 
kreisten  =  stöhnen,  seufzen,  <;r.  W.  V,  2162,  16S.8  auch 
bei  Werden,  Gr.  W.  1.  c).  —  2.  =  unangenehm 
husten,  rülpsen  (159u  kreisten  ==  ächzend  husten, 
Gr.  W.  V,  2162;  kresten  [Westernu,  Nordb..hra.,  Na«sau]i 

—  räuspernd  husten,  jammern,  stöhnen  (Gr.  w. 
I.  Md.).  —  3.  —  schwer  atmen,  namentlich  bei 
Kindern  (Bayern,  üstorr  ,  Tirol),  mit  Schmerlen 
schnaufen  (Schm.  I.  1383  -  kncUtcn  [Tirol],  krallten 
[soifen.  eimbrische  Gemeinde];  ndl.  krijschen,  krijten, 
«rijzcn,  Du  Cook  77).  —  4.  —  das  Stöhnen  der  Ge- 
bärenden. —  5.  —  «las  Gebitren  selltst  (157$  zum 
klud  kreisten,  Gr.  W.  V,  709.  2162;  16*7  kreiden  de 
Weibspersonen  [Nürnberg],  Gr.  W.  V,  2162).  —  Ü.  = 
Wehen  (Kroistung).  —  7.  =  schwere  Krankheit; 
hieher  auch  «las  Kreusscn  (Schnuller  I.  115  sub 
voce  Antraten)  —  schmerzhafter  Schaden.  — 
Kreister,  m.  1.  —  ein  Stöhnender,  Ächzender 
(Gr.  W.  V,  2163).  —  2.  =  das  einzelne  Stöhnen, 
Ächzen;  (17*2)  der  Stöhnlaut  (Gr.  w.  V,  2163).  — 
3.  =  ein  zäher,  schleimiger  Auswurf,  der  unter 
Kreisten  herausbefördert  wird.  —  Kreisterin 

—  (1678)  die  in  Kindsnöten  gebarende  Krau,  die 
auf  tler  Kreisstatt  sich  befindet  ;Gr.  W.  V,  730, 
2lt>3).  —  Kreistie,  n.  1.  —  der  kleine  Kreistlaut. 

—  2.  =  das  kleine  kreistende  Wesen.  —  3. 
Bauchgrimmen,  Schmerz  überhaupt,  aus  der 
Sprache  der  Mütter  und  der  Kinderstube,  wo 
hantig  Krankheitsnamen  personifiziert  werden; 


I  „das  Kreistie  kommt  und  krümmt  die  Kinder 
im  Ixnbe  mit  allerlei  Krankheiten"  (s.  Geist- 
knepe,  Stradl,  Druckgeist,  Druckerle  etc.)  (Gr.  w. 

[  V,  2163).  —  Kreistung  =  (1687:  Kindswehe  (Gr.W. 
V,  2103).  —  Brüx!  Kreisten  'II  Jahrh  brüst  kristin) 
=  BruBthusten  (kreisten  2),  i'hthisis  (Voc.  opu 
Wack  ).  —  rrrkreistcw  -  sterben  (unter  k  reisten  - 
den  Tönen)  (Kftruthen ;  Gr.  W.  1.  eod ).  —  Kreist- 
Bett, -Statt. 
Kremme,  f.  ■  krampfige  Steifheit,  Krampf, 

:   Kramtn  (s.  d.)  (Karnlhen  ;  Gr.  W.  V.  2003). 

Krempe,  f  (Krampe)  (aus  dem  nhd  chrampf  — 
gekrümmt  und  ahd.  chrauipt  —  ltakeu,  umgebogener 
lund,  Kranz).  —   Ohl    Krempe  =  Helix,  der 
nusserste,  nach  vorne  umgebogene  Ohruiuschcl- 
tand  (Gr.  W.  VII,  1264). 

krempfen  -  krämpfen  (16I6  „weun  sich  eines 
zu  tod  schlaft,  zu  tod  wütet,  zu  tod  kitidhveht,  l'ara- 
ceUu«;  Gr.  W  .  V,  20HJ  -  Kclampsia  parturientium, 
eine  epileptiforme  Krampfform  der  Gebärenden, 
die  mit  Cotna  abwechselt. 

Krepp,  f.  Kreppa,  f.  -  Schwindsucht  (Tirol; 
Kromm  VI.  302),  zu  Kreb  (s.  o  ). 

krepieren  (1600  aus  Mal  crepare;  franz.  crever, 
Klnge*.  215;  ron  lat.  erepere  =  ein  Geräusch  gaben, 
wie  das  verendete  Tier  als  aashaft  aufgetriebener, 
knisternder  Körper)  —  (in  gemeiner  Rede)  sterben. 

kressen,  kresten  b.  kreisten  (Köhler,  V.-l»r.293). 

Krester,  m.  b.  Kreister. 

Kretin,  m.  —  der  mit  Kretinismus  Behaftete 

(1790  ,,eine  besondere  Menschen-Abart  in  den  Alpen", 
Chelius  II.  310);  das  Wort  K.  ist  eigentlich  nicht  volks- 
üblich,  nur  durch  die  Arzte  etwas  bekannter  geworden 
und  natürlich  auch  entstellt  im  Volksmunde ,  dasselbe 
Ist  weder  von  chn  tlen,  Christian!,  noch  von  creatura 
(rom.  crellra)  =  armer  Tropf  (Z.  1.  d.  l'bllol.  III,  331) 
abzuleiten,  auch  nicht  vom  Thonerde-  (eretu)  lioden 
(*.  Uergsurht,  Alpenkropf;  Allara  239;  Kraus,  K  2T0); 
man  nieinte  auch,  das  Wort  sei  aus  dem  lat.  creta  -- 
Kreide  entnommen  (Med.  chir.  Kundseh.  1876,  911), 
well  die  Voll-Kretinen  eine  fahlweisse  (s.  Kakerlak), 
kreidige  Hantfarbe  hüben  In  der  alten  bündnerischen, 
romanischen  Sprache  bedeutet  das  Wort  cretlno  einen 
Dummkopf  (Kluge! ;  vielleicht  ist  eretiuo  romanlsiert 
uus  Kröte  (s.  d .),  die  vielfach  den  Kretinenkropf  be- 
zeichnet. In  der  Tiroler  Volkasage  legt  der  verkrüp- 
pelte Norgg  Dämon  eine  ,,Kr«>te"  In  da»  Kindbett  ein, 
•  1  h.  ein  Wesen  seines  Gleichen«.  Fast  jeder  Krank- 
beltsdämou  ubertrug  seinen  Namen  auf  die  Kretinen. 
die  Wesen  nach  ihrer  Art  waren,  d.  h.  von  ihnen 
im  Alptraum  (s.  d.)  erzeugte  Kinder.  Die  Kr..te  ist 
nach  dem  deutschen  Volksglauben  (Wuttke  S.  111. 
H8J  oft  die  audere  Gestalt  eines  clbischcn  Damotis. 
Synonyma  sind:  Wallis:  Tarrur  (s.  Tater),  Tschaag 
(=  lolpothaiter  Slreuner),  Tschenggen,  T*chlngge 
(siehe  Zanken),  Tscholina  (Ischoli)  -  Slrobelkopf, 
Tschejetto ,  Tschcgetta  (s.  Ucbeggen),  Triffel  (siehe 
Tribel),  Goichcn  (Gauch  i,  Marron.  Italien:  «'ristiamdl, 
I  Innoceut,  Goj ,  Mattel,  Marron,  Gavas,  ltotola, 
Magotu,  Pazzl  Frankreich:  Cietfn,  Innoeent, 
t  agou  («  agoil  (Du  <  ange  IX.  92]:  Oavo  =  Kropf). 
Capnts  (Norrli.yrenäen),  (caboche,  caboss«,  ciilK.ce 
caput,  tote  [Vermummter],  Brlas.  30;  Du  Gange  IX,  Kt), 
l'affo»  (worunter  aber  auch  l.epra-Kranko  verstaudeu 


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MO  Kretaohling- Kreuz 


kribbeln— krimmen. 


wurden,  Du  Cange  II,  17);  (Piemout)  l'azzl.  Detitsch- 
latul:  Alp,  Alpgrind,  BuU.  Dackel,  f..  Iiamler.  Daut«- 
Maule,  Dickkopf,  Düpe*,  Dilluiaun,  Hippel  u  .*,  Dogger, 
Doggcl,  Dost,  Dübel*,  Fax,  Faxenmacher,  Kcx  (Kechin), 
«lacken,  Gauch,  Gimpel,  (Solch.  Kuuipol,  Hanipel- 
mann,  Hauskreuz,  Kielkropf,  Kralle,  Kropfllug,  KMUe, 
l.afTe.  Utile,  Lappe,  Letzkopf,  l.oll,  Narr,  Neil.  NolleB, 
1'oppel,  Talpl,  Tapp,  Tapp.  Tapps,  Tappel,  Tarrcr, 
Talcrcr,  Tnlcrmaun ,  Temler,  Teppek ,  Teufelsbrut, 
Thoreiibuh*,  Tillli  pp,  Toekel,  Torker,  T»lpel,  T"lii, 
Tolk,  To(a)llpatsch.  Trolle,  Tralle,  Trallewatsch.  Trall- 
paleeb,  Truppekill.  Tropf,  Trottel,  Trottenkopf,  Trüsscl, 
Trutschel ,  Tschalf.  Tschmite,  Tschaute,  THchluggcl, 
Tscbor,  Tschürgcn,  Tsebörper,  Tschrlatsehel,  Tschumi, 
Wasscrkulb,  Wasserkopf.  Wcelmdbalg .  Wcehsclbutt, 
Zwcrgl  (Allara,  d.  Kretinismus  12.  231»;  ltircber  8"  ff.; 
Schindler,  Knapp;  Z    f.  .1.  l'bilol.  III ,  «il  IT.).  — 

(17%)  Kretinismus^  eine  endemische,  mit  MiBs- 
gestaltung  des  Kürpers  (Kropf)  verbundene) 
psychische  Entwickln  ~  -  Hemmung  (Idiotis- 
mus, 8.  Fexismus*)  (von  \V.  Hofer  [WH— lBSlJ  zuerst 
beschrieben).  —  (iso2)  JiW6-Kretin  =  t-in  mit  ge- 
ringerem Grade  von  Kretinismus  Bcbafleter.  — 
<iso2)  Voll- Kretin  =  ein  mit  ausgeprägter  ex- 
tremer Kretiuen- Degeneration  Behafteter  (Auten- 
rleth  8  1018). 

Kretschling  s.  Grätschling. 
Kretz,  m.  =  Kratzer  (Erbe  7). 
kreuspeln  s.  krospeln. 

KreUZ,  n.  (ahd.  ehrüzi,  8.  Jahrh.  nach  Hyrtl,  K,  W. ; 
mhd.  krluz  —  ein  aus  dein  lat.  cmci  Im  8.  od.  3.  Jubrh. 
mit  der  Ch  ritt  Un  toteren*  eingebürgertes  Lehnwort, 
wofür  im  Germanischen  „Galgen"  gebraucht  wurde, 
Kluge4,  217;  creltz,  chreticc.  krütz,  Hyrtl,  K.W.  32; 
engl.  cross;  nach  Gr.  W.  V,  2185),  1.  =  das  unterste, 
kreuzförmig  erhöhte,  erhabene  Ende  des  Rüek- 
grates  (Kreuzbein  =  das  namentlich  bei  Eseln 
und  Pferden  kreuzförmig  erhabene,  grosse  Bein, 
Krupp)  (nach  Hyrtl  1.  c).  —  2.  -  der  ganze  Rück- 
grat vom  Nacken  bis  zum  Steiss  (Tirol,  Bayern, 
Wal-ehtlrol).  —  3.  =  der  After  und  die  Seham- 
teile.  —  4.  -=  «1er  Herzknochen  (s.  d.)  an  der 
Aorta  beim  Hirsch  (».  d.  Verf.  Volks  Med.  8.  163).  — 
5.  (1611  da»  der  liebe  (iott  selben  [den  Abt  Johann  IV. 
In  Adinont]  mit  ein  solchen  khrelz  begäbet,  da»  8le 
ein  Anlrax  oder  vielleicht  ein  Kistl  auf  khrebsarlh,  so 
etwan  von  der  natnr  aussgeworfeu  oder  au«  KIngiessuug 
de«  (i«lirns  hergctlossen,  jm  Angesicht  haben  sollen, 

Wirhner  u).  =  Plage,  Qual,  wie  «1er  Tod  am 
Kreur.e.  —  (17;iy)  AlpKxeVLZ  (--  Trudeufuss,  dessen 
Figur  zum  Vertreiben  des  Alp  an  Hausgeräte  gezeichnet 
wird,  Abergl.  139).  —  abgesihli(f  enes,  abschüssiges 
Kreuz  Esels-  Kreuz  =  ein  Pferdekreuz, 
welches  nach  hinten  und  unten  wie  abgedacht 
rasch  abfilllt,  in  der  Mitte  aber  nach  Eselart 
hochstehend  ist  (Mayer  tri;  Zlpp.  91;  Fulke  I,  X  1 
2*13).  —  gespaltenes  Kreuz  -  ein  Pferdekreuz, 
dessen  mittlere  Oberfläche  eine  Kinne  bildet, 
als  ob  das  Rückgrat  in  seinen  Dornfortsatzen 
gespalten  wate  (Kalke  I,  :t  si  —  J/Viua-Kreuz  ~ 
ein  l'nheilbarer,  dessen  Pflege  dem  Hausbe- 
wohner zur  Plane  gereicht,  namentlich  der 
Kretin.  —  lahnus  Kreuz  -  kreuzlahm,  Lumbago. 
—  nm&Vl  Kreuz  -  ein  nach  den  Seiten  bin 
rundlich  abgewolbtes  Pfordekreuz  (Kalke  II,  2  .1). 


—  Sth  Kl  ;z  —  ein  sowohl  nach  hinten 
als  nach  den  beiden  Seiten  hin  stark  abge- 
dachtes Pferdekreuz  (Zlpp.  M;  Kalke  II,  3trjj.  — 
spitzes  Kreuz  —  ein  mit  stark  vorspringenden 
Wirbeldornfortsatzen  versehenes  Pferdekreui 
(lalko  II,  &tü).  —  Truden- Kreuz  ^  Alpkreuz, 
Trudenfuss.  —  Kreuz  -Bein,  -Drehe,  -Fuss, 
-Galle,  -Oeschoss,  -Kof,  -krwnm,  -lahm,  -Rahe, 
-Sehläger,    -Schmerzen,    -Verzückung ,  -Weh, 

—  Werk, 

kribbeln (kriebeln,  grübeln)  -  krabbeln  (mhd. 

krlbcln  =  kitzeln,  milden  Fingern  l.rabeln.  Kluge  216; 
Schmellur  I,  1358),  1.  — -  der  sinnliclie  Kitzel  der 
Wohllust.  —  2.  —  wimmelndes,  prickelndes 
Hautgorflbl  (aucli  in  der  Nase)  (ür.  W.  V,  2202). 

—  3.  -  das  flble,  nagende  Gefühl  im  Magen. 

—  kribbelicb  -  empfindlich,  fuchsig,  reizbar 
(Lippe,  Fromm,  vi, 211).  —  Knebel- A'oyi/, -ÄVa/i* 
heit,  -Seuche,  -Sucht. 

Kriben,  Krieben.  f.  1.  =  (ifiw)  Grippen,  Kippen 
(Coetae)  beim  Hochwild  (s.  Krippe)  (Seb.  t>.s; 
Hyrtl,  K.  \v.  ls.i)  —  2.  =  s.  (irieben. 

krickelig  -  krittelich,  launisch  von  krilnk- 
licheu  Personen  u.  alten  Leuten  (Spiesa  II,  HO). 

kriechen.  —  Ameisen -Kriechen  s.  Ameisen- 
laufen (IMerer'.  1,  727). 

krieglen  s.  krochen. 
Krieken  s.  Greck. 

Krieg,  m.  -  Kriegs- Augenentzündung,  -Fieber, 
I    Pest,  -Seuche,  -  Typhus. 

Klimme,  f.  s.  krumm. 

krimmen  (krimmern.  grimmen)  (ahd.  chrim- 

man,  chrummun,  Uraff  IV,  <K)8,  mhd.  krimmen; 
krümmen,  Falke  II,  10),  1.  =  mit  gekrümmten 
Klauen  otl.  Fingern  packen,  drücken,  lahmen, 
verwunden  (vom  Tode  oder  Teufel,  die  |nach 
Volksglauben]  Krallen  haben).  —  2.  =  mit 
den  Nageln  kratzen,  zerkratzen  (Gr.  W.  V,  2305, 
I  8chw.  3«.7).  —  3.  =  sich  krumm  einziehen, 
krampfhaft  vor  Schmerz  sich  winden,  wie 
ein  wimmelndes  Gewürm  (<ir.  W  V,  2305).  — 
4.  =  jucken  (kratzen),  frieare,  prurire,  titillare 
(IMS,  16-3  krimmern,  Coler,  H.  A.  162;  Gr.  W.  V, 
230V  2310;  1743  ein  gewisser  Ausschlag,  welchen 
manehu  verbluhmt  das  Krümmern,  ehrliche  deutsche 
Biedermänner  aber  ml)  dein  rechten  Nahmen  die  Kratze 
nennen,  Hahn).  —  5  -  Bauchgrimmen  (s.  d.), 
Bauchkneipen  (Or.W.  V,  2305,  15.  Jahrb.  das  krjrmen 
=  Lelhgrimmeu  —  iliaea,  eolica  [passlo],  D.  011:  Gr.  W. 
V,  2307,  1C0.1  das  krimmen  —  ein  Sehmerz  des  l'nter- 
baueus,  colica,  Gr.  W.  1.  cod).  —  Ii.  —  vom  Krämpfe 
«•ifasst  sein,  wie  von  einem  anfallenden,  an- 
stossenden  Dilmon  (»;r.  w.  V,  2300.  2307).  —  (1583) 
Augen- Krimmen  -  Ascberschrimpf  (s.  d.), 
Beissen  und  Jucken  der  Augen,  Pruritus  oculi 
(Augenkrampf)  (t'r.  w.  I,  807;  V.  asn?).  —  (ndd.) 
ß(iHf/(-Krimmel^  Bauchgrimmen  (Krimmen  5) 
(Andre«e»i  x i  —  grimm  Krimnie  (M  latait 
gritu  krimme  -  iliaea,  l>.  277)  —  lebhaft  krampfen- 

I5SSS*H 

zeiii  kriseiimmon  —  iuedim,  I».  II,  21">;  chriskrimmon, 
eruscrimön,  crlstcrimmuuc ;  V:  Jahrh.  gri-gramung 


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k  ritn  pen  —  K  ri  ppe(n). 


Krips  —  Krith. 


Ml 


D.  536.  Graff  IV,  320)  -  Stridor  dentium,  Zahne 
knirschen;  (..krisen"  —  ein  Schallwort,  das  da« 
Knirschen  wiedergibt;  mbd.  grustgrauien,  Gr.  W.  V, 
5»-').  —  [160Q)  Haut  -  krimmen  =  llantjueken, 
l'ruritis  cutis  (<.r.  W.  V,  23«7).  —  iftiZ/tr-kriinmeil 
■  Muttergriuimcn ,  da»  krampfhaft  windende 
Krinimen  in  der  Gebärmutter  (auch  vom  Manne 
genommen)  (<.r.  W.  VI,  28l*j).  —  ifäAne-Krist- 
krimmen  (h.  letzteres).  —  klimmender  Sivchtuij. 

krimpen  (krimpfen)  (atad.  krimlcn ,  13.  Jahrfa, 
crymphen  -  sc  con  trübere  Ivon  Kranken),  Physlc. 
U  Ildes;  l>.  11.  III;  1389  krippen  -  krimpen.  Gr.  w 
v,  2326)  =  durch  Alter,  Schmers  oder  Verwach- 
sung, durch  kurt  dauernde  oder  bleibende 
ZuKamiuenschnOrung  einschrumpfen,  «ich 
krflmuien,  krumm  oder  krampfhaft  zusam- 
menziehen (Gr.  W.  v.  Mll.  2312).  —  (iw&)  Ader- 
Krimpen  =  Bünder-  und  Sehnenkontraktur  an 
den  Gelenken  (c\»ier,  h.  a.  207).  —  (i6o:i)  Glieder- 
Krimpen  —  Convulsioncs,  schnell  vorüber- 
gehende, einziehende  Glicderzucknngen  («.mir. 
KS).  —  Krimpt- Sucht. 

Kringe,  f.  s.  Krinne. 

Krinne,  f.  (ahd  chrinna;  mhd.  krinne  =  Kerbe 
[von  der  Murke  Im  Kerbholz  Benommen) ;  1515  krin  = 
fluni»,  1>.  128;  13,  Jahrb.  krinne  —  vulva),  1.  =  Vulva, 
die  naturliche  Kerbe  (Gr.  w.  V,  2318;  Schmellor  I, 
1372).  —  2.  =  A  räch  krinne.  —  (147ü)  ^rscA-Krinne 
(arskrlnnc,  arsskrynne  [Kringe;  Tirol].!  -  Scissura  ani, 
Nates,  l'odex,  Chinin,  Arschkerbe  (Gr.  W.  V, 
2318;  Mutner  7.  17;  Zening.  Voc.;  1).  448.  383;  Sehm. 
t.  1372). 

Kripf.  —  Kripf-  (Krüpf-)  Zahn. 

Krippe:n i.  f.  (krippen)  (ein  Wort  aus  der  Opfer- 
anatomie.  da*  mit  „nippe"  wühl  zusammenhangt,  wie 
auch  mit  mhd.  krebe  =  Korper,  die  aber  beide  Neben- 
formen  «im!  zu  einem  mhd.  rebc  und  uhd.  reba 
I»  Rebe),  deren  Bedeutungen  zwischen  Hebeln,  Leib  und 
Bauch  wechselten,  Gr.  W.  V,  232~>,  Kripp,  I.  Oberleib, 
ganzer  Körper;  Wolf;  llintner  t>  [Tirol,  Bayern. 
Steiermark],  1811  dürre  krippn,  Sehm.  I,  137»),  1.  - 
Korper  d.  Menschen,  der  gleicheani  mit  Rippen 
durchtlochten  ist,  wie  der  Korbschlitten  mit 
Hüten  oder  Holzspaltcn ;  eine  alte  Krippe  = 
altes  (iestell  (Hlutner  I.  c;  Z.  d.  Ver.  f.  Volksk. 
lhUÄ.  8.  92).  —  2.  =  „das  lang  gewölbte  Brustbein 
des  Geflügels"  (Schindler  I,  1378),  d.  h.  das  übrig 
bleibende  Leibstück  (Laterne)  mit  den  Kippen. 
—  3.  =(1392)  die  Zahnfächer,  ähnlich  den  Kutter- 
rinnen oder  Krippen  (kripten,  krippen,  Wirsung, 
Ann  .-lieh.  IM;  ein«  Übersetzung  der  pracsepiola  der 
Arabkteu,  Hynl,  K.  W.  98);  (vergl.  Zahnretf  und 
Kinnzahn).  —  4.  damit  auch  =  Maul  (beim 
Pferde)  mit  den  Zehnfachem  (G  v.  Schru.  327; 
Schwaben).  —  5.  —  der  ermattende,  knochen- 
starrende Leib  des  Kranken,  an  dem  die  Kippen 
su  sehen  sind  (s.  Gerippe)  (Fromm.  VI,  313).  — 
ü.  =  die  Krupp  (s.  d.)  des  Pferdes.  —  krippen, 

1.  -  (ift.su)  krimpen  (s.  d.)  =  verkrümmen  — 

2.  =  siechen,  kranklich  sein,  den  Zipf  (s.  d.) 
haben,  an  Influenza  (Krips)  krank  Gr  VV.  V,  2326. 
2328).  —  krippich  —  krippend  (am  Gerippe  krank) 
sein.  —  Krippen-//(i.ssrr,  -Drucken,  -J'usfer, 
-Setzei;  -  Wetzer. 


KripS,  m.,  f  (Grips,  Griebs)  (=  dasselbe  wie 
Griebs,  «.  d.),  1.  -  Kragen,  Hals  (in  Redewen- 
dungen): bei  der  Krips  M  irips)  packen  (Sehm. 
I,  1007;  Mutucr  10).  —  2.  -  Kehlkopf,  Kehl- 
knopf |iuü.;  <lcr  ülHirgaug  von  Krips  —  Kerngehäuse 
znm  Kehlkopf  kuorpel  den  Mannes  [Krips,  Griebs!, 
erklärt  sieh  durch  den  Adams  Apfel  [l'oumm  Adami]; 
1711  krüp«  —  cartilago  peltalU,  Kirsch  189;  Gr.  W.  V, 
233H)  (a.  Adarns-Grübs).  —  A.  (1782,  178*  kryps.  f. 
cryps)  =s  Influenza,  Grippe,  als  Krankheit  mit 
allgem.  Körperschwflche  (s.  Grippe  u.  Krippe); 
,,es  ist  eine  kuriose  Krankheit  um  die  Krips" ;  man  sagt, 
sie  kommt  aus  Kussland  (s.  russische  Krankheil),  und 
eine  gelehrte  Zeitung  versichert,  sie  komme  aus 
Spanien  und  schreibe  sieh  mit  dem  rechten  Zunamen 
,,1'ips"  (s.  d. ;  Zuschauer  In  Bayern  IV,  345;  Hullern.  37; 
Häuser  II,  Mit)  —  spanischer  Tips. 

krischen  (krissen,  kristen,  kritzen)  (laut- 
malende Worte,  die  den  krl-I.aut  nachahmen;  inhd. 
kristen),  1.  -=  knirschen,  mit  den  Zahnen  klap- 
pern (Gr.  W.  V.  2332;  1010  kristen  -  knirschen  mit 
den  Zahnen,  Gr.  W.  V,  25.H).  —  2.  ~  begehen 
(Singultus)  (krissen.  Gr.  W.  V,  2332  -  8lngultus:  das 
krlszen  in  der  kein,  Gr.  W.  IV,  2.  896  -  singultus ; 
15.  Jabrh.  gryschen  [gritzen])  =  Bingultire  (Gr.  W.  V, 
2105).  —  3.  =  stöhnen,  jammern  (Gr.  \v.  V,  2334). 

—  (1630)  Sunt  Veite»  ,  St.  Veltis-  (St.  Valentins-) 
Kriseln  (Krischem)  =  Kpilepsia  (=  St.  Valen- 
tins-Krankheit, s.  d.),  wobei  die  davon  Be- 
fallenen mit  den  Zahnen  knirschen  u.  stöhnen 
(Wnckeruagel,  Abhdlg.  III,  104;  Fromm.  VI,  2.  f.).  — 

Krist-  (Krisch-)  Bett,  -Merge. 

Kri Schöna,  f.  (=  eine  der  3  Baseler  Schwestern, 
die  analog  sind  den  3  Kraucnrother  Schwestern,  von 
denen  eine  ,,Krisch-Merge"  heisst  [Simrock,  H.  D.  M. 
316;  Sepp.  Altbayer,  Satrenschatz  281).  d.  h.  sie  ist  etat 
Merge  [Mnrleti-Stellvertreterin],  die  auf  dem  Krislbclte 
~  Geburtslager  hilft). 

Krise,  KrisiS,  f.  (ztl  xpivu»  =  schet<len;  vorgerm. 
krf  -  siebten,  sieben,  dazu:  rein  =  gesichtet,  Kluge*, 
299),  1.  =  das  hippokratische  3.  entscheidende 
.Stadium  der  Krankheit  mit  Abfall  der  Hitze 
und  Ausscheidung  der  Krankheitsstofle;  die 
Wendung  oder  Bekehrung  (s.  d.)  der  Kiank- 
heit  (s.  urteilender  Tag).  —  2.  =  der  als 
eine  Wirkung  des  animalischen  Magnetismus 
[Mesmer'ü  1734—1815  angesehene  sogenannte 
kritische  Schweiss  (s.  d.),  der  namentlich  beim 
weiblichen,  erregbareren  Geschlechte  leichter 
eintrat  u.  FrAiieH^immer-Krise  genannt  wurde 
(Haas  37J;  Abergl.  231).  —  3.  =  das  Ende  der  weib- 
lichen Periode  bei  Hippokrates  (Fuchs  II,  79). 

—  kritisch  —  eine  Krisis  herbeiführend,  mit 
deren  Eintritt  eine  schon  bestehende  Krank- 
heit oder  auch  Krankheitsanlage  eine  Ver- 
änderung erfahrt.  —  kritisches  Alter,  Aua- 
leerung, Auschlag,  Jahre,  Schweiss,  Tripper. 

Krispinus,  m.  (der  Sefaoatetpatroa ;  IST»  st.  crt- 
splnus  piirms,  l>u  fange  III,  437)  =  ein  kleiner, 
magerer  Mensch,  an  dem  nur  Kruspeln  sind; 
solche  Leute  werden  mit  Vorliebe  zum  Schuster-  oder 
Sehneiderhandwerke  ausgewählt ;  (Grisehjierl)  (Sehm. 
I,  1383;  Demokr.  XII.  161). 

Krith,  n.  (xptd-i)  =  Gerate;  franz.  crithe)  - 
Gerstenkorn  (Meyer  Kouv.  Lex.  VII,  688). 


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tSS  kritisch- Krös. 


Kröspel-Kröte 


kritisch  s.  Krisis. 

krittelich,  1.  s.  kribbelJch,  —  2.  b.  Gritt. 

Kritz,  m.  8.  Kretz  (Krbe  7). 
Kritze  s.  Grütze  (Spics*  n,  141). 

KritZel,  »1.  (15.  Jahrh.  tililltttio,  l>  II,  30C)  ^  clor 
Kitzel,  Beiz  zum  Kratzen. 

Kriu  (Criu)  =  der  Name  eines  chronischen 
Übels,  welches  durch  eine  ßannfortiiel  auf  einer 
nordischen  Rune  verbannt  worden  »oll,  die  nach  II.  Z. 
XIII,  lUSff.  lautet:  ..Lange  schon  setzte  sieb  der  üble 
criu  auf  Du  KrauipfgeiM  fahre  Ins  tibi»  (Krystall)! 
Schreit'  in»  Gerat'"  (des  wandernden  Zauberers).  Nach 
obiger  QU«lle  wird  ein  Plaggcist  oder  die  Personifikation 
eines  plagenden,  t.. verliehen  Übels,  vielleicht  eines 
juckenden ,  kratzenden  (mbd.  kriuwen  =  kratzen! 
Schmerzes,  oder  ein  drückender  Alp  (Krampfgclst)  an- 
genommen. 

Krobel,  in.  (zu  kroppe  [s.  d.],  tir.  W.  V,  2317).  — 

uis2j  Kr  obelein  (Zening,  v..e.  n  7)  bs  Knorpel, 
Cartilngo.  —  Krobel-Zfcör. 

KrOChel  (Krogel)  (-  croke,  crockcl,  krockel, 
kroehel,  krogele  =  roga,  D.  503)  --  llautfalte  (Rtlga), 
Runzel  (Or.  w.  V,  2347),  hartgebogene  Stelle  (tie- 
ruge?).  —  kroglet  —  krumtu,  verbogen  (Schm. 

I,  1367). 

krochen  (kröchen,  kröchein,  krieglen, 

krächeln)  Jahrh.)  kroecheln  (Gr.  W.  V,  2317); 
«challnachahmende  Worte,  die  das  kra  oder  kr<>  des 
rasselnden,  röchelnden  .Schleimes  wiedergeben  sollen, 
daher  1.  =  mit  einem  krachenden,  röchelnden 
Tone  wie  die  schweratmenden  Schwindsüch- 
tigen husten  und  keuchen,  stöhnen  (alemann.; 
ür.  W.  V,  1*347.  9848).  —  2.  =  kränkeln,  sich  leidend 
hinschleppen  wie  solche  Kranke  (tir.  W.  1.  eod.); 
(vergl.  kracken,  krocksen,  krochzen).  —  Kröch- 
Husten. 

krocksen  (krochzen,  krochzen)  ahd.  chrocke- 

znn.  Fortbildungen  zu  krochen  [s.  o.];  nach  <ir.  \V.  V, 

•jus  ff.).   I.  --  stöhnen  und  quakend  husten 
(>;r.  W.  v,  23K>).  —  2.  das  Gebären  (wie  kreissen, 
s.  d.)  unter  stöhnenden  Lauten. 
Kröb  s.  Kreb. 

Kröba  =  Giöbs,  Adanisgröbs,  Krips  (<ir.  w. 

V,  2347). 

kröchen  (kröchein)  s.  krochen. 

krochzen  s.  krocksen. 

Kroflfel,  m.  -  Kroppel,  Kröppel;  zu  Kroppe 
(s.  d.)  -  Knorpel,  CartMago  (Ujrrtl,  K  \v.  ■»).  — 
KioS-Bein. 

kröglet  s.  kriglet, 

Kröp,  kröpfen  =  Kropf  (s.  d.)  und  Krupp 

(Slcdcrlaudc). 

ErÖpel,  in.  (nordd,  Nebeuforni  zu  Krui.pcl  (s.  «1., 

II.  Paul  203). 

Kröppel,  DD.  1.  =  Külps,  Kuctus  (Schindler  I, 
i",~s).  —  2.  —  s.  Krop])el. 

Krös  (Gekrös,  Kres,  Krösl)  (zu  kraus  [s.  d.]j 

ahd.  ehritsl,  ebros  —  strumn,  II.  Z.  XV.  3  ">3 ;  mhd. 
kroese,  gekroese  ~-  kleines  (icdiirmc,  Kluge  10S; 
15.  Jahrh.  kros  —  senitinnm,  Omentum,  ür.  W,  V,  2fU>; 
1  IM  krocs  -  Meuschencingeweid«,  tir.  ff.  1.  cotl. ;  1561 


kroes  —  Fett  um  dos  Eingeweide,  tir.  W.  V,  2106;  1607 
kro«*  =  tiekrose,  Mesenterium,  das  krause,  In  Falten 
gelegte  Gedärme,  Hyrtl,  K.  ff. ;  16.  .lahrh.  kres  —  in- 
testina oviutn,  venter  cum  intestinls,  Sehmeiler  I,  13S2; 
[Bayern,  Tirol.  Österreich}  Kroge,  Hintuer  S.  20),  1.  = 
das  krause  Gedärm  (8.  Gekrös).  —  2.  =  Bauch- 
eingeweide  Oberhaupt.  —  3.  -  Bauchfett.  — 
4.  --  Kropf  3  als  Eingeweideteil.  —  Kros-. 

—  kleines  (iekrö«e  kleiner  Tiere  (Ur.  ff.  V. 
2409).  —  Gänsc-Kröse  =  lnster,  Gänseeinge- 
weide,  Gänsekloin,  (jansjung.  —  Gekröse  - 
das  Kollektiv  für  die  krausen  Gedärme;  „da 
der  dünne  Darm  viele  Krümmungen  macht,  so 
muss  sich  die  grosse  Bauchfellfalte,  mit  welcher 
dieses  Gedärm  an  der  Wirbelsäule  aufgehangen 
ist,  ebenfalls  wie  ein  Jabot  (Halskrause)  in 
Kalten  legen  und  erhielt  deshalb  den  Namen 
(iekröse  —  Gekrause"  (Hyrtl,  Anat.  US]  =  Mesen- 
terium (Hyrtl,  K.  W.  98).  —  (15*8)  /ui/ts- Gekröse 
(krösz)  -  die  fettigen,  milchigen  Teile  des  Kalbs- 
eintreweides  (tir.  W.  V,  M).  —  (17I1J  Rücklein*- 
Gckröse  =^  Pankreas  (s.  Rflcklcin)  (Kirsch  85o)  als 
Teil  im  Baucheintreweide.  —  Krös-  (Gckrös-j 
Ader,  -Darm,  -Drüse,  -Mantel,  -  Verstopfung, 
'Zwicken. 

Kröspel  s.  Krospel. 

Krössel  (krösen,  Kröser)  s.  Krossel. 

Kröstel  (Kröstlein)  s.  Kroetel. 

Kröte,  f.  (Krötten,  Krott,  Krotte)  (ahd. 

chrot«,  chreta,  en  ta  —  rnna,  bufo  (Frosch]  vermis 
venenosus,  lt.  s.1  —  „Kröte,  sed  vulgo  contraria  seu- 
ttunt",  (iraff  IV.  593,  mhd.  krote,  kroete.  krete.  Kluge 
217  =  Hoppln  [s.  d.J,  Bn«ilisk,  I  nke,  Muggel,  Mog. 
Lorch,  Auke,  Deskrotz.  fletsche ,  Protz),  I,  =  die 
träge,  unheimlich  geltende  Kröte  (oft  verwechselt 
mit  Frosch  —  rana;;  der  KrOtensaft  gilt  und  galt  als 
SO  giftig  («.  Kiter  .  das«  schon  das  Walgern  eines  Pferde» 
auf  einer  Krote  diesem  faules  Fleisch  am  Leibe  muchen 
rollte  (1699,  v.  M.  I.  54;  *.  d.  Verf.  Volks-Med.  S.  147); 
sie  schwillt  an  vor  Bosheit,  «oft  und  Galle,  und  saugt 
dftmonisiisch  nRCh  dem  Volksglauben  (A.  M.  20)  das 
Kuheuter  aus.  In  deutschen  Volkssagen  ist  die 
Kroteautfallend  häutigzur  Bezeichnungmensch- 
licher Abnormitäten  des  Körpers  benützt;  sie 
ist  der  Kröten-Alp  (Krotolf)  oder  sogar  der 
den  Ali»  vertretende  Teufel,  der  sich  unter 
dieser  elbisehen  Gestalt  innerhalb  des  Leibes 
auch  aufhalten  und  als  Kröten -Alp  Wesen 
Meinesgleichen  erzeugen  kann,  z.  ß.  Windeier 
(Abortusmole),  Mondkälber  (Alpkalb)etc.  Unter 
Krötengestalt  erscheinen  Norguen,  Nicker, 
Zwerge,  weisse  Frau,  Alp,  Hexe,  Mar  (14S3,  166*; 
Ileynon  221;  C.  v.  Megbg;  namentlich  stehen  Hexen 
und  bi.se  Weiber  zu  den  Kröten  im  Volkxaberglauben 
mannigfach  in  Beziehung;  die  gicher  uralte  Beschwö- 
rung der  Krote  als  damouistiache  1'rsache  von  Krank- 
heiten ist  somit  erklärlich,  (ir.  W.  V,  2419;  Delling). 

—  2.  —  eine  kleine,  ,,verkrottete"  (vom  Kröten- 
Alp  erzeugte),  verkrüppelte,  tinausgewachsene 
Person  (s.  muggeln  u.  Unke),  Wechselbalg  oder 
kropfiger  Kretin  (-  krotenähnlieh)  s.  Kröte  4 
(Krötli)  (Tirol  u.  Schweiz)  -  verhüttet  (s.  d.)  (ür.  W. 
V.  MM.  2428;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896,  S  263 j  H.  A.  Ith. 33»; 
Schm.  1,  1387),  namentlich  bei  kleinen  Mädchen 
(KrOtlin)  (17ü;;  die  Krott  --  kleine,  weibliche  Person 


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Kröte. 


krötzen— Krone.  SS3 


mit  einem  Backet,  Ahr.  I,  179.  2*6).  —  3.  =  die 
Gebärm ntter :  a)  als  Krankheit  (Colli») ;  die- 
selbe wird  in  Bayern  und  Österreich  bei  Vollonen 
in  Krotengestalt  dargebracht  (vcrgl.  darüber  Bei- 
trage z.  Anthropologie  11.  I'rgcschichtu  Itayems  1K91, 
8.  127  0.;  <ir.  W.  V,  2417);  (vergl.  Höppin  Und 
B:trmutter);  b)  als  krankes  Organ  (In  der  krnten 
we  tun,  Keller,  Fastnaehtspicle  34.  55);  (vergl  Krotoll 
unter  Olf  11.  Alp  X).  Nach  Talicrnacmontanus  soll 
schon  Plato  gesagt  hnlien  „die  Gebärmutter  ist  ein 
lebendiges  Tier,  des  geberens  begierig,  derohalben  wo 
es  iinzeltiK  »ufgeboben  nnd  lange  unfruchtbar  bleibt, 
so  wird  e*  unwillig  und  ungeschlacht .  erhebt  »leb, 
durchschleift  den  Bauch,  verstopft  damit  die  l.uft 
lAcblciii,  dass  man  nicht  atmen  kann,  wirft  also  in 
Innerste  Not  und  Oefahr  mit  Erwcekting  allerlei 
Krankheit."  Nach  (14K3)  Conrad  von  .Megenbcrg  totcl 
man  die  Kr..te  mit  der  hochheiligen  Itaute,  die  ja 
»ell>st  ein  Mutterkraut  Ist.  (Über  Kröten  Segen  s,  (ir.  \V. 
V,  212.5).  —  4.  —  (Übersetzung  der)  Kanula  (der 
MedUinsehule)  -  FroMcli  1  (s.  ti.  u.  DrOMel *), 
Halsgeschwulst  bei  Mensch  oder  Tier  (1671  die 
Kröte  -  hochaufgclauiene  Zunge  (Gr.  Vf.  V,  2419]  oder 
[l«4A]  ein  Ziingengeschwitr.  Coler,  II.  A.  I2S;  1..S7  die 
Krott  unter  der  Zungen  [b'.dm  Menschen]  ss  rnnnbi, 
Georg.  38*".;  1710  wan  im  hals  eine  Krott  oder  anderer 
In  Mail)  wachst,  Chr.  Sana.  II,  91;  17'."0  kniete  unter 
der  Zunge  —  Kielkropf  [beim  Kretin],  Abergl.  CO). 
—  5.  =  (1616  kroete  =  „eine  geschwulst  de*  vich, 
welche  von  giftigen  thieren  sonderlich  von  kroeten 
herkommt")  Lymphangoitis,  Krystpelas,  die  durch 
das  Kröten  -  Fiter  (Gift),  das  Anseichen  der 
Kröte,  auch  durch  deren  Saugen  am  Kuheuter 
veranlasst  sein  soll,  wie  noch  heute  das  Volk 
annimmt;  (Alpbg.  350:  es  gibt  eine  Ktihkrnnkhelt  [in 
Tirol;,  die  heis«t  „die  Kröte"  od.  bäurisch  ,,*s  Krocll", 
eine  Art  Klanenseuche  [V]  [ItebandSnng  mit  Wilwu- 
nüMen]  —  Klauenwurm);  namentlich  an  der  Fessel 
des  Pferdes  heisst  eine  solche  kranke  Mauke- 
Stelle  (Javart,  Oapaudine)  häufig  Kröte,  Krol, 
Pagge,  Pojjgc,  auch  Klauenwurm  'Kalke  II,  45; 
Frlscbb.  SO;  Gr.  W.  V,  2350.  2U9.  2123;  Coler,  K.  40:1; 
A.  M.  20;  Heyne  III,  4y0,  crapaldu«  —  buffo.  Du  fange. 
Nach  dem  Volksglauben  [Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1*97,  S.  111] 
machen  Kröten  auch  Hautwimmerln).  —  G.  -  die 
Schweinebrtluno  (Milzbrand)  =  («lie  Kröt,  Cr.  W. 
V.  2419  =  Frosch  [ranulaj)  als  llrflsen  Geschwulst 
in  der  Zungennfthe  und  am  Halse.  —  krättig, 
krätsch  (krett'g)  =  krötig,  d.  h.  mit  der 
Kröte  (4)  =  Hanula,  Frosch  (s.  d.)  behaftet 
(Gr.  W.  V,  2119;  Cranell  H,  139).  -  Alp-Klöte  (Krot, 
8.  Alp  X  u.  Krot-Oll).  —  äußerliche  Kröte  = 
stasserlieh  sichtbare  Kanula  (Gr.  W.  1.  eod.)  = 
Halskröte  beim  Pferde.  —  (I6ss)  Hals-Kröte  -~ 
Kanula  (Frosch)  (1592  kroete  im  haiss  =  wuleken, 
Seb.  9S;  krott  am  hals  =  parotis  [R.  A.  726],  eiternde 
I.yrnphdrusenschwellungcn  am  Halse;  „ein  Gewächs 
von  Fleisch,  wie  eine  Kröte  anzusehen",  'ir.  W.  V, 
2419),  1.  m  Parotitis  und  Obertragen  auf  llulw- 
drOsen  beim  Pferde.  —  2.  =  Milzbrandbeulen 
im  .Schweinerachen  mit  Würgen  (Beb,  9h).  — 
Üferr-Kröte,  1.  =  eine  Krankheit  des  Kmdviehs 
durch  Blutandrang  (Gr.  w  □,  174;  V,  2419),  ver- 
mutlich daaeelbe  wie  2.  —  2.  —  eine  Thromben- 
bildung  innerhalb  des  Herzens  (Leichenerschei- 
nong),  geronnenes  Blut  (vergl.  Beltr.  z  Anthrop. 


u.  I'rgcseh.  Bayerns  1S01,  woselbst  eine  Abbildung  dir 
Herzkroten).  —  innerliehe  Kröte  -  eine  innerlich 
sichtbare  Kanula  (beim  Pferde)  Mir.  Vf.  V,  2U9). 

—  (1592)  »chtrinende  Kröte  -  eine  Halsgesch  willst 
dos  Kindes,  welche  Abmagerung  (.Schwin- 
den) macht  (verschluckter  Fremdkörper? 
Milxbrandbeule?)  (Reh.  iv.«;  v.  M.  i.  ia).  —  rer- 
krottet  =  ganz  und  gar  in  eine  Kröte  2  ver- 
wandelt (durch  den  Krott-Olf).  —  (1592)  würgende 
Kröte  —  Kngwfllgnng,  infekt.  Halsgeschwulst 

|  beim  Kinde  (oder  Fremdkörper?),  welche  Kr- 
stickungszuständo  und  Würgkrampfe  macht 
(Acünotnykosis)  (Seh.  iv>;  v.  M.  I,  fis).  —  (nie) 
Zungen- Kröte,  1.  -  Kiopfdrüse  lieim  Menschen 
(Kielkropf)  (1790;  Abergl.  i,o).  die  man  als  eine 
Kröte  unter  der  Zunge  ansah  (vielleicht  darum 
„Kretin").  —  2.       (..die  krott  unter  der  znngen" 

[beim  Pf.rde],  <ir.  w.  V,  2H9)  Kr«.i.-  4.  —  Kröten- 
Alp,  Bawh,  Eiter,  /W,  Gerick,  Gift,  Hunt, 
-Kopf,  -Maul,  -Stein. 

krötzen  s.  Kr>>iz. 

Kroll,  n.  a  Geroll,  die  rollenden  Haarlocken 
(Gr.  Vf.  V.  SttL  ÄIV2). 

Krom,  m.  --=  Krampf  (Tirol). 

Krumme,  n.  s.  Krumm. 

Krön,  m.  -  Krampf  (Tirol;  Fromm.  VI,  M3}. 

Krone,  f.  (ahd,  coröna;  mhd.  kröne;  ans  dem  Int 
Corona,  der  runde,  kranzförmige  Hanptschmnek,  das 
Herrscher- Abzeichen  [die  HnuptMnde  der  Germanen, 
Kluge*,  217],  diente  zum  Vergleiche  für  obere  oder 
rnndc  Teile  des  Korpers),  1.  —  Krone  -  gezackter, 
hackenformiger,  eckiger,  oberer  Zahnteil  gegen- 
über der  Wurzel  (Krane  [Grane],  Kranl,  Kronl, 
Krönlein)  (Levcling  15),  s.  Krohnrahn.  —  2.  = 
die  Iris  und  Augenpupille  als  runde  Gebilde 
(Krönlein)  (15<>|  cronlin  =  Übersetzung  der  Iris  der 
Artlblstcn,  nwl.  Jim.  25;  Hyrtl,  K.  W.  161;  niedcrliind. 
Kr»nchen  =  selera  ocull,  Gr.  \V.  V,  2364).  —  '6.  =  (in 
Redewendungen)  Kopf  und  Schädel.  —  4.  =  (mhd.) 
die  Tonsurstello  am  Schädelbaar  =  Corona 
clericalis  s.  sacerdotia  mit  dem  stehen  ge- 
bliebenen Haarkranz  (wo  die  Corona  Veneris  = 
[15C0]  papulae  carnosae  in  fronte  Ihren  Plati  hat  im 
(iegensatze  SU  la  couronno  de  lft  nature  —  behaarte 
Venusberg.  I.exer  134;  D  .W ;  Fr.  II,  361;  llrii-s.  70) 
(s.  Kranz.).  —  5.  =  (1603)  <ler  obere  fleischige 
Teil  des  Hufes  (Fleischkrone)  mit  dem  rings 
um  den  oberen  Kand  des  Hornschuhs  ziehenden 
Haarkranze  Saum,  Strahl,  Preis,  Fuge,  Horn- 
wurzel, Hui)  fiir  \\.  IV,  I.  379).  —  —  das  Kron- 
tleisch  oder  Zwerchfell  heim  Kind  =  Krone 
(Metzgerspraehe ;  Cr.  \V.  V,  2378;  Krön  ans  Kro,  Kraw, 
s.  d.  o.  s.  32»'»b).  —  7.  -  (16611  Krönle  =  ein  Knoch- 
lein  (Astragalus),  vermutlich  auch  =  Kronen- 
bein 2  =  ein  würfelförmiger  Kinderspielknochen 
(Schweiz;  Gr.  W.  V,  2389).  —  8.  Ktone  -  Krane 
(Grane)  (mtl.  erontis,  os  pisels,  D.  II,  121)  =  Grate. 

—  Krönung  =  der  Zustand  des  L'mgobenseins 
mit  einem  runden,  krönen  förmigen  Gebilde, 
„der  Kopf  steht  in  der  Krönung"  (la  ti-te  au 
couronnement)  =  wenn  der  in  Schadellage  vor- 
liegende, „in  (lie  Welt  scheinende"  Kindeskopf 
bei  der  Entbindung  vom  weit  eröffneten  Mutter- 
munde umsäumt  ist  (Stein  I.  16S;  Pauli  99).  — 


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Kropf 


Kropf 


im>)  Augen-  [  A ugapfel-)  Krone  ■  Papilla  ocoli, 
IriH  (tir.  w.  V,  2361.  2ts9),  als  rundes  Gebilde  um 
das  Sehloch  herum.  —  [1782]  Eichel-  Krone 
der  wulstige  Rand  der  Eichel,  Corona  glandi* 
penis  (Platner  II,  2i>i).  —  Fleisch-Krone  -  eine 
runde,  fleischig  wulstige,  hlutgef  assreiche  Er- 
habenheit,  die  in  der  Saumrinne  der  Hornwand 
liegt  und  rings  um  den  Huf  his  «um  Hnfhallen 
(Kleischwand  des  Hufes)  geht.  —  (1137)  jung- 
fräuliche Krone  =  (s.  Hochnng)  Hymen  (Lammen 
97).  —  '/,.  ihn  Krone  =  der  obere,  Wiek  ige  Teil 
iles  Zahnes.  —  Kronen)- Bein,  -brechen,  -Fistel, 
■Fleisch, -Fuge,  Geschxcür,  Naht,  ■Xiekcl,  Rund, 
■Schäbe,  Schaden, -Spalt,  ■  Tritt,  ■  \Vul»t,  ■  Wun», 
■Zahn. 

Kropf,  m.  (UrhedeutnnR-  zusammengeballte  Masse, 
hervorstehende  Knndung;  ahd.  kröpf,  kroph  =  Aus- 
wuchs  am  menschlichen  Hals;  kröpf  —  Vogcl-Vor- 
magen  [Erweiterung  der  Speiseröhre],  Struma,  Collum 
columbarnm.  vesicula,  (iruff  IV,  WS  =  dicker  Hals, 
n>M.  kröpf,  Kluse *,  217)  =  eine  der  auffälligsten 
und  relativ  fiflh  erkannten  und  benannten 
pathologischen  Organ  -  Veränderungen  (die 
Warze  ist  noch  alter),  als  „nnrecht  gewach- 
sener Auswuchs,  der  krumm  wird  oder  krumm 
macht  und  verwachsen  gestaltet"  (Or.  W.  V. 
2391;  11  Jahrh.  chroph  -  strnmn,  II.  Z.  III ;  in.  Jahrh 
crop  —  »tili».  Schlund,  D.  27!;  1120  crop,  grnpp  — 
vesieula  columbarnm,  D  86;  lls2kropfT  ~  hoger.  hofer, 
glhhcr,  glbbus,  Struma,  Xcning.  Voc.  r»;  D.  II,  192; 
I  V  Jahrh  rrop,  kropp  =  tonsllla,  I>.  II,  3G7;  1182  frawen 
die  xö  gn>*  kr«>pf  halient,  daz  '1  sich  streckent  iinx 
auf  den  nabeln,  •'.  v.  Mögen  hg.  ;  kropff  —  struma, 
Itothinm.  P.  638;  kroph  —  brocio  [bronchus],  I).  82 ; 
ISOS  keel  op  crop  =  rnma,  D.  II.  322;  1512  kropff 
rinnen.  I>.  603;  1532  kroepl  =  Adererweltcrongen  an 
der  Rauchhaut  der  schwangeren  Krauen  [liel  Zwillings- 
schwangorsohaft]  Fries  121 ;  1512  ,, kröpf  wachsen  von 
übriger  feuchte  des  haupts ,  welche  sich  herabsetzt 
durch  die  nerven  [—  Muskeln]  in  den  hals",  Gr.  W. 
V,  2391;  1.7..  kroeff  =  Mrusenboulen,  Gr.  W.  V.  MM; 
1677,  ndl.  krop  a  Ingluvics,  IX  298;  1591  kroopfßg  ~ 
gutturosus,  Had.  Jim.  3'J5;  lf.92  heydrusen  oder  kroepffe 
=  Keifcl,  Seh.  178;  1593  das  kroepfen  —  eine  Anschwel- 
lung der  Halsdrüsen  Lelm  Pferde  =  Stuben,  Konistaupe. 
Gr.  W.  V,  2103;  18»  .  kröpf  -  aipialiculus.  Taubenkropf, 
Colat  II.  R. ;  17  Jahrb.  kroff  o.ler  I  bcrbeln,  Fr.  Kr.  R 
Iteg. ;  173-1  kröpfe  =  Blandes,  Drüsen.  A.  v.  II.  1,  7U3; 
niederl.  kroep  =  struma,  Croup  [Krupp],  De  Cook  150 
[Kropffcuchte],  Schweiz  Kropf!  —  strumae,  Bayern, 
Franken:  Kropf  =  verwachsener  Mensch,  Zwerg. 
Knippel.  Halskropf,  Or.  W.  V,  681.  1929.  2475  snb.  b; 
engl,  crop  =  Vogclkropf).  Nach  tir.  W.  V,  23'.'l  ist 
Kropf  —  Struma  (=  gavo,  guttur,  gutteria), 
1.  =  ein  schmerzloser  Auswuchs  (Drüse,  Ge- 
wiichs, namentlich  Schilddrüsenansehwellunn; 
Struma  u.  Bronchocele)  am  Halse  des  Menschen 
(und  Tieres),  als  rundliche  Erhöhung.  —  2.  = 
Halsdrüscn-Anschwellung  u.  gutartige  Drüsen- 
Beulen,  Skropheln  u.  entzündete  Hautdrüsen, 
wenn  sie  äusserlich  sichtbar  sind  am  Halse; 
namentlich:  a)  skrophulöse,  älusserlich  sicht- 
bare Halsdrüsen  hiessen  Kropf  (Struma  oder 
Malum  regia)  (=  scrophulae  gravts.«imae  in  collo, 
Du  fange  V,  202;  sie  wurden  erst  von  Boemmering  am 
Ende  de«  18.  Jahrhunderts  begrifflich  vom  clfrcntllehen 


Schilddrüsenkropfo  getrennt ;  ehemals  wurden  sie  durch 
•las  Autlegen  der  Hunde  von  Königen  [■>.  Konig*hatide, 
Totenhilnde,  Königs  (  bei]  nach  dem  Volksglauben  ge- 
heilt!; b)  Kntpf  ist  mu  h  (bei  Pferden)  Feifei 
od.  Hcidrüscn,  auch  Druse  (Herbst  13.".),  Strengel 
(Mayer  155)  wegen  der  dabei  angeschwollenen 
vergrosserten  Halsdrüsen;  desgleichen  Milz- 
braiul beulen  am  Seliweinehalse,  Kgelgeschwulsl 
am  Schafhalse  (Zipp.  6ts.  f.70;  Heyne  III.  iv.» , 
Kalke  II,  IC;  flazu  das  Itrop  ernydt,  Kol.  S7  —  die  geecn 
Milzbrand  angewandte  Itrandwurzel,  Helleborn«.  Fener- 
krant:.  —  ."{.  -  Vormagen  im  Halse  <ler  Vögel. 

—  4.  —  Hals  Überhaupt.  —  f).  -  fehlerhafte, 
kleine,  verkrüppelte  Wesen  (s.  KiOte  nmi 
Kretin)  (Fromm.  VI.  15;  ndd.  krop);  ausserdem 
6.  as  Ader- Beulen  (Varices  und  Aneurysmen"). 
7  Kropf  -  Kruppe,  Pferdekreuz  (Sohw.  rxo.  :!To). 

—  8.  =  Überbein  als  rundliche  Erhöhung  auf 
dem  Knochen  (Heyne  III,  188).  .Schon  im  Atharva 
Veda  (2mm  v.  <  hr.)  wurde  der  Kropf  als  ein  von  nn- 
fraehtbmrrn  llutnmelbienen  vcnir«achtes  Leiden  durch 
lte«chwöningen  behandelt  (Itireher  2;  Stnbenvoll  .Vit, 
auch  im  Algüu  (Heiser  271)  Ist  er  angehext.  —  Kröpf- 
lein  —  kleiner  Kropf.  —  Kröpfling  -  ein  Mensch 
mit  einem  Kröpfe  oder  ein  Kretin  (Gr.  w.  V. 
2103;  Schweiz).  —  kröpfet  (15'JI  kTÖpfig,  kTOpft«) 
(MM  kropfeehe  —  Mrumosus,  gtbhotmii,  «,r.  W.  V,  2lfrj; 
ir>.  Jahrh.  kropfoter  —  stnunosuK;  K<32  kröpfet  leiit  sind 
bei  «  hur  an  vielen  enden  und  als  die  cinwohner  sa 
Kond,  so  man  einen  glatten  stecken  nimmt  und  legt 
in  in  etlich  waaser  bei  Inen,  so  wird  er  kroplet",  Fries 
87;  ndd  gropig,  Fromm.  VI,  is),  1.  =  uns  Knollen 
bestehend,  mit  einem  Krople  behaftet,  kropf- 
ühnlich.  —  2.  =  fehlerhaft  verwachsen.  — 
(1615)  kröpfen  (sich),  1.  =  durch  Drüsenan- 
schwellungen am  Halse  Eiter  entleeren,  k ädern, 
ködern  (t  oler  Seh.  4M),  —  2.  —  Bich  verwachsen, 
verkrüppeln,  verkümmern  (Schindler  I,  1380).  — 
3.  =  sich  vor  Schmerz  krümmen  (krimpfen) 
(Spicss  Ii,  112).  —  (1045]  Kröpfen,  n.,  1.  =  Druse 
des  Pferdes,  das  Halsdrüsenanschwellungen 
erhalt  (Coler,  Pf.  376).  —  2.  =  Anschwellung  (Haut- 
sfleke)  am  Halse  der  Schafe  unferm  Kinnbacken 
(Kinnsack),  eine  Drüse  (Kalke  II,  45.  16),  die 
leicht  brandig  wird.  —  kropfezen  =  kroppezen, 
rülpsen,  grObsen  (Schmeller  I.  13S0).  —  (1712) 
A der- Kropf  =  Varix,  Hals-Blutader-Knollen 
von  rundlicher  Form,  namentlich  an  der  häufig 
zum  Aderlasse  bnützten  Drosselader  beim 
Pferdehalse  (varica  —  strnma.  Du  (  ange;  Zw.  67; 
Zfpp.  90).  —  (175C)  Monat- Aderkropf  -  Bottum, 
Bocium,  Condylomata,  Nodi  (A.  v.  H.  II,  116) 
=  Feigwarzen  (Htlmorrhoidal  -  Varicen).  — 
Puls-  (Schlag-)  Adeikropf  —  Aneurysma  (Gr. 
\v.  vil,  2211;  Zw.  96),  beide  als  beulenartig  her- 
vorragende Anschwellungen  der  Blutgeraase. 

—  .d//>-Kropf  s.  Krotolf  und  Ihlkropf.  — 
Alpen-Kropf  =  der  schon  von  Juvenal  be- 
sungene (PlosK-Bartels  Ii,  189),  in  den  Alpen  ein- 
heimische Kropf,  den  man  im  IS.  Jahrh.  mit 
den  „alpinen"  Erdformationen  in  Zusammen- 
hang brachte  (Uircher  lsss)  (birgischer  Kropf, 
Bergsucht)  ;  (UM  pestis  gntturosa,  Du  Tange  ;  morbu« 
gntturis  ex  male  olentium  a<|uarum  potn  contractu^). 

—  anfangender  Kropf  (17tQ  anfahende  kroepfTe, 
z  A.  120)  ■  beginnende  Kropfent Wickelung.  — 


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Kropf. 


kropfezen—  Krospel. 


(l.ssi)  anqewaclisener  Kropf  nicht  frei  herab- 
hängender, sondern  mii  aeiner  Umgebung  noch 
in  Zusammenhang  stehender  oder  auch  an- 
geborener Kropf  (BmI  ft).  —  Balg- Kropf  =  ein 
balgartig  runder  Oystenkropf.  —  (l'iso)  birgischer 
Kropfs  Alponkropf  (Gr.  W.  V,  239.M  hei  Leuten, 
die  in  den  Bergen  wohnen.  —  BUüi  Kropf  - 
Struma  ventoaa  s.  Hatuosa,  eine  blutreiche 
Schilddrüsen-Anschwellung,  welche  l>ei  er- 
höhtem Blutdracke  sich  mit  Klüt  mehr  anfüllt, 
aufbläht  (Blah-IIals).  —  Blase» -Kropf  -  eine 
Anschwellung  der  Schilddrüse  infolge  von 
Blasenbildung  in  dieser;  (tS2.".)  Ilydrocele 
s  Struma  cystica  (Kran«,  K  Hr.).  —  //«/«-Kropf 
fi.-.2s  kröpf  am  hals  boUnm,  lt.  r.  Ccnid.  98 ;  IM2 
kröpf  nn  den  hülsen,  Krk-sHT,  172o  hnlskropfc  -  »t  rumac 
scrophulac  [HaMmwn],  Tbc«,  son.  l!r.  ».VJ;  1712  llals- 
kropff  =  xtruma,  bronehocele,  Zw.  7M;  I7i>2  Kropf 
am  Ilal*  —  Struma,  scrophulac  —  Schlier ,  verhär- 
tet«, aber  RUtnrtiifv,  geschwollene  Drusen,  A.  v. 
EL  1.  1213);   demnach  1.  ■  Struma  (Kropf  1). 

—  2.  gutartige  (skrophulöse)  Halsdrflsen 
(Kropf  2a).  —  //»/Kropf,  I.  =  (vielleicht)  Ilg- 
kropf?  (b.  Egel).  —  2.  =  Alp-  (llf-,  Olf-,  Elf-, 
II-)  Kropf  beim  Rindvieh»,  Actinomykosis, 
llalsdrusensehwellung  durch  den  Alp  (11p,  llf; 
verursacht  angenommen  (VIU  II,  7).  —  Kaul- 
Kropf,  I.  ■  Kielkropf  (k.  d  ),  Wechselbalg. 

—  2.  —  kugelig  runder  Jiniskropf,  der  dem 
Wechsel  bälge  (-  Rhachitis  facialis,  Kre- 
tinismus) eigen  int  (Gr.  w.  V,  2-122).  —  Kehl- 
(Kelvh-)  Kropf  (nur  ahd.  ehelc  kröpf  =  Struma,  Gr. 
W.  V,  "KM;  ehelich  crof  —  tuber,  Minima,  11.  Z.  XV, 
SCO,  chelchroph ,  II.  z.  xv,  ata  —  Minima,  chelck  ropf , 
Graft"  IV,  :ivo  —  Kropf  n  herin  Kehlkopf  (s.  Kehle, 
Kelch).  —  Kiel-  (Keul-,  Kall-,  Kol-)  Kropf 

fl  öH  kllkrop.  Gr.  W.  1,  245;  V,  f»81 .  kolkropf,  «ir.  W. 
V,  1814;  1CS0  külkropfe,  Gr.  W.  V.  CHI ;  1790,  I7it7  klel- 
kropf  -  Wechselhnlg,  Denis  IM;  Alien;!.  «0;  Laistncrlt, 
:^.r>;  Kaulkopf,  s,  <1.)  =  eine  Missgeburt,  Missgestalt, 
Xiekcrts-  od.  Teufelskind,  "Wechselbalg  (s.  d.), 
Alp  (s.  d.)  mit  einem  sogen.  Kielkropf,  d.  h. 
Kropf  an  der  Kehle,  oder  nach  dem  Volks- 
glauben der  „Kretin"  mit  einer  „Kröte"  unter 
der  Zunge  [Abergl.  60);  das  nach  ilieser  Knt- 
stellung  benannte  Wesen  hatte  Zwerggestalt 
wie  der  erzeugende  Dämon  und  wie  der  Kretin, 
grossen,  dicken  Kopf,  war  dickbalsig  und  meist 
(s.  Atiderbntz)  taubstumm,  gefritssig  (Wechsel- 
kind, Dickkopf,  Wasserkopf,  Wasserkind);  es 
sollte  eine  ,, seelenlose  Teufelsbrut"  »ein,  die  der  den 
Alp  vertretende  und  die  ethischen  Dämonen  ablösende 
Teufel  ausgewechselt  hätte  (Wuttke,  V.-Abergl.  343. 
360.  683);  In  welcher  Weise  »ich  die  Volksphnntasie 
des  12.  u.  13  Jahrhunderts  solche  Monstra  per  fabricam 
alienam  ausmalte,  lehren  die  Abbildungen  solcher 
sogen.  Kielkröpfe  in  Kleinpaul,  Mittelalter  K.  287  U,  t.10 ; 
daa  ganze  Bild  entspricht  medizinisch  «lern 
fötalen  und  kongenitalen  Kretinismus,  d.  b. 
der  fötalen  Rhachitis  mit  Kropfbildung,  die 
fast  ausschliesslich  verbunden  ist  mit  Kreti- 
nismus; daher  ist  mit  grosser  Wahrschein- 
lichkeit anzunehmen,  dass  Kielkropf  verderbt 
ist  aus  Kehlkropf  =  Struma  (s.  Kiel  2)  (Be- 
ziehung mit  Kiel  1  ---  Quell  als  Nixen frsprong  [der 
klelkropflge  Wechselbad  Ist  ein  „Sendling  der  Waxscr- 


elben",  Golth.  118)  oder  mit  kolken  [  —  platschern  mit 
klilck-kluck-Ton]  sind  zum  mindesten  sehr  gesucht  ; 
nach  der  Kropf  I' rauche,  vielleicht  ist  kiel  [l-.Ts] 
Quelle  liel  Mathesiiis  Karepia,  als  Kropfbrunnen,  kropr- 

|  erzeugender  Quell  aufzufassen  und  dann  —  Wasser- 
kropf;  die  Mutter  benennt  ihr  kretinös  degeneriertes 
Kind  nicht  nach  [Hehlenden  oder  kluxcndcn,  kolken- 
den]  Nixeti-Gerauschen,  sondern  nachdem  iHirfrtlllgsten 
Krankhells-Symptom.  nach  dem  Kröpfe  nn  der  Kehle, 
oder  da,  wo  Kretinismus  nicht  endemisch  vorkommt, 
wird  der  Keblkropf  des  Wechselbades ,  Wasserballes 
[s.  d.]  leicht,  weil  unverstanden,  zum  Kilehfcropf. 
Kuhlkropf,  Kielkropf;  Schwenk  [Xtt]  wnr  vcrmulllcb 
der  erste,  der  Kielkropf  zu  Keblkropf  stellte;  kiel  = 
hranchia  ( m  bronebns  s.  trachen],  (JrafT  IV.  :~*7,  durum 
kielkropf  keblkropf  [s.  ■>.  Kiel)).  —  Pfcrdc-Krotf 
—  Kropf  2  b,  Druse  (s.  d.  5)  (AbUg.  Bt).  —  (lrsiii) 
St7m/-Kropf  (nach  Gulllaumc  in  Neuenbürg)  m  eine 
Schilddrosenansehwellung  bei  schulbesuchen- 
den Kindern,  die  während  der  Schulferien 
abnimmt  (Raginsky  in  Gerhardt  I,  «63;  K.  n.  V.  IV. 
117).  —  (179'.)  S/ctn-Kropf  bs  die  abgekapselten, 
harten ,  immer  als  „verdachtiga  Druse"  er- 

|  kannten  Halsdrflsen  beim  Bferderotz,  Stein- 
rotz, Steindruse  (Abiig.  64;  Falke  II,  339).  — 
wkropfcf  =  verkrüppelt  (Schweiz;  »ir.  W.  V, 
247:i  snb  b).  —  H'o«8fr-Kropf  -  eine  wässerige 
(ödematöse)  Anschwellung  am  Halse  der 
Schafe  bei  Fütterung  mit  Buchweizen.  — 
Kropf- Ader,  -Beulen,  -Brand,  -Brandbeule, 
-Drüsen,  -Fluss,  - G 'eschwellen ,  -Geschwulst, 
•Gift,  Hals,  -Haus,  -Husten,  -Krankheit, 
-Leute,  -Materie,  -Ohr,  -Schärfe,  -Seuchte, 
-siech,  -Strenge,  -  Tod. 

kropfezen  (kroppezen)  =  gröbsen,  rülpsen 
(Schmeller  I,  1378).  —  Kroppezer.  in.  —  Magen- 
wind. 

Kroppe(n),  f.  =  (iew)  Fingcrkrallo  (Or.  w.  v, 

2405;  Schindler  I,  1378). 

Kröppen,  m.  (Kroppel,  m.  Kröppel),  1.  ■ 

Kiobel  (s.  d.)  =  Knorpel  (Hyrtl,  K.  W.  9t);  Hr.  w. 
2405).  —  2.  =  (16.  Jahrh.)  Krüppel  (s.  d.),  claudus, 
contractus,  varicosus  (r.r.  w.  V,  2171;  ndd.  cropcl. 
crofel  —  contractu«.  D.  H7;  claudus.  I).  26ö;  IM', 
cropcl  =  Krüppel,  contractu^,  <!r.  W.  1.  cod.).  — 
/ •','<>■  <  Kroppel  (15.  Jahrh. ;  ndd.  kro|>cl  In  den  voeten, 
D.  II,  239)  =  loripes,  am  Fushu  krflppelhafter 
Mensch.  —  kröpelhaft  =  krilppelhaft  (tir.  W. 
V,  2291). 

Krosel  s.  Kröse. 

Kroser  s.  Krossel. 

Krospel,  m.  (Kruspel)  (zum  einfacheren  Krosel 
[Krossel]  -  Knorpel  [s.  u.  S.  336),  Gr.  W.  V,  2110;  ahd. 
('.».  Jahrh  ]  krospel,  crospcl,  tiruH  IV,  <.17  -  Ktiorjicl, 
cartllago;  12.  Jahrh.  crospcl,  II.  Z.  VI,  32S;  15.  Jahrh 
I  krocspel  =  Knorpel.  Hr.  W.  V,  2110;  UM  krosplen  = 
die  härteren,  häutigen  Teile,  fJr.  W.  V,  2410;  UM 
kressplen.  krospelen       cartlbtgo,  Ilad.  Jun.  19.  23; 
I  1671  krospeln  =  Nasenknori>el ,    Iteynon   137;  1711 
|   krocspel  =  nrytenoliles,  Kehlkopfknor|>el,  Kirsch  113; 
1749  kreuspeln  =  krusjieln,  Z.  f.  d.  Philo!.  XXVI,  2Ö3; 
sogen,  cluibrische  Gemeinde;  1783  kraeuspen  —  harte 
Ilautstcllcn,  Ksalch  i3;  krospel  -  Knorpel,  Gr  W.  V, 
2411;   [Schwaben,    Alemann.,   Österreich,  Kranken) 


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Kr  ossel. 


Krostel— Krüpfe. 


krospel  [kru«|*l,  krospel!  —  SVhliindknorpcl,  Gr.  YV. 
V,  2410:  Hyrtl,  K.  VV.  100;  ('.  v.  Schtn.  328),  KrOSpel, 
1.  =  der  hyaline  Knorpel  an  verschiedenen 
Organen,  namentlich  der  Nasen-  und  Schlund- 
Knorpel.  —  2.  =  knorpelslhnlich  harte  Gebilde 
(Faserknorpcl),  beide  1—2  als  knirschende 
«iewebsteil»?,  bei  deren  Kauung  die  Zähne 
kraspeln.  —  3.  -  b.  Krnspel.  —  kröspelichi 
(kröspel  tf,  krospel,  krospelhafi)  (i56i  kro.-spe 
lacht)  ^  rarlilaginntttti,  kncrpli«  ht  (Schwei«;  tir. 
W.  V,  MIO,  2411;  Hyrtl.  K.  W.  100).  —  (1783)  UttUt- 
Kräuspen  -  Gänsehaut,  Kautsch  wiclen,  Haul- 
ru  nzeln  (K*  sich  53).  —  (i-r«M)  //e»-za<ffT»i-KrOBpel 

—  der  kruspeli^e,  harte  Faserknorpel  der 
Aorta,  der  ».rossen  Schlagader  am  Herzen  (Gr.  W. 
V,  2410).  —  (UM)  Hirn  -  Krospel  m  die  harten 
Hirnhäute  (<Jr.  w.  i.  co«i )  —  kohr  Krospel  - 
Schlund  und  Kehlkopf  als  Knorpel-Teile  ober- 
halb der  Brust  (c.  v.  schm.  :t2s).  —  AYW-Krospel 
=  Farynx,  der  knorpeliclie  Kehlkopf  (Hyrtl. 
K.  W  Rt>).  —  (1..V4)  Lehel- KrOSpel  («Ii«  krospeln  der 
laber.  <;r.  W.  V,  24ii»)  -  die  kt  uspelichten  härteren 
Faserteile  in  der  Lel>er  und  in  den  Leberge- 
filssen.  —  .iWiwn-Krospel  —  Krospel  1  (s.  o), 
rler  besonders  durch  die  Nasensyphilis  bekannt 
gewordene  Nasenschoidewandknorpel  (1.12s  na*« 
krospel,  H.  v.  licrsd.  —  Intorllniiiin,  Iiitcrscptuin. 

fir.  w.  vn,  413;  v,  2410).  —  iVenrn-Krospel  (15M 

die  km.-(l|,.n  .nvr  nerven,  (,r.  \V    V,  MIO;  Vit,  BIO] 

=  die  Faserknorpcl  an  Handein  und  Sehnen 
(Flechsen^  Nerven  im  alteren  Sinne).  —  Ohren- 
Krospel  (MM  der  krompel  «los  rechten  ohrs,  Gr.  W. 
V.  2110;  1901  «He  kresplen  am  olir,  Bad.  Jim.  23;  1713 
ohrkrospel,  Gr.  W.  V,  2411)  der  Faserknorpel  in 
»ler  äusseren  Ohrmuschel.  —  Vcrkrospeli«»;/ 
(1743  vcrkrctispcliiiiff,  Zcitschr  f.  d.  l'hllnl.  XXVI,  KS] 

—  Verknorpelung,  Schrumpfung  der  Gewebs- 
fasem  und  Gcfllsso.  —  Krospel-  (Krospel-, 
Krosp-)  -After,  -Bein,  -Fleisch,  -Haar. 

Krossel  (Krössel,  Krossen,  Krosen,  krosen, 
krösen.  Kroser,  Kröser).  —  krosen,  1.  -~ 
knirschen,  knistern,  mit  knarsebendem  Klange 
zermalmen;  diese  lautmalende Befelebnnng  ist  über- 
tragen  auf  2.  -  das  beschwerliche,  röchelnde, 
knisternde  Atmen  des  Menschen,  das  bei  ebron. 
Gebrechen  der  Luftröhre  u.  Funsen  vorkommt 
(Zw.  ir.6),  daher  3.  =  plagen.  —  Kroser  -  einer, 
der  sich  mit  solchem  prasselnden  Atem  plagt 
(l'*0  krösen,  Schindler  I,  1382;  Gr.  W.  V,  2410.  2b). 

—  4.  =  Crepitatio  ossiura  fractorum,  (1C12)  das 
knorschende  Knochensplilterungs  -  Gentusch 
ir.r  W.  v,  2ios;  zw.  29).  —  Krossel,  f.  (Krossen, 

KrÖSSel)  langls.  Tristan  —  cartilago.  Massin.  143; 
ahd.  crosela  =  eartflairn,  H.  Z.  V,  3Mb;  Gr.  W.  V,  2t0h; 
mhd.  krosel;  15.  Jahrb.  krosel  =  cartilaRO.  Knorpel, 
Gr.  W.  L  cod.;  krose,  krowel,  krossel  —  ossilairo, 
Knorpel,  Gr.  \V.  V,  2111;  D.  11,  270),  1.  —  Cartilago, 
Knorpel  (Hyrtl,  K.  W.  W;  Tal-ernaem ,).  —  2.  — 
Hals  und  Gurgel,  als  knorpelige,  beim  Zer- 
beissen  oder  Schneiden,  knisternd  krachende 
Teile  des  Korpers  (Schwei«;  Gr.  W.  V,  2411).  — 
Kroser  (Kröser),  1.  =  (aiem.)  schwachling,  ein 
engbrüstiger  Mensch,  der  mit  knisterndem, 
prasselndem  Tone  atmet  (Gr.  \v.  V,  2410).  —  2.  = 
der  bei  Beröhrung  auf  die  Haut  krepilierende, 
knisternde  Rausch brand  beim  Vieh  (Feuer  69).  — 


Kroschel  =  Kro.wl  faltnrh.  fcroschcia  =  cartt- 

I  lajro,  Gr.  \V  V.  2408;  1477  krnscheln  =  cartllosro. 
C.  Mcgbj.  Gr.  W.  V.  2108)  -  Knorpel.  —  Nasen- 
KrOSS  (ahd.  nase  cros  -  Xa«enknorpel.  II  Z.  VI.  325; 
ndrh.  iiosii  urisle,  II.  Z.  VI.  362;  natekröw?)  -  «ler 
obere  Teil  der  Nase,  wo  dieselbe  an  die  Stirne 
grenzt  (Rremmer  Wörterbuch  It.  ssi;  Gr.  W.  V.  2ias» 

—  OAr-KrOSS  ahd.  ..reroü  =  Knorpel,  Gr.  W.  V, 
21.«;  H.  z.  VI,  32.,)  =  Ohrknorpel.  —  Wampnt- 
KrÖ8SigA-«7  (lft.  Jahrh  cnisichcyt  des  wai»cn«  ss 
pallearlum,  D.  406)  =r  der  bei  Berührung  knisternde 
Zustand  an  d.  Kindswamme,  r..  B.  beim  Rausch- 
bran«l.  —  Kross-  (Krossel-,  Krössel)  Bein, 
-Fleisch. 

Krostel,  f.  (Kröstel.  f.  Kröstlein)  («um  eln- 

eitifachercn  Blaminwortc  Knisscl  [*.  d.)  —  Knorpel. 
I  Gr.  \V.  V,  «10;  abd.  chruatilin  =  cartlbwo,  4traff  IV, 
•M  =  K^StJtba,  cro^tala.  crostila  [H.  Z.  VI,  S25], 
erustula,  chroMilla  =  cartilaRO;  10.  Jahrh.  crontel ; 
11.  Jahrh.  crostila,  Hyrtl,  K.  W,  00,  mhd  krocMrl, 
<ir.  W.  V,  2112  -  cartilaco.  Knorpd;  l.iOr.  die  krostel 
~  Kaapnknorpcl,  Fuchs  1.  314;  aagi.  irristle  ■  Knorpel. 

AWn-KrÖStel  (14.  Jahrh.  =  Inlerflnlum,  Voc. 
opt.  \V.  10;  14S2  liR.«*kr..i«lel  =  interflnium ,  ZeniiiR. 
VOC.  x  3;  lir.  W.  V.  242;  VII.  413;  p.  II,  21»)  =  Naseil- 

knorp<d.  —  Kröstel-^cin,  -Fleisch. 
Krotte,  f.  s.  Kröte. 

Krotz(en)  (-el),  m  ,  krötzen,  krotzegen,  1.  - 

krössen  (s.  d.).  —  2.  =  husten  (H.dd,  lth»ni>i>ie»rcl 
1S8I.  8.  103) j  (vergl.  grotzen).  —  3.  =  rasselnd 
rülpsen  (Gr.  W.  V,  2>.r_>4).  —  KrotZf(n),  m.  1.  ^ 
Kehlkopf,  mit  »lein  man  krOtzet  (Gr.  W.  V,  2424). 

—  2.  -  Kiiitze  (Schmdlcr  I.  13SH).  —  KrOtZ,  f.  - 
Kröte  2  (s.  d.),  kleine,  verschrumpfte  Person 
(Kohlen«;  Gr.  w.  l.  eod .).  —  Krotzel  -  Knorpel 
(Krossel)  (Gr.  W.  V,  2411). 

Krücke,  f.  (Krücken),  m.  f.  («rerm.  kruk  (?)  = 

„Stab  mit  Krümmung  als  «irift";  ahd.  chruecka;  mhd. 
knicke,  KliiRe  217),  1.  =  krummes  Bein  (Schmcller 
I,  1869).  —  2.  =  Fuss,  Bein,  Unterschenkel  über- 
haupt (der  KrneKKeu  [Tirol],  Hintuer  8;  Schmcller  I, 
993,  hieher  vielleicht  die  lincckcn,  Schmeller  I,  8S7). 

—  3.  =  grosser,  hagerer,  aber  unbeholfener 
Körper  (Tirol ;  iilntner  5. 9).  —  Rauudürre  Knicken 
(Schro.  I,  13C2).  —  krochen  (I3.  — 14.  Jahrh.  cnichen; 
SIt«.-lJcr.  d.  Akad.  im",  s.  7.  12)  =  krümmend  heran- 
schleichen (v.  Dämonen).  —  (1424)  sich  kracken 
(chrucken)  =  sich  krümmen,  mühsam  geben 
(Schm.  i,  1863).  —  Kruckel  (Grieggel,  Krücklein), 
1.  =  ein  nainenl).  oben  fehlerhaft  verkrümiutes 
Hing  (Tier,  Mensch)  (Gr.  w.  v,  1929.  2429).  —  2.  = 
„aufrecht  stehende  und  nur  gegen  das  Ende 
krutumtfebogene  Hörner  d.  Gemsbockes"  (Schm. 
1,  1362).  —  kruckelielit  =  krumm  gewachsen, 
krumm  (Gr.  w.  V,  juyj.  —  Krücke  =  Griebe, 
Greck  (s.  d.),  t'oagulum  der  Meibomschen 
Drüsen  (Hirsch  —  Thrftne),  sog.  Schlaf,  Pech  etc. 

—  Krück [en)-hacken,  -krumm,  -Lahmheit. 

Krümme  (Krümmung)  s.  krumm. 

krümmern  s.  krimmen. 

Krtinkel  =  krumme  Falte,  Runzel  (t;r.  w.  v, 
247o)  s.  K ringe. 

Kxtipfe  (krüpfen)  s.  Krupfe. 


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Krüppel— krumm. 


krumm. 


337 


Krüppel  (Krüpfel,  krappein)  (mhd.  krüppei 

=  verwachsene  Person,  Kluge*,  192  [verkruppt]; 
12.  Jahrb.  cruppel  —  claudus,  clinlcus,  gihbus,  con- 
troctus,  Gr.  W.  V,  2474;  GrafflV.  688;  14.  Jahrh.  kropil 
(md.)  =  krüppei  [od.]  =  Krüppel,  Gr.  W.  V,  2473.  2474; 
15,  Jahrh.  kripcl  (kruppel,  cruppel)  =  lorlpes,  con- 
tractu!!, paralyticus,  Gr.  \V.  1.  cod.;  auch  ein  vom 
Teufel  Besessener ;  Iß.  Jahrh.  krüppk-r  —  Kriippcl, 
rautilus,  (ir.  W.  V,  2476;  1501  kruppel  =  claudus, 
Gr.  W.  V,  2474;  174;t  kriippcl  =  mancus,  MM.  Med.  418; 
engl,  cripple,  Kluse  480;  I,ehf.  159);  demnach  =  ein 
Mensch,  der  krumm  und  lahm  ist,  so  dass  er 
seine  vollen  Glieder  nicht  gebrauchen  kann, 
sei  es  von  Natur  aus  oder  durch  (teuflische, 
däiuonistische)  Lahmung  (s.  Schlag)  bezw. 
Verwundung  (Gr.  W.  V,  2473);  letzteres  nament- 
lich erst  im  16.  Jahrhundert,  hIh  sich  infolge 
der  Vervollkommnung  der  Feuerwaffen  die 
„Invaliden"  mehrten  (Kleinpaul,  d.  Mittelalter  598) ; 
die  früheren  Krüppel  waren  meist  Brüchig.-, 
Ijlhme  durch  Krankheit  (Abbildung  der  letzteren 
L  eod.  597;  Schweiz  chrüft,  chrüpfc;  Elsas*  Krüpfcl; 
Schwaben  Kropf,  Kruft,  Krüflle;  Bayern:  Kropf, 
Kropf,  Kluge*,  192).  —  kruppig  =  fehlerhaft  klein 
(Schindler  i,  1379).  —  /u>»-krüppeln  as  „wie  ein 
Krüppel  sich  hinschleppen"  (11.  Paul  264).  —  ver- 
krttppelt,  -kruppt  =  ganz  und  gar  verkrümmt 
in  seiner  Gestalt  (d«u.  forkrobki;  engl,  crlppled, 
Schmeiier  i,  1379).  —  krüppelige  Dorre*. 
Krups  s.  Krips. 

Krall,  m.  =  der  Träger  eines  kraushaarigen 
Kopfes,  s.  Kroll. 

krumm  (kramp,  Krümme,  f.  Krümpe ,  f. 
Krumme,  f.  [Krimme],  krumpfen,  Krüm- 
mung) (vorgerm.  grumpo,  YBtMtOC  —  gekrümmt,  ge- 
bogen ;  westgerm,  krumba  =  das  krampfhaft  zusauimcn- 
gezogene,  gekrümmte;  ahd.  ebrampf,  krumpf,  chnirah 
—  krumm,  gekrümmt,  verdreht,  chrumpl.  crumbl  — 
Krümme;  mhd.  krump,  krumpf,  krumbe,  krumbl, 
krimpt,  Kluge  .  218;  15.  Jahrh.  kramp,  kram;  1500 
crom  —  aneua,  curvus,  I).  II,  2.1,  das  bayerische  krump 
hat  die  rein  althochdeutsche  Gestalt  bewahrt,  (ir.  W. 
2441;  nach  letzterem  ).  —  krumm ,  1.  -  an  den 
Gliedmaasen  zusammengezogen,  durch  Alter, 
Krankheit  oder  von  Nntur  (älteste  Bedeutung, 
1577  krümme  „wann  ein  tilied  durch  Verwahrlosung 
stracks  oder  krumm  bleibt,  das*  man  es  nicht  nach 
rechter  Art  biegen  mag",  Theophr.  B.  =  Contractur, 
Gr.  W.  V,  2453;  1003  die  knimme  m  „eine  längliche 
Geschwulst  [bei  Pferden)  wie  ein  ';»  Kl  unterm  köpf 
des  hinten  au  dem  knie  raus  ragenden  beln  und  wird 
von  den  Italienern  darum  obn  cwelfel  curba  geuannt 
[s.  Kurbe],  well  sie  sich  durch  die  l'nrcchtmasslgkelt 
der  Nerven  [Muskeln]  daselbst  fast  krumm  macht", 
(ir.  w.  V,  24W).  —  2.  =  hinkend,  gelähmt,  krampf- 
hafte« Einziehen  der  Glieder  durch  plötzliche 
Lahmung  od.  Krampf.  —  Krümme,  f  Krümpe,  f. 
Kromme,  n.  =  krummer  Zustand :  a)  Krümmung 
bestimmter  Gliedmaßen,  z.  B.  Kücken,  Fuss, 
Hand,  Nase  etc.,  z.  B.  beim  Grimmen  (Leib- 
schmerz d.  Menschen)  (Falke  II.  46)  oder  bei  der 
KrimpBucht  (Ergotismus) ,  Kriehelkrankheit 
(Hecker  317) ;  b)  bei  Rindern  und  Schafen  auch 
infolge  der  Maul-  u.  Klauenseuche  (entsprechend 
dem  mal  coutroetder  8yphilislahme  [s.  d.)  b.  Mensc  hen, 


|  Falke  I,  295;  II,  46;  1620  die  krumbe  =  Krammhelt, 
i  Krampf,  Dr.  Minderer;  das  Krumm  =  das  krumm  sein 
an  den  Beinen.  Gr.  W.  V,  2444;  1677  krumme  =  die 
Nattelformige.  krumme  Gelenkflache,  Hyrtl,  K.  W.  27; 
(Tirol)  krampe,  f.,  Zeltschr.  d.  V.  f.  Volksk.  1895.  S.  92). 
j  —  krumpfen  i  krampen)  (ahd.  die  adare  [Muskeln) 
«ich  ze  saminc  chrumphen)  =  Muskelkontraktion 
(Graft  1, 166),  auch -einschrumpfen  (Goldschm.  90). 

—  (mhd )  krumpf  (krampficht,  krumphet)  = 

gliederlahm  (Gr.  W.  V.  24*).  2470;  16.  Jahrh.  kratnpf- 
oter  =  simius ;  D.  399).  Krüppel,  variculua.  —  (1482) 
kramheh  =  knöchlig,  höckerig  (hogerlich)  (Zcn. 
Voc.  r5).  —  (1476)  Krumpa  i  Krumm  ing,  Knmp- 
ling,  Kramper)  =  Krüppel  (a.  d.),  ein  gekrümmt 
l  einhergehender,  hinkender,  gebrech!.  Mensch 
(Fromm.  VI,  334;  Gr.  W.  V,  2441.  2104.  2108;  engl,  to 
go  crimpliug  =  einknickend,  lahm  gehen).  —  (1482) 
krummen  =  sich  krümmen,  formlos  sich  ein- 
ziehen, einschrumpfen,  verunstaltend  krumm 
werden  (Gr.  W.  V,  2460).  —  krümmen,  1.  =  krum- 
men.—  2.  =  s.  krimmen,  jucken  (Engel  283). —  Bein- 
Krumme,  1.  =  (1742)  Rhachitis,  englische  Krank- 
heit, Zwiewuchs  (s.  ds.),  die  die  Glieder  krumm 
gestaltet  (Zw.  306),  namentlich  die  Röhrknochen. 

—  2.  —  schlecht  geheilte,  difform  gestaltete 
ßeinfraktur.  —  ('<""■-)»  rr-krampen  ■  krumm 
werden.  —  (1608)  .Fuss-Krumme  (  krtimmig), 
1.  =  das  rodagra,  das  die  Fussglieder  krumm 
stellt  (Gr.  w.  IV,  l.  1033).  —  2.  =  Lahmung  der 
unteren  Extremität  mit  Kontrakturstellung 
(Gr.  w.  v.  2475).  —  (1757)  Gl ud- Krümme  (männ- 
liche) -  Chorda  venerea  (Biiumler  444).  —  (1609) 
6/i-;''(  Krumrao  {krampe  der  gllder,  D.  Guar.  963) 
=  krampfhafte  Verzerrung  der  Extremitäten 
durch  Tetanus,  Eclampsia  (b.  Ziehtier,  Frais, 
Vergicht).  —  W Avn  krumm  =  an  der  Fersen- 
hacke schmerzhaft  in  der  Bewegung  ge- 
hemmt. —  (1609)  i/./;i/-Krummen.  1.  = 
Chiragra,  analog  der  Kubb- Krümme  (s.  o.  = 
Fodagra)  (I).  Guar.  1131).  —  2.  =  deformierende 
Gelenkentzündung.  —  3  =  Lähmung  der  Hand 
mit  gekrümmter  Kontrakturstellung  (Gr.  W.  V, 
2457).  —  AaM-krumm  =  nicht  ganz  krumm  oder 
gelähmt.  —  kreuz-  in;-  krump  =  im  Rücken 
(s.  Kreuz)  gekrümmt  (Schmeiier  1, 1370).  —  krüekel 
krumm  (Urandcnbg.  kriaeckelkrumm,  Engel.  205)  ms 
krttcktmlahm  durch  Beinkrümme.  —  (16.  Jahrh.) 
Afau/-Krtimmen  ( Ver -krummen)  =  die  Ver- 
zerrung des  Gesichtes  und  des  Mundes  durch 
Lähmung  (Gr.  W.  V,  2458;  VI,  1784)  (l'aralysis 
facialis).  —  (1532)  .WiiHri-Krtimme,  (UM)  Er- 
grimmen -  tortura  oris;  „der  mund  oder  die  kinn- 
backen  werden  elwan  krumm  dass  sie  nicht  recht 
stehen  und  dies  beschiebt  von  dem  krampt,  welcher 
die  Nerven  der  kinubacken  an  sich  zeicht,  gleich  als 
so  man  ein  leder  zum  fouer  legt"  (Fries 76 ;  Taberuacui.), 

1.  =  Trismus,  Hunds- od.  Kinnbackenkrampf.  — 

2.  =  Gesiehtsmuskcllrthmung  (franz.  bouche  torte, 
HrlM.278).  —  (i776)iVayci-Krümmung  =  GryphosiB 
(Plcuk),  Greifenklaue,  krallig  gekrümmte  Nagel 
(Behrend  5).  —  (1482) Nauen  Krümme,  1.  =  Krumm- 
nase (s.  d.).  —  2.  =  das  Nasenrümpfen  (Gr.  W. 
VII,  413).  —  (1741)  OAr-KrÜmme  (=concha, 
Kirsch  268)  =  die  rundgebogene  Ohrmuschel, 
Ohrkrempe.  —  Racken- Krümme  -  krumm  im 
Rücken.  —  (1699)  «cAd  krumm  =  mit  sichel- 

22 


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JW8  krunken— Kruppe. 


Kruspel— Krastel. 


förmig  gekrümmten  (Sa bei-) Beinen  behaftet 
(v.  M.  11,39).  —  spanische SLramve  (s.  Krümme  b.) 
.—  die  Klauenseuche  der  Schafe ,  wobei  die 
Schafe  hinken  (spanische  Krankheit  -  Fran- 
zosen). —  rrrkrumpen  (mhd.  verkrumben.  ver- 
krumben) =  ganz  krumm  werden,  erlahmen, 
verkrümmen,  z.  B  in  den  Sehnen,  Bändern, 
Gliedern  (Zeitschr.  r.  <i  Pbfloi.  xxvi,  263;  LexerSS; 

toler,  II.  A.  26)  —  wiedi r  krumm  (l  'l'i  rennen«, 
i».  497)  nenerdinus  hinkend.  —  Krum(p)- 
(kmmm' r,  er,  <s\)- AHer ,  -Ann,  -Bf  in,  -Dann, 
-Eier*,  -Fantasie,  -Finger,  -Fuss,  -Gang,  -Hals, 
-lu>pf,  -Mann,  -Maul,  -Na$e,  -Nasenlöcher, 
-Rüchen,  schenkelig,  sehen,  -Sehnen,  -  Wicht. 

krunken  (krunksen)  =  stöhnen,  ächzen, 
röcheln,  runschen  (<;r.  w.  V,  2I70). 

Krunsel  *.  Ransel. 

Krupfe,  f.  (Krüpfe)  -  Kropf  oder  kropf- 
ftbnliche  Jlalsdrüse  (<;r.  w.  v,  2471).  —  Schaf- 

Kröpfe    (1515  schoffkrupf,   sehattkrupf  =  struma 

[varieaU]  ovi«,  i».  et".)  =  Helstlrtlse  (Kinnsaek) 
beim  Schafe  (s.  Krupfel).  —  (mhd.)  6V/-krüpfe  s» 
die  übermassige  Anfüllung  d.  Kropfes  (Lexer2>ni. 

Krupfel  (krüpfen),  Krupfel  (Krüppel),  l.  = 

Knorpel  (<.;r  W.  V,  2471;  oberdeutsche  Nebenform 
tn  Kni|>|iel).  —  2.  =  Knute  (Gr.  W.  V,  2172).  — 
«ich  krüpfen  =  den  Kopf  oder  Ober  Leib  nicht 
gerade,  sondern  wie  ein  Krüppel  gekrümmt 
tragen  (O.  I'falx;  <;r  W.  V,  2471  ;  Sehmelier  t,  1380; 

k]u(?c  193),  —  eich  fMeammettkrttppen  -  «u- 

aatnmenkauern  bei  Leibschmerz  (< ; r.  w.  V,  2172; 
«ibt»rlausitz).  —  Nase n  -  Krupfel  (1129  mhd.  nas- 
inippi  li  N'asenknorpel  (<ir.  \v.  v,  2t7i;  schmeller 
I,  eso)  (Kseenkruppel,  Unterscheid,  l'nterthat}. 
—  (15.  Jahrh.)  Schaf  Krupf  -  eine  hlasenförmige, 
kropfahnliche,  parasitäre  HalsdrÜsenansch wel- 
lung (Kinnsaek  bei  Schufen,  Struma  ovis)  (r.r.  W. 
V,  2171;  D.  616). 

Krupp,  m.  (Croup)  («unnchst  aus  dem  franz. 
Croup  entlehnt,  du«  die  Franzosen  [llris*.  117]  als  eine 
QQMMtOpcc  de  In  raucitc  aphonc  de  In  vciix  dans  In 
dlphthcric  laryncce«  V  auffassen),  1.  (1713)  llals- 
briiune,  Dipbtbeii«  ttuerat  von  l'atrik  hlalr,  dann 
von  [1763)  K.  Home  ln-schriehen),  Angina  poiyposa 
(wegen  der  Pfeudomembranen),  uIh  Stenose  des 
Kehlkopf»,  wie  sie  auch  beim  Kröpfe  (uoth. 
kruppa]  ■  Struma  vorkommt.  —  2.  =  ausserdem 
besteht  eine  Pferdekrankheit,  die  „Kropf" 
(8.  d.)  heiMt;  es  ist  demnach  (nnd  mit  IieiüehunK 
auf  (MpfM  und  Kruppe,  g.  u.)  höchst  wahrscheinlich, 
da**  der  germanische  knipp  I  -  Kropt  und  kroupose 
[  —  kropfige]  llalskranklxitl  nach  Frankreich  kam  und 
von  da  als  Croup  naeh  Deutsehland  zurückkehrte 
(<ir.  W.  V.  210«);  auch  In  Flandern  im  kroep  =  Kropf 
ü.  Croup  (De  Coek  Kr.'.  H)  ,j;  der  Kropf  kann  kroup- 
ahniiehe  KrBticknngs^efahr,  anderseits  kann 
der  Croup  auch  kropfahnliche  Halsdrüsenan- 
Schwellungen  veranlassen.  —  (neu)  falscher 
Krup  -  Asthma  Millari,  Pseudocroup  mit  croup- 
ahnhehen  Symptomen  ohne  lebensgefährliche 
Grundlage  derselben. 

Kmppe,  f.  (ans  dem  franz.  Croupe  n.  mtlnt.  cropa, 
ernpa,  Du  CtOg«  II,  625,  630;  crupponns,  m.  -  uto- 
pygium.  minima  cltinium,  grop,  groppa  |1 197]  -  clunes, 


Dn  Cange  IV,  IM)  =  das  (kreuzförmig,  höckerig, 
btlrzelig  emporragende)  Kreuz  ilor  Reittiere 
(franz.  la  Croupe,  lo  crouplon;  ftal.  1a  groppa  —  os 
coccygls,  ltriss.  26;  engl  Croup  kamen  »her  selbst  aus 
deutscher  »Juelle ;  nordgerm.  kryppa  =  Hocker,  An»- 
wuehs,  Haufen  ;  mtlat.  rruppa  —  huppfe,  hopf,  hoppe, 
goepc,  crewel,  D  1>9;  Kluge*.  217,  21s :  Cr.  \V.  V, 
2172;  Heyne  III,  4»5).  —  t  rrkTUppen  S.  Krüppel. 

Kruspel,  m.,  f.  (Kruschgel,  Kruschpel. 

KnurSChpel)  (mhd.  kruspel;  H19  cni«p»'I  -  P»ll>n 
rarnis,  d  h.  das  Fleiseh  ohne  Bein,  alicr  mit  dem 
weichen  Knorpel,  D.  172;  1129  chni«pel,  Schmeller  I. 

I. "K.t;  1482  kruspel  =  krolielpayn,  krolu  lein,  llaarwaeli», 
eartilairo,  ZeninK.  Voc  rS,  n7;  15.  Jahrh.  kntKbpel; 
1191  eruspel  =  Interfitiium ;  15r,0  crüspel,  Schmeller  I, 
1883;  nach  Gr.  W.V,  21780.).  1.  =  Knorpel,  Knorren, 
t'artilago,  inolle  et  teneritas  ossium  (Ituek  17; 
Hyrtl,  K  \V.  99;  Hlntner  7.  16,  Hyrtl  Anat.  18;:)  =  die 
Kruspel  [Bayern,  Österreich,  Kurnthen).  —  2  =  der 
Nasenscheiilewandknoipel,  Interfinium  nasale 
(L'nterthat).  —  3.  -•  andere  <  »rganknnrpel.  — 
4.  =  Knorpellleisch  fl  119  eruspel  —  pulpa  [Krostel- 
fleiseh,  ?.  d  ],  Gr.  \\.  V,  2479)  (Krnspelspitz).  —  (1571) 

//(ds-Kruspel  =  Gurguho,  tiurtjel  (knupel  im 

halss,  D.  271;  Oft  W.  V,  2178).  —  (K.99)  Magen- 
Kruspel  -  der  schwertförmige  Knorpelfortsatz 
am  Brustbeine  oberhalb  der  Magenerabfl  (v.  M. 

II,  106,  107).  —  (in«!  Nasen- Kruspel  =  Nasen - 
krustel  =  Nasenknorpel  («ir.  W.  V,  247S;  VII.  113). 
Krusp(el)-(Krusel-)/^/n,  Fleisch,  Haar,  -Spitz. 

Kruss  s.  Krossel. 

KniSte,  f.  KrUSt.  m.  (ahd.  crusta;  11.  Jahrh. 
crt>ste;  ndd.  1420  eorste  -  ernsta.  D.  IM;  15.  Julirh 
krost,  I64M  die  krust  -  Kufe,  llorkc.  <ir,  W.  VIII,  1397; 
mhd.  kniste,  aus  latein.  eru«ta,  ein  Uelehrtenwort, 
■  la^  sieh  er»t  spat  ciuhiireertr  KIul'i  ',218;  nhwohles 
an  das  einheimische  knuspern  und  knirschen  und 
knistel  Anklang  hat,  <ir.  \V.  V,  2180,  ndd.  korst, 
koestke  _  Kruste.  Krustchcn,  Fromm.  VI,  217),  1.  = 
der  trockene  Schorf  auf  einer  Wunde  oder 
einem  Geschwüre,  «leren  Absonderungen  auf 
der  Hantobertläehe  eintrocknen.  —  2.  =  Kopf- 
tirint  als  Aiisschlagsform,  hezw.  dessen  ein- 
getrocknetes Sekret  (  [1707|  der  Krusl).  —  (UOB) 
dicke  Krusten  u.  a.  syphilitische  llautborken 
(Bupia)  (Fuchs  I,  421).  —  [1882]  Fcig  KiXl&ten  =■ 
Mentagra,  Keinmal,  BartHechte  mit  feigen- 
rotem  Grunde  (»ehrend  is).  —  (1718)  Grind- 
Krusten  =  grimlartiger  Schorf  auf  Nascti- 
geschwüren  (K.  ch.  247).  —  (1832)  Milch  Krusten 
(ndl.  melk  korst,  De  Cock  72)  =  Impetigo  larvalm 
(l'orrigo),  Krbgrint  lud  Säuglingen  und  jungen 
Kindern  (Mehrend  47)  (Kruste  2).  —  Krusten- 
Grind. 

Krustel,  n.,  f.  (ahd.  cfanuttta,  obroatnla,  krusiiia, 

II.  Z.  VI,  325;  mhd.  krustele,  Cr.  W.  X,  SI81;  12.  Jnhrh. 
chnistele,  Schmeller  1,  1:58.".;  14.  Jahrh.  kruostcl  = 
inrtllrtk'o,  Vor.  opt.  \V.  12;  1477  krustel  —  i Jelzin, 
('.  v.  Selon.  328;  15.  Jahrh.  chrustl  =  cartilB4?o  Inier 
nun  s  vel  cxtremltas  nasi,  Schm.  I,  138.5;  krustel  ---  Ohr- 
lAppchen,  1.  >  od.)  -  Knorpel,  GartiJago  (Kruspel, 
Krostel);  das  klanKmulende  Wort  erinnert  an  du 
Knistern  und  Knirschen  des  Kebrateneu  Fleische«  ed. 
an  da«  t;erilu«ch  beim  Kauen  des  irerosteteii  Brodes 
(<lr    W.  V,  2IS0).  —  A^f.Scn-KrUStel  (anCls  necs- 


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krutzetn— Kuchen. 


Kuchen. 


KTi-xtlft*.  IV  103;  ahd.  nasa  «ni.iUla,  II.  Z.  VI,  32.'.; 
interfinium)  =  Nasenknorpel. 

krutzeln  zu  kruacln,  gruseln  (s.  d.)  =  kitzeln 

(1177;  Gr.  V    V,  2481). 

Kry stall ,  Ul.  (aus  lat.  erystallui  =  liehtbreehender, 
dtm- hsirutlirer  stein).  —  Krystallenen,  Kry  stal- 
line -  Bulla  crystallina,  Crystallina  [Vt.  II,  321. 
X>7 ;  Krau«,  K,  17t">;  Sehnurrer  II,  157;  ltoerhave),  1.= 
Hautblase  infolge  von  Verbrennung  mit  Krgnss 
von  hellem  Serum.  —  2.  ■=  (17— is.  Jahrh  )  der 
angebliche  Blasenschanker  als  primärer  Initial- 
afTekt  bei  der  Syphilis.  —  3.  =  -une  eruptlon  ve«i- 
culeuse  qni  survient  aux  amyndalcs  et  au  pourtour 
des  Um  au  cour*  de  la  periode  seconduire-  (syphll.) 
=  cristalline  (Bris*.  2:18).  —  4.  =  der  Herpes  pro- 
genitalis, Blasen  mit  hellem  durchsichtigen 
Inhalte  hinter  der  (Hans  penis.  —  5.  =  Varicella 
=  Schafblatter  oder  Krystallblatter ,  die  Cry- 
stallini  Vidi  (Vidiu*  -  Gui.il  +  1569).  —  Krystall- 
Blatter,  -Feuchtigkeit,  -Friese!,  -Linse,  -Saft, 
-Star. 

kubelich  «.  KobeJ. 

Kuchen,  tu.  (itnth.  kökll»;  Kcrm.  knkan  —  Kuchen 

—  flacher,  breiter,  runder  I  laden  ;  engl,  cake  ~  Kuchen  ; 
ajjuc  cake  —  Milztmnor  bvi  Wechnelflobcr,  hornbl.  4, 
ahd.  chuohho ;  mhd.  kuoohe,  KIiikp  21h;  pu'u;  kugen; 
ndl.  koeck,  couke,  m  .  V.  K.  IX.  92;  mit  diesem 
Küchencehilde  wurden  «entliehen  Kuc  hen-  od.  Zelteu- 
ähnliehe  <>rpane  oder  pathologische  Produkte).  — 
Kuchen,  1.  -  l'lacenta  und  Chorion  Frucht- 
kuchen, Nachgeburt  («-.  Siebold  W»)  (s.  Zelten). 

—  2.  =  der  Herrkuchen  (s.  d.)  (ndl.  de  koek  - 
ein  hard  «eiwel  nabij  den  nagelbulk  [  =  navel]  dat 
min  of  meer  dir  vorm  he.  ft  van  Den  rondt-n  koek, 
V.  K.  IV,  93;  man  oplert  dort  dem  h.  Machutiu«  auf 
den  Altor  Iteerenknehen  [*.  eni{!i«ehc  Krankheit ; 
Knehcn-Ithaehitii] ,  die  der  korke  van't  ht-rteRCspannen 
hohen,  V.  K  IX.  143 ;  den  koek  eu  het  hertegespan, 
L  cod.  5  die  kiuderen  vrelke  aan  den  koek  eu  het 
hfUeire«pan  HJden  .  krlgsen  een  dikken  en  hardeu 
btiik  en  wal  man  het  hi-rte  putje  [Iterzputa]  tineint  is 
onxic -hthare  geworden,  V.  K  IX,  112).  —  kuecheln 
(ndl.  kaehtelen.  kachsch'ti ,  kasaeleo  =  ein  .Tüntes 
werfen.  De  <o<k  ,  karhtel  bedde  =  Fotalcnnaehgcbuit, 
nieuw  (tekaehteld  venlen  - rein  neugeborenes  Kohlen, 
L  eod.)  (s.  Küche).  —  Blut  -  Kuchen  -  das 
breiige,  kohärente,  dunkle  Gerinnsel  des  Blutes 
(  Hepar  sanguinis  in  der  Aderlasschussel  (Samuel 
124;  Bris*.  4),  das  wie  glasierter  roter  Kuchen 
(sang  glaeure)  im  Kochgeschirre  (Becken)  aus- 
sieht. —  Fieber- Kuchen,  1.  =  Blutkuchen  und 
Speckhaut  (s.  d  ),  ilio  man  früher  als  ein  Zeichen 
des  Fiebers  und  der  Entzündung  (Pneumonie, 
Pleuritis  z.  B.)  ansah  (Crusla  inflammatoria, 
l'lacenta  febrilis),  die  aber  für  diese  durchaus 
nicht  charakteristisch  ist  (engl,  atme  cake  ;  franz. 
Uätcau  febrile,  Uhi.  HS;  Bamuel  124;  Gr.  W.  III,  1S23). 

—  2.  —  die  akute  brettharte  Anschwellung  der 
(vorher  meist  schon  chronisch  geschwollenen) 
Milz  unter  den  kurzen  Bippen  bei  dem  ein- 
zelnen Anfalle  von  Malaria  (  =  Fieber),  die  selbst 
zu  hämorrhagischem  Infarkte  (=  dunkler  Blut- 
austritt  in  das  Gewebe)  führen  kann  =  Iros 
(Krmn«,  E.  Ml;  Gr.  W.  III,  1622;  Solmmhcim  291).  — 
.Frucrit-Kuchen  ■  der  Mutterkuchen   bei  der 


Leibesfrucht,  —  flcrr-Kuchen,  1.  =  Scirrhu*, 
s.  Scirrhoma,  Obstructio  hepatis  aut  lienis  (r,r.  \v. 
V,  2500),  worunter  man  früher  a)  wohl  meist  die 
Amyloid-Degeneration  «ler  Leber  und  Milz  (als 
Folge  der  chronischen  .Malaria  und  Syphilis) 
ansah  (Speckleber,  Speckmilz)  oder  b)  den 
hämorrhagischen  Infarkt  eines  Organs  (blut- 
kuehenähnlieh)  und  c)  Oberhaupt  Leber-  und 
Milzturaoren  ;  d)  (westflam.  koek  aan  t  hertc,  earreau, 
atroph!«  mesenti  rique,  V.  K.  IX,  93)  —  Gekros- 
drüsentuberkttlosis  mit  aufgetriebenem  Bauche. 

—  2.  =  Druckgeftihl  auf  der  Brust,  das  man  auf 
solche  Anschwellungen,  d.  h.  auf  die  vom  Herzen 
ausgehenden  Blutkuchen-Hildungen  ursächlich 
zurückführen  wollle  (Herzgespann)  (V.  K  IX.  93). 

—  Herzripp{rieb-)  -Kuchen  (Gr.  \v.  v.  2ftoo)  - 
Rheumatismus  der  auf  den  Herz- Kippen  (in 
der  Nähe  der  Herzgegend)  sich  ansetzenden 
Brustmuskeln  (Osten-.,  Schleiden);  die  ältere,  blut- 
gierigere Chirurgie  stellte  sich  vor,  dass,  wie 
bei  den  Milztumoren  ein  Herzblutkuchen  unter 
den  Rippen  sei,  so  beim  schmerzhaften  Muskel 
rheumatismusauchäusserlich  ü  her  den  Kippen 
ein  solcher  Blutkuchen  vorhanden  sei,  den  man 
durch  Aderlass  u.  Schröpfen  beseitigen  könne 
(or.  w.  v,  »00).  —  (I7W)  Leber  Kuchen  -  die 
l'lacenta  oder  Mutterkuchen  [Kulmu  ISO),  als 
Übersetzung  des  Hepar  uterinum  der  Alten 
unter  Anlehnung  au  den  Blutkuchen  (  -  Mutter- 
kuchen). —  (iGf,c)  Mutter-Kuchen  -  vx  '»z'.i^t 
Hippokratis,  l'lacenta,  Kuchen,  Afterbürde,  la 
mere,  Hepar  uterinum  LMutterküchl  im  Leihe  der 
Weibsbilder":  1606;  Gr.  W.  VI,  2S19;  ndl.  moederkoek, 
DeCock;  Kolklore);  die  l'lacenta  od.  Nachgeburt 
hat  die  Gestalt  eines  länglich  runden,  konvex- 
konkaven Kuchens  (Hyrtl,  Anal  716.  llriss.  320; 
v.  Siehold  •"'«);  der  Vergleich  wurde  wohl  zuerst 
genommen  vom  Aderlass-Bltitkuchen,  den  das 
in  der  Aderlasschüssel  geronnene,  feste  Blut 
bildet.  —  (17s:;)  der  eingesperrte  Mutterkuchen 
■  Incarceratio  placentae  (stein  II,  13.>.  137),  die 
im  Muttermunde  o.  in  der  Gebärmutter  krampf- 
haft zurückgehaltene  Nachgeburt.  —  Rippen' 
Kuchen  (rShlwnknehen  ;  ndd.  revkocken  —  lienteriu, 
dlaphimrma,  1>  329),  1.  —  Herzrippkuchen.  —  2.= 
Sehulterripp- Kuchen.  —  3.  =  (rhachitisches) 
Herzgespann  (Anwachs)  (Gr.  w.  VIII.  nov  IftOl), 
als  vermeintliche  Folge  eines  angewachsenen 
Rippenkuchens.  —  4.  =  Hhachitis  der  Hippen 
=  ange«vnchsener  Kippenkuchen  (Gr.  \v.  viil, 
103.S).  —  ft.  =  Kütekuchen  (s.  d  ).  —  Kitt-  (Riet  ) 
Küchen  (M29  der  rittkueh,  I).  II,  133  diaphragma ; 
Ii--:  I.M.i  ril  rytt-]  kuch  •  •!•  r  -Ii.-  hnot  /  .*  i<chi  n 
dem  inKewevde  =  dlaphnignia,  inlirmita«,  opilntio 
Hplenls,  I).  179;  17JJ  rieikuchen  —  lienteri»,  dia- 
phragina,  l).  329),  1.  Ihaphragma  (Gr.  W.  VIII, 
10»)  Oder  die  Haut  zwischen  den  Kmge«vei.len 
(Zwerchfell)  (Zenin*.  Voc.  aa  8).  vermutlich  weil 
man  bei  den  Fieber  (nto)-Kranken  (mit  Milz- 
schwellung) unter  dem  Zwerchfelle  einen  Blut- 
kuchen (Milzschwellung)  sitzend  annahm,  oder 
auch  greifen  (s.  d.)  konnte,  der  durch  den  Ader- 
lass weggenommen  werden  sollte  (Fieber- 
kuchen). —  2.  =  Lienteria  (Gr.  w.  VIII,  lons),  der 
Blutkuchen  unter  den  Rippen  bei  Kühr  =  Amy- 
loid-Degeneration der  Milz  und  der  Gedärme. 

22* 


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840  knckern-kflhl. 


kflmmen— Kugel. 


—  (ir.92)  Rote  Kuchen  =  ein  Kippen  -  Kuchen 
(1.  2)  (v.r.  w.  VIII.  103  >)  über  den  Kippen,  der  als 
Blut-  (  =  Köte)  Erguss  angenommen  wird  (siehe 
Kote  2) ;  ein  vermutlich  aus  der  Zerwirktechnik 
heim  erlegten  Wildpretegenomniener  Ausdruck. 

—  Schulter-  (Schultrrrieb-  [rt/>p])Kuchen  ■  ein 
Kheumatismus  in  den  Schultermuskeln ,  der 
sich  wie  eine  kuchenartig  aufliegende  Anschwel- 
lung fühlt  (Gr.  W.  V,  2'i<)0);  in  Analogie  mit  dem 
Herzkuchen  (s.  o.  2)  bei  Milzansehwellungeu 
dachte  sich  die  ältere  Chirurgie  auch  beim 
akuten  Kheumatismus einen  solchen  Blutkuchen 
auf  denjenigen  Kippen,  an  denen  sich  die 
Schultermuskeln  ansetzen ,  und  erklärte  das 
spannend  schmerzhafte  Gefühl  desselben  mit 
der  Existenz  eines  solchen  Fieberkuchens  da- 
selbst (wie  in  der  AderlasschÜHsel);  der  Schulter- 
kuehen  als  Rheumatismus  entspricht  clor  vUkandha 
in  Hesprcchungsfonncln  des  Atharva-Veda  (Zeltschr. 
<!.  v.  f.  Volluk.  189  «.  8.  18).  —  vernagelter  Eueben 
(ndl.  vernagelter  kock,  V.  K.  IX.  143)  =  ein  Kuchen  2, 
oder  Wasserkuchen,  wobei  durch  Ansammlung 
von  Wasser  in  der  Bauchhohle  der  Nabel  nagel- 
formig  vorgetrieben  wird.  —  Ira«*cr-Kuchen 
(ndl.  waterkoek,  V.  K.  IX,  U3j  =  Bauchwassersucht 
durch  Milzanschwellung  od.  Herzkuchen  (s.  d.) 
veranlasst.  —  Kuchen  lluut 

kuckern  (r>i7cutuiiomitlaaram  in  ovando,  D.M1) 

—  kückern. 

KuckUCk,  m.  (Ougger)  (alter:  Hauch  i.  d.;  1482 
eukuk  oder  atu  ({auch,  V.  v.  Megbg  -  cucitlus,  mhd. 
kuckuk;  l'>  Jahrh.  eitiennotnalopnietixche  Itczeichnung, 
diu  den  Knt  des  gedeckten,  eigentümlich  gcschnabeltcn 
Vogel*  nachahmt;  Kuckuck  und  (.auch  ist  auch  = 
Teufel  ;  der  Teufel  hlnterlasst  nach  dem  VolW'lauheu 
Gestank  u.  Schmutz,  daher/  der  gedeckte  Kuckuck 
hat  ihm  ins  Gesicht  gelacht  (gemacht  ?)  =  Som- 
mersprossen («.  d),  Ephelides  im  Gesicht  (ür.W. 
V,  2T>2'>;  ltnyern)  (vergl.  Kucklickllecken)  (Sommer- 
flecken,  weil  der  Kuckuck  der  Vorhole  des  Sommers 
ist).  —  Kuckuck-  Beim,  -Flicken,  -Schecken, 
-Sprecklrin. 

Küche,  f.  (zu  koclwn  und  Kuchen,  *.  d.).  — 
(i retchen  in  der  Küche  =  Hannschen  im  Keller; 
die  noch  ungeborene  Tochter.  (Nähere*  darüber 
s.  WackernaKCl,  Abhandlungen  III,  137;  der  Aiisdnirk 
Ist  genommen  von  Trinkgelftssen.  die  um  Hoden  kleine 
Kindlein  aus  Silber  geborgen  halten,  die  heim  Füllen 
der  Gefasse  unter  dem  Heeke!  hervorsprangen ;  die 
Vorstellung  eines  ..Ilauskoholds  am  Uleu  [».  d.]  und 
Keller  ",  welcher  Kinder  briugt,  ist  wohl  alter  als 
letztere  l>arstelUingsarl.) 

kücken  =>  hüsteln  [Schweis),  keuchen  (s.  d.). 

—  AW-Kücken  =  Nestquack  (Küchlein). 

Küden  s.  Kutte. 
Küfel,  ktifflen  «.  kiefeln. 

kühl  fgem.-westgertn.  köli  [dazu  kalt.  «.  d.];  engl, 
cool,  chlll;  ahd.  chuoll ;  mhd.  knol,  küel.  Kluge4,  133; 
rand.,  14  — 15.  Jahrh.  colen.  J.  f.  ndd.  gpr.F.  XV,  132). 

—  Er-  (r7r-)kuhlMn<7  =  eine  leichtere  Erkäl- 
tung-, die  Ursache  von  unzähligen  Krankheiten 
nach  der  Volksmeinung.  —  alte  Verkühlung  - 
chronisches  Leiden,  einer  vor  Jahren  erwor- 
benen Erkältung  zugeschrieben  (Goldschm.  18). 


I  —  schwere  Verkühlung  =  akuter  Erkältungs- 
zustand mit  Fieber  (Goldschm.  67).  —  verkühl/«*« 
Blut.  —  kühlende(r)  Gicht*,  Schmert. 

kummen  s.  kommen. 

Kümmerer,  m.  kummerlich  s.  Kummer. 

Kttnzel  s.  Kinz. 

Kür,  1.  ■  Lederhaut, Oorium  (Franken;Sartorlus). 

—  2.  =  (mhd.  küre;  angl*  cyre  =  Wahl,  Kluge*,  221) 

—  kür-ass*<7*. 

Kürbis.  -  Kürbis- Geschwulst,  -Wurm. 
Kürbsen.  f.  s.  Knrbe. 

Kürfes  (Kttrses),  Kürfis  «.  Kurrfes  (s.  Koss). 
Kuhns  s.  Quirinus. 

küssk  (Lippe;  Fromm.  VI.  217)  -  engbrüstig, 
kistrig,  mit  Husten  behaftet. 

Küssen  (Kissen)  (ahd.  eonsaln  m  Kusacn;  mhd. 

küsslu,  aus  mtlat.  BBMIU,  culcllinum,  euleita, 
Matratze,  Polster,  Kluge*.  197  —  weiche  i'nterlagef.  — 

dem  thuen  die  Küssen  (Meckibg.  kuM»)  auch 
nicht  mehr  weh  =  er  hat  ausgelitten  auf  seinem 
Bette  (z.  d.  V.  L  V.  K.  1891,  S.  191).  —  Küsslein 
(I6W  kiisslin,  Hyrtt,  K.  W.  42),  1.  =  das  kissen- 
förmige  Pancreas  als  Unterlage  für  den  Magen. 

—  2.  -  l'rostata,  die  Vorsteher-Drüse  als  Unter- 
lage für  die  Harnblase  (Ifyrtl,  K.  W.  ino).  — 
/<rii*r-Küssen  -  Mammae  feminae  (Zw.  441)  — 
(1609)  S>  h  im  -  Küsslein  =  die  l^eistenbubonen, 
die  wie  Kissen  zur  Seite  der  Scham  liegen  (Hyrtl, 
K.  w.  189).  —  SiW-/-Kissen  =  die  vom  Fleisch- 
strahl bedeckte  Bchwammig- weiche,  polster- 
artige Unterlage  am  Pferdehufe  zwischen  Huf- 
bein und  Hufballen  (Zlpp.  16S.  167). 

Küste,  f.  —  Küsten- Fieber,  -Kranklteit. 

Küt  (nieders.)  -  Gedärm  kleiner  Tiere  (Kütz). 

Küttel  s.  Kutte. 

küttig  (s.  kettig,  kotig). 

Kütz  -  Eingeweide  (Kuttelfleck)  (o.-pfalz. 
(ir  W.  v)  (s.  Kuttel  u.  Kotze  2).  —  kützen  = 
kotzen  (s.  kotzen)  (Schweiler  I,  1318). 

Kützels  kitzeln. 

Kufe,  f.  (aus  mtlat.  cöpa,  cüpa  =  Fax«,  Kübel,  vor 
dem  7.  Jahrh.  entlehnt;  alts.  cöpa;  angls.  cöfa;  ahd. 
kuofa,  Kluge*,  219  =  Gefa**).  —  £rtn-Kufe  (angls. 
bau  eofa  —  cuhiculum      Itelulass  (g.  d.J,  Kochh.  1,  290) 

—  der  menschliche  Leib  als  sterbliche  Hülle, 
!  Totengerippe. 

Kufel  s.  Kiefe. 

Kuga  s.  Kuba. 

Kugel,  f.  (obwohl  uralt,  doch  erst  mhd.  kngel  = 
globus,  Kluge*,  219;  Gr.  W.  V,  2639  =  völlig  kreis- 
runder Korper  (s.  Keule]).  1.  m  das  zum  Teil  kugel- 
förmige Haupt  des  Oberarmbeins,  Schenkel- 
beins und  (Hinter-)  Backenbeins  beim  Pferde, 
Caput  humeri  s.  femoris  (Gr.  W.  1.  eod).  das  zum 
Armgelenke  noch  gebort,  daher:  den  Arm,  da« 
Bein  aus  der  Kugel  fallen  =  Luxatio  humeri; 
den  Arm  ans  der  Kugel  drehen;  aber  häufiger: 
sich  die  Kugel  ausfallen.  —  2.  at  der  Köten- 
kegel,  der  über  der  Fessel  sich  befindet  beim 
j  Pferdefnsse  (Gr.  W.  V.  38.V  2A39).  —  3.  =  kugel- 
ähnliche, rundliche  Geschwülste  (Bühel)  (nicht 


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kuggen — Kuh. 


Kuha-Kummer. 


341 


Geschwüre,  wie  1d  Gr.  W.  V,  2539  ganz  Irrig  steht): 
a)  Mums,  Bauerntölpel,  Ziegenpeter  =  Parotitis 
(1482  „kugel,  die  In  dem  mutul  wacht  —  parrocida 
(Parotitis)",  „kUKel,  dl««  in  den  or  oder  dabey  wechst 
=  paradloU  [parotis]".  Zenlng.  Voc.  r.  7;  Gr.  W.  V, 
2539);  b)  (1688)  Kugeln  =  Mutter-Gewächs,  Molen- 
Schwangeracbaft  (s.  d.),  Mondkalb  (s.  d.);  ver- 
mutlicb  wurden  Eterusfibroid  und  Cyatovarium 
damit  verwechselt  (Gr.  w.  VI,  2818)  (s.  Mutter- 
Kugel);  e)  Kugeln  =  Testiculi,  Hoden  (Kloas, 
Klotr.)  (Gr.  w.  V.  390);  d)  die  Darmballen  (a.  u.) 
(deutscher  YettlMb);  e)  Bru8tkern  =  Kfigerl  (Wien). 

—  4.  =  Globua  hystericus  (s.  Mutterkugel).  — 
kugelt  =  kugelig,  rundlich,  knollig.  —  Alp- 
Kugel  (a.  Hirschkugel).  —  «««kugeln  -  die 
Kugel  (1)  aua  der  üelenkgruhe  beim  Fallen 
x.  B.  luxieren  (Luxatio).  —  (1561)  aufgeblähte 
Kugeln  «  Hatistra  coli,  die  kugelförmig  auf- 
geblühten Rallen  des  Dickdarms  (Hyrtl,  K.  W.  11). 

—  Elben  -  Kugel  =  s.  Hirschkugel.  —  Gams- 
(Hirsch-)  Kugel  (1692  Gambsen-,  Hicrscn-Khugelii, 
Wlchner  Ii)  =  die  runden,  verfilzten  Haarhallen 
im  Magen  der  Wiederkäuer  (Hirache,  Gemsen 
und  aogen.  Mirakelochsen)  (17km;  g.  d  Verf.  Volks- 
Medizin,  8.  162;  Legend,  f.  d.  gem.  Mann  II,  173; 
Konter  II,  153).  Aegagropila,  aua  Alpenkräutern 
und  Geäse  beatehend;  war  deren  Essen«  aus- 
gedrückt, so  wurde  die  tauhc  Schale  derselben  noch 
verkauft ,  man  nannte  sie  dann  „taube  Gemakugeln" 
(Alpbg.  382)  Nach  Llebrechl  (zur  Volkskunde  X87U. 
S.  330  ii.  Golth.  132)  entsprachen  diese  Haarballcn  den 
nordischen  Altkula  -  Alp  Kugeln,  den  Geschossen  der 
Ellen  (».  Teufelsscbuss).  —  //«ur-Kugeln  =  Hirsch- 
kugel. —  (1677)  kirim-  {mittlere)  Hoden  Kugel  = 
Caput  epididymia,  kugelig  angeschwollene 
Nebenhoden  (a.  Kulleken)  (Hyrtl,  K.  W.  119).  — 

Kugel,  1.  -  (im)  „solche  Mlssge wachse 
lassen  sich  nicht  leichtlich  von  einem  ort  an  das  andere 
trellien,  man  drücke  sie  denn  hart  mit  der  hand"  - 
Uteruslibroid  (Gr  w.  vi,  2819).  —  2.  =  (1725)  die 
Empfindung  einer  kugelförmigen  Geschwulst 
im  Leibe  nur  Zeit  einer  Molenschwangerschaft 
o.  bei  Cystovarium  (Thes.  san.  l»r.  293).  —  3.  =  der 
Globua  hystericus,  la  boule  hysteri<|ue  (s.  Boll), 
wobei  die  Nerven- Kranken  die  Empfindung 
haben,  ala  ob  eine  Kugel  oder  ein  Klosa  vom 
Magen  aus  längs  der  Speiaeröhre  in  die  Höhe 
steige  (Kicbhorst  II,  757  ff  ).  —  A'ascn-Kugel  — 
die  runde  Nasenspitze  (Gr.  w.  VII,  -»13)  (s.  Birne). 

—  (1788)  OcAsoi-Kugeln,  1.  -  Ilirachkugeln 
(s.  d.).  —  2.  —  Gallenhlasensteine  (Legend,  f.  d. 
gem.  Mann  II.  173).  —  Schmotz-Kugel  —  Schmutz 
Kugel;  als  solche  stellte  man  sich  den  im 
Körper  „angehäuften"  Krankheitsstolf  vor 
(Ilavaria  II.  2  89s).  —  Kugel- ;trt"cr,  -Gelenk. 

kuggen  (kuggeln)  =  kränkeln;  zu  Kog  3 

(*.  d.)  (Westfalen;  Gr.  W.  V.  1568.  1577). 

Kuh,  f-  (Koei)  (gem.  ludogcrin.  göw;  dazu  yrj  - 
Erde  (Eckstein);  geui.germ.  kö;  ahd.  km»;  mhd.  kuo; 
das  schon  von  den  Indogermanen  als  fruchtbares  IJaus- 
Uer  gepflegte,  milehgebende,  weibliche  Rind  mit  ilen 
grossen  Augen,  einwärts  gestellten  Kulecn,  vollem 
Bauch ,  vlelfressend  ,  In  Herden  weidend  ,  von  den 
Bremen  und  Fliegen  viel  geplagt  [«.  Elben,  Engerlinge] 
u.  Eptioolicn  vielfach  ausgesetzt,  diente  zu  manchem 


Vergleiche  bei  menschlichen  und  tierischen  Körper- 
AnomalU-ti,  wie  auch  zum  Bilde  der  Dummheit  und 
Plumpheit;  ausserdem  war  es  früher  ein  Opfertier 
[l.urod]  für  die  Dämonen  (Lalstner  II,  80ff.3  u.  nimmt 
als  solches  wie  das  Kind  [s.  d.]  elbiscbes  Wesen  an, 
L  c.  98).  —  (1680)  Schtceizer-Knh  =  Mulier  mam- 
mosa,  wie  eine  Milchkuh  aua  der  Schweis  (Gr.  W. 
V,  2549)  (Tutten,  a.  Peter  und  Paul).  —  Kuh-, 
Küh- (Koel-)  A der' ,  ■  A uge,  ■  Bauch,  ■  Dein,  -Bla Her, 
■Euter,  -Fladen,  -Flug  (  Fluch  ?),  häckig,  hässig, 
■hoesig,  Hunger,  -Lecken,  Ohrrn, -Peter,  -P/lätter, 
■Pocken,  -sättig,  ■  Tod,  ■  Wunde. 

Kuha,  f.  =  Kuga  (Böhmen  ;  slav.,  »erb..  Schelble 
IX,  633),  die  Pestjungfrau  =  Kog  und  KuIhIuk 
(s  d.)  (Gr.  W.  V,  1577;  „den  81ovenen  Ist  die  Vieh- 
seuche Kuga  ein  scheckiges  (anspielend  an  l'estblat- 
tern  V)  Kalb,  das  durch  sein  Geschrei  Kinder  u.  Schafe 
tötet",  Schelble  IX,  038). 

Kuhn  s.  Kahn. 

kuien  eu  kauen  (ahd.  chluwan  |s.  d.],  Boek  17). 
—  Kui- Ader*. 

kulchen  =  kolchen,  kolkern  (3,  a.  d.)  (Mittel- 
rhein; Gr.  W.  V.  1614). 

Kulen  (Kuhle),  1.  -  s.  Keule  und  Kaule.  — 

2.  =  (1425  cnle  =  fovea,  D.  246  =  Grube;  1507  ndl. 
cuilken  in  die  waughen,  la  cunula,  O.  31«,  816  ;  Lippe; 
külken,  Fromm.  VI.  214)  =  Wangengrübchen.  — 
a(h)-kulig  s.  Keule. 

Kulika,  f.  Kulk,  f.,  1.  —  Kolik  (s.  d.)  (Kaminen  , 
Koscgger)  =  Kinderkolik.  —  2.  =  Kolch  (s.  d., 
Rheuma,  Schnupfen)  (Slederrheln  ;  Gr.  W.  V,  1612; 
I).  497). 

Kulleken,  Kullen,  kullern  (zu  iat.  eotous; 

grlech.  koleos  —  Hoden  [s.  d.],  I).  131 ;  frz.  couillon, 
coulllets.  Brlss.  60;  1607  kulleken  -  tesliculus,  I>.  5S1 ; 
15M;  De  Cock  37;  Nicderl.)  =  die  mit  Rollen, 
Schellen  verglichenen,  kugelförmigen  Hoden 
(Schm.  I,  1232.  1238).  —  kullern  et  kollern  (s.  d.), 
I  der  rollende  Klang  in  den  Eiugeweiden  (Gi- 
därmen)  (Gr.w.V.  1619)  (s.  auch  Kulen).  —  Kull- 
Sack. 

Kulpe,  f.  =  (H.  Jahrh.)  Kolben,  Haarschopf 
(Erzgebirge;  Gr.  W.  V,  1621). 

knistern  (anklingend an  kolstern,  kilsteru,  kelstern 
1  [*.  d.)  —  Schleim  auswerfen,  Gr.  W.  V,  2588),  1.  = 
ein  wenig  husten.  —  2.  ^  schleimiger  Husten 
1  mit  Auswurf. 

Kummer,  m.  (mhd.  kumber  =  Not,  Belästigung, 
Bedrängnis;  1561  Kummer),  1.  =-  Aegritudo,  Schatten 
(Gr.  W.  V,  2698;  Scbw.  372;  Tabern.  93  A) ;  X.  B. 
WeisBllusB.  —  2.  =  der  Kümmerer  =  Hypo- 
chonder, der  sich  stete  bedrängt  fühlt.  —  3.  = 
das  beschädigte  Wild  (hodenloser,  schwäch- 
licher, kaum  genügender  oder  sonst  un voll- 
kommener Hirsch)  (Jägersprache;  Gr.  W.  V,  2602; 
Schw.  372;  Brehm  III,  138;  1  und  3  zu  kümmerlich 
und  kaum;  indogerm.  gü,  gow,  yv/co  -  klage;  germ. 
küml  =  schwächlich  [wie  wenig  zu  weinen];  ahd. 
I  kümlg  m  kraftlos,  schwach;  mnil.  küine;  Schweiz 
|   ehum;  ndhess.,  westf.  kyme  —  schwächlich.  Kluge*. 

18ü).  —  '..kümmert  (14. — U.  Jnhrh.,  nind.  so  we 
I  becummert  i»  au  sluer  lunghen  unde  sere  hustet,  J.  f. 


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843  Kumpf—  Kante. 


Kunter— kurren. 


n«ld.  Sf.r.  F.  XV,  135)  =  beschädig ,  schwach, 
Mode.  —  Kummer-Maser. 

Kumpf,  in.  (uhd  chumph;  mini,  kumpf  -  Schale, 
Napf,  iiullo).  1.  -=  (na..)  Praeputium,  der  Stumpf 
der  Vorhaut  nach  der  Beschneidung  (Schnuller 

I,  1252).  —  2.  =  aufgeschwollene  breite  Nase  mit 
eingesunkenen  Nasenrücken  (s.  Kumpfnase) 
(Schin.  i.  cod.).  —  Kumpf-Äaae. 

Kunde,  f.  Kunden  -  Gnomon,  die  nacli  dem 
5.  Jahre  beim  Pferde  eintretende,  schwarze 
Kernung  in  der  Krone  der  Zähne,  aus  denen 
man  das  Alter  des  Tieres  erkundet  (Bohne, 
Kern,  Kennung,  Marke  etc.)  (Mayer  33;  Kalke 

II,  50).  —J (tische  Knude  -  die  durch  künstliche 
Mittel  (t,  B.  Schwefelsäure)  gefälschte  Kennung 
(s.  o.)  hei  Pferden,  tum  Zwecke  der  Täuschung 
von  Pferdehändlern  vorgenommen.  —  I//kunde 
(mini,  ilie  heimliche  Urkunde,  Urkunde ,  Lexer  307; 
1475,  ndl.  künde  =  testlculus,  i).  Mi),  1.  =  Genitalia, 
die  von  dem  Geschlechte  Zeugnis  gehen  (vgl. 
auch  Kunter).  —  2.  =  (1530  urknnd  der  krankhelt. 
Besolt)  =  Krankheitsymptom.  —  Knnde-Rosen. 

Kunder,  n.  (Kunter)  (ahd.  chuntar  =  Herden- 
vieh;  mhd.  kunter  —  monstnim,  Kluge5,  221)  =  das 
Geschöpf  (s.  Kunte),  das  erzeugte  tierische 
Wesen,  Ungeziefer,  Ungeheuer,  elhisches 
Wesen,  Schratte!,  das  in  das  Kuter  der  Kühe 
beisst  (Schmeller  I,  126.'.)  und  auf  Kunterwegen 
haust.  Hexen-  und  Teufels-Kunter  (Alpbg.  ixj 
sind  Bezeichnungen  des  Volkes  für  Hexen-  oder 
Teufelsbrut.  —  cisslich  Kunder  =  schreckliches 
Tier. 

Kunft,  f.  t'goth.  gaqumtbs;  ahd.  kunft;  mhd. 
kunft,  ein  Vcrbalnintrnktum  zu  kommen  [».  d.), 
Kluge5,  220).  —  (10.  Jahrh.)  ;l/7fT-Kunft-  Hinter- 
kommenschaft ,  Nachkommenachalt  ([Ioffnuoo 
1,  367).  —  NU  «/Vrkunft  (harte)  -  das  Nieder- 
kommen (s.  d.)  auf  das  Geburtslagcr,  die 
Schwere)  Kntbindung  daselbst  (Georg.  445  ;  Gr.  W. 
VII,  769). 

Kunn,  n.  Kunne,  f.  s.  Kunt. 

Kunst,  f.  (zu  können).  —  lateinixche  Kunst  - 
Arsch  (ars),  Anus  (13.  Jnhrh.;  1616;  D.  :i9;  lat.  ars 
=  Kunst).  —  künstliche  -Blatter»,  -Mauke. 

Kunte.  f.  (Künte),  Kunter,  m.  [ra  können 

[«.  d.J,  vermögen  [s.  Macht);  germ.  kun  -  gebaren  ; 
goth.  kunnau,  kunl;  angls.  cunnnn  —  können ;  eennnn 
—  gebaren,  erzeugen;  ahd.  kuunan.ehuntii,  kiinni,  uibd. 
kunnen,  kiinnu  -  Geschlecht,  Kluge*,  100;  altsacbs. 
kun  =  iexus;  1260  kunte  -  Tcretrum,  vulvn;  könne 
-sexus;  14.  Jahrh  hubs  kune  =  Hubscherlu,  Freuden- 
mädchen, Schindler  I,  1010 ;  15.  Jnhrh.  kunne  =  sexus, 
kynttc  -  veretrum,  D.  5:12.  612;  ndl.  conte  —  vulvu, 
l).  6ü-j  ;  konde  =  testiculus  ;  gekune  =  sutyrion  j  D.  614. 
6*1;  1611  koulich  — geschlechtlich  vermögend,  Z.  d.  V. 
t.  V.  K.  1896.  428;  Tirol  kuntin  -  Geliebte,  Fromm. 

vi  mm  —  Kunne,  f  Kunn,  n.  1  männliches 
'  *  Kunte,  f.,  m.  f  weibliches 

Geinächte  (Vulva,  Veretrum,  Testes,  Satyrion), 
als  Organe  des  Geschlechts  Vermögens,  Könnens 
(ScuwcUor  I,  1258).  —  Kunter,  m.,  1.  =  Penis 
{15.  Jahrh. ;  Liebrecht  z.  V.  K.  My).  —  2.  =  Un- 
geheuer, Monstrum  (Kluge    221;  Schm.  I,  1265).  — 

(15.  Jahrh.)  menschliche  Kunne  (Kon,  Könne)  ^  | 


Sexus,  Geschlechtsvermögen  (d.  532).  —  Weibes-, 
Joannes  Kunne  (1475,  ndl.  maus  ind  wijfs  kunne, 
D.  346)=  weibliches  od.  männliches  Gesehlechts- 
glied.  —  LVku&de  s.  Kunde.  —  Kon-Mann. 

Kunter,  n.  b.  Kunder. 

Kupfer,  U.  (7.  Jahrb.  altes  Lehnwort  an.«  lat.  cup- 
rum  3.  Jahrh.;  man  sagte  auch  Kupperwein  lür  Kypcr- 
wein,  kypruu«her  Wein.Klclnpaul,  Mittelalter  218;  Muller, 

wisstnMh.  d.  spr.  ii,  221).  —  kupfern  (knpfericht) 
=  rot  wie  Kupfer,  kupferfarbig;  daher  Kupfer 
=  finniges,  rotgestipptos  Antlitz  (Gr.  w.  V.  2:59 ; 
Scbw.  373)  =  Akne  (=  Akine,  Kappe;  Akne  Ist  Ab- 
Schreibfehler  bei  Aetius)  rosacea  (s.  Kupferhandel) 
(Akne  potatorum)  (Heyne  III,  616).  —  Kttpferüng, 
1.  —  ein  Mensch  mit  Kupfernase  (s.  d.).  —  2.  = 
die  kupferrote  Nase  selbst  (Gr.  W.  V,  2765).  — 
Augenlid- Kupfer  =  Akne  palpebrae,  roter  Fin- 
nen-Ausschlag um  und  auf  den  Augenlidern 
(Sobemh.  344).  —  Nasen  Kupfer  =  das  ünnige, 
durch  Akne  rotnasige  Gesicht  (Gr.  W.  V.  2759; 
VII.  413).  —  Kupfer-^n^e*4cA/,  -Antlitz,  -Aus- 
schlag, -Blume,  -t\nne,  -Flecken,  -GesicJit,  -Ge- 
werbe, -Handel,  -Kolik,  -Maul,  -Nase,  -Rose, 
-Schmied. 

Kuppe,  f.  (Koppe)  (Nebenform  zu  Koppe  [Kopf] 
=  Spitz« .  Äusserstes  Kode).  —  Küppchell  (1615 
kippchen,  Colerölö  ;  v.  d.  Hühnern)  =  äusserst  feines 
Spitzchen  der  Hühnerzunge  (beim  PipB).  — 
Finyer-Kuppe -  Fingerspitze (Or.W.  V,  2771;  finger 
kopp  =  coppn,  D.  II,  113).  —  Ärü</c/-Kuppe  (dous) 
=  ein  Fingerschwär,  Steinachwär,  mit  einem 
Ix>ch  (Panaritium)  als  ob  ein  Nagelkopf  darin 
Stäcku  (De  Cock  39;  V.  K.  IX,  95;  ndl.  nagelkoppcn). 

-  (1741)  Nase-  (Nu»-) (f  JJJJJ  -  Nasenspitze, 

Pirula  (s.  Birne),  Orbiculus  nasi  (Gr.  w.  VII. 
413  ;  Levetlug  329;  K.  a.  87;  Kirsch  913). 

KUT,  f.  (um  1500  aus  lat.  curare  entlohnt,  Kluge  *, 
221;  in  Arztkreisen  gebildet  und  daraus  popularisiert  ; 
1722  churen,  Tiber.  373).  —  In  der  Kur  (-Stube) 
liegeu  =  an  der  Franzosenkur  (im  Holze,  s.  d.) 
liegen.  —  (1618)  er  kuriert  ■  ist  krank  (St.  Kenn. 
Mir).  —  Kur-6VAmicd. 

Kurbe  (Kurbel,  Kürbsen)  (abd  churba  [cum, 

curvus] ;  mhd.  kurbe,  Kluge  221  —  krumm  gebogene 
Handhabe  zum  Drehen),  1.  =ein  das  Sprunggelenk 
hemmender,  dieses  zur  Krümmung  biegender 
Knochenspat  am  oberen  Knde  des  Pferdeschien- 
beins (Korb  2)  (Zipp.  117;  Falke  I,  191).  —  2.  =  la 
courbe,  la  eourve  =  tuba,  morbus  cquinus  subtuscaput 
in  nmguo  posteriore  nervo  «Uqan  putrefactionem 
faclena  per  [pwn  longitudinem  nervi,  Du  fange  VIII, 
202j  -  Nacken-Haut -Geschwür  am  sog.  Degen  des 
Pferdes,  wobei  der  Nacken  krumm  gehalten 
wird.  —  3.  =  Käcbkrankheit  (franz.  courbes, 
.«eb.  17>i ;  lievre  de  courbature,  de  fatl-jue,  Ilriv;.  Ia2> 
Gliedersteifi.eit,  Kürbsen,  hinkend  Web,  Glie- 
derkrümme. —  4.  -  Hasenhacke  (s.  d.)  (Seb.  176). 

—  Kurbel  =  Oberlippe,  die  sich  aufwindet 
beim  Kssen,  wie  die  Kurbe  am  Brunnen  (Hyrtl, 

k.  w.  123).  —  Kurbel- Grublein. 

kurren  s.  gurren  und  knurren  (1712 ;  Uoflm. 
VI,  297;  IM»;  Colcr  W.  364). 


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Klirrfes— Lab. 


Kutte— Lach. 


Bit 


Kurrfes(Kürfls,  Kuirfes,  Kuerfes.Kuerses) 

s.  Gur,  Fose  und  Fress. 

kurrlen  -  sehleimrasseln,  rOcheln  auf  der 
liru*t  (lautmalende  Bezeichnung,  Duck  19). 

Kurve,  f.  s.  Kurbe. 

kurz  (ndl.  kort  =  trächtig,  bedeckt  [von  l'lerden], 
voll,  im  <  ieg<  'usatz  zu  lanir,  niagcr,  leer,  nicht  trächtig, 
De  lock  Kolklore).  —  kurz(e)-(j/»»''/.  •  Brühigkeit, 
•gekegelt,  Gesicht,  -Kopf,  -luftig,  -Kippen, 
-Schädel,  gichtig,  -  Weil,  -  Würmer. 

Kuschel,  f.  vermutlich  =  Goschel  (s.  Gosche), 
Fetninal  (Schm.  I.  isoi;  Nonifr.). 

Kusel,  m.  f.  —  eine  Pferdekrankheit  (Schm.  I, 
1303;  noch  nicht  erklärt  ;  vielleicht  zu  nachfolgendem 
oilcr  nl»  Dusel  zu  lesen). 

Kusel,  f.  -  Kuli,  Kalb  (Frowin.  VI,  433;  Tirol; 
ltuck  9">). 

Kust,  f.  (Indogerm.  jus  ss  erwählen,  (rem  hüben , 
VurKcrui.  KU»  [gustare] ,  nenn,  kus  [kiesen,  Kost], 
Kluge*,  1«J5;  ahd.  kust  delectus.  electio,  <;ralT  IV, 
511;  hieher  wohl  kusg  --  den*  molaris,  L>.  '><H) ;  Kost- 
«ahn,  Mahlzahn).  —  Ab-K\l&t  (ahd.  a  kust,  a  chustl 
—  Vitium,  dolus.  passio,  pravus  appetltus,  iusanabilis 
mall  |>estc,  (iraff  IV,  "d4.  M.*i)  (s.  Gust). 

Kuttel,  f.  (Kutteln,  pl.)  (*n  goth.  quithtw  = 

Hauch,  Kluge*,  1W5;  ahd.  cudel,  cuddel  ~  Darm  der 
Schlachtliere  [colon],  Crafl  IV,  M6;  Uftfi  kuttlen  — 
omosium,  I)  II,  271  ;  lluö  kuttlen  —  intestina,  omasum 
Colon,  Hyrtl,  K.  W.  101;  hieher?  IV  Jahrh.  kutle; 


udd.  .  cunnu»,  D.  Ii«;  K«31  kutteln,  D.3W),  1-  Kai- 
daunen (h.  d.),  Menschen-  und  Tiergedärme 
(Or.  W.  V.  2896.  2900;  C.  r.  Schm.  330  j  engl,  gut ;  holl. 
!  kuit;  altnord.  kloet ;  »chwed.  koett;  dilti,  koed,  kioed, 
Fromm.  VI,  280)  (vrgl.  1  jutti,  Kotüeisch).  —  2  = 
Waden fleisch.  —  3.  =  ISaucheingeweide  über- 
haupt. —  Kutt(el)- Dann,  -Fleck,  -Sack,  -Übel, 

-  Werk. 

Kutte,  f.  Kutten,  f.  (zu  Kenn,  kotta;  ahd.  chozzo  ; 
mhd.  koize,  kulte  —  Mönchskutte;  diesen  weite  Ober- 
gewand  |  Kutte]  Ist  wohl  übertragen  auf  da«  weibliche 
Wotlenkletd  [l'nterrock  —  Ilannsol,  a.  d.).  das  die  «ienl- 
tallii  temin U  verhullt;  daher  [wie  llnnnsel]  IS,  Jahrh 
kulte;  ndd.  =  cunnn«,  D.  163;  II,  124),  l,  =  Fcminnl, 
Kuttcrl  (Schm.  I,  1312;  tjuitzmann,  Itelig  d.  Baiw.  90). 

—  2  =  5c25Jm  \  =  Waden  (8"  Keut  u-  KuWcl  2) 

(Düsseldorf,  Ostfriesland  ;  Coldschm.  156).  —  gelbe 
KÜttel  H.  gelb  (die  gelbbailcbigen  Suhlen  (s  d.] 
stricken  [wie  die  webenden  Nomen]  mit  gellten  Nadeln 
gelbe  (iewander,  die  sie  als  (Jellwuchtsfarbe  anhangen, 
oder  —  berühren,  bestreichen  mit  der  lielhsucht).  — 
I  Stolpe- kutten  [1420,  ndd.  Itolpe  kutten  =  crimiarc 
D.  1.18)  =  kreisten  in  Actu  eoitus,  ob  ingentem 
phallum  in  ennno  (s.  stöpseln,  Pfahl  und 
Stolpe).  —  kutten  toll. 

Kutz  s.  Külz. 

kutzeln  s.  kitzeln. 

kutzen  =  kotzen  (<;r.  w.  v,  im;). 

kuvern  =  kobern  für.  w.  V.  1517). 


elu  Kuehstabu,  <ler  die  glatte,  gleitende,  Schlüpfrige  Natur  Itiullich  wiedergibt,  daher  <lie  Lähmung*-  und 
Sprachfehler  unter  dieser  Abteilung  am   meisten  vertreten  nind  (conf.  Klcinpaul.  Strumgebiet;   *.  lispeln). 

L- Sucht. 


Lab,  U)  ,  Ii.  (allgerm  lubja  —  starke,  scharfe  l.s«cnz, 
rihtnieusafl;  angeln  lyb  -  Gift;  altnord.  lyf  =  Arznei ; 
engl.  Up;  ahd.  luppi  a  todlicher  Saft  [s.  luppen] ;  lab 
—  Ilriihe.  Kluge  *,  2.'.;,  mhd.  lap,  lab  -  sauere  Flussig- 
keit,  Blühe,  Üb;  1IM  lob  =  Magenlnb,  Zcn.  Voc.  r8), 
1.  —  der  von  den  Lab/.cllcn  der  Magenschleim- 
haut erzeugte  Magensaft  ,  der  intensiv  sauer 
reagiert,  aus  der  eingeführten  Nahrung  den  j 
Speisebrei  (Chymus)  bildet  und  die  Milch 
(auch  wenn  der  Magen  getrocknet  int)  zum 
Gerinnen  bringt.  —  2.  =  der  sogen.  Labmagen 
beim  Wiederkäuer,  iler  dieses  l.ah  1  liefert 
(echlnus,  Kraus,  E.  SM;  abomasus,  J.  P.  Frank  VI,  3.VJ)  | 
(  -  Lab,  in.).  —  3.  =  Salzw  asser  (Sehmeiler  I,  1  H)2). 

— Hasen-hsib  —  der,  w  ie  die  verBcfaiedeneu  Lab* 
(l>eb-  krauter  (-  Galiuni),  zur  Gerinnung  der 
Milch  verwendete  Mayen  des  Hasen.  —  Käse- 
Lab  (ahd  kä»i  luppa;  mhd.  ka«e  läppe  nihil,  kikse- 
lap,  Kluge*,  22.1;  engl,  cheesc  Up ;  angb.  cys-lyb)  = 
der  da«  Geäse  des  Viehs  mit  Milch  zur  t.erin- 
nung  bringende,  die  Kaseerzeugung  möglich 
machende,  scharfe  Saft  o.  Uagentoil  (s.  lflp|H.>n).  i 
M  • ; ■>.  Lab  =  der  tierische  Magensaft  oder  der  | 


Labiuagenteil,  welcher  die  Milch  zur  Gerinnung 
bringt  K,r.  w.  VI,  >).  —  Lab  , 

Labbe,  f.,  1.  -  Hängelippe.  —  2.  Mund- 
lippen, Mund  (s.  Laffe  u.  Lappen)  («;r.  W.  VI,  i). 

labet  (lawed)  (zu  faire  la  bete,  far  la  bestla; 
17.  Jahrh.  im  Karleuspiel  matsch  Werden  ;  (davon) 
lahei  entkntftet,  krank  Si  hm.  Her  |,  IIOJ,  seh«  . 
376;  (ir.  W.  VI,  8;  henneh.  Ia«<"ct,  Spless  II,  Uli). 

Labratsch,  f.  (Tirol;  Fromm  VI,  431)  „verächt- 
lich Gesicht,  Mund  wohl  aus  einem  it.  labbraeioV" 
=  dicke  Lippe. 

Lacerten ,  pl  —  (Iweruis  [der  Oberarmmuskel, 
lacerta  -  Kldei  hse];  frnn«.  la  rate,  1a  sourls,  die  sog. 
Maus  [•.  d.J;  15.  Jahrh.  lacertiis  -  llliilerarm,  D.  642) 

Muskelbfindel  [Fries  7«),  das  Mttualein,  Fleisch- 
maue,  Maushein  namentlich  am  Oberarme, 
Kllenbogen,  Schullerblatt  u  Schienbein  (D.  SM). 

Lach,  n  ,  m,  Laechen,  n.  Laeck,  f.  (ahd.  iah 

Meikmal,  laha  ■  signa,  Du  tätige  V,  11;  Gdfl  II, 
UM).   104;    mhd.   daz  lachen  —  Heilung  bringendes 
I  Zeichen;   1618  lecken  —  malo,   tnfortuuio  multare 


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844  lachen— lackizen. 


Lade— Latsche. 


[■trafen]  =  ein  Lock  {Schandfleck]  setzen,  Schmeller 
I,  1432.  1434;  [s.  Laub];  dazu  lahhi  =  der  Arztflnger, 
Arzt;  lohhinon,  lahlnön  =  uiit  dem  Arztflnger  all  Heil- 
mittel ein  [mennigrotes?  s.  Zauber]  Zauberzeichen 
machen,  wie  die  geritzten  Runen,  »oaueh  den  kranken 
Teil  zauberisch  [rot?]  bestreichen).  —  er  hat  einen 
Lach  von  Geburt  aus  (holl.  Utk  =  Gebrechen,  viiinm) 
=  er  hat  einen  angeborenen,  kranken,  bleiben- 
den Miss- Fleck,    einen  entstellenden,  chro- 
nischen Fehler.  —  Lack ,  Lacken  (Lecken),  m. 
=  Zeichen,  Flecken,  Mal, Schaden,  Kiss,  Wunde, 
Gebrechen  (Alpbg.  262).  —  GVlack,  GVlachet  - 
viele  solcher  locken.  —  Kör(l)-,  Kot-  {Kuh) 
Lacken  („kehrlecken"  bei  Zingerle  27;  koilecken  : 
„ein  Fehler  des  Haares  beim  Menschen  oben  an  clor 
Stirne,  der  darin  besteht,  dass  einige  Büschel  Haare 
struppig  sind  und  sich  nicht  legen  wollen,  Z.  f.  Ö. 
V.-K.  1896.  8.  280)  =  Flecken  oder  Blatleruial  an 
den  Lippen,  Lippenhaaren  (s.  Neidhaare),  die 
Bog.  Nachtbrand  blättern  (Herpes  labialis),  die 
man  nach  dem  Volksglauben  in  Tirol  bekommt, 
wenn  man  von  einem  Geiste  (s.  Nachtmännlein 
und  Unslätten,  Kuh)  nächtlicherweile  „an- 
geblasen", angeleckt  (s.  d.)  oder  geküsst  wird 
(der  Herpes  labialis  Ist  bei  Ftthn  Witterung  häutig  zu 
beobachten).    Bei  den  Norwegern  heisst  eine  solche 
böse  Lippe:  dankjys  =  Totenkuss  (Liebrecht,  z.  V.-Kd. 
310),  hei  den  Franzosen  becquertau  (s.  Baumhackel, 
Brlss.  131).  —  (1839)  Lähm-  (lam-,  Jaim-)lachet 
(lacket)  (Oberbayern ;  Schm.  I,  1171)  =  mit  auffal- 
lender Lahmheit  behaftet,  gebrechlich,  lenden-  1 
lahm.  —  (Vergl.  Lecken,  Loch,  Laub,  Laxner). 

lachen  (vorgerm.  klak  [onomatopoietisch];  germ. 
hlah ;  ahd.  lahhan;  mhd.  lachen,  Kluge",  223;  engl, 
to  laugt);  lauKhlugbysterics  =  hysterischer  Lachkrampf). 

—  bitirr  lachen  (1582  den  Hanenfuss  nennt  man 
auch  Apium  rlsus,  well  es  sich  vergleichet  mit  dem 
Epff,  vnnd  dass  die  Jenlgen,  so  es  essen,  darvon  sterben, 
vnnd  gleich  sehen  denen  die  da  lachen.  Item  Surdoula 
Ucrba,  dleweil  es  zu  Sardls  vbertlusslg  wachst,  daher 
das  I'roverbium  kompt,  Sardonius  rlsus,  das  ist  ein 
bitter  lachen,  Lonlcer.  l'J'Xi  =  sardonisches  Laclien. 

—  llumls  -  Lachen  =  Kisus  sardonicus,  die 
krampfhafte  Yerziehung  der  Mundwinkel,  wie 
bei  einem  die  Schnauze  aufziehenden  Hunde, 
als  ob  der  Kranke  hündisch,  höhnisch  lache, 
z.  Ii.  beim  Trismus,  Lyssa  (=  Hundswut,  Hunds- 
krampf). —  2fr«m/>/"-Lachen  =  s.  Uundslachen, 
Mundkrampf,  Lachkrampf.  —  (17S2)  sardonische» 
Lachen  ■  das  Ansehen  des  hühnisch  bitteren 
Lachens  beim  krampfhaft  verzogenen  Munde, 
wie  er  sich  einstellen  soll  nach  dem  Genüsse 
des  in  Sardinien  wild  wachsenden  Lacheppichs 
(Hcrba  soidonlca  —  Ranunculu*  bulbosus  L.  oder 
scelcratus,  Kraus,  E.  918;  Roll.  67)  oder  gleich  dem 
boshaften  Lachen  det  Bewohner  der  zu  Homer  s 
Zeiten  schon  bekannten  Insel  Sardinien  (Homer, 
Odyssee  20.  302;  Schräder  361;  Westcrni.  Mon. -Heft 
1876,  8.  593;  Rol.  67  mit  Literatur- AiiRabe;  M.  H.  L.  I, 
693;  Merklin,  d.  Talossage  1851;  Demnkrltos  I,  4'J).  — 
Lach-GrtfocÄf«,  -Krampf,  -Zahn. 

Lachner  s.  Laxner.  —  Lachner-  Wurm. 
Lack.  —  Lack- Feuer. 

lackizen  (zu  l-ach  [s.  d.];  1717;  Abroh.  II,  105)  = 
fehlerhaft,  lallend  sprechen. 


Lade,  f.  Laden,  m.  -laden  (vorgerm.  lat^  Brett; 

germ.  lath  [Latte,  Geländer],  Kluge*,  133.  223,  Grund- 
bedeutung: Bretterkasten;  ahd.  Inda  ['!]  —  Behälter, 
Kasten,  Fensterladen ;  mhd.  lade,  laden  —  bewegliche 
Vorrichtungzum  Aufladen  grossererod.  kleinerer  kisten- 
formiger  nehitlter;  damit  verglichen)  1.  =  der  Unter- 
Kieferknochen  als  Zahnbehalter  in  beweglicher 
Form.  —  2.  =  die  grosse  Lücke,  die  leeren 
Zahn  lieh  alter  zwischen  Backen-  u.  Vorderzfthne 
(Hackenzahne)  des  Pferdes,  wo  man  die  Pferde- 
Kinnlade  mit  den  Händen  öffnen  kann.  —  3.  = 
(1783)  der  Brustkorb  uder  Brustkasten  als  be- 
weglicher Lungen hehftlter  (Levellng;  Gr.  W.  VI, 
38;  Hyrtl,  K.  W.  93;  Mayer  30;  Falke  II,  64).  —  Ader- 
Lädlein  -  die  wie  Fensterladen  beweglichen 
Klappen-  oder  taschenförmigon  Aderflflgel  in 
den  Blutadern,  Valvulae  venarura  (Hyrtl,  K.  w. 
211).  —  Maden  —  betrunken,  „er  hat  schwer 
geladen"  (s.  Säbel).  —  2.  =  belastet  mit  einer 
Krankheit,  z.  B.  mit  Steinleiden  (1682,  Lonlcer.  30). 
—  JSrof/  Laden  —  Mund  als  Speise  aufladendes 
Organ.  —  Kiefer  Lide  =  Kinnlade  (Heyne  III, 
533).  —  Ä'wm-Lade(n),  1.  =  der  Unterkiefer  mit 
dem  Kinne  und  Kinnbacken  als  beweglicher 
Zahnbehälter.  —  2.  =  (1787)  übertragen  auch  auf: 
Oberkiefer  als  obere  Kinnlade  (Gr.  W.  V,  779; 
Falke  II,  12).  —  (1843)  üoer  laden  =  bei  stark  vor- 
springenden Muskelpartien  am  tierischen  Kor- 
per, als  ob  das  Tier  zu  stark  belastet  wäre 
(Falke  II,  383).  —  U'i'x, /-Laden  =  Bronchus,  Luft- 
röhre, mit  den  Windladen  der  Orgelpfeifen  ver- 
glichen (Hyrtl,  K.  W.  107).  —  (1761)  Zahn -Laden 
=  Kinnlade  (s.  d.),  Bothrion  (L.  chlr.  n).  — 
Laden- Knochen,  -Krankheit. 

lächtig  s.  Lage. 

Lacken  s.  Lach. 

Lad  s.  Leid, 

Läffli,  läfhg  s.  Laffe. 

Läger  s.  Lager. 

Lähme  -  lahm. 

Lalle  «.  lallen. 

Lämmer  s.  Lamm. 

Lämpen  s.  Lampen. 

Läpen  s.  Lappe. 

Lärcher  s.  1/ercher. 

Lärm  (ahd.  lannlda  —  cnliiinitiis ,  GrnlT  II,  215) 
=  Jammer.  —  es  lärmt  -  die  Gebiutsstunde 
mit  den  Kreischwehen  oder  die  Geburtsnot  be- 
ginnt (Gr.  D.  M,  II,  1111). 

Läat,  m.  s.  Last. 
Lässer  s.  lassen. 

Latizel,  n.  =  ein  Kuchen-  oder  Zeltlein  ähn- 
liches  Gebilde,  an  dem  sich  das  Fohlen  ge- 
wissermassen  erfreuen  (lat.  laetare)  soll;  das 
Fohlen  in  der  Eihaut  schluckt  solche,  in  der 
Allantoisflüssigkeit  frei  umherschwiramende, 
abgelöste  Kihautgebilde  (s.  Fohlengift,  Fohlen- 
brod,  Zelllein  etc.,  Hippomanes)  in  das  Maul 
ein,  wo  sie  von  dem  Landmanne  mit  Kifer  ge- 
sucht werden;  (sie  sollen  ein  Aphrodistacum  und 
milchverinehrcnd  sein,  s.  Nutzen). 

Lätsche  s.  latsch.  —  Latsch- Feige 


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lätzen— f,age. 


Lager — lahm. 


S45 


lätzen  s.  Latz. 
Läufer  s.  laufen. 
Läutere  s.  lauter. 
Laf,  f.  b.  Lauf. 

Laffe,  f.,  cd.  Laif,  Laffen,  L affer,  ni.  Läffli 

(Nebenform  tn  T-abbe  [*.  d],  „zurückgreifend  auf  die 
Vorstellung  eines  Schopf-  oder  Schlurf  -Gefasses",  aus 
dem  man  lappelt  oder  In  kleinen  Zügen  trinkt,  Schm. 
I.  1496;  Gr.  W.  VI,  7;  gotb.  löfa  =  Bache  Hand,  Kluge  ' 
242;  ahd.  laffa  —  palma,  palmula,  Graft  U,  205;  lappo 
=  flache  Hand,  Kluge  *.  29  -  Werkzeug  des  Schlürfen«, 
Schlürtgerat«  und  »war)  1.  =  die  flache  Hand, 
Manu»  aperta  8.  cava,  Gaufe,  Galfe.  —  2  -  der 
«um  Klaftern  oder  Schlürfen  benatzte  Ann 
(Lafter).  —  3.  =  (ausgedehnt)  daH  Schulterblatt 
beim  Rindvieh  (Schweix.  Schwaben;  Gr.  W.  VI,  57. 
C.  v.  Schm.  £»).  —  4.  =  Lippe,  Mund  (a.  Lefze) 
(Heyne  III,  536).  —  5.  Laffe,  tu.  =  Kretin,  I,appe 
mit  heraushängender  Zunge  u.  läppisch  redend 
(Aargau;  Z.  f.  d.  Philol.  III,  336).  —  6.  =  B.  Lauf  U. 
Löffel.  —  laffern  (UM  lafern  =  balbutire,  1).  76)  = 
läppisch,  ungeschickt  reden.  —  läffig  Schulter- 
(Laffe  3)  frei,  besonders  vom  Kinde,  dessen 
Schulterblätter  flügelförmig  abstehen  (Falke  n, 
M.  293).  —  Laffer  (15.  Jahrh.  bibuloi,  D.  II,  52)  = 
ein  schlürfend  Trinkender. 

Laffet,  n.  s.  Lauf. 

Lage.  f.  Läge,  f.  (Lege),  f.  (ahd  iäga;  mhd.  i«ge 

—  Legnng  [Kluge5,  224),  die  Art,  wie  etwa«  liegt;  der 
Ort,  wo  etwa«  liegt;  die  Notwendigkeit  tum  Liegen; 
ahd.  lag!  ,,«i  coxam  ruperit  supra  geniculum  [=  frac- 
tura  fcmorla]  hoc  est  lagi",  so  dam  der  Betreffende 
«um  Liegen  kommt,  «Jraff  11,  101).  —  ab-,  onlächtig, 
lägig  »ein:  L.  =  (1420  ablegiger  o  ignavus.  1).  II, 
209;  1.-07  delirium,  Hort,  »an.)  in  schwerer  Krank- 
heit, ■'  B.  im  apopleklischen  Koma  somnolent, 
teilnamslos  in  Seitenzwangslage darniederliegcn 
und  (Fieber-) Delirium  haben.  —  2.  =  kraftlos, 
schwach  durch  Alter  oder  Krankheit  sein  und 
im  Bette  zur  8eite  gegen  die  Wand  gewendet 
liegen  (s.  aufgelegt)  (Scbmeller  I,  142*  w>z  1450). 

—  Anlage  ■  Neigung  zu  etwa»,  Disposition, 
Oiathese,  Körperbeachaffenheit,  Konstitutions- 
anomalie. —  /-  lag.  m.  =  das,  was  auf  einem 
Gewebe  liegt,  Kroup-,  Pilz- Membranen  im 
Halse.  —  faUche  Lage  =  eine  regelwidrige,  ab- 
norme Lage  eines  Organes,  Kindes  in  der  Ge- 
bärmutter, dieser  letzteren  selbst  etc.  —  Fuss- 
Lage  =  l'artus  agrippinus,  die  Art  des  Liegens 
de«  Kindes  mit  Füssen  voraus  bei  der  Geburt 
(s.  Kubs-  u.  Steissgeburt).  —  (1632)  Gelegenen/ 
=>  die  Art  uud  Weise,  wie  und  die  ganze  Ge- 
gend, wo  etwas  liegt,  z.  B.  die  Nieren  (Fries  IIS). 

—  ÜLrN'lVLage  (ahd.  kind*leceo;  126«  ehlndelegc ; 
mhd.  kindelege.  ehindelage,  chlndelege,  kintlcgc, 
I.cxer  Schmeller  I,  14561,  1.  =  die  Gebärmutter, 
Matrix  et  Vulva  («.  Wamme)  als  Ort  od.  Stätte, 
wo  das  Kind  im  Mutterleibe  liegt.  —  2.  =  (Schul- 
ansdruck  für):  die  Art,  wie  das  Kind  im  schwan- 
geren Uterus  liegt  (<Jr.  w.  vi,  59).  —  3.  =  s.  liegen. 

—  Lcovr-Lage  (s.  — 9.  Jahrh.  lebariago  =  uterinn», 
Graft*  II,  so.  94)  ■  die  im  Uterus  liegende  Mutter- 
leber, Bürdeleber  oder  Loberkuchen  (s.  d.), 
worunter  man  die  Placenta  (Mutteikuchen, 


Nachgeburt)  verstand.  —  .YiViiVr-Lage  =  das 
Zuliegenkommen  infolgeciner  Krankheit  (H.  Paul 
32S).  —  (1783)  Qno--Lage  =  eine  (iberquer  befind- 
liche Stellung  des  Kindes  in  der  Gebärmutter 
der  Schwangeren  oder  Gebärenden  (stein  II.  113). 
—  (17S3)  »chief e  Lage  (der  Gebärmutter),  die 
man  früher  als  Ursache  der  Schieflage  des 
Kindes  bei  der  Schwangeren  annahm  =  schräge 
Richtung  der  Uterus- Axe  (stein  II,  39).  —  siech- 
lägig  (mhd.  siueblaegc,  I.excr  230;  -  krank,  auf 
dem  Krankenlager  befindlich.  —  (17.  Jahrh.)  Un- 
Gelegenheit  -  abnormer  Zustand  des  Körpers, 
eines  Organe«  (F.  K.  B.  296).  —  un-gel&chsen 
(-loxen)  =  abnorm,  fehlerhaft,  thoricht  (Schm. 

I,  1427;  ob  hlehcr?). 

Lager,  n.  Läger,  n.  Leger,  n.  (ahd.  legar;  mhd. 

leger,  Kluge*,  224;  15.  Jahrh.  lager)  =  der  Ort  des 
Liegens,  Krankheitssitz  (1699;  v.  M.  IV,  124).  — 
lagerhaft  =  lecto  afflictus,  clinicue  =  bettlägerig, 
krank,  siechlägig  (Gr.  w.  VI.  es).  —  (1730)  seines 
Lagers  leben  oder  sterben  (Z.  A.  52)  =  an  einer 

Krankheit  genesen  oder  sterben.  -  j^™" 

Lager  (angU.  luudleogan ,  lculntlegü  =  renuneuli, 
u.  II,  316)  —  das  Fett,  in  welchem  die  Nieren 
und  Neben-Nieren  liegen  (s.  Gelegenheit).  — 
.Yof-Lager  =  das  Krankenlager,  die  Krankheit, 
die  den  Menschen  nötigt,  sich  zu  legen  (Gr.  w. 
VII,  910).  —  Lager- Fuber,  -Krankheit,  -Ruhr, 
•Seuche,  -Sucht,  -  Typhus;  (s.  auch  Leger). 

lahm,  Lähme,  f  Lahn ,  f.  Lähmde,  f.  lähmen 

(,,cin  Wort,  deinen  mhd.  ßrdeutung  uralt  ist"  [Kluge  *, 
224],  wenngleich  innerhalb  der  indngerman.  Sprachen 
es  keiu  allen  gemeinsame«  Wort  für  ,,lahm"  und 
andere  Gebrechen  gab",  Kluge*.  34;  ahd.  lahm  — 
claudui,  gliederschwach,  paralyllcua,  hydropicus,  do- 
bili».  7.-9.  Jahrh.;  Caan.  GIom.  ;  GraflII,2lO;  10.  Jahrh. 
lemi  —  fragmenlo  membrorum  pati,  Graff  1.  c. ;  1192 
lerne  =  detrimentum  membrorum;  1260  die  lern  an 
den  fuezeu  oder  an  den  handen  oder  an  der  ge- 
swulste  [Pfeiffer  **!  =  lahmende  nand-  oder  Fusz- 
gcschwulst;  1276  lern  =  perpetna  laesio,  Haltaus;  1294 
lern  =■  unheilbare  Wunde  am  Korper,  Schmeller  I,  1471 ; 
13.  Jahrh.  lern  —  defectu*,  bayer.  Landfrieden  ;  14.  Jahrh. 
lainer  =  cllnlcus  \D.  127).  gliederschwach,  gelahmt; 
mhd.  meist  nur  als  Folge  von  Trauma  oder  von  ganz 
auffälligen  und  schweren  Infektionskrankheiten;  ndl., 

II.  Jahrh.  lam  =  elaudtis,  l».  126;  1417  lame  =  clBudi- 
carius,  1».  II,  95;  142i  lemde  —  strafbare  Verleitung, 
Hultau«  ;  1499  lemnlsse  —  Kampferwunde  [s.  d],  Haltaus 
1154;  15.  Jalirh.  lembde,  Gr.  W.  VI,  71;  mhd.  lerne, 
lemede,  lern  =  Lahme,  Lahmung,  gelähmte  Glieder, 
laesio  perpetua,  enormis  laeslo,  Mon.  Iwlc.  V,  M;  lim, 
1500  lern  —  syphilitische  Glledemch wache.  Fuchs  I,  320; 
1506  frantzosen  un<l  die  luom,  Inchenh.  Mir.;  s.  B.  z. 
A.  F..  I"  Bayern*  1S94,  S.  67.  82;  1507  lemde  -  krumme 
«nieder.  Gelenkkontraktur,  Hort.  san. ;  1518  laemy  zu 
teutsch  paerlln  [  =s  paralysln]  „das  ist  nicht  der  schlag 
als  viel  wuhnen,  [sondern]  "las  Schlafen  der  Glieder  In 
den  Zyeh-Adern  oder  Schlagadern  und  ist  die  l'nver- 
mogiichkelt  derselben  Schlagadern",  H.  v.  Gersd.  88 
-  fnnktlonelle  Gliedernnfahigkelt  infolge  von  Ver- 
ttopfung  oder  sonstiger  Veränderung  in  den  Blut  zu- 
fuhrenden, das  Glied  ernährenden  Adern,  die  aich  als 
sogen.  „Schlaf"  [s.  d. ,  abnorme  Empfindung]  dem 


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::n;  lahm. 

Kranken  bemerkbar  macht,  151t  liu-hin  ■  syphilitische 
t.licdcrachwaehe,  luchi  I,  349;  Sehmcller  I,  1471;  1529 
die  lecmin  [l'araeclsus],  lemyng,  f.  [I.  c .];  1533  leinl  im 
schiubeyn  -  syphilitische  Schwache  iluri'h  Knochen- 
krankheit  nm  Schienbein,  Fuchs  I,  372;  16(11  laome  = 
morbus  articulnrum  rbeumaticu* ,  Ostitis  syphilitica, 
tir.  W.  VI,  75;  IT.  II,  S2;  17.  Jahrh.  laehrolHle,  laerome 
=  der  halbe  Schlag  [Dasypodius),  (ir.  \V.  VI.  7»;  ItilÄ 
lebnn*  —  paralysis,  opoplexiaui  sci|ueni,  Coler,  II.  A. 
107;  1712  I.achmc  folgt  meist  auf  andere  kränklichen. 
Schlagfluss,  t.leichsucht,  (Jichter,  Ciallengrlmmen,  ist 
mithin  ein  Zufall  [  -  Symptom]  vieler  derselben  = 
Monte,  l'arese;  Zw.  828;  171»  Lähmung  ist  eine  prac 
tische  Zaubcrcy  des  Teufels,  Masehenb.  U-'»U  ff. ;  engl. 

lnme  =  lahm,  i-ehf.  oa).  —  lahm,  1.  =  glieder- 
seh  w  ach  im  allgemeinen,  im  Gebrauehe  der 
Glieder  gebrechlich,  hinfällig,  ungeschickt,  na- 
mentlich nach  Verletzungen  oder  auffälligen 
Krankheiten.  —  2.  =  im  Gebrauehe  einzelner 
Glieder  durch  Kiiochcnbruch  (conf.  engl  broken- 
hauded  —  lahm,  Kaltschm. ;  15.  Jahrh  gelemet  — 
luxatus,  D.  II,  212;  niss,  loin.'ita  —  nilederreissen, 
Klug«  L  e),  Luxation,  Gelenk  -  Entzündung, 
Hhetima,  Knochenkrankheiten,  Geschwulst, 
Wassers  lieht,  (erst  spater)  Nerven  lähmung,  Seh  lag- 
fluss,  .Sonnenstich  etc.  behindert,  paralytiens, 
atonicus,  attonitus,  sideratus  —  sidere  afHatus. 
3.  eingeengt  auf:  fusslahin  (-bah,  s.  d.)  oder 
hinkend  (claudus,  cossus,  contractus;  mal 
St.  Claude),  weil  die  untere  Extremität  am 
häufigsten  Knochenbrüchen  ausgesetzt  ist.  Der 
«ilaube  früherer  Jahrhunderte  schob  die  Entstehung 
solcher  Lithme  ohne  ilewusstBcinstoruiig  ulcht  so  fast 
der  Einwirkung  eines  Danioncnschlages  (»,  Schlag)  zu, 
ul*  dem  Einflüsse  von  elbischen  Wind-  und  .Sturm- 
gotlhcitcn,  den  Sonnenstrahlen  (s.  Strahl,  Schrnttlein 
und  l'feil)  und  <testlrtien,  sprtter  wohl  auch  der  Macht  I 
des  Teufels  (s.  d.) ;  allerdings  ist  der  einäugige  (Sonnen-) 
Uotl  Wodan  der  Vertreiber  und  Ueherrscher  der  Elben. 
In  der  Kdda  ( Alvlsmal  17;  Jordan  157)  wird  die  Sonn© 
,, leidige  iJthmerln"  genannt,  die  namentlich  die  licht- 
scheuen Nachttrollcn  mit  ihren  Strahlen  lahmt,  wenn  ! 
»le  an«  Tageslicht  kommen;  auch  mtl.  sideratus 
sldere  afllatus  ist  —  verlahmt,  Schlag,  Tropf,  genihrt, 
schningcrstorben  (D.  533)  durch  den  Einfluss  des  <ie- 

stims.  —  lahmen,  lähmen,  lähmden:»hd  icmj.m. 

mhd.  leinen;  1120  lemdeu  =  mutllare.  D.  II,  200; 
15.  Jahrh.  lemmen ;  1«.  Jahrh.  laemmen,  <ir.  W.  VI,  76), 

1.  —  deltimbare,  lahm  machen  durch  Trauma 

2.  —  lahm  sein,  lahm  gehen,  hinken  durch 
Trauma  (spat  erst  durch  Teufels  Kinlluss;  t;r.  W.  VI, 

75;  VII,  1S77)  (s.  -balz).  —  Lahme,  f.  (Umede, 
Lämbde)  =  der  Zustand  des  molor.  Lahmen» 
und  zwar :  1.  =  Iah  mungsartige  Gliederseh  wache. 
—  2.  —  konstitutionelle  oder  Bckonvaleszenz- 
Scbwiiche  im  allgemeinen  nach  ganz  besonders 
auffälligen  Krankheiten.  —  Ii.  =  Behinderung 
im  Gebrauche  einzelner  Glieder  (l'.eweiiungs- 
stürung)  nach  Trauma,  Kiwu-hetifraktur  etc. 
durch  Rheuma  auch  ohne  besondere  Oitran- 
verflnderung,  ohne  Kmpfindungs-Anomalie  (r.7»i 
„bMPmieri.  wann  ein  ülled  kelue  Starke  mehr  hat 
und  zu  schwach  ist  etwas  zu  lieben  ••der  zu  lupfen", 
Theophr.  Ilod.).  —  4.  —  ilie  Knoehensehw  äche  bei 
Kliachilis  der  Haustiere  (Samuel  127).  —  lähmig 
(1531  lemig,  Krautw.)  _  mit  der  Lähme,  l'odagra  , 


lahm. 

behaftet.  —  Lahmheit  =  das  Lahmen.  —  Läh- 
mung (16.  Jahrb.  lemynge  —  muiilaiio,  D.  U,  260)  = 
jede  pathologische  Abnahme  in  der  Erregbar- 
keit der  ilie  Bewegung  und  Empfindung  aus- 
losenden Nerven  (Paralysis) ;  war  die  «nbjekti  ve 
Empfindung  dabei  gestört,  ho  wurde  dies  früher 
der  „Schlag*'  (s.  d.)  genannt.  —  lähmern  - 
etwas  lahmen,  sowohl  motorisch  wie  sensitiv; 
daher  auch  =  ilie  taubpelzige  Empfindung  der 
beginnenden  Lähmung  haben  (rioldsehtn.  119). 
Volksetymologisch  ist  in  den  Niederlanden  St.  Lain- 
bertus  (Lambrecht)  l'atron  bei  der  Lahmheit  (HeCock 
39.  314).  —  Lamech  -  ein  lahmer,  unbeholfener 
Mensch  fllenneb,;  spiess  n,  i ie>.  —  «//-lahm  — 
dudum  claudus,  durch  das  Alter  gliederschwach, 
hinfällig  (<Jr.  \\.  I,  273).  —  arm-lahm  =  am  Arme 
motorisch  gelahmt.  —  //rm-lahm  =  knoehen- 
lahni,  fusslahm.  —  lähmen  (mhd.  beleraen, 
Lexer  ir.)  -  durch  bleibende  motor.  Lähmung 
oder  Gliedcrsehw  üche  verletzen.  —  fcflähmern 
=  durch  Ansteckung,  Befleckung  allmählich 
lähmen.  —  itfaff-Lähme  =  am  Scbulterblatte 
lahm,  Brustlähme,  Buglähme  [Fulke  I,  126),  — 
Blei-Lähmung  —  Lähmung  einzelner  Muskeln 
durch  Bleivergiftung.  —  .Brn.s/-Lähme,  -Lahm- 
heit ■  Buglähme.  —  -ßii'/Lähmung,  -Lähme 
[es  claudus  armo,  Cr  W.  11,  iit6)  =  durch  Rheuma 
oder  Verrenkung  (Trauma)  verursachte  Behin- 
derung der  Bewegung  der  Brust-  und  Schulter- 
muskeln (Bug  beim  l'ferde),  oft  mit  nachträg- 
lichem Muskelsehwunde  (Falke  I.  101).  Die  uralte 
Behandlung  derselben  durch  Anblasen,  wie  es  die 
Sehmiede  thun,  lusst  vermuten,  dass  die  rheumatische 
I.iUminiiK  dem  elbischen  Wiintdikmou  zugeschrielien 
wurde.  —  Eisrnbtihn- Lähmung  -  ilie  durch  die 
beständige  Erschütterung  in  der  rollenden 
l  Eisenhahn  verursachte  Erkrankungdes  Kücken- 
marks mit  Lähmiingserscheinuntren  (engl..  UM 
railway  splne,  Ivrlchsen).  —  fr -Iah  tut  (1569  vom 
paralys  erlahmete  glleder.  Or.  W.  VII.  H5S;  1515,  1.21 
erlernt,  erlaraat  -  mutllatus,  verstümmelt,  ü.  374)  - 
vom  Schlagflusse  lahm  gewonlene  Extremi- 
täten, auch  durch  Klieuma,  Syphilis,  Trauma  etc. 
lahm  werdende  Glieder.  —  /'V/A-tZ-Lähme  - 
Kohlenlähme  2  bei  jungen  Schweinen.  —  Fetgd- 
Lähme  -  lahm  gehen  infolge  von  Krankheiten 
an  dem  Ken  Sei  (s.  d  )  (Falko  I,  279).  —  (lGlsl  fran- 
zösisch- Lähme  (1  Mb  min,  l'aracelsus;  IT.  II,  73.  jw) 
Gliederschwache  infolge  syphilit.  Knochen- 
allcktion  und  syphilit.  1'seudo-lUieumatismus. 

—  Fullen-,  FMen -Lähme,  l.^die  rhachitische 
KnochenachwAche  heim  Kohlen.  —  2.  =  pyäm. 

Koten-  b.)  Gelenkrheumatismus  vom  pyämisch 
infizierten  Nabel  aus  (s.  Maisuchl)  (Herbst  U7; 
Krank  5:t7).  —  /n.*.s-lahm  (!«'•.  Jahrh.  Icmme  nn  fuessen, 
<Jr.  W.  IV,  l.  1031;  VI,  73.  75)  ~  claudus  allero  peile, 
an  einem  oder  an  den  Küssen  motorisch  lahm. 

—  (1H30)  Qtbärmuttn  -Lähmung  -:  Atonl«  uteri 

—  liUimungsartige  Schwäche  der  Uterus-Mus- 
kulatur, die  zu  Mutterblutungen  führt  (Kopp, 
I.  D3).  —  Gri/tir/- Lähme  =  lähmungsartiger  Zu- 
stand beim  Kalbelieher  der  Kühe  (Eclampsia 
puerper.)  (Frank  1 15).  —  Gehirn  Lähmung  ■  eine 
«las  l  etitralnerveuMystem  bet redende  oder  von 
ihm  ausgehende  Lähmung.  —  ^lähmen  d  >23 

i  geleuibcn,  llultaus  4*4;  Ii.  Jahrh.  gelcmet  =  uiuülatus, 


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lahm. 


lahm. 


347 


D.  371)  —  das  Lähmen  durch  mehrfache  Verletz- 
ungen. —  G/irrtVr-lahm,  -Lähme  (149>  lembt  der 
Rlicder  -  Syphilis,  Schnurrer  II,  Iß;  Kersch  201;  1M1 
la«mc  der  clyder,  Krnutw.;  1612  gUedlahm;  1«  lahm 
an  allen  gliedern,  (fr.  W.  VI,  73;  MM.  Medlk.  18'J)  = 
paralyticus,  motorisch  an  den  Gliedern,  z.  B. 
durch  Rheumatismus  articulor.,  Syphilis,  lahm. 
—  (1491)  hals  l&hmig  =  Torticollis  rheumatica, 
Rheumatismus  nuchae,  einer,  der  den  Hals 
nicht  frei  bewegen  oder  halten  kann,  oder  mit 
dem  Kopfe  wackelt  (Kisehart ;  <;r.  \v.  IV,  2.  265).  — 
/•  •  PI  .'  lahiu  (10.  Jahrh.  hantn  lamon  —  maueul,  Gruft 
II,  210;  1507  manck  laetn  =  manetet  [einhändig],  I>-  346) 
=  in  der  Bewegung  der  Hand  gelähmt  (z.  B. 
Oistorsion).  —  Herz  -  Lähmung  =  Paralysis 
cordis,  Syncope,  Collapsus,  Schok.  —  huften- 
lahm-in  der  Bewegung  der  Hafte  und  Lenden 
gehemmt,  einhüftig  (siehe  Kinhanker)  durch 
Rheuma,  Colitis,  lendenschwach  (dun.  hoftclnm, 
Berne  in,  20«;  Kalke  I,  in).  —  Huf-,  Hufgelenks 
Lähme  =  die  Behinderung  der  Bewegung,  das 
Lahmgehen  hei  der  Entzündung  des  Kronen- 
bein-Hufgelenkcs  bei  Pferden  (Farster  II,  1009} ; 
Kalke  I,  118),  —  (Iäio)  Ä'irtdrr-Lähmung  =  eine 
cerebrale  od.  spinale,  motor.  Nervenlähmung  mit 
Schwäche  und  Anomalie  der  Bewegung  der  un- 
teren Extremitäten,  bei  Kindern  vom  9.  Monate 
und  2  Jahren  am  häufigsten.  —  &r<in&/i?if-lahm 
( 1  j1  8  lum  von  kranghelt,  Gr.  \V.  V,  2443)  =  in)  Gegen- 
satze zu  altlahm  (s.  d.),  durch  Krankheit  oder 
Verwachsung  in  der  Bewegung  od.  Haltung  der 
Glieder  verändert,  krumm  geworden.  —  kreuz- 
lahm,  -Lähme,  Lähmung  —  in  der  Bewegung 
der  am  Kreuze  (s.  d  )  sich  ansetzenden  Rüeken- 
muskeln,  z.  B.  durch  Rheuma,  Schlag  (Trauma) 
behindert,  lahm,  Lumbago  rheum.  (Huck  19).  — 

2.  =  (hei  Schweinen)  rückensteif  infolge  eines 
Parasiten  (Stephanurus  dentat  ),  der  im  Nieren- 
fettgewebe des  Rückens  sitzt  (Lenckart  180).  — 

3.  —  eine  vom  ROckenmarke  ausgehende  Pferde- 
krankheit,  wobei  die  Tiere  unregelmilssig 
schwankend,  mit  d.  Hinterteile  zuckend  gehen 
(sogen.  Kreuzschlager)  (Mayer  81;  Kalke  B,  41), 
Kreuzverzuckung,  Nierenwendung.  —  (1848) 
Kreuz-Lähmung,  1.  =  der  vollständige  para- 
lytische Zustand  des  ganzen  Hinterteils  hei 
Tieren  Kalke  II,  41;  dan.  krydilam).  —  2.  —  Kreuz- 
riehe, schwarze  Harnwinde.  —  3.  -  blosse 
funktionelle  Schwäche  des  Kreuzes  als  Neben- 
symptom. —  ÄViiffcrn-lahm,  -Lähmung,  1.  - 
so  behindert  im  Geben,  dass  die  Krücke  not- 
wendig ist.  —  2.  =  durch  den  Druck  schlecht 
gepolsterter  Krücken  auf  die  Armnerven  ent- 
standene Lähmung,  namentlich  in  der  Funktion 
des  Trieeps  (Villaret  II,  lfd.  XI,  Ärztt.  öaehverst- 
ztc.  i.  Mar«  ihm).  —  La m mer -Lähme  -  eine 
epizootische  Krankheit,  Gelenkseuche  (s.  d.) 
bei  jungen  Schafen  (Kalk?  II,  55).  —  Lei 6s  Lähme 
{1561  lerne  des  leibt,  Gr.  W.  VI,  75)  =  Baralgin, 
allg«'m.  Schwäche  am  ganzen  Leibe.  —  lenden- 
lahm  ( 1 6«>i  lull  in  in  den  lenden  —  dvlutnbls;  1CS0 
lendenlaemde  —  lumbago;  laiinc  in  den  lenden;  lt'.M 
lendenlara  =  nervlcus,  Gr.  W.  VI,  7:!.  712.  714;  holl. 
lendclain;  seh  »ed.  Undlam),  l.  —  einer,  der  in  der 
Bewegung  seiner  Lenden,  auch  Hüfte,  gehemmt 
ist  durch  Rheuma,  Nervenschwäche,  und  da- 


durch einen  schlechten  Gang  hat.  —  2.  =  kraftlos 
im  allgemeinen,  impotent  (Muck  19).  da  man  in 
die  Lenden  den  Sitz  der  Manneskraft  verlegte. 

—  3.  =  das  Kndstadium  der  Knupperkrankhoit 
bei  Schafen  (Falko  II,  es)  —  Lid-Lähmung 
Ptosis,  Lähmung  des  das  Augenlid  hebenden 
Gesichtsnerven  (Hasenschlaf,  Hasenauge).  — 
£i<»r7tfi-Lähmung  =  die  Abnahme  der  Erreg- 
barkeit des  die  Atmung  bewerkstelligenden 
Lungennerven,  wodurch  bedrohliche  Folge- 
Erscheinungen  sich  einstellen.  —  mund-lahm 
(mild.  In  dem  wunde  lum,  Gr.  W.  VI,  74),  1.  =  mit 
einer  Zungen-  oder  Sprachlähmung  behaftet. 

—  2.  =  durch  Bell'sche  Fazialis-Lähmung  ver- 
zojfeneMundwinkel-Verzerrung.  —  (18431  AVruen- 
Lähmung  -  eine  v.  Nervensysteme  ausgehende 
oder  dasselbe  betrellende  Abnahme  der  motor. 
oder  sensitiven  Erregbarkeit  (Paralysis)  zum 
Unterschiede  von  der  rheumatischen  Lähme 
oder  reinen  Muskellähmung  und  von  der  all- 
gemeinen Leibesschwäche  (=  Lähme)  (Kalke  II, 
159).  —  rippen  -  lahm  =  in  der  Bewegung  der 
Rippen  behindert:  1.  =  durch  Schmerz  bei 
Fraktur,  Rheuma,  oder  Entzündung  am  Rippen- 
felle. —  2.  =  durch  Ermattung,  Schwäche  bei 
Überanstrengung  der  Rücken-  und  Rippen- 
muskeln. —  (1.8«)  Scham- Lähme  =  eine  die 
Gliedmassen  oder  das  Ebenmass  der  Glieder 
durch  funktionelle  Bewegungsschwäche  ver- 
unstaltende, auffallend  sichtbare  Entstellung 
(Schindler  I.  1471).  —  Schlaf- Lähmung  =  eine 
durch  Üruck  auf  den  Nervus  radialis  im  tiefen 
Schlafe,  namentl.  bei  Alkoholikern,  eintretende 
Lähmung  der  Vorderarmmuskel.  —  (1719)  schlag- 
Iwftigc  Lähmung,  «rWriy-lahm  (lnmer  vom  schlag 

—  paralyllcus,  Gr.  W.  VI,  73;  Zcitsclir.  f.  d.  l'hllol. 
XXVI.  250)  =  durch  den  Schlag  (-  Apoplexia 
cerebri)  motorisch  gelähmt.  —  S<  hreck  Lähmung 

=  Kataplexia,  ein  lähmungsartiger  Zustand,  in 
welchem  Menschen  wie  Tiere  aller  Art,  die 
plötzlich  erschreckt  wurden,  sozusagen  kein 
Glied  mehr  bewegen  können,  psych.  Shock. 

—  (1817)  Schnn.  '  Lähmung  =  Abnahme  der 
Muskelkraft,  lähmungsaitigu  Schwäche  einer 
Muskelgruppe  mit  schüttelnder  oder  zitternder 
Bewegung  einer  anderen  Gruppe  von  Kx- 
tremitätenmuskeln,  Paralysis  agitans,  Chorea 
festinans,  procursiva  (engl,  »häkln«  |>aralysis 
[peltj]),  —  (isr>)  6,c7inior-Läbme  -  Buglähme 
(Kulke  II,  292;  frans,  palatine  [».  Malatfue] ;  1S17) 
Parkinson  sehe  Krankheit.  —  Schwindel- Läh- 
mung =  ein  von  I»r.  IlaUenhoff  1874  beobachtete*, 
18S6  von  I>r.  Verlier  (Keruey)  zuerst  beschriebenes,  im 
Kanton  Genf  endemisches  Leiden  unter  dem  in 
Stallungen  schlafenden  Dienstvolke,  das  sich 
mit  Schwindel,  Lichtscheu,  Kopfweh  und  Lid- 
lähmung  an  den  Augen  äussert  (VtUwet  I,  738). 

—  sjxiMahm  =  durch  den  spat  (s.  d.),  einen 
Pferdefehler  am  Sprunggelenke,  in  der  Be- 
wegung des  Fussen  behindert  (Mayer  103).  — 
Strahlbi  in  -  Lähmung  —  Abnahme  der  Fuss- 
Muskelkraft  infolge  einer  Entzündung  d.  Strahl- 
beins oder  Hufgelenkes  beim  Pferde  ( Kontier  II, 
1009).  —  (1882)  7V<?mm/cr-Lähmung  =  eine  bei 
Trommlern  auftretende  Daumenmuskel -Jiih- 
mung  (Nürnberger).  —  nrlähmt  (1176  vorllmet  - 


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348  Laich-  Lampast. 


Lampen—  Lanke. 


enervus  (vm  den  äderen],  n.  II,  150;  1182  verlaeml, 
vorlemet  =  rnutllatus,  Gr.  W.  V.  2023;  1516;  D.  374; 
1577  v[er]lam  [ndl.]  =  sideratu*  [i.  o.],  I).  633;  ndl. 
verlammlng,  PeCock  313;  schwed.  lorlamnlng,  rierer7; 
MM.  Medikus  418)  =  ganz  belli ndert  in  der  Be- 
wegung durch  Verletzung,  oder  vollständig  an 
einem  Körperteile  durch  Trauma,  Luxation, 
Krankheit  (Sonnenstich)  gelahmt,  gehemmt.  — 
Zittei  -Lahmung  =  Schüttellähmung  (s.  d  ).  — 
Zügel  -  lahmen  =  das  I^hmgehen  oder  die 
hinkende  Gangart  des  Pferdes,  sobald  es  im 
Zügel  den  ersten  Antritt  (s.  d.)  macht.  — 
Zungen-Lähmung,  1.  =  Abnahme  der  Zungen- 
beweglichkeit. —  2.  —  (lingua  —  Sprache,  Zunge) 
Sprachlähmung  v.  Gehirne  aus  (Zungenschlag) 

—  lahm-,  Lähm-arscAi/7,  -Beulen,  -Bünkd, 
•Büppel,  -FIusb,  -halz,  -Hand, -Knöpfe, -Krank- 
-hrit,  -Kreuz,  -lachet, -Rücken,  -Schcisse,  -Sucht, 

—  Tag,  -  Wunde,  -Zunge. 

Laich,  m.,  1.  -  (allgcrm.  lalk,  Kluge*,  232;  germ., 
golh.  lalkan  =  springen,  Klage5,  224)  —  Lubus  vene- 
reus.  —  2.  =  s.  Leich  und  Lecken  2;  „die  zur 
Befruchtung  ausgelassenen  Eier  eines  Fisches 
oder  einer  Amphibie"  (U.  l"aul). 

Lak  s.  Lach. 

lallen,  Laller,  m.  (indogerm.  ra  ra,  durch  ur- 
alten ]-amb<lazl«mns  In  la  la  verwandelt.  R.  Kleinpaul, 
Da«  Leben  d.  8pr. ;  mhd.  lallen  =  lallArc,  ki'htiv, 
„oiiotnatopnletlschc ,  selbständige  Neuschaffungen", 
Kluge*,  225;  Heyne  III,  540) ,  1.  =  mit  Bchwerer 
Zunge  sprechen,  namentlich  bei  Betrunkenen, 
Blödsinnigen,  Kindern.  —  2.  =  der  höhere 
Grad  des  Stammeins  (c<k'n  27).  —  3.  =  am 
Sauglappen  mit  der  Zunge  (Lalle)  schnullen 
(Beb.  melier  i,  i4co).  —  Laller,  m.,  Laller,  m., 
Lalle,  f.,  Lälli,  n.  -  die  Zunge  als  lallendes 
Sprachorgan  (Schwaben,  Algltu.  Schweix;  <5r.  W. 
VI,  82;  Muck  1C;  Schmeller  I.  1469).  —  Lälle,  m. 
(Lölle),  Lalle,  m.  Lalli,  m.  =  der  schwerfällig 
sprechende  Kretin  (Schwaben,  Steiermark.  Ober- 
bayern,  Knapp  C;  HIrchcr  87;  Z.  f.  d.  I'hilol.  III,  33C). 

—  (1.M5)  lallatzen,  lalletzen,  l.  -  öfters  oder 
Btärker  lallen,  trüge  reden,  stammeln.  —  2.  = 
mit  der  Lälle  schlürfend  saugen  (D.  316).  — 
Grt(nc/i)-Lälle  (-Löh)  =  Kretin,  Gauch  (Z.  t.  d. 

Phllol.  III,  33fi;  [Tirol]  Krümm  VI,  437).  —  Poppen- 
Laller  =  ein  Mensch,  der  eine  kindische  Aus- 
sprache hat  wie  ein  mit  der  Puppe  spielendes 
Mädchen.  —  Läller- Pappen. 

Lamain,  f.  (aus  fn.  la  matn  =  die  Hand,  Ina 

llattdeutsch«  übernommen,  Hell.  t.  Atlg.  Ztg.  I89G,  M, 
Klelnp.  15)  =  Lland. 

Lamm  (Lamp),  n.  (urgi-m.  Bezeichnung  für  ein 
junges  schlappohriges  Schaf,  Kluge*,  225)-  —  läm- 

bern,  läromern  -  Junge  werfen  (vom  Schafe). 

—  verlammen  =  fehlerhaft  oder  zu  früh  lam- 
mern (laiku  ii,  405;  Kolbe  5j.  —  Lämmer- 
Oageln,  -Krampf,  -Ruiir,  -Zahn. 

Lampast,  m.  ().*|iJtftC  =  Leuchte;  159"2  1-ampast 
oder  Weelhumb  im  Maul  da**  ein  Pferd  nicht  essen 
kann.  Seb.  176  [Strassburg]  —  lnmpas;  L  slguiflalt  tantut 
le  gosler  tout  entler,  Imitöt  le  planrher  du  gnaivr,  en 
d'autres  termes  r,,avaloir"  ou  „l'avalouere",  Briss.  10; 
engl.,  inilat.  latnpas  =  la  luettc)  =  Mond  3,  ein  mond- 


sichelförmiger Schleimhautwulst  (Staffel),  den 
man  als  Ursache  verschiedener  Pferdekrank- 
heiten (Unlust  cum  Essen  i.  B.)  früher  annahm 
und  durch  Stechen  (Kernstechen)  behandelte 
(Frosch  c). 

Lampen,  Lämpen  (lempig),   Lämp,  m. 

(Lempen)(ndl.  lnmp  —  Lumpen  ;  zu  lumpen  =  läppen. 
Fetzen  ;  16.84  laempeu,  lempen,  f.  v.  Schm.  353;  Klnge*. 
242;  Schmoller  I,  1474;  1590  lampend  =  marcldus, 
D.  349;  flaccldus,  D.237).  1.  =  fei  zig,  wie  ein  Lumpen, 
herabhängende  weiche  Fetthaut  (Sehwaben).  — 
die  schlaffe  Hängebrust  der  Weiher.  —  3.  = 
die  Schweinstition.  —  4.  =  8.  Lumpen.  — 
lempig  (s.  unten).  —  lampen  =  an  der  Mntter- 
brust  (Lampe  2)  trinken.  —  (1699)  lampecht 
■  Bchlaff,  schlottrig  (v.  K.  i,  H).  —  lampende 
Ohren. 

Land,  n.  (ein  nordeurop.  Wort;  getn-gertn.  lant 
=  (iegend,  Vaterland,  Kluge  *.225).  —  landlen  (Tirol; 
Fromm,  vi,  I3vj  =  sich  an  das  Klima  eines  Landes 
gewöhnen.  —  En  jt !  Land  =  das  Toten-  oder 
«Jelsterrelch  Jen&elts  des  Meeres,  von  wo  nach  dem 
Volksglauben  die  Mar  (s.  d. ;  Kraukheitedamon)  stammt 
(Lipp.  Chr.  148),  die  Seelen  au!  die  Welt  kommen  und 
wohin  auch  die  KnUundung  bringenden  clbischcn 
Dämonen  verbannt  werden  (Z.  d.  V.  f.  V.K.  1*96,  S.  216; 
(iolth.  77)  (s.  Engel).  —  er  ist  nach  Piere-  (Mollen- ) 
Land  (ndl.  pier  =  Kniwurm,  Tauwunn,  De  t'oek; 
V.K.  IV,  14;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895,  8.  2C.2)  =  er  ist 
tot  und  liegt  im  Boden  (Wurmland),  paya  des 
taupes,  foyans,  viers  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1995,  s.  427) 
(Piere,  s.  Pein).  —  Land-,  ländisch  Fiebir, 
-Knecht,  -Krankheit ,  -Lauf,  -Plage,  -Ruhr, 
-Scharbock,  Schnupfen,  Setiche,  -siech,  -Skorbut, 
-Sterben,  -Sucht,  -Tod,  -Übel. 

lang,  langen  (leng)  (..urverwandt  mit  dem  lat. 
longus";  gem. -gern»,  laug;  mhd.  lang,  laue,  Kluge*. 

226).  —  (151«)  Lange,  m.  =  Langdann  (s.  d.)  od. 
Mastdarm  (H.  v.  tiorad.  ll).  —  (ndd  )  Langelei  = 
Mittelfinger  (s.  d.)  langer  Mar  (Demok.  Ii,  117). 

—  langen  =  lang  werden,  reichen,  greifen, 
holen,  streben.  —  Auf  länge,  f.  (ndl.  ecn  euen 
langhe,  I).  550;  10.  Jahrb.  uftengi,  Ural  II,  230)  - 
Slatura,  die  aufwärts  reichende  Kotperaus- 
dehnung, Leibesgrösse.  —  be-,  ge-,  rer-langen, 
t<läng»V;  [»fiMJ  (Mengsei,  n.  =  Pica,  das  Be- 
strehen oder  Gelüste  (s.  d.)  der  schwangeren 
Frauen,  seltsame  Speisen  zu  erlangen,  zu  ge- 
messen (engl.  Umging.  I.ehf.  42  -  pica.  Fromm.  VI, 
489;  Hock  390. 399;  Schmeller  1. 1486).  —  gespenstiger 
Gelänge  =  erotischer  Alptraum  (s.  d.)  {Scbin.  I, 
1491).  —  (1592)  M'fcr-längt  =  mehr  als  gewöhnlich 
in  tlie  Lange  gezogen,  z.  B.  Schlitzaugen  (Sei». 
205).  —  Zeil-lang  hahen  =  Langeweile,  Ver- 
stimmung deB  Gemüts.  —  lang  (e,  er,  e«) 
Ader,  Darm,  Dietrich,  Gericht,  Kinn,  Kopf, 
Lasse,  Latte,  Maier,  Mar,  Sucht,  Tenne, 
Würmer,  Zahn,  Zapfen.     beltoaglichcr  Siechtag . 

—  langsame  Männer. 

Lanke,  f.  L  inken,  f.  (germ.  hlanca;  abd.  lanca 
b  ,1m  lutubl  [als  Bauchseiten],  liruH  II,  222;  Manch», 
lancha,  GM*,  (iloss;  8.  Jahrb.  lanchou  ■  lumbi,  Kero 
Glösa,  Sl;  9.  — 10.  Jabrh.  lancha  —  lila,  Rab.  Maur.  66; 
HofTm.  I,  57;  H.  Z.  XV,  341;  IL  Jabrh.  lanchon  - 
Inquina,  IL  Z.  XV,  7.  34;  XVI,  27;  12.  Jahrb.  lanco  = 


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Lanka 


Lame— I>appe.  849 


Uiam.  H.  Z.  II,  205,  lanche.  Schindler  I,  1493;  lanche,  (. 
=  Hüfte,  Lende,  Weiche,   Pfeiffer  10;   Gelenk,  III«, 
luml.i,  rencs,  Iloffm.  I,  381 ;  mhd.  lanke.  lanche  =  ilcr 
biegsame,  schmale  Letbeatcil  zwischen  Hüfte  und  Brust 
[mhd.  ..gelenke  Ist  das  Kollektiv  dm,  also  diu  Gelenk 
des  ganzen  Körpers";  nhd.  gclenk  Ist  auf  jedes  Beuge- 
Glied  übertragen].  Kluge *,  133),   1.  =  llia,  Lumbi, 
Inquina,  Renes,  die  Seiten  de»  menschlichen 
und  tierischen  Leibes  von  der  a)  Hüfte  und  dem 
b)  Schenkel  =  femur  (I>.  229)  bis  zur  c)  Weiche 
und  d)  Lende  (Gr.  W.  VI,  187;  Graft  II,  223).  — 
2.  -  das  fleischige  Lendenstück  beim  Schlacht- 
tiere  (Kegensburger  Metzgerspr.)  (schmeller  I, 
149.:),  dieser  Teil  der  Anatomia  culinaris,  der 
eine  Opfergabe  („tributa")  war,  dehnte  sich 
von  der  Lendengegend  (im  9.  Jahrb..)  auf  die 
Weichen  (10.  jahrh.)  und  Nieren  (li.  Jahrh.)  aus. 
—  lenken  (mhd.  lenken)  —  eine  schräge,  seitliche 
Richtung  geben,  biegen,  wenden,  richten,  (1523) 
umwenden  (Kluge  *  235).  —  (1482)  lenker  (ahd. 
lencha  =  Unke  Hand,    Schräder  371)  =  sinistrus, 
linkshändiger  (Zen.  Voc  gg4).  —  Lenkung 
die  Handlung  des  Lenken-,  der  Ott,  wo  eine 
andere  Richtung  beginnt.  —  Gelenk  s.  u.  — 
Bug-Gelenk  -  die  Beugestello  am  Pferdebug 
(Mayer  90).  —  (1782)  /ftnlenkting  -  der  Ort,  wo 
ein  Glied  in  eine  andere  Richtung  von  Natur 
aus    gebracht    werden    kann ,  Gelenkstelle 
(Hjrrtl,   K.  W.  64).   —    (1605)  //h.vs- Gelenk  =  das 
den  Fuss  mit  dem  Beine  (Schienbein)  zur 
Bewegungsfähigkeit  verbindende  Gelenk  (Gr. 
W.  IV,  1  1026).  —  Gelenk  (eigentlich  Gelunk;  mhd. 
gelenkt-;  1561  gelcnk  oder  gleiche  -  articulii!«,  Mnaler; 
1S77  gelai-nke  =  die  Rückenwirbel ,  die  »ich  in  der 
l.nnk.    [s.  o.)  vor  allein  biegen,  Beyn.  233),  1.  =  die 
Beugung  in  der  Lanke  (s.  d  ),  d.  h.  das  Gelenk 
des  ganzen  Körpers  (Taille).  —  2.  =  das  Rück- 
grat als  Gelenk  oder  Gelenkstelle  für  den 
«ameen  Körper.  —  3.  =  (erst  nhd.)  übertragen 
auf  jeden  Glied  und  jede  Stelle,  wo  zwei  Glieder 
in  gleicher  Weise  (s.  Geleich,  Gleich)  zusam- 
mengefügt sind  und  nach  verschiedenen  Rich- 
tungen gelenkt  =  bewegt  werden  können.  — 
.'•  lenk  (1482  geleho,  gelenn)  =  biegsam,  geschmei- 
dig in  den  Gliedern,  gelenkig  (Pauli  HO;  Schm.  1, 
149T!!.  —  »6«)  Olenk,  <  ielenke,  f.  Biegsamkeit 
(toler,  H  A.  109).  —  Glenkner,  Glinker  =  der 
besonders  Glenkische  oder   Biegsame,  der 
seine  Gelenke  besonders  biegen  kann;  in  rot- 
wälscher  Gaunersprache  des   Mittelalters  — 
Simulant,  der  eine  Gelenk-Krankheit  durch 
seine  Gliederverbiegung  simulierende  Bettler 
(Zen.  Voc.  ggl).  —  gross-gelenkig   (1482  gross 
Relenoiger,  Zen.  Voc.  m  8)  —  artuosus,  slarkglie- 
derig,  grosse  Gelenkknotcn  (Baueinknuten)  ha- 
bend. -  —   Hand- Gelenk  =  das   freie  Hand- 
wurzel-Gelenk. —  (1394)  hangende  Lanken  =■ 
Coxa,    gleichsam    aufgehängte  Fleischteile, 
achlane   Hüften,  lahm   von  der  Hüfte  ab 
(D.  154).  —  J/u/t- Gelenk  =  COM,  das  Gelenk 
an  der   Hüftbeuge.    —    Huf- Gelenk  =  die 
Kronenbein-,  Hufbein- Verbindung  beim  Pferde. 

—  .Koten-Gelenk  =  das  Gelenk  über  der 
Pferdefessel  (s.  Kote).  —  (lsis)  Kugel- Gelenk 

-  das  Gelenk  an  der  Pferdekugel  (Hüft- 
gelenk; Backenbein- Knde)  (Kalke  Ii.  48).  —  (164.9) 


Li  i'>  '/'lenk,  f.  (die  glenck  des  leib«,  Guar.  52)  - 
die  Gelenkigkeit  der  Lcibesglleder.  —  Leisten' 
'.'lenk  =  das  von  der  Kniescheibe  (=  leiste) 
bedeckte  Kniegelenk  beim  Pferde  (Zipp.  114). 

—  (1699)  06er-Gelenk  =  Oberschenkelgelenk 
(v.  M.  II.  101).  —  (1530)  ÄHcAr-Gdenk  (spondylus, 
Ii.  518;   Gr    W.   VIII,   1369    -  die  IJuckenwirhct- 

verbindungen  (Rückengelenke).  —  Rückgrats- 
Gelenk  =  Rückenwirbel-  (Spondylus-)  Verbin- 
dungen (Heyne  II,  1038).  —  Schlott,,  fr- lenk  = 
eine  abnorme  Gelenkverbindung,  bei  der  der 
eine  Gelenkknochen  baumelnd  frei  pendelt, 
da  derselbe  ausserhalb  der  Gelenkkapsel  sich 
befindet,  /..  B.  bei  Muskellähmung,  Pseudo- 
Arthrosis.  —  Sprung- Gelenk  =  die  bewegliche 
Verbindung:  a)  der  menschlichen  Fussknochen 
mit  dem  Beine  (Schienbein),  b)  des  tierischen 
Sprungbeins  mit  dem  Schienbeine;  in  dieser 
Knochenverbindung  besteht  trotz  der  grossen 
Banderfestigkeit  doch  eine  ebenso  grosse 
Beweglichkeit,  wie  sie  zum  Sprunge  eben  nötig 
ist.  —  Ta üben- Gelenk  —  das  Gelenk  an  der 
sogen.  Taube  (s.  d.)  heim  Pferde  (Hinterknie) 
(Mayer  4».  93).  —  ungelenk,  (mhd  ;  Lexer  296;  1592 
ungelencke,  Seb.  539)  =  un biegsam  in  den  Bändern, 
Sehnen.  —  v,  »  lenken  : .  0  m  den  ougen  verbuchet, 
in  dem  Udo  verlenket,  I'f elfter  31.  48.  87;  vlrlenket, 
verlenchet,  Schmeller  I,  1493)  =  durch  eine  Ver- 
letzung am  Auge  oder  Gliede  so  beschädigt, 
dass  das  Glied  aus  seiner  Richtung  oder  das 
Auge  wie  aus  einem  Gelenke  herausgebracht 
ist.  —  (1677)  Wider- Gelenk  =  das  durch  das 
Widerbein  (s.  d.;  =  Fibula  und  Radius)  ge- 
l  bildete  Ellenbogen-  oder  Widerbein-Gelenk 
imt  winklich,  d.  h.  wider  einander  biegsamer, 
beweglicher  Knochenstellung  (Hyrtl,  K.  W.  164). 

—  zerbrochene  Lanken  =  Inenden,  die  zer- 
brochen, brüchig,  fehlerhaft  sind,  lenden- 
brüchig durch  Nierensteine  etc.  (Schmeller  I, 
1193)  (s.  nachfolgendes).  —  (12.  Jahrh.)  terbrostene, 
zerborstene  Lanken  -  Innerlich  in  eiternde 
Geschwüre  aufgebrochene  Weichen  (Nieren- 
Abscess)  (Pfeiffer  16)  (Lankschwären).  —  Lank- 
(Lank  )  Rühe,  -Scheut  en,  -Seuche,  Sucht,  -  Übel.  — 
G>lenk-/''  iniein,  -Drüse,  -Entzündung,  -Feuchte, 
-Galle,  -Körper,  -Kopf,  -Krankheit,  -Maus, 
-tfanne,  -Rollen,  -Saft,  -Schmiere,  -Seuche, 
■Steifigkeit,  Übel,  -  Wassersucht,  -Weh, -Wehtag. 

Lanze,  f.  (lat.  lancea;  altfr.  lancc ;  mhd.  lanxe, 

Kluge*,  225  =  Ritterwpeer).  —  Lanzen-SftcA. 

Lapate,  f.  'aus  franz.  la  patte;  Ins  Plattdeutsche 
übernommen,  Beil.  z.  Allg.  Ztg.  1896  Nr.  81;  Klein- 
paul 15)     Hasenvordorlauf  (s.  Patsche). 

Lappe,  m.  Lappen,  m.  Laepen,  Lep  (ahd. 

lappa;  lappara  =  alnlomen,  D.  II,  1  ;  mhd.  läppe  b 
niederhangendes  Stück  Zeug,  Lumpenfetzen,  Kluge*, 
225;  dan.  lapset  =  lappisch;  engl,  lap;  ndl.  I»t 
lap  =  voll  [satt]  betrunkener  Lappe,  Urquell  1597,  S.  87  ; 
ndd.  lobbe  =  Hängelippe,  Ualswamme,  Fromm.  VI, 
US;  formell  angeglichen),  herabhängende,  Schlade, 
fleischige  Gewebeteile  oder  Organe,  L  =  der 
Mund  mit  Hängelippen,  wie  ihn  der  Kretin  hat 
(Schmeller  I.  1496).  —  2.  =  Penis  (Lappe,  Gimpel- 
gampel)  (Hiutner  818).  —  3.  =  wie  der  Lump  zum 
Lumpen,  bo  der  Lappe  (Kretin,  Blödsinniger, 


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.150  Lappach—  Larve. 


lasch— lassen. 


Latte)  zum  Lappen  (mhd.  lapc,  läppe,  Kluue*.  SM; 

16.  Jahrh.  läppen ,  in.)  —  Blödsinniger ,  Tatlb- 
Btummer,  Narr,  Kretin,  der  im  Lappenspital 
untergebracht  war  (Sohra.  T.  1496  ;  Gebr.  /.ingcrle 
11.17;  Knappe),  —  läppen,  1.  -  Flüssiges  schlürfen 
mit  dem  Maule  (Reiser  270;  H  Paul  270).  —  2.  = 
schlaf!"  herabhangen.  —  171-'.:  .1k />  n  Lapplein 
(ülM  rnetxnnK  des)  Pannus  (—  Fell),  Augenbinde- 
hautverdiekung  (Zw.  209).  —  Bau ■'■  Lappe 
Lobus  ventris,  iler  «rammige,  Üe;»ehige  Teil  der 
Mnsrengegend  beim  Schluchtliere  J«r  W.  I,  IMS). 

—  '--läppt  =  bei  dem  Kopfe  mit  lang  herab- 
hängenden Obcrlefzen  verweben  (Falke  I,  112). 

—  /inwir-Lappe  (10.  Jalirh.  brusllappa  -  piiliarin, 
liratt  II.  38;  12  Jahrh.  =  thorax,  II.  Z.  II,  205  fl.;  prnst- 
luppa  m  pt  Hiuaria,  D.  II.  27C;  13.  — 11  Jahrb.  brust 
Uphe  —  palear,  l>.  lor.)  —  Oehsentieischteil  ,  da-» 
lappenförmig  von  der  wammigen  Brust,  dem 
Ooder  (*.  d.)  herabhangt.  —  Fleisch -Lappen  = 
Bulpa  carnis,  Teil  vom  weichen  Muskeillcischo 
(Hyrü,  k.  w  112).  —  Fi«  f  Lappen  :i  »  Jahrb.  tut- 

lapp  — labiinn  majus  [lahrum],  Vor.  opt  \V.  12;  D.  814, 
«12;  Hchraellcr  I,  693;  llyrtl.  K-  W.  .1  ;  <ir.  W.  IV,  1. 

1061)  =  J.aiira  Üianae  (s.  Fut)  —  AuM- läppet ~ 
halbblödsinnig  (Z.  d.  V.  I.  V.-K.  vm.  8.  83).  — 
//<  •  -  La ppi'l  (15.  Jahrh.  hertkpel  -  prerordlum. 
I).  II.  NO]  ■  Herzbeutel.  —  [1783]  Htm  Lappen 
der  lappenförmig  abstellende  Seitenteil  des 
<  iehirns  (anatom.)  (LeveUns  201'  -  Leber  Lappen 
(angl*.  librlaeppao  =  Hbra,  I>.  232;  II.  172;  12  Jahrb. 
levcrln  lnppan,  II.  Z.  II,  20.)  -  der  flügel-  oder 
fedetförmig  abstehende  kleinere  Leberteil 
(s.  Fach)  (anatom.).  —  A'as-,  Nasen  -  Läppchen, 
Lappen  (15.  Jahrh.  noseleppclin  primila  ipinnulttj. 
Ü.  613;  Gr.  W.  VII,  413)  =  die  kleinen  Nasenflügel 
o<l,  Nasenlippen.  —  Lappen-,  Läppchen-, 
Läppl(ein)  ahd.  nrlappa  =  spinnnla,  11  Z.  II,  205; 
I».  II.  292;  II.  Jahrh.  onrlap  =  pinnln  [pennula],  Vor. 
opt.  W.  10;  15.  Jahrb.  orleplin,  nrlcppel  —  rarÜlaKo, 
dlx  rlmen  aiirlculoc,  11.  103;  U'>S  orleplln  =  plnimla, 
I).  II,  292;  1IK2  orleplein  —  nuriciiln,  Zenitii:.  Vor.  yl, 
<ir  \V.  VII,  1264;  I  .15  nrlcppel  -  plnimla,  aurleula, 
D.  136;  engl,  lap  ol  Ute  car),  1.  „der  beutelformige 
Anhang  in  der  Hache  des  Ohrknorpels,  der 
nur  dam  Menschen  tukommt"  (llyrtl.  Anat  661). 

—  2.  =  (l.Vii  ChcrucUun«  der  auricula  enrdis)  =  ilie 
ohrförmige  Vorhofkammer  am  Herzen  (llyrtl, 
K.  W.  120;.  —  3  -  der  Ohrlapp-( Ihren zipfel  hei 
Tieren  (Ohrlaseh),  der  zipfelförmige,  herab- 
hängende, sich  harter  anfühlende  Ohrknorpel. 

—  Schi;-;.  •'.••-Lappen  -  ein  schuiäehtig,  mager, 
dürr  wie  ein  Lappen  gewordener,  Hunger  lei- 
dender Mensch    II.  Paul  399;  Spiess  II,  21S).  — 

Lapp(en)-»i<i«*rr/,  -Ohr. 

Lappsch,  m.  Laps,  m.  n  ippe,  Fromm,  vi,  U2) 
lappischer  Mensch,  s.  Lappe. 

Larcher  (Lärcher)  s.  Lercher. 

Larve,  f.  (15.  Jahrh.  aus  lat.  larra;  1129  larflVn  = 
Will  »gl.  1>.  II,  2H;  1616  larff  —  mcnstruira  [mon- 
slrum],  I).  351  =  das  mit  cluer  schreckenden  Maaks 
verderkte  Gesicht)  =  Os  ,  Facies,  Mund,  (iesicht 
lllintner  6.  13.  II,  Kluge*,  226).  —  (Auf.  d.  18.  Jahrb.) 
ret  larvt,  Fcrlarvung  =  unter  einer  ganz  anderen 
0 estalt  oder  J>orm  auftretend  oder  ausartend, 
i.  11.  Malaria,  die  als  Neuralgia  intermittens 


sich  äussern  kann  (leichter  III,  oi).  oder  Syphilis 
der  inneren  Teile,  die  als  Wasser-  od.  Lnngen- 
sucht  auftritt  (l'r.  II,  440.  577.  686)  (s.  auch  fallende 
Sucht).  —  tf t  larvte  Seuche,  Syphilis.  —  Larven- 

Gesieht. 
lasch  s.  lass. 

Lascho(n),  f.  (ahd.  laska  [lafska];  mhd.  lasche  — 
I  Streifen.  Fetzen,  Lappen,  Klupc*,  226;  engl,  las  Ii : 
„verwandt  zu  Lappe"),  1.  —  Hautfelzen,  fetzige, 
sehlecht  heilende  Wunden.  —  2 .  —  eine  wund- 
geriehene Stelle  auf  der  Haut,  eine  Reibwunde 
der  Haut.  —  (i6so)  cutem  lerendo  vulnerare  = 
sich  ein»*  Lasche  reiben  (Heyne  in,  SO).  —  3.  — 
der  auf  einer  solchen  Lasche  2  sich  bildende 
Schorf  (Kufe)  (Gr.  W.  VI.  210;  Thurincen,  Meinsen, 
Sehles-leu).  —  4.  -  (1717)  eine  krusten zeigende 
Brandwunde  od.  (1615)  Ulattern  (Variola)-Stelle 
K'.der.  II.  A.  2*8).  —  f>.  =  der  Ohrlappen  bei  Tieren 
(Ohrlasch).  —  6.  =  wie  Fntlap  (s.  d.)=  Feminale 
bei  Hindern  u.  Hunden  (Tasche)  (Gr.  W.  VI.  211; 
Sehmellerl,  1520).  —  7.  (ennl.  eye  lash;  ^  Augen- 
wimper, Augenlid  (Lehf.  171).  —  Ohl  Lasch  as 
Ohrlappen  iler  Tiere,  als  herabhängender, 
knorpeliger  Hautlappen  (Gr.  w.  VI,  210.  iiintner 
6.  13). 

Laserle,  f.  s.  Lazarus.  —  Laser-  Weib.  (l>azu 

I.itserkraut). 

laSS  (lasch)  [VOrgerm.  lad  [=  lawnsl;  urgerm.  lat 
|  nachlassen  j ;  nhd.  la.se,  lazz  =  matt,  thijre ,  milde 
llassu«,  ladlos;)  ^  defefsus,  defatiitalus ;  auch  von 
Korperteilen,  r..  B.  Hand,  Her«  (Gr.  w.  vi,  26s; 

Kluue*,  226;  1615;  «  oler,  IV  297). 

lassen,  LäSSe,  f.  (vorperm.  led  ;  urjrenn.  let,  Int 
lnuchla««eti] ,  entil.  bloo.llet  —  Aderhwts;  eem.-irerm. 
lAblaut)  lad  ;  ahd.  lnzzan  ;  mhd.  laxen.  Kluge*.  22*  = 
fr»  i  lassen  ,  nachlassen ,  z.  B.)  das  Fieber  läSSt 
jemand  =  hisst  ihn  frei,  verlasst  ihn  (Gr.  w.  III, 
13n5).  —  zur,  an  iler  Ader  lassen  (14.  — 15.  Jahrh., 
tnnd.  so  wellch  minsebe  de  sie  an  der  äderen  lat,  J.  f. 
ndd.  Spr.-F.  XV,  115)  =  das  Blut  aus  den  Venen 
frei  laufen  lassen  (davon  der  Las  [Lass-]Mon*t  = 
Januar  [!»e7eml>er].  Weinhold,  M.  Namen  ist.  —  dicke 
lassen  (14. — 15.  Jahrh.,  mud.  dicke  Uten,  J.  f.  nd. 
Spr.-K.  XV,  lll)  —  starken  Aderlass  machen.  — 
sum  Fcrcht  lassen  -  zum  Leben  (s.  Ferch)  Blut 
lassen  (Gr.  w.  in,  1528)  —  eine  kleine  Lassen  mnd  , 
lt.  — 15.  Jahrh.  en  eleyoe  laten.  J.  f.  ndd.  Bpr.-F.  xv, 

\  113)  as  geringe  Aderlässe  —  kreuzweise  lassen 
Hl.— 15.  Jahrb.,  mnd.  enieeivis  laten  an  der  äderen 
an  der  vorderen  band  tindc  an  dem  lnehtcrcn  rot«, 
an  der  ltichteren  hand  und©  an  deine  vorderem  Tote 
tuschen  den  luttiken  vinsrheren  unde  deine  luttiken 
■en.  J.  f.  nd.  Spr.-K.  XV,  Iis)  =  rechts-  und  links- 
seitig zur  Ader  lassen.  —  lange  Lasse  =  starke 
Aderlässe  (Kmram.  VI,  439).  —  Lasse,  f.  (mhd. 
l.i/.e,  bisse,  Waekern.  Wrtrb,  176;  Schmeller  I.  1505; 

I  engl,  blood  lettlnjr.  Lcht.  115)  =  die  Aderlass-Hand- 
lnngo.1.  -Zeit  (Usain,  Liessin).  —  (1.M5)  Lasser, 
Lässer,  m.  1.  =  einer,  dem  zur  Ader  (-  an  der 
Aller)  Blut  abgelassen  wurde  («ir.  W.  VI,  211).  — 
2.  -  (1 132  lasser  -  cernoides,  I).  II,  86)  --  Harnblasen- 

Iwurm  (Harnblaser*).  —  (1760)  Lässlein,  n.  = 
Aderlass  mit  geringer  Blutentziehung.  —  ab- 
lassen =  von  etwas  w  eg,  frei  laufen  lassen,  z.  B. 


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Last— Laster. 


Uter— Lauch.  851 


den  Harn  lässig  machen.  —  «6   lassen  =  er- 
müdet, erschöpft  (Fromm.  VI,  141).  —  (1591)  Fieber- 
Ablasa  =  der  Zeitpunkt,  in  dem  das  Fieber  den  | 
Menschen  verlässt,  von  ihm  ablässt,  Apyrexia  | 
(Had.  Juri.  3'jo).  —  vollkommener  .Ulass  —  («eherz-  | 
hafti  starker  Durchfall,  Durchlauf.  —  ndVr-lässig 
(H70  aderlas*li:k  -  laxu«,  D.  319)  —  dem  die  Blut- 
ader  (am  Aftt-r)  fliesst  wie  l>.  Aderlass.  —  Atem 
lassen  (1516  otem  l..n.  K.  W.  I,  s|)  =  die  Atemluft 
frei  gehen  lassen,  respirare.  —  (l.'.i:.)  «(//-lassen 
flaxare.  D.       -  öirnung  machen  (im  l^ibe).  — 
•  IWslaSSUng  (1591  u«la«!sutig,  H.  v.  (Jcrol.  r>)  —  der 
Ort,  WO  etwas  frei  auslaufen  kann,  die  Aus- 
gangstellen für  KrankheitstohV,  Sekrete  etc., 
die  den  Körper  verlassen;  als  solche  Ausgänge 
(s.  d.)  —  Kmunctoria  wurden  ehedem  angenom- 
men: die  Leistendrüsen,  die  Drusen  hinteitn 
Ohre  (s.  faustdick)  etc.  —  ent-,  d>r</(f)  lassen 
=  bald  kiilbern,  bald  entbinden,  bald  das  Kalb 
aus  den  Gebartabanden  entlassen,  daher  auch 
durch  Absonderung  der  Milch  im  Kuter  ein 
Zeichen  der  Trächtigkeit  geben,  ein  grosses 
Kuter  bekommen  (Sehmellcr  I.  1510)  =  werd(ent-) 
lass.  n  (Kalke  II,  3T.;  Kromm.  VI.  «1)  (s.  neulern). 
—  Gelassen  («hd.  uataia,  flhu) =» die  ganze  Stelle, 
von  wo  Teile  des  Körpers  frei  weggehen.  — 
.'/'lassen  =  Milch  in  das  Kuter  absetzen  vor  dem 
Kälbere  (s.  auch  (IIa*)  (Sohmeller  I,  1510).  —  Lid- 
Grlass  [*bd  li.liKil.v7,  Sehmeller  I,  1442]  -  Jnnctura 
articuloriim,  die  Stelle,  wo  Korperteile,  Glieder 
von  ihren  festgefügten  (»elenkverbindum.ren 
(Fugen)  weg  frei  sich  bewegen  kotinen.  —  (i.vjs) 
jVfloAlass  (des  Horns)  (Sch.  149)  -  Auflockerung, 
Weichwerden  des  Klauenhorng  beim  Kinde.  — 
NotUT  -  Ä'fJcAlasS  ('  nterfr.)  =  Heb  wacherwerden 
der  natürlichen  Kraft,  Kollaps,  (  Hinmacht.  — 
fi7t;f>)  währendes  Lässlein  -  die  Andauer  der 
Aderlasszeit  (Hanernregeln  J1T).  —   •     .'lassen  - 
8.  entlassen.  —  Lässe-,  L&&S  Ad>  r,  -Fistel.  -Ge 
schwulst. 

Last,  f.  LäSt,  in.  (xn  laden  1«.  «!.],  Kluge*  226). 
Läst,  in.  -  ein  elbischer  Wedelst,  der  als  Auf- 
hoeker  (s.  d.)  zur  Last  wird  (Keiner  339).  —  be- 
lastet (erblich)  =  durch  ein  vererbtes  Krank- 
heitsmoment prognostisch  schwerer,  d.  h.  un- 
günstiger y.u  beurteilen  (s.  erbliches  Laster).  — 
In  Besprechungen  belastet  der  (tichtdamon 
den  Menschen  (Z.  d  V.  f.  V.  K.  1*97.  s.  171). 

Laster,  R.  (*u  Iahen  tadeln  ;  nri^rm.  UhMra; 
ahd  la«tar;  rnnd.  lasier,  Kluge*,  226)  r~  ein  tadels- 
werter Fehler,  Makel,  ein  «iebreehen,  oft  um- 
schreibend für  Leid  oder  Übel  (Gr.  ff.  VI,  238; 
lto«onb.  16«),  auch  Beschwerde  (Last)  Morbus, 
■rlw-laster  Imhd.  Master,  Lexcr 3 ;  1561  nnlaster  = 
Gebrechen.  Fehler,  vitinra,  maculn,  Gr.  W.  IV,  1.  1S63) 
«=  ein  anbangendes,  jemanden  angefallenes, 
angeborenes  Gebrechen  oder  Gebresten.  — 
7  ^nlaster  (Or.  w.  l,  392)  -  alle  angeborenen 
Felder,  die  einer  an  sich  hat  (siehe  Sieben).  — 
A  ivfen- Laster  (HS2  gegiehlma,  Ü.  25s ;  vermutlich 
=  kak.whymla,  schlechter  Klus«,  Vitium  oculonim. 
I».  11,  IS9  u.  5».  22)  ^Saurau^'e*.  —  {17.  jahrh.)  erb- 
liches Laster  =  ein  von  den  Kitern,  Krzettgern 
geerbtes  oder  vererbbares  (iebrechen  (u  A.  «32; 
HxppokratM).  —  geiles  Laster  (  tnf.  d.  15.  Jahrh.  geyi 


Inster  as  media  [plczzo,  *.  Met«;],  D.  51";  K.62  gayl 
lasier  =  seedia,  D.  330)  ^  Figarseh  (s.  d.),  Fikards- 
krankheit,  roter,  olfener  Anus  infolge  von  Sy- 
phylis.  —  (1183)  JI/«7r-Laster  (des  milxcs  latiir, 
G.  v.  Mcgbg. ,  Gr.  W.  VI,  253.  2220)  =  das  Milzubel, 
Mitzleiden,  .Milzmangel  (s.  d.)  =  Morbus  melan- 
cholieus  (s.  Melancholie,  Milz,  Milzsucht,  Hypo- 
chondrie etc.). 

Later,  f  Laterne,  f.  (lat.  loterna;  ahd.  latOrne, 
Klag«6,  226 ;  mit  dem  liehtaiisstmbleiiden,  Innen  Öl 
und  Fett  verzehrenden  Hcleuchtuiigs-Werkzeuge  ver- 
liehen), 1.  =  die  zu  beiden  Seiten  der  Pferde- 
stalle von  dem  lilasscnsterne  gegen  dio  Augen 
(Lichte)  zu  weiter  als  gewöhnlich  sich  fort- 
setzenden lichteren  Haarstellen  (Kalke  II,  69; 
Mayer  17).  —  2.  =  die  nach  dem  Herausnehmen 
des  fetten  Gekröses  (Jung,  Klein)  noch  zurück- 
bleibenden hohlen  Knochen-  und  Fleischteile 
bei  der  entfiederten  (ians  oder  Knie  (Sehmeller 
I.  MOS).  —  3.  ^  (tranz.  1397  la  lautem.-  [Interne,  landfe, 
leMeaoe);  mtlat.  landlea,  Du  ränge  IX,  261;  V,  36.  49) 

-  weibliche  tieschlechtsteile  (Cloaca)  =  La- 
trina. 

latsch,  Latsch,  f.  Latsche,  f  Lätsche,  f.  - 

latisch,  lässig,  Schlad  herabhängend  (Gr.  W.  VI. 
277;  mhd.  latsch,  lotsoh.  lotze,  Krbe  17).  —  LatSCh, 
1  —  einer,  der  ein  lLlngemaul  1  Latsche,  f.)  mit 
schlall'  herabhängenden  Lippen  hat  (Sehmellcr 
I.  1.13;  llintuerö.  Ii;.  —  2.  =  einer,  der  schlurfend 
geht,  als  ob  seine  breiten  Frtsse  nur  schlall"  am 
Stamme  herabhängen  und  mehr  mitgeschleift 
werden,  Latschbein,  Breitfuss,  l'lumpfuss  (Gr.  w. 
VI,  277.  278;  Irr.  vuin,  vam).  —  3.  —  einer,  der  mit 
nachlassiger  Zunge  spricht  und  die  Zunge  beim 
Keilen  wenig  „aufhebt"  (Zuugensehlepper)(Gr.W. 
VI,  277;  Schindler  1,  1512).  —  4.  =  die  Art  des 
Sprechens  mit  solcher  lutschen  Zunge  unter 
Ausfall  des  „I"  und  „sch"  (RhotaeisinuB,  siehe 
stammeln).  —  latschen  -  „schlall,  lotterig  ein- 
hergehen" (H.  Paul  272).  —  Latsch- Dein,  -Feige, 
-Fuss,  -Maul. 

Latte,  f.  (sn  |,ailon  (».  d.)  verwandt,  Kluge*,  227). 

-  lamjr  Latte,  n.  =  laut:  gestalteter,  mensch- 
licher Körper  (Tirol  ;  Kromm.  VI,  ^2)  (s.  Stange). 
Latten- Steiger. 

lattern  (zu  laueh,  b.  d.)  <=  zittern,  wackeln 
(Wolf;  Tirol). 

Latz,  m.  (lat.  laqueaa  —  Hchlinjre;  ital.  lae<  io  - 
bVhnur;  engl.  Uee).  —  Lätzen,  pl.  l.=die  Darm- 
BCbUngen.  —  2.  —  Faserstoll'gerinnsel  in  Schlin- 
genform. —  3.  —  dumme,  läppische  Menschen 
(Tirol ;  Fromm.  VI,  412 ;  Klaass ;  Latze,  pl.  =  Hauern 

-  lA«sen,  Lud  de*  Mitu-laltem). 

Laub,  n  (nicht  zu  Laub  [frOIU,  lollnm],  sondern 
r.n  ahd  lih-lä  =  varix,  lih  lauui  -  cleatrlx;  lih  lüi  = 
vestiRium  vulneris,  <;ra(T  II,  162.  163;  Gr.  W.  VI,  2S9; 
Schweix).  —  Laub,  1.  ^  Laubllecken  (s.  d.)  am 
Korper  (vielleicht  hieb«  nueh  lepato;  10.  Jahrh. 
uwrns,  maeuln,  Graffll,  7S;  Srhm.  I,  HOS  =  lanato, 
laewato?).  —  2.  -  Nessellieber  (Urticaria)  als 
rotgelleckter  Ausschlag  (vcrgl.  Loch).  —  Laub- 
Flecken. 

Lauch,  in.  Lßem.-germ.  Wort  von  dunkler  Grund- 
bedeutung". Kluge»,  227).  —  Lauch  UVirzc 


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352  lauen— laufen. 


laufen 


lauen  (enutellt)  =  lallen,  stammeln  (Schneller 
I,  1401). 

lauern  (nord.  Iura  =  schlummern ;  rahd.  lüren  = 
versteckt  Hegen,  Kluge  227)  =  aus  dem  Dunklen  mit 
halbverdeckten  Augen  schauen  (dazu  Lorgnette). 
—  Glurren  (b.  Glorren,  S.  1%)  =  Kollektiv 
der  lauernden  Augen.  —  Gluri,  in.  s.  • 

laufen,  Lauf,  m.  Läufer,  m.  (»pez.genn.  hiaup, 

hlMlbb ,  hlaurTcn  ;  aliil.  loufTan  ;  mhd.  loufen ;  ndl. 
lnopen;  schwell.  IdpM;  ndd,  löp  —  diarrhoea,  I».  17'J ; 
Kluge  *,  228;  laufen,  wie  der  Wassern  um  seinen  Ort 
andern  ;  Schwab,  gehen).  —  Lauf,  in.  1.«  tierische 
Brunstzeit.  —  2.  =  das  Laufen  der  körperlichen 
Sekrete  (Thranen,  Schweis«),  des  Hlutes  etc.  — 
S.  m  das  Laufglied  oder  Bein  gewisser,  rasch 
laufender  Jagdtiere.  —  4.  =  (abertragen  auf  den 
Menschen)  Talus,  der  Sprung  oder  das  Sprung- 
bein, der  erste  von  den  7  Knochen  der  Fuss- 
warsei  (Gr.  w.  vi,  312;  IV,  L  looo).  —  5  —  der 
Umgang  dor  Damonengostalten,  z.  B.  der  um- 
gehende Viehscbehn,  der  Viehsterben  (s.  d.) 
nach  dem  Volksglauben  bringt  (Gr.  W.  VIII,  2506) 
Botlauf  oder  Milsbrand)  (vergl.  Wand,  bamh 
leypa  =  Hetndlaufer,  einer,  der  in  anderer  Gestalt 
(llulle  =  bannt]  umgeht,  vcrwandluiigstnhig  Ist,  i.  II. 
Hexe,  Oolth.  117).  —  6  =  Krankheitagang ,  der 
Zeitlauf  (10.  Jahrb.  lauft,  Notker;  1589  lauft*,  »fach 

223;  Faracelsus;  Schmeller  I,  1449).    —  Laufen,  n 

=  Auslaufen,  Durchlaufen,  Diarrhöe,  Dttnne* 
(8piess  Iii,  H8).  —  Läuferl,  n.  =  der  kleine  Lauf 
(Urethra,  Penis),  Harnröhre,  Pfeife  etc.  (bei 
Kindern).  —  Laufer,  Läuter,  m.  1.  =  ein  per- 
sonistischer  Namen  für  Durchlauf,  Durchfall, 
Diarrhoe  =((rx.)  lacourante  (conrance)  (Hris»  172, 
Wackern.  Al.hdl.  III,  155).  —  2.  =  ein  von  der 
Muttermilch  entwöhntes,  läufig  gewordenes 
Schwein  (Splewt  Ii,  148).  —  (it.S7)  das  Geblüt  lauft 
zum  Herzen  (Georg.  390  •*  Blutkreislauf  von  «1er 
Peripherie  zentripetal.  —  «las  Herzwasser  läuft 
einem -- das  aun  dem  Magen  herauf  empfundene 
Sodbrennen  (Gr.  W.  VI,  322).  —  läufig  (ndl.  looplgh. 
De  cock)  -  brünstig,  ritzig  (v.  Tieren).  —  läufelig 
(1592  lelfllg,  seb.  177)  =  ein  Fehler  der  Ifufkrone 
(vermutlich  zu  laufclu  =  enthülsen,  Schuicllcr  I,  H6U), 
wobei  sich  das  llufhurn  abblättert  oder  die 
Fesselhaut  maukeartig  sich  aufblättert.  — 
Lauf,  f.  (Ufr,  Loff),  Laufet,  n.  (Lftffet)  = 
Diatrhoe  (Schtn.  I,  1149;  Fromm.  VI,  435).  — Ab&itz- 
Läufer  =  der  eine  Gangart  mit  starkem  Auf- 
setzen der  Ferse  bat,  wie  sie  bei  Alkoholikern 
häufig  beobachtet  wird  (Huck  12).  —  Ameisen- 
Lauten  =  Formicatio,  ein  prickelndes  Gefühl 
in  der  Haut,  als  oh  auf  derselben  Ameisen  her- 
nmlaufen.  —  .Ulauf  ■  schneller  Anfall  (F.  Kr. 
It.  721  ;  1582  anlauff  der  Fanlasey  vnnd  Imsen  Geistes, 
Lonic.  360).  —  (1742)  .^-laufen  =  wie  ein  Fluss 
durch  Wasserzunalime  am  Bande  rasch  an- 
schwellen (Zw.  710),  z.  B.  durch  Wassersucht  an 
den  Fussen  von  unten  naclt  aufwärts  an  Vo- 
lumen zunehmen.  —  auslaufen  =  durch  sich 
anhäufende  Gase  (Blahsucht)  od.  durch  zuneh- 
mende Flüssigkeiten  (Blut,  Wasser,  Blasen  etc.) 
in  die  Höhe  schwellen  (Turgeseenlia) ;  (ndl.  op- 
geloopen,  De  Cock;  Schindler  I,  1419)  —  Blattern- 
A  li/laufen  (mnd.,  14.  — 16.  Jabrb.  so  van  dem  vressemo 


[&  I'rabram]  eyu  bladdere  uplopt  an  dem  arme  olt  an 
dem  bene,  I.  f.  nd.  8pr.  K.  XV,  115)  =  Anschwellung 
(s.  d.)  durch  hitzige  Hautblattern.  —  (14S3)  des 
Leibes  .-1  '(/"laufen  (C.  v.  Megbg.)  =  Tympanitca, 
Ascites,  Meteorismus,  Plethora  ex  ingestis  (Meyer 
521;  ZetUchr.  f.  d.  Mythol.  IV,  117).  —  ftiils- Ab- 
laufen— durch  Zunahme  nach  oben  empfundene 
Milzanschwellung.  —  Brust -4 u/laufen  -  sicht- 
bare Anschwellung  der  nach  aussen  und  iu  die 
Höhe  zunehmenden  weiblichen  Brüste.  —  Aus- 
lauf,  m.  laufen,  n.  1.  -  das,  was  aus  einer 
Leibesöffnung  schnell  fiiessend  sich  entleert 
oder  vordringt  (Profluvium,  Prolapsus,  Stuhl- 
gang Z.  B.)  (Gr.  W.  I,  905;  II,  1641).  —  2.  =  die 
Krankheit  bei  Mensch  oder  Tier,  welche  von 
einer  Stelle  aus  wie  ein  Fluss  sich  sichtbar  aus- 
dehnt, oder  auch  Anomalien  des  Auslaufes  1 

(15.-1;  Hock  394;  Gr.  W.  II,  1641;  V.  B.  42).  —  3.  = 
der  Ort  des  tliessenden  Auslaufens,  z.  B.  After 
(Hyrtl,  K.  W.  14).  —  Augen-  .lt<*laufen,  1.  =  die 
I  unomal  gesteigerte  Sekretion  der  Augenschleim- 
haut bei  Augenkatarrhen  (Goldschm.  97),  beim 
Thntnen,  Weinen.  —  2.  =  das  Ausdiensen  des 
Humor  aquetis  aus  dem  Augapfel  mit  nach- 
folgendem Augapfelschwund.  —  (l.r.2sj  Hirn- 
w  !!••-; -.1« -lauf  (des  hyrnswuestes  usslaulT  —  cola 
toritim,  n.  v.  Gersd.  97) -die  Stellen,  wo  der  nach 
der  Humoralpathologie  flüssig  angenommene 
Hirnwust  (*.  d  ),  die  Maleria  peccans  phleg- 
matica  (Kotz),  sich  aus  dem  Gehirne  abfliesscnd 
und  so  dieses  reinigend  ansammelt  (s.  Samm- 
lung), d.  h.  die  angeschwollenen  sympathischen 
Lymphdrüsen, z.B.  hinter «lemOhre  (s. faustdick). 
—  (1608)  Kinder-/lM*laufen  -die  Kinderdiarrboe 
(SpeiselauO  mit  Abzehrung  (Heyn.  234).  —  (1615) 
Nabel  -  .-1  «-laufen  =  Nabelbruch  durch  den 
ausgedehnten  Nabel  (Colcr,  K.  358).  —  roter  Aus- 
lauf,  1.  —  (1512,  1518  das  rot  usslauffen  =  dysenteria, 
llenleria,  II.  V.  Gcrsd.  99;  I).  329;  1582  da*  roth  auss- 
tanden, I.onic.  16.!;  1615  rother  ausnlaiiS  -  dysenteria, 
Coler,  II.  A.  20C)  =  die  blutigrote,  flüssige  Stuhl- 
entleerung  bei  der  roten  Buhr;  Kotlauf  II.  8.  — 
2.  =  das  wie  ein  Fluss  sich  ausdehnende  Rot- 
lauf I  (F.rysipelas)  der  Haut.  —  (1541)  tagliches 
.liolaufen  (des  Bauches)  -täglich  sich  einstel- 
lende Diarrhoe  (Bock  81).  —  (1661)  /:.(«,',- Lauf 
(lK»ucblault-llenteria,  pantlce»,  Gr.  W.  I,  1168;  D  329. 
410;  Meter.  53;  ndl.  buyckloo]>en,  buikloop,  I»c  Cock 
M.  20>)  =  Fluor  ventris,  Diarrhoea,  Cholera 
morbus,  flüssige  Entleerung  von  Darminhalt 
aus  der  Bauchötl'nung  am  After.  —  (1729)  bt- 
laufen,  l.  =  über  etwas  hinlaufen,  s.  B.  aus- 
getretenes Blut,  das  infolge  von  Blutstockungen 
an  anderen  Orten  bei  einer  Stelle  eine  Anschwel- 
lung macht  (V.  H.  31  ;  Gnldsrhm  101).  —  2.  =  (von 
Tieren)  die  Begattung  vollziehen  (Paul  es).  — 
das  Herz  irläuft-das  Herz  verursacht  ein  Ge- 
fühl, als  ob  etwas  rasch  über  dasselbe  hinweg- 
laufe und  einen  Druck  ausübe  (Oppressio  cordis) 
(v.  Gehreu  14J.  —  Blut-belatlfon  (ndd.  bloodbelopen, 
Goldschra.  91)  -  bei  einer  Stelle  des  Körpers  mit 
rasch  ausgetretenem  Blute  untersetzt  soin.  — 
ß/uf-Lauf,  L  =»  der  seit  KJ28  beschriebene 
und  der  mittelalterlichen  Lehre  vom  Pneuma 
(h.  Geist)  in  den  Geistadern  ein  Ende  machende 
Umlauf  des  flüssigen  Blutes  aus  dem  Herzen  in 


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laufen. 


laufen. 


358 


die  Peripherie  und  von  da  zum  Herzen  zurück,  j 
Circulatio  sanguinis  (odl.  bioedt  loop,  v.  K.  n,  so) 
(b.  Abbildung).  —  2.  =  der  blutige  Auslauf,  der 
Bauchlauf  bei  der  roten  Ruhr  (Dysenteria  rubra) 
(Gr.  W.  II,  188;  in  Segensprüchen  dea  16.  Jahrb.  durch 
Hannformeln  behandelt,  n.  Hoffm.  Mtachr.  f.  Sohl.  1829 
II,  "62;  Wackern.,  Wesaobr.  lieb.,  67.  Anh.).  —  3.  — 
bluibelaufen  (s.  belaufen).  —  4.  =  Bluterguss 
aus  einer  Wunde  (De  Cock  36.  277).  —  (15.  Jahrh.) 
Durch-l&uf,  Dl.,  n.  =  die  flüssige  Entleerung 
des  Dartuinhaltes  durch  dio  Afterörthung,  Pro- 
tluviuui  alvi,  Durchbrucb,  Durchfall,  Durchgang, 
Durchmarsch,  Diarrhoe  bei  Mensch  und  Tier 
(Laevitas  intestinorum  Celsi)  (Kirsch  681;  1466 
dnrloefT,  dnrchlaefl  =  lax™,  lienteria,  D.  II,  230.  234; 
Gr.  W.  II,  1641;  Tabern.;  Abilir.  38;  Hufel.  185  etc.; 
Krauiw.  LX;  «chwed.  durklopp  -  Diarrhoe).  —  (159$) 
durchläufig  m  mit  dem  Durch  laufe  behaftet 
(Had.  Jnn.  396).  —  (1645)  gelbes  />un  7,  laufen  = 
s.  weisses  Durchlaufen  (Coler,  Ii.  A.207).  —  Lober- 
Z>urcAlauf  =  l^eberfluss  (s.  d.).  —  (1591.  1677) 
Magen -Z)ur-cAlauf  =-•  die  Entleerung  des  Magen» 
Inhaltes  durch  den  Darm,  als  flüssige  Leibes- 
nffnung  (Beyn.  173;  Tabern.).  —  (1677)  roter  Durch- 
lauf  =  roter  Bauchtiuss,  rote  Kühr  (Dysenteria) 
(Beyn  ).  —  (1687)  schmerzhafter  Dur\  Mauf  - 
Diarrhoe  mit  Krampfschmerzen  (Kolik)  (Georj;. 
39«).  —  (1694)  strenger  DurcAlauf  =  Lieuteria 
(Gr.  W.  II,  164)  =  starke  Diarrhoe.  —  (1615)  weisses 
Dur  Manien  —  weisse  Kühr,  bei  der  weisslich- 
gelbe  Stuhlentleerungen  erfolgen  (Coler,  n.  A. 
207).  —  (M»;{)/c«cAre(*)Laufen,Lättfe  =  wä88erige 
Entleerungen  des  Kotes  (C.  v.  Megbi?.».  —  Frau 
von  Laufender«/  (—  scherzhaft  personifiziert,  wie 
Katharina,  a.  d.)  a  Durchlauf,  L>urchfall  (Wackern., 
Abhdlg.  Hl,  124).  —  Gänjici-Lauf-der  I^auf  eines 
am  Gangelbande  geführten  Kindes  (Heyne  II, 
1022).  —  Ha rti  -Lauf  =  Urin«,  der  Auslauf  des 
Leibbrunnens  (s.  brunzen)  als  Harnentleerung. 

—  (1725)  unempfindlicher  2/arnlauf  (The«  »an.  Br. 
329)  =  Enuresis  =  der  unfreiwillige,  meist  nicht 
empfundene,  unwillkürliche  Harnabgang.  — 
(1483)  ./Anlaufen,  n.  =  das  Hin  wegfressen  des 
Kotes  beim  Durchfall  (<:.  v.  Metrbir.).  —  (1502) 
Hirn-lMtd  (hirnlauff  =  crapcdla,  D.  II,  117)  =  der 
Abrluss  von  Nasenschleim,  früher  aus  dem 
Gehirne  (s.  d.)  kommend  angenommen  (Hirn- 
fluss).  —  irr- laufend  =  regelwidrig  verlaufend, 
z.  B.  Fieber.  —  (1742)  Äm's-Lauf  (des  Blutes) 
=  Circulatio  sanguinis  (s.  Abbildung)  (Zw.  31). 

—  Land-Lauf  (ndl.  landtloop,  De  Cock  313)  =  epi- 
demische Kühr.  —  Nacht  -  Läufer  (1521  nacht- 
lonffer  =  noctlrtfru*.  D.  382)  =  Naclitlahrer,  Nacht- 
wandler, N'achtgunger.  —  (tfi09)  Peatücnz- Läufe 
(-Läuffte)  =  die  Vorgänge,  Zeillaufe  bei  Pest- 
epidemien —  Oursus  pestilentiae,  die  Pestepi- 
demie  als  umgehende,  umlaufende  Krankheit 
(Schmeller  I,  1449;  Guar.  410).  —  rin  -  laufen  =  im 
Kreise  sich  drehen  bei  der  Drehkrankheit  der 
Schafe  (s.  Umgang*)  (Kalke  II.  240).  —  Rot(er)- 
Lauf ,  laufen,  n.,  m.,  f.  (tnhd.  dax  rotloufeu;  1419 
da»  roitiauff,  rothlaufen  =  pu*ula  [  —  pnntnla],  heri- 
üipela,  Heyne  V,  143;  D.  II,  155.  474;  1551  rotlaullen,  n., 
Bock  23;  1682  rotlauffen  oder  atulgang,  Lonlc.  93; 
(reysam  md  rotlauff,  Lonic.  189;  1684  rothlauf!  f.  - 
eryalpelaa.  Wirsunjc,  1618  rotlau  ff  -  lnxus  nubeculae, 


ParacelMis ;  Pr.  II,  76  [  =  Gutta  rosacea  syphilitica] ; 
1025  rothlauf  -  Scharlach,  Hecker  222;  1661  roth- 
lauften,  n.  =  erysipelas,  Tabern. ;  1684  rothlaiiffen,  n. 
—  erysipclas  verum,  ignis  8t.  Antonit.  I(fnl»  brunns, 
iRnl«  sacer,  Rose,  A.  v.  H.  II,  612;  [Schwabendorfer 
bei  Budapest]  rodlauf,  m.,  Ethn  Mitt  a.  l'nifarn  1893, 
8.  163;  Ihüs!  der  rothlauf,  Hell  IV,  216):  J.  jede  Art 
von  roter  Hautentzündung,  die  sich  wie  ein 
Fluss  ausdehnt  oder  wie  ein  brennendes  Feuer 
rasch  (s.  d.)  um  sich  greift;  das  ITöp  ä-'jitov  des 
Hippokrates,  das  Visarpa  im  Sanskrit  (Kuhn, 
Zeluchr.  V,  340),  der  Herpes  oder  kriechend  sich 
ausdehnende  HautauHschlag  der  alten  Medizin- 
«chulen,  St.  Antoni- Feuer,  St.  Antoni-Kache  der 
Kloster,  die  Brandrose  oder  Braune,  die  Rose, 
Scheine,  Freisam*  etc.,  Febris  erysipelatosa 
•Sydenhami,  Morbus  St.  Sanctini  ( =  ignis  sanetus 
s.  sacer,  s.  h.  Feuer),  (1839)  Morbus  St.  Vorani 
(Du  Cange  V,  518),  maladie  St.  Othoine,  mal 
St.  Antoine  (sanlo  igne),  St.  Damien,  Ste.  Gene- 
vii've,  St.  (iermain,  (1381)  St.  Santin,  St.  Saintain, 
St.  Murtial,  St.  Verain  (Bris*,  iso.  216),  (1379)  le  mal 
St.  Messent  (morbus  St.  Maxentii)  (Du  «  ange  V. 
:>17),  und  zwar:  1.  =  die  durch  Kokken-Infektion 
bedingte  Kose  (s.  d.),  Erysipelas  (-  rote  Haut), 
dio  sogen,  laufende  Kose,  bei  der  die  diffuse 
Hautröte  flussartig  sich  ausdehnt  unter  An- 
schwellung der  Haut  und  Frostgefühl,  Frost- 
schauer, oft  auch  Erbrechen.  Die  Bezeichnung 
Kotlauf  bezeichnet  viel  besser  den  sich  aus- 
dehnenden Hautcntzündungsprozess  als  die 
„Kose".  —  2.  =  die  Phlegmone  (tp/.e-ruatvet*  = 
uri  =  brennen)  des  Hippokrntes,  Erasistratus, 
Galenus,  Paulus  von  Aeginaeta,  d.  h.  die  rote 
Hantfarbe  bei  akuter  Entzündung  des  Unter- 
hautbindegewebes, welche  zur  Eiterung  und 
z.  Gewebsbrande  führt  (Brandrose,  Karfunkel) 
(Gr.  W.  VIII,  1311;  Zlemss.,  Hdb.  XIV,  L  424),  welche 
Hautröte  sich  rasch  ausdehnt,  aber  immer  nur 
einen  örtlichen,  nicht  wandernden  Charakter 
zeigt.  —  8.  =  die  unter  dem  Bilde  eines  Ery- 
sipelas verlaufende  Lepra  und  Syphilis  (Akne, 
Gutta  rosacea,  Lupus)  (Pr.  I,  337;  Eltnatt.,  Hdb. 
XIV,  L  624).  —  4.  =  das  sogen.  Flugfeuer  (s.  d. 
u.  Fraisen).  —  5.  =  die  Masern  (und  Scharlach) 
als  Kinderrotlauf,  mal  St.  Saintain,  mal  des 
roses  Notre-Dame,  veröle  cardinale  (Briiw.  139; 
Du  Canpe  V,  617).  —  6.  =  der  Ergotismus  gangrae- 
nosus,  die  Mutteikornvergifiung  (s.  Feuer)  unter 
der  Form  einer  brandigen  Hautröte  (Lammert 
219).  —  7.  —  a)  das  Schweine-Kotlauf,  früher 
als  Schweine-Milzbrand  aufgefasst,  aber  durch 
eine  eigene  Bazillenart  (Rotlauf-Stäbchen ,  von 
Loffler  1886  entdeckt)  vom  Anthrax,  dem  cigentl. 
Milzbrände  (Pustula  maligna)  unterschieden; 
dies  vermutlich  das  eigentliche  St.  Antonius- 
Feuer  (s.  d.)  (Bardeleben  I,  300),  Schweineseuche, 
Schweine-Cholera,  brand.  Kotlauf  etc.;  dieses 
Schweine-Kotlauf  geht  mit  einer  rotlaufartigen 
Hautröte  einher;  b)  hieher  auch  die  damit  (7a) 
verwechselten  Krankheilen,  z.  B.  traumatisches 
Rotlauf  bei  Schweinen.  —  II.  rote  Ausflüsse 
aus  dem  Leibe:  8.  =  rote  Ruhr,  rotes  Auslaufen, 
roter  Hinlauf  (ndl.  roode  loop;  ndd.  roe  loop,  De 
Cock  193;  Gold<chm.  106;  Gr.  W.  VIII,  Uli.  —  III.  bei 
der  Häufigkeit  der  Kose  (Kotlauf)  ist  es  ganz 

23 


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«54 


laufen. 


erklärlich,  dass  nicht  nur  «leren  Hauptsymptom, 
die  Hautröte,  verallgemeinert  für  ganz  ver- 
schriene Krankheit«- Formen  nnmengebend 
wurde,  sondern  auch  9.  ihre  übrigen  Erschei- 
nungen  (Frost,  allgemeine  Körperschwache, 
Kopfsehmen'.,  Fieber  etc.),  auch  ohne  Hautröte, 
mit  „Hollauf"  bezeichnet  werden;  am  Rhein 
wird  sogar  jede  Art  von  Bogen.  KrkUltungH- 
oder  Eihitzungs-Krankheit,  an  anderen  Orten 
auch  die  hitzige  Kopfkrankheit,  die  Pferde- 
stalle, Katarrhallieher,  als  „K«jtlauf"  schlecht- 
hin bezeichnet;  aucli  fasst«»  man  die  Vorläufer 
akuter  Exantheme  al«  Rotlauf  auf.  —  Rotlauf- 
Kraut  —  rotpreclit,  roUriiitiKeiul ,  «Drantum,  Kober- 
tianutn  (Do  COCk  193  [*u  PerebU?];  Dr.  Rr. -Schürt.  2S; 
<;r.  w  viii.  nii,  i'auii  c);  (vergl.  Kosen  ).  —  (lsoi) 
Blasen  -  /foflauf  =  Herpes  zoster  als  Blasen 
hildender  roter  llautauschlag  (Welckard  •»10).  — 
brandiges  ßoflatlf  —  -Milzbrand  (s.d.)  iZlem*«., 
Hdb.  in,  470).  —  (UM]  brennendes  //.-'laufen  - 
brennende  phlegmonöse  Hautröte  (Taborn.).  — 
Impf-i?orlauf  -  das  durch  die  Schulrpocken- 
Impfung  entstandene  oder  eingeimpfte  Kry- 
sipehis  (Med.-chlr.  Rundlich  1S7S,  hs).  —  Kinder- 
n/lauf —  die  bei  Kindern  häufigen  Mastern 
(s.  d.)  o<ler  Friesel  (Ummert  176).  —  Milzbrand- 
fioflavf  —  Hiütbrsnd,  Kotlauf  7.  —  (l.v»)  neues 
Äoflauf  ■  eine  durch  Quecksilber  erzeugte  Der- 
matitis, Hautröte  (I»aracel«tn).  —  Schweine- J?0<- 
lauf  —  iCotlauf  I.  7  (le  rouget).  —  (low)  sehwie- 
rendes  //•••'lauf  =  Rotlauf  mit  Eiterung  (v.  M.  II, 
ins).  —  0790)  süchtiges  Äotlauf  -  die  habituelle 
Rose  (Richter  I,  111)  (s.  süchtig).  —  überge- 
gangenes /.'.  .'lauf  —  eine  Hautentzündung  mit 
rotlaufartiger  Röte  (Flugfeuer,  Eczema  acu- 
tum, Dermatitis  acuta),  die  man  als  ein  sich 
entwickelndes  wirkliches  Rotlauf  1  (Erysipelas 
verum)  ansah,  die  abor  glücklich  ohne  solches 
vorübergegangen  ist  (I'auii  7).  ■ —  (170.1)  weisses 
-ßo/lauf  —  eine  blasse  Hautschwellung,  wie  bei 
der  Rose,  aber  ohne  Röte  (Hautödem,  Phleg- 
masia alba)  (Eaairh  318;  cont.  engl,  whltlow  = 
(ftgelXMChwtr,  Fin«<'rwurm).  —  Hotl&nf- Ausbruch, 
-Firns,  -Gürtel.  —  Schienbein  (blaues)  -Laufen 

(diln.  <v>ne  hlauuwe  scheen  lopen ,  Schräder  319]  = 
sich  durch  das  Laufen  zum  Mädchen  und  ituich 
das  Herabfallen  vom  Kammerfenster  eine  blau 
erscheinende  Kontusionsbeule  am  Schienbein 
zuziehen.  —  •fyWse-Lauf  (ndl.  «plj*loop,  De  <:ock 
186)  es  das  Kinder-Auslaufen,  die  Kinder-Cho- 
lerine,  bei  «1er  die  genossene  Nahrung  unver- 
daut und  rasch  wieder  abgeht.  —  Stcrbats- 
Läuf  («')  (/<•)  (1G05  »U-rbcnde  letff,  Schindler  I.  IM'.», 
IfiSO  JUIrc  SterbeindeuIIteu.  d«i  die  I'estllenz  sich  «ehen 
lcft  [KoMock];  16S7  •terbcnslaoulTte,  (icorK.  ITH)  =  «liü 
ZeillUufe  mit  zahlreichen  Todesfällen,  lV-st- 
epitlemie,  Viehsterben,  Viehschelm,  Pestilenz- 
läufo  (s.  d.).  —  (H96)  tödliche  Läufe  =  Sterbens- 
Iftufe  (Schnuller  I,  5*6).  —  (1.V30)  LW-lauf(cn)  = 
aus  seinem  gewöhnlichen  oder  noi  malen  Orte 
über  den  Uinfassungsran«!  hinaus  an  einem 
anderen  Platz  rasch  sich  begeben,  ein  aus  «1er 
Küche  entnommener  Vergleich  «les  Aufwallens 
von  Blut  Okier  Galle:  1.  =  ilie  Galle  dachte  man 
sich  in  einem  eigenen  Gefässe  und  zwar  über 
dessen  Kapazität  hinaus  so  angehäuft,  dass  die 


I  überquellende  bittere  (s.  d  )  Galle  den  Menschen 
„ganz  grün  und  gelb"  machen  sollte;  dann  war 
das  „(iifthäferl"  Ubergelaufen,  und  der  bittere 
I  Geschmack  im  Munde  mit  Appetitlosigkeit  ein 
sicheres  Symptom  für  diese  volksübliche  Dia- 
gnose («toldschm.  103;  Fr.  Kr.  B.  109);  diese  über- 
gelaufene Galle  ermesst  sich  nuu  an  andere 
I  Stellen,  ins  Herz,  Blut,  Gelenke,  Magen,  hohlen 
I  Leib  et«",  nach  der  noch  üblichen,  aus  der 
älteren  Sehul-.Medizin  stammenden,  diesbezüg- 
lichen Volksauffassung  (s.  giessen,  flieasen) 
(Kraut«.  49).  2.  ■  -  auch  das  Blut  tlaehte  man 
I  sich  bei  «ler  Blntfülle  (Plethora)  bis  ül>er  «lie 
Kapazität  des  Herzkamens  (s.  d.)  hinaus  an- 
gefüllt in  «liesem;  dasselbe  ergiesst  sich  dann 
als  Nasenbluten,  Hämorrhoidalblutung,  weib- 
licher Blutfiuss  etc.;  Biut  laufen  ist  dann 
die  volksflbliche  Bezeichnung  für  solche  Blu- 
tungen; wenn  aber  «las  „Herzblut"  ganz  über- 
läuft, so  besteht  höchste  Gefahr  für  «las  lieben, 
i  —  kaltes  f7tVrlaufen  =  die  Empfindung  des 
j  FiostschauiTs  auf  der  Haut  (Gänsehaut),  der 
über  «len  Rücken  aufsteigend  rasch  den  ganzen 
Körper  durchzieht  (Dr.  Hr.SchafT. ;  I'auii  HO).  — 
l/m-lauf  =  «lie  rasche  Ausdehnung  oder  Be- 
wegung um  ein  Glied,  einen  I/eibesteil,  ein 
Organ  herum  und  zwar:  1.  =  von  Anschwel- 
lungen oder  Ausschlägen  der  Haut:  a)  (1712) 
i  Panaritium,  rotpovj^cov,  ahscessns  circa  ungues 
I  (frz.  la  tmirnlnle.  tournlottc,  tournnre,  Rriw.  292; 
henneb.  ocmlaf,  Spiex«  II,  263;  ndl.  omloop;  V.  K.  IX, 
143),  als  rot«',  rasche  Anschwellung  der  Haut  um 
«len  Fingernagel  herum  (Fingerwurm,  Nagel- 
umlauf, Wurmumlauf)  (Zw.  ri«2;  RHnml.  «HM;  Panli 
122;  engl,  whltlow);  b)  Herpes  zoster,  Zona,  als 
eine  gürtelförmig  um  den  Leih  herum  sich  aus- 
dehnende Kote  mit  Blasenbildung  (roter  Um- 
lauf, Bauchumlauf);  c)  das  Rotlauf  (ndl.  omloop, 
Do  rock  201.  2t«)  oder  Erysipelas  migrans,  die 
Wanilcrrose,  die  ihren  Platz  wechselt,  wandert, 
umläuft.  —  2  =  vom  Blute,  das  um  das  Centrun» 
(Herz)  kreist  nn«l  den  Säfte- Umlauf- Circulatio 
huinorum  (17.V,;  A.  v.  H.  II.  220)  besorgt.  —  3.  = 
von  Sinnesetnplindungen,  Sehbildern,  die  sich 
im  Kreise  herumbewegen  im  Gesichtsfelde,  z.  B. 
beim  Schwindel,  so  hei  der  Gehirnentzündung 
der  Rinder  und  bei  der  Drehkrankheit  der 
Schafe  (s.  Umganger*)  (zipp.  868;  Falke  n,  M6; 

1M2  umblntiffin  von  den  äugen;  «He  «csulit  laiifTen 
um  vor  «len  niwn,  Fries  70.  W,\).  —  Baueh- £7r»lauf 
=  Umlauf  1  b  (Herpes  zoster).  —  (17MJ  feurig*  r 
fVwilauf  =  Zona,  Uimnnus,  Zoster,  F>ysipelas 
venans,  Macula  lata  Plateri  =  der  Umlauf  1  b 
als  brennende  Gürtelrose  (A.  v.  H.  I,  613.  13.-.2). 

—  Nagel- tVrolauf  =  Umlauf  la  (Paionychia). 

—  roter  «7»ilauf,  l.ss  Umlauf  1  b  als  roter  Haut- 
ausschlag (Herpes  zoster).  —  2.  =  «las  Rotlauf 
«■der  Unilauf  lc  (Erysipelas  migrans)  (a.  v.  h. 
I.  1351).  —  3.  =  Umlauf  la  im  Entzündunga- 
sladium.  —  schwarzer  tT»ilauf  =  Panaritium 
gangraenosum,  Brand  b.  Fingerwurm  (Frisehb.  62). 

—  Wurm-Fwlauf  =  Umlauf  la,  «ler  Finger- 
wurm  (s.  d.)  (Havarie  IV,  1.  22:1).  —  J7nf«r-laufen 
=  hemmend  zwischen  etwas  laufeu,  rasches 
Eindringen  von  Blut,  Wasser,  Eiter  etc.  unter 
eine  andere  Stelle,  z.  B.  am  Auge  =  Molope 


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Aetii  (Kraus,  E.  630).  —  anter  sich  laufen  lassen 
=  die  freiwillig  nicht  mehr  zurückhaltbare  Ab- 
sonderung (Urin,  Kot)  in  das  Bettlager  gehen 
lassen.  —  rer-laufen  =  das  vollständige  Weg- 
laufen, Vergehen  und  Verschwinden  oder  da« 
Unterlaufen  (s.  d.)  mit  vollständigem  Ver- 
schwinden, z.  B.  von  Blut  unter  der  Haut  (A.  v.  n. 
n,  383)  (auch  Abortus).  —  Fcrlauf,  m.  (der 
Krankheit)  =  zeitlicher  Fortgang  bei  derselben. 
—  <rid'  >■- laufen-  a,  B.  sie  ist  widergelaufen  = 
hat  sich  angestossen  und  eine  Geschwulst  sich 
zugestossen  =  sie  ist  schwanger  (t;m»chrelbung 
namentlich  bei  illegitimer  Konzeption ,  welche  viel- 
leicht auch  als  eine  Verhextini:,  als  Angaug  (s.  d), 
Widerlauf,  [mhd  widerlouf,  Golth .CM]  gedeutet  Wird [7], 
Plmw-Bartels  I,  -WO).  —  wun  '-laufen  fratt  werden 
durch  schnelles  Gehen,  Laufen  (bei  Hunden) 
(Kolke  H,  44t).  —  ruvo.j>,!,7i -laufen  m  das  rasche 
Vereinigen  vorher  entfernt  gewesener  kleinerer 
Teile  zu  einem  grösseren  Haufen  oder  zu  einer 
auffallenden  Gruppe;  so  laufen  (messen)  die 
Blattern  zusammen  (=  Variolae  confiuentes), 
indem  die  vorher  getrennt  beobachteten  Pusteln 
sich  durch  Vereinigung  mit  den  nächsten 
Pusteln  zu  einer  dichten,  diffusen  Geschwürs- 
fläehe  ausbilden,  die  man  als  eine  leicht  zu 
I'yaemie  fahrende  Komplikation  betrachtete 
(Niemeyer);  so  läuft  auch  nach  früheren  (ülauben 
die  Milch  in  der  Frauenbrust  zusammen,  indem 
die  feinsten  kleinen  Milchteile  rasch  zu  Flocken 
und  grösseren  Klumpen  sich  vereinigen  (ge- 
rinnen, e.  d.)  sollen,  wie  die  sauere  Milch  im 
Topfe  (Mastitis  puerperalis)  (Tabern.).  —  Lauf-, 
laufender,  »)  -Auge,  -Brand,  -Feuer,  -Gndcn, 
-Gicht, -Hendsch,  -Katkerl  (-Katharina), -Klaue, 
-Magern,  -Rote,  -Schäden,  -Scheisse,  -Spennen, 
-Sucht,  -  W'axter. 

Lauge,  f.  (Indogerm.  low,  lu  —  t.ailen ,  luk  — 
waschen  [).ry/i'i\,  ahd.  louga;  mild.  Inge;  uihd.  louge, 
Klnge*,  228  =  über  Holzasche  gestandenes  Walser  = 
[formell  angeglichen];  -  das  im  Topfe  befindliche 
Harnwasser,  Unna  (s.  Urin)  (c,r.  w.  vi,  BS).  — 
Ärtwm«  -Lauge  =  Urin,  als  Wasser  beim  Kam- 
mergang (Stuhlgang);  die  Bader  benutzten  früher 
den  Termutlich  auch  sonst  an  Stelle  der  Lauge  ver- 
wendeten Urin  (  =  Kamraiauge)  «um  Eintauchen  der 
Kiimme;  auch  die  Mädchen  gicssen  den  l'rln  l<elm 
Kammerfensterln  auf  die  Bursche  (<ir.  \V.  V,  124).  — 
1  Ii  der  Lange  liegen  —  i/ochia  puerperalis  —  in 
der  Aschenlauge  (in  der  Asche)  liegen  (s.  d.), 
in  der  Reinigung  liegen  wie  die  Wäsche  in  der 
Aschenlauge. 

Laune,  f.  (mhd.  Iftne  —  Mondphase  ;  lat.  lunn  - 
Mond;  1470  lewnisch  ;  1482  lunlscher  =  lunntlcus, 
D.  339;  ndd.  lünsk,  Fromm.  VI,  354).  —  launisch 
(lQnisch)  =  vom  Monde  (s.  tl.)  bccinflussl,  mond- 
süchtig, gemütlich  verstimmt,  unmotiviert  wech- 
selnd in  der  Stimmung.  —  Laune,  f.  1.  —  der 
(angeblich  vom  Monde  beeintlusste)  Stimmungs- 
wechsel im  Humor  (s.  d.,  Gemüt).  —  2.  =  hitia- 
tischer  Fluss,  Hundswut  (Kluge  *,  22«.  Falke  II,  60; 

Kohler,  V.  Br.  289).  —  3. 

—  schläfrig  thun ,  schlaftrunken  sein,  sich 
faul  strecken    (Fromm.  VI,  436;    Tirol;   Krl*  37). 

a.  nauneln  u.  lunien.  —  launische  Mondtucht. 


launeln 
s.Staupe.-  launtschen 


LaUS,  f.  (ahd.,  mhd.  Iiis  =  da*  gem.-gerra.  Unge 
zlefer;  Impetigo,  D.  288;  1482  lyess  =  Cyrillus  [surio], 
I).  122;  iSelren];  15.-1  leusg  11,  nyss,  Bock  2*5;  Kluge', 
228;  engl,  lousc,  sing.,  llee,  pl.;  f..  .fahrh.  gross  lüs, 
Christ.  Meyer  66;  nord.  lyss,  pl.  ;  ndl.  luis;  angels. 
lys,  pl,  ;  frz.  eirons  [s.  .Seiren]  de  St.  Job,  Briss.  224), 

1.  =  die  Laus,  Pediculus  speo.  (Füssling*),  frz. 
poulx.  —  2.  =  die  mit  diesem  kriechenden  Un- 
geziefer verwechselten  kriechenden  Würmer 
und  Fliegenmaden  (14.  —  1-r».  Jahrh.,  mnd.  dorne  de 
lusc  [=  Würmer]  den  mogben  eleu  (essen,  anfressen], 
j.  f.  ndd.  S|ir.-F.  xv,  145),  als  Parasiten  bei  Mensch 
und  Tier.  —  3.  =  die  Folgen  der  Anwesenheit 
dieses  Parasiten  bei  Mensch  und  Tier,  die  man 
früher  als  Ursache  der  verschiedensten  Haut- 
krankheiten (dämonistisch)  bei  Mensch  n.  Tier 
annahm  (und  deshalb  mit  Besprechungen  behandelte, 
FrUehb.  164).  -  lausen  =  Läuse  aufklauben.  — 
ihm  läuft  die  Laus  Über  die  lieber,  s.  über- 
laufen n.  Leber.  —  (14.  Jahrh.)  lausig  =  mit  Un- 
geziefer behaftet  (Mannh.  290;  solche  Leute  sollen 
nach  dem  Volksglauben  besonder«  süsses,  gesundes 
Blut  haben).  —  LaUSigkeit  (1521  =  Phthiriasis,  D.  249; 
engl,  lousiness,  LeM.  69)  =  der  lausige ,  schäbige 
Zustand  (Läusesucht).  —  J5r6-LaU8  (Wetmarschen ; 
Urauell  I,  11 ;  VI,  217 ;  arflüüa)  =  eine  von  Sippe  zu 
Sippe  vererbte  (s.  F>b),  fll>ertragene  Laus  l — 3. 

—  Fili  Laus  (ahd.  vilzlus  =  vitlusa.  D.  619;  mhd. 
philczlans  =  gurgulio  s.  vermicnlns  <jni  frumentum 
corrodlt  (Mode],  Du  fange ;  &chm.  I,  717;  1162  flltzlus  = 
ascari«,  V.  63;  146S  fllezlanss  -  usum  (uria],  I).  II,  386; 
I4S2  Tiltzlauss  —  ascarides  [—  Fliegennmden  bei  der 
sogen.  IJtnsesueht),  Zen.  Voc.  kk  4  ;  15.  Jnhrh.  vllu- 
laus*  —  Jurta,  pediculus,  D.  312;  UM  fllzlaeus,  Gr.  W. 
III,  1637  —  pedlculus  pubis  L. ;  1668  phthlritis  Inqui- 
nalis  Bedi;  1782  filzlaeuse  =  pinttone«,  M.  H.  L.  I,  345; 
engl,  crab-louse,  prleklonse ,  feltlouse,  I,ehf.  159; 
Kaltsohm.),  1.  =  der  fast  ausschliesslich  nur  bei 
der  kaukasischen  Kasse  vorkommende  im  Filze 
(villus,  n.  r.19)  der  Haare  am  Möns  Veneris  le- 
bende, tonnenförmige  Eier  (Nisse)  an  die  Haare 
des  Wirtes  ablegende  Parasit,  Pediculus  Morio, 
Phthirius  pubis  L.  :  (franz.  morptons  ( =  poulx  <iul 
mordent],  Villaret  II;  1726  „sie  nehmen  Ihren  Irsprung 
von  unsauberen  weiblichen  Personen,  welche,  wenn 
sie  Ihre  mondliche  Reinigung  gehabt  und  Ihre  Scham 
gliedtr  nicht  reinlieh  halten  und  dabei  schwitzen,  so 
Warbsen  solche  breite,  vielfuessige  IJiuse",  Tbes.  san. 

»r.  143)  (8.  Steiglaus).  —  2.  =  Schafzeeke  (1741  j 
Kirsch  497).  —  Grfnf-Laus  (11.  Jahrh.  grintlus  ^ 
Impetigo  .Krbgrint  auf  dem  Kopfe  mit  Lausen],  H.  Z. 
III;  „die  Laus  anf  einem  tirindt,  gebort  zum  stolzen 
Hofgesind,  wie  der  Schreiber  auf  dem  Boss  und  die 
Hure  auf  dem  Schloss*',  Heyne  III,  676)  =  Pediculus 
capitis  (impetiginosi),  die  besonders  auf  «1er 
behaarten  Kopfhaut,  namentlich  wenn  diese 
durch  Hautkrankheiten  (Pusteln,  Geschwüre) 
einen  guten  Nährhoden  abgibt,  lebende  Kopf- 
laus im  Gegensatze  zur  Filz-  oder  Gewandlaus 
(s.  Grint).  —  Z/«iovf-Laus  (1420  hanpt  lwez  —  eml- 
graneus,  1).  II.  118),  1.  =  Kopflaus  (s.  d.).  —  2.  = 
Hauptwurm  (Migräne).  —  i/ftrm-Läuse  -  die 
nach  dem  Volksglauben  vom  Hexerich  (s.d.), 
angezauberten  Lause  (z.  d.  V.  f.  V  -K  1895.  8.  93). 

—  JudVn-Laus  (Baden ;  i  niuell  vi,  217)  =  eine 
durch  Juden  (s.  d.),  angezauberte  Ivrblaus.  — 

25* 


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3.16 


Laus. 


lauschen— Laxner. 


(1C45)  Kleider-L&MBe  -  Pediculus  tabescentium 
s.  vc9timenti  Burn.,  die  die  sogen.  Läusesucht 
(s.  d.)  erzeugende  Gewand-Laus  (engl,  bodylons. 
Lebt.  128),  die  in  dem  am  Körper  enge  anliegen- 
den Wuschezeuge,  namentlich  hei  schlecht  ge- 
pflegten, schwitzenden  Leuten  (oder  Kranken) 
lebt  --  Läusesucht  Laus  (Braun  ticr.  I'aras  ,  S.  271; 
Colcr,  II.  A.84).  —  kleine  LaUS  (15.  Jahrh.  eyn  deine 
Iiis;  nds.  en  klcene  Ins  —  Impetigo,  I).  2S8;  II,  211)  = 
=  der  in  iiautsekreten  des  liaarbodens  nistende 
Lausparasit.  —  (1646)  A'  y7  -Laus  =  die  Laus  1, 
Pediculus  capitis  sp.  am  Kopfe  im  Gegensatze 
zur  Filz-  und  Gewandlaus  (Coler,  H.  A.  84;  dazu 
kopwurz  =  Delpblnfura  staphlsagria  —  Lausekraul, 
Koll.  U8).  —  Kra ul' n  Laus  =  Oewandlaus.  — 
/  .  La  us  (1420  leyplucz  ~  pediculus,  D.  II,  284)  = 
Gewandlaus  in  der  Kleidung,  die  man  auf  dem 
Leibe  tragt.  —  Magen -"L&vlb  =  Magen  wurm 
(s.  d.)  (Spies*  D,  157).  —  (Mr-Laus  (14.  Jahrb.  oer- 
lose =  aurealia  vermla,  D.  61)  =  Ohrwurm,  Ohrlitze 
(s.  d.,  les  oreillons).  —  Pfaffen-La.ua  (1617  pfaffen- 
lus«,  Hettlerlaus  [fialinm  nparine  =  lapa  canina],  1).  318; 
eigentlich  eine  kleine  Klettenart,  die  Ihren  Namen  hat 
von  einer  besonderen  volkstümlichen  Bezeichnung  einer 
Mcnschenlaus  [Filz-,  Steig- Laus In  I'llanzennamcn 
bat  der  Waffe  oft  Bezug  auf  Uenilalien).  —  Käud- 
Laus  (Reitlau*,  Heilhese)  (1723  reitlausc,  reiUeltan, 
A.  v.  H.  1,  101 ;  11,  1274;  M.  11.  L.  1,  652;  Kraus,  K.  6), 

I.  =  Sirones,  Comedunes,  eigentlich  nur  di« 
Lituse  als  Gestalt  mitzehrendor  Elben  hei  der 
Kiludekrankheit  (die  Heiter  =  Läuse,  Räuder); 
das.«  die  I  Jtuse  als  kleinen,  clbischcs,  werkthatiges,  glück 
dringende«  Volk  angenommen  wurden,  lehren  uns  die 
Volkswagen  (conf.  Liebrecht  339.  369;  Wuttke  108.  149; 
Mannh.  19);  ein  weitverbreitetes  Mittel  der  Volksmedizin 
gegen  Utuse  ist  der  Totenknochen  (Opferrudiment) ; 
als  Amulett  getragen;  ausserdem  werden  sie  In  den 
Wald  (Hollcrstaude)  zurückgebannt.  —  2.  =  die  Räudc- 
krankhcil  seibut,  die  ihren  Namen  dann,  wie 
Öfter  hei  Krankheiten,  vom  betr.  Parasiten  er- 
hielt (vergl.  Kiitidlieaen).  —  rote  Lauschen  - 
vermutlich  kleine,  braunrote,  hJutsaugund« 
Wanzen  (('imex  lectulariu)  <C.  Schmidt  14,  Baden  ; 
Kinder  die  rote  L.  haben,  beten  nicht  gerne  [Im  Bette] 
wegen  des  zu  erwartenden  Juckreizes).  —  Sau-, 
Sih  •••,r,..Laus  (1417  eyn  swynlus  =  sya  [uslal  pedl- 
culus  porcorum  iKinne,  I».  II,  337  ;  15.  Jahrh.  swynlus  — 
iirla  [usiii]  vermls  porci  qul  urit,  D.  II,  386;  sulus  = 
vila,  i).  II,  3S6)  —  tichweinslinne  als  Parasit.  — 
(1645)  6V/urms-LaU8  =  Kleiderlaus  (Colcr,  H.  A.  84). 
—  Steig-  Laus  (II.  Jahrh.  stiglüs,  Schmeller  1,  1511 ; 

II,  743)  =  die  von  den  kranken  Genitalien  auf- 
steigende od.  auch  auf  andere  Genitalien  über- 
steigende Filzlaus,  die  als  „rauhes  Ding"  unter  dem 
Einflüsse  des  Skorpiongestirns  besonders  stehen  sollte 
(conf.  Wuttke,  S.  84  ff.) ;  die  viel  geschäftige  Volksety 
mologie  ersann  wohl  die  ,,f?teig',taus  als  Uegensatz  zur 
missverstandenen  Rande-  („Reit"-)Laus.  —  TschUtt- 
LaUS  (Tirol;  Mannh.  19;  Jahn  19  =  in  «.  T.  roma- 
nischen tiegeudeu  für)  Zitl(or)  -  Laus  (s.  d.).  — 
H  /-Laus  =  s.  Wanze  (1517  wanüusskrut,  1>.  545; 
1707  wandlcuss,  Abrah.  I,  67).  —  Zeug-Laus  -  Klei- 
derlaus. —  Ziffer  -  LaUS  (ahd.  citarlus;  S.  Jahrh. 
etttarlus;  11.  Jahrh.  citerlus  [couterlus]  —  impetigo, 
tiraff  III,  279;  IV, 368;  D.  288;  <Jr.  D.  M.  II,  1112 ;  citterlus. 

h.  i.  xv,  341),  1.  =  der  im  Zitterach  (s.  d.)  -Aus- 


schlage lebende  Läuse-Parasit  (Grint-,  Räude- 
Laus,  TschQttlaus).  —  2.  =  der  von  diesem 
Parasiten  nach  dem  Volksglauben  erzeugte  Zu 
terach  (s.  d.)  selbst;  das  Uuse-lTngeziefer  war  in 
den  früheren  Knlturperioden  eine  so  selbstverständ- 
liche Belgabc,  dass  Ursache  und  Bedingung  leicht  ver- 
wechselt werden  konnte  in  Bezug  auf  die  Ätiologie 
sowohl  der  Hautkrankheiten  als  der  dabei  (symbiotisch) 
lebenden  Parasiten.  —  Laus-,  Lause  -  auflesen, 
-Bodel,  -Knicker,  -Krücker,  -Krankheit,  -Nickel, 
-Nies,  -Schuppen,  -Sucht,  -  Werk.  Vergl.  auch 
Liesen  und  Litze. 

lauschen,  laustem*,  lusen. — Lausch-  Koller, 

laut,  Laut,  m.  (iudog.  klu  [xXrjui,  cluo];  vorgorm. 
kliVtös  ^  hörbar,  gebort;  germ.  hlüda,  hlfit,  goth. 
hliuma  =  Gehör,  Ohr ;  augl.  hlcodor  =  Ton,  Stimme, 
hliid;  ahd.,  mhd.  lüt)  =  mit  dem  Gehör  ver- 
oohmbar. 

lauter  (urgerm.  hIAt  ■  gewaschen  [lautus] ;  ahd. 
hluttar,  luttar;  mhd.  lüter  —  purus,  hell,  rein,  Kluge], 

—  Lauterste,  f.  =  ein  langer,  hagerer  Körper, 
ähnlicli  dem  l^äuterat  (=  die  den  Backofen  reini- 
gende, läuternde,  lange  Fegestange,  Tirol ;  Hlntner6.  9). 

—  Bau  A-LäUtere  (1590bauch-lcntteren  =  panUcea, 
D.  410)  =  Reinigung  des  Leibes  durch  Bauch Üuss 
oder  Diarrhoe.  —  erläutern,  sich  (Iis.  Jahrh.  er- 
lutern,  Scbra.  I,  1531)  -  anfangt*»,  sich  zu  reinigen 
im  Woclienbette.  —  (1532)  (Vnlauterkeit  (de« 
Blutes)  =  die  durch  Beimischung  der  schwarzen 
Bluthefe  nicht  reine  Geblüts-  oder  Öäftebe- 
schafienheit,  eine  melancholische  Geblüts-  Ano- 
malie der  liumoral pathologischen  Scbulmedizin, 
s.  schwarze  Galle,  schweres,  schwante«  Blut 
(Fries  69).  —  lauter  -Antlitz,  -Auge,  -Fleisch, 
-Fresser,  -Hamen,  -Stall. 

laxieren  (von  mlat.  laxaro)  sa  eine  Ölfnung  er- 
weitern, Lei  machen,  abführen,  purgieren  durch 
eine  Laxativum.  —  Laxier- Fieber. 

Laxner,  Lachsner,  Lachner.  in  dem  Buche 

über  Krankheitsnamen  soll  auch  der  Namengeber  ex 
officio  selbst  nicht  fehleu.  l>er  Name  des  Heilkünstlers 
In  germanischen  Kultlirperioden  hatte  noch  keinen 
indogermanischen  Vorlaufer ;  wenigstens  fehlt  Im  Sans- 
krit ein  mit  dem  germanischen  Arztnamen  Lakt,  Laecka, 
Lachner,  Lachsner  etymologisch  in  Zusammenhang 
stehender  Name  für  Arzt  (Kuhn,  Zeitachr.  f.  d.  M. 
V,  31);  die  arische  Urzeit  scheint  über  einen  Namen 
für  Arzt  \-erfügt  zu  haben  (Schräder  Spr.-Vergl.  1890, 
S.  609);  die  Uothou  nannten  ihn  .  lelkeis,  leckeis;  die 
Angelsachsen  :  lacca,  laeccdom  =  mcdiclna  (D.  II,  2.5) ; 
engl,  leech  =  Arzt;  die  Nordgermanen  laecknari 
(  =  einer,  derlacknet,  Lache  macht) ;  dazu  Irisch  Haie, 
altslav.  lekü  (Schräder  1.  c);  die  ahd.  Zeitp«riode  hat : 
lähhi,  m.,  u.  lacbanarra,  f.,  für  Arzt  u.  Ärztin;  lachita  — 
medlUa  für  Arzncy  (D.  II,  248) ;  lähhlnön  =  durch  Be- 
sprochung heilen ;  mhd.  lachenaere,  m.  laechenaera  = 
der  Zauberer  («.  d.)  u.  Hellkünstler,  mcdlcator  (Schm.  I, 
14 18J ;  lacbenaerin ,  f.  —  lachanerln,  ein  den  Hexen  gemein 
erachtetes  Weib  (Schindler  179);  Besprccherin,  Zauberin 
(Uoffm.  I,  380)  und  1646  lochssner  (Z.  f.  d.  Mythol.  IV. 
118;  Zeilscbr.  d.  V.  f.  V.-K.  1891.  8.448.449).  In  dernhd. 
(Schweiz)  Zeitperiode  zieht  sich  der  Vertreter  der  ger- 
manischen Medizin,  wie  auch  in  anderen  Beziehungen, 
so  auch  In  seinem  Namen  als  Lachsner,  Laxner 


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857 


=  Viehbespreeher  in  du  G«blet  der  Tolksühllcben 
Veterinär  -  Medizin  zurück  ,  d.  h.  in  das  Gebiet  dar 
marbd  antmallum  s.  bratorum  (Schmeller  1,  14*4).  Der 
germanische  Medizinmann  oder  »eine  Kollegin 
war  in  erster  Linie  eine  des  Zaubern 8  kundige 
Persönlichkeit,  die  mit  Zaubermitteln  (Lacber- 
krAmer  u.  a,  v.  64)  nnd  Zaubersprüchen  heilen 
sollte;  unter  Zauber  (ein  Wort.  das,  wie  der  Lachner. 
ipniUach  germanisch  ist ;  taufra-,  taubra-,  Kluge  *  414) 
verstand  man  aber  das  mit  (roter  Mennig-  ?) Farbe 
eingeritzte  Runenseichen,  Mal,  das  Lach  ( -  «ig- 
num) ;  der  iähhi  machte  das  Lach  mit  dem  Anh- 
änger (=  Uhbi)  auf  der  kranken,  leidenden 
Stelle,  er  lach-nete  als  Lach-ner  ;  unter  Beseg- 
nungs-  od.  Beschwörung*- Formeln  machte  er 
sein  Zauberxeicben  auf  die  Stelle,  wo  der  die 
Krankheit  verursachende  Dämon  sitzen  sollte 

der  Yorliufer  der  Tätowierung  die  sieb  bei  den  nackt 
gebenden  Völkern  mehr  zum  Sehmucke  ausbildete; 
Analotfeen  t.  Bartels.  Med  ix  d  9. 196;  über  Tätowierung 
bei  den  Deutschen .  s.  Korresp.-BL  1  A.  1892.  S.  4J. 
Schon  das  Bezeichnen  der  bösen  Krankheit  mit 
dem  Ked- Finger,  eigentlich  die  blosse  Berüh- 
rung mit  dem  bezeichnenden  Finger  sollte  den 
Dämon  zum  Weichen  u.  F.nt weichen  bringen; 
die  flandrischen  Volksarzte  weisen  noch  heute 
mit  dem  Weisefinger  dem  bösen  Geiste  den 
Platz  an,  wo  dieser  auszu  weichen  hat  CD*  Coek2i); 
der  Goldfinger  war  dieser  Bescbwörungs-  oder 
Zauberfinger  (lahhi  (J^axneri  [Cam  Glösa.),  der 
zur  Berührung  oder  zum  Zeichen-  dach'  Auf- 
streichen  benützt  wurde.  In  der  Edda  quida  Bryu 
blldar;  Jordan  Ml  lehrt  die  Siegtraut  ..In  der 
Höhlung  der  Hand  ziehe  die  Zeichen  mit  der  Spitze 
de«  Fingert,  die  Faust  umspannend  und  bete  dabei 
um  der  Dysinnen  Beistand".  Bei  den  Gallotranken 
war  der  Arzt  |  -  mire.  s.  Schmer)  mehr  ein  Schmierer, 
der  mit  dem  doiz  [digiras.  mire  ;  =  le  dolgt  appele 
medecin  on  annulaire].  Du  •  aoge  IX.  1S3!  die  Salben 
auttrug  auf  Wanden.  —  L&Xner  ist  demnach,  1.= 
germanischer  Medizinmann,  der  unter  Zauber- 
sprüchen Zauberzeichen  zur  Vertreibung  der 
Krankheitadamonen  auf  den  Leib  auftrug.  — 
2.  =  Arztringer  fBucki.  mit  dem  der  Lachner  1 
hantierte.  I  her  die  weiteren  Seiten  des  ger- 
manischen Anttums  s.  Jan  tu  1897,  S.  11 ;  sowie 
Berufen,  Beschreien ,  Vergalsterung,  wilde 
Weiber,  Llurker,  Bässer,  Zauber,  Luppe,  Königs- 
hand,  Königsübel,  Skrofeln,  .St  Markolf. 

Lazaret.  n.  St.  Lazarus  fLaserie).  — 

Lazaxet  EM  Lazarus,  Erang.  Lucae  XVI.  20;  mtl 
lazaretum  ;  in  der  2.  Hälfte  des  16.  Jahrb.  aas  itai, 
laxxaretto  IVA  gebadet;  13.  Jabrh  .  ndl.  die  Laserle, 
die  komt  dicken  toe  ran  ghenoten  aldus  eist  dat  een 

coitj  een  laserwyl  daer  of  «oe  tal  bem  »awn  eene 
Cjassflü  infexcie  ( -  basslicbe  Infektion}.  Fr.  I,  329  . 
—  Lasers  (14.  Jahrb.,  ndl  Sasers  —  lepro.  ...  M7I 
laxerye;  l'<ffi  lauerte;  ndL  =  Lepra,  D.  324;  lVXi  iazery 
=  morphea.  D.  U,  217;  1146  Laxari.  Du  .  ange  V.  49!  = 
die  am  (136»!  Morbus  St.  l-axari  oder  Morpnea, 
Laserie  (1MC).  Mal  St.  Ladre  =  Lepra  (Du  tauge 
V,  M7;  IX,  2S0.  (Aussatz)  erkrankten  sogen, 
„guten  I^eute",  truher  nnd  «j*:er  auch  die  Syphi- 
litischen ;  sie  waren  im  Lazaret  untergebracht  D.  3*4 . 
Kluge*,  2»;  conf-  engl  Laxarwon  ^  Laserkraut.  — 


Lazaret-,  Lazarus  (Laser-)  Fieber,  -Sucht, 

■Übel, -Weib. 
lee  s.  leilich. 

Leben,  n.  leben.  —  leben  (indogerm.  iib  ^ 

leben ;  Up  -  bleiben  [*.  d.],  beharren  .  altgerro  liba  - 
beharren,  goth.  llban,  ahd.  leben,  mhd.  leben)  = 
beim  Leibe  beharren,  aus  innerUcher  Kraft  ein 
Dasein  fortführen  (Kluge*.  220  2:2,  Heyne  III,  W2j. 

—  Leben,  n.  1.  —  die  Kraft  zu  leben,  das 
I  Zeichen,  dass  man  lebt,  Gesundheit.  —  2.  = 

beim  Pferde  der  fletschige,  blutreiche  und 
empfindliche  Teil  zwischen  dem  Hornschuh  u. 
dem  sog  Hufbeine,  der  innere  Teil,  der  Kern 
des  lebenden  Hufes  i<ir.  w.  vi.  423;  Mayer  IIa). 

—  3.  =  der  vorzugsweise  Empfindung  d.  h. 
Leben  bezeugende  Teil  des  Geschwürs  (Fautl  119 

—  4.  =die  besonderen  Zeichen  der  Gesundheit, 
Zeugung»-  u  Lebenskraft,  Genitialia  'Joidschm. 
133).  —  um  das  Leben  fechten  (mit  dorn  Tode 
s.  d.)  =  agonizare  .D  Ii,  xvii'.  —  lebendig  i'mhd. 

lebendec,  1419  lebntig ;  13S1  lemptig,  lempic,  lendlc. 
Schmeller  I.  140S;  Gr.  W.  VI.  432;  D.  624;  =  I^ebens- 
kraft  zeigend,  habend,  frisch,  kernhaft,  rot, 
im  Gegensatze  zu  tot  oder  wild.  —  fl7.  Jahrb  ) 
Lebendig,  n.,  m.  =  (1092  Lebend,  n.  1.  =  Leben  2, 
Uufkern  t'R.  A.  5*4).  —  2.  -  das  empfindliche, 
blutreiche  Gewebe  unter  der  Haut  warze  Seb.  i«<o.i. 

—  3.  =  Teufel  der  leibhaftige  (Frumm.  VI.  443;. 

—  ltlt  alt  erlebt  -  im  leben  alt  geworden 
(Schmeller  I.  HOT).  —  1*4«;  Blut-Leben  =  die  phy- 
siologisch chemische  Thatigkeit  des  Blutes,  die 
Bluterzeugung  (Gr.  w.  II,  l^-.  (vergl.  Ferch).  — 
Doppel-Leben  =  „Doppelbewusstaein ,  alter- 
nierendes Bewuastsein,  ein  meist  bei  weibl. 
hysterischen   Individuen  beobachteter,  dem 

I  Uypnotismus  verwandter  Vorgang,  in  welchem 
die  Kranken  abwechselnd  in  2  ganz  verschie- 
!  denen  geistigen  Zustanden  >.  zweites  Gesicht) 
;  leben,  so  dass  während  der  einen  Phase  das 
j  Gedächtnis   für  die  andere  vollkommen  er- 
loschen erscheint"  fYilLaret  I.  4^0),  so  dass  ein 
solches  Individuum  gleichsam  2  Leben  führt, 
zweierlei  sieht.  — Hund  -  -Leben  —  schlechtes, 
elendes  Dasein.  —  liebet  Leben  =  Genitalia 
|  (Leben  4)  (Cr.  W.  VI,  424).  —  wieder  lebendig 
(1445  widerlemtig.   Schmeller  I.  14ö-   =  redivivus. 
neues  Leben  zeigend.  —  Lebe  n.  s> ,  lebendig, 
leblich  -Balsam,  -Dieb,  -Faden,  -  Glieder,  -Kraft, 
•Licht,  -Linie,  -lo$,  -Saft,  -Schwache,  -Tag, 

—  Taubsucht,  -  Wesen,  -Zeichen. 

Leber,  f  Lebern,  f.  indogerm.  Ijek  'Jecur,  hepar] , 
nach  dem  Vorgange  der  Ktrusker  galt  den  Römern 
nnd  Griechen  die  Leber  als  Augurium  hanSpMa,  da» 

,  Di Tinaüon»  organ  de«  Heil  [D  U.  42]  oder  Eicgeweide- 
beaehauer*.  «le  war  da»  caput  eztorum,  da»  er»te  und 
wlehtig«te  Eingeweide.  de**en  oenuva  na<'h  beutigem 
deutschen  Volk. «glauben  un«icblbar  rnarhen  «oll.  da 
ea  eine  054UIS|W|S>  in  Opiat fusli  war,  mit  dem  Ver- 

1  scli«inden  des  ^.mi«<.•hen  Heidentums  rerliert  «ieh 
ao<  h  in  den  noch  fortlebenden  romanischen  Sprachen 
da«  ;iat-]  jecur  «purlo»;  auch  der  germanische  Opfer- 
priester  [Gode]  Terbrannte  die  Leber,  und  noch  gilt 
das  Verbrr-Drjen  derselben  als  ein  Mittel  rezren  Hezen- 
zauber   Wultke  266),  Hundebb»  ete  ;   -t«r  die  beim 

.  Kultopfer  ausgesondert*  bitter«  Ga^e  »iehe  die*e . 


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858  Leber 

and.  lebaxa;  7.— 8.  Jahrh.  leparo  —  flgldo  -  ficatam 
jccur,  lc  foie  'vom  der  durch  Felgen,  flgl,  gemästeten 
Gilnselcber],  Cas*.  (iloss.  Ulcz  100 ;  leucrn  -  ncatum, 
D.  II.  173;  9.  Jahrh.  ieber»  =  jecor.  R.  Maur.  65; 
U.  Jalirh.  lebera  =  jeeur,  II.  Z.  III,  368;  XV.  341; 
U. — 12.  Juhrh.  libora^  jeeur.  Graft  II,  80;  „das  e  der 
StnmmslUie  int  alte»  I",  Kluge*,  SM;  mhd  löbcre; 
mnd.  levere;  angl.  llbr  =  ficatum,  P.  233;  engl.  Uver), 
1.  =  da«  den  flüssigen  Speisebrei  (Chyuius) 
durch  „Lab"  (s.  d.)  nach  alter  (aber  nicht  rich- 
tiger) Vorstellung  von  dessen  liefe  trennende 
und  beides,  das  Geläuterte,  „Kdle",  und  die 
Hefe  (s.  Melancholie)  richtig  leitende,  „feucht- 
warme",  in  der  rechten  Seite  der  Bauchhöhle 
liegende  Organ,  das  der  Blutbereitung  (s.  Blut- 
lauf Abbildung  S.  353)  zur  Bildungsstätte  dienen 
sollte  und  demnach  auch  als  „ein  Brunnen  der 
blutreichen  Adern"  (1677;  Heyn.  162),  als  der  Sita 
von  Trieben,  Leidenschaften  u.  Empfindungen 
(Liebe,  Zorn,  Mut,  Durst  etc.),  la cause  materielle 
de  l'amour  (itrigs.  w),  angenommen  wurde  (14.  bi» 

10.  Jahrb.,  mnd.  de  äderen  de  van  der  leveren  dat 
blot  ghevct  deine  live,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  132.  1018 
„Die  tatm  Ist  ein  tilled  der  Adcrdawung  [—  Ver- 
dauung des  chymus  In  den  Blutadern]  und  eine  üe- 
btrertn  des  Blutes  [Mutbildungstittte]  ;  die  unnatür- 
lichen [s.  d.  —  ungeordneten]  4  I.ebcrfcuchtlgkeltcn 
(s  d.]  werden  geshleden  u.  gesetzt  zu  etlichen  statten, 
die  dazu  bereit  sind  [die  rote  oder  gelbe  <ialle  oder 
Cholera  zur  Gallenblase ;  die  schwarze  Galle  zur  MHz] 
od.  werden  aufgetrieben  von  dem  Leihe  als  die  Cholera 
zum  tiallenfelle ,  die  Melancholie  /um  Miltz ,  das 
PbJegnM  [Schleim,  Keuchte]  zu  den  Pugeu  [Gelenken] 
und  die  wässerige  Feuchtigkeit  [l'rln]  zu  den  Nieren 
und  zu  den  Mosen",  H.  v.  Gersd.  12.  1034  „Ks  Ist 
Jo  die  I-ebbcr  ein  gezaw  [-  Werkzeug]  od.  Instrument, 
vermittelst  welchem  die  notur  das  notwendige  blut 
setzt  und  on  underlasa  kochet  Weichs  darnach  zu  dem 
hertzeu  gezogen  In  die  lebendig  machende  »ielster 
(s.  Lebensgeister]  vollen  breidt  [bereitet]  wirt",  Kurl-  , 
elus  Cordus  nach  Peters  II.  184);  nach  dieser  hu- 
moralpathologischen  Lehre,  die  die  Leber  als 
ein  hauptsächlich  Blut  bereitendes  und  Blut 
aussendendes  Membrum  generativum  massae 
hum<iralis(j!.  B.  Phlegma)  auffa»ste(i:>24;  Pr.  11,95),  1 
konnte  und  musste  durch  Störung  der  Leber- 
funktion („es  ist  etwas  d.  b.  die  Ualle  über  die 
Leber  gekommen",  gegangen,  gelaufen)  eine 
abnorme  Zusammensetzung  der  llumores 
(phlegma,  sanguis,  cholera,  atra  bilis),  die  sich 
z.  B.  bei  der  Syphilis  als  Phlegma  (guuima)  in 
die  Knochen  absetzen  oder  als  Entsendung  im 
Blute  bemerkbar  machen  sollten  (Pr.  II,  162),  zu 
stände  kommen,  damit  aber  auch  die  Consti- 
tutum der  natürliche  „Humor"  im  allgemeinen, 
verändert  worden  ,  z.  B.  cholerische  Etnpfiu- 
dungen,üble  Laune (Melancholie,Milzsucht)  etc. 
geweckt  werden :  „es  ist  miretwas  (Käfer,  I>aus) 
über  das  Leberl  gekrochen"  oder  besser  das 
schwäbische  „es  ist  mir  das  Leberle  über- 
lüden" (als  Uallenstatte,  s.  Überlaufen)  =  es  hat 
mich  etwas  aus  der  (natürlichen)  guten  Laune 
(=  Humor)  gebnebt  (Heyneiii,  688;  Schm.  I,  1410). 

—  von  der  Leber  räumen,  s.  räumen  (reden). 

-  2.  =  Leberähnliche«  (Bürde-,  Mutter-Leber) 
(Kraus,    E.  457).    —   3.  oft  -  Magen,  dessen 


Leber. 

Krankheiten  im  Sprachgebrauche  auf  die  Leber 
übertragen  wurden.  —  4.  =  nach  der  modernen 
Auflassung  ist  Leber  die  Drüse  zur  Bereitung 
der  (»alle ,  die  Bildungsstätte  des  Harnstone«, 
des  Fettes  und  des  Zuckere.  —  (17.  Jahrh.)  bau- 
fällige Leber  =  faule  Leber  (F.  K.  B.  224).  —  be- 
dampfte Leber  (mnd.,  14. — 10.  Jahrh.  de  bedem- 
l>edun  leveren ,  J.  I.  ndd.  Spr.-F.  XV,  141)  ^  eine 
Leber,  in  der  sich  nach  humoralpathologischer 
Schullehre  die  aufsteigenden  Gase  od.  Dämpfe 
verstopften  und  anschoppten  wie  in  einem 
schlecht  ventilierten  Ofen  =  Leberanschoppung, 
Infarctus  hepatis.  —  btsehUitnte  Leber  'mnd. 
beslimel  levere  hevet  he  den  vlote  van  deme  hovede 
so  werd  besllmet  sin  levere,  sin  lunghe,  sin  borst, 
14—16.  Jahrh.;  J.  f.  ndd.  Spr.-F.  XV.  136.  144)  = 
Magenkatarrh  mit  Schleimbildung  (s.  Leber  3). 

-  bleiche  Leber  (mnd.,  14.  — 15.  Jahrh.  hevet  de 
mlnscho  de  suke  van  der  hette  (hitzige  Leber  2]  lang  he 
gedragen  so  is  eme  sin  levere  blek,  J.  I.  nd.  Spr.-F. 
XV,  107)  =  Uber-Cirrhose,  Säuferleber,  Milch- 
leber, weisse  Leber,  durch  weisses  Bindegewebe 
in  seiner  zuerst  roten  Farbe  zum  (irauweissen 
verändertes  Leber-Organ.  —  (1616)  blöd«  Leber 
=  eine  kranke,  zur  Blutbereitungsfunktion 
schwache  Leber  (Pausa  M;  Tabem.)  (s.  Leber- 
blödigkeit). —  fco«e-Leber  (U.— 15.  Jahrh.,  mnd. 
»M»sen  leveren,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  130;  16S2  böse 
I.ebcr ,  Lonic.  270)  =  schwerleidende,  bösartig 
(s.  kalte  Leber)  veränderte  Leber.  —  Brannt- 
wein-Leber =  Sauferleber  (s.  d.).  —  ßtirdV-Leber 
=  die  Mutterleber  (Placenta)  als  Leber  für  die 
Bürde  (Burt,  Krabryon)  angenommen  (Hyrü,  K. 
W.  204).  —  dicke  Leber  (Tirol;  v.  Hörmann  47),  1.— 
grosso  Leber.  —  2.  =  grosser  Appetit,  guter 
Krnährungszusitand.  —  (1717)  durstige  Leber  = 
entzündete,  heisse,  trockne  Ixiber  (Abrah.  II.  297). 

—  (l&ai)  entzündete  Leber,  L  =  Schmerz  in  der 
Lebergegend  und  Hitzegefühl,  Brennen  im 
Magen,  Durst  (Bock  loci  j  Peters  II,  184).  —  2.  = 
s.  Leberentzündung.  —  (1699)  erhitzte  Leber  = 
s.  hitzige  Leber  n.  verdorrte  Leber  (v.  M.  II.  23). 

—  (12.  Jahrh.)  faule  Leber  (lülun  lebere.  Pfeiller 
1k.  89)^- eine  durch  Fäulnis  der  Säfte  verdorben 
angenommene,  erkrankte  lieber.  —  (19.  Jahrh.) 
Fett  Leber  -  Hepar  adiposum ,  eine  ausBer- 
gewöhnlich  reiche  Fettinfiltration  oder  Fett- 
degeneratiou  der  l^eberzellen.  —  (1645)  feuchte 
Leber -  die  aus  feuchter  Komplexion  erkrankte 
Leber  (s.  kalte  Leber)  (Coler,  II.  A.  166).  —  Qe- 
leber  (das  gliber,  Buck  17)  =  die  ganze  Leber.  — 
/»«x/Vi-Leber  -  s.  Potz- Leber.  —  grosse  Leber 
lengl.  livergrown)  =  da  die  lieber  nach  alter  ins 
Volk  gedrungener  Lehre  der  Sitz  des  Durstes 
sein  sollte,  so  musste  der  Trinker  a)  eine  be- 
sonders grosse  (Säufer-) Leber  (Gr.  Vi.  VI.  461) 
und  b)  desgleichen  eine  hitzige  oder  entzündete 
Leber  (s.  d.)  haben,  da  Hitze  Durst  macht;  ein 
solcher  hat  die  Leber  nach  dem  Volksspruche 
auf  der  Sonnenseitc. —  (1677)  harte  Leber  =  I«ebor- 
verhärtung  (s.  d.)  (Beyn.  44).  —  (1507)  heitse  Leber 
=  die  zu  viel  hitziges  Blut(s.  d.)  bereitende  Leber 
(le  foie  ehaud)  als  Ursache  der  heissen  Cholera 
(s.  d.)  (Hort,  san.)  u.  des  cholerischen  Tempera- 
mentes. —  (1645)  hitzige  Leber,  1  =  dio  heisse 
Leber  als  Zeichen  der  sogen,  biliösen  Kompli- 


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Uber. 


Ubs-Ucker 


859 


kation  bei  fieberhaften,  hitzigen  Krankheiten 
..wenn  der  Mensch  Hand  und  Kussohleu  sehr  helss 
hat.  die  Korbe  des  Leibes  gilb  ist  und  der  l'ativnt  zu 
irrossem  Durste  geneigt  ist"  (Thes.  san.  Br.  9.1.");  Coler, 
II.  A.  156).  —  2. —  die  grosse  I/ober  des  Trinkers, 
der  so  viel  Durst  hat,  weil  er  nach  der  Volks- 
meinung eine  zu  blutreiche,  hitzige  Leber  hat 
(Gr.  w.  iv,  2.  ii*4).  —  kalte,  (lyoi)  erkaltete  Leber 
(Hort.  san.),  nach  humoral pathologischer  Auf- 
fassung, 1.  =  eine  zu  viel  kalte  Feuchte  oder 
Phlegma  (s.  d.)  bereitende,  aus  dem  kalten  Blute 
absondernde  und  in  die  Gelenkfugen  (Kheiuna- 
tisinus  articnl.)  ablagernde  Uber.  —  2.  -=  Leber' 
cirrhose,  als  blutarme,  bindegewebige ,  harte 
Lebermit  Bauchwassersucht  (l'hlrgma,  Ascites). 

—  m&A-leberig,  1.  —  eine  wie  Milch  weisse 
lieber  habend  ;  die  Uber  als  Bildungsstätte  des 
Blutes  und  der  Triebe,  nach  alter  Auffassung, 
umsste  beim  zornentbrannten,  heissblütigen 
Menschen  rot,  beim  weichmütigen ,  liebens- 
würdigen,die  lange  Hitzeertragenden  M ersehen 
aber  weiss  wie  Milch  sein  (die  Milchadern  im  (i<- 
kr-ise  (Milchdarm)  sind  nach  der  Muhlzeit  weiss  gefüllt . 
nach  dem  Ksscn  ist  jeder  Mensch  auch  besser  gelaunt 
als  im  lluugcrzuslaudc ;  bei  jedem  IMner  kuun  mau 
die  llumores  im  Gesichte  selbst  gebildeter  Leute  er- 
kennen) (s.  weisse  Leber).  —  2.  =  bleiche  Leber. 

—  (164;.)  mittelmässige  Leber  =  eine  normale 
Uber,  aus  wohl  temperiertem  Blute  (s.  d.)  sich 
bildend,  d.  h.  aus  gut  gemischtem,  nicht  zu 
dickem,  nicht  zu  dünnem  Blute  (Coler,  IL  A.  166). 

—  (1704)  Mutter  -  Leber  ■  Hepar  ulerinum  = 
l'lacenta,  Leberlage,  Leberkuchen,  Bürdeleber, 
die  Nachgeburt  als  das  das  F.inbryonbhit  be- 
reitende Organ  (1564  AranUus.  Hyrtl,  K.  \V.  5.  204; 
17S3  ,.von  dem  Samen  Ha  Uc  rieber,  hepar  uterinuui, 
erhellet  der  Nutzen  dieses  Körpers,  welchen  mau 
heutigen  Tags  besser  die  physiologische  Lunge  der 
Knicht  nennen  konnte",  Stein  I,  96).  —  iVote -Leber! 
in  Flüchen  entstellt  aus  GodeS- Leber;  «ler  Opfer- 
priester hieas  Gode  (auch  pluostrarll ;  er  nahm  die 
Uber  und  das  Inngerausch  (s.  d.)  heraus  uns 
dem  Opfertiere  (s.  Los).  (Vergl.  du»  Verl  ltanm 
und  Waldailt  S.  23  Anm.  I  und  lorresp.-Hl  f.  Anth. 

k.  f.  1*9«,  s.  13).  —  Säk/Vr-Leber  Wniiver,  gin- 

[—  Wachholderschnap*]  drinkers  llver,  Lehf.  17»),  1.  — 
die  grosse,  heisse  Leber  (s.  o.)  =  liyperaemia 
hepatis.  —  2.  —  tlie  Uberverhilrtung,  Cirrhosis 
hepatis,  als  Folge  des  Alkoholismus  (<ir.  W.  VIII, 
1*83,  «Ogt  hobuail  liver.  Jkhuhzweckel  Leber,  DoiHbL 
M;  I/sbl.  183).  —  5o/ra«-Leber  -  eine  Fetlieber 
mit  safrangelber  ikterischer  Farbe  des  Leber- 
gewebes. —  ScAnrtr-Leber  —  eine  durch  zu 
starkes  Schnüren  bei  Frauen  verursachte  Miss- 
staltung  durch  Furchung  der  Leber.  —  (n-r«) 
trockene  Leber,  L  =  aus  trockenem,  dütren 
Blute  (s.  d  )  sich  bildende  Leber  (Coler,  II.  A.  156). 

—  2.  [ndl.  hij  heett  een  droge  lever,  l'ninell  lv.»7,  s>«) 
--  er  hat  eine  Säuferleber  2.  —  (16ös)  vadurretc 
Leber  -  die  durch  Hitze  (s.  d.,  Alkohol)  aus- 
gedörrte, getrocknete,  eingeschrumpfte  Leber, 
Saaferleher  2,  Cirrhosis  hepatis  (Heyn.  2Ä4).  — 
[MM)  verhärtete  Leber  -  s.  Leberverhärtung 
iv.  M.  II,  23).  —  (1592)  rertchrtr  Leber  -  schmerz- 
hafte Uber  (r.  M.  Ii,  29-1;  Beb,  191).  —  11699)  ver- 
»topfte  Leber  =  Uberverstopfung  (s.  d.  u.  be- 


dämpfte Leber)  (v.  M.  II,  23).  —  W ander  Leber 

=  eine  Leber,  die  ihren  normalen  Ort  ver- 
lässt.  —  weisse  Leber  —  Milchleber  (s.  d.),  le 
foie  blanc;  der  besonders  weichmfltige,  liebes- 
empiindliclie  und  schlaffe  Mensch  soll  nach 
altem  Volksglauben,  der  wohl  aus  der  Schul- 

|  medizin  diesbezüglich  entsprang,  eine  milch- 
weisse  Leber  haben;  Frauen  und  Männer,  die 
zum  drittenmal  heiraten  und  damit  den  Beweis 
besonderer  Sanftmut  und  Liebenswürdigkeil 
aldegen,  haben  darum  nach  diesem  Glauben 
als  Ursache  der  letzteren  Eigenschaften  eine 
solche  Milch- oder  weisse  Leber  (auch  weisses 
Herz)  (1'r.iuell  IV.  19);  mit  40  Jahren  aber  mus«  uaeh 
demselben  eine  solche  Krau  mit  eluer  weissen  Leber, 
die  auch  vou  Vergiftung  kommen  soll,  Nierheu ;  der 
Manu  aber,  der  eine  weisslelKrige  Krau  hat,  muss  vor 
dieser  sterben!  —  Leber-.ldVr,  -Apostem,  -Diodig- 
heit,  -Blutfiuss,  -Drüsen,  -Egel,  -Enttundung, 
•Erhärtung,  -Fach,  -Fäule,   -Feder,  -Fehler, 

I  -Fluchteil,  -Flecken,  -Flui»,  -Gebrechen,  -Ge- 
bresten, -Geschwulst,  -Gipfel,  -Hand,  -Haupt, 
-Hitze,  -Hohe,  -Hohle, -Hügel,  -Husten,  -Kolik, 
-Krankheit,  -Kuchen,  -Lage,  -Lappeu,  -Leiden, 
•Lunge,  -Mangel,  -Netz,  -Pforte,  -Putzer,  -Ruhr, 
-Schwär,  -Schwärung,  -Seite,  siech,  -Stein, 
■Stockung,  -Sucht,  -überhitz,  -Verstopfung, 
•Wedel. 

Lebs,  Lebse  s.  Lefze. 

lech,  lechen,  leck,  Lecken,  lechzen,  -lochst 

(germ.  lek  —  wässerig  sein;  goth.  likan;  engl.  Utk; 
mhd.  b  eben,  leehezen  -  austrocknen,  vor  Trockenheit 
Kisse ,  Sprunge,  Schaden  bekommen  und  so  Wasser 
durchlassen,  Kluge *, 230).  —  Lecken,  tu. -Schaden 
(Riss,  Sprung),  wie  ein  leckes,  (1717)  zerlexnetes 
(Abrah.  II.  109)  Wassergefäs  (Schmellor  I,  1433)  — 
lechzen  ■  stark  austrocknen  beim  Atem  holen 
(Or.  w.  VI,  477).  —  der-,  er-,  rrr-lechzt  (-lechst), 
1.  =  ardenter  sitire,  vor  Durst  und  Trockenheit 
brennen  im  Bachen.  —  2.  —  (aus  Durst)  al>- 
gesehlagen.  —  (1579)  cr-leckert^  u  »si  erlechert, 
erlechzt  (Tabern.)  =  von  tinger  her  ertrocknet, 
ausgedorrt  im  Magen  (Bachen).  —  (1C09)  gute 
Lecken  (aufklauben)  (Guar)  =  Schaden  (Fran- 
zosen-Geschwüre) sich  acquirieren.  —  Kör- 
Lecken  -  s.  Lücken  (Lach),  lecken  u.  naschen. 
!  —Leck- Auge*. 

Lechter,  m.  (lichter)  (zu  hh:  i.eich  [s.  dl. 

Körper;  ahd.  lehtar,  y.  — 10.  Jahrb.;  Ural!  II,  162, 
Kluge',  133)  =  Matrix,  Secundinae:  1.  =  Gebar- 
mutier und  2.  =  Nachgeburt  als  Inhalt  von  1, 
—  lechtig  =  s.  Uge  —  ent  lichten  Q&.  Jahifc; 

ontllchten  -  -  exonornre,  D.  217)  —  aus  dem  Ge- 
lechter  entschütten,  abortieren.  —  Oclechter 
(ahd.,  8.  Jahrh.  gilehter.  <.rnff  1.  162)  -  Matrix,  die 
ganze  Gebärmutter  mit  ihrem  Inhalte  (daher 
mhd.  gelihter  =  Geschwister,  Kamllie,  Sippe,  Kluge*, 
US;  bei  Abraham  u  .St.  Clara  [I,  18t ;  II,  59  Index]  auch 
üliflter  mit  Wechsel  vou  ff  u.  ch  wie  bei  Olli  u.  (.icht). 

Lecker,  ni.  lecken  (skr.  rih,  rlgh  durch  uralten 
Lainbdacismus  (It.  Kleinpaul.  Leb.  d.  Spr.)  verwandelt 
In  indogerm.  ligh  [llngere,  lingua];  ahd.  lekon ;  mhd. 
lecken,  Kluge*,  SM))  =  lamhere,  mit  der  Zunge 
lecken  (bUB bette  nate* !  llngere  culum,  bei  Cutull  schon 
|  vorkommend.  Schräder  294)  =  statt  des  l'apieres 


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Wler— leer. 


die  Hundszunge  gebrauchen  (dm  der  Hund  an 
allem  leckt ,  nicht  bloss  am  Speichel  seines  Herrn, 
sondern  auch  an  dessen  Geschwüren  etc.).  —  er  sieht 
aus  wie  fleckt  =  wie  frisch  geputzt,  rein.  — 
er  hat  gewiss  /deckt  (genascht)  =  HerpeB 
labialis  (s.  Kör- Lacken  u.  naschen),  durch 
Naschen  oder  Küssen  sich  den  BlalternauK- 
schlai;  am  Munde  zugezogen  (Kosenbanm  2*4).  In 
Komeo  nnd  Julie,  L  Auf*.  4.  Biene:  „Oft  plagt  die 
boxe  Mab  mit  Bläschen  diese  (Lippe),  well  ihren  Odem 
Nascherei  verdarb."  (S.  auch  Grieben  u.  Toten- 
knss);  die  damontsttsrhe  Aettolofrle  im  alten  Volks- 
glauben ergibt  sich  deutlich.  —  er  hat  zu  lecken 
b  er  hat  einen  Schaden,  an  dem  er  wie  ein 
Hund  zu  lecken,  zu  verbessern  hat.  —  Lecker, 

1.  =  die  Zunge  (Gr.  W.  VI.  483).  —  2.  =  (Tirol; 
Fromm,  vi,  446;  Lade  als  laickender,  sprin- 
gender Geck.  -  ynM£/em-Lecker  =  moreeanino 
cunnilingus  (Schräder  154).  —  Kur  -  Lecken  siehe 

I.  ach;  siehe  ausserdem:  leebernd  und  Lack, 
läeken.  —  Pfoten-  Lecker  (Brandenburg;  polen- 
lecker, Engel.  192;  ndd.  botterllkker.  Demokr.  II,  117) 
=  Butter-  oder  Topflecker,  Zeigefinger,  mit  dem 
man  die  Kost  an  die  Zange  bringt.  —  Leck- 
■Auge*,  Sucht. 

Leder,  n.  (lOrgUUL  letro-m;  gem.-germ.  lödar; 
ahd.  lednr;  mhd.  linier.  Kluge*,  230  —  gegerbtes  Fell; 
1182  leder),  1.  =  Trommelfell  im  Ohre  (c.  v  Megbg. ; 
Gr.  W.  VI,  491).  —  2.  =  a)  (In  Redewendungen) 
menschliche  Haut  (Gr.  W.  VI,  491;  Schräder  295) ; 
b)  (anatomisch  1749  „das  Mlttelntigerglled  ist  mit 
weissblaulichtem,  schier  todt  gebauchtem  Leder  wie 
ein  pauaiitium  umgeben",  ZeiUchr.  f.  d.  Philol.  XXVI) 
=  die  durch  feuchten  Verband  weissgebliebene, 
abgelöste,  bei  Handarbeitern  lederartig  sich  ab- 
streifende Oberhaut  der  Cutis:  1.  =  Epidermis, 
Corium.  —  2.  —  Kuh-  und  Menschenkot,  der 
sich  abledigt«  (Schm.  I,  1440).  —  ledern,  1.  = 
cacare  (Schm.  L  c).  —  2.  =  unempfindlich  wie 
eine  tote  Haut.  —  (mß)  Niederung  =  Abhäu- 
tuni; bei  der  Halsbräune  (Woyt  91).  —  Arsch- 
Leder  —  Gesässhaut,  .Sitzfleisch,  I'odex  (Spiess 

II,  U).  —  Leder- Brand,  -Bund,  -Haut,  -  Wurm. 
ledig  Lein  Wort,  dessen  Bedeutungsentwicklung 

schwer  zu  beurteilen  Ist"  ;  mhd.  ledic,  KluKe8,  230  ~ 
frei,  UDbehlPJwt,  Illegitim,  solutus,  privatus.  —  ab- 
ledigen  =  etwas  frei  machen,  ausräumen,  ent- 
binden, z.  B.  das  Kind,  Hiustschleim,  Haut  und 
Haar.  —  (1692)  V'or&M^s-Ledigung  =  Buglähme 
beim  Kinde,  wobei  eine  falsche,  d.  h.  zu  freie, 
zu  bewegliche  Gelenkverbindung  (Schlotter- 
gelenk) bestellt  [Sab.  iso).  —  ledig(r, er, es)  Darm', 
Kind,  Unkemcfthnt. 

leep  (ndl.  leep  =  llppus.  qui  habet  malos  oculos  [D.) 
leepen  =  llplre,  D.  332;  ?zu  lüpp  (  =  GiftD  =  bösartig 
(Goldschni.  92,  Oldenburg).  —  Leep  Auge*,  Leute. 

leer  mhd.  l&ri,  mhd.  lane,  Klug«*,  U3i>  =  ungefüllt, 
lodlg),  1.  -  nicht  trächtig,  leer  im  Fruehtsacke 
(vom  Rinde),  Tnajjer,  nicht  beleibt  (Gr.  W.  VI, 
608;  schmeiier  i,  1498).  —  (1789)  ausleeren  =  pur- 
gate  ventrem,  den  Magen,  I.eib  durch  Abführ- 
mittel putzen  (s.  d.)  (Gr.  W.  I,  9u6,  Nicolai  II,  321), 
was  der  Körper  bei  der  Knischeidung  (s.  Krisis) 
der  KrunkhoU  als  „kritische  Ausleerung"  thut 
(Kraut,  B.  277).  —  blut  leer  -  sichtbar  in  den 


I  Adern  mit  Blut  wenig  gefüllt,  blutarm,  exsan- 
guis  (Gr.  w.  Ii,  186).  —  Ge-leer  (Glär)  =  das 
Geschlinge  des  rauschendes  Leerdarraes  (s.  d.; 
beim  Schlachtvieh ;  Inngeräusch)  (C.  v.  Scbm.  232). 

—  flrrr-leer,  -Leere,  1.  —  das  öde,  leere  Ge- 
I  fühl  in  der  Magengegend  (Cardia  =  Herzgrube), 
i  von  wo  das  sogen.  Herzwasser  aus  dem  Magen 

aufsteigt;  das  Volk  denkt  Bich  etymologisierend 
dabei  das  Herz  von  flüssigem  Blute  frei,  bloss 
mit  geronnenem  Blute  gefallt  (Buck  20).  — 
2.  =  das  Kalbefieber  (Eclampsia  puerper.), 
wobei  man  das  Herz  des  geschlachteten  Tieres 
blulleer  fand  (Falke  I,  390).  —  schindet -leer  — 
(vom  Vieh)  mager  wie  ein  Brett  (Schmeiier  1, 1498) 
(«pindeldörr),  forden  Schinder  reif.  —  Leer  («▼)- 
Darm,  -Überfang. 

Leff,  n.  leff,  Lefs,  m.  Lefz,  Lefze,  f  Leftze, 
Lefftzen,  Lebse,  f.  Lepse,  f.  Lespe,  f.  (urgerm. 

Icpas  oder  lefs-,  germ.  lep,  leb  =  labinm,  Lippe;  ahd. 

lefs,  m.,  (iraff  II,  206;  altfranz.  leffre,  loffre,  lofre  — 

l.  vre»,  Bris».  40;  7.  Jahrb.  leffura  -  labla.  Graff  II,  203  ; 

7.-8.  Jahrb.  lefsa,  f.  ss  labla.  Gas«.  Glos«.,  Dies  »4; 
|  8.  Jahrb.  lefsa  —  labla,  Kero  80;  mhd.  löfs,  lefse,  f.,  m. ; 
|   1482  leff«,  lebsen,  0.  v.  Megbg.;  Zenlng.  Voc.  s5;  1523 

lettre,  Kluge*,  239;  1528  lebae,  A.  Duorer;  [Schwelsl). 

—  Leff  (Schweis)  Läff,  Lef,  n.  =  Maal  (Gr.  w. 
VI,  615;  Schw.  388;  (bayer.  W.]).  —  Lefern  =  Hänge- 
maul  (Schmeiier  I,  1451)  =  Lippe.  —  Lebs,  Lefz. 
Lefzg  =  Lippe  (C.  v.  Schm.  340.  $47;  Bock  13; 
Schmeiier  I,  497  sub  deihen).  —  Lefze,  f.  Lefzen,  m. 
(Bayern,  Tirol,  oberd. ;  Htntner  6.  14).  —  Lefzlein 
(1521  lefrtxllu  -  -  labellum,  D.  313)  —  die  Lippen  des 
Mundes,  Maules,  der  Augen,  Scham,  Wunde  etc. 
(Gr.  W.  VI,  616);  sie  sind  dick,  gross,  mager, 
klein,  ofl'en  etc.  —  (1766)  auf gesprungene  Lefzen 
sa  Lippen  mit  Schleimhautrissen,  Khagades, 
Fissurae  labiorum  (A.  v.  H.  II,  506).  —  Augen- 
Lefzen.  -Gleff  (-Gläff,  -Glaff)  ■  die  beiden 
Augenlippen,  Augenlider  (Gr.  W.  I,  806,  Schmeiier 
I,  971;  Ii,  xxi;  Hyrtl,  K.  w.  13).  —  (1789)  berggriine 
Lefzen  =  neidiscli-gelbe  chlorotische  Schleim- 
haut der  Lippen.  —  (15.  Jahrh.)  GV-leff  (Gleff, 
Gläff,  Gleft,  Glepfen,  Gleif)  (1>.  S14  .  402;  Gr.  W. 
I,  806;  VI.  515;  1472  Rllffer;  1477  glefer  -  oscedo,  D.  402 
=  labla)  —  die  beiden  Mundlippen,  der  Mund, 
die  ganze  Mundweite  beim  Gähnen  u.  Kleffern. 

—  (1668)  geschundene,  (1592)  geschrundene  Lefzen 
=  Khagades,  Lippen  mit  abgestossenem,  zer- 
spaltenem  Oberhautchen  (Beyn.  119;  Seb.  666). 

—  (l*>12)  hm  /Vleftzig  =  grosslippig  (D.  82,  broccus). 

—  (13.  Jahrh.)  Mannes-Qle^f  =  Labrum  viri 
(I..  314).  —  (Anf.  d.  19.  Jahrh.)  Muttermund  Lefzen 
=  Orificia  uteri,  die  den  äusseren  Muttermund 
bildenden  Cervix-Lippen  (Rolffs  173).  —  Ober- 
Lefze  (mhd.  oberlefse;  1440  oeberlcflU;  1495  ober- 
lefftslln,  Gr.  W.  VII,  1096;  D.  314)  =  Oberlippe.  — 
(1677)  «ScAam-Leffzen  ■  Labia  vulvae,  (1793)  Alse 
majores,  Labra  Iminae  (Hyrti,  K.  w.  52;  Gr.  W. 
VIII,  2118;  v.  Slebold  87).  —  t'nfVr-Leffzen  (mhd. 
unterleffs;  1440  undcrluffti ;  1495  undcrlefftzlln,  Wacker- 
nagel;  D.  314)  ss  Unterlippe.  ■ —  (1660)  »er-glafern, 
-glaffet  -  ganz  abnorm  weit  den  ganzen  Mund 
aufsperren  beim  Gähnen  (Oscedo)  (II.  Sachs; 
Schmeiier  I,  1754;  I».  402).  —  (1718)  U'-i.vt  r-Leffzen 
=  (Übersetzung  der)  Nymphae  =  Labia  minora 
vulvae  (A.  v.  H.  II.  1168;  L.  chir.  60;  Keil,  A.  5«), 


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legen— lehren. 


Uib. 


36 1 


die.  uiich  damaliger  Anschauung  den  Urinstrahl  so 
lenken  sollten ,  das*  die  weiblichen  Beine  nicht  natu 
werden (?).  Nach  Kosam.  11  war:  Nympha  =  die 
(von  den  Wasserleffzen  umgebene)  Clitoris 
(Kraus,  E.  671).  —  Weiber-Qrleff,  -Lepfen  (13.  Jahrh. 
gleffpderwibe;  15.  Jahrh.  weybes  lepfen  ■»  labla,  D.  314) 

—  Schamlefzen.  —  Wum /-Lefzen  (1M9  lefzen 
der  wunden,  Gr.  W.  VI,  517;  1742  wund-lcffucn,  Zw. 
800;  a.  t.  H.  Ii,  883)  =  die  weit  von  einander 
„zahnenden"  Wundränder.  —  (1532)  zerspalten*. 
Lefftzen  (Fries  84)  =  s.  geschundene  Lefzen.  — 
Lefzen- Ader,  -Krebs,  -mämmeln. 

legen,  legem,  Leger,  n.  Lege,  f.  (indogerm. 

legh  (leetu*  —  Bett) ;  ahd.,  mbd.  legen  ~  liegen  machen). 

—  sich  legen  (seil.)  auf  das  Bett  =  krank  sein. 

—  sich  auf  den  Rücken  legen  =  sterben.  — 
es  legert  sich  =  allmählich  unter  mehreren 
Absatzen  sich  niedersetzen,  aufhören  (vom 
Schmerze  «.  B.)  (Schmeller  I,  1459).  —  (1260)  Leger 
=  Lager  (s.  d.)  (16.  Jahrh.  acuta  [seil,  passlo]  die 
Bucht  bezeichnet  roten  harn  der  mit  gelber  Farbe  ge- 
macht ist.  D.  643),  Krankenlager  (bei  einer  akuten 
Krankheit).  —  er  stirbt  des  Legers  —  er  stirbt 
an  dieser  Krankheit  auf  dem  Strohlager  (siehe 
Stroh-Tod)  (Pfeiffer  28.  71).  —  «t-legig  =  s.  Lage. 

—  aufgelegt  sein  im  Gegensatze  zum  „ab- 
lägigen" Kranken  =  munter,  frisch,  nach  vorne 
oder  oben  liegend,  guten  Humors,  guter 
Laune,  behaglich  oder  gutes  Hagen  sein.  — 

tt£eTlegen  }  =  *™  —  Li««,  gebracht 
sein,  darnieder  liegen,  z.  B.  die  Sprache  oder 
unbewegliche  Zange  (Bock  22).  —  Gelegenheit 
=  8.  tage.  —  Kindes-Lege  (ohd.  klndslecco, 
G raff  IV,  458;  1260  chindelcge  =  maüiz,  Pfeiffer  24; 
Schmeller  I,  1458)  =  Kindeslage  (s.  d.),  Matrix.  — 
f*7ngelegenheit  ~  s.  Lage.  —  (1551)  vei  legen  = 
was  an  einem  andern,  falschen  Orte  abgelagert 
wurde,  oder  was  fehlerhaft  liegen  bleibt,  z.  B. 
Galle,  Schleim,  Exsudate,  Winde,  Periodeblut 
(Amenorrhoea);  hauptsächlich  aber  von  der 
Sprache  (=  Zunge),  die  bei  der  „Verlegenheit" 
wie  gelähmt  ist  (Schmeller  I.  145;  Bock  185.  168; 
ürquell  1892,  8.  252;  Anm).  —  Leg- Ohr. 

Lehm,  m.  (lat.  dünner  Schlamm ;  germ. 

lalma,  Um»;  ahd.  lelmo;  angels.  liim;  mhd.  leime; 
ndd.,  md.  lein  =  Lelm,  Kalk,  thoniges,  welches  Binde- 
mittel, erdige«  Konglomerat).  —  lehmig  =  dflnn, 
schlaff,  kraftlos  (Tirol ;  Fromm.  VI,  437).  -  lehmiger 
Stein. 

-lehm  s.  Lank  und  lahm. 

lehn  s.  lind  (engl,  lean)   -  Lehn- Fleisch. 

lehren  (Stamm  Iis  [dazu  Geleise,  Leist,  leisten]  = 
gehen.  Klnge»,  232.  235;  altgerm.  lais  [-gehen]. 
Kluge  *,  141 ,  goth.  lais  =  habe  durch  Wanderung 
[Gehen]  erfahren  [1.  eod.  232];  gern -germ.  lalstjan  = 
nachfolgen,  1.  c.  231;  lalslan  =  lehren,  wissen  machen 
(durch  Nachfolgen],  1.  c.  2.12;  lubja-lela,  -lelsel  =  gift- 
kundig, Oiftkunde,  Zauberei,  Lüppclehre.  Schräder, 
Spr  -Vergl.  609;  ahd  .  mhd.  leren  (lat.  lira  =  Furche, 
gerade  Linie];  mhd.  gelArt,  geldrt  wer  (durch  Gehen 
auf  der  Torgewiesenen  Linie  nachfolgend]  unterwiesen 

ist,  Kluge».  232).  —  Qelehrten-.KVanAA«i\  — 
Lehrer- Bräune  " 


Leib,  m.  (Indogerm.  Up  =  bleiben,  leben  (b.  d.]; 
altgerm.  lfba  =  Dauer,  Beharrung  beim  Leben ,  am 
Leben  bleiben ;  ahd.  IIb.  lip  =  Leben,  (lebender]  Leib, 
Korper,  vita,  corpus,  Graff  II,  39.  43;  mhd.  lip  =  eigent- 
lich „die  Gesamtheit  der  noch  zurückgelassenen ,  der 
noch  nicht  [auf  dem  Schlachtfelde]  Gefallenen",  Gr.  W. 
VI,  580  ff. ,  Heyne  III,  605,  d.  h.  der  Zurückgeblie- 
benen; so  kam  das  Wort  [be]leib[en]  zum  Begriffe 
,,L«b[en]"  [s.  d  ).  dessen  äussere  Hülle  der  Körper  oder 
Leib  Ist  [I.elb  =  Leib,  Korper,  vita,  persona,  corpus, 
ist  bloss  deutsche  Bedeutung,  nicht  TordeuUch]),  1.  = 
die  Leibesglieder,  der  Körper.  —  2.  =  der 
Leben  zeigende  und  erzeugende,  sinnliche 
ganze  Leib  des  Weibes.  —  3.  =  (1477)  Scham 
und  Uterus  (15.  Jahrh.;  C.  v.  Schra.  348;  Augsb. 
Bibel;  D.  631).  —  4.  =  der  gesunde  oder  kranko 
Leib,  Constitutio  und  Corpus  im  Gegensatze 
zur  Seele.  —  5.  =  (auatom.)  Unterleib,  Rumpf, 
Bauch,  Aus8en8eite.  —  6.  =  der  frnchttragende 
od.  dazu  bestimmte  Mutterleib.  —  7.  =  Vorder-, 
Ober-  und  Hinter-Leib  (Gr.  w.  vi,  580).  —  8.  = 
das,  was  aus  dem  Leibe  sich  entleert.  —  9.  = 
die  Zeit,  in  der  sich  etwas  entleert,  bewegt 
aus  dem  I.e. he.  —  10.  =  Leben  (1332;  Schmeller  I. 
1412).  —  sich  leiben  =  sich  einen  Leib,  wohl 
beleibt  machen.  —  leibig  =  wohl  genährt,  feist, 
mit  einem  Leibe  behaftet.  —  Leibigkeit  = 
Corpulentia  (Gr.  w.  vi.  603),  der  Zustand  des 
I^eihigseins.  —  leiblich  =  Leib  oder  Körper 
habend,  im  Gegensatze  zu  seelisch,  geistig, 
corporalis  (D.  152).  —  (1591)  leibächtig  (Had.  Jun. 
190)  =  corpulentus,  leibig.  —  leibhaft  (1418  lelpp- 

haft.  Gr.  W.  VI,  602;  D.  152;  Kluge».  160)  =  Leib 

habend  wie  der  leibhaftige  (=auch  Teufel), 
mit  Körper  versehen,  Leibesfalle,  Feist  habend, 
greifbar.  —  Leiberung  =  die  Thätigkeit  des 
allmählichen  Leibsgewinnens,  Erholung,  Re- 
konvaleszenz «X  v.  Schm.  350).  —  (1740)  abdörrender 
Leib  =  durch  Darre  (s.  d.)  abkommender,  ab- 
nehmender Körper,  Phthisis  (Chr.  Sam.  II,  100). 
—  a''  leiben  vom  leihe,  Leben  durch  den  Tod 
abkommen,  sterben.  —  ableibig  =  mortuus.  — 
(1686)  sich  selbst  ableibig  machen  =  Selbstmord 
begehen  (Schmeller  I,  1413).  —  (1588)  Ab-leibung 
=  Tod.  —  (1670)  Selbst-^&leibMno-  =  Selbstmord 
(Gr.  W.  I.  72;  VI,  603;  Schmeller  1.  c).  —  aufgetrie- 
benerheib  =  ein  durch  Blähungen  (Tympanites) 
nach  aus-  und  aufwärt«  vorgewölbter  Bauch; 
bei  Kindern  meist  dnreh  Schwellung  der  mes- 
araischen  Drusen  veranlasst  (=  carreau  =  vier- 
eckiges Polster,  seil,  des  Bauches).  —  (1749)  auf- 
qeschtoemmter  Leib  —  ein  durch  viel  Flüssig- 
keiten (Wasser,  Bier)  vollgefüllter  Bauch 
(Magen)  (Zeluchr.  f.  d.  Phllol.  XXII,  2S7).  —  Aus- 
leibung  =  Austritt  eines  Organes  aus  dem 
Leibe  (Vorfall,  Bruch)  (Bück).  —  oowm-leibig, 

1.  =  (von  Pferden)  hechtleibig,  hechtbauchig, 
in  den  Flanken  aufgeschürzt,  in  dsn  Weichen 
schlanker,  wenig  ausgebaucht  (Falke  I,  108)  (eine 
vermutlich  von  2  auf  das  Pferd  übertragene 
Bezeichnung  mit  Änderung  des  Begriffes).  — 

2.  =  (von  Kindern)  mit  einem  sogen.  „Baum" 
behaftet;  (1740)  ,,dur  Raum  der  Kinder,  das  erkennt 
man  also:  es  ist  ihnen  das  Haupt  Kar  helss  und  torkext 
Ihnen  die  Weich  gar  fast  und  kommt  die  Krankheit 
gemeiniglich  vom  grossen  Welneu  und  .Schreien  .  .  . 


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362  Leib. 

auch  von  der  Schwachheit  der  Kinder  und  gencraliter 
ein  übles  Anzeichen  ist"  (chri.it).  Sani.  II,  107)  m  das 
Flankenschlagen  der  rhachitischen  Kinder  (bei 
Pneumonia,  Capillarbronchitis).  Solche  rha- 
chitische,  baumleibige  Kinder  setzte  man  früher 
beim  Bilwizbaum  (s.  (Jrquall  1897,  B.  33)  aus,  weil 
sio  am  Altmann  (s.  d.)  litten,  d.  h.  der  im 
Baume  hausende  ethische  Bilwiz  erbielt  damit 
das  Elben-  (Alp-)  Kind  wieder  zurück  als  Opfer 
(Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896,  366;  Laistner  1,  90)  (s.  auch 
Lindenkrankheit).  —  ifeleibtheit  =  Ansät l  von 
Fett  am  Leibe  (Korpulenz).  —  dick-leibig  = 
mit  einem  Sehmerbanch  behaftet  (Gr.  w.  Q,  1082). 

—  dünner  Leib,  1.  —  schmaler  Körper.  —  2.  — 
dünnflüssiger  I,eib  8  —  Diarrhoe,  Abweichen 
(Gr.  W.  II,  1653.  1653;  VI.  588;  14.— 13.  Jahrb.,  mnd. 
weme  dat  llf  sere  dun  1*.  J.  t  ndd.  Bpr.-P.  XV,  14t). 

—  (UM)  dünn  giwobener  Leib  =  eine  zarte  Kon- 
stitution, wie  aus  dünnem  tiewebe  der  Sehick- 
salBfrauen  (s.  Saide)  hergestellt  (Hct.  67).  — 
AfMeibig  -  dickleibig.  -  Fettleibigkeit  -  Po- 
lysarcia  adiposa,  Ohesitas,  emhonpoint,  Kor- 
pulenz, Zustand  abnorm  starker  Ablagerung 
von  Fett  am  oder  im  Korper  (Eichhor-t  II,  8">1). 

—  (1GC8)  Fratien-heib  —  die  weiblichen  tie- 
schlecht«- oder  Geburtsteile  (pars  pro  toto) 
(Heyn.  147;  A.  v.  H.  II,  674).  —  (1756)  gebrochener 
Leib  =  ein  brüchiger,  bresthafter,  mit  einem 
Bruche  (Uernia)  behafteter  Leib  (A.  v.  Ii.  II, 
717).  —  r/deiben  =  I-eih  gewinnen,  z.  B.  durch 
Schwangerschaft  (1560  clibeltag  =  dies  conceptlonls 
[Flschart],  Weinhold,  Monat-Namen  47).  —  (1646) 
gescJtwollener  Leib  =  durch  Wassersucht  auf- 
getriebener Bauch  (colcr,  H.  A.  193).  —  gross- 
leibig,  -.^leibet,  -Leibs  (H87  gross- ;  ndL  grot- 

leibig;  15.  Jahrh.  gellbet,  geübter,  gclipt,  -geleibt; 
14K2  gelelptc,  -gclebet  -  corpulcntus ;  uild.,  14.  Jahrh. 
grot-ghelivet ,  D.  152),  1.  —  grosschwanger,  mit 
einem  bereits  grossen  Mutterleibe  ausgestattet 
(Kifel,  Schwaben;  Fromm.  VI,  415 ;  C.  v.  Scbm.  244). 

—  2.  =  (1687)  einen  aufgetriebenen  Scluncrbauch 
habend  (Georg.  403).  —  halber  Leib  =  Ober- 
körper" od.  Unter-„Leib".  —  hart  leibig  (holl. 
hardlijvlgheid),  1.  =  mit  einem  durch  Stuhlver- 
stopfung  hart  und  fest  sich  anfühlenden,  vollen 
Leibe  behaftet  u.  einen  harten  Leib  (8),  harten 
Kot  habend  (dyscoelius,  Obstipatio).  —  2.  =  wie 
Siegfried  mit  der  hürnenen  Haut  eine  dicke 
I  laut  habend,  invulnerabilis  (Gr.  W.  IV.  2. 515).  — 
/ircAMeibig  ■  bechtbftuchig  (h.  d.)  (Falke  i,  ios. 
318).  —  Hinter-Leib,  1.  ~  Mastdarm,  im  Gegen- 
sätze zum  Vorleibe  (s.  d.)  (Ur.  W.  VI,  589).  —  2.= 
der  Bauchteil  bei  Pferden  [Zlpp.  318 ;  Falko  i,  398). 

—  AirscÄleibig  (von  Pferden)  —  nnfgesehützt 
am  Baucbe  wie  ein  Hirsch  (Falke  I,  IM),  —  hohler  \ 
Leib  =  der  Bauchfellraum,  dio  Bauchhohle 
(Dr.  Ilr.-Schrtfr.  20).  —  (1561)  kecker  Leib  (kaccher 
leib.  Gr.  W.  V,  376)  -  ein  draller,  gesunder,  frischer 
Leib.  —  Aran/rer  Leib  (1476kraiickcr  leyp,  D.  166)  — 
siecher  Körper,  corpus  debile.  —  Lang  Leibe,  f. 
ahd.  lanc  lipl,  Graft"  II,  46)  =  longaevitas,  Lang- 
lebigkeit. —  Muttir-Leib  iiuhd.  muoter  lip,  Lexcr 
170;  Graft  III,  159;  1611;  S<1.  ltenno-Mtr.),  i.  =  der 
schwangere  od.  Kinder  gebarende  Frauenleib. 

—  2.  =  der  Leib  (9)  =  die  Zeit,  in  der  man  ge- 
boren wurdeausdem  Multerleibe (conf.  Kiudes- 


Leich. 

beine),  die  Fötalzeit  (Gr.  w.  VI.  2820).  —  (lfiso) 
Oi>cr-Leib  =  der  ober  dem  Bauche  (Leib  5)  be- 
findliche Körperteil,  Thorax,  Pectus  (—  Ober- 
korper)  (Gr.  XV.  VII.  1096).  —  offener  Leib  =  dio 
durch  die  Leibeslührung  (s.  d.)  aus  den  Leib- 
gängen (s.  d  )  erfolgte  Kotentleerung  aus  dem 
Leibe  5.  -  wjl  iger  Leib  =  der  linde,  weiche, 
mollige  Frauenkörper.  —  Schnu  >■  -  Leib  bnbd. 
smerleip,  I.exer  235  ;  15.  Jahrb.  schuierlaih  -  arvina, 
axungia,  0.  II,  19.  45),  t.  —  Fettbaurh,  Schmer- 
bauch. —  2.  =  das  Fett  am  Bauche  der  Tiere. 

—  schwerer  Leib  -  I^berfttule  der  Schafe  mit 
Anfüllung  der  Bauchhöhle  durch  Wasser.  — 
toter  Leib  (ahd.  tndlelba,  Graft  V,  341;  14.  Jahrh. 
tote  lip,  Voc.  opt.  W.  22)  =  Cadaver  humanuni, 
s.  animalium  (Ilyrtl,  K.  W.  105).  —  träger  Leib  = 
ventre  parresßeux,  das  Baucheingeweide, 
welches  seine  Unthatigkeit  durch  Verstopfung 
äussert.  —  (1561)  ungesunder,  unreiner  Leib  = 
Corpus  mali  habitus,  ein  Körper  mit  unreinen, 
ungesunden  Säften ,  namentlich  ein  mit  Aus- 
schlägen entstellter  Körper  (Gr.  w.  VI.  586).  — 
Unter-,  unterer  Leib-,  leibuilg  (1583  underleybung. 
Fuchs  I,  376;  Chr.  Sam.  I,  515;  engl,  underllp,  Lehf. 
114;  dan.  underllv;  h oll  onderlilf ;  schwed.  underlift 
=  die  Körperteile  unterhalb  des  Bauches 
(Nabels,  s.  d.),  namentlich  die  (weiblichen)  Ge- 
schlechtsteile, Mutter  4,  Uterus,  Vagina,  Pu- 
denda;  Unterleibung  =  Coitus.  —  rjwrcrleibs- 
Drüscn,  -krank,  -  Typhus.  —  (10S6)  Vorder(er)- 
Leib  —  Vulva,  Vagina  (Beyn.  148;  IT.  II,  264, 
i  hr.  Sam.  I,  515).  —  (15,  Jahrh.)  weicher  Leib 
(welch  lip,  D.  241;  dat  weke  Iii)  =  FltJXUS  ventris, 
Abweichen,  dünner  Leib  2.  —  (1829)  Weich- 
Leibigkeit  -  Neigung  zu  weicher  flüssiger 
Kntleerung  aus  dem  Leibe  (Ilotuiann,  Arxn.  62). 

—  Leib(esK  leiblich  <.  er,  es)  -Ader,  -Aus- 
brestung,  -Ausfall,  -Beschaffenheit,  -Betoegen, 
-Blödigkeit,  -Bürde,  -  Batzen, -Don  igkeit,  -Dun- 
siqkcit,  -Fäule,  Farbe.  -Flechten,  -Fluss,- Frucht, 
-Führung,  -Ftirbe,  -Fuge,  -  Gebrechlichkeit,  -Ge- 
lenk,-Geschwür, -Hohle, -Körper, -Kraft, -Krank- 
heit, -Lähme,  -Laus,  -Leist,  -Loch,  -Löss,  -los, 
-Luft,  -Mal,  -Musen,  -Materie,  -Mittel,  -Natur, 
-Öde,  Pein,  -Plage,  -Ruhr ,  -Säfte ,  -Schmerz, 
-Schneiden,  -Schtcätigkeit,  -Schwinden,  -Serben, 
-Siechtum,  -Stein  ,  -Stockung,  -  Tod ,  -Trückne, 
-Übel,  Umstand,  -Ungelust,  -Ungestiimmigkeit, 
-roll,  -  Wasser,   -Wassersucht,  -Weh,  -Werk, 

—  Wunde,  -  Wurm,  -  Wust,  -Zeichen,  -Zwang. 

Leicb,  m.  s.  Laich.  —  Gfleicb  (13.  Jahrh.  gc- 
leycho  =  rogum,  D.  II,  320),  der  ganze  Rogner- 
laich des  Fisches. 

Leich,  n.  Leicbe.  f.  Leicbt,  f  (goth.  loik,  u 

=  Fleisch.  Leib.  Leichnam;  altgerm.  lik  =  Körper 
[s.  Geleich];  ahd.  lih,  libhe,  n.  -  Ulb,  Fleischsubstau«, 
caro;  8.-9.  Jahrh.  kilelch  =  artus  [Glied.  Gleich], 
UimS  II,  154;  leich  -  coxa  [Gelenk,  Gleich],  Graff  II. 
107.  151;  ahd.,  S.  Juhrh.  lihhUodc  es  (ypus  [tylus], 
Kero  Glossen  91;  inbd.  lieh,  liehe,  I.exer  146;  Kluge  '. 
232;  Gr.  W.VI.  612;  16.  Jahrh.  leich,  L  Obcrb.  leicbt.  f. 

=  Leiche;  engl,  llke  =  Leiche),  1.  =  Leib,  Körper, 
Maut,  Hautfarbe,  Gesichtfarbe,  Leibesgestalt, 
Aussehen  nach  Fleisch  u.  Haut.  — 2.  =  mensch- 
licher Körper  überhaupt.  —  3     toter  mensch- 


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Leichnam. 


leicht — leid. 


303 


licher  Körper  (achon  ahd.).  —  4.  =  toter  tierischer 
Körper  (mhd).  —  5.  =  der  Leichdorn  (s.  d.) 
(Welgaud  II,  30;  Schneller  I,  1425;  Gr.  W.  VI,  Uli). 

—  (I7«i)  An-,  Eingleichung  =  der  Zustand,  in 
dem  man  einen  beiderseits  übereinstimmenden, 
auf  beiden  Seiten  gleichen  Körper  bat,  Articu- 

latio  (Hyrtl ,  K.  W.  63 ;  Kluge  116 ;  Lex.  chlr.  9).  — 
.Fi/r- Gleich-  das  starkbehaarte  (h.  Filz)  Köten- 
gelenk  des  Pferdes  (v.  M.  I.  47.  67.  59).  —  (1612) 
Fingcr  Qlelch  =  Articnlus  digiti,  Fingergelenk 
(Gr.  w.).  —  ij<  leich  (Gleich)  •=  der  ganze  1/eich, 
d.  1:-  die  beiden  Körperseiten ,  die  unter  sich 
Obereinstimmen,  sieb  gleichen  (ahd.,  8. — 9.  Jahrb. 
kileich  -  artus ;  12.  Jahrb.  gllelche  —  Flclscbmuskeln 
um  die  Knochen,  dlo  Glieder  herum,  Graff  II,  IM; 
mbd.  geletch,  gelescheu  -  artus,  nodi,  H.  Z.  XVI,  100; 
Schneller  I,  1419;  1482  ge  laich  -  artus;  guleich  — 
paralysis,  Zcn.  Voc.  k7;  1018  gleych  —  Gelenk;  H.  v. 
Gersd.  31;  glichen,  pl.  -  paralysis,  1.  c.  24;  1591 
gleichlln  =  artlculus.  Had.  Jun.  19;  1618  von  glaich  zu 
glaich  -  artlculatlm,  Schmeller  I,  141»;  17.  Jahrh 
gelalch,  R.  A.  677;  gleichsucht  =  die  gleich,  Hyrtl, 
K.  W.  64 ;  [Schwaben]  Gleich  =  Gelenk,  Huck).  — 
Gleich,  1.  =  Gelenk,  namentlich  Pfannengelenk 
(Ztr.  24),  oder  Geleichen,  wo  die  durch  Krank- 
heiten veranlasst«  Ungleichheit  am  meisten 
bemerkt  wird ,  zum  Unterschiede  vom  Hand- 
gleich etc.  —  erstes  Geleich  =  erstes  Halswirbel- 
Gelenk,  Epistropheus  (Kirsch  489).  —  2.  =  die 
Anschwellungen  daselbst  (Tophi,  Nodi)  durch 
die  Gleichsucht  (Gliederkrankheit).  —  3.  —  die 
Gicht  (Arthritis)  als  solche,  die  Bich  auf  die 
Gelenke  (Gleiche)  wirft  (Hyrtl,  K.  W.  64)  und  die 
Glieder  ungebräuchlich  macht  durch  die  läh- 
mungsartige Schwache  (Paralysis)  =  der  Morbus 
arthritictis  (Arthetica  passio)  —  Podagra,  Gutta 
(Du  Cango).  —  Olciehet, (»hd.,  8.  Jahrh.  callchent, 
klllkot,  Graff  II,  104)-  Alles,  was  zur  Leiche  wird, 
was  das  menschliche  Fleisch  (Leich  2)  zu  Fall 
bringt  =  Lues,  Pestis,  die  vielfachen  Leichen 
der  Pestzeit,  .Sterbefftlle.  —  gleichig  =  gelenkig 
(Buck  48).  —  (1612)  Hand-  Gleich  =  Handgelenk 
(Gr.  w.  iv,  2.  3<ji).  —  (i76i)  Rückgrats- Gleich  » 
Spondylus,  Wirbelgelenk  (L.  chir.  79).  —  Schind- 
Leich  (abd.  iclnlcih  -  monstrum,  Grad  II,  154  ;  Schm. 
II,  429)  =  Schindaas.  —  tote  Leich  (ahd  ,  8.  Jahrh 
Uli  Uutlu  —  corpus  mortuum.  Graff  II,  103;  nihd.  ein 
t&tta  lieh.  Gr.  W.  VI,  613;  15.  Jahrh.  lieh  der  toteu, 
Gr.  W.  1.  c. ;  1604  ein  todo  leich,  1.  cod.)  =  toter 
menschlicher  Körper  im  Gegensätze  zum  leben- 
den Körper  (=  loch).  —  (noi)  verdorbene  Leich 

—  tote  Leiche  (Gr.  w.  vi,  613).  —  Hasser-Leiche 

—  a)  ein  im  Wasser  gelegener  toter  Körper  des 
Renschen  ;  h)eineauf  solche  Weise  skeletisierte 
laiche  (Haas  41).  —  Leich(r»)-.  Gleich- Beine, 
■bloss,  -bleich,  -Dorn,  -Fett,  -Flecken,  -Gesicht, 
■  Gift,  -hum,  -Kälte, -Knöpfe, -Knollen,  -Knorren, 
-Lüh,  -Maclit,  -Mal,  -nam  («.  nachfolg.).  -Pustel, 
-Starre,  -Sucht,  -  Verrenkung,  Weh,  -Wirbel, 
-Wurm. 

Leichnam  (angcls.  llcbama  -  «oma  ,  Du  Gange 
VII.  623;  altgerm.  Uk-hamo  -  Korjwr ;  s.  Jahrh.  Uli 
humum  =  corpus,  Koro  73;  lichamiim,  nraff  II,  603  - 
enrpora  ;  llhhamo,  lihhinumo  —  lihhin-hamo  =  llk 
[Fleisch]  und  hämo  [Hülle]  -  fleischliche  Hülle  <ler 
Seele  =  Fleischgestalt,  Flelschsubstanz ;  11.-12.  Jahrh. 


lichenamo  =  Leichnam;  mhd.  liebname  aus  Uchame; 
14.  Jahrb.,  ndl.  ligamo  =  corpus,  D.  162;  grotligameg 
=  corpulentus,  1.  eod. ;  15.  — 16.  Jahrh.  lichnam  = 
lebendiger  Leib,  Leichnam,  H.  Z.  XX,  93;  Fr.  Kr.  B. 
448;  Lonlc.  243;  Hyrtl,  K.  W.  106;  Be*olt ;  ein  „aus 
der  Sprache  der  [früheren]  Dichter  In  die  gewöhnliche 
Diktion  übernommene"  Bezeirhn.  für)  1.  as  mensch- 
licher lebender  Leib  (s.  d.)  (heute  nur  mehr  im 
Scherze).  —  2.  =  menschlicher  toter  Leib  iKlugo*. 
232;  Gr.  w.  vi,  625).  —  siecher  Leichnam  (ahd.  die 
siechen  Uchamou ,  Graft  VI ,  138)  -  totkranker 
menschlicher  Leib. 

leicht  (ahd.  lihti  =  levis;  mhd.  lihle,  Kluge»,  233; 
ein  germanisches  Wort  für  schnell,  hurtig,  leicht).  — 
leichten  (13.  Jahrh.  licbtln  =  spadonare  [s.  Spat], 
D.  554)  =  castrare,  um  die  Schwere  des  Hodens 
leichter,  lockerer  (s.  luck)  machen  (Schm.  I,  1429) 
od.  aus  den  Leisten  (=  laichten)  entfernen.  — 
Fla")'")  leicht  =  leicht,  locker,  gering,  schmal 
in  den  Lenden  (Falko  II,  65).  —  leicht(e,r) 
-bauchig,  Geburt,  -Leute,  -Schlag,  -  Tod. 

Leichten,  pl.  (14.  J*hrh.  leibten,  lelhtaern  = 
leisten  V,  Schmeller  I,  1429.  1755;  17.  Jahrh.  leuchten 

—  harte  Knollen,  Ii.  A.  556),  1.  =  (dialektisch  für) 
i  Leisten  (s.  d.).  —  2.  =  harte  Drüsenknollen, 

auch  Zahnfistelränder  beim  Rindvieh  =  Leisten, 
beim  Feifei  (s.  d.)  des  Pferdes,  Rotzdrüsen, 
aus  Leichten  auch  in  „Lichten"  verändert 
(Falke  II,  69 ;  Schmeller  I,  1429 ;  Schw.  390).  —  3.  = 
s.  Leuchte. 

leid,  Leid,  n  Lad,  n.  leiden  (gem.-germ.  laitha 

=  Widerwärtiges ,  Schmerz  Erweckendes  erdulden  ; 
,,das  nelmwebgefühl  (s.  Elend]  und  die  Wanderungs- 
Gcfuhreu  mögen  Anteil  haben  an  der  Bedeutung" 
[Kluge5,  2ii;i];  des  altgcrm.  lithan  —  ziehen  ins  aliland 
[  m  Elend],  ins  fremde  Land,  Gr.  W.  VI,  658 ;  in  der 
2.  Hälfte  des  9.  Jahrh.  übergehend  in  den  Begriff  des 
ahd.  leid,  Graff  II.  171;  lidnn  =  übel  Uefiudofl,  dulden, 
ertragen ;  mhd.  leid,  lelt,  liden)  =  duldend  aushalten, 
an  einer  Krankheit  leiden  —  der  Magen  leidet 
mir  das  Essen  nicht!  =  er  verträgt  die  zuge- 
führte Nahrung  nicht,  so  dass  eB  zum  Erbrechen 
kommt.  —  in  (nhd.)  Zusammensetzungen  hat 
Leiden  (wie  Weh)  fast  immer  den  Begriff  des 
subjektiven  Schmerzerdnldens  (Passio)  id.  416) 
(ponos)  (Uippokr.)  im  Gegensatze  zur  schwächen- 
den, kränkenden,  siechmachenden ,,  Krankheit" 
(=  Morbus)  und  zum  unheilbaren  bösartigen 
„Ühel"  (Malum);  l^eid  unterscheidet  sich  vom 
„Weh"  durch  die  längere  Dauer  des  Schmerzes 
und  durch  das  MitergrifTensein  des  ganzen 
Körpers,  selbst  der  Psyche.  —  Leide,  f.  =  der 
Zustand  des  Widerwärtigen  (Gr.  w.  VI,  667).  — 
Leider  (ndl.  HJdcr)  =  derjenige,  der  leidet, 
Patient.  —  leid  D  widerwärtig,  Leid  bringend 
oder  habend,  schwilchlich,  elend,  missgestaltet 
(Schweix,  Bayern  ;  Gr.  W.  VI.  662).  —  leidig  -  leid, 
in  Leid  befindlich,  hässlich.  —  leidlich  ~  in 
Bezug  auf  Leidon  erträglich,  passabel;  barig  *. 

—  leidsam  (nihd.  lidesam;  15.  Jahrb.;  D.  II,  142; 
llde*em  =  druslus)  -  palleus,  geduldig.  —  leidigen 
■seiend  machen,  verletzen  (Schmeller  II,  6.so).  — 
leidend  (add.  lldent,  D.  II.  282)  =  ein  I.eid,  einen 
Schmerz  habend.  —  Leidung  (lt.  Jahrh.  leidunge, 
Hoffm.  1,  321;  1^92  Icytung       garrci  so  andere  fur 


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864  leid. 

Beulen  haben  verstanden,  Beb.  176;  ■.  Jarret)  =  der 
Zustand  des  körperlichen  Schmerzes.  — Leiden- 
schaft— lapassion,  etwas,  was  Leiden,  Schmerz 
schafft,  Affekt.  —  Leid,  n.,  1.  =  Dolor,  Passio, 
schmerzhafte  Krankheit  nnd  Krankheitstelle. 

—  2.  =  Vulnus,  schmerzhafte  Wände  od.  Ver- 
letzung. —  3.  =  Apoplexia,  Epilepsia,  als  etwas 
besonderes  Böses,  Feindliches,  Trauer  und 
Kummer  Erweckende«;  beide  (Schlagfluss  und 
Fallsucht)  sind  =  fallendes  Leid  und  leidige 

Sucht  (C.  V.  Megbg  ;  Ort..»;  Gr.  W.  VI,  657).  —  4  = 
(1618  O.-Ammergau ;  Schmeller  I,  1437)  —  Abscheu 
erregende  Missgehurt.  Seiner  Etymologie  ent- 
sprechend wird  da*  Leid  niemals  durch  Baunworte 
behandelt,  da  eine  d&monistischo  volksübliche  Ätio- 
logie weder  dem  Namen  noch  dem  Begriffe  nach  vor- 
liegt. —  Ab  Leid  (mbd.  abUdc  =  obltu*.  Schmeller 

1,  1633)  =  Tod,  der  das  leiden  beendet.  —  (1762) 
allgemeines  Brust-Leiden  =  die  Influenza,  bei 
dor  sowohl  ein  Brustkatarrh  (epidemisch)  als 
eine  allgemeine  (febrile)  Körperachwächo  vor- 
handen ist  (Haeser  II,  803).  —  DrüH  n -Leiden  = 
lange  dauernde  Drüsenanschwellungen  mit 
Schmorzempfindungen  auf  skrofulöser  Basis 
(s.  Skrofeln).  —  Eigen -Leiden  (1482  aygenleyden, 
D.  284)  =  Idiopathia,  das  Leiden,  das  einem 
Individuum  besonders  eigen  ist.  —  (1477)  fal- 
lendes Leid  (mhd.  daz  vallcnde  leit,  I,cxer311 ;  Ortolf ; 
die  zwey  fallende  Lald,  Schm.  I.  1437;  D.  204),  1.  = 
Kpilepsia  als  Fallsucht,  fallendes  Weh  (Gr.  w. 
in,  usf.).  —  2.  —  Apoplexia,  Schlagfluss  (s.  d.) 
(Ortolf).  —  fuss  leidend  =  an  einem  oder  beiden 
Füssen  schmerzhafte  Beschwerden  habend 
(Gicht,  Hühnerauge  etc.)  (Volksmed.  Behandlung, 
s.  Reiser  377).  —  Gc-leid(gelyde=  tnflrmlta«,  D.  XVI; 
da«  tougen  gelald,  Schmeller  I,  595)  —  die  schmerz- 
hafteu  Stellen,  z.  B.  heimliche  Wehstätte  an 
den  Genitalien.  —  Haar- Leiden,  1.  =  eine  be- 
schwerliche Krankheit  auf  dem  Hanrboden.  — 

2.  -  Haarpein,  Haarweh.  —  /farn  -  Leiden 
(15.  Juhrh.  hnrnlijden  =  langiierc  ,  D.  317)  =  chron. 
schmerzhaftes  Leiden  der  Harnwerkzeuge.  — 
Haupt  Leiden,  1. -das  wichtigere  leiden  unter 
mehreren  Krankheitbeschwerden.  —  2.  ==  (mnd. 
passione«  ,,cronlcae"  de«  hovedes,  Mag.  Barth.  102a) 
=  Kopfschmerz,  lange  dauernder,  chronischer. 

—  /fm-Leiden,  1.  =  beschwerliche  Herz- 
krankheit, Morhus  cordis  gravis,  Passio  cor- 
diaca.  —  2.  —  Herzenleid  (loo«;  St.  Benno-Mirakel, 
1723,  1777  hertxeleyd  -  cordiolutn.  D.  151  =  cordollum) 
=  ein  physisches,  das  Gemüt  (=  Herz  4)  be- 
treffendes, chronisches  leiden.  —  3.  =  Magen- 
leiden (Herz,  s.  d.  8,  ist  oft  mit  Mögen  ver- 
wechselt). —  //w  n  Leiden  =  eine  mit  Kopf- 
schmerzen oder  mit  sonstigen  Beschwerden  für 
den  Kranken  oder  seine  Umgebung  einher- 
gehende Gohirnkrankheit.  —  (1785)  holsteinische» 
Leiden  ■  die  in  Jütland  und  Holstein  damals 
endemisch  beobachtete,  chronische  Syphilis 
(K.  u.  P.  in,  112).  —  foortsen-Leider  (ndl.  keorf» 
lijder,  De  Cock  231.  239)  =  an  chronischem  Fieber 
Kranker.  —  (17.  Jahrb.)  Krampf -Leiden  =  eine 
OfterB  mit  schmerzhaften  Krämpfen  verbundene 
Krankheit  (Müller  Krftuterb.  302;  Fr.  Kr.  B.  602).  — 
/../'  ,,  . Leiden  -  eine  schmerzlicheod.  beschwer- 
liche, chronische  Leberkrankbeit.  —  Magen- 


leilich-Leim. 

Leiden  —  eine  chronische,  beschwerliche  Magen- 
krankheit, meist  mit  öfteren  Magenkrämpfen 
verbunden.  —  Maas-Leid,  m.,  f.  -leiden,  -leidig 

(10.  Jahrb.,  ahd.  demo  maxleld  ist  =  qnl  nauteat, 
Notker;  Gr.  W.  VI.  1747;  Schmeller  I,  1602  =  Wider- 
willen; 10.  — 11.  Jahrh.  maclelde  =  fastldlum,  Graff  II, 
172;  14.  Jahrh.  iweme  dl  splse  widerstit  ehe  sl  in  den 
munt  neme  der  hat  dl  maxleide,  Hoffm.  I,  383 ;  1482  mas«- 
leyde  =  [faatldinm,  Zen.  Voc.  t.  6;  15.  Jahrh.  maazlaldl, 
maszleldln  -  Unlust  zum  Essen  u.  Trinken,  Gr.  W.  VI, 
1747;  1541  massleidig  (bei  Pferden)  =  Futterverdruss 
{*.  d  ),  Gr.  W.  VI,  1747;  1561  maaaleidcn  =  malacia.  fasü- 
dlum,  der  Widerwillen  schwangerer  Frauen,  Gr.  W.  VI, 
1748  ;  1665  maasleidigkelt  =  Unlust  der  Hunde  zum 
Fressen,  Gr.W. VI,  1748;  1584  massleldigkelt  =  fastldium, 
Had.  Jun.  378;  1688  massleldt,  f.  zur  spelsz.  Gr.  W.  VI. 
1747 ;  lfilfi  massleiden,  Tabernaem.)  =  eine  Speise  aus 
Widerwillen  nicht  geniessen  können  =  öfters 
Unwillen  (Leid)  gegen  die  Speise  (s.  maz  —  Speise), 
Ekel  empfinden  gegen  die  Mahlzeit.  —  (1561) 
Magens- 3/a«sleidigkeit  =  Dissolutio  stomachi 
(Gr.  W.  VI,  1748),  der  vom  kranken  Magen,  dem 
das  Easen  verleidet  ist,  ausgehende  Unwillen 
an  der  Speise.  —  ^Tcrtwi-Leiden,  1.  —  länger 
dauernder,  nichtimmerörtlich  fixierter  Schmerz 
einzelner  oder  mehrerer  Nerven.  —  2.  ■  chron. 
Nervenkrankheit  mit  Schinersempfindungen. 
—  (1532)  Mcrm  Leiden  =  schmerzhafte  oder 
öfters  schmerzende  Nieren-Erkrankung,  meist 
chronischer  Natur  (Fries  117).  —  iV-.'  Leider  (ndl. 
pestlijder,  De  Cock  42)  =  Pestkranker  ,  der  viele 
Beschwerden  hat  u.  bemitleidet  wird.  —  rote* 
Leid  (mhd.  da«  rot  laide,  lalt,  leit,  I*xer  201 ;  Schm. 
II,  184)  =  rote  Ruhr,  die  sich  oft  lange  mit  viel- 
fachen Schmerzen  fortzieht,  rotes  Weh  oder 
Siechtum,  roter  Schaden  od.  Siechtag.  —  St.  Ur- 
bani  Leiden  (1682  botz  Urbans  leiden,  Fromm  VI,  7) 
=  St.  Urbans-Plage  (s.  d.).  —  Fcrleider,  in.  = 
ein  persönlich  gebildeter  Krankheitsname  für 
(chronisches)  Leid  (Wackern.  Abhdlg.  III,  156).  — 
(1C92)  ilcidung  -  Unlustempfindung,  z.  B. 
zum  Essen  (Atz)  (v.  M  I,  68;  Seb.  1.50).  —  weh- 
leidig -  der  gleich  Weh  und  I.cid  empfindet, 
empfindlich.  —  (H82)  Z.  o  Leiden  =  Priapismus 
(urticatus'',  Chorda  (pudendorum  Passio,  Zening. 
Voc  cc2  =  urtlcus,  D.  630)  =  eine  schmerzhafte 
oder  öftere  schmerzende  Erektion  des  Penis, 
wie  durch  eine  Nesseln  erzeugende  Peitschung 
mit  der  Birkenqueste  (Hexenbesen)  veranlasste 
Erkrankung  am  Penis  (s.  Zers).  —  Leid-,  lei- 
dige -  Inf 'ektionssurht,  -Lust,  wütig,  -Nagel,  Olp, 
-Spriessen,  'Sucht,  Tod,  -  Wesen. 

leilich  (zu  ahd.  lö,  lfio  -=  malum ;  mhd.  le ;  nds. 
lelw,  leeg.  leig,  Schmeller  I,  1401  ;  Graff  II,  296;  Koch- 
holz I,  9uj  =  schlecht,  krauk,  dem  Schinder  ver- 
fallen (v.  Tieren). 

Leim,  m.  leimen  (indogerm.  lal ;  gem.-gorm.  lima, 
lalrna  [liinus]  =  Klebctoff  uns  einer  Erdmasse,  Kluge*. 
"2M  ;  engl,  loam  ■  Lehm ;  ahd.  lim,  limen  ;  mhd.  lim 
=  zfthes  Bindemittel  ;  mtl.  leuma  —  Intestinum  tenue 
T.  veslca  [HaUWnbUte?],  D.  325;  15.  Jahrb.  lym  = 
viseum  virile,  i>.  623)  =  männlicher  Samen.  — 
Leimer  —  der  den  männlichen  Samen  (Milch) 
ablassende  Fisch  (Milchner).  —  leimen  —  zu- 
I  sammenklübend  vereinigen  bei  Lahmwunden 


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Leind— Leiste. 

and  KnochenbrQchen  (ahd.)  gillmida  (Meraebg. 
Sprach,  Müllenh.  u.  Scher  IV,  2 ;  Rochholz  1,  281).  — 
blutiger  Leim  =  das  zusammenklebende  Blut- 
gerinnsel (Gr.  W.  vi,  696).  —  (1612)  Fleisch-Leim 
(lim  „das  Mut,  welche*  gestockt  In  einer  wunde  Hegen 
bleibt  Ist  der  rechte  Flelschleim,  weit  ul>er  den  sarco- 
eolla",  (ir.  Vi.  III,  1760)=  die  vereinigende  Wtiud- 
(iranulation.  —  (/(»leimet-  fest  anschliessend, 
enggestellt,  z.  B.  von  Uliedern,  Zehen  (Schm.  I, 
l*"l).  —  Haut-Leim  =  Vernix  caseosa  (Plank  130) 
=  daa  an  der  Haut  den  Neugeborenen  w  ie  Firnis 
klebende  „Kindsschmalz"  (b.  d.),  Talgdrüsen- 
Sekret.  —  leim-/acÄ*f. 

Leind,  m.  =  Llot  («  I*yn)  =  Lintwnrm  oder 
Schlange  (Kluge*,  23V;  Siehenb.  Sachsen),  die  als 
Wuttn  in  die  Haut  beisst. 

Leirerei,  f.  [KD  lat.-griech  ,  lyra  —  uilttelalterl.  Leier- 
kasten, Drehorgel,  Kluge1,  jxi)  =  mit  dein  eintönigen 
hergeleierten  Gesänge  vergleicht  man  in 
Schwahen  das  nnthätige  Einherschleichen  und 
Wehklagen  der  zipfenden  (s.  d.),  leicht  kranken 
Menschen  (Bavarla  11.  2.  *w;  (ir.  Vi  VI.  m). 

Leische,  f.  =  Leiste,  f 

-leise  iindogemi.  Iis  -  gehen;  altgerm.  lai«  = 
altgerm.  lals  —  gehen;  gem.-gcrm.  laintjan  -  nach- 
folgen [Leiste] ;  ahd.  leisa;  mhd.  Mi,  leise,  «elels. 
Spur,  (Jelelsc,  Kluge  \  ZV,).  —  (»Meise  (K.77  Keleise 
=  ahd.  waganlelsa,  wagaiiliasa,  II.  Z.  XV.  .129;  (Ir.  ff. 
VI.  713;  Hyrtl,  K.W.  103;  orbita.  Übersetzung)  -  Augen- 
höhle. —  eng-,  tm/-gleisig  -  mit  enger  oder 
weiter  Fusspur  gehend  (Buck  12). 

Leiste,  f.  („ohne  Vorgeschichte",  Heyne  III,  623 
(».  lehren];  ahd.  lista;  angls.  lesca  [?,  I».  298],  leosca; 
altachwed.  liuske;  dAn.  lyske  [dazu  wohl  Lusch,  Lcuscli, 
a.  d.],  mhd.  liste  =  schmaler  bandförmiger  Streifen; 
Kluge*,  234  führt  es  von  diesem  getrennt  auf  ein  goth. 
laistö  zurück;  14.  Jahrh.  liste  -  dlaphragma,  margo, 
D.  349;  Voc.  opt.  W.  11;  15.  Jahrb.  Insten,  lyssen, 
lüsten,  lies,  lleschc;  sflehs.  leeache  =  Inqutna,  D.  298; 
leiszen,  leisten  =  margo,  llmes  ~~  Leiste,  „(ielenke 
zwischen  Hauch  und  Knie"  oder:  die  Grenze  zwischen 
Bauch  und  Schenkel  („In  mittelalterlichen  Vocabu- 
larien"  nach  Hyrtl.  K.  W.  109]  als  „Faltung  der 
Dyccher"  [=  regio  lnqulnalls]  und  dlaphragma;  1482 
leys[t]e  =  gemelich  lente  =  GemAchtlende  [Zening. 
Voc.  s  7]  =  Schamleiste ;  1500  die  Leyscbe  =  inguen, 
l).  II,  216;  1518  lussen  =  regio  Ischladlca,  Leisten, 
II.  v.  tiersd.  1561  Uesse  =  naris  [seil,  intertlnlum] 
D.  375;  mtl.  Lais  ins  =  Schosa  [ahd.  Zeit,  lex  Salica], 
1561  lyst,  f.  -=  diaphragma.  Or.  W.  VI,  72;  1591  lelst,  f. 
—  diaphragma,  Ilad.  Jun.  28;  16««  leiste,  f.  =  Schwiele, 
vlbex,  Gr.  W.  VI,  722;  1680  leiste,  f  =  callus,  Gr.  W. 
VI,  722).  —  Leiste,  f.  1.  =  Inguen  s.  Kegio  in- 
guinalis,  der  schmale,  härtere  Grenzstreifen 
zwischen  Bauch  und  Schenkel,  die  Leisten- 
gegend. —  2.  =  die  Schainleiste  oder  Gemächt- 
lende  (s.  o.)  als  Grenze  (Schosa)  zwischen  Bauch, 
Schenkel  und  eigentlicher  Scham.  —  3.  =  diu* 
Mittelnetz  s.  Septum  transversum,  das  dichtere 
Quer-  oder  Zwerchfell,  welches  die  Grenze 
zwischen  Bauch-  und  Brusthöhle  bildet  (Dia- 
phragma) (Gr.  Vi.  VI,  721),  auch  Ligen  (I^eist) 
beim  Schweine  (Gr.  w.  VI,  1019)  (Kettwarame  an 
dieser  Grenze  aussen).  —  4.  =  ein  schwieliger, 
härterer  Hautstreifen,  Vibex,  Callus,  Tumor  | 


Leist.  865 

cutis  ex  contusione  (abgegrenzte  Beulo?),  Lus- 
sen =  I^eichdorn  (Heyne  ni,  623;  Gr.  W.  VI,  1020). 

—  6.  =  a)  der  grätige  Höcker  als  knochenhartei 
Streifen  auf  dem  Kücken  (15.  Jahrb.  „leisten,  die 
einer  auf  dem  rucken  hat",  Gr.  W.  VI,  722)  n  Gibbus, 
Kiphoflcoliosis;  h)  (I6S0  leiste,  f..  Gr.  W.  VI.  722) 

—  streifenförmiger  Knoclien,  Kallus  an  der 
Kinnlade d.  Pferdes;  vergl.  auch  nachfolgendes 
„leisten"  (4),  m. 

Leist,  m.  Leisten,  m.  (goth.  laist*  [Ziel,  Spur], 
altnord.  leistr  [  ^  Fuss] ;  ahd.  lelst.  n.?  =  forma  (Fuss- 
spur, „bedeutsam  für  die  Geschichte  des  Schuster- 
lclstcns",  Kluge*,  235  ff.];  mhd.  lelst;  udd.  loest,  lest  — 
formipedla,  D.  24:1);  nach  Gr.  Vi.  VI,  720  Ist  Leist,  in. 
Leisten,  ra.:  1.  =  Gestalt,  normale  Form.  — 
2.  —  (1717)  die  Anordnung  der  zusammenge- 
setzten Teile  eines  Pferdes.  —  3.  -  „die  Gegend 
des  Pferdehinterschenkels,  welche  sich,  wenn 
da»  Pferd  geht,  dem  Bauche  nähert,  wo  die 
Stösse  u.  Tritte  gefährlich  sind"  =  der  mensch- 
lichen Leiste  entsprechend,  Leistenbug,  grosse 
Maus,  Hinterknie,  (Pferde-)Kniescheibe  (Falke 
II,  GR).  —  4.  =  (1599)  ein  Pferdefehler,  „eine  Art 
von  Überbein";  (1609  Leyst  [Seb.  188;  Gr.  W.  VI, 
720),  supcrexcresccntia ;  17.  Jahrh.;  R.  A.  672)  „der 
Leisten  ist  gewachsen",  d.  h.  ein  langstreifiger 
kastenförmiger  Auswuchs  von  Knochengewebe 
(eine  Osteophyton-Bildung,  Callus),  der  an  der 
Krone  oder  unter  der  Fessel  ringsherum  als 
sogen.  Kingbein  oder  Schule  (s.  d.)  gewachsen 
ist  (Förster  Ii,  9ar»;  v.  M.  I,  fö).  —  5.  —  leisten  = 
Leichten  (Lichten)  oder  Feibel  (Feifei)  als 
Leistendrüsenanschwellungen  b.  Kotze  (Haut- 
wurm) der  Pferde  oder  b.  Kindvieh  (Marissae) 
(Schm.  I,  1429);  vergl.  Leiste,  f.  —  (1580)  Backen- 
Leiste,  f.  —  Backen -I/eisten,  in.,  der  harte 
Knochen-  (Osteophytcn-)  Streifen  an  der  Kinn- 
lade des  Pferdes  (G*r.  w.  I,  1067).  —  (16s»)  Elten- 
bogen-Leist,  m.  -  eine  harte  Callusbildung  am 
Hinterschenkel  des  Pferdes  (Hinterknie  oder 
Ellenbogen)  =  leisten  3.  —  .FcMei-Leiste  ^ 
Knochenauflreibung  an  der  Pferdefeasel  (Zipp. 
111;   Falke  II,  80).    —    (1699)  fii  r  -  leistig  =  an 

einem  vorspringenden  Leisten  4  leidend 
(v.  M.  I,  35).  —  Gaumen-Leisten,  m.  -  Staffel, 
Stuhl.  —  (15W)  L.-t'is-Leist.  f.  -  der  Schambug 
(=  Leiste,  f.  2).  —  Ohr- Leiste,  f.  =  der  äus- 
sersto,  leistenförniig  autgekrempelte,  harte 
Randstreifen  an  der  sonst  weicheren  Ohr- 
muschel (Gr.  W.  VII,  1265;  nyrtl.  Anat.  464).  — 
Scham-LeiBte,  f.  1.  =  die  Leiste,  als  harte  Stelle 
in  Streifenform  zwischen  ßaueb,  Schenkel  und 
eigentlicher  Scham  (Geniachtlende)  (Gr.  Vi.  II, 
707).  —  2.  -  das  Mittelfleisch  (Perineum)  als 
Damm  oder  Grenze  zwischen  After  und  Scham 
(Gr.  W.  VIII,  2118).  —  (1677)  Zu  >  r  <  /t-Leisten.  m. 

=  Leiste,  f  3  (Beyn.  ist).  —  Leiste,  f.  u.  Leist,  m. 
gelien  demnach  begrifflich  in  einander  über 
und  bedeuten  wohl:  Abgrenzung  durch 
festere  Linien  (Bandstreifen,  Knochen- 
streifen), woraus  sich  auch  die  Begriffe:  (ge- 
zeichnete, geformte)  Gestalt,  normale  Form, 
Fusspur,  Schusterleisten  etc.  entwickelt  haben 
mögen.  —  Leisten- .  1  der,  -Bein  -Beule,  -brüchig, 
-Bug,  -Dorn,  -Drüsen,  -Gegend,  -Gelenk,  -Bode, 
-Ring,  -Sporn. 


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866  -leiten-lengsel. 

-leiten,  Leiter,  m.  (altgcrm.  lithan  =  gehen; 
Kenn,  laidö  [Führung);  ahd. ,  mhd.  leiten  =  gehen 
machen,  fuhren).  —  £i-Leiter  =  die  das  Ei  zur 
Gebarmutter  führenden  llohljftlnye.  —  (1632) 
Geleite  ■  die  Harnröhre,  Urethra  als  einfach 
leitendes  Gefass  des  Harnsysteins,  im  Gegen- 
satze zu  dein  paarigen  Hm-.,  -Leiter  -  der  von 
beiden  Nieren  herab  nur  den  Harn  der  be- 
treuenden Niere  zur  Harnblase  gehen  macht 
(Hyrtl,  K.  W.  59).  —  Leitung  b.  Keldung. 

leiw  s.  Milch. 

Leller,  in.  Lellen,  f.  s.  lallen. 

Lempe,  m.  =  einer,  der  mit  einem  unhcil- 
haren  Lahm -Schaden  behaftet  ist  (iiihini.de, 
»ehm.  i,  ii7i)  (h.  lahm).  —  lemptig  =  s.  lebendig. 
—  Lempen-/iWwc. 

len  s.  lind. 

lenchen  s.  Unk. 

Lende,  f.  Lenden,  f.  Lent,  Leuten  (indogerm. 

Indbwl;  gem. germ.  lend,  Kluge4,  235;  angls.  lendlnn 
=  ren,  I).  492;  ahd.  lentt,  f.;  7.-8.  Jnhrh.  reo«, 
Ca»».  Glonn.;  ».  Jahrb.  lenti  =  reu  es,  Kero  87; 
•J.  Jnhrh.  lendin  -=  luml.i,  Hab.  Manr.  6.'.;  Graft"  II, 
•2:19;  10.  Jahrb.  lendl  =  luml.i,  II.  Z.  XV.  34,' 
11.  Jahrh.  lendlu  —  luml.i;  lente  =  lumbl,  H,  Z.  HI, 
368;  12.  Jahrh.  lenden  =  rencs.  taliae  [Bektencr, 
I>.  572),  U.Z.  II,  205,  mhd.  letile,  lende;  15.  Jahrh. 
lende  =  lumbus,  llia,  (ir.  W.  VI,  742;  linde  =-  cluiiis, 
D.  128;  [Tirol]  lente,  Illntner  7.  17;  diln.  lynd ;  Isl. 
lundir,  Kluge;  ndl.  lindenen  =  reu,  D.  192).  — 
Lende,  f.  Lenden,  f.,  pl.  1.  =  die  linde,  fett- 
reiche Gegend,  wo  die  Nieren  (Uenes)  liefen; 
die  Lenden  galten  wegen  ihres  Fettreichtums 
als  ein  besonderer  Sit«  von  Nervenkraft,  daher 
sie  als  Trager  von  Kruchtbarkeilsamulelten  benutzt 

wurden  (Gurtler.  Bugler,  Letidcnvrurz  elc.).          2.  = 

dieser  Opferteil  erweiterte  sich,  »ie  die  gleich- 
wertige Unke  (s.  d.),  als  Tributa  anatomiae 
cuhnaris  bis  zur  Hegio  iliaca,  tarn  Kucken  und 
bis  zu  den  Weichen;  diese  weiche,  „linde" 
Dünnung  galt  ebenfalls  noch  als  „Lende"  (germ. 

len  -  nachgiebig.  Kluge*,  238;  <ir.  W.  VI,  712).   

lenden  an  den  Lenden  Fett  ansetzen  (<;ebr. 
Zlngerle  II,  :.2).  —  Frauen- Lende  (1420) 
leenden,  frauwenlende)  =  Femen,  WeihshOfte 
(I).  229)  (femtir  =  .Mannshüfte).  —  (1182)  Gemächt- 
Lenden  (gemcllch  lente,  Zening.  Von.  s  7)  =  weichere 
Sohamleisten- 1'mgebuiig.  •  -  Hucken  -  Lende 
(ahd.,  12.  Jahrh.  nigelendft,  rukelende  =--  spina,  II.  Z. 
Ii.  205;  D.  II,  $40)  =  das  weiche  Fleisch,  das  sich 
an  den  Kückenwirhein  in  der  Lendengegend 
ansetzt.  —  Weiber- Lende  (Laistncr  II,  r..M)  = 
8.  Frauenlende.  —  U  «(/«-Lenden  -  am  Kreuze 
tief  eingesenkte,  nach  Wulfsart  abgesetzte 
Pferdelenden  (ZiPP.  82).  —  Lenden -Würz  (ahd. 
lentiwurez,  (irftff  11,  2.19)  sa  Lsputh  um  acutum  sollte 
Kraft  erzeugend  »ein.  —  Lenden-  Bein,  -Heule, 

-Blut,-B>  ulien),  -ßt  esten,  -ßruch, -Wang,  -Gicht, 
■Gries,  -Grimmen,  -Grinn  (-rinnen),  •  KrankluHt, 
-Läge,  -lahm,  -Niere,  -Fein,  -Schatten,  -SM  im, 
-Schmerz,  -Schwär,  -Schmndsucht,  -siech,  -Siech- 
taa,  -Stein,  -Sucht,  -übcl.-WeJi,  -  Wirbel. 

-lengsei  s.  langen. 


-lenk— lesen. 

-lenk  s.  Lank. 

Lenz,  m.  (Glentz),  L.  =  (angls.  leneten  [langUn); 
ahd.  lengizin  mänoth  ;  mhd.  lenzemanot,  U-nze,  Kluge*, 
23.;  Gr.  W.  VI,  758)  =  der  „long"tügigere  Früh- 
ling (Längs,  Glenz),  die  Zeit,  in  der  sich  das 
Blut  nach  den  Lehren  der  Iluuioralpathologie 
im  ganzen  Korper  ausbrechen,  vermehren  sollte 
(Bezolt ;  Ooler.  IT.  A.76).  —  Lenzten)- Adel,  -  Würmer. 

—  2.  =  niiic  Abkürzung  für  Loren«  ( =  Laurentius), 
ein  häutiger  Dauern  Name.  —  (1741)  fauler  Lenz 
(ndl.  lange  lcntcr  =  longnrlo,  D.  33G)  =  einer,  der  sich 
erst  lange  reckt  aus  Faulheit,  bevor  er  aufsteht 
(nach  Taul  13«  ff.  an*  vulezen  Tolksctymologiscb  um- 
gedeutet; 1420  vnllaczlu,  D.  II,  fj)  (h.  Inr!ucn/a).  — 
(Oberbayern)  Hcmcd-Lenz  ^  der  (bäuerlich  be- 
zeichnete) Lenz  unterm  Hemde  =  Penis  («.  z.  d. 
I).  Ö.  A.  V.  1893,  8.  202) 

lep  s.  leep. 
lepato  s.  Laub  1. 

Leppen  =  Labbe,  Lappe,  Lasche,  Mund  (Sehn, 
I,  1496). 

Lepra,  f.,  Leprosen,  pl.  a.  Aussatz.  -  Lepra 
GescJncUre. 

Lepse,  f.  Leptzen  =  Lefze  (s.  d.)  (8eb.  159). 
lere  (lirc),  lerchen,  Lercher,  m.  (mhd.  lere, 

lerz,  AopooT,  Waekorn.  179;  II.  Z.  XV,  0.  104;  Bchrn. 
I.  1603)  =  links,  linkisch,  verkehrt,  lahm.  — 
lerchen  (ahd.  lerehint  =  haerent)  b  die  Fösse  z.  B. 
hangen  lahm  am  Körper;  dazu:  lirken,  lorken, 
lurken,  lürken  (s.  d.).  —  Lercher  (Larcher, 
Utrcher)  ^  einer,  der  iereht,  mit  schiefen  oder 
krummen  Beinen  ltthmt,  lahm  geht  (Schmeller  I, 
1-.02).  —  Lirk-Fim. 

Lesbos.  —  lesbische  Sunde. 

lesen  (gen  germ.  lesan  -=  legere,  aufsammeln,  z.  B. 
die  rotbumaltcn  Ituueiuttbchan  zur  Bespreehung  anf- 
klauben;  ndl.  ariezers,  De  Cock  133;  V.  K.  189.".,  8.  16 

-  Besprechen  ahd.  lesan;  mhd.  lösen  ■=  aufhelw-n, 
rammeln,  lesen;  „die  Kunst  des  Lesens  wurde  unter 
den  Germanen  erst  heimisch ,  nachdem  sie  »ich  in 
Stamme  getrennt  hatten",  Kluge*,  23fi).  —  Lesen  - 
Studieren  (s.  d  ),  eine  Krankheit  des  Kindviehs, 
das  durch  Hirnlahmung  einen  starren  Schau- 
Ausdruck  wie  beim  Lesen  erhalt  (Schmeller  i, 
161.»;  Gr.  w.  VI,  780.  —  man  kann  ihm  »las  Vater- 
unser durch  die  Backen  lesen  =  er  ist  so  mager, 
dasB  man  ihn  fast  für  durchsichtig  annehmen 
mochte,  wenn  er  den  Mund  (zum  tiebete)  öffnet 
(Tfigl.  rtundsoh.  189...  s.  US).  —  Feder-,  Flocken-, 
Schltisxen -Lesen  (1420  vederlesyn  -  palparc,  D.  II, 
277 ,  l.'.'.kC  laoder  lesen  =  seurrarl,  I).  .",22)  ■=  ein  Gehirn- 
Symptoui  bei  typhösen  Krankheitsformen  mit 
beginnender  Agonie  oder  l>ei  Geisteskrank- 
heiten: MtffoXttYi«  des  Hippokrates,  Crocv- 
dismus,  Floccilegium,  wobei  die  in  ihren  Sinnen 
getauschten  Kranken  sich  gebärden,  als  ob  sie 
Kedei  flocken,  gezupfte  Federschieissen  auf  der 
Bettdecke  mit  den  Fingern  tastend  auflesen 
(Zw.  527;  Schmeller  II.  534;  fiiluml.  27).  —  LaUSC 
au/lesen  -  durch  Berührung  (s.  Klauben)  mit 
unreinlichen  Menschen  mit  Ungeziefer  behaftet 
werden. 


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Lespe— Leuchte. 


leune— Leut. 


Lespe,  f.  (mhd.  ltope,  umgestellt  aus  Lepse;  [Tirol] 
l*spe,  f.)  =  Lefze  (Kluge*,  230 :  s.  d.). 

letal  flat.  letutn,  Tod)  =  zum  Tode  führend. 

Letndi,  m.  (bayer.  Wald;  Schindler  1.  1533)  =  ein 
pausbackigor  Junge,  dein  sozusagen  Fröhlich- 
keit (laetitudo)  aus  «lern  Geeichte  schaut. 

letz,  -letzen.  Letze,  f  Letzel,  n.  (Schietz,  m. 
Schlentz,  m.)  [gern.-gena.  lata  =  u«en,  lawni«  ■ 

triU;e,  matt;  Roth  latjan  ;  ahd  lezzen ;  mhd.  letzen  = 
hemmen,  aufhalten,  hindern,  angreifen,  schädigen, 
so  W-ichiidigen.  da.«*  mnti  leU  ixt,  Kluge*,  226.  236). 

LetZ  (ahd.  lczo  m  iinlm«!,  glis,  (irnlT  II,  317  [s.  n.); 
dazu  ahd.  slczzo,  slezo  -  «  +  lezzo  [*.  darüber  Jjilstner 
I,  IV»}  -  Incubus.  I).  n,  220.  293;  Bmila  HI,  1.  305; 
[1790)  na«alierf>  m)  SchlenZ  (Abcrgl.  205),  a)  =  ein 
drückender,  blutsangender,  kleiner  Alpdiimon 
(in  Mausgestalt.'),  h.  Letzel;  h)  --  ein  Kretin, 
der  wie  öfter  im  Volksglauben  dpn  Namen  des 
ihn  erzeugenden  Dämons  (ätiologisch)  annimmt 
(Z,  f.  d.  PbDol.  III,  :t36).  —  letz  (ahd.  lezxi  =  per- 
ver-Mi«,  malus,  «iraff  II,  31*> ;  mhd.  letze,  lcz  =  verkehrt, 
unrichtig,  Wnckern.  ISO ;  149.'»  leiten  =  glis;  1516  let 

—  gilt,  D.  265)  =  hose,  körperlich  unwohl,  auch 
im  geist.  Befinden  verkehrt  (Schwaben;  Bemnkr. 
XII.  l(M),  lahm,  schlaff,  stumpf  (Gr.  w.  vi.  795. 
»Ol;  Fries  75).  —  Letsel,  n.  Letzel,  n.  (Elsas* ; 
Dag**,  lü)  =  nach  dem  Volksglauben  ein  alp- 
a  tuges ,  koboldisches,  böses,  letr.es  Wesen, 
das  sich  in  jede  Gestalt,  z.  B.  Maus,  ver- 
wandeln kann  unter  seinem  Letzol-Kftpple 
(HOtrhen,  Tarnkappe),  den  Schlafenden  sich 
aufs  Herz  netzend  Alpdruck  macht  (l-aistncr  I, 
155)  und  Letzköpfe  (Kretinen,  Wechsclbalg) 
erzengt;  es  wohnt  auf  Schietzbaumen.  — 
(1708)  letzig,  letzlich  (1"32  laezlieh,  1199  letzig, 
Schmeller  I,  IM»)  —  schadhaft  verletzt  und  so  in 
seinem  (iliedergebraueh  behindert.  —  Letze,  f. 
1.  =  Uhler  Zustand  überhaupt.  —  2.  =  die  l-olgc 
einer  Krankheit  od.  Verletzung  od.  Versehrung. 

—  3.  -  s.  Lützen  Kir.  ff.  VI,  797).  —  Letzer,  m. 
=  einer,  der  verletzt,  sehr,  schwach  ist  (t;r.  W. 
VI,  307;  Wolf  161)  (s.  sehr).  —  darm-letz  (1476 
Keletzet  in  den  dermen  =  collca,  P.  II.  100)  =  Darm- 
f'ratt  mit  Kolik.  —  (1553)  Flei.sc hes- Letze  =  Ohler, 
fauler  Zustand  am  Heische  (<;r.  W.  VI.  797).  — 
AntiMetz  =  an  der  Haut  versehrt,  empfindlich 
aufgeschürft  (Schmeller  I,  1187)  —  tvr-letzen  = 
fehlerhaft  schädigen,  die  Norm  stören,  nament- 
lich funktionelle  Schaden,  Kehler  hervorrufen 
durch  Beschädigung  oder  sonstige  Anomalien 
des  Körpers.  —  letze  ,-. s)  Bein,  Hals,  Kappel, 
Kopf,  Magen,  Seite.  —  mletzte  Linie. 

letzt  («u  law  [s.  d  ]  der  Superlativ;  mhd.  lezzeste). 

—  letzter  Finger,  Fuss,  Schrei,  Seufzer. 

Leuchte,  f.  leuchten  (..Ableitung  zu  lieht", 
Kluge1,  236,  mhd.  liuhtcn).  —  Leuchte,  f.  I.  =  die 
eonen.  Laterne  (s.  d.),  Abzeichen  hd  der  Pferde« 
stirne.  —  2  =  laichten  (s.d.).  —  ^u^cM-lenchten 
--  das  Zurückstrahlen  eines  von  aussen  in  das 
Auge  gefallenen  Lichte«  als  innerer  Reflex 
durch  das  sogen.  Tapetum  lucidum  (bei  der 
Katze  z.  B).  —  H'rf/cr-leuchten  (aus  mhd.  wetcr- 
leich  (leich  -  unruhige  Bewegung,  II.  Paul  M6]  volks- 
etyinologlsch  abgeleitet  zu    15  Jahrh  ,  1  17  wertter 


lenchten.  wetter-lncthen  -  corruseatio  levlor,  D.  l&J) 
=  die  Zuckungen  bei  Krampfzustanden  der 
Augen  und  Gesichtsmuskeln,  die  sich  so  an- 
sehen, als  ob,  durch  den  grellen  Blitzstrahl 
geblendet,  das  Gesicht  blinzelnd  zusammen- 
gezogen würde  (Hock  15). 

-leune,  -leunig  (au*  -lenk  abgeleitet).  —  (173,) 

Gdeune  -  Gelenke  (v.  b.  I7J.  —  (H82)  gross 

leuni  ge  r  ( ™  mcmhrnMis,  P.  866]  m  grossgegliedert. 

Leut,  n.,  m.  Leute,  pl.  (indogerm.  lndh  — 
meinen  ;  genn.  Iltid  -  Volk,  da*  aus  den  Sippen  heran- 
gewachsen ist;  ahd.,  mhd.  lint,  m.,  n.  —  Volk  ;  Mute,  pl. 
=  Leute,  Menschen,  Kluge*.  2:>6;  Milte  =  Menschen- 
Ansammlung;  das  Kolleküv  der  Menschen),  1.  —  die 
gleichzeitig,  gemeinsam  lebenden,  den  gleichen 
epidemischen,  endemischen  Krankheiten  und 
Konstitutionen  unterworfenen  Menschen  gegen- 
ül>er  dem  Vieh  (s.  Bruder),  das  den  Epizootlen 
unterworfen  ist.  —  2.  =*  das  Leat  =  das  Mensch 
=  weibliche  Person  (Würzbnrg;  Altbayern;  flr.  W. 
VI,  S47).  —  3.  =  Leute  (lutki  [Maro reo),  H.  A.  Hb. 
103)  =  Würmer  als  Dttmonenvolk.  —  alte  Leute 
(der  Nixen)  =  die  alt  aussehenden  Wechsel- 
bitlgc  (s.  d.  n.  Aitmann),  welche  die  Nixen  ein- 
legen (Wuttke  361).  —  arme  Leute  =  gute  Leute 
(s.  d.),  1-eprosi  (Birlinger  II,  215).  —  aussätzige 
Leute  =  die  zur  Genossenschaft,  Bruderschaft 
vereinigten,  der  gleichen  Aussatz- Krankheit 
(Lepra)  unterworfenen  Menschen.  —  Blattern- 
Leute  —  die  in  den  Bauernhäusern  gemeinsam 
lebenden  Pockenkranken  (auch  Syphilitische). 

—  (1509)  WrirAc Leute  =  l'hlegmatici  (s.  Phlegma) 
(Pr.  II,  168).  —  böse  Leute,  1.  =(dle  ndd.  quaden, 
leepen,  Upen  Lue,  Wuttke  III.  292)  =  diejenigen 
Menschen,  welchen  nach  dem  Volksglauben  die 
Kunst  des  Zauberns  gemeinsam  eigen  ist,  die 
dem  Menschen  etwas  „anthuen"  (s.  d.)  können, 
indem  sie  sich  in  einen  beliebigen  Gegenstand 
verwandeln,  unter  dessen  Gestalt  sie  dann,  wie 
ein  böser  Dämon  den  Menschen  belästigen  und 
quälen ;  namentlich  Leute  mit  zusammenge- 
wachsenen Augenbrauen,  wie  sie  die  Ratzel 
oder  Schrättlein  haben,  oder  solche  mit  dem 
bösen  Blicke  sind  böse  Leute  (Abcrgl.  45.  «).  — 
2.  =  die  vom  hosen  Feinde  selbst  besessenen, 
vom  Teufel  gerittenen  Geisteskranken  oder 
akut  Fiebernden,  maniaci  (Birlinger  I,  450).  — 
(1645)  dämpfichte  Leute  =  asthmatici  (s.  Dampf) 
(Coler,  H.  A.  133).  —  (1524)  dürre  Leute  =  die  Ge- 
nossen in  der  cholerischen  Natur,  Choleriker 
(s.  d.)  (Bayerl.  1895,  s.  323).  —  (1417)  erdfarbige 
Leute  -  Melancholie!  (s.  Melancholie)  (i>.  354). 

—  farbige  Leute,  1.  =  Leute,  die  eine  gesunde 
Gesichtsfarbe  (s  Farbe  u.  Cholera)  zeigen.  — 
2.  —  iTberectzung  der  Kraszno  lutki  [Masur.],  Frischb.  75) 
=  die  farbigen  Würmer,  unter  deren  Gestalt 
die  elbischen  Wesen  den  Menschen  plagen  und 
mitzehrend  (s.  Mitessen)  allmählich  abzehren 
(s.  d.)  machen.  —  (1483)  fiebrige  Leute  (flbrige 
laeut ,  C.  v.  Megbg.)  -  die  gleichzeitig  an  epi- 
demischen lieberhaften  Krankheiten  erkrankten 
Menschen.  —  (1646)  französische  Leute  —  an  den 
Franzosen  (s.  d.)  erkrankte  Menschen  ,'Coler. 
H.  A.  228)  (s.  Blatternleute).  —  geplagte  Leute 
m  Leprosi,  igne  sacro  seu  infernah  plagati,  die 


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.168 


I^eute. 


!  .ev.inte— lieht. 


armen  Leute ,"dio  an  der  Lepra  erkrankt  sind 
(Du  cangc  vi,  300).  —  (13C8)  gute  Leute,  1.  =  Le- 
prosi,  die  armen,  geplagten,  am  Ausbau  oder 
ansteckenden  Leiden  kranken  Leute,  deren 
sichtbare  Entstellung  Mitleid  erweckte,  und  die 
sich  zur  Erreichung  gemeinsamer  Ziele  und 
Zwecke  zu  sigelmassigen  Genossenschaften 
vereinigten  [Haemr n,  Nachtr.  62;  Buck,  Flur-N.  93; 
rfeifcr,  rcsillcuiia  In  nttnunl«).  —  2.  —  spater  ge- 
hörten dazu  auch  die  Lues-Kranken,  die  eben- 
falls in  den  Gutleut- Häusern  gemeinsam  unter- 
gebracht waren  (s.  auch  HurnbrQder).  —  3.  = 
die  guten  Holden  (e.  d.),  Gütchen.  —  hitzige 
Leute  ■  Genossen  der  gleichen  hitzigen  Natur, 
Konstitution,  Komplexion  (*.  Natur);  meist 
Bolche,  die  viel  an  Verstopfung,  innerer  Trocken- 
heit leiden  (Huck  72).  —  //"/.--Leute  =  nach  dem 
Volksglauben  die  untunlichen  oder  meist  weib- 
lichen Dämonen  aus  dem  Walde  (Holz,  Moos, 
Buoch,  Loh,  Hag  [s.  Hechsej,  Hart)  in  meist 
zwerghafter,  aber  auch  riesenartigor  Gestalt, 
behaart,  halb  menschlich,  halb  tierisch  (ziegon- 
ahnlich)  deren  Leben  an  den  Bestand  des  Waldes 
(Kaum)  gebunden  ist  und  ah  „arme  Seele", 
denen  man  opferte,  in  dem  Walde  noch  fort- 
leben nach  dem  Volksglauben  (Baumseeie),  die 
aber  schon  frühzeitig  in  Hausgeister  und  Feld- 
geister Obergingen;  a)sie  drücken  den  Menschen 
als  Milzfrau,  Holzmar,  Waldmar  (Laistner  Ii,  245 ; 
Panzer  II,  180.  254;  Z.  d,  V.  f.  V.-K.  18»'»,  22);  b)  sie 
minnen  den  Menseben  im  Alptraum  als  wilde 
Milnner  (Bauernregeln  M;  Mannli.  TO.  87.  135.  136. 
KS;  H.  A.  Rh.  260;  Gollh.  154;  Gr.  D.  M.  403.  405.  452) 

(Waldminne)  und  c)  ei  zeugen  damit  die  Wech- 
sel bftlge  (s.  d-),  welche  ihre  Gestalt  teilweise 
als  uienschlicbe  Missbildungen  mit  Tierahn- 
lichkeit  erhalten  und  von  ihnen  den  normalen 
Menschenkindern  untergelegt  werden  (Wuttke46); 
d)  sie  verwirren  die  Haare  zu  Alpzöpfen  als 
Widemttnnlein  (s.  d.)  (Pauli  10*);  e)  ihr  Anhauch 
macht  Beulen  und  Geschwüre,  Katzenbeulen, 
Kalzenveit,  St.  Veilswurm  (Schelble  IX,  63»); 
f)  als  Milzfrau,  Holzfrau  erzeugen  sie  Milzbrand 
(IT.  a.  R.  259,  Jahn  183. 198),  Waldkrankheit  (maladie 
St.  >ylvain)  auch  den  Bettel  (s.  Bettelkrank- 
heil)  iK-ihier  466 ff.)  bei  Schafen,  das  Fieber  (als 
Rüttel  Weibchen)  (H.  A.  R.  261;  Mannh.  82);  g)  bringen 
als  Heidemann,  Pestfrau,  Seuchen  oder  Tod 
(Oolth.  IM);  h)  machen  taubstumm  (H.  A.  R.  270); 
i)  u.  lahmen  durch  Aufhocken  (Schelble  IX,  639J. 
—  (1591)  kalte,  phlegmatische  Leute,  1.  ■  solche 
Menschen,  die  dem  i'hlegma  (s.  d.)  oder  der 
kalten  Natur  (s.  d.)  gemeinsam  unterworfen 
sind  und  vielfach  an  Weisstluss,  Ausllüssen, 
Diarrhoen  leiden  (Tabcrnacni.).  —  l.-  an  kaltem 
Fieber  (s.  kalt)  Leidende  (Frlichb,  66.  76).  —  (1548) 
kindliche  Leute  =  Menschen,  die  durch  ende- 
mischen Kretinismus  im  Wachstum  zurück- 
bleiben (Blrcher  21).  —  kleine  Leute,  1.  = 
Menschen  mit  Zwergwuchs,  Kretmen  (Gr.  W. 
VI,  844).  —  2.  =  das  kleine  Volk  (s.  d.)  der  el- 
bischen Krankheitsdämonen ,  das,  den  Sym- 
ptomen entsprechend,  verschiedenfarbigauftritt 
in  den  Bannformeln,  die  sie  aus  Haupt,  Leib 
oder  Bein  ins  Wasser  zu  fahren  veranlassen 
sollen  (Frischt).  74,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896,  8.  15.  16.  19) ; 


Bie  erzeugen  hauptsächlich  als  Würmer  lause- 
besetzte  Kopfhaar- Ausschlage,  die  das  Haar 
zu  Zöpfen  (s.  d.)  und  Locken  (s.  d.),  verwirren 
und  durch  eiutrocknendes  Sekret  verkleben.  — 
kropfige  Leute  -  Menschen,  die  am  endemischen 
Kröpfe  leiden  (1522  kropffechte  Lüt ,  Strassburg; 
Z  d.  V.  f.  V.-K.  1897.  212;  Guar.  427).  —  (1609)  leepe, 
lipe  Leute  -  buse  Leute  (s.  d.).  —  leichte  Leute 
(de  lichte  lue,  Ostlriesland ;  Wuttkc  141)  m  die  als 
Irrlichter  schwebenden  flüchtigen  Krankheits- 
dämonen. —  (1483)  mondwendige  Leute  ■  Leute, 
die  dem  schädlichen  Einflüsse  des  Mondes 
gleichartig  nach  früherer  Lehre  ausgesetzt  sind, 
„die  ihren  Sinn  verkehren  nach  des  Mondes 
Lauf"  (C  r.  Megbg).  —  Moos  heute  s.  Holzleute. 

—  quade  Leute  -  böse  Leute  (ndd.).  —  (1483) 
räudige,  nchäbigelAUte  diean  der  bösen  Baude 
(l^epra,  Syphilis)  erkrankten  sondersiechen  Aus- 
satzlinge  (C.  v.  Hcgbg.).  —  (1501)  rotfarbene  Leute 
bs  cholerici  (s.  Cholera)  (Pr.  11,  168)  (a.  farbige 
l^eute).  —  (1521)  rotzige  Leute  -  Genossen  in 
der  phlegmatischen  Konstitution  (s.  Phlegma) 
(Bayerl.  1896.  8.  323).  —  Näa-Ludi,  m.  es  da*  Sau- 
maunchen,  ein  Knochen  in  der  Gestalt  eines 
Mannchens  in  einer  Metzger-Kufe  (s.  Jungfer 
im  Bade  und  Judenknochen)  (Rochh.  1.  227). 

—  galige  Leute  =  salige  Fräulein  (s.  Salig) 
(Vemal.  243).  —  (1368)  sieche,  besiechte  Leute  (1316 
beMekte  liedeu;  ndd.  —  leprosl,  Lersch  105;  siechen 
'.ute.  Buck,  Flur-Sam.  96)  —  an  der  Lepra,  Aus- 
satz etc.  erkrankte,  sog.  gute  Leute  (s.  d.),  die 
gemeinsam  wohnten  in  den  Gutleut-,  Siechen- 
oder Leprosen -Hilusern.  —  (1477)  teufelhaftige 
Leute  s>  die  Besesseneu  (s.  d.),  worunter  man 
auch  die  akut  delirierenden,  an  Infektiuns- 
seuchen  (Phrenitis)  erkrankten  Menschen  ver- 
stand (c.v.Megbg ),  nicht  hlossdieGeisteskranken. 

—  (l.v>4)  tobsUt  hh:ir  Leute  fllaltaus  1787)  =  maniaci, 
s.  böse  I  eute  '1  m  an  Ptirenins  acuta  epidemica 
erkrankte  Leute  oder  wütende  Leute.  —  (1477) 
rergiftige  Leute  ■  Menschen,  die  am  Vergifl 
(=  Vergicht,  s.  d.)  leiden  (OrtoH).  —  (1790)  rcr- 
rücktc  Leute  —  Menschen,  die  gemeinsam  an 
gleicher  Geistesverwirrung  leiden.  —  tmoc 
Leute,  t.  -  weisses  Damonenvolk  in  Wurm- 
gestall  oder  weisse  Madenwürmer  als  Bleich- 
sucht erzeugende  Krankheitsdamonen  (blale 
ludiie  [Manur.],  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896.  8.23;  die  In  Bann- 
tormeln  der  Masuren  [Frischb.  76];  x.  B.  aus  I.etl>.  Itlul. 
Ader,  Gelenken  und  Gliedern  auf  steinige  Meerc«in*eln 
vertrieben  werden).  —  2.  =  bleiche  L-JUte  (s.  d.). 

—  3.  =  namentlich  Lieber  leidende,  die  ein 
bleiches,  kacheklisches  Aussehen  bekommen 
(Frinchb.  58).  —  Wald  -  Leute  s.  Holzleute.  — 
willige  Leute  as  die  an  der  Hunds wut  (Lyssa) 
leidenden  Menschen  (Buck  15).  —  Leut  >\  » ' 
-Fresser,    •  Schlächter ,    -Schwenden,  -Sterlten, 

—  Wurm. 

Levante,  f.  —  levantische  Pest. 
lexen  s.  lechzen, 
libern  s.  lüppern. 

licht,  Licht,  n,  Lichter,  pl.  (indogerm.  luk  = 

leuchten  ;  gotli.  Hub«,  nhd.  Höht;  mhd.  lieht  as  Mein, 
Glans,  Helle,  Kluge *,  237;  16.  Jahrh.  licht  m  nudus, 
glabellua,  haarlos,  glänzend,  D.  264  ;  engl,  lighl).  — 


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Liehte-Lid». 

Licht,  n.  Lichtlein,  1.  =  da«  Auge,  Augen-  i 
pupille,  als  Teil  des  lichtempdndenden  Organs, 
Sehvermögens  (1592  du  tiechtlln,  Beb.  206 j  Heyne 
IV,  642;  Or.  w.  vi,  873)  (=  Lichter,  pl.).  —  2.  = 
die  Lichtader  (s.  d.),  Vena  temporalis  (Gr.  W.  VI, 
»60.  872.  877).  —  -lichter,  -lichten  s.  Lechter.  — 
I «  -  Licht  =  Licht  1  (Falke  I,  84)  -  Geeicht 
(hei  Tier  nnd  Mensch).  —  Leben  »-Licht  =  da» 
heim  Sterben  wie  ein  Kerzenlicht  verschwin- 
dende Sebverraöffen  (piu  de  luce!).  (Ober  die 
Sterbkertc,  Lebenslange,  Blutlampe  der  ParacelsUten 
[Bequin,  Burgrav]  s.  BochhoU  I,  111.  165;  Kraut.  E. 
160;  Zingerle,  Schlldereien  hus  Tirol  108 ff.)  —  lichte, 

Licht  Ader,  -Augen,  -los,  -Magen,  -Mann, 
-»cheu. 

Lichte,  f.  8.  Leichten  (Schweiz;  Falke  II,  69). 

Lid1,  n.  -lied  (lndogerm.  li-tu  [-thn] ;  altgerm.  Dlk 
~  geben;  gem.-gerrn.  Uthu  —  Olled  [an  Gehen]; 
altnord.  li-mr  =  Glied,  Kluge*  Hl;  eugl.  Iltbe  =  ge- 
lenkig, biegsam  ;  llmb  =  Glied,  Zweig ;  abd.  lid,  m  ,  n. ; 
7. — 8.  Jahrb.  lidi  =  articulus,  membmm,  Cass.  Glos«. ; 
Dt«  »8;  Graft  II,  189;  Gr.  W.  VI,  981  ;  8.  Jahrh.  lldl 
=  membra,  Kero  81 ;  9.  Jahrb.  lidall  =  articulus,  Graft 
II.  189;  12  Jahrh. lithc-artus,  articulatio,  H.  Z.  II,  205;  | 
14.  Jahrh.  lideli  =  articulus,  VoO.  opt.  W.  12;  mhd. 
Mt ;  1343  sine  11t  =  seine  GUeder  des  Leibes,  Pfeiffer 
F.  u.  K.  I.  82;  1606  lytt,  n.  =  Fingerglied,  Incheuh. 
Mir.;  litt  =  Glied,  Wuttke  229;  Uder  (Tirol)  =  Glieder, 
Hlntner  8.  20;  holl.  lid  ;  schwed.  led;  diu.  led  ;  ndd. 
lit,  let,  leet.  D.  355).  —  Lid  =  Ciehglied  (?),  Glied 
Oberhaupt;  Membrum  genitale,  Artus,  Arti- 
culatio, Ossa,  Pedes,  Digiti,  les  orteiles.  —  aus- 
V  lid  et  (13.  Jahrh.  nssgelet,  ucieylyth  ss  caslratus, 
D.  105)«  Verschnittener,  dem  dasScrotutn  (tieni- 
tale)  ausgelöst,  -geschnitten  wurde.  —  Bild 
(=  Behd)  (abd.  bllldl ;  mhd.  bilde)  a  Bild,  nach- 
gemachtes Glied,  Nacbglied  (s.  Bild).  —  Grlid, 
Glid,  Glied  (ahd.  güld  =  artus.  Gelenk,  Kluge»,  141 ; 
U.— 12.  Jahrh.  gilith  =  Glied,  juneturae,  Graft  II,  189; 
1260  da«  gellt,  Pfeiffer  32  ;  mhd.  gelid  ;  13.  Jahrh.  gilt 
=  artlculum  [bayer.  Landfrieden] ;  14.  Jahrb.  gelld 
=  membrum,  Voc.  opt.  W.  12;  1482  gelied  —  mem- 
brntn,  Zen.  Voc.  k  7 ,  dan.  gelcd).  —  Glied  -  «las 
Kollektiv  zu  Lid,  das  ganze  Lid  mit  allem, 
was  daran  ist,  1.  =  Membrum,  Artus,  Gelenk, 
beweglicher  äusserer  Körperteil,  Knochen 
mit  Fleisch.  —  2.  —  Membrum  virile,  Penis, 
da«  Zeugongsglied,  Frucbtglied;  dieses  (;[e]lid 
litferte  wobl  auch  das  primitivste  bild  fiir  die  Ger- 
manen, das  PhallnaBtld  als  nachgemachte«  l.id  (siebe 
Belld),  wie  es  sieh  in  den  Pfahlbaufundcn  bereit»  findet. 

-  S  Genitale  feminae.  -1  -Körperteil« 
überhaupt,  auch  innere  Organe,  z.  B.  Ver- 
dauungsorgane, von  denen  man  1766  (Bauern- 
regeln, 8.  61)  so  viele  annahm,  als  Tage  im  Jahre 
gezahlt  werden,  also  weniger  wie  bei  den 
Knochen  oder  Beinen  (s.  d.  8.  32):  365.  — 
(1620)  abgetchlaqene  Glieder  =  ermattete,  kräft- 
ige Glieder  (e.  abschlagen)  (r>r.  Minderer).  — 

\  qetetttc  Glieder  =  die  rhachitisch  vorän- 
on-  f  * 

derten,  an  den  Kpiphysen  kolbitf  verdickten, 
dadurch  gedoppelt,  an-  oder  abgesetzt  aus- 
sehenden Extremitäten  (s.  Zwiwuehs  und  dop- 
pelte Glieder).  —  (1538)  Aefuel- Glieder  =-  die 


Lid«.  869 

oberen,  an  der  Achsel  beginnenden  Glied- 
massen (nyrti,  k.  w.  150}.  —  A ugen- Glieder  (1482 

augengelled;  1570  augengeliedcr,  II.  Sachs  —  palpebrac, 
cllla,  Sebmeller  1, 1442;  [Baden]  augegelltte,  Schmitt  19 
=  eine  Verwechselung  des  [ahd.]  hllt  -  operculum 
[«.  I.id  *]  mit  l.id  1  artus.  Gr.  W.  I,  s06)  =  Augenlid 
(8.  d.;  Lid1).  —  (UM)  bärhaftige  Glieder  = 
Geburtsglieder,  Genitalia  (Bcsolt).  —  Bauch- 
Glieder  =  die  vom  Bauch  (Leib)  abwärts  be- 
ginnenden Extremitäten  (Hyrtl,  Anat.  342).  — 
(1538)  Bein- Glieder,  1.  =  Beingelenke.  —  2.  = 
untere  Gliedmassen,  Füsse,  Beine  (Hyrtl,  K.W. 
160).  —  (1561)  blöde  Glieder  =  schwache  Glieder. 

—  (1631)  däuende  (dewende)  Glieder  =  Verdau- 
ungsorgane (Krautw  ).  —  (1530)  Deck- Glieder  — 
Augendeckel  als  Augenlid,  Lid"  (Besold).  — 
(17'.7)  doppelte  Glieder  =  die  rhachitisch  ver- 
änderten Epiphysender  Extremitäten-Knochen, 
welche  kolbig  verdickt,  geknüpft,  dann  aber 
wie  abgesetzt,  rasch  ebenso  dünn  wieder  er- 
scheinen, so  dass  sie  wie  gedoppelt  aussehen 
=  englische  Krankheit,  Zwiewuchs,  onter- 
wachsen,  geknüpft  etc.  (Banml.  583;  PauU  54).  — 
(1529)  edle»  Glied  =  edler  Körperteil,  s.  Haupt- 
glieder (Brunf.).  —  (1819)  empfindlichen  Glied 
=  Clitoria  (Oslander;  t.  Slebold  32)  (Fritz,  Füd- 
gigel  etc.).  —  (1592)  entblähtes  Glied  =  durch 
Schwellung  enistelltes  Glied  (Seb.  105).  — 
(17.  Jahrh.)  entzündete  Glieder  -  durch  Rotlauf 
(St.  Antoniusfeuer,  Wildfeuer)  oder  durch 
Phlegmone  heisse,  rote  F.xtremitäten  (F.  Kr. 
B.  313;  i,onie.  119.  m).  —  (1761)  erfrorene  Glieder 

—  durch  Frosleinwirkung  in  der  Funktion  be- 
hinderte Glieder  (L.  chir.  67).  —  (1569)  erlahnte 
Glieder  =  von  der  Paralysis  (s.  d.)  betroffene, 
gelähmte  Glieder  (s.  lahm)  (Gr.  W.  VII,  1458).  — 
(1561)  erttockte  Glieder  -  Membra  stupida,  taube, 
unempfindliche,  unbewegliche  Gliedmassen 
(Gr.  W.  III,  1017).  —  Feucht-  Glied  -  das  männ- 
liche Glied  (beim  Wild),  entsprechend  der 
weiblichen  Feuchte  (s.  d.).  —  Finger- Glied  = 
(Organum,  Ii.  400)  -  die  Fingerteile,  die  beweglich 
sind.  —  (1551)  Jratte  Glieder  =  aufgeriebene 
Körperteile,  die  durch  Erythems  intertrigo 
fratt  sind  (Scrotum,  Perineum,  Anus  etc.) 
(Bock  1R5).  —  (1528)  Frauen- Glied  m  Glied  3. 
Weibttfched  (H  v.  Ocrsd,  21).  —  Frucht- Glied  - 
Zeugungsglied,  Penis  (Kute).  —  (1530)  führende 
Glieder  =  die  Nahrung  zuführenden  Urbane 
(Kunigssp.  4y).  —  (15.— 19.  Jahrh.)  Gebär-,  (16  Jahrh.) 

Gebärung-,  (i6is;  Grburts- Glieder  =  männliche 
und  weibliche  Genitalien  (bärhafte  Glieder), 
da  beide  zum  Erzeugen  einer  Geburt  nötig 
sind;  wesentlich  eingeschränkt  auf  Vulva, 
Vagina,  Matrix,  Arvuni  genitale  (s.  Acker) 
(Kir«ch  113;  WUdbrunn,  WclUh.  19;  D.  260;  Gr.  W.  IV. 
1.  1906;  L«rcllng  254).  —  (1630)  innerliche  Geburts- 

Glieder  -  Utero«  (Lontcenu  im).  —  run)  des 
Männleins  GrOurf«- Glied  [C  v  «ehm.  107)  = 
Penis  virilis.  —  gt  -.licdert  ■  artikuliert,  in 
den  Gliedern  richtig  gefügt.  —  (1483)  geistige 
Glieder  =  das  Zentralnervensystem  mit  den 
peripheren  Nerven  (und  Adern)  als  Träger 
des  Geistes  s.  d.)  (c.  r.  Megbg.).  —  (1528)  ge- 
knitschte  Glieder  -  gequetschte  Köri>erteile 
(H.  t.  nertd.  51).  —  (1716)  gekränkte  Glieder 

24 


■ 


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•70 


Lid '. 


LUV. 


gequälte,  geplagte,  geschwächte  Ghedmossen 
(Gr.  vi.  V,  20::i).  —  gelahmt f  Glieder  -  s.  erlahmte 
Glieder  U'latiner  I,  152).  —  (1592)  geschlagenes 
Glied  =  durch  Schlag  (s.  d.)  betroffenes  Glied, 
Contusio,  Paralys  (s.  d.)  (Seb.  yi).  —  (16.  Johrh.) 
Geicerb- Glieder  —  die  in  Gelenkverbindungen 
sich  bewegenden  Glioderteile  (Lonto.  341).  — 

9W-\9QMü*Mt  j  <"s2  BrowKelyderter.  irror.Ke- 

lytttirkelt ,  urosj-KelldlKer  —  corpuletitu« ,  mcinbrntug, 
corpolenua,  D.  162.  355)  =  stark  gebaut  in  den 
Gliedern.  —  (i-t"7)  Haupt- Glieder  -  die  Prinzi- 
palglioder,  die  so^en.  edlen  Teile:  Herz, 
Leber,  Hirn  etc.  (Ortolf;  rictor.  42).  —  (1528) 
heimliche  Glieder  (16.  Jnhrh.,  ndl.  bcmelikc  lcde  der 
vrouweu,  D.  260;  heinelike  K'd  -  pudenda,  D.  II,  308) 
■  die  geheim  gehaltenen  Geschlechtsteile 
(Heidrusen)  (Bock  40.  185;  Hyrll,  K.  W.  84;  H.  v. 
Oend.}.  —  (1507)  innerliche,  (17.  Jahrh.)  innere 
Glieder  =  <lie  inneren  Organe  im  Gegensatze 
ID  den  äusseren  Körperteilen  (Hi>ri-  mini«.;  f. 
Kr.  n.  sio.  572).  —  (1591)  kalte  Glieder  =  gelähmte, 
schlall'e,  durch  kalte  Natur  (Phlegma,  Rheuma) 
erkrankte  Gelenke  (Tubern.).  —  (mhd.)  Kindes- 
Lid  (Glied)  =  Kindesbeine  (Meyer,  Helint.r  245). 

—  kleines  Glied  (1512  kleynglyd  =  artlcului,  D.  51) 
=  das  kleine  :5.  Glied  am  Finger.  —  [16321 
knopfige  Glieder  -  durch  knutige  (Gicht-)  An- 
schwellungen (Tophi)  veränderte  Glieder;  (161C) 
articnli  nodosi,  tophis  impositi  (Gnma;  Podagra) 
[PHei  122;  Cr.  \v.  V,  uro).  —  (1651)  knarr  ichtc 
Glieder  —  durch  harte  (Gicht-)  Knoten  (tophi) 
entstellte  Glieder  (Bock  49).  —  (1528)  kontrakte 
Glieder  ■  durch  Gicht  krampficht  zusammen- 
gezogene Glieder  (ijliedbrflchig)  (II.  v.  Gersd.  25). 

—  (lßss)  krampfichte  Glieder^  kontrakte  Glieder 
(s.  d.),  Pseudoankylosis  (Gr.  W.  V.  2013)  -  (1561) 
kranke  Glieder  "  Mode,  kraftlose,  Bebwache 
Glieder  (Gr.  W.  V.  2023).  —  kram  gliederig  = 
von  feinem,  zarten  tiliederhaue  (Spi.«*  II,  13»; 
kraus  lorkitf,  «irt).  —  (15.  Jahrb.)  Icblhhc  Glieder 
(Intestina  ritaUa,  D.  623)  ■  Eingeweide,  an  deren 
Bestand  das  Leben  hangt.  —  lidm  iches  Glied- 
lein =  kleines,  biegsames  Glied  des  Fingers 

(Sehraeller  II,  S:t3).  —  Manns-,  männliches  Glied 
(15.  Jahrb.  daz  manlichc  Rclid,  Seh  melier  II,  322; 
1500  nieudlich  gelld,  Fuchs  I,  319;  1515  mansgUd 
=  inentiiln.  penl»,  rnmex.  |>ria|>us,  D.  45«.  483.  504; 
1>.'  mau<>*glled  -  panta,  Lonicerus  163,  Gr.  W.  VI, 
l  so  Zw  878J  =.  Glied  2,  Mute.  —  Mittel-Glied 
=  die  in  der  Mitte  des  Fingers  befindliche 
2.  Phalange  «1er  Fingerknochen.  —  (1350) 
nährende  Glieder  =  Verdauungsorgane,  Blut- 
gefässe, Nahrung  zuführende  Gedärme  (KüDigwip. 
49).  —  Nagel- Glied  -  der  3.  Finger-  oder 
Zehenphalangcnknochen,  der  den  Nagel  trügt 
(Gr.  W.  VII.  267).  —  natürliche  Glieder  -  Geni- 
talia  als  Korperteile,  dio  der  natürlichen  Zweck- 
mässigkeit de«  Wesens  und  seiner  Bestimmung 
entsprechen.  —  pelzige  Glieder  =  emprindungs- 
Bchwache  Extremitäten,  die  wie  durch  einen 
Pelz  fühlen,  der  auf  ihnen  liegt.  —  (16.  Jahrh.) 
podagr(am)ische  Glieder  -  gichtisch  erkrankte 
Glieder  (Lonlo.  37).  —  (1609)  Prinzipal- Glieder 
(Pr.  Ii,  205;  iiyrti,  K.  w.  191)  =  Hauptglieder.  — 
sausende  Glieder  =  frostprickelnde  Hände  und 


Füsse  (Gr.  w  vill,  1933).  —  (147S)  schämige,  (1566 

Scham- 1  (Lid)f  ^  I  1  =Vere,lda'  ^denda, 
Inguen,  Pubes,  Genitalia  (Gr.  W.  VIII,  2110).  — 
2.  —  Praeputium,  l.id  1  (puta,  putillui,  pellls  ea 
■iua  glan«  membrt  virilis  tegltur) ,  Schwanzhülse 
(Kirsch  985).  —  (17  Jahrh.)  schlafende  Glieder  = 
durch  Lähmung  (Schlag)  empfindungslose 
Glieder  (Fr.  Kr.  M  286).  —  (1528)  schteeinende 
(schwindende)  Glieder  =  an  Muskulatur  ab- 
nehmende Extremitäten,  Atrophia  (H.  y.  Gerad. 
43;   Theophr.   Br. ;   Wallb.   357).    —    (1682)  Süchtige 

Glieder  -  an  der  Gliedersucht  erkrankte  Ex- 
trem i  täten   (Lonlc.  289).   —  (17.  Jahrh.)  trockene 

i  Glieder  -  mit  trockener  Schleimhaut  behaf- 
tete, innere  Organe  (Fr.  Kr.  B.  83).  —  ungelenke 
Glieder  =  wenig  biegsame  Glieder  od.  Gelenke. 
—  Unketisch- Glieder  (1483  der  unkaeusch  (rellder, 
C.  v.  Mcgbg;  Schindler  I,  1304)  =  Genitalia.  — 
(1532)  Unter  ,  untere  Glieder)  -  Schenkel  od.  Ge- 
nitale, Memhrum  (Fries  121;  Dr.  Minderer).  —  (1784) 
Fer-i/liedernng  =  dio  Vereinigung  in  Glieder- 
art (Essich  327).  —  (t497)  vergiftete  Glieder  = 
durch  syphilit.  oder  gichtische  Knochonauftrei- 
bungen  (Wrgift  =  Vergicht)  veränderte  Glieder 
(Fuchs  I.  311).  —  verkrümmte  Glieder  =  durch 

|  Ankylosis,  Fseudarthrosis  krumm  gebogene 
Gelenke  oder  durch  schlechte  Bruchheilung 
verunstaltete  Knochen.  —  über-,  ver-,  zer- 
stauchte  Glieder  =  Contusio,  Distorsio  articu- 

.ornm  (..  stauchen).  -  g£j  ^SSSs  \ 

=  durch  Rheuma,  Tetanus,  Luxation,  Gelenk- 
entzündung etc.  verändertes,  verschobenes 
Glied,  Gelenk  mit  zuckenden  Muskelschmerzen 
(Lonlc.  75).  —  ro/Z-yliederig  (»hd.  fol-lldl,  GraH  II. 
1167)  =  von  starkem  Gliedeibaue.  —  vorderes 
Glied  (die  forderen  «Hede,  Germ.  XVIII,  16)  —  Ober- 
Extremiliit,  Buggelenke,  Vorderfflsse.  —  Weibs- 
Glied  (ahd.  nntblldo),  1.  =  Vulva,  Franenglied 
(Hyrtl,  K.  W.  i:r7).  —  2.  (ahd.,  Graft  II.  190)  =  Uerm- 
aphroditus,  ein  Mann,  der  auch  weibliche  Ge- 
j  nitalien  hat.  —  weiche  Lider  (Glieder)  (mnd.. 

14.— 15.  Jahrh.  de  weken  lede,  J.  f.  ndd.  Spr.-F.  XV. 
'  133)  =  schlaffe  Glieder  (Genitalien).  —  (1482) 
i  io»W-i/rlidert,  -gliedert  =  co>|iulentus,  an  Glie- 
derfleisch wohi  besetzt  (Zen.  Voe.  »6).  —  (1507) 
zerknistetc.  Glieder  -  geknitschte  Glieder  (Hon. 
ssn.).  —  (1528)  zermtirste  Glieder  -  morsch  ge- 
Bchlngene,  gequetschte  Glieder  (II.  v.  Gcnwl.  61). 
Die  Lidwurr  =  Gliedwurz  (1532  1yd  wurU,  II.  v.  Gersd. 
10»);  die  Namen  für  krankhafte  „Glieder" 
wurden  hauptsächlich  seit  dem  epidemischen 
Auftreten  der  „Franzosen"  (1482)  (s.  Syphilis) 
in  auffälliger  Weise  häutiger;  die  (mhd.)  und 
(ahd.)  Glieder-Namen  beziehen  sich  fast  durch- 
weg auf  bewegliche,  durch  Muskeltleisch  aus- 
gestattete Glied maeeen  («Membran«).  —  Lid-, 
GUed  «)-,16sf>r&€ii,  -Auswahlen,  -Band,  -Bau, 
-Brand,  -brüchig,  -Entzündung ,  -Erstarren, 
-Er Störung ,  -Feuer,  -Fuge,  -Gang,  -ganz, 
•Gegicht,  Getccrb,  Kälte,  -Kontraktur,  -Krampf, 
-Krankheit,  -Krümme,  -Krumpe,  -lahm,  -los, 
-Massen,  -Müden,  -Reissen,  -Renke,  -Rose, 
■Schänule,  -schelch,  -  Schlaf,  -Schrot,  -Schwachheit, 
-Schwamm,  Schweinen,  -siech,  Staltnis,  Steife, 


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Lid*— Haderte 


liefern — liegen. 


371 


Stein,  -Stich.-Sucht,  süchtig,-  Tanz,  ■  Wrschrung, 
-Verstopfung,  -Waster,  -  Weh,  ■  Wehtag,  weich, 
-  Woge,  -  Wurm,  -Zucken. 

Lid*,  n.  (Augenlid)  (iitad.  hllt,  llt  =  Deckel.  Ver- 
schluss ;  mhd.  lit,  n.  =  opcrculnm,  tegmcn ;  „eine  arge 
Verwirrung  entstand  daraus,  «law  die  alten  Wortsamm- 
lcr  die  Ausdrücke  für  lid  1  =  membrum  nnd  lld '  = 
tegmen  mit  der  Leichtfertigkeit  ihrer  Unwissenheit 
ganz  willkürlich  für  palpcbra.  supercilluro,  cllium  ge- 
brauchten". Hrrtl.  K.  W. ;  engl,  lid  =  Augenlid;  vergl. 
membnim  =  Lid'  u.  tnembrana  =  Lid").  —  Lid,  n. 
1.  =  der  Augendeckel  (Augenlid).  —  2.  =  [um 
da»  lid  de«  grossen  beins  Im  fnss,  Gr.  W.  VI,  483)  ~ 
der  deckelfön:.  _   Knochenrand,  Kcklciste  am 
Knochen  des  Oberschenkels.  —  3.  =  l'raepu- 
tium,  Schaniglied  2.  —  Augen-IAA  (mhd.  ougelit, 
I^xer  123;  1476  eyn  auwerglljt  =  palpcpra,  fellicnlus 
Muo  tegitur  oculu«,  1).  II,  277;  15.  Jahrh.  oghenlcd 
=  cilinm,   D.  II,  90;  15S6  ougcngelyd ;  s<-lt  Luther 
allgemeiner  in  Gang  gekommenes  Wort,   Gr.  \V.  I, 
«07;  engl,  eyelld.  Lehf.  171;  bei  Shakspeare  cofTer- 
lids  s  Kastendeckel),   1.  =  „die  2  beweglichen, 
durch  Faltung  der  Haut  gebildeten  Deckel  oder 
Klappen  am  Auge,  welche  zum  Reinigen  der 
Augen  dienen"  und  iura  Verschluss  derselben 
(Hyrtl,  Anat.  53*)  =  Palpebra  (Cicilium).  —  2.  = 
(1753)  die  innere  Augenlidschleimhaut.  —  rotes, 
ran  lies  Aughd  -  Trachom  (A.  v.  R.  II,  2W;  ndl. 
roode  oogleden  =  llexeuaugcn,  (V.  K.  IX,  11).  — 
3.  =  (181«  augenglidt.  Schmeller  I,  1442)  Cllium,  die 
Lidhaare.  —  4.  =  das  3.  AwjenÜd  -  die  Nick- 
oder Nagelhaut,  Blinzhaut  beim  Pferde  (Mayer 
189).  -  Augenlid- Hitze,  -Krankheit,  -Kupfer, 
-Rone.   —  ö«nr-Lid  (ahd..  10.  Jahrh.  kanzlidl, 
Notker,  Graft  II,  190)  =  Praeputium,  die  unver- 
sehrte, nnbeschnittene  Hülle  der  Glans  penis 
im  Gegensätze  zum  nachfolgenden:  SrAarf-Lid 
(ahd.  scardlithi.  scartlldl,  I^sges  Alam.  60;  Graff  II, 
190;  V,  528)  =  Circumcisio  praep.it ii  s.  operculi 
=  das  schartig  verstümmelte  Lid,  z.  B.  die  be- 
schnittene Vorhaut  oder  der  verstflmmelte  Ohr- 
deckel (Ohrlid).  —  Ä  Aam-Lid  s.  Scham-Glied 
S.  370.  —  t/W-Lid  (ahd.  uparlith,  Schmeller  I,  1442; 
mhd.;  ortolf)  =  der  flber  dem  Kehlkopfe  befind- 
liche Kehldeckel,  Epiglottis.  —  Lid*- Gc/as«, 
-Haut,  -Lähmung,  -los,  Scharte,-  Spaltenfleck. 

Liebe,  f.  (Indogerm.  lenbh  Pubens.  inbldo,  libido] ; 
vorgerm.  leubho;  gern  -germ  Huf ;  angl«  leof;  altnord. 
liutr  =  lieb,  gefallend,  Lust  erweckend,  Kluge  &,  273  ff.). 

—  Lieblinge  (isi.  iiufiingar)  —  Klben  als  gute 
Holden.  —  gt iechisehe  Liebe  =  Paederastie 
(real;  =  Kind.  Knabe,  späv  =  lieben)  m  Knaben- 
Liebe:  1  tnmissio  penis  in  amim  mascnli  (siehe 
lesbische  Sünde).  —  Crntti^«- Liebe  =  Uratusmus 
(nach  der  griechischen  Liebesgottin  Aphrodite  t'rania) 

-  konträre  Sexualempfindung  zwischen  gleich 
Keschlechtliehen  Menschen  (•.  Vlerordt  96;  „der 
Name  stammt  ron  Assessor  t'lrichs,  einem  Verfechter 
der  (aueh  ihm  eigenen]  Mannliebe",  Dornbl.  142J.  — 
Liebes- Äpfel,  -Blümclu-n,  Fieber,  Orublein, 
-Kitzel,  -Opfer,  -Schwindsucht,  -Seuche,  Spiel, 
•Streit,  -  Wahnsinn  (s.  auch  Minne).  —  geliebrig 
(Tirol;  Wolf)  =  gliedrig,  gelenkig.  —  lieb-äi«^'. 

liedeng.  liederlich  (indogerm.  leuth  =  leicht, 
frei;  germ.  ltuthri  =  elend,  schlecht;  ahd.  hllodar; 


mhd.  liederlich,  Kluge*,  238)  =  schlecht,  kraftlos, 
kränkelnd,  übel  auf  (oherd.;  Gr.  W.  VI.  990;  MItt. 
f.  bayer.  V.-K.  189«.  2.  s)  (s.  Loder  u.  Luder). 

liefern  s.  Lüppe. 

liegen  (indogerm.  legh  [i.r/o;,  lectusl;  gem.-germ. 
ligan;  ahd  ,  mhd.  Ilgen  =  im  Verstecke,  in  der  Höhle, 
im  Bette  liegen  [..den  Ostindngermaneu  fehlt  das 
Wort"],  Kluge*,  238)  =  an  einer  Krankheit  bett- 
lägerig sein,  seinen  Grund  (Lage)  in  etwas 
haben,  L  B.  das  liegt  im  Geblüte  =  hat  seine 
Ursache  in  dem  Blute  (s.  d.).  —  (16.  Jahrh.)  lieger- 
haft  =  deenmbens,  bettlägerig  (Gr.  w.  vi,  1018). 

—  Liegerling  -  Bettlägeriger  (Schmeller  I.  1461). 

—  am  Arzte  liegen  =  in  der  Kurstube  nach  des 
Arztes  Rat  im  Bette  liegen.  —  in  der  Asche 
liegen  (s.  Asche),  lxiehia  (s.  Lauge,  Aschen  - 
lauge),  puerperalia  (s.  im  Salze  liegen).  —  im 
Lueder  liegen  8.  Lueder.  —  (1887)  aufliegen 
=  so  fest  auf  etwas  liegen,  dass  der  Körper, 
die  Rflckenhaut  oder  Hohle  oberflächlich  durch 
Druck  beschädigt,  wund,  offen  wird  (Georg  439; 
dän.  llgge  Hui  paa  sie,  Pierer  7;  Falke  I,  78).  —  die 
Augen  liegen  in  den  Hohlen  =  durch  Fett- 
schwund in  der  Augenhöhle  vertiefter  erschei- 
nende, sogen,  hohle  Augen.  —  zu  Bett  liegen 
=  decumbere,   krank  sein.   —  ZWf-Liegel 
(15.  Jahrh.  bcttligel  =  clunicus  [clinicns],  D.  II,  97)  = 
Liegerling.  Beltriser.  —  auf  dem  Brette  liegen 
=  als  1-eiche  auf  dem  Totenbrette  liegen.  — 
rfurcA-liegen  =  durch  den  Druck  des  Korpers 
eine  tiefe  Öffnung  durch  die  Hatitoberfläche 
(Decubitus)  erhalten  beim  langen  Liegen  im 
Bette.  —  er-,  rrr-liegen  (von  der  Stimme  oder 
Sprache)  =  anfangen   nicht  mehr  reden  zu 
können,  weil  die  Stimme  ihren  Dienst  versagt 
(s.  verlegen)  (Schmeller  I.  neo).  —  fest  -  liegen, 
1.  =  ans  Bett  gefesselt  sein  (E.  W.  I,  154).  —  2.  = 
eine  von  den  gereizten  oder  bei  der  Geburt  ge- 
quetsclien  Scheiden-  und  Uterusnerven  aus- 
gehende Reflexlähmung  der  hinteren  Glied- 
massen bei  Kühen,  die  dann  längere  Zeit  nicht 
mehr  von  ihrem  Lager  aufstehen  können  (Frank 
40.  157.  238).  —  am  Fieber  liegen  =  am  Fieber 
krank  zu  Bette  liegen  (Gr.  w.  VI,  1002).  —  (r>92) 
V'  liegen  (seil,  des  Kinds)  =  zum  Liegen  kommen 
ins  Wochenbett  fH.  Paul  169,  Scb.  10".;  Schmeller  I, 
14i.0).  —  auf  der  Harpfen  liegen  (Tirol.  Krtnuhen, 
Oberhayern)  =  auf  der  Streu  liegen;  (Harpfe  =  eiu 
harfenfthnl.  Schntzgestell  zur  Rewahrung  der  Streu; 
auf  der  Streu  lagen  die  Kobelslerheii,  s.  d.)  -  krän- 
keln, wie  Altcrschuache  oft  sieb  hinlegen  aus 
Schwäche  (Gr.  w.  iv.  2.  47fi).  —  im  Holze  liegen 

—  s.  Holz.  —  im  Katarrhe  liegen  (1618  die  frant- 
zosen  Ilgen  in  catarrho.  Pnraeelsus,  l'r.  It.  BQJ  m  am 
Schleiiuliautkatarilie  leiden,  der  durch  die  Sy- 
philis veranlasst  ist  fconf.  „auf  Druse  stellen"). 

—  (16.  Jahrh  )  eiues  Kindes  inne  liegen,  fliegen 
(1462)  sie  gelag  eines  Kindes,  Christ.  Meyer  9),  1.  - 
im  Wochenbett«  liegen  (Gr.  W.  VI,  100».  —  2.  = 
schwanger  sein  und  bald  ins  Wochenbett 
kommen  (Gr.  W.  V,  709).  —  (1680)  in  Kindsnöten 
liegen  -  longo  tractu  parturire,  mit  Not  im 
Kindbette  gebären  (Gr.  w.  V.  760).  —  krank  (an 
einer  Krankheit)  liegen  =  durch  eine  wirkliche 
Krankheit  zum  Liegen  im  Bette  kommen  (Gr.  W. 

24* 


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871 


VI.  M).  —  anf  dem  Loder  liegen  =  s.  Loder.  —  | 
im  (auf  dem,  vorm)  Magen  liegt  etwa«  =  den 
Druck  von  etwas  Bchwer  Verdaulichem  im  j 
Magen  empfinden.  —  (15.  Jahrh.)  Ob- lieger  (=  in- 
cubus  (In  coltu],  D.  293.  564)  =  Alpdruck  (b.  Alp  u. 
Alptraum).  —  fiöf«)  in  der  Salbe  (Salm)  liegen 

—  eine  Schmierkur  gegen  FranzoBenschäden 
(Syphilifl)  gehranchen  (Lammen  172)  (b.  Hole).  — 
im  Salze  liegen  =  wie  die  Wasche  zur  Reinigung 
in  der  aus  Säle  und  Asche  (s.  d.)  bereiteten 
Lauge  (s.  d.)  liegt,  so  liegt  die  Wöchnerin  in 
der  Wochenbettreiuigung  (I>ochia)  (Bplcati  II,  202). 

—  über  einer  Seite  liegen  =  Quer-  oder  Schief- 
lage des  Kindes  im  Mutterleibe  (s.  überzwerch). 

—  im  Spitale  liegen  =  krank  sein.  —  die  Stirne 
liegt  zurück  =  Üachstirnig  Bein.  —  foMiegen 

—  sterben  (Schmeller  I,  M60).  —  (l'>73)  überswerch  I 
liegen  -  Quer-  oder  Schieflage  des  Kindes  im  [ 
Uterus  pTtMi  Plltoll  II,  146;  Georg.  447;  Lonlccru*). 

—  (16.  Jahrh.)  r/n^er-lieger  (=  »uccubus  [In  co- 
enndn]  ])  ö4,i)  =  der  beim  Alpdruck  quasi  loco 
feminae  liegende  Alp  (s.  d.  u.  Alptraum).  — 
viereekiij  liegen  =  mit  den  4  Ecken  des  Körpers 
uberzwerch  od.  schief  im  Uterus  liegen  (Back  28) 
(vom  Kinde).  —  im  Wochenbette,  in  den  Wochen 
liegen  <=>  s.  Wochenbett.  —  (ibw)  wundliegen 
=  aulliegen  (s.  d.)  (Falke  II,  445). 

-lieren  s.  -lust 

Liesen,  pl.  (Linsen)  (HM  dye  \\»e  -  min**» 

[mentagra,  nicht  mcninga]  D  363 ;  1420  lysen  =  «irones, 
D.  II,  341;  16.  Jahrb.  lieg  =  linea  rntunda  [  -  Made), 
Gr.  W.  VI,  1019;  1583  Hosten  =  Ilaulgcschwüre  uro 
die  Augen ,  Seurcn,  Grones,  Ekzema  impeUginodc*, 
Gr.  W.  L  c).  —  Lieslein  ■  eine  kleine  Liese 
(1.  eod.);  dies  Hehr  wahrscheinlich  zu  Laus  (s.  d.) 
als  Krankheitsname  (angl*.  lyn;  nord.  »vis  -  Uum; 
ndl.  lnlü  —  Ijius),  die  kleinen  Schüppchen  bei 
Hautkrankheiten  der  behaarten  Haut  sah  man 
als  Laus-Eier,  als  kleine  Laune,  Lieschen  an; 
daher  (In  Thüringen,  Sachsen ,  Nlederhossen)  Liesen,  | 

Lisse,  f.  Lieschen, Lieslein:  1  -  Kratze,  Kaude, 
Ekzema  palpebr.  impetiginodes  (Gr.  w.  VI,  1019. 
1020).  —  2.  ^  die  dabei  beobachteten  kleinen  1 
Hautpnsteln  (Lieschen,  Seuren)  (SptaM  II,  163).  | 

—  3.  =  Liessen  ~  Leiste  3.  4  (als  Leichdorn 
und  Kettwamuie).  —  4.  =  s.  Linse.  —  Räude- 
Lieser ,  -Liese  (UM  relullsKon ;  16.  Jahrh.  reUllle«, 
reltlle«e,  Gr.  W.  VI.  1019;  1741  reitlinsen  [richtiger 
Hexen]  fl  Selrcn,  Ilirsrh  1105);  1S31  reitlic«e,  reillauB  ! 

—  acaras  exuleerans,  Kraus,  E.  fi),  1.  —  Tinea  rolunda  | 

(Gr.  w.  viii.  7.sh)  -  die  Kaudemiiben,  Haarmilben, 
Raudcläuse,  Sirones  (».  Siren)  (Schmeller  II,  322). 

—  2.  -  die  bei  der  Knude  mit  und  ohne  Para- 
siten beobachtbaren  l'usteln  der  Haut  (Seiren, 
Sirones);  beim  krassen  Parasitismus  der  früh. 
Zeiten  ist  die  Übertragung  des  (damonistisehen) 
Wurmnamens  auf  eine  von  ihm  angeblich  er- 
zeugte Krankheit  öfters  zu  rinden:  daher  Lies- 
chen (eigentl.  Loschen  =  kleine  Laus)  =  Pustel. 

—  3.  —  mit  den  Kratzepusteln  (Raudelieschen) 
verglich  man  06*8;  fir.  w.  VIII,  788)  auch  kleine 
Geschwüre  auf  der  Mundschleimhaut  des  Reit- 
pferdes (Volksetymologie)  (s.  auch:  Rande-Uus). 

Uesen  s.  lösen. 

-liifter  s.  1 -echter. 


lillen  b.  lullen. 

limpfen  (mhd.,  12.  Jahrb.  llmphcn,  Gralf  II.  210. 
211;  zu  luom,  s.  Lume)  =  hinken,  gebrechlich  Bein, 
lahm  sein. 

Un-  b.  Lint. 

Und  den)  (gem.  len  (Inende,  Weiche?]  =  Nach- 
giebigkeit; ahd.  lindl;  mhd.  linde  —  der  Gegensatz  zu 
fest,  hart,  raub)  -  glatt,  weich,  zart  (s.  B.  Haut, 
Fell,  Muskeln  etc.).  —  lindern  =  „etwas  Un- 
angenehmes abschwächen,  so  dass  man  es 
weniger  empfindet"  (U.  Paul  283).  —  lind-/7««cA, 
-matäicht. 

Lind  b.  Lint.  —  Lind-  Wurm. 

Linde,  f.  —  Linden- Krankheit. 

-linge  b.  Lunge. 

Linie,  f.  (ahd.  ltnla;  mhd.  Knie  =  Unca.  Streifen. 
Furche  [s.  LeUt)).  —  Bauch-  /-mir  (ObemeUung  der) 
Linea  alba  der  Schulanatomie  =  hellfaseriger 
BauchmuskelBtreifen  in  der  Mitte  der  Musku- 
latur de«  Bauches  (Byrtl,  K.  W.  147;  Bau  286;  Falke 
II,  433).  —  Hm;'!  Linien  =  die  schicksaldeuten- 
den  Haulfurchen  der  Hohlhand  in  der  seit  1417 
sehr  modernen,  durch  die  Zigeuner  eingeführten 
Chiromantie  (Wuttke  206;  Abrah.  I,  341;  Schindler 
244),  die  als  Glücks-,  Haupt-,  Hers-,  Kopf-. 
Lebens-,  Leber-,  Magen-,  Müs-  und  .ATafür-Linie 
unterschieden  (abgelesen)  wurden.  —  Hunger- 
Linie  =  die  mehr  in  die  Lange  gezogene  Hunger- 
grube (s.  d.),  die  bei  abgemagerten  Pferden 
mit  geraden  ßauchmuskel- Streifen  umgrenzt 
ist;  solche  fettlosere  länglichere  Muskelgruben 
finden  sich  auch  am  Hinterbacken  abgemagerter 
Pferde.  —  Reil'sche  Linien  fl.  Nornenspuren.  — 
verletzte  Linie  =  schwächerer  Grad  der  sogen. 
Hasenhacke  (s.  d.),  wobei  die  sonst  gerade 
Linie  des  hinteren  Randes  des  Sprunggelenke« 
mehr  weniger  stark  durch  eine  Hervorwölbung 
der  Gelenkgeschwulst  unterbrochen  ist,  wie 
abgebrochen  eseheint.  —  weisse  Linie,  1.  = 
s.  Hauchlinie.  —  2.  =  Hornstreifen  (Falke  II,  433). 

links  (zu  lenken  [».  Lank),  slnere,  sintster;  ahd. 
lencha-  linke  [schiefe]  Hand ;  mhd.  linc,  lenc)  =  lerk, 
ler«,  lenk,  wiester,  linksseitig,  matt,  kraftlos, 
unglücklich  (Schräder  371);  die  linke,  passive, 
weibliche  Seite  (Herzseite)  galt  bei  Krankheiten 
für  prognostisch  schlimmer,  weil  regelwidrig 
(links  =  gewendet,  verkehrt,  schräg);  die  Rechts- 
händigkeit ist  Naturregel;  allerdings  nicht  ohne 
Ausnahme.  —  er  ist  links  =  „pflegt  sich  der 
linken  Hand  zu  bedienen"  (H.  Paul2S3).  —  ül>er 
links  ».  Weitere*  bei  I.iebrecht  339  Anm.,  490  (Bach- 
ofen 173).  —  link(c,«)  Bein,  Hand,  Hersröhre, 
-  Tatitch. 

Linse,  f.  (ahd.  Unit;  mhd.  linse  -  lens.  Kluge*. 
239;  1512  lynss  —  len»,  lenticula,  P.  116),  1.  =  der 
linsenförmige  Krystallkörper  im  Auge,  den  man 
bis  auf  Cartesius  für  das  Hauptorgan  des  Sehens 
hielt  (s.  Sehe  u.  Staarraum),  „die  Feuchte  im 
Auge",  Humor  crystallina,  seit  Hippokrates 
(Fuchs  I,  163;  Hyrtl.  Anat.  568).  —  2.  ~  linsenitbn- 
liche  Flecken  (Übersetzung  der  lentiginea)  oder 
Blütchen,  Sprenkeln,  Spruttlen  im  Antlitze 
(Gr.  W.  VI.  1052;  Ocyne  III.  665).  —  8=8.  auch 


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Lint-Lippe. 


Lippen— Loch». 


378 


Liesen.  —  Krystall-IAnae  =  Linae  1.  —  Meer- 
lAnsigkeit  —  die  Perlsucht  der  Rinder  mit 
Mähr-  od.  Rosslinsen -grossen  Miliar-Tuberkeln 
(15.  Jahrh.  mcrllsen  [s.  Uesen]  s  lentlcula.  D.  II,  231; 

zipp.  862;  Freu«).  —  (1592)  Sommer  -Linslein  = 
Laubflecken,  Sommerflecken,  Lentigines  (8eb.  93). 

—  Linsen- Bein rhen,  -Fleck,  -Knochen,  -Mol, 
■Rinde,  -Staar. 

Lint,  m.  (altnord.  llnn.  Hnnr  =  Wurm,  Jordan  481; 
ahd.  Unt,  Und  =  Schlange;  die  schon  Im  ahd.  bemerk- 
bare Seltenheit  dieser  Bedeutung  erklärt  auch  die 
damals  schon  gebildete  Tautologie  von  „Lindwurm" 
(s.  d.);  dessen  „Wurm  '  ist  nur  Verdeutlichung  des 
verdunkelten,  nicht  mehr  verstandenen  „Lind",  Kluge  *, 
288;  Gr.  W.  VI,  1038;  11.  Jahrh.  =  bestia,  quae  signi- 
fleat  mortalitatcm  et  allo  nomine  „lint"  dicitur,  Graff 
II,  240  ff.;  dazu  ahd.  linboum  =  fraxinus  ornus, 
Eberesche  [Schlangenbaumj,  Jansen  155);  der  Lint  Ist 
demnach:  1.  —  ein  als  schlangenartiges  Wurm- 
ungeheuer  (Lindwurm)  oder  Drache  (e.  d.)  vor- 
gestellter, Menschen  verschlingender  Dämon, 
Bestia  iufernalis,  Furia  (s.  d.).  —  2.  =  die  so 
personifizierte  Pestilenz,  gegen  die  namentlich 
die  auch  gegen  Schlangen  und  Nattern  ge- 
brauchten Pflanzenmittel  „gar  dienstlich  er- 
wählt" werden  (Bock  146;  hlcher:  engl.  llntwort  = 
die  gegen  Milzbrand  verwendete  Bramlwurzel,  Feuer- 
kraut,  Wrangkraut,  Helleborus,  Kol.  82).  —  Lint. 
-Drachen,  -  Wurm  -Zeichen. 

lipfen  (lippern)  b.  lOppen. 

Lippe,  f.  (Renn.  10p,  leb  =  lablum,  Kluge6.  239; 
Irans,  la  llppo  ;  mtl.  Upplum,  Du  (  äuge  IX,  254 ,  engl, 
llpped  =  lippig;  Lippe  Ist  dem  ahd.,  mhd.,  oberd.  fremd 
u.  erst  seit  Luther  schriftsprachlich),  I.ss  das  tierische 
und  menschliche  Lippenpaar,  das  den  Rand 
der  Mundöffnung  bildet  und  zum  Schlürfen  be- 
nutzt wird  (s.  Löffel ,  Laffe ,  Lefze).  —  2.  = 
Muttermund-Lippen.  —3.  =  Wundränder  (Gr.  w. 
VI.  1058).  —  4.  =  lippenförmige  Gebilde.  —  6  = 
s.  Lub.  —  aufgesprungene  Lippe  =  schrundige, 
eingerissene,  gespaltene  Lippenschleimhaut, 
la  gercure  (garsa  =  scarrifleatio).  —  .-1  to/cn-Lippe 
=  der  lippenähnliche  Augenlid-Rand,  Palpebra 
(Gr.  w.  i.  815)  (Angengleff).  —  (Juice  Lippe  (engl. 

blobberllp  =  geblähte,  dicke  Lippe,  Kaltschtn.  I,  71)  = 
claphus  =  eine  breite,  gewulstete  Mumllippe, 
Trollmaul,  Wurst  maul  (Gr.  W.II,  1082).  —  Doppel- 
Lippe  =  eine  Mundlippe,  die  durch  einen  mehr 
weniger  dicken,  wuretartigen ,  von  der  über- 
mässig entwickelten  Schleimhaut  gebildeten 
Wulst,  der  von  der  eigentlichen  Lippe  herab- 
hängt, durch  eine  dazwischen  verlaufende 
Furche  gedoppelt  erscheint.  —  Hasen-Lippe - 
eine  durch  Hasenscharte  («.  d.)  veränderte 
Lippe,  Labium  leporinum  (engl,  hare  Up  es  Unsen- 
scharte.  Lehf.  50;  Gr.  W.  IV,  2.  539).  —  (1646)  kel- 
licht?  Lippen  -  gekerbte,  schrundig  gespaltene 
Lippen  (Coler,  H.  A.  140).  —  Kus»  Lippen  (engl, 
pouting  Ups)  —  sinnliche,  geschwellte  Mundlippen 
(Nicolai  VI,  488 ;  franz.  leffre,  loflre,  lofre.  Briss.  40). 

—  (16.  Jahrh.)  Ol-.-,  -  Lippe  (overlippe ,  Gr.  W.  VII, 
1097;  vi,  1054)  =  die  obere  Mundlippe.  —  Ohr- 
Lippe  sb  Ohrlappen  als  lippenförmige«  Gebilde 
(an  Ohrläpplein  angelehnt)  (Gr.  W.  VII,  1265).  — 
rappige  Lippen  =  ein  raweros  (rauhes)  Maul  I 


(b.  d.)  (De  Cock  72).  —  .S'<; ■<  /-Lippen  (Mecklenbg. 
sugUppen,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1894.  191)  =  die  SäUglingB- 
lippen.  —  SWiam  Lippen  -  Schnmlefzen,-})  bj/ia 
Hippokr.,  nxspofu»u.ataSorani.  —  (1645)  tchefichte 
Lippen  -  abgeschabte,  gespaltene,  schrundige 
Uppen  (Coler,  H.  A.  140).  —  schwere  Lippen  = 
die  Lippen  als  Teile  des  Sprachorgans  (wie 
Mund  u.  Zunge),  welche  als  schwersprechend, 
stammelnd, schwerbeweglich  bezeichnet  werden 
(Gr.  W.  VI,  1055).  —  tote  Lippe  (engl,  dead  Ups)  = 
totblasse,  bleiche  Lippen.  —  (16.  jahrh.)  Unter- 
Lippe  -  die  untere  Mundlippe  (engl,  netherlip, 
Gr.  W.  VI,  1054).  —  iFur5t-Lippe  =  dickgeblfthto, 
wulstige  Lippe,  Wurstmaul  (Kaltschm.  I,  71).  — 
Lippen- A usschlag,  -Bändelten,  -Krebs,  -Rinne, 
-Spalte,  -Winkel. 
Lippen,  n.  =  Lüppe  (s.  d.)  Coagulum  (Lonlc.  313). 

lirken  (lurken)  (zu  lere.  s.  lorken)  -  lahm; 
sprechen  wie  mit  lahmer  Zunge,  stottern,  stam- 
meln (Schindler  I,  1601). 

lispeln,  lispen  (ahd.  llsp  =  stammelnd;  lispen; 
mhd.  lispen ;  15.  Jahrh.  wllspen  =  balblre,  D.  II,  47 ; 
wllspich  =  balbus,  D.  66)  =  beim  Sprechen  mit  der 
Zunge  anstossen  (Kluge*,  239).  —  lispeln,  1.  = 
flüstern,  leicht  lispeln.  —  2.  =  die  Laute  b,  seh, 
ch,  z,  z  unrichtig  aussprechen  (Sigmatismus). 
Auffällig  Ist,  dass  so  viele  Sprache-Anomalien  (lallen, 
lispeln,  latschen,  lorpscn,  lurken,  lirken,  lurtBChen) 
mit  „L"  (wie  Llppo  und  lingua)  anlauten.  L  und  R 
sind  individuelle  oder  landschaftliche  Nuancen  eines 
zwischen  beiden  liegenden  ITrlauts,  aus  welchem  sich 
diese  Linguales  differenzierten  (—  poln.  i;  engl.  rl). 
Die  Zerlegung  dieses  Urlautes  In  „L"  und  ,,K''  machte 
vielen  spateren  Generationen  Schwierigkeiten.  Die 
Namen  für  Sprache-Anomalien  wurden  damit,  d.  h. 
mit  der  Erkenntnis  der  Schwierigkeit,  die  bei  dieser 
Lingualcs-Trennung  eintrat,  ein  Bedürfnis.  Die  La- 
biales entsprechen  einer  uoch  kindlicheren  Sprachon- 
Btufe  (s.  pap,  mam,  s.  Eckstein  in  W.  Illustr.  d.  Mthft. 
1895,  S.  101).  Die  volksübliche  Ätiologie  brachte 
die«)  Anomalie  Iii  Zusammenhang  mit  den  schwei- 
genden Holden,  lispelnden  Schwestern.  —  lispelnde 
Schwerter. 

Lisse,  f.  1.  =  entstellt  für  Nixe  (Lichse)  (Z.  d. 
V.  f.  V.-K.  1895,  8. 124).  —  2.  =  Liesen  (s.  o.)  (Spless 
II,  153). 

Lithauen.  -  lithauische  Krankheit,  Pocken. 

Litze,  f.  =  Lisse,  Liese.  —  Ohr  Litze  ^  Ohr- 
wurm, Ohrlaus  (Spless  II,  177). 

Lobbe  s.  l^appe. 

Loch  |  n.  lochen  (vorgerm.  lüg  =  Verschluss ;  ahd. 
loh,  luhhen  ;  angels.  loca  =  Verschluss  ;  mhd.  luoc,  loch 
=  Verschluss,  Höhle,  Loch,  Öffnung,  Kluge*,  240), 
l.  =  eine  rundliche  ÖH'nung  um  oder  im  Körper 
(Cavum,  Forarnen)  ;  ein  ycRllcheJi  gancz  gowurcktes 
mensch  hat  newn  locher  in  seinem  leib  aus  den  allen 
unllot  fleusset  (Schtneller  I,  162«).  —  2.  -  (1534  „du 
loch  unter  der  nasen,  Gr.  W.  VI,  1096;  lleyne  III,  671) 
—  Mund.  — 3.  =  Cunnus,  Anus.  —  4.  =  Schaden, 
Geschwür,  Wunde,  Os  vulueris,  Sinus  ulceris, 
Foramen  (Avenzoar),  Ulcus  syphiliticum  (Fr.  1. 
267;  Gr.  W.  VI,  1094;  l'aull  Iii;"  Goldschm.  88).  — 
(1616)  Löcheriuig  =  «lie  Lochbildung,  Perforatio 
(Gr.  w.  VI,  lioo).  —  lochein -schleppend, langsam 


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874 


Loch1. 


Loch1. 


gehen  =  lorkeln  (s.  d.).  —  /Irfer-Löchlein, 
1.  =  die  kapillaren  Öffnungen,  Oscula  vasorum 
der  Schlagblutadern,  die  man  vor  allem  in  dem 
Mutterkuchen  annahm  (Placenla,  8.  Mutter- 
löchlein). —  2.  =  (1530)  die  Aderlass  -  Stelle 
(KünlKMp.  49).  —  Arsch-  Loch  (9.  Jahrh.  arsloh  =- 
anus,  Gran*  II,  Ml;  Rat».  Maur.  05;  13.  Jahrh.  arsloch 

—  podicus,  P.  443 ;  1420  araloch  =  cxtalis,  D.  II,  163) 
=  die  ötrnung  am  Arschdarm.  —  schwarzes 
Ar,->),  Loch  =  von  Adel  sein  (sehwnrze  Ader). 

—  Augen-hoch  =  Augenhöhle  (Gr.  w.  I,  808).  — 
Srtn-Loch,  l.aseln«  durch  Verletzung  oder  Ge- 
schwür entstandene  Knochenöffnung.  —  2.  = 
(äugelt,  bAn  locu  =  osslum  septum,  Kocbbolx  I,  290) 
=  der  menschliche  l^eib  als  Beintrefass,  Skelett. 

—  2?ro/-Loch  -  der  Mund  als  Öffnung  für  den 
Speisegang  (Gr.  W.  II,  404).  —  Dämpf-I*6cheT 
(1518  dumpf!  löcher  der  schaui,  H.  v.  Gersd.  14 ;  1691 
daempff-löchleln  ,  Tabern.)  =  die  Öffnungen,  wo 
Wasser  in  Dampflbrm  sich  entleert;  a)  Dunst- 
oder  Schweissporen  der  Haut;  b)die  Harnleiter- 
öflnungen  in  der  Blase,  Uretheres,  „die  den 
Harn  von  den  Nieren  tragen"  und  als  wäs- 
serigen Dampf  in  der  Harnblase  (Scham)  ent- 
leeren sollten  nach  damaliger  Annahme.  — 
Dunst  -  Loch  (14.  Jabrh.  dunstloch  —  ponis,  Voc. 
opt.  W.  11;  15.  Jahrb.  Punstlocb  =  porus,  V.  643; 
16.  Jabrh.,  1515  tunstloch  =  porus,  D.  449;  thunst- 
löchlclu,  Gr.  W.  II,  1665;  C.  v.  Schm.  148)  die 
Schweissporen  der  Haut.  —  en /lochen  =  durch 
eine  Öffnung  etwas  entleeren,  z.  B.  durch  die 
GeburtB-Kammer  (Gr.  D.  M.  II,  Uli)  =  ein  Kind  ge- 
baren. —  .fW-Loch  (16.  Jahrh.  fld-loeh  =  anus, 
Gr.  W.  I,  566 ;  Elsass  Füdlo  =  Fudloch,  E.  W,  I,  96) 
=  die  Öffnung  hinter  der  Fut  (s.  d.,  s.  164  b,  Fttt- 
loch)  Anus.  —  (1646)  öfAdr-Loch  =  Ohrütfnung, 
Meaius  auditor  ext.  (Hyrtl,  K.  W.  63).  —  (Moch 
(ahd.  giluh,  H.  Z.  XV,  356)  =  das  (durch  Glaucoma 
[Albugo],  Staar  verschlossene)  ganxe  Sehloch. 

—  (1630)  Gemächt-Loch  =  Ueschwttrsöffnung  an 
der  Seham  (l'leus  syphiliticum)  (Lonieems).  — 
(164«)  I  t ii  n  Loch  —  das  Bachen-  (Gien-)  Loch  des 
Ohres  (Tuba  Eustachi))  im  Gegensatxe  zum 
äusseren  Ohrloeh,  als  direkte  Luft- Verbindung 
des  letzteren  mit  dem  Schlünde,  wenn  das 
Trommelfell  durchlöchert  ist  (Hyrtl,  K.  W.  63).  — 
.Wais -Löcher  -  geschwürige  Öffnungen  an  der 
Halsschlcimhaut  (Hachen,  Mund,  Kehle),  An- 
gina herpetica,  diphtherica,  syphilitica  (ul- 
cerosa). —  Hert-hoch  (des  Manen«)  =  Pylorus 
cardiacus,  die  Cardia  stomachi  s.  Ostium  oeso- 
phageum,  die  Eingangsöffnung  des  Magens 
(Uyrtl,  K.  W.  llu).  —  (1594)  Hinter  hoch  ~  After, 
Podex  (Heyne  III.  671).  —  Humer-,  Hunger-hoch 
=  die  Hungergrube  (s.  d.)  in  derKegio  lumbalis 
s.  iliaca,  die  sogen.  Dflnne  oder  Weiche,  wo 
(namentlich  beim  Stallliere)  der  Fettverlust  im 
HnngHrzustande  am  sinnfälligsten  ist  (Pauli  MO; 
Hintuer  8).  —  AVc&s-Loch  —  die  Öffnung  eines 
Krebsgesohwures  (Falke  I,  12).  —  Li  <  '  -Loch  (1483 
leibloch,  k-iploch  —  porus,  Zenlng  Voc.  sOggl;  1608 
liblochlin,  Gr.  W.  VI,  006),  1.  -  Schweissloeh  <ler 
Haut.  —  2.  -  (1618  löcher  am  leib,  Paracelsus ; 
Pr.  II,  71)  -ausserliches,  syphilitisches  Geschwür. 

—  (1017)  Luft  -Löchlein  =  die  Aderlöchlein 
(Kapillaren)  der  nach  dem  Tode  blutleeren 


kleineren  Arterien,  die  man  eich  damals  (bis 
Harvey,  s.  Kreislauf)  mit  Luft  angefüllt  dachte 
(Beyn.  178).  —  (1678)  Magen-  (1782)  Magenmund- 
Loch  =  der  eigentliche  Pylorus  (oder  Thor- 
wächter) am  Ostium  duodenale ,  Pförtner  am 
Ausgange  des  Magens  (M.  H.  L.  I,  83;  Hyrü.  K.  w.). 

—  Jtfund-Loch  =  die  Öffnung,  mit  der  etwas 
mündet,  1.  =  (1668)  die  Öffnung  des  Magens; 
*)  gegen  die  Speiseröhre  und  den  Mund  xu 
(Cardia,  Herxloch) ;  b)  gegen  den  Darm  xn  = 
„rechtes,  unteres  Mundloch",  wo  der  Magen- 
pförtner sich  befindet  (Pylorus)  (Thes.san.  Br.  43; 
Beyn.  160  ;  Hyrtl,  K.  W.  110).  —  2.  =  (1518)  die  Öffnung 
der  Gallenblase  durch  den  Gallengang  im  Daune 
(muudtlocb  des  gollensacklln ,  n.  v.  Gerad.  12).  — 
3.  =  (1601  tnundilrtchlin  =  os  uteri,  Hyrtl,  K.  W.  116 ; 
1725  das  muudloch  der  mutter,  Thes.  san.  Br.  306)  = 
Oriücium  s.  Ostium  uteri.  —  4.  =  (1748)  die  Kapil- 
largefässe  als  öffnnngcn  (Oscula  vasorum)  oder 
Mündungen  der  Blutadern  (Maschenb.  96;  Kirsch 
839).  —  Mut!-  >  -Lochleiu  (1532  löchlln  der  muter  = 
Cotyledones.  Kries  123  .  „es  sind  Adcrlöchlcln,  durch 
welche  die  HauUeln  zusammengehalten  werden,  durch 
welche  das  Kind  im  Mutterleib  genährt  wird",  1.  cod.) 

—  in  der  als  Pulmo  uterinus  gedachten  Nach- 
geburt oder  dem  Mutterkuchen  Bollten  die 
Blutgefässe  des  Uterus  mit  Ader-Löchlein  (wie 
vor  Harvey  auch  die  Kapillaren  genannt  wurden) 
endigen  und  so  das  mütterliche  Blut  in  die 
Leber  des  Embryon  (Placenta  =  Leberkuchen) 
ergiessen  nach  der  damaligen  Vorstellung.  — 
(1588)  jYaöd-Loch ■  die  Öffnung  am  Nabelringe, 
durch  welche  Nabelbrüche  entstehen  (Gr.  W. 
VII,  6).  —  Nagelbohrer-hoch  =  Leichdorn  (Wesi- 
Jütland),  der  eine  Vertiefung  in  der  Hornschichte 
der  Fussohlenhaut  darstellt,  als  ob  sie  mit 
einem  Nagelbohrer  gemacht  wäre.  —  Nasen- 
Loch  (ahd.  naslohhir  —  nares,  Diez,  ruman  Gloss.  92; 
12.  Jahrh.  naslocher  -  nares,  Graft*  II,  141;  nasenlocb, 
Pfeifler  13;  12  —14.  Jahrh.  naseluoc.  HoHm.  I,  385; 
16.  Jahrh.  naselocher  ==  inflrmitas,  anasus  [ohne  Nasen- 
flügel!, D.  637;  M49  nasalug,  nasenluoger  ,  Schm.  I, 
1462;  1483  nasloeher,  ('.  v.  Megbg. ;  mbd.  naseloch  — 
nares,  Gr.  W.  VII,  418;  H.  Z.  VI,  321;  Lexer  174)  = 
die  natürlichen  und  krankhaft  weiten  Ein- 
gangaöffnungen  xum  „Vorhaus  des  Geruch- 
organs" (Hyrtl,  Auat.  629).  —  butxechtige  Nat- 
Löcher  =  mucosae  nares  (s.  Bulx)  (Gr.  W. 
II,  591).  —  krumme  A'<i.»löcher  —  die  durch 
Trudenxauber  (Trudentrul)  nach  dem  Volks- 
glauben schief  gestellte  Nase  mit  ihren  Öff- 
nungen (Muck,  Flumam.  SO).  —  OAr-Loch  (12.  bl» 
14.  Jahrb.  örluoc,  HorTm.  I,  386;  Lexer  182;  mbd.  dax 
loch  des  ohre-t,  Gr.  W.  VII,  1226;  1542  das  locblin  dex 
ors,  Gr.  W.  VII,  1220)  =  die  Äussere  Obrgang-Ötf- 
nung.  —  (^ittifVr-Loch  -  das  Kotloch  des  Anus 
(Gr.  W.  V,  1891,  i960;  VII.  2332).  —  Rohr-höChQT 
(1678,  1616;  Parawlsus;  (ir.  W.  VIII,  1132)  =  Fistel 
(s.  d.).  —  Ruft  »  hoch  (1632  louhltn  an  des  mauues 
rutheu  IMcus  penls,  l.ouiccr.)  —  Zerssleiden.  — 
(1612)  SrÄai/tn-Löchleill  -  ein  vertieftes ,  aber 
bereits  verheilendes,  sich  sehliessendes  Ge- 
schwür (Gr.  w.  viii,  1984).  —  Schweis  Löcher 

(10.  Jahrh.  sweizlochor  —  pori,  tirall  II,  Ml;  mhd. 
■Wvixlftcbel ,  I.exer  201  —  porus;  MM  sweysch-, 
1129  km nirz  loch  -  ponis,  I).  119;  1482  swaisslocta  — 


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Loch'— Locke. 


locker— Löffel.  875 


Pnnstloch,  porns,  Zenlng.  Voc.  ff.  7;  17.  Jahrh.  swals- 
locher  =  pori,  St.  Zcno-Mlrakelb  ;  Sehm.  II.  774;  1616, 
1743  BchwelMlöchcr  =  pori,  Tbeophr.  Br. ;  Bibl.  Med. 
109)  =  die  Öffnungen  der  Schweissdrüsen  auf 
der  äusseren  Hautoberfläche ,  die  meist  etwas 
trichterförmig  erweitert  sind.  —  Spund-Loch 
=  Vulva  (Hyrtl,  K.  w.  137).  —  süsses  Löchel  = 
Vulva  als  Wohllust-Organ  (nyrtl,  K.  W.  137).  — 
Vaterunatr-Loch  =  Brotloch  oder  die  Mund- 
üffnung,  aus  der  die  Gebete  roascbinenmäsBig 
hervorquellen,  le  trou  aux  patera  (V.  K.  Hl,  209). 

—  H>i  f  Loch  =  die  Entleerungstelle  für  das 
verdaute  Futter  (=  Wold)  beim  Wilde,  Anus 
(Hyrtl,  K.  W.  IM ;  Gr.  W.  VI,  1716 ;  Schm.  II,  685  »ab 

Sport).  —  Wein-Löcher  ■=  Puncta  lacrytnalia, 
die  etwa«  kraterförmig  aufgeworfenen  Öff- 
nungen derThränenröhrchen  am  inneren  Ende 
der  hinteren  Kante  des  Lidrandes,  die  zum 
Thränensacke  führen  und  beim  Weinen  die 
Thränen  aufsangen  sollen  (Hyrtl,  K.  W.  163).  — 
Wem-,  Werren-,  Wema-Löchel  =  die  Öffnung 
eines  Liddrüsen- Abscesses  am  Auge,  ein  ge- 
öffnetes Gerstenkorn  (s.  d.)  =  Chalacion  oder 
Werren  (Schönwerth ,  opf.  III ,  219).  —  Wurm- 
Löcher  ■  die  Bildungsstätten  der  Eingeweide- 
würmer im  Darme,  die  nach  dem  Volksglauben 
sich  wie  die  Mäuse  und  anderes  Ungeziefer  in 
besonderen  Löchern,  Schlupfwinkeln  oder 
Nestern  erzeugen  sollen,  die  man  aber  durch 
dicke  Suppen  verstopfen  könne,  die  sich  dann 
vor  diese  setzen  (Lammen,  Volks-Med.  134 ;  Spicss  II, 
285).  —  £aAn-LÖCher  (1591  zahndlocher  -  cavernae 
denüum,  Had.  Juu.  27)  =  die  Zahnfächer,  Alveolen. 

—  Loch  -Bruch,  -Feuer,  -Fieber*,  -Käpplein, 
-Schutt* 

Loch*,  n.  (Lach)  U6ll)  ein  angeborenes  Ge- 
wächs am  Auge  (schm.  I,  1405)  ~  Lach  (s.  d.), 
Mal,  Fleck. 

Loch1  (Loh)  (zu  ahd.,  8.  Jahrh.  laue  -  Lohe, 
Klamme.  uralt  II,  151).  —  Geloh,  ' »loh  —  ausge- 
dehntes Feuer,  das  in  Flammenröte  erglüht.  — 
Loch-(Giodlr)- Feuer. 

Lochaner,  m.  s.  Lnxner. 

Lochum  (8iudentcn[-'J- Ausdruck  für)  Podex  (Sehm. 
I.  1427;  b.  W.). 

Locke,  f.  (Indogerm.  lug  [gebogen];  getn.germ. 
lock  =  lange«,  herabwallendes  Kopfhaar  ;ali<l  ,10.  Jahrh. 
loh,  loc,  m.  =  cincinnus,  capillti*,  crinis,  0 raff  II,  127; 
14.  Jahrh.  lock  =  onpillus,  Voc.  opt.  W.  10;  mhd.  loc. 
Kluge  *,  240;  1431  lockh,  m  ,  Schm.  I,  14:54;  16.  Juhrh. 
lockl.  Hyrtl,  K.  W.  1061,  I.  =  -  las  gelockte,  gebogene 
Haar  (s.  d.).  —  2.  =  (16.  Jahrb.)  die  locker  ge- 
faserten Zasern  von  Sehnen  u.  Nerven  (Hyrtl, 
K.  W  ),  auch  kleine  Schleimfäden  (W.  R.  33).  — 
3.  =  Lock  =  Loch  3.  —  /franriWin-Locke  —  der 
durch  Branntwein  volksüblich  behandelte 
Weichsel-  (Wein-)Zopf  (s.  d  )  (og.  5).  —  Elf- 
Locke  =  Alpzopf,  Elfklatte,  Weichselznpf, 
Marklatte,  s.  Marlockc  (engl,  elflock,  bebt.  IM; 
Kaltschm.  I,  205).  —  /Y*Se/-Locke  (engl,  feilnck, 
fetlock.  Kluge*.  123  481)  =  Fesselhaar,  das  den 
Kötenzopf  (h.  d  )  an  dem  Pferdefessel  bildet.  — 
K<-t>  ,i  Locke  -  Fessellocke.  —  AV.no  Locken 
(13.  Jahrb.  cruslog,  15.  Tnhrh.  gruwsloek  -  chicluuus, 


:  D.  120)  =  Wollhaar,  gekräuseltes,  gelocktes.  — 
(1710)  Mar-,  (1801)  Mor-,  (1741)  Maren  ,  (1830)  Mahren- 
Locken  =  der  nach  dem  Volksglauben  in 
Schwaben,  Niedersaebsen ,  Dänemark  und 
Schweden  vom  Alp  oder  Mar  (s.  d.)  filzig  zu- 
sammengeflochtene Alp-,  Weichsel-  o.  Wichtel- 
zopf, Plica  polonia  (engl,  elflocks,  Scheible  in,  1S9; 
Og.  5;  Weickard  358;  Weese  49  ,  Schw.  410;  BlrUnger, 
8.  1,  107 ;  1741  Ist  hinten  am  Haupt  ein  fleischichter 
Zopf,  an  welchem  das  Haar  wie  an  einem  Kuhschwanz 
herauswachset  so  bei  den  Polen  eine  gar  gemeine 
Krankheit  und  sich  hart  vertreiben  lasst,  Kirsch  91R) 
(s.  Zopf  und  flechten).  —  Säld-,  Söl-höcken 
(sallocke,  Thüringen;  Gr.  D.  M.  I,  433;  Hochholtz  I, 
333;  1117  Zalden  locke  =  capllllclum,  D.  II,  72)  m  die 
durch  einen  Hausgeist  (s.  Pellmerge  und  Salig) 
verursachte  Verfilzung  der  Haaro  (Säldentost) 
beim  Ekzema  capitis  (  —  das  Säld  5).  —  TVci'n- 
Locke  =  h.  Brandweinlocke.  —  Wirbel-,  Wirf- 
Locke  (12.  Jahrh  wirbil-,  wirf-loch  —  clncinnus, 
Hoffm.  I,  398;  Graft  II,  127),  1.  =  der  Haarwirbel 
oder  Schopf  auf  dem  Haupte  der  Freien.  — 

2.  =  der  Weichselzopf  auf  dem  Kopfwirbel 
I  iOg.  5).  —  Locken-7/ij. 3 r 

locker  («.  lucker;  dazu  ndd.  lag,  logge)  =  schlaff, 
locker,  mattherzig  (Fromm.  VI,  3>3). 

Loder,  m.  Lotterer  (loddern)  (Indogerm.  leuth 
=  leicht,  frei;  germ.  liuthri  =  lotterig,  frei  [dazu: 
liederlich,  Luder];  ahd.  lotar  —  leer;  mhd.  loter  = 

locker,  leicht,  Kluge*,  241).  —  lottern,  1,  =  locker 
machen,  schütteln.  —  2.  =  dormitare  (D.  190), 
auf  der  Loderbank,  Loderbett,  in  der  Lolter- 
hütte  schlafen.  —  3.  =  (ndd.  loddern,  Fromm.  VI, 
363)  mangelhaft,  nachlässig  sprechen,  wie  aus 
Faulheit  undeutlich  sich  ausdrücken.  —  Loder 
(Lohda)  (Schlesien;  Urquell  II,  158;  zu  ahd.  Iota  = 
Schossliug;  westfül.  lodern  =  üppig  emporwachsen. 

Kluge  240)  =  dicht  behaarte  Kopfteile.  —  lotterlen 
=  gebrechlich  einhergehen,  schlottern  (Huck  19). 

—  Lotterer,  m.  =  ein  personifiziertes  Schüttel- 
fieber (Schmeller  1,  1540).  —  (1696)  vom  Loder 
(Lotter)  =  Schiederbank,  Fieberlager,  von  der 
Krankheit  aufstehon  (Schmeller  I,  1541).  —  auf 
dem  Loder  liegen  =  auf  der  J<oderbank,  auf 
dem  Krankenbette  (für  die  lotternden,  fiebern- 
den Leute),  auf  «lern  (1517)  Lotterbette  (=  clln- 
terium,  camina,  D.  127;  II,  68)  liegen;  meist  ist 
die  Schiederbank  hinterm  Ofen  (Kamin),  der 
wärmste  Platz  im  Bauernhause,  gemeint  (Gr.  W. 
VI,  1211).  —  Äwif-Lotterer,  1.  =  einer,  der  mit 
lockeren  Knieen  schlotternd  geht,  auch  2.  — 
impotens  vir  (Schmeller  1, 1343.  1540).  —  verlottert 
=  ganz  und  gar  durch  Schütteln  und  Bütteln 
verdorben,  z.  B.  ein  Magen.  —  Loder-Suc/ir 

Löffel,  m.  (germ.  lap;  ahd.  lüffan  |  larabere], 
lecken;  leffll;  mhd.  lefTel,  Klugo*,  240)  —  das  zum 
lallenden  Schlürfen  und  Lecken  des  Hreies  uolige  Em*- 
gerttte  (Symbol  des  Ue'ltzrecbte») ,  mit  dem  formell 
angeglichen  werden  1.  =  das  Hasenohr  (schon 
mhd.;  Gr.  W.  VI.  1123).  —  2.  =  die  Hirschzutige. 

3.  -  (übertragen  aus  d.  Jägersprache)  das  Menschen- 
ohr  (Hintnur  6.  13).  —  4.  s.  auch  Lafle,  Läffei. 

—  löffeln  =  sich  närrisch  benehmen  (II.  P.  284). 

—  den  Löffel  fallen  lassen  -  plötzlich  sterben, 
das  EüMD  aufhören  (Rochholz  I.  142).  —  Brust 


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876 


Lölle— Loet. 


Löwe — los. 


Löffel  (ahd.  prastlcfll  m  cartllago,  Graff  II,  205; 
10.  Jobrh.  bnmlefel,  H.  Z.  VI,  341 ;  IX  Jahrh.  brurtleUel 
[leffelj  =  cartllago,  H.  Z.  III,  368;  mhd.  bnwtlefftle, 
Gr.  W.  VIII,  1030;  16.  Jahrh.  brugtleffel,  pnuileffel  = 
pectorale,  D.  418)  =  das  lölfelförmig  breiter 
geformte  Brustbein-Ende  (Processus  xiphoideus 
sterni)  =  Herzsteften  (Hyrtl,  K.  w,  140).  —  Qa(uck)- 
Löffel  =  Kretin,  (Jauch,  Löffel  (Aargau;  z.  f.  d. 

PfafloL  ni.  säe).  -         j  Löffel,  1.  =  Rottläffel 

(Laffe),  ein  Schimpfwort  für  einen  unbebarteten 
Jungen;  Bezeichnung  eines  einfalt.  Menschen 
(Krettn)  (Ir.juell  II,  158;  bei  Luther  VIII,  226).  — 
2.  =  das  Nasenkeutel  (s.  d.)  oder  Nasengrüblein, 
das  den  Nasenschleim  fasst  (Gr.  w.  VIII,  1329; 
wohl  nur  an  Löffel  angelehnt).  —  Löffel-  Bart,  -Korb. 

Lölle,  Löli  s.  lallen. 

Lörberl,  n.  =  das  dem  Lorbeeren -Korn 
(Baccae)  angeglichene  Ezcrementum  caprae 

(Z.  f.  d.  Ö.  V.-K.  1896,  8.  283;  Schindler  I,  1756; 
Khsch  138). 

lorbsen  s.  lorbsen. 

löschen  (leschen)  (germ.  leg;  ahd.  leskan;  mhd. 
teachen  =  liegen  machen,  rieh  legen  (vom  Feuer], 
Kluge»,  241)  =  den  Wundbrand  stillen,  das  Ge- 
schwür  oder  die  Wunde  zur  Heilung  bringen 
(Beb.  86).  —  die  Aderlass  auslöschen  -  durch 
Trunk  am  3.  Tage  nach  dem  Aderlässe  Bich 
gutlich  thun  (Schindler  I,  1021;  s.  d.  Verl.  Volks- 
lied- w>).  —  sein  Leben  erlischt  =  das  Lebens- 
licht (s.  d.  u.  Lebensfaden)  hört  auf,  zu  brennen. 

losen,  Lösung,  Löser,  in.,  f.  («u  lo»  [•.  d.j ;  ahd. 

lösen ;  mhd.  loesen ;  nd.  lieaen  =  mingere,  D.  362  — 
loraachen,  Kluge*.  241,  engl.  loosenesa  =  Durchfall, 
Diarrhoe,  Kaluchm.).  —  (1742)  Harn -lösen  (ndl. 
watcr  loozen,  De  Cock  224.  2;».  309,  Zw.  325;  A.  v.  H. 

I.  70»)  =  das  HarnwasBer  loslassen,  pissen.  — 
LöBung  =  Losung  (s.  d.).  —  Löser,  m,  f.  -  das, 
was  sich  loslöst  oder  derjenige,  welcher  loslöst: 
1.  =  Löser,  f.  =  die  sich  vom  Uterus  ablösende 
Nachgeburt  (Loos  2)  (Gr.  W.  VI,  1156;  0.-Hes»en). 
—  2  =  Loser,  m.:  a)  der  3.  oder  Falten-Magen 
der  Wiederkäuer  (Baucbpsalter)  als  der  den 
Speisebrei  in  den  Darm  vollständig  loslassende 
Magenteil;  b)  Penis,  mit  dem  Hirschgeweih- 
zacken verglichen,  der  zum  Ablösen  des  Felles 
von  der  Aasseite  des  Tierkörpers  verwendet 
wurde  (=  Löser)  (Gr.  W.  VI,  11%).  —  fcc-löst  = 
castratus,  ausgeliedet  (angels.  bellsnod,  Du  Cango 
IV.  182  -  dem  der  Ilode  auagelöst  Ist  =  1813]  caballus 
spadatn»  [h.  8paiji,  Wallach.  —  (1449)  Lrjfw-Löss 
=  VentuoBitas  =  die  Blähungen,  die  aus  d.-m 
Leibe  losgehen  (Schmeller  I.  1418;  D.  611).  — 

1.  MN</cn-Löse  (ndl. ;  1554  de  looie  off  longhe,  De  Cock 
152)  =  von  der  Lunge  sich  ablösender  Auswurf 
bei  der  Lungensucht.  —  Ferlösung  udL  ver- 
looslng)  =  die  vollständige  Entledigung  von  der 
Leibesfrucht  (De  cock  51.  249).  —  Wasser-löBen 
=  s.  Harn  lösen.  —  Löser-,  gelÖBte(r,  #)  Dürre, 
Dürre,  Schock,  Schulterspall,  Verstopfung. 

Loet,  Lotsch(er),  m.  1.  =  s.  lotschen.  — 

2.  =  s.  latsch,  welk,  nicht  fest,  vom  Muskel- 
fleische  (Spicss  Ii,  148). 


Löwe,  m.  =  Facies  leontina,  s.  Leontiasis 
bei  Aussatz.  —  Löwen-  Gesicht,  -giessen,  Haupt, 
■Menuch,  -Hers,  -Stime. 

Logge,  Logner  s.  Lücke  a.  locker. 
Lohe  s.  Loch  3. 

Lohn,  m.  —  (1482)  Finger-Lohn  =  Callas, 
Durities  manuum  ex  labore,  die  rindigen  Haut- 
schwielen in  den  Hohlhänden,  gewissermassen 
der  Gewinn,  den  die  fleissigen  Arbeiter  er- 
halten (Zenlng.  Voc.  m  2.  3.  4)  (Fingerkork). 

Lombardei,  Longobarden.   —  lombar- 

dischT(*)  Aussatt,  Bruder,  Fieber. 
Loob,  n.  s.  Los. 

lorbsen  -  lorksen,  lürksen,  lnrken,  labare 
eermone,  mit  der  Zunge  anstossen,  schnarren, 
Rhotacismus  (Schmeller  I,  1500;  Coen  17). 

Lork(e)  (Lorge),  1.  =  e.  Orke  und  Norke.  — 
2.  =  Lurch,  Lorch,  Kröte  (II.  a.  Rh.  364 ,  Wutike265). 

lorken  (1618  Nebenform  zu  lere,  lürken,  larchen. 
•.  d.)  =  mit  der  Zunge  lahmen,  labare  eermone! 

—  lorksen,  lorpsen  (Rhotacismus)  =  öfters, 
wiederholt  lorken  (8chmeiler  I.  isoi;  coen  17) 
(b.  lerchen).  —  lochein  =  lorkeln,  schleppend, 
langsam,  lahm  gehen  (Z.  f.  d.  0.  V.-K.  law,  i,  136). 

-los  (lndogerm.  lu  [>.'ju>,  solutus];  gern  -germ.  lauaa 
=  lose  »ein ;  ahd.,  mhd.  16«,  Klage  *,  241)  =  der  Zu- 
stand des  vollständigen  Fehlens  einer  Funk- 
tion oder  eines  Organe«  am  Körper,  nicht 
bloss  in  der  Leistungsfähigkeit  beeinträchtigt 
(wie  beim  Mangel,  e.  d  ).  —  akm-los,  1.  = 
ohne  Atem,  dyspnoicus.  —  2.  =  auch  magen- 
schwach (c.  v.  Schm.  io),  durch  Magenschmer« 
in  der  Atmung  gehemmt.  —  WkMos  (ndl. 
bloedlooze,  Lersch  854  j  engl,  bloodleas,  Kaltachm.  = 
blutleer.  —  ferch-loB  (ahd.  ferhloi.  Uraff  in,  683) 
=  leblos  (8.  Ferch).  —  fuhl-loB  =  gefQhl-  und 
empfindungslos  (s.  fühlen).  —  (14*2)  fuss-los 
=  (extalbj,  D.  219),  einer,  der  seinen  Fuss  (talus) 
nicht  gebrauchen  kann.  —  ^-los  -  e.  lusen. 

—  glied  los  =  s.  lidlos.  —  Aaar-los  =  kahl.  — 
hand-loB  (mhd.  bandelos,  Lexer  90)  =  der  Hand 
vollständig  entbehrend.    —   AaujpMos  (ahd 

haublllös.  Graff  IV.  757)  =  kopflos.  —  Aerx-los 
(1507,  ndd.  heruloys  =  demena.  D.  172)  =  gemütloser, 
unverständiger,  gefühlloser  Mensch.  —  Hirn- 
los (rachus,  D.  482;  engl,  bralnloas,  Kallschm.  I)  = 
verstandlos,  thöricht.  —  AooVn -los  (IL  Jahrh. 
hodolo»er,  Graff  II,  271;  18.  Jahrh.  houdenlousor  = 
eonuchu»,  d.  Ii,  158),  1.  =  herniosus,  beim  Bruch- 
schnitte des  Hodens  beraubt,  daher  d.  brüchigen 
Männer  als  impotent  galten  (s.  VoUvgabcn  beim 
8t.  Leonh.-K.,  z.  f.  a.  E.  f.  B.  1894).  —  2.  =  Eunuch 
(s.  d.).  —  kraft-,  kräfte-loB,  -Losigkeit  (ahd. 
chrafielösi ;  mhd.  krelteloesc;  15.  Jahrh.  kraftlos,  Gr.W. 
V,  1951)  =  im  Zustande  des  vollständigen  Mangels 
an  Leibeskräften  befindlich;  namentlich  auch 
im  Atmen  behindert  durch  Schwäche  (Seb.  isoj. 

—  (1654)  leib-loB  -  leblos  (Schmeller  1,  14«).   

licht -los  (mhd.  Uehtlos,  Lexer  147)  =  blind.  — 
lid-,  glied-loB  {10.— XL  Jahrh.  lida-,  lide-Ios,  Graff 
LT,  189.  26«;  1332  Udloi,  Schmeller)  =  ohne  Glied. 

—  (15.  Jahrh.)  macht-  (mat  ),  mtoy-los  -  lassuB 
invalidus,  debilis,  impotens,  krank  (Gr.  W.  VI, 
1414;  D.  II.  229;  Schmeller  I,  1563).  —  muWer-los 


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Lob. 


losch — Luder 


877 


■  ohne  die  Brust  der  Matter  bloss  mit  Kuh- 
milch genährt  (Pauli  102).  —  Namen-lo*,  m. 
(13.  Jahrb.  digttu»  anularis,  D.  36),  ungenannte 
Finger.  —  naten  los  (10.  Jabrb.  nasiloser,  Graft  II, 
369 ;  16.  Jabrb.  uasloss,  nasloser  =  anaiut,  D.  II,  22.  33. 
engl,  notele«,  Kaltacbm.)  =  ohne  Nase.  —  nerven- 
los  ■  ohne  Spannkraft  des  Nervensystems, 
nervös  (Gr.  W.  IV.  1. 1680).  —  oAr m-lOB  (ahd.  orlös, 
Graft  I,  458;  mbd.  flrelös,  Lexer  182;  1482  orloser  ■ 
lacer,  D.  Ii,  223),  1.  m  taub,  nicht  hörend.  — 
2.  —  einer,  dem  das  Ohr,  durch  Verletzung  z.  B., 
fehlt.  —  (178«)  /..u/s  los  =  scheintot,  asphyktisch 
(&-aipi>ru,oc  =  ohne  Puls),  ohne  fühlbaren  Ader- 
scblag  (Schmeller  I,  3Ä8).  —  (1590)  Schadni-lOB  = 
unbeschädigt,  heil,  unversehrt,  sospes  (Gr.  W.  VIII, 
1994).  —  «cAajf-loS  (ahd.,  10.— 11.  Jabrb.  acaffelos, 
Graft  II,  272)  =  informis,  formlos,  ungeschaffen. 

—  tchlaf-lo*  (ahd.,  10.— U.  Jahrb.  slafloser  =  lu- 
somuis,  Graft  II,  271 ;  engl,  ilecplcasneas,  Kaltschm.)  = 
Obermäasig  wachend  bei  schmerzhaften  oder 
fieberhaften  Krankheiten  —  Agrypnia  Ilippo- 
cratifl.  —  «nw-los  (ndl.  zlnnelooz.  V.-K.  IX,  123)  = 
ansinnig.  —  (löio)  zp«*e-los  =  hungernd  (Fuchs  I, 
429;  Pr.  II,  167).  —  »prncA-lOB  (ahd.,  10.  Jahrb.  sprah- 
halös  =  ellnguls,  Graft  II.  272)  =  stumm.  —  tcite-los 
=  ohne  Verstand,  unrichtig,  verwirrt  (ahd.  wizxe- 

lösl.  Z.  f.  d.  A.  1888,  8.  148;  1677;  Bern.)  (s.  Will). 

—  zahn  los  (ahd.,  mbd.  zantl<">»,  zanelos-edenUtus. 
senex,  alner  dem  die  zen  vssgcfalleu  oder  gebrochen 
«Int.  D.  194;  Graft  II,  271;  V,  685;  Lexer  397,  ndl. 
tandelooz,  De  Cock  80)  =  ohne  Zähne.  —  zungen- 
los  (ahd.,  10.  — 11  Jahrb.  tungilös  =  mutus,  ellnguls, 
Graft  II.  271;  v,  683)  =  sprachlos.  —  lose  Rote, 
Wand,  Zähne.  —  Ks  entspricht  vollständig  dem 
Kultunuitand«  früherer  Zeiten,  das*  die  Beraubung 
und  Verstümmelung  einzelner  Glieder  des  Korpers 
ehemals  viel  häufiger  war,  und  anderseits,  dass  der 
Mangel  dieser  mit  -los  zusammengesetzten  Organe 
schon  »ehr  früh  und  besonders  schwer  empfunden 
wurde;  welche  Kulturfortschritte  sind  seitdem  in 
unseren  dauernden  Besitz  gelangt'  z.  U.  die  Kursorge 
für  Taubstumme  und  Blinde,  die  konservative  Chirurgie, 
die  neuere  Schusswaffentechnik,  das  künstliche  Geblss 
und  Kehlorgan,  Soxhlcts  Ersatz  der  Mutterbrust, 
Schutzpocken-Impfung  etc. 

Los,  n.  Loos,  n.  Losung  (zu  -los  [s.  d.];  ahd. 
liozan;  mhd.  Uezen  =  erlosen ;  angels.  hlyt;  goth. 
blauts  —  Los;  ahd.,  mhd.  hlöz,  m.  —  das  Los,  das  los- 
gelassen,  geworfen  wurde,  Kluge*.  241;  „In  der  heid- 
nisch-germanischen Zelt  wahrscheinlich  ein  Opfer- 
termlnua" ;  Conf.  blaut  =  Opferblut,  Kdda,  Jordan  100, 
als  das,  woraus  oder  mit  dessen  Hilfe  geweissagt  wurde, 
Golth.  631.  641).  —  Loos.  Los,  1.  =  das,  was  das 
Wild  als  Exkrement  auswirft  (Losung).  — 
2.  =  die  Nachgeburt,  die  BOrdeleber  (s.  d.),  die 
das  Tier  von  sich  loslässt,  ausscheidet  (Gr.  w. 
VI,  1166.  1201.  1203;  dieses  Auswerfen  losgelöster 
Körperteile  oder  inuerer  Organe  [lnngerAusch,  s.  d.] 
aus  dem  bohlen  Leibe  der  Bchlachttlcre  war  «Ine  Auf- 
gabe des  Gode  oder  Opferpriesters ;  ahd.  pluostrari, 
daher:  Godee-Lunge.  Godes-Lcber).  —  Losung,  1.  m 
I^öselwerk  oder  das  zur  Weissagung  dienende 
Opferblut  (Golth.  611).  —  2.  =  Ixx>s  1.  —  (1437)  Qe- 
lose,  1.  =>  das  ganze  Inngeweide  des  Ja^dtieres 
(schm.  I.  977)  =  GepQtt  (s.  Potach),  s.  auch  lösen. 

—  2.  =  Exkremente  (Kirsch  87).  -  LoB-Bolle. 


losch  (ndl.  luacua.  D.  340)  =  scheel  sehend, 

schielend. 

losen  (Loser)  b.  lusen  (lauschen). 

lotschen  <*  Schmerz  äussern,  winseln  wie 
ein  latocher  Mensch  (Lötschger)  (Buck  19; 
Schmeller  I,  1543). 

lottern,  Lotterer  s.  Loder.  -  \ottl-feitf, 
fett*. 

Louis'sfAfr  Winkel. 

Lub,  f.  -  grosse  Lippe,  verlogener,  weit 
offener  Mund  (Schmeller  I,  1417;  vielleicht  Neben- 
form zu  Lippe). 

Lachs,  m.  s.  Lux. 

Lucht,  f.  -lacht,  1.  =  s.  Luft.  —  2.  =  s.  links. 

—  3.  =  s.  Luck. 

lack,  Lack,  n.  Lacken,  f.  Lücke,  f.  (zu 

locker  [s.  ds.];  Grdf.  luggla;  ahd.  lucka,  mhd.  lücke, 
lacke,  Kluge6,  242;  ndd.  lucke  =  Loch,  Lücke.  — 
Lack,  1.  -  (1591)  locker  herabhängende,  lange 
Ohren  (Bad.  Jun.  396)  (luck).  -  2.  =  Öffnungen 
od.  Vertiefungen  am  Körper.  —  lacken  -  locker, 
offen,  rogel,  Bchlaff  sein,  schwanken  (Gr.  w. 
vi,  122»).  —  (15«)  luck,  lncker  =  locker  (oberd.) 

schwammig  (Had.  Jan.;  II.  v.  Gersd.  98;  Zw.).  — 
(1618)  lack  machen  =  den  Stuhlgang  locker 
machen,  laxare  (Schmeller  I,  1463).  —  locket  -- 
mangelhaft,  gebrechlich  (Wolf  161).  —  Lücke,  f. 
(1590  lucke  =  languor,  morbus,  D.  317;  [Schweis]  lüggl, 
Gr.  w.  vi,  1229)  =  Schwachheit,  der  Zustand  des 
Luckens.  —  Luckner  (lft.  Jahrb.,  altsaehs.  lugner, 
lugener,  logener  =  spado,  castratus,  eunuchus,  I).  213. 
544)  =  der  durch  die  Kastration  locker  oder 
leichter  (s.  d.)  Gewordene.  —  Augen-Luck., 
-Lücklein,  Lücker  =  die  Augenlider,  die  ala 
Augendeckel  das  Sehloch  umgrenzen,  so  dass 
das  Auge  wie  durch  eine  DachlQcke  hervor- 
schaut (Schmeller  I,  1434).  —  //fluchtig  (ahd. 
lacht ,  zu  luckl,  luecke  =  lügnerisch,  Z.  f.  D.  A.  1188, 
148;  mhd.  geluch,  Pfeiffer)  sa  vorspiegelnd.  — 
Hummel-,  Hungt ,  -Lucken  =  die  im  Hunger- 
sustande einsinkende,  vertiefte  Magen-  oder 
Herzgrube  (s.  Hungerloch)  (Z.  d.  v.  f.  V.-K.  I, 
213).  —  (1776)  Kot  Lücken  (kalluek,  Hyrtl,  K.  W.  8, 
Anm.)  —  Kotloch,  After.  —  (1740)  Zu/in-Lücke, 
-Lacken  =  Mortariolum,  die  Öffnung  der  ge- 
j  schlossenen  Zahnreihe,  welche  durch  das  Aus- 
brechen von  Zähnen  entsteht  (s.  Mörser) 
(8cbmeller  II.  1133;  Falke  II,  450;  Kirsch  768).  — 
"Luck.- Fleisch. 
Lude,  Ladi  s.  Leute. 

Ladel,  f.  (za  lullen  [s  d.];  eigentlich  ein  Saug- 
gefass  [Milchflasche,  Tabakpfeife]);  damit  formell  an- 
geglichen: Mentula,  als  zapfenförmigee  Gebilde. 

—  (1612)  JtfticA-Ladel  a.  die  weiblichen  Milch- 
brüste  (Schmeller  I,  1446). 

Lader,  m  ,  n.  (altgerm.  löthra  =  Lockspeise; 
schwed.  luder  =  Aas;  mhd.  luoder  -  Lockspeise, 
lockeres  Leben,  liederliche  Weibsperson,  Kluge.*,  242; 
nach  Gr.  W.  VI,  1232)  1.  =  gefallener  Tierkörper 
(C.  v.  Schm.  364).  —  2.  =  Lockspeise  für  Raub- 
tiere. —  3.  =  menschlicher  Kadaver,  Aas  (b.  d.). 

—  4.  =  fettes  Fleisch  heim  lebenden  Pferde. 

—  5.  a  (13.  Jahrh.  der  lüde  =  semen,  D.  525),  Laich  (?), 


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878  lnffen— Iflppon. 


I 

-löste — lamm. 


IuduB(?).  —  ltiderlich  =  liederlich  (s.  d. ;  b.  loder, 
lotter)  (C.  v.  Schm.  364;  Duck  18,  „beruht  auf  einer 
jungen  Andeutung  de«  Adjektiv  an  Luder",  Kluge  *, 
238).  —  (17-11)  im  Lader  liegen  =  (in  luxum  effusus, 
Kirsch  716;  8chm.  1,  1446)  =  coire.  —  (1703)  Venus- 
Luder  (Abrab.  I,  25)  m  venerische  Weibsperson. 

lüffen  s.  lOppen. 

lügen  s.  lugen.  —  Luegen- Sucht. 
lullen  h.  lullen. 
Lüme,  Lummel.  m.  s.  In  nun 
lünsk  8-  Laune. 

lüppen,  Lüppe,  n.  lüppern,  lüpfen,  lüffen 

(«skr.  lubh  -  perturbare ;  nord.  Inbbi  =  Gift ;  angls. 
lif  —  medlcamenta ,  der  mit  Giftkrftutern  [Luppe] 
bethfttigte  Zauber;  goth.  lubl.  Inbja  =  Gift,  Kuhn, 
Ztsehr.  V,  3«;  lubja-leisel  =  Giftlehro,  Toxilogte, 
Schräder  609;  ahd.  luppön  =  medlcare;  luppi  —  tnale- 
fleium  [  Zauber- ]Gift;  8.  Jahrh.  kaluppaz  s  toxica,  Graft 
II,  77;  8. — 9.  Jahrh.  lupparl  =  veneneu»,  Graft  II,  7S; 
9.  Jahrh.  giblapeco  [  —  gilupeto?]  —  purulentus,  vene- 
nalua,  Graft  II,  77;  10.  Jahrh.  giluppöter  —  medicato, 

H.  Z.  XVI,  84  ;  giluppiu  =  medlcata,  L  eod.  88 ;  1260 
libern  =  gerinnen.  Weifler  71;  mhd.  lüppe  =  Gift;  ge- 
luppet  =  toxicatus,  venenatu«;  1420  lubl>en,  luppen 
=  teacuare,  caatrare,  D.  580;  15.  Jahrh.  lüflern;  1477 
bellppern  —  coagularc ,  die  Milch  gerinnen  machen, 
1).  639  ,  dazu  herba  lupparla,  liupewurz,  luppewurz  - 
Glftwurx,  Eitergift,  Aconitum,  Rol.  97;  1471  llpperey, 
Schindler  I,  1497;  1497  vcrtlpt  =  vergütet,  FI.  Brun- 
»chwyg;  1498  gelipft  =  vergiftet,  Gr.  W.  VI,  1312;  1586 
Uppen  —  Milchgerinnsel,  gebildet  durch  da*  Lab  [alt- 
germanisch,  verwandt  zu  luppi,  Kluge*,  223  ,  8.  Lab]  ; 
1592  milch  lippern  =  gerinnen  machen,  Beb.  113).  — 
Lüppe,  n.  (ahd.  luppi;  mhd.  lüppe,  Wackern.;  1592 
Lippen  gerinUel,  Lonicerus  313  -  coagulum),  1.  — 
Zaubergift,  Zauber  (b.  d.),  heilsaraes  u.  tötende«, 
wie  Gift  Wirkendes,  Gerinnung  Machendes  u. 
Gerinnsel  (s.  Labe).  — 2.  =  (ndl.  [veraltet]  lubbe, 
lobbe.  Z.  d.  V.  f.  V.  K.  1893.  421,  V.  K.  VI,  96)  = 
männliches  GeschlechUglied  (Kastration).  — 
lüppen  (udd.  Hibben,  Westphalen ;  lubben,  lyppen, 
D.  105,  Uppen,  D.  51 1  —  spadonarc,  caslrarc ;  weslfrles. 
lobje  -  castrare,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1MJ3.  3S0;  ndl.  lubben, 
V.  K.  VI,  96 ;  engl,  loppered  =  geronnen  [von  der  Milch], 
Kaluchin.)  -  au!  zauberhafte  Weise  heilen,  ent- 
mannen, kastrieren;  vielleicht  sah  das  Vulk 
das  nach  der  Kastration  des  Tieres  aufgelegte 
Pflanzentnittel  als  das  zauberhafte  Luppe  an 
(Sanicula),  od.  das  Kastrieren  war  eine  Neben- 
beschäftigung des  Zauberers  (Gr.  Vf.  VI,  1312).  — 
Lüpperei,  Lüppenei,  f.  (tB.  Jahrh  lupnei  =  torti- 

leglum,  D.  543)  =  Ziiuberbethätiyting  durc-f i  Lfipp- 
kräuter.  Solche  sind  z.  B.  Aronitum  napcllus,  Vera- 
irum  ulbuin,  zwei  uralte  Kennnuischc  Zauberkrauter. 
</rlÜppet,  -lüppert  (15.  Jahrh.  gellbert  plut.  Schul. 

I,  1414;  1651  gelyflert  blut,  Bock  179;  17.  Jahrb.  ge- 
liefert, Fr.  Kr.  B.  330),  1.  =  toxicatiiB,  venenatus, 
congulatus,  durch  Gift  zur  Thrombosis  ge- 
brachtes Blut  z.  B., geronnen, zusammengelaufen 
durcli  Gift  (Gr.  W.  VI.  1312).  —  2.  =(14.  Jahrb.,  ndl. 
gelubet  =  »pado,  caatralus,  D.  541),  entmannt,  ka- 
Btriert  (wie  durch  ein  Giflmittel?,  s.  heilen  2). 
—  wrlüppt  (UV7  verlipt ;  1518  verlypt,  II.  v.  Gersd. 
33.  15),  L  —  durch  giftige  Zaubersufte  (luppewurz 


ss  Aconitum,  D.  10),  Salben,  Geschosse,  Infek- 
tionsBtoffe  etc.  vergiftet,  septisch  infiziert  (Schm. 
1, 1497).  —  2.  =  „durch  Zaubermittel  gegen  Schuss- 
wunden gesichert"  (Schmeller  1.  eod.).  —  Lüpp- 
Augen.  —  ^flüppte  (r,  •)  (y<libert«[r,  *])  Mut, 
Sehnst,  Wunde. 
-ltiste  s.  Lust. 

lüttel,  lützel.  -  VSittelMaren. 

Luft,  f.,  m.  (gem.-germ.  lufta;  ahd.  luft;  nind. 
lucht.  Mag.  Barth.  86a;  mhd.  luft.  Kluge  *  242;  Heyne 
III,  692)  =  Ai  r,  das  uosern  Dunstkreis  erfüllende 
Element,  Luftzug,  Atemluft,  Bläbungsgase, 
Dampf  (b.  d.).  —  luftig  =  loae,  Luft  zulassend, 
frei  auf  der  Brust,  wie  Luft  aussehend,  ver- 
trocknet (1582  lüfftig,  Lonic.  196;  Hyrtl,  K.  W.  71; 
Gr.  W.  VI,  1256).  —  (7182)  Geburts-Lnft  =  Heimat 
(M.  II.  L.  I,  488).  —  gewemmete  Luft  (ahd.  luft  giu- 
uemmlt  =  aör  corruptu»,  «uht,  Graft  VI,  140;  zu  vamm- 
jan,  wemman  m  maculare;  warn  -  Flecken;  biuuem- 
man  sa  maculare,  contaminare,  Schm.  II,  911)  —  die 
Ansteckung,  Contagium  (Bedeckung,  s.  d.)  brin- 
gende Seuchenluft,  Pest-Miasma,  die  durch 
Seuchengift  befleckte,  verunreinigt«  Luft.  — 
A-urz-luftig  =  kurzatmig.  —  (1482)  Zci&es-Luft  = 
ventositas,  die  Darmgase,  die  sich  aus  dem 
Leibe  entleeren  (Hyrtl,  K.  W.  123;  D.  64).  —  (1519) 
pestilenzische ,  pestilentialische  Luft  ■=  Aer  epi- 
demialis,  tu  Stilen»,  contagiosum  Pestluft,  Pest- 
miasma, Luftfäule  (Gr.  W.  VII,  1674;  Heyne  IU, 
1121;  Pr.  i,  369)  =  gewemmete,  faule  Luft.  — 
(16.  Jahrh.)  schelmige  Luft  —  pestschwangere 
Luft,  durch  den  Schelm  (s.  d.)  verursacht  (Schm. 
Ii,  413).  —  Lttft-^laVr,  -Fänger,  -Fäulung,  -Fell, 
-Gurgel,  -Hunger,  -Kammer,  -Kolik,  -  Kopper, 
-Löchlein,  -Pfeife,  -Rohre,  -ßohrenschwindsucht, 
-Säcke,  -scheu,  -Schlucker,  -Strasse,  -  Wege. 

lugen  (luegen)  (westgerm.  lokal ;  angls.  löclan ; 
altaachs.  lökön  ;  ahd.  luogen ;  mhd.  luogcn,  Kluge  *, 
242)  =  durch  ein  Loch  (Lücke)  mit  einem  Auge 
.sehen.  —  Lueger,  m.  =  das  krampfartige 
Fixiertsein  des  Auges  (Schm.  I,  1463),  einseitige 
Augenmuskellähmung,  wobei  ein  Auge  gewisser- 
massen  ins  Unendliche  lugt,  weil  ea  nicht  in 
die  Nähe  eingestellt  werden  kann.  —  über- 
luegen  —  oben  hinaussehen  mit  schielendem 
Auge  (E.  w.  I,  9).  —  i cluegen  =  etwas  mit 
scheelem  Blicke  (Neidauge,  s.  d.  u.  böser  Blick) 
ansehen,  bezaubern,  an  fernerem  Gedeihen  be- 
hindern (verneinen,  mal  d'oechio)  (Schm.  I,  1463). 

lullen,  Luller,  m.  („eine  onomatopoietiache  Neu- 
»chopfung",  Kluge4,  432),  1.  =  wie  das  saugende, 
lullende  Kind,  das  an  der  Ludel  (s.  d.)  lulu 
macht,  den  Speichel  (od.  Milch)  ilieasen  lassen, 
I  geifern  (Schiesten ;  Gr.  w.  VI,  1288).  —  2.  =  pissen, 
mit  dem  Kolltone  „lulu"  in  das  Töpfchen  machen 
(Schlesien).  —  Luller,  1.  =  der  Saugfinger,  an 
dem  man  schnullt  oder  lullt.  —  2.  =  die  (sau- 
gend»-) Zunge  (Hlntner  7.  16).  —  einlullen  =  (mit- 
tels der  Ludel)  zum  Einschläfern  bringen  (Z.  d. 
D.  Ö.  A.  V.  1881,  202). 

lumm,  L um mo  ,  Lueme,  f.  (zu  ahd.  luoml  — 
lahui  [Ablaut  z.  d.],  Kluge  224  ;  schlaff,  welch,  matt. 
I  C,  v.  Schm.  366 ;  Schw.  378;  mhd.  luctuen  sa  erschlaffen, 
I  ermatten  ;  luemc  -  Schlaffheit ,  luuim  =  s.chlaff,  locker, 


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Lummel— Lunge. 

Kluse*,  2*2).  —  laemig,  lammelig  -  lahm, 
schlapp,  kraftlos  (Gr.  W.  VI,  72;  Erbe  19).  — 
Lümmel,  in.  (1666  bomo  sloe  acumlne,  Kluge  *)  — 
Kretin  als  torpid  apathischer  Blödsinniger,  un- 
beholfener Idiot  (Steierm. ;  Z.  f.  d.  Phil.  BD,  334).  — 
'.'-Lueme  (ahd.  subtluoml,  0 raff  VI,  142 ;  mh<J. 
•uhüueme,  Scbm.  I,  1473;  II,  220)  =  Pestilentia,  der 
lähmungsartige  Zustand  von  Schwache  nach 
ansteckenden  Infektionskrankheiten  (s.  Lähme), 
daher  noch  (vulg.)  belemmern  =  beschmutzen, 
beflecken  (faul  83). 

Lummel,  m.  Lumbel,  Lammer  (Lumpe) 

(durch  Vermitteln»*  der  klösterlichen  Anatomla  culi- 
naris  aui  lat.  lumbaUs ;  abd.  lumbal ;  9.  Jahrb.  lum- 
bal a  —  renuneuli  (=  lumbl],  Graft  II,  214;  mhd.  ltimel, 
lurabelen  =  Nieren  der  Jagdtiere  [Tristan] ;  abdomen, 
1475;  1).  2.  305;  1 125  lumtnelen  ;  15.  Jahrb.  lütnmelse 
=  abdomen,  Intestinum,  D.  305;  lumtnelen  —  In- 
testinum, D.  II,  220;  1518  lummel,  m.  -  Lenden,  H.  v. 
Gersd.  97;  IM!  lummel  =  Nieren,  Christ.  Meyer  91; 
Schweix  lummel)  =  StQck  Fleisch  oder  Eingeweide 
aus  der  Nierengegend  des  Schlachttieres  (Gr.W. 
VI,  1289).  —  Lumpe,  f.  ^  Lende  (Schm.  I,  1474).  — 
Lämmer,  f.  1.  —  Lendenfleisch,  Regio  lumbalis 
(Gr.  W.  VI,  1289).  —  2.  =  pl.  Hoden  (=  Nieren, 
Lende,  S.  d.)  (Gr.  W.  VI,  1289;  Schlesien).  —  Lum- 

mel-.f7et«cA. 
Lump,  lumpicht,  lumpig  -  elend,  armselig, 

kränklich  (Gr.  W.  VI,  1301 ;  Kluge  \  242;  C.  v.  Schm. 

366).  —  Lumpen- Nu 
Lumpe  s.  Lummel. 

Lumpel,  f.  =  Lungel  (Verderbnis  des  Worte«, 
Schm.  I,  1475;  Hyrtl  108)  (s.  Lunge).  —  Lttmpel- 
Sucht. 

Luna.  f.  s.  Laune  u.  Mondsucht.  —  luna- 
tischer  Flut». 

Lunge,  f.  Lungen,  pl.  Lungl.  f.  Lunke,  f. 

(indogerm.  lengh,  altgerm.  ling- levis,  leicht,  Kluge*, 
212;  abd.  lunga,  lungunna,  lungina,  lungken.  longk, 
longen,  Graff  II,  231 ;  Cass.  Glösa. ;  Hyrtl,  K.  W.  108 ; 
9.  Jahrb.  lungun,  It.  Maur.  65;  12.  Jahrh.  lunpinnn, 

H.  Z.  XV,  345.  354,  mhd.  lungene,  lange;  1260  lungel 
[„alte  Nebenform  zu  Lunge");  1417  lungede  =  pulmo, 
D.  II,  308,  15.  Jahrh.  lungel,  long,  lunge  =  pulmo, 
D.  Ii,  308;  1483  „darum  Ist  die  lunge  lind  wie  ein 
Badscbwamm,  da»»  sie  den  Luft  gefahen  mag  und 
wann  sie  den  Luft  an  sieb  zieht  zur  Kühlung  de* 
Herzen»,  so  vergrossert  sie  sich,  wann  sie  aber  den 
Luft  von  sieh  schlagt,  verkleinert  sie  sieh",  nach  C.  T. 
Mcgbg. ;  Kaminen,  Oberbayern,  Tirol  lungl.  Gr.  W. 
VI,  1304;  Schwaben  lunke,  Buck  17;  lumpel  sa  lungel 
[s.  o],  franz.  les  mous  {blancs]  —  die  teigweichen, 
bellfarbigen  Lungen  im  CiegensaUu  zum  Keifnelsch 
[  —  Leber  les  mous  rouge»].  BrUs  61,  engl,  lights  — 
Tierlunge.  Kluge»,  233).  —  Lunge,  f.  Lungen,  pl. 

I.  =  die  beiden  Lungenflügel,  das  schwammige 
und  leichte  Organ  im  Inneren  der  Brusthöhle, 
als  Werkzeug  des  Atemholens,  welches  dabei 
„aufsteigt"  (s.  d.)  und  abfällt.  —  2.  =  der  Sitz 
der  Lebenskraft  (in  Redewendungen)  (Gr.  W. 
VI,  1303).  —  3.  as  Brusteingeweide  überhaupt.  — 
4  Lunge—  itosskot,  liossballen  (Heyne  III,  699; 
, .Ungewisser  etymologischer  Herkunft  u.  Beziehung"; 
vermutlich  zu  Lunke  [s.  Lunzc]    Die  Lung-  JLunk-J 


Lunge.  879 

Würz.  12.  Jahrh.  Pbyaica  nildeg.  =  Pulmonaria  otflein). 

—  (1668)  anbrüchtige  Lungen  ~  Lungen,  die  an- 
fangen, gebrechlich  zu  werden,  die  schon  an- 
gegriffen sind,  beginnende  Lungensucht  (Beyn. 
213;  v.  M.  Ii,  27).  —  angegangene  Lungen  =  an- 

j  brüchtige  L.,  die  eben  anfangen  offen  zu  werden 
wie  fratte  Glieder.  —  Baumwollen -liXznge  — 
Byssinosis  pulmonum,  durch  massenhafte  Ein- 
atmung von  Baumwollstaub  verursachte  (chron.) 
entzündete  Lunge  (Meyer,  e.  L.  XVI,  343).  —  Eisen- 
Lunge  =  AnthrakosiB,  Siderosis  pulmonum,  eine 
durch  Einatmung  von  Eisenteilchen  mit  Aus- 
wurf (Schwarzspucken)  veränderte  Lunge  (Sani. 
402).  —  (1260)  erfrorene  Lungen  ( =  kalte)  Lungen, 
deren  kalte  Natur  ein  zu  weit  eingreifendes 
Lungenleiden  veranlasste, chron.  Lungenkatarrh 
(phlegma)  (Pfeifler  22)  (s.  nachfolg.).  —  feuchte 
Lungen  -  durch  Phlegma  (kalter  Schleim)  ver- 
ändertes Lungengewebe, feucht.  Auswurf, chron. 
Lungenkatarrh.  —  i7ei«cA-Lungen  =  fleisch- 
harte (Leber-)  Lunge,  Hepatisationsstadiutn  der 
Lungenentzündung  (Falke  I,  289).  —  (1477)  geblähte 
Lungen  (Ortolf)  =  gross  aufgedunsene  Lungen 
(Emphysema  pulmonum).  —  (1560)  Gr  lung,  (1741) 
(Geling,  Gling,  Glen,  Glendei),  (Munge{0.  n- 
(Bayern,  Österreich,  Schwaben,  Henneberg)  —  das 
gesamte  Brusteingeweide  bei  Schlachttieren, 
auch  mit  Milz  und  Leber,  Viscus  (Kirsch  1252; 
Gr.  W.  V,  60.  1962;  Schindler  I,  1493,  C.  v.  Schm.  233. 
317 ;  Spiesa  II,  74).  —  getchicollene  Lungen  =  ge- 
blähte Lungen.  —  (!»■:<  •  Lunge  (Götz- Lunge, 
im  Fluche  entstellt  in:  I'otz-Lunge),  wie  Godes- 
Leber  (s.  d.)  =  das  vom  Opferpriester  (Goile) 
herausgelöste  Eingeweide  des  Opfertieres,  od. 
auch  der  dem  Gode  gehörige  Anteil  am  Schlacht- 
tiere (s.  Godes-Webe).  —  grosse  Lunge  -  durch 
Lungenblähung  aufgedunsene,  geschwellte,  an 
Volumen  umfangreichere  Lunge  (Emphysema 
pulmonum).  —  halbe  Lunge  —  der  noch  nicht 
von  Krankheiten  angegriffene,  gesunde  Teil 
der  Lunge  bei  Lungenkranken.  —  (1260)  heissc 
Lunge  (diu  lungel  Ist  ze  heiz,  Pfeiffer  22)  =  eine 
durch  zu  heisse  (s.  d.)  Natur  o<lor  Komplexion 
veranlasste  (akut  entzündliche)  Lungenkrank- 
heit. —  (1551)  kalte  Lungen  =  durch  die  kalte 
(s.  d.)  Natur  erkrankte  (s.  erfrorene)  Lunge 
(Bock  164 ;  Coler,  H.  A.  155).  —  A'ie.sW-Lunge  - 
Chalikosis  —  eine  durch  Einatmung  von  Kiesel- 
teilchen veränderte  Lunge(s.  Steinhauer-Krank- 
heit) (Samuel  402,  Med.  chir.  Rundsch.  1*76.  470).  — 
Kohlen -Lunge  =  eine  durch  Einlagerung  von 
Kohlenstaub,  bei  Kohlenarbeitern  z.  B.,  ver- 
änderte Lunge  (Samuel  402).  —  Lcbcr-Lunge  = 
leberharte  Lunge ,  Ilepatisationsstadium  bei 
der  Lungenentzündung  (Kalke  I,  347.  3»6;  II.  63). 

—  1'  '/.-  Lunge  =  Godes-Ltinge.  —  (1551)  schwä- 
rende, (161»)  schiciirige  Lungen  -  eiternde  Lungen 
(Bock  214;  l'ansa  37  ;  Pr.  II,  250).  —  (1507)  süchtige, 
(17.  Jahrh.)  sieche  Lungen  ss  durch  .Sucht  oder 
Siechtum  (s.  d.)  chronisch  erkrankte  Lungen 
(Lungensucht,  l'hthisis)  (Hort.  san. ;  avoir  les  mous 

■  malades,  Brlss.  202;  Fr.  Kr.  B.  310).  —  Steinhauer- 
Lunge  =  s.  Steinhauer-Krankheit  (Ctialikosis), 
Kiesel- Lunge  (Dornbl.  127).  —  Tabak-hvaxge  = 
eine  durch  Tabak-Einatmung  (b.Tabakarbeitern 

|  *.  B.)  veränderte  Lunge  (Samuel  102).  —  Thon- 


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Ä80  Lnnke — lnrtschen. 


Lunge  ■  Aluminosis  pnlmonum,  Kiesel-Lunge 
(Meyer,  Konv.-Lex.  XVI,  34S).  —  (1563)  verschleimte 
Lungen  =  durch  Lungen-Katarrh  mit  Schleim- 
bildung  ganz  kranke  Lungen  (Gr.  w.  I,  1618).  — 
(1260)  zerborstene,  (17.  Jahrh  )  zerissene  Lungel  (diu 
lungel  ist  «abrosten,  Pfeifler  23.  72.  92 ;  R.  A.  228)  = 
eine  Lunge,  in  der  ein  Geschwär  (Apoetetna, 
s.  d.)  aufgebrochen  int  und  die  bo  „versehrt"  ist. 

—  Lungen-  .-I  dt !,  -Ader,  ■  Anwachsung,  -  Aposteln, 
■Aufsteigen,  -Bänder,  -Bläkung,  -Blätterlein, 
-Brand,  Braten,  -brüchig,  -Brunst,  -Dampf, 
■Drüsen,  -Eissen,  Entzündung ,  -Erschlaffung, 
-Fäule,  -Fieber,  -Fisteln,  -Flügel,  -Fluss,  -Fuss, 
-Geschwür,  -Geschwür,  -  Härtig  keit ,  -Husten, 
-Kehle,  -Keuchen,  -kitzig,  -krank,  -Lähmung, 
•  Paar,  -Pfeife,  -Röhren,  -Röhrtein,  -Rot,  -Rotz, 
-Schlag,  -  Schleimschlag ,  -Schwäche,  -Schwind- 
sucht, -Sehre,  -Seuche,  -siech,  -Siechtag,  -Stechen, 
-Stein,  -Sucht,  -Typhus,  -Übel,  -Verhärtung, 
-Versehrung,  -  Weh,  -  Zehrung. 

Lnnke,  f.  Lunte,  f.  Lunze,  f.  lunzen  (zu  ahd  .. 

10.  Jahrb.  luuda  =  arvlna,  Graff  II,  241 ;  10.  Jahrb. 
lunlussa  —  pcctusculum  ,  ndl.,  1476  luncke  =  corunca, 
D.  104),  1.  =  weiches,  schwammiges  Fettgewebe, 
Tier-Schwanz  (Lunte)  (Br.  I,  452),  Eingeweide 
und  Kot  (Schw.  105).  —  2.  =  Feminal  (SchmeUer 
1496).  —  3.  =  ThranendrQse  (Caruncula),  als 
weicbeB  Fleisch  oder  Wärzchen  (Fleischlein). 

—  4.  =  l  rinh-la.se  (=  Plunze).  —  5  —  Unze 
(Lunze).  —  lunzet,  lttnzig  ■  weich,  lind,  leicht. 

—  lunzen,  lunzeln,  lünzeln  Imhd.  iuncz  =  8chiaf- 

rlgkeit,  somnolcntia,  Schvr.  384;  SchmeUer  I,  1495;  zu 
Laune  [luna],  Fromm.  VI,  16)  =  launisch  Bein,  tnatt 
Bein,  Bcbläfrig  sein,  launeln,  besonders  am 
Morgen  halbwachend  im  Bette  liegen  (Splesa  ü, 
IM),  dorraitare. 

Lupia,  f.  (franz.  louppe  —  harte  beulen,  welche  am 
Leibe  der  Pferde  werden  gefunden,  Lupia  genannt, 
Seb.  176.  179)  =  Lupus  (b.  Wolf),  Ulceratio  mit 
Lymphdrüsenbeulen  in  der  Weiche. 

Luplnose ,  f.  (modern)  =  typhöse  Leberent- 
zündung (gelbe  Leberatrophie)  als  epizootiseber 
Magen- Darmkatarrh  mit  Gelbsucht  (s.  d.)  bei 
Schafen,  die  mit  Lupinose  (Klee)  gefüttert  und 
durch  Lupinotoxin  vergiftet  wurden.  —  Lu- 
pinen Krankheit. 

Lur,  m.  luren,  lurlen  (indogerm.  Wurzel  lu 
[XfatCj;  ahd.  lowar,  lawar  =  Alp;  [Tirol]  Laurin  = 
Luring,  kleiner  Lur;  (Pfalz]  luren,  lurlen  =  horchen, 
staunen;  (Rhein]  Lorelei  =  Lurenfels,  Laistncr  I,  78; 
Pfalz.  Bauern  Kol.  13;  SchmeUer  I,  1499.  1500)  =  „er- 
schöpfender, ermattender,  gl  ied  erlösen  der  Dä- 
mon" =  Alp  (8.  d.)  (Laistncr  L  c. ,  II.  A.  Rh.  271), 
als  Krankheits-Dämon. 

Luiln  =  l'urina  (Urin)  (Oberbayera). 

lurken,  lurksen^lirken  (8.  d.),  lürken,  stot- 
tern, stammeln  (Scbm.  I,  1501 ;  Spless  II,  156). 

lurpsen  =  lurkeen,  lürksen,  lorbsen  (s.  d.). 

lurschen  =  mingere  (nur  vom  weiblichen  Ge- 
Bchlechte)  (Schm.  I,  1502.  1521). 

Iurt8chen  =  lurkezen,lurksen,  starker  lürken, 
lerchen,  1.  =  lahm  geben,  Brlilürfen  mit  den 
Füssen.  —  2.  -  mit  der  Zunge  (Sprache)  latschen 


oder  lahmen,  schnarren  (Gr.  W.  VI,  1314).  — 
Lurtocher  (1591  der  gleich  als  auf  dornen  geht  oder 
schlürft,  Had.  Jun.  398,-  1618  =  att«  qui  propter  rttium 
pedum  terra m  attlngit  potlus  quam  calcat,  Sehnt.  I, 
1802)  =  einer,  der  mit  den  latschen  Füssen 
schlürft,  schlärft. 

lurz  =  matt,  matsch. 

Lüsen,  f.  (Leusch),  1.  =  weiblicher  Hund, 
läuüge  Hündin.  — 2.  =  schlechtes  Frauenzimmer 
(Z.  f.  ü.  v.  K.  1896.  8.  208),  vermutlich  zu  Leiste,  f. 
(S.  365)  (Schm.  I.  162). 

lusen,  lusnen  (losen,  lauschen,  laustem) 

(indogerm.  ous  =  Ohr;  vorgerm.  klus,  klu  ,  altgerm. 
hlu,  hlus  =  hören,  lauscheu;  altnord.  hlus-t  --  Ohr; 
ahd.  lüzzen  ,  hlosen,  lustren  =  heimUeh  lauschen, 
Kluge  *  172. 202. 228  ;  mnd.  lüschen  =  zuhören,  horchen ; 
mbd.  losen,  lustren,  lusenen)  =  laustem,  lauschen 
mit  dem  Ohre.  —  Loser,  Luser,  m.  =  das 
horchende,  lauschende  Ohr  (SchmeUer  1 ,  1615; 
Wolf  161).  —  Lusung  (ahd.  lusnunga,  8chineUer  1.  c.) 
a  Sensus,  Gehörempfinduug,  das  Lauschver- 
mögen. —  jrlos  (io.  Jahrh.)  --  hörend.  —  un-gelo& 
=  unhörend  (SchmeUer  L  c). 

Lussen  (1518  lussen,  H.  T.  Gersd.  16  a.  98  =  scla 
der  Arabisten,  os  isebil,  HyrÜ,  K.  W.  63  =  vermutlich 
die  lyssen)  -  Leisten  (Leiste,  f.).  —  Lussen-  Fugt . 

Lust,  f.  -Inst,  -lüSte  (indog.  Im  ■  begehren; 
gem.-germ.  lnstus;  ahd.  lust,  f. ;  mhd.  lust,  m.,  f.  = 
Begierde  nach  Angenehmem,  Kluge  *,  238.  243),  1.  = 
Libido,  sexueller  Trieb  als  sinnliche  Begierde. 

—  2.  =  Pica,  Verlangen,  Lüsternheit,  Gelängsel, 
Hippigkeit  der  schwangeren  Frauen  nach  selt- 
HBinen  Speisen,  z.  B.  Fische  (bayerische  Gesetze 
erlaubten  ehemals  den  Schwangeren  Fische  zu  stehlen, 
s.  Fischkopf).  —  Lustung  (ahd.  lustunga,  Graff  II, 
292  -  Genitalia  mulieris.  —  böse  Lust  (1440  boae 

]  lust  =  luxus  [s.  d.l,  D.  341),  1.  ~  Unkeuschheit, 
Geilheit.  —  2.  =  Sypbilis.  —  3.  =  Lust  2  und 
weibliche  GelÜBte  (Lonlc.  so.  35).  —  Ass-Lust, 
1.  =  abnormes  Verlangen  zum  Kssen,  besondere 
Btarker  Hunirer,  Kssbegier  (15.  Jahrh.  eyn  unmetllk 
lust  to  Utende  =  bulimus,  D.  Ii,  62).  —  2.  =  normaler 
Appetit.  —  frwer-Lust  =  abnormer  Trieb  zur 

Brandstiftung  (Pierer'  III.  75).  -  jE^gS 
(1512  fleischlich  lust  =  voluptas,  D.  628;  ndl.  vleesch- 
lijko  lust,  De  cock  217)  m  das  Verlangen  nach 
fleischlicher  Vermischung  (s.  Brätige).  —  Ge- 
lust(r7i,er),  m.  Gelüste,  n.  (ahd.  keluste  =  libldo. 
Graff  I,  973;  9.  Jahrh.  nbilero  gelusto,  Pfeiffer  F.  u. 
Kr.  II,  41;  gilusti  —  luxus,  D.  II,  242;  1618  glust  = 
sexueller  Bluttrieb,  H.  v.  Gersd.  12 ;  1575  gelust  = 
Appetit,  Kluge  *  10;  162»  gelüste  —  pica,  klssa,  malakla, 
cltta,  pilla.  Kraus,  E.  388.  805,  Mosa-Bartels  I,  601)  = 
sa  <iie  anhaltenden  natürlichen  Triebe  zur  Be- 
friedigung der  Sinnenlust,  d.  h.  dessen,  was  die 
Sinne  begehren.  Schon  die  alten  Griechen  verglichen 
dos  launisch  wechselnde  krankhafte  Gelüste  der 
schwangeren  Frauen  mit  dem  Wesen  des  Eichelhähers 
(—  plca),  der  verschiedene  Stimmen  hören  lässt,  man 
könnte  saven  an  Jedem  Tage  eine  andere;  andere 
denken  dabei  an  die  diebische  Elster,  die  sich  von 
ganz  unverdaulichen  Sachen  ernähren  soll  (Brüu.  161). 

-  gelustige  Wiehtlein.  —  Huren  Lust  (12.  Jahrh. 


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lutschen— machen.  881 


honrtuadl  =  Hbldo,  D.  II,  233 ;  14.  Jahrb.  hurlost  = 
luxuria,  D.  341)  (fl.  Luxus),  1.  =  Geilheit.  —  2.  = 
Syphilis  (Luxus).  —  LeiVf-Lust  (Uralt  H,  290; 
Scbm.  I,  1526),  1.  =  Herzeleid.  —  2.  =  der  Gegen- 
sau  zur  Wollust.  —  unketuchea  Gelüste  (1420 
vnkeusche  geluat,  D.  II,  233)  -  Libido.  —  (1761)  un- 
natürliches Gelüste  (unnatürlicher  gelust  der  Weiber, 
L.  chlr.  68)  =  Pica,  s.  Gelüste.  —  tYn-lust-,  ylust 
(ahd.,  8.  Jahrh.  Unlust  =  accldla,  akcdla=  melancholine 
Speeles,  quac  monachorura  proprla  est  atque  lta  appcl- 
lata  aSt.  Hleronymo,  Du  Cange  I,  52;  O.  B.  V.  A.  1895. 
11;  D.  7).  —  axf]?ia=  ?a:.u.ova  5;  u.i3Yju.ßp'.v*^  xaXri- 
Tttl  Tiüv  v/:r,,iv.  ' vjtspov,  Du  Cange  III,  2;  Graff 
V,  369;  11,290 ;  Mittagsgeist  [Mlttagnalp],  derdie  Mönche 
Im  Mittagsschlafe  drückende  Alp  [s.  Alptraum],  s.  Ab- 
bildung In  O.  B.  V.  A.  1895,  8.  10;  mhd.  ungelust;  1561 
onlust ;  1594  Unlust  =  Kot  oder  Magenschleim,  D.  M. 
W.  Sehr.  1896.  11,  1649  Unlust  =  Pestgeruch,  Lexer296; 
Bock  238;  Schmeller  I,  1525),  1.  =  Widerwillen 
„psychische  Dysästhesie".  —  2.  =  falsche,  un- 
natürliche Lust (Onania? s.  i  in,; n ne), abnormer 
Geschlechtstrieb  (Luxus).  — 3.  =  ekelerregende 
Sekrete  (Pollutio?)  Geifer,  Rotz,  Schleim,  Kot, 
auf  der  Haut  (Hautkrankheit)  (Lonic.  312)  (siehe 
Gebalz).  —  Leibes-  Unlust  (12.  Jahrb.  des  llbes  un- 
gelustlch,  Pfeiffer  18.  86)  =  Lebens-Überdruss,  — 
(1591)  Magens- /  V'lust  Magenverstimmung.  — 
(ahd.)  Ur-,  Zurlnet  (Graff  II,  289.  290 ;  D.  7  =  accldla 
[akedla],  inertla,  tristitU  quae  dum  quls  laborat,  vor 
titur  in  taedlum  cordis,  lanquor  spiritus,  luxus  [■,  d.], 
D.  II,  242;  Du  Cange  I.  52)  =  Unlust  (ß.  d.),  Ur- 

minne  (s.  d.).  —  (1668)  Venus-Lust  -  Libido, 
coitua,  Trieb  zum  Venusdienst«  (Beyn.  234; 
Zw.  264).  —  FfrlUSt  (Jurst)  (zu  verlieren,  ein  Ver- 
balabstraktum,  Kluge5.  388;  ahd.  Tirlust;  mhd.  Ver- 
lust =  das  was  man  verloren  hat).  —  Blut- Verlust, 
1.  =  das  verloren«  Blut.  —  2.  =  diestarke  Blutung. 

—  seine  Haut  verlieren  ■  sterben  (schm.  i,  1147 ; 
l'rquell  1895.  123).  —  Hufeisen  verlieren  s.  Eisen. 

—  verlorene  Wehen.  —  W'eiöea-Lust,  0830)  weib- 
ticke GelttBte  (IV  Jahrh.  wiveslnst  =  lasclvla,  D.  319; 
Kopp  V,  424;  1582  da*  bos*  gelüsten  der  Weiber,  böse 
Lust  der  schwangeren  Frauen  =  citta,  plca,  Lonlc. 
30.  36),  1.  es  das  Gelüste  (s.  d.)  des  Weibe«,  Pica. 

—  2.  =  Geilheit,  Verlangen  nach  geschlecht- 
lichem Umgange  mit  dem  Weibe.  —  WoMust 
(15.  Jahrh. ;  Schmellcr  I,  152">;  II,  893)  =  Voluptas, 
libido  in  coitu;  b.  Bewollung  sub  Wille  (man 
unterschied  seitliche,  ruckliche,  riechliche, 
sitzende,  ständige  WolluBt).  —  Zur -last  - 
Urlust,  Unlust,  üble  Lust.  —  Lust-,  lustiges 


-Beulen,  -Darre,  -Knöpfe,  Podagra,  -Reifung, 
-Seuche,  -siech,  -Sucht,  -  übel. 

lutschen,  lutzein  =  saugen,  schlürfen  (8chm.  i, 

1550;  „onnmatopoleUscheXeuscbopfnng",  Kluge*,  243). 

Lux,  m.  (zu  lndogcrm.  luh  [Xoyx,-]  =  Licht  =  das 
Tier  mit  den  leuchtenden  scharfen  Augen,  Kluge*,  242). 
—  oe-luxen  -  mit  Luxaugen  besehen  (Schm.  I, 
1428).  —  Lux  .4t ijc. 

luxen,  1.  -  s.  Lux.  —  2.  =  lutschen,  saugen 

(ndd.,  Fromm.  VI,  355). 

Luxus,  m.  1.  sa  geschleobtl.  Gelüste  (s.  Lust), 
Ausschweifung  (Tacltus,  Suetontus,  Actus  luxuri- 
usus  m  coitus,  D.  II,  99;  In  luxum  effnsus  =  im  Luder 
liegen.  1741;  Kirsch  716).  —  2.  =  (bei  Paracelaus; 
Pr.  Ii.  72.  73.  79)  =  Syphilis,  eigentliche  syphi- 
litische Initialsklerose  (Excessus)  (luxus  "autem 
Domen  quod  attinet  lllud  ab  lnfluentia  ld  est  effleiente 
ennaa  desumptum  esae  lntelligendum  est ;  est  autem 
luxus  Irrltaüo  quaadam  ac  tltlllatus  spermalls  ad  perfl- 
clondum  actum  venereum  a  morbls  In  corpore  taten- 
tlbus  eanrnita,  itaque  Veneria  impreaaione  a  morbo  In 
aetn  ipso  facta,  tum  ex  vulgari  luxu  dt  luxus  morbl, 
s.  morbldns.  Prolnde  luxus  nie  non  naturalis  sed 
satyricus  dicendus  erlt",  Rosenb.  299).  —  8.  =  (luxus 
=  lnxatlo,  Verrenkung,  Kirsch  716).  —  4.  =  (ndl. 
luxus  ziekte)  =  Arthritis  urica,  reicher  Herren 
Krankheit  (Peypers  85). 

Luz,  n.  Luza  (Lus)  (bebr.  Wort  für)  Juden- 
knoclien  (s.  d.),  Jungfer  im  Bade,  Ossiculum 
s.  seinen  reaurrectionis,  Ossiculum  Judaeorum 
(Kraus,  E.  578),  welches  Beinchen  dieTalmudisten 
für  unzerstörbar  hielten,  weshalb  es  den  Auf- 
erstehungskeim in  sich  enthalten  sollte ,  der 
am  jüngsten  Tago  einen  neuen  Menschen  ent- 
stehen lasse.  Die  Juden  suchten  es  im  Rflck- 
grate,  im  Heiligenbeine  (Demokritos  vil,  M)  und 
im  Schädel  =  Processus  odontoideus  am  2.  Hals- 
wirbel. 

St.  Luzia.  —  Luzien-iSfcfoin  (St  Lüste  vertritt 
die  Perchla  Statnpa  a)  als  Kinder  erschreckende  Figur, 
die  den  Kindern  den  Bauch  aufschlitzt,  Scbelble  IX, 
547;  Belnsb.  540;  b)  als  Geburtsdainonln)  =  mit  dem 
Schuh  =  Fruchtbarkeits-Symbol  (Zlngerle,  Plau- 
dereien aus  Tirol  1888,  8  .  59). 

Lymphe  („nach  alten  Grammatiken"  zu  Nympha 
[*.  Waasersucht],  Kraus,  K.  579)  =  klare,  helle  Flüssig- 
keit, Serum,  Blutwasser  ohne  rote  Blutkörper- 
chen. —  Lymph  . lymphatische-Dnisen.-Zetfen. 

lyp  s  Hippen. 


Maal,  n.  8.  Mal. 

machen,  Macht,  f.  -mächte,  -Machsei  (vor- 

gertn.  magb;  gem.-germ.  mak  s>  passend  zutamtnen- 
fügen ;  goth.  magan  =  mögen  (k.  d.),  können,  Zeugungs- 
kraft haben;  gcin.-wcstgerm.  maken  =  mnchi-n,  mahtl 
=  Macht;  ahd.  mahhün  =  machen,  verbinden,  zu 
sammenfügen ;  10. — 11.  Jahrh.  mahti,  f.  sa  valetudo, 
Graft  II,  612;  maht  =  Kraft,  Macht,  genitalla.  IT.  Z.  XV, 
524;  gtmah  —  verbunden,  entsprechend,  Verbindung, 


I Annehmlichkeit,    Wohnnng;    gimahbo  —  Genosse; 
gimahha  =  Gattin;  glmaht  =  Zeugungsglied,  testlcull; 
mhd.  machen  —  machen,  gcuiach  —  Behagen,  Zimmer; 
!  gemäht  =  Zeugungsglied,  Kluge»,  134  .  243.  259;  1429 
maechl  =  lnguen,  Schmellcr  I,  1564.  1498  macht;  1559 
;    marht  =  Gemachte,  genitalla.  Gr.  W.  VI,  1405;  1592 
,  macht  —  Scheide,  vagina,  Seb.  107).  —  machen,  1  = 
etwas  zusammenfügen,  anpassen,  vermögen, 
|  thuen  können,  erzeugen  (Kind  z.  B.)  (Schmeller 


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SS2 


machen. 


machen. 


1.  1566);  es  nicht  mehr  lange  machen  -  bald 
oicrbeii,  Keine  Lebenslhätigkeit,  Lebenskraft 
beenden.  —  2.  =  cacare,  urinare,  Kot,  I'rin 
(etwas,  nichts)  machen  (be-be  machen  in  der 
KinderBprache).  —  es  einer  machen  =  coire.  — 
Macher  (Tirol)  =  einer,  der  etwas  macht,  Penis 
(HlntnerR.  18).  —  machig  =  machend.  —  Machsei 
(ndl.  maakuel)  «=>  das,  womit  man  macht;  (vergl. 
auch  Masel,  Makel).  —  Macht,  1.  =  Kraft, 
namentlich  Zeagungskraft.  —  2.  -  I,eibe*kraft, 
körperliche  Gesundheit.  —  3.  =  das  mann),  und 
weild.  Zeugungsglied  (Gr.  W.  VI,  1397).  —  4.  —  die 
Gegend  des  Zeugungpgliedes  vom  Nabel  (s.  d.) 
bis  zum  Schambogen  (Schindler  I,  1564)  und  zur 
I^eistcnpforte  (U.— ir..  Jahrb.,  mnd.  wonie  de  denne 
In  de  macht  gabt,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  141 ;  de  macht 
tvtschen  de  bene,  1.  eod.  XV,  126).  —  (1582)  mächtig 
=  Macht  (1  —  2)  habend,  körperlich  gcsunil 
(Gr.  W.  VI,  1407;  Lonlc.  234)  Dass  du  Geschlechtliche 
Vermögen  In  der  l'rmedlzln  eine  grosse  Rolle  spielte, 
lehrt  die  Volksmedizin  (s.  d.  Verl.  Baum-  n.  Waldkult, 
8.  162).  —  A-,  Ab-,  Am-,  An  Macht  (ahd.  iimaht; 
mhd.  ämaht)  =  <  Hinmacht  (s.  d.),  Syncope,  Extasis, 
Lipothymia  (Gr.  W.  I,  276.  404;  Andreren  74).  — 
(nfcmöglg),  a&mächtig  (aumet)  -  malt  (Schmeller 
I,  11.  202).  —  onmächten  ■  ohnmUchtig  werden 
(Schmeilor  i,  1563).  —  angemacht  =  anRetlian 
(s.  d.)  (Witzschel  II,  265).  —  (1551)  ausgeschlofenca 
macht  =  das  aus  dem  Haucho  herausge- 
schlüpfto  und  in  den  Hodensack  (  =  Gemaeht) 
eingetretene  Gedärm  (Hernia,  Enterocelc)  (Bork 
392).  —  dicken  Bauch  machen  =  schwangern 
(spiess  II,  22).  —  Blut  machen  -  Blut  in  dem 
Korper  erzeugen ,  bilden.  —  ßi  i;-'--lMnacht 
(1483  der  prusl  ümacht,  D.  II,  7ö)  =  Herzschwäche 
mit  Atemnot.  —  -FV/xm-Macher  =  sonderbare 
Geberden  machender  Kretin,  Gauch,  Idiot 
(Z.  I.  d.  Phil.  II,  IM;  Kitmthen)  —  Ferklcn  machen 

—  sich  erbrechen,  schweinisch  sich  benehmen 
(K.  W.  I,  141).  —  sich  fertig  machen  =  durch 
übermässige  Anstrengung  sich  früher  ums 
Leben  bringen,  zur  Abfahrt  (s.  fertig  B.  130  b) 
aus  dem  Leben  geeigneter  machen  (E.  W.  I,  145). 

—  (mhd.)  Fraucn-Gt mächte  (1419  frawen  gemaecht. 
Schmeller  I,  1504)  —  Genitalia  fetninae,  Keminale, 
die  Zeugungsteile  «les  weiblichen  Geschlechtes 
(Gr.  W.  IV,  1.  78;  Bock  154 ;  Zcning.  Voc.  c  1;  I.onle.). 

—  Frauen  -  Gtm&chts  Locher.  —  ürmäch(te) 
{ahd.  gimahhe  =  inguinale,  II.  Z  XVI,  23,  gimahti  - 
Kenttalia  [H.  Z  XVI,  61).  «amaht,  gamahti;  9.  Jahrh 
=  veretrum  [Graft  II,  615),  testiculi,  virilin.  Hoftm.  I, 
371,  10.  Jnhrh.  hiniaht,  Ifaitcincr,  Denkm.  III,  '-'JH; 
12.  Johr.  penis,  Inguinc,  genitalia,  Grnü*  1.  c. ;  1482, 
UM  gemeehl,  gemäht  —  genitulia,  inguen,  Fuchs  I, 
309;  Zcn.  Voc.  1  2;  15.  Jahrh.  gemuht  =  inguen,  D.  II, 
216;  1541  gemaeeht  ■  Hoden,  äusserlirhe  männliche 
Genitalien,  aber  auch  ovariuui,  vulva,  conjux,  Ilyrtl, 
K.  W.  6U.  60.  137;  1618  gemaeeht  —  luxus  cambuccintis 
Paracet»),  Hr.  II,  76  =  Kolben).  —  Gi  m rieht  • ,  »), 
pL,  f.,  n.  1.  =  männliche  Genitalien  (l'enis  cum 
scroto)  als  Vis  s.  I'otentia  virilis,  als  äusserheh 
sichtbare  Glieder  des  Zeugungs -Vermögens 
(Ct.  8chm.  369;  Bück  lö,  c.oldscbni. :.;  Miltner  8,  18; 
Ilyrtl,  K.  W. ;  Schmeller  1, 1564) :  a)  l'enis,  b)  Scrotuin 
(Hoden  und  ilodensack),  c)  Leistengegend, 
d)  der  Schanker  am  Gemachte.  —  2.  =  weib- 


liche, äussere  und  (späterhin  auch)  innerliche 
Genitalien,  Nabel-,  Schamgegend  (Vulva,  Va- 
gina, Ovarium)  als  Werkzeuge  des  Kinderer- 
zeugens.  —  3.  =  die  Krau  in  geschlechtlicher 
Beziehung  (Gemahl).  —  4.  -  natürliches  Ge- 
schäft (Gr.  W.  III ,  810).  —  &.  =  Gemachten  = 
Magendampf  (Plnzgau,  Sehm.  I,  1564)  als  Magen- 
Verdauungszeichen.  —  die  r/r  machte  gehen 
heraus  =  die  Hodensackhernie,  in  welche  die 
Gedärme  eingetreten  Bind.  —  die  Gemächte 
ragen  heraus  =  Erectio  penis,  Satyriasis.  —  (1513) 
gerechte  '.'.machte  =  die  rechtsseitigen  Hoden, 
die  kräftigeren  Samen  haben  und  deshalb  haupt- 
sächlich Knaben  erzeugen  sollten  (Ploss-üartels 
I,  469).  —  geschwundene  Macht  =  Uhnmacht 
(Schmeller  I,  15C3).  —  heimliche  (Vemächte  -  Ge- 
nitalia, s.  Heimlichkeit.  —  Knovhen -Macht  = 
Gliederkraft  (Gr.  w.  vi,  1397).  —  Lärm  machen 
s.  lärmen.  —  Lc ich  M&cht  (ahd.  mekin  lihhi,  Schm. 
I.  1426)  =  Vis  corporis.  —  lullu  machen  =  (siebe 
lullen  2)  Harn  lassen  unter  Gei  misch  (Gr.  w. 
VI,  1288).  —  (1634)  V'.1 '( 'm  s  - Macht,  (1482)  -(.'•macht 
(1440  uiimsg.macht,  mansgemaecht  =  virilia,  D.  622) 
a  die  äusserlichen  männlichen  Genitalien  als 
Sitz  des  Zeugungs-Vermögens  (Zening.  Voc.  t  6; 
Ilyrtl,  K.  W.  59).  —  »Kinnmächtig  =  zeiii{ungfähi<r, 
mannbar  (Gr.  W.  VI,  leoij.  —  O-,  Ohn-  (Un-) 
Macht,  -mächtig  (ahd.  unmahti  =  imbecitlitas,  in- 
flrmitas,  Koro  78.  79;  iiinaht  =  O-raBcht,  Ohnmacht 
„Das*  Präfix  ö  aus  altem  ü  war  in  der  Zusammen- 
setzung unverständlich  geworden",  Kluge*,  275;  diese 
<">  Macht  wurde  unter  Anlehnung  an  ohn  unrichtig  in 
Ohnmacht  verdeutlicht  =  l'nmacht;  ndl.  on  =  un, 
Kluge  1.  c. ;  8.  Jahrh.  unmahtig  —  Invulidus.  Iinhccillls; 
10. — II.  Jahrh.  inQrmus,  Graft  I,  303,  II,  618;  mhd. 
unmaht  Kraftlosigkeit,  Schwache,  Besinnungslosig- 
keit, I.cxcr301;  1532  <. macht  =  syncoiH<,  ,, ist  ein  Zufall 
anderer  krankheilen  durch  welche  der  mensch  xu 
mehreren  theilen  berauht  wird  der  empHndlichkeit 
und  bewcgltchkeit  von  wegen  schwache  des  hentens", 
Frles95;  1793  amachtsblunie  —  Gicht-  (Vergicht-)  Blume, 
gegen  Epilepsie  verwendet,  Roll.  123),  1.  =  Abmacht, 
Klaglosigkeit  im  allgemeinen.  —  2.  =  Besin- 
nungslosigkeit, Ohnmacht,  durch  Herzleiden, 
Hunger,  Reflex,  Lipothymia,  Extasis,  pelit  mal. 

—  (172.))  IIerzens-0/«nmacht  =  Syncope,  eine 
Körpcr.Hchwäche  vom  Heizen  ausgehend  (Thes. 
san.  Br.  664;  R.  A.  320).  -  (1532)  Hunger-OÄlimacht 

-  Kames  syncopalis,  „eine  blitdigkelt  des  magen- 
mundes  woran  der  mensch  stirbt"  —  Hungertod 
durch  Auszehrung  (Fries  103).  —  (1741)  kleine 
O/uimacht  =  Eklynis,  pelit  mal,  vorübergehen- 
der SchwflchezuNtand  (Kirsch  411)  —  (1723)  Mutter- 
O/mmacht  —  Deliquia  bysterica,  reflektoriBch 
von  der  Gebarmutter  (Hysterie)  aus  erfolgende 
Ohnmacht  und  liewusstlosigkeit  (A.  t.  H.  I,  804, 
mnd.  ,,sincopis  das  ist  eine  Sucht  uud  die  wird  einem 
Menschen  in  dem  Herzen  und  w  ird  von  grosser  Dorre 
oder  von  grosser  mogende  des  lyves  [Leibesfülle] ;  sie 
erkenne  also  sie  sind  mit  grossem  Fürchten  be- 
fangen alle  Zeil  und  können  nie  fröhliche  Dinge  zu 
Händen  haben;  auch  wird  sie  gerne  von  grosser  Cber- 
flü««lgkeil  des  Magens;  lasse  solche  sich  bewahren  vor 
übergrossem  Essen,  wenn  viele  Leute  gaben  Todes 
sterben ;  diese  Sucht  wird  gerne  den  Frauen  von  über- 
fluasigem  Blute  [=  Blutflus*],  das  da  ist  in  matrice", 


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Macica—  Made. 


Made. 


8S3 


nach  Stög.  Barth.  91  b).  —  nervode  "^machten 
=  durch  Schwäche  od.  Überreizung  des  Nerven- 
systems bedinge  Kraftlosigkeit  (Sobernb.  155). 

—  (1684)  stetige  OAnmacht  =  bestand.  Schwache 
des  Nervensystems  {Gr.  w.  Ii,  1164).  —  (16.  Jahrb..) 
mir  wird  ohnmächtig  (H.  Paul  33«)  =  ich  werde 
kraftlos  durch  Krankheit,  Unwohlsein  (1420 
vnmechtlg  =  imbcclllls,  D.  II,  210).  —  Ö-Ö  (o)-(a) 
machen  —  (Kindersprache)  cacare,  wegen  des  ex- 
spiratorischen  Drucklautes  dabei.  —  (1507)  piss-, 
pis-pis  machen  =  (lautmalend)  urinare  (Gr.  w.  TO, 
1«9;  D.  C30).  —  rollen  machen  -  hamlaasen 
unterm  Geräusche  des  Rollens  in  den  Topf.  — 

/i- Machsei  (ndl.  schoon-maaksel.  De  Cock  62) 
=  Placenta  (s.  Sehöu),  die  Nachgeburt,  mit 
deren  Abgang  sich  die  Gebärende  richtet  (s.  d.), 
säubert  (s.  d),  schön  macht.  —  (1742)  Unge- 
mach  (I)  (abd.  9. — 10.  Jabrh.  ungamah  =  molestus, 
Ora.II  II,  634;  14.  Jabrh.  ongemac,  Scbineller  I,  i. 
II,  1164  lt.),  1.  =  Krankheit,  Ohnmacht  («.  d  .), 
Fn  vermögen,  Leiden  im  allgemeinen.  —  2.  = 
Fallsucht,  Epilepsie  (spez.)  (Falke  II,  3*6;  Zw.  49). 

—  Innern  Hand- 6'n<7>  mach  (l 5**7  cynrebnnde  on- 
geraach  =  mortui»,  p**slo,  Heu«,  flgus,  D.  233  [s.  Feige]) 
=  blutrotes  Ekzema  palmare  (syphil.),  das  in 
der  Innenhand  sitzend  manche  Beschwerde 
macht.  —  (1507)  verschrundete  Gemachte  -  auf- 
gescheuerter I lodensack,  Hautschrunden  auf 
der  Hodenhaut,  Ekzema  scroti  (Hort.  »an).  — 
Weibes-,  weibliche  -Macht,  Ge mächte  —  Frauen- 
Gemächte  (s.  o.).  —  K  ioif/  machig  (10.  -  11.  Jahrb. 
nuunt  machig  •-  vulntflcus,  Grau"  II,  61»).  —  Zähne 
machen  (MW  zen  machen  -  dentare;  henneberg. ; 
spie*»  Ii,  iä<;;  D.  173)  -  sahnen,  Zähne  bilden.  — 
(1507)  zersehwollene  Gemachte  =  Hodensnek- 
AnschwellungdurchOrchitis,  Fpididymitis  (Hort. 
aan.J.  —  Macht-,  Grmächt- Apostrm,  -Beine, 
-Bruch,  -Geschwulst, -Haar,  -los,  -Naht,  Reihen, 
-Reisen  {-Röschen),  -Rohrlein,  -Schlichten,  -  Was- 
sersucht. 

Macica,  f.  (Masuren,  Frisehb.  72)  -  Magenkrampf. 
Mackel  i.  Makel. 

Madame,  f.  (franz.  madatne  [mra  dnmtna]  —  Fran, 
Weih,  engl,  bmwn  madam  =  Vulva,  Kaltschm  I,  85). 

—  /  '1/7-  Madam,  ein  l'flanzennamc,  Sedum  ulbum, 
reflexum  (Jensen  370)  =  Zungenkraut,  I'rick-Madara, 
Warzenkraut,  Mutlerkraut  al*  Mittel  gegen  Vaginismus 
bei:  Gonorrhoea  (Tripper)  vulvae  (s.  Brautie  7). 

Made,  f.  Mad,  m.  Mädel,  Mieden,  pl  (Maide, 

Möd)  (altgerm.  mathan  =  [nagende ?]  Made  [Motte-]; 
altnord.  mathkr. ;  ahd.  mado -— vermis,  tarmus,  termus, 
terma,  terlna,  trini»  -  Fleischmade,  Holzwurm,  Kluge', 
243;  D.  579;  10.  Jahrh.  mado.  m.  =  idein,  Graff,  II,  658; 
man  verstand  damals  hauptsachlich  unter  Mado  die 
Fauna  sepulchralls,  die  Insektenlarven,  die  im  ver- 
wesenden, faulen  Aase  lebenden  „Käsemaden  ähnlichen 
Würmer",  Ackenn.  527;  mhd.  made,  m.  f.  ss  die  Banfe 
würmer  [».  Tauwnrm],  die  man  al»  parasitische  t'rsache 
de«  Aussätze*  [Lepra]  annahm;  nach  einem  alten 
Wundsegen  helmt  es  vom  aussätzigen  Job:  ,,die  maden 
im  üzwielen",  Müll. -Sehe-.  XLVII,  2.  B.  142;  1420  mode 
=  tannns,  D.  II,  359;  1751  mieten  =  sirones,  Würmer; 
„es  sind  aber  eigentlich  keine  rechten  Würmer,  sondern 
nnr  welsslichte,  verdickte  Materie  [Drüsen-Sekret]  von 


|  kleinen  Drusen  unter  der  Haut,  die  sich  wie  kleine 
Würmer  bildet,  wenn  man  sie  ausdruckt'",  A.  v.  U. 

<  I,  10  =  comedotu'S  [s.  Mitesser];  engl,  roads  —  Dreh- 
krankheit, Drehwurm  der  Schafe,  KaKschm.  [;  „engl, 
maggot  =  Made  halt  man  besser  fern"  vom  german. 
mathan,  Kluge  243;  itchmlte  -  Krfttz-  [Juck  ]  Made). 

—  Made,  1.  =  die  wurmähnlichen,  weil  fuss- 
losen Insektenlarven,  über  deren  Entstehung  Im 

j  tierischen  Leibe,  In  Wundclter,  Hülsenfrüchten  oder 
Aas  die  früheren  Generationen  in  l'nwissenheit  waren 
und  die  diese  als  die  andere  Gestalt  von  zwerghaften, 
koboldischen  Qualgelstern  (vergl.  Alp  V,  Elben.  Ang- 
wclz,  Engerling)  annahmen  uud  daher  mit  Hannworten 
behandelten  (Gr.  Vi.  III,  774;  Mannt].  13.  18.  2S0;  Engel. 
276).  Bei  der  mythologischen  Schöpfung  der  Zwerge 
hatte  diese  zuerst  als  „Maden"  Leben  gewonnen;  sie 
sind  die  elbischcn  Wichtleln,  die  nach  der  Bestimmung 
der  Götter  dann  menschlichen  Verstand  und  mensch- 
liche Gestalt  erhielten  (Golth.  525)  Ihre  Liebling* 
•pelse  sind  die  (madenreichen)  Hülsenfrüchte  (Erbsen, 
Bohnen,  s.  essen).  —  2  =  such  gtössere  Würmer 
im  Leihe  heissen  Maden,  z.  B.  Spulwürmer 
(Schmeller  I,  1570).  auch  Regen  w  ürmer  (=  Pier). 

—  3  =  Hautknoten,  die  den  Maden  (Enger- 
lingen, Hautwürmern)  zugeschrieben  wurden, 
s.  B.  bei  der  Lepra;  auch  4.  =  Siren  oder  Seuer- 
lein  (s.  d.).  —  5.  ■  eine  Krankheit  der  Kälber, 
„wobei  ihnen  die  Zunge  sprenkelicht  und  hÜRe- 
licht  wird  und  ihnen  die  Neigung  zum  Saugen 
vergehl"  (Gr.  W,  VI,  1426)  (Stomatitis  parasitica). 

—  6.  =  (1542)  eine  Ohrenkrankheit  der  Pferde 
(Ohr-.Mutzel,  s.  d.)  (Gr.  W.  VI,  1426).  —  Mäder. 
Mädel  (Medel)  =  kleine  Made  (Schmeller  1,  1570), 
Tarmu«,  Taenia  (U29)  moed-terina  [terma],  D.  579). 

—  Madik  (14. — 15.  Jahrb.,  ndd.  madyck  =  tcrmo*us, 
D.  580)  =  s.  Meddik.  —  Mieten  —  Sirones 
(s.  Siren  u.  oben).  —  Bein- Maden  (11*6)  benc 
meder  sc  belica  [morbus],  D.  II,  61  —  terlna)  —  Betn- 
frass,  Bein  warn).  —  (1793)  Dürr-,  Don  -Maden. 
L  =  die  milzehi  enden,  mager  und  dürr  (s.  d.) 
machenden  Zehrmilben  (s.  d.),  Mitesser  (s.  d.), 
Comedones,  Dracunculus,  die  man,  ohne  den 
Acarus  folliculorum  w  irklich  erkannt  zu  haben, 
wegen  des  aus  den  Hauttalgdrüsen  ansdrück- 
baren,  geschläugelten,  weisslichen  Sekretes  für 
Madenwürmer  (Hautentozooen)  hielt  und  als 
Engerlinge  im  Gesichte  (Dttrrroaden),  bezeich- 
nete (Schmeller  I,  107).  —  2.  =  madenähnhehe 
Schleimhautwarzen,  sogen.  Hungerwarzen  beim 
Pferde  (Kaltschm.  II.  104;  Falke  I,  223;  Gr.  W.  II,  1740). 

—  Fl  fisch  Made  (1482  flaischmad,  C.  v.  Mcgbg.;  1530 
tormus  turlcus  [tarraus  D.  .=>74;  II,  XVI1I)  =  Fliegen- 
made  Im  Fleische.  —  Haut -M&dp  ~  Pürrmade 
(Made  3,4),  Akme  punctata  (»ehrend  60).  —  Tau- 
Made  (1158  ahd.  toumado  =  pernio  [Leichdorn!; 
„gemursa  sub  minimo  digito  pedis  tuberculum"; 
„gemere  facit  eum  qni  Id  gerit"  [falsche  Etymologie]; 
die  gemursa  ist  nach  Haeser  II,  74)  1.  =  der  zw  ischen 
d.  Zehen  sitzende  Lepia- Haut-Knoten  (Made 3), 
der  auch  „Tauwurm"  genannt  wird  und  ver- 
mutlich früher  dem  EinHusse  des  Taues  (ros), 
bezw.  dem  Madenwurm  im  Tau  (conf.  Leberegel 
der  Schafe)  zugeschrieben  wurde  (s.  Tauträgel, 
Tau-Öster,  Taustreicher).  —  2.  -  früher  and 
später  verstand  man  unter  Tauw  urm  und  Tau- 
made auch  andere  (nicht  lepröse)  Hautknoten 


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884  Maden-Magd. 


Magen. 


(Graß  II,  668;  Schm.  I,  572).  —  Maden(r-)  Ossig*, 
-Frll,  -Hof,  -Sack,  -  Wanst,  ■  Wurm. 

Maden,  in.  —  (um  bomo  castratus,  „der  »eine* 
geieuglln  nicht  hat",  c.  t.  Mcgbg.)  =  der  Getnaidete 
(b.  maiden). 

Madering,  f.  =  Materie  (■.  d.). 

Mädchen,  n.  -  Mädchen-Sam«i. 

Mädel  b.  Made. 

Magere,  f.  »■  mager. 

mähen  (schon  indogerm.-europ.  Bezelchnls  für 
Grasabschneiden,  Kluge  *.  2« ;  13.  Jahrh.  den  lebenden 
Iue  abcmehcn,  Sitz.-Ber.  1867,  8.  7.  13;  Dämonenthat 
de«  Bilwlz;  auch  die  3  Jungfrauen  (3  Mergcn)  mähen 
In  Segensprüchen  da«  Augenfell  ab.  Z.  d.  V.  f.  V.-K. 
1897,  8.  54 ;  auch  der  Tod  mäht  als  Sensenmann  oder 
Schnitter  die  Menschen,  fir.  D.  M.  808;  Vern.  71)-  dna 
in  einer  krummen  (Sichel-)  Linie  erfolgende 
krankhafte  Bewegen  der  (vorderen)  Gliedniassen 
bei  Rückenmarks-Krankheiten  (Falke  II,  88). 

Mähne,  f.  (Mänge,  Mane)  (. .altere  Bedeutung 
dea  Wortes  war  Jedenfalls  einfach  —  Hals" ;  gem.-gera. 
mano  =  Mähne ;  ahd.  mana,  f. ;  mhd.  mano,  man,  f.,  m., 
Kluge  *,  MS  =  Juba  equl ;  1592  inoenln ,  8eb.  199)  m 
das  Halshaar,  Nackenhaar  des  Pferdes ;  der 
Ziegenbart;  letzterei  übertragen  auf:  das  Kinn, 
Haupt-  und  KinnhAar  (Bart)  des  Menseben 
(Tirol;  Hlntner  7.  Iß;  Schräder).  —  Mähnen  Flechte, 
•Grint  -  Wurm. 

Maler  s.  Mal. 

Mäm  s.  Mamme. 

Mängel,  pl.  s.  Mangel. 

mänz  s.  manz. 

Mär,  mär  s.  mar,  Mar  u.  Miere. 
Märge  s.  Merge. 
mär g ein  s.  Mark. 

März,  m.  (ahd.  marceo;  mhd.  merze,  aus  dem 
lat.  [mensls]  MarUus  =  Marzmonat,  In  Mcrowlngcrzeit 
entlehnt),  1.  -  die  kühlere  Jahreszeit  des  März,  daher 
Morbus  martlalis  (Frühjahrs-Katarrh  ;  März-Schrunde). 
—  2.  —  der  Tod,  der  unter  den  Menschen 
„ausmärzt",  wie  man  im  Mar«  die  Weide- 
schafe  aussondert  (Blrllnger  I,  492.  705;  Heyne  III, 
801;  Kluge*,  22);  Kinder  und  alte  Leute  thut  das 
Märzen-Kftlbl  (Märzenwlud,  dem  am  Toten-  [Lactare  ] 
Sonntage  ein  Kalb  geopfert  wurde)  abstechen  (Tirol ; 
v.  Hormann  165).  —  Harkrl-HL&TZ  =  Mttrehackel 
(Alpbg.  421,  Aum.).  —  VL&tz  Hackel,  -Schrunde, 
•  Vieh. 

Mäse,  f.  s.  Mäuse  (Maus). 
Mäsling,  m.  s.  Mase(rn). 
Mätzer  s.  Matz. 

Mäuchler  s.  Mauche  und  Mcuchler. 
maudern  s.  tnaudern. 
mäuen  s.  roauen. 
MäuBlein  s.  Maus. 

Magd,  f.  (gem.-altgerm.  magath  =  Jungfrau  [feml- 
nale  Ableitung  aus  einem  altgenn.  magus  =  Knabe; 
altlr.  macc];  ahd.  magad;  mhd.  maget,  Kluge*.  244).  — 

Mägdlein-,  Magtums- -Feuer,  Haut,  Eochung, 

Seich. 


Magen,  m.  Mag,  m.  (germ.  maga;  abd.  mago,  m. 
=  stomachus,  Rab.  Maur.  66;   Kluge»,  244;  HyrÜ, 
K.  W.  109;  ventriculus,  Ingluries,  gwllla  [giila].  Graff  II, 
633;  D.  II,  199;  Cass.  Gloss. ;  mhd.  mage;  mnd.  maghen, 
Mag.  Bartbol.  87  a;  14.  Jahrh.  mag  =  stomachus,  Voc. 
opt.  W.  11 ;  16.  Jahrh.  magen;  bis  tum  18.  Jahrh.  mage; 
nach  dem  18.  Jahrh.  (ausschlleaalich)  magen)  =  ver- 
dauender Nahrungsbehälter  des  menschlichen 
und  tierischen  Körpers,  Stomachus,  estomac 
(Gr.  W.  VI,  1436;  Heyne  III,  716);  der  Inhalt  desselben 
beim  äsenden  Renntlerc  diente  dem  l'reuropäer  zur 
Kost  (Buschan,  Korresp.-Bl.  d.  Anthrop.  Gcsellsch.  1892, 
B.  21);  namentlich  scheint  die  geronnene  Milch  Im 
Kälbermagen  die  primitivste  Form  der  Milch-Konser- 
vierung, der  Vorläufer  der  Käsebereitung  (s.  l.üpp  u. 
Lab)  gewesen  iu  sein;  das  Kräuter -Geäse  +  Milch 
gab  dann  den  Käse;   die  bottichartige  Magenbaul 
bildete  wohl  auch  den  Vorläufer  des  Kessels  cur  Er- 
wärmung der  Speisen  in  der  Aschenglut.  —  Magen, 
1.  =  der  Magen  (s.  o.)  und  die  Magen-Uegend 
(=  Herzgrube,  Cardia)  beim  Menseben  und 
Tiere.  —  2.  =  der  Träger  eines  solchen  (nament- 
lich von  Kindern  gebraucht).  —  3.  =  Appetit, 
Esslust.  —  4.  =  Magen-Ähnliches.  —  5.  =  das 
Gefühl  einer  Magenstörung.  —  Mäglein  (1688 
maegeleln)  =  kleiner  Kinder-Magen  (Gr.  W.  VI, 
1436).  —  magig  =  einen  Magen  habend.  —  einen 
Magen  zu  etwas  haben  =  Lust,  Appetit  zu 
etwas  haben  (Bayern;  8chmeller  I,  1575;  Gr.  W.  VI. 
143»).  —  man  hat  nur  einen  Magen  (im  Gegen- 
satze zu  den  Wiederkäuern).  —  der  Magen,  mit 
dem  hungrig  knurrenden  Hunde  oder  Wolfe 
verglichen,  bellt,  brummt,  gurrt,  knurrt,  murrt, 
nagt  (s.  Hund,  Wolf,  Appetit);  Oberhaupt  sind 
die  Magenempfindungen  reichhaltig  im  Volks- 
munde vertreten ;  er  drückt,  stosst  auf,  kracht 
und  schreit;  er  ist  wie  ein  Körperglied  ver- 
staucht, zerschwollen,  letz,  sehr  und  schaude- 
richt;  gut,  schwach,  schlecht  als  (1563)  „Haus- 
vater" im  Haushalte  des  menschlichen  Körpers 
(Pictor.  42)  und,  wie  der  Speiseschrank,  ge- 
schlossen, voll,  leer  (nüchtern),  überladen, 
überschwemmt,  unrein;  er  wird  geputzt,  ge- 
reinigt und  eingerichtet  und  kehrt  sich  von 
selbst  um,  so  dass  er  besser  verdaut;  wie  ein 
Kochgeräte  ist  er  beiss,  brennt  wie  das  höllische 
Feuer  (s.  d.),  „kocht"  (s.  d.)  das  Essen  und  den 
Schleim,  taut  (=  verdaut)  das  Feste  wie  das 
Eis  erwärmend  auf.   Im  norddeutschen ^folks- 
munde  ist  Magen  =  Verdauung,  Stuhlgang,  z.  Ii. 
der  Magen  arbeitet  nicht  =  funktioniert  nicht, 
weil  Verstopfung  vorhandeu  ist.  —  man  hat 
etwas  im  Magen,  d.  h.  es  liegt  etwas  Schwer- 
verdauliches im  Magen.  —  (1661)  abnehmender 
Magen  =  ein  aus  Speisemangel  dünner,  magerer 
werdender,  sich  verengernder,  weniger  Inhalt 
fassender  Magen  (Gr.  W.  VI,  1437).  —  Du  »--Magen 
=  ein  durch  gewohnheitsgemässen,  überreichen 
Biergenuss  verdorbener  (meist  erweiterter,  er- 
schlaffter) Magen.  —  Bläth  i   Magen  =  der 
8.  Magen  der  Wiederkäuer,  der  wie  ein  Psalter 
(s.  d.)  oder  Kalenderbuch  innerlich  mit  Blättern 
ausgekleidet  ist,  d.  b.  mit  blätterförmig  über 
einander  liegenden  Schleimhautfalten  (Gr.  W. 
IV,  1.  1368).  —  blöder  Magen  =  ein  leerer,  öder 
kranker,  schwacher  Magen  (c.  t  Schm.  77).  — 


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Magen 


Magen. 


385 


bo*<r  Magen  Ulm  bOMmug,  Gr.  W.  VI,  i486;  1687; 
Georg.  397)  =  ein  langwährend  übler  Zustand 
des  Magens  (chronischer  Magen-Katarrh).  — 

—  b'i-mägig  =  einen  schlecht  verdauenden 
Magen,  ein  chronisches  Magenübel  habend 
(Gr.  w.  VII,  260).  —  drittrr  Magen  =  der  Blätter- 
inagen  (s.  d.)  der  Wiederkuuer,  der  in  der 
Reihenfolge  der  Magenableilungen  bei  diesen 
die  dritte  ist  (Lab-  od.  Fettinagen  ist  die  vierte) 

—  Drüsen  -  Magen  =  Abomasum,  der  vierte, 
mit  Lahdrflsen  versehene  Wiederkäuer-Magen 
(Plerer7,  I,  lll).  —  eitler  Magen  =  das  Gefübl 
einer  öden  Leere  im  (biOden)  Magen  (c.  t.  Schui. 
413).  —  Enten  Magen  =  ein  leicht  verdauender, 
selbst  Steine  in  Bich  vertragender  Magen  (Gr.  w. 
III,  611).  —  entzündeter  Magen,  1.  —  die  eigent- 
liche Magenentzündung  (Gastritis  acuta).  — 
2.  =  (1607)  das  Gefühl  von  Brennen  und  Hitze 
im  Magen  (Hort.  san.).  —  (1582)  erhabener  Magen 
=  aufgetriebener,  geblähter  Magen  (Louic.  109). 

—  (1663)  erkälteter  Magen  =  eine  Magenkrank- 
heit mit  kalter,  phlegmatischer  Komplexion 
(  =  Schleim)  =  Magen -Verschleimung,  Magen- 
Katarrh  (Gr.  W.  1,  1518;  Coler,  H.  A.  175).  —  (UM) 
erlöcherter  Magen  =  Stomaehus  qui  huuiorem 
non  contiuet,  ein  Magen,  der  ein  Leck  (s.  d.) 
hat,  ausiinnt,  austrocknet,  erlechert  (s.  d.) 
(Tabern.;  Gr.  W.  III,  896).  —  l'\ Uten  -  Magen  = 
Blattermagen  (s.  d.)  =  Kalender,  Psalter,  Buch, 
auch  Löaer,  Mannigfalt,  Vielfach  (s.  d.)  (jenannl, 
bei  Wiederkäuern  (Gr.  W.  VI,  4).  —  /atti-mägig 
at  stoinacho  putris  =  einen  Mayen  mit  lauhg 
riechendem  Inhalte  habend  (Gr.  W.  III,  1376).  — 
/-Yrf-Magen-  'Iie4.  Abteilung  im  Wie.lerkäuer- 
Magen,  die  stäiker  mit  Fett  benetzt  ist  als  die 
übrigen  drei  Abschnitte  (Gr.  W.  III,  1674),  — 
(17.  Jahrb.)  feuchter  Magen  ■  Magenkatarrh  mit 
Schleimbildung  (Fr.  Kr.  B.  83).  —  geschlossener 
Magen  =  ein  mit  Speise  angefüllter,  satter, 
gesunder  Magen,  der  keine  abnormen  Dampfe 
(Vapores)  tum  Haupte  aufsteigen  lässt  (nach 
früherer  Lehre)  (Heyne  III,  716;  Schmeller  I.  1576, 
Coler,  H.  A.  177).  —  (1477)  geschwollener  Magen 
(Ortolf)  =  das  Gefühl  von  Auftreibung  und  Volle 
in  der  Magensjegend  wie  durch  eine  Geschwulst. 

—  grosser  Magen  fand,  grox  mago.  cro«  mago  =■ 
extalfs,  Graff  11,  6  >3.  Schw.  210;  U.  Jahrb.  groz  magja 
=  extalis,  Eingeweide.  H.  Z.  III,  Hyrtl,  K.  \V.  109; 
D.  219)  *=  der  Mastdarm  (Afterling,  Fackdarm), 
als  magenähnlich  erweiterter  Abschnitt  des 
grossen  Gedärms.  —  (1609)  .Hirn-Mägen  =  die 
mit  dem  Bauche  (s.d.)  oder  Magen  verglichenen 
Hirnhohlen  oder  1 1  i  rn  kam  m  e  m , (übtrsetning  der} 
Ventriculi  cerebri  (Hyrtl,  K.  W.  27);  man  stellte 
sich  (1699)  vor,  dass  daselbst  die  Lebensgeister 
in  die  (ieistadern  durch  die  Bewegung  der  Hirn- 
Würmer  (s.  d.)  eindringen  sollen;  wenn  sich 
der  Hirnmagen  mangels  der  Beweglichkeit  der 
letzteren  verstopft,  käme  es  »um  Schlaganfalle 
(s.  Tropfen)  (v.  IL  II,  6).  —  kittender,  heisser 
Magen  (nind.,  14.  —10.  Jahrb.  hellender  magen,  J.  f. 
nd.  gpr  -F.  XV,  148)  =  akuter  Magenkatarrh,  der 
eine  brennende  Kmpündung  auslost.  —  Kälber- 
Magen  =  der  Labmagen  des  Kalbes  (Gr.  W.  V.  66j. 

—  A'<j.-r-Magen  Labmagen  (Falke  II,  2).  — 
(1631)  kalter  Magen,  I.  -  ein  Magen,  der  nach 


früherer,  humoralpatholog.  Schullehre  durch 
kalte  Komplexion  (Phlegma,  Schleim)  erkrankt 
ist  (s.  kalt)  =  Magenkatarrb  (14.— 15.  Jahrb.,  mnd. 
vrau  dorne  magben  rerkoldet  l«,  so  weme  der  maire 
varkoldet,  J.  f.  nd.  8pr.-F.  XV,  112.  126;  1684  „ein  Übel- 
beirifllter  magen,  der  allerlei  Speine  isat,  aber  nicht» 
verdaut";  1687  „der  Inlust  iura  F.n»en  hat",  Gr.  W. 
V,  80;  Krautw.  XXXVII;  Georg.  397).  —  2.  =  ein 
Gefühl  von  Kälte  im  Magen,  wie  nach  einem 
kalten  Trünke.  —  /..."'-Magen  =  der  viert«  oder 
Fettmagen  (Käse-,  Rahm-Magen),  in  welchem 
die  Speisen  (Milch)  durch  die  Fermentwirkung 
des  Labsaftes  (s.  Lab)  zur  Gerinnung,  bezw. 
Verdauung  gebracht  werden  (Gr.  W.  VI,  9).  — 
langer  Magen  =  das  Hungergefühl,  wobei  man 
gähnt,  als  ob  man  den  Magen  bis  tum  Munde 
herauf  fühlt  (Gr.  W.  VI.  1438;  Schmeller  I,  1675).  — 
langtcieriger  Magen  ~  ein  chron.  Mauenflbel. 

—  letzer  Magen  =  das  brennende  Gefübl  des 
Wundseins  in  dem  Magen  bei  Magen-Katarrh, 
Magen-Geschwür.  —  lichter  Magen  =  das  Ge- 
fühl des  Otlen,  leeren  (hellen)  Magens  (Sehwaben; 
Schmeller  1, 1431).  —  AYte-Magen  die  2.  Magen- 
abteilung  bei  Wiederkäuern,  deren  gitterförmige 
Schleimhaut  wie  mit  einem  Garn-Netze  belegt 
erscheint  (s.  Zipfel)  (Gr.  W.  IV,  l.  368).  —  öder 
Magen  =  daB  Gefühl  von  Leerheit  (Blöde)  im 
Magen  (Schwaben;  C.  v.  Sehn».  413).  —  (1645)  offener 
Magen  =  der  nicht  geschlossene  Magen  (s.  d.), 
derdre  abnormen  Dämpfe  (vapores)  zum  Haupte 
aufsteigen  lässt  (Coler,  H.  A.  177).  —  P/VrrtV- Magen 
(ndl.  peerdemaog,  V.  K.  IX,  90)  —  einer,  der  einen 
sogen.  RosshuiiK'cr  hat.  —  Rahm-  (Rom  )  Magen 
=  der  4.  Magen  (Abomasuw)  der  Wiederkäuer 
(Fettmagen,  Labmagen),  der  in  der  Verdau- 
ungszeit die  milch  weissen  Fett-(Chylus-)  Kflgel- 
chen  in  den  Saugadern  zeigt  und  anderseits 
durch  sein  Lab  die  Milch  zur  Gerinnung  bringt 

i  (wie  die  Labkräuter);  Kahm  =  Fett  (Gr.  W.  VIII, 
1161 ;  Falke  II,  220).  —  fti  n  -Magen  (U68;  D.  II,  151) 
-=  Bilis,  Coagulum,  die  Milch  zur  Gerinnung 

I  bringender  Magen.  —  Sau-Magen,  1.  =  der 
eigentliche  Schweinsmagen.  —  2.  —  der  Träger 
eines  Magens  (Vielfrass),  der  alles  durch  ein- 
ander hineinwürgt  und  doch  scheinbar  alles 
verdauen  kann.  —  3.  =  ein  sogen,  schlechter 
Magen,  der  ungenügend  funktioniert  (Gr.  W.VIII, 
19U9;  Z.  t.  o.  V.-K.  1896,  S.  279).  —  schleimiger 
(schlimtneriifer) ,  (I6is)  schleuniger,  (1645)  ver- 
schleimter Magen  —  Magen-Versehleimiing(s.d), 
das  Gefühl  eines  solchen  Zustande*  (C,  v.  Schrn. 
168;  Fansafttl.  Coler,  H.  A.  179).  —  (1631)  schlüpfriger 

Magen  (Krautw.  xxx).  1.  -  Magen- Verschleim- 
ung. —  2.  =  ein  leichtverdauender  Magen,  der 
die  Speisen  leicht  hinausgleiten  lä-sst  (schltpffcrl- 
ger  magen,  Krautw.  CS).  —  \/i/n/i./-M;igeH  — 
Pansen  und  Haube  der  Wiederkäuer,  von 
wo  die  Schlundrinne  au«  dem  Magen  zum 
Schlund  hinaufführt  und  der  Schlund  im 
Magen  einmündet  (Vormayen)  (Falke  II,  286). 

—  £>i  hnüi  -Magen  =  ein  bei  F  rauen,  die  sich 
zu  stark  schnüren,  entarteter  Magen.  — 
(ißt:.)  srhteacher  Magen  =  das  Gegenteil  vom 
starken  Magen  (s.  d.)  (Coler,  H.  A.  175).  —  Schtcär- 
Magen  (ahd.  «rermogo,  swennago  —  dolor  cordi»  et 

j  pulmonl»,  <  ;rnfT  II,  65U ,  12.  Jahrb.  iwermagen,  Melder 

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386 


mager 


14.  S3).  1.  =  ein  schmerzhaftes  Magengeschwür 
(Cardinlgia  ex  ulcere  stomachi).  —  2.  =  der 
schwere,  drückende  Schmerz  in  der  Herz-  oder 
Magengrube,  als  oh  ein  Geschwür  daselbst 
wäre  und  das  Magenheisseti  (s.  d.)  verursachte 
fOr.  D.  M.  II,  1112).  —  (1688)  starker  Magen  m  ein 
von  Natur  aus  verdauungskräftiger  Magen 
(Tabern.).  —  Str.ru  ss.  n -Magen  (1717)  zum  änderten 
bat  der  Strauss  diese  Natur,  einen  so  hitzigen  Magen, 
dftss  er  sogar  kann  Kysen  vertragen,  Abrah.  II,  12)  = 
ein  selbst  Seil werverdauliches  in  seinem  Inhalte 
vertragender,  sogen,  starker  Magen  (s.  Enten- 
magen) —  (1561)  undauiger,  (lftS2)  undäulicher 
Magen,  1.  ■  ein  nicht  oder  doch  nnr  schwer 
verdauender,  sogen,  kalter  Magen,  der  »las  Kssen 
nicht  „kocht"  (Gr.  W.  VI,  H37;  Lonicerus  115;  Ooler, 
H.  A.  176),  sich  deshalb  seines  Inhaltes  bald 
entledigt;  darum  2.  -  Erbrechen  (Vomilus).  — 
verdorbener  Magen  =  ein  Magen,  der  durch 
unrichtige  oder  zu  viele  Speisen  gleichsam  zu 
nichte  gemacht,  misshandelt,  unrichtig  be- 
handelt, „verstaucht"  wurde  und  durch  Mittel 
wieder  „eingerichtet"  wird  (Niemeyer  I,  483).  — 
verhiltettr  Magen  =  8.  kalter  Magen.  —  ver- 
(der-)  lottcrter  {latterter)  Magen  =  verdorbener, 
zerrütteter  Magen  (Tirol;  Fromm.  VI,  442),  der 
durch  oftmaliges  Erbrechen  ganz  leer  und  öde 
geworden  ist.  —  (1507)  rer-,  zerschioollener Magen 
~  das  Gefühl  von  Schwellung  in  der  Hatten- 
(Leber-)  Gegend  (Hort  sanit).  —  verstauchter 
Magen  =  ein  in  seiner  Funktion  wie  ein  ver- 
stauchtes Gelenk  verdorbener  (s.  o.),  verlotterter 
nicht  mehr  so  thlitiger  Magen,  der  deshalb 
„eingerichtet"  werden  muss  (Pauli  6)  (Gastrieis- 
mus,  s.  Magen-Verstauchung).  —  W-Magen 
=  der  Magen  (ohne  Labmagen),  d.  h.  Pansen, 
Haube  und  Löser,  die  «las  Futter  für  den  Lab- 
magen erst  zur  Labverdauung  vorbereiten  (beim 
Wiederkäuer)  (Falko  II,  422).  —  Wolfs- Magen, 

a)  =  ein  immer  hungeriger  Mensch  (Magen  2); 

b)  =  auch  der  Name  eine«  Kiesen  Colth.  164,  wolves 
üiage)  der  nordischen  Mythologie.  —  Magen- Auf- 
bohrung,  •  Auf »totssung,- Ballen,  -[drinnen,  -Bellen, 
•  Besrhwerun  /,  blähen,  ■  Bläst,  -  Blodigkeit,  ■  Boden, 
■Bräune,  ■  Brechsucht,  -brennen,  -Bruch,  Cholera, 
-Dampf,  -Barm,  -drücken,  -Druse,  Durchlauf, 
•Entrvhtung,  Entzündung,  Fell,  Fieber,  Fülle, 
-Gärung,  -Galle,  -Grädcr,  Geiz,  Gcschwär, 
-Geschwür,  -Geschwulst,  -Gicht,  -Gilbe,  Grund, 
■  Gurgel,  -  Haut,  •  Herz,  ■  Herzl<»  h,  Holde,  •  Husten, 
■Kälte,  ■  Kehle, -Klarer,  -Kolik,  Koller,  ■  Kränke, 
■Krampf,  •Krankheit,  -Krebt,  -  Krüssel,  Labe, 
-Laus,  -Leiden,  -Loch,  Mun  i,  Mundloch,  -.X<tz, 
■Bein,  -Pförtner,  -Polster,  -  Beiz,  Hopsen,  -  Rohr, 
-Rot,  -Rucklein,  -Ruhr,  -Säure,  -Saft,  -Schärfe, 
-Schleim,  -  St  Mot,  -S/hlund,  •  Schmerz,  -Sehneiden, 
•Schwäche,  -Schwär,  -Schwindel,  -Seuche,  -sieih, 
-Sieihtum,  -Sod,  -S"tt,  -Stern,  -sti>-iiti>i,  -  Thür, 
-Tiefe,  -  Triller,  -('bei,  -  Überstürzung ,  •  Un- 
dnulichkeit,  -Unlust,  -  Verdauung,  -  Verhärtung, 
-  VcmeldrimuHQ,  •  Verstaut hung,  -  Waliunj,  -  Was- 
ser, -  Weh,  -  Wind,  -  H'itrm,  -  Wurst,  -Zipfel, 

mager,  Mager,  n.  Magere,  f.  Magere!  (ein 

aus  dem  Vu.gftrlah-tu  [fielleicht  durch  den  romanischen 
Viehhandel  *.  Goderj,  magro  [  m  macer]  früh  entlehnte* 
Wort,  das  langsam  in  die  meisten  germanischen  Dia- 


lekte eindrang;  gem.germ.  magro.  Kluge*.  244;  ahd. 
magar,  Kero,  Glos». ;  Hab.  Maur. ;  tt  Jahrh.  giinagaritiu 
=  atteuuati  [oculi],  GraJT  II,  657;  mhd.  mager,  Gr.  W. 
VI,  1442)  =  fleisch-  u.  fettarm,  dürr,  ran,  schmal, 
von  Menschen  und  Tieren.  —  magern,  magern 
=  maeerare,  mager  sein,  machen,  werden  (Gr.  w. 
vi.  ii44).  —  Mager,  n.  l.  =  da*jenige,  was  mager 
erscheint  durch  Krankheit.  — 2.  =  diese  Krank- 
heit selbst,  z.  B.  das  Ekzema  (s.  Anriss)  der 
Kinder,  welchedabei  magerer  zu  werden  pflegen, 
wenn  es  auf  Konstitutions  -  Verschlechterung 
beruht.  —  Mager,  m.  (1661  =  Impetigo,  eine  kleine, 
umfressende  oder  spitzige  Rande,  Gr.  W.  VI,  1444 ; 
1.776  =  die  Magere  [s.  d.!,  „ein  hoser,  scharfer  Flu»» 
auf  der  Hanf;  1683  =  ldem,  Gr.  W.  VI,  1444  ;  1742  = 
die  schuppirhte  Rand  [  =  Psoriasis],  Zw.  $71.  872)  ; 
demnach).  L  =  derjenige,  der  mager  erscheint 
infolge  einer  Krankheit.  —  2.  =  diese  Krank- 
heit selbst,  Tabes,  Atrophia  ex  scabie  (=  Räude 
o.  Ekzema,  Psoriasis  etc.),  d.  h.  eine  (zehrende) 
Flechtenkrankheit  auf  der  menschlichen  Haut, 
die  Abmagerung  mit  sich  führt  (Gr.  W.  VI,  1444). 
-  Magere,  f.  (Mageren,  Maggere)  (ahd..  8.  Jahrh. 
magari.  f..  Kern,  Glos».;  Rab.  Maur.  =  macles,  eine 
Hautkrankheit;  9  Jahrh  magere,  Notker;  0.  t.  Schm. 
370;  15.  Jahrh.  megry  -  macios,  Gr.  W.  VI,  1444  ;  1516 
inegere  —  gracllitas,  D-  267 ;  UU  megre  =  ein  rinnender 
Schaden,  H.  v.  (iersd.  100,  1661  magre  =  gractllus, 
maeror.  Gr.  W.  1.  eod. ;  1678  mager  =  eine  verborgene 
Hautkrankheit,  Theophr.  Rr  ;  1581  magere.  Taben».; 

I  15*8  magere,  magere  der  klnder  =  eine  Hautkrank- 
heit, Rande,  Arz-Hueh;  1725  megere  —  Magerkeit 
[J.  Balde  s  Krankheit),  Gr.  W.  VI.  1444  ;  1741  magere,  m. 
=  petigo  [Impetigo],  macror.  macritaa ,  moceratio, 
Kirsch  718.  719.  901 ;  1831  maggere  ■  Ausschlag  des 
Viehes,  angeblich  durch  schlechtes  Futter ;  Bayern  ; 
C.  v.  schm.  370).  —  Magere,  L  =  die  Magerkeit, 

j  Abmagerung  des  Leibes.  —  2.  =  eine  mager, 
dürr,  fettarm  machende  Hautkrankheit  bei 
Mensch  oder  Tier;  a)  Ekzema  Bcrophulosum 
(tinnender  Schaden) ;  b)  (parasitäre?)  Hautaus- 
wüchse,  Knüttel  (s.d.),  Gesehwäre,  Räude, 
Flechte  (Gr.  w.  v.  1533);  c)  parasitäre  Hautkrank- 
heiten beim  schlecht  genährten,  wenig  ge- 
pflegten, mehr  den  Parasiten  ausgesetzten, 
hungernden,  mageren  Vieh  (  =  verborgene  Haut- 
krankheit), von  dem  das  Wort  wahrscheinlich 
auf  den  Menschen  u.  namentlich  auf  das  Kind 
übertragen  worden  zu  sein  scheint.  (Das  Labkraut 
'.Oalllum  luteum,  Molltigo  verum]  sollte  als  „Mager- 
kratit"  [Megerkrnut]  dagegen  helfen,  Jessen  588).  — 

Mägerin,  Magerey  (Mayens«)  (i4»o  megrln  - 

Magerkeit,  H.  Fol»;  Gr.  W.  V,  G9.1;  aleman.  megeri, 
Gr.  W.  VI,  Mit;  l'»4S  magerey,  Rul.  v.  Frels  ;  1.551 
megerey  (magere!]  der  jungen  grindigen  kindlein  = 
Impetigo  cum  tabe,  Bock  74.  87;  UU  megerey  ..wenn 

I  die  Kinder  mit  rüngem  Ort  od  [Impetigo]  geplagt 
werden",  Tabernnem  ;  15*s  magerei  -  Flechtekrank- 
helt,  <;r.  \V.  VI,  1114;  mayeren  -  magere!.  Birllnger  I, 
140,  demnach  [w  ie  Magere  und  Magere]),  1.  =  Mager- 

|  keit.  —  2  =  Abmagerung  mit  einer  Hautkrank- 
heit (parasitär).  —  Mägerung  Macies,  1.  =  das 
Magermachen.  —  2  -  da«  Magerwerden  (Gr.  w. 
VI,  1445),  —  Magerkeit  =  der  magere  Körper- 
zusland.   —  magerlich  (macilenter,  15.  Jahrb.; 

|  D.  341)  m  wie  muger  sich  darstellend.  —  Ab- 


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Maeet— Mai. 


maiden— Mal. 


magerwni/  (dan.,  schwed.  afmagring,  holl.  Ter- 
mageriog)  =■  Abnahme  der  Körperfülle.  —  (1599) 
/('•-*■  »'(■•  Magere,  Mägerin  =  fliessende,  feucht 
secernierende,  mager  machende  Hautflechten  - 
krankheit  (Ekzema  hnmidum,  Salzfltiss)  (Gr.  W. 
vi.  1444).  —  (15.  jahrh.)  gante  Magerkeit  (Mad 
lentia,  D.  S41),  vollständiger  Abtnagerungssustand. 

—  Aunrfc-mager  =  Bodürr  wie  ein  Windhund, 
an  dem  man  die  Kippen  zählen  kann.  —  tot- 
mager (mhd.  tütinager,  Lexer  269)  =  zum  Sterben 
abgemagert.  —  Mager»  -Flechte,  -Fleisch, 
-Franzosen,  -Räude. 

Maget,  f.  (mhd.)  =  Vulva  Virginia  (Lexer  153), 
die  physische  Stelle  der  Jungfrauschafl.  — 
(1429)  Magium  =  Virginitaa  (C.  v.  Schm.  369;  Schm. 
I,  1579).  —  hL&gtums-Haut,  -Eochung. 

Magnetismus,  m.  (zu  lat.  Magna«  =  ein  Stein 
aus  der  thessallsehen  Landschaft  Magnesia,  welche 
von  den  Magneten  bewohnt  war.  Darauf  entstand  die 
Fabel  Ton  einem  Hirten  Magnes ,  der  auf  dem  Berge 
Ida  mit  seinen  elaernen  Nägeln  an  einem  Magneten  , 
haften  geblieben  »ei,  Klelnp.  136  ff.),  1.  -  Wirkung  I 
der  das  Eisen  anziehenden  Kraft  (im  Magnet-  ' 
steine  «.  B.).  —  2.  =  die  von  Mesmer  (1734  —  1815) 
(Mesmerianismus)  angenommene  Einwirkung 
des  durch  den  Kosmos  gehenden  „All-Mag- 
netismus" auf  den  tierischen  Korper  (ani- 
malischer Magnetismus),  die  von  einem  Indi- 
viduum auf  das  andere  (  =  Medium)  im  hyp- 
notischen Zustande  übertragen  werden  könne, 
wobei  der  Eintritt  von  Schweiss  als  Krisis 
(s.  d.)  im  „magnetischen  Schlafe"  (s.  d.)  galt 
(Abergl.  250).  —  tierischer  Magnetismus  =  ein 
nach  der  Lehre  Mesmer»  (1775)  auch  ohne  Magnet 
in  Thätigkeit  gebrachter,  die  ganze  Natur  und 
so  auch  den  tierischen  Körper  beherrschender,  1 
ursprünglich  schon  vorhandener  Magne tismus,  I 
angeblich  infolge  eines  elektrischen  Fluidums,  I 
das  im  magnetischen  Schlafe  (s.  d.)  vom  ein- 
schläfernden Magnetiseur  (=  Hypnotiseur)  auf 
das  Medium,  den  tierischen  Körper  übergehen 
sollte.  -  magnetische^,  s)  -Schlaf,  -Schlaf- 
teachen,  -  Traum. 

Mahl  s.  Mal 

Mahnung,  f.  =  der  an  die  kommende  Krank- 
heit, z.  B.  Gicht,  erinnernde  Vorbote  (s.  d.), 
Symptom ,  das  an  einen  bald  sich  wieder  ein- 
stellenden Anfall  mahnt,  den  man  voraus 
ahndet  (s.  d.). 

Mahr,  Mahre  s.  Mar. 

Mai,  m.  Maier.  m.  (In  der  Merowlngeneit[KluKe  \ 
349)  ans  dem  lat.  Majas  (  —  Maimonatj  übernommener, 
«eit  dem  13.  Jahrh.  allgemeiner  Rewordener  Kalender- 
Name;  ahd;  meio;  mhd.  meie,  Kluge*,  245,  Weinhold, 
Monat-N.  In  den  Malnachten  sollten  die  F.lben  beson- 
ders ihatig  «ein,  acheibie  ix,  161).  —  Maieren, 
1.  =  die  zur  wärmeren  Jahreszeit  sichtbaren 
Sommersprossen  (Ephelidcs)  od.  Maiblümchen. 

—  2.  =  b.  Magere.  —  maiig  =  im  Frühjahr 
begattungslustig  (C  r.  Schm.  370 ;  Bbt  Sltt.  I,  446). 

—  Fiat  /'o-Maier  =  der  Träger  eines  Flachs- 
haares anf  dem  Kopfe  (anspielend  an  den 
Flachs  dingenden  Hauer).  —  Du««/ -  Maier 
(Kuppln;   Urquell  III,  22«)  =  Duseltier,   Dusel-  I 


köpf  (s.  Dusel).  —  Holt  Maier  =  der  Tod,  der 
wie  ein  Holzbauer  (Maier  -  der  Bauer  beim  Mai- 
baum), der  Förster  im  Walde  die  Menschen- 
leben umschlägt;  (Geller  v.  Kaisersberg  [+  1610]:  also 
heisst  der  Tod  ein  Holzmaier  .  .  er  übersieht  keinen 
Baum,  er  hawt  si  alle  ab,  1521 ;  Wackern.  Abhdlg.  1, 361), 

—  langer  Maier  (Dietmars.  ;  Urquell  II,  SO)  -  lauger 
Mar,  Mitteltinger.  —  A*ac/i/-Maier  =  8.  Nacht- 
mar.  —  md-Blümchen,  -Feil,  -Köder,  -Kudden, 
-Seuche,  -Sucht. 

malden  (mhd.  melden  -  kastrieren,  Schw.  42fi; 
Fchm.  I.  1570).  —  Meiden,  m.  (14.  Jahrh.  maiden  = 
spado.  Schm.  I,  1569;  1482  mayden  —  spado,  equus 
castratus,  Zentng.  Voc.  t  4 ;  Falke  II,  109 ;  15.  Jahrh. 
meyden  od.  pfert  de  usgeworfen  ist  =  spado,  D.  II,  344) 

—  ein  Fferd,  dessen  Hoden  ausgeschnitten  sind 
und  das  geheilt  (s.  d.)  ist  (s.  auch  verlübt  und 
Maden).  —  verschnittener  Meiden  (8chm.  I.  1569), 

1.  =  (1412)  Eunnuchus,  homo  spoliatus  geni- 
talibus  suis  (Kappaun).  —  2.  -  Meiden  (s.  o.) 
(Gr.  W.  VI,  1899). 

Maier  s.  Mai  u.  Mar. 

Mailand.  —  mailändischer  Aussatz,  Krank- 
heit, Rose,  Skorbut. 

Mail(en),  Mailer  «.  Mal. 

Mais,  (Meis)  (vielleicht  zu  Maus  4  [s.  d.J.  Kluge  *, 
252)  =  Vulva,  behaarte  weibliche  Scham  (C.  v. 
Schm.  881;  Schmeller  1,  1597;  ndl.  melsja  =  Mädchen, 
Demokr). 

Maisel,  Maissei,  l.  =  s.  Meissel.  —  2.  =  siehe 
Masel. 

Make  fhebr.,  boh  m.  Judendeutsch,  Erbe  37 ;  Ur- 
quell 1897,  172)  =  Plage,  Beschädigung,  Seuche. 

Makel,  in.,  f.,  n.  (mhd.  makel,  aus  lat.  macula,  f. 

—  Fleck ;  ein  erst  in  neuerer  Zeit  durch  Gelehrtcn- 
VermittlunK  als  fem.  eingebürgertes  Wort,  Gr.  W.  VI, 
1488;  engl,  mall  =  Makel.  Flecken,  Kaltschm.),  1.  = 
Mal  (s.d.),  als  entstellender,  hellroter  Hautfleck, 
Scinthia,  Cintilla,  Naevus,  la  soudure  (Du  Cange ; 
C  v.  Schm.  371).  —  2.  ■  (1182)  Hornhautfleck  in 
dem  Auire  (Glaucoma  =  Eeucoma,  la  maille) 
(Zening.  Voc.  t  4)  =  Masen  (s.  d.).  —  Macksel 
(1507,  1512  machsei,  umchsell  -  varia,  Variola,  D.  607) 
=  Blatternarben,  entstellende.  —  M  Mak.-I 
(ahd.  nilssalmachotun  =  ulcerosus,  H.  Z.  XVI,  41)  - 
lepia-  od.  Misel-  (s.  d.)  fleckig.  —  rote  Makeln 
(des  Auges)  „In  dem  anssersten  Hautlein,  welches 
die  anderen  HSutlein  alle  bedeckt"  (  =  Cornea,  Fries  79) 
Hornhautflecken  (Pannus  et  Ecchymosis).  — 
(UM)  scharbockische  Makel  =  Skorbutflecken 
(Purpura)  (v.  m.  ii,  131).  —  FW-makelnngen  (der 
Haut)  =  entstellende  Hauttieeken  (c.  r.  Schm. 
371).  —  (1530)  weisse  Makeln,  1  =  weisse  Horn- 
hautflecken (Leueoma  corneae)  (Fries  79  a).  — 

2.  -  weisse  Hautflecken  beim  Aussatz  (Besolt). 

—  Makel- Fieber. 

Makkabäer.  -  Makkabäer-  Tanz. 
mal,  mala.  —  mal-conttact,  -franttos. 
Mal,  n.  Malen,  pl.  (Mol,  Mail,  Meil)  tndo- 

germ.  me  ■=  messen;  goth.  mel  =  Zelt,  Kluge*,  2-tfi; 
mail  =  Fleck;  ahd.  mal  =  Zeitpunkt,  gemalter  Funkt 
[punetus,  punetnm],  der  die  Zeit  angibt  und  nach  dem 
die  Zeit  gemessen  wird  ;  „die  uralte  Zeitrechnung  durch 

25* 


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888  Mal. 

Streiten  oder  Striche  des  Sonncnschatlens  gab  die  Be- 
zeichnung des  Zeitpunkte«",  Or.  w  VI,  1493;  abd. 
meil,  tnello  =  macula,  Graß*  VI,  847 ;  Kluge  1.  c. ;  mhd. 
mal  =  Fleck,  Kennzeichen;  meil  =  Mal,  l>exer  158; 
1322  mal  =  maculmn  super  oculo  uno,  Or.  W.  VI, 
1498;  mnd.  mael.  Mag.  Barth.  94  a;  mhd.  mal,  mall, 
meil  =  «ignum  turpe  et  deforme,  macula,  naerus, 
Haltaug  1209;  1343  melles  fn  =  makellos,  Pfeiffer,  K.  u.  f. 
I,  79;  LS.  Jahrb.  mael  —  lentlgo,  „schwarzes  Mal  unter 
den  Augen  Im  Antlitz",  Gr.  W.  VI,  1492,  16.  Jahrb. 
maal  =  menda,  also  dar  ls  eyn  schorff  edder  blader 
ghevvect  (D.  II,  250]  =  Fleck;  mhd.  meil,  mellcn  m 
Mal,  ein  Verletzungmal  machen,  Lexer  168;  1515  mael 
=  macula,  D.  342;  male,  mayl  =  Uvor,  D.  334;  ndd. 
maal  =  grosse  farbige  Flecken  ohne  Hauterhebung, 
Goldschm.  136;  engl,  mol  =  naerus,  Lehf.  72).  —  Dan 
Mal  (Meil),  1.  =  das  angeborene  oder  natür- 
liche, verschieden  von  der  Umgebung  ge- 
färbte und  besonders  dadurch  auffallende, 
aber  auch  durch  Erhöhung  oder  Vertiefung  Bich 
abhebende  Zeichen  am  menschlichen  Körper 
(Haut,  Auge)  (daher  franz.  plcota  =  morbus  vario- 
losus  punctls  deformans  fartem,  Du  Cange;  Brlss.  134)). 

—  2.  =  das  (farbige)  Mal-Zeichen  einer  Krank- 
heit, Verletzung  oder  des  Todes  auf  demselben, 
z.  B.  auch  Kruste.  —  3.  =  das  eingebrannte 
Brandmal,  das  vielleicht  ursprünglich  ein  täto- 
wiertes (Stigmata  =  picturae  in  corpore  quäle«  Scotti 
pingunt,  Ekkeh.  466)  Kultmal  od.  eine  Eigentums- 
(Gefangenen-)  Marke  (Signum  turpe)  war  (Gr.  w. 
VI,  1493;  conf.  Turpedo  [Turpetndo]  bei  Pustel).  — 
4.  =  Mal  (verschlechtert)  -  .Maul  (s.  d.).  —  malen 
(mailen)  =  ein  Verletzungstnal  machen,  ver- 
letzen, verwunden  (Lexer  168,  dazu  franz.  mallhu 
=  mit  einem  Mal  behaftet,  Du  Cange  IX,  258).  —  (1516) 
malig.  maligen  -  maculosuB,  mit  einem  Haut- 
flecken behaftet,  maculare,  unsauber  machen 
(D.  342;  Sehmelier  I,  1683).  —  Maler  (Meiler)  = 
farbige  Zen  hen  machender.  —  Malung  (16.  Jahrb. 
maylung  =  macula,  D.  342)  =  <ler  befleckte  ZuBtand. 

—  A-,  -l/<-Mal  (ahd.  anamali  =  Fleck,  Narbe,  Zeichen, 
Kluge*,  246;  H.  Z.  XVI,  64;  D.  552;  anomale  -  Stigma 
s.  Signum  vt-1  figura  in  corpore.  H.  Z.  XV,  347;  8.  Jahrh. 

—  cicatrix;  9.  Jahrb.  —  macula;  10.  Jahrh.  —  plagn 
leprae,  Graff  II.  716;  Gr.  W.  I,  406;  VI,  1498;  1561 
anmaeler,  Bock  238;  16»«  anmal,  Gr.  W.  1.  406;  1590, 
1591  anmaal,  anmahel,  anmueblcr  =  uaevus,  macula 
Innala.  Had.  Jun.  38.  387;  D.  879,  17.  Jahrh.  anmaln 
=  ein  altes  Wundmal ;  1018  anmäl  =  Narbe,  Flecken, 
Muttermal,  Schindler  I,  1582;  1820  anmahlen  =  Pest- 
flecken,  D.  Minderer;  1748  anmahl  Muttermal,  uaevus 
maternus,  macula  origlnalis,  Zw.  150;  1756  anmaehler 

—  Muttermal,  A.  v.  IL  I,  1056).  —  .l,"inal  —  das 
pigmentierte  oder  sonst  in  seiner  Farl>e  von 
der  normalen  Haut  abstechende  am  Leibe 
befindliche  Zeichen,  1.  =  daa  angeborene 
Muttermal  (s.  d.).  —  2.  =  das  durch  eine 
Verletzung  oder  Krankheit  erzeugte,  um- 
schriebene Zeichen  auf  der  Haut  (Malplatz): 
a)  Hautnarben  (Tätowierung);  b)  Pestflecken; 
c)  Lepraflecken.  —  3.  —  die  durch  den  ein- 
getretenen Tod  herorgerufenen  Farbenfleckon 
auf  der  Haut.  —  (1586)  mütterliches  einmal  - 
Muttermal  (Gr.  w.  1, 406).  —  (17.  Jahrh.)  schwarzes 
einmal,  1.  =  dunkel  pigmentiertes  Hautmal 
Naevus  (-  nativus;  Fr.  Kr.  B.  411).  —  2.  =  die 


Mal. 

I  bläulich-schwarzen  Totenflecken  (Totenmal). 

—  3.  =  die  Pestflecken  (s.  schwarzer  Tod).  — 
weisses  einmal  =  helle,  lichtere  Hautflecken, 
weisse  Haulnarben.  —  A  Mal  (9.  Jabrfa. 
anggf  mala,  ouchlmala,  augmali  =  sügma.  Graff  I,  123 ; 
II,  714;  16.  Jahrh.  «yn  ogbenmal  =  glauclnencula, 
D.  II,  194;  Gr.  W.  I,  SOS;  15.  Jahrb.  augmal  =  glaueoroa, 

I  color  Inter  nlgrum  et  album  tenens  medium,  D.  264,  das 
ougen  mol  —  albugo,  D,  637 ;  1516  mal  ander  den  äugen  = 
menda,  ü.  366),  1.  =  Lentigo,  Naevus,  ein  abnorm 
gefärbter  Hatitfleck  unterm  Auge  (Kainsmal) 
(Gr.  w.  vi,  1493).  —  2.  =  ein  weisser  oder  grauer 
Fleck  in  der  Hornhaut  des  Auges  (Leucoma, 
Macula  in  oculo).  —  (16.  Jahrh.)  Aussatz-Mzl 
=  Macula  leprae,  Leprafleck  (a.  Aussatz)  auf 
der  Haut  (Gr.  W.  I,  944.  1746;  VI,  1494;  Heyne  III,  726). 

—  (1688)  blaues  Mal,  l.  =  8ugillatio,  Ecchymosis 
durch  ausgetretenes  Blut  (Blutfarbstoff),  blau- 
grüner  oder  blauroter  Hautfleck  infolge  einer 
lilutunterlaufung  durch  Stoss  oder  Schlag; 
(1682  blaue  Maehler,  Ollt.  IV,  149;  Zw.  186;  Gr.  W.  II, 
84;  VI,  1494).  —  2  =  eine  Hufkrankheit  bei 
Pferden,  sogen.  Steingallen  (b.  d.),  die  durch 

I  ausgetretenen  Blutfarbstoff,  wie  die  Adern 
<  unter  der  Haut,  ein  bläuliches  Ansehen  haben 

(Gr.  W.  II,  84;  Falke  I,  126;  II.  88.  839).  —  Blut-Mal, 

1.  ^  Stigma,  Vibex,  Naevus  vaaculosus,  ein 
aus  Blutgefässen  gebildeter  Blutechwamm  oder 
I  ein  vom  Blutgefflssysteme  in  seiner  Färbung 
beeinflusstes  Hautmal  (Gr.  W.  II,  187;  Fuchs  II, 
25;  Zw.  137).  —  2.  =  ein  Muttermal,  das  in  der 
Art  oder  Sippe,  im  Blute  (s.  d.)  sich  fort- 
vererbt. —  böte»  Mal  (1420  boze  moyl  =  nenus, 
D.  11,  264)  —  durch  ansteckende  Krankheit  ver- 
ursachtes Mal.  —  Brand-Mal,  1.  =  (1587  brand- 
mal,  D.  552;  1591  brandtmal  —  Stigma  marttale.  Had. 
Jun.  387  =  arsura.  Du  Cange  I,  409).  das  durch  das 
glühende  Eisen  (Mais)  eingebrannte  Haut- 
zeichen, auch  Fleischmal,  Diebraal  genannt, 
das  zur  Strafe  (Signum  turpe)  bis  circa  1722 
noch  in  die  Wange  gebrannt  wurde  (Gr.  w.  u, 
299.  300).  —  2.  =  (176S)  „Narben  oder  blaue 
Flecken,  welche  von  selbst  durch  eine  Stockung 
des  Geblütes  unter  der  Haut  entstehen"  (A.  v.  H. 
I,  1241).  —  3.  m  Gangränflecken,  Brandflecken 
auf  der  Haut.  —  (1332)  Dieb-Mail,  n.  (dl*  dtup- 
mall,  pl.)  =  Brandmal  1  (Schmellerl,  1586).  —  Eiscn- 
: Eiss-  Mal  =  das  Mal  infolge  der  Schreck- 
te Eiss,  s.  d.)  Blatter,  Nachtblatter,  Herpes 
(Varicella)  (trqueii  vi,  204).  —  Feig-Mal  = 
Sykosis  (Galeni),  Akne,  Mentagra,  Bartgrind, 
ein  neben  oder  nach  der  Feigwarzen-  (s.  Teige) 
Bildung  sich  einstellender,  roter,  syphilitischer 
Hautausschlag  (Roseola  ficosa)  öder  zurück- 
bleibende Hautverfärbung,  auch  parasitäre 
Sykosis  (Bartflechte,  Bartfinne)  (Fuchs,  c.  H.  II, 
214;  Kraus,  E.  905.  1009.  1010).  —  Feuer-Mal,  1.  = 
ein  feuerrotes  Hautmal:  a)  infolge  von  Lepra 
(Moifea,  s.  Mehlfleck);  b)  angeboren  (1766  ..ein 
langer  roter  Fleck  Uber  dem  Gesiebte,  wie  vom  Feuer 
gebrannt,  den  die  Kinder  auf  die  Welt  bringen", 
A.  v.  H.  I,  1026)  =  Proinoiit<)riumsmarke  auf  der 
Geuiciiishaul  des  Kindes,  welche  unter  der 
Geburt  durch  den  Druck  des  kindlichen  Kopfes 
auf  das  das  Becken  verengernde  Promontorium 
entsteht;  c)  das  angeborene  rote  Muttermal, 


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Mal. 

• 

Blutgefäaamal  (Blutmal  1),  Teleangiektasie, 
Naevua  maternus  flammeus  a.  rubicundiiB 
(Behrend  78;  Urquell  VI,  204;  Puchs  II,  25;  Ranke  I, 
157).  —  2.  =  da*  durch  Feuer  (Brand)  Remachte 
Brandmal  1  (.Macula  inusta)  (Gr.  w.  in,  im«),  — 
(1517)  Flechten  Mal  {flechtmael,  D.  379)  -  Naevua, 
die  Pigmentierung  der  Haut  durch  Flechten- 
krankheit. —  Flecken-Mal  =  eine  durch  Farbe 
auffallende,  glatte  Hautatelle,  z.  B.  Leberfleck 
(Chloaatna,  Naevua  spilus  s.  nanus)  (Roth  346). 

—  (1602)  Flein /i-Malen,  f.  =  ein  Hautfleck,  an- 
dern die  epithellose  rote  Haut  (=  Fleiach) 
sichtbar  iat,  wie  c.  B.  beim  Brandmal  1  (1697; 
St.  Benno-Mlr.;  Gr.  W.  III.  1761).  —  ^f-malet 
(15.  Jahrb.  gemaelet,  geniaylet  =  vermiculatus.  D.  fil3) 
=  wie  vom  Wurm  (a.  d.)  in  der  Hautfarbe 
fleckig  gezeichnet.  —  ßtfrurf-Mal  =  Naevua 
(=  natlvus)  materniiB,  ein  aeit  Geburt  bestehen- 
de» sogen.  Muttermal  (Gr.  W.  IV,  1.  1908).  — 
Hand-Mal  (ahd  hantmall,  H.  Z.  XVI,  »4;  mhd.  haut- 
mal) =  Flecken,  Pigmentzeicbea  an  der  Hand, 
Stigma  (Gr.  w.  IV,  2.  409).  —  (nie)  hässliches  Mal 
=  entstellender,  Abscheu  erregender,  farbiger 
Haut  fleck  (Gr.  W.  VI,  1699).  —  haut  mal  (frx.)  = 
Epilepsie,  hohe  Krankheit  im  Gegensätze  zu: 
petit  mal.  —  Hexen  Mal  «=  Stigma  diaboli, 
„der  vernarbte  Hauteinschnitt,  welchen  man 
ala  das  sicherste  Zeichen  des  Teufelbundea 
(T^ufelshisses)  an  den  angeklagten  Hexen 
(=Truden)  suchte"  (Uppen,  Kulturgeschichte  II. 
368)  (siebe  Hexenzeichen),  eine  durch  Blut- 
auatritt farbige  Hautatelle  (Ecchymosia;  siehe 
Alpfleck,  Teufelsmal);  auch  die  Form  einer 
Hasen  pfote  wollte  man  im  Hexenmal  sehen 
(H.  a.  Rh.  l«).  —  (1699)  Honig-Mal  =  honig- 
farbige Linsenflecken  (v.  M.  II,  ISO)  (Linsenmal). 

—  Aunyrrmälig  ■  bleichfarbig,  weil  hungerig, 
oder  die  Zeichen  dea  Hungers  an  sich  tragend 
(Schmeller  I,  1683).  —  Kains-Mal  (nach  rabblnlschcu 
Traditionen  (Wustmann  251)  bestand  dasselbe:  „ex 
sangiilnea  oculorum  acie  adapectiuiue  torvo  qua« 
puunt  hotnlctdarum  IndlcU  et  notas")  =  daa  Augen- 
mal,  welches  der  Brudermörder  Kain  tretragen 
haben  soll.  —  (17.  Jahrb.)  Krappen-Mäler  = 
rote  Steingallen  (a.  d.)  an  Huf  oder  Klaue 
(Krapfe)  des  Pferdes  oder  Zugochsen  (R.  A.  661). 

—  Leib-Mal  =  Naevua  corporis,  „ein  mahl  am 
leibe".  Gr.  W.  VI,  14«3)  (wie  nachfolgendes): 
Z>cich-Mal  (10  Jahrb.  llrhmÄl  =  stlgma,  Signum  in 
corpore,  Grafl  11,  104.  715;  Schmeller  I,  l'«3;  11.  Jahrb. 
llchmale  -  stigma,  Signum,  flgura  In  corpore,  H.  Z.  III, 
Adm.  Voc.)  =  ein  besonders  gefärbtes  oder  ge- 
zeichnetes Hautmal  am  Körper  (=  Leich,  s.  d.). 

—  Linsen-Mal  =  Lentigo,  Naevua  variegatua 
s.  verrucosus,  ein  nach  Farbe  und  Grösse  dem 
Linaenkerne  ähnlicher  Haut  fleck  (Behrend  so).  — 
Merk-Mal  =  das  Kennzeichen  (Kriterium),  mit- 
telst dessen  man  etwas  merken,  wahrnehmen, 
verstehen  kann  b.  kranken  Menschen.  —  Miss- 
Mal  •  ml*« mall,  myssmall)  --  Macula,  ein  hassliches, 
wed  miasfarbiges  und  deshalb  entstellendes 
Hautmal  (Haitan»  1352).  —  .VW-Mailer  (-Meiler) 

=  bei  der  Annäherung  des  Mörders  sollten  (Nibelungen 
XVII,  1044;  s.  anaserd.  Roman.  Forsch.  VI,  3;  8.  613 
unten)  an  der  Leiche  dea  Getöteten  die  Wunden  wieder 
tu  Muten  (=  rotmalen,  schwitzen)  anfangen  und  da- 


Mal.  88» 

durch  den  Morder  ( =  Mordtneller)  verraten.  —  (1583) 
Mücken-Mal  =  Myocephalus,  das  Fliegenmaul 
(s.  d.)  als  Mal  auf  der  Hornhaut  dea  Auges, 
„ein  kleines  Tüpflein  wie  ein  MQckenhaupt 
oder  ein  Fliegenmaul"  (Or.  w.  VI,  2612).  —  (1322) 
Butter-Mal  (-Mail)  =  ein  aeit  der  Geburt  von 
der  Mutter  her  bestehender  besonders  ge- 
färbter oder  behaarter  Hautfleck,  meiat  ein 
rotes  Blut-  (Gefftss-)  Mal  oder  ein  dunkel 
pigmentierter,  mehr  weniger  grosser  Flecken 
(Arnual  2)  Naevus  (  =  natlvus)  verrues  naturelles, 
„nach  dem  Gesetze  der  Vererbung  an  korre- 
spondierender Stelle"  (Haeckel,  nat.  Schopf.-Gesch. 
195),  an  derselben  Stelle  erscheinend,  wie  bei 
der  Mutter,  den  der  Annnenglaube  dem  Schrecken 
vor  Dämonen  etc.  oder  dem  Versehen  (*.  d.)  der 
schwangeren  Mutter  xuxuschreiben  und  mit  Blut- 
anstreichen auf  die  Mutterbrust  zu  behandeln  (Opfer- 
ersats)  pflegt;  namentlich  waren  und  sind  die  Feuer- 
maier,  die  roten  Gefasamaler  unter  oder  über  einem 
Auge  vielfach  Gegenstand  des  Volksaberglaubens  — 
Maculae  maternae,  Naevus  planua  originalis 

(Sigillum)  8.  VaSCtlloSUS  (A.  v.  H.  I,  937.  1055; 
II,  995;  Behrend  6;  Gr.  W.  VI.  2823;  Samuel  297; 
Heyne  III,  725;  Korsler  II,  1044;  Abergl.  14,  Coler.  ff. 
352 ;  die  behaarten  Muttermaler  gaben  wohl  auch  Ver- 
anlagung tum  Glauben  an  tierische  Minne  im  Alp- 
traume). —  (1612)  .V a<  /i  Malen  =  nachträglich 
nach  der  Verletzung  oder  Krankheit  sich  ein- 
stellende, auffallende  Zeichen  auf  der  Haut 
(Gr.  w.  I,  405).  —  Nessel-Mal  =  die  von  der 
abiigen  Haut  farbig  und  durch  Schwellung 
abstechende  Quaddel  bei  der  Nesselsucht 
(Urticaria)  (Gr.  w.  VII.  2294).  —  Pest  Mal,  1.  = 
„die  Petechien  (s.  d.)  bei  der  Pest";  „bläulich- 
rote  Flecken,  nach  deren  Auftreten  das  Pest- 
fieber sich  zu  heftigen  typhnaähnlichen  Symp- 
tomen steigert"  (Gr.  W.  VII,  1576).  —  2.  =  die 
sogen.  Lintzeichen  (s.  d.),  die  nach  der  Absee- 
dieiung  der  Pestbeulen  (Bubonen)  zurück- 
gebliebenen Hautnarben  —  3.  =  s.  auch  Pest- 
zeichen. —  (1699)  Happen-Mal  =  eine  raben- 
schwarze Steingalle  am  Pferdefuaae  (v.  M.  I,  59) 
als  andersfarbige  Hufatelle.  —  rotes  Mal 
(15.  Jahrh.  rotmal  unterm  antzlit  =  aurlgo  [Phlegmone], 
I).  637;  1618  rotmol  —  arrigo  [aurlgo,  aurugo).  H.  v. 
Gersd.  99  [aurlgo  aa  icteritla  (s.  Gelbsucht)  a  colore 
aurco  —  morbus  regln«,  Du  Cange];  1551  rote  maeler, 
Bock.  Krtrbch.),  1.  m  rotbraune  Leberflecken.  — 
2.  =  Feuermal,  Blutmal.  —  3.  —  entzündliche 
Hautröte  mit  umschriebener  Form,  Phlegmone, 
Lupus.  —  Sau^-Mal  =  der  rote  Fleck,  welcher 
beim  Blutsaugen  (s.  d.)  an  der  Saugstelle  auf 
der  Haut  zurückbleibt  (Gr.  W.  VIII,  1588).  — 

S '/V''.  17-Mal  (alteacbs.  slachmal,  1502  tlagmal  b 
livor,  D.  II,  238.  334)  -  Streichmal.  —  achicane 
Mal  (16.  Jahrb.  »wartx  male  vnder  äugen  am 
antlltx,  D.  324)  -  Lentigo,  Mirl,  dunkler  Pig- 
mentfleck in  der  Haut.  —  (17M)  Sommer-Mal 

m  Sommersprossen  (s.  d.) ,  Sommerflecken, 
Sommermirl,  Rossmucken  etc.  (A.  v.  U.  1,  598), 
durch  den  Alp,  Kobold,  das  Schrätzlein  ver- 
anlasst angenommen.  —  Sprinkel-Mal  (mhd. 
sprlnkel  mell,  Lexer  243;  Schmeller  II.  701)  =  zahl- 
reiche Sommersprossen,  die  eine  Sprenkelung 
der  Gesichtshaut  bilden.  —  (1691)  .S7rr«'di-Mal 


300  Mal. 

=  Vibex,  die  durch  einen  Schlag  oder  Streich 
veranlasste,  farbige >  blutunterlaufene  Stelle 
auf  der  Haut  (Had.  Jini.  386).  —  Teig  Mal,  1.  = 
8.  Teigmaul.  —  2.  -•  Crnsta  lactea  (Falko  1,  19«), 
Milchborke.  —  Teufels-IHal  =  das  durch  den 
angeblichen  Teufelsbiss  erzeugte  Hexenmal 
(s.  d.);  dass  darunter  hysterische,  empfindungslose 
liautstellen  verstanden  wurden  (Gartenlaube  1895, 
N.  1»,  8.  314),  l»t  kaum  anzunehmen;  der  Teufel  über- 
nahm nur  hiebet  die  Kollo  dea  Alp-DAmons  (s.  Alp- 

Heck).  -  Zof-Mal,  -Maüer,  -Maler  (mhd.  doi 

male  =  Uvor,  Schmeller  I,  1483;  tötenmAl,  U-xcr  20»; 
15.  Jahrh.  dotmal  sa  livor,  D.  334),  1.  =  das  dunkel- 
farbige Zeichen  in  der  Haut  auf  dem  Körper 
nach  erfolgtem  Tode  (Arnual  3;  Totenflecken). 

—  2.  =  (1699)  gelbe  oder  dunkle  Hautflecken 
an  den  Fingern,  die  nach  dem  Volksglauben 
(v.  m.  II,  131;  Zingerle  23)  eine  baldige  Leiche 
andeuten,  da  nie  vor  dem  Tode  an  dem  K  ranken 
erscheinen  (Blut-Stauungsfleeken);  vermutlich 
Rind  diese  eine  Erinnerung  de«  Volke»  an  den  un- 
heilbaren, mittelalterlichen,  weingelben  Aussatz  (I.epra) 
Bin  Vorzeichen  (Vormaler)  des  dabei  zu  erwartenden 
sicheren  Tode».  —  7V»if«-Mal  =  Hexenmal 
(Schindler  202).  —  [7h -Mal  (1517  ss  Signum,  D.  633). 

—  ungi  malt  (14.  Jahrh.  vngemaltlgew,  Z.  f.  d.  A. 
1888,  s.  142)  =  ohne  Mal  behaftet,  kein  Mal 
zeigend,  hinterlassend,  z  B.  Wunden.  —  (1551) 
ungetchaffenes  Mal  =  formloses,  unschönes 
HauttiiHl(Hock,  Krtrt)ch.).  —  «rr-maligen, -mailen 

(1419  Tonualgen  —  maculare;  vortnayligt  =  labefnetus, 
D.  313. 342;  II,  243)  —  ganz  abnorm  entstellen  durch 
Hautmale.  —  For-Mäler  =  die  Hautdecken, 
welche  Vorlaufet  des  unheilbaren  Lepra-Aus- 
satzes sind  flUser  II,  77).  —  (1790)  Heinsen  Mal  ■ 
Morphea  (liensler,  vom  Aus&atze;  Peijpers  24),  ein  I 
lichtes  Vormal  bei  der  Lepra  (s.  d.  u.  Aussatz). 

—  Wund;  WMwfftt-Mal  0n  Jahrh.  wunt-mAH  = 
cicatrix,  Verletzungsnarbc,  OraO  1.897;  1512  wunden 
moeler  =  stlgmaticnsus.  D.  552;  1591  wundmal  =  cica- 
trix, Hadr.  Jun.  38«;  l).  117;  1592  wundmaler  in  Atigen, 
Scb.  178)  =  der  nach  einer  Wunde  oder  Verletzung  ', 
Ed rOck bleiben. le andersfarbige (Narben-)  Fleck. 

—  Ziffer-Mal  (14.  Jahrh.  rdtttnul  =  [ver]  Impetigo. 
Voc  opt.  \V  40;  D.  f,15;  1482  zltlormal  -  balestrum 
[».  (ieschoss;  herpe»  ncuralgicum ,  D.  Cfi;  serpedo 
(=  serplgo],  Zcn.  Voc.  ra8;  D.  644;  1518  zyttermol  = 
»erplgo  =  Grint,  ..nicht  schlechte  und  ungleiche  Un-  | 
relnlgkelten  der  Haut".  H.  r.  Gersd.  93.  94.  100;  1577 
zltterma]  -  sudamina,  D.  584;  1590,  1591  zittermal  = 
papulne  rubldae.  Hitzblatterle,  Hadr.  Jun.  384;  I).  411, 
1«W  zttrioh  mahlen  -  Erbgrlnt,  Beyn.  «1;  1645  zlttormal 
=  pnstula  ».  tuberculurn,  Coler,  H.  A.  16t',;  KUSi  zitter- 
mfthler  =  Impetigo,  D.  11.211;  1715  Zittermal  -  Mentngra 
>yph  J,  Toll.  leg.  96;  172 .  zittermahler  =  lmpetigines, 
The»,  »an.  nr.  »:t«;  1712  zittermahler  =  zittorach,  lm- 
petiglucs,  ,,r«>tc,  gro»«e,  bellende  Klecken,  welche 
»Ich  durch  Kratzen  in  niessende  Gesehwürklu  ver- 
wandeln".  Zw.  130.  150;  1756  zlttennal  —  liehen, 
serplgo,  herpes,  miliaris,  herpes  zoster,  ignis  sacer, 
formte«  corrosiva[?],  A.  v.  H.  II.  794.  913,  Impetigo, 
mentagra.  Dorrweg  [s.  d.),  „HoUaufblfttterlein.  die  nur 
in  der  Haut  sitzen  und  nicht  tief  greifen",  A.  v.  U.  I,  I 
787.  7»8.  819  891;  1782  zlttermaal  ~  Schwludllechte, 
M.  11.  L.  I,  467  ;  1839  Zittermal  =  liehen.  Schwlndflochte, 
trockene,    nicht  nässende  Papeln.    Bohrend  51).  — 


malad— maltig. 

Zittet  -Mal,  1.  =  die  fleckige,  meist  rotfarbige 
Hautzeichnung,  welche  der  Zitterach  (s.  d.) 
als  Hautausschlag  hinterlassen  hat.  —  2.  = 
der  Zitterach-Schorf  (Impetigo),  Ekzema-Rote, 
die  Zittermalwarzen  (Syphilis  etc.)  selbst 
(neben  dem  eigentlichen  Haut-„Mal"  be- 
stehend). —  3.  =  verschiedene  andere  Krank- 
heiten der  Haut  und  Reste  derselben,  die  man 
mit  dem  Namen  Zitterach  bezeichnete.  — 
Mal-CrV6urf,  -Guw,  -Platz,  -  Warten,  -Zeichen. 

malad,  Maladie,  f.  (au»  dem  franz.  malade  = 
Inflrmui,  qul  male  habet  =  male  aptus,  Du  Cange  V, 
191)  =  übelbefindend,  unpass.  —  (1748)  Maladie 
-=  Krankheit  (Maschonb.  62)  (s.  Maltzei). 

Maladrie,  f.  Malandrei,  f.  Malandres,  f. 

s.  Maltzey  (müat.  maladeria  -  Siechenhau«,  Studor. 
Schweizer.  OrUn.  162). 

Malaria,  f.  (vom  ital.  mal-aria  =  schlechte  Luit 
der  Sümpfe  (1709),  welche  daa  Entstehen  der  Malaria- 
fieber =  Febris  intermittens  (s.  Wechselfieber) 
begünstigt.  Die  eigentliche  Ursache  der  Malaria  sind 
aber  nicht  die  schlechten  Sumpflüfte,  sondern  mikro- 
skopisch kleine  Blutwünnchen  (Cytozoa,  Haemospo- 
ridlen  oder  Malariaparasiten) ;  den  verschiedenen  Arten 
der  letzteren  (Plasmodium  malariae)  entsprechen  auch 
die  einzelnen  Typen  Ton  Malariafleber  (Febris  quotl- 
dlana,  tertiana,  quartana  etc..  Braun,  die  tier.  Parasiten 

entsprechend  hatte  das  Volk  für  das  Wecbselfleber 
langst  eine  damonlstische  Ätiologie  angenommen 
(s.  Beutelmann ,  Rültelweibchen ,  Tod  von  Deiters) : 
„auch  die  Russen  »teilen  »Ich  das  WeehselOeber  als 
ein  Weib  vor,  das  In  der  Nacht  clnherachlelcht  und 
Opfer  sucht;  man  nennt  die»  Gespenst  wie  die  Krank- 
holt: Llchoretka"  (Schelble  IX,  636). 

Malat,  Malatach,  Malatzei,  Malatzen  siehe 
Maltzey. 

Malanchen,  Mallauchen,  Mallochen  (  =  mai- 

occhlo  ~  hrtser  Blick  (s.  d  ],  schlechtes  Erkrnnungs- 
vermögen)  -  die  durch  Brennen  oder  Atzen 
künstlich  erzeugten  „Kunden"  (Altersmerk- 
male) am  l'ferdegebisse  (Zlpp.  149.  Falke  II,  96) 
(FaWlwnärker  oder  Gitschen). 

Maledey,  Maledit,  n.  Maledy  (-  maiedictu» 

(seil,  morbus]  =  verfluchte  Krankheit;  1457  maledie 
b  kauker,  Lepra,  Krlegk  I,  20.  527;  15.  Jahrh  malen- 
dleht.  Frlschb.  40;  1607  maledit  s  lepra;  1528  maledey 

-  lepra.  Dort,  sau.;  Gr.  W.  VI,  1499).  1.  -  der  Aus- 
satz oder  Lepra  als  verwunschene  Krankheit. 

—  2.  —  Krebs  als  unheilbare  Krankheit  (s.  auch 
Maltzey).  —  gestückelte  Maledie  '1457  eyn  ge- 
stocbelte  maledie  dy  man  nennet  den  kanker,  Kriegk 
I,  527)  =  kleinknotiger  Krebs  (=  Lepra  unius 
membri  im  Gegensatz  zur  Lepra  universalis) 
(gestückelt  -  würfelförmig,  aus  vielen  kleinen  einzelnen 
Teilen  bestehend.  Schmeller  II,  730).  —  Malodlt- 
Haut,  •  Wunde. 

Maletschheit,  maletachig  mdi. ,  n.  jahrh. 

mclaedscheyd,  meloatschheid,  De  Cock  158.  24G)  (siehe 
Maltzev). 

Malitzen  (MaUtzy)  s.  Maltzey. 

maisch  (ndl.  maleuchig,  De  Cock  58.  69)  siehe 
Mallzey. 

maltig  s.  Maltzey. 


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Malttey. 


Malten -Mandl.  891 


Maltzey.  f  malz  (von  mhd.  malazie  nach  dem 
roman  malattia  und  frans,  mal  ad  k*  [s.  malad]  -:  Übel- 
befindeu,  Krankheit,  spezialisiert  aa()  Maltzei,  1.= 
die  antfalligste,  entatellendste  (und  bisher  un- 
heilbare) menschliche  „Krankheil"  des  Mittel- 
ältere,  der  Aussatz  (s.  d.)  o<ler  Lepra,  deren 
fremdländischer  Name  im  deutschen  Volks- 
munde, vielleicht  absichtlich  (verhallend),  ver- 
schiedenartig umgewandelt  wurde  und  u.  a.  als 
malad,  malatsch  (Schw.  419;  Schindler  1,  1684)  ■ 
krank,  bis  auf  unsere  Tage  sich  noch  erhalten 
hat.  —  2.  =  damit  verglichen:  Tierkrankheit, 
t.  B.  Finne,  Räude.  —  Malatzei  (l  >  Jahrh.  -  lepra. 
Gr.  »'.  VI.  1514,  auch  malazei  —  malacia;  17.  Jahrh 
maltzey  =  lepra,  F.  Kr.  B.  326)  =  die  Krankheit  der 
sondersiechen,  aussattigen  Leprosen,  welche 
in  besonderen  Malalt- Gassen  wohnten.  — 
malatzig,  malatz,  malotz  imhd.  inaiatzic  = 

leprosu«.  aussätzig.  Lex  er  IM;  Schm.  I,  1584;  Birlinger 
II,  6ij  =  mit  der  Malatzei  be  haftet  —  Malezey 
(l.'iOT  rnaleuy,  Hr-  I.  SM.  =  hepra  elepbantiasis 
lepros«,  (ir.  \v.  VI,  1514)  =  Malatzei  (s.  o.).  —  malezig 
(tualentig)  =  mit  der  Malatzei  (s.  o )  Iwhaflet, 
leprosns  (Birlinger  II.  64).  —  Malctzheit  (malaetz- 
heit,  maleczheit.  malaescbett)  =  Lepta  (Gr.  \\.  VI. 
1514;  Kriegk  I,  S2>.  -  maletsch  (US2  maletschey  = 
Lepra.  Zenlng.  Voe  ;  malaetsch  ;  15.  Jahrh.  maletschlgcr 

=  iepro*u*.  Gr  w  v.  2024).  -  Maladrie  (tu* 

maladru;  1209  maladres  (Studer.  Schweiz.  Ortan.  K>2  ; 
mhd.  mälaterlc;  malst,  malate.  inalates  —  an«s*tzlg, 
Leprosi».  Lexer  154.  malatrie,  malederic,  Gr.  VV.  VI, 

1514)  =  Maltzey  (».  o.).  —  Malandrei  (1592  ,  seb. 
IM;  1748;  Ma»chenb  ssa).  l.  =  die  in  der  Maladerie 
(Sieben  hau«)  untergebrachte  Leprakrankheit 
(Aussatz)  —  2.  =  eine  Pferde- Räude  (s.  Mauke), 
mit  der  menschlichen  Lepra  (Aussatz)  ver- 
glichen. —  3.  (Dornbl.  76  stellt  auch  Kotz  'u.'*).'.;,  | 
Mallasmus]  hieher,  wohl  mit  rnrecht).  —  Maletzen, 
Malitzen  (1607  malytzy  =.  b..»er  Grint;  1741  mulucn 
[maltzen]  =  U-uke,  weisser  I^prafleck ,  Hort  san.; 
Kirsch  695)  =  Lepra.  —  malitzig  -  leprosus 
iGr.  W.  V).  —  Malitzen  -  Gebresten ,  -Sucht.  — 
Maltzey  (mhd.  malazie,  Gr.  W.  VI,  UM;  Ende  des 
15.  Jahrh    malzey  ■  Syphilis,  Sehmirrer  II,  46;  1518 
maltzey  st  lepra.  H.  v.  GerwL  82;  17.  Jahrh.  malzel  = 
Aussatz.  Gr.  W.  VI.  1516;  161*  malzey  =  elephanllasl». 
lepra.  Schmeller  I.  1597;  1699  malzey  -  Finnigkeit  der 
ächweine,  r.  M.  I,  77;  1741  malazey  =  clephantia,  Kirsch 
421).  1.  -  Aussatt  (Lepra,  s.  o.).  —  2  =  (damit 
verwechselt)  Syphilis  (*.  d.).  -3  =  (übertragen) 
Schweine- Finnekrankheit  (s.  Franzosen).  - 
maltig  =  malitzig,  leprosus  (Gr.  W.  vi.  K.14J.  — 
raalg  —  malaz,  in  allz.  verhüllend  für:  malatt  (w.  o.), 
auwstttzig.  —  (1742)  Maltzen  (zw  iw)  -  die  Aus- 
sÄttigen. —  Maltzheit  =  Malttey  (Gr.  w.  vi, 
1514).  —  (1618)  maitzig,  d'«.  Jahrh  )  malzig  =  mit 
der  Maltzey  behaftet,  lej.rostis  (Gr.  W  VI,  1516. 
n.  v.  Gersd.  90;  Schmeller  I.  LV84;  D.  6\2  ,  1741  maitzig 
=  elephantiosus,  Kirsch  421).  —  (151«)  fllut-M&ltZey 
(,,dle  nicht  alsbald  zu  eysszen  [«.  El«*]  wird,  sondern 
sich  schnell  vermehrt  und  gar  behend  solche  eysszen 
fuly  [faulend]  macht",  IL  v.  Gersd.  87)  ■  eine  das 
Blut  rasch  verderbende  Lepra.  —  (1592)  grobe 
Maltzey  ■  rauh  schuppige  Binde  (Seb.  4K1*).  — 
(1692)  San  -  Malzei  =  Finnigkeit  (Aussatz)  der 
Schweine  (Seb  156).  —  nudaitziache  Fahle. 


Malzen,  malz,  malzig  s.  Maltzey 
Mamm(e).  f  Mämm,  m.,  f.  Mämmchen, 

mämmeln  ;*p*t-mhd.  matnme,  merame  =  weibliche 
Brust,  Kluge*.  255;  14.  Jahrh..  ndl.  mamine  =  mamma. 
D.  545;  15  Jahrh  nein  =  mamilla.  D.  411  =  ein  das 
laute  Lippenlauten  vorstellendes,  lautmalendes  Kinder- 
wort, das  mit  gleichen  Lippenlauten  mm  auch  in  amma 
mamma.  mater  mit  den  Lippenlauten  pp  in  papa,  Pa- 
pilla, pater.  pappe  noch  noch  klingt,  Waekern.,  Abh.ll« 
111,3;  Memm,  m.,  A*c!iaßeuburg ,  Seh  melier  I.  1598! 
=  Mutterhrust,  Brustdrüse,  F.uler,  Tutt",  Zitte. 
iVentl.  Kleinpaul.  Gastron  Märchen  ;  Hyrtl,  K.  W.SS).  — 

Mämmele.  Mämmekin,  L  -  die  kleine  Hrust. 
—  2.  -  Brustwarze  [C.  v  Schm  X4t>.  Hyrtl.  K  w  S5, 
dazu  Memmekeuskraut  [*  aprifollum]  mit  zitzenförmigär 

Fracht.  Jessen  77  —  mämmen,  mämmeln,  mäm- 
mezen,  1.  =  öfters  die  saugende  laute  Lippen- 
bewegung machen,  an  der  Mutterbrust  saunend 
die  Lippen  bewegen.  —  2.  =  kauen«  1,  wieder- 
kauend die  Lippen  bewegen.  —  mampfen  — 
stammelnd,  mit  voller  Mümine,  mit  beul.  Backen 
essen  Erbe 37).  —  Mämmselein  ■  ein  verzou'enes, 
schlafffs  Hilmretiiatil  (Schmeller  I,  l»oO;  volksety- 

moioiri<*ch  kam  st.  Mammertusais  st.  Mammaire 

zur  Stellung  eines  Schutzpatron*  der  Amim-ll,  An- 
dresen  37).  —  (17  Jahrh    harte  Mammen  T  K. 

I  b  «»«harte  Btaatdrü-enknolleo.  —  /*/z-mäm- 

meln  (s  Jahrh.  leff«mammaä»n,  Graff  II,  'J0<5.  728)  — 
:  ItAlbatirOi   nur  mit  seligerer  /-uiige  oder  mit 
kindlich  unbehilflichen  L'ppen  (Lefzen)  stam- 
melnd  sprechen.  —  Mammen- Zipfchen. 

Man  s.  Mond  und  Mann. 

Mandel,  f.  (»n«  mtlat  ,  prov.  ainandol«;  fmnz 
atnande.  ndl.  amand.1  --  auayMklJ ;  lei  axayfdalei 
sa  glardes  du  gosier.  les  adenes,  Bris<  47  :  ahd  miiu- 
dala  =  Mandelfrucht ,  mhd.  mandel  sa  Mandelfrucht, 
Kluse5.  247  ;  15JÜ  mandel  =  glandula.  1590  mandel  = 
tonsilla,  D.  264.  587  ;  engl,  almnnds  of  the  throat  = 
tonsllls,  Kalwchm.  II,  273;  dan.  mandel),  L  =  die  mit 
der  Mandelfrucht  (16.  Jahrh  )  verglichene  Balg- 
drQse  (s.  Hacken,  Saugharken)  in  den  beider- 
seitigen Gaumen  od.  Rachen-Bögen  des  Halses, 
Ampbibranchia,  Tonsilla,  Amygdala, 
(Hlppokr.;  Fuchs  Ii.  196).  —  2  =  die  Anschwellung 
der  äusseren  Halalymphdrüsen  zw  ischen  Olir, 
Unterkiefer  U.Zontenbein  (mit  den  eigentlichen  In- 
neren Mandeln  l  verwechselt).  —  3.  =  das  Zäpfchen 
(Uvula)  (Hon.  sanlt.J.  Iiei  der  Angina  tonsillu- :s 
(Mandelentznndung)  meist  miterkrankt,  daher 
zu  der  „Mandel"  mit  belogen.  —  4.  -  die  ent- 
tflndlich  angeschwollene  Mandel  ^Tonsilla)  - 
Angina  tonsillaris  (Had.  Jun.  376).  —  5.  =  (nber- 
trmren)  die  äusseren  Ohrdiflsen  beim  Pferd« 
'Mandel  2)  (Gr.  VV.  III ,  1432;.  —  geschwollene 
Mandeln  =  die  chronisch  iiypertroph  sche  An- 
schwellung der  Mandeln  1.  —  /7«k-Mandeln, 
L  —  die  inneren,  vergrossurten  oder  erkrankten 
eigentlichen  Handeln  (t).  —  2.  =  die  sehmert- 
haften  ausseien  Halslymphdrnsen  (Mandeln 2) 
(Zw.  7.58;  dttn.  halsmaud'el).  -  (1748)  rcrsrAtcoreiic 

Mandeln  -  Mandelgeacbwir  (k.  ch.  261).  — 
Mandel- Bräune,  -Drüten,  -Oeschcär,  -Gc- 
»chwulst,  -  Verhärtung,  -  Weh. 

Mandl,  n.  a.  Mann. 


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392 


Mang. 


Mangen — mank. 


Mang.  »<  Mangel,  in.  Mängel,  tu.  mangeln 

(gcrm.  mang  =  manru»,  verstümmelt,  kraftlos,  mangel- 
haft; angls.  gemancian  -  verstümmeln;  ahd.  mangoo, 
ruangolon,  niODgcn  =  ermangeln,  entbehren,  ml«nen  ; 
mhd.,  12,  Jahrh.  uiongel  =  Mangel,  Oebrechen;  man- 
geln, raanc,  Kluge*,  247;  15  Jahrh,  mangel  —  gebruch. 
defectus,  Heyne  III,  732;  1507  manck  =  triancu«,  D.  346  ; 
ndl.  de  mankc  =  Krüppel),  1  =  Vitium,  Laesio,  !»••- 
fectus,  Kehler,  Gebrechen,  Einbaue  an  Leist- 
ungsfähigkeit, namentlich  der  Sinnesnerven, 
ungenügende  Funktion  (ursprünglich  wohl 
durch  Verstümmelung  zumeist  veranlasst).  — 

2.  =  körperlirhes]<eiden (Morbus),  Sprachfehler 
(Mangel  an  sprachlicher  Mitteilungsfilhigkeit, 
weiterhin  geistige  oder  ethische  Schwäche).  — 

3.  —  auch  Schmerz,  der  in  der  Leistungsfähigkeit 
eines  Organe»  beeinträchtigt.  —  4  =  Hernie 
(Bruch,  Gebrechen,  Gebresten)  {Gr.  W.  VI,  1540. 
1541;  Schw.  413;  Schindler  I,  1623).  —  Der  Mangel 
ist  eine  die  volle  körperliche  u.  geistige  Leist- 
ungsfähigkeit längere  Zeit  oder  bleibend  be- 
einträchtigende, mehr  subjektiv  gefühlte  Eltl- 
husse  an  nurmalem  subjektiven  Wohlbefinden; 
der  8chaden  dagegen  ist  mehr  entstellend, 
durch  andere  (z.  B.  Dämonen)  veranlasst  u.  ob- 
jektiv sichtbarer;  -los  ist  das  vollständige 
Fehlen  eines  Organes  o.  einer  Funktion,  meist 
nach  Trauma.  —  es  mangelt  mich  an  —  die 
erste  Anwandlung  (durch  Mangel  an  Wärme) 
der  Krankheit  empfinden.  —  er  mangelt  das 
Wetter  am  (kranken)  Arme  oder  Heine  =  er  ist 
für  Wärme-  und  Feuchtigkeits-Schwaukungen 
sehr  empfindlich,  so  dass  er  den  geringsten 
Wärmemangel  schon  verspürt,  er  empfindet 
die  kommende  Witterung  voraus,  weder  fr  Aber, 
d.  b.  überempfindlich  ist  an  dem  kranken  Teile. 

—  mängelig  =  herniosus,  brüchig;  „er  hat  sich 
mengelig  gehoben"  (Schm.  I,  1425)  =  er  hat  sich 
durch  schweres  Heben  einen  Bruch  (Herniu) 
zugezogen.  —  mangel-,  mangelhaft  (1  ■"».  Jahrb.), 
1.  =  einen  Mangel  habend,  der  vollen  Gesund* 
helt,  der  Norm  entbehrend,  valetudine  tenui 
esse  (Ur.  \V.  VI,  1545;  Hyril,  K.  W.  141).  —  2.  —  mit 
einem  bestimmten  Gebrechen,  Mangel,  Leibes 
fehler,  Leibschaden  behaftet  (corpore  viliatus, 
herniosus)  (Gr.  W.  VI,  I.  e.;  Schindler  1,  1035).  — 
Au>ji  /«-Mangel  *•  uumtell  etwas,  an  den  Augen, 
Olit.  IV,  128)= eine  fehlerhafte  Kinbusse  an  dem 
vollen  Sehvermögen  (Rauml.  IM).  —  (1599)  Bein- 
tmrhs- Mängel  -  ungenügende  KallusbiMung, 
fehlerhaftes  Knochen  Wachstum  (Gr.  W.  I.  lass). 

—  Eiimchlag- Mangel  11592  mangel  des  cinschlags 
am  sehwanu.  Heb.  17»;)  -  Fehler  in  der  Beweglich- 
keit des  I'ferdeschweifes,  der  dann  stets  hoch 
getragen  wird  und  nicht  nach  unten  zwischen 
die  Schenkel  geschlagen  werden  kann.  — 
(17.  Jahrh.)  Frauen-Mängel  -  Frauenkrankheiten 
namentlich  solche,  welebeSterilit&l  veranlassen 
(F.  Kr.  Ii.  225).  —  (1735)  Fuss  Mangel  =  eine  Kin- 
busse an  der  vollen  Leistungsfähigkeit  des 
Fussorganes  infolge  eines  Fehlers,  Krankheit, 
Verletzung  (V.  B.  17;  (ir.  W.  IV.  I.  1020).  —  GUed- 
Mangel  -  die  Kinbusse,  die  man  durch  den 
Verlust  der  Funktion  eines  Gliedes  hat,  De- 
feclus  articuli.  —  llunr  Mangel  =  die  ungenü- 
gende Behaarung  auf  dem  Kopfe,  Glatze,  Kahl- 


kopf, auch  an  den  Augenlidern  (Gr.  W.  IV,  2.  33). 

—  (17.  Jahrh )  Ha/»-Mängel  =  skrofulöse  Hals- 
drüsen,  Halsübel,  Halskrankheit  (F.  Kr.  B.  574). 

—  Harn-Mangel  =  die  ungenügende,  fehler- 
hafte und  krankhafte  Kntleerung  des  Harns 
f Amiria,  Dysuria)  (Hnfeland  609).  —  Haupt- 
Mangel,  1.  =  der  hauptsächliche  Fehler  an 
oinem  Organismus  (Gr.  \v.  iv,  2.  621)  oder  das, 
was  man  am  meisten  verminst.  —  2.  =  s.  Ge- 
währskrankheiten (Falke  I,  376).  —  Herz-Mangel 
=  Herzfehler,  auch  ungenügende  Kntwickelung 
des  Herzens  (bei  Tieren)  (Falke  I,  390).  —  Huf- 
Mangel  =  die  Kinbusse  der  vollen  Gebrauchs- 
fähigkeit  des  Hufes  bei  Tieren  infolge  Krank- 
heit oder  Beschädigung  (Gr.  W.  IV.  2.  1831).  — 
Xtnder-Mangel=  Kinderkrankheit,  Morbus  in- 
fantum (Gr.  W.  V,  742).  —  (17.  Jahrh.)  Leber- 
Mangel  =  Leberleiden  (R.  a.  277).  —  Milch- 
MangeLl.  -  (1735)  fehlerhafte  Zusammensetzung 
in  der  Beschaffenheit  der  Milch  (Woydt  594).  — 
2.  -  (19.  Jahrh.)  Agalactia,  das  Versiegen  dos 
Milchflusses,  eines  der  ersten  Symptome  inner- 
licher Krankheiten.  —  (1666)  3ft/r-Mangel  = 
Hypochondria  =  Milzkrankbeit  (Milzlaster)  als 
Mangel  in  der  richtigen  Funktion  der  Milz 
(S.  d.)  (Gr.  W.  VI,  224).  —  (17.  Jahrh.)  AVisen  Mangel 
=  Nasen  krank  heil  (F.  Kr.  B.).  —  (1680)  Nicren- 
Mangel  — die  Kinbusse  in  der  normalen  Nieren- 
funktiondurch  ein  schmerzhaftes  Nierenleiden, 
Dolor  nephriticus  (Gr.  W.  VII,  833;  VI,  1541).  — 
OAren-Mangel  =  Kinbusse  in  der  Gehörfunk- 
tion derOhren  durch  eine  Ohrkrankheit,  Vitium 
aurium  («r.  W.  VII.  1257).  —  On/em-Mangel,  L  = 
die  KinbuBse  an  der  vollen  Leistungsfähigkeit 
durch  einen  Fehler  eines  bestimmten  Organes 
(Bildungsfehler,  organischer  Fehler).  —  2.  = 
das  vollständige  Fehlen  eines  Organee  durch 
Verlust,  Ausbleiben  der  ersten  Anlage  z.  B.  — 
(1741)  Srli.ui.l  Mangel  =  Naevus,  entstellendes 
Mal  (Kirsch  7so).  —  Si  henkt  /  Mangel  =  l^aesio 
cruris  =  die  Kinbusse  an  der  Leistungsfähigkeil 
einer  unteren  Kxtremität  durch  Erkrankung, 
Verletzung  etc.  —  Wimper-Mangel  =  Madarosis, 
Kahlheit  der  Wimper  durch  Ausfall  der  Wim- 
perhaare (DornM.  75).  —  ZäAne-Mangel,  l.  =  die 
Kinbusse  «ies  Gebrauches  des  Gebisses  oder 
an  der  vollen  Gesundheit  infolge  von  schmerz- 
haftem Zahnleiden.  —  2.  =  der  Zahnschmerz 
selbst  (Dolor  dentis),  Zahnkrankheit  (Gr.  w.  VI, 
1641).  —  3.  =  das  vollständige  Fehlen  der  Zähne 
(im  Alterz.  B.).  —  Hie  Mangelware  (Lapathum  acutum, 
Mangel-  oder  Mengel-Krnut)  sollte  für  Kraflmangel 
helfen  als  ein  um  die  Lenden  getragenes  pflanzliches 
Amulett. 

Mangen,  m.  =  Sapor  (Gr.  W.  VI,  1550;  8chmeller 
I,  162C),  der  Geschmack  im  Munde,  den  Dinge 
für  das  Kosten  mit  der  Zunge  haben.  Verwech- 
hing  der  slnncsciupfliidung  schmecken  —  rteohen, 
mankeln  —  luauekeln,  riechen. 

Manier,  f.  (fram  manicre;  1500  monier,  Kluge  *, 
217;  1531  nmnery,  Krautw.  XXXVI)  =  Handgebärde, 

Benehmen. 

mank  [«.  Mangel;  1175  mank  anheilen«,  O.  51; 
colutx,  I).  133—  1507  lahm  [maneus];  ndl.  mnnk  —  Krup- 
pd)  ■  gebrechlich,  einhändig,  bresthaft,  krflp- 


Mann.  393 


pelhaft  vom  Menschen  (Köln)  u.  Vieh  (Kärnthen, 
Gr.  W.  VI,  1540).  —  mänken  (ndl.  =  exossare, 
D.  21"),  knochenlahm  sein,  raank  gehen.  —  ver- 
mankt  (ndl.  rerminkt.  De  Cock  313)  =  Ranz  ver- 
krflppelt,  -ttupiert  (estropie).  —  mank  ■xh-n. 
Mann,  n.  Mannl.  Mandl,  Männchen  findo- 

germ.  nianu,  das  mahnende,  denkende  menschliche 
Wesen  als  Stammvater  der  Menschen)?]:  dlo  Indo- 
germanen  der  Vorzeit  fühlten  sieh  aber  dem  Tiere 
[paen]  verwandt,  und  der  vedlsche  Indier  bezeichnete 
sich  wirklich  so.  Kluge»,  247;  darum  ist  diese  Ety- 
mologie nnaicher;  altgerm.  manu  ;  germ  mann  [der 
Stammvater  der  Westgermanen  hiess  Mannus] ;  ahd. 
mann,  man  =  Mensch,  Mann  ;  mhd.  mann,  man  — 
männliches  Weseu,  Mensch,  Kluge*.  247;  142»  manner  , 
mannen,  pl.  =  Manner,  Schmeller  I,  1600),  1.  —  der 
Mann  als  geschlechtlicher  Gegensatz  (unter  den 
menschlichen  Wesen)  zum  Weibe.  —  2.  =  das 
(reschlechtsglied  des  Mannes  u.  Knaben,  Penis 
(=Mann,  Mandl)  (Tirol,  Bayern;  Hlntner  8.  18).  — 
3.  =  der  männliche  Krankheitsgeist  des  Volks- 
glaubens. —  4.  =  Mann-Ähnliches,  männliches 
Bild.  —  Mannchen  =  Kindlein  (».  d.),  Pupille 
(raike  n.  89).  —  5.  =  s.  Mond.  —  Mann  sein  = 
gescblechtreif  and  potent  sein.  —  mannbar  — 
geschlechtreif.  —  Mannets  (seil.  Leut)  (Tirol. 
Bayern)  =  männliche  Person.  —  (l«os)  Mannheit, 
Mannbarkeit  -  Geschlechtsreife,  die  männliche 
Potenz,  (die  nach  altem  Volksglauben  durch  Ver- 
zauberung genommen  werden  kann  ;  ndl.  mauubaar- 

neid,  v.  k.  ix,  ii»;  Beyn.  272).  —  (1307)  Männlich- 
keit (zwischen  den  Beinen)  =  das,  was  den 
Menschen  männliche  Eigenschaft  gibt,  Membra 
virilia  (Hyrti,  K.  w.  60;  D.  622).  —  Mannschaft  = 
das,  womit  man  männlich  handelt,  1.  =  das 
Zeognngsglied.  —  2.  -  Zeugungskraft  (Potentia 

Viriiis)  (Gr.  W.  VI.  1602).  —  Männin,  f  (1440  mal- 
ninn;  15.  Jahrh.  menlnne  =  vlrugo,  I).  621 ;  Schmeller 
I,  911)  =  Mannweib,  Konmann.  —  männisch  = 
h.  Mond.  —  Das  Mannl  ist  ihm  (dem  Weibs- 
bild) steigend  geworden  =  ein  koboldischer 
Dämon  oder  männlicher  Quälgeist  ist  aus  dem 
L'nterleibe  aufgestiegen  und  stosst  gegen  den 
Magen  an  («.  Marbriegen)  -  Singultus  ex  gravi- 
ditate  s.  hystericus  =  Hetscher.  —  der  Mon- 
Mon  — Mann-Mann  =  ein  Krankbeitsdämun  wie 
der  Pöpelmann  (s.  d.),  mit  dem  man  die  Kinder 
erschreckt  und  den  man  den  Kindern  in  der 
Gestalt  eines  eingetrockneten  madenförmiiren 
Nasenschleimes  vorzeigt.  Die  Meinung  Wacker- 
nagels  (Abbdlg.  III,  155),  das«  die  männlichen,  bezw. 
weiblichen  Namen  (-Mann,  -Herr,  -Frau.  -Fraulein)  bei 
Krankheitsdämonen  mehr  Schmelchel-  od.  Kosenamen 
»ein  sollen,  bat  gewiss  Berechtigung.  In  solchen  Krank- 
helunamen  lebt  der  uralte  Dämonismus,  der  sich 
grösstenteils  in  die  Kinderstube  zurückzog,  noch  unterm 
Volke  fort.  —  Alp-,  nii,,  -Männchen.  Mann  » 
«.  Alp,  S.  10,  männliclies  elbisehes  Wichllein 
(Slmrock  454).  —  Alt  Männchen  =  Älterlein  oder 
Allvater  (s.  d.)  (Gr.  W.  I,  273).  In  den  Nieder- 
landen der  alte  Mann  (de  oude  mau ;  Nordfrankr. 
le  petit  vieillard,  V.  K.  IX,  142;  Brlss.  121)  -  Rba- 
chitis  und  Paedatropliie:  das  vorher  dicke  und  an- 
scheinend gesunde  Kind  wird  in  kurzer  Zelt  magerer 
und  bekommt  ein  greisenhafte«  «iealcht;  mit  hell 
glanzenden  Augen  ,    runzelichter  Haut  und  mit  ge- 


kreuzten Füssen  liegt  es  stets  in  seinem  Bettlein  wie 
ein  altes  Mannlein ;  seine  Mutter  ist  überzeugt,  dass 
sie.  als  sie  mit  ihm  schwanger  ging,  durch  Berührung 
verhext  wurde,  u.  das  Graulieschen  der  Nachbarschaft 
weiss  mit  dem  Finger  die  Stelle  an  Ihrem  Leibe  zu 
bezeichnen,  wo  sich  „der  böse  (feist"  aufhielt  (ÜcCock 
2V  79);  je  nach  dem  mehr  weniger  ausgeprägten 
Krankbettscharakter  unterscheidet  dabei  der  Viani- 
lander  den  grossen  und  den  kleinen  Alt-Mann 
(De  rock  82)  (s.  auch  Altvater);  der  dämonistlscbc 
Hintergrund  ergibt  sich  auch  aus  der  daselbst  üblichen 
Behandlung  des  Alterchens  (Eiterken)  :  man  legt  die 
Kleinen  unter  einen  heiligen  1. Indenbaum  (arbre  bentt. 
«.  I.indenkrankhelt  und  baurnleibig) ;  das  von  dessen 
Laubdach  in  Tropfen  abfallende  Nas.«  soll  dann  die 
Krankheit  unfehlbar  heilen  (De  Cock  229),  d.  h.  der 
bose  Krankheitsgeist  soll  zurückgehen  und  das  Kind 
mitnehmen  in  den  Baum  (Wald),  woraus  er  gekommen 
(cont.  das  Kitarle  bei  Schneller,  tlrol.  Namen-Forsch. 
115  =  ein  Opferstein  bei  Alleburg  mit  uralter  Volks 
wallfahrt).  Auch  das  (deutsche)  Altmann-(,,lireis"-) 
Kraut,  Erigeron  acre,  Senoclo  (senex)  vulgaris  (fälsch- 
lich ,,Kreuz"-Kraut),  auch  Berufs  (s.d  )  -Kraut  genannt; 
(engl,  oldmans  woozard  —  ClematU  Vitalba,  Kol  )  sollte 
dagegen  helfen  (Jessen  143.374).  — Atz-  (LaU-)M.a.IlIl 
b  der  koboldische  Krankheitsdamon  ,  welcher 
durch  <lie  (nach  dem  Volksglauben  anzauberbare. 

1.  Riezler  332;  v.  M.  II.  Anhang  38)  auszehrende 
Schwindsucht  (s.  Ettich)  den  Kranken  sozu- 
sagen aufisst  (etzen,  ätzen  ■  essen)  =  Fhthisis 

|  (Gr.  w.  i,  597;  v,  3»6).  —  slu^fri-Männ  chen,  /ein) 
(166«)  -  das  Bild  eines  kleinen  Mannes  in  dem 
Auge  =  Pnpilla  (s.  Kindlein)  (Gr.  W.  VI,  1578. 
1697).  —  (1645)  /.'■■>  i'-Mann  =  einer,  der  grossen 
Bart  tragen  mochte  (Ooler,  H.  A.  142).  —  behafteter 
Mann  (ein  bebeft  man  —  daemoniacus,  Schmeller  I, 
1066)  =  Homo  inente  captus,  ein  vom  Teufel 
besessener  Mensch  —  ßrincr-Mann  =  Knoehen- 
mann.Tod  (Vernal.  91).  —  (15  Jahrh  )  ßcrvj-Männlein 
(nach  alterVolkssagestrellen  die  Kranken  mit  dem  dämo- 
nischen Bergmüunlelu  und  ernähren  sieb  vom  Blute 
desselben,  <ir.  W.  I,  1515;  V,  1640)  (s.  schwatzen).  — 
Bettel-  (Bedel-,  Beutel  ,  Beul  ) Mann,  1.  =  der  beim 
Fieberfroste  den  Körper  des  Menschen  schüt- 
telnde, beutelnde  Krankheitsdämon  aus  dem 
wilden  Walde  nach  dem  Volksglanben  (Schmeller 
1,304. 1603;  Mannh.  112),  „das  Fieber  beutelt  mich". 

2.  =  das  Fieber  selbst  (Gr.  D.  M.  II,  1107),  das 
wie  Öfter  seinen  Namen  von  seinem  ursäch- 
lichen Dämon  des  Volksglaubens  erhielt  (s.  Ritt, 
Koortsen).  —  3.  Bettel  —  eine  schnell  tötende 
Krankheit  der  Schafe,  welche  «las  Büttel-  oder 
Holzweihlein  (s.  Milzfrau)  bringt  (Köhler  466; 
Wiuschel  I,  234),  infektiöse  Schafseuche  (Milz- 
brandfieber,  s.  Bettelkrankheit).  —  Blatter- 
Mannl,  1.  ■  der  die  Wasserblasen  (Herpes, 
Varicella«)  erzeugende  Krankheitsdämon  des 
Volksglaubens.  —  2.  —  diese  Wasserblasen 
selbst  (Schmeller  I,  1603),  die  man  auch  Nacht- 
brand, .Schreckblattern,  Körläcken  (s.  d.)  nennt. 
(Auch  bei  den  Bulgaren  erzeugen  die  Baba  sarka  die 
Blattern,  s.  Fthnol.  Mltt.  aus  l'ngarn  1894,  S.  231).  — 
Bock(el)  (e,  >n  -Mann,  1.  =  der  l'opelmann  (s.  d.) 
oder  Puckraann  (s.  Puck)  (Mannh.  158;  Gr.  W.  LT, 
204;  Z.  f.  d  a.  iss8,  s.  16%  ff  ).  —  2.  =  oder  der 
Pocken-,  Pokkel-Mann  (  =  Blattermannl,  s.  d.) 


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Mann. 


Mann. 


(im  Volkouiuude  entstellte  Namen;  Z.  f.  d.  A.  1888, 
8.  154).  —  Butie{n)-,  Bme-,  Putri-Mann  (Fiewen 
hflUWIMia  =  Popanz,  frle».  tio— llllllll .  DUM«  Ml,  büse- 
mann,  busaeman,  butze  man,  Z.  t.  d.  A.  1888,  1S3  IT.; 
[Tirol]  Putz,  rutzliunnu,  Alpbg.  13'.'),  1.  a  DaUB- Kobold 
(Hutziperclit)  in  Butz-  (s.  d.)  o.  kleiner  Puppen- 
( Larven)  Gestalt,  vor  dem  die  Kinder  eraehreekt 
wurden  (Talermann).  und  von  dem  nie  heute  noch 
singen  „Ra  tanzt  ein  Hutzimann  in  un»erm  Hot  herum, 
Ja,  ja,  Butziroann."  (Schmeller  I,  316;  Lipp.  Chr.  430; 
Golth.  141  ff. ;  Vernal.  62.  US ;  Kehrelu  39).  —  2.  = 
iler  Kindlifresser  (Schweiz,  O. -Innthal,  Plnzgau 
der  Kobold,  der  die  Kinderkrankheiten,  nament- 
lioh  die  Kinderblattern  (in  der  Schweiz  Butz  ge- 
nannt) bringt  und  so  durch  Seuchen  die  Kinder- 
weit  gleichsam  aufzehrt  (Kleinpaul,  Gastronomische 
Mürchen  IUI ;  Schw.  103.  60t;  Meyer  149;  Schmeller 
I,  31C).  —  3.  =  der  uiaden-  oder  puppenförmig 
verhilrtete  eingetrocknete  Nasenschleim  (siehe 
Popelmann)  (Schw.  103.  504).  —  4.  =  als  Puttwurm 
(s.  d.)  die  andere  Gestalt  des  Butzkobold.  — 
5.  =  ein  kretinöses  Zwergkind,  das,  wie  öfter, 
Dämonennamen  annimmt,  weil  nach  dem  Volks- 
glauben von  Dämonen  im  Alptraum  erzeugt.  — 
Dahl  lt&JUL  (Dilltnann)  =  ein  tahlender  (s.  d.) 
Kretin  (z.  f.  d.  Phil  III, 340;  1499  dillemann;  16.  Jahrh. 
lllman).  —  Dangt  l-,  /Mitfff-Männdle  =  Pengel- 
geist (Birlinger  8.  1.  W).  —  ZMKÜf-Männchen  — 
Alpdruck  (s.  Alp,  S.  11  u.  lül)  (Pfalz;  Mitt.  zur 
bayer.V.-K.l896,  2.3),  den  man  einem  handgrossen 
Zwerge  mit  unschönem  dicken  Kopfe,  dem 
drückenden  (s.  d.)  Nachtmannlein  oder  Alp  zu- 
schrieb (Bavarla  IV,  2.  337).  —  (1715)  externer  Mann 
=  ein  wie  Eisen  fester,  starker  Mensch  (Toll, 
leg.  7M).  —  tn 'mannt  =  des  einen  oder  beider 
mflnnlicher  Hoden  berauht;  die  Entmannung 
war  bei  den  Friesen  ein  Gotteropfer  (Golth.  562). 
—  ÜM-Mann  =  der  die  Menschen  in  die  Grabes- 
erde bringende  Tod;  „er  schlaft  bei  Vater  Erd- 
mann" (Mecklbg. ;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  IS94,  187)  —  ist 
gestorben.  —  fahrender  Mann  (1482  varndmau, 
ZcniriR.  Voc  h  h  6,  cc  2;  IV  Jahrb.  birtnd  man  -  vagus, 
uml»ra,  I>.  II,  ;t7ti;  -  das  alter  ego  des  Menschen, 
der  Inigegeist,  Leibesschutten,  die  menschliche 
Seele  aus  dem  Leibe  geschieden,  als  Schatten 
(Geist)  ruhelos  herumirrend  nach  früherer  Vor- 
stellung, und  zur  naehtfuhrcnden  Trude  (arme 
Seele)  personifiziert ,  die  dann  zum  (Quälgeist 
wird.  —  Gdm/>^,(;rtw<</<7iMann<altoftcb».  jemelich 
man  —  gaemelioh  man ,  gemltch  man  =  mlolAOtU, 
siranio  taouio,  D.  346;  Schmeller  I,  910/  =  ein  ver- 
rückter, tolle  Gimpel  -  Sprünge  machender 
Mensch.  —  geheilter  Mann  =  F.unucbus,  castra- 
tus  (s.  heilen  2  S.  227)  (D.213).  —  gelüppter  Mann 
=  Euiiucbus,  cHstratns  (s.  Kippen)  (ü.  213).  — 
Gigges-,  Gagges-,  G»ckd-,  Gu  A-W-Mann  =  Tod, 
den  man  sich  als  eine  auffällige  <  ieistergestalt 
vorstellte,  ähnlich  einer  Popanzfigur  (um*chrcl- 
bende  WortbiMtiug,  Z  f.  Ö.  V.-K.  1896,  S.  US;  Schill. 
I,  88i).  —  (iuiitl>  >  Mann  (vielleicht  als  Pilanzen- 
Name  [Gleehoina  hederaceum)  urgprüngl.  ein  Kobold- 
Namen,  der  zu  ahd.  gand  =  Kiter,  Gift  in  Beziehung 
steht,  Schmeller  I,  921 ;  Kluge*  147).  —  guter  Mann 
(1482  guttermann  -  leprosu*,  Zen.  Voc;  Gr.  W.  VI, 
1516)  =  der  bemitleidete,  in  den  sog.  Gutlent- 
Häusern  untergebrachte,  sondersicche  Aussatz- 


Kranke  (s.  gute  I.*ute).  —  (15.  Jahrh.)  halber 
Mann  (1420  halrmaDn  =  hermaphroditua,  D.  275),  1.= 
castratus,  der  ob  »einer  Entmannung  (castratio) 
impotent,  kein  ganzer  Mann  (l)  ist.  —  2.  =  Weib- 
mann (h.  d.).  —  3.  =  halber  Mensch  (s.  d.)  (Had. 
Jun.  396;  Gr.  W.  VI,  1567).  —  //■<>;,/...■;' -Mann  = 
Heimpelmann  2,  Kretin  (Z.  f.  d.  Philol.  III,  »3«). 

—  Heck-,  Heimpel-,  ifcinrW- Männchen ,  t.  = 
Heimchen.  —  2.  =  ein  Tölpel,  der  Heimchen 
(Grillen)  hat  (LaUtner  II.  189).  —  ll<  •> V-Mann  = 
ein  Uamon  aus  der  Wald  beide  nach  dem  (ndd.) 
Volksglauben,  dessen  Anblick  noch  im  selben 
Jahre<len  Tod  bringt (Schelble IX.  133)  —  (16.  Jahrh.) 
H<  r./'-Mannlein  =  (nanua,  D.  375),  wie  das  Plat- 
ten weibl  ein  Hausgeist,  der  Krankheiten  bringt 
und  an  der  Herdplatte  Uberm  Wichtelstein  im 
Ofen  (s.  d.)  seinen  Sitz  hatte,  weshalb  man  nach 
dem  Volksglauben  zur  Strafe  Brandblasen  er- 
hält, wenn  man  gegen  den  Herd  ausspuckt 
(s.  Gutle!)  Ifrqucll  IV.  68.  59;  Alpbg.  »0;  Rochholz 
II,  134).  —  heutiger,  häutiger  Mann,  1-  =  ein 
Mann,  der  nur  von  heute  auf  morgen  noch  lebt. 

—  2.  =  ein  Mann,  der  nur  eine  Haut  mehr  hat, 
nicht  lange  mehr  lebt  (s.  Haut).  —  iZbt-Mannl 
=  ein  Kobold  oder  \\  ald-(Hag-)l>ämon  (Alp), 
der  aufhockt  (s.  d.)  (Laittner  II,  220;  Schm.  I,  1021). 

—  Hok-Mann  =  «  Holzleute.  —  (1551)  kalter 
Mann  =  ein  Mann  (1),  der  geschlechtlich  kalt, 
schwach,  erstorben  ist,  in  der  Natur  (*  d.)  kalt, 
impotent  ist  (Hock  165.  340).  —  Äaarr-Mannl  = 
Hauskobold  in  der  Sennhütte  (roman  casa,  Panzer 
Beiträge  z.  d.  M>  thol  II,  40 ;  Alpbg.  133),  dasselbe 
macht  buckelig  nachdem  Volksglauben.  —  Kla- 
bater-,  Äafcauf  f /-Männchen  —  nach  dem  Volks- 
glauben der  Alpditmon  als  Seele  eines  totge- 
borenen Kindes  (s.  Alp),  Schiffskobold,  welcher 
klabastert,  klopft,  klappert;  erteilt  Ohrfeigen 
aus,  macht  Beinbrüche  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1892.  417; 

I  l.alstner  II,  2*0 ,  Kluge5,  198;  Golther  144  stellt  den 
Namen  zu  Kobold ;  udd.  kobollerken).  —  Knochen- 
Mann,  I.  —  der  seit  dem  (12.  Jahrh.)  allegorisch 
als  Knochen-Gerippe  (Beinmeister)  mit  einer 
Sense  (Sensenmann)  dargestellte  Tod  (\Vuttke35). 

—  2.  =  das  menschliche  Skelett  (Hvrtl,  K.  w.  139). 

—  A"on«(r)-Männin  (ahd.  con(m)maonin  —  virago, 
D.  621;  Schmeller  I,  911)  --  Mannweib  (s.  kon.  kont, 
kunte  -  Weib).  -  2.  =  der  Mann  des  Eheweibes. 

—  Ärnwi/j-Mann  (16,  Jahrh.  crurapman  =  cllnlcu*. 
paralytlcns,  D.  127)  -  der  infolge  von  Glieder- 
krummheit  an  das  Bett  gefesselte  Mensch.  — 
Auf-Mann  »er  i*st  mit  Kulmann"  (Mecklbg. ;  z.  d. 
V.  f.  V.-K.  is»t.  187)  =  er  liegt  in  kühler  Erde  und 
geniesst  die  Gesellschaft  des  kalten  Todes 
(Erdmann,  s.  empfangen).  —  .Lanfl-Mann^der 
längere  Mittelfinger  (ahd.  lanemar  (».  d.J;  Wetterau  ; 
Andresen  103).  —  (l'A2)  langsame  Männer  (Uonic. 
235j  b  zum  Zeugttngsakte  unlustige,  impotente, 
kalte  Münner  (s.  d.).  —  AicÄf-Mann  =  ein  Kind, 
welches  vor  der  Taufe  stirbt  und  atn  Kirchhof 
als  Lichtgestalt  (Irrlicht)  umgeht  (Ahergl.  261). 

—  iVar/if-Männlein  <1.">77  nacht  menle  =  ineubu*. 
D.  293;  1591  nachimennlin  —  Ineubu»,  Had.  Jun.  374; 
Kluse5,  10;  166C  nachtmannlein  =  ineubua,  D.  II. 
213;  1741  nachtmannlein  =  Gespenster,  so  sich  In 
mannlicher  Gentalt  zum  Weibe  legen,  Kirsch  614; 
Zw.  121;  A.  v.  II  I,  84.  »98;  Gr.  W.  VII,  200;  Adler, 


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Mann. 


Mann. 


395 


da  lacubo.  Ia27,  Meyer  175;  Woydt  172;  Kraus,  E.  531) 
=  der  wahrend  der  Nacht  nach  weit  verbreitetem 
Volksglauben  die  Menschen  im  Alptraume  ■>.  d.) 
drückende  o.  minnende,  ancb  nächtlicher  Weile 
Walser  blättern  bei  den  Kindern  erzeugende 
männliche  Alp  (s.  d.),eine  Dämonenfigur,  dieden 
von  ihr  erzeugten  Krankheiten  den  Namen  gab. 

—  A'idW-Mjum=  Nickert  (s.d.),  männlicher  Nix. 

—  ("Wocr-Mann  m  s.  Alpmann.  —  iv  ■  '.-Manul 
m  die  die  ermüdeten  Augen  des  Kinde«  wie 
mit  klebendem  Peche  (eintrocknendes  Sekret 
der  Meibom  sehen  Drüsen)  schliessende,  d.  h. 
Schlaf  bringende,  „allegorische  Personnage" 
der  Kinderstube  (Schm.  I,  379.  1603;  c.ebr.  Zlugerie 

1,  :*  ,  Schräder  «15;  wie  dem  Tode  [«.  d.).  to  lag  auch 
•einem  Bruder,  dem  Schlafe,  In  der  Tolksübllcben  Vor- 
stellung eine  dam  on  wüsche  Person  vor) ;  (vgl.  Sand- 
männlein, Vogeltnann).  —  (UM]  .fWcT-Mann. 
.yiWmann.  1.  =  kleiner  Finder  U  rquell  II.  so).  — 

2.  ■  Penis  (Gr.  W.  VII,  157S;  Wackern.  Abhdlg.  III, 

IM)  (s.  Peter)  =  wie  dem  Finger,  so  legte  der 
naive  Sinn  des  Volkes  auch  dem  erektilen 
(Venusspiel)  Penis  koboldische,  neckende 
Eigenschaften  bei;  PetermÄnnchen  =  Kobold 
(H.  a.  Rh.  szv.  —  Popel,  [\m  PopW-Mann  =  ein 
quälender,  die  Kindererschreckender,  alpischer 
Hauskobold,  auch  das  Popele  (s.  d  )  und  Ruh- 
popel genannt,  der  das  Popel-Auge  {»,  d.)f  die 
Popelseuche  (s.  d.),  die  Pöpeln  (Hitzblatterrhen, 
Finnen),  wie  der  Butzimann  die  Batzen  (Blat- 
tern) bringt  (Gr.  W.  VII,  2000',  man  «eilte  ihn  wohl 
wie  andere  DamonengestaJten  an«  Wach».  Huxholz  u. 
Wen?  alt  eine  (Puppen-*  Poppen-Flgur  dar.  und  erhielt 
da«  Damonenbild  »o  deu  Samen  l'npel.  Popel,  Popel- 
mann fl-ipp.  Chr  ,  eigentlich  also  =  Alp  in 
Poppengestalt,  kleiner  eUdscher  Dämon  —  2  = 
(entsprechend  dem  ndL  snottolf  =  Schnutt-Alp, 
Enge*,  333)  b  Naseniotz,  das  in  den  Nasen- 
löchern eingetrocknete,  madenformige,  puppen- 
puppe =  boppe,  Klug**.  290)  artige  Sekret,  das  bei 
Schwerkranken  und  Besinnungslosen  früher 
auch  mit  wirklichen  Fliegenmaden  durchsetzt 
gewesen  sein  kann  (conf.  Fliegenteufel.  der  in  Ge- 
stalt einer  Fliege  au«  der  Na»e  de*  Bev-«*»-ri.n  =■  Schwer- 
kranken, Fiebernden,  hervorkommt,  Scheitle  IX.  407;, 
solche  Larven  oder  verpuppte  Maden  sah  man 
als  eine  Gestaltveränderung  des  Krankheits- 
damons  an  (s.  Alp  VI,  Made  und  Mann  ><-hm. 

I.  400;  Schw.  504  ;  TrqneU  I,  2'*;  Gr.  D.  M.  I,  473).  — 
Rippm-Hum  =  s.  Kippe  1  (Adams*ohn\  — 
San  /-Männchen,  -Mannlein  =  in  der  Kinderspr.) 
die  Augenrondigkeil  mit  Blinzeln  und  Seblaf- 
neigung  der  Kinder,  die  sich  dabei  die  Augen 
reiben,  als  ob  ihnen  jemand  (das  Sandmannlein, 
Sand  in  die  Augen  gestreut  halt«  und  sie  so 
am  Sehen  verhindere;  eine  dämoniHtisch  an- 
klingende Redewendung,  wie  der  >andseier, 
das  Pech  mann  lein,  Vogelmann  (C.  r.  Schm.  447; 
Gr.  W.  VIII.  17S7.  1769,  Tleyne  V,  2l0  210  «cb  rader 
414;  Urquell  III,  16«  ;  9pte*s  II.  i .  —  wUn/rManil 
heit  (12.  Jabrh.  slaphl&ün  aiennischc-.:  der  manne, 
Pfeiffer  18.  73.  80)  =  das  schlaff  gewordene  männ- 
liche Zeugungsvermögen.  —  (l'i-'i  Schrrck- 
Mannlein  =  Incubus,  das  Schrattlein  (s.  d.)  od. 
der  Alp  als  dämonistische  Ursache  a,  des  Pavor 
nocturnus  =  das  nächtliche  Auffahren  oder  Kr- 


kommen  (s.  d.)  der  Kinder  (Zw.  UL  973),  b)  der 
Schreckblattern  (e.  d.),  Herpes  labialis;  die 
Popaorflgur  der  Vogelscheuche  auf  den  Äckern  hl— 
auch  (1766)  Scbrockmannlein.  —  >>n>'  i-Mann  = 
der  in  allegorischer  Gestalt  als  Skelett,  mit  der 
volkermordenden  Sense  ausgestattet,  auf  einem 
Pferde  reitend  dargestellte  Tod.der  als  Schnitter 
oder  Dengelgeist  (s.  d.)  die  Menschen  wie  die 
Blumen  auf  der  Wiese  oder  die  Ähren  auf  dem 
Felde  hin  wegrafft  (Wackern.  Abbdl.  I.  307;  Pfeiffer, 
peatflentia  in  nummls).  —  Sttn  ,/  Mannets  ■  ein 
langer,hochaufgeschossenerjungerMann  (Sieder- 
bayern; Schlicht  25)  im  Gegensätze  zum  Tramm- 
Weibets.  —  .Sbtfcn-Mäiinlein  =  Alpdämon  als 
Männleingestalt  des  Stollen  wurms  (s.  d.)  (Laistner 
Ii,  209).  —  Tater-  (Doda-)  Mann,  1.  =  ein  alter, 
vor  Schwäche  bebender,  zitternder  Mann  (siehe 
bebendes  Alter),  auch  Kretin  (s.  Lümmel)  (Z.  f. 
d.  Phllol.  III ,  336;  Zlngerle;  Zeitacbx.  f.  d.  Myth. 
Mannh.  III,  207).  —  2.  =  die  Figur  eines  das  Zit- 
tern (das  Fieber,  s.  Beutelmann)  verursachen- 
den ,  erschreckenden ,  buckeligen  Krankheit- 
koboldes (Taterich,  s.  d.j  f»chon  mhd.  als  Popanx- 
ftirur  Torkommend.  Z.  f.  Ö.  V.-K.  1897.  S.  8;  Schmeller 
1,  631  ;  Golth.  142;  Vernal  88.  205j.  —  3.  =  (der  Sala- 
mander oder  Egelstung  [Egelstich.  Skorpion?  Südtirol] 
wird  als  ,, Tatermann"  [Bayern]  oder  Wegnarr  [Weg- 
Mar  •],  in  Wach«  nachgebildet  und  mit  Nadeln  durch- 
stochen. Dahn  I.  72.  227,  auch  an  zitternde,  gelähmte 
Glieder  letischartig  angehangen).  —  Tall-,  TM-, 
/  '  Mann  U6.  Jahrb.  tilmann;  1499  dUletnann,  Z.  f. 
d.  Philol.  HZ,  340)  =  ein  alberner  Mensch,  Kretin, 
der  nur  talet  (s.  d.),  dahlt.  —  Tod-,  toter  Mann 
=  ein  Gespenst  aus  dem  Totenreiche,  mit  dem 
der  Sterbende  kämpft  (s.  Grift,  Biss,  Tod).  — 
Fo?r/-Mann  =  das  nach  dem  Volksglauben  in 
der  Schweiz  Schlaf  bringende  Sandmännlein.daa 
man  sieb  vielleicht  als  geflügeltes  Elben- Wesen 
vorstellte  (Fiedermaua?  s.  Vogel)  (Laistner  1,  159; 
Z.  d.D.  ö  a.-v.  lssi,  s.  xa  .  —  u  ■  'V-  -Mannchen 
=  s.  Wichtelmännchen.  —  Wo/d-Männlein  - 
s.  Wiede-  und  Hoiemttnnlein,  Holzleute.  — 
IFazscr-Mann  =  s.  Wassermensch,  Nickelmann, 
Nix  (witi*chei  1,202;.  —  (i6»oj  IFnZ>-Mann  =  Her- 
tnaphroditus  —  geschlechtlich  halb  Mann,  halb 
Weib,  auch  Mannweib  (Gr.  W.  VI.  1605).  —  Wetter- 
Mannl  -  die  Erkaltungen  durch  die  Witterung 
bringende,  allegorische  Personnage  in  der 
Kinderstube  Oberbayerns.  —  II  >ÄM-Männ 
chen  mhd.  wlhtelmenlln ,  Hessen  WachtelmAnnrhen, 
Laistner  II,  1*9  =  Wichte!  (s.  d .).  —  W  i  -Mann! 
=  Incubua  =  Ho]t>(wito)  oder  Wald-MannU-in 
oder  Alp,  (1766)  „halb  Tier,  halb  Mensch,  untenher 
wie  Geissen,  am  Oberleib  wie  ein  Mensch"  (Bauern- 
regeln 54).  der,  wie  alle  Kr»nkbcli»d4monen .  nach 
altem  Volksglauben  den  Men«cben  quält ,  tos  <l»-m 
Walde  stammt  und  dahin,  d.  h.  In  die  Baume,  Äste, 
Erde  xuruckgebannt  wurde  (s.  d.  Verf.  Baum-  o.  Wald- 
kalt. 9.  3lj ;  auch  in  Bomhaare  (Kissen),  woselbst  er 
den  Alpzopf  macht,  wird  er  gebannt  Pauli  108,.  — 
WÜdtr  Mann  *  ll'.mau  —  miro,  Schmeller  I.  \~Z 
1.  —  ein  gewälttbftzjger,  mit  crort?«e*r  Schlauheit 
aus  der  Irrenanstalt  auHirel>rochener,  geifstes- 
kranker  Verbrecher  CAnklang  von  Wehrwolf, 
s.  d.).  —  2.  «  ein  solche  Geisteskrankheit  simu 
i  lierender  Verbrecher  fplerer '  XII,  t»*>.  —  3.  _ 


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896  Mannigfalt— Mar. 


.Mar. 


Waldniännlein  ata  Alp,  der  durch  das  Wild- 
mftnnleinkraut  vertrieben  werden  soll  (Roll.  127). 

—  4.  =  s.  Zauberer.  —  Mann(Bh  Männer-, 
männlich  -Bein ,  -Bis* ,  -Esser  u.  *,  -Fende, 
■GeblUt,  -Gebresten,  -Gemächt,  -Glepf,  -Glied, 
-Haar,  -Hoden,  -Hüff,  -Hüft,  -Kraft,  -Krank- 
heit, -Kunne,  -Macht,  -Natur,  -Röhre,  -Rute, 
-Samen,  -Schatzkästlein,  -schläehtiq,  -Seuche, 
-gierh,  -Siechtum,  -Stab,  Sucht,  -Tod,  -ToÜheit, 

—  Weib,  -  Werk,  -Zeichen. 

Mannigfalt,  n.  s.  Falte, 
mansch  s.  Mond. 

Mantel,  m.  (zu  lat.  mantellum  =  l'mschlagtuch). 

—  (1741)  Gekrös  Mantel  =  der  Faltenwurf 
(Kragen  4)  des  DarmgekröseB  (Hyrtl,  K.  W.  9»), 
Mesarchon,  Mesaraeum  (Kirsch  746). — spanischer 
Mantel  =  Pbi mos is  syph.,  Vorhautverengerung 
über  und  vor  der  Eichel  durch  die  spanische 
Krankheit  (Syphilis)  im  Gegensatz  zum  spa- 
nischen Kraben  (s.  d.)  (Xeumann  neuer  V.-8p.  14.33; 
der  «panische  Mautel  war  auch  eine  Strafe  für  leicht- 
fertige Personen,  Schmeller  I,  1(130).  —  Mantel- 
Kinder. 

Manz,  m.  manz,  mannz,  mänz  (mas)  (nach 

Stolz.  [Die  t'rbov.  von  Tirol  61]  zu  Ulyr.  mas)  =  männ- 
lich, nicht  gebarend,  unfruchtbar.  —  Manz,  m. 
(10.  Jahrh.  inanzo  =  über,  mnrnma  femlnae,  Uraff  II, 
818;  [Eifel]  mas  =  von  einer  Kuh,  welche  wahrend 
eines  Jahre*  kein  Kalb  gebracht  hat,  Fromm.  VI,  16). 

—  manz,  mänz,  1.  =  mannbar,  nicht  weiblich; 
vom  Vieh  =  milchgebend ,  aber  nicht  auf- 
nehmend. —  2.  =  „auch  vom  Weibe,  dessen 
Schwangerschaft  ein  zu  frfihe«,  daher  erfolg- 
loses Knde  nimmt".  —  mänz  gehen  =  Abortus, 
Partus  praematurus,  eine  Frühgeburt  haben 
(Schmeller  I,  1632).  —  (der-,  ver-,  «cr-)manzt  — 
ganz  entmannt,  ganz  geschwächt,  ermattet, 
niedergeschlagen,  kraftlos,  abgeinargelt. 

Mappes  ,  m.  s.  Mops,  ein  dicker  Mensch 

(Sples*  II,  159;  henneb.). 

Mar,  m.  Mare,  f.  Mah(r),  Mahr,  f.,  n.  Maira, 
Mara,  Merrie,  Mährte,  Marik,  Marte, 
Marder.  Mir,  Mirje,  Moor,  m.  („die  tuteste 

gemelugerui.  Bezeichnung  de»  Druckgeistes",  Golth.  75; 
altnord.  mara,  tniiru  ;  dilti,  inare  ;  frank,  mara;  „das 
weibliche  Geschlecht  Ist  besonder»  hervorgehoben", 
Golth.  7C;  nach  Kuhu ,  Zeitschr.  d.  Alt. Ver.  488,  cu 
lat.  mori;  bohm.  müra,  Wuttke  255;  Kluge  *,  245; 
rnman.  moroiu,  1'rquell  1895,  8.  60;  wendisch  murawa, 
mtiraue,  more  [  =  la  mort.  der  franzosischen  Sagen], 
Laistner  I,  42.  iyo;  II,  315,  franz.  la  mare m monstruin. 
Du  Cange  IX  =  Totencrscheinuug  des  Volksglanbens, 
die  den  (Verlebenden  quält  oder  mit  sich  nimmt, 
nachdem  sie  sich  zuerst  auf  den  Schlafenden  gesetzt 
und  ihu  zu  Tode  getreten  hat  [s.  Trude);  Ihr  Auf- 
enthaltsort ist  das  Engelland  (a.  d  ],  das  Land  der 
seelischen  Geister,  das  Totenreich  Jenseits  de»  Meeres 
oder  des  Marenholz,  Mantih.  Germ.  Mythen  S44  ff. ; 
Liebrecht,  z.  VoUuk.  56;  Lipp.  Chr.  448  ;  nach  der 
Yngllsuga  [c.  10)  war  schon  K.  Wanlandi  von  der 
Mar  [mara]  gedruckt  od.  getreten,  Slmrock,  EL  D.  M. 
136,  ahd.,  9.  Jahrh.  mara,  f.  =  Incubus,  Graft,  II,  819 
citropodes ;  nach  D.  124  chytropus  [  =  mara]  - 
dretbeJntl  wie  die  Gabelreiterin  oder  Hexe;  13.  Jahrb. 


noc  mich  dy  mare  dracbe,  SItxg.-Ber.  1867,  S.  7; 
1482  mar«  ist  eine  trugnlate  de«  menschen  und 
kommt  von  seinem  blute,  leber  und  lungen,  wenn 
ihm  das  auf  seinem  herzen  Hegt,  Zenlng*.  Voc.  t  6; 
Graff  II,  819;  16.  Jahrh.  mar  Ir  sult  uz  iu  dem  vlrsten 
(s.  Ofen  und  Kobold]  var[en],  noch  [sol]  mich  dl  mare 
drucke,  noch  mich  dl  mar  rite,  noch  mich  die  mare 
beschrite,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896,  8.  216;  15.  Jahrh.  mar 
=  ephtaltes,  ineubns,  suceubus,  D.  664;  1680  der  mar, 
die  mare  —  nocturnutu  tpectrum  dormientlbas  Inst- 
diosum  =  Incubus,  epblalte«;  1736  die  Mahr  Ist  eine 
Abbrechung  oder  Hemmung  der  Respiration,  welche 
einen  Schlaffenden  mit  grausamer  Hertxens&ngst,  ver- 
hinderter Rede  und  falscher  Einbildung  als  ob  etwas 
Schweres  od.  ein  Gewicht  auf  der  Brust,  angreift,  Woyt 
170;  ndl.  marlnne  =  inenbus,  D.  293;  1761  maare,  f. 
=  Incubus,  L.  chlr.  42;  1843  [flämisch  Belgien]  mär, 
lclyk  dier.  Mar,  ein  hässUches  Tier,  Z.  d.  V.  f.  V.-K. 
1896.  S.  214.  Der  Mar.  die  Mare  Ist  mehr  norddeutsch 
und  niederdeutsch,  Jedenfalls  nicht  allgemein  ober- 
deutsch, wo  Alp,  Schrättlein,  Hexe,  Nachtmännlein  etc. 
diesbezüglich  überwiegen  j  [Oberharz]  Marte,  Z.  d.  V. 
t.  V.-K.  1896,  S.  214;  Laistner  I,  63;  in  Oberfriesland 
helsst  er  Mir,  MlrJe ;  more  =  proeubus,  D.  II,  304; 
Oldenburg  Moor;  Mecklbg.  Mör;  personifiziert  als 
, .Johann  Mör"  [Mnrjanv];  ,,em  ls  Johann  Mor  ower 
worden,  uphackt ;  Johann  Mor  kickt  em  Ower  de  schul  • 
dem;  de  mot  mit  Johann  Mor  rundüm-alepen"  etc., 
Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1894.  8.  190;  1895,  8.  314;  den  ls  Marik 
to  nah  west;  het  Mariken  dl  dalwöhlt?,  1.  eod.).  — 
Die,  der  Mar  stimmt  nahezu  ganz  überein  mit  dem 
älteren  Alp  (».  d  dessen  Wesen  sie  als  Totenerscheinung 
(ausgefahrene  Seele  eines  Menschen)  erklären  soll,  1.= 
der  Mar  reitet  wie  der  Alp  auf  seinem  auser- 
lesenen Opfer  (Golth.  77).  —  2.  =  er  schläfert  den 
Menschen  ein,  drückt  den  Schlafenden  dann 
an  der  Kehle,  würgt  ihn  wie  Alp;  s.  auch  Mahr- 
ten-Trecken  (Golth.  77;  Laistner  II,  207).  —  3.  =  er 
tritt,  beschreitet  den  Menschen  wie  der  Alp  (u. 
die  Trude,  der  Adl  etc.)  (Golth.  76.  77;  conf.  fran«. 
cauchemar;  von  calcare  -  treten;  dazu  chaoehe 
poul»t,  rhanrhe  [seil,  mare]  vlellle  =  la  viellc  [mare]  qul, 
presse,  chauche  vieillo,  Brlss.  268),  —  4.  —  er  sticht 
und  erstickt  wie  der  Alp  (vgl.  Alpsticb,  Stech- 
mar).  —  5.  =  der  Mar  neckt  die  Weiher  mit  Auf- 
stoßen (s.  Marbrieiren)  (moorbrühen,  Goldschm.  103) 
und  mit  Kardialgien ;  auch  die  Männer  fasst  er 
unterm  Herzen  und  macht  ihnen  Alpdrücken 
(Goldschm.  104;  Zeitschr.  d.  V.  f.  V.-K.  1892.  8.  5). 
namentlich  iu  der  Nacht  als  Nachtmar,  Nacht- 
alp, Nachtmännlein,  Nachtweiblein  (A.  v.  H.  1, 821). 
—  G.  -  in  den  Niederlanden  reitet  auch  die  Mar 
wie  der  Alp  auf  den  Pferden,  auch  sonst  reitet 
sie  auf  leblosen  Hingen  (laistner  I,  30«),  weshalb 
man  zum  Schutze  gegen  dieselbe  die  Marenzacken, 
Marenflechten  (Mistelj  auf  die  Häuser  steckt;  diese 
Mistel  (Vlsriim  album)  wächst  nach  dem  dortigen 
Volksglauben  dn,  wo  auf  den  Bäumen  eine  Mar  gerastet 
(De  cock  178. 183).  —  7.  =  die  Mar  verwandelt  sich 
wie  der  Alp  auch  in  ein  Tier  (Marder,  Schmetter- 
ling, Frösche,  Kidechsen,  Stollen  wurm)  oder  in 
ein  sonstiges  hässliches  Getier  (Kuhn,  Zeitschr. 
f.  vergl.  Spr.-W.  XIII,  156;  Laistner  1.  90.  263.  270).  — 
8.  =  sie  verfilzt  als  Pferde-  oder  Ross-Mar  die 
Ilaare  der  Tiere  und  wie  der  Alp,  Bilwiz,  das 
Schrättlein,  Wichtlein,  die  Holden,  der  Troll 


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Mar. 


Mar. 


(Trolle)  auch  die  der  Menschen  (Golth.  77).  — 

9.  =  Tennnilich  ist  dieser  Mar  =  Dämon,  auch 
die  Man  =  Dolor  gravis  (bei  Du  ränge  V,  236).  — 

10.  =  die  Mahr  hetrnllt,  bezaubert  auch  den 
Menschen  ■  Schindler  I,  661).  —  Mansch,  n.  (1646 
moriach,  Coler,  Seh  437)  =  eine  vom  Mar- Dämon 
Terormachte  Schafseuche  (Tgl.  elbifch,  hunnisch  etc. 

Sehwelneroüaaf,  Kaluchm.  I,  II).  In  nachfolgenden 
Zusammensetzungen  treten  die  verschiedenen 
Seiten  de»  dämonischen  Wesen  des  oder  der  Mar 
spezialisiert  hervor.  Die  (der)  Mar  ist  I.  die  Aus- 
legung des  quälenden  Alptraums  (s.  d.)  durch  die 
Erscheinung  eines  Geistesausdem  Totenreiche; 

11.  weiterhin  elbische«  Wesen  im  allgemeinen 
(meist  weiblich,  daber  auch  „Krau  Mutter") 
(Frischt».  71) ;  III.  in  weiterer  Ausdehnung  =  Hexe 
(s.d.),  „der  Begriffd.  Mährte  wird  völlig  von  dem 
der  Hexe  aufgesogen"  (Laiatner);  I V.  das  Jüngste 
von  7  Geschwistern  (s.  7.  Kind)  gleichen  Ge- 
schlechtes wird  durch  die  blosse  Zahl  7  (s.  d.) 
schon  zur  Mährte  (Hexe)  (Laistuer  I.  273;  II.  SM). 

—  Mährte  f  =  weiblicher  Mar.  —  Mertchen 
=  Mahrtchen  (Mahrchen)  =  fliegende  Elben 
(Laictner  II.  279).  —  mahnen  -  als  Geist  der  Ver- 
storbenen umgehen,  durch  Zeichen  sich  melden 
(Tirol ;  Wolf  162).  —  Alp-Täxt  (Mor)  (15.  Jahrh.  alp- 
mor  =  procubu«,  D.  426 ;  Gr.  W.  VI.  1466 ;  Adler,  de 

*  incubo)  =  ein  Mar  (Mar-Olf),  der  wie  der  Alp- 
adel hauptsachlich  aurch  Alptraum  (s.  d.)  oder 
Alpdruck  sieb  äussert,  Procnbus,  Incubus.  — 
'ir</ -mahrig  ■  (durch  den  Etnfluss  der  Mar 
aufgebracht,  zornig,  kollerisch  (Tirol).  —  Botkt- 
Mahrte  ■  Puck  mar  iZ.  L  d.  a.  isss.  168).  —  Dru>  h- 
Mahrten  =  Alpdruck  machende  Mar  (Laistoerll, 
318).  —  Orr-Uta  =  Stechmar  (s.  d  ).  —  HoLz-Vat 
(15  Jahrh.  lamla,  D.  316).  Holzmuwe,  Waldfrau, 
Holzweiblein,  Hexe,  der  wie  alle  Krankheils- 
dämonen  aus  dem  Walde  stammende  elbische 
Mar  (Waldtuinne,  Milzfrau);  die  von  diesen 
Waldgeistern  veranlassten  Krankheiten  siehe: 
Holzleute.  —  Kletter  Mahlte  =  als  Menschen, 
die  infolge  der  Mondsucht  (s.  d.)  auf  Dach- 
balken nächtlicher  Weile  kletternd  wandeln, 
(s.  Nachtwandler,  Bretter  Steiger)  umgehende 
Margestalten  (Laistnerll.Sbe.  —  Krwk-M.iT  ehueb- 
mar*.  D.  124  ;  xytropus  -  au§  mlssTerstandeneni  crocha, 
chroca,  Krug  mit  3  Fussen]  =  auf  3  Beinen  Hexen- 
l>es«'ii)  geheuder  Danion,  wie  einer,  der  auf 
Krücken  geht.  —  /.•.--,  /-Mar  (Mater)  ahd.  7. — 8. 
Jahrh  langmar.  Caan.  Gloss. ;  10. —  11.  Jahrh.  lanrmar, 
Graft*  II,  819  =  Dhriiu*  inipudien».  s.  medicus  [s.  Finger] 
=  „der  lange  Mitteltinger,  aufweichen  die  Natur 
und  Kräfte  des  Nachtmars  Obertragen  waren, 
weil  er  sich  manchmal  als  widerspenstig  ~ge- 
spassig")  gebärdet  bei  Verletzungen  u.  Krank- 
heiten, so  dass  er  wie  ein  böswilliger  'possen* 
treibender)  Kobold  angesehen  wurde"  (Gr.  D. 
M.  I,  487)  (Lan»rmann,  Petennann,  Eangtuarter). 

—  Lüttel  Mahren  =  kleine  Marhuiionen 
(Wichtchen)  (Lalatnerll,  60    -  NotMMMX,  m.,  f. 

Mähr,  -Maier,  -Merrie,  -Mohr,  Moor, 

-Marder  (angls..  engl,  nightmar;  OsttrlasL  uaaebt 
mear,  nagtmlre.  Lipp  Chr.  447 .  Behlesw  -Holst,  nacht- 
mtbr;  dan.  nattemare.  Golth.  75,  lAOu  die  naht  meer 
=  ephUlU*.  D  II.  153;  iueubu*.  D  II,  213;  1507.  1410 


nachlniarr,    nachtmeyer,    15.  Jahrh.  naebtmarinne. 
nachtmerjr  =  cphialtes.  incubus,  incnlia.  D  2üö.  2*3; 
1662,  hol),  nachtmerry  =  Wehrwolf.  V.-K.  VI.  80.  Z.  d 
I    V.  f.  V.-K.  1S33.  392;  1699  nachtmahr  =  ineubu«,  t.  M 
|  I.  168;  ndl.  nachtmare;  1777  nachtmerrie,  IM?  Cock  7. 
33.  177;  V.-K.  1S94.  S.  7 .  [Paderborn]  HM  hunar,  Z.  d.  V. 
f.  V.-K.  1896.  8.  214;  in  einem  am  dem  1-laitdeutschen 
übertragenen  Marsegen;    nachlmohr,   Andresen  99: 
ndd.  naebtniärte  —  ..saltatrix  nocturna  s.  eauebemar  . 
um  qni  eo  laborant,  ribi  stomachnra  premi  ac  si  ali 
I  qni»  in  eo«  subsaltaret  opinantnr",  Do  « ange  VII.  2v« 
=  Incubus  daemon.,  d.  h.  ein  zur  Nachtzeit  unter 
verschiedenen  Gestallen  (z.  B.  als  rauhes  Tier) 
die  Schlafenden  reitender,  druckender,  treten- 
der,den  Kindern  u.  Menschen  blulaussaugender 
|   (Wuttke*,  766;  Z.  d.  D.  O.  A.-V.  1881,  8.  358),  männ- 
I  lieber  oder  weihlicher  Dämon  aus  dem  Engel- 
j  land  (s.  d.)  im  niederdeutschen  und  nordischen 
Volksaberglauben,  d.  h.  das  abnorme,  krank- 
i  hafte  Bekletnmungügefnhl  Schlafender,  deren 
I  Traurae  (s.  Alptraum)  sich  in  Ähnlichen  Etn- 
I  ptindungen   der    a Mar  -  Wirkung"  l»eWegeO. 
Menschen,  denen  wie  beim  Raulein  >.  d  )  die  Wenk- 
braucn  an  einander  gereiht  sind,  stehen  in  Flandern 
|  (De  Cock  1-H  in  schlechtem  Rufe,  da  Mc  schon  durch 
das  blosse  türkische  Denken,  beiw.  Stirn  runzeln  Raten) 
den  ihnen  verhassten  Menschen  die  Nachtmare  be- 
,   sorgen  können,  die  dann  als  ein  weisser  Schmetterling 
j   (wie  der  Alp    au«  den  Wenkbrauen  kommt  und  »ich 
I  auf  die  Brust  de«  Schlafenden  seut  Incubus.  Inruha). 
wodurch  dieser  in  schwere  Traume  verfAllt.  well  er 
dann  Ton  der  Marheze.  wie  er  plaubt  .  perltteo"  (s  d.) 
wird.  Die  Schönste  Ton  7  Töchtern  wird  nach  dem 
I  gleichen  Glauben  ein  Nathtmar  ,s.  Wehrwolf).  Die 
Nachtmar  bereitet  auch  Pferde,   wovon  die 
Haarböllchen  (Klfkugeln)  in  der  Pferdemähne 
Zeugnis  ablegen  sollen,  weshalb  die  I^andleute 
an  der  Ober-Isel  Pferdeköpfe  an  den  Stallungen 
aufstecken  (De  Cock,  V.-K.  1S94,  S.  7);  er  kaut  auch 
die«e  Pferdezrtpfe  durch  (Kehrein  S."> ;  De  Cock  1.  c. ; 
Gr.  D.  M.  L  433;  Urquell  II.  119;  Roebbolz  II,  144; 
Simrock.  H.  D.  M.  43«,  Gr  W  VII,  200;  Z  d.  D  Ö. 
A.  V.  litt,  8.  338;  H   A.  Rh.  415;  Adler,  de  lncubo 
1827).  —  iyeraY-Mar  =  der  die  Haare  der  Pferde 
i  zu  Wichlelzöpfen  •*.  d.)  verfilzende,  flechtende 
]  Alp  oder  Kose-  oder  Nacht-Mar  (Pfalz,  Niederl  , 
Bararia  IV,  2.  S37)    «  Zopf,  Flechte,  Zotte).  — 
!  Purk-  .Bock-]  Mährte  -  ein  Mar  in  der  Gestalt 
eines  Puck  (s.  d.)  als  Incubus  [Z.  f.  d.  \.  lss«, 
S.  16*j.  —  reit f ii de,  Ii  ''  Mahre,  f.  -Mar,  in.  ^ 
aufhockender  :s.  d.),  Tiere  und  Menschen  rei- 
tender (s.  d.),  meist  weihlicher  Kardamon,  Alp 
•'•>••:   '  I.  171 .    Marenhanns  ist  der  entsprechende 
männliche  Dämon  ;  [Saterland]  ridlroo[i;r;  frie«  ridtmer, 
Z  d.  V.  t  V.-K  1893.  8  392  .  —  Rois-MtLI  Kos- 
nierta),  eine  weibliche  Mar,  die  sieh,  wie  eine 
Hexe,  bei  ihrem  nächtlichen  Ritte  des  Pferdes 
bedient  und  dann  wie  der  Pferdemar  Wieht.-l 
zöpfe  in  dessen  Haare  flicht  iSimr.  H.  D.  M  zm. 
437;  b.hm  roimar  =  Schrulle,  Grille  [s.  Enirerllng;). 
—  .S'fAn-M&r   (altnord.  sin  moeru,   Jordan  304J  = 
der  wie  öfter  aU  neckische»«  Kob'diiinannchen 
aufgefasste  Nervus  viriiis,  Penis  s.  Peterniann- 
cben,  Alp  und  Daumen).  —  ÄferA-Mar  -  der 
da«  stechen  (s.  d.  und  vgl.  Alpstich),  d.  h.  den 
enteflndlichen  Seitenschmerz  bei  der  Lungen- 


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398  niar-Mark l. 

u.  Rippenfellentzündung  sowie  Krstecken  brin- 
gende, koholdische  Mardämon  des  (germ.)  ahd. 
Aberglaubens ;  auch  ein  angls.  Segen  spricht 
von  Hexen  (hagte«*an),  die  laut  Ober  Land  reiten 
und  Rilllende  Speere  (Schubs ,  Gesehoss  [«.  d.] 
und  Speer,  Ger)  absenden,  die  dem  Kranken 
Stechen  (Stecken)  verursachen  (Mannh.  Zeluchr. 
(.  d.  MytUoi.  in,  10).  —  7odV«-Mar,  -Möhren die 
unabwendbare,  lödlicbes  Schicksal  bringende 
Dämonenfigurdes  Alt-Glaubens,  Atropns  (Kraus. 
E.  144)  (s.  o.).  —  Weg-Max  (?),  Wegnarr  (Ober- 
bayern)  =  Talermann  (Salamander,  Stollwurm) 
(Schmeller  Ii,  877).  —  Marten)  -bringen  -[brühen), 
-Flechte,-Fuss,  -Hanns.  -Klatte,- Klette,  -Locken, 
-Qttal,  -Ritt  (reiten),  -Schrättlein,  -trecken, 
-Tritt,  -  Wirkung ,  -Zopf.  Siehe  auch  Mar 
anter  Mark. 

mar,  marb,  marw,  mär  (ahd.  marawi.  ma™, 
GrafT  II,  831)  =  mürbe,  weich  (vom  Fötus),  los- 
gestossen  (von  Gewehteilen),  nicht  eingeklemmt 
(von  Hernien)  (Goldschrn.  112)  (s.  Marwugel). 

Mardax  s.  Mordax  (=  Kriitre). 
Marder  s.  Mar. 
Maria.  —  Marien- Ros<: 

Marisal,  Marissen  [L— 2.  Jahrh  p  Chr.  cedantur 
tuinldae  niedlco  ridente  inariscao  [Juvenal,  Martial] ;  zu 
|MpatY«v-  welk,  weich  werden  [wie  mare  bclt-Feigen], 
Kraus,  F..  HS:  nach  anderen  Villarei  II,  964;  Koth  311 
=  mariscusfleus  -  männliche  inias],  schlechtere  Kelgen- 
sorte  p| j  ahd.  marrisal  =  laesio,  Schaden,  Darrung. 
Heyne  V,  240;  mtl.  marisca  —  extum,  vcalca,  cxtalis, 
macula.  D.  219.  349;  1420  marisca  =  keypar*.  D.  II.  247  j 
14.  Jahrh.  marlssc.  Voc.  opt.  W.  41 ,  1701  marUcae  - 
Heus  uni,  I..  ch.  47 ;  1801  mariscae  =  Hämorrhoidal- 
knoten, Weichard  157),  1.  —  Malum  fici,  Feigwarzen 
(s.  d.),  Kipparsch  (l>.  3mj.  —  2.  =  Exta  protui- 
nentia  =  Brach  oder  Leibsehaden  (leicht  vom 
Laien  mit  Leisten- Bubonen  bei  Feigwarzen  zu 
verwechseln).  —  3.  =  Drusen  -  Anschwellung 
(Feifeidrüse,  Drüsen  3  h)  bei  Pferden  (=  ma- 
riscae bei  Du  fange).  —  4.  =Syk<>siH  der  Griechen 
(vesiea  macula  =  Syphilis  ?  Feigmal)  (A.  v.  H.  II, 
503;  blbl.  Med.  643}.  Vielleicht  hat  da»  „Marixcln" 
(s.  d.,  Mnrixeln)  hievon  »einen  lautlichen  Ursprung. 
—  5.  =  tiru««darm  (D.  349).^  Anus  (L'ondylomata 
in  ano?).  —  G.  =  (Hämorrhoides?),  s.  Feige, 
„welke  Hämorrhoidenknoten,  die  nicht  mehr 
in  Zirkulation  stehen"  (?)  (Villaret  II.  261). 

marixeln  -  morixeln. 

Mark ',  Marg,  March,  Marh,  märgeln  (mer- 
geln) (indoRerm  majj  -  mergere,  eintauchen  [in  da.« 
Fett?);  vorgerm.  maxgho-  Knochenmark  ;  ,,nach  dem 
Gesetze  de»  Rbotacismus"  ;  ahd.  marag,  marg,  Kluge  *, 
24S;  allxachs  uiarge,  Kuhn.  Zeit«chr.  f.  vergl.  Spr.-W. 
XIII,  04  ;  8.  Jahrh.  mannt,  «irtiff  II,  1 4  ;  9.  Jahrh.  innre 
=  inednlla,  Rab  Maur.  6".,  11  Jahrh.  inurch  =  medulla, 
H.  Z.III,  308;  1894  mark  -abdomitum,  pinguedo  latcn» 
In  osslbu«,  D.  2;  mhd.  marg,  marges,  <ir.  Vf.  VI.  lti2H 
—  der  Mark,  de«  Mark«;  mar,  marh  —  March.  Mark, 
Gr.  Vf.  VI,  102» ;  «ach*  ,  15.  Jahrh.  march  —  cartlliico, 
D.  103;  1468  mark.  merk,  march  -  medulla,  D.  II.  249; 
engl,  marrow  =  Mark,  Lchf.  72.  19'.;  moelle).  Da»  In 
uralten  Sogensfnrmeln  aultretende  Wort  für  Mark  durfie 
eine  der  ältesten  Benennungen  Innerer  menschlicher 


Mark'. 

Korpergewebtstelle  »ein  (Kuhn,  Zeluchr.  I.  %-gl.  Kpr.-W. 
XIII,  63).  —  Mark,  1.  =  der  fettreiche,  weiche 
Inhalt  der  tierischen  u.  menschlichen  Knochen 
tconl.  Kdda.  VölncpA  39 .  Jordan  27).   —  2.  =  der 
welche  Inhalt  der  Schadelknochen,  Substantia 
medullaris  cerehri  (Gehirn).  —  3.  —  (anatomlach) 
besondere  der  weisse  innere  Teil  der  Gehirn- 
I  masse  im  Gegensatze  zur  wolkengrauen  Rinden« 
8iihstanz  der  sogen.  Hirnrinde  oder  Hirnborke 
(Hyrtl.  K.  Vf.  166)  —  4.  =  deswegen,  weil  das  fett- 
reiche, nährende  Knochenmark  Kraft  gab,  ist 
Mark  =  Sitz  der  Nervenkraft,  „Mark  und  Bein" 
=  die  innerste  Kraft,  das  Innerste  (Gr.  W.  I, 
I  1382);  „Mark  und  Ferch"  =  Kraft  und  Leben 
{Gr.  W.  III,  1528).  —  5.  =  (scherzhaft  umschreibend) 
Mark  als  Inhalt  der  Nasenknochen  =  Nasen- 
schleim (H.  Sach»;  Gr.  W.  VI.  1631).  —  niargeLn, 
mergeln  =  his  aufs  Matk  entkräften,  krattlos, 
marklos  machen  (Kluge5,  256;  Gr.  \V.  VI,  2092).  — 
Märgel  =  eine  magere,  grosse  Pereon  (Andresen 
KS).  —  (lfi09)    l'mergelung  (des  I^ibes)  Md. 
aimarraken,  Fromm.  VI,  356)  =  das  vom  Fette  (Mark) 
kommen,  Magerwerden  am  ganzen  I^eibe  (Guar. 
979).  —  (15.  Jahrh.)  an.«  /  mergelt  (umrmergeln  = 
enerrare,  D.  202  269 ;  holl.  alt  mergeln ;  »cbwed.  ut- 
mergla,  utraergling)  =  derjenige,  dem  das  Mark, 
diu  Feit  herausgenommen  ist,  des  fettreichen 
Markes,  der  Kraft  berauht,  marklos,  mager, 
dürr,  ausgezehrt,  demoelle,  ereinte  (Bris*.  276; 
Bad.  Jun.  391).  —  />'-  w;-Mark  (15.  Jahrb.  mark  Im 
betn.  Gr.  Vi.  VI,  1628:  1501  da«  marg  im  beln;  1741  da« 
Marek  In  Beinen  =  Rhachitl».  Kirsch  1037 ;  t,  f äy = 
Rückgrat),  1.  =  Medulla  OKSium ,  das  fettreiche 
Knochenmark.  —  2.  —  Kückgratsmark.  —  ge- 
markt  (ahd.  gemarctlu  =  rouch  opher  vclstlu  = 
medullata;  1">.  Jahrh.  ein  getodt  optier  de»  marck»,  dz 
i   aller  best  optier  =  medullatiim  sacrifleium,  D.  353)  = 
j  das  Fettreiche  od.  Markreiehe  am  Opfertiere 
>  (schneller  I,  1647).  —  WiVu-Mark  =  das  Gehirn 
(Medulla  cerehri)  als  Mark  der  Schadelknochen 
(Mark  2),  dessen  Verlängerung  die  Medulla  ob- 
longata  ist  (Gr.  W.  IV.  2.  1561).  —  (1715)  inneres 
Mark  =  Kno.'henmark,  Kückenmai  k  (Toll.  leg. 
1*4).  —  A'a/eMark  =  ((Übersetzung  de»  riscu«  frigldnm 
et  hnmidum  ;=  Gehirn]  der  ArabUten  im  Gegensau 
zu  den  vi«cera  calida  (=  Her«,  Leber,  Milz],  Hyrtl. 
K.  W.  83;  nach  dieser  Schullehrc  galt)  =  das  «iehirn 
als  ein  Orwan  kalter  Gr undfeuchte.  —  Knochen- 
Mark  -  Medulla  ossium  (Mark  1),  Beinmark, 
das  die  Markhohle  der  Knochen  einnimmt  und 
wegen  seines  Fettreichtums  ein  besonderer 
Leckerbissen  wilder  und  halbwilder  Völker  ist: 
die  früheren  Medizinschulen  sahen  es  als  den 
Nahrungsstoll  der  Knochen  an  (Hyrtl.  Anat.  194).  — 
erfrorenes  irwor/u*ri-Mark    chronischer  Rheu- 
matismus infolge  einer  sozusagen  bis  aufs  Mark, 
ins  Innerste  gedrungenen  Erkältung  (Pauli  5). 
—  (1666)  langes  Mark  -  das  durch  den  ganzen 
Rückgrat- Kanal  sien  als  Verlängerung  des 
Hirnmarkes  (*.  d.)  fortsetzende  Rückenmark 
11.  verlängerte  Mark  (Medulla  oblongata)  (Gr.  Vf. 
vi,  1028).  —  Rücken-,  Rmkhcins;  -Ruckgrats- 
Mark  (mhd.  mgmarg,  Voc.  opt.  Vf.  j  1468  rucken- 
marckt  ~  nucha,  D.  II.  206;  147i  rugbeynj  doirgaende 
marck  =  nucha,  I).  :'.M  ;  1482  ruckengrate»  marck  = 
,, Knochen  hinten  am  Nack",  nucha,  Zcn.  Voc.  bb4. 


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Mark '-St.  Markolf. 


Markt— Marter.  39!) 


1515  ruckmarck  -  mich» ,  P.  384 ;  1581  das  mark  des 
ruckgTadts,  Gr.  W  VI,  1628 ;  Heyne  III,  744 ;  1582  das 
Rnckenmarck  oder  das  so  In  den  Kuckenmeyssel  der 
Thier  Ist  welches  härter  und  trtickner  Ist  dann  das 
Marek  aus»  den  Beinen  =  Medulla  spinalls,  Lonlc.  314; 
1666  das  ruekenmark  =  medulla  spinalls  ;  16*0  das 
mark  im  ruckgrat,  Gr.  W.  VI,  1628,  1741  Uüekgrad- 
mark  =  notiaeus,  Kirsch  799;  holl.  ruggemerg;  dau. 
rygmarv;  schwed  ryggmarg)  =  das  Mark  (l.  U.  2), 
da« in  den  Knochen  sich  befindet,  die  den  Rück- 
gralkanal  bilden.  —  weisses  Mark  (ahd.  wlsz- 
margk)  —  daa  weisse  Innere  der  Gehirnniasse  als 
Mark  2  im  Gegensatze  zur  grauen  Hirnrinde 
u.  zum  fettreichen  roten  Knochenmark  (Mark  1) 
(Hyril,  K.  W.  82).  —  Altvatcr-Mark  heisst  In  Tirol  die 
Kraft«  urz  Arnlca  montana,  als  Mittel  gegen  den  Alt- 
mann {».  d).  —  Znu -Mark  —  Pulpa  dentium, 
Zahnkeim  in  der  Zahnhöhle,  welcher  aus  seinen 
Blutgefässen  den  Zahnsaft  absondert.  — 
Mark(B)  -  .B«n ,  -Fleisch.  -Geschoss,  -Haut, 
-Knochen,  -Röhre,  -Schwamm,  -Schweinen, 
-  Tropf,  -  Wurm. 

Mark  *,  f.  (der  Wald  war  die  ursprüngliche  und 
natürlichste  „Grenze"  zwischen  Volkerschalten  der 
Band  [margo]  der  menschlichen  Resiedelung).  -  11.". 
.4u#märkinger -die  aus  der  menschlichen  Ge- 
sellschaft,  aus  der  Sippen- Wohnung  ausge- 
schiedenen „sondersiechen",  abgesonderten, 
feldsOchtigen  Lepra-  oder  Aussatzkranken  (s.  d. 
Verf.  voiksmed.,  s.224).  —  (1515)  Au<-märkigkeit  = 
Lepra  (I).  324).  —  Mark-Ö//,  -  Wolf;  s.  Marköen. 

Mark*,  n.  Marke,  f.  (merken)  ( ^  das  zeichen. 

mit  dem  man  die  Grenze  (Mark  2]  kennzeichnet 
[„marchf  ],  merkt  igotb.  markjan],  oder  mit  dem  die 
Hexe  gekennzeichnet  ist  [Hcxenmal],  la  marqiie,  Kriss. 
261;  Kluge1,  248.  2  "m  ;  conf.,  engl,  poefcmark,  small 
poxrnark  -  Blatternarben,  bloodmarks  —  Blutspuren, 
Lehf  84.  211;  dan.  modermarke  =  Muttermal;  engl, 
roothermark).  —  Marken  =  die  sogen.  Bohne  od. 
Kunde  beim  f'ferdezahn,  in  dessen  Zeichnung 
durch  schwärzliche  Furchen  die  Alters- Erkun- 
digung gesehen  wird  (Mayer33).  — Brav:  Marke 
=  Brandmal.  -  falsche  [Kontra-) Märker  - 
Pferde,  die  falsche  Marken,  Kunden  haben 
(s.  Malauchen  und  Zweiflet)  (Zlpp.  148;  Falke  I, 
273).  —  G»-merk,  n.  =  das  ganze  Erinnerungs- 
vermögen, Gedächtnis  (merken  =  die  Sinne  oder 
die  innere  Beobachtung  auf  ein  bestimmtes  Ziel  richten, 

H.  Paul  301).  -  Mark-Z«/»n. 

8t.  Markoen  (Markolf),  l.  =  in  Flandern  der 
Name  eines  Krankneiipatrons  St.  Markulfus, 
St.  Marcoul  (=  Markoll).  —  2  =  die  durch  die 
Hilfe  dieses  Heiligen  zu  heilende  Krankheit 
seihst,  nämlich  Scrofulosi« ,  Schlier,  Kropf- 
drfise,  Krebsdrüse  fl>c  rock  40.  IM;  Briss.  152), 
vielleicht  wegen  Anklingen  des  Namens  an 
Mark  =  Kern  (Kernl,  s.  d.-  Drüse).  —  in  Krank 
reich  nennt  man  den  7.  Sohn  in  einer  durch  krin 
Madchen  unterbrochenen  Kinderreibe  mtlreou,  weil 
er  im  Stande  Ist.  Kröpfe  (mal  de  cou)  durch  Anblasen 
zu  heilen ;  In  der  Normandie  ist  es  das  7.  Mädchen 
(«.  Saehtinar) .  in  Mandern  ist  er  ein  Wehrwolf  (s.  d.). 
..Marcon  ist  deutsch  Markolf  -  der  Markwolf,  Wald- 
woll  (Grenzwolf ,  s.  Mark  2),  Waldgeist"  (Liebrecht, 
X.  Volksk.  347;  Kluge4,  248;  auch  der  BIlM»  oder  die 


I  Elster  [Garrulus]  heisst:  Markolf,  .Schmeller  I,  1651; 
D.  258;  Fr.  Kr -B  <17^ ;  Marwolt,  Schmeller  I.  UM  und 
Markgrof,  L  c).  Die  Elster  lieferte  das  Boller'sche  Ge- 
heimmittel gegen  die  Epilepsie  (Beilage  z.  Allg.  Zeit. 
1889.  Nr.  90);  es  ist  dies  das  Markgrafen-1'ulvcr  der 
Volksmediziner  =  Markolfen-I'ulver ;  vielleicht  ist 
chauche  poulet  (cauchemar)  —  Häher  als  dämonlstiseher 
Vogel  die  Gestalt  des  Mar  (Nachtmar),  chauche  vieillc 
qul  presse,  Briss.  268;  jedenfalls  ist  der  Markolf  eine 
ursprünglich  deutsche,  bezw.  germanische  Vorstellung 
gewesen  und  vielleicht  besser  als  Mark-Alp  (s.  Olf) 
zu  deuten,  entsprechend  dem  Marktropf  (s.  d  .),  der  das 
Markgeschoss  verursacht.  — 3.  -=  daher  {1502margkolff 
=  graculus,  rucke,  D.  II,  IM),  ein  Rüekenknochen- 
Scliinerzen  veranlassender  Dämon  (Markalp). 

Markt,  m.  (-der  Ort  des  Feilbiet  •ns  [mercatusj  ; 
ahd.  mercati,  marchato.  markst ;  mhd.  markt.  Hcyno 
III,  747).  —  (172-.)  J'/mrA-Markt  =  Mammae  fe- 
minae  plenae  (Th.  8.  itr.).  die  drallen,  dem  Blicke 
sich  feil  bietenden  Brüste  eines  Weibes. 

Marmor,  m.  (fi'ipu.apoi;  =r  glänzend  polierter,  meist 
gefleckt  farblgsehimmendcrStein).  -  Marmor  Staar. 

marode,  marod  (aus  dem  trnnz.  marnud  —  herum- 
ziehender Bettler  od.  1741  Marode- Bruder.  Kirsch  407  ; 
1").  Jahrh.  maraiilt  ,  ein  ans  der  Soldatensprache  des 
30  jährigen  Krieges  nberkommenes  und  mit  dem  Namen 
des  kaiserlichen  Obersten  von  Merode  In  Beziehung 
gesetztes  Wort  für  Nachzügler,  untüchtiger,  weil  krauker 
8oldat)  =  krank,  abgemattet  (Bayern.  Schweiz; 
Gr.  W.  VI,  1679;  Schm.  I,  1637;  Maschenb.  390). 

Marron,  m.  (  —  unau'gehackener  Tcigklumpen  im 
Brote)  -  Kretin  (s.  backen,  Mühle,  Ofen),  als 
unvollkommenes  Geschöpf  (Z  I.  d.  l-hilol.  III.  335; 
l'nter-Walli«). 

Mars,  in.  =  M  J- Arsch  (conl.  Nars;  udd  , 
Froi  -n  VI.  j-r, 

MarSCÜ,  m.  (1666  ein  gleichzeitig  mit  „mar 
schieren"  im  30jährigen  Kriege  aus  franz.  marche.  f. 
übcrkomineues  Wort,  Kluge*,  249  =  rascher  Gang).  — 
Durch- Marsch  fBayern)  =  Durchgang,  Dun  hfall, 
Diarrhoe  (Schm.  I,  16M).  —  St.  Gn/fVr-Marsch 
(Strassi..;  Gr.  W.  I,  209)  =  Gang  zum  Friedhofe, 
St.  Galltissterben. 

Marsch,  f.  fein  ndd.  Wort  für  Morast,  8umpf. 
Sumpfland,  Kenland,  Morschland,  Kluge5,  249).  — 
Marsch- b über ,  - Kra n Ich nt. 

Mart,  n.  r=  Gebiss,  Zilhne  (Schm  I,  1647). 

Marten  c  Martin, 

Marter,  m.,  f.  (au*  dem  grlech -lat.  martyrium  = 
Blutzeug«chaft  [chrUll  -lat.),  Qual;  ahd.  martira,  mar- 
tara,  mardar,  m.  —  Qual,  l'ein ;  15.  Jahrh.  martlr  = 
passio,  Di  415;  mhd.  marter,  martere  =  grausame  Qual, 
Fein,  Kluge*,  249;  1061  die  marter  =  heftiger  Körper- 
schule«, schmerzende  Krankheit,  Gr.  W.  VI,  167S; 
Coler,  II.  A.  117).  —  Der  Marter  =  der  marternde, 
qualende,  beizende  Schmerz  zwischen  den 
Zehen  hei  Flössern  und  Gerbern,  die  viel  im 
Wasser  stehen.  —  (UM)  auf  dein  Marter-Stroh 
liegen  =  auf  der  Streu  (s.  Harpfe)  liegend  unter 
Schmerzen  krel.ftren  (Inchenhof  Mlrakelb).  — Arsch- 
Marterer  =  >tuh!irang-Zwang,  Diarhoe  (in  Tirol 
heisst  Prunus  cera^ifera  so  nach  Palla  Torr«  65).  — 
St.  QiHn/ivMarter  (1550  St  krtres  marter  [in  Vcr- 


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400  St.  Martin-Mase. 


Mase 


wünschungen],  Gr.  W.  I,  888),  1.  =  Fest  (s.  d.),  da 
St.  Quirin  Pestpatron  ist  (s.  Kultkalendarium  in 
der  Zeitschr.  d.  D.  Ü.  A.-V.  1894.  8.  190).  —  2.  =  in 
Flandern  le  mal  St.  Quirin  =  Krebs,  krebsige 
Verschwärung  (De  Cook  290)  (s.St.  Quirine-Rache 
und  St.  Quirin).  —  Marter- Kam,!, 

St.  Martin  (Marten).  (Ober  8t.  Martin,  a.  Kult- 
kalend.  in  Zeitschr.  d.  D.  ö.  A.-V.  1894,  8.  209;  Irnnz., 
14.  Jahrh  le  mal  St.  Martin,  1.  =  Katzenjammer.  — 
2.  =  Schlund-  und  Mundkrankheit.  —  3.  =  Erysipel  as 
[s.  martialisches  Feuer],  Briss,  185 ;  martiner  —  tüchtig 
trinken,  wie  z.  Ii,  am  St.  Martinstag,  Demokrltoa  V, 
IS6  :  Schweiler  I,  1618).  —  dünner  Marten  (vielleicht 
anlehnend  an  Marter)  =  dünnflüssiger,  schmerz- 
hafter Stuhlgang  (Gr.  w.H,  1557).  —  lang  Marten 
«■  Langmar  (s.  d.),  Langmann  (Mittelfinger) 
(Andresen  103).  —  Martins  -  Gl  t  tä  mpt. 

Marzeller,  m.  =  ein  abmagerndes  Kind  mit 
Kröten  hauch,  welches  zur  Heilung  nach  Maria- 
Zell  oder  Marzellstetlen  (hei  Wertingen)  auf  einer 
Wallfahrt  gebracht  wird  (Lammen  142;  Stnhenvoll 
119).  über  die  3  Kinderheiligen  daselbst,  sogen.  Mar- 
celler, s.  Btrlinger,  8. 1,  347 ,  Blrlinger,  Augsbg.  Wörter- 
buch 329  a). 

mas  s.  Manr.. 

Maschanzer,  pl.  (Schweiz)  =  uiale8anus=  Aus- 
sätziger (Studer,  Schweizer  UrUn.  166). 

Masche,  f.  {Schlinge, Schnallen waache),  1.  —  Hure 
(8.  Schnalle)  (Schm.  I,  1679).  —  2.  =  Vulva  equina, 
die  mit  dem  Anus  eine  Schlinge  macht.  —  Qe- 
mäsch  (Gemeusch  1520,  H.  Sachs)  =  das  ganze 
innere  Genital-Organ  des  Weibes  (Schm.  I,  1680). 

Mascher,  m.  (Masser)  (zu  ahd.  maz  =  Bpetae- 

Kett ;  1482  mancher,  masser  —  pituita  oculoruw,  Augen, 
greck  (s.  d.].  Zening.  Voc.  m~,  pp8.  t7;  wascher, 
watzer,  westher,  watz  =  pituita,  gramlae,  Augeugreck. 
Diefenb.),  1.  =  Matzer  (s.  d.)  oder  AugenschJeim 
(Gr.  w.  VI,  1770).  —  2.  =  Maser  (s.  d.).  —  masen 
(Karnthen)  =  die  Augen  zudrücken,  durch  den 
Masser  versehliessen  (Schw.  I,  1659).  —  massern 
=  fetten  Aiigenschleim absondern  (Pauli  39) (Hiebe 
Dawer-Augen).  —  .1«.;.  ■<  Mascher.  Masser  (i486 
augenwazer,  -wazel,  -matzer  —  gramin,  1).  2h»)  —  der 
eingetrocknete,  fetteA ilgenschleim, der  wahrend 
des  Schlafes  sich  zu  Greck  (s.  d.)  verhärtet,  er 
heisst  darum  auch  „Schlaf"  (s.  d.)  (c.  v.  Schm. 31). 
—  ma88<r-augig. 

Maschine,  f.  (entlehnt  im  17.  Jahrb.,  Kluge*,  aus 
frans,  machine),  1.  =  (1*12)  der  Organismus  des 
Menschen,  der  (noch  F.  Holtmann  VII,  18)  durch 
den  Nervenäther  in  Thätigkeit  erhalten  wird; 
ist  diese  letztere  zu  gross,  so  entsteht  nach 
derselben  Anschauung  der  Krampf;  ist  sie  zu 
klein,  so  liegt  krankhafte  Schwäche  vor.  — 
2.  =  ein  korpulenter  Mensch,  der  wie  eine 
Dampfmaschine  sich  pustend  fortbewegt  (lilnt- 
ner  5.  9). 

Mase,  f.  Masen,  f.  Maser,  m.  Mass,  m. 
Masser,  m.  Masern,  pl.  Mose,  Mosen,  Masein, 
Mazel,  Mäsling,  Mässer  (Maiss,  Mascher) 

(ahd.,  8.  Jahrh.  masa.  f.  wasala,  f.  n  clcatrix.  stigma, 
Wundnarbe,  «raff  II,  861,  H.  Z.  XV,  61.  3&3.  XVI,  29. 
44.  557;  m&tar  =  knorriger  Auawucha  an  Baumen, 
Klugo  *  25t) i  Gr.  W.  VI,  1698  ff. ;  10  Jahrh.  weis«  [masnr] 


m  rarlola  [Blatternarbe],  tirad  II,  874;  wessa,  weis« 
=  apostema,  bubo,  boaaa,  Du  Cange  V,  328.  362  — 
Drusenknollen ;  11.  Jahrh.  maacren  =  nodosua  fueri, 
Knötchen  bekommen,  H.  Z.  III.  368.  waseloht,  U.  Z.III 
-nodosua;  11.  Jahrh.  masala  =  flegmen,  morbus  cum 
rubore  [et  phlegma  =  MasernkaUrrh],  D.  239;  12.  Jatnh 
masnr,  m.  —  tuber,  knolliger,  knorriger,  knotiger  Aus- 
wuchs, Graff,  1.  c.  II,  875;  mazere  =  tubera,  Germania 
XVIII,  74,  masa  roh  t  =  masericht,  Graff  1.  c. ;  ahd. 
masala.  Gr.  W.  VI,  1701;  masen  =  Wundnarben. 
Pfeiffer  33;  mhd.  wüse  -  clcatrix,  aUgma;  maaer  = 
tuber,  iloutknotcn,  Gichtknoten,  Gr.  W.  VI,  17CW. 
\  maseht,  masec,  masechtig  =  Masern  habend;  mas, 
masz  —  Narbenfleck,  Schw.  419;  1421  marseil  =  cicatriz, 
D.  II,  88;  wasenn  [  -  masen]  peto  [petigo],  infirmita.«, 
D.  II,  290;  maael  =  Pustel,  Baude,  Kriktze,  Schw.  419; 
Gr.  W.  VI,  1701;  1482  mose  =  acuamurca  [Sonnen- 
wucken]  =  Flecken,  Zenlug.  Voc.  h8;  D.  526;  1493 
masen  —  llauttlccken,  Gr.  W.  VI,  1699;  15.  Jahrh.  masig 

—  maculoaua,  messern  =  lcniigo,  D.  324;  1508  mosen 
=  Gesichtsflecken,  Gr.  W.  VI,  169»;  1618  wosaen  = 
Hauttnasen.  EL  v.  Gersd.  88;  1621  waasa  m  macula. 
D.  341;  1634  wasen  ss  Gealchunarben ;  1667  wasselen 
=  Masseren,  Wassel  as  senamurca,  Sonnenwucken , 
D.  II,  335;  1580  wasen  =  Mal,  Gr.  W.  VI,  1700; 
1588  wasen  —  Angesichtsflecken ;  1608  moieo  m  An- 
gesichtsfleckcn ,  Beyn.  109;  1612  waaeeht  =  knorrig, 
aehlecht  gehellt,  Gr.  W.  VI,  1702;  maser  =  tartarus 
=  Gichtknoten,  Gr.  W.  VI,  1708;  1645  wahsern  = 
Variola,  worbilli.  pracludia  pestis ,  Coler,  H.  A.  246; 
wasseln  =  Masern,  morbilli,  I.  eod.  266;  1651  wasen 
=  Wundnarbe,  Gr.  \\.  VI,  1699;  1777  mausen  -  macula, 
D.  341;  Alemann.  Moser  =  Masen,  Gr.  W.  VI,  1698. 
Niederl.  wazel,  waschere  =  Masern,  papula,  D.  411, 
De  Cock  257;  engl,  weaslea  =  Masern,  Finnen,  t.chl.  34. 
73;  German  weaslea  =  Röteln,  Lehf.  89).  —  M«LSe 
=  eine  fleckige  Texlurverttnderung  der  Haut, 
deren  Überfläche  dabei  mehr  oder  weniger 
erhaben,  knollig,  knotig  oder  knorrig  oder 
bloss  kleinknötig  (papulös)  ist,  d.  h.  unregel- 

'  massiges  Niveau  hat  (im  Gegensatze  cum 
Mal,  bei  dem  die  Karbenunterschiede  von  der 
Umgebung  ohne  Niveau- Veränderung  begriff- 
lich überwiesen);  daher:  1.  =  Wundnarbe,  die 
immer  im  Närb  (s.  d.)  sitzt,  also  Texturver- 
änderung in  der  Haut  macht.  —  2.  =  Krank- 
heits-Narben  von  Geschwüren,  Geschwären, 
Pustoln,  Drüsen- A bscessen:  a)  Pestzeiehen, 
Lintzeichen  (s.  d  );  b)  Poeken-Narben.  —  3.  = 
als  erhabene  Klecken:  das  erhabene  Muttermal, 
Leibesmal,  Hautpusteln,  Hautpapel,  die  kleine 
Erhabenheiten  der  Haut  darstellen.  —  4.  = 
weiterhin  auch  nicht  erhabene  Hautmale  oder 
Klecken  im  allgemeinen  (Petechien,  Morbillen, 
Köteln;  Macula,  Stigma,  Chloasma).  —  masig 
=  fleckicht  (erhaben)  (c.v.  Schm.  375).  —  Mäsling 
(13.  Jahrb.;  Lerseh  98)  =  kleine  Masern,  Morbilli; 
(dttn.  waesllnger ;  engl,  weasles ;  holl.  wazelen ;  achwed. 
wessling).  —  Maseln,  f.,  pl.  ■  die  kleinen  Masen 
oder  Masel  -n  (16.  Jahrh.  Wassel  -  senamuren,  D.  II, 

,  334;  wasele  =■  serpedo,  D.  II,  336;  meseler  =s  lubcr, 
I).  II,  373;  1421  maysell  =  clcatrix,  D.  II,  88).  - 

I  Masen,  f.  =  Mase  (als  Narbe,  Klecken,  Mal). 

—  Masen,  pl.  Maser,  m.,  1.  =>  der  grössere 
Knollen  unter  und  auf  der  Haut  (Gichtknoten, 

I  Knochenauftreibnng,  Callus)  (Pauli  187).  —  2.  = 


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Mase. 


Mase. 


401 


«ler  einzeln«  Ilaulknoten  geringeren  (iradcs.  — 
Mass  (1682  massflecken,  Lon.  76)  =  Masser,  m. 
=  Maser,  nt.  —  Maser,  f.  =  Narbe,  Knoten,  in 
der  Haut  —  Masern,  pl-,  1-  =  kleine,  aber 
viele,  gefleckte,  gesprenkelte  Hautknötchen  bei 
Blattern  und  sonstigen  Hautkrankheiten,  na- 
mentlich wenn  sie  im  Geeichte  ihren  Sitz  haben. 

—  2.  =  die  Morbilli  (Sydenham),  (1725)  anch  Röteln 
genannt  (The«,  «an.  Br.  117 ;  1748  nuuern  —  morblUi, 
Maschenh.  710;  1752  Rotiraeht,  rote  Flecken,  rote  Mosen, 
kleine  Pest,  Fuchs,  II,  446;  D.  367;  im  Gegensätze  zur 
grossen  Pcrt  =  Morbus ;  davon  morbilli,  A.  t.  IT.  I,  642. 
1021).  —  Die  „Masern"  =  Morbilli,  fieberhafter, 
rotpapulöser  Hautausschlag  (=  Ursohlachten) 
Rind  eigentlich  nur  nieder-  und  mitteldeutsche  Be- 
zeichnung*; oberdeutsch  ist  diese  nur  durch  die  Ärzte 
eingeführt;  das  Volk  nennt  sie  daseibat:  Kleckeln, 
l'rschlachten.  Synonyma  in  der  Schulmedizin 
sind:  (370  papulae  rubentes,  vari  rubii,  variolue 
biliosae  cutim  non  satl«  penetrante«  de«  Ihn  Slna  [nach 
Hennig  bei  Gerhardt  I,  26];  II  hasbah  der  Araber, 
Fuchs  f,  946;  Rubeola,  botbor,  far*a,  Fersader  Arabisten, 
Lersch  98;  1550  Rossalia,  rossilia,  rosolla,  morbus 
8t.  Mariae  (Neapel,  Palenno];  1536  Feraa  [Stal  Dialekte], 
Behrend23;  Haescr  II,  380 ;  II,  Nachtr.64;  Ackerm.  108; 
1419  morbilli,  D.  II,  257;  fcbrls  morblUosa,  Hodmann, 
Vogel ;  Frankr.  mal  dos  roses  Notre  Dame,  veröle  ear- 
dinale,  mal  de  St.  Salntain,  Bris«.  139,  la  rougeole, 
I.e.  119).  —  masern,  1.  =  knorrig  werden, knotig«- 
Auswüchse  haben  oder  bekommen.  —  2.  = 
durch  Knochenauftreibung  (CbIIub)  oder  durch 
erhabene  Knochen-Hautnarben  (M  aser,  Masser) 
sich  vereinigen.  —  8.  =  die  Masern  (Morbilli) 
bekommen  (Gr.  W.  VI,  1702;  Pauli  117;  Zw.  29.  30). 

—  ma sieht,  masig  =  mit  mehr  weniger  er- 
habenen Flecken  (Muttermal,  Narben  und 
sonstige  Zeichen)  auf  der  Haut  behaftet, 
lentiginoRUS  (Gr.  W.  VI,  1702;  16.  Jahrh.  maasechttg 
-=  maculosus,  D.  342).  —  (1741)  abgeriebene  Jß.a.&sen 
=  Maculae  defricatae  Piinii  (Kirsch  346)  —  durch 
Reibung  entstandene  Haulveranderung.  — 
(1591)  angeborene  Mase ,  f.  (maass)  =  Macula, 
Naevus,  ein  von  Gehurt  aus  bestehendes  Mal 
(Had.  Jun.  387).  —  (1512)  if-masen  =  (labefacere, 
D.  313)  =  bei  etwas  eine  Mase  machen,  beflecken. 

—  £(*tn-MaBeln  (15.  Jahrh.  massein  an  den  beynen 
=  serpedo,  D.  II,  336)  =  die  nach  HautkiMnkheiten 
an  den  Bein«-n  zurückgebliebenen  kleinen 
Narben  oder  Klecken.  —  Blatter-MsMe ,  f  , 
(1716)  tVai*t>(T-masjg  (Toll.  leg.  963;  1716  blattermascn, 
Gr.  W.  VI,  1699),  L  =  Variolae  cieatrices,  die  Pocken- 
Narben  im  Gegensatz  zu  anders  verursachten 
Haut-Narben  (C.  v.  8chm.  376;  Schindler  I,  166«) ; 
davon  Matter  masig  -  pockennarbig  (c.  v.  Schui. 
876).  —  2.  —  nirliiH,  blatternähnliche  Hauter- 
hehung,  die  Bich  nicht  zur  Pustel  entwickelt 
(Roth359).  —  (1631)  6/uf/VirtVne  Masen  =  frisch  rote 
Hautnarben  (Gr.  w.  vi,  1699).  —  ffra wf-Masen,  f 
=  durch  Verbrennung  der  Haut  gebildete  Nar- 
ben (Biriinger  i,  305.  489).  —  falnche  Masern  ■ 
Röteln  (Rubeolae),  vom  Laien  leicht  mit  den 
eigentlichen  Masern  (Morbilli)  zu  verwechseln 
(Behrend  22).  —  Fert  /i-Mase  („verichmax  =  macula, 
quae  bonam  famam  affick",  Ualtaus  451)  =  ein«' 
frischrote  Haut- Mase  (erhabene  Hautnarbe, 
die  als  Tapferkeitszeichen  angesehen  wurde; 


vergl.  Studenten  -Schm  iss),  da  sie  von  einer 
das  Leben  bedrohenden  (  =  Ferch,  s.  d.)  Wunde 
herrührt  (Gr.  W.  in,  1529).  —  feurige,  Feuer- 
Masern  =  Morbilli  ignei,  lebhaft  rote  Flecken, 
namentlich  Röteln,  Rotsucht,  rote  Hund  (siehe 
Feuer)  (Kraus,  E.  906;  Hecker  225).  —  (1518)  harter 
Maser  (massier)  =  eine  erhabene,  vorspringende 
oder  sonst  das  Niveau  «1er  Haut-Oberflache 
unterbrechende,  harte  Stelle  am  Knochen 
(Calins,  Exostosis,  Tophus)  oder  in  der  Haut 
(Krebsknoten)  (Gr.  W.  VI,  1701;  n.  v.  Gersd.  51; 
Dr.  Minderer).  —  (1728)  /ünriVMasen  =  Chloasma 
uterinum,  Schwangerschaftflecken  (Thes.  «an. 
Br.  293).  —  Kinder-Masern  -  die  bei  Schul- 
kindern besonders  häufigen  Masern  2  (==  Mor- 
billi Sydenhami),  Fleckeln,  Rotsucht,  rote 
Koorlaen.  —  Ä'ummrr-Maser  =  Nornenspur 
(s.  d.),  Rehflecken,  Totenbaumblflh  etc.  (s.  d.), 
die  mit  einem  Daumennagel  noch  zudeckbaren 
weissen  Nagelflecken,  <lie  Kummer  bedeuten 
sollen;  sind  sie  grösser,  gelten  sie  als  Todes- 
zeichen (Rochholz  i,  137).  —  (1590)  Letb-Masen 
(masen  an  dem  leib,  Gr.  W.  VI,  1699)  —  Masen  (s.  d.) 
am  Körper  im  Gegensatz  zu  den  Angesichts- 
flecken.  —  (1592)  Parpeln  -Masen  =  Blatternarben 
(8eb.  112)  (s.  Parpeln).  —  (1620)  Pedecken-JA&seiL 
=  die  gesprenkelten  Petechien  (s.  d.)  (Dt.  Min- 
derer). —  (1741)  Si  hand  Masen  (D.  342)  —  Macula, 
s.  nachfolg.  —  (i.v.9)  scheuimliche  Masen  =  ent- 
stellende, hassliche  Hautnarben,  namentlich 
im  Gesichte  (Gr.  w.  VI,  1699).  —  s'.  /-Masein, 
-Masen,  -Mosen  (Magmasen ,  alagmaseln,  1429 
stagmosen,  1466  «lachmaes,  16.  Jahrh.  «lagmaseu  = 
llvor,  Schmeller  I,  1658;  D.  834;  II,  228)  —  die  durch 
BlulfarhsloiT  bläulich  erscheinende,  kleinere 
oder  grössere  Schlagbeule  als  Ilaulknollen.  — 
(1511)  SdtortoMMUs  Blutflecken  (s.  Sch  weiss) 
(Biriinger,  s.  i.  2:».  279).  —  (1591)  S«Vei'rJi- Masen 

—  Li  vor,  \  ibex,  die  von  einem  Streiche  oder 
Schlage  herrührende,  knollig  erhabene  blaurote 
Blutuuterlaufung  (Tabern.;  8chmellerl,  165.8;  D.  334. 
617).  —  (1572)  Masen  =  blutrünstige, 
streitig  erhabene  liaulverdickuugen  (Gr.  W.  II, 
188).  —  unverm&Bt,  1.  =  unbefleckt  auf  der  Haut 
(C.  t.  Schm.  37ti).  —  2.  -  nicht  vereinigt  «lurch 
Maser  (Callus).  —  1'»  r  ■  masung  (mhd.  vermäsunge 
=  Befleckung,  I.ezer325;  1509  vermosslung;  16.  Jahrh. 
vermassgen  =  maculare,  D.  ^42;  Pr.  II,  10;  vermaes- 
gung,  vermassgung  =  contaglum,  V.  II,  110)  —  der 
Zustand  des  Behafielseins,  1.  =  mit  vielen 
Masen:  a)  sichtbare  Narben  der  Haut,  b)  viele 
sichtbare,  ansteckende  Flecken  (Masern),  Sy- 
philis, Petechien,  Blattern  ;  2.  mit  ausgedehnter 
Kallus-BiUlung,  Psemloanchylosis  (Schmeller  I. 
1658;  Haeser  II,  219;  Zw.  288;  C.  v.  fichm.  376;  Burk  18). 

—  weistse  Masen  -  älteie  weissgldnzende  Nar- 
benflecken  im  Gegensätze  zu  den  frischroten 
Masen  von  einer  erst  kürzlich  erhaltenen  Ver- 
letzung. —  (1735)  Wund  Masen  (1495  wunden 
Blassen;  1512  ein  mas*  von  einer  wunden  —  stlgma, 
Signum  cicotricis,  Wuniltiarbe,  Schmellerl,  16">8;  D.  117. 

562).  —  (low)  Zahn  Masen  =  die  Eindruck-  oiler 
Bise-Spuren  von  den  in  die  Haut  eingesetzt  ge- 
wesenen Zahnen,  von  Hunden  z.  B.  (<;uar.  377). 

—  (17.  Jahrh.)  zusammenlaufende  Masern  =  mit 
Masern  verwechselter  Scharlach- Friewl,  bei 

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Massans— Materie. 


dem  das  Exanthem  mehr  diffus,  nicht  so  ge- 
spreckelt,  isoliert  ist,  wie  bei  jenen  (Hocker  222). 

—  Mas(cn,  er,  ern,  el)  -Flecken,  -Husten,  -Pocken, 
-Rotel,  -Sucht,  -Zunge. 

Maske,  f.  („wahrscheinlich  romanischen  l"r- 
sprungs",  Kluge*,  250,  lul  «naschera;  span  IPMWH 

-  Spott;  ndl.  taluiasehe  s  I^rve  [sagena,  sagana]  = 
mare.  I).  671;  1175  lala  masca  =  moostrum  quae[l] 
dicitur  ,, da  la  masca",  Graff  II,  877;  [I.eges  Longob] 
striga  [  =  Hexe]  quae  dicitur  masca,  I>u  fange  VII, 
SM  ;  masca  =  uocturnae  iraaglnes  [Alptraum],  Da  fange 
V,  293,  „quae  ex  grossltlc  humoruin  anlinas  dorinien- 
tiuiu  perturbant  et  pondus  iaeluut",  liufrvsnc,  schwed. 
mask  =  Wurm,  Itaupc,  Made  [  -  Alpgestalt];  btnnika- 
mask  =  Bandelwurm  [als  Maaku  ei  ihm  Dämons]),  1.  — 
(ahd.)  Alpdruck  als  Folne  eines  dämonischen 
Einflusses  (Marwirkung).  Mittelst  einer  lehmigen 
Gesichts-Maske  ahmte  man  (vergl.  die  .Saltnergestalten 
in  Tirol)  solche  Damonengestalten  nach.  —  '2.  =  »Mne 
Bogen.  Blässe  am  Pferdekopfe,  welche  den 
ganzen  Teil  des  Vorderkopfes  maskenartig 
einnimmt  (Gr.  w.  VI,  1705).  —  3.  =  s.  Larve. 

Masochismus,  m.  eine  nach  dem  1836  geb. 
Romanschriftsteller  8.  v.  Sacher-Masoch  he- 
zeichnete  Eigenschaft  der  sogen.  V'iri  molleH 
(Weichlinge),  welche  durch  vollständige  Un- 
terordnung unter  das  Weib,  ja  selbst  bei 
Misshandlungen  durch  dasselbe,  eine  Art  von 
Wollustcmpfindung  haben  wollen  (Vlerordt  y7; 
Dornbl.  76;  Krofft-Ebing). 

Ma8S,  n.  (vorgerm.  med  [modus,  Art  und  Weise]; 
germ.  med  [messen];  ahd.  miiza;  inhd.  m&t  -  Art  und 
Weise,  Kluge*,  2.'*).  —  massig  (ahd.  m/uctg;  mhd. 
maeiec;  ndl.  matig)  —  zugemessen,  nach  Art  und 
Weise  (Kluge  1.  c.).  —  er  hat  das  Mass  ver- 
loren -  er  ist  krank,  wird  krank  werden  (Ur- 
quell 1885,  s.  8«,  Frischb.  79),  an  einem  noch  nicht 
erkennbaren  Leiden,  das  durch  „Abmessen" 
volksüblieh  behandelt  wird;  die  Schicksals- 
frauen messen  den  Lebensfaden  (s.  d,).  —  (1603) 
^■'/-massig  =  biliosus,  wie  dutch  Galle  ver- 
anlasst, nach  Gallen-Art  (Gr.  W.  IV,  1.  1198).  — 
Glied-,  LiVZ-Mass  cw),  pl.,  f.,  n.  (alinord.  lldhamdt; 
inhd.  lldemaz,  gelldeinaeze  -  Glied,  menibnim,  Kluge*. 
111;  15.  .lahrh.  lydmaiss  n  organutn,  I).  400;  ndd.  Ut- 
mat;  lldemaeze  —  Organum,  D.  643;  1482  geliedmass 
Partus,  Zenlng.  Voc.  k";  Schmeller  I,  1412.  1661;  1591 
Oedtln aasen  =  artus,  Glied.  Und.  Jim.  19;  1612  gelid- 
maslrt,  H.  Sachs;  Schmeller  L  e. ;  ndl.  ledetuaten  = 
artus,  D.  52;  l>e  Cock  91;  schwed.  ledamnt)  =  Glied- 
bewegung,  Gliedfttgung,  Mass  der  Glieder,  die 
Glieder'  (Artus)  in  einer  für  ihre  sichtbare 
Thtttigkeit  gemessenen  Lange  und  Verbindung 
gedacht  (Andreren  200).  —  gräm-,  griuim- 
mäSSlg  («»sterr.  greumiassi ;  elsAss.  gramma«*!.  E  W. 
I,  272)  sa  krünkelnd,  sich  nicht  wohl  fühlend, 
unmutig,  yräm  lieh.  —  grosse  /.  ''inassen 
(15.  Jahrh.  grozu  lcdeinatc  —  vertebra,  I).  II,  379)  — 
Wirhelknoohen ,  K'ickgrat.  —  ungeschickte 
G'/irrfmaSSen  11482  lidina**  =  cachexia,  I).  87)  = 
durch  Blutkrankheit  oder  schlechte  Säfte 
(Rheuma?  Syphilis?)  kranke  Glieder.  —  läppen- 
in  rissig  =  wie  ein  Läppischer,  Blödsinniger 
(Schmeller  I.  149t'.).  —  milU  /massig  =  temperiert, 
z.  B.  blut,  Galle  (a  d.},  Stand  (s.  d.).  —  »ehelm- 


tliassig  (schoelluiasslg,  Schmeller  II,  413)  =  wie  vom 
Schelm  Ile  (Hühnerscln  Im)  ergriffen,  scheltn- 
schlächtig.  —  Ma&s-Darm  -Gang  -  Wunde. 

Massans,  pl.  (1263  Studer,  schwel«.  (Irtan.  166  = 
mtl.  malesanua  [998]  malasan)  =  krank,  aussatzig. 

Masse,  f.  (aus  tat.  massa  entlehnt;  10.  Jahrb.  massa, 
Notker;  mhd.  masse;  1562  massa)  =  ungestalteter 
Stolf,  Klumpen,  Hnufen  (Kluge*.  250;  Schmeller  I, 
1662).  —  F-it"  -  Masse  ■  Massa  puris,  Eiler- 
menge, Eiterstoir  (Gr.  \v.  Iii,  392).  —  Äas-Masse 
=  Molke. 

Massen,  f.  s.  Masen. 

Masser.  m.  b.  Mascher  u.  Maser. 

Mast,  f.  (germ.  mazdo ;  ahd.  mast;  mhd.  mas)  ■ 
Rllgemessen«  Futter-  oder  Speise -Menge.  — 
mast  -  fett,  schwer,  gemästet.  —  (1561)  mastig 
=  fett,  feist,  (Gr  W.  VI,  1718).  —  (1818)  mästen  ^ 
den  Kuttermist  entleeren  (Z.  d.  V.  f.  V.  K.  1895, 
8.  294).  —  Mast  .'  u  •' .  -Darm,  -Darmtripper, 
-Gang,  -Geblüt,  -  Körner,  -  Vieh,  -  Wurm. 

Materie,  f.  (Materi,  Made  ring,  Mater  gel 

(ein  heute  noch  lebensfrlscbes,  wenn  auch  altes  lA'hn- 
wort  aus  den  Medizinschulen  des  Mittelalters,  das  wie 
Fieber,  Humor  etc.  volksüblieh  geworden  und  geblieben 
ist;  inhd.  mftterlgo,  materge ;  nind.  matherien;  15  Jahrh. 
matlrg.  D.  351  ■  Stoff,  Bildungsstoff ,  aus  dein  lat. 
materia,  Vutt  157  —  da«  Stoffliche  eines  Naturkörpers, 
Wesen  [matei,  pus];  1275  materia  =  der  Krankheit« 
stoff  hei  venerischen,  Kiter  secernierenden  Krankbelts- 
stellen,  IT.  I.  405;  1483  materi,  C.  v  Megbg. ;  1532 
matery  =  pus,  Fries  96;  1561  matcrie  =  pus;  engl, 
matter  =  Eiter;  nach  Gr.  W.  V»,  1763):  1.  =  eine 
dem  Körper  innewohnende  und  seine  Art  be- 
dingende (s.  Ding)  Flüssigkeit  oder  Feuchtigkeit 
(Grundwesen),  namentlich  normale,  feuchte 
Gewebs-Sekrete  und  Kxkreto  des  Körpers  (bei 
Mensch  oder  Tier).  —  2.  =  der  die  Krankheit 
bedingende  Bildungsstofl'im  menschlichen  oder 
tierischen  Körper;  nach  den  früheren  Schul- 
lehren waren  dies:  Schleim,  Eiter,  Galle,  Gicht- 
stoffe (Tartarus),  Auswurfstoffe  etc.;  dieselben 
gingen  oder  schlugen  sich  zum  Herzen  (Fries  96) 
-  t'yaemia,  Uraemia,  Cholaemia  etc.,  d.  h.  sie 
gingen  ins  Blut  Aber.  —  3  =  hauptsächlich  war 
der  bei  der  Eiterung  der  Pestbeulen  u.  Wunden 
Bichthar  gebildete  flüssige  StotT:  I'us  =  Eiter  in 
Geschwären  und  Geschwüren  „die  Materie", 
zu  der  aber  (noch  1742)  auch  die  darin  abge- 
setzten, wetkenden  Insektenlarven  (Maden  oder 
sogen.  Würmer)  and  Filze  mit  einbezogen 
wurden.  —  4.  =  der  in  eitrigem  Sekrete  sich 
befindende,  ähnliche  Krankheiten  hervor- 
rufende« iiftstotr(Blattern,Syphili8,Tripper  etc.) 
(Burk  19.  K.  W.  I,  82;  Pauli  117.  138;  Zw.  698).  — 
materlich  (1531  dleweil  schier  der  merer  tail  Kranck- 
hait  «ond  mnterlich,  Kraut«  I).  3)  =  materiell  = 
aus  wirklichem  .Stolle,  sachlich  bestehend, 
eine  natürliche  Ursache  haltend.  —  (1561) 
allerletzte  Materie  =  Alvus,  das  Letzte  im 
Darro-BUdangsatoffe  (Inhalt)  (Gr.  w.  vi.  ncs).  — 
iim)  alte  Materie  ■  im  Körper  lange  Zeit 
zurückgehaltene  und  so  angehäufte  Ex-  und 
Sekrete,  namentlich  aus  Schleimhäuten  (Frlei 
107).  —  (17.  Jahrh.)  blutichU  Materie  =  Krank- 


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Materie. 


Materie. 


40:t 


heitstoffe,  die  mit  Rlatgerinnseln  (Jaache)  ent- 
leert «erden  (R.  a  323).  —  (1645)  böse  Materie  - 
die  böse  Feuchte  (s.  d.)  der  Hurooralpathologie 
als  ein  gefährlicher  Krankbeiistotf  (Salze, 
Schleim,  l'nrat  etc.  nach  froherer  Annahme), 
der  heftige*  Kopfweh,  Fieber  etc.  macht  (Coler, 
it.  A.  17«)  —  flSätt)  fault  Materie  (faul  materi  aal 
dem  leib,  Frie»  it6).  1.  =  der  übelriechende,  in 
dem  Darme  gebildete  Schleim  (Rotz)  bei  Gegen- 
wart v.  Eingeweide- WQrmern  (Darm- Katarrh). 

—  2.  =  Jauche-Eiter.  —  ii&si)  .FiYfccr-Materie 
(die  m*teri  der  fieber,  Kraut»-.  XXXIII}  =  der 
das  Fieber  (Malaria)  erzeugende  Krankheitstoff 
(r.  Belmont),  den  man  in  Milz  und  Magen  suchte 
(Nicolai  ii,  «9).  —  J7w*a- Materie  =  der  in  der 
Nasenhöhle  von  den  Schleimhauten  gebildete 
eitrige  Schleim  (Rotz^  beim  sogen.  FIuss  (s.  d.) 
oder  Katarrh.  —  flüssige  Gehirn-  Materie  = 
Lebensgeister  (s.  d.)  (F.  Hoffm.  VII,  87.  88).  — 
(1790)  gichtische  Materie  ss  der  die  Gicht-  und 
Steinkrankheit  verursachende,  im  Körper  ge- 
bildete Unrat -Stod  (Tartarus  Paracelsi,  tar- 
tarische  Materie  od.  Harnsäure)  (Adelung,  Richter 
I.  477;  f.  Hoffm.  vii,  226).  —  Gi/f -Materie  = 
(»tflstoff,  Materie  4.  —  grüne  Materie  ■  der 
gelblich-grüne  Knochen-Eiter  (Wftrcb,  s.  d.) 
(s*hm.  ii.  999i.  —  <i552<  gypsige  Materie  <mau>re 

cypseu*«  et  blanche,  Thlerry  de  Hcry;  Yt.  11,  117  IM), 
1.  m  die  kailose,  sklerotische  Induration  des 
prim&ren  syphilitischen  Affektes.  —  2.  =  der 
gummöse,  tertiärsyphilitische  Callus  s.  Tophus 
(Tu ff)'  (Krau».  E.  836).  —  3  =  8.  Kalkmaterie 
steinige  Materie.  —  (1619)  haufechte  Materie 
(1354  fron**  maieria.  Hu  Camre  V.  304],  1.  =  ange- 
häufter Kot  im  Darm  als  Übertluss  (s.  d.)  der 
Verdauung.  —  2  =  der  dabei  sich  befindende 
Darmschleim,  das  im  Purin  gebildete  Sekret, 
„böser,  verdorbener  Schleim  in  dem  Geäder" 
=  chronischer  Dickdarm  -  Katarrh  iBadt-beiohr. 
d.  Wildb.  Welzheim  21).  —  (1483)  Intrige  Materie  = 
die  bet  heisser  Komplexion,  aus  Hitze  (a,  heiss) 
gebildete  Eiterung  (c.  t.  Migb«. ,  R.  A.  143;  »ir.  w. 
VI.  1763).  —  irdische  Materie  ll.  Jahrh.  irdlntchi 
materle,  D.  362  =  mlnerai  =  Mineralstotf  s.  irdisches 
Blut  und  Melancholie.  —  [1789]  Kalch- Materie 
=  die  in  Exsndaten,  Knotpein  etc.  sich  ab- 
lagernden Kalksalze  (Tophus)    Nicolai  II  2>*t . 

—  (le.  Jahrh  )  kalte  Materie  =  die  aus  kalter 
Komplexion  (siehe  kalt,  l'hlegma)  gebildete 
Schleimsekretion  (Phlegma"  ;i.onie.  IM;  K.  Kr  B. 
345).  —  (1783)  Katarrh- Materie  -  Hussmaterie 
(s.  d.)  (Eaatch  148).  —  Kirim -Materie  =  ein  in 
seiner  Farbe  der  Weizenkleie  ähnliches  Harn- 
eediment  beim  chronischen  Blasen-Katarrh,  ein 
Wort,  das  in  der  volksarztlichen  Terminologie 
(cont.  Amalle  Bohene«ter's  t'rinknnde)  seit  Hippo- 
krates  Zeiten  (Aphoriim  IV,  l«.  und  seit  den 
mittelalterlichen  Medizinschulen  sii-h  erhalten 
hat:  „Ist  das  Wasser  tlunkel  und  «Mister  und 
dick  und  schwimmen  darin  viele  Körner  wie 
Kleie,  so  hat  der  Mensch  den  Stein  in  der 
Blasen"  (nach  dem  mnd  Mae  Barth  103a).  —  (»14) 
klattechie,  klotzige  Materie,  1.  =  halbweicber, 
halbzaher,  schlaffer  ti«-wei>e*t«iff  (Massa;,  z.  B. 
das  Gehirn  (H.  r.  oerad  '.'4,  Becunetler  1,  134»).  — 
l2  -iu  Klumpen  geronnenes  Drüsen  -  .Sekret 


[  oder  Blut  (Coagulum).  —  usoi)  aTnocärn-Materie 
ss  steinige  Materie  [Weickard  129».  —  (17*9)  Krätz- 
Materie  =  der  die  Kratzekrankheit  bedingende 
Krankheitfitoff  {».  Krätzesiechtum)  iNieolal  n. 
>47)  —  <\sm)  ÄranikAci7-Materie  =  s.  Materie  2 
(Pr.  H,  U2).  -  (1789)  AVc6s-Materie  -  Krebs- 
jauche «Nicolai  Ii.  2*3 .  —  (i7»5i  Äro/>/-Materie 
=  der  Kiter  in  den  durch  Pferderotz  erkrankten 
Hals- Lymphdrüsen  (Abu«,  29:   —  (17*2  kröpf- 
artige  Materie  =  der  Krankheitsstoff,  welcher 
Hals  -  Lymphdrüsen  -  Anschwellungen  macht 
Serofulosis)  i'M.  II.  L   I.  592).  —  (iis3)  Leibs- 
Materie  fC  »•  Megbz  I  =  die  rote  Cholera  (s.  d., 
der  alten  Medizinschulen),  als  Hefestoff  im 
Blute,  der  durch  den  Leib  entleert  wird  oder 
am  I^ibe  zum  Vorschein  kommt.  —  Menschen- 
Materie    rund,  des  mvnschen  materie.  Mac  Harth. 
101a)  =  der  Urin  als  des  Menschen  naturlichstes 
Sekret.   —     17.  Jahrb.!  Mi<':    Materie  =  das 
schwarze  Blut  der  Pfortader  (s.  Milz).  —  Mutter- 
Materie  —  eitriges  Schleimsekret  aus  der  Ge- 
barmutter. —    1532)  nerrische  Materie  =  die 
Feuchtigkeit  in  dem  Gewebstoffe,  aus  dem  die 
Nerven  ^Sehnen,  Muskeln,  Adern,  Nerven)  ge- 
bildet sind.  —  (1MI)  pestilentri*ch<-  Materie 
=  Peststoff,  Pestgift  Krautw.  LXXXII1).  —  (1*2) 
phlegmatische  Materie  =  die  feuchte,  seröse 
Sekretion  aus  Schleimhäuten    (s.   kalte  und 
schleituichte   Materie)    (Frie*  in,    Lonlc.  r«o). 
—  Pocken-,   Kuhpocken  -  Materie ,    1  =  der 
Eiter  in  den  Poekenpusteln ,  Impfpusteln.  — 
2.  ■  der  eigentliche  Pockengiftstoff,  der  in 
den  Pockenpusteln  zum  „Ausbruch"  kommt 
(Materie  4)  [M.  B.  L  I,  55*.  ;.7S;  «ir.  W.  VII,  19«; 
\**.  I.  a.  gr.  Mann;  Nicolai  IV,  »78».  —  (1600)  Po<lagra- 
Materie  --  der  GichtstolT  (Harnssiuie ,  w  eicher 
im  flüssigen  Blute  circuliert   und  Fussgicht 
(Podagra)  erzeugt  I.onic .).  —  (17*4)  rheumatische 
Materie -der  Mas  Rheuma  bedingende  Krank- 
heitstofl,  der  als  FIuss  (Rheuma,  s.  Katarrh) 
in  die  Glieder  failt  (Nicolai  II,  6ioj.  —  (U->3)  rohe 
Materie,  I.  =  der  nicht  zur  vollen  Ent Wicke- 
lung gelangte  Bildungsstoff  ( Abortiv-Ei),  Ge- 
websstoff,  Korpersaft  (c.  v.  W*..'.    —   2.  = 

I  der  nicht  zur  vollen  Entwu-kelung  gelangte, 
„ungekochte"  Krankheitstoff,  Morbus  crudns, 

j  z.   B.   zähflüssiger   Schleim   (s.  kochen).  — 

'  Ärwicnx-Materie,  männlichen  (Krautw  xi.vi 
=  männliche  samentlOssigkeit  als  Bildungs- 
oder  Zeugungsstoff.  —  (1801)  »charfe  Materie 
■  atzender  Krankheilstoff  (Schleim,  Eiter), 
auch    Mageninhalt,   der   brennende  Emptin- 

'  düngen    macht    rVoftl  V,  Bf),    —    (16.  Jahrh 
srhlein,  ithte,  igr  Materie  =  das  eitrig.-  Schleim- 

|  haOt*Sekret,  Mucus,  Phlegma,  Schleim,  Rotz, 
feuchte  oder  kalte  Materie  (Aren. -Buch:  Lonlc. 
160).  —  (161«)  Schliers- Materie  3  «ler  visciile 
Eiter  ans  Bubonen  (=  Scblu  r,  s  d.)  («ir.  W.  V, 
ICO- .  — schwärende  Materie  -  '  chwar-Eilcr. 
(I5n9,  schwarze  Materie  =  die  schwärzliche 

,  (blutgemischte)  jaucinge  Sekretion  aus  Ge- 
schworen bei  syphilit.  Dyskrasie  und  Kachexie 
'Hac«<r  Ii,  .41  —  n.nhr  Materie  -  dei  Krank- 
heitstoff,  worunter  das  Volk  „alles,  waa  recht 
ekelhaft"  am  Kranken  (Siechen,;  aussieht,  ver- 

I  steht  (Buck  I9j.   —  Skrophel  -Materie  =  der 

20* 


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404  Mathftus-matt. 


Matte-Mauche. 


feuchte  lubalt  der  verkästen  Skrofel-Drüsen. 

—  (1712)  steiniehte  Materie  =  die  harnsauren 
(Kalk-) Salze,  die  phOBphorsauren  Kalksalze, 
die  wie  erdige,  gypsige  Teile  in  den  Gelenken,  j 
Arteriengefässen,  Exsudaten  etc.  eich  ablagern 
(F.  Hoffm.  VII.  198.206).  —  (1712)  tartaritche  Materie 
=  s.  Giehtmaterie  u.  Tartarus  (F.  Hoffm.  VII,  226). 

—  (17M)  2V»/>pfr-Materie  =  der  ansteckende  (gif- 
tige) Eiter  od.  Schleim  b.  Tripper  (Gonorrhoea) 
(J.  P.  Frank,  I.  66;  Stoll;  Pr.  II,  449).  —  überflüssige 
Materie  -  haufechte  Materie  (s.  Überfluss). 

—  (1784)  üble  Materie  =  der  Krankheitstoff  j 
(Materie  2)  als  Maletia  peccans,  die  Schuld  an 
dem  betr.  Übel  oder  Leiden  ist  (Pittner  II,  47). 

—  (1532)  unreine  Materie  =  inissfarbiges  Schleim- 
haut-Sekret, z.  B.  aus  der  Gebärmutter  (Fries  72). 

—  (17.  Jahrb.)  verbrannte  Materie  =  s.  verbrannte 
Galle,  Schleim  (Fr.  Kr.  B.  »76).  —  (1532)  wässerige 
Materie  —  der  wässerige  Krankheitstou",  der 
als  Ascites  sich  in  den  Leibeshöhlen  ansammelt 
(Hydrothorax,  Hydropericardium)  (Fries  m).  — 
(1799)  TVrtVA*Wzo/>/-Materie  =  der  den  Weichsel- 
zopf (Tinea  favosa)  vermittelnde  Krankhcit- 
stoff  (Eiter  und  Favuspilze),  von  dein  man  | 
annahm,  dass  er  sich  „versetzen"  köntie  und  \ 
dadurch  Gehirnkrätupfe  verursache  (Verwech- 
selung raitScrofulosis,  bei  der  der  Hydrocephalus 
tubercul.  sich  entwickelt)  (Vogel  V,  77).  —  (1742) 
weisse  Materie  =  der  milch  weisse  Eiter  und  die 
eitrige  Sekretion  bei  der  weissen  Ruhr  (Dysen- 
teria  alba)  (Zw.  396).  —  H Vir.  >, -Materie  =  8.  o. 
Kleien-Materie.  —  (1660)  windige  Materie  -  diu 
im  Darm  gebildeten  und  angehäuften  Bläh- 
ungen (Plctor.  78). 

Mathäus.  —  Mit  ihm  ist  auch  Mathäl  am 
letzten  =  er  stirbt  bald  (Schmelier  1,  1685),  unter 
Bezugnahme  auf  die  letzten  Kapitel  des  Evang. 
Matthaus,  woselbst  vom  Tode  Christi  die 
Rede  ist. 

Mathias.  —  (1717)  ein  kleines  Mathiesal  =  ein 

kleines  Kauschchen  (Abrah.  II,  343)  ■  ein  mit  Wein- 
gelagen und  Aderlnss-Lätizcln  begangener  Tag 
war  der  Kalenderhciliire  St.  Mathias  in  der 
Fasching.  —  Äms-Mathias  -  Rheumatismus 
(scherzend  wortspielendes,  aualog  dem  Aposteinatlas 
gebildetes  Wort  für):  rheumatische,  reissende 
Schmerzen  (Kraus,  E.  114). 

Matrone,  f.  (die  durch  ihr  Alter  und  den  Kinder- 
segen geehrte  Frau,  s.  Rosenb.  108}.  —  Matronen- 
Alter. 

Matrose,  m.  (aus  ndl.  matrnos;  franz.  matelot ; 
norm,  altfranz.  matenot;  nord.  motunautr  ^  Tisch- 
genosso  In  der  Schiffsmannschaft,  Kluge6,  250).  — 

Matrosen- Fieber,  -  Wut. 

matsch  (ein  aus  dem  ital.  marcio  -  mürbe  als 
SptelerauMlruek  [w  <v  matt,  s.  d.]  übernommenes,  eigent- 
lich „martsch"  lautendes  Wort  für)  —  matt,  müde, 
körperlich  schwach  (zerquetscht)  (Gr.  W.  VI,  1756; 
Schmelier  I,  1C7.  1699).  —  Zrr-matscht  (Heuneb. ; 
Spiess  II,  42;  derroötsch)  =  abgemüht,  abgemattet. 

matt  teln  seit  der  2.  Haltte  de«  12.  Jahrh.  aus  dem 
Romanischen  durch  das  Schachspiel  übernommenes 
Wort  =  mllat.  mattus;  nach  arab.  per»,  schah-miit 
der  Konig  ist  totl  „ein  internationales  Kulturwort".  I 


Kluge  251;  mhd.  mat)  =  kraftlos,  erschöpft  (an 
Gliedern,  Kopf,  Herz,  Blut,  Brust,  Auge)  (Gr.W. 
Vi.  1756).  —  Mattigkeit  =  der  kraftlose  Zustand, 
Morbus  St.  „Math"elini.  —  ab-,  /w*-gemattet 
=  von  Grund  aus,  bis  aufs  Innerste  erschöpft. 

—  (1576)  J7errcns-Mattigkeit  =  der  Zustand  von 
Schwache  der  Uerzkraft  (Thes.  »an.  Br.  670).  — 
Si  hteaeh  MattikU8  (scherzhafier  Latinismus  aus  der 
Studentensprache)  =  schwacher,  matter  Mensch 
(H.  Paul  406). 

Matte,  n.  Matz,  Matze,  Matzer,  m.  Mätzer 

(arische  Wurzel  mat  =  quirlen  (matula ,  mentula], 
Roman.  Forsch.  1883.  445 ;  d.  b.  die  Milch  Im  Rühr- 
kübel; 1515  matte,  n.  -blblimen.  Colostrum,  D.  73.  133; 
aus  dem  rnman.  mato;  franz.  inaton,  Heyne  III,  764 
=  geronnene  Milch;  franz.  la  matte)  =  Milchschorf 
der  Kinder  (Briss.  222);  dazu  Matz  (Schwaben)  = 
zähe,  geronnene  Masse,  Fett,  eingetrocknetes 
fettähnliches  8chleimhaut-  und  Drusen-Sekret. 

—  (1603)  Matzer  =  Augen butter  (s.  d.),  das  fet- 
tig-zithe  Sekret  der  Meibom  Bebel  Augenlid- 
Drusen  (Matzer  anlehnend  an  Mascher,  s.  d.) 
(Bnck  12 ;  Gr.  W.  VI,  1770).  —  .1  ■<.;.  »i-Matz,  Matzer 
(1780).  Matzel=  Matzer,  Greck,  Gramiae  (D.  268; 
Gr.  W.  VI,  1709  ff. ;  I,  808). 

Matten  s.  Maden. 

Matten,  f.  ^  Quark,  Topfen,  Zieger  (1582 ;  Lonic. 
312)  (s.  Matte). 

Manche,  n,  f.  Mank,  f.,  tn.  Mauke,  f. 
Mueche,  f.  mancheln,  mauckern  (zu  vorgerm 

müg.  Kluge*,  257;  germ.  muk  =  heimlich  ihnen, 
mucken,  1.  c.  262;  ahd.  mfihhon  =  heimlich  lauern 
[s.  Meuchel],  Kluge*,  257;  mhd.  milche  =  „eine  den 
Fuss  des  Pferdes  lahmende  (?1  Krankheit",  Kluge  I.  c,  ; 
[s.  Meuchlerj,  Schw.  42a ;  1588  die  manchen  der  ross, 
Gr.  W.  VI,  1771;  1692  die  maugen,  raaucken,  pl.  = 
Pferderappen.  R.  A.T30;  Seb.  262;  17.  Jahrh  die  mauch. 
das  Ist  ein  Krankalt  die  bricht  ]n  [dem  viehj  ob  den 
klaen  heraus*.  Sc  hin.  I,  1660;  1099  maucheo,  maucke 
=  schwerheilende  Löcher  und  Schrunden  an  den  Filz- 
gleichen des  Pferdes,  aus  welchen  naase  u.  stinkende 
Materie  flicsst.  v.  M.  I.  59;  Schwaben :  maucheln  =  etwas 
[wie  ein  lmmou)  heimlich  thuen,  C.  v.  tlchm.  377; 
oberschwab.  Mauchen  =  Kassel,  Schm.  I,  1661),  1.  = 
ein  unter  den  langen  verfilzten  Kötehaaren  des 
Pferdes  versteckter  Hautausschlag  mit.  warzig- 
köppericher  llautsch wellung,  der  unbemerkt 
und  allmählich  langsam  entsteht,  gleichsam 
meuchlings  wie  durch  einen  heimlich  lauernden 
Dämon  in  Maus-,  Wurm-  od.  Nasselgeslalt  veran- 
lasst :  a)  Dermatitis  eczematosa  s.  varicosa,  sog. 
feuchte  Krätze  an  der  dadurch  stark  secer- 
nierenden  l'ferdeköte  oder  auch  oberhalb  der 
Kinderklaue,  meist  der  Hinterfflsse  (flüssige 
Fasse)  (Mayer  HO);  b)  (nach  Behrend  42)  die  damit 
verwechselten  Eethyma-Pusteln ;  c)  n.  die  Equina 
(Kossblatter,  Rosspocke,  Schutzmauke,  Poeken- 
inatikc,  Javait),  welche  Jenner  1788  als  pocken- 
ähnliche  Schutzldaiter  annahm,  die  durch 
das  Stallpersonal  auf  Kühe  übertragen  bei  letz- 
teren die  Kuhpocke  (\  accina)  erzeugen  sollte 
(Falke  II,  103;  Abllg.  46).  —  2.  -  die  funktionelle 
B-t-inirflchiigutn:  der  betr.  Extremität  durch 
diesen  Ausschlag  1.  — 3.  —  (übertragen  auf  den 
Menschen)  ein  verstecktes  Körper-Übel  chro- 


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Mauchler—- Maul. 


Maul. 


406 


nischer  Art  (Leipzig ;  Gr.  w.  VI,  1781.  1782).  —  4.  — 
s.  Meuchler.  —  (1842)  ausfallende  l/L&VLk.e  =  eine 
Mauice  (1)  mit  brandigen  Ausschlaga-Blasen 
(Wolf,  eigentlicher  Javart)  (Falke  I,  90)  —  Brand- 
Mauke  =  eine  brandige  Form  der  Pferdetnauke 
(la)  (Falke  Ii,  103).  —  schwarze  Brand-Mauke 
=  die  mehr  gangränöse  Form.  —  weisse  Brand- 
Mauke  =  mehr  oberflächlich  abschuppend.  — 
(1843)  chronische  Mauke  =  Mauke  1  (Falke  II.  IM). 

—  Fuss  -  Mauke  =  Sehlem  pemauke.  —  Horn- 
Mauke  =  Ecthymapusteln  am  Hufsaumbande, 
die  das  Horn  mit  feuchter  Sekretion  beschmieren 
(Falke  I.  411).  —  kleine  Mauke  =  Pferdemauke 
(1  a)  geringeren  Grades.  —  (18«)  künstlicher 
Mauk  =  ein  durch  scharfe  Salben  erzeugter, 
roaukeäbnlicher  Hautausschlag  (Falke  II,  47).  — 
Pferde  -  Mauke  =  Mauke  1  a,  b,  Itfelflnss, 
Brandmauke.  —  (1843)  Pocken  -  Mauke  - 
Mauke  lc  beim  Pferde,  Schutzmauke,  Va- 
riola equina  (Falke  II,  209;  engl,  borsebeal.  grease). 
vermutlich  nur  übertragene  Menschen-  bezw. 
Knhpocke,  s.  Rosspoeke.  —  Rinder  Mauke  = 
Träberausschlatr,  Schlemperaanke,  Fussraude. 

—  Sdtf« mp* -Mauke  =  eine  Rindvieh- Mauke 
1  a,  die  durch  Fütterung  mit  Kartoffel-Schlempe 
entstehen  soll  (Martin  109).  —  Schuppen-MtLUke 
=  Schuppenflechte  an  der  Pferdekote  (Zlpp.  360). 

—  S-  /  >(':-Mauke  =  Equina,  Rossblatter,  1.  = 
eine  angeblich  die  Menschen  vor  den  Pocken 
(Blattern,  Variola) schützende  Form  der  Pferde- 
mauke (Mauke  lc),  vermutlich  aber  eine  auf 
Pferde  Obertratren«  Menschen-  oder  Kuhpocke 
(Vaccina,  Pferdepocke)  (Gerhardt  I,  607;  Falke  II, 
399).  —  U.  =  fast  immer  eine  durch  Unredlich- 
keit entstandene  Pferdemauke.  —  trockene 
Mauke  =  eine  Schorf  oder  Schuppen  hildende, 
nicht  feuchte  Pferdemauke  (Falke  II,  103).  Gegen 
die  Mauche  sollte  das  Mauch-Kraut  o.  (1694)  Mäuehel- 
krant  =  Rante,  Frauenhw  (Schmeller  I,  l'SO  ;  D.  97; 
Jessen  48.  19),  auch  Wurm-  oder  Hexenkraut  genannt 
( Aspiditim  fllix  tnas,  Asplenium  ruta  murarla  L.),  helfen. 

—  VAXÜL{rn)- Beule,  -Krankheit,  -Stoff". 

Mauchler,  m.  (Mäuchler)  s.  Meuchler. 
mancken  (mauggen),  Maugen,  f.  (zu  mactare? 

maggen  —  umbringen).  —  niaucken  =  sterben 
(Schweiz;  Schmeller  I,  1565)  (ob  zu  mauckern, 
muckern?).  —  Maugen,  f.  =  Mauke. 

m  andern  (maudern,  Müderer)  (icis  maudern 

—  murmurare,  murmeln),  brummen,  unbestimmt 
sprechen  (Schm.  I.  1570).  —  maudern  (maudern), 
l.=eine  unbestimmte  Vorahnung  einer  heran- 
ziehenden, noch  unentwickelten  Krankheit 
haben,  kranklieb,  verdriesslich  sein,  herum- 
gipfen  (s.  d.)  (Schmeller  1.  c. ;  C.  r.  Schm.  378 ;  r-r.  W. 
VI,  1772).  —  2.  =  coire  (Schwaben,  Tielleicht  „zu  lat. 
mutare  in  der  Bedeutung  mauaaen"  [s.  d.],  Erbe  37) 
(maidern,  s.  maieren).  —  Mauderer  (Müderer) 
(15.  Jahrb.  -  duripucios,  duribuclnus,  D.II,  143),  siehe 
Auderbutz. 

mauen,  mäuen, Manen  -  (1735)  maulen,  kauen, 

Wiederkauen  (Schweiz,  Bayern  ;  Schw.  423;  Schmeller 
1, 1564)  (s.  auch  Mangen).  —  Mauen,  s.  Mauwe. 

Maul,  n.  (indogerm.  mö  ■  Mnnd;  germ.  mülö; 
joth.  mülA  =  Maul ,  ahd.  müla,  f.  -  Maul.  Schnabel ; 


mhd.  mül,  mule,  □..  müle  f.,  Kluge*.  261.  263;  1425 
mule  —  os  oris.  D.  402;  ndl.  muil,  tmöl  =  a-f-möl,  V.  K. 
Vi,  6).  —  Maul  =  Öffnung  am  Kopfe  zur  Auf- 
nahme von  Nahrung,  zum  Schreien  (muh !)  od. 
Sprechen,  Öffnung  an  Dingen,  1.  =  das  Mau), 
der  Rachen,  Schnabel,  Rüssel,  die  Schnauze, 
das  Gebiss  der  Tiere.  —  2.  =  der  Mund,  die 
Mundhöhle  und  Lippen  des  Menschen  (mhd., 
Oberd.  ;  <ir.  W.  VI,  1782;  Buck  12).  —  3.  =  wie  öfter 
Os  =  Vulva  (Fotze,  Mumfel).  —  4.  =  (Mund)  = 
Öffnung  an  Dingen,  Mundähnliches.  —  5.  =  der 
Träger  des  Maules.  —  6.  =  Sprechor>tan,  Sprech- 
weise, Geschmackorgan.  —  7.  =  Maul  =  Mal.  — 
maulen  =  das  Maul  verziehen.  —  fl/fen-mäulig 
=  wie  ein  Maulaffe  (mul  apen  =  Maul  offen,  Urquell 

1,  48 ;  Ii,  159),  auch  =  dummer  Mensch  beschaffen. 

—  (1741)  aufyetcorfenes  Maul  (=  bronchus,  Kirsch 
157  ss  bracebus,  D.  82)  =  die  wie  beim  Brackhunde 
(Spürhund)  in  die  Höhe  gezogene  Oberlippe.  — 
Blärr-  (PtVrr-)Maul  -  einer,  der  den  Mund  beim 
Schreien  so  verzieht,  als  ob  er  eine  Blftrre 
(Flarre)  daran  hätte,  ein  vorlauter  Schreihals 
(Gr.W.  II,  108).  — blaue* Maul  =  durch  Blutstauung 
bläuliche  Lippen  (Cyanosis  labiorum).  — bleich- 
maulig  =  der  einen  Mund  mit  bleichen,  blut- 
armen Schleimhäuten  der  Lippen  hat,  pallidi 
oris  (Gr.  W.  II,  99).  —  böses  Maul,  1.  =  (1680)  Os 
scabio8um,  ein  Mund  mit  rauhen  Borken  oder 
Geschwüren  besetzt  (rawei)  (Gr.  W.  VI,  1783).  — 

2.  -  ein  Weissmäulchen,  eine  durch  weisse  Soor- 
pilze  kranke  Mundhöhle  (Buck  13).  — .Brci-Maul, 
1.  =  die  Art  n.  Weiseso  unartikuliertzu  sprechen, 
als  oh  man  einen  Brei  oder  Klöss  (Knödel) 
im  Munde  habe  (Lambdacismus,  Bambalio) 
(Kraus,  E.  153.  630;  Spiels  II,  33;.  —2  =  Pap-Maul. 

—  breites  Maul,  1.  =  eine  weite  Mundöffnung. 

—  2.  a=  Breimaul  (Spieta  II.  33) ;  die  Volksanthro- 
pologie bringt  Weite  des  Mundes  mit  der  Grösse 
der  Apertura  vulvae  in  Correlation,  wie  die 
Nase  zum  Membrum  virile.  —  Dürr-,  Dörr- 
Maul  =  ein  breiter,  weit  offener,  daher  leicht 
austrocknender  Mund  (Gr.  W.  II,  130S).  —  dürr- 
mäulig  (Ilenneb. ;  Spless  II,  49;  übertragen  wohl  Tom 
Viehmaul)  =  kränklich,  mager,  blas».  —  Fliegen- 
Maul  =  (1583)  Muckenmaul  (vielleicht  entstellt  aus 
Mucken-Mal)  =  Ruptura  corneae  musealis  s.  forroi- 
calis,  wenn  die  Regenbogenhaut  durch  die  ge- 
schwürig offen  gewordene  Hornhaut  des  Auges 
vorfällt  und  daselbst  verwächst  (1683  ,,ea  ist  amt- 
lich zu  sehen  ein  kleine»  Tupflln  als  einer  Mücke 
liaupt  oder  einer  Fliegen  Maul",  Gr.  W.  III.  1788,  VI, 
2612).  —  Floss-,  Ftotz-,  Foti  Maul  (da  Fotz  [s.  d  ] 
— -  Mund,  Maul  ist,  so  ist  Kotzmaul  eine  Tautologie), 
1.  =  das  Essbare  am  Rindsinaule,  der  unterste 
Teil  des  Rindskopfes.  —  2.  =  der  sogen.  Nasen- 
spiegel beim  Rinde,  der  beständig  schlüpfrig 
feucht  ist  (K.  u.  P.  III.  767;  Schmeller  I,  782;  Falke 

1,  292;  Martin  61 ;  ins  Franzosische  überreizt  aus  Miss- 
verstandnla:  vlsage  de  bola  flotte'  [=  Ilolzfloss],  Brlss. 
143).  —  3.  =  Flotz  =  Fluss ;  Flotzmaul  =  ein  be- 
ständig feuchtes  Maul,  Nasenkatarrh  (Rheuma 
=  Fluss,  Katarrh,  s.  d.).  —  .FVoscA-Maul,  1.  = 
„ein  Maul  (eines  Menschen),  das  (an  den  Lippen- 
winkeln) gleich  dem  Frosch  gefaltet  ist  und  das 
Gesicht  verunziert"  (— )  (Gr.  W.  IV.  L  254).  — 

2.  =  das  fleischfarbige  Pferdemaul,  „wenn  die 


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40« 


Maul. 


Maunzen— Maus. 


Lippen  sprenklicht  sind  und  die  Winkel  des 
Maules  geschwollen  hervorstehen"  (Gr.  w.  IV, 
L  254;  Zipperl.).  —  Gei/Vr-Maul,  1.  —  ein  geifern- 
der Mund.  —  2.  =  einer,  der  geifert  (».  Sabber- 
maul).  —  Gien  Maul,  1.  =  ein  gähnender  Mund 
(Maulaffe,  Gienaffe,  Schlauraffe),  der  weit  ge- 
öffnet die  gefletschten  Zitlino  weist  (Gien-Ölf) 
(i-chm.  I,  91».  1586;  Schw.  423).  —  2.  =  der  Trauer 
eines  solchen,  Hiatus  oris.  —  (16JC;  üresi-Maul, 
l.  =  ein  pausbackiger,  den  Mund  vollnehmender 
Mensch  (Gr.  \V.  I,  1198).  —  2.  =  ein  breiter 
Mund  mit  Hangelippen.  —  3.  =  Übersetzung 
d.  Makrostomia  =>  transversale  Gesichtsspalten- 
Bildung,  wodurch  der  Wangenspalt  abnorm 
gross  wird.  —  Hang  -Maul  =  Grossinaul  2 
[Gt.1t.  VI,  4).  —  HaW-Mauligkeit  =  verminderte 
Kmpfindlichkeit  des  Pferdes  »jenen  den  Druck 
des  Gebisses  und  der  Lade,  wodurch  das  Pferd 
schwerer  lenkbar  ist.  —  i/ecAMtfaul,  1-  =  ein 
Pferdemaul  mit  dicker,  schwerer,  herabhän- 
gender Unterlippe.  —  2.  =  oder  ein  Maul,  dessen 
Untergebiss  (Iber  Oberkieferzähne  hervorragt 
(Kalke  I,  388).  —  A«7-maulet  -  unbärtig,  ein 
Mensch  mit  glattem,  heilen  Kinne  (Bayern;  Ct. 
Sctam.  256).  —  (16.  Jahrh.)  //;  in t, i  Maul,  1.  =  Hachen 
(Kalke  I,  398)  beim  Tiere.  —  2.  -  Podex,  Vulva 
(<Jr.  Vf.  IV,  2.  1512) ;  os  u.  vulva  sind  öfters  iden- 
titiciert.  —  //itnr/V-Maul  =  ein  Mund  mit  auf- 
fallend vorspringendem  Hundszahn  (s.  d.) 
(.Schmidt,  Jahrb.  1890;  II,  200).  —  Xrtrp/«t-Maul  = 
ein  Pferdogebis8,  dessen  Oberkieferzähne  weit 
Über  die  des  Unterkiefers  hervorragen  im  Gegen- 
satze zum  Hechtmaul.  — üTröfen-Maul  =  Frosch- 
maul 2  (Gr.  W.  IV.  l.  254).  —  krummes,  Krumm- 
Maul  ^  Ob  valgum,  Maulkrümmen,  ein  durch 
Muskellähmung  der  einen  GeBichtshälfte  ver- 
zogener, schiefer  (schlimmer  1)  od.  sonst  schief- 
gewachsener  Mund  (Gr.  \Y.  V,  2161).  —  Kupfer- 
Maul  =  ein  Pferd,  das  rotbraune,  kupferfarbige 
Flecken  oder  Haare  am  Maule  hat  (Zipp.  136; 
Kalke  II,  50).  —  A'im-Maul  =  ein  dicklippiger 
Mund,  der  viel  Sinnlichkeit  verraten  soll.  — 
Lätsch-,  Ltf/«'7t-Maul  =  ein  grosser  Mund  mit 
schlaff  (latsch)  herabhängender  Lippe  (Häng- 
maul) (C.  v.  Schm.  338).  —  (1680)  lindes  Maul^die 
weiche  Mail'*  (6)  bei  Pferden,  weiche  Maulhaut 
(Gr.  W.  VI,  1038).  —  AfticÄ-Maul  =  ein  Pferd  mit 
milchweisser  Hinterlippe  (Kalke  II,  li").  —  Ober- 
Maul  =  Oberlippe  (Schm.  i,  1497).  —  JPa/j-Maul 
=  der  Träger  eines  breiten  (Brei-)Gesichtes.  — 
iVote-Maul  =  ein  breites  Kröten- oder  Frosch- 
maul (Fromm.  VI,  29).  —  raberes  (raweres)  Maul 
=  rappige  Mundlippen,  ein  rauher,  schorfbe- 
setzter,  sogen,  böser  Mund  (Sehmeller  II,  5).  — 
rauches  Maul  — Os  turtum,  nicht  glatte  Lippen- 
schleimhaut, deren  Oberfläche  spröde  ist  (Gr.  w. 
VIII,  264).  —  /('•',  Maul  =  das  mit  einer  weissen 
Einfassung  wie  beim  Rehe  versehene  Maul  des 
schweizerischen  Braunviehs.  —  Äu/z-Maul  - 
eine  mit  Nasenschleim  beschmierte,  belegte 
Oberlippe(s.  Fotzmaul) (Gr.w.vill,  1330).  —  Rufen- 
Maul  =  ein  mit  Impetigo,  Schorf  (=  Hufen)i 
rauhen  Hautborken  bedeckter  Mund  (Burk  13). 
—  (1680)  Uunz> I  Maul  =  Os  rugosum,  ein  Mund 
mit  faltig  geschrundeter  Lippenschleimhaut 
(Gr.  W.  VIII,  1526).  —  SaMxT-Maul  =  ein  Mund, 


aus  dem,  wie  bei  alten  Leuten  oder  Kindern, 
der  Geifer,  Seifer  (Sabber)  auslauft  (Gr.  w.  VUI, 
1589)  ( —  Safferling).  —  (16.  Jahrh.)  schartiges  Maul, 
1.  =  eine  durch  Verwundung  oder  Substanz  ver- 
lud lückenhaft  gewordene,  verzogene  Mund- 
spalte. —  2.  =  auch  ein  die  Zähne  bleckender 
Mund  (Gr.  w.  VIII,  2227).  —  srhelches,  schiefe* 
Maul  =  krummes  Maul  (s.  d.},  la  bouche  torte 
(Sehmeller  II,  40öj.  —  .s',  hläi  r  Maul  -  ein  durch 
halbseitige  Gesichtamuskelläbmung  (Facialis- 
Paralysis)  oder  Verwundung,  fratzenhaft,  wie 
beim  Schlaiaffen  (Gienaffen)  verzogener  Mund, 
der  so  zur  Schlärre  (a.  d.)  wird  (Sehmeller  II,  532). 
—  SfMajjp-Mattl^Schlappgoscbe*.  —  Schlauch- 
Matll  (mhd.  sluch  =  Schlund,  Kehle,  Kluge  \  328)  = 
Schlundleil  des  Maules,  woder  Schluck-,  Schling- 
Akt  erfolgt.  —  schlimmes  Maul,  1.  =  0*  tortum, 
schiefes,  krummes  Maul  (Heyne  V,  393).  —  2.  = 
ein  durch  Geschwüre,  Narben,  Borken,  Pusteln 
etc.  entstellter  Mund.  —  Schrunden-'Ma.Xll  = 
Kunzelmaul  (s.d.)(Buck  13).  —  7Vi<7-Maul  (-Mal), 

1.  =  das  Kinds-  oder  Kälberraaul,  welches  durch 
eine  Pilzwucherung  (Aphtbae,  Actinomykosis) 
=  Lepra  vitulorum,  Porrigo  leprosa,  Ostigo 
(Kirsch  840),  einen  meist  teigig  weichen,  seltener 
borkigen  Zustand  des  Zungen-  und  Lippen- 
Epithels  zeigt (Maulgrint),  Crusta  lactea  labialis 
(Zlpp.  577;  Merk  226;  Falke  I,  96;  II,  69.  72.  358).  — 

2.  =  s.  Teigmal  als  Krankheit  an  dieser  Stelle 
(Maulgrint).  —  (1661)  Troll-,  (1591)  Trollen-,  Drol- 
/Vn-Maul  (1582  Trollmaul;  1590  trollen  maul  ■  labeo 
so  labro,  Ü.  313  -  labioaus,  Oad.  Jun.  394;  Gr.  W. 
VI,  616),  ein  Haugemaul  mit  sinnlichen,  dicken, 
Heischigen,  schlaff  herabhängenden  Lippen, 
wie  es  der  Troll  (s.  d.)  —  Dämon  hat.  —  (1742) 
ungeschmecktes  Maul,  1.  —  ein  Mund,  dem  das 
Schmeckungsgefühl  fehlt,  dessen  Geschmack 
fad,  schal  ist  (Zw.).  —  2.  =  die  Geschmacklosig- 
keit (funktionell).  —  t7nrrr-Maul==  Unter- Lippe 
(Sehmeller  I,  1497).  —  For-Maul  =  die  Lippen 
beim  Kindvieh  (Wolf).  —  wehes  Maulchen  = 
ein  durch  den  Soorpilz,  Oidium  albicans,  oder 
durch  Aphthenbildung  schmerzender  Kinder- 
mund (Zunge)  (Pauli  125).  —  TFetss-Mäulcheil  = 
eine  mit  weissem  Soorpilz  (Soor,  Gur,  Heb  etc.) 
belegte  Mundhöhlenschleimhaut  (böses  Maul2) 
(Gr.  W.  II,  640;  conf.  white  jrnm.  I.ehf.  246).  —  weites 
Maul  (lr>.  Jahrb.  wlt  mule  =  rlctua,  I).  498)  =  ein 
Mund,  dessen  Lippenwinkel  weit  von  einander 
stehen.  —  Wurst-VAVd  =  ein  sinnlich  verän- 
derter Mund  mit  wulstigen  Doppellippen  (labeo  = 
labro.  Kirsch  637)  (Trollmaul).  —  (16.  Jahrh  )  maul 
henkolisch,  Maulbengolischkeit  =  eine  scherz- 
hafte Wortentstellung  des  „melancholisch",  der 
gewissermassendas  Maul  hängen  lägst  (in  Presden 
mankolbch  nach  Andresen  65;  Gr.  \V.  VI,  1805; 
v,  2010).  —  Maul-.1#V*,  •  Beere,  -Fäule,  Oatter, 
-Orint,  -Krumme,  -Flage,  -Schwämmchen, 
■Seuche, -Spalte,  -Sperre,  -  Weh,  -  Winkel,  -  Wurf- 

Maunzen  ■■  Mautze. 

Maus,  f  MäusLn.  Mausen,  f.  Mauas,  f.  (ait- 

Indogerm.  müs  =  stehlen  ;  gem.-lndogerm.  müs,  „das 
den  Indogermanen  In  Ihrer  asiatischen  Urheimat  bereit« 

|   bekannte  diebische  Tie/chen",  Kluge  *,  252;  u.O';,  mus 


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Maus 


407 


=  Maua,  Muskel  (musculus),  Heyne  III,  770 ;  gem.-germ. 
müi ;  ahd.  müt,  f.  =  Maus,  Armmuskel ;  9.  Jabrh.  müsl 
—  lacertl,  pars  brachll  torl  [Armmuskcl,  blceps],  Kub. 
Maur.  66;  Graft  II,  673;  mhd.  müs,  f.  =  Maus,  Muskel 
[=  das  kleine-  Mauschen,  musculus],  Oberarm  muskel ; 
1332  maus  =  das  Ellenbogen-Gelenk,  Mäusl,  Maus  2, 
(ir.  W.  III,  1529;  HUmui-csro,  thoms,  pulpa.  D.373; 
1419  maws  oder  buf  femur,  Schenkelmuskel,  Schmeller 
I,  1664;  15  Jahrb.  die  musz  in  der  band;  1482  mauss 
an  einem  arm  oder  daumen  =  musculus  blceps,  tbenar, 
Zenlng.  Voc.  t7;  1661  meusslin  =  muscull.  Bock  74; 
1561  mausz,  f.  die  aderiehlen  Üieile  des  lelbs  darin  die 
starke  llgt,  es  sey  an  den  armen  od.  an  den  schenkein 
Gr.  W.  VI,  1819;  1691  mauss  =  musculus,  Had.  Jun.  19; 
1692  die  Mauss  oder  Mauasbrat  =  eine  Stelle  am  Pferde- 
kopf, Seb.  177 ;  1592  meuszlen,  pl.  =  lacertae  (  =  Muskel], 
Gr.  W.  VI,  1834;  1599  meuss,  f.  =  die  stelle  auf  der 
naae  [des  Ifcrdes]  »wischen  beiden  nasenlochern,  Gr.  W. 
VI,  1819;  1616  maus,  f.  das  ist  der  ort  welcher  das  ferch 
[s.  d.  =  Leben]  helsst ,  Paracclsus;  d.  h.  eine  lebens- 
gefährliche Stelle  am  Körper  unter  dem  Muskel,  Gr.  W. 
III,  U38;  denn,  wenn  man  die  Maus  durchschneidet, 
schiesst  das  Blut  wie  ein  Btrahl  hervor.  Heyne  III,  770, 
1698  die  mausen  =  muscull,  Gr.  W.  VI,  1821;  1713 
mauszlln  =  Muskel,  Gr.  W.  VI,  1834).  „Wie  sich  auch 
sonst  Übertragung  des  Tiernamens  auf  Körperteile 
tlndet"  (Kluge  1.  c.),  so  Ist  nicht  nur  die  Lacerte  (§.  d. 
=  Eidechse),  sondern  auch  die  schnell  bewegliche, 
feinhaarige  Maus  zu  (witzigen?)  Vergleichen  für  Namen 
von  Korperteilen  benutzt  worden ;  (franz.  la  souris  = 
le  muscle  charnu,  Briss.  39;  Beilage  z.  Allg.  Zcitg.  1896, 
Nr.  81).  —  Maas,  1.  ■»  der  siebtbar  bewegliche 
und  bei  der  Bewegung  anschwellende  Hand- 
ballen (Thenar,  8.  Tenner),  der  wie  eine  beweg- 
liche Mau«  schwellend  hervorspringende 
Muskel-Ballen  am  Daumen  der  lebenden  Hand; 
die  Isländer  vergleichen  solche«  Muskelspiel  mit  dem 
Zappeln  eines  Fisches  und  nennen  es  Lebensnsch 
(Liebrecht  369)  (s.  Lauerte).  —  2.  =  der  beim  leben- 
den Menschen  sichtbar  bei  der  Bewegung  an- 
schwellende Muskelballen  (Biceps)  am  inneren 
Oberarm,  „die  Stelle,  wo  das  Mauslein  lauft" ; 
1  und  2  galten  als  lebensgefährliche  Stellen 
wegen  der  Blutung  aus  der  Arteria  brachii 
(Maus  9)  und  wohl  auch  wegen  der  Eröffnung 
des  Ellenbogen-,  bezw.  Handgelenkes  bei  Ver- 
letzungen, darum  w  aren  sie  aueh  =  Färeh  (s.  d.) 
(Gr.  W.  III,  1528.  1629;  Hlntner  7.  16).  —  3.  =  (urst 
vom  15.  Jabrh.  ab  wurde  Mau*  verallgemeinert)  a  Mus- 
kelfleiecb  (Caro,  Pulpa  carnis)  =  jeder  willkür- 
liche Muskel  (damit  16.  Jahrb.  auch  Schulausdruck). 
—  4.  =  der  Druckschinerz  am  Nervus  ulnaris, 
wo  dieser  auf  dem  inneren  Ellenbogen-Knochen 
aufliegt  und  dem  Drucke  leicht  ausgesetzt  ist, 
der  dann  die  kribbelnde  Empfindung  auslöst, 
als  ob  „das  Mäuslein  vorlauft"  gegen  den  Hand- 
ballen (Antithenar).  —  5.  =  die  Vulva  wegen 
des  behaarten  Möns  Veneria  ^Kaiumermaus, 
blinde  Maus,  s.  Matitze)  (Henncb.  mase  —  vulva, 
Spleas  II,  64.  224;  Kluge6,  262;  Gr.  W.  VI,  1834),  aber 
auch  die  kranke  Gebärmutter  (s.  d.)  wurde  für 
eine  lebendige  Maua  im  Leibe  gehalten,  d.  h. 
als  ein  elbischer  Dämon  in  Mausgestalt.  —  6.= 
ein  mausfarbenes,  feinbebaartes  Muttermal.  — 
7.  =  bei  Pferden  die  linde  Stelle,  wo  der  Muse, 
levator  labii  anter.  um  Maule  ist, mit  dem  weich- 


haarigen Mausepelz  verglichen.  —  8.  =  Gelenk- 
Maus  (s.  d.).  —  9.  =  (1530)  eine  Arterie  unter  der 
Arra-Aderlass- Vene  (Cephalica),  „die  zu  Zeilen 
durch  Unwissen  der  Adcrlasser  für  die  Hauptader  auf- 
gethan  wird"  (Künigssperg.  48)  (s.  Maus  2).  —  10.= 
die  andere  Gestalt  eines  elbischen  Dämons,  der 
sonst  als  Wurm,  Engerling,  Raupe,  Grille,  auf- 
tritt. —  Mäuse  im  Kopfe  =  Grillen  (s.  d.), 
Schrullen  haben  (Z.  f.  ö.  V.-K.  1896.  212).  —  Mäus- 
lein, Mäuschen,  1.  =  (Übersetzung  des)  Musculus, 
Muskel,  Maus  3.  —  3.  =  (altaachs.  en  museke  = 

musculus  in  poiiice,  d.  373)  =  Maus  1.  —  mausen, 
1.  =  blinde  Maus  spielen  (Gr.  W.  VI,  1818),  coire 
(s.  heimlich  u.  Maus  5).  —  2.  —  mausern  (s.  d.). 

—  (i55i;  mausecht  =  fleischig,  muskulös  (D.  588; 
Hyrtl,  K.W.  112;  II.  v.  Gersd.  88)  (  =  musecht,  muse- 
liebt).  —  mäuseln  (meiseln)  =  dem  Pferde  durch 
Coupieren  kleine  sogen.  Mausohren  machen 
(Mayer28 ;  Falke  Ii,  108).  —  Über  die  schulgemässen 
(\fuskel-)Maus-Namcn  sehe  Hyrtl's  Onomato- 
logia  anatom.  und  „Kunstworte  der  Anatomie" 
nach,  wo  der  für  Geschichte  sich  interessierende 
Anatome  die  für  den  weiteren  Leserkreis  ent- 

i  behrlichen  Ausdrücke  aus  diesem  speziellen 
Fache  finden  wird.  —  .lr»i-Mäuslein  (1482  mauss 

\  an  einem  arm,  1>.  373;  1741  die  maus  am  arm  —  bra- 
chiacus,  Kirsch  154)  -  Maus  2  (Gr.  W.  I,  669).  —  (1742) 

/Jru*f-Mausen-  Bronchial-Muskeln  (Zw.  160).  — 
Z) flu m rri -MaUB  (1482  mauss  an  einem  daumeu=caro 
in  pollice,  D.  373)  =  Maus  1.  —  Fleder-M&via  =  Ve- 
1  spertilio  =  die  Gestalt  elbischer,  geflügelter 
Geister  (Nachtvogel,  Ke-Räuber  (D.  615.  616), 
welche  die  Leichen  (re)  ausgraben  zum  Blut- 
saugen (Vampir.s.  Blutsaugen)  u.  wieder  Alp  die 
Haare  verfilzen;  sie  ist  wohl  auch  die  tierische 
Gestalt,  welche  das  böse  Krebs-Rotlauf  od.  die 
Krankheit:  „Rühr'  mich  nicht  an!  (s.  d.)  verur- 
sachen sollte  durch  Besoichen  (s.  d.)  (hesper  can- 
cerus,  D.  276 ;  ist  wohl  als  herpes  cancreus  zu  deuten). 

—  (1782)  Fleisch-M&VLB  =  der  fleischige  Teil  des 
Muskels  im  Gegensätze  zur  Muskel-Sehne  (M.  H. 
L.  1, 421).  —  (1831)  GefVnfr-Maus  =  eine  korngrosse, 
manchmal  gestielte,  immer  abnorme  (verkalkte) 
Knorpelmasse  (Mus  articularis)  die  innerhalb 
der  betreffenden  Gelenk-Kapsel  frei  beweglich 
ist  und  sich  in  den  Buchten  der  Gelenkkapseln 
versteckt,  um  wieder  in  die  Gelenkhöhle  wie  ein 
hurtiges  Mäuslein  vorzuspringen  (Nach  König, 
Chlr.  HI,  745,  anno  1558  zuerst  von  Parrv  extrahiert, 
Chellus  II,  362).  —  (1606)  grosse  Maus  =  die  dickere 
Muskelpartie  (Adductores)  am  Pferdehinter- 
schenke),  welche  sieb  bei  Bewegung  des  Beines 
verkürzen  und  besonders  aullällen,  im  Gegen- 
satze zu  den  kleineren  Muskelpartien  an  dem- 
selben (Gr.  W.  VI,  720).  —  /fanrf-MaUS  (1420  muus 
van  der  hant;  1512  die  muss  in  der  band,  I>.  373)  = 
Handballen  Muskel,  Maus  1.  —  Ht rwi-Maus 
=  ein  besonders  von  Feinschmeckern,  geist- 
lichen und  weltliehen  Herren,  geschätzter,  bra- 
tiger, hellroter  Fleischteil  (Mausbrat)  an  der 
Garbschale  deB  Ochsen  (Muse,  obtur.  int.  et 
pyriform.,  Gänsel»,  Nuss,  Mümfele)  (Augsburg, 
Mannbardt  24 ;  Schinell.tr  I,  1664).  —  (1742)  Hinteren- 
Mausen  -  After-Muskeln  (Zw.  75).  —  Kammer- 

I  Mäuslein  ■  Maus  5,  die  behaarte  Vulva,  als 
|  taschenförmiges  Gebilde  (Kammer  2)  (Gr.  w.  V, 


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408 


-Medium. 


126;  VI.  law).  —  (l"4i)  AV»  «-Mäuse  =  Masseteres, 
Kiefermuskeln  (Kirsch  783).  —  O&r-Mäuslein  = 
Ohrwurm,  Ohrlaus  (Maus  10)  (Spiess  II,  177).  — 
(17«)  Schliesa  -Maus  -  Sphinkter,  Musculus 
constrictor  (Kirsch  1120),  zusammenziehender 
Schlussmnskel.  —  Maus  - .  I  dt  r,  -Auge,  -Bein  % 
•Brat,  -Fleck*,  -Fleisch,  -Geäder,  -Häutlein, 
-Klotz,  -Krankheit',  -Ohren,  -tot,  -Zahn. 

mausern,  Mausse,  f.  (iu  der  vorahd.  Zelt  ent- 
lehnt au«  lat.  mütare ,  müat.  mata  =  Fcderwechsel  der 
Vögel  ;  ahd.  müzzon  ;  nihil,  müzen  —  wechseln ,  Bayern 
maussen;  Tirol  tnutlen  [«.  d .]).  —  Blut-M.&Xlsetung 
m  der  Austausch  schlechten  Blutes  mit  frischem, 
neuer« orbenem.  —  Mause  (Heuneb.  Möss ;  Spie«* 

II,  167),  L  =  die  umgehende  »Seuche,  Epidemie, 
wie  der  Hühuerpips,  wobei  die  Vögel  rnau- 
dernd,  durch  einen  Obertragharen  Parasiten 
die  Federn  verlieren  und  wechseln  (Schneller  I. 
1666).  —  2.  =  Wendung  (s.  iL).  —  Maus- 
Krankheif. 

Mautze,  f.  Mantzen,  f.  (Matmzen)  du  min, 

eine  Katze  schreien;  mhd.  mawen ,  Erbe  13)  s  in 
weinerlich  heulendem  Tone  reden  (Bahn,  I,  1664; 
Heyne  III,  703).  —  Mautze  (1446  mautze  —  vulva, 
C.  v.  Schm.  3H1 ;  1583,  1589  mautzen  —  vulra,  Gr.  W. 
VI,  1836,  1612  mauue,  Sehmelier  1, 1702)  =  die  Vulva, 
wegen  des  kat/.en-  od.  mauspelxahnlichen  Möns 
Veneris  (s.  Katze  3,  Mutze);  dazu  da.«  Mauzen- 
kraut (Chenopodium  vulvare,  Jessen  92).   —  (1612) 

patxete  Maunzen  -  Vulva  mucosa  (8ehm.  i,  1702). 
Mauwe,  f.  (Mauen,  Mawen)  (mM.  mouwe, 

Schmeller  I,  U54;  Gr.  W.  V,  53,  1587  mauwe  =  mti.ie, 
tborns,  D.  690;  moewen  =  rurninnre,  D.  503;  1118 
mawen  —  dlckfletsch  ohn  baln,  pnlpa  coruis,  Schindler 
L  c;  D.  472).  —  (1587)  /"'«ViscA-Mauen  (fleisch 
=  pulpa  carnia,  D.  472)  =  das  maw  ig  Heisch  (Staldcr) 
od.  der  Diechbraten,  der  fleischige  bratige  Teil 
eines  Schlachtstückes  ohne  Knochen  (Adelung 

III.  415;  nyrtl.  K.  W.  112). 

Mazelen,  pl.  (ndl.  inaxelen)  =  Masern  (s.  d.); 
aus  Sympathia  norainis  wandern  die  Kinder 
in  Flandern  nach  Maxen-Zell  (Masel)  zur  Ver- 
lobung (ex  voto)  (Do  Cock  40. 256. 257)  (s.  Marzeller). 

Mäzen,  pl.  =  Masen  (u.  a.  Rh.  359). 

Meckelen,  pl.  s.  Makel. 

meckern  =»  wie  ein  Ziegenbock  abgeetoeseae 
Laute  hervorbringen,  stottern  (Urquell  II,  158). 

Meddik  (ndd.;  Fromm  VI,  355)  =  kleine  Made 
(däu.  maddike,  srhwed.  matk). 

Medel,  n.  Meden,  pl.  ».  Made. 

Median,  f.  («us  Medlannder  [1470.  1607,  D.  353] 
abgekürzt ,  mhd.  median,  Lerer  157 ;  rnnd.  de  medlAnen 
In  dem  vordereu  arme.  Mag.  Harth.  92a;  1777  inedlan- 
ader,  D.  363)  =  Vena  mediana,  die  Mittlerin 
(s.  Mittel- Ader),  eine  im  Mittelalter  sehr  httufig 
zum  Aderlasse  benfltzte  Hautvene  in  der  Arm- 
Mitte,  wo  siedurch  ihrVolumen  auöallt (Median- 
ader, grosse  Ader,  Herzader  etc.)  (Kunlgssp.  4«. 
Krautw.  LXXX1V). 

Medium,  n.  =  die  Mittel-  (lat.  medlui)  Person 
zwischen  dem  Allmagnetismus  (s.  d.)  Mesmers 
und  dem  Hypnotiseur  (s.  Hypnotismus). 


Meer,  n.  —  Meer-/orf,  -Linsigkcit,  -Minne, 

Mehl,  n.  (west-indogenn.  mel,  mal  =  mahlen 
(mo'o,  u  jHr,  ,  gem.-ge.  m.  nialan  [mahlen],  melaw 
[MilbeJ;  ahd.  melo  [Mehl],  melan  [mahlen];  mhd.  mel 
—  daa  durch  Mahlen  [s.  Grand]  Gewonnene ;  mit  dem 
Mehle  verglich  man):  L  den  Milben-Abfall  im 
Haarboden.  —  2.  =  die  weissen  Soorpilzmassen 
im  Munde.  —  3.  =  mehl weisse,  kleienartige 
(s.  Amel*)  Abschuppung  der  Haut  —  Mehl- 
Flechte,  -Fleck,  -Grand,  -Grat,  -Grint,  -Hund, 
•Mund,  -  Wurm. 

Meiden  s.  maiden. 

Meier  s.  Maier. 

s.  Mal. 


meinen  (Indogerm.  man  ■  denken ;  westgenn. 
malnjan;  germ.  mein  —  Schaden,  Falschheit,  Frevel. 
Lalstner  II.  338;  ahd.  metnan;  mhd.  meinen  =  seine 
Gedanken  worauf  richten,  iür  oder  gegen  Jemand  eins 
Gesinnung  haben,  Kluge*.  254;  lltau.  laumes  ap- 
malnytas  =  Wechselbalg) ,  der  durch  Ab- ,  Ver- 
meinen (s.  d.)  verzaubert  wurde  (Lalstner  II.  338  ff.). 
—  Gemeiatheit  (1654,  ndl  kamantheydt  des  hart*, 
De  Cock  252,  Anrn. ;  „kamant,  schoon  in  geene  woorden- 
boeken  te  vlnden,  is  nog  van  dagelijksch  gebrulk; 
00k  dät  is  overlevering ")  —  eine  aus  böser  Gesin- 
nung, durch  Vermeinen,  nach  dem  Volks- 
glauben angezauberte  Hautkrankheit ,  a.  B. 
Dermatitis  eczematosa.  —  Vermeinen,  Vermeint 
(Verm&nnt)  =  eine  ganz  böse  Gesinnung,  Ver- 
wünschung gegen  Jemand  hegen.  Nach  dem 
Volksglauben  vermeinen,  verwünschen,  z,  B. 
die  sogen.  Hexen  oder  auch  solche  I^eute,  deren 
Augenbrauen  (Wenkbrauen,  s.  Ratzel  n,  Trude, 
Nacht -Mar)  in  tückisch -neidischer  Art  über 
der  Nase  zueammenstossen ,  die  Kinder;  die 
Folgen  dieses  Vermeinens  sind:  1)  =  der  Alp- 
druck und  das  Erscheinen  der  Nacht  mar  (s.  d.) 
(Simrock,  D.  M.  476;  De  Cock  181).  —  2.  =  bei 
Kindern:  a)  die  Abzehrung  (Paedatrophia, 
Altvater,  Älterlein)  (Lalstner  II,  338  ff. ;  Lammen  82; 
Fossel  64;  Verf.  Volks -Med.  29.  solche  Vermeint-, 
Veraeid-  oder  Beschrei-Ktnder  [s.  d.,  lnfantes  lncantati, 
s.  vergalstern]  werden  durch  Beschwerungen  und 
durch  das  Vermnln-  oder  Vermeintkraut  (Thesium 
alplnum,  Schmeller  I,  1612;  Dalla  Torre  68  Frauen- 
haar] behandelt  In  der  Volksmedizin;  das  betr.  Kind 
wird  mit  der  8egcns!onnol :  „unser  Herrgott  behüut" 
mit  Weihwasser  besprengt.  Schmeller  L  c.) ;  b)  der 
Wechselbalg  (s.  d.),  der  den  elhischen  Dftmonen 
vermeint  ist,  wie  das  Bilwizkind.  —  3.  =  über- 
haupt ein  anscheinend  grundloses  Unwohlsein 
(Z.  f.  d.  Mythol.  iv,  407.  408),  namentlich  aber  das 
Prodromalstadium  des  Hydrocephalus  acutus 
in  fjuit  tum  (hitziger  Wasserkopf);  wenn  ein  Kind 
heftig  schreit  (crie  hydroeephalique)  und  sich 
nicht  beruhigen  Iftsst,  so  ist  es  nach  dem  Tiroler 
Volksglauben  vermeint  (Zingerle  5).  die  „Nacht- 
wuone"  will  das  ihr  vermeinte,  zugedachte  Kind 
rauben.  —  4.  =  Viehseuchen,  deren  Ursachen 
das  Volk  beim  Mangel  anderweitiger  Gründe 
dem  „Angothan  sein"  (s.  an-thuen),  d.  h.  dem 
Einflüsse  schelmischer,  tückischer  Alpdflmonen 
zuschreibt  (Zeltschr.  f.  Mythol.  IV,  408).  —  " 
Wichter, 


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Meise — Melancholie. 


Melancholie. 


40» 


Meise,  f.  8.  Maae,  Maua  u.  Maiae. 

Meise,  f.  (der  Vogel  aus  der  Familie  der  Sperlinge; 
abd.  mit).  —  Pi/)-Meise  (Oldcubarg  plpmeeachen) 
=  schwächlicher  Mensch,  der  viel  und  oft  klagt, 
weinerlich  that,  wie  eine  Meise  zipt  (s.  Pip) 
(Goldschm.  155). 

Meissel,  m.  (germ.  melta  [schneiden] ;  mat  [be- 
hauen]; abd.  meizU;  mbd.  meizel  =  Werkzeug  zum 
Abstonen  und  Bebauen,  Kluge6,  254),  1.  =  (1687) 
Speiseröhre,  Oesophagus  (Hyrtl,  K.  w.  125),  viel- 
leicht weil  sie  auf  dem  Ruck  meissel  aufliegt.  — 

2.  =  (mbd.)  Penis  (Lexer  159)  als  Werkzeug.  — 

3.  =  meiaaelartige  Knochenstücke  (spina  dorsi) 
(D.  54«).  —  4.  Mi  sei  (s.  d.).  —  5.  =  les  inaisseülers, 
masselleres  —  Hauzahne  (Briss.  41).  —  (1507)  Rippen- 
MeiSSel  (Hort,  aan.;  1582;  Lonlc.  156)  =  der  Teil 
des  Ruckgrates  (Ruckmeisael),  an  welchem  die 
Rippen  sitzen.  —  A'ur  A-Meissel  (1551  Bock  174; 
1559  ruckmeissel  =  spina  dorsl ;  1578  —  Rückgrat ; 
Gr.  W.  VIII,  1374;  1582  rueckenmeyssel  vom  Hals  blss 
auS  den  A Stern,  Lonlc.  40.  182 ;  1064 ;  Tabernaem.)  — 
die  mit  Stemmeisen-ähnlichen  Fortsätzen  aus- 
gestatteten Rflckenwirhelknochen  (Hochruck). 

—  Meissel- SmcM,  -  Wunde. 

Meister,  m.  (entlehnt  aus  lat.  magister;  abd. 
melstar;  mbd.  melster  a  Titel  für  sehr  viele  Ämter 
[Kluge*.  254],  selbst  für  den  Scharfrichter,  Schinder, 
Abdecker  [  ~  Halbmeister],  für  den  Tod  und  Teufel). 

—  Meister-  In ü  i/(  =  Tod,  der  unter  Todes- 
qualen Beines  Amtes  flbt.  —  Bein -Meister  = 
Titel  fflr  den  Knochenmann  (Tod).  —  (1843) 
Toni -Heister  =  französische  Tansmeister- 
Stellung  (p.  d.)  dt:i  Pferdes,  d.  h.  mit  der  Spitze 
des  Hufes  fiach  r.'isw'hts  (Kalke  II,  867).  —  Zehen- 
Meister  (14  labrh.  zehlmalsta,  Hyrtl,  K.  W.  36)  = 
üroasdanme;  -  gröBste  Zehe  (s.  d.). 

Melancholie,  f.  (durch  grlech. -lateinische  Hell- 
wlssenschatt  aus  grle«  b.  nielas  chole  =  Int.  bllls  atra 
s.  nigra  =  schwarze  Gallo,  In  die  deutsche  Schutmedizin 
übertragen  i  1260  melancollcus,  PfeiScr21;  mhd.  melan- 
coUe,  Schmcller  I,  1587;  14.  Jahrh.  melancollca,  HoSm. 
I,  319;  1591  melancholey  =  bllls  atra.  Hart.  Jun.  20. 
1515  melancoley  Tel  erdische  complcxion,  D.  354).  — 
I.  —  Schwarzgalligkeit  (Morbus molancholi- 
CUS,  schwarze  Sucht,  s.  d.);  (der  melancollcus  de« 
mud.  Magister  ßarthol  [101b]  Ist  ein  Mensch,  dessen 
Urlnwaaser  dünn  und  weiss  Ist,  der  bat  des  ange- 
borenen Blutes  allzuviel ;  der  Mensch  Ist  duukelfarben 
[fuscus  color,  Bllitusclu];  der  Mensch  wird  in  kurzer 
Zeit  allgrau;  der  [mhd.]  melancollcus  [1'felBer  21]  hat 
des  Blutes  zu  viel;  das  Ist  erschwarzet  [verbrannt]; 
sein  Harn  Ist  dünn  und  weiss  und  wird  er  schier  grau  j 
die  melancholischen  I-oute  [Adelung,  Nachr.  v.  oltd. 
Oed.  11,  169]  sind  „ertuar"  [erdfarben]  die  beduden 
[bedeuten]  Ir  varbe  Ist  der  gezierde  blint  [nicht  frisch- 
rot); sie  sind  Ihrer  Natur  nach  kalt  und  trocken  im 

4.  Grade;  14.  Jahrb.  ,,dy  minner  werlt  [  =  Mikrokosmus] 
an  dem  menschln  Ist  von  vier  vuchtln  [s.  Feuchte] 
tau  satneno  kumen  der  mau  »ich  ulndlt  slchtichllchen 
an  Im  unde  allen  slnen  ltden  wan  sl  alle  von  den 
uiren  [  —  vier  Feuchten,  s.  d.]  gemacht  sint,  daz  Ist 
blut  unde  colera  unde  fleema  unde  melancolia;  die 
4  vuebte  werdent  In  des  menschen  übe  von  der  spise 
nnde  von  dem  trinkene",  HoSm.  I,  319;  1475  udd. 
melancolia  =  natuer  vel  complexlo  als  bleycko  ert- 


varwige  luyde  beben,  D.  364;  15.  Jahrh.  melancollcus 
=  eyner  der  do  vil  krumer  fantasy  hat,  D.  164;  bei 
Luther  VIII,  268  ubl  caput  melanchollcum,  Ibl  dlabolus 
habet  paratum  balneum  [s.  u.  III  ]  as  Vorstadium  der 
Besessenheit  oder  Geisteskrankheit;  1480  melancholla 
duz  huizent  die  dürgen  [Thüringer]  rasen,  P.  II,  249; 
1532  in  der  Leber  wird  das  Blut  gemacht  durch  Mit- 
wirkung der  mesaralschen  Adern  und  wenn  dieses 
gemacht  Ist,  hat  es  ein  Verzeichnis  mit  dem  neuen 
Wein,  In  welchem  dreierlei  Wesen  sind  am  Boden  die 
[schwärzliche]  Hefe,  In  der  Mitte  der  [lautere]  Wein 
und  oben  der  Schaum  [s.  Blutfelm];  also  sondert  die 
lieber  [aus  dem  daselbst  zu  garenden  Speiseblute] 
zuerst  den  Schaum  [=  feuchte  Cholera]  in  dem  Haut- 
lein der  Galle  [Bilirubin  in  der  Gallenblase  =  rote 
Cholera],  die  Hefe,  das  iHt  die  Melancoley,  die 
kommt  In  die  Milz  ( =  Milzpulpa,  s.  Milz] ,  der  Edels 
aber,  das  [rvlngelauterte]  Blut  kommt  zu  dem  Herzen 
und  für  und  für  zu  jedem  Glied  nach  seiner  Würde", 
nach  Fries  108).  Diese  den  kalten  und  trockenen 
Humor  bildende,  die  Constitutio  melancholica 
ausmachende  Bchwarzgallige  Btuthefe  d.  mittel- 
alterlichen Medizinschulen,  welche  man  in  den 
Capsulae  atrabiliariae  (s.  Neben-Nieren)  und 
in  der  Milz  (b.  d.)  (1645)  „gleich  als  eine  Asche 
aller  vier  Feuchten"  (Säfter(lckstand)  Coler, 
H.  A.  77)  angehäuft  annahm,  hat  die  neuere 
Medizin  als  Morbus  melancholicus  (I)  ganz  Ober 
Bord  geworfen;  am  meisten  entspräche  ihm 
vielleicht  ätiBserlich :  die  Pigmentierung  der 
Haut  durch  dunklen  Blut-  oder  GallenfarbBtoff 
(schwarzer  Tod,  schwarze  Blattern,  schwarze 
Gelbsucht,  Malaria-,  Syphilis-,  Krebs-Kachexie, 
Addisson'sche  Krankheit,  Scharbock  4  oder 
Skorbut  etc.);  (1712  Scharbock  Ist  der  höchste  Grad 
der  Melancholey,  Zw.  963,  apostema  melanchollcum  = 
Krebs,  Behrend  68).  Da  die  moderne  Physiologie 
nachgewiesen  hat,  dass  der  Gallefarbstoff  sich 
aus  dem  Farbstoffe  der  roten  Blutkörperchen 
bildet,  und  dass  in  der  Milz,  die  in  der  Regio 
hypochondriaca  liegt,  viele  solche  rote  Blut- 
körperchen zu  Grunde  gehen,  so  war  die  mittel- 
alterliche Humoralpathologie,  die  in  der  Milz 
die  eigentliche  Stätte  der  Schwarzgalligkeit  an- 
nahm, gerade  nicht  absolut  irrig;  allerdings  die 
Beziehung  derselben  zu  den  Geisteskrankheiten 
(Melancholia  III  und  Hypochondria)  war  ein 
solcher  Irrtum,  entschuldbar  durch  die  falsche 
Grundlehre  von  den  4  I  Juniores  oder  Feuchten; 
nach  dieser  Lehre  sullte  nämlich  die  kalt- 
trockene schwarze  Galle  (Melanchole)alsGrnnd- 
feuchte  (in  Analogie  zum  Naturelemente:  der 
Erde)  auch  dio  Ursache:  II.  der  natürlichen 
(normalen)  A  n  1  a  ge  od.  des  Temperamentes 
der  Melancholia  corporalis  sein,  und  diese  Kon- 
stitution (Melancholia  constitutio)  der 
trägen,  kalten,  trockenen  Erde  entsprechen; 
sie  sollte  das  sogen,  irdische  Blut  (s.  d.)  liefern, 
das  mehr  irdische  Materie  od.  erdige  Salze,  Salz 
überhaupt  haben  sollte  nach  den  Lehren  der 
späteren  iatrochemischen  Schule,  während  die 
Solidarpathologie  es  als  dick  u.  dunkel  bezeich- 
nete, in  ansehnlich  breiteren  Blutgefässen  es  sich 
bewegen  Hess  uud  den  letzteren  engere  Poren, 
den  Geweben  aber  solidere  Dichtigkeit  zumass; 
die  Neuropathologen  wiederum  suchten  den 


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410  Melancholie. 


Melatschheit— Mensch. 


Grund  zum  melancholischen  Temperamente 
(=  geringere  Reizbarkeit,  grosse  Nachhaltig- 
keit der  Stimmung  namentlich  der  Unlust- 
Affekte,  hoher  Tonus  mit  tiefen  Affekten  und 
Gefühlsanregungen)  in  der  Schwache  und  ge- 
ringeren Reizbarkeit  der  langsamer  reagieren- 
den stumpferen,  gröberen  Nervenfasern;  die 
astrologisch  Gläubigen  Hessen  dieses  Tempera- 
ment (Komplexion,  Konstitution)  regiert  sein 
vom  Gestirne  des  Stieres,  der  Jungfrau  und 
des  Steinbockes  (lr>30;  Künigssp.  5.  33),  es  sollte 
im  nebeligen  Herbste  anwachsen  und  galt  als 
„unedelste  Komplexion",  da  sie  sich  nur  aus 
der  Vermischung  der  schwarzgalligen  Grund- 
hefe  mit  dem  Blute  in  der  Milz  und  also  nur 
durch  die  Grundsuppe  des  Geblütes,  die  Jauche- 
brülie  desselben  ausbilden  sollte.  Die  patho- 
logische, „unnaturliche,  Ubernatürliche"  (s.  d.) 
Steigerung  dieses  nach  den  Lehren  der  Hu- 
moralpatholngie  immer  noch  zu  den  natürlichen 
Feuchten  (Humores)  gehörenden  Tempera- 
ments (s.  d.  —  Melancholia  constitutio)  „des 
schwerblütigen  Gefühlstemperamentes"  (Kant) 
war  III.  die  Melancholie  als  Milzsucht  (s.  d.) 

-  Melancholia  mentalis,  Chagrin  (14.  Jahrb.; 
Du  c*nge  V.S30),  Aegritudo  animi  (17.  Jahrh.  j  Gr.  W. 
VI,  1989)  =  Dysthymia,  Trübsinn  (s.d.)  Sch  wer- 
m  u  t  (s.  d.)  od.  als  das  sog.  melancholische 
oder  hypochondrische  Stadium  der 
Geisteskrankheiten  (=  Melancholia  Ga- 
leni  et  Pauli  Aeg.),  wozu  noch  die  moderne 
„Nervosität"  und  „Neurasthenie"  hinzuzufügen 
waren.  Wahrend  die  Uräko-Komanen  als  Schopfer  des 
Namens :  Melancholie  den  Begriff  derselben  von  der 
schwarzen  Galle  abgeleitet  hutten,  die  «ich  dem  nor- 
malen Blute  zuviel  beigemischt  habe  und  so  den  Ver- 
staud  verletzen  sollte,  verschob  sich  unter  dem  Ein- 
flüsse der  ,, Hypertrophie  des  dogmatischen  tilanbens" 
(Klczlcr),  die  sich  auch  In  der  Medizin  breit  machte, 
dieser  Begriff  Melamholla  lunter  einem  bedauerlichen 
Kucksehlage  iura  krassesten  Damonisraus)  zur  „teuf- 
lischen Besessenheit  u.  Behexung".  Darum  war  1677  die 
Melancholie  ein  Seminarlum  oder  Garteuschule  aller 
anderen  Krankh.  [Heyn.)  n.  (1743,  bibl.  Medik.387)  auch 
,, des  Teufels  Bud",  d.h.  der  Ausgangspunkt,  von  dem 
sich  dunn  die  übrigen  pbautastlsohen  Formen  der,.teufl. 
Besessenheit"  (=  Geisteskrankheit)  zeitlich  ableiten 
sollten.  Gegenwärtig  versteht  man  (Grlesinger272 ;  1871) 
unter  Melancholie  III  „eine  Anomalie  der  Selbst- 
empfindung,  der  Triebe  und  des  Wollene,  ein 
andauernd  psychisch  schmerzhafter  Zustand, 
welcher  durch  joden  psychischen  Kindruck  von 
aussen  verstllrkt  wird"  oder  (1875;  KraSt-Eblug, 
Lehrb.  U.  gerlchü.  Psychopathol.  70)  „eine  durch 
krankhafte  Erregung  des  Gehirns  bedingte, 
äusserlich  nicht  od.  nicht  genügend  motivierte 
schmerzl.  Verstimmung,  diesich  als  psychisches 
Wehsein,  Missmut,  trübe  Laune,  Niederge- 
schlagenheit im  Bewusstsein  geltend  macht". 

—  melancholisch,  1.= sch  warzgallig  I.  —  2.= 
mit  dem  noch  in  die  Sphäre  des  Gesunden  zu 
rechnenden  melancholischen  Temperament  (II) 
behaftet.  —  3.  =  geisteskrank,  pathologisch  me- 
lancholisch (III),  hypochondrisch  (maulhen- 
kolisch,  mankolisch  in  scherzender  Verhüllung). 
(1742)  2?ä)»iut/<r- Melancholey  =  hyslerisches 


Irresein  (s.  Jungfrauen -Schwermut,  Melan- 
cholia III,  uterina)  (Zw.  264).  —  &ö«r  Melancholey 
=  schwerer  Morbus  melancholicus  (1).  —  fiss») 
feuchte  Melancholey  (in  dem  Magen)  =  das 
braune  (Bilifuscin)  oder  grüne  (ßiliverdin)  Er- 
brechen, die  melancholische  Feuchte  (s.  d., 
Magenkatarrh,  Ruhr,  Leberleiden)  (Fries  71).  — 
(H8I)  schwarze  Melancholey  [C  v.  Megbg. ;  i582; 
Lonlc.2ö2),  1  =  das  Erbrechen  von  dunkler  Galle. 

—  2.  =  die  dunkle  Hautpigmentierung  beim 
Icterus  gravis  (Leberkrebs),  Melancholie  I.  — 
3.  =  das  sogen,  schwarze  Blut,  das  sich  durch 
furchsame.ersehreckl.  Träume  (Melancholie  III) 
iinssern  sollte  (Loulcerus).  —  (1609)  traurige 
Melancholey  =  die  depressive  Gemfltastira- 
mung  (Melancholy  III)  (Guar.  871).  —  (1760)  über- 
natürliche Melancholie  =  die  nach  dem  Volks- 
glauben durch  unnatürliche  Ursachen,  z.  B. 
durch  Hexenwerk  oder  Zauberei  verursachte 
Melancholie  III  =  Geisteskrankheit  (Staric.  308). 

—  (1505)  verbrannte  Melancholey  =  die  Schwarz- 
galligkeit I ;  durch  Oxydation  gebt  das  hellrote 
Bilirubin  in  dunkleres  Bilifuscin  über,  letzteres 
bildetdann  die  dunkle  Hautpigmentierung,  t.  B. 
bei  Lebersyphilis  (Fuchs  I,  313;  Dr.  Minderer) 
oder  Leberkrebs  (Melas-Icterus).  —  (1789)  wahre 
Melancholie  =  Melancholie  III,  eine  mit  de- 
pressivem Affekte  verbundene  Gemfltakrank- 
heit  tum  Unterschiede  von  der  Schwarzgal- 
ligkeit (Melancholie  I,  II)  (Nicolai  II,  24).  — 
melancholische^,«)  Blutflusa,  Fieber,  Husten, 
Keuchen,  Krätze,  Mucken,  Unmut,  Zufälle. 

Melatschheit  s.  Maltzey. 

melden  (—  angeben,  verraten  [durch  ein  Mal?), 
Kluge*,  254).  —  die  Krankheit  meldet  sich  = 
schickt  seine  Vorläufer  od.  Boten  (s.  d.)  voraus, 
Prodromalstadium,  Annotatio. 

Melk,  n.  Meieher  (ahd  melk,  melic ;  8.  Jahrh. 
inelcher,  Graft  II,  722  —  fotus,  a,  um;  14.  Jahrb.  melc 
=  milchend,  Milch  gebend  [vom  Weibe],  infolge  der 
Konzeption  und  Fruchtentwickelung,  Hoffm.  I,  3»3), 
(vergl.  Milch,  Gemilk).  —  Blut  melken  =  blutig 
gefärbte  Milch  aus  einem  Euterviertel  geben.  — 
Frauen-VLeXk.  (ndl.  vrouwenmelk ,  De  Cock  67)  = 
Frauenmilch.  —  G-  melk  =  das  Kuheuter,  Ge- 
euter,  an  dem  gemolken  wird  (Z.  d.  D.  0.  A.-v. 
ml,  s.  213).  —  gelb  melken  =  gelb  gefärbte  M  ilch 
infolge  des  Genuese«  gewisser  Pflanzen  ent- 
leeren. —  ÄerH-Melk  —■  b.  Milch.  —  Kinder- 
Melker  —  nach  dem  Volksglauben  der  Alpdämon 
unter  der  Gestalt  eines  Vogels  (Oapriroulgus, 
|  Strix  alueo,  8.  Habergeiss),  welcher  die  milch- 
gebenden Brflstchen  der  Neugeborenen  aus- 
saugt (Lalstner  II,  251.  258).  —  Melk-  Vieh. 

Memme,  f.  Memm,  m.  Memmecken,  n. 
niemein  s.  Mämme,  mämmeln. 

Mengel  s.  Mangel,  Mängel. 

St.  Menns  s.  St.  Monus. 

Mensch,  m.,  n.  (westgerm.  mannlska  =  humanus 

1  [homo],  der  (icgensaU  zu  Weib  und  Tier;  ahd.  mcnnlsc 
=  humanus,  mennisco,  mannUco,  menschlich ;  mhd. 
mensch,  mensche,  m.,  n.;  14.  Jahrh.  menscho  —  con- 
jux,  D.  143;  mnd.,  14.  — 15.  Jahrb.  lnynsch,  J.  f.  nd. 
Spr.-F.  XV  ,  ndl.  vrouvvmenscb  =  Frau,  Weib,  Demo 


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Mensch. 


Mensch. 


411 


kritos  XII,  26)  -  die  höchste  Gattung  der  Erd- 
bewohner, das  einzige  animale  Gehirn-Wesen, 
der  oder  (mhd..  oberd.)  das  Mensch  (Ranke;  Heyne 
III,  791;  Kluge1,  255;  vom  18.  Jahrb.  ab  gab  man  dem 
Neutrum  eine  moralische  Wendung)  (8.  auch  Leute). 

—  Menschheit  (abd.  mennUchcit ;  mhd.  menschcit, 
Schmellor  I,  1620)  —  die  Eigenschaft  als  Mensch, 
menschliches  Wesen  od.  Natur.  —  menschein 
=  menschlich  handeln  o.  empfinden  (Demokritoa 
Ii.  118.  Ii»).  —  4/?«i-Mensch,  L  ■  ein  im  Ge- 
sichte wie  ein  Affe,  also  übermässig  behaarter 
Mensch  (Haarmensch).  —  2.  =  Mikroeephalus. 
3.  es  Anthropopithekua  (Ranke  I,  157;  II,  34fi).  — 
ausgeäderter  Mensch  =  ein  menschliches  Skelett 
(s.  aueädern)  (Schmeller  i,  3C).  —  Bären  Mensch, 
1.  =  ein  Haarmensch  (s.  d.).  —  2.  =  ein  Mensch 
mit  grosser  Kraft,  wie  man  sie  namentlich  be- 
haarten MenBchen  zuzusch reiben  pfiegt  (conf. 
Haare  anf  den  Zehen)  (Ranke  I,  157;  II,  345).  — 
(1808)  /»«uu-A-Mensch  =  eine  menschliche  Miss- 
geburt, ohne  Kopf,  ohne  Hera,  eine  unförm- 
liche, von  einer  normalen  Haut  bekleidete 
Rutupfgestalt  mit  Wirbelsaule  -  Rudimenten 
(Amorphus  aeardiacns)  (Gmlthuisen  32).  —  befan- 
gener Mensch  (IS.  Jahrh.  ein  bevanghen  mynschc. 
ndd.,  D.  II,  35  -  arrepticlus)  =  besessener  Mensch  2, 
behafteter  Mann.  —  (1756)  betet:!,  r  Mensch,  1.- 
ein  mit  Fleisch  wohl  bewachsener,  starkglied- 
riger  Mensch  (A.  v.  B.  II,  413).  —  2.  =  Besessener 
(s.  d.).  —  dürrer,  dörrender  Mensch,  1.  —  ein 
Mensch  mit  trockener  Komplexion  oder  Natur 
(cholericus)  (Gr.  w.  II,  1738)  (s.  dürre  Leute,  Natur). 

—  2.  =  ein  fettarmer  Mensch.  —  3.  =(1475  tercnde 
mynsch  =  phtblsJcus,  D.  585),  abzehrender  Mensch. 

—  (1582)  flüssige  Menschen  ■  am  Durchfall, 
Darmfluss  leidende  Menschen  (Lonic.28l).  —  (1582) 
geschnittener  Mensch  -  Kastrat,  Eunuch  (Loale. 
251).  —  (1532)  geschwollener  Mensch  -  ein  durch 
Wassersucht  angeschwollener  Mensch  (hydro- 
picus)  (Fries  89).  —  geiziger  Mensch  (16-  Jahrh.) 
truckner  gltzlger  mensch  —  colerleus,  1).  131)  =  ein 
Choleriker.  —  (1879)  Haat  -Mensch  =  ein  Mensch 
mit  einer  tierähnlichen,  d.  h.  abnorm  starken 
Behaarung,  die  man  als  Büchsen-  oder  Hosen- 
wolf bezeichnete  (altnord.  ülfhamr,  Kluge5,  -104  = 
(Wchrwolf,  «.  d.)  wenn  sich  dieselbe  auf  den 
Schenkelteilen  besonders  bemerkbar  machte 

Hypertrichosis  universalis)  (Kleinpaul,  d.  Mittel- 
alter «06).  —  halber  Mensch,  1.  =  Albermensch, 
Alp  (s.  d.).  —  2.  =  Einhanker,  der  nur  eine 
Hüfte  hat  (die  andere  Lende  wirft  der  wilde  Jäger 
de«  Volksglaubens  ihm  zu,  Lnlstuer  II,  91.  235).  — 
8.  =  halber  Mann  (s.  d.).  —  Hunds-,  hündischer 
Mensch,  1.  =  Haarmensch  (s.  d.)  (Klclnp.  1.  c  ; 
Ranke  I,  160).  —  2.  =  Kynanthropos,  hundstoller 
Mensch  (Hundswnt).  —  3.  =  (1482  bandihauptiger; 
1515  hundischer  mensch ,  P.  120  =  eynoeephalus 
tnonslri  dioü,  quare  canlna  capita  habeant)  =  Wolfs- 
mensch. —  (1418)  kranker  Mensch  —  Siecher 
(s.  d.)  (Haeserll,  Anhg.45).  —  (1482)  leibiger  Mensch 
=>  homo  grossus,  ein  Mensch  mit  Fettleib  (Zen. 
Voc.  s6).  —  Löwen -Mensch  =  ein  Mensch  mit 
beinahe  fellartiger  Behaarung  (Haarmensch) 
(Ranke  I,  157).  —  (1489,  lö.  Jahrh.)  lungen-sieches, 
-süchtiger  Mensch  -  ein  lungensüchtiges 
menschliches  Wesen  ((ir.  w.  vi,  1305;  Arzneibuch). 


—  malotzer  Mensch  =  ein  an  dem  Lepra- Aus- 
satze (Malatzie,  s.  d.)  leidender  Mensch  (Schm. 
I,  1584).  —  3fu»iiV»-Mensch  =  ein  Skelett- 
Mensch,  dessen  Arme  und  Beine  wie  bei  einer 
Mumie  von  einer  trockenen,  strafi  gespannten 
Haut  bedeckt  sind,  so  dass  sie  keine  Falten 
zeigt.  —  AW<f-Mensch  =  ein  Albino  od.  Kaker- 
lak, ein  Nachtsichter,  d.  h.  ein  Mensch,  der  bei 
der  Dunkelheit  oder  Dämmerung  besser  sieht 
als  am  helleren  Tageslichte,  wegen  der  durch 
die  Pigment-Armut  der  Augenblende  (Iris)  ge- 
störten Lichtempfind ung  (Roth  is;  Gr.  w.  VII,  201). 

—  (1680)  pestüenzialischer  Mensch  — ein  von  der 
Pest  heimgesuchter  Mensch,  homo  peste  con- 
tractus  (Gr.  w.  VII,  1574).  —  (1477)  rittig(er)  Mensch 
(Ortoll)  =  ein  vom  Kitten  (s.  d.  =  Fieber)  heim- 
gesuchter, fiebernder  Mensch.  —  (1551)  schelliger, 
schelmiger  Mensch  =  Homo  maniacus,  ein  tob- 
süchtiger, wütender,  im  Pestfieber  delirierender 
Mensch  (siehe  Schelm)  (Rock  46.  134 ;  D.  431).  — 
ScWan^en-Mensch,  1.  =  Vipern  Mensch  (s.  d). 

—  2.  =  ein  Mensch,  der  seine  Gliedmassen  wie 
eine  Schlange  verschränken  kann.  —  Schwanz- 
Mensch -  ein  Mensch  mit  tiersch weifähnlicher 
Verlängerung  des  Steissbeins  (Hetnmunxsbil- 
dung?),  exzessives  Wachstum  des  embryonalen 
wirbellosen  Schwanzes.  Ni-  Mensch  =  Nickert 
(s.  d.)  (Wuttke,  s.  47).  —  SJtf/eff-Mensch,  L  bs  ein 
Mensch,  der  nur  aus  Knochen  (und  Haut)  zu 
bestehen  scheint.  — 2.  =  Totengerippe.  — spital- 
süchtiger Mensch  (rund,  spittelüschen  royuschen. 
Mag.  Barth.  93  a)  =  ein  wegen  Aussatz  (Elephan- 
tiasis leprosa)  im  Leprosenhans  befindlicher 
Mensch.  —  Stachelschwein-Mensch  -  ein  Mensch 
mit  stacheliger ,  zapfig  degenerierter  Horn- 
schichte der  Haut  (Ichthyosis  hyatrix,  Echino- 
dermus)  (Hieltet,  natür.  Sc'hftpf.-Gesch.  1879.  S.  160 ; 
Abbildung  b.  Mehrend,  Tafel  XXIX  3,  8.  16.  841.  — 
(14.  Jahrh.)  tobender  Mensch  =  ein  an  der  Hunds- 
wut (s.  d.)  erkrankter,  wütender  Mensch  (Hoffm. 

1,  326).  —  (1697)  totes  Mensch  =  totes  mensch- 
liches Wesen  (Schm.  I,  1628).  —  f76e»-Mensch  = 
ein  aussergewöhnlieh  begabter  Mensch.  —  (1591) 
i  'n  Mensch  =  das  dem  normalen  Menschen  un- 
ähnliche Monstrum  (Missgeburt)  (Hadr.  Jun.  15), 
das  der  Volksglaube  für  eine  Teufelsbrut  hielt 
(s.  Alptraum).  —  unsinniger  Mensch  (15.  Jahrb.  ein 
unsinniges«  mentbsa  —  dellrus,  D.  172)  =  ein  Mensch 
im  Delirium  (s.  verstört).  —  unfemtefVr  Mensch 
=  ein  etwas  niedrig  gestellter,  sonst  aber  wohl- 

gebauterMensch  Fi/jcm-Mensch  =  ein  Mensch 

mit  einer  grünlich  pigmentierten,  nach  Vipern- 
art sich  abschälenden  Haut  (Münch.  Med.Wochsehr. 
1882, ».  121).  —  TVflswr-Mensch,  1.  =  die  menschen- 
ähnlichen Wassergeister  (Nixen)  des  Volks- 
glaubens, welche  die  Kinder  der  Menschen  aus- 
tauschen (s.  Wechselbad)  (Köhler,  V.  Br.  474).  — 

2.  =  Nickertskind  des  Menschen  vom  Nix  (siehe 
Meerminne)  erzeugt  oder  ausgewechselt  (Wuttke 
361 ;  Witzscher  I.  153;  (1,287). — 1MB]  H'oc/s-Mensch 
=  Lyeaon,  Wehrwolf  (s.  d.):  12  Tage  vor  Weih- 
nachten werden  bose  Menschen  zu  Wulfen  (Hunden) 
ii.  verwandeln  sich,  wenn  sie  ausgetollt  haben,  wieder 
zu  Menschen  (Livland;  Coler,  II.  B.  111,  684)  —  eine 
krankhafte  Abweichung  von  dem  normalen 
Gemeingefühle,  ein  krankhafter  Wahn  eines 


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412  Merge — Mennig. 


meschugge— Mieren. 


geisteskranken  Menschen ,  der  sich  in  einen 
Wolf  verwandelt  glaubt  (<Mm*.  811.—  Menschen-, 
menschlicher,«)  -Dein,  -Blatter,  -Fett,  -Haut, 
-Körper,  -Krankheit,  Kunne,  -Materie,  -Pocken, 
-  Wasser,  -  Würger. 

Merge,  f.  Mergeden.  (Nach  dem  n.  jonrh.  ist 

Morgen,  Märgen  =  St.  Margen.  Marjen  ;  lU'J  Merga, 
Mergou  a  Moria  [Jungfrau],  Schm.  I,  1637.  164?)  =  die 
3  Fräulein ,  iniigen  Fräulein  de«  deutschen  Volks- 
glauben»,  welche  als  KrankhelUdäuionen  aufgeht»«!, 
den  von  ihnen  veranlassten  Krankheiten  ihre  Kose- 
namen übertrugen  ;  sie  mähen  auch  das  Augeufell  ab, 
nach  dem  Volksglauben  (Z.  d.  V,  f.  V.  K.  1897,  H.  M)  und 
entsprechen  auch  den  in  Blutsegen  auftretenden 
3  Jungfrauen:  Blutrote.  Blutgrete.  Blutstehstlll  (Engel 
255;  Kohler  101).  So  ist  Mergeden,  f-,  pl.  =  Zit- 
terach, Zittersclien  (Schmeller  II,  1164),  d.  h.  ein 
von  den  3  Schwestern,  Jungfrauen  (salinen 
Fraulein)  gebrachter  Hautausschlag  in  Zitte- 
rachform (Kkzema,  vgl.  Natrelbh'Uen).  —  Krisch- 
MergO  =  eine  der  3  Frauenroter  Schwestern  (s.  Kri- 
sebona),  welche  als  Geburtshelferin  den  kreischenden 
Gebärenden  notlftsend  beisteht,  entsprechend  der  Xorne 
im  Fafnismal  (Jordan  353),  die  als  N'othelferin  aus  dem 
Wlchtcl-  oder  Asen-Gcschlechte  die  Kinder  aus  dem 
Mutterleibe  entbindet  (Slinrork,  U.D.M.  346).  —  I'dl- 
Merge  =  eins  der  3  Jungfrauen  (%.  o.),  die  auf  der 
Haut  ( =  Belle ,  s.  d.)  einen  Bose-arUgeu  Ausschlag 
(Dermatitis  eozemato*a)  verursacht  (Slmrock,  H.  D.  M. 
346,  vergl.  auch  Bäll  Bose).  —  iV/ucf/Z-Merge  ■ 
eine  der  3  Schwestern  oder  Fräulein,  die  eine  Haut- 
Schwellung  (beim  Zitterach)  od.  die  Schwell-Rose  und 
Schwell-niUe  (s.  d.,  Dermatitis,  F.rysipelas)  verursacht 
(Simrock,  II.  D  M.  316).  Diese  Ssallgeu  Fräulein  oder 
Mergen  entsprochen  den  h.  Jungfrauen  bei  den  Letten 
(Bartels,  In  Zeitschr.  d.  V.  f.  Volksk.  189'.,  S.  16  SS.  30). 
die  in  roten,  gelben  und  weissen  Gewändern  erscheinen, 
entsprechend  den  verschiedenen  Stadien  der  von  ihnen 
veranlassten  Dermatitis ;  hie  spinnen  und  zwirneu,  wie 
die  neue  Kleider  spendenden  Nomen  (s.  Nagelbliitcn 
=  Nornenspuren ;  Liebrecht,  t.  Volksk.  32'JJ  u.  werden 
geuiobut,  ihre  Seldcnfäden  (i.  Naht)  In  Walde  zu 
wirken  |  vermutlich  ist  diese  Dermatitis  der  3  Fräulein 
dos  Zill  (SalzV),  Zilie  oder  Zelte,  t>elde.  wegeu  deren 
der  Flauiläuder  nach  Zellik  oder  Zllliek  (Sällg !)  wall- 
fahrtet (De  Cock  262). 

mergeln  «.  Mark. 

Merk  s.  Mar  k,  S.  399.  -  Merk-Ma/. 

Merkur.  Durch  den  Klnfluss  der  Astrologie  erhielt 
das  Quecksilber  den  Namen  des  Merkurge*llrun,  wol>ei 
die  ustrologi-ich  alchemistische  Mcinuug  annahm,  dnss 
zwischen  dem  Planeten  uud  seinem  Metalle  Mereurlus 
durch  unendlich  kleine  Körperrhen,  welche  von  dein 
Bluneten  u.  seinem  Metalle  ausfliessen,  ein  Zusammen- 
hang vermittelt  werde.  —  Merkuriali.sniu.s  Mer- 
kurialkrankheit,  U  ydrargyrosia  —  MerkurUal)- 
Fieber,  -Finger,  -Krankheit, -Skorbut. 

Merl  s.  Hirl. 
Merrie,  f.  s.  Mar. 

Merung,  f  Mering,  Merin,  Mörin  (1471  morin 

■  Ausgang  der  heimlichen  Gemachter,  Kanal,  Schm. 
I,  1641;  1628  merin  [=  mering])  —  Oesophagus, 
Schlundlohr,  Speiseader,  der  Speisengang 
IFrie«  I7)J 


meschugge  (bebt*,  mesohucke,  »ug  =  dellrare, 

Kleinp  66)  =  verrückt,  albern  (H.  Paul  303). 

Messer,  pl.  =  Masern  (s.  d.)  (Goldachm.  136; 
Oldenburg). 

Messmer,  m.  =  er  kommt  auf  des  Messmer  s 

( =  Küster,  Signst)  Gart*n  (Buck  23),  oder  auf  des 
Messmer's  Alm  (Oberbayern)  ^  auf  den  Freithof, 
er  stirbt. 

Mette,  f.  die  finstere  Mette  (matutina  teil, 
hora  -  Frühgebet)  halten  =  coire  (Gr.  W  VI.  2147). 
—  die  trunkene  Mette  -  das  Geräusch  beim 
morgendlichen  Erbrechen  des  Betrunkenen 
Vomitus  matutinjs  (Gr.  W.  1.  eod.). 

Metze,  f.,  1.  =  Koseform  für  Mechthild;  Mädchen 
niederen  Stande«,  Hure  (Kluge  *,  256).  —  2.  —  Getrelde- 
moss  (Kluge  1.  c. ;  Sples»  II,  162).  —  in  die  Ralb- 

I  Metze  fallen  =  in  die  Ohnmacht  (i-mäehte).  — 
SriYAc-Metze  -  s.  Seichmotze. 

Meuchler,  tu.  ( Mauchel,  M;iuchler .  Muchler) 
(vorgerm.  inüg ;  gertn.  mük  —  heimlich  lauern,  mit 

I  Gewalt,  heimlich  thuen;  ahd.  mühhllftri  =  einer,  der 
belmlich  lauernd  anfällt  (=  mühhftu];  müh  =  Helm- 
tücke, Kluge*,  257.  262;  mhd.  tnlucbeläre  [Meuchler]; 
dozu  mocken  =  versteckt  liegen  [Manke,  «.  d.);  1660 
meuchler  =  eine  Art  Krankheit,  Schmeller  I,  1661;  1688 
meuchler  =  eine  unbestimmte,  fieberhafte  Krankheit, 

I  Gr.  W.  VI,  2189;  [Schwaben]  Malcheln  =  Nassel  [s  d.|. 
Kellerwurm;  [Appenzell]  müchler  =  Blutgeschwar, 
Heyne  III,  808),  l.^eine  heimlich  versteckte,  wie 
ein  schelmischer  Dflmon,  in  Assel-,  Kröten- 
oder Wurm-Gestalt  lauernd  heranschleichende 

!  Krankheit  ohne  bestimmt  ausgeprägte  Erschei- 
nungen, wenn  auch  schon  mit  Fieber,  da«  im 
Menschen  „muckert",  „zipft"  od.  „brütet",  ver- 
bunden, z.  B.  Prodromalstadium  des  Malaria- 
fiebers  (Schmeller  I,  1661;  Lammert  85;  Wackern. 
Abhdlg.  III.  155).  —  2.  =  das  Muchel-Aiss  (Kurun- 
culosis),  Blutschwftr  (Gr.  W.  VI,  2169.  2162;  Schm. 
I,  1661),  vielleicht  in  begrifflichem  Zusammen- 
hang mit  dem  Hautwurm,  den  das  Volk  als 
meuchlings  lauernden  Dämon  in  Wurmgestalt 
sich  vorstellte  (b.  Adel  S.  2  u.  *);  (den  Dttmonis- 
rous  bestätigt  das  Meiiehelkraut;  1694  =  die  uralte 
Haute,  Aspleniuro  ruta  muraria  L ;  Wurm-  —  Hexen- 
kraut, da»  Frauenhaar.  D.  97;  Jessen  49).  —  3.  = 
die  Pferde-Mauke  mit  dem  schleichend  Bich 
entwickelnden  Ekzema  varicosum  an  der  Kote 
(siehe  Mauke).  —  4.  =  das  Zipperlein,  daa 
als  „Klauenseuche"  am  Fusse  des  Menschen 
„muckert"  (H.  soch«;  schm.  i.  c).  —  5.  Meuchel 
=  ein  geschlechtlich  zurückhaltender  Mann 
(Schmeller  I,  1561).  —  l^öA-MeuCüel  =  Meuchel  2 
(Sples« Ii,  162).  —  Meuchel ,  Mauchel-,  Mauchel 
Aiss,  -Grattd,  -iah. 
-mensch  s.  Masche. 

Miasma  —  u,taivu>  =  verunreinigen  (Roth  326)  = 
die  durch  InfektiunsBtotfe  verunreinigte  Luit 
(s.  Anhauch,  Anwalit). 

Micker  s.  Mücker. 
Miedl  s.  Mirl. 
Mielen  s.  Milben. 

Mieren,  pl.  Miere  (dän.  myra,  myre;  ndl  .  ndd. 
mler;    angU.  myre;    engl,  mire;    allnord.  maurr, 


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Mieten— Milbe. 

Kluge*,  II;  Edliuger  ö  =  Ameise).  —  (1699)  haupt- 

mierig  (mürtig,  mörtig)  (v.  m.  i.  3».  Kalke  1.  376) 
=  Grillen,  Würmer,  Käler,  Engerling  im  Kopfe 
habend  (von  Pferden,  die  den  Rotz  in  der  Nase 
haben,  wie  ein  Schaf,  das  Kgelwttrmer  in  der 
Nase  hat).  —  Mieren  -  Qual 

Mieten,  1.  =  s.  Maden  (Falko  II,  114).  —  2.  = 
(zu  miet  =  Futter).  —  /a/scA-mieten  -  verhüten, 
darch  giftiges  Futter  auf  der  Weide  das  Vieh 
krank  machen  (Buck,  Flurn.  180). 

Mige,  f.  migen  (1550  mygen  =  mlngere,  Christ. 
Meyer  125;  ndd.  muigen,  Fromm.  VI,  35G)  =  pissen 
(b.  Mini);  (ilini  der  nnrd.  lininn  migi,  Maurer  II,  59 
—  Brnnnenpisser  als  Namen  eine*  Riesentrolls,  der  sich 
in  solcher  Welse  den  Menschen  unangehm  zu  machen 
pflegte).  —  (ndd  )  Mige,  Muige  -  Harnwasser. 

Migräne,  f.  (aus  dem  griceb.  v^v.vi  und  lat.  cra- 
nium  —  Kopfhalfte ;  lat.  hemleranla  =  halbseitiger 
Kopfachmer« ;  12.  Jahrh.  emigranea  n  timpani  dolor. 
Pfeiffer  12;  mnd.  wann  Einer  Wehtage  des  Hauptes 
[hat]  das  ist  gehelssen  einlgranla,  also  die  hose  Materie 
aufsteigt  in  das  Haupt  und  l>egrclft  [».  d  ]  ihm  das 
Vorhaupt,  eine  Sucht,  die  ihm  grämt ;  nach  Mag.  Harth. 
87a,  U  — 1*>.  Jahrh.,  mnd  emigranea  in  en  höret* 
vere  also  de  bose  materia  uprecket  to  dem«  hovede 
so  begript  [s.  begreifen]  sc  dal  hovet  hall,  J  II.  f.  nd. 
Spr.  F.  XV,  127;  dieser  Damonlsmus.  der  in  ,, aufrecken" 
uud  ,, hegreifen"  angedeutet  ist,  ergibt  sich  aus  dem 
Hnuptwurm  [s.  d  ] ;  als  solcher  wurde  auch  die  Haupt- 
laus [«.  d].  angesehen;  1532  ..sehmertzen  des  haupts, 
hemicraneus  genannt",  „elwan  Ist  der  Schincrtz  in 
Halbteil  des  Hauptes",  Fries  71 ;  [1742]  „wenn  ein  in 
dem  Geblüt  verborgenes  hitziges  Salz  [GichtatoRe'.')  nur 
auf  eine  Seite  des  Gehirns  fallt  uud  iu  dem  Kohrlein  j 
[=  Kapillaren]  stecken  bleibt"  =  vasomotorische  Neu 
ralgie.  Zw.  789.  790;  17.6  Migräne  =  cUvua,  Mutter  I 
nagel,  A.  v.  H.  I,  777;  Haupinagcl;  engl,  megrim),  I 

I.  =  jeder  auf  eine  Kopfhälfte  in  seiner  Empfin- 
dung beschrankte  Schmerz,  z.  B.  bei  Zahn-, 
Ohr-Leiden.  — 2.  =  der  rein  nervösehalbseitige,  | 
anfallweise  auftretende  Kopfschmerz,  den  Mö- 
bius (1896)  auf  eine  meint  vererbte  krankhafte 
Veränderung  der  Grosshirnrinde  zurückführt, 
die  diesen  Schmerz  auslöst;  ehemals,  zur  Zeit 
der  dämonistischeu  Ätiologie,  nahm  man  einen  ! 
Hauptwurm  (s.  d.)  an.  —  GioAf-Migräne  = 
Migräne  2,  als  Teilerscheinung  der  dicht  (Ur-  j 
arthritis,  Kopfgicht;  s.  Tropfen  . 

Milbe,  f.  (indogerm  m<d  ,  mul  (mahlen];  ahd. 
müwa  ;  10.— 11.  Jahrh.  mlliwa,  f.  s  tinea,  Graft  I.  *16  ; 

II,  722  ;  [  =  FavuspUz  '] ;  12.  Jahrh.  mllwa  -  tinea.  H.  Z. 
XV.  360;  14.  Jahrh.  milwe,  milwln  -  tlneae,  Voc.  opt.  W. 
40.  46;  mhd.  mliwe,  Klujre  *,  257.  MAS  milw  —  vlrea 
[usia],  D.  II,  382;  [Finne);  1645  mieten  =  Uaarmllbcn, 
Coler,  H.  A.  83;  schwed.  mal  m  staub-  oder  mehl- 
machendes  [a.  Mehl  uud  Amel*]  Tierchen),  1.  -  die 
Milbe  als  Tier  (Acarina,  zur  Ordnung  der  Spinnen- 
tiere), das  (meist)  schmarotzend  auf  Tieren  lebt 
und  eine  klofenförmige  Hautahsehilferung  ver- 
anlasst. —  2.  das  Produkt  der  Miloenthälig- 
keit  auf  der  Haut.  —  3.  =  das  damit  Ähnliche. 
—  (1862)  £m  fr-Milbe  =  eine  von  Säugetieren  u. 
Insekten-Larven  auf  den  Menschen  übertragene 
Laufmilbe  (Leptus  autumnalis  Sh.),  die  bei 
Getreidearbeitern  sich  in  die  Haut  einbeisst,  | 


Milch  418 

um  Blut  zu  saugen,  und  dadurch  eine  heftige, 
mit  Fieber  verbundene  Hautentzündung  für 
einige  Tage  macht  (Zeitschr.  f.  M.  Cblr.  u.  Geb. 
1862,  289;  Braun,  th.  Paras.,  9.  25Ö).  —  (rrtnÜb  = 
der  wie  Mehl  aussehende  Beleg  durch  weissen 
Soorpilz  (Schwämmchen,  Mehlhuml,  Mehlgrat, 
Ktirfis,  Gur,  Hebetc.)  (C.  v. Scbro.  385;  Memmingen). 

—  //'-''.''-Milbe  (1517  milben  im  bar  [Aventin.]  - 
furfures  proprio  nordes  crinlum,  Schm.  I.  1.VS7;  1531 
milben  Im  har,  Bock  79 ;  1588  mllwen  im  haar,  Gr.  W. 
1085),  l.  =  die  kleieförmige  Haarboden-Abschil- 
ferung  (s.  Schinnen),  als  Milbenthätigkeits-Pro- 
dukt  angenommen  (s.  Haarwurm).  —  2.  =  die 
Haarbalgmilbe  (1842),  Acarus  folliculorum  bim., 
welche  sog.  Mittesser  (Comedones)  hervonxtlt 
durch  Verstopfung  der  Talgdrüsenausführungs- 
Gänge  (Braun,  Her.  Paras.  263).  —  (17.  Jahrh.)  Haupt- 
Milben  =  die  Haarmilben  (s.  d.)  auf  dem  mensch- 
liehen Kopfe  (Schinnen)  (Fr.  Kr.  B.  140).  —  Haut- 
Milbe  =  Haarwurm  1;  dazu  gehören  (1884  Pyg- 
mephorus  unclnatus  [in  Klausenburg];  1781  Cheyletus 
eruditus,  aus  Hadern  u.  Lumpen,  Viebstallen,  Tauben- 
schlägen, alten  Büchern  auf  den  Menschen  übertragen  ; 
1824  Dermanyssus  avium ,  aus  Vogelstallen  auf  den 
Menschen  übertragen  u.  daselbst  einen  juckenden  Haut- 
ausschlag erzeugend  =  Phthiriasis  ,  Uuscnicht ;  1804 
Dermanyssus  hirundinis,  aus  Schwalbenestern  auf  den 
Menschen  übertrugen,  die  Hunds-  u.  Taubenzecke  ».  d., 
die  Krätzmilbe  [«.  d],  K&udo  [s.  d.J,  Fuchs-Sucht  [s.  d.J). 

—  (1748)  Kratz-,  (1843)  #d «</e-Milbe  (Sarcoptes) 

—  die  die  Kratze  (s.  d.)  beim  Menschen,  die 
Räude  (s.  d.)  bei  den  Säugetieren  erzeugende, 
durch  Wäsche  oder  direkte  Berührung  über- 
mittelte (Sarcoptes  scabiei)  Milbe,  deren  Exi- 
stenz  als  Krätze  erzeugendes  „ Würmchen'*  od. 
„Insekt"  bereits  Avenzoar  (12.  Jahrh.)  vermutet 
hatte  (Kehrend  36  J  Kalke  II,  224  j  Baas  12&  292  ;  Braun, 
Uer.  Paras,  S.  260 ff.).  —  ZeAr-MÜbe,  I.  =  der  L>e- 
modex  s.  Acarus  folliculor.,  Haarnulbe  (s.  d.), 
eine  in  den  Haarbälgen  und  Talgdrüsen  der 
Menschen  schmarotzende  Mitesser  (s.  d.),  Mit- 
zehrer  (Comedones)  erzeugende  wirkliche  Milbe. 

—  2.  =  die  Abzehrung  «1er  Kinder,  welche  dabei 
Akne  (—  Aktne),  Comedones,  Furunculosis 
haben,  welche  Hautkrankheit  man  zehrenden 
Milben,  Maden,  Würmern,  ohne  sie  wirklich 
gesehen  zu  haben ,  zuschrieb  (s.  Mitesser).  — 
Milben-  Krätze. 

Milch,  f.  Mi  Ich  er,  m.  Milk,  Milken,  Milch  - 

ling  (westindogerm.  melg;  gem.  germ.  melk  [s.  Melk]; 
goth.  miluks,  Kluge4,  2".7;  ahd.  miluh  =  lac,  Graff  II, 
721;  13.  Jahrb.,  mud.  melich.  m.,  melk  =  Milch;  mhd. 
milich,  milch,  engl,  milk;  dän.  malk)  =  das  durch 
die  Handlung  des  Melkens  der  Tiere,  durch  die 
Melch  oder  Melke  Erlangte,  nährender  Saft 
aus  Euter  und  weiblicher  Brust,  1.  =  die  Kuh- 
milch, deren  Veränderung  auffallend  oft  Dä- 
monen-Einflüssen zugeschrieben  wurde.  —  2.- 
die  Milch  anderer  Haustiere.  —  3.  =  Mutter- 
milch, Weibermilch.  —  4.  =  Milchdrüsenau- 
schwellung.  —  5.  =  Milch-Ähnliehes  und  zwar: 
a)  die  milchweisse  Thymusdrüse  (1613  Milch  = 
das  prlesz,  Gr.  W.  VI,  21S9),  Glandula  thymus, 
Laetes  der  Körner;  ;  Übersetzung  des  letzteren) 
Mileher,  Milchhng,  Milkiing,  auch  Kalbsmilch, 
Kalbsbt.es,  Milehstücklein,  Widder  genannt; 


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414 


Milch. 


Milch. 


h)  der  milch  weise,  aus  den  Darmzotten  durch 
die  Milchadern  (s.  d.  u.  Milchleber)  abgeführte 
Speisesaft  (CIivIub)  (Hyrtl,  K.  w.  in);  e)  milch- 
weiB&eDrttsenBekrete;Sanien,ScheidenBehleini, 
Augenschlcim ,  Trippereiter.  —  6.  =  die  Zeit 
des  Milchsaugens  (1592  bei  der  Müllick,  Beb.  196) 
(Lactatio).  —  milchen  ■  Milch  geben.  — 
Milcher,  m.,  1.  =  die  Kalbsmilch,  Glandula 
tbymus  {Hyrtl.  K.  W.  113;  C.  v.  Sctam.  385;  Schw.  385). 

—  2.  =  der  Kischsamen,  s.  Leim.  —  3.  =  das 
Stierkalb,  das  noch  saugt.  —  milchicht  =  von 
milchartiger  Beschaffenheit.  —  Milker  (Schweix) 
=  Milcher.  —  (16.  Jahrb.)  Müchlin«  (.uilkllng. 
mülkllng ,  milcheUnck ,  D.  492  =  renuneulu») ,  1 .  = 
Kalbsmilch  (Thymusdrüse)  (Hyrtl,  K.  W.  113).  — 
2.  =  Rogner.  —  Mnlk,  f.  (1692,  Seb.  122)  =  Milch- 
bildung.  —  .-bi/V-Müch  (1466  geancket  milch  =  oxi- 
galta,  D.  II,  275)  =  geschlagene  Milch,  die  das 
Ankschmer  liefert.  —  (1003)  .-iii^cn-Milch  = 
Milch  de,  das  milchweisse  Sekret  der  Augen- 
liddrüsen beim  Pferde  (Gr.  W.  I,  809).  —  (1620) 
Biert  -,  />'-  is  '  Milch  -  Bies,  Biest  (b.  d.),  Bläst, 
Colostrum  vaccae,  Pyon,  die  dicke,  eitergelbe, 
klotzige  Milch  (Milchfeist)  der  Kuh  unmittelbar 
nach  dem  Kalben  (Schmeller  I,  300;  Dr.  Minderer; 
1482  priest  oder  newmilch ,  D.  133) ,  die  Priester- 
Milch  (s.  d.)  oder  das  Ehret  (Tirol),  die  als  Stell- 
vertretung der  Erstlingfrucbt  ein  besonderes 
Geschenk  an  den  Priester  war  (s.  Biest).  — 
blaue  Milch  =  (wie  beim  blatten  Eiter)  eine  durch 
Vibrionen  (auch  Pflanzen,  Pilze)  blau  verfärbte, 
angeblich  verzauberte  (s.  Alpschratt)  Kuhmilch 
(ilexenmilch)  (Z  d.  v.  f.  v.-K.  1897,  8. 148).  —  Blut- 
milchen =  blutig  gefärbte,  rote  Milch  geben 
(bei  Krankbeilen  der  Melk-Kühe) ;  dagegen  sollte 
der  blutig  angestrichene  Trudenfuss  (Alpkreus)  au  dor 
Slallthüre  helfen  (Rochholz  II,  178;  Gr.  W.  II,  187; 
Falke  I).  —  Z)icA'-Milch  —  geionnene  Sauermilch 
(Splcss  II,  43).  —  Ihn  /.-./,-Milch  Hexenmilcb  1, 
eine  durch  das  Fabeltier  Drache  (s.  d.)  od.  den 
Drachenalp  (Dracholf,  Furia  infernalis),  welcher 
Milzbrandseuchen  unter  Kuliherden  bringen 
sollte,  nach  dem  früheren  Volksglauben  veran- 
lasste krankhafte  Veränderung  der  Kuhmilch 
im  Euter  =  llflntlscbe  (Hohnsche)  (Wuttke*  697, 
8.  415).  —  (1618)  £|<T-Müch  (airmilch  =  coagulatlo 
lacüs,  Schindler  I,  882)  =  wie  gekochtes  Ei  geron- 
nene Milch.  —  eingetretene,  eingeschosxene  Milch 
=  die  schmerzhafte  Anschwellung  der  weib- 
lichen Milchdrüse,  die  wie  ein  Schuss  (s.  d.) 
plötzlich  eintritt  u.  die  Milchsekretion  siatiert, 
hIs  ob  sie  (dämomstiBch)  zurückgehalten,  ver- 
Bchlagen  (b.  d.)  würde  (Pauli  10s).  —  £i7cr-Milch 
=  eine  wie  Gift  (  =  Eiter,  s.  d.)  wirkende  oder 
wie  Eiter  ausgehende  (Biest-)Milch  (Gr.  \v.  Iii,  392) 

—  erste  Milch—  Biestmilch  (s.  d.).  —  (le.Jahrh.) 
faulende  Milch  =  die  wie  abgestandene,  ge- 
stockte.Baure  Milch  in  den  Brustdrüsen  angenom- 
mene BrUBtdrüsenentzündung  der  Wöchnerin 
(Arxn.-Buch).  —  (16.  Jahrh.)  ^'«cA-MÜch  ( =  Eactes, 
D.  SIS;  1316  milch  im  visch  oder  im  hering,  viitchc» 
melek  etc.)  =  Fischsamen.  —  i<V«t»en-Milch  irand. 
vrouwe  melk  =  s.  Melk,  Mag.  Barth.  91a;  1482  der 
frawen  mlllch,  C.  v.  Megbg.)  =  Muttermilch,  eigent- 
lich luess  dieselbe  bloss  Spflnne  (s.  d.);  zum 
Unterschiede  von  der  eigentlichen  Milch  (Lac 


vaccae),  die  bei  dem  Tiere  gemolken  wird,  wird 
sie  als  „Frauen"-Milch  spezialisiert.  — gediegene 
Milch  (1400  gctlgne  milch,  Schmeller  I.  497)  =  dicht 
gewordene,geronneneMilch.  —  Gemilk  (Gmilk) 
=  das  Milchzeug  der  Frau,  die  weiblichen  Brüste, 
übertragen  vom  (gemolkenen)  Kuheuter  (Bucki6). 

—  (1782)  geronnene,  (1482)  gerunnen  Milch  =  siehe 
knolhchte  Milch  Uxygalla  (Richter  I.  15;  M.  H.  L. 
1, 172;  D.  404).  —  (1682) geschwollene  Milch  =  Milch- 
drüsenanschwelhing  (Lonlcer).  —  (»7«,-A- --Milch 
=  die  Milch,  die  am  Alpen- Aufzugstage  gemolken 
wurde  und  zur  Erreichung  von  Nutzen  (s.  d.)  u. 
Glück  verschenkt  wird  (Scbm.  I,  971).  —  grüne 
Milch  =  rohe,  ungekochte,  frische  Milch  (Hoffm. 
I,  374).  —  //creii-Milch,  1.  =  (I68O)  Lac  per  in- 
cantalionem  (s.  Vergatterung)  acquisitum  = 
eine  durch  Verzauberung  od.  Dämonenwirkung 
(s.  Alpschratt)  krankhafte,  blutigrote  od.  blaue 
Kuhmilch  (Gr.  W.  IV.  2.  1302;  Wuttke  419;  auch  der 
gelbe  Saft  des  Warzenkrautes ,  Chelidonium  majus, 
hclsst  In  Elsa/»  Hexenmilch  o.  Trudenmilch,  Roll.  196). 

—  2.  =  die  krankhafte  Anschwellung  der  Brust- 
diüse  der  Neugeborenen  (Milch  4)  und  Männer 
(GynaekomaBtie),  die  nachdem  Volksglanben  (Meyer 
172. 175;  Wuttke  256 ;  Wiedersbelm.  d.  Bau  d  Menschen  15) 
verursacht  ist  durch  das  Saugen  des  Alps,  der  Trud  (2) 
oder  des  Kehrimlelu  (2)  an  den  unentwickelten  Milch- 
drüsen, so  dasa  diese  aufschwellen  wie  der  Busen  der 
erwachsenen  Mädchen;  an  Stelle  dieser  Damontu 
treten,  wie  öfter,  die  Hexen,  die  schon  durch  den 
bösen  Blick  (s.  d.  und  entsehen)  nach  dem  Volks- 
glauben den  Kindern  milchgebende  Brüste  anzaubern 
und  die  Kuhmilch  versiegen  lassen  können.  In  Wirk 
licbkeitlst dieselbe  fast  imnierdurch  Mikroben-Infektion 
voru «acht  (Infektionskrankheiten  sind  nach  dem  Volks- 
glauben meist  dämonlstlschcr  Ätiologie).  —  Jungfern- 
Milch  -  das  Brustdrüsen-Sekret.dassich  manch- 
mal, x.  B.  bei  Eierstocks-GcschwUlBten  bei  nicht 
geschwängerten  Frauen,  selbst  Jungfrauen, 
bildet  (Gr.  w.  IV,  2.  2389).  —  Kalbs-,  Ä<Ü/xr-Milch 
=  Glandula  tbymus  vitelli  b  das  sogen.  Milch- 
ileibcb,  Bries,  brösel  bei  Kälbern,  welches  ein 
milchweiß  -  Gewebe  zeigt  (Milch  5a)  (Gr.  W. 
V,  66)  und  von  der  Geburt  ab  stetig  abnimmt, 
so  dass  die  Drüse  beim  ausgewachsenen  Or- 
ganismus fast  ganz  verschwunden  ist  bis  auf 
fettige  Reste.  —  Ä'rrn-Müch^  Klotzunleh  (engl, 
kernmilk;  1417  kerne  melk  =  balbuca,  D.  II,  60;  1482 
kerenmilch  =  oxygalla,  batludo,  1).  70.  404).  —  Klopf  - 
Milch  (nordd.)  -  eine  knutige  Anschwellung  der 
weiblichen  oder  tierischen  Milchdrüse,  welche 
(etymologisierend  ?)  durch  Klopfen  od.  Stossen 
hervorgerufen  wird,  ohne  dass  vorher  Schwän- 
gerung stattgefunden  hat  (vermutlich,  wenn  nicht 
verhüllende,  Entstellung  aus  Klotzinilch,  s.  d.),  eine 
Milch,  welche  entzündlich  klopfenden  Schmerz 
in  der  Brust  macht  (Gr.  W.  V,  1230).  —  Klotz- 
Milch  (1580  kloulecbte  milch,  Gr.  W.  V,  1266;  „ehe 
eine  Kuh  kälbert,  Ist  ihre  Milch  zur  selben  Zeit  nichta 
uutz ,  sie  wird  bald  klotzlecht  und  steinhart";  1699 
klotzmilch,  v.  M.  I,  74  ;  eugl.  clottedmilk),  1.  —  eine 
Milch,  welche  angeblich  schon  in  der  Brust- 
drüse zu  Körnern,  dicken  Kernen,  Knollen, 
Klumpen  oder  Klötzen  zusammenläuft,  gerinnt, 
das  zurückgehaltene  Colostrum  (Bies,  Biest). 

—  2.  =  die  daraus  ätiologisch  abgeleiteten  Brust- 


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Milch. 


militärisch-Milz.  415 


drüfenknollen  (Krebs)  (Richter  I,  15).  —  Klumper- 
Milch  =  Klotzmilch,  (ironsum  in  sero.  —  (1588) 
knolUrhteWlch,  I.  =  Milch  4,  Klotzmileh2(Gr.  W. 

V,  1469)  =  in  der  Brust  angeblich  zu  dicken 
Knollen  geronnene  Milch  der  Fraaen  (Mastitis 
puerper.).  —  2.  =  Sauermilch  der  Kuh.  —  lang 
gewordene  Milch  =  Milch,  die  sich  in  lange 
Fäden  ziehen  lässt  oder  als  saure  Milchlauge 
stnmpfe  Zähne  macht.  —  AfwrtYr-Milch  (1518 
des  inenstraums  bruder.  II.  r.  Gersd.  14),  das  in  der 
Brustdrüse  zum  zweiten  Male  gekochte  Blut 
(nach  pictor.  43)  —  das  Sekret  der  Brustdrüse  beim 
Weibe  nach  der  Geburt;  nach  der  Volksan- 
schauung läuft  beim  puerperalen  Weissfluss 
(s.  weisse  Milch  1)  die  Muttermilch  direkt  (wie 
ja  «ach  tisch  Ansicht  der  Illppokratlker  die  Mutter- 
milch „durch  die  Adern  des  Menstral"  vom  t'ntcrleibe 
direkt  in  die  Brüste  laufen  .«ollte,  Jann*  II ,  73;  und 
wie  auch  noch  Leonardo  da  Vinci  abbildet)  aus  den 
Brustdrüsen  statt  des  Henstruum  durch  die 
Scheide  ab  (s.  Milch-  od.  Menstruum-Ader).  — 
(1743)  iyTfiArtiwi/s-Milch^der  au&  den  Gedärmen 
(s.  Milchdarm)  durch  die  Milch-Adern  (s.  d.) 
oder  Milchgerässe  (s.  d.)  „als  ein  feuchtes  und 
fettes  Wesen  nicht  ungleich  dem  Gersten-Mues" 
O  Milcbbrei)  zur  Leber  (s.  Melancholie)  und 
zum  Herzen  geführte  Speisesaft  (Chylus)  (Hyrtl, 
K.  W.  67;  blbl.  Medikus  125).  —  M.  h  (1482 
new milch,  priest  =  Colostrum,  D.  133. 183)  =  Krsllings- 
od.  Biestmilch  (s.  Pfaff),  Milchfeist*.  —  (16.  Jahrh.) 
Plump(rr)-MÜch.  =  Klumpenmilch  (D.  404;  ndd. 
Plunder-,  Plunner-Melke,  Fromm.  VI.  362).  —  Priesch-, 
/Virf  frr-Milch  (entstellt  aus  brlest,  einer  nhd.  dia- 
lektischen Nebenform  zu)  Biestmilch  (8.  d.  U.  Biest) 
(Heyne  I,  428;  Kluge*.  40;  die  um  so  leichter  ent- 
stehen konnte,  als  die  Erstllngsmilch  nach  dem  Kalben 
nnd  die  daraus  gebacken en  Kuchen  [Kuh-briester]  als 
ein  ,. Ehret"  [Tirol],  wie  die  Erstgeburt  selbst,  an  den 
Priester  [Code]  geschenkt  wurde,  Schneller  I,  367).  — 
(1488)  Äin/fer-Milch  =  Kuhmilch  (C.  v.  Megbg.).  — 
rote  Milch  =  die  t.lutiggefttrbte,  angeblich  durch 
Verhexung  entstandene  Milch  kranker  Kühe 
(Bayerland  1894,  s.  298).  —  (lößi)  Säuge-,  Saugammen- 
Milch  —  die  aus  der  Säugebrust  ^Tute)  od.  aus 
der  stellvertretenden  Milchflasche  (s.d.u.  Tute) 
dem  Kinde  einer  anderen  Frau  gegebene  Milch 
(Gr.  W.  VI.  2187;  VIII,  1888).  —  (13.  Jahrb.)  Suuer- 
Milch  (1515  surtnilch  =  Colostrum,  D.  133.  404) = ÜXy- 
galia,  die  durch  Gärungspilze  säuerlich  ge- 
wordene und  zu  Klötzen  gestockte,  geronnene, 
sog.  Stöckelmilch  (Gr.  w.  VIII,  1373 ;  nach  Taeitus 
eine  Speise  der  Germanen,  Lipp.  1,  638).  —  schiefe 
Milch  ■  saure,  unrecht  angegangene  Milch  (West- 
falen; Gr.  W.  VIII,  NM).  —  ScWff-MÜch  -  sauer.- 
Buttermilch  (Spless  II,  216).  —  5YMi^rr-Milch 
=  geronnene,  schlßpfrig  gleitende  Milch  (nordd., 
fl.  Paul.  387;  1592  »chlupeebt,  Seh  109).  —  Truden- 
Milch  =  Hexenmilch  («.  d.)  (Roll.  196!.  —  (UM) 
verlorene ,  vertiegene  Milch,  1.  =  die  Zeit  de» 
Versiegens  der  Milch  in  der  Laktationsperiode. 

—  2.  =  der  Zustand  des  Versiegtseins  derselben 
durch  Krankheiten  (Bork  49.  ü9;  Lonlc.  131  2*7). 

—  (1580)  B  n6rr-Milch  =  s.  Frauenmilch  (Gr.  W. 

VI.  2187;.  —  icei.w  Milch,  1.  =  der  weisse  FIuhh 
aus  dem  Wochenbette  als  milchweisses,  eitriges 
fiekret  d.  Scheidenschleimhaut  (s.  Muttermilch). 


|  —  2.  =  jeder  andere  milchweisse  Fluss  aus  den 
weiblichen  und  männlichen  Genitalien  (Gonor- 
rhoea)  (Lammen  259;  Pauli  42).  —  3.  =  der  männ- 
i  liehe  Samen  (s.  tSamenfluss).  —4  =  die  durch 
I  die  Chylusgelnüse  (Milchadern)  zum  Blute  ge- 
brachte milchweise  Flüssigkeit  (Chylus,  Speise- 
saft). —  Z(iM/><*»-Milch  =  s.  Hexen-  od.  Drachen- 
milch. —  (1551)  tusammengeltiufcne  Milch,  1.  = 
die  Klotzmilch.  —  2.  =  die  durch  Gerinnung  der 
Milch  in  der  Brustdrüse  entstanden  angenom- 
menen Drüsenknollen  (Milchireschwulst).  — 
Milch  Absterben,  'Ader,  -Aufsteigen,  -Auge, 
■Bart,  -Blatter*,  -Borke,  -Bruder, -Brust,  Dann, 
■Drücken,  -Druse,  -Ergiessung,  -Fang*,  -Fasch, 
-Feist*,-  Fteber,  -Flasche,  -Flecken,  -Fleisch, 
•Fluss,  -Foss,  -Friesd,  -Gang,  -Gebiss,  -Gerin- 
nung, Geschwulst,  -Gesicht,  -Grint,  -Grübchen, 
-Haar,  -Hacken,  -Harn,  -Hexe,-  Hitze,  -Jahte, 
-Kern,  Kind,  -Knoten,  -Kruste,  -Mangel, -Maul, 
-Pocke,  -Rühme,  -Räude,  -Rtihm,  -Rand,  -Rufe, 
■Ruhr,  Saft,  ■Sauger,-Sehauer,  -Sclun  f,  Schweis», 
•Schtcester,  Schwinden ,  -Schwund,  -Söhrchen, 
-Spiegel,  -Staar,  -Stechen,  -Stockung,  -Strasse, 
-StUcklein,  -  Verhaltung,  -Verseigen,  ■  Versetzung, 

-  Vieh,  -Wämpel,  Weg, -Wolle,  -Zähne,  Zeiclwn, 
•Zeug. 

militärisch  («u  tat.  miies  =  Soldat).  —  mili- 
tärische Augenrntzündung. 

Milter,  in.  s.  Milz. 

Milz,  f.,  '».,  m.  (germ.  melt  =  erweichen,  schmelzen, 
auftauen,  Kluge  ,  25s ;  ahd.  uillzi;  augls.  milli,  milte 
=  spien,  lien.  I).  547  ;  8.  Jahrh.  miltze,  n.  —  spien, 
Rab.  Maur.  65;  12.  Jahrb.  milxi  =  spien,  IL  Z.  XV. 
348;  mnd.  de  mllten,  Mag.  Barth.  90a;  uihd.  milze; 
15.  Jahrh.  tnylt,  uilltze;  1507  mllta,  Hyrtl,  K.  W.  114; 
152*  ,,das  miltz  Ist  ein  Keceptakul  der  Melancboley 
oder  der  liefe  des  Blutes",  Fries  112.  1593  miltze,  n. 

-  spien,  Had.  Jim.  29;  der  miltz,  Tabern.  67  E;  (bis 
ins  18.  Jahrh.  und  oberd.  noeh]  Milz,  n. ;  alcra.  milzi.  n  , 
Gr.  W.  VI,  2220;  engl,  the  spieen  =  ..geistiger Schnupfen, 
eine  Nalional-Elgentüralichkelt  der  Britten".  Pcmokr. 
II,  8).  Wie  schon  das  Wort  „verdauen"  (=  auftauen, 
s.  d.)  nahe  legt,  stellte  sich  das  germanische  Volk  den 
In  Leber  (s.  d.)  und  Milz  ablaufenden  Verdauungs- 
Prozess  als  eine  Schmelzung,  eine  Erweichung,  einen 
Übergang  des  geronnenen,  gelabten,  gelubberten  Zu- 
Standes in  einen  flüssigen  vor,  ähnlich  dem  Schmelzen 
des  festen  Schmalzes,  dem  Metze»  oder  Erweichen  des 
festen  Gerstenkorns  bei  der  MaU-Bicrbercitung;  ein 
Malzbrei  ist  es  auch,  der  der  Milz  zum  Erweichen  zu- 
geführt wird  nach  der  Vorstellung  des  14.  Jahrh.:  ,,so 
dt  spise  unde  duz  trinken  ,  kumet  in  des  menschin 
mage,  so  rorkerit  «ich  der  mage  mit  siner  kraft  unde 
mischlt  sl  also  daz  iz  wlrt  also  daz  dicke  daz  da  kumet 
von  einem  verboten  girstinbri"  (Hoffiu.  I.  Sly.V  Die 
Im  späteren  Mittelaller  auftretenden  Vorstellungen  über 
die  Funktionen  der  Milz  zur  Flii^igmuchung  des  Blutes 
und  uls  Ke/.eptakulum  der  unreinen  schwarzen  Galle 
(Melancholie,  Spleen,  Hypochondrie,  Mitzsucht  etc.) 
sind  der  altgrichischen  Mcdlzln«c»ullehre  entnommen. 

-  Milz,  1.  =  eine  sogen.  Blutdrüse,  die  in  der 
link.  Bauchhöhlenseite  (Regio  hypochondriaca) 

'  liegt  und  die  zur  Blutbereitung  Inj  menschlichen 
I  und  tierischen  Körper  dient,  deren  Funktion 
.  man  früher  in  dem  schmelzenden  Auftauen  der 


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416 


mindern. 


Mine — Minne. 


Nahrung  Buchte  =  Spien,  Lien.  —  2.  —  die  Milz- 
gegend. —  3.  =  die  Milzkrankheit;  Idm  Krank- 
heiten nach  ihrem  Sitze  »ich  benennen.  Andel  sich  auch 
bei  anderen  Sprachen,  Liebrecht,  z.  Volksk.  349;  Irans, 
moum  — Milz  [malum?],  Vill.  II,  313;  maü  de  la  meüsse 
„mlss"  [Ardennen]  —  „Mlli"krankheit  ttnpaludismc, 
Briss.  12»;  franz.  rate;  holl.  rate  =  Honigfladen,  Milz- 
kuchen, Vill.  II,  313;  jal  la  rate  =  Ich  bin  milzkrank, 
Briss.  59).  —  4.  =  (ndl.  de  uiilt,  mllter,  melter,  De  Cock ; 
V.  K.  VIII,  173;  Folklore)  =  Hippomanee,  ein  rnilz- 
ähnliches  Gebilde  (s.Latizel,  Fohlen  brot, Fohlen- 
gift, Zeltlein  etc )  (Falke  Ii,  1%).  —  milzicht  = 
spleneticus,  auf  die  Milz  bezüglich  (Gr.  W.  VI, 
2221).  —  (1MD  au/geblasenes  Miltz  -  Tumor  lienis, 
eine  Anschoppung  der  Milz  mit  dem  Gefühl 
der  Aufblähung  in  der  Milzgegend  (Tabern.  7-4 D; 
Arzneybnch).  —  böse  Milz  —  kranke  Milz  (Lonlc. 
246).  —  (1582)  erhabenes  Milz  =  aufgeblasenes 
Milz  (Loulc.  282).  —  Fieber  ISÜz  =  durch  Wechsel- 
fieber  angeschwollene  und  vergrOsserte  Milz 
(s.  Kuchen).  —  Füllen-Milz  (1741  lüllcnmllue, 
tüllenminze,  Kirsch  571;  D.  278)  =  Milz  4.  —  Ge- 
milz  =  die  stanze  Milz  (kolleklivisch  wie  Gmilb, 
Gmilch,  Gliber  etc.)  (Huck  17).  —  (1477)  geschwol- 
lenes, zerschcollene  Milz  (Ortol!)  =  eine  kiank- 
hafte  Mil/.anscliwfllung.  —  (1551)  harte,  (1740) 
erhärtetes,  (164.'»)  verhärtete  Milz  —  Tumor  lienis, 
alte,  harte  Milzsucbt  (Milzkuchen),  krankhafte 
Schwellung  der  Milz,  die  man  früher  als  l'rsacbe 
der  Hypochondrie  annahm  (Bock  79;  Coler,  H.  A. 
174 ;  Chr.  Sam.  I ,  165).  —  (i»43)  Pferde -Wiz  = 
Milz  4  (Falke  II,  196).  —  MÜZ  =  die  durch 

Amyloide  Kniartung  der  sanokorngross  sicht- 
baren Milzfollikel  veränderte  Milz  (engl,  nago 
spieen,  Roth.  470)  (s.  Sago).  -  Schinken-MOZ  ~ 
die  durch  Amyloidentarlung  der  Milzpulpa 
schinkenfarbige  Menschenmilz.  —  Speck-Milz 
—  Wachsmilz.  —  verstopfte  Milz  (1'07;  llort.  «an. ; 
1591 ;  Tabern.  67  E);  der  alten  Vorstellung  von  den 
Mllzfunktloueu  entsprechend,  hatte  die  Milz  auch  aus- 
luhrende  Glinge,  welche  steh  wie  ein  Kuchengesrliirr 
mit  I'nrlat  anschoppen  u.  so  verstopfen  konnten  ,  durch 
Ansammlung  der  dicksrhweren  Hltithefe  ((Cbwa/mi 
Galle)  in  der  M1U  Kollte  dann  die  Milz,  lisrt  worden, 
anschwellen  und  die  l'assto  hypoehondrinca -  Melan- 
cholia,  Milzsucht  (s.  d.)  etc.  erzeugen.  —  Wuchs- 
Milz  -  eine  duich  Amyloid  -  Entartung  ver- 
änderte speck-  oder  wachsartig  gefärbte  Milz 
(Speckmilr).  —  Hundtr-Milz  =  Lien  mobilia, 
eine  ihren  Ort  verlassende  Milz.  —  weiche  Milz 
=  die  gesunde,  normale,  weil  nicht  verstopfte 
Milz.  —  Milz-Ader  u.*,  -Apostem,  -Beschwerung, 
-Bläht  n,-  Blutkrankheit, -Brand, -Bruder, -Dann, 
-Uiesseu,  •  Entzündung,  -Fluss,  -Frau,  -Gt- 
brcchcn,-Gibre»ttn,-Gesihnulst, -Gühter,- Hacken, 
Uärte,  -krank,  -Laster,  -Mangel,  -Materie, 
-Becken,  -Flage,  -Sthwären,  -Schwester,  -Schwin- 
den, -Seite,  Seuche,  -Siethtag,  -Sicchtung,  -Stechen, 
-Starre»,  -Strang,  -Sucht,  -  Traurigkeit, -Unge- 
schicklichkeit, -  Verstopfung,  -  Volle,  -  Weh,  -  Weh- 
tag, -  Windigkeit 
mindern  (minnern)  (ein  aus  dem  Kiostcrieben 

und  Latein  stammende»  Wort,  wo  4,  "unal  lui  Jahre 
zur  Ader  gelassen  wurde;  quinquie*  per  annum  mi- 
ntiimur  [Kalthäuser j,  um  da»  lilui  und  die  Sinnlichkeit 
zu  vermindern;  1507  mynnern  -  dye  aderu  lassen, 


I).  362).  —  •/■  mindert  (ndd.  gemiuret;  1512  gemyn 
nert,  D.  368;  1531  wann  alle  die  alt  send,  werden  in 
der  wyrme  natürlich  gemindert,  welllche  minderung 
geschieht  Inn  zwalerlai  weyss,  Vonn  alter  und  von 
mangel  der  hoden,  Krautw.  XXIV)  =  dem  das  Blut, 
die  Bluthitze,  Geschlechtstrieb  durch  Aderlass, 
Kastrierung,  durch  das  Alter  weniger  gemacht 
wurde.  —  minder  werden  =  schlechter  werden 
in  der  Krankheit  (Tirol;  Wolf).  —  Minder  >f> 
Gesieht,  -Sehlag,  -  Welt,  -toertig,  -Zehe.. 

Mine,  f.  —  Mine  (isoo  =  Grob«).  —  Minen- 
Krankheit. 

Mineral,  n.  (lat.  mincrale  ~  das  aus  der  Erde  Ge- 
wonneue, Kraus,  k.  627).  —  mineralische  Krank- 
heit*. 

Minn,  f.  Minne,  f.  (gem.-indogerm.,  gerrn.  men, 
man  -  denken  [mens];  ahd.  minna  —  Erinnerung,  Ge- 
dächtnis, Kluge*,  268;  1477  minn  =  coitus.  Ortolf; 
mhd.  mlnne)  =  das  Denken  an  die  geschlecht- 
liche Liebe,  Geschlechtstrieb,  Liebe,  Weib.  — 
Minne,  1.  =  Geschlechtstrieb,  Coitus,  Ejaculatio 
seininis  (14.  Jahrb.  die  mlnne  ist  drilralachte ;  etlich 
ist  natürlich,  etlich  ist  unnatürlich  [Infolge  von  kalter 
oder  trockener  Natur];  etlich  ist  uzerhalp  der 


[krankhafter  Samenerguss] ;  der  die  pflegin,  die 
sint  entweder  an  den  sinnen  oder  an  dem  Übe  also 
die  da  lungensich  sin  oder  an  der  brustader  vergiht 
sind  an  den  liden  ader  die  da  triben  [Ruhr?]  han  unde 
in  den  lendin  lam  sin  unde  in  dem  magen  sich  sin 
unde  di  struche  [Strauche,  s.  d.]  habin",  Iloffm.  I,  321; 
[letztere  Crsachcu  der  Follutlo  beruhen  wohl  auf  Miss- 
Verständnis  eines  alteren  Original-  Autors,  der  den 
tropfenden,  eitrigen  Samenfluss  [Gonorrhoea]  meinte, 
die  dieser  mit  triben  [Ruhr?]  und  Strauche  [  =  Fluss) 
wiedergibt).  —  2.  =  gesteigerter  Geschlechtstrieb 
bei  Geisteskrankheiten  (14.  Jahrh.  ein  sichtnm 
helzlt  minne,  der  ist  des  swerer  deune  ein  ander  sich- 
tum  daz  he  ist  au  denie  gedauken;  swer  den  sichtum 
hat  geliegent  di  ougin  nimmer  unde  unstete  sint  si 
von  deme  unstete  gedanken ;  lr  bran  sint  swere,  dl 
vorwe  ist  bleich,  si  wachiut  vtl;  swenne  he  sich  vor- 
tufet  [vertieft]  mit  gedauken,  so  vortribet  he  beide 
des  libes  were  unde  der  se!o,  wände  der  Up  volget 
der  sele  an  ir  getat  unde  die  sele  deme  Übe  an  siuer 
leidunge",  IIofTm.  I,  321).  —  3.  =  Minne  =  Gnnt, 
Kopf  (nicht  zu  Minne  1.  2,  sondern  Entstellung  au* 
Mumme,  Muhme  [s.  d.J,  Larve,  Maske),  der  wie  eine 
Mimme  oder  Maske  das  Geeicht  bedeckende 
Hautausschlag  (l'orrlgo  larvata  (C.  r.  Schra.  386). 
—  4.  -  minne  =  mintler,  schwächlich,  kränk- 
lich, mager  (Oldenburg;  Goldschm.  31).  —  A/p- 
Minne  (HU  bei  Vlntler  [Zingerle  190;  Riezler  20]: 
etliche  glauben,  der  Alpe  miunc  die  Leute  =  „Er- 
zählungen von  den  Liebesverhkt!  lii.<«tn  wilder  Frauen 
mit  Menschen,  die  Sage  von  aet  fcho..a'i  Melusine, 
von  den  Schwaufrauen,  von  der  konigit.  Th.-odelinde, 
die  ein  Meerungetüm  vergewalt'g.  voi  r!er  übernatür- 
lichen Abstammung  des  Zaulrurers  Merlin  und  anderer 
der  Art  zeigt,  dass  der  Gedanke  eines  geschlechtlichen 
Verkehrs  zwischen  Menechen  und  übermenschlichen 
WMfW  den  alten  Germanen  nicht  fremd  war",  Riezler 
1.  <•.)  ■  erotischer  Alptraum  (s.  Alp  I,  S.  IL  12 
U.  Alptraum).    Das  Frodukt  dieser  unnatürlichen 
Verbindung  galt  dann  die  per  fabricam  alienam  s.  per 
adulterium  uaturae  (I'llnius)  erzeugte  Molenschwan- 


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Mir- ml*-. 


mischen — Mist. 


417 


gerschaft,  die  Missbildungen ,  der  Kretin,  das  Alp- 
Kalb,   Krötalp  (Krotolf,   s.  Alp  X).    Gegen   diese  j 
Alpminne     sollte     da«    Wildmannkraut,  l'aeonia 
(=  Minnewurz,  12.  Jahrb.;  Koll  1,  122)  helfen.  — 

—  Graz-Minner ,  1.  =  ursprünglich  wobl  der 
in  Gestalt  eine«  Bockes,  Geis«,  die  Frauen  im 
Alptraum  (s.  d.)  minnende  und  so  menschliche 
Missgeburten  mit  Geisa-  (Bocks-,  Ziegen-) 
Fussen  erzeugende  Alpdämon  d.  Volksglaubens. 

—  2.  =  ein  Mensch,  der  infolge  perversen  Ge-  1 
schlechtstriebes  mit  der  Ziege  sodomitisch  vor- 
geht (Kleinpaul.  Mittelalter  610;  über  solche  Verbin- 
dungen s.  Liehrecbt.  z.  Volksk.  39t).  —  3f>rr-Minne 
(mhd.  merminne,  Gollh.  146)  -  N  ixe  (s.  d.),  Nymphe, 
Wasserbolde,  Meer-  oder  Seefräulein,  welches 
der  Minne  mit  mannlichen  Menschen  begehrend 
diese  zu  sich  lockt  und  in  ihre  Wasserheiraat 
entfahrt  (Ertrinkungstod  bei  Geisteskranken), 
oder  die  Quellen-Nymphe,  welche  als  Mittags- 
geist den  Wanderer  im  Alptraume  (s.  d.)  minnet 
(Sonnenstich  mit  erotischen  Träumen?)  und  so 
mensch!.  Missgeburten  erzeugt,  die  in  sphinx- 
artiger  Halbheit  ihre  Abkunft  von  Wasser- 
dämonen (Wasserkopf,  Wasserkalb  etc.)  ver- 
raten und  als  Wechselbälge  eingelegt  werden. 

—  iVncA/-Minne  =  s.  Nachtwonne  im  Alptraum. 

—  I  »  Minne  (ahd.  IM  kindes  urminnu,  Schindler 
I,  161»),  1.  =  sie  ist  Ober  die  Zeit  der  Minne 
hinaus  und  hat  aufgehört,  daran  zu  denken, 
noch  ein  Kind  zu  bekommen.  —  2  =  Urlust 
(8.  d.).  —  TFaM-Minne  (13.  Jahrh.  waltmynne  = 
lamla,  D.  316)  =  weiblicher  Alpdämun  aus  dem 
Walde  (Holzmar)  oder  Hexe  (Waldweib)  als 
Teufelsbuhle  (s.  d  ),  weiblicher  Buhlgeist  des 
Alptraums,  durch  dessen  Minne  rauhbehaarte 
Wecbselbälge,  sphinxartig  halb  Mensch  halb 
Tier,  erzeugt  werden  sollten.  —  H  'a  —  i  Minne 

—  Meerminne  (üoith.  146).  —  Minne  P 

Mir,  Mirje  «.  Mar 

Mirl.  Merl,  Morl,  Miedl  (15.  Jahrh.  mlrel  m 
schwarzes  Mal  unter  den  Augen,  Gr.  W.  VI,  1433; 
merlen  unter  den  äugen  —  Impetigo,  Scbmellcr  I,  1663; 
D.  324  ;  161«  gemerlet  -  mulus  punctis  maculosa  facica, 
L  eodem)  ein  durch  den  Volksmund  derart  entstellte« 
oder  vermengtes  Wort,  dessen  Begriff  „gelbbraune,  ; 
kleine  Hautflecken  im  Gesichte"  ist,  dass  es 
schwer  ist,  e«  etymologisch  unterzubringen  ;  vielleicht : 
1.  =  (zu  altgcrm.  tnorba  =  gelbe  Hübe,  Kluge*.  260; 
1482  mercn  =  Üngere;  1629  morle  färb  =  Mobrenfarbe, 
Schmeller  I,  1653),  dann  =  Möhrlein,  nach  der 
gelbroten  Farbe  der  Mörl-Rube,  Daucus  carota, 
benannt  (s.  Rübele)  oder  2.  =  Mirl  =  Miede!, 
kleine  Made  (s.  d.)  =  Birone*.  —  mirlet  (16.  Jahrh. 
tnirelot,  P.  S24)  —  lentiginosus,  mit  Mirleti  be- 
haftet. —  Sommrr-Wl\  (Mörl,  Merl)  =  Lentigo, 
Sommersprossen,  Kukukscheckon  (s.  iL). 

mis-,  miss  (germ.  Wurzel  mith  [meiden];  ahd. 
raissa,  misse;  mhd.  misse-,  Zusammensetzungen,  womit 
das  Verfehlte,  Verkehrte,  Anomale  einer  Handlung 
oder  eines  Zustandes,  das  zu  vermeiden  wäre,  be- 
zeichnet wird,  Kluge*,  SM).  —  MiSRÜng  ss  Foelu* 
mortuus  (Lieh  34),  Missgeburt.  —  Miss  Dax 
-Fall,  -Farbe,  -gebären,  -Geburt,  -Gewacht, 
-Kramm,  -lingen,  -  Wucht. 


mischen  (urverwandt  mit  jt-l-j^tw,  mlsceo,  Kluge*. 
258).  —  Hafte- Mischung,  fehlerhaft«  -  Kom- 
plexion, abnorme  Zusammensetzung  (consti- 
tutio,  temperamentum)  der  Humores  (a.  d.),  die 
sich  durch  sogen,  konstitutionelle  Krankheiten, 
namentl.  der  Haut,  der  Lymphdrüsen,  Schleim- 
häute, äussert.  —  (174«)  fleischliche  rVrmischung 
=  Coilus,  !e  colt  [a.  Heisch  3  u.  brätig)  (Zw.  9i), 
geschlechtliche  Vereinigung. 

Misel    M issel.  Meissel,  Masel.  Müuel) 

(10.— 11.  Jahrh.  misal  =  lepra,  Notker;  Graft  II,  875; 
1165  miselll  =  cutis  »uperficle  immanlter  pustulis 
trcqucntissimls  turgescente,  sie  ubl  tarnen  cutis  potuit 
superesse  misellls,  Du  fange  V,  409;  ahd.  misaloht  = 
leprosus,  malesannus;  1213  morbus  elephantiacus, 
Griff  1.  c  ;  Schmeller  I.  1671;  1281  Mesol ;  ..est  Picardls. 
Nortnannis  et  Vasconibns  —  leprosus;  vocis  etymon  a 
latino  ■misellus-,  quod  lepros!  conditio  omnium 
•mUerrttna-  sit,  accensunt  plures;  ab  arablco  Mezora 
=■  Lepra  deducit  Thomaslus",  Du  Gang«  V,  359; 
14.  Jahrb.  misel  —  lepra,  Voc.  opt.  W.  41;  mlselgllch 
■  Morfea,  1.  c.  40;  16.  Jahrh.  misellus  —  elend,  arm, 
D.  363;  misel  =  lepra,  Gr  W.  VI,  2257;  1666  mlssel  = 
lepra,  Miselsucht,  Gr.  W.  VI,  2257.  Schw.  419;  von  da 
ab  wird  nur  „Aussatz"  {s.  d.)  gebraucht,  engl,  tneasle 
=  Aussau.  Miselsucht,  Maselsucht.  Masern,  Kinnen, 
Kaltschm.  I).  Das  vermutlich  ursprünglich  arabische 
Wort  lehnten  die  Romanen  an  mlser,  die  Deutschen 
an  masel  etymologisierend  nn .  daher  Misel  —  die 
maselig  gedeckte  Hautveränderung  (Morfea, 
s.  Aussatz)  bei  der  Lepra-Krankheit  (Maltzey), 
einer  unheilbaren  bemitleideten  Krankheit.  — 
mislich,  miselicht,  1.  =  leprosus,  aussätzig.  — 
2.  =  krätzig,  räudig.  —  3.  ~  spitalsiech,  kiänk- 
lich,  lungensuchtig  (Schw.  419;  Schmeller  I,  U71). 
-  Misel- Makel,  -tiech,  -Stuhl. 

Misel,  n.  =  Mäuschen  (Meisel),  Mädchen. 

miserabel  Hat.  ralserabiUs,  franz.  miserable)  = 
schlecht,  elend,  erbärmlich,  unwohl,  krank 
(Spicss  II,  164). 

Miserere,  n.  (ein  seit  Rbazes  durch  die  mittel 
alterlichen  Ärzte  und  deren  Handlanger  volksublich 
gewordener  Ausdruck  für;  1.  =  Volvulus,  Ileus, 
Kot-Krbrechen  bei  heftigem  Leibschmers  im 
dünnen  Gedärme  —  ileum  —  I'assio  iliaca, 
Morbus  ileus) ,  ein  gar  erbarmungswürdiger 
Zustand  (mlserere  seil,  mei  Domlne  ■  nach  Psalm  40, 
Platner  I.  105,  Bris«.  175).  —  2.  =  Krebs  als  hoff- 
nungsloses, unheilbares  Leiden;  sobald  man 
dieses  Leiden  erkannt  hat,  gibt  es  nur  ein 
Totengebet.  Das  Kraut  der  Lungenkranken,  Cetraria 
islandlaca,  helsst  In  Tirol  Misere  (Dalla  Torre  24; 
Briss.  118.  175;  L.  chlr.  41;  bibl.  Med.  441;  Schw.  213; 
Ackerm.  268).  Nach  Schw.  soll  das  Leiden  bei  den 
Angelsachsen  als  freenan  cothe  -  Angnhütte  ff)  be- 
zeichnet worden  sein;  [man  sonderte  die  unheilbar 
und  schwer  Krkrankten  in  Siechenkobel  oder  Toll 

kist«  ab).  —  Miserere-A'^tA. 

Mist,  m.  (indogenn.  mtgo  =  harnen,  iningere. 
mlh     harnen,  reirnen.  sich  ergiessen;  goth,  maihstu« 
-  Mist;  angls.  mlst  =r  Nebel  (Augen-Nebel V].  H.  Z. 
XIII,  MB;  ahd.  mist  =  Kot;  mhd.  mist  =  Dunger, 
Misthaufen.  Kluge*,  259),  1 .  ^  Hiesige  Kxkremente, 

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418  mit— Mochele. 


Mockel— Möndchen. 


nasser  Kol.  —  2.  =  verwesender  Körper  (Gr.  w. 
vi,  2263).  —  "Mist- Darm,  -Führer,  -Kolik,  -Pforte. 

mit-  (die  Zusammensetzungen  mit  dieser  Vorsilbe 
suche  beim  betr.  nachfolgenden  Stammwort«,  «.  B. 
Mitesser  bei :  essen  etc.). 

Mittag,  m.  e.  Tag. 

Mitte,  f.  Mittel,  n.  Mitten,  f.,  n.  (indogenn. 

medbyo-s  [Mitte,  medius];  altgerm.  mldja  [  =  Mitte); 
ahd.  rnlttl,  f.  mlttll,  n.  -  In  der  Mitte  beflndllch;  metal 
^  mediu»;  mhd.  mitte,  f.  mittel,  n.  =  Mitte.  Mittel- 
punkt, die  gleichwcltc  Entfernung  von  Endpunkten. 
Kluge»,  259).  —  Mitte  (Mitten),  f.  (16.  Jahrh.  mitten 
i=  Interflnlum,  D.  364),  1.  =  die  Mitte  von  Körper- 
teilen. —  2.  =  die  Mitte  des  Leibes  (Taille, 
Gürtelgegend)  (Hlntner  818).  —  3.  =  das  in  der 
Mitte  der  Hohlhand  befindliche  Panaritium 
(Umlauf,  Fingerwurm,  Grattel  etc.)  (Unter-Main; 
Lammen).  —  (1507,  1521)  Mittel,  m.  1.  =  (seil. 
Finger)  Digitus  medius  (D.  363).  —  2.  =  Mockel 
(b.  d  ).  —  Mittel,  n.  Mitten,  n.  1.  =  die  Mitte 
von  Körperteilen  (Mittelhauch  etc.).  —  2.  = 
(17.  Jahrh.)  das  Mitten  =  Mesenterium,  das  die 
Mitte  des  Bauches  einnehmende  Gekröse  (siehe 
Micker)  (Ilyrtl,  K.  W.  116).  —  3.  =  (1561)  ein  Ge- 
schwär  im  Mittel  der  Hohlhand  (Mitte  3)  (Rock 
140).  —  4.  =  (1482  da*  mittel  «wischen  fud  und  am, 
Zenning.  Voc;  da»  mittel  im  diech  =  da»  kreuistuck 
Im  hochbalg  [=  Hoden],  Gr.  W.  VI,  2382)  das  sogen. 
Mittelfleisch  zwischen  Hoden  und  Mastdarm, 
Damm,  Perineum.  —  5.  —  (1507  da»  mittel  in  der 
handt  =  palpa  [paltna].  D.  II,  277;  Hyrtl,  K.  W.  55) 
da«  Handteller  (s.  Ir),  Palma  manus.  —  ü.  = 
(1507  da»  mittel  In  den  fle*»en,  Ilyrtl,  K.  W.  55)  Fuss- 
sohle  (Hanta  pedic).  —  7.  =  (1420  da»  mittel  an 
dem  haupt  =  intereipnt,  Gr.  W.  VI.  2382;  D.  303)  der 
Scheitel  1  als  Hauptes-Mitte  «wischen  Vorder- 
und  Hinterhaupt.  —  8.  =  Mittel  in  der  Nase 
~  Interfinium  pirula  (Pinula),  Nasenscheide- 
wandknorpel  und  Birne  (s.  d.)  (D.  364.  437).  — 
Mittler,  m.  (ahd.  mittcri,  Notker;  1468,  1507)  = 
in«  tt ihm  digitus,  Mittelfinger  (ü.  363;  II,  249;  Schm. 
i.  i692j.  —  Mittlere,  f.  Mittlerin,  f.  =  (Übersetzung 
der)  Vena  me.liana,  als  mittlure  Blutader  (siehe 
Median)  am  inneren  Ellenbogen  (Hyrtl,  K.  W.  115; 
Zw.  60;  1521  mitlerin  =  cyn  ader  mitten  an  dem  arm, 
mediana,  I).  357).  —  Mitterste,  m.  (ahd.  mlttarosto, 
8chm.  I,  1692)  =  der  ihm  leime  Kinger.  —  Haupt- 
Mittel  (15.  Jahrh.  dz  mltel  am  hanbt ;  middel  opt 
hoefft;  16.  Jahrh.  mittel  des  houptes,  D.  303)^-  Mittel- 
hanpl,  In;»-rctpul.  —  LejfWMittel  (HS-' die  mltel 
mcnschleichs  lelbs,  C.  v.  Mcgbg. ;  <«r.  W.  VII,  6)  — 
Taille,  Mute  2.  —  AWn-Mittel  (1491  das  mittel 
In  der  nase)  -  Jnterfinmin ,  der  Nauen Knoijvd 
(Kruspel),  der  die  Nasenseheidewfcnd  bildet 
(U  uteri  hat,  Unterscheid)  (Gr.  W.  V.  2478).  —  (1561) 
Ohren -Mittel  =  (entstellt  au«)  üiiren  - Mflckel 
(h.  d.)  (Kluge*,  20;  D.  619;  Peb.  96).  —  Mittel-, 
Mitter  -After,  -Bauch,  -Darm,  -Diech*,  -Fell, 
■  Finifer, -Fleisch,  -Fuss,  -Oam,  -Glied,  -  Hand, 
-Haupt,  -massig,  -Netz,  -Ohr,  -Pockm,  ■  Rücken, 
-Sihatr,  -Schmerz,  -Schon»,  -Schulter,  -Stuck, 
•  Teil,  -Unterschlag,  -  Wand, -Zähne,  Zirkel. 

Mochele,  Ii-  «u  Mauche,  Meuchler,  Muck  (».  d.)  = 
ein  heimlicher  kleiner  Danion,  der  nach  dem 
Volksglauben  die  Kinder,  die  er  iu  seiner  Grattl 


(s.  d.)  trägt,  aus  dieser  hervorholt  —  „Du  bist 
noch  lange  in  Mochelis  Grattl  gewesen,  wo  das 
geschehen  ist"  (Blrllnger.  8.  II,  232). 

Mockel,  f.  1.  =  (wie  vorhergehende*  zu  demselben) 
Pudenda,  die  geheime  Stätte,  weibliche  Geni- 
talien (Schmellcr  I.  1566).  —  2.  =  (Henneb.  Kindenpr. 
Spiess  II,  165)  =  Kuh,  welche  muh-muh,  moh- 
moh  macht  (s.  Muggele). 

Mode,  f.  Modi,  f.  (au«  dem  Franz.  in  der  Formel : 
a  la  mode  Im  frühen  17.  Jahrh.  —  [1695]  „auf  die  Modi" 
übernommen  =  wechselnder  Zeitgeschmack ;  1689 
alla  modisch,  Wichner  31).  —  ä  la  modo  =  (1712) 
Influenza  (s.  d.)  als  Modekrankheit  (s.  d.),  eine 
Krankheit,  die  gleichsam  gerade  zur  Mode  ge- 
hört (Buhemann  21).  —  Mode-,  Neumodi-Ftefcer, 
•Krankheit,  -  Temperament. 

modern  (1668  moderna,  Janas  1897,  163;  latinisiert 
an»  frz.  mod6rne  bb  lurZelt  üblich).  —  moderne  Pett. 

Moder,  m.  (mhd.  moder  =  in  Verwesung  über- 
gegangener Körper,  Kluge*,  259),  1.  =  (17.  Jahrh.) 
Schleimauawurf ,  Kaat,  Kot,  Morast  (Gr.  W.  VI, 
2443).  —  2.  =  fauler  Zustand,  Hunger  (Motter; 
(Schindler  I.  1571).  —  moderthätig. 

Möckel,  n.  =  Kuh  (Henneb.  Klnderspr..  Spie« 
II,  165)  (Mockel). 

Möckeler,  m.  —  den  Möckler,  d.  h.  den 

Teufel  in  Hoc.ksgestalt  (meek-uieck !)  sehen, 
vor  Augen  haben  auf  dem  Krankenbette  =  bald 
sterben  (Blrllnger  8.  I,  277.  429). 
möffeln  -  mOffeln  (Spiess  Ii,  167). 

mögen  (mügen)  von  ■  rm.  magh  [Macht,  s.  d.]; 
germ.  mag  [mug];  vorahd.  magan;  ahd.  mugan ;  mhd. 
mügen.  Kluge*,  259;  1429  mugend  ;  15.  Jabrh.  mugig 

-  valldus,  I>.  II.  377;  1499  mögen  =  geschlechtlich 
kräftig  sein;  1713  mögen  =  potentia  vlrill«,  Gr.  W.  VI, 
2454;  Schm.  I.  1576)  =  können,  vermögen,  stark, 
kräftig  sein,  in  Bezug  auf  Gesundheit,  Zeug- 
ungskraft und  Befinden.  —  mögend  (mögend) 
=  kräftig,  gesund.  —  atonögig  (a-mügig)  =  ab- 
mächtig, von  Kräften,  man  (Schindler  I,  11).  — 
(männliches  Glieder-)  Un- PwmÖgen,  -  PVrmÖg- 
lichkeit  (1572  nnvermüglichkclt  der  Glieder  =  para- 
lvsis,  Relssner,  Iltstoria  106),  1.  =  Impotentia  virilis. 

—  2.  =  Gliederlähmung.  —  wieder- mügen  = 
wieder  zu  Kräften  kommen  (Schmeller  I,  1577).  — 
mug  los. 

Mönme  s.  Muhme. 
Möhler,  pl.  s.  Mal. 
mömmeln  —  mummeln  (Spies»  II.  116). 

Mönch,  m.  (Münch) (monachus  —  einsam  lebender 
[Einspanniger,  bei  Itoseggcr);  1462  mynch ;  15.  Jahrh 
munch;  1512  =  spado,  e*j'»u»  castratus,  D.  544  ;  II,  340), 
1.  =  ein  eheloser,  schleohlsloser,  kastrierter 
Mennch  (Eunuchus).  —  2.  =  ein  verschnittenes, 
männliches  Tier  (<>ei  Pferden)  (Falke  II,  130; 
Gr.  W.  VI,  2490)  (s.  Monne).  —  manchen  (1612 
munchen,  minchen  m  testuare,  castrare,  D.  680)=  zum 
Moiicli  2  machen  durch  da-*  Ausschneiden  der 
Hoden  (Testes).  -  Äoss-Münch  (15.  Jahrh  ;  D.  II, 
344)     kastriertes  l'ferd,  Wailacli,  Spat. 

Möndchen,  n.  möndig,  mönig,  Mönet, 
Mönin,f.  mönisch,  l.  =  s.  Mond.  —  2.  =  Mähne. 


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St.  Mona— Mole. 


Molesten— Molke. 


419 


8t.  Möns  8.  St.  Monus. 
möppern  =  nach  Hunds-  (Mops-) Art  die  Not- 
durft verrichten  (Rennet). ;  8plcss  II,  16«). 

Mor,  Mörisch,  n.  b.  Mar. 
Morl  •,  Mir). 

Mörselein  (Mörser,  Mörschel)  («ha.  morsan 

[dazu  müracn,  morwh] ;  mhd.  morsare  =  Mörser,  Gerat 
mm  Zerstowen,  Zermalmen,  Kluge*.  262).  —  Morse 
lein  =  Alveolus,  Mortariulum,  Zahnfach  iür  den 
zermalmenden  Zahn  (Hyrtl,  K.  W.  8).  —  (M89)  ter- 
mürscht  =  contusus,  morsch  gemacht,  ge- 
quetscht (Gr.  W.  V.  1447). 

mortig  s.  Mier. 

Möschlein,  n.  =  Mäuschlein,  kleine  Kuh, 
Kalb  (Henneb.  Klndcrspr.;  Spiess  II,  160). 

Moss,  f.  s.  Mause. 

möwen  s.  mauen  (ruminare). 

Mohel,  m.  (hebräisch)  =  Penis  (bei  der  Beschnei- 
duilg)  (Gr.  W.  V,  1608). 

Mohr,  m.,  f.,  1.  =  b.  Mor  und  Mar.  —  2.  = 
(mtlat,  maurus  =  dunkelbrauner  Nordafrikaner;  ahd., 
mhd.  mör)  =  schwarzer  Mensch  (Kluge  260),  auch 
schwarzes  Pferd  (H.  Paul  310).  —  weisser  Mohr 
=  Kakerlak,  Albino,  Kreidling  (engl,  whlie  moor, 
Vülar.  II,  62). 

Moissel,  in.  (Egerland;  Fromm.  VI,  173)  =  ein 
dicker  Mensch,  Klachel,  Klängel  (Klotz)  (Schm. 

I,  1497). 
Mol  s.  Mal  und  Molch. 

Molch,  m.  (Molt)  (vielleicht  zu  mal  =  Fleck  = 
gelbgefleckter  Salamander.  Edlinger  76 ,  ahd.  mol  ■ 
olm,  anguis  venenosus,  10.  — 11.  Jabrb. ;  «raff  II,  719; 
mhd.  mol;  ndl.  Teen  mollen  =  Engerlinge,  De  Cock 
281 ;  ndl.  mol  =  Pferdewurm,  I>e  C  ock,  V.  K.  189  ..  8. 139 ; 
der  1599  in  einem  Segenspruche  auftretende  Ohm  = 
Olm  beisat  all  boicr  Ubm  bei  den  Siebenbürger 
Sachsen  [•.  Ethnol.  Mllt.  aus  Ungarn  1893.  111.  27]  In 
die  Ferse),  1.  =  eiterndes  FussgeBchwür  aus  einem 
Ulcus  varicosum,  dessen  Aufbruch  vom  Land- 
volk wegen  des  stechenden  Schmerzes  häufig 
dem  bisse  einer  Natter  oder  einer  Schlange 
zugeschrieben  wird  —  2.  =  ein  kleiner,  kurzer 
Mensch  ,  mit  dem  Molchwurm  (Salamander) 
verglichen  (Gr.  W.  VI,  2477).  —  3.  -  Alpdämon- 
Gestalt.  —  (15.  Jahrh.)  Gm«-Molch  =  Caprimul- 
gus,  Habergeiss  (s.  d.),  ein  elbischer  Dämon  in 
Vogelgestalt,  der  als  Kindermelker  (s.  d.)  die 
Milch  aussaugt  und  Nachtschaden  (s.  «I.)  macht 
(D.  98).  —  FtrA-Molch  (viemnllen,  Kohler  V.  Br.  597) 
=  die  Krankheiten  beim  Stallten  erzeugenden 
Würmer  (s.  Schwell- Vogel),  (welche  durch  Kanu 
wort«  vertrieben  werden,  Nlederberglsch).  —  Mollen-, 
Molt- Land,  -  Wurm. 

Mole,  f-  (vom  lat.  m»U;  dies  von  rnole«  =  Mühl- 
«teln,  Steinscheibe,  od.  von  |«.m/.Yj,  nach  Borann»  oder 
Actuarius  wegen  des  Gewichtes  und  der  Schwerb«weg- 
licbkclt  =  Gebarbeschwerde;  engl,  nrnle  =  Mondkalb, 
falsche  Conzeption  =  das  Gefühl  einer  Schwere  und 
Beschwerde  im  weiblichen  Leibe  und  das  Gebilde, 
welches  dieses  Gefühl  veranlass),  1.  -  das  aus  der 
schwänget  en  Gebärmutter  ausgesto-sene,  ab- 
norm gestaltete,  degenerierte  Ei  (Windei,  taube 


Ei)  od.  Oberhaupt  ein  Boicher  Inhalt  der  Gebär- 
mutter, welcher  nicht  als  Produkt  der  natür- 
lichen Zeugung  aufgefasst  werden  kann,  wie 
man  früher  auch  die  eigentliche  Schwanger- 
schafts-Mole nur  als  eine  durch  unfruchtbaren 
Samen  entstandene  Fieischmasse  in  der  Gebär- 
mutter auffasste  (Kraus,  E.  642),  ehemals  als 
das  Produkt  der  minnenden  (s.  d.)  Thätigkeit 
des  Alpdämons,  das  als  Krötenalp  (Krotolf) 
dann  zum  Vorschein  kommt  (s.  Kröte),  Alpkalb, 
Mondkalb,  Mondkind,  Weiber-Mole,  Blasen  - 
Mole,  Blut-Mole,  Fleisch-Mole,  Blast-Mole,  Mol- 
Kalb,  Mahlkalb,  Schwamm  1.  2,  Mola  carnosa, 
Mola  hydatitosa,  racemosa  (Traubenmole,  Cho- 
rionmyxom.).  —  2.  =  das  zu  früh  mit  der  Decidua 
graviditatis  ausgegossene  normale  Ei  (Abortus, 
s.d.)  und  Plazentar- Polypen,  „ein  ungestaltet 
Stück  Fleisch,  ein  flclschlelch  8tück,  das  wlrt  In  der 
permuter"  ~  lombardischer  Bruder  [s.  d.].  Schmeller 
I.  1474;  Woyt*43).  —  3.  =  die  Decidua  menstrualis 
(auch   Fibrinklumpen).  —  4.  =  Kieistockge- 
sch wdlste  (Wassermole),  (1620)  perimetritische 
Exsudate  fTrif.  AdlhoU.  77).  —  5.  =  Uterus-Myome, 
-Polypen,  die  geboren  werden.  —  fi.  =  (mola 
hlcss  auch  die  Kniescheibe  oder  das  Knierad  als 
Scheiben-  oder  müblstelnartlge«  Gebilde).  —  Im  Volke 
sind  diese  Gebilde  nicht  mit  ,,Mole"  bezeichnet  ;  auch 
durch  die  modernen  Arzte  kommt  dieses  Wort  vorerst 
nur  wenig  In  die  I-alenkreise.  —  (1725)  Blatt;  Blasen- 
Mole  —  Mola  hydatidosa  (öiav.r  —  Wasserblase), 
ein  degeneriertes  Ei,  das  durch  sein  Volumen 
den  Uterus  wie  im  7.  Schwangerschaftsmonate 
anfüllt,  wobei  das  Emhryon  früh  (schon  im 
1.  Monate)  zu  Grunde  geht  und  die  Chorion- 
zotten durch  myxomatöse  Entartung  wie  auf- 
,  geblasen,  blasenförmig  erscheineo,  „eine  Miss- 
geburt mit  unnatürlicher  Auftreibung  (b.  Blast) 
des  Mutlerleibes"  (Thes  «an.  Hr.  292).  —  2.  =  siehe 
Wassermole.    —    (19.  Jahrh.)  Blut-tlole  =  eine 
Degeneration  de«  Eies,  »wischen  dessen  Häuten 
nach  dem  Absterben  der  Frucht  erst  frisch 
rote,  später  schwärzlich  sich  verfärbende  Blut- 
ergüsse mit  Geschwulstbildang  erfolgt  sind, 
eine  jüngere  Fleischmole.  —  j7/mc/i-Mole,  1.= 
eine  Blutmole  mit  vorl  iegendem  fleischarli|ren, 
lederfarbigeui  Gewebe  mit  weniger  BlutergusB 
zwisenen  die  Eihäute,  Mola  carnosa.  —  2.  = 
fleischrote  Kibrink  lumpen  u.  Plazentarpolypen 
(mit  1  verwechselt;  (Roth  330).  —  3.  -  (früher'  wohl 
auch)  Ulerusmyome  (Irrtümlich).  —  (1725)  Wasser- 
Molen,  I-  —  Mola  hydatidosa,  s.  vesicaria  (Thes. 
san.  Ur.  292),  wobei  die  Chorionzotten  unter  Bil- 
dung von  wa^sergefQllten  (ödematösen)  Beeren 
(Blasen)  degenerieren.  —  2.  -  Eierstock-  Wasser- 
sucht (früher  wohl  irrtümlich  als  Mole  angesehen). 
—  (154!*)  Weiter- Molen   der  weiber  mola,  Kuland 
v.  Fr.)  =  Mondkalb  (s.  d.)  —  Mol(l)-Äa/6,  -Ghs». 

Molesten,  pl-  'lat.  rooleMia  —  Mühsal ;  moles  — 
groüse  Lait)  =  Beschwerde,  Übel,  >chmerz. 

Molke,  f.  Molken,  n.  (1482  molken,  molken  = 
I  battudo,  I)  70,  Heb.  12.;,1  -  aus  Milch  bereitetes, 

von  Schollen  befreites  Käsewasser,  herum  (1592 
|   molck;  1582  molken,  Lonic.  811).  —  (1699)  Grbtuth- 

Molken  =  die  BlulbeBchaüenheit  bewu  Wechsel- 
|  lieber,  bei  dem  das  durch  eine  Säure  angesteckte 

27* 


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420 


Molla — Mond. 


Mond. 


Blutwasser  den  sauren  Milchmolken  ähnlich 
geronnen  sein  sollte  |v.  M  II,  126).  —  molken- 
f arbig. 

Molla,  Molles,  Mollis,  mollig  '«u  ahd.  mo- 

lawan  —  mürbe ,  fehlerhaft  weich  an  den  «illedern 
werden,  Schindler  1.  1589.  1593.  1597;  mhd.  molwic  = 
staubig,  mürbe,  mollig ;  1V83  mollccht  =  fleischig,  welch, 
teigig,  Gr.  W.  VII,  481 ;  1C1B  inollel,  n.  —  pulpa  caraU 
Schmeller  1.  c. ;  D.  472).  —  Molla  =  weicher,  mol- 
liger Schmerbaueh  (Nürnberg;  Schmeller  l.  c).  — 
mollig  (mollisch,  mulschei)  =  p ulprts,  weich- 
fleischit:,  angenehm  zu  befohlen  („an  lat.  molll§ 
angelehnt"'.  H.  Paul  810;  t:  r  Schm.  3*9)  (s.  schmol- 
lig). —  />V./.r-Molles  Dick  wannt,  .Schmerbanch 
(Schmeller  I,  346.  1589),  der  heim  Aufschlagen  mit 
der  Hachen  Hand  (Braxen)  weich  eich  anfühlt. 
—  tfr-mollet  (gemolgelet)  =  (leischlicht  (Schm.  I, 
1593).  —  MollCm. ts)- Braten,  -Kopf. 

Molter.  f.  =  Mulde. 

Mon,  m.  s.  Mond. 

Mon-Mon  s.  Mann. 

Monat,  m.  (iitr  Wurzel  ma  =  mewen,  Müller, 
Wissenach.  d.  Spr.  ;  Indogerra.  men  [Mond];  vorgerm. 
monöt  -  Monat;  gem.gcrm.  menoih  =  Monat,  ahd. 
manöd  ;  mhd.  mänöt.  Kluge*.  260  -  der  12  Teil  des 
Jahres,  das  nach  Mondzeit-Ahschnitten  in  allindo- 
germ.  Zeiten  berechnet  wurde].  —  Monat,  nt. 
Mönet,  f.  (I.onic  95)  —  Mensis ,  die  monatliche 
Zeit  der  alle  28  Tage  mit  dem  Mond-Cyklns 
periuJisch  wiederkehrenden  Frauen-Regel,  als 
blutiges  Sekret  aus  den  Genitalien  (Venetium 
menstruale),  welches  nach  uraltem  Glauben  für  giftig 
galt,  so  das»  es  sogar  Lepra,  Pocken  und  Masern  ver- 
ursachen sollte,  d  h.  wohl  eigentlich  die  damit  ver- 
wechselte Syphilis ;  noch  heute  gilt  der  Coltus  In  der 
Periode»eit  im  Volke  als  die  l'rsache  aller  Geschlechts- 
krank  hei  teil)  (Menstruatio,  Suche,  Geschieht, 
Periode,  Franzosen  3*.  Monaltiuss  etc.)  (Gr. 
W.  VI,  2485).  —  (Hirn,)  monatlich  =  menstruus, 
z.  B.  die  Frauenreinigung.  —  [Ute)  Monat- 
lich, n.  Monatliches,  n.  =  Menstruatio  (Cr.  w. 
VI,  24S6;  A.  v.  II.  I,  992;  Kopp  1,  257).  —  (17;*) 
unterdrückten  Monatliches  -  Stippressio  inen- 
siuni,  iiie  durch  verschiedene  Gesundheits- 
störungen erzeugte  Hintanhaltun«  des  Ein- 
tritte! der  Menstruation  (A.  v.  H.  I,  994).  — 
(1592)  HVitW-Monat  -  Menses  (Seb.  iiö).  — 
Monat-,  monat/u/i  e,er,e»)  -Blodigkeit,  -Blühe, 
•Blumt,  -blutend,  -Blutgang,  -duldig,  -fallend, 
-Fluss,  -Kalb,  -Kind,  -Krankheit,  -Ordnung, 
-Periode,  -rasend,  -Reinigung,  -Reiterei,  -Säu- 
berung, -Stunde,  -  Vberfluss,  -Zeit. 

Mond,  cn.  Mon,  Mönin,  f.  mon  ig,  möndig 

(indogerm.  men,  minot,  meties  (mens  =  mcnsls  = 
Monat];  zu  me  -  messen;  der  Mond  als  Zeitmesser; 
gem.-germ.  uieno,  m. ;  germ.  inenöth ;  altn.  urdar  man! 
■  der  auf  das  kommende  Sterben  hinweisende  Mond 
der  Norne  I'rdr. ,  Maurer  II,  123;  ahd.  mAno,  m., 
minin,  f. -Mond;  mhd.  mlno,  m.,  mauln,  f.  =  Mond, 
Monat,  Kluge5.  260 ;  mAnet,  mAnt,  mande  =  Mond, 
uianic,  niiinic,  tnenic  —  lunatieus;  r>91  mon,  mond  — 
Mond;  r>99  mönin  -  Gaumenwulst  beim  Pferde,  Ur.  W. 
V,  596).  —  Mond.  1.  —  Menses,  die  monatliche 
(s.  d.)  Zeit  der  Frauen  (Uad.  Jun.  21;  Gr.  W.  VI, 


2503)  (Weiberfclume,  -Bloh,  -Blut,  -Blödigkeit, 
Periode,  Geschieht,  Muhme  etc.).  Der  cyklische 
Verlaul  der  weiblichen  Periode  und  Schwangerschaft 
nach  Mondzeiten  (Mondsmonaten)  tnusste  schon  frühe 
den  Gedanken  nahe  gelegt  haben ,  dass  der  Mond 
auch  die  weibliche  und  tierische  Frucht  und  Frucht- 
barkelt (Ulutfeuchte)  beeinflussen  könne,  daher  schon 
früh  der  Volksglaube  an  Mondblut  (s.  d.),  Mond- 
krankheit (s.  krank) ,  Mondkinder  und  Mondkalber, 
und  die  vielfach  in  den  Sagen  der  Volker  auftretende 
Verbindung  des  Fruchtbarkeilssymbols ,  des  Hasen, 
mit  dem  Monde  (s.  Westermann,  Monalhette  459,  S.  310 ; 
üaehofen  76  .  79.  90.  102  112).  Ortolt  (1477)  sagt  sogar: 
„ob  des  mons  schein  einen  wunden  menschen  rürt 
un  bloss  baut,  du  ist  gar  tödlichen"  (Pchru.  II,  135); 
auch  bösartige  Geschwüre  sollten  beim  Mondschein 
verfaulen  (Urquell  1895 .  8.  69) ;  namentlich  brachte 
man  eyklisch  verlaufende,  intermittierende  und 
remittierende  Krankheitserscheinungen  und 
GeinQtsstimmungen  (Laune,  luna, Geisteskrank- 
heiten, z.  B.  sie  iteht  mit  dem  Monde)  nach  astro- 
logisch gläubiger  Schullehre  (vergl.  Monddoktor)  mit 
dem  Mondeinflusse  in  Zusammenhang,  da  man  aneb 
alle  ..Feuchten"  Im  menschlichen  Korper,  also  auch 
die  des  Kückenmarks  u.  Gehirns  (wie  die  des  Meeres) 
unter  des  Mondes  Direktion  u  Ahnte,  daher  Mondblind- 
heit ein  fluxus  periodicus  lunatieus  sein  sollte  (Briss. 
68;  K.  m.  ch.  66;  Kraus,  E.  608).  —  2  =  Glatze  als 
Mondschein  (s.  d.).  —  3.  =  (1599)  der  mondsichel- 
förmige Schleimhaut  wulst  (Mönin)  beim  Pferde, 
ähnlich  der  Lumda  (=  Mondchen)  am  mensch- 
lichen Nagel  (Gr.  w.  v,  596).  —  4.  =  Möndchen 
=  Lnnula  llippokratis,  der  moudsichelförmige 
weisse  Nagelfleck.  —  5.  =  Mondt  =  Mund  (s.  d.). 
—  b\  =  Rausch  (Schmeller  I,  1607)  (illuminiert).  — 
7.  =  der  mondsichelrunde  Zirkel  (s.  d.)  im 
menschlichen  Trine  (d.  h.  im  Uringlase  des 
UrinhcBchauers).  —  manisch,  mansch,  mo 
nisch,  mönig  (mhd.  mAnic  -  mondsüchtig,  I.exer 
165;  1418  manisch  =  monatlich,  Schmeller  I.  1608;  1482 
meniger,  mondiger  =  roonwendtger,  lunatieus,  Zen. 
Voc.  cefl,  1483  mouig  -  lunatieus,  (Jr.  W.  VI,  2513; 
149;i  mönie  -  wahnsinnig,  i\  v.  Schm.  390;  1496  manig, 
tneuig  =  fanatlcus,  l>  224,  1561  monig  =  mondsüchtig. 
Gr.  W.  VI,  2512  ;  meniger  lympbatlcus  [wasserscheuer] 
=  hydrophobicus.  I).  3;i0 ;  1591  monig  =»  mondsüchtig, 
lunatieus,  qui  lunae  temporibus  Insania  vexatur.  Had. 
Jun.  392;  1599  monig  =  eine  Pferdeaugenkrankheit, 
Gr.W.  VI.  2.13;  MIO  mouig  =  mondsuchtig.  C.  v.Schm. 
390;  1731  monig  -  monatliche  Augenkrankheit  der 
Plerde.  Gr.  W.  VI.  2513;  1741  mansch  =  nstrosu«,  luna- 
tieus, D.  56;  demnach),  1.  =•  an  einem  Zustande 
oiler  an  einer  Krankheit  leidend,  deren  Beginn 
und  Verlauf  sich  an  eine  cyklische,  mehr 
weniger  monatliche  Zeitperiode  hält  und  nach 
früherem  Schul-  und  Volksglauben  vom  Monde 
und  von  den  Gestirnen  beeinflusst  war,  u.  zwar 
(ausser  der  monatlichen  Frauenblödigkeit  oder 
Frauenkrank  h.):a)  =  lunatieus  (beimMenschen), 
mondsüchtig  (s.  d.)  durch  Somnambulismus 
(äusserst  selten)  oder  durch  die  intermittierende 
Epilepsie;  man  riet  (Thes.  san.  Br.  629)  dem  epilep- 
tischen Mondsüchtigen,  dass  er  sieb  hüte,  die  Mond- 
scheinstrahlen auf  die  blosse  Haut  fallen  zu  lassen; 
b)  lunatieus  (bei  Pferden)  -  schellig  durch  den 
sog.  Mondkoller  (s.  d.)  (Gr.  w.  vi.  2618),  derduroh 


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Mootag— Mor. 


Mord -Molche.  421 


das  Stehen  der  Pferde  im  Mondschein  veran- 
laset *ein  sollte  (R,  A.  78;  Rochholz  I.  7«;  c)  (bei 
Pferden)  an  der  intermittierenden  Mondblind- 
beit  (s.d.)  oder  Mondscheinigkeit  (s.  d.)  leidend 
(1599)  ..»«an  du  Gesicht  des  Pferde»  zu  Zeiten,  wenn 
der  Mond  sunimmt  und  auch  tu  Zelten,  wann  der 
Mond  wieder  abnimmt,  «an  de*  Mondes  Ende«  (D.  339). 
«ich  Terrnndert"  (Gr.  W.  VI.  2513),  „das  tieaieht  de« 
Pferde*  verändert  sich,  wenn  der  Mond  neu  wird ;  die 
Augen  werden  ihm  trüb,  als  hätten  sie  Felle  u.  Rinnen" 
(1.  eod);  «1731}  „die  Augen  schwellen  gemeinglich 
und  Rehen  dem  Pferde  aus  beiden  Augen  dicke  Pelle" 
(1.  cj;  d)  an  der  sog.  Wasserscheue  od.  Hunds- 
wut leidend,  die  man  sich  als  eine  Mondsucht 
erklärte;  auch  die  Wassersucht  sollte  mit  dem 
Monde  auf-  und  abgehen  (V.  K.  VI,  63).  —2  = 
Obel  gelaunt,  wetterwendisch,  wechselnd  wie 
der  Mond  (s.  Laune)  (Schm.  I,  16»)  —  Mönig- 
keit,  (151S)  Männigkeit,  (1399)  Monigkeit,  1.  = 
(1315)  ein  cyklisch.  intermittierend,  periodisch 
auftretender  Gemflts  -  Affekt ,  l'nsinnigkeit, 
Mania  (H.  Gersd.  100).  —  2.  =  die  periodische 
oder  intermittierende  Mondblindheit  (Mond« 
auge)  beim  Pferde,  das  tnönig  [a.  o.)  ist  (Gr.  W. 
vi.  2514).  —  be*chlo$*ener  Mond  (mnd..  u  — i>. 

Jahrh  ls  de  mane  besloten,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  113 
=  der  im  l'ringlase  oben  geschlossene  Zirkel. 
-  (1736)  .Va0ei-Mond  =  der  weisse,  tnondsichel- 
förmige  Fleck  an  der  Wurzel  des  menschlichen 
Fingernagels  (Lunula  unguis)  (A.  v.  H  II.  924).  — 
»chicurzet  Mond  14.  — 15.  Jahrh-,  mnd.  svarten 
ruanen.  J.  f.  nd  Sr.r.-F  XV,  106.  121)  =  schwarzer 
Zirkel  (Mond  7).  —  Voll  Mond  (ndl.  rolle  maan, 
V.  K.)  =  Vollmondgesicht  (s.  d.)  —  Mond-, 
mön(d)i*dk  -  Auge,  -Blindsucht,  -Blut,  -Doktor, 
duldige,  falUn,  -Flut»,  Gesicht,  -Kalb,  -Kind, 
-Koller,  Sfliein,  -Scheinigkeit ,  siech,  -richtig, 
-Sucht, -  Tag.-tobig,  -Cnreinigkeit,  »m/i<7,  -icendig, 
■Zeit. 

Montag.  —  Montag-A'iwd. 

St.  Monas,  St.  Menno,  St.  Möns  über  st.  Monu* 

den  Sn,nlu»_p*tron'  *•  des  Verf-  Kultkalendarium  In 

z  d.  d.  ö.  a.-v.  ig».  B.  199    —  St  Monns- 

Moor,  m.,  f.  s.  Mohr  u.  Mor. 

MOOS,  n.  (ahd,,  mhd.  mos  -  Moosboden,  Moos- 
flechte, liehen.  —  Haut-Moos  =  Hautlk-chte, 
Sch windflechte,  Lieben  ("'S'/tu  -  lecke,  na»ehe 
[s.  d.],  Behrend  31).  —  (1620  mösicht  =  mit  Pilzen, 
Moosflecbten  belegt,  auch  vom  f  septischen  j 
Wundbelag  (Dr.  Minderer  —  mosichte.  Moos- 
Feuchte.  -Leute,  -  WeibUin. 

Moppel  (Mops),  1.  =  einer,  der  moppt,  wie 
ein  Mopshund  das  Gesicht  verzieht,  ein  tölpel- 
hafter, da  mm  er  Mensch  (Kluge1,  261;  Gr.  w.  vi, 
2523).  —  2.  =  der  Bauerntölpel  oder  Mums  = 
die  OhrspeicheldrflsenentzQndung,  Parotitis 
epidemica  (s.  Wfttschel,  Ziegenpeter,  Wochen- 
tölpl  etc.)  (Hanau ;  KoppV.442j.  —  3  =  ein  kleines, 
dickes  Kind  (Mops)  (Rhein,  Franken;  Gr.  W.  VI, 
2523);  (Uenneb.)  Mappe«  =  dicker  Mensch  (*r,ie*s 
n,  16»)  —  Mops. Vase. 

Mor,  f.  («.  Mohr  2).  1=  schwarxes  Mutter- 
schwein (1392.  8eb.  153).  —  2.  =  Bchwarze  K-ii. 


—  3  -  schwarte  Erdgrille  (Schmcller  I.  1641; 
J  1714 ;  Kirsch  64).  —  4.  =  s.  Mar. 

Mord,  n.  (uriudogerm.  mor  =  sterben  [morior], 
Tod.  absichtliche,  heimliche  Tötung;  Tonrerm. 
roftom.  n.  -  sterben.  Tod,  ahd.  mord  =  absichtlicher 
heimlicher  Totschlaf,  Kluge*,  26L  381;  mhd.  mort; 
ahn.  mord.  Maurer  II.  173.  1S2.  278),  1.  =  Mord  als 
heimlich  n.  gewaltsam  erfolgende  Todesart.  — 
2.  =  Gehirnschlag  (Apoplexia)  (bei  den  Siebenb 
Sachsen  und  Ostpreuasen;  Frisch  b  87),  als  dämo- 
nistisch  veranlasster  quasi  Todea-Schlag  (siehe 
Schlag  2a).  —  3.  =  der  Schwindel  der  Pferde 

,  als  Vorbote  des  „<chlag"flu-ses    (17.  Jahrb.; 

'  R.  A.  62;  t.  M.  I,  39).  —  Selbst -Mord  (Tolksubliebe 
Ausdrucke  hielur  s.  Z  d  V.  f.  V  -K.  1S94.  S.  190).  — 
Mord-S*<-Af,  -  Trieb. 

MordaX  (1566  mardax,  O.  B.  V.  A  XIII.  31).  ver- 
I  mutlicb  die  verhüllende  Bezeichnung  eines:  Pest- 
tiebers   (=  Calor  monlax)    Sobernh.  207)  als 
Fieberhitze.  (<  onf.  mordej  =  emorolda.  D  II.  149). 

Morel.  —  Morel" »che*  Ohr. 
Morgen,  m.  —  Morgen-  Thäne. 

morixeln  (marixeln)  ein  cermutlich  [in  Augs- 
burg] aus  den  Klostertchnlen  durch  die  Studenten 
I  aus  raorior  [sterben;  —  morexit       entstelltes  Wort 
l  für.  Sterben,  Delling,  C.  v.  Schm.  390,  Schmeller  I, 
|   1649;  vergl.  Marissen). 

Mors-  —  JW-Mors  -  Tod  (lat.  mors.  Klein- 
paul 32). 

mors,  morsch  (germ.  Wurxcl  luurs;  ilaiu  ahd. 
mors  [>.  M.-rscr]  -  zerstossen,  xirrieben,  zerstückelt, 
Kluse5,  261  ff-,  16S0  mors  —  morsch.  Gr.  W.  VI.  2591; 
17  Jahrh.  morsch)  durch  Alter  und  Gebreeh- 
|  lichkeil  an  Knochen,  Gliedern  o  ler  Zähnen 
brüchig.  —  (IM»)  t-ermorscht  =  zersplittert 
(H.  t.  Gersd  27)  —  «rmorscht  =  zerinürscht 
(s.  Mörser),  gequetscht,  eontusu«.  —  morsche 
Zähne 

Morvan.  -  Morvan  *•/«•  Krankheit 

Morve,  f-  (franz.  la  morve  -  la  wicreation  de« 
fosses  nasales  [Bris*.  185»;  zu  morfondre,  morfonture. 
morriau  (32  33]  =  Nase;  die*  vielleicht  zu  morvia. 
I>.  369).  1.  =  Morphea,  Aussatz,  Lepra,  die  in  der 
Nase  ihre  primäre  Infektionsstclle  hat,  Nasen- 
u,rjnt.  —  2  =  Potz,  Malleus  humidus,  Ober- 
tragen auf  die  Rotzkrankheit  der  Pferde  (K.  u.  P. 

III,  848). 

Mose  (Mosa)  Mase. 

Motte,  f.  (m  Made  [s.  •!  ];  altgerm  maththa  \  ], 
altnord.  motte;  engl,  moth ,  mhd.  motte,  f.  =  Made. 
Schabe);  wie  man  den  Alp  [s.  d.  V]  als  Wurm  »der 
geftugelies  Tier,  als  Engerling,  (.rille.  Mau«  oder  Egel 
int  Kopie  hat.  »o  hat  man  auch  Motten  im  Kopfe 
(Kuhn,  Zeiucbr.  f.  vergl  .^pr  -Wls^nsch.  XIII,  71)  = 
ist  starrköpfig  wie  ein  Schaf,  da«  den  Alp  als 
Lgelwurm  im  Kopfe  hat,  den  das  Volk  für  eine 
andere  Gestalt  des  Alpdamons  oder  Schelmen 
hielt.  —  Ära/i-Motter  =  ».  Mutter.  -  Motten- 
Kopf. 

Motter  s.  Moder  u.  Mutter. 
MotSChe,  f   Motze  (Nebenform  zu    ahd  muck 
*z-ri  ^  mucksen,  leise,  ronokernd  reden  ;  mhd  mukaen 


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422  Muchel—  Mucke. 


Mudel— Mücke. 


muchsen,  Kluge*  262).  —  Motsche  =  Mund  (Tirol; 
Htntner  6.  13).  —  Seich  -  Motze  =  Ameise  als 
Mucke  (s.  anseieheu  u.  Seichmetze)  (z.  f.  ü.  v.-K. 

189«,  329). 

Muchel  s.  Mauche  u.  Meuchler.  —  Muchel- 
Eissen. 

Mucke,  f.  Muckel,  m.  Mucken,  m.  Mugg,  in. 

(germ.  muk  -  heimlich  thuen ,  Kluge  *  262;  ahd. 
mucco,  m.  =  voincx  =  Elterbeule  [vomlca),  feuchtes 
Geschwür,  Gmff  II,  65.'»;  VI,  839;  mhd.  muoche  — 
verdrlcsslteher  Gedanke,  Kluge*  262;  möche,  8chw. 
442;  1417  eyn  mugge  -  curta  [culex],  D.  II,  125;  1429 
muck  m  clcadla,  I).  II,  88).  —  Muckel,  Mucke, 
1.  =  Grille,  Schnecke  (snegil.  Graf!  II,  655;  VI,  839), 
(oberd.)  Mücke  (Kluge1,  262),  Ohrwurm,  Nassel, 
selbst  Kröte  (Haveland;  Zciuchr.  d.  V.  1.  V.  K.  1893, 
469;  1895.  263)  (=  Muggel)  als  heimlich,  wie  eine 
Spinn-Mucke  (Spinne,  Grille,  Heim-Mtick), 
kriechende,  lauernde,  heranschleichende  Tiere. 

—  2.  —  die  von  diesen  elhischen  u.  schelmischen 
Wesen,  dio  man  als  Krankheitsdämonen  in 
anderer  Gestalt  ansah,  veranlassten  Krank- 
heiten bei  Mensch  oder  Tier:  a)  analog  zu  der 
identischen  Mauke  (3):  ein  heimlich  heran- 
schleichender Kehler,  ein  chronisches  heim- 
liches Übel,  welches  wie  ein  heimlicher  Dämon 
in  Gestalt  eines  Wurmes  (Heim-Muck)  im  Leibe 
„muckert";  b)  ein  verdrießlicher  Gedanke,  der 
wie  eine  „teuflische  Mucke"  grillenhaft  in  dem 
Menschen  sitzt  und  früher  von  den  Heiligen  (cont. 
Heilig.  Benediktiner-Jahr  8.  13)  aus  den  „Besessenen" 
ausgetrieben  wurde;  ein  solcher  hatte  ,, Mucken  (siehe 
Motte,  Egel,  Wurm,  Miere)  Im  Kopfe",  eine  Vor- 
stellung, die  aus  den  Beobachtungen  des  Schäfers  und 
Rosshirten  auf  den  Menschen  und  in  die  humoral- 
pathologlsche  Zelt  übertragen  wurde  —  er  hat  Ein- 
bildungen, Bizarrerien  (Z.  f.  ö.  V.-K.  189C,  350; 
Fromm.  VI,  356;  Sebmeller  I,  1567)  (conf.  Fieber- 
Mucke,  Wurm-Muck,  Nickel  1);  c)  Mügele, 
Müggele  =  Eiterbeule,  Drüsengeschwür  (conf. 
oben  abd.),  das  in  seiner  Genese  nach  der  Volks- 
annahme wie  beim  Engerling  (s.  d.),  bei  der 
Grille  (gryllus  =  muelheime,  helincnmug,  mubeimen. 
muchaheim,  muhenheimeu,  Kirsch  15.  551;  D.  II,  270), 
Motte,  Made,  Wurm  mit  parasitären  (dämo- 
nistischen)  Prozessen  Zusammenhang  haben 
dürfte.  —  4.  =  eine  kleine  Person  (Schweiler  I, 
1567),  welche  wie  eine  Kröte  (Muggel)  schwer- 
fällig schleppend  geht  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895,  s.  263) 

—  Muckser,  m.  =  heimlicher  Laut,  kleines 
Lebenszeichen.  —  ao-mucken  -  leise  sich  ent- 
fernen, ohne  Aufsehen  sterben.—  .f'icfccr-Mucke 
(-Mücke)  =  Tipula  febrilis  =  der  das  Fieber- 
delirium  veranlassende,  in  Mücken-  (Wasser- 
mücke, WaMerspiune  —  tipula]  Gestalt  quälende 
Alp  VI  (Ephialles)  (Gr.  W.  III,  1C22).  —  Los- 
Mucken  -  Boesmucken  (s.  d.),  SchwindÜechte 
(Lamraert  179;  Schmeller  I,  1576).  —  (1707)  melan- 
cholische Mucken  -  Mucke  2b  infolge  von  Melan- 
cholie (Abrah.  II.  328).  —  (1591)  OArcn-Muckel, 
(1561)  -Mittel  =  (1580)  -Mückele,  1.  -  der  Ohr- 
wurm, Korfieula  auricularia  (Schmeller  I,  1567; 
Beb.  96),  Fullo,  Ohrenhohler,  Ohrling  und  auch 
Nassel  (s.  d.);  derselbe  veranlasst  nach  dem 
früheren  und  z.  Teil  heutigen  Volksglauben: 


a)  (l&M)  G eschwäre  im  Ohre  (Gr.  w.  VII,  1257. 
1280),  Belbst  solche,  wo  —  was  heuttutage  die 
Regel  ist  —  keine  Maden,  keine  Ohrwürmer  im 
Ohre  gefunden  werden;  b)  Geschwülste  hinter 
und  vor  den  Ohren  =  Parotitis  (1617;  Kraus.  E. 
744;  D.  414;  Had.  Jua.  385)  (s.  Ohrmuttel,  Ohr- 
teufel);  c)  Gesch  wäre  (Knochen- Abecesse)  hinter 
den  Ohren  (1616  apostema  higllico,  Gr.  W.  VII,  1258); 
d)  Schmerzen  in  den  Ohren  (Otalgia).  —  2.  = 
die  Krankheiten  (la — d),  welche  dieser  wurrn- 
gest&ltige  Ohrmuckel,  Ohrmützel  (s.  d.)  nach 
dem  Volksglauben  veranlasst ;  dieselben  haben 
im  Gegensätze  zum  Bauern-  oder  Tannen- 
Wätschl  (8.  d.)  mehr  idiopathischen  als  epi- 
demischen Charakter.  —  (1521)  Rot-,  Rom-  (Lob-) 
Muck,  (1609)  Muckel,  (oberd.)  Mucken,  1.  = 
a)  die  sogen.  Engerlinge,  welche  vom  Pferde 
wurroförmig  abgehen  (Gr.  W.  III,  480);  b)  (1741 
asllus)  Rossmucke  (Kirsch  115)  =  Bremse  oder 
Bremsenlarve  in  der  Haut  des  Weidetieres 
(s.  Dasselbeulen  u.  Engerlinge).  —  2.  =  die 
rostfarbigen  Hautflecken,  die  den  rostfarbigen 
Mückenflecken  ähnlich  sind,  und  zwar:  a)  rost- 
farbige Sommersprossen,  Lentigines,  Ephelides 
(1717  rosmuken  -  -  Hautflecken,  Abrah.  II,  139;  A.  v.  H. 
II,  389.  900;  Buck  46.  53;  Meyer  509;  D.  324;  C.  v.  Scbm. 
433;  Schmeller  1, 1567);  b)  Schwindflechte  (Lammen 

I.  o  );  diese  letzteren  Boss-  oder  (enutellt)  Los- 
Mucken  (2)  (1588  rossmucken.  Tabern.;  1687  rosi- 
mucket  (Gr.  W.  VIII,  1237)  haben  vielleicht  mit  Ross 
(equus)  keine  etymologische  Beziehung,  sondern  sind 
vielleicht  als  enUteUte  Boss-  (Rost- 7)  Mucken  abzu- 
leiten von  Rosem  (•.  d.)  =  Rosem-mQcken.  —  rot- 
mucket  =  mit  Rossmücken  (s.  d.)  besetzt 
(Schwaben ;  C.  v.  8chm.  438).  —  Sonnra-Mucken 
(slma  murca;  1482  sena  murca,  Zen.  Voo. ;  D.  526; 

II,  335)  —  Masen,  Flecken  im  Gesichte  (Kphe- 
lides),  Sommerflecken.  —  teuflische  Mucken, 
l.  =  die  vom  Teufel  abgelösten  elbischen  Krank- 
heitsdämonen in  Mückenlarven-Gestslt  (siehe 
oben  2  b).  —  2.  =  die  dadurch  veranlassten 
Erscheinungen  bei  Krankheiten  (Delirium).  — 
Wtirm-Mugg  ■  der  Fingerwurm  (s.  d.),  der  als 
Dämon  in  Wurmgestalt  (Asselwurm,  Hackelei*, 
Ackelei*)  im  rohen,  wilden  Fleisch  des  Pana- 
ritium  sitzt  (Birlinger,  Sitten  I,  446).  —  Zahn- 
Muckern,  n.  =  das  heimliche,  muckernde,  leise 
Schmerzen  im  Zahne  durch  den  im  Zahn  sitzend 
angenommenen  Zahnwurm  (s.  d.). 

Mudel,  -mudel  =  eine  Person,  die  kurz,  dick, 
mollig  (s.  d.)  ist  (Fromm.  VI,  339;  SchineUer  I,  1589; 
bei  den  Heanzen  in  Ungarn). 

Müderer,  m.  s.  maudern. 

Mücke,  f.  (ahd.  mucca,  f.  [conf.  mucco,  m.  bei 
Mucke];  mhd.  uiiicke,  mucke  m  Fliege,  Mucke;  engl, 
midge).  —  Mücke,  1.  —  Fliege  (dies  nicht  oberd.). 
—  2.  —  ein  kleiner,  schwächlicher,  dünnbeiniger 
Mensch  (Muck  4)  (Gr.  W.  VI,  2608).  —  3.  =  Mücken- 
Ähnliches,  Mückenlarven,  Würmer.  —  4.  =  die 
Mücken  und  Schmetterlinge  sind  nach  dem 
Volksglauben  auch  die  Gestalt  (Hülle)  der  ge- 
flügelten, elhischen  Wesen  (Seelen,  Maren); 
daher  der  Ausdruck:  damals  flog  ich  noch  mit 
den  Mücken  (Schmetterlingen)  herum  (als 
tingeborene  Seele)  -  war  noch  nicht  geboren 


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MOckel— Mühl-. 


Mühme— Muhme. 


488 


(T»gl.  Rundschau  1897  ,  8.  862;  bei  den  Conen  ver- 
wanden sieh  der  teuflüwhe  Ors  allamanno  ( =  Tyrann] 
nach  Keinem  Tode  In  eine  Musca,  die  eine  lokale  En- 
demie, vermutlich  Syphilis  bringt,  Istoria  di  Corslca, 
Fillppinl*.  II,  85—  89;  Gregorovius,  Corslka  s,  275). 

—  mückig  (angls.  micbic  =  longa«  llbias  habens, 
D.  i«i)  =  langbeinig  wie  eine  Mfll'ke.  —  Auqen- 
Mücken  (1588  scotomia  [  =  Flimmer  -  Skotome!  ; 
„etliche  meinend  es  fliegen  mückeu  vor  den  äugen", 
Fries  74)  =  Mouches  volantes  (».  Mucken  sehen), 
als  entoptische  Erscheinung.  —  Fiebt  >  Mucken 
(musca  in  cerebro,  de«  mouches  dans  la  cervelle, 
BrUa.  267)  =  Fieber  Mui  km  (m.  <1).  —  flirtjmde 
Mücken  -  Augen-Mflcken  (a.  d.)  (Gr.  W.  VI.  2608, 
Heyne  HJ.  871).  —  Muckvi:  ''••.*  t,  -feint,  Kopf, 
-Mal,  -Sehnen. 

Mückel  s.  Muckel. 

Mücker,  n.  Micker,  Miggär,  Mittker  (ahd. 

mittila  carni.  niittigarni  =  arvina  ferina  («raff  IV,  204), 
caro  pinguis,  Scbmeller  I,  937. 1667 ;  1300  tnltligcr  [Nürn- 
berg], Gr.  W.  V,  1962]  -  [Schwaben.  Böhmen]  Ocbsen- 
gedarm,  Kalbagekröae ;  1364  mitlger  [Wien],  Scbmeller 
I.  1567)  =  das  in  der  Mitte  des  Rinder-Gedänns 
(s.  Garn)  befindliche  Fett  (Gr.  w.  IV.  L  1368)  und 
das  kleine  Fettgedartue  des  Rindvieh*,  Lacte», 
Mesenterium  (Gekrös,  Netz,  Bries)  (Gr.  W.  VI, 
2170;  Falke  II,  113). 

müde,  mühen,  mühsam,  mühselig  (Wurzel  m& 

[  —  mühen],  ahd.  muodi  —  sich  gemuht  habend,  müde; 
mhd.  müede,  müejen,  Kluge5.  262)  =  Schmers  ver- 
ursachen. Dieses  Mühen  hat  ebenfalls  damo- 
nistisch  aktiven  Hintergrund;  denn:  (1280)  der 
steche  müet=der  Alp  müht  (quillt)  mit  Stechen 
(Alpstich,  Marstich)  (Pfeiffer  30,  Scbmeller  II,  724), 
und  auch  die  Wunde  wird  /r  muhet  (C.  v.  Würzb. 
nach  Heyne),  d.  h.  durch  zauberhaften  (Dämonen-) 
Einfiuss  zu  einer  beschwerlichen  Wundkrank- 
beit,  die  darum  auch  besprochen  wird  (Z.  f.  Ö.  V.-K. 
1896,  8.  160).  —  mÜh  Wi;/  (1697  mueaalig,  B<  h  melier  I, 

r.v.)  =  andern  und  sich,  weil  krank  und  ge- 
brechlich, bemühend,  beschwerlich,  mit  einer 
beschwerlichen  Krankheit  behaftet.  —  müh^im 
=  beschwerlich,  Iflstig,  s.  mühsames  t.esicht. 

—  :  mud  (1499  der  gellder  müden.  Rochholz  I, 
23«)  =  in  den  Gliedern  ermüdet.  —  .  n:ud 
=  ermnht,  ermattet  bis  zur  Steifigkeit  der 
Glieder  (  =  rah,  a.  d.)  (Gr.  w.  VIII,  33).  —  »chlägel- 
mttd  ■  bis  zum  Tode  in  den  Gliedern  ab- 
geschlagen und  ermattet  (Scbmeller  II,  520), 
Defatigatio  (ad  fatim  ago,  Roth  130).  —  Mttd-Öi/. 

muffeln,  muffern  (möffeln  [Henneberg],  Spiesa  II, 
167)  =  mumfeln,  mummelnd  essen,  mit  zahnlosem 
oder  mangelhaftem  Gebisse  essen,  nur  wenig 
essen. 

m ügen,  1.  =  s.  mögen.  —  2.  =  «.  tu  igen. 

Mühl-,  Müller,  m.  (ahd.  mulina  sb  Mühle,  aus 
[spat,  lat.]  gem.-rom.  oolina  [mola.  Mühle]  entlehnt, 
Kloge»,262.  263);  dazu  Müller,  der  in  der  mahlenden 
Mühle  Tbatige  =  der  Mahlzahn,  der  zermalmende 
Zahn  (Gr.  W.  I,  1402;  VI,  2655;  blbl.  Medik  397; 
(raas.  meulleres,  meulcs,  Bris*.  41).  —  Müller-, 
Mühl-  Schlaf,  -Zahn.  —  (Die  Vorstellung  von 
einer,  wie  ein  Jungbrunnen  verjüngenden  Altweiber- 
Mühle,  »kand.  elf-kvara,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1S97. 


S.  61.  89;  Foasel  84;  Meier,  achw.  8.  8.  299,  geht 
wobl  aul  vor  ahd.  Zeiten  zurück ,  in  denen  daa 
Korn  In  einer  mörserartigen  Reibschale,  Holzscheibe 
mit  Holzkeule  [Mandel]  gemahleu  wurde  und  man 
die  Wtedererzeogung  als  einen  Menschen  mahlenden 
Prozets,  d.  h.  als  eine  sie  hervorbringende  oder 
verjüngende,  von  den  KMien  getriebene  Mnhle 
vorstellte;  zeugen  und  mahlen  haben  eine  gewiss* 
Verwandtschaft  in  der  Etymologie;  zum  [indogcrm.] 
manth  za  rühren ,  drehen  geboren :  moeudultre'  (der 
Kdda]  =  Mühlrad,  der  Zwerg  Moendull,  Maurer  II,  54. 
66;  das  Mandel-  [Mangel-]  Holz  der  Wäscherinnen  und 
die  mentula  =  Penis,  sanskr.  manthula  =  Reibe- 
holz, Kelber,  Liebrecht,  z.  Volksk.  S.  302.498;  Krause, 
d.  Tulskoland,  8.  321;  Reiser  II,  46;  Westermanns 
Monathefte  1873,  S.  285  290.  291.  Da  Müller  nnd  Bäcker 
in  der  alten  Zelt  noch  zusammenfielen ,  so  wird  der 
Menschenschöpfer  zuweilen  auch  als  BAcker  (s  d.]  ge- 
dacht. Von  einem  gesetzliehen  Vorgange  in  der  Natur, 
z.  B.  von  der  Entwicklungsgeschichte  hatten  die  Ur- 
ahnen keine  Ahnung;  Jeder  Vorgang  musste  ihnen 
als  freie  That.  Willkür  oder  Laune  erscheinen ;  so  er- 
schienen ihnen  die  Gotter  auch  als  mahlende  oder 
backende  Personen  ,  die  die  Menschheit  durch  einen 
Mahl-  oder  ßackprozess  erzeugen,  einen  den  Urvätern 
alltäglich  bekannten  häuslichen  Vorgang,  der  ihrem 
Verständnisse  am  nächsten  lag,  s.  auch  Rochholz  II, 
116).  -  Er  hat  das  Letzte  auf  der  Mühl  =  er 
stirbt  bald,  hat  nur  den  letzten  Rost  des  Lebens 
vor  sich. 

Mühme  (mühmein)  s.  Muhme. 
Müllich,  f.  s.  Milch. 
Münch,  m.  s.  Mönch, 
mündig  s.  Munt. 

mürbe  (Wurzel  mar,  s.  d.;  ahd  muruwl  [marawl], 
murwl  [maro],  mhd.  niurwe,  mür)  =  zart,  gebrech- 
lich durch  Alter  und  Mangel,  weich  und  matt, 
z.  Li.  Haar,  H«  rz,  Heisch,  Mark,  Knochen  etc. 
(Gr.  W.  VI,  2713;  Kluge»,  264). 

Mürbe,  f.  mttrbig,  mürwig  (1692;  seb.  17«.  177. 

zu  franz.  la  ineurve  =  RoU  [—  la  morve,  BrUs.  189]) 
=  rotzig  (s.  d.  u.  Morve;  von  Pferden).  — 
Mürbe,  f.  (1741  mürbe  =  acarua.  Kirsch  11)  =  Milbe, 
die  die  Sirey  (s.  d.)  veranlasst. 

mürsch  s.  mörsch,  Mörser. 

-mürtig  mürdig,  mörüg,  s.  Mier. 

MUsel  s.  Misel. 

Mütze  e.  Mutz. 

Mützel  8.  Mutzel  und  Muckel. 

muffeln,  muffe zen,  muffeln  (mhd.  muffeln. 

mü.;  9.  Jabrh.  muffula  =  Pelzwerk,  Kluge»  262;  1743 
mueffltzen.  Hahn)  =^  übel  riechen  wie  ein  altes 
Pelzwerk.  -  G-rnÜffarA,  n.  =  Pudenda  utriusque 
Sexus  (Kitzbüchel.  Scbmeller  I,  1574). 

mugeln  (oberd.;  Sehmeiler  I,  1578)  =  coire  (vom 
Hahn). 

Muggele,  n.^Muh-Gockele^Kuh  (Kinderspr.; 
E.  W.  I,  206). 

Muhme,  f.  Mumme  (Hümme),  mummeln, 

Mummel,  f.  (mhd  muotne;  nds.  mome,  üollh  146 
ndL  mom  =  Verraummung;  frz  momme  =  Maskerade, 

Du  tauge  IX,  276;  nhd.  Verkleidung,  die  namentlich 


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424 


Muige-  Mumie. 


mummeln— Mund. 


den  Kobolden  und  elbUchen  Wesen  Im  Volksglauben 
zugeschrieben  wird,  die  auch  in  Tiergestalt  [Kröte  = 
Milium-    Rochholtz  I,  147;  Wuttke  4491  erscheinen). 

I.  =  der  wie  eine  Vermummung  oder  Gesichts- 
maike  das  (Besicht  bedeckende  (trini-Aussehlag 
(Porrigo  larvata,  Mimtue)  (C  v.  Schm.)  (entatellt 
zu:  Minne  3).  —  2.  =  Menses  (östcrr.;  Hyrtl. 
K.  W.  23).  Wie  in  I  lm  die  Trauermagd  (Klageweib) 
mit  der  leinenen  Mummel  (Hülltücher)  Im  18.  Jahrb. 
und  Im  Hrandeuburglschen  die  Vieh-Mumme  Im 
17.  Jahrta.  »Ich  verhüUten  (Gr.  W.  VI.  3881;  toler, 

II.  B  11;  Reiser  416  »o  verhüllen  »ich  heute  noch 
die  menstruierende!)  Weiber  der  niederen  Volks- 
«chlchten  mit  dem  Kopttuch  (vulgo  „Maulkorb");  es 
scheint  dlea  ein  Rest  einer  alteren  Sitte  iu  sein,  wo- 
nach menstruierende  oder  alte  zahnlose  Weiber  fleh 
verhüllten;  darum  auch,  (ndd.)  mummeln,  mum- 
meln -  mit  zahnlosem  Munde  unverständlich 
reden  ml.  kauen  (Fromm.  VI,  307).  —  Der  Mumm 
hart  als  Krankheits-Kobold  (Gr.  D.  M.  1,  4731;  bei 
Caes.  v.  Heisterb.  7.  45 :  „mummart  momordit  me" ; 
dieser  Mumhart  (Wolf)  Ist  vermutlich  auch  der  ungar. 
Kobold  o.  Mumm-Rütz  (Raracelsns  d.  imp.  ('.  4)  und 
Kinderfresser,  (mumns  [oder  bubus).  Etbn.  Mitt.  a. 
Cng.  1894,  8.  218;  Z.  f.  d.  A.  1888,  3.  161;  Scheible  IX, 
887).  —  Mummel,  f.,  m.,  I.  =  alte«,  zahnloses 
Gesieht,  das  so  spricht,  als  ob  es  vermummt 
wftre  (G  mummel)  (1703  zahnloses  Mummelen, 
Abrah.  I.  286).  —  2  =  Mund,  Maul  (Bayern ;  Tirol). 

—  3.  =  vermummte  Dämonen-  od.  Popanzfigur, 
verkappt  wie  ein  elbischer  Geist,  muma,  f.  — 
4.  ->  das  muhende,  muh-hrüllende  Tiermaul.  — 
Mummel,  m,  =  Mummelmann  (Schmeller  I,  1698; 
Iüntner6.13;8chw.445;  Rochholz  I.  68)  —  mummeln 
(mömmeln)  =  unverständlich  reden  (Spiess  II, 
166;  Gr.  W.  VI,  2268  Hellt  dag  Wort  zu  mumpteln,  den 
„Mund  voll"  haben  und  io  kauend),  undeutlich 
sprechen  (Schindler  I,  1673. 16«)  muffeln).  —  Müm- 
fele,  f.  =  das  Fleisch  an  der  tierischen  Vulva 
gegen  die  Garbsehale  oder  Ilerrenmaus.  — 
Korn-,  fio</</m-Mühmchen  (-Mutter)  (nieder«. ; 
Laistuer  II,  292)  =  ein  kleiner  weiblicher  Korn- 
dttmon  (Bilwiz),  der  Kinder  raubt  und  WechBel- 
bttlge  einlegt  (Köhler  480,  Wuttke  47  und  „bemum 
melt"  vorgestellt  wird,  Urquell  III,  175;  Wltzschcl  I, 
208).  —  (1529)  AacAf-Mummel  =  Unholdin  (D.316), 
kinderrauhende  Kornmuhme. 

Muige,  l.  =  s.  mögen  (germ.)  mug.  —  2.  = 
e.  mitten. 

Mulde,  f  (ahd.  muoltera;  mhd.  muolte,  muolter, 
aus  lat  mulctra^  Melkkübel,  halbrundes  auagehöhltes 
Gefass,  Kluge*,  2*3;  engl,  mould)  -  die  vertiefte 
Fontanelle  am  kindlichen  Schädel  (Blatt),  Haupt- 
mulde (s.  SchuBs). 

Mulk,  f.  s.  Milch. 

Mumie,  f.  (au*  mtllat.  mummiau.  pers.-arnb,  mümin; 
17.  Jahrh.  tniunie  einbalsamierter,  uinhullter,  um- 
wickelter ägyptischer  Leichnam,  Huidenflclsch ,  I.  d.) 

Krankheitustofl'  (bei  Helmont  167..  — 1644;  Pr.  II, 
267),  wie  eine  Insektenmade  im  Körper  weilend. 

—  (1730)  geistliche  Mumie  =  der  l.ebensgeist  im 
Menschen  körper  (Z.  a.  44).  —  A  u  Ut»  Mumie  = 
Lithopad  on,  ein  im  Mutterleibe  abgestorhenes 
und  eingetrocknetes  Junge  der  Kuh  (Frank  124). 

—  Sa/ifi-Mumie  =  ein  im  trockenen  Sand  aus- 


|  gedörrter  menseblicher  oder  tierischer  Körper 
(Gr.  w.  viii,  1770).  —  Mumien- Mensch 

mummeln  s.  Muhme. 

Mumms,  m.  (Mumps),  f-  (aus  dem  engl,  mumps 
=  Kehlsucht,  Braune;  erst  [seit  ca.  1740)  durch  die 
modernen  Arzte  etwa*  Ins  Volk  gebracht;  die  Ableitung 
des  Wortes  aus  mummeln  [mumpfeln]  Ist  spracbUch 
kaum  zulässig,  GerUnd,  Zeluchr.  f.  PhlloL  I,  311, 
vielleicht  Hesse  sich  eher  an  den  mnmus,  Mnmmhard- 
Kobold  [s.  Muhme]  denken,  da  die  damonlstische  Ge- 
nese durch  den  Ohrmuckel,  Ohrwurm  und  OhrmüUel  Im 
deutschen  Volksglauben  gegeben  Ist)  =  epidemische 
OhrspeicheldrOsenentsflndung  (Parotitis  epid., 
s.  Wochentölpel  etc.),  les  oreillous  (=  vermis 
aurealis),  Angina  parotidea  (Kraus,  E.  424.  744; 
Schnurrer  II.  291 ;  Bris».  1S9). 

Mund,  m.  (vorgerm.  mnlo-s  [mentum  —  Kinn  bei 
Mensch  od.  Tier];  gem. -germ.  muntba-z  —  Mund,  Maul, 
Kluge4,  263;  ahd.  mund;  8.  Jahrb.  munde  si  ore. 
Kero,  Gloss.  83  sa  Maul,  Mündung,  Öffnung,  Graff  II, 
811;  mhd.  munt  —  Maul  [s.  d.  u.  Munt];  engl,  mouth 
=  Mund,  Maul),  1.  —  der  menschliche  üesichtsteil, 
wo  die  Mundhöhle  nach  aussen  sich  öffnet; 
Mund  (Maul)  und  Mundhöhle.  —  2  das 
Geschmack-  und  Sprachorgan.  —  3.  =  Organ- 
öffnungen am  menschlichen  oder  tierischen 
Körper.  —  4.  =  die  Gegend  dieser  Mündung  (3). 

—  &.  =  Krankheiten  des  Mundes  (1).  —  Bär- 
Mund  =  die  Mündung  des  Gebärmutterkanales 
in  der  Scheide,  Orificium  uteri  vaginale  (siehe 
Muttermund).  —  ftaitc/i-Mund  =  die  Mündung 
der  sog.  Muttertrompeten  im  Bauche,  Orificium 
uteri  abdominale  (Gr.  W.  1, 1168).  —  B/osm-Mund 
(1483  plasenmund,  C.  v.  Megbg.)  sa  die  Mündung  der 
Harnröhre  am  Blasenhalse  (Gr.  W.  VI,  2683).  — 
gienender  Mund  =  Os  hians  (Schmeller  I,  918).  — 
(1756)  Hasen-Mund  -  ein  durch  die  angeborene 
Hasenscharte  (s.  d.)  nach  Art  des  Hasenmaules 
entstellter  menschlicher  Mund  (a.  v.  h.  Ii,  886). 

—  innerer  Mund  =  die  Mundhöhle,  in  die  der 
Mund  nach  innen  mündet  (Gr.  W.  VI,  2670).  — 
A/u</cn-Mund  (14.— 15.  Jahrh.  dem  munde  des  maghen, 
J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV.  132;  1477  magenmund,  Ortolf; 
1532  magenmund,  Fries  75;  1561;  Gr.  W.  VI,  1440  = 
stomachus,  Oesophagus;  1588  sa  pylorus;  1691  mondt 
des  magens  =  os  veutricull,  Tabern.;  Uad.  Juu.  29), 
1.  =  die  Mündung  des  Darmes  am  Magen, 
Orificium  stomachi,  Pylorus,  Pförtner  (s.  d.)  ■ 
unterer  Magenmund  (Hyrtl,  K.  W.  109).  —  2.  — 
die  Mündung  der  Speiseröhre  auf  der  linken 
Seite  des  Magens ;  oberer  oder  linker  Magen- 
mund (Gardist)  (Welckard  185).  —  3.  =  (1681  das  ror 
oder  der  Schlund  durch  welchen  dlo  speise  geht,  Gr. 
W.  VI,  1440)  =  die  Speiseröhre,  Oesophagus.  — 
4.  es  (1483)  die  Magengrube  (Magen  1)  (C.  v.  Meren- 
berg; Gr.  w.  vi,  2683).  —  (1476)  verscb wollener 
Magenmund  =  (Magen  5),  das  Gefühl  als  ob 
durch  ein  Magen-  oder  Leberleiden  der  Magen 
in  der  Magengrube  versch wollen  wäre  (Ortolf). 

—  -V-'V'-Mund  —  Stomatomykosis ,  die  mit 
weissen  Schwämmchen,  den  mehlartigen  Mem- 
branen des  Soorpilzes  (Oidium  albicans)  be- 
legte Mundhöhle  (Köhler  II,  5;  Roth  499).  —  tnel- 
biger,  moltiger  Mund  ■*  Os  putrescens  mortui  - 
der  von  weissen  Faulnis-Pilzen  besetzte  Mund 


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Mangg— Murfl. 


Murmeln— musper.  425 


des  Toten   (Haltaus  1868).    —  Jfutter-Mund, 

I.  =  (Alter*  Bedeutung),  Vulva,  Lura  (D.  340).  als 
ausserster  ^el.ftrmutter-Mmi  1 ,  Leibesöffnung 
(A.  t.  IL  U,  12»6).  —  2.  =  das  Os  8.  Oatium, 
a.  Orificium  uteri  vaginale,  Stoma  (Lycus) 
s.  Barm  und  (or.  w.  VI.  2824.  26S3;  Kossm.  XII)  = 
(1783)  innerer  Muttermund  (Esalch  241);  (17831  ver- 
wachsener  Muttermund  -  Stenoeis  uteri  (Eas-Jch 
229).  —  AV<"rcr-Mnnd  ■  ein  mit  wulstigen  vor- 
stehenden Lippen  und  schiefgestellten  Zahnen 
nach  „negroidem  Typus"  (Ranke)  ausgestatteter 
menschlicher  Mund  (Schmidt,  Jahrb.  1890,  II,  200). 
—  (M97)  iW*wicr-Mund  -  die  Öffnung  einer 
angeschnittenen  Arterie  (H.  Brunsen  wyg).  — 
.v Afi.'-Muiid  =  die  mit  abschalenden  (Schal-) 
Bläschen  (A  phthen)  besetzte  Mundhöhle  (Mund- 
schäle, Alcola  der  Arabisten,  mit  dem  Mehl- 
mund häufig  verwechselt).  —  frffijj"  |  Mond 

(1482  scormunt.  Schnarrer  II,  19 .  Lernen  1%)  =  die 
skorb  Ulische  Mundfäule  (wie  Scheuerbein,  an- 
lehnend an  Mund  au«  scbeurbut  =  Scharbock.  Skorbut, 
•.  d.  gebildet,  (it.  w.  VIII.  2177).  —  (1645)  stinkender 
Mund  =  Foetor  ex  ore  (Coler.  H.  a.  1S2).  — 
übler  Mund  (ndl.  erermond,  l>«  Cock  75)  =  die 
durch  Soor,  Hebe,  Gur  (Alcola)  erkrankte 
Mundbohle  (Mundweh,  Mundsehre,  Mund- 
versehiung).  —  (I6O8)  ungesehmackter  Mund  = 
die  Empfindungslosigkeit  des  Mundes  als  Ge- 
schmacksorgan, eitler,  leerer,  fader  Geschmack 
im  Munde  (Bcyn.  162).  —  Mund -Ausscftlayun<j, 
■Blähung,  -Blattern ,  -Darm*,  -Dürre,  -Er- 
grimmen, -Fäule,  -Galle,  -Gatter,  -Geschtcär, 
-Grin  t,  -Hebung,  Himmel,  -Hitze, -Hohle,  -  Klemme, 
-Krankheiten,  -lahm,  -Loch,  -Schäle,  -Schmack, 
-Schwämmchen,  -Sehre,  -Seuche,  -Söhre,  -Sperre, 
-Stank,  -Sucht,  -Yertehrung,  -Weh,  -Werk, 
-Winkel,  -Zehre. 

Mungg,  f.  (xugerm.  mnnk.  mük  — heimlich  lauern, 
Kluge  *,  257 ;  mhd.  der  munkel  =  die  Heimlichkeit)  = 
der  munkelnde,  undeutlich  sprechende  Mund 
(Meran;  Schmeller  I,  1627;  Hlntner  6.  13). 

Munt,  f.  („wurzelverwandt  zu  lat.  manu»  te  Hand" , 
9.  Jahrb.,  ahd.  munt,  munda  =  palma  cnbitus  manu« , 
angls.,  altnord.  mund,  munt  =  Hand.  Pfeiffer,  K.  u.  F. 

II,  8;  Kluge*,  263;  ein  ausgestorbenes  Wort  für)  = 
Handfläche,  welche  schlitzend  (vom  Vormund) 
aufgelegt  wurde.  —  (1482)  Grmunt  (gemuudt  = 


na  manus,  Schm.  I,  1624;  1515  gm  und  =  cztensio 
manu«,  palma  [ulnu],  D.  62->j  —  die  spannend  aus- 
gestreckte ganxe  Handfläche.  —  unmündig  = 
noch  nicht  des  Schutzes  durch  den  Munt  ent- 
behren könnend,  weil  noch  nicht  in  das  Alter 
der  strafrechtlichen  Keife,  Zurechnungsfähig- 
keit und  sittlichen  Unterscheidungsvennogens 
eingetreten  (s.  vogtbare  Jahre). 

Muppe,  f.  =  Mund  (Schlesien,  CrunaU  II,  IM; 
Nachbildung  in  Moppe  »). 

mur  s.  mürbe. 

Muraue,  f.  s.  Mar. 

Murfl,  f.  murfein,  mürfeln  =  mit  geschlos- 
senen Lippen  murfend  (gleichsam  nagend  mit 
den  zahnlosen  Kiefern)  kauen  (1429  murblen  = 
mniso  [murmeln],  Schmeller  I,  1647;  Or.  W.  VI,  2716), 


f.  1.  =  (rerachüich)  Maul  (Tirol;  Hlntner 
6.  13 ;  Schmeller  I.  1647).  —  2  =  murfelnde  alte 
Weibsperson.  —3  =  (Murbl,  m.)  =  Stollwurm 
(s.  d.)  (Alpbg.  379).  -  Murfl- Tier. 

Murmeln  (..eine  einheimische  onomatopoletlsche 
Bildung",  Kluge*.  264;  „altes  Lehnwort  aus  lat.  mar- 
murare"[?].  Heyne  III,  ahd.  murmulön,  mhd.  mur- 
meln). —  (1742)  mürmel  ■  das  murr-murr  od. 
knur-knur  machende  Kauchgeräusch,  murmura 
ventns  (Zw.  166.  465;  die  Volksprache  hat  mehr 
solche  lautmalende  Worte,  die  nicht  entlehnt  sind).  — 

Murmel-  rtcr. 

Murren,  n .,  f.  1  .(n .)  =  (1677)  das  Magen-Murmel n 
od.  Knurren  (Bern.  162).  -  2.  (f.)  =  Vulva  equina; 
der  Mund  (Murren  —  krummes,  murrendes  Maul, 
Schmeller  I,  1642)  wird  öfter  zur  Bezeichnung  der 
Vulva  verwendet.  —  murret  (1412  murotter  ss 
qul  habet  uurmra  nasura  seu  depresaum,  Schmeller  I, 
1642)  =  schiefnaaig,  krumtnnasig. 

Mus,  n.  —  Mut-Kat  (•  Kot),  -Sack. 

Muscat  a.  Kaat. 

Muschel,  f.  (entlehnt  aus  lat.  musculus;  ahd. 
muscula  —  Muschel ;  angls.  muscle,  niuscel  =  genls- 
cula.  I>.  2«*;  mhd.  muschcl  =  concha  =  nuscbel 
=  Muschel,  concha,  D.  140)  =  wannen-  oder 
muschelförmige  normale  und  pathologische  Ge- 
bilde am  menschlichen  oder  tierischen  Körper, 
1.  =  (1704)  der  mit  der  Concha  Veneria  (Venus- 
Muschel,  St.  Jakobs-Maschel)  verglichene,  ber- 
gende Mutterleib  (xteic),  Vulva  (Frauenschoss, 
Wanne,  s.  d.)  (Gr.  W.  VI,  27.  32;  A.  r.  IL  II,  236, 
Heyne  III,  888;  Bachofen  127).  —  2.  —  eine  Ge- 
schwulst (=  Schale)  ober  dem  Pferdehufe 
(Karnthcn;  Or.  W.  VI,  27S2).  —  3.  —  (1716)  die  mit 
einer  Sphärium-Muschel  verglichene,  sphärische 
Kniescheibe  (Patella,  Concha  genn)  (A.  v.  H.  II. 
IM;  Kraus,  E  746).  —  .Vasen -Muschel  =  die 
muschelartigen  Nasenknochen  (Concha  narium). 

—  'Ar-Muschel  =  die  muschelartig  vertieften 
Ohrknorpel  (Gr.  W.  VII,  1266). 

muschen  ■  als  MubcIi  (Tagalp,  Mittaggeist) 
im  Alptraum  jemand  drfleken  (vielleicht  xu  musca 
=  Fliege.  Alpgestalt,  Grohmann  Abergl.  13,  Lalstner 
1,  69)  s.  MOcke. 

musecht  s.  Maus. 

Musel  s.  Misel. 

MUSÜC  f.  -  ttirküche  Musik  =  die  Erkrank- 
ung an  Tripper,  Schankerbubo  u.  Syphilis  bald 
nach  einander,  wortspielend  mit  dem  Konzerte 
einer  Musikkapelle  ä  la  Turq  mit  vielen  Instru- 
menten, wie  es  bei  Eh  renbezeui;ungen  geschieht 
(s.  all'honeurs*).  —  Zahn  Musik  (engl,  tooth 
musle)  =  Kaugerausch  beim  E.-sen. 

Muskel,  m.  ;aus  lat.  musculus  ;  —  die  kleine  Main 
t.  d  !  entlehnt  und  seit  171  i  durch  Speuner  in  die 
«cbulgeroasse  Termlnolonle  elngefubrt,  HyrtI,  K  W.  ; 
1666,  niederl.  muskel  =  Muskel,  Gr.  W.  VI,  2745J. 
Wegen  der  spezielleren  Muskel-Namen  sei  auf 
Hyrtl's  „Kunstworte  der  Anatomie'*  verwiegen. 

—  Ztrerc/i-Muskel  =  Zwerchfellrnuskel,  Diaph- 
ragma Mittelreff  (Kaltschm.  403).  —  Muskel- 
-Schicäche,  Schwuntl,  Sinn. 

musper  s.  trusper. 


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420 


Mut— Mutter. 


Mutter. 


Mut,  m.  (gem.-germ.  m(»U  —  heftige  Erregung, 
SeelensUmmung ;  goth.  moda  -  Zorn  ;  ahd.,  mhd.  muot) 
=  Sinn,  (ieist,  Gemüt  (Kluge*.  264).  —  Qach- 
Mut,  -mutig  (1260  gahmuot,  Pfeiffer  63 ;  15.  Jahrb. 
gcemütlg  =  colericus,  D.  131)  =  der  Jähzorn,  Cho- 
leriker, Kollerer.  —  Grmtit(ahd.  Rlmuoti-  Freude; 
mhd.  gomüeto)  =  Gesamtheit  der  Gedanken  und 
Empfindungen,  harmonische  Vereinigung  der 
Empfindungen  (Kluge  1.  c).  —  Heiaa-HLut  (ahd. 
heixmuoti,  Latstner  II,  411)  =  Furor,  Heissblütig- 
keit.  —  Klein-HLat  =  der  »ich  wenig  kräftig, 
tüchtig,  sozusagen  sich  nur  klein  fühlende  Geist, 
der  öfters  z.  B.  bei  der  Influenza  ein  Krank- 
heitssymptomist  —  JTrnnA'-Mtitigkeit  („welches 
äuge  rindes  äugen  gleichet  dio  bezclehuent  Krauk- 
rnütbigkelt"  C.  v.  Megbg.  =  buphthaliuus,  Ochsenauge, 
hydrophthalmus  (ex  tumore  cerebri?!)  =  mutsiech 
infolge  von  Uehimdruck  od.  Gehirnkrankheit. 
—  Irid-mViUg  =  am  Gemflte  leidend,  melan- 
cholisch (Schm.  I,  1438).  -  Schien  -,  Se/ir-Mut 
(10.— 11.  Jahrb.  scrinotigi.  f.,  Oraff  II,  699;  1420  eyn 
«ucr  muet  —  scrupulus,  D.  II,  332  ;  1475,  ndl.  swalr 
mödlcheit  =  cachexia,  D.  87;  schwed.  svärmodig;  1582 
schwerer  rauth  -  melancbolia,  I/onlc.  232)  ■  Melan- 
cholia,  ein  reizbares  liemflt,  das  alles  schmerz- 
lich fQhlt,  dem  alles,  sozusagen  seihst  ein  Stein- 
chen, eine  Last  ist  (nach  alter  Schullehre  infolge  der 
fehlerhaften  Beimischung  von  schwarzer  Galle  zum 
Blut  =  Cachexia;  franz.  peaart,  a  peaart,  Brian.  268  = 
oppression),  s.  Skrupel.  —  Jungfrauen-Schwer- 
mut =  Melaneholia  virginum  ,.bel  welchem  Kamen 
aber  nicht  eine  Milzkrankheit  oder  Melancholie  (I) 
(Schwarzgalligkeit)  verstanden  werden  soU,  sondern 
es  ist  eine  (Melancholie  III  = )  Schwcrinuth,  die  ihren 
Anfang  meistens  in  der  Gebärmutter  hat"  (Thes.  sau. 
Br.  2l4)  =  hyster.  Irresein  (Melaneholia  hyslerica 
S.  Uterina).  —  /rUfc-mutlg  (10.  — 11.  Jahrb.,  ahd. 
truobniuotlg  =  turbatus,  Graff  II,  699)  =  derjenige, 
dessen  Gedanken  und  Empfindungen  verwirrt, 
ungeordnet,  wie  aufgerührtes  Wasser  trübe,  in 
der  Stimmung  aufgeregt  sind.  —  Un-,  OAw-Mut 
(ahd.  uum&ti  -  amenticus,  Graff  II,  68)  -  sinnloH, 
geistlos;  melancholischer  Unmut  (1551  onmuot 
der  melancolei)  —  melancholische  Geisteskrank- 
heit (Bock  5).  —  wann  mutig  =  falschsinnig, 
fehlerhaft  im  Geiste,  wahnwitzig  (zu  Wahn  2) 
(Schmellerll,  917).  —  WVÄ-Mut-,  Mtttigkeit  (M70 
wemtit,  wemodicheid  —  vecordia,  IJ.  608  =  habere  ve 
incorde,  dementia)  =  Herz  weh.  —  Mut-,  Gcmütl» 
krank,  -riech,  -giichtig. 

Mutt  s.  Mutz. 

muttelen  ITtrol,  Wolf;  nicht  wohl  zu  mulilus 
[mouton]  verstummelt,  gelahmt,  gehemmt,  sondern  zu 
mutare  =  die  Federn  wechseln,  mausen  ;  mtl.  muta 
Federwechsel,  Kluge  *,  252)  =  niedergeschlagen, 
halb  krank  sein  (s.  mausern).  —  muttelt  = 
krank  wie  ein  mausernder  Vogel,  der  den  Zip» 
(s.  d.)  hat.  -  Muttel-Öcm*.  -Gockel*. 

Mutter,  f.  (zur  Wurzel  ma  =•  bildcu  [eine  Leibes- 
frucht] ;  gem.-indog.  mfttor  [inBtcr] ;  gem.-germ.  möder  ; 
engl  motber=  Gebärmutter;  ahd.  muoter,  f..  Kluge6, 
265;  7.  Jahrh.  muodar,  im">tcr  —  genltrix;  8.  Johrh. 
moter  -  matcr,  vulvo,  Grnff  II,  709;  1482  müder  = 
Mieder,  die  Kuscie  auf  einem  Frauenhemd,  Zen.  Voc. 
u  7  ;  mhd.  muoter  -  mater,  matrlx,  Uterus  s  Gebär- 


mutter, Bauch,  Leibsgestalt,  rundlicher  Leib,  Körper- 
oberflAche,  Haut.  Lexer  170;  1661  muotter=  colica uteri. 
Bock  177;  1577  mutter  =  colica.  Gr  W.  V.  2812;  1590 
mutier  e»  das  Innere  dea  [weibl  )  Unterleibes,  Gr.  VV. 
VI,  2812;  [Schwaben,  Bayern]  Mutter  =  Uterus,  Bnckl7; 
8cbmeller).  Die  Vorstellungen  des  Erzeugens 
einer  Frucht  im  weiblichen  Leibe  mnssten  von 
jeher  dieDenkth&tigkeitder  Menschen  anregen, 
aber  bis  auf  unser  Jahrhundert  waren  die  Er- 
gebnisse dieser  Forschungen  überdie Entwicke- 
lung  der  Frucht  nur  sehr  geringe.  —  Für  den 
Indogermanen  war  Mutter,  1.  =  (Mater;  dazu 
materia,  a.  d.)  das  kimlererzengende  Weib  (Ge- 
nitrix,  Kindsmutter),  welches  2.  =  das  Werk- 
zeug und  den  Bildungsstofl  (Materia)  zur 
Entwickelungder  Leibesfrucht  enthielt.  Mutter 
=  Matrix,  Uterus  (bei  den  Griechen  rryr.,  weU 
zweiteilig  angenommen)  —  Tragsack ,  Fruchtsack 
(8.  bftren)  (franz.  la  matrice,  la  mere,  i'amarris  =  äussere 
Geschlechtsteile  des  Weibes.  Brlsa.  70),  die  Mehr- 
gehärende,  welche  die  (tebärwehen  in  Erfahrung 
gebracht  hatte,  fühlte  dieses  Organ  als  Wehen 
auslösend  und  bezeichnete  darum  diesen  Ort 
oder  dieses  schmerzhaft  gefühlte  Organ  auch 
in  Krankheitsfallen  mit  wehenähnlichen 
Schmerzen  (=  Uteruskohk)  mit  Mutter  (Gr.  D. 

M.  1111;  Bock  177;  Gr.  W.  V.  2812;  Rochholz,  Zeitschr 
f.  Mythol.  IV,  109;  Bavarla  II,  2.  894;  conf.  neugrlech. 
Y»3rfjj>  -  -  Bauch  u.  Bauchschmerz,  Liebrecht,  z.Volksk. 
348  ff. ;  franz.  let  ventrecs  m  Mutterkollk,  Bris».  175); 
demnach  3.  =  Mutterkrankheit,  diese  Bezeich- 
nung einer  Krankheit  nach  dem  Orte  des 
Schmerzes  erklärt  auch,  dass  selbst  Männer 
an  der  Mutter  (Bärmutter-Krankheit)  litten; 
dieser  Organaitz  wurde  auch  örtlich  verall- 
gemeinert, so  dass  4.  =  der  ganze  Unterleib 
(s.  d.),  selbst  der  der  Männer  (äuseerlicb  wie 
innerlich)  zur  Mutter  wurde.  —  5.  =  die  Scheide 
gehörte  selbstverständlich  zur  kindererzeugen- 
den und  fruchtragendon  Stätte  u.  darum  wurde 
auch  die  Scheide  (vagina)  mit  Mutter  be- 
zeichnet. —  6.  =  (selbst  der  den  weiblichen  Unter- 
leib bedeckende  l'rauengürtel  [Mieder)  wurde  Mutter 
genannt,  Gr.  W.  VI,  2S04).  —  7.  =  weihlicher  Dämon 
(s.  Frau).  Über  das  anatomische  Aussehen  der 
menschlichen  (Bttr-)Mutter  hatte  das  ger- 
manische oder  deutsche  Volk  kaum  eine  ge- 
nügende Vorstellung;  der  tierische  Frucht-  od. 
Tragsack  (s.  Bäre)  des  trächtigen  Weibchens 
war  ihm  wohl  bekannt,  nicht  aber  der  sonstige, 
nicht  schwangere  Zustand  des  menschlichen 
Uterus  und  seine  Funktion ;  (1518)  „die  Frauen- 
multer  ist  der  Acker  der  Meuschengcbarung  und  der 
empfänglichen  Glieder"  (H.  T.  Gersd.  14);  (1532)  „die 
Mutter  ist  ein  Werkzeug  der  Geburt  der  Frauen  gleich 
als  die  Gemacht  der  Minner;  sie  ist  ein  hohles  Glied 
gemacht  aus  nervischer  Materie  (s.  d.)  u.  vielen  (Blut-) 
Adern,  schlagende  und  stille,  gewurzelt  aus  den  Adern 
der  l'orlen  genannt,  durch  welche  sie  dann  eine  Ver- 
bindnias  hat  mit  dem  Haupte,  der  Leber,  den  Brüsten 
und  dem  Herzen  u.  auch  gemeiniglich  allen  Gliedern 
u.  dieser  Adern  Löchlein  (cotyledones)  werden  gehaftet 
an  die  Mutter;  durch  diese  Löcblein  der  Mutter  werden 
die  Uäutlein  zusammengehalten ,  durch  welche  das 
Kind  in  Mutterleib  genährt  wird"  (Fries  123);  dies 
i  waren  die  von  den  Arabiaten  übernommenen  Schul 


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Muttor. 


Motter. 


427 


lehren  Im  16.  Jahrb. ;  die  breiten  Schiebten  de«  Volke« 
Jedoch  wussten  von  der  Matter  oder  Bännutter  nur 
als  vom  Sitze  der  natürlichen  Geburtswehen  nnd  son- 
stiger «chtnerzhaft  quälender  Empfindungen  (Uterus- 
Kolik  oder  Mutter- Weh) ;  diese  letiteren,  die 
pathologischen  Schmerzen,  faaste  es  «her  — 
(wohl  Kant  unabhängig  rom  Plato'acben  £ü»ov  ir:'.- 
dnpir^.xov,  Krmn«,  e.  723)  getreu  dem  allmenschl. 
Dämonismus,  als  etwas  Tierische«,  Fremd- 
artiges, Parasitäres  auf,  das  als  dämonisches  Produkt 
oder  Wesen  (Gr.  D.  II.  Uli;  H.  Z.  XXI.  211)  angeredet 
nnd  besprochen  wird,  das  den  Weibern  stets  nagendes 
Leid  antbue ;  e»  «oll  «Ich  (wie  ein  unheimlich  kriechen- 
de« Haustier)  ruhig  niederlegen,  nimmerregen,  sondern 
«ich  an  die  Wand  legen  (RochholU  In  Mannh.  Zeitschr. 
f.  d.  Mythol.  IV,  109;  Germania  XVIII,  52;  Bock  76); 
(1767)  „der  Sit*  de«  Mutterweh«  wird  insgemein  die 
Gebärmutter  (Mutter  3)  genannt  und  von  vielen  für 
etwa«  Lebendiges,  ja  gar  eine  lebendige  Maus  gehalten, 
welche  in  dem  Leibe  herumlaute  und  die  Weiber  so 
entsetzlich  plage"  (ßäuml.  462);  dieses  unheimliche 
Tier  wird  auch  durch  den  Nabel  («.  d  )  getränkt  und 
gefüttert.  —  die  Mutter  ist  ans  ihrem  Hftusl 
und  geht  ins  Häusl  zurück  (O.-Bayern);  sie  ist 
unruhig,  wütet  wieein  Kranhheitsdftmon  (Kthnol. 
Mitt.  a.  Ungarn  1893,  8.  25) ,  sie  kratzt  und  will  wie 
ein  Blutsanger  (s.  d.)  Blut  sehen  und  lecken, 
das  Her«  ahstossen  und  vermehren,  die  Glieder 
recken  und  ausstrecken  und  sogar  das  Leben 
nehmen ;  wie  alle  Krankheitsdämonen  wird  auch 
diese  kranke  ..Mutter"  als  Sita  eine«  Dämons  in  die 
Waldberge  surückgebannt,  wo  sie  die  Waldfrau  fressen 
soll ;  es  steckt  also  ein  ganz  kannlballstlscher  Dämon, 
der  Blut  ( -  blutiges  Opfer)  verlangt.  In  der  (patho- 
logischen !)  Barmutter  (Mutter  3),  deren  volksroedl- 
zlnlscbe  Behandlung  auch  dementsprechend  Ist  z.  B.  Be- 
schworungen, Anrufung  mit  dem  Kosenamen  ..Frau  '" 
(Schmeller  I,  801),  Baucherungen  mit  Hexenkrautern 
Anlegen  ron  Rindes  -  Rudimenten  an  die  Schenkel, 
z.  B.  Nabelschnur  und  Elhautreste  etc.);  die  Gestalt 
dieses  Dämons  in  der  kranken  Mutier  3  ist  nun 
nach  dem  Volksglauben  (der  auch  die  Mar  I«.  d  ] 
ab)  eine  „Krau  Mutter"  [«.  Frlschb.  71]  ansieht),  1.  ss 
(wie  oben  schon  angegeben)  eine  lebendige  Maus 
(die  aus  dem  Leibe  und  durch  den  Mund  gelaufen 
kommt.  Gr.  D.  M.  II.  1036.  1112;  Bartels.,  Medlz.  d. 
Naturvölker  37)  ,  häufiger  2.  =  eine  Kröte  oder 
Höppin  (s.  d.,  Protz,  Met«,  Rana  buffo),  die 
nach  uraltem  deutschen  Volksglauben  auch  die  Stellung 
einer  jungfräulichen,  geburtshilflichen,  gütigen  Fee  u. 
eines  bo«en.  quälenden  Dämons  hat  (vergl.  Llebrecbt 
z.  Volksk.  187»,  8.  333.  349;  Beiträge  x.  A.  Ktu.  u.  Irg. 
Bayern«  1894;  Vollvgaben  b.  St.  Leonh.-Kult.  9.  69);  da« 
betreffende,  die  Mutter  (2)  darstellende  Organ-Votlv, 
welche«  bei  Mutterkrankheiten  ex  voto  geopfert  wird,  Ist 
allerdings  die  Importierte  Schildkröte,  wie  nie  auch  In 
Sizilien  geopfert  wird,  und  keine  eluhelm.  Krötenart; 
•tc  wird  aber  al«  (1906)  „eiserne  Bärmuttcr"  (auch  Perl- 
mutter od.  „Krotten")  bezeichnet.  Beweis  dafür,  das« 
sieb  du  deutsche  Volk  die  Krankheit  alseinen  elliischen 
Dämon   in  Krötenform   vorstellte,   der  griramende 

oder  Beschwörungen  In  seine  Krutcnform  (Amulett) 
zurückzukehren  veranlasst  werden  soll;  eine  Reihe 
von  volksüblichen  Bezeichnungen  der  Schmerz- 
empfindungen bei  der  Mutterkrankheit  sind  nur 


verständlich,  wenn  man  diese  Vorstellung  des 
Volkes  Ober  die  kranke  Mutter  als  ein  da- 
raonistisches,  elbisches  Tier  (Alp  oder  Mar  in 
Krötengestalt)  kennt ;  „die  Bärmutter  wirft  sich 

I  hin  u.  her  von  einer  Seite  «ur  andern"  (Bock  57) ; 
sie  kehrt  um,  stosst  an,  steigt  auf,  hebt  und 
richtet  sich  auf  (Bock,  L  c.  Gr.  W.  VI,  2811);  sie 
wird  unwillig,  grimmig,  ungeschlacht,  empört 
sich,  durchirrt  und  durchschlieft  den  ganzen 
Bauch,  verstopft  damit  die  Luftlöchlein,  dass 

>  man  nicht  atmen  kann  (Tabcroaem.) ;  sie  steigt 
u.  fährt  Ober  sich  (Ortolf);  wird  steigend,  wütend 
und  stosst  «um  Herzen  auf  (Lonlc.  141)  (Globus 
hystericus,  s.  Mar-Briegen);  sie  zieht  Ober, 
hinter  und  neben  sich;  zuletzt  erstickt  eie  (Suf- 

'  focatio  matris)  od.  fangt  an  zu  beissen  od.  zu 
fressen  (Uteruscarcinoni)  (Schm.  I,  289;  Beiträge  x. 
A.  E.  u.  Crg.  Bayern«  1894,  Votlvgaben  b.  8t.  Leonh.- 
Kult.  S.  59;  H.  Z.  XXI,  211.  Germ.  XVIII.  62).  (Vgl. 
auch:  Kröte u.  Höppin,  Aufsteigen,  Aufstossen). 
Die  Erscheinungen  der  Hysterie  fasste  man  als 
solche  „von  der  Matter  wegen"  auf  (1582;  Lonlc. 
135).  —  Als  Blut  vergiessendee  Organ  wird  die 
Mutter  2  auch  „Kasten"  (Blut-,  Mutterkasten 

!  s.  d.)  genannt,  der  umfallt  (Retroflexio  uteri), 
sich  verrückt  (Lageveränderung),  erstockt  (In- 

.  faretus  uteri),  zugefallen  ist  (Stenosis  uteri)  od. 
verschlossen  (Atresia  uteri)  und  bei  der  Geburt 
gebrochen  wird  (H.  Paul  314).  —  AI i  Mutter 
(13.  Jahrh.  albes  mutir.  trnte  unde  mar.  ir  sult  uz  zu  dem 
virale  vareu,  Silz. -Her.  1867.  7)  =  die  Heimchen-(Dä- 
monen-)Mutter,  welche  Alpdruck  macht  nach 
altem  Volksglauben  und  in  Nachtsegen  be- 
schworen wird.  —  andere  Mutter  (15.  Jahrh.  an- 
dlr  mut  ^secunda.  D.  523)  =  Nachgeburt  als  weitere 
Beigabe  zur  Frucht  in  der  Barmutter.  —  (1582) 
aufgelaufene  /förmutter  =  angeschwollener, 
verhärteter  Uterus-Infarkt  (Lonlc.  259).  —  (1551) 
aufgestiegene  Mutter  (Bock  33)  s.  aufsteigen.  — 
(1561)  auf '»tossende  Mutter  -  Globus  hystericus, 
eigentlich  der  wie  eine  Kröte  oder  Alp  gegen 
das  Herz  aufstoßende,  in  der  Bärniutter  sitzende 
Dämon,  dann  diese  Empfindungdes  Aufstossens 

selbst  (Bock  57)  (s.  Marbriegen).  —  ffygehende 

Mutter  =  Prolapsus  uteri,  die  durch  Senkung 
ihren  normalen  Ort  verlaasende  und  durch  die 
Scheide  (Vulva)  hervortretende  Gebärmutter 
(Lonlc.  71).  —  Bär-,  Bere-,  Gebär-,  GeowW-Mutter 
(12.  Jahrh  gebnrtmuoter,  Graft  II,  710;  111,161 ;  14.  Jahrb. 
bern  muoter  =  COlIca,  Germ  XVIII.  62.  1429.  1456 
permuttcr  =  collca.  Schmeller  I.  261;  D.  II,  100;  1183 
bernmuoter,  C  v.  Megbg.  578  —  collca;  1482  permuter 
=  matrix.  'lutdam  morbus,  Zenlng.  Voc.  y  5 ;  1502  her- 
rautter  =  das  (irlmmen  Im  Leibe,  Würzb.  Apoth.-Ord.  ; 
1631  bermüter  =  collca,  Darmgieht ,  Krautw.  XU. 
XLIX;  die  Krankheit  Collca  vnd  IHaca  das  seynd  die 
scharpffen  bermiilter  ei-nnnt,  Krautw.  XLVIII.  1551 
bärniuutter  =  das  Bauchgrimmen.  Bock  IM  ;  1697  ge- 
bännuter  ;  1620  beermutter  —  das  Grimmen  Im  Leibe 
[auch  bei  Männern],  Tri!.  Adlbollz  75 ,  164  s  gelieenuulter 
=  Uterus  ,  beermutter  =  collca,  MutterauMossen.  Coler 
11.  A.  211. 213,  1597  gebeer  mutter,  (ir.  W.  IV,  1. 1657,1677 
burmutter  =  Uterus,  Hyrtl.  K.  W.  17 ;  17.  Jahrb.  gebär- 
mutter  ■=  Uterus  cquarum.  It.  A. ;  gcburtinutter — 
inatrtx,  D  361,  beremuttcr  =  die  in  Ibreu  Kubeiuilaii.! 


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42* 


Multcr. 


Matter. 


xurückgcbanute  Gebar-Mutter,  Frischb.  70),  demnuh 
1.  =  die  die  Leibesfrucht  „tragende*1  Mutter  2 
(Tragmtitter.s.  Mutterbär);  Uterus,  Matrix.  —  2.  = 
die  beim  Gebären  der  Frucht  in  dieser  Mutter  2 
eintretenden  Krampfschmerzen  (Wehen)  Ober- 
tragen auf  Gebärmutter- Kolik  (Malura  hysteri-  ( 
cum,  Mutter  3),  Bauchschmerz  (Kolik)  Ober- 
haupt. —  3.  =  auch  auf  da«  Bauchgrimmen 
(Kolik)  der  Männer  (s.  Mutleraufsteigen).  — 
(MM)  aufgelaufene  Bärmatter  (Lonic.)  =  Metritis 
chron.;  engorgement,  Uierus- Anschwellung.  — 
(1531)  scharfe  Bärinatter  =  heftige  Darmkolik 
(Ileus)  (Krautw.  XLVlli).  —  weisse  Gebärmutter 
=  der  (elhisch  verursachte)  Gebärmutterkatarrh 
mit  Kolik  und  WeissflusB  <z  f.  ö.  V.-K.  1896.  353). 
—  (1725)  böse  Matter  =  arger  Bauchschmerz  im 
Unteileibe  (The«,  tan.  Br.  265).  —  Einhanker- 
Mutter  (Wcstf.  enongermor,  Laistner  I,  73)  =  Elben- 
Mutter,  Mittags  -  Mutter.  —  (1551)  entzündete 
Matter  (Bock  140),  1.  =  Metritis  acuta.  —  2.  = 
zuerst  eigentlich  nur  das  Hitzegefühl  in  der 
Gebärmutter.  —  (iseo)  erkaltete  Mutter  =  eine 
durch  die  kalte  Komplexion  (Phlegma)  erkrankte 
Gebarmutter  (Endometritis  catarrhalis,  s.  kalt 
und  Kaltmutter)  (Schmeller  I,  1690).  —  fahrende 
Mutter,  l.-s.  fahrende  Krau,  Dämonin  (Laistner 

I,  309.  S52).  —  2.  =  ein  weibliches  Wesen,  welches 
nach  dem  Volksglauben  vom  Schicksal  schon 
im  Mutterleibe  dazu  ausersehen  ist,  die  Nacht-  I 
fahrt  (s.  d )  mitzumachen.  —  Frauen-Mutter 
(14. — 16.  Jahrb.,  rand.  der  rrowenmoder.  J.  f.  nd. 
8|>r.-F.  XV,  132;  lö.  Jahrh.  muter  der  vrawen  =  per- 
UUter,  Qt.  W.  VI,  8811;  1528  die  muoter  der  frawen, 
H.  v.  Gersd.)  =  Uterus  feminae.  —  (1632)  fromme 
Mutter  (Übers,  der  pla  mater)  =  weiche  Hirn- 
haut (Hyrtl.  K.  W.  7.".;  Coler,  H.  A.  85).  —  Frucht- 
Mutter  (dan.  frugtmoder)  -  die  die  Frucht  tragende 
Gebärmutter.  —  fiirgehende  Mutter  b.  aus- 
gehende Mutter.  —  (1551)  geschwollene  Mutter 
=  Metritis  chronica,  Anschwellung  des  Gebär- 
organes  (Intumescentia  uteri)  (Hock  22s).  —  (1790) 
gesegnete  Mutter  =  eine  Frau,  die  sich  in  ge- 
segneten (s.d.)  Umständen  befindet.  —(15.  Jahrh.) 
grimme  Mutter  (1412  grymine  muoter  in  dem  leibe 
=  colica,  Gr.  W.  VI,  2812;  D.  131;  II,  100).  1.  -  das 

Gebärmutter-Grimmen.  —  2.  =  der  Kolikschmerz 
(auch  bei  Männern).  —  harte  Mutter,  l.  =  eine 
hart  angeschwollene,  verhärtete  Gebärmutter-  ! 
Substanz,  Infarctus  uteri  (Bock  60.  228).  —  2.  = 
harte  Geschwulstknollen  z.  B.  Fibromyome  in 
der  Gebärmutter.  —  3.  =  (1618  über«,  der  dura 
innter  bert  mueter  ;  16:12  harte  mutter,  Hyrtl,  K.  W.  76; 

II.  v.  Gersdorf  26)  =  die  harte  Hirnhaut  im  Gegen- 
satz zur  Pia  mater.  —  Uatäe- Mutter  =  Holda- 
Mutter,  die  kindci raubende  l'erchta  -  Holda 
(h.  Klagetnutter,  Stampa)  (II.  a.  Rh.  562;  Laistner 
II,  :sw).  —  He-,  Heb-,  Heck  ,  Hef-,  Hach-,  Haff- 
Mutter  (mnd.  heuen-,  hef-,  hevetuoder- colica,  Mag.  \ 
Barth.  96a;  D.  131;  mbd.  hebemuoter,  I.exer  92;  1420 
heue  muthir,  D.  131;  H29  haflmutter,  heffmueter  = 
colica;  1476  belemuter  est  colica  sed  alcmczlg  slt  tibi 
lceta,  D.  131;  Schmeller  I,  261.  1037;  D.  II,  100;  Gr.  W. 
VI,  2812;  Hyrtl,  K.  W.  84,  Aum.  1;  Gr.  D.  M.  II,  Uli; 
Brandbg.  beämuttere,  Engel.  260),  1.  =  die  sich  er- 
bebende (s.  heben),  aufsteigende  Mutter  als 
Krankheit  (Globus  hystericus),  Dysmenorrhoe,  , 


Uterinkolik.  —  2.  =  Bauchgrimmen  (bei  Männern 
und  Frauen)  Oberhaupt    —  kalte  Hefmutter 
(1414  eyn  kalde  hebemuter  =  colica,  D.  131 ;  1432  dy 
ehalt  heffmueter  =  colica.  D.  II.  100;  1482,  Zenlng,  Voc. 
m7;  Gr  W.  VI.  2812;  Heyne  III,  899),  l.  =  die  durch 
kalto   Komplexion    (Phlegma,  Endometritis 
catarrhalis)  verursachte  Uteruskolik  mit  Ge- 
bärmutterkatarrh, 1  >\ •'•amenorrhoea  catarrhalis. 
—  2.  =  Bauchkolik  (auch  bei  Männern).  —  Heb 
matter- Klemmen.  —  Hinne-  (Hrinc)-Mutter  = 
Mutter  der  Heimchen;  weiblicher  Dämon  als 
Anführerin  des  Holdenvolkes  =  Alpesmutter 
(Laistner  II,  190).  —  Kalt  Mutter  (1482  colica,  Mac*. 
Zening.  Voc.  «4;  1648,  Ruland),  l.  =  das  durch  kalte 
Komplexion  (Phlegma,  Endometritis  catarrh.) 
erzeugte  Bauchgrimmen,  Colica  uteri.  —  2.  =  die 
Folge  dieses  Leidens:  a)  Sterilitas,  s.  kalteNatur; 
b)  „die  Erhärtung  der  kalten  Feuchtigkeit" 
(1630  Lonlccrus),  Seirrhus  uteri  cum  colica  uteri.  — 
Klage- Matter  =  die  Vogel-  (Ulula)  od.  Käfer- 
maden-Gestalt der  dämonischen  Holla  (Heule)  - 
Mutter,  welche  nach  dem  Volksglauben  Wechsel- 
bälge erzeugt  und  Tod  bringt  (Klage  =  rteule  [dies 
entstellt  aus  Holla],  Österreich  ;  Vernal.  104.  234  ,  II.  A. 
Rh.  414  ;  Schmeller  I,  1328;  II,  831;  Z.  f.  ö.  V.-K.  1896, 
329;  13.  Jahrh.  vn  du  clage  mutir  gedenke  mir  xu  gute. 
Slu.-Ber.  1867.  7.  12).  —  KranLh- , i -Mutter  {1%29 
schon  bei  Paracelsus  (de  Imp.  A.  3)  =  Materie,  Bildung*- 
stoff,  der  nach  den  4  Grundelementen  als  ein  4  lacher 
angenommen  wurde;  1531  wann  die  Schnuder  oder 
Haupt-Flüssigkeit  ist  ein  Mutter  aUer  Krankheiten. 
Krautw.  lxxii.)  =  Krankheit«- Materie.  —  Kinds- 
Mutter  =  Mutter  1.  —  JTrafg-Mutter  (-Motter) 
(Schmeller  I,  1388 ;  Gr.  W.  v,  2082)  =  die  wie  eine 
Maus  od.  Raupe  (Motte),  nagende  od.  kratzende, 
blutgierige  Mutter  3  als  Dämon  und  Krankheit 
lEthnol.  Mitth.  aus  Ungarn  1893,  S.  33).  —  Manns- 
Mutter  =  (1506)  Bärmutter  3,  Mutter  3  (1620  „wann 
die  Mannspersohnen  das  Grimmen  haben,  das  gemeine 
Volk  es  per  errorcni  die  Beermutter,  andere  aber,  so 
was  verständigeres  reden  wollen  und  wissen,  dass  die 
Mann  kein  Beerniutter  haben,  den  Vatter(s.  d.]  zu  nennen 
pflegen",  Tritons  Adlholtz.  75;  1725  ,,es  finden  sich 
auch  Mannspersonen,  welche  fast  dergleichen  Zufallen 
[Autsteigen  der  Mutter]  unterworfen  sind  und  die  aus 
Einfalt  zu  klagen  pflegen:  ,,  sie  haben  eine  böse  Mutter", 
Thoa.  san.  Br.  265)  =  Bauchgrimmen  der  Männer 
namentlich  mit  beisßendem  Nabelfichmerz  und 
blutiger  Diarrhoe  (Ruhr)  (s.  Beitrage  s.  A.  Eth.  n. 
IT.  B.  1894,  S.  60),  Tenesmtis  cruentus  in  ano  cum 
colica  (namentlich  iu  Ruhrjahren  häufig  Im  Volk** 
munde  und  volksmedizinlsch  wie  die  weibliche  Mutter- 
krankheit behandfit,  s.  auch  Gr.  I».  M.  II,  1111;  ein 
Beweis  dafür,  wie  sehr  der  Krankheits-Name  als  solcher 
diu  Therapie  beherrscht).  —  Mittags- Mutter  =  ein 
ethischer  weiblicher  Dämon,  der  im  Mittags- 
schlafe Alptraum  macht  (Mannb.  II.  363;  Laistner 
I,  73).  —  Xacht-  Gro.s*mutter  (Unterstelermark ; 
Laistner  II,  163)  =  Mar,  Trud  als  nächtlicher  Alp- 
traum (Nachtwuone),  Trutendruck  machender 
weiblicher  Dämon.  —  -V  ,'7 -Mutter  =  die  Bil- 
•lungHstätte  des  Fingernagels  (Mutter  1)  Matrix, 
ungulae,  der  Teil  der  Lederhaut,  auf  der  der 
Nagel  ruht  (Nagelbett).   —  Paralys- Mutter 
(15.  Jahrh.  barllsmucter,  D.  II,  280)  =  die  Mntterkrank- 
heit  (Hysterie)  mit  hystero-epilept.  Krämpfen. 


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Matter— Nabel. 


Mut«— Nabel. 


—  (1576)  pölzende  (Bär) -Mutter  =  der  am  Leib  [ 
weit  hervorragende  schwangere  oder  mit  Ge- 
wachsen besetzte  Uterus  (Gr.  W.  VII,  1994).  —  ' 
ifr)<7<7rn-Mutter  8.  Muhme.  —  (1682)  schadhafte 
Mutter  ■  die  seit  längerer  Zeit  kranke,  nament- 
lich die  eiternde  Gebärmutter  (Lonlc.  116).  —  (1661) 
süimerzUche  Mutter  =  ein  schmerzhaftes  Uterus- 
leiden,  %.  B.  Uysmenorrhoea  etc.  (Bock  171).  — 
schwache  Mutter  =  ein  schwacher,  leicht  erkran- 
kender Unterleih  (Mutter  4)  (Gr.  W.  VI,  2812).  — 
ro/m-Mutter=  Frau  Holla(s.d.)  als  Anführerin 
der  Seelenschaar.  —  Trag  Mutter  =  Bär-Mutter 
(baren  Ist  eigentlich  =  ferre,  trogen)  as  Mutterbitr, 
Tragsack  (bei  Tieren),  der  die  Leibesfrucht 
tragende  Uterus  der  schwangeren  Frau  (siehe 
tragen).  —  unreine  Mutter,  1.  =  (1607)  eine  ent-  [ 
bundene,  besonders  puerperale  Gebärmutter,  ' 
deren  Sekretion  durch  Lochien,  EiterÜuss  etc. 
unrein  (s.  d.)  ist.  —  2.  =  (1532  „wenn  die  Mutter 
Toll  Gesehwar  und  Eiter  und  anderem  Gifte  ist",  Fries 
121;  1651  „eine  unreine  verschllmpfte  Muoter",  Bock 
71.  220)  =  zerfallender,  Jauche  secernierender 
Gebärmutter- Krebs.  —  (im)  unruhige  Mutter  - 
ein  grimmenden,  quälenden  Schmerz  od.  auch 
sonst  Beschwerden  machendes  Gebärmutter- 
leiden  (s.  Mutter- Unruhe)  (Tabernaem.).  —  (1561) 
verschleimte  Mutter  =  ein  durch  schleimige, 
katarrhalische  Sekretion  (Mutler -Schnupfen) 
sich  kennzeichnendes  Gebärmutter  leiden  (Bock 
Krtrbcb.).  —  (1551)  verschlossene  Mutter  =  eine 
Gebärmutter,  deren  Mundung  gegen  die  Scheide 
zu  verschlossen  ist  und  daher  Sterilität  bedingt 
(Bock  228).  —  (1551)  Versehrte  Mutter  =  eine  durch 
schmerzhafte  Kitersekretion  kranke  Gebar- 
mutter, raeist  mit  Geschwflrbildung  (Bock  394). 

—  (1551)  vor;ftirher-gehende  Mutter  =  eine  aus- 
gehende u.  vor  die  fltfnung  (Vulva)  der  Scheide 
vortretende  Gebärmutter  (Prolapsus  uteri, 
Mutter-Ausfall,  Mutter-Ausgang)  (Bock  394).  — 
VreAcw-Mutter,  1.  =die  Wehen  (s.  d.)  auslösende 
Gebärmutter  (Frischb.  70).  —  2.  =  ein  weiblicher 
Dämon  (Butzenbercht)  als  Hebamme  (Laisim-r 
II,  379).  —  HVita  Mutter  =»  Frauen-Mutter.  — 
Mutter- Abreisscn,- Ader, -Anmal, -Ausfall-Band, 
•Bär,  -Bein,  -Beschwerde,  -Betcegung,  -Bett, 
-Bläut,  -blähen,  -Blntfluss,  -Brand,  -  Brest  en, 
-Bruch,  -Brust,  -  Durchfall,  -Drüsen,  -Empörung, 
•Entzündung,  -Erstickung,  -  Er stremmen,- Fieber, 
-Fleck,  -Flu**,  -Frais,  -Gang,  -Geblüt,  -Gehren*, 
•Geschwulst,  -Geicächs,  ■  Gichter,  -Grimmen,  -Hä- 


morrhoiden, -Hnls,  -HäiMcin,  -Hemd,  -Höhle 
-Horner,  -Husten,  -Kalb,  -Kälte,  -Kasten,  -Knopf, 
-Kolik,  -Kolter,  -Körper,  -Krampf,  -Krankheit, 
-Krebs,  -Krimmen,  -Kuchen,  -Kugtin,  -iMhmung, 
-Leber,  -Leib,  -los,  -Mal,  -Melancholei,  -Milch, 
-Mund,  -nacket,  -Nagel,  -Not,  -Ohnmacht,  -Pech, 
-Pein,  -Plagen,  -Qual,  Raserei,  -Sack,  -Scheide, 
-Schmerz,  -Schnupfen ,  -Schoss,  -Schwachlwit, 
-Schwären, -Schwindel,  Senkung,  -siech, -Siechtag, 
-Staupe,-Sticken,-Sucht,  -süchtig,  -  Thüre,  - Toben, 
-Unrulie,  -Verrückt,  -Wampen,  -  Wassersucht, 
•  Weh,  ■  Wehtag,  -  Wut,  -Zeit,  -Zustände,  -Zwang. 
Mutz,  in.  Mutzen,  Mützel,  Mütze,  Mützchen 

(Nützel)  (aus  tnlat.  altnutia,  almuclum  —  Chorpelz; 
mhd.  mutze,  f.  =  Mütze  (Kluge",  263]  als  Kleidungs- 
stück vornehmer  Laien ;  15.  Jahrh.  mutze,  L  mutz,  m. 
=  Kunna,  tetninal.  vulva.  Gr.  W.  VI,  2837.  2838;  D.  640), 
1.  s  der  mit  dem  Katzenpelze  (s.  Mautze)  oder 
Kotzenkleide  (1618  mutz,  D.  314)  verglichene  weib- 
liche Möns  Veneris,  „die  braune  Mutz  heim 
weissen  Bein"  (Schmeller  I,  1706,  Gr.  W.  VII,  1933; 
D.  6to)  (s.  Kanne).  —  2.  =  ein  Pferd  mit  abge- 
stumpftem (s.  mutteln)  Schweife  (c.  v.  Schiu.  3»«). 

—  Mütze  (mhd.  mutze  —  Haube  von  Pelz,  auch 
garn-  oder  netzförmig  gestrickte  Haube)  =  der  Netz- 

I  oder  2.  Magen  (Reticulum,  Haube)  der  Wieder- 
käuer (s.  Netz,  Netzmagen)  (Gr.  w.  IV,  L  1368; 
V,  4;  VI.  2840;  Falke  II,  132).  —  Mützchen,  1.  = 
Praeputium  penis  als  Hülle  (s.  d.)  oder  Bedeck- 
ung für  den  Kopf  desselben  (glans)  (Gr.  W.  VI, 
2838).  —  2.  =  pl.  quälende  Zwerge  (Hüttchen), 
'  die  mit  der  unsichtbar  machenden  Tarnkappo 
verhüllt  sind  (Z.  d.  D.  ö.  A.-V.  1881.  8.  363).  — 
MÜtzel  (entweder  Nebenform  zu  Mucke),  Gr.  W.  VII, 
1257  =  Mucken  [Wurmmuck,  a.  d.J  =  kleiner  Wurm, 
oder  eine  solche  zu  Wutzel  (s.  d.];  letzteres  wahrschein- 
licher, da  w  öfter  mit  m  Im  Dialekte  gegeben  wird).  — 

0hr'  |  (Nützel)  ) (15'  Jahrh  orcn  muec*cl  =  »urcaHs. 
D.  II,  43;  ormutzel  =  otalgia,  dolor  anrinm;  Ohrmützel 
ist  wie  Ohrmuckel  eigentlich  der  Ohrllng,  Ohrenhöhler. 
Ohrwurm  [tortlcula  auricularls  —  Muheim,  s.  Muekel 

-  Ohrmützel,  Kirsch  778],  der  in  dem  Ohre  ver- 
schiedene Krankheiten  veranlassen  soll  nach  dem  [1588] 
Volksglauben):  a)  Ohrgeschwäre  (Tabcrn.);  b)  Ge- 
schwäre  hinter  dem  Ohre  (1620  ohrnuctzcl,  Gr.  W, 
VII,  1257;  I>r.  Minderer;  1677  abscefsus  secus  aures, 
Beyn.  142);  c)  die  Ohrspeicheldrüsenentzflndung 
(Parotitis  epid.,  Mums,  Wätachel  etc.)  (Gr.  W.  VI 
2840;  Zw.  120  930)  j  d)  Ohrschmerz  (s.  o.)  überhaupt 


Nabel,  m.  Nabbel,  m.  Nappel  (altlndogerm. 
nobba,  onbhA  -  Nabe,  Kadnabe  [umbo];  gem.-lndog. 
nobbalo,  onbhalo  [umbilicus ,  iufa'/.ö;)  =  Nabel, 
Kluge*,  265;  ahd.  nabalo,  naba;  7. — 8.  Jahrh.  napnto, 
Gaas.  Gloss.,  nie*  =  lumbus,  umbllico;  8. — 9.  Jahrh. 
nabalo,  tu  —  umbilicus,  Kab.  Manr.  65;  10.  Jahrh. 
napulo  =  lumbus;  nabulo  =  vorax.  Du  «nnge  V,  561 
(=  Nabelwnrm];  11.  Jahrb.  nabil  --  umbilicus.  nabel, 
nabllo  =  ventriculus,  umbilicus,  H.  Z.  III;  XV,  349; 
Graft  II,  995;  mhd.  nabele,  navel,  navele,  nabel, 


|  Hyrtl,  K.  16;  mnd.  navel,  Mag.  Bart.  91a;  engl,  navel 
=  Nabel,  Hode;  1417  nabulo  =  vracs  [vorax],  D.  II,  262; 
1506  nabln,  inch.  Mir  ).  —  Nabel,  1.  =  die  Ver- 
narbungsstelle  der  (nach  der  Geburt  der  Frucht 
abgeschnittenen ,  abgerissenen  oder  abgebissenen) 
Nabelschnur  mit  der  Bauchhaut  derselben  bei 
Mensch  oder  Säugetier,  d.  h.  die  dadurch  ent- 
standene, faltig  umränderte  Vertiefung  (Ceneon) 
(Kirsch  203)  auf  der  Milte  der  äusseren  Bauch- 
baut  ala  Rest  der  (vor  der  erwähnten  Abtrennung) 


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430 


Nabel. 


nach— Nack. 


bestandenen  Verbindung  zwischen  Frucht  und 
Mutter  (2,  bezw.  1);  dieselbe  verschliesst  Bich 
hie  und  da  nicht  vollsiändig,  so  daas  der  hohle 
Nabel  „brüchig"  (bermosus)  wird  und  sich 
aushöhlt  durch  vordrängende,  „vorfallende" 
Baucheingeweide;  ein  solcher  Nabel  ist  „ab- 
gebrochen", „brüehig".  —  2.  =  (1483)  die  Nabel- 
schnur als  Mitglied  der  Nabelbildung  (C.  t. 
Megbg. ;  Gr.  W.  Vll,  5).  —  3.  =  die  Umgebung  de« 
Nabels  (1),  lumbus,  to  ^tpov,  Unterleib  (nament- 
lich beim  Weibe  verallgemeinert),  alles  vom  Nabel 
abwärts  bis  zu  den  Beinen,  selbst  Gebärmutter 
und  (engl.)  auch  Hoden ;  darum  l*t  der  Nabel  auch 
der  8iti  der  Unkeuschheit  (».  Mutter  U.  Venus- 
Nabe),  auch  geschwollener  Nabel  2),  vielleicht 
auch  die  Appllkatlonsstollo  für  primitive  Weben  be- 
fördernde Mittel;  darum  Heinsen  die  Venae  umbillcales 
auch  Mutteradern  (Du  Cange  IX.  388)  und  wird  die 
tierisch  vorgestellte  kranke  Mutter  (=  Kröte)  vom 
Nabel  au«  gefuttert  (s.  Geizwurm,  Naheltmcht).  — 
4.  —  der  Nabelbiuch  (Hernia  umbilicalis)  in 
seinen  verschiedenen  Kntwickelungszuständen 
von  Nagelkopfgrösse  bis  zum  Sack.  —  5.  - 
das  Bauchfleisch  um  den  Nabel  herum  (bei 
Schlachttieren).  —  6.  =  der  Nabel -Wurm  2 
(*.  o.  ahd.  vorax).  —  1.  —  Hautveränderungen 
Überhaupt,  Körperstellen,  die  eine  nabelähn- 
liche zentrale  Vertiefung,  eine  sogen.  Delle 
haben  (Umbo)  (Auspitz  in  z.  Hdb.  xiv.  l.  229).  — 
8.  =  Knochenieile,  die  eine  „Nabe"  bilden.  — 
abgebrochener  Nabel  —  der  Kolikschmerz  bei 
Kindern,  ohne  eigentliche  Nabelhernie,  als  ob 
ein  Nabelbruch  vorhanden  wäre  (der  dann  auch 
„eingerichtet"  wird,  Wuttke  339.  544;  Bavaria  III,  1. 
405).  —  (1609)  ausgedruckter  Nabel  =  ein  durch 
die  Bauchpresse  beim  Drängen,  Schreien  etc. 
veranlasster,  beginnender  Nabelbruch  (Guar.  775). 

—  ausgeparzter  Nabel  =  der  wie  ein  Börzel 
hervorragende,  abgedrückte  (b.  o.)  Nabelbruch 
bei  Kindern  (Schindler  I,  284).  —  itaucn-Näbele 
=  der  kindhebe  Nabel  am  Bauche  im  Gegen- 
sätze zum  Herznabel  (Kuck  IG).  —  (1C08)  dicker 
Nabel,  1.  =  der  hohe  Nabel  (s.  d.).  —  2.  =  das 
Bauchrieisch  beim  Ochsen  um  den  Nabel  (3) 
herum  (Scbmeller  I,  1712;  Gr.  W.  VII,  6).  —  Dreh- 
Nabel  (Mecklenbg.  droenappel,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  189t, 
8.  185)  =  das  Kadius-Koplchen,  das  sich  wie  eine 
Uadnabe  dreht,  am  Kllenbogen.  —  /<.'..'•  r- Nabel 
=  Abscesshildung  mit  Kiterfluss  aus  uem 
Kälbernabel  (Zlpp.  258).  —  ge-  (ver-)  schwollcner 
Nabel,  1.  =  die  Nabelhernie  als  Geschwulst.  — 
2.  =  das  beim  Ausbleiben  der  Periode  (Schwan- 
gerschaft) stärker  bemerkbare  Hervortreten  des 
Nabels;  (umschreibend) :  Amenorrhoe.  —  Herz- 
Nabel  (mhd.  herze  nabele,  Lexer  99;  1542  hertz  navel, 
1727  herztnavel)  =  Scioblculus  cordis,  Herzgrube 
als  zentrale  Vertiefung  des  Leibes  (Hyrtl,  K.  W. 
83.  207)  zwischen  den  beiden  weibl.  Brüsten 
Uber  dem  Bauchnabel.  —  hoher  Nabel  =  der 
Beginn  einer  Nabelhernie  als  ein  sich  er- 
höhender Nabel  beim  Menschen  (Heyn.  239).  — 

—  Fenu*-Nabel=  Nabel  3.  —  H  inrf-Nabel  =  ein 
angeblich  uurch  Blähungen  entslanucnt-r  Nabel- 
bruch (Pauli  124).  —  Nabel- Ader,  -Ausbofdung, 
-Auslaufen,  -Ausschctssm,  -Band,  -Bläschen', 
-Bor,  -Brand,  -Bruch,  -Darm,  -Fäule,  -Fleck, 


•Galle,  -Gartlein,  -  Geschwulst,  -Gesperr,  -Gezerr, 
-Gurten,  -Herausstehen,  -Knöpfe,  -Knoten, 
-Krankheit,  -Loch,  -Revier,  -Ring,  -Schmers, 
-Schnur,  •  Schnursuite ,  -Schwamm,  -Spann, 
-Strang,  -Sucht,  -Sülze,  -  WassersudU,  -  W  urm. 

nach-  (die  Zusammensetzungen  mit  dieser  Vorsilbe 
suche  beim  betr.  nachfolgenden  Stammworte,  x.  B. 
nachidchüg  bei  sehen,  Nachgeburt  bei:  burt). 

Nacht,  f.  {gem.-indogerm.  nokt-  =  nox.  vö;;  gem.- 
altgerm.  naht-;  ahd.,  mhd.  naht.  In  der  indogerm. 
Vorzeit  rechnete  man  nach  Wintern,  nicht  nach  Jahren, 
nach  Nächten,  nicht  nach  Tagen.  —  Die  Nacht  ist 
keines  Menschen  Freund;  sie  ist  die  Mutter  der 
Phantome  (Träume),  der  Drachen  und  fieber- 
haften Seuchen,  der  Torturae  noctis  (Hellmont, 
Haeser  I,  4S3),  die  in  nachfolgenden  Zusammen- 
setzungen zahlreich  benannt  sind:  Nacht- 
(nächtlich)  Auge,  -Blatter,  -Blindheit,  -Brand, 
-Drucken,  -Ekel,  -Eisse,  -Fahre,  -Fertigkeit, 
•Fluss,  -Frau,  -Gänger,  -Geburt,  -Geister,  Ge- 
schrei, -Geschwulst,  -Gesicht,  -Gespenst,  -Gicht, 
-Griff,  -Grossmutter ,  -Hexe,  -Hitze,  -Husten, 
•Läufer,  -Männlein,  -Mar,  -Marder,  -Mensch, 
-Mohr,  -Mummel,  -Nebel, -Olf,  -Raserei,  -Samen- 
flüsse, -Schaden, -Schatten, -Schrättel,  -Schrecken, 
-Schweiss,  -Seher,  -  Toggi,  -  Trude,  -  Vogel,  -  Volk, 
-Waller,  -Wandler,  -  Weh,  -Weinen,  -Wer, 

—  Wonne,  -Zeug. 

Nack,  m.  Nacken,  m.  (Gnack,  Knacken) 

I  (angls.  knecca,  D.  115;  ahd.  nac,  hnac,  hnach  (dazu: 
Genick)  =  oeeiput,  testa  capitis;  1482  nack,  knoch 
binden  am  nack  —  apostela  (  =  apostema],  Gr.  W.  VII. 
239;  nack  in  den  knochen  oder  gepalu,  D.  384;  nack 
=  ocelput ,  Zenlng.  Voc.  x  1 ;  mhd.  nacke ,  nac  = 
Hinterhaupt,  Nacken,  Kluge*.  2G6;  1485  naecke  — 
Knocben,  Beincben,  Schm.  I,  1720;  16.  Jabrb.  nacken, 
Gr.  W.  VII,  239;  engl,  neck;  ndl.  nek  =  Nacken.  De 
Cock  307;   [Bayern]  nacken  =  Knochen,  genaeck  = 

!  üenick).  —  Nack,  Nacken,  1.  =  die  (benagten) 
Knochen,  Knochen  überhaupt,  Genack.  —  2.  = 
die  Hinterteile  des  Kopfes  und  Halses  bei 
Mensch  und  Tier,  Occiput,  Nucha.  —  3.  =  die 
ganzen  Knochen  des  Rückgrates  (s.  Nagel  3). 

—  4.  —  die  Härte  und  Starrheit  der  Nacken- 
muskulatur  (Hals).  —  5.  =  das  hinaufgeschlagene 
Nackenhaar  (Gr.  W.  VII,  239).  —  6.  =  der  kranke 
Nacken,  der  sogen.  Bockstern  (s.  d.,  Apostema, 
Nackenknoteti),  der  häufig  im  Nacken  sitzt.  — 
Üor-Nacken  (1421  pornack  =  slnclput,  D.  II,  339) 

—  der  empor  (ahd.,  mhd.  bor  =  oberer  Kaum, 
Kluge6,  89)  gerichtete,  obere  Teil  des  Nackens, 
Hochruck.  —  Genagt  Ick  (Gnack),  1.  =  das 
Kollektiv  der  Hal«kuocliKii  an  der  Wirbelsäule, 
Genick,  Nacken  (Bayern,  Tirol;  Hintner  5.  12).  — 
2.  =  Knochen,  z.  B.  Schindergnack,  Teufels- 
gnack,  vermutlich  die  Bezeichnungen  der  ehe- 
mals beim  heidnischen  Kultopfer  abgefallenen, 
abgenagten,  knackenden  Knochenteile  (Urquell 
1894,  8.  242).  —  Gnack er  -  mageres  Stück  Vieh 
(Scbmeller  1.  1721).  —  (1420)  Urf -nackig  =  cervi- 
cosus,  kräftigen  Widerstand  im  Nackeu  gebend 
(D.  110;  engl,  stlHnecked,  Kaltschm.).  —  ÄOJf-Näckel 
=  „kostbares  AmuleUbeiuchen,  Reliquie"  (Schm. 
I,  1720),  alB  Überbleibsel  der  Knocbenwert- 
schätzung  aus  heidnischer  Zeit.— steifer  Nacken 


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nackend—Nagel. 


Naeel. 


4SI 


(ndl.  stijven  neck,  De  rock  307.  312;  engl,  stiffneck, 
wTr  neck.  Lehf.  43.  94)  =  Torticollis,  der  durch 
Rheuma  etc.  starr  und  unbeweglich  in  schiefer 
Stellung  gehaltene  Halsteil  dir  Wirbelsaule 
(Schiefbals).  —  su,  r- Nacken  =  die  mächtige 
Entwickeiung  der  Nackenmuskulatur  als  Aus- 
druck physischer  Kraft.  —  Nacken  -  Band, 
-Beult,  -Fistel,  -Grube,  -Knoten,  -Starre. 

nackend,  nackt  (indogerm.  n«">g  [nudus,  nog- 
▼Idus],  ..eine  Art  Kleidung  «etzt  dies  Wort  für  die 
ältesten  indogermanischen  Zeiten  Toraus",  Kluge ; 
vorgenn.  nogeuS;  genn.  naqo;  »J»d.  nackut,  nahhut ; 
14.  Jahrh  naken ,  Schmeller  1 ,  1721 ;  mbd.  nacket, 
nackent.  Kluge*,  2*6,  engl,  naked)  =  unbedeckt.  — 
/<uW-nacket  =  nudns  ad  palum,  nackt  selbst 
am  Fusel  (s.  d.)  (E.  W.  I,  H7;  [Henneb.)  fasig  o 
nackig,  Spless  I,  11;  II,  57).  —  /  u  ''-nacket  -  an 
der  weiblichen  Scham  (s.  Kuil)  unbedeckt.  — 

nacket  =  nackt,  ganz  entblrtsst.  —  mutttr- 
nacket  (-nackend)  (mhd.  muoteraacket,  Schmeller 
I,  1721)  =  „ganz  nackt  wie  im  Multerleibe". 

nacket  (nanket)  ■  nackelnd,  nanckend, 
wackelnd,  gebrechlich  (Wolf). 

Nadel,  f.  (=  „Instrument  zum  Sahen";  germ.  ne, 
Kluge*.  266.  267;  gem.  Kenn,  nethlö).  —  (1790)  Nted- 

Nadel  s.  Nied-Nagel  (Richter  i.  291).  —  Nadel- 
Ii  KIT*. 

nahig  s.  nah. 
nähren  s.  Nahrung. 
Narbe  s.  Narbe. 
Näris  s.  Riss. 
Näs,  f.  näseln  a.  Nase. 
Nässe,  f.  s.  nsss. 

nätern,  n&thern  =  wiederkäuen  -  iteruchen 

(nitern)  (Urquell  1894  ,  9.  2-%;  Falke  II,  14«). 
natzen  s.  netzen. 

naffezen,  napfezen,  naffixen,  nipfezen, 

nefzen,  Nafzer,  in.  (lauter  Intcnslvblldungen  tu 
napfen  [napj  =  nicken  [dunklen  Ursprungs] ;  engl,  nap 
—  Schläfchen,  Kai  Wehm. ;  ahd.  hnaflezan,  naphexen ; 
9.  Jahrb.  naflran,  Graff  II,  1053,  mbd.  nahen;  1447 
nefuen,  1515  naffoucn  =  dormitare,  D.  190;  1566 
narauen)  =  den  Kopf  nab  (hinab)  halten  beim 
Schlummern,  einseilig  nickend  schläfrig  sein, 
ein  wenig  schlummern,  dormitare  [Gr.  w.  vn, 
350).  —  Nafzer,  m.  11*44)  Napfezer,  1.  =  ein 
kleiner  Schlummer  (Gr.  w.  VII,  800;  Schmeller  I, 
873.  l.  Zeile).  — •  3,  =  einer,  der  immer  mit  dem 
einen  Kusse  hinabsinkt,  beim  Gehen  hinkt 
(Oberosterr.  Jahrb.  1844,  8  152).  —  Naixung  (ahd. 
naflesunga,  f.,  Graft  II,  10SS;  Cb.  v  Mhm.  39s)  = 
Dorm  null),  Sopor,  Schlumtnerzustand.  —  Ent- 
H&izung  =  Schlummer  stärkeren  Grades  (C.  t. 
8chm.  398). 

Nagel,  m.  (Nogel)  (indogerm,  noghlo  —  unguis, 
cIstus,  Finger-,  Zehennagel;  aanskr.  nagha  =  Kraue 
[».  d  ],  Gr.  W.  VII,  270;  genn.  nagla.  Kluge  »  2»'*;  ahd 
nagal  =  Finder-  oder  Zehennagel,  Holznsgel,  9.  Jahrb. 
nagal  =  ungula,  Hab.  Maur.  SS;  12.  Jahrh.  nagala, 
H.  Z.  II,  205;  XV,  354;  mbd.  nagel;  engl  nail  =  Nagel, 
Klaue,  Kralle),  1.  -  der  kratzende  (nagende  {'f'j, 
scharfe  llornteil  an  der  Dorsalseite  der  Kinge'r- 


1  nnd  Zehenglieder  bei  Menschen  und  Tieren, 
eigentlich  nur  das,  was  davon  Ober  die  Kinger- 
kuppe  hinausragt,  weiterhin  auch  das  Nagelgiied 
selbst.  —  2.  =  der  Nagel  am  Auge:  a)  Unguis, 
Onyt  (s.  Augennagel  a)  (Arlt  108.  UL  IM,  1*4; 
Gr.  W.  II,  1321):  b)  (1561  nagel  =  pterrgium,  Gr.  W. 
VII.  263;  1&99  nagel  =  ein  Augeuübel  beim  Pferde  [I.e.); 
1603  .  ein  spannadrisches  [=  bindegewebiges]  hartes 
und  weisses  feil  auf  dem  weissen  hautlein  des  auges. 
das  sich  meist  Im  grossen  augenwinkel  rausthut  und 
oftmal  so  gross  wird,  dass  es  den  ganzen  stern  oder 
augaptel  bedeckt  nnd  das  auge  ganz  blind  macht". 
Gr.  W.  VII.  263;  1666  nagel  =  flaug  oder  Hauch  am 

'  Auge  des  Pferdes,  hanchartige  Hornhauttrübung.  Aug- 
suli [t.  d.),  Nagelfell,  Gr.  W.  I,  816;  1741  nagel  im 
auge  —  gomphus  [Kirsch  545],  gutnpbus,  D.  271); 
demnach  =  a.  Augenfell  beim  Pferde  (Pterrgium); 
ß.  Hornhauttrübung  beim  Pferde;  y.  in  Klan- 
dern  ist  der  Nagel  auch  dieselbe  Augenkrank- 
heit dem  Namen  nach  vom  Pferde  auf  den 

I Menschen  übertragen  (De  Cock  135).  was  für  das 
Alter  dieses  Namens  um  so  mehr  spricht,  als  das  Cbel. 
das  vermutlich  dem  elbischen,  nagelartigen  Geschosse 
zugeschrieben  wurde,  auch  durch  Besprechungen  ge- 
bannt wird  (s.  Drachenschuss; ;  c)  die  bornharte 
Blinzhaut  am  Pferdeauge  (Augennagel  d)  (Gr.  w. 
VII,  257;  Herne  III,  935;  Mayer  29.  189).  —  3  =  die 
12  Brustwirbelknochen  als  nagel-  oder  meissel- 
förmig  durch  ihre  Dornfortsätze  hervorragende 
Teile  am  Rückgrate  (Ruckdorn),  Clavus,  Spon- 
dylus  (Hippokratis)  (Kulmus46)  (zu  Nacken?).  — 
4.  =  Penis  (vermutlich  unter  Andeutung  des 
Hammers,  s.  d.),  als  Brnchnagel,  Ramnagel, 
Vornagel  (Nägele,  Nogl)  (Bayern,  Tirol.  Schwaben; 
engl,  llnchpin  =  Hirschrute,  Nagelpflock,  I.ünse, 
Kluge*,  243;  Schmeller  I,  101'..  1732;  Buck  16;  Hintner 
8.  18;  Gr.  W.  VIT,  268;  Heytie  III,  93-3.  936;  Phallus  = 
broche,  broque,  V.  K.  II,  9;  8t.  Pierre  n  Broouettes. 
Vergl.  den  Leonhard-Nagel  in  Beitr.  t.  A.,  E.  u.  l'rg. 
Bayerns  1891).  —  6.  =  der  Haupt-  oder  Mutter- 
Na^el,  Clavus  hystericus,  Migräne  (s.  d.),  der 
einseitige  Kopfschmerz  auf  einer  nagelgiossen 
Stelle  Ober  dem  Auge,  verglichen  mit  dem 
Schmerze  durch  einen  in  den  Kopf  plötzlich 
wie  ein  Geschoss  (Bolzen -Nagel)  geflogenen, 
damonistisch  veruisachten  Nagel  (s.  Augen- 
Schuss).  —  6.  =  Nagelkrankheit,  kranker  Nagel: 
,  s)  Panarilium;  b)  Kurunculus  digiti,  Clavus 
ecb.  Iii;  Terallgemeinert).  —  7.  =  eine  Krankheit 
der  Schafe  und  Lämmer,  Unguis  frictus,  Kick, 
Klauenfäule  (s.  d.),  wobei  die  Klauen  anbrüchig 
werden,  wie  ein  Nagel  (1699;  v.  M.  I,  83).  —  8.  = 
s.  Weichselzopf.  —  9.  Nagel  =  Nahel  (s.  d.), 
d.  h.  nagelformig  vorspringender  Nabel  (Hernia 
umbilicalis).  —  nageln  =  coire  (Nagel  4),  ein- 
keilen, einen  Nagel  eintreiben, nieten  (s. d.)  (Korr. 
f  A.  E.  r.  1896,  8.  52).  —  An  /-Nagle  =  Paronychia, 
Qual  (=  ang,  s  d.)  bereitender  kleiner  rinjfer- 
Natfel  (C.  t.  Schrn.  400,  dagegen  wurde  da«  ..Nagel'- 
kraut  [Mondkraut]  angewandi ;  engl  agnall)  —  Awjen- 
Nagel  -  Nagel  2,  und  rwar:  a)  Unguis,  Ungula 
( A  Pare),  Onyx  (<  ialeni)  (1756  „zwischen  dem  hinteren 
und  Innerin  Maetlleln  der  h»rnhant  zeigt  sich  etwas 
Ton  Kiter,  das  In  der  duri-hwlielnenden  Hornhaut 
gleichsam  wie  ein  Nagel  an  dem  Finger  au«»leht',1 
,   A.  r.  H.  II,  1166;  Kraus,  E.  Ul.  691.  872)  =  Lunula 


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482 


Nagel. 


Nagel. 


hypopyonie,  Pyosis  Galeni,  Hypopyos  Pauli 
Aeg.,  der  mondsichelförmige,  weissgelbe  Fleck 
am  Augennagel  (Hornhaut)  infolge  von  Kiter- 
senkung  in  die  Hornhautlatnellen  =  Albugo 
OCUÜ  (1676,  Theophr.  Br.;  1582.  Ironie.  IM;  Roth  368); 
h)  Nagelkopf,  Keratokonus,  Prolapsus  iridis, 
Hilum,  Myopiasis  (,,eln  Teil  der  Ilornbaut  tat  in 
der  Mitte  wie  eine  zugespitzte  Kugel  oder  wie  der  Kopf 
eines  Nagels  zusammengezogen",  A.  t.  H.  II,  228; 
Kraus,  E.  46«);  e)  Pterygium  (Pauli  Aeg.)  =r  Augen- 
feil (,,elu  haeutleln  so  aus  den  augeuwtnkeln  berror 
über  den  augapfel  nach  und  nach  waeebst  und  so  die 
blindhelt  verursacht".  Zw.  206;  )7">6  augennogel  — 
Pterygium,  Angenfell  [s.  d.],  A.  v.  II.  II,  1261);  diene 
Formen  von  Augennagel  a — c  sind  wohl  alle 
vom  kranken  Augennagel  des  Pferdes  auf  das 
menschliche  Auge  übertragen  worden;  d)  die 
Blinzbaut,  Nickhaut  am  tier.  Auge  (Nagel  2c) 
(Gr.  w.  VII,  26".  263;  Falke  I,  86)  =  eine  knorpel- 
harte,  gebogene,  den  Augapfel  schützende 
dritte  (innere)  Lidhaut  (s.  Augenlid).  —  blaue 
Nägel  =  die  durch  Kreislaufstörungen  (Frost, 
Herzleiden  etc.)  erzeugte  Cyanose  der  Finger- 
nagel (Qr.  W.  VII,  258;  nach  dem  Volksglauben 
[Mannb.  16]  von  Walddamoncu  in  Gestalt  kleiner 
Tierchen  [zehrende  Elben)  veranlasst).  —  böser  Nagel, 
1.  =  Onychia,  Paronychia,  Unguis  callosus, 
Leprositas  unguis  (s.  Hornnageln),  Fieositas 
unguis  (syphil.),  äcabrities  unguis  (diabetica) 
(Behrend  80)  =  die  durch  lokale  Entzündungen 
oder  Allgemein  -  Krankheiten  verursachten, 
schmerzenden  Nagelaffektionen  mit  meint  nach- 
folgender Entartung  der  Nagelplatte.  —  2.  = 
missgestalteter  Nagel  am  Finger  (Fr.  Kr.  B.  869). 

—  Bruch-lStLgel  =  Penis,  der  Nagel  4  unterm 
Bruch  (Hose)  (Gr.  W.  II,  413).  —  / >a«m  Nagel  = 
der  zu  abergläubischen  Zwecken  benützte  Nagel 
am  Daumenfinger  (Schtn.  i,  607).  —  Ein  Nage-hoi./ 

—  Gomphosis,  die  Einkeilung  der  Zähne  in  den 
Kiefern  (Laden,  s.  d.)  (Hyrtl,  K.  W.  40).  —  ein- 
nageln  (anuigeln)  =  der  surrende  Frostschmerz 
an  den  Fingernägeln  =  dernarrte  Finger  (siehe 
hornnägeln)  (C.  v.  Schm.  400;  Bück  19).  —  einge~ 
tmehsener,  hinUberyewaclisener  Nagel  —  Onychia 
per  incarnationem  unguis  =  Nagelfell,  Nagel- 
zwang, wenn  der  scharfe  .Seitenrand  des  Nagels 
sich  tief  in  die  Haut  des  Fingers  oder  der  Zebe 
einsenkt  und  daselbst  geschwürige  Prozesse 
mit  ileiBchartiger  Wucherung  über  den  Nagel- 
rand hinüber  veranlasst  (engl,  ingrowing  toe-nall). 

—  2-W  Nagel  (1483  fuoz  nagel  =  unguis,  onycha, 
C.  t.  Mcgbg.;  Lexer  360;  D.  II,  385)  =  Zehennagel 
am  Fusse  (Gr.  W.  IV,  l.  1037).  —  grosser  Nagel  = 
der  Nagel  an  der  grosseu  Zehe  (Gr.  w.  VII,  260). 

—  (1588)  ffaupt-Nagel^Heinicrania  (s.  Migräne) 
(Tabern.;  Gr.  W.  IV,  2.  623)  =  „der  schmerzliche  web- 
thnm  des  hauptes  der  einen  seito"  (Nagel  5,  Mutter- 
nagel, (Jlavus  hystericus).  —  Herr  Nagel!  = 
Herr  Mannl  (s.  d.,  Nagel  4)  (in  .Segensprüchen, 
Schmeller  I,  801 ;  wie  die  Finger  als  koboldisches  Wesen 
angenommen).  —  (1612)  horn  •  nägeln  ■  aniglen, 
uriglen,  hurnigeln,  liorneilen,  hurneilen,  hor- 
niglen,  einnigeln,  einnflgeln,  einnidlen  (lauter 
entstellte  Nebenformen)  (s.  hornnägeln  S.  241  unter 
dem  Buchstaben  H),  1.  =  das  Forntikations- 
gefühl  an  den  Fingerspitzen,  Fingernägeln  bei 


Lepra.  —  2.  =  das  Frostprickeln  an  den  Finger- 
spitzen (s.  Hornbruder,  Hornfall,  Horn)  (Tonglee 
=  les  marfies  ( =  tnains  froides.  Briss.  286;  Gr.  W.  IV, 
2.  1826;  C.  v.  Schm.  407;  Schmeller  I.  52.  1165).  — 
(1862)  hysterischer  Nagel  =  Mutternagel,  Über- 
setzung des  Clavus  hystericus  (Gr.  W.  VII,  263). 
—  Änei^-Nagel  (Mecklenburg;  knipnagel,  Z.  d.  V. 
f.  V.-K.  1895,  s.  317)  =  kneipender,  durch  Krost- 
kälte  schmerzender  Fingernagel.  —  krampfhafte 
Nägel  =-  ungeformte,  krallenartige  ReiMnflgel 

(MuUcr,  Krtrbch.  258).  —  Leid  Nagel  (1483  lldnagel 
m  onichina,  D.  II,  271)  —  weher  Finger  infolge 
von  Nagelgescbwär,  Onychia.  —  (1754)  Mutter- 
Nagel  =  Neuralgia  supraorbitalis  hysierica, 
Clavus  hystericus,  die Scbraerzempfindung  eines 
in  den  Schädel  eingetriebenen  Nagels  bei  Frauen 
(Nagel  5)  („ein  kopfschroera  bei  Weibsbildern,  der 
von  der  mutter  [2]  [  -  Hysterie]  kommt ;  dabei  es  ihnen 
ist  als  ob  ein  nagel  durch  den  köpf  oder  wirhel  ge- 
schlagen würde;  der  schmerz  ist  gerade  über  den 
augenbrauen",  A.  v.  H.  I,  430)  (s.  Migräne).  — 
Narben-,  -AWfn-Nagel  =  ein  dicker,  (narbig) 
unförmlich  ausgewachsener  Nagel  an  einem 
Finger  oder  einer  Zehe,  meist  Folge  einer 
traumatischen  Läsion  des  Nagelgewebes,  die 
dann  auch  abnorm3,„gespassige"Empfindungen 
hinterlässt;  nicht  jeder  Narrennagel  ist  ein 
Narbennagel  (s.  Neidnagel).  —  Neid-,  Nied- 
(Niet-),  JVof-Nagel  (aus  dem  niederl.  nijdnagel;  1577 
nynogel,  D.  489  —  cutis  circa  radices  unguium  resolutio 
atque  flssura  quod  dicunt  unguis  lnvidlosus ;  auch 
redlvivus[reduvla,  D.  489]  bezeichnet;  ins  Hochdeutsche 
ubertragen :  1661  rietnagel  -  paronyia,  D.  II,  281  = 
nietnagel ;  1680  neldnagel,  nlednagel,  Gr.  W.  VII,  564 ; 
1766  niet  nagel,  A.  v.  II.  II.  1267;  1761  nlednagel  = 
redivivae,  L  cb.  72;  Rochholz  I,  137;  zu  ahd.  knlotan 
=  befestigen;  altnord.  bnj6da  =  fesUchlagen,  Kluge *, 
2t.'J.  271;  niet,  aus  Volksetymologie  verwechselt  mit 
mhd.  nid  =  Neid),  l.  =  ein  am  Gewebe  des  Finger- 
oder Zehennagels  unten  wie  ein  Niet  noch 
haftender  (engt  hangnoll  =  Hangnagal,  Nietnagel. 
Lebfeld  80),  schmerzhafter  Nagelsplitter  oder 
auch  nur  Hautfäserchen ,  das  sich  teilweise 
schon  abgelöst  hat,  aber  noch  wie  angenietet 
schmerzend  haftet.  —  2.  =  die  sogen.  Nagel- 
wurzen,  die  auch,  weil  schmerzend,  Neidnägel 
genannt  wurden  aus  falscher  Volksetymologie. 
Per  Glaube  im  Volke,  der  so  oft  auf  etymologisierendem 
Bodon  Nenes  schafft,  meint,  das«  ein  solcher  Neidnagel 
als  Folge  des  brtsen,  neidischen  Blicke«  (malocchio, 
s.  Wises,  übles  Auge)  entstehe.  Notnagel  Ist  nur  Ver- 
wechselung; Neidnagel  Ist  falsche  Schreibweise;  aus 
ihr  entstanden  auch  Neidfleiscb,  Neidhaut  (s.  d.);  sogar 
ins  Französische  als  envie  =  Neidnagel  (Briss.  206) 
gedrungen.  —  3.  verallgemeinert  ist  Neidnagel 
auch  m  Panaritium  (Finger- Wurm,  GebrOt, 
Neider  1)  (a.  v.  H.  II,  1257).  —  .W-Nagel,  1.  = 
Nietnagel.  —  Sä.  =  ein  Notnickel  (Leistner  II,  94. 
230).  —  Rtimm  ■  Nagele  —  der  zum  Kammein 
(coire)  benützte  Nagel  4  (Buck  16).  —  (1561)  rauhe 
Nägel  =  Ungues  rigentes,  spitzig  stechende 
oder  stark  gefurchte  Nägel  der  Finger  (Bock  134; 

!  Gr.  W.  vill,  266).  —  Äeio-Nagel  =  Heus  epistro- 
pheus  (der  Kückendorn  des  0.  v.  Megbg.  oder 
Spondylos  des  Hippokrates),  der  sich,  wie  der 

I  Keibnagel  an  dem  Wagenscheit  des  Wagens,  so 


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nagen— Nahrung. 


Naht-Narbe.  438 


an  dem  Atlas  (1.  Halswirbel)  drehend  reibende, 
aahn förmige  Fortsatz  des  2.  Halswirbels  (siehe 
Judenknochen,  Jungfer  im  Bade).  —  Reit»' 
Nagel  -  nach  innen  gekrümmte,  iura  Reissen 
geeignete  Fingernägel  (Urquell  1890,  I.  137).  — 
(1260)  tibelgethaner  Nagel  ■  ein  raissgestaltetcr 
Nagel  (s.  anthuen),  dem  Übles  angethan  wurde 
(vbelntanagcl,  Schindler  1, 1732;  Pfeiffer  30).  —  unter- 
wachsener  Nagel  =  eingewachsener  Nagel  (s.  d.), 
der  sich  unter  den  seitlich  gewachsenen  Granu- 
lationen  einsenkt  und  so  die  sogen.  Nagelflstel 
bildet.  —  u>-  nageln  =  s.  iglen  u.  ilgern.  — 
verbellter  Nagel  (vbelntanagel.  Sehnseiler  I,  1732, 
Zeile  6)  =  ein  durch  Verbellung  (s.  Bell,  verbellen, 
Bellfuss)  abnorm  empfindender,  „dernarrter" 
Finger-,  Narrennagel.  —  r<  »nagelt,  1.  =  dumpf, 
wirr,  verschlossen  fflr  Verständnis,  wie  vom 
Elbenscbuss  getroffen  (Sples*  Ii,  226).  —  2.  = 
fehlerhaft  am  Hufe  beschlagen  (von  Pferden). 
—  Nagel  (Schmeller  I,  1045.  1732)  =  Penis.  — 
Z<r,i)fi  Nagel  (ndl.,  1677  dwangh-nagel  -  redlvivu«, 
D.  489)  =  ein  durch  seillich  frischrot  aufwach- 
sendes Fleisch  gleichsam  eingezwängter  Nagel 
am  Finger  oder  an  der  Zehe.  —  Nagel- Bein, 
■Bett,  -Blühe,  Blume,  bohren,  -Fäule,  -Falz, 
•Fell,  -Fistel,  -Fleck,  fliehten*,  -Flut»,  -Gaden, 
■Gefloss,  -Geschwür,  -Gewächs,  -Glied,  -Grint, 
•Kauer,  -Kopf,  -Krümmung,  -Kuchen,  Kuppe, 
•Mond,  -Mutter,  -Runzel,  ■  Schwärung,  -Skrofel, 
•Spalte,  Stich,  -  Weist,  •  Wurm,  -Zwang. 

nagen  (sanskr.  nagha  -  Kratze;  die  nagende,  bela- 
dende, schabende  Thatlgkelt  [Nagel  der  Finger]  und 
Empfindung;  germ.  gnag,  knag  [s.  Nacken,  Gnack]; 
alter,  ahd.  gnagan;  ahd.  nagan;  mhd.  nagen,  Kluge*, 
267)  -  mit  den  ZAhnen  (Nägeln?)  in  kleine 
Teilchen  schaben  und  beissen  (franz.  naqne«  = 
Zahne,  Brlaa.  41).  —  Naget,  m.  (13.  Jahrh.  nagedo 
[die  Formen  auf  -edo  finden  »ich  namentlich  bei 
uralten  KrankhelUnamen] ,  II.  Z.  XVII.  560  =  eine 
nagende,  d&monUtlsch  aufgefaßte  Kraakhcit,  die  dnreh 
Segensworte  gebannt  Warden  soll)  m  der  nagende 
Wurm  (s.  d.)  oder  der  nagende  Schmerz  im 
Magen,  in  den  Baucheingeweiden  (auch  die 
Ruhr, Cholera,  Kröte,  Maus,  Bärmutter,  Hunger- 
„nagen"  im  Leibe)  (c.  v.  Megbg.;  Gr.  W.  VII.  271, 
Trlf.  Adlholz.  12.  Coler.  H.  A.  179).  —  1/  -  nager 
(1420  knagelic  =  rosoriu»,  I).  500;  gnager  =;  rosor)  — 
einer,  der  nagt.  —  nagender  Stechtum,  Wurm. 

nah,  nähig  (ahd.  näh.  naho;  angls.  nöar  =  naher; 
altnord.  nar,  Kluge*,  267).  —  (15G4)  nahig  =  der 
Niederkunft  durch  die  Entbindung  nahe  seiend 
(Weib,  Kuh)  (Schwaben;  C.  v.  Schm.  400;  Birllnger 
8.  1.  88;  Gr.  W.  V,  732).  —  nahes  Gesicht. 

•nähme  s.  nehmen. 

Nahrung,  f.  Nähmng,  f.  (germ.  no«  [genesen] ; 
mit  regelrechtem  Übergänge  de*  Auslauts  in  -r,  Kluge  *, 
267;  ahd  neren,  nerian  =  genesen,  genesen  machen, 
helleD,  erretten,  am  Leben  erhalten  [den  Kranken  zu 
ernähren,  war  die  rettende  Aufgabe  schon  In  alten 
Zeiten];  mhd.  neren  —  nähren;  nar  —  F.rrettung,  Er- 
haltung, naninge  =  Unterhalt.  Nahrung;  1482  neren 

ss  geiund  machen,  Gr.  W.  VII,  803;  LMM  neren  = 
heilen;  in  dieser  Bedeutung  für  den  Volksmnnd  ganz 
verloren  gegangen).  —  (1530)  Nährerin  (nererin,  I.) 

=  die  beim  Schmerze  an  den  ernährenden, 


!  Speise  führenden  Gliedern  eröffnete  Heraader 
oder  Median  (s.  d.)  (Künigwp.  48).  —  Nähr-, 
Nahrnng-G/icdcr,  -Milch  -Saft,  -  Wasser. 

Naht,  f.  (indogerm.  ne1  =  spinnen,  nahen  (neo, 
I  viw];  ,, durch  vorhistorische  Entlehnung  von  einem 
Volk  zum  andern  gewandert".  Kluge*,  267;  ahd.,  mhd. 
nftt)  -  die  Stelle,  wo  Genähtes  zusammenstosst. 

—  (1752)  4r»cÄ-Naht  (arsnaht)  =  Perineum  («spi- 
veo;  s  Mittelfleisch),  Schulnusdruck  für  Sutura  seil 
ruphe  =  Stelle  der  nächsten  und  engsten  Ver- 
einigung zwischen  den  zwei  Fussen  und  Backen. 

—  Bauch  Nath  =  Linea  alba,  die  Stelle,  wo  sich 
die  Bauchmuskeln  in  der  Mittellinie  vereinigen 
(Hrrtl,  K.  w.147).  —  (1754)  Grmöc/if-N&ht  =  Raphe 
scroti  (A.  v.  H.  Ii.  754).  —  ÄnocAcn-Naht  =  die 
feste,  unbewegt.  Verbindung  zweier  Knochen. 

—  (1741)  jy«7-Naht  =  die  wie  ein  Pfeil  schnur- 
gerade verlaufende  Knochen -Verbindung  = 
Scheitelnaht, Obelapa  (Kirsch  808).  —  (1541)  Scheitel- 
Naht  —  die  am  höchsten  Punkte  des  Hauptes, 
am  Scheitel,  die  beiden  Scheitelknochen  ver- 
einigende Knochen -Verbindung  (Pfeilnaht) 
(Hyrtl,  K.  W.  134)    —    Wund  -  Naht  =  Sutura 

[  vulneris,  die  chirurgische  Vernrthung  der 
Wunden  (bei  den  Letten  tritt  auch  eine  volksmedi- 
xinische  Adern&herin,  d.  h.  die  hl.  Jungfrau  als 
Fadenspinnetin  in  Besprechungsformeln  auf,  Z  d. 
V.  f.  V.-K.  1895,  S.  12  ;  vielleicht  das  bei  Blutungen  oft 
benutzte  Spinnengewebe  [Marienfaden],  das  »pol  den 
Schweden  dwergs-nnet  =  Zwergen  -  Naht  hels«t, 
M aurer  II,  9).  —  Naht-ÄMOcAcn. 

Nalla,  Nalle  s.  Nelle. 

Name,  m.  Namen,  m.  s.  nennen.  —  Namen- 
los,  -Zuang. 

Näpfen,  m.  Nappe,  f.  (zu  Napf,  s.  naffezen)  - 
eine  Nase,  welche  länger  hinahreicht  als  ge- 
wöhnlich, gross  und  hässlich  ist  (Hlntner  vi,  15; 
Schm.  i,  1761).  —  Näpfen  =  Uvula,  das  Hals- 
zäplchen ,  welches  napft  oder  hinabhängt 
(s.  Nipper). 

nankelt  s.  nackein. 

Narbe,  f.  Narb,  m.  Närwen,  m.  Narben,  m.  f. 

(vielleicht  zu  :  naher  oder  nah  [nar],  s.  d. ,  engl,  narrow 
heeled  -  eng  an  dem  Hufe,  nähere  Hlele;  ahd.  narwa 
*=  Enge,  Verengung,  die  Wundrander  einander  näher 
bringende  Narbe,  Graft  [,  610;  mhd.  narwe,  f  nare.  m. 
nar  =  clcatrlx,  l.exer  174;  HoStn.  I,  3S5,  d.  h.  die  Spur 
oder  Masen  einer  geheilten  Hautverletzung.  Schw.  4ü3  ; 
1426  die  naerben,  Schm.  I,  1756;  15.  Jahrh.  narbe,  narb, 
nare  =  Stigma,  D.  II,  34«;  1682  narb,  m.,  Louic.  212), 
1.  ss  die  Melle,  wo  durch  Annäherung  der  Teile 
(Granulationsgewehe)  und  durch  Schrumpfung 
j  eine  Verengerung  sich  bildet.  —  2.  =  das  Ver- 
engende. —  3.  —  die  Stelle  am  menschlichen 
oder  tierischen  Korper,  wo  durch  eine  geheilte 
I  Verletzung,  durch  ein  Geschwür  oder  sonst 
i  eine  kranke  Stelle  eine  solche  Spur  hinterlassen 
worden  ist,  so  dass  diese  Gewebeteile  durch 
grössere  Annäherung  an  einander  eine  Ver- 
engerung oder  Verkürzung  erfahren  haben.  — 
4.  =  derjenige  Teil  der  tierischen  und  mensch- 
lichen Haut,  in  welchem  diese  Gewebsverän- 
derung bei  dem  natürlichen  HeilproWSM  einer 
Verletzung  oder  geschwflrbildenden  Krankheit 

28 


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434 


Narr. 


narsch— Nase. 


immer  eintritt,  d.  i.  das  Gewebe  der  sogen. 
Lederhaut ,  die  sogen.  Haarseite  des  Felles, 
von  dem  die  Oberhaut  bereits  abgeschabt  ist, 
Corium  cutis,  Närb,  Närw,  an  dem  man  längst 
schon  beobachtet  hatte,  das«  Wundränder  bei 
der  Vernarbung  sich  gegenseitig  näherten 
(AngplU,  Z.  H.  XIV,  1.  236  ;  8chm.  I,  1766).  —  6.  = 
die  1 1  mit  Verletzung  selbst,  noch  ehe  sie  eine 
eigentliche  Narbe  gemacht  hat.  —  6.  =  der 
Keimfleck  im  Hflhner-Ei  (Gr.  w.  vil,  352),  als 
Stelle  einer  Verletzung  des  Eies  durch  den  sog. 
Hahnentritt  angenommen.  —  />Vui -Narbe  = 
die  die  Enden  der  gebrochenen  Knochen  zur 
Annäherung  und  Vereinigung  bringende  Kallua- 
masse  (Leim),  der  Knochenkitt  (Gr.  w.  i,  1387). 

—  Blatt  t  r-Narben  =  Vestigium  variolae,  die 
nach  dem  Ablaufe  der  geschwürigen  Haut- 
pocken in  der  Lederhaut  zurückbleibende  ge- 
steppte Hautveränderung  (s.  tatzet)  (Gr.  W.  II, 
7»).  —  (1680)  G  bnrtt  Narbe  =  Nota  congenita, 
Muttermal,  ein  seit  der  Geburt  bestehendes 
Hautmal  (Marke),  soferne  es  in  der  Lederhaut 
liegt  (Gr.  W.  IV,  I.  1809).  —  imjj/"- Narbe  =  die 
nach  dem  Ablaufe  der  Heilung  einer  durch  die 
Schutzpockenimpfung  erzeugten  Pustel  zurück- 
bleibende Veränderung  in  der  Lederbaut.  — 
(15.  Jahrh.)  rocken  Narbe  =  Blatternnarbe.  — 
Schicungerschafta  Narben  =  Striae  cutis  gravi- 
darum, „narbenartige  Streifen  meist  in  gewisser 
paralleler  Richtung  bei  rascher  Ausdehnung 
der  Bauchbaut  infolge  Schwangerschaft"  (Roth 
fioo).  —  Streich-Hsabe  =  die  nach  der  Verletzung 
durch  das  sogen.  Anstreichen,  Anstreifen,  An- 
rühren am  Fferdefusse  entstandene  Hautnarbe. 

—  vernarben  =  cicare,  durch  Narbenbildung 
vereinigen.  —  Närb-,  Narben -FlecJtte,  -Hins 
(Xäres,  Nertriss  und  Are»),  -Seite. 

Narr,  m.  Narre,  m.  Narrheit,  f.  (ahd.  narro ; 

8.  Jahrh;  Rab.  Maiir. ;  Graft  II,  1094  =  hrutus,  Ver- 
nickter;  nach  Kluge  *,  334  vielleicht  urverwandt  zu 
[ahd.]  [s]nuring  =  Schnurren,  Hpässe  oder  possenrcls- 
tender  Narr,  mhd.  narre  =  stultu*.  Irrsinniger,  Ver- 
rückter, Thor;  dttn.  nar;  schwed.  narr),  1.  =  ein  an 
einer  fixen  Idee  d.)  leidender  Geisteskranker  ; 
„der  Narr  unterscheidet  sich  hauptsächlich 
durch  Unzeitiges,  Ungereimtes,  dem  gesunden 
Menschen  verstände  Zu  widerlaufendes  in  Reden, 
Fragen  und  Lachen,  wodurch  er  selbst  wieder 
Lachen  erregt,  zum  Spotte  oder  Gelächter 
dient"  (Gr.  W.  VII,  357).  (176*)  der  Dr.  mit  dem 
grossen  N  (Bauernregeln,  8.  107).  „Im  biblischen 
Sinne  liegt  in  »Narr«  ein  moralischer  Vorwurf" 
(DJ.  Paul  321);  dazu  kommt:  2.  Narr  =  jede  dem 
sonst  gesunden  Wohlbefinden  und  normalen 
Gefühle  zuwiderlaufende,  scheinbar  grundlos 
eingetretene,  früher  dem  Einflüsse  elbischer 
(s.  d.)  Geister  in  Tiergestalt  zugeschriebene 
„gespassige"  Gefühlsveränderung  an  den  Ex- 
tremitäten, namentlich  an  den  Fingerspitzen: 
„eine  krampfartige  Spannung  an  den  Finger- 
gelenken" (Gr.  W.  VII,  364;  Schweiz),  conf.  Narren- 
nage], dernarrter  Finger,  daher  auch :  er  hat 
einen  Narren  an  ihm  gefressen,  d.  h.  er  hat, 
wie  durch  den  Genuss  elben-  (maden-)  haltiger 
Bohnen  (s.  d.)  veranlasst,  aus  elbischer  Ver- 
wirrung, eine  unerklärliche  Vorliebe.  —  3.  = 


der,  wie  Öfter,  wegen  seiner  Erektionen  als 
schelmisch  (s.  d.)  bezeichnete  Penis  (Hlntner  s, 
18;  Tirol).  —  4.  Narr  =  Narbe  (s.  d.).  —  narren, 

'  narren  =  sich  wie  ein  Narr  (1)  benehmen,  zum 
Narren  haben.  —  närrisch  (mhd.  ncrrl«eh,  Gr. 
W.  VII,  8»0)  =  verrückt,  sonderbar,  wunderlich, 
verkehrt.  —  Narrheit  (ahd.,  8. — 9.  Jahrh.  narrahelt, 
narhelt  =  vecordla,  Graft  II,  1094),  1.  =  Praecordia, 
Herzensangst,  melancholischer  oder  blödsin- 

i  niger  Geisteszustand,  Moria  (Roth  335).  —  2.  = 
Wahnsinn  (Hnfeland  251),  wobei  eine  Idee  die 

I  andere  verdrängt  und  jede  ohne  logischen 
Zusammenhang  wie  durcheinander  geworfen 

I  erscheint,  Verwirrtheit.  —  närrlich  (1560  ner- 
llch,  n.  8achs;  ndd.  neelk  =  närrlich)  =  weichlich, 
empfindlich  in  sonderbarer,  alberner  Weise 
(Goldachm.  165).  —  Narret,  n.  =  Anfall  von  Narr- 
heit (Schindler  I,  1753).  —  fror*- närrisch  fTirol; 
Wolf)  -  toll  wie  ein  spasshaft  springender 
Bock.  —  Imf),  u -narret  =  Nytnphomania  (von 

|  Mädchen),  geil  (Delling).  —  dt  ^narret  (B«yern, 
Tirol)  =  obstuposcens  =  ganz  abnorm  in  der 
Empfindung,  durch  Frost  z.  B.  (Schmeller  I, 
1764;  Wolf).  —  J?a/6  NarT  (15.  Jahrh.  fantuticus, 
p.  125)  =  ein  Mensch,  welcher  zwar  zeitweise 
geistig  abnorm  ist,  aber  doch  nicht  als  voll- 
kommen geistig  gestört  gilt.  —  Herr  von  Narren- 
berg  =  (umschreibend)  ein  närrischer  Mensch 
(Wackern.  Abhdlg.  III,  127).  —  kalbet  -närrisch  = 
närrisch,  verwirrt,  wie  ein  Mondkall)  (s.  d.), 
Wechselbalg,  Kretin,  (kälbern  =  lappisch  ihnen, 
Kirsch  676;  Schmeller  I,  1238;  Ober  den  Kftlbertan* 
vergl.  Gr.  W.  V,  57).  —  kalter  Narr  =  (scherzhaft) 
Katarrh,  Coryza  (Gr.  ff,  V,  273).  —  (18.  Jahrh). 
natürlicher  Narr  =  durch  eine  natürlich  (nicht 
damonistisch),  leiblich,  organisch  verursachte 
Verrücktheit  sich  äussernder  Geisteskranker, 
auch  im  Gegensatze  zum  moralischen  Narren 
(cir.  W.  VII,  354).  —  physikalischer  Narr  =  natür- 
licher Narr  (s.  d.)  (Gr.  vn,  354).  —  Spital-l$a.TT, 
1.  =  ein  wirklich  im  Krankenhause  unter- 
gebrachter Geisteskranker.  —  2.  =  ein  dummer 
Mensch  (spottisch).  —  Weg-JXtat  8.  Wegmar.  — 
Narren-,  närrisch«-,  (es)-Feibel,  Fieber,  -Klas*, 
-Xagel,  -Ritten,  -thätig,  -  Yasi,  -Zwickel. 

narsch-  s.  Arsch. 

naschen,  L  —  (ahd.  hnasc<~>n  =  catillare,  Weich- 
liche» essen;  mhd.  naschen:  die  Kobolde  galten  als 
leckende  [Mchcn,  Ktif  w  =  lecke]  Tellerschlecker  [ca- 
ÜUo.  D.  107);  daher  sagt  Scifr.  Helbllng  [1202];  SO  dich 
diu  suhl  benasche  da*  dir  bot  und  bar  abe  g&,  Ur.  D. 
M.  II.  1110)  -  nach  Wurmart  schelmische  Räude 
veranlassen  (parasitär;  auch  vom  räudigen 
Pferde)  (16«.»9;  v.  M.  I.  62).  —  2.  =  naschen  (ono- 
matopolctlsch)  =  nöschen,  hetschen,  singultare 
id.  538).  —  Grieben  (Griefen)  ^nascht  haben 
s.  lecken,  einen  Ausschlag  (Körlecken)  am 
Munde  haben  als  Strafe  der  Dämonen  für 
Näscherei  an  ihrer  Kultspeise  als  ob  dabei  eine 
Griebe  (s.  d.  S.  201)  am  Munde  bangen  geblieben 
wäre  (Spiess  II,  84). 

Nase,  f.  Nasen,  f.  näseln  (gem.-tndogcrm.  nasa 
[nasns,  nares);  germ.  nasa;  angls.  nasn ,  nosn;  ahd. 
nasa  =  narcs,  Cass.  Gloss.  Diez  92;  Rab.  Maur.  64; 
Kluge»,  268;  mhd.,  1482  nase,  naael,  f.  =  Naae,  Lexer 


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Nase 


Karte. 


435 


174;  1532  „die  du*  Ist  ein  Instrument  der  seelischen 
gelster,  durch  welche  die  Vernunft  durch  empflndung 
befindet  wu  wohl  oder  übel  riecht,  Ist  auch  ein  weg. 
dadurch  diu  gehirn  gereinigt  wird  von  der  überfluessig- 
kelt  der  luft  die  gezogen  ist  zum  gehirn",  Friei  83  = 
Intrina  capitis,  Demokr.  VII,  280  [s.  Hirn-  und  Nasen- 
wurm); 155«.  1561  nasz,  Gr.  W.  VII,  396;  Schwaben  nas, 
nes.  Buck  12;  Scbtn.  I,  17">9 ;  oberd.  nasen,  f.,  Gr.  W. 
VII, 396;  Elsass  nasel,  Gr.  W.  VII,  410;  ndl.  neue;  dan. 
naese;  schwed.  naesa;  engl,  nose  —  Nase,  Geruch, 
Kluge*,  2C8).  —  Nase  =  menschliches  u.  tierisches 
(Jeruchswerkzeug,  1.  =  die  aas  dem  Gesichte 
hervorragende  äussere  Nase  bei  Mensch  oder 
Tier  nach  Gestalt  and  Farbe.  —  2.  -  das  Nasen- 
Innere,  Nasenhöhle.  —  3.  =  das  Geruchsorgan 
nnd  -Vermögen.  —  4.  —  der  Träger  desselben. 

—  er  ist  auf  der  Nase  gegangen  =  er  hat  sich 
die  Nasenhaut  auigeschunden.  —  er  hat  sich 
eingeredet,  dass  er  auf  der  Nase  Lünne  und 
Leber  habe  -  er  hat  sich  eine  Krankheit  Nosb 
eingebildet  (Urquell  1897,  278) .  nach  dem  Aussehen  der 
Nase  stellte  man  früher  auch  Krankbeltsdlagnosen 
(s.  rote  Nase).  —  Über  das  Befühlen  der  Nasen 
spitze  =  bei  der  Nase  nehmen  s.  Birne.  Auf 
vollige  Intaktheit  der  Nase  scheint  man  in  alten 
Zelten  einen  besonderen  Wert  gelegt  zu  haben.  (In 
ganz  Schweden  zahlten  die  Leute  dem  Gotte  Odin  [an 
Stelle  einer  Kopfsteuer]  einen  Tempelsold  oder  Schatz- 
Pfennig  für  jede  Nase,  Maurer  II,  214  [nef-gildl  = 

Leiche  verschlossen  [nab  Jargir] ,  damit  die 
nicht  eindringen,  Maurer  II,  227;  die 
Nordgermanen  benannten  auch  Ihre  Häuptlinge  nach 
Naseo-Dlfforml  taten,  z.  B.  Rot-Nase,  raudnefr,  Kar- 
llnger-Nase,  Kerlingar  nefr  [10.  Jahrb.  kerllng  —  virago, 
Älteres,  mannahnliches  Weib)  =  Altweiber-Naw»,  Maurer 
II,  263).  —  näseln,  näselnd  (ahd.  neslendir,  nesilen- 
ter  ■  balbus,  D.  66;  II,  47;  H.  Z.  XV,  833;  III,  368; 
mhd.  neselnder  —  balbus,  Gr.  W.  VII,  410)  —  ein 
Sprachfehler,  wobei  die  Stimme  durch  Ver- 
änderungen in  dem  Baue  oder  Schwellung  in 
der  Nasenhöhle  einen  verstopften  Beiklang 
(nasillement,  nasonnement),  Nasalton  erhall, 
den  Kinder  und  „Franzosen"  mit  Vorliebe  bei- 
behalten (Dyslalia  nasalis  et  palatina)  (CoSn  36 ; 
Dcmokritos  VII,  279)  =  durch  die  Nase  reden.  — 
(lw)  nasling  =  oben  auf  der  Nase  befindlich. 

—  i4f//er-Nase  (1482  aqulllnus  =  adlerischer,  I).  44 ; 
hoU.  arendsneus)  =  Habicht-Nase  1.  —  W«u<?Nase 
i=  eine  durch  lokale  Blutstauung  (Frosi)  eya- 
notisebe,  Äussere  Nase  (Weinnase).  —  Affen- 
Nase  =  eine  nach  aufwärts  gezogene  Nase  bei 
Menschen  (Heramungsbildung),  silus,  silo 
(Klrschlioi)  b.  Kumpfnase.  —  Bibt  r  Nase  (  Nes) 
=  rote  Nase  (von  blbere,  Schmeller  1,  1759),  Bier- 
nase  (Studenten-Ausdruck?)  Blut-  Nasen  = 
Schweine,  welche  in  folge  der  Schnuirel  krank  hei  t 
oder  Schnüffelnasc  öfters  Nasenhluten  haben 
(Falke  I,  138).  —  böse  Nase  =  der  höhere  Grad 
der  kranken  Nase,  eine  durch  sichtbare  Ge- 
schwüre, offene  od.  rote  Haut,  Borken,  eitrigen 
NaBeofiusa  (Nasen botz)  entstellte  Nase  (s.  Birne) ; 
solche  durch  SrphUls  entstellte  Nasen  waren  in  Frank 
reich  den  Laien  im  Mittelalter  langst  schon  bekannt 
(s.  niseln,  Pr.  II,  150.  172).  —  (1616)  Bratken-Ua.se, 
I.  =  Kesimus  (D.  494),  einer,  der  eine  Mopsnase, 


rückwärts  aufgezogene  Nase  hat.  —  2.  =  einer 
der  eine  feine  Spflrnaso  hat  wie  ein  Bracken 
(ahd.  braccho  [zu  lat.  fragrare  m  stark  riechen,  Kluge", 
61]  =  Spürhund,  Gr.  W.  II,  290).  —  Burgunder- 
Nase  =  Karfunkel- (Wein-)  Nase.  —  Bufr-Nase 
s.  i'otznase.  —  Datschi-,  /VoV7.-Nase  =  eine 
breite,  wie  ein  flachgesch  lagen  er  Küchenbrei 
ausgebreitete  Nase  (Hchmeller  I,  655).  —  dick- 
nasig  ■  craflso  naso  deformis  (Gr.  W.  II,  1083). 

—  (1831)  doppelte  Nase,  1.  =  eine  durch  Ge- 
schwulstbildung (Warzen)  an  Umfang  ver- 
grösserte  Nase.  —  2.  =  eine  in  der  Mitte  ge- 
spaltene Nase  (Chellus  Ii,  518).  —  dünne  Nase 

—  feine  Nase  als  Geruchaorgan  (Schräder  324).  — 
(18.  Jahrh.)  (*«,«,)  i  N       =    .  schrecklich 

Ems-  {eiserne)  \ 
(s.  Eiss  8. 110 ff.)  entstellte  Potz-Nase,  ein  Attribut 
der  Perehta-Holda  (s.  Perchta)  (Schindler  I.  270; 
Jahn  282;  Z.  d.  D.-Oe.  A.-V.  1881,  189. 195).  —  (15.  Jahrb.) 
Hache  Nase  =•  simus,  Affen  nase,  Tellernase 
(D.  535;  engl,  flat  nose;  altnord.  flat-nefr,  Maurer  I,  75). 

—  (1623)  flüssige  NaM  ~  rotzige  Nase  (Gr.  w.  VIII, 
1329).  —  Fu i  ha ■  Nase  =  Hundsnase.  —  geplätschte. 
Nase  =  Dätschnase,  die  wie  verkrüppelt  er- 
scheint, wie  eine  durch  den  platschenden  Schlag 
breit  gedrückte  Na9e  (H.  Paul  343).  —  (1832) 
grintige  Nase  —  Lupus  narium,  eine  mit  borkigem 
Ausschlage  (Giint)  bedeckte  Nase  (Kopp  ll,  332).  — 
Geier-  \ 

Habichts-  \  Nase  (UM  habechsnase  =  aqulllnus, 
(Hoppe-)  | 

D.  44;  1680  hablchtsnasc,  Gr.  W.  VI,  2.  93;  Deraokritos 
VII,  278;  henneb.  üaeppenase,  Spiess  II,  106),  1.  = 
Nasus  curvus  ut  aquila,  Adlernase,  eine  stark 
hackenförmig  wie  ein  Adlet  Schnabel  gekrümmte 
Nase  (Nasones).  —  2.  silus  ( =  simus.  slmius), 
eine  stark  aufwärts  gebogene,  dabei  plätschig 
!  breite  Affen-Nase  (Gr.  W.  1.  c).  —  (16.  Jahrh.) 

Hacken-,  (1662)  hackrte  Nase  (engl,  hooknase, 
I  KulUchm.  I,  307;  hauckes  nese  =  aqulllnus,  D.  44; 
H.  Sachs;  1420  cyn  noz  hake  =  uncinus,  D.  II,  385; 
Schmeller  I,  1071)  =  Habichtsnase  1.  —  Härings- 
Nase  (Voigtl. ;  Köhler  V.  Br.  334;  engl,  flat  nosesj  — 
fladcnartig  breitgedrüi  kteNase  (Demokr. VII, 281) 
s.  FiBchkopf.  —  //r/VNase  (Tirol;  Qlntncr6. 15) 
=  die  mit  einer  Handhabe  verglichene  ge- 
krümmte lange  Nase.  —  Hunds-N&se  =  eine 
gut  witternde  Nase  (Demokr.  VII,  278).  —  Juden- 
Nase  =  die  der  jüdischen  Nation  eigentümliche 
gekrümmte  Nase.  —  Karfunkel  1H&&e  =  die  wie 
roter  Karfunkelstein  glanzende  Weinnase 
(lokale  hyperämische  Röte  od.  Akme  potatorum ; 
Burgunder -Nase).  —  Kolben-,  kolbete  Nase 
(15. — 16.  Jahrh.  ein  gross  grob  kolbetc  nase  - 


nasns,  D.  270;  15  Jahrh.  kolbettc  nasse,  Schmeller  I, 
IHM)  Nasus  grosNiis,  sogen.  Destilierkolben, 
eine  wie  ein  Glaskolben  dick  angeschwollene 
Nase.  —  kranke  Nase,  1.  -  eine  fratte  Nase, 
die  durch  Schnupfen,  bezw.  Naseniluas  ein 
äusseres  (Lippen-)  Erythem  od.  eine  Exkoriation 
zeigt.  — ■  2.  =  eine  böse  Nnse  (s.  d.)  (fir.  w.  VII.  400). 
—  Krumm-,  krumme,  Krumpf -N ase  (11.  Jahrh., 
ahd.  crumpf  nasi  -  simius  [Affe],  H.  Z.  III ;  cnimp- 
nasc  =  simius,  H.  Z.  XV,  317;  rrtimnaser  siuilui«, 
«iraffll,  1104;  IV,  610;  13.  Jahrh.  albmltdlner« 
l,  Sitz.-Ber.  1867,  8.  7;  1420.  mhd.  ernmik 


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i3fi 


Nase. 


Nase. 


nimus,  D.  I!,  339;  1482  krumpnaser,  Gr.  \V  V,  2465; 
/••tiiii«  Voc.  r6  =  almeua  [slmlus],  almus,  D.  535; 
grypos.  D.  270).  1.  =  die  Hipp-  od.  Habichtsnase, 
1.  2;  nach  dem  Volksglauben  den  elbischen  Dimonen 
eigen.  —  3.  =  der  Träger  einer  solchen  (s.  Nanen- 
löcher).  —  Kumpf  Nase  (1591  kumpina««  =  der 
die  nase  ober  sich  hat  wie  ein  afle  gekruemmt  silo 
rooro,  siniiae,  Had.  Jun.  393;  1594  kumpfe  schattsnaae 
(Fischart,  Gargant  ];  1590  kuropflnaas  —  «ilo,  silu», 
nuu<  erectus  et  adimctu«,  qol  habet  magna  super- 
cllla  [Nasenflügel],  D.  534;  1613  kumpfet  MM  =  Dasus 
reaimus,  zuruckgebogene  Affennase,  Schmeller  I,  1252), 
1.  =  dicke, aufgeschwollene,  breite,  aufgestülpte 
Nase,  eine  sogen,  pithekoide  stumpfe  Nasen- 
bildung, ähnlich  der  Affen-  oder  Schafnase, 
Mopsnase,  Tellernase,  Karnsnase,  die  wie  eine 
liumpe  (s.  Kumpf),  Schale  oder  Teller  offen 
steht  in  ihren  Nasenlöchern  (Ruck  12,  Schmeller 
I,  1252).  —  2  =  die  durch  Syphilis  eingefallene 
Nase,  die  dem  Kranken  ein  aflV-nähnliehe*  An- 
sehen gab  (&).).&  xiv  i;  üntptöa;  fAtsi^  \  fo, 
&C  ftjfli,  3ijA0'jvT«t  ijrspiritotoc,  Galenu* ;  Rosen- 
banm  46(5).  —  Kupft  >  -Nase  ■  Akne  (  =  Akme)  ro- 
sacea,  Karfunkvlnase,  Kupferfinne,  eine  durch 
rote  Finnen  oder  Blutgefasserweiterung  ent- 
stellte Nase  (s.  Kupfer)  (engl,  bottle  nose,  frx.  ne* 
de  betterave,  Demokr.  VII,  281).  —  LanyH*&e  (1420 
langnaslg  aqullinus,  D.  44  ;  16S0  nasus  oblongus, 
».  aqullinus)  -  das  Attribut  der  Perchta-.Stainpa 
(Tarifana  ?)  mit  der  angeblich  eiskalten  oder 
eisernen  Potz  -  Nase  (s.  Eissnase)  (Birltnger, 
Volkt.  I,  249;  Gr.  W.  V.  177;  Golth.  49.1).  —  Mops- 
Nase  -  eine  stumpfe  Nase,  wie  sie  der 
Mopsbund  trägt  ;  das  Gesicht  ist  dabei  frauen- 
haft schnüffelnd  verzogen  (Kluge*,  Ml;  Gr.  W. 
VI,  2525).  —  Plätsrh  ,  Platsch - MMM  =  breite 
Nase.  —  Pumpf-,  fumpe,  Pfund-  (?),  Pflumpf-, 
Plump-IXtiSe  =  eine  stumpf  aufstülpte  oder 
ilicke,  breite  Kumpf  -  Nase  (lautlich  entrtellt 
au*  diesem),  Nasus  quadratus  (Demokr.  VII,  277; 
Gr.  \V.  IV.  1.  527;  Splea*  II,  182).  —  Pfund-1Xa.se 
=  eine  grosse  mit  Akne  oder  Hauttinnen 
warzig  benetzte,  pfinnige,  ptlndige,  finnige  Nase. 
—  Potz-IXa&e  =  die  nur  ein  kaltes  Spitzchen 
(Bützcben,  Buts)  vorstellende,  hässlich  ent- 
stellte Nase,  das  Attribut  der  Holda-Perehta- 
Slatnpa  (vielleicht  nach  einem  Götaenbllde?  =  turpe, 
ftAOtOV,  Bastian,  Illuatr.  Z.  f.  Lauder-  u.  V.-K.  18*1, 
8.  28;  Alpbg.  49;  Z.  d.  D.  Ö.  A.-V.  1881.  195).  s.  auch 
Nasenbotz  und  Kissnase.  —  quatt  Nase^böse, 
schlimme  Nase  (De  rock  253).  —  Rams-Na.se, 

1.  =  die  mit  der  gebogenen  Widder-  (rem)  oder 
Hammel-,  Schaf -Nase  verglichene,  missge- 
staltete menschliche  Nase,  nez  de  mouton.  — 

2.  =  eine  dicke  Kumpfnase  des  Menschen  (Buck 
12;  Gr.  W.  VIH,  80).  —3  =  die  Kams-Nase  (1) 
beim  Baiuekopf  d.)  des  Pferdes.  —  ivm) 
rote,  Rot-Na.se,  1.  =  die  Karfunkel-  od.  Sauf- 
nase der  Weintrinker  (Khodakne).  —  2.  —  die 
rote  Nase  durch  Frosteinwirkung.  —  3  =  der 
Träger  einer  solchen  (Gr.  W.  VIII,  1313.  engl,  red 
nosed  ;  bei  den  alten  Norwegern  hies*  einer,  der  au« 
der  Beschaffenheit  der  Nasensehlelmhuiil  bei  Sebaten 
dereu  Tod  prognostizierte  [s.  Birne]  raudnefr  —  Kot- 
naBe,  Maurer  II,  130).  —  (1594)  rotzige,  (1680)  Rotz- 
Nase  =  Nares  hutnentes,  eine  mit  Schleim  volle 


I  Nase  (Gr.  w.  VIII,  I329ff.)-=die  Rotze  (Rot«  8).  — 
Rumpf -Nase  =  eine  aufgezogene  Mopsnase 
(Gr.  W.  VIII.  1497).  —  Sattei-1Xa.se  -  eine  sattel- 
förmig eingebogene  Slülpnase  (Schech  182).  — 
Sauf-  Nase  =  eine  rote  Burgunder  -  Nase  1 
(Behrend  60)  (s.  Kupferhandel,  Weinhandel)  (engl, 
ahrunk  nose-  Demokr.  VII,  280).  —  Schaf -1Xa.se  = 
nez  de  mouton,  eine  namentlich  durch  Syphilis 
der  Nasenscheidewand  eingesunkene  Karns- 
nase 1  (s.  d.)  (Gr.  w.  VIII.  2047).  —  Scharlach- 
Nase  =  eine  dem  roten  Tnchstoffe  in  der  Farbe 
angeglichene,  änsserlich  rote,  menschliche  Nase. 

—  m  h ! I  •  hl  -  näsig  (1502  schlecht  nessig  =  siraeus, 
D.  D,  339)  =  platt-,  flach-,  (schlicht)  -  nasig.  — 
schlimme  Nase ,  1.  =  (1421  sllmp  nasti  =  tlmeua, 
D.  II.  339  i  1734  nasus  obliqnos,  Heyne  V,  393),  schiefe 
(s.  schlimm)  Nase.  —  2.  =  böse  Nase  (s.  d.), 
•  lurch  Nasenbresten  entstellte  Nase.  —  Schnaps- 
Nase  =  Säufernase,  Weinnane.  —  Schnotter- 
Nase  (achnodderaaes,  Urquell  II,  139)  =  katarrhalisch 
alfUierte  Nase  (Schnott-Olf).  ~  Schnüffel-Nise, 
1.  =  ein6  raeist  infolge  von  Syphilis  oder  Skro 
fulosis  beim  Menschen,  2.  =  beim  Schweine 
durch  die  sogen.  Schnuffelkrankheit  (s.  d.)  ent- 
standene Nasenverengerung,  die  das  Atmen 
durch  die  Nase  nur  schnaubend,  schnüffelnd 
ermöglicht  (Kalke  II,  290).  —  Schöp»-1Xtae,  L  = 
(1414  schebsch-ncslg  =  simlcus,  D.  536),  schiefe,  ver- 
schobene Nase  (Schm.  II.  436).  —  2.  —  Hammel- 
nase. —  SftnA-NäSe  =  Ozaena  ( —  riechender 
Naaenpolrp,  Roth  380  ;  frx.  le  punalae  =  Wanxe,  puteo, 
Kofrsa  —  atlnkc,  Roth  380),  punaisie  =  eine  kranke 
Nase,  deren  Schleimhaut  durch  wanzenartig 
Obelriechendes  Sekret  (Borken,  Krusten)  be- 
deckt ist.  —  stumpf-,  »toMm-nasig  (D.  635;  aimu* 
nacrii,  Demokr.  VII,  277)  =  einer,  dessen  Nasen- 
spitze abgestumpft  ist,  wie  oft  bei  jugendlichen 
Mädchen  (s  Potznase,  eine  Art  Entwicklungs- 
hemmung). —  Tnftafc-Nase  -  eine  durch  Tabak- 
schnupfen gereizte,  rote  Nase  (Dcmokrltoa  VII, 
283).  —  Teller -Nase  (1591  tellcrnasa  =  slmus,  nares 
depressae,  Had.  Jun.  393;  engl,  flatnose)  ~  eine  flache 
Kumpfnase  (s.  d.).  —  triefende,  h  ■.  '  Nase 
(1521  druypnaslch,  tryfnaaig  -  naricua,  D.  375)  =  Nares 
humentes,  L'oryza  --=  Nasenfliessen  und  Nasen- 

j  tropfen  (s.  d.)  (Gr.  w.  VII,  400).  —  (1787)  trofkenc 
Nase  ~  das  erste  Zeichen  des  Schnupfens 
(Coryaa)  ist  das  Trockenheitsgefühl  in  dei  Nase 
(Vogel  II,  1901).  —  (1821)  verkrüppelte  Nase  =  ge- 
plätschte  Nase  «  helius  Ii.  501).  -  vemtopftelXase 
=  volle  Nase  (Pauli  11).  Schnüffelnaae,  Kolznace. 

—  volle  Nase  =  rheumate  laborare,  durch 
Katanh  (Kheiima  =  Fluss)  angeschwellte,  ver- 
siopfie  Nasenhölile  (Gr.  W.  VII.  4001.  —  Wein- 
Nase  =  BurKundernase.  —  Nasen-.l  /-  r,  -Ball, 
-Bein,  -Beschwerung,  -Birne,  -bluten, -Blutfluss, 
-Bohne,  -Bott,  -Brand,  -Bresten  ,  -Bug,  -Butt, 

I  -Dämpfigkeit,  -Dt  üsnel, -Fleisch,  -fliessen, -Flügel, 
•Fluss,  -Futter*,  -Qaden,  -Gang,  -Geschwür,  -Ge- 
schwür,  -Gestank,  -Getcächs,  -Haare,  -Höhle, 
•Keutlein,  -Kitzel,  -Knochen,  -Knopf,  -Knorpel, 
•Knorzel,  -Knospe,  -Knoster,  -König,  -Krebs, 
•Kröse,  -Kröspel,  -Kröszel,  -Krumme,  -Krupfel, 
-Kruspel,  -Krustel,  -Kützel,  -Kugel,  -Kuppe 
I  -Loch,  -los,  -Mangel,  -Mittel,  -Muschel,  -Ol, 
I  -pfeifen,  -pf eisen,  -Pfnüsel,  -Popel,  -Reischen. 


ii  ans— NativiUt 

-Rote,  -Bofi,  -ß«tcA-cn,  Sattel,  Schleim.  -Schmält, 
■Schnuder,  -Schnupfen,  -Schwei$9ung,  -Siechtum, 
-Speitzlein,  -Spiegel,  -Spitze,  -Stachel,  -Stein, 
-Stern,  -Stimme,  -  Triefen,  -  Trompete,  -  Tropfen, 
-Übel,  -Unterschied,  -Weh,  -Wolf,  Wurm, 
.Wurzel,  -Zäpflein,  Zipf,  -Zipfel. 

nass,  Nasse,  f.  (indogerm.  not,  nod  [votiu»,  \ö- 
"Jp6*J;  gern»,  nata,  ahd.  du  =  du>,  naizi.  nezzi.  f. 
=  NAase;  naset  =  lenllgo,  Graff  II,  1105;  12.  Jahrh, 
uece  [»-  Neu«],  H.  Z.  II,  205;  mhd.  nu  =  n«M,  naz,  u 
=  Flüssigkeit,  neue,  f.  -  Nasse  j  1  j«l  nessc  =  nässende 
Feuchtigkeit.  Klage',  268;  Gr.  W.  VII,  420).  —  (177») 
Nässe  hinter  den  Ohren  =  Ekzema,  Intertrigo 
auriculare  (Lorry ;  Behrend  6).  —  (UM)  er  ist  noch 
nass  hinter  den  Ohren  =  er  ist  noch  nicht 
trocken  daselbst  (Gr.  w.  VII,  1230);  viele  1  bis 
2 jahrige  (meist  skrofulöse)  Kinder  bähen  hinter 
den  Ohren  eine  nässende,  feuchte  Intertrigo- 
Stelle,  die  sie  mit  zunehmendem  Alter  verlieren, 
demnach  =  kindlich  naiv,  unerfahren  sein.  — 
nässen  —  nass  machen,  netzen  (s.  d.),  durch 
Wund-  u.  Hautsekrete,  Urin, Speichel,  Thränen. 

—  Nassauer.  1.  =  einer,  der  Thränen  vergieast. 

—  2.  =  ein  ratzensch wanziges  Pferd  (warum?) 
rragL  Bundsch.  I8v6.  269,  S.  1076).  —  Bettnässen 

—  Enuresis  (iv-o'jpstv),  Mictio  involuntaria,  das 
Bett  durch  unfreiwillige  Urinentleerung  nass 
machen.  —  ö/uf-nass  =  bluttriefend  (Lexer319).  — 
G<  natz  -  (inatz.  —  salzigen  Nass  -  Thränen, 
(Gr.  w.  VIII,  1709).  die  von  salzigem  Geschmacke 
sind  durch  darin  gelöstes  Kochsalz.  —  näs- 
send», nassen)  Äuglein,  -Furz*,  -Flehten, 
■Ganmatur,  -Grint,  -Krätze,  -Ohren ,  -Räude, 
•  Uberfang,  -  Wädich. 

Hassel,  f.,  m.  Nastel,  f  Nossel,  f.  du  Assel 

[..  dl,  dies  angeblich  aus  müat.  asellM,  llal.  aaello  = 
graues  Keller-Eaelrhen  ;  Kluge  *,  93  halt  es  mit  Recht 
(ur  davon  unabhängig;  1563  nossel,  ussel  —  eselehyn ; 
1583  na*»el  [Forer],  Kluge  1.  c. ;  1618  nosscl  =  scolo- 
pendra  centripeda  -  Nassel  oder  Auel ;  Bayern  nassel, 
nastel.  Kluge  1.  c  ;  Holland  bissebed.  Osterr.  assel  ^ 
die  Kellerassel,  die  bei  Kinderkrankheiten  noch  viel 
lach  als  Heilmittel  benütxt  wird;  sie  bei«*t  auch 
..Manchen",  Bchmeller  I,  1561;  und  ist  vermutlich) 
die  Gestalt  des  Meuchlers  (s.  d.)  der  in  damo- 
nistischer  Weise  die  Mauke  (e.  d.)  veranlassen 
soll;  seiner  Einwirkung  wird  wohl  auch  das 
I'anaritium  (Fingerwurm)  =  Nassel  fGr  W.VII,  420 
od.  Assel  (Schm.  I,  157),  zugem-hrieben  i>.  Assel  i. 

—  (16«2)  Ohr- Assel  'Nassei  Kluge*.  20)  =  der 
Ohrmuckel  (s.  Muckel). 

Nast  s.  Ast  2,  S.  18.  =  ausgewachsener  Buckel 

[ff,  w  I,  80). 

Natem,  Naten  s.  Atem  (Schm.  1. 176*) 

Nativität,  f.  (1741  KatlTitat  —  Geburtsstunde,  dl* 
unter  dem  Einflüsse  der  betreffenden  Ge»tlrn»-Kon«tel- 
lation  stand,  Kirsch  576j  -=  das  jedem  MeiiH<-hrn 
angeborene  (natlvus,  uaacor  -  geboren  werden) 
Temperament  (s.  d.).  —  die  Nativität  wurde 
Einem  gestellt  durch  das  Horoskop,  das  rartesianWr-he 
Mtnnchen  in  der  Glasglocke,  da.*  auf  die  vorliegenden 
„Temperamentsblatter"  wies,  auf  welchen  daa  be- 
treffende Gestirn  der  Geburtsieit  erläutert  war  {siehe 
Zettler,  MonacensU  1897.  8.  87;  146*  boro.copu«  = 


Natnr  «7 

weissag  durch  ein  angevangen  nativitaüsxeit  die  well 
einer  arbeitet ;  1500  horospicins,  horasculus  •  een  clok 
stelre.  I).  II,  205;  1515  wljsage  durch  angefangen  cljt 
vnd  wijle  eins  geachaffts,  D.  280;  uhren-clocksteller, 
1607,  L  eod).  —  Nati vitäts  Zeit. 

Natttr,  f.  (ahd.,  9.  Jahrh.  natura  -  chnuat  [siehe 
Knnat;  dies  der  ahd.  Versuch,  ein  einheimisches 
Wort  an  die  Stelle  des  Fremdwortes  lat.  natura  in 
setzen,  Gr.  W.  VII,  429];  10—11.  Jahrh.  natüro-sagin 

—  phyaiologici,  Notker  ~  Naturmeister,  b.  Manier  1561 ; 
bei  den  Nordgermanen  war  natturur  =  Naturgeist 
elbischer  Art.  Maurerl.  447;  II,  10;  damals  war  die 
ganie  Natur  durch  Elbenwesen  belebt;  mhd  .  13  Jahrh. 
oatüre  =  pbysis,  angeborene  Beschaffenheit.  Anlage, 
zeugende  Krall,  Kluge*. 268;  18.  Jahrh. natur  -  «penna ; 
1409  nature  —  weiblicher  Zeugungsstoff,  Gr  W.  VII. 
436,  15.  Jahrh.  natur  —  sperma,  D.  644;  1518  natur  = 
der  Samen  von  Mann  und  Frau,  H.  v.  Gersd.  14;  1521 
natur  ■  menstmum  ,  D.  356;  1634  natur  =  semen, 
ejarnlatJo,  Gr.  W.  VII,  436 ;  1561  natur  -  Notdurft, 
Gr.  W.  VII.  926  ;  1561,  1571,  1666,  1708  natur  =  Scham, 
mannliches  und  weibliches  Gemachte,  sperma  virile, 
pollntio.  Gr.  W.  VII,  433.  436;  1759  natur  =  semen 
mullebre.  Kulmus  182;  1783  natur  =  ..alle  Ursachen 
zusammen,  wodurch  unser  lebendiger  korper  hervor- 
gebracht und  erhalten  wird",  I'lattner  SO;  oherd  natur 
■  sperma,  eJaculaUo  «eininls,  urina,  pollntio,  iconor- 
rhoea,  menstruatio,  consüiutlo,  Temperament,  Körpcr- 
beschaffenheit .  Hjrrtl,  K.  W.  22;  Baltr.  B.  A.  K.  ü. 
Bayerns  1**9,  g.  172,  .«chmeller  I.  1769.  Hlntner  8  19; 
Buck  18  46;  Lamtnert  25y,  Pauli  J6;  nach  diesen  Be- 
legen und  nach  Gr.  W.  VII,  429  ist)  Natnr,  l.=das 
Weltall,  die  Schöpfung,  die  Geschöpfe  als  Er- 
zeugtes. —  2.  =  die  Gesetzmässigkeit ,  Regel- 
mässigkeit und  Ordnung  der  Erscheinungen 
im  Weltall.  —  3.  =  der  erzeugende  Samen  (s.  d), 
Sperma  (s.  männliches  GebllH),  Ovum  (Et)  incl. 
Menses  (14  — K>  Jahrh  ,  rund  so  wemede  nature  mit 
der  netten  [e.  Netze]  ls  gemenghet  de  nette  is  dicke 

'  und  wlomirh  [flaumig,  molkig;,  de  ls  des  todes,  J.  f. 
ud.  Spr.-F.  XV,  121).  —4  =  das  zeugende  männ- 
liche und  gebärende  weibliche  Glied,  l'ars  cor- 
poris, qua  quis  aut  vir  est  aut  femina,  weib- 
liche Geschlechtsöflnung  (geb.  103)  (franz.)  la 
nature    -  Süssere  weihliche  lieschlechtsteile 

I  (Bris«.  70).  — 5.  =  die  Zeugungsffthigkeit ,  Zeu- 
gungslust (die  sich  als  Natur  regt,  rührt),  ge- 
schlechtliche Vermischung.  —  G  =  die  ange- 
borene u.  eingeborene  Art  (s.  d.)  u.  Wesenheit 
(„von  Natur  angehören"1  t<;r.  \v.  Vli,  438),  Gon- 
Stitlltio,  Coinplesio  (1507  naturell  sonder  kullen  = 
eunuchus,  P.  213,  Wesen  mit  angeborenem  Anorchii- 
musk  —  7.  =  die  vom  Geiste  unabhängigen 
körperlichen  Triebe  (Notdurft)  und  Eigentüm- 
lichkeiten des  Menschen  vim  Gecensatre  zur 
Kunst  und  Kultur).  —  8.  =  der  Mensch  (b.  d  ) 
als  Träger  der  verschiedenen  Konstitutionen. 

—  9.  =  der  KrankheitsstofT,  der  die  Krankheit 
erzeugt.  —  natürlich  '14.  Jahrh  naturleieb;  1515 
natürlich.  D  a76;  Schindler  I.  1769)  -  der  Natur 
entsprechend,  gesetzmäßig ,  regelmässig  von 
Natur  aus,  angehören,  nicht  künstlich  erzeugt, 
durch  den  natürlichen  Trieb  erzeugt,  für  natür- 

.  liehe  Werke  oder  Triebe  bestimmt,  der  Kom- 
plexion oder  Konstitution  dos  Menschen  ent- 
sprechend ,  die  Komplexion  ausmachend  .^die 


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438  Natur. 

Konstitution  (Humor,  Feuchte,  8.  d.)  bildend. 

—  Natürlichkeit  (15.  Jahrb.  natürlichen  =  natur- 
alltas,  D.  376)  =  natQrlicbe  Eigenschaft.  —  (1843) 
Naturell,  n.  =  Anlage,  Wesen,  Gemütsart,  das 
eigentümliche  leibliche  tierische  Leben,  wie 
es  sich  dem  Gattungscharakter  gemäss  in  dem 
betreffenden  Individuum  darstellt  (Falke  II,  152). 

—  an  natürlen  =  durch  den  natürlichen  Trieb 
zum  Gelüste  anreizen  (Schm.  I,  619.  1789).  —  11615) 
blöde  Natur  —  schwache  Konstitution  (Coler, 
H.  A.  108).  —  (1599)  dürre  Natur  („ain  dürr  natur", 
Schm.  II,  621)  =  der  Mensch  mit  heisser,  trockener 
Natur,  rotem,  wasserarmen  Blute.  —  (1645) 
Eigen-N&tUI  (complexlo  oder  eygene  natur  vs«  der 
fler  element  eygenschafft,  D.  137)  =  die  jedem  Wesen 
eigene,  von  Natur  au*  zugehörige  Komplexion, 
Qualität,  Uumur,  Temperament.  —  (1477)  feuchte 
Natur,  L  =  das  kalte  Phlegma  (s.  d  ),  der  flüs- 
sige Schleim,  der  unter  den  4  Kiementen  (Luft, 
Feuer,  Wasser,  Erde)  nach  den  Lehren  der 
Humoralpathologie  dem  Wasser  entsprechen 
sollte  (Ortolf;  Gr.  W.  III,  1678)  (s.  Naturflusa).  — 
2.  =  das  heisse  und  feucht«,  hitzige  Tempera- 
ment (iSanguiniker),  phlegmatische  Art  (Para- 
celsus ;  Lorsch  223).  —  (1496)  ^rrtlUOlKn-NatUT  (de. 
bösen  franzos  natur,  Fuchs  I,  28),  1.  =  der  Krank- 
heitsstoff bei  der  Syphilis  (=  Franzosen,  s.  d.). 

—  2.  =  französische  Art  (Paracelsus ;  Lersch  223). 

—  .Frauen-Natur  (mnd.  die  nature  der  vrouwen, 
Mag.  Barth. ;  1508  =  menses,  Alb.  Majrn.  de  secrctis 
mulierum ;  1534  »in  frau  lr  natur  -  weiblicher  Zeu- 
gungsstoff, ,,die  schleimige  leuehtlgkelt  [der  Alten]" 
Kulmus  182,-  Gr.  W.  VII,  436)  =  die  durch  den  Ein- 
tritt des  Eies  in  den  UteriiB  erfolgende  weib- 
liche Periode  (Weibsnatur), durch  deren  Abgang 
sich  das  Geblüt  der  Frauen  nach  alter  Vor- 
stellung reinigen  (s.  d.)  sollte.  —  (1803)  fressende 
Natur  =  die  einem  Geschwüre  innewohnende 
Art,  beständig  um  sich  zu  greifen  (Phagodae- 
nismns)  (Töpelmann).  —fühlende  Natur  (16.  Jahrh. 
de  natur  to  voelende  =  achlton,  natura  sentiendi, 
D.  II,  8)  o  die  Kraft  etwas  zu  fühlon ,  Empfin- 
dungsvermögen. —  tfefenrrwiV  NatUT  (1551  Bock86; 
1582,  1643;  Lonlcerus  172)  -  die  durch  die  Geburt 
sich  äussernde  Zeugungskraft.  —  (1715)  Oans- 
NatUT,  nasse  =  Säuferart,  die  nach  Nassem  Ver- 
langen hat  (Toll.  leg.  862).  —  (1530)  yc-naturet  = 
geartet,  beschaffen  (Schroeller  I.  1769)  naich  Kmii- 
plexion  oder  Element  (1592  nuft  was  kranckheiten 
es  genaturt,  Seb.  206).  —  (1477)  hcisse  Natur  =  die 
Cholera,  der  Koller,  cholerische  Art  (Paracelsus), 
das  cholerische  Temperament,  das  unter  den 
4  Naturelementen  (Luft,  Feuer,  Wasser,  Erde) 
nach  den  Lehren  der  humoralpathologischen 
Schule  dem  Feuer  entsprechen  sollte  (Ortolf; 
1483,  C.  v.  Megbg.)  =  hitzi      Natur  (1609,  Guar.  1289). 

—  (1483)  //irn-Natur  (,.kalt  und  faeubt  reht  als  des 
hlrus  natur",  c.  v.  Megbg.)  -  die  Grundfeuchte  des 
Gehirns  (s.  Hirnfeuchte);  die  Grundeigenschaft 
des.,Gehirns,  dos  durch  den  Nasenschleim 
(Phlegma)  gereinigt  werden  sollte,  ist  nach 
dieser  früheren  Lehre  Kälte  u.  Feuchte.  —  (1529) 
Mtimdu^Natur  (Paracelsus)  =  innerliche  Organ- 
beschaffenheil. —  kalte  Natur,  1.  =  (1200  ehalte 
natur,  Pfeifler  22)  =  Phlegma  (s.  d.)  als  feucht- 
kalte Konstitution,  Gonstitutio coi poris  frigid«, 


Natur. 

die  Kaltblütigkeit  im  Gegensatz  zur  Heiasblütig- 
keit (Sanguiniker).  —  2.  =  der  MenBch  als  Träger 
einer  solchen  Konstitution.  —  3.  =  die  Ejacu- 
culatio  seminis  sine  libidine,  wie  sie  der  Teufel 
des  Volksglaubens  bat,  wenn  er  mit  den  Hexen 
buhlt  (81mrock ;  H.  D.  M.  474;  BlrUn«er  8.  I,  131).  — 
4.  =  die  nicht  befruchtende,  daher  kalte  Pollutio 
(s.  kalter  Bauer).  —  klrbeme  Natur  =  die  zarte 
Konstitution  (s.  kleben)  (Schm.  I,  1322).  —  (1482) 
Leibs  Natur  -  die  Beschaffenheit  des  Körpers 
nach  seiner  Konstitution  und  Wesenheit  (c.  t. 

Megbg. ;  Gr.  W.  VII,  438).  —  (1561)  männlicht.  Mann, 

Natur,  1.  =  die  aggressive  Männlichkeit  (Po- 
tentia  virilis)  gegenüber  der  kalten,  passiven 
Weiblichkeit  (Generatio,  Potentia  feminae).  — 
2.  =  das  Semen  virile  gegenüber  dem  weiblichen 
Samen  (s.  d.).  —  3.  =  die  Genitalia  viri  (Bock 
418;  Gr.  W.  VII,  436).  —  nicht  natürlich  =  unnatür- 
lich (s.  d.).  -  phlegmatische  Natur  =  die  (kalt- 
feuchte) träge  Konstitution,  entsprechend  dem 
(kaltfeuchten)  Schleime  (e.  Phlegma)  (Gr.  W.  VII, 
1833)  =  kaltblütige  Natur,  ein  kalter  Mensch.  — 
Boss- Natur  =  eine  wie  zu  sogen.  Pferde-  oder 
Rosskuren  (wozu  man  [1749]  die  sogen.  Kaltwasser- 
kuren rechnete,  Z.  f.  d.  Thllol.  XXVI,  248)  geeignete, 
besonders  kräftige,  starke  Konstitution.  —  (i483) 
saubere  Natur  ■  eine  von  Krankheitsstoffen 
freie,  reine  Konstitution  (C.  v.  Megbg.).  —  (1531) 
schlaff'ende'N&tuI  =  atonischer  Zustand, Energie- 
mangel  in  den  Funktionend. Organe (Krautw.  III). 

—  schwache  Natur  =  der  Gegensatz  der  starken 
Natur  (s.  d.)  (Pauli  25).  —  springende  Natur  = 
Ejaculatio  seminis  (Pauli  2b).  —  starke  Natur  = 
ein  nur  bei  starken  Arzneidosen  (Abführungs- 
mitteln z.  B.)  reagierender  Körper,  dem  man 
auch  mehr  zumuten  kann  (s.  Rossnatur)  (rergl. 
Hippokrates,  Aphorism.  II,  87 ;  Pauli  25).  —  süchtige 
Natur  =  eine  zu  Ausschlägen,  chronischen, 
immer  wiedorkehrenden  Krankheiten  (s.  Sucht), 
c.  B.  Ekzema,  Furunculosis  (angeblich  auch 
Läusesucht)  etc.,  geneigte  Konstitution  (Lammart 
ji*}.  —  übet  natürlich  =  abnorm,  über  die  regel- 
mässige Ordnung  hinausgehend,  unnatürlich, 
durch  Zauberei  veranlasst.  —  unnatürlich  = 
regelwidrig,  monströs,  abnorm,  fehlerhaft,  durch 
abnorme  Ursachen  veranlasst ;  nach  den  Lehren 
der  Humoralpathologie  war  unnatürlich  auch 
=  der  Konstitution  od.  Komplexion  noch  nicht 
oder  nicht  mehr  entsprechend ,  ins  Gebiet  der 
pathologischen  Komplexion  (Morbus) gehörend  ; 
z.  B.  nicht  natürliches  Blut  durch  Galle  (s.  d., 
Cholera,  Melancholia)  Phlegma  etc.  vermischtes 
Blut,  das  sich  vom  natürlichen  Blute  durch 

1  Farbe,  Konsistenz,  Geruch,  Geschmack  etc. 
]  unterscheiden  sollte;  das  unnatürl.  Phlegma 

—  die  die  natürliche  Menge  des  Körpers  an 
Phlegma  (s.  d.  =  Humor  phlegmaticns)  über- 
steigende Phlegma- Vermischung,  die  zur  Krank- 
heit (Morbus  phlegmaticus) ,  zum  Katarrh, 
Rheuma,  Phleuma,  Flues  führen  sollte,  od.  auch 
eine  Vermischung  der  phlegmatischen  Kon- 
stitution mit  anderen  Humores  (gelbe  oder 
schwarze  Galle,  z.  B.);  die  unnatürliche  Galle 
(Cholera)  =  die  bis  zum  Übermasse  gesteigerte 
gelbe  Galle  im  Körper  (Morbus  cholericus)  od. 
die  mit  einem  anderen  Humor  (z.  B  Phlegma, 


i 


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-nau — Nebel. 


neben— nehmen.  439 


Melanrholia,  Sanguia)  vermischte,  choleriacbe 
Konatitation;nicht  natürliche  schwarzeGalle 
(Melancholie)  =  die  bia  zum  Abnormen  gestei- 
gerte  Menge  von  schwarzer  Galle  in  der  Müs 
(Morbua  melancholicus,  Milzaucht)  oder  die  mit 
anderen  Hu  mores  (gelbe  Galle,  heiaaea  Blut, 
kaltem  Phlegma  z.  B.)  vermiachte  melancho- 
lische Konstitution.  —  (1785)  venerische  Natur 
=  zum  Venusspiel  geneigte  Anlage,  Bocka- 
geil  heit  (V.  B.  69).  —  (1591)  Weib»-,  (im)  Weiber- 
Natur,  1.  =  Frauen -Natur  (a.  d.),  natürliche 
Frauensucht =  Menses.  —  2.  =  die  Gebarmutter 
als  weibliches  Zeugungsorgan  der  Natur.  — 
3.  =  weibliche  Genitalien  Oberhaupt,  im  Gegen- 
sätze r.ur  mannlichen  Natur.  —  4.  =  Weiblich- 
keit überhaupt  (Had.  Jim.  32).  —  5.  m  die  kalte, 
passive  Natur  des  Weibea  (Baas  66).  —  6.  =  sog. 
weiblicher  Samen.  —  widi  >  -natürlich  =  un- 
natürlich (s.d.)  („schroffer  als  unnatürlich",  H.Kleln- 
paui).  —  Natur-,  natürliche,  übernatürliche, 
unnatürliche  -Ausgang,  -Bedürfnis,  -Blattern, 
•Brand,  -Bruch,  -Cholera,  -Dinge,  -Durst,  Er- 
starrung, -Fehler,  -Feuchte,  -Fleisch,  -Fluss, 
-Frauensucht,  -Gang,  -Geblüt,  Geschwulst,  -Glie- 
der, -Hitse,  -Kraft,  -Krankheit,  -Leibesfrucht, 
-Morgenschtceiss,  -Nachlas»,  -Reinigung,  Samen, 
-Schaden,  -Scham,  -Schweis»,  -Spiel,  -Stätte, 
-Sucht,  -Teüe,  -  Tod,  -  Tracht,  -Trieb,  Wärme, 
-  Werke,  -Zeit. 

-nau  (zu  goth.  n4bws  —  nahe  od.  zu  naü  —  beengen 
[s.  Not],  Klage  *,  134  ;  nau  —  enge,  knapp).  —  to-U&Ut 
=  beengt,  beklommen  (Fromm.  VI,  62).  —  (1607) 
2?raauung  =  Anxietas  (L.  cblr.  6),  Benommen- 
heit, Betrübnis  (suechtlg  o(  benauweng  =  aegTitudo, 
anriet*«,  D.  17).  —  rernauens.  verneuen. 

naueln,  nauneln  (von  lat.  nöna  (»eil.  bora]  - 
neunte  Stunde  —  3  i  hr  nachmittags,  wie  die  Siesta  = 
bora  sexta  =  12  I'hr  mittag«,  eine  in  den  Stiftsschulen 
n.  Klöstern  vorgeschriebene  Ruhezeit  für  die  Schüler, 
a.  Specht,  Geach.  d.  I'nterr.  in  Deutscht.  18*5.  8.  167i 
m  einen  kloinen  Erholungs-  oder  Nachmittag- 
achlaf  machen;  der  leichte  Schlaf  der  Kranken 
(Fromm.  VI,  368)  =  Naunel ;  dazu  Nona  (a.  d.).  — 
dazu  ninna  gehen  (Kinderspr.  E.  W.  I,  lyO).  — 
i, "nauger,  m.  =  ein  kurzes  Schläfchen  (Tirol; 
Wolf). 

Naue,  m.  =  Nacken  ala  engerer  Teil  (siehe 
Hackel-Anke  u.  -nau)  unterm  Hinterhaupt  (C.  v. 

NeapeL  -  neapolitanische  Krätze,  Sucht. 

Nebel,  m.  (vorgerm.  nebholo  [vttpiXw,  nebula], 
ahd.  ncbul;  mbd.  nebel  =  Wolke,  dunstige  Trübung 
in  sonnt  durchsichtiger  Luft.  Kluge»,  26S)  =  Trübung 
in  sonst  hellen  Organen  (Auge)  oder  Sekreten 
(Urin).  —  (1429)  neblich  (nüblich,  niblich,  von 
Augen)  =  nebuloaus,  ao  beschaffen ,  als  ob 
ein  Nebelschleier  (vor  den  Augen)  wäre  (Schm. 
I.  1713).  —  .-Iii./.  »-Nebel  w«  ,  ,  1.  ^  Nubecula, 
wolkige  Trübung  in  der  Hornhaut  des  Auges, 
Keratitis  parenehym.  —  2.  =  Leukom  und 
Pannus.  —  3.  =  Augenfell  (1692  nebe),  Seb  >y,, 
angennibelang ,  Seb.  150).  —  (15.  Jahrb.)  bose 
Nebel  =  scherzhaft  für:  Katzenjammer  = 
Status  gastricua  mit  Ohnmachts-Anwandlungen 


und  Sehstürungen  (Bayerl.  1894,  S.  299).  — 
Nacht  Nebel,  1.  =  Hemeralopie,  Nachtblindheit 
(s.  d.),  wobei  das  Gesichtsfeld  auch  am  Tage 
wie  durch  einen  Nachtnebel  verhüllt  erscheint 
(Qr.  W.  VII,  170.  202).  —  2.  =  das  sogen.  Plärr  der 
Augen  (Schm.  I,  461)  (a.  Blärr  2),  eine  Trübheit 
des  Gesichtsfeldea  infolge  chroniachen  Binde- 
hautkatarrha  mit  entstellender  Verziehung  dea 
Augenlidea  durch  eine  geschwürige  Krankheit 
daselbst.  —  3.  =  „Torpor  der  Netzhaut  bei 
Retinitia  pigmentosa  gegen  geringere  Hellig- 
keitsgrade, so  dasa  das  Sehvermögen  in  der 
Dämmerung  oder  zur  Nachtzeit  mehr  oder 
weniger  vollständig  aufgehoben  ist"  (Roth  224). 

—  Nebel-,  genebelt?*  Angesicht,  Aug,  -Flecken, 
-Sehen,  -Staat,  -  Triefen. 

neben  (die  Zuwuntnensetzungon  mit  dieser  Pra- 
poiition  siehe  beim  betreff,  nachfolgenden  Stamm- 
worte). 

necken  -  den  Appetit  reizen  (Kluge*,  268).  — 
Grneck  s.  Knock. 
Nefel  s.  Nebel  u.  Nifel. 
neffzen  s.  naffezen. 

Neger,  m.  (franz.  negres  —  nlger,  schwarzer  Mensch, 

Mohr).  Neger-J/wirf. 
nehig  s.  nahen. 

nehmen  (altgerm.  tu- man.  neraus  [Hain],  vöfioi; 
[Gesetz],  vsjaüj  [das  Weiderecht  zuerteilen};  gem.-germ. 
nenian  [  s  entere?);  ahd.  nOman ;  mbd.  nemen,  Kluge*, 
269  —  etwas  zur  Besitznahme  od.  Entgcltung  empfangen 
oder  holen).  —  kein  gutes  Aller  nehmen  (H.  Sachs) 
=  nicht  alt  werden,  keines  hohen  Alters  teil- 
haftig werden  (Gr.  w.  vn,  63i).  —  Ab  nehmen, 
1.  =  etwas  wegnehmen,  z.  B.  das  Kind  von  der 
Mutter-Brust,  das  Kalb  v.  Euter  (a.  anbinden*) 
(Gr.  w,  I,  80;  8pleas  Ii,  i).  -  -  2.  =  weniger  werden 
(1580,  1591  das  abnehmen)  =  Tabes,  Pbthiais,  das 
Wenigerwerden  an  Leibesfülle  infolge  a)  einer 
zehrenden  Krankheit,  z.  B.  Schwindsucht  (H.  v. 
Gersd.  82 ;  Künigssp.  58  ,  I U ■  k  87 ;  Taberu. ;  BAuml.  88 ; 
Gr.  W.  I,  80);  b)  Auszehrung  der  Kinder  (Bav.  IV, 
3.  346);  c)  (1742)  Augenapfelschwund ,  Phthisis 
bulbi  (Zw.  180);  d)  am  Geäder  (abnemen  des  geeders, 
Parac.  d.  imp.  F.l),  an  den  Gliedern  (abnemen  der 
gllder,  Parac.  de  Imp.  Jl)  oder  am  ganzen  Körper 
(=  Greb,  Grfth)  =  Abnehmen  an  Umfang,  Fülle, 
Festigkeit  (Chr.  Sam.  II,  93).  3.  =  Nachlassen 
(das  Ergeben*)  od.  Geringerwerden  der  Krank- 
heitserscheinungen, Lysis  morbi,  Declinatio 
(I75fi;  A.  v.  H.  I,  587).  —  fettiges  Abnehmen  ■ 
Abnehmen  2d,  so  dass  die  Milch  fetzig,  ge- 
ronnen, klumpig  wild  (E.  W,  I,  MI;  das  „Abnehmo- 
Kraut"  ist  Herba  siderltcs,  Gliedkraut).  —  a  'i  -  nehmen 

-  an  Umfang  zunehmen,  gedeihen.  —  (1561) 
Atem  nehmen  =  durch  vermehrtes  Atemholen 
sein  Luftbedürfnis  decken.  —  A  u/- nehmen  = 
coneipere,  den  Samen  zur  Befruchtung  des  Eies 
auffangend  entgegen  nehmen  und  behalten.  — 
falsche  AufndAane  =  Abortus,  fausse  couchc, 
Fehlgeburt,  fehlerhaftea  Behalten  der  Leibes- 
frucht. —  fonommen  (Oldenburg  benant),  wenn 
die  normale  Thfttigkeit  eines  Urganca,  z.  B. 
Gehirn,  Magen,  Brust,  behindert,  gewisaer- 
massen  von  etwas  anderem  iu  Besitz  genommen 


440  Neid. 

ist,  welches  dann  bei  diesen  Organen  Druck- 
erscheinungen macht,  als  ob  es  deren  Plate 
einnehmen  wollte;  das  drückende  GefQhl  von 
Eingenommenheit  (Goldschm.  102. 111 ;  engl.  benumb 
m  erstarrt,  betäubt,  Lebt.  144).  —  -  in-Mioramen 
■3  benommen,  im  Kopfe  z.  B.  —  mil-nehmen, 
1,  =  da«  Fieber  oder  die  Krankheit  nimmt  ihn 
mit  =  eine  Personifikation  der  Krankheit,  an 
der  er  sterben  wird,  da  ihn  der  Tod  in  sein 
Reich  mitnimmt.  —  2.  =  es  nimmt  ihn  arg  mit, 
d.  h.  er  wird  magerer,  da  etwas  an  ihm  zehrt, 
seine  Körperfülle  vermindert.  —  £>ucA/-Nehmer 
(1482  suchtuetuer  =  morblgena,  D.  367;  =  derjenige, 
bei  dem  die  Seuche  ihren  Anfang  nimmt,  der 
die  Seuche  herumtragt.  —  Den  Tod  nehmen 
=  sterben,  des  Todes  Gesellschaft  in  Kmpfang 
nehmen  (s.  fahen  u.  grflssen)  (Gr.  W.  VII,  528).  — 
«'■ir-nehmen,  1.  =  zu  stark  sich  beschweren, 
zu  vieles  leisten;  er  hat  sich  übernommen, 
durch  zu  viel  Arbeit  beschädigt.  —  2.  =  die 
Kuh  hat  sich  übernommen  =  zu  viel  an  Um- 
fang zugenommen,  ist  an  einer  Stelle  durch 
Schwellung  Ober  die  Norm  starker  (Zeltschr.  t. 
Kulturgesch.  1897,  8.  219).  —  (1092)  \\ >  -nehmer  = 
Lauscher,  von  Pferden  (Beb.  190).  —  Ferounft 
(zu  vernehmen,  ein  Abstraktuui).  —  mimnünftig 
(1427  unvcrnonfftlg  =  demens,  Krlegk  II,  356;  dan. 
uloruuJüg;  schwed.  otvernutüg)  =>  unsinnig,  ver- 
standlos,  der  nichts  begreifen,  vernehmen,  ver- 
stehen kann.  —  Zu  nehmen  =  den  schon  vor- 
handenen Besitz  oder  ZuBtand,  z.  B.  an  Jahren, 
Körperfülle,  Krankheit,  vermehren  (1591  zu- 
nebmung  der  krank  holt,  incrementum  morbi,  Ilad. 
jun.  890).  —  schwindendes  Zunehmen  nois  das 
achweinende  zunemmen  =  luxus  elephantlae,  raraceln. ; 
Fr.  II,  76)  —  syphilitische  Elephantiasis  (Hyper- 
plasia,  Hypersarcosis,  Hypertrophia)  mit  Ab- 
magerung des  ganzen  ührigen  Körpers.  —  zu- 
nehmend'^ Alter,  Schäden. 

Neid,  Hl.  (germ.  nftba  —  Anstrengung;  ahd.  nid 
=  Zorn.  Ha«*.  Schimpf;  mhd.  nit  (vergl.  Neidnagel 
und  vemetden],  Kluge*,  269).  —  (1741)  Neider,  1.  = 
Paronychia,  Neidnagel  (s.  d.)  (Gr.  W.  VII,  668, 
Kirsch  869).  —  2.  =  der  Musculus  oculi  abducens, 
welcher  am  Auge  den  neidischen  Blick  zur 
Seite  veranlasst  (Hyrtl.  K.  w.  61).  —  8.  =  Augstall 
(s.  d.)  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1891,  8.  312),  vermutlich 
eine  durch  das  sogen.  Verneiden  (s.  d.)  oder 
den  Neiding,  Neidhart  nach  dem  Volksglauben 
entstandene  Pferde-Augenkrankheit.  —  7-8Neid 
=  77  (siehe  7),  d.  h.  vielfache,  aus  Neid  ange- 
zauberte Krankheiten,  Morbi  incantati  (Z.  d.  V. 
f.  V.-K.  1891,  6.  311).  —  Ver-neid(rri,  ung)  -  durch 
den  bösen  oder  neidischen  Blick  jemand, 
namentlich  Kind  oder  Vieh,  bo  behexen  oder 
bezaubern  (vermeinen),  dass  es  davon  irgend 
eine  Krankheit  erhält  (eine  abergläubische  Vor- 
stellung de*  Volkes,  das  deshalb  den  „wilden,  hastigen 
[heftigen),  garstigen  Neid"  bei  Vieh  und  Kind  bannend 
bespricht  [s.  Neidwurm,  Neidhaar],  Wuttko  152;  Alpbg. 
»61;  Bav.  I,  L  320;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1891,  III.  309). 
Ks  ist  wahrscheinlich,  dass  unter  diesem  ,,Seid"  die 
Thatlgkelt  eines  neidisch  gesinnten,  elblschcn,  qualen- 
den Dämons  (Neidhart)  verstanden  wurde,  gegen  dessen 
KinfliiBs  die  sogen.  Neidstangen  auf  den  iUusergicbeln 
angebracht  waren  (nordisch;  Plmrnrk,  D  M  .  I.  Aufl., 


366);  namentlich  sind  es  die  Augenbrauenhaare,  die 
sogen.  Wenkbraoen  der  elbischen  Geister,  welche  deren 
neidische  Gesinnung  kennzeichnen  sollten,  wie  j« 
überhaupt  durch  ulnen  grossen  Teil  des  Heldentums 
der  Gedanke  des  Neides  der  Götter  gegen  die  Menschen 
hindurch  geht,  welche  darum  den  Menschen  und  seinen 
Haustieren  Böses  antbun.  —  Neid  ing)  - .1  u,;,\  -Fell, 
■Fletsch,  -Haar,  -Hacken,  -Baut,  -Kind,  -Nagel, 
-Stroh,  -  Werk,  -  Wurm,  -Würz  (».  auch  Nietb). 

neissen,  Gneiss  (Gnitz)  (zu  ahd.  neuen  =  cm- 
clare,  mhd.  neizen,  nelsen)  =  bedrangen,  beschä- 
digen, plagen  (Hehmeller  I,  1760).  —  (?meiss 
(Gneiss)  =  die  vielfache  Plage  od.  Beschädigung 
durch  einen  angenommenen  peinigenden  Krank- 
heitsdämon in  Gestalt  einee  (Gneiss-) Wunnes, 
der  wie  die  heimtückische  Gnadda  (Edda,  Jordan 
440)  und  der  Molchwurm  (Olm)  auf  der  Haut 
und  an  den  Zähnen  beisaend  und  nagend  plagt 
(„venlt  ad  me  gageneis  et  momordlt  nie"  [in  einem 
alten  Zahnsegen],  Schmeller  I,  1759)  U.  a.  als  jäher, 
plötzlich  einschleusender  Zahnschmerz;  (siebe 
Gnaas).  -  Gneiss-  Wurm. 

Neit  s.  Neid. 

Neil,  Nellen  (Nalla,  Nallen,  Nolle,  Nohl) 

(ahd.  bnel,  hnella,  hnol,  Graff  IV,  1131;  11.  Jahrb.  nel 
—  slnciput,  Gr.  W.  V,  1747;  1399  ncl  =  ocelput;  1474 
nell  ss  ocelput,  Nacken,  Schmeller  I,  1736;  mhd.  nel, 
nelle,  nulle  =  Erhabenheit  [s.  Knollen],  Spitze,  Scheitel), 
L  =  Kopf,  Vorderhaupt  und  Nacken  sowie 
Genick,  Hinterhaupt  (s.  Hauptnell),  Sinciput, 
Occiput,  Supercilium  (Hintner  6. 12).  —  2.  =  Möns 
Veneria  feminae  (Schmeller  I,  367.  1787);  (vergl. 
Noll).  —  3.  -  Kretin,  der  beim  Nöllentbörlein 

'  untergebracht  war,  als  Dickkopf,  Nöllenkopf 
(IJrl,  Aargau,  Luzern;  Z.  f.  d.  Phil.  III,  385.  836).  — 

i  A/fer-Nell  (fthd.  aftimel,  Schmeller  I,  173«;  D.  392) 
b  Hinterhaupt  als  rundliche  Erhabenheit, 
Vorsprung  am  Haupte  (alter  ■  hinter).  —  Haupt- 
Heil  (ahd.  hnel  haupltes)  =  Testa,  Calvarium,  die 
von  der  Kugelfittehe  abweichende  Erhabenheit 
am  Vorder-  oder  Hinterteil  dee  Schädels  (Graft* 
IV.  1131).  —  JftnfVr-Nell  =  Occiput,  Afterneil 
(Schmeller  i,  1736).  —  Porder-Nell  =  Sinciput,  die 
am  Vorderschädel  besonders  vorspringenden 
Augenbogen  (Schmeller  I,  1736).  —  Nellen-Äop/. 

nellig  =  närrlich  (s.  d.). 

nennen,  Namen,  m.  -nannt  (indogerm.  nomen 

=  Namen,  „ein  Wort  von  höchstem  Alter  und  der 
weitesten  Verbreitung",  Kluge;  vielleicht  zu  nein  = 
nehmen,  das  Angenommene;  lat.  nomen;  gricch. 
ovou,*;  golh.  namnjan  —  nennen,  namö,  n. ;  ahd. 
namo,  m.  neu» inen,  nennen;  mhd.  name,  m.  nenneu, 
Kluge  *  267.  269).  —  Personen  su  benennen,  war  ein 
uraltes  Bedürfnis,  wie  auch  (ignoU  nulla  est  curaUo 
morbi)  die  Benennung,  weil  Behandlung  der  Krank- 
I  holten,  die,  wie  das  Feuer,  früher  fast  ausschliesslich 
persönlich  aufgefasst  wurden ;  allindlscbe  Sprüche 
nennen  sie  su-n&mau  und  dur-nuinan,  d.  h.  Krank- 
heiten mit  gutem  besw.  bösem  Namen  (Kuhn,  Z.  f.'  v. 
Spr.-W.  XIII,  148.  149);  die  erstcren  durfte  man,  well 
die  Namen  gutgesinnter  Krankheitsgeistcr,  ungestraft 
aussprechen ;  die  Imm  Namen  aber,  sowie  die  Namen 
schädlicher  Tiere  (Dftmone)  sollten  besser  und  nament- 
lich zu  gewissen  Jahreszeiten  (s.  Schwarmzeiten)  unbe- 


» 


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nepfen— Neres. 


Nerf. 


441 


nannt  bleiben  j  selbst  der  gute  Hausgeist  veracbwindet 
nach  der  Volkssage,  sobald  man  ihn  beim  rechten 
Namen  anspricht;  man  wählte  deshalb  mit  Vorliebe 
die  sogen.  A Namen,  nm  sieb  bei  den  Dämonen 
einzuschmeicheln  («•  Adel,  hold,  gut,  salig,  Trnd  etc.), 
oder  man  umschrieb  sie  mit  verhüllenden,  nur  an- 
deutenden Bezeichnungen  (Ding,  Wesen,  Wicht);  bei 
direkten  Anreden  oder  Bannformeln  aber  bediente  sich 
der  Becp recher  der  Dämonen  bezw.  der  Krankheiten 
wohl  auch  ganz  despeküerlicher  Schimpf-N a.men, 
Scheltworte,  Drobreden,  um  den  argen  (s.  d.)  Dämon 

Kose- Namen  erfolglos  gewesen ;  um  die  wahren  Namen 
zu  umgehen  und  doch  alle  zu  bezeichnen,  wählte  der 
Be*p  recher  der  Krankheit  auch  die  hyperbolische 
Zahl  77  (s.  d.).-  daher  auch  77  Fieber-Nsuaen  (Engel. 
359) ;  in  zweifelhaften  Fallen  blieb  er  beim  Namenlosen 
oder  <7f»f>(fff)-nannt  (unbenoem,  n. .  Wuttke  ML 
232.  252;  Kuhn,  1.  c.  144.  148;  1260  ungenannt,  Pfeiffer 
85;  15.  Jahrh.  unbenannt,  n.  ungenannt,  n.  ungnat. 
H.  Z.  XX,  28;  schnu  ll  -  II,  238  fl.);  worunter  vor  allem 
verstanden  wird :  1.  =  Wurmdämon !  a)  „der  ange- 
nannte Wurm"  (s.  d.)  oder  Fingerwurm,  Pana- 
ritium,  Umlauf  (quod  Germani  vocant  das  , .unge- 
nannt", hoc  est  innominatum ,  quod  nominare  non 
debeat;  ajunt  enim  gaudere  et  vel  semlanlmem  revl- 
viscere  sl  nomluetur;  aensim  lnclpit  in  dlgitla  manuum 
et  pedum  Ipsaque  tandem  ossa  corrodit  ut  excml 
debeant  corrupta,  Gr.  D.  M.  1109.  UM;  Theophr.  ßr. ; 
Zw.  662;  v.  Adrian-Werburg,  ,,Cber  Wortaberglauben" 
im  Anthropol.-Kongr.  1996;  C.  v.  Schm.  401;  Blrlinger 
t,  1461;  Book  64);  b)  der  Wurm  (Rotz)  beim  Pferde 
(Falke  II,  386).  —  2.  auch  andere,  däruonistisch 
aufgefasste  f1  bei  oder  Krankheiten  scheute  man 
(als  1482  mal  um  infandum,  Zening.  Voc.  11  r  —  inhd. 
ungenannde,  Lexer  297)  beim  rechten  Namen  zu 
nennen,  namentlich  unheilbare  Leiden.  —  3.  = 
(1260  swen  der  winnundc  hunt  gebizet,  ezet  er  des  girs 
fleische*,  1z  geswillet  in  nimmer  nnde  heilet  alspalde 
das  das  „ungenannt  nimmer  däzuo  ebumt",  Pfeiffer  48) 
—  Erysipela*  traumaticum,  Phlegmone  (1592 
vngenandt,  Seb.  255;  1620  Ungenannt  —  Phlegmone, 
Erysipelas,  Gesegnet.  Lachfeuer,  Flugfeuer,  Vergicbt. 
Dr.  Minderer;  Chr.  Sam.  I,  13;  II,  168).  —  4.  Unge- 
nannt =  der  Ausgang  der  Phlegmone  in  Brand, 
Gangraena  des  Gliedes  (Pfeiffer  8ö).  —  5.  =  eine 
Pferdekrankheit  (Seb.  255)  (Milzbrand?).  —  Der 
f7nV<TXannt  =  Digitus  impudicus,  der  linke  vierte 
oder  Ringfinger  (Gr.  W.  III,  106L  Mtt;  Buck  25). 
Über  Namen-Änderungen  als  Mittel  zum  Heilen 
v.  Viehkrankheiten  (ein  aus  der  ältesten  Met.schen- 
beilkunde  aus  der  8ippenzeit  [».  erben]  übernommenes 
HeUverfahren,  s.  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1894,  8.  449).  — 
namen -l<    -Zwang.  —  ungenannte  Sünde. 

nepfen  =  napfen  mit  dem  Fusse,  hinkend 
nachgeben  (Schindler  I,  1752). 

Nere,  n.  =  Nim  (=  n  +  Hirn)  (Henneb  ,  Spiess 
II.  173). 

Neren,  f.  (pl.?)  =  Ehren  (s.  d  )  (dem  sich  wie 
öfter  ein  n  vorgeschoben,  z.  B.  bei  Nassel  [Assel],  Nasi 
[Ast],  Natem  [Atem],  C.  v.  Schm.  405). 

Nererin,  f.  b.  Nahrung.; 

Neres,  Neris  ».  Riss. 


Nerf,  m.  Nerve,  ra.  f.  (durch  das  frans,  le  nerf 
aus  dem  lat.  nervus  [  =  Sehne,  Muskelband],  griech. 
TO  vtüpov,  Galeni  [viüi'.v,  nüere  =  nicken,  quia  nervi 
membra  nutare  et  artlculos  flectere  faciunt]  über- 
nommen; „nervus"  übersetzte  man  [vor  1538]  mit 
dem  inhd.  Ader,  ahd.  Adara  [s.  Ader]);  aber  noch 
bis  ins  18.  Jahrh.  verstand  man  vorzugsweise  unter 
Nerven:  1.  -  die  Muskeln,  Sehnen,  Flechsen, 
Bander,  Geäder,  Bindegewebe,  welche  Bedeu- 
tung im  Volke  noch  nicht  erloschen  ist  (1538 
nerff,  m.  =  nervus,  Gr.  W.  VII,  610;  IM1  nerven  = 
die  Bänder,  woran  die  Boden  hangen  [cremasteres, 
funiculus  spermarjeus] ;  1585  nerve  —  Flachsader, 
Baud,  Sehne,  Hvrtl,  K.  W.  49;  lf>2'>  nerven  =  Sehnen; 
1637  ein  spannader  =  un  nerf,  E.  W.  I,  14;  1678,  1683 
nerf.  f.  —  nervus,  Gr.  W.  VII,  610;  18.,  19.  Jahrh. 
nerven,  pl.  =  Sehnen,  Sehnadern,  Spannadern,  Gr.  W. 

1.  c. ;  Dr.  Br.-Sch.  25;  ndl.  zenuw  =  Sehne,  Nerve).  — 

2.  —  seit  dem  16.  Jahrh.  beginnend  und  namentlich 
allgemeiner  seit  dem  18.  Jahrh.  wurden  die  vom 
Gehirn  und  Rückenmark  ausgebenden  mark- 
haltigen  und  marklosen  Faserbandel  als  Leiter 
der  sogen.  Lebensgeister,  Nervenkraft,  Nerven- 
äther (Empfindung  und  Bewegung),  „Nerven" 

genannt  (Gr.  W.  IV,  1.  1630;  VII,  610).  —  3.  =  Nerve 
(dialektisch  verschlechtert)  =  Narben, När wen  (s.d.), 
die  sogen.  Närbenseite  des  Felles.  —  4.  =  als 
Leiter  der  Bewegung  (motor.  Nerven,  Spann- 
adern) waren  die  Nerven  (in  älterer  Bedeutung) 
|  schon  früher  bekannt;  als  Leiter  der  Gefühle, 
Empfindungen  (sensitive  Nerven,  [1507]  Fühl- 
:  ädern)  aber  unterschied  man  sie  im  Anfange 
'  des  16.  Jahrh.  (1517  „nervi  venao  potiorcs  [=  Kraft- 
,  ädern],  per  quas  membra  seusum  babent  a  cerebro", 
|  Gr.  W.  IV,  l.  1630);  „die  Begriffe  der  Ader,  Sehne 
und  Nerven  im  beutigen  Sinne  haben  sich 
trennend  aus  einer  Vorstellung  entwickelt,  die 
in  »Kraftgange  (Kraftader)  od.  »Quellader«  (für 
die  Kraft  der  Bewegung  und  Empfindung)  zum 
Ausdrucke  gelangte"  (Gr.  w.  l.  eod.) ,  daher  Nerve 
m  Kraft  (s.  d.).  —  Der  Nerve  im  Zahn  (als 
solchen  sieht  das  Volk  den  sogen.  Zahn  wurm 
[s.  d  ]  an)  wird  wie  ein  lebender  Wurm  getötet. 
1  —  sich  nerven  =  sich  an  den  Sehnen  (Nerven) 
beschädigen,  von  den  Pferden,  die  sich  mit 
den  anreichenden  (s.  d.)  Hufeisen  anschlagen 
(Gr.  W.  VII,  612).  —  nervig,  1.  =  sehnenvoll, 
muskulös,  kräftig.  —  2.  =  nerbig  —  narbig, 
voller  Narben  (Narve  3).  —  nervös  (nerviös) 
(aus  dem  franz.  nervenx  [nervosus]),  1.  =  nervig, 
kraftvoll.  —  2.  =  «las  Nervensystem  betreffend, 
von  den  Nerven  kommend.  —  3.  =  schwache, 
kranke  Nerven  habend,  die  auf  äussere  Reize 
empfindlicher  reagieren,  nervenschwach,  hin- 
fällig (melancholisch,  hysterisch);  der  Besitz 
von  „Nerven"  ist  heutzutage  bereits  ebenso 
etwas  Abnormes,  wie  früher  und  heute  noch 
der  von  „Drüsen";  nur  derjenige,  der  dieses 
Besitzes  von  Nerven  oder  Diüsen  sich  bewusst 
wird,  spricht  von  seinen  (kranken)  Nerven, 
bezw.  (geschwollenen)  Drüsen,  nervenlos  (Gr.w. 
IV,  1.  1830}  ist  aber  nur  der  Kraftlose.  —  abge- 
spannte Nerven,  1.  -  (bis  zum  i».  Jahrh.)  spann- 
bare Sehnen.  —  2.  -  erschlaffte  Spannadern. 
ermüdete  Nerven  (Gr.  w.  IV.  1,  1630;  VII,  6ioj.  — 
(1676)  /?W-Nerven  fdie  band  nerve  des  perltouel, 


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442 


Nerf. 


Nerwiss— Nessel. 


Or.  w.  I,  1101)  —  Sehnen,  sehnige  Aponeurosen 
an  den  Banchmaskeln.  —  (1682)  blöde  Nerven 
b schwache  Nerven  (Lonlc.  312).  —  dick»  Nerven 
lein  durch  die  solldar-patholog.  Schule  entwickelter 
Begriff  für) :  =  dichtere,  stärkere,  grössere  Reite 
ertragende  Spannadern  oder  Nerven.  —  (1688) 
eingeschrumpfte  Nerven  =  narbig  zusammen- 
gezogene Sehnen  u.  Bänder  (Kontraktur)  (Gr.  w. 
VII,  MO).  —  (1616)  er-  (157«)  (ver-)  härtete  Nerven 

—  sog.  Pseudoligamenta,  Nervenkruspel,  durch 
entzündliche  Prozesse  verdickte,  hart  wie 
Knorpel  gewordene  Sehnen  od.  Bander  (Tabem. ; 
Or.  w.  v.  2013).  —  (17.  Jahrb.)  erkaltete  Nerven  ■ 
durch  Erkaltung  (Rheuma)  krank  werdende 
oder  gewordene  Nerven  1  (Fr.  Kr.  B.  468;  Lonlc. 
256).  —  .FtiAZ-Nerven  ■  sensitive,  die  Kmpfin- 
dung  leitende  Nervenfasern  (=  Fuhladem  der 
älteren  Zelt).  —  (1688)  gängige  Nerven  =  frei- 
bewegliche Sehnen  (Gr.  W.  IV,  1. 12öi).  —  Gerucht- 
(Riech)-  Nerve  =  Nervus  olfactorius,  der  die 
Geruchsempfindung  vermittelnde  Gehirnnerve 
(Ruchader*).  —  (1616)  geschwollene  Nerven  = 
eine  Anschwellung  der  Sehnenscheiden  durch 
Entzündung  (Tcndosynovitis)  (Tabem.).  —  ge- 
spannte Nerven  =  die  durch  die  Muskelreizung 
oder  Erregung  angespannten,  angezogenen, 
nicht  mehr  dehnbaren  Sehnen  (Gr.  \v.  VII.  610). 

—  (1783)  Gicht- Nerve  =  der  von  der  sogen. 
Nerven-Gicht  (Rheuma,  Urarthritis)  am  meisten 
betroffene,  lange  und  meist  faserige  Nervus 
ischiadicus  (Leveling  223).  —  (17.  Jabrh.)  grosser 
Nerve  —  die  grosse,  starke  Achillessehne  beim 
Pferde,  die  zum  Sprunggelenke  geht  (Haar- 
wachs) (R.  a.  628).  —  harte  Nerven  =  nach  der 
Lehre  Galens  die  60  Rückenmarksstrflnge  als 
Bewegungsnerven  (Baas  100).  —  Hirn- Nerven 
=  die  nur  vom  Gehirne  ausgehenden  12  Nerven- 
faser-Paare zum  Unterschiede  von  den  viel 
zahlreicheren  Rückennerven.  —  (I609)  hohle 
Nerven  =  die  mit  Blut  anfOllbaren,  sehnigen 
Schwellkörper  (Corpora  cavernosa  penis)  (Hyrtl, 
K.  w.  87).  —  (iMs)  kalte  Nerven  =  durch  Er- 
kältung (Rheuma)  atonisch  tigid,  unbeweglich 
gewordene,  nicht  schmerzende  Gelenkbänder 
(Ruland).  —  (1618)  kontrakte  Nerven  -  durch 
Krampf  (Spasmus)  od.  Verwachsung  (Ankylose, 
Pseudoligamente)  unbeweglich,  verstrupft  (s.  d.) 
gewordene  Gelenk-  oder  Gliederverbindung 
(Bänder)  {Pansa,  Badebeschr.).  —  kranke  Nerven 
=  leidende«  Nervensystem.  —  flt.77)  Lenden- 
Verven  =  Nervi  lumbales,  die  in  der  l,enden- 
gegend  entspringenden  Rüokenncrven  (Beyn. 
233).  —  ÄtVcA-Nerve  —  Geruchsnerve.  —  Rücken- 
Nerven  =  die  vom  Rückenmark  entspringenden 
Nervenpaare.  -  -  schlaße  Nerven  ^abgespannte 
Nerven  (Gr.  w.  VII,  610).  —  schient  he  Nerven 
(habend)  =  reizbar,  weil  leicht  ermüdbar  in 
seinem  Nervensysteme  (hysterisch),  dessen 
Nervenfibern  man  schwächer,  rarter,  weniger 
solid  früher  annahm.  —  «SrA-Nerve.  1-  =  der 
das  Sehvermögen  im  Auge  und  Gehirn  ver- 
mittelnde Sinnesnerve,  Nervus  opticus.  -  2.  = 
die  Seh-  oder  Augenmuskeln  (alii  Nerven  In  älterer 
Bedeutung,  Heyne  V,  563),  Musculi  optici.  —  (1742) 
trockene  Nerven,  1.  —  er-  od.  verhärtete  Nerven 
(e.  d.).  —  2.  -  die  durch  Rückenmarksdarre 


|  darr,  dürr,  trocken  gewordenen  peripheren, 
degenerierten  Fühl-  und  Bewegungsnerven- 
fasern (Zw.  XLVii).  —  ungelenkige  Nerven  (law 
vngelencke  nerven.  Seb.  639)  =  lahme,  unbeweg- 
liche Sehnen  und  Gelenke.  —  verdrehte,  (1691) 
verehrte  Nerven  =  durch  Quetschung,  Ver- 
stauchung gezerrte,  schmerzhaft  gewordene 
Gelenkbänder  und  Sehnen  (Pauli  117;  Seb.  349). 
—  (1856)  FoM-Nerve  =  eine  Konstitution  voll 
vom  sogen.  Nerveufluidum,  Nervenkraft,  z.  B. 
eine  Vollnerv-Somnambule  (Allg.  Med.  Zentr.-ztg. 
1856,  8.  398).  —  weiche  Nerven  =  die  12  zarteren 
Gehirnnerven  als  empfindende  Nervenfasern 
nach  der  Lehre  Galen  s  (Baas  100 ;  Kalke  11.  431) 
im  Gegensatze  zu  den  harten  (Rückenmarks-) 
Nerven.  —  tarte  Nerven  =  der  Gegensatz  zu 
dicken  Nerven  (s.  d.)  =  schwache  Nerven.  — 
Nerven-  (nercöse[s])  Ader,  -Erschütterung,  -Fa- 
den', -Fieber,  -Geflecht,  -Geister,  -Gicht,  -Haut, 
-lnstrupfung,  -Klos»,  -Knoten,  -Köder,  -Kopf- 
weh, -Kraft,  -Krankheit,  -Krospcln,  -Lähmung, 
-Leiden,  -los,  -Lungensucht ,  -Paare,  -Reiz, 
Rohren,  -Rose,  Ruhr,  -Saft,  -Schlag,  Schlag- 
ftuss,  Schmerz,  -schwach,  •Schwäche,  -Schweinen, 
-Schwindel,  siech,  Übel,  -  Verstimmung,  -Wärt- 
lein,  ■  Wehen,  -  Wurm,  -Zahn,  -Zahnweh,  -Zufälle, 
•Zusammenziehung,  -Zustand. 

Nerwiss,  m.  -  Närb-Rias  (s.  d.) 

Nes  s.  Nase. 

Nesch  ?.  Nösch  (Nosch). 

-nesen  (sanskr.  nas  —  liebevoll  heran  sich  gesellen 
[Ytou.4i,  germ.  nes  [dazu  nähren,  -  d.];  gotb. 

nasjan  —  erretten ;  ganisan;  ahd.  giuösan,  am  Leben 
bleibeu,  aus  der  Gefahr  wiederkehren,  davon  kommen; 
früh-mhd.  genesen)  -  genesen,  von  einem  Kinde 
entbunden  werden,  von  einer  Krankheit  geheilt 

I  werden  (Kluge  *  131;  H.  Paul  173;  hol],  geneeshecr 
ss  Arzt).  Die  Gefahren  bei  der  Entbindung  vom 

I  Kinde,  die  sogen.  Kindsnot,  waren  für  das 
germanische  Weib  bei  dem  Mangel  rationeller 

I  Geburtshilfe  Bicher  noch  grösser  als  heute,  und 
erklärlich  ist  es,  wenn  „am  Leben  bleiben"  und 
„entbinden"  sich  begrifflich  decken.  —  G'cnist. 
1.  —  (ahd.,  8  Jahrb.  kanist  =  salus,  reparatio,  Gene- 
sung, Pfeiffer,  Kritik.  II,  33;  mhd.  genist  =  Heilung, 
Genesung,  Kntblnduug  vom  Kinde,  Lexer  69)  Gene- 
sung. —  2.  —  s.  Nest;  (1487)  genisig,  genissig  = 
heilbar  (Schindler  I,  1769).  —  eines  Kindes  ge- 
nesen  =  ein  Kind  ohne  Gefahr  entbinden  und 
ein  gutes  Wochenbett  haben  (Gr.  W.  V,  7<w; 

Zw.  261). 

Nessel,  f.  (Nestel),  nesseln  (vorgerm.  nid  ^ 

nahen;  goth.  natilö  m  Newel;  zu  Neu  [nati],  das  aus 
Nesselfitden  [conf.  Newel  =  Urtica  diolca,  Um!am  = 
or-,  arpant,  Jessen  200.  420;  D.  45  =  „Urband"]  ge- 
macht war,  Kluge*,  269;  ahd.  nczzlla,  f.  nestllun  — 
teniola,  D.  577  ;  9.  Jahrh.  nazza,  f.  —  Urtica,  Nessel, 
Graff  II,  1116;  necin  =  maculae,  H.  Z.  XV,  352;  rohd. 
nezzel,  Kluge*,  269,  engl,  nettle).  Sesselgcsplnnste 
aus  der  gem. -gern».  Nessel  (urtica  =  Brennessel,  Eitci- 
nessel)  kannte  Albertus  Magnus  (1193 — 1280)  noch; 
diese  Pflanze  hatte  ihren  Namen  demnach  aus  ihrer 
Verwertung  zu  Netzen  ;  in  weiterer  Beziehung  ist  dann 
Nessel:   1.  =  der  durch  den  vermeintlichen 


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Nesso 


Nest— Netz. 


443 


Giftstofl  (=  Eller:  ahd.  helderntxila,  H.  Z.  XV,  350; 
mhd.  heller  nezzel)  der  Brennessel  verursachte 
Nesse) biss  (s.  Quaddel),  Nesselbrand  oder  die 
Nesselblatter,  welche  auf  der  Haut  brennendes 
(urere.  urtica)  Prickeln  verursacht;  weiterhin: 
2.  =  jeder  ähnliche  Quaddelaueschlag  (Urticaria) 
auf  der  menschlichen  Haut.  —  3.  =  s.  Nestel. 

—  (1521)  nesseln  =  urticare,  brennen,  jucken, 
wie  durch  eine  Brennessel  veranlasst  (D.  6S0). 

—  H ■■/-«-Nessel  =  eine  im  Horngewebe  (z.  B. 
der  Fussohle)  quaddelähnlich  sich  erhebende 
oberflächliche  Hautröte,  entzündeter  Leichdorn 
(Höhnerange)  oder  juckende  Hautpapel  auf 
schwieligem  Grunde.  —  rer-nesselt  1507  —  urü- 
catui,  D.  630)  =  ganz  und  gar  mit  Nesseln  be- 
haftet. -  Nessel-  Ausschlag,  Biss,  Blase,  Blatter, 

Brand,  Feuer,  -Fieber,  -Friesel,  Krankheit, 
■Mal,  Stich,  -Sucht,  Wurm. 

Nesso  (Nestel),  Nösch  (lat.  neuui  =  sangnls 
venenosus  Ovidli.  Kirsch  791 ;  uassa  =  Neu ;  ahd.  uaxia 
=  Nestel,  Kluge*.  2C9;  9.  Jahrb.  nessla  =  slpbonia 
[Söhren  wurm?.  Blasen  wurm?].  H.Z.  XXI.  210;  10.  Jahrb. 
nessia  In  einem  Bescbwnrungsspruche,  II.  Z.  XXI,  209; 
nesia,  Schmeller  I,  1759,  12.  Jahrb.  nesso,  Moues,  Ans. 
1838,  S.  609;  Rochholls  in  Z.  f.  d.  Mythol.  IV,  112;  in 


beschworener  dämonlstischer  Warm;  13.  Jahrh. 
[  —  nesia]  noclv»  perrezit,  1.  c. ;  13  Jahrh.  nessla  — 
ein  in  Baseler  Segensprüchen  «UmontstLsch  autgefasstes 
Wesen,  H.  Z.  XVII,  560;  altsachs.  nlgun  nessikllnon; 
and.  „gang  os  nesso  mit  nlun  uessinclinou !"  ein 
in  aller  Tegeroseer  Handschrift  auftretender,  domo 
n istisch  aufgetauter  Warm  (nesso  =  Wurm;  nessla  — 
vennes,  Nösch  (?)]  als  Ganzes  mit  seinen  zahllosen 
[  —  9,  s.  d.;  scolex,  Amine]  Jungen  oder  Kleinen  [Pro- 
glotüden],  der  aus  Mark,  Bein,  Ader.  Fleisch,  Haut 
heraus  in  den  Pfeil  [zum  Fortschiessen  in  den  Wald] 
beschworen  wird,  Gr.  D.  M.  1184;  Kubn,  Zeitscbr.  f. 
Tergl.  8pr.-W.  XIII,  63.  64;  Scbeible  IX.  638;  Müllenh. 

Simrock,  D.  M.  535).  In  der 
Heraldik  des  Mittelalters  hat 
dieser  „Nessel- Wurm"  einen 
Wolfskopf,  ..walzenförmigen 
Körper"  u.  geschuppten  Fiseh- 
schwanz  (s.  Z.  d.  Kunstgew.- 
Ver.  in  München  188:.,  8.  41). 
—  NesSO  =  der  „Nesael"- 
od.  „Nestel"-\Vurm,Taenia 
(Bothriocephalus),d.band- 
(laenia  =  Nestel)  förmige, 
schuppig  gegliederte,  in 
vielen  Stückchen  (Jungen. 
Progloitiden)  abgehende, 
durch  das  finnige  Fleisch 
von  Zwischenträgern  (Fische,  Kinder,  Schweine) 
vermittelte,  aus  einer  sogen.  Amme  (Scolex) 
sich  entwickelnde  „Band"wurm  (Taenia,  Bo- 
thriocephalus),  dessen  Gestalt  und  Wesen  das  Mittet- 
alter  phantastisch  ausschmückte,  so  das»  die  Nieder- 
lander ihn  sogar  Lintwurm  (s.  d.)  nennen.  Die  Nessel 
wnrs  (ahd.  nessiwurz ,  nessewurz,  Gelisia)  hat  nach 
(die  altd.  Gartenflora  208)  mit  dem 
keine  therapeutische  Beziehung  (contra 
I,  1761);  die  „Nles"wurz  (Gelisia)  wnrde  mit 
„Nea»e(l)"wun  (Lamlum) 


Nest,  n.  -Bist  (sur  Wurzel  sed  =  sich  i 
nizdo  [nidns]  aus  altgerm.  nised6  =  niedersetzen  ;  ahd. 
nest  =  Lager  für  Vögel  und  Tiere ,  mhd.  nest ,-  ndl. 
net;  engl,  nest,  De  Cock;  Kluge  *,  270),  1.  =  Nest- 
lager.  —  2.  =  die  Augenhöhle  als  Nestlager  für 
die  Augen  (Lexer  175).  —  3.  =  die  I'lacenta,  als 
Bett  (s.  d.)  oder  kleines  Nest  für  die  Frucht 
angenommen  (s.  Bett).  —  4.  =  Cunnus  als  Fun- 
dament zum  Niedersetzen  (Gr.  w.  vn,  624).  — 
5.  =»  das  Nestjunge,  der  Nestquack  selbst  (8chm. 

1.  1767)  =  Nestling  (engl,  nestling,  Kaltschm.  = 
noch  im  Neste  bleibender  Vogel)  =  das  am  längsten 
im  Nest  bleibende  Junge.  —  (14. — 15.  Jahrh.) 
-In  /'  n -Nest  (das  aug  in  dem  nest)  =  Nest  2  (Gr.  W. 
VII,  624).  —  Omist,  n.,  1.  -  eine  ganz  verworrene 
Verfilzung  der  Haare  wie  bei  einem  Vogelneste, 
„das  Haar  ist  lauters  Gnist"  (Schmeller  1,  1767). 

—  2.  =  s.  nesen.  —  Hühner-,  Schwalbennest 

—  Cunnus  vaccae,  als  Brutlager,  Brutstätte, 
wenn  diese  wie  ein  Vogelnest  im  sog.  Hühner- 
steisse  vertieft  liegt  (Gr.  w.  Ii,  66;  z.  f.  ö.  V.-K. 
189Ö.  321).  —  TVott-NeBt  (norweg.  troll  nysta)  =  die 
Elbenkugel  (Trollenzopf),  der  Haarknäuel,  in 
dem  der  eingenistete  Troll  -  Dämon  (s.  Troll) 
sitzt  (Uebrecht  330).  —  (1764)  Wurm-Nest,  1.  = 
der  parasitäre  Wurmeierbaufen  in  zähem, 
rotzigem  Darmschleim  (Schmer)  wie  in  eineui 
Kaupenneste  eingebettet,  la  poche  de  vers.  — 

2.  ■  damit  verglichen:  finnige  Stellen  (Fran- 
zosen) im  Gewebe  der  tierischen  Lungen  (tu- 
berkelartige Parasiten-Eierhaufen)  (Lenckart  60). 

—  3.  =  das  Konglomerat  von  mehreren  para- 
sitären, ausgewachsenen  Spulwürmern  im  koa- 
gulierten Dickdarraschleime  eingebettet  (A.  r. 
H.  I.  926).  —  Hest  Batz,  -Gucker*,  -Häckchen, 
■Bocker,  Krupper',  -Kücken,  -Püttich,  Quacker, 
-Scluisser. 

Nestel,  f.,  n.  (skr.  nah  =  verknüpfen  [necto],  Kluge*, 
270 ;  ahd.  nestllo,  m.  =  Band,  Binde,  ncstklon  =  Band- 
lein, nestila,  f.  =  taenia.  Rand.  H.  Z.  XV,  44.  85; 
nestilun  sa  teniola,  D.  577;  mhd.  nestel,  f.),  1.  =  (1583) 
Nestelwurm,  Nesselwurm  (Gr.  W.  VII,  628).  — 
2.  =  s.  Nesso  u.  Nessel.  —  3.  =  s.  Nesselknopf 
(1699  nestel  =  impotentia  viri,  v.  M.  I,  207).  —  NeSSel- 
Ausschlag,  -Knopf,  -  Wurm. 

Netz,  n.  (vorgenn.  nad  -  nähen  [s.  Nessel];  gem.- 
germ.  natl ;  angls.  nettan  -  obllgia  Peritoneum,  D.  II, 
277;  ahd.  nezxl;  mhd.  netze,  nezz«,  Kluge*,  270  —  ge- 
nahtes Strickwerk,  netzförmiges  Gebilde,  la  tolle,  toi- 
lette,  la  peilte  toile),  1.  =  das  den  Magen  und  die 
Gedärme  (Eingeweide)  wie  ein  Netzbeutel  be- 
deckende, verhüllende,  feinhäutige,  meist  fett- 
reiche Gebilde  (Netzwerk)  der  Bauchhöhle 
(Schmernetz),  Mesenterium,  Omentum,  Peri- 
toneum viscerale,  Panniculus,  Zirbus  der  Ära- 
biBten  (Fries  121;  Haeser  I,  336;  Hlntner  8.  20;  Hyrtl, 
Anat.  166);  beim  Netzbruch  stellt  sich  das  Volk 
vor,  dass  das  Netz  (Bauchfell)  zersprengt  sei 
(Pauli  140).  —  2.  =  das  netzförmig  sich  in  der 
Brust  ausdehnende  Rippenfell  (1677,  Beim.  222)  — 
Netzlein  (l'leura).  —  3. —  das  wie  ein  Netz  über- 
zwerch,  d.  Ii.  quer  in  der  Mitte  zwischen  Brust- 
und  Bauchhöhle  ausgebreitete  Zwerchfell  (Dia- 
phragma (Hyrtl,  K.  W.  126).  —  4.  =  die  netzförmige 
Hülle  für  das  Herz,  analog  dem  Netz  der  Bauch- 


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444  Netze. 

höhle  (1478  ncul  vor  der  braut  =  praecordium,  D.  452; 
1516  nettlln  =  Omentum,  mcmbrana,  prmecordium. 
D.  395)  =  Herzbeutel,  Pericardium.  —  5.  - 
117.  Jabrb.)  die  Netzhaut  im  Auge,  Ketina,  dem 
Netzgarn  ähnliche«  Gebilde  ■  „Netz  im  Auge" 
(H.  Paul  325;  Gr.  w.  VII,  639).  —  6.  =  die  wie  Ge- 
spinnt aussehenden  Plexus  chorioidei  der 
Hirnkammern  u.  Adergeflechte  (Hyrtl.  K.  W.  86). 

—  7.  =  das  die  Frucht  wie  ein  Netzwerk  umge- 
bende, umfassende  Kindsnetz,  Amnion,  Samen- 
fässlein, 8chafhaut.  —  8  =  das  sog.  Zeltlein 
(s.  d.)  beim  Fohlen.  —  9.  =  s.  Netze,  f.  — 
Darm  Netz  =  Netz  1  (Gr.  w.  II,  782).  —  (1591)  Ein- 
>t<-u-ri,b  -Netzlein  (de*  Ingweids  netzlin  =  omcntum- 
Hftdr.  Jun.  29)  =  Netz  1.  —  (1551)  feistes  Netzlein 
=  Omentum  (s.  Netz  1)  (Hyrtl,  K.  W.  138).  — 
grosses  Netz  =  das  vom  grossen  Magenbogen- 
blatt-  od.  schürzenartig  herabhängende,  eigent- 
liche Netz  1,  Omentum  majus  (Hyrtl,  K.  W.  616). 

—  Hcrr-Netzel,  -Netzlein  (ahd.  herznczlla,  Graff 
IV,  1015;  K>31  haerznetzlin,  Hyrtl,  K.  W.  166;  Gr.  W. 
IV,  2.  1266)  =  das  Netz  4.  —  Kinds-Hetz  (1611 
klndunetzel ,  Gr.  W.  V,  760;  Schindler  I,  1776;  1783 
klndsnetz.  8teln  87;  Gr.  W.  V,  733;  IV.  2.  568  aub  5) 
=  die  die  Frucht  oder  Geburt  im  Mutterleibe 
wie  ein  netzförmiger  Beutel  oder  Balg  um- 
hüllende Sehafhaut  (Bürdlein),  (franz.)  latnilette, 
dem  der  Volksabcrglauben  Glück  (s.  d  )  -Bedeutung 
sowie  verschiedene  übernatürliche  Kräfte  zuschrieb, 
x.  B.  Wundenslcherhett  und  Kugelf  esUgkclt  (Z.  d.  V. 
f.  v.-K.  1894.  136)  (s.  Folge-Geist).  —  kleines  Netz 
m  Magen-  u.  Lebernetz  (s.  d.,  Omentum  minus) 
(Hyrtl  K.  An.  616;  IV  Jahrb.  reticulum  =  kleinnetz, 
I>.  496).  —  Leber -TU Qtz,  1-  =  (16.  Jahrb.  da»  netze  über 
der  lebber,  Gr.  W.  VII,  639;  Heyne  III,  983)  =  das 
sich  über  die  Oberflüche  der  I-eber  ausbreitende 
Zwerchfell,  Diaphragma,  Netz  3.  —  2.  = 
(13  Jahrh.  leblmeu  =  reticulum,  D.  496)  =  Magen- 
netz.  —  (16.  Jahrh.)  Magen-Uetz  (fetten  netz  um 
den  magen ,  ahotnasuui ,  Gr.  W.  VII,  039)  =  das  von 
der  Leberpforte  schief  zum  kleinen,  oberen 
Magenbogen  herabgehende  sogen,  kleine  oder 
Lebernetz  (Omentum  minut»),  — (16.  Jahrh.)  Mittel- 
Uetz  —  Zwerchfell,  Netz  3,  Diaphragma  (das 
Mittel««™  =  Mfleker,  b.  d.)  (Gr.  W.  VI,  721).  — 
(1530)  Quer -Netzlein  =  Zwerchfell,  Netz  3.  — 
Ii  ii  ■  km  -  Netz  =  die  netrförmig  sich  auf  dem 
Kücken  der  Hand,  der  Handwurzel  sich  sam- 
melnden Blutadern  (Gr.  W.  VIII .  1361).  —  (1482) 
Schmer-Netz  =  Cirbus,  Netz  1  (feistes  Netz).  — 
Zwerch-,  (153C)  (7i>«rr.r»mrÄ-Netz(lein)  =  Zwerch- 
fell, Netz  3.  —  Uetz- Beutel,  -Blatt,  -Bruch, 
-Garn,  Haut,  Magen,  Schmer,  -  Werk,  -  Wunde. 

Netze,  f.  Netz,  n.  netzen,  nätzen,  -nätz  (ubd. 

nazi,  f.,  nezzen  ;  mnd.  14.  — IV  Jahrh.  nette,  f.  —  Clin, 
J.  f.  nd.  8p.-F.  XV,  109 ;  mhd.  nozzen,  nezze,  f.  netzen 
=  Nasse.  Netze,  nass  machen  1«.  Mas],  Heyne  IV,  957; 
!,excr  175;  1587  netze  =  lotlum,  D.  336).  —  Netz,  n. 
Netze,  f.,  1.  =  nassmaehender  Urin.  —  2.  =  der 
die  Kleider  benetzende  Speichel  (Gr.  w.  VII,  640). 

—  3.  =  flüssiges  Hautsekret  (Saltfluss).  —  blaue 
Netze  (mnd.,  14. — 16.  Jahrb.  so  welleb  nette  ls  Wawe 
■o  de  beven  de  minsche  ts  to  broken  und  1«  In  binnen 
vorvulct  unde  is  de»  dode»,  J.  f.  nd.  Spr.-K.  XV,  121), 
1.      wasBerheller,  im  bläulichen  Glase  optisch 


neu— nenn. 

blau  erscheinender  Diabetesbarn.  —  2.  —  Indigo- 
haltiger  Urin  (nach  SalkowakiLeube  154),  der  bei 
Karzinom  derünterleibsorganeu.  kachektischen 
Zuständen  vorkommt.  —  Blut  netzen  -  Blut- 
harnen, Mictus  cruentus.  —  Franzi-Netz,  n. 
Frauen-Urin  (Gr.  w.  VII,  640).  —  Oen&tz  (1620 
gnatzc,  f.  1680,  Zeitachr.  f.  d.  rhflol.  XXVI,  242)  = 
die  Stork  secernierende,  nässende  Räude  (Ek- 
zema), nässende  Flechte,  s.  Gnatz  und  Geniat. 
—  (1593)  kalte  Netze,  f.  =  kalter  Piss  (s.  d.) 
Stranguria  (Or.  W.  VII,  640).  —  Netze-ScAor/. 

neu,  -neuen  (alltndogerm.  nü  =  Jetzt)  gerade  Jetzt, 
frisch  entstanden;  vorgerm.  neuyo ;  gem.-germ.  ntuja; 
ahd.  uiuwe;  mhd.  ulu ,  Kluge*,  270).  —  neuisch 
(1615  nal»ch  =  luuaticus,  D.  339)  =  mit  dem  Neu- 
monde im  Wohlbefinden  verändert.  —  wmeuen 
(ndd.  vernuinen,  yeminen,  vernulnlg,  verntntg,  Fromm. 
VI,  492)  =  eine  Wunde,  ein  Haut-Geschwür  durch 
üble  Behandlung  oder  Vernachlässigung,  wie 
durch  einen  Stoes  empfindlich  machen,  reizen, 
entzünden  (s.  Afeil)  (zu  ahd.  nuan,  garnuen  ;  far- 
nuan  =  tundere,  coutererc,  Graff  IV,  1125;  12.  Jahrh. 
gcnuweu  =  tunsum,  Schm.  I,  1711).  —  neu(c,  <*r,  <*«) 
Aussatt,  auswerfende  Sucht,  Bildung,  Blut,  Ethik, 
-geboren,  Hauptschwachheit,  Kinderkrankheit, 
Krankheit,  Krebs,  Lunqensueht,  Magenkrank- 
heit,  Müh,  Botlauf,  Ruhr,  Seitenstich,  Taub- 
sucht, Vliess,  Wassersucht,  Wildfeuer,  Wolf. 

nenn  (9,  99)  (zu  neu  [s.  d.]  „man  hat  Beziehung 
des  Indogerm.  negun,  newn  (novem,  ivvtot]  zu  ,neu' 
vermutet,  Indem  man  die  9  als  .neue  Zahl1  der  3.  Te- 
drade Jux-t";  ,, Tetraden-Rechnung  ist  für  da*  Alteste 
Indogermancutuin  anzunehmen",  Kluge  '  270  ;  ahd. 
nlnn;  mhd.  nlun  ;  3X3  =  9).  —  Neun  ist  also  =  die 
Multiplikation  der  ersten  ungeraden  Zahl  (Weiuhold. 
Urquell  V,  1,  H.  12J ;  in  dieser  besonderen  Bedeutuug 
tritt  die  ,,ueue"  Zahl  9  allenthalben  in  dem  deutschen 
und  germanischen  alten  Leben  eutgegen;  sie  lebto 
neben  der  ebenso  wirkungsvollen  ,  noch  alteren  7 
(s.  d.)  und  vielleicht  eben  als  „neue"  Zahl  besonders 
wertgeschatzt  bis  auf  die  heutigen  Tage  des  Volks- 
glauben«) fort ;  (1609)  „sie  Ist  aber  In  der  Natur  schwacher 
als  der  Slebencr"  (Guar.  21) ;  um  die  77  zu  überbieten, 
bildete  man  die  3X9  und  99  als  hyperbolische  „runde 
Zahl",  die  alles  umfassen  sollte;  dementsprechend 
gibt  h  auch,  um  in  Besprechungen  keine  Krankheit 
zu  übersehen,  99  besprochene  Krankheiten;  ja,  bei 
den  99  Glchlformcn  wird  iu  einem  Bannspruchc  eigens 
erwähnt:  „der  du  unter  den  99  und  77  bist"  (Kuhn, 
Zeltsehr.  f.  vergl.  Spr.-W.  XIII,  129),  d.  h.  die  nicht 
übergangen  wurde,  weil  sie  sich  unter  dieser  hyper 
bolischen  Gesamtzahl ,  dem  „Inbegriff  des  Vor- 
handenen" (Golth.  520)  befindet,  darum  gibt  es  auch 
99  Feuer  (Krankheiten)  und  99  Kitten  (Fieber),  die  nur 
In  uralten  Segensprüchen  auttreten,  ferner  9  geneigte 
Holdichen  als  Mittel  gegen  ebonsoviele  Krankheiten, 
und  die  Kunst  der  Neunen,  d.  h.  mittelst  einer  9X 
wiederholten  Bannforrael  die  Krankhelten  zu  ver- 
treiben (Frischb.  71;  Gr.  D.  M.  II,  1109.  1168.  1179; 
Wultke87;  KUlupaul,  Gartenlaube  1892,8.811 ;  Jahreab. 
d.  germ.  Phil.  1»93.  XV,  101;  Frischb.  62;  Scheible 

ix,  140).  —  neun,  neunt (c,  *,  r)  Feuer,  Fieber, 
Geschosse,  Geschwür,  Häute,  Holdichen,  Krank- 
heiten, Monatwasser,  Nesso(-Würmer) ,  Pustel, 
Schwämme,  Stufenjahr,  Tag,  Töter,  Wtirmer. 


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neutern— Nickert. 


Xidl— Vier* 


445 


Heute rn,  n+eutern  (ndd.  nulren,  nücrn.  Fromm. 
Vi,  359;  =  derglassen  (s.  lassen)  =  das  Anzeichen 
rar  Milcherzeugung  geben  besonders  am  Kuter 
der  Kühe,  welchedarch  Absonderung  anschwillt 
Tor  dem  Kalben. 

Ne  vralgie,  f.  (in  franzöaelnden  Kreisen  gebraucht 
für  grlech.-lat.  neuralgla;  franz.  nevralgie  =  Nerven- 
well.  In  Flandern  gibt  es  «uch  ein«  Volksheilige 
Ste.  N« vralgie  als  Patronin  für  dieses  Leiden,  wie  es 
daselbst  »uch  eine  Ste.  Matriee  (matrix),  Ste.  Fivelaine 
(febris  lenu).  St.  Gotte  (gutta),  St.  Dodo  (4  dos)  als 
Patrone  gvgvn  Mutterleiden.  Schleimfieber,  nicht  nnd 
Rückenweh  gibt  (De  Cock  170). 

Nibel  8.  NebeL 

-nick,  nicken  (zu  Nacken  [«.  d  .];  angls.  hnecca 
=  Genack  [a  Nack];  ahd.  n lochen ;  mhd.  nicken, 
Klage \  271)  =  den  Nacken  (öfters)  neigen;  über- 
trafen  auf  Ähnliche  herabgehende  Bewegungen, 
z.  EL  der  Augen.  —  nicken,  nickein  =  am  Ge- 
nicke (öftere)  reibend  drückenden  Schmerz 
machen  (Sehmelier  I.  1722.  1723).  —  Nick,  m.  1.  = 
die  einmalige  nickende  Kopf-  oder  Augen be- 
wegung.  —  2.  =  Nystagmus  [yozzi^m  =  nicke) 
oculi,  oscillierende  od.  roUtorische  Bewegungen 
der  Augen  bei  hochgradigen  Sehstörungen.  — 
3  —  eine  beim  Herabetossen  des  Schlacht 
messera  (Nicken)  in  das  Genick  getroffene,  blut- 
unterlaufene Stelle  am  Halse  des  Schlachttieres 
(Gr.  W.  VII.  733)  —  Genick  =  Genack  (ablautende 
Nebenform  zu  letzterem;  1518  gnyck  =  nucha  colli, 
H  t.  Gersd.  88;  Gr.  W.  VII,  747;  Kluge»,  271;  mhd 
genic,  genicke)  =  der  ganze  Nacken.  —  steifes  Ge- 
nick =  Kheum.  ruusc.  trapez.,  der  in  seiner 
Bewegung  nach  vorne  gehemmte ganze  Nacken. 

—  Ortdck- Beule,  -Frais,  -Krampf,  -Stich. 

Nickel,  m.  s  nucken  (sub  Nock)  u.  Nickert. 

—  Nickel- AT.-',  n 
Nickerbfl  -  Bil. 

Nickert,  m.  (Nix,  Nock)  *kr.  mj  [;:.r.'.m  =  tich 

waschen,  baden1,;  Torgerm,  nig;  germ.  nig ;  angl« 
nicor  —  Krokodil,  Wassergeist ;  engl,  nick  =  Teufel , 
altnord  nykr  =  Wassergeist ;  dan  n..kk;  »chwt*d.  nekk, 
nyck  =  Grille.  Laune.  Schrulle  [•.  Alt'] ;  mndl  nicker. 
Kluge».  272  =  märchenhafte«,  mit  Raden  «ich  ergritzendes 
Seenngehener;  ahd.  nlhhn«.  m  =-  crocodiln« .  mhd. 
nicke«,  niches.  m. ,  nhd.  nix,  m  .  ahd  nihhussa,  nih- 
hessa,  f.  =  lympha  ]s.  Nymphe]  ;  mhd  nlckese.  f  ;  nhd. 
nize,  f  ;  schwär,  Nickesie.  schmcller  I,  172.<)  ;  nach 
dem  Volksglauben  ein  Was*erge*penst  von  kleiner, 
menschenähnlicher,  »phiniartlg  halb  mcn'chncher, 
halb  tierischer  Gestalt  mit  grossen  u.  baulichen  Augen, 
einem  ungeheueren  Kopfe,  roten  od.  grünen  Ilaaren, 
grünen  ZAhuen,  Wasser-  o  Kalilaugen,  Schwirnmf  u««en 
od.  PferdefÜJwcn,  mit  einer  sog  Kr«.'.-:  unter  der  Zunge 
1=  KJelkropf],  das;  1.  —  den  Menschen  nennend 
(s.d.  u.  .Meerminne)  ins  Wasser  zieht  Wuttke  4<s; 
Golth.  14S)  und  2.  =  seine  mit  dem  Mennchen  im 
Wasser  erzeugten  [S  ickert*-)  Kinder  ai »  Wechsel- 
bttlge  (s.  d  ,  Kielkrnpfe)  vertauscht  (Abergl  r/jn. ; 
Kohler  1S4  474;  Wuttke  49.  Golth.  14*;  H  A.  Rh.  242; 
Wiuscbcl  I,  20«).  —  3.  =  solche  vom  N>x  in  Wesen 
seines  Gleichen  verwandelte  Geschöpfe  tragen 
auch  Schwimmhäute  >.  d.)  zwischen  den  Zehen 
oder  Fingern  (Wnttke  W.  —  4.  =  gefährdet  die 


Menschen  schon  durch  seinen  Blick  (Wuttke  47). 

—  5  =  macht  Wochenbettkrankheiten  (Kohler 
472)  und  raubt  Kinder  (durch  Ertrinken)  (Wuttke 
275;  Urquell  1897.  179).  —  6.  -  erzeugt  wie  der  Alp 
u.  das  üülchen  llautmale  (Golth.  Iis,  Abergl.  60). 

—  7.  =  drückt  wie  der  Alp  die  Menschen-Kinder 
tot  od.  macht  sie  abzehren  (Wuttke  419).  —  8  = 
saugt  selbst  Blut  ans  bei  denselben  als  blut- 
dürstiger Geist  (Golth.  147;  Wuttke  49;  dazu  wohl 
Nickelsruh  =  Papaver,  schlafbringender  Mohn,  Roll. 

im).  —  Nickerte-ÄimiVr,  -Mann. 
Nidl  s.  Nüdl. 

Niedl,  Nidel,  m  ,  f.  (Schweiz)  =  Milchrahm 
(H.  Paul  327 ;  1741  nldel  =  eremor  lactis,  Kirsch  678). 

nieder-  (die  Zusammensetzungen  mit  dieser  Präpo- 
sition s.  beim  betreffenden  nachfolgenden  Stammworte, 
z.  B.  Niederkunft  bei  kommen). 

Niefen  ».  Nifel. 

Niel  s.  Neil  u.  Noll  (Nöll). 

Nier,  m.  Niere,  f.  Nieren,  f.,  m.,  pl.  (vorgerm 

neghrön  [vt^pö-  nefrones,  Niere,  Hoden];  goth.  niuro. 
ahd.  nioro  =  Nieren,  Hoden.  Kluge  ».271.  renes.  teste«; 
angls.  neora;  9.-10.  Jahrb.,  ahd.  nlero  =  testlculus; 
J  10.  Jahrb.  nlero  =  ren.  (iraS  II,  1093;  11.  Jahrh.  niero, 
'   H.  Z.  III;  Graffll.  10»4 ;  Hyrtl,  K.  W.  IIS ;  1360  sweme 
i  die  nleren  , Hoden]  geswellent,  Pfeiffer  33;  14.  Jahrh 
nyr  =  retlculum,  Nierenfett;  14«  nieren  =  testiculi. 
Gr.  W.  VII,  831;  mhd.  nier.  niere,  m.,  Kluge  1.  c;  1417 
nere;  1468  nier  =  ren,  D.  II,  316;  1483  der  recht  nier 
Ist  hoher  gesetzt  dann  der  linck,  C.  t.  Megbg. ,  160» 
nleren,  m. ;  1521  nieren  =  coleu«  [floden].  Dl  131;  1541 
nycren,  nyren  =  Nieren.  Hoden;  153»  nier,  ro. ;  1551 
nier.  m..  Hyrtl,  K.  W.  U7.  US;  1«.  Jahrh.  niere,  f.. 
Gr.  W.  VII,  831.  dan.  nyre;  hoU.  nier;  schwed.  njureh 

—  Niere,  f.  1.  =  die  in  den  beiden  Lenden- 
gegenden in  vielem  Fette  (s.  Lendenbraten, 
Nierenbraten,  Nierstall)  eingebetteten  barn- 
bereitenden drüsigen  Organe.  —  2.  =  die 
ausserliche  und  innerliche  Nierengegend:  „e* 
geht  ihm  an  die  Nieren  =  er  wird  mager  am 

,  Fette  der  Nierengegend  (rituell  1**4,  s.  2">:j 
(s.  Rippen).  —  3  =  heute  noch  volksübllch)  Hoden 

I  des  Mannes  und  Pferdes,  Sedes  luxnriae  in  viris 

i  (schmeller  I,  1755;  R.  A.  63fi).  als  Glied  der  Harn- 
oraane  und  Inenden  (*.  d.).  —  4  =  kranke 
Nieren.  —  5.  =  beim  Pferde  die  Lendengegend, 

|  wo  die  rippenfreien  Wirbel  bis  zum  sogen. 
Krupp  sich  befinden.  —  6.  =  Hodenahniichea. 

!  —  7.  =  s.  Nirn.  —  Nierchen,  Niergen,  Nierle, 

I  1.  =  (Übersetzung  der  testleulij  -  Nieren,  tioden 
j  (Hyrtl.  K.  W.  118;  Gr.  W.  VII,  S31;  Buck  17;  nyriehin 
=  renuncnltu,  D.  492j.  —  2.  =  (1420  nyrgen  =  netrobi 
[atrobiii],  l>.  Ii,  263)  =  Nebennieren.  —  Bier- 
Nieren  =  die  dem  übermassigen  Biergenusse 
zugeschriebene  Nierenkrankheit  Münch.  Med 
wochenschr  W94,  s.  3*4).  —  ß  ^.«-Nieren  = 

Widderbodeo  (Scbmeller  1,  1765).  —  doppelte 
Nieren  -  gespaltene  Nieren  f Kreuz-)  Gegend, 
s.  gespaltenes  Kreuz  [Falke  I,  216;.  —  (17.  Jahrh  , 
entzündete  Nieren  —  aus  brennender  Harn- 
entleerung entzündet  angenommene  mensch- 
liche Nieren  Fr.  K.  B.  442  .  —  (1583)  Hirn -Nieren 
=  ältester  .«--  iiuUus  iruck  lür  das  mit  den 
i  Hoden  verglichene  Corpus  quadrigeromum  im 


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446 


nieseln— niesen. 


-niessen — Nifel. 


Gehirn  (Niere  6)  (Hyrti.  k.  w.  184).  —  hohe  Nieren 
=  eine  ausgesprochene  Erhöhung  des  Lenden- 
teils  beim  Plerde-Rttckgrate  im  Gegensatze 
zum  eingesunkenen  Rücken  (Niere  5)  (Falke  I, 
406).  —  Kalk-Hiere  —  eine  mit  Kalksalzen 
durchsetzte  Niere,  z.  Ii.  bei  Sublimatvergiftung. 

—  Jftfz-Niere  (angln,  cyde-neorc,  cyd-neora;  tnittcl- 
engl.  klde  nere;  engl,  kldney,  Klage  *,  271)  =  die 
feiner  schmeckende,  zarte  Niere  des  jungen 
(Opfer-)  Bockleins.  (Im  Englischen  verallgemeinert 
=  Niere;  nicht  bloss  Kltinlere)  (s.  Widder).  — 
(14.  Jabrh.)  Klein- Niere  (klcinuler  [15.  Jahrb.) 
nyrichen,  kleine  nergin,  V.  492  =  renunculus,  dem 
tesüculus  nachgebildet  und  übersetzt),  1.  =  Hoden 
(Voo.  opt.  w.  Ii).  —  2.  =  s.  o.  Nierchen.  -  (1475) 
/„«idcn-Niere  (ndl.;  D.  154)  =  Coxale,  Nieren- 
fleisch aus  der  Lende.  —  (1767)  AVfeen-Nieren 

—  Obernieren,  Glandulae  renales  (L.  ch.  73).  — 
übet  -Nieren  =  die  am  oberen  Ende  der  eigent- 
lichen Nieren  (1)  liegenden,  als  Kapseln  der 
schwarzen  Galle  (Capsulae  atrabiliariae,  siehe 
Melancholie),  auch  als  Nieiensack  ehemals 
gedeuteten  Nehennieren  mit  einer  gelbbraunen 
breiartigen  Marksubstanz  (die  alra  bilis  der 
Alten),  Glandulae  suprarenales  (Hyrti,  Anat.  681). 

—  (14.  Jahrh.)  Samen- Nieren  (,,daz  geschlt  da  von 
daz  ein  minne  [=  coitus]  dicke  (=  oft]  leret  die  nirn 
des  Kamen  den  si  darinne  vlndet",  üoffm.  I,  322)  = 
<lie  samen bereitenden  Hoden.  —  Schrumpf-, 
ScAirwnrf-Niere  =  Atrophia  renum,  eine  Niere, 
deren  eigentliches  Gewebe  schwindet  oder 
weniger  geworden  ist  durch  Schrumpfung  des 
reicher  gewachsenen  Bindegewebes  (=  diffuse, 
chronische,  interstitielle  Nephritis,  Nieren- 
cirrhosis).  —  .S7';w« «./-.-Niere  —  s.  Stauungs- 
harn. —  (1590)  unreine  Nieren  =  Pyuria  =  die 
durch  Eiterabgang  (Materie)  aus  den  harn- 
bereitenden Nieren  den  Harn  verunreinigende 
Krankheil  der  Harnorgane  (Tabornacm).  — 
(19.  Jahrh.)  Want/fr-Niere^citi  durch  die  modernen 
Ärzte  In  Laienkrelse  gedrungener,  ganz  moderner  Fach- 
ausdruck für  eine  ihre  Lage  verändernde  Niere 
(eugl.  noatlng  kldney,  Lehf.  174).  —  (1592)  Weibs- 
Nieren,  1.  =  NierengeKcnd.  —  2.  =  Scham- 
lippen, den  männlichen  Hoden  in  der  Lnge 
entsprechend  (Heb.  104).  —  Nieren-/ider,  Aus- 
dorren, -Becken,  -Bläst,  -Bonheit,  -Entzündung, 
-Erhärtung,  -Ftitt,  -Fett,  -Geschwär,  -Gesthwiir, 
-Geschwulst,  -Gicht,  -Gries,  -Grimmen,  -Kalb, 
■Kummer,  -Kamofftl,  Kolik,  -Krankheit,  Lager, 
-Leiden,  Mangel,  -Not,  Ol,  -Sack,-Sand, -Schleim, 
-Schmalz, -Schmerz,  Schwund,  Sieb,  Stall,  -Statt, 
-Stein,  -Stich,  -Strang,  -Suclit,  sücfdig,  -  Trichter,  \ 

—  Verstopfung,  -  Weh,  -  Wehtag,  -Wendung. 

nieseln  =  näseln  (Nebenform;  13.  Jahrh.  nulselon- 
der  =  balbus,  D.  66). 

niesen  (nischeln,  Nüschel)  (vorgerm  qntn, 

ksnus  (schallnachahincudes  Wort];  germ.  hnus,  fnus, 
Kluge*,  271;  ahd.  ulusan,  nln.ojan  =  sternntare,  Graff 
II,  1104;  mhd.  niesen,  kreischen,  Schmeller  I,  1365; 
engl,  to  sneeze;  dan.  nyse;  holl.  nlczen.  schwed. 
nyaa)  =  das  bekannte  Nasengerau.sch,  l'tarmos  i 
(Hlppokr.),  erzeugen  infolge  einer  ganz  kurzen,  | 
aber  kräftigen  Exspiration,  die  reflektorisch 
von  den  Atemmuskeln  ausgelöst  wird.  —  | 


Nieser,  Niester,  Nuscher,  m.  =  der  einzelne 
Niesakt,  auch  KOlpser  (Gr.  W.  VTJ,  1010;  Behm.  I, 
1761);  dazu:  Nüschel,  m.  (Schweiz),  1.  =  der  mit 
öfteiem  Niesen  verbundene  Schnupfen  (Coryxa) 
(Schw.  4G0).  —  2.  =  das  rülpsende  Maul  (Gr.  W. 
VII,  1009).  —  3.  =  das  Vorderhaar  am  Kopfe, 
wo  die  Nisse  (sogen.  l^auseier)  sichtbar  sind 
(entstellt  zu  Nüschel)  (s.  Niss)  —  nischen,  mischen 
=  durch  das  Niesorgan  schnüffeln  (Gr.  w.  VII, 
ioio).  —  nischeln,  nuscheln,  nischgeln,  nisseln 
=  den  Schnupfen  haben,  schnüffelnd  öfters 
niesen  (Gr.  w.  vn,  1009)  —  Das  Niesen  galt  schon 
In  homerischen  Zeiten  als  ein  prognostisch  günstige« 
Symptom  bei  schweren  Krankheiten;  auch  heute  wird 
das  (Wieder-)  Eintreten  der  NieaReflexe  unbewnitst  als 
eine  Entlastung  von  der  Gehlrnbeläubung ,  d.  h  als 
ein  gunstiges  Zeichen  aufgetaut  und  mit  Helf  Gott! 
Prosit:  zum  Wohl!  etc.  begrüut;  es  verlässt  durch  den 
Nlexnkt  der  KrankhelUdaraon  (Scbnottolf)  »eine  Stelle 
im  Korper  des  Kranken,  namentlich  Im  Alptraume, 
wobei  das  Niesen  als  rechtes  erlösendes  Wort  Im  Volks- 
glauben aufgefasst  wird  (Laistncr  I,  81.  108). 

-niessen  (-nOSS)  (germ.  nut;  ahd.  niozan;  mhd. 
niesen  =  zum  Gebrauche  sich  etwas  verschallen, 
Kluge *,  134  ff. ,  etwas  gebrauchen,  geniessen).  — 
GcnosS  (mhd.  genoss  =  der  mit  einem  mltgeniesst} 
=  Penis  (s.  Ebenalt;  gleichaltriger  Genosse),  als 
Begattungsteil  (Liebrecht,  «.  V.  K.  129)  und  Spiel- 
kamerad beim  Venusspiel.  —  tioerniessen 
(mhd.  ubernlezcn,  Lexer 281)  =  durch  abermassigen 
LiebesgenusB  Bich  impotent  machen. 

Nieth,  f.  (Ntid,  Ntidle)  («u  Not,  Not,  «.  d .).  eine 
Nieth  bekommen  =  einen  Krankheits-Anfall, 
eine  sich  entwickelnde,  mühonde,  plagende 
Krankheit,  bei  der  man  sich  noch  auf  den 
Füssen  mühevoll  herumschleppt,  bekommen 
(L'ntermain.  Würzburg,  Schmeller  I,  1729).  —  Ntidle 
=  eine  kleine  Not,  Notdurft,  Durchfall,  schnelle 
Kaihrine  (Schmeller  I,  1.  c).  —  Gmiet  (Gniel)  = 
eine  öfters  eintretende  Qual,  l'lage,  Not,  durch 
einen  vermeintlichen  Wurm  z.  B.  —  rVniet- 
Wurm. 

nieten  (neiteln)  (ahd.  hniotan  =  betesügen.  siehe 
Niotnagel).  —  nieten  (noileln)  =  nageln  (s.  d.), 
venerem   exercere   (Schmeller  I,  1771.  1775).  — 

»neitclt  [verneutelt  maneken  —  homuneulus  pu- 
mllio,  Schmeller  1, 1765) -ein  verkrüppelter  Mensch 
(wenn  nicht  zu  Knoten,  s.  d.).  —  Niet-A^e.'. 

Nifel,  f.  Niffel,  f.,  n.  Nttffel,  Niefen,  nifeln 

(Nebenform  zu  schnüffeln  [lautmalend]  ohne  Anlaut 
l*  |  n);  15.  Jahrh  niffeln,  Gr.  W.  VII,  846).  —  niffeln 
=  leicht  nitfen,  schnflfeln,  schnobern,  durcli 
die  NaBe  schnüfelnd  reden,  am  Nasenkatarrh 
mit  Ausfluss  leiden  (Schmeller  I,  1731).  auch 
jucken  an  offenen,  roten  Hautstellen  (Niffel  4). 
—  Niffel,  NttfeL  Nifen,  m.  f.,  1.  =  Schnupfen 
mit  Scbnüfel-Gerätisch  (Gr.  W.  VII,  846;  Schmeller, 
1.  c. ;  Schw.  eil).  —  2.  =  der  meist  mit  starkem 
Nasenkalarrh  verbundene  Augenkatarrh  (Nifel- 
Aug),  lippus  (Gr.  w.  vn,  844).  —  3.  =  die  mit 
starkem  Nasen-  oder  Augenkatarrh  verbundene 
Auffrattung  der  Übergangsstellen  von  Schleim- 
haut zu  äusserer  Haut,  juckendes  Erythems, 
abschuppende  Haut  (Schmeller,  1.  c;  Chr.  8am.  1,9; 
Gr.  w.  VII,  844).  —  4.  =  (übertragen  auf  ähnliche 


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-nigeln— Nies. 

andere  Stellen  z.  B.)  schrundige,  wunde, 
schmerzende  Brustwarzen  (Rhagade6  inamraae) 
(Gr.  W.  VII,  844 ;  Plön-Bartels  II.  417,  wenn  dies  4  Dicht 
besser  zu  Nlpple  tu  stellen  ist).  —  5.  —  SchnQfel 
=  Nasenkatarrh,  daher  auch  Niffel  =  Pferderot« 
oder  Feifei  mit  sympathischen  FeifeldrOsen 
(1590  nlä ;  171«  nlfel  =  Feitel,  Nipf,  Zipf,  Pips,  Gr.  W. 
III,  1433;  VII,  840;  Schtneller  I,  1731.  Das  Xlfel-Kraut 
Ist :  Anagallis  arrensis,  Schnieller,  1.  c.  und  Hyoscyamus 
nlger,  Jessen  26.  186). 

-nigeln  s.  Nagel,  Igel,  ilgern  (nigeln  =  n  +> 
igeln). 

Niggele.  Nigl  s.  Nückel  (nucken,  Nock). 
Kille,  nillen  a.  Nolle,  nQllen  sub  Noll, 
ninna  s.  nauneln. 

Nipf,  m.  =  Schnupfen,  Niffel  (s.  d.),  1.  =  der 
ein  Schnüffeln  veranlassende  Zipf  beim  Feder- 
vieh. —  2.  =  (übertragen  auf  den  Zipf  als)  Börzel 
(s.  d.)  =  eine  Krankheit  am  Bürzel  des  Feder- 
viehs. —  3.  =  wie  dieser  wieder  Obertragen  auf 
den  Menschen  als  Zipf,  Pips  =  Influenza  (Schm. 

1,  1762).  —  er  laset  den  Nipf  hangen,  1.  =  wie 
ein  Huhn  den  Borzel  oder  Nipf  =  Schweif 
hängen  lassen.  —  2.  =  bildlich  für  krank  sein, 
aipfen  (Schindler  1 ,  1752).  —  3.  =  s.  nachfolg, 
nippen. 

nipfezen  s.  naflezen. 

nippen,  Nipper,  m.  —  Nippel,  Nipper  (angR 

nipele;  engl,  nlpple  =  Brustwarze ;  nipper  — die  Fohlen- 
zihne,  Milchzähne,  Kluge*  271;  Kalttchm.  I,  427)  = 
der  nappende,  napfende,  zipfelförmig  hinab- 
hangende Penis  (Schnieller  I,  1751)  (s.  Nappe).  — 
nippen  —  ein  wenig  schlummern  und  dabei 
seitlich  den  Kopf  hangen  lassen.  —  Nipf  = 
Schlummer,  Dormitatio  (D.  II,  141).  —  lüpfen, 
nipfeln  (ndl.  nippen.  Kluge  271)  =  mit  kleinen 
Zü>?en  trinken  (am  Nipfel).  —  ein  nippen,  1.  = 
Nystagmus  bulbi  (Klaas,  R.  670)  *■  das  Zwinkern 
der  Augenlider  (?),  Nicken  mit  den  Augen.  — 

2.  =  einschlummern  =  einnicken,  einlullen. 

Nim,  n.  =  n  +  Hirn  es  Schweinshirn  (Henneb. ; 
Spless  II,  173). 

Nischel  s.  niesen  u.  Niess. 

nispeln  -  lispeln  (s.  d.),  blaesus,  tp(ftt)X6c 
(Coler,  H.  A.  128). 

NiSS,  f.,  pl.  (hnlz  [x<m-]  =  Laus-El;  ahd.  nütz; 
mhd.  niz,  nlzz.  Kluge5,  272,  1420  nysselyn  =  lenticula, 
I).  II,  231 ;  1482  nysi,  niss  -  lenles.  Zening.  Voc.  t  f  X 6; 
Gr.  W.  VII.  860;  1616  nyss  =  furfures  crinlum,  D.  253; 
1551  nyss  =  Lauseier,  Bock  285;  1572  nlsz  =  Lause; 
1582  niss*  =  Hauptlause.  l.onic.  227 ;  engl,  nit,  Gr.  W. 
VII.  860).  1.  =  die  für  Lauseier  genommenen 
Scbflppchen  des  sich  abschilfernden  Haar- 
bodens,  Pityriasis  [r.ivipnv  =  Kleie),  Phthiriasis 
(»ihif.  =  Laus)  (s.  Läusesucht)  beim  Anfangs- 
atadium  des  Haarausfalles.  —  2.  =  die  Läuse 
selbst.  —  Nischel,  1.  ■  daa  Vorderhaar,  der 
Schopf  am  kindlichen  Schädel,  der  Niss  (s.  o.) 
abwirft  —  2.  =  der  Vorderkopf  selbst  (Gr.  w. 
Vn,  850.  1009;  ßchw.  460).   —  nissig,  1.  =  DÜt 

Läusen  behaftet  —  2.  =  s.  genesen.  —  Gcnitt 
(Knitten)  =  Kollektiv  der  Niss  1.  2.  —  (17.  Jahrh.) 
Haupt-,  Kopf -NiM  -  die  Abachuppungspro- 


-nist— Nock.  447 

I  dukte  des  Kopfliaarbodens  im  Gegensatte  zu 
den  Filzlausen  des  Möns  Veneria  (Fr.  Kr.  B.  372). 
HiBS-Kcpf. 

nis,  -nist  s.  -nesen. 

Nisser  =  (N)  Üsser  (s.  öster)  =  Biesfliege, 
welche  Dasselbeulen  macht  (Schnieller  1, 1761).  — 

Nix,  m.  Nixe,  f.  s.  Nickert. 

Nock,  Nockel,  Nocker,  Nöckli,  Nockerli, 
Nacker,  Nückel,  Nickel  (zu  ahd.  himc,  nocet, 

hnach,  testa  capitis,  cacumen,  Schnieller  I.  1724)  = 
rnndl.  Krhabcnhcit,  Erhöhung  grosserer  oder  kleinerer 
Art).  —  Nock,  L  =  die  Kaust  als  runder  „Gauf- 
berg"  der  ganzen  Hand  (C.  t.  Schm.  408).  —  2.  — 
die  gebeugte  Stellung  und  Wölbung  des  Nackens 
bei  einem  Schlafe  im  Sitzen.  —  3  =  dieser 
kurze  Schlaf  selbst  (Schweiz,  Tirol;  Gr.  W.  VII, 

878  974  975).  —  Nuckel,  Nückel  (Nickel),  L  = 
eine  rundliche  Erhabenheit  kleinerer  Art  am 
Körper,  runder,  kleiner  Körper:  a)  kleiner, 
runder  Drüsen- Knollen,  Abscess- Knötchen; 
b)  Höcker,  gibbus  (Schmeller  I.  1724);  c)  Knöchel 
(Schweiler  1.  c. ;  Gr  Vf.  V.  1456;  VII,  974);  d)  (1675 
nückel,  nuckelein  =  marama)  Brust  und  Biust- 
»  arze,  als  hügelartige  Erhabenheiten  (Kurhesseu ; 
Gr.  W.  VH,  974);  e)  der  rundliche  Stirn-  oder 
Augenbrauen-Wulst,  durch  den  Muse,  corru- 
gator  erzeugt  (Gr.  W.  VII,  974).  —  2.  (anlehnend  an 
die  Koseform  Nickel  für  den  häufigen  Banern-Namcn 
Nikolaus  und  dadurch  einen  niedrigen  Nebensinn  er- 
haltend), ist  Nickel:  a)  =  kleiner,  runder,  ver- 
hutzelter, verkrüppelter,  kindlicher  Körper, 
wie  er  im  Volksglauben  den  teuflischen  Ko- 
bolden, elbischen  Hausgeistern  (Nickelmann, 
P.  Nix)  eiflren  ist  (Schmeller  I,  1722;  Gr.  W.  VII,  TM; 
Z.  f.  d.  A.  1888,  S.  164 ;  Conf.  Nickels- Kuh  -  Papaver,  Roll. ; 
als  Schlafmittel  für  [rhachitisrhe]  Kinder).  —  b)  - 
kleiner  Finger  (ja  d  ).  —  c)  =  s.  Igel.  —  nuckeln, 
nöckeln  (nulken,  nolken)  =  an  dem  Nuckel  ld 
(Brustwarze)  saugen  (Nordfr. ;  Gr.  W.  VII.  974; 
Spless  II,  174;  Schmeller  I,  1724).  —  nocken  -  sin- 
gullire  (D.  536;  onomatopoetisch?)  =  het*chen.  — 
nöckeln  (notteln)  nnckern,  nückern  (ndd.  lippc, 
Fromm.  VI,  359)  —  durch  wiederholte,  meist  un- 
deutlich hetschend  gesprochene  Worte  seine 
Krflnklickeit  äussern  (von  Hypochondern  oder 
kränklichen  Kindern).  —  Bi-,  Bie-,  Bier-,  Ber- 
Nickel  =  Beeren  -  Nickel,  ein  kleines,  rotes 
Gerstenkorn  (Chalaeion,  Werren)  (franz.  bornlcle, 
Brlss.  310;  ein  schielender  Mensch)  am  Augenlide, 
mit  dem  kleinen  roten  Beerenknöllchen  (Btttz- 
chen)  verglichen  (conf.  le  compfre  lorlot  [orlolus  = 
Blerolf.s.  d.]  =  vermutlich  ein  kleiner  Bntz,  drückender, 
mitessender,  milzehrender  Alp  in  Wurm-  (Werren-) 
Gestalt,  der  durch  vorgehaltene  Beeren,  Blumen  oder 
Körner  transplantiert  werden  sollte  (s.  Gerstenkorn  n. 
Hlumenflck;).  —  Dnunu -Nickel  =  ein  mit  dem 
Däumling  verglichener,  kleiner,  rundlicher 
Menscheokörper.  —  ent  nücken  =  entschlum- 
mern (Schmeller  I.  1724).  —  La«s-Nickel  -  ei" 
kleines,  verhüttetes  Kind,  das  Kopflause  hat; 
(weiterhin  Schimpfwort  (Spless  II,  173).  —  (1777) 
Meer- Nickel  (Igel)  =  Werrennickel  (Berniekel) 
(1741  meerlgel  =  crithe,  Kirsch  316;  D.  532).  —  Not- 
Nickel  (Bayern)  -  kleiner,  von  Not  hedritngter 
Mensch  (Laistner  II,  »4).  —  Oaren-Nickel  (viel- 


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448 


Noll-Noll. 


Nona— Norf?. 


leicht  entstellt  aus  Ohren-Mückel  [s.  d.))  =  die  knol- 
lige OhrdrüsengeschwulstmitOhrBchmerg  (Ohr- 
iwang)  (Gr.  W.  VII.  1257 ;  Wockernogel  Abhdl.  III, 
172).  —  (1717)  Pumper-Nickel  -  ein  kleine«, 
plumpe»  Kind  von  rundlichen  Formen,  wie  ein 
Brotlaib  (Abrah.  II,  281;  das  Brod  hiess  1450  bonum 
pAtiiculnm.  Pierer  7.  X,  935;  (ir.  W.  VII,  2231;  Waekcr- 
nagel  III.  171  ff.).  —  S7w»ijje«  Nickel  -  der  kleine 
koboldartig  aufgefasste,  kürzere  Finger  (F..  W. 
I,  122).  —  Werren -Nickel  =  Chalazion,  das  eine 
Werre  (s.  d.  =  Gerstenkorn)  bildende  Knötchen 
am  Augenlide,  Crilhe.  —  Zorn-Nickel  (Igel) 
=  ein  zornig  sich  geberdendes  kleines  Kind, 
wütender  Mensch  (E.  W.  I,  24).  —  ZaAn-Nickel 
(Igel)  =  ein  beständig  weinendes,  «ahnendes 
kleines  Kiod  (K.  VV.  I,  24),  dem  die  Zahne  igeln 
(=  ilgern). 

Nöi%  Nöllgg,  Nöllen  *.  Noll. 
Nösch  s.  Nosch. 
Nütz  s.  Netz. 
Nogel  s.  Nagel. 
Nohl  s.  Noll. 

noitelu  s.  nieten  (nageln). 
Noli  me  tangere  f.  rühren, 
nolken  s.  nuckeln. 

Noll,  -noll,  Nölgg,  Nöll(en),  Null,  Nulle,  f 
nullen,  mllen,  NiÜe,  f.  (keltl»ch  nollo  — rundliche 
Erhöhung,  Studer  182 ;  ahd.  hnol  =  Hügel,  Erhabenheit, 
Schw.  352;  nolle  =  Vertex.  slnclput,  posterior  capitU 
pars,  Qraff  II,  1118;  IV,  1131;  nolle  =  supercilluin, 
Schm.  I.  1787;  noll  [nella,  nolla]  =  Vertex.  Hyrtl,  K.  W. 
212;  nullla  —  Vertex,  Rab.  Maur.  04;  1212  nullen  ■ 
Hügel;  1313  nuoln  =  Hügel,  Buck,  Flur-N.  190;  mhd. 
nol  =  mons  Venerls,  Gr.  W.  VII,  879;  nalla  m  (ienick, 
Schindler  I,  1736;  1432  nuhel,  nulle  •■  Hügel;  1470 
ncwlen  —  Hugel.  Buck  1.  c. ;  engl,  noddle  —  Hinter- 
haupt ;  growt-noll  —  Krautkopf,  Dickkopf,  Kaltschm.). 

—  Noll,  m.  =  rundliche,  hflgelartige  Erhaben- 
heit, übertragen  auf  Körperteile  des  Menschen, 
1.  =  am  Schädel  desselben;  a)  Scheite),  Stirne, 
Vorder-  u.  Hinterhaupt  des  gewölbten  Schädel- 
daches; b)  die  wulstig  gerunzelten  Augen- 
brauen bogen  an  der  Stirne,  Arcus  Buperciliares. 

—  2.  =  der  tund  gewölbte,  gebogene  Nacken. 

—  3.  =  der  Scharnhügel,  Mons  Veneria.  —  4.  = 
rundliche,  knollige  Uebilde  auf  der  Haut 
(Schwielen  etc.)  (c.  v.  Schm.  409)  (s.  auch  Neil). 

—  6.  —  knollige  Schleimpfröpfe.  —  6.  =  ein 
kurzer,  dicker,  runder  menschlicher  Körper 
(Delling).  —  7.  =  ein  dicker,  wie  geschwollener 
Kopf,  Kretin  mit  gedunsenem  Schwollkopfe 
(Nielen-,  NöllenkopQ  (Wallis;  Z  f.  d.  Phil.  III,  335. 
338).  —  (ge-)nollen  (nullen)  =  coire,  futuere 
mit  der  Nülle  4  (Gr.  W.  VII,  »79.  9*0)  (s.  auch 
knüllen,  knollen  u.  Noll).  —  Nulle,  f.  Nille,  f. 
(Umlaut  aus  Noll),  1.  =  der  runde  Schadelteil  am 
Scheitel.  —  2.  =  runde  Stirne  und  Augen  brauen- 
bogen. —  3.  =  Nanenrundung  (Schmeller  I,  1337; 
Buck,  Flurnamen  130).  —  4.  =  der  Penis  als  Noller 
in  Butz-Form  (Gr.  W.  VII,  9S0).  —  5.  =  der  rund- 
liche Schleimknollen,  Geiforbalzen.  —  6.  = 
rundes  Eiterbützchen  auf  dem  Kopfe  (Schmeller 
I,  1737).  —  i?W-Noll  (mhd.  fude  nol.  füdelnoll, 


fadnoll,  Schmeller  I,  694.  1737;  Lexer  36»;  Gr.  W.  IV, 
i.  363;  VII,  879)  =  der  Schamhügel  über  der  Fud 
(s.  d.,  Möns  Veneriß).  —  fV-  -noll,  -nttll  (Gnoll, 
Knoll),  1.  =  mehrfache  Knöllchen,  Knollen- 
bildungen, t.  B.  Schwielenknötchen  auf  der 
Haut  (c.  v.  Schm.  409).  —  2.  (1618)  G>.  null  =  Frons 
contractu,  Supercilia  rugata,  starke  Runzeln 
(Knüll)  beim  mürrisch  Bauren  Gesicht  (Nückel) 
(Schmeller  I,  979.  1351.  1787).  —  £rH0UeH,  genullen 
(knüllen)  =  stuprare,  coire,  öfters  (mit  dem 
Noll  3  u.  Nülle  4)  sich  beschäftigen  in  coitu 
(Gr.  W.  VI,  1517;  Schmeller  I,  1737).  —  Nolle(w)- 
Butzchen,  -Kopf. 

Nona,  f.  =  eine  (1890)  in  Italien  angeblich 
neu  aufgetretene  Krankheit  mit  mehrtägiger 
Schlututnersucht  (nauneln  =  schlummern)  (von 
der  hora  nona  =  9.  Stunde  =  3  Uhr  nachmittags, 
«omni»  post  prandla  In  den  Klöstern  und  Stifttchulen  ; 
ahd.  nona  aus  lat.  nöna,  Kluge*.  272)  =  (wahr- 
scheinlich! Influenza  (s.  Schlafkrankheit)  mit 
Boporösen  Gehirnerscheinungen  (Schmidt,  Jahrb. 
1892,  S.  147;  Lerech  263;  Dornbl.  88). 

NotUie,  f  (ein  durch  da«  christliche  Klosterleben 
Im  Beginne  dos  9.  Jahrhunderts  aus  ahd.  nunna,  mhd. 
nunne,  aus  lat.  nonna  =  ehrwürdige  [Gross-]  Mutter 
eingebürgertes  Wort  für  Klostcrjnogfrau ,  die  das 
Keuschheltsgelübde  abgelegt  hat).  —  Nonne  -  ein 
vom  Nonnenmacher  verschnitteneB,  zur  Begat- 
tung untaugliches  weibliche«  Schwein  (vergl. 
Mönch)  (15.  Jahrh.  nunn  =  nefrenda,  D.  II.  262, 

Kluge»,  272,  Gr.  w.  vii,  882).  —  Nonnen- Körbinn, 
-Krankheit. 

Norbel,  m.  (s.  1-öberl)  =  Lorbeerl,  Excre- 
mentUlll  caprae  (Schmeller  I,  1756;  Spiess  II.  174; 
anlautendes  1  wird  manchmal  mit  n  ausgewechselt, 
t.  II,  nork  für  lork). 

Norden,  m.  (ein  rein  germ.  Wort,  Kluge»,  272).  — 
nordischer  Aussatz,  Krankheit. 

Norg,  ni.  Nork  (Lorken)  (»u  itai.  orco,  huorco, 

Schoible  IX,  424;  fran*.  Ogre;  aua  lat.  orens,  ein  alt 
romischer  Walddämon  [Gr.  D.  M.  I,  4541,  «1er  in  roma- 
nlnlerten  Gegenden  des  südlichen  Deutschland*  xur 
rotnugigen,  verkrüppelten,  boshaften  Koboldflgur  [Krd- 
und  Bergmannlein]  wurde  und  als  ein  hartnackiger 
Überrest  des  römischen  Heldentums  im  Volke  galt, 
Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1893,  8.  171 ;  weitere«  darüber  bei  Gebr. 
Zlngerle  I,  225;  Schmeller  I,  142.  1757;  8tcub.  Drei 
Sommer  In  Tirol  31«;  H.  A.  Rh.  267;  Mannhardt  »  9. 
110,  Slmroek,  D.  M.  265.  413;  Gr.  W.  VII,  899;  Hlntncr 
5.  10;  Alpbg.  89.  106.  HO.  119),  1.  =  u  der  Rausch- 
brand  erzeugende  Viehschelm  als  Krankheit«- 
dämon,  durch  dessen  „Berührung"  allein  schon 
das  Vieh  krank  wird  (Germania  VI,  216),  und 
b)  der  Kauschbrand  (s.  d.)  selbst.  —  2.  =  ein 
dem  verkrüppelten  Nork-Kobold  figürlich  an- 
geglichener menschlicher  Körper  (Tirol;  Hlntncr 
">.  10;  Gr.  W.  VII,  899)  (-  Nörggeln,  Norgge;  siehe 
Orke  und  Bausch).  —  3.  =  der  alpartig  auf- 
hockende, den  Menschen  als  Incubus  krank 
machende  Dämon  (Mannhardt  111).  —  4.  =  ein 
Kinder  raubender  und  auswechselnder,  Kre- 
tinen  erzeugender  Dämon.  —  5.  macht  heiser 
und  blind  (H.  A.  Rh.  365;  Z.  f.  V.-K.  1898,  8.  172; 
Mannh.  1.  c. ,  Alpbg.  106). 


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Nor  nen — Not. 


Not. 


449 


Nomen,  pl  [an  indogerm.  ncr  [nr]  —  cinUucbcn. 
einfädeln,  eine  Schlinge  machen,  verknüpfen;  germ. 
nornö;  altn.  norner,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1893,  8.  388)  =  die 
nordgermanischen  Schicksalsfrauen  (norntr),  welche 
analog  in  den  Parzen  des  klassischen  Altertums  den 
Lebenahden  weben  (spinnen)  und  verknüpfen  und  bei 
den  Nordgermanen  als  Rlesenmadchen  (thursa  meyjar) 
auf  Vergangenheit,  Gegenwart  und  Zukunft  hinweisen 
(Maurer  II,  19.  23.  34J.  —  Nornen-S/mrfW. 

NOTB  (=  nors)  =  Arsch  (Mecklbg.;  Z.  d.  V.  f. 
V.-K.  1894,  8.  186). 

Norwegen.  —  norwegische  Krätze. 
NoBch,  n.  Nösch,  m.  Nesch,  m.  (Pfhesch) 

,'zu  ahd.  neseazan,  fneseazau,  Gr.  D.  M.  II,  1110; 
Gr.  W.  V,  1360;  ein  lautmalendes,  den  heacb-,  bet*ch-, 
fnetach-  oder  klux-Ton  wiedergebendes  Wort  für) - 
1.  -  Singuilus,  singultire,  ein  damouislisch 
verursacht  angenommenes  Aufstossen,  das 
Zeichen  quälender,  plagender  Thatigkeit  eines  im 
Körper  des  Menschen  aitxenden,  neckenden  Dämons, 
das  stossweise  plötzlich  immer  wieder  erfolgt  (vergl. 
Marbriegen),  wie  das  gleichfalls  dftmontstlsch  aufge- 
faßte Niesen  is.  d.).  —  2  -  uer  öingullus  begleitet 
namentlich  urämische,  »eplichamiBche.eklamp- 
tiscbe  und  endokarditische  Krankbeilen,  so 
dass  diese  auch  tum  Nösch  wurden  r-61  noesch, 
nesch  =  hetsch,  slngultus,  Pictor.  79;  Gr.  W.  VII,  900; 
D.  536;  D,  MO;  1565  nesch  =  hesch,  slngultus,  pfneach. 
Gr.  W.  VII,  617;  1591  nosch  =  slngultus,  Had.  Jun.  378) 
und  awar:  a)  V  eigicnt  der  Kinder  (Eclampsia) 
=  Tropfen,  Noschlropf;  b)  lautende  Gicht 
(Rheumatismus  aruculorum  acutus  mit  Endo-, 
Myo-  oiler  r'ericarditis)  Mones  Ans.  6.  643;  Schm. 
I,  1766;  Gr.  D.  M.  II.  iuo);  v)  urämisches  Koma 
=  Bewusallosigkeit  mit  tiinguhus  infolge  von 
Urämie  (  =  Vergiftung  des  Blutes  mit  Harn- 
stotf);  d)  datier  kann  Nösch  (Nesch)  auch  zum 
Delirium,  Irrereden,  Geisteskrankheit  werden 
(Buck  13).  —  3  =  das  schmerzhafte  Kluxen  und 
AuiBtoeaen  wird  auch  verwechselt  mit  scbuierz- 
haft  entzündlichem  Seilen-,  Brust-,  Herzslechen 
(Marsteclien).  —  noschen  (nesen,  O.  636)  —  ein- 
guliare.  —  77  Nosche  (Mones  Ans.  6.  463;  H.  Z. 
XIII,  196;  Gr.  D.  M.  II,  lllu)  =  der  den  Nosch  (s.  o.) 
in  allen  seiuen  verscinedenen  Formen  ver- 
ursachende Krankheilsdämon  „mit  seinen  Ge- 
sellen", das  elbische,  kannibalische  Dämonen -Volk, 
welches  in  da*  Hau*  des  Menschen  geht,  dessen  Blut 
su  saugen,  seine  Knochen  und  Glieder  su  benagen 
und  sein  Fleisch  su  versehren;  sie  werden  in  den 
dürren  Baum  im  Walde  zurückgebanut,  woher  sie  als 
Krankhellsdamone,  die  namentlich  bei  der  Gicht  blut- 
saugend auftreten  (s.  Blutsauger,  77  und  Noschtropf). 
gekommen  sind. 

-nosa  «  messen. 

Not,  f-  (lndogenn.  nau  =  beengen  (genau  s.  -nau]. 
Kluge*,  134;  vorgerm.  nauti;  gem.-germ.  naudi,  nauthi, 
altnord.  nauth  -  [Kdda]  ,,auf  den  Bücken  der  Hand 
und  den  Nagel  des  Daumens  schreibe  die  Not"  [als 
Rune],  Jordan  361.  367;  ahd.  nöt,  f.,  m.,  Kluge4,  273 
=  Not,  Zwang ;  10.  — 11.  Jahrb.  nöt  =  angor,  pressura, 
Graft  II,  1033;  mhd.  nöt  =  Mühe,  Drangsal,  Gefahr, 
a.  B.  von  noeten  des  grimmen  siechtags,  Schm.  I,  1772; 
Iii«  not  =  Geschlechtstrieb,  Zwang,  Gr.  W.  VII,  105  ff. 


911;  [Tirol]  uoath  ~  Bedürfnis  fur  den  Abort,  Wolf), 

1.  =  der  mühselige  Zustand  des  durch  natur- 
liche Ursachen  ßeengtseins  od.  Gedrängtseins, 
Angstzustand,  Zwang,  Beklemmung  (s.  Arbeil). 

—  2.  =  schwere,  leibliche  und  seelische  Krank- 
heit und  namentlich  der  dadurch  bewirkte 

I  Htilijektive  Zustand,  z.  B.  Epilepsie,  Fieber- 
paroxysrnus  et**.  —  3.  =  die  Liebesnot  als 
Krankheit.  —  4.  =  die  Not  bei  der  Geburts- 
arbeit  der  Gebärenden  (ndl.  barens  nood.  De  Cock 
61;  im  Fafnismal  16  helssen  die  Nomen  „notlosend  *, 
well  sie  den  Kindbetterinnen  beistehen  [s.  Kreisch- 
merge,  Schmeller  1,  1772;  Sünrock,  H.  D.  M.\  341];  an 
deren  Stelle  tratcu  dlc2  X  7  =  14  Nothelfer  des  Christen- 
tums). —  6.  =  die  Todesnot,  Todesangst  (mhd. 
in  noeten).  —  ti.  =  der  Geschlechtstrieb.  —  7.  = 
das  natürliche  Bedürfnis  zur  Slublenlleerung 
(s.  Nieile,  Nötle)  als  Tenesmus  naturae,  Not- 
durft (Pauli  140).  —  (10.  Jahrh.)  nothaft  (Notker; 
Or.  W.  V,  760)  =  in  der  Kmdes-Not,  im  Kindbette 

i  (s.  <(.)  «ein.  —  mir  ist  nötlig  =  ich  bin  schwach 
(Schmeller  1, 1773).  —  ruh  ist  Not  =  ein  Bedürfnis 
(Nut  7)  bauen.  —  notlen,  noiilen  =  in  der  Not- 
lage durch  körperliche  Gebrechlichkeit  sich 
befinden,  gebrechlich,  hilf  bedürftig  einher- 
gehen (Buck  19).  —  Anfallt  -Not  =  der  durch 
einen  epiu-puschen  Anfall  beroeigeffibrle  hilf- 
be<IUrltige  Zustand  (Gr.  w.  VII,  910).  —  amtwuende 
Not  =  eine  bedräugie  Lage  infolge  einer  an- 
Bleckenaen  Krankbell  (Frank,  Weltb.  211  a).  — 
4f«»-Not=der  plagende,  oeaehwerhehe  Zwang 
zum  sielen  Atemholen  bei  ungenügender  Lufl- 
erneuerung  in  den  Lungen,  beim  Alptraum  z.  Ii. 

—  französische  Nöten  (Parac.  de  imp.  C.  4)  =  be- 
schwerliche Kiankneit  uurcli  die  frrauzosen 
(«.  d.).  —  grosse  Not  =  Necessitas  naturae, 
die  Notdurft  zur  natürlichen  Kolentleerung 
(Stuhlgang)  im  Gegensätze  zur  kleinen  Not 
(Gr.  w.  VII,  914).  —  (1680)  HerzlHot  =  Car- 
dialgia,  öyneope,  l'alpilaiio  cordis  =  das  Ge- 
füül  von  Beengung  in  der  Herzgegend  mit 
und  ohne  Herzkloplen,  meist  von  Herzleiden 
ausgebend  (Gr.  W.  IV,  2.  1256).  —  hohe  Not 
sa  Epilepsia,  Eclampsia  puerper.  (s.  hoen).  — 
Kindea~ Not  (mhd.  kindesnöt,  in  noeten;  1551  in 
kindsnOten  [Bock  172],  auch  von  werfenden  Tieren 
gebraucht,  Gr.  W.  VII,  911)  =  die  Gebärwebeu,  die 
schwere  Arbeit  bei  der  Geburt,  die  Geburt 
selbst,  longo  tractu  partunre  =  in  Kindesnot 
arbeiten,  in  Kindesnoten  bleiben,  mourir  en 
travail  d'enfaul  (Gr.  W.  V,  760;  St.  Benno-Mirakelb. ; 
Zw.  261).  —  kleine  Not,  1.  =  das  Bedürfnis  zu 
kurz  dauernder  Harnentleerung.  —  2.  =  eine 
heimliche  Krankheit  (z.  B.  Tripper),  die  öfteren 
Harndrang  (Kleinöte)  (Gr.  W.  V,  1129)  veranlasst. 

—  3.  =  (1394  klelnot  =  genitale,  D.  260)  das  die 
kleine  Not  1  beoorgende  ul.ed  (a.  auch  Od).  — 
Kramme,  krumme  Not  =  das  plötzliche  krampf- 
hafte Einziehen  und  Verbiegen  der  Glieder, 
Er-  und  Verkrümmen  bei  der  Epilepsie  (Not  2) 
(auch  in  Flüchen  ,,krelg  die  krumnoth"'  wie  andere 
Ausdrucke  ahnlicher  Art  verwendet,  Gr.  W.  I,  2344; 
VII,  910;  Henneb.  kromme  uuut,  Spless  I.  20,  II.  142, 
Höhl,  Khonspiegel  127.1.  —  (1594)  Ltt^M-Not  =  der 
Dtaug  zur  Entleerung  des  Leibes  aus  Angst 
oder  Verstopfung  (Gr.  W.  VIII,  2464).  —  letzte  Not 

29 


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460  nuckeln — Kanne. 


nuppen— Nymphe. 


=  Todes-Not  (5)  (Gr.  w.  vil,  911)  —  H7i2>  Mutter- 
Not  =  Hysteroepilepsia,  Eclampsia  (Mutter- 
plage, 8.  d  )  (F.  Hoffm.  VII,  119).  —  (1561)  AT^r«l- 
Not  (In  nlcrou  nolh  haben  =  labornr,  cx  rcnlbu«, 
Gr.  w.  VII,  »10)  -  ein  bei  der  Entleerung  von 
Nierensteinen  eintretender,  den  Wehen  ähn- 
licher Kolikschmerz,  der  von  den  Nieren  zur 
Blase  ausstrahlt.  —  (1546)  Pestilenz-,  (1680)  Pest- 
Not  -  die  bedrängto  Lage  infolge  der  Ansteck- 
ung durch  die  Pest  (Gr.  w.  vn,  1570. 1675).  —  (1810) 
Pocken  -  Not  =  Blatternkrankheit  als  epidem. 
Plage  (Hildenbr.  27).  —  Scheiss-Hot  =  Not  7 
(Scbmeller  II,  474).  —  achtrere  Not  (1615  =  Fall- 
sucht, Ür.  W.  VII,  910;  Colcr.  K.  360;  1694  =  Kelatnpsla 
infantlum.  1.  eod. ;  1725  convulslo  epileptlca,  Tb.  «an 
Br.  2.  549;  1742  =  eptlepsia,  Zw.  495.  976;  1743  = 
eptlepsia,  bibl.  Med.  105.  446;  1764  =  epilepaia,  A.  v.  H 
I,  601;  1760  =  fallend«'  Sucht,  Wallb.  860;  1783  — 
epilepsia.  Plattner  II,  428;  Steiermark  =  epilepsia,  partus, 
Fe wel;  Heuneb.;  Spiess  II,  138),  1.  =  die  Epilepsia 
als  schwerer  Krankheiteanfall,  derd.  Menschen 
und  das  Pferd  „angehl"  (Heyne  in.  1017 ;  R  A  ; 
Falke  II,  167).  —  2.  =  die  Eclampsia  infantium, 
Fraisenanfall,  mit  1  leicht  zu  verwechseln.  — 
3.  =  die  Kindesnot  (s.  d.).  —  4.  =  der  Stuhl- 
drang als  grosse  Not.  —  (1545)  sterbende  Not  = 
Todes-Not  (Not  5)  (Gr.  w.  vil,  B1I).  —  (ieio)  töd- 
liche, Todes-THot  (1615  in  todes  noten  arbeiten  -=- 
agontzare,  D.  19)  =  Todes- Angst,  Feige  6  (Gr.  w. 
VII,  911).  —  (1591)  treibende  Not  =  Tenesmus, 
Not  7  (Had.  Jan.  379).  —  J7»not  (Aunaut  [Schwaben]; 
ahd.  unodl)  =  höchst  beschwerlicher,  beengender 
ZuBtand ;  eine  das  unverstandene  „Unhold"  (s.  d.)  ety- 
mologisierende, volkstümliche  Entstellung  für  diesen 
Namen  des  unholden,  klnderraubenden  Poltergeistes 
(Schwaben;  Meyer  266);  da  die  „Not"  begrifflich  nur 
mit  natürlichen  Zwanglagen  lu  Verbindung  steht  und 
In  keiner  Beschwörungsformel  auttritt,  so  ist  eine 
damonisUsche  Tnnot  wohl  nur  aus  Volksetymologie 
erklärbar.  —  Hot-Lager,  -Nagel,  -Nickel,  -Plage, 
■Schoss,  -Stall,  Sucht. 

nuckeln,  nucken,  Nucker,  Nückel  f>  Nock 

nüchtern  (ahd.  nunhtarnin ;  mhd.  nüchtern  [zu 
noctumus?],  Kluge*,  273)  =  am  Morgen  noch  nichts 
gesessen  habend,  hungerig  seiend  (Spiess  II,  174). 
—  nüchterne  SpUtiet. 

Nüd  (Nüdle)  s.  Nieth. 

nüeren  s.  neutem. 

Nüfel,  f.  NtifiFel,  m.  s.  Nitfel. 

nullen,  nüllern  s.  Noll. 

Nüni,  D.  =  ein  Natinerl  (s.  d.)  kleiner  Schlaf 

(Kln.lerspr  ;  K.  W.  I,  3). 

Nürnberg.  —  Nürnberger  Pipfs. 

nüscheln,  Ntischel,  NUscher  s  niesen,  Niss. 

näseln,  Nüsse  s.  nuseln,  nieseln 

Nüstern  b.  NuHtern. 

Nützel  s.  MQUel  (Mutzel). 

naiern  s.  neutem. 

nulken  b.  nuckeln  (Nock). 

Nulle  s.  Noll. 

•nunft  h.  nehmen. 

Nunne  a.  Nonne. 


nuppen  =  gnuppen  (s.  knuppern).  —  eine 
Krankheit  üfcer-nuppen  ■  dieselbe  verbeisaend 
ertragen  (Schmeller  I.  1751). 

N usch,  f.  =  weibliches  Schwein,  an  dem  das 
Forklein  nuUchelt  (saugt)  (Schmeller  I,  1766). 

nüscheln.  nüseln,  nÜBeln,  nüsseln  (alter  nhd  , 

1)90  nuesoln  —  mulire,  I).  374,  Ablautformen  zu  näseln 
oder  nieseln),  1.  =  durch  die  Nase  Geräusch  er- 
zeugen: a)  beim  8prechon  (s.  näseln);  b)  beim 
Atmen  schnüffeln.  —  2.  =  Baugen,  wobei  die 
Luftatmung  ausacblieaslich  durch  die  Nase 
erfolgt  (Gr.  W.  VII.  1010;  Kluge5,  273). 

NttSCheL,  f.  =-  Muschel  (I>.  140,  1281  nnsc«  =  la 
nusque)  =  innerer  Augenwinkel  (Du  lange  V,  627) 

Nuss,  f.  (rorgerm.  knud;  gerro.  bnut;  ahd.,  mhd. 
du  =  die  runde  Baumfrucht  mit  harter  Schale;  engl 
nut;  derselben  wird  angeglichen),  1.  =  das  kugel- 
förmige Ende  eines  Gelenkknochens,  welches 
in  einer  nusschalenartigen  Höhle  eines  an- 
deren Knochens  (Nuss-Gelenk)  steckt.  —  2.  = 
Feminal  bei  Mensch  und  Tier,  als  die  r.u  er- 
öffnende Fruchtochale  (Gr.  W.  VII.  1014;  Heyne  III, 
1029  ff.;  Qultzmann,  Relig.  d.  Baiw.  1860,  8.  90;  Brehm 
II.  115,  Verf.  Baum-  u.  Waldkult,  8.  148).  —  3.  =  das 
fttitumgehene  breite  Fleisch  an  der  tierischen 
Vulva  (Mutnfel)  gegen  das  Becken-Innere 
(Garhschale)  zu,  beim  Kalbe,  noix  de  veau; 
Kalbsscheibe,  Gansei  *,  Musculus  olturat.  im. 
et  pyriformis.  —  4.  =  (engl,  nutbone,  Nussbeln, 
Ot  naviculare;  nut  of  a  man 's  yard  =  Hoden  [Analogie 
zu  der  Haselnussgerte  mit  Fruchtknollen]).  —  in  die 
Nüsse  gehen  -  enUwei  gehen  wie  eine  Nuss- 
schale,  Bterben  (Spiess  II,  174).  —  Kalbs-THllSB 
=  Nuss  3;  das  wie  der  Kern  aus  einer  Nuss- 
schale,  so  aus  dem  Beckenfette  herausgeholte 
Schlachtfleiscb  an  der  Kalbskeule.  —  Nuss 
Büngel 

Nüster,  f.  (Nüster,  f.)  (erst  nhd.  zu  nuse,  Ab- 
lautform su  Nase,  Gr.  W.  VII,  1011  j  nos  „mit  eln- 
Kescbobenem  t".  Kluge*,  273;  engl,  nostril),  l.  = 
Nasenlöcher  beim  Menschen.  —  2.  =  Nase 
(Sehw.  4«6).  —   3.  =  Pferde -Nüstern  (Nüsse) 

(H.  Paul  3321 

Nüster,  m.  pl.  (Noster),  1.  -  die  Dornfort- 
siitze  am  KfUkgrate  (ProceBSUB  spinosi),  die 
wie  Paternoster- KOgelchen  am  Rosenkranz 
(s.  d.)  an  einander  gereiht  sind  (Buck  16; 
Schmeller  I,  1768).  —  2.  =  die  kleinknolligen  Ver- 
dickungen länga  der  Sehnenscheiden  und  Blut- 
adern am  PferdefuBBc  (Seb.  176)  =  Knie-Pater- 
noster. 

nutschen  =  saugen,  lutschen  (n  für  1)  (Spiess 

II,  249). 

Nuttel  (Ablautfonn  zu  Nuckel,  s.  Nock).  —  (1591) 
OArrn-Nuttel  s.  Olirennickel  bei  Nock  und 
Ohrenmuckel  b  (Had.  Jun  3S6). 

Nutzen,  m.  =  ein  Stückchen  der  Nachgeburt 
der  Kuli  (sogen.  Di  ilsenstück),  Lätizel  (beim 
Pferde  Fohlengift,  Hippomanes),  das  der  Kuh 
gegeben  wird,  um  sie  milcherträglicher,  nutz- 
bringender, beleibter  zu  machen  (Bararia  IV, 
2.  377  ;  Gr.  W.  V,  1026;  Falke  II,  167). 

Nymphe,  f.  b.  Lymphe  u.  Waaserlefzen. 


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oben — öde. 


ödem— Ofen.  451 


0.  —  O-Bcin. 

oben.  —  es  fehlt  mir  oben  herum  =  auf  der 
Brust. 

ober-  (die  Zusammensetzungen  mit  dieser  Präpo- 
sition such'.'  beim  betreffenden  nachfolgenden  Stamin- 
worte). 

Ochele,  n.  ocheln  =  Achele,  Wundschmerz. 

—  ocheln  =  Ächten  (=  Öfters  „ach!"  sagen) 

(Birlinger  I,  210.  319;  II,  72). 

Ochse,  m.  =  das  klauentragende,  plampe, 
rohe,  ungeschickte,  gewaltigen  Wuchs  zeigende 
(indog.  üks  =  heranwachsen.  Kluge*,  274)  Männchen 
der  Kuh  (s.  d.),  das  früher  vielfach  das 
Zugpferd  ersetzt«1;  es  diente,  wie  das  Rom,  «u 
manchen  Vergleichen  bei  der  Benennung  mensch- 
licher oder  tierischer  Krankheiten   bezw.  Organe 

-  -  Ochsen,  p).  =  eine  falsche  Cbersetzung  der 
Bubones,  ßooßcuv,  bova,  boa  (s.  Bubo),  die  man  an 
bus  (bovis)  =  Ochse,  anlehnte  (Pauli).  —  ochsen  = 
rindern,  ochsern  =  belegt  werden  (Heim  61; 
Spless  II,  176).  —  ochsnig  =  brünstig  (von  der 
Kuh)  (Wolf;  Elsass  oesnig,  E  W.  I,  77)  —  Ochsen- 
■  Auge,  -Bein,  -Fieber,  -Fuss',  -  Gallen,  -Gebist, 
•Guckele*,  -Hert,  -Huf,  -Hunger,  -Klaue,  -Knie, 
-Kopf,  -Kugel,  -Ohren,  -Schenkel,  -Sehne,  -Spalt, 
•Spat,  -Sucht,  Zagel,  -Zetnm. 


—  Klein-Od,  1.  =  s.  Not.  —  2.  -  (1S32 
chlanelt  <=>  ririlia,  Schmeller  I.  1332;  mbd  kleinöt  = 
zierliche«  Ding,  Kluge  *  200;  1394  kleinot  =  genitale, 
D.  260;  1470  klenöt  ■  crUta,  D.  15«)  a)  Penis;  b)  die 
hahnenkammförmigen,  spitzen,  kleinen  Feig- 
warzen. 

Odem,  in.  (Otem,  Othem)  wie  Notem  eine 
dialektische  Nebenform  zu  Atem  (s.  d.),  le  vent, 
le  respir  (Kluge  \  12.  274). 

oeoe  (ao)  =  der  Naturlaut  beim  Stuhldrange 
(Klndempr. ;  der  Irvokal  der  Kinder,  der  am  häufigsten 
die  i'nlust  ausdrückt).  —  oe  oe  machen. 

öde,  Öde,  f.  Odin,  ed  fgotb.  autbi  —  öde,  einsam, 
unfruchtbar;  ahd.  üdl  =  öde,  leer,  ödi,  f.  =  Wüste, 
Leerheit;  8.  Jahrh  odhln  =  oedin;  10.  Jahrb.  od« 
[Notker];  rahd.  oede  =  unbebaut;  bis  zum  16  Jahrh. 
leer,  gebrechlich,  arm;  oedin  =  Wüste;  1576  Öde,  f. 
=  der  leere  Mittelbauch,  Gr.  W.  VII,  1146;  hieher  viel- 
leicht aden  —  Misageburt,  Mole.  Falke  I.  17,  als  unvoll- 
kommene Befruchtung).  —  Öde,  f.,  1.  =  die  I^eere 
in  Bezug  auf  die  Fülle  des  Leibes  und  den 
Inhalt  des  Magens.  —  2.  —  das  durch  1  er- 
zeugte Gefühl  von  Schwache  und  Unwohlsein. 
—  3.  =  derjenige  Leibesteil,  welcher  bei  Ab- 
magerung, Hunger  besonders  leerer,  schmäler, 
schwacher  ist  als  der  ober-  bezw.  unterhalb 
liegende,  die  sogen.  Weiche,  Dünnung  (Taille), 
zwischen  dem  unteren  Band  des  härteren 
Brustkorbes  und  dem  noch  knochenstärkeren 
Becken  =  Regio  hypochondriaca  (Hjrrtl,  K  w. 
119.  120).  —  4.  =  Geschmacklosigkeita-'iefühl 
überhaupt  (physisch)  (Gr.  w.  VH,  IUI).  —  Leibet- 
Öde  ■  „eine  notwendige,  künstliche  od. 


liehe  Aasführung  (taertnachong,  Entleerung) 
des  Überflusses  des  Leibes"  (Öde  2)  (Oaarin.  867). 

—  Magen-Öde  ■  das  widerliche  Ekelgefühl 
(s.  Blöde,  Wüste)  im  Magen  (Oder  Magen) 

(C.  v.  Bchm.  413). 

Ödem,  n,  Ödema,  n.  (zu  oDrjia  =  Geschwulst; 
o'.Sttu  =  schwelle;  indogerm.  oid  [dazu:  Elter;  germ. 
oit.  Kluge);  1518  ldoma  o  „eine  Geschwulst,  die  dem 
Kinger  nach  niedersetzt  und  also  bleibt",  H.  v.  Gersd. 
99)  =  eine  den  Fingerdruck  als  Delle  (Döl- 
schenkel,  s.  d.)  hinterlassende,  durch  Wasser- 
er^uss  in  die  Gewebe  erzeugte  Geschwulst.  — 
(1842)  kaltes  Ödem  =  schmerzlose,  kalt  an- 
zufühlende wässerige  Hautschwellung  (Falke  11,6). 

01.  n.  (ein  ans  lat.  oleum  im  8.  Jahrh.  durch  die 
Klöster  eingedrungenes  Wort;  ahd.  olel,  oll;  mhd. 
oele.  oel,  ole,  ol,  Kluge  •  276)  =  flüssiges  Fett.  — 
Öligkeit  =  Ölige  Beschaffenheit  (Krautw.  xxüV). 

—  Na»en-Öl  =  wie  öl  flüssiger  Nasenschleim, 
Kotz  (Demokr.  VII,  280).  —  iVi'ercn-öl  --  das  zer- 
lassene Nierenfett,  Nierenschmals  (Gr.  w.  VII, 
883).  —  öl-,  «lichte  Drüse,  -Flecken9,  -Harn, 
-Schenkel,  -  Waatersucht. 

ölber,  Ölfeken,  ölweken,  ölp  -  Elbchen, 
ölfehen  (s.  Olf)  (Uistner  II.  454).  —  Ölp-Tröttch, 
■Mann. 

Ören  s  Ehren. 

Orxen  s.  Ochsen. 

Öschel  s.  l'r- schiächten  3. 

ös,  Öain,  Öster  (=inaani»,  d.  39S),  a)  =  die 
Dasselbeule,  durch  die  Larve  des  Engerling 
oder  den  Beisswurm  der  Biessfliege  (Östrus, 
Oester,  Nisser)  verursacht;  b)  —  auch  Milz- 
brand =  Kot  lauf  (ester  =  Ignla  perslcus,  Du  Gange 
IV,  291;  D.  393;  Oestrum  sb  taon  [tabanus  =  Breme, 
Wespe,  I).  670],  monche  als  ein  elbischer  Dämon  In 
Gestalt  einer  Mücke  [s  d  ],  der  die  Menschen  besessen 
macht  ;  15.  — 16.  Jahrh.  delire ,  fnreur  prophetiquo, 
Janus  1897.  499,  Wurm  lc,  boutons,  bourgeons,  Uvea, 
lavan,  tavelures,  Brias.  215.  Hieher  vielleicht  [14.  Jahrh  ] 
daneaet  =  Oester,  D  893)  =  Thau-öster,  Thauwurm, 
Leberegel,  Maikoder  als  Engerling  in  der  Haut 
des  im  Thau  weidenden  Viehs. 

ösenich  s.  Ochse. 

öserlich  (zu  ahd.  oesan ;  mhd.  Ösen  m  öde,  leer 
machen,  erschöpfen,  Schmeller  I,  164;  Fromm  VI,  17) 
=  unwohl,  erschöpft. 

Ofel,  m.,  n.  (1572  der  Ofl,  Wlchner  34)  S.  Abfell 

(AM). 

Ofen,  m.  (urspr.  Topf;  gem. -germ.  =  Backofen; 
goth.  aühns,  alth.  ovan  -  Heizofen,  Backofen;  mhd. 
oven,  Kluge  5,  274).  —  der  Ofen  fällt  ein,  bricht 
ein,  will  einfallen  =  der  Backofen  (nach  altuber- 
brachter  Vorstellung  werden  die  Menschen  gebacken, 
i.  d  ),  die  Stätte  der  Menschenerzeugung  will 
sich  gewaltsam  durch  die  Geburt  eröffnen;  die 
Schwangere  will  (eine  Brut)  gebären  (Or.  w. 

2)  (s.  Altweibermühle). 


II,  1172;  Wolf; 


29» 


uigiiize 


452  offen— Ohm. 


ohn— Ohr. 


-  3  Kimler  aus  einem  Ofen  -  von  einer  Mutter. 

der  Ofen  ist  noch  ganz  — unverheiratet,  vou 
Mädchen  (Rochh.  II,  117;  Z.  d.  V.  I.  V.  K.  1896  ,  30S). 

—  der  Ofen,  der  »ich  aus  dem  „Herde"  bei  der 
Entwicklung  der  Kochkunst  entwickelt»,  wurde  so 
auch  zur  Herzstelle  des  germanisch-deutschen  Hauses, 
wo  der  Hauskobold  an  der  Brandmauer  (arn  ■  Altar) 
überm  Wtchtelstelu,  spater  über  der  Herdplatte  seinen 
Gclstersltz  und  Laut  hatte  (l,  Ehren),  wohin  die  Mutter 
Ihre  am  Kleber  oder  an  der  Darre  (*.  d.)  kranken 
Kinder,  die  verkrüppelt,  nn  Mitessern  krank,  ver- 
kümmert oder  verwachsen,  „nicht  recht  gebacken" 
waren,  zum  ..tmbacken"  oder  „Doppeltbackcn" 
(  =  „Wiedergeburt")  auch  „Abmähten"  brachten  (V.  K. 
V,  168;  Lalstner  II.  39  ff.  :«»;  Frlsehb.  43.  79).  Der 
Backprozess  (s.  Biicker),  der  mit  der  Mchlbereitung 
(s.  Mühle  und  Küche)  In  alten  Zeiten  eine  direkte 
Beziehung  halte,  wurde  so  zum  Bilde  der  Menschen- 
erzeugung; darum  klagen  kranke  Personen  ihr  Leid 
dem  Ofen,  d.  h.  den  llerdgelatern  (Urquell  IV,  59), 
den  Hcrdmftnuleiu ,  l'lattenweiblein ,  Wichtlein,  Ko- 
bolden etc.;  darum  rerbrennt  man  auf  der  Herdplatte 
geweihte  Krauter  (1.  c.  «0;  Fosael  84;  Gr.  D.  M.  III. 
406)  als  Opfergabe  an  die  Hausdämonen .  die  den 
Menschen,  der  gegen  den  Herd  ausspuckt,  mit  Brand- 
blasen strafen  (Kochh.  II,  97.  lt.»;  Lipp.  Chr.  439.  444), 
daher:  der  Wauwau  kommt  aus  dem  Uten  (Lipp.  Chr. 
460).  —  PachöfeU  machen,  l.  =  Bich  begatten. 

—  2.  =  eine  kauernde  Stellung  einnehmen  (von 
Frauen)  (Elsa**;  E.  w.  i,  IS). 

offen,  Öffnung,  f.  (ahd.  offan;  mhd.  offen  —  auf- 
gewogen, Kluge  *,  ?74)  =  offenstehend,  durch  Ue- 
sen wurbiidung,  Eiterung  od.  Sekretion  offen, 
secernierend  (mnd.  14.— 15.  Jahrh.  dhe  open  ts 
twlschen  velle  und  vleyscbe,  J.  f.  nd  Sp -F.  XV,  120). 

—  Öffnung,  1-  -  Handlung  oder  Zustand  des 
Öffnens.  —  2.  =  Stelle,  an  der  Körperteile  ofien 
sind.  —  3.  =  dasjenige,  was  aus  dieser  Stelle  (2) 
als  Se-  oder  Exkret  herauskommt  (Goldschm. 
847)  —  (1754)  dünne  Öffnung  =  Alvus  Saida, 
wasserige  Darmentleerung  (A.  v.  h.  1,63).  —  Er- 
öffnung =  die  Stelle,  wo  eine  Öffnung  beginnt, 
z.  B.  Anastomosen  der  Blutgefässe,  die  man 
früher  offen  enden  Hess  (Hyrtl,  K.  w.  5).  —  (1590) 
Ohren  Öffnung  =  die  Stelle,  »o  Bich  das  Ohr 
nach  aussen  öffnet,  äusseresOhrloch.Ohrfenster 
(Gr.  W.  VII,  1360).  —  offen (<?,«•)  Bruch,  Fus$, 
Hai»,  Hände,  Krebs,  Magen,  Preis,  Rose,  Schäden, 
Schenkel,  Skrofeln,  Wunden,  Zunge. 

Ogge,  f.  1.  (=  mtl.  occa,  auca  =  Gaus,  D.  59;  dazu 
Berte  [s.  Percbta],  la  reine  p«5docque,  Burk,  Fluni.  16), 

—  2.  =  Auke,  l'nke,  Aunke,  Kröie.  —  Oggen- 
Fuss'. 

Ohm,  Ohmen  (sanskr  am  -  aegrotum  esse;  ama 
=  Krankheit,  Schädliches.  .Schaden  Bringendes;  nord.  i 
äma;  aDgls.  6ma,  om  ■  rublgo,  ignls  (sacer,  s.  belliges 
Kener),  D.  II,  209;  Gr.  Gramm.  III.  738;  Gr.  D.  M.  674; 
Gr.  W.  VII,  120;  Ptctet  In  Kuhn  s  Z.  f.  vergl.  Sp.-F.  V, 
340;  ahd.  oma,  oman  ss  ignls  sacer,  eryslpelas,  Rochh. 
In  Z.  f  d.  M.  IV,  104;  rublgo  [-  Kornbrand],  Panzer, 
bayer.  8.  2.  ..28),  1.  =  eine  rotlaufnrtigo  (s.  Kose 
u.  Feuer)  Hautentzündung,  Krysipelas,  Lymph- 
angoitis,  l'seudo-Erysipelas,  Phlegmone'(Schm. 
I.  78;  z.  d.  v  f  v.-K.  1896.  5).  —  2.  =  der  diese 
Krankheit  (1)  verursachende  Dämon,  der  in  | 


einem  Segenspruche  (isw)  auftritt,  in  Gestalt 
einer  tnuggelnden  Krute  (Protz)  oder  eines 

i  mulchartigen  Wurmes,  welcher  anseiebt  (s.  d.) 

I  (H.  Z.  XXI,  213).  —  Ömig  =  entzündet  (Schmeller 
f,  T8).  Zur  Bedeckung  omlgcr  HautsteUen  benüutdas 
Volk  heute  noch  die  Ohm -Blatter  Lappa.  Rumez, 
TiiMllago  farfara  etc. 

Ohn-  (die  Zusammensetzungen  mit  dieaer  Vorsilbe 
suche  beim  betreffenden  nachfolgenden  Stammworte). 

Ohr,  n.  (indogerm  aus  [auris,  <t<>z);  goth.  au««.; 
germ.  ora;  ahd.  7.-8.  Jahrh.  aoran  =  aurea,  auricula. 
Gass.  GL.  Diez  92;  8.  Jahrh.  oorun  =  aure«,  Kero  71; 
ora,  n. ;  mhd.  öre,  <*>r;  ndd.  uhr;  engl,  ear;  holl.  oor; 
I  schwed.  oera,  Kluge*,  27.S;  „Ohr,  auris  und  os  gehören 
i  zu  einer  Wurzel,  vielleicht  nach  dem  ihucn  gemein- 
schaftlichen Begriffe  von  Öffnung",  Graff  I,  458),  1.  — 
die  Schallöffnung  für  die  Gebörempfindung  bei 
|  Mensch  oder  Tier,  Gehörorgan.   Vergleiche  des 
menschlichen  Obres  mit  dem  der  Haustiere  sind  häufig . 
missgestaltete  Ohren  sind  wie  die  Nasen-  und  Fuss- 
DifformltAteu  ein  Attribut  der  clblscben  Dämonen, 
oft  ist  auch  deren  Missgestaltung  ein  Racheakt  der- 
selben, Wuttkc  71.  80).  —  2.  =  ohrförmige  Gebilde. 
—  3.  =  der  Ohrwurm.  —  4.  =  krankes  Ohr.  — 
5.  —  der  Träger  des  Ohres.  —  er  hat's  faustdick 
hinter  den  Ohren  (s.  dick).  —  er  ist  noch  feucht, 
nicht  trocken  hinter  den  Ohren  (s.  feucht  und 
nass)  =  das  Gelbe  guckt  ihm  noch  hinter  den 
Ohren  hervor  (als  gelbe  Ekzema -Krusten) 
(Schräder).  —  Nach  germanischen  Vorstellungen 
entflieht  die  Seele  aus  dem  (Munde  und)  Ohre; 
der  Nachlass  des  Gehörsinns  im  Alter,  nament- 
lich aber  die  subjektiven  Ohrgerftuscbe  bei  der 
todflhnlichen  Ohnmacht  und  beim  Verblutungs- 
tode  (s.  singen)  haben  wohl  Veranlassung  zu 
dieser  Vorstellung  gegeben.  —  einem  einen 
Floh  ins  Ohr  setzen  —  einem  Gehörstauscn- 
ungen,  unwahre  Dinge  glaublich  machen  (E.  w. 
1,63).  -  Die Oh rgeiäuscbe  sind  ungemein  mannig- 
fach bezeichnet,  so  gellen,  schallen,  sausen, 
kreissen,  tosen,  klingen,  lauten,  singen,  pfeifeu, 
zischen,  brausen,   pauken  und  klopfen  die 
Ohren.  —  der  Ohrschmerz  wird  als  spannend, 
klemmend,  tobend,  bohrend,  kneipend,  reissend, 
stechend,  zwängend,  schmerzend  und  weh- 
thuend  bezeichnet.  —  Öhrlein  (öbreli)  (mhd. 
oerlin,  6rlio,  Gr.  W.  VII,  1265)  =  Auricula,  1.  =  das 
kleine  Uhr.   —   2.  —  (1582  ohrlln  oder  orltxel 
[=  wüuel?],  Lonie.  861)  Ohrwurm  (Oreli,  Ohrhng, 
Öbrling,  Ohrlaus,  Ohrlitze,  Ohregel,  Onrbutzel). 

—  3.  »  eine  Ohrenerkrankung.  —  4.  =  der 
kleine  Tiilger  des  Ohres.  —  Ohrigkeit,  f.  =  Ohr- 
beschaffenheit. —  Öhrling,  m.  =  ein  übel 
hörender  Mensch  (K.  w.  I,  63).  —  Blut-Ohl  = 
durch  traumatischen  Blutetguss  geschwollene 
Ohrmuschel.  —  Daus  -  Ohrigkeit  «=  s.  Toeohr 
(Buck  18).  —  dick(e)  Ohren,  -öhrig  =  schwerhörig, 
ala  ob  man  ein  dickeres  Trommelfell  hätte,  im 
Gegensätze  zum  feinen  Ohr.  —  Dumm- Ohl  = 
Dummkopf,  Ohr  5  (E.  w.  i.  63).  —  En  /  Ohrlein 

-  Engerling,  Ohrwurm  (Spiess  II,  64).  —  Esel- 
Ohren  -  lange,  hohe  l'lerdeobren.  —  feine 
Ohren  =  ein  zartfühlendes  Gehörvermögen 
(E.  w.  i,  62).  —  feuchte  Ohren,  1.  =  Üieseende 
Ohren,  Ohrenüuss.  —  2.  =«  Erythem*  Intertrigo 


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Ohr. 


Olb,  -olf. 


(s.  O.)  (Wusteinann  363;  H.  Faul  140).  —  Flapp-Ohl 
=  8.  lampende«  Ohr.  —  gekrüpftes  Ohr  (engl, 
crop  nt,  Kaltschni.)  =  ein  Stutzohr,  welches  einen 
Knauf  bildet,  ahnlich  einer  gekrflpften  Leiste. 
—  (1699)  geschwärende  Ohren  =  die  durch  ein 
Geschwär  (s.  d.)  kranken  Ohren  (Gr.  w.  Vll,  1257); 
das  Ohrengeschwär  der  linken,  dem  Herzen 
näheren  Seite  galt  früher  als  prognostisch 
schlechter  (Zen.  Voc.  n  8).  —  Hang-,  hängende 
Ohren,  Ohrlein  (ahd.  ha[nlgöri,  hajulgör,  Lalstner 
II,  187,  ADru. ;  engl,  bangte  ear«,  Kaltachm.),  1.  = 
lampende  Ohren.  —   2.  =  der  Träger  eines 
solchen.  —  3.  =  elbischer  Dämon  mit  Legohren 
oder  Watscheln.  —  (1592)  Hasen- Ohren  =  enge 
and  gerade  beisammen  stehende  schmale,  hoch- 
angesetzte Pferdeohren  (8eh.  204;  Mayer  28;  Falke 
I,  875).  —  (1741)  Wcrx-Öhrlein=  Auriculae  cordis, 
oreillette,  Heravorkammern  als  ohrmuschel- 
ahnlicbeüebilde,  hantige,  hohle,  weiche  Säckel, 
die  an  der  Basis  des  Herzens  nach  vorn  und 
innen  itekrümuite  Anhängsel  bilden  (Kirsch  757; 
Hjrrtl.  A.  874;  Gr.  W.  IV,  2.  1268).  —  Inn-Ohr  (1260 
da«  in  öre,  Pfeiffer  40)  =  das  Innere  des  Gehör- 
organs. —  (1761)  Kindel  Ohren,  fratte  (l'lcera 
aurium,  L.  ch.  10)  =  durch  Intertrigo,  Ekzema 
nässende  Obren  bei  Kindern  (s.  gelb,  nass, 
feucht).  —  A'u/i-Ohren  =  breite,  tiefangesetzte 
und  herabhängende  Pferdeohren  (Falke  II,  49).  — 
(1591)  lampende,  Lapp-Ohien,  1 .  =  A  ures  flaccidae, 
Ohrmuscheln,  welche  wie  Lappen  (s.  Lampen), 
Lampen  oder  Fetzen  herabhängen  (Had.  Tun, 
395  ;  8cbm.  I,  1474;  engl,  flapear).  —  2.  se  Dumm- 
kopf, Ohr  5  (E.  W  I,  68).  —  Lr  /-Ohr  (ahd.  teg&ri, 
Lalstner  II,  187,  Anm.;  E  W.  I,  63)  =  Schlappohr, 
Hanswurst.  —  Maus  -  Ohren  =  spitze,  kleine 
Pferdeohren  (e.  maasein)  (Mayer  27).  —  Mittel- 
Ohr  (engl  middle  ear)  =  der  Teil  des  Gehörorgane«, 
welcher  iwischen  dem  Trommelfell  and  dem 
Rachen  (Ohrtrompete)  liegt.  —  Morel' sehe  8  Ohr 
m  ein  von  Morel  (Psychiater  Benedikt  Aug.  Morel 
t  1878;  Rnber;  Münch.  Med.  Wocb.  1890,  Nr.  23  ff.; 
Binder,  Arch.  f.  Psych.  XX,  1889)  angegebenes  Ent- 
artungszeieben,  das  sogen.  Kaubtierohr,  welches 
sich  durch  Missgestaltung,  fehlenden  oder  ver- 
dünnten Rand,  Weitabstehen  vom  Kopfe  etc. 
äussert  (Dorabi.  82).  —  nacA -ohrend  -  nach- 
sinnend, lauschend  (Schlicht  VI).  —  turne,  (1814) 
nässende  Ohren  =  s.  feuchte  Ohren.  —  Ochsen- 
Ohren  =  Kuhohren.  —  Raubtier- Olli  =  Morel'- 
Bches  Ohr  (s.  d.)  mit  randfreiem  Knorpel,  wie 
ihn  die  Katzen  and  Löwen  haben;  es  soll  ein 
Entartungszeichen  bei  Verbrechern  sein.  — 
Schall-,  SchoUOhx  =  ein  fehlerhaft  weites,  wie 
ein  Schallohr  gebildetes  Pferdeohr  (Mayer  27; 
Gr.  w.  VIII,  209»/.  —  Srhlapp-,  Schlatt-,  Schlätt- 
(Schleck?),  .v /,/.,? -Ohren  =  Ohren,  welche  wie 
eine  Scblotkappe  (s.  Schlot)  gestaltet  sind  und 
klappenartig  sich  anlegend,  schlaff  vom  Kopfe 
herabhängen  (s.  Walachei),  s.  B.  beim  aus- 
zehrenden, elbisch  erkrankten  Kinde  od.  Hans- 
warst (Bock  18).  —  Schlitz- Öhllein,  a)  =  Gestalt 
eines  Wassergeistes;  b)  =  Ulwurm  (8pless U,  216). 
Das  Aufschlitaen  der  Ohren  war  eine  friesische 
Strafe  für  Tempelschändung  (Golther  562).  — 
(17  Jahrh.)  schwärende  Ohren  (Fr.  Krtrbcb.  134)  = 
s.  Geschwärohr.  —  Schwan^ Ohren  =  schlapp 


• 

herabhängende,  watschelige  Pferdeohren  (Falke 
n,  804).  —  (1483)  sieche  Ohren  =  kranke  Ohren 
(C.  v.  Megbg. ;  Gr.  W.  III,  892).  —  Stutx-Ohl  =  ein 
Ohr,  dessen  Rand,  Leist--  oder  Krämpe  fehler- 
haft entwickelt  ist  und  wie  zugestutzt,  gekrüpft 
erscheint  (Hyrtl,  a.  564).  —  Tauo-Ohr  —  ein  halb 
tauber  Mensch,  Ohr  5  (E.  W.  1.  63).  —  tos-  (dos-) 
ohrig,  ohret,  Ohrigkeit  =  schwach  hörend 
durch  tosende  (s.  d.)  Geräusche,  Ohrenpfeifen 
(C  r.  Schill.  122;  Laminert  199;  Bavaria  II,  2.  895; 
(Schm.  I,  548).  —  u*«7-ohrig  =  mit  den  Ohren 
weit  auseinander  stehend  (Falke  II,  436).  — 
Ohl(en)- Beinchen,  -Beschwerung,  -Beule,  -Blase, 
•Blatt, -Bock,  -bohren,  -brausen,  -Buckel, -Büschel, 
-Buttel,  -Deckel,  -Dreck,  -Drüsen,  -Ecke,  -Egel, 
-Fahne,  -Fall,  -Fell,  -Fett,  -Finger,  -Flappe, 
■Fluss,  -Oanq,  -Qelb,  -Geschwulst,  -Gesicht, 
-Getöse,  -Grübet,  -Häutchen,  -Höhle,  -Husten*, 
-Kittel,  -Klamm,  -Klappe,  -Klemme,  -klingen, 
-klopfen,  -kneipen,  -Knochen,  -Knollen,  -Knorpel, 
-Knoten,  -Krabler,  -Krankheit,  -Krebs,  -Kreis, 
•kreissen,  -Krempe,  -Krümme,  -Kross,  -KrospeJ, 
-Läpplein,  -läuten,  -Lasch,  -Laus,  -Leiste,  -Litze, 
-Loch,  -los,  -Mangel,  -Mäuslein,  -Mittel,  -Muckel, 
-Muschel,  -Mütztl,  -Nickel,  -Nuttel,  -Öffnung, 
-Pauken,  -Pein,  -pfeifen,  -p/eisen,  -Pinsel, 
•Rand,  -Räude,  -reissen,  -rinnen,  -Sattel, 
-sausen,  -schallen,  -Scharte, -Schlappen,  -Schleim, 
•  Schmalz,  -Schmer,  -Schmerz,  -Schüssel,  -Schuss, 

-  Schtcär,  ■  Schwindel,  ■  Siechtum,  -  Singen,  -  Spänner, 
-sjuinnen,  -Spiel,  -Spinner,  -Spint,  -spitzen, 
•stechen,  -Sucht,  -  Teufel,  -Thor,  -Thür,  -toben, 

■  Trompete, •  Verfallen,-  Wachs, -  Wange, •  Watschel, 

■  Weh,  -  Wehtag,  -  Werk,  -  Wetzel  -  Wirbel,  -  Wunde, 
■Wurm,  -Wurzel,  -Wutzel,  -Zehe,  Zipfel, 
-züfhen,  -Ztcang. 

Olb,  m.  Olf,  01p  (das  griechische  OKo^t;  =  Uelin- 
tücker,  <Aof  uiia  =  elbisches  Zeug;  Lalstner  II,  453 
hat  zur  Wurzel  r'.?  =  betrügen;  aanakr.  rbhu  („Tief- 
•lutcnform"),  s.  Alp;  dazu:  olb,  ulb  =  Alp;  RftOf 

—  elbisch,  SXfO<  =  alb,  Lalstner  L  c. ;  [ört.  Sehles.] 
(Up,  II.  Sachs;  Oelp  In.  d.].  Z.  d.  V.  t.  V.  K.  1896,  213. 
214;  Vernal.  272;  Liebrecht  347).    Unter  Anlehnung  an 

olf,  das  in  Namen  als  zweite«  Glied  angeblich  nur  ein 
blosses  Mittel  zur  Schlnssblldung  i*t,  wie  hart  (Lalstner 
II ,  256) ,  haben  sich  Personenbezeichnungen  ausge- 
bildet, .Irren  Zusammenhang  mit  -alp  aber  nicht  nur 
höchst  wahrscheinlich  Ist,  sondern  nahezu  gewiss,  da 
die  Eigenschaften  dieser  Personen  sehr  gut  mit  dem 
Werke  elblseher  Dämonen  oder  des  Alps  überein- 
stimmen. Dazu  gehört  wohl  auch  der  altnord.  koelld- 
ulfr  sä  nächtliche  Qual  im  Alptraume  verursachender 
Druckgeist  (Maarer  II,  103),  sowie  die  vldolfr  der  Edda, 
der  vitolfus  bei  Saxo  Urem.  (Maurer  II,  100)  =  zauber- 
kundiger Alp  (s.  Bilwitz;.  —  Ämm-OU,  L  =  eine, 
die  Ammenpflege  vernachlässigende,  wie  ein 
Alp  die  Kinder  plagende  Person  (8cbmeller  I,  75). 
—  2.  =  ein  Kinder  vertauschender,  Wöch- 
nerinnen entführender  Alpdämon  des  Volks- 
glaubens (Lalstner  I,  70).  —  Är-Olf  =  s.  Pirol.  — 
DracA-Olf  (ahd.  drahbolf,  Maasm.,  Besch w  .-Form.  183'J, 
187)  =  der  Drache  (s.  d.)  als  Alp  (S.  12  h). 
Ötcn-Olf  =  Alpdämon  mit  Gienmaul.  —  Krott- 
0U~  Alp  X  und  Kröte  (s.  d.).  —  leidiger  Olp 
(1817  gott  behltt  mich  vir  dam  laidlge  olp,  ar  bot  a 
kepple  wie  a  kolb  [=  Alperkalb),  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896. 


454 


Olle— Ordinäre. 


oren — Ort. 


218;  Mähren)  —  Leid  n.  Qual,  Alpdruck  bringender 
Alpdämon  —  Mark-OU  =  8.  St.  Markoen 
(8.  899b)  (Schmeller  I,  671).  —  Mar-,  Mor-OU  = 
Maralp.  —  (1310)  Mud  OU  =  Mnhe  machender, 
plagender  Alp  (Bück,  Flurn.  197).  —  Nacht-OU 
(nahtolf,  Lalstner  II,  464)  =  Nachtalp.  —  fiocA-Olf 
(Massm.,  Besch«  188)  =  rauher  Alp  (Siu.-Ber.  7.  12). 
—  Rum  -Olf  =  durch  Hautiunzeln  wie  ein 
Schrätzloder  Rätzl  nach  Dämonenart  entstellter 
Mensch  (Masumann  188).  —  Schad-OU  -  Nacht- 
schaden bringender,  beschädigender  Alp  oder 
Nachtmännlein  (Schmeller  I,  67).  —  Schnott  Olf 
o  Schnudelbutz,  ansteckenden  Naaenrotz  oder 
Scbnudergift  (s.  nieaen)  erzeugender  Alp, 
Pöppelmann  2.  —  Schratt  O\f  (Schraudolf)  ^ 
Alpschrättlein.  —  Strang-Oll  =  ein  Bürzelalp, 
der  an  einem  Tiere  strangformigo  Veränderung 
(Hautwurm,  Hautrotz)  veranlasst  (Munnmn  188), 
z.  B.  am  l'ferde  die  Kopfstrenge  (Feifei).  — 
Trug-,  Trieg-0]f=  Alp  als  Troggeapenst  (Lalstn. 
II,  464;  Schmeller  I,  «7;  Buck,  Fluni.  197). 

Olle,  m.  f.  (ndd.  =  der  Alte,  die  Alte  [in  Benpreeh- 
ungen],  FrUchb.  56),  1.  =  weiblicher,  elbischer 
D&tnon  (Hexe), der  nach  ostpreuas.  Volksglauben 
Fieber  bringt.  —2  =  Altmann  (s.  d.).  —  3.  = 
der  Lindenbaum  oder  Eichenbaum,  der  der 
Wohnsitz,  eines  elbischen  Dämons  ist;  In  den- 
selben wird  du  Fieber  turückgebannt  (■.  Lindenkrank- 
heit u.  baumleiblg).  —  Oller,  m.  (fries.  Oller u*,  Sazo 
Gram,  riter.  [Kdda]  UUr  mltothln,  messender  Oller, 
Golth.  308.  890;  1695  hoUer  =  Oller,  Tagl.  Rundgeb. 
1897  ,  274)  =  der  im  Walde  lebende,  mit  den 
menschlichen  Seelen  (Elben)  tanzende  nord- 
germanische Wintergott,  der  die  Welt  und 
Jahreszeiten  majestätisch  regiert,  Pestkrank- 
heiten  im  Totentanze  bringt  und  so  den  Ollers- 
acker (Friedhof)  bevölkert  (C.  Sterne,  Tagl.  Rund- 
schau 1.  c.). 

Olpch  (Hessen;  Lalstner  11,  4M)  =  Olf,  Alp, 
elbisch  (s.  d.)  Verwirrter,  Tölpel,  Narr. 

Olympia.  —  olympische  Stirne. 

Om  s.  Ohm. 

Omer,  m.  =  Amer,  Jammer,  Schmerz  (Schm 

I.  73.  76). 

Onanie,  f.  (1771  [Ttsaot]  unter  Bezug  auf  Onan, 
Buch  Mösls  1.  GeueaU  4.  9.  10.  36),  1.  -  Masturbatio 
(8.  fitzen  ii.  schlagen)  qui  manu  stuprat  =  maslu- 
pratio  (Krau*,  K.  695).  —  2.  -  Coitus  inten  uptus 
s.  impeditus  quoad  conceplionem  (Kraus,  E.  687). 

onax  (honax)  =  wonax,  wanax,  falschaxig, 
auf  einem  Beine  hinkend,  «bei  auf,  schlecht 
befindend  (s.  Axe). 

Opel,  m.  =  AIpl,  Olpl,  Tölpl  (EUass,  E.  W.  I,  68). 

Opfer,  n.  —  (1736)  Liebes-  Opfer  ■  Coitus 
(Woyt  634)  als  Venusdienst. 

Orden,  m.  (Ordensregel;  Stand,  Kluge*,  276).  — 
im  7.  Orden  =  ein  an  fixen  Ideen  leidender 
Geisteskranker,  Blödsinniger,  in  den  7.  Himmel 
Verzückter  (E.  W.  I,  66);  ei  gibt  3  Ordensklassen. 
V*ter,  Brüder,  Laien;  die  7.  Ist  hyperbolisch  die  ganz 
und  gar  unzurechnungsfähige. 

Ordinäre,  n,  Ordnung,  f.  (aus  dem  trauz.  ordi- 
ualre  -  regelmässig)  -  Menses,  Regeln  (s.  d.)  (PauU 


26;  Schmeller  I,  140;  A.  v.  H.  I,  992;  II,  1024)  =  monat- 
liche Ordnung  (iaoi  \  Vogel  v,  i«o). 

oren  'tat.  orare,  E.  W,  1,  63)  =  leise  sprechen, 
Unstern 

Orende  (altn.  orende;  oruth  =  Atem;  ordlan  = 
atmen,  Kluge*.  7)  =  Atemlosigkeit. 

Organ,  n.  (mtlt.  Organum  [tpreu  -  Werk]  =  insiru- 
mentum)  -  Werkzeug  (s.  d.)  oder  Gliedmassen 
dea  Körpers.  —  organisch  =  auf  die  Zweck- 
mässigkeit der  körperlichen  Werkzeuge  und 
deren  Einrichtung  (Organisation)  bezüglich.  — 
Organ-,  organischer  {et)  Fthkr,  -Krankheit, 
-Leiden. 

Orgel,  f.  (ahd.  orgela;  8.  Jahrh.  Organa,  pL;  aus 
mtlt.  Organum  [s.  vor.);  mhd.  Organa,  organe,  orgel 

—  das  tonende  Blasinstrument,  welches  in  Bewegung 
geseixt  wird,  Kluge  ,  276),  übertrugen  auf:  1.  =  die 
menschliche  Stimme;  2.  körperliche  Bewegung. 

—  in  der  Orgel  werken  =  coire  (Gr.  W.  VII.  1341). 

—  orgeln  =  (vom  brunstigen  Hirsch)  röhren, 
schreien  (Brehm  HI,  238).  —  Krainauer-Orgel  = 
die  gutturale,  wie  durch  eine  Orgel  hervorge- 
brachte Stimme  der  kropfigen  Gehirgsleute 
(namentlich  um  Krainau  bei  Mitteuwald  in 
Bayern). 

Orient,  ru.  —  orientalische  Cholera,  Pett. 

Orion,  m.  (in  diesem  glänzendsten  Gestirne  der 
Winternacht  ist  der  wUdo  Jager  versinnbildlicht)  = 
Influenza  (s.  d.). 

Orke,  m.  Örkle  (Lorken,  Norken,  Törggele) 

(=  Norke  [s.  d.];  1411  orckenn,  Zingerle  190  =  L'orco, 
H.  A.  Rh.  366;  Alpbg.  45.  56,  Scheible  IX,  424),  1.  = 
|  ein  böser  Walddamon  oder  Berggeist  des  romanUcheo 
Volksglanbens,  dessen  Figur  vom  Teulel  abgelöst  wurde 

—  2.  ■  die  von  diesen  verursachten  Krank- 
heiten: a)  Heiaerkeit,  „er  hat  den  Orken  ge- 
sehen" (s.  Wolf)  (Schmeller  I,  142);  b)  Rausch- 
brand, Rausch,  Viehschelm  (s.  d.)  beim  Vieh, 
welchen  die  Lorken  od. Norken  durch  streichende 
Berührung  nach  dem  Volksglauben  erzeugen 
(Alpbg.  89.  uo.  119).  —  die  Törggele  =  d'örkeln 
■»  Almputze,  die  den  Menschen  nach  dem 
Tiroler  Volksglauben  blind  machen  (Zelucbr.  d. 
V.  f.  V.-K.  1893,  172). 

Ort,  in.,  n.  (ursprünglich  es  Spitze,  Ecke;  ahd.. 
mhd.  ort  =  Ende,  Anfang,  Ecke,  Winkel,  Rand,  Stelle, 
Plati,  auch  von  lebenden  und  toten  Körperteilen  und 
schadhaften  Stellen ;  1618  die  ort,  do  dan  die  natur  in 
der  pestllenu  yr  ausstxeybende  ort  hat,  Baeser  II,  312). 

—  (1529)  äderichter  Ort  =  spannäderischer  Ort 
(Brunf  ).  —  ßciM-Örter  (1618  oerter  der  Beynen. 
Parac.  Pr.  II ,  83)  -  die  Prädilektionsstellen  der 
Syphilis  au  den  Knochen,  z.  B.  an  der  Schien- 
beinkante. —  (1842)  drüsiger  Ort  =  die  Stelle 
am  Körper  dea  Tiere*»,  wo  die  geach wollenen 
Lymphdrüsen  am  häufigsten  nachweisbar  sind 
(Falke  II,  209).  —  erfrörter  Ort  =  eine  Körper- 
stelle, die  einen  Frostschaden  zeigt  (Gr.  W.  III, 
sio).  —  CUM)  gepickte  Ort  er  ■  mit  dem  Pickeisen 
eröffnete  Aderlasstelle  (Seb.  Iis).  -  (1592)  ge- 
schwulstige*  Ort  -  lokaler  Tumor  (Seb.  ui).  — 
(1592)  gliedhUchtige  Orter  =  die  Körperatellen, 
an  denen  bei  der  Gliedsucht  (s.  d.)  Schwellung 
eingetreten  ist  (Seb.  Iii).  —  heimlicher  Ort  = 


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Paar—  Palo. 


Otem— Pampa  455 


(16U)  Vulva,  Pudenda,  Loci  roulieris  (s.  Stätte)  ! 
(Du  Cange  V,  133;  Hyrll.  K.  W.  84;  Gr.  W.  IV,  1.  68;  I 
2.  876)  *»  Scharaort.  —  heimlicher  Ort-Schaden.  — 
(1561)  hohler  Ort  =  die  Höhlung  der  Herzkammer 
(Byrtl,  K.  W.  83).  —  (1582)  kahler  Ort  (Lonlo.  46).  ^ 
kable  8telle.  —  Schaden-,  schadhafter  Ort,  1-  = 
die  Verletzung-  oder  Geschwüreteile.  —  2.  = 
Locus  minoris  resistentiae.  —  (1761)  Scham  Ort 
=  Körperstelle,  an  welcher  sich  die  Schara- 
glieder  befinden  (L.  ch.  71).  —  (1677)  Schlag-Ort 
=  die  Stelle,  wo  die  kindliche  Fontanelle,  das 
Schlagblatt  (s.  Blatt)  am  Schädel  pulsiert  oder  [ 
schlägt  (Hyrtl,  K.  W.  136).  —  (17.  Jahrh.)  spann-  I 
ädrischer  Ort  =  die  Stelle,  wo  eine  Spannader  | 


( —  Nerve)  verletzt  ist  und  von  wo  Schmerz 
oder  Starrkrampf  ausgelöst  wird  (k.  A.  86).  — 
(1620)  süriger  Ort = durch  SOrigkeit  (s.  d.)  schad- 
hafte, geschwOrige  Stellen  (Dr.  Minderer).  —  Ort- 
Oeschwulst,  -Seuche,  -Zahn. 

Otem,  m.  (Othem)  s.  Atem  u.  Odem. 

Otter,  n.  (1692  wann  das  otter  ausbricht,  Seb.  177; 
die  betreffende  Abbildung  weist  auf  die  Pferdekrone 
hin);  vermutlich  —  das  Adel  4  (S.  2),  die  Mauke- 
stelle, wo  der  Adel  als  Wurmdämon  auebricht. 

OUteret  (wohl  zu  Auter  [s.  d.;  Tirol],  Wolf)  = 
hochgeschwollen,  aufgedunsen  wie  das  Euter 

Ovarien,  pl.  —  Ovarien  Gesicht. 


Paar,  n.  (au*  lat.  par  =  zwei  von  gemeinsamer 
Beschaffenheit;  ahd.,  mbd.  par,  Kluge  ,  277).  — 
Lungen  ■  Paar  -  die  2  Lungenflügel.  —  (1601) 
iWrrm-Paar  =  die  gleichen  Nervenstränge  der 
beiden  Seiten  (Hyrtl,  K.  w.  184).  —  Rippen-Ytar 
=  die  an  beiden  Seiten  der  12  Rückenwirbel 
gleichmassig  abgehenden  12  Rippen.  —  (l&OU 
Frr<inbarw«<7  =  die  Paarung,  Kreuzung  der 
Hirn-Nerven  (Hyrti,  K.  w.  im).  —  Paarungs- 

pachen  =  pfochen,  pfachen,  keuchen  (nieder*., 
Kraus,  E.  137). 

Päd,  m.  (ahd.  päd  =  bermaphrodltus,  castratus 
;*t'»do  '],  Graff  IV,  326)  8.  Spat. 

Padde,  f.  s.  Patte, 
palen  s.  Pelle. 
Päpel,  m.  päpeln  s.  Pape. 
Pari,  Parti  s.  Paralys. 
Pauschel  s.  Bäusche). 

Pagges,  PaX,  U».  (altnord.  bagge  -  La»t ;  genu. 
bang  nasaliert  aus  bog;  ahd.  bägan;  tnhd.  hagen  = 
ichlagcn,  prügeln  [dazu  Backstein?],  Kluge *,  **•.  278). 

Bax,  I.  =  Bagges,  Pagges,  ein  kleiner,  ge- 
drungener Körper  des  Menschen  (Tirol ;  Hlntuer 
5.  11)  =  Klotz,  Bünkel ,  Balg,  Prügel.  -  2.  = 
Crepitus  ventris  (lautmalend?,  Schindler  I,  381).  — 
Paggen-  Wurm. 

Palme,  f.  (entlehnt  au«  Iran*,  palme;  lat.  palma 
[mauus] ;  grlech.  R«X<f|l>1r]  —  Hohlhand ,  a4X|MI  = 
Bohle,  Z.  f.  d.  A.  1S88,  8.  187;  armus ;  ahd.  folma 
[s.  fühlen] ;  1305,  1414  paltua  —  inanus,  planla  pedls 
[pclma]  =  Zehensohle,  Du  Gange  VI,  120.  25t;  (ir.  W. 
VII,  1414  1418;  ndd.,  14.-15.  Jahrh.  palme  =  palmus, 
D.  407;  1607  palme  van  der  haut  off  van  den  voesseu, 
I»  «28)  -  Vi>la,  Planta  =  flache  Hand,  Fussohle. 
—  (1716)  Palme,  f.  =  Fussohle  oder  Handfläche 
(Gr.  W.  VII,  1414).  —  Palm-iVo«8. 

Palo,  m.  (balo)(skr  bhal,  bhall  =  oecidere,  laedere 
[bhalla  =  Bar) ;  angell.  balew  =  balo,  exltium,  malum ; 
eymr.  bala  =  Pest ,  Seuche  (bei*  =  Wolf] ,  Pictet  In 
Kuhn  s  Zellachr.  V.  351 .  ahd.  balo;  palo,  palowa,  pa 


tauva  -  peste».  H.  Z.  XV,  55.  74;  XVI,  48;  W ackern.  17; 
lues,  peslia  ,  Schindler  I,  228 ;  palauuig  —  pesUlens, 
•JrafT  III,  91.  93;  [verloren  gegangenes  Wort].  — 
(ahd.)  eibrer  palo  (=  pestis  acerba,  H.  Z.  XV,  67) 
=  giftiger,  geifriger  Pesthauch  (s.  Geifer)  des 
dämonenhaften  Pestdraoben  (s.  Drache)  oder 
Lintwurms  (s.  d.). 

Pampel,  Pamperl  s.  Pompe). 

Pampen,  f  Pampen  =  (?  Wampe)  Schlauch. 

—  Pamperl  =  Harnröhre  (Kindersprache ;  Sehm. 
I,  391),  als  kleines  rundes  Ding  am  I^ibe  — 
(1517)  Rum  Pampen  (=  gigeria  (glgneria],  omasum, 
D.  262.  895;  ll,  192)  =  Ramschlaucb ;  (15.  Jahrb. 
rampanyge,  rampanlen  =  trlpa,  stripa,  Wampeupiatz, 
D.  6S7;  II,  371;  Kuhn  Z.  X,  78)  =  ZeUgungSglied.  — 
(1720)  N'/i/iim/i-Pampen  —  Narr  (am  Narrengewande 
hingen  die  Klelderschlampeu  schlauchfonnig  herab, 
Z.  d.  V.  f.  V  K.  1896.  348). 

Pamps  (Barns),  Pamstel,  Panse,  Panss, 
Pantsch  (Bansch,  Bantsch),  Pansen,  m. 
Panze,  in.  Pansen,  m.  (mhd.  p*n«e^  Wanst,  Jagd 

tiermagen.  Lexer  184  ;  ndd.  pans  =  Menachenmagen. 
Goldschm.  32;  altaachs.  penien  =  tripa,  »trlpa,  Kuttel- 
fleck, D.  697 ;  pantze  also  der  in  dem  line  befft,  D.  II, 
271 ;  1507  panse  =  trlpa,  D.  597  ;  ndl.  pens  =  Menschen- 
dnrro,  boyau,  De  Coek  304;  1517  pantx;  1541  pantsch 

—  praccordlum,  pantices,  das  Kalst  in  dem  Bauch  vor 
dem  Herzen,  D.  396.  410 ;  Oründner  Mundart ;  Ungarn 
benuch  -  Pansen,  K.  Mitt.  aus  Ung.  DJ97.  V,  208).  — 
Panze,  m.  1.  —  der  weile,  grosse,  geräumte 
1.  und  2.  Magen  der  Wiederkäuer  (Rumen,  In  ■ 
gluvies,  Aqualiculus)  (I.  P.  Frank  VI,  853),  aus 
dem  diese  Tiere  itruechen,  iter-ruechen  (s.  d.). 

—  2.  =  der  Magen,  Unterleib,  Bauch  u.  Schmer- 
baurh  des  Menschen  (in  dieser  Bedeutung  mit 
vielen  sprachlich  verfallenen  Nebenformen),  Panss, 
Pantsch,  Farns,  Pamss,  Pamssen  etc.)  (Sehmeiler 
I,  392.  395;  nyrtl.  K.  W.  121.  158;  Schw.  477;  Hintner 
H.  18;  (ir.  W.  VII,  1428;  engl,  paunch.  Lehf.  96.  206; 
franz.  la panse).  —  3.- ein  kleines  Kind,  dem  der 
Bauch  noch  hängt,  ein  kleines,  dickes  Kind 
überhaupt  (Gr.  W.  VII,  1428;  Schmeller  I,  392.  396). 

=  Venter  obesus  (Oatarr.;  Gr.  w.  l, 


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456  Pan— Paralys. 


Parech—  pasteln. 


1U9).  —  pamstig  =  durch  Unterbautfett  aufge- 
dunsen, schwülstig  (Denis  II,  123).  —  VUU-Sock. 

Pan,  m.  —  panischer  Sehrecken. 
Pan  ch,  m.  (hebr,  böhm.  Judendeutach,  trquell 
1897,  173)  =s  Grint- Ausschlag  auf  dem  Kopfe. 

Panz  (Penz)  s.  Pams  (Pansen). 
Papagei,  in.  (aus  altfr.  papegal  u.  arab.  babagha. 
Kluge5.  278).  —  Papageien- Krankheit. 

Pape,  f.  Papen,  f.  päpeln,  päppeln,  Pappe,  f. 

pap  ist  wie  mam  einer  der  ersten  Naturlaute  der  Kinder 
fast  aller  Sprachen  bei  der  ersten  willkürlichen  Lippen- 
bewegung ,  wodurch  auch  gewobnheltlich  bald  die 
Bezeichnung  tür  Essen,  Speise  u.  Mund  damit  gegeben 
Ist;  die  älteste  Speise,  die  für  Kinder  zubereitet  wird, 
ist  der  Mehlbrei ;  (daher  auch  lat.  pappare  =  csaen  ; 
mtlat.  papare  =  kindtelzen,  D.410;  ltal.  pappa=  Kinder- 
brel,  papilla  -  Brustwarze  ;  mhd.  pap,  peppe  =  Kinder- 
brel).  —  Papen,  f.,  pl.  =  ein  weinerlich  verzogener 
Mund  w  ie  der  eines  schreienden  kleinen  Kindes. 

—  papein,  päpeln  =  fftttern  (mit  Brei)  (Schm.  I, 
398;  Hlntner  6.  14).  —  Päpel  =  Weichling,  siehe 
aufpäpcln  (Urquell  III,  166).  —  papicht  =  breiig, 
weich,  fade  (vom  Gescbmacke).  —  *4rsc/i-Papen 
=  entstellt  aus  Arschbacken  unter  roher  An- 
lehnung an  Mund  (Pap«?)  (Hintner  8.  17).  —  auf- 
päpeln  =  sorgsam  (mit  weichen  Breien)  auf- 
füttern, ein  krankes  Kind  mit  Not  zum  Gedeihen 
und  Aufwachsen  bringen,  verweichlichen.  — 
Kla  /-Paper  =  weinerlicher  Weichling  (Urquell 
III,  250).  —  Lället  -Papen  =  ein  Mund  mit  vor- 
gestreckter Zunge  (=  baller)  (8chm.  I,  1469).  — 
tcrpäpeln  =  fehlerhaft  Überfüttern  (ein  Kind). 

—  Pap  Mau!,  -Sack. 

Papel,  f-  (tu  lat.  papula  [papllla]  =  Brustwarzeben 
[s.  Pape];  8.  Jahrb.  pavla  =  papula,  Koro,  Glos«.;  Gr.  W. 

I,  1745;  Graff  III,  96;  1147  papella,  papula  =  Speeles 
ulceris,  apostema  parva,  furuncull,  Du  Cange  VI,  144. 
146)  =  knötchenförmige  Erbebungen  der  Haut 
über  ihr  Niveau  ohne  freie  Flüssigkeit  zwischen 
den  Stachelzellen  der  Oberhaut  (Ausplu  In  Z. 
Hdb.  XIV,  l.  19;  Schulauadruck),  Ekzema  Galeni, 
Phyma  Dioscoridis. 

pappern ,  päppeln  (mhd.  paperan)  =  wie  ein 
Kind  mit  einer  Papen  (s.  d  )  sprechen,  unver- 
sUndlii  h  die  Lippen  bewegen  (Spien  II,  179;  Erbe 
26  ;  Schindler  I,  398). 

Papst,  m.  (entstellt  aus  1698;  ndl.  borist  (  =  Buben- 
fixt],  flatus,  Buuchwind,  Kluge*,  48;  Schm.  I,  378;  1777 
popixt  —  crepltus,  D.  167). 

Paralys,  n,  Parali  (Bariii),  Parlis.  Parlay, 
Parieis,  Parli,  Parle  (Barle),  Pärli,  Per  Ii, 
Perlis,  Parlin,  Parlin,  Perlin,  Perle,  Pari  (ein 

Ilelsplel  lautlicher  Verderbnis  eines  fremden ,  aber 
durch  die  Medizinschulen  in  den  Volluunund  geratenen 
Wortes ,  griceb.  paralysls,  f.  [a.  1] ;  13.  Jahrb.  parali  «K 

II.  Z.  XVII,  660;  perllsia  ab  hlspanlca  perlesla,  Du  Cange 
VI,  277;  14.  Jabrh.  parali,  barill  —  [  pari  1  lux]  paralysls, 
»pasmus,  D.  413;  Voc.  opt.  W.  41 ;  mhd.  paralys,  parlis ; 
1412  paralysls  heisst  zu  tusche  ein  gegicht  des  parlis  od. 
bar  Iis,  D.  II,  280  ;  14*9  daz  paradlss  od.  tropff,  D.  1.  cod. ; 
1468  perlis.  1.  eod. ;  im  perll,  D.  413;  Gr.  W.  VII,  1459; 
1518  parlin,  n.  m  achlagk,  H.  v.  Gersd.  20 ;  1629  parlias, 
I'aracels.  j  liSlparll  -  Hand  Gottes  [apoplexla],  Fries  75j 


Glehtbrüchlgkelt,  Künigssp  61;  1545  parlis  =  kleiner 
Schlag,  Gr.  W.  VII,  1468;  franz.  berlue.  barlue,  barbe- 
lutte  —  mouebes  volantes.  Toir  trente-slx  cbandelles, 
Brlas.  308  =  Augenparalya ;  barulen  =  die  da«  Vergicht 
und  Alp  vertreibende  Paeonla,  Glchtroae.  Roll.  123; 
Fromm.  VI,  6.  7 ;  engl,  palsy  [  =  paralys),  scrireuers 
palay  =  Schreiberkrampf,  painter  palsy  —  Maler  [Biel  ] 
Lähmung),  L  ■  halbeeitige  Lahmung  infolge  von 
Schlajrfluss  oder  Vergicht,  Gichtbrüchigkeit 
(isapoXöu.  =  auf  der  8elte.  auf  einer  Seite  auflösen. 
Gr.  w.  VII.  145«).  —2  =  namentlich  der  sogen, 
kleine  Schlag,  der  minder Schlagod.  der  Zungen- 
schlag, Zungenltthmung ;  (1432)  das  Paralys 
„kränkt"  =  schwächt  durch  Lahmung  (C 
Megbg  );  es  „schlagt"  (1508)  und  (be)„rührt"  wie 
eine  (dämonistische)  Person  (s.  Tropfen)  (Gr.  w. 

VII.  1459) ;  le  mal  St.  Firmin  (firmare),  St.  Fremin 
(Brlas.  276.  277).  —  .  I  u  pen-Paralys  =  plötzliche 
Lahmung  der  Sehempfindung  auf  einem  Auge, 
Myodopeia,  Pseudoapoplexia,  Schwindel,  Nebel, 
Flimmerakotome  vor  einem  Auge  (Schm.  I,  278). 

—  kleines  Pari,  Parlin  (Paralysls)  =  der  minder 

Schlag  (s.d.)  (Gr.  W.  VII.  1459).  -  GS|Paraly8 
(14.  Jabrh.  eins  Ildes  barill  -  Spasmus,  Voc.  opt.  W.  41) 
=  Beugekontraktur  infolge  von  Lähmung  der 
Streckmuskeln  auf  einem  Gliede  oder  einer 
Extremität.  —  Die  Herbstzeitlose  (Colchicum)  bat  als 
Gichtmittel  In  Tirol  den  Namen  Paralieaken  (Dalla 
Torre  27) ;  auch  gross-ruas.  parali cz  =  naja  repa  =  Alp- 
raun bb  LAhmungsrÜbe  (Z.  f.  ö.  V.-K.  1896.  3Ö3).  — 

Afu^«-Paralyse  s.  Mutter.  -  parle-sUcAfy. 

Parech  (polu.  parch;  mahrisch-Judondeutach,  Ur- 
quell 1897.  276)  =  Grint,  Rftude,  Kratze,  Kopfans- 
schlag. 

Parpel,  f.  (Parpen)  s.  Porpel. 

parzen  (zu  ahd.  parran  =  rigldum  esse  ;  ndd.,  1516 
parsen,  persen,  perUen,  D.  147 ;  parrozen)  =  heftig 
und  Öfter  hart  werden,  unter  mehreren  Ab- 
satzen hart  vorspringen,  in  mehreren  harten 
Knollen  sich  vordrängen ,  z.  B.  vom  Zäpflein 
(Struma)  am  Halse,  das  als  mehrknolliger  Kropf 
vorspringt  (Schm.  I,  284),  sich  ausparzt. 

paS8,  passen  (aus  franz.  passer;  lat.  paware, 
passus,  langsame,  unbehinderte  «angart;  ndl.,  13  Jahrh. 
passen  —  angemessen  sein,  Kluge',  279).  —  pässlich 
=  zu  Pass  seieml,  wohl  befindend  (Schm.  I,  408). 

—  (1534)  zu  pass(cn)  werden  =  genesen  (Luther 

VIII.  425).  —  (1618)  übel  zu  pass  -  krank  (Schm.  L  c.). 

—  unpäSB/icA,  ««pass  (ndl.  onpasselljk)  =  in  ge- 
ringerem Grade  krank,  kränkheb,  unwohl.  — 
(1741)  Unpässlichkeit  im  Gesflsse  =  Ficositas, 
llflmorrlioidal  Beschwerde  (Kirsch  499).  —  (1699) 
HWiW-Pässlichkeit  =  weibl.  Periode  (eigent- 
lich Unpässbclikeit)  (v.  M.  II.  148).  —  (1618)  wohl 
zu  pass  =  gesund,  woblauf  (Schneller  1.  eod  ).  — 
fSLSS-Auge*. 

passabel  (lat,  passabim.  pauibUi.)  =  erträglich, 
bärig*. 

pasteln  (15.  Jahrh.  paaüen,  Schmeller  I,  297  =  er- 
zeugen, bilden ;  pastare  —  knetend  formen .  spurium 
glgnere  ^  eins  basteln,  LaUtuer  II,  392)  =  Bastard 
(s.  d.)  erzeugen. 


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Pastem— Paucke. 


Paua — pecken. 


457 


Pastem,  n.  =  Apostema,  8.  Apoetem  (duu  die 
1484  Pasteinen-,  [1530]  Peatemen-Krauter=  Apoatemen- 
kraut  [Knautla  arvensls,  Taraxacum  offlclnaie  etc.], 
Jessen  198.  395). 

Pater  noster ,  1.  =  a.  Rosenkranz  u.  Nüater. 

—  2.  =  <lie  etrangartig  aneinander  gereihten 
Wurmbeulen  (Rotrknoten)  beim  Pferde  (Falka 
Ii,  189).  —  JTmc-PaternoBter  =  s.  Nüster.  — 
BticArcn-Pater  (rucken  pater  =  «plna  dor«l,  D.  II, 
141;  15.  Jahrh.)  =  die  roaenkranzförmig  an- 
einander gereihten  Dornfortaätze  der  Rücken- 
wirbel. 

Patient,  m.  (aus  dem  franz.  patlent  und  ital.  pa- 
tlente)  =  der  Leidende  (Im  iß.  Jahrh.  entlehnt, 
or.  w.vii).  —  (16.  Jahrh.)  Patientin ;  d>29)  Patient 
(Paclent)  =  der  oder  die,  moiBt  an  epidemischen 
Krankheiten,  I/eidende  (Pr.  Minderer;  Zw.  256; 
Brunf).  — Örippe-Patient  =  an  Influenza  leiden- 
der Kranker  (Rahmann  55).  —  Pcat  Patient  = 
Pestkranker  (Gr.  W.  VII,  1576).  —  (1792)  Pocken- 
Patient  =  Blatternkranker  (Nicolai  IV.  84). 

Patsch,  m.  Patschen,  f.  Patscher.  in.  felgeni- 
lich  der  Natnrlaut  beim  breiten  Tritte  der  Füsse  In 
eine  Wasserfläche,  beim  breiten  Schlade  der  Hand  auf 
eine  andere  Handfläche  (Patachhand).  —  Patschen ,  f. 
Patscher,  m.  1.  =  der  breit  auftretende  Fuss 
(Schm  I,  415;  Heyne  III,  liofi).  —  2.  =  der  schwer- 
fällig gehende  Kretin  (Fromm.  VI,  131)  (Patschi). 

-  Tal- (Dal-),  Toi-,  Toll-  (Trall-,  7Vo«-)PatBch, 
1.  =  Dollfuss,  ein  Fnas,  der  durch  Paralyse  (bei 
Kretinen,  geistig  Verkommenen,  Tölpeln)" breit 
auftritt  (Schm.  I,  603).  —  2.  =  Tölpel  Oberhaupt, 
Kretin  (s  Talpe,  Tallewatsch)  (Aargau ;  nach  1727, 
Kluge  *,  378;  Bararia  IV,  L  212;  C.  v.  Schm.  135;  Z.  I.  d. 
Phllol.  III.  336;  Spless  II,  261.  256).  Tollpatach  für 
Dollfuaa  und  Kretin  kam  erat  auf,  nachdem  die  un- 
garischen TolpaUch-Soldaten  (1650— 1760)  In  Deutsch- 
land bekannt  geworden  waren  (nngar.  talpaa  =  brelt- 
fuMrig;  das  nachgebildete  Tolpatsch  lehnte  sich  an 
Dollfua*  begrifflich  an;  Adelung;  Andresen  177). 

Patte,  f.  (ndl.,ndd.  padde  ;  altnord.  pa<ida,  Kluge1, 
323).  1.  =  Kröte  (s.  d.  u  Keifel).  —  2.  =  Bläh- 
sucht,  wobei  die  Tiere  (Rind)  am  Leibe  frosch- 
(s.  d.)  od.  protz-  (e.  d.)  artig  aufgetrieben  sind 
and  durch  den  Bauchstich  von  Gasen  befreit 
werden  (Engel.  277;  wird  besprochen).  —  Patten- 
Wurm. 

Patten,  1.  =  (entstellt  au»)  Pappen  (s.  Pape) 
=  Lefze,  Lippe  (Nürnberg;  Schindler  I,  414).  — 
2  sa  s.  Lapate.  —  l.< i nq  Patte  (ndd.  statte  lang- 
patte,  Jahn  123)  =  schlaffe,  lange  HangebrQste 
(Tutten). 

Patorsa  ein  zur  Verdeckung  das  Namens  für  Lue*, 
Syphilis  erfundene«  Wort  =  pa(sslo)  tur(pia)  sa(tyrlaca) 
=  Satyriasia,  Stängelsucht,  oder  Passiu  turpis 
saturnina,  weil  sie  entstanden  eein  soll  zur  Zeit, 
ala  Saturn  in  daa  Zeichen  dea  Widdera  trat 
(Pr.  II,  löl). 

Patzen  s.  Batzen. 

Pazzi,  pl,  m.  (IUI.  paxzu  =  Narr)  (  -  piemon- 
tesische)  Kretins  (Blrcher  87). 

Paucke,  f.  Pauchen,  f.  (germ.  puh  -  schwellen 
( Pocke] ;  mhd.  püeke  =  Paucke)  —  (Ifl'.w)  furchttamc 


Pancken  (pauggen)  ■=  fürchterlich  anzueehende 
grosae  Gewütet  am  Backen  (Schm.  I,  381.  758).  — 
(1507)  OAr-Paucken,  1.  =  Ohrgeachwulat,  Ohr- 
beule (Parotitis)  (Hort.  Sanit.).  —  2.  =  Paucken- 
höhlen,  Knochen  am  Schläfebein  (Falke  n,  189). 

—  Pancken  schlagen. 

Paus  (Pfaus),  pausen,  p aussen  (zu  mhd.  pfüsen, 
pfnuien  =  blasen,  schnauben).  —  (1749)  Pausung  = 
Aufblähung,  Aufbauschung  durch  die  Säfte- 
wallung.  —  (1645)  nw/pausen  -  a)  durch  das  hitzig 
wallende  Blut  des  Sanjruinikera  zum  Aufblähen 
kommen,  turgeecere  (Zeiuchr.  f.  d.  Philol.  XXVI, 
237.  248);  b)  durch  die  Winde,  Congestio  capitis 
ex  plethora  a.  vaporibus,  Tympanites  (a.  offener 
Mund)  (coier,  H.  a.  so).  —  Paus-,  Pfaus-,  pau- 
sende Backen. 

Peck,  n.  Pick  (aus  lat.  ptc[eml  [plx]  Im  7.  Jahrh. 
eingebürgert;  ahd.  peh.  beh;  mhd  .pech  [pfleh].  Kluge*, 
280  —  das  schmutzig  braune,  klebrige  Baumharz,  das 
In  abgelegenen  Pechhütten  ausgekocht  wird).  — 
pechein,  pe ekeln,  1.  =  cacare  (s.  Darmpech) 
|  (Schmeller  I,  881).  —  2.  =  kleben ;  dazu :  Bachel 
m  klebender,  verhärteter  Nasenschleim  (Henne- 
berg; Spien«  II,  18).  —  Pick,  Cr.  pick  -  wif  Pech 
klebende  Materie,  Augenschleim.  —  Darm- 
Pech  =  der  aus  Gallebeatandteilen  gebildete 
dunkle,  zähe,  erate  Kot  der  Kinder  und  Fohlen 
(Mekonium)  (Frank  182).  —  Fohlen-,  Füllen-'Peeh, 

1.  =  Darmpech.  —  2.  =  das  pechartige  Koloatrum 
hei  Stuten  (Pechzäpfchen,  Gieaa*).  —  (1787) 
■Ktnda-Pech  =  Mekonium,  der  erate,  pechdunkle 
Kot  d.  Neugeborenen  (Erbkot,  Heidendreck  etc.) 
(Gr.  W.  V.  746.  760;  M.  H.  L.  I,  534;  Ackerm.  495).  — 

Afurfcr-Pech  -  das  noch  vom  Mutterleibe  her- 
stammende Kindspech  (fiirpiüiviov  =  dunkler  Mohn- 
saft;  Mohn:   rorgerm.  mekov,  inAkov;  ahd.  mogo, 

Klug«»,  200).  —  Pech-,  Pick- .aVk*,  -Mannten, 
-Räude,  -Zäpfchen. 

Peckel,  m.  peckeln,  Pecken,  m.  (Pecker1) 

(auf  das  lat.  peccare  =  fehlerhaftes  thuen  und  ltal. 
j  pecca  =  Fehler,  Mangel  zurückführende«  Wort).  — 
Pecker,  Peckel,  1.  =  chronisch  Kranker:  „ein 
guter  Peckel  dauert  KM)  Jahre".  —  2.  =  Bäcker 
(a.  Pecker*).  —  3.  =  a.  Böckl*.  —  peckeln,  1  = 
chroniachea  Gehrechen,  einen  Treff  haben.  — 

2.  =  pechein  (s.  d.).  —  peckelhaft,  1.  =  kränk- 
lich ,  gebrechlich  (Schmeller  1 ,  881).  —  2.  = 
pockenhabend,  pockenhaftig  (Zeiuchr.  f.  d.  Phllol. 
XXVI,  248). 

pecken,  Pecker  '  (Pick)  (>u  pecken,  becken  = 

hauen,  hacken,  »tossen ;  angl».  plc  =  »techende  Splüe, 
plcian  -  stechen  ;  ndl.  de  pik  -  stechendes  l^ndenwch. 
lumbago,  De  Cock  .111 ;  franz.,  ndl.  bek  —  Schnabel; 

|  engl,  beak  =  Schnabel ;  peckler  =  Banmplcker;  ndd. 

I  picken  =  stechen.  Kluge*,  286).  —  Pecker  (Bäcker) 
(A.  t.  II.  I,  ,T4i;s,  Buck  19.  57;  Schmeller  I,  203),  1.  = 
eine  traumatische  (Hieb-,  Stoas-)  Geachwulet. 

—  2.  -=  der  atoasend  bellende  Schafhuaten,  ein 
öftere  stossweise  hervorgebrachter  Ilustenton. 

—  3fi7z-Pecken  =  Milzatechen,  Milzhacken,  die 
Schmerzemptlndung  in  der  Milzgegend,  ala  ob 
etwas  mit  dem  Schnabelhacken  gegen  die  Milz 
pecken,  hauen  würde  (Steiermark).  —  peckende 

I  Haut.  —  «/rpickte  örter. 


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458  Pedätsch— Pein. 


peisaen. 


Pedätsch  s.  Petechien. 
Pedagel  8.  Podagra. 
Pedeck  s.  Pottich  u.  Petik. 

peger,  pegern  (bebr.  peger  =  hinfällig  »ein, 
benneb.  [Judenwort]  bekern,  Spless  II,  24;  Schindler  I, 
215)  =  sterben,  verenden,  krepieren. 

Pein,  f.  (ein  [wie  Plage]  in  abd.  Zeit  mit  dem 
Cbristentume  aoi  lat.  poena,  milat.  pena  übernommene» 
Wort;  abd.  pina;  mhd  pine.  pin;  ndd.  pln;  ndl.  pijn; 
16.  Jabrb.  peyn  =  torsura  [tortura],  D.  589;  1512  pyn  — 
plesut ;  pyne  =  niollraen,  D.  365.  443,  Ungemach,  Ge- 
breeben ;  engl,  pine,  pain  —  Sehmerz,  pains,  Wehen ; 
dan.  pine ;  nach  Gr.  W,  VII,  1524  In  der  lat.  Rechtaprache 

Strafe,  Qual,  Rechtspein  ;  daraus  übertragen  [nament- 
lich Im  ■,  T.  verwälschten  Flandern]  auf)  1.  =  grosser, 
heftiger,  leiblicher  (windendei)  Schmers  des 
Menschen  (Passio  mala,  Tormentum)  durch 
Wunden  und  Krankheiten,  auch  Geburtswehen 
(engl,  afterpains  =  Nacbwehen,  Lehf.  77;  oberdeutsch 
int  Pein  nicht  gebraullch,  wenn  auch  in  frankischen, 
importierten  Besprechungen,  Wuttke316,  vorkommend). 

—  2.  =  Todes-Angst,  Todes-Not  (aus  der  Zelt  der 
hochnotpeinlichen  Tortur).  —  3.  =  Pein  =  Bein.  — 
Peiner  (1476  pljnre  [pler,  pijr])  =  Anger,  Engerling, 
peinigender  (s.  Pein-Ute)  Hautwurm  (D.  »4.  339 
[lumbrlcus];  vermutlich  hieher  [aus  einem  mltteld. 
Nachtaegen  des  13.  Jahrh.] ;  daz  biner  vn  das  vuzspor 
daz  Mibe  mit  dir  davor,  61U.-Ber.  1867,  B.  7)  =  Pein 
machender,  Fussperre  veranlassender  Dämon. 

—  Peinigung,  Peinung  (16.  Jahrb.,  ndd.  pinung 

—  tortura,  D  590;  1414  pinunge,  pcynunge  =  tormen- 
tum; 16.  Jahrb.  peinlgunge,  pinigunge)  =  Handlung 
und  Zustand  des  Peinigens  (D.  568).  —  peinen, 
peinigen  (ahd.  plnon;  mhd.  pinen;  1420,  ndd.  pynen, 
pinigen,  plngen,  peynigen)  =  cruciare,  Pein  be- 
reiten (Schindler  II,  893;  D.  159).  —  peinhaftig  = 
nervös,  wie  von  der  Pein  Bequlllt  (Unterfranken). 

—  (1026)  St.  Antoni-Tein.  (Luther  VII,  412)  sa 
St.  Antoni-Feuer.  —  .!•<.-•:  Pein  =  Augen- 
schmerz (Gr.  W.  I,  809).  —  (1644)  />\n<.  Pein 
(ndl.  bulkpljn,  De  Cock  189;  V.  K.  1895,  S.  142;  v.  M. 
I,  löl)  =  BaucJiweh.  —  (1756)  I  >a  n» -Pein  =  Ge- 
därmschmerz (A.  v.  B.  II,  1031).  —  (14.  Jahrh.) 
Fliegt ?i-Pein  =  die  Quälung  und  Belästigung 
der  die  Madeneier  absetzenden  Fliegen  auf 
Wunden,  im  Mittelalter  eine  alltägliche  Be- 
obachtung (Z.  f.  d.  A.  1888,  8.  142).  —  i/aar-Pein 
(hyll.  haarpljn)  =  Haarweh,  Katzenjammer.  — 
(1699)  Haupt-Vem  (ndl.  hoofdpljn ,  De  Cock  117 ; 
v.  M.  1,  151;  dan.  horedplne;  engl,  pain  In  the  head, 
Kaltschm)  =  Kopfweh.  —  bleibende  Hauptpein 
ss  Neuralgia  nervi  trigemini  (facialis)  continua 
=  Gesichtsnervenschmerz,  der  an  einem  be- 
stimmten Nervenpunkt  (point  douloureux, 
s.  Hauptnagel)  fixiert  ist.  —  fliegende  Haupt- 
pein (ndl.  liegende  hoofdpljn,  V.  K.  VI,  71)  = 
Hauptfluss,  Neuralgia  rheumatica,  der  wie  ein 
Schuss  (s.  d.)  angeflogen  erscheinende,  auf  das 
Haupt  „fixierte"  stechende  Schmerz  (sogen. 
FJtiBs).  —  scheele  Hanptpein  -  der  Gesichts- 
schmerz  mit  Gesicbtsverzerrung  (De  Cock  124).  — 
heisse  Pein  =  mit  Fieberhitze  einhergehender 
Schmerz,  namentlich  in  den  Knochen,  an  dem 
selbst  die  elbischen  Dämonen  zur  Strafe  nach 
Volksglauben  (Alpbg  132.  uo)  leiden,  so  dass  es 


einen  solchen  Schelm  „vom  Kopf  bis  zur  grossen 
Zehe  brennt"  (s.  kalte  Pein).  —  (1680)  Herz- 
Pein  =  Cardialgia,  heftiger  Schmer«  in  der 
Herzgrube  (Gr.  W.IV.  2. 1258).  —  (15.  Jahrb.)  höüistke 
Pein  (=  furta;  1429  hellisch  peln,  D.  253;  II,  186)  ■ 
die  vom  Teufel  (Furia)  nach  dem  Volksglauben 
veranlasste  Qual  («.  Höllenschmerz).  —  Hüft- 
Pein  (ndl.  heuppljn,  De  Cock  307 ;  1476  hoiftpyn  mit 
febrls  =  symptoma,  D.  537)  =  Ischias,  Hüftschmerz. 

—  kalte  Pein  =  eine  nach  dem  Volksglauben 
(Alpbg.  1S2.  136.  184)  Ober  die  elbischen  Schelmen 
verhängte  Strafe  In  der  Form  eines  heftigen 
Schmerzes  (Kaltweh,  Kaltvergicht).  Nach  einem 
schon  im  13.  Jahrb.  in  Norwegen  verbreiteten  (vermut- 
lich aber  christlich  beeinflussten)  Volksglauben  befand 

|  sich  in  dem  Feuerberge  Ilekla  auf  Island  die  Höllen- 
strafe  für  die  Seelen  der  Verstorbenen,  Im  Gegensatze 
zur  kalten  (heidnischen)  Hölle;  die  kalte  Pein  sollt« 
j  durch  das  Treibeis  der  isländischen  Ferner  veranlasst 
]  sein  (s.  Maurer  in  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1894  ,  257  ff.).  — 
|  Keh  1  Pein  (ndl.  keelpijn,  De  Cock  144)  =  Kehlsucht 
(s.  d.).  —  (1680)  Äo/>/-Pein  =  heftiger  Kopf- 
schmerz, Hanptpein  (Gr.  w.  V,  1778).  —  Lcto-Pein 
(ndd.  lllfpin.  Goldscbm.  106)  =  Leibweh.  —  (1752) 
Lftnirti-Pein  (ndl.  leenpljn,  De  Cock  39)  =  Lum- 
bago, heftiges  Lendenweh  (wogegen  in  Flandern 
8t.  Leenhard  [Leonhard)  als  wortanlautender  Patron 
gewählt  ist).  —  ,"7i-Pein  (ndl.  maagpljn,  De 
Cock  171)  =  Cardialgia,  Magenkrampf.  —  Minne- 
Pein  (ndl.  mlnnepljn,  V.-K.  IV,  11 ;  Übersetzung  des 
franz.  mal  d'amour)  s.  Zahnweh.  —  (1766)  Mutter- 
Pein  =  Uteruskolik,  Bärmutterschmerz,  Krampf- 
wehen (engl,  grindlng  pains,  A.  v.  H.  II,  827).  — 
Oh)  Pein  (1475  orenpljne  —  OUlgia,  D.  403;  ndl. 
oorpijn,  De  Cock  136)  =  Ohrschmer«.  —  JZtff-Pein 
(ndd.  rietplen,  Wuttke  161 ;  Lauenburg)  =  die  wie  der 
uralteRitto  besprochene  Fieberqual.  —  Rücken- 
Pein  (ndl.  rugpljn,  De  Cock  89.  811)  =  Lumbago, 
Ruck  weh.  —  (1748)  Sci/en-Pein  (ndl.  «ijdepijn, 
De  Cock  194;  Zw.  LXVI1)  =  heftiges  Seitenstechen, 
Seitenkrankheit.  —  Siechtums-'P&in  (mhd.  slech- 
tuomes  pin,  Gr.  W.  VII,  1626)  =  Krankheitschmerz. 

-  .sy/,'j-s-Pein  (ndd.  splletplon.  Wuttke  161;  Lauen- 
burg) --  Mastdarmschmer«  durch  Spleissun«  der 
Schleimhaut  (Fissura  ani).  —  itechende  Pein 
(ndl.  stekende  pijn,  Peljpers  14)  s.  Stechen  und 
stechende  Gicht*.  —  7\>dV«-Pein  =  die  Qual 
und  Angst  beim  Sterben.  —  An -Pein  (1690, 
ndl.  tandpljn,  D.  Cock  3.  20;  ndd.  taehnpien  [Lauen- 
burg]. Wuttke  161;  Gr.  W.  VII,  1529;  [Volgtl  ]  Köhler, 

V.  Br.  292)  -  der  Zahnschmerz,  durch  den  Zahu- 
wunn  veranlasst  augeuomiuen  und  deshalb  mit  Bann- 
formeln besprochen.  —  Zu  ngi  n  -  Pein  (15.  Jahrb., 
ndd.  pyne  der  tungen  =  linguarum  poena,  Lcrech  61) 
=  Schlundpest,  Zungenplage.  —  Pein-6rf* 

peiBSen,  pis(s}cn  (lndogerm.  bhld  [flndo]:  urgerm. 
blt  =  beissen;  abd.  plzzo  —  Blas,  Kluge*,  85;  1529  ver- 
bleuen —  verkeilen;  1735  bissen  =  cuneus,  Kell,  8cbm. 
I,  292).  —  pisen  -  vom  Beisswurm  (s.  d.)  ge- 
stochen, wild  »lahinrennen  (Kngel.  222;  Fromm. 

VI,  27).  —  (1538J  Bein-f/npeiSSUng  (elnpvyssuug 
J  des  beln»,  Uyrtl,  K.  w.  40)  =  die  winkelige  Ein- 
fügung (Verkeilung)  der  Gebeine.  —  verpeisen 
(sich)  =  durch  einkeilende  Kotmassen  sich  Ver- 
stopfung zuziehen  (von  Mensch  und  Vieh  j  Lippe; 
Fromm,  vi,  :»i).  —  Piss-  Wurm. 


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Peissel— Ferch  ta. 


Pergament.  45!> 


Peissel,  m.  =  Pinsel  (Kaltachm.  i,  477). 
Peiterl,  n.  s.  Peter. 

Pelle,  f.  {Indogerm.  pel ;  vorgem.  pello;  lat.  pellis; 
Kriech,  zikku,  Kluge *,  103;  KJelnp.  59  =  Fell,  1507 
die  bell  onder  den  roeaaen  =  callu»,  D.  91 ;  engl,  peel 
=  sich  schalen.  Lehi.  93;  ndd.  pelle)  =  Schale, 
Menschenhaut  (Pellis).  —  sich  (ab-  pellen  = 
abhäuten.  —  TtM-Merge. 

Pelz,  ru.  (zu  Pell  and  Pelle  [s.  <!.];  lat.  pellis; 
ahd.  pelllz;  Im  10.  Jahrb.  aus  dem  [roman.,  mtlat  ] 
pelllcla  —  Pelz  entlehnt;  mhd.  belliz,  beiz,  pelz;  engl, 
pelt  =  Fell,  Haut  =  das  bearbeitete,  etwas  steile,  haarte 
Tierfell  [Wildschur],  das  zur  einhüllenden  Kleidung 
diente;  In  dieser  Bedeutung  ubertragen  auf)  1.  — 
Vulva  als  tnons  Veneria  (s.  Kotz,  Hannsei, 
Mautze  etc.)  (Qr.  W.  VII,  1536).  —  2.  =  der  Pelz 
der  Stimme  als  eingehüllte,  dumpfe,  klanglose 
Art  der  Lauttcebung  {Gr.  w.  VII,  1535).  —  3.  = 
Stupor,  das  taube,  perverse  Gefühl  an  einzelnen 
Körperteilen  (Extremitäten,  Zunge  etc.),  als  ob 
diese  mit  einer  zweiten,  gefühllosen,  fremden 
Haut  (Pelz  od.  Wolle)  überzogen  (avolr  un  chat 
[Katzenpelz]  dans  la  gorge,  Brlss.  191)  und  die  Em- 
pfindung daselbst  dumpf,  taub,  eingeschlafen 
(s.  d.)  wäre,  welches  Gefühl,  wenn  ea  nur 
vorübergehend  ist,  unter  sogen.  Ameisenlaufen 
wieder  in  die  normale  Empfindung  zurückkehrt 
(C.  v.  Schm.  55;  Schindler  I.  389;  A.  v.  H.  I.  1246).  — 

pelzige(r)  Fuss,  Glieder,  Stimme,  Zunge. 
pelzen  s.  belsen. 
Pengel  s.  Bengel*. 

Pennal,  D.  (mtlat.  pennale  ■  Federbüchse,  Feder- 
scheide, Kluge*,  280),  ).  ■  Penis  (wortspielend  und 
andeutend.  Gr.  W.  VI,  1196;  VII,  1541).  —  2.  =  Venus- 
berg  (le  penil)  ober  dem  Scheideneingang. 

Pensei  (Temsel)  8.  Pinsel. 

pe-pe  s.  be-be. 

Pepie  s.  Pips. 

Perchta,  f.  (Bercht,  Berchteln,  -Pett.i. 

Perchtl ,  f.  (vor  dem  14.  Jahrb.  nicht  nachweisbar 
[doch  wahrscheinlich  In  i  Pertcn  wlsun  schon  im 
10  Jabrh  ,  O.-B.  V.  A.  1897,  S.  387],  eine  oberdeutsche 
[und  mtd]  mythische  Gestalt,  die  nach  Golth.  493 
nach  dem  ahd.  giperahta  naht  =  leuchtende  Nacht 
benannt  worden  sein  toll  =  mhd.  Berchle,  wahrend 
Laistner  II,  409  sie  als  Kose-  oder  Kurzform  aus  Bercht- 
Holden  [Prechtölterin,  Prechholder,  Berchtholda  -  die 
erlauchten,  glänzenden  Nacht-Holden]  erklärt;  die 
Endkurxform -Holden entwickelte  -ich  in  den  ,, Holden" 
[s.  d.],  das  Vorwort  zu  den  „Berchten'',  ,, Berchteln", 
dem  Schwärm  der  nächtlich  einkehrenden  Alpwesen, 
die  das  Volk  als  ungetaufte,  unzeilig  geborene  Kinder 
[„unschuldigen  Kinder'  ]  annahm.  Laistner  II,  402  404; 
Alpbg  46  ;  sie  heissen  auch  nelmchen.  Holden,  «chratz- 
lpln  und  stellen  die  ausfahrenden  Geister  der  Rauch- 
oder  Gobnachte  ror,  Laistner  II,  399).  Aus  dieser 
Berchtelnscbar,  ,. Kinderheer  der  Percht",  bildeten  sich 
Im  Volksglauben  3  besondere  Schwestern  (3  spinnende 
Basen,  3  Hoilrätinen,  3  lispelnde  Schwestern 
etc.),  die  3  Percht-  (Petten;  aus,  Schicksals- 
frauen, welche  sogar  die  christliche  Kirche  unter  die 
Heiligen  aufnahm;  »ie  waren  namentlich  bei  der  (ie- 


burt  der  Kinder  btlfstbatlg  (nach  Panzer  247  gilt  Frau 
Bercht  im  altbayerischen  Volksglauben  als  eine  be- 
rühmte Hebamme;  Sepp,  Sagenschatz;  Z.  d.  D.  ö.  A.-V. 
1881,  183)  und  bestimmten  das  Schicksal  des  Geborenen 
{Laistner  II,  409) ;  die  eine  hless    Ein  Berta  (egin, 
agin  =  erschreckende,  i.  Elsse)  =  vermutlich  die 
durch  ihre  Potz-  oder  Eiss-Nase  (s.  d  )  ent- 
stellte Dämonin,  die  Schreck-Perta  (Laistner  Ii, 
400) ;  die  zweite  U  V  Berta  (wila  =  Weile,  Stunde)  = 
Schicksalstunde  bestimmende  Perta  (1.  eod  ); 
die  dritte  hless ;   W  ai  Berta  =  wahrnehmende 
Perta  (Laistner  II,  401 ;  Nebenformen :  wer-,  wor-,  bor-, 
wal-,  bar-berta).    Gleichwie  Frau  Holle  einzeln  aus 
den  Hollen  ragt,  so  bildete  sich  dann  Im  oberd.  Volks- 
glauben aus  den  Berchten  (Berchtholden)  die  mhd. 
Berhte,  die  Perchtl,  der  Bercht,  (1411)  Precht,  als  D4- 
monln  aus,  welche  1)  mit  der  8char  der  elbischen 
Wichtlein  (Schratzlein,  Helmchen,  Butzen,  Holden  etc.) 
In  den  Klöpfels-Nachten  (Alpzeiten)  nachtfahrend  um- 
zieht, anklopfend  Kinder  bringt,  „berchtelt".  2)  die 
Menschen  bestraft  und  mit  Blindheit  schlagt,  anblasend 
sie  blendet  (Z.  f.  Ö.  V.-K.  1896,  302.  377 ;  Z.  d.  V.  t.  V.-K. 
1895,  234;  Verf.  Baum-  u.  Waldkult.  8  etc.;  Grimm, 
D.  M.  I.  255;  Blrlinger  I,  250;  Laistner  II,  399;  Schm. 
I.  194;  Zlngerle  189;  Z.  d.  D.  Ö.  A.-V.  1881,  211);  3)  die 
Perchtl  nistet  (s.  d.)  auch  gerne  in  ungekämmten 
Haaren,  d.  h.  veranlasst  Holdenzöpfe  (s.  d.)  in  den- 
selben (Alpbg.  370);  4)  sie  tritt  die  Kinder  =  macht 
Alpdruck  und  Nachtschrecken  (Golth.  493);  5)  hackt 
mit  einem  Belle  zur  Strafe  In  Schulter  od.  Knie  =  macht 
rheumatischen  Schmerz  (Köhler  490;  Mannh.  67;  H.  A. 
Rh.  583);  6)  s.  berchtlsche  Trudenfantasie ;  ihr  Attribut 
Ist  zum  Teil  ein  grosser  Fuss  (s.  d.  u.  Kindsfuss),  zum 
Teil  ein  verkrüppelter  Antfuss  (s.  d.},  der  zum  Knien- 
fuss  (s.  Ogge)  durch  Volksetymologie  wurde;  7)  macht 
geschwollene  Köpfe  (Parotitis  epld.,  Z.  d.  D.  Ö.  A.-V. 
1881,  S.  183).  —  Kino  und  dieselbe  Figur  ist  die  der 
Zfafirn-Percht  als  Wehmutter  mit  verwirrten 
Haaren  (Norne?)  (Laistner  II,  379;  Schmeller  I,  316), 
welche  eine  echlcksalverkündende  Geburtshelferin  Ut, 
In  deren  Gefolge  die  8cbrntzlein  oder  BuUen  sich  be- 
finden (Laistner  II,  379);  gegenwärtig  ist  sie  zur  Kinder- 
scheuche  herabgesunken,  die  eine  eiskalte  (zu :  Riss  = 
Schrecken)  lange  Nase  (Bützlein,  Potznase)  haben  soll ; 
sie  deckt  sich  mit  der  Stampa  (Stempa),  Trempe,  Saropa, 
Frau  Gode,  Frau  Holle.    Als  geburtshilflich  thaügc 
gute  Frau  (bonne  dame,  Liebrecht  410)  schneidet  sie 
den  Bauch  auf  (Erinnerung  an  den  Kaiserschnitt?)  und 
tritt  mit  einem  besonders  grossen  Fusse  (die  frawn  die 
do  haizzent  Precht  mit  der  eysnen  nas,  Zlngerle  189; 
behrte  mit  dem  tuoze,  H.  A.  Rh.  657;  1275  lareine  Berte 
au  grand  pled,  la  reine  pedoquo  -  pede  aucae,  Schelble 
IX,  905)  auf  (s.  Janns  1897,  S.  146)  und  durchbohrt  die 
Menschen  mit  einem  Bohrer  (Geburtshilfe?,  Wuttke  67). 
—  Hilde  (wilde,  milde)  Perchta  (Berta)  =  holde 
Perchla,  Perchtholde  (H.  A.  Rh.  555).  —  Percht-, 
perchtische  Holden,  -Fantasie. 

Pergament,  n.  (Perment)  {anatom.  Kunstaus- 
druck für  membrana  [pcrgainenlcaD  —  hautförmiges 
Blatt  (Bermend):  1.  =  (r>61  pcrmentlein)  die  mem- 
branartig  ausgespannte  Herzklappe,  Valvula 
cordis.  —  2.  =  (1646)  das  Jungfernhäutchen 
(Hymen).  —  3.  =  (1551)  der  sogen.  Schliem  (s.  d.) 
oder  die  beiden  Bauchfellblätter  des  (tekrrtses 
(Mesenterium)  (Hyrtl,  K.  W.  47).  —  Pergament- 


4«0  Perical— reut 


Pest. 


Perical,  n.  (aus  dem  Ostind.  -  Dickfuss;  franz. 
perical;  ital.  perical,  engl.  Madurafoot,  VUlaret  II,  476) 
=  Morbus  tuberoulosuB  pedis  =  eine  in  Hin- 
dostan  beobachtete  Verdickung  dea  Beinea  mit 
Ablagerung  pfefferkorn-  oder  fiachrogen-  ähn- 
licher korniger  Konkretionen  (Parasiten?). 

Periode,  f.  (aas  dem  mtlat.  perlodus ,  griech. 
rcsf.to?o^  =  regelmässige  Wiederkehr)  =  die  regel- 
mässig alle  28  Tage  »ich  einstellende  weib- 
liche Regel,  Monatfluss,  Reinigung(s.d.),  Menses, 
Menstruatio.  —  die  Perioden,  pl.  =  monatliche 
od.  Reinigunga-Periode  (Gr.  W.  VH,  1545,  De  Cock 
222).  —  periodisches  Geschäft. 

Perl,  f.  Perle,  f  Perlein,  n.  (au*  dem  lat.  pimia, 

perala,  perela,  perla  |=  kleine  Birne]  entlehnt;  ahd. 
perala.  perula;  mhd.  perle;  engl,  pearl ;  ndl  perel  = 
der  runde  oder  tropfenformige,  kleine,  meist  weisse 
oder  hellrote  wie  Wasser  gllnxende  Auswuchs  der 
Perlmutter;  demselben  werden  formell  angeglichen): 
1.  =  die  wasserhellen  glänzenden ,  vollrunden 
Impf-Bläechen  (Pustulae  vaccinae).  —  2.  =  (1645) 
die  runden,  kleinen,  wasserhellen,  perlfarbigen 
Hautblflschen  beim  Herpes,  namentlich  die 
Phlyctaena  s.  Herpes  corneae  (coler,  H.  A.  117; 
Chr.  Bam.  I,  325;  ndl.  perel.  De  rock  133  =  pernio  neu 
oculorum  albugo,  mala  albuginaria  gemlnls  orblbus, 
Du  Cange  VI,  290  =  margarita,  Falke  II,  98)  =  die 
durch  Besprechungen  „abgelesene"  Augenperle 
(franz.  Perleche,  Rarmond ;  Roth  407  —  Spatzenecke, 
Spatzenauge  •)•  —3.  =  das  weisslich  gelbe,  kleine, 
rundliche  Gerstenkorn  (Hordeolum).  —  4.  = 
kleine  Kropfchen  auf  den  Stangen  des  Hirsch- 
geweihes. —  5.  =  die  .Schweinsfinne  bei  der 
Perlsuchtals  kleines,  weisses,  rundes  Knötchen 
im  Fleische  (Heyne  III,  1U6;  Kalke  II,  192).  —  6.  = 
Perle  =  paerle,  s.  Paralys  (Schlatt)  (Coler,  H.  a. 
107;  volksctymologisch  wird  die  Paralys  mit  „Perlen" 
behandelt).  —  7.  =  Kankkorn  (1475  der  berlen  of 
des  rnken  geswelle  =  angina,  D.  35)  =  als  perigrosse 
Milzbrandpustel  im  Halse  der  Schweine.  — 
(1766)  .1  ugen  Perle  =  Perle  2,  Herpes  corneae, 
wasserhelle,  bald  berstende,  auftretende  Bläs- 
chen  auf  der  Hornhaut  des  Auges  (A.  v  H.  II, 
1313).  —  rote  Perle  ■  der  rote  Bluttropfen 
(dr.  w.  vn,  1549).  —  Verl- Geschwulst,  Sucht. 

Perli,  n.  Perlin,  n.  -  l'aralysis. 

perplex  (Studenten-Ausdruck  =  perplexus  =  ver- 
flochten, verwirrt)  -  geistig  verwirrt  (1748,  Mascbenb. 
507;  die  weisse  Krau  sollte  nach  dem  Volksglauben 
dies  veranlassen  können,  Birllnger,  8.  I,  341). 

Persien.  —  persisches  Feuer. 

Pesel],  n.  (1645  =  penls  [Pensel,  Felssei.  Pinsel, 
s.  d.Jcervl,  Coler,  W.  S55;  engl,  pizzle  -  Ziemer.  Rute, 
Knltschm.)  a  Penis. 

Pest,  in  ,  f.,  n.  Peste,  f.  Pestelenz,  Pesti- 
lenz, m.j  D.|  f.  Pestin,  f.  (aus  lat.  pestis  [  -  pettls; 
dazu  skr.  patli,  pud  —  Ire  ;  pcstls  also  eigentlich  die 
wandernde  Seuche,  Plctet  in  Kuhn,  Zeitschr.  f.  vergl. 
öpr.  F.  V,  361,  nach  anderen  zu  perdere  -  Verderben, 
Roth  409]  durch  franz.  peste  aus  mtlat.  pestla  entlehnt ; 
mhd.,  14.  Jahrb..  pestilenzle,  pcstlleuz  aus  mtl.  pesti- 
lentia,  pcatilltas,  Lersch  167;  dies  im  10.  — 17.  Jahrb. 
allmählich  verdrAngt  durch  pest,  Kluge*,  280;  Gr,  W. 
VII,  Ü70.  1573;  Mitte  des  14  Jahrb.  peMileiiele,  Heyne 


]  III,  1121;  1394  peatelenU,  Gr.  W.  VII,  167S,  1418  pestl 

!  lencie  =  Peat,  Krlegk.  I.  27  ;  144«  pestolenz,  Lerach  186; 
1552  pesste,  Gr.  W.  VII,  1570;  1590  pestilenU,  I.e.  VII, 

'  1573;  1645  pestem  =  Pest,  Coler,  P.  300  ;  plattd.  peat.  m. 
-  pettls,  Gr.  D.  M.  II,  804 ;  Anm.  2 ;  Zeitschr.  f.  V.-K. 
1893,  8.  381 ;  Schwaben  best,  bast,  m.  —  pettls.  Bück 
28.  33;  Birllnger  Volksth.  I,  241;  norweg.  pesta  —  eine 
Damonenflgur  als  alte  rote  Frau  Im  roten  Kleide, 
Schelble  IX,  834),  1.  =  die  Erkrankung  oder  der 
Erkiankungsfall  an  der  morgenlftndiechen  In- 
fektionskrankheit, der  sogen.  Beulen-,  Drusen- 
oder Bubonenpest,  als  der  hauptsächlichsten 
rt.  auffälligsten  akuten,  tödlichen  Seuchenplage 
des  Mittelalters,  durch  den  18%  von  Kitaaato 
entdeckten  Pestbacillus  veranlasst.  —  2.  = 
jede  pestartig  wandernde,  wie  eine  am  Mittags- 
himmel heranziehende  blaue  Dunst-  od.  Sturm- 
wolke (Pestis  siderans)  sch warmartig  rasch 

I  sich  ausbreitende,  bösartig  verlaufende,  durch 
vielfache  Ansteckung  viele  Menschen  od.  Tiere 
tötende  Seuche  (s.  d.),  Loimos,  Lue*,  Lues 

!  pestilentiaÜB,  Plsga  (plague)  (6.  Jahrb.  Morbus 
meridlanus  [s.  Mittagsteufel].  Rochholz  I,  67),  Morbus 
epidemicus,  wie  böse,  typhöse  Fieber,  nament- 
lich Flecktyphus  (und  Ruhr),  Blattern  (1794), 
Kriebelsucht  (im  16.  Jahrh.  auch  die  Syphilis); 
(peslilenz  -  ein  heiss  geschwind  fleber,  Luther;  Gr.  W. 

IV,  2.  907;  1584  ..pestllentla,  welchen  Namen  wir  uns 
auch  gemein  machen,  darneben  auch  diese  um  sich 
greifende  Sucht  zu  zelten  den  Brechen  [s.  d  ]  uud 
Schelmen  [s.  d  ]  bclssen",  Wlrsung ;  1592  PestllenU  = 
Milzsucht  der  Schweine  u.  Schafseuche.  Beb  167.  163: 
1693  pesten,  pl.  ss  Pestseueben  ,  franz.,  1606  peste  a  la 
gorge,  Brlsa.  186  ss  Diphtherie;  1609  pestllenlz  =  beslia 
[s.  d.]  -  Wlldnuss,  Guar.  506;  1630  pettllent  as  Ruhr, 
Schnurrer  II ,  166 ;  1645  pcstilentz  =  Ziegenseuche, 
Coler,  Z.  448;  1666  pestin,  f.  =  ansteckende  Seuche) 
(conf.  die  Todin,  gelbe,  kalte  Pest,  Rinderpest, 
Viehseuche,  Beechlächt  etc.).  —  3.  =  die  auf- 
fälligsten Krankheitszeichen  bei  der  eigent- 
lichen Pesterkrankung  (1),  die  das  Pestgift 
liefernden,  Geschwäre  bildenden  Pestbeulen, 
Pestdrüscn  (die  der  Untwurm  auf  teinen  Flügeln 
tragt  [im  Bilde]  u.  bei  Verwünschungen  hauptsachlich 
gemeint  sind.  Gr.  W.  VII,  2J71.  2574;  1571  peslilenz  = 
Pestdrüse;  die  tr lesen  oder  pestilcnls,  Fromm.  VI,  6; 
1561  pcstilentz  =  Pestbeule;  1693  peat  —  Pestbeule ; 
pesten,  pl.  =  Pestbeulen).  —  4.  =  der  KiankheitS- 
damon,  der  unter  verschiedenen  Gestalten 
(Drache,  Lintwurm,  getlögelte  Würmer,  Teufel, 
Peslfrau,  3  Frauen,  schelmischer  Kobold  etc.), 
nach  früherem  Volksglauben  die  tödlichen 
Seuchen  brachte ;  namentlich  war  es  die  Todes- 
göttin Hella  (Pestjungfrau)  mit  dem  die  Pest 
witternden  Hunde  (Rochholz  l,  159 ;  Reinsberg  580). 
die  ah  Pestfrau  galt;  Im  Saterlande  (Zeitschr.  d. 

V.  f.  Volkak.  1893.  4,  381)  ist  „der  Pest"  ein  tnftnn- 
licbor  Unhold  (s.  d.);  die  modernen  Allegorien  der 
Pest  knüpfen  grösstenteils  an  diese  uberlieferten  Vor- 
stellungen au  und  wurden  namentlich  unterm  Ein- 
drucke frischerlebter  Scucben  auf  Schau  Müuteu  zum 
Ausdrucke  gebracht;  die  letzte  Pestmünze  stammt 
aus  Regensburg  (1715);  (s.  Pestilcntia  In  nummts  von 
Pfeiffer) ;  wahrend  sie  so  unter  christlichem  Kiuflusse 
aln  Kugel  mit  «lern  Schwerte  oder  als  Mann  mit  der 

I   Sense  im  Bilde  personifiziert  wurde,  erscheint  sie  in 


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Pont. 


Pest, 


401 


der  VnlktMge  (Simrnck.  A.  I).  M.  .'».  74)  als  ..stinkende, 
wilde  Bestie",  «las  Heftige  nud  die  <iro«»c  der  Seuche 
personifizierend  als  ochsengrossc  Mucke  (*.  d.),  in 
Riesengestalt  oder  als  Riescuvogel,  Riesenwurni,  lelz- 
tere  Im  Iticsendracben  vereinigt;  dieses  wilde.  Un- 
geheuer (s.  Palo),  d.  h.  die  Pest  tasst  darum,  wie 
der  Teufel,  den  Menschen  an,  betMlt  ihn.  ergreift  ihn, 
verheert  wie  ein  Schwann  fliegender  Wurm  (Heer- 
wurm)  das  Land ,  vergiftet  es  mit  dem  Pesthanchc 
(s.  Luft);  sie  muckert  (•.  d.)  bald  da,  lwild  dort,  sie 
zlpft  (a.  d.)  wie  eine  sich  entwickelnde  andere  Krank- 
heit, sie  hangt  »ich  an  wie  eine  Zecke;  sie  steckt  an 
und  wird  angesteckt  wie  ein  Feuerbrand,  sie  bricht 
aus  wie  elu  wildes  Tier  aus  dem  Walde,  uud  wird 
darum  in  den  Wald  (Llude)  gebanut  (Kohler  497).  AU 
Eigentums- Marke  der  l'est  galt  das  auf  den  Peathausern 
Im  Mittelalter  augebrachte  P  (pestia).  —  5.  =  Pest  ist 
auch  die  Folge  der  Pest,  die  Hungerseuche  (um 
pernls  =  mlserla  fames,  Du  Cauge  VI,  294).  —  6.  Pesti- 
lenz ist  schliesslich  auch  =  Genius  epidemicus, 
Miasma  (s.  iL),  das  häutigere  Vorkommen  ver- 
schiedenartiger ansteckender  Krankt).  (Recker, 
d.  schw.  Tod  78).  —  pestialisch  (aus  pestllenzlalisch 
und  bestialisch  [s.  d.j  gebildet,  Andreaen  80)  ■  uner- 
träglich wie  die  Pest.  —  pestig,  1.  —  pesthaft 

■  pestartig.  —  2.  =  von  der  Fest  befallen,  pest- 
krank (tir.  W.  VII,   153».   —  (15.  Jahrh.)  pesti- 

lenzisch,  pestilenzialisch  (aus  mtlat.  pestiien- 
ilalia,  Gr.  W.  VII,  1571),  l.  =  fjesug,  peslhail,  pest- 
artig. —  2.  =  das  Pest-Kontagium  in  der  Luft, 
als  Pestluft,  Pesthauch,  Pestdampf,  Pestqualm 
mit  sich  führend.  —  (in»)  ächte  Test  -  Pesti- 
lentia  legitima  {Haeser  II ,  318),  euiu  Unterschiede 
von  anderen  Epidemien,  die  wahre  Beulenpest 
bezeichnend.  —  AUppo-?est  =  eine  172H,  17ÖI, 
1762,  1765  aufgetietene  Peslseuche  in  Aleppo, 
wobei  sogar  die  Kinder  mit  Pestbeulen  geboren 
wurden,  ohne  dass  die  Mütter  erkrankten  {Lernen, 
Med.  ch.  Rdsch.  1875,  s.  321).  —  amerikanische  Pest 

■  das  aus  A  menka  (  Westindien)  eingeschleppte 
gelbe  Fieber  als  höchst  gefährliche  Seuche.  — 
UM»)  anhangende  Pestilenz ,  L  m  die  wie  eine 
Zeckeo.  Milbe  Bich  an  den  Menschen  hangende, 
ansteckende  Seuche  (Schmellerl,  1130;  Lersch  211). 
—  2.  =  die  lange  dauernde,  hartnackig  sich  an- 
klammernde Pestepidetnie.  —  Augen  Pest  = 
die  seuchenartig  aufgetretene  Ägyptische  A  ugen- 
krankheit  (s.  d.).  —  (1389)  Beulen  Pest,  Bubonen- 
Pest,  (15B0)  /'n/vii  Pcst  die  eigentliche,  achte, 
waure,  moigenlnndische  Pest  (1),  die  mit  einer 
schweren,  höchst  ansteckenden  Erkrankung  u. 
mit  Anachwellungen  (Beulen,  Bubonen,  Drüsen, 
Bogen.  Blattern,  Karbunkel  =  Ulcus  pestikn«, 
vor  allem  in  der  Leisten- (Scham-)  Beuge  ver- 
bunden war.  (,,Die  Altesten,  sicheren  auf  Bubonen- 
pest  in  beziehenden  Nachrichten  finden  wir  bei  Kufus 
von  Kphesus,  einem  Arzte  u.  Schriftsteller  des  I.  nacli- 
christl.  Jahrb.".  Pagel .  Herl.  kl.  Wochensehr.  1897, 
Nr.  fl,  531-680  =  Pest  de*  Justlnlan.  I  cod.,  558  pesli» 
inqulnaria,  Scbnurrer  I,  132;  Peljpers  98;  6.  Jahrb. 
morbus  inquluarius,  lue«  clades  Inqu.,  Peljinirs  S7,  all- 
franz.  peste  qul  prenoit  cn  Paine,  Peil  per«  98  ;  Uli 
Lues  inqulnaria,  Lersch  109,  1349  postllentla  glanclum, 
Lersch  72.  163  ;  18.  Jahrh  =  schwarzer  Tod  [s.d.],  Haeser 
II,  144).  —  (1367)  Blattern- Pest  (grosse),  1.  = 
heulen-  oder  Drüsenpest  (Lersch  183).  —  2.  *= 


(1791)  Variola  ■  Blattcrnseuche  (Faust'*  Gesundb.- 
Kaieeb.  >>:i).  —  (1hi7)  bnltisclte  Pest  -  englischer 
Schweins  («.  d.)  (J.  P.  Krank  VI,  433).  —  ganze 
Festilcntz  (15»9,  Piu-acel«. ;  Lersch  224)  -  gesamter 
Peststoti,  Infeklionsmatene.  —  Geflügel-Test 
=  Hühnercholera,  cholcra  des  poules,  durcli 
den  von  Pasteur  gefundenen  ,  im  Jlöhnerblute 
sich  verbreitenden  Mikroben  veranlasste 
Hühnerseuche.  —  gelbe  Pest,  1.  =  gelbes  Fieber 
als  pestartige  Krankheit  (Samuel  367).  —  2  =  eine 
547  und  6<i4  herrschende  Pest  (Cholera  ?  siehe 
gelbe  Cholera)  (Lersch  40.  52).  —  groase  Pesten 
(Pestilenzen)  =  die  grossen,  schweren,  lang- 
dauernden  Peslseuchen  der  Jahre  .78,  1462, 
1517,  1634,  1636  (gar  grossen  pestelentz,  Christ. 
Meyer  66;  Ur.  W.  VII,  1571,  Lersch  166.  190.  260), 
la  grande  pesto.  —  (1593)  Hals-Test  —  die 
Peel  3,  eine  Lokalisalion  des  Pestgifte«  in 
den  Lymphdrüsen  am  Halse  (*.  Diphtherie) 
(cir.  w.  vii,  1571).  —  (1405;  hinzuckende  Pestilenz 
=  Seuche,  die  lange  fortw  ährt  (s.  zücken)  (Pr.  I, 
M8).  —  hitzige  Pest  =  Pestis  acuta,  febriles 
Stadium  der  Pest  1  (Hecker  I.  89).  —  Hühner- 
Fest  ^  s.  Geflllgelpest.  —  (1838)  Hunde-Test  = 
=  Staupe,  Hunds- Elend  (s.d.)  (Merk  329).  — 
(1817)  Hunger-Test  =  der  Hungertyphus  (s.  d.) 
(in  Oberschlesien;  Haeser  II,  636.  639).  —  (1699)  im- 
pestiert  =  mit  der  Pest  behaftet  (v.  M  11.  110). 
—  indische  Test,  I.  ■  der  schwarze  Tod  (s.  d.), 
als  eine  von  Ostindien  ausgewanderte  Seuche 
(Palipest).  —  2.  =  s.  westindische  Pest.  —  (1830) 
kalte  Test  =  Cholera  morbus,  Cholera,  wegen 
des  Kältestadium  (ätaiiium  algidum),  das  dabei 
beobachtet  wird  als  Folge  der  erschöpfenden 
Durchfälle  (Hufcland  130).  —  (1799)  Kinder-Test 
=  das  damals  bei  Kindern  sehr  bösartig  auf- 
tretende Scharlachfieber  (Haeser  II,  489).  —  kleine 
Test  =  Pestis  minor,  eine  l'est  mit  geringerer 
Sterblichkeit,  die  oft  der  ächten  Pestkrankheil 
(Seuche)  voraufgeht  oder  nachfolgt  und  ver- 
mutlich durch  einen  in  seiner  Virulenz  abge- 
schwächten Mikroorganismus  veranlasst  ist.  — 
Än'./<-Pest,  1.  =  (1810)  der  Petechialtyphus, 
Kriegslypiius,  der  in  Kriegszeiten  höchst  an- 
steckend auftritt  (Fuchs  II,  1234;  Hildenbr.  26; 
Haeser  II,  554!.  —  2.  =  (17.  Jahrh.)  die  Kühr  als 
Lagerseuche  (Haeser  II,  362).  —  Lager-Test  = 
Lagerfieber,  Knegspest  (s.  d.).  —  (1830)  levan- 
tische, morgenländische  Pest  =  die  Beuleiipest  (1) 
aus  dem  Murgenlande,  der  Levante  (Hufeland 
128;  Lersch  138;  „es  ist  zur  vollsten  Evidenz  nach- 
gewiesen, dass  in  der  Kbcne  des  Hlndostan  an  den 
südlichen  Abhängen  des  Hlmalaya  seit  uralter  Zelt  ein 
autochthoner  Pestherd  besteht,  den  man  wohl  in  ge- 
wisser Beziehung  nicht  fehl  geht,  auch  als  causa  pri- 
mitiv« lur  die  übrigen  inner-  und  ausserasiatlscben 
Epidemien  In  Anspruch  zu  nehmen"  [ab  Oriente  pestls], 
Pagel,  Herl.  kl.  Woehenschr.  1897,  Nr.  6).  —  moderne 
Pest  (1668  pestis  moderua,  Janus  1897  ,  8.  163)  as  die 
damals  (1666)  zu  Toi  nach  lu  Belgien  herrschende 
Beulenpest.  —  ohnmächtige,  (16.  Jahrh  )  amächtige 
Pestilenz  =  (Luther;  <;r.  W.  1,  276)  Pestis  ititir- 
moruiu,  «ine  fest,  die  nur  Sehwache  befallt.  — 
orientalische  Test  =  s.  levantische  Pest.  —  (1699) 
PfeJJer-Test  (ndl.  peperpest.  v.  M.  II,  121)  =  das 
|  epidemische  Pestfieber  mit  pfetferkorn-  (s.  d.) 


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Test. 


Pesteme— St.  Peter. 


ähnlichem  Hautausschlag  (Petechien);  daher  in 
Verwünschungen:  wo  der  Pfeffer  wächst  =  dass 
da  die  Krftnk  (hättest).  —  {17.  Jahrh.)  Pferde- 
Pest,  1.  =  jede  ansteckende  Rosskrankheit; 
hauptsächlich  aher:  2.  -  die  epitootisch  auf- 
tretende Pferde-Influenza  (s.d.)  (Kr. u.r.ss»;  it.  a. 
507).  —  (1*12)  Aindcr-Pest  =  Pestis  houm,  hovilla, 
Typhus  hovilis,  eine  typhusartige,  mit  Lungen- 
entzündung und  wurslförmigen  Membranab- 
güssen  (Kocb)  im  Darmkanale,  auch  Kuter- 
bläschen  (nach  Falke  II,  74.  238)  einhergehende 
Rinderaeuche-  Loserdürre  (Förster  II,  H2;  K.  u.  P. 
III,  786;  Gr.  w.  VIII,  971).  —  rote  Pest  (engl,  red 
pestilence,  Shakespeare ;  I.ersch  276)  =  der  mit  roten 
Petechien  gekennzeichnete  Petechialtyphus  als 
.Seuche.  —  (1843)  &  haj  Pest  =  die  auf  Schafe 
übertragene  Kinderpest  (K.  u.  P.  III,  766;  Zlpp. 
6id;  Falke  II,  266).  —  (1644)  scharfe  Pestilentzen 
=  höchst  akute,  schwere,  fieberhalte  Pester- 
krankungsfalle  (Gr.  w.  VII,  1574).  —  dYW«nr.-Pest 

-  die  (856)  aufgetretene  Diphtherie  (Lersch  >9)  als 
Zungen pein  oder  Schlundkrankheit  mil  pest- 
artiger Ausbreitung  (s.  Schulpeal)  =  pestls  gut- 
turuosa  =  eine  (anter  Eduard  II.  ton  England  1307  bis 
1327)  nach  einem  Morbus  dissentericus  aufgetretene 
fieberhafte  Hritune  1  (s.  8.  65 b;  Du  Cange  VI,  144).  — 
(17.  Jahrb.)  schnelle  Pestilentzen  ■  rapid  sich 
ausdehnende,  grassierende  Pestseuchen  (Gr.  W. 
VII,  1674).  —  6cAui*-PeSt  (Anfangs  des  15.  Jahrb. 
, .schule  =  sinanebe"'  [cynanche]  i.  re*tisl  =  pestls], 
D.  536)  =  Diphtherie  mit  Croup  als  Epidemie  in 
den  Schulen  (peste  ä  la  gorge).  —  Schweine' 
Pest,  l.  =  die  Schweineseuche.  —  2.  =  Schweine- 
(Stäbchen-)  Rotlauf.  —  3.  =  verschiedene  andere 
seuchenartig  auftretende  Krankheiten  beim 
Schweine;  besondere  4)  =  infektiöse,  brandige 
Lungenentzündung,  die  namentlich  in  Nord- 
amerika, Schweden  und  Dänemark  unter 
Schweinen  herrscht  (engl,  hlp  pcsUlenc«;  auf  der 
Insel  Marajo  =  Quebrabnnda,  Villaret  I,  1S5J.  —  (1529) 
seltsame  Pestilenz  =  neue  epidemische  Krank- 
heit (Paracclsus  d.  lmp.  J  4).  —  sibirische  Pest  = 
Milzbrand  als  sibirische  Pustel  (Pierer  XI,  969). 

-  strenge  Pestilenz  -scharfe  Pestilenz.  —  (1794) 
wrpestet,  1.  =  an  der  Pest  erkrankt.  —  2.  = 
übelriechend  wie  Pestleichen  (Faust,  Gesundh.- 
Katechism.  86).  —  (1810)  PifA-Pest,  1.  =  Viehseuche 
im  allgemeinen.  —  2.  =  Rinderpest,  Löscrdürre 
(spez.)  (Falke  II,  411 ;  Hlldenbr.  18).  —  (1842)  west- 
indische Pest  =  gelbes  Fieber  als  Seuche  in 
Westindien  (Falke  II,  436),  die  auch  als  amerikan. 
Pest  nach  Kuropa  eingeschleppt  wurde.  —  (1709) 
icirklich;  Pest  =  die  eigentliche  beulen  pest 
(Haeser  II,  413).  —  (1872)  Zu  gen  -Pest  =  die  Rinder- 
pest auf  Ziegen  übertragen  (K.  u.  P.  III,  76«).  — 
Pest-,  Pestilenz-,  pestilenzialische  Anfall, 
-Auswuchs,  -beulen,  -Blase,  -Blatter,  -Bräune, 
•Brand,  -Büttel,  -Dampf,  -DrUaen,  -Dunst, 
-Eiter  -Engel,  -Fall,  -Fieber,  -Flecken,  -Frau, 
•Geruch,  -Geschwür,  -GeschwUr,  -Geschwulst, 
■Hauch,  -Hitze,  -Kohle,  -Kolik,  -Kopf,  krank, 
-Laufte,  -Leider,  Mal,  -Materie,  -MenscJt,  -Kot, 
-Patient,  -Plage,  -Qualm,  -Samen,  -Srfiaden, 
-Schlieren,  -ScJncären,  -Seitenstechen,  -Seuche, 
-Staupe,-Sterben, -Strahl,-  Striemen,  -Sucht,  -  Tod, 

-  Typhus,Übely  -  Vergiß,- Weibel,  Zeichen,- Zeiten. 


Pesteme,  1.  =  Apostem  (s.  d.)  und  Posteine. 

—  2.  -  Pest  (s.  d.). 

Petechien,  f.,  pl.  Petecken,  Petecher, 

Peteschen,  PetetSChen  (aus  franz.  Petechie;  n.-lat. 
pctechla,  seil.  Purpura;  ltal.  peteccle,  petecchio;  dies 
ans  lat.  petigo  [Impetigo]  =  Räude,  und  petlcula;  1083 
piticuli,  Lersch  76  =  kleiner  Hautausschlag,  Z.  Hdb. 
XIV,  1.  321;  petigo  =  genus  morbi,  Lucilius;  1083 
piticulae  =  petechlae,  P.  Frank;  Haeser  II,  S39;  nach 
anderen  Ton  pittacium ,  -iTtäxtov  =  Salbenleder, 
LedcrpflAster',  Roth  409;  1505  febris  qnam  lentlculas 
vel  punctlculas  aul  petlculas  vocant,  Haeser  D,  Anh.  57  ; 
1505  pestichlen,  Schnurrer  II,  67;  1688  febres  pestilentea 
vulgo  dictae  cum  slgnls  [s.  Segen  u.  Zeichen]  sire 
pctechlls,  Haeser  II,  833;  1620  pedocken.  Z.  f.  d.  Philol. 
XXVI,  248;  1690  pedaetsch  oder  geschwer  [Pestkar- 
bnnkel;  Steinmaler,  Marian.  Schatzkammer  194] ;  1699 
petecken  -  Pelcchienfleber,  v.  M.  II,  121 ;  1730  btdecker 
=  Flecken,  ürtpiell  1897,  168;  1749  petetschen  = 
Petechialtyphus,  Z.  f.  d.  Philol.  XXV,  248;  1766  peit- 
schen =  petechlae,  A.  v.  H.  I,  410;  1760  petecken. 
Wallbg.  3-S3;  1761  pclaetschen  =  Fleckfieber,  L.  ch.  33; 
1776  petetschen,  Plenk;  Rehrend  5;  1792  peteschen, 
Nicolai  IV,  63),  1.  =  (franz.  pourpre;  spaa.  tabardillos, 
Du  Cange  VI,  295)  kleiner,  rotgedeckter,  fioh- 
sticharliger  Hautausschlag  durch  Blutaustritte 
gebildet  in  Gestalt  von  mohn-,  hanf-  bis 
erbsengrossen ,  roten,  dunkelbläulichen  oder 
bläulichroten  Tüpfelchen  (Z.  Hdb.  XIV,  l.  S21). 

—  2.  =  Febris  pestilens  s.  maculosa  (Gr.  w.  VII. 
1579)  =  fieberhafte  Pest  mit  Pestflecken  (s.  d.). 

—  3  =  Febris  maculosa  s.  petechialis  s.  puh- 
earis,  das  Flecklieber  mit  flohstichartigen  Pe- 
techien, Petechialfieber,  Flecktyphus   (s.  d.) 
(Schmeller  i.  414).  —  Petechial-,  Petetschen 
Fieber,  -Krankheit,  Mosen,  ■  Typhus. 

St.  Peter.  St.  Petrus'  volksübliche  Gestalt  fit  ein 
bärtiger,  kahlköpfiger  Mann,  der  als  chrisil.  Heiliger 
den  Thorhüler  an  der  Himmelspforte  im  Volksglauben 
i  darstellt,  als  Wolf-  und  Rrandpatron  aber  in  manchen 
Punkten  seines  populären  Kultes  (s.  Kullkaleadarium 
in  Z.  d.  D.  0.  A.-V.  1893,  S.  197  ff.)  eine  altere  heid- 
nische (Jesuit  ablöste;  dies  um  so  wahrscheinlicher 
als  sein  Palroclnium  noch  in  halbheidnische  Zeiten 
fiel;  daher  auch  seine  Reziehungen  zu  1.  =  Penis  = 
Peiterle  (Pelerle,  St.  Pelerstab,  St.  Peteretamni) 
=  (1590)  Petermaun  (s.  d.)  (Gr.  W.  VII,  1577  ;  8chm. 
I,  414).  —  2.  =  (elbisch)  kranker  Mensel».  — 
Bläss-Teter  =  einer,  der  einen  Petruskopf  hat, 
d.  h.  eine  Blässe,  kahle  Stelle  (Platte)  auf 
grauem  Haupte.  —  Früh-Tater,  1.  =  Frühling 
(s.  d.).  —  2.  ^  Früh-Kind  (s.  d.)  =  Frühauf 
(Gr.  w.  IV,  L  297.  319);  hier  ist  Peter  als  häufiger 
Bauein* Name  zur  trivalen  Beigabe  geworden. 

—  i/äf«cA*-Peter  (Nürnberg;  Schmeller  I,  1192  = 
eiu  nur  schwankend,  hatschend  (s.  d.*)  eich 
vorwärts  bewegender,  unbehilflicher  Mensch. 

—  A'aizcn-Peter  =  B.  Ziegenpeter.  —  Kuh -Peter 
-s  (wohl  nur  eine  volksübliche  Entstellung  des  Schweiz. 
Kubpriester,  Rriester)  -  Colostrum,  Plucenta  ex 
OOiostro  (Gr.  «r.  II,  3;  V,  2662  ;  8chmeller  I,  274).  — 
S/rwcW-Peter  =  s.  Strobel.  —  Ziegen  Peter  = 
Parotitis  epidemica:  1.  =  die  Ohrdrüsen -Ge- 
schwulst (Mumms,  Tannwätschel  etc.),  welche 

I  als  Tierkrankheit  bei  Katzen  und  Ziegen  am 


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Peter  nnd  Paul— Pfannp. 


Pfarre— Pfeife. 


463 


häufigsten  vorkommt  (Meyer,  Konv.-Lex.  \  VI.  2-">fi) 
und  den  Menschen  so  entstellt,  dass  er  einem 
blöden  Tölpel  (s.  d.)  gleicht,  den  man  nur 
zum  Ziegenhüten  verwenden  kann  iWuttke  307; 
Kraus,  K.  744;  Köhler,  V.-Br.  411;  Kichborst,  I.  616); 

der  Gedanke  an  ein  elbiachee  Wesen,  der  hei 
anderen  Namen  dieser  Krankheit  wohl  gegeben 
ist  (vergl.  Mumms  etc.)  (Gerland,  Zeltschr.  f.  d. 
Pbllol.  I,  310),  fällt  hiebei  weg.  —  2.  =  der  Fei  fei 
(a.  d.),  Ohrspeicheldrilsenentzundung  b.  Pferde 
(Meyer.  Konv.-L.  XVII.  101«;  Zipp.  390).  —  Peter- 
Mann. 

Peter  und  Paul  -  Mammae  feminae,  die 
beiden  Brüste  eines  hochbusigen  Weibe«,  die 
wie  die  2  Kölner  Kirchenglocken  St.  Peter  und 
Paul  herabhängen  (Wackern.,  Abhdl.  III,  96.  154; 
man  prämiiert  solchen  Frauen  am  St.  Peter-  und  Paul- 
tag,  Gr.  W.  VII.  1675). 

Petik  (Peddik,  Pedek),  1.  =  Pottich  (s.  d.), 
Leib,  Rumpf.  —  2.  =  auch  das  Caput  absces- 
sus,  der  Zellgewebspfropf  (Kern)  im  Geschwür 
(Goldschm.  91;  O.  II.  249). 

petachen  =  wie  eine  Petze  (=  Handln.  Kluge5, 
281)  hörbar  kauen  (Gr.  w.  vn,  1580). 

petzen  =  pfeUen. 

Pfi  (österr.)  =  Pferd  (2.  f.  ö.  V.  K.  1896,  284) 
pfacheil  =  pfuchen  (Nebenform;  Schwei»;  Gr.  W. 
VII,  1581)  =  niesen.  —  AocA-pfachen  (heche  peeben, 
Fromm.  VI,  211)  =  mit  Anstrengung  hörbar  laut 
und  in  ethöhtetn  Grade  Atem  holen. 
Pfatzlein  s.  Pfötzlein,  Pffltzlein. 

Pfaffe,  m.  —  Pfaffe  (Räsa;  =  clericus  minor; 
6.  Jahrh.  durch  grtech.  Kirchen-Vcrmlttelung  über- 
nommene« Wort;  altnord.  pape,  Kluge*,  281;  die 
geistlichen  Herren  standen  beim  Volke  Im  Kufe  von 
wohllebenden,  den  Sinnen  gen  liasen  sehr  ergebenen 
Menschen;  14.  Jahrh.  der  ptafi  —  Colostrum,  O.  133) 
=  PrieBter,  Prieslermilch ,  Biest,  Biesimilch 
(s  d.).  —  Pfaffen- /../ms,  -Schnitzel,  -Zink. 

Pfahl,  m.  (ans  lat.  palus  [dazu  <pa>.o«,  pballus], 
In  [vor  abd.]  erstem  Jahrh.  entlebnt;  ahd.  pfäl;  mhd. 
pfal.  Kluge*.  281.  XIX  =  der  iloUkcll)  =  Penis.  — 
der  Pfahl  im  Fleische  (Gr.  w.  VII,  1698)  ■  ein 
schweres  körperliches  Leiden  (Bibelsprache).  — 
Pfahl-B««. 

Pfalatlne ,  f  11592  die  Halatine  so  etliche  den 
(erstochenen  Slul  [s.  d.]  haben  verteuscb,  Seb.  176; 
aus  dem  frans,  palatlne  [palatum]  verdeutscht  xu  Pfahl 
[Stichel])  =  der  geachwürig  zerstochene  Kern 
(Staffel,  Stuhl)  am  Gaumengewölbe  des  Pferdes  j 
I palatlne  ist  nach  Brlsa.  276  —  la  palaslne,  palacin  = 
paralysis  =  Parelysis  agltans,  gewiss  ein  Beispiel  der 
volksetymologischen  Verlrning). 

Pfalz,  f.  —  pfälzische  Seuche. 

Pfanne,  f.  (In  vor-ahd.  (6.  Jahrh.]  aus  lat.  pannus 
=  nachvertieftes  Melallgeschlrr,  Gr.  W.  VII,  1615  ent- 
lehnt =  pannä  =  Kalxpfnnne;  ahd.  pfannn,  pbanuä, 
mnd.  pfanne,  Kluge*.  282;  engl,  pan  as  Schüssel, 
Pfanne  [paüna?  patella];  angls.  ponne;  formell  au- 
geglichen, wie  vielfach  bei  Kuchengeraten  pfanuen- 
ihnllcher  Körperteil,  und  swar)  1.  =  ahd.  phanna; 
1687  pfaennlein,  Hyrtl,  K.  W.  27,  Anat.  342;  Georg.  391) 
=  Acetabulum  (s.  Schüssel),  die  schüsselförtnige 


Gelenkgrube  für  den  kugeligen  Oberschenkel- 
kopf am  Beckenknochen.  —  2.  =  die  gleich- 
gestaltete Gelenkgrube  am  Schulterblatte  (Bug) 
für  die  Kugel  des  Oberarmes,  Achselgelenk- 
höhle (Heynu  III,  1127;  Zw.  24;  I).  155).  —  3.  = 
die  Kopfpfanne  oder  Hirnschale  (Cranium) 
(schwed.  panna  =  Slirnschadel).  —  4.  ~  die  kleinen 
Grübchen  an  den  Mundwinkeln  (Gr.  W.  VII.  1625; 
Erbe  30).  —  B>  Pfanne  (IS.  Jahrb.  breghen- 
pannc  —  cranium,  D.  II,  117;  testa  capitis,  D.  II,  363; 
engl,  brninpan,  Lebf.  116)  =  Hirnpfanne  s.  Bregen. 

—  Orlen k- Pfanne  -  Pfanne  1,  2.  —  Haupt- 
Pfanne  («ugl.  heafudponnan  =  caplule,  D.  II,  78; 
headfodpanne;  engl,  headpan  —  calvaria,  rotunditas 
capitis,  D.  91)  -  llirntopf,  Schädel,  Kopfpfanne, 
Hirnpfanne,  Hirnschale.  —  Hergen-,  Hirn- 
Pfanne  (alUtchs.  heruc  :  .  1420  hirneponno  = 
cranium,  testa  capitis,  ü.  155.  581;  II,  363)  =  die  Hirn- 
schale als  Kopfpfanne  (holl.  hertenpan,  Scbmeller 
1, 1194;  Hersenbeckon).  —  fityt-Pfanne  =  Pfanne  l 
(Heyne  III,  206.  1127).  —  Ante- Pfanne  =  Knie- 
scheibe (engl,  kneepan,  Lehf.  61).  —  (1594)  Kopf- 
Pfanne  —  die  (bei  den  heidnischen  Germanen  und 
christlichen  Priestern  als  Trinkschale  bentiute)  Hirn- 
schale des  Menschen  (Cranium;  s.  d.  Verf.  Bauin- 
u.  Waldkult..  S.  79;  Gr.  W.  V,  1778;  Corresp.  Bl.  f.  A. 

1*82.  s.  47).  —  Pfannen-Gatte,  -Stielchen. 

Pfarre,  m.  (ahd.  farro,  far;  mhd.  varre,  var  = 
,  Farre  1),  Ochse.  —  Pfarren -A der. 

Pfaulmon,  n.  (Strassburg,  1592  „Pfaulmon  welches 
etliche  das  Fratt  verstehen,  frantzöslch  Du  paumon", 
Seb.  17C;  die  betr.  Abbildung  deutet  auf  die  l.ungeu- 
und  Bauchgegend,  paumer  =  manger  a  pleines  malnes 
[palma  manus]  paumiotter  —  revouager)  =  Kuppen. 

Pfecker,  m.  -  Pndex,  der  den  Naturlaut  pll'k 
von  »ich  gibt  (Tirol;  Hlntner  7.  17)  (s.  pfetteln). 

Pfeffer,  IB.  („vor  der  ahd.  Zeit  aus  lat.  piper  ent- 
lehnt", Klugo5, 282).  —  Pfeffer-  und  Saizl'ass, 

1.  -  ilie  oberen,  bei  Lungensüchtigen  besonders 
eingesunkenen  Scblüsselbeingruben,  zwischen 
welchen  der  Hals  als  Stiel  genommen  ist.  — 

2.  =  die  Augengruben  bei  Pferden  (Falke  II,  258). 

—  Pfeffer-  Körnlein,  -Pett. 

Pfeife,  f.  Pfeiferl.  n.  pfeifen  (aus  uuiat,  pipa, 

vor  dar  abd.  Zelt  entlehnt:  ahd.  pfifa,  pbifa;  mhd. 
phifo,  pflfe,  Kluge*,  282;  mnd.  pypen,  Mag.  Barth.  89a 
=  Pfeife  [V  aus  Knochen);  tlbla  =  ScblenbcinrOhre, 
Pfeife,  Flöte;  dieser  Pfeifenrohre  wurde  formell  an- 
geglichen) 1.  =  das  röhrenförmige  Schienbein, 
Tibi«,  Canna  major,  Beinpfeife  (Hyrtl,  K.  W.  Ulj 
1507  eyn  scheen  van  de  been  off  pjpe  =  tlbla,  D.  682). 

—  2.  =  die  Luftröhre  (frans,  le  luterlau  [Indre), 
Briss.  63,  Tongerat;  arab.  al'üd;  canne  du  poumou), 
«las  Gurgeltohr,  als  Lungenpfeife  und  stimm- 
erzeugendes  Schallrohr,  Trachea,  Fistula  spiri- 
tualis  s.  pulmonum  der  A  rabiaten  (post  Gale- 
nutu);  (mnd.,  nach  MagUt.  Barth  89a  von  dem  halse 
geben  2  pypen  ;  die  eint-  gehl  xu  der  luuge  und  brinm 
den  atem  xu  «lern  berxen  ;  die  andere  traegl  die  Hpel&c 
xu  dem  magen ;  die  pvpe  die  dem  hatten  den  atem 

,  bringt  die  gibt  unterstunden  buesu  lutt  von  sich  und 
davon  kommen  die  febres  und  das  hoisst  da«  kalte 
[«.  d.]  oder  den  riten  [rede];  so  thut  auch  die  andere 

|  [pype],  dl«  xu  dem  magen  geht,  wie  die  Speise  mannlg- 


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4ß4 


Pfei.. 


preisen— pfetteln. 


faltig  ist  und  der  inagcn  sie  nicht  verdauen  kann, 
davon  wird  die  Tertiana  [febris]  und  die  Quartana  und 
die  Qnotidiana;  1590  pfelffe  =  trachea,  Gr.  W.  VII, 
1644  sub  f;  1632  pfelilen  -  trachea,  Hyrtl,  K.  W.  134). 

—  3.  =  die  Harnröhre,  Urethra,  Penis,  Mem- 
bran virile,  Fistula  urinalis,  Harupfeife(Pippe), 
die  den  Harn  durchlaufen  lässt  (Gr.  w.  VII, 
1644;  Hyrtl,  K.  W.  74;  Schmellcr  I,  422).  —  4.  =  das 
Darmruhr,  das  den  Darmkot  unter  Geräusch 
abgehen  lässt;  auch  (1776,  Uelm  17)  -  Duodenum 
beim  Kinde  als  Ansäte  am  dudelBackähnlichen 
Magen.  —  5.  =  (conf.  engl,  wombeplpc)  VV'am pen- 
pfeife, M ti ttersc beide,  Multeihais  (Kaluchm.  I; 
dan.  madplbe;  engl,  ineatpipe  —  Fleischpfeile,  Speise- 
röhre). —  pfeifen,  1.  =  cacare;  zu  Pfeile  4 
(Schneller  I,  422).  —  2.  —  mit  Geräusch  atmen. 

—  er  pfeift  auf  dem  letzten  Loche  =  stirbt 
mit  blauenden  Raagelgeräuschen  (Köcheln).  — 
Pfeifer,  1.  =  einer,  der  pfeifend  atmet.  —  2.  = 
die  dabei  peisönhch  gedachte  Krankheit 
(Wackern.,  AbhdlR.  III,  IM),  die  dieses  Pfeifen  ver- 
anlasst. —  Pfeiferl  »  die  kleine  Pfeife  (3).  — 
Pfeifein  —  r-eifeln  (s.  d.),  OhrdrUsenansch wel- 
lung beim  Pferderotze  (Mayer  189).  —  anyeji&Sen 
=  durch  das  Anfauchen,  Anblasen  (s.  u.  uud 
Anwaht)  von  Seite  elbischer  Dämonengeslalten 
durch  Blattern  krankgemacht  (Kopigeschwulst, 
gtschwollenes  Maul  etc.)  (Alpbg.  63.  349).  —  Bein- 
Pfcife  (ahd.  pelnflfa,  Graf!  III,  830)  =  die  beinerne, 
pfeifenartige  öchieubeinröhre  (singendes  Bein, 
Tibia).  —  auf  der  GoftoacArer-Pfeife  blasen 
(henneb. ;  SplessII,  827)  =  den  Gottesacker-Husten 
(s.  d.)  so  lange  ertönen  lassen,  bis  der  Tod  ihn 
bescbliesst.  —  (17.  Jahrb.)  Harn-Pfeile  =  Pfeife3. 

—  Kehlkopf- Pfeifen  =  Lungen-Pfeife.  —  Luft- 
Pfeife  (holt  lucbtpljp)  =  Pleife  2.  —  Lungen- 
Pfeife,  -Pfeifen,  l.  =  Pfeife  2  (Hyrtl,  k.  w.  ios), 
Lultpieile;  (conl.,  engl,  wind  pipe  —  Luftröhre, 
Lehf.  209,  the  pipe  of  the  hing»,  Kaltacbm.).  —  2.  = 
das  haite,  pfeifende,  horoare  Atmen  oder  der 
Pfeiferdauipf  (s.  d.)  infolge  von  Lahmung  der 
Kehlkopfmuskeln  bei  Pferden  (Herbst  16;  Falke 

ii,  m).  —  (i6»o)  Aami-Pfeiien  -  das  pfeifende 
Schaufeln  ans  der  Nase  beim  Almen,  Sibilus 
narium  (Gr.  W.  VII,  414).  —  rayende  Pfeife  = 
Penis  erectus  (Pfeile  3)  (Gr.  W.  VII,  1644).  —  <i5»l) 
Awci-Pfeife  —  (Übers,  der)  t  istula  Sacra  s.  longa, 
die  hohle  Wirbelsäule,  Wirbelkanal  (s.  Kuck) 
(Had.  Jun.;  Hyrtl,  K.  W.  132).  —  Pfeifer  Backen, 
-Dampf. 

Pfeil,  m.  (aus  lat.  pllum  =  Wurfgeschoss  entlehnt, 
Kluge",  282.  In  den  gewalttbaiigen  Zeiten  des  Ger- 
manentums dachte  mau  sich  die  Krankheitsdanionen 
mit  denselben  Waffen  wie  die  Feinde  ausgestattet; 
daher  sendet  sowohl  der  Elb  [Mittagsalp]  wie  der  Tod 
seine  Pfeile  [Sonnenstrahlen)  ab,  mit  denen  sie  ihre 
Opler  erlegen,  Gr.  D.  M.  407,  I.iebrecht  182.  Bei  den 
Slaven  senden  die  Vilen  [  —  Mittagsalp]  Melle  ab  und 
veranlassen  Sonnenstich  [AlplraumJ,  Urquell  I,  42 
[s.  Geschoss;.  In  der  Hurgkapelle  des  Schlosses  Bruck 
in  Tirol  beiludet  sich  ein  Fresko-Gemaldehlesie.  Jahrh  ), 
auf  welchem  Gott  Vater  vom  Himmel  herab  Piene 
auf  die  Menschen  mit  einem  Bogen  abschiesst ;  diese 
Geschosse  [s.  d.J  zerknicken  an  dem  vorgehaltenen 
Schutzmsntel  der  Muttergottes  zlckzackfrirmlg,  Bartels, 
Mediz.  d.  Natur-V.  27). 


;     pfeisen,  pfiesen,  Pfies,  Pfüsel  (ein  den  Laut  pfi 

nachahmendes  Wort,  mhd.  pfisen  —  blasen,  sausen, 
Gr.  W.  VII.  166t.  1707 ;  1661  pfeisen  =  Stridor  denüum, 
Gr.  W.  V,  847;  1618  pfeiaer,  =  libilare,  Stridore,  Schm.  I, 
442)  =  ein  blaseudes,  zischendes,  sausendes, 
knirschendes  Geräusch  machen  beim  Blasen, 
Schnauben  oder  Kauen.  —  Pfies,  f.  =  eine 
aufgeblähte,  knisternde  Geschwulst  (Emphy- 
sema  cutaneuui)  (C  v.  8chm.  62;  Schw.  519).  — 
pfiesig,  1.  »s  aulgedunson,  biästig,  geschwollen. 

—  2.  =  pfeifend  atmend  als  Lungensilchtiger 
(Schmellcr  I,  442)  —  (phlhisicus).  —  auf yi  pfiesen 

—  aulgedunsen  (('.  v.  Schm.  62).  —  (1609)  Sa»en- 
Pfeisen,  (1569)  Pfüsel  '-m  pfeifendes  oeräusch 
aus  der  Nase  erzeugen,  z.  ti.  beim  Schnupfen 
(Gr.  W.  VII.  414.  1664).  —  (1683)  C/Vrn-Pfeiseil  = 

Sibilus,  strepitus  auriuui,  Ohrtosen,  iusobrig- 
I  keit,  ein  sausendes,  losendes  Geräusch  im  Ohre 
empfinden  (Gr.  W.  VII,  1664;  Zw.  680;  Schm.  I,  442). 

—  (1756)  rrrpflest  =  durch  LtiiphysetuacuUneum 
ganz  aufgedunsen  und  verscüwollen  (c.  v.  Schm. 
62;  A.  v.  H.  1,  589;  II,  876).  -  pf eisende  Stimtne 

pfend  =  fent,  behend,  schnell. 

Pfenne,  f.  s.  Pfinne. 

Pferch,  n.,  in.  (4.  Jahrb.  parc,  mtlat.  i  arcus  ;  ahd. 

pferrih;  mbd.  pferrlch,  Klug«1,  283=  Umzäunung  für 
Tier«;  lös«  l'ferdsperlcb.  Seb.  193).  1.  =  thenneb., 
scherzhaft  roh)  Wochenbett,  Keinigung  (Spleas  II, 
181).  —  2.  -  Pferdekot  deB  Pfercüslalles  (lt.  A. 
266).  —  (17.  Jahrh.)  pferchen  =  Kot  entleeren.  — 
Pferch-Z>«rc/ya»i(/. 

Pferd,  n.  (das  Wort  ist  ,,cin  verstümmelter  und 
unverstandener  Mischling  aus  drei  Sprachen",  Kuhn, 
Ztschr.  V,  72;  mtlat.  paraverdus,  parafredus,  pars 
grlecb.,  veredus  keltisch  -  Nebenpferd,  l'ottpferd 
auf  Nebcnstrasscn  —  Boss,  Gaul,  das  ausgewachsene, 
mit  gekerbten  Zahnen  versehene,  grosse,  starke,  un- 
gestüme, sogar  seinen  Beiter  [Ritter]  edelnde ,  bei 
den  Germanen  der  jüngeren  Steinzeit  nachgewiesene 
Opfer-  uud  Nutzlier  [Boss]  tm  Gegensatze  zum  Fohlen, 
Abiig.  3,  als  Fferd  treten  auch  Dämonen  [«■  Hexe, 
Waldleute,  Mar,  Wildleute,  Wasserleute]  auf,  H.  A.  Rh. 
17».  228.  414).  —  pferd'g  (ndl.  peerdlg,  De  Cock)  = 

rossig,  brünstig.  —  (i7J6j ,4u</  Pferd,  -Pferdchen 
as da»  mit  dein  springenden  Plerde,  verglichene 
(Dornbl.  54),  stärker  sichtbare  Biinxeln,  Iris- 
und  Wimperzucken  beim  Menschen  (A.  v.  H.  U, 
403;  Gr.  W.  I,  809;  Kirsch  671),  liippus,  Nystagmus 
bulbi  (Kraus,  K.  471).  —  kteamugige  Pferde  (1592 
„Ks  sein  Fferd,  die  man  Dextarioa  (  ■  Zelter)  nennet  J 
das  Ist,  die  Begluckten,  welches  man  verstehet  von 
den  Klessäugigeu  oder  mit  dem  roemlschen  Schwerdt 
(l.  Degen)  bezeichneten,  deren  eins  des  grossen  Keysera 
Alexander  Bucephal  oder  Bockefal  gewesen  sein  soll, 
(Seb.  187)  —  klutzäugiger,  grossäugiger,  mit  detu 
romischen  Degen  gezeichneter  Zelter.  — Pferde- 
Awtsatz,  -Blattern,  -Brunst,  -Feige,  -Fieber, 
■Fuss,  -Gicht,  -Influenza,  -Kamp,  -Kolik,  -Kotler, 
•Koortwn,  -Mayen,  -Mar,  -Mauke,  -Milz,  Fent, 
•Foiken,- Baude,  -Seich,  Staupe,  -Stein,  -Sterben, 
;  -  Tod,  -  Typhim,  -Zahn,  -Zehe. 

Pfetsche,  f.  Pfetschen  Kind*. 

pfetteln,  pfetzeln,  pfetzen  (petzen)  pfitzen 

(1777  pettcren  -  pelcro,  forire,  cacare;  petterer  sa  for- 


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* 

Pfies— Pfiffiz. 


Pßnn(a,en)-Pflätter.  465 


olu*.  D.  2M)  =  den  Naturlaut  pfft  bei  der  Ent 
leerung  von  flüssigem  Stuhlgänge  mit  Darm- 
gasen erzeugen,  einen  kneifenden,  kneipenden, 
grimmenden  Leibschmerz  dabei  empfinden.  — 
pfetteln  =  wiederholt  fisten  (Schmeller  I,  «5).  — 
Pfettenmg  (ndd.  petteringbe  =  fori»,  D.  242)  -  Cu- 
catio.  —  pfett(e)zen  (ein  hysteron  proteron  ;  1483 
pfetxcn  m  grimmen,  Zening.  Voc.  y  7;  1725  pfatzea  m 
kneipen,  nagen  ;  die  würmer  pfatzen  die  klnder,  Thes. 
un.  Kr.  168;  1742  das  ptetsen  an  den  sennadern, 
Zw.  398;  Schm.  I,  446)  =  kneifende,  krampfende, 
stechende  Schmerzen  im  Leibe,  unter  den 
Kippen,  in  den  Muskeln  empfinden,  z.  B.  bei 
Diarrhoe  (Wadenkrämpfe  bei  der  Cholera) 
(Künigssp.  49 ;  auch  die  Hexen  pfetzen,  wie  elbische 
Dämonen  in  Wurmgesialt,  den  Menschen,  K.  Schmidt 
17;  s.  anch  pföuen  n.  Pfütze).  —  Pfltz-  Wurm. 

Pfies,  pfiesen  s.  pfeisen. 

Pfifferling,  m.  (mhd.  pflfferllng  =  ein  wertloser, 
wenig  geschätzter  Pfefferschwamm ,  Klage  5,  283)  — 
Kot,  tierisches  und  menschliches  Exkrement 

(ür.  W.  VII,  1698). 

Pfifft*,  m.  Pfiffts,  in.  Pfifft,  n.  Pflpf ,  Pflps, 

Pftpps  (vor  der  ahd.  Zelt  in  urdeutscher  Zelt,  als  der 
Ganschandcl  der  germanischen  Stamme  noch  nach 
Rom  ging  [Kluge  *,  109]  und  Im  Anschlüsse  an  die 
rom.  Geflügelzucht  [Kluge*,  284]  aus  dem  lat.  pltulta 
1=  tSchleim,  Schnupfen,  Zips]  entlehnt  [s.  weiteres); 
ahd.  plfflz.  pfiffU,  pflpflz,  Kluge*,  286  =  Pips  ;  11.  Jahrh. 
phiphU  =  pitulta,  morbus gallinaram,  H.  Z.  III;  12.  Jahrh. 
ütflz  —  pltulta,  caligo .  phlegnia  oculonim,  morbus 
capitis,  morbus  gallinarum  in  lingua,  H.  Z.  XV,  345 ; 
pitalta,  plciuta  --  morbus  galUnae.  infirraitas  in  lingua 
galllnae,  pipldo,  lapeple.  Du  Gange  VI,  312  339;  mhd. 
pflphich,  pflpflz,  pbiphiz  =  eine  Verhärtung  an  der 
Zungenspitze  des  Federviehes  =  pitulta,  pipita,  Lcxer 
187;  Gr.  W.  VII,  1699;  15.  Jahrh.  blpcz  =  cat&rrbus, 
pitulU,  D.  106;  pflpflz,  pfiffe«  =  Pips,  Zlpf;  phiflez  sa 
pltulta,  D.  n,  293;  1508  pflpfleh  =  Schnupfen,  Gr.  W. 
VU,  1704;  1510  pflpfs,  pflpf  =  Kluck,  Pips.  Hühnerweh, 
Gr.  W.  V,  1258  j  1517  pfüpsltt  =  pllultosus,  den  Zlpf 
oder  Pips  habend,  Gr.  W. ;  16.  Jahrh.  pflpfltz  =  Pips, 
Gr.  W.  VII,  1704;  1566  pflpfs  =  Pips,  1.  eod. ;  1661  pfiffe 
=  Pips,  Gr.  W. ;  1576  pflfsen  =  den  Pflts,  Pips,  Zlpf 
haben  [v.  Hübnern],  1.  eod. ;  1680  pflpsen  =  am  Plpa 
krank  Min  [y.  Hühnern],  1.  eod. ;  1587  pflfftxig  =  pltul- 
tosns,  D.  439  ;  1692  pflpffsen  =  Hühnerkatarrb,  Seb.  127 ; 
pflpffUen,  plffis,  Seb.  127;  1680 pflps  =  Pips  ;  1699  pflpfftz, 
pfipffs  sa  Hühnerkrankheit  (s.  d.],  Katairb  [Influenza], 
weisse  Warze  oder  Parpen  an  der  Zunge  des  Kalbes 
und  Huhnes,  v.  M.  I.  73.  91;  1716  pflpfe  =  Hühuerpip* ; 
18.  Jahrh.  pflpfs  =  8chnupfen  mit  Hüsten  ,  Gr.  W. ; 
Schmeller  I,  1144;  Schw.  490;  Alem.,  Schwaben  Pflpfes, 
Pflffls,  Pflpfls;  Schweiz  Pfiff],  n.  sc  Hühnerpips,  Erbe  30; 
Gr.  W.  VII,  1698 ;  mUat.  pitulU),  1.  m  Humectatio  vel 
inflrmltas  qua*  faclt  caplta  gallinarum  dintorquere.  — 

2.  =  caligo  Tel  flegma  oculonim  (Mascher,  Greck).  — 

3.  =  catarrhus  (D.  439).  —  Pfiffiz  (und  seine  Neben- 
formen), 1.  =  Pituita  (=  Pips  od.  Zipf,  s.  d.)  od. 
Nasenschleim,  der  ein  pipsendes,  pfeisenden, 
pfeifendes  Geräusch  in  der  geschwellten  Nasen- 
höhle macht,  ähnlich  dem  Pipsen  des  Feder- 
viehs  =  Coryza,  Qravedo,  Phlegma  oculorum.  — 
2.  =  dasselbe  Geräusch  beim  Federvieh  infolge 
einer  krouposen  oder  pilzigen  Verhärtung  an 


der  Zungenspitze  und  in  der  Nase  (Morbus 
gallinarum) ,  dieser  weisse  Pilzbelag  auf  der 
HUhnerzunge,  welcher  als  Zipf  „gelöst"  wird 
(Schmeller  I,  1144).  ist  auch  =  Pips  und  Pfiffiz.  — 
8.  =  dieser  epizootische  Pilzprozess  findet  sich 
mit  einer  Federmauserung  auch  am  Borzel  des 
Federviehs;  er  heinst  ebenfalls  Zipf  od.  Borzel 
und  entspricht  diesem  Pfiffiz  (s.  auch  Mause) 
(Schmeller  I,  1144.  1666).  —  4.  =  der  krankhafte 
Zustand  des  Hfihnervolkes  bei  dem  Zipf  oder 
Pips  (  =  zipfen,  pipsen)  ist  alß  eine  Art  Hühner- 
weh  verallgemeinertauf  den  reizbaren,  krän- 
kelnden Zustand,  in  dem  sich  die  kluckende 
Bruthenne  befindet.  —  5.  =  daraus  (1 — 4)  er- 
gibt sich,  dass  der  katarrhalische  Schnupfen 
beim  Menschen  (Pituita,  Phlegma  oculorum, 
Morbus  capitis  =  fiffiz),  im  12.  Jahrh.  bereits 
mit  dem  Höhnerweh,  Zipf  od.  Pips  des  Hühner- 
volkes  verglichen  u.  letztere  Namen  auf  mensch- 
liche und  tierische  Krankheiten  übertragen 
wurden,  und  ist  deshalb  Pips,  Zipf,  Borzel, 
Hühnerweh  und  Mause:  a)  Influenza  (Grippe) 
epidemica;  b)  Epidemie  überhaupt;  c)  Aph- 
then (?)  beim  Kalbe  (1699,  v.  M.  I,  73).  —  6.  =  rait 
dem  allgemeinen  Hühnerweh  (s.  ob.  4)  der 
Bruthenne  (ohne  Pilzbelag)  verglich  man  auch 
den  reizbaren  Zustand  der  kinderbegehrenden 
Frauen  (Gr.  W.  V,  1268)  (s.  auch  Hühnerweh, 
Kluck  und  Zipf).  —  7.  =  Pfiffiz  (Pips)  ist  auch 
=  Hymen  virginale,  dem  weissen  Zungen- 
häutlein  des  Federviehs  angeglichen  (Gr.  W.  VII, 
1699).  —  pfiffig,  (1587)  pftftzig  =  mit  dem  Pfifft 
oder  Pips  behaftet,  pituitoxus  (Gr.  ff.  VII,  1698; 
D.  439).  —  PflffikUB  (dem  Physicus  nachgebildet)  = 
ein  besonders  schlauer  Mensch,  dessen  Gehirn 
vom  Wust  (s.  d.)  =  Schleim  (pituita)  mehr  als 
sonst  gereinigt  ist  (nach  alter  Lehre). 

Pflnn(a,  en)  s.  Finnen.  —  Pfinnigkeit  =  Finnig- 

keit  (Seb.  156;  1617  pflnnen  ss  furfures  c&rnlum,  D.  253). 

pfipfern  =  quieksen,  pipsen  wie  eine  Maus 
(Kirsch  764). 

Pflsel,  m.  =  Fisel  (Hageschwanz)  (Blrlinger, 

8.  I,  127). 

Pilsen  s.  Pfeisen. 

pfitzen^(i53o)  potzen,  pfetzen,  pfetteln  (s.d.), 
aufsiossen  mit  Schmerz  (Künlgssp.  48). 

Pflusel(mhd.)  =  Coryza,  Pnüsel,  Katarrh  (Gr.  w. 

V,  273;  Kluge*,  290;  sub:  pusten). 

pflänzeln  (pflienslen)  (zu  mhd.  vlans,  m.  =  der 
offene,  verzerrte  Mund,  I^exer  346)  —  mit  offenem, 
durch  eine  verstopfte  Nase  (Polyp)  verzogenem 
Munde  näselnd  sprechen  (Schw.  205)  (s.  Flansche). 

Pflätsche,  f.,  1.  m  «.  Bletz,  Blätsche  =  breiter 
Wundfleck  (Spleas  II,  28).  —  2.  =  breiter,  hftss- 
licher  Mund  (Erbe  30).  -  Pflät8ch-*Vaw. 

Pflätter  (Pflötter,  Pfletter)  (m  piadem  oder 

plödera  =■  rauschen,  brausen,  ploderu)  =  eacare,  beim 
weichen  Stuhlgange  plodernde  Darmgase  ent- 
leeren (Schmellerl,  456)  (s.  plodern, pllütterig).  — 
Pflöttern,  f.  =  Diarrhoe  mit  hörbaren  Kotgasen 
(Schmeller  I,  463).  —  AVi  Pflätter  =  Ephelides, 
Sommersprossen,  Kukukflecken,  die  wie  Kuh- 
kot ausgespritzten  Schmutzflecken  im  Gesichte 
(Buck  63;  Blrlinger  I,  198). 

30 


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4ftß  Pflage— pflurschen. 


pflnttern— pfnnuchen. 


Pflage  -  Plage  (8.  d.). 

Pflansche,  f.  (henncb.  (latsche,  fluusche,  SptMN 
II,  61.  68)  =  verzogener  Mund ,  b.  Flansche  u. 
pflänzeln.  -  Pflatsch  Gosche'. 

pflasten  =  blastern  (s.  Blast),  schnauben, 

keuchen  (Schm.  I.  332;  Gr.  W.  V,  439). 

Pflaum  (oberd.),  1.  -  Flaum.  —  2.  =  (ostfries. 
plüm) ;  dazu  vielleicht:  die  Klammen  (s.  d.),  das 
wie  Flaumfedern  ablösbare  Pflückfett  auf  den 
Gedärmen  und  Nieren  (Z.  f.  d.  A.  isss.  s.  174). 

Pflausen  (zu  ahd  gllUte,  n.  =  Geflüster ,  King«  &. 
110)  -  Flausen,  Susuratio,  eine  (iehörshallu- 
cination  (Schmeller  I,  7%).  —  (1591)  pflauslcchtig 
(Had.  Jim.  392 ;  ..dcrSchweredes  Hauptes  unterworfen") 
=  schwermütig  mit  Gehörshallucination  (*usu- 
rare  =  heimlichen  reden  krancklich,  D-  570). 

pflechseil  (iu  fiabeln ,  flachein ,  wehen ,  In  der 
Luft  etwas  hin  und  her  bewegen  ,  Schindler  I.  783. 
447 ;  Gr.  w.  V,  439)  =  flächezen,  flüchzen,  öfters  mit 
Mühe  unter  bewegten  Nasenflügeln  keuchend 
Atem  holen. 

Pflitterling,  m.  (  =  der  pfluUernde,  unsicher  Hat- 
ternde  Nesthocker)  =  das  unreife,  lebensschwache, 
menschliche  F.mbryon  oder  Fötus  (Schm.  i,  788) 
(Flitterling). 

pflitzgen  ■  niesen,  pfnütschen  (Reiser  324). 

Pflock,  tn.  pflochzen  (vorgerm.  splk,  splk» 
[3fttXa4  =  ReUsdoru];  mndd.  plugge,  Z.  f.  d.  A.  1888. 
S.  190;  engl,  plug  —  thrombus,  etnholus,  Lehf.  »3; 
Pfropf;  spat-mhd.  pfloc  =  der  rfloek,  auf  den  man 
schlagt) ,  1.  =  der  klopfende  Herzschlag  (C  v. 
schm.  63).  —  2.  =  der  klopfende  Schmerz  im 
eiterreifen  Geschwür  (c.  v.  Schtn.  63;  a.  t.  H.  I, 
1126).  —  EiOr-PilOCk  (1475,  ndl.  etterpluck  =  ca- 
runca,  D.  104  =  nuclcus  furunculi,  Krau»,  K.  670)  — 
Eiterpfropf,  der  im  Geschwär  wie  ein  Pflock 
steckt,  z.  B.  der  Eiter  im  Augenwinkel.  — 
Pflock-Bein. 

pflöckern  (henncb.  •  rn.  Spichs  I,  10;  II,  63; 
.Schmeller  I,  449)  =  ein  kränkliches,  schwächliches 
Kind  gut  pflegend  besorgen. 

Pflöge,  f.  -  Plage  (s.  d.). 

Piloten,  f  Pflotschen,  f.  (Fletzen)  [tn  platt), 
1.  -  die  unförmlich  breite  Hand,  welche  be- 
sonders breit  aufschlagt  (Pflotschen)  (Schmeller 
I.  4.r>2.  463.  465).  —  2.  =  der  unförmlich  breite, 
dicke,  plumpe,  weibliche  Körper,  der  wie  ein 
Platsch  oder  l'latz  (dunner  Kuchen.  Klage*,  287) 
gestaltet  ist  (Hintncr  5.  10) ;  higher  gehört  wohl 
auch  die  (Tirol)  r  letzen  =  Pflötzschen  (Alpbg.  125) 
=  durch  bösen  Aussatz  (den  das  Anblasen  durch 
den  Stollwurm  [s.  d.]  des  Volksglaubens  veranlasst), 
in  die  Breite  verunstaltetes  Gesicht.  —  Pflotsch-, 
Pflatsch- Gnicht,  -Nase. 

pflücken  (ein  vom  Nordwesten  des  KonÜnenta 
ausgegangenes  Wort,  das  dem  ahd.  und  oberd.  fehlt; 
aus  vulgarlat.  piluecarc  -  Trauben  ablecren,  Kluge  ■ 
284;  auch  die  Krankheitsdäinonen  pflücken  das  Augen- 
fell [Staar]  vom  Ange  ab.  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1S97,  8.  54). 
-  Pflück- Fett 

pflurschen  =  schnell  atmen,  keuchen  (Schm. 
I,  461;  or.  w.  V,  439)  (auch  von  Tieren). 


!     pfluttern  =  plödern  (s.  d  ).  -  pflutterig  um , 

llad.  Jim.  :w)  =  diarrhoicus  =  einer,  der  mit  plo- 
dernden  Geräuschen  den  Kot  entleert. 

Pfhast,  pfnasten  (pfhelsten)  (zu  ahd.  fnaston. 
Groll  III,  782;  Schmeller  I,  152;  mhd.  phnnst;  onoma- 
topoetisch) ,  1.  as  der  blasende  ffn-Ton  beim 
Schnauben  und  Wittern  der  Hunde  (1692.  8eb.), 
das  rrn^ia,  die  Ateraluft,  die  unter  Geräusch 
eindringt.  —  2  =  das  Schnauben,  der  Dampf. 

Pfnause,  f  pfnausen,  pfhausten  (ob  zu  germ. 

ptih.  pug  ■  fauchen,  blasen,  Z.  f  d.  A.  18.88,  S.  ISfi'5; 
mhd.  phnü«-en  -  schnauben,  Rchiioppcrn,  ohrenblasen, 
l,exer  187  ;  phnuse,  Schmeller  1,  462;  Or.  Vf.  VII,  1786). 

—  pfnausen,  pfnausten  =  durch  die  Nase  mit 
hörbarem  pfln-Tone  Luft  ziehen,  keuchen, 
schnauben, schnarchen,  pfnasten.  —  Pfnause,  f. 
=  der  Schnupfen,  Pfnüscl. 

pfnechen.  pfneschen,  pfneischen  (urverwandt 
mit  ttvs&u,*,  kveEv  -  mit  hörbarem  Geräusche  atmen; 
1260  pfneschen,  l'feiffer  77;  mhd.  phnehen,  I-exer  187; 
Gr.\V.v,43»;  VII,  1786)  =  schnell  atmen, schnauben, 
keuchen,  schluchzen,  singultire;  der  Hetsch- 
oder  Kluxton  beim  Singultus  ist  das  hörbare 
Geräusch  beim  plötzlichen  Ausstossen  (Ex- 
8|>iratio)  der  Luft ;  daher  pfneschen  =  hetschen, 
kluxen  (Gr.  W.  IV,  2.  1261).  —  Plneche,  m  (mhd., 
Lexcr  187)  -  Engbrüstigkeit  mit  hurbarem  Aleni- 
ger kusche.  —  GrV-pfneisch  —  das,  was  hörbar 
i  sich  aus  der  Nase  entleert,  Schleim,  Blut,  auch 
das  Gehirn  beim  erlegten  Wilde  (Jagerspr..  or  W. 

VII,  1786). 

pfhelsten  (1592,  seh.)  s.  pfnasten. 

pfhichen  =  pfnechen  (s.  d.). 

pfnischen  s.  pfnflschen. 

Pfnissel,  Pfnisel  s.  Pfnüsel. 

pfhofezen,  pfhopfezen  =  pfnochezen,  atmen 
mit  hörbarem  Geräusche  (Schm.  I,  451). 

Pfnorscher,  m.  Pfhorschzel  =  ein  verwach- 
sener, knurrig  wie  ein  Baumast  gebliebener 
kleiner  Mensch  (Hintner  5.  11 ;  Tirol). 

pfhotten,  pfhotzen,  Pfhut,  f.  Pfhutz  (um 

phnuez,  phuufft  =  singultus,  Ii.  536;  zu  mhd.  pfnuten, 
Gr.  YV.  VII,  1786;  Tirol  pfnuttern  «  kichern,  Wolf  164) 
~  hürbardurclidie  Nase  Atem  holen, schnauben, 
schluchzen  (Schw.  492).  —  C\pfnöte  (mhd.,  IL  Z. 
VI,  106;  schm.  1, 453)  =  das  ofte  Pf  noten,  Schnauben, 
Schluchzen.  —  Pfhut  (mhd.  phnuht,  f.)  x>  die 
Schnaubung,  das  Pfnotten  (Gr.  W.  VII,  1786).  — 
PfhütZ  (15.  .Tahrh.,  Schmeller  I,  452)  =  Singultus, 
ilt-r  fletsch-  und  Kluxton,  der  beim  plötzlichen 
Ausstossen  der  Luft  durch  die  Nase  entsteht; 
öfters  werden  Nasen-Geräusche  mit  dem  Klux- 
tone  verglichen. 

PfnÜfel,  m.  (1741  =  rheuma,  gravedo,  dlstillatlo. 
Kirsch  392.  550.  1039)  =  Pfuusel. 

pfnurtschen  =  mit  verhaltener  Pnutze  lachen 

(Wolf  164). 

pfhuschen,  pfhüschen,  pfnütschen,  pfni- 
schen (lauter  onomalopoleilsche  Worte  für  Kx-  und 
Inspirutionsgerauscbe ;  mhd.  phuüien  m  niesen, 
schnauben,  schnoppern,  Lexer  187;  Gr.  W.  VII,  1786; 
Schmeller  I.  452)  -  mit  hörbarem  tfn-Tone  atmen, 
|  niesen,  schnauben. 


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Pfnnsel— Pforte. 


Pfoser- Pfütze 


467 


Pfnusel,  m.  Pfhüsel,  Pfnissel  (Knusel), 

Pfnustel  (ahd.  pfnurscl ;  mbd..  1496  pfnuesel,  pfnl- 
usel,  pfnüsel  =  rheuma.  catarrhut,  1).  106.  197;  1574 
pfnüsel;  1576  pfnustel;  1590  pfnuuiel;  1591  pfnusel; 
1786  knn«el.  Gr.  W.  VII,  1786;  V,  273.  1526,  Had.  Jim. 
376;  Gr.  D.  M  II,  1112;  C.  v.  8chm.  62;  Schmeller  I, 
462)  =  Coryza  (Species  catarrhi),  Morbus  cerebri 
(Du  Cange  II,  666),  Rheuma  (D.  II,  318),  Gravedo, 
Defluxus  ad  nares,  le  rhum  =  der  mit  hör- 
barem, blasendem  ffo-Geräusche  verbundene 
Schnupfen,  Sohnuder,  Hauptfluss,  auch  Sin- 
guhus.  —  (1534)  pfhüselicht  =  verschnupft 
(Gr.  w.  vil,  1786).  —  Xasen  Pfnüsel  (15.  Jahrb. 
naszpfnlsel  -  :singullns;  1613  nosenphnuiel  =  de-Millatlo 
[nasalis],  Gr.  W.  VII,  414 ;  1588  nosenpfnuessel,  Tabcrn.]. 
1.  =  Nasenschnupfen.  —  2.  =  Schluchzen  (Sin- 
gultus). 

Pfnut,  Pfnutz.  pfhuttern  s.  pfnotten. 

Pfoche.  f.  Pfocke,  Pfucke  (zu  püb  s  schwellen 
[s.  pfuchen];  1545  pfocben  =  Blatterlein;  1545  pfoech- 
lein,  phocchllu  -  etwas  Aufgeblasenen,  Geblähtes), 
1.  =  Variola,  Blatter,  Blase,  Pocke  (Gr.  w.  VII, 
1786.  1787;  Schm.  I.  418.  419;  Fuchs  II,  211).  —  2.  = 
Finne,  Pöckchen,  als  kleines,  rotes  „Blätter- 
lein" oder  Eiterbüttlein. 

Pfötzlein  s.  Pfützlein. 

pfopfern  =  pfuchen,  pfucken,  pochen,  wallen, 
sieden,  blasen;  vom  Herzen  =  aufwallen, 
pochen,  beben.  —  pfopfet  =  aufgedunsen,  mehr 
breit  als  lang,  untersetzt  (Schweiler  I,  440). 

Pforte,  f.  (Porte),  Pförtner,  m.  (im  8.  Jahrb. 

aus  lat.  porta  entlehnt;  ahd.  pforta,  porta;  mhd.  pforte, 
pborte,  phorze,  porxe;  md. ,  ndrb.  porte  m  rulva, 
D.  «33;  nhd.  porte,  Kluge4,  285;  Lerer  187;  ,, porte 
beruht  auf  Jüngerer  oberdeutscher  Entlehnung"',  Kluge 
Le.  =  Ein-  und  Ausgang-Öffnung),  1.  =  die  Öffnung 
verschiedener  Oi  gane  ( Bl u tgefasse,  Mundhöhle, 
Magen,  Ohr  etc.).  —  2.  =  die  l-eberpforte  in 
Gestalt  der  Pforiader  (1518  porte,  H.  v.  üersd.  12). 

—  3.  =  Vulva  (s.  Mund).  —  Pförtner  (mhd. 
phortenaere) ,  1.  =  Pylorus  Galeni  (no/.Y(  öf,a«u, 
K-j'/.ujf.ö':],  der  an  der  Darm-MagenötTnung  tha- 
lige Schliessmuskel  od.  Thorhüter  (das  „rechte,  j 
untere  Mundloch  des  Magens"),  der  nach  frü- 
herer Annahme  darüber  wachen  sollte,  das« 
nur  weiche  Speisen  durch  seine  Pforte  durch- 
gehen, und  der  hartverdauliche  Speisen  zurück- 
weisen sollte.  —  2.  =  der  Blasenschlieesmuskel 
(F.  Holtmann  VII,  25),  Sphincter  vesicae.  —  (1483) 
goldene  Pforte  urueldein  porten,  C.  v.  Megbg. ;  aurea 
porta  =  phud,  cunnus,  D.  II,  43)  =  Vulva  (r'iul),  der 
Eingang  zum  wertgeschätzten  Geschlechtge- 
nusse.  —  (1477)  hm-!.  Porten  =  Genitalia  feuii- 
nae  als  Mündung  oder  Öffnung  für  dHH  zu  ge- 
bärende  Kind  (Ortolf).  —  Leber-Pforte  -  eine 
Querfurche  auf  der  unteren  Leberllache,  in  der 
der  ausführende  Gang  der  Leberdrüsen  und 
der  Eingang  der  Pfortader,  Nerven  und  Lymph- 
gefässe  der  Leber  liegen.  —  (1483)  linde  Porten 
=  Vulva,  als  weiche  Öffnung  der  Scham.  — 
(1741)  Afa^m-Pförtner  =  s.  Pförtner  (Kirsch  986). 

—  Jbf  «/  Pforte  (1483  mistporten.  C.  v.  Megbg. ;  1592 
mistpfort,  Bejm.  243)  =  Podex,  Anus,  als  Ausfüh- 
rung-Stelle  für  den  Darm -Kot  (Pfortdarm) 


(Gr.  W.  VI,  1710.  2273;  Hyrtl,  K.  W.  »).  —  Ohren- 
Pforte  (mhd.  diu  porte  der  oren,  Gr.  W.  VII,  1226) 

—  Foramen  meatus  auditorii  externi,  äusserer 
Ohrgang,  -Öffnung.  -  Portr,  Pfort- Ader, -Ader- 
iger »topf  ung,  -Darm. 

Pfoser  (Ablaut  zu  pfusen  oder  pfausen)  =  Cre- 
pitus  ventris,  Geräusch  machender  Bauchwind 
(Schmcller  I.  443). 

Pfote,  f.  Pote,  f.  PfotSChe  (germ.  pauta  =  Pfote  ; 
franz.  pattc ;  engl,  paw ;  14.  Jahrh  pöte  ;  16.  Jahrh. 
pfaate;  ndrrh.  n  Tappe;  oberd.,  KInge6,  28.5 ;  Herne 
III,  1150),  1.  =  der  tierische,  platte,  breite  Fuss 
(Klaue).  —  2.  =  (verächtlich)  menschliche  breite 
Hand  (Pfotsehe)  (Gr.  w.  VII,  1792;  Schmeller  I,  445). 

—  Pfoten- Gramm,  -Krampf,- Lecker,  -Schlecker. 

PfotZ,  f.  (Nebenform  zu  PfuU.  BuU  [s.  l'fützo]) 
=  eitrig  secernierende  Blatter  (Gr.  W.  III,  392). 

—  pfotzicht  (13.  Jahrh.  phoczecht  =  lutulentus, 
D.  340)  =  schleimig,  eitrig. 

Pfonse,  f.  (zu  pfiesel,  pfüsel),  1.  =  Gesicht  mit 
vorgeschobener,  durch  Nasenpfnüsel  geschwell- 
ter (skrofulöser)  Oberlippe.  —  2.  =  Mund 
(Hlntner  6.  14). 

pfrängens.  Rank.  —  (löisj^fpfrengt,  (15.  Jahrh.) 
f  inv'pfrängt  =  durch  drängenden  Druck  nach 
»  inwärts  gerankt,  contractus,  oppressus  (D.  147. 
398 ;  Schindler  I,  454). 

Pfripfler  s.  Propf. 

pfritt  s.  fratt,  frätt  (Schmeller  I,  456),  durch 
Erythema,  Erysipelas  fratt  sein. 

Propf,  tu  Propfen,  Prifler  (aus  lat.  propago  = 
ITopfen  ;  ahd.  phropha,  pfroffo,  propfo  =  Absenker, 
Heuling,  Pfropfreis,  Wawrschössllng,  Kluge;  H.  Paul). 

—  Pfripfler,  Pröpfling  =  ein  schwacher  Sprüss- 
ling  (Schmeller  i,  453).  —  (1790)  iHuf-Pfropf  -  ein 
das  IHutgefäss  verstopfendes  Blutgerinnsel, 
Thrombus,  Cuagulum,  dem  Klaschenpfropfe  an- 
geglichen (Richter  I,  241).  —  (1768)  «'«gepfropft  = 
durch  Pelzun«  (s.  d.)  oder  Impfung  (s.  d.)  bei- 
gebracht, z.  B.  Klaftern  (Variola)  nach  der  sog. 
morgenländischen  Methode  (s.  Blatterkaufen) 
(Dr.  Holler,  Memminger  Ärzte,  8.  25;  Schwab.  Erzähler 
MM,  Sr  l).  —  (1842)  JSirVr-Pfropf  =  ein  Zelleu- 
gewebsstück,  das  wie  ein  Pfropf  die  Eiterhöhle 
verschliesst  (Falke  241).  —  (1801)  SVA/eim-Pfropf 
=  der  auf  der  Schleimhaut  sprossende  Polyp 
(8.  d.)  (Welckard  99;  Falke  II,  282)  (s.  heizen). 

pfuchen,  pfuchzen,  pfuchzgen,  pfukezen, 
Pfücker,  m.  Pfucke,  f.,  I. = pfocben,  pfauchen, 

blasen. schwellen  (germ.  püh  =  schwellen),  keuchen, 
pusten,  stark  atmen,  schnauben  (Gr.  w.  v,  439). 

—  2.  o  (germ  puk,  buhh)  stoBsen, klopfen, klopfen- 
den ,  pochenden  (ieschwflrschmerz  in  Brand- 
blasen verspüren  (C.  v.  Schm.  64 ;  Schm.  I,  423).  — 

pfuckezen,  pfachezen,  pfuchzen  (pfutzen)  = 
fauchen,  niesen,  keuchen  (Schmeller  L  c).  — 
Pfucker,  m.  =  ein  mit  blasenden  Geräuschen 
sich  entleerender  Podex  (Hlntner  7. 17).  —  Pfucken 
=  Porken,  Pfocben,  Pfocken,  Variola,  Akne, 
Blatter,  Blätterlein  (Gr.  w.  VII,  1787). 

Pfüsel  s.  Pfiesel  bei  pfeisen. 

Pfütze,  f.  (im  6. — 7.  Jahrh.  aus  lat.  puteus  [  =  Brun- 
neu]  entlehnt;  ahd.  pfnzzi,  ptnssa;  mhd.  plutze  = 


468  Pfumpf— Phlegma. 


Phlegma. 


Lach.-,  Bronnen,  Waasergnibe ;  1420  püz  m  vomlca, 
sanies;  1587  pfdtx.  pfo«  =  vomlca,  D.  611.  f.29;  Kluge», 
385),  1.  =  (1618  Übers,  der  lacuna  der  Arablstcn,  plüttlln) 
=  Inrundihulum  cerebri  (s.  Trichter)  (der  ort  der 
mittleren  seilen  de»  Gehirns,  H.  r.  Oersd. ;  Hyrtl,  K. 
W.  148).  —  2.  =  (1581  pfütalin.  Hadr.  Jun.  385;  Hyrtl, 
K.  w.  128)  =  das  Oberlippen  -  Gröblein  für  den 
wflsnerigen  Nasenschleim  (s.  Rotalöffel).  —  3.  = 
(1677  pfütze  —  clstenia  cbyll,  rcceptaculum  chyli,  Saccus 
lactcua ,  Hyrtl ,  K.  W.  123.  Anatom.  960)  =  der  ge- 
räumige, oblong  ausgedehnte  öammelstamm  für 
den  Chylus  der  Saugadern.  —  4.  =  eine  mit  viel 
flussigem  Eiter  sich  entleerende  Pustel,  Eiter- 
lache (Bntzlein).  —  (loci)  Ptttelein,  Pfötzlein, 
Pfatzlein  (pustela,  D.  474)  =  ein  viel  Eiter  ent- 
leerendes Hautbläschen,  kleiner  Eitersack,  Eiter- 
heulchen. 

Pfumpf  s.  Kumpf  (gump). 

Pfund.  —  Pfund-iVaae. 

Pfurfel,  f.  —  ein  kleiner,  weiblicher  Körper 
(zu  Kurie?  od.  Fnrfula,  ein  Vogel,  Tirol;  nintner  6.  11). 

pfutzen  s.  pfucbezen  (1482  sterautare,  Zen.  Voc. 
x,  6),  niesen. 

Phantasie,  f.  Fantasie. 

Phlegma,  n  Phleuma  (am  Kriech.  :':\\-'t, 
Hippokr. ;  <p).if  u»  =  brenne)  =  das  durch  Kochung 
(s.  d.)  Gebildete,  Verbranntes,  Indifferentes 
(Kram,  E.  782),  durch  Entzündung  gebildeter 
Humor,  namentlich  (nach  den  Lehren  der  Humoral- 
pathologle)  =  kalter,  wässeriger  (geschmack- 
loser?), zähflüssiger  8aft,  Schleim,  Geifer,  den 
man  nach  dieser  Lehre  als  eine  der  Grund» 
feuchten,  als  das  wasserige  Blutelement  „wäs- 
serige Feuchte"  ansah,  deren  Beimischung 
(s.  Temperament)  au  den  übrigen  heissen  und 
trockenen  Feuchten  (s.  d.  =  Humores)  die 
nurmale  Warme  u.  Konsistenz  des  Organismus 
entstehen  und  bewahren  Hess;  als  solcher 
Schleimstoff  im  Blute  =  Phlegma,  dessen  Bei- 
mengung zum  (flatigen)  Blute  ebenso  normal 
war  als  die  der  schwarzen  Galle,  bildete  er 
darum  :  I.  Phlegma  constitutio  (Phleuma),  „die 
sich  auf  KAlte  und  Feuchte  zeucht,  halt,  lendet" 
(Künlgssp.  4.  6.  8.  83.  34),  die  dem  kalten  Kiemente 
des  Winter«  und  Wasser*  angeglichen  wurde  und  vom 
Gestirne  dus  Krebses,  Klsches  oder  Skorpions  „verge- 
waltigt" werden  sollte  =  „die  kaltfeuchte  Feuchte", 
die  „Geblüts-Wässerigkeit",  die  „kalte  Natur", 
die  „Kaltblütigkeit",  der  „phlegmatische  Hu- 
mor"; häufte  sich  diese  weisse,  schleimige 
Feuchte,  das  natürliche  Phlegma  im  Blute  od. 
sonst  an  einer  Stelle  des  Körpers,  besonders 
im  Gehirne  od.  Kopfe  abnorm,  so  entwickelte 
sich  daraus  II.  Phlegma  morbus :  ..riato  Arlsto- 
teli  dyxit :  „Volo  et  peto,  ut  respondeas  mihi,  quot 
sunt  elementa  temporum" ;  Aristoteles  respondlt: 
„quatuor  sunt ;  ego  de  Ipso  homtue  tibi  do  respon- 
sionem,  quta  ipse  hoiao  volueril  slcut  clrculus  mundl 
id  est  per  capud  ventrem  atejue  vlsitarü";  Plato  dixll  i 
„in  lstls  4  partlbus,  quomodo  humores  dlviduntur?" 
Aristoteles  respondlt:  „flegma  in  capile,  sunguls  In 
pectore  fei  ruftum  (s.  rote  Cholera)  In  vontre ,  Tel 
nlgrum  (s.  schwarze  Galle,  Melancholie)  in  vlsita" 
(=  vlsccra,  Kingewelde.  Milz);  tunc  Plato  opüme  col- 


laudavlt  naüs  tnterrogans  :  „de  qualuor  clementls.  quo- 
modo crescunl  et  decresennt?"  Aristoteles  rospondit 

,  fleema  angmenUtur  et  cressit  In  caplte  ex 

octava  (Oktober;  nsque  ad)  Kalendas  julll"  (In  den 
Wintermonaten,  Magist.  Barth.  96a;  1260  pblecma  daz 
leit  in  der  seile  (s.  d.],  da  diu  gehnget  [Gedächtnis] 
Inne  lit,  Pfeiffer  21.  22;  Sehn».  1,  1069);  als  solches 
aus  der  kalten  Natur  des  Menschen  prafor- 
miertes,  mit  anderen  Humores  vermischtes, 
daher   sozusagen    „unnatürliches  Phlegma" 
wurde  der  (Mucus,  Pituita,  Phlegma)  Rotz, 
Schleim,  Schnuder  und  seröses  Gewebewaaser 
angenommen ;  es  veranlasste  derselbe :  a)  als 
„überfluss"  des  Phlegma's  einen  „kalten  Fluss" 
(Rheuma,  s.  d.)  aus  dem  weissen  Gehirne  (s.  d.) 
oder  aus  dem  flatigen ,  roten  Blute  der  phleg- 
matischen Natur  zu  den  Organen,  Knochen  ti. 
Gliedern  (s.  Gliedwasser  3)  (1498  phlegma= syphi- 
litisches Knochengumma.  Pr.  II,  178;  1625  phlegma  = 
Syphilis,  Pr.  II.  96;  flogmen,  flemen  [s.  d.  •],  ftamen 
=  Fussgeschwulst ;  morbus  cum  rubore  tnmor  san- 
gulncus,  Kirsch  505 ;  D.  239);  b)alnKoder,  Schnuder, 
Rotz,  Fluss,  rhüme,  zu  der  Nase  =  Coryza, 
Gravedo,  Malleus  humidus  etc.  und  anderen 
Schleimhäuten ;  c)  vielleicht  verstand  man  unter 
Phlegma  auch  die  anämische  Pyämie.  —  Die 
Bildung  dieses  Schleimes  aus  dem  Blute  war  die 
erste  Anregung  zur  Ent  Wickelung  der  Lehren  der 
ialrochemischen  Schule,  die  die  chemische  Natur 
desScbleimes,  das  Phlegma  aalsum  (1531.  Krautw. 
F.  3);  Flema  salada  (s.  Kriebelsucht)  aus  ver- 
salztem Blute  (Saure,  Schärfe)  ableitete,  da  sie 
von  den  schleim  bildenden  Drüsen  u.  Schleim- 
häuten noch  keine  Ahnung  haben  konnten 
mangeis  der  KenntniB  über  die  den  Schleim 
bildenden  Werkzeuge.  —  phlegmatisch  ( =  1260 
flegtnatlcus :  der  hat  des  pluotreimes  (s.  Felm)  ze  ril 
gevangeu  ,  der  ist  langraeche  [Golankrach ,  rheuma 
artlculorum]  unde  swiget  (swixet?)  gerne",  Pfeiffer  21; 
mhd.  „die  flegmalicl  heizent  dl  sint  wlse  vnd  Ast,  die 
hant  an  sterek  die  ädern  rol,  Adelung,  Nachr.  v.  altd. 
Ged.  II,  168  =  weiss,  fett,  gllederdlck;  der  pbjegmaücus 
des  mnd  Magister  Barth  101  b  ist  ein  Mensch,  dessen 
Wasser  weiss  und  dick  ist,  und  der  Mensch  hat  der 
(kalten)  Feuchtigkeit  allzuviel  und  der  Hitze  zu  klein« 
und  er  ist  myddeltnathe  langek  u,  der  Mensch  schlaft 
alle  Zeit  gerne  und  ist  trag  In  allen  seinen  Dingen 
(Magister  Barthol.  gibt  das  ihm  unverständliche  lang- 
räch  mit  „mlttelmasslg  lang"  ;  16.  Jahrb.  flegmaUcus 
=  eyn  de  stedes  snodert ,  I)  II ,  177)  sb  sub  phleg- 
matischer Komplexion  (Phlegma  I  constitutio) 
oder  aus  phlegmatischer  Krankheit  (Phlegma  II 
morbus)  entstanden o.  damit  behaftet:  a)  ruhigen 
Temperaments ,  schlaff,  pastös,  lymphatisch, 
wenig  leidenschnfilich ,  torpid,  affekt-  und 
energielos;  b)  rheumatisch,  leicht  schwitzend, 
an  chronischen  Gelenkansch  Teilungen,  Nasen- 
katarrhen, Weissflüssen  leidend.  —  Phleum 
(1426  vlome;   15.  Jahrb.  fletim  sa  arvina,  D.  62)  «■ 
Phlegma,  phlegmatisches  Blut,  welche«  Fett, 
Fettansatz  macht,  s.  Flamm,  Flemme    —  Phleg- 
matiker, m.  =  I'hlegtnaticus,  der  am  Phlegma 
Leidende  od.  der  Besitzer  eines  phlegmatischen 
Temperamentes ;    nach  den  uralten  Lehren  der 
Humoralpathologie  hatte  er  des  normalen  Phlegmas 
(s.  o.)  zu  viel  Im  Blute;  nach  den  Lehren  der  Iatro- 


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Phocben — Pickel. 


Piqueur — Pinsel. 


Chemiker  zu  viel  Salz  und  Wasser,  nach  den  Lehren 
der  Solldarpathologon  dicke»  Blut  bei  weiten  Gewebs- 
poren ,  lockeren  Fibern  u.  engen  Gelassen ,  au«  denen 
I  In  die  Gewebe  dringen  sollte ; 
lymphatisch,  tu  Exsudationen  von  Ge- 
st geneigt,  ebenso  sur  Tnrgescens  und  Fett- 
blldang  disponiert,  hatte  schlaffe  Gesichtszüge,  nach- 
lassige  Haltung,  nur  auf  starken  Anstos«  reagierend, 
ohne  anhaltende  Gemütsbewegung  oder  Affekte,  kalt- 
blütig. „■chUff-helter"  (Henle)  wie  die  alten  Leute.  — 
böses  Phlegma  =  die  Schleimbildung  bei  infek- 
tiösen Krankheiten  (Cholera,  Ruhr)  (mnd.,  14.  bis 
15.  Jahrb.  dat  weder  gheuent  [ghevent  —  Wiedergeben, 
Erbrechen]  dal  de  tnlnsche  heuet  ton  deme  bösen 
fleema,  J.  L  nd.  Spr.F.  XV,  U9).  —  Darm  Phlegma 
(mnd.,  Mag.  Barth.  102b;  dat  fleema  in  den  dermen) 
sb  chronischer  Darmkatarrh  mit  Bildung  von 
weissem  Dickdarmschleim  bei  träger  Kotent- 
leerung. —  (1532)  feuchtes  Phlegma  —  eine  mit 
sehr  dünnem  Schleime,  vieler  wässeriger  Se- 
kretion verbundene  Schleimhauterkrankung  im 
Gegensatze  zum  trockenen  Phlegma  (Fries  71).  — 
(1506)  gesalzenes  Fleugma  =  die  von  zu  grossem 
Salzreichtum  des  Blutes  abgeleitete  Schärfe  der 
Säfte,  die  man  damals  namentlich  bei  der  Sy- 
philis (und  skorbutischen  Dyskraaieen)  annahm 
(Fuchs  I,  313;  R.  A. ;  Villaret  I,  621 ;  span.  flema  salada), 
vermutlich  eine  Form  der  Kriebelkrankheit 
(Ergotismus).  —  grünes  Phlegma  (mnd.,  u.  bis 
15.  Jahrh.  dat  grone  fleema,  J.  f.  nd.  Bpr.-F.  XV,  132)  = 
gallig  grünes  Schleimerbrechen.  —  Haupt- 
Phlegma  —  der  Hauptfluss  als  Nasenkatarrh 
(Phlegma  in  capite).  —  natürliches  Phlegma  - 
Phlegma  I  (constitutio).  —  (17.  Jahrh.)  saures 
Phlegma  -  der  saure  Magensc-bleiin  (R.  a.).  — 
(1532)  trockenes  Phlegma  =  eine  mehr  sähe,  dicke, 
wasserarme  Schleimt>ekretion  (Fries  71).  —  un- 
natürliches Phlegma^ Phlegma  II  (morbus).  — 
i  Phlegma  (>.toxöv  ®).tfu.a),  1.  =  Bleich- 
et mit  Wenstluss.  —  2.  =  Phlegmasia  alba. 
3.  =  Oedema.  —  phlegmatische(r)  Fieber,  Köder, 
Natur,  Schaden,  Weiber. 

t^Phochen  s.  Pfocken. 

Physis,  f.  (f  'i^t;  =  zeugende,  bildende  Kraft  der 
Natur  [s.  d);  frans,  la  pbyulque  =  partie  naturelle  de 
la  femme,  Du  ränge  IX,  202).  —  Physikus  =  Arzt ; 
dessen  Ursprung  aus  der  germanischen  Heilkunde  wird 
noch  dadurch  angedeutet,  dasa  Physik  =  Zauberei, 
Schwarzkünstler,  physiken  =  hexen,  E.  W.  I,  U9). 

—  physikalische  Krankheit. 

Plcardle.  -  picardiacher  Schweiss. 

Pick,  1.  =  Pech  (e.  d.).  —  2.  =  Pecken  (s.  d). 

—  er  ist  gepickt  =  er  hat  einen  Hifib,  Schwips, 
ist  geistig  nicht  ganz  richtig  (Demokritos  XII,  104). 

—  £<pickte  örter. 

Pickel,  dj.  Pickelchen,  l.  Pickel  «•  ein  spitr. 

iger  (angels.  plclan  =  stechen,  pecken,  plo  —  Spitze, 
Kluge*,  28«)  Knochen  (talus,  sordlssa,  os  cum  quo 
ludunt  puellae,  talus  In  oTibus,  D.  643.  572)=  Piekel- 
köte  (Kläubelbein,  Bickelbein)  (Kaluchm.  I,  553). 

—  2.  =  Backelchen.  —  3x9  Pickel  (In  preus«. 
Zauberformel u,  Frischb.  35)  =  alle  sichtbaren  Haut- 
pockelchen  (Ausschlag;  s.  Neun  und  Pocke).  — 


8UCI 


Piqueur,  m.  (franz.  piquer=  stechen,  pecken  (s.  d.]) 
■  „ein  Mann,  dessen  Wollust  durch  Stechen 
und  andere  blutige  Verletzungen  von  Weibern 
erregt  wird"  (Dornbl.  103). 

piepen  s.  pipen. 

Pieps  s.  Pips  (la  pepie). 

Pier,  m.  (ndl.,  nds.,  1475,  1507  pyr,  pyer  =  pljnre) 
Feiner  (s.  d.)  Peiniger,  Anger,  Engerling,  Erd- 
wurm (D.  34.  338. 339),  Tinea  (Taenia  lumbricus). 

—  Pierchen  (Pirken,  Pirrike)  ■  kleine  Maden 
(Angquesen,  Engerlinge),  die  sich  durch  den 
Stich  von  peinigenden  Bremsen  und  Fliegen 
unter  der  Haut  des  Weidviehs  u.  Wildes  bilden 
(Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895.  252).  —  pierich  (1475,  ndl.) 
=  mit  dem  Wurme  behaftet  (D.  389;  z.  d.  V.  f. 
v.-k.  1896.  250  ff  ).  -  Pieren-iand,  -  Wurm. 

Pilz,  in.  (schon  vor  dem  7.  Jahrb.  aus  lat.  boletus 
Ißwm-r,«]  gebildet  ;  abd.  buliz;  mhd.  bülez  [bülz])  ■ 
Fungus,  meist  parasitisch  auf  anderen  Organis- 
men wachsendes  kryptogamisebes  Pflanzen- 
gebilde  (s.  Schwamm  u.  Flechten),  die  auch  auf 
dem  tierischen  u.  menschl.  Körper  vorkommen 
z.  B.  Favus,  Acborion  etc.  —  Vüz- Krankheiten, 

pimmeln,  pimpeln,  Pimpel  =  fortwährend 
wie  eine  tönende  U locke  bimmeln,  weinerlich 
klagen,  schwächlich,  kränklich,  ängstlich  sein 
oder  so  sich  gebaren  (Spleas  II,  183 ;  Gr.  W.  VII, 
1868;  Heyne  III.  1160;  Pimpelmutlcr  =  Hebamme, 
Köhler,  V.-Br.  290;  zu  Pumpel?).  —  pimpelig  = 
pimpelnd.  —  Pimpel,  m.  1.  =  das  herabhän- 
gende, baumelnde  Veretrum  (Klnderspr.,  8cbm. 
I,  391).  —  2.  =  (Deminiiti?  zu  Pinne)  =  Finne  (engl, 
pimples  sa  Hautknötchen).  —  Pimpel  -Gicht, 

Pinkel,  m.  pinkeln,  pinken,  Pinken,  m. 

pinken  (mhd.  pinken  =  hammern,  nageln  od.  punken 
=  schlagen  mit  dem  Bung  (  =  Knollen  a.  Bungt),  1.  ss 
pulsieren  (vom  Blute).  —  2.  =  lautlos  die  Augen 
auf-  und  niederschlagen  (Gr.  w.  VII,  1860),  die 
Stirnhaut  zusammenschieben  zu  Knollen  Ober 
den  Augen.  —  pinkeln  (binkeln)  =  den  Bttngel 
(Pinkel  1)  oder  das  Waaser  abschlagen  (von 
Mann  und  Frau  gebraucht),  urinare  (D.  630).  — 
Pinken,  m.  =  BOngen,  Bingen,  1.  -  eine  Schlag- 
beule, Knollen,  Ecchymosia  traumatica  (siehe 
Bung).  —  2.  =  knollige,  runzelige  Blatternarben 
(Schmeiier  i,  894).  —  Pinkel,  m.  Pinkerl,  n.,  Las 
das  Sekret  beim  Pinken  (Gr.  w.  vn,  1860).  —  2.  = 
kleinere  knollige  Geschwulst  (BOngel,  s.  Bung) 
(wird  besprochen,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1897,  8.  165).  — 
3.  =  eine  knollige,  im  Wachstume  zurückge- 
bliebene, dicke  Pereon  (Hlntner  6.  11 ;  Schmeiier 
I,  394).  —  4  =  Penis,  s  Pint.  —  pinket  =  blatter- 
narbig, s.  Bunge  3  (BOnget)  (Schi.  61).  —  Herz- 
Pinkerl  =  kleines  besondere  geliebtes  Kind 
(Fromm.  VI,  149).  —  fli«Are-Pink  =  nin  Pink  3  mit 
Ilinkebein  (hoU.  hlukeplnk).  —  kalter  Pinkel  (isoo 
kaltplnckel,  1).  11,  850;  Gr.  W.  II,  36;  V,  92;  VII,  1860) 

-  Gonorrhoen ,  Stranguria,  kalte  Pisse  (1587 
plnckel  ■  stranguria,  D.  556). 

Pinsel,  m  (Pensei,  Pemsel,  Pesel,  Peissel) 

(nach  mlat.  plnselus  aus  penlcülus  sa  Schwänzchen, 
der  kleine  penls  [Schwanz],  membrum  virile ;  mhd. 
penscl,  bensei,  plnscl  —  Pinsel  aus  Haaren  od.  Borsten  ; 
1716  Pemsel  -  Pinsel.  Toll.  leg.  »58),  1.  ss  HaarzoT  ' 


uigiii, 


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470  Pint— Pips. 


(Gr.  w.  VII,  I8«3).  —  2.  =  der  pinselartige  Haar- 
büschel am  vorderen  Ende  der  Brunstrute  des 
Rehbocks  oder  Wildschweins  (Gr.  w.  VIII,  1566; 
Brehm  III,  167).  —  3.  =  Penis  viri  et  cervi  (Wd.  B. 
8»;  C.  v.  8chra.  107  ;  Schw.  497).  —  pinseln  (Schlesien , 
von  Pinsel  verschieden)  m  winseln  (s.  d.)  weiner- 
lich klagen  (H.  Paul  312).  —  0/tr  Pinsel  =  Haar- 
büschel im  Ohre  der  Tiere  (Gr.  w.  VII,  18«3).  — 
Visiten -Pinsel  =  Penis. 

Pint,  m.  Pintel  (13.  Jahrb.  pint  =  p«nls;  15.  Jahrh. 
pynte  —  veretrum,  D.  422.  612;  II,  379;  angels.  pintel 
=  virillus,  D.  622  ;  engl,  pinlle  =  das  männliche  UUed ; 
1390  pyntyl  —  penlcillus,  Pr.  I,  352 ;  prieats  plntle  — 
Pfaflenzink  [Pflanze],  Oilwurz,  Pfaflenplnt,  E.  W.  I, 
60;  pintle-sroitb.ptntletagger-  Arzt  ais  Pinkelschmied, 
Nagelschmied ;  Ostpreuss.  Pltter  =  Pinter,  membrum 
anlmalium,  Urquell  III.  73)  (s.  DamenBtift  und 
Pinsel). 

Pinta,  f-  (ein  mexikanisch-spanisches  Wort;  das 
•elbe  gehört  etymologisch  zu  pnnetum,  Punkt  [s.  d], 
„mal  de  los  pintos,  mal  pintado)^  in  Mexiko  und  an 
den  Kordilleren  vorkommende  Hautkrankheit, 
bei  der  veiechieden  gefärbte  Flecken  (Pünkt- 
chen) und  Btarkes  Jucken  auftreten"  (Villaret 
II,  513;  Pierer7,  X,  Ml)  (s.  roter  Hund). 

Pip-  s.  pipen.  —  Tip-Hahn,  -Meise,  -Sack. 

Pip  s.  Pips. 

Pipacken,  1.  =  das  pfeifende  Koppen  (s.  d.) 
der  Pferde  mit  Aufsetzen  der  Backenzähne  auf 
den  Barren  (Gr.  W.  V,  195).  —  2.  -  Pip-Hacken 
(s.  d.). 

Pipel,  m.  Pippel,  m.  Ptippel,  m.  Piperl,  n 
Piper,  m.  Pippen,  f  (Piwerl)  (mit  dem  pfeifen- 

förmigen  Dreh-Hahn  an  den  Fässern  wurden  formell 
angeglichen),  1.  =  die  ZucArr-Pipen  oder  Brust- 
warze der  säugenden  Frauen  (Schmeller  I,  399). 

—  2.  =  der  kindliche  Piphan,  Penis  infantilis 
(Schui.  I.  c. ;  Z.  f.  Ö.  V.-K.  1890.  324  ;  henneb.  bibber, 
Spiesa  II.  26;  etwa«  anderes  ist)  3.  =  Pipel  =  Pöpel, 
s.  Pflpelniiu'e. 

pipen,  piepen,  Piperlein  (ISN  pipiin  =  Küch- 

lcin,  Kücken,  Seb.  130;  1741  pipen  =  plpatio,  Kirsch 
912;  1770  pipen,  Gr.  W.  VII,  1843;  Heyne  III,  11.5«)  = 
den  piepsenden  Ton  schwacher  Kücldein  von 
sich  «eben  -  (anlehnend  an  Pips,  s.  d.)  am  Zip- 
perlein  oder  an  der  Influenza  leicht  krank  sein 
unter  winselnden  Klagelauten.  —  Piep,  m. 
Piperlein  (Pieple)  =  Influenza,  kleinlauter 
(JrippehtiMen,  an  dem  man  lange  „herumzipft" 
(f!r.  W.1V,  2.477,  SplcssII,  183).  —  pipicht  =  weich- 
lich ,  kränkelnd,  leicht  klagend  (Z.  f.  d.  Philol. 
XXVI,  35;  engl,  piping  -  kränklich,  sehwach,  matt). 

-  Pieple-«/t«. 

Pips,  m.  Pieps,  Piep,  m.  Pip,  Pipf,  Pfips 

(vor  der  ahd.  Zelt  ans  mtlat.  plplta,  plvita  =  pltuita 
(=  Schleim,  Schnupfen,  Pips,  Zlpf.  Pflffis]  entlehnt 
[Kluge6,  286]  und  atis  dum  ahd.  pflfflz,  mhd.  pflpfiz 
unter  Anlehnung  an  den  plpenden  [s.  o.]  Ton  der 
Küchlein  umgebildet  in  Pips;  15.  Jahrh.  bippses  = 
catarrhua.  Gr.  W.  VIII.  1866;  1661  pip«  =  pltuita, 
weisser  Schleim,  Bock  IM;  1591  plput  =  pltuita, 
morbus  gallinaruiü,  Had.  Jun.  20;  1599  plps,  Gr.  W. 
VIII,  IBM;  17.  Jahrh.  plps,  gleichsam  „der  Hühner- 
Schnuppen",  Kr.  Kr.  B.  641;  1080  plps  Hühnerkronk- 


|  helt,  plpsen  —  am  Plps  leiden,  Gr.  W.  L  eod. ;  1696 
]  pip  =  Hühnerkrankheit.  I>e  Cock  1895,  S.  144;  1782 
plps  =  Krips  [s.  d.];  18. — 19.  Jahrh.  pipa  »  Hühner- 
pips nnd  menschliche  Influenza;   frnnz.  la  peple  = 

Pipa,  Brisa.  ii7),  1.  =  wie  Pfips  (s.  d.)  ein  hartes, 
gelblich-weisses  Pilz-Häutlein  an  der  Zungen- 
spitze und  am  Gaumen  des  Geflügels,  Stomatitis 
pultacea  s.  pseudomembranacea  (Förster  II,  126), 
wodurch  die  Nasenlocher  verstopft  werden, 
und  die  Hühner  ein  schnüfelndes,  pipsendes 
Geräusch  von  sich  geben,  indem  sie  nach  Luft 
schnappend,  den  Schnabel  aufreissen;  bei 
längerem  Bestände  dieser  sogen.  Hühner-Diph- 
therie  Iiiesst  eine  rotzige  Feuchtigkeit  aus  der 
Nase,  und  verhärtet  sich  die  Zungenspitze,  die 
man  dann  zu  „reissen"  pflegt.  Dieser  Uühner- 
Zustand  (in  Osterreich  auch  „Gall"  genannt) 
ist  übertragen  auf:  2.  =  die  menschliche  In- 
fluenza (s.  Piffbs  5)  und  verallgemeinert:  3.  = 
Unwohlsein  ohne  bestimmten  Krankheits- 
charakter (wie  Zipf  u.  Pfiffiz,  s.  d.  u.  Mauaer), 
so  dass  Pips  m  ein  stets  kränkelnder,  schwäch« 
licher  Mensch  (Gr.  w.  V.  1259  sab  b)  ist,  der 
sich  im  Anfangsstadium  einer  erst  noch  zum 
Ausbruche  kommenden  Krankheit  befindet 
(Gr.  w.  VII,  1866)  und  wie  ein  piepsendes  Küch- 
lein kläglich  sich  gebart  oder  wie  ein  hun- 
gerndes Brustkind  immer  weinerlich  heult, 
ohne  eigentlich  krank  zu  sein  (Z.  f.  d.  Philol. 
XXVI,  35;  Luther).  —  4.  =  Pips  =  Pfiffiz  =  Zipf 

-  Influenza  =  Börzel  =  Gänser  =  Gall  (s.  d.). 

—  Pipser  =  Pips  3  (z.  f.  d.  Philol.  xxvi.  ss).  — 

grüner  Pip  (engl.  gT»en  pip,  Kaltschm.  II,  176)  = 
Gelbsucht,  Bleichsucht,  grüne  Sucht  als  Krank- 
heit, die  lange  dauert  ohne  bestimmteies 
schwereres  Leiden.  —  holländischer  Pipp  s= 
|  chronische  Lungenschwindsucht,  wie  sie  die 
'  engbrüstigen,  nach  Holland  auswandernden 
'  oder  von  dort  zurückkehrenden  sogen.  Holland- 
gänger oft  haben  (Heyne  III.  1162).  —  (1580)  iVürn- 
berger  Pipf  (Noernbcrg  Plpfl,  l^rsch  262)  =  die  von 
Böhmen  nach  Nürnberg  und  Hessen,  eigent- 
lich durch  ganz  Kuropa  ausgedehnte  Influenza 
(s.  spanischer  Pips).  — ■  (1580)  spanischer  Pip, 
(1801)  spanischer  Pips:  Im  Jahre  1580  »Igte  sich  in 
Deutschland  eine  epidemische  Krankheit,  die  in  ihren 
Erscheinungen  mit  der  heutigen  Influenza  überein- 
stimmte und  die  man  damals,  well  ale  erst  darch 
|  spanische  Soldaten  eingeschleppt  worden,  den  span. 
Pip  nannte  in  deutlicher  Anlehnung  an  den  Namen 
der  oben  erwähnten  Hiihnerkrankhelt.  Der  pom- 
merschc  Chroulst  Joachim  v.  Wedel  gibt  darüber  In 
seinem  vortrefflichen  Hausbuch  nähere  Nachricht.  Kr 
schreibt  unter  dem  Jahre  1580:  „Aufm  Herbst  Ist  auch 
eine  wunderbahre  geschwinde  Krankheit,  epldemia 
lues,  hernach  der  spanische  Pip  benannt,  nicht 
allein  in  dle«en  und  umliegenden  Örtern  und  Landen, 
sondern  über  die  ganze  Welt,  so  weit  man  der  Kund- 
schaft und  Zeltung  haben  mögen ,  schleunig  ent- 
standen, einem  stetigen  Kleber  nicht  ungleich.  Sonder- 
lich bat  es  dem  Haupt  und  der  BniRt  sehr  zugesetzt 
und  viel  Hüsten  erreget  und  hat  den  mehren  Thell 
Leute,  beide*,  jung  und  all,  angestosaen  und  keine 
Stadt,  Dorf  oder  Haus  unbesuebt  gelassen.  Die  meisten 
aber  sind  wieder  aufkommen,  sonderlich  die  sich 
vieler  Arznei   und    Aderlässen*   enthalten"     -  Ziep, 


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Pirol— pissen. 


Pist-PJage.  471 


Zipf,  Ptips,  Krips,  Influenza,  alB  epidemischer, 
katarrhalischer  Hasten  (Grippe)  (Vogel  n,  192). 

Pirol,  m.  (blerolf,  blerolff,  bte-olf,  byrold,  bierbolt, 
Tierhold  =  oriolus,  D.  400;  pyroler  -  galhula,  D.  266) 
■  Bier-Oif  (tu  bern  =  drücken,  nach  Laistner  II,  18; 
Olf,  ■.  o.),  1.  =  Oriolus,  (ialbula,  ein  elbischer 
Druckgeist,  der  in  Gestalt  eines  (gold-gelben  ?) 
Vogels  aufhockt.  —  2.  =  (vermuUlch  dasselbe  wie) 
Bir-,  Bor-  (Beer?)  Nickel  (s.  d),  ein  Wurm-Butz 
als  Ursache  des  Gerstenkorns  (s.  d.),  Haber- 
korns,  male  del  lnpino  (=  Wolfsbohne,  siehe 
Werren),  coropere  loriot  (leurleul,  ordeole,  oriolui, 
aureolus,  Briss.  804;  s.  auch  Perle). 

Pirrike,  pl.  s.  Pier. 

pis-pis  -  wis-wis  (machen),  mingere  (laut 
malend?)  in  der  Kindersprache  (Gr.  w.  VU,  1869), 
s.  pissen. 

Pia,  Piss  s.  Beissen. 

pispern  =  wispeln,  flspern,  mit  leiser  Stimme 
sprechen  (H.  Paul.  342). 

pissen,  pisseln,  piseln,  pi sehen,  Piss,  m 

Pisse,  f.  (1414  pissen  -  urinare,  I).  630.  mingere, 
1).  362 ;  1816  biesein  -  mingere,  D.  362 ;  1680  (.Ischen ; 
ndd.  plaaen;  engl,  to  piss  —  pissen,  plu  —  Pisse,  Bett- 
seuchte,  Kaltsclim.  I,  476;  Iran*,  pisser;  ital.  plsriaro 
[pisciasls,  plscia].  Du  Gange  VI,  «34;  Gr.  W.  VII,  1869, 
Kluge*.  286;  „Ausgangspunkt  der  heule  weit  ver- 
breiteten Bezeichnung  und  Ihr  Urspruug  lassen  sich 
nicht  leicht  bestimmen",  Kluge;  piseln  [Bayern]  „ist 
wohl  nur  ein  verhärtetes  wlseln",  Gr.  W.  VII,  1869)  = 
urinare,  mingere,  wis-wis  machen  (auf  der 
Wiese''),  stallen,  seichen,  brunzen.  —  Piss,  m. 
Pisse,  f.  (1482  pyase  =  Brunzwasser,  Seiche;  Zeninu. 
Voc.  z  2;  1684  piss,  Gr.  W.  VII,  1868),  1.  —  Urina, 
Harn.  —  2.  =  Stranguria,  Gonorrhoea,  Harn- 
winde, kalter  Piss,  kalter  Seich,  kalter  Pinkel  etc. 
(Gr.  w.  vii.  1868),  wobei  steta  Eiter  aus  der  Harn- 
löhre  abläuft  und  oft  beständiger  Harndrang 
besteht.  —  Pisset,  f.  (u.  J  ahrh.  pissade  —  miuetio, 
D.  861)  =  die  Harnentleerung.  —  ßr/t-pissen 
ludl.  l>edpissen)  =  ins  Bett  Waaser  lussen  (En- 
uresis nocturna)  und  so  „das  Bett  zu  weich 
Sitaen"  (De  rock  87;  St.  Veit  [s.  d.]  und  8t  Mcdardus, 
der  Wasserpalron ,  sind  auch  Patrone  gegen  dieses 
Leiden  der  Kiuder).  —  (1593)  Blut  -  pissen  (ndl. 
bloedighplsaen ,  De  Cock  36;  Gr.  \V.  VII,  1869)  — 
blutigen  Harn  entleeren.  —  »  in  pissen  =  in  das 
Bett  hinein  den  Urin  entleeren  (Wuttkc,  Heg.)  — 
£jfer-pissen  =  Pyuria,  Eiterhainen  (Kalke  i,  241). 
—  (13.  Jahrb.)  gemeine*  Pissen  (gemeyn  pisse,  ge 
meue  pissen  =  lollutn,  D.  337)  —  Harnen.  —  kalte 
PiSSG  (14. — 15.  Jahrb.,  mnd.  weder  de  colden  pissen, 
J.  f.  nd.  8pr.-F.  XV,  132;  15.  Jahrb.  de  kolde  pisse  a 
dlabetea,  D.  D,  133;  15.— 16.  Jahrb.  dy  colde  pljs  = 
Siran guria,  colica.  D.  131.  656;  der  kalde  pyss;  1719  die 
kaltpiss,  (Jr.  W.  V,  87.  92;  ndl.  koude-,  koüpls,  De  Cock 
212;  1756  „ein  beständiger  Trieb  das  Wasser  zu  losen 
[s.  d.]  mit  einem  höchst  empfindlichen  Kelz,  als  ob 
Kalte  und  Schauer  durch  die  Harnröhre  ginge  ,  auf 
welche  bald  eine  brennende  llltze  folgt",  A.  v.  H.  I, 
1245;  II.  1279;  Gr.  W.  V,  87.  92;  VU,  1868),  1.  =  der 
Tripper  als  kaltes  Phlegma,  Schleim  (s.  kall) 
mit  Harnwinde,  Stranguria,  Ardor  urinae, 
Gonorrhoea.  —  2.  =  Dysuria  mit  gleichen 


Schmerzen  (dies  vermutlich  aus  plssa  ,,ca)lda"' 
[13.  Jahrb.]  pisse  chaulde,  Briss.  244  —  pisse  chaude 
übernommen  und  entstellt)  (s.  verbrennen).  —  (1684) 
iyerrfr-Piss  =  Pias  1,  Zirch  (Gr.  W.  VII,  1868).  — 
rot-pissen  =  rot  harnen  (s.  d.),  eine  Kinder- 
krankheit (Merk  139).  —  iSfraW-Pisse  ■  die  in 
grossem,  starkem  Strahle  erfolgende  Harn- 
entleerung (Lauterstallen),  im  Gegensatze  zur 
Tröpfe]  pisse  (Falke  II,  347).  —  Trop/W-Piss  (ndl. 
droppelpisse.  De  cock  213.  214)  =  tröpflings  harnen 
(s.  d  ).  —  Piss-.).7-T»,  -Gang,  -Säckirin,  -  Ver- 
stopfung. 

Pist,  m.  =  Püst,  pustender  Seufzer,  Ächzer 

(Schw.  319). 

PiSteln  =  Fisteln  (8.  d.)  (Westfalen;  Du  Cange 
III,  514). 

Pitter,  m.  s.  Pint. 
Piwerl  s.  Pipe. 

placken  (nordd.)  S.  plagen  (H.  Paul  342). 

Placken,  m.  Plaques,  pl.  (Blacker,  Plechen, 

Plecken)  (von  westgerm.  Alter,  Kluge*,  431;  engl 
platsch  —  Dicken,  Wetzen,  Kluge  1.  c. ;  ahd.  plecbun 
=  uiaeulae,  sichtbare  Klecken,  H.  Z.  XV,  67;  mhd. 
placke  =  Kleck,  Kluge*,  287;  ndl.  plak  =  Fleck; 
14.  Jahrb.  placke  =  naevus.  D.  379;  ndd.  14.— 15.  Jahrb. 
placke  -  menda  |=  macula),  D.  355;  ndd.  placken 
[Oldenburg],  Goldschm.  94.  96  ;  dazu  das  frauz.  placquea 
|  -  Schleimhaut/lecken),  1 .  =  Macula  corneae,  Horn- 
hautfleck. —  2.  =  jede  durch  Farbe  auffallende 
Haut-  und  Schleimbaut- Veränderung,  nament- 
lich Skorbntflecken  (Coler.  II.  139).  —  rote  Piaken 
(ndl.  roode  plakkaten,  V.  K.  IX,  144)  =  rote  Haut- 
decken. —  äomm/r-Placken  =  Ephelides,  die 
im  Sommer  stärker  auftretenden  Sommer- 
sprossen (Gr.  W.  VI,  462  ;  8chmeller  I,  323.  455).  — 
Siech  -  Plechlein  =  die  entstellenden  krank- 
haften Flecken,  die  bei  den  Franzosen-Bückel- 
chen (s.  Pocken)  durch  Schönheitspflästerchen 
verdeckt  wurden  (Schmeller  I,  322).  —  Toten- 
Placken  —  ein  Muttermal,  das  man  nach  dem 
pommerschen  Volksglauben  nicht  entfernen 
ilarf,  denn  sonst  sterbe  man  (Urquell  vi,  205).  — 
WoZ-Plack  (I*x  salic. !  walflac  si  quls  clausa  manu 
[  -  Faust]  alteruin  percusscrit ;  sl  quls  in  genuuin  per- 
cusserii  de  fuste)  =  gewaltthätige  Streichmase. 

Plader,  f.  -  Blatter. 
Plä  s.  Bläh. 

pläd  =  blöde,  ohnmächtig,  Ubelpass  (Fromm. 
VI.  27 ;  Kaminen). 

Plärge  s.  Plarr. 
Plärre  s.  Plarr. 
Platz  s.  Blotz. 

Plage,  f.  plagen,  Pflage,  Pflog,  Plön,  Flage 

(aus  dem  lat.  plaga  [  =  Schlag,  ItX^VfSJ),  Stoss]  mit  dem 
Christentum  in  ahd.  Zeit  übernommen;  ahd.  plAga  = 
himmlische  Sirale,  Kluge*,  287;  mhd.  plage,  blAgc. 
flage;  md.  pflage,  Gr.  W.  VU,  1876;  IS.  u.  15.  Jahrh. 
plage  =  llvor  [verfärbte  Pestbeule],  pesülentla.  lue*, 
D.  334.  338.  431  ;  1482  plag  =  l'eiu,  Leiden,  Zen.  Voc, 
i.  2;  1497  btach  [ Kbönbeschr  ] ;  1697  plag  =  [7]  Syphilis, 
Pr.  I,  366;  1551  der  presten  und  schändlichen  plae 
nennen  die  Bauern  den  (Itausch-)  Brand,  Bock  2' "• 


472 


Plage. 


Plage. 


g.  Brand  ;  Pfalz,  AJem.  plöb,  pflöge,  Bavariu  IV,  2.  403, 
Gr.  W.  VII,  1877;  engl,  plague  =  Beule,  Pest,  Pcst- 
beule,  Lebf.  14.  83,  Kleferwunn,  ICaJucum.)  —  jedes 
den  Menschen  oft  befallende  oder  aach  viele 
Menschen  hartnäckig  nacheinander  heim- 
suchende Leiden  oder  Gebrechen  (Plage  und 
Pein  fehlen  beim  Tiere  nahezu  ganz;  du  ursprüngliche 
lat.  plaga,  das  selbst  Damonenachlag  \t.\\zz\a,  ino- 
itX-rjoatu,  apoplexia)  nAtypr)  bedeutete,  verschob  sich 
Im  Begriffe  unter  dem  Einflüsse  de*  römischen  Mönch- 
tums  zur  Bedeutung:  anhaltende«  chronische«  Leiden, 
Landesseuche  als  Strafe  der  Gottheit  und  der  Heiligen ; 
aber  auch  die  Unholden,  Troll,  Zwerge,  BllwlU,  Schrattl 
„plagen",  wie  der  ale  ablösende  chrlatl.  Teufel),  1.  = 
eine  anhaltend  zusetzende,  Qual  und  Not  be- 
reitende chronische  Krankheit  oder  Folge  einer 
Verletzung  („ai  juncturae  separatio  fit  in  carne, 
vocari  debet  plaga,  st  putrescat,  dicantur  vulnera,  «1 
In  osstbus  est,  fractnra",  Du  Cange  III,  584,  d.  h.  ao- 
bald  eine  Verletzung  oder  Krankheit  am  Körper  einen 
raschen,  aber  sichtbaren  oder  dauernden  8chaden  («.  d.] 
gemacht  bat,  galt  e*  al*  Plage  ss  1414  clades,  D.  126 
Im  Gegensätze  zum  folgeloseren ,  absolut  bellbaren 
Knochenbruche  und  zur  Wunde;  darum  Ist  auch  die 
Lepra  und  die  Syphill«  ala  „Plage"  bezeichnet  [a.  ge- 
plagte Leute),  1497  plaga  trantzosen,  Schmeller  I,  824; 
plag  =  »cable«,  D.  016).  —  2.  =  grosses,  anhaltendes 
Sterben  (Lues),  das  durch  ein  Land  als  Epidemie 
zieht  (Aventln;  Gr.  W.  VII,  1877;  Krautw.  LXXIX) 
unil  zwar  infolge  von:  a)  Pest  (conf.  bubonic 
plague  äs  Bubonenpest,  Jana«  II,  57;  1664  poors  plague 

-  Londoner  Peat,  Leisel)  810);  b)  (1882)  Cholera 
(s.  PeaUlenUa  In  nnmmis,  Pfeiffer);  c)  dazu  auch 
Plage  =  die  Pestzeicben  (Beulen,  Linteeichen, 
Pestmale,  Geschwüre,  Streifen  etc.)  (1742  plage 

—  vibex,  tumor  llveua,  Bibl.  Mediku«  401);  auch  der 
blaue  Schlag,  die  Blut  beule  ist  -  plaga,  la  playe 
(Kraus,  E.  810)  als  sichtbares  Zeichen  der  Peini- 
gung —  8.  —  als  Gottesplage  od.  fallendes  Übel 
(St.  Valentins-Plage)  ist  Plage  (16.  Jahrh.)  =  Epi- 
lepsia,  Morbus  sacer,  eine  Krankheit  oder 
schwere  Not,  die  durch  ihre  ofte  Wiederkehr 
der  Anfalle  zur  Plage  wird  (Gr.  w.  VII,  1877); 
desgleichen:  4.  =  (18.  Jahrh.)  Jas  Wechselfieber 
(Gr.  W.  VII,  187«) .  Kebris  interraittens  als  oft 
wiederkehrendes,  sogen,  kaltes  Fieber;  ferner 
ist  5.  Plage  =  ein  zwar  bald  vorübergehendes, 
aber  doch  quälendes,  endemisches  Leiden, 
welches  mehrere  Leute  nacheinander  befällt, 
leichtes,  schmerzloses  Unwohlsein,  meist  das 
Prodromalstadium  vom  epidemischen  Schnupfen 
(Grippe,  Influenza)  =  Ploh  (Bavarla  IV,  2.  403) 
(conf.  Ehren).  —  6.  —  auffalliger  Weise  ist  Plage 
auch  —  Rauschbrand,  der  epizootisch  auftritt 
als  scholmiscbe  Plage  (s.  b),  da  sonst  Plage, 
Pein  und  Qual  als  menschliche,  subjektive 
Auslegungen  nicht  leicht  auf  das  Tier  übertragen 
werden  (Feser  69) ;  als  eine  solche  „gemeine 
Plage"  gilt  auch  7.  =  der  Typhus,  sobald  er 
epidemisch  auftritt  und  öfters  zur  Beobachtung 
kommt  und  so  die  Ortsangehörigen  plnckert 
(conf.  red  plague,  Shakespeare;  Lerech270  =  Petechial- 
typhus). —  8.  =  Überhaupt  entspricht  es  voll- 
kommen der  landläufigen  Gewohnheit,  hinter 
solchen,  anscheinend  grundlos  eingetretenen 
Plagereien  und  Belästigungen  einen  persön- 


I  liehen,  ungünstig  gesinnten  Quälgeist,  einen 
rächenden  Dämon,  Schelm  oder  bösen  (s.  d.) 
Wicht  zu  suchen,  den  in  späterer  Zeit  die 
Hexen,  der  Teufel  oder  die  sogen.  Plag- 
Heiligen  ablösen  ;  (die  2X7  christlichen  Kothelfer, 
die  gegen  solche  Plagen  helfen  sollten,  wurden  so  auch 
namengebend ,  1629  in  diaen  Kranckhetten  {so  sie 
heyssen  der  Hellgen  Buas,  s.  d."),  yn  denen  die  sich 
dorein  setzen  oder  achten  von  Heiligen  geplagt  zu  sein, 
lat  schwerlich  zu  artzneyen,  Paracet«,  de  imp.  H.  8). 

—  St.  Antons-Vl&g,  1.  =  (1482  «ant  Antonig  plag, 
Zen.  Voc.  oo.  6)  =  Erysipel»*,  Wildfeuer,  Mili- 
brandiotlauf,  St.  Antoni-Pein,St.  Antoni- Feuer 
(s.  d.).  —  2.  =  (16.  Jahrh.  „das  kalte  lieber  (Plage  4], 
dagegen  Ist  8t.  Antonlu«  Arzt  gewesen".  Agricola; 
Gr.  w.  VII,  1867,  «.  8t.  Antoni-Bache)  =  Fehns  inter- 
mittens).  —  (16.  Jahrh.)  A ussatz- Plage  =  Plage  1, 
Lepra,  die  hartnäckige,  unheilbare  Anssatz- 
krankheit  (Gr.  W.  VII,  1877).  —  Bauern  Plago 
=  s.  Plage  2  a.  —  St.  £Ja«-Plage  =  Morbus 
St.  Blasii  s.  St.  Martini  s.  Morbus  gulae 
(Du  Cange  V,  616).  8t.  Blasius  als  Patron  der  Arzte, 
Sellensleder ,  Wachazleber  und  „Wlndmüller"  bat 
volksetymologische  Beziehung  zu  „blaaen",  daher 

]  er  gegen  „Infirmitas  gulae,  gutturis  et  uvulae" 
(schon  seit  560)  angerufen  wird  beim  Fallen  (s.  d.)  des 
Ualartpfleins  (Angina  tonsillaris).  —  böse  Plage 

i  (1562  boae  vergUüge  plage,  Fuchs  I,  376)  =  jeder  aus 
einer  Blutvergiftung  (z.  B.  Syphilis)  entsprin- 
gende hartnäckige  Ausschlag,  der  immer  wieder 
auf  der  Haut  erscheint  od.  besonders  hartnäckig 
ist;  namentlich  syphilitische  Ausschläge  auf 
dem  Kopfe  (Grintkopf)  (Urquell  IV,  156).  — 
St.  Fubiuns-'Pl&ge  —  der  an  faba  —  die  essbare  Bohne 
(s.  d.)  angelehnte  Heiligen-Name  erklärt  wohl,  da&s 
St.  Fabian  mit  Hunger  plageu  sollte,  Schmeller  I,  684). 

—  St.  Fiakrius-TlAg  (1591 ;  Schmeller  I,  824 ;  Had. 
Jun. ;  Gr.  W.  III,  1446;  Fuchs  I,  341  =  Morbus  8t.  Fiacril, 

I  [s.  St.  Flakrlus]  St.  KuacrU,  8t.  Dlacril),  St.  Fiakrius- 
und  Fickards-Krankheil  (s.  d.),  Condylomata, 
Franzosen,  Feigwarzen,  „die  gottsjämmerliche 

|  Plag  der  Franzosen",  die  immer  wieder  neue 
Erscheinungen  macht.  —  (1646)  A^Vn^er-Plage 
=  Pauaritium,  der  schmerzhafte  Fingerwurm 
(Coler,  H.  A.  145).  —  (1691)  gemeine  Plage  =  eine 
endemische  Krankheit,  die  die  Gemeinde- 
genossen nach  einander  befällt,  Morbus  uni- 
versalis (Had.  Jun.  370).  —  Hau»- Plage,  1.  =  ein 
Schwerkranker,  der  im  HauBe  gepflegt  wird 
und  durch  sein  unheilbares  Leiden  eine  Plage 
für  das  ganze  Hauswesen  iet  (Hausübe],  Haus- 
kreuz). —  2.  =  ein  Leiden,  das  in  einem  HauBe 

I  herrscht.  —  (1694)  heimliche  Plage  =  eine  hart- 
näckige Krankheit,  die  an  heimlichen  Orten 
(s.  d. ;  Genitalis)  ihren  Ursprung  genommen 
(Lues  venerea)  (Gr.  W.  rv.s.  876).  —  (1743)  Kinder- 
Plager  =  wie  Olf  (Alp)  ein  Schimpfwort  (Urquell 
Iii,  169)  b.  Ammolf.  —  (1526)  St.  Kyrim-  (Quirin-) 
Plage  (Luther  vii .  412)  =  St.  Quirins  -  Busse, 
-Marter,  -Rache.  —  (1743)  Land-Plage  =  Krank- 
heit, die  die  Bevölkerung  eines  ganzen  Landes 
allmählich  oder  immer  wieder  befällt  (Land- 
neber  2)  (blbL  Medikus  365).  —  (1680)  Loöea-Plage 

,  =  Infirmitas  corporis,  ein  andauerndes,  hart- 
näckiges körperliches   I<eiden    (conf.  «chwed. 

i  magplagor  =  Bauchweh).  —  Ma  id  Plage  (ndl.  muH- 


PlaMtzer— Plarr. 


Plasse-platL  478 


plaag.  De  cock  170)  =  anhaltend  schmerzende 
Mundgeschwüre.  —  (1680)  Mt/x-Plage  =  Morbus 
hypochondrisch  chron.  (Gr.  w.  vi,  2221)  =  an- 
haltendes Milzleiden  (s.  Müs).  —  (1726,  1736) 
Mutter  -  Plagen  =  Gebärniutterleiden  hart- 
nackiger oder  schmerzlicher  Art,  Hysleria, 
Hysteroepilepsia  (Wort.  519;  The«,  san.  Br.  824).  — 
Not-  Plage  (1615  blage  der  not  =  clades,  D.  125)  = 
allgemeine  Not  infolge  einer  Pestepidemie.  — 
(1681)  P«ft/enr-Plage  =  Plage  2  a.  —  rote  Plage 
=  Plage  7.  —  ScAttWtt-Plage  (engl,  swineplague) 
so  Schweineseuche.  —  (16.  Jahrh.)  schwere  Plagen 
■  hartnäckig  anhaltende,  tödliche  Seuchen 
(Gr.  \V.  VII,  1877).  —  Tanr-Plage  (16.  Jabrh.,  Agricot. 
deutsch.  Spr.-W. ;  Fromm.  VI,  4  ;  In  deutschen  Landen 
sind  der  Plagen  viel  gewesen,  so  wurden  etlUche  Leut 
geplagt,  dass  «le  UnUen  muralen  oft  Tag  u.  Nacht 
aneinander  oft  iweler  und  3  Tag  u.  Nacht)  s.  St.  Veits- 
tanz). —  (16.  Jahrh.)  St.  Urbans-Tl&g,  1.  — 
(in  Flandern,  bei  H.  Sachs,  Agricola  etc.)  Gicht, 
Podagra  (St.  Urban  als  Patron  der  trinklostlgen 
Winzer  und  Blerschaffler  martert  seine  Kunden  mit 
dieaer  lustigen  Herrenkrankbeit,  Fromm.  VI,  7.  8; 
Z.  d.  D.-Ö.  A.-V.  1893,  8.  192;  Gr.  W.  VII,  1877;  De  Cock 
311).  —  2.  =  (l'rbanl  plaga  est  ebrictas,  Fromm.  VI, 
8  Anm. ,  „elue  deutache  Plage",  Agricola)  —  der 
Trinkerrachen  und  die  Gurgel  ist  Sitz  der 
Angina,  daher  auch  =  Cynanche,  Ranken  2, 
(confer.  Augcronalla  =  eine  zur  Vertreibung  der  Vleh- 
Halsgeschwftren  bestimmte  Festleier  der  Römer,  Kirsch 
72),  brennendes  Hotlauf  oder  Feuer  im  Rachen 
des  Trinkers.  —  3  =  St.  Orban  heilt  in  Frank- 
reich das  Gerstenkorn  Oes  orgeoleu,  lorgle?. 
Brlaa.  140;  Gr.  W.  VIII,  96).  —  St.  Valentin»-, 
St.  Veltins-,  St.  Veltlins-,  St.  7e/<i*-Plag  (15ö7 

sant  Valtlniuplage,  D.  204  ;  1591  Had.  Jun.  373;  Seb.  91; 
Gr.  W.  VII,  1877;  Z.  d.  D.-Ö.  A.-V.  1893,  8.  179;  Fromm, 
vi,  15)  =  „fallende"  Sucht,  Epilepsia  (s.  St.  Va- 
lentin), Eclampsia.  —  Zungen- Plage  (mhd. ; 
Gr.  w.  VII,  1877),  1.  —  anhaltendes  schmerzhaftes 
Zungenleiden  (Zungenkrebs  z.  B.)  oder  2.  = 
anhaltende  Schlundpest  (Poena  linguarum) 
(Lersch  61). 

Pl&llitzer,  m.  (zu  [bepallezen,  öfters  beim  Saug- 
lappen mit  der  Lalle,  Zunge  lecken,  schnullen  - 
Schnuller,  Sauglappen,  H  in  in  er  8. 19;  Schmeller  I,  1469) 
=  Membrum  virile,  Zipfel  (formell  angeglichen). 

Plappe.  f.  Plappen,  f.  Plaper  (su  ahd. biabbi«6n 

Kluge»,  287;  16.  Jahrh.,  ndd.  vlabb«  =  os.  D.  II,  274) 
=  ein  Geplapper  machendes  Maul  (s.  Flappe 
u.  Bläppe),  Hängemaul,  Unterlippe.  —  Plaper, 
Pläper  =  Plappen,  f.  (Gr.  W.  DT,  66;  8cbw.  200; 
Hlntner  6.  14).  —  plappern  =  wiederholt  mit  der 
Plappe  thätig  Bein,  schwatzen  (engl,  blab,  D.  66). 

—  Kuh  ■  Plapper  =  Kuhpflätter,  platter  Kuhkot 
(benneb.,  eUass.;  Spleas  II,  143;  E.  W.  I,  165). 

Plarr,  n  ,  f.  Plärre,  f.  Plärr,  f.,  n.  Plärre,  f. 

plärren  (etne  onomatopoetische  Schallbezeichnung ; 
mhd.  blerren,  bleren)  =  schreien  wio  ein  Tier,  den 
Mund  wie  beim  tierischen,  lauten  Schreien  ver- 
ziehen. —  Plärre,  f.  Plorre,  1.  =  der  beim 
Plärren  verzogene  tierische  und  menschliche 

Mund  (Maul)  (Gr.  W  II,  66;  III,  1724,  VII,  189N). 

—  2.  =  eine  durch  Narbenbildung  verzogene, 


1  wunde  oder  wund  gewesene  Stelle  im  mensch- 
I  liehen  Gesichte  (Gr.  w.  VII,  1898).  —8.  =  nament- 
lich ist  Plarr,  n.  Plärre,  f.  Plarr,  f.  =  der  durch 
Brand-,  Syphilis-,  Krebs-  u.  sonstige  Geschwürs- 
Narben  entstellte,  verzogene  Mund  (s.  Blärr), 
ähnlich  dem  so  verzogenen,  plärrend  verzerrten 
Maule  des  geifernden  Tieree.  —  4.  =  weiterhin 
auch  der  bei  Narben  oder  Geschworen  (Ectro- 
pium) am  Augenlide  entstellte  Blick,  Augen- 
blendung, Augennebel,  Trübung,  falsches  oder 
doppeltes  Sehen  (mit  gleichzeitigem  Bindehaut- 
katarrh 8.  Augeuplärr)  (Gr.  W.  VII,  1898;  Bchw. 
499).  —  6.  =  eine  der  verziehenden  Narbe  ähn- 
liche, andersfarbige  oder  schorfige,  namentlich 
durch  Syphilis  erkrankte  Hautstelle  (verall- 
gemeinert, Schmeller  I,  460 ;  Coler,  H.  A.  161).  —  6.  = 
die  Krankheit,  welche  Plärre  3  macht,  z.  B. 
Milzbrand  (Coler,  R.  404)  (s.  Frosch,  S.  170  b)  od. 
Maulaphthen,  wohl  auch  Syphilis.  —  Augen- 
Plärr  (1671  pler  vor  den  äugen,  Schmeller  I,  461; 
engl,  blear,  bleer  =  trüb,  dunkel  vor  den  Augen,  trief- 
augig, Kaltschm. ;  pllerogd,  Fromm.  VI,  279)  =  das 
durch  Muskelkrämpfe  (Katarrhe)  oder  Narben- 
Kontraktur  verzogene  Augenlid,  dessen  Schleim- 
haut infolge  von  chronischem  Bindehaut-Ka- 
tarrh (Triefaug)  nach  aussen  oder  nach  innen 
umgestülpt  ist,  womit  auch  tranaitorisches 
Trübesehen,  Augennebel,  Augentrübheit  ver- 
bunden sein  kann ;  am  meisten  entspräche  dem 
Augenplärr  das  Ec-  od.  Entropium  cicatriceum 
(Arlt  30)  (s.  Plärr  4).  —  (1554)  breite  Piergen  = 
ausgedehnte  Syphilisnarben  (Pr.  II,  634).  — 
Fersen-,  Fuss-TlÜTT  (1692  die  plar  an  den  Fersen, 
Seb.  293 ;  piaer  an  den  fuessen  der  Jungen  kinder, 
Seb.  329)  =  heredit.  syphilitische  Hautgescbwüre 
an  der  Fussohle  der  Kinder.  —  Oe  plärr  (15.  Jahrh. 
dai  geplerre  =  aurtsia.  8chmeller  I,  461 ;  aorasia,  D.  39) 
=  eine  narbige  Entstellung  der  Augenlider  mit 
Verlust  des  Sehvermögens.  —  Haber- Plarr 
(hawerblarr,  Mecklenbg.)  =  Ziegenmelker,  Haber- 
geiss  (s.  d.),  tauschend  meckernder  Vogel  (Dä- 
mon). —  Dazu  Plärge ,  Plerge ,  Pliere ,  Plttren 
=  Flarre,  Flärre,  Flerre  (Hoflm.  I,  387 ;  Lexer  188. 
345;  Fromm.  VI,  279)  =  breite,  unförmlich  ver- 
zogene Wunde,  pläriger  Zustand,  verletzte 
Hautstelle  und  Narbenbildung  mit  entstellter 
Verziehung  der  Umgebung  (s.  Blärr  u.  Reh- 
flecken). 
P lasse  s.  Blässe. 
Platsch  (Blatsche)  s.  Pflatach. 

platt,  Platte,  f.  (aus  roman.  platta,  plat;  mhd. 
blate,  plate  as  flache  Brustbedeckung,  GlaUe,  Kluge », 
287 ;  1470  platte  =  tonsura ,  D.  441 ;  1518  platten  = 
Brustbein,  B.  v.  Gered.  96 ;  1741  blatte  auf  dem  Kopfe 
=  corsa  VltruYil,  Kirsch  307 ;  ndd.  plat)  =  flach.  — 
Platte,  Platten,  L  =  (spätahd.)  die  geschorene 
Glatze,  kahleStelle  auf  dem  Haupte  derMöncbe ; 
die  seit  dem  6.  Jabrh.  auf  alle  christlichen  Geistlichen 
übergegangene  Sitte,  zur  Busse  das  Haupthaar  zu 
scheren,  schuf  diese  Platte,  platta  —  tonsura  clerlcalls 
i  quae  fit  ab  aure  usqne  ad  au  rem,  Du  Cange  VI,  361). 
—  2.  =  weiterhin  natürliche  Glatze.  Man  unter- 
schied a)  eine  Tonsura  Pauli,  die  an  der  Stlrne  begin- 
nende, vom  vielen  Denken  abgeleitete,  ehrenvollere 
Glatze  als  kahle  Stelle  des  Schädels  (Schmeller  I,  462; 


474  PlaU-Pleuresch. 


plieren— Pocke. 


Schräder  301)  utid  b)  eine  Tonsura  Pelri ,  die-  vom 
Hinterbaupte  aus  beginnt  und  vum  allzu  vergnügten 
Leb«n  herkommen  sollte.  —  3.  =  der  Schädel  Ober- 
haupt. —  4.  =  daB  Brustbein  (s.  Blatte).  —  (isoi) 
Bein  -Platte  =  die  äussere,  platte  Knochen- 
lamelle  am  Schädel  {Welkard 269).      S'fii  -  Platte 

-  der  platte  Stirnteil  beim  Zugochsen  (Schm. 
I.  462).  -  Platten)-  Arsch,  -Fuss,  -Huf,  -König', 

-  Weibltin. 

Platz,  ni.  (Ende  den  13.  Jahrb.  aus  dem  ilal.  plasia 
und  lat.  platea  =  Strasse  entlehnt;  mhd.  plaU  =  freier 
Raum ;  Iran«,  place).  —  Platzl  -  GlaUe,  Platte, 
Plattl  (Tirol ,  Hlntner  5.  12).  —  (1645)  auf  platzen 
^  aufbrechen,  bersten  (platschen)  und  einen 
freien  Raum  bilden  (Abscessentleerung  i.  B.) 
(Colcr,  H.  A.  265).  —  Mal  Plätze  =  die  gefleckten 
Pigmentstellen,  wo  Hautkrankheiten  (Syphilis, 
Aussatz,  Grint,  Zitterach  etc.)  vorher  vorhanden 
waren  (Falke  IX,  69).  —  tieche  Platz  (ndl.  zleke 
plaats,  v.  K.  IX.  141)  =  kranke  Stelle.  —  Platz- 
Angst,  -Furcht,  -Schwindel. 

platzen    (plarresen?)  weinen,  plärren  (Fromm. 

VI.  27.  MO). 

Plauen.  PlauenwÄe  KrieMhankheit. 

plauern  e.  plodern. 

plauschen  =  plaudern  (delirare). 

Plautz,  f.  -  PlutE,  Plunzen  s.  Blunte  (Schm. 
I.  459;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  189  .,  8.  22;  FrUchb.  71  ;  plaüci 

-  oniasium,  D.  II,  271). 

Plecheu,  Plecken  *.  Placken. 
Plee  s.  Blflh. 

pleniiken  =  blähen- äugeln  (Fromm.  VI.  27; 
Ungarn). 

Perge,  Pierre  s.  Plarr. 

Pieschen,  f.  =  Blanche ,  Hautausschlag  mit 
stark  vorspringenden  Beulen  od.  Blasen,  iiaut- 
anfblfthunp,  Schlagbeule  (Schm.  I.  331.  462). 

Pietz,  Pietzer  s.  Biet/,  Bletter.  —  Wamen- 
Bletz  ^  Kutteltieisch  (I>.  5W). 

Pleuresch,  f.  Pleuresie,  f.  (Fleuris)  (ans  dem 

Kriech.  r/.Erjpä  =  Seite,  seitliche  Kippen  und  Kippen- 
NU;  nAtopttt;  [vöaocl^dle  Klppenkraukheit  ;  mtlat. 
pleuresia,  pleuresia;  der  niederland.  u.  nlederd.  Volks- 
mund übernahm  letzteres  aus  franz.  pleuresie,  pluresle, 
Krlss.  19*  u.  engl,  plcurlsy,  gestaltete  es  um  zu  alUach*. 
vlereyu  -  lulcrcus,  I).  303;  15Ü0  die  artijc  of  vlersyn  — 
gutta  [arthritlcal,  I).  II,  199;  1577  het  pleurls,  D.  412; 
1592  Plevresi  =  das  Siecheu  an  der  Seite,  Seb.  447  ; 
pleuresch,  ploerjes,  Henris ;  1094  Ueirsyn,  flereijn.  flere- 
eljn)  —  Pleuresia,  1.  -  jede  Krankheit  mit 
Schmerz  in  den  Rippenseiten,  Seiten  weh,  Lank- 
übel  (Goldichm.  lio).  —  2  =  von  der  häutigen 
rheumatischen  Pleuresie  0 bertragen  auch  auf 
andere  rheumatische  Atl't-ktionen,  auch  auf  die 
(iiehl  (De  L'ock  44.  166.  307.  308 ;  so  das*  man  in 
Flundern  ein  Öenrsyn  eruyt  -  herbu  podagrarla,  I).  413; 
hatte  und  man  auch  von  eiuer  flereiju  aeu  hAnden, 
beupeu,  becnen,  vocten  [ilande,  Hulie.  Beine,  Fusse] 

spricht).  —  (i;>60)  falsche  Pleuresch  (Pietor  ts)  = 
Pleuresia  notha,  ein  durch  „windige  Materie" 
angeblich  entstandene!,  mit  dem  Seitenstechen 
bei  Pleuritis  verwechselter  Seitenrippenschmerx 


I  (s.  Seitenstechen).  —  rechte  Pleures  (Ploerjes) - 
die  linksseitige  Pleuresia  (üoldschm.  m)  (s.  ver- 
kehrte PI.).  —  (1629)  seltsame  Pleuresis  —  neue 
Art  von  inn wendigen  Brust -Gesch wären  in- 
folge der  (von  Paracelaus  verpönten  Art  von)  Queck- 
silberbehandlung der  Syphilis  (Parac.  d.  imp.  J4, 
x  i).  —  verkehrte  Pleures  =  die  rechtsseitige 
Pleuresia  (s.  Seitenstechen),  bei  der  nach  ndd. 
Volksmeinung  kein  Aderlaas  vorgenommen 
werden  darf  (Goldicbm,  in). 

plieren  s.  Plarr. 

plinsen  =  pinseln,  winseln,  weinen  (nordd., 
n.  Paul  843). 

plodern,  Ploder,  plauern,  pludern  (mhd.  ma- 

deren,  blödern.  ..ein  junges  Schallwort",  Kluge  5.  287) 
=  rauschend  flattern  iu  der  Luft,  rauschen,  mit 
Geräusch  kakieren  —  Ploder,  f.  =  der  (plau- 
dernde) Mund  (Hlntner  6.  141.  —  (1728)  Darm- 
Plodern  =  Ventus,  Borborygmi,  die  verschie- 
denen Geräusche  der  Darmgase  (Zw.  465).  — 
OAr«»-Plodern  (1668  blodern  in  den  ohren,  Beyn.  80) 
=  Ohrengeräusch.  —  FjVA-.-ln/plauern  (-plau- 
dern) =  die  Darmgeräusche  beim  aufgeblähten 
Leibe  des  Viehes  (Tympanites)  (Ethnol.  Mltt.  a. 

1    Ung.  1894  .  8.  245). 

Plörjes  s.  Pleuresch. 

Plörre  s.  Plärre,  Plarr. 

Ploten,  l.  =  s.  Pfloten,  anförmliche  Hand.  — 
2.  =  Knochen  Oberhaupt  (Laistner  II,  79). 

plumerant  b.  bleu  mourant. 

plump  (onomatopoietlsch  plump  —  dumpfer, 
schwerer  Fall;  16.  Jahrb.,  ndd..  ndl.  plomp)  =  dick, 
grob,  Stump  (Kluge5,  287;  1500  plomp  macken  = 
hebetare,  D.  II,  201).  —  Plump -Jtfi*VA,  -Nase. 

Plunse,  Plunze  s.  Blunte. 
plutzig  f>.  blnt-sieeh. 

pochen  (bochen),  puchen,  pucken  (onomato- 

poletlsche  Wurzel  ;  germ.  puk,  puhh ;  13.  Jahrh.  bochen  ; 
mhd.  puchen,  bochen  =  schlagen,  klopfen,  Kluge*, 
287)  =  „unruhige  Bewegung  innerer  Körperteile" 
(H.  Faul  344;,  i.  B.  das  am  Busen  bemerkbare 
Schlagen,  Hämmern  des  Hertens,  Herrschlag, 
Flerr-pochen,  Palpitatio,  Pulsus  cordis.  —  Herz- 
Pochen  (ndd.  hartpucken,  Goldschm.  99;  A.  v.  H.  I. 
178)  -  Palpitatio  cordis,  der  fühlbare  od.  sicht- 
bare Herzschlag  (Gr.  W.  VII,  1457;  II.  199). 

Pocke  (Bocke),  Pöcklen  (Böcklen),Puckhen, 

PfOChen  (angls.  poc  ;  engl,  pock ;  spat.-lat.  poccum. 
poccae;  germ.  j>uh  =  schwelleu,  sich  blähen.  Kluge*. 
287  ;  Gr.  W.  Vit,  1961;  ndd.,  13.  Jahrh.  poche  =  veruc», 
Ii.  614  ;  1475  pocken  —  morbillarc ;  pock,  poekskens, 
pockeleu  =  niorbillla  [Kindsblattern] ,  D.  367 ;  1500 
pocken  =  formleallo,  D.  II.  17»;  1507  pocken;  1512 
bocken  =  formlcatlo  [Syphilis 7|.  D.243;  1524,  1530  poc 
nucs  =  maladie de  Xapples  [Syphilis],  Bris*.  237;  Z.  Hdb 
III,  15;  1580  pocken  =  Franzosen,  Syphilis  ;  1646  pocken 
—  die  Pocken  bekommen,  Coler,  II.  B.  246;  boocken, 
Pocken  es  Blattern.  1  c.  246  .  350;  1680  pocken  =  lues 
venerea,  Gr.  W.  VII,  196 ö ;  1684  pocken  =  Gumma  Im 
Zwerchfell,  Pr.  II,  369;  1741  die  Bocken  -  pustula, 
Kirsch  981;  Kctbymala,  1.  eod.  411;  bulgar.  boginje  = 
Poeken,  Syphilis,  Kthnol.  Mltt.  a.  V.  1894.  230;  spaii. 
le  bughe;  obd.   uihd.  u.   ahd.  fehlen  die  Pockeu 


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Pocke. 


Pocke. 


475 


(=  Blattern]  Nach  roier  R  404  tat  pflege  ein  Wort, 
J«u  a  xigura  ranae,  d.  h.  da«  vom  Bild  des  aufgeblähten 
Frosches  genommen  wurde  [?];  [1550  pogge  =  rana. 
Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895.  262] ;  Nordfrankr.  poejuea,  po- 
quette  =  petlte  veröle.  Brtaa.  136.  186).  —  Pockeln 
(Böckeln)  =  kleine  Pocken,  rote  Flecken  (Ur.  W. 
IV,  1.  62 ;  V,  2163).  —  Pöckchen  (Puchchen)  = 
kleine  Porken  (Goldschm.  135).  —  Pocken,  1.  = 
Pocken,  pl.  —  2.  Pocken,  n.  =  das  Kranksein  an 
den  Pocken.  —  (1646J  pocken  =  an  den  Kinder- 
oder Schafblattern  krank  sein  (coler,  H.  A.  265; 
Beb.  430).  —  Pocke,  f.  =  die  durch  Aufblähung 
u.  Aufschwellung  mit  Wasserergnss  entstandene 
kleine  linsen-  bis  erbsengrosse  Hautblatter 
(Bückelchen,  Bockel)  =  Apostema  calidum,  epi- 
deniiale  (Ahron,  dieselben  werden  Im  Sanskr.  v&xantl 
[verwesend,  tödlich]  masüri  [linsengross]  bexelebnet, 
und  Im  Atbar-Veda  tat  bereits  von  deren  Einimpfung 
die  Hede.  Plctet  in  Kuhn,  Z.  1.  v.  spr.-W.  V,  341  ff  ; 
Lersch  34  und  61  Anm.  j  la  cacouionade,  Demokr.  V, 
166)  (8.  Blattern),  l.  =  die  eigentlichen  primären 
Pocken,  von  denen  es  nur  2  wohlcharakteri- 
sierte u.  selbständige  Ilauptarten  nach  Bollinger 
(Volk.  Samml.  kl.  Vortr.  116)  gibt :  a)  die  Menschen  - 
pocke,  (961)  Morbus  variolae (Variola,  Variolois), 
welche  nur  von  pockenkranken  Menschen  über- 
tragen wird;  (In.)  la  petite  veröle ;  (engl.)  small- 
pox ,  ächte  Menschenblaltern ;  b)  die  Schaf - 
pocken,  die  primär  nur  vom  pockenkranken 
Schafe  übertragenen  Pocken,  au.  b  „sind  nicht 
identisch,  aber  homolog"  (Bollinger  i.  c.);  alle 
übrigen  Pockenformen  sind  nur  sekundäre, 
von  a  und  b  verirrte  Pocken ;  die  Pocken  1  a 
(Variolae  humanae  s.  verae  s.  Arabum);  (frz.) 
les  varioles,  la  varole,  la  veröle  worden  früher 
meist  bei  ungeblatterten  und  nicht  geimpften 
Kindern  beobachtet  u.  veranlassten  stets  neue 
mehr  weniger  bösartige  Epidemieen  (-Bothor 
der  Araber)  (Zw.  343;  Schw.  502;  Behrend39).  —  2.= 
(1764)  Varicellae,  Wasser-,  Schaf-  Wind-,  falsche, 
wilde  Pocken  (Vogel).  —  8.  -  la  grosse  veröle, 
die  mit  Pocke  la  verwechselten  Hautpusteln 
bei  der  Syphilis  (Provenz,  mal  boubtl,  Peljper»  94; 
„medicta  bou",  Pr.  I,  336;  engl,  pox  =  Syphllta.  l.eh- 
feldt  211;  KalUchm.;  Ur.  W.  IV,  1.  1159;  VII,  1U64; 

—  4.  =  pockenähnliche  HautknOtchen,  boutons, 
Aknepusteln,  Finnen  (s.  d.),  Strophulus,  Pem- 
phigus, Miliaria.  —  5.  =  die  sog.  Nachtblatter, 
Herpes  (Strophulus).  —  6.  =  die  Milzbrand- 
blatter  als  bösartige,  brandige  Pocke.  —  7.  = 
Vaccina ,  die  8chutzpocke,  Kuhpocke,  Impf- 
pooke.  —  8.  —  blatternähnlicbe  eiternde  (ie- 
schwäre  (Pusteln)  (coler.  H.  a.  Ml).  —  pocket 
pockenähnlich.  —  pockig,  I.  -  an  Pocken  1,  2 
oder  2.  =  an  Pocke  3  erkrankt,  mit  Pocken  in- 
fiziert (engl,  pockifled,  KalUchm. ;  Ur.  W.  VII,  1966). 

—  pöckelhaft^peckel(2)-haft.  Blatter  ist  illter, 
allgemeiner  u.  verschiedenartiger  als  die  Pocke, 
die  heute  fast  nur  mehr  —  Variola  vera  humana 
ist.  —  .las  Pocken  -  schwarze,  übelriechende, 
brandige  Pocken  bei  Schafen  ,  namentlich  um 
die  Augen  herum  (Zipp.  638;  Falke  I,  l).  —  ächte 
Pocken  =  die  Pocke  1  a  zum  Unterschiede  von 
den  falschen  Windpocken  (s.  d.)  (Behrend  39).  — 
Ambovische  Pocken  (ndl.  atnbonichc  pokken) 
Syphilis- Ausschlag  unter  den  Einwohnern  der 


Amboinen  Inselgruppen  mit  niederlftnd.  Resi- 
dentschaft (Peijpe«  87).  —  Blasen  -  Pocken  = 
Vaccina  bullosa,  einzelne  Itnpfblattern  mit  be- 
sonders grossen  waaaerklaren  Blasen  (Roth  543; 

—  botartige  Pocken,  böte  Pocken,  I.  =  die  Milz 
brandblatter,  Pustula  maligna,  Anthrax.  —  2.  = 
die  wälschen  od.  spanischen  Pocken,  die  syphi- 
litische Pustel  (Pocke  3)  als  höchst  ansteckende, 
verderbliche  Krankheit  (Haeaer  II,  221).  —  (1788) 
Blut- Pock on  —  die  Blutblatter  (s.  d),  eine  durch 
Blutfarbstoff  blaurötlich  verfärbte  Pocke  la 
(Variola).  —  Ärond-Pocke  =  Pustula  maligna, 
Anthrax,  Milzbrandblatter  (Behrend 62).  —  Eiter- 
Pocke  =  die  Menschen  blättern  im  Eiterungs- 
Stadium,  Variolae  purulentae  (Gr.  w.  Iii,  393).  — 
Et ■©«<  n-Pocken  —  Varicellae  globosae,  erbsen- 
grosse, an  der  Basis  immer  kreisrunde  Schaf- 
blattern (Behrend  44).  —  JSrrfocfr-Pocken  =  Pians, 
Phymoais  indica  (Puch«;  Kraus,  E.  804).  Fram- 
boesia  (Sauvages)  =  rotbeerige,  syphilitische 
oder  auch  nach  anderen  (VUlaret)  bloss  syphilis- 
ähnliche, grosse,  beerenartige,  schwammig  gra- 
nulierende Auswüchse  bildende  Hautwarzen. 

—  (178«)  falsche  Pocken  =  Varicellae,  Schaf- 
blattern, Wasserpocken ,  Windpocken  (Ackerm. 
108;  Behrend  43;  Lorsch  875)  (Pocken  2),  die  nur 
„ein  vesiculo-pustulöees  Exanthem  mit  infek- 
tiösem Eruptionsfieber"  (Auapitz,  Z.  Hdb.  XIV.  1. 
274)  darstellen  ohne  phlegmonösen  Charakter 
der  Hautentzündung,  wie  er  den  wahren  Pocken 
zukommt.  —  (1788)  faulende  Pocken  =  übel- 
riechende, eiternde  goschwürige  Pocken.  — 
fliegende  Pocken,  l.  =  Frieselaus8chlag.  —  2.= 
Nachtblattern, schnell  verschwindender  Blasen-, 
Bläschen -Ausschlag,  Herpes.  —  3.  =  Wind- 
pocken, Varicellae  (Kaluohm.  Ii.).  —  Fliess- 
Pocken  -  Variolae  oonfiuentes,  durch  An- 
näherung sich  berührende, zusammentlieBsende 
wahre  Pocken  (1  a)  —  französische  Pocken 
(engl,  french  Pos,  Pockes,  Pr.  I,  337.  416 ;  KalUchm.) 
=  Franzosen  (Syphilis).  —  /*>»>*<•/ -Pocke  = 
Miliaria,  s.  Fneeel  und  Wocbenfrieeel  (Kraus, 
K.  108I).  —  Öt/Y-Pöckelchen  =  die  den  giftigen, 
ansteckenden  Blatternpusteln  (Variolois)  ähn- 
liche Hautpustel  (Akne).  —  Glas-Pocken  (engl, 
glasspox,  Dornbl.  48)  =  Wasserpocke.  —  (1764) 
grassierende  Pocken  =  herrschende,  epidemisch 
aufgetretene  Blattern  (Variola)  im  Gegensatze 
zu  den  nur  sporadisch  auftretenden  Pocken- 
fällen. —  grosse  Pocken  =  Erdbeerpocken, 
Framboisie  (engl,  great  pox  =  Syphllta).  —  Heide- 
Pocken  ■  Pemphigus  neonatorum,  ein  Blasen- 
ausschlag  bei  ungetauften  Neugeborenen  (siehe 
Heiden,  wilde  Pocken)  (Fuchs  II,  445).  —  Hirsen- 
Pocke  =  Miliaris,  hirsegrosse  Huutknötchen 
(Krans,  E.  1081).  —  (1728)  11, ti  Pocken,  Pockchen 

—  der  unter  kursdauernder  Körperhilze  Misch 
auftretende  Nachtbrand,  eine  über  Nacht  ent- 
standene Herpes-Blatter  (Phlyctenula)  (Zw.  ::i2. 
811).  —  (19.  Jahrb.)  i/ora-Pocken  (engl,  hornpox) 

—  Varicellae,  die  Hieb  hartlich  anfühlenden, 
wenig  Wasserergnss  (Lympha)  zeigenden  Schaf- 
i>lattern  (Pocke  2)  (Dornbl.  54;  Behrend  41).  — 
Hühner  -Pocken,  1.  —  das  auch  beim  Menschen 
vorkommende,  parasitäre  Molluscum  contagi- 
osum, das  bei  den  Hühnern  sich  pockenartig 


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Pocke. 


Pocke. 


gestaltet.  2.  =  (engl,  hives,  Kraut,  E.  472;  chIcken 
pox  =  Küchleinpocken,  Lebt.  152 ;  Kaltechm.)  m  Wind- 
pocken, falsche  Pocken,  fliegende  Pocken,  Vari- 
cellae.  —  //Vi.f.s-Pocken,  1.  =  die  bei  der  Staupe 
(s.d.)  der  Hunde  auftretende,  bläschenartige 
Aussehlagsform  (Pustel)  (Zipp.  705 ;  Falke  I.  422). 

—  2.  =  vom  Menschen  auf  den  Hund  über- 
tragene Pocke  (3)  (Falke  I,  44  ;  II,  208).  —  (1803) 
Jenner' tche  Pocke  Man  haue  In  verschiedenen 
Gegenden  England»,  in  denen  man  sich  mit  Milchwirt- 
schaft befasste,  von  Zelt  zu  Zelt  eine  Krankheit  der 
Kühe  wahrgenommen,  welche  aus  einem  Ausschlage 
an  den  Kntern  un«l  Zitzen  dieser  Tier«!  bestand  und 
mit  dem  Namen  Kuh-Pocken  (cow-pox)  belegt  wurde. 
Diese  Krankheit  war  den  mit  dem  Molkereiwesen  zu- 
nächst umgehenden  l'eraonen  und  den  in  der  Nach- 
barschaft der  Hollandereien  praktizierenden  Tierärzten 
bekannt  u.  wurde  von  Ihnen  mit  grösster  Genauigkeit 
beobachtet.  Allenthalben,  wo  die  Kuhpocken  wahr- 
genommen wurden,  bat  man  auch  zugleich  diejenigen 
Umstände  bemerkt,  durch  welche  sie  besonders  merk- 
würdig und  wicbUg  wurden.  Melkende  Personen  be- 
kamen nluülch  durch  das  Anfassen  der  pockigen  Zitzen 

—  u.  zwar  einzig  u.  allein  durch  solche  unmittelbare 
Berührung  —  dieselbe  Ausschlagskrankheit ,  welche 
sie  alsdann  oft  einer  ganzen  Herde  mitteilen  konnten. 
Eine  andere  bestandige  Beobachtung  war  die,  dass, 
wenn  einem  Menschen  diese  Krankheit  mitgeteilt 
wurde,  sie  sich  nicht  bloss  auf  Hand  u.  Arm  beschränkte, 
sondern  dass  eine  allgemeine  Krankheit  des  Körpers 
selbst  erfolgte,  die  mehr  oder  weniger  heftig,  aber  nie 
tödlich  war.  Ftirsdriitu  hat  man  bemerkt,  dassMenscben, 
welche  die  Kubpocken  überstanden  hatten,  vor  Blat- 
tern-Ansteckung, sei  es  durch  sog.  Miasma  od.  durch 
Impfung,  sicher  waren.  Im  Jahre  1798  trat  nun  Eduard 
Jenner,  Arzt  zu  Berkeley  In  Gloucesterahlre  (1749 — 1823), 
mit  vcrschledeuen  auffallend  wichtigen  Bemerkungen 
über  Kubpocken  auf,  deren  versuchsweise  Übertragung 
auf  Menschen  er  seit  1795  betrieb ,  durch  welche  er 
diesem  Gegenstände  allgemeine  Publizität  verschaffte, 
sich  selbst  aber  den  Ruhm  eines  W  hlthaiers  der  Mensch- 
heit erwarb.  (Aikln ,  Kurze  Übersicht  der  wichtigsten 
Erfahrungen  über  die  Kuhpocken.  Aus  dem  Englischen 
1802).  Diese  durch  Impfung  auf  den  MentH-hen 
übertragene  Schutzpocke  ist  =  Jenner'sche 
Pocke.  —  Impf-  Pocken  =  die  tum  Schutze 
gegen  die  wahren  Menschenpocken  kunstlich 
durch  Impfung  erzeugten  Menschen-  (Variola) 
und  Kuh- Pocken  (Vaccine);  ,,das  seit  1717  vom 
Orient  her  in  England  bekannt  gewordene,  in  England 
1721  zuerst  ausgeführte  Verfahren,  künstliche  Blattern 
(Pocken)  als  Schutzmittel  gegen  die  natürlichen  Blat- 
tern (Pocken)  zu  erzeugen  (vor  Jeuner),  wurde  deutsch 
genau  durch  Einimpfung  (Beizen),  Impfen  (s.  d.)  wieder- 
gegeben, indem  wie  in  England  der  Gärtner-Ausdruck 
auf  die  medizinische  Operation  (s.  Beizen  ,  Impfen) 
Anwendung  erfuhr"  (Gr.  W.  IV,  2.  2080;  Münch.  Med. 
Woch.  189«,  8.  1210;  J.  P.  Frank).  -  Kind(a,er)- 
Pocken  (lö89  ein  unerhörtes  kinderbocken ,  Para- 
celsus;  Lernen  224;  , .dieses  Pocken  klingt  wie  ein 
Infinitiv ;  es  war  vielleicht  so  ärztlicher  Ausdruck", 
Gr.  W.  V,  746  -  eine  ganz  ungewöhnliche  Blattern- 
epldemle;  1899.  1748  kinds-  kinderpocken),  1.  =  Variola, 
Urschlftchten.  —  2.  =  morbtUi,  variccUae  (v.  M.  U,  124; 
Maschenb.  709) ;  (1889)  kinderpocken,  L  =  Variola.  — 
2.  =  Varicella*»  (Bchrcnd39;  Heyne  III,  340),  1.  = 


Variola,  Pocke  1  a,  die  wahren,  achten,  natür- 
lichen Menschenblattern ,  welche  früher  bei 
ungeblatterten  (ungeimpften)  Kindern  am 
häufigsten  beobachtet  und  auch  auf  den  Er- 
wachsenen fibertragen  wurden,  daher  sie  auch 
bei  diesen  Kinderpocken  (siehe  Kindsblat- 
tern) genannt  wurden.  —  2.  =  die  heutzu- 
tage bei  den  (fast  ausschliesslich  früh  ge- 
impften) Kindern  am  häufigsten  beobachteten 
Schafblattern,  (17C4)  Varicellae  (Vogel),  die 
aber  kein«  wahren  Pocken  sind,  sondern 
falsche  Pocken  (s.  d.).  —  3.  =  die  im  Anfang- 
stadinm  der  Eruption  mit  Pocken  verwechselten 
Masern  (Morbilli,  Masern poeken, Urachlachten). 
—  ffr^uz-Pocken  =  Vaecina  herpetica;  meist 
juckende,  in  mehr  weniger  Kreutform  neben- 
einander stehende  Ekzem  -  Bläschen  an  der 
Stelle  der  mit  Kreuz-8chnittchen  ausgeführten 
Impfung,  atn  häufigsten  bei  kachektischen  Kin- 
dern (nach  Hebra-Kaposl ;  Roth  643).  —  Kuh  -Pocken 
=  Vaecina,  cowpox,  1.  =  die  sogen,  spontan 
aufgetretene  originäre  Pocke  an  der  milch- 
gebenden Kuh.  —  2.  =  die  davon  auf  den 
Menschen  künstlich  übertragene  Impfpocke 
oder  Schutzpocke.  Diese  bisweilen  von  dem 
Kuheuter  (beim  Melken  z.  B.)  übertragene 
Variola  vaecina  Jenner  ist  die  17%  als  Sehutz- 
pocke  zum  erstenmal  auf  den  Menschen  künst- 
lich durch  Belsen  (s.  d.)  übertragene  Kuhpocke; 
sie  ist  aber  (nach  Bollinger  I.  c.  116)  selbst  nur 
eine  verirrte,  sekundäre  Pocke,  „eine  künst- 
liche Variolisierung"  (Pfeiffer,  M.  Med.  W.  1896, 
s.  1211),  und  stammt  in  letzter  Linie  von  einer 
primären  Pocke  la,  b  (Variola  vera)  ab  und 
tritt  nur  äusserst  selten  als  Herde-  oder  Stall- 
Epitootie  auf,  sondern  meist  nur  in  ganz 
isolierten  Fällen.  —  ächte  A'wA- Pocke  =  wahre 
Kuhpocke.  —  (1800)  falsche  ÄWi-Pocke  =  die 
durch  Impfung  übertragene  Schulzpocke ,  die 
aber  den  Geimpften  nicht  wirklich  vor  den 
Blattern  (Variola)  schützte  wegen  ungenügen- 
der Impfmethode  oder  zu  geringer  Schutzdauer 
derselben;  wurde  ein  solcher  Geimpfter  doch 
von  den  Blattern  befallen,  so  nahm  man  damals 
„unächten"  Impfstoff  an ;  namentlich  war  früher 
das  Entwickelungsstadium  der  Kuhpocken  zu 
wenig  beobachtet  worden.  —  (im*,  wahre  Kuh- 
Pocke  —  eine  wahrhaft  vor  den  Blattern 
(Variola)  schätzende  Impfpocke  (Kuhpocke  2) 
im  Gegensatze  zu  den  falschen  Pocken.  Jenner 

Grad  der  Entwickelung  der  achten  Kuhpocken  fest- 
gestellt. —  AWi -Pocken- Frieael,  -Materie.  — 
(1832)  lithauische  Pocke,  1.  =  Pustula,  maligna, 
Anthrax,  Milzbrandpocke,  die  in  Lithauen 
epizootisch  aufgetreten  ist  (Behrend  62).  —  2.  = 
s.  lithauische  Krankheit.  —  Masern  -  Pocken. 

1.  =  das  früher  zur  Verdeckung  des  diagnosL 
Irrtums  als  eine  Komplikation  von  Masern  mit 
Pocken  dargestellte  masernähnliche  Prodrotnal- 
Kxanthem  (rashe)  bei  den  wahren  Pocken.  — 

2.  =  die  oft  mit  Blattern  (Pocken)  vom  Laien 
verwechselten  Masern  (Morbilli).  —  (i830) 
M>  ;  m  hen -Pocken  -  die  von  Mensch  zu  Mensch 
übertragbare  Variola  vera  s.  humana,  Variolois 
(engl,  amaü  pocks,  pox),  Pocke  1  a  im  Gegensätze 


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Pocke. 


Pocke. 


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am  den  Kuh-  (V'arcina)  «der  Schaf-  (Ovina) 
Pocken,  zur  Pferdemauke  (Equina)  (Kopp  Ii,  321). 
—  Milch  Pocke  =  Kuhpocke  vom  Kuheuter 
(Milchblatter,  Jenner  sehe  Pocke),  die  sich  nur 
bei  Milchkühen,  nicht  aber  beim  Ochsen  oder 
Kalbe  vorfindet.  —  Milzbrand- Pocke  -  eine 
heftige,  schnell  in  Brand  Obergehende,  pustn- 
löse,  phlegmonöse,  durch  bazilläre  Infektion 
entstandene  Hautentzündung  (Anthrax).  — 
MitU  l -Pocken  =  die  formell  die  Mitte  zwischen 
den  ausgeprägten,  wahren  Pocken  la  (  =  Variola) 
und  den  falschen  Pocken  (2),  s.  d  (=  Varicella) 
einnehmenden  Varioloiden  (Facha  II,  1147)  (dem 
Wesen  nach  von  den  Varicellen  vollständig 
zn  trennen).  —  Muster  -  Pocken  ■  normale 
Menschenpocken  (la).  —  X n,  )<- Pocken  =  erst 
nachträglich,  d.  h.  nach  den  regelmässig  zur 
Entwickelung  gelangten  Pocken  noch  zum  Vor- 
schein kommende  Pocken  (Falke  II,  49.  144).  — 
natürliche  Pocken  =  wahre  Menseben pocken 
im  Gegensätze  zu  den  Impfpocken.  —  Neben- 
Pocken  =  die  bei  der  Pocken-Impfung  (Varioli- 
nation)  regelmässig  am  5.  Tage  nach  der  In- 
okulation neben  und  um  die  Originalimpfstelle 
herum  sieh  entwickelnden  kleineren  Pocken 
(Vaccinolae),  die  bei  der  Vaccination  (Impfung 
mit  VaccinastofT)  nur  ganz  ausnahmsweise  er- 
scheinen (Pfeifler;  Roth  544;  M   Med.  Woch.  189«, 

s.  1212).  —  (17»)  Pferde-,  Boss- Pocken,  \.  ■> 
Kquina  (engl.  hors«pox).  eine  gutartige  Varietät 
der  auf  Pferde  übertragenen  Menschenpocke 
(Variola),  die  sich  zur  Zeit  Jenners  als  ein  an- 
steckender, verimpf  barer  Kläschenausschlag 
(a.  Scbuttmauke,  Schutzraude)  an  der  Pferde- 
fessel darstellte,  aus  welchem  leicht  Geschwüre 
entstehen  sollen  (s.  Rossblattern)  (Pfeiffer  In 
Gerh.  I.  607;  Abllg.  40;  Falke  II,  197.  293).  —  2.  = 
Pferdemauke  (s.  d.  u.  auch  Springwurm)  als 
Pferde-  oder  Rosspocke,  „allem  Anschein  nach 
eine  Miachkrankheit,  bestehend  aus  Bläschen 
der  Kquina  (horsepox)  (1)  an  der  Fessel  des 
Pferdes  und  einer  für  die  Vaccination  gleich- 
gültigen Hufkrankheit"  (Pfeiffer  In  M.  Med.  Woch. 
1896,  s  1212).  —  ÄcAa/-Pocken,  L  =  (Ovioa),  die 
primären,  höchst  ansteckenden  selbständigen 
Pocken  1  b  bei  Schafen-,  sie  sind  den  Menschen- 
pocken sehr  ähnlich.  —  2.  =  die  sogen.  Wind- 
pocken, Wasserpocken  beim  Menschen,  die 
mit  den  eigentlichen  Scbafpocken  1  verglichen 
werden,  Varicellae  globulosae,  sogen,  falsche 
Pocken  (s.  d.)  (htm*,  clavelee,  Pornbl.  27;  Behrend 
44;  Falke  II,  208).  —  &  hutz  -  Pocke  =  Vaccina, 
Kuhpocke,  Impfblatter,  die,  nach  gehöriger 
Impfmethode  auf  deu  Menschen  übertragen, 
diesen  vor  den  Pocken  schützt  (siehe  Pocken 
kaufen)  durch  allmähliche  Ibach  wächung  der 
Urpocke  (Variola).  —  tchwarzc  Pocken,  1.  = 
Variola  haemorrhagia,  wobei  die  dunkelroten, 
rotbläulichen  Blatternpusteln  mit  dunklem 
Blute  angefüllt  sind,  die  beim  Eintrocknen 
schwarzbräunliche  Borken  bilden  (*.  schwarze 
Blattern  1  U.  2)  (Behrend  41;  Goldschm.  135,  Kombi. 
101).  —  2.  =  die  Pustula  maligna,  Anthrax,  die 
schwarze  Milzbrandpustel  bei  Tier  und  Mensch 
(s.  schwarze  Blatter  3)  (Behrend  62).  —  Schweins- 
Pocke,  1.  =  die  Varicella  conica,  scrofulosa  s. 


I  lymphatica  (sus  scrofa  -  Schwein;  scrofula  — 
Schweinbeule,  Ferkeldrüse)  (engl  swine  poz, 
Kaltschm.)  =  die  bei  lymphatischen  oder  skrofu- 
lösen Individuen  wasserreicheren,  daher  pral- 
leren, mehr  konischen  Schafblattern  2  (Behrend 
44;  Fuchs  II,  1107).  —  2.  =  Schweine-Milzbrand, 
la  rogne  (Kankkorn),  Schweineblatter.  —  3.  = 
auf  Schweine  übertragene  Menschenpocken 
(Falke  II,  303),  Variolae  suillae.  —  (1,801)  Schweiss- 
Pöckchen,  1.  =  Schwitzblatter  (Hydroa).  — 
2.  =  Scbweissfriesel  (Weichard  117).  —  spanische 
Pocken,  1.  =  (1742)  die  angeblich  1492  von  den 
spanischen  Schiffsmatrosen  aus  Weslindien 
nach  Europa  und  die  (1493)  von  den  Franzosen 
vor  Neapel  nach  Mitteleuropa  gebrachten 
syphilitischen  Pusteln  (wälsche  Possen),  die 
ähnliche  Haut- Narben  hinterlassen,  wie  die 
Blattern  od.  wahren  Pocken  (ndl.  spaanse  pocken  ; 
Zw.  683;  Gr.  W.  VII,  1966;  Maachenb.  183;  Pr.  I,  337; 
blbl.  Med.  467).  —  2.  =  die  eigentlichen  wahren 
Mensebenpocken  (übertragen  von  1)  (uoldscbm. 
;  135).  —  (1699)  &pifc-Pocken  =  Varicellae  coni- 
I  formes,  konische  Schweinspocken  b.  Menschen 
(s.  auch  spitzige  Blätterlein)  (Behrend  44;  Fuchs 
II,  1107;  v.  M.  II,  133;  Falke  II,  49).  -  (1699)  Stfin- 
Pocken  =  Hornpocken  (s.  d  ),  Varicellae  durae 
8.  ovales  (Behrend  44;  Ackcnn.  108;  v  M.  II,  122; 

Falke  Ii.  49.  339).  —  (1776)  unechte  Pocken  = 
falsche  Pocken  (s.  d.),  Varicellae  (Behrend  &).  — 
ungarische  Pocken  =  heunsche  Blatter,  Milz- 
brandpustel, Pustula  maligna,  Anthrax  bei 
dem  oft  durch  deu  Viehhandel  aus  dem  Osten 
nach  Deutschland  gebrachten  Milzbrande  (Bchr. 
61.  62).  —  Ur -Pocke:  als  solche  betrachtete 
Jenner  die  Pferdepocken  (theGrease;  Mauke), 
welche  auf  die  Kubeuter  übertragen  werden 
mussten,  um  ein  kräfügereres  Virus  xu  erzeugen. 
Jenner  hatte  die  in  der  Neuzeit  durch  Pasteur  erwiesene 
Verstärkung,  resp.  Abschwachung  eines  Krankheils- 
Virus  durch  Überpflanzung  auf  verschiedene  Tier- 
spexies  schon  richtig  verstanden,  experimentell  aber 
•eine  Hypothese  nicht  xu  erweisen  unternommen, 
nicht  einmal  den  naheliegenden  Versuch  gemacht,  die 
Variola  von  Menschen  auf  Kühe  tu  übertragen.  Die*e 
Scbutxpocke  am  Pferde  war  aber  vermutlich  selbst 
schon  eine  übertragene  Menschenpocke  und  deshalb 
Urpocke  =  ursprüngl.  Menschenpocke  (Variola). 
—  (1680)  Venu* -Pocken  =  Syphilid  (Venerie) 
(Pr.  III,  278).  —  (1476)  voll  Pocken  =  morbillosus 
(D.  36")  —  mit  Kindsblattern  auf  der  Haut  ganz 
voll  bedeckt.  —  tcälsche  Pocken  =  wälsche 
Possen,  spanische  Pocken  (s.  d  ).  —  Warten- 
Pocken,  1.  =  Varicella  conica  s.  venueosa  = 
die  warzenähnlich  konischen  Schafblattern  2, 
welche  länger  bestehen  bleiben  sollen,  als  die 
feuchteren  Wasserpocken  oder  Windpocken 
(Behrend  44;  Falke  II,  49).  —  2.  =  linsen-  bis  hasel- 
nusugrosse,  harte,  schmerzhafte,  fälschlich 
Pocken  genannte  Hautwarzen  bei  Kühen.  — 
(1795)  Hasser-Pocken  =  Pocken  2,  lytnph-  oder 
wasserreiche,  KlaMielle,  blasenförnnge  Schaf- 
blattern 2,  (1764)  Varicellae  (Vogel ;  Ackermann  108; 
Falke  II,  49;  engl,  waterpox,  glasspox)  (Schweins- 

,  pocken).  —  weisse  Pocken  =  Vaccinae  albae, 
Schutz-  oder  K  uhpocken,  die  eine  helle  Flüssig- 

|  keit  enthalten  (Falke  Ii,  434).  —  wilde  Pocken 


478 


Podagra 


polstern— Pöpel. 


=  Heidepocken  (a.  d.),  nicht  natürliche,  d.  h. 
nicht  regelmässige  Schafblattern  bei  Kindern, 
sondern  Varicellae  Bpuriae  (=  Pemphigus  neo- 
natorum), krankhafte  Blasenbildungen  auf  der 
Haut  (Gr.  W.  III,  1421).  —  Wind-Pocken  =  die 
bald  vorübergehen  den,  nicht  lange  bestehenden 
falschen  Pocken  (s.  d.),  Varicellae  spuriao 
(Goldscbm.  136;  Behrcnd  M;  Falko  II,  49;  engl,  wind- 
pox).  —  Wochen- Pocken  =  Wochenfriesel  (s.  d.) 
(KDeippi34).  —  (i890)Zn/m-Pocken  =  die  wahrend 
der  kindlichen  Zahnungsperiode  manchmal 
beobachtbaren  Hautknötchen  (Strophulae  inf. 
Zahnlieschen*),  die  oft  mit  Schafblattern  (Vari- 
cellae) verwechselt  werden  (J.  B.  f.  K.  H.  K.  1890, 
XXXI,  61;  Münch.  Med.  Wocb.  1894,  S.  856).  —  (1782) 
zeitige  Pocken  =  voll  entwickelte,  reife  Impf- 
pocken (M.  Ii.  I,.  l,  264).  —  Ziegen- Pocken  =  auf 
Ziegen  übertragene  Menschenpocken  (Kalke  II, 
43«).  —  tutammetifliestende  Pocken  =  Fliess- 
pocken (s.  d.)  (Ackerm.  102).  Die  meisten  Namen 
dieser  Poekenartcu  entstanden  erst  am  Knde  de»  vorigen 
und  Im  Anfange  diene»  Jahrhunderts  unter  dem  Ein- 
flüsse der  Jcnuer'schen  Impfmethode;  die  ursprüng- 
lichere, altere  Bedeutung  l'ocken  —  Franzosenpustel 
erhielt  sich  auch  Im  Pockenbolz  (Lignum  Guajaci), 
das  ein  AntlsyphlllUcutn  l»t.  —  Pocken  ■/>'.'' .'tr f.  >•,", 
•Delle,  -Drüsen,  -Frätte,  -Gijt,  -Orint, -Grube, 
-grUbig,  -kaufen,  -Krankheit,  -Mann.  -Materie, 
-Mauke,  -Narbe,  -Not,  -Räude,  -Schramme, 
-Seuche,  -Stoff". 

Podagra,  n.,  f.  Podigrab,  Podegram,  f.,  n. 
Pfotengram  (Pootj  e)  (wie  Rosenbaum  285  au  nimmt, 
ans  soSa/.fta,  noö;,  m&oYA-rt« ;  leUteres  durch  attische 
Verwandlung  des  f.  in  u  =  itoSotpf  ia  entstanden,  unter 
Metathesl«  no^at-fr*01«  Doderleln,  lat  Synon.  n.  Ktymol. 
IV,  424  =  Fusscbmerz,  Fnsslahme;  nach  Kraus,  K.  38. 
825  aus  tto3-«rff»a  [=  Fussfalle  bei  der  Jagd.  Fangen] 
=  was  den  Fuss  befallt?  [Vill.  II,  471).  ai«>tuj,  «-rptw 
es  fange,  Roth  430;  in  mbd.  Zeit  übernommen  als 
[12.  Jahr h .)  piVdagra [Pfeiffer  18]  der  Ärzteschulen ;  pögrat 
=  Fusslahtne,  Parxlval ;  Gr.  0.  M.  II,  1108;  Gr.  W.  VII, 
1966J;  1486  pedagel  =  pedagra,  D.  II,  296;  15.  Jahrh. 
podegran,  <ir.  W.  VII,  1877;  15. — 16.  Jabrh.  bodegramm, 
podegram,  Gr.  W.  IV,  1.  1028  -  crarop  in  den  vocs, 
1).  443;  1619  podagra  =  exitus  morbi  galllcl.  V.  Hutten, 
IT.  II,  49;  1529  das  podengran,  Pnrac.  de  imp.  B3; 
1693  podagra.  f.,  Gr.  W.  =  Fussgramerin  ;  16.  —  17.  Jabrh. 
bodengra,  |>odegra[m),  podegrem,  podagram,  potigran  ; 
1608  pfotengram,  pfolagra  [lauter  Nebenformen,  die 
unter  scherzend  s|»ottl»chcr  Anlehnung  an  pfoto  und 
Gramm  =  Krampf  sich  bildeten]  =  Fussgramm,  chiragra, 
Handgleht.  Gr.  W.  IV,  1.  102«;  VII,  1466;  1609  podl- 
gramb  Guar.  935;  [Schwaben]  pottegra,  ßuek  18; 
[Bayern]  podigrab,  Schindler  1,  382;  [Flandern]  pootje. 
D«  Cock  307.  312;  dazu  Podugrams- Kraut  =  Aegopodium 
podagraria  I..,  Tabeniaem. ;  franz.  podngrc,  podagreux, 
pouacreux,  gouttc,  Bris».  93,  145).  —  Podagra,  1.  = 
die  fast  immer  den  Fuss  zuerst  belallende 
(Fuss-)  Gicht  4.  —  2.  =  Handgicht  (Chiragra) 
(norweg.  joira),  Meissen  an  den  Handghedern.  — 
3.  =  Gicht  überhaupt  (s.  Gut  u.  Tropfen).  —  4.= 
eyphilit  Knochenschmerz.  —  5.  =  Richttthnliche 
Erkrankungen  bei  Haustieren  (1592  Podagra  der 
Fuesse  vnnd  der  Krewel  [bei  Habichten],  Seb.  731; 
Podagrain  [bei  Pt-rden],  Seb.  1%).  —  (1690)  Poda 
gramer  =  einer,  der  uus  Podagra(m)  hat  (Gr.  w. 


VII,  1967);  anlehnend  an  Kramm,  Krampf;  man  stellte 
sich  das  Podagra  (noch  1712)  als  einen  Geietikkrampf 
vor,  der  von  unordentlicher  Bewegung  der  Leben*- 
geisler  herrühren  sollte  (F.  Hoffm.  VII,  214).  —  (1561) 

podagrämisch,  (1*77,  litt)  podagramisch,  (1592) 
podagrisch  —  podagrosuB,  mit  dem  Podagra  in 
Üeziehung  stehend,  damit  behaftet  (Schmeller  I, 
382;  Seb.  29;  Gr.  Vf.  VII,  1967).  —  (1783)  Podagrist 
(nlat.  podagrtsta,  Gr.  W.  VII,  1967)  -  einer,  der  am 
Podagra  leidet  (Easicb  474).  —  (1594)  geschlachtetes 
Podagra  —  gutartige  Gicht  (FUcbart).  —  (1756) 
//afo-Podagra  =  Genick-Gicht  (A.  v.  H.  I,  1291). 

—  //..-«»/-Podagra  [1181  da»  podagra  in  der  bandt; 
1560  das  podagram  in  haend,  Gr.  W.  VII,  1966;  D.  121) 
=  Chiragra,  Fingersucht,  Handgicht,  Urarlhriti«, 
Morbus  aulicus  (aula  =  Hot,  reicher  Uerren-Siu)  = 
rei ch er  He rren-Kran k h ei  t .  —  ( 1507)  fieitses,  hiteiget 
Podagra  (Hort,  aan.)  =  ein  Zipperlein  mit  ent- 
zündlichen Schmerzen.  —  (1699)  kalte»  Podagra 
=  das  schmerzlose  Podagra  (s.  vorige«  u,  kalt) 
(v.  m.  i,  288).  —  (1766)  /ii (  /Vi  -Podagra  =  Siagon- 
agia  -  Gicht -Ablagerung  im  Kiefergelenke 
(  \.  v.  h.  Ii,  1271).  —  (1608)  lustiges  Podagra  =  eine 
schmerzlose  Fussgicht,  Herrenkrankbeit;  die 
l'odagristen  sind,  wie  man  sagt,  meist  guten 
Humors  ausserhalb  der  Schmerzanfalle  (Beyn. 
315).  —  (1766)  Rücken  Podagra  -  Khachisagra 
=  Ablagerung  von  Gichtstorfen  in  den  Wirbel- 
irelenken  (A.  v.  h.  Ii,  1269).  —  (16.  Jahrh.)  veraltete* 
Podagra  (Fr.  Kr.  B.  667;  Lonic.  341)  =  chronische 
Urarthritis.  —  Podagra -Fluss,  -Glieder,  -Ma- 
terie, -Tripper,  -  Weh,  -  Wüten. 

polstern  —  mit  bellendem,  bulsterndem,  bel- 
ferndem Tone  wie  eine  Bulldogge  husten  = 
tussitare  (D.  603). 

Pöpel,  m.  Popel,  Popeln,  pL  Pnples  (kaum 

zu  popeln,  poperin  =  schnell  bin  und  her  bewegen, 
M  hwach  klopfen  löchm.  1,  400;  Schw.  504;  Meyer  76], 
sondern  besser  zu  Pop|>e  [  =•  l"uppe]  wie  Tockele  ;  conf. 
verpöpcln  -  verhüllen;  elnpitpoln  —  einhüllen,  Spless 
II.  62.  268),  1.  m  ein  verhüllter  kleiner  Klopf- 
oder  Spuckgeist:  a)  aus  dem  Walde  Waid- 
Popel  (Panzer  2. 109);  b)  auch  ein  dem  Menschen 
aul  hockender  Hauekobold  od.  Butzimann,  dessen 
Puppcu-Blld  in  Wachs  früher  Im  Leingaden  (Penates) 
an  der  Hell  oder  am  Uten  über  der  Uerdstelle  auf- 
gestellt war  als  Popelmaun,  //«U-i-Pöpel  (Blbele; 
Schwaben,  Österreich,  Franken),  Ji<  Ua  -  Popula 
Köhler  448),  HollapupiHi,  Hollepöpcl,  Hullepopel 
(Bavaria  III,  1.  296;  (ir.  D.  II.  I,  473  475,  Anm  ;  Uruuell 
I,  2.V.;  Kthnol.  Mltt.  a.  Ung.  1894,  fi.  257;  Brinzlng  406; 
Panzer  2.  106.  109;  Mannh.  74;  Verna].  88,  Wuttke  42) 
oder  als  Pöpel  zur  Spottllgur  wurde  (t'opanz, 

Pop- Hanns).  —  2.  =  der  (von  diesem  Pöpel- 
mann,  Popelmann,  PophUrtlein  verursachte) 
verhärtete  Augenltd-,  Mund-  und  Nasenschleim 
(s.  Pöppel-Auge)  bei  Kindern  (Pöpel.  Pöperle, 
Pnpoln,  Mann-Mann,  Mö-Mö),  der  sich  wie  eine 
Fliegenmade  (Puppe,  Larve)  ausnimmt,  unter 
welcher  Gestalt  die  elhischen  Geister  in  den 
Menschen  einziehen  (Puppe  =  boppe,  Kluge*,  290; 
Schw.  604;  Schmeller  1,  400).  H.  Paul  346  nimmt  an, 
dass  „ Puppe"  als  Insektenlarve  aus  dem  Französischen 
übertragen  wurde,  „Poppe"  Ist  aber  wobl  echt  deutsch. 

—  8.  =  die  öfters  nach  dem  Volksglauben  durch 


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Pörpel— Pollution 


Polster— Pompel.  4?» 


Nachtgcister  veranlassten  Bläschen,  Porpein, 
Knötchen  im  Gesichte  (Herpes,  Papulae,  Akne, 
Bullae) ;  vielleicht  haben  die  ärztl.  Papeln  (papulae), 
die  allerdings  nur  Schulansdruck  sind,  deu  Bestand 
die»er  Popeln,  Popeln  begünstigt,  die  eigentlich  nur 
Porpein  (t.  d.)  sind:  (Bayern)  poppe,  poppen,  boppel; 
(Schweix)  pop|>eln,  popern ;  (Pfalz)  poppein,  poperle, 
po|iern;  (Österr.)  popern  ;  (Schwaben)  poppele,  pompelc, 
bobbcle,  boböle,  puple,  bup|>el ;  (Oldenburg)  bnbbtes 
(Pauli  113;  Goldschm.  149;  C.  V.  Schal.  80;  Schw.  «M ; 
Schweiler  I.  399;  ür.  W.  11,  198.  632;  VII,  2000  ff  ).  — 
4.  =  Poppel  -  ein  dummer  Mensch,  kleiner 
Kretin  (Z.  f.  d.  Phil.  III,  336,  Erbe  18);  die  Kretinen 
Namen  sind  oft  auch  Dämonen  •  Namen ,  well  beide 
Wesen  vom  Volke  identifiziert  und  die  Kretinen  als 
Wechsclbalge  davon  abdämmend  angenommen  wurden 
(s.  Kobold,  Alp,  Bilwiz,  Troll,  Butz).  —  5.  - 
Poppele  =  Teufel  (Blrllnger,  Sitten  127.  128).  — 
popelicht  =  mit  Popeln  besetzt  (Sehmellcr  I,  400). 

—  A7«'/-Pöpper  =  s.  Papen.  —  X  nsi  n  Popel, 
-Popel,  1.  =  verdickter,  verhärteter  Nasen- 
schleim (Pöpel  2)  (Spleas  II,  171;  Gr.  W.  VII,  414; 
Z.  f.  d.  A.  1888,  S.  IM;  Urquell  III,  109).  —  2.  =  wie 
Schelm,  Olf,  Wicht,  auch  ein  Schimpfwort.  — 
Äitn-Pöpel  =  ein  die  Kinder  erschreckendor, 
die  Ruhe  im  Schlafe  störender  Dämon  (Voigt). , 
Kohler,  V.-Br.  290).  —  S/roÄ-Popel  =  eine  lang- 
sam", schwerfällige  Person  wie  Popanz  = 
Strohfigur  (Cranell  n,  158).  —  trrpoppern  =  durch 
den  EinÜuss  des  Popelmannes  (Dämon)  unter 
Aufregung  (Convulsiones)  zu  Grunde  gehen 
(Erbe  14  stellt  es  zu  Popelsucht,  a.  d.  [Vi).  —  Wald- 
Pöpel  s.  o.  —  Pop(cn)-,  Pöpel- A uge.  -Hanns, 
-I Ailler,  -Mann,  -Seuche,  -Sucht. 

Porpel  s.  Porpeln. 

-pörung  s.  bohren. 

Pöttich  s.  Pottich  u.  Petik. 

Pofel,  m.  (zu  tappeln  =  schnell  sich  bin  und  her 
bewegen,  wirbeln,  Sehmellcr  I,  381.  400).  —  Pofel  = 
der  Geifer  od.  Mundschleim  mahnender  Kinder, 
der  als  Schaum  hervorquillt. 

Pogge,  f.  =  Kröte,  Frosch  (s.  d.  n.  Pocke) 
(nordd.;  Krtschb.  80;  holl.  päd;  schwed.  padda). 

Poldsche,  m.,  f.  poldschen  (wendisch  poldnja 

—  Mittag;  [Mark  Brandenburg);  poldschen  --  Irre  reden, 
Lalstner  I,  32)  —  ein  männlicher  oder  weiblicher 
Mittagsgeist  (s.  d.),  der  mit  einem  hölzernen 
Ilammer  nach  dem  Volksglauben  die  Menschen  auf 
den  Wirbel  schlägt  m  SonnenHtich,  der  verwirrt 
und  Drohnen  im  Kopfe  macht. 

Polen.  —  polnische(r)  Flechte,  Krankheit, 
Sriuhe,  Zopf.  —  Carininculus  polonicus  = 
Hchwarze  Milzbrandblatter  (Krans,  E.  869). 

Polka.  —  Polka- Fieber. 

•polla  8.  Bollen. 

Pollution,  f  Pollux,  m.  (In  derStudentennpracbe  ; 
zu  polluero  =  verunreinigen  in  feuchter  Form)  =  Pol- 
lutio  nocturna,  involuntaria  seminis  in  soraiio 
(s.  Alptraum)  cum  titillationis  libidinosae  sensu 
emissiu  (Kirsch  923;  engl,  wet  dream.  Dornbl.  146) 
=  Befleckung,  Samenergieasung  im  Traume.  — 
Pollution»-  Katten. 


Polster,  II.  (itltgerm.  bclg  (schwellen,  Balg];  germ. 
holst  ra  =  Schwellung;  nhd.  polstar;  mhd.  pohttcr  — 
Geschwellte»,  Kluge*,  28S),  1.  =  (1646;  nyrtl,  K.  W.  15) 
Glutaei,  die  schwellenden  Gcsässmuskeln,  auf 
denen  man  wie  auf  einem  Kissen  sitzt.  —  2.  = 
weibliche  Brüste  (Heyne  III,  1180  ff.l.  —  Magen- 
Polster  =  (Obcrsetznng  des)  Pulvinar  ventriculi 
(der  Arabisten),  Pankreas,  KÜcklein  (r.  d.),  das 
Wampenbries,  Gekrösdrüse,  die  man  als  ein 
von  der  Natur  geschaffenes  Rückenpolster  för 
den  vollen  Magen  ansah,  weil  man  keine  andere 
Erklärung  für  dieselbe  fand.  —  (1843)  Strahl- 
Polster  =  das  unterm  Fleischstrahle  des  Pferde- 
hufes liegende  schwammige  Gewebe  (Falke  II,  847). 

Polterer,  m.  poltern  (elu  onomatopolctlsches 
Scliallwort  aus  [spät  mhd.)  bulderu  -  I.arm  machen, 
uugestQui,  hastig  handeln)  — die  Silben  und  Wörter 
gewissermassen  Istrmend  oder  sprudelnd  (siehe 
brudeln*)  herausschülteln,  überstürzen  (Bat- 
tarismus)  (coeu  41;  Kluge5,  288).  —  Polterer- 
ein Mensch,  der  einen  solchen  Sprachfehler 
(Tumultus  serraonis)  hat. 

Polyp,  m.  (grtech.  polypous  [Octopus  vulgaris], 
Onber.  Soranus  5) ;  mit  diesem  Vielfuss-Tiere  verglich 
man:  1.  =  jeden  der  Kleischpulpa  ähnlichen, 
aus  einer  Körperhöhle  sich  vordrängenden, 
gestielt  herabhängenden,  aber  mit  dem  Kusse 
(Wurzel)  auf  seinem  Boden  (Schleimhaut)  noch 
haftenden,  übermässigen  Auswuchs  am  tier- 
ischen und  menschlichen  Körper  (1518  polyp  ein 
überlg  Fleisch  in  der  na*cn,  H.  v.  Gersd  100;  1692 
polypus  -  ein  Nasengeschwar,  Seb.  34;  flander  [*.  d.*] 
=  polypus,  I>  II,  176;  1741  polypus  =  Naaengcwiicbs, 
garstig  und  um  sich  fressende  Krebs-Krankheit,  Kirsch 
924).  —  2.  =  (1766)  Herz-Thrombns  und  Em- 
bolus („ein  gewaechs  des  hertzens  oder  einer  Ader, 
A.  v.  H.  I,  1145).  —  3.  =  der  (mit  dem  Nasen- 
polypen oft  verbundene)  öble  Geruch  aus  der 
Nase,  Ozaena,  Poetor  narium,  Pestis  vel  Putredo 
nasi  (Du  Cange  VI,  395.  399.  400).  —  4.  =  s.  Plunder*. 
—  Die  Begriffe  des  bötartigen,  Fleitch-,  Mutter-, 
Na$en-,  Schleim  •  Polypen  ergeben  Bich  aus 
Obigem;  (1741  cauda  matrlcls  -  ein  gewiss  langes 
Gewaechs  an  der  Gebaennutter  so  sich  büui  in  den 
Mutterhals  [Scheide]  herablacsst,  Kirsch  197).  —  llert- 
Polyp  =  ein  polypenartig  an  der  Innenwand 
des  Herzens  aufsitzender  Thrombus,  Paser- 
stoffgerinn8el  (s.  Wif);  «.  Z.  v.  J.  J.  Rousseau 
„eine  gewöhnliche  Herzkrankheil"  (damals  eine 
moderne  Einbildung  der  Kranken  ;  1702  erschien  eine 
Abhandlung:  Polypus  cordls  epldcmtcu»,  Kraus,  E. 
721 ;  Vlcrordt  88). 

Polz  8.  Bolz. 

Pommer,  m.  1.  =  eine  kleine  pumpete  Hunde- 
art. —  2.  =  ein  kleines,  breites,  dickes  Wesen 
(schwab. ;  Erbe  31). 

Pompel,  f.  Pampel,  Poms,  Bons,  Pumpel. 

PÜmperle  (da  Britsche  und  Pumpel  Bchallwerkzeiige 
bezeichnende  Worte  sind  und  beide  =  Vulva,  Feininal 
bedeuten  [Gr.  W.  IV,  1.  482;  VII,  2237;  Schmeller  I, 
392;  C.  v.  Scbtn.  39),  so  dürfte  hier  an  den  Schlag  mit 
der  Lebensrute  [Autklndelu,  Aufpfeffern,  AuffüUeln, 
s.  d.  Verf.  Baum-  u.  Waldkult,  S.  20)  erinnert  werden 
nnd  an  das  BriUchBritach  [Kindenrprache]  -  Schlag 


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480  Popanz— Porpein. 


Porxellan— Pott. 


auf  den  Hintern;  i Heimelt  )  Uous,  buns,  Tom»,  rom|>cl 

—  rulra,  Spiess  U,  31.  186;  Pompclblumen  =  Chry-  I 
santhcinum  tanacclum,  Jessen  tW  =  Gürtler,  Bcliuss  I 
[=  InclUmetiU  ad  coltum],  Kraft»  une;  —  pumpeln,  ' 
pümpeln  =  fatuere  ex  vagina  (Gr.  W.  Vll,  2227).  '. 

—  pumpet  —  breitgesohlafren ,  untersetzt  im  ' 
Körperbau  (engl,  bump  =  Beule,  Kaltschm. ;  Scbm. 

1,  892).  —  Pumperer.  1.  =  der  (kollernde,  pum- 
pernde) Bauoh  (Hlntn.  8  18).  —  2.  =  ein  pumpeter 
Mensch  (Hintoer  6.  n).  —  fJVrz-Pumpern  =  un- 
ruhiges Schlagen  des  Herzens,  Herzpochen, 
Herzklopfen  (Gr.  w.  IV,  2. 1269.  1208).  —  Pumpet-, 
pumperl-^*M«tI,  •thöricht. 

Popanz,  m.  s.  Pop-Hanns. 

Popel,  Poppele,  m.  s.  Pöpel.  —  Popel-SucW. 

Popelsie,  f.  s.  Popelseuche. 

Popist,  m.  (».  Papst;  1777,  ndl.  bovyst  =  poplst, 
Bubenflst)  sb  grepitUS  (D.  167). 

Popo,  m.  (BODO)  =  Podex  (Klndersprache ;  ab- 
gekürzt und  redupliziert). 

Pore,  f.  (au»  dem  griech.-lat.  porös  [Empedocles], 
portu;  franz.  pore,  Gr.  W.  VII,  2002)  -  HautötfnutiK. 
Schweis«-  odet  Dunstloch,  Blutgefässötrnungen 
(Galen.;  Kraus,  E.  836;  D.  449).  —  Ha >< f- Poren 
Scatms*-Poren. 

Porpein,  Pörpeln,  Berpel,  Parpeln,  Borpein, 

Puipeln,  Buppeln  (aus  mtlat.  purpurn,  purpula, 
purpela,  Gr.  W.  I,  1627;  II,  246;  VII,  2002.  2266;  1482 
berpel  =  Variola,  Urscblachten,  Zening.  Voc.  mm  4; 
rubeola.  Rotein.  Gr.  W.  I.  1527;  1493  barpeln  =  Variola, 
D.  607  ;  1507  porpeln  =  Finnen,  Hort.  san. ;  1513  porpeln 
=  Urscbl&cbten,  Variola,  Gr.  W. ;  16.  Jahrb.  purpeln  = 
Pockenge-«chwure,  Gr.  W.  IV,  2.  701;  1318  borpellen  = 
morbllli,  H.  v.  Gersd.  100;  1621  porbel  =  Variola,  D.  607 ; 
1666  purpeleu,  porpeln,  Kindsblattern,  Kotein,  Gr.  W. ; 
1567  borpelcn  =  KoUucht,  Plctor.  21;  1576  porpeln  = 
varl  albl,  U  schlichten,  Gr.  W. ;  1680  porpeln  =  Kinds- 
blattern, Pocken,  C.  v.  8chm.  149;  Gr.  W.  VI,  1700; 
1587,  1588  purpeln  =  Variola,  Blattern,  Gr.  Vi.  VII, 
226«.;  D.  647,  Durchschlachten,  Röteln;  1592  parpeln 
=  Kindsblattern, 8eb.  57 ;  1610 porpeln  -  Klndcrblattcni, 
Variola,  Gr  W,  Vll,  351,  2003;  1C99  pocperlcin  =  pör- 
peleln  =  purpeletn,  Petechien,  v.  M.  II,  168;  parpen  = 
porpeln  [V],  Pockenwarze,  v.  M.  I,  73  beim  Kalbe; 
1728  purpeln  ■  variolae,  Kotsucht,  morbllli.  Zw.  474. 
966,  1807  purpeln  =  Pocken,  Blattern,  Ackermann  88; 
Gr.  W.  VII.  1964;  Pauli  36;  Schindler  II,  499;  franz. 
1c  pourp'e  -  purpura  varlolica  ■  variole  nolre  [schwarze 
Blatter],  Bris*  136;  engl,  purple  =  Kleckflebcr,  Schar- 
lach, purples  ---  Prieseln,  Kaltscbm.)  =  roter  Haut- 
ausschlag: 1,  =  Variola,  Pocken,  Blattern.  — 

2.  =  Morbilli,  Masern.  —  3.  =  Köleln.  —  4.  = 
Schafblattern  (Prodromalstadium).  —  6.  =  pa- 
pulöses  Syphilid  (witlsche  Pocken).  —  6.  ■ 
Petechien.  —  (16.  Jahrh.)  purpelicht  =  syphi- 
litisch (Gr.  W.  VII,  2266)  (s.  auch  Purpur).  —  (1590) 
französische  Purpeln  =  wälsche  Purpeln  (Gr.  w. 
VII,  2266).  —  (1557)  .vÄimi-:-  Borbeln  (Plctor.  80) 
^schwarze  Pocken  oder  Blattern  (s.  d.  u.  oben). 

—  (1533)  wälscJte  Purpeln  =  (1497  morbUll  ltallci) 
die  bei  der  Fransosenkrankheit  (Morbus  galli- 
cus)  auftretenden  roten  Hautausschläge  (Syphi- 
lide) (Gr.  Vi.  VII,  2266,  Z.  Hdb.  III.  4;  Haeser  II,  196; 

Fnch«  i,  363.  st»;  Pr.  Ii,  171).  —  tmsK  Purpeln 


(franz.  pourpre  blaue,  Bris«.  137  m  fievre  miliaire)  — 
weisser  Friesel  (s.  d.).  —  Porpel- A/am». 

Porzellan  n.  (aus  ital.  porcellana,  dies  aus  mtlat. 
porcus  —  concha  Veneria ,  eine  Seemuschel ,  deren 
milcbweissglanzende  Schale  den  chinesischen  Topfer- 
waren den  Namen  gab,  Kluge*,  288;  Gr.  W.  VII,  2000). 
—  Porzellan-i,,ie6er,  -Friesel,  -Krankheit. 

Posaune,  f.  (zu  Ist.  bücina;  altfranz.  bulsine  ;  mhd. 
bosünc  =  Blasinstrument)  —  Hut;  Posaune  (Splesa 

II,  i»9)  =  Kind,  welches  mit  lautem  SchnüÜel- 
geräusche  Schleim  aus  der  Nase  ausstösst. 

Poschen,  pl.  =  die  bauschigen,  wulstigen 
Ausbuchtungen  am  Dickdarme  der  Wieder- 
käuer und  Pferde  (Martin  39;  Frank;  Falke  II,  211) 
(s.  Bauschen). 

Possen,  pl.  (mtl.  bocio,  bocla,  bothium.  Botium, 
Bocium,  A.  Par«;  Kraus,  K.  168,  D.  II.  56;  I,  76;  dazu 
franz.  la  bosae  =  bubo,  Brias.  243 ;  ltal.  boxxa  -  tuber 
pestifcnim,  anthrax,  apostema,  aneb  glandula  In  in- 
guine,  bubo,  Du  Gange  I,  713  =  Heimlichkeit,  D.  79  , 
1352  hernia  [crepitus],  D.  615.  616;  1348  bosaaa  =  Pest- 
beulen, Lorsch  118;  1467  une  bosse,  Du  Cange  IV,  280; 
armorisch-kelUsch  bos.  bösen  ■=  Pest ;  skr.  varoa  =  Tod, 
vas  =  inlerneere,  Kuhn,  Zeitachr.  V,  862).  —  Posse 
-Lendenbeule  infolge  von  Pest,  Syphilis  oder 
Lenden-,  Leisten-,  Hoden-Bruch  (Hernia),  Cre- 
patura  (s.  Bünkel).  —  tcälache  Possen  (Z.  Hdb. 

III,  4)  =  Drusenschanker,  LyinphdrOaenan- 
schwellung  bei  den  spanischen  Pocken  (=  Sy- 
philid-Pusteln). 

Postem,  Posten,  m.  1.  =  (14.  Jahrb.  postem, 
Z.  f.  d.  A.  1888.  MS;  15.  Jahrh.  =  apostema,  H.  Z.  XX. 
24;  franz.  pousteme,  postume,  Brtss.  290)  =Aposiem 
(i.  d  ).  —  ii.  -Posten  entstellt  aus  Bluoaten  = 
Kehflecken  (zu  Reff  1 ;  ahd.  reo  =  Leiche),  Nagel- 
blQten,  die  den  baldigen  Tod  anzeigen  sollen 
(s.  Nornenspuren)  (Rochholz  I.  136). 

Postur,  f.  -  (1743)  Positur,  Statur  (Sehmeller  I, 
413;  bibl.  Med.  23),  aufrecht  stehende  Körper- 
haltung. 

POSS,  n.Pozs.  böse  (engl.  pose,poze  =  Schnupfen, 
nach  Kluge*,  290  vielleicht  zu  pusten  [s.  d.]7). 

Pote,  f-  s.  Pfote.  -  Pot(<)-L«Jfcer. 

Pott,  Pottach,  Pottich,  Podig,  Bottich, 
Bottech,  Bödi,  Bedi,  Betacher,  Bedicher, 

Puett,  -püt,  Butzach  (abd.  potab,  poUh.  Graff  III, 
86;  potaeba  =  putina,  D.  474;  botahba  =  corpora:  podeh 
=  cadaver,  D.  II,  64;  10.  Jahrh.  botecha  =  morticlnla, 
Notker;  13.  Jahrb.  botech,  botlch  =  Rumpf  ohne 
Haupt,  Sehmeller  I,  309;  1388  poüch  =  Rumpf  1.  eod. 
I,  810;  1399  patlch  b  Rumpf;  mhd.  botieb;  16.  Jahrh. 
put  =  ezentrum,  Intestinum  placium ;  puür,  pl.  =  Ein- 
geweide, Gr.  W.  IV.  1.  1918 IT.;  1482  gepütt  =  exentra, 
Zen.  Voc.  ml;  pltt,  Sehmeller  I,  305;  1542  botüch  sa 
Rumpf  ohne  Kopf,  Sehmeller  I,  310;  1561  bütterlch, 
bötterich  =  Bauch,  Wanst,  Gr.  W.  IV,  1.  1914; 
nhd.  bottech,  bottieb  =  Rumpf;  podoeb  =  der 
Hintere ;  butten,  m.  =  Leib,  Magen,  Bauch,  SchmeUer 
I,  310;  podlg,  bedi,  bödi  -  rnterlelb,  Rumpf  ohne 
Kopf,  Schindler  1.  c. ;  1417  pedek,  pedick  =  medulla, 
mediculeum  ,  D.  II .  249 ;  das  Mittelste  [Kern  ,  Mark] 
eines  Dinges  [s.  Petlk) .  pedacher ,  pedlcher  =  toter 
Korper,  I.  c. ;  [O.-Pfalzl  becht  =  Korper;  (Oldenburg 


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Prach  — prechen. 


preckeln— Priapismus.  481 


pettlk  =  Abseeaskörper;  Buzach;  intim,  buzechae;  lud. 
busecchie  =  exta.  Eingeweide,  Kattelflecke,  Schneller, 
Tirol.  Xamenf.  276).  Der  Bottich  hat  etymologische 
Beziehungen  zu  Bütte  (Kluge  *,  51);  die  begrifflichen 
Beziehungen  beider  alnd  wobl  nur  au«  der  Anatonila 
sacralif,  au*  der  vom  Oode  (auch  ahd.  pluostrari)  ge- 
leiteten Opieranatomie  ahzulciten ;  nachdem  dieser 
den  Kopf  des  kleineren  Opferticres  yom  Kutnpfe  ge- 
trennt hatte  (an  diesen  Teil  erinnert  noch  den  an 
gewUie  Kultzeiten  gebundene  Kalbskopf-  u.  Schweins- 
kopf  Essen  In  den  Spitalern,  das  lange  Zeit  sich  er- 
hielt, und  der  Schwur  auf  den  Eberkopf),  blieb  der 
kopflose  Rumpf  des  Tieres  (Bottich)  zurück;  dieser 
wurde  auageadert  (s.  d.),  ausgelöst  (s.  d.),  gebftttet,  dos 
Gebütte  wurde  herausgeworfen;  Leber  und  Lunge 
übernahm  der  Gode  zum  (hauslichen?)  Brandopfer 
(s.  Godeslungc.  Godeeleber) ;  die  Haut  des  Tieres  wurde 
abgestreift  und  (wenn  das  Schlachttier  =  zebar,  kein 
grosses  Opfertier  war,  sondern  ein  Kalb  z.  B.)  zum 
Wasserbottich  ( =  Wasserkalb  -  Bütterich  s.  d  )  als 
Bütte  (=  Schlauch,  Gefaas)  benutzt;  das  Un-zcbar  = 
Ungeziefer  (ungezlbere)  aber,  das  nicht  zum  Opfer 
geeignete  Gepütt  (Intestina,  exentera)  war  dann  das 
Namengebende  für  die  einzelnen  F.ingcwcidetelle  (ohne 
die  sogen,  edlen  Teile).  Aus  dieser  Opferanatomle 
ergibt  sich  durch  teilweise  Übertragung,  dassPottich: 
L  =  menschlicher  und  tierischer  Leib  im  Gegen- 
satze zu  Kopf  und  Hals,  der  dicke  Leib,  Wanst 
(der  bei  Tieren  verarbeitet  zum  Bottich  [s.  d.] 
wurde).  —  2.  =  die  ganzen  Eingeweideteile 
hiessen  das  Gepütt  oder  Geäder,  Inngeräusch, 
ausgeweidete  Gelose,  das  ausgeworfene  I*os 
(s.  d.),  das  Weidelot  (Schräder  120).  —  3.  =  ein 
kleines  Kind  (Bamsi),  da»  sozusagen  nur  Wanst 
ist  (ndd.  pultk,  pitk.  Kromm.  VI,  364).  -  Pöttling 
(15.  Jabrh. ,  1417  eyn  botlingh  =  eunuchus  spudn 
(s.  Spat];  ndd.  boeUingc  die  nicht  doghen  to  rokernde, 
D.  II,  145.  158.  344  ;  ndd.  bodllng.  boetling  -  ver- 
schnittenes Bind  oder  Pferd,  Kromm.  VI,  53)  =  ein 
ausgebluteter  Kastrat  oder  Eunuch,  der  ge- 
schlechtlich nicht  mehr  verkehren  kann.  — 
End-Tottich  (Puttich)  (ndd.  enne  budding,  endbutt, 
Kromm.  VI,  69)  =  Endeldarm,  Mastdarm.  —  Nett- 
Püttich  (ndd  nestpnddek,  Kromm.  VI,  358)  —  NeBt- 
c|uack,  jüngstes  Kind,  Bütlerich  3. 

Prach,  Praghen  «.  Braue  (Sehmeller  I,  355). 

PraSB,  BD.  (1561;  Maaler,  Kluge5,  289)  =  die  tym- 
panilische  Auftreibung  des  Leibes.  —  prasset 
=  braschet,  geschwollen,  gedunsen.  —  prasseln 
=  rrepitare. 

Pratsche,  f.  Pratze,  f.  1.  =  s.  Bratze.  — 
2.  =  dicke,  unförmliche  Weibsperson  (Pratsch) 
(Tirol;  Kromm  VI,  28).  —  (1717)  Bären-TT&tZel  = 
bratzen-  (s.  <l.)  förmig  missgestaltete  Hand 
(Abrub.  a.  St.  <  1.  II,  117). 

prechen  (ahd.  prehan.  Cass.  Glos.«  ,  mhd.  brühen, 
Lexer  28  =  glänzen,  schimmern,  leuchten;  engl, 
brighter  ~  glänzend  machen).  —  Aug, ■  >,  -  prechen 
(brechen)  (ahd.  ouge  brehan;  mhd.  ougen  brehen, 
Lexer  183 ;  Gr.W. ;  engl,  eyebrlght  =  Augentrost  [Pflanze. 
Augcnmlttel))  =-  der  glänzende,  leuchtende  Blick 
der  Augen.  —  (1618)  ror  -  prechtig  (brechti«) 
(Sehmeller  II.  184)  =  von  glänzend  roter  Gesichts- 
farbe (s.  rotbrüchig  u.  Schönröte)  (Rotprechts- 
[Rupprechts  ]  Kraut  =  Rotlanfknint  [Gcranlum  Rober- 


j  Hanum],  V.  K.  II.  31).  —  im-yrprächt  (  bracht,  Schm 

1.  382)  =  ungestaltet,  unförmlich.  —  Prechen- 
Iira  ue. 

preckeln  s.  prickeln. 

Prein,  f.  s.  Bräune. 

Preis,  m.,  n.  Preisslat  (im  12.  Jahrb.  aus  franz. 
pris  =  lat.  pretium  entlehnt;  mhd.  pris,  Kluge',  28U 
=  Corona,  Kranz,  Ehrenkrone;  1642  preis,  preis* ,  brels, 
Gr.  W.  III,  1567;  V,  2378;  VII.  2092;  R.  A.  585)  ■-  der 

einen  Haarkranz  tragende,  mit  Haaren  rings 
umwachsene  Pferdehufrand  (s.  Krone).  — 
Preisslat,  n.  =  ein  dem  Kfisslat  nachgebildetes  Wort 
für  =  die  ganze  Stelle  um  Hufpreia  (Seb.  177).  — 
(1592)  offenes  Preis  =  haarloser  Preis  des  Pferde- 
bufes  (v.  M.  I.  36;  offene*  Breiss,  Seb.  177). 

Prell.  —  Prell-SchusB. 
press-  s.  brest-. 

Presse,  f.  (aus  lat.  pressare  —  drücken ;  ahd.  prSssa  ; 
mhd.  presse  ~  Weinkelter,  Kluge*.  289)  —  der  Blätter- 
magen (I^öser)  der  Wiederkäuer,  der  das  Futter 
ausdrückt  und  auslöst  (Falke  I,  213).  —  (1551) 
Ader-,  Wein- Press  (=  Übersetzung  des  torcular 
HeropbJli)  =  „die  Stelle,  wo  die  beiden  Quer- 
blutleiter des  Gehirns  mit  der  Sichel  und  dem 
geraden  Blutleiter  der.  harten  Hirnhaut  zu- 
sammenkommen, von  wo  das  Blut  durch  den 
Druck  dieser  Presse  in  die  Gehirnnerven  hinein- 
getrieben werden  sollte"  =  Trotte  (s.  d.)  (Hyrtl, 
K.  W.  168).  —  Bau  ■■/(-Presse  =  die  Gesamtheit 
I  von  Luftdruck-  und  Muskelwirkungen,  die  den 
Bauchiaum  verkleinern  und  damit  Kot  und 
Urin  ausdrücken  können.  —  press'«//7r/  = 
bresshaft  (s.  d.). 

Prosten  s.  Brest en. 

Pretig  s.  Brat  u.  Brot. 

Pretsche,  f.  s.  Pritsche. 

■pretten,  -pritten,  -prettigen  (zu  ahd.  breit  - 

Entzückung,  Gr.  W.  II,  378  ;  preltan  =  rapere,  strlngere, 
wegraffen,  verzücken;  mhd.  breiten  =  ziehen,  zucken); 
dazu:  hin-,in-,  ent-,  rr-pretten  (ahd.  hinbreiten, 
inprettan,  tnprottan,  erprottan  [Graff  III,  287;  Gr.  W. 
II,  378,  III.  078;  Gr.  D.  M.  I,  1037]  in  Verzückung, 
verzückt  sein;  13.  Jabrh.  herbrote  (vn  herbrant  vart 
uz  in  eyn  andlr  lantl],  Sltz.-B.  1867,  7;  dazu  verschie- 
dene verderbte  Nebenformen   hlnnebritten.  Gr.  W.  IV. 

2.  1457;  1120  eyn  hynprit  =  extusls,  P.  II,  183;  1482 
etilbreitten  =  exUisis.  D.  219;  1484  die  hynprüchtigen, 
Rlezler  3i  j  15.  Jabrh.  entbrelttcn  —  extasis,  D.  II,  163; 
1603  hinnebrlttend;  die  hen-,  heu-pretigen,  -proettigen, 
henpredigen  [entbretten|,  hluneprettigen,  hlnnepritte»! 
Sehmeller  II,  1038;  hantprahti  -  contractu*  =  ant- 
prettig.  Grafl  IV,  970;  12.  — 14.  Jabrh.  hinbritunge, 
bynbritunge  =  iniruckungo  des  gelstes  [raptus],  Hoffin. 
I,  376)  =  die  Verzückung,  das  Verzucktaein  in- 
folge von  Eclampsia  (puerperalis).  —  Anbrüten 
(der  Schwangeren  und  Wöchnerinnen)  (eine  Vm- 
deutung  des  obigen;  12.— 14.  Jabrh.  hynprltung*  = 
raptus,  I).  848  ■  Hinprettcn  Iblnnebritten]).  —  Hirn- 
brüten  -  Elinpretteii,  stiller  Wahnsinn  (Gr.  W. 
IV,  2.  1557  ff.;  vergl.  Sehmeller  I.  372;  II,  1038). 

Priapismus,  n.  (nach  dem  griechischen  Weln- 
bnugntt  Wp'.ir.rjr  mit  dem  grossen  Gesehlechtsirlledi» 
[«.  BIM  b.  Lid),  phnlln«,  Krause,  R.  841)  —  „eine  an- 

31 


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482  prickeln— Protzen. 


Proviant— Puff. 


haltende  krankhafte  Erektion  ohne  geschlecht- 
liche Erregung  durch  Heizung  de»  Centrum 
genito-spinale"  (Dornbl.  107;  Koih  4r.fi). 

prickeln  (allgerm.  prlk  ;  hd.  pfreckcn  ;  ndd.  prikken 
=  stechen,  sticheln,  Kluge5,  289;  esprekcr,  Uu  Gange 
IX,  184;  1417,  1502  prekel,  preclihel  =  Stimulus.  D.  II, 
348;  franz.  picotement;  16.  Jahrh.,  ndd.  preckcln  = 
lnstlmulare.  D.  SOI ;  1420  pricklln  -  pungere,  D.  II,  ."09; 
Fromm.  VI,  363;  engl,  pricking,  Lctaf.  85)  —  stichelnde 
Empfindung  haben.  —  (1735)  Prickelung  = 
Nervenreiz,  als  ob  die  Nerven  der  Haut  oder 
Schleimhäute  gestichelt  würden  (Woyt  263;  7.  t 
u.  i'hiioi.  xxvi.  248)   —  (i:»2t)  FZn'scA-Prickel 

(brlckel,  preckcl  de«  vleysch  =  incentivum,  I).  290)  = 
fleischlicher,  geschlechtlicher  Anreiz.  —  Haut- 
Prickeln  =  das  stichelnde  Formikationsgefühl, 
als  ob  Lause  oder  Ameisen  in  die  Haut  stechen 
würden  (engl,  prickly  heat  -  liehen  tropicus,  Lchf. 
212).  —  Zungen -Prickeln  -  das  stichelnde  Ge- 
fühl auf  der  Zunge  (Wuttke  370). 

Pries,  n.  s.  Bries. 

Priester,  m.  =  Biest,  Biest  milch  (s.  d.  und 
Pfaffe)  (Falke  I.  212;  1482  priest  -=  Colostrum,  D.  13.1; 
15.  Jahrh.  pyerst  von  der  küc,  briester  —  Colostrum 

n.  Ii,  loa). 

Prill,  m.  =  Prügel  (s.  *d.),  Penis  (Sehm.  I,  s.%4). 
PrincepS  =  Fürst,  erhabene  Person.  —  Prinzipal- 
Glieder. 

Pritsche,  f.  (mhd.  britzel  »laben  —  das  Schlagen 
mit  der  Pritsche,  Kluge*,  289).  —  Pritsche,  l.  = 
die  (mit  der  Lebensrute  geschlagene)  Vulva 
(8.  Pompel)  (Henneb.  PreUche  =  vulva,  Spless  II, 
187;  Schmeller  I,  376.  422,  Gr.  W.  II,  393;  VII,  213:.; 
mit  der  Martinsgerte,  ein  Birkenreis,  wurden  die 
Mädchen  aufgefltzelt  [mullubria  vlrga  contingere];  C.  v. 
Schm.  60.  193;  Verf.  Baum-  u.  Waldkult,  8.  20).  — 
2.  =  der  öfters  mit  der  Vulva  verglichene  Mund 
(«.  Fotze)  (nintner  6.  14).  —  3.  -  ein  Mildchen 
Schi.  106J. 

p ritten  s.  pretten. 

privat  (lat.  privatus  —  eigen  lobend  ,  besonders 
gehörig).  -  Privat- Krankheit. 

pröfeln,  pröpeln,  propeln  -  murmelnd,  un- 
verständlich reden  (Pfalz,  Franken;  Luther  VIII, 
114;  Schmeller  I,  351.  363). 

Prophet,  m.  =  ein  mit  der  Drehkrankheit 
behaftetes,  aus  der  Herde  zeitweilig  unter 
Luftsprüngen  aufwärts  gerichtetes  Schaf,  das 
wie  ein  Prophet  unterm  Volke  steht  (Zipp.  624) 
(Kcstasis) ;  conf.  fureur  propheti<|ue  durch  die  Oestro» 
(»  Ö»ter)-Made  (Janns  1897,  B.  499). 

PrOSS,  m.  1.  =  (ahd.  pro*  -  gemma,  Orafl  IV,  »69 
Sprosse  [*.  <!.];  mini.  broz  =  Sprosse).  —  (1182) 
Arm-,  Pn/m-PrOSS  (^-  spatnln  [tCÄpoU],  Zcn.  Voc. 
dd  1  y  2)  =  das  .Schulterblatt  als  Armsprössling 
oder  Armknospe  betrachtet.  —  (1482)  Über- 
Pr088  =  nodns  (D.  W2),  Überbein  als  Exostose  am 
Knochen.  —  2.  =  s.  auch  Brossen. 

ProtZ,  m.  (zu  branschen  (s.  d  ]  sich  bl.lhcn)  = 
Krrtte.  —  Protz-Afaw/. 

Protzen,  f.  s.  Pratze. 


Proviant,  m.  (aus  pracbenda  -  I^hcnsmltU-l).  — 

Proviant- Rohr. 

Prügel,  m.  (zu  Brücke  =  Werkzeug  zum  Brückeu- 
schlagen, Kluge*,  5ö  =  [16801  Membrum  virile,  phallus, 
ür.  W.  VII,  2189)  als  Stab,  Stamm,  Pfahl,  Rute, 
Stolpe  (Prill,  s.  d.  U.  stöpseln).  Da«  Prügeln 
(Austreiben  der  Krankheltsd.imonen)  war  eine  Methode 
des  germanischen  Heilkünstlers;  die  Plaghelligen  oder 
Prügelarzle  =  Medlci  plagarum  (Pemokr.  XI,  50).  — 
die  Bettelleute  prügeln  sich  im  Magen  =  der 
Hunger  macht  Larm,  Magenknuiren  (Sptess 

It.  26). 

Prüsche.  f.  s.  Brausche  (Engel.  216). 
-prütten  s.  pretten. 

PniS,  m.  (verilchtlich)  =  Mund  (Tirol;  Hintner 
c.  15)  (s.  Brunen,  brüsten). 

prusten  (s.  brausen,  brüsten)  =  stark  niesen, 
sclinauben  (II.  Paul  346;  15.  Jahrb.  prusten  roh  der 
nese  —  oscltarc,  D.  II.  274). 

Psalter,  m.  (aus  p*alterium;  ahd.  psalUrl,  Graff 
IV.  37«  =  das  Psalmeiibuch ;  altsach».  «alter  =  echinum, 
abomaslum,  D.  194;  Kirsch  410)  =  der  3.  Magen  der 
Wiederkäuer,  Blitttermagen  (s.  d.),  dessen  rauh- 
faltige Schleimhaut  wie  ein  Buch  mit  Blättern 
ausgekleidet  ist  (Omasus)  (Gr.  W.  IV,  I.  1S69; 

VII,  2200).  —  Bin^r-Psalter  =  Psalter  («r.  w. 

VIII.  975). 

Psora,  f-  '^u'if'*  —  Kratze ;  eine  unbewiesene  Krank- 
heitsmaterie, welche  Ilahnemann  1775 — 1843,  der  Stifter 
der  sogen.  Homoeopathlc,  als  Ursache  des  „inneren 
Kratzesieehtutiis"  (8.  d.)  annahm. 

Psyche,  f.  *|  yyn\  =  Hauch,  Geist,  Seele, 
Anima,  s.  An.  -  psychische  Seuche. 

puchen  n.  pochen. 

Puchchen  s.  Pocken. 

Puck,  m.  (Buck),  1.  -  Paggs,  Pax  (s.  <l.), 
Crepitus  ventris  (Schallwort;  Schmeller  I.  381) 
(s.  pochen).  —  2.  =  das  Hausgespensl ,  der 
Hauskobold  des  Volksglaubens  (II.  A.  Rh.  312; 
dies  nach  Laistuer,  Z.  f.  d.  A.  1888.  8.  1«H  ff.,  von  einer 
Wurzel  beug  =  biegen,  biugan)  =  Incubus.  —  Puck 
Mar. 

Puckel,  m.  s.  Buckel  (1723  puckelcn  =  papula. 
U.  II,  279).  —  G) -mf-Puckel  (IG-  Jahrh.  grindpuchel 
-  Prurigo,  D.  II,  307)  =  bückeichen  beim  Cirint- 
ausschlage. 

Pudel,  in.  (Budel)  (zu  pudeln  ■  Im  Wasser 
plätschern ;  I70ii  pudelhun.l).  —  Pudele.  n.  -  Penis 
lllintner  8.  18). 

PÜllerlin  s.  Billern  (ir,«j«:  Sei.  751 ;  Schmeller  II. 
G4»). 

PtilBt  s.  Puls. 

Pümpel  s  Pompel. 

PÜnkel  s.  Bflnkel. 

PÜrzel  s.  Bürzel  (Falke  II.  21'.,  zu  abd.  burlan; 
mbd.  bürn  =  erbeben,  Kluge8,  89)  —  «las  sich  er- 
hebende Steissende.  —  Purzel-ßaum*. 

Püttich,  Püttling  s.  Pottich. 

Puff,  tu.  (ndl.  pof;  ndd.  puff  «=  Schlag,  Stoss; 
15.  Jahrh.  poeve;  1777  pof.  bof  -  eskera,  »upervnltn«. 
bnecamm  inllalio,  D.  210;  Kluge5,  290;  engl,  pult  = 


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Puien— Purgatz. 


Purpein— Pustel.  488 


Bausch,  Mona,  Ushf.  213).  ~  (1646)  //rTZ-Poffen  - 
das  Herzschlägen,  l'alpitatiocordis  (Coler,  P.  29"). 

Puien  (Pollen)  (germ.  j>uh  =  schwellen,  auf- 
blähen, blasen;  dazu  Beule  [bula.  -  d.]}  =  ein  kleines 
gesch  wollenes  Gesch  w  ür  ( PuBtelgesch  wür,  Pulle, 
Beule)  (Goldschm.  89). 

pullen  =  pudeln  (s.  Pudel)  =  mingere  (Urquell 
III.  41). 

Puls,  m.,  f.  Polst,  Pulst  (aus  lat.  pulsare  = 
klopfen ;  pulim«  =  Aderechlag,  ein  universelle»  Wort 
der  mittelalterlichen  Medizin,  Kluge*,  290;  mhd. 
pul«,  in.,  f.,  pulzi.  8chm.  I,  388;  1477  puls.  f..  Ortolf; 
UU  die  puls.  Krautw.  D.  3;  1699  die  hülsen,  v.  M.  I, 
162;  engl,  pulse),  1.  =  der  klopfend  fühlbare  Herz- 
schlag am  Busen.  —  2.  =  der  Aderschlag,  be- 
sonders der  an  der  Handwurzel  (s.  Schlag)  oder 
(1362)  an  der  Schläfe.  —  3.  =  diene  Stellen  (2) 
Beibat,  wo  der  Pulsschlag  mit  dem  Pulsfinger 
gefühlt  wird  (le  pouls).  die  Puls,  Püls  =  die 
Pulsader  (Pauli  13;  Du  Cange  VI.  566;  Coler.  A.  103). 

—  4.=  das  pulsierende  Klopfen,  Klucksen  eines 
Gesch wärs  od.  Aneurysmas,  Sphygmos  Hippo- 
kratis  (dasn  i-afa^u-o?  =  pulslos.  asphyktlsch; 
Asphyxie.  Dornbl.  15;  Fuchs  II,  43).  —  5.  =  der 
eigentliche  Blutpuls,  der  einzelne  Pulsschlag 
und  die  Dauer  desselben.  —  6.  =  das  PuIh- 
greifen,  das  Pulsbefflhlen  («r.  W.  VII.  2212).  — 
(1512)  /trfrr-PolB  ( -  pulsus  arteriarum,  Ü.  472  [ven- 
arum?).  <ir.  W.  I,  l»0)  =  der  mit  jeder  Herzkon- 
traktion  von  dem  Herzen  ausgehende  Schlag 
einer  Blutwelle  in  den  Adern,  der  Schlag  des 
Pulsblutes.  —  (1177)  drahter  (trattr)  Pulfl  (ortolf; 
C.  v.  8chm.  135).  1.  -  schneller  Pulsschlag.  —  2.  = 
s.  Draht-Puls*.  —  Fieber  Pols  —  der  beim  Fieber 
beschleunigte  Pulsschlag.  —  (1668)  ifrrz-Pülst 
(Blüst)  =  Herzklopfen  (Bcyn.  156).  —  vier  Polst  = 
die  4  Pulsstellen  an  Händen  u.  Fussen,  wo  man 
auch  blasenziehende  Pflaster  au  Hegte  ((ir.  w.  VII. 
2212).  —  FvlB-Ader,  -Blut,  -Finger,  -los,  -Sclüag. 

Pulver,  n.  (zu  pulvis  =  Staub.  Bchlcsspulver).  — 
polverlen  =  nach  Bauch  winden  (Ciepitus) 
riechen  (wie  nach  dem  Pulverschuss)  (Schindler 
i.  389).  —  Polver-  Turm. 

Polz,  Polzen,  m.  1.  =  s.  Bolz,  Bülten,  Puls. 

—  2.  =  (Segen  filr  den  „pulezen  uud  das  Haupl- 
gesehein",  Schmeller  I,  1M8]  Bulzen  2. 

Pommerl,  m    (  =  Stier  [brummender,  Pommer]) 

—  Penis  (Tirol;  lllntuer  8.  18)  im  Gegensätze  zu 
Kümmel. 

Pompel,  f.  b.  Pompel. 

pumpern  s.  Pompel. 

Pung  s.  Bung. 

Punkt,  m.  (=,moruimentuiu,  durch  Zeichen  bc- 
«tlmmter,  fester  Zeitpunkt,  Augenblick)  =  Iluut- 
rlecken  (s.  Pinta).  —  Z>rMfJk-Punkt  ■  diejenige 
Stelle  im  Verlaufe  eines  peripheren  sensitiven 
Nerven,  welche  auf  Druck  schmerzhaft  ist 
(Point  douloureux).  —  (1782)  HV</t.vf-Punkt  ■ 
Krisis  (b.  Krisis),  die  Zeit,  in  der  die  Krankheit 
Bich  ändert  [M.  EL  u.  I,  217).  —  Punkt-Sfanr. 

Puples,  pl.  s.  Pöpel. 

PurgatZ,  f  purgieren  (zu  lat.  purgare  =  reinigen, 
fegen,  fürben  [«.  d.)).  —  Purgatz      Pnrgatin,  die 


Keinigtinj.'  des  Körpers  durch  die  Kotentlee- 
rung, Stuhlgang,  Gaderzick,  Ab-  oder  Nicder- 
föhrung  (Schmeller  I,  751).  —  (1531)  .ßatlcA-Pur- 
gierung  =  8.  nachf.  (Krautw.  I.XVI,  s3).  —  (1592) 

natürliche  Purgierongen  =  Menses  (Seb.  103), 
weibliche  Reinigung  als  etwas  von  der  Natur 
Bedingtes  im  Gegensatze  zur  Bauchpurgierung 
durch  eine  künstliche  Purgatz  mittelst  Abfflhr- 
mitte).  —  Purgier- .Fwfor. 
Porpein,  Porpolen  b.  Porpein. 

Purpur,  f.  (Tj  Jtop;p  !>pY|  =  Purpursehneckc,  Kraus,  E. 
868;  Roth.  4M))  =  purpur-rote  Blutflecken  der 
Haut  (Synonyma:  porphyra,  porphyrlsmus,  phoenlg- 
mus,  scorbntus,  peliosis.  pelloma,  apoplcxla  cutanea, 
haematosU  cutanea,  Behrend  76 ;  1696  purpurae  oder 
Friesel,  Schreyer  16).  1.  —  fckorbutflecken  (s.  d.), 
Purpura  scorbutica  et  haemorrhagica  —  2.  = 
Petechien  (e.  d.)  beim  Fleckfieber.  —  3.  =  Blut- 
streifen  (Vibices).  —  4.  =  Porpein  (s.  d.  und 
Gemieser  •).  —  5.  =  Blutschlag  d.  -6.= 
Blutflecken-Krankheit.  —  (1561)  rote  Parpar,  f. 
m  rote  Blatterlein  (Masern?)  im  Angesichte 
(Bock  ioi).  —  Purpur  -Ader,  -Fieber,  -Friesel, 
-  Koortsen. 

Pust,  tu.  s.  pusten. 

Pustel,  f.  (Nach  Lencfa  19  wurden  die  Schaf- 
porken zur  Zelt  des  Tiberiu*  von  dem  lat.  SchrifUtcller 
Columella  VII,  6  erwähnt:  ,,est  eüam  lnsauabilis  sucer 
iguis  quam  pnsulam  vocant  pastores";  Ml  malae  vale- 
tudlnes  cum  pus(t]ulis  et  veslcls  —  Pocken,  Schnurrer 
I.  126.  138  [in  dallien];  569  morbus  validus  cum  pro- 
iluvio  ventris  et  Variola  [ls|  Italiam  (ialliamque  affllxit, 
Lersch  44.  Anm.;  570  infanda  inflrmitas  atquo  glan- 
dula.  cufns  noinen  est  pusula  [morbus  gallicus?), 
Schnurrerl,  138;  Du  Cange  VI.  576;  .'.71  morbus  dysen- 
terlcus  cum  pu»nlis,  I.ersch  44;  Schnurrer;  579  rnsti- 
clores  vero  corales  hoc  pustula*  nnminabant  [also 
auch  In  Frankreich  vulgares  Wort],  Schnurrer  I,  HO; 
581  tlblae  ejus  ab  humore  pusulas  emisenint,  Gregor 
v.  Tours .  Scbnurrer  1, 142,  9.  Jahrh.  Pustulae  =  SypbUls, 
Ausschlag,  Peljpers  11;  961  pustula*  [St.  (iallcn), 
Schnurrer  1,  192;  pustula  anl,  Avicenna;  Proksch  I, 
273;  1275  Pustulae  albac  et  sclssurae  et  corruptlones, 
qtiae  fluni  in  virga  et  circa  praeputiuin  propter  coltum 
cum  moretrice  vcl  foeda  vel  ab  nlia  causa,  Du  Cange 
V.  518,  1414,  ndd.  pust  =  flatus,  D.  238;  1426  puster  =• 
llabclliim.  Dampf,  l.ungenblahung,  D. 237;  1495  pustella 
[Du  Cange  V,  517]  „turpediuls  species  tertla,  in  qua 
Pustulae  grossae  et  nigrae  plures  ut  4  vel  5  solent  in 
toto  corpore  apparere  quam  vnlgus  Salerni  scariam 
vocant,  haec  dlcllur  pustella  et  est  perlculosior",  Du 
fange  VII,  :t39  [MiUbrandpu*tet <] ;  pustella  ,,vox  ger- 
manit-ac  latinilatis",  Du  Cange  VI,  577;  Turpedo,  quam 
multl  pusiulam  dicunt,  all!  morbillum  alti  leprnm  et 
all!  passionem  tantum  infra  corpus.  Du  Cange  nach 
Peijper*  91 ,  1197  purtulac  quai'  vuIkbIh  uomlne  dicunttir 
mal  de  Krancos,  Pr.  I,  1307 .  Kndc  d.  15.  Jahrh.  pustula« 
innlas  morbutn  quem  malum  de  Francia  vulgm  appelint, 
Schelll»;,  1532  pusculae  -  Syphiliden,  Pr.  II,  91, 
1542  pustulen  -  Hautblatterlein,  <ir.  W.  VII,  2278; 
pr.  Arzt  1876,  74;  holl  pulst  —  Kinne).  Der  Begriff 
der  Pustel  -  kleine  geblallte  Stelle  ^Bläschen, 
Blattei  eben),  geschwellte  kleine  Hauterliebung 
stimmt  mit  dem  der  Blatter  (s.  d.)  nbcreln;  vielleicht 
M  «las  Wort  urverwandt  mit  gern,  pnh  -  schwellen ; 

31* 


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484  Pustel— quacken 


Pustem— quacken. 


(data  ndd. ,  MM  pust  =  flatus  (ü.  23S]  und  pusten, 
1507  puyst  —  pn.sta,  D.  474;  1S77  puyste  =  pustula, 
I.  eod.).  —  Pustel  (demnach  in  Analogie  von 
Frlesel  [f 'lesen ,  frieren]  IB  pusten)  =  „Haut- 
knötchen  oder  Erhebungen  der  Haut  mit  frei 
in  der  Epidermis  angesammeltem  (eitrigem) 
Inhalt",  der  dieselben  wie  aufgepustet,  aufge- 
bläht erscheinen  laset  =  Phlyzakion  Hippokr. 
(Fuchs  II,  16).  —  Pustel  ist:  1.  =  die  Bezeichnung- 
der  ältesten  SypblUdogTaphen  für  a)  das  syphilit. 
sekundäre  Exanthem;  b)  für  die  syphilitische 
Primttrläsion  ohne  Induration  (Prokseb  II,  139; 
nach  der  damals  herrschenden  Humoralpatho- 
logie  kamen  diese  Pusteln  ex  sanguine,  wenn  sie 
rot,  gross,  hart  u.  warm  waren,  ex  melancholia, 
wenn  sie  sehr  gross,  schwarz,  hart,  schmerzlos 
und  um  sich  greifend,  ex  pituita  (=  Phlegma), 
wenn  sie  weiss,  blass,  klein,  zahlreich,  Wasser 
oder  Schleim  absondernd  waren  (Pr.  II,  165).  — 
3.  -  Milzbrandblatler  (dazu  1574  Pustelkrnut  - 
Scrofularia  nodoia,  beim  Rankkorn  der  Schweine  ge- 
braucht, Jossen  369).  —  3.  =  Pocke,  Variola,  Phly- 
zakion. —  4.  =  Finne  (D.  II,  290).  —  5.  (da«  mtl. 
Pustula  l>edeutct  bei  Diefenbach  I,  II:  [anc-]  weiz 
[s.  uuaese],  angseta  [».  Angsatz],  hut  Kall  [s,  Hautgatle], 
gesprlnc  [s.  Gespring],  bulle  [*.  Beule],  bloter,  bletterlln, 
Maddere  [*.  Blatter],  quac  frelsllchaz  dlcltur  [*.  Fralss- 
lich•],  glostat  [s.  glostcn],  wimmer  (i.  d.),  pfoetzllti. 
blaere,  blcynu  [*.  Blcnn  *],  eine  verwirrende  Vielseitig 
kelt  der  Begriffe,  wie  sie  sich  aueh  beim  heiligen  Feuer 
und  8t.  Antonlen-Fencr  [*.  d.]  noch  bemerkbar  macht; 
Ik-I  Kirsch  963  [1741]  Ist  pusula  „ein  bOtW,  um  sieb 
missender  Schatten  mit  vielerlei  Blaltern ,  wild  und 
hitzig  Zlttennaul,  St,  Anthonlen-Fener,  das  RothlaufT, 
die  Roac").  —  pustulosisch  (Paracela.;  Pr.  II,  70! 
=  naeh  Blatternart,  von  Franzosennatur,  syphi- 
litisch. —  bögartige  Pustel  =  Pustula  maligna, 
Milzbrandpocke,  Brandpocke,  Heun'sche  Blat- 
ter, Anthrax.  —  (1618)  brennige  Pustulen, /Vi<riyf 
Puistcn,  iVwHPUtel  (Paracelsus ;  Gr.  W.  II,  370, 
ndl.  vierte  puysten,  De  Cock  170)  =  Roseola  eethy- 
inica  (heiliges  Feuer?),  brennende  Hau! blatter- 
chen (Ang- Queis  beim  Vieh,  Milzbrand).  — 
Gf*r Atctfrs-Pusteln  =  Ecthyma  =  grosse  l'u«leln 
auf  einer  harten,  erhabenen,  roten  Basis  mit 
eitrigem  Zerfall  (Bchrend  4»).  —  Honigwaben- 
Pustel  —  (s.  Welle)  eine  Favus-  od  üoniggrfnt- 
l'ustel,  deren  Grund  mit  den  Honigwaben  ver- 
glichen ist  (Bchrend  IS).  —  Leic hen  -  Pustel  ■ 
durch  Infektion  mit  Leichengift  veranlasster 
sogen.  Leichentuberkel ,  Verruca  nerrogenica, 
HautgeBchwar  -  Pustel.  —  AYmn  (auch  .'l  X  9) 
Pusteln  =  alle  sichtbaren  Hautblattern  (Pocken) 
(In  preuss.  Zauberformeln.  Frischb.  35)  (s.  Neun).  — 
srhicarze Pustel-  Pustula  maligna,  Brandpocke, 
Milzbrand- Pustel  [Kehrend  <;i).  —  <1740)  mbirixche 


Pustel  ~  eine  aus  Sibirien  gekommene  Pest- 
epidemie ->  Milzbrand  (Behrend  62).  —  Pustel- 
Flechte. 

Puste  in  s.  Apostem. 

pusten,  Pnst,  m.  Puste,  f.  Puster,  m.  (zu  germ. 

pnhh  —  schwellen,  aufblähen;  rahd.  pfüsen  =  stark 
atmen ,  blasen ,  schnauben ,  niesen  ;  ndd.  pulsten  = 
blasen,  schnauben,  De  Cock;  Goldschm.  81;  1414  pnst 
=  flatus,  D.  23»;  »chwed.  pusta)  =  stöhnen  =  mit 
aufgeblähten  Nüstern,  Nasenflügeln,  Backen 
atmen,  hauchen, schnauben.  —  Pust,  m.  Puste,  f. 

—  erhöhtes  Atemholen,  schwerer  Atem,  blasen- 
der Atem,  Lungen  aufsteigen  (Gr.  W.  VII,  2278). 

—  aus  tler  Puste  sein  -  ausser  Atem  sein.  — 
Puster,  m.  1.  =  derjenige,  der  Puste  macht, 
pustet  (1425  puster  =  flabeUum,  D.  237).  —  2.  =  der 
einzelne  tiefe  Atemzug.  —  AVippen-Puster  - 
das  koppende  Pferd  (s.  Kopper),  welches  mit 
den  Zahnen  auf  die  Krippe  beissend  (s.  d.) 
tiefen  Atem  holt,  keucht,  blasend  atmet,  koppt 

Putz,  1.  ■  s.  Butz.  —  putzig  ■  butzig,  selt- 
sam, kretinös  (über  Putz  s.  Z.  f.  d.  A.  1888.  168).  — 
2.  —  (1607  pulzken  zu  puteus  =  Grübchen, Quelle  [«.  d.J, 
D.  474).  —  //crz-PtitZChen  (ndl.  herteputje.  V.  K. 
IX,  142)  =  Herzgrüblein.  —  .V.o.  „-Putz  (M29  der 
puti  In  der  naz  =  pollpus,  D.  II,  297)  =  Nasenbotz.  — 
&A*urtV{-PutZ  =  Schnottolf,  Nasenbutz,  Pöppel- 
mann  (Schmeller  II,  573). 

putzen,  Putzer,  in.  (mhd.  butzon),  1.  = 
schmücken,  reinigen,  fegen.  —  2.  -  abführen 
(fürben,  purgieren).  —  3.  =  kastrieren  (siehe 

)  heilen  3)  (Schw.  103).  —  Putzer,  m.  1.  -  (1646 

j  butzer,  Hyrtl,  K.  W.  29)  Drüse,  welche  nach  den 
Lehren  der  Humoralpathologie  den  Unrat  aus 
den  Organen,  welcher  sich  in  diesen  bildete, 
durch  Ansammlung  (s.  d.)  in  sich  anhäuft  und 
so  die  Org.ine  davon  entledigt,  ausputzt  (siehe 
Feger).  —  2.  =  die  Carunetila  innominata  als 
ausführender  Gang  der  Thränendrüse,  die  als 
Putz-  oder  Reinigungsorgan  angesehen  wurde 
(Hyrtl,  K.  w.  152).  —  (1677)  /Itis-Putzer  =  Putzer  1. 
--  Hn  zen  -  Putzer  —  Glandula  axillaris,  die 
Achseldrüse,  die  den  Unrat  vom  Herzen  weg 
zu  ihrem  Gewebe  ausführt  (Hyrtl,  K.  W.  29).  — 
(1609)  //im -Putzer  ■  die  Lymphdrüsen  hinter 

|  dem  Ohre,  die  faustdick  (s.  d.)  bei  Tieren  an- 
schwellen können  und  nach  früherer  Lehre  das 
Gehirn  vom  Nasenschleim  (s.  Rotz)  befreien 

I  sollten,  „durch  welche  Entleerung  das  Hirn 
sonderlich  seinen  Ühertluss  abladet"  (Guar.  8«, 
Hyrtl ,  K.  w.  29).  —  LWvr-Putzer  =»  Glandula 
inguinalis,  Leber«  und  Leistendrüsen  (s.  d.),  die 
den  aus  der  Leber  abgeführten  Unrat  in  sich 
sammeln  und  so  die  Leber  reinigen  sollten 
i Hyrtl.  K.  W.  29). 


Quabbe  s.  Quappe. 

quackeln  (nordd.;  II.  Paul  347)  =-■  faseln  (s.  d.). 
quacken,  Quack,  m.  Quacker,  in.  (ein  junges 

ndd.  schjdlnachahmendes  Wort,  Kluge*,  290;  engl, 
ipiack.  Cr.  W  VTI,  3291)= wie  ein  Frosch  qnnckend 


ächzen,  hell  lautend  stöhnen  (s.  auch  quaucken). 
—  Ar sNQuack er,  eichen)  —  das  jüngste  Kind, 
der  Nesthocker,  der  sich  noch  nicht  richtig  aus- 
drücken kann  (s.  Kegel)  (sehmeller  I.  139».  — 
Quack- Darm. 


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quad— Qual 


Qualität— Qualm. 


4*5 


quad  s.  quat. 

Quaddel,  f.  (vielleicht  zu  sanskr.  gada  =  Krank- 
heit, Fielet  iu  Kuhn,  Z.  t.  v.  Spr.-W".  V,  351,  Anro.; 
ahd.  quedilla  —  Pustula,  varix,  Graff  IV,  650;  Gr.  W. 
V,  1886.  1891  Mb  g.  chnadilla,  chuedllla  =  vlhex, 
HautbUschen,  Ncsselmal  [Schindler  II,  1310;  Gr.  W. 
VII,  2294)  oder  xu  qual  a  Kot,  Übel,  lästige»  Leiden). 
—  Quaddeln,  pL  (nordd.)  —  beetartige,  solide, 
rote  oder  blasse  Erhebungen  der  Haut  Ober 
deren  Niveau  von  flacher  Gestalt  ohne  Delle 
oder  Nabel,  linBen-  big  thalergross  infolge  von 
angioneurotischer  Reizung  der  Haut  mit  lästiger 
Jnckempflndung,  l'omphus,  sGu.fö':  (-  Blase) 
(Roth  4M;  (ioldschtn.  1«:.;  Z.  Hdb.  XIV,  1.231).  — 
Quaddel- Krankheit. 

quälen  0.  Qual. 

Quären,  pl  s.  Werre  u.  Querne. 
Quark,  m.  b.  Quark. 
Quatte  b.  Quatte. 
quag  b.  quat. 

Qnagel,  n.  (  =  Cuagulum;  H20,  I).  351)  =  Kfts- 
milch,  Kenne. 

Qual,  m.,  f.,  n.  Quäl,  □•  quälen     i.-germ.  gel 

[gelare]  ■  äusserer  KrosUchmerz;  germ.  gel,  qual; 
altnord.  kvaldl;   kelld-ultr  -   Nachtqual  bereitende 
Elben.  Maurer  II,  106;  kvcld  rida  [*.  reiten];  belvitl* 
gralar,  1.  c.  I,  563.  555,  ahd.  quAla,  chwäla  —  Beklem 
mung,  Marter;  qnetan  =  cruciari,  peinliche  Not  leiden, 
heftige  Schmerzen  haben ;  1420  qneellen  ~  laiiguere, 
D.  316;    1507  quellen  —  cruclare,  occidere,  zu  Tod 
peinigen;  mhd.  quül.  quäle,  kiile  ^  Marter;  queln  = 
martern,  peinigen,  Schmerz  empfinden,  Kluge*.  291; 
ndl.  kwaal;  15.  Jabrh.  qual  ~  torsura  [tortnra],  I>.  »S'j]) 
=  Pafsio,  Cruciatio;  äusBerliche,  körperliche, 
langer  dauernde  Bedrängnis,  öfters  beklem- 
mender, rauhender  (s.d.)  .Schmerz,  andauernder 
Juckreiz,  namentlich  äUBserlich  verursachte 
Krankheiten  (durch  Frost,  Hitze,  Durst,  Hunger, 
Verletzung  etc.),   wenn   diese  Ursachen  oft 
wiederkehren;  auch  nach  dem  früheren  Volks- 
glauben durch  Dämonen  veranlasst  (8chm.  1, 1391 ; 
oberd.  nicht  recht  volksübllcb,  Schw.  521;  De  Lock). 
—  Quäl,  n.  (Schweix;  Gr.  W.  VII.  2301)  =  das  Ge- 
quäl, das  öftere  klemmende  Schmerzen  bei  der 
Kolik.  —  Quäler  (ndd.,  Iöu7  queler  -  lnvalltu 
dinariu»,  D.  306,  1476  quoler  —  valetudinarius,  I».  II, 
220)  =  einer,  der  Qual  leidet,  ein  Kranker.  — 
Quälung,  Quälsung  (mhd.  quclsunge ;  1507  qucllinge. 
Unt  191;  D.  317) -qualvoller,  marternder  Krank- 
heitazustand.    —    qualich   (~  invaletudinarius, 
D.  306)  =  krank,  leidend.  —  quälig  (ndd  quelk, 
Goldschm.  105)  -  in  leichter  Qual  t-eiindlirh.  — 
.i ,'/;-Qual  =  ilie  durch  einen  elbischen  Dämon 
(Alp,  Mar)  erzeugte  Belästigung  a)  im  Alptraum 
(s.  d.);  b)  im  Tode  (Todesangst,  Sterhensnot) 
(Laistuer  I,  231);  c)  Selbstmord  (LaUtner  II,  319); 
d)  Selbstverstümmelung  (Lafatoer  1, 159);  e)  siehe 
Marenqual.  —  Brxut  Qual  tholl.  borst-kwaal) 
Brnstleiden.   —   rlurre  Qual  (mhd.  dl  rre  quide, 
Nivbelung;  ür.  W.  VII.  22y9)  —  diu  erstickende, 
austrocknende,   lange  dauernde  Bedrängnis, 
z.  B.  durch  Durst  (Schweissqual).  —  <r- quälen 
(10.  Jahrh.  erchelon,  Notker)  (s.  er-kelien).  -  frau- 
liche Qual  (ndl.  vreeslijke  kwaal.  De  Cock  12)  ^  der 


I  furchtbare,  langdauernde  Schmerz,  z.  B.  beim 
Krebsleiden.  —  Kinder -Qual  =  schmerzliche 
Kinderkrankheit  (De  Cock  fö).  —  Maren- Qual 
(altnord.  mara-kvaldi,  Golth.  77),  1.  —  8.  Alpqual.  — 
2.  —  die  Plage,  welche  nach  dem  altnord.  Volks- 
glauben ledig  gebliebene  Frauenzimmer  aus- 
üben nach  Dämouenart,  indem  sie  wie  nächt- 
lich reitende  (s.  d.)  (altnord.  kveld-rida,  Maurer  II, 
iu«)  Maren  im  Alptraume  aufhocken  (Lalxtner  I, 
307).  —  AfierfN-Qual  (ndl.;  De  Cock  40)  =  Formi- 
catio,  Juckreiz  auf  der  Haut,  wie  durch  Ameisen 
(Mieren)  veranlasst,  z.  B.  beim  Frostreise.  — 
AfuffVr-Qual  (ndl.  inoeder  kwaal,  De  Cock  39.  226)  : 
Mutterleiden,  (iebärmutterkrankheit,  Hysterie. 

—  S<  hwt  i m  -Qual  ahd.  suelzcholi,  ■nelzchuoll,  Leg. 
Bajuw.  xiii,  Ii,  Graft  iv,  379)  =  andauernde  Be- 
lästigung durch  Schweis«  erzeugende  Korper- 
wärme. —  Sehn  u  -  Qual  (ndl.  zenuw-kwaal,  Do 
Cock  90),  1.  —  öfters  wiederkehrender,  zerrender 
Sehnenschmerz,  Muskel- Kontraktur.  —  2.  = 
Nervenschmerz  (s.  Nerve).  —  ver-,  zer-quälen 

—  ganz  und  gar  bis  zur  Betäubung  oder  Ver- 
wirrung quälen. 

Qualität  (zu  tat.  qualls;  qualitas  —  Eigenschaft, 
Wesen ;  [Paracelsus]  man  nennt  mit  Recht  da*  Weaen 
der  Dinge  ihre  Quallltat,  dleweilcn  ea  darin  quallen 
[s.  d.)  thaet.  nach  Krau«,  E.  870)  =  das  nach  humoral- 
pathologischer  Lehre  verschieden  warme  oder 
kalte,  feuchte  od.  trockene  Wesen  eines  Organs. 

—  (1531)  böte  Qualität  -  schlechte«  Tempera- 
ment (Krautw.). 

quallen  s.  Qualster. 

Qualm,  in.  qualmen  (ahd.  twclan  -  torpere, 
soplri,  Schw.  1391  =  sterben ;  twalm,  tualm  —  lorpor, 
somnus,  lelhargu»,  Grafl  V,  552;  1260  twalnicn,  n.  — 
durch  Hauch  betäuben,  Pfeiffer  86;  e*  gewirret  die 
fiowou  die  zc  chemenaten  [s.  Kemenat]  gent  =  gcburti- 
hiintche  RAucherung  mit  Qualmkrautcrn,  Hanf  x.  B., 
Pfeiffer  43;  mhd.  twalm,  in.,  n.  —  Betäubung.  Ohn- 
macht, 8cblaf,  Schlafmittel  [dwaltranck],  Lexer  277; 
j  Coter,  H.  A.  94:  Hoffm.  I,  394;  15.  Jabrh.  twalm  — 
extasis,  D.  219).  —  Qualm,  in.  1.  =  Sopor,  Torpor, 
halb  bewusster  oder  ganz  bewusstloser  Zustand 
des  Menschen  infolge  von  Betäubung,  Gift, 
Fisher,  Ohnmacht.  —  2.  =  der  Winterschlaf 
(Gr.  w.  VII.  2309).  —  3.  -  s.  a.  Tolm.  —  im  Qualm 
liegen  =  betäubt,  in  der  Schlafsucht  (s.  d.),  in 
der  Todesangst  daliegen,  dem  Tode  nahe  sein 
(Schmeller  I,  1393).  —  Qualmen,  n.  (mhd.  twalmen. 
Or.  W.  VII.  2311;  1515  twalben  -  lethargia,  D.  325; 
schmeller  I,  1241)  =  der  Zustand  des  Halb- 
srhlmnmers,  der  Betäubung  =»  Kalmen,  „halb 
und  halb  schlummern  wie  Kranke".  —  qualmig, 
quälmisch  (15;>3)  gcwaelmlg,  gewelmlsch,  Schmeller 
I,  1393;  1715  gu&llmisch ,  Toll.  leg.  98;  gwalinUch, 
Klezler  202;  Inchenh.  Mir.)  =  't.'.fWÜtW^  (Hlppokr. ; 
Fuchs  II,  39),  betäubt,  halb  bewustlos,  schwin- 
I  delig.  —  Qualmung,  f.  (1M5  twalbung  =  lethargia, 
;  D.  325)  —  der  Zustand  des  Qualmens.  -  Qualm 
(Twaltn)-Wurzel,  -Krauter  —  1-olluuj,  Bryoulum,  Man- 
dragora, Siramonlum,  Cannabls,  Chacropbyllum  etc. 

—  !  -qualmt  (holl.  bedwelmd) -  bei  einem  Organe 
unempfindlich,  taub,  betäubt.       Blut  Qualm 

=  Blutdampf,  Blutdunst  (Z.  f.  d.  U.  DJ94,  (t»l).  — 
Pest- Qualm      Test  hauch,   Pestdampf,  Test- 


486  QualBter— quaseln. 


Quast— Quell. 


dunst,  Miasma  (Gr.  W.  VII,  1072.  1576).  —  Schweiss- 
Qualm  =  (vielleicht)  Schweissqual  (s.  d.).  — 
q  ualm  -  tu  chti g. 

Qualster,  m.  (Kolster)  quallen  (tu  quaihjan 

=  coagulare;  angb^.  gilllstrac,  glllcster  =  phlegma, 
D.  438;  II,  383;  UM  qualsterc  —  Influenza- Auswurf, 
Lcrsch  177;  1475  qualster  =  mueus  (in  caruneula]  coa- 
gulum  muci  =  Greek,  I).  104).  —  (ndd.)  Qualle,  f. 
=  zusammenhängende  Masse  v.  dickem  Schleim 
(Goldschm.  112).  —  quallen  (queilen)  (Schraeller  I, 
1393)  =  sahen,  quallenartigen  Auswurf  aus  dem 
Rachen  mit  Muhe  herausbringen  (quarren, 
imalleren).  —  Qualsterun«;  (ndl.  kwalstering.  De 
Cock  n.  136)  =  die  Handlung  des  Qualsterns  2. 

—  (1593)  Qualstern,  n.,  pl.  1.  =  KolBter,  zähes 
Sekret  aus  der  Luftröhre  oder  dem  Rachen.  — 
2.  =  diesen  Schleim  auswerfen  (Heyne  III,  1227; 
Gr.  W.  VH,  2312;  Colcr,  H.  A.  246). 

Quappe,  f.quabbeln(Quawwel)  (aitnord.|ua[.j>a 

=  dicke,  wampige  Kröte,  Kluge*,  291;  engl.  (sfouab 
m  dick,  fett;  ndd.     imvwel,  Fromm.  VI,  365;  Falke 

II,  219),  1.  =  die  Wamme  (s.  d.)  oder  Triel  des 
Rindviehs  als  ein  Stück  schwappeligen,  schlot- 
terigen, hin-  und  herschlüpfenden  Fettfleisches. 

—  2.  =  dicke,  schlotterige  FleiBchwürzchen  am 
Schweinehals.  —  quappig  =  wie  eine  Kröte 
schlüpfrig,  schwappelig,  nicht  kernig,  fett 
(Gr.  W.  VII,  2325). 

quarch  s.  quer. 

Quark,  m.  (Quark)  (aus  dem  slav,  tvarogü  = 
Quarkkäse,  Kluge4,  291;  12 — 14.  Jahrb.  twarc  — 
colustrum  (=  Colostrum],  D.  610;  uihd.  <|Uarc,  twarc; 
1796  quaerk,  Abllg.  19,  achwed.  kvarka,  qvarka  = 
Pferde-Influenza,  J.  VUlng))  =  der  käsige  Inhalt 
(Kodei)  der  Lymphdrüse  am  Halse  (Kropf) 
unterm  Pferdekinne  beim  Feifei,  bei  der  In- 
fluenza, Rotzkrankheit  etc. 

Quarre,  f.  quarren  -  ein  quarrendes  (2) 
Kind  od.  Frauenzimmer  (H.  I*aul347).  —  quarren, 
1.  =  qualleren,  s.  quallen.  —  2.  =  unangenehm 
weinerlich  schreien. 

Quartan,  n.  Quartanie,  f.  (zu  ist.  quartana  seil, 
febris;  mhd.  quartane,  Lexer  190;  14. — 16.  Jabrb.,  mnd. 
quartanie,  J.  f.  ndd.  8pr.-F.  XV,  110.  120;  1421  dy  quar- 
tanie =  febris  acuta,  D.  II,  169,  1582  das  feber  Quartan, 
Lonic.  IN;  1612  Quartan,  n.,  Mannb..  Z.  f.  d.  Myth. 

III.  316  bs  quartanus;  quatuor  -  4.  Gr.  W.  VII,  2320) 
=  das  alle  4  Tage  sich  einstellende  Wechsel- 
fieber (s.  Kartanie  od. Quartantieber).  -  Quartal-, 
Quartan- Fieber,  -Säufer,  -  Weh. 

Quartier,  n.  (mhd.  quartier  aus  trau,  quartler  - 
der  4.  Teil.  Stadtviertel ,  Wohnungstell ,  Wohnung, 
Wand,  Kluge4,  291;  Falke  II,  219)  =  Trachtenwand 
am  Pferdehufe.  —  fälscht  Quartiere  =  schlechte 
Hornwand,  die  durch  die  Horuspalte  in  mehrere 
Teile  zerlegt  ist  (Falke  l,  272).  —  Hinter  Quartier 
=  Podex,  Hinterteil  (E.  w.  i,  168;  Gr.  w.  IV,  2. 
1512). 

quaseln,  quassen  [16.  lahrh.  quas  —  crapula ;  quass 

—  comessatio;  quassen  -  eomessarl,  I).  134  [Mitesser); 
P.  II,  117;  1421  quassen,  quossen,  quayssen,  quälten, 
u nutzen  -  crapulnri.  D.  155;  II,  117;  dazu  quastum  - 
grandn  [Holzwurm?  Finne],  Du  Caoge,    und  Quae«e,  I 
Quese)  =  gefrässig  sein   wie  ein  Parasit.   —  | 


quaBeln  =  faseln,  thörichtes  Zeug  sprechen,  wie 
ein  elbisch  Verwirrter  (quatschen). 

Quast,  m.  (Kasten,  Kosten)  =  Büschel,  Laub- 
schürze znr  Bedeckung  der  Pudenda  in  den 
■tiittelalterl.  Badestuben,  auch  zum  Questen 
Schlagen,  Spritzen  und  Besprengen  (Voc.  opt.  w. ; 
11.  Jahrh.  periioma,  D.  427).  —  Hanns-  Quast  = 
Penis  cum  scroto  (Wackern.,  Abhdl.  III,  138). 

Quat,  m. ,  D.j  f.  Kat,  n.  Quätig  (vorgerm. 
quetho  =  Kot;  ahd.  quAt  =  Kot;  mhd.  quat,  kat,  köt 
=  Böses,  Schlimmes  [s.  Quaddel],  Kot,  stercus,  Klage4, 
211;  mnd.  ndd.  quaad,  kat,  kot,  Göldschen.  51;  Gr.  \V. 
V,  1891;  15.  Jahrh.  quadt  =  «tercus,  D.  661;  Quatt.  f.. 
c.  v.  8chm.  418),  1.  =  böse,  wie  durch  einen  böeen 
Wicht  veranlasste,  schlimme  Krankheit.  — 
2.  =  der  böse  Geist,  der  Bösewicht  oder  Teufel 
selbst,  der  solches  verursacht  nach  dem  Volks- 
glauben (De  cock  25).  —  3.  =  Dreck,  Kot  (auch 
entsteUt  in  Quack  und  Quast,  z.  B.  Quackdarm,  Quast- 
sack). —  Quätig,  n.  (quedick  =  alba  lepra,  D.  II, 
232)  =  quater  Zustand  beim  Aussatz  (Lepra) 
s.  B.  —  quat  (1646;  Luther  VIII,  463)  =  schlimm, 
z.  B.  durch  Knocheneiterung.  —  (15.  Jahrh.) 
Quatheit  (=  Malum,  D.  345)  =  quater  Zustand. 
—  H  osen  Quatle  (schwab.,  Erbe  18.  36)  =  einer,  der 
den  Kot  (Quat)  in  die  Hose  gehen  lasst.  — 
Quat-Muf,  -Darm,  -Hand,  -Krauwaqieen,  -Leute, 
-Loch,  -Sack,  -Schwärung,  -Sehr,  •  Träume. 

Quatember,  m.  (=  quatuor  tempora  anni).  — 

Quatember-  Kind. 

quatsch-,  Quatte,  Quattel,  Quätte  (siehe 
Quappe),  1.  =  ein  sogen.  Froschbauch,  Fett- 
wanst, der  wie  ein  Brei  quatscht.  —  2.  =  kleines 
dickes  Kind  mit  Frosch  bauch  oder  Quatsch- 
köpf  (Gr.  w.  VII,  2334).  —  quatschig  =  dick,  fett, 
wie  ein  quappiger  Brei.  —  quatschen  =  un- 
sinniges, wie  Brei  verwirrtes,  thörichtes  Zeug 
vorbringen  (IT.  Paul  847).  —  Quatsch- Kopf 

quauckeln  =  schwerfällig,  wackelnd  geben 
(Schmeller  I,  1391).  —  Quauckel-  Bein 

quawweln  s.  quappeln. 
-queben  s.  Quef. 

queck-  (ahd.,  mhd.  quOc  —  keck  [s.  d.],  lebendig, 
frisch;  engl,  qulckeulug  —  Lebenszeichen,  Ktndsbewe- 
guug  desEmbryon  im  Mutterleibe;  10  quick  =  lebendig 
werden).  —  Quecksilber  -  Krankheit ,  -Siechtum. 

Quef,  111.  (zu  abd.  quepan  =  ersticken;  altnord. 
quef  =  [erstickender)  Katarrh  [Croup],  Gr.  W.  V,  273; 
Soh  nieller  I,  1393);  dazu  eisaas.  kepen,  kewen, 
giwen  (E.  W.  I,  251)  =  „wenig  Leben  mehr  in 
sich  haben",  an  erstickender  Lungenhypostase 
langsam  verenden.  —  er  kept,  kipt  (gibt)  noch 
ein  wenig  ■  atmet  noch  —  .'queben  =  ersticken. 

queilen  s.  quallen. 
Queise  s.  Quese. 
queit  s.  quitt, 
-queiz  s.  Quese. 
quelk  s.  Qual. 

Quell,  m.  Quelle,  f.  quellen  (vorhat,  gel  [goi]: 

ahd.  quellan  —  schwellen ;  mhd.  quellen  =  rasch  an- 
schwellen, Kluge).  —  Quelle:  a)  =  das  rasch  zum 
siebtbarem  Laufe  auschweUcndo  Nass;  b)  -  der  Ort 


's 


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Quendel — Quese. 


quetschen— Quinte.  487 


dea  Anschwellet!»;  auch  der  Aufenthaltsort  der 
clbUchcn,  Kinder  bringenden  Geister  de«  Volksglaubens, 
wo  die  Neuvermählten  luren ,  ob  Mo  solche  erhallen 
(Schell  '*»).  —  äusserlichc  Quellung  -  der  Zu- 
stand, die  Handlung  oder  Zeit  der  raschen 
Geachwulstbildung  durch  Waaser- ErgU88  in  ein 
Kürpergewebe  (Anasarca  s.  Hydrops)  (Blrl.,  8. 

I.  427).  —  (1721)  Brunn  -Quell  -  die  Schadel- 
fontanelle beim  Kinde,  schlagendes  Blatt  (Bjnrtt, 
K.  W.  136;  eigcnll.  Fbcrsetzuug  von  Fontanella,  s.  d  ). 

Quendel,  f.  —  Quendel  -  Warte. 

Quene.  f.  quenern,  quengeln,  quenken, 
quengen.  —  quenern  (ndh.  inteusivbiidung  zu 

twanc  -  Zwang;  l treugen,  qutngen  =  zwangen, drücken 
[mit  Nebenformen],  Kluge*,  291;  Sebmeller  I,  139'., 
Ii,  »21 ;  ar.  w.  VII,  2354)  -  mit  einem  gezwungenen 
pimpeligen  Tone  winseln,  weinerlich  thun.  — 
Quene,  f.  (14.  Jahrh.  >iueue  =  anus,  D.  39.  616;  Kraus, 
K.  1086),  1.  -  After,  der  Zwang  macht.  —  2.  = 
Aftergegend,  Steissbein,  heiliges  Bein. 

quer,  querch  (Indogenn.  twerk  [tor<|Ueo];  germ. 
thwerhwa-;  ahd.  iwerh,  twer;  mhd,  iwcr,  twerch,  quer, 
•luereh  —  „durch"  [therh]  etwa»  hindurch,  quer,  schräg, 
verkehrt  [s.  schlimm; ,  Grafl  V,  279;  mhd.  twer.  I.  = 
gucre,  f.,  schräge  Richtung)  —  Quer  Adt  r,  -  Auge, 
-Blatt, -Fell,  -Lage, -Netzlein,  -Sack,  -  Wunde. 

Querg,  in.  Quergel,  n.  Quärkeln,  Querliche 

(Thüringen)  8.  Zwerg. 

Querk,  f.  quergeln,  querren  (zu  «hd.  .merca  m 

chela,  gurgullo,  Kehle,  Gruff  IV,  24»;  Schmellcr  I,  936; 

II.  Jahrh.  kverku  =  Kehle,  Vicrordt  111)  -  Kehle.  — 
quergeln  =  öfters  aus  voller  Kehle  schreien, 
weinen.  —  Grquergel  —  das  laute  Geschrei 
eine«  kranken  Kindes  z.  B.  (Schindler  I,  1396).  — 
Querk-ScAwru/sf. 

Queme,  f.  (1568  quernc.  Gr.  W.  VII,  23ii2j  =  Werre 
(h.  d.)i  Gerstenkorn, 
querschen  s.  quetschen. 

Querxlein  ■  Querkelein,  Zwerglein  [H.  \. 
Kh.  319). 

Quese,  f.  Quäse,  Queise  (queiz)  (vermutlich  zu 

quassen,  a.  d.;  ahd.  queisn  —  Ulcus  quoddnm  in  brau- 
chlls  piscium  [  —  Kiemen-Finne  b.  Höcht  z.  B.];  ahd. 
welz  |  —  queiz]  =  pustula,  I).  II,  810,  pnpula,  vnrix 
(llautflune),  Graft  I,  3.".2;  IV,  650;  ndd.,  nordd.  .juese 
-  Hautblase.  Finne,  Goldachm.  89),  1.  =  dM  mit 
dem  Knötchen  der  parasitär  miUehrenden  Fisch- 
finne verglichene  Hautknotehen,  Hautpustel, 
Kinne  I.  —  2.  »die  Blasenßnnu  de«  Quäse-  oder 
Blasenwurmes  (<  'oenurus  cerebralis  R  ),  welche 
die  Drehkrankheit  der  Schafe  erzeugt  (Falke  II, 
220).  —  3.  ■  das  eitrige  Finnenknotehen  am 
Augenlide,  GerHtenkorn,  Werre,  Querne,  ('ha- 
luzion.  —  4.  =  Drehkrank  heil  (U.  Faul  348).  — 
5.  «3  verrückter  Einfall,  als  oh  man  durch  elb. 
Kinnen  verrückt,  verwirrt  wäre  wie  ein  tölpel- 
himige»  Schaf  (1.  eod  ).  —  (5.  -  s.  Quesenkopf 
(1.  eod  ).  —  ,4M<7-Queise  (Quese,  Quiise),  in.,  f. 
(anguueiz,  angnuelzo,  liraff  I.  352  —  Ulcus  (GeschwAr, 
lr--,  nuegueiza  —  papulae,  H.  7,  XVI,  >  nngiiueUa 
=  Furunkel,  H.  Z.  XV,  360;  11.  Jahrb.  atigvvetz.  II.  Z. 

III.  I'rager  ül. ;  aucuuei'o,  m.  =  pmtulu,  Schindler  I. 
107;  D.  Z.  XV,  345,  auguezzin  -    papulac  ardentes 


I  [HltzblAttercben],  Graff  1,  352;  ancwelza,  f.  =  pustula, 
Gral!.  1.  c).  Mit  dem  WeUeubrand  (weluo)  hat  dleaer 
angquelz  keinen  begrifflichen  Zusammenhang.  Kögel 
(Beltr.  z.  G.  d.  d.  Spr.  XVI  511)  stellt  angwetz  zu 
ang(w)-eiz  =  ulcus  in  inquine  (auqueu) ;  aber  auch  dies 
stimmt  begrifflich  nicht,  da  die  ang-quelae  niemals  als 
bubo  erklärt  wird  und  bei  Fischen  ein  ulcus  In  inquine 
nicht  vorkommen  kann;  lautlich  und  begrifflich  wird 
der  (von  Graff  IV,  650  schon  angedeuteten)  obigen 
KrklArung  um  so  mehr  zuzustimmen  sein,  als  antr- 
sowohl  In  gleichbedeutendem  angsetz  (—der  innen, 
In  der  Haut  sitzende,  peinigende  Hautwurm)  all  In 
aug-Beere  etc.  sich  nachweisen  lAast  und  da  auch 
,,uei*a  =  yuase,  Finne  belegt  Ist,  1.  =  der  eine  peini- 
gende Qual  (s.  Ang,  Pein  n.  Bier)  verursachende 
Quasenwurm  in  der  Haut  des  Weidetieres  (siehe 
Engerling,  Made,  Finne,  Pieren).  —  2.  —  die 
von  diesem  veranlassten  Dasselbeulen.  —  3.  = 
die  damit  verglichenen  Hautknötchen  beim 
Menschen,  Akme,  Pustula,  Furunculosis,  Finnen, 
Mitesser,  Hautgall.  —  .EttVr-Queise  (altnord. 
cltr  kvclsa  =  Klterbeulo.  Welnb.  282)  =  Eiter  bildende 
Quese  3,  Eiterpustel.  —  Gehirn-,  Him  Quese 
=  Gehirnwurm,  Quese  2.  —  ScAn/'-Queae  = 
Quese  2.  —  QuQaen-Kopf. 

quetschen,  quetzen  (ahd.  quetsou  [  =  quatere, 
(ir.  W.  VII,  2366;  mhd.  quetzen,  quetschen  [quattcrnl. 
Kluge  *.  291  zum  Brei  drücken)  —  durch  Druck,  StOSS, 
Anprall  so  verletzen,  dass  eine  Trennung  des 
Zusammenhangs  der  Gewebe  biB  zur  Breibil- 
dung mit  Bluterguss(EcchymoBi8,  sang-meurtri) 
erfolgt.  —  Quetschung  find,  quelzunge;  ndl. 
quetsinghe,  De  <ock  13«;  Gr.  W.  VII,  236»)  =  Con- 
cussio,  Oonquassatio ,  Contusio,  Laesio  =  die 
Handlung  oder  die  Folge  des  Quetschens.  — 
Arsch  Quetscher  =  der  den  Darmkot  quet- 
schende Afterschliessmuskel  (Hyrü,  K.w.  m).  — 
Fuss  Quetschung  =  starke  Druck  Verletzung  am 
Fusse  (Gr.  w.  IV,  l.  li«9).  —  mquetscht  (1507 
verquetzt  aa  laesus.  D.  325)  =  durch  Quetschung 
ganz  unbruuehbar  gemacht. 

qaimen,  Quine,  f.  quinen,  quinern  (aagU. 

aewinan,  cwänjan;  mhd.  qwinen  —  krankein,  dahin- 
siechen, Fromm.  VI,  365;  1507  quynende  =  vatctudlna- 
rlus;  1777  quinen  -  languerc,  l>.  II,  220;  ndl.  kwynen; 
ndd.  quynon,  Fromm  vi,  20)  =  ohne  Gedeihen 
dahinsiechen.  —  quinern,  1.  ^quengern.  —  2.  = 
ein  längerdauerndes  leiden  mit  Auszehrung 
haben,  kränkeln.  —  Quine,  f.  =  eine  zur  Aus- 
zehrung fuhrende  längere  Krankheit,  z.  B.  Zehr- 
Hechte  (Z.  d.  V.  1.  V.-K.  1897,  8.  74).  —  (17S5)  ver- 

quimen,  -quinen,  -quinern  (quanen,  kahnen) 
(V.  B.  !M]  dahinwelken,  siech  verkommen  (nach 
dem  Volksglauben  lufolge  von  Hexerei  od.  Zauberei). 

quinseln  (I«nj  Gr.  w.  vil.  2372)  =  winseln. 
Quinte,  f.  Quintern,  f.  1.  -  (zu  quiuta  mu.  tox. 

hora,  febris,  tussls  etc.  aus  franz.  [1695]  la  qulnte  m 
Tnssis  qnlnta,  Schnnrrcr  II,  172.  226),  a)  Keuch- 
husten (wegen  der  im  Quitittonc  erfolgenden  sogen. 
Reprise  nach  den  voranfgegangenen  Hnstentonen  V  oder 
verallgemeinert  aus)  b)  (Quinte  ~  U  toux  du  malin 
[hora  qnlntaj)  =  der  Morgenhusten  der  Lungen- 
sfl  cht  igen  (Bris».  141.  199).  —  2. —  Quinte- Laune, 
Capriee  s.  Lannenfieher  (Fromm.  VI,  433).  — 
Quintern,  f.  (i5so;  Gr.  w.  Vll,  2374)  -  Feminal 


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4SS  (Juintipse—  Rache. 


«.Juirl— Rache. 


(unter  Anspielung  auf  die  uoige  [.-..  U.]  uuJ  damit  uuf 
(lau  B  stimmige  Saitenspiel). 

Quintipse,  f.  (ein  vieUeicht  aus  Quinten  [s.  d.]  gc- 
bildeter  Schülcrausdruck  für  Vulva,  Scbmcller  1,  1390). 

Quintze.  ni.  Quintzele ,  Ii.  (zu  Klnsel,  Kensei 
[a.  d.)  =  kleinerer  Knollen),  1.  —  Penis  (Scbmcller  I, 
1398).  —  2.  =  Hautk nötchen  (Akne,  Pustula). 

quiren  (mhd.  quirren,  Kromm.  VI,  433)  =  kirren 
(s.  d.)  seufzen. 

St.  Quirin  (Kirin,  Kürin,  Kttriss.  Kirein, 

Körein)  (einer  der  sogen.  Marter-  oder  Plagheillgen ; 
er  verantwortet  nach  Paracelsug  [d.  linp.)  die  Olscheu- 
kel  [s.  d.]  und  lieferte  das  St.  Qulrinsöl,  oleum  tegu- 
rinum  praestantissimum  [s.  d.  Verf.  Volks-Medizin  138]; 
■eine  Feier  fallt  im  Kalender  auf  den  Walpurgistag  vor 
dem  1.  Mal,  so  dass  Piscbart  [Gr.  W.  V,  833;  s.  auch 
Z.  d.  D.  ö.  A.-V.  1893,  1901  Jeu  ganzen  Monat  April  als 
i  [-8t.  Quirins-Bnsae]  bezeichnet;  ala  solcher 
tritt  er  auch  in  Verwünschungen  auf: 


Kuch  8t.  Kurl  und  da«  Ritt  aller  Schersen  uud 
Kaiben  schult  !",  Gr.  W.  V,  431).  -  St.  Quirin8- 
Buss,  -Marter,  -Plage,  -Rächt,  -Bauch. 

Quirl,  m.  (Indogerm.  twer  Js.  quer];  germ.  thwer, 
ahd.  dwiril  sa  Rührelab;  mhd.  tu  Irl  =  da«  Gedrehte, 
or.  w.  vii.  2377;  Kluge*,  291).  —  Quirl  =  der  helle 
Fleck  auf  der  Kitideretirne,  wo  die  Haare  wie 
gedreht  auseinanderstehen. 

quitt  (queit)  (um  I20O  aus  franz.  qultte  und  dies 
aus  lat.  quletarc;  mhd.  quit,  Kluge*,  291;  1612  quit  oder 
ledig  machen  =  quietare,  D.  479;  1513  quelt  =  ledig, 
los,  frei).  —  der  Flucht  queit  werden  (Schindler  I. 
1398;  Ploss.  Bartels  l,  497)  =  des  Kindes  loa  werden, 
entbinden. 

Quiti,  f.  (Kutte)  (goth.  quthus  =  uteros;  qitbus 
Bauch,  Kluge6,  222;  dazu  Kutteln  (*.  d  );  ahd.  quiti 
=  Tulva,  Gran*  IV,  «60;  Gr.  W.  IV,  I.  48;  «chwed. 
qwed,  aogla.  evid.  Kromm.  VI,  28«). 

Quol  s.  Qual. 


H-Sucht. 

Rabe,  u>.  (Kapp),         ,  ■  Krabb  (der  schwarz- 

geäedcrtelaogschnabellgeKrahenvogelUdinH.dernacbt- 
liche  Scuchenvogel  des  Volksglaubens  =  Nacht-Hübe 
=  Caprimulgus,  Ziegeumelker,  Habergelas  [s.  d],  8trix 
alueo;  1541  nachtrab;  1618  nachtrapp  -  nocturnus 
grassator,  Schmeller  II ,  128;  D.  98;  I Alstner  II,  251; 
H.  A.  Rh.  135  [auch  der  Teufel  in  Fledermaus-  [s,  d.] 
Gestalt  [Abergl.  113]  ist  so  genannt];  diente  nur  zu 
wenigen  Vergleichungen),  z.  B.  Raben-/>'<  i n  *,  -Haar, 
-Mal,  -Schnabel. 

rabiat,  rabbiat  (vom  ital.  arrablato,  arrnpare  = 
entführen)  =  ausserhalb  seiner  Sinne  (aus  der 
Haut,  aus  dem  Haus)),  wütend,  toll. 

•räch.  —  -Ii  räch  s.  d.  unter  A  S.  10b. 
Rache,  f.  Räch,  m.  (indogerm.  werg,  »reg; 

vorgerm.  wreg,  werg  [urguo,  bedränge];  germ.  wrek 
[Wrak,  schadhaft  gemacht]  -  verfolgen,  vertreiben, 
ausschliessen  zur  Bestrafung;  ahd.  rahha;  mhd.  räche, 
Kluge6,  292  —  „das  gewaltsame  Greifen  auf  den  Übel- 
thflter  seitens  der  Gottheit";  146«  druez  -=  räch,  D.  II, 
312;  ndd.  Räch  In  Collum  tunm!  tros!  also  me  sacht, 
tros  |  =  Drüse)  in  denen  hals  l  1420  racha  =  trocz  [Drüse], 
D.  11,  312;  1482  räch  in  collum  tuum  trutz  räch,  trocz 
[Drüse],  D.  482,  hier  also  so  viel  als  Drüse  an  deinen 
Nacken  wünsche  ich  dir  zur  Rache  !  [s.  Drüse  3b,  S.  102]. 
In  germanischen  Zeiten  war  es  [muh  almrock,  H.  D. 
M.  312.  341]  die  rächende  Hellia  [Rachhel],  die  über 
Blut  und  Tod.  Leben  und  Sterben  gebietende  Gottheit, 
welche  sich  für  die  vorenthaltenen  Opfergaben  durch 
tödliche  Strafen  [Nagen]  rächte  oder  mit  anderen  be- 
schädigenden Folgen ,  die  diu  elblscben  Wesen  ver- 
mittelten, z.  B.  durch  Elbeugcscbosa  [s.  d.],  das  Blenden 
[a.  d.);  auch  St.  Luzia  [=  Pcrchta]  rächte  sich  mit 
[Augen  ] Krankheiten,  Stubenvnll  17:.,  an  Stolle  dieser 
Dämoneustrafen  traten  im  Christentum  „der  Teufel  und 
sein  zauberlsther  Anhang"  I6W;  v.  M.  II,  6f. ,  m.wIc 


dessen  Gegnerschaft,  die  sogen.  Plag-Helligcti,  die  mit 
Krankheiten  sich  an  dem  die  Tributgaben  verweigern- 
den Menschen  grollend  rächen  und  zwar  Je  nach  dum 
Namen  oder  der  kulturgeschichtlichen  Holle  des  bvtr. 
Helligen  mit  speziellen  Martern  [s.  d.]  oder  Plagen 
[s.  d  .],  namentlich  aber  mit  gähem  Tode,  Birlinger  I, 
S.  68,  und  ansteckenden  Volksseuchen  [  =  Räch  oder 
Pest,  M.  II,  66],  die  durch  Rache  Pfeile  [1722;  Tib.  403] 
veranlasst  werden.  Item  St.  Rochus  (das  Lübecker 
l'assional  1507  uonnt  Ihn  „einen  Marschalk  der  Pcstl- 
lcnzla"]  lautet  auf  Deutsch  als  „Rache"  uud  Zorn. 
Ilugs  fahren  sie  zu  und  sprechen,  Rochlus  solle  von 
uns  Gottes  Rache  abwenden .  well  er  Rochlus  hebst 
oder  die  Sage  ihn  so  neunt,  Luther  VII,  75).  — 
St.  .  I  Ht  wn-Rache  (1226  St.  Antonien  raech  -  ergo- 
tistnus(?],  ein  chronisches  Ignis  sacer,  Lammert ;  [Mem- 
mingen] ;  1350  8t.  Antonien  rah  =  lguis  peralcns,  Pr.  I. 
363;  1492  sant  antonico  raech  =  sacer  lgnli,  Schmeller 
I,  115  =  8t.  Antonlen-Feuer  [s.  d.J;  15.  Jahrh.  8t.  An- 
tonius raach  -  Pestbeule!?),  Anthraz-Karbunkel,  Gr. 
W.  V,  1585;  1515  8t.  Antonius  rauch  =  Rotlauf,  helliges 
Feuer,  St.  Antonius-Feuer,  C.  v.  Schm.  22;  1556  SU  An- 
tboui  raach,  Gr.  W.  I,  501;  16.  Jahrh.  St.  Antonien  rak 
^eine  ansteckende  Krankheit  in  Basel,  liacscr  II,  87; 
demnach  —  St.  Antonius-Feuer  [s.  d.], 
[=santoni,  St.  AntonlVj;  Räch  und  [dlalek.] 
[  =  Rauch]  klingen  an;  daher  auch  die  Verwechselung 
von  Rache,  f.  und  Rauch,  m.  [s.  d.]).  —  St»  Antoni- 
Rache  int  =  Öt  Antonis  Busse,  St.  Antonia 
Fluge  und  brennende  Rache  (s.  d.).  —  brennende 
Rache  (15.  Jabrh.  brennend  raach  =  carbunculus, 
Gr.  W.  V,  1585;  1506  brennet  raach  =  carbunculus. 
Gr.  W.  VIII,  17,  antbrax.  sacer  Ignis;  1597  brennend 
raach  --  eryslpelas,  sacer  lgnls,  Iladr.Jun.S84;  1719 
brennende  räche  —  sacer  Ignis,  St.  Antoniusfeuer, 
Gr.  W.  VIII,  17,  Heyne  V.  2);  demnach  1.  =  das 
durch  Beine  brennmte  Farbe  au  Hallende  Rot- 
lauf (Krvsipelas).  —  2.  =  das  heilige  Feuer 


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Rachen— Rad. 


Radesyge— rfteh  4HS) 


(sacer  innis)  =  St.  Antoni-Feaer.  —  3.  =  der  rot- 
laufartige Milzbrand-Karbunkel.—  St.  Johannea- 
Rache  =  St.  Johannes-Übel  (s.  d.),  womit  dieser 
Heilige  seine  Rache  ausObte.  —  (UM)  St.  Quirins- 
(Kürias-  Rache,  1.  —  St.  Antonius-Rache  oder 
St.  Antonius  -  Flage  ,  St.  Antonius  •  Feuer, 
St.  Quirins-Busse  2;  (es  scheint,  da&s  3t.  Quirins 
Klöster  die  AntonUer-Rollo  übernahmen  und  bei  Ery- 
sipels«, Phlegmone  der  l'nter-  [öl-] Schenkel  [s.  d  ]  den 
Plag-Heillgen  umtauften  [s.  Kultkalendarium.  Z.  d.  l>.-<). 
A.-V.  1893  .  9.  190.  194],  St.  Quirinskraut,  Tussilagu 
farfara  L.,  Jessen  417,  wird  natnenlllcb  beim  Ohm  («.  d] 
gegen  Hautentzündung,  Rotlauf,  Hautbrand  gebraucht). 

—  2.  =  St.  Quirins-Marter.  S.  auch  St.  Rochus, 
rauh,  räch.  —  Bach-Flecken. 

Rachen,  m.  (vorahd.  hrahho;  ahd.  rahho  =  sub- 
lingulum.  Graft  II,  385;  <J.  Jahrh.  raha  -  gula,  Kehle, 
«raff  II,  385;  hracho  =  «ublinguium,  Kab.  Maar.  64 ; 
mhd.  räche;  14.  Jahrb.  räch  =  palatum,  Voc.  opt.  W. 
10;  16.  Jahrh.  räch  =  rumen,  D.  503;  räche,  racho  - 
subllnglam,  Schindler  II,  12;  D.  560;  16.  Jahrh.  räche 

—  fanz,  palatum;  ndl.  raak  —  Innerer  Mund;  angls. 
hracca  —  Hinterhaupt;  engl,  rack  =  8chöpsenbals, 
Kluge*.  292);  demnach.  1.  =  der  Schlund  als  mus- 
kulöses Schluckwerkzeug,  das  beim  Würgen  und 
Rächsen  einen  krachenden  Laut  erzeugt.  — 
2.  es  das  Innere  des  menschl.  Mundes  (Mund- 
höhle, Gaumen,  Schlund).  —  3.  =  der  Rachen 
grösserer  Tiere.  —  4.  -  die  in  der  3.  und  4. 
Gaumenfurche  beim  Fferde  liegende  Blutader, 
welche  gestochen  wurde  (Gr.  w.  VIII)  (Staffel). 

—  GtVr-Rach(fn)  =  ein  mit  Gier  in  den  Rachen 
Blut  einsaugender  Alp  oder  Vampir  (U.  a.  Rh. 
421).  —  <».,  ,■  Rachen  (146«  oberrach  =  ruma,  D.  II, 
322)  =  Ober «anmen.  —  t/ntVr-Rachen  (1466  vnder 
räch  sa  fnimeu,  1).  II,  183)  -  der  unter  dem  Rachen 
beiindliche  Schlund.  —  IFotVs-Rachen  =  eine 
monströse,  sogen,  unnatürliche  Btldungs-Ano- 
malie  beim  Menschen ,  wobei  in  der  Gesichts- 
niittellinie  eine  Lippen-,  Kiefer-  und  Gaumen- 
spalte bestehen  bleibt,  in  der  der  2—4  sogen. 
Wolfazühne  tragende  Zwischen-Kiefer  wie  das 
Vordergehiss  eines  fangzähnigen  Raubtieres 
hervorsteht  (Förster  II,  5;  engl,  wolfsjaw;  franz. 
guoule  de  loup,  Lehf.  247).  —  Bß&cheXi- Bein, -Bräune, 
-Enge,  -Höhle,  -Hülle,  -Husten,  -Kittel,  -Seuche 

rachsen  s.  rUchsen. 

rack  «.  rieh.  —  racker-fof. 

Rad,  n.  Rade,  f.  (Indogerm.  roth  =  eilen  [dazu  i 
rota,  rotula  und  rasch] ;  vorgerm.  rotho-m  ;  germ.  rath ; 
ahd.  rad;  mhd.  rat,  Kluge*,  292.  294)  m  scheiben- 
förmiger, flacher  Körper,  wie  z.  B.  ein  Uhrrad ; 
mit  dem  Baue  eines  Uhrwerkes  und  dem  inner- 
lich gehenden  Rädergetriebe  desselben  verglich 
man  auch  die  regelmässige  Thätigkeit  des 
menschlichen  Körpers  und  seiner  Teile.  — 
Rade,  f.  =  Rotula  in  genu  =  Knierad,  Kicrotel 
(«.  d.)  (Cr.  w.  V,  14.U).  —  Radeln,  n.  -  das  Ver- 
renken der  Gelenkflachen  beim  Kinde,  die  wie 
ein  rollendes  Rad  ans  der  Kugelhohle  sich 
herausbe»  e«en  (Z  f.  o.  v.-K.  18«7, 8.  6).  —  Rädlein 
(1609  capltulum  radli,  Radspeiche  ■  radlus)  —  das 
Köpfchen  an  der  Armapeiche,  das  sich  in  der 
Uavitas  sigmoidea  ulnae  wie  ein  Rädchen  dreht 
iUyrtl.  K.  \v.  131).  -  </c-rädert  -  geradbrecht  (an 


den  Gliedern),  s.  radebrechen.  —  Herz-Rad 
(ahd. ;  Graft  VIII,  104&)  =  das  wie  ein  Räderwerk 
regelmässig  schlagende  menschliche  Herz.  — 
Knie  Rad,  Kniebug-BAd  (ahd.  knioradn,  f.,  (iraff 
IV,  576;  chneorada,  f.,  Gr.  \V  V,  1432;  'J.  Jahrh. 
chniorado,  in.,  chniorada,  f.,  Graft  II,  469  «■  Knie- 
scheibe, SchienlH'in,  poples;  11.  Jahrh.  chinnie  radln 
[  =  knieradin].  H.  Z,  XV,  356  =  poplite;  knierada  = 
poples,  H.  /..  XV,  315;  kulrade  =  poples,  H.  Z.  III; 
chnieredc,  H.  Z.  III  =  poples,  poplltes;  knurrajd]  = 
poples,  Germ.  X VIII, 68  ;  II.  Jahrh.  knurad  =  vertebnim, 
Gelenk,  Voc.  opt.  W.  12;  knubograd  =  poplltaea,  i.  c. 
13;  14.— 15.  Jahrh.  knurad,  D.  614;  1412  knuwerat  = 
vortebrum.  1482  kntiwerat- Tcrtebrum,  Gelenk,  rotula 
in  genu  [  —  das  kleine  Knierad];  mhd.  knlerade,  m.; 
1561  knlerad,  n.,  Gr.  W.  V,  1431;  [Schweiz]  Knlerade,  f. 
=  Kniescheibe,  Kniegelenk,  Gr.  \v.  V,  1431);  demnach: 
1.  =  ursprünglich  (in  der  Bedeutung  Rad  = 
mühlsteinartige  Scheibe)  =  Kniescheibe,  Pa- 
tolla,  Rotula,  Mola  (s.  Mole),  Scutum  genu 
(Hynl,  Anai.  360).  —  2.  =  das  Kniegelenk  selbst, 
Kniekehle,  Kniebeuge  (Gr.  w.  v,  1431).  —  Knie- 
rad-Scheibe. —  rad  brechen.  —  Pflug-K&dl- 
Auge*. 

Radesyge  s.  Syphilis  (dazu  wohl  i  Radebeyle  = 
Urunclla,  vulg.  Mundlaulkraut,  Zapfebenkraut,  Hals- 
kraut,  Jesacn  69). 

räch,  räch,  rack,  rag,  rahh,  ra,  re,  reh, 
!  rech,  röch,  Rache,  f.  Räch,  m.  Rehe,  f.  (Röhe) 

i  (germ.  rag,  reh  [ragen],  Kluge5,  293;  engl,  rack  — 
I  recken;  dazu  rickety  =  ,,IUch"itis,  rickets;  ahd.  räch, 
rak  -  surr,  steif ;  rahl  ss  Rahe,  1.  c.  298 ;  1260  raecho 
=  steif,  Pfeiffer  44;  1361  rehe  =  Spat,  Hoff  in  ,  Mtsschr. 
f.  Schlcs.  1829,  II,  7C4;  mhd.  rac  =  straff,  steif,  rege, 
ragend,  Kluge*,  293;  Lexer  191;  rack  =  rauh,  steif, 
straff  gespannt,  müde,  Gr.  W.  VIII,  33;  raehe,  f.  = 
\  Gllederstelfhelt  der  Pferde,  Lexcr  192;  1571  raeck, 
Or.  W.  VIII,  13;  1592  rech,  Seb.  191;  1688  reh,  Tabern. ; 
1645,  17.  Jahrb.  roehe,  n.  rehe,  f.,  R.  A.  492.  505;  zum 
rehe,  zur  rehe  =  Verfangen  [s.  d.],  Colcr,  Pf.  375;  171« 
raehe,  f.,  n.,  Or.  W.  VIII,  62  =  „wenn  das  Pferd  die 
Vorderhisse  auswart*  wirft  und  diese  nicht  auf  den 
vorderen  Teil  des  Horns,  sondern  auf  die  Ferse  nieder- 
setzt, so  ist  ein  solches  Pferd  einmal  raech  gewesen" ; 
[Schwaben]  rech  =  raech  [bei  Pferdeu],  Ruck  48;  „vom 
Wind,  Futter,  Truuk,  Wasser  zur  Rehe"  =  Wind-, 
Futter-,  Wasser-Rahe,  Colcr,  Pf.  375).  —  räch,  rack 
=  gliedersteif,  gliederlahm,  wobei  die  straff  ge- 
haltenen Gelenke  die  Knochen  mehr  aufragen 
lassen  als  bei  vollständig  freiem  Muskelspiel; 
bei  dem  Rflchsein  „verfangen"  sich  die  Glieder 
ob  ihrer  zu  straffen  Muskelspannung;  dazu 
Räckel  (Sylt;  Urquell  II.  195)  =  ein  schmächtiger, 
langer,  knochenstarrender  Mensch. -Racker,  m. 

der  das  verreckte  Tier  einscharrende  Ab- 
decker. —  Rahe  (Rehe),  d'Rehe,  Rhehe,  f.  (engl, 
the  rickets,  Schnurrer  II,  158)  =  die  Gliedersteifig- 
keit  und  steife  Körperhaltung  infolge  von 
Rheumatismus  bei  Menschen  u.  Tieren;  haupt- 
sachlich aber  bei  l'fcnlen,  la  courbature  (cur- 
vatura),  la  fourbure  (Briss.  132. 144)  und  hei  diesen 
auch  auf  ähnliche  Leiden  aus  anderen  Ursachen 
ausgedehnt:  1.  =  eine  fieberhafte  Kntzündung 
der  Huflederhaut  (s.  Reh-Huf)»  wodurch  das 
l'ferd  fussteif,  gliedsteif  wird  (=  räch,  rack), 


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räch. 


rächsen — Rasse. 


da  dieses  Leiden  die  Funktion  des  betr.  Gliedes 
wesentlich  beeinträchtigt.  —  2.  =  lähmungs- 
artige Gliedersteifheit  durch  Phlegma  (Rheuma) 
od.  Rhacbitis,im  Allgemeinen. — 3.  =  lokale  Glie- 
dersteifheit durch  Rheuma,  Spat,  Haut-  oder 
Hufkrankheit  (Gr.  W.  VIII.  566.  567;  Herbst  29; 
Kalke  I,  417;  Ii.  223.  231).  —  4.  m  das  sogen.  Ver- 
fangen (Atembeschwerdo)  oder  Verschlagen, 
Herzseh  lächtigkeit  (Gr.  W.  Vm,  62;  Mayer  135).  — 
Rächigkeit  (1592  rechtigkeit ,  Seb.  177)  -  racher 
Zustand,  Gliedersteifigkeit.  —  (1680)  Brunt-Rahe 
m  BruBtmuskelrheuma  (Rähe4)  (Falke  1. l«2).  — 
.Fress-Räke- eine  Gelenksteißgkeit  des  Pferdes, 
angeblich  durch  zu  vieles  Fressen  (Gr.  w.  IV,  l 
139).  —  Futter-K&he  (mhd.  vnoter-raehe,  Lexer369; 
1599  futterrech,  Gr.  W.  IV.  1.  1094;  1764  lutter-rcche ; 
19.  Jabrh.  futierrche)  =  eine  Gelenksteifigkeit  beim 
Rinde  und  Pferde,  das  dabei  sich  aufbläht  im 
Bauche  und  alle  4  Glieder  straft*  von  sich 
streckt,  angeblich  durch  schlechtes,  nnzeitiges 
Futter  veranlasst,  Rheumatismus,  der  in  nassen 
Jahrgitngen  häufiger  beobachtet  wird,  Crithiasis 
(Kraus,  E.  277;  R.  A.  492.  605;  Falke  I,  300).  —  (1699) 

Gang  Rühe  =  Hufrähe  (s.  d.)  (v.  M.  I,  43).  — 
Huf -Rahe,  i .  =  eine  bei  entbundenen  Stuten 
nach  dem  Fohlen  würfe  unter  Fieber  u.  heftigen 
Fusschmerzen  auftretende  Steifigkeit  der  Tiere, 
welche  dabei  die  Körperlast  auf  den  hinteren 
Teil  des  Hufes,  auf  die  Hufballen  zu  stützen 
suchen,  indem  sie  namentlich  die  HinterfQsse 
weit  unter  den  Leib  schieben  und  die  Vorder- 
fösse  nach  vorne  stellen  (Frank  476).  —  2.  = 
s.  Reh-Huf.  —  Äreuz-Räke,  1.  =  Kreuzlahme 
(s.  d.).  —  2.  =  die  Drehe,  Windrähe  (s.  d.)  = 
schwarze  Harnwinde  (bei  Tieren).  —  (1260) 
LankUL&he  („der  pblegmaticus  [  =  rbeumalicus)  hat 
des  pluts  [Blutfeim,  s.  d.)  ze  vll  gefangen  uud  ist  der 
langraechigund  swelgt"  [swelztv],  auch  swigetlswlzet?] 
lu  anderen  Lesarten,  Pfeiffer  21;  Schmeller  II,  12; 
vergl.  Lanksucht)  =  eine  Steifheit  in  der  Lanke 
(s.  d.),  Gelänk ,  Gelenk  (Lumbago,  Rheuma  arti- 
culorum),  wobei  starke  Schweisse  auftreten 
(das  Schwelgen  Ist  wohl  falsch  gelesen  für  Schweissen 
[schwitzen],  das  verständlicher  ist).  —  Muchel-B&he 
(mhd.  nitucbelrachc,  Lexer  167;  miichel  raeche,  Scbm. 
n,  12)  -  eine  Gliedersteifigkeit  mit  Hinken  beim 
Pferde,  durch  den  Muchel  oder  Meuchel  3 
(.Mäuchler)  =  Mauke  (s.  d.)  veranlasst.  —  nieder- 
Tacken  =  (clno  mundartliche  Entstellung  für):  iter- 
ruchen,  s.  „ruechen"  (Andrcsen  109).  —  (1843) 
Stall-R&he  =  eine  durch  zu  langes  Stehen  im 
Stalle  angeblich  entatandene  Pferderahe  (Zipp.  j 
208.  209,  Falke  II,  334).  —  (17.  Jahrb.)  Wasser- 
Rähe  =  eine  Gliedersteifigkeit  beim  Pferde: 
a)  angeblich  durch  gfthes  Saufen  kalten  Wassers 
veranlasst  (Rheuma)  (Coler.  Pf.  375;  R.  A.  492; 
franz.  fourbure  [  =  forls  blbere  =  boire  mal  n  propo?], 
Briss.  144) ;  b)  wäsaerige  Anschwellung  der 
Schenkel  mit  Gliedersteifigkeit  (Falke  II,  429).  — 
Winrf-Rähe  (-drehe)  (mhd.  wintraehe,  Lcxer  388) 
=  eine  Gliedersteifigkeit  der  Pferde  mit  tym- 
panitischer  Auftreibung  des  Bauches  und  mit 
Nierenreizung  (schwarze  Harnwinde),  angeb-  , 
lieh  durch  verschlagene  Bauch-,,  Winde"  (Flatus, 
Darmreizung)  oder  durch  das  Laufen  gegen  den  | 
„Wind"  verursacht  (falsche  Etymologie  IM  oft  Ver-  | 


anlassung  zu  falscher  AUologie,  Falke  II,  440) ;  die 
dabei  bestehende  Haemaglobinurie  fBollInger) 
ist  Zeichen  einer  parasitären  Nierenreizung 
(Harnwinde)  mit  gleichzeitiger  Tympanites  der 
Gedärme;  die  windenden  Leibschmerzen  und  die 
Gliederateifhelt  erklären  genügend  den  Namen  (K.  A. 
492);  das  hohe  Aller  dieses  Krankhclts-Namens  Rähe 
wird  noch  bezeugt  durch  die  volksmediziniscbe  Be- 
sprechung dieses  Übels  (Hoffm.,  MonaUchr.  f.  Schlesien 

1827,  n,  764).  —  Rah-  (AVA-,  Roh-),  rack-//«/\ 
-Krankheit,  «mitd,  -Seuche. 

rächsen,  räcksen,  räckzen,  räckezen, 
rachsen,  Racksen,  m.  rackazen,  (ricksen, 

rillen)  (zu  ahd.  rnchlsön,  9.  Jabrh. ;  Graff  II,  386  = 
screare;  ndl.  rexenen  =  screaro,  r>.  620;  1C20  raexen, 
l)r.  Minderer)  —  mit  laut  hörbarem  Geräusche 
Schleim,  Speichel,  Blut  oder  Kiter  auB  dem 
Rachen  heraufholen  und  auswerfen  (Gr.  w.  vm, 
30;  schw.  626)  —  Rächsung,  f.  =  die  Handlung 
des  RaehBens.  —  Racksen,  m.  -  der  aus  dem 
Rachen  herausgeworfene  Qualster  (s.  d  ),  Spu- 
tum (Schmeller  II,  13).  —  at</räckzen  (15.  Jabrh. 
uffrochuen,  Schmeller  II,  13)  =  eruetare,  aus  dem 
Rachen  hörbar  aufstossen,  rülpsen.  —  au$- 
Tächsen  (-rachsen)  (ahd.  uigerahsinet,  12.  Jahrb., 
Grad  II,  386;  15.  Jahrh.  usarysen  =  rehssen,  D.  640 
[haemoptoc])  m  das  im  Rachen  angesammelte 
Sekret  auswerfen,  z.  B.  Galle  ausrächsen  (D.  201). 
—  2Hul-rächsen  (1477  plutreichsen .  Ortolf;  1483 
bltiotraechsen .  C.  v.  Megbg. ;  1482  plutrechsxung  - 
seuche,  daz  ist  der  do  plut  rechslnt,  D.  201 ;  morbus 
quidam,  haemoptoc,  Zculng.  Voc.  i  4;  Gr.  W.  tt,  188; 
1782  emptoyiei  —  die  da  plut  rehssen,  rechsen,  D.  040j 
-=  Blut  aus  dem  Rachen  laut  auswerfen.  — 
£i7rr-Räcksung  (1482  ayterraechsuug  —  empyema. 
Zenlng.  Voc.;  Gr.  W.  III,  393;  16.  Jahrh.  ellerausryset 
=  Ihaemoptoea]  ist  ein  sucht  so  eyu  oyter  vssryset  = 
empyema,  D.  6-10)  —  aus  einem  Eitergeschwüre  in 
der  Lunge  oder  im  Rachen  Eiter  auswerfen. 

räckeln,  1.  ^  gähnen,  rülpsen  aus  dem  Rachen 

(Tirol ;  Alpbg.  372).  —  2.  =  S.  räch. 

Räm,  1.  =  s.  Ramm,  Krampf.  —  2.  =  Rahm, 
ranken  s.  ranken. 

Rapfen,  f.  Räpfe,  f.  Rapfe,  f.  (zu  ahd.  raphan. 

rupfen ,  Schw.  633;  Schmeller  II,  131  —  eine  rauhe 
Schorf-  oder  Km<itenbildung  auf  der  Ilaut  machen. 
Ycrharmchen,  Kluge *,  291 ;  mbd.  rapfe  Kratze,  Räude. 
1716  raepfen  -  Knude;  1838  rapfen  =  unreine  Pferde- 
fessel.  Merk  100).  —  Räpfe  =  eine  Pferdekrank- 
heit (Raupe  und  Rappe,  b.  d.),  wobei  die  Fusse 
und  Kniekehle  durch  einen  rauben,  rufigen, 
krustigen,  räudigen  Hautausschlag (Mauke,8.d.) 
mit  kleinen  Hautri.ssen  anschwellen  (Gr.  w.  VIII. 
114;  Mayer  109;  Herbst  155;  franz.  eraffnre,  la  raffle, 
In  ravluelle.  Brlss.  222).  —  rapfig.  rapfig  =  mit  der 
Räpfe  behaftet  (Schmeller  11  131).  —  (1716)  wilde 
Räpfen  ■  -  ein  Btarker  Grad  der  Rappe  oder 
Rapfe,  wobei  die  Haut  voll  von  trockenen 
Hufen,  runzelicht  und  stuppelicht  ist  (Gr.  W. 
VIII,  IM). 

Rappe,  f.  s.  Rappe  u.  Räpfe. 

Räps,  räpsen  8.  röpsen  (rülpsen). 

Rasse,  räss  e.  rase. 


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Rätsel— rahn. 


Hain— Rind. 


Rätsel,  Ratzel  e.  Ratzel. 
Räuber,  m.  s.  rauben. 
Räude  8.  Räude. 
Rauhe  s.  rauh, 
räumen  s.  Raum. 
-Rausch  s.  lauschen, 
räuspern,  Räusperer  (indogerm.  rüg;  germ.  n*k 

=  rülpsen  [ruecksten;  dazu  ruechen,  s.  d.J.  Kluge5, 
296;  mhd.  riuipern,  riustern  =  ructarc,  rülpsen;  1684 
relspeln  =  räuspern,  Gr.  W.  VIII,  760;  [Schweix]  ruea- 
pctn,  ruspelen,  8chw.  539;  ryspern,  ruspern,  rispcru. 
reysperen,  D.  502)  =  würgend  auswerfen  oder  im 
Rachen  ein  Geräusch  machen,  um  Schleim  aus 
demselben  auszuwerfen.  —  (1697)  Räusperer,  m. 
=  der  einmalige  Akt  des  hörbaren  Ränsperns 
(Schindler  II,  158).  —  (1591)  aiorauspern  (Tabern.) 
=  wirkliches  Auswerfen  von  Schleim  aus  dem 
Rachen  unter  Rachengeräusch. 

Räwe  s.  rappeln,  Rappel. 

räzen  s.  rächsen. 

Raff  s.  Raffel  und  Reff. 

Raffel,  f.  raffen  (gcnn.  hrap  ;  ahd.  rafTY.n  =  rupfen ; 
mhd.  raffeu,  Klage5,  294  =  hastig  mit  Geräusch  er- 
grellen  und  halten.  —  Raffel,  f.  ■  ein  Hausgerät, 
mit  dem  man  etwas  schnell  und  lärmend  erfasst 
(Geraffel);  damit  verglichen:  der  Mund  als  ein  mit 
Raffzähnen  versehenes  Esawerkzeug  (Schm.  II, 

;  schw.  528).  —  /Tin  n -Raffel  =  die  Kinnlade 
alB  Teil  der  ganzen  Raffel  (Hlntner  7.  15;  Gr.  w. 
V.  77»),  —  ZaAn-Raffel,  f.  =  der  Träger  einer 
von  den  Lippen  nicht  bedeckten,  lackenhaften 
Zahnreihe,  die  in  der  Kinnlade  wie  Raffeln 
aufstehen  (Spies*  II,  286). 

raffetzen  =  roffezen  («.  d  ),  rülpsen. 

ragen  (ahd.  hragcn,  hervorstchen;  mhd.  ragen  — 
erigere;  das  ragen  der  gemecht  —  erectlo  penls;  mhd 
ragunge  =  tentigo,  D.  678)  =  die  beim  Geschlechts- 
reife eintretende  Erectio  penis  (Herne  v.  7; 
Kluge*,  29.1;  dam  die  verschiedenen  Ragewurzeu, 
z.  B.  Orchis  -  Pym  stantlcura  [Standelwura],  Jessen 
254).  —  Rage-,  ragende(r)  -blind,  -dürr,  -Ge- 
machte, -Pfeife,  -Sterz,  -Zahn.    S.  auch  rein  4. 

Rahm,  m.  Rahmeln,  pl.  Rahme,  f.  Räm,  m. 

(Raum)  (mhd.  ram;  1482  rame  —  oxygalla,  D.  404; 
1692  räum  ca  Milchrahm.  Heb.  123;  Konto.  "12;  raem, 
7.  d.  v.  f.  V.  K.  1897.  s.  192),  t  =  Schmutz,  Milch- 
fett, Milchfeist,  Schmant  (Kluge».  329).  —  2.  = 
Ansatz  von  Milchkrusten  am  Kochgeschirre.  — 
3.  =  Rahmeln  (mit  2  verglichen)  =  Naeenkrusten, 
Schmutzkrusten  (s.  Poppel).  —  4.  =  Ram  = 
Rarnp  =  Krampf  (s.  d.)  —  Rähme,  f.  (Rehme) 

-  Schmantbildung.  —  (1842)  Milch  -  Rährna, 
-Rahm,  1.  =  Knochenbrüchigkeit  der  Milch- 
kälber (Rbachitis),  wobei  die  Milch  durch 
Magensäure  rasch  zu  Rahm  gerinnt  (Falke  II, 
117).  —  2.  -(1482  mlllch  rama=-*apa,  D.511)  Schmant. 

—  Rahm-SVWaucA. 

rahn  (ran)  (spat -mhd.  ran),  1.  ss  mager, 
schmächtig.  —  2.  =  zierlich,  namentlich  in  der 
Leibesruitte  (Weiche,  Dünnung,  Seite).  —  3.  — 
schlank  und  dflrr  in  Gliedern  und  Gedärmen 
(H.  v.  üersd.  87 ;  Gr.  W.  VIII,  7ü).  —  4,  =  8.  auch 


Rand.  —  Ranne,  f.  =  Schmächtigkeit.  -  Rahn- 
(Ran-)  Darm,  -  Korn,  -Korngrint. 

Rain,  m.  (germ.  raln  =  Rand;  ahd.,  mhd.  rein  m 
begrenste  Boden-Erhnhung.  Ackergrenzc,  Kluge5,  293). 

—  sie  bekommt  einen  Rain  am  Bauche  =  sie 
ist  schwanger  und  zeigt  damit  auf  der  Mitte 
der  Unterbauch  haut  eine  dunklere  Pigmentie- 
rung,  die  die  beiden  Seiten  des  Leibes  teilt 
(I'loss  Bartels  I,  480). 

Ram,  Ramm,  m.  rammeln,  Rammeln,  pl. 

(ahd.,  1165  rammo,  ramme  =  therha]  agripplna  (Graft 
II,  605;  D.  19],  nesaia,  eine  Pflanze  [blppomane,  Ross- 
wut],  Müllenb.  Kose  XXI,  219);  wohl  umschreibend 
für  physische  Liebe  [rammo],  nach  der  berüchtigten 
Liebestrankberelterin  Agripplna  [?);  ram ,  rammo  = 
Widder,  Schafbock ;  mhd.  ram  =  Widder,  ZuchtsUer, 
Eber).  —  rammeln  (ahd.  rammaU.n)  =  sich  be- 
gatten (Germ.  XVIII.  110;  G.  v.  Schm.  423).  —  (1510) 
Rammel,  m.  =  der  Trieb  cum  Rammeln,  Geil- 
heit (Gr.  W.  VIII,  76).  —  (15.  Jahrb.)  Rammel,  f. 
(Schwaben),  Virgo  dissoluta  —  eine  mannssüchtige 
Person  (C.  v.  Schm.  423;  Schmeller  II,  90;  Gr.  W. 

viii,  77.  so).  —  (15.  jahrh.)  Rammling,  Ramm- 
lerin =  Rammel,  f.  —  Rammeln,  pl.  1.  =  die 
Hoden  der  rammelnden  Tiere  (Schmeller  II,  90). 

—  2.  =s.  Rahm  3.  —  (1594)  Rammler,  m.  =  ein 
geiler  Mensch,  (158t,)  Ramssler  (  =  lasctvtus.  Gr.  W. 
VIII,  79;  D.  319;  engl.  ram).  —  (1518)  ram  lieh  = 
brünstig  (H.  v.  Gersd.  103).  —  Ramp  (ud.  gigcrla 
[gignalia],  D.  Ii,  192)  =  Geschlechtsteile.  —  Ge- 
ramsch  =  s.  Raum.  —  Ram(s)  -  Kopf,  -Note, 
-Pampen,  -Schlauch,  -Strenge. 

Ramm,  m.  Ramp,  m.  Rampf,  m.  ramp- 

(altnord.  rnmml  ■  stark,  Welnh.  279;  1420  raem,  nun, 
ramm,  rammo,  D.  544  —  Gicht,  spasmus;  14.  —  15  Jabrh  , 
innd.  dat  vallende  ovel  unde  den  ram,  J.  f.  nd.  Hpr.-F. 
XV,  131  =  pestls.  D.  II,  107;  1502  chratn  =  spasmus, 
1).  II,  341).  I.  =  Spasmus,  Krampf  (s.  d.),  die 
ZuBammenziehung  und  krampfhafte  Steifigkeit 
eines  oder  mehrerer  Glieder  durch  Hand-  oder 
Fussgicht,  Vergicht,  Epilepsie  (Gr.  w.  vm,  76.  80). 

—  2.  =  bei  Pferden  auch  durch  Verrenkung  der 
Kniescheibe  nach  innen,  wobei  die  Tiere  das 
Bein  krampfhaft  steif  halten  (Zlpp.  114  448;  Falke 
II,  226).  —  (1741)  rampicht  =  krampfieht,  zu- 
sammengezogen, runzelicht  (Schmeller  II,  100; 
Goldschm.  103 ;  Zeltschr.  f.  d.  I'hllol.  XXVI,  249).  — 
Ramsen  =  Ramsen,  Rämfen  -  Krämpfe,  Fraisen 

(Fossel  76). 

ran  s.  rahn. 

Rand,  m.  Rane,  in.  Ranft,  tn.  (indogerm.  rem; 

vorgerm.  rainta;  germ.  rauda  =  Rand;  nbd.  rant, 
ramft  ,, mit  Jungem  I";  mhd.  rant,  ranft=Kand,  Kinde, 
Kluge5,  263;  1516  ranfftc,  tan  ff  -  labinm,  criiHta,  D.  160 
314;  1676  ranft)  —  Kruste,  der  am  Rande  einer 
Wundesich  zuerst  ansetzende  Schorf  (Gr.  w.  VIII, 
90).  —  Rane,  m.  =  Eschara,  Schorf  (Schm.  II,  102), 
brandige  Milzbrand pustel  s.  Range.  —  Ränlein 
(mhd.  rennelln,  I.exer  19«;  1482  rcnle,  Zen.  Voc. ,  D.  562) 
=  Stigma,  Masen,  (schorfiges)  Wundmal,  Rön- 
nen, Pockenschorf.  —  .  I  u ■;,  n  Rand  =  Margo 
orbicularis,  die  Umgrenzung  der  knöchernen 
Augenhöhle  (Gr.  w.  1,809).  -  (1676)  brandiger 
Ranft  -  die  brandige  Kruste  eines  Geschwürs 


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Hange— Kank. 


tannzen — Rappel. 


(Gr.  W.  VIII,  90).  —  K rom  n-Rand  -  der  obere 
Kand  der  Hornwand  (Saumband)  an  der  Huf- 
krone (Zlpp.  162).  —  (1741)  MiU  /t-Rand  -  Ranft, 
Crusta  lactea,  Milchschorf  der  Säuglinge  (Kirsch 
319).  —  O/tr-Rand  =  Helix,  die  Ohrmuschel  als 
leistenformiger  Rand,  Krempe  vor  der  Ohr- 
höhle (Gr.  w.  VII,  i2öc).  —  Trage-,  Trachten- 
Rand  -  der  untere,  auf  dem  Boden  stehende, 
das  Eisen  tragende  Rand  der  Horn  w  and  des 
Pferdehufes,  an  die  Trachten  wand  des  letzteren 
angrenzend  (Zlpp.  162).  —  Wunrf-Rand  s.  Rand 

—  WurZ-Rand  =  der  den  Wurf  (s.  d.)  umsäu- 
mende Lippen -Wulst,  Labium  mnjus  vulvae 
(Stute)  (Falke  II). 

Range,  m,  Rangen,  m.  Rank,  m.  Ranke,  m.,  f. 
Ranken,  m.  rank,  rankzen  (rantzen)  (vorgerm 

wrenk,  wreng;  gerni.  wrlngan [ringen);  vor-ahd.  wrauk- 
jan  —  drehend  hin  und  her  ziehen,  renken,  Kluge *, 
293.  300;  mhd.  ranken  —  dehnen,  «trecken;  engl, 
wrench  =  renken,  sbouder-wreuch  =  luxatlo  humerl, 
Kaltsebm.;  dÄn.  vrang  »trüben,  Pierer'.  VII.  249  = 
Kankstnipfen).  —  rank  =  gestreckt,  gedehnt, 
schlank,  dürr,  mager,  dann,  contractu».  — 
Ranken,  pl.,  m.  1.  —  ein  dürres,  fettarmes, 
langes  Stück  Fleisch  am  Knochen.  —  2.  =  die 
langen  Fussknöchel,  nur  mit  Haut  bedeckt, 
ohne  Fleischteile.  —  Range,  m.  =  ein  langer, 
dürrer  Mensch,  Slingel,  mageres  Vieb.  — 
Range,  f.  -  Mutterschwein  (H.  Paul  349).  — 
Rangen,  m.  n.  -  Ranken.  —  Rank,  Ranke, 
Ranken,  m.  1.  =  Morbus  porcotum  vel  canum 
(Kyn-anche)  in  faueihus,  Angina,  Cynanche,  die 
Schweinebräune,  als  eine  korngrosse,  brandige 
Milzbrandpustel  im  Schlünde  oder  Gaumen  der 
Schweine  (s.  Rankkorn)  (Bardeleben  1,  300;  Kluge*, 
293;  Ur.  W.  VIII,  92  106;  nach  Kuhn,  Z.  I.  v.  gpr.-F. 
X,  7U  liuwt  sich  Kangcn,  Hanken  als  [schlecht  gc 
sprochenes]  Rankorn  =  Rank -Korn  deuten;  auch 
Rane,  m.  -  Milzbrand  der  Schweine  [Schindler  II,  108] 
ist  nur  ein  verstümmeltes  Kanke;  das  ndl.  wrong  — 
„eine  Krankheit  der  Kühe",  wobei  die  Tiere  ihren 
Half)  strecken,  renken  ;  [Kluge6,  293]  erklärt  wohl  das 
Kankkorn  besser;  ndd.,  Ii.  Jahrh.  wraughen,  ranghen 

—  luctarl,  I).  II,  210  =  wringen;  1475  wraugh,  wränge, 
D.  448;  dazu  wrangkrut  -  Ilelleborus  [s.  Feuer,  Brand], 
Roll.  82;  15.  Jahrb.  ränge,  m.  -  Rankkorn,  ranekcu; 
1587  rang  —  angine,  cynauche,  D.  35.  448;  1723  ranck 
=  stropha  [  =  scrofulu] ,  Schwelnsdrüsc  am  Hal.su, 
1).  557;  1741  rangen,  n.  =  cynauche,  Kirsch  330)  = 
Milzbrand-Pustel  von  Korngrösse,  infolge  deren 
die  Tiere  ihren  Hals  wringen,  renken,  strecken, 
da  die  Lyniphgefässtränge  daselbBt  den  Hals 
schwer  beweglich  machen,  ihn  einpfrängen 
(s.  Klamm,  Hirschkrankheit,  Hirschhals  und 
frangende  Bräune);  dazu  die  verschiedenen  Rang-, 
Ranken-,  Wrank-,  Wrang- Krauter  (Ilelleborus 
nlger,  Ononls  splnosa,  Scrophularla  nodosa  etc.,  Jessen 
179.  180.  262.  309),  welche  gegen  den  Bchweluemllz- 
brand  gebraucht  wurden.  —  2.  =  (übertragen,  wie 
Kankkorn  2  auf  den  Menschen)  Angina,  Cynanche 
(=  Hundeenge),  auch  St.  Urbansplag  (s.  d.  2), 
St.  Urbans-Feuer*  (Feuer  J»),  eine  eitrige  Gurgel- 
oder  Schlundkrankheit  (Fromm,  vi,  9;  Gr.  w.  VIII, 
96.  108),  die  den  Hals  einpfrängt  (s.  d.);  die  Er- 
klärung Stöbers  Rangen  —  vom  Rangenweiu  (Weinberg 
am  Rangen)  Im  Elsass  Ist  uicht  zutreffend.  —  Rank 


Korn,  -Korngrind,  -Strupfen.  —  Ranke,  f.  = 
die  Winde,  Locke,  als  sich  drehendes  Gebilde. 

—  rankein  =  ein  leichter  Grad  von  renken.  — 
ranke zen  (rankzen,  rantzen,  [16.  Jahrh  ]  rennBen), 
1.  =  sich  öfter  hin  und  her  winden,  dehnen, 
strecken;  (1009)  rantzen,  z.  B.  die  Glieder  im 

l  Schlafe  (Scbmeller  II,  123;  Guar.  887.  942;  Gr.  W.  VIII. 
in ;  schw.  632).  —  2.  =  unter  solchen  Bewegungen 
sich  balgend  begatten  (von  brunftigen  Tieren) 

—  Räntzung  (1609)  renzung,  Guar.  888)  =  stroppe 
i  di  corda,  die  Handlung  des  Rankezen  1.  — 
j  Rantz-i?fi7  —  ousrankeln  ■  einen  Knochen 

leicht  ans  seiner  Gelenkverbindung  windend 
herausdrehen.  ■  -  Gf-ränke  (Grängel,  m.)  (Elsass; 
E.  w  I.  278)  ■  Hirschkrankheit  2  beim  Pferde. 

I  —  Haar-Ranke  -  der  gewundene  Kopfhaar- 
Wulst  bei  den  unterfränkischen  Weibern  (Bavaria 

[  IV,  270).  —  (1646)  r/mb-Ränk  =  (übers,  der)  Gyn 

i  cerebri  (Hirn- Windungen)  (Hyrü,  K.  W.);  s.  auch 
Renke;  hiezu  vielleicht  pfrängen  (=  berttngen, 
be[f]rängen)  =  windend  bei  etwas  einengen, 

I  einklemmen. 

rannzen  s.  rankezen,  bei  Rank. 

Rans,  m.  Ranz,  m.  Rantsche,  f.  Ranzen,  m. 

(zu  mhd.  rans  =  Bauch,  Wanst,  Haurüsael,  Kluge6,  294; 
Gr.  W.  VIII.  108;  Schw.  532).  —  Ranzen  =  voller 
Bauch,  Pansen  (Hintner  8.  18;  Martin  65;  Falke  II, 
226).  —  BattcA-Rantsche,  f.  =  (tautologiachj  Bauch- 
wanst (Hintner  8.  18).  —  Oe-XKDA  —  s.  Grans. 

Rapfe,  f.  rapfen  s.  räpfen,  Rappe,  Raupe. 

Rappe,  f.  Rappen,  f.,  pl.  Roppen,  f.  Rappe,  f. 

(wie  RApfe  [s.  d.]  zu  ahd.  rapban,  rapfen  =  rauhen 
Schorf  bilden,  Kluge*,  294;  mhd.  rappc,  rapfe  =  Scabies, 
Kratze,  RAude;  1592  rappen,  f.,  Seb.  177),  1.  =  rauhe 
Finnen-  oder  Krätze- Knötchen  auf  der  Haut 
des  Menschen  (Scbmeller  II,  128.  130;  Schw.  639; 
C.  v.  8chm.  419;  De  Cock  251).  —  2.  =  die  Räude 
der  Tiere,  namentlich  am  Pferdefuss  (s.  Mauke, 
Meuchler),  wobei  die  Haare  vom  Sprunggelenke 
abwärts  rauh,  borstig,  durch  Sekret  verklebt 
Werden  (R.  A.  731;  Schw.  533;  Abllg.  46;  v.  M.  I.  47; 
ßeb.  177).  —  3.  =  der  rauhe  Schorf  beim  Nasen- 
krebs (oderLupua)  (Scbmeller  II,  128  [polypusdort]). 

—  rappig  (räppig,  roppet)  (13.  Jahrh.,  ndl.  rappich, 
dat  si  scenen  seer  lascr*.  Pr.  I,  329)  =  rauh  auf  der 
Haut  durch  Aussatz,  Krätze,  Räude,  Borke  etc. 
(an  den  Lippen  z.  B.)  (Schmeller  1.  c. ;  C  v.  Schm. 
419).  —  Rappigkeit  (ndl.  15.%4  rapplgheyt,  De  Cock 
252)  =  der  Zustand  des  Rappig-sein.  —  Rappen-, 
rappige  Lippen,  -Mal. 

Rappel,  m.  (Räwe)  (nach  Kleinpaul  97  angeblich 
zu  raptus  (s.  d.];  besser  wohl  zu  rappeln,  raffeln  [s.  d.] 
=  lärmen,  klappern,  s.  Kluge  *,  294).  —  Rappel,  m. 
1.  =  der  Zustand  des  lärmenden  Tosens  und 
Hämmerns  im  Kopfe  bei  der  Verstandes- 
verrücktheit (s.  tösig  und  Getön)  (Gr.  w.  VIII, 
117.  119).  —  2.  =  Schwindelgefühl.  —  3.  =  der 
mit  Aufregungszuständen  eiohergehende  Pferde- 
koller (s.  d.  2).  —  es  rappelt  (bei)  ihm  =  er 
ist  nicht  recht  bei  Verstand,  da  er  den  Rappel 
(s.  o.)  hat ,  wobei  die  Vorstellung  eines  Ge- 
räusches zurücktritt  (H.  Paul  350;  man  denkt  alter 
meist  an  Ableitung  aus  mhd..  md.  reiben  ss  träumen, 
verwirrt  sein",  franz.  rever;  engl,  to  rave,  Kluge,  1.  c. 


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Raps— rasen. 


Raupe— Kassel.  4!)8 


u  IST*,  dazu  [Oldenbg.]  rawen  —  fautasieicn,  (ioldsrhm. 

17).  —  er  rappelt  sich  auf  =  der  mager  ge- 
wordene Kranke  kommt  sieb  aufraffend,  gleich- 
sam klappernd  sich  bewegend,  wieder  empor 
(Gr.  w.  VIII,  118  rab  5;  II.  Faul  350).  —  rappelig 
=  mit  dem  Rappe)  (s.  o.)  behaftet,  phrenetirus, 
fanatiens  (Gr.  w.  vin,  117).  —  rappel-rfurr, 
■Kopf,  -köpfi$ch. 

Raps,  in  Raptus,  m.  („eine  Unideutung  des  in 
gelehrten  Kreisen  viel  verwendeten  [lat.]  raptus  [<icil. 
mentls]";  zu  rapere  =  relssen)  =  ein  plötzlicher 
Ausbruch  oder  Anfall  (s.  Greifung)  von  Ver- 
standesberaubung,  Verrücktheit  oder  melan- 
cholischer Angst  (Gr.  W.  VIII,  121;  Dorubl.  78.  114). 

—  Sai</"-RaptUS,  1.  =  ein  plötzlicher  Anfall  von 
Geisteskrankheit  infolge  von  Alkoholismus 
(Griesinger  177).  —  2  —  anfallsweise  auftretende 
Ti  unksueht  (Roth  l«). 

rasch  (Indogerm.  roth,  retb  =  eilen;  gern»,  rath ; 
abd.  rado  =  schnell;  engl,  rash  —  rauch  eracbelnende 
Kupfkongeslion ,  Rotlauf,  sonstiger  Hautausschlag 
[s.  Klug  und  Lauf];  netllc  rash  =  Nesselausschlag, 
neaaclartlge  Ultzblatter.  Kaltscbm.;  Roth ;  Kluge  8,  294). 

RäSChe,  f.  (Henneb. ;  Spie«  II,  191;  frani.  la  rage) 
=  Wut,  hitzige  Erregtheit. 

rascheln  (angels  raescetnng  —  coruscatio,  siehe 
Wetterleuchten;  ahd.  raseezzen)  —  rasche  Schluehz- 
bewegungen  (Singullus)  lebhaft  nach  einander 
raachen  (Kluge  *,  291).  —  Rascherle,  n.  =  rau- 
schende Urinentleerung  (s.  rollen)  (U. -Franken). 

rasen,  Rasen,  n.  (rosen)  (am  Ende  de»  13.  Jahrh 

aus  dem  ndd.  entlehnt;  mhd.  rasen  -  toben.  Kluge5, 
294;  1507  rasen  —  lymphari,  D.  330;  raesen  m  lnsanlre, 
D.  800;  1621  rasen  —  dementare,  D.  172;  insanirc,  D.  300). 

—  Rasen,  n.  1.  =  (1666)  die  Tobsucht  bei  akutem 
Fieber  und  Geisteskrankheiten  der  Menschen, 
Phreneei»,  Delirium  (Gr.  w.  vin,  ise);  vielleicht 
übernommen  aus  2.  =  die  Tollwut  oder  Beiss- 
sucht  der  Wölfe  und  Hunde,  Rabies,  Lyssa 

—  Wasser-  ( =  lympha)  Scheue,  la  rage  (s.  rass) 
(Gr.  W.  VIII,  136).  —  Raserei  (14.  Jahrb.  rasery; 
15.  Jahrb.  nucrie  =  deliratnentum,  I).  172,  dementia, 
furor,  man  11  rables;  1482  melancholla  daz  halzent  die 
dürgen  [Thüringer]  rasen,  D  II,  249;  16.  Jahrh.  raserie, 
rasle,  ragle  ss  la  rage,  1754  raserei  =  furor,  inaula, 
A.  T.  H.  I,  G83.  953;  ndl.  rnsury,  De  Cock  158.  815; 
Gr.  W.  VIII,  138  n.;  Thes.  san.  Hr.  58  .)  -  der  Zustand 
des  Rasens  1,  2,  Tobsucht,  Tolluucht.  — 
Rasenheit  =  rasendes  Wesen,  Unsinnigkeit 
(Gr.  W.  VIII.  137).  —  rasig  (rosig)  -  rasend 
(Scbraellerii.  131).  —  rasend,  rasendig  (rassendig) 

—  dehrus,  furiosus,  insanus,  lymphaticus, 
phrenetiens,  wütend  infolge  von  akutem  Fieber, 
Hundswut  oder  Geisteskrankheit,  elbisch  ver- 
wirrt (Gr.  W.  VIII.  185.  187;  D.  84«;  1612  rossende, 
rosende,  nutende  =  rabldus.  I».  482).  —  /1/p-Rasen 
(-Kass),  (albnws,  Pictorius)  =  «.  Alp,  8.  12,  das 
durch  den  Alpdämon  veranlasste  rasende 
Wesen  eines  vom  Alpschusse  (s.  d.)  getrogenen 
Menschen  (Gr.  W.  I,  203).  —  aturasen  -  «las 
Austollen  des  Fiebers  ohne  weitere  Beihilfe  von 
Seite  des  Arztes  (Goldschm.  125)  —  (1712,  1725) 
Bärmuttcr-,  Muth  rr-Raserey,  -Rasen  Fnror 
Uti'rinus,  Nymphomania,  „»»ine  Art  Tnuhsncht 


ohne  Fieber,  womit  die  armen  Frauenzimmer 
überfallen  werden"  —  geschlechtl.  Erregungs- 
zustand (Thes.  san.  Br.  218;  Zw.  264;  F.  Hoffm.  VII, 
119).  —  (1782)  //«n'/s-Raserel  =  (cynanthrophle 
[kynanthroplc],  eine  Art  Tollheit,  In  welcher  die 
Kranken  In  Hunde  verwandelt  zu  sein  glauben  nnd 
wie  die  Hunde  sich  stellen ;  diese  Krankheit  ist  etwas 
seltenes,  M.  II.  h.  I,  508)  s.  Hunds-.Mensch  und 
Wehrwolf.  —  (1735)  l.n  '■■ .-  Raserei  -  Erotomania 
viri  (Woyt  534 ;  L.  cb.  31)  =  Nymphomania  feminae, 
Furor  uterinus.  —  Monat  Rasen  =  Mondsucht 
(<  d.  U.  Mond)  (schwed.  mänads-rasande).  —  (1736) 
nächtliche  Raserei  -  Insama  nocturna  =  Nacht- 
wandler (Woyt  176).  —  (1699)  /.  luber  Raserei  - 
durch  Zauber  (s.  d.)  veranlasste  Tollheit  (v.  M.  II, 
Anh.  29,  Wdbuch  447).  —  rasende(r)  Fieber, 
Kotler,  Sucht,  Wut.  —  Die  Hase-Wurz  =  Toll- 
kirsche, Atropa  Belladonna. 

Raspe,  raspen,  raspeln  (zu  ahd.  nupön  = 

zusammenraffen;  damit  franz.  [vor  ca.  400  Jahren] 
raspe  [rtpe]  -  Reibeisen  zusammenhangend,  Kluge*, 
294;  mhd.  raspeln  =  mit  dem  lteibelseu  kratzen),  1.  - 
(1781)  in  der  Studentensprache:  feilen  (s.  d.), 
coire  (Gr.  w.  Vlll,  142).  —  2.  =  eine  Schmerz- 
empündung  von  etwas  Kratzendem,  Reibendem 
~  raspeln  (Ruck  19).  —  Raspe,  f.  =  die  Rapfe, 
Rappe  oder  Pferdemauke,  bei  der  die  Tiere 
beständig  scharren  od.  kratzen  an  der  kranken, 
rauhen  Hautstelle,  die  querverlaufende  Schrun- 
den und  Risse  in  der  Kniekehle  od.  schuppige, 
grintige  Hautrisse  nm  Vorderknie  und  Sprung- 
gelenke zeigt  (Mayer  109;  Zlpp.  107.  360;  Falke  II,  227). 

rass,  räSS,  räs,  Rasse,  f.  (ahd.  razi,  rtz  - 
rabldus,  Graft  II,  55»;  [s.  rasen] ;  14.  Jahrh.  reze  — 
hundswütig.  Hoffm.  I,  324;  mhd.  raeze  —  acer,  Graff, 
1.  c. ;  18.  Jahrh.  raese  ■  sal,  D.  507).  —  rass,  1.  ■ 
siechend  scharf,  beissend  (mit  den  Zähnen, 
wie  ein  rasender  Hund).  —  2.  =  auf  der  Zunge 
beissend,  pikant  (von  Speisen).  —  8.  =  auf  der 
Haut  beissende  Empfindungen  machend.  — 
4.  =  rasend,  hundswütig  (Gr.  W.  VIII.  154)  (s.  o.). 
—  5.  =  streng,  scharf  tonend,  grell,  von  der 
Stimme  (rass)  <c.  v.  Schm.  425).  —  Rasse,  f. 

1.  ss  (1616  die  raeszi  der  collca,  Paracelsos)  =  die 
beissenden,  raaenden  Schmercempfindungen 
bei  dem  Bauchgrimmen  (Gr.  w.  vm.  166).  — 

2.  =  die  salzige  Schärfe  von  Sekreten.  —  rässe 
Stimme. 

Rasse,  f.  (14.  Jahrh.,  ital  razza;  16.  Jahrb.,  franz. 
rare;  dies  aus  dem  arab.  ras  —  1'rsprung  entlehnt  und 
Im  18.  Jahrh.  ins  Deutsche  übernommen)  =  Stamm, 
Geschlecht,  Art,  „erbliche  Variation"  (Vlrchow; 
Kluge».  HM).  —  rassig  =>  (vielleicht  anlehnend  an 
rass  [s.  d  ]  -  scharf,  pikant)  =  besonders  von  Frauen 
gebraucht,  die  einen  leichten  Lippenbart  als 
Zeichen  guter  Art  habeu. 

Rassel,  f.  rasseln,  rossein  (germ.  hrat  =  i*im 

Schwingen  einen  Klapperton  erzeugen ;  mhd.  razzeln 
b  öfters  klappern  [dazu  Ratzel.  Itatzel|;  engl,  rallle 
ss  rasseln,  röcheln;  angls.  hraetele  —  Klapper,  Kluge1, 
294).  —  rasseln  (msseln,  rastein),  1.  ob  (1730)  die 
Tone,  Geräusche  in  der  Lunge  erzeugen,  welche 
entstehen,  wenn  Schleimmassen  mit  Luft  ge- 
mischt (Bläschen)  in  kleinen  Hohlräumen 
klappernd  hin  nnd  her  bewegt  werden,  so 


4  h 


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494  Rat— Ratzel. 

besonders  beim  Oedema  pulmonum  der  Ster- 
benden =  Röcheln;  davon  die  Skoda'schon 
Rasselgeräusche,  das  feuchte  und  trockene 
Rasseln  als  Terminus  technicus  der  Sebul- 
medizin.  —  2.  =  das  laute  Schnarchen  und 
Keuchen  mit  Schleimraasein  auf  der  Brust 
(Gr.  W.  VIII,  M6;  Wolf).  —  3.  =  (1588)  das  Herz- 
gespeir  (b.  d.)  =  Atemnot  mit  Schleimrasseln 
bei  Capillarbronchitis  (Gr.  W.  IV,  2.  1246)  = 
roBseln.  —  Rassel,  f.  =  die  weibliche  Hänge- 
brust, die,  wie  eine  Klapperrolle  od.  Schelle 
beim  Weiilevieb,  herabhängt  (Schmeller  II,  13?). 
—  (16»7)  Rassler,  1.  =  der  mit  hörbarem  Rassel- 
geräusche verbundene  einzelne  Atemzug  (Röch- 
ler)  (Schmeller  II,  631).  —  2.  =  derjenige,  der 
länger  und  öfters  rasselt,  röchelt  (Gr.  w.  vm,  144). 

Rat,  m.  (sanskr.  rtdh  =  erlangen,  besorgen,  wu 
man  bedarf;  abd.,  mhd.  rat  =  vorhandene  Mitlei,  Vor- 
rat, Kluge»,  295.  386).  —  JVrat  (abd.,  mhd.  unrat 
=  unnützes  Zeug,  das  sich  angehäuft  hat  und  nicht 
zum  eigentlichen  Lebensvorrate  gehört ,  Hilflosigkeit 
aus  Mangel  an  Vorrat,  Not)  =  angehäufter  Kot, 
Krankheitstoff,  Eiter  (Materie),  (1696)  Haut- 
warzen, Augenzieger  etc.  (Ackerm.  72;  BavariaH, 
2.  893;  Pauli  117;  Beb.  176;  Kluge»,  386).  —  Blasen- 
n.rat  (1551  onrath  in  der  blasen,  Bock  267)  — 
Kiter  in  der  Harnblase.  —  (1561)  giftiger  VnxtX 
(Bock  80)  =  Krankheiten  erzeugende  Materie.  — 
innerlicher  l/nrat  =  im  Innern  der  Gebärmutter 
fau  lende  Nachgeburt  (Lonlo.  184).  —  Wurm-  £/«rat 
=  Saburra  verrainosa  (Kraus,  E.  908)  =  Kot, 
Schleim  und  Würmer  im  Uedarme. 

ratschen  (mhd.  ratzen  =  klappern,  rasseln,  schnar- 
ren, Kluge  *  296)  =  den  Laut  r  r  schnarrend  fehlet  - 
haft  aussprechen  (Khotacismus)  (Coen  17;  Gr.  W. 
VIII,  190). 

Ratte  (ndd.),  Ratze,  f.  (ndd.),  Rat«,  m.  1.  = 

das  erst  nach  der  Volkerwanderung  von  Osten  her  in 
Europa  aufgetretene,  langgeschwänzte  Nagetier,  das 
lange  schlafen  soll,  wie  das  Murmeltier,  und  den 
Mensrhen  oder  die  Tiere  bcseichen  (s.  Rübr  mich  nicht 
an!)  und  auch  die  Test  vermitteln  soll  (M.  Med.  W. 
189«.  11).  —  2.  =  einer,  der  oft  SchlafneiguiiK 
hat,  lange  schläft,  wie  die  Haselmaus  oder  der 
litis  {Spless  II,  191)  =  Schlaf -H&tz  (1532;  Lonic. 
329;  Kirsch  1129).  —  3.  =  Urille,  Laune  (s.  Maus 
im  Kopf).  —  4.  =  (1564)  Krätze;  ratzen:  kratzen 
wie  Rampf:  Krampf  (s.  d.)  (Gr.  W.  VIII,  210; 
Schmeller  II,  194).  —  5.  =  s.  Rotz  —  6.  =  die 
Ratzel  (h.  d.)  =  Razen.  —  aufgestellter  Ratzen 
=  in  die  Höhe  gerichteter  Ratzenbait  (Alpbg. 
120).  —  Ratz-,  Ratten- Bart,  -Schwanz,  -Schweif, 
•Starz,  -Sucht,  -Zagel. 

Ratzel,  tu.  Rätzel,  m.,  n.  (au  ndd  ratein  « 
klappern  -  [s.  Hassel  bei  Kluge»,  295];  eher  vielleicht 
ein  „entstelltes  SehrüUel",  Laistner  I,  155  (*  |  ]  rato), 
1.  s=  ein  rasselnder  (?)  Polier. Union  oder  Hausgeist 
(auch  Erdmännlein  oder  Krdletitl,  sowie  Schraten, 
Schrazeln,  Raten,  Strazeln,  Schlazen,  alle  at*>r  mit 
hohem,  hellem  ü  ausgesprochen,  benannt,  Schon  w. , 
O.  Pf.  II,  288.  328;  Panzer  I.  IMS;  Schmeller  II,  194), 
ein  nach  dem  Volksglauben  in  den  sogen.  Ratxel- 
1< »ehern,  nnterirdiseben  (iangen  lebender  Kobold,  der 
auch  den  Alpdämon  in  Krankhelten  (1720)  vertritt  - 
Incubus,  Alpdruck,  „eine  Krankheit,  da hl«  wellen 


rau— Ranch. 

In  einem  harten  Schlaf  der  Atem  also  gehindert  wird, 
das«  man  nicht  reden  kann;  viele  wollen  auch  be- 
haupten, sie  haben  ein  Mannlein  (Ratzel)  oder  der- 
gleichen was  übers  Bett  hinaufkriechen  und  ihnen 
auf  die  Brust  liegen  verspürt  (s.  Nachtmarl ;  als  Ratz 
=  Raupe  (llaarwurm,  Made  oder  Raupenwurm!  oder 
Schmetterling  kommt  der  Alp  aus  den  buschigen 
Augenbrauen  uud  setzt  sich  auf  die  Brust  des  Schulen- 
den (Bimrock.  H.  D.  M.  *,  438  ff.) ;  dort  veranlasst  er, 
wie  die  Mar,  die  Trade  etc.,  den  Alpdruck  (s.  d.); 
solchen  Alpdruck  kftnncn  Leute  aus  blossem  Zorn  oder 
Hu«-  ihnen  übelgesinnter  Anderer  dnreh  den  blossen 
(iedanken  (Vermeinen,  ».  d.)  zugeschickt  erhalten.  — 
2  =  Razel  (s'jvötppu;)  beiasen  auch  die  Leute, 
deren  Augenbrauen  (s.  Wenkbrauen)  in  der 
Mitte  zusammenstossen  (Goethe,  aus  meinem  Leben 
II,  351;  Schmeller  II,  194). 

rau  s.  rauch. 
Raube,  f.  s.  Raupe. 

rauben  (indogerm.  rup  [rumpo];  ahd.  roubön ; 
mhd.  rouben  a*  gewaltsam  entreissen.  Kluge).  — 
Kinder  rauben  =  nach  dem  Volksglauben  die 
That  der  Klben,  welche  a)  durch  Seuchen  die 
Kinder  entreissen  oder  b)  durch  die  Unter- 
schiebung der  Alp-  oder  Markinder  (Wechsel- 
bälge) die  gesunden  Menschenkinder  weg- 
nehmen, ihre  difTorme  Brut  (s.  Alptraum  und 
Kind)  dafür  einlegen.  —  Kin  dt  >  Raub  er  •= 
Eclampsia  infantium,  Frais,  das  Anfangs- 
Symptom  schwerer  Kinderkrankheiten  (Kneipp 
133).  —  der  Sinne  beraubt  (1476  dacmonlacus, 
D.  II,  130)  =  aus  der  geistigen  Norm  verrOckt 
(durch  damonlstischts  Entwendung  der  Geisteskräfte). 

raubzen  (ein  schallnachahmendcs  Wort  für): 
ruulezen,  rflpsen  (h.  d.). 

Rauch,  m.  rauchen,  Raucken  (Räch)  (germ. 

ruk  —  rauchen;  ahd.  rouh  =  Rauch,  Dampf;  mhd. 
rouch;  1429  räch  =  odor,  Schmeck,  Schmeller  II,  15; 
16.  Jahrb.  rauch  =  vapor,  I>.  606;  rouch,  rauch  —  odor, 
I>.  893);  erst  als  die  «iermanen  bei  den  Romern  den 
südlichen  Sieiiibau  mit  den  besseren  Raucbfangver- 
hällnlsscn  kennen  gelernt  hatten,  bildete  sich  das 
Wort  Rauch  aus;  diu  Übernahme  des  Steinbaucs  ge- 
staltete auch  das  ganze  häusliche  Leben  in  Germanien 
um,  und  viele  Wörter  des  Hauses  und  seiner  Teile 
erhielten  damit  (germanische)  Benennungen  (Kluge1, 
XIX;  <ir.  W.  VIII.  240).  —  Rauch,  1.  =  der  Rauch 
von  etwas  Brennendem.  —  2.  =  der  vor  Kiankhciten 
(i'est)  schützende  Rauch  (Räucherung)  an  den  Qua- 
tembertagen,  Adventsonntagen  oder  Raucbntchten ; 
diesen  verchrlstllchteu  Weihrauch  (s.  d.  Verf.  Baum- 
u.  Waldkult,  S.  IL  113.  114).  Welaang,  übertrug  als 
rauch  (räch)  das  ethymologisicrende  Volk  auf  räch 
( —  räche,  f  )  und  schuf  einen  St.  /infOMI-Rauch, 

St.  Johannes- Rauch  eu*.  (conf  Rache,  buese, 
Marter,  Flage,  Pein  etc.)  als  Krankheita-Xamen.  — 
3.  =  der  Atem  (Wasserdampf)  von  innerlich  er- 
hitzten Menschen.  —  4.  =  der  Geruch  (Schmack, 
Schmeck,  s.  d.)  aus  Magen  oder  Mundhöhle 
(C.  v.  Megbg. ;  Schmeller  D,  15).  —  6.  =  der  Spiritus 
animalis  (s.  Geist),  die  Oongestio  ex  genitalibus 
ad  caput,  die  man  sich  im  14.  Jahrh.  als  einen 
Dunst  oder  Rauch  (s.   Vapeurs)  vorstellte 

(„elwenne  ruchet  ein  ruch  davon  (d.  h.  vom  Hoden- 


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raneh — Rande. 


Rande. 


40ö 


Minen  uder  Nlereusatuen]  u(  in  daz  houbit,  dax  machit 
honbit  wen  [  -  Weh],  Hoffm  I,  320).  —  Raucken,  m. 
=  Rauch  (Schroetter  II,  41).  —  rauchen  =  Schweis« 
dampfen  bei  erhitztem  Körper.  —  rauchig  = 
Dunst,  Blähungen  machend  (Gr.  w.  vill,  250).  — 
(böser)  Atemt  Rauch  =  Rauch  4,  Odor  ex  ore, 
Obelriechender  Atem.  —  (16.  Jabrh.)  St.  Antonius- 
Rauch  =  St.  Antoni-Rache,  St.  Antoni-Feuer 
(sant  antbonlen  rauch  =  eryslpelas,  D.  II,  156;  C.  v. 
Schm.  22;  Kelnsbg.  22).  —  St.  JoAanrwu-Rauch  = 
St.  Johannes- Busse,  -Rache;  da  dieser  Heilige, 
wie  auch  Sl.  Quirin ,  mit  dem  Knltfeuer  Beziehung 
hat  (*.  Kultkal.  in  Zeitachr.  D.  Ü.  A.-V.  1893,  S.  190. 
195;  ür.  W.  IV.  2.  2333),  so  lag  die  Übertragung  de« 
Hauch  ( -  R»ch)  an  Stelle  von  Rache  ganz  nahe.  — 
(147?)  .1/  >■</<  'i  Rauch  =  Magen-Geruch,  der  aus 
dem  Magensehlot  (s.  d.)  aufsteigt  (Ortoll;  Gr.  W. 
vill).  —  St  V""  Rauch  =  St.  Quirins- Rache 
oder  -Busse  (s.  St.  Johannes-Rauch).  —  Rauch- 
Kater,  -Stange. 

rauch,  rauh.  Rauhe,  f  Rauhe,  f.  (ahd.  roh,  ru; 

mhd.  ruck,  ruhe,  f.  riuhe,  I.,  Kluge»,  298;  13.  Jahrb. 
alb  ruche,  Silz.  Her  1867,  712;  1475  rauw  =  rnneus, 
vlllosus.  lappauis,  P  318.  485.  619;  engl,  rough ;  frans. 
rau<iue).  —  rauh,  1.  sa  struppig,  haarig,  zottig, 
fettlos,  mit  Haaten  bewachsen,  namentlich  auf 
Brust,  Bauch  und  Beinen  (und  bei  Dämonen), 
im  Gegensatze  zu  glatt,  fettig,  hirsutus,  vel- 
losus,  villosus,  crinitus,  lappatu»,  capillosus.  — 
2.  =  schorfig,  uneben,  reibend.  —  3.  =  borstig, 
spitzig,  stechend.  —  4.  =  kratzend  im  Ge- 
schmack und  in  der  Kehle  (Gr.  W.  VIII.  262).  — 
Rauh,  n.  -  die  rauhe  Haarseite  (Heyne  V,  33).  — 
Rauhe,  f.  Rauhe,  f.  Rauche,  f.  1.  =  Aspcruas, 
der  rauhe  Zustund  durch  Behaarlsein.  —  2.  = 
das  Schamhaar  (Gr.  \V.  VIII,  272;  Lexcr  200).  — 
Rauchlein,  n.  (mhd.  riuhehn)  -  Schamhaar, 
t'ubes,  Möns  Venens  (Lcxer  200).  —  2.  =  Raucedo, 
Heiserkeit,  rauh  4.  —  (1726)  ßä'nrtV-Rauhigkeit 
=  Asperitas  manuum,  das  Gefühl  des  Mangels 
an  Hautfett  in  der  Hohlhand,  der  rauhen 
Trockenheit  (s.  Hand)  (Zw.  769).  —  //.i.'VRauhe 
(17.  Jahrh.),  -rauh  (14S2.  1515  raucari.  rauredo,  raueu«) 
-=  die  Empfindung  des  Kratzenden,  Rauhen  (4) 
im  Halse  (Rachen,  Kehle)  hei  der  Heiserkeit 
(Gr.  W.  VIII,  267,  D.  48'.,  Fr.  Kr.  R.  Reg.;  Zw.  761.  I 
950).  —  (1691)  /fcA/en-Räuche-Heiseikeit,  rauhe 
Kehle  (s  d.)  (Tabern.).  —  (1726)  Zungen  Rauche 
—  die  trockene,  rauhe,  nicht  platte  Zunge  der 
fiebernden  Kranken  infolge  der  Speichel  Ver- 
minderung (siehe  rauhe  Zunge)  (Zw.  loio).  — 
rauh- (e,  er)  Bart,  Bauch,  Beine,  Brust,  -Fuss, 
•haariij,  Hais,  Haupt,  Haut,  -iglat,  Kehle, 
Luftrohre,  Mäuler,  Xägel,  Olf,  Stimme, 
Tasche,  Zunge. 
raucken  s.  raunken. 

Baude,  f  Räuden,  f.,  m.  Räude,  f.  (Reite). 

U»s  Wort  Räude  beginnt  mit  dem  Zllterlaut  r,  der  die 
Natur  des  Rauhen  und  der  Htirte  ausdruckt  (R.  Klein 
paul,  Stromgeblot);  daher  viele  Bezeichnungen  für 
Hautkrankheiten  mit  R  l>eglnnen,  wie  Räude,  Rule, 
Kinde,  Riesel,  Rappe,  Runzel  etc.,  (indotrerm.  hrti 
[cruor,  crudus];  Torgerm,  kruh;  altgerm.  hn'ida  —  blutig 
aufgekratzter  Hautausschlag  bei  Mensch  und  Tier;  ahd. 
n"ida  —  Scabies,  scrplgo,  Impetigo;  9.  Jahrh.  rindig,  | 


rüdi,  riudi,  hruda,  rüda  —  Impetigo,  scabtea,  ulcus, 
Graft*  II,  490;  H.  Z.  XV,  60;  ruga  [ruda]  =  Räude. 
II.  Z.  XVI,  321;  12.  Jahrh.  rudun  =  contagla;  rhiitbon, 
rodon,  rüda  =  »cables  [damals  schon  als  ansteckend 
dureb  Übertragung  der  „angesteckten",  „geerbten" 
Kleider  erkannt],  H.  Z.  XV.  341.  348.  528.  XV,  4.  65;  III; 
rüde,  f.  =  Scabies,  Pfeiffer  19;  12G0reudich  =  scabiosus, 
Pfeiffer  31 ;  mhd.  riude,  rude,  riudec  =  -Menschliche 
und  tierische  Rande  oder  auf  Hautkrankheiten  bezogen, 
die  von  räudigen  Tieren  auf  die  Menschen  durch  Über- 
tragung gelangten  und  auch  auf  diesen  Juckreiz  |  Kratzen  ] 
veranlassten;  14.  Jahrh.  rasta  [=  rauda]  —  Grint,  Voc. 
opt.  W.  40;  16.  Jahrb.  rewd  =  Impetigo,  D.  288,  rode 
=  Scabies,  D.  643,  serpedo  (ThanwurmJ,  l>.  530.  squator 

—  übelriechende  Hautkrankheit.  I».  549;  1429  reydlg 

—  glabriosus,  kahl  an  behaarten  Stellen ,  D.II,  194; 
1477  derrauden,  Ortolf;  1480  raidig  =  räudig.  II.  Foltx; 
1483  raeudigkeit  —  Scabies,  C.  v.  Megbg. ;  1482  raude  = 
Grint,  Zen.  Voc.  aa5;  1486  rüdig  =  rubldus,  D.  II,  321; 
1600  rudlchcyt  =  scabritudo,  D.  II,  328;  1512  rude  = 
Impetigo,  D.  288;  1518  ruede,  rud  xs  Scabies;  Pruritus, 
H.  v.  Gers  l  18.  95.  100,  rasca  [Rasse];  1530  med. 
Künlgssp.  47 ;  1532  raud  ■  Scabies,  eine  befleckung  der 
haut  von  überflussiger  Materie,  scrplgo,  Impetigo, 
Fries  139,  1591  reutlgkeit,  raud  =  Scabies,  Tabern.  100  H. ; 
Iladr.  Jun.  383;  1599  rauden.  pl.  =  Hautkrankheiten, 
Gr.  W.  VIII,  255;  16.  Jabrh.  rawde  =  gryndt,  scrabera 
[Scheide],  Schroetter  II,  406;  1645  raude  =  AussaU, 
Coler.  H.  A.  164;  17.  Jabrh.  rauten.  raute  =  Kufe, 
Dorke,  R.  A.  215.  820;  1725  raude  =  Kratze,  durch 
saures,  salziges,  scharfes  Geblüt  veranlasst  angenommen 
[eczema''),  Thes.  san.  Rr.  181;  1753  raudigkelt  —  Scabies, 
A.  v.  II.  I,  1153.  1207  =  psora,  „die  Mitte  zwischen 
AussaU  und  der  gemeinen  Kratze" ;  1776  raude  = 
crusta.  Pienck;  Behrend  5;  1839  raeude  -  Scabies, 
Behrcnd  35  =  raube  Huut,  Schorf,  der  die  Haut  rauh 
und  grinUg  macht;  [Schwalten]  roud  =  jeder  Ausschlag 
mit  trockener  oder  nasser  Hautabsehllfcrung,  besonders 
jeder  borkige  Hautausschlag.  Buck  19;  [Schweiz]  rneud 
b  etwas  Knorriges  [auf  der  Haut],  Schw.  587 ;  rauden,  pl. 
■=  die  verschiedenen  Arten  der  RAude  Krankheit,  Gr. 
W.  VIII,  255,  ndd.deruddik,  f.  =  Raudigkelt ;  ruddik,  m. 

—  rüudiges  Tier;  melk,  rulk.  Fromm.  VI,  367).  — 

Raude,  f.  Räude,  f.  Rauden,  f.,  pl.,  1.  =  jeder 
wegen  Juckreiz  blutig  gekratzte,  blutkrustige 
oder  trocken  schorfige  Hautauaschlag  an  den 
verschiedenen  Körperstellen  bei  Mensch  oder 
Tier  und  zwar:  a)  parasitärer  Art,  1.  -  Kratze, 
Scahies ;  durch  die  Empllndung  des  heftigeren  Juck- 
reizes der  Krätzmilbe  in  der  feineren  menschlichen 
Haut  uberwog  beim  Menschen  der  Begriff  (1480)  Kratze 
(s.  d.  —  Kratzmilben-AusschlagJ  den  der  Raude;  dies 
letztere  ist  die  altere  Bezeichnung  für  den  gleichen 
Hautausschlag,  welche  allmählich  und  mehr  für  tierische 
Kratze  gebraucht  wurde.  —  2.  =  die  mit  Starkem 
Juckreize  verbundene,  durch  übertragbare 
Sarcoptitiden-Milben  bei  allen  Haustieron  (auch 
bei  Füchsen  und  Hasen)  verursachte  Haut- 
krankheit (Sarcoptes  scabiei  varietas  equi, 
caprae,  ovis,  suis,  canis,  vulpis),  Sarcoptes 
minor  (Katze),  H(|uamiferu8  (Hund  ,  Dermato- 
coptes  communis  (Schaf)  (Braun,  tler.  I'aras. ; 
Herbst  146).  —  3.  —  der  durch  pflanzliche  Parasiten 
(havus-Üilz)  bedingte,  trockene  Krbgnnt- 
Ausschlag  beim  Menschen,  wenn  er  juckend  ist 
und  blutigrote  Krusten  zeigt,  mit  und  ohne 


4!MJ 


Räude. 


Rande. 


Räudelaus  (s.  d.),  die  man  früher  als  dessen 
Ursache  ansah;  b)  sonstige  infektiöse,  rauh- 
trockene, grint  ige  oder  abschilfernde  Haut- 
krankheiten (Derniato-MykosiB ,  Variola,  Sy- 
philid, Lepra).  —  IL  =  chronische,  flechten- 
artige, trockene  Hautausschlage,  welche  mit 
rauher  Abschilferung,  Abblätterung  od.  Krusten- 
bildung verbunden  sind  (Schuppenflechte, 
Närbrisa,  Impetigo,  Ekzema,  Psoriasis).  — 
III.  =  der  eingetrocknete  rauhe  Wundschorf 
und  Pustelschorf  im  Gefolge  von  akuten  Haut- 
bluten (z.  B.  Variola^,  auch  wenn  kein  Juckreiz 
vorhanden  ist  (Schindler  II,  63).  —  IV.  =  ver- 
allgemeinert angewendet  tur  Bezeichnung  auch 
nässender,  feuchter,  dann  aber  juckender  chro- 
nischer Hautausschlage  bei  Menschen  u.  Tieren, 
soferne  dabei  auch  gelbe,  feale  Krusten  oder 
schuppende  Stellen  Bich  mit  vorfinden  (s.  auch 
Golke',  Tolke).  —  V.  =  der  Folgezustand, 
namentlich  der  tierischen  Räude,  der  Haar- 
ausfall (Alopecia).  —  VI.  =  s.  auch  Heiter.  — 
(1M5)  räudig,  räudig,  rändicht  (uao  rodlch; 

15.  Jahrb.  rydlg ,  rudecb ,  D.  615 ;  reidlg  —  inturtns, 
D.  306),  1.  =  mit  der  Kaude,  dem  Grint  oder  dem 
Haarwurm  (s.  d.)  behaftet  (scabidus),  an- 
gesteckt. —  2.  —  haarlos  wie  durch  die  Kaude 
geworden  (eine  Thatigkclt  des  Mittagalp«  [s.  fielst], 
Or.  \V.  VIII,  256;  Coler,  H.  A.  165;  Rochholt  II,  60). 

-  3.  =  runzelig.  —  Eäudige,  f.  Rüdigkeit,  f. 

Räudigkeit  (mhd.  rudlkelt,  rüdlgkalt;  ndl  ruydlgkeit 
=  Prurigo,  l>.  469;  De  Cook  246)  =  der  Zustand  des 
Räudigseins  [Gr.  w.  vill.a"*).  —  ruderig  =  rauh 
faserig.  —  Ansatz  Rande  =  Lepra  (.Morfea), 
der  Aussatz  (h.  d.)  als  unreiner,  ansteckeuder, 
rauhe  Borken  machender  Hautausschlag.  — 
(1582)  beisaende  Räuden  =  juckend  Bchmerzende 
Raudeformen  (Lonlc.  145.  171 ;  Gr.  W.  VIII,  255).  — 
(1753)  blätterichte  Räude,  1.  -  Psoriasis,  die 
menschliche  Schuppenflechte  (s.  d.)  (A.  v.  H.  I, 
1217).  —  2.  ^  Blattern  (Variola)  (16.  Jahrh.)  als 
schorlige  Blatterpusteln,  Blatterraude  (Arzn.- 
Mucta).  —  (17.  Jahrh.)  ß/ui- Räude,  1.  =  eine 
blutig  gekratzte,  räudige  Haut.  —  2.  =  eine 
aus  der  Säftemischling  deB  Blutes  abgeleitete 
Rande  (Lepra)  (Fr.  Kr.  ß.  583).  —  böse  Räude, 
Räudigkeit,  Rüdigkeit,  1.  =  die  unheilbare, 
ansteckende  in  rauhen  Hautknoten  und  ab- 
normen Hautempfindnngen  sich  äussernde, 
durch  den  Bacillus  leprae  verursachte  Lepra, 
Morfea,  Aussatz,  Maltzey,  böser  Grint,  Maledit- 
haut  (1419  boese  mde  =  morphea,  D.  II,  257;  Gr.  W. 
VIII,  255,  A.  r.  H.  II,  1207,  nort.  San.).  —  2.  -  (1591 
psora,  Iladr.  Jun.  383,  die  Milte  zwischen  Aussatz 
[Lepra]  und  gemeiner  Kratze".  A.  v.  H.  1, 1163),  vielleicht 
=  Lupusexfoliativus,„l.öseKaud  mit  Schuppen" 
(Had.  Jim.  1.  c.).  —  3.  =  (15U5  bOM  ltudeu,  Fuchs  I. 
313;  1616  boese  raud  an  dem  keine  =  mentagra,  I>.  a">7) 

-  syphilitischer  Borkenaussclilag  (Rupia,  Men- 
tagra), als  Zeichen  einer  Dyskrasie.  —  (1457) 
brennende  Räuden  die  „unsaubere  Schäden" 
machende  Lepra  (Aussatz),  welche  Markes 
Hitzegefühl  in  der  Tiefe  und  excentrische 
Schmerzhaftigkeit  macht  (Nelssor  in  Z.  Hdb.  d.  sp. 
P.  u.  Th.  XIV,  L  629;  I  nmmert).  —  dirke  Räuden, 
Räude  =  die  massigen  Krusten  und  Borken 
bei  den  Blattern  (=  Variola)  (Fossel  139;  Gr.  W. 


«».**-  ss^issr-1 

duerre  ruede.  rüdigkeit  =  Impetigo.  D.  2S8 ;  1680  duerre 
rüde  =  Scabies  sicca,  Gr.  W.  VIII.  255;  Künlgssp.), 
1.  =  die  trockene  ßläschenfleebte  (Ekzema 
I  Biccum,  Impetigo,  trockener  Grint)  im  Gegen- 
satze zur  feuchten  Kaude.  —  2.  =  Lepra  (Knol- 
lenauBaatz).  —  (1609)  eiterige,  (1749)  £tfer-Randen 
=  eine  Hautkrankheit  mit  später  eintrock- 
nenden, Borken  bildenden  Eiterpusteln  (Variola 
SUppur.)  (Guar.  871;  blbl.  Medlk.  420).  —  (1842) 
fette  Rande  =  Speckräude  (Falke  II,  223)  bei  der 
an  den  haarlosen  Hautstellen  der  Pferde  eine 
fettähnliche  Hautschmiere  zu  beobachten  ist 
(s.  fette  Flechte).  —  (1842)  feuchte  Räude  = 
Ekzema  hnmidum  (s.  Räude  IV),  stark  secer- 
nierende  Speekrftude  bei  Pferden  (Falke  I,  421; 
Gr.  W.  VIII,  255).  —  (16.  Jahrb.)  flechtende  Rande 
=  eine  Borken  bildende  Hautkrankheit  in  den 
Haaren,  die  diese  zu  Flechten,  Zotten,  Zöpfen 
verklebt  (Favus,  Porrigo,  Erbgrint)  (Lonlc.  »2; 
Fr.  Kr.  B.  170).  —  Fn  A.>  Räude,  1.  =  die  Räude 
I.  a  2  als  Krankheit  der  Haut  beim  Fuchs  durch 
die  Milbe  Sarcoptes  scabiei  var.  vulpis.  —  2.  = 
der  Haarausfall  beim  Menschen,  Haarlosigkeit, 
wie  die  eines  räudigen  Fuchses,  durch  die  ver- 
schiedenen Formen  der  menschlichen  Räude, 
in  den  Haaren  des  Kopfes,  Uartes  oder  der 
Augenbrauen,  die  sogen.  Fuchssueht  (s.  d.  u. 
Fuchs)  Alopecia  Galeni  (aÄwjtTj$  =  Fachs).  — 
3.  =  die  Schaf- Räude  (b.  d.),  die  der  Fuchs- 
Raude  durch  den  Haarausfall  gleicht,  aber  in 
der  Milbenart  (Sarcoptes  seahiei  var.  ovis)  nicht 
identisch  ist  (Gr.  w.  iv,  L  850).  —  2»Ws-Rände 
=  eine  Pferde- Räude  (s.  d.)  an  der  Köte  des 
Tieres, auch  Rinder-Mauke  u.  Traber- Ausschlag 
fzipp.  675),  bei  ersterem  infolge  von  Dermato- 
phagus-Milbe.  —  geschuppte  Rande  (1531  gc- 
schiepet  rauden,  Krauuv.  XXV,  112)  (e.  schüppige 

RÄUde)-  ~  ,1672)  rfgtete  \  ^««ndder 
|  König  [Karl  VIII.  v.  Frankreich]  und  sein  [Kriegs-] 
Volck  In  Neapoli  mit  einer  schweren  vormals  uner- 
hörten Kranckbcyt  geschlagen  worden ,  die  man 
Frantzossen  [».  d.]  oder  bos  Blattern  nennet,  waren 
verglfftete  Reuden,  eine  schreckliche  Erbsucht  die 
Marek  und  Bein  mit  grossen  Schmcrtzen  durchdringt 
und  keine  Artxeney  kau  hellten  und  diese  Kranckbcyt 
habens  in  alle  Lander  gebracht,  welch  Straft  noch 
heut  dless  Tags  vor  Augen  Ist,  Meissner,  Hlstor.)  = 
ansteckende, syphilitische  Infektionskrankheit. 

—  (1582)  grüne  Rande  =  Hautkrankheit  mit 
Bildung  gelb-grünlicher,  grünbrauner  Krusten 
im  Gegensatze  zur  weissen  Räude  (s.  d.),  Ktipia 
syphilitica  (Sohmutzborke)  (1582  beissende  Räude 
sie  sei  grüne  oder  di.rr,  Lonlc.  171).  —  (1699)  Hand- 
Rauden  -  die  Krätzekrankheit  (Scabies),  die 
ihren  LieblingBsite  zwischen  den  Fingern  hat 
(Gr.  \v.  VIII,  255).  —  harte  Rande  =  eine  chron., 

i  juckende,  fette  Hautschwielen  bildende  Krank- 
I  heit  (Pacchydermin,  Sklerodermia).  —  (1680) 
tfaur-Raude  =  Aspredo  cutis,  eine  Räude-Er- 
krankung der  nicht  behaarten  Haut  im  Gegen- 
satze zur  Bart-  od.  Kinn-Räude  (Gr.  w.  iv,  2.  712). 

—  (IC.  Jahrh.)  Hund  s,<  Rande  =  eine  durch  die 
Sarcoptes  scabiei  u.  »emndex  follicul.  var.  canis 


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Ramie. 


Rande. 


497 


(Haut-Milbe)  veranlasste,  der  Pferderäude  und 
Menschenkrätze  sehr  ähnliche  Hautkrankheit, 
auch  Hundsrinu  od.  Rüdenring  genannt  (Lonic. 
317;  Fr.  Kr.  D.  685;  Falke  I.  421).  —  (1835)  Hunger~ 
Räude  =  eine  trockene  Räude  (s.  d.)  bei  Tieren 
die  ungenügend  ernährt  wurden  (Falke  I.  425; 
II,  223).  —  (MM)  Zinn-Räude  -  Mentagra,  Kinn- 
gnnt,  Barlräude,  eine  an  den  behaarten  Stellen 
sitzende,  krusten  bildende,  hart  nftckige.trockene 
Hautkrankheit  (Or.  W.  V,  778 ff.).  —  kleine,  spitzige 
Räude  s.  spitzige  Räude.  —  (1776)  A'.  pj  Rande 
=  Scabies  capitis,  die  Krätztndbenkrankiieit 
auf  dem  menschlichen  Kopfe  (Bebrcnd  5).  — 
A"'"i  Kaudc  =  die  Fussraude  heim  Pferde, 
die  die  Haut  rauh  und  trocken  macht  und  mit 
Vorliebe  an  der  Kote  des  Tieres  siUt  (Sarcoptes 
scabiei  var.  equi).—  (INI) krätzige,(um)  kratzende 
Räude  (H.  t.  «ersd  iüo;  Künisssp.  51)  =  wohl  nur 
eine  den  Unterschied  der  menschlichen  Kratze 
von  der  tierischen  Rande  einleitende,  sonst 
tautologische  Bezeichnung  der  Kratzmilhen- 
krankheit.  —  (1532)  kriechende  Ramie  (Fries  139), 

I.  —  eine  trockene  Borken  machende  Haut- 
krankheit (Üerniatomyko8i8  ?),  die  in  der  Peri- 
pherie ihres  Sitzes  kriochend  sich  ausbreitet 
und  um  eich  greift,  um  sich  frisst  (Impetigo 
favosa,  UerpeB  tonsurans).  —  2  =  das  kreis- 
förmige Syphilid,  das  eine  haite  Randintil- 
tration  zeigt  n.  sich  wchleichend  ausdehnt.  — 
3.  =  der  Schuppen  bildende  Lupus  erythema- 
tosus, der  allmählich  durch  stets  wiederholtes 
peripherisches  Auftreten  neuer  Stellen  sich 
ausbreitet.  —  (1530)  kugelte  (dürre)  Räude 
(KüniKsup.)  =  Knollenaussatz.  —  (1599)  Leibes- 
Räudigkeit  —  eine  Räudeform  am  Korper- 
stamme  im  Gegensatze  zur  Räude  an  Händen, 
Kopf  oder  Füssen  (Gr.  W.  VIII.  256).  —  (1842) 
magere  Räude  —  trockene,  dürre  Räude  (Fulko 

II,  223).  —  (1725)  MW rh -Rande  =  der  Kopfgrint 
(Räude  la3)  bei  den  Säuglingen  oder  kleinen 
Kindern  (Ansprung)  (Zw.  163;  Tbes.  san.  Hr.  8»). 

—  (1842)  nasse  Räude  =  feuchte  Räude  (s.  d.), 
Räude  IV  (Falke  II,  151.  —  Ohr- Räude  =  eine 
durch  DermatophagiiH-Milbe  am  äusseren  Ge- 
hörgange  bei  Hunden,  Schafen,  Kaninchen 
veranlasste  Räude  (Meyer,  Conv.-L.  XIV,  490).  — 
P<c*-Räude  =  Roaakretn  (s.  d.).  —  |uo]  Pferde- 
Räude ■  die  durch  die  Mill>e  .>arcoptes  scabiei 
var.  equi  veranlasste  Milben- Krankheit  (in 
feuchter  oder  trockener  Form)  auf  der  Pferde- 
haut, die  namentlich  am  Kopte,  Halse,  an  der 
Mähne,  Kehle  oder  auch  an  der  Schweifwurzel 
sitzt  (s.  Närbriss,  wilder  Nercs)  (Falke  II,  197). 

—  (1754)  iW-Mi-Raude  =  Blattern-Raude  2;  die 
Bildung  von  Blatterborken  hei  den  Pocken, 
Pusleln  (Variola)  (A.  v.  H  I,  1207)  —  Rinder- 
Räude  — die  durch  i^aieupie»  -,  Dernmtoooptes- 
od.  Uermatophagus-Milben  veranlasste  Bände, 
die  besonders  häutig  an  der  Schwanzwnrzcl 
ihren  Hanptsitz  hat.  —  rote  Räude  =  eine 
Hunderäude  mit  trockener,  heiasei,  gerototer 
Haut  (Falke  i,  421).  —  StArt/"- Räude  =  die  durch 
die  Sarcoptes-Millie  (S.  scabiei  var.  ovis),  auch 
Dennatocoptes  communis ,  veranlasste  Haut- 
krankheit, eine  Herdenkratikheit,  die  ob  ihrer 
Schmierbehandlung  den  Namen  Schmier- Vieh 


|  (s.  d.)  schuf;  dies  die  eigentliche  heutige  Räude. 

;  —  (16.  Jahrh.)  scharfe  Räude  ,  1.  -  akut  auf- 
tretende Räude.  —  2.  =  frische  febrile  Lepra.  — 
3.  =-  harte  Räude,  Ekzema  acutum  (Fr.  Kr.  n  524  . 
Lonic.  284).  —  schuppige,  schüpechtige,  schüpende 
Räude  (13Ö0  selchende  rüde.  Pr.  I.  S63  ;  1531  Rcschlepet 
rauden,  Kraut».  XXV),  1.  =  der  zwischen  den 
Kopfhaaren  wuchern«le  kleingriesliche  Krusten 
(Schuppen)  bildendejuckendeF^rbgrint(Porrigo 

)  favosa).  —  2.  =  die  Räude  V,  d.  h.  der  Haar- Aus- 
fall an  Augenbrauen,  Kopfhaaren  etc.,  dessen 
Vorläufer  eine  starke  Abschuppung  des  Haar- 
bodens ist  (Pityriasis,  Mentagra  syphilitica, 
Alopecia  syphilitica)  (Ur.  ff.  VIII,  W  ;  Haser  II,  87). 

—  3.  =  Schuppenflechte  (Psoriasis).  —  Schutt- 
Räude  -  Pferdepocke  1.  2.  als  übertragene,  ab- 
geschwächte Impfpoeke  einen  relativen  Schutt 
gewährend  vor  der  Pocke  (Variola).  — (16.  Jahrh.) 
sehwienende  Räude  =  Sehwindflecbte  (Arz.-Bucn). 

—  S'cAicunrRäude  =  Prurigo  caudalis  equorum, 
eine  auf  den  Pferdeschweif  beschränkte  Räude 

J  (Sarcoptes  scabiei  var.  equi)  (Broun  261 ;  Falke  II, 
|  296).  —  >'i  Inn  ins  Raudc  =  eine  auf  den  Menschen 
I  übertragbare  Milbenkrätze  bei  Schweinen,  Sar- 
coptes scabiei  var.  suis  (Braun  262 ;  Falke  II.  304).  — 
Sommer-Räude  =  ein  räudeähnlicher  trockener, 
bedeutungsloser,  auf  der  Sommerweide  mehr 
bemerk  barer  Hautausschlag  hei  Pferden  (Plerer7) 
im  Gegensatze  zur  Stallrande.  —  spanische 
Räude  =  Scabies  bispanica,  die  Hautkrankheit 
(Kaude  1  b,  spanische  Pocke)  infolge  der  syphi- 
litischen Infektion,  die  ehemals  durch  das 
spanische  Kriegsvolk  verbreitet  wurde  (Fuchs 
I,  362).  —  (1&43)  -  A-Raude  =  fette  Räude  bei 
Pferden  namentlich  am  Halse,  s.  fette  Flechte 
(Falke  II,  325).  —  spitzige  Räude  (1741  kleine  splulpe 
Knude  —  Horpes  miliaris,  Pruritus,  Scabies  [Frlescl  ?], 
Kinn-h  751.  876;  1754  herpes  eslhiomenus,  A.  \.  H.  I, 
787  ;  od.  Lupus  tuberculosus,  Z.  Hdb.  d.  »p.  P.  u.  Th. 
XIV,  l.  692),  1.  =  die  sogen,  fressende  Flechte, 
deren  Primär  -  Efflorescenzen  kleinkugelige 
Knötchen  sind,  in  deren  Peripherie  fort- 
kriechend die  Hautkrankheit  um  sich  greift  u. 
bo,  weil  nicht  od.  schwer  heilbar,  bösartig  wird 
(1753  „eine  Kotlaufflechte  [Dartre  rciugeante],  die  Blat- 
terlein [  =  Knötchen]  In  der  Tiefe  der  Haut  macht,  die 
Haut  auffrlsst  (durch  Zerfall  der  Lupusknotehen]  und 
auch  das  darunter  liegende  Fleisch  (Lupus  exuleerans] ; 
es  bilden  nlch  auch  KlDdcn  und  Kufen",  A.  v.  H.  I, 
787;  11,794;  Lupus  exfoliativa»).  —  2.  =  jede  schup- 
pende, rauh,  uneben,  rissig,  rutig  machende, 
klein  papulöse  Hautkrankheit  (=  Räude).  — 
(1842)  Statt-Räude  =  eine  durch  Unreinliehkeit 
der  Stallungen  namentlich  im  Winter  bei 
Schafen  veranlasste  Räude  (Falke  II,  223.  334).  — 
Srcwa-Räude  =  durch  eine  Krätas-Milbe  (Dcr- 
matophagus),  namentlich  beim  Haustiere  an 
dessen  Schwanzwurzel  oder  Steiss  veranlasste 
Hautkrankheit.  —  (1725)  träufende,  triefende 
Räude  =  eine  z.  T.  mit  Rufen-  oder  Borken- 
bildung, z.  T.  mit  flüssiger,  triefender  Sekretion 
(s.  Gnass  o.  Gneiss)  verbundene  Hautkrankheit 
(Ekzema  capillorum,  Favus,  F>rbgrint)  (Zw.  162). 

—  (16.  Jahrh.)  trockene  Räude  =  jede  nicht  näs- 
sende, juckende,  chronische  Hautkrankheit  bei 
Mensch  und  Tier,  welche  eine  rauhe,  durch 

32 


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Raum. 


raunken — Rausch. 


Borken  od.  Schuppen  unehene  Hantoberfläche 
bildet,  auch  Magere  (s.  d.)  (Buek  r>;  Arz.-Buch  j 
Kalke  I,  421).  —  fif..  Jahrh.)  umf reMendt  Räude  - 
kriechende  Räude  (s.  d).  —  (1507)  um  stuf  Rüder 
=  Aussatzraude  (b.  d.;  Morfea,  Lepra)  (Hort. 
San.  ;  Lonle.242).  —  (1521)  wälscht  Räude  -i . 

gallica,  wälfiche  Pocken,  Franzosen,  syphili- 
tische Hautkrankheit  (Puch»  I,  362  fr  ).  —  teahre 
Räude  =  die  nur  mittelst  Ansteckung  durcli 
die  übertragbaren  Räude-Milben  (Reitlaus,  Sar- 
coptitiden)  veranlasste,  krustige  Borken  und 
rauhe  Haut  erzeugende  Hautkrankheit  bei 
Mensch  oder  Tier.  —  [1798]  weiste  Räudigkeit 
=  Vitiligo  Celsi  o.  Alphus,  l.epraalf>a,  Morphea 
alba  (Arabum),  Albor  Leprae  (Aussatz), die  eine 
knotige,  rauhe,  weiss  gedeckte,  z.  T.  ganz  pig- 
mentlose, fahle  (s.  d.)  Hantoberfläche  machende 
Aussatekrankheit  (Z.  Hdb.  d.  sp.  i>.  u.  Th.  xtv,  l. 

633;  A.  v.  n.  I,  1330).  —  (1743)  Wilde  Railde  =  Psora 

agria,  schwer  heilbare  Eiterpusteln  n.  Borken 
bildende  Hautkrankheit  (WM.  Medlk.  420).  — 
Rand  ,  Rande  (Reit)-,  räudige  -Anrührung, 
-Augencnttündung,  -Aufschlag,  -Flechte,  -Hände, 
■Laus,  -Leute,  -Liesen.  AultAlllu  Int.  dass  die  uralte 
„Räude"  nur  äusseret  selten  durch  Besprechung  be- 
handelt wird  (Rochb.  II,  53),  wohl  deswegen,  well  ihr 
Name  etymologisch  keinen  damonlstlschen  Hintergrund 
hat,  sondern  nur  den  objektiven  Begriff  wiedergibt. 
Über  die  ulteren  Kratze-  od.  Raude-Namen  s.  Kratze 
Raum,  m.  räumen  (Indogerm.  rü  [rus,  Land] ; 
gem.gcnn.  rümn,  rum  =  Landes-  oder  Erdrautn ;  ohd. 
rüm;  mhd.  rum,  rüml  =  Raum,  Kluge*,  296  -  freier, 
weiter  Platz),  1.  =  Rohm  oder  4.  Magen,  der  die 
Speise  beim  Wiederkäuer  löst  (Loser)  Merk  l**; 
Falk«  II,  243).  —  2.  =  Rahm.  —  räumen  (idid., 
9.  Jahrh.  rumjan  =  laxarc,  Kero  Oloas.;  «raff  II, 
öoo)-=(len  Raum  besorgen,  pflegen,  reinigen, 
die  Korperräumlichkeiten  (Magen,  Brust, 
Bauch  etc.)  durch  reinigende  Mittel  erleichtern 
von  angehäuften  Krankheitsstoffen ,  so  z.  B. 
von  der  Leher  räumen  d«P<;  die  schwnrzc  fJnlle 
IMcluneholle]  aus  Leber  und  Milz  entfernen,  sepannnir 
In  rate ,  desopiler  In  rate  —  von  Herzen  lachen .  das 
Zwerchfell  erschüttern.  Demokr.  I,  117  =  stoiunehum 
nnrmre,  Sebm.  II,  91)  =  von  der  Leber  weg  reden, 
die  im  Magen,  in  Milz  oder  lieber  angehäufte 
Galie  (Ärger,  Groll,  s.  Kollerl)  durch  Reden 
(lachen)  beseitigen,  aus  dem  Magen  wegräumen 
da  sie  sonst  überläuft  (m.  liebet ).  —  ausräumen 
=  raumen  (s.  o.)  — «/rräumlg,  (räumig)  =  leicht, 
gereinigt,  frei  von  Schleim,  z.  B.  auf  der  Brusl. 
—  Gfräums(Gramsch)  —  der  zur  Seite  gerilumle 
Unrat,  das  Gerümpel,  weggeworfene  Knochen- 
abfälle. —  SfV«ar-Raum  -  der  Raum  zwischen 
Hornhaut  lind  Linse  des  Auges,  in  welchen  aus 


Slaarrtium 


dem  Hirne  der  Sl&ar  (s.  d.)  als  gerinnender 
Tropfen  herabfliessen  sollte  nach  früherer  An- 
nahme. —  Toten  -  Gramsch  -  Toten-Gerippe 
(ndl.  geraamt«,  V.  K.  I,  78;  Schm.  II,  102).  —  unge- 
räum  (an  der  Frauen  Heimlichkeit)  =  schlechte 
Raumverhältnisse  im  weibl.  Becken  habend, 
daher  schwierig  gebärend  (Schm.  11,92).  —  Raum 
Schlauch. 

raunken,  raucken  ( =  ein  schallnachahmendes 
Wort  für)  ronken,  Sinjztiltus,  Rugitus,  Ventus 
(Zw.  461 ;  1476  rochuuga  =  rugitus,  D.  508). 

Raupe,  f  (Rupp)  (ein  Wort  von  westgerm.  Alter, 

I Kluge  *,  431  ;  ahd.  rupa  —  Insektenmade,  Raupe;  mhd. 
rfipe  —  Krautwurm,  Raupe;  15.  Jahrh  rupp,  Kluge*, 
21W  =  Haarwunn,  Ratz  (s.  d.].  Raupe;  1761  raube  — 
!  Impetigo.  L.  chlr.  41  ;  mit  diesem  Worte  benennt  das 
Volk),  1.  =  die  Pferde-Rappe  oder  Mauke  (s.  d.) 
(Gr.  W.  VIII.  2V9),  wohl  wegen  Anklingen«  von 
Rappe  an  Raupe.  —  2.  =  die  menschliche  und 
tierische  Rande  {Räude  I,  Haarwurra  2,  Wolf  6), 
welche  als  Haarwurm  =  Raupe  ist  (Gr.  W.  VIII, 
299;  IV,  2.  41).  —  3.  =  Raupen  im  Kopf  =  Grillen 
halten,  närrisch,  toll  sein  (Kuhn,  Zotuchr.  f.  vgl. 
Spr.-WiM.  XIII,  71)  (s.  Alp  VI).  —  4.  =  als  Raupe 
=  Insektenmade  ist  sie  die  andere  Gestalt 
eines  Krankheitsdämons,  der  als  Ratzel  (s.  d.), 
„Teufelskatze"  od.  (nach  der  Verpuppung  als) 
Schmetterling  auf  die  Brust  des  Schlafenden 
sich  setzend  Alpdruck  macht  (Schcible  IX.  417). 

—  Raupimg einjähriges  Rind,  »Jessen  Haare 
noch  rauh,  heBonder«  wollig  gekraust,  nicht 
glatt  sind  (Falke  II.  225;  8chm.  II,  129). 

RaUBCk,  m.  (mhd.  rüschen.  duschen  =  sausen, 
eilig  elnherstürmen,  eilen ;  rüsch  =  Anlauf,  Angriff, 
Kluge*,  296).  1.  —  das,  was rauscht.die  rauschende 
Bewegung,  Geräusch.  -  -  2.  =  der  rauschend, 
brausend,  sausend  erfolgende  Angriff  (siehe 
Greif)-  —  3.  -  Crapula,  Alcoholismus  acutus, 
eigentlich  das  Rauschen  im  Kopfe,  maniaka- 
lische  Aufregung  (Kopfschmerz),  mal  St.  Marlin, 
Morbus  St.  Martini,  welches  Wort  „Rausch"  In  sec- 
mantil«chen  und  kaufmännischen  Kreisen  auf  die 
Trunkenheit  d.  h.  auf  die  durch  den  Trank  veran- 
lasste Aufregung  übertragen  wurde  ;  ,,deu  Indogerma- 
nischen Vorfahren  war  die  Poesie  des  Rausches  nicht 
verborgen  geblieben"  (Schinder  Spr.-Vergl.  1890,  S.  461; 
I  Gr.  W.  VIII,  S02;  A.  v.  II.  I,  492).  —  4.  =  der  Milz- 
brand, (richtiger)  Rausch brand  (s.  d.),  bei  dem 
1  die  erkrankte  Haut  infolge  von  Empbysema 
!  cntatietim  bei  Berührung  rauschend  knistert 
(nnch  dem  Tiroler  Volksglauben  [Passeier]  von  dem 
\\ ichtt'l-Dnmonen,  auch  vom  Lorgg  p'orco]  od.  Norgl 
[=  Nork  s.  d],  einem  Ylehschelm,  herrührend,  der 
das  Vieh  zur  Nachtzeit  bettln,  durch  Berührung  am 
Kücken  tote!  u.  dessen  Fleisch  brandig  macht,  Germ. 
VI;  Weber,  Mernn  2S2;  IL  A.  Rh.  313;  Alpbg.  110).  — 

(1842)  Rauscher,  m.  =  Rausch  4  oder  Rausch- 
brand  { Feser  69 ;  Falke  II.  228;  gegen  welchen  der 
Alm, .rausch"  gebraucht  wird,  Dalla  Torre  58).  — 
rauschen,  1.  =  (l.  mhd  ).  —  2.  =  stürmisch, 
brünstig  sein  bei  Schweinen  (Gr.  W.  VIII,  313; 
Frank  54;  15.  Jahrh.  rawschen  =  lasclvta,  D.  II,  229). 

—  rauschig,  I.  —  am  Rauschbrand  leidend 
(F.ngel.  274).  —  2.  =  betrunken.  —  (1763)  Be- 
rausche  (Brausche)  =  die  mit  Blut  nnter- 


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missen— Rebe. 


rebeln— Recht.  4M) 


laufem-  knisternde,  rauschende  Konlusions- 
oder  Rauschhrandheule  (Schw.  90;  A.  v.  H.  II, 
12»).  —  J3rMtin«i-Rausch-dcr  rauschähnliche, 
beuonituene,  rasch  vorübergehende  Zustand  im 
Gehirne  infolge  von  Kohlensäure-Intoxikation 
beim  Genüsse  kohlensäurereicher  .Mineral- 
brunnen. —  Geräusch  =  das  was  rauscht, 
rauschenden  Schall  erzeug!,  1.  -  die  (den  Hip- 
pokratikern  schon  bekannte) .Schallerscheinung, 
welche  am  menschlichen  od.  tierischen  Körper 
entsteht,  wenn  Gase  (Luft)  oder  Flüssigkeit 
in  Wirbelbewegung  geraten  (Blutwirbel,  Gas- 
wirbel), daher  Kasselgeräusche,  Herzgeräusche, 
Atniuntrs-Geräusch  etc.  —  er  hat  ein  gutes  Ge- 
rausch  =  er  atmet  weithin  hörbar,  schnauft 
IC.  t.  Scbm.  32";  Or.  W.  VIII,  1«).  —  2.  =  das,  was 
Rauschen  erzeugt,  z.  B.  die  aus  dem  Innern  des 
hohlen  Leibes  bei  der  Stille  der  Anatomia  sa- 
cralis  (Opferanatomie)  oder  bei  der  Anatomia 
culinaris  (Metzgerei)  mit  Gerflusch  herausge- 
langten Eingeweide  (Innjjeräusch)  (Buck  17 ;  Hjrtl, 
K.  VV.  los ;  <\  v.  Sehn».  326) ;  desgleichen :  3.  — 
bei  Berührung  mit  der  Hand  wie  Pergament 
rauschende,  emphysematisch  knisternde  kranke 
Stellen  z.  B.  beim  Rauschbrand  (Rausch  4, 
Rauscher),  auch  fälschlich  Milzbrand),  bei  dem 
sich  solche  durch  Gas  aufgetriebene,  schmerz- 
lose, beulenartige  Anschwellungen  unter  der 
Haut  befinden  (Sohraoller  II.  155;  Feuer  69. 81;  Z.  Hdb. 
d  «p.  P.  n.  Th.  III,  472).  —  Ein-,  Inn-GcTÄUSCh  (Ende 
de*  14.  Jahrh.  ingerrawsch,  Wicbner29;  1449  Ingerewsch 
=  intestinum,  Schmoller  II,  156;  1482  Ingerewsch  = 
vitalia,  Intestina,  Zening  Vor.  \>6  ;  mhd.  ingeriusehe  ; 
1517  ingrerscb,  Schnieller  II,  156;  ndl..  1 .77  inerijt  = 
vitalia,  D.  «Et.  [Tirol!  ingreiscb  -  Eingeweide;  Wolf), 

1.  =  das  in  der  Anatomia  sacralis  (u.  culinaris) 
bei  der  durch  den  Opferkult  gebotenen  Stille 
besonders  auflallende  Geräusch  bei  der  Heraus- 
nahme (s.  Los)  der  Kingeweide  im  Bauschen 
aus  dem  hohlen  Innenleibe  der  Opfertiere.  — 

2.  =  dieses  Eingeweide  (Herz,  Lunge  mit  Bries 
u.  Gedärme)  selbst  (Anatomiaculinaris)  (Kluge*. 
135).—  (K>99)  Jetuiter  Räuschchen  =  s.  Kapuziner- 
schlucken.  —  Ohr  Rauschen  (16.  Jahrb.;  Or.  w. 
VII,  1225)  =  die  subjektive  mausende  Schall- 
empfindung im  Ohre.  —  Rausch  Brand. 

raUSSen  (rUSSen)  '1482  rawucn,  Zen.  Vo«,  aa5) 
-  schnarchen,  rasseln,  sternutare  (rauschen, 
s.  ruesen). 

Rawe,  m.  (engl,  raw  =  roh,  rauh,  wund;  vor  ahd. 
hruwa;  alt*,  hni  —  roh;  niiul  rave,  rot,  Ur.  W.  VIII, 
322,  GoMschm.  19«;  Kluge».  304'  =  Rufe  (s.  <!.), 
rauhe  Borke,  Wundschorf,  Grint,  Aussatz, 
Narbe,  Harrsch,  Escliara.  —  raweres  Maul. 

Raxe,  m.  1.  =  Rachsen  (s.  d.)  Räehsen,  Aus- 
wurl  aus  dem  Rachen.  —  2.  =  (?)  Barl  (Tirol; 
Hintner  7.  15). 

Rebe,  f.  (indogorm.  rehh  =  Windung,  t'uiischlin- 
gung  [«.  Rippe];  genn  hrefo  ;  [dazu  ah.l.  href  =  uteru«, 
rulva.  venter;  ref  =  tadaver;  krebe  =  Gerebe,  Ein- 
geweide und  kriebe,  krippe  —  Knochengerüste,  Uralt 
II,  354;  Gr.  W  VIII,  4vl;  II.  Z.  V,  356;  s.  außerdem 
Reff];  ahd.  reti»  —  nirnschale;  mhd.  rel»e  —  Ranke; 
„diesen  Wechseln  der  Bedeutung  zwischen  Gebein,  Leib, 
Bauch  würde  sich  in  der  Vorzeit  aufhellen;  es  siebt 


)  aus,  wie  aus  dem  Opferwesen  entwickelt,  aus  dem  die 
anatomischen  Kenntnisse  der  Vorzelt  entsprangen", 
Or.  W.  VIII.  491).  —  Rebe,  l.  =  die  rankenfdrmig 
geschlungenen  Baucheingeweide,  Gedärm.  — 

2.  =  Eingeweide  überhaupt.  —  3.  =  (Umhüllung, 
Gerippe  für  Eingeweide?);  s.  auch  Reil'  1.  — 
Augen-Hebe  (mhd.  ougen-röbe)  =  Auge,  als  Ein- 
geweide der  Augenhohle  (?)  (Lexer  183).  —  Ge- 
reb  (ahd.  creba,  H.  Z.  Prager  Handschr. ;  Graff  II,  354 
=  die  oberen  Eingeweide;  1424  gereb  =  Eingeweide, 
Schlund,  Hin»,  Schtn.  II,  6;  1578  greb  =  Eingeweide, 
Lunge  [Gllng],  1.  cod.;  [Elsass]  geraut»,  1770  gcralb, 
Ooethe;  E.W.  1,267),  1.  =  das  gesamte  Eingeweide 
des  Schiachttieres;  s.  Greb  (und  •).  —  2.  =  die 
oberen  (Brust-,  Herz-  und  Kopf-)Eingeweide, 
vielleicht  im  Gegensatze  zum  Geräusch  2.  — 

3.  =  namentlich  die  Lunge  (Oberost.  Jahrb.  1844, 
8.  145).  —  Grreb-  (Greb-,  GrOb)- Abnehmen.  — 
//ertc-Rebe  (ahd.  hercerebe  =  arteria,  Ü.  51)  -  das 
Herz  mit  den  grossen  Blutgefässen  als  Ein- 
geweide der  Brusthöhle.  —  Hirn-Rebe  (-Ribe) 
(nach  nyrtl,  K.  W.  88  „unentratselbar" ;  ahd.  hlral- 
reba  =  cervella;  htrnecreba  =  cerebellum,  Gr.  W.  V, 
1747;  H.  Z.  III;  12.  Jahrh.  hlrnireba  =  cerebella.  Graff 
II,  354;  IV,  1035;  hirncreba  =  cerebellum,  H.  Z.  XV, 
335).  Bemerkenswert  Ist,  dass  dabei  immer  nur  durch 
Gehirn  (cerebrum)  d.  h.  den  Inhalt  des  Gehirnschftdel- 
Rnumes  (Reff  1  (3]),  niemals  aber  durch  die  Knochen- 
hülle od.  Hirnschale  <  =calvaria,cranium,  iheca  cerebri, 
olla  capitis,  testa  etc.)  glossirt  wird;  ob  nun  Hirn- 
Kebe  s  Ilirnumschlingung,  Hirnschale  (cranium)  nach 

|  Kluge  297  Ist  (der  wie  eine  Rippe  um  das  Gehirn  sich 
windende  Knochen  des  Schädels,  Or.  W.  V,  2320.  2325), 
oder  ob  Hirn-(Ge)rebe  nicht  -  Schädeleingeweide, 
Cerebrum  ist,  bleibt  weiterer  Entscheidung  überlassen. 

rebeln.  —  rer-rebeln  (zu  Reff  1,  dazu  rewen  — 
I  ertöten.  Rochbolz  I,  138)  -  durch  übermässiges 
Abmühen  der  Spanntiere  diese  zum  Verenden 
bringen. 

reben  =  räwen  (s.  d.  n.  rappeln), 
rech  s.  räch. 

Recht,  n.  recht,  rechts  (indogerm.  reg  [regere, 
rectus];  gem. -genn.  rehta;  ahd.,  mhd.  reht  =  gerade, 
gerecht ,  richtig  ,  tauglich  ,  geschickt ,  rechtshändig, 
glücklich,  Besseres  anzeigend,  Schräder  Spr.-Vgl.  1890, 
S.  371 ;  im  Gegensatz  zu  tenk,  linkisch,  ungeschickt) 

—  Rechte,  f.  Recht,  n.  =  das  Rechte,  die  Ord- 
nung, das  Regelmässige,  die  weibliche  Regel 
Menstruatio  (c.  v.  Schm.  428).  —  rechts  =  der 
Gegensatz  zu  links  (s.  d.);  die  rechte  Körper- 
seite  ist  die  aktive,  schalfende  Seite.  S.  auch 
Räch.  —  Frauen  Recht  (1508  treuliche  recht, 
frawen  recht)  ■  die  richtige  ordentliche  Zeit  der 
weiblichen  Menstruation  (Schm.  II,  27;  Küulgssp. 
öl).  —  gerecht  =  rechtseitig.  —  (1620)  Öcrechtig 
keit  =  die  Regelmässigkeit  des  Eintrittes  der 
Frauenperiode  (Tritons  Adlh.).  —  köpf -gerecht  = 
dem  Schwindel  nicht  unterworfen,  nicht  schief 
im  Kopfe  (»ehm.  i,  1274)  —  {/»recht,  -^rrecht 

-  was  gegen  die  natürliche  Ordnung,  regel- 
widrig, Qbernatürlicb  oder  falsch  ist;  z.  B.  es 
ist  ihr  Unrecht  geschehen  zu  einem  Kinde  = 
Totgeburt,  Frühgeburt,  Kindverwerfen  (Abor- 
tus) als  falsche,  unnatürliche,  regelwidrige  Ent- 
bindungen (unrechte  Tracht).  —  Frauen-Un- 

32« 


500  Reck-Rede 


Redde— Reft 


recht  =  die  unregelmäasige  weibliche  Periode 
(Schm.  II,  27)  (».  auch  richten  u.  Reck).  —  (lö.Jahrh.) 
Mnmrecht  werden  (  =  fabelisare,  fachelizare,  I).  223) 
=  fantnsieren,  delirieren.  —  rechte(r,»V  Aus- 
mit,  Flut»,  Gliedencch,  Händigkrit,  Krankheit, 
Plcuresrh,  Seite,  Seitenstechen,  Trag  (Tracht), 
Wendung. 

Reck  S.  Rick. 

Rockel,  s.  räch. 

recken  (gem. -germ  rigo[porrigo-  «rwkcu] ;  ahd. 
recken;  altnord  alf  reki  —  Verriehtung  der  Notdurft, 
weil  man  die  Elben  vertreil>*n  wollte  durch  da*  Eul- 
gegenrecken  der  posteriore,  Maurer  II,  5S.  Anui.  39 
II,  206;  mhd.  recken  -  aus*trecken,  ausdehnen,  Kluge  J, 
297,  tuhd.  recken  =  »eine  und  anderer  Glieder  aus- 
dehnen, foltern,  Gr.  xv.  viii,  447)  =  brechen,  Brech- 
neigung haben  (Falke  II,  2291.  —  auf  recken 
in  die  Höhe  strecken,  %.  B.  die  Füsse  (Giegel, 
Gigen)  heim  Verenden  der  Tiere  (Tirol;  Wolf; 
Nürnberg;  Fromtn.  VI.  273).  —  aus  recken  (1  II", 
ndd.  dal  vt  reckent  =  tentigo,  D.  II,  861)  =  erigere, 
herauaragen  (vom  Penis).  —  (1609)  rrr-recken 
(frecken)  (holl.  verrekken  =  verrenken;  an»  der  pein- 
lichen [poena]  Gerichtsprachc  ftir  da»  gänzliche  <;«- 
»trecküwin  der  Glieder  de»  Gepeinigten  durch  den  fol- 
ternden Henkersknecht  [  =  Racker]  ubertragen  auf;  i 
aufholen  heim  Todeskampfe  die  Glieder  «n 
recken,  Todesstarre  reigen  (bei  Mensch  u.  Tier) 
(Guar.  Regl»t)  (  =  verrenken  2).  —  (1515)  Zert- 
Reckung  (  =  tentigo.  I).  578)  =  Krectio  peius  t  x 
tenligine. 

Rede,  f-  reden  (vorgerm.  rat  [ratio,  7.ahl];  germ. 
rath  ;  goth.  rathjan  =  zahlen,  rathjo  =  ratio  ;  abd. 
radinön,  redla;  mhd.  reden,  rede,  Kluge*.  .".W;  1697 
red,  roed,  Schm.  11,  54)  -  sprechen,  Sprache  vs.  d  ), 
der  Klang  der  Stimme.  —  die  Rede  liegt,  ist 
verfallen,  vergangen,  verlegen  =  gebrochene 
Stimme,  heiser,  verdürben  durch  Krankheit 
(iJthmung)  der  Sprechwerkzeuge  (Schm.  I,  M60; 
II,  M).  —  von  der  Leber  reden  f.  rlUUwn.  — 
abreden  (i4«2,  schm.  D,  55;  Zw.  22,  e.  w.  1,  4)  - 
Delirium  febrile,  Insipientia,  irre  reden,  fanla- 
eieren,  delirieren.  —  (1503)  an-,  aiu  reden.  1.  = 
abkosen,  abreden  (s.  d.),  absprechen,  von  dem 
Gewöhnlichen  o.  Normalen  abweichend,  fehler- 
haft reden,  Delirium.  —  2.  -  heEaubern  durch 
Ansprache  (Grimm)  —  auf  reden  -  über  den 
Berg  schwätzen,  delirieren  im  Fieber  od.  Schlafe 
(Wolf  ,  Schm  I.  90;  II,  55  [  -  verderbte»  :  Abreden]).  — 

Bauch  -  Redner  (Mtt  ventrHo<imi«,  praaeazuator, 

I>.  611;  togastrlmylhosGalenl,  Krau»,  K.  359)  =  einer, 
der  M  spricht,  als  ob  seine  Stimme  aus  dem 
hohlen  Bauche  komme;  eine  Uln»ion,  die  dadurch 
gelingt,  da«»  «1er  betr.  Bauchredner  es  »errang,  au 
Stelle  der  wahren  Stimmbänder  de*  Kehlkopfes  die 
Gaumcnsegclfnlten  in  Sltmmbänderform  zur  Tonbil- 
dung  zu  »pannen  und  in  einen  nahezu  spitzen  Winkel 
gegen  einander  zu  stellen,  so  das»  die  Mundhohle  zum 
Kehlkopfe  wird  und  die  Stimme  eine  Resonanz  erhttlt. 
als  ob  »le  ni*  einer  grosseren  u.  tieferen  Hohle  kommt, 
Kngastritnyihoa,  Pythoiiea,  Eurykleides.  — 
/■<?A/-reden"=  abreden.  —  irr*  reden ■  delirieren. 
—  (1582)  »»reden  =  sprachlos  sein,  gelähmt  in 
der  Sprache  (Eonic.  UV  —  JLede-Sucht 


Rede,  Rete,  Redde,  m.  =  Ritten  f>  d )  (Gr.  w 

VIII,  1052). 

Ree  s.  räch,  Retr,  Reh. 

Reff ',  n.  (Indogerm.  rvbta  —  rmschlingung,  Win- 
dung; germ.  hrefo,  Kluge*,  297.  298;  ahd.  href  =  vulva. 
nienis,  ventcr,  Gr.  W.  VIII,  491;  ref  =  cadaver,  H.  Z. 
V.  3-6;  Graft  II,  S54;  IV.  1154;  revo,  hrefa,  hret  = 
Bnut.  Unterleib  [Lege»  Baiunav.  et  Alam  ],  Schmtller 
II.  66;  hreo  m  veretrum  ruulicbre.  cadaver.  corpus, 
•  irall  I.  617;  IV,  1131;  reu,  href  =  uteru».  Schmeller 
II,  66;  Waekern.  234;  15.  Jahrh.  r'ue,  reve  =  cadavera, 
utumus,  atomu»,  D.  57;  angls.  hrif  =  Eeih,  corpus. 
Kluge8,  259 ;  ein  vermutlich  auf  der  heidnischen 
Opfer- Anatomie  stammendes  Wort  für  den  inneren 
Teil,  namentlich  für  die  Sehlingen  des  Gedärm«,  die 
beim  blutigen,  auf  dem  Re  Brette  ausgestreckten  Opfer 
herausgenommen  wurden  [cruor,  goth.  hraiw;  ahd. 
hre;  mhd.  re  =  Eeiche,  Totenblut],  Gr  W.  III,  1465). 

—  Reff1,  Las  Bauch  mit  (ierebe,  Darmschlmgen, 
namentlich  mit  inneren  und  Äusseren  weih- 
lichen Genitalien  (s.  Fud).  —  2.  =  der  tote 
Körper  und  da«  Totenblut  auf  dem  He-,  Köwe- 
Stroh,  betw.  Re-Brette  (».  Verf  Baum  n.  Waldkult 
S.  34;  SImrock,  U.  D.  M.  *,  293.  0.  B,  V.  Monath.  1S94, 
Nr.  3;  Ur-jucll  VI,  48.  77;  Rochholl  I,  13).  —  3.  = 
die  Hirnrebe  (s.  d.)  oder  das  Gehirn  als  Fin- 
geweide des  Hirnschädels.  —  Mittcl-Heff  (angl«. 
midhriff;  engl,  midriff,  Lcht.  30)  =  das  Zwerchfell 
als  die  Mitte  des  Gerebes  oder  der  Eingeweide 
(Kluge*,  259).  —  (1482  7Va</-Reff=  der  schwangere 
Uterus,  die  Bürden,  Watsack  als  der  die  Pracht 
tragende  Teil  der  Eingeweide  (Zening.  Voc.  uq7). 

—  rcr-rebeln  e.  rebeln.  —  Reff-Fdrt,  -wund. 

Reff*,  n.  Reft,  n.  Rifft,  n.  (germ  hrefo.  goth. 
hrip;  ahd  ref.  href,  refta  =  Traggestell,  Graff  III,  129. 
Kluge*,  298;  Schmeller  II,  66;  mhd.  reff  —  Gestell  zum 
Tragen,  Sparrenwerk;  1675  rifft  —  »celetum,  Hyrtl. 
K.  W.  129;  [Bayern]  reft  =  Traggestell,  8chw.  542; 
[Schweiz  u.  Schwaben]  reff  ^  Gestell,  1.  c. ;  Gr.  W.  V. 
777  =  Kreide  oder  Tra«korb ,  mit  diesem  verglichen) 
1.  =  das  Zahnretl  (s.  d.)  (Schwaben;  Gr.  W.  V,  777). 

—  2.  -  das  alte,  dürre  Weib,  das  solche  Retl- 
tahne  (s.  d.)  zeigt  (Schm.  II,  66).  —  3.  =  die  tragen- 
den Knochen  (wie  Brustkorb)  als  knöchernes 
Sparrenwerk,  Skelett.  —  4.  =  der  Rucken  als 
ein  solches  Tragirestell  (Gr.  W.  VIII,  490;  Altmarkj 

—  ßein-Reft  {ahd.  beinrefta,  Graff  III,  129)  ss  das 
Beinuestell,  das  den  Körper  tragt.  —  Grreffel, 
Öfliff,  ßfTiffel  =  da»  Gerippe,  das  gewarnte 

Gebein  (Schmeller  II,  67).  —  (1592)  Kinn-  J 

—  die  Kinnlade  als  Zahne  und  (Kinnref!-) 
Billern  tragendes  knöchernes  Gestell  (kynreyff, 

■  Beb.  307;  Gr.  W.  V,  775  «ub  c  u.  779).  —  (1717)  Steg- 
Reff  (Kail")  =  Stegreif,  Steighngel  im  Ohre, 

,  Stapes  (Abrah.  II,  259).  —  Znhn-Rett,  1.  =  (1521. 
1532)  Unterkiefer  (Mandibula)  als  Zähne  tragen- 
des knöchernes  Gestell  (zanreff ,  D.  316.  nyrtl, 
K.  W.  92;  Schmeller  II.  66;  Gr  W.  V.  779).  —  2.  = 
die  gesamte  Reihe  von  stark  hervorragenden 
(Kell-)  Zahnen  im  Kieferknochen  (Schwaben; 
C.  v.  Schm.  543).  —  Reff-  Btllcrn. 

Rener  s.  Revier. 

Reft  s  Reff*. 


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Regel— reich. 


Reiche-Reihe,  501 


Regel,  f.  (ein  mit  dem  Klosterweseu  au»  lat.  regula 
entlehnte«  Wort;  and.  regula  =  Ordensregel;  mhd. 
regele,  Klug«*,  298  =  da»  Kegel  massige ;  franz.  le» 
ngles.  Dorabl.  115)  =  Menses,  die  regelmässig 
alle  4  Wochen  erscheinende  weibliche  Periode 
(s.  Recht,  Geschichte,  Zeit,  Sache,  Monat, 
Mond  etc.).  —  Regel- Entleerung,  -Zeit. 

regen  (gorm.  rag  [ragen];  and.  rahl  (daitu  räch, 
rack];  mhd.  regen)  ■  etwa»  ragen  machen,  steif 
aufrichten,  sich  erheben  (Kluge5.  298)  —  (1790) 
Regner  (Rögner)  =  rauher,  schorfiger  Pocken - 
ausschlag.  —  Regung,  Anregung,  iVregung  = 
Incitatio,  der  Etfekt  der  Reizung  (s.  d.).  — 
Krankheits-Erreger = diejenigen  Stoffe(Keirae) 
oder  Ursachen,  welche  den  Körper  so  reisen, 
dass  eine  Krankheit  entsteht.  —  regen-Wiwi. 

Regen,  m.  (Indogerm.  mregh  [rlgaru  =  benetzen]; 
vorgerm.  reghno,  urgerm.  regna;  abd.  regan;  mhd. 
regen  =  benetzende  Feuchtigkeit,  die  vom  Himmel 
kommt.  Kluge»,  298).  —  Regen  -Bogen,  -Fäule, 
- Wurm. 

regieren  (reigieren),  Region,  f.  =  herrschen 

(lat.  regere  =  eine  Richtung  nehmen,  die  Schritte 
lenken,  regieren),  spuken,  geistern,  von  Seuchen 
und  Suchten,  die  der  schelmische  Bösewicht 
nach  dem  Volksglauben  bringt  (1582;  Lonlc.  294). 

—  regierende  Krankheit.  —  Region  dat.  regio, 

die  (iegend,  nach  der  man  »eine  Sehritte  lenkt;  Revier). 

—  (1529)  Ll»n$«l-Region  (Parac.  d.  imp.  B2)  = 
Lungengegend. 

Re-,  Reh,  n.  (dieses  »chou  zur  gem.-germ.  Zelt 
[raiha,  Kluge1,  298)  so  benannte  Tier  mit  gefleckter 
Haut,  sanften  Augen,  welssgerandertem  Maul,  diente 
zu  manchem  Vergl«  :lchc).  —  JLe-.lLeh  Ader,  Augen, 
-Bein,  Blüsten*,  Hecken  (n.*),  -Fuu,  -Maul, 
-Polster.  S.  auch  Rah,  räch  u.  Reff1. 

Rehme  s-  Rahm. 

rehren  s.  röhren  Rohr). 

reihen  (gern»,  wrib;  vorahd.  wriban ;  ahd.  ribau; 
mhd.  rlben,  Kluge*.  298)  -  drehen,  reiben,  reihend 
schmorten,  reibend  wund  machen,  biedere  (Gr.  w. 
VIII.  570).  —  eine  Lasche  (s.  d.)  reihen  =  cutem 
terendo  vulnerare  (<ir.  W.  VI.  210).  —  Reiber,  m. 
=  ein  Schaf,  das  die  Traberkrankheit  (s.  d.) 
hat,  wobei  es  öfters  mit  der  Nase  an  einem 
Uenenstande  wetzt  (s.  Wetzkrankheit).  —  ab- 
reihen  (sich,  von  Krankheiten)  m  wieSchmutz- 
flecken  durch  die  Länge  der  Zeit  Bich  allmählich 
verlieren  (Ärtxtl.  V.-Bl.  189ü.  ns).  —  abgeriebene 
Mosen.  —  ««/"reiben  -  Erythem«  cutis  per 
pressionem,  die  Oberhaut  bis  zur  offenen  Wunde 
reihen,  so  dass  das  sogen,  rote  Fleisch  (le  loup, 
s.Wolf)  sichtbar  wird  (»ehrend  ZI).  —  aus-reiben 
=  durch  starko  Reibung,  Zerrung,  Drehung 
ein  Glied  aus  seiner  Verbindung  bringen 
(Luxatio  z.  B.).  —  tctmrf-reiben  -  aufreiben  bis 
zum  Wundsein,  intertero,  Intertrigo,  Para- 
trimma  (üioscori.lis),  afterfratt,  Wolf  etc. 
IZ.  Hdb.  d.  sp.  I*.  n.  Th.  XIV.  1.  31)9,  Anm.).  —  Reib- 
Xagel. 

reich.  -  Sc/imer«m-Reich,  L  =  ein  Mensch 
mit  vielen  Körperleidon  behaftet.  —  2.  =  ein 
empfindlicher  Mensch,  <ler  so  thut,  als  ob  er 
viel  Schmerzen  hatte  (Scamellcr  ll,  557). 


Reiche,  f.  s.  Reihe. 

-reichen  (ahd.  relhhcn  =  recken,  sieh  bis  zu  einem 
Punkt  erstrecken  ;  mhd.  langen,  erreichen,  Kluge*,  299). 

—  (1592)  Anreichung,  m.,  f.  =  eine  Pferdekrank- 
heit, die  sich  an  deren  Vorderfüssen  durch  das 
anrührende  Erreichen  derselben  mit  den  zu 
weit  vorgreifenden  Hinterfüsseu  beim  Laufen 
ausbildet,  wobei  dieselben  durch  das  Einhauen 
blutig  getreten  werden  (ür.  W.  I,  425;  Schindler 
II,  13;  Mayer  122;  Seb.  177;  [F.lsaas]  Anrieh,  E.  W.  I,  54) 
(s.  aucli  Anrach). 

reiden  (ahd.  ridan  =  tor«|iiere ;  mhd.  riden  —  seitlich 
bewegen).  —  (1483)  Augen  -  Reiden  =  seitliche 
Augen bewegung  (c.  v.  Megbg.).  —  verreiden  ■ 
ganz  Beitlich  drehen,  verrenken  (Schmeller  II, 
53.  58).  —  Reid- Haar. 

reidig  s.  Räude. 

Reif,  m.  (ahd.,  mhd.  reif,  rayff  =  Seil,  Strick, 
Band,  Fessel,  Kreis,  Kluge*.  299),  1.  =  kreisförmige 
Anschwellung  an  der  Krone  des  Pferdehufes 
(s.  Ringbein)  (Gr.  W.  VIII,  621).  —  2  =  der  Steg- 
reif (s.  d.),  Steigbügel  (stapes),  ein  Knöchelchen 
im  Ohr,  das  mit  einem  solchen  ob  seiner  Form 
verglichen  wird  (Hyrtl,  K.  W.  146).  —  3.  -  s.  Reff*. 

—  jfiTtnn-Reif  =  Kinnrelf.  —  (1601)  Steg-,  (1606) 
SfVirj-Reif  (ahd.  stegareif;  17.  Jahrh.  stclgeracuff, 
Hyrtl,  K.  W.  146  =  ursprünglich  ein  ovaler  Holzrclf 
zum  Stehen  (stapes)  auf  dem  Pferde;  damit  verglichen) : 
das  Gehörknöchelchen  (Reif  2). 

Reif*,  ED.  (oberd.)  (Reim)  (germ.  hripma;  goth. 
hrelpa;  ahd.  hriffo,  rifo,  hrim;  mhd.  rife  =  gefrorener 
Tau  ;  mit  der  winterlich  bereiften  Flur  vorgleicht  man) : 
dio  ergreisenden,  weissen  Haare  (Orines  capitis) 
(<ir.  W.  VIII,  621)  s.  Winter. 

reif  (germ.  rip  -  schneiden,  ernten;  ahd.  rill  = 
zum  Schneiden  erntereif;  mhd.  rife;   1561  reyfl  = 
maturus,  zeilig,  Kluge*,  299).  1.  =  körperlich  ent- 
wickelt, mannbar.  —  2  =  von  Geschw&ren  und 
pathologischen  Produkten:  zeitig  so  entwickelt, 
dass  es  von  selbst  aufbricht,  ab-  oder  aufge- 
schnitten werden  kann  („reyff  werden  wie  ein 
geschwaer".  Gr.  W.  VIII,  625  ff. ;  Schmoller  II,  67).  — 
;  früh-reit  =  vorschnell  geistig  oder  körperlich 
I  entwickelt,  wie  z.  B.  die  altklugen  rhachitischen 
Kinder  oder  die  skrofulösen  lymphatischen 
Mädchen.  —  unreif  =  unvollkommen,  roh, 
unentwickelt,  z.  B.  Samen,  Ei  etc.  —  reifer 
Staar,  Weichnelzopf. 
Reihe,  f.  Reyhe,  f.  Reiche,  f  Reischen,  f. 

Reig,  1-  (Reide,  Rein)  (indogerm.  rlkh;  germ  rihwo, 
ralhn;  ahd.  nga,  rihan  =  Linie,  Kreislinie;  mhd.  rihe, 
rige;  1506  reih,  f.  =  Reihen,  m.;  1609  reichen,  f.  = 
Leiste,  fluar.  906;  1618  reihin,  f.  =  abdomen,  lila. 
Schmeller  II,  »4;  1620  die  rcichlu  unterm  nabcl. 
Dr.  Minderer;  1632  reyde  =  reyhe  =  labia  majora 
vulvae,  Hyrtl,  K.  W.  127;  1740;  Chr.  Saui.  I,  460).  1.  = 
Reihe.  Linie  (Linea),  die  durch  gleichmäßig  gerichtete 
Stiche  oder  Einschnitte.  Vertiefungen  gekennzeichnet 
Ist.  —  2.  =  die  vertiefte  Linie,  die  sich  am 
menschlichen  Körper,  da  wo  der  Oberschenkel 
sich  an  den  Bauch  schliesst,  bildet,  Leistenbug, 
Leiste,  Regio  inquinalis  (Ur.  W.  VIII,  636;  Hyrtl, 
K.  W.  128).  —  3.  =  Schamgegend,  Rima  vulvae, 
üemächtreihen,  immus  venter.  —  Ge-reihen 


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Reihen— rein. 


15.  Jahrb.  greyn,  D.  298  =  lnqaina)  =  Leistengegend. 

—  (1681)  Gemächt-B,eüien  =  Reihe  3  als  Schara- 
oder  Geraächtlinie  (Reihen)  (Hyrtl,  K.  W.  190).  — 
(1687)  Scham-'Reihe,  f.  -  Gemflolitreihen  (ur.  W. 
vni,  2122).  —  Reihen- Bein,  -Schlichten.  S.  auch 
Reisehe. 

Reihen,  m  Rein,  m.  (Reiwen)  vorahd.  wribo; 

ahd.  r!ho  =  Wade,  locus  corrigie,  poplex,  Kniekehle, 
Kniebug;  dies  nur  eine  Verdeutschung  tur  mira,  poples, 
rio  [D.  II,  238.  29»;),  niuscuH  tibiarium,  8  —10.  Jahrh. ; 
Graft  Q,  430;  D.  443 ;  mhd.  rih«  =  Fussrist  [s.  d], 
Leistengegend.  Schenkel,  Kluge  *,  299;  14.  Jahrb. 
riehen,  m.  =  Fussriicken,  Gr.  W.  VIII,  612;  1470  rain. 
reyn  =  Fusabeuge,  Fussrist,  Hyrtl,  K.  W.J  1518  ryhhen 
=  Rietgegend  am  Fusse,  H.  v.  Gersd.  64;  1692 
reichen,  m.  =  Fussrücken,  Gr.  W.j  1690  reyheo  = 
Fussrücken;  [Bayern]  rein,  reihen  =  Fussriicken  von 
der  grouen  Zehe  big  au  das  Gelenke,  8cbmellcr  II,  84 ; 
[Schwaben]  reien,  in.  —  Fussriicken,  Back  17;  [Schweiz] 
rein,  m.  =  Fussrücken,  C.  v.  Schm.  435),  1.  =  der 
erhabene  Teil  des  FuBBriickens  vor  dem  An- 
schlüsse vom  Fusse  an  das  Bein  (tir.  w.  IV.  l. 
1039)  bei  Mensch  nnd  Tier,  Res  summus,  auch 
„die  Reihe"  genannt  und  eigentlich  begrifflich 
das  Gleiche,  weil  der  Fussrist  aus  lauter 
Knochen  gebildet  wird,  die  alle  in  einer  Reihe 
(Riga,  Margo)  stehen  (Hyrtl.  K.  W.  127).  —  2.  = 
(nur  ahd.,  ■.  o.)  Wade,  Schienheinmuskel,  Knie- 
kehle (Gr.  w.  vni,  642).  —  Fus*- Reihe,  m.  = 
Reihen  1  (Gr.  w.  iv,  l.  1039).  —  obere  Reiwen  - 
die  7  Ossa  tarsi  des  Fussristes.  —  untere  Reiwen 
=  die  5  Ossa  metatarsi  unter  dem  Fussrist-,  die 
oberen  und  unteren  R.  liegen  in  einer  Reihe 
(=  Series)  (Hyrtl.  K.  W.  127.  Aam.). 

rein  (vorgerm.  kn,  krei  [cribrum,  Krisls,  %.  a.]  = 
sichten,  sieben;  germ.  hrt  -  gesichtet;  vorahd.  hreini 
=  rein,  durchgesiebt;  ahd.  reini  =  sauber,  rein;  inhd. 
reine;  mnd.  reyn,  Kluge*,  299);  nach  Gr.  W.  VIII,  i",80  n". 
l.  =  frei  von  Krankheiten  (bes.  in  der  Bibelsprüche), 
zunächst  von  solchen,  die  mit  einer  äusserlicb 
sichtbaren  Unreinigkeit  od.  Entstellung  (Masen, 
Räude,  Rocken,  Mal,  Flecken  etc.)  verknüpft 
siud.  —  2.  —  frei  von  der  Lustseuche,  geschlecht- 
lich rein,  keusch,  zierlich,  schmächtig.  —  3.  = 
frei  von  fremden,  Krankheiten  erregenden 
Stoffen,  befreit  von  denselben,  z.  B.  durch 
Nasenfluss,  Eiteraufbruch  (mnd.;  Mag.  Barth  90a; 
15.  Jahrh.  reyuer  =  naratus  [  =  catarrhus],  D.  II,  201). 

—  4.  =  frei  von  Zuchtkreuzung.  —  5.  =  voll- 
kommen, ganz  (s.  ragen,  ratrin,  rain).  —  6.  = 
nicht  mehr  saugend.  —  rein-blind,  -taub.  — 
Reinigung  fahd.  relnunga;  mhd.  retnunge  —  purgatio, 
Gr.  W.  VIII,  706  ff.),  1.  =  die  Handlung  des  Rein- 
machens,  z.  B.  des  Blutes  von  fremden,  un- 
reinen, schon  prftformiert  darin  (nach  alter 
Hippokrat.  Lehre)  angenommenen  Stoffen 
durch  Abgang,  Ausflugs,  Ausschlage.  —  2.  = 
der  zeitliche  Zustand  dieser  Reinigung,  z.  B. 
die  schon  seit  der  griechischen  Medizinschulzeit 
als  eine  Reinigung  angesehene  Menstruation, 
womit  der  weihliche  Körper  sich  von  dem  (Iber- 
flüssigen,  alten,  damit  ungesunden,  unreinen 
Blute  säuhern  sollte.  —  3.  =  dieSäuberung  durch 
den  3.  Geburtsakt,  die  Nachgeburtperiode  und 
die  dabei  ausgestossene  Nachgeburt  (L'laeenta, 


Ungesund,  Ungesegnet)  selbst,  von  der  sich 
der  weibliche  Körper  sftuhert,  schön  macht 
(s.  d.  Verf.  Volks-Med.  S.  203)  —  4  =  (1801)  die 
Hämorrhoidenblutung,  die  man  seit  Celsus  l>ei 
Männern  als  eine  Stellvertretung  der  weiblichen 
Reinigung  ansah  (Wclckard  157).  —  5.  =  der  Ab- 
gang des  Kindspeches  hei  Neugeborenen.  — 
Reinigangs- Periode.  —  (1&.2)  J?/«<-Reinigung 
=  die  Säuberung,  Mauserung  deB  Blutes  von 
fremden  giftig.  Stoffen,  die  im  Blute,  Uterus  etc. 
sich  befinden  (Aussatz,  Lochien,  Mikroben, 
Salze  etc.)  (Gr.  W.  VIII,  707).  —  (1807)  Geburt- 
1  Reinigung  =  die  Reinigung  3,  wodurch  sich  die 
I  unreine  Mutter  (Uterus)  säubert,  richtet,  schön 
1  macht  (Aekerm.  467).  —  ha .  k  ü  -  rein  (Henneh.. 

Spleas  II,  90)  (von  den  Eingeweiden  des  Schlacht- 
i  tieres)  =  so  reinlich  ausgeweidet,  dass  das 
!  Fleisch  am  Hacken  öffentlich  ausgehangen 
werden  kann.  —  (1418)  männische  (möndische), 
(1592)  Monats-,  (17:*)  monatliche  Reinignng  = 
Menses,  Menstrua,  Reinigung  2  (A.  v.  H.  I,  992; 
Schindler  I,  1608;  Seb.  389;  mtl.  bubinarlum  —  la 
sangue  della  femlna,  bubiuarc  —  sanquine  inquinari 
muliebri  menstruo,  Du  Cange  I,  7C4 ;  bobiuare  =  per 
mulieris  menstniae  sangninem  inguinale.  Du  Gange  I. 
683;  D.  77;  II,  56)  =  Reinigung  durch  die  Pubes; 
(1726)  verstopfte  Monatsreinigung  —  das  Auf- 
hören oder  Nichteintreten  des  weiblichen 
MonatfiuBses,  den  man  als  verstopft,  gehemmt, 
unterdrückt  annahm  (Thes.  «an.  Br.  245).  —  (1564) 
AWur-Reinigung  -  die  weibliche  Periode  als 
Frauen-Natur  (s.  d.  u.  Purgierung),  durch  deren 
naturgemässen  Abgang  das  Frauenblut  sich 
säubern  sollte  (Gr.  W.  VIII,  1868).  —  n  -rem, 
Unreinigkeit  (1421  vnralulgung  =  coniagiura  D.  II, 
110;  1468  unrein  ■"  glandula,  D.  194;  unreyno  -  con- 
tagiosus;  ndd.  unreynichelt  -  carte*,  D.  101.  146). 
1.  sb  die  Nachgeburt  (Placenta)  hei  Mensch  und 
Tier,  deren  Zurückbehaltung  im  entbundenen 
Uterus  zu  stinkenden,  jauchigen  Ausflüssen 
Veranlassung  gibt  und  nach  alter  Erfahrung 
daher  als  „Unrein"  galt,  bis  sie  ganz  ausge- 
gossen war;  solange  der  I.ocblenuuss  dauert,  bis 
zum  Kintritt  der  nächsten  Periode,  galt  schon  nach 
ultjudlschem  Gesetze  die  Kntbuudcuo  als  unrein 
(Zaraath ;  contaglosus),  eine  Anschauung,  die  sich  auch 
im  deutschen  Volksglauben  bis  auf  die  Jetztzeit  erhalten 
hat.  —  (1651)  Frauen- Unreinigkeit  ~  nach  der 
Gehurt  (Bock  295)  -  blutiger,  eitriger  Lochten- 
oder  Wochenflu.HS.  —  2.  =  die  sonstigen  Aus- 
leerungen des  menschlichen  Körpers,  z.  B. : 
a)  durch  den  Dnrm  als  Mekonium,  Kindspech; 
(1783)  Darmunreinigkeit  des  Kindes  (Stein  n,  71) 
oder  als  sogen,  unreine  Flusse  (aus  dem  Harme, 
8.  d.);  b)  durch  den  Magen  oder  Darm  als  gast- 
rische Unreinigkeit  ,,'ler  ersten  Wege"  (s.  d.) 
(Hufcland  234 ;  14. — 15.  Jahrb.  unreinechelt  des  magens, 
J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  1I0J  =  Magen-Harmschleim 
mit  Magen-  und  Darminhalt  (Saburra)  incl. 
Gärungspilze;  c)  durch  die  Haut  als  sogen, 
kritische  Hautausschläge  (Haut-Unreinigkeit), 
auch  Eiter  (Drüseneiter);  d)  durch  tlie  monat- 
liche Periode  als  möndische  Unreinigkeit  (uis 
maenisch  unrainickait,  Schm.  I,  1608)  oder  e)  durch 
die  unreine  Mutter-Materie  (1632)  =  Fluor  albua 
(Fries  72).    Nach  dem  (mnd.)  Magister  Bartholomaus 


uigmzeo 


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rcinefeeren— Reiße. 


Reisel-Reiss. 


503 


(91  b)  war  „das  Frauen-Mcnstruum  wunderlich  gestaltet ;  I 
da«  weU»  selten  ein  Mann;  das  Kraut  verdorret,  die 
Human  vergeben  davon  und  welken  dabin;  es  ge- 
schieht Unterwelten,  dasa  den  Weibern  weh  wird  In 
matrice  und  ist  Schuld,  das*  die  matrix  voll  Ist  des 
quaten  Blutes;  das  erkenne  (man  so) ;  die  Augenbrauen 
werden  Ihr  also  voll  kleiner  Itlallcrn  uud  die  Augen 
werden  blutfarbig  und  es  wird  schier  das  starke  vcuer". 
Wie  sehr  die  Mondzelt  (s.  Mond)  der  Krauen  als  eine 
Giftepoche  des  welbl.  Organismus  (x.  auch  Franzosen  3*) 
angesehen  wurde,  lehrt  uus  (1620)  der  sonst  wohl- 
unterrichtete Augsburger  Keldcbirurg  Dr.  Minderer: 
„wenn  die  incnstruoslschen  Weiber  in  Zeit  der  In- 
fektion eiu  Menschen  durch  Anschauen  vergiften", 
eine  uralte  Meinung,  die  zum  Teil  noch  heute  in 
Volkskrelsen  geteilt  und  derentwegen  ,.dle  Unreluc" 
durch  ßannfornu-ln  besprochen  wird  (Schindler  183). 

—  (16.  Jahrb.  >  IVrunreinigung  (des  Leibt«), 
„welche  von  l'nkeu*chhelt  herkommt  u.  die  Krantzoscn 
u.  Spanische  Blattern  genenuet  winl"  (Kr.  Kr.  B. ;  Lonic. 
so)  =  (syphilitische)  Infektion  den  Körpers.  — 
Vieh-  Verunreinigung  (1423  vichnnralner  od.  ketzer; 
er  wer  ein  sodoinlta  oder  daz  er  Vieh  veruiigeraint 
oder  er  scy  ein  Ketzer,  Schm.  II,  101)  =  einer,  der 
sodomitisch  (b.  d.)  sieh  mit  dem  Tiere  verfehlt. 

—  unreine  fr,  «)  Beischlaf,  Bradem ,  Fleisch, 
Flüsse,  Geblüt,  Kranklieitm,  Mutter,  Nieren, 
Räude,  Schliemerigkeit ,  Siecht  a<j,  Venusseuche, 
Wunden,  —  (1551)  \\'cibtr-,  (UM)  Weibupersonen- 
Reinigung,  1.  -  Menstruum,  Menses  der  weib- 
lichen Periode.  —  2.  =der  Wochenfluss  (Lochia) 
(Zw.  Hl;  Gr.  W.  VIII,  707;  Bock  68).  —  Wochen- 
Reinigung  =  die  den  Uterus  säubernde  Lochien- 
Absonderung  im  Wochenbette  (b.  d.)  (Kloss- 
Baruls  II,  377).  —  Reinigungs  -  Fieber. 

rcinefeeren  (ndd.)  —  den  Korper  renovieren, 
reinigen  (durch  Abführmittel  z.  B.)  (Goldschm  73). 

reinen,  Rein,  in.  reinisch  (and.  reluo  —  ei|iius 

admissarius  s.  cmissarlus,  Bescbälhciigsl,  aus.  warauio, 
wurennum  [Dcckheugst]  uilt  Abfall  des  anlautenden 
wa,  wu ;  mit  Wechsel  der  Bedeutung ;  reinen  =  castrar« ; 
dazu  mhd.  renniseb,  reinisch)  -  re misch,  rennisch 

—  eigentlich  zur  Zucht  tauglich,  geil,  brünstig 
(«iraff  I,  97S  ff. ;  (ir.  W.  VIII,  699  700.  708;  Schw.  650). 

Remse  s.  Rinne. 

Reis,  m.,  n.  1.  —  (Ital.  riso  —  Iteiskorn,  Frucht). 

—  2.  ■  (mhd.  ris  =  dünner  Zweig).  —  Reis-.  I 

—  A  örperchen,  -  H  asser. 

Reischen  f.  Reisen,  f.  Reisten,  f.  [dtaiak  lisch 
verschlechterte  Nebenfonneu  von  Kelchen  oder  Keinen, 

dem  nur.  von  Reihe,  i.).  —  (147,))  Reiste,  Reisen 

=  Leisten  (Reibe  2)  (Schnuller  II,  161;  llyrtl,  K.  W. 
109).  —  (1681)  Gftfiäcn/*-Reisen  -  die  Leisten- 
gegend als  Scham-  oder  GemitcLtHlinie  (Reihe) 
(Hyrti,  k.  w.  io»,  Anw.  i).  —  .Yasen-Reischen  = 
der  haarlose  Teil  am  Maul  des  Pferdes  oder 
Rindes,  der  durch  die  Nasenvertiefung  und  die 
Nasenscheidowand  sich  abgrenzt  (Schweiler  II, 
IM)  (Nasen  leist»*). 

Reise,  f.  (  -  Aufbruch  [zur  Reise],  Kluge4,  300J.  — 
/»'•'//!  -  Reise  =  (umschreibender  Aufdruck  für)  Nieder- 
kunft, namentlich  nach  illegitimer  Sehwänge- 
rutlg,  well  ehemals  nur  die  Papste  in  Korn  von  diesem 
Sundenfall  Absolution  erteilen  konnten  uud  die  Be- 


treffenden dann  eine  Romfahrt  (s.  d.)  antraten;  le 

voyage  en  Kaviere  =  Reise  in  die  Schwitzbäder 
(Badestube  =  barbiere)  wogonSyphilis  (s.  Schwitten). 
Reise-  Trieb. 

Reisel  s.  Rose. 

Reisen  s.  Reisehen. 

ReiSS,  reissen  (eigentlich  zu  ritzen  [».  d.];  germ. 
writ  =  Ri*f,  KU«,  ritzen,  reisscu;  vorahd.  wrizza»  = 
reissen.  einritzen,  zerrelssen ;  ahd.  rizan ;  mhd.  rizen, 
Kluge*,  300;  II.  Jahrh.  reissen  =  Wnndscbmerz  [in 
Besprechungen],  Z.  f.  d.  A  188«.  142;  in  Besprach,  der 
Ostpreussen  ;  riethen,  rieten,  vom  Rotlauf,  das  schmerzt, 
reizt,  Frisehb.  63),  1.  =  ziehen,  zerrend  verletzen, 
verwunden,  plagen,  martern,  z.  B.  durch  die 
Rippen  reissen  =  innerliche,  ziehend  empfun- 
dene Brual  seh  merzen  machen  (Gr.  W.  VIII,  760. 
102»,  Buck  19).  —  2.  =  „reissen  heisst  auch  :  das  r 
hinten  in  der  Kehle  sprechen"  (Erbe  88):  die 
Kehle,  den  Schlund  gewissermassen  reizen 
dureb  das  breitgedrückter.  —  Reissen,  n.  1.  = 
der  Zustand  des  Gerissenseins.  —  2.  =  der 
I  zerrende  Schmerz,  z.  B.  bei  der  (Hebt,  den  Sitz 
|  wechselnd  und  diskontinuierlich,  den  der  Volks- 
|  glaube  der  schelmischen  gewaltsamen  Thatigkett  eines 
I  bösen  Wichtes  zuschreibt  und  den  es  deshalb  als  einen 
Wunndthmon  oder  reissende«,  wilde*  Tier  (s.  d.)  in  den 
wilden  Wald  zurückbannt  (Z.  f.  V.-K.  UHU,  S.  3» ;  Wultke 
302;  Köhler,  V  -B.  404;  Relnsb.  81).  —  ReiäS.  m.,  n. 
=  die  die  Gedärme  bedeckende  Netzhaut  (Omen- 
tum, Rose  lb),  die  beim  Ausädern  ausge- 
schnitten, eingerissen  wird,  wie  man  auch  ein 
geschnittenes  Schwein  „gerissen"  bezeichnet; 
(vermutlich  ein  Terminus  aus  der  alten  KastraUons- 
Technik,  vielleicht  entstellt  aus  Kose  [s.  d  u.  rcussen], 
Gr.  W.  VIII.  753;  Kraus.  K.  961).  -  reissend  = 
schmerzend  als  ob  gezerrt,  gezogen  würde,  z.  B. 
bei  Gicht-  oder  Steinleiden.  —  nb-reissen  (der 
Mutter)  —  Prolapsus  uteri,  der  Vorfall  der  Ge- 
bärmutter, den  man  dem  Abreissen  der  Mutter- 
bänder zuschreibt.  —  (1692)  auf  reissen  =  nach 
oben  öflnen,  Spalte,  Einrisse  (Rhagade»),  Schrun- 
den machen  (Seb.  98).  —  n-*4^*  I  Reissen  (schwod. 
Darm- ) 

bukrat  —  coUca)  =  zerrende  Gedärmschmerzen, 
Reissen  im  Leibe,  Coliea  (Coler,  11.  A.  206).  —  (1756) 
«n-reissend^  ruckweise  zerrend,  plagend,  hin- 
zuckend, tiefgreifende  Risse  in  etwas  machend, 
wie  ein  Wolf,  ein  Drache  oder  Untier  sein 
Opfer  ergreift,  auch  von  Seuchen  (Z.  B.  56).  — 
cnfetm-reissen  (der  Nervenfäden)  (Alpbg.  54)  = 
ruckweise  eintretende  Zerrungen  der  Sehnen 
beim  Fraisenanfalle.  —  Fuss- Reissen  -  zer- 
rende Podagra-Schinerzen(Wuttke295).  —  Glieder- 
Reissen  (Reiss- Mathias)  =  ziehende,  rheuma- 
tiscbe  oiler  gichtische  Gelenkschtuerzen,  die 
das  Gefühl  veranlassen,  als  ob  etwas  zum 
Gliede  herausgerissen  würde  (vasomotorische 
Reizung  bei  Witterungswechsel  z.  B.)  (10% 
gross  Reissen  in  allen  Gliedern,  ßchrerer  I,  60).  — 
Oht  m-ReisBen  —  zerrender  Ohrenschmerz.  — 
»M«f<  r-  reissen  (einen)  —  am  Gliede  zerrend 
Onanie  treiben  (Gr.  W.  I,  1176).  —  (17.  Jahrh.)  zer- 
reissen  =  beratend  ganz  zerfallen,  z.  B.  am 
Damme,  an  der  Lunge  (R.  A  278;  Coier,  w.  351). 
—   /.  .■  reissung  (15.  Jahrh.  czereyssunge  -  hernla 


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."»04  ReisFtnatismus— reiten. 


reiten. 


ruptura)  -  Bruch  als  Beratung,  Öffnung  des 
Bauchfelles.  —  Zerrissener  =  arreptitius,  der 
vom  Dämon  besessene  Teufelswinnige  (D.  so). 

—  Reiss-,  reissendes  Oeblüt*,  -Oicht,  -Knochen, 
■  Krampf en,-Mathia*, -Nägel,  -Scharbock, -  Wurm. 
S.  auch  riesen. 

Reissmatismus,  n  Rcissme r dichtig  -  Rheu- 
matismus (angedeutscht;  Klclnpaul  148). 

reispeln  e.  räuspern. 
Reit  s.  Räude. 

reiten,  Reiter,  m.  (Rieder,  -rittl)  (vorgerm. 

ridh,  reldb  =  im  Wagen  [altnord.  reid  =  Wagen]  fahren  ; 
gein.-germ.  ridan  =  sich  fortbewegen ;  ,,dtc  Kunst  des 
Reitend  ist  verhältnismässig  erst  Jung" ;  ahd.  ritan  ss 
«ich  fortbewegen,  fahren,  reiten ;  mbd.  riten,  Kluge  s, 
800),  1.  =  auf  dem  Pferde  reiten.  —  2.  =  nach  dem 
Volkiiglauben  reiten  (besonders  weibliche)  Krankheit*- 
dftmonen  In  den  Schwärmzeiten  der  ethischen  Geister 
auf  Menschen  und  Pferden,  indem  sie  im  Schlafe  auf 
denselben  aufhocken,  quälend  Ms  zur  Verwirrung  sie 
drücken  (zäumen,  bandigen)  und  so  das  Unlust- 
gefühl  im  Alptraume  (s.  d.)  erzeugen  (Lalstner  I, 
171,  II,  222;  Gr.  D.  M.  I,  433;  Reiser  I,  177;  Blrlinger, 
B.  I,  «0;  Schwanz  382).  —  3.  =  coire  (vom  männ- 
lichen Tiere,  Reitstier  z.  B.;  auch  übertragen 
auf  das  weibliche  besprungeneTier)  (Gr.  W.  VIII, 
776;  engl,  bedrite  =  eheliche  Pflicht,  Kaluchm. ; 
dieses  Reiten  3  wird  auch  z.  T.  beim  Reiten  2  der 
elbischen  Geister  Im  Alptraume  [s.  Alpminue]  anzu- 
nehmen sein ;  altn.  ridu  =  das  Reiten  der  Unholden  j 
gandreld  —  gespenstiger  Reiter,  der  das  .Sterben  voraus- 
sagt, Maurer  II,  123.  419;  es  war  strafbaft,  wenn  man 
einer  Frau  vorgeworfen  hatte,  das«  sie  (als  Hexe  oder 
Trade,  s.  d.]  einen  Mann  (Im  Alptraume)  oder  dessen 
Dienstleute  reite,  Maurer  II,  419;  dazu  koelldrida  =  im 
nachtl.  Alptraume  bis  zur  Alp<iual  reitende  Dämonin ; 
tnyrkrlda  =  Im  Flüstern  reitende  Damonln,  Maurer  II, 
104 ;  16.  Jahrb.  der  tewfel  der  die  trawen  reyt  =  lncubus, 
D.  293);  die  Folgen  dieses  Reitens  2.  3.  sind:  wütende 
Erregung,  krankhafte  Aufregung,  Brünstigkeit ; 
(daher  ndd.)  im  Ritt  (Ried)  sein  m  betrunken 
(Schneller  II,  179;  holl.  rijden  — in  Zorn  geraten;  doen 
rijdcn  —  in  Zorn  bringen  [wie  durch  reitende  Dämonen), 
Zur  Sicherung  des  Pferdes  vor  dem  Dämonenritte  und 
dessen  Folgen  stellt  der  Flatnländer  deshalb  einen 
Bock  zum  Reiten  ein  in  den  Pferdestall,  De  Cock,  V.-K .). 

—  4.  =  s.  Räude  u.  reiden.  —  5.  =  auch  der 
Tod  (s.  d.)  reitet.  —  Reiter,  m.  =  das  besprin- 
gende, reitende  (3)  Tier,  auch  das  bockende 
Mutterschaf  (Falke  II,  SU ;  altnord.  grädr  —  Relt- 
stlcr,  Weinh.  52).  —  2.  sa  die  Reitlaus  oder  Räude- 
laus  (aus  Mlssverstftndnls  zu  „reiten"  gestellt;  dieselbe 
wird  mit  der  „Relter"-Salbe  behandelt ,  Gr.  W.  VIII, 
780).  —  reitlings,  rittlings  -  mit  nach  Reiterart 
gespreizten  Beinen  stehend,  gehend  od.  sitzend 
(Gr.  w.  vin,  78«).  —  4/>(»-reiten  s.  o.  und 

S.  12b  XIII  (Lalstner  I,  342;  altn.  ilbrreldr,  wie  ein 
reitender  Elbe  am  Fuss  gebrechlich,  plattfüsslg,  Weinh. 
280).  —  <4r«cAtcö7/-Reiter,  1.  =  Arschwolf- Räude 
(Räude;  Erythems  intertrigo),  der  Zustand  des 
fruit-  oder  rauhsein  am  Alter  durch  den  sogen. 
Wolf  (Gr.  Vi.  II,  117).  —  2.  =  derjenige,  der  sich 
einen  solchen  Wolf  geritten  hat,  d.  h.  durch 
das  Reiten  afterfratt  (räudig)  geworden  ist 

(S.  Hdb.  d.  KD.  P.  0.  Tb    XIV,  309;  Aum).    -  Gc- 


|  reitl  (Greitel),  f.  =  Gratl,  Gradel,  Grall,  Grätl 

!  (s.  d  ),  Gredel,  Grell,  Grit,  Grittl,  Gridl,  Grill, 
Üritten,  Grite,  Urttll  =  G'ritt,  f.  G'rittel 
(Grill)  Grittela,  f.  =  Schenkelötthung  oder  die 
gesamte  Stelle  am  Schenkel,  die  beim  Reiten 
gabelförmig  eich  öffnet,  Damm  (Perineum)  und 
der  Winkel,  den  die  Beine  dazu  bilden  (Schw. 
262,  Buck  17;  Schm.  I.  1017).  —  dritter  -  einer 
mit  gespreilzter  Gangart  {Bnck  12).  —  wildes 
Ge-ritt  —  wilde  Jagd  im  Volksglauben  des  Puster- 
thaies ;  die  Schar  der  reitenden  elbischen  Weaen, 
II.  A.  Rh.  190).  —  Grittel-Spfrrf.  —  Mahrt-, 
J/rtrcri-Ritt  (dän.  rnare  rid;  13.  Jahrh.  noc  mich  dy 
mare  rite.  Silz.-Ber.  1867,  7;  Brandbg.  martriden. 
Engel.  124;  Schell  40. 165)  =  das  Reiten  2.  3  im  Alp- 
Traume  mit  Lust-  oder  Unlustempfindungen 
durch  den  od.  die  Reitmar;  die  Volksmedizin  im 
Westfälischen  (Schell  40.  165)  verlangt,  dasa  man  zur 
Verhütung  des  Marenrittes  den  Urin  (Gliedwasaer)  in 
einer  Flasche  aufhebe,  d.  h.  vor  der  Mar,  die  die  Pol- 
lutionen veranlasst,  verbirgt.  —  J/omif-Reiterei 
das  alle  3 — 4  Wochen  auftretende  Rindern  (Be- 
gattendes Reiten)  od.  der  erhöhte  Geschlechts- 
trieb bei  der  Stier-  od.  Perlsucht  (Tuberculosis) 
der  Rinder  (Zlpp.  562;  Falke  Ii.  131).  —  TeufeU- 
Reiter  ■  nach  dem  Tiroler  Volksglauben  ein  nach 
Teufelsart  auf  dem  Vieh  reitender  Dämon  [Kascrmandl], 
welcher  die  Kuhe  dabei  erwürgt  (Alpbg.  168).  — 
7*0&n-Reiter  =  ein  reitendes  Gespenst  des  Volks- 
glaubens, das  den  Tod  voraussagt  (Vera.  106).  —  über- 
reiten,  -Ritt=  Kreuzlähme  der  Kühe  angeblich 
infolge  des  zu  heftigen  Ritt  5  (s.  u.)  durch  den 
reitenden  (3) Stier  od.  durch  den  Dämon  (Falke  II, 
»84;  Z.  f.  Ü.  V.-K.  1896.  150;  wird  besprochen).  — 
Wal  Reiter,  -Ritteraken,  - Rütclien  (Ostfrieal.  wAl -. 
wülriedcr;  Oldenbg.  walridcrske ,  walrüschen  ,  Gold- 
sehmidt 101.  105;  Wuttke  256;  Urquell  II,  191 ;  Z.  d.  V. 
f.  V.-K.  1893.  392;  walrlder  =  dal  undeert  rittem,  II.  A. 
Rh.  417;  ndd.  wal-,  vael  ridersken  =  Mar,  Maurer  11, 
95;  zu  angls.  walu  =  Stock,  also)  =  Stockreiter, 
Zaunreiter  oder  Reitmar  (s.  d.);  nach  dem  Volks 
glauben  ein  alter  weiblicher  elbischer  Krankhelu- 
dämon,  der  sich,  1.  =  als  lncubus  auf  die  Brust 
des  Schlafenden  im  Alptraume  setzt,  so  dasB 
dieser  „es  uuterm  Herzen  hat"  oder  „die  Wal- 
riderske  hat  ihn  unter'*  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1893.  392) 
und  er  beschädigt  ist  von  derselben  in  seiner 
Gesundheit.  —  2.  =  ein  in  der  Galluswoche 
(Mitte  Oktober,  Altweibersommer,  iu  dem  die  Marien- 
fäden fliegen,  Altwelberwoche,  Schwarmzeit  der  flie- 
genden Elben)  geborenes  Kind ;  oder  auch  3.  = 
das  7.  Mädchen  in  einer  durch  keine  Knaben- 
gehurt  unterbrochenen  Reihenfolge:  die  Zahl  7 
(s.  d  )  macht  dies  Mädchen  zur  Marbexe,  Nachtmar 
(vgl.  Wehrwolf).  —  4.  =  die  Walridersken  ver- 
wirren wie  Alp,  Mar  etc.  die  Haare  bei  Mensch 
Oder  Tier  (Lalstner  I.  53.  90;  II,  355).  —  5.  =  sie 
saugen  auch  den  Kindern  die  Milch  aus  (  =  Ma- 
stitis neonatorum).  —  WolJ Reiter  =  Arsch- 
wolfreiter, Reitwolf.  Zaun  Reiter:» (13.  Jahrb. 
vir  den  zeunriten,  Büz-ßef  1807,  161  j  Bdda,  Ran 
mal :  tun  ridur.  Golth.  117.  119  ;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1893. 
392;  Maurer  I,  684)  =  die  auf  Zaunstöcken  reitende 
Walreiterin ,  die  u.  a.  Alpdruck  macht;  nach 
uraltem  Volksglauben  reiten  und  drucken  solche  Dä- 
monen auch  leblose  Gegenstände.  -  Reit-,  reitende, 


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Reiz— Renke. 

Reiter- Knochen,  Laus,  Mar,  -Stier,  -ttützig, 
•  Wolf,  -  Wurm. 

Reiz,  tu.  reizen  (Factitlv  zu  reisaen  [s.  d.]  —  reisacu 
machen,  machen,  das*  etwas  aua  sich  heraustritt;  ahd. 
relzzan;  mhd.  reiücn,  reizen.  Kluge  •  300)  =  den 
naturgemäßen,  physiologischen  Ansloss  zur 
Erregnng  (der  Muskeln,  Nerven)  geben,  die 
Nervenendigungen  zur  Empfindung»-  oder  Be- 
wegnngsveränderung  anregen,  nach  den  Lehren 
des  sog.  Brownianismus  (1780).  —  Reiz,  m.  1.  = 
dasjenige,  was  reizt.  —  2.  =  die  Lust-  oder 
Unlustempfindung  beim  Reizen.  —  3.  =  der 
Vorgang  oder  Zustand  beim  Reizen  oder  Ge- 
reiztsein durch  etwas;  der  Reiz  kann  sich  bis 
zum  Schmerze  und  zur  Entzündung  steigern. 

—  (näfl)  Reizbarkeit  =  Irritabilitas  (Hauer),  In- 
citabilitas  (Brown),  das  Vermögen  der  Gewebs- 
fasern  (Nerven,  Nervensystem,  Muskeln)  des 
Organismus,  auf  erregende  Reize  hin,  Empfin- 
dungen, Bewegungen  (Entzündungen)  zu  ver- 
anlassen oder  auszulösen,  eine  Grundeigeo- 
schaft  der  lebenden  Stoffteile  des  tierischen 
Organismus  (Haeaer  I,  695;  Richter  I,  14).  —  Brech- 
Reiz  =  (aoY,  Hippokr. ;  Fuchs  Ii,  84),  die  unruhige 
Empfindung  des  Gereiztseins  zum  Erbrechen. 

—  Qegen  Reiz  ■  der  gegen  einen  schon  vor- 
handenen krankhaften  Reiz  gerichtete,  diesen 
sozusagen  ablenkende,  an  einem  anderen  Orte 
absichtlich  erzeugte  (den  Krankheitsdämon 
täuschende)  Reiz  als  therapeutisches  Mittel.  — 
natürliche  tu  -'  Reizung  (13.  Juhrh.  relssung  natur- 
licher lost  =  appetltus,  D.  42)  =  die  Anregung  zu 
Lustempflndung  durch  natürliche  Triebe.  — 
(1839)  Ww  m  Reiz  (nach  Hecker  300)  =  der  bei 
allen  Volkskrankheiten,  namentlich  aber  beim 
Brandübel  (Ergotismus)  vorhandene.dieGruud- 
kraukheit  komplizierende,  das  Nervensystem 
erregende  Reiz  in  folge  von  Eingeweidewürmern. 

—  Beiz  Fieber,  -Husten. 

Reinsen,  pl.  s.  Ram  (Rampf,  Rämpfen, 
Krämpfe). 

Renke,  f.  renken  (vorgerm.  wreuk  [s.  Rank  ii. 
rankein];  germ.  wrlngan  =  ringen  ;  vorahd.  wrankjan  ; 
ahd.  renken  — drehend  hin  u.  herziehen  ;  inhd.  renken, 
Kluge*,  293.  300)  =  die  Glieder  drehen  u.  wenden 
Qr.  w.  viii,  806).  —  Renke,  f.  Renken,  n.  (ahd. 

renki ;  mhd.  renken ;  engl,  wrench  =  Verstauchung, 
Lehf.  247)  =  Luxatio,  die  (iliederverdrehunu 
(Lexer  196).  —  ausrenken  -  den  Knochen  aus 
der  natürlichen  Gelenkverbindung  heraus- 
winden, drehen  (Schindler  II,  123).  —  &<  renken 
(ahd.  „da  wuart  sin  vuoz  birenklf  in  einem  Segen- 
sproebe,  ür.  D.  M.  1181;  Kuhn,  Ztschr.  f.  vergl.  Spr.- 
Wlssensch.  XIII,  61)  -  den  Knochen  wieder  her- 
bei,an  seinen  Flatzeinrenken.  —  ßmi-Renke,  f. 
(ahd.  benrenki.  Kuhn,  Ztschr.  f.  vgl.  Spr.-W.  XIII,  61; 
Mullerh.  u.  Scher.  IV;  Merseburger  Segenspr.  in  H.  Z. 
XXI,  211  aul  8t.  Simeon  übertragen)  =  Bein-Ver- 
renkung. —  Blut  -  Renke ,  f.  (ahd.  bluotrenkl, 
Mersch.  Segenspr.)  =  eine  Bein- Verrenkung  mit 
starkem  Blutergusse  (Kuhn,  l.  c.  XIII,  51;  Müllh. 
u.  Scb.  IV).  —  Lid  ,  Glu  ti  Renke  (ahd.  lldlrcnki, 
Kuhn  1.  c.  XIII.  61;  Mersch.  Segenspr.)  =  Gleich-  od.  I 
Glied- Verrenkung.  —  Ker-renk(en,et),  n.,  1.  = 
die  Gelenkknochen  ganz  und  gar  aus  ihrer  I 


Renn- Hesel.  B06 

natürlichen  Fügung  drehend  so  heraus  winden, 
dasa  die  das  Gelenk  bildenden  Knochen  dauernd 
gegen  einander  verschoben  sind,  Luxatio, 
Stremma  Hippokratis,  Cbalasis,  deloueures 
(  \.  Fare)  dehoitement  (Hadr.  Jun.  397,  Dornbl.  30; 
Kthn.  M.  a.  u.  1893.  163).  —  2.  =  verreckt  (s.  d.) 
(1777  verrenkt  =  convulsus,  D.  149;  Schmellerll,  128).  — 

(1842)  Ader-  Ferrenkung  -  Fussehnen-Zerrung 
(Falko  i,  20).  —  (1742)  Gleich-  rtrrenknng  =  Luxa- 
tion der  Gliederknochen  (Zw.  732).  — -  (1782)  Halb- 
Ferrenkung  =  blosse  Ausdehnung  der  Gelenk- 
bänder ohne  eigentliche  bleibende  Knochen- 
verschiebung, Subluxatio  (M.  H.  L.  I.  411).  Auffällig 
ist,  dass  auch  diese  rein  traumatische,  nicht  diimo- 
nistiache  Beschädigung  unter  einer  Streichmethode 
auch  durch  Besprechung  (und  Anblasung?)  behandelt 
wurde  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896;  Frischb.  92;  Wuttkc  159), 
vielleicht  wurde  In  solchen  Fällen  der  Zustand  ver- 
wechselt mit  rheumatischer  Unbewegllehkelt,  od.  aus 
traditionell  fest  gehaltener  Methode  so  behandelt. 

Renn,  f.  Renne,  f.  Renner,  ra.  Rennse,  f. 
Rennsei,  n  Rennle,  n.  Rennlein,  n.  dndog.  ren, 

run  [dazu  Runst  s.  d);  gerin.  rinnan  -  (Hessen ;  alt- 
nord.  hrelnn  ;  angls.  hran  =  RennUer,  Welnh.  50;  ahd. 
rennen  =  rinnen  machen ;  14.  Jahrb..  renn«  =  coa- 
gulura,  Voc.  opt.  W.  22;  mhd.  rennen,  renne,  f. 
renny,  f.,  Lab..  Labmagen  junger  «Äugender  (Kenn]- 
Tiere,  Kaaegcrinnael,  Zen.  Voc.  r8 ;  15.  Jtthrh.  renn! 
=  sapa  [Saft],  D.  511;  engl,  rennet,  rannet  =  Lab, 

Lehf.  217;  Kaitsch.).  —  Renne,  f.  (1515)  Renn,  n.,  f. 
Renner,  m.  1.  —  das  aus  dem  Tiermagen,  be- 
sonders dem  der  (Renntier-) Kälber,  gezogene 
Lab  (s.  Lab,  Leber,  Lüpp),  das  zum  Gerinnen- 
machen der  Milch  dient.  —  2.  —  das  Milcbge- 
rinnsel  selbst.  —  3.  =  das  Kindspech  als  sicht- 
bares Zeichen  der  Gerinnung  des  Magen-  und 
Darminhalte«  durch  die  „Labe"  (aus  der  „Leber" 
vermeintlich)  (Gr.  w.  Viii,  806  .  807,  Schm.  II,  10). 

—  Rennse,  f.  (14.  Jahrh.,  ndl.)  Rennsei,  n.  = 
Kenne  2,  Lab,  Coagulum  (Gr.  W.  VIII,  814;  D.  128). 

—  (1687)  schicarze  Renne  =  Renne  3,  das  dunkel- 
farbige Kindspech  (Meconium)  als  Abgang 
der  gelabten,  gelüppten  Magenrenne  (Gr.  w. 
viii,  807).  —  Renle,  n.  =  Stigma  (D.  562)  =  die 
farbige  Stelle,  wo  auf  einer  Wunde  geronnenes 
Blut  krustig  aufliegt.  -  Renn-Afaj/en,  Schärfe. 

rennsen,  renzen,  rentzen,  1.  -  rennezen  = 
etwas  Geronnenes  öfters  hustend  erbrechen. 

—  2.  =  räntzen  -  rantzen  =  rankezen  (s.  Rank). 
(11—15.  Jahrh.  rensen,  ür.  W.  VIII,  111;  Hoflm.  I. 
322)  =  öftere  ranken  (s.  d.).  -  (iöo7)  ÄH<-rennsen 
=  geronnenes  Blut  öfters  hustend  ausbrechen, 
Uaemoptoe  (Hort.  San.). 

Repp,  f.  =  Rappe,  Rapfe,  Rappe  (s.  d.), 
Scabies,  Räude,  Ekzema  an  der  Fessel  der 
Pferde.  —  reppig  =  räppig  (s.  d.). 

reppen,  reppeln  =  reiben,  coire  (Gr.  w.  viii, 

818;  Schindler  II,  129). 

reppen,  repsen.  Repser,  m.=rö«pen  (s.  d  ), 
rülpsen,  ructari.aufsloHsen.  -  Repser  -  Ructus, 
Röpser  (Gr.  W.  VIII,  818;  Goldschm.  102). 

reren  s.  Rohr. 
Resel,  n.  s.  Rösel. 


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SOG  resch— Rheuma. 


ribich — Richte. 


resch  s.  rösch, 
ress  9.  räBB,  rase. 

Resibel,  n.  (aus  dem  fron/,  erygipcle  as  eryslpelas) 
=  Rotlauf  (Pauli  7  ;  Pfals). 
restern  -  räuspern,  ructuare  (D.  002). 
Reude  s.  Räude  (Rande). 
Reune  (reunisch)  s.  Bunne, 
reupsen,  reupschen,  reuptzen  (  =  lautmalende 

Kezeichnungcu  für  das  gleichbedeutende)  rülpsen 
(röpsen),  kotzen,  aufstoßen,  Sauglocken  lauten 
(1532,  Fries  104;  Gr.  W.  VIII,  848).  —  Reupzung 
(15.  Jahrh.  rewpzuuge  =  oxyrheuma,  D.  4021)  =  Auf- 
stossung  aue  dem  Magen,  z.  B.  von  Galle,  bit- 
terem Magenschleim. 

reuschen  =  reupschen  (l>.  271). 

Reusei,  n.  s.  Rose. 

reuspen,  reuspern  (reustern)  s.  räuspern. 

reussen  (16.  Jahrh.;  II.  Sachs;  Kluge*,  IM;  unter 
Anlehnung  an  das  altere  relssen  (s.  d.]  =  kastrieren 
(beim  Pferde) ,  welche  Methode  das  mittlere,  und 
westliche  Kuropa  von  den  Ungarn,  Russen  (Reussen) 
und  Wallachen  (s.  d.)  kennen  gelernt  hatte. 

reuten,  Reuter,  in.  (Urbarmachen,  roden  mit 
dem  Pfingsten  —  Reuter,  Kluge*,  301),  damit  ange- 
glichen :  Reuter  =  ptiugsterzähnliche  Brustbein- 
gabel bei  Vögeln.  —  Gänse -Reuter  (henneb., 
Spiess  II,  69)  —  Gänsebrustbein  (s.  Gänsebein, 
Brusthein  4,  Sprenkel  2,  Schulter)  (die  Weissagung 
aus  dem  blutbesprengten  linken  Sehulterhlatte  ron 
Ziegen  und  Schafen  bei  den  Corscn,  s.  Gregorovlus, 
«  orsika"  I,  271).  —  unter  reuten  (von  der  chrnft  u. 
von  der  hltz  des  slechtuomcs  wlrt  (der  mensch]  vntcr 
BMVtt  und  zerfuert,  Schindler  II,  ISO)  =  nach  unten 
hinausgeräumt. 

Revier,  n.,  f.  (mhd.  rlvler,  Lexer  100;  durch 
hofische  Vcrinittelung  eutlehntaus  {ranz,  rlviorc  —  Ufer, 
tiegend,  liezirk  [Kluge  *,  301]  und  durch  die  Hofjftger 
ins  Volk  gebracht)  -  (1701)  anatomische  Körper- 
gegend  (Level iug  325;  Vicrordt  66).  —  in  seinem 
Revier  sein  =  beisammen,  zu  llauso  sein,  sich 
wohl  fühlen.  —  nicht  recht  revierig  sein,  nicht 
gut  beisammen  sein  (im  gleichen  Revier),  un- 
paBBlich  sein.  —  (1740)  Xtibrl-Ravier  -  Nabel- 
gegend, la  boutei  liiere ;  c'est  Iii  qu'on  entend 
le  „clapotage"  gastrique  (iiriss  37 ;  i..  ch.  73;  Kul- 
mus  Reg).  —  un  revierig  -  nicht  reviorig,  nicht 
beisammen  seiend,  blödsinnig  iSehnieller  II,  192). 
—  revier-ÄranA. 

Rhagade,  f.  (aus  f-^fi;  Ii«:  Statut st<:  ts-r>- 
^aiuiv«  txefiaa  tot  X*&i\l  Kraus,  k.  »9i;  »u  liftwy* 
=  rei.wnjrrHaut  o.  Schleimhaut-Riss,  Schrunde 
in  schwielig  verdickter  Haut. 

Rhehe,  f.  s-  räch. 

Rhein.  —  (1260)  an  den  Rhein  gehen  (C.  v. 
Heisterb.;  Rochh.  I,  174  —  zur  Seclenubcrfahrt  bereit 
sein)  =  Stelben.  (Uber  den  Rhein  als  Totenstrom 
».  Hariner-Zcitung  1*90.  16.-30.  Mni;  Schell). 

Rheuma,  n.  Rheumatismus,  m.  Rheuma- 
tiss.m.  (oberd.)(Reissmatismus,  Reissmathias) 

(zunächst  aus  dem  frz.  rhuiuatismc  u.  dies  aus  gr.-lat. 
rheumatlsmus  —  Fluss  [s.  d.];  im  Kori>er,  mctasUsls, 
descente,  catarrhe,  rheutne,  A.  Pare ;  Rriss.  143;  rhunie. 


Dornbl.  117;  1760  le  rhumc  epldemlque  =  Influenza, 
Grippekatarrh  ,  Janus  1897.  167 ;  ndl.  rhcutnaUeck  = 
rbeumatiquo  ,  paasio  rheumaUca ,  De  Cock  308 ;  su 
£iOu,a  —  Fluss,  fluxlo,  rhegma,  rheron  1741  Rheu- 
malismus  ist  ein  Flius,  welcher  mit  Schmerzen,  auch 
wohl  Fieber  durch  alle  Glieder  fahret,  zugleich  Ge- 
schwülsten und  Hitze  erwecket,  Kirsch  1039 ;  Rheuma, 
ein  Fluss,  ein  niemal»  gesehenes  aber  doch  merkbar 
kraukhafte*  Wesen,  Falke  II,  235;  Fr.  Kr.  B.  408),  1.= 
i  Gichtfluss,  Gliederreissen,  Gicht,  Vergicht, 
Gallfluss,  Gerinn,  Rotz,  Katarrh;  lauter  Begriffe, 
die  sich  aus  der  humoialpathologischen  Schul- 
vorstellung  eines  „Plusses"  (  =  Rheuma)  ab- 
leiten ;  ein  FIubs  von  Galle  o.  Schleim  (Phlegma) 
sollte  von  den  oberen  oder  inneren  Teilen  als 
Rheuma  zu  den  äusseren  od.  unteren  Gliedern 
(Gelenke,  Muskel),  als  Phlegma  zu  den  Schleim- 
häuten fallen  od.  sinken  (s.  d.),  den  man  durch 
Gegenreize  (s.  d.),  „abzuleiten"  (deri  vare)  suchte. 

—  2.  =  die  Bezeichnung  „Rheumatismus"  wird 
seit  alten  Zeiten  bald  als  ätiologische  Bezeich- 
nung gehraucht,  bald  wird  „rheumatische"  Er- 
krankung gleichbedeutend  mit  „Erkältungs- 
krankheit". —  3,  =  der  Ausdruck  Rheumatismus 
wird  schliesslich  noch  im  Sinne  einer  in  der 
Organisation  gewisser  Personen  begründeten 
Prädisposition  zu  entzündlichem  Erkranken  der 
Gelenke  unter  dem  Einfluss  von  Erkältung  und 
anderen  Ursachen  gebraucht,  d.  h.  zur  Kenn- 
zeichnungeiner Diathese.  —  (i53i)  rheumatisch 
=  durch  Rheuma  verursacht,  mit  Rheuma  be- 
haftet, zu  Rheuma  geneigt,  rotzig  (Kraut  w.  LXXII). 

—  Gicht  -  Rheumatismus  (eigentlich  tauto- 
logisch)  s=  ein  Rheumatismus  bei  Pferden,  den 
man  früher  auch  Gicht  od.  Fluss  nannte  (Mayer 
100).  —  Tripjx  '--Rheumatismus  =  die  rheuma- 
tismus  -  ähnliche  Tripper -Gicht.  —  rheuma- 
tische r  Blutfluaa,  Krankheit,  Materie. 

ribich  s.  i  üppig, 
richsen  s.  rächsen. 

Richte,  f.  richten  (ludogerm.  reg  [regere] ;  gem  - 
germ.  rehta ;  ahd.,  mhd.  rihten  =  recht  machen.  Kluge  *, 
297.  301).  —  Richte,  f.  1.  -  Piaren ta,  Unrein,  n. 

'  Säuber,  f.  Schön,  f.,  mit  deren  Ausslossung  das 
weibliche  Tier  säubert,  reinigt,  zurecht  macht, 
(Birllnger,  Volkst.  I,  325.  491.  522).  —  2.  =  der  Seih- 
rückstand  in  der  Milch,  mit  dessen  Reinigung 
oder  Beseitigung  die  Milch  zum  Genüsse  richtig 
ist  (Gr.  w.  vill,  867.  875).  —  richtig,  1.  =  zurecht 
gemacht,  geordnet,  natürlich,  naturgemäas.  — 
2.  —  schwanger,  weil  die  Geschwängerte  einen 
naturgemässen  Zustand  hat  u.  nicht  eigentlich 
krank  ist  (s.  aber:  krank,  da*  anch  schwanger 
bedeuten  kann).  —  er  (es)  ist  nicht  richtig 
(mit  ihm)- nicht  hei  gehörigem  gesunden  Ver- 
stände, sondern  geisteskrank  (s.  Delirium).  — 
«n-richten  B.  B.  die  Glieder,  den  „verstauchten" 

'  Magen  wieder  an  seinen  rechten  Platz  und  in 
geordnete  Punktion  bringen  (remettre).  —.Ent- 
richtung =  der  nicht  geordnete,  entrichtete,  ab- 
norme  Zustand  eines  Organes  (tielenk,  Magen, 
Gehirn)  Dissolutio,  l.uxatio  (Schmeller  II,  35).  — 
Mugen-A'nirichtnng  (IIa,  1MB,  Tahwinein  ;  Gr.  w. 

I  Vi.  1748)  =  Status  gastricus,  Massleidinkeit,  Dys- 

I  pepsie.  —  hitzige  Magcn-Enfrichtung  -  Catar- 


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Ricke— Ried. 


Rieder- Riesel. 


507 


rlius  gastricus  febrilis,  ein  fieberhafter,  krank- 
hafter Magen-Zustand.  —  kalte  /•'.. 'nchtung 
des  Hauptes  —  eine  nicht  hitzige  (afebrile) 
krankhafte  Störung  des  Gehirns  (Tätern.).  — 
unrichtig  =  abnormer,  unnatürlicher  Zustand. 

—  (1572)  unrichtig  im  Kopfe,  irre,  wahnsinnig, 
delirans  (Reiasoer  Hist.  139.  Böhm.  U,  M).  —  un- 
richtig gehen  -  Missgehurt,  MiMkram,  Miss- 
wochen ,  Fehlgehurt,  fausse  eouche,  Abortus, 
Partus  praematurus  (I'loss.  Uurtels  l,  53i:,  abnorm 
schwanger  gehen.  —  Unrichtigkeit  ■  der 
nicht  geordnete  unregelmässige  Zustand,  z.  B. 
des  Verslandes  (Insania),  od.  (1748)  der  goldenen 
Ader  —  anregelmiissige  Blutung  (Maschenb.  290). 

—  trr-richten  =  ganz  zu  Ende  bringen,  z.  B. 
seinen  I^ebenslauf ;  Ve r r  i e h  t u n g, L» der  ganz 
und  gar  geordnete  Verlauf  einer  körperlichen 
LebensthAtigkeit.  —  2.  =  die  Plazentarperiode, 
die  mit  der  Ausstossung  der  Nachgeburt 
(=  Richte  s.  d.),  den  Geburtsverlauf  ganz  zu 
Ende  bringt  (Gr.  w.  VIII,  867).  —  3.  =  die  Placenta 
vaccae  selbst  als  Produkt  der  Verrichtung  2. 

—  richtiger  Tod. 

Ricke,  f.  Riege,  f  (Beck)  (ahd.  riga,  rihnn  =  an- 
reihen  ;  mhd.  rige  -  Reihe  [s.  d.];  Reihenfolge,  Linie, 
Kreislinie,  Kluge",  299.  302;  Gr.  W.  VIII,  90;*)  — 
Rickel  (=  rlccula,  riccüln  =  llgatura).  —  (1590) 
( '<<  rick,  n.  (Grick),  1.  —  Nexus  visceris,  Exta, 
Viscera,  das  aneinander  gereihte  Darmkonvolut, 
Darmschliniren  (auch  Froschlaich  =  kröteugerlck  - 
foetus  rana,  D.  H,  173;  16%  hoben  sie  beide  über  alle 
die  Massen  solch  garstiges  Wesen,  grun  und  gelbe  als 
lauter  Kröten -tiertieke  von  «ich  gegelten  =  Magen- 
ichleim  so  dicht,  als  oh  Kröten  in  den  Magen  hinein 
gezaubert  worden  waren,  Schreyer  II,  32;  Hadr.  Jun.  ; 
Hyrtl,  K.  W.  *.S;  Schm.  II,  5«;  Wackernagel;  D.  C23). 

—  2.  =  Ligatura,  die  Schlingen  des  Gerickes  (I), 
die  zu  Fesseln  u.  als  Umschlingungsband  ver- 
wendet wurden.  —  3.  =  (1090  ruckj,  die  After- 
klauen am  Hinterlaufe  des  Hirsches  -  Fessel 
(Schmeller  II,  M).  —  4.-=  die  abnorme  Verschlin- 
trunt;  der  Eingeweide  (Schmeller  II,  45).  —  Ilrrz- 
Rick  (mhd.  herze  ric,  Lexer  22),  1.  —  das  Geschlinge 
oder  Bänderwerk,  an  dem  tuan  sich  das  Herz 
nnd  die  anderen  Brusteinueweide  aufgehangen 
dachte  als  Geschling  (s.  d.,  Herzbandel).  — 
2  —  Schlundröhl e  die  beim  Herausnehmen  des 
Geschlings  in  der  Anatomia  culinaris  mit  ein- 
begriffen wurde. 

Rickel,  m.  s.  Rücken. 
Riderske  s.  reiten. 

Riebe,  f.  riebig  s.  Ruhe,  Ruhe  u.  Rippe. 

riech  (1182  riech  -  rigldni,  Schm.  II,  85;  I).  498) 
=  rüch,  rauch,  trocken  am  Halse  oder  Kachen, 
heiser  in  der  Stimme  (f.  v.  Schm.  131;  Schm  1.  c). 

riechein  s.  rochein. 

riechen  (germ.  ruk  =  rauchen  ;  ahd.riohhau  ;  tuhd. 
riechen)  ■  rauchen,  (oberd.)  dunsten,  dampfen, 
duften,  riechen,  Geruch  (s.  ruch)  ein p linden, 
von  wich  geben  <ir.  W.  VIII,  910;  Kluge*,  301).  — 
Riech  Bein,  -Xirirn. 

Ried,  m.  (Rieden)  s.  Ritt,  Kitten. 

Ried,  f.  (eine  dialektische  Verschlechterung  de- 
Worte*  Rieb)  =  Ribb,  Rippe  (Schm.  II,  60),  die  bei 


I  dem  hitufigen  Gebrauche  des  letzteren  Wortes 
in  der  Anatomia  culinaris  ihre  Erklärung  finden 
dürfte  (s.  Rippe). 

Rieder,  Riederske  s.  Reiter. 
Riefe,  f.  s.  Riff 

Riemen  (indng.  ra  (ip'jut]  =  sieben ;  f/ijia  =  Zug- 
seil ;  abil.  riomo;  mhd.  rieme,  Kluge5,  302  =  Raud, 
Gürtel  [aus  Lederhaut]).  —  / tolitor  Riemen  =  ein 
strangförmiges,  fein  schmeckendes,  d.  Kranken 
vom  Arzte  empfohlenes  Fleischstück  aus  der 
Lende  oder  sog.  Nuss.  —  Rurk  Riemen  =  Ruck- 
strang (s.  d.).  —  11741)  Zungen  Riemlein  = 
Frenulum  linguae  Zungenbrtmlchen  (Kirsch  MD). 

riepein  —  ittpeln,  vomere  (Schm.  II,  130). 

Riese,  m.  (sanskr.  vrsan  =  kräftig,  untunlich,  stark  ; 
vorgerm.  wresi ;  gerin.  wrisl ;  alts.  wrisil ;  ahd.  riso  ; 
mhd.  rlser),  1.  =  übermenschlich  Btarkes  Wesen 
mit  abnormer  Grösse  u.  Zahl  der  Glieder  nach 
!  dem  Volksglauben ;  sie  sind  blutdürstig,  minnen 
(•.  d.)  die  Menschen  und  bringen  Fieber  und 
Seuchen  (iL  A.  Rh.  373;  Golth.  lös.  177.  178);  nur 
der  dumme  (s.  d.)  Riese  macht  Wunden  schmerz- 
los (Golth.  191.  238).  —  2.  =  flbergrosse  Menschen, 
die  nach  dem  Volksglauben  Abkömmlinge  der 
Riesen  1  sind  (Alphg.  10 ;  grosse  Menschen  gelten  als 
dumm,  „so  dumm  als  lang",  Kehrein  42).  —  Riesen- 
Körprr,  •  VV'ncAs. 

Riesel,  m.  Rieseln,  pl  Rüseln,  Riessien, 
Rizeln,  Riesamen,  Risamen  (Rosem,  Rosmen) 

(zu  germ.  rls  =  fallen,  steigen  In  senkrechter  Bewegung  ; 
ahd.  rlsan;  mhd.  rlselen,  risen  =  fallen;  spat-mhd. 
rleselu  —  tröpfelnd  herabfallen,  regnen;  rlsel.  rlsele  = 
Rieseln.  Kluge*.  300.  302;  146C  rüsseti;  1486  rusan  = 
lenticuta,  D.  II,  231,  15.  Jahrh.  ryescl  -  lentigo,  I)  324; 
1495  rysscln,  ryseln  ;  1.09  rieseln  =  lentlgo,  rubra  faciel 
roaeula,  Gr.  W.  VIII.  MS;  IUI  risslin  -  lentigincs, 
IL  v.  (iersd.  93.  99;  UMS  rlslen  =  Kislein,  Paracet*. ; 
Gr.  W.  VIII,  1049  ;  1570  rlselen  =  öoinmerflecken,  Laub- 
llecken  u.  andere  Mosen,  Gr.  W.  VI,  29"»;  1580  rlseln, 
Hisel,  Gr.  W.  VIII.  936;  1583  rlselen,  Gr  W.  VIII,  936  , 
USJ  nlsel,  risel  n  lentlgo,  D.  324;  1592  rlseln  am  leib, 
ruseln  under  dem  an'jesic.ht,  Seb.  311.  379;  1603  rlesel 
=  lentlgo,  D.  324  ;  1610 rlselen,  pl.  —  Laubflecken,  Mosen, 
Gr.  W.  VIII,  936;  UM  rlesel  =  Flecken  am  Leib,  An- 
gesicht, an  Händen.  <ir.  W.  1  e  :  1680  Hesel,  m.  - 
lentlgo;  riegeln,  n.  —  lens,  Laubtteeken,  Gr.  W.  1.  c. ; 
1717  rizeln  -  Hautdecken.  Abrah.  II,  139;  173»  rlesel 

—  phaeca.  hin  und  her  ausgefahrene  Klecken  im  An- 
gesichte. Gr.  W.  VIII,  936;  Kamillen  risel,  rissl,  rlsl  = 
Masernausschlag HVien]risl  =  Kriesel-Ausschlag.Kluge*. 
U9;  Klsaas  rlsel  —  Sommersprossen,  C.  v.  Schm  435; 
Steiermark  Hesel  =  Scharlach,  Mosern).  Rüsel:  ein 
Ablaut  zu  Riesel  vielleicht  unter  lautlicher  Anlehnung 
au  die  Rosein  (roseola,  rosallaj  der  Sehulmedlzin  :  [1951 
rüsel  39 Hasen  um  Leibe,  Bock.  Krlrbch. ;  1561  niselen 
«m  leib  -  lenttenlM,  Sommersprossen,  <ir.  W.  VIII, 
IWS;  l'iSO  rüsel  lentlgo,  Gr.  W.  VIII,  9S6;  1587  rusel 
am  leih  =  lentlgo,  Gr.  W.  VIII,  153* ;  Ku**!ctn,  Russlen 

—  rosalia,  rosoll,  roseola,  rulieolac,  Röteln,  Masern, 
Schindler  II,  148;  H.  Z.  XV,  529).  Rüsamen  (Risamen. 
Riesamen,  s.  Rosen;  1394  risemeu  ■»  dij  klein  ptater 
resel  vnd  engring  auf  dem  antlltie  —  Impetigo,  papula, 
I)  289.  411  ;  15.  Jahrh.  rysem,  ressen  =  lentigo,  D.  324; 
UVil  rysamen  under  den  äugen  —  Angcsichtncckcn, 


rieten— Rind. 


Rinde  — Ring. 


Hock  77.  13«;  Cr.  W.  VI,  1099,  IHM  ruesoiuen ;  KyB  ; 
1682  meinen  und  andere  Sommerflecken,  Lonic.  145 ; 
1616  risemen,  risamen  im  angedient,  Tabcrnaem  ;  1630 
rügamen  =  Sommersprossen,  l.oulc. ;  Schwaben  rüseti. 
rieseme  =  Sonimcrspros«cu,  Kleselu,  Meyer  609;  V.  v. 
Sehm.  439;  Gr.  W.  VIII,  936).  —  Riesel  (King* *,  119, 
halt  Riesel  und  Friese)  lür  wahrscheinlich  identisch  , 
1686  frlsel,  m.  =  ndd.  wriesel  mit  Abfall  des  ablauten- 
den :  f,  v,  W);  der  akute  Frie&el  kann  bei  der  grossen 
Neigung  des  Volkes  alle  Hantflecken  möglichst  typisch 
zubeneichnen  von  demselben  kaum  mit  den  bleibenden 
Pigmentflecken ,  die  die  Sommersprossen  darstellen, 
gleich  gestellt  worden  sein;  denn  die  Kieseln  »teilen 
nach  obigen  Belegen  chronische,  fieberlose,  bleibende, 
tropfenförmig  oder  wie  Hagelriesel  (Cr.  W.  VIII,  935 
=  grele.  Briss.  136)  uusgesprenkelte  (s.  Sprenkel,!, 
mehr  weniger  stark  pigmentierte  ,  liusengrose  Haut- 
flecken dar,  die  mit  den  akuten,  fieberhaften,  rasch 
abheilenden,  hellroten,  diffusen  Hantblüteu  desKriesel- 
Ausscblages  kaum,  auch  nicht  vom  Laien  verwechselt 
werden  können  ;  dass  jedoch  die  akuten  Koselen  (rosoll) 
xu  Kasein  u.  Rieseln  lautlich  sich  umformen  Können 
und  dann  die  Rieseln  (Rüseln)  —  Masern,  Scharlach, 
Rotein  sind  (conf.  Schm.  II,  H8;  nibeolae  germanice 
rusalen,  rusalla),  li.sst  sich  kaum  bezweifeln;  dann  be- 
stehen eben  2  Rieseln  a)  die  mit  Kiesel  (Hagel-  oder 
Regen-Riesel)  lautlich  u.  begrifflich  zu«annuenhangeu- 
den  Rieseln;  b)  die  entstellten  Röaeln  (rosoll).  Die 
Rlesmen  (Riesamen)  sind  lautlich  nach  diesem  Vor- 
bilde veränderte  Rosamen  (s.  d.),  eine  l'mformung,  die 
bei  der  begrifflichen  Identität  vou  Rieseln  u.  Kosamen 
leicht  erfolgen  konnte.  —  Rieseln,  Rusclcn.  Rtis- 
selen,  1-  -  die  Sommersprossen  od.  Laubflecken, 
tiie  wie  ausgesprengte  farbige  Rieseltropfen  im 
Angesichte  mit  Vorliebe  ihren  Sitz  haben  — 
l^entigines,  Ephelides.  —  2.  —  die  Maculae  rtibrae 
faciei,  RoBeolae  (Röseln,  Russlen,  Rüseln,  Rie- 
seln) als  febriler,  rosen  -  roter,  frieselartiger 
Hautausschlag  (Masern,  Scharlach,  Röteln).  — 

3.  —  das  Prodromalexant  hem  der  Kinderblattern 
(mit  2  leicht  zu  verwe-h*eln  für  den  Laien)  — 

4.  =  anlehnend  an  Friesel  auch  rote  Frost- 
knötchen  der  Haut  (Gr.  W.  VIII,  1538).  —  5.  =  ein 
sommersprossiges  Mildchen  (Gr.  \v.  VIII,  036).  — 
rieselig,  rieselicht,  gerüselt,  rüsig,  riesmet 

(1512  rysmet  =  Icntlculosus  ,  Ii.  321;  lr>61  rüselachtig 
=  varius.  (ir.  W.  VIII,  153H;  1561  ricselieht ;  1712  ge- 
rüselt. V.  v.  Schm.  135;  Schm.  565;  Gr.  W.  VI,  806; 
VIII,  93.->ff.  1638)  -  mit  SommersprosKen,  Rieseln 
fleckig  entstellt,  lentiginosns.  —  Riesel-.)«-- 
schlag,  -Flecken*.  S.  auch  Rosmen. 

rieten,  riethen  «.  reuten,  Reiz,  reissen. 

Riff,  Rief,  m.  Rifft,  n.  1.  -  s.  RelF.  —  2.  = 
(altnord.  rlfa  —  Spalte,  Kitz,  engl,  rivel  —  Runzel,  Kalte, 
Kluge*.  301  ff.;  dandrlfl  -  Kopfgrlnt  bei  Kindern).  — 
Riefchen  =  kleinste  Hantfalten,  t.  B.  in  den 
Handtellern.  -  Rief-,  BA&Zälmc. 

Riffian.  —  Riffians-tfrurW. 
Rimpel  s.  Rumpf, 
r impfen  s.  rümpfen. 

Rind,  n.  das  gehörnte  (xipaj,  Horn),  dem  Indo- 
germonen  bereits  als  Haus-  und  Zugtier  bekannte, 
gezüchtete,  beim  Ackerbau  notige.  wiederkauende, 
schlachtbare  Saugetier.  —  Rind(rr,»)  -Augen, -Bein, 


•Blatt,  -Blut,  -Brtsten,  Bug,  -Feuer,  -Flecke, 
•Finne,  -Geschwür,  -Ginkel*,  -halt,  -Holz,  -Ham- 
mer, -Mauke,  -Milch,  -Pest,  -Psalter,  -Bände, 
'  -Seuche,   -Sucht,  -Typhus,   -ZäJme  ,  -Zecke, 
.  -Zunge.  —  rindern  -  Begattungslust  zeigen. 

Rinde,  f.  (Rtinde)  (indog.  rem ,  ram  .  aufhören. 
Ende;  goth.  rimls  —  Ruhe;  ahd.  rinta  —  Baumrinde, 
Kruste,  Brotrinde;  luud  rlndl  =  Kaud  ts.  d].  Kauft 
[s.  d.]  eines  Uegenstandes,  wo  dieser  sein  Knde  hat) 
=  Wundrand,  Wnndrinde,  Brandschorf  (Kluge*, 
I  302 ;  Platner  II.  i«».i).  —  Linsrtt  Rinde  =  die  Äusseren 
Schichten  der  Augenlinse.  —  (1783)  tote  Rinde 
Eschara,  Brandschorf  (Platner  II,  173).  —  Rinden- 
Staar. 

Ring,  m.  (vorgerm.  krengho;  gem.-gcrm.  hring  = 
Kreis,  kreisförmig;  ahd.  bring,  ring,  rinch,  Ring,  Reif, 
kreisförmig;  tnbd.  rinc;  mnd.  link,  Kluge*,  302;  ndl. 
krlng;  engl,  ring),  1.  =  kreisförmige  Zeiclinung 
(Hof)  auf  der  Tierhaut  oder  der  menschlichen 
Haat  (Haarboden,  Brustwarze  z.  B.).  —  2.  =  die 
I  ringförmige  Auftreibung  und  Verdickung  der 
Glieder  bei  Rbachitis  (s.  doppelte  Glieder, 
Zwiewuchs  etc.)  (Unterfranken);  auch  der  kreis- 
förmige Reif  an  den  Kuhhörnern,  an  welchem 
man  die  Zahl  der  geworfenen  Kälber  ablesen 
kann  (Gr.  W.  VIII,  989.  990).  —  3.  -  Haarlocken, 
auch  Wildschweinschweif.  —  4.  =  Feminal: 
„nach  dem  Ringel  stechen"  (s.  Schnalle).  — 
5.  =  ringförmige  (Hof-)  Gebilde  am  mensch- 
liehen od.  tierischen  Körper,  am  Herz,  Ohr  etc. 
(Kalke  II.  240.  134).  —  6.  =  s.  Zirkel  (lTrin),  Mond. 
—  (164.)  ringlicht  =  schwindelig,  tuselig,  im 
Kreis  herumgehend,  drehkrank  (Coler,  R.  404; 
v.  B.  39;  Falke  II,  240).  —  vllfYrs  Ring  =  die  sichel- 
oder  bogenförmige  Trübung  (s.  Greisenbogen 
u.  Augen  wurm)  des  oberen  und  unteren  Horn- 
hautrandes,  die  bei  alteren  Leuten  beobachtet 
wird.  —  .Iii  gen -Ring  (ahd.  ougrinch,  augrink, 
H.  /.  VI;  Gral!  I,  123;  1168  augring  =  orbis,  I).  II, 
273;  14N2  äugen  rinck  =  orblta,  Zening.  Voc. ;  cir- 
culus  ocutl.  (ir.  W.  I.  810,  1515  oug  ring  —  orbis, 
D.  399;  1646  ring  um  die  äugen;  Übersetzung  der 
orbita.  Hyrtl,  K.  w.  129),  1.  =  der  runde  Knochen  - 
raml  der  Augenhöhle.  —  2.  =  der  runde  Augen- 
schatten (s.  d.)  um  die  Augen,  der  je  nach  dem 
Gesundheit«-  od.  Krankheitszustatideals  gelber, 
bleifarbiger,  blauer  Augenring  bezeichnet  wird 
(Gr.  w.  VIII,  990).  —  3.  =  Altersring,  Greisen- 
bogen (Gerotoxon).  —  BaMc/i-Ring,  1.  =  der 
sogen.  Nabelrin«  (s.  d.),  Annulus  abdominis 
an  der  inneren  Bauchhöhle.  —  2.  =  ringförmige 
Öffnungen  des  Bauchfells  an  der  Schenkelbeuge 
(Leisten)  (Gr.  W.  I,  1168).  —  3.  =  (1794)  die  ge- 
samte, von  den  Munkeln,  Fascien  und  Bändern 
gebildete  Umfassung  der  Bauch-Eingeweide 
(Faust's  Gesutidh.  Katechismus  50).  —  blaue  Ringe 
rm  Augenring  2  (ndl.  blawu  krlngen  aan  de  oogen. 
De  Cock  sej  —  das  Durchscheinen  des  dunkleren 
Venenblutes  unter  der  dünneren,  fettärmeren 
I  laut  (s.  blaues  Blut)  bei  Abmagerungszuständeu, 
Blutarmut,  feiner  Art;  nach  dem  Volksglauben 
auch  bei  Hexen  (V.  K.  IX,  11).  —  Falten-B^ng 
=  ehemaliger  .Sehuluumlruek  für  den  Falten- 
kranz oder  Strahlen-Korper  (Corpus  eiliatum) 
im  Auge  (Hyrtl,  K.  W.  165).  —  G'u/d-Ring  (dlethmars. 


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ringen— Uinne. 


Rinne. 


Rolle  rink,  riqnett  II,  so)  aa  Ringfinger.  —  Qreisen- 
Ring  s.  Altersring,  Augenring  3.  —  (1260)  grüne 
Ringe,  a)  =  vor  den  Augen:  eine  Sebstörung 
durch  Druck  auf  die  Augen  oder  Augennerven, 
wobei  im  Gesichtsfelde  grüne  Kreise  erscheinen 
(Pfeiffer  28);  b)  =  unter  den  Augen:  die  gelb- 
grflne  Farbe  des  AugenschattenH  bei  blutarmen 
Leuten  (Pfeiffer.  L  c).  —  //n/s-Ring  =  Clavieula, 
SchlOssell)ein,  das  wie  ein  Ring  die  obere  Brust 
abschliesend  umgibt  (Bück  16;  Hlntncr  7.  16).  — 
Huf- "Ring  =  der  kreisförmige  Hufrand.  — 
// und*  Ring  —  eine  vermutlich  von  der  Hunde- 
räude, die  unter  der  Halskoppel  mit  Vorliebe 
Bit«,  genommene  Bezeichnung  für  eine  mensch- 
liche Hautkrankheit,  die  sich  als  eine  ring- 
förmige,  räudige,  kahle  Hautstelle  im  Haar- 
boden darstellt,  Alopecia  areala,  (1858)  Area 
Celsi,  KQdenring,  Hundsräude,  Ringflechte 
(s.  d),  Ringwurm  (Westphalcn).  —  Leisten  Ring 

-  Bauchring  in  der  Leistengegend  (Falke  II,  67). 

—  A  al  -  '-Ring  —  Annulus  umbilicalis,  die  rund- 
liche, faltig  umränderte  Vertiefung  der  Bauch- 
haut an  der  Stelle,  wo  die  Nabelschnur  des 
Kindes  sich  am  Bauch  ansetzt;  der  innere, 
gegen  die  Bauchhöhle  sich  fortsetzende  Teil 
des  Nabels  bildet  den  Bauchring  (s.  d.)  (Gr.  W. 
VII,  6).  —  rote  Ringe  (um  die  Augen)  =  die 
Fieber-Röte  (hektische  Wangenröte)  (Heyne  V, 
114).  —  Rüden-Ring  =  Hunds-Ring.  —  schwarzer 
Ring,  1.  =  das  runde  Sehloch  der  schwarzen 
Augenpupille  (Abllg.  91).  —  2.  =  blauer  (  =  schwar- 
zer,  s.  blau)  Augenring  (ndl.  zwarter  kring,  V.  K. 
IX,  11).  —  3.  =  (mnd.,  14.  — 15.  Jabrh.  »varten  rinrk. 
J.  f.  ndd.  Spr.-F.  XV,  11)  =>  der  schwarze  Zirkel 
(s.  d.)  im  runden  Uringlase  des  Glasarztea.  — 
ir<us<r-Ring  =  s.  Kreis  u.  Zirkel.  —  Wundcn- 
Ring  (13.  Jabrh.  ring  der  wrunde  —  orbli,  D.  399»  = 
kreisförmiger  Wundrand.  —  Ring--4w.<7r,  -Bein, 
-Finger,  Flechte,  -Huf,  -Knorpel,  -laufen,  Staar, 
•Stern,  -  Wurm. 

ringen  (germ.  wring  —  in  Windungen  drehen,  mit 
Anstrengung  bewegen;  wrltigan ;  abd.  rlngan;  mhd. 
ringen,  Kluge*,  303).  —  7Wf*-RingUng  (15.  Jabrh. 
todrlngung  =  agonla,  D.  18)  -  Todeskampf  (s.Tou). 

Rinne,  f.  rinnen  Ilndogerm.  ren,  nin  [da*u  :  run«, 
«.  d.];  getn.-genn.  rinuan  —  rieh  «ehnell  fortbewegen. 
Kluge*,  303;  abd.  rlnna,  f.  -  Wasserleitung,  Dachrinne; 
rinnan  m  fliegen,  schwimmen.  Iniifen,  filtere,  rynuen 
ss  coagularc;  rinna  =  manna,  (Jrnff  II,  513;  Du  Tange 
VII,  190;  mhd.  rinne,  f.  rinnen)  =  fliegsen  (der 
Tbrilnen,  Milch,  des  Blutes,  SchweisseB  etc.).  — 
Rinne,  f.,  1.  =  die  in  die  Länge  sich  erstreckende 
Aushöhlung  zur  Leitung  von  rinnenden  Flüssig- 
keiten (Gr.  W.  VIII.  1819).  —  2.  =  eine  durch 
Farbe  sichtbare  Kratreckung  eines  Blutergusses 
in  Streifenform  (Strieme  =  Keinse,  Runse)  (c.  v. 
Scbm.  434).  —  3.  =  die  weibliche  Brust  als  Milch- 

fluss-Organ.  —  rta'nifgj111-'0' D- ll>  ,JS7) =  »PP'dus, 
rinnend,  sezerniereml.  —  Rinsel,  Rintzel 
=  coagnlnm  (D.  128).  —  i  R:::ne  =  die  t-eiin 
Pferde-Aderlass  an  der  Hals- Umsselader  wich- 
tige, rinnenförmige  Verliefung  zwischen  dem 
unteren  Halsrande  u  den  seitl.  Halsteilen  (Zipp.  88) 
(Drossel rinne).  —  Augen  Rinnen  (mnd.  o8hcn 


ryunen  —  wässerige  oder  blutige  Sekretion  der  Angen- 
*chleinihnm,  Mag.  Barth.  8S  n,  MifTusio  ocnlorum  san- 
guinea,  Hpptttido  humlda)  =  rinnende  Augen: 
a)  Bindehaut- Katarrh  mit  stark  flüssiger  Se- 
kretion (Zw.  223);  b)  Blutergtifs,  Blutrunst  unter 
der  Augenhant.  —  awr-rinnen  (io.  Jabrh.  uz- 
garunnan,  Craff  II,  616  =  [sanguls)  egestus)  =  durch 
Bluterguss  aus  dem  Körper  verenden;  dieses 
Ausrinnen  des  Blutes  aus  dem  Blutkasten  (s.  d.) 
stellte  man  sich  ganz  alltäglich  vor.  —  Blut- 

St!^!^.  !  ((abd.  bluotrlnna,  Schmeller  II,  715;  Delling) 

rinnsig  ) 

=  blutend,  geblutet  habend,  z.  B.  von  einer 
Wunde.  —  (1603)  Blut-Gerinnsel  =  ein  Bropf 
geronnenen,  koagulierten  Blutes.  —  Dampf- 
Rinne  —  eine  mehr  weniger  tiefe,  schnurförmig 
vorlaufende  Muskel- Furche  von  den  falschen 
Rippenknorpeln  bis  zum  Brustbeine  als  Grenze 
der  beim  Dampfe  (Lmphysema  pulmon.)  be- 
sonders angestrengten  In-  und  Exspiration»- 
Muskeln  (bei  Pferden)  (Zlpp.  308;  Falke  I,  28.  200); 
die  Zweiteilung  der  verschieden  langen  Respi- 
rationsmomente (doppelsch lägig)  kennzeichnet 
sich  durch  die  Zweiteilung  der  Respirations- 
muskeln  (saccadierte  Atmung).  —  Drossel- 
Rinne  —  der  in  der  Drosselgegend  verlaufende 
Teil  der  Schlundrinne  (s.  Äderrinne)  beim 
Rinde  (Martin  11).  —  G<i//«i  Rinne  —  Gallen- 
gang, (iallenröhre  zur  Ableitung  der  Galle  aus 
der  Gallenblase  in  den  Darm  (Ductus  chole- 
dochus  (Cr.  w.  iv,  l.  ii98).  —  Gerinn  (sei),  n. 
(Gerinn,  Urinn)  (1582  gerinUel  =  coagiiliim,  Lonlc. 
313;  1582  Ischias,  hufftwehe,  das  grnnn,  E.  W.  I,  275), 
1.  =  das,  was  rliesst,  der  Fluss  (s.  d.)  =  Rheuma 
(Rheumatismus,  Lumbago  rheum.,  Ischias 
rbenm  ).  —  2.  =  (1440  grien  =  arena,  D.  47;  1495 
gryen;  15.  Jahrb.  grien  =  arena,  D.  II,  33;  1502  capltalls 
i.  reeeptio  Valens  ad  inflrmitatem  dictam  iu  rulgari  dt 
grin,  1».  II,  73;  1612  siech  vom  gryen  in  lenden  - 
caleulus.  D.  89;  1807  grien,  Plctor.  80;  Schmeller  1, 
1000;  1594  grien,  l'aracelsus,  I.onlcerus;  1618  grien  = 
caleulus  [morbus],  D.  II,  66;  1645;  Coler,  A.  339;  1699 
gniene,  n.  -  (ierinn,  v.  M.  I,  291;  Hr.  W.  IV.  2.  1872; 
Kopp  V,  2t<0)  =  da»,  was  gerinnt,  stockt,  koa- 
guliert; so  wurde  u.  a.  der  Harnstein  als 
geronnener  (sedimentierender)  Harn  angesehen 
und  der  Brustdrüsetiknollen  als  geronnene 
Milch  gedeutet  (1790,  Richter  I,  15);  deshalb: 
«ierinn  ((irinn,  Grünn):  a)  —  Morbus  calculi, 
Blawengnes,  Blasenstein,  Nierenstein,  Nephro- 
lithiasis;  b)  =der  Lendenschmerz  mit  und  ohne 
Abscheidung  von  Nieren-  oder  Lendensteinen 
(Nephritis,  Nephralgia,  Cohca  nephritica), 
Griesgerinn;  c)  =  weiterhin  Hüftweh  (aus- 
gedehnter Begriff).  —  (1725)  Gri<*-GrTinn  =  der 
Schmerz,  «ler  durch  den  Abgang  von  gries- 
förmigen  Hnrnsteinchen  aus  den  Nieren  in  den 
Nierenleitern  entsteht  (Dolor  nepbriticus)  (The*, 
san.  Br.  779).  —  (16.  Jahrb.)  J/firn-Rinnen  =  die 
röhrenförmigen  Harnleiter,  in  »leiten  der  in  den 
Nieren  abgesonderte  Harn  zur  Bluse  hinab  - 
geleitet  wird  (Hyrtl,  K.  W.  75).  —  (1612)  A',^  Rinne 
=  Coaguluin,  Quark  (l>  12*).  —  (1518)  Lernten- 
Gerinn  (gryen  In  lenden,  II.  v.  (ier«d.  yj)  —  Arena, 
der  in  den  Nieren  (Lenden)  vermeintlich  durch 
Gerinnung  des  Harns  sich  bildende  Harnsand. 


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r.io 


Rilitee] — Rippe. 


Rippe. 


—  (1*42)  Liberi-Rinne  =  die  Vertiefung  in  der 
Mitte  der  oberen  (vorderen)  Lippe  bei  Mensch 
und  Tier  (Falke  II,  72).  —  (1725)  Mili  A  Grrinnung 
~  die  beim  sogen.  Milcheinschiessen  (s.  d.) 
angeblich  durch  Gerinnung  (=  Luppe,  s.  d.) 
der  Milch  innerhalb  der  Brustdrüsen  entstan- 
dene Brustdrüsencntzündung,  Mastilis  puer- 
peralis  (Thea.  **n.  Br.  44;  Rieht«  I,  15).  —  Ohr 
Rinnen  =  Otorhoea,  der  eitrige  Ohrentluss 
(Gr.  W.  VII.  1266).  —  Su  um  Rinne  ■  eine  Fuiche 
am  Uornhuf-Saum  zur  Aufnahme  der  Fleisch- 
krone beim  Pferde  (Zlpp.  162).  —  Si -Mund- Rinne 
=  das  Verbindungsrohr  des  Magens  mit  «lern 
Schlünde  (Rachen)  (Kalke  II.  241.  286).  —  (1843) 

I  tu  n  nen  Rinne  -■  die  auf  der  Gesichtshaut 
durch  das  Herabrinnen  des  netzenden  Binde- 
hautsekretes der  Augen  (Thranen)  gebildeten 
Streifen  (Falke  II,  367).  —  (1576)  u  eiste«  Gerinn  = 
Gonorrhoen  (pra«sinum  (=  lauehgrüuer  Stein]  als 
„grün"  gedeutet,  Theoph.  I'arac.  Br.)  ■  der  weisse, 
weissgelbliche  od.  gelbgrünliche  Kiter  auB  der 
Harnblase  (eine  Beigabe  zum  Blasenstein  als 
eitriger  Blasenkatarrh).  —  Zer-,  Zusammen- 
Rinnung  (1260  der  milch  zerinnet,  Pfeiffer  2t)  =  die 
vollständige  Gerinnung,  Koagulation:  a)  der 
vorher  flüssigen  Milch  zu  beisammenstehenden 
Klumpen  (solche  Bollen  sich  nach  früherer 
Annahme  in  der  Frauenbrust  beim  Einschiessen 
(s.  d.]  der  Milch  innerhalb  der  Brustdrüse 
ausbilden)  (Fries  96);  b)  des  in  den  Adern  krei- 
senden, durch  faule  Stolle  verlüppten,  ver- 
gifteten Blutes  (pyiimische  Thrombose,  Septi- 
chaemie)  —  Geblüiszerrinnung  (1742;  Zw.  318).  — 
rinnende  (r, «),  geronnenes  Augen,  Bauch,  Blut, 
Fuss.  &  auch  Kunst. 

Rintzel  -  rinnen, 
rip  (n<i<i.)  ss  reif  (s.  d.). 

Rippe,  f.  Kipp,  n.  (Ried),  f.  (indogerm.  rebh  = 
Windung.  rwehllngung,  (mfaviung,  Cm»<  hllessendes 
[Rebe];  vorgerin.  rrbhyo  =  l'iiwhlingutig,  genn.  rlbja; 
ahd.  rlppa,  rtppt,  rlbl.  Kluge*,  303  ;  9.  Jahrb.  rippl, 
ribbl  =  costae,  Kab.  Maur.  i.b.  Graft  II,  3i0;  11  Jabrb. 
rippe,  rippl  =  costae,  II.  Z.  III,  308  fl.;  dal  rippe  = 
die  ganze  eine  Kippcueeite,  Gr.  W.  VIII,  1030;  diu 
riebe,  rlbe  dupliccw  costarum  cratem,  Rippenstück 
als  Korpcrrchllnge,  Schweiler  11,  9;  mhd.  rippe,  rlbe 

—  costae,  Helimeller  II,  130;  1182  ribe.  rypp  =  costa, 
Zenlng.  Vor.  aa  8;  diu  rippe  n  da»  gesamte  Rippen- 
werk;  1S39  rippe,  f.;  löfil,  \lt*7  das  ripp,  „in  den  alteren 
Sprachperioden  ist  rlpp,  n.  vorherrschend",  (ir.  W. 
VIII,  102«};  16.  Jahrh.  riebe  =  dinphragina.  Gr.  W.  VIII, 
1626;  17.  u.  18.  Jahrh.  rlble.  rüben;  1712  ripp,  n  .Zw.  23; 
Finde  18.  Jahrh.  rippe,  1.;  roebbe,  Frl*chb.  66;  angli. 
rlbb;  engl,  rlb),  1.  =  einer  der  bogenförmig  ge- 
krümmten, die  edlen  inneren  Teile  der  Brust 
kästen-  oder  korbilhnlich  umschliessenden,  von 
der  Wirbelsaule  ausgehenden  Knochen  (Costae) 
bei  Mensch  u.  Tier;  nach  biblischer  Legende  ist  die 
Kva  au»  einer  Hippe  Adams  gebildet  und  haben  nach 
dem  Volksglauben  deshalb  die  Adanisohne  oder 
(Kippen-)  Manner  bloss  7,  die  Kvaloehter  aber  als 
Kippen-Geschöpfe  oder  KippenkuMlgln  8  Kippcnpuare 
(Ur.  W.  VIII,  1034 ,  Uuek  Iii;  Scbclble  IX,  478).  — 
2.  -  die  Gesamtheit  der  Rippen  an  einer 
Kürperseite  ( =  das  Ripp  s.  o.).  —  3.  =  das  ganze 


beiderseitige  Rippenwerk.  —  4.  =  das  gesamte 
Knochengerüst,  das  aus  Rippen  besteht  (Gr.  w. 
vill,  1830).  —  5.  =  ein  knochendürrer,  sozusagen 
nur  aus  Rippen  bestehender,  hagerer,  nament- 
lich weiblicher  Körper  (Schweiler  II,  130).  —  6.  = 
die  Brustseite,  Pectus,  Latus,  Regio  hypochon- 
driaca,  Weiehengegeml,  welche  der  Fetlreich- 
tum  lind  (s.  Lende)  und  weich  (s.  Weiche) 
macht,  wo  aber  auch  das  Fett  am  raschesten 
schwindet  (s.  Dünnung);  datier  die  Ausdrücke: 
durch  die  Rippen  schwitzen  —  Fett  auf  natür- 
liche Weise  verlieren,  von  sich  geben;  sowie: 
es  (das  Fett)  steht  bei  den  Rippen,  bleibt 
sitzen  (Goldschm.  31).  —  7.  =  der  ganze  Mensch 
als  Bezeichnung  eines  kleinen  zarten  Kindes 
(Gr.  w.  VIII,  102.;  ff.).  —  8.  =  das  Fleisch  an  den 
Rippen  (Rieben,  Rie'djen)  beim  Schlachttiere. 

—  (i;«76)  Ripplein  —  die  kleineren,  nicht  voll- 
ständigen, sogen,  falschen  Rippen  (Costae 
spuriae)  (Thurnelsser;  Gr.W.VIlI,  1037).  —  Ripplem- 
Sucht.  —  Die  Rippen  biegen  Bich,  brechen 
(Fractura),  falten  sich  (?),  fallen  entzwei,  faulen 
(Caries),  krümmen  sich  (Curvatura),  krachen, 
knacken,  neigen  sich,  verrücken  sich  (Diastasis), 
»erbrechen,  zerfallen.  —  (1742)  arme  Rippen  = 
brüchige,  gebrechliche  (sozusagen  armselige, 
weil  gebrochene)  Rippen,  Costae  fractae  (Zw. 
158).  —  7*a*r<ird-Rippen  =  (Übersetzung  der!  Costae 
nolbae  (nothus  =  liastard.  uneheliches  Kind,  Hyrtl, 
K.  W.  Ii)  :=  Ripplein  oder  falsche  Rippen  (s.d.). 

—  Uau<  /.  Rippen  =  die  im  BaucliÜeische  eich 
verlierenden  halben,  knorpellosen,  falschen, 
untersten  zwei  Kippenpaare  (Gr.  \V.  VIII.  102*). 

—  Beiti -Rippe  (ried,  rieb)  =  das  Fleischteil  an 
den  Rippen  «ler  Schlachttiere  gegen  diegrösseren 
Wirbelknochen  zu  (öchmcllcr  II,  60).  —  bratige, 
breite  Rippe  (ried,  rieb)  =  das  fleischige,  mas- 
sigere, breitere  Stück  am  Rippenlleische  des 
Ochsen  (Schmeller  II,  60).  —  ßrusf-Rippen  =  die 
ohne  Vermittlung  vou  längeren  Xwiscben- 
knorpclslÜcKen  sich  direkt  an  das  Brustbein 
ansetzenden  sogen,  ganzen  Rippen  (Gr.  W.  VIII, 
1028).  —  Bnis/rippen-GcAc/urär.  —  (1732)  dicke 
Rippen  =  das  dicke,  bratige  Fleischstück  zu- 
nitctiHl  dem  Bug,  das  sich  noch  an  die  unteren 
falschen  Bauchrippen  beim  Schlachttiere  an- 
setzt ((ir.  W.  VIII,  1032).  —  (1732)  dünne  Rippen 
=  die  seitlichen,  schmächtigen  HeischstUcke 
zunächst  der  Dünnung  (s.  d.)  od.  den  „Weichen" 
unter  den  Kippen,  die  weniger  Fleischansatz 
haben  als  die  dicken  Rippen  gegen  den  Bug  zu 
(Gr.  W.  VIII,  1032).  —  Rippen,  1.  =  (IjI*) 
die  fünf  unteren,  das  Brustbein  gar  nicht  oder 
nur  durch  zwischen knorpelichte  Anlehnung  an 
die  nächst  obere  Rippe  erreichenden  Rippen, 
Costae  mendosae  s.  spuriae,  s.  nothae  (engl, 
fal'e  rlb«),  die  eigentlich  keine  vollen,  wahren 
Kippen,  soudern  nur  Ripplein  oder  Bastard- 
iippen sind.  —  2.  —  (17;ji)  das  Fleisch  zwischen 
2  Rippen  (Muse,  intercostales)  =  Fehlrippen 
b.  Sehlachttiere.  -  Fehl-,  Fall-  (Fäll-  f)  Rippen 

—  das  Fleisch  zwischen  der  zweiten  falschen 
Rippe  (Ripp«  8}  (Schweller  I,  703;  II,  60.  130;  Gr.  W. 
III,  14;(0).  —  freie  Rippen  -  die  11.  u.  12,  Rippen- 
paare, die  kürzer  bleiben,  weil  sie  frei,  ohne 
weitere  Knorpelfortsatze  im  Bauchtleisch  enden 


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Rippe. 


rippeln— Riss. 


511 


(Hyrtl,  Anatomie  314;  Gr.  W.  VIII,  1028).  —  (1639) 
ganze  Rippen  =  die  7  oberen  wahren  Kippen- 
paare, die  ganz  his  zum  Brustbein  reichen 
(Braunschw.  Chlr.).  —  (i- rippe  (Kriben,  Grippen), 
1.  =  alle  Kippenknochen  am  Brustkorb  (beim 
Hoch  wilde:  Kriben)  (Hyrü.  K.  w.  185).  —  2.  = 
das  (schon  bei  den  Körnern  als  Todesflgur  geltende) 
Knochenskelelt,  KnochengerQst  (Hyrtl,  K.  W. 
129;  Wnttke  36).  —  3.  =  die  Grippen,  Krippen 
(s.  d.),  das  Gerebe,  der  ermattete,  knochendürre 
Stamm  als  Träger  eines  mageren,  darren  Leibes, 
an  dem  „alle  Rippen  zn  sehen  sind".  —  (1539) 
halbe  Rippen  =  die  fünf  unteren  falschen,  mit 
dem  Brustbeine  nicht  in  ganzer  direkter  Ver- 
bindung stehenden  Kippen  (Hyrtl,  K.  w.  16).  — 
Herr  Ripp!  =  die  Rippleinsucht  (Rhachitis, 
unterwachsen),  die  wie  eine  dämonistisch  ver- 
ursachte Krankheit  in  Koseform,  so  wie  der 
Tod  oder  Altvater  (s.  d.),  angeredet  wird  (Mannh. 
Zeltschr.  f.  d.  Myth.  IV.  109;  Or.  D.  M.  CXL,  Nr.  XXVII). 

—  (1576)  ]!■>■;  Rippe  =  die  Stelle,  wo  der  Herx- 
grippkuchen  (s.  d.)  sitzt  =  die  Kippen  der  Herz- 
gegend (Tburnelsser).  —  (1645)  kleine  Rippen  = 
kurze  Kippen  (m.  d.)  (Coler,  n.  A.  80).  —  Knochen- 
Gaipp  =  Ueripp  2,  Toten-Gerampel,  Skelett.  — 
(1.81)  kurze  Rippen,  1.  =  freie  Kippen  od.  Bauch- 
rippen (Hyrtl,  K.  W.  128;  Goldschm.  III;  Gr.  W.  VIII. 
1028;  engl,  short  ribs).  —  2.  =  Kegio  hypochon- 
driaca  s.  kurze  Kippen-Schwachheit,  Kataklida 
(Kirsch  193).  —  (1581)  lange  Rippen  =  die  sieben 
oberen  ganzen  Brustrippen  (Hyrtl.  K.  W.  128; 
Gr.  w.  viii.  1028).  —  (1576)  A/i/z-Rippen  =  die 
Kippen  der  linken  Weichengegend  (Regio  hypo- 
chondriaca),  wo  die  Milz  liegt  (c.r.  \V.  VIII.  1028). 

—  obere  Rippen  ■  die  sieben  ganzen,  langen, 
rechten,  wahren  und  vollkommenen  Brustrippen 
im  Gegensätze  zu  den  fünf  unteren,  sogen, 
falschen  Kippen  (Gr.  W.  TOI,  1028).  —  Päll-Ried. 

Rieb  -Rippe  =  (dialektisch  verschlechterte)  Fehl- 
rippe (s.  «i.)  (Schra   II,  60).  —  reehic  Rippen 

—  die  oberen  Rippen  (s.  d.)  (Gr.  W.  Vlll.  lOis). 

—  Rücken- Ripplein  (angls.  rieg  rlblo  =  palae,  D, 
405.  II,  276)  =  die  kurzen  Rippen,  an  denen  der 
Ruckbraten  unter  der  Schulter  sitzt.  —  Schäl- 
Rippen  (Henneb. ;  Spleas  II,  206)  m  Rippen,  von 
welchen  das  zu  Würsten  bestimmte  Fleisch 
abgelöst  wird.  —  schmale  Rippe  (Ried)  =  die 
Bchmftleren  Fleischstücke  zwischen  den  Kippen 
deB  Schlachttieres  im  Gegensatze  zu  den  brei- 
teren Zwerchrippen  (Schmellcr  II,  60).  —  Scham-, 
Schan-,  -  Schon-,  -Scho(r)- Rippe  =  das  besonders 
feine  Kippenstück  in  der  liegend  der  kurzen 
unechten  Rippen,  das  beim  Aushacken  geschont 
bleibt,  nachdem  die  vorderen  Zwerchrippen 
ausgehauen  worden  sind  (Schindler  II ,  428).  — 
Schliem-  (Schyem-?)  Rippen  (Rieden)  =  das 
Kippenfleisch  gegen  die  Brust  zu  beim  Schlacht- 
tiere (Schmellcr  II,  60.  61);  Schliem  (s.  d.  lc)  = 
Zwerchfell,  Zwerch-Kippen  (s.  d.).  —  Schulter- 
Rippen  =  die  Rippen  an  der  Schulter  (s.  Schulter, 
Kipp-Kuchen).  —  schwebende  Rippen  —  Costae 
tluctuantes,  die  11.  und  12.,  nicht  tlureh  Rippen- 
knorpel  an  den  jeweilig  oberen  Kippen  be- 
festigten, sondern  ganz  freien,  an  ihrer  vor- 
dersten Spitze  etwas  beweglichen  Kippenpaare 
(Gr.  w.  VIII,  1028).  —  (1518)  unrechte,  (1719)  unechte 


Rippen  =  die  falschen  oder  Bastardrippen  (II.  v. 
Gersd. ;  Gr.  W.  Vlll,  1028)  —  untere,  unterste 
Rippen  =  die  fünf  falschen  Kippen  im  Gegen- 
satze zu  den  sieben  oberen,  ganzen  Kippen 
(Gr.  W.  VIII,  112).  —  wntcr-rippig  (1466  vnderrlblg 
=  bubo,  D.  II,  60  =  Übersetz*,  der)  Hypochondrien 
=  a)  hypochondrisch;  b)  in  den  Weichen  krank 
(Bubo).  —  (i.vii)  unvollkommene  Rippen  =  un- 
rechte, falsche  Bastardrippen  (Gr.  \V.  VIII,  1028). 

—  vollkommene  Rippen  =  wahre  Rippen  (s.  d.). 
(1801)  wahre  Rippen  =  (engl,  true  rlbs  =  treue,  echte 
Kippen,  Kaluchui.)  im  Gegensätze  zu  den  falschen 
Rippen  die  sieben  oberen  ganzen  Rippen.  — 
wankende  Rippen  —  schwebende  Rippen  (s.  d.) 
(Gr.  W.  VIII,  1028).  —  weiche  Rippen,  1.  =  (17.  bis 
18.  Jahrh.)  =  die  beweglichen,  schwebenden 
Kippen  (s.  d.)  (Hyrtl,  K.  W.).  —  2.  =  (1475)  Regio 
hypochondriaca,  die  ganze  Gegend  der  sogen. 
Weichen,  die  Dflnnung  (s.  d.)  (D.  276;  Gr.  W.  VIII, 
1030).  —  Zwerch  -  Ripp  en  (Rieden)  =  das  fleischige 
Rippenstück  ohne  eigentliche  Rippenknochen, 
das  vorne  mit  dem  Zwerchfell  (  =  Schliem)  in 
Verbindung  steht  =  Schliemrippen  =  Musculus 
rectus  et  obliquus  abdominis  (Schmeller  II,  60). 

—  Ripp-, Rippen-,  Ripplein  Ader, -Bau,  -Bauch, 
-bewachsen.  Eisen,  -Eis»*,  -Fäule,  -Fell,  -Fell- 
entznndung,Oeschwär,-Qeschwür,-Gesttll,  -Haut, 
-Kasten,  -Knorpel,  -Korb,  -Kuchen,  -lahm, 
•M eissei,  -Paar,  -Schmalz,  -Schmecr,  -Speer, 
-StUck,  -Sucht,  -  Teil,  •  Verrenkung,  -  Weh,  -  W  erk, 
•  Wesen. 

rippeln,  rappeln  =  sich  bewegen  (mit  den 

Rippen?)  (H.  Paul  360). 

-ri8,  -rise,  -risig,  -rissig,  ristig  (zu  ahd.  ritu 

■  labl,  ruere,  fallen  (s.  Riesel).  —  alt-TlSe  (ahd. 
altriso  sa  lecilsternus,  D  553)  =  der  durch  das  Alter 
hinfällige  Mensch.  —  6tr<-rise,  ivff-risig  (ahd. 
petli  riso,  bett  riso;  8.  — 12.  Jahrh.;  Graft  II,  541; 
G.  D.  M.  II,  UM  =  lecto  deeunibens,  paralytictis,  ein 
durch  Versieht,  Lahtnuug  oder  Altersschwache  ans 
Hott  gefesselter,  siecher  Mensch ;  mhd.  bette  rlsc,  bette 
rls;  13.  Jnhrh.  bettcreso  =  lectlsternus,  I>.  533  =  bett- 
lägerig, Lcxer  21;  Schmeller  II,  46;  1429  pcttrls  - 
clinicus,  qni  de  lecto  surgere  non  potest;  beul  rise, 
tiniff  III,  50;  1466,  altsachs.  bcdderlese  =  clinicus, 
I).  II,  97;  bettriss  =  paralytictis,  D.  II,  280;  15.  Jahrh. 
petrlse,  pcttrls  =  paralytictis,  vergichtig ,  16.  Jahrh. 
bcttreisslg,  Kuhn,  Zeltschr.  V,  240;  1556  boettriss, 
Schmeller  216;  1602  bettrissig,  St.  Ben  uo-, Mirakel ;  1698 
bethrisslg,  St.  Benno  .Mirakel ;  1741  bettrles  =  clinicus, 
Kirsch  2»;  Knde  des  18.  Jahrh  kaum  mehr  gebraucht ; 
engl,  bcd-rlddcn  =  bettlägerig,  I.ebfeldt  14:1)  =  bett- 
fallig,  hinfällig,  durch  Gicht,  l.iilimung  oder 
Altersschwitche,  so  dass  man  zu  Bett  zu  liegen 

kommt.  —  Blut-  |  ™*ig  |  (1517  plutristich  =  per- 

cussns,  D.  42~>,  1521  bluolriss,  bluotris.  Krank,  Wclt-B. 
203)  =  blutfallend,  blutrünstig,  einer,  bei  dem 
das  Blut  herabrinnt.  —  Aaar-risen  (126»j  daz  haar 
rtset  üz,  Pfeiffer  42)  -  die  Haare  lallen  aus  (s.  auch 
rachsen)  —  risende  Sucht. 
Risamen,  pl.  Riesemen,  pL  s.  Rosen. 

rispeln  =  räuspern  (Dlefcnb.  s.  ruetuare). 

RiSS,  m.  RisseL  D.  (germ.  writan  =  In  Umrissen, 
Linien  zeichnen,  schreiben  oder  ritzen;  ahd.  rU  — 


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512  Riss. 

Riss,  gerissener  Buchstabe;  mbd.  rix  —  Riss,  Kluge *, 
303;  1518  ry««  =  ruptura,  bernia,  H.  v.  Gertd.  14; 
Hyrtl,  K.  190;  1551  rys»  an  den  fassen  =  Schrunde. 
Bock  343;  1688  riss  =  Gelenkrist  [s.  d.]  zwischen  Hals 
und  Schultern  des  Pferdes,  Widerrist,  Gr.  W.  VIII, 
1044;  1764  risse,  rtze  =  rhagades,  A.  v.  H.  I,  1176).  — 
Riss,  1.  =  das  Reinsen  (g.  d.),  der  reiBsende 
Schmers.  —  2.  =  der  Zustand  des  GeriBaenseins, 
das  Gerissene:  a)  Hernia,  Ruptura,  Bruch; 
b)  Schrunde,  Wuntie  od.  Risspuren,  Schramme, 
und  zwar  stärker,  grösser  oder  gewaltsamer  als 
die  Ritte  oder  der  Ritz  (s.  d.),  gercure;  immer 
aber  bleibt  noch  ein  gewisser  Zusammenhang 
der  Teile  übrig.  —  3.  =  s.  Rist.  —  Rissel, 
Eisslein,  1.  -  ein  kleiner  Rißs  2  b  (Gr.  W.  VIII, 
1049).  —  2.  =  Rieseln  (s.  d.).  —  Rissung  (1518 
ryssung  —  bernia,  raptura,  Bruch,  H.  v.  Gersd.  14) 
=  die  Handlung  oder  der  Zustand  des  Reis- 
sena  =  Hernia,  Ruptura.  —  rissig  (1592  wann 
ein  Rost  zwischen  den  Fesseln  fratt  und  nissig  oder 
strafüsslg  wlrdt,  Seb.  181)  =  durch  Hautschrunden 
offen.  —  An-,  .1  Riss  (Ries,  -iss)  —  das,  was 
einen  Riss  an  der  Haut,  einen  Närbriss,  An- 
scbuss  oder  Ansprung,  AnBpring  oder  Aus- 
sprung der  Haut  darstellt  =  Ekzema,  Impetigo, 
Crusta  Jactea,  Dermatitis  scrophulosa,  Milch- 
schorf, Freaem,  das  Mager  (Schindler  I,  8«;  II, 
148).  —  (1646)  Auf-BiBS  =  Schrunde  auf  der  Haut 
(Coler.  H.  a.  127).  —  Damm- Riss  =  ein  durch  die 
modernen  Arzte  in  bessere  Kreise  gedrungenes 
Schulwort  für  Ruptura  perinei,  der  Einriss  an 
der  hinteren  Scheidewand,  die  den  sogen.  Damm 
(s.  d.)  bildet  (1260  „su  melicbin  wlp,  so  sl  chindelin 
gewlnnent,  so  zerbrestent  si  in  der  wambe"  [=  vulva] 
=  Dammriss;  „solchen  Kranen  ist  weh  gar  sehr  in 
dem  Bauche  und  wenn  sie  sitzen,  so  ist  ihnen  so  weh, 
als  wenn  ein  spitzer  Dorn  durch  den  Rucken  ging" 
(=  coccygodynla],  Pfeiffer  26  (veralteter  Dammriss]; 
franz.  dechirure  du  perinee).  —  Ein-BiBB^  Fissura, 
ein  nicht  vollständig,  nur  in  Teile  gebrochener 
Knochen,  der  bloss  gespalten  ist;  ein  leichter 
Riss  in  der  Oberflache  der  Schleimhaut,  Rha- 
gade. —  K  //  Riss,  1.=  Hautriss  (gegen  denselben 
sollte  das  Pellrisskraut,  Altbaca  vulg.,  Hleraclum,  Herba 
den»  leonls,  Taraxucum  offlciualis,  Malva  alcea,  Malva 
salraUca  (Kr.  Kr.  H.  22«.  359;  A.  v.  H.  I,  48;  D.  173; 
Jessen  228.  395]  helfen).  — •  2.  =  Augenfell?  (Gr.  W. 
VIII,  1499).  —  hirn  -  rissig  =  verwirrt,  als  ob 
der  Hirnschädel  oder  Schadelknochen  einen 
Riss  erhalten  hätte,   wohl  besser  tu:  rtltzig 
(s.  d.).  —  (16*4)  Krampf- Risse  -  krampfhafte 
Zuckungen  d.  tilieder,  (Jonvulsiones,  Eclampsia 
(Birllnger  I,  860).  —  Närb-,  Nänc-,  A'dr-Riss,  n. 
und  m.  (Neris,  Neres,  Nere,  Nervs»)  (Bayern, 
Schwaben  und  Kranken;  Gr.  W.  II,  1745;  1457  naerw- 
riss,  I.ammcrt  226 ;  1468  nerwls  ■  serpigo,  Gr.  ff.  VII, 
610;  D.  II,  211;  1475  ncryss  =  eine  Art  von  Klnder- 
raude.  Gr.  W.  VII,  610;  1482  nerwls.  ncris  =  esprig  = 
Ansprung,  Schindler  I,  1755;  1482  neryss  ~  Impetigo, 
Zening.  Voc.  13,  x  4  ;  1533  neris  =  eine  Krankheit, 
die  die  Kinder  „ankommt",  <ir.  W.  VII,  610)  -  der 
Einriss  der  Haut  bis  zur  narbenbildenden  Leder- 
haut (Corrion),  dem  sogen.  Närb  (s.  d.)  und  zwar 
durch :  a)  Schrunden,  Rhagaden  im  Gesichte, 
z.  B.  durch  Kälteeinwirkung ;  b)  durch  Flechten- 
ausschlage z.  B.,  Ekzema  der  Gesichtshaut; 


Rißt. 

c)  Impetigo  und  Serpigo;  d)  durch  die  Räude 
oder  Krätze,  welche  das  Fell  oder  die  Haut 
offen  u.  schrundig  macht  (Schindler  I,  1756;  Gr.  W. 
Iii,  1158  und  VII,  810);  e)  narbenbildende  Haut- 
ausschlägeauf der  tierischen  Haut  (Fell),  welche 
vermutlich  diesem  Krankheitsnamen  den  Ur- 
sprung gaben,  da  das  wertgeschätzte  Leder 
durch  dieselben  wesentlich  in  seiner  Feinheit 
beeinträchtigt  wurde;  von  den  Tieren  wird  der 
Name  anf  die  Menschen  Überträgen  worden  sein ; 
namentlich  ist  es  die  reizbare  kindliche  Baut  im  Ge- 
sichte, welche  solchen  Narb-  und  Anrissen  mehr  aus- 
gesetzt ist ,  weshalb  dieser  Krankheitsname  bei  den 
Alteren  Schriftstellern  als  eine  juckende  ,  belsscnde, 
schuppende  Art  einer  durch  Unreinlichkeit  erworbenen 
Kinderkrankheit  bezeichnet  wird  (Lammert  138).  — 
wilder  iYärfcriss  (wilder  Neris),  1.  =  roter  Fleck 
mit  Borken  (Scherzen)  und  kleinen  Einrissen 
am  Körper  des  Menschen  (Schindler  n.  473).  — 
2.  =  (1542)  wilder  Neres  =  Pferderaude  (Gr.  W. 
VII,  6io);  b.  Räude.  —iVVu  Riss  (Bayern)  Nuiriss 
=  ein  Einriss  durch  Verneuen  (s.  neu)  =  con- 
tundere,  conterere  (Schm.  I,  1758;  II,  1237;  Gr.  W. 
VII.  610).  —  (1735)  Zun?™ -Risse  (Kitzen)  =  Fis- 
surae,  Rhagade«  linguae  =  Schleimhauttren- 
nungen an  der  Zunge  (Woyt  98).  —  Bim- Flecken*. 

Rist ,  m.,  n.  (indogerm.  wrik ;  germ.  writh  =  drehen  j 
vorahd.  wrlst  ~  Drehungsstelle;  ahd.  rist,  Kluge  *. 
303 ;  1332  daz  riste,  daz  an  den  arm  stoezzet,  Schmeller 
II,  161;  mhd.  rist,  riste.  m.,  f.,  n.,  Gr.  W.  VIII,  1043  , 
resti,  n.  =  der  äussere  Teil  der  Iland,  Handgelenk. 
Kussgelenk ,  gebogener  Kussrücken ,  Kusswftlbung, 
Pferdeschultersteile,  II.  Z.  VI,  326.  Lexer  199;  1630 
ryss  =  tarsus  pcdls,  D.  674 ;  1538  rist,  rüst  m  der  er- 
habenste Teil  des  Kussrückens ,  der  dem  Kopfe  des 
Sprungbeins  u.  des  Kahnbeins  entspricht,  Hyrtl,  K.  W. 
129 ff.;  (Vllcommunl]  rist  =  ulna,  Schmeller  II,  161; 
ndd.  wrlst,  Oldbg. ;  Goldschm.  157  -  Handgelenk;, 
benneb.  Riss,  Ria  =  Kussrucken,  Fusspaune,  Spiess  II, 
196;  engl,  wrist,  writhe  =  Handgelenk,*.  —  Rist,  1 
Hand-  und  Fusswurzelgelenk  beim  Menschen, 
sowohl  das  Gelenk  selbst,  als  dessen  Umgebung 
(dorsal,  plantar,  palmar)  als  Drehungstelle,  ins- 
besondere u.  zwar:  a)  Carpus,  der  Handrücken 
ohne  Finger,  der  Vorderarm  unmittelbar  ober 
dem  Faust-  oder  Handgelenke,  entsprechend 
dem  AbBtande  zwischen  dem  Köpfchen  der 
i  Ina  u.  dem Griffelfortaatzedes Radius,  welches 
die  erhabensten  Teile  dieses  Gelenkes  sind, 
das  „Riste"  des  Schwabenspiegels  (Hyrtl,  R.  12« ; 
Gr.  W.  VIII,  1044)  =  Handrist  od.  Armrist;  ^Tar- 
sus, das  Fussgelenk  ohne  Zehen  als  Drehung- 
stelle des  Fusses  und  zwar:  a)  der  sog.  Fuss- 
reihen (s.  Reihen)  Connexuui  pedis;  ß)  der 
Fussrücken  od.  der  Spann  (s.  d.),  Möns  pedis; 
Y)  der  schmälste  Teil  des  Fusses  oberhalb  der 
Knöchel ;  2)  (mhd.)  die  Fusswölbung  =  Fussrist 
(Gr.  W.VIII,  1044).  —2.  =  beim  Pferde  die  Beugung- 
oder Drehungstelle,  das  Gelenk  zwischen  Hals 
und  Schulter,  der  erhabenste  Teil  des  Pferde- 
rOckens  am  Ende  der  Mähne,  die  4 — 5  höchsten 
Dornfortsätze  der  Rackenwirbel,  als  die  Stelle, 
wo  das  Tferd  vom  Rist  bis  zum  Widerrist  ge- 
messen wird  (15.  Jahrb.  rist  =  ola,  Schuherblatt, 
D.  II.  270;  Gr.  W.  VIII,  1044;  Hyrtl,  K.  129;  Mayer  35;. 
—  3.  die  Riester  =  die  Beine  (Schmeller  II.  162).  — 


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Kister— Kitt. 


Kitt. 


AI.? 


A  <  -m-Rist  =  Rist  1  a  (Hyrtl,  K.  \\  .  12»).  —  Bogen- 
Rist  (pogriste,  Schmeller  II,  161) -die  einen  Bogen 
bildende  Fusswölbung.  —  Fusi  Rist,  l.  =  imhd. 
vnoi  riste,  m.)  =  Fusswölbung,  Rist  1.  bf  (Lexer 
3«o).  —  2.  =  (1743)  Tarsus,  Rist  1  b,  der  Kist  auf 
dem  Fusse  (A.  v.  n.  II,  1284;  blbl.  Med.  333).  — 
3.  =  der  l'nterrist  (s.  d.).  —  HandBAst  =  Rist  1  a 
(Graff  U.  Ml ;  Hyrtl,  K  w.  128).  —  Aodtristig  =  einen 
hoben  Fussrist  habend  (Schin.  H,  161).  —  Knie- 
Rist  (chniorest,  Schmeller  II,  161)  =  vermutlich 

das  Kniegelenk.  —  Rist  (1777  ober  rhu  = 

tarsus  pedls,  D.  674  ;  übcrrüss,  th.  v.  Schal.  436)  =  der 
obere  Teil  des  Fussrurkens.  —  (1743)  Unter- 
Rist  -  Metatarsus,  der  Fussrucken  oder  der 
Fussrist  3  beim  Menschen  (blbl.  Med.  334).  — 
I  Riss, ) 

Wider-  Rust,  l.  ■  der  Rist  2  beim  Pferde,  der 
iRistJ 

als  ansteigende  Erhabenheit  zwischen  Hals 
und  Rdcken  des  Tieres  für  das  Geschirr  des- 
selben beim  Zuge  ein  Widerlager  bildet  (Wider- 
horst) (Falke  II,  4M).  —  2.  =  diese  Stelle  zwischen 
Schulter  und  Hals  beim  Menschen  (Akrestis) 
(Kraus.  E.  14)  —  Widerrist- Schaden.  —  Rist- 
Bein 

Rister,  f.  k  tisch  verschlechtert  aus)  Richte,  (. 
=  Placenta  (Birllnger  II,  77)  (s.  Richte).  —  ristern 
(röstern)  =  reustern,  räuspern  (ructuare,  D  ). 

Ritt,  in.,  f.  Ritte,  m.  Ritten,  m.  Rid,  m. 

Rütten,  m.  (Rede)  (vorgerm.  hrlt  —  wild  sich  be- 
weiten;  (renn,  britbo;  vorahd.  hrlthjo  —  Fieber;  angls. 
ridlau  =  febricltare;  ahd.  rldön  =  tebrieitare,  zittern; 
ritto,  rito  -  tremor,  das  Zittern,  das  Kleber,  febrls, 
Kluge  * ;  II.  Z.  XV,  57,  Graff  II.  475.  476;  Gr.  f>.  M.  II. 
im:.  Gr.  W.  III,  1620;  10.  — 11.  Jahrb.  riten  m  tremor, 
febris,  Notker;  12.  Jnhrh.  rltlo  -  febris,  H.  Z.  XV,  361; 
13.  Jahrb.  rite  jouch  fleber.  Graff  II,  475;  14.  Jahrh. 
ryden,  II.  Z.  XIII,  216;  ritte  s  febris.  Voc.  opt.  W.  41; 
mndd.  de  rede,  Mag.  Barth.  89a;  mbd.  rite,  m.  ritte,  in. 
ritt,  m.  [letzteres  gekürzt  aus  vorigem]  —  das  kalte  | 
Fieber,  der  Frörer,  Fieber  überhaupt,  Gr.  \V.  III,  1620; 
riden  =  zittern;  1420,  ndd.  die  rede  vel  caelde  = 
febris.  D.  228 ;  1482  rytt  =  lebris.  kalte  Sucht.  Sucht, 
Zening.  Voc.  aa  »;  1483  ritten  =  «übt,  febris,  C.  v 
Megbg. ,  1495  ryderu  labare,  zittern,  I).  313;  1520 
ritten  =  kaltes  Weh.  Gr.  W.  VIII,  1052;  altsäch.  redde, 
redte,  ridde.  ritte,  ridtse.  rijde.  rijderen,  Kuhn,  Zeltschr. 
X,  69;  1535,  1546  ritten,  (ir.  W.  III.  1620;  V.  1963; 
Fromm.  VI,  2;  1561  ritten  =  Kaltweh,  Gr.  W.  VIII. 
1061;  1575  ritten  -  Fiel»er,  Gr.  W.  VIII,  1052;  1583 
ritten  =  kaltes  Weh,  Gr.  W.  VIII,  1052;  1590  die  rith 
=  febris.  Gr.  W.  VIII.  1051;  1618  der  rid  -  Fieber,  I 
Schmeller  II,  68;  (Schweiz]  rije  =  ritte.  Fieber,  C.  v. 
Scbm.  432;  [Bayern]  der  rid,  Schw.  1098;  Schmeller  II, 
58;  [Schwaben]  rit,  rüt  -  Fieberanfall,  f.  v.  Schm.  432; 
[Elsass]  ridere.  Fromm.  VI,  1.;  rilschlt  [s.  schult];  den 
rieden,  1.  eod.  VI,  12  =  das  Zittern.  Beben,  Rütteln 
und  Schütteln  beim  Kieberlrost.  der  ob  seiner  Regel- 
mäßigkeit des  Kommens  und  Gehens  eine  der  auf- 
fälligsten Erscheinungen  war,  und  deshalb  ganz  den 
Eindruck  eines  erscheinenden  und  schwindenden 
Da mouen wesens  machte,  wurde  namengebend  für  das 
Fieber  schon  in  urgermaniseben  Zeiten  und  blieb  es 
lange  Zelt,  trotzdem  das*  der  Verkehr  der  Germanen 


mit  den  Römern  schon  in  voralthocudeuUchcr  Zeit 
das  lat.  febris,  feber,  fleber  als  Begriffswort  gebracht 
hatte,  welches  einen  allmählichen  und  so  vollständigen 
Ersatz  des  einheimischen  Ritten  herbeiführte,  dass 
letzteres  Im  Volksmunde  ganz  verschwand,  nachdem 
es  in  Verwünschungsformeln  des  15  und  16.  Jahr- 
hunderts als  Krankheitsname  eine  üble  Nebenbe- 
deutung erlangt  hatte;  „habe  den  riden  und  die  suht 
urab  dinen  hals",  Ritten  also  =  eine  an  den  Hals  sich 
hangende,  angewnnschene  Seuche,  Gr.  D.  M.  II,  1107; 
sie  sollte  den  Menschen  überfallen  und  scbütteln 
|s.  schütten],  Coler,  H.  A.  183;  (ieiler  v.  Kaisersberg 
s  Fromm.  VI,  1;  ,,ins  ritu  nsmen'"  flucht  auch  Hans 
Sachs,  überhaupt  rouss  sich  das  Volk  die  Ursache  des 
Ritten  als  einen  Unglück  und  Verderben  bringenden 
Alpgeist  [l.aistner  II,  338]  oder  dämonisches  Ratzel 
[s.  d.]  vorgestellt  haben,  der  auch,  wie  öfters,  von 
Satanas  [Gr.  D.  M.  1,  433],  der  den  Menschen  „ritert" 
abgelört  wurde;  Simrock  (H.  I).  M.  398]  vermutet  auch 
hinter  der  Rlttona  eine  Personifikation  des  Rittens ; 
ebenso  sind  die  40  ,, Ritter"  als  Wetterherren  des  Bauern- 
kalenders [10.  März]  wohl  abgelöste  Gestalten  des 
Heidentums;  das  hohe  Alter  des  Namens  Ritten  ergibt 
sich  auch  durch  die  vielfachen  Besprechungsformeln, 
in  denen  derselbe  auftritt  u.  seine  Verbannung  in  den 
Wald  od  [1309]  Rittenboum,  Buck,  Flurn.  219;  Hoffm., 
Monat&chr.  f.  Scblcs.  1829,  II,  763;  Schwanz  384).  — 
Ritt,  Ritte,  Ritten  ist  demnach :  1.  =  das  durch 
einen  rüttelnden  und  schüttelnden  ethischen 
Dämon  nach  dem  früheren  Volksglauben  er- 
zeugte Fieber  (Frostechauer)  im  allgemeinen.  — 
2.  =  namentlich  das  schüttelnde  Froststadium 
desselben,  der  Frierer,  das  kalte  Weh,  das  kalte 
Fieber  etc.  —  3.  =  die  Personifikation  dieses 
Fieberdämons.  —  4.  =  Ritt  =  Kipp  und  Rippe 
(Riet!)  (Gr.  W.  VIII,  1035).  —  5.  Ritt  (1618  equttatus; 
1680  coltus.  Gr.  W.  Vlli.  1051);  dies  zu  „reiten" 

(s.  d.).  -  ri^Cht|  <an*ls-  riderobt  =  febris,  Kuhn. 

Zeltschr.  VI.  69;  1477  rittig  as  Hebernd,  Ortolf;  1498 
rittig  —  febricitaus,  Brau  11  ich w.  Chirurgie;  1518  rittig 
bs  febricltans,  H.  v.  Gersd.  24 ;  [Schwaben]  rüttig,  C.  v. 
Schm.  432),  1.  -  mit  dem  Fieber  oder  Killen  be- 
haltet. —  2.  =  rittig,  zu  Ritten  5  (von  Tieren) 
(Gr.  W.  VIII.  1078;  Schmeller  II,  1083)  =  läufig,  auch 
mit  der  Wut  behaftet.  —  Rittung,  f.  (ostpr ) 

—  das  (iliederreissen.  —  dreitägiger  Ritten 
(14.  Jahrh.  dreytägich  ritt.  D.  680)  =  Febris  tertiana 
(s.  Fieber).  —  einfältiger  Ritten  (bei  Thomas 
Murner:  „das  dich  der  einfaltig  ritten  schlt,  Als 
kündstu  nit  ganz  drü  erzelen".  Fromm.  VI.  2)  =  (im 
liegensalz  zum  dreitägigen  K.)  das  eintägige 
Fieber  —  (15.  Jahrh.)  Kintags-BAtte(.n)  (=  epbe- 
mera,  D.  II.  153).  —  cr-rittern  (erridern,  Schmeller 
II,  68)  =  vor  Fieberfrost  erzittern.  —  gacher-, 
(16.  Jahrh.)  #äA-,;'acA«--,(l6l2)jaÄr-Ritten  =  schnell, 
jäh  überfallendes,  buchst  akutes  Pestilenz- 
fieber, der  sogen,  „gache  Tod",  vor  dem  der 
Pestpatron  St.  Chi  istoph  schützen  sollte  (gäritten, 
jhachritten,  Jahritten.  Fromm.  VI,  1.  2;  Gr  D.  ftf.  II. 
1107;  Gr.  W.  VII.  1574;  Schmeller  I,  1205;  II.  183) 
(h.  Jahr-Kilt).  —  (168s)  heissvr  Ritten  -  das  nach 
dem  Rittenfrost  oder  Kaltesladium  des  Fiebers 
folgende  Hitzestadium,  der  Paroxysmus  der 
Fieberhitze  als  sogen.  Rittenhitze  (Tabernaem  ). 

—  flerr-Ritten  '14  Jahrh.  herzrit     syncope,  Voc. 

33 


514  Ritt— Rittein. 


Rittona— St.  Rochus. 


opt.  W.  U;  1449  hcrzrltl  -  enrdia  [cardialgla],  Heina. 

I,  CIO  nib  Unken;  II.  183;  1482  hertzryt  —  cardiaca 
|*cil.  tebtto],  Zcning.  Voc.  o  3;  MSI  hcrtzcrite  —  Herz- 
fleber,  C.  v.  Megbg. ;  Lcxer  »9;  1680  herzritte  =  He« 
fleber,  Gr.  W.  IV,  2.  1259;  hertzerytiger  -  cardiacns, 
Schindler  II,  1S3).  1.  =  der  beim  heftigen  Fieber 
subjckti  v  als  Präkordialangst  empfundene  Herz- 
druck.  —  2.  =  Herzdruck,  Herzbeschwerde, 
Cardialgia  überliaupt,  auch  ohne  Fieber.  — 
8.  =  der  sogen.  Fieberkollaps,  Ohnmacht  mit 
DruekgefUhl  auf  dem  Herzen;  (vergl.  Herz- 
rfttz).  —  herz-ewiger  Ritten  (UM  der  hertzewige 
ritt  tranu«'  sie  an,  Fromm  VI,  2)  =  im  (iegensatz 
zum  Herz-Jahr-Ritten  (s.  d.)  gebildet,  um  das 
Chronische  des  Fiebers  (das  Kwige)  anzudeuten. 

—  Herz-  Ja/»  - Ritt  (bei  Tli.  Mnnicr:  «las  in  der 
hertz  inr  riten  sehlt '  da*  dich  der  hertz  jar  ritten  sebit ') 

—  ein  jäher,  plötzlicher  Herz-Ritten  (s.  o.) 
f. .Jahr"  Ist  au«  jacher  entstellt  nnd  als  annu»  tntss- 
verstanden)  —  Jf/Är-Ritt  (ahd.  iarritt,  Gr.  D.  IL  II, 
1107;  1590  das  sie  der  Jarritt  schult,  fromm.  VI,  2; 

II.  —  IC.  Jahrh.  jaritt,  jaritten.  jhachritten,  jachrilten. 
Fromm.  VI,  1;  1*12  iarrid,  H.  Sai  hsj  =  der  gache 
Kitten  (s.  d.)  (nicht,  wie  Grimm  [I.  c  ]  meint,  das  ein 
Jahr  lanir  daaemde  Fieber,  ..Febris  qnac  anmim 
durat".  Fromm.  VI.  1;  Gr.  W.  IV,  2.  2247;  Schmeller 
II,  188).  —  kleiner  Ritten  -  Febris  ephemer«, 
kurz  dauerndes  Fieber  (tir.  w.  VIII,  10-*i9;  16.  Jahrh. 
ein  klalner  ritten,  ein  klein  fleber.  Fromm.  VI,  2).  — 
A'nofcn-Ritt  (..daz  dich  der  ritt  Inn  knoden  schütt'" 
1575;  Gr.  W.  V,  SM;  (ir.  D.  M.  II,  1107),  eine  in  Ver- 
wünschungen auftretende  Bezeichnung  für  das  Reis- 
Ben  der  Gicht  in  den  Gliedern  oder  Finiter- 
knoten  (s.  Knöchelkoortsen).  —  leidiger  Ritten 
(der  leide  ride,  Gr.  T>.  M.  II,  1107)  =  ein  wider- 
wärtiges, beschwerliches  Fieber.  —  närrischer 
Ritten  —  das  akute  Delirium  mit  sonderbaren 
Gehirnerscheinungen,  das  sogen.  Xarrenfieber 
(s.  d.)  (Gr.  W.  VIII.  1052).  —  72  bezw.  77  Ritten 
(14.  Jahrh.  7ü  ritten,  riten,  Hoff  mann  I,  S44;  Z  f.  d. 
Philol.  XXVIII,  39).  In  den  Rittensagen  willst  Johann 
in  den  Wald  Rehen,  um  dort  Weiden  zu  hauen,  an 
denen  er  dio  72  Kitten  anbinden,  d.  h.  In  den  Wald 
verbannen  will,  worauf  sie  von  den  Kranken  ablassen 
sollen.  Ule  77  Ritten  entsprechen  den  77  Fieber  oder 
70  Fieberinnen  (s.  d.  n.  7)  und  bedeuten  die  oft  und 
unablässig  wiederkehrenden  Fieberanfälle.  — 
täglicher,  dreitäglicher,  viertägiger  Ritten  114.  Jahr- 
hundert; Voc.  opt.  =  febris  tertiana;  1483  der  vierlage 
rite,  vierte*!«-  ritte,  <\  v.  Xtgbg. ;  toglioher  ritte,  D.  II, 
11«;  1507  das  tegliebe  ritten  =  febril  quotidiann,  I).  154. 
»41;  Gr.  W.  VIII,  1052;  Gr.  I).  M.  II.  1107;  I.oulcenis; 
C.  v.  Schm  432;  Hoffuiaun  I,  200)  =  das  alle  Tage, 
alle  drei  oder  vier  Tage  erscheinende  Wechsel- 
lieber  (s.  d.),  Intermittens  juotidiana,  tertiana 
und  quartana,  da*  nach  altüblicher.  dämonisthwher 
(«.  Wechselfieber)  Ätiologie  durch  Rannworte  u.  Ritten- 
segen besprochen  wurde.  —  (14.  Jahrh.)  zwirfalt 
dreitägige  Ritten,  1  =  Fehiis  hemitritea,  ein 
Wechseltieber,  welches  im  Rythmus  duplicatus 
jeden  dritten  Tag  zweimal  auftrit  (Voc.  opt.  w.  41 , 
1468  zwiualUg  ritt;  zwlfaltlger  ritte  =  emetrite.i.  I>.  II, 
148).  —  2.  =  s.  halbes  Tertianlieber.  —  ritt-, 
Rltt(en)-,  rittige  Ding  -Frost,  -Hitze,  -Kuchen, 
•Pein,  -Rose,  -Schutt,  '-»tätig,  -  Weh,  -  Weiblein 

Rittein  s.  Rotein. 


Rittona  s.  Ritten 

Ritze,  f.  RitZ,  m.  (ahd  rizzati,  rizzön  =  reisseti; 
mhd.  ri«,  m.  ~  Ritze,  Wunde;  diu.  ridse;  rizen  = 
ritzen,  verwunden.  Kluge*,  303),  1.  —  ein  leichter 
Riss,  eine  fehlerhafte,  in  die  Länge  sich  er- 
streckende Trennung,  Wunde,  Schrunde  (Scis- 
sura,  Lacsio,  Rhagade»)  in  Körperteilen.  Der 
Rias  (s.  d.)  ist  stärker,  gewaltsamer,  weniger 
regelmässig  in  seinen  Erscheinungen  als  die 
glattere,  gleich  massigere  Ritze.  —  2.  =  die  na- 
türliche Vertiefung  (Rima,  Cunnns)  an  und  im 
Körper,  auch  ohne  eigentliche  Gewebstrennung, 
bezw.  Läsion,  t.  B.  Luftröhrenspalte  (1783;  Ewich 
139).  —  3.  =  jede  andere  lückenhafte  Verletzung 
am  Körper,  z.  B.  ein  Quetschungsriss.  —  4.  Ritz, 
ritzig  =  Rotz,  rOtzig  oder  Rotz  (s.  d.)  (Gr.  W.  II, 

408;  VIII,  1280,  A.  v.  II.  I,  11761.   —  5.  ss  S.  auch 

Rist.  —  ritzen,  1.  =  in  Form  eines  Ritzes  ver- 
wunden. —  2.  =  nach  dem  Tone  des  Ritzens 
mit  den  Zähnen  knirschen.  —  3.  =  an  der 
Ritze  2  (Cunnus,  Rima  genitalis)  brünstig, 
geil   sein   (Schmeller  II.  195;  Gr.  W.  VIII.  10SS. 

low).  —  ritzig  -  s.  rotzig.  —  Ritzigkeit  - 
s.  ROtzigkeit  (F-alko  II,  242).  —  Atem -Ritze  - 
Kehlritze  als  ganzer  Teil,  der  zur  Atemzufuhr 
dient,  im  Gegensatze  zur  Stimmritze.  —  d"6U 
I  Gurgel-Hitze  =  Rimula  laryngis,  Kehlritze 
I  (L.  chlr.  74).  —  Horn-Ritze  =  eine  auf  die  äus- 
]  serste  Hornwandschichte  des  Hufes  sich  be- 
schränkende Spaltbildung  (Falke  I,  411).  —  Kehl- 
Ritze,  f.  -RitZ,  m.  (1753;  Löveling  165)  =  Atem- 
oder  Stimmritze  im  Kehlkopfe  (Gurgel).  —  (1793) 
SrÄam-Ritze  =  Rima  vulvae,  Cunnus  (Gr.  w. 
VIII.  2122;  Kraus.  E.  904).  —  Stinim-Ritze  (dan. 
■terameridse)  =  Glottis  vera  s.  vocalis,  eigentlich 
nur  der  vorderste  Teil  der  Kehlritze,  als  natür- 
liche Trennung  oder  Öffnung  zwischen  den 
Stimmbändern  des  Kehlkopfes.  —  (1748)  Zäpf- 
/ci««-Ritz  =  Rimula  laryngis,  die  Keblritze  oder 
Gurgelritze  unterm  Kehldeckel  (=  ZüpfleiiO 
(K.  a.  C7).  —  Zungen-Ritzen  s.  Risse. 

RizeL,  pl.  s.  Rieseln. 
Robe,  f.  8.  Rufe. 

Röbbel,  f.  (Schwaben.  KUaas,  i  .  v.  Sclim.  4;:5; 
Schmeller  II,  lsu)  =  Nymphomanica. 

roch  ».  roh  d,  rauh.  —  Roch-O//. 
rochlen  s.  röcheln.  —  Rochel- More*. 

St.  Rochus  (RochiUS).  Der  Pilger  8t.  Rcx-hu« 
mit  der  krauken  Ferse,  der  aus  der  ersten  mlttelalter 
liehen  Medtzinschule  am  Möns  pesuianus  (Mont  r*lller 
kam,  wo  schon  seit  uralten  Zelten  heilkräftige  Pesl- 
krautcr  gepfluckt  wurden,  ist  Patron  gegen  Seuchen 
(Feil).  1507  „der  Marschalk  der  Pestilenz"  und  gegen 
Hautkrankheiten  (s.  Kultkalend.  in  Z.  d.  D.  0.  A.-V 
1893,  S.  203).  Nach  der  üblichen  Volksetymologie  sollte 
er  (1516)  Gottes-, .Räch"  (s.  Rache)  abwenden  (Luther, 
Zehngebotepredigt).  —  H'cnWa(f)-RochUB(c«),  L  ■ 
ein  wehleidiger  Mensch,  dem  es  überall  fehlt. 
2.  -  ein  Mensch  voller  Hautwunden  oder  Ab- 
schürfungen, dem  hl.  Rochus  mit  dem  kleinen 
Weh  (=  Waihle)  oder  mit  dem  Ochele  (s.  d.)  an 
der  Ferse  an  die  Seite  gestellt  (Blriinger  I,  55; 

IT.  72;  Ruck  1H  25)  —  St.  RochnS-PfcW 


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rochzen— Röhre. 


rölen— Rogen. 


rochzen  s.  rttehsen  (rnctuare.  l>.  602;  ahd.  roho- 
zeda  =  rietus  [nictus],  oris  apertUo,  I).  198)  —  öfters 
den  Hachen  entleeren. 

Rock,  in.  (lndogerm.  ruk  —  spinnen;  gorm  rokka; 
ahd.  roc  =  Kleid;  mhd.  roc  =  Kleid,  Überzug,  lunica. 
Kluge  ,  304);  damit  verglichen  und  aus  lat.  tunica 
=s  die  die  Organe,  z.  B.  Auge,  Ader, 
einhüllenden  Gewebshäute  (s.  Balg).  — 
(1483)  Ader-Röcke.  Nach  C.  v.  Megenberg  hatten 
die  Venen  nur  einen  Rock  (tunica),  die  Arterien 
dagegen  zwei  Rocke,  bezw.  Membranen  (Scbm. 

II,  46;  Gr.  W.  VIII,  1098).  —  .  I  ugt ■:>! Röcke  (1483 
Röek  des  Auges,  C.  v.  Megbg. ;  1651  augenröcke.  Hyrtl, 
K.  w.  130)  =  die  da«  Augen-Innere  umhüllenden 
Ilaute  oder  Membranen,  von  welchen  C.  v.  Meg- 
berg  7  aufführt.  —  (1483)  Harnblasen-Röcke  = 
die  die  Urinblase  bildenden  Haute,  Tunicae 
vesicae  urinariae  (<".  v.  Megbg.;  Hyrtl,  K.  \v.  130; 
Schmeller  II,  118).  —  Rock-^lrfer. 

Rodel «.  Rotel. 

rodeln,  Rodler.  Der  rollende,  röchelnde 
Naturlaut  de»  nchnurrend  und  keuchend  At- 
menden (Schmeller  II,  62;  Gr.  W.  V,  439).  —  Rodler 
-=  der  rollende,  löchelnde  Rasselton  auf  der 
Brust  (Schmeller  II,  62).  —  rWrodel,  »•  1.  =  der 
rollende  Ton  in  den  krankhalt  aufgeblähten 
Gedärmen.  —  2.  m  der  dabei  subjektiv  empfun- 
dene, grimmende  Leibschmerz,  das  Bauch- 
grimmen (C.  v.  Scbm.  214). 

Robbe,  f.  s.  Rippe. 

Röche,  f.  s.  roh. 

röcheln,  rögeln,  rogel  (oberd  ),  rogein  (indo- 

germ.  rog  (rugire];  germ.  ruh,  nihh;  ahd.  rohön;  mbd. 
röhen,  ruecbeln,  Kluge*,  304;  Graft  II,  431;  Gr.  W. 
VIII,  1091  j  letiterer  hall  es,  vielleicht  mit  Recht,  für 
ein  lautmalendes  Wort,  das  entsprechend  den  ver- 
schiedenen Schattierungen  der  Rasseltune  auch  In 
mehreren  Ncbenlormen  [rücheln ,  richeln,  röcheln, 
rogein]  vorhanden  ist)  =  aegre  respiraie,  asthmate 
allici,  das  raBselnde,  in  kleinen  Hohlräumen 
durch  das  Hin-  und  Herbewegen  von  &ehau- 
migen  Schleimblasen  in  den  Luftröhren  erzeugte 
Tongeräusch  (Stertor,  roumeau),  welches  na- 
mentlich beim  Lungenödem  .Schwerkranker  od. 
Sterbender  auf  der  Lunge  zu  hören  ist.  —  rogel 

=  locker,  beweglich,  vom  Schleim  der  Luftwege, 
(übertragen  auch  auf)  Zahne  (Schmeller  II,  7.'.).  — 
rogein,  rögeln,  röglen  =  mit  lockerem,  rollen- 
dem Schleime  auf  der  Brust  keuchend,  röchelnd, 
schwer  atmen.  —  großein  —  einen  (tero^leten, 
rollenden  Ton  in  den  Gedärmen  erzeugen  (Scbm. 
I,  992).  —  v-rogelt  («erOglet,  gerüglet)  =  mit 
lockerem,  rollendem  Schleime  in  der  Kehle, 
z.  B.  bei  Kehlkopfkatarrh,  Satthals  behaftet, 
heiser  (Schmeller  I,  992).  —  örögler  (Grflgler),  ni. 

=  einer,  der  öfters  rodelt,  oder  das,  was  rogelt, 
rögelt,  Heiserkeit  mit  locker  rollendem  Schleime. 
—  Todes- Röcheln  (s.  o.). 

Röfle  s.  Rufe. 

röfezen  =  röpsen,  rüpsen. 

Rogner,  m.  1.  =  s.  regen.  —  2.  =  8.  Rogen. 

Röhe  s.  Rähe. 

Röhre,  röhren.  1.—».  Rohr.  —2.-8.  rühren. 


rölen.  —  mich  rölt  (Z.  f  d.  PUL  m,  sss)  = 
mich  rotelt,  schaudert  es  (Frost). 

rölpsen  (rölzen,  grölpsen,  gröltzen)  (-eine 
Nebenform  zu)  rülpsen  (s.d.),  aufstossen,  ruetuaro 
((ir.  W.  VIII,  1152.  1179;  D.  :>02).  —  RölpS,  tü.  = 

das  einmalige  Rülpsen  (Urquell  IV,  203). 
röpsen,  Röps,  Röpser,  rörpsen  (uhd.  röfazjan. 

rofazön  ,  Gr.  W.  VIII ,  1479  ;  13.  Jahrh.  ropbunge  b 
emetatio,  D.  401;  mhd.  rophez,  m.  =  der  Rülps,  Rülps, 
RAps ;  ropsen  =  rüpsen.  rülpsen,  anfstoiwcn,  lS78rörpseu 
=  rülpsen  ,  Gr.  W.  VIII ,  1161 ;  l->88  röpsen  -  auf- 
;  stossen,  Tabern.)  =  den  rülpsenden  Ton  von  sich 
geben,  durch  Aufstossen  aus  dem  Magen.  — 
(1788)  Röpser  =  Singultus,  ein  Vorbote  der  Ge- 
burtswehen (Stein  164).  —  (1688)  auf  rüpsen  ■ 
ruetuarc  aus  dem  Magen  rülpsend  aufstossen 
(Thes.  «an.  Br.  907  ;  Tabernaem  ).  —  bitteres  Röpsen 
(13.  Jahrh.  bitter  rophunge  —  oxyrheuma,  eruetatio 
acetosa,  I).  404)  =  galten  bitteres  saures  Aufstossen. 
—  Geröpser  (Gröbsor)  =  der  öfters  wiederholte 
Rülps-Ton,  Rülpser,  Ructus.  —  Magt  ».-Röpsen 
(1592  magon  röpfl.  Beb.  99)  =  das  laute  Aufstossen, 
Reupsen,  Koppen. 

rÖSCh  (resch)  (ahd.  rosci;  mhd.  roscb ,  rösche, 
Kluge*.  W.  =  rasch,  rasch  [s.  d  ],  rass.  rass,  hBrrscb, 
hart,  frisch  [von  Pferden],  spröde,  rauh,  Scb.  198), 
vergleichsweise  gebraucht  von  der  pelzig,  rauh, 
spröde,  heiser  klingenden  menschlichen  Stimme 
(Gr.  w.  VIII,  1162).  —  6rm-rÖsch  =  knochenhart 
(Schi.  81). 

Röschen,  n.  s.  Röslein  u.  Rose. 

Rösel,  n.  Röslein,  n  Rössel  (mhd.  rSatttn, 

roseliu,  rösel  -  rosula,  Gr.  W.  VIII,  1234;  1394  rescl = 
kleine  Blattern,  Rlsamen,  Engerling  im  Antlitz,  1>.  289; 
l.'iWj  röslein,  rüssel  =  apoplexia,  paralysls,  Tabern. ; 
Gr.  w.  VIII.  1269),  1.  -Röächen  (s.  Rose).  —  2.  - 
Stelle  im  Gesichte,  wo  die  roten  Wangen  (Rös- 
lein) sind,  Mentutn,  Mandibula  (Karnthen  ;  Gr.  \V. 
VIII.  1181.  12:>8),  selbst  Kinnbacken.  —  3.  =  blut- 
rote Haut- Flecken,  Kcchytnosen  (=  apoplexia, 
pamlysis),  die  man  als  Zeichen  des  Habitus  apo- 
plecticus  ansah.  —  4  =s.  Rieseln.  —  roselecht 
(röslet)  (mhd.  röseloht;  1580  roslat,  Schm.  II.  16t]  = 
in  der  Gesichtsfai  be  rosig.  —  /,Veif7uj/-Röslein 
(Höschen)  =  Kirchhof- Äuglein*,  Kirchhof- 
Blümlein,  fleckige  rote  Wangen  als  Zeichen  der 
hektisch  Lungenkranken  (Gr.  w.  VIII ,  litt}.  — 
(1C99)  GV.-u'cÄ/8-Röslein  =  Gutta  rosaeea,  sogen. 
Blüthen,  Blumen,  die  kupfer-  mler  rosenroten 
Hautpusteln  im  Gesichte  (v.  M.  n,  US). 

Röteln  s.  rot. 

rötzeln,  Rötzier,  rotzig  s.  Rotz. 
Rofang  s.  Rufe  u.  ropsen. 
rogel  s.  röcheln. 

Rogen,  tu.  (vorahd.  hrognn;  ahd.,  mhd.  rogen  — 
Gesamtheit  der  rohen  Fischeier;  Ii«.  Jahrh.  rogner, 
Lonic.  :;.'>3;  Kr.  Kr.  B.  695;  Kluge*,  304);  damit  ver- 
glichen), 1.  =  Magensaft,  Labe,  Renne,  Lttpp, 
der  das  Rohe  kocht,  verdauen  macht  (1731;  Gr.  w. 
VIII,  1 1 10).  —  2.  =  (übertragen)  menschlicher  Samen 
(GenilDea)  (Schindler  II,  7C).  —  .Fr08<7i-G<TÖg  = 
Sperma  ranarum,  Froschlaich  (Lonic.  330), 

33* 


uigmzeo 


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Konten— Rohr. 


Rohr 


Roggen,  m  Roggen  -Muhme,  -Mutter, 
-Wolf. 

roh  (roch),  Rohe,/  Roche,  f.  (vorgerm.  krü 

[cruor,  crudus];  germ.  hm;  vorahd.  braun;  ahd.,  tnhd. 
r<".  [rou);  Mgl.  raw.  Kluge*  304;  Gr.  W.  VIII,  1115)  = 
ungekocht,  frisch,  unreif,  fleischlos,  wund,  rauh, 
noch  blutig,  nicht  recht  entwickelt  (hager), 
nicht  im  Körper  durchgekocht,  noch  im  J.  Sta- 
dium der  Krankheit  (nach  Hlppokratlscher  Kehre) 
befindlich.  Nach  dieser  Lehre  veranlagte  eine  noch 
ungekochte  Materie  die  Verschiedenheit  der  Krank 
hcitxsyinptome  je  nach  dem  Übergewichte  de»  einen 
oder  anderen  Klementes  oder  ürnndfeucht«  (Humor), 
auf  deren  harmonischen  Mischung  (».  Temperament) 
die  Gesundheit  oder  Norm  beruhen  sollte;  ein  solcher 
im  übergewichte  befindlicher  Grundstoff  sei  noch  un- 
gekocht und  werde  erst  nach  der  Kochung  (s.  d.  und 
Krisls)  im  sogen,  kritischen  Stadium  ausgeschieden 
(Baas  i>9).  —  Roh,  n.  -  la  crudit^,  das  rote  Kücken- 
blut (b.  d.)j  das  beim  Milzbrand  (Anthrax)  sich 
in  den  Mastdarm  ergiesst  und  sichtbar  unver- 
daut, roh  aus  dem  Gedärme  des  kranken  Rind- 
viehs entleert  wird  (Hessen;  Gr.  \V.  VIII,  1119).  — 
(1699)  Rochigkeit  Röhe,  f.  L  =  der  rohe,  rauhe 
Zustand,  z.  R.  im  Halse  (US!  die  rohe,  röche.  Kraut«  . 
XIX.  XXXIV;  Coler.  H.  A.  IM,  v.  M.  I,  8c).  —  2.= 
s.  räch  (Rahe).  —  rohe  <\  >.  Bauchflugs,  Feuchte, 
Fleisch,  Geblüt,  Hals,  Materie,  VVesen,  Zapfen. 

Rohm,  m.  s.  Raum. 

Rohr,  n  Röhre,  f  röhren  (Kern.  rau«a  — ;  vor- 
ahd. raiua,  roro»  =  Hohlstengel.  Kohre.  Kluge*,  .KM. 
305;  ahd.  röra,  rör;  nihd  rör,  rörc,  rore,  roren,  Lcxer 
201  -  Harnrohre  [penis],  Luftröhre,  Hr.  W.  VIII,  1127; 
1603  röhre  =  l'ferderöhrenkuochen,  Gr.  \V  III,  1556; 
1618  rohr  =  urethrn.  l'aracels. ;  Pr.  II,  82;  engl,  roar  — 
röhren,  brüllen,  Kaltschm. ;  lf»99  raren  a  brüllen,  Schell 
US).  —  Röhre,  f.^das  Rohrförmige  (Kluge»,  30.»). 

—  Röhrlein,  Röhrl,  n.  l.  =  (tnh<l.  rörlin)  kleine 
hohle  (Blut)-Gefasse  (V.  v.  Megbg.;  Gr.  W.  VIII, 
1132).  —  2.  =  Penis  als  Harnröhre  (Huck  16;  Hyrtl, 
K.  w,  211).  —  röhren,  röhren  (-rehron,  reren), 
1.  =  durch  die  Luftröhre  ein  Geräusch,  einen 
Ton  erschallen  lassen  beim  Hirschgeschrei  od. 
Pfeiferdampf  d.  Pferde,  schreien,  laut  sprechen, 
weinen  (bei  Kindern)  (Tirol.  Bayern;  Z.  d.  V,  f. 
V.-K.  18%.  312;  8chm.  II,  133;  Ztpp.  109;  Kalke  II,  194). 

—  '2.  ss  durch  eine  Rolire  etwas  rinnen  od.  fallen 
lassen,  z.  B.  Eiter,  Samen  aus  der  Harnröhre 
(Gonorrhoea).  —  Rohr,  n.  Röhre,  f.  =  natür- 
liche, rohrförmige  Gebilde  am  menschlichen  od. 
tierischen  Körper  und  zwar:  1.  =  Blutgefäss, 
Ader  als  Blutrohr  oder  Hohrlein  1.  —  2.  —  die 
Luftröhre,  Arteria  aspeia,  Trachea  als  Biust- 
rohr,  Kehlröhre,  Lungenrohr,  Gurgelrohi  (i.cve- 
ling  15;  Gr.  W.  VIII.  1127).  —  3.  =  das  Spciserohr 
(Oesophagus)  als  Schlundrohr,  Halsrohr,  Pio- 
viantröhre.  —  4.  =  die  Harnröhre,  Urethra  penis 
(mhd..  I.excr  201;  1532,  Fries  121;  1599  rohr  =  Pferde- 
Kute,  penls  vlrl  et  eoui.  Gr.  W.  VIII.  1124  1125;  dazu 
die  verschiedenen  IMhrleiukiauter  die  meist  LMuretlca 
sind,  Lcontodou  taraxaeum,  Jessen y96.  897)  als  Ruten- 
röhrlein,  Samenröhie,  Wasserrohre,  Hohrlein2. 

—  5. —  die  hohlen  Höhren  der  langen  F.xtreini- 
titlen-Knochen  bei  Mensch  und  Tier,  besonder» 
a)  das  Schienbein,  Tibla  (=  Pfeife),  die  Arnndo, 


Can na  (-  Schilfrohr)  der  Arubisteu;  b)  die 
Fibula;  e)  der  Radius  (Gr  \v.  vm,  1125.  1127, 
Freiing:«.  48;  Hyrtl.  K.  W.  131;  Mayer  37;  Z.  f.  ö. 
V.-K.  1897.  276)  j  d)  die  Armröhren  etc.  —  Arm- 
Röhre  (1M8  armror,  II.  v.  Gersd. ;  1541  armrobr  = 
os  brachli,  Hyrtl,  K.  W.  181)  —  die  rohrförmigen, 
langen,  hohlen  Knochen  am  Arme,  und  zwar 
1.  =  die  grosse  Armröhre  =  Ulna.  —  2.  =  die 
kleine  Armröhre  =  Radius  (Hyrtl.  K.  w.  131).  — 
3.  -  der  Oherarmknochen,  Humerus.  —  AUm- 
Röhre  (1421  ein  odem  roer  =  vocalis,  D,  II,  885)  = 
Rohre  2).  —  (1595)  iVi/i  -  Rohre  =  Röhre  &, 
Knochenröhre  (Gr.  W.  I.  1387).  —  Blut  Rohr, 
1.  =  das  grosse,  hohle  Gefässrohr  für  das  der 
Leber  zuüiessende  Venenblut,  Vena  cava, 
sog.  Ilohlader  (Hyrtl,  K.  W.  211).  —  2.  =  (1483)  die 
kleineren  Blutgefässe  als  Röhrlein  1  (C-  v.  Megbg.) 

—  (1593)  Brust  Rohre  =  die  hohle,  dem  Brust- 
organe, der  Lunge  Luft  zuführende  Röhre, 
Trachea  (Gr.w.  VII,  2312).  —  (1783)  I'atnpf  Rohren 

—  Schweisslöcher,  Dunstlöcher  der  Haut,  mit 
denen  die  Auaführungsgänge  der  8chweiss- 
drüsen  sich  öffnen  (Essich  204).  —  Ellenbogen- 
Rühre  =  die  den  Ellenbogen  bildende  grosse 
Armröhre  1  (Hyrtl,  K.  W.  131).  —  (1742)  Gallen- 
Röhre,-Röhrleln  =  die  dieGalle  aus  der  Gallen- 
blase ableitende  hohle  Gallenrinne,  Poms  bili- 
aris,  Ductus  choledochus  (Zw.  58 ;  Gr.  W.  IV,  L  1191). 

—  (1560)  Gemächt  -  Röhrlein  -  Penis,  Urethra 
(Pr.  Ii,  232).  —  grosse  Röhre  =  die  langen  hohlen 
Extremitätenknochen  an  Oberarm  und  Ober- 
schenkel,  Humertis,  Femur.  —  (1632)  Gurgel- 
Rohr  =  die  in  der  Gurgel  (jugulum)  beginnende 
und  im  Brustraume  endende  Luftröhre  (Hyrtl. 
K.  W.  134).  —  (1712)  //•.•(.■»•-Rohren  =  die  haar- 
feinen Capillar-Blutgefslsse  (F.  Hormann  VII.  18) 
(Ilaarge fasse).  —  (1616)  Hals -Kohl  -  die  den 
Hals  durchziehende  Schlund-  oder  Speiseröhre 
(l'aracelsus).  —  J/«rti-Röhre  =  o'jfTjT-fjp  des  Hippo- 
krates,  Urethra  penis,  «las  Röhrl  oder  Röhre  5 
für  den  Leibeshrunnen.  —  Harnröhren  Warze. 

—  heischcres  Rohr  =  eine  Röhie  2  (Kehlrohr), 
die  einen  heiseren  Ton  erzeugt  (Z.  f.  d.  Phllol. 
XXVI,  218).  —  //crz-Röhre,  linke  =  Aorta  (1741. 
Kirsch  86)  =  die  auf  der  linken  Brustseite  ver- 

!  laufende,  vom  Herzen  entspringende  grosso 
«Schlagader.  —  (1680)  K ehl-  Rohre  froren  In  der 
kehle  —  canallculae,  s.  flstulae  gntturis,  Gr.  W.  VIII, 
1127)  =  die  Luftröhre  als  Fortsetzung  des  Larynx 
=  Kehlkopfes.  —  kleine  Röhre  =  die  kleineren 
röhrenförmigen  Exlremilätenknochen  am  Vor- 
derarm u.  Unterschenkel  (Radius,  Ulna,  Tibia, 

[  Fibula)  gegenüber  den  grossen  Röhren  (Hyrtl, 
K.  W.  131).  —  (1G77)  /.« •»'(■Rohre  =  die  die  Luft 
aus  »lern  Schlundkopfe  in  das  Ohr-Innere  lei- 
tende Ohrtrompete,  Tuba  Eustachii  s.  Fallopiac 

(Rohr  | 

(nyrtl.  K.  W.  104).  —  Ltl/MRöbze      }  (1412  lnftror 

iRöhrleinl 

—  trachea,  D.  11,369;  dttn.  luftror;  schwed.  luftrör).  1.  n 
Trachea,  Vena  organalis,  Arteria  aspera,  Bron- 
chus, Bronchiolus,  die  Fortsetzung  des  Luft 
(Wind)  zuführenden  u.  ableitenden,  ausstossen- 
den  Kehlkopfes,  des  Luftröhrenhauptes.  —  2.  = 
die  Hautporen,  welche  die  Luft  (Gase)  ent- 

I   weichen  laSRen  (1699,  V.  M.  II,  130;  1666,  Gr.  w.  VI, 


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Rohr. 


Rolle— Ropf. 


517 


1260).  —  (1699)  rauhe  Luftröhre  =  die  durch 
Katarrh  erkrankte,  rauh  empfundene  Luft- 
röhre 1  (v.  M.  I,  145).  —  zwiespältiges  Luftrohr  ^ 
die  gegabelte  u.  verästelte  Luftröhre  Bronchus) 
(Uyni,  k.  w.  107).  —  Lv/Yröhren  -  Ast ,  Haupt, 
-Knopf.  —  Lun^m-Röhre, -Röhrlein  (uea  lungen- 

ror-trachea,  D.  II,  369;  15.  Jahrh.  lungror  -  trachea, 
Gr.  W.  VI.  1305;  U89  die  roren  der  lungen,  Fries  92, 
1551  lungenrörlin  =  bronchloll,  Bock  81 ;  1603  lungen 
rur  =  trachea,  Gr.  \V.  VI,  1306;  1016  lungror, 
1.  c. ;  1677  lungenröhr,  Beyn.  218  ■  Oberaetzung  der 
canna  pulmonum  der  Arabisten)  =  die  den  Lungen- 
bläschen Luft  zuführende  Luftröhre  mit  ihren 
kleineren  Verästelungen,  Trachea  (canne  dn  pou- 
mon,  Bris«.  63;  Hyrtl,  K.  W.  108).  —  Affl^fn-Rohr 
(D.  310)  —  die  zum  Magen  führende  Speise-  oder 
Schlundröhre,  Oesophagus.  —  (17.  Jahrh.)  Manns- 
Röhre  =  Urethra  (F.  Kr.  B.  747).  —  (1790)  Mark- 
Röhren  =  die  markhaltigen  langen  hohleu 
Knochenrfiume  (Richter  1.  549).  —  (1712)  Nieren- 
Röhren  —  Harnleiter  (F.  Hoffmaun  VII,  198).  — 
X<  >  r >  n-Rohren  =  die  hold  gedachten  Nerven- 
fasern, die  den  Nervensaft  (s.  d.)  oder  Lebens- 
geist wie  ein  Gefftsa  («.  Geistader)  umhüllen  u. 
fortleiten  sollten  (nach  Leeuwenhock  [1632— 1728], 
nachdem  die  tt  ,•  •  I  >ü  den  Spiritus  viue  aus  den 
Blutadern  vertrtelien  batt«,  Baas  292.  300).  —  (1581) 
Prortanf-Röhre  =  Speiserohre  (Hyrtl,  K.  W.  126). 

—  (1676)  fiä<A7rtn-Röhre  =  Ductus  pancreaticus 
s.  Wirsungianus ,  der  hohle  Ausführungsgang 
der  Bauchspeicheldrüse  (siehe  Magenrüeklein) 
(Hyrtl,  K.  W.  110).  —  (1518)  Ruten  Rührlein  -  die 
in  der  männlichen  Rute  (Penis,  Virga)  ver- 
laufende Harnröhre  und  der  Penis  selbst  (H.  v. 
Gersd.  14).  —  6'a  mm  Röhre  -  Penis  (s.  nachfolg.). 

—  (1483)  «amm-röhren  ><•*■>■  «amen  rören,  C.  v. 
Megbg.j  =  den  Samen  aus  der  Harnröhre  (Samen- 
röhre ,  Urethra)  rinnend  fallen  lassen  (s.  Ver- 
rohrung) (Gr.  W.  VIII.  1734).  —  (1609)  Schienbein- 
Röhren,  1.  =  die  grosse  Schienhein-Röhre  m 
Tibia  (dies  auch  —  Blasrohr,  Schaltney).  —  2.  m  die 
kleine  =  Fibula; dieletztere  als  besonders  dünner 
langer,  hohler  Knochen  ist  typisch  als  Bein- 
Röhre  5  (1743  das  Rohr  am  Schien  Bein  =  tlbla,  forlle 
[Feuerblasrobr]  majus,  Kirsch  510.  119«;  Hyrtl,  K.  W. 
131;  tibi.  Med.  330).  —  '.  Röhre  (mhd.  Munt 
ri>re,  Lexer  234;  1468  schlunt  ror;  1483  slunt  röre  =  yso- 
phagus,  D.  II,  222;  1495  schlundt  ror  =  Oesophagus, 
I).  310;  1532  schlundröre  =  merl  [ng  =  Kanal].  Frlc»  97  ; 
Schmeller  I,  1641;  [s.  Merlng],  „sie  Ist  eine  portnerln 
des  magena  u.  bohl  als  ein  Kanal",  1.  c.)  —  die  Fort- 
setzung des  Schlundkopfes  als  Speise  und  Ge- 
tränke zuführender  Kanal  in  den  Magen.  — 
(1783)  Schmtt  Röhren  =  Dampf- Rohren  (Essich 
175).  —  (1699)  Spci-Röhrlein  =  die  das  Sekret  der 
Talgdrüsen  ausscheidenden  Ausfübrungsgänge 
in  der  Haut  (v.  M.  II,  122.  123).  —  <i56i)  Speise- 
Röhre  (,,die  ror  dadurch  die  s  peius  In  magen  kumpt", 
Gr.  W.  VIII,  1127),  1.  =  Schlundiöhre,  die  die 
Speise  in  den  Magen  leitet.  —  2.  =  (1699)  die  die 
Lymph-  n.  Blutdrflsen  etc.  ernährenden,  spei- 
senden, Blut-  und  Lymphe  zuführenden  Ge- 
fässe  (t.  M.  II,  125).  —  Toten-Röhrer,  m.  =  einer, 
der  durch  sein  lautes  Weinen  (röhren  1)  den 
Tod  voraus  anzeigt,  wie  eine  Klagefran  den- 
selben nach  dem  Tode  verkündet  (\ipb8.  312:.  - 


i< ''■/'.  röhrt  —  ohne  zu  weinen  (v.  Ilnrmnnn  105). 

—  (15.  Jahrb.)  Fcr-rÖhrung  (verreruug,  Sehmelier 
I.  1709)  (seil,  der  Natur)  =  die  vollständige  oder 
überflüssige  Entleerung  des  Samens  durch  die 
Samenröhre.  —  Wasser-Röhren,  L  -  (1687)  die 
Harnröhre,  Urethra  penis  als  Ableitung  des 
I,eibesbrunn  wassere.  — 2. -(1742)  die  sog.  grosse 
Wasserröhre,  welche  als  Ductus  thoracicus 
(Brustgang)  das  sogen.  Fliesswasser  (s.  d.)  oder 
die  Lymphe  zum  Blute  zuführt  (Zw.  426).  —  (1699) 
Wind-Rohr  =  Luftröhre  (v.  Bf.  1,  35).  —  Rohr-, 
Röhr  -  Bein,  -Gcsthuxir,  Geschwür,  -Kasten, 
-Knochen,  -Loch,  -Spalt,  -  Verstopfung. 

Rolle,  f.  rollen  (Rotöl,  Rodel)  (nach  müat.  ro- 

tului ;  aus  ital.  rotolo  [  =  Rolle  eines  Pergamentblattes] 
gebildet;  mhd  rottel.  rodel,  rolle;  1608  roll,  Gr.  W. 
VIII,  1140.  2389  =  Vorrichtung,  von  der  etwas  herunter 
rollt,  Scheibe,  Rolle.  Walze,  damit  verglichen)  L.«  die 
sogen.  Flügelbeine,  Rollknöchelcben,  Sehnen- 
beinchen,  Ossa  sesamoidea  bei  Mensch  u.  Tier, 
namentlich  die  an  den  kräftigen  Sprungbeinen 
oder  Hinterknieen  des  Pferdes  befindlichen 
grösseren  Rollknochen,  um  welche  sich  die 
starken  und  doch  sehr  beweglichen  Sehnen- 
|  stränge  abrollen.  —  2.  -  die  Kniescheibe  bei 
Mensch  und  Pferd  (Herbst  12).  —  3.  =  s.  Rotöl  u. 
Rotel.  —  rollen- etwas  um  sich  oder  um  einen 
anderen  Gegenstand  herum,  meist  mit  hörbarem 
Geräusche  bewegen.  —  2. -den  rollenden  Ton 
des  bewegten  Gegenstandes  erzeugen ,  z.  B. 
rollen  machen  =  urinare,  in  ein  leeres  Geschirr 
den  Urin  hörbar  (rollend)  entleeren.  —  3.  = 
brünstig  sein,  weil  die  Tiere  in  diesem  Zustande 
balgend  u.  rollend  sich  überstürzen  ((ir.  W.  VIII, 
1146;  spies  sll,  197).  —  die  Augen  rollen,  d.  h.  um 
ihre  Achse.  —  das  Blut  rollt  =  bewegt  sich  im 
Kreise  in  seinen  Gefässen.  —  rollig  brünstig. 

—  Roller,  m.  =  eine  geile  Person  (Gr.  W.  VIII, 
1147.  1149).  —  Fuss-Rolle  =  Hufgelenksknöchel 
am  Plerdefuss.  —  G<  l  etile  Rollen  =  die  Ossa 
sesamoidea,  Rollknöchekhen ,  um  welche  sich 
die  Sehnen  u.  Bänder  bei  der  Gelenkbewegung 
hin  und  her  gleitend  bewegen  (Hyrü.  K.  W.  64) 

—  (t- rolle,  n.  =  Grulle,  f.,  die  weihliche  Scham, 
welche  rollen  macht  (s.  o.)  (Ulm ;  C.  v.  Schm.  245). 

—  Roll-Bri«,  -hustig,  -Zeit. 

Rolls,  m.  (1482)  -  Rölps,  Rülps,  Ructus  (Zen. 
Voo.  es).  —  G'tTOlls,  n.  -  das  öftere  Grolsen, 
Grolzen  (s.  d.),  einen  rollenden  Ton  aus  dem 
Magen  von  sich  geben.  —  (1645)  saure  Grölt- 
zung  -  saures  Aufstossen  aus  dem  Magen, 
Ructus  (Coler,  EL  A.  141.  179). 

*»•  "  Ächeri^''-^^-^"' 

•Reise,  -Schwert. 

Rompelen,  pl.  s.  Rumpf. 

Ronen,  pl.  =  Ranen  (s.  d.),  trockener  Wund- 
j  fand,  Schorf,  Striemen,  Schlagspuren  auf  der 
Haut  (Schindler  II,  116). 

ronken  =  röchelnde  Schnarchlaute  (Rhonchi) 
ertönen  lassen  (Gr.  W.  VIII.  lOfi,  lautmalende»  Won). 

Ropf,  m.  ropfezen  (gropfezen.  groppezen) 

(ahd.  rolazjan  =-  enictare,  Graft  II,  500;  ropfezan. 
ropfazon,  Ur.  W.  VIII,  1  »71» ,   rotlczuuga  =a  ructus, 


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518  Roppel—  Rose. 


Rose. 


H.  Z.  XV,  534;  inhd.  roprlzen,  C.  v.  Megbg*. ;  Schweiler 
11,  131;  robezen;  1664  der  roph  —  slngultus,  D.  II,  340J 

-  ropsen,  rülpsen,  öfters  koppen,  hetsclien.  — 
'/K-ropfezen  (ahd.  uzrophezan  ,  (Jraff  1,  533;  1420 
uzrobezen)  =  ausrülpsen,  aus  dem  Magen  öftere 
rülpsend  aufstoesen,  eructare. 

Roppel  b.  Robbet. 

Koppen,  roppet  s.  Rappen. 

roppen  ■  ropfezen,  riipsen.  —  (i&ao)  auf- 
r  üpp  cn  =  aufstossen  aus  dem  Magen  (Küntgssp.  48). 

ropsen ,  ropzen  (mhd.  mpczen ,  roubsen  ;  1520 
roupsen,  <ir.  W.  VIII.  1635) -öfters  rülpsen,  ropsen, 
rüpsen,  ructuare. 

Rose,  f.  (Ros.  Rosel,  Rösel)  (zu  lat.  n.s«,  da« 

durch  kirchlich-klösterliche  Gelehrte  bei  dem  Importe 
der  r<  •mischen  Gartenkultur  uberaoinuie:i  wurde;  ahd. 
rosa;  mbd.  rose,  Graft  II,  544  ;  Kluge*,  305  =  die  rot- 
farbige  Garlcnblumc ;  nach  deren  Farbe  verglich  man 
damit):  1.  =  rotfarbigo  Teile  des  menschlichen 
und  tierischen  Körpers:  a)  Wangen  und  Ge- 
sichtsröte (Lippe,  Mund);  b)  (angls.  hrysl  —  ab- 
domen,  arvinn,  adeps ;  1183  roselmaent  =  Schlacbtmonat 
Oktober.  Schmeller  II,  150;  Gr.  W.  VIII,  1181;  Wein- 
hold, Monatsnamen  53 ;  1578  relsel ;  (VII  coinmuni), 
rasella;  1599  rosel,  reusel  ~  arvlna,  Kilian)  =  Blütn- 
ling*.  das  durch  die  rotgeaderten  Blutgefässe 
auegezeichnete  Netz,  Kippenfett  und  c)  Dick- 
darm bei  Schlachttieren  und  das  angrenzende 
Schweifalflek  (Schindler  II,  150);  d)  der  hlutrute 
Eierstock  bei  denselben;  e)  die  unterm  Ent- 
leeren des  Kotes  blutrot  erscheinende,  gefaltete 
Mastdarmschleimhaut  bei  Pferden  .  f)  die  roten 
Tragsack- Warzen  beim  Rinde  (Martin  54  j  Krank  71; 
Zipp.  103;  Buek  l?).  —  2.  =  das  rot-(ro8en)farbige 
Blut  aus  blutenden  „rosenden"  Wunden, mensch- 
liches und  tierisches  Blut  Oberhaupt  (Schmeller 
II,  151).  —  3.  =  (umschreibend)  Frauenblume  (s.  d.) 

-  Menses  als  roter  Munal  fhiss  der  Frauen  (1576 
roscu  =  inenses,  Gr.  W.  VIII,  1178;  1G87  rosen  —  menses, 
Georg.  442;  Schin.  II,  150;  Hyrtl,  K.  W.  22;  ndl.  haar 
rozclaar  bloelt  ab  —  sie  bat  gerade  ibre  Blume,  die  sich 
verliert,  V.-K.  1837, 107)  (Rosenader,  Rosenkranz  2). 

-  4.  =  das  blutig  bellrote  Erbrechen  aus  dem 
Magen  (Gr.  W.  WH,  1178 ff.).  —  5.  —  Rotlauf, 
Krysipelas  ( —  rote  Haut) ,  Hautröte,  Gesichts- 
rose.St.  Antoniusfeuer,  heiliges  Dingetc.  (morbus 
persicus  a  roseo  seu  persic«  [  —  pfirsichrote]  colore 
quem  affectae  pnrtl  inducit,  I»u  Gange  V.  618;  IX,  260; 
feu  sacre  [s.  Feuer),  Morbus  Amblanensis;  Morbus 
St.  Genovcfae,  St.  Gerruanl,  8t.  Maxentll  etc.  ;  eresl- 
pelas  <|ui  morbus  Belgis  vulgo  Hosadleltur,  Peijpers  93 ; 
dan.  rosen  =  Rade«yge,,ob  ruborcni  et  tumorem  cutis", 
Itelart  3 ;  boll.  roos  ;  schwed.  rosen  =  St.  Antoniusfeuer, 
Kotlauf,  Plercr7.  L  1021;  Z.  Hdb.  d.  sp.  P.  u.  Th  XIV, 
1.  3'J.j;  Kehrend  25;  Z.  f.  d  M.  IV,  105;  Richter  I,  104; 
Frlschb.  82;  Gr.  W.  11,  1164;  Heyn.  14;  Pc  Cock  36  .  283). 
Obwohl  die  Kose  (Krysipelos)  etymologisch  fremden 
l'rspruugs  ist,  so  gibt  es  doch  (nuss«r  Wurm  und  Alp) 
kaum  eine  deutsch  benannte  Krankheit,  die  so  häufig 
in  Besegnungs-  und  Bann-Formeln  auftritt,  als  gerade 
die  Rose;  diese  löste  den  alteren  ,, Brand"  und  das 
,, Feuer"  (s.  d.)  nominell  ab,  namentlich  in  Besprechun- 
gen, und  gelaugte  dntnll  wie  diese  uralten  Namen  bei 
den  verschiedensten  deutschen  Stammen  zuderStellung 


einer  daniouistlech  (s.  Merge)  aufgetauten  Krankheit 
(Mikroben-Infektion  entspricht  fast  immer  dem  alten 
Dftinoulsmus) ,  die  dementsprechend  auch  von  deu 
Flainlaudern  bis  zu  den  Siobcnbürger  Sachsen,  von  den 
Ostpreusseu  bis  zu  den  Voigtlandern  gleich  behandelt 
wurde  in  der  Volksmedizin  ;  überall  verdrängte  die  (ndd. 
od.  ndl.)  Rose  den  älteren  Namen  für  Erysipelaa  und 
Phlegmone  (Kotlauf,  Cberrot.  Glockfeuer,  Brand  etc.); 
darum  „steht"  auch  die  Kose  wie  ein  Feuerbrand 
„still",  „vergebt",  „geht  nicht  weiter"  (Engel.  25S). 
Interessant  ist  dabei,  doss  mit  Verbreiterung  der  Kultur 
der  Varietäten  von  Gartenrosen  auch  die  Farben  der 
ilautrose  sich  differenzieren,  ludern  mit  zunehmender 
Beobachtung  der  verschiedenen  Stadien  des  Krank- 
ueltsrcrlaufes  u.  der  Jeweiligen  Komplikationen  dleseu 
entsprechend  verschiedenfarbige  Hautrosen  In  den 
dagegen  gebrauchlichen  Baunformeln  genannt  werden, 
ganz  entsprechend  den  verschiedenen  Wurm -Arten 
(a.  Wurm)  als  Krunkhcits-  Arten;  besonders  zeichnet 
sich  das  niederländische  Flandern  mit  seiner  hohen 
(iartenkultur  auch  aus  durch  zahlreiche  Farben  und 
Sorten  bei  der  Ilautrose,  die  wie  eine  stachelige  Rose 
darum  auch  „reisst",  „sticht",  „steckt"  (Engel.  253); 
die  Volksetymologie,  stet«  schadend  u.  rührig,  knüpft 
zahlreiche  Phantasleverbludungen  an,  und  selbst  thera- 
peutisch dringt  dieses  Bestreben,  Im  Namen  den  Nagel 
auf  deu  Kopf  zu  treffeu,  durch,  indem  die  Rose- 
K ranken  zu  denjenigen  Kultorten  mit  Vorliebe  wall- 
fahrten ,  die  zu  „Kose"  einen  volksetymologischen 
Bezug  haben  (couf.  De  Cock  39.  40;  Zeitschr.  d.  V.  f. 
V.-K.  1895.  S.  7.  18.  24.  2».  32;  Wuttke  §  232;  Engel. 
252);  mit  gleicher  Vorliebe  werden  weibliche  Heilige 
(Maria,  Kosalia,  Genovefa  etc.)  damit  in  Beziehung 
gebracht,  was  nicht  ganz  zufallig  selu  dürfte,  da  schon 
die  spinnenden  heiligen  Fräulein  (Nomen  s.  Merge),  in 
verschiedenfarbigen  Gewändern  (s.  Farbe,  gelb,  rötete.) 
auftretend,  zum  Kotlauf  und  zur  Rose  (=  Kryslpelas. 
Phlegmone,  Dermatitis)  ebenso  Bezug  haben,  wie  diu 
lettische  „Lcesa"  und  die  slzlliaulsche  „Lutlua"  (Lieb- 
recht,  z.  V.  K.  343)  als  „I.oos",  Schicksal  verteilende 
Gestalten  (l'rqucll  1897  ,  8.  130).  —  G.  =  als  ,:Rose" 
galt  aber  auch  jede  erysipelatöse  oder  phleg- 
monöse Hautentzündung,  der  Pest-  und  Milz- 
brand-Karbunkel, das  lepröse  Rotlauf,  auch 
der  Furunkel.  —  7.  =  überhaupt  jede  mit  Haut- 
rötc  ti.  Hautschwellung  verbundene  Erkrankung 
(Goldschm.  82)  und  zwar:  a)  die  Rieseln  oder 
Köseln  =  Rosen  (1841;  Sobernheim;  11.  Jahrb.  rösoli 
=  roseolae,  B.  Z.  XV,  529) ;  b)  der  Herpes  zoster 
als  Gürtelrose;  c)  das  Eczema  acutum  s.  Der- 
matitis eczematosa,  die  akute  Hautentzündung 
bei  der  chronischen  ßlaschentlechte  (1777  rose 
=  pustula,  l>.  474);  d)  rote  Skorbutfleckon.  — 
8.  s«  auch  rote  Warzen-,  Knoten-  und  Knollen- 
bildungen (Feigwarzen,  Akneknötcbeo,  Drüsen- 
phlegmone,  Krebsrotlauf)  wurden  als  Rose 
bezeichnet.  Krysipelas  ist  (nach  Villaret  I,  541)  der- 
jenige (mtl.)  cancer,  der  als  (mtl.)  rubor  ein  (mtl.)  nlcus 
umgibt  et  cum  dolore  procedlt.  (S.  auch  Rosere 
u.  Rotlauf).  — -  9.  =  schliesslich  (1682)  die  rosen- 
krauzartig  verdickten,  kraupgeperlten  mten 
Teile  (Uosenstock  od.  Rosenkranz)  Hm  Hirseh- 
und Rehbock  -Geweihe  (Hr.  w.  VIII,  1174).  — 
rosig,  1.  =  rosen  farbig.  —  iJ.  —  tasig,  rasend 
|  (s.  rasen)  (Andre teil  228).  —  asturiache.  Rose  = 
1  mailandische  Kose  (Pellagra)  (Meyer,  Koiiy.-L*x, 


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Rose, 

XIV,  915;  der  »paniacho  Kronprinz  lührt  den  Titel; 
Prinz  von  Asturien ;  zu  Spanien  gehörte  ehemals  auch 
Mailand).  —  Augenlid-Hose  —  Erysipelas  pal- 
pebrae  =  eine  nur  auf  dae  Augenlid  beschrankte 
ervsipelatöße  oder  phlegmonöse  llautröte.  — 
Bai-  (Bell  )  Rose  =  Blasen  od.  Bell  (b.  d.)  bilden- 
de* Gesiehtsrotlanf  (s.  Pell-Merge)  (holl.  belroos 
=  Rotlauf,  Wcrer  7,  Goldschm.  M;  Schindler  183; 
Müllenh.  514  B.  wird  besprochen).  —  bekannte  Rose 
(diu.  knnderosen ,  Meyer,  Konv.-l.ex.  XIV,  VA)  = 
eine  leichtere  Form  des  Schweine  -  Rotlaufs 
(Stäbchen-Kotlauf),  wobei  thalergiosße  und 
darüber  erhabene  (Backstein-)  Blattern,  rote 
geschwollene  Flecken  der  Haut  auffahren, 
die  das  Volk  als  bekannte  Sache,  wovon 
jeder  Züchter  bereits  Kunde  hat,  auffasst.  — 
Blätter-  \ 

11801)  Blatter-  \  Kose,  1.  =»  Erysipelas  bnllo- 
(1790)  blatterige  ) 

huui.  —  2.  =  Herpes  zosterals  Blasen  (=  Blattern) 
bildendes  Rotlauf  (Bällrose).  —  3.  =  das  Milz- 
brandrotlanf  bei  Schafen  mit  Blasenbildung 
(Behrend  26;  Kopp  11,  S21;  Kalkei,  126;  Zipp.  615; 
Richter  1,  103,  (ioldschm.  57;  Schindler  182;  wird 
besprochen,  Knicel.  IM;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1897  .  8.  405. 
408.  409.  410;  Müllenh.  515).  —  blaue  Rose  (ndl. 
blawe  roo«,  De  Lock  2s.S ;  Zeltschr.  d.  V.  f.  V.-K. 
1897  ,  8.  409.  410)  =  St.  Bernhard-Feuer  (b.  d.), 
eine  Rotlaufart,  wobei  sich  infolge  von  lokaler 
Blutstauung  bläuliche,  blauschwarze,  brandige 
Stellen  bilden,  die  Gewebszerfall  und  Ge- 
schwüre im  Gefolge  haben  (brandige  Rose, 
blaues  Feuer,  blauer  Schwulst,  blauer  Wurm) 
-  Milzbrand-Karbunkel.  —  BfetK-KoM,  f.  {ndl. 
blein  roos,  De  Cock  28>)  =  Blein  (s.  d.*)  machende 
Rose.  —  blinde  Rose  =  blindmachende  Rose, 
die  durch  Hautschwellung  die  Augenöffnung 
versehliesst  (in  Beaprecbungen ,  Bafel  253).  — 
U599)  UU,(  -  Rose  =  eine  Rosenknospen  ähn- 
liche, blutistrote  Hnutwarze  beim  Pferde  (Feig- 
warze, Leichdorn)  (<;r.  w.  n ,  isa).  —  (iM2) 
botartige  Rose  =  Milzbrand  als  St.  Antonius- 
feuer (Erysipel«»)  (Kalke  I,  144).  —  Bräcke-Rose 
(Schindler  1S2 ;  Mullenhoff  515),  1.  =  eine  auf- 
brechende Hautphlegmone.  —  2.  —  eine  un- 
förmlich dick,  breit  machende  Gesich  ts-  o.  N  asen- 
Brand-  I 

Rose  (s.  brack).  —  brandige  \  Rose  -  Pseudo- 
(braune)  J 

Erysipelas,  (1839)  Erysipelas  gangraenosum 
(Behrend  3b),  Phlegmone  Galeni  Xcrpxtivitv  = 
brennen],  eine  wie  Feuer  brennende  (s.  Brand- 
feuer), zu  brandigem,  fauligem  Zerfalle  neigende, 
daher  stellenweise  dunklere,  blauschwarze  oder 
auch  braunschwarze  akute  Zellgewebsentzün- 
dung  der  Haut  (Rost  ~  kalter  Rosenbrand 
(Kuhn  II,  202;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1&97.  409;  K.  u  Bchw. 
440;  wird  besprochen).  —  (1725)  ßrital-Rose 
Mastitis  phlegmonosa  puerperalis,  das  Kind- 
betterinnen-Rotlauf, das  sich  an  der  Wöch- 
nerinnen-Brust rotlaufartig  ausdehnt  (The*,  «an. 
Br.  476).  —  (1841)  Darm  Rom'  =  die  roten  Darm- 
drüsensch wellungen  (placques)  beim  Darm- 
typhua  (Sobernb.  317)  (Rose  8).  —  dunkle  Rose 
=  blaue  oder  Rrandrose  (Mullenhoff  514;  wird 
besprochen).  —  falsche  Rose  -  Dermatitis,  Phleg- 


Rose.  519 

j  uione,  Pseudoerisipelas,  die  blosse  lokale  Haut- 
j  entzündung  (ohne  Infektion  mit  Erysipel-Coc- 
cen).  —  (1790)  faulichte  Rose  =  Brandrose  (Richter 

1,  105).  —  /-"'W-Rose  =  Rotlauffluss,  Rotlauf 
|  bei  Salztluss  der  Füsse  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1897  ,  409; 

Kuhn  II,  202;  wird  besprochen).  —  gelbe  Rose  - 
gelbes  Feuer  (wird  besprochen;  Kuhn  II,  202).  — 
geschwurige  B,0Be  =  Erysipelas  exuleerans,  eine 
Hautrose  mit  Ausgang  in  Geschwär-  oder 
Geschwflrbildung  (offene  Rose)  (Behrend  2f>).  — 
Oenchts-Rose  -  die  eigentliche  Kopfrose,  die 
sich  in  ihrem  Verlaufe  auf  das  Gesicht  be- 
schränkt und  oft  mit  Haaransfall  (Arualdla  = 
Aualdta,  &**/.?•»)•:  =  nicht  wachsend,  Kraus,  K.  63.  123; 
Vierordt  34 ;  Du  fange  1, 716)  gefolgt  ist  (bei  Richard 
|  Löwenherz  z.  B.),  Etysipelas  faciei.  —  gewöhn- 
I  liehe  Rose  =  süchtige  Rose,  habituelle  Derma- 
|  titis,  Eczema  acutum  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1897,  40s ; 
wird  besprochen).  —  Gicht  Rose  -  eine  Haul- 
phlegmone  an  gichtiech  akut  erkrankten  Teilen 
des  menschlichen  Körpers.  —  giftige  Rose  = 
heiliges  Ding  b,c  Gilge',  Gilgending*  (Z.  d.  V. 
f.  V.-K.  1897,  408).  —  Glieder  Rose  =  «las  auf  die 
Kxti emitäten  sich  erstreckende  Rotlauf  (Kuchs 
II,  995).  —  Gliicks-Rose  ■  rotfarbige  Finger- 
nagelflecken im  Gegensatze  zu  den  weissen, 
Unglück  kündenden  Nagelblüten  (s.  d.)  (Rochh. 
1, 130).  —  (r"r<»7.7-Rose  (ndl.  gordelroo«.  De  Cock  25«, 
V.-K.  IX,  143).  1  =  Herpes  zoster,  Zona,  Gürtel- 
ausschlag, Gürtel  wurm,  Zirkel- Adel*,  Feuer- 
irürtel,  Flechtengürtel,  Rotlaufgürtel  (s.  Gurt  u. 
Zinsler',  der  wie  ein  Gürtel  (clngulum;  engl, 
■hlngles)  sich  um  die  Leibesmitte  herum  aus- 
dehnende, zuerst  rot  gefleckte,  dann  örtlich 
gehäufte  Blasen  bildende  Flechtenausschlag.  — 

2.  =  s.  Wild-Feuer*.  —  helle  Rose  =  der  Gegen- 
satz zur  dunklen  Rose  =  weisse  Rose,  heiliges 
Ding,  das  Hilg*  (Müllenh.  514;  wird  besprochen).  — 
kaltfeurig  fRoie  (ndl.  koudvuurachtige  roos,  De  Cock 
288),  Erysipelas  gangraenosum,  ein  Rotlauf,  das 
wie  die  blaue  oder  Brandrose  (s.  d.)  Neigung 
zu  kaltem  Brand  (Gangraena)  hat  o  kalter 
Rosenbrand.  —  ÄV/k-Rosc  =  kellende.quäleude, 
schmerzende  Rose  (Müllenh.  515;  wird  besprochen). 

—  kleine  Rosen  (1517)  kleynrosyn  —  tubera,  D.  *i00) 
■  rote  Ekzem-Bläschen.  —  Knöpf  el-Rose  (ndl. 
knobbelroo*.  De  Cock  288)  —  ein  Rotlauf,  das  längs 
der  Lymphgefaase  phlegmonöse  Knoten  bildet. 

—  Kopf  -Rose  —  (das  Tili  der  Sumerer  und  der  Murus 
kakkadi  der  Assyrer,  Bartels  in  Zettschr.  d.  V.  f.  V.-K. 
1896,  s.3-5;  Ur.  \V.  V,  1779),  1.  =  das  über  das  Gesicht 
und  den  ganzen  übrigen  Kopfsich  erstreckende 
Rotlauf  zum  Unterschiede  von  der  bloss  auf 
das  Gesicht  beschränkten  Gesichtsrose.  —  2.  = 
Milzbrand-Rotlauf  (s.  heiliges  Feuer)  am  Kopfe 
der  Wiederkäuer  (Zipp.  615).  —  3.  =  hitzige  Kopf- 
krankheit (auch  ohne  Hautaffektion)  (Kalke  II. 
33).  —  kiindigeRoae  -  «  bekannte  Rose  —  (1719) 
Kupfer-Rose  ivom  franz.  coupe  rose  =  cuptl  rosa  = 
Kupfervitriol  oder  Kupferrot)  =  eine  das  finnige, 
rotgestippte  Antlitz  der  Trinker  spöttisch  be- 
nennende Bezeichnung  für  Akne  rosacea  s. 
Gutta  rosacea  (goutte  rose  -  ronperosc,  Bris»..  213) 
s.  Kupfer,  Kupferhandel.  —  laufende  Rose 
(Branden!«.,  Knpel.  2  >4 ;  in  Besprechungen;  ndl.  loo- 
pende roos,  De  Cock  254;  K.  u.  BobW.  440,  Z.  d.  V.  f. 


520 


Kose 


roseln— Rosem. 


V.K.  1897,  m.  4io)  b  Erysipelas  ainbulans,  migrans 
8.  erraticum,  wie  Flugfeuer  schnell  eich  aus- 
breitendes Rotlauf  (».  <!.)•  —  U6«)  lose  Rose 
=  böge  Rose,  Brandrose,  offene  Rose  (Coler, 

H.  A.  253).  —  mailändische  Böse  =  Lepra  lotn- 
bardica  8.  mediolanensis,  Scorbutus  alpinus, 
malattia  delle  miserie,  Pellagra,  Alpenflechte, 
lombardischer  Aussatz  (Krau»,  E.  SO.  "50).  — 
.!/<;>  ,  ,  Rose,  1.  =  Morbus  St.  Mariae,  Erysi- 
pelas (Du  Cange  V,  617),  gegen  das  Rotlauf  als 
„heiliges  Ding"  (Ignis  sacer)  wurde  in  Frank- 
reich die  Rosenkönigin  St.  Maria  als  Patronin 
angerufen.  —  2.  =  Skorbutflecken,  fleurs  Notre 
Dame  (Ilriss.  153).  —  .\/.  M.-'-Rose  (ndl.  het  maand 
roosje  bloeit,  V.-K.  1897,  107)  -  Periode,  Blume.  — 
iSra«<rn-Bose  -  ein  von  der  Nasenschleimbaut 
ausgehendes  Gesichts-Rotlauf  (Gr.  W.  VII,  411). 

—  nervöse  Rose  =  ein  Rotlauf  mit  vorwiegenden 
Erscheinungen  von  Seite  de»  Nervensystems 
(Delirium,  Bewußtlosigkeit  etc.)  (König  1,  125). 

—  offene  Rose  (ndl.  cBenv  roos,  Du  Cook  288)  = 
eine  geschwürig  gewordene,  durch  Abscess- 
bildung  geöffnete  Hautphlegmone  (siehe  lose 

Rose).  —  jjk^j.  |  Rose  =  eine  Rose,  welche 

reitet,  reisst  (ritten)  (Kuhn  II,  202).  —  (16«) 
rote  Rose  (ndl.  roode  ioor,  De  rock  288;  Goldschm. 
57;  wird  l>esprochen,  Kuhn  II,  202;  ZelUchr.  d.  V. 
f.  V.-K.  1895.  8.  29;  1897,  409.  410;  Coler,  U.  A.  254) 

=  eine  stark  rote  Rose  des  Gesichtes,  im 
Gegensätze  zur  blauen  und  weissen  Rose.  — 
Rücken -J&0B6  =  Rose  1  b  (angla.  rauge  reose,  f., 
raegereosa,  m..  Cock.  II,  402)  =  Rflckenripplein, 
Ruckbrat,  sowohl  das  Eingeweide  am  Ruckbrat 
als  das  Muskelfleisch  am  Rücken  längs  d.  Wirbel- 
säule. —  Schwelle-'Rose  =  s.  Scbwellmerge,  ge- 
schwollene Rose  (Müllenh.  516;  Schindler  182).  — 
77  Rosen  =  eine  in  Besprechungen  auftretende  Kollek- 
tivbezeichnung aller  Rone-Formen,  um  keine  der- 
selben zu  übergehen  (s.  77  u.  Zahnrose)  (Z.  d.  V. 

Stäckeil)-  | 

I.  V.-K.  189'.;  1897,  406.  409).  —  Stech-         Rose  = 

Stachel-  J 

in  Banntormoln  auftretender  Name  lux  eine  Rosen- 
lorin  mit  stechenden  Schmerzen  (an  Stachel  an- 
lehnend; Kuhn  II,  202;  Müllenh.  516;  Schindler  182).  — 
süchtige  Rose  =  eine  förmlich  zur  Krankheit, 
zur  Sucht  (s.  d.)  od.  Gewohnheit  ausartende, 
öfters  wiederkehrende  rotlaufartigc  Hautent- 
zündung bei  der  Bläschenflechte  (Dermatitis 
eczematosa),  die  selbst  mit  Fieber  einhergehen 
kann,  „man  glaubt  ein  Erysipel  vor  sich  zu 
haben"  (Veiol  in  Z.  Hdb.  XIV,  t.  355;  Köhler,  V.  B. 
428;  Wuttke  327.  520)  (s.  Zitterrose  und  süchtiges 
Keuer).  —  syrische  Rose  =  der  phlegmonöse 
Haut-Prozess  bei  der  in  Syrien  beobachteten 
Aleppo-Beule*  (Bohrend  «2),  worunter  man  (nach 
lieber  in  z.  Hdb.  xiv,  l.  139)  im  Oriente  die  ver- 
schiedensten Exantheme  versteht.  —  ungarische 
Rose  =  Rosa  hungarica,  hünnscho  Krankheit, 
Hünsche  lab,  eine  unter  der  Form  eines  Rot- 
laufes auftretende,  aus  Ungarn  eingeschleppte 
Milzbrand-  (Anthrax  )  Krankheit  (Behrcnd  62).  — 
Wandcr  Jlose  ■  Erysipelas  ambulans,  migrans 
».  erraticum,  ein  seinen  ursprünglichen  Aus- 
bruchplatz wechselndes,  herumziehendes  Rot- 


Lauf!  —  (1689)  ^J-JjjJ*  j  Rose  =  Menses  (Rose  3) 

(Gr.  W.  VIII,  1178;  Coler,  Ii.  A.  215).  —  Wrin-RoSe 

--  Akme  b.  Gutta  rosacea,  die  durch  reichlichen 
Weingenuss  erworbene  Kupferrose  (s.  d.) 
(Behrend  60).  —  weisse  Rose.  1.  -  »las  im  Gegen- 
satze zur  blauen  und  roten  Roae  (s.  d.)  stehende 
mit  weissen  Hautblasen  einhergehende  Rot- 
lauf; die  weisse  Rose  ist  ein  todbringenden 
Zeichen  (wüte  rose  [Schleswig],  Müllenh.  514;  Engel. 
254  (in  Besprech.];  Uoldschm.  57;  ZelUchr.  d.  D.  ö. 
A.-V.  1881.  ö.  352,  K.  U.  Schw.  440.  Kuhn  II.  202. 
z.  d.  v.  f.  v.-K.  1897  ,  409.  410).  —  2.  =  vielleicht 
auch  =  Rauschbrand.  —  VFund-Rose  =  das 
von  einer  offenen  Wundstelle  ausgehende 
sogen,  traumatische  Rollauf  (Puchs  II,  lOOO).  — 
Zahn-Hose,  1.  =  die  von  kranken,  schlechten 
Zähnen  ausgehende,  rotlaufartige  Hautphleg- 
mone am  Kieferbacken  (Parulis),  die  wegen 
der  oft  bedeutenden  Hautschwellung  von 
Laien  oft  mit  der  wahren  Gesichtsrose  ver- 
wechselt wird  (Engel.  264;  Nieraeyer  II,  396;  Z.  d. 
V.  f.  V.-K.  1897,  411;  Fuchs  II,  999;  auch  diese  Rose- 
Form  tritt  in  Bannformeln  in  der  Übermasszahl  77 
[s.  d.]  auf.  Kuhn.  ZeiUchr.  f.  vergl.  Spr.  W.  XIII,  128; 
K.  u.  Schw.  440,  um  das  Intensive  der  Krankheit 
zum  Ausdrucke  zu  bringen).  —  2.  =  (nach  Villaret 
II,  992)  Erysipelas  neonatorum,  ein  bei  Neu- 
geborenen (Tieren)  von  offenen  Hautstellen 
(Nabel)  ausgehendes  Rotlauf,  das  vom  \  olke 
der  Zahnung  ätiologisch  zugeschrieben  wird. 
In  den  Besprechungsformcln  soll  diese  Zahnrose  wie 
die  Rose  überhaupt  nicht  weh  thun,  schwellen  oder 
schallen,  nicht  brechen,  nicht  reissen.  nicht  splittern, 
nicht  stechen,  nicht  quälen  (K.  u.  Schw.  440;  Müllenh. 
514).  -  Zitier-,  Zitt-,  TscJütt-,  Tschütt-lLQ&e  = 
das  akute,  selbst  manchmal  mit  Fieber  auf- 
tretende Ekzema  faciei  (=  Gesichts-Bläschen- 
flechte)  mit  Drüsenanschwellung  (  =  Zitt- 
drüsen),  das  aus  einem  noch  bestehenden  oder 
scheinbar  verschwundenen,  chronischen  Flech- 
tenausschlag (Zitterach,  Ekzema)  eich  lotlauf- 
artig  rasch  ausbildet  (s.  süchtige  Rose)  und 
leicht  mit  der  eigentlichen,  durch  Erysipelas- 
Coccen  verursachten  Rose  (Erysipelas)  ver- 
wechselt werden  kann  (Schw  i&ö.  803;  Veiel  in 
z.  Hdb.  xiv.  l.  365).  —  (1790)  zurückgetretene  Rose 
=  ein  Rotlauf  mit  Komplikationen  innerer 
Organe,  die  man  als  Folge  davon  ansah,  dass 
sich  die  Rose  auf  einen  inneren  Teil  „geworfen" 
(s.  d.)  hat  (Richter  i,  106.  in).  —  Rosen-,  rosende, 
rosige(s)  Ader,  -Brand  ,  -Farbe,  Feuer,  -Fieber, 
-Gcschtoürc,  Geschwulst,  Kram,  Spitz,  -Stock, 
-  Tüpfel,  -  Wunden. 

■  raseln,  rasen,  toben  (<;r.  W.  VIII.  usi). 


Rosem,  m.  (zu  vorgerm.  rudh  =  rot  sein; 
nid  -  rot;  goth  rtista  -  Rost.  ahd.  rost  - 
rubtgo;  daraus  ahd.  rosamo- Sommersprosse.  Klugo  *, 
305;  8.  Jahrb.  rosamo,  rosomon,  roimun  —  lentigo. 
aerugo  rubor,  Graft  II,  548;  10.  Jahrb.  rosennnn  [roso- 
mun?]  =  lenllgo,  Graft,  1.  eod.;  12.  Jahrb.  rosdagemo 
=  seabrosus.  Graft  II,  551 ;  1429  rosem,  rosmun,  rosni ; 
1495  rossmen  =  lentigo,  D.  324 ;  15.  Jahrh.  rosman  = 
lentigo  in  facie,  Gr.  W.  VIII;  Schmeller  II.  151,  tnhd. 
roseme,  ru.  rosem,  m.  -  i?ominc'rspro>seii,  Flecken,  Mal, 


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rotten — roMeln, 


R..ht-K..t. 


.-,21 


l.exor2ul,  rosmyn,  Gr.  W.  VIII,  1181;  1509  roitsmcu 
=  lenligo,  rubra  faclel  macula,  Gr.  W.  VIII,  934.  1181 
™  Rieseln,  Sommersprossen ;  17.  Jahrb.  risemen  und 
ander  Sommerfleeken,  Fr.  Kr.  B.  209).  —  Rosein  = 
ein  durch  seine  rostigrote  oder  rotbraune  Farbe 
und  seinen  Sitz  an  anfallender  Stelle  gekenn- 
zeichneter, entstellender  chronischer  Hautaus- 
schlag, namentlich  im  Gesichte  =  Lentigo, 
Sommersprossen,  Riesamen,  der  wohl  nicht,  auch 
nicht  vom  Laien,  mit  dem  ganz  akuten  hellroten, 
fieberhaften,  auf  den  ganzen  Körper  ausgedehnten 
Friesel-  oder  Riesel  Ausschlag  verwechselt  werden 
konnte,  wenngleich  die  lautlieh  anklingenden  Rieseln 
an  die  Rosemen  angelehnt  zu  Riesemen ,  Rüsemen 
wurden ;  in  der  neueren  Sprache  ist  der  Rosem  nicht 
mehr  bezeugt,  tir.  W.  VIII,  1181).  —  rÖBmicht  (wbd. 
rösemec,  rosemeht;  1199  roesz  met;  oberd.  roesmat, 
rosmiger,  Gr.  W.  VIII.  1237)  =  sommersprossig.  — 

Bösem-  Mucken. 
rosen  8.  rasen. 

Rosere,  f.  =  ein  aus  dem  populären  „Rose" 
(s.  d.)  übertragenes  Wort  als  Bezeichnung  für 
einen  leicht  fieberhaften  Zustand  des  ganzen 
Organismus  ohne  ein  entschieden  hervortre- 
tendes Lokalleiden  (Oldbg. ;  tioldschm.  15.  82) 
ahnlich  dem  Rotlauf  (s.  d.). 

Ross,  in.  (indog.  kürd  —  springen;  germ.  hrussa 
[cursus];  vorahd.  hrossa:  altuord.  bross,  Welnh.  49; 
ahd.,  mhd.  ros.  Kluge*,  305);  In  Oberdeutacbland  die 
fast  ausschliessliche  Bezeichnung  für  Pferd  (s.  d.),  das 
kraftige,  grosse,  rasch  auslautende,  früh  schon  gezüch- 
tete, hochgeschätzte,  von  den  (Jermanen  niemals  zur 
Milcbgewinuung  benutzte,  in  mhd.  Zelten  noch  wild 
lebende  Ross  wurde  vom  germanischen  Volke  In  seinen 
äusseren  Formen  (Kopf,  Hautfarbe,  Knochen)  und 
Krankheiten  genau  beobachtet,  u.  viele  Bezeichnungen 
derselben  übertrugen  sich  auf  menschliche  Verhalt- 
nisse. Da  der  heidnische  und  auch  noch  christliche 
Deutsche  aus  alter  Tradition  das  Rossfletsch  (s.  d.)  ver- 
zehrte, so  erhielt  später  „Ross"  durch  diesen  heid- 
nischen Beiklang  die  verächtliche  Bezeichnung  zum 
Begriffe.  Im  Volksglauben  Ist  Ross  auch  eine  Alp-  od. 
Mar-Ueatall.  welche  reitet  (Lalstner  II,  259 ;  Schell  260. 
282)  und  mit  durchdringenden  Augen  anschaut ;  solche 
von  Rossen  gerittene  Menschen  sind  dem  Tode  ver- 
fallen und  müssen  nach  kurzem  Siechtum  sterben.  — 
rossig  =  brünstig.  —  (1594)  (ge)bachen(e8)  Boss 
=  ein  von  Natur  aus  nicht  richtiges,  weil  fehler- 
haftes, darum  aufgepäpeltes  od.  zum  Verkaufe 
mit  Absicht  erst  zurecht  gemachtes  Pferd  (Beb. 
C42).  —  Ross- Ader  (u.#), -Apfel,  -  Bollen,- Brunnt, 
-Brunz,  -Dreck,  -Ei,  -  Fei  fei Feige ,  -Fleisch, 
•Hoden,  -Kiefel,  -Knödel,  -Kopf*,  -Kot,  -Krank- 
heit, Mar,  -Mönch,  -Mucken,  -Munggen  *,  -Natur, 

■  Pocke,  -Ruck,  Ruflcin,  -Schlaf,  Seuche,  ■  Warze, 

■  Wurm,  -  Wut,  -Zahn,  -Zirk. 

Bösslein  s.  Röslein. 

rossein,  rossein.  rosein,  Bossler,  m.  (1588 

rosellcn,  Tabern.)  —  rasseln  —  das  rüchelnde  mit 
Schleim  rasselnde  Keuchen  und  schwere  Atem- 
holen beim  rhachitischen  Herzgespann  (Capillar- 
bronchitis)  der  Kinder  (t;r.  W.  IV,  2.  124« ,  VIII, 
1268).  —  Bossler  =  der  oin7<«lne  röchelnde,  ras- 
selnde Atemzug  (Or,  W.  VIII,  1269). 


Bost,  in.  (germ.  rud  =  rot  sein  [s.  Rosameu] ,  ahd., 
mhd.  rost  —  aerugo ;  angls.  rust  =  rublgo,  Kluge*,  805; 
irisch  rudlud  =  Wangenrote,  Z.  f.  d.  A.  1888.  278).  — 

rostige  Zähne. 

rosten,  rostern  (ndd.)  =  rüstern,  röspern, 
rüpsen,  ruetuare  (D.  802). 

Bot,  n.  rot,  roten.  Böte,  f.  Rötel,  n  Botel,  f.,  pl. 

(tndogerm.  rudh-ros  (spo4>p«ä;],  nit  [rotilus] ;  vorgerm. 
roudho;  gem.-germ.  rauda  [s.  Raudej;  ahd..  mbd.  röt; 
angls.  read  =?  Röte ;  engl,  red ;  irisch  rus  -  Hautröte, 
Kluge*,  246;  Z.  f.  d.  A.  1888.  277 ff.  ;  Schräder,  Spr.- 
Vergl.  1890.  .103  ff.).  —  rot,  1.  =  blutfarbig,  rostrot, 
kupferfarbig,  frisch,  gesund,  schön.  —  2.  = 
farbenbezeichnend  für  normale  und  krankhafte 
KlutergüsBe  (rote  Ruhr,  Fluss,  Weh,  Schaden, 
König  etc.)  (Gr.  w.  vill,  1289).  —  3.  =  krankhafte 
Hantfarbe  (Ausschlage,  Mal  etc.).  —  4.  =  (1260 
die  rothe  färbe  kommt  einem  jeglichen  ding  von  der 
hitze",  Pleiffer  20;  demnach  rot)  —  bezeichnend  für 
Fieberhitze,  die  rot  macht  —  5.  -  Bonst  gilt  die 
rote  Farbe,  weil  besonders  auffallend  als  schön 
(s.  d.);  nur  das  rote  Haar  macht  scheinbar 
dabei  eine  Ausnahme,  da  es  als  ein  hässlicher 
Greuel  gilt ;  diese  (allgemeine)  Verrutenhclt  des  roten 
Haares  tat  (nach  Wackern.  Abhdl.  I,  177)  angeblich  erst 
seit  dem  11.  Jahrb.  aus  der  (von  auswärts  beeinflussten  ?) 
Tleraage,  in  der  der  rothaarige  Fuchs  auftritt,  an  dem 
..kein  gutes  Haar"  ist,  entnommen  und  damit  auf  die 
Dämonen  und  deren  Abloser,  den  Teufel,  übertragen 
worden ;  aber  diese  Volksmeiuung  über  das  rote  Haar 
ist  doch  zu  weit  verbreitet  von  Schottland  bis  zu  den 
Arabern  (a.  V.-K.  IX,  49  ff.)  und  Südslaven  und  ver- 
mutlich weit  älter,  da  schon  in  der  Edda  I.oki  wegen 
seiner  roten  Haare  für  falsch  und  verräterisch  gcbaltvu 
I  wird.  Das  rote  Haar  Ist  eben  etwas  physiologisch  nahezu 
Abnormes,  etwas  Auffallenderes,  Besonderes,  womit 
nach  dem  deutschen  Volksglauben  namenUicb  die  Klben 

zeichen  sein  soll.  Die  Elben  werden  aber  auch  durch  die 
!  rote  Farbe  vertrieben  (Schell  584).  —  Bot,  n.  Rotin, 
Böte,  f.  (1475  reeton  in  handen  m  |. lernen  [phlegmen) 
ulcera  [  =  Ekzema  palmar.],  D.  239;  15.  Jahrb.  röte  = 
eine  Krankheit,  H.  Z.  XIII,  382;  1482  rote.  I.  =  Geröt, 
Urscblächten,  Porpein,  Zeu.  Voc.  mm4;  Gr.  W.  VIII, 
1304;  rotin,  f.  —  rubeolae,  Variola,  purpura,  Ur.  W.  I, 
1527;  Schmeller  II,  499;  1518  rr>te  —  Karfunkel.  Gr.  W. 
V,  212;  1592  rote  —  papula,  D.  411;  1731  rote  =  crysl- 
pelas,  Gr.  W.  VIII,  1304  ;  1834  röthe  =  abomasum  [Rose], 
Kraus,  E.  3),  Las  durch  ihre  intensive  und  exten- 
sive Röte  besonders  auffallende  Erkrankungen 
der  äusseren  Haut  und  der  Schleimhäute  und 
zwar :  a)  Morbilli, Masern  =  die  Röte(8trassb. ;  CT. 
»ehm.  149),  l'orpeln,  Urscblächten,  Röteln,  Rot- 
Fähricht  * ;  b)  die  Rose  od.  das  Rotlauf  als  Uber- 
massige  krankhafte  Ausdehnung  der  schönen 
Hautröte  (s.  Schön  j  Erysipelas  ,  Dermatitis) ; 
c)  Lupus  als  böse  Röte  und  rotes  Blättericht, 
das  Rot  unter  den  Augen ;  d)  Scbleimhautent- 
zündungen.  — 2.  =  das  Blut  u.  zwar:  a)  mensch- 
liches und  tierisches  Blut:  Rot  und  Feist  = 
Blut  und  Fett;  Rot  =  Blutflecken ;  b)  der  Blut- 
erguss  (Blutkuchen,  Rotkuchen),  den  man  wie 
einen  Hachen  Blutkuchen,  der  Ober  den  Rippen 
liegt,  sich  vorstellte  als  die  Ursache  des  Herz- 


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522  Rot. 

gespann  (s.  d.),  eine  Vorstellung,  die  wohl  aus  der  j 
Zerwirk-Tcchnlk  des  erlegten  Wildes  entnommen,  auf  I 
den  kranken  Meuchen  übertragen  wurde;  c)  darum 
Röte  =  Herzgespann;  d)  der  Blnterguss  aus  dem 
Darme  bei  der  roten  Kühr  (Dysenterie)  erklärt 
auch  Röt  =  rote  Ruhr  (Rotweh,  Rotschndcn, 
Rotfluss,  Rotleid  etc.)  (Gr.  Vi.  VIII,  14»;  Kalke  II, 
245; ,  e)  desgleichen  das  Klutharnen  der  Kühe 
(auch  Wind -Rilhe,  Haemaglobinnrie,  roter 
Harn  ete.)  =  (1731)  das  Rot  (A.  M.  15;  Falka  II,  245; 
V.  v.  Schiu.  -13."»;  «ir.  Vi.  VIII,  1299).  —  3,  -  Rose  (8.  d.) 
als  Eingeweideteil.  —  4.  =  tot  =  gelb  (s.  d.).  — 
roten,  röten  (1260,  mhd.  roten),  1.  =  rotwerrien, 
namentlich  vom  toten  Fleisch,  das  heim  begin- 
nenden Faulen  Eiterst  wieder  eine  hellrote,  der 
natürlichen  ähnliche  Farbe  erhiilt  ;  daher  rotten 
(s.d.*),  roten  auch  -  faulen  (Pfeiffer 78);  auf  diesem 
Kotw  erden  de*  Toten  sind  mntieho  Mirakel,  von  angeb- 
licher WlederUelcbunir  (Krstickiiug)  aspbykti'ich  ver- 
storbener Kinder  dureli  Heilige  zurückzuführen  (verßl. 
Voliv-Gaben  b.  Si.  Leonhard  K.  in  lieltr.  z.  A.  K,  11.  I*. 
HaycruK  1893,  sub:  Asphyxie  der  Neugeborenen).  — 
2.  =  rotwerden  von  lliessendem  Blute  =  bluten. 

—  Rötel,  m.  Röteln,  pl.  Rötlein  (Rittein)  (mhd. 

rotel,  m.  —  Kotelsteln ;  1.'*»  röteten  =  Kluderlleeken, 
Kindermasern ,  l'urnclu  .  Gr.  Vi.  V,  736;  VIII,  1305; 
1725  rothel  --^  rote  Flecken,  Magern,  Thea  »au.  Br.  117) 

—  vielfache  kleine  rote  Flecken,  welche  aus- 
oder  auffahren  (s  d.),  1.  =  .Morbilli,  Rotsucht, 
Rotfell,  Rotfecht*,  Rieseln,  Masern,  rougeole. 

—  2.  -  Rubeolae=  Röteln  (<ler  heutigen  Sehnte) 
(1250  sturolae.  I.ersch  98  [  ~  Sprcckeln  VJ ;  1699  rothleln 
=  nibeolae,  v.  M.  II,  132;  1700  rodlein  —  Kotein.  Wd.- 
Hueh  17;  1751  rothe  Blätterlelu,  welche  für  eine  Art 
fnsehlttibten  od  der  Kotsucht  «ehalten  werden,  A.  v. 

H.  I,  1190;  Haeser  II,  412;  1S97  Kitteln.  Meyer,  C'onv  - 

I.  ex.*  V,  981;   engl.  Rerman  uieailen ;    franz.  roscole  I 
epiderahiue ,  I.ehf.  Sit).  —  3.  —  die  sogen.  Schaf- 
blattern (Varicellae,  Urechlachten  (A.  t.  H.  I,  iibo). 

—  4.  -  Schweine- Kotein  (nach  Falke  11,  MS; 
welche  Hautkrankheit  die»  üeln  soll,  iit  unertindlieh; 
vielleicht  Schweine  Brand  [Milzbrand)),  —  Angesicht*  , 
GwsiY/tiVRöte,  1.  =  (1742)  die  auffallend  frische 
Gesiehtsfarhe,  «las  als  schön  geltende  lebhafte 
Wangen-Colorit  (Zw.  144).  —  2.  =  (1644)  die 
Gesiehtsröte  heim  Rotlauf,  der  Rose  oder 
Sehnen  (s.  d.)  -  Erysipelns  (Gr.  w.  VIII,  1301). 

—  3. -(1615)  das  rot  bruchige,  rotgestippte  Antlitx 
bei  Akne  faciei  (oder,  II.  a.  122).  —  »-Rote 
(a««liroto  hlexze,  »cedla,  D.  .M7J  —  durch  Bietzen  rote 

Afterhaut.  -  .4K/;m-  j  Jg*j|er«  j    1.  Haemat- 

ophthaltnos,  Haemalopp,  Fcchymosis  sclernc, 
das  lilutunterUnfene  Auge  («ir.  Vi.  I,  810).  —  2.= 
(H40  ögenrot,  1».  332  -  Hppldu* ;  1472,  1177  oiipcn  roytiK 

—  lippus,  lippidus,  D.  332;  14!>2 äugen  roligcr  —  llppidus, 
Zening.  Voc. ;  15.  Jahrh.  ougen  roll  =  lippidus,  D.  II, 
237 ;  1582  röte  der  äugen  =  rotflelschlge  äugen  ohne 
trieleu,  1592  auKeurdte.  Seh.  94;  Fries  79 ;  Colcr,  H.  A. 
113) -die  Röte  der  Augen  bindehaut  durch  starke 
Blutgefäss-] ujektion  heim  Bindehaut- Katarrh. 

—  blut  röten  =  Blut  harnen,  Maematuria,  Hae- 
inorrhagia  lenirl.  blood  red).  —  bose  Röte  (1518  bosse 
r..ty  s  Kutta  romta,  H.  r.  «Icrsd.  99)  =  Röte  lc,  Lupilfl 
als  tinheilhater  roter  Ktp.tenaussehlag.  —  Ei- 
Rot      «ler  rotgelhe  Eidotter,  Eigelb;  beim  Voll; 


Rot. 

|  wird  gulb  leicht  zu  rot  In  der  Bezeichnung;  auch  die 
[  gelbe  Galle  heisst  rote  Galle  (Gr.  W.  IV.  1.  1185;  VIII, 
1299).  —  rr-rÖten  (15.  Jahrh.  erroten.  H.  Z.  XX,  23; 
Auw.  7)  — wieder  frisch  rot  in  der  Farbe  werden, 
von  Schleimhäuten, Wunden  z.  B.;gesun«l  heilen, 
frischen  Katarrh  zeigen.  —  (1592)  alt-rrrotet  = 
durch  chronischen  Schleimhautkatarrh  gerötet 
(8eb.  9t).  —  FtV6cr-Röte^«lie  durch  die  Fieber- 
hitze veranlasste  Gesichteröte  Rubor  febrilis 

(s.  d.)  kommende,  bald  wieder  verschwindende, 
nach  einer  anderen  Stelle  wandernde  llautröte, 
das  sog.  Flug  (s.  d  ),  1.  =  Ekzema  acutum  — 
2.  =  Erysipel AÜ  migrans,  feu  volage  (s.  Flug- 
feuer) —  3.  =  Erythems  volatile.  —  4.  =  (rouee 
volante  —  rougeole  [Masernl.  Briss.  139).  —  Gesichts- 
Röte  -  s.  Angesichts-Röte.  —  Hagel  Rötung 
(15.  Jahrh )  -  lippidus,  «ler  Zustand  der  Augenröte 
heim  Hagelkorn  (D.  332).  —  //.««'-Rote,  jede 
ortlich  umschriehene  oder  ihtchenhaft  ausge- 
dehnte rote  Färbung  der  Haut  vom  leisesten 
Anflug  (Erythems)  u.  den  kleinen  roten  Flecken 
(Röteln)  bis  zum  roten  Wolf  (Lupus)  und  zum 
Rotlauf,  Rubedo  cutis  (Behrend  5.  20).  —  hektische 
Röte  —  die  kreisförmige  Wanirenröte  bei  hek- 
1  tisch  (s.  «i.)  Kranken.  — -  Mag 1  \  -  Rote  =  «las  hell- 
rote blutige  Erbrechen  aus  dem  iMagen,  Haema- 
temesis  (der  Morbus  nlger  Hlppokratis  oder  die 
Melaena  ist  das  schwarzrote  Erbrechen).  —  Masern- 
Röteln  =  Rubeola  morhillosa,  den  Masern  ähn- 
liche Röteln  (Abart  der  Masern?).  —  (1540)  rite- 
rot =  blutrot,  wie  eine  geritzte  Haut-Wumle 
(Schmeller  II,  195;  laiitspielend  zu:  blitzblau).  — 
ScWcWt  Röteln  -  Rubeola  scarlatinosa,  dem 
Scharlach  (s.  d.)  ähnliche  Röteln  (Abart  de» 
I  Scharlachs?).  —  (1583)  ScAOM-Röte  (sehonrote,  Gr. 
W.  IV,  2.  &:!7)  =  da8  lebhaftrote,  gänzende(prehan 
s.  prechen)  Karhunkel-Gcechwär,  «lessen  Kolorit 
als  schon  angesehen  wurde  (s.  Schön).  —  Vber- 
Röte  (1725  üt>errOthc  =  ery»lpelas,  Thes.  san.  Br  760; 
17»  =  Rose,  Or.  W.  VIII ,  1304;  1742  =  erysipelns,  Zw. 
454;  1777  ülferrothe^  igui«  sacer,  U,  II,  209;  Klmeh  589; 
Verna!.  A.  416)  =  die  abnorme,  krankhafte  Haut- 
rote  heim  Rotlauf,  namentlich  bei  der  Gesichts- 
rose, eine  treffende,  whon  In  alten  8egen»pruchcu 
vorkommende  BexeichnunK  In  der  Schweiz  und  in 
Schwaben  für  die  pathol.  Haulrote  (Manuh.  Z.f.d.  Myth. 
IV,  105  ;  C.  v.  öchm.  435 ;  Buck  61).  —  W-rÖten  (mhd. 
verroten;  ndd.  verrotten,  I,exer  327;  Goldschm.  143). 

1.  —  ganz  i«jI  dureli  Blut  machen  od.  werden.  — 

2.  =s.  rotten*.  —  Rot-,  rot-(r, er, es)  -  Angesicht, 
-A  »aprung,  ■  A  uge,  -  Augenentzündung,  -Ausfahren, 
-Ausgang,  -Aussätzigkeit ',  -Backe,  -Bauchßuss, 
-Bauchtet h,  -Beulen,  -Blindheit,  -Blattern,  -Blät- 
terieht,  -blickig,  -Blut,  -Blutgang,  -Blutruhr, 
-Bräune,  -brechtig,  -bruchig,  -Bucklen,  -Cholera, 
-färbig,  fähticht*,  Fecht  *,  -Feige,  Fell,  -Fieber, 
-Flurrait  /in,  -Flecken,  -Flechten,  -Fluss,  -Frais, 
-Friesel,  -Funk  («.  auch  funkeln9),  -Galle,  -Gelb- 
nuht, -Gesamte,  Geschwulst,  Grint, -Haar,-Harn, 
-Haut,  -IInppcn,  -Hund,  -Junker,  -Kalender, 
-  Ka rb u  n kel,  klebig,  ■  Kleie njlech te,  •  Knaule,- Konig, 
-Kolter,  -K.pf,  -Rothe,  -Krankheit,  -Kuchen, 
-laufen,  -  Laus,  -  /.«V/,  -Mal,  -Milch.-Xase,  Nieren 
stein,  Perle,  -I»**/,  -pissen,  -Placken,  -Plage, 


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Rotel— Rotz. 


Rotz. 


IM 


-precht,  -Räude,  -Rote,  Rultr,  -Saft,  -Sand, 
•Schaden,  -Scheit»,  -Schimmel,  -Schone, -Schwären, 
-Schwindfleehte,  -Seich,  -Siechtag,  Siechtum, 
-Staar,  -Stern,  -Sucht,  -Tüpflein,  -Vberfluss, 

-  Y<4k,  -  \\'am$,  -  Warten,  -  IIa*»«-,  Wtk\  ■  Weten, 

-  Wurm,  -Zähne. 

Rotel,  in.  Rotöl  (zu  ruluU;  1.1»  rodol,  U,  v 
<;erzd.  11  =  „das  klotzrig  feiste  fleisch")  =  das  Con- 
glomeratderlb"— 20tne8araisehen  Lymphdrüsen 
in  der  Bauchhöhle,  welches  als  Plexus  coeliacus 
mit  runden  Fettknollen  die  Bauch-Aorta  um- 
gibt und  das  man  als  eine  Art  von  Rolle  (s.  d.) 
ansah,  um  welche  sich  «lie  Gekrflsfalten  und 
Darmschlingen  drehen  (».  auch  Rothe  3).  — 
Anic  Rotel  (rouelle  de  gcnou,  Brüw.  30)  -  runde 
Kniescheibe  (rotula,  la  rotule)  (D.  501). 

Rotz,  m.,  n.  Rotze,  f.  rötzen,  Rötzer  (Inda« 

krud  .  gcrui.  hrüt ;  vorahd  hroz  =  Nasenschleim,  Kluse*, 
:iO«>;  angls.  hrot  —  niueus,  inrheuma,  horh,  horos  = 
tlegma,  pltuita;  hörig  —  mucosus,  Cock.  II,  öy l . 
395;  horch  mucii«,  humor  narinm,  I».  369;  ahd.  rozz, 
rot,  rotxe  =  mucca,  murin«,  II.  Z.  XVI,  22.  2A.  26; 
XV,  3S3;  riozan  —  weinen,  rollten;  7.  Jahrh.  hroz  = 
muceus.  Graft  II,  559  («dt.  nasalls],  bereits  ein  niedriges 
Wort,  11.  Jahrh.  hroz  —  Vomex,  phlegma,  rotz  — muces 
[raueus].  Grafl  1  e. ;  H.  Z.  III,  3*8;  12.  Jahrh.  daz  roz. 
röi  =  lullgo,  II.  Z.  XV,  353  ---  der  ru«slg  aussehende 
eingetrocknete  Nasenschleim  ;  1129  rotz  [  puetus]  - 
inucus.  I>.  II,  308;  1120  rocz  =  rheuma,  D.  197;  1162 
raez  a  screatus,  D.  II,  332  ;  1182 roti  -  braneo[  -  morbus 
branchus,  Katarrh]  phlegma,  Zening.  Voc.  bb2;  1496 
rotz  =  IQbUnqutoai  [Kotzdrüse.  Fcifel],  D.  560;  mhd. 
roz,  rotz,  rozt  ~  Nasen-,  Magen-  oder  Darnischlelm, 
<  ;r.  W.  VIII.  1326;  1657  rotze.  f.  =  Gliedwasser,  das  als 
phlegma  durch  alle  (nieder  bis  zum  .Mierinnersten 
lauft.  Gr.  W.  VIII,  11327;  schwed.  rotsj. — RotZ,  Rotze, 
1.  =  Nasenschleimhaut- Absonderung,  Mucus 
nasalis,  Myxa,  Koryza,  Gravcdo  (franz.  morve; 
inittelengl.  morfue,  niorfewe,  Heinrich  79  [=  morfea); 
X'/O'j^a ,  Hlppokr.  — -  Stumpfsinn  Infolge  der  den 
Schnupfen  begleitenden  Eingenommenheit  des  Kopfes, 
Hoth  118.1;  da  die  Nasenhöhle  durch  Vermittelung  der 
.Siebbeinzellen  mit  der  Hlruh'.hle  kommuniziert,  so 
nahm  mau  früher  den  Rotz  als  eine  direkte  Abson- 
derung aus  dem  Gehirne  an,  eine  Meinuni:,  die  noch 
heute  im  Volke  zu  linden  Ist  und  der  entsprecheud 
die  vermehrte  Nascuscblclmhautaekrclion  als  eine 
vom  Stumpfsinn  befreiende  Gehirnreinigung  (s.  Wust) 
aufgefasst  wird  (Ituck  16);  bei  Kindern  hangt  derselbe 
oft  glocketistrangfMrmlg  aW  Itotzkengel  ,  Itolzkentcl, 
Kotzklacbcl  ,  Kol  «hauen  tilier  den  sogen.  Kotzlortel 
(*.  d.)  zum  Munde  IKoUniaul)  herab  ;  bei  Schwerkranken 
trocknet  er  zur  Kullgo  Kruste  in  l'upenform  (s.  Popel) 
ei",  früher  mögen  wohl  auch  Klicgcnmaden  dariu  sich 
eingenistet  haben.  —  2.  —  das  beim  Weinen  aus 
Nase  u.  Auge  fliessende  Sekret  (Thränentluss). 

-  3.  —  schleimiges  (rotzige!»}  Sekret  überhaupt ! 
a)  Kehlen-  u.  Luftrohrensehleim  heim  Morbus 

I.  ratn-hus;  b)  aus  dem  Wrdauungskanal  Mund, 
Magen,  Dann)  (,,da*  rott  lu  dem  magen  oder  in 
dem  gedann  auss  dem  der  Schleim  wuchst",  Schtncller 

II.  I«).  —  4.  =  die  durch  (ISSb  von  Löftler 
entdeckte)  Rotzbazillen  und  deren  Rotzgift 
(Mallein)  erzeugte,  höchst  leicht  übertragbare, 
ansteckende  Pferdekrankheit,  Rotzsueht,  Rotz- 


wurm, Wurstkrankheit  (Farciminium  [farcire  = 
füllen],  Malleus  humidus)  (vom  Tierarzte  l'elagoniu« 
schon  iM  schrieben,  Huber  ;  -fj  u*>.t;  —  RoUwurm  und 
Mauke.  Kraus,  K.  »>y ;  borubl.  Ml,  der  besonders 
als  Nasenrotz  und  Hain  i  i  (=Rotzwnrm)  auf- 
tritt; in  letzlerem  l  alle  (als  Hautrotz)  ist  er  eine 
uralte  Krnnkheltsform  und  Name,  in  «lein  sich  Tara- 
«itismus  und  Damonlsmu*.  wie  öfter,  begegnen,  da  er 
als  „Rotz wurm"  (s.  d  )  wie  ein  bamon  tn-sprochen  und 
gebannt  wird;  der  zähe  Auslluss  uns  der  Nasenhöhle 
Ider  Nasenrotz)  aber  wurde  nach  den  früheren  Schul 
lehren  als  eine  blosse  Ablagerung  aus  dem  phlegma- 

I  tischen  Geblüte  angesehen .  da»  sieh  durch  dessen 
Ablluss,  sowie  ilureh  seine  Ablagerung  in  den  nächst- 
gelegenen  l.ymph  (oder  Kehl-jbrüseu  reinigen  sollte 
(engl  glandtrs-  KoU)  (s.  Feifei).  —  5.  =  als  Rotz 
wurde  früher  auch  mancher  Kall  von  Actino- 
mykosis  bezeichnet  (Z  Hdb  XIV.  1.  7is).  —  6.  - 
Rotz  bei  Schafen  -Schafrolz(s.d  ),  bei  Hühnern 
=  Pips,  Zipf  (s.  d.)  (c'oler  5is).  beim  Rinde  =  bös- 
artiges Katarrhalfieber  (Zlpp.  517).  —  7.  —  »las 
schulgemäase  Phlegma  (s.  d.),  Pituita,  Serum, 
Mucus),  das  als  Gliedwasser  durch  das  Rheuma 
(  =  Fluss)  in  die  Gelenke  kommen  sollte,  wurde 
auch  alH  RotZ  wiedergegeben ;  durch  dessen  Ver- 
mehrung sollten  «lie  kalten,  phlegmatischen,  rheuma- 
tischen Klus*e  entstehen ,  eine  aus  der  griech.-lat. 
Medizinschule  entnommene  Bezeichnung,  (10.  Jahrh. 
in  hrozze  -  in  rheuma  [phlegma]).  —  8.  =  als  Rotz 
bereitendes  Organ,  dessen  schleimige  Verstopf- 
ung zum  schnaubenden,  schnarchenden  Lttft- 
geräusche  führt,  heisst  auch  die  Nase  „die 
Rotze"  (Gr.  W.  VIII ,  1327).  —  9.  auch  =  Fäul- 
nis-Schimmel, der  eine  gallert-  oder  schleim- 
artige Veränderung  seines  Nährbodens  herbei- 
führt (Gr.  W.  VIII.  1327).  —  10.  rotzähnlicho 
Erkrankungen  beim  Vieh.  —  rotzen,  rötzen 
(ahd.  riozan,  rluzan  —  weinen,  lacrimari;  rotzen,  ruzan 
--  rotzen,  schnauben,  Schindler  II,  196;  Wolf).  1.  - 
Rotz  aus  Nase  und  Augen  verlieren,  thränen, 
weinen.  —  2.  =  am  Rotz  1 — 9  leiden,  öfters  Rote 
aus  der  Nase  verlieren  beim  Nasenkatarrh, 
Pferderotz  etc.  (1680  rotzen  =  laborare  gravedlne, 
rheumatlsmo  patl,  Gr.  W.  VIII,  1328)  (s.  Rotz  7,  Ka- 
tarrh und  Phlegma).  —  3.  =  rotzen  =  rohezen, 
ropzen  ,  rülpsen,  aufstossen,  ruetuare  (onomato- 

'  poletUcb,  Gr.  W.  VIII,  1328;  D.  602).  —  4.  =  rÖtzeil  = 
beim  Fluor  albus  Rotz  verlieren,  mingere  (Gr.  W. 
1.  c).  —  Rotzer,  Rötzer,  m.  =  einer,  der  rotzet, 
der  am  Rotz  (1—9)  leidet,  meist  in  der  Bedeu- 
tung: verschnupft  ■■  pituitosus,  phlegmaticus, 
gravedinosus,  dann  auch  als  phlegmatischer 
Mensch  —  langweiliger  Mensch,  schlecht  aufge- 
legt, morveux  (Brlss.  190;  Gr.  W.  VIII.  1328).  — 
rotzig  (rfltzig)  (ahd.  ruzzlg.  rozzec,  Graft  II,  "<60 ; 
II  7..  XIV,  18;  mhd.  rutzic.  rotzic,  Gr.  W.  VIII.  1328, 
J&51,  ndl.  ritsigh)  =  ktulig,  brünstig  (De  Cock  38;, 
1.  =  mit  Nasenschleim  (Mucus  coryzae)  behaftet, 
rützig,  verschnupft,  pituitosus.  —  2.  —  mit 
Phlegma  (Rheuma,  Fluss)  behaftet,  phlegma- 
ticus, rheumaticus  (Gr.  W.  VIII,  1328)  (s.  rotzige 
I^ute).  —  3.  =  mit  Schleim  (Mucus)  belegt,  inu- 
culentus,  pchleimig,  z.  B.  in  den  Gedärmen, 
Scheitle  etc.  (11.  Z.  XVI,  1s).  — 4.  =  mit  dem  Rotz  4, 
der  PlVnlerotzkrankheit  behaftet,  mürbig  fSeb 
176,  Gr.  W.   VIII.  1329).  —  [1360)  RotZÜgkeit ,  f. 


Rotz 


raufen — Rnrk. 


=  der  Zustand  des  Kotzens  (1—9);  fast  immer, 
nur  Rot«  4  =  Rotzkrankheit  (Sob.  iso,  Gr.  w.  VHX, 
1329).  —  Augen-Rotz ,  n.  =  Augenschleimbaut- 
sekret,  Augenscbleim  u.  Thränenfluss  (lippus) 
s.  rotzäugig  (schmeller  Ii,  196).  —  Darm-Rotz,  n. 
—  Darmschleim ,  namentlich  grauweisser  oder 
faulig  riechender  (Schmeller  Ii,  195).  —  (1842)  ein- 
gewurzelter Rotz  =  die  langer  bemerkbaren,  hef- 
tigeren Erscheinungen  des  Pferderot  zes  (2.Grad) 
(Fällte  Ii,  199).  —  Fuss-Rotz  -  die  Klauenseuche, 
Fussfäule,  FuBBkrebB  beim  Schafe,  eine  Er- 
krankung am  Schaffusse  mit  starker  schleim- 
ähnlicher  Sekretion  der  Haut  (Gr.  w.  iv,  l.  1024. 
1040).  —  d'TOtz  (ahd.  girozetea  =  plnguta,  H.  Z. 
XV,  54)  —  wie  Fett  aussehender  Kote  (Schmär- 
Rots?)  oder  Rotz  aus  dem  fetteren  Bauchge- 
därm (?).  —  Haut-Rotz  =  der  durch  den  Rotz- 
bazillus in  der  Haut  erzeugte  sogen.  Rottwurm 
bei  Pferden ,  wobei  Rotz-Drflsenbeulen ,  Rotz- 
Karbunkel,  Kotzknoten ,  Hautpusteln ,  wurst- 
förmig  geschlängelte  Zellgewebsstränge  (Mal- 
leus fareiminosus)  und  RotzgeschwQre  auf  und 
unter  d.  Haut  entstehen  (auch  auf  den  Menschen 
übertragbar).  —  (1838)  Hunds-Rotz  =  die  Staupe 
(8.  d.),  als  Epizootie  mit  dem  Pferderotz  ver- 
glichen (Merk  229).  —  Lun^en-Rotz  =  eine  Lokali- 
sation der  Kotzbazillus-Infektion  in  der  Lunge 
(Z.  Hdb.  m,  409).  —  Aasm-Rotz,  1.  =  (1561)  Nasen- 
schleim (Rotz  1)  (Gr.  W.  VII,  414).  2.  =  die 
Pferde-Rotzkrankheit  (Rotz  4),  Schleim  hautge* 
schwüre  auf  der  Nasenschleimhaut  (Malleus 
humidus) ,  zum  Unterschiede  vom  Hautrotz 
(  =  Rotzwurm  ohne  Schleimhaut  -  \  Mi  ktion) 
(Z.  Hdb.  III,  409).  —  Pferde-Rotz  -  Rotz  4,  zum 
Unterschiede  von  dem  auf  den  Menschen  über- 
tragenen, anders  verlaufenden  Menschen-Rotz 
(s.  Morve,  le  morfondement ,  la  nasuue,  Rriss.  189;  la 
roupie).  —  (1592)  Schaf-Rotz  =  eine  sehr  hart- 
näckige, bei  Schafen  vorkommende,  leicht  zum 
Tode  führende  Coryza  oder  bösartiges  katar- 
rhalisches Fieber  (Nasenkatarrh,  parasitärer) 
(8eb.  163  ;  Förster  II,  335;  Zipp.  630;  Falke  II,  246).  — 
Sckmar -Rotzer  (schmarotzen)  (15.— 16.  Jahrb. 
emorotxen,  sinorrutzen  —  betteln,  schmarotzen ;  1561 
schmorotzen  -  parasitär!,  Kluge6,  329);  da  «ich  die  im 
menschlichen  u.  tierischen  Darme  schmarotzend  auf- 
haltenden  u.  von  Ihrem  Wirte  wie  ein  Bettler  lebenden 
Bauchwürmer  aus  dessen  Darmschleim  (s.  d.)  bilden 
sollten  nach  alter  Annahme,  so  wäre  der  Zusammen- 
hang des  2.  Teile«  von  Scbmar-rotzcrnacb  Obigem  nicht 
von  der  Hand  zu  weisen  ;  der  beim  Bandwurm  ent- 
leerte Dannschleim  bat  auch  Ähnlichkeit  mit  Fett 
(Schmar),  so  das«  vielleicht  schmarroUen  =  fettthn- 
llchen  Darmschlcim  (cruda,  crassa,  pituitosa  materiaj 
verlieren  oder  erzeugen  bedeuten  konnte  (die  Über- 
tragung aul  die  Bettler  ist  ohnebin  sekundär);  auch 
schmarützen  (und  das  daraus  entstellte  schmarlcksen 
-Diarrhoe  haben,  Schmeller  II.  553)  ist  schmarotzen, 
bei  dem  ausserdem  die  schwere  Mlttelsllbe  betont  Ist 
(s.  Schmarotzer  sub  S.).  —  Schnuder  Rotz  (1482 
snudrot  —  phlegma,  D.  239)=  Nasen-  (Sehn »de  , 
(Schnottolf)  Schleim.  —  Spitaler-Rotz  =  Alles, 
was  ekelhaft  aussieht  (Fuligo)  (Buck  19)  und  an 
kranke  Leute  erinnert.  —  (17.  Jahrh.)  Stein-Rotz 
=  der  mit  harten  Drüsenanschwellungen  (Stein- 
kropf s.  d.)  verbundene  Pferderotz  (R.  a.  166).  — 


(1531)  subtiles  Rotz  =  feiner,  durchsichtiger 
Schleim  (Gr.  W.  viil,  1326).  —  versteckter  Rotz  = 
der  latente  Pferde- Rotz,  der  ansteckend  ist, 
obwohl  allesichtbaren  Zeichen  des  Rotzes  fehlen 
(Z.  Hdb.  III,  408).  —  (17.  Jahrb.)  weisser  Rotz  =  der 
weisslich  niessende  sogen.  Steinrotz  der  Pferde 
(R.  A.  165).  —  Rotz-,TOtzige(er, es) -äugig,  Batten, 

—  Blut,  -Drüse,  -  Gewächse,-Gicke  ',  -  Gift,  -  Ginkd*, 
■Glocke,  -Grüblein,  -Hammel,  -Häutelein,  -Kar- 
bunkel, -Keil,  -Kengel,  -Keutel,  -Klächel,  -Klengel, 
•Knoten.  -Köber,  Krankheit,  -Leute,  -Löffel, 
-Nase,  Posaune,  -Schlägel,  -Schlengel,  -Schlund, 
-Sucht,  -  Wasser,  ■  Wurm,  -  Wunt. 

roufen  ■  rOfen  (1664  der  roph  =  singultu«,  D.  II, 
»10).  —  flw/roufen  (15.  Jahrb.  also  eyn  uproufet  = 
singultus,  D.  II,  340)  m  Rülpsen. 

RÖWO  (ndd.).  f.  bs  Rufe  (s.  (I.). 

Rubele,  n.  (l'lm)  =  ein  Kind  mit  schwärzlich- 
I  roter,  den  Mörl  oder  Rüben  ähnlicher  Haut- 
farbe (s.  Mirl)  (c.  v.  Schm.). 

Rubin,  tu.  —  Rubinen- Gesicht. 

Ruch,  id.  Ruck,  m.  -rUCh  (g«rm  rük  -  rauchen 
[«.  Rauch);  mhd.  ruh,  ruoch.  Kluge*,  301;  [Bayern] 
ruck,  m.  =  Geruch,  Gr.  W.  VIII,  1840),  1.  =  der  von 
■  einem  Gegenstande  ausströmende  Geruch 
(Odor).  —  2.  =  die  Geruchs-Empfindung,  das 
objektive  Empfinden  des  Geruches.  —  3.  =  der 
subjektive  Geruchsinn  als  Fähigkeit  zu  riechen 

—  .Fksa-Ruch  (16.  Jahrh.  lusruch  [bei  Luther])  = 
der  üble  Geruch  des  schwitzenden  Menschen - 
fusses  (s.  Fusstank)  (Gr.  W.  IV.  L  1040).  —  Ge- 
ruch (mhd.  geruch)  —  Duft,  Ruch  1 — 3.  —  (1583) 
oder  Geruch  —  die  fast  vollständige  Geruch - 
losigkeit  (Ruch  3),  die  Leerheit  de«  Gerach- 
sinnp.  —  Pest- Geruch  -  der  spezifische  Ver- 
wesungs-  oder  Toten- Geruch  bei  ( Pest-)  Leichen 
oder  Geruch  wie  bei  solchen,  z.  B.  bei  Stink- 
tieren (Brehm  Ii,  131).  —  (1645)  verfälschter  Ge- 
ruch =  verdorbener,  schlechter  Geruch  (Ozaena) 
(Coler,  H.  a.  120).  —  Ruch-.4der*,  -Nerve,  -Sehne. 

Ruck,  m.  rucken,  rücken  (ahd.  rucche,  nie, 

rucchau ,  rucken  =  schiebend  fortbewegen ;  mhd. 
rücken,  ruc  -  motus,  rücken,  Kluge*, 306).  —  rucken, 
rücken  -  etwas  schnell  vorwArtaschiebend  bewegen. 

—  Ruck,  m.  1.  sa  ein  plotzl.  Krankheits-Anfall, 
der  den  ganzen  Organismus  in  seinon  Funk- 
tionen verändert.  —  2.  =  s.  Ruch  und  Rücken. 

—  Die  Stampa  (s.  d.)  ruckt  die  Leute  = 
macht  sie  verrückt  (Hey)  660).  —  Auf-rUckwng 
(ndd.  upruckinge  ,  Fromm.  VI,  491)  =  „die  geringe 
oder  kurze  Besserung  eines  Kranken",  der 
bisher  „ablägig"  war  und  dann  besser  „auf- 
gelegt" wird,  einen  Ruck  zur  besseren  Lage, 
zur  Besserung  gemacht  hat.  —  AV-rückung, 
Geistes-jBn/rÜckung  (12.— 14.  Jahrh.  Intruckunge 
des  gelstls  =  raptu«,  D.  643)  =  Verrücktheit.  — 
Sinne-entrückt  (1469  der  synne  entrust,  Kriegk  II, 
364)  ■  verrückt.  Nach  dem  Volksglauben  werdcu 
die  Seelen  (Geister)  der  Kinder  als  Elben  od.  Kugel  In 
das  Berges-Innere  zur  Elbenschar  «1er  Perchta-Stampa- 
nolde  entrückt  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1894,  S.  4M);  Ihre 
Seele  wellt  dann  im  Engellande.  —  PerTÜCktAett,  - 
die  Eigen-  oder  Geistes-Krankheit,  ein  psy- 
chischer Schwächezustand,  bei  dem  die  Wahn- 


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Rüde-  ruechen. 


-rück  -Kücken.  «26 


Vorstellungen  aus  der  gesunden  Harmonie 
«wischen  Fühlen,  Streben  u.  Vorstellen  heraua- 
und  ao  in  den  Vordergrund  getreten  sind, 
daas  das  ganze  geistige  Leben  wie  an  einem 
falschen  Orte,  wie  von  seinem  richtigen  Platze 
weggerückt,  verschoben  („Überecks  im  Hirne"), 
d.  h.  unharmonisch  erscheint  (Tollsucht).  — 
(1735)  Ader-,  (1692)  Weissgeäder-tvrrückt  =  Dis- 
torsio,  Verschiebung,  Zerrung  einer  Sehne 
(=  weisses  Geäder  S.  4  b)  (v.  B.  16;  seb.  181).  — 
(17.  Jahrh.)  Mutter- rerrtickt  (Lonic.  33;  Fr.  K.  n.  61), 

I.  =  Disiocatio  uteri,  Vorfall,  Senkung  der  Ge- 
bärmutter. —  2.  =  Dementia  hysterica,  verrückt 
von  der  Mutter  (n.  d.)  aus.  —  rcrrückter  Kopf. 

Bade,  rudich  (ruddik)  s.  Räude  (räudig). 

Ruder,  n.  Rädel  (Indogerm.  re  (remus  =  stosscn]  ; 
germ.  r6  [raUs  =  Floss];  ahd.  ruodar;  mud.  ruoder; 
16.— 17.  Jahrh.  rudel  =  Mittel  mm  Fortstoucn  des 
Fahrzeuges  Im  Wasser,  Kluge5,  307);  dieser  Begriff 
Ubertragen:  Ruder  -  Penis,  Memhrum  virile 
(Gr.  w.  vni,  13*8)  (s.  Schiff).  —  (1687)  Steuer-  I 
Ruder  —  Clavicula,  das  als  Steuerstütze  hinter 
den  als  bewegliches  Ruder  gedachten  Arm  an- 
genommene Schlüsselbein  (s.  d.)  (Hyrtl,  K.  W.  54). 

—  Rnder-Sfon. 
Rübbel  s.  Röbbel. 

Rübe,  f.  (vorgenn.  schon,  d.  h.  einige  Jahrhunderte 
vor  unserer  Zeitrechnung  aus  lat.  rnpa  =  Rübe  ent- 
lehnt; germ.  röbi;  ahd.  ruoba,  ruop|>a,  raba;  robd.  . 
rabe  (rabi]  mnbe,  hiebe.  Kluge  *  306;  17  IC  die  rieb  = 
Wurxelfrucht,  Kübe,  mit  der  formell  angeglichen  wird) 

—  (15W)  der  Pferdeschwanz  am  Steissbein, 
dessen  dickerer  fleischiger  Teil,  wie  eine  Rübe, 
daselbst  entspringt  (Musconiutn  Vegetii)  (Kraut, 
E.  638;  Seb.  209;  Gr.  W.  VIII.  1336;  Heyne  V,  146).  — 

rübig  -  Hube.  —  ScAir«/-Rube^Kübe,  Pferde- 
schweif  (Mayer  S3;  daxu  wohl  Rübenzagel  -  Rübctal). 

—  Rübe-  Zahn 

-rübig  a.  ruhen. 

rücheln  (rtiheln)  (isos  rflcbefn]    röcheln  (Or.W. 

VIII,  1342.  1427,  Lonic.  159). 

ruechen  (indogerm.  rüg  [enigerc,  ru(g)miuare,  ruc- 
tare];  germ.  ruk  ■  rülpsen,  Kluge*,  296;  ahd.  ruchjan, 
luruchan  -  nimlnare,  Gr.  W.  III,  1174  (itar  =  wieder] ; 
8.-9.  Jahrh.  itamchjan,  itarrueojen  =  rumlnare,  Graff 

II.  9:1.};  angl*.  ed-roc  rumen,  I).  503;  12.  Jahrh.  Itrucho 
=  nimlno.  coracdo,  cihum  in  os  de  venire  reducens  = 
wiederkäuen.  H.  Z.  XV,  317;  14.  Jahrh.  Indrug  =  rumen, 
Immen,  Verdauung,  Voc.  op.  W.  10;  Iteroche,  I.  = 
Schlund,  Hoffmanu  1,  377;  mhd.  Itrucken  (Gr.  I.  c], 
Iterucken,  Indruck  -  frumen,  Gurgel,  Schlund,  Zenlng. 
Voc.  p  6)  Iteroche  =  Schlund,  Lexer  115;  1482  Ind- 
ruckcn  =  raasllcare,  kauen,  Gr.  W.  IV,  1.  1579;  Zenlng. 
Voc.  p  5;  iud-rucken,  elnt-rucken  =  rumlnare,  Gr.  W. 
IV,  2.  2184;  15.  Jahrb.  cintruck  =  Immen,  D.  249;  Im 
Volksmunde  umgedeutet  In  In-dmcken,  ein-trucken, 
in-drag,  in-dnie;  1521  eln-truck,  ein  druck.  Lexer  115; 

D.  503;  hintcrdenken  -  rumlnare,  15.  Jahrb.;  D.  503; 
(Bayern,  Algati]  Brucken,  Brücken,  Gr.  W.  IV.  2.  2183; 
ndd.  ederirhen,  cdcrigcu.  hedericken,  edrichen,  Id- 
riken ,  D.  503;  [Schwaben]  1508  ydrlchen  =  idrigen, 
Gr.  W.  IV;  (Neckar]  Brüchen ;  [Tlrol|  Brienen,  Bren ; 
(Kärnten]  Berachen,  Gr.  W.  I.  c. ;  (Elsas).]  Intniecke,  • 

E.  W  I,«3;  [Henneb.]  nldro.  rk.Sj.lf»«  II.  173 ;  (Heanren, 


t  ugarn]  iriiruckclicn,  Fromm.  VI,  331),  —  ruechen 
■i  kauen,  fressen,  essen  (Schm.  11,  a3).  —  iter- 
ruechen  —  wiederkäuen.  —  Intr uech,  Iterue ch 
=  Schlund  als  Kaustelle.  —  (1482)  Gaumen- 
In druck  u.  (1482)  VseAes-Indrnck,  1.  =  Rumen, 
Frumen,  Wiederkäuung.  —  8.  =  der  Schlund 
oder  Giel  (»  d.)  (Zenlng.  Voc.  p  6,  1  1;  1495  Indruck 
des  vyhe»  oder  des  gummen  =  rumen,  D.  503).  — 
(1538)  rcr-nedrichen  =  ganz,  und  gar  verdauen 
durch  w  iederholtes  Kauen  (Gr.  W.  IV,  2.  2183).  — 
wieder- ruechen  (wederruchten  =  rumlnare,  D.  503). 

-rück,  rücken  s.  rucken  u.  Uige. 

Rücken,  m.  Rucken,  m.  Rück,  m.  Rnck,  m. 

(altlndogerm.  krukjö  —  krümmen,  biegen;  altgall. 
cruclon  =  Borg;  allirisch  crocen  —  Fell,  Rücken; 
germ.  hrugja;  vorohd.  hrukki ;  angli.  hrycg,  rick  ■ 
Höcker;  ahd.  rukki,  rucki  =  Kücken  (spinale],  Kluge* 
306;  D.  547  ;  8.  Jahrh.  hrucki  -  domo,  Kero  75;  Cass. 
Glos«. ;  10.  Jahrh.  rukke,  Notker;  mhd.  rücke,  rügge- 
dorsum,  vertebm  tergum;  1477  ruck,  C.  v.  Megbg. ;  1497 
rucken,  Gr.  W.  VIII .  1356;  1559  rucken,  Ryff;  16.  Jahrh. 
ruecke;  1591  rück  =  Rücken,  Tabern. ;  engl,  rldge  = 
Rücken,  Suffel,  Gaumenfurche,  Kaltschm. ;  rick,  ricket 
=  Buckel,  rhachltischer  ILtcker;  the  ricket*  =  Rachitis, 
{ii/ltf.  soll.  vöz(ti),  1.  =  die  der  Brust  bezw.  dem 
Bauche  gegenüberliegende  gekrümmte  Längs- 
seite des  Kumpfes  bei  Mensch  u.  Tier  (Tergum), 
welche  aus  dem  eigentlichen  (Mittel-)  Rücken 
(doraum,  le  dos,  le  dodier  =  doa-derriore),  den 
Lenden  (Rückenlende),  dem  Kreuze  und  dem 
Nacken  besteht  —  2.  =  der  Inhalt  der  nach 
hinten  dorn-  oder  meisselartig  hervorragenden 
und  unter  sich  einen  Kanal  bildenden  Rücken- 
knochen,  die  einen  knorrigen,  dornigen  Grat 
(Spina  dorsi)  zusammensetzen,  der  das  Rücken- 
mark einschliesat.  —  t.  =  der  obere  od.  hintere 
Teil,  auch  die  Unterlage  (s.  Küssen)  eines 
Gegenstandes.  —  4.  =  der  krankhafte  Rücken 
(mit  Möllern  oder  Teigtrogen  vergleicht  das  Volk  deu 
SenkRücketi  der  Spukgestallen)  —  t>.  =  Rüfkeil- 
ähnliches  oder  dem  Rücken  Verglichenes.  — 
Rückel,  n.  (Rickel)  I 

Rucklein,  I  1.  =  ein  kleiner  Rücken 

Rückchen,  J 

(Chr.  8am.  I,  192).  —  2.  =  (1699,  1743)  Pankreas,  od. 
die  grosse  Magendrüse,  Wampenbries,  Gekrös- 
ilrüse,  welche  als  eine  kossenartige  Unterlage 
für  den  Magen  (s.  Magenpolster)  angesehen 

wurde  (v.  M.  II,  123;  Uyrtl,  K.  W.  33;  Kulmua  167; 
Löveling  244;  blbl.  Med.  318;  Gr.  W.  VIII,  1372).  — 
3.  =  (16.  Jahrh.  ruccklln  auf  Lateinisch  Adenae  et  Glan- 
dulae. Kr.  Kr.  B.  573;  Lonic.  310)  -  Drüse  überhaupt, 
drüsiges  Fleisch.  —  Rücklein-Dniw,  -Gekröse, 
-Röhre.  —  (mhd.)  Boycn  rucket  (16.  Jahrh.  bng 
nickig,  bogriicklg,  bogmeket  —  decrepitnt,  glbbosus, 
Scbmeller  II,  80;  i).  16H).  1.  =  am  Rücken  durch 
Alterschwäche  oder  Krankheit  gebogen.  —  2.- 
Karpfenrflcken  beim  Pferde  und  Rinde.  —  (iftöii 

breiter  {  Ruck*11  I  =  der  in  die  Acl,8e|-Breiu*. 
namenlltcli  bei  Arbeitern  mit  starken  Schulter- 
muskeln, ausgedehnte  eigentliche  Rückenteil 
des  Rumpfes  (Gr.  w.  vni,  1348).  —  (1646)  Eatlt- 
Rucken,  I.  -  Criata  ossis  femoris:  „die  hintere 
Kante  des  Oberschenkels  (Knochen)  ist  durch 


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Korken. 


Rückniatismus— rühren. 


eine  scharfe  Konnivenz  der  beiden  Seitenlliielien 
ähnlich  dem  kantigen  Eselsrückcn  gebildet" 
(Hyril,  K.  VF.  ti).  —  2.  —  der  magero  kantige 
Pferde- Klicken  (Zippcrlen).  —  -Rücken  - 
Rist  (s.  d.)    —  (9f-rtick  8.  Kige.   —  Grat- 

RuckfelU  |  ~  KückKral  (8-  d0  (Schmeller  I,  1016). 

—  //««(/-Rücken  =  die  Kehrseite  der  Hand- 
flaehe, dorsuni  mantis  (s.  Rücken-Netz)  (Gr.  W. 
IV,  2.  413).  —  Hinter- Rücken  =  der  hintere  obere 
Teil  des  Rückens  oberhalb  des  Abdomen  (Gr.  VF. 
IV.  2.  1518).  —  Hoch-Ruck  (abd.  huehrug;  1515  bocb- 
ruck  m  spondyle  [I>.  548)  Spina  dorsl,  I».  5-16),  l.  -■  das 
Fleisch  auf  dem  ilinterrücken,  namentlicli  auf 
dem  (bei  Tieren,  besonders  Schweinen)  höchsten 
Teile  des  Rückgrates  (Nacken)  ([Schwabeu]  Haueh- 
rucka.  Bncfc,  Klurn.  222;  [Henneb.)  hothroeck  —  Stich- 
braten,  Spless  II,  107).  —  2.  =  (15.  Jahrh.)  die  Wirbel- 
saule, der  ganze  Rückgrat  und  der  daran  be- 
findliche Banchteil  (Gr.  VF.  IV,  2.  1630).  —  3.  ^ 
(1660  hochrurkig  —  glbbosns,  1680  gibbus,  Gr.  VF.  IV, 
2.  1630;  VIII,  134«)  ein  durch  Krankheit  ditiortiier, 
kyphoiisch  veränderter,  buckelig  erhöhter 
Rücken.  —  Karpfen- Rücken  -  ein  wie  beim 
Karpfenlische  hochgebogener,  nach  oben  ge- 
wollter Pferde-  oder  Rinder-Rücken.  —  (1«80) 
krummer  Rücken  -  ein  durch  Alter  oder  Krank- 
heit im  Rogen  gekrümmtes  Rückgrat  (Gr.  W. 
VIII.  13^»).  —  lahmer  Rücken,  1.  =  die  durch 
Rheuma  oder  sonstige  Krankheit  in  ihrer  Be- 
wegung gehemmte  Rückenmuskulatnr.  —  2.  — 
der  im  Rücken  empfundene,  die  Rückenbe- 
wegung hemmende  Schmerz  (Ruckweh).  — 
.Mayen -Rücklein  =  Pankreas  (s.  Rücklein  2), 
das  dem  Kehnstuhlpolster  angeglichene  Magen- 
polster  (llyrtl,  K.  W.  uo).  —  AI ittel- Rücken  - 
der  mittlere  zwischen  Nacken  und  Ruckenlende 
betindliche  Teil  des  menschlichen  Kückens,  «1er 
eigentliche  Kücken  (Gr.  W.  VI,  2407).  —  Xasen- 
Rücken  =  der  oberste  Teil  der  Nase,  der  Nasen- 
grat, der  bei  der  sogen.  Adlernase  besonders 
hoch  aufgerichtet  ist  (15.  Jahrh.  nassrich  -  a<i<iilinns, 

i».  ii,  30;  Gr.  \v.  vii,  4ii).  —  medYr- rucken  = 

mundartlich  entstellt  ans  iter-ruechen  (s.  ruechen) 
(AadNMa  ioyj.  —  ü/>tr-Rücken  =  Afterklauen 
des  Hirsches  (Brehm  Iii,  138)  als  obere  u.  hintere, 
den  Boden  nicht  berührende  Teile  des  Beines. 

—  rauher  Ruck/«)  (1432,  C.  v.  Mcgbg.)  ■=  eine 
durch  vorragende  Knochenteile  oder  durch 
rauhe  Hautoberfläche  ungleiche  Rückenflache. 

—  /2o8S-Ruck  -  Bin«  bei  ehemaligen  Kultwaldungen 
vorkommende,  vermutlich  mit  dein  Rossopfer  oder  dem 
Boss  —  Alp  (».  o.)  in  Beziehung  stehende  Bezeichnung 
für  den  Pferderöcken,  denen  Knochen  man  auf 
Bitumen  aufhing  (Jahn  122).  —  Sau  Rucken  (1521) 
sewruk  —  succidia,  l>.  563)  —  Schweinsbaclie,  speck- 
reicher  Teil  des  Schweins.  —  (leso)  schlimmer 
Rücken  =  Hörsum  ineurvum,  schiefer  Rücken 
(s.  schlimm)  (Heyne  V,  393).  —  schwacher  Rücken 
=  ein  durch  Knochenweichheit  (Khachms)  zur 
Verbiegung  sich  neigendes  Rückgrat.  —  Scnk- 
Rücken  =  lx>rdosi8  (Äop$ic  =  gekrümmt),  ein  tief 
nach  unten  eingezogener,  durch  öftere  Belast- 
ung (Tracht)  verbogener  l'feiderücken,  wie  ihn 
die  geissfüssigen  Dämonen  des  Volksglaubens 
haben  sollen  (Mayer  40).  —  starker  Bücken  -  ein 


muskel-  und  knochenkraftiger,  breiter  Rücken 
des  Menschen  (Schmeller  II,  so).  —  (IMS)  tiefer 
Rücken  =  Senkrücken  (Falke  Ii,  370).  —  Zungen- 
Rücken  =  die  obere  und  hintere  Flache  der 
Zunge  (Falke  II,  462;  Krau*,  E.  810).  —  Ruck-, 
Rück-,  Rucken-,  Rttcken-.fi der,  -Bein,  -biegig, 
-Blut,  -Braten,  -bü<jig,  -Darre,  -Dorn,  -Feil, 
•  Gelenk,  -Qesüclit,  -Gicht,  -Grat,  -GraUgleich, 
-Haut,  -Knopf,  -Knorren,  -Knoten,  -Krampf, 
-Krümme,  -Lende,  -Mark,  -Markdarre,  -M  eissei, 
-Netz,  -Pater,  -Pein,  -Riemen,  -Rose,  -Saft, 
-Schauer,  -Schmerz,  -Schuss,  -Schwindsucht, 
-Spalte,  -ständig,  -Strang,  -Streifen,  -Uberblut, 
-  Weh,  -  Weiche,  -  Wehtag,  -  Wirbel. 

Rückm&tismus  =  (scherzhaft  für)  Rüeken- 
Rheumalismus  (Audrcsen  99,  Ann  8) 

Rüden,  pl.  ~-  roter  Jagdhund  (Kluge);  clblseh 
gezeichnet ,  daher  die  Gestalt  der  untergeschobenen 
Wcchsclbälge  im  Volksmärchen,  welche  die  Menschen- 
frauen saugen  müssen  {Kuhn  I,  35.  73.  74).  —  Rüden 
Ring. 

rüderig  s.  Räude. 

Rüfe,  Rüfel,  Rüfle,  rüften  s.  Rufe. 

rühren  (Indogerm.  kräs;  germ.  krüs;  goth.  kn"«zjan  ; 
ohd.  hniorjan,  ruoren;  mhd.  rueren ,  Kluge5.  307; 
Sfhw.  663;  dazu  mhd.  ruor,  ruore  =  Kühr  [s.  d.J)  = 
in  Bewegung  Betzen,  antreiben,  heftig,  eilig 
bewegen,  aufrühren,  sich  rühren,  anrühren, 
durch  Bewegungempfinden,  berühren.—  rühren, 
d.  b.  die  Bewegung  der  (.Tedarme  empfinden, 
war  früher  eines  der  massgebendsten  Anzeichen  der 
Ablührmittel.  die  der  primitivere  Mensch  durch  Ver- 
suche der  pflanzlichen  Mittel  erst  erproben  musste ; 
daher  Ruhr-Trank  (mhd.  niortrank.  Kluge*,  307):  ein 
I'rlanzenaufguss,  der  Kiihning  in  den  (tedarmen,  Ab- 
führen macht.  —  Rührung.  I.  =  die  Handlung 
oder  der  Zustand  und  die  Empfindung  des  Be- 
wegens. —  2.  =  (1681  roehning  =  paralysis,  D.  II, 
280)  =  Berührung,  Schlag.  —  (i;i-rtihren  =  etwas 
durch  eigene  Fingerbewegung  berühren,  au 
i  etwas  rühren,  etwas  anrührend  in  Bewegung 
versetzen  und  diese  Bewegung  empfinden.  — 
«m- rührend  ■  durch  direkte  Berührung  (Con- 
tagium,  «'ontactus,  s.  berühren)  ansteckend.  — 
^«rühren,  n.  =  Anreichen  (s.  d  ),  der  Schaden 
am  Pferde,  der  durch  das  zu  weile  Vorgreifen 
der  llinterfüssc  des  Pferdes  beim  Laufen  und 
das  Berühren,  Erreichen,  Anreichen,  Einbauen 
an  den  Vorderhufen  daselbst  entsteht  (Gr.  VF.  I. 
432).  —  räudige  ....ruhrung  (16.  Jahrh.  rndigk 
annirung  aa  contagium  scablei,  D.  MC)  =  die  Räude- 
Ansteckung  durch  Berührung.  —  Rühr  mich 
nicht  an!  (l'berseuutig  des  Noll  mc  tätigere  [HS2; 
(.'.  v.  Megbg.]  der  m 1 1 le  1  nl  t  e  r  1  i  c  b  c  n  Medizinschriflstcller, 
die  darunter  verstanden):  1.  =  Krebs,  Carcinoma, 
namentlich  das  KpithelUarzinom  im  Gesichte 
(1482  ,,ein  grausamer  Siechtum  der  das  antlttx 


».  v.  Megbg.;  1518  „Ist  der  sieche  all,  so  warne  ich 
dich;  thue  deine  hand  ab;  es  ist  nicht  gut.  dass  da 
ihn  [danAntlitzkrebs]  unterstandest  anzurühren",  II.  v. 
Gersd.  74  ;  1545  ,,es  ist  ein  sehr  heftiger  böser  und  unge- 
«chlaehteter  Schaden,  namentlich  im  Angesicht,  der 
um  sich  greift",  Kyll,  d  L'hir. ;  1582  die  kranckheyt  Noll 
ine  längere  ist  ein  umbfressender  Schade,  I.onlc.  290; 


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rühren. 


Rülp— rüspein.  527 


1754  «  Angeaichtkrehs,  A.  v.  II.  I,  1071;  II,  1150,  he- 
sonders  im  Anfange  Heiner  Bildung  «olfte  tiimt  das  Nnli 
me  Uuigere  nicht  mit  Mitteln  tteruhren,  Kondom  ruh!« 
luven ;  denn  der  wahre  [offene]  Krel>s  verzehre  in 
einem  Tage  mehr  als  du  Noll  nie  längere  in  einem 
Monate  (A.  v.  II.  1.  e  .  »ehrend  t»;  toler,  H.  A.  121). 
—  2.  =  (mtl.  Noli  ine  tangerc  —  morbus  in  facie  ex 
mictuia  [«.  be«elchen]  Klirium  [*.  Man«.  Fledermaus] 
id  est  urina  murin  et  gliris  vrl  in  eulo  =  bubo,  hesper 
[=  berpes]  eancrius  [—  krebsig],  I)  615  =  syrin  so 
eins  ein  mau««  im  antllu  besaieht  od.  beprunut, 
D.  27C;  II,  202;  nach  noch  heute  lebendigem  Volks- 
glauben entstehen  fressende,  rote  Stellen  auf  der  Haut 
durch  du  Beplssen  durch  einen  Kro«ch  [Proteen,  bubo, 
buIo?J,  einer  Maui  oder  durch  den  Blss  eine*  Krebse* 
oder  Skorpion*;  15.  Jahrh.  noli  me  tangere  =  »ncht 
von  der  roten  saichung,  1).  382  [durch  den  roten  giftig 
geltenden  Harn  dcrTiereJ;  r>90  noli  me  tätigere,  l'ara- 
celsu»;  1630;  Lonicerns;  1654.  A.  v.  H.  I,  1071;  1842; 
Kraus,  E.  665;  engl.  Noll  me  tangere  =  Lupus,  Lehf. 
201)  jeder  sogen,  fressen  deSc  ha  den,  weither 
auf  äussere  Mittel  „eher  ftrger  als  bosser  wird" 
und  swar:  a)  fressender  Wurm  (s.  d.  u.  .Sirey) 
im  Gesichte;  b)  Gefrasslistel  (s.  d.),  Morbus 
formica  s.  Lupus,  wozu  auch  syphilisilhnliche 
Ausschlagsformen  gerechnet  werden  (Pr.  II,  75), 
sowie  der  Krebs  mit  Ausgang  in  Gangrän  oder 
fressendes  (ieschwfir;  c)  (1577)  Nasen- Kolyp, 
PolypiM  narium,  Koedatio  naris  iiad.  Jun.  382; 
D.  «5),  Nasenepithelkrebs.  —  Die  Hilflosigkeit  der 
damaligen  Behandlung  beim  vorgeschrittenen  und  noch 
nicht  aufgebrochenen  Krebs  wie  beim  Lupus  und  auch 
die  Entschuldigung  des  arxtliehen  Handelns  mag  die 
Benennung  dieser  Krankheiten  mit  Noll  me  taugere 
veranlasst  hnben  (Kichter  I,  2*M).  —  3.  —  die  vom 
Volke  dem  Bereichen  («.  d.)  durch  eine  Maus 
(Ratte),  Kröte  (Proti)  zugeschriebene  Lymphan- 
goitis  und  Phlegmone  (1466  noli  me  tangere  =  sucht 
von  raezen,  D.  II,  265).  —  .Berühren,  1.  —  das  An- 
rühren bei  einem  Körperteile,  namentlich  nach 
froherem  Volksglauben  durch  einen  Krankheits- 
damon,  der  dadurch  elbieche  oder  schelmische 
Krankheiten  hervorruft,  besonders  plötzliche 
Lahmungen  (Schwarte  411;  Blrlingcr  I,  14  »)  (s.  be- 
rufen); /iertthrte,  n.,  f.  (in.  jahrh.  bernren;  la 

einem  alten  NachUegen,  SlU.Ber.  1*67,  7.  13;  15.  Jahrh 
hen'irde  =  Uvctus,  D.  II,  S67;  1512  beriert  =  tactus, 
Apoplexia,  D.  571;  ndl.  Iieroerte.  f..  De  l  ock  Vit  =  die 
durch  Berührung  von  .Seite  der  Dämonen  durch 
die  Hand  (s.  d.)  oder  den  Schlag  (s.  d.)  Gottes 
veranlasste  Krankheit;  Lähmung,  Apoplexia, 
Paralysis.  —  2.  =  das  Treten  der  Henne  durch 
den  Hahn  (Kruutw.  XXIX,  J  21.  —  Die  »chtimisehc 
Bt  rührung  brachte  schelmische  Krankheiten, 
x.  IS.  Seuciien  mit  Erslickungsgefahr  (<;r  w.  VIII, 
2519);  auch  das  (ansieckende)  St.  Antoni-Feuer 
(a.  d.,  Milzbrand-Rotlauf;  „berührte"  die  Leute 
hart,  ebenso  der  Schüttelfrost  beim  Ritton  <  1417 
ejrn  den  dal  kolde  barde  roret  —  cnutricheu«  [  —  hemi- 
trlteus],  I».  II,  IIS).  Aus  der  Vorstellung  des  daiuo- 
nistlschen  Beruhrens  wird  sich  der  Begriff  des  Contagium 
entwickelt  halten.  Auch  die  Heilungen  durch  den  auf- 
gelegten Kluger  oder  die  Heilhand,  wie  sie  Heilige  des 
Christentums  vollzogen  (s.  baxner),  hatten  eigentlich 
eine  damoniitische  Vorstellung,  die  Vertreibung  der 
Krankheltsdamoncn,  *nr  Grundlage  gehabt.  Die  schon 


in  der  Kdda  iSignlrilumal  I;  Jordan  360.  :W7)  erwähnten 
I  „heilenden  Hände"  besa-ssen  eine  solche  Wuudcrkraft, 
welche  später  den  franko  Kultischen  und  normanno- 
englischen  Königen  bis  in  unser  Jahthuudert  gegen 
das  Konigsubel  d.)  beigemessen  wurde  (s.  Z.  d.  V. 
f.  v.  k.  is««,  vi,  44;;  ff  ).  —  Gr  rührt,  n.  (15.  Jahrb. 

gerierd  -  tactus,  D.  II,  «07  ;  lt&S  geruerd,  ('.  v.  Megbg. ; 
liy  >  gerurt  ss  tactus,  Apoplexia,  D.  333.  571;  1507 
gheroert  —  sideratu«,  sldere  afllulus,  D.  I.  c),  1.  =  der 
Gelübisinn,  die  Empfindung,  dass  die  Teile  des 
Korpers  bewegt,  beweglich  sind,  die  Empfin- 
|  dungskrafl  lür  die  Bewegung.  —  2.  —  die  Krank- 
heit, die  veranlasst  ist  dadurch,  dass  (nach 
früherem  Glauben)  der  Krankheitsdämon,  das 
Sonnengestirn  (Sonnenstich)  oder  die  Hand 
Gottes  einen  Körperteil  od.  den  Körper  berührt 
hat,  welcher  dann  '„-"lahmt,  vom  Schlage  ge- 
troffen ist.  —  Kin d «  Rührung  =  die  Empfindung 
der  Eigen  -  Bewegung  des  Kindes  im  Mutter- 
leibe, die  die  im  5.  Monate  und  darüber  hinaus 
schwangere  Mutter  hat.  —  w-rührt  (1500  ver- 
ueert  =  nttonltns,  D.  Ii,  41)  -  ganr,  und  gar  durch 
berührenden  Schlag  (der  Dämonen)  gelahmt,  so 
dass  Fraisen  erfolgen  =  mit  Fraisen  geschlagen. 

Rülp,  m.  Rülps,  m.  Rülpser,  m.  ruelpsen, 

rülzen,  Rülz,  m.  eine  schalluaehahmende  Bezeich- 
nung für  »Iii.1*  hörbare  öftere  Rülpsen  oder  Auf- 
Stossen;  ursprünglich:  ruclpezen  erhielt  das  Wort, 
da«  vielfach  gebraucht  wurde,  wie  eine  gut  gangbare 
Münze  abgeschliffene  und  glattere  Gestalt  in  zahl- 
reichen Nebenformen  uioel/'-n,  grülzcn,  rupzen, 
rupsen,  rüpsen,  raepsen,  roepsen,  grofesen, 
groebsen  etc.  —  Rülp,  Rülps,  Rülpser,  Rültz,  m. 

I.  -  das  einzelne  laute  Aufslirssen  (Kucius) 
(Gr.  \V  VIII,  1177  ff.;  Cranell  IV,  2t.:!).  —  2.  =  der 
Mentch,  der  roher  WVisie  aulstosst  (II.  Paul  365). 

—  Rülzung  —  die  Handlung  des  lauten  Auf« 
stossens  (liuclatio)  (Gr.  W.  VIII,  ltso).  —  Rülps- 
SttJtt. 

Rültz,  m.  rülzen,  1  -  rolzen  (s.  d  ),  geil  sein 
(Gr.  \V.  VIII.  147U).  —  2.  -  s.  rülpsen.  —  (1711] 
RÜltZ  =  KuCtOfl  (Kirsch  1046),  Külpser. 

-rümpel  s.  rumpeln. 

rümpfen  ■.  Rumpf. 

Rünn  [mndd.  röne; [Holland,  Westfalen)  min,  rinne) 
Kenne,  Wallache  (das  WMbern  [renelnl  der  Bosse 
galt  bei  den  Germanen  als  augurium  [giruni  -  inyste- 
riural.  »ehm.  II,  106.  10S;  Kluge    395;  Fromm.  VI,  36s). 

Runs-  s.  Kims 

rüpeln  (rüpsen),  Rüppl,  m.  =  vomero  («u  ah.i. 

ruffa/nu,  roffizan,  'iraff  II,  ."«UOJ;  daraus:  rue|>sen  und 
das  an  Kuppel  --  roher,  grober  Unprceht  lllatiern- 
Name)  angelehnte  rticpeln  (Klugu  s,  :»s),  die  wie  ruelpsen 
lautmalende  Bezeichnungen  fur:  dtis  hörbare  Auf- 
stossen  ans  dem  Magen  =  vomere,  ruetare  sind. 

—  Rüpsung  -«lie  Handlung  des  Küpsens  (Sehm. 

II.  132;  <.r.  W.  VIII,  ]  .:..).  —  Rüppel,  m.  =  ein 
unruhiges  Kind  (s.  rippeln)  (Wolf). 

Rüsel,  in.  s.  Kiesel. 

rÜSen  :r'-;>  das  gt  t.ainn  ru«et,  Braunsehw.  Chlr.) 

=  einen  Riss,  Spalt,  eine  Kluft  haben, 
rüspein,  rüspern  (ruspern)  [149»  rfiiplen ;  isni 

ritsplen,  Gr.  W.  VIII,  138»)  =  sich  hustend  aus- 


«SR  Kussel-  Kuelz 


räuspern  (h.  d.).  —  (l&ni)  Rüspler  -=  einer,  der 
sich  räuspert  (dt.  W.  viil,  IMS).  —  (1561)  Rüsplung 
=  die  Handlung  des  Räusperns  (Gr.  1.  eod.). 

Rüssel,  Ol.  (vorgerm.  wröd  [roderc,  nagen];  germ. 
Witt  —  aufwühlen;  vorahd.  wrözil;  ahd.  ruozan  =  die 
Erde  umbrechen,  ruozll;  mhd.  rüesel  -  Rüssel).  1.  = 
„die  aufwühlende  Schnauze  des  Schweins" 
(Kluge*,  308)  (Kostrum  suis),  als  organisches 
Wflhl-Gerät(groin).  —  2.  —  die  spitz  zulaufende, 
fleischige  oder  haarige  Schnauze  oder  Nase 
(s.  Schnäbeliz)  anderer  Tiere.  —  3.  =  formell 
angeglichen:  a)  die  menschliche  Nase;  h)  der 
Mund;  c)  die  weibliche  Vaginalportion.  —  4.  = 
der  Träger  dieses  Rossels.  —  gespülter  Rüssel 
=  derein  gewaschenes  Gesicht  (Maul)  hat  (C.  v. 
8chm.  443).  —  Sc/iiffins-Rtissel  =  der  schnauzen- 
förmig  in  die  Scheide  hereinragende  Scheiden- 
teil (Portio  vaginalis)  der  Gebärmutter  (col 
tapiroid),  Tinkaknochen  (Hyrtl,  Anal.  709). 

Rüsseln  s.  Rieseln. 
Rüst  s.  1.  Rist,  2.  Runst. 

-nieste,  ruesten  (tndogcrm.  kruth;  germ.  hruth 
-schmücken;  ahd.  krostjan,  nuten;  mhd.  ruesten, 
Kluge*,  30«  B.;  dazu  ahd.  girustt;  mhd.  gerueste, 
Kluge5,  136  m  Ausstattung,  Vorrichtung,  Aufbau,  Ge- 
stell). —  {1741)  jjJJJJj^.  |  Gerüste  =  das  Knochen- 
gestell, Skelett;  „es  galt  als  Sitz  des  Lebens 
uud  in  weiterer  Folge  als  Mittel  zum  Wieder- 
aufleben" (tjUstner  II,  84  B  ;  Kirsch  1070).  —  (1099) 
For- Gerüst  =  die  Stelle  am  Vorderteil  des 
Tragtieres,  wo  die  Vorrichtung  zum  Sitzen 
oder  Tragen  (Sattel ,  Saumzeug)  sich  befindet 
(v.  M.  I,  50). 

Rüstern;  falsch  für  Nüstern  (Falke  Ii.  251). 

Rütten  s.  Rillen.  —  Rütten-  Weibchen. 

rütten,  rütteln  -rtittung  (mhd.  ructteln,  rüttcu 
=  schütteln.  Kluge6,  309;  Zer  rüttung  =  die  gewalt- 
xame  Erschütterung  mit  1  'leibender  Störung  de»  früheren 
Zustande*).  —  Geintes-,  (IC OS)  //uu/>/s-iJerrÜttung 
=  die  traumatische  Erschütterung  des  Kopfes 
und  des  Gehirnes  als  des  Sitzes  des  geistigen 
Lebens  (nach  Sturz  oder  Schlag),  übertragen 
auf  nicht  traumatische  Geisteskrankheit  mit 
bleibender  Störung  der  Sinnes-Nerven  und  des 
geistigen  Lebens  (Verstandes)  (st.  Benno-Mirak  ). 

Ruetz.m.,  f.  Ritz,  f.  Rutze,  f.  Rütze,  f. 

rützen  (RUBS)  (mundartliche  Nebenformen  zu  Rotz 
[s.  d.l),  1.  -  I'iüiita,  eine  Erkrankung  bei  Mensch 
oder  Tier  durch  vermehrte  Rotz-  (Schleim-) 
Bildung  (Gr.  w.  VIII,  1080).  —  2.  =  die  Stelle,  wo 
dieser  gebildet  wird  (Nase,  Auge  [1660]  Mund) 
(Gr.  W.  VIII,  1572;  Schmeller  II.  196).  —  3.  =  (1699) 
MalleuB  humidus,  die  Pferde-Kotzkrankheit  — 
Ritz,  f.  (Gr.  w.  VIII,  loso).  —  rützen  (rilzen)  (ahd. 
riozan,  rnzan  =  schnauben,  lacrimare,  roUeu,  mhd. 
riezen;  1599  ritzen),  1.  =  am  Pferde-Rotz  erkrankt 
sein.  —  2.  -  das  Fliessen  des  Rolzen.  —  3.  = 
schnauben  und  rülpsen  (Gr.  W.  VIII,  1084  ;  8chm. 
II,  196).  —  RÜtZUng  (ahd.  ruzzunga;  9.  Jabrh. ;  Graft 
II,  1068  —  sternutatio)  =  Rotzung,  die  Handlung 
des  Rotzbildens.  —  rützig  (ritzig)  (ahd.  mzzig  = 
muculentus,  V.  369 ;  1421  ruczlg  ^  rotzig,  Gr.  W.  VIII, 
1086;  1M1  ritzig  ~  hanplsüchtlg,  am  Schnupfen  (coryza, 


gravedo]  leidend,  <ir.  W.  VIII,  1085;  1590  russig  =  m- 
bidu«,  rablosus,  D.  482;  1599  ruczlg  =  roiaig ,  hart- 
«chiachtlg .  Gr.  W.  VIII ,  1085 ;  1654  ,  ndl.  rftslgk  = 
brünstig,  DeCock;  Folklore;  Geneesk.  38),  1.  =  ra- 
bidus,  mucosus,  rotzig,  verstopft  in  der  Nase, 
schweratmig,  damit  hartschlächtig  (s.d.),  wegen 
der  meist  auch  weiter  ausgedehnten  katar- 
rhalischen Schwellunginden  Atmungswegen.  — 
2.  —  mit  Rotz  belegt,  schmutzig,  ekelhaft  wie 
der  sogen.  Spitalerrotz  (s.  d.);  (hleher  auch  da« 
rutze  kinpain,  da«  rotz beschmutzte  Kinn  eines  unge- 
heuren Waldmann»,  C.  v.  Schm.  443,  Gl.  W.  VIII, 
1086).  —  3  =  mit  der  Pferde-Rotzkrankheit  be- 
haftet (Buck  47 ;  Schindler  II,  196).  —  4.  =  wütend 
(Phlegma,  Lympha),  wasserscheu.  —  5.  =  brün- 
stig, Brunstschleim  zeigend  (von  Pferden).  — 

St«}  -  *  «-™*  " 

Pferden  (Gr.  W.  l.  c;  Sab.  177).  —  au^rn-rtitzig 
(1445  augcnriczlg  =  lippidus,  Bchmeller  II,  196  ;  D.  332) 
=  thränend  durch  rützigen,  Augenschleim  secer- 
nierenden  Augen-Katarrh.  —  Brusl-Rützen,  pl. 
(die  rücxen  umb  brüst,  Schmeller  II,  196)  =  die  Brust- 
verschleimung,  Luitröhrenkatarrh.  —  o  rützen 
(15.  Jahrh.  eruzzen.  enrozzen,  Schmeller  II,  196)  = 
schleimige  Eiter  rinnen  lassen.  —  ifrrr-RUtz 
(15.  Jahrh.  herezriez,  Gr.  W.  VIII,  1080 ;  Schmeller  II. 
195)  —  Brustrütze  mit  Herzbeklemmung,  hart- 
schlächtig, Rmphysema  mit  Asthma  bei  Luft- 
röhren-Schleimbildung (vielleicht  anlehnend 
an  Herz-Ritten)  —  Aim  rützig  (rissig)  =  elbisch 
verwirrt  (s.  d.)  wie  ein  am  Hirnwunne  leidendes 
Schaf,  das  dann  den  Hirn- Wust  als  Hirnrotz 
entleert;  eine  an  ,, hirnrissig"  leichten  Sinnes  ange- 
lehnte Bezeichnung  (s.  Hirn,  Phlegma,  Wust).  — 
sdoruir-rützen  =  schmaricksen  (dies  entstellt 
aus  jenem)  -?  schmar-rotzen  (s.  d.).  —  Schnabel- 
Rütze  (snnbelrnsse  —  rheuma,  I).  497)  sa  Nasen- 
schleim (verächtlich).  —  rutziger  Harn. 

Ruf,  f.  Rufe,  f.,  m.  Rufen,  f.,  pl.  Rufe,  f.  m 
Rüfle,  Rüfli.  Rüfel,  Rüfchen,  Ruft,  Rufta, 

RÖWO,  Rof,  Robe  {ahd.  ruf.  hruf,  hruul,  hriub,  hri- 
ubl,  hriupl,  hriuua  =  lepra,  pustula  lucens,  papula 
[rupia  ?  scabla],  Scabies,  I).  II,  328;  pestis;  mtl.  rofla, 
Brl»».  230 ;  In  roufie,  rolle,  rote,  ritte,  riob  =  leprosus, 
acablosus,  Schw.  561;  Gr.  \\.  III,  393,  Graff  IV,  1165; 
Gr.  D.  It  II,  1112;  altuord.  hrufa,  Fromm.  VI,  367; 
angls.  hreof,  hreoflati ,  hreotle,  hreofol,  hreofe  - 
Mahles,  lcprositos,  pediculost,  foek.  I,  363.  SM ; 
II,  16.  396;  10.  Jahrh.  hrut  =  ramex  —  Grintwnrz, 
Graff  II,  499;  12.  Jahrh.  bruf,  ruf  —  Scabies,  Z.  II.  VI. 
321.  320;  13.  Jahrh.  reuffen,  D.  HC;  mhd.  ruf  sa  lepra, 
Schmeller  II,  67;  mnd.  mffe,  roffe,  m.  =  ernst« 
ulceri«,  Gr.  VI.  VIII.  1396  ;  13. — 14.  Jahrh.  rob-mmex. 
D.  603;  Schmeller  II,  «8;  14.  — 15.  Jahrh.,  mnd.  de 
roven  —  rauhe  Gesichtshaut,  Z.  f.  nd.  8pr.  F.  XV,  144  ; 
15.  Jahrh.  rouc,  roof  ss  crustula  ulcerls,  sanlcs,  D.  511 ; 
roff  —  serpedo.  I>.  530,  1498  rufen  ■=  ostra,  eschara, 
Braunschvr.  Chir.  j  15.  Jahrh.  rufe,  rufe,  Gr.  W.  VIII, 
193.,;  ruff  =  rumex  [-  Zltterachwrurz] ,  t>.  II,  322, 
1629  rufte  —  Krobsborke,  Brunt. ;  1631  rufen,  Gr.  \V. 
1.  eod.;  1633  ruften  =  Syphilisborken,  Fuchs  I.  365; 
1561  hi die  —  bützle,  Kissen,  crustulae  ulcerantes,  Gr.  W. 
VIII,  1392;  1577  raten  =  Schaden,  Schorf,  Blattem- 
seborf,  Wirsung;  1676  rufen,  grtnder  rufen  sa  Kopf- 
ansschla«,  Grlnt,  Kratze;  15S0  rnfen,  m.  es  Sehadeu- 


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Ruf. 


rufen. 


520 


«chori;  1682  die  Kufl  ,  I.onic.  221;    1585  ruffei)  ,  pl. , 
Tuben». ;  1589  raten,  f.,  Poracelsus  —  Schadenscborf ; 
1608  rufe  =  Kruste,  Gr.  W.  VIII.  1396;  1630  rüf,  m.  = 
Wundschorf.       •  tigo.  Lonicerus  ;  17.  Jahrh.  ein  Ruff 
-  Brundscborf,  Fr.  Kr.  B.  414;  raffe  In  facle  =  menda, 
D.  II,  250;  1712  rüfleben,  Gr.  W.  VIII,   1397;  1741 
ru  flehen  =  crustnla.  D.  II,  121;  [Schweix]  Rufe,  na. 
Kufll  =  Ausschlag,  Schm.  II,  97  ff.;  [Schwaben]  Ruf 
=  die  trockene  Borke  Jeder  offen  gewesenen  Haut- 
stelle, Buck  19;  Franken  Ruft,  f.  Rnfta  =  trockener 
Wundgrlnt,  Schw.  564;  [Bayern]  Rufen,  pl..  f.  Ruft  = 
Impetigo,  crusta,  egehara  achores,  A.  v.  M.  I,  14.  15; 
Schw.  564;  Schindler  II,  97 ff.  ;  ndd.  rowe;  hol!,  roof; 
angls.  hrleftba,  Cock.  II,  MS;  Fromm.  VI,  68.  367).  — 
Rufe  ^Rüfe)  =  der  erste  rauhe  abrupfbare, 
abzuzupfende,    verhärtete  Überzug  (Schorf, 
Räude,  Rumpf,  Ranft,  Kruste   s.  d.)  auf 
einer  vom  Rande  her  heilenden  Wunde  oder 
eines  Geschwürs,  auch  einer  mit  Schorfbildung 
verlaufenden  Hautkrankheit  hei  Mensch  und 
Tier.  —  Die  Rufe  ist  als  solcher  Borkenbeleg 
mit  ihrer  Unterlage  noch  etwas  verbunden, 
während  die  spätere  eigentliche  Borke  davon 
schon  mehr  getrennt  ist;  die  Räude  ist  noch 
frischer,  kleiner  und  röter  als  die  Rufe;  der 
Schorf  hat  noch  offene,  rote  Stellen  unter  sich, 
die  von  einer  Wunde  herrühren ;  die  Mase  ist, 
wenn  borkig,  dann  so,  dass  sie  eine  Farben- 
oder Haut8truktur-  Veränderung  hinterlässt  auf 
der  Stelle,  wo  sie  war;  die  Narbe  ist  das  bereits 
vollständig  borkenlose  Endresultat  eines  Sub- 
stanzverlustes in  der  Haut ;  alle  aber  sind  die 
verschiedenen  Stadien  des  von  den  Germanen 
bereits  angestrebten  Wundheilungsprozesses 
„unterm  Schorfe".  Diese  Rufenbildung  zeigt 
Bich  nun  bei:  1.  =  l^epra  (Aussatz)  als  Pem- 
phigus leprosus  in  den  ersten  Stadien  derselben, 
daher  Lepra  =  Rufsucht  (Neisser  In  Z.  Hdb.  XIV,  l. 
633).  —  2.  =  bei  der  Wunde  und  namentlich  an 
aufgeschürften"  Hautstellen  (s.  Rawe),  wobei 
sich  durch  Vertrocknung  des  Wundsekretes 
eine  meist  helle  bis  dunkelbraune  Kruste  auf 
der  wunden  Stelle  ausbildet.  —  3.  =  bei  der 
Krätze  oder  Räude  (Scabies  sarcoptes) ;  durch 
das  Aufkratzen ,  Aufschürfen  der  juckenden 
Hautstellen  bildet  sich  ein  kleinkrustiger,  meist 
frischroter  Hautausschlag.  —  4.  =  bei  gesch wür- 
igen  Subetanzverlusten  (Ulcera),  wobei  die 
Farbe  der  durch  Eintrocknung  des  betreuenden 
Geschwür  -  Sekretes  gebildeten   Burke  einige 
Abwechselung  bietet;  das  Brandgeschwür  z.  B. 
bildet  dunkle  bis  schwarzbraune ,  der  Eiter 
gelbgrüne  Borken  oder  Rufen.  —  5.  =  auch  bei 
verschiedenen  anderen   Hantkrankheiten  ist 
ohne  eigentliche  Gesch«  ürbildung  der  Ausgang 
in  borkige,  schorfige,  rullge  Krustenbildung 
gegeben:  a)  Impetigo  mit  gelblich  grünen  Grint- 
Borken ;  b)  Rupia  (vielleicht  urverwandt  mii  rufe?) 
mit  schmutzig  grünen,  dicken,  festen,  auffallend 
grossen  Borken  (Schmutzflechte) ;  e)  Eclhyma 
mit  runden  bräunlichen  Borken ;  d)  Pocken 
(Variola)  mit  schwarzbräunlicben  Borken  ;e)  Sy- 
philis (Rupia  syphilitica)  (d  u.  e  erklären  auch, 
das«  Rufe  =  pestls  [*.  o.  ahd]  ist).  —  sich  lüften 
^  sich  mit  eitler  Rufe  (Borke,  Schorf)  über- 
ziehen (H.  Hanl  364).  -  Eüfling  fnncl«.  lireofltge; 


hreofumlice  =  leprosus,  f'oek.  II,  78;  Masstn.  116) 
=  mit  Rufen  bedeckter  AussäUling,  Leprose. 

—  rufig,  ruficht,  rüficht,  ruferig,  rüferig 

(1551  raftecht,  Bock  362;  1560  ruffig,  Schra.  II,  67; 
1565  rufechtig,  Paraccls.;  1612  rufechtig,  Gr.  W. 
VTTI,  1397)  =  mit  einer  Rufe  versehen  (ravidus), 
krustig,  hart,  rauh,  schrundig  (Gr.  w.  VIII,  1408). 

—  Rüftigkeit  (1507,  D.  515  ■  scabritudo)  =  der  Zu- 
stand des  Rüftigseins.  —  (1599)  Blut  Rufen,  f. 
=  eine  Krätze-  oder  Raudeform  bei  Pferden, 
hei  der  durch  das  starke  Aufschürfen  der  Haut 
des  Rückens  frischrote,  blutige  Krusten  (Rüns- 
lein)  neben  Blutschwären  und  Haar- Ausfall 
(Schftbigkeit)  sich  ausbilden  (Scabies  cruenta) 
(Gr.  W.  II,  189;  VIII,  1396).  —  Brand-Rufen  =  ein 
auf  brandigen  GeschwOrstellen  sich  ausbilden- 
der schwarzbräunlicher  Krustenbelag,  eschara 
(Brandschorf)  (Gr.  W.  II,  300).  —  (1688)  Ktta  -Rufe 
=  eine  namentlich  auf  eiternden  Krätze-Pusteln 
sich  ausbildende,  gelb  grünliche  Borke  (Scabies 
purulenta)  (Gr.  w.  Hl,  393).  —  (1588)  Franzosen- 
Rufen  =  Rupia  syphilitica  und  sonstige  mit  Sy- 
philis der  Haut  zusammenhangende  Borken- 
bildungen  (Tabernacm  ).  —  gelbe  (gelle)  Rufen 
(Strasburg)  =  gelbkrustige  syphilitische  Hantaus- 
schlagformen.  —  (1571)  Qrinten-  (1632)  grindige 
Rufen  =  die  Krustenbildung  beimGi  int  ( =  Haut- 
ausschlag auf  dem  Kopfe,  s.  Grint)  Impetigo, 
PorrigO  etc.  (Fries  84  ;   Gr.  W.  VIII,  1396).  —  (1605) 

grosse  Ruffen  —  die  durch  ganz  bedeutende 
Rufenbildung  sich  auszeichnende  Rupia  syphi- 
litica (Franzosen  -  Rufen)  (Fuchs  I,  313).  — 
//•lu/..'.  --Rufte  (angls.  heafdes  hriftho,  Cock.  II, 
228.  240,  heafod  hriefdo)  =  (irintrufen.  —  (ir*9) 
Jfi/cÄ-Rufen-^die  Krustenbildung  beim  sogen. 
Milchgriiit,  einem  Ausschlage  bei  Kindern  und 
Säuglingen  (Crusta  lactea,  Favus)  (Gr.  W.  VI, 
2198;  v.  II.  II,  130).  —  i2o*fl-Rüflen.  (angls.  horses 
hreofle.  Cock.  II,  156),  L  =  Pferdemauke,  grease, 
hör*««  leprosy.  —  2.  =  Blutrufen.  —  Schafs- 
RÜfleU  (angls.  scenpa  hreoflan .  Cock.  III,  57)  = 
Hautkrusten  auf  der  Schafshaut  bei  der 
Schafspocke.  —  scheinende  Rufen  (ruf  sclnenti 
-Pustula  lucens,  Gr.  W.  VIII,  1396)  =  eine  ansehn- 
liche, besonders  augenfällige  Krustenbildung. 

—  Schmutz  ■  Rufe  =  Rupia,  Schmutzflechte 
(Rufe  4 b)  (Fuchs  ii,  539).  —  (1753)  UocAs-Rufen 
„achores,  höckerichte  Rufen,  bald  blau,  bald 
gelb,  darunter  kleine  Geschwüre  mit  dünnem, 
stinkenden  u.  faulenden  Eiter  auf  dem  Kopfe" 
(A.  v.  H.  I,  14.  15),  der  sogen,  „böse  Kopf"  oder 
WacliH-tJrint  (s.  d.)  der  Kinder,  wegen  der  dem 
Honi^kurhen  ähnlichen  Farbe  der  Borken.  — 
weisse  Rüfte  (angl.  hwitc  rteftho  the  nwn  on 
suthernc  lepra  haet,  Cock.  II,  228]  =  Morfea  alba 
s.  Aussatz,  Rufensticht,  „die  man  im  bilden 
Lepra  heisst".  —  irtoirtYn-Rufen  =  Crusta, 
Eschara  vulneris,  der  Wundschorf  (Rufe  2) 
(angls.  vti du  rofe  —  maische,  inalochin  agrla,  D.  IX, 

i   244  =  AofMUdlw,  D.  344  ;  PappetsallH*,  welche  Rufen 
{  machen  sollte  auf  Wunden  j  1591  rüffe  auf  cluer 
wunden,  Had.  Jun.  386;   1741,  D.  210,   Kirsch  ttü). 

—  Rufen  -Darm,  -Gesicht,  -Grint,  -Gucggis, 
-Haupt,  -Kopf,  -Maul,  -Schmarre,  -Sucht. 

rufen  fvorahd.  bntot;  ahd.  ruof,  roufan  ;  mbd.  ruof 

—  Gesang,  (ieschrei.  Ruf;  mbd.  mofen  =  rufen,  KliiKe  • 

31 


580 


Rufflan— Rohr. 


Rohr. 


au7).  —  /»rufen  =  cIm  d«f  ThailgkHten  dos  ger- 
manischen Arztes,  durch  Ueschreiod.  laute  Besprechung 
mittelst  einer  Zauberformel  die  Krankheltsdämoneo 
zu  vertreiben,  und  eine  der  ältesten,  well  primitivsten 
volksüblichen  therapeutischen  Handlungen,  die  auch 
heute  noch  bei  wilden  Volkern  (s.  Barteln  Medizin  d. 
Naturvolker,  S.  176  ff.)  zu  finden  tut;  da«  Bescbreien. 
Berufen  (Incantatio)  war  eine  Spezialität  de»  germa- 
nischeu Medizinmannes,  der  aber  ebenso  im  Kufe  der 
Zauberei  stand ,  wie  seine  Kollegen  heute  noch  in 
Afrika;  so  kam  das  Wort  bi  rufen  später  zum  Begriffe 
bezaubern,  behexen  (fascinare),  wogegen  das  Be- 
ruf-Kraut (Senecio,  Erigemm,  Stachys,  Pullcaria  etc.) 
als  Beräucherang  oder  Waschung  helfen  sollte, 
davon  auch  die  Hei  uf  Kinder  (s.  d  ),  welche  als  ver- 
hext, bezaubert,  berufen  galten  oder  noch  gelten,  weil 
sie  anscheluend  grundlos  mager,  elend  und  unruhig 
werden;  es  hatte  solche  Kinder  jemand  Verdächtiger, 
der  mit  dem  Teufel  Im  Einverständnis  stand,  neidisch 
bewundert,  schnell  angeredet  od.  gar  berührt  (s.  d  ),  wo- 
durch ihnen  eine  geheime  Krankheit  übermittelt  worden 
sei,  die  vom  Teufel  stamme,  der  aber  selbst  wieder 
seinen  Urquell  Im  Heidentum?  hat;  auch  das  Fohlen, 
das  traurig  den  Kopf  hangen  lässt,  nicht  frisst  ohne 
Ursache,  ist  „berufen",  R.  A. ;  Gr.  \V.  I,  1632;  A.  t.  H. 
I,  636;  Urquell  1894  ,  8.  20".;  Frischb.  8.  27.  31;  Wdbcb. 
505;  L.  ch.  83;  Verf.  Volk-Med.  2».  207)  (s.  auch  be- 
schreien,  Laxner  und  (jalaiern).  —  Berufs- 
Krankheit.  —  St  Ulrich  (-Urgen,  -Utten)  rufen 
(onomatopoietisch)  =  erbrechen,  mit  würgendem, 
rülpsendem  uah-Tone  (e.  Ulrichen  und  kälbern) 
{Blrlinger  I.  2».  IM,  240.  441  j  K.  W.  I.  33).  —  Ctr- 
rufen  — durch  Berufen  (s.  o.)  ganz  u.  gar  krank 
machen,  bo  dass  das  vorher  gesunde  u.  hübsche 
Kind  verkümmert,  rhachitisch  wird  oder  dass 
die  Wunde  wildes  Fleisch  zeigt  (Frischb.  27.  81 1 
Wnttke  248).  —  p«rrufene(»)  Fleisch,  Kinder. 

Rufflan,  DD.  (1419  rüfflgan  =  leccator,  D.  322;  1495 
[ruffl-]gaues  =  unkeusch;    1521  rufflon  ss  scortator, 

i).  267.  .«o).  —  Rufflans  Beutel. 
Ruft,  f.  s.  Rufe. 

Ruhe,  f.  ruhen,  -ruhe  (indog  r6,  ri  (r6;  Rast] ; 
ahn.  ro  -  Ruhe;  ahd.  ruowa,  ruowen ;  mhd.  ruowe. 
ruowcn,  Kluge*.  307;  14.  Jahrh.,  ndl.  rouwe  ~  dolor; 
1521  ruweu  —  dolorare,  D.  189;  1631  ruwon  =  ruhen, 
Kruulw.  I.XV,  s.  2  =  rasten.  Rast,  ruhen,  Ruh).  — 
rtibig  (1512  riebig  =  tranqnillo  animo ;  1618  rubiglich 
=  tranqullle,  Schmeller  U,  3  =  ruhig,  bequem).  —  ge- 
ruhig,  (/rrübig  (grüwig)  (mhd.  gerücwlg;  16  Jahrh. 
gerüwlkait  =  *erenltas,  D.  529;  gemwlglich  =  tranquille, 
D.  692;  1592  geruhig,  Seb.  189)  =  ausgerastet,  bei 
Kräften,  munter,  grappi|t(vonltekonvalescenten 
u.  Pferden).  —  Ruhe,  ruhige,  yrruwige  Ädern. 
-Popel,  Stand,  -  lf  ärmer.  —  t/n-ruhe  =  ^ 
(Hippokr. ;  Fuchs  II.  3)  =  nicht  ruhiger  Zustand, 
z.  B  der  Beinmuskcln  (Anxietaa  tibiarum),  er- 
höhte Erregung,  Aufgeregtheit,  Geisteskrank- 
heit  mit  abnormer  Willenserregung,  auch  Hy- 
sterie, Todeskampf;  die  verschiedenen  Unruh- 
Krauter  waren  zumeist  Hexenkräuter,  Jessen  228 j  da 
durch  Dämonen  den  Kindern  die  Ruhe  genommen 
werden  sollte  (Tabernaem. ;  Ruck  15;  Köhler,  V.-Br. 
432).  —  Un  TUh-Feder. 

Ruhr,  f.  Ruhren,  pL  («n  rühren  [«.  *.];  ahd. 
hruorjan  j  12.  Jahrh.  ruora,  Hff.  1«  =  Banchflnss,  I.elb- 


Hun-,  IllutgniiK;  mhd.  ruor,  ruore,  f.  =  Bäuchlings, 
i  Ruhr,  heftige,  eilige  Bewegung  der  Uedarme,  Kluge  \ 
307;  1477  disseiileria  Ist  das  plut  mit  der  rür;  diarria 
haizzet  die  rure,  da  nicht  pluttcs  bei  Ist,  Ortolf.  ;  1483 
ruor  =  Durch  fall,  K.  v.  Mgbg. ;  15.  Jahrh.  ruor=laxus, 
D.  321 ;  1561  raren  =  Bauchflusse,  Bock,  R.  .  1599  rar  = 
Bauchfluss,  Durchlauf,  Gr.  W.  VIII,  1458).  —  Ruhr, 
l.  ^  als  A'.*tio  coeundi,  die  Bewegung  beim 
I  Coitus  (s.  l^eich)  (Gr.  W.  VIII,  1467).  —  2.  =  die 
I  Kmpfludung  der  schnellen,  schmerzhaften,  uu- 
•  ruhigen  Bewegung  der  Gedärme,  sowohl  beim 
einfachen  Durchfall  (Mensch  und  Tier),  als 
namentlich  beim  roten  Bauch-  oder  Leibfluss 
der  eigentlichen  infektiösen,  seuchenartig  sich 
verbreitenden  Ruhr  =  Dysenteria  Hippokratis, 
Dysenterium  Galeni  (2t>c  =  schlecht;  E*vtgpav  = 
Eingeweide  ;  mnd.  dlssenteria  das  ist  eine  sucht,  daran 
viele  leute  sterben  und  sie  beisst  der  Blutgang,  ein 
fluss  des  leibe»,  nach  Mag.  Barth.  95a;  1538  „ein  flusa 
des  bauchs,  blutfarben  mit  Verwundung  und  schärfe 
der  därme",  Fries»  114).  —  3.  =  übertragen  auf 
andere  Krankheiten,  bei  Menschen  und  Tieren, 
bei  welchen  zu  starke  Abgänge  aus  dem  Leibe, 
zu  eilige  Bewegungen  der  Exkrete  mit  u.  ohne 
ähnliche  Schmerzempfindung  wie  bei  der  Ruhr  2 
erfolgen  (Harnruhr,  Brechruhr  etc.,  Rinderpest, 
Übergall).  —  i.  —  der  Kolikschmerz  in  den  Ge- 
därmen, Morbus  colicus,  Colica  epidemica,  Tor- 
mina  ventris  (s.  Tormin  und  Tramin),  wie  er 
bei  der  Ruhr  vorhanden  ist.  —  Ruehrli  (Schweiz) 
=  Durchfall  der  Kinder,  Kinder- Diarrhöe  - 
Tormin  (s.  d.)  (Or.  W.  VIII,  1468;  hleher  die  ver- 
schiedenen Ruhr-Kräuter).  —  (1551)  Bau»  h  Rühren 
=  die  einfachen,  starken  BaucliHüsse,  die  Diar- 
rhöe ohne  Blut  (Seb.  444 ;  Bock.  Krtrb.  265.  3S8).  — 
(1651)  -B/wf  Ruhr-  Dysenteria  rubra,  die  blutige, 
I  rote  Ruhr  mit  schneller  Entleerung  von  blutig- 
schleimigen  Massen,  als  Blutrunst  u.  BlutfJusa 
(15.  Jahrh.  die  ruer  on  blut  —  dlarrhoea,  licnteria>D.S42; 
die  rür  mit  blut  =  dysenteria,  D.  640  ;  Bock,  Krtrbcli.21 ; 
Gr.  W.  II,  189;  VIII,  1458).  —  (1699)  rot«*,  schwär*«' 
Blutruhr  -  rote  Ruhr,  schwarze  Ruhr.  —  (1832J 
/ir«A-Ruhr  =  Cholera,  die  Ruhr  3,  bei  der  viel 
erbrochen  wird  und  die  Darmausleerungen  so- 
zusagen Schlag  auf  Schlag  erfolgen  (Gr.  W.  VIII, 
1458;  Bav.  III,  2.  1019;  naescr  II,  749).  —  asiatische 
j3r«Aruhr~  Cholera  asialica  (s.  asiatische  Cho- 
lera) (Haeser  II,  734).  —  indische  ßrecAruhr  =  die 
aus  Indien  verbreitete  Cholera.  —  Darm-Ruhr 
(1588  därmruhr  =  paxslo  cocliaca,  dysenteria,  Gr.  W.  II, 
782;  1728  =  Ileus,  miserere  mel,  Thes.  san.  Br.  712;  1742 
=■  weisse  Ruhr,  lyenteria.  affeclio  coeliaca.  Zw.  466), 
1.  =  Dysenteria  alba  et  lubra,  weiBse  oder  rote 
Ruhr  in  den  Gedärmen.  —  2.  =  die  Ruhr  4,  d.  h. 
der  Darmschtnerz  ähnlich  dem  bei  der  Kühr, 
der  Kolikschmerz  beim  Ileus,  Volvulus  und  der 
eingeklemmten  Hernie.  —  £trer-Ruhr  =  Dysen- 
teria alba  ».  purulenta,  die  sogen,  weisse  Ruhr, 
bei  der  eitrig  gelbe  und  gelbgraue,  e.  T.  auch 
blutig  rote  Massen  aus  dem  Darm  entleert 
werden.  —  faulige  Ruhr  =  Dysenteria  putrida 
mit  aashaft  stinkenden  Ruhrslühlen.  —  Gallen-, 
gallige  Ruhr,  1=  l'asaio  felliüua,  Cholera  mor- 
bus, der  Leber-  oder  Gallenfiuss,  die  Cbolera- 
Diarrhoe.die  rote  Galle,  welche  ruhrartig  schnell 
daher  fribdi  hell  (=  rot,  s.  Übergäll)  entleert 


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Ruhr. 


Rummel. 


wird  (Gr.  W.  IV,  1.  UV1;  Ackerin.  281;  Subcrnh.  362). 
—  2.  =  Geilenrubr  (162»  Trousae  galant,  Sehnurrcr 
II,  78.  91;  Lerach  213)  —  Tripper  als  Klus«  (siehe 
Samenfiuss).  —  iAini  Ruhr  („wen  der  barm  get 
mit  der  ruor  enweg",  Schmeller  II,  136  ;  1688  =  dlabetes 
[insipidus],  Harabewegung  ;  1725  „wenn  der  Harn  be- 
ständig ohne  Willen  von  den  Menseben  frei  geht  und 
der  getrunkene  Liquor  in  noch  grösserer  Menge  als 
der  Mensch  getrunken  ohne  Farbe  und  Conslstenz  aus- 
gestoßen wird",  Thea.  san.  Br.  "35;  1742  =  diabetea, 
eine  kraukhelt  da  der  Harn  sich  Immer  in  der  Blasen 
häufig  sammelt  und  sehr  viel  musa  gelassen  werden, 
so  daaa  er  endlich  auch  ohne  Willen  des  Menachen 
(ortlauft,  Zw.  771)  =  Harntluss  (s.  d.),  I.  =  die 
nclinelle  Entleerung  von  übergroßen  Harn- 
mengen, Diabetes  (StaßotUetv  =.  weit  ausschreiten), 
falsche  od.  tauschende  Harnruhr,  Topfecbwind- 
sueht.  —  2.  =  Blaaeulähtnung,  bei  der  beständig 
Harn  ablauft  wegen  mangelhaften  Blasen- Ver-  1 
Schlusses.  —  (17»9)  falsche  oder  tauschende,  un- 
schmackhafte Harnruhr  —  Diabetes  insipidus 
s.  deeipens,  der  blosse  Harntluss  ohne  Zucker- 
beimengung.also ohne  Zuckergeschmack, gegen- 
Qber  dem  wahren  Diabetes  (tuell  itus)  =  letzterer 
beisst  Honig-  oder  Zucker-Harnruhr,  weil  der 
übermässig   viel   entleerte   Harn  wirklichen 
Zuckerstoff  enthält,  der  beim  Diabetes  insipidus  | 
fehlt  (J.  P.  Frank  V,  45.  53).  —  (17.  Jahrh.)  hitzige 
Ruhx  =  Ruhr  mit  Fieber  (Fr.  Kr.  B.  127;.  —  Kälber- 
Ruhr  (weisse),  s.  weisse  Ruhr  3.  —  (1699)  kreb- 
sisihe  Ruhr  —  Blutfluss  aus  dem  After  durch  j 
Mastdarmkrebs  (v.  M.  II,  IM).  —  Lager-Ruhr  = 
Dysenteria  castrensis  s.  militaris,  die  in  Kriegs- 
zeiten häufig  auftretende,  rote,  faulige  Ruhr, 
eine  furchtbare  lieissel  kriegfahrender  Armeen, 
die  sich  namentlich  in  ständigen  Kriegslagern 
ausbreitet  (A.  v.  n.  I,  670).  —  (1842)  Lämmer-Ruhr 
=  ein  infektiöser,  unter  Schafen  und  Lämmern 
Beuchenartig  auftretender  entzündlicher  od.  ty- 
phöser Darmkatarrh,  sog.  gelber  Brand,  (Forster 
II,  132;  Frank  540.  543  j  Falke  II,  65).  —  (1763)  Land- 
Ruhr  =  eine  das  ganze  Land  heimsuchende, 
befallende  Ruhrseuche,  Dysenteria  epidemica, 
Landlauf  (A.  v.  H.  I,  571).  —  (1742)  Le/>r-Ruhr 
=  Dysenteria  rubra,  Fluxus  bepaticus,  ein  durch 
Verstopfung  der  Leber  entstanden  angenom- 
mener Abfluss  der  Galle  aus  der  Leber  (Leber- 
Ausb)  in  den  Darm  in  Form  der  (roten)  Ruhr 
mit  galliger  Entleerung  gemischt  (Zw.  837 ;  Hufe- 
land 485).  —  /.fi'.f.s  Ruhr  (H82  des  leib«  ruor  oder 
hlnganch,  C.  v.  Megbg.),  1.  =  vier  einlache  Durch- 
fall (Diairboe)  mit  Leibschmerz.  —  2.  =  die 
eigentliche  Ruhr  (Dysenteria).  —  (1726)  Magen- 
Ruhr  =  Lyenteria  (Galeni)  (.Xtlot-^ttpov-iiattea 
Inneres),  Speise-Ruhr,  unverdaute  Ruhr,  als  eine 
zu  schnelle  Bewegung  des  Magens  aufgefasst, 
bei  der  die  Speisen  zu  rasch  also  unverdaut,  wie 
unberührt  (glatt)  aus  dem  Magen  durch  den 
Darm  abgehen  (flippet.  Aphor.  IV,  12;  Thes.  san. 
Br.  «23-,  Zw.  fil8.  869).  —  (1807)  M n'.  /'i -Ruhr,  1.  m 
die  Kmderbrecbruhr,  Cholera  infanttum,  Diar- 
rhoen lactea,  Fluxus  coeliacus,  bei  der  milcb- 
weisse  sog.  ReiBwasserstühle  entleert  werden 
(Gr.  W.  VI.  2198 ,  J.  P.  Frank  VI,  414).  —  2.  =  die 
scbmerzbalten  Entleeruugen  von  milchweiBsem 
MasUlarmschleim  (Tripper,  Syphilis),  Blenor- 


rhüea  inteslini  recti  (Hufeland  m).  —  Milz  Ruhr 

I.  -  falsche  t) bersetzung  der  Lienteria,  s.  Magen- 
ruhr (lien  -  Milz,  Kraus,  F..  666).  —  2.  =  s.  weisse 
Ruhr  1.  —  nervöse  Ruhr  =  eine  Ruhr  mit 
typhösen  Symptomen  oder  Zeichen  der  De- 
pression des  Nervensystemes  (Kraua.  K.  661). 
—  (1529)  neue  Ruhr  (bei  Parocelaus  de  lmp.) 
=  Dysenterie  infolge  von  Merkurialismus.  — 
rote  Ruhr  (1429  [tjoteu  ruer  —  rote  rat  za  dysenteria, 
I>.  II,  137;  1462  rot  ruer,  Lerach  189;  1482  rote  rür  = 
da*  plut  mit  der  rur  =  dyaenteria,  Zening.  Voc.  bb.  3 ; 
Schindler  II,  136;  1502  rotte  rur.  Lerach  206;  1617  dy 
rott  rür  =  morbus  coeliacns,  D.  110 ;  1551  rhot  ruor, 
rott  ruec  —  dysenteria,  Bock  64;  1560  =  ein  achtnerz- 
hafrierbliitfiuberbouchlout  mit  veraehrung  der  gedarm, 
Plctor.  79;  1591  rot  ror,  Had.  Jun.  379;  1C64  roth  rühr, 
Tabern.;  Gr.  W.  VIII.  1289;  1700  rohto  rühr,  Gr.  W. 
VIII,  1468;  1741  rothe  Bohr  =  difficultas  Inlcstinorum. 
Kirsch  376)  —  blutige  Ruhr,  das  Röt,  Dysenteria 
rubra,  im  Gegensätze  zur  einfachen,  katar- 
rhalischen, nicht  blutigen,  wässerigen  Diarrhoe 
und  zur  sogen,  weissen  oder  schwarzen  Ruhr 
(s.  d.).  —  sehnst  ende  Ruhr  (achlsaende  rur,  Schm. 

II,  136),  1.  =  eine  einfache  Diarrhoe.  —  2.  =  im 
Gegensatze  zur  Harnruhr  ein  ruhrartiger  Baueh- 
fiuss.  —  (1699)  schwarze  Ruhr  —  Morbus  niger 
Hippokiatis,  Melaena  neonatorum,  schwarse 
Krankheit  (s.  d).,  mit  Abgang  teerartig  dunkler 
Stuhlentleerungen  (v.  M.  II,  209).  —  Speist  -  Ruhr 
=  Magenruhr  (s.  d.)  (Gr.  w.  II,  1605;  VIII,  1468).  — 
unge  ,  unverdaute  Ruhr  (14.  Jahrb.  unverdaeüu  rur 
=  lienieria,  Schmeller  II,  136;  Voc.  opt.  W.  41;  D.  329; 
Gr.  W.  VIII,  1468)  =  Magen-Ruhr  (s.  d.).  —  wäs- 
serige Ruhr  (14.  Jahrh.  wesarlgiu  ruora,  Voc.  opt.  W. 
41 ;  Schmeller  II,  136;  Gr.  w.  VIII,  1458)  =  Diarrhoea 
(s.  d.),  die  einfache  katarrhalische  Ruhr  mit 
Entleerung  stark  wässeriger  (nicht  blutiger, 
nicht  eitriger)  Stuhlgänge.  —  (17.  Jahrh.)  weisse 
Ruhr  (walsso  nie,  Schm.  II,  136),  1.  =  Dysenteria 
alba,  Kagiatuia,  die  nach  alter  8chullehre  nicht 
von  der  Leber  wie  die  rote  Ruhr  (=  rote  (Jbo- 

I  lera)  kommende,  sondern  aus  Milz  und  Magen 
abgeleitete  und  erst  später  von  der  roten  Ruhr 
gegensätzlich  getrennte,  infektiöse,  Seuchen- 
Ruhr,  d.h.  das  spatere  Stadium  derselben,  wobei 
nicht  mehr  ausschliesslich  oder  vorwiegend 
blutigrote  oder  auch  kotige  Stühle,  sondern 
gelbweisse,  hellgraue,  eitrig  schleimige  Massen, 
aber  unter  den  gleichen  Schmerzen ,  entleert 
werden.  —  2.  =  die  nicht  infektiöse  Diarrhoe  mit 
ähnlichen  weissgelben  Entleerungen,  weisser 
Schaden,  weisse  (ioldader,  weiBse  Materie, 
Milchruhr  2,  Diarrhoea  mueosa  s.  pituitosa 
(A.  v.  H.  I,  571;  B.  a.  392).  —  3.  =  eine  infektiöse 
Kalberseuche  mit  Entleerung  anfangs  gelber, 
dann  weisslicher  Faeces,  bald  nach  der  Geburt 
(Frank  540).  —  Zahn  Ruhr  -  die  Brechruhr  und 
heftige  Diarrhoe  bei  zahnenden  Kindern,  (Dy- 
senteria ex  dentitione)  (A.  v.  H.  11.309).  —  Zucker- 
Ruhr  -  Zucker-  Harnruhr.  —  Ruhr  -  Stuhl, 
•Kolik,  -Seuche, 
Rummel,  m.  rummeln,  Rümpel,  m.  -rümpel, 

rumpeln  (mhd.  rumpeln  =  hin  und  her  lärmen, 
rasseln,  tosen,  «nusen.  poltern  etc.,  coire,  Klune  \ 
308;  liitensivblldunit  zu  dem  ndd.  rummeln;  eniri. 

mmbie)   -  rummeln,  1.  ■  ein  krepiticrendes, 

•:,v 


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•*>32  rumoren — Runz. 


Ranne. 


herumführende!)  Geräusch  machen.  —  2.  =  im  I 
Hauche  kollern  (hernnikollern).  —  3.  =  brünstig 
sein  (Gr. w. VIII,  1483H.).  —  Rummel,  m.  1.  =  Coitus 
(Gr.  W.  VIII.  1482.  1491)  U.  G<  rümpel  (Kluge*.  308). 
—  2.  =  GeburtBarbeit  (conf.  Rumpelsuppe  =  erste 
Wochnerlnenspelse  nach  der  Geburtsarbeit,  Schmeller 

Ii,  ioo).  —  Bummelei  -  das  Herumkollem  im 
Leibe  (Gr.  W.  VIII.  1482).  —  Bau<  /t-Rumpel,  m. 
(1616)  Kumpeln,  -GeTÜmpel  ( =  strepltus  alri ;  1439 
es  rumpelt  im  bauch,  Gr.  W.  VIII,  1490;  1741  Kumpeln 
im  Bauch  =  Fluctuatio  stomachl.  Kirsch  508)  =  das 
polternde  Geräusch  das  öfters  hin  und  her, 
herumfallenden  Inhaltes  in  den  Gedärmen 
(Gr.  w.  r,  1167 ;  Bnck  19 ;  Parocels.).  —  (1588)  Wasser- 
Rumpeln  (..das  rumpeln  und  brodeln  des  laufenden 
Wassers  um  das  mtllz",  Tabern.)  =  das  kluckende, 
gurrende  Geräusch  des  in  den  Gedärmen  herum- 
kollernden Wassers  (s.  kolkern),  lleo-coecal- 
Geräusch.  —  Kumpel  -Kasten*. 

rumoren  fanlehnend  an  [1445]  Rumor  =  Lann,  Tu- 
mult Ist)  rumoren  -  das  Baurhkollern  ,  Rum- 
melei  (a.  o.)  (Schmeller  I.  1634;  II,  98). 

rumpeln  s.  Kümmel  n.  Rumpf. 

Rumpf,  m.  rümpfen,  rümpfen  (irerm.  rimp  , 

[dazu  ndl.  j  1664  rimpel  =  Hanlfalte.  Runsei.  Kluge  » 
308,  DeCockSö];  ahd.rlmpfan;  mbd,  rümpfen, rimphen  ' 
=  in  Fallen  stehen;  rimpfeu,  Schmeller  II,  100  ff.  ; 
mndl.  rompelen  =  Runsein,  de  Vr.  20;  15.  Jabrb. 
=  algo,  gerunselte  Gänsehaut  haben,  D.  22;  rumph 
=  Botüch,  die  runillg  gefaltet«  Tierhaut  ohne  Kopf, 
1475,  ndl.  wrympyng  =  valgla  lablorum,  obtorsio, 
D.  605;  1576  rümpf  =  Ranft,  Kruste;  1612  rumpff  - 
Falte,  Gr.  Vi.  VIII,  90.  1492 ;  engl,  rump  —  Rumpf, 
Kreuz,  Lende ;  rimpled  =  geriirapft).  —  Rumpf,  m. 

I.  —  Runzel  oder  Falte  der  Haut.  —  2.  =  die 
abgezogene  tierische  Haut  ohne  Kopf,  welche 
durch  Eintrocknen  runzelig  zusamraenge- 
Bchrumpft,  in  Falten  gezogen  ist;  ist  sie  mit 
Wasser  gefüllt  als  Balg,  so  stellt  sie  deu  Bottich 
(s.  d.)  dar.  —  3.  =  Trancus,  der  Leib  ohne  Kopf 
und  ohne  Extremitäten  bei  Tier  u.  (übertragen) 
Mensch.  —  4.  =  Körper  überhaupt,  lebend  od. 
leblos.  —  5.  =  altes  Weib.  —  Kumpel,  Rum- 
pfel,  f.  Rimpel  =  Knga,  Kalle  (1417  rympe  in  dem 
live  sb  ruga,  Ü.  II,  321  ;  rympech  =  rugosus,  Gr,  W. 
Vm  .  1487).  —  Rümpfung  U47&,  ndl.  wrympyng, 
D.  605)  m  Valgia  labiorum,  Nasen-  oder  Lippen- 
winkel-Verzerrung. 

rund  (aus  frans,  rond  und  lat.  rotundus  entlvhut ; 
15.  Jahrb.,  mhd  runt).  —  Rondigkeit- Capitulum, 
rundliche  KOiper-  oder  Knochenteile  (nyrtl, 
K.  W.  131).  —  runden  (tu  Wutidsegcn.  Engel.  266)  = 
rinnen  (s.  d.).  —  Rund(<"..et)  Gesicht,  -Kopf, 
-Kreuz,  -schnaufen,  -  Würmer. 

Runde,  f.  =  Kinde  der  Wunde,  Ranft,  Schorf 
(Hessen  ;  Kluge  \  302). 
Runke,  f.  =  Rumpf,  m.  Falte,  Wurzel  (<ir,  w. 

Vi  11,  1520). 

Runsche,  f.  s.  Rnnrel. 

r unschön  (runzen)  (tonmalend  für:)  ruetare, 
ronchare,  grunksen,  «runzen,  schnarchen  (Schm. 

II,  118;  Gr.  W.  VIII,  1527). 

Runz,  m.  Runze,  m.,  f.  Runat,  m.,  f  (Rüst). 

—  Runz  (Abstraktbildung  m  rinnen  ■  Lauf;  goth. 


ruus  [UUUaa] ;  abd.  runs,  m.  runsa.  f..  Kluge*,  30S; 
Schm.  II,  124;  mhd.  runs  =  das  Rinnen  od.  Fliessen. 
Lexer  203).  —  Runze  =  Kunz,  1.  =  das  Laufen, 
Rinnen.  —  2.  —  die  Rinne,  der  Strich,  die  Ver- 
tiefung, in  der  das  Laufende  fliesst  (Gr.  W.  VHJ, 
1622).  —  3.  =  blutige  Hautstriemen,  strichförmige 
Blutunterlaufungen  (Vibices)(ch.  v.Schm.  434).  — 
Runst  (ahd.  runsl,  runstl  —  das  8tröuien,  Strömende;, 
1.  =  der  Zustand  des  Blutfliessens.  —  2.  =  das 
fliessende  Blut  selbst.  —  Rünslein,  (int)  Runs- 
lein, Rünslin  =  die  Blutkrust«,  die  eine,  vorher 
blutende  Wunde  oder  ein  Geschwür  als  Blut- 
schorf oder  Blutrufe,  hartes  Topflein  bedeckt 
(Paracela. ;  Gr.  W.  VIII,  1523).  —  rttnstig  =  laufend, 
rinnend.  —  .1 ; -Runst  (abd.  ahrunst,  f.),  1.  =  die 
Ohnmacht  durch  den  Blutverlust  —  2.  =  Ohn- 
macht überhaupt  (dicke  viel  [fiel]  er  in  die  ahrunst, 
<o  was  er  aller  sinne  bar,  Graft  II,  520;  H.  Z.  V,  16»!. 

—  Blu f-Runs,  -Runse,  -Runst,  -Rüst  (goth.  rum- 

blöthis  =  Blutfluss,  Kluge*,  30*;  [rifllas];  ahd.  bluot- 
runs,  Blutfluss,  blutige  Wunde;  8.  Jahrb.  plotruns.  leg. 
Uajuw.  IV,  2;  «I  ei  sanquinem  fudcrlt,  quod  p.  r.  vo 
cant.  Graff  II,  521 ,  III,  263 ;  1285  blutrunst  =  sanclu«, 
verwundet,  blessiert,  Du  Cange  VIII,  441;  1420  blut 
ronst  =  sanqutcldlum.  D.  II,  326 ;  1453  bluotruns  = 
Blutfluss,  Schm.  II,  124;  1463  blutrunst  =  plaga  sanqol- 
nolenta,  Haltaus  175;  mbd.  bluotmnsec;  mndd.  blot- 
runne ,  bluotrunst,  blutruns  =  blutrünstig,  blutige 
Wunde.  Blutfluss,  Lexer  27;  Mag.  Barth.;  1534  Wut- 
rüst  =  Blutrunst,  H.  Sachs  .  1639  bluotruns*.  blutrunse 

-  fluxus  sanqulnls  ex  vuluere,  sugülaUo,  G.  W.  II, 
189;  1591  blutruns»  =  sanquis  rejectio.  fladr.  Jim.  376; 
15VS  blutrunse,  G.  W.  II,  189;  1616  bluetrunst,  Schm. 
224).  —  Blutrunst,  1.  sa  das  Hervorstrdmen  und 
Rinnen  von  Blut  aus  Wunden.  —  2.  =  das  ans 
der  Wunde  hervorgeronnene  Blut  selbst.  — 
3.  —  die  traumatische  Blutunterlaufung  unter 
der  Haut,  z.  B.  die  Beule,  Geschwulst,  Striemen, 
auch  ohne  sichtbares  Fliessen  oder  Rinnen  des 
Blutes  (G.  w.  11.  189).  —  4.  «  in  alten  Gesetzen 
war  Blutrunst  vor  allem  eine  nicht  über  2  Finger- 
glied lange,  blutende  Kopfwunde  bei  Fechtern 
oder  Kämpfern  (ITaltaus  175).  —  b/uf-rünstig, 
(1697)  rlslg,  rist  =  derjenige,  der  eine  Blutrunst 
uat  (O.  w.  11,  18«  n. ;  schw.  77).  —  SpMne-Runst,  f 
(11.  Jahrh.  spunrunst,  spnnnirnnst,  spuneruns  =  »umen, 
pinquedo  In  mamllla  scrofae.  Graß  II,  521 ;  FI  Z.  III) 
die  aus  den  Tuten  rinnende  Schweinemilch.  — 
RuxxstAder. 

Runse,  f.  Runzel,  f  Runsche,  f.  runschen, 

runzeln  (germ.  mg,  ruk  =  rauh,  rauch,  vorahd. 
wrtiukza,  Kluge*,  308;  abd.  runza-,  [demln.]  runzila  ; 
10.  Jahrh.  runcilla  -  ruga,  H.  Z.  III,  (»raff  II,  532.  533; 
mhd.  runzl,  runzel  —  Runzel ;  runzeln  =  rngare,  0.  W. 
VIII,  1.2-i,  1482  runzeln  -  rugae,  K.  v.  Mgbg. ;  engl, 
wrinkle  =  Runzel),  1.  ~  die  Unterbrechung  der 
glatten  Haut  durch  etwas  Rauhes,  z.  B.  Narben, 
Haut  falten,  Striae  gravidarum,  vibex  (1532,  Fries 
124;  Schw.  566;  Zw.  145).  —  2.  =  die  Kehle  als 
rauher  Hals  („die  runzeln  der  hohlen  kehle",  Heyne 
V,  177 ,  Gr.  W.  VIII,  1524).  —  3.  =  Hautgrüblein. 
—  Runschen,  runzeln  =  etwas  runzelig  machen, 
in  Runzeln  ziehen.  —  runzlet,  runzlicht,  runzet 
(abd.,  10.  Jahrb.  runzllbot;  11.  Jahrh.  runzohter  ss 
rugosus.  H.  Z.  3,  Graff  II,  583;  mhd.  runzeleht  ;  15.  Jahrh. 
runzlet)  =  gefaltet  inbezug  auf  die  Haut  (Gr  w. 


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Kuppe— Saat 


Russelen-Saat.  538 


vill .  1527).  —  ItoKcA-Runzeln  =  Striae  gravi- 
darum, Hautrunzeln  auf  dem  Unterleibe  schwan- 
gerer Frauen  (s.  Lederhaut).  —  (1788)  Darm- 
Runzeln  =  Valvulae  conniventes  Kerkringii, 
die  Querfalte  der  Dunndarnischleiinhaut  (Plenk, 
Zergl.  279).  —  GVrunzeln  (Krunseln)  =  stark  aus- 
geprägte, mehrfache  Hautrunzeln  (Mal.  Geiger).  — 
(1776)  i/^uf  Runzeln  =  Rngoeitas  cutis  (Behrend  5) 
ss  die  Veränderung  der  Haut  durch  Schrumpf- 
ungsvorgftnge  z.  B.  im  Alter,  bei  Pellagra  etc.  — 
(1482)  Xä'p  l  Runzeln  („runzeln  an  den  ringuniegeln", 
K.  v.  Mgbg.)  =  die  rauhen  Rippungen  und  Fal- 
tungen an  den  Fingernageln  als  Zeichen  kon- 
stitutioneller Ernährungsstörung  (mndd.  nach 
magist.  Barth.  91  b :  eine  schwere  Beucht,  die  heisst 
ptisls,  diese  sucht  erkenne  also  .  ihre  haut  Ist  überall 
„radlch  unde  negele  upe  den  benden  stan  em  myd- 
dene  uppe  alzo  berghe  unde  syud  em  kram  van 
naturen").  —  Runz(el) -  Fall ,  -Gedärm,  -Haut, 
Mund,  -Olf. 

Rappe,  Rupfen  (tudogerm.  rup  —  brechen,  germ. 
raup  [raufen);  mhd.  rupfen.  Kluge*,  296.  308;  ndd. 
rupen  ;  1528  nippe  =  Finne,  H.  v.  (iorsd.  j  engl,  roup  = 
Vögeldarre,  Zipf,  Federausfall  am  Bürzel,  Kaltschm.}. 
—  Rappe,  l.  =  die  zerraufte,  zerrupfte,  der  ab- 
gerupften Gänsehaut  verglichene,  finnige,  rauhe, 
rufige,  rappige  Haut,  z.  B.  bei  Finnen  (Akne), 
ruppig  (hei  den  Hienzen  in  Cng.  rlbich,  E.  Mitt.  a. 
i  ng.  1896,  V,  15)  =  rauh  (von  der  Haut).  —  Oäns- 
Rupfen,  pl.  =  die  sog.  Gänsehaut,  verglichen 
mit  der  gerupften  Gänsehaut,  deren  Stoppeln 
nach  dem  Ausrupfen  der  Federn  (penna,  pinna 
m  Kinne  s.  <1. j,  zurückbleiben  (Zlngerle,  Kind.  Haus- 
tn&rchen  l-il).  —  in  dem  Hühner futter  rupfen  = 
=  stückweise  etwas  brechen  (vomere),  das  wie 
llflhnerfutter  aussieht  (E.  w.  i.  I58)  =  er  thut  die 
Gänse  futtern  iE.  w.  I,  225).  —  ruppig  =  finnig, 
krätzig,  riesig. 

rupzen,  rupaen  (ruppeu)  =  r  0  psen,  auf  koppen, 
ruclnare  (168t,  Gr.  w.  VUJ,  1535). 

Ruschel.  —  ruschelu  =  sich  bastig  bewogen 
dl  Paul  366).  —  Ruschel-  Kopf. 

Ruse,  Rusen  s.  Riesen,  Rose(n). 

ruspen  =  (iv>6)  räuspern  (Gr.  w.  vm.  1.3s). 

Russe,  m.  —  Er  ist  ein  wahrer  Russe  =  ein 
abgehärteter,  gesunder  Mensch,  wie  man  auch 
sagt  F.ärenmensch  (Gr.  w.  VIII ,  1539).  —  Rus 
sisch(er)  -Katarrh,  Schnupfen,  Tripper. 


Rüssel  en.  pl.  s.  Rieseln. 

russen,  rustern  (ahd.  rüzan ,  mhd.  rüzen,  Graft 
II,  562  ;  Gr.  W.  VIII,  1556  ;  8chm.  II,  154)  =  rauschend 

schnarchen,  raussen  (s.  d.).  —  rustern  =  here- 
,  nare  (D.  275). 

RUSS,  m.  (ahd.,  mhd.  ruoz;  ndl.  roet,  Kluge5,  309). 
'  —  RusB-ÄVd)*,  -  Warte,  -  Wurm  ;  b.  auch  Rotz, 
ROtze. 
Rust,  m.  s.  Rist. 

Rute,  f.  (sanskr.  rdh  =  wachsen,  gedeihen,  cres- 
cere ;  vorgerm.  radha[radlu*].  Stab;  germ.  roda,  Kluge  *, 
309;  ahd.,  10.  Jahrh.  ruoU,  Notker  =  rirga  arborls; 
altnord.  alt  rodul  =  Elbenstrahlen  ,  Sonnenstrahlen, 
Elfengeachosse  ,  Golth.  487 ;  mhd.  ruote  =  lebende 
Gerte,  Schössilng,  Zweig;  ndd.,  15.  Jahrh.  rate  =  penls, 
D.  422;  1541  rüt;  1551  rat  =  penls;  „ein  gebarender 
acker  (Gart[en])  menschlicher  natur  und  ein  weg  des 
harns",  meint  etymologisierend  H.  r.  Gendorf  14; 
Hyrtl.  K.  W.  167,  16.  Jahrh.  ruth,  16S4  ruthe,  rote; 
1783  ruthe  =  penls,  Lereling  107 ,  engl,  rod),  1.  =  Virga 
virilis,  equi,  Menlula,  xaoXö;  des  Hippokrates  ; 
Mutinus,  Phallus,  Nervus  juvenilis,  Penis  (alt- 
franz.  la  verge  de  St.  Benolt  [  =  8t.  Benedikt],  Brlas.  65; 
[Schweif,  Schwanz]  als  Übersetzung  der  vtrga  der  A ra- 
biaten dea  18.  Jahrb.,  Hyrtl.  K.  W.  167  ;  die  Lebcna- 
i  rate,  deren  Symbole  Im  Phallus-Kult  und  seinen  Nach- 
!  klangen  zu  finden  slud).  —  2.  =  (übertragen  auf  die) 
Clitoris  feminae  (Gr.  w.  VIII,  1566).  —  3.  =  der 
Labmagen  der  wiederkäuenden  Tiere,  den  man 
auf  Ruten  (Tannen-Grlasllng,  s.  d.  Verf.  Baum-  und 
Waldk.  160,  Anm.  s ;  Gr.  w.  vi,  4)  zum  Käsen,  Ge- 
rinnen, in  die  Milch  einhing.  —  4.  ..  s  Staupe. 

—  Hir$ch  Rute  =  Penis  cervi  (Gr.  w.  IV,  2.  1669). 

—  Manns  Rute  (1528  nieten  des  maus ;  1531  tnans- 
ruten,  Krautw.  XXXVI;  1 5.\9  mannruthen,  H.  r.  Gerad. 
1 1 ;  Tabcraaem. .  frz.  la  rerge,  la  veille  =  rlrgilla,  Du 
Cange  IX,  388)  =  Virga  virilis.  —  umbliche,  Wnbs- 
Rute  (1518  weiberat,  H.  v.  Gersd.;  Hyrtl.  K.  W.  172; 
1687  welberrotho.  Gr.  W.  VUJ,  2123  ;  1830,  Slebold  Hl) 
=  Clitoris  feminae.  —  Wünschel-Hnte  (1482,  c.  ». 
Megbg. ;  1542  wunsselrut ;  1646  wüntschelrath,  Hyrtl, 
K.  W.  167;  Slmrock;  H.  D.  M.  is2)  =  der  Wünschel- 
stab,  mentula  (Mandel),  der  Drehstab  für  die 
Schöpfung  de«  Menschen  nach  alter  Mytho- 
logie (s.  Altweiber-Muhle).  —  Ruten  Enttün- 
dung,  Mu*8,-Kopf,-IMeitt,-RÖhrlein,  Schaden, 
-Spanner,  -Stertt,  Stück. 

Rutz,  Rutzigkeit  s.  Rütz  u.  Rotz.  -  Rutz- 
öd. 


Saat,  f-  (Indogerm.  sc  sa  säen;  altgerm.  sedi,  seda; 
altnord.  saede,  säd  =  Saat;  ahd.  sat;  mnd.  sade,  mhd. 
sit  =  »emen  =  Samen,  D.  525;  1500  »eyen  -  conserere, 
D.  II,  109;  1521  saat  =  sperma,  D.  546;  ndd.  sayt,  saet 
—  semen,  D.  525;  engl,  seed  —  sperma,  Lchf.  91),  1.  = 
Samen;  2.  =  s.  Sod,  Sott;  3.  =  s.  satt.  —  gtkünd- 
liehe  Saat  (angls.  the  hls  gecyndellce  saed  htm  sylt 
wylles  framgewlteth,  thon  leahtor  grecas  gonorhoeam 
oemnet  =  cul  sponle  semen  naturale  profluil,  Cock.  I, 
2»6)  -  natürliche  Saut  (s.  Kunte  u.  *).  —  Munns- 


Saat  (goth.  mana-seths)  =  Menschheit  (als  Er- 
zeugtes) (Kluge5,  309).  —  natürliche  Manne»- 
Saat  (mnd.  naturllbe  sade  der  manne :  In  dem  Magen 
▼erschmilzt  die  Kost  und  wird  geläutert,  das  Beste, 
das  da  raufkommt,  das  kommt  in  die  Adern  in  die 
Lenden,  und  das  helasen  die  Meister  mannes  sam  und 
heist  in  latlna  sperma  vlrt,  davon  wir  alle  gekommen 
sind;  wenn  die  Frau  das  empfangt  [untfet],  so  geht 
Ihr  Blut  darum  und  Ihr  Blut  heisst  menstruum,  und 
«las  haben  die  Krauen  und  Jungfrauen,  wenn  der 


Sabber— Sack. 


Sack. 


Manu  bei  ihnen  ist,  ein  jegliche*  Usch  seiner  com- 
piexion  etliche  4  Tage  auf  »las  Mindeste,  etliche 
B  Tage  auf  das  Meiste,  und  das  Klüt  ist  wunderlich 
ireslaltet,  das  weis«  selten  ein  Mann;  das  Kraut  ver- 
dorrt davon,  die  Klumen  vergehen  davon  und  welken; 
nach  Mag.  Kurth.  90  b).  —  natürliche  Saat  (udl. 
uaiuerlijk  saedt,  De  Lock  218)  =  männlicher  Samen 
alH  Natur  (h.  d  ).  —  (U82)  Zu-Saat  (zuosut  beider 
filmen  weibi  und  manne»,  C  v.  Megbg.)  -  Ejaculatio 
seminis  in  coitu.  —  Saat  i^tws*. 

Sabber,  m.  sabbern,  saffern  (aitn.  *apa  !dazu 

Seife,  Seifer.  Soft];  angls  .saep  —  Saft;  nd.  sabbern  — 
seifern ;  1631  gleich  als  durch  dye  zen  gesleflert, 
Krautw.  XI;  1717  »aeffero,  Ahr.  II,  330;  Gr.  W.  VIII, 
lfi89)  =  seifern,  den  Speichelsaft  auslaufen 
lassen.  —  gaffelig  =  vom  Speichelflues  stets 
nassen  Mund  habend  (Ethn.  Mltt.  aus  t'ng.  is«5, 
V,  15).  —  Sabber,  m.  (ndd.)  =  üeifer  (auslaufender 
Speichel  bei  Kindern  und  alten  Leuten).  — 
Säberer  -  dem  der  Geifer,  Speichel  auslauft. 
—  Sabber-.W</!</,  -Seuche. 

Saburra,  f.  —  Saburral-A'oIiA-*. 

Sache,  f.  Sach,  n.  (ursprünglich  ein  Rechtswort; 
germ.  sak  =  streiten  vor  (icriebt;  goth.  sakan ,  ahd. 
«ahhan  —  schelten,  tadeln;  sah  ha  —  Streitsache,  An- 
gelegenheit, Sache,  Urund,  I  mache;  mhd.  sacbe. 
Kluge8,  309  -  Angelegenheit,  Ding).  1.  =  (umhüllend) 
Menstruation,  Geschichte  (s.  d  ).  —  2.  =  Be- 
dürfnis zum  Stuhlgange  (Ur.  W.  VIII,  1601;  Heyne 
V,  18»,  Pauli  2ä).  —  letze»  Sach  =  Schaden,  Krank- 
heit bringendes  Ding.  —  (1592)  Y> n </>  Sache  — 
Coitus  (v.  m.  i,  288;  Seh.  :,n).  —  Wnu-sachen 
Krankheit. 

Sachte  (allsach*.  sAflo  =  sanft;  ndl.  zaeht;  ndd. 
sacht;  1562,  1611  »acht,  sachte  =  sanft,  Kluge*,  BW]  = 
wohlbefindlich.  —  (1788)  f/nsachte  ^  Abel  im 
Magen.  —  gute  Sachtigkeit  (der  Brust)  (rand.; 
14.  — 15.  Jahrh.  gude  snchtlckeit  to  der  borst,  J.  f.  nd. 
Spr.-F.  XV,  I2u)  =  guter  Zustand,  leichte  Schleim- 
ablösung (auf  der  Brust).  —  sachter  Kammer- 
gang. 

Sack,  m.  Säckchen,  n.  Säckel,  n.,  m.  (gem.- 

germ.  saic;  Lehnwort  aus  lat.  Saccus  [Sttxxo;];  hebr., 
phoniz.  sak;  durch  den  Handel  der  rrtm.  Kaufleute 
schon  zur  Zeit  Ca-sars  zu  uns  gekommen;  ahd.  sac; 
tnhd.  sac,  Kluge5,  309  =  Behulter  aus  gröberem  Tuch, 
das  auf  einer  Seite  offen  ist ,  damit  werden  verglichen) . 
1.  =  der  Leib  des  Menschen,  Körper  (in  derber 
Rede)  (I)recksack,  Quatsack,  Horsack,  Kotsack, 
Madensack)  (1612  sack  =  Hurensack,  Rubcnsack, 
Schmeller  II,  220).  —  2.  -  das  Bauchfell,  Nein, 
der  Magen  und  Darm  als  sackähnliche  Höhl- 
ungen (cul  de  sac)  (Gr.  W.  VIII.  1613.  1614);  Sto- 
machus,  Vagina,  Alvus,  Cloaca,  Venter;  „der 
Hauch  ist  zu  Lotein  zweierlei  Reheissen :  des  ersten 
heisst  das  der  Rauch,  den  wir  hclssen  :  (14H3)  den  magen 
oder  den  sack,  da  daz  czzen  eliigSt"  (C.  v.  Megbg.); 
1518  «ack  =  zlrbus  (-filmen  s.  Kell')  (IL  v  Gersd.  IIa) 
ist  ein  Fell,  das  den  Magen  und  die  Darme  umwindet 
und  tragt;  lCtfi  sack,  sackel  (=  Omentum,  Netz), 
(Hyrtl,  K.  W.  68.  6«)  (s.  Mus-Sack).  —  3.  =  Hoden- 
sack, Folliculi!«,  Scrotum  (Gr.  W.  VIII,  1614.  1818. 
it.19).  Sackel  (Zw.  424)  bei  Kindern:  Sackchen 
(Beutel,  Geilensack,  Grommensack,  Kloss-Sack, 


Balg);  (mnd.  sack  =  Hodensack.  Mag.  Barth.  98b; 
(Tirol)  Sackel.  m.  [Sockl),  Hlntner  8  19).  —  4.  = 
Blind-  bezw.  Dickdarm,  wegen  seiner  sack- 
förmig aufgebiahten  Kugeln  (Buckeln,  s.  d.), 
Bodensack  (1C5J  saeek  -  haustra  coli.  HyTtl.  K.  W  . 
[Kärnihen]  Sack  =  Rllnddorm.  Gr.  W.  VIII.  1614).  — 
5.  =  (anatomisch)  hitulige  Teile:  a;  im  innern 
Ohr;  h)  Bruchsack,  Gallensacklein,  Harnsack, 
Nierensack,  Pissäcklein;  c)  das  Euter  der  Tiere 
(Gr.  w.  viil,  ich).  —  7.  =  das  Sackchen  unter 
den  Augen  (Oedema  palpebrarum  als  Zeichen 
von  Lepra,  Hydrops,  Alter  und  Schlaffheit.  — 
8. -der  Uterus  bei  Menschen  und  Tieren,  sowie 
die  weibl.  Scham  als  Teil  des  Ganzen  =  Sackchen 
(Gr.  w.  viil,  I6is);  (Kalbersack,  Mutter-Sack, 
Wampe,  Trageack).  —  9.  =  Sackähnliche«  (z.  B 
In  der  Kindersprache)  =  ein  dickes  Kind  (vgl.  Kalb, 
Balg),  Wechselbalg;  namentlich  legen  sich  die 
elbischen  Dämonen  im  Alptraume  wie  ein  Sack  auf 
den  Menschen;  ferner:  Ader-,  Blut-,  Drusen-Sack 

—  Säcklein  =  der  kleine  Sack  1  —  9.  —  Ab- 
sacken (ndl.  afsakken)  =  einen  nach  unten  gehen- 
den Sack  bilden,  z.  B.  beim  Mastdarmvorfall 
(De  cock  84).  —  ,1.7rr-Sack,  L  =  die  Höhlung 
der  Blutadern,  Sinus,  Kapsel  (Levellng  306).  — 
2.  =  daa  aus  dieser  Aderhohlung  ausgetretene 

I  Blut  (Thrombus).  —  BnrA-cn-Sack  —  Backen- 
'  tasebe  zwischen  Kiefer  und  Wange.  —  (I60s) 
\  Blut  -Säcklein,  1.  =  die  den  Aderaack  al« 
'  Thrombus  ausfüllenden  Blutgerinnsel  (Haema- 
toma  labiorum  vulvae  post  partum)  (Heyn  149). 

—  2.  =  stärkere,  sackförmige  Varicenbildungen 
an  der  Schamlippe  (A.  r.  H.  II,  883).  —  Boden- 
Sack,  Bon-Sack,  1.  =  Intestinum  coecum,  das 
zu  Boden  herabhangende,  sackförmige,  bausch- 
ige, dicke  Gedärme  (namentlich  der  Blinddarm) 
(Gr.  W.  II,  216;  Schmeller  I.  156.  211,  II,  221).  —  2.  = 
Schmer-Bauch  (C.  v.  Schon.  86).  —  Ihn- ■  h  Sack 
=  die  Bauchfelllasche,  in  deren  Bruch  (Kuptura) 
eintretend  die  Eingeweide  den  Bruch  (Hernia) 
bilden.  —  (16.  Jahrh.)  Brunz  -  Säckleln  (pronu- 
saecklln),  1.  ■  Harnsacklein  (s.  d.)  (Hyrtl.  K.  W. 
179).  —  2.  =  Hodensack  am  Brunzgliede.  — 
dtiher  sacken  =  „schlapp,  plump  ein  hergehen" 

I  (Schmeller  II,  221).  —  DicA -Sack  =  Balg,  mensch- 
licher Korper.  —  Dolf  rr-Sack  =  das  sackförmige 
Gebilde,  das  dem  aus  dem  Ei  ausschlüpfenden 
Emhryon  einiger  Tiere  anhängt  und  einen  Teil 

j  des  nicht  verbrauchten  Nahrungsdotters  bildet; 
beim  menschlichen  Emhryon  bildet  er  das 
sogen.  Nabel hlaschen  (s.  d.),  welches  gewöhn- 
lich in  der  Nahe  des  Mutterkuchens  liegt.  — 
DrccA-Sack  =  der  menschliche  Leib  (in  derber 
Rede;  Gr.  W.  II.  1339).  —  Drüsen-8*ck,  l.  -  der 
mit  Drüsenbeulen  (s.  Maden)  angefüllte  skro- 
phulöse  menschliche  Körper  (Gr.  \V.  II,  1462) 
(Madensack).  —  2.  =  der  um  das  Drüsengewebe 
sich  ausdehnende  hautige  Balg.  —  (1620)  Eiter- 
Sack  -  Vomica,  Apostema,  herabhangende  oder 
vorspringende  Eiterbeule  (Dr.  Minderer;  Gr.  W. 
III,  393).  —  fauler  Sack  -  der  menschliche 
Körper  (Gr.  w.  VIII,  H.13>.  —  1  ■', ress  Sack  =  ein 
Kind,  das  viel  isst  und  einen  grossen  Bauch  hat, 
der  Trager  eines  Bolchen  (Kraus,  E.  763).  —  (1&18I 
ffa//{fM)-Säcklein  [-  „ein  Sackel  oder  eine  ploss 
mitten  in  der  U'ber  oder  bei  der  mittleren  Feder 


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Sack 


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( —  Lappen  der  LebcrJ  gesetzt  zu  empfangen  die 
eholerhtche  Cberflüsslgkelt ,  die  In  Ihr  wird",  H.  v. 
ciered.  12)  =  Gallenblase  (Zvr.  M),  Cystis  s.  vesicula 
fellea.  —  (1788)  Gri/m  Säcklein  =  das  taschen- 
förmige  Beutelchen  (Hodensack),  welches  die 
Hoden  (  =  Geilen)  enthalt  (Sorot um)  (Hyrtl,  K.  W. 
58;  Nicolai  Ii,  306).  —  Geilen- 8&cblei]i- Krätze. 
—  (1801)  G/i«/i«i**«--Sack  =  Wassersack  2 
(Welkard  44).  —  ( Iromt  n  -  Sack  =  das  für  die 
Gromen  (  =  Hoden)  bestimmte  Hautaäcklein, 
(Jrumena,  Scrotum  (Hyrtl,  K.  w.  66  ff.)  =  Hoden- 
sack. —  (1730)  geschwollener  Sack  ■  Hoden, 
Hodenanschwellung.  —  Gi/Y-Sack  =  ein  Kind, 
das  beständig  laute  Schreie  ausstösst,  keift  (E.W. 
I,  199).  —  (Vnf-Sack  (ndl.  goedzak  =  scrotum,  V.  K. 
VI,  96)  =  der  .Sack  am  Heiratsgut  (s.  dX  — 
(18.  Jahrh.)  Harn •  Sacklein  =  Allantois,  Kinds- 
Netz  oder  Schaf-Haut,  als  ein  Glied  des  uro- 
poietischen  Systems  des  Embryon;  die  Harn- 
haut  (8.  d.,  Brunz-Sftoklein  oder  Piaaäcklein) 
(Hyrtl,  K.  W. ;  Ranke  I,  137).  —  //,  m<  /  -  Sack  =  Der- 
moidcyste. —  H'<'hn  Sack  (Zenlng.  Voc.  o  8)  = 
Scrotum  (=  ■crautum  —  Ledertascbe,  /;.<•>  —  Hanl], 
Ovareua,  Testicularium  (Gr.  w.  IV,  2.  i«M),  als 
„ein  durch  die  Haut  des  Mittelfleischee  und  der 
Schamgegend  gebildeter  Beutel,  in  welchem 
Hoden  (Eier,  s.  d.)  und  Samenatrang  liegen" 

(Hyrtl,  Aoat.  696).  -  j  Sack  =  Kotsack, 

menschlicher  Körper  („der  horwige.  Irdcnl*che 
aag".  SebmeUer  I,  1157.  1397)  (s.  Hör).  —  Kälber- 
Sack  =  der  Tragsack  der  Kult  (Uterus  vaccae) 
(Ur.  W.  V,  57).  —  Kinn-Sack  =  eine  Wurmkrank- 
heit der  Schafe,  bei  der  sich  am  Kinne  eine 
ödematöse  sackartige  Anschwellung  (Schaf- 
kropQ  bildet  (Gr.  W.  V,  779).  —  A7o*a-Sack  (ndd. 
clotaack  =  teztlcularlum .  V.  Ml)  =  (ndd.)  Knlen- 
Sack  (H75  =  bursa  teitlcularis)  =  Hodensack 
(s.  Kulf  n  .  Ie  boyatt  cullier  =  Kulbalg,  Rectum 
(Brlm.  56).  —  A Ions- Sack  =  der  Hodensack  (Scro- 
tum), der  die  kugeligen,  klösseförmigen  (siehe 
Kloss)  Hoden  enthalt  (Hyrtl,  K.  w.  95).  —  Kot- 
(Koo-,  Kou-)  Sack  (Kosack),  1.  =  der  mensch- 
liche Leib  (Madensack)  (Gr.  w.  V.  1898).  —  2.  = 
der  Magen.  —  3.  —  der  dicke  bauch  od.  Wanst 
(c.  v.  8c hm.  323)  (Quatsack).  —  K u Ulen  Sack  - 
das  Darm-Eingeweide,  das  wie  ein  Sack  herab- 
hängt (s.  Kaidaunen  u.  Kuttelfleck)  (Buck  17).  — 
Luft-Sacke  =  Schleimhautgebilde  in  Höhlen- 
form, welche  beim  Pferdegeschlechte  unter  dem 
Hinterhaupte  liegen  und  mit  der  Nasen-  und 
Trommelhöhle  in  Verbindung  stehen  (Falko 

II,  79).  —  2^0%*  )  BftOk  =  menschliche  Seelen- 
hülle (die  Skene  des  Hippokrates),  der  einem 
schon  im  Leben  von  den  mitzehrenden  (s.  d.) 
Maden  bewohnten  Sacke  verglichen  wird  und 
nach  dem  Tode  die  Speise  der  Maden  ist  (Gr.  W. 
VI.  1427;  bei  Luther  VII,  218;  VIII,  259h  —  MUch- 
Sack  =  Saccus  lacteu«,  cisterna  chyli  (Milch« 
saflblase).  —  (16.  Jahrh.)  Afu'S-Sack;  da  das 
Mue«  (Gemüse)  früher  die  Alltagagpei*«  war,  »o  Ist  der 
Muea-Sack  «=  Magen,  Ventriculus  (Hyrtl,  K.  W.  IIA. 
IM;  D.  tili,  der  das  Gemüse  zur  Verdauung  be- 
kommt. —  (16.  Jahrh.)  Muttcr-Sack  (1468  muter- 
tack      matrix,  l>    11    I«;  pelUcuW,  in  .|iio  [  ]  con 


clpltur  homo)  ai  Mater,  die  sackförmig  gedachte 
Gebärmutter  (Wampe)  (Or.  w.  VI,  2821;  D.  851). 

—  JVWm-Sack  =  die  sackförmigen,  an  den 
eigentlichen  Nieren  anhängenden  Nebennieren, 
(Obernieren),  Capaulae  atrabiliariae,  die  in 
ihrer  Schale  die  breiförmige  atra  bilis  der  Alten 
enthalten  (Gr.  W.  VII,  834).  —  Pap-Sack  =  Dick- 
sack,  Freasack.  —  P«i  t  Sack  (ndl.  penzaack  = 
Peritoneum)  =  Gedärmsack  (Pansen),  Bauchfell- 
Sack  (De  Cock  304).  —  Pip  Sack  ■  der  mit  dem 
Balge  der  Dudlsackpfeifer  verglichene  Wanst 
(Schm.  I,  399;  II,  220).  —  (16.  Jahrb.)  iYvi-Säcklein 
=  Harnsäcklein  (s.  d.)  des  Embryon,  Allantois 

Quast-  \ 

(Hyrtl,  K    W.  179).  —  üuätt-  \  Sack  (14.  Jahrh. 

(|iiat-Kack,  Lexer  190;  Schm.  I,  1397;  Gr.  W.  V,  1898), 

1.  =  Kolsack,  Horsack,  der  verwesliche  mensch- 
liche Leib.  —  2.  =  Wanst  (C.  v.  Schm.  418;  Gr.  W. 
VII.  2SS4)  als  fetter  (quaet)  voller  Bauch  (Schwaben). 

—  3.  =  ein  viel  essendes,  gleichsam  in  gutem 
Futter  stehendes  Kind  (Rhein;  Gr.  W.  VII,  2331). 

—  Stuif  »  -  Sacklcm  =  Vesiculae  seminales, 
Samenbälglein,  Samenbläseben  (Hyrtl,  K.  W.  133). 

—  Sau-Sack  (aewaack).  1.  =  Schweinsmagen.  — 

2.  =  ein  gefrässiger  Mensch  (Saumagen)  (Gr.  w. 
vill,  1928).  —  (1842)  ScA/n'm  Säcke  =  Schleim- 
beutel (s.  d.)  (Kalke  II.  283).  —  (1590)  Schlepp -8&Ck 

—  Succuba,  das  mitziehende  K ehe  «reib  (bei 
Abraham  a.  St.  Cl.  häufige  Bezeichnung,  D.  563).  — 
Seich  Sick,  (tnndl.  sl-sac,  de  Vr.  75)  =  Brunzsack  2.  — 
Tall  Sack  -  ein  Kretin  (Sack  9),  der  nur  dahlt 
oder  tahlt  (Z.  f.  d.  Phil.  III,  340).  —  Thymen  Sack 

=  Saccus  lacrimalis,  ein  fibröser  Hautsack  für 
dieThränenflüssigkeit  in  der  Augenhöhle  (Hyrtl, 
Anat.  MO).  —  /'•  .  ,  Sa<  k  =  Uterus  bei  Menschen 
und  Tieren  als  Fruchtbehältor.  —  (1749)  Ver- 
sackung  ■  die  Bildung  von  Blutgeriuneeln  in 
Sackform  (Adersack  oder  Blutsack),  d.  h.  eine 
durch  Thrombusbildung  eintretende  Verstopf- 
ung innerhalb  der  sackförmig  erweiterten  Blut- 
ader (Z.  f.  d.  i'hli.  xxvi.  253).  —  VFawer-Sack, 
1.  »die  Fruchthaut  des  Pferdes  mit  dem  Frucht- 
wasserinhalte (Mayer  12).  —  2.  m  beuteiförmige 
Anschwellung  einer  Gelenkkapsel  durch  {läs- 
sigen Inhalt  (Hydrarthrose,  Phlegmasia  alba) 
(Welckard  44).  —  (1482)  Hu  (-Sack,  1  =  Uterus 
(Bürden,  Tragreff,  Reff')  (Zenlng.  Voc.  qq  7)  als 
Überzug  über  das  Kind  im  Mutterleibe);  (wat,  f. 
=  Kleid,  8ohmeller  IT.  1045.  1046.  1419.  watnack  = 
Mantelaack).  —  2.  —  Sarcinula,  Saccina  (i&.  Jahrh  ; 
D.  512;  II.  323),  grosses  NeU,  das  den  Magen  und 
die  Dünndärme  überkleidet  (zur  FleUchbauerel 
benutzt).  —  U;  e/-Sack  =  der  grosse  Magen  von 
Hirsch  und  Reh,  der  das  Futter  der  Weide 
enthält  (Jagemprache;  Hyrtl,  K.  W.  157).  —  Wind- 
Säckel  =  ein  Windbruch  (Hernia  ventosa)  im 
Hodensack,  wobei  die  Gemachte  von  Winden 
wie  aufgeblasen  erscheinen  (Zw.  423).  —  Wind- 
aackel-ÄrucA.  -  WW-Säcklein  =  Allantois, 
die  wurstförmig  dünne,  durchsichtige  Schaf- 
haut der  Frucht  (Hyrtl,  K.  w.  169).  —  Zahn- 
Säckchen,  1-  =  Zahnbillern  als  häutige  Gebilde, 
aus  denen  sich  die  Zähne  entwickeln  (Kalke  II. 
430).  —  2.  ^  das  Knochenhaut -Anhängsel, 
zapfenartig  an  der  Zahnwurzel  haften«! 


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IM  Sadisten— Saft. 


Zers-Säckel  (1461  «ersack  =  marupium,  D.  U,  2i7; 
1482  Zersneckel,  Zening.  Voc. ;  D.  163)  —  Beigürtel, 
der  Hodensack  als  Beigabe  zur  Virga  virilis 
(Gürtel,  Gärt).  Zers  (s.  d.)  =  Scrotum  (Cruraena, 
Gromensaok).  —  Hack.- Bruch ,  -Darm,  -Ge- 
schwulst, -Hämorrhoulen ,  -Pfeife,  -Streich, 
-  Wassersucht. 

Sadisten,  pl.  nach  dem  berüchtigten  Marquis 
de  Sade  (t  1815)  genannte  Virl  molles  (Weich- 
linge), die  in  der  Mißhandlung  der  Geliebten 
eine  Wollustempfindung  haben  (vergl.  Piqueurs) 
(Kruflt-Kblng ;  Vierordt  97;  Roth  170). 

Säbel,  Ii).  (15.  Jahrb.  zaebel,  Schindler  II,  200; 
1500  (Bayern)  Säbel  [ans  dem  Osten  stammendes  neu- 
modisches Fremdwort],  Kluge*,  309;  ndl.  bij  heett  een 
sabel  an,  Urquell  1897,  87)  =  er  ist  ^rsabelt  -  er 
hat  scharfgeladen  (mit  Alkohol  beladen)  -  ist 
betrunken,  hat  einen  Rausch  (wobei  man  geht, 
als  ob  man  einen  Sabel  zwischen  dsn  Beinen 
hätte).  —  säbeln  =  mit  sichelkrummen  Säbel- 
beinen gehen  (Spiesa  II,  200).  —  Säbel-Bein. 

Säge  ».  Sagler.  —  &&ge-Zähne,  -Sj)äne. 

Sägner  s.  Segen. 

Saide,  Saht:  b.  salig. 

-Sämte  s.  Samen. 

Säng  s.  Segen  u.  sengen. 

Sät  s.  Saat. 

säfern,  sattern  s.  sabbern. 
Safran  (arab.  «daran  =  dos  Gelbe).  —  Safran- 
Leber. 

Saft,  m.,  n.  (indogerm.  *ap.  sab[?J,  sapio,  sapor; 
oltnord.  safe  —  Satt;  ahd.  sapb,  »äffe,  n.  =  succus, 
suber,  humor  sub  cortice,  Graft"  VI,  169;  saba,  t.  Salt, 
Bast,  Oratf  VI,  64 ;  saf  auB  lat.  aapa  ~  Mostsatt  entlehnt; 
angl.  seawe  —  Saft;  12.  Jahrb.  s&t  =  Satt,  Pfeiffer  79; 
mnd.  sap  m  Satt,  Mag.  Barth.  8«  b ;  mhd.  saf,  soft, 
Kluge  *,  310;  1483  saf,  C.  v.  Megbg. ;  16.  Jahrh. 
satt.  m.  -  feuchter  Pilanm.saft) ;  damit  wurden  in 
der  Zeit  der  sogen.  Ilutnoralpathologle,  namentlich 
im  18.  Jahrhundert,  verglichen  die  verschiedenen 
flüssigen,  feuchten  (s.  d.)  Körper -Sekrete  und 
OrgantlüssiKkeiten  („Fleisebsafl") ,  1.  =  das 
Blut  des  Menschen,  das,  wie  Goethe  (Faust) 
sagt,  „ein  ganz  besonderer  Saft  ist".  — 
2.  =  der  durch  die  Saugadern  dem  Stamme 
(Körper)  zugeführte,  zu  verarbeitende,  blut- 
bildonde,  milch  weisse  Speisesaft  (Chylus,  Chy- 
mus  -  „die  Wurzeln  des  Tieres")  (Hyrtl,  Annt. 
l«).  —  3.  =  die  Sekrete  der  arbeitenden,  or- 
ganisierten, thätigen  Drüsen  (Milchdrüse, 
Thränendrüse,  Schleimliautdrüaen).  —  4.  = 
der  durch  alle  Organe  zirkulierende,  noch  nicht 
organisierte  BildungastotT  für  die  Organe,  der 
als  Träger  der  l^ebensgeister  („Leibessaft") 
und  dessen  Fülle  als  ein  Zeichen  von  Gesund- 
heit angenommen  wurde  („gesunde  Säfte"), 
deren  theoretisch  angenommene  Veränderung 
ins  Faulende  od.  ins  Scharfe  (  =  Psora  Hahne- 
manni)  (s.  Kopp  H,  264),  ins  Gesalzene  (Salztluss) 
eine  Verschlechterung  u.  wesentliche  Verderb- 
nis, sowie  die  Ursache  der  verschiedensten 
Krankheiten  (Dyskrasien)  sein  sollte  (s.  inneres 


Krätzesiechtnm),  da  diese  die  ilumores  oder 
Feuchten  der  Humoralpatbologie  ablösenden 
feuchten  Säfte  als  die  Träger  der  Krankheits- 
sto ffe  n ach  der  Schullchre  seit  Syl  vius  (s.  Schärfe) 
galten.  —  saftig  =  flüssig,  weich,  linde.  — 
Saftler,  m.  =  „einer,  der  gerne  trinkt"  (Schindler 
II,  232).  —  Augen  Saft,  L  =  daa  Thränendrüsen- 
sekret  (Gr.  w.  vill,  1640).  —  2.  =  (1783)  die  Augen- 
feuchte in  der  Krystallinse  des  Auges  (Ewich 
201).  —  Bein-Saft  =  der  Saft,  der  die  Knochen- 
bildung besorgt  (Knochenleim,  Knochenmark), 
wie  der  Pflanzensaft  unter  der  Rinde  die  Ver- 
holzung (Materia  liquida  ossibus  generandis) 
(Gr.  W.  1, 1388).  —  Darm-,  Gedörrne-Saft,  1.  =  das 
Sekret  der  Darmschleimhaut- Drüsen  (Zw.  m). 

—  2.  =  der  in  den  Gedärmen  aufgesaugte  Speise- 
«aft  (Chylus)  (Gr.  w.  II,  782).  —  (1742)  Drüsen- 
Saft  =  das  aus  den  Drüsen  abgesonderte  Sekret 
(Zw.  12.  113).  —  Fünftel-S&tt  =  (gesuchte  Über- 
setzung türj  Quintessenz  (Klelnp.  161).  —  (1740) 

Hirn?  I  Saft  ™  der  im  Gehirn  und  in  den 
Nieren  zirkulierende  Bildungsstoff  (Saft  4),  an 
den  der  Spiritus  animalis  —  Lebensgeist  ge- 
bunden galt  (Kulmus  82).  —  (1781)  Öfienür-Saft 
m  Gliedwasser,  Synovia  (Schaarschm.  I.  n).  — 
(1735)  Ge-saft,  böse*  (ahd.  gesaflt.  Schmeller  II,  232; 
V.  B.  61)  =  übelriechendes  Sekret  aus  Wunden, 
Fleischsaft.  —  (1759)  gläserner  Saft  =  Humor 
vitreus,  Glaskörper  im  Auge  als  Feuchtigkeit 
(Vadem.  97).  —  Grund- Safte  =  die  den  Grund- 
stoffen (Momenten,  Qualitäten)  entprechenden 
Grundfeuchten  (s.  d.).  —  Knochen-8&tt  =  Bein- 
safl  (Falke  II,  26).  —  (1759)  Kryst all  -Saft  =  Humor 
crystallinus  (Vadem.  96.  97),  die  Krystallinse  im 
Auge  als  lichtbrechendes,  zäh-feuchtes  Medium. 

—  LffVn.s-Saft  =  das  Sekret  der  Milchdrüse 
(Saft  3),  das  für  das  Leben  des  neugeborenen 
Menschen  unentbehrlich  ist  (Gr.  W.  VIII,  1640).  — 
/.•„';•  •i-Safte  =  die  den  Körper  des  Menschen 
lebendig  erhaltenden  zirkulierenden  Bildung»- 
*toffe.  —  Lid-  (Glied  )  Saft  (angls.  lllh-,  lld  seawe, 
Coek.  II,  12.  132)  =  Gliedwasser,  Synovia.  —  lid- 
saft-ffiecA.  —  (1754)  Magen-üktl  =  Sekret  der 
Magenschleimdrüsen  (Succus  gastriens),  I>ab 
(A.  v.  H.  1, 695).  —  (1677)  M  \U  h  Saft  =  Chylus,  „der 
milch  weisse  Saft,  worin  die  Nahrung  beim  ersten 
Geschäfte  der  Verdauung  verwandelt  wird" 
(Gr.  W.  VI,  2198;  Hyrtl,  K.  W.  67  123)  Und  der  Bich 

in  der  „Speisekammer"  od.  „Blasen"  de*  Milch- 
saftes sammelt  (Milchsack,  Sammelkasten, 
Cisterna  chyli)  (a.  v.  II  U,  218).  —  (1721)  Nahrungs- 
Saft  =  Chylus  (Milchsaft),  Speiaesaft  (Hyrtl, 
K.  W.  67.  123;  Fiatner  II,  S7).  —  (1721)  Xerven- 
Saft  =  Succus  nerveus,  der  nach  früherer  An- 
schauung vom  drüsigen  Gehirne  abgesonderte, 
I  in  die  Nerven  und  äusseren  Glieder  über- 
sehende und  in  den  Nervenrohren  zirkulierende 
Gehirnsaft,  an  dessen  nötigen  Feuchtigkeits- 
gehalt die  „Lebensgeister"  gebunden  sein 
sollten,  Ignis  liquidus,  Flamma  Vitalis  (Kulm.  85; 
blbl.  Med.  68.  103).  —  Sehe-iVertwiaaft  =  optikon 
pneuma  (Pauli,  lieg )  =  die  einem  ätherischen, 
geistigen  Nervensafte  zugeschriebene  Licht- 
empfindung in  dem  Sehnerven  (Netzhaut) 
[Kraus  2.  614).  —  (1749)  pausende  Säfte  -  die  wal- 


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Sagler-Salde. 


Saide. 


.VI7 


lenden,  schlagenden,  durch  die  Hitze  ein- 
gedickten, zähen  Gewebssäfte  (=  Blnt)  (Zeltschr. 
t  d.  Philol.  XXVI.  247).  —  roter  Saft  =  Blut  (Gr.  w. 
VIII.  1640).  —  (1743)  Rücklein- Saft  -  der  vom 
Rficklein  (s.  d.)  —  Pankreas  abgesonderte 
DrQsensaft  (Liquor  pankreaticus)  (bibi.  Med.  125). 

—  (1748)  scharbockische  Säfte  =  die  beim  Skorbut 
angenommenen  „groben,  gesalzenen  Körper- 
Safte"  (Maschenb.  445).  —  (1842)  ScW<im-Saft  - 
Schleimdrusen-Sekret  (Falko  II,  283).  —  schlechte 
Säfte  =  eine  für  die  normale  Entwickelung  und 
Bestand  des  Körpers  ungeeignete,  meist  ererbte 
Veränderung  der  Zusammensetzung  des  zir- 
kulierenden BildungsstotTes  (Saft  4),  zu  dessen 
Erforschung  als  Krankheitsursache  bei  Ek- 
zema, Syphilis,  Skrophulosis  etc.  Paracelsus 
den  ersten  Ansloss  gab  (Kopp  I.  108).  —  (1712) 
Speiac-Sztt  =  der  Saft  von  den  verdauten 
Speisen,  der  als  Chylus  (Milchsaft,  Nahrungs- 
saft) aua  den  Gedärmsaugadern  in  den  Milch- 
brustgang (Ductus  thoracicus)  gelangt  (Hyrtl, 
K.  W.  67;  Gr.  W.  VIII.  1640).  —  übler  Saft  (angls. 
yflum  seapttm,  Cock.  II,  17ti)  =  hnmor  malus,  böse 
Feuchte.  —  (1759)  ivästeriger  Saft  =  Humor 
aqueus,  s.  wasserige  Feuchtigkeit  im  Auge 
(Vadem.  97).  —  Säfte-,  Saft- Behälter,  -Bruch, 
-Fäule,  -Kammer,  -Krankheit,  -Mischung, 
-Schärfe,  -Umtrieb,  -  Verderbnis,  -Zustand.  — 
saftiger  Leib. 

Sagler,  m.  Säge,  f-  (indogerm.  sek,  aok  [secare]; 
ahd.  i^gm,  ihr»  =  SAge  (dazu  sah»,  Sense.  Sichel];  mhd. 
»v-ge,  sage.  Kluge*.  810;  1477  »agier,  Lexer  205)  =  der 
Säge-  od.  Schneidezahn,  welcher  sagend  durch- 
schneidet. —  a&ge-Spähne,  -Zahn. 

Sago,  m.  (malayisch  =  Sagopalme,  Roth.  470).  — 

Sago- Af t/r. 

Sahne,  f.  (Seiine)  (umkr.  sAnu  =  Hohe;  mhd. 
»ane.  f.;  ndl.  laan)  =  Oberstes  der  Milch,  Milch- 
fett, Kahm,  Schmant  (Gr.  W.  VIII.  1663;  De  Cock 
302),  —  sennern  —  wieSahne  (Senne)  den  Speichel 
rinnen  lassen,  geifern  (Schmeller  II,  289). 

Saich,  m.  s.  Seich. 

Saison,  f.  (zu  altgerm.  tatjan  =  setzen;  franz. 
saisir.  Klage*.  347;  ah  franz.  saccire.  saclre;  11.  Jahrb. 
MlSOBla;  1169  salslo;  1235  salsoula;  1315  salsina  ca- 
ptendi;  1340  seisona  aeativalls;  1341  .«esona  ae^tivalis ; 
1403  sesone  hiemale;  1469  salzonum  trlum.  Du  Cange  1 
IV,  71;  VII.  25«.  275.  276.  277.  316  =  festgesetzte  Jahres- 
zeit, In  der  die  Bodenfruchte  gedüngt  wurden).  — 

Saison-ii>a»A-/u>i7. 

Saite,  f.  —  (1676)  grosse  Saite  (Hyrtl,  K.  W.  67 ; 
Saite  zu  gern».,  indogerm.  aal:  il  =  binden  [dazu  Seil); 
ahd.  seid,  n.  Strick,  Schlinge;  ahd.  saita;  mhd.  seile, 
Kluge*.  310)  —  Nervus  latus,  Achillessebne,  als 
stärkste,  stahlharte  Sehne.  —  Saiten  -  Warze. 

Salaam  (arab.  salAm ;  hebr.  shaloni  a  der  Fricdens- 

grnt»,  Roth.  471).  —  Salaam-  Krampf. 

Salbe,  f.  (»anskr.  sarpis  es  .Schmalz  ;  vorcerm.  solpa; 
germ.  salbö ,  ahd.  »alba;  tnhd  salbe.  Kluge*,  :!11).  — 
in  der  Salbe  liegen  -  s.  liegen.  —  //um f- Salbe 

—  Sebum  cutaneum,  Ilauttalg. 

Saide,  f  Bälde  f.  salig,  sälig,  selig.  Salinger 

(westgerm.  säl  [>alus];  ahd.  salig,  »Allda  -  Gluck.  Heil; 


angU.  saeUg  =  gut,  glücklich;  Irisch  seeig  [selg],  gespr. : 
Jel  eg.  Z.  d.  V.  f.  V.  K.  UM,  193  =  eine  mit  Zauber- 
sprüchen bebandelte  Krankheit;  mhd.  saelde  -  Glück, 
Hell;  ndd.  zalde  s  Frau  SAlde,  die  Verleiherin  aller 
Vollkommenheit,  Segens  und  Heils;  saelcc,  aalliche 
ss  glückselig,  gesegnet,  herrlich,  selig,  heilsam, 
Kluge*,  346;  14.  Jahrb.,  udd.  salde  sc  salus;  15  Jahrh. 
Heiig  ss  salvus,  D.  ">0>.»;  Island,  silt  =  gesegnet,  Z.  d.  V. 
f.  V.-K.  lS'.'ö,  S.  839;  Laistoerl,  187;  II,  294;  15.  Jahrb. 
saligen  =  sanare,  D.  II,  825),  —  Saide  Herrliche. 
Dies  wohl  der  Kosenamen  für  die  drei  weiblichen 
schicksalbestimmenden  Krankhoits  -  Dämonen 
des  Volksglaubens,  welche  als  „salige  Weiblein", 
„saline  Fräulein",  „saligen  Leute",  „Salinger 
Fräulein"  etc.  (schwab.  Noidostecke  von  Tirol, 
Bayern.  Lechrain;  Vernal.  243.  Alpbg.  3  ff  ),  gefttreh- 
tete,  weil  Krankheiten  bringende  Geister,  aber 
auch  als  geburtshilfliche  Dämonen  (mit  dem  Seil« 
s.  d.)  und  beratende  Geister  hochverehrt  waren, 
die  während  des  Schlafes  Ober  dem  Menschen 
wachen  (Kehrein  72)  u.  als  gute,  holde  Wesen  den 
Menschen  das  Weben  (s.d.)  lehrten  (Itanuh.  104). 
In  Frau  Sälde  sind  Hie  wohl  zu  einer  Personi- 
fikation vereinigt.  Diese  Krankheiten  waren: 

I.  =  Milzbrand,  Anthrax  apoplectiformis,  der 
auffallend  plötzliche  Lähmung  und  Tod  beim 
Nutzvieh  und  Menschen  veranlasst  (aellga  = 
nigra  pustula  In  qua  hominis  mors  est  quae  dlcitur 
selega,  Lammen,  Volksm.  212).  —  2.  =  der  Hirn- 
schlag (Tropf)»  der  den  Menschen  wie  ein  ban- 
nender Dämonenschlag  lähmt  (1620  die  Selig, 
Dr.  Minderer  =  Apoplexia  mortuoaa,  Gr.  D.  IL  II,  1110. 
1106;  1.17  dasselig  hett  Jngeachlagen  und  getroffen, 
Aventln;  1572  N —  Ist  durch  das  Selig,  Gott  behüt  uns 
Alle!  unfürsehen  hingenommen;  1609  H.  auf  dem 
linksten  Arm  dz  Seelig,  darvor  uns  Gott  genedig  behüet, 
berüret,  Schmeller  II.  262),  s.  salige  Sucht;  schon 
beim  blossen  Gedanken  an  den  „Schlag"  (derDamonen) 
sprach  man  ,, selig!"  (unter  „unberufen"  !)  als  Schmei- 
chelei der  Schlaggelater  aus,  und  fügte  man  spater . 
Gott  behut  uns!  hinzu  zum  Worte  „selig";  der  Ge- 
danke an  das  Böse  überwog  noch  im  spateren  Wort- 
begriffe, selbst  nach  langzeitlicher  Entfernung  vom 
heidnischen  Hintergrunde.  Die  Scldewurz  (Schmeller 

II,  253)  Ist  wohl  als  ein  Heilmittel  gegen  die  SAlde  2 
benutzt  worden.  —  3.  =  plötzliche  lähmungsartige 
Schwäche  im  Beine,  Hexenschuss  (Ischias) 
(Gebr.  Zlngerle  I,  '.7  ;  Alpbg.  8).  —  4.=  Febris  puer- 
peralis,  d.  h.  die  Saligen  rauben  Kindbetterinnen 
durch  solche  plötzliche  schwere  Krankheiten 
(Mannh.  10-t.  153 ,  Zlngerle  27.  3tl.  —  5.  —  Verfilzung 
der  Haare  zu  buschigen  Zöpfen  und  Locken- 
knäueln (s.  Saligendost,  Säldentost,  Säldlocke, 
Säligenstärs),  z.  B.  nach  langem  Krankenlager 
—  eine  ThAtigkelt,  die  die  Saligen  des  Volksglaubens 
mit  anderen  Krankheits-Damonen,  dem  Alp,  BllwU, 
Holle .  Wlchtcl  etc.  gemeinsam  haben :  Vergl.  den 
„Seelen'  aopf  als  Kultgcbkck  In  der  Form  von  Haar- 
flechten. —  6.  =  in  den  Niederlanden  ist  bot  ,,zllt" 
eine  Hautkrankheit  (Dermatitis  ecxematoBa  =  Kot- 
lauf) (wegen  deren  man  nach  flandrischer  Volksety- 
mologie nach  „Zellik"  [salig]  oder  Zllllk  wallfahrtet. 
De  Lock  16.  40.  142.  251.  und  die  im  Deutschen  auch 
PeUzoerge  (».  d  l  helsst  \  nachdem  auch  die  (ielbsucht 
[gelbe  Kittel  anhangen]  In  Flandern  geelbuiklge  »eelt, 
V.  K.  II,  6  -  gelbl.aucbige  faldo  helsst  [=  aaUffCS 


Salter-Salz 


Same. 


Fräulein,  Merge  mit  gelbem  Gewand«] ,  IM  an  dorn 
nermantscben  Dainotilsmus  In  Bälde  1—6  nicht  zu 
zweifeln).  —  7.  =  die  Salinen  minnen  (s.  d.)  auch 
mit  Männern,  u.  die  aus  dieser  „wilden"  Elben- 
Ehe  hervorgegangenen  Früchte  zeigen  als  Mal- 
geburt dann  meist  vererhhare  Familienfehler 
(Zeichen)  an  sich.  —  Flceht-Säld  (in  Brandenburg. 
Bespr  .  Kngel.  262;  flechtaeel,  de  ploecht  ml)  m  die 
mit  Flechtenkrankheit  plagende  Schickaalsfrau, 
die  lu  eine  gelbe  Weide  gebannt  wird  (  Weiden  - 
weiblein)  (entsprechend  der  [Volgtl.]Wcrra  —  Wlrrsal 
In  den  Haaren  bereitende  Perchta,  Alpbg.  4»;  Schtn. 
II,  979).  -  Frnu  Bälde  (Sälga,  Zälti,  Selten)  = 
die  mythologische  Gestalt  des  Volksglaubens, 
welche  Anführerin  der  Schar  der  unzeitigen 
Kinder  (wilde  Salden)  u.  nngetauft  gestorbenen 
Kinder  (Elben)  ist  =  Holda,  Perchta  (s.  d.) 
(Ijilitner  II,  362 -354).  -  /rW/-Sälde  (aus  der  Kurz- 
form  hel-sel  =  manes;  IV  Jahrh  ,  Rirllnger,  S.  I,  130 
alt  solche  Saide  zu  erschliesseu ;  die  Umdeutung 
Hollen  -8eele  ist  wohl  späteren  Auslegungen  zuzu- 
Hchreibcn)  -  die  am  Ofen  oder  Heerdraume 
(=  Hei)  als  Figuren  der  Hausgeister  aufge- 
stellten und  verbildlichten  Salden  (cout.  «ngls. 
helhelme  =  Heimchen  am  Heil-Ort,  Schindler  I,  1080) 

—  mntln-  selig  =  im  Mutterleibe  (Mutterglüek) 

befindlich.  -  Saide  (mhd.  unsalde  -  cala- 

mlta*.  rnglück.  Leser  30-2;  ndd.,  14.  Jahrh.  unsaldc  = 
ralamitas,  D.  SR ;  IS,  Jahrh  tu  tamlsebe  t'nsald !  Schm. 
I,  r,03\  II,  253  —  trinmlscb  machende  l'nsalde,  11*2 
uusel  —  Jammer,  Betäubung,  bose  Laune.  K.  W.  I,  79; 
unsalige  =  tnlser,  D.  II,  254;  Schwaben  an-,  im-,  ohn- 
«ellg,  Blrlingcr  Volkth.  II,  i:t)  —  die  eine  Krankheit, 
Sinnenverwirrung,  l'nsinnigkeit  veranlassende 
unholde  Schicksalsfrau  dos  german.  Glaubens 
=  wilde  Salden  {Leistner  II,  »53.  364).  —  itnslig, 
»trsllg,  um-,  «nsälig  (uselig),  1.  =  tornig,  wütend 

(K.  W.  I,  bf> ;  mhd.  unsallc  ;  dän.  undseelig  =  blöde). 

—  2.  =  irebrechlig,  schwächlich,  kranklich.  — 
Säld-,  Sälen-,  Sälige  -Dost,  -Frauen,  -Leute, 
-Lorke,  -Schioanz,  -Slärz,  -Su<ht,  -  Tost.  —  un- 
seliger Vogel. 

Salter,  m.  s.  Psalter. 

Salvat eil,  f.  (zu  lat.  salvare  =  bewahren,  behüten 
[vor  Krankheiten],  hell  und  gesund  machen).  1.  = 
Vena  salvatella,  s.  Salvalelader,  S.  8;  a)  Hand- 
ader (1575,  D.  609;  Kunigssp.  49);  eine  Hautvene 
auf  dem  Goldfinger  der  rechten  Hand,  Salus 
infirmornm;  b)  Hauplader  (1478,  D.  1.  c);  c)Mdz- 
a.ler  (1717,  D.  509);  d)  Ktickadcr  (15.  Jahrh. ;  I>,  :.09i. 
Die  Eröffnung  dieser  Blutadern  durch  den  Aderlass 
galt  als  eine  besondere  Heilungsthatigkeit  bei  I.eber- 
leiden  und  Rippenfellentzündung.  — 2.  —  Meninges, 
pellicula  involvens  cerebrum,  Hirnhaut  (s.  d.) 
(Du  Gange  VII,  291).  —  Salvatel-Jf/cr. 

Salz,  n.  (Indug.  iftld,  dal  [««1  =  öt'.t) ;  vorgerm 
Mild  ;  gern  -germ  salt  [*.  Sulz«!;  goth.  »alt ;  angl*.  sealt, 
ndl.  soul;  ahd  ,  mhd  nll,  Kluge*,  311  ;  r.r.  W.  VIII; 
1705)  =  «las  (M'hnrf  schmeckende  Mineral;  „viel- 
leicht lernten  dir  westlichen  ludogermanen  dasselbe 
auf  ihren  Wanderungen  von  einem  Kulturvolke  kennen, 
da*  auch  sonst  (vgl.  Hanf  und  Silber)  die  europäischen 
Sprachen  beeinflußt  hat"  (Kluge).  Seitdem  Parneelsn* 
dasselbe  („Principiuin  Paracelsi")  zuerst  im  men«ch 


licheu  Korper  als  chemischen  Bestandteil  (Grundstoff 
mit  dem  Typus  des  Festen)  desselben  angenommen 
hatte,  suchte  man  in  deu  „salzig"  schmeckenden  Se- 
kreten der  Schleimhaute  (Nasenschlelm)  u.  der  offenen 
Hautstellen  (Salzfluss)  und  namentlich,  nachdem  man 
In  der  Mitte  des  17.  Jahrh.  den  Unterschied  zwischen 
sauren  und  laugcnhaften  balzt n  gefunden  hatte,  in 
der  sauren  oder  laugenhaften  Scharfe  (s.  d.)  de*  Blutes 
(und  Schwel«*«»)  die  l'rsache  verschiedener  Krank 
heilen,  z.  B.  des  Skorbutes  und  auch  des  Kontagiums. 
d.  h.  lu  dem  Salzgehalte  des  Blutes,  das  man  dann 
als  . ,  >  m  salzen"  =  abnorm  salzreich  annahm  (Pr.  II. 
162).  --  srhädliche*  Salz  (1«96  schädlich  saltz. 
Schreyer  I.  92)  =  Schaden  (s.  d.)  bringende  Se- 
kretion. Man  nahm  nuch  an,  das*  die  Transpiratio 
insensibills  der  Haut  ein  flüchtiges  Salz,  die  Tran- 
spiratio senslbllls  (=  Schweis»)  einen  Liquor  m]«u« 
liefere,  der  eventuell  schädlich  wirken  könne.  —  I»Ie 
Darstellung  des  Salzes  geschah  nach  Plinlns  hist.  nat. 
31.  39  bei  den  Oermanen  durch  Eindampfung  der 
Soolquellen  auf  brennendem  Holze  (Richen-,  Hasel- 
holz). Salz  und  Aschenlauge  vereinigten  sich  so  zur 
scharfen  Salzbrühe,  die  volksüblich  noch  zur  Wasche- 
reinigung benutzt  wird;  daher  im  Salze  liegen  — 
in  der  Wochenbettreinigung  (Lochia=  l>ange), 
wie  die  Wäsche  in  der  Aschenlauge,  liegen  (Verf. 
Baum  u.  Waldk.  111,  Anm.  2;  Schm.  II,  273;  Gr.  W. 
VIII,  1708;  Heyne  V,  202).  —  salzig  =  wie  Salz 
schmeckend.  Das  unentbehrlich  gewordene  Kelz- 
mittel für  den  Stoffwechsel  wurde  zum  Symbol  alter 
Sitte  der  Sippen freundschaft  und  des  vertrauten  rm- 
gnnges  zum  heiligmässlgen  Mittel  gegen  elblscbe  Machte 
(Hexen  u.  Teufell  (V.  Hehn,  das  Salz  8).  daher  galzen 

-  coire  ((ir.  w.  viii.  1712).  —  salzige(s),  Salz- 
■Blut,  Burh*>,  -Fans,  -Flechtr,  -Flünse,  -Geblüt 
•  Gewässer,  -  Jauche,  -  Krätze,  -Xass,  -Phleqma  u.* 
-Schäden,  -Teile,  -Ut.Jlat,  ■  Watter,  -Wasser- 
ganq. 

Same,  m.  Samen,  Somen,  Sam,  m.  Saat. 

Gesämt  i  indogerm  sc  =  saen,  Saat,  sdtnnen  =  seinen  , 
ahd.  sAmo  —  Same,  Nachkommenschaft;  11.  Jahrh. 
seinen  —  Samen,  Hoffm.  I.  21;  12A0  daz  semen  —  semen 
virile,  Pfeiffer  21 ;  mhd.  same  ,  1532  somen  =  sperma. 
Fries  120;  D  511;  16.— 17.  Jahrh.  sam  =  semen.  be- 
fruchtende Flüssigkeit  der  Menschen  u.  Tiere,  Kluge  \ 
311;  Schw.  573;  Gr.  W.  VIII,  1729),  1.  =  der  männ- 
liche, befruchtende  Samen,  den  die  Ärzte  de« 
Mittelalters  nach  Galcnus'  Lehre  als  eine  Flüssigkeil*- 
aussLheidungausdem  Gehirn  u  Kuckenmark.  Bris«  «7  ; 
später  auch  aus  dem  Blute  hielten  ;  11.  Jahrb.  natur 
hat  gemaohlt  den  samen  durch  die  geburt;  same  ist 
eiu  uberv-luzeheit  di  von  deine  IIb«  get,  der  same  kumit 
von  dem  besten  teile  al  des  libes,  Hoffmann  I,  320. 
I  V  Jahrh.  somen  =  sangiiis  [s.  Blut],  D.  511;  18.  Jahrh. 
,,die  geistreiche  Feuchtigkeit  die  als  zartester  und 
edelster  Teil  des  (iebiüts  aus  dem  Blute  in  die  Hoden - 
gange  abgesondert  wird"  [F.  Hoffmann  VII,  77]  und 
[1761]  beim  Betschlafe  von  Mann  und  Weib  abgehen 
sollte,  l.  ch.  79).  —  2.  =  der  sog.  weibliche  Samen. 

—  3  =  das  aus  dem  Samen  hervorstehende 
Gewiichs.  —  4.  -  Pflanzen-Samen  ((rV&ämt, 
GfSäme).  —  f>.  =  geschlechtliches  Werk  (Coi- 
tus).  —  6.  =  (irrtümlich)  Sraegma  praeputii.  — 
7.  ar  Krankbeitsston".  —  (1551)  sich  auf  den 
Samen  Oben  (s.  d.)  (Bock  i»7).  —  ab  samen  (vom 
Hengst)      die  Kjaetilatio  seminis  abmachen, 


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Samen. 


«am— Sand. 


beendigen.  —  Bubm  -  Samen  =  der  stärkere, 
mannliche,  Knaben  erzeugende  Samen  (nach 
der  Lehre  des  Hippokratee)  (Raas  cr>)  (s.  Mannes- 
samen und  Zeug).  —  (1742)  geistrt  ich*  i  Samen  - 
der  voll  von  lebendigen  Geistern  (s.  d.)  ange- 
rollte nnd  angesammelte  Samen,  der  auch  im 
Schlafe  als  Pollntio  («.  d.  n.  kalter  Bauer)  abgeht 

m.  -<».***>jS2SS^*r|fc-»  <*■ 

Kr.  13.  43-.')  =  weiblicher  Samen.  —  (16.  Jahrh  ) 
qelbiger  Samen  =  eitergelber  Harnröhrenkatarrh 
(Gonorrhöen)  (Ami.  Buch;  Zw.  12;!).  —  (18.  Juhrh.l 
Krankheit»  Samen  o  Seminiam  verminosum  — 
der  lebendige  Stoff  (Contagium  vivnm) ,  der 
eine  Krankheit  erzeugt  (Baas  383).  —  Mädchen- 
Samen  (s.  weiblicher  Samen  und  Zeug).  — 
Manne*-,  männlicher  Samen  :»-'J  mannos-aame ; 
Inf  d.  15.  Jahrb.  mannt*  natürlich  ioum  =  sperma, 
D.  II,  34 '>  =  lernen  virile.  Zening.  Voc.  t>.  U6S  nimm* 
«aum,  Gr.  W.  VIII.  1729)  =  Sperma  virile,  das  hei 
dem  Blasenkatarrh  (1677)  als  „verfault"  (=  Py- 
uria)  oder  „verdorben"  entleert  angenommen 
wurde  (Boy,  229)  und  das  man  anderseits  zur 
Erzeugung  von  Knaben-Geburten  für  nötig  er- 
achtete: ,,l»t  der  »am  des  manne«  sterckher  daraus 
so  wlrt  ein  chnechtl  [Knabe).  Ist  aber  de«  welbcs  «am 
uterckber  so  wlrt  es  aln  magt.  Schmeller  I,  1346;  1331 
und  sprechen  Artstote,  und  Albertus,  wann  der  wmen 
feit  In  die  gerechten  seytteu  so  werd  ein  son  geporen 
und  In  die  gellncken  eyn  tochter.  Damme  haben  etltch 
pauren  den  gebrauch  das  sie  dem  »Her  dem  gellncken 
horten  zubinden,  wann  sie  ein  küe  wollen  haben  und 
den  gerechten,  io  sie  ein  stier  berturfTen  eben  aus*  der 
rrsach,  alls  Arist.  u.  all  naturales  sagen"  (Kraut w.  XIII, 
F_  2).  - —  männliche  Samen- Materie.  —  mensch- 
lither  Sameil  (menschlelcb  tarnen.  Schm.  II,  838)  — 
der  befruchtende  Saft  des  Menschen.  —  natür- 
licher Samen  (1'>«1  =  urlna  genitalis,  Heyne  V.  203; 
1.382  natürlicher  Samen  in  Männern.  I.ouic.  277;  1391 
semen  genitale,  genitalis  urina.  Hart.  Jun.  20;  Gr.  W. 
VIII.  1729;  1630  der  natürliche  Samen  der  Manner. 
!.on!e. ;  1660  Saatncn  der  Natur.  Fr.  Kr.  B.  93)  -  der 
durch  die  Kraft  der  Natur  (Ratio  seminalis), 
allein  aus  den  Genitalien  durch  die  Harnröhre 
entleerte,  flüssige  Zeugtin  trsstoff  (i.v>i  den  natur- 
lichen samen  nicht  können  behalten  —  gonorrhoica 
t  -  spermatorrhoeal)  Samenfluft«  (s.  d.)  (Bock  269; 
D.  483.  der  heissrre  Samen  sollte  den  Knaben  er- 
zeugen [Ulf],  Ploss  Bartels  I,  469).  —  (lC9'.t)  Pest- 
Samen  =  der  wie  ein  PHantensamen  ausge- 
streute, sich  sehr  vermehrende  Krankheits- 
(Pest-)  Stoff  (r.  M.  D,  95).  —  rotes  Gesamte  =  der 
wie  ausgestreuter  roter  Kornsamen  auf  der  Haut 
erscheinende  rote  Hautausschlag  m  Strophulus 
ioterpunetus  (Buhrend  M),  bei  welchem  die  Haut- 
papeln  wie  Samen-  oder  Sandkörner  von  ein- 
ander getrennt  hervorragen.  —  unreifer  Samen 
=  nicht  vollständig  ausgebildeter,  nicht  be- 
fruchtender männlicher  Samen  (Ilnffm.  VII,  97). 

—  (1797)  verdorbener  Samen  =  Gonnrrhoea, 
Tripper,  gelber  Samen  (Baas  286 ;  P.  Krank  V,  hh). 

—  ri699)  tv rhalU  tu  r  Samen  =  ein  durch  Enthalt- 
samkeit in  Venere  znrnekKebliebener  (männ- 
licher und  weiblicher)  Samen ,  der  die  sogen. 
Knthaltsamkeitskrankheiten  (s.  d.)u.  a.  Mutter 
raserei  (Hysterie)  hervorrufen  sollte  (r.  M.  II,  123) 


—  totiblicher  Samen  =  die  Allen ,  welche  das 
Furkinje'scheKeimbläschen  od.  den  Grantschen 
Follikel  nicht  kannten,  nahmen  ein  Semen  mu- 
liebre,  d.  h.  eine  ähnliche  mit  Libido  cum  pol- 
lutione  (=  weibliche  Natur)  entleerte  Flüssig- 
keit im  weiblichen  Körper  an  wie  beim  männ- 
lichen Geschlechte  (=  Cervix-Scbleimpfropf 
[Krafft-Eblng]od.  Excretderglandulae  Bartholini) 
aber  ohne  befruchtende  od.  doch  nur  Mädchen 
erzeugende  Kraft  (Donauer,  ITausvaterbuch ;  Gr.  \V. 
VIII,  1729;  Baas  66);  s.  ob.  männlicher  Samen.  — 
wemet  Gesamte  —  Strophulus  albidns  (Kraus.  k. 
looo),  weisse  Schälbläschen,  die  auf  der  Haut 
wie  Körner  ausgesprengt  erscheinen.  —  (1783) 
1  Vurm  GVsäme  =  dieals  Wurmeier  angesehenen 
Schleimmassen  bei  Eingeweidewürmern  (Easirh 
87).  — Samen-  Bälglein,  -Pln*lein,  -  Bruch, -Dänn- 
chen,  -Drüse, -Dunst,  Ei,  -Ergiessung, -Fassung, 
-Feuchtigkeit,  -Fluss,  -Gebresten,  -Gefäss,  -Hitze, 
•Kästlein,  -Kolik,  -Koller,  -Materie,  -Nieren, 
-Röhren,  -Säcklein,  Schnur,  -Schicäche,  -Strang, 
■  Verfaulung,  -  Verschleissung. 

sam-,  a&m-heil. 

Samern  s.  baumern. 

Sammelnng,  f.  Sammenung,  f.  sammeln 

(alter  Stamm  sama  =  derselbe ,  der  nämliche ;  goth. 
samath;  altnord.  samna;  ahrt.  saraanön  — -  sammeln; 
samanunga  =  collectio ,  Graff  VI,  40;  samant  =  zu- 
sammenbringen, vereinigen,  admassleren.  Kluge  *.  311 ; 
Heyne  V.  203.  208;  Gr.  \V.  VIII,  1744)  =  (1661)  der  Eiter, 
die  Materie  gammelt  sich  zusammen  =  pns  coit ; 
die  Eiterbildung  am  Abscessorte  bei  der  Ent- 
zündung =eolIeetion  purulente,  amas  d'humeur 
|  (Brian.  291 ;  Heyne  v,  206) ;  es  gehörte (1630)  nach  Loni- 
certis  auch  das  heilige  Feuer  (  =  Phlegmone)  als 
„eine  Art  von  Brand  zu  den  Sammungen"  — 
Eiter-  ( M  aterie)-  A  nsammlnng ;  / U  h  t  V  e  r  s  a  m  m 
lung,  das  nach  längerem  Ausbleiben  der  weib- 
lichen Periode  wieder  heftig  erscheinende 
Menstrual  -  Blut,  das  an  einer  falschen  Stelle 
sich  angesammelt  hatte,  nach  der  Volksauf- 
fassung (Pauli  48;  angls.  clalne  blod-gesamnath. 
reinen  Bluts  •  Versammlung,  Cook.  II,  198)  (s.  auch 

Gatterung*)  —  (1588)  faule  Versammlung  (in 
der  Mutter)  =  Anhäufung  von  faulenden  Blut- 
gerinnseln (Blutstöcke  s.  d.)  im  Uterus  (Taber- 
naem).  —  SsLmmel- Kasten. 

Sand,  m.,  n.  Samp,  m.,  n.  Sampt  (vorgerm 
sandho  [saraadbo]  '/ji'/iH;  =  Saml  ,  ahd.  sant  isamat], 
mhd.  sant  [sampt].  Kluge*.  312;  Gr.  W.  VIII,  1758; 
engl,  sand;  l'.9S  Sand  =  frinsedtment,  Gr.  W.  VIII. 
1760;  1733  Saud  -  Griessand  im  Harn,  A.  v.  EL  1.  130). 

—  Sand,  1.  -:  Gesteinsablagerung  in  feinsten 
Körnern.  —  2.  =  sandartiger  Niederschlag  ans 
verschiedenen  Körperflflssigkeiten ,  vor  allem 
aus  dem  Harne,  der  im  Nierenkelche  oder  in 
der  Harnblase  sich  sedimentieren  kann  ;  (engl ) 
Gravel.  —  3.  =  der  dadurch  erzeugte  Schmers. 

—  4.  =  sandige  Konkremente  als  Fntzflndungs- 
reste.  (16  Jahrb.).  —  5.  -auch  Tophus  (Gnmma) 
s.  Fleischbein,  Kalk-  oder  Steinmaterie,  Gyps; 
Sand  -  (Cbera.)  Tophus  (Tuff).  Im  Volksglauben 
Ist  der  Sand  der  Aufenthaltsort  der  Nattern  (Atter) 
und  Schlangen  der  In  den  sogen.  Zwölften  (l'inmgzeit 
der  Klben)  nicht  gvgralieu  werden  darf  (K.  u.  Schw. 


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640  sanft— Sanguiniker. 


Saphena— satt. 


411);  In  den  Sand  werden  auch  die  Krankheit*- 
damonen,  die  den  Brand  veranlassen,  zurück  gebannt 
(MüllenhoB  510;  Kulm  II,  201).  —  alter  Sand  ■ 
Nierengriea,  der  oft  spät  entleert  wird  (Arianen. ; 
17.  Jahrh.).  —  (1719)  2?/a*en-Sand  =  der  körnige 
Niederschlag  aus  Llarnsalien  in  der  Harnblase 
(Calculus  vesicae)  (Or.  w.  VIII,  1760).  —  Darm- 
Sand  sa  der  von  den  Tieren  verschluckte  Sand 
im  Darmkot  (Falke  I,  904;  Gr.  W.  VIII,  1760).  — 
Gries-Sand,  1.  =  die  grieskorngrosse  sandige 
Konkrement  In  Iii  im  k  im  Urin  (Morbus  tartareus). 

—  2.  =  (1725  dolor  nephriUcu»,  The«.  San.  Br.  779). 
der  Nierenschmer«  Oberhaupt  mit  und  ohne 
Griesbildung  (s.  Sandgries).  — 3.  =  jedes  Blasen- 
leiden (z.  B.  an  Sand  und  Gries  leiden)  =  jede 
abnorme,  stofflich  sichtbare  Veränderung  der 
Harnkonsistenz.  —  II, im  -  Sand  =  der  Harn- 
Gries  od.  Grieasand,  ein  körniges  Sediment  des 
Harnes.  —  Haut  Sand  =  s.  sandiger  Schweiss. 

—  Him  Sand  =  die  kalkigen  Konkretionen  in 
der  Zirbeldrüse  und  den  Seitenkammern  des 
menschlichen  Hirnes,  Acervulus  oerebri  (engl, 
brain-sand  -  Braegensand).  —  (1680)  .VtVrwSand, 
1.  =  du-  Konkrementbildung  aus  Harnsalzen 
in  den  Nieren  (Calculus  renum)  (ür.  W.  VII,  834; 
viil,  1760).  —  2.  =  (1725)  der  bei  dessen  Entleerung 
eintretende  8chtnerz  (Zw.  744;  Gr.  W.  VII,  834) 
(Colica  nephritica).  —  (1&30)  roter  Sand  -  das 
ziegelrote  Harnsediment  bei  fieherhaften  Krank- 
heiten (Künigssp.  60).  —  (1530)  schwarzer  Sand  = 
das  bräunlich  rote,  dunkle  Urinsediment  bei 
Carcinoma  melanodes  (Leberkrebs)  (Salkowskl 
u.  Leube,  d.  Lehre  v.  Harn  489;  Künigssp.  60).  — 
Versandet  (im  Gehirn  mit  zunehmendem  Alter) 
=  vermehrter  Gehirnsand,  der  aber  mit  der 
Intelligenz  nichts  zu  thun  bat;  geistig  weniger 
frisch.  —  Sand-,  sandichter  Augen,  Ball, 
■Bruch,  -Buchsenbein,  -Floh*,  -Fresser,  -Gries, 
-Harn,  -Hoden, -Klöss,  -Klott,  -Körner,  -Männ- 
inn, -Mumie,  -Schweis«,  -Seier,  -Stein,  -Uhr- 
magen, -  Voss. 

sanft.  -  sanfte  Stuhlgänge. 

Sanguiniker,  m.  (mtlat )  sanguiueus  =  blutiger, 
d.  h.  warmfcucht«r  Komplexion).  Das  Blut  (*.  d.) 
(Sanguls)  war  nach  der  humoralpathologischen  Lehre 
eine  der  vier  Grundfeuchten  des  menschlichen  Körpers, 
die  edelste  unter  den  Komplexionen  (1630),  von  deren 
normaler  Menge  und  Wärme  die  Gesundheit  abhangig 
»ein  sollte  -,  der  Vollblütige  hiess  „Sanguiniker"  ; 
(mndl.)  sangwiijn  (de  Vr.  40);  (mnd.)  „dem  sein  t'rin 
ist  rot  und  dick,  das  bedeutet,  dass  sein  Blut  an  seinem 
Leibe  habe  gute  Kraft  und  gute  Macht,  und  der 
Mensch  Ist  ein  sangwinius  und  der  ist  alle  Zelt  fröh- 
lich und  singet  gerne  und  Ist  wohlleiblicb  in  seinem 
Leibe  und  ist  kühn ,  und  diese  Leute  haben  eine 
Liebe"  (nach  Mag.  Barth.  101a  (f.);  (15.  Jahrh.)  san- 
guineus,  alnwell  pln  ich  sangwlneus  und  seez  mein 
synu,  wie  ich  gewynn  dy  lieben  mynu  (Iloffm.  I,  338); 

die  sint  sangwinie  gedan 

die  wellen  quecken  lep  bau 

Tollenbracht  an  übe»  crafft 

Ir  varbe  ist  wiez  oud  rodehafft  etc. 
(Adelung,  Nachr.  von  altd.  Gedichten  II,  167;  s.  Farbe); 
(!"•.  Jahrh.)  einer  der  guttcr  complex  ist  —  sangulneus 
(D.  511)  —  blutfarbiger  (».  d.);  (1529)  der  i-1  Sarignineus 


bat  ein  rot«  haar  (Parac.  de  Imp.  C  4).  Nach  den 
Lehren  der  Humorulpathologie  sollt«  der  Sanguiniker 
des  warmen  und  feuchten  Humors  in  rechtmassiger 
Mischung  (s.  Temperament)  genügend  besitzen ;  nach 
den  Lehren  der  Paracelsisten  sollte  er  des  lebendigen 
Quecksilbers  (Merkur)  su  viel  in  seinen  Saften  haben, 
nach  deu  Lehren  der  Solidarpathologte  ein  leicht- 
flüssiges Biut  ihm  eigen  sein,  das  aus  massigweiten 
Gelassen  In  lockere,  massig  feste  Gewebsfasern  (Fibern) 
übertreten  könne  und  überallhin  leicht  Warme  des 
Blutes  bringe ;  der  Sanguinikersollte  darum  ein  ,, leicht- 
blütiges" Gefühlstemperament  haben,  das  leicht  erreg 
bar  und  lebhaft  wie  das  der  Jugend  ist;  hober  Tonus, 
gTosse  Beweglichkeit,  aber  Unbeständigkeit ,  Vor- 
herrschen der  Lustempfindungen  (namentlich  bei  der 
Nahrung)  sollten  die  Uauptzüge  derselben  sein  ;  der 
Sanguiniker,  der  ebenso  leicht  erregt  wie  erschöpft 
war,  „himmelhoch  jauchzend,  zu  Tode  betrübt"  sollte 
In  seiner  Komplexion  (Humor,  Konstitution,  Tem- 
perament, Natur,  Element)  wegen  seiner  bequemen 
Warme  der  Frühlingsluft  gleichen  und  des  Luftele- 
mentes mehr  haben;  nach  astrologisch-medizinischer 
Lehre  (1530)  war  er  in  seiner  Komplexion  vom  GesUrnc 
des  Zwillings,  Wassermanns  u.  der  Wage  beherrscht ; 
der  Lenz  (Glenz)  lies  diese  dem  Schöpfuugstrühling 
und  der  Jugend  angeglichene  Naturen  nach  dieser  An- 
schauung besonders  gedeihen  (Rünigssp.  3  6.  8.  32). 
Auffallend  ist,  dass  von  den  vier  Temporamenten  der 
humoralpathologischen  8chule  nur  der  „Sanguiniker" 
ein  Lateiner  ist. 

Saphena,  f.  (Zappen,  Zoph,  Sophena)  tu  Jahrh 

sophena  est  vena  quae  si  grosse  est  in  dextro  pede 
[Kiudsader]  slgniflcat  bonum  Ingenium  [guter  Hoffnung 
sein];  oatp-r,;  =  klar,  deutlich  erscheinend,  D.  II.  342). 

—  Saphen-  Ader.  —  (163«)  heimische  Sophena  = 
die  Vena  saphena  magna  s.  interna,  Rosenader, 
die  von  der  Heimlichkeit  her  (Pudenda)  Aeste 
empfangt  und  im  Gegensatze  steht  zur  wilden 
Sophena  (Künigssp.  61).  —  (1530)  wilde  Sophena 
=  Vena  saphena  minor  s.  posterior  s.  sciatica, 
welche  beim  wilden  Geschoes  (Ischias)  geöflnet 
wurde  (Künigssp.  51). 

Sardon.  —  sardonisches  Jüchen. 

Sarten.  —  Sarten-JTran&Än*. 

Saas,  m.  -säss,  Säss,  f.  =  Podex,  auf  dem 
man  sitzt  (Hinterer  7.  17;  schwed.  saete).  —  (1761) 
(jVsäss  (Gbsss)  =  Nates,  Podex,  „das,  worauf 
man  sitzt",  der  menschliche  Sitzteil  und  Ober- 
tragen selbst  auf  Tiere:  Hinterbacken  (Falke  l, 
335;  s.  Hinterer  1.  c. ;  Heyne  II,  1124;  L.  chir.  69).  — 
Gea&BB-Feige  *,  -Fistel,  -Spalte. 

satt  (SOtt,  SOd),  Satt,  m.  (indogerm.  sa  =  sättigen 
(sat,  satis,  satur);  golh.  saths  —  satt;  germ.  sada;  ahd. 
sat;  mhd.  sat,  Kluge*,  312)  -  vom  Essen  u.  Trinken 
voll,  befriedigt,  OberdrQsBig,  dicht,  fest,  derb, 
voll,  dick  (Gr.  w.  viil.  1818).  —  Satt,  m.  =  s.  Sod. 

—  küh-*rtff/<7  =  wählerisch  beim  Essen  wie  eine 
satte  Kuh  (Volks-Etymologie)  =  kiesettig!  (kiesen 
=  wählen;  cten  =  essen,  Andrescn  107).  —  uixrs&tt 
(13.  Jahrh.  ubirsat  =  crapulatus,  D.  155)  =  bis  zum 
Ekel  oder  Brechreiz  satt,  appetitlos.  —  Satt-, 
satter  {Sott-,  Sod-)  Fleisch,  Hals,  Huf,  -Stehen, 
■Shihlgang. 


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Sattel-Satz. 


541 


Sattel,  IB.  (indogerm.  scd  —  sitzen  [scdere];  gern  - 
altgenn.  sadula;  ahd.  satal,  ««tu:,  mhd.  satel,  Kluge*, 
313  -  Sitz  zum  Reiten.  übertragen  auf  Sattelähnliehes), 
1.  =  die  Vertiefung  der  Stirnfläche  an  der  Nasen- 
wurzel (Brillensitz).  —  2.  =  (anatomisch)  Sella 
turcica  (Ttlrkensattel).  —  (1741)  Na*en- Sattel  ■ 
Doreum  nasi  (Sattel  1)  (Kirsch  400).  —  Türken- 
Sattel  =  Sella  turcica  8.  equina  »  die  zur  Auf- 
nahme d.  Gehirnanfanges  (Hypophysis  cerebri) 
sattelförmig  ausgehöhlte  obere  Fläche  des  Keil- 
beinkörpers (flyrtl,  A.  2»).  —  Ohr  Sattel  =  die 
Vertiefung  zwischen  Ohrmuschel  und  Seiten- 
wandbein,  worin  die  Brillenhacken  sitzen  und 
die  Schreibfedern  reiten  (Gr.  W.  VII).  —  Sattel- 
Bruch,  -Gallen,  -Nase,  -Seite. 

Saturnus.  —  8*tnm- Finger. 

Satz,  m.  -Satz  (zu  ab.l  sizan  [sitzen];  abd.  saz  - 
da«  Hinsetzen,  Hingesetzte;  mbd.  aaz  =  satzunge  - 
Stellung,  Ort,  wo  etwas  sitzt,  gesetzt  Ist,  Lage,  Stellung, 
Kluge*.  313;  Heyne  V,  219  IT.;  Graft  VI,  2*};  Gr.  W. 
vill.  1R39).  —  Satz  Z.  i'  —  .-U  Satz  =  etwa«, 
was  sich  angesetzt  hat  oder  angesetzt  ist,  z.  B. 
das  Muskelende  am  Knochen,  der  Kopf  am 
Halse  oder  ein  Geschwär;  letzeres  namentlich 
als  Eiteransatz  unter  der  Beinhaut  des  Kiefers 
(Gr.  w.  v,  2246;  Martin  18),  Parulis,  Gumma,  Caries 
(angls.  spring  ongesittan  =  earbuuculi,  pustula, 
rock.  I,  2.  74;  uncud  ongesytte,  Cock.  I,  36  =  in 
elbiscber,  böser  Art  angesetzt,  wie  eine  Bremse 
[oestrus]  oder  Dasselfliege  [Dasselbeule]).  —  (1741) 
KranzoBen-zlnsatz  —  Caries  syphilitica  (Kirsch 
186).  —  .-In;/ -SätZ  (angls.  angseta,  H.  Z.  XV.  36. 
109;  Schmeller  I,  107  =  pustula,  cronculus  [crustulus], 
D.  159;  II,  310,  Ulcus;  angesezzon  =  papulae  [H.  Z. 
XV,  39],  vielleicht  anlehnend  an  Ansatz  [s.  o.]  ge- 
bildet; ahd.  angezo  [=  angsezo]  =  tapax  [tubanus  — 
oester],  D.  II,  358)  —  eine  Verdruss,  Pein,  Oual 
(  —  Ange,  s.  d.  u.  Oester),  Schmerz  bereuende, 
in  der  Haut  sitzende  Krankheit  und  deren 
Produkt  (Krusten,  Kufen)  auf  der  Haut  =  der 
Ang-Queis  (Qnese)  =  Ouäse-Wurm  (s.  d.)  (viel- 
leicht =  goth.  thrutsflll  =  Hautverdruss,  Uautlie- 
Bcbwerde[s.  Fell]).  —  Aussatz,  .-L<.-sätze,  f.  Aus- 

Sätzigkeit  fahd.  üzsetzig,  German.  XVIII,  299  =  mit 
einem  ansteckenden  Hautausschlag  behaltet  und  des- 
halb ausgesetzt;  ahd.  uz  sAzeo  =  leprosus,  Graft*  VI, 
•05;  Gr.  W.  I,  943;  uz  »azzo  s  ein  Ausgeseuter  [Lepra- 
kranker],  der  draussen  als  Feldsiecher,  Sondersieeber 
abgesondert  wohnt,  Kluge*,  22)  =  Leprosus;  (das 
Wort  Lepra  soll  von  dem  Aussatze  abgeleitet  sein, 
welchen  die  ersten  Ansiedler  Lepreos  lu  der  elischen 
Landschaft  Triphyllens  arqulrierten  [-],  Haeser,  II,  71; 
richtiger  Ist  Kraus'  Kthymologie  [Ml]:  >.tr:i;  ^ 
»quamma,  ).ti:ui  -  absrhupi>en).  Man  gebrauchte  wohl 
in  Torabd.  Zelten  hlefür  die  Ausdrucke:  Ztttcrach 
(s.  d.),  Rufe  oder  Trudsfell.  Plctet  (Kuhn,  Zeitschr. 
f.  v.  Spr.-W.  V,  340)  meint  zwar,  dass  die  Lepra,  welche 
nur  von  Menschen  auf  Menschen  übertragbar  Ist,  den 
alten  Ariern  unbekannt  gewesen  zu  »ein  scheint,  aber 
nach  dem  Atharva-Veda  (Bartels  In  Z.  d.  V.  f.  V.-K. 
1>>95,  11;  s.  Klcfamentuss)  wird  sie  besprochen.  Als 
, .Aussatz"  wurde  sie  erst  in  der  2.  Hälfte  des  13.  Jahrb. 
(mhd.  üz-(atz,  m.  =  Miselsucht,  s.  d.)  bezeichnet 
(Kluge*,  32;  Heyne  I.  238).  d.  h.  =  Beseitigung, 
Hinaussetzung,  Absonderung  eines  an  einer 


ansteckenden  Krankheit  Leidenden:  (mhd.  um- 
setze, f.,  m.  -   Aussatz-Krankheit;  tizscUcl,  in.  =  Aus- 
sätziger, leprosus;  üzsetzie  -  aussätzig,  Lexer  310; 
Kluge  1.  c;  schwed.  utoaU  =  Lepra  morbus;  demnach 
eine  relativ  junge  Wortbildung  aus  dem  ahd.  flzsazzo 
[s.  o.],  nzsAzco  =  einer,  der  dratissen  abgesondert 
wohnt,  Kluge  1.  c;  Westenrieder,  Beitr.  VII,  183;  1482 
aussetzel  =  leprosus,  Zen.  Voc;  D.  324;  1618  luxua 
leprosus  Paracclsl,  Pr.  II,  76).    Die  Aussätzigen  oder 
Leprosen,  auch  Hornbrüder,  Sonderslechen ,  Feld- 
slcchen,  Ausmarkluger,  Malatzcn,  Mlselsüchtigen,  guten 
Leute,  Lasers  etc.  genannt,  führten  In  allen  Kultur- 
ländern verschiedene  Namen,  z.  B  in  den  romanischen 
Ländern  Gascogne,  Bretagne,  Bearn:  (1436  Cacosi. 
Cacosoa  [?  von  cachexla,  cacosla  =  schlechtes  Blut, 
D.  86.  87),  Caqueux,  Caquets,  Cacous,  Cabous,  Caqulns, 
Cagoti  [?  von  gaquus  =  Tonne  =  der  in  der  Tonne 
Lebende],  Caput* ,  Capoti,  Coffotl  [?  hommes  tetus, 
cabochards,  cabosses],  Agotl,  Gaketi,  Comatl,  Pelluti, 
Cordiert  [sie  übten  das  Seiler-,  Böttcher-  u.  Schneider- 
Gewerbe  aus],  Du  Cauge  II,  17.  18;  Schnurrer  I,  250; 
Tilgt.  Rundsch.  18%,  S.  683;  ausserdem  finden  sich  In 
Frankreich  für  Aussatz  bezw.  Aussatziger :  Malanteria. 
Malandria  [s.  d.J.  Du  Cange  V,  191;  1424  Üolorosus,  Du 
Cange  III,  l-r>7  ff  ;  Leperia,  lepraticus,  leprosalis,  lepro- 
sitas,  1.  c.  V,  i.7 ;  12.  Jahrh.  Morbus  Jobl,  Morbus  Luzari, 
Wichner  7.  D.  II,  257;  1500  Lazery,  1146  Laxarli,  Du 
Cange  V,  49.  Ö17;  Maurus,  Varius  (PockenaussAUlger ']. 
Du  Cange  VIII,  296;  Morbus  regius,  1.  c.  V.  518;  VII,  95, 
spau.  mal  de  S.  Lazaro:  schwed.  spetalska;  franz.  la 
ladrerie.  la  Lepre ;  mal  de  St.  Main  ;  angls.  micclum  lice, 
Cook.  III,  38  [  =  Michelgleich,  grosses  Glied,  Elefanten- 
fuss, s.  Lclch»];  blecth.  blaec  =  vitlllgo  (s.  bleich], 
sowie  thrnsfel  [s.  Fell],  Cock.  II,  372;  altnord.  likthrii, 
Weinhold,  390;  norweg.  spedalskbed ;  boll.  melaaUcheld 
[s.  Malatz];  engl,  leprosy;  ital.  roalesanl;  hebr.  bekur 
mavelb,  Job  XVIII,  13  ■  älteste  Tochter  des  Todes; 
[Istrien]  Mal  de  Meleda  [eine  Insel],  auch  (iuba  ge- 
nannt, Archiv  f.  Dermatol.  u.  Syph.  1897,  XL.  2).  — 
.licsatz,  1.  =  die  Beseitigung  eines  an  an- 
steckender Krankheit  Leidenden  aus  d.  mensch- 
lichen Gesellschaft  (s.  Feldsucht,  Sondersieche). 
—  2.  =  diese  für  ansteckend  gehaltene  Krank- 
heit selbst,  vor  allem  die  äusserst  schleichend 
eingewurzelt  (1529  vnnd  ist  ein  zeichen  einer  eln- 
gewuruten  Weiblichen  Krauckelt  als  aussatz,  l'arac 
d.  imp.  K.  l)  und  chronisch  verlaufende,  durch 
Infektion  mit  dein  (von  Armauer  Hansen  1871  ent- 
deckten und  nach  8Ücker  [M.  M.  W.  1*97,  1063]  primär 
durc  h  die  Nasenatmung  ac«inirlerten)  l^pra- Bazillus 
verursachte,  im  12.— 13  Jahrhundert  am  meisten 
in  Deutschland  beobachtete  Lepra,  welche  in 
der  Kntwickelung  von   mehr  oder  weniger 
umschriebenen  entzündlichen  Neubildungen, 
hauptsächlich  in  der  Haut,  Schleimhäuten, 
Unterhautzellgowebe  und  im  Bindegewebe  der 
peripheren  Nerven  beBtcht  fNctsser  in  z.  Hdb.  d. 
sp.  Path.  u.  Ther.  XIV.  I,  620).  —  3.  =  die  mit  dieser 
eigentlichen  Lepra  verwechselten,  weil  aussatz- 
ähnlichen  Ausschläge  der  Haut,  z.  B.  Lupus, 
Syphilis,  Psoriasis,  Ichthyosis,  Skrophulosis  etc. 
(Haeser  II,  77.  203;  Fuchs  II,  379.    (1629)  Also  wissen 
wir  auch,  dass  die  frantzoesisch  artzney  (Syphilis- 
Behandlung  durch  Merkur,  Quecksilber)  ein  vrsprung 
ist  maiu-hcrlel  aussaetz,  dlo  noch  nit  offenbar  seind  .  .  . 
(Parac.  de  imp.  K.  3)  anfl  das  soll  ein  yeglicher  Artzet 


542 


-Hat*. 


bedenken,  ilnst  er  die  artxney  dermassen  erkenne,  das 
buk  «lern  Mcrcurio  ein  anfaug  des  aussau  geporu    irdt  j 
( =  Verwechselung  der  Syphilis  mit  Mcrcuriali*mui>). 
Man  hielt  IT  JM  (Maschenb.  :t".H)  die  Lepra  für  „den 
höchsten  und  gr..sstcn  Grad  der  Kratze,  wenn  der 
ganze  Leib  als  mit  Krätze  überzogen  ist",  und  im 
New-York.  med.  Becord.  1892,  S.  29.1  wird  die  Lepra 
geradezu  als  ciu  viertes  Stadium  der  Syphilis  bezeichnet. 
(Über  das  Verhältnis  der  Lepra  zur  Lustseuche  [SyphlllsJ  j 
s.  Kosenb.  336;  Pr.  1,  410;  Puschmann,  M.  Med.  Woch. 
1MW,  8.  610  ff. ;  Peypera  22).    „En  geen  wonder  i*  het 
dat  eene  intensc  syphills  sich  moest  oplossen  in  ein 
groot  algeraeen  woord  als  Lepra"  (Peypers  82).  Mit 
der  Syphilis  hat  aber  die  bazilläre  Lepra  gar  keine  Be- 
ziehung. —  4.  Die  eigentliche  Lepra,  Aussatz  2  (Lepra 
Actuarll  s.  universalis)  stand  Im  Gegensätze  zur  Lepra 
aniti8  raeuibri  =  Cancer  (Sehanker,  Krebs, 
liangraen)  (Kriegk  I,  627).  —  5.  Als  Aussatz  3  auch  \ 
übertragen  auf  Hautkrankheiten  der  l'terde  und 
heb  Weine.    Zu  Luthers  Zelten  hatte  man  von  der 
Aussetzung  des  unheilbaren  od.  ansteckenden  Kranken 
auf  das  Peld  (Feldstecher)  keine  Ahnung  mehr;  damals, 
ja  schon  Im  Mittelalter,  waren  dieselben  bereits  In 
Leprosenhauscrn  als  „Spitalsieche"  (s.  d.)  unterge- 
bracht (lö79) ;  man  uahm  damals  aber  auch  noch  an, 
daai  der  Aussatz  durch  „Verzauberung"  entstehe  oder 
aus  dem  unreinen  und  gefälschten  Blutkasten  (•.  d.) 
seine  Entstehung  ableite.  Schon  480  wird  ein  Leprosus 
in  Passau  erwähnt;  in  der  Bretagne  war  sie  sicher 
schon  seit  dem  7.  Jahrh.  bekannt;  zur  Zeit  Karls  des 
Grossen  Hess  mau  (Gregorovlns,  (Jesch.  d.  Stadt  Itom  | 
II,  320;  die  Lepra  von  der  Lombardei  aus  sich  ver- 
breiten (Verwechselung  mit  Pellagra  [s.  Alpenflecute]) : 
„leprosum  genus  de  natione  Longobardorum  oriri 
certum  est"  schlich  Papst  Stephan  III.  an  Karl  den 
Grossen ;  767  existieren  bereits  in  Deutschland  Ehe- 
verbote wegen  der  Lepra,  die  aber  in  romanischen 
Landern  bereits  Im  2.  Jahrb.  nach  Christus  eine  rapide 
Verbreitung  hatte  und  dort  zur  Zelt  der  Kreuzzuge 
ihre  grösstc  Ausdehnung  fand.    Im  11.  Jahrb.  kommt 
ein  Aussatziger  wieder  in  I'assau  vor  (Mon.  Genn.  14. 
231;  I,  8);  die  l^epra  verschwand  vom  15.  Jabrh.  ab 
ganz  allmählich  (Hennig- Gerhard  I,  29);  schon  im 
14.  Jahrh.  stellte  man  bereits  Schaubriefe  aus  (arztliche 
Zeugnisse,  Aussatzbriefe)  über  wirklichen  Leprabestuud. 
Ein  Lepraherd  ist  gegenwartig  nur  noch  im  Kreise 
Mcmel  (aus  Itusslaud  importiert)  bekannt  für  Deutsch- 
land (s.  d.  Verf.  Volksmedizin  226;  Monum.  boic.  I, 
100;  Baycrland  1H93,  8.  383).    l'nter  „Lepra"  ver- 
standen die  allen  griechischen  Ärzte  eigent- 
lich nicht  bloss  die  U»pra  s.  Elephantiasis  (auch  Lcuke) 
Graecorum,  sondern  auch  davon  ganz  verschiedene 
Hautlelden,  z.  B.  Psoriasis  (vielleicht  war  l.cpra  s.  Z. 
auch  =  Syphilis,  Mentagra;  Z.  Hdb.  d.  Path.  Hl,  12; 
Arch.  f.  Dermatol.  u.  Syph.  1N70,  II,  69;  Rosenbaum 
886.  336.  344).     Die  Ar«l»«r  nannten  sie  Bothor 
(-  Lupus,  Lepra  Arabum,  Syphills),  Hyrtl,  K.  W.  90; 
A.  v.  H.  II,  382;  Ziemss.  Hdb.  d.  Path.  III ,  12. 
Bei  Avlceuna  heisst  sie  Baras.    Ute  tu  i  1 1  e  I  u  I  le  r- 
hrhen    Arzte   übernahmen  die  Ausdrücke  der 
griech.-lat.  Schriftsteller  uud  führten  sie  zum  Teil 
übersetzt,  zum  Teil  in  entstelltem  Latein  auf,  z.  B. 
1.    Elephantiasi»,    Elephos    morbus  Lucretii 
(Kraus,  K.  343J .  I-cpra  sie  dicta  quod  cutem  reddat 
elephautl  corio  slmllem  (Du  Cange  11,  603;  III,  246), 
Morbus  Heracllus  (Kraus,  E.  401,  kelt.  cowiranus  vom 


[aremorisch]  cowln  [=  Scabies,  posülentiu,  lue»  — 
Kielantenkrankheil,   Klefantensucht,  elefan- 
tische Aussätzigkeit,  Knollsucht,  Knollenau«- 
Bati,  Aussätzigkeit  4.   Nach  Roth  161  „bezieht  sich 
die  Elephantiasis  Arabum  u.  Eleph.  (=  Pachydermle) 
Graecorum  ( =  Lepra)  nur  auf  die  arabischen  bezw. 
griechischen  Autoren,  von  denen  die  enteren  die 
Pachydermle  als  Dal (11  (Elefanteufuss,  s.  d.)  bezeich- 
neten, was  von  den  Übersetzern  mit  Elephantiasis 
(Celsus;  t>.ttpavtz:a,  Dioscorld.)  überseut  wurde;  die 
Griechen  jedoch  hatten  unter  K.  den  Ausaatx  ver- 
standen, der  von  den  Arabern  Judam  genannt  wurde. 
Dieses  Wort  wurde  von  den  Übersetzern  mit  l.cpra 
übersetzt,  worunter  die  Griechen  nur  eine  ganz  unge- 
fährliche Scbuppenflecbte  verstanden  hatten."  Aber 
auch  die  Araber  sahen  in  der  Elepbautiasis  des  Aretaeus 
nur  eine  lokale  Hautkrankheit  (M.  Med.  Woch.  1897, 
S.  1063).  —  2.  =  Maltitu  uiurluutu  (=  s. Tuten- 
Übel),  mal  morto  der  Salernitaner.  —  3.  Satyri- 
asis,  Saturassis,  Sirey,  Morbus  phoenlceus  ( Rosen b. 
264  0.),  Aussätzigkell  1  (oaTrjptdu),  Idiupo;  =  geller 
Faun  im  Gefolge  des  Bacchus),  Priapismus,  Elephan- 
tiasis penis  et  scroti.  —  4.  r'oruiica  =  Lepra  an- 
aeatheilca  s.  nervorum  =  Baras  Avlcennae  (auch  = 
Syphilis,  zum  Teil  nach  Proksch);  Uornnageln  (s.  d  ). 
Ameisen  kriechen,  lancinterendeSchtnerzetuanfalle  sind 
charakteristische  Lepra-Symptome.  —  5.  Leontl- 
asi&;  Löwe,  Löwenhaupt  (s.  Aussätzigkeit  3), 
Löwengesiebt,  Facies  lcontlna  =  Lepra  tuberosa.  — 
b\  Alphus  =  (ä),^ö;  =  welM,  pigmentlos)  Lepra 
nervorum  Vlrchow,  Albaros  der  Araber  (Kraus,  E.  636) ; 
Alphus  nielas  =  Vitlligo  nigra  (A.  v.  U.  I,  18);  Alphl  = 
Papulae  quibus  aliquando  taciea  turgescit  (  -  boutons). 
a  candore  quod  buiusmodi  vitlligines  spectem  referant 
minutaruin  unionum  («■  Muschel)  quae  passim  abal- 
bedine  Albae  dicuntur,  interdum  Alphae  et  Albulae 
(Du  Cange  1,  200).  —  7.  Morph ea:  Farbe  und  Gestalt 
(t(  p.op»-f()  verändernde  Mif-cbforroen  der  Lepra  ■ 
Lepru  maculosa  ~  intirmltas,  cum  color  in  allum  mu- 
tatur  1022;  ltalis  Morfca  est  Speeles  scable,  gall.  Gale, 
Du  Cange  V,  222;  1645  eine  unnatürliche  Bedeckung 
der  Äusseren  Haut,  Coler,  H.  B.  70;  mnd.  Morfca:  „da* 
ist  eine  .Sucht,  und  davon  kommt,  dass  einem  Menschen 
die  Haare  des  Bartes  ausgehen",  nach  Mag.  Barth  87  b 
=  schwarze,  rote  und  weisse  Aliseisucht  (s.  d.); 
vielleicht  war  die  Morfea  aber  ebenfalls  =  8yphllls, 
Kotz  [  =  morfue,  morfewe  s.  Morvc  S.  421),  Gutta 
rosacaea  (Handb.  d.  sp.  Path.  u.  Thcr.  XIV,  2.  227. 
443).    Ludovicus  dives  »lux  Bavariae  fuit  amabilts  et 
amator  mulierum  et  fuit  plnguis  et  facic  morphe- 
atleus  (Syphilis?  Akne  rosacea?  Peijpers  23)  et  poda- 
grlcus  (Du  Cange  V,  522).  —  tt.  Leuke  (Pauli  Aeg. 
[Ai'j '/.'/-;,  licht,  weiss)  ~  Morphea  und  Alphus,,  Lapm 
nervorum,  A.  v.  H.  II,  lOJ'.i;  Nelsser  i.  Z.  Hdb.  d.  sp. 
Path.  u.  Ther.  XIV,  2.  62ii).    AI- Baras  der  Araber. 
Vitiligo  (von  Vitium  =  Kehler  oder  vltulus  =  Kalb?) 
Celsi ;  alboras  est  maculosa  defoedatlo  planae  cutis 
I  neque  in  priuclplo  est  ulla  exuleeralio  aed  in  proeewsu 
temporis  idem  quod  Morphea  (Peijpers  24)  =  Alpbus, 
weisser  Aussatz,  Mehlgrind,  Mehl  deck,  wobei 
Bich  leukopathische  pigtuentlose  Hautstellen, 
weisse  Flecken  (s.  fahl)  bilden.  —  aunsatzig, 
1.  m  (1482  -  ex  lex,  leprosus,  D.  217;  mhd.  [s.  o.])  am 
Aussatze  leidend.  —  2.  =  (1529  ..vom  heimlichen 
solchem  aussatz  wiss,  das  offtmals  der  Wölfl  (s.  d  ] 
aussetzig  ist,  offtmals  der  Krebs  an  prusten  etwan  die 


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-«atz. 


-Hätz. 


543 


Sirey  [».  d  ],  die  huugenaueht,  die  Klhic  vnd  nuder  ' 
auch  rnd  doch  nit  andere  dann  Iiir  Krebs,  Fistelt,  i 
Sirey  etc.  erkendt  wirdt  vnd  erscheinen",  Faracelsus  de  j 
Unp.  K3)  aussatzähnlich,  leproid.  —  .dttssätzel 
(mhd),  1.  =  der  am  Aussaue  Leidende  („die  uzzecll 
die  fueret  man  och  für  die  »tat",  Schmeller  II,  344). 

—  2.  =  (1482)  die  J/epra  selbst  (c.  v.  Megbg.).  — 
Au*satzigkeit  (13.  Jahrh.  nsssccatckcli  =  kprosltas, 

D.  324 ;  1470  .^keit  —  morbus  regtus,  1).  368  ; 
1632  usaseuigkeit)  —  der  Zustan  i  des  Leidens  am 
Aussätze,  wovon  man  (l.">18  n.  1632,  H.  v.  Gersd.  86.  87; 
Fries 82,  141)  mehrere  Arten  annahm:  1.  ■—  Tyria  od. 
Tiriasis  (tyrus  =  Schlange,  Wurm,  D.  ft&i)  =  eine 
Hautkrankheit  „wegen  der  der  Schlangen- 
häutung  älinlicben  Abhäutung"  (H.  t.  Gersd.), 
d.  Ii.  wohl  Aufblätterung  und  Zerbrückelung 
der  Horngebilde  bei  der  Lepra  nervorum 
(Seiacer,  Z.  XIV,  l.  634),  vielleicht  der  schwarze, 
weisse,  rote  Wurm  (s.  d.),  entsprechend  der 
schwarzen,  weissen,  roten  Miselsucht  (Schlau- 
genaussalz,  Schuppenaussatz;  vergl.  auch  Bein- 
sauger). Tyriasta  Ut  vielleicht  Abkürzung  für  Satyrl- 
asls  —  Klephantlaals  lepros»  scroti  et  penia.  —  2.  = 
Alopecia  =  der  Haarausfall  im  Beieiche  der 
Augenbrauen  und  der  Bartregionen  bei  Lepra, 
„wegen  des  fuchsischen  (s.  Fuchs)  Haaraus- 
falles" (H.  v.  Gercd. .  „Alopecia  est  tertialeprae  Speeles", 
Montagnona  nach  Peljpera  29.  30).  —  Ii.  s  Iseonina 
=  die  Lepra  des  Uesichtes  als  löwenhaut- 
bildende Krankheit  „wegen  des  grausamen 
Löwenantlitzes"  (H.  v.  Gercd.),  „die  machtige 
W'ulstbildung,  namentlich  «He  oft  sackartig 
Aber  die  Augen  herUberh&ngenden  Stirn-  und 
Augenbrauenfalten  („<ier  Lowenblick")  haben 
den  Anlass  Kegeben  zur  Bezeichnung  „Facies 
leoniua"  (Nclsccr  iu  Z.  Hdb.  XIV.  1.  623.  „eplscynlum 
vehementer  contrahitur  ut  ocnlo»  contegat  quem 
admodum  lraceentibus  aut  teonibuc  accldit:  unde  et 
leonina  hacc  aegritudo  voratur",  Aretacuc,  Peljperc  28). 

—  4.  m  Elephantia  (s.  Elephanten-Aussälzig- 
keit  und  elephantisclie  Krankheit)  (..wegen  der 
I mgettaltung  der  Glieder;  Ihrer  Bein  und  HAnde 
Gleichen  cind  unbeweglich  genutet,  als  waren  cle  er- 
»tarret  gleichwie  die  Heine  des  Klephanten  '*,  H.  v.  Gercd. 
86.  87  a  Morbu«  phoenlkiuit,  punlccher  Aussatz,  Krau», 

E.  7*.).  —  b.  -  Wassel  sucht  bcI.  der  Haut  (aus- 
setzlgkelt  infolge  de»  wosjwrsnchtgebrecbena,  Friee  111) 
=  Phlegmasia  cruris,  chronische  vancose  Lym- 
phangitiscruris  (hydropische  Anschwellung  der 
r'usse)  sa  Hypersarkosis  (Beinsauger)  ohne  und 
mit  FussgescbwUren.  Biese  Form  der  cogen.  Aua- 
aatzlgkelt  war  e»,  welche  nach  dem  Verschwinden  de» 
I>epra-Aucsehlagcs  im  »litten  Mittelalter  und  bis  auf 
tiusere  Tage  die  LeprosenhAuscr  mit  „leprosen1-  ver- 
sah [m.  Klefanten-Auuiatz  2  und  Klefantensucht).  — 
(lTvoj  abendländischer  .liesatz  =  Lepra  nova 
s.  noslri  aevi  ■  1/epra  in  Europa  (Baas  871; 
Kraue,  E.  MM).  —  (1699)  arabischer  .Umsatz  = 
Lepra  Araoum  (s.  o.),  Elephantiasis,  Psora, 
arabische  Kratze,  auch  Filana  -  Krankheit 
(v.  M.  II,  130).  —  eiteiiger  ,rln*aatz  =  ein  Stadium 
der  Leprakrankheit,  in  dem  die  Lepraknoten 
an  der  „Aussatzblume"  (s.  d.)  in  Kiterung 
d.  h.  reichlich  dünnen  Kiter  sezernierende  1 
Geschwüre  zerfallen,  die  nur  ganz  allmählich  | 
vernarben.  —   (1776)  Klephanten- AuKi&tz  = 


Elephantia  (s.o.u.S.  1 12b).  —  (l4$5H'lephantische 
Aussätzigkeit  (C  v.  Megbg.;  Mag.  Barth.),  1.  - 
Elephantiasis  Arabum  (Bebrend  &.  M;  A.  v.  II  U, 
;>83),  arabischer  Aussatz  s.  Morbus  heraclius 
(Z.  Hdb.  d.  ap.  P.  u.  Th.  XIV,  1.  45-1).  —  2.  =  die 
variköse  Lyuiphangoitis  (nun  leprosa),  der  dem 
leprösen  Knollenfuss  gleichende  Dölschenkel 
od.  Elephantenfuss,  Mal  St.  Lazare  (s.  Knollen- 
fuss). —  3.  =  8.  Elephantenkrankheit.  —  4.  = 
Filariakrankheit.  —  europäischer  AussaXz  = 
„die  Lepra  (cutanea  s.  tuberculosa)  unserer 
Tage"  (Fuchs  11,  075).  —  (1776)  Fiscbschuppen- 
.  1  tosatz  ■  Ichthyosis,  die  Fiscbschuppenkiank- 
heit  (s.  d  ),  die  ähnlich  wie  die  Lepra  ab- 
schuppt (Behrend  5.  83).  —  (1630)  französischer 
A  u»satz  „welche  Plage  damals  Jcderman  ganz  gemein 
war,  so  dass  schier  ein  jeder  Landstreicher  und  ein 
jeder  Fretter  eich  derselben  Kur  unterwinden  will" 
(Loniceruc)  -  Syphilis  (  =  Franzosen,  s.  d.).  — 
(16.  Jahrh.)  fressender  AtusatZ  (Heyne  I,  239),  1.  = 
mit  Lepra  verwechselte  fressende  Flechte  (s.d.). 
—  2.  =  indolente  Haut-  u.  KnorpelgeschwOre 
bildende  Lepra,  wodurch  wie  bei  Syphilis  und 
Lupua  Nasengewölbe  und  Kehlkopf  zerstört 
werden  können.  —  (1752)  griechischer  Aussatz 
=  Lepra üi aecurum  (s.o.S.542a  b).  —  gutartiger 
.4  tesatz  (Kraus,  E.  661)  =  heilbare  lepiaähuhche 
Hautkrankheit,  z.  B.  Impetigo  Celsi  (Impetigo 
von  impetere  =  angreifen,  A.  v.  II.  II,  832).  —  hol- 
steinischer Aiusatz,  1.  =  mit  Lepra  verwech- 
selte (1785)  in  Seil* eilen,  Norwegen,  sowie  Jüt- 
land  und  Holstein  häufiger  beobachtete  und 
anfangs  nicht  erkannte  Syphilis  (s.  nordischer 
Aussatz  und  Kadessyge)  (Ziemsa.  Hdb.  d.  *p.  Patb. 
n.  Th.  III,  17).  —  2.  =  Marschkrankheit  tßelart  33  ; 
K.  u.  P.  III,  112;  Behrend  72).  —  (1776)  Kiefer-.4u*- 
gatz-^Mentagia,  mit  Lepra  verwechselte  Bart- 
flechte (s.  d.),  r^ykoeis  menti  (Behrend  6.  48).  — 
(1776)  Kleien-si uvsatz,  1.  =  mit  Lepra  verwech- 
selte Kleieflechten  (s.  d.,  Impetigo  Plenck).  — 
2.  =  eine  l^praform,  die  oberflächlich  kleien- 
artig  abschilfert  (Behrend  5).  —  Knollen-,  Knoten- 
-licsatz  Lepra  nodosa,  cutanea,  tuberculosa, 
synaca,  aegypliaca  (Zlemsi.  Hdb.  d.  sp.  p.  u.  Th. 
XIV,  1.620).  hlephantiaais  Uraecoruiu  et  Aretaei, 
Lepra  Arabum  Vera  (Behrend  66;  Kraus,  E.  561)  = 
der  eigentliche  Aussalz  des  Mittelalters ,  der 
sich  vor  allem  durch  Hautknollen  -  Bildungen 
(Knopfe)  auszeichnete.  —  lombardischer  Aut- 
gatz  =  Alpenflechte  (s.  d.)  =  Pellagra  (pelli»,  Haut, 
aegra,  rauh,  Both  397),  ca'ore  de  fegato,  morbo  tii 
legato  (s.  Feige),  mal  rosso,  mal  del  sole,  male 
della  spienza  (Fuchs  II,  678);  risipola  (=  erysi- 
pelaa?)  lombarda  (Roth  397);  (frz.)  verdet  (Dornbl. 
144);  Elephantiasis  Italien  (Behrend  58);  (s.  oben 
bei  „Aussatz",  S.  542  a),  ein  mit  der  Maiskultur 
in  der  lombardischen  Ebene,  bezw.  mit  dem 
Mabpilz  (Sporisorium  Maidis)  zusammenhan- 
gende chronische  Hautkrankheit  (Typhus  pella- 
grosus)  an  den  der  Sonne  mehr  ausgesetzten 
Stellen  des  Körpers  (mal  de  solc,  SomineraiiK- 
satz,  mailändiHche  Krankheit),  manchmal  auch 
mit  hallucinatorischer  Verwirrtheit  und  atak- 
tischer l'araplegie  verlaufend.  —  maiiandischer 
.  i  'i-satz  ■  lombardischer  Aussatz,  asturische 
oder  mailandische  Hose  (Pellagra,  Elephan- 


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544 


satr. 


Sau — sauber. 


tiasis  ilalica)  [Fncbi  II,  6*8).  —  (Müh)  minderer 
-lir>satz  (der  myndcr  aussatz)  =  die  aussatzähn- 
liclie  Hautkrankheiten  hervorrufende  Syphilis, 
die  aber  doch  heilbar  ist,  darum  nicht  so  sehr 
gefürchtet  war  als  die  unheilhare  Lepra  (Fuchs 

1,  31).  —  neuer  Au#satz,  1.  =  die  Lepra,  euro- 
paischer Aussatt  unserer  Tage  (Fuchs  II,  675).  — 

2.  =  Syphilis  (Kunlgssp.  47;  1531).  —  3.  =  [1(8»] 
syphilisahnliche,  von  Paracelsus  (de  imp.  M.  2), 
dem  Queoksilbermissbrauche  zugeschriebene 
Hautkrankheiten  (s.  ob.).  —  nordischer  (nor- 
wegischer) Av.ssa.tz  =  holnsteiniscber  Aussatz, 
Lepra  norwegica,  s.  borealis,  1.  =  Spedalskhed 
(s.  Borkenkratze),  Scabies  crustosa  Boeckii 
(Dornbl.  120).  —  2.  =  Radesyge  =  Syphilis  (s.  d.) 
(Behrend  72 ;  Krau»,  E.  5«1.  964).  —  3.  =  (vielleicht 
mich  —  UolRRch  [s.  d.*)=  Lepra  gravlssima  In  Hibernia 
quae  vocatiir bolgach,  Schnurrerl,  l'<9).  —  (17.  Jahrb.) 
Pferde- Aussatz  =  jeder  chronische  Borkenaus- 
schlag beim  Pferde  (R.  A.  '»75).  —  (im)  rechter 
Aiosatz  =  wahrer  Aussatz;  der  Aussatz  (Lepra) 
ward,  well  bereits  im  14.  Jahrh.  seltener,  ärztlich  kri- 
tischer beobachtet  und  von  falschen  lepraahnliehen 
Ausschlagen  (Syphilis  -.  B.)  (AussAUen)  getreunt  (Latn- 
mert,  V.-Med.  141;  Haeser  II,  92).  —  (17  Jahrh.)  ro".e 
Aunt&Xzigkrit,  1.  =  eine  Lepra,  die  unter  dem 
Hilde  eines  Liythema  nodosum  od.  auch  unter 
«lein  des  Kotlaufs  (Erysipelas)  verlauft,  wobei 
die  Haut  mehr  weniger  stark  gerötet  ist  (Fr.  Kr. 
B.  27fi;  Seisser  Z.  Hdb.  d.  P.  u.  Th.  XIV,  1.  621.  624  ff.). 

—  2  =  vielleicht  auch  z.  T.  Lupus.  —  (1776) 
SchlanKen-Au*aatz==TyriaBi8  (Lepra),  die  stark 
schuppende,  hautende  Leprafbrm  (tirus,  tynis  — 
cyn  «lange  [die  sich  bautet],  D.  585  ,  Behrend  5).  — 
Schuppen- Aufsatz  =  die  eigentliche  Maltzei 
(I^epra)  des  Mittelalters  (Xrnö-  =  Schuppe; 
davon  wohl  der  Name  Lepra  [s.  o.],  Behrend  54).  — 
schwarzer  sluflsatz-  Lepra  nigra,  s.  Graecorum, 
Vitiligo  nigra,  der  dunkel  pigmentierte  Aussalz 
(Kraus,  E.  561).  —  Sch weine- Aufsatz  =  Finnen- 
krankheit b,  Schweinen  als  Infektionskrankheit 
durch  den  Blasen-  (Band-)  Wurm.  —  Sommer- 
Au*satz  (mal  di  sole)  =  Pellagra,  die  in  der 
wikrrueren  Jahieszeit  starker  auf-  und  hervor- 
tritt als  im  Winter  (Fuchs  II ,  675)  (s.  lombar- 
discher  AusBatz).  —  (1776)  Stachel-,  Stachel  - 
schwein- Aufsatz  =  Hystrioisinus  (hystrix  —  das 
Stachelschwein  l>--#(*:;.  also  eigentlich  Sauhaar,  Roth 
253;  Behrend  »;  Kraus,  E.  519).  Ichthyosis  hystrix, 

5.  Cornea  (Meyer,  C.-Lex.  XVI,  296;  Lesser  in  Z.  Hdl>. 
XIV,  1.  47u),  üherm.  .  Hornbildung  der  Haut 
beim  sogen.  Stachelschwein-Menschen  (s.  d.). 

—  verstümmelnder  Aussatz  =  Lepra  articu- 
lornm  mutilans,  weil  durch  die  Lepra-Krank- 
heit in  den  spateren  Stadien  der  lokalen  Lepra- 
Anektionen  die  Glieder  in  den  tielenken  ohne 
besondere  Jieaklionserscheinungen  gleichsam 
von  selbst  abgesetzt  werden  (Keila,  z.  Hdb.  XIV, 

6.  36).  —  (17.  Jahrh.)  wahrer  Aufsatz  (Zürich; 
Haeser  Ii,  »2)  =  zum  Unterschied  von  der  mit  der 
Lepra  verwechselten  Syphilis  etc.  =  rechter 
Aussatz).  —  weisser  Aussatz  (13.  Jahrh.  wttvayaetM- 

keit  — albor,  albldo,  Signum  leprae,  I).  21;  die  al-baras 
alba  der  Araber,  Leuke,  Vitiligo  alba,  Lepra  alba,  Al- 
phns,  A.  v.  H.  II,  902) -Lepra  nervomm  (Vlrchow), 
Elephantiasis  anaeethetica,  „die  Haare  der 


Haut  und  das  Fleisch  darunter  werden  weiss 
(pigmentlos),  die  Haut  ist  empfindungslos  und 
gibt  kein  Blut  von  sich,  sondern  bloss  einen 
milchigen  Saft"  (A.  y.  H.  I,  43.  M).  —  Aussatz-, 
aussätziger  -Auge,  -Blume,  -Blüthe,  -Qrint, 
•Knöpfe,  -Mal,  -Plage,  -Räude,  -Siech,  -Seuche, 
-Sucht,  -Tripper.  —  Ers&tz  Knochen,  -Zaltne, 

—  (1704)  !•'■<>  .'satz  =  das  was  sich  fortsetzt  von 
der  eigentlichen  Stelle  weg.  —  Haeken-For/satl 
=  Proces8.  coraeoideus  scapulae  (Hyrtl,  K.  w.  4t). 

—  Wurm-for/satz  =  Processus  s.  Appendicula 
vermiformis,  der  wurm  förmige  Anbang  am 
Blinddarme.  —  insatZ  siehe  eingesessen  und 
sass.  —  (1532)  unrechte  Satzung  =  unrichtige 
Stellung  oder  Verlauf  eines  Organs,  z.  B.  der 
Schlundröhre  (Fries  98).  —  (1843)  üntt  r-8&tZ  ein 
breit  und  unten  aufsitzender  Spat  beim  Pferde 
(Zipperl.  118;  Falke  II,  392),  an  der  Vereinigung 
des  Schienbeins  mit  dem  Uriffelbein.  —  Zusatz 
s  setzen.  —  Fcrsatz  s.  versetzen. 

Sau,  f.  (westlndogerm.  sü  [Schwein;  ras,  'Sc];  *lt- 
germ.  sü,  sui,  pl.;  mhd.  sü,  sewen,  pl.,  siuwe,  pt. ; 
is  Jahrh.  Sauen,  pl.  =  [Lus]  das  fruchtbare  weibliche 
Schwein  [Kluge4,  313],  das  als  Verkörperung  alles 
Schmutzigen  und  Gemeinen  zu  Übertragungen  auf 
Krankheiten,  Sekrete  u.  Organe  beste  Gelegenheit  gab) 
«  Penis  (Spiess  II,  204;  Uenneberg).  —  Sauerei  = 
Krankheitssioif,  Unflat,  Kot;  nach  der  humoral 
pathologischen  Schulanschauung  das  Produkt  des 
kranken  Körpers;  jede  nilssfarbige  abnorme  Sekretion, 
selbst  die  Eiterung  wurde  uud  wird  im  Volke  noch  so 
genannt  und  als  ein  vor  der  Entleerung  schon  vor- 
gebildeter und  angehäufter  Unrat,  wie  der  Schmuti 
im  Haushalte,  angenommen.  —  Sau-  (SäU-)  Augl, 
-Darre*,  -Dreck,  -Finnen,  -Gehör,  -Jungfer, 
•Krankheit,  -Lau»,  -Ludi,  -Magen,  -Maltzei, 
-Ruck,  -Scltädel,  -Schädelkrankheit,  -Sack, 
•Sterben, -Tuttcn,  -  Wurm,  -Zitze. 

sauber  'aus  vulgArlat.  süber;  lat.  söbrius  m  nüchtern 
entlehnt,  Kluge*,  312;  Heyne  V,  222  halt  es  „sicher  für 
kein  Lehnwort";  ahd.  sübar,  sftbiri,  CJra.fI  VI,  70;  mhd. 
süber,  sflver,  züfer,  Gr.  W.  VIII,  1848)  =  frei  von 
Krankheiten,  von  innerlichen  Beimischungen 
zum  Blute;  namentlich  frei  von  entstellenden 
Flecken  und  geschlechtlich  rein.  —  säuberlich 
=  frei  von  Kntstellendem  (Gr.  W.  VIII.  18M).  — 
Sauberkeit  -  saubere  Art.  —  sich  säubern 
(ndl.  zutvern)  -  reinigen,  den  Kot  entleeren,  des 
Kmbryon  [C  v.  Megbg.)  oder  der  Nachgeburt  sich 
entledigen,  Oberhaupt  von  Gesundheitsschaden 
sich  befreien  (z.  B.  Hautausschlag,  Nasen- 
schleim, Urin,  Periode,  Wochenfluss)  (Gr.  W.  VIII, 
18A7;  De  i  ock  247).  —  (152.;)  gesäubert  =  von  l«epra 
frei  (Lochner,  die  8ondersiecben  in  Nürnberg  228;. 

—  Säuberniss,  Säuberung  (1412  suifemisse  = 

cataricum  [D.  II,  79]  suferung;  ndd.  1484  snveringhe, 
Gr.  W.  VIII,  18.59),  1.  =  die  Reinigung,  z.  B.  des 
Gesichtes,  der  Hände,  der  Katarrhe.  —  2.  — 
Reinigung  der  Gedärme  durch  ein  „Purgativ" 
(Purgierung).  —  3.  =  der  weggeeäuberte  Gegen- 
stand selbst,  z.  B<  die  Nachgeburt  (bei  Tieren) 
(Gr.  w.  VIII,  1859).  der  WochenHuss,  die  Periode. 

—  (1632)  /.••'•!(>  Säuberung  =  eine  versuchte  od. 
angenommene  Reinigung  des  Blutes  durch 
Kuren  (bluots  seuberung,  <.r.  W.  VIII,  707).  —  (UM) 


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Sand— saufen. 


Mögen. 


U  ittt  Säuberung  (Tabcrnaem  )  die  Reinigung  ' 
th*r  Haut  von  entstellenden  Flecken  (Gr.  W.  VIII, 
1809).  —  3/om</-Sauberung  (ndl.  maand-zulvcritig, 
I>e  Cock  222)  =  monatliche  Periode  od.  Reinigung 
(s.  d.).  —  (Vnsauber,  n.  (ahd.  du  unsupara,  II.  Z. 
XVI,  41 ;  aegra  rubtgo  =  krankhafte  Röte  im  Angesicht ; 
1182  unsawber  =  scoriosus,  I).  620;  lööl  unsauber)  = 
von  schlechter  Blutmischung,  zerfressen,  ge-  | 
Bchwürig.  —  uwsaubere(s)  Geblüt,  Schäden,  ! 
Zähne.  —  (VnsäuberUchkeit,  Un  Sauberkeit 
(augls.  unscfernesse ,  Cock.  II,  198;  12.  Jahrh.  un- 
nübcrliche  =  Hautunreinlgkeit,  Pfeiffer  19.  8« :  mhd. 
nnsuberheit  =  l'urelnlgkclt,  Lexer  303;  15  M  onsaubcr- 
kelt  der  haut  =  vitiliglne»  [Lepraknotehen  in  der  Haut], 
Bork  365;  1554  unsuberkelt  =  die  Illume  der  Frauen, 
menstnium  [„ein  Cberfluss  der  sog.  3.  bauung",  »  d.], 
Gr.  W.  VIII,  1858;  1742  Cnsanbcrkeit  =  faciel  immun- 
dities.  Zw.  in),  1.  =  entstellende  Hautunreinig- 
keit  infolge  von  Krankheiten.  —  2.  »weibliche 
Periode.  —  irrsäubern  (versufern)  m  schön 
machen  (s.  schön),  die  Nachgeburt  abgehen 
lassen  (bei  Tieren)  (c.  v.  schm.  447).  —  saubere 
Katur. 

Saud  s.  Sod. 

Sauerei  s.  Sau. 

sauer,  Sauer,  m.,  n.  Säure,  f.  (ursprünglich 

kratzend  ,  unangenehm  im  Geschmaeke  ;  vorgerm. 
«uro*  —  robsalzig,  ahd.  sür  -  verdorben  durch  Uftrung. 
faulig.  Gr.  W.  VIII,  1861  j  mhd.  aur  =  sauer,  bitter, 
»charf  schmeckend.  Kluge4,  313,  surre  =  Saure  In  den 
Säften,  nint,  Magen  ;  engl,  sour  =  Saure,  I.ehf.  228; 
angls.  maga  asurod,  Cock.  II,  856 j  a.  Magen-Saure). 

—  Säure,  1.  =  die  saure  Molke  und  das  M .  loh- 
lab (Gr.  \V.  VIII,  l«;9;  Heyne  V,  225)  =  der,  das 
Sauer.  —  2.  =  die  Magen  ■  Säure  -  der  sauere, 
wälsserige  Magensaft,  (17  43)  Fermentatio  (Kirsch 
495;  Heyne  V,  233)  (Mngenschärfe).  —  (1074)  scharfe 
Säure  =  u.  a.  das  venerische  Gift  (Sylvius), 
w  elches  das  Blut  versalzen  und  hantig,  scharf, 
sauer  machen  sollte  (Pr.  II,  269).  —  säuren 
(14.  Jahrh.  sawren,  Z.  f.  d.  A.  1888.  142)  =  (von  Won- 
den-)Eiter  (Ferment)  gftien  (•.  d.).  — Sauer, ej, 
Säure-stM/f/owefl,  -Auqe  u.*,  -Blässe,  ■Grölten, 
-Krankheit,  -Milch,  -Phlegma,  -Sciuirfe,  -sehen, 
-Vbtl,  Topf,  Wasser. 

Säuerlein,  n.,  pl.  s.  Seuetlein  (unter  Sir). 

saufen,  Saufer,  m.  (germ,  sup  [dazu  Suppe]; 
angls.  Hupnn  -  sorbere,  <  ock.  III,  ::70;  ahd.  süfan;  I 
mhd.  süfen  =  trinken,  Kluge4,  313).  —  Sauler 
=  der  da  unmassig  trinkt.  —  Blut  Saufer 
(ndl.  bloed-zuipers,  Roll.  173)  s.  Blutsaurer  3.  — 
AVsfM-Säufer  =  einer,  der  mineralisches  Stahl- 
wasser wegen  Krankheit  zu  sich  nimmt  (An- 
spielung auf  den  l^isenfresser)  (Gr.  W.  III,  373). 
Quartal-B&Vlf er  meiner,  der  lange  Zeit  dem  Al- 
kohol-Genüsse nicht  mehr  fröhnte,  dann  aber 
plötzlich  sich  demselben  wieder  ergibt  (pr.  Arzt 
1875.  140).  —  tt iiier  Säufer  =  einer,  der  heimlich 
sich  zu  Hause  dem  Trünke  ergibt  (pr.  Arzt  1875. 
139).  —  Sauf-,  Säufer  -Bruder,  -Butz',  -Finne, 
-Knubbei,  -Krankheit,  -Leber,  -Na*e,  -Raptus, 
-Seuche,  -Skorbut, -Sucht,    Teufel,  -Tod,  Übel, 

-  Wahnnnn. 


Saugen,  SäUgeU  (vorgerra.  suk  -  saugen  (sugerc] 
germ.  sug  [suk] ;  ahd.  üügan  ;  mhd.  sügen  =  saugen ; 
söugcu  =  saugen,  Kluge»,  313;  14»  saugen  =  primicie 
[Erstling,  Sangllngj,  I).  II,  303;  15.  Jahrh.  auoggen  = 
llpplre,  b.  332;  engl,  to  snck  —  saugen;  sukllng  = 
Säugling,  Lehf.  233  =  Flüssiges  In  sich,  in  den  Körper 
aufziehen).    —    (1735)   Sug,   UV  =  die  Satlgzeit 
(V  B.  18,  Sachsenspiegel  söge,  m.  =  priroitiae,  b.  459). 
—  Sauger  (Sogerer)  =  derjenige,  der  saugt 
(Schindler  II,  237).  —  (1616)  Saugere,  f.  I.  =  der 
Zustand  des  Saugens,  des  Stillens.  —  2.  =  die 
Säugende  (Gr.  w.  viii,  1893).  —  Säugling,  1.  = 
das  an  der  Brust  saugende  Kind.  —  2.  =  das 
noch  kleine,  auch  nicht  an  der  Brust  saugende 
Kind  (Gr.  w.  viii,  1894).  —  aussaugende  Blut- 
ader. —  Bein  Sauger :  Als  Gegensau  zum  Blutsauger 
(a.  d.)  nahm  man  wohl  früher  an,  das*  ein  elbisches 
Wesen  In  Gestalt  eines  schmarotzenden  Wunnes  (siehe 
Mark  warm]  in  dem  Fleische,  unter  der  Haut  und  Im 
Marke  eines  Beines  sitze  und  vom  Fleischsafto  und 
Knochcumarke  seines  Wirtes  sich  ernähre ;  die  dadurch 
veranlasste  Krankheit  hiess  der  Beinsauger,   1.  = 
Hypersarcosis  (Gr.  W.  I,  1888)  =  Elephantiasis, 
Elephantenfuss  (Z.  Hdb.  d.  sp.  p.  u.  Th.  XIV,  L 
454),  Knollenfuss  (Bindegewebshypertrophie  an 
einem  Unterschenkel  mit  und  ohne  Lepra).  — 
"2.  vielleicht  auch  =  syphilitische  Knochen- 
auftreibung  mit  Schmers.  —  /.Vt^-Sauger  (rttm. 
blödzulger;  engl,  bloodsucker,  1726),  1.  Man  muss  sich 
früher  da  und  dort  die  Vorstellung  gemacht  haben, 
dass  der  Geist  eines  verstorbenen  Wesens  (•.  Mar  und 
Nachzehrer)  in  Gestalt  eines  blutsaugendeu  Tieres 
(8toll-Wurm,  Spitzmaus,  Fledermaus,  Vampyr)  zu  ge- 
wissen Zeiten  sein  Grab  verlasse,  um  im  Innern  des 
menschlichen  lebenden  Leibes  von  Anverwandten  od. 
Sippengenossen  sich  aufzuhalten,  u.  nachträglich  noch 
daselbst  das  Blut  (  —  die  Seele)  des  Wirtes  (der  Sippen) 
aufzehre,  „nachzehre"  (s.  d.),  wobei  man  das  Kauen 
u.  Schmatzen  des  hungerlgcn  Vampyra  aus  dem  Grabe 
des  Toten  zu  hören  glaubte  (Schindler  XX ;  Verna!. 
A.  420;   Ltppetl  Chr.  411).   Als  solche  blutsaugende 
Wesen  sah  man  z.  B.  auch  Maren,  Traden  und  deren 
Nachfolgerinnen,  Hexen  und  alte  Weiber,  sowie  den 
Teufel  an  (Kleinpaul,  Gastron.  Mährch.  107) ;  In  der 
Voluspa  (Kdda)  tritt  ein  Saft  saugender  Zwerg  mot- 
sögnlr  auf  und  in  einem  Nachtalp-Segen  des  13.  Jahrh. 
(Siuungsber.  18C7,  S.  7)  heisst  es:  du  satt  daz  herce 
nicht  uz  sugen ;    1411  die  trutte  chumme  die  lewt 
saugen!),  Zingerle  190;  Z.  d.  b.  Ö.  A.-Ver.  1881,  S.  338; 
Leg.  f.  d.  gem.  Maun  IV.  208;  Kthnolog.  Mitteil,  aus 
Ungarn  1S9»,  S.  219.  Solche  blutsmigendc  Wesen  sollten 
einen  Menschen,  ja  ganze  Sippen  töten  können.  Wenn 
ein  Toter  frisches  Blut  an  sich  trug,  ohne  eigentliche 
Verwundungsursache,  so  war  er  nach  dem  dortigen 
und  damaligen  Volksglauben  vom  Blutsauger  getötet 
worden  ;  dieser,  obwohl  schon  im  12.  Jahrh.  In  Eng- 
land sich  vorfindende  (Liebrecht  z.  V.  St.  34),  trotzdem, 
w  ie  angenommen  wird,  nicht  eigentlich  germanische, 
deutsche,  sondern  aus  dem  slavischen  Osten  Impor- 
tierte Glaube   vom  Blutsatiger  (Glerrach,  Gierfrass, 
Vampyr)  findet  sich  nach  Simrock  (II.  b.  M.  4.  467  f.) 
beim  Saxo  gram  V,  130.  Iturchard  von  Worms  (11.  Jahrh.) 
weiss,  du«*  nian  die  Leichen  der  Kinder  mit  einem 
Pfahle  durchstach,  damit  sie  nicht  umgehen  und  den 
Menschen  schaden  mochten ;  dies  geschah  auch  den 
Miittern,   die  bei  der  Entbindung  gestorben  waren. 

35 


Saul — Saarn. 


sausen— schaben. 


Auch  in  Flandern  (IK-  Cork  1895.  S.  140)  findet  »ich  der 
Blutsauger,  welcher  da»  Her*  in  »einen  Mildern  »o 
verstrickt,  das»  das  Wut  nicht  mehr  laufen  kann ;  er 
saugt  du«  Blut  aus,  wie  eine  Spinne  die  Mücke,  die  im 
Spinnennetze  verstrickt  Ist  (V.  K.  VIII,  56).  Als  eine 
zweite  Form  der  Blutsaugergestalt  nahm  man  u.  a. 
auch  das  vom  Alp  (s.  d.)  erzeugte  oder  sein  Wesen 
darstellende  2.  =  Mondkalb  (b.  iL),  die  Schwanger- 
schaft-Mole, Krötenalp  (Abortus  habitnaliB?) 
an  (Gr.  W.  II,  190) ;  „meist  haben  solche  Flclschge- 
wachse  kein  Itildnls  oder  Figur  einiges  Tieres  oder 
Menschen,  bisweilen  aber  auch  die  Form  eines 
Hinge*  ,  ist  aber  ohne  lebende  Regung  od.  Bewegung" 
(Str.  90«;);  dtesc  lote  Masse  wäre  also  nach  dem  da- 
maligen Glauben  die  Gestalt  des  blutsaugendcn  Vampyr 
oder  Mar,  der  al»cr  auch  in  Deutschland  Alp-  (Kröten- 
alp-)  oiler  Hexen-  oder  Teufels-Gestalt  annehmen  und 
dem  »Ich  entwickelnden  Kinde  das  Leben  nehmen 
kann  ;  auch  beim  serbischen  Vampyrglaubcn  i  I  i,  brecht 
t.  Volkskunde  58)  sind  die  vom  Vampyr  erzeugten 
Kinder  knochenlos,  al«o  Maren-Kinder  oder  die  Alp- 
gcstalt  (Literatur  über  Vampyr  a.  b.  Liebrecht  1.  C., 
8.3-"».  58;  vgl.  auch  Cubasch,  der  Alp,  Iloltzcndorff, 
Snmmlg.  Heft  269,  H.  13).  Vermutlich  sollte  mit 
dem  Blutsauger  2  der  Abortus  habitnaliB  sive 
epidemieus  (bei  Individuum  und  Sippe),  der 
nach  Hungerepldemlen  (Ergotismus?)  und  Volks- 
seuchen öfters  beobachtet  wurde ,  oder  der  here- 
ditäre syphilitische  Abortus  gemeint  sein.  Blutsauger 
waren  3.  =  ferner  auch:  a)  die  als  Schlange 
(b.  Unterachlang)  aufgefuasten  Haemorrhoidal- 
knoten,  die  wohl  durch  Missverstandiiis  der  Buch- 
gelehrten (1495)  als  blutsaugende  Schlange  bezeichnet 
wurden  (D.  201),  sowie  b)  Nösch  (s.  d.)  und  c)  der 
Gichtdänion  (Schwaben) ;  denn  Gicht  und  Oichter 
saugen  d.  h.  machen  den  Menschen  magerund  blutarm 
wicelbisrhe  Wesen  In  Gichtsegen ;  daherdle Gichtblume, 
l'apaverrhoeas,  im  Flämischen  blödztiigere,  blödzulpers 
genannt  wird  (Mol.  172).  —  Doppel  -Saugor  =  Neun- 
töler,  Nachzehrer  (s.  d.)  der  im  Ixsben  u  n  d 
nach  demselben  im  Tode  noch  als  Geist  Blut 
saugt  nach  dem  Volksglauben  (Wuttke  449;  siehe 
Blutsauger,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1897.  130).  —  (1692)  Ge- 
säuge (*op)  =  Euter  der  Hirschkuh  (Brehm  III, 
l:t«;  Seb.  234;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895,  S.  31).  —  Kraft- 
Saugerin  (1468  kraftsAugerlnn  =  emorrhols;  1483 
crafftsugeryn  ^  cmorolda,  D.  II,  149)  =  Unterschlang 
(s.  d.)  alH  Blut  und  Kraft  auBsaugendes  Tier 
(».  Hncmorrhoiden  oder  Feigwarzen).  —  Milch- 
Sauger  =  Caprimulgus,  Habcrgeiss  (s.  d.),  die 
Voijelgestalt  eines  elbischen  Dämons,  der  Milch 
bei  Kühen  und  Kindern  aussaugt  (Lalstncr  II, 
2,m).  —  Afif-Säugling  =  Spflnnbruder.  —  (1776) 
selbst- sängen  =  selbst  siillen  (das  Kind).  — 
Saug-  (saugende)  -.1  'In-,  -Gefäss,  -Gnati, -Grint, 
-Hacken,  Lippen, -Mal, ■WlchrSchlange,-Warzc, 
-Zeit. 

Saal,  f.  (obetd.)  Säule,  f.  (ahd.  sül ;  mhd.  sül  - 
stutzender  Balken   oder  Wösten,    Kluge4,   313).  — 

Rucke»-,  W'trbel  Säule  =  die  Kückenwirbel  als 
Siülxe  und  Stativ  des  ganzen  Stammes,  des 
Hunzen  Knochengebaudes ,  TberseUung  der 
t'oltiinna  vertebrarum  (Uhachis). 

Saum.  Säumen  (indog.  sü  -  nahen;  ahd.,  mhd. 
KU»  =  festgenAhter  Band  eine*  Gewandes,  Kluge*, 


314).  —  Saum,  1-  =  (1761)  der  die  menschliche 
Ohrmuschel  umgebende  leistenformig  aufge- 
krempelte Knorpelrand  (L.  ch.  8»).  —  2.  -  (1599) 
der  den  Pferdehuf  wie  eine  Krone  (oder  Preis 
s.  d.)  umgebende  obere,  haarige  Einfassung*- 
rand  (engl,  seam  =  Baum,  Narbe,  Schramme,  Huf- 
»palt,  Hombruch,  Gr.  W.  VIII,  1908;  V.  2378).  —  3.  = 
Zahnfleischrand.  —  4.  =  s.  Samen.  —  Fleisch- 
Saum  -  der  rings  um  den  oberen  Htifrand  des 
Pferdes  gehende,  über  der  Fleischkrone  nud 
dem  Saumbande  liegende  breite  Haarstreifen, 
Saum  2.  —  „die  Ohrwaachel  werden  ihr  ringe- 
Säumt"  (d.  h.  sie  kommt  mit  den  Ohren  unter  den 
Rand  der  Fraucuhaube  —  wird  eine  Frau)  =  ist  ge- 
schwängert. —  Saum  ■  der  durch  braun- 
schwarzen Schwefelblei  -  Niederschlag  miss- 
farbige Saum  3  (M.  M.-Woch.  Sehr.  1897.  452).  — 
Säumern (somcrn)(Klhymolog  »  versäumen)  -  still, 

krank  da  liegen  (Spless  Ii,  aus).  —  rrrsäumsn 
(nicht  zu  obigem  Saum;  Kluge4,  311  denkt  an  germ 
swefn  ;  goth.  fra  snbn  s  verschlafen,  durch  Vcrsrhlafen 
etwas  verzögern ;  14.  — 15.  Jahrb.,  mnd.  unde  Tersutnct 
wert  an  er  krangheyt,  J.  f.  ndd.  Sp.-F.  XV,  119)  ■ 
durch  unrichtige  Auswartung  der  Kranken  od. 
der  Wöchnerin  Schaden  bringen.  —  Saum- 
Baml,  -Rinne. 

sausen  (altindogerm.  süs;  ahd.  »üsün.  suosen  - 
sausen,  summen,  zischen,  knarren,  knirschen.  Dihd 
susen ;  14C2  stisen  —  tinnltus  aurium,  I).  584  =  ge- 
räuschvolles Treiben .    Kluge4,  314;    Graft  VI,  282), 

I.  m  das  dumpfe  Brausen  in  den  Ohren ,  ein 
stärkeres  Gefühl  im  Kopfe,  als  ob  stark  be- 
wegte Luft,  ein  sausender  Wind  gehört  werde 
(Blutwallungsgerilusch,  Garrula  auris  tinniens). 

—  2.  =  (Schweiz)  surrende,  reissende,  zuckende 
Schmerzen,  namentlich  der  Zähne,  die  auch 
ausstrahlende  Empfindungen  in  den  Ohren 
machen  (aber  auch  vielleicht  sprachliche  Ver- 
wechselung der  81nnesempflndung ,  Gr.  W.  VIII, 
1933;  dentlbus  strldere  =  grlesgramen  [s.  d.];  suosen, 
Schindler  II,  331).  —  angesäuselt  —  leicht  be- 
trunken (s.  Kauach,  Duft*)  (Urquell  V.  61  j  Spies* 

II,  47).  —  Ohren  Sausen  (1477  orensewsen,  Ortolf 
24a;  16.  Jahrh.  sausen  und  rauschen  Im  obr,  Gr.  W. 
VII.  19»;  1531  orensausen.  Gr.  W.  VIII,  1932;  1661 
orensausen  =  tintlnnare,  Ohrenklingen,  Gr.  W.  1.  cod. ; 
ndl.  tuyntlnghe  der  ooren,  De  Cock  138;  1800  krank- 
liches Sausen  in  den  Ohren,  Gr.  W.  V,  2040)  =  das 
subjektive  Ohrengeräusch  als  Folge  einer  Er- 
krankung der  Gehirnnerven  oder  des  Gehör- 
organs. —  Saus-,  sausende  -Getön,  -Glieder, 
-Wind. 

Saut,  ni.  s.  Sod. 

Sauter,  m.  (zu  sutor  =  Schneider).  —  Bfr-Sauter 

-  Schweinaeber  (=Ber)  beschneidender,  kaai- 
ricrender  Mensch  (Buck.  Fl.-X.  19;  Schra.  11.341) 

Scar,  Scor,  s.  Skar,  Skor. 

schaben,  Schäbigkeit,  Schaben,  r.  (Schöber), 

Schapp  (indogerm.  xkäb  [scabo  ■  kratze,  schabe, 
»rabiesj;  vorgerm  skap;  germ.  skab;  ahd.  scaban  , 
scauathon  =  seahadn  =  Scabies,  H.  Z.  XV,  528;  ■CSpHl 
=  prurlre,  D.  469;  mhd.  schaben  =  krauen,  scharren, 
schabe  —  Motte,  Kluge4.  314;  glabor  sa  kretx  oder 
srbnbe,  Heyne  V,  336;  seheph  -  Selmbc;  15.  Jahrh. 


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schaben. 


Schnelle— Schade.  547 


schab,  schabe  -  serpula  [vermls  tlnea],  I).  .V.0 ;  II,  337;  I 
engl.  shave  =  schaben  ;  scab  -  Kruste,  Ausschlag,  ürint, 
Schorf,  Borke;  scabbed,  «cabby  =  grindig,  Lehf.  92.  ' 
222;  shab  —  schabig,  Kalisehm.  ;  mlttelengl.  boun- 
schaue,  boonsehawe ,  bonschawe,  boneshave  —  the  1 
aciaiica  =  Bcinwnrm ,    Knochenwurm    der  Ischias- 
Schmerzen  macht,  Heinrieh  49   136).  —  schaben, 

1.  =  kratzen,  bei  Hautkrankheiten  —  2.  -  mit 
der  Schttbe  behaftet  sein  (Gr.  w.  VIII,  19  .0).  — 
3.  —  den  beim  Schaben  fühlbaren  Nervenreiz 
empfinden  (Back  19).  —  4.  =  reinigen,  purgieren 
(aus  Gedärmen  r.  B.)  (I 582,  Lonic  241).—  Schabe, f. 
Schabe,  f.  (Schoben),  Schapp  (idethmarschen, 
l'rqueU  1895. 8. 44).  Schaber,  Schober,  f.  (tu  schaben 
[wie  Kratze  zu  krauen]).  1.  =  KrHtze  (Prurigo), 
Flechte,  Gnatz,  Knude  (Schm.  II,  354;  Behrend  30), 
nls  eine  Krankheit  bei  Mensch  oder  Tier,  die 
zum  Schaben  oder  Kratzen  der  Haut  antreibt 
(engl.  <julck  scab  =  lebhaft  juckende  Hautschäbe. 
Beb*.  r»T9  ;  Mayer  169  ;  Herbst  145).  —  2.  =der  Schab- 
wurm, Madwurm,  Oxytiris,  Asraris,  der  Parasit 
im  Gedärme,  der  daselbst  nagende,  schahende 
Schmerzen  bedingt  (Or.  W.  VIII,  1947.  1918;  1483 
tlnea  [taenla]  haizt  ain  schab,  Sehtn  II.  296 j  fchabe  - 
«cabro  [fmk],  tlnea,  P.  I,  154,  II,  305),  und  die  (ie- 
«lärme  abschabt  (*.  d.),  D.irmschabe,  d.  h.  Darm- 
katarrhe vemrsaeht.  —  3.  —  Wurm,  Made.  — 
schabig  (schäfieht),  achäbicht  (1429  schebig  = 

pmrigenosus,  D.  II,  307;  1182  scheblger  —  scaber.  Zen. 
Voc.  ra8;  mhd.  achebcht ,  Gr.  W.  VIII,  1953;  1616 
schei>ig,  Paracclsns ;  IMS  schefleht,  t'oler,  H.  A.  140; 
17.  Jahrb. »chabiRi),  1.  =  von  derScbabe  zerfressen. 

-  2  =  ähnlich  wie  1.  scabiogus  (Gr.  W.  VIII,  1953. 
I9vi)  =  mit  der  Kräize,  Schabe,  Räude  behaftet. 

—  3.  —  rauh,  rissig,  wie  bei  der  Krätze  oder 
Käude  (Gr.  W.  VIII,  I9M).  —  Schahel,  m.  =  der 
schäbige  Kopf.  —  Schaber,  m.  (erabrones,  sca- 
bnraei,  f).  II,  117)  =  «1er  Pferdewurm  als  Darm- 
parasit, Darmschabe.  —  schäbbeln  -  „wieder- 
holt  kratzen  auf  dem  Kopfe"  (Nürnberg;  Schra. 
II,  352).  —  Schäbigkeit  (Schobigkeil)  (mhd.  sehe- 
blchelt  (Räude),  l.exer  211;  1183  scheblchalt ;  151« 
»chewlkelt  =  Scabies.  D.  515;  ISN  schcblgkcyt;  1500 
»cbebigkelt.  Gr.  W.  VIII.  1955;  Coler,  H.  A.  161),  1.= 
Scabies,  Kräize,  Käude  der  äusseren  Haut.  — 

2.  —  krätzeähnlicbe  Krankheiten,  die  zum  Haar- 
ausfall oder  Haulabschilferung  fähren.  —  3.= 
F.pithclabschilferung  auf  Sehleimhäuten.  — 
f  /<  schabsei  ■  das  heim  Schaben  Abfallerfde.  — 
(1677)  .1  >'  schabung  der  Därme)  (Heyn.  249)  =  der 
Kpil  hei  vertust  durch  die  Kuhrkrankheit  in  den 
Gedärmen.  —  (IUI)  Augen-,  (1301)  Augenbrauen- 
Schäbigkeit  (Bock  42 ;  Gr.  w.  viii .  195S)  =  ein 
krätzeäbnlicher  (syphilitischer  oder  leproser) 
Hautausschlag,  welcher  zum  Verluste  der  Augen- 
brauenhaare fuhrt  (Psorophthalmia).  —  Binsen- 
Schäbigkeit  =  der  zur  Abstossung  des  Schleim- 
haut -  Kpithels  führende  Harnblasenkatarrh  j 
(Tabem.)  s.  Hlasenkrfttze.  —  Blut  schabig  (1583),  j 
-Schäbigkeit  (1532)  =  eine  Krankheit  der  Haut, 
wobei  durch  das  Schaben  und  Kratzen  blutige 
Krusten  (Rufen,  s.  d.)  entstehen,  die  man  aus 
einer  Blutschärfe  (die  spätere  Psora  Hahne- 
roanni  «.  B.)  entstanden  ansah  („wenn  das  Blut 
In  da  Ange  seicht"',  Fries  79a),  F.kzema,  Impetigo 
syphilitica,    Trachomalosis  psoropbthalmica 


(UO,  Gr.  \v.  II,  rno).  —  Darm- Schabe  -  Uxyuiis 
vermieularis,  Darm-,  Mndenwurm,  Schabwurm, 
der  im  Darme' na^t  und  schabt  (Gr.  W.II,  782) 
(s.Schahe  2).  —  Darm  -GVschabsel  -die  Kroup- 
Membranen  und  Kxsudatfetzen  ,  die  sich  hei 
der  Ruhr  (Dysenteria)  wie  eine  häutige  Ab- 
schilfernng  der  Gedärme  entleeren  (Gr.  W.  II, 
781).  —  (1551)  Griwf-Schäbigkeit  =  der  Kopf- 
haarverlust durch  den  (irintausschlag  (s.  Grinl) 
(Bock  32).  —  i/aar-Schabe  (15.  Jahrh.  bare-,  bore-, 
hor-schahen  -  purgebra  [purpura?  Prurigo  ?],  I).  473) 
=  Fnchssncht,  Haarmilbe,  Käude.  —  (Ifitt) 
Änu/)/  Schäbigkeit-Grint- Ausschlag  auf  dem 
Kopfe,  der  zum  Haarverlu9te  führt  (Tai>crnaem.). 

—  //jKf-Schabe  ■  juckender  Hautausschlag 
(Prurigo),  wobei  ilie  Hautschuppen  abgekratzt 
werden  (Fuchs  n,  437).  —  (1839)  Kopf  Schabe  - 
die  Abschilferung  der  Haut  auf  dem  Kopfe 
(Pityriasis,  s.  Hautkleie  u.  Kleicngrint)  (Behrend 
57;  Fuchs  U,  121).  —  Kronen  Schabe  (engl,  crown- 
sehab  =  Igelshuf  beim  l'Ierde,  Kalisehm.  1)  —  der 
schäbige,  ekzematöse  Znstand  an  der  Hufkrone 
des  Pferdes.  —  (1530)  schuppende  Schäbigkeit 
=  (tautologisch)  abschuppender  Hautausschlag 
(Kunlgssp).  —  Schüppi  /Schabe]  (Kochler,  V.  B. 
303)=  Kopf  mit  Grintschnppen.  —  (1592)  SrAwflnr- 
Schäbigkeit  (Mb.)  =  Steissräude.  —  troik.-ne 
Schabe  (tn.-engl.  drye  seabbe,  neinr.  201 ;  ueucngl.  dry 
scab,  KalLichm.  1)  -  trockene  Flechte  mit  Haut- 
abschilferung.  —  Schabe-,  schäbicht-^wpcsirAf*, 
-Augen,  -Grint,  -Brüste,  -Haut,  -Krätze,  -Leute, 
■Lippen, -  Wurm. 

Schache  s.  Schachtel. 

Schacht,  m.  (=  8chaft  (s  d),  veretrum  virile. 
I).  422.  612  lnguen;  1776  Schacht,  Heim  16).  —  aus- 

schachten  -  das  Geschäft,  den  Schacht  aus- 
legen (Zipp.  loi).  —  Mann«  Schacht  (15.  .lahrh.. 
ndl.  de  Schacht  van  dem  manne  =  veretrum,  I>.  012) 

—  das  männlicbe  Glied. 

Schachtel,  f.  (Lehnwort  aus  lat.  castulus;  ital 
scoiola,  Kluge ;  mhd.  schallte!)  =  Feminal,  Schacht«  1 
oder  HOchse  (l.exer  209;  Heyne  V,  239;  Kluge  31.) 

(s.  schaffen). 
Behacken,  pl.  Schoche,  Schocken  =  Knochen, 

Glieder,  Schenkel  (8ehm.  II,  304.  366),  Srhacken 

—  Schochen  =  Schanken  (schin.  II,  432;  Fromm. 
VI,  2S0  ;  Schenkel,  Rheinfranken). 

Schade,  m.  Schaden,  m.  (tndogerm.  skath ; 

angs.  sceththan,  sceththnm,  scaetbdum,  ('<>ek.  I,  :H2; 
II,  312;  germ  *kath  ;  nllnord.  skadi  —  Sehaedlger,  Golth. 
ISS;  ahd  srado  =  laesio.  noxa;  scadari  —  Krieger,  Be- 
schadigir,  Rochholz  I.  77;  Kluge*,  315;  mhd.  schade; 
15.  Jahrh..  ndd.  sende  -  dampnum,  D.  II,  126;  Olden- 
burg schade  =  Schaden,  (Joldschm.  5;  engl,  scath  — 
Schaden,  Nachteil;  dan.  skade  ;  holl.  schaden  ;  schwed. 
skada).  —  Schaden  (Schade),  1.  -  derjenige, 
welcher  schädigt,  verletzt;  er  wird  auch,  wie  ein 
DSmon,  der  boshaft  etwas  verdirbt  (conf.  die  kol.ol- 
dischen  les  nocets,  Briss,  256 ;  Gr.  W.  VIII.  1909)  in 
einem  deutsehen  Segenssprucbe  (Kuhn,  H.  Z.  V,  3"*0) 
zum  Foitschleichen  veranlasst  (vgl.  NachtRchaden, 
schelmischer  Schaden).  —  2.  =  lähmende  Ver- 
letzungs-  (namentlich  Schuss-) Wunde  (Gr.  W. 
IV,  I.  isi3);  der  eigentliche  Schaden  sitzt  nach 

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548 


Schaden. 


Schaden. 


heutiger  Volksauffassung  immer  nur  «wischen 
Haut  und  Fleisch  (Lammen  207),  wie  auch  die 
Scharfe  (s.  d.).  —  3.  -  sichtbare  Folge  der  Ver- 
letzung, die  ollene  (eiternde)  Wundstelle,  na- 
mentlich  solche,  die  auffallend  „entstellen"; 
der  BegriffdesSchmerzhaftenliegtin  „Schaden" 
eigentlich  nicht,  mehr  der  des  Verschuldet- 
seins.  —  4.^  übertragen  a)  auf  längere  Zeit 
eiternde  Stellen  Oberhaupt,  auch  ohne  Ver- 
letzung (z.  H.  1.07  Schaden  —  Ulcus,  etneer,  Hort. 
Bant!.]  Belufra*!«,  Fisteln;  als  solcher  wird  der  Schallen 
auch  durch  da.«  Bannwort  besprochen,  Hollin.  Mtschr. 
t.  Schlesien  1829  II,  761 ;  1545  „Noll  me  längere  Ut  ein 
sehr  heftiger,  böser  ungeschlachter  Schaden,  nament- 
lich im  Angesicht,  der  11m  sich  greift"  [cancer,  lupus, 
phagedaenismus],  nach  Kyll,  d.  Chirurg.) ,  b)  nament- 
lich aber  auf  solche  im  Gesichte;  (1010)  „Die 
Schaden  teilen  sich:  was  im  Angesichte  oder  Hals  ist, 
dos  hclsst  Syrey  oder  Kressen,  was  vorn  oder  hinten 
am  Leib  Ist,  behalt  den  Namen  Krebs"  (Paracelsus ; 
Gr.  W.  IV,  1.  137);  c)  die  tleera  syphilitica  als 
besonders  rasch  um  Bich  greifende  sichtbare 
Geschwüre  auf  der  Haut  und  im  Halse  galten 
ebenfalls  als  Schäden  (1526  dy  sched  -  Franzosen- 
geichwfire,  Holtmann  318).  —  5.  =  übertragen  auf 
jeden  äusserlichen  oder  innerlichen  Nachted 
an  der  Gesundheit,  besonders  wenn  er  auf- 
fallender Art  und  —  mit  Ausnahme  von  5  d 

—  lokaler  Natur  ist;  a)  Hernia  =  äusserer 
Leibschaden  (Gr.  W.  VIII,  1975),  b)  Gliederver- 
lust (Or.  w.  vill,  1909  fr.);  c)  verallgemeinert: 
Seuchen,  Test,  Kühr  (Pestschaden,  roter 
Schaden)  ;d)  Epilepsia  (Gr.  w.  vill,  197..);  e)  Apo- 
plexia (schlimmer  Schaden);  f)  sonstige  chro-" 
nische  Gebrechen  lokaler  Natur.  —  schädigen 
=  körperlichen  Schaden  bringen  (Gr,  \v.  VIII, 
1987).  —  schädlich  (HM  obfecturus,  D.  I,  387;  II, 
2G7)  =  Schaden  bringend.  —  Schädlichkeit  = 
die  Eigenschaft,  einen  Schaden,  Erkrankung 
zu  veranlassen,  ferner:  1.  =  dasjenige,  was 
Schaden  bringt.  —  2.  -  die  schädliche  Art.  — 
3.  =  der  erzeugte  Schaden  (schadhafter  Art) 
seihst.  —  schadhaft  =  einen  Schaden  habend. 

—  (1507)  alter  Schaden  -  ein  langwierig  eitern- 
des Geschwur,  namentlich  an  sichtbarer  Stelle, 
z.  Ii.  Unterschenkel,  Uebel  (Hort.  Sanlt. ;  Dr.  Min- 
derer; Gr.  W.  VIII,  1975)  oder  auch  sonst  sicht- 
bare Eiter  -  Sekretion  (Auewurf).  —  Augen- 
Schaden  =  ein  chronisches  sichtbares  Leiden 
oder  eine  Entstellung  an  einem  Auge  (Gr.  w.  V, 
810 ;  oldbg.  schael  an  de  ogen.  Goldschrn.  94).  —  (1719) 
äußerlicher  Schaden  =  Wunde  an  der  sicht- 
baren Oberfläche  des  Körpers  (blbl.  Medikus  401) 
als  Gegensatz  zum  innerlichen  Geschwüre.  — 
(lcis)  ausgehöhlte  Schäden  (nusgehületc  schaden  = 
luxus  coucarus  phlegmonls  I'aracelsl,  Pf.  II,  75)  — 
syphilitische,  auf  phlegmonöser  Haut  entstan- 
dene Huhlgeschvtürp  (Fisteln).  —  (17.  Jnhrh.) 
Bein  Schaden  =  eine  chronisch  eiternde  Stelle 
am  Knochen  (Fr.  Kr.  Ii.  581).  —  (1742)  biitikrebs- 
igrr  Schaden  -  eiterige  Knochenlislel  mit  Kno- 
chenfrass  und  Sequcsterbildunn  (Zw.  312).  — 
(1G1S)  beinsdirötige  Schäden  (-  luxus  adustus  Para- 
celsl, it.  II.  7t.)-  syphilitische  Knoehtmgeechwüre 
mit  A!>8to88ting  von  Knochens|)littern.  —  (icis) 
Blattern  Schaden  (schaden  mit  gebrenten  [brennen 


dfii]  blntcru  —  luxus  veslcalh  Paracelsl,  Pr.  II,  76), 

1.  =  der  primAre  syphilitische  1/okalall'ekt  oder 

2.  a  Herpes  praegenitalis.  —  Y.'iV  -  Schaden. 
1.  =  eine  blutende  Verletzungsstelle  (Wunde) 
(Laesio  cutis)  (Paracelsus;  Ur.  w.  II,  190).  —  2.  = 
das  Ulut-Harnen  boi  Kühen.  —  (17.  Jahrb.)  bos- 
haßige  Schäden  =  durch  Infektion  (s.  böse)  ver- 
anlasster Schaden  (Fr.  Kr.  B.  363).  —  (1782)  Brand- 
Schaden,  1.  =  eine  Verbrennung  der  Haut  mit 
Eiterung  u.  sichtbarer  Narbenbilduug  (Brand- 
Heck,  Entstellung)  (WItxschel  II,  19»;  Gr.  \V.  II. 
300;  M.  II.  L.  U  151;  Ackcrm.  377).  —  2.  =  (In  Bc- 
sprcchungsforiseln  K.  u.  Schw.  441)  =  das  hollische 
Feuer  als  Brand  bildender  Hautschaden,  der 
aufgefordert  wird  wie  ein  Damou  (Schallen  1)  fortzu- 
schleichcn.  —  (1551)  brennender  Schaden  (an  der 
Heimlichkeit  —  Ulcus  (syphilit.  ?)  suppur.  in 
pudenilis  (Bock  159),  ein  schmerzhaftes  eiterndes 
Geschwür;  da  im  allgemeinen  der  Schaden  als 
nicht  eigentlich  schmerzend,  sondern  mehr  als 
beeinträchtigend  gilt,  so  ist  er  zur  näheren  Be- 
zeichnung hier  als  brennend  benannt  (s.  Blat- 
ternschäden u.  Verbrennen).  —  /iruc/t  Schaden 
=  eine  Hernia  (Bruch,  s.  d.)  als  Gesundheits- 
Nachteil.—  (ißi8)/)rrtscM  Schäden  (schweinende) 
(  -  luxusfavorum  Paracelsl,  Pr.  II,  70)  —  syphilitischer 
Hautausschlag:»  ! i  it  ;n  behaarten  Kopf  (s.Grint) 
mit  Anschwellungder  Lymphdrüsen  u.  Schwund 
des  Körperfettes  (Atrophia).  —  (1588)  eiterichte 
Schäden  ■  Ulcera  purulenta  (Gr.  W.  III,  392)  = 
eine  lange  Zeit  eiternde  Stelle.  —  (1701)  Erb- 
Schaden  -  Malum  hereditarium,  in  der  Familie 
herrschende  Krankheit  —  angeborenes  II»-] 
(l.  ch.  47 ;  trrqueli  I,  ii).  —  (i:>29)  fallende  Schäden 

-  durch  herabfallenden  Fluas  (Rheuma  s.  d.) 
entstandene  Geschwüre,  Gumma  syphilit.  exul- 
cerans)  (Paracelsus).  —  (1507)  fauler  Schaden  ■ 
eine  chronisch  eiternde,  übelriechende,  sicht- 
bare Stelle  (Geschwür)  (Hortus  sanlt.).  —  feuchter 
Schaden  (15»7,  Lonlc.  42)  =  flüssiger  Schaden. 

—  (1618)  ßeberische  Schäden  =  syphilitische 
(geschwürige)  Aflektion  mit  Fieber  (=  luxus 
febrills  Paracelsl,  Pr.  II,  76).  —  (1742)  Fistel-,  Fissel- 
Schäden  —  fistulöses  Knochengeschwür  mit 
sichtbarer  Eiterung(HohlBchäden)(Zw.  I. XXXIII, 
312;   (Joldschm.  89).    —   fliesaendtr  Schaden, 

1.  ^  (1712)  sichtbare,  rinnende,  Kiterfeuchtig- 
keit  entleerende  Geschwürstelle  (Zw.  102).  — 

2.  =  (1651  , .hitzige,  messende  8chftden",  herpetea  = 
Krebs-Geschwüre,  Bock  380;  1618  flüssige  Schaden  od. 
luxus  ilurloium  Paracelsl,  Pr.  II,  70)  syphilitische 
oder  krebsige,  stark  eiternde  Aflektionen.  — 

K  'Sir  (  *<*ade»  =  B,*"<rn 
(s.  d.),  eiternde,  Musserlich  sichtbare  Syphilis- 
geschwüre, z.  B.  an  der  Nase  (Lammert  172.  2i2; 
i  Pr.  II,  227),  die  (1000)  ,,gar  schadhaft"  machon.  — 
fressender  (u messender)  Schaden  (1607  Hortus 
Sauit.;  1616  Paracelsus)  =  eiterndes  Krebsgeschwflr 
(—  Herpes  in  älterer  Bedeutung),  Lupus  oder 
phagedänischer  Schanker  (s.  d.)  (Gr.  W.  IV,  1, 
U7;  Pr.  I,  400),  der  immer  mehr  um  sich  greift 
=  (1629  korrosivischer  Schaden  [Paneels.]  ~  „der 
Schaden  genannt  Heisedes"  [1518;  II.  v.  Gersd.  79]' 
das  ist  „ein  Schaden,  der  da  um  sich  frisst  und  das 

Fleisch  vcrMbrt").  —  (lMi)  Fragt  Schaden  Fruat- 


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Schaden. 


Schaden. 


54» 


beule,  die  wie  der  Leibsehaden  eine  Beein- 
trächtigung der  Gesundheit  ist  (Pernio)  (Sobern- 
heim ;  1619  offene  alte  Schaden  vom  Gefrftst,  Wildbr.- 
wixh.  19).  —  Fuss-Schaden,  1.  =  eine  blutende 
offene  Verletzung  am  Kusse.  —  2.  =  ein  chron. 
eiterndes  Geschwür  am  Bein  oder  Kusse.  — 
3.  =  die  sichtbaren  Kolgen  eines  Bruches  oder 
einer  Luxation  (Gr.  W.  IV,  L  1040).  —  (1388)  gall-  I 
flüssige    Schaden  =  Krebs,  Knochenkrebs, 
Knochenfrass,  der  aus  dem  giftigen  Gallflusse  ( 
(».  d.)  abgeleitet  wurde  (Taberaaem. ;  Gr.  W.  IV,  t 
L  196).   —   '/  n  Schaden  =  Garwunde  (s.  d.)  1 
(schwed.  goraakada).  —  gesalzener  Schaden  =  der 
chronische  Salttiuss  (s.  d.),  Ekzema  varicosum. 
(1612)  geschädigter  Schaden  =  eine  sichtbare, 
durch  Beschädigung  od.  Verletzung  entstandene 
Leibesveränderung,  z.  B.  eine  traumatische 
Kniegelenksanschwellung  (Ur.  w.  VIII,  1937  ff.) 
zum  Unterschiede  vom  Bewachsenen  Schaden. 

—  (1532)  G«ric/ifs-Schädllchkeit  =  eine  Beein- 
trächtigung des  Sehvermögens  ohne  eigent- 
liche Krankheit  (Gebresten)  am  Auge  (Fries 
79.  so).  —  geschwollene  Schäden  ( =  luxus  intlatus 
Paracclsi,  Pr.  II,  76)  =  syphilitische  Anschwellung. 
— gewachsener  Sch&den  =  eine  Beeinträchtigung 
der  körperlichen  Gesundheit  durch  das  Wachs- 
tum einer  Geschwulst  (Tumor  albus,  fungosus, 
am  Knie  z.  ß.)  (Gr.  w.  Vlll,  1988).  —  Hasen- 
Schaden  =  entstellt  aus  Hasenscharte  (s.  d.) 
(Andrenen  99).  —  (1716)  heimliche  Schäden  = 
eiternde  Geschwüre  an  der  (1551)  Heimlichkeit 
oder  an  heimlichen  Orten:  Ulcera  in  genitalibus, 
namentlich  an  den  weiblichen  Genitalien  (Bock 
139;  Gr.  W.  IV,  1.  68).  —  (17.  Jahrb.)  hitziger 
Schaden  entzündete,  leidende  Stelle  (Fr.  Kr.  B. 
xi*).  —  (1612)  hohle  Schäden  =  eiternde  Kisteln, 
die  Hohlgflnge  in  die  Tiefe  darstellen  (Gr.  w. 

IV,  2.  i7ii).  —  //i.'Mi  Schaden  —  ein  Hufmangel, 
der  die  Brauchbarkeit  des  hornenen  Pferde- 
hufes beeinträchtigt  (Gr.  w.  IV,  2.  I8.it).  —  Impf- 
Schaden  =  die  nach  der  Schutzpockenimpfung 
äusserst  selten  auftretenden  Kolgezustände  od. 
Erkrankungen  (Hautausschläge,  Gesell wöre, 
Lymphdrüsenentzündungen  etc.)  (Wiener  med. 
Presse  1891,  Nr.  8).  —  (17.  Johrh.)  kalter  Schäden, 
t.  nicht  entzündete  leidende  Stelle.  —  Ii.  - 
Schaden  aus  kalter  (s.  d.)  Komplexion  (Fr.  Kr.  n. 
178).  —  Kindn -Schaden  =  Krankheiten,  die 
das  Kind  betreffen:  Nacbtschaden ,  Kraisen, 
Hernie  (ür«iuell  VI,  204).  —  (1766)  KniescJieiben- 
Schäden  =  Knieschwamm  (s.  d.)  unter  der 
Kniescheibe.  —  (1790)  Krebs- Schaden  =  haupt- 
sächlich der  sichtbare  Hautkrebs,  Carcinoma 
(dan.  kraeftakade;  holt,  kraefteschade ;  schwed. 
kraefUksda.  Behr.  68;  Richter  I,  297-  Zettaehr,  d.  V.  f. 

V.  K.  1S98,  45),  sobald  er  geschwürig  geworden 
ist  und  auf  harter  Basis  liegt;  „Tumor  forma  ac 
flgnra  cancro  («.  Krebs,  Kanker  u.  »Schanker) 
•nlHM.ll  exquisite  conslmilis"  (Galen,  de  art.  cur.  2.  10). 

—  Krön- Schaden -eine  Verletzung  des  Pferde- 
hufes an  der  Krone  über  dem  Hufe  (AbOf,  87). 

—  (1756)  kropfichte  Schaden  =  eiternde  Drüsen- 
knollen  am  Hais,  die  kropfähnlich  sich  aus- 
nehmen (A.  v.  II.  I,  556).  —  (1198)  langxcähriger 
Schaden  =  chronische  Kolgen  einer  Beschä- 
digung (Gr.  w.  vi.  18«).  —  (1618)  laufende  Schäden 


(  —  luxu.i  uiinulioiils  Paracclsi,  Pr.  11,  76;  plaga  currens, 
Heinrich  224)  =  venerische,  syphilitische  Affektion 
mit  Bluterguss  (s.  mindern)  nach  aussen  (Blasen- 
blutung?). —  Leib  Schaden,  1.  =  Vulnus  s. 
Ulcus  corporis,  Wunde  od.  Geschwür  am  l^ibe 
(Gr.  w.  vi,  597;  VIII,  1974.  1975).  —  2.  =  Beschä- 
digung, Ruptara,Hernia=  Bruch  (wird besprochen ; 
WItzschel  II,  289;  Gr.  W.  VIII,  1975;  Buck  16).  — 
er  hat  einen  LeiLschaden  unterm  Hut  =  ist 
im  Kopfe  krank,  geistig  verwirrt  (Buck  13).  — 
(1618)  LfWen-Schaden  (  =  luxus  lumbosus  Paracelsi, 
Pr.  Ii,  76)  a  Niereneiterung  infolge  von  vene- 
rischem Tripper.  —  linde  Schäden  =  weiche 
Schäden  (s.  d.).  —  Xu  /if- Schaden,  1.  =  eine 
schelmische,  elbische  Krankheit:  Nacht-Schreck, 
Nacht-Eisse,  Pavor  nocturnus  (Alpdruck)  (nach 
früherem  Volksglanben  vom  Nachlmäunleta,  der  als 
Kobold  [Wald-  oder  Feldlur]  in  Waldnamen  [Buck, 
Flurnamen  187]  oder  als  danionUlischer  Vogel  Rallus 
crex  =  Schrick.  Scbritz  [D.  157;  Laistner  II,  261]  aultritt, 
verursacht  und  durch  das  belaubende  Nachtschaden- 
kraut [12.  Jahrh.  natzeado,  Physlca  St.  Hlldegardis], 
Solanum  uigrum  bekämpft  wurde;  mnd.  nnchtschaden, 
Mag.  Barth.  99a;  1440  nahtschett  =  herba  litargiim 
(lethargia^  =  Schlafsucht],  D.  331.  15.  Jahrh.  nacht- 
sebatte  =  sirigranum  [  =  ?],  D.  11,341;  1482  nachtschade ; 
1417  naebtschedo  —  morella  herba,  berba  nocturilla 
strignus  [strychnos],  Zening.  Voc.  u  6;  1).  II,  257.  265. 
351;  1549  nachtsebatt  =  caeubalum  =  xaxoß»).6u,  Dlos- 
coridls,  D.  86;  die  Pflanze  helsst  auch  Schadenwurz, 
Alpkraut,  Alpraute  [s.  Alp];  mndl.  nasseade  =  eine  In 
dem  Frauen-Drelsslger  gepflückte  Pflanze,  de  Vr.  59; 
ndl.  nachtschade,  Jessen  382;  augls.  nlghtscada  — 
Atropa  belladonna,  Datura  Slramoiiium,  Solanum 
nigrum  etc.,  Cock  III,  310;  mlttelengl.  nyghteschode; 
nt-uengl.  nlghtshadc,  Heinrich  5s ;  Lehf.  77  -  aelMone 
[  -  Alprauke],  Cock.  II,  :!68).   —    2.  =  der  Nacht- 

brand  (Herpes) :  „der  hitzige  brennende  Nacht- 
schaden" (Losch  228),  sogen.  Maulweh,  das  in 
Form  von  brennenden  „Bläschen",  verursacht 
durch  das  An,,blasen"  von  Seite  des  Nachlmanuchcns, 
an  den  Mundlippen  und  Augenlidern  (Chalaclon)  Uber 
Nacht  auffahrt;  (vergl.  Unstätte,  Nachtbrand, 
Güterlein);  (BIO  nachtschatt;  16.  — 16.  Jahrh.  nacht- 
schade =  lupinus,  D.  339;  Wolfsbohne,  Wölfll  als 
Mittel  gegen  das  mal  del  lupino  o  lupinello  [s.  Wurren] 
b  Cbalacium).  —  3.  ■  Nyctolops,  eine  Erklärung 
für  den  unverständlichen  Nachtschatten  (s.  d.]:  „der 
bei  Nacht  besser  sieht  als  beim  Tag",  infolge  von 
Augonblodigkcit;  die  „Nyktalopie"  Ist  bei  Hippokrales 
—  tagblind,  z.  B.  von  der  Lichtscheu  der  skrofulösen 
Kinder,  bei  Galcnus-  nachtblind  und  demnach  immer- 
während zu  Verwechselungen  führend;  heute  wird 
Nyktalopie  für  Tagblindheit  gebraucht  =  Herab- 
setzung des  Sehvermögens  bei  Tage  wegen 
f  berenipfindlichkeit  der  Netzhaut,  während  in 
der  Dämmerung  besser  gesehen  wird  (Dornbl. 
88  ff.).  —  4.  =  vermutlich  ist  Nachtschaden  auch 
die  (1196)  Planta  noctis  s.  nocturna  quam  vulgus 
mal  Krancoss  appellat  (Fuchs  I,  Ltf.  318)  =  Syphilis ; 
wegen  der  nächtlichen  Knochenschmerzen.  — 
5.  -  Mondsucht,  durch  den  Mondschein  veranlasst 
nach  dem  Volksglauben  und  dann  etymologisierend 
Nachtschatten  genannt  (Wuttke  295).  —  6.  ss  der 
Ziegenmelker,  <  'aprimulgus,  Habergeiss  (s.  d.),  Nachtrabe 
(s.  d  ),  der  schon  seit  Aristoteles  im  Verdacht  stehende 


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Schade. 


schäcken— Schädel. 


Vogel,  das«  er  mit  m-I nein  welchen  spitzen  Schnal»el 
und  ungeheuer  weiten  Schlünde  atu  Euter  der 
Ziegen  Milch  aussaugt,  Im  deutschen  Volksglauben 
die  Gestalt  eines  elbischen  Dämons,  der  nllchülcbcr 
Weile  bei  Tieren  Milch  aussaugt  und  Schaden  ans 
Euter  bringt  (Laistncr  II,  251.  257.  260).  —  (16.  Jahrb.) 
Natur- Schaden  —  ein  Geschwür  od.  Krankheit 
an  den  Geschlechtsteilen  (Natur  4)  (Gr.  w.  VII, 
43«).  —  (1529)  offene  Schaden  =  aufgebrochene 
Geschwüre,  eiternde  Wunden  (St.  Johanncs- 
(vbel),DrÜ88en-Ab8ce8se(Gr.W.VlII,1974;Para.ds.; 
\.  v.  II.  I,  556;  Ackerm.  395;  blbl.  Medikus  403).  — 
(16M>)  Fest-  Schaden,  1.  =  die  eiternden  Pest- 
geschwttre  und  Krankbeitafolgcn.  —  2.  =  die 
Pcstplage  selbst  (ür.  Vf.  VII,  1576)  im  Gegensatze 
zum  roten  Schaden  als  Ruhrseuche.  —  phleg- 
matischer Schaden  —  eine  aus  phlegmatischer 
Komplikation  (s.  Phlegma)  entstandene  chron. 
Körperbeeintritchtigung,  /.  B.  kalter  Abscees, 
der  sich  ohne  Hitze  d.  h.  Enlziiiidiingsschmerzen 
einstellte  (Fistel).  —  rinnende  Schäden  ■ 
fliessende  Schäden  (s.  d  ).  —  rot(er)  Schaden 
(1485  rötschad  —  rote  Ruhr,  Schindler  II,  185;  mhd. 
rotüchade  =  rote  Ruhr,  Rotlcld,  l.exer  201;  1521  rot- 
schad  -  tormina,  Ii.  M8;  1550  rothschaden  (Hotlauf  '), 
Christ.  Meyer  71;  1556  rothschaden  =  tormina,  dyaen- 
tcria,  ür.  W.  VIII.  13U ;  1580  rotschaden  ^  Rlutgang, 
ür.  W.  VIII.  1458;  1683  rotschaden  =  Rot -Weh,  Ruhr, 
Gr.  W.  VIII,  1289;  1591  rotsebad  —  dysenteria  [  =  Ruhr), 
llad.  Jun.  379;  Seb.  101;  1608  rother  schaden,  Heyn.; 
Gr.  W.  VIII,  1289;  1618  rötschad  —  rote  Ruhr,  8chm. 
II,  185;  1742  rother  schaden  =  dysenteria,  Zw.  394; 
[Schwaben,  Schweis]  roter  Schaden,  C.  v.  Schm.  436; 
Schindler  II,  185;  Gr.  W.  VIII,  1975;  Heyne  V,  240) 

—  Dysenteria,  rote  Kühr,  als  epidemische  Plage 
und  Seuche  mit  Abgang  von  rotem  Blute  durch 
den  After.  —  (1632)  üCutVn-Schaden  =  Geschwür 
an  der  männlichen  Virga  (penis)  (Fries  121).  — 
.Wr- Schaden,  -schädig,  1.  =  durch  das  Salz- 
lecken  verursachte  Krankheit  der  Schafe,  chron. 
Durchfall,  Kachexie  (Kalke  II,  259).  —  3.  =  Salz- 
Lecksucht  der  Schafe.  —  3.  —  Salzfluss  als 
Schaden  beim  Menschen  =  gesalzener  Schaden. 

—  schadliafter  Schaden- geschädigter  Schaden 
(s.  d.);  er  wird  besprochen  (Ummert  20'.).  — 
schlimmer  Schaden  =  Apoplexia,  Schlagfluss, 
als  schwere  Beschädigung  des  Körpers  durch 
Lähmung  (Gr.  W.  VIII,  1975).  —  (1532)  Schlund- 
Schäden  -  Halsgeschwüre,  namentlich  syphi- 
litische (Fries).  —  (1532)  SchmackungSch&tlllch- 
keit  (,,wenn  die  Scbmackuug  so  gemindert  wird,  dass 
der  Mensch  wenig  schmeckt  oder  so  sertitort  Ist,  duss 
er  die  Geschmack  nicht  unterscheidlich  erkennen 
mag",  Fries  83)  =  andauernde  Beeinträchtigung 
der  Geschmacks-  (s.  schmecken)  und  Geruehs- 
Kmpfindung.  —  sc htearzer  Schaden  =  eine  schel- 
mische Krankheit  (schwarze  Anthrax-Beule), 
Milzbrand,  unterm  Vieh  (Tirol;  Ueyl  175;  v.  Hörcn., 
Jahrcsz.).  —  (1618)  Se neriein  -  Schäden  (-  luxus 
lnccuslvus  I'aracdsl,  Fr.  II,  76)  =  rote,  wie  ent- 
zündet erscheinende  Syphilide  (CoronaVeneris) 
neb.  Geschwürstellen.  —  (Wie)  sichtiger  Schaden 
=  ollen  bar  sichtbarer  Schaden  (Tabern  ).  —  (lcis) 
stinkende  Schäden  (=  luxus  putrefactus  Faracelsl, 
l'r.  II,  7«)  —  übelriechende,  syphilitische  Ge- 
schwüre.— tätlicher  Schaden  [iKsioetUiYliscbad, 


c.  v.  Megbg.)  —  ein  grosse«  Sterben,  eine  epi- 
demische Landplage  mit  vielen  Todesfällen; 
(1348)  Pernicies  hmnana.  —  triffende  Schäden 
=  rinnende  Schäden  (s.d.).  —  (17.  Jahrb.)  trockener 
Schaden  im  Gegensätze  «um  laufenden  oder 
flüssigen  Schaden  =  nichtsezernierende  Schäden 
(F.  K.  R.  338).  —  (I6is)  übergewachsene  Schäden 
( —  luxus  In  augmenlo  Faracelsl,  Fr.  II,  76)  =  syphi- 
litische, callöse  Induration   mit  Geschwür- 
bildung, wobei  am  Rand  des  Geschwürs  die 
Gewebszunahme  wieder  wallartig  übergreift.  — 
um fressender  Schaden  —  fressender  Schaden 
(e.  d.).  —  (1457)  unsaubere  Schäden  (Lammert  226) 
—  übel  sezernierende  Hautgeschwüre.  —  ver- 
dorbene Schäden  (1582  bosshaltige  verderbte  Schaden, 
Lonic.  1*9)  -  durch  boshaften  Kinfluss  (s.  böse) 
entstandene  oder   verschlechterte,  infizierte 
Wunden,  Geschwüre.  —   vergiftete  Schäden 
(1696  vergintc  Schaden,  Schrcyer  1,  4»)  =  Verletz- 
ungen, Wunden  durch  giftig  Wirkendes,  Waffen, 
z.  B.  Schusswunden.  —  weiche  Schäden  =  Ge- 
schwüre, deren  Grund  sich  weich  anfühlt,  im 
Gegensatze  zur  harten  Geschwürs-Basis  beim 
Krebsschaden.  —  weisser  Schaden  (166*  -  Diar- 
rhöe, Heyn.  8;  1618  weisser  Schaden  =  weisse  Ruhr, 
Schmcller  Ii,  181)  im  Gegensatze  zum  (alteren) 
roten  (u.  schwarzen)  Schaden  (s.  d.)  die  weisse 
Ruhr  (s.  d.)  (Gr.  W.  VIII,  1975).  —  (1795)  Widerrist- 
Schaden  =  eine  Geechwürstelle  am  Wider-Rist 
(fl.  d.),  eine  lokale  Entzündung  und  Eiterung 
meist  mit  Lymphgefässentzündung  (Förster  II, 
802;  Abiig.  77)"  beim  Pferde  an  der  Sattelstelle 
(Sattelbruch).  —  (1582)  wüste  Schäden  =  häus- 
liche, entstellende  Geschwüre  (Lonio.  153).  — 
Wunden- Schaden  (wurm,  rlcwgen  oder  spinnen  oder 
welcherlay  bant  untat  daz  sey  das  der  wunden  schad 
sey  [in  einem  Ebersberger  Wundsegen],  SchmeUer  I, 
630)  =  parasitärer  oder  infektiöser  Prozess  an 
der  Wunde.  —  (1742)  lKum-Schäden  =  Ulcus 
verminos.,  Hautgeschwür  mit  Maden  („wachsen 
viele  Wunniehl  oder  Lauslein  in  dem  Geschwire,  wie 
denn  nach  etlicher  Meinung  die  Materie  in  allen  Ge- 
schwüren aus  lauter  Würmlein  bestehen"  (die  gute 
alte  Zelt  iL  Zw.  69H;  bibl.  Medik.  577).    Die  Schadhcll 
Pflanze  ist  =  Symphytum  zum  Zusammenwuchs  der 
Verletzungen.   —  (1618)  wurmstichige  Schäden 
( =*  luxus  locustalls  Faracelsl,  Pr.  II,  76)  =  (Jaries 
syphilitica  cranii  mit  Meningitis,  syphilitischer 
Schädel-Knochenfrass  mit  Gehirnerscheinungen 
(Grillen  im  Kopf  ?).  —  (MM)  zunehmende  Schäden 
{—  luxus  dlgestlvus  Faracelsl,  Fr.  II,  76)  —  immer 
mehr  einschmelzende,  zerfallende,  syphilitisch«) 
phagadän.  Schankergescbwüre.  —  Schaden-, 
schädliche  Mir,  -Locher,  -los,  -Mutter,  -Ort, 
-Salz,  -Schmerz-,  -Schuss,  -  Wurm. 

schäcken  -  schiecken,  schied»,  schief  gehen, 
hinken  (Pfalz;  Schindler  II,  366). 

Schädel,  in  (ahd.  fehlt;  dafür  gebal  [s.  Glebd], 
sowie  anke,  hnol;  mhd.  schedcl  -  cranlum,  calvarium, 
caput;  15.  Jahrh.  -  Hiruschadel;  1717  die  Schaedl 
[Abrah.  II,  19],  1734  Schedcl,  1711  Schedel  [vulgär]  = 
Hirns«  hnle,  Schädel,  Hirnschädd,  Hlrn-Scheltel,  Haupt- 
Scheitel.  Kluge*,  315;  Gr.  W.  VIII,  19*0;  „unmöglich 
Ist  uieht,  dass  die  llcdcutung  eines  Trockenmasse»  die 
allere  und  im  Volkswitz  auf  die  Hirnschale  übertragen 


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.Schal— schftps. 


•Schaf— .Schale. 


551 


hu",  Heyne  V,  212;  der  Sehadelkopf  oder  Kopidreier 
[Opfergeschirre  für  dreierlei  Korn]  mögen  wohl  ur- 
sprünglich Hirnschalen  von  Köpfen  der  erschlagenen 
[beschädigten?]  Feinde  gewesen  sein,  Abilduug  •.  In 
Verf.  Baum-  u.  Waldkult.  S.  39;  vergl..  was  In  Ur.  W. 
über  daa  „Kegelspiel"  steht ;  [Krzgeb.]  Scbarl  =  Schädel). 

—  Schädel,  1.  =  Hirnschale  (Knochen)  als  Be- 
hälter für  dos  Gehirn  (Gr.  W.  VIII,  UN),  die 
Rundung  des  Kopfe«,  xb  xpaviov.  —  2.  =  (über- 
tragen) der  Kopf  d.  h.  das  gante  Knochengerüste 
des  Kopfes  (Heyne  V,  242).  —  3.  =  (verallgemeinert) 
der  ganze  Mensch  als  Trager  des  Kopfes;  meist 
im  Sinne  eines  harten,  verstockten  Menschen. 

—  alter  Schädel  (mhd.  alter  schedel,  Lexer  212; 
Gr.  w.  VIII,  19mo)  =  der  einen  haarlosen,  nahezu 
unbedeckten  Knochenschädel  tragende  Greis. 

—  A:!'  k<  n- Schädel  =  ein  dem  Azteken  (b.  d.*) 
ähnliche  Schädel-  u.  Gesichtsbildung,  zuweilen 
bei  Idioten  (Dornbl.  17).  —  Billmez-,  Bilwez-, 
(Wilmes)  8chädel  =  der  einen  Bilwitz-lirint 
(s.d.) tragende  Kinderkopf,Grintkopf(s.  Bilwiz), 
dessen  Haare  zum  Weichselzopf  mit  Bilwiz- 
zotten  (e.  d.)  verflochten  sind  (Impetigo)  (Schm. 
I,  230).  —  ifc-uwm-Schädel  =  der  Kopfschmerz 
(Schädelweh)  mit  dem  „Tösigkeit8"-GefQbl.  — 
GVstcA/s-8chadel  'ier  uesicbtHteil  des  Hauptes 
im  Gegensätze  zum  Hirnschädel.  —  gross- 
schädlet  =  einen  grossen  Grint  (s.  d.)  habend 
(Fromm.  VI,  30).  grosskopfet.  —  luirter  Schädel 
=  der  knöcherne  Teil  des  Schädels  im  Gegen- 
satze zum  weicheren,  fleischbedeckten  Gesichts- 
teil de«  Kopfes.  —  Haupt  -  Schädel  (13.  Jahrb. 
höbtschedel  =  calvarta,  D.  91;  14.  Jnhrh.  hoptschedel 
=  calrarla,  Voc.  opt.  W.  10;  1551  hauptschaedel,  Hyrtl, 
K.  w.  M;  D.  II,  6*)  =  der  ganze  Schädelteil  des 
menschlichen  Hauptes  im  Gegensatze  zum 
Mass-  und  Hirn -Schädel.  —  Hirn  -  Schädel 
(13.  Jahrh.  herneschedel  =  calvarta,  I).  91;  14.  Jahrb. 
blroschedel  =  cerevella,  calvaria,  Voc.  opt.  W.  10; 
1470  hlmschcidel  =  rercbellum,  D.  114;  15.  Jahrh. 
hyrascbedel  =  verlebrum,  D.  014;  cranenm,  D.  641; 
152»  byrnschedel,  H  v  Gersd.  III  b)  =  der  bloss  das 
Gehirn  einschließende  Teil  des  Hauptes,  der 
mit  der  Wirbelsäule  in  Gelenkverbindung  steht, 
im  Gegensatze  zum  Haupt-  u.  Gesichtsschädel 
=  Cranium  (Gr.  w.  IV,  2.  I5».i).  —  hohler  Schädel 
=  gehirnloser,  leerer  Schädel,  Totenschädel.  — 
Knochen- Schädel  -  s.  harter  Schädel  (t'nmoll  II, 
157).  —  Am  -  Schädel  =  Kurzkopf.  —  Sau- 
Schädel  =  Parotitis  (Mums),  die  Ohrspeichel- 
drüsen-.Entzündung  am  menschlichen  Kopfe, 
die  tölpelhaftes  Aussehen  macht  bei  der  sogen. 
.Sauschädel- nrfiwAAeit'  (s.d.).  —  Toten-Schädel 

(15.  Jahrb.  Tottcnscbedel  =  calvnria,  D.  91)  =  das 
Schädelgebein  eines  Toten,  Totenkopf.  — 
Schädel  -  drücken ,  -Haar,  -Haut,  -Knochen, 
-Kopf,  Naht,  -Schale,  Schwund,  •  Weh,  -Zahn. 

Schäl  -schälen  s.  Schaden,  Schädel  und 
Schale  8,  schellen. 

sc  halb  s.  scheel. 

■schallen  s.  schellen. 

Schämde,  Schäme  s.  Scham. 

schäps  s.  scheps  und  Schöps. 


Schaf,  n.  (germ.  skepo  [  =  Bock] ;  westgenn.  Mail , 
augls.  ««'capa  —  Schaf  (und  Lamm] ;  ahd.  scäf ;  mhd. 
sebaf,  Kluge  *,  315).  Das  die  wärmende  Wolle  tragende, 
blockende,  krummnasige ,  dummblickende  Nutztier 
gab,  da  es  schon  früh  gezüchtet  und  beobachtet  wurde, 
vielfach  Veranlassung  zu  Vergleichen  bei  Anomalien  des 
Menschen.  —  Schaf  -  .1  u  /t ,  -Blattern,  -Gesicht, 
•Oift,  -Haut, -Husten,  -Kopf, -Krankheit,  -Krupf, 
-Läuse',  Nase, -Pest, -Pocken,  -Quese,  -Räwle, 
-Rotz,  -Rüflen,  -  Wasser,  -  Wurm,  -Zähne. 

schaffen,  Geschäft,  Geschöpf  (germ.  skap 

[dazu  schöpfen,  8cheffel] ;  ahd.  scaffön ;  9  Jahrh.  scaf- 
fan  =  schwanger  sein,  Hyrtl,  K.  YY.  CO;  mhd.  schaffen, 
Kluge  »,  815  =  bewirken,  machen).  —  Schaftel  (Kluge  *. 
315)  —  Schachtel  (Peminal)  (ndd.  schachtel).  — 
(1645)  Schafft  =  Scrotum  e<jui  et  cervi,  Geschäft 
(Coler  Pf.  375;  Fr.  Kr.  B.  601;  engl,  shaft  =  penls, 
l-chf.  93;  augls.  sicapa  =  a'.3oi«;  engl,  »hapes,  Cook.  I, 
38).  —  Beschaffenheit  -  Einrichtung,  Lage. 
—  (16S0)  hitzige  Leibesbeschaffenheit  =*  die 
Constitutio  cbolera,  cholerische  Natur  (Gr.  W. 
IV,  2.  1584).  —  erschaffen  -  gebildet  (getermel) 
(mnd.  „ein  jeglicher  Mensch  ist  geschaffen  u.  gemacht 
von  4 'Elementen,  von  der  Luft,  von  dem  Feuer,  von 
dem  Waaser  und  von  der  Erden",  nach  Mag.  Barth. 
86  b).  —  (1482)  <^f  //.schaffen-  alfgemacht,  kränk- 
lich, durch  Krankheit  (Zenlng.  Voc.  d.  d.  7;  E.  W. 
I,  35).  —  Oi  Schaft  (angls.  gesceapa  =  vlrllla,  privttles. 
verenda,  Cock.  I,  42. 48.  318;  mhd.  gescheite,  gescheffede 
=  (leschöpf,  Gestalt;  1260  geschaft,  n.,  f.  =  genilalia 
virilia  et  feminea,  Pfeiffer  26.  AI  —  Zage!  und  weibliche 
Scham  [Schattet,  Schachtel,  a.  o.].  Schindler  II,  379; 
1420  geschefnlz  -  tcstlcull,   D.  II,  863),   1.  =  das 

Werkzeug,  mit  dem  man  schafft,  erzeugt, 
hervorbringt  -  die  beiden  geschlechtlichen 
Genitalien  bei  Mensch  und  Pferd  (Hyrtl,  K. 
W.  60;  R.  A.  632;  Buck  16).  —  2.  =  die  Ent- 
richtung, die  Beschäftigung,  z.  B.  Nachgebnrts- 
Geschäft  (1827)  (sishe  Richte)  =  die  natür- 
liche Thätigkeit  in  der  Nachgeburtsperiode 
(v.  Siebold  159;  franz.  arriere  faiz,  Bris*.  319).  — 
(1789)  periodisches  Geschäft  der  Natur  =  Menses, 
Periode  (Nicolai  II,  MW).  —  Geschöpf  ~  erschaf- 
fenes Wesen.  —  (mnd  )  unfcrschaffen,  (1429)  un- 
y<  schaffen  =  missgestaltet,  formlos  (schatTlos), 
unschön,  hässlich  [Lexer  290 ;  Gr.  w.  eso;  Hock  151 ; 
D.  Ii,  128).  —  (1545)  üngeschaffenheit  ^  Entstel- 
lung (Christian  Meyer  115).  —  icahn- schaffen  (angls. 
won-sceafta,  Co<  k.  11,246.411;  Kluge  391;  1482  tueu- 
struosu«  ,  monstrosus  ,  Zenlng.  Voc.  mm  8 ;  D.  356 , 
15.  Jahrh. ,  ndd.  wanschapen,  D.  II,  128)  —  nicht 
ganz,  nicht  vollständig  ausgeschaflen ,  aus- 
gebildet, difform,  mager,  bleich,  pathologisch 
(zu  Wahn  2).  —  icind- schaffen  =  was  so  be- 
schaffen, gestaltet  ist,  das«  es  sich  windet,  dreht 
(tortipedes)  (Schmeller  II,  948 ff).  —  schaffe  Ader, 
-fo«. 

Schaiten.  —  Schalten-  Frais. 

schall)  (Schweiz)  s.  scheel. 

Schale ,  f.  schälen  Pndofem  »kci  =  spalten ; 

germ.  skalja  =  Abspaltbares  (Hülse  ,  Rinde  .  Schale, 
Schuppe];  allnord.  akalll  —  ein  (iros*koprlger  [mit  einer 
grossen  Hirnschale],  Weinh.  163.  279;  ahd.  scala,  f.  — 
coneba,  crustn,  Graft  VI,  434;  Trinkbecher  [der  Lango- 
barden); scelleu  =  abschalen,  Kluge*,  316  [dazu  schelm 


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552  -Schale. 

n.  d.] ;  nihil.  Renale  [schal,  f.);  schulen  =  umgebende 
taMMI Hülle  und  derselben  Ähnliches;  däu.  skäl;  holl. 
«cbaal ;  altn.  skalda  =  calvus,  Ze.  62 ;  angl.  sceal  Augen 
hülle,  Cock.  111,4;  mlttelengl.  scaldynge  vel  brennynge 
g.  Verbrennen] ;  lor  scaldynge  of  mannes  pynlil,  skal- 
dynge  of  a  manne«  yerde  [s.  Gerte]  tumor  vlrgne  [syphi- 
litischer Schankerl;  pro  le  scaldynge  vlrgequod  vocatur 
apegalle  ;  for  a  man  (hat  U  scaled  ou  big  ptnttl,  that  1» 
cald  an  apegalle  [s.  Syphilis],  Heinrich  76.  91;  scalle  = 
Afeil,  Heinr.  126.  207;  nenengl.  scall  =  Kruste,  Schuppe. 
Kopfausschlag,  Lehf.222;  shell  -  Schale.  Rinde,  I.e.  39; 
scald  =  Krustenscbnppe,  die  sich  abspaltet,  abschält  an 
der  Haut,  Kaltschm.),  1.  =  Knochenachale  des 
menschlichen  Gehirns  (Hirnschale);  (Schale  ab- 
gekürzt statt  Hirnschale  (Gr.  W.  V,  1748).  —  2.  =  Spat, 
Hebbeln  (s.  d.),  schalenartige  Knochenablager- 
ungen (Osteophyten)  am  Hinteiknie  des  Pferdes 
(Gr.  W.  VIII,  2004;  engl,  seale  of  a  bone  —  Knochen 
=  Rcinscbale,  Splitter).  —  3  =  (1570  schalte,  Gr.  \V. 
VIII,  2100;  engl,  scald  -  Grint,  Brandwunde,  Pornhl. 
120;  Übt  222,  die  sich  abschalt ;  scaldbeaded  -  grlnt- 
bäupllg;  sealding  in  tbe  urlne  =  Blasenkrätze),  Schale, 
eine  ringförmige  Osteophytenbildung  beim 
Pferde,  die  sich  vom  Fesselbein  mehr  breit  nach 
unten  bis  über  das  Kronen-Gelenk  ausbreitet 
und  das  Fesselgelenk  schalenartig,  ringförmig 
umgebend  die  Krone  auftreibt  =  Hingbein 
(Kursier  II,  «06 ;  Kalke  II,  270;  Mayer  100;  Gr.  W.  VIII. 
2064.  2100).  —  4.  =  die  Hornschale,  Klaue  am 
Fusse  des  Wildes  (Hirschschale)  (Heyne  V.  251; 
Gr.  w.  IV,  1. 1000).  —  5.  —  Drüsengeschwulst  beim 
Vieh  an  der  Schale  (Bobmerwald  Schal,  Zeltschr. 
d.  V.  f.  Volksk.  1891,  8.  205).  —  6.  Schale  oder 
Schalen  in  der  Anatomia  culinaris  -  das  aus  der 
Knochenschale  herausgeholte,  bratige,  gute, 
saftige  Fleisch  am  Kein ,  auch  auf  andere 
SchlachtBtucke  des  Fleisches  von  der  eigent- 
lichen Garbschale  (s.  d.)  übertragen.  —  7.  = 
Schäl,  f.  oder  Schül,  f.  (Siebenb.,  Sachsen)  —  die 
Schälbläschen,  Soor  (Aphthen,  Oidium  albicans, 
Slomatokake)  im  Munde  (Mundschal)  (Alcole  Im 
Hort.  Sanlt.),  die  sich  abschälen  von  der  Schleim- 
bautunterlage,  wie  die  Schälknötehen  auf  der 
Haut  mit  einer  solchen  Abschälung  begleitet 
sind  ;  die  Scbol  wird  als  uralte  Krankhell  in  den  liol- 
lundcrslrauch  gebannt  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1893,  8.  8).  — 
8.  =  Schäl  =  Schädel  (oldbg. ;  Goldschm.  5).  —  9.= 
schalenförmiges  Hautgebilde,  Darmhaut,  Außen- 
haut, Hautfetzen, Hautkruste,  —  sich  schälen  = 
sich  von  der  Unterlage  ablösen  (von  der  liaul) 
(Gr.  W.  VIII,  2065).  —  achälig,  1.  -  a.  seheelig  u. 
schellig.  —  2.  =  zur  Schale  gehörend,  bezüglich. 
—  abschälung  =  der  Zustand  oder  die  Hand- 
lung des  Ablösens  einer  harten  Hülse  od.  Haut 
von  einer  meist  runden  Unterlage  (dan.afskalnlng; 
engl,  scaling  of).  —  6rgchäll6H  -  beschellcn.  — 
jKier-Schale  =  die  vom  hartgesottenen  Ei  sich 
ablösende  runde  kalkige  Hülle.  Nach  der  Volks- 
sage werden  die  Weehselbillge  in  Eischalen  von  den 
Klbcu  umgekocht  und  umgebraut  (Kuhn  I,  72,  U.  A. 
nh.  342).  —  i?n<i-Schalen  =  fleischige  Teile  aus 
dem  Ende  des  Rückgrates  aus  der  sog.  Gaerb- 
sehalo  (s.  d.).  —  Garb-  f  in/:'-  Schalen  (Bayern, 
Kranken;  1376  garbschal,  Sehnt.  I,  933;  II,  391;  Gr.  W. 
IV,  I.  1336);  die  Garbe  ist  die  den  Göttern  handvoll 
gereichte  Gabe  (Kluge \  127;  s.  Garbe);  diese  holte 


Schale. 

der  Opferprleslcr  au»  der  Schale  am  Kreuzbein  de* 
sog.  „helligen"  Belus  und  dem  Hüftbein  (—  foramen 
ischladicum  majus,  Ganser  \  Xuss,  Herrenmaus.  Kalbs 
sebeibe)  als  das  bratigste  Klelsch  des  Opferschlacht- 
lleres  für  »Ich  als  das  beste,  geschmackvollste  Stück 
(„Klelsch  am  Bein,  Kraut  am  Stein")  heraus  (Hyrtl, 
Anat.  296) ;  demgemass  wäre  Gärbschaie  eigentlich 
l.  =  die  Knochenschale,  an  der  das  Opferfleisch 
sitzt.  —  2.  =  weiterhin  dieses  Fleisch  selbst. 
Wie  „diu  Garbe"  naturgemäss  auch  auf  andere  Elelsch- 
teile  ausgedehnt  werden  konnte,  so  war  das  auch  bei 
der  „Schale"  der  Kall ;  daher  noch  andere  aus  der 
Anatomia  culinaris  stammende  Schalen  (—  Klelscb- 
leile).  —  IftlMpf-Schale  (ahd.  boubetschal,  Gr.  W. 
V,  1748;  1168  bauptscbal  ss  calvarla,  P.  II,  68;  1182 
lioupt-schal,  Gr.  W.  IV,  2.  627;  1516  bauptschal  =  cal 
varia,  P.  91;  16.  Jahrb.  hopt-scball  —  calvarla,  P.  91) 

—  die  Hirnschale  des  Hauptes,  Cal  varia,  Hirn- 
schädel. —  Hirn  Schale  (ahd.  hlrnitcala,  GrnlT  VI, 
474;  IV,  1036;  mhd.  hirusrhiel,  Uxer  102,  hlrnescbal. 
hlrnschal,  II.  Z.  XVI.  419;  1168  hurnscbal  -  cranium, 
P.  II,  117;  pla  mater,  P.  II.  143;  1482  hirnschal  - 
cranium.  cerebellum,  Zening  Voc.  o5;  1483  nach  C.  v. 
Megbg.  hatte  die  Hirnschale  drei  Kämmerlein  oder 
Gruben,  eines  für  die  Phantasie  [t.  d.)  od.  Einbildung, 
eines  für  die  Vernunft,  eines  für  das  Gedächtnis; 
15.  Jahrb.  hirnschal  -  camera.  P.  II,  69;  1495  hlrnschal 
n  pla  mater,  P.  432;  1661  hirnschal  -  cal  varia.  Gr.  W. 
IV,  2.  1661),  1.  —  die  beckunförmige  Knochen- 
schale,  in  der  das  Hirn  geborgen  ist,  der  obere 
Schädelteil,  Cranium  (Hirnrebe,  Hersenbein, 
Hersen Decken,  Hirnkasten)  (Buck  12;  aus  der 
germanischen  Opferanatomic stammen  wohl  die  meisten 
dieser  Namen,  vgl.  Korrcspoudeuzbl.  f.  A.  K.  IJ.  1882, 
8.  46).  —  2.  -  (U83)  die  Schädelfontanelle  beim 

I  Kinde  (c.  v.  Megbg  ),  die,  wenn  sie  lange  offen 
bleibt  (Rhachitis),  weil  weicher,  als  „einge- 
drückt" angenommen  wurde.  —3.  =  die  Gehirn- 
häute (pia  et  dura  mater).  —  (1U5)  äussere 
//irnschale  (vssern  hycruschalc  —  dura  mater,  P.  19JJ 
s.  Hirnhaut,  äussere.  —  (1717)  zarte  .Hirnschale 
(Abrah.  II,  116)  —  Hirnschale  2.  —  innere  //irn- 
schale- Pia  mater  (B.  II,  143).  —  Hii  n  schalen- 
Häutlein,  -Spreissen.  —  Hirsch  Schale  =  Schale  4 
(Gr.  w.  IV.  2. 1570).  —  /M/Y-Schale,  1.  =  eigentlich 
die  äusseren  Heekenknochen  (=  Schale)  an  der 
Hüft  -  Kreuzbeinverbindung  der  Schlachttiere. 

—  2.  =  weiterbin  das  daselbst  befindliche  Fleisch 
=  (innen)  Garbschalo  (s.  d.)  (Schm.  II,  391).  — 
Knie  -  Schale  =  schalenförmige  Kniescheibe 
(dän.  knäskal;  schwed.  kuoskal).  8.  Pfanne.  —  (1373) 
Mittet  -Schale  mitterschal.  Schm.  I,  933;  II,  394)  = 
die  fleischigen  Teile  des  Schlachttieres  in  der 
Mitte  zwischen  den  beiden  Garb-  oder  Hüfl- 
schalen;  dazwischen  ist  als  Knochen  der  Für- 
schlag  (s.  d.)  =  Promontorium.  —  (1507)  Mund- 
Schale,  f.  s.  ob.  Schäle  7  und  Schälmund  (Hort, 
sanlt.).  —  Öfter  Schale  =  die  fleischigen  Teile 
des  Scblachttieres  oberhalb  der  Hüftschale 
beim  Kalb  =  Schlegelteil  gegen  die  Hüfte  zu 
(Schm.  II,  391).  —  Schädel-Bchal*  =  Hirnschale 
(s.  d.).  —  ScAirri/"-Schale  =  die  fleischigen  Teile 
beim  Schlachtliere  von  der  Garbschale  (s.  d.) 
gegen  den  Schweif  des  Tieres  zu  (Schm.  II,  394). 

i  —  Spaf-Schale  eine  Sehale  3  an  der  Stelle  des 
1  Pferdcbeinp,  wo  sonst  der  Spat  (s.  d.)  sitzt,  d.  h. 


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schal — Scham. 


Schumi — Schanker. 


.V>8 


an  der  Innenseite  des  Sprunggelenks  (Falko  Ii, 
324).  —  (18.  Jahrh.)  zottige  Schale  =  die  zottige, 
faltige  Darmsehleimhaut  als  Hohlraum  mit 
Zotten  (villi)  (F.  Hoffm.  VII,  19).  —  Schäl-  Blasen, 
-Bläschen,  -Blatter,  -Knötchen,  -Mund,  Rippen, 
-  Wunde. 

schal  ( =  flau,  matt).  —  schale  Augen. 

Schalk,  m.  (Schweiz)  =  ein  Mensch  von  Ohler 
Laune,  Schelm.  —  (1517)  1  räch  -  Schalk  (catbc- 
dralitlns,  D.  10«'.)  =  einer,  der  eine  schelmische 
Krankheit  am  After  hat  (s.  Hurenspiegel). 

Schall,  m.  schallen  (gcrm.  skjalla;  abd.  scal 
scella  [Schelle],  acellan ;  tuhd.  schal,  schellen  —  schallen 
lautes  Tonen,  Kluse*,  316.  820).  —  Ohr  schallen  - 
Ohrenklingen  (Gr.  W.Vll,  1256).  —  Schall-,  schal 
lende  -Ader*,  -Ohr. 

Schalm,  m.  =  Schelm  (Meyer.  Konversat  -Lex. 
XVI,  17). 

Schalte,  f.  s.  Schale  3. 

Scham,  f.  (Schäme,  f.  Schämde)  (indogerm. 

kam  [«ich  bedecken,  Hemd] ;  gcrm.  skaman  =  «Ich  be- 
decken au«  Gebäude  [»kam]  —  sich  schämen;  abd. 
scamen  -  schämen,  scauia,  f. ;  14.  Jahrb.  schalm,  Schm. 
II,  743;  mhd.  schäm,  scheine  ,  acbem ,  I.«xer  213; 
Kluge',  316;  1521  schäm  -  pecten  (Möns  Veneria], 
D.  418  (a.  Kamm];  1561  aebam  =  genitale,  Gr.  W.  VIII, 
2110;  ndd.  sebemede  —  rerenda,  D.  11,379;  pudibunda, 
I).  II,  308  —  Schmach,  Schande,  Gefühl  davon  u.  dafür, 
Heyne  V,  259 ;  engl,  sbamc),  1.  —  a)  die  mensch- 
lichen Glieder  (Blosse),  die  man  aus  Scham  be- 
deckt —  Genitalia,  Hebe  Hippokratis,  Scham- 
glieder und  Schamgegend  ;  b)  die  Stutenscham 
~  Wurf  (Herbst  27).  —  2.  —  das  Schamhaar  auf 
dem  Venusberge  (Sturmbflhel),  s.  Kamm  (l>.  418) 
(Oberscham);  ferner  —  Geiunchtlende ,  Leiste 
(Schambug).  —  3.  a  ein  Stück  Rindfletsch  aus 
der  Seite,  nach  hinten  gegen  die  Hinter-Scham 
zu  (<;r.  w.  VIII,  2110).  —  4.  =  s.  Schemtne,  in.  — 
schämig  (mhd.  acbcmcc  =  schandbar,  schandbaft ; 
1429  schamig  =  pudibundus,  D.  II,  308;  1183  schämige 
[scbamlche]  Glieder,  C.  v.  Megbg.).  —  Scharnier 
(Schemler),  m.  **  einer ,  dor  sich  wegen  seiner 
Gebresten  (Lähme,  Krumpheitetc.)  tu  schämen 
hat  i Schweiler  II ,  4lw).  —  sehemlich  (manchmal 
verschrieben  statt  achelmlch).  —  (1475)  Schämlich 
keit  (1507  scbemclbelt  -  pudlcttla.  Ii.  470.  566)  =  die 
Statte  des  Schames  (C.  v.  üchm.  459),  i'udenda, 
Scham  und  Brttste.  —  SchämnisS  (i486  achom- 
nüaa  =  pudibunda.  l).  II,  308)  =  Genitalia.  —  Frauen- 
Schäme  (-Scham)  (14~5  der  rrouwen  acbemclbelt  — 
aumcnslus,  D  1515  frauensebam  —  vulva,  1».  633; 

l.">28  frawenscham,  Ii.  v.  Uersd.  14  —  Vulva  et  mamma, 
Hyrtl.  K.  W.  137).  —  (1429)  GrfiCham  ^  rudeiula 

(Koikki. .  u.  ii,  MM}.  —  G/i>d-Schämde  (M75 

Schemde  der  leede  —  raembrum  virile ,  1).  498)  — 
Schani  la.  —  Hinter  Scham  -  Posteriorn,  i'odex 
als  hintere  Schaingegend  (Gr.  W.  VIII,  2110,  Schm. 

1,  694).—  JjJJH^lj  Scham  (1507.  1512  mannes- 

schäm,  manaachemdu  -  veretrum.  D.  612);  Tonis  c. 
seroto  (Heyne  V,  2V.i).  —  (i...  Jahrh  )  natürliche 
Scham  (      verenda  geuilalia,  I).  912;  „naturalla  non 

sunt  turpia").  —  06<rr-Scham  -  Möns  Veneria, 
der  Schamberg  oder  Venus- Hügel  ober  den 


Schamgliedern.  — (1582)  Versehrte  Scham  -  durch 
schmcrzendeGcbresten, Geschwüre,  Verletzung 
veränderte  Scham  (Lonic.  262).  —  (1516)  Weiber- 
Scham  =  Cunnus  (Frauenscham)  (D.  163).  — 
Scham-,  schämige,  schambar  -Bart,  -Bein, 

■  Berg,  -Büscldein ,  Bug ,  -Drüsen,  -Finger,  -Flügel, 
-Fuge,  -Glieder,  -Orube,  -Haar,  -Holde,  -Hügel, 
-Jahre,  -Knoclien,  -Küssen,  -Lähme,  -Lippen, 
■Leiste,  -Lefzen,  -Lid*,  -Ort,  -Reihe,  -Kippe, 
■RUze,-Seiten,-Schweif,-Teile,-Wehtag,- Weichen, 

■  I  runde,  -Zcrs,  -Zünglein. 

SchameL  m.  (ahd.  scamal  =  htimerulua,  Graft  VI, 
497;  Gr.  W.  VIII,  2111)  =  Arm. 

Schande,  f.  (tndogerm.  kam  [sich  bedecken]; 
germ.  skam  [Scham];  ahd.  acanU;  mhd.  schamde, 
schände.  Kluge  5,  316).  Höchste  Unehre,  worüber  man 
sich  schämen  inuss)  —  l'udenda  (Schamglieder) 
(Gr.  W.  VIII,  2i:«),  „la  partie  honteuse".  — 

—  schändlich  -  Schande  zeigend,  mit  Schande 
behaftet,  unschön,  von  Flecken  der  Haut  ge- 
brauch», sowie  von  der  linken  Hand  («.  d.).  — 
.Brand-Schande  =  ein  Muttermal,  das  das  Kind 
tragt  zur  Strafe  für  ein  Vergehen  der  Mutter, 
wie  der  mit  einem  Brandmale  versehene  Ver- 
brecher (rr.iueii  iv,  183).  —  be-,  ver  schandelt 
=  so  entstellt,  dass  man  sich  schämt  (iniucll 
IV,  183). 

Schane,  f.  s.  Schiene. 

Schank,  m.  Schaaken  (augis.  sccanccna,  Dock. 

I,  8;  gesanco ,  Cock.  I,  70;  sconcan  =  crura,  lihae, 
Cock.  I,  LXX1;  mlttclengl.  »chankea  broken  oute 
[Heinr.  1],  aufgebrochener,  abgeschlagener  Schenkel, 
Clcus  cruria;  ncucngl.  sliank  =  Schenkel ;  ndl.  schon k 

—  FleUchknocheu)  =  Schank  (Schock,  Schacken) 

—  Knochen  (Schm.  II,  366.  132;  die  Ableitung  davon 
lat  Schenkel  [s  d.],  Kluge',  320).  —  Die  ch  Sehanken 
(angl».  theohsconeum,  Cock.  I,  LXXIV)  =  Diech- 
Schenkel.  —  /focA-Schanken  (angl.  hohscani  an, 
Cork  II,  38;  III,  365  =  crua  posterius)  =  der  höhere 
Hinterschenkel,  Hinterfuss  hei  Vierfüssern.  — 
Spbr- Schaaken  (angls.  sporum  seeoncan,  Cock.  I, 
LXXIV)  (s.  Sporn  und  Spur)  =  Watschcnkel, 
Spörliereu*.  —  Schanken-Sc/itretfen,  -Seiire. 

Schanker,  m.  (aus  Iran*,  chancre  und  dies  aus 
lat.  Cancer;  „vielleicht  liegt  Im  Kaukor  [=  Haut., 
krebs;  abd.  cbanchur,  caneur,  chauchar,  Graft-  IV,  4f;4], 
Vermischung  eines  gut  germanischen  Wortes  mit  einem 
Fremd worte  [cancer,  chancre]  vor",  Kluge',  184  ;  jeden- 
falls ist  der  cancer  der  mittclalterl.  Ärxte  =  Schanker 
[ulcus  venercum).  I*r.  II,  139;  schon  bei  Celsua  [25  a. 
Chr. — 50  p.  Chr.]  Ist  cancer  die  ilezelchnung  gewisser 
Genltalgesehwüre  auf  hartem  Grunde,  l'r.  I,  406 ; 
13.  Jahrb.  caucerosa  =  schnukrös,  l'r.  I,  399 ;  gangrena, 
caucrena  —  cancer  penis,  l'r.  I,  328,  110;  colera  can 
cherenca  =  apecies  cancri  moibus  qui  ab  atra  l<ili 
gignltiir  [Skorbut,  Kachexie],  Insanabllis  morbus  in 
personn  propria  circum  umbilicum  et  partes  Inferiores 
(=  Geschlechtsteile;  s.  Nabel  und  rote  Cholera],  Du 
fange  II,  87;  i:iO0  cancri  in  palato,  in  virga  -  Ulcus 
cancrosum,  l'r.  1,  395;  vom  13.  Jahrb.  ab  wurde  cancer 
in  Frankreich  die  ««.«chlles-dlcbe  Wortbczelchnung 
für  venerische  Gcnitalgc«chwürc;  14  :0,  frx.  chancre  = 


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554  schar— Schar. 


Scharhock. 


Schanker  -  Genitaigeschwur,  Pr.  I,  313.  lui.  i»>; 
Haeser  II,  200  ;  1394  Cancer  -  du  bozer  swcro  der  dovil 
löchere  hat  md  seyget  stetlelch  ein,  D.  91  [  =  zu- 
nehmender Schaden  bei  Paracclsus] :  144K  une  grant 
maladte  que  I  on  appelle  chancre  ou  Javart  [«.  d  l  a  la 
Terge.  Do  fange  IV.  281b;  1182  Cancer  tunc  »IgniBcat 
inflrmitatem  metnbri  virilis  [s.  Kolben],  Gr.  W.  V, 
ICH  ;  vor  1600  canlzer  =  eln  umbessender  schad  an  dem 
heimlichen  end,  IT.  I,  406;  1>02  corroslo  qnod  assl- 
milalur  Carolin,  IT.  II.  33;  1564  carlei  galllca  Kallopll. 
IT.  II,  209;  1604  botores  de  priracra  cspccta  [spart.], 
Pr.  II,  21h  [lurpedlnU];  161h  caiubucca  Paracelsi  [itiehe 
Kolben],  IT.  II.  Hu;  1628  carios  pudendi,  Pr.  II,  358  = 
rnreinigkeit;  1696  am  cancro  laboriren  =  an  Syphilis 
nach  einem  Schanker  leiden  ,  Schreyer  I,  55 ;  1734 
chancre  -  ein  Geschwür  au  der  Ktchel,  welche«  diese 
ganz  angreift,  Bituml.  440;  1741,  ndl.  sjanker,  IT.  II, 
40S;  1748  chaticker,  choncres  =  eine  Art  der  Vcnus- 
seuche,  K.  ch.  144;  Masehenb.  26;  1790  chauker  = 
Schanker,  Richter  I,  474;  Pr.  II,  435).  —  Schanker 
=  ein  örtlicher,  ansteckender  (syphilitischer), 
Geschwüre  bildender  Haut-,  Schleimhaut-Aus- 
schlag (1832,  Bischoff;  Behrcnd  12).  —  Drüsen- 

Schanker  ■  ein  Schankergeschwör  aus  den 
Drüsen-Bubonen  hervorgegangen.  —  gemischter 
Schanker  -  chancre  mixte,  der  ursprünglich 
weiche,  dann  hart  gewordene  Schanker.  — 
harter  Schanker  =  Ulcus  induratum  (sfuiiic 
Galcnl  =  callus,  topbus;  mtl.,  1305  porus,  I'oijpers  21), 
ein  an  der  syphilitisch  infizierten  Stelle  sich  aus- 
bildendem, hartes,  scharf  begrenztes  Infiltrat, 
schon  von  Nlcolo  Massa  (1632  nach  Proksch)  als  ,, Sig- 
num demonstrandum  morbl  Galilei  sine  fallacia"  er- 
kaunt,  sowie  von  Fallopplo  (1564)  als  ,.mani(cstlsslma 
et  demonstrantla  Signa  morbl  Galilei  conflrmatl"  be- 
zeichnet ;  dann  von  J.  Andre«  (17H1)  uud  (17S6J  Hunter 
(IT.  II,  531)  genauer  beschrieben  und  von  anderen 
nicht  syphilitischen  Indurationen  unterschieden ; 
(engl,  hard  cbancre)  =  Hu nter'scher  Schanker  siehe 
harter  Schanker.  —  Jamma'tche  Schanker  (esth. 
Jamma  =  Poststation  ;  soheisst  ein  Stadtteil  von  Dorpat, 
wo  Fuhrleute  viel  verkehren)  —  bösartiger  phage- 
dänischer  Schanker  (s.  auch  Fuhrmanns-Krälze 
und  Tripper).  —  phagetlänischer  Schanker 
[tftsf  lOfldviXOC,  Hlppokr.,  Ualcul)  =  ein  solcher 
Schanker,  wobei  der  Geschwürsgrund  immer 
mehr  in  den  Zerfall  de«  Gewebes  hereingezogen 
wird  als  ein  um  sich  fressender  (rpa-ftu)  Gc- 
schwürspro-tess.  —  venerischer  Schanker  — 
harter,  syphilit.  Schanker  mit  der  eigentlichen 
Syphilis  (Venerie)  im  Gefolge.  —  weicher 
Schanker  =  Ulcus  molle,  contagiosum,  non 
syphiliticum  (engl,  soft  chancre),  eine  akute  In- 
fektion mit  Virus,  das  gewöhnlich  einem  ört- 
lichen Geschwüre  an  den  Genitalien  entstammt 
und  keine  Goschwargrund-Verhartung  zeigt  ; 
das  Virus  soll  der  Unna'scho  Bazillus  sein.  — 
irrt*»«*  Schanker  (franz.  cbancre  blanc,  Cancer 
blanc,  A.  Pare;  Hrlss.  182)  =■  Mundfaule,  weisser 
Kanker*.  —  Schanker- Seuche,  -Krankheit. 

schar  ^  scharf  (l>.  II,  6), 

Schar,  f.  (»ngR  soare,  scant.  f.  —  pubes,  ilium 
pcnl«,  alvus,  Cork.  II,  403;  1,  I.XXIV  -  S<  herc ; 
ahd.  senr;  nihd.  schar  —  Ausschnitt  durch  Scherting, 
Schueidung  [rasio)].    —    AbschiT   (ahd.  asehiiro, 


Graff  VI,  527  die  Abschur  des  Haares  [wie  folgendes; 
(/'f  schar  nhd.  gascar,  cbascaro  ■  „sl  vero  pnerum 
crinitum  totonderlt",  ,,sl  quis  pucrum  Infra  duodecitn 
annos  non  tonsuratum  occldcrlt",  Grafl  VI,  527;  angls 

'  ascaran  =  rcscrare,  mit  dem  Schermeaser  zuschneiden. 
Cock.  III,  353  [s.  scharte))  =  vollständige  Haar- 
soheerung.  Man  schür  ehemals  die  zwölfjährigen 
Knaben  zur  Zelt  der  beginnenden  Mannbarkeit  (Be- 
scherung) und  nahm  sie  damit  in  die  Rechte  der 
Sippe  auf.  d.  b.  In  die  Scbar  (Kluge1,  317  hatte  kein 
sprachliches  Bedcuken  gegen  die  Etymologie !  Schar 
tu  scheren).  Cbcr  die  Haarschurgodschaft  s.  K.  8. 
Krauss,  Intern.  Areh.  für  Ktbnogr.  189t,  VII  und 
Korrcsp  -Bl.  f.  A.  E.  U.  1895,  8.  6.   Nach  dem  Volks. 

1  glauben  In  Westfalen  verliert  ein  geskären  Kind  sein 
<ilück  bU  ins  3.  u.  4.  (ilied  (d.  h.  die  ganze  Sippe. 
Kuhn  I,  45.  49).  —  Harm  Schar  (ahd  .  8.  Jahrh. 
harm-scaro  =  plaga.  Pfeiffer  F.  u.  K.  II,  33),  1.  =  die 
Empfindung  einer  gewaltsam  ausgeführten 
Schar,  schmerzhaften  LQcke  am  Körper;  dann 
2.  =  Schar  (bildlich)  wie  bei  Schmeller  II,  443  ;  Graff 
VI,  529 ;  In  der  Rechtsspracho  für  beschämende  Plage 
oder  Strafe. 

ScharhOCk,  m.  (mtl.  «corbutus  =  Skorbut  [«.  d.]; 
1376  =  morbus  St.  Ellgil  (mal  St.  Eloy]  =  Skorbut. 
Du  C'ange  V,  517;  15.  Jahrh.  schorbuyck  =  oscedo 
[=  Mundstank],  Gr.  W.  VIII,  2178;  1481  schorbuck. 
Heyne  V,  206;  1486  „es  hat  anno  1486  [bei  Meissen] 
zum  erstenmal  die  schädliche  seuch  der  sebarbock 
sich  ereignet  n.  seynd  viel  leut  damit  behaftet  gewesen, 
Ilaescr  II,  98;  1486  novus  et  Inaudltus  In  bis  lerris 
morbus  quem  nautae  Saxonia«  vocant  den  scharbock, 
Haeser  II,  97.  98  =  eine  Entxündung  der  flelscbicbten 
Teile  [des  Muudes];  1533  scorbockskraut  =  Felgwurz. 
Flcarla  ranuneuloides,  Roll.  64;  1534  scharbock,  Euni- 
clus  Cordus ;  1577  schorbuyck  =  oscedo,  foetor  ab  ore 
procedens,  I).  102;  1590  schoorboek,  Fuchs  I,  377  [newe 
krankhelt] ,  1MI  scorbock.  Taberu. ;  eine  In  Sachsen 
und  den  mitternachtischen  Landern  gar  gemeine 
Krankheit".  Hollraann  Mtschr.  f.  Schlesien  ls29.  II, 
702;  1620  scharbock,  schorbock  =  Skorbut.  Dr.  Min- 
derer; 1G33  scharboeb,  Haeser  II,  36S ;  1645  schorbock, 
schörbock  =  Scharbock,  Colcr,  H.  A.  1S8;  1654 
schorbock  -  Skorbut,  Or.  W.  VIII,  2178;  1669  scherbock 
o  scorbutus,  oscedo,  Or.  W.  VIII,  2178;  1687  schor 
bock,  Oeorglca  3  0;  17.  Jahrh.  scharbock  =  schwarz 
geftdertes  Oesehwür  beim  Pferde,  R.  A.  762  ;  1699  ein 
sehwarzgeAderles  Schadengeschwür  beim  Pferde,  v.  M. 
I,  50;  scharbock  oder  Mittz-Mclancholey.  v.  M.  I,  149; 
sebarbock  =  Venussucht  1=  Syphilis],  v.  M.  II,  129; 
1735  denn  allo  Schärfe  oder  Safte,  welche  man  nicht 
zu  einer  gewissen  Krankheit  bringen  kann,  z.  B.  zur 
Krfttze,  nicht,  Katarrh,  Frantzosen,  wird  von  den  Prac- 
tlrls  Scorbutus  genannt,  Woyt  312  ;  1737  scharbock  = 
febris  puncticularls  =  Petechien fleber,  Haeser  II,  434; 
1712  scharbock  =  »corbutus,  ,,der  höchste  Grad  der 
Melancbolcl".  Zw.  963  =  Sauferskorbut  mit  Leber- 
leiden  [Kacbcxia];  1741  Scharbock  =  (ilngibracblnm, 
Ulnglpediiim,  Kirsch  540;  1748  scharbock,  1.  =  grosse 
Scharfe  des  dicken  Geblütes.  —  2.  =  Milzkrankhclt. 
—  3.  =  Mundfaule.  —  4.  =-  Syphilis  u.  Gicht.  Mascbenb. 
629;  177r..  1793  scharbock,  Behrendt  s;  Roll.  65;  1807 
Scharbock  -  scorbut,  Ackerni.  176;  8charbock.  engl, 
scurvy  —  Schorf,  Skorbut,  ein  erst  im  frühen  nhd. 
an  den  niederländischen  Küstengegenden  aufgekom- 
;  menes  Wort  für  den  angeblich  damals  neu  aufge- 


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Schartlei — scharf. 


scharf. 


tretenen,  oUr  schon  früher bekannten  Skorbut,  welcher 
nach  Plinius  Hlst.  nat.  3.  26  die  Truppen  des  Ger- 
manikus  berallcn  hatte  (Villaret  II,  716]  und  1218  schon 
sicher  bei  den  Kreuzfahrern  beobachtet  worden  war, 
Kichhorst  II,  843;  als  Mundfaule  •.  d. ;  das  nlederllnd. 
Wort  hiess  i  scheuxbut  [ichcurcn  ■  reissen,  spulten,  but 

—  Knochen];  mtl.  scorbutns,  also  clue  den  Knochen 
zerfressende  Krankheit;  volkselymologlsch  zu  scheur- 
bulck  umgebildet  und  zu  mnd.  scherbuk,  seborbuk, 
endlich  spater  zu  sebarbock  nmgeslaltet,  ohne  Ver- 
ständnis der  eigentlichen  Bedeutung;  aus  diesem 
nicderland.  scheurbut  entstand  dann  das  mtl.  scor- 
bütus  als  Übersetzung,  die  germanisiert  als  Skorbut 
[s.  d  ]  noch  heute  lebendig  Ist,  nach  tlr.  W.  VIII.  2177). 

—  Scharbock,  1.  =  Mundfäule,  auch  ein  Zeichen 
des  Skorbuts  (s.  d.).  —  2.  —  Skorbut  (s.  d.),  als 
Blutkrankhfit  und  „Folge  von  zu  scharfen,  zu 
dünnem  Geblöte"  früher  angenommen,  das  eine 
„schar  böckische  Schärfe"  angenommen  haben 
sollte.  —  3  =  Kehris  petechial i-  s.  puneticularia 
wegen  der  Ähnlichkeit  der  Petechien.  —  4.  = 
in  manchen  Beziehungen  war  für  die  Ärzte  des 
17.  Jahrh.  der  Scharbock  das,  was  man  vor 
Paracclsus  die  Melancholie,  „schwarze  Galle" 
(s.  d.)  nannte;  die  dunkleren  skorbutischen 
Blutpigmente  mögen  wohl  mit  dieser  schwarzen 
Galle  früher  erklärt  worden  sein.  —  ö.  =  s.  Egel, 
Schurb.  —  6.  =  Scharbock  (Skorbut)  wurde 
manchmal  mit  Syphilis  und  umgekehrt  ver- 
wechselt. Gingipedlum.  Ginglbrachlum  Ist  vermutlich 
tertiäre  Knochensyphills.  —  /.anrf-Scharbock  = 
der  in  Kasernen,  Gefängnissen,  Spitälern,  also 
auf  dem  1-ande  epidemisch  auftretende  Skor- 
but (Schwimmer  In  Z.  Hdb.  XIV,  L  3321.  —  (1647) 
sehmertzmachender  Scharbock  (Hecker  II,  6S8)  = 
Knochenschmerzen  bereitender  Skorbut.  — 
Sfi  Scharbock  =  der  auf  den  Schilfen  epi- 
demisch auftretende  Skorbut.  —  (1754)  wahrer 
Scharbock,  1.  =  die  mit  der  Poliosis  rheuma- 
tica  verwechselte  Purpura  scorhulica.  —  2.  = 
die  mit  Syphilis  und  Mundfäule  früher  ver- 
wechselte Stomatitis  scorbutica  (A.  v.  H.  I,  1211). 

—  (1659)  wtitreiumder  Scharbock  (Hecker  II,  062) 
=  grassierende  Epidemie  von  Skorbut.  (Das 
Scharbockskraut  Ist  auch  Feigwarzenkraut).  —  schar 

bockische,  Scharbocks-  Fieber,- Flecken  ,-Friesel, 
-Gift,  -krank,  ■  Lungensucht ,  -Makel,  -Säfte, 
-Schärfe. 

Schardel  =  Schädel  (Schlesien;  n-nueM  II,  15«). 
scharf,  Scharfe,  f.  Scherpfe,  f.  (germ.  searp, 

skrap,  skrep  [schröpfen,  ritzen];  ahd.  scart,  scarpf; 
angls.  xearplug  =  engl,  st-arifying  lnclsura  in  oute, 
Cock.  II,  82;  III.  369;  socarpian  =  In  superflile  oaedere, 
Cock.  II,  408;  altnord.  skarpr.  Fl.k  205;  rahd.  scharpf. 
scharf,  sarpf,  Kluge*,  317,  337)  =  hart  und  glatt, 
weit  eindringend,  schneidend,  verletzend, 
ätzend  wirkend,  sicher  und  glatt,  genau, 
fest,  heftig,  schmerzhaft,  roalign;  namentlich 
ist  das  Gift  scharf  nach  der  volksftblichen 
Sprach  weise  (Heyne  V,  267;  (ir.  W.  VIII,  21S0  ff.; 
Pr.  I,  219).  „Nach  dem  Eindrucke,  den  ein 
scharfer  Gegenstand  auf  den  Tastsinn  macht, 
werden  Gegenstände  als  scharf  bezeichnet,  die 
einen  analogen  Eindruck  auf  Gehör,  Geschmack, 
Geruch  oder  die  innere  Empfindung  machen" 


(II.  Paul  374).  —  Schärfe  (mhd.  scherpfe;  1402;  C.  v. 
Mcgbg.;  1592  bilis  =  Schärfe  dor  «allen  (Schwaben; 
Lonic.  129];  scherpfe,  Bnck  19;  18.  Jahrb.  schaerffo  m 
sal,  D.  507)  =  der  Zustand  des  Scharfen,  Ätzenden 

a)  auf  der  Haut,  Salzfiuss  (Ekzema)  (C  v.  Mcgbg); 

b)  im  Blute,  der  theoretisch  früher  angenommene 
sauer  (salzig  s.  Salz)  oder  alkalisch  (laugenhaft) 
scharfe  Zustand  der  „Säfte"  (s.  d.),  welche  an 
die  Stelle  der  Grundfeuchten  (Elemente)  oder 
Humores  getreten  waren.  Diese  , .Scharfe",  welche 
seit  Sylvius  (1614— 1C72)  und  Bocrbave  (1668-  1733)  als 
Ursache  verschiedener  sogen.  Konstitution- Anomivlien 
(Skrofulöse,  Gicht,  Rheuma  etc.)  angenommen  wurde, 
wurde  dann  auf  den  Namen  Dyskrasie  und  Kachexie 
[m  Acrlmonla)  umgetauft  (Kopp  VII,  9t),  der  ebenso- 
wenig das  Wesen  der  krankhaften  S&ftcmiscbung 
erklärte  als  jener  acht  deutsche  Name;  c)  der  scharfe 
Gegenstand  (Materie),  das  Sekret,  die  Flüssig- 
keit Z.  B.  selbst  (Gr.  W.  VIII,  2190;  Vogel  V,  49; 
J.  P.  Frank  I,  67);  wie  der  (Verletzungs-)Schadeu 
(s.  d.),  so  sitzt  auch  die  (Schröpf ungs-,  s.  o.) 
Schärfe  nach  dem  VolksbegrifTe  nur  zwischen 
Haut  und  Fleisch  (Dr.  Breun.-Schäff.  26);  d)  Scharf 
=  Schorf  (s.  d  ).  —  Schärflgkeit,  l.  =  die  Eigen- 
schaft des  Scharfen.  —  2.  =  das  Objekt  selbst, 
das  diese  Eigenschaft  hat,  z.  B.  der  Hautaus- 
schlag (Ekzema)  als  ein  scharfer  beissender 
Fluss,  der  „ausfährt",  ist  eine  solche  Schärfe 
(Pauli  115).  —  Sich  schärfen  (1018;  Schm.  Ii,  464) 
=  summara  cutis  stringere,  einen  Schorf  sich 
zuziehen.  —  alkalische  Schärfe  -  Acrimonia 
lixiviosa  (Sylvins)  =  rotes,  laugeohaft  salzig 
schmeckendes  Blut  als  Krankheitsursache  nach 
der  iatrochemischen  Schule.  —  ^u^ert-Schärfe, 
1.  =  ein  scharfes  Auge.  —  2.  =  ein  scharfes,  die 
Lider  ätzendes  Sekret  aus  der  Augenschleim- 
haut (Müller,  Krtrbch.  ei).  —  (1507)  A  ugen- Schärflg- 
keit (scnarpftgkelt)  =  Ekzema  palpebrar.  (Augen- 
schärfe  2)  (asperltas,  Hort.  Sanlt.).  —  leistende 
Schärfe  ■  das  seine  Umgebung  ätzende  Wund- 
oder Geschwürs-Sekret.  —  böse  Schärfe  =  eine 
heftig  krankmachende  infektiöse  Säfteverderb- 
nis. —  (1766)  Blut-,  G<-Wt<f<-Schärfe  =  Acrimonia 
(=  saure  Schärfe)  (A.  v.  H.  II,  20);  man  nahm 
namentlich  im  18.  Jahrh.  in  dem  zirkulierenden 
Blute  (Saft  4)  verdorbene,  salzige  oder  saure 
Teile  an,  die  sich  dann  als  „FIiibs"  (Metastasis, 
Rheuma)  auf  irgend  einen  Teil  des  Körpers, 
Bein,  als  Podagra  i.  B.,  auf  die  Fusszehe  setzen 
und  dort  reizend  wirken  sollte.  —  Drüsen- 
Schärfe  =>  Ekzema  scrofulosum  mit  Lymph- 
drüsensch  wellung.  —  (1766)  Eiter  -  Schärfe  — 
ätzend  wirkendes  Eiter-Sekret  (A.  v.  H.  II,  20). 

—  (lsio)  JF/ffÄ/en-Schärfe,  1.  =  die  wässerige, 
leicht  ätzende  oder  beissende  Sekretion  beim 
Ekzema  (s.  Salzrluss)  (Heim  229).  —  2.  —  das 
innere,  oft  angeerbte  sogen.  „Krätzensiech- 
tum" (!)  (Psora  Hahnetnanns)  d.  h.  die  sogen, 
scharfen  Säfte,  die  auf  der  äusseren  Haut  den 
Flechten- (Krätze-)  Ausschlag  (Ekzema)  erzeugen 
sollen  (Sobernh.  14;  Kopp  I,  1).  —  (1783)  flussartige 
Schärfe  =  katarrhalisches  Sekret  (Kssich  155).  — 
(1778)  gallige  Schärfe  =  Acrimonia  biliosa,  üallige 
(biliöse)  Konstitutions- Anomalie  (Stoll,  Boos  3«3). 

-  qichtische  Schärfe  -  Gicht,  Materie,  Gicht- 
stotl'.  —  (17S3)  Katarrh- Schärfe  -  beizender 


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556 


Scharlach. 


Scharre — Scharte. 


Zustand  des  Schleimhaut-Sekretes  (Materie) 
(Kssich  143}.  —  Kehlen- Schärfang  =  der  Zustand 
der  Kehlkopfschleimhaut  bei  Katarrh.  —  (1830) 
krankhafte  Schärfe  ■  die  durch  Krankheiten 
sich  äussernde,  erworbene  oder  geerbte  Ver- 
änderung (Schärfe)  der  Säftemisehung  =  Dys- 
krasie,  Kachexie  (Kopp  iv,  74).  —  ÄVfta-Schärfe 
=  Sekret  des  Krebsgeschwflres.  —  (1797)  Kropf- 
Schärfe  —  die  den  endemischen  Kropf  (s.  d.) 
erzeugende  Materie  (Wekkord  «51).  —  (1797)  Lust- 
seuchen- Schärfe  =  venerische  Schürfe.  —Magcn- 
Schärfe  -  das  Gefühl  oder  die  Empfindung 
einer  brennenden  Säure  des  Magensaftes  durch 
das  sogen.  Aufstossen  aus  «lern  Magen.  —  (174'.0 
peckeüutftc  Schärfe  -  das  aus  den  Blattern  od. 
„Pocken"  fliessende  übelriechende  Pustel-Sekret 
(Zeitscnr.  f.  d.  Phiioi.  xxvi.  248).  —  Ämno  Schärfe 

(1531  die  schcrpIT  der  rennen,  Krautw.  I.XI,  K.  2)  — 
der  säuerliche  Zustand  der  geronnenen  Milch. 
—  Säfte- Schärfe  —  die  im  17.  Jahrh.  durch 
Helmont,  Sylvius,  Glauber  etc.  eingeführte  Be- 
zeichnung für  die  ins  lügenhafte  (alkalische) 
oder  Salzige  gehende  Veränderung  der  sogen. 
Humores  der  älteren  Medizinschule  (scharfe 
Feuchte,  s.  d.)  bei  verschiedenen  Krankheilen 
(Gicht,  Rheuma,  Krebs,  Syphilis,  Ekzema, 
Weissfluss,  Masern,  Pocken  etc.).  —  saure 
Schärfe  -  Acrimonia  acida  (Sylvin*)  —  die  durch 
angenommene  Gärung  der  Körpersäfte  (Hu- 
mores)  erzeugte  qualitative  Veränderung  der- 
selben, die  entweder  eine  laugenbafte  salzige 
Schärfe  (Alkalesccnz)  oder  eine  Baure  Schärfe 
(Aciditaet)  und  damit  auch  verschiedene  Krank- 
heiten erzeugen  sollten  (nach  Sylvins  t  1673;  Bim» 
279;  Hnescr  i,  5U2).  —  (1725)  scharbockische  Schürfe 
--  die  Veränderung  der  Säftemisehung,  welche 
den  Scharbock  erzeugen  sollte  (h.  d.)  (Thea.  San. 
Hr.  700).  —  unscharf  Sehen.  —  (1756)  venerische 
Schärfe,  1=  die  VerändernngderBlutmiBchung 
und  Säftcqualität  (s.  Sauer)  bei  der  Lustseuche 
oder  Syphilis.  —  2.  =  das  ätzende  Sekret  der 
syphilitischen  Feigwarzen  (A.  v.  II.  I,  57;  Stoll.  ('. 
Pr.  II,  4.V.-,  J.  V,  Krank  V,  100).  —  8Charfe(r,  s) 
Auge,  Ausschlag,  liärmutter,  Bauchfluss,  Bein*, 
Blut,  Dunst,  Fi uchte,  Fieber,  Flechte,  Fröret; 
Galle,  Geblüt,  Gesicht,  Gift,  Grint,  Hauptweh, 
Husten,  Katarrh,  Kehle,  Koller,  Krankheit,  Ma- 
terie, Naget,  Pestilenz,  Räude,  Säure,  Schmerz, 
Sehen,  Senkung,  sichtig,  Wehtag,  Wurm,  Zahn, 
Zunge. 

Scharlach,  n.,  m.  (unter  t'mdeutung  des  mhd. 
scharint  zu  ahd.  lahbän  [  —  Tuch],  entlehnt  aus  mit. 
srarlntuin.  Du  fange  VII,  34<>;  1232  scharlato  =  pannus 
porpujetll  =  engl,  purplc  »hört  [purpurrote  Schürze], 
purpl«  fever;  h>6\  scarlet  fever,  Sydenham;  persisch 
«•akarl.it  —  ein  aus  dem  Oriente  eingeführter,  auffallend 
hochroter  Tnchstoff,  Gr.  W.  VIII,  2200;  mit  der  Farbe 
desselben  wurde  verglichen)-  a)  der  rote  Hautaus- 
schlag beim  Scharlacbfieber  (14.  Jahrh.  Matura 
rosatum  [Hecker  210],  fobris  M-arlalina  ».  rubra; 
15.  Jahrh.  scarlola,  I).  MI;  Iran«,  escarlate.  Gr.  W.  VIII, 
2200;  I-ersch  308;  die  Morbilli  iimel,  die  Sturota, 
Scurola;  1550  Kossaria,  Ko«*alla,  Bnsellia;  155H  Kosagia 
pupillae,  Ilneser  U,  •'*;  [Gaseogne;  rougeole,  Bris«.  139; 
I»u  fange  VII,  H22;  Schnurrer  II,  IC;  Kraut,  K. 
Ilecker  21;:,    als  solcher  begrifflich  getrennt  durch 


Sydenham  [1Ü21 —  '  von  den  Masern,  rocken  und  den 
Frieseln  nach  der  Durchseuchung  der  abendlandischen 
Menschheit  mit  letzteren ;  Hennig  in  Gerhardt  I,  3S ; 
vorher  hless  der  Scharlach  bei  4.  Schulärzten  ;  I.  Koten* 
=  Farsa  [der  Sakrnitancrschule.  «.  T.  Variola?  und 
Eryslpelas),  Da  Cange :  Fersa  =  morbllll,  Tiach  Behrcnd 
!  23;  2.  Scurola  [Sturolnc];  3.  Rosagia  =  Kossallia  der 
Spanler,  Hehrend  23.  24  =  Morbilli,  Kubeolae,  4.  [Mitte 
des  14.  Jahrh]  mal  um  rosatum  -  gesplum,  Hecker  I, 
21'J  [gesptum  -  guesdiutu  -  guoisdium  =  Wald.  Kluge  \ 
394;  Du  Gange  IV,  122  -  indlgoblaucr!  FarbstoH),  auch 
title  [=  pesticlae?).  1.  cod.;  5.  Morbilli  Ignei,  Fuchs 
[s.  Botsucbt] ;  Hennig  in  Gerhardt  I.  37.  :i8)  =  a)  die 
Krankheit  (Scharlachfieber  etc.)  des  Menschen, 
welche  einen  scharlachroten  Hautausschlag 
macht  (Scarlatina) ;  b)  derselben  ähnliche  Haut- 
ausschläge; c)  ein  rotgesichtiger  Mensch  mit 
s<'barlachroter  Nase  (Gr.  w.  VIII,  2202).  —  schar 
lachen  —  das  Scharlachfieber  haben  (Heyne  V, 
271).  —  fliegender  Scharlach  -  Flugfeuer  (?) 
(Uochholz  II,  230),  Röteln  (?)  als  rasch  verschwin- 
dendes scharlaehähnl.  Exanthem.  —  Scharlach 
Ausschlag,  -Bräune,  'Fieber,  -Flecken,  -Friesel, 
-Gift,  -Koortsen,  -krank,  -Nase,  -Röteln,  -Seuche, 
-Stoff,  -Zunge. 

Scharre,  f.  scharren  (zu  ahd.  seerran  =  kratzen, 
scharren;  mhd.  scharren  =  kratzen  [scherren];  sehwed. 
skar  b  schmtter,  Laistncr  II.  287),  1.  —  mit  den 
Gliedmassen  schrappend  kiatzen,  z.  B.  auf  der 
Häuf.  —  2.  -  ein  kratzendes  Geräusch  machen 
wie  uach  dem  Volksglauben  die  Wichtelmännchen, 
Kobolde  und  Hexen  mit  ihren  Scharrfüssen  etc.  — 
3.  —  die  Empfindung  des  Scharrens.  —  Scharre,  f 

(ahd.  scarna  [GraH  IV,  368)  Impetigo  sicca,  Scabies, 
quam  vulgus  scarnam  vocat).  l.  —  das  Werkzeug 
zum  Kratzen.  —  2.  =  die  Krankheit,  die  zum 
Kratzen  reizt:  a)  Krätze  (Scabies);  b)  Zitierach 
(Parasitenreiz,  Impetigo).  —  Hals- Scharren  -- 
eine  Art  der  Käuaperung  mit  scharrendem, 
kratzendem  Tone  (Heyne  V,  273).  —  Scharr-i'MM. 

Scharte,  f.  Schart  (zu  scheren  [s.  d  ];  alluord. 
skardhe  —  Spottnamen  ,,  Gescherter",  Kluge5,  157;  Ist. 
skerd  r  —  dlmlnutus,  Schmeller  II,  471;  ahd.  tcartl  = 
das,  was  geschert,  mit  der  Schere  verletzt,  verstümmelt 
Ist  [scarta  =  cratlcula  —  Kosteisen |,  D.  II,  Iis ;  mhd. 
■Charte ;  1182  schart  =  Bruch,  Gebresten,  frartura, 
«ir.  W.  VIII,  2222;  engl,  «car  —  Sehurte,  Narbe,  Kitz 
[sherd,  shurd];  ndl.  shoard.  Kluge*.  817),  1.  —  „durch 
Schneiden,  Hauen  oder  Bruch  hervorgebrachte 
Öffnung,  Scharte,  Verletzung,  Wunde"  (Gr.  w. 
1.  c. ;  Kluge  1.  c).  —  2.  -  die  schartig  zerhauen 
aussehende  Lücke,  die  verletzte,  wunde  Stelle 
selbst.  —  3.  =  abnorme  Vertiefungen  u.  Lücken 
am  menschlichen  Körper,  auch  wenn  sie  nicht 
durch  Verletzung  entstanden  (skar  =  ■  +  kar  = 
mit  dem  Stcinmcsser  [saxutn :  sahso]  schneiden;  dazti 
die  altind.  karctiVbacshaza  —  Steinmesser-Besserung, 
chirurgische  Methode  im  Gegensätze  zur  urvaro- 
baishaza  [herbarum]  u.  mäthro  baeshaza  [mentis],  die 
zusammen  den  Stelu-,  Kraul-  u.  Wortzauber  bilden. 
Schräder  608).  —  schart  (ahd.  scart,  Graft  VI,  527; 
|  mhd.  schart,  Schmeller  II.  471)  m  schartig,  ver- 
I  wundet,  verstümmelt  (serratus,  hebetatus, 
diminutus).  —  schartig  =  lückenhaft,  ab- 
1  gerieben,  abgenützt,  lückenmachend  (Falke  II, 


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Schatten— Schatr.. 


schauen — Schauer. 


272).    —    SchartSÄM    (ahd.   -<  uit~nni  —  scabrosa, 

ümn  vi,    «.'sj  =  wie  schartig,  lauh  (llaui). 

—  -I«7<>i-Scharte  -  flu  der  Hasenscharte  nach- 
gebildetes Wort  für  Haaen-Auge  (h.  d.),  Lagoph- 
thalmas  =  Verstümmelung  des  Augenlides,  die 
zur  narbigen  Lücke  am  Augenlide  führt  (Gr.  W. 
VIII,  SSM),  —  H aaen- Scharte  (angls.  haersecard.  n. 
Cork  II,  66.  389=  engl,  hairllpp;  alttrics.  has  skerdc 
=  ha«en*.  bärtig ,  Kluge*,  157;  1323  hosinscharte, 
Gr.  W.  IV,  2.  541;  1417  eyn  bazenschard  =  aposio- 
pesls,  defectus  orls,  1>.  II,  SR;  1578  hasensehatte  — 
Wc<-hselbulgzclchcn ,  clblschcs  Mal,  Gr.  W.  V,  flsO; 
1742  hosenscharte  —  eine  vom  Mutterleib«  nn  ge- 
spaltene I  .  IT/.-  (Zw.  782],  volksetymologiseh  mit  dem 
„Versehen"  (».  d.]  einer  Schwangeren  an  einem  Hasen 
iD&monenflgur]  in  Zusammenhang  gebracht,  Plos*- 
Bartels  I,  505)  —  eine  angeborene  Missbildung 
(Wachstutnsstörung)  durch  Lücken-  oderSpalt- 
bildung  an  der  oberen  Lippeninitte  (beim  Wolls- 
rachen [».  d]  auch  mit  Gaumcnspaltung  verbunden), 
ähnlich  wie  sie  dem  Hasen  eigen  ist  (babium 
leporinum)  (die  Krankheit  ririeh»  von  btehtcustcln, 
t  127.'.,  diu  damals  schon  operiert  wurde,  Wichncr  10). 

—  Lid1-  (Glied  )  schart,  -8charte  (ahd.  lidascarta, 

Gruft  II,  1*9;  8.  Jahrh.  lidi-scnrli  —  si  IHM  macula- 
verit.  tit  eilnde  turpls  apporeat  —  entstellende  Ohr- 
s.  harte.  l^g.  I»ajuv.  IV.  L  8.  14;  Graff  VI,  528;  lldscart, 
lidascurt,  lldbcarter  —  murcus,  qni  praeclsum  habet 
aatnm,  pollleem,  D.  372;  Du  fange  V,  552;  Sehmelier 
I,  171;  Graff  VI,  527;  glicdM-hurt,  mhd.  lideschart  - 
an  einem  Gliede  verstummelt,  Lcxcr  14«)  =  eine 
sichtbare,  entstellende  Verstümmelung  an  einem 
(ilied  (Ohr,  Auge,  Nase,  Daumen,  Lid*  z.  B.); 
(die  rituelle  Beschncldung  [clrcumcisio]  hiess  bei  Notker 
scartlidl  =  verstümmeltes  Lid*  3,  schartgewordenes 
Glied,  Graff  VI,  52*).  —  I  )hi  -  Scharte  (ahd.,  7.  Jahrh. 
orscardl  (I-egcs  Alnm.  CO.  fil]:  sl  medlctatem  aurls  ab- 
scldlt  uuod  Alemannl  o.  dicunt,  Graff  I.  457.  459;  VI, 
".2*;  Tempelsrhandcr  wurden  bei  den  heidnischen 
Friesen  an  den  Obren  und  Nasen  [s.  d.]  aufgeschlitzt, 
Golth.  5»>2)  =  eine  VerstOmmelung  deB  Ohl  es 
durch  Verletzung  (tiliedsoharte).  -  schartige  (s), 
Schart  Glied,  -Lid1,  -Maul,  -Zähne 

Schatten,  IU.  (germ.  skau  ('-)  =  schauen  [s.  d  J; 
ahd.  scato;  mhd.  schale  - das  dunkle  Abbild  [Schatteu] 
de*  Körpers,  das  geschaut  wird).  —  Augen -Schatten 
~  die  Hautfarben-Veränderung  bei  BluUirku- 
lations- Anomalien  im  Schadelrautne,  die  als 
graue  oder  blaue  Hinge  (s.  d.)  um  die  Augen 
sich  bemeikbar  mannen  bH  kranken  oder  abge- 
lebten Menschen  —  (1735)  .Wacht-  (s.  d.)  Schatten 
n  fälschlich  fiir  den  richtigen  Nnchtschaden  (s.  d.)  = 
Nyctalopia  eingesetzt  =  Augenblödigkeit  bei 
Auf-  und  Niedergang  der  Sonne  (Woyt  107;  C.  v, 
Schm.  399;  Gr.  W.  VII,  213)  (s.  Nachtsehen)  als 
Augenfehler,  Augenschaden. 

Schatz,  m.  (germ.  skatta  —  Vieh  ['];  ahd.  scaz  — 
Geld;  mhd.  «chaz;  bis  In*  13.  Jahrh.  =  Geld,  Ver- 
mögen, Keichlum,  aufbewahrtes  Geld,  Kluge*,  31»; 
1477  schaz.  achaju,  schaU,  Gr.  W.  VIII,  227a ;  C.  v. 
Scbm.  455)  «s  Schoss,  Schani,  Pudenda  inuliebria 
als  wertgeschttttcr  Teil,  der  mit  dem  „Jungfern- 
Schlosse"  verwahrt  ist.  —  //..•^•••-Schatz  (ahd. 
haubltsca»  =  capnt,  Graff  VI,  558)  =  das  Hauplslürk 
des  Körpers,  das  Gehirn,  da*  durch  die  Hirn- 


schale verschlossen  ist.  -  Jungfern- Schatz  - 
Hymen  (Ilyrtl.  Anat.  715)  (s.  o.  .Schatz);  (hieber: 
scaticelli,  seatumeelll  [latinisiert  -  SchaUeliJ  =  ura- 
blllcus  venerls  atibalaria,  der  Vcnnsnabel  [Nabel  31  als 
SchatzkaMleln ,  Du  l  ange  VII.  342).  —  Schatz- 
Kdutlein.  —  verschätzte  Wassersucht. 

schauen  (schaUgen)  (germ.  skau  =  sehen  [dazu 
schon],  skü;  ahd.  scouwön  =  betrachten,  scüwo  = 
Schatten;  angls.  sceawa  sccavlan  —  biegen,  t'nek.  II, 
280;  Tick.  207;  mhd.  schouwen  =  sehen).  —  Schau,  f. 
(mhd.  schouwe,  Schindler  II,  1349)  =  die  sichtbare 
Gestalt,  das,  was  man  sieht,  erkennt  (conf.  engl, 
show  =  das  zuerst  abgehende  Fruchtwasser,  womit 
man  den  Anfang  der  Gebnrt  [dieses  Vorzeichen 
schauend]  erkennt,  l.ehfeld  225).  Die  Zeichenschati, 
die  Schau  von  Vorzeichen  In  Gestalt  von  Hunger- 
lueken,  Knöpfen  am  I.elbc,  ltlelchhelt  der  Nasen- 
Öffnungen,  «lutfarbc  etc.,  war  Aufgabe  auch  de* 
nordischen  Spa-Manues  (spn-madhr,  Maurer  II,  128  IT. 
130),  der  auch  die  //-'Schauet  (ahd.  hcilscowede 

—  augurium,  D.  II,  42)  bethiitigte,  wie  die  3  heiligen 
Krauen  (Schicksals  -  Nomen)  das  Blut  In  schauen 
(Witschel  II,  29:.),  d.  h.  die  Prognose  stellen  aus 
der  Farbe  des  Blutes.  —  G<  schau,  n.,  f.  1.  = 
das  vollständige  Sehvermögen.  —  2.  =  die  zwei 
sehenden  Augen.  —  3.  =  Aussehen  (s.  böser 
Blick).  —  7/rr-Schan  =  Antlitt  (Fromm.  VI,  149). 

—  I'- i  schauen  =  versehen  (s.  d.),  durch  den 
bösen  Blick  bezaubern  (Wolf  142).  durch  den 
Anblick  eines  Gegenstandes  (üamonentier  r.  B.) 
die  Entwickelnng  der  Leibesfrucht  bis  tur 
Missgestalt  beeinflussen. 

Schaudern  (germ.  skud  =  sich  schütteln;  ahd. 
scutisöd  -  das  »eben,  Zittern;  seutteu,  scullsön  ■* 
schaudern;  mhd.  schütten;  dazu  Itcratlvblldnng  :  1175 
schuddern;  1M1  schaudern  =  tremere;  das  Schilderen 
=  tremor,  Had.  Jun.  3S2;  ndil.  schildern  =  quatere, 
horrere,  Gr.  W.  VIII,  2309)  =^  Überlaufende,  den 
Körper  schüttelnde  Killte  (Frost)  empfinden. 

—  Schauder,  m.  (engl,  shudder  =  Schauder,  I.ehf. 
225  =  1612  Wundfrost,  Fieberfrost,  Gr.  W.  VIII,  2303), 
1.  =  das  körperliche  Gemeingefühl  des  öfteren 
Krschütterns  der  Haut  und  Muskeln,  Beben, 
Zittern  (ür.  W.  VIII,  2303.  2309).  —  2.  =  Fieber- 
frost,  Wundfieber  von  kurzer  Dauer.  —  3.  = 
Krankheitsanfall,  Anfall  von  Käserei, unsinniges 
Benehmen  =  Schauer  2  (H.  Paul  375).  —  (lftfo) 
Schauderlein  —  Febricula  (Gr.  W.  III ,  1022), 
Fröstelo.  —  (1591)  Schauderung  =  Fieberfro.st 
(Had.  Jun.  390;  engl,  shuddering  -  Schauder,  I.eht.  93). 

—  (1591)  Fieber- Schauder  (=  der  schauder  der 
Feber.  Taljern.;  1.92  das  Srhaudem  In  Febern,  Seb.  3IKI 
=  der  schüttelnde  Frust  beim  Fieber  —  l'eri- 
psyxis  Hippokr.  —  Ha, ! -Schauder  =  Phrikia, 
Phnkodes  Hippokr. :  die  Gänsehaut  b.  Froste, 
der  «lie  Haut  gowissermassen  harter  macht, 
weil  zusammenzieht  (Kraus  k.  791).  —  (1551) 
A".!'.-  ''.-Schauder  -  Fieberfrosl  beim  Kaltweh 
(s.  d.)  (dan  kaltschauderu  der  feber,  Hock  27  u.  Uegi^t.j. 

—  Schauder- Girier,  -  Haut. 

Schauer,  m.,  f.,  n.  schauern,  Schur,  m.,  n  ,  f. 

Schäuerchen  (gem. -germ.  «knr;  frles.  schür  — 
Kraukheitsitchanor;  ahd.  scür  —  plötzlich  herein- 
brechendes l'nwetler,  Hagel  ,  mhd.  schür,  m.  Geschoss- 
hagel,  Hagel,  Kluge  \  318,  dessen  Wirkung  [horripilati... 


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Schauer. 


Schaufel— Scheck 


horror,  borreiir]  ul-ertragcn  auf)  1.  =  rasch  Bekom- 
mene und  schnell  verfliegende  Krankheiten  und 
Hitze  (Heyne  V,  286;  Gr.  W.  VIII,  2327).  —  2.  =  (mit 
ßedeutungsübergaug  aus Schaudern,  seitdem  16.  Jabrh.) 
schnell  überlaufendes  Kältegefühl  bei  Frost  und 
Fieber  (Heyne,  I.  eod.)  Paroxysmna  febris  und 
die  einzelnen  Schaueranfalle  bei  fieberhaften 
Kiankheiten  andeutend  (Gr.  w.  vill,  i«20. 
2319  ff. ;  Coler,  H.  A.  1*4;  Schindler  II,  450).  —  3.  = 
(1773)  das  Libido-Gefühl  der  konzipierenden 
Frauen,  welches  als  eine  schauernde,  zitternde 
Bewegung  innerlich  empfunden  wird  (Gr.  W.VIII, 
2127;  schon  bei  Hippokrates  angeführt).  —  4.  = 
Schäuerchen  (s.  d.).  —  5.  —  fallende  Sucht  als 
vorübergehende,  den  Korper  erschütternde 
Muskelzuckung  (Gr.  W.  VIII,  2327;  Harz,  Heesen): 
Schür  aa  Schauer,  Krankheitsanfall ,  kurzer 
Krampf  (Gr.  W.  VIII,  2327;  Schneller  II.  *:*>).  — 
schauern,  1.  =  plötzlich  erregte  Erschütterung 
des  Korpers,  wie  durch  den  Schlossenfall  und 
Hagelschlag;  tlas  kalte,  zitternde  Überlaufen 
der  Haut,  eine  Gänsehaut  bekommen  (Gr.  W.VIII, 
SM).  —  ü.  =  scheuern  (s.  d  ).  —  Schauerchen,  n. 
(Schürehen)  =  kurzes,  bald  vorübergehendes 
Frostgefübl  (Schürchen)  bei  Fieberund  Kikäi- 
tungsreaktioa  (Febricula)  (Or  w.  VIII.  1C21)  mit 
Gftnsehautbildung  (Staupe,  s.  d.).  —  2.  -  kurz 
dauernde  Zuckungen  wie  beim  schüttelnden 
Schauder  =  Convulsiones  infanlium  (=  ilusser- 
licher  Tramin,  s.  d.).  —  3  =  die  eklamptiformen 
Zahnkrämpfe  der  Kinder  (Or.  I».  M.  II.  ml).  — 
4.  =  Epilepsie  wegen  der  schüttelnden  Schauder- 
bewegungen (Gr.  w.  VIII,  2331).  —  blarrenier 
Schur,  m.  =  die  Zuckungen  der  Gesichts-  und 
Halsmuskeln  beim  lauten,  plärrenden  Weinen 
der  Kinder  (Gr.  w.  vill.  2328).  —  böses  Schauer 
(Schui),  1.  ~  ein  schlimmer,  wiederkehrender 
Anfall  von  toller  Käserei  mit  konvulsivischen 
Zuckungen  der  Glieder.  —  2.  =  die  demselben 
ähnliche  schnell  wiederkehrende  Epilepsie 
(Gr.  W.  VIII,  1327.  2328).  —  Fit  bi  r  Schauer  ■ 
Fieber-Schauder  (s.  d.)  Horror  febrium  (Gr.  W. 
in,  1621;  hoii.  koortühniverlng).  —  Launen  Schauer 
=  „eine  veränderliche  Geinütsstinimun-;  unter 
dem  Bilde  eines  Fieberschauers"  (Gr.  W.  VI,  ms). 
—  Milch  Schauer  ■  ein  bei  der  Laktations- 
periode  der  Wöchnerinnen  manchmal  ein- 
tretendes Frostgefühl  (Febricula  puerperalis; 
Milchfrost,  Milcbfieber)  (Wallb.  422).  —  Rücken- 
Schauer  ■  ein  fröstelndes,  behendes  Gefühl 
der  Muskelzuckung  im  Kücken  (Gr.  W.  VIII, 
1*6).  —  schlafendes  Schur  ■  ein  gewöhnlicher 
Anfall  von  Schlafsucht  bei  Erkaltungsreaktion 
(Gr.  W.  vill,  Ott).  —  scläimmer  Schur  =  ein 
schlimmer  Fieber-  oder  Krankheitsanfall  (Or. 
w.  Villi  2327)  als  Vorläufer  einer  schweren 
Krankheit.  Wenn  Einen  plötzlich  schauert,  so  sagt 
man  In  Schlesien :  Der  Tod  geht  Ihm  übers  Grab, 
Mehr.,  z.  Volksk  :t»2).  —  tolle  Schur,  f.  =  wie  der 
böse  Schauer  (s.  d.)  ein  wiederkehrender  Anfall 
von  Käserei  (Gr.  W.  VIII,  2327ff.).  —  Wangen- 
Schäuerchen  ■  der  Kinnbackenkrampf  beim 
Neugeborenen,  Anfall  vonTrismus  neonatorum 
(Kraus,  k.  ioc4).  —  xcirrige  Schauer,  f.  =  ein 
dauernder,  wie  verwirrt  machender  Krankheits- 
anfall (bei  Kälbern)  (Gr.  VIII,  2328). 


Schaufel,  f  (indocerm.  skub;  ■katt; 
skub  [schieben);  ahd.  scüvala.  mhd.  fchüvel, 
worauf  man  etwa«  schiebt,  um  ei  fortzuwerfen,  Kluge*. 
SU,  oder  schautelAhnllcher  Gegenstand),  1.  =  die 
Fussohle  (Planta  pedis)  als  konkave  Höhlung. 

—  2.  =  der  Vorderfuss  als  Fusschaufel  (s.  d.) 
(Schweiler  Ii.  3$i).  —  3.  m  das  Schulterblatt 
(Schau ferlfleisch  =  Fleisch  vom  Schulterblatt 
des  Kalbes),  das  hoble  Gruben  hat.  —  4.  = 
ungewöhnlich  grosse  Finger-  oder  Zehen- 
Nigel,  die  eine  konkave  Höhlung  unter  sich 
haben.  —6  =  breite  Vorderzähne,  die  konkav 
gewölbt  sind,  namentlich  die  Ersattzähne  bei 
Schafen  (Falke  II.  272.  412).  —  Schauferl.  n.  - 
eine  kleine  Schaufel  (3'.  —  Schaufler,  m.  = 
ein  Schaf,  das  die  breiteren  Ereatzzähne  hat 
(Kalke  II.  412).  —  (1609)  Fhss  Schaufel  (die  scheuflen 

an  fuessen)  -  der  Fuss-Kücken  (Lnter- 
ftiss,  Vorderfuas)  als  unlerer,  blatt- 
förmiger Schaufelstiel  (Schienbein) 
(Guar.  906.  1051 ,  Schm.  II,  384) :  der  Fuss 
„schiebt"  die  Gegenstände  weg  wie 
eine  Schaufel;  er  ist  also  die  natür- 
lichste Schaufel  (vergl.  Kotwannl- 
füsse").  —  Schaufel  -  Knorpel, 
■  Zahn. 

Schaukel,  f.  schaukeln  (ahd.  scoc  [dazu  franz. 

choc  =  Stoss)  —  schaukelnde  Bewegung,  mhd.  schoe , 
ndd.  schuckel ;  1691,  17. U  schnckel,  schocket,  Kluge*, 
318;  In  Uesprechungsformeln  werden  Augenkrank 
bellen  geschaukelt  -  fortgestossen ,  geheilt,  Kuhn 

1,  206). 

Schaum,  m.  (germ.  sku  b  bedecken;  ahd.  scüm 

—  spnma,  Graft  VI,  498;  mnd.  scuma;  mhd.  schitm; 
1419,  1429.  HM  schaim,  Schmeller  II,  418;  engl,  sklm 

—  Schaum  -  Deckendes.  Deckung,  die  Häufung  von 
Maschen,  dieelnc  Flüssigkeit  zndecken)  =  (obd.)  Feim 
(s.  d.);  Spuma:  a)  der  schäumende  Speichel 
beim  wütenden  Hund  (Geifer,  s.  d.),  brünstigen 
Tiere  (Eber)  oder  beim  Epileptiker;  b)  die 
schäumende  Milch ;  c)  derschäumendeSchweiss 
des  angestrengten  Pferdes  (Gr.  W.  VIII,  2349); 
d)  der  schäumende  I  rin  (Morbus  Brighlii) 
(j.  f.  nd.  Sp.-F.  xv,  in).  —  Blul  Schaum,  1.  =  der 
über  der  Bluthefo  befindliche  Teil  des  in  der 
Leber  nach  früherer  humoralpathologischer 
Vorstellung  durch  eine  Art  von  Lab-  (s.  I/eber) 
Gärung  von  einander  getrennten  Blutes,  wobei 
der  Blut- Feim  (s.  d.)  oder  Blutschaum  nach 
oben  geht  als  gereinigtes  (feuchteres)  Blut,  das 
mehr  Phlegma  (s.  d.)  hat.  —  2.  =  (15.  Jahrb. 
sehume  mit  blöde  -  emplma  (empyema],  D.  II,  149)  - 
der  mit  Luft  und  Blut  gemischte  Auswurf  aus 
der  Lunge. 

Schaute,  m.  =  „einfältiger  Mensch  (aus  dem 

Hebräischen",  II.  l'aul  375). 

Schebe,  f.  s.  Schabe.  —  gehebs,  schechs 
8.  Bchepps  —  Schechs'  /-V> 

Scheck,  ni.  (ahd.  sceccho;  mhd.  «checke  =  ge- 
«trelfter  Leibrock,  mit  dem  verglichen  wurden):  1.  = 
das  gestreift  gefleckte  Pferd  (1592,  8eb.  197).  — 

2.  =  die  gestreiften  Flecken  (Vibices,  Naevus, 
Chloasma)  der  Haut  (scheckig)  nnd  des  Auges. 

—  .  1 ugt  n- Schecke!  ~  Pannus,  IxMicoma  oculi, 


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sched — Scheibe. 


Scheide. 


streifenförmige  kleine  Hornhauttrübungen.  — 

(i7<o)  Jjjjj;  ]  Schecken  ((Jugng-Schecken)  = 

Kukusflecken  (s.  d.),  Sommersprossen  (Schmeller 
I.  886.  1652;  Gr.  W.  V,  2529;  Chr.  Kam.  I,  r.8).  —  Halb- 

Scheck  =  cin  halbSchiefer,  Scheicher,  Bclielker, 
I  laltmair,  überspannter  Mensch  (Spiess  II,  00).  — 
Schecken  =  schelchen,  s.  scheel.  —  scheckig 
(engl,  check?  -  naevns,  pllosus)  -  mit  Schecken, 

Sommersprossen  versehen  (z  <i  v.  f.  v.-k.  is«.«8,  »•). 
sched.  —  Schedes  Fett. 
Scheech.  Scheech-£«7. 
Scheef,  schefleht  s.  Schilf  u.  Schabe, 
scheel  (schael),  schelch,  schlich  (vorgerm. 

skelko,  skel  \ZMl.-M  =  sehr««,  schief];  germ.  skllhwa; 
ahd.  scelah,  scclaber  =  «rabn,  «ul  ocnlos  habet 
disiortos,  (ir.  W.  VIII,  2186;  12.  Jahrh  sehclocan  = 
»trabo,  H.  Z.  XV1I1,  74;  H.  Jahrh.  schel  =  strabo, 
Voc.  opl.  W.  15  40;  mh«l.  schel,  schelch,  schelrher; 
14.  Jahrh.  »reicher  =  glppus,  Heyne  V,  290;  1482 
scheicher  =  krummer,  recurvus,  obUqaoi,  Zening. 
Voc.  cc3;  sehelbeit  =  lippitudn,  lnscosltas,  D.  3 10 ; 
1591  «scheelem  —  übentwerchsehen,  llnil«  oculls  obtucrl, 
■  lad  Jim.  24;  schaeckeu,  schaegeu  —  hinken.  Kchm.  II, 
SCfi;  1005  schrieb  =  einäugig,  linnn,  lippus,  eine 
schaele  -  lippa,  Gr.  W.  VIII,  248«;  1611,  ndd.  scheel; 
hd.  schelb.  Kluge*.  319,  177.1  schelb  =  einüiiglg, 
schielend,  Schmeller  11,  405;  1777  schelger  =  valgus, 
D.  GOi;  ndl.  schel,  scbeelzlen ;  dan.  skcle;  schwed. 
skela)  =  schielend,  quer,  swerch,  krumm,  schief 
Rehend,  fibersichtig,  blind,  luscus,  strabus, 
limus,  lippus;  letzteres  in  freier  Anwendung 
auf  andere  Seh  fehler  od.  krankhafte  Störungen 
des  Sehvermögens  und  Auges  (<ir.  w.  VIII,  2486), 
«lie  auf  gleichen  Ursachen  wie  die  Muskel- 
lähmungselbst beruhen.  (Volksetymologisch  wurde 
daher  auch  Schcllkraut  [aus  i'helldonia,  Schwalben- 
wurz] gegen  Augenleiden  beniitzt,  Jessen  90,  als  ob  es 
zu  scelah  =  schielend  Bezug  hatte;  Oberhessen  —  ein- 
äugig, Wodansgestalt,  Schell  273;  KIukc.  1.  0.).  — 
(Bayern;  österr.)  schelch  -  schief,  überrwereb, 
krumm  (dazu  schlichen,  schielen),  (Schweiz) 
*chalb  =  scheel  (Schw.  588).  —  schelken  (schaggen) 
(Kb.-Malz;  Schmeller  II,  36C)  -  schelch  gehen, 
hinken.  —  Scheelheit  (15.  Jehrh.  scbelbeit.  lu«- 
cositas,  llppitudo,  strabosltaa,  D.  310  554 ;  Zen.  Voc.)  = 
Scheeligkeit  ■=  schiefer,  schlimmer  Zustand, 
t.  Ii.  der  Augen,  Strabismus.  —  schelchs  — 
schief,  krumm.  —  (1518)  .1«  jen  Scheeligkeit  - 
(scholligkeit  der  äugen,  II.  v.  Gersd.24)  =  Strabismus 
oculorum  traumalicus,  Augenmuskel-Ltthmung 
(Schiefsehen  der  Augen).  —  glied -  schelch 
(14. — 15.  Jahrh.  glydschelych  -  labllls,  I>.  314)  =  ge- 
brechlich, gliedkrumm.  —  Im  n  -  scheelig  = 
schief,  verrflekt  im  Gehirne  oder  Verstände, 
wahnsinnig  (Delling).  —  Scheel-,  schelch  » 
App<-l',-A uge,  -bucklet,  -Fuss,  - G wehen , - Guckele  *, 
-Hals,  ■  Hauptpein,  haxet,  maulet,  -selten,  teenket, 
-icinket. 

Scheibe,  f.  (vorgerm.  »kip«  [sroiso-  =  Topfer- 
scheibe], gern»,  skibö,  Kluge5,  319;  ahd.  sriba,  t. ;  mbd, 
scblbe  -  Kugel,  Rad,  flacher,  runder,  rollender,  dreh- 
barer Körper,  kreisrunde  Platte,  Heyne  V,  292,  (ir.  W. 
VIII,  23V,);   vergleichsweise  nt,crtragen   auf:    1.  m 


Kniescheibe  (s.  d.),  l'atella,  Rotula  (die  mit  dem 
scheil>cnartigen  Mühlstein  [  —  mola]  verglichen  wurde, 
Gr.  w.  v,  1431).  —  2  =  (1543)  die  Pfanne  des 
Hüftbeins  als  kreisförmige  kleine  Hohlscheibe 
(Aeetahulum)  (Gr.  W.  VIII,  2389;  Hyrtl,  K.  W.  134). 
in  der  die  Hüftkugel  rollt.  —  3.  =  das  Hinter- 
teil des  Hirsches  wegen  seiner  runden  farbigen 
Abgrenzung  (Heyne  V,  292).  —  (1531)  Scheiblich 
keit  (scheiblichalt,  Krautw.  Uli,  1"  2)  =  .scheiben- 
förmig sich  ausbreilender  Zustand".  —  aus- 
scheiben  (schieben)  -  an  der  Scheibe  1.  2. 
sich  den  Knochen  au9  der  Pfanne  verrenken, 
luxare  (Z.  f.  ö.  V.  K.  1897,  5.  2*0).  —  Hirn  Scheibe 
(mhd.  hlrnscbübe)  —  der  runde,  glattgc  wölbte, 
kugelförmige  Hirnschitdel  (Hirubolle)  (Lexer  102). 

—  rwiMs- Scheibe  -  Günsel*,  Nuss,  Mummfel, 
das  geheilten  förmige  Fleischstuck  (.Musculus 
obtur.  int.  et  pyriformis)  an  der  Kalbskeule, 
Scheibe  2  (Garhsehale)  (E.  W.  I.  220).  —  Knie- 
Scheibe  (ahd.  knlosciba.  Graft  IV,  575;  mhd.  knie- 
schibc.  Heyne  V,  404;  1420,  1125  knyeschiue,  kny- 
KChibe,  kneschiue  —  tibla,  sutfragines,  I).  5t*»5.  582,  1477 
kneiM-hell»,  Ortolf  -  patella,  Gr.  W.  V,  1122;  1I7C  kny- 
ochneube  --  fragus,  subfrago,  curvatio  genuum,  Ü.  24  >; 
14»2  knyeseheyb  =  tibla.  pobles,  Zcnnlg.  Voc.  r  1.  o.  8; 
15  Jahrh.  knulschlbe  =  tlbiacula.  D.  II,  3C4;  1628  knue- 
schib,  kueuschyeb  —  patella,  H.  v.  Ger»d.  15;  Hyrtl, 
K.  W.  96;  1666  knic*<-heib  m  rotula,  Gr.  W.  V,  1431; 
holl.  knlescbljf)  -=  der  bewegliche  auf  der  Gelenka 
flache  des  Oberschenkel-  und  Schienbeins  hin 
und  her  gleitende,  Scheiben  -  pfannenförmige 
Kniegelenks- Knochen  bei  Mensch  und  Pferd 
(Leiste,  Rolle),  Patella  (Kraus,  E  746;  Mayer  93; 
Herbst  iw),  Epiglossum  (Kirsch  437),  Rotula,  Mola, 
Oculus  s.  Concha  genu,  Olecranon  mobile.  — 
2.  **=  Kniegelenk.  —  3.  =  Knie;  conf.  „Mein 
Vater  und  dein  Vater  haben  mitsammen  vier 
Kniescheiben  gehabt"  (Meran;  v.  Hörmann  99) 
=  sind  einstmals,  aber  durch  weite  Zeitperioden 
der  Generation  verwandt  gewesen:  die  Ahnen 
sind  einst  auf  «lern  gleichen  Knie  (s.  d.)  geboren 
worden.  —  Knierad-,  liad  Scheibe  (ahd.  rad- 
aeipa  —  poples,  Graft  VI,  408;  U.  598;  15.  Jahrh.  knii- 
radscbyb  =  poples,  Gr.  W.  V,  1431;  D.  643);  eigentlich 
tantologUch,  da  Uad  =  Scheibe  -  Kniescheibe  als 
scheibenförmiges  Rad  am  Knie  oder  Knie-Rad 
(s.  d.).  —  A'm< Scheiben-. 4 »•,  -Schaden,  -SucJit, 
-Zuthätigkeit.  —  Tofcn  Scheibe  =  die  Hirnschale 
eines  todkranken  Kindes;  bleibt  beim  Uunzeln  der 
Sltrne  oben  eine  glatte  Flache  [  =  Totenschclbe),  so 
stirbt  dies  Kind  bald  (Kohler.  V.-Br.  397),  nach  dem 
Volksglauben  Im  Voigtlande. 

Scheide,  f.  scheiden  (Schidang)  (zu  scheiden 

[s.u.];  nbd  scclda;  mhd.  scheide),  1.  —  Schwertscheide, 
ursprünglich  aus  gespaltenen,  dünnen,  von  den  dickeren 
geschiedenen,  hölzernen  Brcttchen  hergestellt  (Heyne 
292).  Trennnng,  Scheidung,  Grenze,  scheidende  Hülle. 

—  2.  =  (1676  scheide  xi/.r.o-  (bei  Lycus,  Oribasius 
uach  Kossm.  XII],  6  ■tf.ä/T().oj  t^C  P^t'?'*'-  P"  cod.], 
sinus  pudoris  Ealloplae,  Collum  lougum  Barlholini, 
Kossm  XII)  Vagina  (  -  Gebarmutlerhals  [s.  Mutter- 
Hals]  der  älteren  Ärzte  [bis  zum  18.  Jahrh.],  Hyrtl, 
K.  W.  74)  als  Trennungsspalte,  die  «len  mann- 
lichen Penis  aufnimmt,  „tamquam  in  vaginatn" 
(iuald.  tolumb).  —  3.  =  die  Hülle  von  Teilen 
desanimalischen  Körpers.  —  scheiden (Indogerm. 


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SM 


Scheide. 


Scheini— Schein. 


sklinit,  skblt  [r/l^iu,  scindo  -  spalte1,;  gcrm.  sknilh ; 
engl,  shcath  —  Scheide  [vaginn];  ahd.  seeidan ;  angls. 
«ccadhan,  Cock.  I,  30;  mhcl.  scheiden,  Kluge5,  319) 
=  fondern,  trennen.  —  Scheidung  (Schidung) 
(ahd.  seeidunga;  mhd.  Bchcldunge,  Bavarla  III,  2.  911) 
=  die  Handlung  des  Scheidens;  der  Ort  des 
Scheidens,  der  Trennung,  die  Zeit  der  Ent- 
scheidung, aucli  das  Sterben.  —  Abschied  = 
Tod.  —  A 6schoidung  (angls.  aesceda  =  migma, 
Cock.  II,  403  [smegma])  =  Sekretion,  Ausscheidung. 

—  Au  gen  Scheiden  (Schein)  ^=  (Oberpfal»)  der 
höchste  Grad  von  Kopfweh,  bei  dem  das  Licht 
aus  den  Augen  scheidet,  Hören  und  Sehen 
vergeht  (Rochh.  II,  ioo).  —  .-1  Scheidung  = 
das  Produkt,  die  Handlung  der  Entleerung, 
i.  B.  von  KrankbeitsstotTen  in  der  Krisis  (s.  d. 
und  Kochung).  —  Geburt  Scheide  =  Mutter- 
scheide  beim  Pferde  (Mayer  9).  —  Gi  scheid,  n. 
(angls  gescead,  gescad,  Cock.  III,  300.  SO-i.  328;  mhd. 
geschide,  die  mehrfach  wiederkehrende,  eingehendere 

Trennung),  1.  =  die  durch  mehrfache  Falten- 
bildung auch  vielfach  von  einander  getrennten 
Darmschlingen  und  Baucheingeweide  (Jägerspr.  ; 
Schm.  11,372,  Hjlfl,  K.  W.  58 ;  Brehm  III,  135;  PIercr',1. 
1493).  —  2.  =  das  Kollektiv  von  Knochenspallen, 
die  sich  namentlich  am  kindlichen  wachsenden 
Hirnschttdel  vorfinden.  —  gescheit  ■  getrennt, 
gelilutert,  klar,  hell  (bildlich  noch  vom  Verstand) 
(mbd.  geschide,  Kluge  136;  bei  Luther  auch:  be- 
scheiden). —  Haupt- G>  scheide,  n.  (auch  entstellt 
in  schein  =  schei[de]n ;  mbd.  houbetgeschtde  = 
Schwindel,  Kopfkrankbelt.  Leser  106;  Gr.  W.  IV,  2. 
613),  1.  =  eigentlich  die  Stelle,  wo  das  Haupt 
(Kopf,  Scheitel)  eine  auffallende  Scheidung  und 
mehrfache  Spaltung  zeigt  =  grosse  Fontanelle 
am  Scheitel  (s.  Blatt);  ist  dieselbe  bei  Kindern 
sehr  stark  eingesunken  ( =  Blattschiessen,  b.  d.), 
so  ist  das  2.  —  ein  Zeichen  der  Gehirnlithmung 
(namentlich  beim  Hydrocephaloid)  und  ein 
seihst  »lein  Laien  bekanntes  schlimmpro- 
gnostiBches  Symptom;  daher  3.  =  (auf  den  Kr- 
wachsenen  fibertragen)  Hauptgescheid  =  Schwindel 
(Vertigo),  Ohnmacht,  schwere  Kopfkrankheit 
(Qr.  \v.  IV,  2.  73.  013;  Schm,  Ii,  874.  424)  mit  Augen- 
muskel Verzerrung  (Augenölen-  bei  H.  Sachs;  das 
Ilauptgescheide  wird  durch  eine  Reihe  von  Besprech- 
ungen und  Bescgnuugen  volksmedtzinlsch  behandelt 
(liavaria  I,  2.  1032],  da  es  dem  Hexen-  und  Teufels- 
Elnflusse  zugeschrieben  wird;  vergl.  II.  Z.  XIII.  203; 
ür.  I).  M.  II.  113;  Schmellcr  II,  374;  Gr.  \V.  IV,  2.  613). 

—  Hirn  Scheidung  (14.  Jahrh.  hlrnschldung  [Voc. 
opt.  Vi.  10;  D.  III],  cellula  cerebri)  -  die  grosse 
Scheitel-Hirnfontanelle  als  erste  Hirn-Kammer 
oder  -Grube.  —  Muttt  r  Scheide  (17.  Jnhrh.  = 
vagina,  Hyrtl,  K.  W.  210;  17K3  =  vagiua.  Stein  I,  3t; 
Kalke  II,  HO)  =  der  zur  Gehürmutter  führende 
TrennungBspalt  am  weih).  Leihe  =  Scheide  2. 

—  (1812)  Schleim  -  Scheiden  =  Sehnenscheiden 
(s.  d.)  (Kalke  II,  233).  —  Seelen- Scheidung  (1476 
der  sewe  scheydung  =  agnnla,  D.  II,  13)  =  die  Tren- 
nung der  Seele  vom  Körper  bei  den  letzten 
Atemzügen  in  der  Agonie.  —  &/inen-Scheide 
(nnatom.  Schulausdruck)  =  die  den  Sehnenstrang 
1  rennend  umgebende,  häutige,  mit  schlüpfriger, 
Synovia- ähnlicher  Feuchtigkeit  (Schleim)  er- 
füllter Hülle,  Vagina  tendinis,  als  Fortsetzung 


der  (nnatom.)  Muskelscheiden  (Hyrtl,  Anat.  109  0  ). 

—  (1592)  Linscheid  -  der  Kamschlauch  über 
dem  Ochscntisel  (Seb.  150).  —  (1556)  t/nferscheid 
bb  lintertbat  (s.  d.)  =  das  Interfinium,  der  die 
beiden  Naienhöhlen  (unter-) scheidende  Nasen- 
Bcheidew«nd  -  Knorpel ,  Nasen  -  Mittel ,  Dia- 
phragma narium  (<Jr.  Vi.  VH,  398;  1482  nasennnder- 
Kchaid  —  pirula,  D.  437)  (s.  Birne).  —  Glas-  ünler- 
scheidigkeit  (mnd.,  14.— 15,  Jahrh.  de  underschey- 
dicheit  der  glas,  3.  t.  nd.  Spr.-K.  XV,  121)  =  Urin- 
Diagnose  aus  dem  Uringlase.  —  r«  scheiden  - 
ganz  aus  dem  Leben  scheiden,  sterben  (is.  Jahrh. 
verseheideb,  Hoffmann  I,  114;  15.  Jahrh.  vortcheden  j 
14H6  verscheydeu  =  demigraro  defunetus,  D.  II,  130. 
12«;  15M  vorsebeiten,  Chr.  Meyer  99).  —  Scheide  m  - 
Haut,  -Höhlt,  -Klappt,  ■  Wand,  ■  Warten,  Zähne. 

—  Scheidungs-  Tag. 

Schelm  s.  Schimmel. 

Schein,  m.  (Scheim,  scheinen),  scheinbar 

(gerat,  ski,  skinan  [schimmern,  glänzen],  SX'.d  = 
Schatten;  ahd.  sein,  scinan ;  mhd,  schinen,  schin; 
angls.  scinno  =  dämon  noclvus,  Ze.  56;  slcbenb.  schin 

—  fein,  dünn,  Schm.  II,  425),  1.  =  Glanz,  Schein, 
Helligkeit,  Deutlichkeit,  zum  Vorschein  kom- 
men. —  2.  =  Sehen,  Sehkraft,  Licht,  Blendung. 

—  3.  =  der  runde  Schein  (Kreisbild)  im  Auge 
durch  das  Mondlicht  od.  Sonnenlicht.  —  Schein- 
ling,  m.  =  das  Auge  (Schm.  Ii,  425).  —  Schein 
lieh,  n.  (Scheinlach)  (angls.  seinlac-  visium,  Co«  k. 
Ii,  288.  404)  =  apparitio,  Erscheinung  im  (Alp-, 
Fieher-)Traume,  etwas  was  nicht  wirklich  ist, 
Bondern  nur  so  scheint  —  scheinen  =  einen 
Schein  geben,  sichtbar  werden.  —  das  Kind 
scheint  in  die  Welt  =  das  Kind  steht  (bei  der 
Geburt)  in  der  Krönung  (s.  d.,  erscheint)  (Pauli  99). 

—  scheinig  =  ins  Gesicht  fallend,  sichtlich, 
sehend  (schm.  Ii,  424).  —  scheinbar  =  den  Schein 
tragend,  den  Schein  von  etwas  habend  -  ver- 
meintlich (s.  Adern).  —  Augen -Schein  (mhd. 
ougen-sebin,  Lcxer2i6),  1.  =  Augenlicht,  Sehkraft. 

—  2.  =  Augenscbei(de)n.  —  3.  =  das  blosse 
Scheinen,  nicht  volle  klare  Sehen  mit  dem  Auge 
(17.  Jahrh.  das  Scheinen  der  Augen,  Fr.  Kr.  B.  373).  — 
Oschein  =  das  mehrfache  öftere  Erscheinen. 

—  GieM- Schein  (ahd.  gibalscelnl,  gebulscenl,  ge- 
bulsklnl  [Leg.  Bajuw.  IV,  l],  sl  in  caplte  testa  adparet) 
=  eine  klaffende  Kopfwunde,  bei  der  der 
Giebel  (b.  Gipfel)  (ahd.  glbllla  =  Schftdclkuochou) 
zum  Vorschein  kommt  (Du  cange  IV,  49).  — 
Haupt- Oe&chein  =  eine  Entstellung  aus  Haupt- 
geschei(de)n  (s.  d.).  —  St.  Lünen- Schein  ^  die 
Hexen-  oder  Triefaugen,  die  durch  das  Atzende 
Sekret  um  das  Auge  einen  roten  Hof  auf  der 
Haut  machen  und  durch  Ectropium  eine  rote 
Lidschleimhaut  zeigen  (s.  St.  Luzia);  St.  Lucia 
( =  die  Leuchtende  =  Percbta-Statnpa)  ist  Patronin  der 
Augeukrnnkcn  (s.  d.  Verf.  Kullkitlend.  In  d.  Zcitschr. 
d.  ü.  O.  A.-V.  MM,  8.  213;  Rclnsb.  5.19;  Vcrunl,  A.  114). 

—  A/ond-Schein  =  Glatzkopf  als  runde  Licht- 
erscheinung (Kehrend  8«)  (Calvities).  —  Mond- 
scheinigkeit,  1.  =  der  ZtiBtand  der  Mondsucht 
(in  Karnthen  verballhornt),  die  zur  Zeit  des  Mond- 
scheins sich  besonders  Hassern  soll;  „der  Mond 
(s.  o.)  hatte  nach  altem  Glautan  auf  alle  Gewächse  der 
Krde,  auf  Zeugung  («.  Momlkalb)  und  Geburt  (Monat- 


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Scheiss 


Bettelte). 


5«1 


liehe«)  und  Hilf  das  Cchirn  des  Menschen  Elnflnss" 

«ir.  w.  vi,  .-500).  —  2.  =  „der  Mond  scheint"  - 
die  regelmässig  alle  Mondzeiten  (Monate)  mm 
Vorschein  kommende  weibliche  Kegel  (Colcr, 
n.  A.  215).  —  Sonnt»  Schein  =  Glatzkopf  (siehe 
Mondschein)  (Bohrend  sc).  —  »chclche*  Gt  schein 
(mhd.  da«  Regime  was  sohelhex,  Kaiscrohronlk ;  Gr.  W. 
VIII,  im)  -  scheeles  Geeicht,  schiefer  Blick 
(Strabismus).  —  übet  scheinig  =  nach  oben  ge- 
nebtet  sehend,  nnr  aufwärts  gut  sehend  (Sehm. 
Ii. •12"»).  —  nr  scheinen  =  übersehen, verschauen, 
verneiden  (s.  d),  durch  den  bösen  Blick  ganz 
und  gar  beschädigen.  —  schein-  (bare,  ende) 
Ader,  -gelb,  -haarig,  -krank,  -Rufen,  -siech,  -  Tod, 
-tot. 

Scheiss,™  scheissen,  Scheisse,  f.  Scheisset,  f. 
Schiess,  f.  (indogerm.  «khld  =  *ohelden,  ausscheiden  ; 
gem.-germ.    skit  =  sohel«*en ;   angls.  scitan,  scytel 

-  Koth,  Dünger,  Look.  II,  401;  nhd.  «clwin  ,  soiz- 
zata,  (irnfl  VI,  .VO;  9*7  pesti«  inoognita  -<  il.  febres 
homlnum  et  lue*  animaiium  niiae  anglice  Scitha  nomi- 
natur,  latinc  autem  tliixus  interancorum  diel  potest, 
Du  Cange  VII.  367;  Ursch  67  =  Durchfall,  leochaD- 
hafter;  12.  Jahrh.  *<bls«in  =  egerere.  P.  1%;  mnd  den 
«ritten,  J.  f.  ndd.  Spr.-K.  X,  135;  mhd.  sohixen  [Kluge*, 
180.  319],  «rheiz,  schire,  sohlte,  »ehizet;  scheNs,  in, 
=  crepitu*  ventrK  cacatio.  .Schmeller  II,  474;  Ix-xer 
212;  1482  die  scheisse  =  llcnteria,  Zening.  Voe.  bb  5; 

I. r>.  Jahrh.  soheyssen  =  egerere,  I>.  19f»;  sohlten  = 
merdarc,  D.  II,  251 ;  1518  die  srhyss  =  fluxns  vontii«, 

II.  v.  Gersd.  »9;  ISN  MMm  =  c arare ,  Gr.  W. 
VIII,  2463;  1719  schei«se,  f.  =  stercus  humanuni, 
Gr.  W.  VIII,  2164;  ndd.  «rhcl;  [Khcin)  »ob.-«  [Schles- 
wig!, «kldtj,  Möllenhoff  49S;  engl,  to  shit)  ,  1.  - 
das  Kot-Auswerfen  aus  dem  After  bei  Mensch 
und  Tier;  in  alterer  Sprache  ganz  anständig  (Heyne 
V,  299),  Proluvies  al vi,  kakieren.  —  2.  =  Diarrhoe 
als  (krankhaftes)  Kotauswerfen,  namentlich 
epidemische  Kühr  und  seuchenhafter  Durch- 
fall (Gr.  W.  VIII.  2463),  heute  nur  in  roher  Aus- 
drucksweise. —  3  =  die  flatus  ventris  als  Bei- 
gabe zu  2,  Darmwinde  (Leset  212)  —  iritscheln, 
Eiste  lassen.  —  4.  —  der  heftige  Drang  b.  Stuhl- 
gang, Galloper  •  (Gr.  W.  VIII,  2466).  —  5.  =  etwas 
Verächtliches  Oberhaupt.  —  Scheisserei,  f.  - 
das  krankhaft  vermehrte  Scheissen.  —  Scheisse, 
Scheissen,  SchiSS,  f.  (mnd.  der  seilten  ;  16.  Jaluh. 
die  schisse,  I).  II,  133;  (Henneberg]  der.Schesse.  Spiess  II, 
209)  =  <  acatio,  Diarrhoea.  —  Schisset,  f. 
Scheisset,  f.  =  Proluviee  (ahd.  scUzata.  schm.  11, 

475;  mhd.  schlzet,  Graff  VI,  560;  (ir.  W.  VIII,  3483). 

—  Bcheisserig,  scheisserisch,  (uvxij  scheissig, 

1.  =  den  Drang  zum  .Scheissen  habend,  eaca- 
tnriene,  foriolus  (frnnz.  foirolle,  Gr.  W.  VIII,  2«6S; 
Hriss.  171;  D.  243;  Schroetter  II,  475).  —  2  -  den- 
selben oft  und  rasch  vollziehend,  diarrhoicus 
(Had.  Jnn.  3%).  —  scheisseln  -  „nach  Kisten 
riechen"  (schm.  n.474)  —  Scheisser,  Schisser,  m. 
1.  -  einer,  der  oft  sche:s*t.  —  2.  =  kraltloser 
Mensch  (Schindler  II,  475).  —  Scheissel,  n.  =  ein 
kleiner  Scheisser.  —  scheissern  =  impetOi 
cacandi  esse  alicui  (Sehrnellet  II,  475).  —  Scheis- 
snng  =  die  Ausscheidung,  Ausfall.  —  fli«- 

scheissen  -  ausscheiden.  —  Blut  -  Scheiss, 

-Schiess  <  Ha."»  bl'.tschisa«.  uchey**  =  dysenteria, 
I>    1*5.  II,  137;  1512  bltilschyss  -   Hentern».  I».  329; 


franz.  ca<jiie  sangue.  A.  I'arc ;  Hriss.  174)  =  rote  Kühr, 
Dysenteria,  als  blutige  Ausscheidung  aus  dem 
After.  —  (15.  Jahrh.)  ri  ü/i  nc  Scheiss  (Schiess)  (1429 
dünuscheissen  =  dysenteria,  D.  II,  133;  1414  dunschlss, 
dunneschissig  —  laxus,  I).  :!21  ;  1176  die  dünne  «cht«* 
----  diarrhoea,  I).  II,  133;  1507  dnnne  »chyss  =  lienteria, 
D.  329;  1515  dünnsrhyss  m  diarrhoea.  I).  179;  1610 
dünne  Scheine  =  dysenteria.  Gr.  W.  II,  1557;  Vill, 
246-1)  =  die  nicht  festkotige  normale,  sondern 
w.tsserige  Ansscbeidung  aus  dem  After,  Diar- 
rhöe, Dysenteria.  —  (1482)  rtnrrA-scheissig  =  am 
Durchfall  (s.  scheissig)  leidend,  laxus,  solutus, 
diarrhoicus  (Gr.  W.  II,  ic.es ;  n.  321).  —  (1*92)  Haar- 
Scheissnng  (scheussung  de'  Ilaare«  -  alopecia,  lind. 
]  Jun.  382)  sc  Haarabfall,  llaarabscheidung,  -Ver- 
lust. —  (15.  Jahrh.)  Lauf- Scheisse  flapsehelsse. 
Gr.  W.  VI,  334;  D.  179)  -  eine  Ausscheidung,  zu 
der  man  in  aller  Eile  zu  Stuhl  geht,  Durchfall, 
im  Gegensatze  zum  Iiarnlauf.  —  7-cn-  (lind-, 
Lähm-)  Scheissen  (-Schiess)  =  weiche,  unwill- 
kürliche Entleerung,  Diarrhöe  (Schmeller  II,  474; 
1.  1478).  —  (i59i)  Nabel  -  «««scheissen  ■  Exom- 
phalus,  Kuptura  umbilicalis,  Nabelbruch  (Vor- 
fall) UUd.  Jun.  896).  —  rote  Scheiss  =  rote  Kühr 
(Alpbg.  305).  —  Schand  Scheiss  -  ventris  crepitus 
praeter  niodum,  Bauchwinde,  deren  hörbare 
Ausscheidung  eine  Schande  ist  (Gr.  \v.  VIII,  2156). 

—  (1591)  trappelnde  Scheiss  (unter  Anspielung  ml 
trßpfeln,  troppeln)  =  eine  Diarrhöe,  deren  Zwang 
den  trippelnden  Schritt  veranlasst  (Gr.  W.  II,  48»; 
VIII,  2464]  im  Gegensatze  zur  Laufseheisse.  — 
))></- Schisser,  -Scheisser  =  Hordeolum,  Cha- 
lacium,  ein  Gerstenkorn,  das  man  in  verächt- 
licher Weise  (vergl.  Unkraut)  mit  einem  Kot- 
haufen vergleicht,  der  in  der  Sehlinie  liegt  und 
durch  seine  Nähe  am  Auge  als  grosser  Haufen 
erscheint  (henneb.  wnekschesser,  Spie«*  II,  278;  in 
volksctyraologtschet  Begründung  wird  es  mit  Exkre- 
menten behandelt  (Pnuli  39]  und  »eiue  Entstehung 
darauf  zurückgeführt,  dass  man  am  Wege  kakiert  halte, 
(Schmeller  II,  .^77;  s.  auch  Wepetrltt).  —  trc«W 
Scheiss  =  weisse  Kühr  (Alpbg.  30:.).  —  Zitter- 
Scheiss  ■  Angstdiarrhöe  (BehmeUer  II,  U6i).  — 
Scheiss  A  d er,  -Darm,  -Ding,  -Fieber,  -Krank- 
heit, -Sof. 

Scheitel,  m.  f.  (ahd.  seeitila,  f.;  8.  Jahrh.  «kciiilu 
=  Vertex,  Ca««.  Gloss.,  Diez  l>2;  9.  Jahrh.  soheitlla  — 
Vertex,  tesia.  Rat».  Maur.  84;  11.  Jahrh.  skeitili  [Notkerl, 
seeldeln,  n.  Z  III ;  VI,  321 ;  XV,  349  =  Vertex,  caeumeii 
capitis;  mhd.  scheltel,  f.;  1482  sclialltel  =-  gryndt 
( —  Kopf],  Zeuing.  Voe.  m  7;  15.  Jahrh.  scbeytel  = 
granerium  [—  cranium],  I»  II,  197;  1560  schcitel,  f., 
l'ietorlus  25;  lt.is  scheitel,  f.,  llrinsing  372)  =  Kopf- 
wirhel,  Haarscheide  vom  Wirbel  zur  Stirne 
(Kluge*,  320).  „die  Kopfstelle,  wo  die  Haare  sich 
scheiden,  d.  h  nach  verschiedenen  Seiten  sich 
legen"  oder  die  sichtbare  Stelle  am  kindlichen 
Schädel,  wo  die  Scheidung  oder  Spaltung  der 
Kopfknochen  (das  Haupt gescheide,  s.  d.)  sich 
findet,  übertragen  auf  den  Erwachsenen:  1.  ~ 
oberste  und  mittlere  Stelle  des  Hauptes  mit 
und  ohne  Haarbedeckung,  das  Mittel  7,  Vertex. 

—  2.  =  Kopf  Oberhaupt  als  Höchstes  des  auf- 
gerichteten menschlichen  Leibes  (ur.  W.  VIII, 
2476).  —  3  =  t  »berstes,  Spitze  Oberhaupt  (in  ülx-r- 
tragener  Bedeutung).     -  Fachs- Scheitel  (ahd.  fahs 

3G 


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5C2  schelb-Schelle. 


Schelm. 


scheitila,  Graff  III,  447)  -  der  Haarteil  des  Schädels, 
des  Hauptfachs  (n.  d.).  —  (1741)  i>  -Scheitel 
=  Fachsscheitel  (Uiserimen  capillorum)  (Kirsch 
iso).  —  Haupt-Scheitel  =  Vertex,  die  höchste 
Stelle  des  Hauptes  (Gr.  W.  IV,  9.  627).  —  (1302] 
Hinttr-Scheitel=  Hinterhaupt  (Scb.  9fi).  —  Hirn- 
Scheitel,  m.  =  der  Hirnschadel,  Iiirnleil  des 
Kopfes  (15.  Jahrh.,  1470  hirnescheytel,  hirnscbeidel 
a  graneum.  ccrebcllum,  D.  114;  II,  117;  Gr.  W.  IV,  2. 
1562).  —  Scheitel- Bein,  -Frais,  -Haar,  -Naht. 

schelb  (schall))  s.  scheel, 
scheibern  s.  schilfern, 
schelch  s.  scheel. 

Scheide,  f.  (engl,  scald  —  Grind,  Brandwunde, 

Lehr.  222).  —  Scheide  -  Scrabositns,  Ausschlag 
mit  Abschnlung  u,  itildung  eines  rauhen  Schorf- 
Grindes  (Scbmeller  II,  406)  =  was  sich  ahschillt. 

Schelfen  (schelben),  Schelfe,  f.  schilfern 

(zu  schalen  [s.  d  ),  „eine  Weiterbildung  zu  Schule", 
Heyne,  V,  301 ;  engl.  scalp  Kopfhaut,  l.ehf.  83  ff  ; 
ahd.  sceltva;  mhd.  schelfe  —  Fltilse,  dünne  Schale, 
Gr.  W.  VIII,  2490;  1482  =  «ehelff,  Zcnlng.  Voe.  ee  4; 
»••helfen,  schelfern,  schelbcru,  schilfern ,  schulfern; 
1620  schölten,  Dr.  Minderer).  —  Schelfe,  1.  =  das 
schuppenweise,  hülsenartige,  kleienförmige 
Abschuppen,  Abblättern  der  Haut  oder  der 
Zunge  (Gr.  W.  VIII.  2491;  Dr.  Minderer).  —  2.  = 
Eischale  (1531  die  »ehelff,  Krautw.  XXIX,  J  2).  — 

(1731)  /4&8chelferung;  (1837)  (AuHchilferung)  = 
der  schuppige  Hilutungsproiess  hei  Scharlach 
(u.  Masern)  (Schnieder  II,  HO;  Woyttt;  Gr.  W.  VIII, 
2191),  feiner  und  getinger  als  die  „Abschnppung" 
der  Haut  (s.  d.). 

Schell,  m.  (fiies.  skal  =  Ilotle,  Heyne  I,  372  [siehe 
Schelle];  ahd.  seelo  --  Zuchthengst  [Scheich];  mhd. 
sc  hel).  —  (mhd.)  schellisch,  (1517)  schellig  -  laut 
tönend  wie  der  Hirsch  oder  Scheich  und  Schell- 
hengst, in  Erregung  befindlich,  scheu,  wild,  toll, 
aufgebracht,  unsinnig,  an  Hundswut  (Lyssa) 
leidend  (D  300;  Schindler  II,  3'J5.  397;  Inchenhof. 
Mirakel,  Gr.  W.  VIII,  2">0]),  mönig  (s.  d.)  (Sehw.  .'.88). 

—  i>rschellen  (beschälen)  -  durch  den  Zucht- 
hengst belegen,  bedecken,  belaufen.  —  Be- 
schell,  m.,  n.  —  Zuchthengst  (seb.  22."..  2210.  — 
/frscheller-.limrW«'/,  -Krankheit,  -Seuche.  — 
/mn- schellig,  1.  —  toll  im  Hirn,  capitosus,  cere- 
brosus,  nicht  bei  Verstand,  wild  (Gr.  W.  UM,  1*1»; 
IV.  2.  1562).  —  2  =  vom  Drehwurm  behaftet 
(bei  Schafen)  (Schnieder  I.  1163),  der  Gehirner- 
scheinungen  macht.  —  (i%30)  Hirnschelligkeit 

—  der  Zustand  des  Hirnschelligscins  (Künlg«sp.). 

—  -schell-,  schellige,  -hornig,  -hirnig,  -Menschen, 
•Seuche. 

schell,  1.  s.  auch  scheel;  2.  s.  Schell. 
Schelle,  f.  (Scheele)  (zu  schellen ,  ahd.  sccian  = 

ert-.nen  machen,  schallen  lassen;  mhd.  schellen;  ahd. 
scClla;  mhd.  schelle  —  Olfiekchon,  Kluge1,  320;  angls. 
heortes  sccnllan  —  testicull  cervl,  Cook.  I,  336;  1616 
schelio  —  testiculus,  Coler,  Pf.  341;  mit  den  tonenden 
Glßekehea  |  Schellen,  werden  verglichen);  1.  =  die 
Hoden  des  Knaben  und  Mannes,  die  schellen- 
förmig  hinabhitngen  (Testiculi)  (ur.  \v.  vui,  24»; 
Huck  ig).  —  2.  =  die  l'ferdehoden  (Or.  W.  I.  cod.). 

—  3.  =  ein  herabhängender  Kopf  (Appenzell;  | 


I  Gr.  w.  VIII.  2195}  und  4.  -  der  Triiger  desselben. 

—  5.  (nordd.)  =  Sehale.  —  Bnben -Schellen  = 
die  Knabenhoden  (duck  40).  —  Schellen- Beutel. 

Schelm,  tl).  (zu  europ.  skalama  =  calamita.«, 
Frick  408;  ahd.  scelian  —  schalen,  spalten,  trennen, 
Schindler  II,  395,  ursprünglich  das  Vieh,  das  mm 
Schinderplnt«  gebracht  ist,  geschundenes  Vieh 
ETÖv  =  Aasknochen,  z/At.Xut  a  spalten,  schinden, 
Zc.  59|,  Aas,  Gr.  W.  VIII,  230*;  ahd.  scalmo,  scelmo 
=  Seuche.  Viehsterben  [».  d  ],  (iraff  VI.  492.  716; 
scalmo:  pars  corporis  hviraanl  omnis  infra  inqnen. 
Pestis,  pestilentla,  lue«,  tihusterbo,  Graff  VI,  4L'l  ff. 
492.  715;  12.  Jahrb.  schelmo  =  pestis ,  D.  II,  290; 
13  Jahrh  schelm  =  arinentarlum  —  Viehschelm,  I).  49; 
mhd.  Schelme,  schal  ine,  m.  schelm,  f.,  Frick  408  — 
Menschen-Pest  [Ines],  Seuche  bei  Mensch  u.  Vieh  [Schuf  1], 

C.  v.  Schra.  457);  mnd  Schelm  —  Aas,  Kadaver  [auch  in 
Bayern],  Kluge  ,190;  14.  Jahrh.  sehclm  -  pestilentia, 
Voc.  opt.  \V.  41;  lloffin.,  Monats«  hr.  f.  Schlesien  II, 
[182!»]  763;  1386  Schelm  =-  Wildseuchc,  Rnycrland  lv«, 
S.  "KU ;  1440  schoelni  =  eadaver,  D.  87 ;  1420  schelm  = 
morticinium,  Aus  von  der  Schlachtung,  auch  von  der 
Sucht  [Beliebe],  I».  II,  257.  368;  15.  Jahrh  schelm  = 
clades  Seuche.  Plage',,  I).  125;  II,  91;  1429  se[l]m  [?] 

-  ineubus  [Alp],  D.  II,  213;  1432  schelm  =  contagluui 
Pestis,  D.  II,  110.  302;  1168.  1  IS«;  schelm  =  pestis.  pesti- 
lentia, I>.  II,  290;  1182  schelm  —  Sucht,  Sterbetag,  ge- 
meiner Tod,  Pestilenz,  Keyb,  Hungertod  [Zenlng  Voc. 
<|2,  cc  3.  cc  4,  ff  2,  ff  ö{,  Kog  [s.  d  ];  15.  Jahrh.  ivan 
einer  am  schelm  stirbt  =  morticinlus;  oos  von  suchte, 
das  Aas  eines  an  der  schelmischen  Krankheit  gefallenen 
Tieres,  II.  368;  scholm,  schelm  =  Leiche,  [Keih,  Kog], 
Hyrtl.  K.  W.  106;  D.  87;  1521  schelm  =  funus  [Leiche), 

D.  262;  1334  schelm  =  eine  einheimische  Seuche  bei 
den  Menschen,  (ir.  W.  VIII,  2507;  l.Vks  «  heim  «  eine 
kleotoheaMoehe ,  Gr.  W.  L  eod.;  l"*l  schelm;  er 
, .schlügt "  den  Menscheu,  H.  Sachs;  1582  schelm  = 
Scliweinescuehe,  Sausterljen,  I.onic.  100;  Gr.  VV.  VUI, 
2  >07  ;  1616  schelm  —  eine  Ijigerseuche,  Paracetus;  16S.S 
scheliub  =  eine  l'fenleseuche,  Gr.  W.  VIII,  2507;  1716 
schelm  —  das  Jähe  Sterben  und  einfallen  des  Viehes, 
Gr.  W.  VIII,  2507  ;  1731  schelm  -  gaher  fmfall  [Seuche] ; 
1735  schelm  =  Krbsucht.  V.  Ü;  1777  schelm  —  gaher 
l' luf tili  beim  Vieh,  bohm.  »elma;  «lau.  skjaelm,  »chwed. 
skalm;   holl.  schelm;  dazu  lat.  Skaltua  =  Pferde- 

|  Influenza,  Meyer,  Konv.-Lex.5  III,  589;  XVI,  17).  Der 
Schelm  war  nach  früherer  Volksauffassung  J.  ein 
büger  Kranklieitsdanion,  der  „in  schelmischen 
Jahren  oder  Zeiten"  in  verschiedener  Grosse  und  Gestalt 
als  wie  ein  schwarzer,  hinten  bereits  halb  verwester 
Stier,  in  dessen  Hinterleib  die  Schelmenbeine  und 
Aasknochen  bereits  schlotlern  (conf.  Sehwartx,  Indo- 
gerui.  Vttlksglaubc  2 -59),  die  nur  von  der  rauschenden 
Haut  bedeckt  sind  (=  Kauschbrandi  oder  wie  ,.dns 
Wilde  Gefahr"  (  =  'Jejnid,  Jagd)  oder  als  ein  blockendes, 
«checkiges  Kalb  erscheint,  und  durch  sein  »locken, 
seine  ..Scheltung"  (s.  d  )  oder  Berührung,  durch  Scillae, 
per  gtnilium  (l>.  12">).  ja  sihon  durch  seinen  \teni 
(s.  Auwalit,  Anhauch)  bei  Vieh  und  Menschen  epi- 
demische, plötzlich  hereinfallende,  zum  jähen  l  nfall, 
allgemeinen  Tode  führende  Seuchen  oder  auch  ver 
borgene  l  ebel,  Kranklteiien  hervorruft,  die  er  unter 
der  'icstiilt  einer  Sclilange,  eines  Wurmes  od.  Drachen 
(s.  d.),  z.  II.  das  plötzliche  Versiegen  der  Milch  bei 
Kühen  vor  Viehseuchen  (C.  v.  Megbg.  7;  (ir.  \V.  VUI, 
2607)  vcrtinlttsl;  darum  ist  Schelm:   l.  ■  l'estis, 


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Schelm. 


Schelm. 


Lues,  Pestilentia,  Contagium,  Seuche,  Sucht 
als  damonistische  Ursache  der  anstecken- 
ilcn  Krankheiten  mit  Fieberdelirium :  a)  bei 
Menschen  (l>.  146;  Gr.  W.  v,  432;  VIII,  2506);  b)  hei 
Pferden:  a)  Anthrax  (gelber  Schelm),  „es  hat 
den  Schelm"  =  Behellig,  brünstig,  wild,  verstört 
(s.  d.)  werden;  die  Zähnelockerung  bei  Pferden 
wurde  ebenfalls  dem  Schelme  zugeschrieben; 
ti)  Feifei  (s.  d.,  Narrenfelbel,  Rotz),  bei  dem  die 
Schelmendrüsen  oder  Narrenfeibel  (s.  d.)  hinter 
den  Ohren  faustdick  (s.  d.)  sitzen  („der  Schelm 
sitzt  ihm  im  Nacken")  und  bei  dem  die  Schelm- 
ader geritzt  oder  der  Schelm  herausgeklopft, 
-geprügelt,  -gekneipt  wurde  (s.  d.);  f)  Pferde- 
lntluenza  (Skalma,  Quark);  c)  beim  Rindvieh 
(Blutschelm,  Milchschelm,  Viehschelm,  Vieh- 
sterben, Ruckenblut,  Kobel  1)  (Schmeller  II,  112; 

n  14;  lue«  pestilens  (iiiadrupcdtim,  Du  (ange  VII, 
:s47);  bei  Schweinen  (Schweineschelm,  gelber 
Schelm)  (Österreich;  Gr.  W.  VIII,  2506);  e)  bei 
Hühnern  (Zipf,  llübnerdipbtherie);  das  (*e- 
Hngel,  das  schelmmassig  ist,  dessen  Kamm  und 
Schnabel  wird  schwarz,  und  es  krepiert  meist 
(Gr.  W.  VIII,  1307);  f)  bei  Schafen  als  grösserer 
Begatttingstrieb  sich  äussernd  (117s  wenn  die 
jungen  schale  zur  unkeuseh  eilen,  das  ist  gar  bocs, 
«lenn  es  bedeutet  den  s<  helnieu  an  Ihnen,  nach  C  v. 
MckIjk.I;  g)  unterm  Wild  als  Wddsenche  (s.  d.); 
die  Schelmen-  oder  Brandwurr,  Helleborns  viridis, 
wurde  heim  Viehschclm  (  —  Milzbrand,  Kauschbrand) 
gebraucht  (Jessen  IT'.»;  Schmeller  II,  413;  Heyne  V,  30:i). 
—  2.  =  als  geheimer  schleichender  Schaden 
(Wurm,  Adel  •) od.  schelmisch, heimtückisch  ver- 
borgenes muckerndesUhel  (Sehm  II,  IIS;  Kalke  II, 
27:})  a)  Schelm  =  Panaritium,  Fingerwurm  (Um- 
mert  210  ;  Phlegmone  am  Finger  [durch  Leiehen- 
infektion  veranlass!)  (Schweiz;  (ir.  W.  VIII,  2->io); 
b)  Schelm  =  anscheinend  grundloses  Versiegen 
der  Milch  (s.  Schelmen);  c)  „er  hat  den  Schelm 
im  Leibe"  =  ein  verborgenes  Übel  [C  v.  Sehtn. 
4vr);  so  ist  auch  «las  Schelmenbein  (s.  d.)  ein 
im  Korper  verborgen  steckender  Astknochen 
(gihbus).  Wenn  man  unter  di-n  Alfloddern  (Ast- 
ktiorren,  in  denen  der  Alp  steckt)  durchgeht,  so  springt 
der  Alp  (od.  Schelm)  herab  auf  den  Menschen  (Mannh. 
19)  und  bringt  ihm  Krankheiten  nach  dem  Potsdam«! 
Volksglanben  ;  *o  wird  auch  der  Schelm  da«  Schelmen- 
Ueln  (Astknochen)  bringen.  11.  als  Folge  der 
Seuche:  a)  Schelm  =  Aas,  Pestleiche,  ge- 
fallenes, geschundenes  Tier,  toter  Menschen- 
körper, Kadaver  (Du  fange  VII,  347);  bj  das  dem 
Absterben  nahe  Tier,  „es  war  ein  Schelm  in 
allen  Vieren",  beim  w  urmkranken  Pferde  (Heyne 
V,  30:)).  das  schon  schelmig  -  faul  am  lebenden 
Fleische  ist,  animal  vi  vom,  sed  prae  macie 
endaverosnm  (Du  «ange  VII,  347).  III.  als  possen- 
treibender  Schelm  (s.  bös«-)  (*p«>uisch,  scherzhaft) 
Schelm  =  Penis  (Gr.  W.  IV.  I.  12)  (s.  Schelmhant 
a.  Sehn-Mar).  IV.  Wie  Wicht,  Wurm  etc.  = 
kleines  Kind,  Wechselhalg  (Schell.  ir-o).  Wie  der 
Alp,  so  wurde  auch  der  Schelm  z,  T.  vom  Teufel 
(«.  d.)  In  «einer  Holle  al«  Krankheilvldmon  absein«!; 
Alp  fOlf),  Schelm,  Wicht,  Tropf,  Keib  wurden  so 
auch  zu  Schimpfnamen.  --  üchelmig.  Schelmisch 
(ah<l.  scalmig  s=  inortlclnus,  «irnfT  VI,  l'.'2,  12  Jahrh. 
tubelmigez;  inhd  «chelmec;  1*S2  schel  tnlg.-r  -  pcsilfer. 


pestllens,  Zenlng.  Voe.  If6  o,  2;  15.  Jahrh.  schelmig  = 
keiblg,  keblg  [Or.  W.  V,  133;  D.  S4i7] ,  «chelmen- 
schlat'htig,  ins  Schelmengeschlecht  gehörig,  nach  Art 
der  Schelmen),  1.  —  mit  dem  Schelm  (s.  o.)  be- 
haftet («ir.  w.  VIII,  25is  it.).  —  2.  s  tot,  aashaft, 
faul  am  lebenden  Fleisch,  wild.  —  3.  =  an- 
steckend, pestifer,  pestilens,  contagiosns,  mor- 
bidus  (D.  116.  367.  -131).  —  4.  =  siech,  süchtig  (1512; 
D.  431).  Schelmenkraut  =  W*ut«chierling;  Schclmen- 
wurz  =  Helleborus,  Milzbrandmlttel.  —  sich  Schel- 
mern («chelmen)  =  den  Schelm  (I,  2),  ein  ver- 
borgenes, körperliches  ÜImjI  haben,  krank  sein, 
sich  verschlimmern  ohne  erkennbaren  Grund 
(Franken;  Schw.  588;  Schmeller II,  413).  —  Schelmen 
=  schinden,  die  Haut  vom  Aas  abtrennen  (Sehm. 
II.  413).  —  alter  Schelm  =  ein  lange  verborgenes 
Obel  (Schmeller  II,  413).  —  ß/«(^-Schelm  =  die 
Viehseuche  (Anthrax),  die  sich  als  milzbran- 
diges Rückenblut,  als  Erguss  von  Blut  im 
unteren  Rückenmarksteil  h.  Rindvieh  äussert 
(Gr.  w.  VIII,  2507)  (Milzbrand).  —  (1482)  b<>*er 
Schelm  -  Pestis,  die  durch  den  bösen  Krank- 
heitsdamon  verursachte  Seuche,  Sucht,  Keib 
(Milzbrand)  (Falke  II,  273;  Gr.  W.  V,  4321.  —  (I7x») 
gelber  Schelm  —  (Anthrax,  Milzbrand)  beim 
i  Pferd,  Hornvieh  und  Schwein,  eine  Viehseuche, 
die  sich  als  Krguss  von  gelbem  Wasser  (gelber 
Brand,  gelber  Knoten,  gelber  Wurm)  zum 
Unterschiede  vom  (Rotz-) Schelm  oder  Feifei 
in  das  Unterhautzellgewebe  äussert  (Feser  116. 
120.  127;  Falke  I,  326;  II.  273,  Schmeller  II,  412).  — 
(16.  Jahrh.)  gemeiner  Schelm  (ein  gemeinre  schelme 
und  ein  sterben  kam  unter  die  lutc,  Lorsch  122,  Heyne 
V,  303  —  der  gemeine  nhelmentod,  C.  v.  Megbg.)  — 
häufige  Todesfalle  infolge  einer  gefährlichen 
allgemeinen  Seuche,  z.  B.  schwarzer  Tod  (Sehm. 
II,  412;  Lernen  1.  c).  —  (137..)  groiser  Schelm  (ata 
großer  schelm,  neyne  V,  303;  Schmeller  II,  413;  Gr.  W. 
VIII,  2506)  -  schwere  Epidemie  oder  Kpizootie 
im  (iegensatze  zum  kleinen  Schelm  (s.  d.).  — 
7/trr-Schelm  =  [Alpbg.  136)  Im  Volksglauben  ala 
feuriger  Mann  vorgestellter  Dilmon,  der  vermutlich 
zu  menschlichen  Herzkrankheiten  In  ätiologische 
Beziehung  zu  bringen  ist.  —  (11*2)  kleiner  Schelm, 

I,  —  Peslicula,  eine  bald  vorübergehende  Seuche 
(Zening.  Vnc.  q  7.  8),  kleine  Sucht.  —  2.  -  kleiner 
Wicht  (Alpbg.  120).  —  A'-V^-Schelm  (Tirol;  Alpbg. 
136.  ir.3)  -  ein  im  Volksglanben  als  feuriger  Mann  mit 
einem  Lelunkopfe  vorgestellter  Dämon,  der  vermut- 
lieh zu  Kopfkrankheiten  in  ätiologischer  Beziehung 
iteht.  —  Milch- Schelm  =  das  plötzliche  Ver- 
siegen der  Milch,  als  verborgene  Krankheits- 
urhache Schelm  benannt  (Gr.  W.  VIII,  2507;  Sehm. 

II.  412);  das  dagegen  gebrauchte  Scliafgarbinkrant 
(Achillea  mlllefolium)  heisst  daniaeli  auch  Milchschelm. 

—  ./'<  >f -Schelm  =  die  Pest  als  Seuche;  dieses 
Wort  bat  auch  der  Pestilenz  zu  einem  Masku- 
linum „der  Pestilenz"  verholfen  (<;r  \v.  VII.  157»). 

—  (1566)  SrAicfinc-Schelm  =  Milabrandsenche 
unter  den  Schweinen  (huhenbofer  Mirakelbnch). 

—  St  U  ck -Schelm  (K-18  nefarins  conseelcratu«,  Sehm. 
11. 731)  -  der  im  gefallenen  Vieh  (Stuck)  steckende 
Schelm  als  flbellhatiger  böser  Wicht,  der  den 
Rotzschehn  veranlasst.  -  Todes- Schelm  (der 
achelm  des  todes,  C.  r.  Sehm.  157;  1560  «chelmigtodt, 
H.  Raeb«)  -  <ler  durch  eine  Seuche  plötzlich  er- 

30* 


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5«4  schelten— Schenkel. 


Schenkel. 


folgte  Tod.  —  FiVA-Schelm,  1.  =  der  unter  das 
Vieh  und  in  Viehstalle  (armentaria)  koininende, 
es  „schlagende"  Kraukheitsdittnon ,  der  schreit 
um]  blockt,  halb  stier,  halb  Manns  Gespenst ,  auch 
riesengtoss  ist  (um  oberen  Lern,  Achcnaco,  HlnterrKs; 

Aipt.g.  62  ff. ,  Schmoll  er  n,  ii3;  h.  a.  Rh.  986;  Laisbier, 
Sebelsagen  91  IT.  2öS).  —  2.  =  die  von  ihm  (1) 
gebrachte  Krankheit  selbst,  it.  B.  Rinderpest, 
Milzbrand,  fliegender  Brand,  Rottschelm, 
Rauschbrand  (wird  besprochen;  AlpbR.8i<>).—  Volant 
(Yoland,  Yalant)  der  Schelm  wird  vielleicht  als 
ein  die  bösen  Krankheiten  (Reut  hen)  und  Besessenheit 
(Gr.  D.  IL  II,  »68;  C.  v.  Megbg.)  verursachender  heldn- 
elblscher  Dämon  aufiufassen  sein  (C.  v.  Schm.  4  >T); 
der  deutsche  Sehmied  Wieland  (angls.  veland;  altfranz 
galant  lo  forgeron)  ist  norweg.  Volundr  und  eiu  alfa 
IJodhi  —  Elbengenoss,  der  von  den  Elben  deren  KUMtO 
gelernt  hat;  er  stammt  von  einem  elbischen  Meerweibe 
nb  (Maurer  II,  10;  Schmeller  II,  SSM*.  Wielandswurz 
Velantz  urt  -  Thalictruin  alplnum  ;  Island,  vielindlsurl 

-  Heilblatt).  —  Schelm-,  schelmig  Ader,  -Atem, 
Auge,  -Bein,  -Benthrung,  -Eis»,  -Fltisch,  -Haut, 
-Jahr,  'Krankheit,  -Luft,  -massig,  -Mensch, 
-schläehtig,  -Schlamj,  -Sterben,  -Sucht,  -Tod, 
-Zeiten,  •  Zerstorlichkeit. 

schelten,  Scheltung,  f.  (zu  »hd.  ««-aiun  ■ 

stowen,  schlagen  ;  ahd  sceltan  =  scherten,  schimpfen  ; 
mhd.  schelten ;  1IS2  scheltung  =  „Seuche.  Sucht, 
Siechlag,  der  das  Antlitz  verkehrt",  Zen.  Voc.  rc.  3; 
1195  schelten  -  molesta.ro,  I>.  365)  =  als  Schlag  oder 
Stoss  (Watsche)  eines  mühenden  Quälgeistes, 
Dämons,  der  eine  epidemische  Seuche  (vergl. 
Bauern- od.  Tann-„\ViUsehelu,  Parotitis  epidem.) 
veranlasst,  aufgefasst  (vergl.  Scheide). 

Schemelheit,  Schemler  s.  Scham. 

Schemmen,  Schemmern  siehe  Schimmer 

(Schimmel). 

Schenen,  pL  ».  Schiene. 

Schenkel,  m.  (angls.  seeonc  [scanea]  —  Belnr.ihre; 
engl,  shank  -  Schenkel .  ndl.  schonk  =  Klelschkuochen, 
Kluge*,  130;  ahd.  acinkat ;  mbd.  Schenkel,  15.  Jahrh. 
=  coxa,  I».  1  VI  _  engl,  shankei,  mit  Schenkeln  aus- 
gestattet;  dan.  skank  ;  holl.  Schenkel;  1572  schemkM 
ob  den  knoden  —  tlbia,  tlbula,  Kellner  Hi«toria  23  ; 
dazu  Schank  (s.  ob.),  l.aistner  II,  32;  Schmeller  II, 
36«.  432)  =  der  kleinere  Schank  (s.  d.)  oder 
Knochen  (dazu  Schinken,  s.  d.),  Unterschenkel, 
Schienbein  hei  Mensch  u.  Tier  gegenüber  dem 
(spateren)  Oberschenkel  (In  Schwaben  ist  Schenkel 
der  ganze  Fuss,  das  ganze  Hein  samt  dem,  was  man 
sonst  Schenkel  nennt,  ('.  v.  Srhtn.  15'.»;  oberdeutsch 
Ist  es  nicht  eigentlich  volksnbltch  {Schunkenbtln, 
Schinken,  dnfur  beim  Schlachltier  oder  Menschen, 
Dieen]),  1.  m  der  obere  Schenkel,  Coxa,  Femnr, 
der  .Schenkel  üher  dem  Knie  (Diech  od.  Diceh- 
Schenkel  ist  mehr  der  innere  Oberschenkel, 
Schenkel  =  der  äussere  Schenkelteil  dos  Ober- 
schenkels). —  2.  =  der  untere  Schenkel,  Crus, 
Tibia  (Wa<lschenkel).  —  3.  =  das  ganze  Bein 
mit  dem  Fu?se  (Gr.  W.  VIII,  2511).  —  4.  -  «las 
kranke  Bein  (Schenki-Igesüclii  z.  B).  —  Ii.  = 
schenkelartig  Geteiltes,  z.  B.  die  beiden  Hälften 
de«  Uomslrablen  (Kalke  II,  277).  —  schenkelicht 
=  dünne  Schenk. -I  habend.  —  b/r  schenktet 


I  =  blossfrtssig  (Schmeller  II ,  432).  —  behängte*' 
Schenkel  (1592  hehem-kt  Schenkel.  Seh.  212J  -zottig 

I  mit  Haaren  behlDgener  Pferdeschenkel.  — 
(154«)  böser  Schenkel  =  ein  durch  Verletzung  od. 

!  Krankheit,  namentlich  durch  bösartige,  faul«- 
Geschwüre  am  Unterschenkel,  krankes  Bein, 

,  fauler  Schenkel  (Luther  VIII,  462;  Book  190;  Gr.  W. 
VIII,  2546).  —  (mhd.)  1  Hech  -  Schenkel  =  der 
dickere  Oberschenkel  im  Gegensatze  zum  eigent- 
lichen unteren  oder  Wadschenkel  (Lexer  341.  — 
Doli-  \ 

(1673)  Dell-  \  Schenkel  =  ein  Döllen  (Dullen, 
Dali- 1 

Dellen,  s.  d.)  machendes,  ödematöses ,  ge- 
schwollenes Bein  (Dollfuss,  Oedipus),  das  beim 
Fingerdruck  Vertiefungen  (Dellen)  hinterlässt 
(Schmeller  I,  501;  Qr.  W.  II,  12S3)  (s.  Ölschenkel). 

—  (leir.)  faule  Schenkel  =  ein  durch  offene  fau- 
lendeGeschwttre  (Ulcera  phagedaeniea)  krankes 
Bein  (Pararelsus).   —  (1620)  feuchte  Schenkel  - 
durch  Fusschweiss  feuchter  Fuss  (Dr.  Minderer). 

—  (1742)  fliessende,  (1592)  flüssige  Schenkel  =  ein 
Bein,  dessen  Geschwüre  ein  flüssiges  Sekret 
absondern  (Seb.  261 ;  Zw.  635).  —  grosser  Schenkel 
=  der  obere,  dickere,  fleischigere  Teil  de« 
Pferdehinterbeines  (Gr.w.vill,  2546  ff  ).  —  Hinter- 
Schenkel  -  das  hintere  Bein  bei  den  Vier- 
füssern  (llinterbug)  (16.  Jahrh.  hinder  Schinkel, 
Christ.  Meyer  101;  Gr.  W.  II,  494).  —  Khff-,  -Klap- 
per-Schenkel —  knochendürre  Beine  (Klapper- 
mann) ^Tutenskelet  (Buck,  Flurn.  23)  —  krumm- 
schenkelicht  =  loripes,  einen  Slelzfuss,  Klump- 
fuss, einen  verkrüppelten  Fuss  habend  (Gr.  w. 
V,  2465).  —  •'.;/,'•/•  schenkelig  (engl,  longshankcd, 
Kaltschm.)  -  lange  Füsse,  Beine  habend.  —  (l'ao) 

06rr  1  Schenkel  -  das  dicke  Bein  ober  dem 

Kuie  (Femur)  (ur.  w.  VII.  lioi;  D.  229).  —  Ochsen- 
Schenkel  -  ein  glcichmstssig  dicker  Pferde- 
schenkel (Zipp.  113).  —  (1748)  offener  Schenkel 

|  fauler  Schenkel,  alter  Schaden ,  Ulcus  cruris 
(Ken.  170).  —  ^-Schenkel'l'^dllschenkel.l'aracel». 
de  Import  ;  1534  llieasent  ..Ischenkel,  Gr.  W.  VII,  12*.'. ; 
1539  ölschenkel,  Gr.  W.  VII.  1286;  1.581  ..Isehenkcl. 
Ptetor.  51 .  1576  ölschenkel  —  ein  durch  Phlegmone, 
Erysipel  o.  Geschwüre  geschwollenes  Bein,  Theophr.  P. ; 
1578  ölschenkel,  Gr.  \V.  VII,  12S5;  1606  ölschenkel. 
Gr.  W.  1.  cod.;  160S  ohlschenkel  ■  grosso  Schenkel- 
geschwulst. Beyn.275;  1616  stinkende  faule  ölschenkel, 
Gr.  W.  VII,  12*5;  1618  ..Ischenkel  =  luxiia  oleinosns 

'  flxus  ^_  lokale  Haitisch  wellung  auf  syphilitischer  Grund- 
läge,  Pr.  II,  "6;  1619  aufgedosste  ölschenkel,  Besch, 
d.  Wildb.  Wcltzb.  19;  1616  ölschenkel  -  eine  Itnte 
zwischen  den  Knien  und  Füssen,  Phlegmone,  Erysi 
I.eias,  Ignls  saeer,  St,  Antonil-Feuer,  Colcr,  II  A.  232. 
254  ;  1742  ÖlscbcDkel  =  erur«  oleoglnos«,  pedes  oede- 
matost,  ,,wenn  Jie  Kusse  von  den  Zehen  bll  an  die 
Knie  geschwollen  und  ohne  weitere  rngelegeuhcli, 
al*o  eine  lange  Zeit,  ja  oft  bis  in  den  Tod  mehr  oder 
weniger  gesch wollen  bMben",  Zw.6S3  ;  17.'*  ..Isehenkcl 
~  dicker,  wie  Öl  glänzender,  geschwollener  Schenkel 
[Stolltiiss,  s.  d.),  <ir.  Vi.  VII,  12MS).  Der  Begriff  .les  Ol- 
Schenkels  (l,eukophlegina«la,  Itucnemia  sparganntica, 
■  üe.lcma  lacteum,  Oedipus  ..llge  Wassersucht)  Ist 
dereiner  starken  Odematosen,  eine  „Delle"  In-i 

I  Fingerdrtick   bildenden   Anschwellung  (Ana- 


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schenken — Scherber. 


Schere— Scher».  5tö 


so  reu  pil iiitosn)  (A.  v.  11.  II,  SOS]  des  ganzen 
Beicm ;  namentlich  waren  aucl>  variköse  oder 
pcriostitische  Prozesse  mit  Oedem,  Dermatitis 
eczematosa,  l'nterscbenkelgeschwttre  mit  Ek- 
zema als  Ölschenkel  bezeichnet,  weshalb  das 
St.  Quirinsol  (Ichthyol)  als  Geheimmittel  (St.  Quirlns- 
Buss)  dagegen  verwendet  wurde;  „St.  Kirin  verant- 
worth  die  i.llschenkel"  (Paracet«.),  ob  dabei  nun  bloss 
das  ölige  Glauzen  der  Haut  (ölige  Wassersucht,  n.  d  ) 
mitbestimmend  war  oder  nur  eine  falsche  Volksety- 
mologie zu  gründe  liegt,  ist  schwer  zu  entscheiden  ; 
da  Dötlschcukel  den  gleichen  Begriff  hat.  wäre  die 
Erklärung  erlaubt:  ,,D«>isch-Schenkel"  wurde  als,, d 'Öl- 
schenke!"  verstanden;  (IG12  didwh  [s.  d.]  -  geschwol- 
len. Gr.  W.  II,  1313  =  dölllsch,  dollisch;  conf.  1500 
Dollbirne  =  elne  kolbige,  knollige,  teigige  Dirne,  Schm. 
I.  501 ;  engl,  white  leg.  Lehfeldt).  —  (161.)  schadhafte 
Schenkel  -  ein  Bein,  das  eine  sichtbare  Ent- 
stellung durch  eine  Verletzung  oder  Schaden 
hat  (St.  Bcnno-Mlr.)  —  Spindel  -  Schenkel  (engl, 
spindle  «hanks,  Kaltschm.)  =  Storchen beine,  spin- 
deldürre Knochen  an  den  CnterextremiUten. 

—  (l«w)  über- Schenkel  =  Überschenkel  beim 
Schwein  (Seb.  155;  v.  M.  I  76).  —  Unter  Schenkel 
=  das  dQnnere  Bein  unterm  Knie  gegenüber 
dem  dickeren  Oberschenkel.  —  Vorder  Schenkel 
ss  das  vordere  Bein  vom  Schulterblatt  bis  zum 
Hufe  oder  zur  Klaue  hei  Vierfüssern.  —  Wad- 
Schehkel  -  das  Bein,  der  kleinere  Knochen, 
an  dem  das  Gehfleiseh,  die  Wade,  sitzt,  im 
Gegensalze  zum  Oberschenkel  ;  Spörlieren  •.  — 
Schenkel  A  der,  -Dein,  -Beindom, -Bluqe,  -Bruch, 
•  Dickin,  -Fluss,  -Geburt',  -Gehuft,  -Geschwulst, 
-Huf,  -Hüfte,  -Kopf,  -Mangel,  -Stellung,  •  Weh- 
tag, -  Wolf. 

schenken  —  ein  Kind  schenken  -  ihm  die 

Brust  zum  Trinken  darreichen  (von  der  Mutter 
oder  Amme).  —  Schenk- Kind. 

schepp-,  schepps  -  schepps  hfilsig,  -beinig, 
-Drehe,  -nasig. 

scheppern    schettern,  s.  schlittern. 

Scherbe ,  f  (vorgerrn.  skerpo ;  gertn.  *kerf  [?], 
[Scherilein],  ahd.  wirbi;  126U  schlrbc.  n.  =  Splitter, 
rfeiffer  79  ,  mhd.  Scherbe,  schirbe  =  Scherbe,  irdener 
Topf,  das  abgebrochene  Stück,  Bruchstück  desselben. 
Kluge*,  »20;  übertragen  nach  Gr.  W.  VIII,  2563  auf)  : 
1.  =  Knoehenbruehstflek,  namentlich  am  Hirn- 
Hchadel.  —  2.  =  Schädelkopf  (s.  Schirbel)  (hiid- 
Hch).  —  3.  =  ein  gebrechlicher,  alter  oder  alt- 
aussehender Körper.  —  4. —  alte  Gesichtszüge. 

—  5.  =  s.  Schorben  (Schorf).  —  iTo/z/'Scherben 

—  Kopfhafen  (Hyrtl,  K.  W  ss)  als  zerbrechlicher 
Körperteil;  die  Zer^rhmcttermn,'  de-  Schädels  war 
eine  Kulthandlung  beim  Opfertode  (<!otth.  562).  — 
(1645)  SCherhicht  =  zei  Sprüngen ,  schrundig, 
randig.  —  Scherbellen  -  Kopf;  scherbichte 
Hände. 

Scherher,  m.  (wendisch  sserp,  sstrpcl,  serpoluica 

—  Todesangst,  durch  einen  Alpdruck  machenden 
Wasserdämon,  I.ai«inerl.  IS;  Brandenburg,!.  —  .Scher- 
her  -  <ler  dem  deutschen  Hilwizschneider  (siehe 
Bilwiz)  entsprechende  Krankheit«  -  Dämon, 
welcher  als  Alp  in  Krebsgestalt  die  Menschen 
im  Wasser  zwickt,  Alpschuns  macht;  (er  tritt 


auch  in  Vogelgestalt  [Waehtelkouig]  auf,  Laistuer  I, 
334  ;  II,  286). 

Schere,  f  scheren,  scherren  (aitgerman.  skardn 

[Scharte  durch  Zerhauen];  [Wurzel:]  sker  —  zer- 
schneiden,  zerhauen  [Schere!,  Kluge*;  Graff  VI,  52.'). 
53S;  ahd.  sceran,  scerran;  mhd.  scheru,  scherren),  1.= 
eine  Oberflache  glatt  oder  kahl  schneiden,  be- 
sonders vom  menschlichen  Ilaare  und  Barte. 

—  2.  ss  (bildlich,  1610)  scheren  =  stuprare  (Gr.  w. 
Vlll,  2">"i).  —  3.  =  plagen,  schneidenden  Schmerz 
haben ;  (1730  „es  schert  (schiert)  mich  im  Leibe" 
=  doloribus  alvi  exerueior  (Gr.  W.  VIII,  2574).  — 
4.  =  Mist,  Kot  absondern,  von  sich  entfernen 
(pedere).  —  .">.  =  scharren,  scharren,  kratzen, 
schaben  (Gr.  W.  VIII,  2578.  2  .91).  —  G .  s»  (mhd. 
«  hilren,  schäreu;  -  mannbar  werden  (l.exer  211; 
Schnuller  II,  116;  die  scherende  Mauserung  bestehen 1 
[s.  Schar]).  —  Schere  (ahd.  ccaro,  Kluge,  angls.  secarc 

—  lugnlnam  ,  Cock.  I,  LXXI1) ,  1.  =  (zweiarmiges 
Werkzeug  zum  Scheren;  übertragen  durch  Vergleich). 

—  2.  =  bei  l'ferden  die  von  den  obersten  Teilen 
der  unteren  Kinnlade  gebildete  zweiarmige 
Höhlung  {Cr.  w.  Vlll,  2568).  —  3.  —  das  Fleisch- 
stück am  Schlachttiere,  das  die  beiden  Schenkel- 
teile verbindet  und  nachdem  alles  Übrige  weg- 
genommen ist,  nur  aus  diesen  2 Scherbeinen  od. 
Fleischschlegeln  mehr  besteht  (Schm.  11,  JAS;  anglv 
scaru,  f. ;  engl,  «bare  ■=  pubes,  ilium.  penis,  alvus,  t'oek. 

11,413).  —  Scherl  glatt ',heil*.  —  Bescher  Jahr*. 

—  scheinendes)  Bein*,  Flechte,  Haar,  Wurm. 

scherfein  (zu  ahd.  scerf  —  gcaurus,  versehen  mit 
grossen ,  plumpen ,  rhachitisch  aufgetriebenen  oder 
durch  Knochenkrankheiten  knarrenden  Ktn.cheln 
[Knochcn«cherbeu],  Graff  VI,  515;  ndd.  schert  = 
Scherbe,  Gr.  \\ .  VIII,  2582;  Kluge»,  320;  hieher  skan- 
dinav.  kak-skerfva  —  Kueheii-Khachitia  [s.  Kuchen]; 
Jord  skerfva  ■—  Erdrhachiti*  [mit  Erde  behandelt);  Hor- 
skerfva  n   Hurenrhachltitls ;    llkskerfva  —  Leichen- 

rha.  hitu,  z.  d.  v.  i.  v.-k.  1897. 52.  53).  —  scherfein 
=  beim  Gehen  mit  den  Knöcheln  scharrend 
schlärfen,  schleifen,  eine  schleppende  Gangart 
nach  Greisenart,  die  namentlich  den  boshaften 
Haus-  und  Krankheitsgeistern  und  den  Wechselbalgeu 
zugeschriebeu  wurde  (vergl.  Ant  =  Entenfuss.  Stoll-, 
Scharr-,  l.atsch-,  Troll-,  Kratz-,  I.ettfuss;  1660  schorf- 
fcln.  II.  Sachs;  Bchmeller  II,  16»;  [l.lppel  schofeln, 
Fromm.  VI,  481).  —  Scherfler  (Tsehcrfler)  (Tirol; 
Wolf  171)  »■  ein  Mensch,  der  scherfelt. 

Scherger,  m.  =  scheicher  Mensch,  einer 
der  krumme  Heine  hat  (Schm.  II,  467). 

Scherljevo  (Skerljevo).   —  Scherljevo- 

Kninkheit,  -  Übel. 

scherpfen  s.  Schorf. 

Scherte,  f.  (Schwei*,  ahd.  skertl,scerta  =  bumerus, 
sraputae,  Kluge*  338;  (JrafT  IV,  1026;  VI.  MS;  Gr.  W. 
VIII.  2593)  =  Schulter  und  Schulterblatt  (vergl. 
Hart.  3)  (dltl  anlautende  praep  s  ist  germ. ;  s.  darüber 
Z.  f.  d.  A   IS«.*,  S.  195). 

Scherz,  n.,  m.  Scherzel,  n.  Scherzen,  pl. 

(zu  cortex  [seorza,  s.  Kork];  ndl.  seorso  ,  scorce; 
11  Jnhrh.,  I).  153;  mhd  scharr.  —  Sprungstclle,  auf- 
gesprungene Stelle   au   der  Baumrinde,    am  Brodc 

[s,h,,r,-ci]  .Hierauf  der  Haut).  —  Scherzen,  1.  - 
rote,  trockene,  rauhe,  rissige  Stellen,  Narbriss 


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öüü  scheitern  —  Scheu. 


Seheuerchen— schider. 


iSchtuilU-r  ll,  473.  im,  svhw.  .v.n  (Ekzema  siecuiu, 
böse  Baude,  Zitteroch).  —  2.  -  (beim  Scblaeht- 
tioischj  Scherzi  =  Sehweifstuck  als  letzte« 
kleineres  Fleischstflck  des  Körpers  (vom  festeren 
rauheren  Broda cberal  tibertragen),  —  scherzen  (zu 
ahd.  scerön,  Kolbe  6)  =  öfters  schnarchende  Töne 
hervorbringen. 

schettern  (zu  schuttem  [«.  d.]).  —  schetterige 

Stimme. 

Scheu,  f.,  Iii.  (augls.  mucca  —  »amon;  s.'ioh  ^ 
fnrehtsam;  goth.  skohsul  -  Scheusal,  Kluge*.  321, 
l»u  fange  VII.  371,  mhd.  sehiuh  =  schlich,  scheu, 
hiuwlirh,  Gr.  Vi.  VIII,  2««;!.  2010;  mhd.  schluhe  ~ 
Beben,  Abscheu;  nbd.  m  heu  =  derjenige,  der  etwas 
scheut;  15.  Jahrh.  schouke,  seheuke,  seboke  -  dia- 
bolnris  meretrix,  luxurlatrix,  D.  II,  135;  dan.  sky; 
holl.  .schichtigheid ;  schwed.  »ky,  sehe» he  =  larva, 

i»  r.iaj.  —  Scheue ,  Scheuigkeit  -  krankhaft 

gesteigerte  Furcht,  psychische  Dysaesthesie 
(Falko  Ii,  275).  —  scheuchzelet  (scheizelet) 
(Fromm.  VI ,  260)  =  einer,  der  Abscheu  hat  vor 
dem  Essen,  kränklich,  unpässlich  ist  (Schindler 
II,  Uȟ.),  -  (17:..,,  blut  scheu  <ler  sich  vor  dem 
Anblicke  des  Blutes  (beim  Aderlasse z.  B )  scheut 
(A.  v.  H.  II,  727;  Kraus.  K.  414).  —  köpf  sehen  =  bei 
Berührung  des  Kopfes  furchtsam,  überhaupt 
leicht  verwirrt,  schwindelig  (Falke  II,  33;  Schm. 
I,  1274).  —  Lm--Scheu  =  Ihslexia,  die  Furcht, 
etwas  aus  cerebraler  Unfähigkeit  nicht  lesen 
r.ii  können.  —  /tiW-scheu  (Steiermark)  a  menschen- 
scheu (s.  d  ).  —  (1830)  Licht  &cheu,  f.  1.  ^  die 
bkrophulöse  Hornhaut  -  Entzündung  (weisse 
Augenentzflndung,  Kopp),  Dacryoadenalgia  sero- 
phulosa  (Sobernheim  41),  Opthalmia  scrophulosa 
(Kopp  l.  :m)  ^  die  erhöhte  Empfindlichkeit 
gegen  dns  gewöhnliche  Tageslicht,  meist  mit 
Augenlidkrampf  (Blepharospasmus)  und  (skro- 
phulösen)  Augenkrankheiten  verbunden  (Arlt 
67.  74 ;  Falke  II.  M).  —  2.  =  (15.  Jahrh  corobicus 
[  -  cholerlcu»]  ist  ein  sta  llt  in  dem  houbt  da  von  die 
lutte  kolleut  und  in  swer  gedr<>mmet  und  fliehen!  das 
Uecbt,  U.  640)  =  cerebrale  Überempllndlichkeil 
gegen  die  Lichtreize.  —  (1841]  Z«/*<  Scheu-eine 
erhöhte  Empfindlichkeit  gegen  Eufttempetatur- 
difl'erenzen  bei  Tetanus,  Lyssa  (Sobernheim  450; 
Bollinger  lu  Z.  Handbuch).  —  tut 'tischen  scheu  - 
einer,  der  aus  habituell  gewordener  Denk-  und 
Gesinnun-sweise  oder  infolge  von  Geistes- 
krankheit vor  den  Menschen  sich  zurückzieht, 
als  ob  er  sie  fürchtete  (15.  Juhrh.  [eneuhuch  v]  Muccal 
cacochymiaV  corobicus ,'  culcrieus?  ist  ein  sucht  wann 
eins  von  den  lebendigen  fliehet  und  sucht  die  dotlen 
vnd  löstet  der  siechtage  die  lutte  allermeist  in  dein 
hornnug  vnd  in  dem  tuertzen,  I),  010;  Mlsanthropos). 
—  (UM)  I»  ««scr-Scheue,  f.  1.  =  Hydrophobos 
((ialcni),  Lymphaticus,  Eyssa,  Kabies  canimi, 
lu  mal  St.  ljueniin,  morbus  st.  Quintini  (1382; 
Du  Caugc  V.  518;  Bris*.  277);  das  zweite  Stadium 
der  Hunds wut,  wobei  die  Kranken  wohl  Diust 
empfinden  und  trinken  wollen,  aber  durch  die 
Schlundkiämpfe  daran  gehindert  werden  (Acker- 
mann 353;  Kichter  1,236;  l'aulitic);  (Wasser-Sucht 5 
n  Wasserfurcht).  —  2.  =  eine  Form  der  Hysterie, 
die  sich  in  ähnlichen  Sehlingkrampfen  beim 
Versuche  od.  schon  beim  Anblicke  des  Essens 


bemerkbar  macht  (Kichhorst  II,  7 »  —  scheuss 
liehe  Masen. 

Scheuerchen  s.  Schauer. 

scheuern,  Scheure,  f.  (dem  oberd  utschen  Ireuid  ; 

mhd.  schüren;  aus  dem  nitlat.  »curare,  excurare.  elu 
Im  18.  Jahrh.  bekannter  werdendes  Wort  für  fe«ren, 
durch  Kelben  reinigen  [s.  Skor]).  —  (1677)  Sc  he  uro 
(am  Endeldarm)  =  Fisaura  perinaei  (Schmeller  n, 
159),  fratt  sein  durch  Reibung.  —  (1529)  Scheuer- 
lein —  Knochenspalt  in  der  Wunde  (Brnnfels).  — 
(1615)^1  r«7rw  Scheure,  n.  =  fratt  Bein  um  die  Augen 
herum  durch  Ekzema  palpebrarum  (Coler,  H.  A. 
117).  —  (lsii)  JurrÄscheuern^  durch  fegen,  fratt- 
sein  auf  der  Haut  (Sol>crnh.  2*2).  —  Grscheurt- 
heit  (ndl.  gescheurtheydt  oft  breuk)  =  fratter  Zu- 
stand an  dem  Bruchsackc  (Bruch)  (De  <ock  804 ; 
die  Bruchkrauter  [Sanicula,  z.  Ii  ]  der  Uruchschneidcr 
sollten  solche  Zustande,  sowie  die  Bruchschnittwunde 
schorfig  hellen.  —  Scheuer- Dein,  -Mund. 

scheussen  s.  1.  =scheis8en.  —  2.  =8chicsseii. 

Schiatik,  f.  (15.  Jahrh.  cia  =  Iran«,  hance.  I).  116  ; 
ciati"  a  =  frouz.  ciati.|ue  ;  gutta  ctatta,  passiu  ciatica, 
IUI  ränge  II,  323;  1521  sciatic  -  coxilis  [coxendix]. 
Ischias,  U.  IM;  1687  sciatica  =  Ischias,  (ieorg.  391; 
1703  die  Schlatika  oder  Vergicht,  Abrah.  I,  Mb:  17« 
Sehlallk  -  Ischias,  A.  v.  H.  I.  835;  II,  «79;  spczialistiseh 
in  der  Volksmedizin  behandelt  durch  Besprechen 
[Segnen]  von  Seite  gewisser  Abspreeher,  •.  Abraham 
I.  190),  1.  =  Hüftweh  (=  Passio  „isehiadica", 
s.  Ischias),  Hüftgicht.  —  2.  =  Gliedersucht,  in 
ausgedehnterem  Begriffe,  Gicht  überhaupt.  — 
I  3.  =  b.  Knochen-  und  Beinwurm. 

Schicht,  f.  Geschichte,  f.  geschieht  (urgerm. 

skehw,  vorgerm.  skeg  -  gehen.  Kluge*.  821;  goth. 
skcwjan  =  gaben;  ahd.  scleehen  [schlckcu],  zu  der 
Wurzel  skeh  [geschehen],  Kluge*,  134'..  321 ;  mhd  schiebt 
=  Geschichte,  Sache,  Ordnung,  Ijige,  Zufall,  Fugung).  — 
schichten -zahnen,  die  Zahngeschichte  haben, 
der  Zähnewechsel  (Pommern  ;  Urquell  VI,  203).  — 
Geschichte  (ahd.  giscilit;  mhd.  geschlht  —  Ereignis) 
=  weibliche  Periode,  das  Gut»,  Menstruatio, 
les  bis  toi  res,  les  affaires  (Briss.  71 ;  rauli  2*; 
(loldsehm.  132).  —  schlimme  Gi schichte  =  schwere 
Krankheit.  —  geschickt  (mhd.  geschicket)  =  ge- 
ordnet, bereit,  fertig.  —  t-io  ist  so  geschickt 
^  schwanger,  geschwilngert.  —  man  hat  zu 
schicken  gehabt  an  ihr  (Ploss  Bartels  I,  4S0  ;  1526 
mit  einem  beib  [weib]  KU  schicken  [=  colre]  hast  ge 
hapt,  Hlltinanu  317,  Sclun.  II,  3fi7).  —  tm^fSChickt 
=  bösartig,  durch  Tumoren  verändert  (Bock  88  ■ 
(Z.  d.  V.  f.  V.-K.  IS97.  212).  —  «/H-(</0-SChicht<en,r/) 
-  böse  Wiehtel-  od.  Butz-Ddmonen  (Alpbg.  im, 
iieyi  si  707).  —  Schicht-SfVwr.  —  (153«)  Ge- 
schicklichkeit (z.  B.  der  .Milz)  =  ungeordneter 
Zustand  der  Milz-  oder  Haupt  weh  (Künlgssp.  &6; 
i.onic.  i6o).  —  natürliche  Schickung  (1546;  aurit 
III.  62)  =  Zusamnienfügung  in  die  Naturlage. 

Schicksal,  n.  —  Schicksal- Faden. 

schider  (Schidung,  f.)  (zu  scheiden,  ».  d  ).  — 
Schidung- die  Trennuni;  von  der  Körperhülle, 
das  Absterben,  Hinscheiden,  der  Abschied  vom 
Leben  =  Tod (Bav  lli,2.9ii;Schm.n,374).- schider 
Fein  =  abgeschieden  von  den  übrigen  Gesunden 
sein,  kranksein,  auf  der  Schiderbatik  liegen. 


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schieben— Schiefer. 


sebieg— schiessen.  ö«7 


schieben,  Schieber,  m.  (Schiebling,  Schub) 

llndocenn.  »kub ,  vorgcrm.  iknton  ;  altgcrm.  sküb 

slosscn  dazu  SHiaufol  «.  d.,  SchUpPM,  KhUbeBtl]; 
ahd.  scioban  ;  mhd.  schieben,  Kluge  *  322  =  mit  gleich- 
ruflisiger.  drückender  Bewegung  vorwärts  bringen)  — 
das  Vorwärtsschieben  der  Zahne  heim  zahnen- 
den Kinde  (Dentitio)  (A.  v.  H.  II,  308),  wobei 
dann  die  knupfchenformigen  Zahnbillern  (s.  d.) 
erscheinen.  —  Schieber,  1  =  eine  kollerartige 
Krankheit  beim  Pferde,  das  mit  schiebenden 
Kopfbewegungen  willenlos,  gleichsam  vom 
schweren  Kopfe  fortgeschoben,  sich  bewegt 
(Heyne  V,  325;  Gr.  W.Vill.  2673  ;  Kalke  I,  223;  II,  275). 
_  2.  =  ein  solches  Pferd.  —  3  =  der  Zugochse 
(Herne  V,  325).  —  4.  =  Schuppen  («•  d.),  Schoppen, 
Schnpper  (1699;  v.M.  I,  ivs)  (s.  schiebende  Kaude). 

—  Schiebling  (mhd.  ichubettl»)  -  der  hervor- 
kommende, sich  vorschiebende  Zahn  (Lexer  220). 

—  K -schieben  s.  ausseheiben.  —  .ln-schub 
das  Austreiben,  Ausfallen  der  Milchzähne  in- 
folge des  Nachschubes  der  bleibenden  Zähne 
(Kalke  i,  vi).  —  Darm-Ein Schiebung  (Übersetzung 
der)  Invaitinatio  intestinorum  =  der  Zustand, 
wobei  die  Wand  eines  Darmstüokes  in  die  des 
anderen  aufwärts  od.  abwärts  hineingeschoben 
ist.  —  Ktqd  schieben  *  Kegel.  —  .Ync^schub, 
1.  =  der  beim  Zahnschub  erfolgende  Krsatz  der 
ausgefallenen  Zähne  durch  die  später  nach- 
folgenden Zähne  (Falke  Ii,  141.  4  *).  —  2.  =  das 
scheinbare  Nachschieben  der  bleibenden  Zähne 
durch  Zurücktreten  des  Zahnfleisches  bei  ober- 
flächlicher Abreibung  der  Krone  (bei  Pferden) 
(Kalke  II,  4  -0).  —  unfrrgehieben  *•  B.  einen  Wech- 
selbad (s.  d)  unterlegen  (datnonistiMli;  i«Uud 
un«kiptingar,  B.  A.  Bh.  291).  —    Forschieber  = 

—  die  zuerst  sich  beim  Zahnen  vorschiebenden 
.Mittelzähne  beim  Pferde  (r.r.  W.  IV,  2.  1722).  — 
Zu/<n-Schub  =  das  sich  vorschiebende,  durch- 
brechende Uebiss,  Zahnwechsel.  —  Schieb- 
Kolltr. 

schiech  s.  schüc  h.  —  schieche  Krankheit. 
schieder  8.  Knitter. 

schief  (schif,  scheif),  schöf  (schiech,  schieg) 

lindogerm.  «klo,,  *kai<);  urgerm.  skibh;  altnord  «keifr 
=  Uhm,  Jord.  4M;  mnl.  Irlieef;  tnhd  »chiel,  «-hier, 
schicken  =  kramm  geben,  schief  sehen;  1971  schlege  = 
\algn»,  D.  64» j|  16.  Jahrb.  tsehiegger  ■  scanrn«.  I)  517; 
1>9I  »rbiegge  s»  valgu* .  Had.  Jnn.  39";  I7M  srhel, 
s.  heef .  ich..!  -  schiel.  Kluge*.  322:.  —  schief  - 
von  der  geraden  Linie  abweichend  («chepps). 

—  io;y/"-schiech  -  im  Kojife  beim  Schwindel 
■Chief,  schwindelicht  Steiermark  j  Z.  d.  V.  I  V.  K. 

m».  8.  413).  —  Schiwel-  B-<n.  —  schiefe*.*") 
Bein,  Gebt**,  G  e  sieht ,  Gi«%»zrhe,  Hals,  Huf, 
Kopf,  L<v)f,  Mnul,  Xlileh,  Schulter,  Wurhs. 

Schiefer,  m.  (genn.  sktf  =  teilen;  abd.  seivaro 
[Stein.plitter;,  idIkI.  schircr  ;  eticl.  shiver  =  Splitter, 
Kluge*.  322  =  Stein-  nnd  Itototfltttr,  Bruchnuck, 
Teil ,  damit  rergllchen)  1.  -  die  I  lautabsehilferung. 

—  2  =  der  Zahn-  und  Knochensrb lefer.  — 
schiefericht  'ahd.  •kiraroht  =■ »eaber,  <;r«fi  vi,  vm, 
i».  -riiiH.  rig  =  M-a'.^r.  D.  MI)  rauh,  schieferig 
auf  der  Hanf,  räudig,  an  Lepra  (Malatzey) 
krank.  —  /i"</»/ .'-Schiefer  Furfures  capitis, 
l.iatterartige  Ablösung,  Abspültet  ung  der  Hanl 


(Heyne  v,  307).  —  (luis)  Za/m-Schiefer,  1.  -  Zahn 
spliller,  Te*ta  dentis.  —  2.  =  der  sich  ablösende 
Weinstein  der  Zähne,  Brochilas  (Kirsch  157).  - 
Schiefer,  schieferig  Bein,  -Bruch',  -Gebein, 
-Pfinnen,  -Zähne. 

SChieg  (16-  Jslirh.  tscblegger  =  s<  auras,  D.  517)  = 
s.  schief  —  schieggen  ^schiefgehen  fSchw.  592). 
—  schieggeln  schief  schauen.  —  Schieg- 
Fuss. 

schiel,  schielen  (schlichen)  (zu  scheel  [«.  d.j; 
abd.  nseUh;  abd. »beleb, •chiltn,  schlichen ;  11.  Joiirb. 
sohilhtnte  =  strabus,  II.  Z.  III;  12.  Jahrb.  schilehcnten 
s  strabonem,  Herrn.  XVIII,  74;  15.  Jaiirh.  schileudcr 
s  lippus,  Germ.  XVIII.  71;  14S2  schilher  =  lip|>us, 
Zcu.  Voc. ;  schilherin  =  peta,  Zening.  Voc.  kl;  1783 
schielen  =  Strabismus,  Platner  I,  120;  He«*cu,  Kranken, 
Bayern  ■rbtlefaen  [».  d],  Kluge*.  322;  Schvv  588).  — 

schielen,  schiengeln,  schengeln,  schinkeln 

(Schindler  II.  3t»)  =  schief  (scheel),  fehlerhaft 
sehen  infolge  von  Augenkrankheiten  (Strabis- 
mus (ialeni),  (trau*.)  lotiche  (  =  luscus),  calorgne 
(BriM.  3io).  —  schiel  =  scheel ,  schielend.  — 
SChielksen  -  schielen  (K.ifel,  Fromm.  VI.  18  :  UM 
«chillecht  ■  Btrabo,  Had.  Jun.  392).  —  schiel- 
äugig. 
Schiern  s  Schimmel. 

Schiene,  f  (Schane)  (germ,  »ki ;  abd.  »<  Ina  = 

Nadel.  Schienbein.  <  nia,  «imfl  VI,  4'.t9,  mtl.  schina, 
schinalc;  Iran»,  öchlne  ;  ital.  uchicna  =  »pin<*  «i*»^'. 
Stachel.  Du  Cange  VII.  S47  =  aclimalea  KnoclunMi»  k. 
Ktickgrat;  12.  Jaiirh.  uchina  -  cnira.  11.  Z.  D,  205; 
13.  Jahrb.,  ndd.  scene  =  tiblo,  I>.  5S2,  1529  »ebenen,  pl. 
=  tibiac,  Chr  Meyer  105;  engl,  »hin  =  Schienbein; 
mhd.  schine  =  S<  hienenbeiu,  tibia,  enia  ;  1417  scheuen 
=  *aral.anu*.  [tibiae],  l».  II,  32»1;  15.  Jaiirh.,  ndd. 
»chene  an  dem  l^ne.  D.  II,  121;  1507  eyn  «checn  van 
de  Wen  =  tibia.  u  >S2)  -  schmale«  Stack  Knochen 
Kluge*,  3221  (Fibula.');  ob  da«  tierische  Schienbein 
zur  ßbula,  Spange,  benutzt  wurde.'  Als  tuinplcife 
diente  die  tlerinche  tibia.  canua  nialor,  S< liientbein  ; 
(Tirol)  S.  liane  -  tibi»,  cm<,  Bein  (Hlntncr  8.  19).  — 
Schien-  Bein,  -Beinrohre,  -gelb. 

schienzeln-schiecken,  schielen  (Schmelkr  II, 
369  ,  verschlechterte*  Wort,  Osterr.j. 

Schier,  f.  =>  der  Kamm  des  Pferdes,  Haar- 
büschel  Schur)  (Schm.  II,  458). 

-schieren  {  —  ent*elien  [».  d.;.  zur  Wurzel  *hi  s 
scheinen,  mlilMUm.  Fick.  206,  alid.  Kciari,  «<eri, 
Schmeller  II,  459  =  s<harf  sehend;  altnord.  skyri  — 
hell,  klar,  Kluge».  322;  Zclt».hr.  d.  V.  f.  Volluk.  1893. 
S.  SM).   -  trrschieren      entsehen,  versehen 

schierig  ■.  Schur. 

schiessen  (Schieze)  (vorgerman.  »kud  Schot*, 
8*i)UM.  S«  hutz  «ind  Ableitungen;  j  german.  »knl  = 
*<hle««en,  erschüttern  >.  Schoaa,  Sehn«*.;  angcls. 
»«"•eotan;  abd.  »clozan  ;  alL-ai  li«.  »keotan;  nhd.  »chiezen. 
Kluge*.  322).  L  =  schnellend  oder  schleudernd 
bewegt  werden  und  bewegen  (s.  auch  scheissen) 
z.  B.  die  AiiL'.'n,  die  Harken  sind  geschossen 
-  die  Hackenzflhne  sind  schnell  erschienen 
nnd  machen  Sehnw-rzen  (<-..!.  r,  II  A.  *"»•).  —  2.  - 
I«M1   nbei  die  Köns  geschossen  {l  berkot- 


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schiessen. 


Seh  i  ff—  Scli  immel. 


schlissen)  -  eine  Verstauchung  der  Kote,  Aber 
die  da«  übrige  Gebein  (Fessel)  gleichsam  hin- 
\\egschnellt,  überkotet,  so  das«  die  Vorder- 
beine zu  steil  gestellt  sind  (fir.  W.  V,  1886;  Zlpp 
109;  Kalke  II,  883).  —  3.  —  (1616)  in  I.ntheru  Zchu- 
gcbotc-I'redigt  erzahlt  Luther  von  einer  Zauberin,  „die 
ICboa  tlie  Kinder,  dass  sie  sich  zu  Tode  schrieen" 
(F.rlangcr- Ausgabe  CO.  76;  s.  Schon»).  —  4.  —  die 
(»alle  „schiesst  iu's  Geblüt",  geht  rasch  in  die 
Blutmasse  über  (Qoldaehm,  108);  „ein  rascher 
Fluss  sebiesst  vor  das  Auge",  s.  Augenfluss 
(1.  cod.  94;  ndd.  forr  de  ogeu  aehateu,  tioldschm.  91)  ; 
vor  das  Herz,  s.  Herzttuss  2  (ndd.  forr  n  harten 
w-litttcD,  coldschm.  100).  —5  =  rasche  von  einem 
ursprünglich  leidenden  Teile  ausgehende,  auf 
entfernte  Teile  sich  dann  Bchncll  ausdehnende, 
ausstrahlende  Schmerzen  machen.  —  (164">)  es 
scheusst  im  Kopfe  -inachtschussartig  schnelle 
Schmerzen  (s.  Schuss).  —  (1761)  .d&schiessung 
■-abwärts gehende  schnelle  Bewegung  z.  B.  des 
geschwellten  Zäpfchens  (h.  Zapfchenschiessen, 
Piolapsus  uvulac)  (L.  t-hir.  93).  —  .4nschi6S8  — 

—  eine  kleine,  sozusagen  nur  angeschleuderte, 
nicht  fest  geschlagene,  doch  klaffende  Wunde 
hei  studentischen  Paukereien  {Kleinpaul,  d.  Mit- 
telalter 484;  ZelUclir.  d.  v.  I.  v.  K.  1805,  s.  886).  — 
uu/schiessen,  1.  (des  Blutes)  — eine  rasche  Kon- 
gestion des  Blutes  nach  obereu  Teilen  des  Kor- 
pers, wobei  die  Menstruation  stockt  ((ioldschm. 
101).  —  2.  =  des  wachsenden  Körpers  od.  einer 
kranken  Stelle  durch  Massenzunahme  nach 
oben.  —  3.  -  (des  Wassers)  (augls.  haetc  waeter 
Ute  scyi  u|>|>  ot  thou  treostan,  l  ock.  III,  128)  =  das 
schnelle  Aufstossen  des  heissen  sauren  Magen- 
wassers (Sod).  —  (1699)  diutschiessung  —  der 
Zustand  des  raschen  Austreibens  z.  B.  des  Darm- 
inhaltes durch  den  A  fter  bei  der  Ruhr  (v.  M.  II,  168) 
od.  der  Augen  bei  Exophthalmus,  Bocio  (ü.  77).  — 
«H.sschiessende^lu^rN.—  (1615)  Bi 'att  schiessen, 

1.  =  Blatt  3.  8.  9  und  Schota  (toler,  \V.  354).  — 

2.  =  ausserdem  s.  sinken,  fallen  und  Sonnen- 
stich. —  Ein  schiessen  (-  der  Zilhne.  Hacken 
oder  Zahnbillern)  s.  schieben  u.  Billern  (A.  v.  II. 
II,  :t0S;  Kraus,  E.  677;  C.  v.Sehm.105)  (Odontophyia) 
(Hippokr.),  Dentitio  incipier.s  (s.  schieben  und 
Billern).  —  }<■■',.,  -  schlissig  ,  -Bchüssigkeit 
(s.  ob.  2.).  —  «ierschiessen  (beim  Vieh),  L  = 
verfangen.  —  2.  =  über  die  Köte  schiessen 
(s.  oben)  (Falke  II.  382).  —  r*i ■  /  schiessen  (in  all- 
deutschen .Strassburgor  BlnUagen  (liolth.  3SI]  vorkom- 
mend; ,,thö  verseöz  Ueuzan  Haider  ?J  Jordanc  Lden 
lladu  the  «itun)  =  durch  Schuss  ganz  und  gar 
beschädigen,  z.  B.  durch  eine  lebensgefährliche 
Interkostalwunde  od.  Blutung.  —  (I7i7)  UY/i<n- 
-SChiessen  (in  die  Beine)  —  aufstrahlende,  in 
die  Beine  sich  fortsetzende  Nervenschmerzen 
bei  den  Geburtswehen  (Bäuml.  018).  —  (1629) 
Zäpfchen- 1  medVrj  schiessen  —  StaphyJodialysis, 
eine  rasche  Anschwellung  und  Verlängerung 
des  Zäpfchens  (Angina)  durch  gleichsam 
schnellende,  rasche  Abwärtsbewegung  des  Zäpf- 
chens, wodurch  einem  der  Halszapfen  wie  vor- 
geschossen ist  (Uurlt  II,  160 ;  toler  \V.  1V| ;  Lex.  eh.  93) 
(8.  Blatt  8,  Huck,  llauchblatt,  Hug,  Hauch). 

—  ZH«i»J»ic»i-schiessen  -  Zusammenfahren  der 
Glieder  beim  Schreck,  Pavornocturnns  (»iohlsehm. 


iir.)  —  Schiess-,  schiessende-,  «/'Schossen  v») 
•  Bein,- Brüche,-Ge»icht,  Häckai\  Huck,- Knodtcn, 
-Ruhr,  -  Wehnen,  -  Wunde*. 

Schiff  (Scheff),  n-  (gcm.-gcrm.  sklpa;  nhd.  aeif. 
scef  "  Schiff,  ticf&ss,  skiphi  —  phinla;  mhd.  echif  — 
Schiff;  englskov,  *hip,  Kluge*.  322  ff.,  Wasserfahrzeug, 
übertragen  auf):  1.  =  Cunnus,  in  rohei  Redensart 
aU  Wassergeschirr  gemeint  (Buck  16).  —  2.  = 
Kemina  (verallgemeinert ;  Buck  11).  —  3.  =  (1710) 
die  Bchiffartige,  nachenförmige  Vertiefung  am 
inneren  Ohrkreise  in  der  Krümmung  zwischen 
Helix  u.  Anthelix,  Sehifflein  (Scapha.  Kulmus  «.«.'.; 
hibl.  Med.  206;  Heyne  V.  334).  —  Schiffen  (mit  dem 
Waaserwerkzeugelnavis]  arbeiten  —  pissen  [Studentcn- 
Bpracbe);  navis  =  mariscue,  podex  fleoaus,  Rosenb.  137; 
engl,  flrcshlp  =  Feuerschiff  [Hrandcr],  eine  mit  Syphilis 
behaftete  I.ustdirne,  Kaltschm  .  s.  Schossbeule  •).  — 
Schiffs- Bein,  -Kolik,  krank,  -Typhut. 

schlichen  (zu  scheel  [s.  d.)  und  schielen  (*.  d.]; 
ahd.  scelah  ss  scheel,  schief,  IL  Jahrh.  schüblute,  II. 
Z.  III  =  slrabus;  12.  Jahrh.  schilehenten  -  strabouem, 
üerm.  XV11I.  74;  scilihender  -  lincus.  I».  331;  1482 
»chilherln  =  pel«,  Zenlng.  Voc.  k.  1 ;  15.  Jahrh.  schil- 
heuder     peius  buphthalmu*,  I).  431;  II,  62;  seitlicher 

—  llppus;  altuord.  aklalgr,  Wclnh.  279).  —  Schlichen 

-  schielen,  schief  schauen,  Strabismus.  — 
schilchezen,  schilksen  =  öfters  ein  wenig 
schielen  (Fromm.  VI.  18).  —  Schilcher  =  Strabo, 
ein  Schielender.  —  (1591)  schillecht  =  strabo, 
schielaugig,  mit  Walzaugen  (s.  d.)  sehend  (liad. 
Jun.  392;  1>.  432). 

Schild,  m.  =  abgespaltenes  Stück,  Holzbrctt,  1.  — 
die  abgrenzbare,  besonders  harte,  dicke  Haut 
auf  den  Schulterblättern  des  Wildschweins 
(Brehm  III,  136).  —  2.  =  der  runde  Milchspiegel 
am  Kuheuter  (Fraas).  —  Schild  Driise,  -Grint, 
■Knorpel,  -Krötengeschtculat.  —  schildern  ** 
8.  schultern  (Schulter). 

schilfern  s.  schelf.  —  Schilfer- Flechte. 
schilksen  8.  schilchen. 

Schimmel,  m.  Schimmer,  m.  Schirm,  m. 
Schemmen,  m.  Schemmern  (iudogerm.  skf  — 

|  scheinen,  glänzen;  germ.  sklmla;  an  gl»,  a^clmod  — 
glänzende  C.latte,  t'oek.  II,  232;  ahd.  sclmbal  = 
mueor,  oerugo,  Graff  VI.  4;>8;  vormhd.  schlmbel;  mhd. 
schimel  'Mischung  mit  schäme  =  Schimmer];  mhd 
scheine  -  Schatten;  md,  schime;  angls.  setma;  alt«, 
setmo.  Kluge*,  320.  323;  mhd.  Sehlem,  m.  —  ein  Augen- 
übel,  Lexer214;  14. — 1"».  Jahrb.,  mnd.  en  oghen  ser 
holet  seimo,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  128;  1482  schyein  - 
rubedo,  rotlgkeit,  intlrmltas  oculornm,  Zenlng.  Voc. 
cc6;  D.  S01;  callgo  oculorum;  schemmen  =  «chlemen, 
Schmeller  II,  419;  14S2  best  hyemer  =  losolvus,  Zeu. 
Voc.  ki;  engl,  shim  =  weisser  Fleck;  holl.  hersenschira 
=  Hirngespinst),  1.  =  hellglänzender  od.  weisser 
Überzug,  Pilzbelag,  Ihphtheriubelag  auf  der 
Mundschleimhaut  (Lcrech  93).  —  2.  =  Augen- 
schitnmer.  —  schiemen  -  ein  Augenübel  haben 
(SehmeUer,  1.  c  ;  Sehw.  689)  (s.  Augenschimmel).  — 
Schimmelig    (ahd.    srimlmlag,    Kluge  *,  323).  — 

schiemig  =  den  Aogen-Seliiem  habend  (Schm. 
'  Ii.  ii9).  —  Augen  -  Schimmel,  -Schimmen, 
Schimmerung  (14. — 16.  Jahrb.,  mnd.  den  iremM 

van  den  oghen;  vorscenicn  vor  den  oghen;  weder  den 


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schinden — Sehink 


Schinnen— schlacht, 


Seemen  der  ogen ;  J.  f.  m.  S(>.  I,  XV,  132.  131.  135; 
IX  Jahrh.  uinu  sehemcrt  vor  den  »gen,  l>.  II,  3s4 ; 
[urahrtue],  s<  ocuierynghe  der  oghen  =  aorasia,  D.  II, 
27;  n»3  augenschimel,  wgeinchlmle  se  caUgo  ocu- 
lorum.  C.  v.  Megbg.,  der  Schemen  der  äugen,  äugen- 
scheinen,  der  n-henmen,  der  schieinen,  Schmeller  II, 
419}  =  jede  Augenkrankheit,  bei  der  man  kein 
deutliche«*  Sehen,  Bondern  bloss  ein  schemen- 
hafte« Schattenbild,  einen  Schimmer  hat,  also 
=  Augenschimraer,  wobei  die  betr.  Kranken 
nur  ein  nebelhaft  zitterndes,  verschleiertes, 
schwaches  Licht  sehen.  —  i/au/)l-Scbimmel  = 
-weisses  Haar  (Heyne  V,  311).  —  R  >t  Schimmel 
=  ein  Mensch,  dessen  rotes  Gesicht  auirallend 
sichtbat  ist  (Schmeller  II,  420). 

schinden,  Schinder,  m.  (vorgerm.  tMato;  ahd. 

scintan.  wind,  n.  -  Fell,  Haut,  Gr.  W.  III,  149  >, 
altnord.  skinn  =  Haut  [Schinne,  «.  d],  Kluge8,  324; 
mini  schinden)  =  enthäuten,  missban  I  n ,  quälen, 
einen  operativen  Kingrifl  machen  (s.  Schund). 
—  Schind  („ein  untergegangenes  Wort",  Gr.  W.  III, 
1495)  =  abgeschundene  Haut  (Schelm).  — 
Schinder  =  derjenige,  der  schindet.  —  Schinder 
ling  —  ein  unzeitiges  Kalb,  das  zum  Schinder 
oder  Abdecker  auf  den  Schindanger  gehört 
(i .  v.  Sc-hw.  461).  —  .1  f-- sc  hin  de  rang  (l&  Jahrb. 
vsschindelingalder  zu  fru  geboren  =  abortivus,  D.  11,3) 
=  ausgestossene  Abortusmole,  hautlose,  auch 
totgeborene  Frucht  (1756;  Z.  V.  2).  —  GVschindt 
=  Ilatitabgang  (Seb.  iso).  —  za  schinden  -  ganz 
und  gar  misshandeln  (nach  dem  Volksglauben 
vollführen  die«  namentlich  die  Hexen  und  Wasser- 

damonen,  iieyi  13. 159.  i3  ).  —  Schinder-  (schindel, 
geschunden)  Darre,  -haarig9,  -kollig,  -leer, 
-Leich,  -Lefzen. 

Sc  hink.  Schinkel,  m.  Schinken,  m.  (Schunken) 

(zu  Schenkel  ;s.  d.],  ßchanken;  ahd.  scinko,  scinka  — 
Beinrohre,  Schenkel,  sclnkai,  Graff  VI,  519;  11.  Jahrh. 
seima,  sciiuha-crus,  tlbla,  H.  Z.  III,  368  ff. ;  11.  Jahrh. 
m  incha  -  tibia,  II.  Z.  VI.  321;  «cinkan  =  tibiae.  H.  Z. 
II.  205*1.;  D.  II,  364;  scinchun  -  crure,  n.  Z  XVI,  47; 
mhd.  Schinken,  skiukel  —  crus,  Schmeller  II,  432; 
15.  Jahrh.  schink,  schinke  -  kalotibia  =  Stelze  !x'i\o\- 
tlbla,  D.  n,  68;  1469  s.  hinke,  schenk  =  tibia.  D.  582; 
17WJ6  Schinken  —  Schenkel,  Schmeller  II,  43:: ,  [iloäuzeti, 
liigarn]  «chinga,  f.  —  Fuss.  Bein,  Fromm.  VI.  113  Tirol; 
.S-hiükin,  m. ,  Ilintner  9),  1.  =  Schenkelknochen, 
Kobrknochen,  Dickbein  (s.  Schenkel)  (Kluge*, 
324,  Ilintner  8).  —  2.  -  das  rötliche  Fleisch  am 
Schenkel.  —  3.  -  Schweinskeule  (Heyue  V,  347; 
1629  schlnke  der  hlnderhame,  Schmeller  II,  416).  — 
4.  =  der  kranke  Schenkel,  Stelzfuss.  —  Ikiar- 
schinke  (7,  It)  (par«chinc,  parschinkel,  S.  hmcller  II, 
432—  433)  =  baarschenkelig.  —  ii/ttf-Schink  - 
der  JJarzhackel  (*.  d.),  der  als  kleines  graues  Wald 
mAnncHen  od.  Wassergeist  den  Kindern  die  Schenke!  nb- 
M-hnci<let.  ein  kindermordeiides,  Menschen  würgendes, 
bluttrtnkeiides,  menschenfeindliche*  Gespenst  in  Tirol 
(Zingcrle  X,  I.  5;  Alr.bg.  IV  [» ,  II.  A.  Rh.  «6;  Z.  d.  V. 
f.  V.-K.  UN,  318;  1897.  291;  Lalslner  II.  30.  31;  an  ihn 
erinnert  das  Kultgebaek  Kindsvöt  [Kindsfuss),  das  man 
«Jen  Frauen  und  dein  Vieh  [als  gleichnamiges  Koruj 
zur  Geburtserleichtenmg  gab,  rfl|MM  VI.  2>::;  Mniinh. 
233).  —  Oc- SChink  (angln,  gihsing,  gihsuuga,  je«enco, 
trescinclo  -  coxac„<:x(a,  exugia  .  -  axungia,,  rock.  1. 


I.  XX;  III,  161.  3<i2.  1>.  220)  -  das  ganze  Fleischstück 
vom  Micker  und  Nierenfetl  an  bis  zur  Hüfte 
und  zum  Schenkel.  —  I1W  Schinken,  Schinkel 
=  das  bratige  Mtiskelfleisch  am  Fusse  (Wade) 
des  Scblacbttieres  (Rind)  vom  Knie  bis  zum 
Knöchel  (Unterschenkel,  Wadbein)  (Sehn,  n. 
m).  —  Schinke  (l,  n)  -  Bein ,  -farbig,  -Mark, 
■Milz,  Weh. 

Schinnen,  pl.  (md..  ndd.,  1761  «-hin  —  furfurcs, 
L.  ch.  35;  cortex,  D.  153;  Avcntln,  n  altnord.  sklnu 
[aus  skinth]  =  Haut,  angls.  scinn;  mittelcngl.  skinne; 
engl,  skin  =  Haut ;  eigentlich  die  abgeschundene  Haut) 
=--  „das,  was  sich  von  der  Kopfbaut  abschuppt" 
(Kluge*,  321),  Hautschuppen  infolge  von  Pityri- 
asis, Milben  (s.  d.),  beginnendem  Haarverluste, 
im  Alter  etc.  (s.  schinden  und  Schund)  (dazu 
altnord.  heljar-'klnn  =  hollschwarze  Haut  [der  Un- 
freien),  Weinh.  34;  skinn-ncfja  (s.  Nase);  schwed. 
tjockskiuitig  =  schwielenhautfg;  engl,  fore-skin  — 
Vorhaut;  brnnccd-skln  —  Bronzehaut;  goosea-skin  = 
Gansehaut;  skin-diseaso  —  Hautkrankheit).  —  schinn 
.Fi«*,  -gelb,  -haarig,  -Leich,  -Nase,  -siech. 

Schintz,  m.  =  Scbnss,  Kheuma,  Kinsohuss, 
Ischias  (Beiträge  z.  Anthrop.  Bayerns  1891,  6S,  Belm. 

II,  435). 

Schippe],  in.  =  s.  Schüppel  (Schuppe). 

Scbirbel,  m.  (zu  Scherbe,  f.  [s  d  ],  ahd.  seirbi, 
nhd.  schlrbe  Scherbe  [te»ta],  ein  kleiner  Hafen)  s= 
Kopf  (Schmeller  II,  464). 

schirr,  Geschirr.  —  Geschirr  (ahd.  giscirri; 

nhd.  geschirre),  1.  =  Werkzeug,  Gelüt  (Kluge  136). 
—  er  hat  sich  nach  dem  Schrei hgeschirr  um- 
gesehen —  er  «Iii  bt  bald  und  macht  sein  schrift- 
liches Testament  vorher  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  MM, 
S.  194).  —  2.  -  Muskel  (14S3  ,,ain  geschlrr  der 
VlUkMcben  wegung  an  den  glidern",  C  v.  Megbg.) 
als  Hewegungsorgan.  —  3.  =  (148'.  geschirr  = 
Membrum  der  Affen,  Schm.  II,  457;  1">60  geschirrlieh, 
II.  Sachs)  —  Genitalia  als  Organa  generationis; 
das  Geschirr  =  Zeugungsglied  des  Menschen 
(c\  v.  s.  hra.  1621.  —  er  ist  aus  dem  Geschirr  = 
aus  der  Verfassung,  verrückt,  geistig  abnorm 
(Demokr.  XII,  104).  —  OAr-OeSchÜT  -  übertragen 
vom  Pferdegeschirr  mit  Scheuledern  auf  die  Ohr- 
lappen  [ScbmcUar  II,  457),  Auriculum. 

schlabbern  s.  schlapp. 

-schlacht,  -schlecht,  -schlechten  (zu  germ. 

slah  —  schlagen;  altgerm.  =  erzeugen  ['•);  ahd.  slalita. 
1.  =  Tötung  durch  Schlag,  Totschlag  slahan  =  nach- 
arten, nachschlagen  ;  statt  ton  —  tötend ;  2.  —  GeM'hlecht, 
familia;mhd.  slahte;  L  =  Tötung  ,2.  =  Art,  Verwandt- 
schaft. Kluge*,  136.  324;  ndd.,  15.  Jahrb.  siechte  - 
natio,  D.  II,  261 ;  engl,  slaugh  -  brandiger  Teil,  durch 
schlag  brandig  gewordener  Teil ,  Hornbl.  123).  — 
Schlacht  «■  das,  was  geschlafen  ist,  schlügt, 
ausschlagt;  Schlag,  Beschlag,  Ausschlag.  — 
Schiächten  (Schlechten)  -  Urschlftcliten  (s.  d.) 
(Gr.  W.  V,  2163;  sub  kreistle).  —  schlachtig, 
schlächtig  =  geschlagen ,  geartet ,  am  Schlag 
leidend,  schlagend.  —  Schlechtigkeit  =  die  Art 
dos  Schlagens.  —  t-  ;•  ••-Schlucht  -  Augen he- 
sclditcht,  Augenrand  (Gr.  W.  I,  Ml).  —  (1725)  Aus- 
Schlächten,  (1«18)  Schlächt,  1.  -  Hautausschlag 


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Ö70 


-schlächt. 


-schlricht. 


I>ei  Menschen,  z.  B  Mentagra  etc.  — 2.  Morbus 
ovium  =  Schafblattern  (s<  hmellcr  II,  49">,  Th.  8. 
Br.  8ii)  g.  l'zsehlechten.  —  bauch  -  schlächtig 
(-Schlechtig)  (1517  bu.hglagungo  -  singultu*.  D.  530) 

—  mit  dem  Bauche  (Flankten)  heim  schnellen 
Atemholen  schlagend,  kurzatmig,  asthtnaticus, 
Emphysema  pulmonum,  herzschlachtig,  hauch- 
stössig,  kichbatichig  (Karnlhen;  Fromm.  VI,  301; 

Gr.  w.  i,  U66.  um ,  v.  -<5i).  —  Be  schlächt  <ai>d. 
»laicht,  pislcht  =  pesti*)  —  ansteckender  Hautaus- 
schlag ( Variola  7). —  fiMi]  cholerische«  Geschlecht 

(cholerisch  geschlecht ,  Krautw.  XXXIV,  nach  der 
huuioralpathol.  Lehre)  =  durch  Cholera  I  (s.  d.) 
bedingte  Krankheitsform.  Pataoetrai  nahm  für 
rote  Cholera  (s.  d  )  das  Franzosen-Geschlecht  (s,  d  ).  — 

Du».. ■'••Schlachten  (-Schlechten)  (angi».?  dorn* 

siegelte,  Cork.  II,  iv9—  Hautausschlag;  1».  Jahth.  durch- 
stahl =  vnriolac,  Vor.  opt.W.  10,  1412durrhsclechten,pl  ; 
15.  Jahrh.  durch»,  hlacht  m  variolae,  I).  II,  :;T7;  1418 
durchstacht,  Schindler  II.  499;  papula  ei>t  parvisslma 
cutis  erectio  cum  rubedine  circumscripta  i.  ulcus 
inliiiitlssimum  rubcdlne  clrcuniscriptum  et  Ideo  dlcta 
Papula  i  e.  durchsehlacht  !  -  Variola  s.  raricellue  ; 
H70  durchschlachten  und  plattem,  Schmeller  1.  c. ;  l'>17 
dy  huet  durehslaeu  =  percutere,  D.  426=  [615'  percussio 
scablarum,  Schnurrer  I,  153;  1592  durschlaeh  =  aphtae, 
I).  43;  16t»  Purehschlccht  =  Variola.  Itlattcrn,  Heyn. 
242;  l).  COT;  1741  durchschlachten  =  variolae,  Kirs<  h 
tta,  1712  durschlechte  =  variolae,  Zw.  474;  1753 
durchsihleehten  —  exanihemata,   A.  r.  II.  II,  6*0). 

—  Z>«i(7(Schlächt,  1.  -  Blattern  (Variola) 
(Huck  Ii;  1758  allhler  iu  Meutmlugen  Dumhlcchteu, 
«oll  l'r»chle<  hten  helsscn,  genannt,  Hr.  Hollen  Bio- 
graphie der  Khrhardt,  8.  21;  Gr.  \V.  VII,  1964  fl.)  als 
durchschlagendes,  ausschlafendes  Exanthem. 

—  2.  =  die  Urschlftchten  (s.  d.)  ^  d'Urschläehten. 

—  3.  -  wilde  Durch-schlacht  (Durchschlecht)  = 
Nesseln,  als  nicht  erkannte,  falsche  Blattern 
(Ituck  19).  —  4.  =  Kxanthem  ii herhau j>t,  Aus- 
Bchlagskraukheit.  —  5.  =  Mundblatletn,  Schal- 
bläsciien  (Aphthen).  —  A'mv  schlächt  s  Inn- 
geschlileht.  —  /"Vanjoscrt-Gcschlecht  (1538  Ge- 
schlecht dcrFrantzosen,  I'aracels  de  imp.  02]  -  franz. 

An,  syphilisform.  —  -geschlacht,  G»schlacht 

(G<  schlecht)  (fthd.  gislahti,  gislaht ;  nihd.  gestellte, 
gestallt,  Kluge*,  13* ;  holl.  gcslacht  ;  dilti .  slagt ;  sehwed. 

&iagt),  1.  —  tieschlecht,  An,  Eigenschaft;  wohl* 
geartet,  gutartig,  ed  e  Ige  a  1 1  et ,  geschmeidig, 
weich  (Kluge  1  eod. ;  Pauli  HO;  Andresen  267).  — 
2.  -  das  ausgeschlachtete  Kinucweidn  (Erbe  31). 

—  G<  schlecht»- .Si«»,  -Teile,  ■  Trieb.  —  Herz  Öc- 
schlächt  -  HerischlÄehtigkeit.  —  kränkeres  Ge- 
schlecht UlS:.'  daz  kranker  gestallt,  r.  v.  Meghg.  ; 
Gr.  W.  V,  20J3)  -  das  schwächere,  seh«  liebliche, 
weihliehe  (ieschlecht.  —  Unat  schlächtigkeit 
(Schlechtigkeit)  --  eine  volksctymotoglschc  l'ra- 
bitduug  uns  liartschlachtlg  (*.  Ii.),  well  solche  herz- 
schlechtige  innrere  I'ferde  auch  schlecht  im  Ilanr 
Wachstum  »ind  und  glanzlose  Haare  zeigen?.  —  (1*10) 
halb  schlächtig  -  von  <ler  Seite  «Ich  einen  Er- 
zeugerge.schlechtes  her  in  iler  Kasse  j;.'iuiseht, 
Ilalhhlut.  --  hurt-,  haar  schlächtig  "»i-  ndd.  hart- 
sleehtlg  hart  a  llerz| ;  rnhd.  diu  hnrte>laht  [hol  l'Ienlcni, 
Sehmcllcr  I,  1IC7;  KM  haarschlechtlg,  Cir.  W.  IV.  2M; 
170.  haars.  hl.  clitigkeit,  Itayertand  |vt|.  Iis  ■  mrj  haar 
srhlachUg  =  hcrzsehlaehtlg,  Schm.  I.  1117;  1710  hoar- 


|  M'hlerhtig,  <ir.  W.  IV,  2J6;  Knt-telluiiR  und  Verdcrbnli 
I  aus)  -  heiUBChliehtig  (s.  d.)  =  schlaxhuuchii; 
(Or.W.  IV,  2.M9),  am  Hertschlag(hartslaff)  leiden.l, 
bei  Menschen  und  Pferden  (Schmeller  I,  1U7.  lifiT. 
I  1171;  11,601).  —hert-,herz; (hart-,  /wirtr-)schläch- 
|  tig,  -schlechtig,  -schlächtig  (UM  hen-z-,  bete- 

zensslcchtlk  =  mauiaeuü,  l>.  316  ;  1 132  herezslet liger  = 
cordlai  u»,  D.  II,  75;  ndd.  hartsle«  htlg  0  |i  11S3 
herzstahti-ten  taeuten,  C.  v.  Megbg.  -  aathmatiel,  Or.W. 
IV,  2. 1260  =  ubelheflndend,  ohumilchlig;  diu  hartc>laht ; 
harteslchlce,  lierttschlechtig  =  asthmatit  iis  von  I'fer- 
den  ,  Schmelkr  I,  1107;  1592  hertzschle«  hte.  Sei».  17?; 
UM  herzs.  hierin ,  Gr.  W.  IV,  2.  1260;  1599  „hart- 
gi-hlttt  hllg,  hcrz«i  hle<  hlig,  baiu-lisi-hleehtig.  kthmloh, 
dise  I  krankheiten  ist  alle*  1  ding,  alleiu  da*!  sie  mit 
dem  namen  unterschiedlich",  Gr.  W.  IV,  2.  l-'CO ; 
herzschlei  htigkelt ;  1710  herzschtachtig  —  mniigellialt 
an  der  l.unge.  Gr.  W.  IV,  2.  1260;  1731  herzschlachllg 
kclt,  (Jr.  W.  1  eod  ;  S.  hwaben  lierzsrhlachtig  -=  übel, 
ohninikrtitig,  engbrüstig,  [Krandenburg.  herzschlechtig 
[nur  von  Pferden  ),  1.  =  am  Herzschlage  leidend, 
herzkrank,  heim  Menschen  u.  besonders  heim 
Pferde,  dessen  sichtbareres  Klankenschlasen 
(Hauchatmen)  in  der  IlcntgeKend  als  Herz- 
schlag angenommen  wird  (Gr.  W.  IV,  2  1260;  VII, 
1676).  —  2.  =  kurzatmig,  wie  die  meisten  an 
|  Herzfehlern,  Kmphysema  pulmonum,  chro- 
nischer Bronchitis  etc.  leidenden  Kranken  = 
dyspnoeicus,  asthmalicus,  an  Asthma  (Dampf) 
heftigen  Grades  leidend.  —  3.  —  am  Kotze  (s.  d  ) 
leidend  (Hitzig)  und  damit  kurzatmig  oder  am 
Herzklopfen  leidend  vom  Pferde  (etpitis  suspi- 
rosus)  (Gr.  W.  VIII.  1045;  Falke  I,  374.  391;  Kirsch 
in).  —  4.  =f  die  Herzschwäche,  Ohnmacht  (mit 
tind  ohne  Herzschlagen),  das  üble  Befinden 
überhaupt  (Gr.  W.  IV.  2. 1260);  (vgl.  totschllchtig). 

—  5.  —  die  Engbrüstigen  sind  leichter  kurz- 
atmig; daher  herzseh leehtig  auch  -  engbrüstig. 

—  I».  =  Herzge8chlä4:ht  =  Eingeweide  (s.  Herz- 
schlag 6).  —  7.  =  eine  Krankheit  der  Schafe 

(s.  Herz-Schlag  5).  —  8.  -  (falsche  Kthymologlel, 
hnarschhtchtig  =  haarkrank,  und  heuschlechti^ 
(Falke  I.  357).  —  Herz  -  G<  schlecht  =  8.  hait- 
«clilachtig  ii  —  Heu  Schlechtigkeit  (eine  v*r 

derbte  Form  fiir)  HerzBchlilchtigkett  (s.  ob),  eiy 
mologlslererid  gebildet  ,  weil  man  annaliui ,  das» 
M'hlei  htes  Ilcufutter  die  l*rsa<  he  zu  iler  llertscliUch- 
tigkelt  sei  —  7/in-GrSChlächt  —  das  innere  Km- 
ge weide  (Ituck  17),  Eingeschlechl  (aus  Inscblicht 
vielleicht  entstellt.  C.  v.  Schm.  1601-  —  Leute 
Schlächter     der  Lebensdieh,  Mois,  Tod.  — 

—  (1542J  »j(/n«)i-8chlächtig  —  nach  der  Manner 
Art.mitnnischsein.mannsüchtig.Nymphomania 
;s<  hm.  i.  iotn}.  —  Mann  Schlächt  inllsm  Iis.  man- 
siuiiia  b  Miuinersehlag)  =  Todschlag,  Tötung  (homi- 
Cidinill)  (Kluge*.  321;  Schmeller  I,  1603).  —  nach' 
Schlachten  (ahd.  näh  ■  1  ."■  n  fordoröu  dlahan  —  den 
Vorführen  naiharten;  mhil.  nächstahen,  Kluge5,  13«') 

—  nachschlagen,  nach  jemaml  arten,  der  Sohn 
schlägt  (körperlich)  seinem  Vater  nach,  er 
erhalt  die  natürlichen  Eigenschaften  des  Vateis 
(Schlag  4).  —  0n>)  -  schlachten  =  rrschlachtcn 
(«.  d.).  —  mhrltuen  -  schlächtig  =  in  die  Art 
des  Schelmen  (s.  d.)  schlafend,  schelmisch.  — 
athvhnm-  («cAtcnw-  schlachen  «chwindelarlig, 

|  ohnmächtig  hin-  und  herschwankeu  ^<  hmellcr 


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■achlicht. 


Schlade— Schlaf. 


.-»71 


II,  633).  —  11482)  /rryy/*-8chlächtig  (tropIWachliger 

—  paraly  Ileus,  Zcliing.  Voc.  1  I,  k5,  lili  1  ;  schlag,  tropf! 

—  slderatio,  D.  533)  —  vom  Tropf  (s.  d.  —  gutta) 
geschlagen,  gelahmt  (siehe  Outschlag).  —  tot- 
SChlächtig  (mhrt.  töl-slech  -  zum  Tode  ermattet, 
wie  totgeschlagen ,  Lexer  269;  Sehinellcr  I,  633)  m 
sehwach,  kränklich,  abgelebt,  wie  toi  (lödtig). 

—  unfje  schlachtet  (abd. ungiilabt ;  mhd. ungwtobt, 
Kluge1,  13«;)  =  unedel,  niedrig,  udssgestallet, 
bösartig.  —  tVr-schlächten  (ahd.  ur>iahti,  (.  = 

varix,  ciratrix,  Graft  VI,  77h  —  percussio  Fcabiarum 
i.lY  Si  hnurrer  l,  153;  12.  Jahrh.  urslach  =  varlx, 
H.  Z.  XV,  3>i0;  uuerna,  Graft*  VI,  777  ;  inhd.  urslallt, 
Ufltobt  =  Ausschlagskrankheit ,  Pocken,  I-exer  307  ; 
1119  oreslechteu  -  inorbllll  variolae,  D.  II,  2  .7 ;  15.  Jahrh. 
urschlecht  =  muri. Uli  inrirmlta«  puerortim  ^Klndsblat- 
teni  ,  D.  363;  MM  berpel  oder  dy  rotin  oder  dy  ur- 
daebt,  Variola,  Schindler  II,  499,  Gr.  \V.  I,  1527;  C.  T. 
St'hm.  MO;  Zening.  Vor.  mm  1 ;  119~>  dy  unrechten  = 
Variola,  D.  C07  ;  IMS  urschlecht  -  porpelen  Variola, 
<ir.  W.  VII,  •-•002;  variolae  -  Pocken  ;  1572,  1600,  1624, 
1699  urschlcchtcn  =  Kindsblattern,  t'oeken,  Hacser  II, 
381;  die  Krankheit  König  Karls  VIII.  von  Frankreich 
[1*7*1,  Kelssuer  1;  v.  M.  11.  184;  öchnurrer  II,  90;  1582 
urschlichten  ,  Lonlc.  109 ;  1725  urschlechten  ,  The*. 
San.  Hr.  M  =  variolae,  Poeken ;  1742  urschlechten  = 
variolae,  Zw.  991 ;  1731  urschlechteu  —  variolae  und 
varicellae,  A.  v.  II.  81»;  „wenn  sie  gelinde  sind, 
hei&it  mau  sie  „gute  urechlechten,  A.  v.  II.  I,  1110; 
hetineb.;  urst  Machte  =  Blattern,  Spiess  II,  261,  [BUSH 
l'rschlAcht  =  Impfpocken,  K.  W.  I,  69).  —  Ur- 
sch lachten  (Orschklehten),  1.  =  (der  älteste 
deutsche  Name  für)  Variola  (Blattern,  Pocken, 
Pockadel  •,  Varioloides)  <Buck  19 ;  Gr.  W.  VIII.  1961  i 
Waiib.  U5;  Fuchs  ll,  im).  —  2.  =  ausserdem  die 
damit  leicht  zu  verwechselnden  Schafpocken 
(Varicellae,  After-,  Wasser-Urschläehten).  — 
3.  s  die  von  den  Blatterpocken  zurückbleiben- 
den, abdorrenden  Pocken- Krusten  und  Narben, 
ösehel  =  l'rschlachten;  Öse  h  e  1  -  Stappe 
(.schmellcr  II,  499)  =  varix,  cicatrix.  —  4.  = 
Masern,  Kdteln,  Purpein  (Schmeller  II,  499;  Wallb. 
11%),  mit  den  eigentlichen  f'rsehlächten  1  (  =  Va- 
riola) verwechselt  und  dann  so  benannt;  l'r- 
sehlachten  ^  morbilli  -  variolae  biliosae  cutim 
non  satis  penetrantes  des  Ihn  Sina  (anno  370, 
nach  Hennlg  in  Gerhardt  I,  26).  —  5.  -  (rrsehlachten 
mit  anklebendem  Artikel)  d' l'rschlilehten  = 
l)ur(ch)8ehlftchten  (s.d.),  — G.  =  Hühnerpocken 
(17.  Jahrh.;  Fr.  Kr.  Br.  Ol'.t).  —  7.  =  impfpocken 
[KImu).  _  (i74;()  Alter- tVschlächten  -  falsche 
Blattern,  \  aricellae  (A.  v  II.  I,  131»).  —  (1738) 
gute  £ Yschlächten  =  Varioloides,  leichte  Blat- 
tern (a.  v.  Ii.  i,  laio).  —  Wasser-  <* '»-schlachten 

—  dio  wassergefüllleien  Schafpocken  (Vaii- 
cellae)  (.v.  r.  H.  i.  i  n  ).  —  wilde  /V»  schiächten 

—  I'ockf n,  Variola  («.  wild)  ;K.  w.  1.  69).  —  Ur 
schiächten  Abdorre»,  Fteber.—  Uz  schiächten 

(12.  Jahrh.  ui-  u«s-  sieht  —  lentigo,  D.  II,  231  ;  uzlchte 

—  genu*  leprae,  I_>.  II,  232J  =  AUUOhlag  jeder  Art 
auf  der  lluutdes  Mensrhen.  —  wettet  schlächtig 
(Klrothen;  Fromm,  vi.  2i>i)  -las  Wetter  mangelnd 
durch  i'lielbefinden.  —  Zwei-,  zici- schlächtig 
(mhd.  zwilchilg,  I.cxcr412;  1 1  Kl  zwcyslchtlg ,  alts-wlm. 
tweslcchtig  -  blgenus,  |).  71)  -  als  Zwitter  (s.  d.) 
«weigesclilechtig. 


Schlack,  m  Schlacke,  f.  (engl,  slag  -  Schlacke ; 
miidd.  slaggc  =  beim  Schlagen  abspringende  Mctall- 
splltter,  Kluge*,  321;  D.  .".20;  II,  331).  —  Haut- 
Schlacke  -  Scoria,  Hautuchmutz,  Hautkruste, 
die  sich  ablöst,  Hautschorf,  MilcliBchorf ;  nach 

'  weitverbreitetem  Volksglanben  tnuss  sich  derselbe  auf 
dem  Kopfe  der  Kinder  ausbilden,  sonst  „verhalt"  sieh 
die  Schlacke  im  Korper  und  wird  diese  zur  Quelle 
von  nachfolgenden  Fbeln,  z.  B.  Kheuma  etc.,  Kraus, 
K.  934;  Falke  II,  271».  —  roter  Schlack  (Karnthen ; 
Fromm.  VI,  201)  =  roter  Abfall,  Hautröte  durch 
Kntzündung  eines  abgelösten  Hautteiles  (siehe 
Fell).  —  Tier- Schlacken  —  die  vom  tierischen 

:  Organismus  ausgestossenen ,  unnützen  Stoffe 
(Falke  II,  365).  —  teeiassr  Schlack  =  weisser  Ab- 
fall von  der  Haut,  Amel*,  Kleie,  Schuppe 
(Karnthen ;  Fromm.  VI,  201). 

Schlackel,  m.  s.  Schlanke!. 
Schläfe,  f.  s.  Schlaf. 
Schlägel,  m.  b.  schlagen. 
SchlärTe,  f.  s.  Schlarre. 

Schlätte,  f.  —  grosses  Maul  mit  schlaff  herab- 
hängenden Lippen  (Spieas  II.  215).  —  Schlätt- 
Ohr. 

Schlaf,  m.  Schlaff,  in.  Schläfe,  f.  pl-  schlafen 

(indogerm.  swep;  germ.  gwef ;  altnord.  sofa  (soninus'  ; 
[  germ.  slep  's.  st  hlafi; ;  ahd.  und  mhd.  aläl  =  Schlaf, 
Schlafe;  goth.  sbps  =  Schlaf,  sl.-pan  =  schlafen; 
ungls.  tslaop,  slnepan;  engl,  slcep ;  ndl.  slaap ;  alts. 
släp,  Kluge  321;  ulid  slAph  =  tempus,  Graff  VI,  S04  ; 
dazu  tempore  —  die  Schlafen,  pl. ;  15.  Jahrh,  schlaffe 
by  den  oren  am  haupt  =  tempore,  D.  584  ;  16.  Jahrh. 
slaff,  sloff  =  timpus,  U.  25.  55h.  5M;  i.vso  schlaff  = 
ein  Teil  des  Schädels,  Bcsolt;  15s2  slaaf  -  Schlafe, 
Louic,  49;    ahd.   släffan ,    slnfan ;  mhd.  släfen).  — 

schlafen,  1.  =  »chlaff  sein  zum  Schlafen,  müd 
sein,  Stupor  membrorum.  —  2.  =  wirklich 
schlafen.  —  3.  -  auch  coiro.  —  Schlaf  =  Som- 
nus,  Tempus  =  Schlafzeit.  —  1.  =  die  Schläfe- 
gegend  (Schlüte  ist  nach  Kluge  I.  c.  der  I'lural  zu 
Schlaf;  alter,  d.  h  germanisch  ist  Diinnung,  Dünnbackc 
und  Dunnwangc  's.  d.);  Schlaf  [»omnu»]  und  die  zwei 
entspwtK'mten  Stellen  der  Hirnschale  tempore; 
franz.  temple,  Brlss  31]  -  Schlafen,  pl.  und  Schlafe,  f.; 
15.12  ossa  tempora,  fuga  tem|>oris,  im  Latein  so  ge- 

!  nannt  wegen  des  frühzeitigen  Haarergrauens  an  dieser 
Stelle,  an  die  Flüchtigkeit  der  Zeit  erinnernd  '?!,  Fries 
69;  schw.  5%)  (s.  Schlafebein).  —  2.  =  die  Wirbel- 
gegend  lies  Kopfe«  (nach  Zw.  loti)  in  der  Nahe 
der  Schlafe.  —  3.  =  das  eingetrocknete  Sekret 
der  Meibom'schen  Drüsen,  das  nach  dem 
Schlafe  aus  den  Augen  gerieben  wird  fllyrtl,  A. 
•  M.  —  Schläfer,  m.  (Klsasa;  I.amb«  61)  Som- 
nambule, Nachtwandler.  —  schläferig  (ahd. 
fhifarag,  mhd.  sliifrec,  -laefric,  Kluge  321)  =  schlaffer 
geworden,  Schlaf  habend.  —  Schläfrigkeit  = 
Hchlafsüehtiger  Zustand,  leichtester  (irad  von 
Betäubung  (Somnolenz).  —  Bären  -  Schlaf  = 
tiefer  Schlaf,  wie  ihn  die  einige  Monate  Winter- 

I  ruhe  haltenden  Btlren  haben.  —  bei-,  Ge- 
schlafen coire  ;<ir.  W.  IV.  1.  43).  —  (1741)  fauler 
A'rvschlaf  =  syphilitische  Infektion  (i'r.  II,  los; 
ndl.  vulle  byslaap).  —  (1713)  hitzig-geiler  /•'  schlaf 

i  (Zw.  i.9)  als  Ursache  der  Uonorhoea  früher  an- 


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Schlaf. 


seh  lall'. 


genommen;  unreiner  /^schlaf  Ursache 
der  Veneric.  —  Dauer- Schlaf  =■  ein  abnorm 
und  krankhaft  lange  dauernder  Schlaf,  ein 
Fortnchlummern  ohne  Fieber,  ohne  Delirium 
(Kataphura).  —  ein-,  (ent-)  schlafen  (15.  Jahrb. 
wen  ain  fuoss  entschlaft  =  Stupor  membronim,  D.  5Ä8; 
1 53».  cn  (schlaffen  -  taub,  unempfindlich,  Parocel».;  Gurlt 
111,227;  angl«.  aslapcuutn  -  paralysatutu,  Cock.  II,  12; 
engl,  fall  aslecp.  Lehf.  Iii)  =  das  Gefühlloswerden, 
Erschlaffen,  Taubwerden  einzelner  Glieder  bei 
Druck  auf  die  betr.  Nerven,  nach  dessen  Ent- 
fernung unter  Formikations-Gefühlen  allmäh- 
lich die  normale  Beweglichkeit  und  Empfin- 
dung wiederkehrt  (s.  Maus  4,  GliederBchlaf).  — 
rnf- schlafen,  I.  «=  (der  Glieder)  —  einschlafen 
(Heyn.  281).  —  2.  =  sterben.  —  »-schlafen  =  an- 
fangen in  der  Empfindung  einzuschlafen,  pelzig, 
gefühllos,  taub  zu  werden  (E.  W.  I,  üi).  —  (1711) 
erster  Schlaf  -  Nox  intempesta  (Kirsch  650), 
Beginn  des  Nachtschlafes,  in  welchem  die 
tiefste  Entspannung  des  Nervensystems  statt- 
findet, meist  um  die  Mitternachtszeit,  in  der 
Ute  Dämonen  de«  Alptraumes  am  ungelegensten  er- 
schrecket!, da  das  erlösende  Wort  (Kntsel,  Alpfrage), 
der  heilsame  Schrei  dann  ain  schwersten  fallt.  —  (1610) 
Glieder- Schlaf  =  das  Taubheitsgeftthl  beim 
Bogen.  Einschlafen  (s.  d.)  der  Glieder  (Agrfcols; 
angls.  thcoh  Mapan  —  Stupor  uiusculorurn  fetuoris 
.Dlechbcin).  Cock.  II,  6.  —  iVaM-Schlaf  =  ein 
nicht  vollkommen,  d.  h.  bis  zur  Bewusst- 
losigkeit  gehender  Schlaf.  —  harter  Schlaf 
=  unruhiger,  wilder,  schwerer,  tiefer  Schlaf 
(Uethnrgia,  Agrypnia)  (L.  ch.  41;  Krau.-,  E.  10).  i 
—  Hasen •  Schlaf  —  Lagophthalmus,  Hasen- 
auge,  Ectropium,  ein  auch  im  Schlafe  offenes 
Auge,  wie  es  angeblich  die  der  Nickhaut 
entbehrenden  Hasen  haben  (Wustuiann  35; 
Schräder  '.'08;  1983  hascnslaf,  wenn  die  Augenlider 
erstarren  [Gr.  \\.  IV,  2.  "II.,  unbeweglich  werden  durch 
Lähmung,  !<o  du.*«  die  betr.  Menschen  die  oberen  Lider 
nicht  schlieosen  können.  Gr.  W.  IV,  2.  :>31;  1742  hasen- 
-chlaf  =  „eine  AugenlldüberwftUung,  ehimosis  I Ectro- 
pium!, eine  L'ngc*talt  der  Augen,  da  deren  obere 
Augenlider  vorne  etwas  überweisen  und  ganz,  roth  aus- 
sehen, namentlich  wenn  dies  im  Schlafe  geschieht", 
Zw.  2^.' ,  vermutlich  ist  da«  Wort  aus  der  Hasenscharte 
auf  die  Augenscharle  [«.  d.)  übertragen  und  dann  volk«- 
ethymologisch  zum  Hasenschlaf  geworden).  —  Hoch- 
Schlaf  -  der  Gegensatz  zum  Tiefschlaf  (s.  d.), 
wobei  die  betr.  Somnambulen  abnormer  Weise 
überempfindlich  sein  sollen  für  zeitlich  und 
rilumlich  weit  Entferntes  (s.  Hellsehen).  — 
Hundt  -  Schlaf  (engl,  dogslecp,  Kaltschm.)  =  ein 
halber  oder  auch  verstellter  Schlaf,  wie  ihn  die 
wachsamen  Dogghunde  haben.  —  0so7)  hyp- 
notischer Schlaf  =  durch  Ilypnotismus  (s.  d.) 
erzeugter,  sogen,  magnetischer  Schlaf  (s.  d.).  — 
(1754)  kranker  Schlaf  -  Sopor,  Gehirndruck,  der 
sich  in  Schlafsucht  äussert  (A.  v.  IL  I,  322)  und 
ein  bedenkliches  Krankheits-Symptom  (Tod- 
SChlaf)  ist  (s.  Schlafkrankheit).  —  (is:;i)  mag- 
netischer Schlaf  —  Hypnosis  biomagnetica,  ein 
durch  tierischen  Magnetismus  (s.  d.)  nach  den 
falschen  Lehren  Mesmers  (1766)  erzeugter,  an- 
geblich von  den  Bauehganglien  der  Her/giube 
ausgebender  Schlaf  mit  Nachtwandeln  (s.  tl.) 


(Stahmann,  Ahnungen  aus  der  ticistcrwclt ,  Krau«,  E. 
iou)  (s.  Magnetismus;  lethargie,  charme).  — 
A/iffa5»-Schlaf= der  durch  die  Mittage-Sonnen- 
bitze  erzeugte,  häufig  mit  Alptraum  (s.  d.; 

—  Mittagsgeist,  Mittagsteufel,  Lust-  und  Unlust- 
Gefühlen)  verbundene  Schlaf,  der  aueh  beim 
weidenden  Tiere  (Schafe)  angenommen  wird; 
der  l'an'sche  Schrecken  (s.  d.)  erweckt  diese 
dann,  wie  wenn  sie  von  einer  Furie  (Oestrus- 
Bremse)  gehetzt  würden  (Roscher  in  Arch.  f.  Kelig.- 
wissen«.  I,  76).  —  J/MiVcr-Schlaf  =  ein  halber 
Schlaf,  da  die  Müller  selbst  beim  Geklapper 
der  Mühle  schlafen  und  doch  gleich  er- 
wachen; wachende  Schlafsucht,  Cotna  vigil. 

—  Ross -Schlaf  =  ein  fester,  starker  Schlaf, 
aus  dem  man  schwer  zu  erwecken  ist  (Gr.  W. 
VIU,  1271).  —  schicerer  Schlaf  (ahd.  suarrer 
slaf,  Graft  VI,  890)  =  gravis  souinus  (Hossschlaf) 

—  Sieben- Schläfer  =  einer,  der  immerfort 
schlaft,  oiler  schläfrig  ist,  viel  schlaft  nach  den 
legendären  7  Jünglingen ,  die  unter  Dccius  in  eine 
Hohle  sieh  flüchteten ,  wo  sie  in  Schlaf  versenkt 
bllebcu,  bi«  sie  unter  Theodosiu«  IL  gefunden  Worden 
(II.  Paul  418).  Diese  christliche  Legende  Ist  nach 
Rydberg  (C.  Sterne  in  tagt.  Hundtseh.  1807,  S  ^74)  an- 
der nordischen  Sage  von  den  7  Söhnen  des  nordischen 
l'ntcrweltgottes  (s.  Oller)  hervorgegangen.  Paulus 
Warnefried  in  den  Gesta  Langobardomm  I,  I  verteilt 
sie  in  eine  speluuca  oceani  in  ultimis  petttbOl  eepteu- 
trlonis  intcr  Srinlcfiugos  (Maurer  I,  '.0.  —  SUSser 
Schlaf  (1507  soe«  «laefT;  1012  Messer  »chlaH;  1521 
si.-s  schlautl,  D.  542)  —  Sopor,  ein  Schlaf,  in  dem 
man  Angenehmes  träumt  (s.  Alptraum)  oder 
von  dem  man  gestärkt  erwacht.  —  IW-Schlaf 

—  eine  Form  des  sogen.  Braidismus,  wobei  die 
betr.  Individuen  innerlich  so  vertieft  sind, 
dass  sie  vollständig  unempfindlich  und  be- 
wustlos sich  zeigen  (s.  magnetischer  Schlaf i. 

—  Tod-,  3"o/c«  Schlaf  (ahd.,  mhd.  tötsl&f,  GrafI 
V,  :!44;  Lexcr  260;  engl,  deadslcep)  —  der  bedenk- 
liche, Boporose  Zustand,  den  Schwerkranke 
oder  Hochbejahrte  haben,  wobei  sie  gefühl- 
und  bewegungslos  mit  gesenktem  Haupte  dem 
Tode  nahe  sind,  xäpoc  (Hlppokrates;  von  xipeat  = 
das  Haupt,  Kraus,  K  P.w.  Ii»".,  los);  Kata(>hora,  Coma 
l.elhurgia,  Sopor  (Schlafsucht);  nach  dem  Volke- 
glauben  in  Schlesien  und  Ostprcusseu  tritt  er  ein, 
wenn  mau  bei  einem  Todesfalle  im  Hanse  nicht  gleich 
alle  Schlafenden  aufweckt.  —  t/terschlafung 
(ang«.  ofcrslacpc;  engl,  over  .«leeping  =  submegllo« 
[submingere]  somtiiculosus,  Cock.  I,  313;  D.  560)  — 
der  zu  lange  dauernde,  überaus  tiefe  Schlaf, 
wobei  die  Kranken  uuter  sich  gehen  lassen.  — 
m-schlafen,  l.  ■  etwas  durch  den  (gesunden, 
kritischen)  Schlaf  beseitigen.  —  2.  =  zu  lange 
schlafen.  —  3.  =  schlaftrunken.  —  wilder  Schlaf 

hart  er  Schlaf  (Kraus.  K.  io>.  —  Schläfe-,  Schlaf-, 
schlafende  'Ader,  -Heine,  -Gänger,  -Glieder, 
-Haube,  -Koller,  -Krankheit,  -los,  -Natur, 
■Ratz,  -Schauer,  -Schmerz,  -Sucht,  -Teufel, 
-Todstuht,  -trunken,  -Typhus,  -Wachsucht, 
•  Wandler,  -  Winkel. 

schlaff  (Schiewigkeit,  Schlewe)  [genn.  eWp, 
»lapa  ( =  lahnre,  Kbwenken].  schlurf  sein,  schlafen, 
ahd.  slaf,  slaff,  slaffi,  »Jnifl  VI,  8<r2.  803,  mhd.  »tat. 
slaff,  schlaff  -  schlapp,  kraftlos  [Klage  Sil),  uhu«  BjMti 


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Srhlafntel— Schlag. 


Schiaß. 


nnng,  die  Schlaffheit,  Hünnc,  Schmalheil,  12.  Jahrli. 
slaphen  =  schluff,  schmal,  diinn  werden,  Pfeiffer  80; 
zur  selben  Wurzel  slep  mhd.  slewcchclt  —  torpor  und 
slewcn  =  languescere,  tubesecrc  [Hoffm.  I,  391;  Schm. 
II,  539',  slowi,  slevvc  —  languores,  die  sihtuome,  Schm. 
1.  eod. ;  1260  im  slaphcnt  die  tinne  bcdenthalben  bei 
den  oren,  Heiffer  19  =  die  Dünnen  [Schlafegegenden] 
erschlaffen  ihm,  sinken  Ihm  beiderseits  ein  bei  den 
<  >hren ;  schlaffendt  hir  an  dem  schlaffe  —  erschtnffend 
machender  Schlafe/schmerz,  Schm.  I,  1155;  12.  Jahrb. 
slaphintin  mcnnlsehelt,  l'felffer  IS.  73.  M)  =  schlaffe 
Manneskraft ;  1731  schlapffheit,  Woyt  51).  —  Schlaff- 
heit =  schlaffer  Zustand,  Atonia.  —  erschlaffen 
(ahd.  arstaffen,  Graff  VI,  804)  =  schneller  selilatl 
werden,  abspannen.  —  Lungen-£rschlaffung 
(Miiller,  Krtrbch.  23)  =  Relaxatio,  Schwache  der 
Mu-kelkraft  o.  Lungen- Atniungskraft,  Abnahme 
den  normalen  „Tonus"  (nach  Ifoffmann  [+  1712; ; 
Haeser  I.  «23)  (s.  auch  schlapp).  —  Schlaff-  Darm. 

Schlafiitel,  m.  (Schlesien;  i  raueii  II,  258)  = 

Rücken  (=  Schlag  Fittich,  Sehlagfedern  am  Hü.  ken 
des  Vogels.  Schmeller  II,  518). 

Schlag,  m.  schlagen,  Schlägel,  ro.  (vorgerm. 

sink  lacerare,  terreissen ,  A%xt«ui[;  germ.  slah  = 
schlagen;  goth.  slahan,  slag;  ahd.  slag,  slahan;  mhd 
slar ,  «lulien,  Klüge  325;  mn<ll.  slaen  =  sehlagen; 
slan  =  Sehlag,  de  Vr  .;  1419  siech,  «leck  =  tabldus; 
1110  schlag,  der  einem  wirt  von  der  suehte  dich» 
popelsy  —  apoplcxla,  s.  Popelseuehe! ;  ll>)2  ein  sehlag 
von  sucht,  gesichteswegen,  van  der  sufce,  einer  suko 
de  poppcltze,  popelsie.  popeluige,  D.  II;  1518  schlag 
=  paralysls,  II.  v.  Gcrsd.  100;  15.  Jahrh.  slag  =  plaga 
[n.  Hage],  D.  II,  294;  1529  schlag  »  Tropl,  Parncels 

—  sideratlo,  D.  533;  engl,  slongh  —  brandiger  Teil, 
I.ehf.  238 j  dan.,  hol!.,  sehwed.  slag  =  apoplexia;  angls. 
siege  -  Bis»,  Strtlch,  Riss  von  Tieren,  Cock.  II,  10; 
aslawen,  aslegcnum  —  ausschlagen,  einen  Streich 
geben,  Cock.  II,  12.  126.  370).  —  Schlag  =  Hand- 
lung des  Schlagens  und  Geschlagenes:  1.  — 
Verletzung,  Wunde,  Beule  (Huf-,  Damonen- 
und  Gottes- Schlag)  (13.  Jahrh.  slak  -  plaga  (siehe 
nage],  «und machender  sehlag,  i>.  439;  Heyn«  v, 

360;  14.  Jahrh.  slag  a  Beule,  Z.  f.  d.  A.  18*s,  113; 
franz.  darlole,  beugne  Kunkel! ,  bouffe,  Bri*s;  der 
Dorfhund  zu  Mägden  im  Frickthal  Oainoncngestalt 
, .schlagt"  ilio  Leute  mit  Kopf-  und  Halsgesehwulst 
Parotitis  ;,  Schwartz,  Indogerm.  Volksgl.  HC).  — 
i.  =  a)  der  Schlagtluss  =  motorische  und  sen- 
sitive, vollständige  Lähmung  (einreiner  Kot  per- 
toile  =  Paralysis  oder)  des  ganzen  Körpers 
(Apoplexia)  bei  Menschen  und  Tieren  mit  Be- 
wuslseinstörung  od.  mit  schnell  nachfolgendem 
Tode  (Coler.  IL  .V.  109;  früher  durch  den  donner- 
ahnlichen  Blitzschlag  einer  Gottheit  im  Sternenhimmel 
's.  Horton ;  conf.  Schwartz,  Indogenn.  Volksgl.  201  , 
«pikier  ilurrh  ilen  Einflus«  «i<t  «.estirnc  [1577  ;  s.  Horton 

-  sideratio,  D.  SB;  Kraus.  K  919;  Schwarz  110  [morbus 
altonilus;  1045  ,,alz  wann  einen  der  Kontier  darnieder 
schluege,  Coler.  II.  A.  107;  1500  mit  vrccsen  'Kreisen) 
tfeMaghen  =  attonltus,  p,  II,  Iii  oder  durch  die  Plage 

s.  d.  eines  schelmischen,  MihIHi lumlnillon  n<imous 
vergl.  Mord  2    veranlasst   angenommen  oder  auch 
durch  „die  Hand  Gottes"  [s.  d.;;  biblischer  Med.  480; 
faktisch  aber  Ist  derselbe  veranlasst  durch  pl.iUli-  ben 
Krgu«  [„Kluss".  von  Blut  oder  Wasser  -erntii  auf  «og. 


!  edle  Teile  Gehirn,  Lunge.  Nerven,  IIer/1;  b)  Schlag- 
flu88-.\hnliches  =  lilhmung8arlige  .Schwäche  der 
Bewegung  und  Empfindung  ohne  Schmer« 
(s.  Lahme),  Gicht  2,  Epilepsia  (D.  201),  Paralysis, 
r iinktionssehwiiche;  derselbe  trifft,  berührt, 
streift  (üoldschm.  119)  (s.  Elbenschlag n.  Paralysis, 
Parlis,  Parli,  Parieis);  auch  Miltbrand  -  Apo- 
plexie bei  Tieren  heisst  Schlag  =  Lues  (an- 
thracis)  (daher  Schlagkrant  Ajuga  chamaepltys  L.  und 
Prlmula  elatlor;  Olcbtkraut  Vergieht],  Zitterlose,  Krnft- 
blume  auch  genannt,  Abllg.  113;  D.  338);  c)  jeder 
rasche,  wie  ein  unerwarteter  Schlag  einge- 
tretene Tod,  z.  B.  Sonnenstich  (Morbus  sol- 
stitialis  s.  Seiriasis)  b.  Erwachsenen  (s.  Mord) 
(schlag  nnd  de  rnoerd  werden  besprochen,  MQUenh. 
512;  Goldschm.  19;  Kraus,  E.  634).  —  3.  =  der 
lebende  Herz-,  Ader-,  Pulsschlag  (ahd.  slägod, 
Graff  VI,  782;  II.  Jahrh.  slac  =  Pulsschlag,  Hoffm. 
I,  891;  angls.  ilecgetan  aa  palpitare,  Cock  II,  4a5).  — 
4  =  der  Ort,  wo  durch  einen  Hau,  Verhau, 
Verschlag  etwas  abgesondert  oder  entstanden 
ist.  —  5.  =  die  leiblich  gesonderte  Art  von 
Menschen  und  Tieren  (s.  Schlacht  u.  Geschlecht) 
(Kluge*,  321).  —  schlagen,  1.  =  mit  der  (Da- 

I  motten-,  Schelmen-)  Rute  oder  mit  der  bewaff- 
neten oder  unbewehrten  Hand  tretlen  (Herne  V, 
362).  —  2.  =  mit  der  Hand  etwas  bewerkstelligen ; 
den  kalten  Bauer  (s.  d.)  (ab-)sehlagen  (stelerm.) 
=  fitzen  =  manu  stupiaie,  onanizare  (Gr.  w.  I, 
117«).  —  3.  =  nach  dem  Vater  schlagen,  dem 
Vater  nacharten  (Rückschlag)  (Wustmann  29).  — 
4.  =  eine  andere  plötzliche  Wendung  nehmen. 

—  5.  =  vertreiben  (mndl.  sweren  te  slaene,  de  Vr.  33). 

—  die  Gicht  schlägt  sich  in  den  Leib  =  der 
Gichttluss  (s.  d.)  nimmt  plötzlich  eine  andere 
Stelle  seiner  Ablauerung  ein  (Bavaria  IV,  l.  219). 

—  der  Grint  schlägt  sich  auf  die  Lungen  = 
setzt  sich  plötzlich  alseine  Metastasis  (tubercul.) 
auf  die  Lunge  und  macht  diese  krank.  —  es 
schlägt  vors  Herz  =  sto«st  plötzlich  aus  dem 
Manen  in  die  Herzireijend  auf  (Goldschm.  102).  — 
Schlägel  (Schlegel)  (ahd.  slegil;  mhd.  sieget,  Kluge*, 
823),  1.  =  Gerat  zum  Schladen.  —  2.  =  Keule  hei 
Tieren,  IJinterschenkel,  Schlagelhein,  Knochen 
(Gr.  w.  V,  646).  —  3.  =  Keulenförmiges,  Kolbiges, 
z.  B.  ein  Schleimklotz  oder  ein  geschwollener, 
dicker,  ungelenkiger  Fuss  (Schwaben;  C.  v.  Schm. 
165).  —  4.  =  ein  kleiner  Schlag,  leichter  apo- 
plektiformer  Anfall  (Schmeller  II,  .16;  s.  auch 
Sehleget  bei  Schmeller  II,  519).  —  Schlägeln  =  mit 
den  Fussen  schlagend  zappeln  (Schmeller  II,  520). 

—  Schlaghaft  =  durch  einen  Schlag  verursacht. 

—  (1620)  -/'Schlagen  =  wie  nach  dem  abge- 
schlagenen Angriffe  abgemattet,  kraftlos,  z.  B. 
in  den  Gliedern,  Dedolatio  membrorum  (Dr.  Mind. 
80;  Kraus.  E.  266;  Heyne  I,  »I).  —  abschlagen  = 
schlagend  (2)  entfernen,  z.  B.  das  Harnwasser 
aus  der  Rute  =  pissen  (Burk  18);  onanieren, 
fitzen.  —  ^f^r-Schlag  (mhd.  daz  Adersiegen  = 
Pul«.  Schultz,  d.  höfische  Let-en  I,  157;  1518  der  «der 
sclitag  =  Ader-Puls,  II.  v.  Gersd.  82t;  15»>5  aderschlag 

—  poUras,  Rösslin;  IG'-  aderschlag  =  pulsus,  Würtz), 
1.  -  der  sichtb.tre  oder  fühlbare  Pulsschlag  der 
Arterien.  —  2.  =  die  Eröffnung  der  Blutader 
mit  dem  Schlageisen  (s.  Fliedenschlag).  — 
febriseher  /IrfYrsChlag  =~  Fieberpuls  (Gr.  W.  I, 


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574  Schlag. 

ISO).  —  an  schlagen  (mhd  anslahcn)  -  gut  o.ler 
schlecht  bekommen,  plötzlich  übet  kommen, 
zuteil  werden!  gedeihen  (Heyne  I,  115).  —  das 
schlägt  an  die  Hippen,  1.  =  macht  fett  unter 
der  Kippen  weiche,  Üflnnung,  wo  sonst  die 
Hungergrube  ist  (Gr.  w.  VIII,  102«).  —  2.  =  macht 
voller  an  den  Rippen  (ßayerland  IX,  1898,  195).  — 
der  Doktor  hat  nicht  angeschlagen  ^tonn  III,  99) 
=  die  ärztliche  Kur  war  erfolglos.  —  /tilgen- 
brauen  -  Schlag  (10.  Jahrb.  In  slago  dero  brawo, 
Notker;  Wnstmann  3t; ;  rahd.  bn'isliie,  l.n«  28;  Herrn. 
XI,  175)  =  der  kurze  Augenblick  heim  einzelnen 
Atigenlidschlag,  dessen  wir  uns  bei  der  Nach- 
wirkung der  .Sehbilder  nie  so  recht  und  tranz 
bewusst  werden.  —  ans- schlagen,  Aus-  schlag 
(tnhd.  uzshihcn;  ndd.  utslag;  holt,  uitslag;  dun.  udslag; 
schwod.  utslag;  hebr.  saräath.  sarü  -  ausschlagen) 
m  das,  was  auf  der  Oberfläche  wie  eine  Blute 
rasch  (oonf.  engl,  ruh  =  Aussehlag)  herauskommt 
(Kxanthcma  vivum),  z.  B.  als  eine  Röte  der 
1  [entdecke,  wie  eine  aufflackernde  Feuertlamme 
herausschlagt  (Ekzema,  ix£su>  =  brause  auf).  — 
das  Feuer  schlägt  ihm  zum  Gesicht  heraus  = 
Fieber-Röte  (Buck  in),  oder  ein  ausgeschlagener 
Kopf  =  ein  Gesicht  oder  Schädel  mit  einem 
Ausschlage  (Kxanlhema,  s.  Kopf)  (a.  v.  ii.  eil), 
meist  akute  Exantheme,  namentlich  Blattern, 
die  ursprünglich  „Urschläehten"  (s.  d.)  hiessen, 
von  welchem  Worte  vielleicht  der  auf  die  Haut 
herausgetriebene,  akute  „Ausschlag"  abge- 
nommen wurde,  der  dann  auch  verallgemeinert 
wurde  für  Krätze,  Schorf,  Grint,  Flechten, 
Friesel  etc.  (Gr.  W.  I.  »30;  Goldsehm.  ir.:  v.  M.  I,  161); 
die  üblichen  Bezeichnungen  des  Volks  für  die  ver- 
schiedenen Aussehlag»,formen  [=  Hautkrankheiten] 
sind  auffallend  relchhullig,  äusserst  eingehend  und 
präziser  als  in  der  Sprache  der  höheren  Kreise  [siehe 
Briss.  '.1].  0l»er  den  Volksglauben  in  Bezug  auf  du* 
Knistehen  von  Ausschlagen  s.  Fabian,  Bohnenessrn, 
Maden  etc. .  so«  ie  Bogel.  23ü ;  sie  sind  die  Folge  elbiieber 
Itachc,  s.  Ölflecken  *j.  —  (1576)  Bade-dK**chlag  = 
l'sydracia  thermico,  Badekrätze,  <las  als  kritisch 
angesehene,  durch  übermässigen  Hautreiz  her- 
vorgerufene Hautexanthem,  das  man  im  spaten 
Mittelalter  durch  möglichst  starken  Hautreiz 
zum  „Aiisschlahen"  (Theophr.  Br.)  veranlassen 
wollte,  (über  den  Reiz  de«  Badewasscr«  als  Kkzema 
erzeugende  l'rsaihe  s.  Velel  in  '/..  Hill»,  d.  sp.  l'ath. 
11.  Ther.  XIV,  1.  34.5;  das  Psydraeium  'V>i>f.o;  -  lügen- 
haft j  =  I.ügenblnschen,  ..eigentlich  weisses  Illaschen 
an  der  Na*«»  oder  Zungenspitze,  da«  vom  Lügen  ent- 
stehen sollte",  Dornblüth  110;  Uoth  4-15.)  —  (1851) 
Beschell  Ausschlag- ein  Bläschenanssehlag  bei 
Kühen  und  .Stuten  (Beschellseuche),  die  be- 
schellt  werden;  Exanthema  aphthosum  con- 
tagiosum. —  Blasen-dK.vschlag  —  Morta  (Linne; 
pemphix,  Pemphigus  major,  Pompholyx,  Wa^erblascn; 
1776  Pemphigus,  Henk;  lütt«  Pemphigus,  lehrend  VZt\ 
=  Pemphigus,  eine  akute  oder  chronische  Haut- 
krankheit, bei  der  ganz  prägnante  Blasen  auf 
dem  ganzen  Körper  sich  entwickeln  (Veiel  in 
Z.  Hdb.  d.  sp.  l'ath.  u.  Ther.  XIV,  L  537).  —  Blüte- 
d«.-schlag  =  Jonta  (Hippokr),  s.  Blüte.  —  (1710) 
böser  4 ««schlag  =  eine  durch  böse  Safte,  sogen, 
unreines  Blut  nach  der  Volksannahme  veran- 
lasste Krankheit  chronischer  Art  (Chr.  .<am.  II, 


Schlag. 

ltifi).  —  Buehweizen-du*schlag,  1  =  eine  Haut- 
entzündung pignientloaer  Mellon  bei  L'ferden, 
Rindern,  Schafen,  Schweinen,  die  mit  Buch- 
weizen gefüttert  wurden,  wobei  die  rotlaufartig 
geschwollenen  Stel  1  en  (Wasserkropf)  oft  brandig 
absterben;  dieser  Hautausschlag  entsteht  nur 
an  den  vom  direkten  Sonnenlicht  betroffenen 
Hautstellen.  —  Ferkel-dKÄSchlag  =  Blflschen- 
ausschlag  bei  Mutterschweinen  od.  Saugferkeln 
(Zlpp.  887;  Falko  I,  278).  —  Fidschi-  (Fidji-)  Ahs- 
schlag  =  die  auf  die  heisse  Zone  u.  a.  auch 
Fidschi-Inseln  beschränkte  Framboisie  (s.  Erd- 
beerpocken) als  eine  mit  Syphilis  sehr  ähn- 
liche Hautkrankheit.  —  (1*52)  Hechtenartige 
(Flechten-)  .1  »-schlage  =  Hautexantheme,  die 
den  Charakter  der  Flechten  (s.  d.)  haben  (Bchr. 
7  [Anra.  b]  u.  51).  —  Friesel -A Umschlag  =  ein 
Hautexanthem,  das  sich  als  Friese I  (•«.  d.)  zeigt, 
z.  B.  Miliaria  crystallina,  typhosa,  puerperalis, 
Liehen  strofulus  etc.,  auchSudamina  (Behrendt; 
Itoth  32s).  —  FrÜhliii.'--.!  m -schlag  ein  mit  dem 
Haarwechsel  im  Frühjahr  bei  l'ferd  und  Rind 
eintretender,  juckender  Hautausschlag  (Zipp. 
576).  —  Galle-.fl  tUSChlag  (ndl.  gal-ultslag.  De  Coek  73] 
=  ein  Hautausschlag,  der  von  Galle-Abnor- 
mitäten kommen  sollte.  —  //■.''</- .1  «-schlag 
(ndl.  huld-uitslag)  =  der  krankhafte  Prozesa  der 
Hautdecke,  der  sich  in  der  verschiedensten 
Weise  ausdrückt,  „ein  über  den  Körper  ver- 
breiteter Ausbruch  von  Hautblttten"  (anthema 
—  das  Blühen;  synaulhema,  exanthema,  Auspitz  in 
Z.  Hdb.  d.  sp.  l'ath.  u.  Ther.  XIV,  1.  2*.'l;  De  l  ock  II . 
angls.  donnc  se  brync  de  on  dacin  jnnodhc  bis  utas- 
lihd  to  dhaere  hydo  -  si  fervor  Intimus  BCqOS  ad  cutis 
«cabiem  impeliginetnj  pronunpit.  Cock.  III).  —  (1S07) 
Häutel-  (Heide-)  .-I «-schlag,  1.  -  Eichen  stro- 
phultis  neonatorum,  s.  Häutein,  Schälknötchen 
der  kleinen  Kinder  (s.  Heide)  (Heim  139).  —  2.  = 
Pemphigus  neonatorum  (s.  Hoidepocke).  — 
juckender  Haut- Ausschlag  —  ein  mit  Jucken 
(s.  d.)  verbundenes  Exanthem.  —  (1841)  unter- 
drückter ll.n.t  .1" -schlag  =  ein  durch  Heil- 
mittel beseitigter  Hautausschlag,  durch  dessen 
Verschwinden  eine  andere  Krankheit  zum  Vor- 
schein kommen  soll,  was  man  namentlich  dem 
Ekzema  nachsagte  (Sobernh.  IM).  —  (iwi)  hitzige 
(Hitze  )  Ausschläge,  I.  =  die  akuten,  fieber- 
haften Exantheme  gegenüber  den  chronischen 
und  lieberlosen  (Sobemh.  161).  —  2.  =  (Übersetzung 
des)  Ekzema  (tx-£so>  =  aufkochen).  —  kritischer 
✓Umschlag  -  l'sydracia  therm ia,  Brunnenfriesel, 
ein  bliechenartiger  Hautausschlag,  welchen 
mnn  als  eine  Art  von  kritischer  (s.  Krisis)  Aus- 
scheidung, als  ein  Zeichen  der  Wendung  der 
Krankheit  betrachtete  und  früher  bei  sogen. 
Wasser-  oder  Brunnenkuren  absichtlich  her- 
vorrief. —  (isii)  Kupfer- Ausschlag  =  Akne 
rosacea  (s.  Kupfer)  (Sobernh.  ::'.»7).  —  l.ippen- 
d »(»schlag  =  Herpes  labialis  (s.  Körläcken).  — 
(1711)  Mund-diisschlagting  =  der  aphthöse  Zu- 
stand in  der  Mundhöhle,  welche  durch  Bläschen 
u.  Geschwüre  verändert  ist  (Kirsch  RS).  —  Nessel-, 
Nestel-dusschlag  =  Nesselsucht  als  ein  Haut- 
exanthem mit  Quaddeln  gleich  denen,  die  durch 
Brenn-Nessel  veranlasst  sind  Urticaria,  Uredo, 
Essera  (Arabtim),  Epinyctis  pruriginosa  (engl. 


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Schlaff. 


Schlag. 


ncttlcmsh.  I.ehf.  79;  Kehrend  21 ;  Cr.  W.  VIII,  CID). 

—  [;.,!••  .1  (oschlag  =  Pferde- Kilude  (Herbst 
II»).  —  Kiesel-  An  schlag  =  die  Kieseln  2  (s.  d.) 
als  akuter  Hautausschlag  (Schindler  II,  118).  — 
scharfe  /i Umschläge  -  eine  mit  scharfem,  itlzen- 
<len,  brennenden  Haut-Sekrete  einhergehende 
Ausschlsgsform  (Müller.  Krtrbch.  23$).  —  (180-0 
Scharlach  -A Umschlag  -  «las  beim  Scharlach- 
lieber  auftretemle,  Mte  Hautexanthem  (Gr.  W. 
VIII,  2203).  —  Trehern-^ loschlag  =  die  Mauke 
beim  Rindvieh,  die  der  Trebeinftttterung  zu- 
geschrieben wird  (Zlpp.  575),  —  Z  ihr. -.1  loschlag 
=  das  bei  «ahnenden  Kindern  auftretende, 
kleine  Bläschen  (Hitzhlatterchen,  Schäl  hliis- 
chen)  bildende  Hautexanthem  (Strophulus; 
fl.  Gaumen  U.*)  (Bchrend  "iO;  Fuchs  II,  176).  —  Aus- 
schlags-Fieber,  -Krankheiten,  -Wesen  —  Bauch- 
schlagen,  -Schlagung  s.  hauchschlächiig  (Sin- 
gullue)  (C.  t.  >chra.  463;  [Oldenburg,  Hamburg;  bnhk- 
slagen,  Goldsehni.  139).  —  /'  Schlagen  -  trächtig, 
befruchtet  (vom  Hirseh  ;  Brehm).  —  Bi  »■  Schlag 
(ahd.  puleslach,  pult-slac,  Leg.  Bnjuv.  IV,  1;  V,  1;  Leg. 
Alam.  V.».  l;  Gr.  W.  I,  1716;  GratT  VI,  77:1  =  „si  quid 
alliitn  liberum,  per  Irnm  percusseril",  Du  (augu  VI, 
M2;  pacl-,  paewl  ,  ikjwcI  sieg.  O.  B.  V.  A.  17,  8  1»; 
mhd.  bülslae,  Leier  U)  —  Beulenschlag,  ein  Schlag, 
von  dem  nur  eine  sichtbare  Beule  auffahrt  und 
keine  offene  Wunde  erfolgt;  die  Funktionsstörung 
war  für  den  bajuwarischen  Gesetzgeber  weniger  wichtig 
als  die  sichtbare  Entstellung  bei  der  Bezeichnung  der 
strafbaren  Beschädigungen  des  Körpers.  —  blr.itcr, 
ßlab-,  ß/a ic- Schlag  =  l'laga  (la  playe),  durch 
uulerlaufeneH  Blut  blaugefrtrbte  Schlafstelle 
der  Haut  (Krau«,  K.  810).  —  mit  Blindheit  ge- 
schlagen  (nach  der  MM,  aeaeeii  xix,  n  abernotn- 
mener  Ausdruck  fiir)  —  Dämoneiisehlag,  straleiide 
ringe  als  .Malgeburt  (hlindgehorene  Kinder  od. 
blindgewordene  Neugeborene)  (V.  K.  18U5,  ■in).  — 
Rli  tz  Schlag,  l.  =  die  plötzliche  Hin  wit  kllllg  des 
elektrischen  (himmlischen)  Schlades  (Su  eiche»; 
Strahles)  auf  den  tierischen  u.  im-nschl.  Körper. 

—  2  =  Blitzkatarrh  (Influenza,  s.  llorion)  — 
Iilut  Schlag  —  plolzlich  ei  folgender  l'.luterguss 
(coup  de  sang),  der  die  Krauken  so  hinwirft, 
als  ob  sie  vom  Schlag  getroffen  waren:  a)  der 
Gehirnblutselilag(Apoplexiasanj{uiiicacerehri), 
meist  der  Vollblütigkeit  zugeschrieben,  die  nls 
Schlag  Fiuss  (s.  d.)  plötzlich  zum  Gehirne  sich 
ergiesst;  b)  der  Milzbrand  (Anthrax  apoplccti- 
formis,  sogen.  Milzbrand- Blutschlag)  (Martin) 
beim  Rindvieh  und  bei  Schafen,  wo  sieh  aus- 
getretenes Blut  im  Innern  vorfindet  (Gr.  W.  II, 
l'.'l;  Zlpp.  61.".;  Falko  II,  _>7',i};  c)  Lungen-Infarkt 
mit  plötzlichem  Ergüsse  (Fluss)  von  Blut  in 
die  Lungen;  d)  Haut bluterguss  in  Fleckenform, 
Apoplexia  cutanea  (Behrend  76)  (ohne  Lilhmung 
des  Nervensystems)  =  Purpina.  —  Brauen- 
schlag  =  s.  Augenbrauen-Schlag  und  Schlng- 
hrauen.  —  B«K!f8eUaf  =  der  Herzschlag  am 
Busen,  l'alpitatio  pectoris  (Gr.  w.  II,  v»s).  —  dazu- 
schlagen  =  hinzukoinmen;  eine  andere  weitere 
Krankheit  z.  B. ;  der  Begriff  des  Krank heits- 
erzeugens  durch  den  neuen,  weiteren  Schlag  - 
die  (iicht  schlägt  sich  in  den  Leib.  —  dnppel- 
schlägig  -  das  Flankenschlagen  der  dampligen 

Emphyscmn)  l'ferde  mit  zwei  Tempo  oder 


auf  zwei  Seiten  (*.  Dampflinne),  saccadiertes 
Atmen  (Kalkei,  200,  21*.).  —  durrer  Schlag  '13.  Jalirh. 
du  Mach  —  lein»  sine  sanguine,  sine  efluslone  sanguinis, 
Du  fange  III,  215.  219),  1.  =  mit  trockener  Flechte, 
Aussatz  geschlagen.  —  2.  -  trockene  Schlag- 
benle,  Verletzung  ohne  äusserlichen  Auslluss 
von  Blut.  —  es  schlägt  durch  =  macht  raschen 
Durchfall,  Dnrchschlrtchten,  Aufschlag  (angis. 

1  dnrhslcgenc,  <oek.  II,  399).  —  <  >  »(-schlagen  —  nach 

!  1  nnentreten  der  akuten  Exantheme,  z.  B.  Masern, 
Friesel,  Blattern,  die  sich  nach  innen  „werfen" 

:   zurückschlagen    (nicht  die  Ursache,  sondern  die 
Folge  einer  im  Verlaule  der  Krankheit  eingetretenen 

I  Verschlimmerung  Komplikationen ]  und  durch  den  all- 
gemeinen Kollapstis  der  Kranken,  an  welchem  auch 
die  Haut  Anteil  nimmt,  herbeigeführt,  Nlemeyer  II, 
-.27;  Gr.  W.  III,  276).  —  Am -Schlag  =  Hufbehand- 
lung beim  F.insch'agen  der  Nagel  durch  das 
Hufeisen  in  den  Huf  (Seb.  25n).  —  £mschlag- 
Afangel.  —  eiserner  Schlag  (augK  isenier  siege, 
cock.  I,  32.  30)  —  Blnfschlag  durch  Kisenwaffen, 
eisengewundet.  —  Elben-  (Elfen-)  Schlag  =  der 
von  den  elbischen  Wesen  durch  das  Klben- 
gesi'boss  ausgeführte  Schlag,  der  bei  Menschen 
und  Tieren  Krankheiten,  selbst  Tod  verur- 
sachen konnte  nach  altdeutscher  und  german. 
Anschauung  (Kuhn  I,  324;  Grimm.  Irische  Elfen 
murchen  Nr.  Iu2);  wen  ihr  schlag  traf,  dor  war  ver- 
loren oder  untüchtig  (G.  D.  M.  II,  1110);  so  stirbt  Herr 
Olaf  im  Volksllede  («.erlnud,  In  Zellschr.  f.  d.  l'hllol. 

I,  310)  am  , .Schlage"  der  Elbin;  unser  ,, schlag" 
( ■  Apoplexin)  ist  vvnhl  von  diesem  Klbeuscblag  ge- 
nommen oder  ursprünglich  im  Begriffe  davon  aus- 

I  gegangen;  gerade  das  rasche  und  plötzliche,  «on«t 
j  nnsrhelncnd  grundlose  Klntreten  von  Lähmungen  in 
Empfindung  und  Bewegung,  Entstellungen,  Krämpfen, 
Schmerzen ,  Zuckungen,  die  in  manchen  Fallen  ge- 
fahrlos vorübergehen,  sali  das  Volk  als  eine  Folge  des 
blitzartigen  oder  mit  Wallen  der  Elben  (*  B.  Sonnen-, 
Blitzstrahlen)  ausgeführten  Schlages  aus  dem  Geister- 
reiche  an  (s. Z  f.  d.  Mytbol.  II, Ml;  Z.  f.  d.  Phllol  III, 333). 
der  In  cbrl-tllclien  Zelten,  unterhalten  durch  die  auch 
in  der  Bibel  sich  findende  Vorstellung  (Apostelgesell. 
12.  2;:,  l'luge,  Blindheit  geschlagen)  u.  a.  als  „Gewalt 
Gottc«"  benannt  wurde  (s.  Zwerg-Schlag,  Flage  und 
Alp).  —  Ferch- Schlag  (mhd.  rerehteUc)  -  ein 
blutiger,  todlicher,  das  Ferch  =  Leben  nehmen- 
der Schlag  (Leser  :ii7).  —  fla n ken  -  schlagen  - 
das  heftige  Baucbschlagen  (s.  d.),  die  heftige 
Bewegung  der  sich  ausdehnenden  Bauchseiten, 
beim  schnell  und  keuchend  atmenden  l'ferde; 
oft  Symptom  des  F.mphysetna,  der  Pneumonia, 
BOWIO  Vorbote  des  Todes  (Heyne  II,  926;  Falke  I. 
2«r.)  (sieho  sch'agbauchen).  —  f7icmni-Schlag 
(I.Y  Jahrb.  fliedmc  slag  seu  parva  rulnera  =  ccara, 
D.  II,  .t2'.»)  =  durch  das  .Schareisen  oder  l'hle- 
hotom  (Fliedern)  gemachte  oder  geschlagene 
Wunde  (Aderschlag  2).  —  mit  Fraisen  ge- 
schlagen ll'OO  mit  vreesen  geslagbcu  =  attonttw, 
D.  II,  Ii)  ~  vom  Dämonenschlage  so  bertlhrt 
(s.  d  ),  dass  Fraisen-  (s.  d.)  Anfalle  erfolgen.  — 
(i:t"  .)  /•'•.   Schlag  .  1.  — das  Promontorium 

der  Schlachltiere,  welches  zwischen  den  beiden 
Garbscbaien  (s.d.)  auffällig  hervortritt  (Srhm. 

II,  :«!«).  —  2.  =  Vorschlag.  —  (imo)  ganter  Schlag 
|  =  im  Gegensätze  zum  halben  Schlag  (s,  l'ara- 


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Schlag 


Schlag. 


lysis)  einu  doppelseitige  oder  tödliche  Lähmung  j 
(Apoplexia,  Panplegia)  durch  Schlag  2  (Seb.  352; 
r>.  II).  —  Gehirn- Schlag  —  ein  Krguss  von  Blut  I 
in  das  Gehirngewehe,  der  durch  Druck  auf 
dieses  Lähmung  (partiell  u.  allgemein,  motorisch 
u.  sensitiv),  seihst  Tod  herbeiführen  kann ;  man 
stellte  «Ich  früher  und  wohl  heute  noch  In  den  von 
Ärzten  beeinflußbaren  Volkskreisen  vor,  das*  ein  aus- 
getretener „Tropfen"  (=  gutta,  s.  Tropf)  Blut  diese 
Lähmung  verursache;  der  Schlag  al«  ..Schlagflu-*"  ist 
dM  durch  den  Zufluss  vou  sich  ergles«cndein  Blute 
im  Gehirn  verursachte,  hauptsächlich  sensitive  Läh- 
mung, lin  Gegensatze  zur  „Lahme"  =  motorische 
ljihmung  *us  Schwarbe,  Krankheit  oder  Trauma. 
Nach  der  mittelalterlichen  Lehre  glaubt  das  Volk  | 
(Huck  15),  das»  in  den  Gehlrnhtthlen  :i  Tropfen  hangen, 
■Wtl  seitlich,  einer  in  der  Mitte;  stürzt  ein  seitlicher 
von  der  Schodeldecke  herab,  dann  Ist  die  eine  oder 
die  audere  Seite  des  Körpers  gelahmt ;  fällt  der  mittlere 
Tropfen  auf  den  Scbädclgrund,  dann  ist  der  Mensch 
„maustot"  (ganzer  schlag).  —  ,'i  schlagen  ~  durch 
Schlag  verletzt.  —  Gott-,  Gut-,  (12.  Jahrh.)  Gotcs- 
Schlag,  1.  ■  als  „Gutschlag"  (ein  vermutlich  aus 
den  alten  Kräuierbüchcrn  stammendes  Wort  für): 
Apoplexin,  „gutta  =  Schlag,  Tropf",  Kmplagia 
(lti.  Jahrh.  halber  Gutlschlag  ist  paralysis  so  man  auf 
den  schlag  lam  wlrt  an  elm  glid,  Kochholz  I,  -11  = 
halber  Schlag;  1643  schwerer  Gutschlag,  Rochhol/.  I,  41 

—  ganzer  Schlag  auf  beiden  Selten  oder  Tod  ).  — 
2.  =  Gottsehlag  (mhd.  gotesslac.  Gr.  D.  M.  II,  lltO 
=  I'estseuche,  Iloffm.  1,77;  172>  gutschlag  =  Apoplexia, 
Th.  8.  Br.  574;  rilmrock,  II.  Ü.  M.  539;  1742  gutschlag, 
Zw.  MM),  eine  Stellvertretung  der  Krankheiten 
(Lähmungen)  bringenden  Gewalt  der  heid- 
nischen üiimonen  durch  „göttliche  Gewalt".  — 
(161.-.)  grosser  Schlag  =  ganzer  Schlag  (Coler,  H.  A. 
107).  —  GurM-Schlag  -  sexuelle  Schwäche  in- 
folge von  Nervenlahmung  (,,diasatyrion  Ist  gut 
allen  dy  da  [ntt]  gemynnen  (  =■  coire]  miigen  und  dy  da 
lcutsiichligslnd  und  den  <-lag  linder  der  gultel(  =  t'ntcr- 
lcib!  bieten,  Schmeller  II,  516)  (h.  Gürte!  3).  —  Gut- 
Schlag  ■  b.  Gottsehlag  1.  —  (1637)  halber  Schlag, 
i.  =  halbseitige  Lähmung  infolge  von  Schlag  (2) 
=  Paralysis,  Hemiplexia,  Hemiplegie, Paraplegia 
(Hippokratis)  (halber  Gutsehlag)  (Gr.  Vf.  VI,  75; 
rann«  38;  Heyne  V,  837;  Color,  H.  A.  107;  D.  41;  Kalke 
I,  301).  —  2.  -  Gichtlähmung  (Heyne  II,  1180)  als 
nicht  vollständige,  motorische  Lähmung.  -  - 
//(( fo- Schlag  !ahd.  halslac  —  colaphus,  colli  percussio, 
Du  fange  II,  398;  IL  Jahrh.  [II.  Z.  III}.  145.:  hnlsslagon), 
1.  —  der  Schlag  an  den  Hals  (Schwertschtag). 

—  2.  =  halsen,  coire  (Schtn.  1.  109:.;  Heyne  III,  26J. 

—  i/erz- Schlag  (ahd.  hemslagod,  letaulagod  = 
pavor,  Ural!  IV,  104 •".;  VI,  "82;  15.  Jahrh.  hcrtcslach, 
hartslag  ■—  ezta,  D.  219;  dilti  hjcrtcslag;  holt.  hartslag; 
schwed.  hjertslag),  1.  —  der  als  Thoraxersehütte- 
rung  fühlbare  und  sichtbare  IIerr.nnschlag  an 
der  Hrustwandung.  —  2.  =  der  hörbare  Ton  des 
Herzschlages  bei  Menschen  u.  Kind  im  Mutter- 
leibe durch  den  Herzklappenschluss  u.  Muskel- 
beweguog  veranlasst  (Hyrtl,  Anat.  8*.).  —  3.  = 
Pulsschlag  als  fortgesetzter  Herzschlag.  —  4.  = 
der  Ort,  wo  da«  Herz,  schlägt  (Gehäng,  Einge- 
weide). —  f).  die  Herzsehhiehtigkeit  der  Schafe 
mit  schwerem  Atem  und  heftigem  Pulsschlagen 
(Or.  W.  IV.  2.  1360;  Andresen  105).  —  6.  -  (schritt- 


deutsche  Obersetztmg  des  ndd.  hartslag)  Herz,  Lunge, 
lieber  des  Schlachtviehes,  das  Gesohlinge,  Inn- 
gcschlacht  (s.  d.)  (Gr.  vv.  IV,  2.  1260).  —  7.  =  der 
Schlntrrluss  (Schlag  2),  der  das  Herz  lähmt  wie 
das  Gehirn  (Herzlähmung).  —  8.  =  Ohnmacht 
(Pavor).  —  //.•'.'.-•Schlag.  1.  =  ein  schlagfluss- 
ähnlicher  Zustand  beim  Menschon  und  Tiere 
(Pferd,  Rind,  Schwein)  infolge  von  Überhitzung 
(damonlstlsch  -  Mittagsalp)  des  Blutes  (Wärme- 
stauung mit  Erhöhung  der  inneren  Körper- 
wärme) bei  grosser  Luftwärme  (Insolatio,  siehe 
Sonnenstich  u.  Tag)  (Meyer.  Konv.-Lcx.  XVI,  104  j 
Berl.  klin.  Wochenschr.  1876,  29;  engl,  heat  strecke, 
Hiustrelch,  I.ehf.  182).  —  2.  =  ein  Schlag  (2)  mit 
Hitze  und  Röte  des  Gesichtes  (Apoplexia, 
hitziger  Schlagfluss).  —  //»/-Schlag  =  die  Ver- 
letzung (Schlag  1)  durch  «las  Aufschlagen  der 
Hufe  von  Seile  der  Pferde  (Gr.  w.  iv,  >.  is70) 
Laesio  ex  ictu  equi.  —  kalter  Schlag  =  ein 
Schlag  2  (Apoplexia),  wobei  die  gelähmten 
Glieder  sielt  kalt  anfühlen  =  trockener  Streich 
(s.  d.,  letus  surdus  -  orbus)  im  Gegensatze  zum 
hitzigen  Schlagfluss  (Ackermann  153).  —  kleiner 
Schlag,  1.  ~  halber  Schlag  (s.d.)  (1545  der  kleiner 
scklag  oder  parlls,  Gurlt  III.  53)  s.  ParalyB.  —  2.  = 
Zungenlähmung  (Heyne  II,  llso).  —  (1712)  krampf- 
hafter Schlag  =  eine  Art  Lähmung  (Schlag)  mit 
Erhaltung  des  Bewusstseins,  aber  mit  Muskel - 
krampf  verbunden  (congestive  Wallung)  (F.nnffm. 
VII.  114).  —  /irctir-Schläger  -  Schaf,  .las  an  der 
Traterkrankheit  (s.  d.),  dem  Kreusschlage  oder 
der  Kreuzdrehe  (s.  d.)  leidet  (Falke  II,  44),  wobei 
dieTiere  infolge  v.  Kreuzlahme  (s.d.) das  Hinter- 
teil, wie  durch  einen  Schlag  ins  Kreuz  gelähmt, 
nachschleppen.  —  leichter  Schlag  =  Schlägel  4, 
Schlägel,  meist  halbseitige  Gesichtslähmung. 

—  Lu  Schlag  —  Lungenlähmung  infolge 
von  Blutschlag  od.  Schleimschlag  in  den  Lungen, 
Oedema  pulmonum,  Apoplexia  pulmonum, 
Infarctus  pulmonum.  —  Lungen*ctUeim-&cbl*g 

—  Apoplexia  serosa  pulmonum,  ein  plötzlicher 
Schleim-  o<ter  Wasserschlag,  Serum- Ergura  in 
den  Lungen,  der  zur  Lungenlähmung  führt 
(Oedema  puhn.  acutum).  —  Jifi nd er- Schlag  - 

|  s. niedererSchlag.  —  'i  n  ''schlagen  =  nacharten 
I  im  Schlag  4  (nachschlachten).  —  Nerven- Schlag 

—  eine  plötzliche,  wie  durch  einen  Schlag  erfolgte 
Lähmung  eines  (meist  motorischen)  Nerven 
oder  des  ganzen  Nervensystems  ohne  andere 
aichtbare  Ursachen  durch  direkte  Lähmung  de<* 
Gehirns  (ohne  Erguss),  z.  B.  durch  Gifte,  im 
Gegensätze  zum  Blut-,  Wasser-,  Schleim-Schlag 
(Gr.  w.  vil,  615;  Falke  U,  279).  —  (1532)  niederer 
Schlag,  1.  =  minder  oder  kleiner  Schlag  2 
(Fries  75)  od.  Zungenschlag,  Paralysis  (s.  Paralys). 

—  2  =  (14.V.)  minder  applcxia  =  Niesen,  Rlexler  332) 
=  plötzliche  Retiexkrämpfe.  —  (15.  Jahrh.)  Ohren- 
Schlag  (slag  der  orn.  Schmeller  II,  516)  =  Taubheit 
infolge  von  Blutschlag.  —  Paii&cn-schlagen  = 
ilas  Auswärts«  erfen,  Schleudern  oder  r  uchtein 
der  Küsse  (beim  Pferde),  wie  ein  Trommel- 
oder Paukenschläger  seine  Schlägel  hinaus- 
bewegt (die  Gangart  der  Tabetiker)  (Falkell,  19t») 

—  /'«/«-Schlag,  1.  =  (1680  motu«  pulsalis.  Du  Gange 
Vi,  56i)  Pulsus  arteriarum,  der  Stoss  der  aus 
«lern  Herzen  mit  jedem  Herzschlag  ankom« 


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Schlag. 


achlaif- Schlange.  677 


m enden  Blutwelle,  welche  sich  durch  den  ganzen 
Inhalt  des  Arterien-Systems  fortpflanzt  (Ilyrtl, 
Anat.  m).  —  2.  -  der  gewöhnliche  Pulaschlag 
an  der  Pulsstelle  (Puls  3;  Schlagort).  —  3.  = 
der  einzelne  Pulsschlag  (Gr.  \V.  VII,  2214).  — 
(1609)  i?o/.r-Schlägel  =  der  rar  Nase  herab- 
hängende, klotzige  Rotz  oder  Nasenschleim 
(Schlägel  3)  (Gr.  w.  VIII,  1331);  grosspatzete 
Rotzschlrtgel  (Schlengel)  (Guar.  611).  —  Rück- 
Schlag,  1.  —  Atavismus*  (s.  schlagen  3);  „die 
Thatsache,  dass  bisweilen  einzelne  Tiere  eine 
Forin  annehmen,  welche  schon  Beil  vielen 
Generationen  nicht  vorhanden  war  und  einer 
längst  enlsehwundenen  Generation  angehört" 
(Höckel,  nat.  Schopf. -Gesch.  \  Scito  186).  —  2.  = 
h.  zurflckßch lagen.  —  vom  Schlag  •!>  schlagen 
(einer  den  het  der  schlack  geschlagen,  Geilers  Ev.  D. 
nach  Hochholz  I,  41)  =  vom  Schlagflnss  getroffen. 

—  SrA/tim- Schlag  =  die  plötzliche  Lähmung 
(Schlag  2)  durch  Krguss  von  schleimigem 
Wasser  in  die  Lungen  (Üedema  pulmonum; 
Apoplexia  pituitosa,  s.  Schleimschlagfluss) ; 
man  nahm  früher  an,  dass  das  Geblüt  dabei  voll 
von  prafortuiertem  Schleim  (s.  d.  u.  Phlegma) 
sei  (fattt.  Medik.  4si).  —  «r/iirim-schlachen  = 
schwindelig  hin-  und  herschwanken  (Schnuller 
11,633)  (s.  Bchwiemen).  —  (MM)  Tropf- erschlagen 
=  vom  Tropf(en)  getroffen,  paralyticus  (s.  Gott- 
geschlagen) (Seh.  yi).  —  «'"»-schlagen  =  aus 
einer  Stellung  in  eine  andere  rasch  sich 
hinüberbegeben  wie  durch  einen  Sturz  (Burzel- 
baum,  s.  d.  und  Sturz)  oder  einen  Schlag  ver- 
anlagst; so  schlügt  auc  h  die  Stimme  in  einen 
höheren  Ton  Ober;  auch  das  Kind  schlagt  sich 
im  Mutterleibe  über(K..hlcr.  Vor. 4»).  —  67.  L'lrüh 
schlagen  -  sich  erbrechen  (Hirllnger,  Sitten  II.  sa) 
(s.  St.  Ulrich)  —  I m  Schlag,  -schlagen,  I.  = 
eine  andere  Wendung  zum  Guten  od.  Schlechten 
nehmen,  die  KrisiB  Ger  Krankheit.  —  2.  = 
Abortus  (=  s.  umkippen,  umfallen)  [r. Blebold 53). 

—  t'nfcT-Schlag  (1475  d»t  uiyddclste  ondendach  - 
interflnlum.  I>,  soi)  —  Nasenscheidewand.  — 
Kirfrr  -  ("n/rrschläglein  (1711  unterseblägleiii  In 
kifTlen  =  ralvnltu,  D.  606)  —  Zwischenfach  in  den 
Zahnlader:  der  Kiefer.  —  Ver-  ( Vor-)  Schlag, 
schlagen,  1.  =  (nach  früherer  I^hre)  die  schnelle 
Versetzung  eines  sogen.  „Flusses"  (Katarrh, 
Rheuma:,  des  Kiters,  auch  des  MilchtlusBes 
der  Wöchnerinnen  auf  ein  anderes  Organ 
(Metastasis),  z.  B.  eine  verschlagene  Pferde- 
druse (s.  d.),  Winde,  Harn  etc.  (|<>16  denn  ehe 
«ich  der  eytter  und  wu*t  [au«  den  Frnntzosenbresten] 
heraus  begibt,  so  sucht  er  zwischen  den  Sennen  vnnd 
Banden  viel  i«rter,  darinnen  er  sich  verschlecht  un 
haltet,  Wim,  Guritlll.  254).  -  2.=- eine  Eni zdndung 
der  lluflederhaut  mit  Kormveränderung  des  be- 
schlagenen Hufes,  die  das  Pferd,  „das  ver- 
schlagen hat"  (MW;  r.  M  1, 43),  räch  (s.  d.)  macht 
und  (etymologisierend)  dem  unrichtigen  ITufhe- 
schl&ge  zugeschrieben  wird  (=  Häch-Huf)  (Plwa- 
Rartels  I,  267;  Mayer  135;  R.  A. ;  Falko  II,  186).  — 
3.  =  die  Futterrahe  oder  das  Verfangen  der 
Schweine,  wobei  sich  die  Winde  verschlagen 
haben  (Zipp.  630)  =  harrer  les  vents  (Brlss.  175) 
oder  der  Fluss  (Rheuma)  sich  wie  ein  durch 
den  Wind  verschlagenes  Schiff  in  eine  andere 


Richtung  begehen  hat  (Falke  II,  407).  —  For- 
schlag,  1.  =  das  von  der  Wirbelsäule  zum 
Schulterblatte  sich  ausdehnende,  durch  Fascien 
getrennte  Fleisch  des  Schlachttieres.  —  2.  * 
s.  Fürschlag.  —  (1S07)  lF«7«»cr-Schlag  =  Lähmung 
durch  plötzlichen  Wasser-  (Serum-)  Erguss  auf 
Gehirn  oder  Lunge  (Apoplexia  serosa,  Oedema 
acutum,  Hydrocephalus  acutissimus)  (Heim  C4). 
(1632)  Zungen  -Schlag,  1.  =  Paralysis  linguae, 
die  Lahmung,  die  die  Zunge  betroffen  hat 
(s.  Paralys)  =  der  kleine  oder  minder  „Schlag". 
—  2.  =  Schwerfälligkeit  der  Sprache  bei  Alkohol- 
genusa  (Hieti,  Schwipp«).  —  rcr-schlagen  (mnd., 

14.— 15.  Jahrh.  is  enie  dat  höret  toslngen  dat  it  eme 
binnen  to  broken  is,  und  de  hut  doch  ganz  is,  so 
taste  »vor  lt  eme  to  broken  si  unde  lose  cm  de  hut  ap 
unde  nim  dat  bcnlken  ut,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  123) 
=  in  Teile  durch  Schlag  gespalten,  Knochen  - 
fraktur.  —  iura  /.-.schlagen,  1.  -  das  nach  dem 
Verschwinden  eines  Hautgeschwüres  erfolgende 
Wiederauflreten  eines  Hautausschlages  an  einer 
anderen  Stelle  (\ckerm.  3'.t6),  der  vorerst  bloss 
zurückgewichen  ist,  um  wieder  hervorzu- 
brechen, z.  B.  ein  zurückgeschlagener  böser 
Kopf- Ausschlag  (Ekzema,  Impetigo)  (Ackerm. 
39»;).  —  2.  -  s.  Rückschlag  u.  Atavismus*.  — 
Zwergen- Schlag,  1.  ■  nach  dem  Volksglauben 
der  Schlag  der  zwerghaften  Elben,  der  den 
Menschen  lahmt  (s.  Elbenschlag)  (Gr.  I».  M.  II. 
1110;  Kuhn  I,  324).  —  2.  —  Hexensrhuss,  eine  Strafe 
der  Ilccrden-Mannli,  wenn  man  Ihrer  Warnung  nicht 
folgt  (KochboU  I,  326;  Germania  VI,  210).  —  3.  - 
krank,  an  tlen  Beinen  gelähmt,  vorn  Vieh,  das 
durch  den  Elbenschlag  (Maurer  II,  9;  Gr.  I>.  M.s, 
430.  1110;  Gerland,  ZcItSCbr.  f.  d  PhOot.  I,  310;  Kuhn, 
Zeilschr.  f.  vergl.  Spr.-F. V,  3.53  ;  [Norwegen]  dvergslagcn) 

betroffen  wurde.  —  Schlag-,  schlagende, 
SChlägCe/),  geschlagene  Adern,- Anfall,- Brauen, 
-Matt,  -BlätUhen,  -l>auchen,  -Bein,  -Brunnen, 
-Fluss,  -Glieder,  -Jammer,  -Kopf,  -Lähmung, 
-Mal,  -müd,  -Ort,  -Streiche,  -Sucht. 

SChlalf  (SChliffig)  »•  schleifen  ;  sllffereeh.  sllpper, 
schlyprot.sliphich-lubricus,  D.337;  11,239  (Schwaben. 
Nordfr.;  C.  v.  Schm.  466;  Schm.  II,  ttW)  -  schleimig, 
sclilüpferig. 

Schlamm,  m.  (slaro.  Kluge*,  325;  1696  schhitu 
o<ler  schleim,  Schreyer  74)  -  schleimiger  Kot.  — 
(175t)  LciV-  Schlamm  -  Auswurf-Stoffe  (Heyn. ;, 
176).  —  Schlamm-  Fi  eher,  -Krankheit. 

Schlampen  (mhd.  slamp,  Kluge*.  326  =  läppen, 
I.ninp<'ti,  Fetzen,  dünner  Streifen,  Bnck  19)  =  Aus- 
wurf in  Streifenform ,  streifenförmig  herab- 
hängender Fleischlappen.  —  schlamperig  (vom 
MuskelHeisch)  —  welk,  schlaff,  ohne  Spannkraft 
(8pies>  II,  217).  —  schlampen  =  schlaff  hernb- 
hangen,  nachziehen.  —  /•  .'u. /.-Schlampen  = 
dünnes  Fleisch,  die  Streifen  von  Fleisch  an  der 
Dünne  des  Schlachttieres  (Schmeller  I,  195;  II, 
524).  —  Schlamp  /'  f  mptn,  -  Wunden. 

Schlange,  f.  (ahd.  slango,  m.  ;  mhd  slange,  m  ,  f. 
=  die  geschlangelt  sich  hinschleichende,  sich  häutende 
Sehlange  [oder  Wurm,  s.  d.])  =  Wurmähnliches  im 
tierischen  oder  menschlichen  Körper.  —  1.  — 
Bauch-,  Haut-Würmer  (Parasiten)  (19H  todte 
schlanglin  -  die  abgestandenen  Darin«  ürmer,  Fries 

37 


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57* 


Bchlank— Schlarre. 


Schlatt — schleichen. 


116;  1592  Roaschweif  mit  Harm  im  Bad  getrunken  | 
machet,  das«  ein  Schlang  einem  aus  dem  Leib  geht  so 
eine  darinnen  were,  Seb.  192;  1645  schlangen  in  de» 
Menschen  Magen  [hinclngezaubert],  Coler.  H  A.  176. 
177;  10C8  schlangen  Im  leih;  1482  serpula  tlnen, 
Schabe  [I>.  630;  II,  337],  Hautwurm,  Heyn.  221).  — 
ü.  -  die  Umschlungelung  der  goldenen  Ader  am 
Knde  des  Rückgrates  (Haemorrhoidal- Venen- 
Convolut),  die  wie  Schlangenbiss  schmerzen 
Holl  (nyrtl,  K.  W.  71):  das*  der  Rückgrat  selbst  vom 
Volke  mit  Schlangen  in  Verbindung  gebracht  wurde, 
lehrt  un»  c.  v.  Megbg.  „man  spricht  auch  da«  aus.« 
de«  menschen  mark  schlangen  werden  und  allermeist 
auss  des  rugdorns  (nuz  des  rlicks  dorn)".  —  8.  =  diu 
(iestalt  von  Krankheitsdämonen  als  parasitäres 
(.iewflrm  (s.  Wurm).  Schon  im  altlndischcn  Ven-  I 
didad  Ist  eine  Schlange  (Wurm ,  I>rache)  erwähnt, 
welche  9,  99,  900,  9000,  19000  Krankheiten  macht 

(Dunckcr,  Ue*eh.  d.  Arier  67«).  -  gg  gjjj^fc 

Schlange  (1487  blodsugct>,  1195  blut  suget  schlang  s 
baemorrhoides,  emorois,  p.  201;  II,  149).  1.  —  Unter« 
schlang  und  Schlange  2.  —  2.  =  vielleicht 
auch  Keigwarzen  als  Symptom  der  «iie  Kon- 
stitution angreifenden  Syphilis  (KrafUaugerin). 
—  Si  i»-n,u  Schlange  (14*3  schelmslong,  schellen- 
slang  =  prester  [=  buprestl* '],  1>.  II,  302)  vielleicht 
=  Knölster,  Qualster*,  Pferdemagenwurm  als 
Schelmengestalt.  —  Schiess-,  Schorn- Schlange 
(1482  schoMlang  ~  jaculus,  Schmeller  II,  480;  1).  II, 
207;  IM!  scblesmchlang;  16.  Jahrh.  sehoesslnkc  schlang. 
D.  283)  ss  s.  8chrj88wurm  (Ader  =  Alter  =  Natter 
=  Schlang).  —  (1482)  Unter- Schlang  =  Haemor- 
rhoiden,  Haemorrhagia  ex  haemorrhoidis,  die 
untere  Schlange  (Ii)  (vnterslang,  D.  I,  201 ,  Zening. 
Voc.  II  6)  (h.  Hämorrhoiden).  —  Schlangen- 
Aussntz,  -Grint,  -Mensch. 

Schlank  —  (dünn.lelcbtgleitcnd.lelchtschlingbar; 
tnndl.  slankene  —  schlank  machen,  de  Vr   62).  — 

(je- schlank  (ici6;  coler,  n.  182)  =  mager.  — 
Schlankel,  (schwiib.)  Sch tacke I  =  ein  schlanker, 
dürrer,  hagerer  Mensch  (Krbc  19). 

schlapp,  Schlappe,  f.  bu  schlaff  (s.  d.).  — 

Schlappe,  f.  =  schlaff  herunterhängende  Kopi- 
bedeckung. —  (17S3)  Schlappigkeit  =  Bchlaff- 
heit,  Atonia  (piainer  Ii,  4i).  —  schlabbern,  schlap- 
pern  =  mit  Bchlatier  Zunge  oder  Lippe  lecken, 
so  schlurfen,  geifern,  dass  das  Eingeschlurfle 
zum  Teil  wieder  herausfallt  (Kalke  II.  27«;  engl. 
■Mbber «  geifern.  Übt  226;  II.  l'aul  381).  —  (1782) 
A  fters  A>  .schlappung  -  lielaxatioani,  Ahnahme 
der  Muskelkraft  des  Afterachliessmuskels 
(M.  n.  L.  20).  —  den«)  Ohren- Schlappen  -  Ohr- 
lappen,  die  schlatf  herabhängen  wie  eine 
Schlappe  (Guar.  163).  —  Schlapp  Gosche*,  -Maus, 
-Ohr,  -Schtcanz. 

Schlarre,  f.  Schlärr,  m.,  f.  Schiirren,  f. 
Schlarpel.  -  Schlarre,  l.  Schlär  (Schier),  m.,f. 
=  ein  vertogener,  ungestalteter  Mund  (Seblarr- 
maul)  (C.  v.  Schm.  464.  4C7.  Schmeller  U,  5:12).  — 
Schiirren,  1.  =  der  Mund  (Schliirre)  mit  herab- 
hängender Lippe  (Ilintncr  G.  14 ;  vergl.  mhd. 
»Iii  raffe  =  Gahnaffe,  Maulaffe,  Schlaraffe ,  Kluge*, 
825).  —  2  =s.  Schlier.  —  Schlarpel  =  eine 
herunterhängende  Unterlippe  (Tirol,  Sohwnben; 


[  Hintner  fi.  14 ;  Wolf  167).  —  Schiarp er .  m.  =  die 
schlürfende,  schlurfend  benutzte  Zunge.  — 
Schlärr-A/a«/. 

Schlatt,  m.  (ahd.  slät;  mhd.  slät  =  Schlot,  der 
eine  Kappe  als  Bedeckung  hat,  Schmeller  11,  637)  = 
Schlot  (s.  d  ).  -  Schlatt- Ohren. 

Schlauch,  m.  (ahd.  slüeh  —  gähnender  Abgrund 
[faux];  mhd.  slüeh  ■  Z]  Haut,  .Schlauch,  Rohre, 
b)  Schlund,  Kehle  [faux]  -  langer,  hiegsamer,  wasser- 
dichter Behälter  [SchlanKcnhaut.  Rüssel;,  Kluge*,  :!25j, 

I.  -  Penil,  besonders  t»eim  Pferde.  —  2.  =  die 
schlnth-  J  laut  vor  dem  Penis  (praoputium)  (schm 

II,  497;  Meyer  ii)  —  3.  es  die  Vagina  als  GeburtB- 
schlauch.  —  4.  -  Kehle,  Schlund  (mbd.)  (s.  o.); 
Säufer  (II.  Paul  384).  —  5.  Schlauch  (  =  Cbersetzung 

i  von  Anasarka) .  —  Rmn,  Rahm-, {Raum) Schlauch, 
1.  =  das  mit  einem  sahne-  (rahm-)  ähn- 
lichen Talgdrüsen-Sekrete  ausgefüllte  Oehsen- 
Praeputium  (Schlauch  2)  (Zlpp.  382;  Kalke  II,  231). 

—  2. ?  —  Harnwinden,  Vorhatittripper  (Gonor- 
rhoea).  —  Thränen  -  Schlauch  -  Thränen- 
Kanal,  dessen  schlatichlörmige  Auskleidung 
die  Thränen  vom  Thränenpunkt  bis  zur  Nasen- 
holde ableitet.  —  Schlauch -Darm,  -Füllen, 
-Maul,  -  Wassersucht. 

Schlecht  (gem.  germ.  slehta  [schleichend,  glatt  (?)]. 
ahd.  sieht;  mhd.  sieht  =  schlicht  [s.  d.];  1475  siecht 
es  planus  [D.  410],  gerade,  glatt,  nicht  runzelig,  gering 
[in  malam  partein],  gemein,  bt>«e,  Kluge*,  325).  — 

Schlechtigkeit  =  s.  schlicht.  —  (1497)  schlecht 
machen  =  glatter  machen  (von  Wunden) 
Knochensplitter  entfernen  («urlt  II,  212).  — 
Ge-schlecht  =  s.  schlächt.  —  irrschlechtern 
=  mager,  schlichter  werden  (tioldschm.  38).  — 
schlecht  <.  er)  Bräune,  Eiter,  -hitzig,  Huden, 
Krankheit,  -nasig,  Säfte,  Teint,  Tripper, 
Warzen,  Zitteraih. 

Schlechten,  pl.  s.  Schlichten. 
Schlecker,  m.  (germ.  siik;  zltoonL  sieikja  = 

lecken  '«.  d.  .  Kluge*,  32".;  mhd.  «leck  =  Leckermaul, 
Heikelkeit  beim  Kssen,  Erbe  22;  sllc  —  ein  Mensch, 
der  beim  Kssen  wählerisch  ist,  1.  cod.).  —  schleckig 
=  wählerisch  heim  Kssen,  heikel  (schwzb.; 
Erbe  22).  —  .Furf-Schlecker  (mhd.  vudeslccke)  - 
Membrum  virile,  Penis  (s.  Kud)  (ur.  w.  iv,  1.  363). 

—  Mus-,  Pfoten-,  Sfi/jprn  Schlecker  =  Zeige- 
finger, der  als  Mittel  zum  Verkosten  dient  (auch 
zum  Museinstreichen)  (Hintner  7.  17;  dletmars. 
putten-,  pottcnslicker,  I  r.iuell  II,  SO;  Schmeller  II, 

5or»),  —  Schleck- 0/ir,  -Surht. 
schlee,  schleh.  —  schleh  ■  stumpf  an  den 

Zähnen  (Schmeller  II,  520).  —  Schlee-Afi/cA. 
Schlegel  s.  Schlag,  Schlägel, 
schleichen, Schleicher,  m.  (vorgerm.  sirg;  germ. 

sllk;  ahd.  slihhan  ;  mhd  stieben  =  leise  gleitend  gehen, 

Kluge*, 326).  —  Schleicher -einer,  der  schleicht: 
1.  =  ein  leiser  Hauchwind  —  2.  =  ein  leicht 
gleitender  Auswurf  (Mucus)  (ndd.  sllck,  Qoldzebm. 
112).  —  (tWJ)  ZHinri-Schleichen  =  langsam  sich 
fortentwickelnde  skrofulöse  Ilalsdrflsen  (siehe 
Wurm)  (v.  M.  II,  102).  —  UM  Schleicher  -  Be- 
zeichnung für  eine  besondere  liangart  kränk- 
lieber  Menschen  (Buck  12);  nell  (Holl)  ist  der  Kaum 
hinter  dem  Ofen,  wo  nie  kranken  Leute  sich  gerne 


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schleifen— Schleim. 


Schleim. 


579 


aufhalten.  —  OArw-Schleicher  =  Ohrwurm  (E.W. 
i.  63).  —  Schleich-,  schleichendes  -Fieber, 
-Füllen,  -Krankheit,  -Nervenfieber,  -Nerven- 
krankheit, -  Wasser. 

Schleifen  (germ.  altp  =  gleiten  ;  ahd.  slifan,  Hielten; 
nilul.  slifen,  sielten  —  gleiten,  sinken,  durch  Hinziehen 
um  Roden  sich  gleitend  fortbewegen,  a.  wischen, 
Kluge*,  320;  engl.  Shoulder  »lip  =  lnxatio  hnmcrl, 

Kaiuchm.  i).   —   <%rachliffenes  Kreta.  — 
Schleif» -Asthma',  Betn,  Fuss. 

Schleim,  m.t  n.  (germ.  sli  -  glatt,  schlüpfrig  sein 
(Ulnare,  lim»,  llmm  —  Schlamm]:  neuirisch  slioni; 
engl,  slim  —  dünn,  schlank,  Z.  f.  d.  A.  1888;  278;  ahd.  j 
»lim,  slimen  —  glattmachen,  Kluge5,  116;  «irafT  VI, 
-»3;  mnd.  »Um  =  schleim.  Mag.  Harth,  lüla;  mhd. 
slim ;  IS.  Jahrh.  Schliem  =  larmtis,  s.  Schmarroll, 
Wurmschlelm,  D.  II,  349;  H20  slym;  US!  schlym;  1432 
»Ilm,  sliem  m  uembrana,  I).  11,  250;  14S2  sleyme  = 
Intnm.  Unflat,  D.  310;  ndl.  slym;  engl,  slime,  sliminess, 
Kaltschm.;  ndd.  slulm,  schlim.  Fromm.  VI,  58),  1.  = 
«ler  graue,  zähe,  fadenziehende  Absonderungs- 
Stoff  der  Schleimhäute,  s.  d.  (Membranae),  z.  ß. 
im  Auge,  Magen,  Scheide,  Darm,  Blase  (Niere, 
Lenden),  Gebärmutter  etc.,  welcher  die  freie 
Schleimhautoberflache  wie  ein  feines,  gläsernen 
Häutlein  (=  Schliem,  s.  d.)  schützend  bedeckt 
und  in  „Schienten"  (■.  d.)  entleert  wird;  nach 
der  hippokratUcben  lettre,  welche  die  Sehulmedlzin 
fast  2t**i  Jahre  beherrschte,  bestand  der  menschliche 
Korper  (Materie)  in  sclneu  flüssigen  Teilen  oder  Grund- 
feuchten  aus  Blut,  Schleim,  gelber  und  schwarzer 
Galle  (s.  Phlegma).  —  2.  -  schleiiuähnliches  Se- 
unil  Kxkret.  —  3.  ■  s.  Schliem  ;  der  Schleim  wird 
„zerschnitten"  (Fossel),  wie  ein  ..Schliem"  (—  Netz- 
haut, s  Schliem  2)  durch  Heilmittel,  die  ihn  auflösen; 
er  wird  gebrochen  (V  K  VI,  59),  d.  h.  dnreh  Berüh- 
rung mit  einer  gebogenen  (s.  brauchen*)  Pflanze  auf 
diene  durch  Transplantation  des  Datnons  OWrtragen  , 
er  wird  In  der  Mutter  „gekocht"  ( —  Kndometrltls 
IPauli  87  ,  *.  kochen)  nach  volksmedizinisrhen  An- 
schauungen, die  ans  der  Schulmedizin  stammen; 
daher  auch:  es  schleimt  ihn  b  en  kocht  in  ihm 
vor  Aufregung.  —  (l.v;2j  schleim  eng  (mnd. 
slymich,  Mag.  Barth.  88b).  —  schleimicht  i-'  Jahrh 
sllmech[l]  =  lirorosus,  D.  II,  238.  378;  14.  Jahrh. 
alumecht  —  llmus ;  15.  Jahrh.  slimecht  ■  llmnsus, 
1>.  II,  235)  =  wie  ein  schleimiges  Sekret  sich 
verhaltend,  schlüpfrig.  —  schliemerig  =  mit 
Schleim  behaftet,  phlegmatisch  (Frie«  io«; 
Kflnlgasp.).  —  schleimen  -  vom  Schleim  reinigen, 
Schleim  machen,  verursachen,  im  Korper 
Schleimbildung  erregen,  z.  B.  das  Bier  schleimt 
=  faeeibus  abundat  (MM;  Heyne  V.  3S1).  —  (1742) 
Schleimheit,  (i.»2)  Schliemerigkeit  =  der 
schleimige  Zustand  (II.  v.  Gersd.  72;  Zw.  I.XVI). 

—  (170«)  Augen  -  Schleim  =  (iramiae,  Lama, 
Augenhutter,  Augenschmal«,  Matrer,  das  Sekret 
der  Angenschleimhaut  (A.  r.  II.  II,  C91;  Gr.  \v  i, 
an).  —  (iü45)  B<  schleimung  =  der  schleimige 
Zustand  bei  einem  Organe,  Magen  (s.  Leber) 
(Coler,  H.  A.  #9).  —  (17.  Jahrh.)  bos{es,  er)  Schleim 

-  infektiöses  Schleimhantsekret,  Schnutlergift, 
(Fr.  Kr.  B.  345).  —  I  > urm-Schleim  =  das  Sekret 
der  Darmscbleimhaut  (lo.  Jahrh.  „origo  vermium 
est  ex  cruda,  crassa.  pltuitoaa  materia  et  putredlni 


apta"  [Theophanes  Nonn);  auch  tinch  Paulus  Aeginetn 
[420]  ist  der  breite,  schmarotzende  Bnudwurm  eine 
Umwandlung  des  Bauch-  oder  Durm- Rotzes  [Darm- 
schleim,  Wurmschlelm]  der  inneren  Darmwand  in  ein 
lebendes  Wesen,  Huber;  (schleimige  Darmfeuchte]).  — 

(1576)  eiterischer  Schleim  =  mit  Eiter  gemischter 
Schleim  (Gr.  W.  III,  392).  —  (1741)  von  Eiter 
schleimicht  =  purulentus  (Kirsch  984)  =  eitriger 
Schleimhautkatarrh.  —  gelbtr  Schleim  —  Milz- 
brand (s.  gelber  Schelm,  gelber  Knopf)  (Falke  II, 
2*2).  —  (172  .)  Qlas-  Schleim  -  der  hesonderß 
dicke,  aber  noch  wie  (ilas  glänzende,  leicht 
grün  Iii' he  DarmBchleim  (Thes.  San.  Br.  17;  Kopp 
IV,  384).  —  (1741)  Grund- Schleim  =  der  schlei- 
mige BodenBatx  im  Urine,  Sedimentum  urinae 
l>ei  Blasen-Katarrh  z.  B.  (Kirsch  |*t).  —  (17.  Jahrh.) 
harter  Schleim  =  dickes  Schleimhautsekret 
(auB  dem  Leihe)  (Fr.  Kr.  B.  406).  —  [1712)  häufiger 
Schleim  -  angehäufter  Schleim  (Zw.  12».}.  —  (ICrW) 
kalt  er  Schleim  -  der  durch  die  kalte  Komplexion 
(=  Phlegma)  erzeugte  Schleim  (Beyn.  198).  — 
Kinds -Schleim  =  der  schleimig,  klebrig  Bich 
anfühlende  Haut-Talg  (Vernix  caseosa)  des 
|  Neugebornen,  Smegma  (Rolffs)  (Kindschmalz), 
der  sich  vom  5.  Schwangerschaftsmonate  ah 
auf  der  Fötus-Haut  immer  mehr  ablagert.  — 
(1559)  Leu  den  -  Schleim  =  der  Nierenbecken- 
Katarrh  (s.  Nieren),  der  Schleim  aus  der  Lenden- 
gegend in  die  B:ase  abführt  (Bock,  Register).  — 
Ma  ;■  n  Schleim  -  das  Sekret  der  Magenschleim- 
haut. —  Nasen  -  Schleim  =  Myxa  Galeni  et 
Hippokrati«,  Kotz  (b.  d.),  Schnuder,  (Krau«.  E. 
$47).  —  Nieren  -  Schleim ,  1  -  Lendenschleim 
(s.  d.).  —  2.  =  Blasen8chleim  hub  der  Urinblase. 

—  Öhren  Schleim  =  Ohrenschmalz  (Gr.  w.  VH, 
8.54)  -  phlegmatischer  Schleim,  1  -Hotz  (s.d.), 
Nasenschleim  (ieie;  Tabem. ;  i.onicems),  infolge 
der  phlegmatischen  Komplexion  (s.  Phlegma) 
gebildet,  «ler  »ich  nach  früheren  Anschauungen 
n.  a.  in  den  lials-llrüsen  festsetzte.  —  "2.  = 
(15V.  flegmalisrher  schleim  [RylT],  Gurlt  III,  77.78) 

—  Humor  phlegtuaticus,  Oedem,  Hydrocele.  — 
saurer  Schleim  -  der  saure  Magenschleim 
(Zw.  ii5).  —  unreine  Schliemerigkeit  -  nicht 
normaler  Zustand  der  Schleimhäute,  die  tniss- 
farhiges  Sekret  absondern  (II.  v.  Gersd.  72).  — 
t7i  Schleim  (Oken  *  18.51)  =-  das  alle  Lebens- 
erscheinungen  bedingende  Plasma  als  Urstoff, 
aus  dem  alle  organischen  Wesen  hervorgehen 
sollten.  —  verbrannter  Schleim  =  Darmschleim 
mit  dunkler  (verhrannter)  (ialle  (b.  d.)  ge- 
mischt. —  verdorbener  Schleim  =  ein  Schleim, 
der  durch  Ansammlung  faul,  unrein  wird, 
wie  eine  aufbewahrte  Speise  verdirbt  durch 
zu  langes  Stehen,  eine  volkBmedizinische  An- 
schauung ans  den  Medizinschulen  stammend. 

—  verschleimt  =  zu  reichlich  mit  Schleim 
behaftet,  gehüsterig*,  zu  viel  Schleim  bildend, 
z.  B.  die  Milch  verschleimt  =  macht  Magen« 

.Bchleim  oder  pappiges,  achleimige*  (»«'fühl 
im  Munde.  —  1 1  tls- Ader  -  Yct  schleimung  " 
Luftröhren-Katarrh  mit  starker  Schleimabson- 
derung  (Müller,  Krtrbch  281).  —  Magen-  IVrschlei- 
mung  =  Magen-Katarrh  (schleimiger  Magen). 

—  (l.v.i)  icci'gscr  Schleim  =  Pituila  ( -  Pips,  s.  d.), 
I  nicht  durchsichtiger,  glasiger,  heller  Schleim, 

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5S0  schleisHen— Schlenker. 


Sehlem— Schlick. 


sondern  graulich  weisses  Schleimhautsekret 
(Bock  151).  —  wilder  Schleim  =  Übel  aussehender, 
hässlicher  Auswurf.  —  (1585)  lVTwi  m  -Schleim  = 
der  Darmschleim  (s.  d.),  Darmrotz,  der  im 
Pferdedarmo  bei  Gegenwart  von  schmarotzen- 
den Kingeweidewfirmern  Bich  bildet  (Herbst  143). 

—  (IHS)  zäher  Schleim  =  geballtes,  schwerbe- 
wegliches, dickeBSchleimhauteekret(Tnbernaem.). 

—  ZrtÄwe-Schleimigkeit  (imi  schleymigkeit  der 
xaen,  Krautw.  B.  3:i)  =  tler  schleimige  Zustand  am 
ZahntleiHche.  —  Schleim  ,  schleimig  -Asthma, 
-Beutel,  -Bräune,  -Brust,  -Drusen,  -Erbrechen, 
-Fell,  -Feuchte,  Fieber  (11.*),  -Fluss,  -Gänge, 
-Grint,  -Goldader,  -GeblHt,  -Haut,  -Hämor- 
rhoiden, -Husten,  -Kehle,  Knollen,  -Kolik, 
-Koortsen,  -Krankheit,  -Leber,  -Lungensurht, 
-Magen,  -Pfropf,  -Sack,  -Saft,  -ScJieide,  -Scldag, 
-Sucht,  -Temperamtnt,  -  Tripper. 

schleissen  (schliessen),  Schlitz,  m.  (vorgerm. 

slid;  germ.  *llt  =  ierrels*eii;  ahd.  slizan,  sleizan  ,  angls. 
«Ute  =  Bis«  [Cock.  1,  20.  370;  II,  145)  von  Würmern. 
Nattern,  Runden;  nhd.  slclzcn,  »Uten,  Kluse*,  3*26; 
Urafl  VI,  817)  =  entzweigehen,  spalten,  beissen, 
brüchig  werden,  abnützen.  —  Schleisse,  f.  1.  — 
abgetrenntes,  aufgeschlitztes  Stück,  Gcwebs- 
faser  (ragt,  slice  [L«bf.  226],  Kitt  =  Schlitz).  —  2.  — 
träge  sich  schleppende  Person,  die  sich  nicht 
mehr  ganz  erhalt  (Schm.  II,  534).  —  Schleissung 
(ahd.  slclzunga  =  fissurn,  (irnff  VI,  818;  I).  II,  175)  = 
Zustand  des  Geschlitzseins,  Schrunde.  —  Darm- 
Schleissend,  n.  -Gesclüeiss,  -Schleis»  =  ein  hart- 
nackiger Durchfall,  bei  dem  schleimige  Gewebs- 
fasern  aus  dem  Darme  abgehen,  Kinderdiarrhoe 
(Pauli  so).  —  (11*3)  JSw/schleiss,  L  «  Frauen- 
A'rirschleiBS  =  die  schlitzförmige  Öffnung  der 
Krauenscheide  zur  Geburt  (c.  v.  Megbg.).  — 
2.  (=1183  enUchlel»«eii  [schllewon] :  „cutsleuxt  den 
lelp,  die  apostem  =  fuhrt  eröffnend  ab,  laxiert,  C  v. 

Metrb*-i  <;r.  w.  in,  co.).  —  Grschleiss  =  das 
Kollektiv  der  entleerten  Darmschleimmasse. 

—  //««VSchliessen, -Schieissen  -  schwittende 
Nngclwurzen,  bei  denen  «he  Haut  schründig 
aufgeschlitzt  ist  (Khagades),  Ekzema  digitorum 
(RcH-hhoiz  11,  17).  —  (iiiot»)  Samen-  Foschleissung 
>=  die  übermässige  Ausscheidung  des  Samens 
durch  die  natürlichen  Spaltöffnungen,  Kecrelta 
seminis  («iuar.  1100).  —  Schlitz -Auge,  Bruck 

schlemm,  Schlemme  s.  schlimm.  —  Schlem- 
mer, m.  -  ein  üj>pig  sich  nährender  Mensch. 

schlendern  s.  Schlcnker. 

Schiengel  s.  Schlägel. 

Schlenker,  m.  (Nehenform  zu  schlendern ;  ndd. 
=  nachlässig  gehen ,  bummeln,  schwanken).  — 
Schlenker,  1.  =  ein  Glied,  das  schlankelnd  hin 
und  her  baumelt,  z.  B.  durch  einen  Lahmungs- 
schaden  oder  eine  schlechtgeheille  Knochen- 
fraktur. —  2.^  ein  Fehler  überhaupt  [C  v.  Schm. 
46").  —  Schlenkerling  =  weggeschleuderter 
Nasenschleim  (Schm.  11,  629).  —  )  •••schlenkern 
(schlingen)  =  verwerfen,  fehlgebären  (Kalke  I, 
393;  Schmeller  II,  52";  conf.  engl,  «link  =  frühzeitig 
verwerfen,  Kaltschm.  I).  —  IIOIS)  ewschlenkern  ■ 
den  Hals  z.  B.  fehlerhaft  halten  durch  Khenma 
(Coler,  II.  A.  127). 


Schienz,  m.  schlenzen,  Schlenzel,  m.  (zu 

schlendern?  [Heyne  V,  3s4),  nachlässig  bewegen, 
schleudern;  ,, wahrscheinlich  aus  echlenkezen.  Weiter- 
bildung zu  einlenken",  H.  l'aul  385).  —  den  Schleim 
schlenzen  —  mühselig  in  Absätzen  auswerfen, 
schlenkern.  —  Schlenzel  =  der  so  herausge- 
worfene Schleim.  —  Schienz,  m.  e.  letzen.  — 
Schlenz-Gcj^«'. 
Schleppe,  f.  Schlepper,  m.  (md.  *iepp«n  = 

schleifen,  schlotterig,  schlaff  hangend  nnchzleheu; 
1063  Schweif,  Schwanz,  Kluge*.  327)  ss  Penis  (Hyrtl, 
K.  W.  203).  —  Schleppern  =  schlotternd  zittern 
(Schmeller  Ii,  wi).  —  Tau- Schlepper  -  Tan- 
fetreicher  (s.  d.)  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896,  371 ;  Mannh. 
382.  390.  391;  Kuhn  II.  162;  K.  u.  Sehw.  3X8;  dnu- 
ftchloepper,  dauenxlicper).  —  verschleppen,  L  — 
eine  Krankheit  langsam  in  ein  Land  herein- 
tragen. —  2.  ^  lange  fortziehend,  andauernd. 

—  Zungen-Schlepper  =  einer,  dessen  Sprach- 
erzeugung (Zunge)  stotternd,  bei  lätscher  (s.  d.) 
Zunge  langsam  vor  Bich  geht  (l'niuell  II,  158).  — 
schleppend-,  Schlepp  Bauch,  -Sack,  -Seuchten. 

Schiere,  f.  Schlerr  s.  Schlarre. 

Schlerper,  m.  s.  Schlarpel. 

Schietz,  Schletzchen  s.  letzen. 

Schleuderer,  m.  1.  =  das  mit  der  Bremsen- 
larve in  der  Nasenhohle  behaftete  Schaf,  das 
den  Kopf  öfters  zur  Seite  wirft,  wie  wenn  es 
den  Parasiten  aus  demselben  wegschleudern 
wollte  (Zlpp.  616;  Kalke  II.  2S3).  —  2  —8.  Pauken- 
sehlagen,  Fuchteln  (Kalke  II,  2«.'!).  —  Schleuder- 
Krankheit. 

Schlewe,  f.  n.  schlatT  u.  schieb. 

schlicht,  Schlichten  (Schlechten)  [ahd.  mühten 

=  schlichten,  tlthll;  zu  schlecht  [a.  d.];  mhd.  tJUita 

-  tieradbelt ;  1576 sehlichten  -  Leistengegend,  Thoophr. 
Br. ;  1020  schlichten  m  Weichen,  die  beiden  Scham 
leisten,  Dr.  .Minderer;  Schmeller  II,  MI)  — die  gerade, 
durch  das  Ligam.  Poupartii  wie  durch  eine 
Leiste  (s.  d.)  geschlichtet,  sich  erstreckende 
Leistengegend  oder  die  beiden  Schamseiten, 
Weichen-Gegend  (Schmeller  II.  504).  —  (1592,  1756) 
schlichten  =  in  gerader  Linie  streichen  (Heyn.*, 
205).  —  abhängende  Schlich(t)  =  gerade  herab- 
fallende seilliche  Haulfalten  an  der  Halswammc 
b.  Binde  (Heb.  122).  —  (INI)  ßtmdcAtV  Schlichten 
sa  die  Leistengegend  (l^eistendrüsen)  bei  dem 
(iemächte  (Schamleisten),  Inguina,  wo  die  Pest- 
beulen häufig  Krankheits-Sitz  waren  (Hyril, 
K.  W.  109,  Knm.  l.  190).  —  (l<;79)  Ui  ihi  ••-Schlichten 
(reihenschlechtcn)  =  die  Leisten  oder  Schlichten 
am  Oberschenkel,  Reihen  (=  vertiefte  Linie 
am  Lig.  Poupartii),  wo  die  l^istendrflsen  ([Hu- 
honen  und  Pestbeulen)  sich  befinden  (Hyrtl. 
K.  w.  ih9).  —  iVrschlichten  s.  Urschlächten.  — 
Schlicht  Beulen. 

Schlick,  m.  schlickern,  1.  -  (lautmalend  für 
Klux)  Singultus.  —  2.  ■  (ndd..  1420  slijk;  15.  Jahrh. 
süech  =  lutum,  v>.  340)  Schleimklumpcn,  Gerinnsel, 
Koagulum  (<;r.  w.  V,  1200).  —  3.  =  Haar-Zopf 
(Schmeller  II,  005}.  —  Schlickern,  tu.  =  lange, 
haarförmige,  zähe  Milchfäden  bilden,  die  sich 
in  die  Länge  ziehen  lassen  (Zlpp.  557).  — 
Schlichtel,  m.  -  ein  grosser,  plumper,  klotziger 


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schliefen— Schlier. 


ach  1  i  essen — seh  Ii  ui  m . 


SS] 


Mensch  (Sehin.  I,  im).  —  schlickerig  =  schnell 
ru  Klumpen  gerinnend  ohne  Fettausscheidung 
(Kalke  II,  388). 

schliefen  s.  schlafen. 

Schliem,  m.  (vermutlich  au«  der  Anatomla  culi- 
naris,  die  die  Schleimhaut  mit  dem  Schleime  [s.  d.] 
identifiziert  haben  mag;  mhd.  sllcine.  sliem  =  Netzhaut, 
Zwerchfell,  Haut.  Fell,  I.extr  232.  H29  schlem  vel  plr- 
mithaut  [  =  I'ergamenthaut],  vel  membrana,  Schmeller 
II,  523;  142»  M-hliem,  1432  slim  -  membrana,  D.  II,  2,10; 
MW  das  bauch  ]  feil  ader  der  «chllm  ist  vast  dünne, 
Gurlt  II,  195;  1476  slyem  =  prnecordium,  Netzl  vor  der 
Brun,  I).  452;  1182  sliem  =  membrana  oder  Hau  tiein, 
Zening.  Voc.  co  6;  1517  «lyem  —  praecordia,  uetzl  vor 
der  Bru»t,  Aventin;  151*  ■'chllem  von  der  brüst,  8chm. 
II,  523;  der  schliem  zerret  sich  in  dem  bauch  oder  in 
dem  gemechten  so  man  »wer  hel>et  a  Bauchfell,  Bauch- 
neU;  1680  schllemcn,  Zeltschr.  t  d.  Phllol.  XXVI,  260; 
171*  schlimmen  -  Leiste,  inquen,  K.  a.  3;  Tenzel  287), 
1.  =  netzartig  ausgebreitetes,  feines  Hautgebildo 
(Membrana),  namentlich  das  Eingeweide-Net« 
(S<  hm.  i,  523):  a)  vor  den  Gedärmen  (Omentum) 
(Scbw.  60>);  b)  vorder  Brusthöhle  (Mediastinum, 
Pleurale)  Zwerehfell(l)iaphragma);d)  (Schleim) 
—  Bauchhautfalte  des  Rindes  zwischen  Nabel 
und  Hüfte  oberhalb  des  Euters  vor  den  Hinter- 
knien, dem  inneren  Schliem  a  (Nett)  ent- 
sprechend (Martin  ll).  —  2.  =  die  Präkordial- 
angst, nach  altem  Glauben  verursacht  durch 
den  „Schliem",  der  vor  der  Brust  (Praecordium) 
ausgespannt  sein  sollte,  ähnlich  dem  Pergament 
vor  dem  Fensterglase.  —  3.  =  (ndd.  slün)  Schleim 
(s.  d.).  —  Schliem- Rippen. 

BChliemerig  s.  Schleim, 
schliepferig  s.  schlafen. 

Schlier,  tu.,  n.  (zur  Wurzel  sli  =  glatt,  schleimig, 
schlüpfrig:  ahd.  scliernim,  Graff  VI,  Vm  -  frustis  — - 
Stiiekehcn  (  —  pannus],  Schmeller  II,  533;  12.  Jahrb. 
»lyer,  slyr  =  ulcus,  Physlc.  Hlldcg.,  Ü.  II,  384;  14.  Jahrh. 
»Her  brat  [s.  d.]  —  lumbus.  Voc.  opt.  W.  11;  mbd. 
scller,  scllere  =  Lehm,  Schleim  und  Gcschwürbeule 
besonders  an  den  .Schamteilcn  oder  unter  den  Achseln, 
I.exer  232;  1112  schlier  apostema,  D.  II,  28;  1470 
ein  zagcl  oder  schlier,  Schmeller  II,  533;  15.  Jahrh. 
slyer  -  ulcus  Inguinale,  I».  625;  IC.  Jahrh.  schlier  = 
eine  Ge«chlecht!.Wrankheit,  »Her,  schür  =  apostema, 
geschwer,  kalte  schaden,  kollien  [  =  camhucit],  Gr.  W. 
Vi  1129;  1-562  srhlier  m  geschwulst  u.  apo-tema  ober- 
halb des  Schenkels  und  der  macht,  Hulm  iuguluaUs, 
Gurlt  III,  70;  1573  icbller  -  bubo,  Pr.  II,  132;  15*2 schlier 

=  bobo,  D.  83;  1587  schlier  ^  therioma,  D.  579;  1691 
schlier  ( =  bubo]  =  pannus  ingninis,  Drüsen  neben 
den  Gemachten,  Ilad.  Jun.  ist;  1603  schlier  —  pnuuus 
inguinum.  I).  410;  16oy  achlyer  —  ein  durch  den  Bei- 
schlaf  entstandener  Schaden,  Guar.  881;  1616  schlier 

ma  eiternder  bubo,  Gr.  \V.  V,  1606;  1617  schlier  =  hitzige 
Geschwulst  oder  entzundnng  in  den  drüsen  oder 
drusechten  orthen,  Gurlt  III,  198;  161»  schlier  =  luxus 
bubonicus,  Paracclaus;  Pr.  II,  76  [venerischer  Bubo], 
1618  S4  hlier  =  bubo,  pannus  inguinum,  ulcus  ingui- 
uarium,  Schmeller  II,  .  3;  1618  schlier,  f.,  (  oler,  II.  A. 
227;  1699  schlier,  scbleuren  —  Pestbeulen,  Bubonen, 
v.  M.  II,  121.  203;  17.  Jahih.  schlier  -  Kolben.  Fran- 
zoaen,  Gemachtkraukhclt  bei  Herden,  K.  A.  BS.  1712 


schlieren  ^  HoUdrüsen-Geschwulst,  pannus,  Drüsen 
au  dem  Hab?,  kleine  AUslcln  am  Hai«,  Zw.  12o.  972, 
schlier  —  eiternde  Drüse  an  der  Scham  oder  Leisten- 
gegend —  exuleeratio  spermatU,  morbus  pcnls,  Gr.  W. 
II,  1158.  1162;  17  >4  schlier  —  glandula  -  Drüsenkrank- 
helt,  A.  v.  H.  II,  691;  [Niederlande]  1551  Clieren  = 
■crolulae,  De  Lock  296;  Schmeller  II.  533;  [Niedere.] 
slircn  =  naschen,  lecken;  [Pfalz]  Schiler  =  ein  Konvolut 
von  angeschwollenen  Halsdrüsen  [namentlich  l>eim 
Grlntkopfe  ähnlich  dem  Drüscn-Pocket  beim  syphil. 
Bubo],  Pauli  130;  [Schwaben;  Schlier,  n.  —  ein  offenes 
Geschwür,  f.  v.  Schm.  468    [Kftrnthen;  Schlier  =  ent- 

j  zündete  Drüse  oder  Geschwür  [V]  In  der  Achselhöhle, 
Fromm.  VI.  202).  —  Schlier,  1.  =  der  weiche, 

i  geschwürige  (auch  der  syphilitische)  Schanker 

l  am  Penis  (Zagel).  —  2.  ~  der  geschwttrige 
Drüsen -Schanker  (-  Bubo)  in  der  Leisten- 
gegend. —  3.  =  syphilitische  Placques  im  Halse. 
—  4.  —  Drüsenanschwellungen  und  Drttsen- 
gesebwüre  überhaupt,  soferne  Bie  in  der  Sekre- 
tion dem  Schlier  1.  2.  ähnlich  sind  (dies  erst  im 
18.  Jahrh.)  i  a)  namentlich  an  den  Leistendrüsen 
bei  der  Pest  (Pestbubonen),  wenn  sie  schwären 
(übertragen  vom  Drusen  -Schanker) ;  b)  eiternde 
Achseldrüsen  bei  der  Pest;  c)  skrofulöse  Hals- 
drüsen-Geschwüro  (infolge  v.  Hautausschlägen 
am  Kopfe  z.  B),  sogen.  Kropfdrüsen  (Pannus, 
Apostema).  —  5.  =  eitriges  Hautgeschwflr,  auch 
am  Kuheuter;  der  Schlier  hat  stets  (s.  Drüsen) 
in  Hieb  den  Begriff  einer  eitrigen,  schleimigen, 
lettigen,  visciden  Sekretion  aus  einem  weichen 
Drüsen-Geschwüre  ;Schmerzhaftigkeit  ist  damit 
nicht  notwendig  verbunden;  vom  eigentlichen 
Schlier  (=  Leistenbubo)  wird  der  Halsschlier 
und  Pestschlier  getrennt.  —  6.  —  s.  Klieten  u. 
Lieren*.  —  schlierig  (1576  schlierige  hure,  Theopbr. 
Parac.  Br.;  1783  schlierig.  Platner  I,  176;  Pr.  II,  157; 
Schmeller  II.  532)  =  schleimig,  viscide  Sekretion 
ausSchankerge8chwüren  bildend,  mit  Schanker- 

i  geschwüren  behaftet.  —  (1731)  Euter- Schlier  = 
viseid  Becernierende  Geschwäre  am  Kuheuter 

i  (A.  M.  23).  —  (1609]  feingeschmeidige  Schlier  - 
rotgläneend  gespannte  Bubonen  vor  der  Ab- 
scedierung  (Guar.  915).  —  (Mitte  des  16.  Jahrh.)  fran- 
zösischer Schlier  (Sartorius)  =  bubon  d'euiblee, 
syphilitisch  indurierter  Drüsenschanker  (Pr.  II, 
259.  359;  Gurlt  III,  191).  —  (1753)  J/rt/YSchlier  -= 
skrofulöse,  eiternde  Huls-Lymphdrüsen-An- 
ach Wellung  (A.  v.  IL  I,  1213;  L.  chir.  76).  —  Pcst- 
Schlieren  —  die  Pestbubonen,  Pestdrüsen- 
beulen (Gr.  W.  VII,  l  »76),  soferne  Hie  eitern.  — 
(1529)  zufallender  Schlier  ein  zum  Schanker- 
gewehwür  hinzugekommener  Leistenbubo  (Para 
cclsus).  —  Scbüer  Braten ,  -Geschneiten,  -Ge- 
schwür, -Materie. 

schliessen  s  (schleissen  und)  ScIiIuhs. 
SchÜewe  s.  Schlippe. 

Schlimm  (Schlemme)  (altgerm.  sltmba  —  schräg, 
schief;  ahd.  slimb  —  schräg,  slimbi  =  Schragbelt. 
Kluge*,  ;>27;  mhd.  slimp  —  obliijuus,  varus,  schlämm 
=  obliuuus,  schiegkend  ;  1561  schlemm  einbin  schiegken 
=  varicari,  Heyue  V.  392;  1591  schlem  a  varus,  Had 
Jun.  3>j7;  1618  schlemm  pes  varus,  crurlbus  dlstortus, 
Schmeller  II,  622;  17.  Jahrh.  schlemme,  f.  schiefe 
Richtung,  IL  A.  85;  ndl.  sllmbeen  *  schiefl-einige 


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schünden — Schloss. 


Schlot-  Schluck. 


Person,  Kluge*,  327)  =  krumm,  schief,  nicht  gut* 
übe),  schlecht,  büse  (Heyne  V.  392).  —  mir  ist 
oder  mir  wird  schlimm  —  Neigung  zutn  Er- 
brechen, sich  krank  befinden,  unwohl  sein 
(s.  auch  Schliem,  Schleim  und  Schlamm).  — 
schlimm  >.r,s  Auqen,  Bein,  Blut,  Ding*,  Fuss, 
Geschichte,  Krankheit,  Maul,  Nase,  Rücken, 
Schaden,  Schauer,  Schur,  Sucht,  Zunge. 
schünden  s.  schlingen.  —  Schlind-SW/ir. 

Sehlingen  (SChUnden)  (indogenn.  slld  -  gleiten  ; 
germ.  »lind  —  verschlingen  (Schlund];  goth.  frasliudan 
[=  verschlingen];  abd.  alindan,  Graff  VI,  797;  ahd. 
Mintan  —  verschlingen;  mhd.  »linden;  15.  Jahrh., 
rad.  slynghen ,  Heyne  V,  895;  uv>>  gehlinken  = 
schlucken,  v.  M.  II,  Ml;  10.  Jahrh.,  oberd.  ver- 
schünden ,  verschlingen  [mit  schllndcn  zusammen- 
fallend),  Kluge*,  327).  —  Schlinge,  f.  =  (1699)  6111 
um  den  Knochen  (beim  Pferde)  sich  herum- 
schlingendes l 7  herhein  unterm  Knie  (Ringbein) 
(v.  M.  I,  57).  —  schlingig  =  schlank,  sich  leicht 
durchschlingend  (Schindler  II,  687).  —  aus- 
schlingen  (den  Arm  z.  II.)  -  aus  einer  Ver- 
schlingung (Bänder)  etwas  herausbewegen, 
laxieren  (Schm.  n,  u>i).  —  Geschlinge,  -schlind 

(mhd.  geslündc  =  Kollektiv  von  Schlund;  1680  ge- 
schlung,  Heyne  II,  1132;  17-11  geschliug  =  exU,  Kirsch 
476;  [Usiorr.]  gescblind  —  Gurgel  und  was  daran  hängt, 
Chr.  Sam.  I,  8;  heuueb.  geschlung  =  Gehinge,  Spie«  II, 
77;  Geachlünkel,  Schmeller  II,  528)  =  der  gante 
Schlund  eines  geschlachteten  oder  erlegten 
Tieren,  d.  h.  mitsamt  den  daran  hängenden, 
gleichzeitig  herausgeschnittenen  Lungen,  Herz 
(Leber)  (C.  v.  Sehin.  817)  (Gehäng  und  Herz- 
Kick).  —  Zun- schlingen  =  s.  schlenken.  —  (1532) 
schmerzliclies  Schiinden  =  Schluckschmerz  bei 
Angina  (Fries.  9»).  —  Spctzcn-,  u'roi  Schlinger. 
1.  =  einer,  der  nur  feine  Bissen  lecker  aussucht. 

—  2.  —  Hungerleider,  der  nur  Speiehel  (Spätze, 
Spelze)  verschlingt  (henneberg.  \  Bnlcss  II,  237.  238). 

—  Frrschlingung  =  der  Zustand  des  ganz  und 
gar  in  einander  Geschlungenseins,  z.  B.  der 
Gedärme,  welche  durcli  Axendrehung  eine  das 
l>armlumen  verengende  oder  verschliessende 
Schlinge  bilden  —  Ileus,  ti'kt&e,,  Volvulus  (siehe 
Instrupfung).  —  Schling-^CÄc/itccrrfcn ,  Sucht. 

Schlippe,  f.  Schllewe  i>sm;  k.  w.  i,  aio; 
schmeller  Ii,  531),  1.  =  Einschnitt,  Wunde.  —  2.= 
Cunnus,  Vulva,  Kerhe. 

Schlipper  s.  schlafen. 

Schiirren  s.  Schlarre. 

Schlitz  zu  schleissen  (s.  d.).  —  Schlitz-.*«^, 
•Bruch,  ■  Öhrlein. 

schlorfen,  schlorggen,  schlorren  ■  mit  den 

Füssen  schlurfend  oder  scharrend,  schleppend, 
schwerfällig  gehen  (Reiser  I,  69.  168;  H.  Paul  387). 

—  Schiorf- Hacker  • 

SchlOSS,  11.  Schlosser,  m.  (ahd.  slöz;  mhd.  «lux 
a  Scbloss,  Fessel,  Gerat  zum  Schliefen ;  15.  Jahrh. 
sehloas  ~  vulva,  Hyrtl.  K.  W. ;  schloss  -  coxa,  D.  IM; 
1197  ichlOM  oder  bullte  =  Darmbein,  Gurlt  II,  221. 
1518  schloss  —  der  unterste  teil  des  hauch*  zwischen 
den  diechern  und  auf  die  schäm,  n.  v.  Gersd.  13;  15*8 
schloss  =  schlussbcin,  ot  coxae  [Tnbernacm.J ;  1Ö87 
aclllou  =  geburuwege,  Georg.  148;  17.  Jahrh.  leblOM 


—  schamrage,  Hyrtl,  K.  W. ,  Scbloss  =  Becken,  Buck  161, 

I.  =  diedie  Beckenhöhleschliessenden  Knochen- 
und  Knorpelteile;  Os  puhis,  Coxa,  Os  sacrutn, 
namentlich  die  Schamfuge  u.  da«  Mutterschloss, 
welches  bei  der  Geburt  nach  dem  früheren  Volksglauben 
Perchta  (s.  H.;  =  Schliisselkatharina,  Schlüsselgrete) 
eröffnet;  dazu  die  verschiedenen  Schlosskrauter  (Coler, 

H.  A.  198;  Janus  1897,  S.  H6)  (Symphysis).  —  2.  = 
Vulva,  Muttermund,  Tasche,  Wurf.  —  3.  =  bei 
Pferden  das  Ende  der  Nase,  w  odurch  die  beiden 
Nasenlöcher  abgesondert  werden  (Schloss- 
stelle?). —  4.  =  das  Colon  beim  Rinde  (nach 
Kalke  II,  284;  Heim  17)  (als  Gedftrm  am  Schloss?). 

—  (1756)  beide  Schlösslein  =  a)  äusserer  und 
innerer  Muttermund ;  b)  beideSchlossbeinseiten 
(Beyn.*,  20.'.).  —  .FVtWCn-SchloSS  (15-  Jahrh.  frawllch 
schloss  der  Geburt)  —  Vulva,  .lanua  ventris  (siehe 
Pforte  U.  Schlossbein)  (Gr.  W.  IV,  1.  90;  Schmeller 

II,  536).  —  (I4f>8)  Gcschloss,  Schlüssel  -  das 
Schlossbein  (Os  sacrum,  Os  coxae),  (frans )  os 
barre,  os  bertrand  (Brlss.  27)  und  das  Fleisch 
(Schlossbraten)  daran,  bei  Schlachttieren  (D.  UM  j 
II,  107).  —  Geburts- Schloss  —  Frauen-Schloss. 

—  //"/7-Schl0SS  (1>21  schloss  de;  blfft  ss  morbus 
eozendiz  =  eozitis,  D.  16i    1.  =  Hüftbein,  Coxa. 

—  2.  =  das  Hüftgeschoss  (s.  Schuss;  Ischias). 

—  innerliches  Schloss  (15.  Jahrh.  die  Innerlichen 
j  schloss  =  vUccra,  D.  623)  =  die  weiblichen  Geni- 
talien als  Eingeweideteil.  —  Jwwiy/Vm-Schloss 
=  Hymen  (Claustrum  virginale)  (Hyrtl.  K.  w.  137; 
Hyrtl.  Anat.  715;  15.  Jahrb.  Jungckfrowen  schloss  = 
hymen,  D.  II.  204),  S.  Schatz.  —  M xffrr-Schloss, 

I.  —  Frauensch  loss.  —  2.  —  Schlossbein.  — 
Schloss-,  Schlosser- Brätlein*,  -Bein,  -Erwei- 
terung, -scfUiessen  (Schlnss). 

Schlot,  m.  (ahd.  slat,  mhd.  slAt  ■  Otenloch  (siebe 
ohrfchlatt))  =  Kamin',  Nase  (E.  w.  i,  437).  — 
Magen -Schlot  -  Fauces,  Rachen  als  Loch  zum 
Magen  (Hyrtl.  K.  W.  1*7),  aus  dein  der  Rauch  4 
(Magongeruch)  aufsteigt. 

Schlotter,  m.  schlottern,  schloddern  (mhd. 

sloten  =  zittern;  stottern  —  öfters  zittern  ■  wackeln); 
die  Gebeine,  der  Kopf  schlottert;  man 
schlottert  am  Ixjibe,  im  Fieber  (Heyne  V,  399). 

—  Haupt  Schlotter  (15.  Jahrh.  scblotter  des  houpua 
=  treraor  capitis,  D.  594)  =  Haupt-  oder  Kopf- 
wackelung,  —  Schlotter-L'mu/i,  -Gelenk. 

schlotzen  =  „saugen,  im  Munde  etwas  zer- 
gehen lassen"  (Erbe  39)  unter  schlotternden 
Mund-  und  Zungenbewegungen. 

schluchzen  (spat  mbd.  sluckzen ;  1734  schluchsen 
sb  slngultus.  Bauml.  34)  —  wiederholt  schlucken 
(s.  d.),  den  Schluchzer  haben,  aus  dem  Schlünde 
aufstossen  (s.  d.,  Bock,  Gicht*  u.  briegen)  unter 
tonenden  Schwingungen  der  Stimmbänder  in 
InspiralionHstellung.singultire.  —  Schluchzger, 
Schluchzer  =  der  einzelne  Singultus  (dies  zu 
gtila,  glutus,  Kehle,  Schlund,  Koih  481).  —  Todes- 
schluchzen-  derkurz  vordem  Tode  auftretende 
Singultus  (l'hrenicus-Symptom). 

Schluck,  m.  schlucken,  schlucken  (germ  siück 

[Schlauch];  ahd.  slucko,  sluhho,  slucbhon  =  Fresser, 
Schlucker,  schlucken;  mhd.  slucken  =  schlingen, 
schlucken  und  schluchsen;  slüch  =  Schlund,  Kehlo; 


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schlafen — Schlummer. 


Schlund— Schlung.  583 


westf.  slük  ~-  Speiseröhre ;  spät-mbd.  »luckzen,  Kluge4, 
328;  1611  schluck  =  Kehlkopf,  Hyrtl,  K.  \V.  90;  1077 
schluck  =  Schlund,  Beynon;  1725  schlucken  =  „eine 
heftige,  oft  wiederholte,  gichterische  bewegung  des 
obersten  magcnmuudes  mit  dem    dabei  liegenden 
zwercbfell",  slngultu*. Tbei.  San.  Br.  37).  —  schlucken 
(schlacken),  L  =  Schlingbewegung  machen.  — 
2.  ^  schluchzen,  singultire.  —  schlucksen  = 
schluchzen,  singultire  (Pauli  06  ;  Eichhorn  II,  378). 
—  (ndd.)  Schlucke,  f.  =  Speiseröhre,  Schlund  | 
als  Ort  des  Schluckens  (Fromm.  VI,  479).  — 
Schlack,  m.  Schlucker,  in.  Schlucken,  n. 
(1592J  Schiticken,  n.,  1=  die  Handlung  des  i 
Schluckens,  Singultus  (1.  2).  —  2.  =  der  Ort  de» 
Schluckens  (1677  die  Müsse  fallen  In  den  schluck)  m 
entzündlich  rheumatische  Schluckbeschwerden  j 
(Angina)  (Beynou  12.)  =  Schlund,  Schlundkopf, 
Kehlkopf.  —  3.  =  Kluxen.  —  Schluck  auf! 
SingultUS  (Hufelaud  313;  Seb.  99;  Meyer  50)  =  ein 
klonischer  Zwerchfellskrampf  (der  In  Kuppln,  ] 
Westfalen,  Island,  Sizilien  besprochen  wird,  weil  dflmo- 
niatisch  veranlasst  angenommen,  l.iebrecht,  zur  Volks- 
kunde 319;  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1897,  412;  Mullcuhoff  512 
— -  1       gichterische  Bewegung    des  Zwerchfells  — 
•nickup  [Oldenburg]).  —  //rrr-8Chltickig=  (verderbt 
aus)  herzschldchlig  (s.  d.)  (Gr.  W.  IV.  2.  1200).  — 
Kapuziner  geschluckt  haben  =  heiser  sein  wie 
beim  St.  Martins- Übel  durch  einen  sogen. 
K  apuziner- Rausch ,   bei  dem   der  Trunkene 
Helfer  braucht,  wie  der  zum  Tode  Verurteilte 
2  Kapuziner  zur  Seite  hatte,  und  im  Gegensatze  j 
zum  Jesuiter- Räuschchen,  welches  nicht  so  arg 
ist  und  dessen  man  sich  am  folgenden  Tage 
noch  erinnern  kann  (schmeller  I,  1270).  —  Luft-, 
Wind  schlucken  -  das  rülpsende,  kluksende  < 
Luftholen  bei  Hysterischen  od.  bei  koppenden 
Pferden.  —  Schluck-  /•'>. ." 
schlafen,  Schluf,  m.  Schiufer.  in.  Schlupf 

(zu  ahd.  slupfen;  angls.  elupan  —  parnlysl  lahorare, 
<  ock.  III,  370;  slypan  =  substanlla  viscida,  l  ock.  II, 
18;  »llplge  -  mucosus,  Cock.  II,  194;  mhd.  «liefen; 
inud.  slüpen;  1400  »chlipperlch  =  leicht  gleitend 
[r.  Dann;,  Ourlt  II,  190;  engl,  »lippery  =  schlüpfrig, 
Lehf.  M  -  leicht  gleiten).  —  Schlupf.  1.  es  der  Ort, 
zu  dem  etwas  schlüpfend  gelangt  =  Vulva  (Hyrtl, 
K.  W.  127).  —  2.  =  das,  was  schlüpft,  schlüpferig, 
(1692)  schltipecht  (Seb.  109)  (luuibricus),  schleimig, 
leicht  gleitend  ist;  vom  schlüpfrigen  Spulwurm 
(schliefender  Ohrwurm)  oder  feuchten  Haut- 
warzen, z.  B.  hinein  -  schlüpfen  von  Krank- 
heilen, die  sich  zurückschlagen,  versetzen 
(K.  W.  I,  i»5).  —  (1531)  Schlüpfrigkeit  -  der  Zu- 
stand des  Schlflpfrigseins,  z.  B.  der  Gedärme 
bei  I.ienterie  (s.  Baiichlauf)  (foler,  IT.  A.  208; 
Krautw.  i.ii).  —  schlüpfrige^,»),  Schlipper  - 
Magen,  Milch,  Rotz*,  Walter. 

schlürfen  s.  Schlurf. 

Schlüssel  s.  Schluss. 

Schlummer,  m.  (Schlump)  (angis.,  10.  jahrh. 

sUima;  spat-mhd.  slumc,  in.  sopor,  Pfeiffer,  K.  u.  K.  II, 
61;   1731  Schlummer;  engl,  to  slumber.  Kluge  *,  328)  ' 
=  Sopor,  Nystagmus  (Kirsch  BOT):   a)  der  leise  I 
Schlaf;  b)  im  Verborgenen  versteckt  sich  auf- 
halten wie  ein  Dämon,  Krankheit! •  Latenz; 
c)  der  soporöse  Zustand  bei  Depression  der 


Zentralorgane.  —  ein-,  ent-  schlummern  - 
in   den  Todesschlaf  geraten,  verfallen.  — 
Schlummer-SucA/. 
Schlund,  m.  (Schlung,  m.  Sc  hl  unk.  Schlurk) 

(zu  {schlingen  oder]  schünden  [s.  d  .];  ahd.  sluut,  Graft 
Vi,  798;  11.  Jahrh.  slunt  =  gliola  [gula],  II.  Z.  III; 
gulla  [gula  ,  n  Z.  III,  308;  13.  Jahrh.  schlung  - 
gula.  I).  271;  mhd.  slurc.  slune,  slunt  =  Sehluck 
[Handlung  des  Schluckens],  Schlund,  Kehle,  Hals, 
Abgrund,  I-exer  2.11;  1420  sluut  —  vorago,  1).  II, 
386;  14».0  sluntlezen  -  singultare.  D.  II,  340;  1468 
sehlundt  =  ardelio,  D.  II.  32;  1482  slunt  =  gula. 
Zening.  Voc.  k  8;  1497  sehlut  =  Schlund,  Gurlt  II.  214  ; 
151H  Schlund  ^gurgullo,  D.  Ml  =  ructa,  guttur,  Ü.  502; 
furiuga  [pharinx] ;  1<X)9  Schlund  =  der  Schluck,  Guar. 
911;  H.  v.  Gersd.  97;  1630  der  slunck  =  Speiseröhre, 
Gurlt  III,  86;  1045  schlung,  Coler,  H.  A.  130  ■  Kehle; 
1096  schlung.  schlunk,  Schm.  II,  '.2s.  529;  Schreyer  70), 
1.  —  die  Handlung  des  Schluckens,  Haustus 
(Heyne  V,  401).  —  2.  =  der  Ort,  wo  geschluckt, 
geschlungen  wird  =  Gula;  (frz.)  gueule  (Schlund- 
röhre, Schlnndkopf,Kehle,  Speiseröhre,  Schlund- 
darm). —  3.  =  (allgemeiner)  Schlundgegend,  Hals. 

—  4.  =  (als  Öffnung  übertragen  auf)  Vulva.  —  b.  = 
der  kranke  Schlund.  —  6.  =  ein  Trinker,  Schwel- 
ger (Schm.  II,  C32).  —  II. iiuh  Schlund  (mhd.  büch- 
sluut  =  ventris  Ingluvies)  =  der  obere  Teil  des 
Bauches,  wo  die  Speisen  verschluckt  werden 
(Hoffm.  i,  S62)  (Magenschlund).  —  Feiertags- 
Schlund,  1.  -  Sonntagshals  (Guttur),  Gurgel 
als  Öffnung  für  den  Feiertagstrunk.  —  2.  = 
Luftröhre  (Trachea)  (Tirol;  Hintner  7.  16)  als 
anssergewöhnlicher,  unrechter  Schlund.  — 
Fraw  n  Schlund  =  Vulva,  Schlund  4  (Hyrtl.  K.  W. 
172).  —  GfSchlungs,  ßrschlUnkel  =  Geschlinge 
(s.  d.),  Gehänge  (K.  W.  I,  356).  —  Gio  Schlund 
=  ein  alpartiges,  blutsaugendes  Gespenst  des 
Volksglaut)ens  (s.  Gier,  Räch)  (H.  A.  Rh.  421). 
— -  (1692)  geschwollener  Schlind  =  Angina,  Otra- 
galoma  (Oxygalla?)  (Seb.  177).  —  (1482)  Kehl- 
Schlund  =  (kclslunt  —  gutterium  (guttur),  Zening. 
Voc).  1.  =  Schlundkopf  in  der  Kehle  als  Luft- 
zugang zur  Kehle.  —  >.  =  Infirmitas  gutturis 
(D.  272)  =  Angina.  —  kehl-schlündig  (cheUlundig, 
Schmeller  II.  62f.)  =  durch  den  Schlundkopf  an 
der  Kehle  durchgleitend.  ■ —  (1582)  Magen- 
Schlund  1  (stomachus,  I.oulc.  72;  Beynon  160;  Gr. 
W.  VI,  1441;  Thes.  San.  Br.  30),  1.  =  der  Schlund  2 
für  den  Schlunddarm  (  =  Speiseröhre ;  s  Mering) 
im  Gegensatz  zum  Kehlschlund  und  Bauch- 
schlund. —  2.  =  (l'>30)  Cardia  des  Magens, 
Mundloch,  die  Stelle  des  sogen.  Herzwehs 
(Künlgssp.  49,  Heyn.*.  106).  —  (1C09)  Rott  Schlund 

—  die  Handlung  des  Schleimverschlingens  im 
Schlünde  (Schlund  1)  (Guar.  9411.  —  unrechter 
Schlund  =  Luftröhre  (Trachea)  (Heyne  V,  402). 

—  <■■  '••schlunkezen  =  verschlucken,  fehlerhaft 
schlingen  (schmeller  II,  629).  —  Weibs- Schlund 
=  Vulva  Schlund  4}  (Hyril,  K.W.  172).  —  (15.  Jahrh.) 
weiter  Schlund  -  [rlcttu,  D.  49>;  wlteu  Schlund/  - 
weit  geöffneter  Rachen.  —  Schlund  -  Brin, 
•BrittOIC,  -Dann,  -Decket,  -Kopf,  -Magen,  -Pest, 
-Rinne,  -Rohre,  -Schaden. 

Schlung,  m.  Schlunk,  m.  s.  Schlund  und 
schlingen.  —  schlunkezen  =  bebend  zittern 

(Schmeller  II,  628). 


.",s4  Schlupf — schmachten. 


Schmuck-  Schmäle. 


Schlupf  s.  schlüfen. 

schluppen  =  mit  den  Füssen  schlüpfend 
gehen,  schlürfen  (Schmeller  II,  631). 

schluppern  <■  öfters  schlucken. 

Schlurf,  m.  dazu  schlürfen  (mbd.  »lurfe  — 

Pantoffel,  Krbe  39;  ndl.  slurpen,  Klage  ,  328).  — 

Schlürfer,  m.  (n-ti  atta,  Kirsch  126)  =  ein  schlur- 
render,  wie  ein  alter,  gebrechlicher  Mann 
schleppend  die  Fflese  kaum  hebender  Mensch 
(namentlich  schlürfen  die  fu^gebrestigen  einlachen 
Geister). 

Schlurk,  in.  s.  Schlund. 

schlurken,  schlurren  =  schleppend  gehen, 
■chlorren,  schlürfend  (IL  Paul  389;  Krbe  39). 

Schluss,  m.  Schlüssel,  m.  Schliessen,  f. 

SChliessen  (ludogenn.  klnud  [claudo' ;  vorgerm.  »klud 
Iclaudo,  »claudo];  gern»,  slnt;  ahd.  sliozan,  hluzzll ; 
mhd.  sliezen  [xchliossenl,  slüzzel  (Schlüssel],  sluz[Ende), 
Kluge»,  328).  —  schliessen  =  eine  Öffnung  voll- 
ständig ausfüllen  (siehe  auch  Schloss).  — 
Schliessung  =  Heilung  einer  offenen  Wunde, 
Hornspalte.  —  Schluss,  L  =  Handlung  des 
Sehliessens,  z.  B.  den  Magen  auftreibend  voll- 
machen und  seinen  Ausgang  versperren  (Schm.  I, 
1575).  —  2.  =  der  Ort  des  Sehliessens,  z.  B.  durch 
Knochenverbindung(  =  Schlussbein),  weiterhin : 
a)  äussere  Beckenöffnung  (Vulva);  b)  After.  — 
Schlüssel,  m.  —  (bildlich)  verenda  virilia,  die  das 
Jungfern-,  Frauen-Schloss  eröffnen  (s.  Nagel) 
(Schmeller  II,  537;  im  15.  Jahrh  als  Bilder  verkauft  an 
Weiber,  I,  cod.;  Pauli  140).  —  4/rer-SchlÜSSel  (»17 
dess  afltercn  Schlüssel,  Gurlt  III,  189)  =  das  Werk* 
zeug  am  Schluss  2  b,  Sphincter  ani.  —  (lfl.  Jahrb.) 
'..schlössen  =  eingeklemmt,  eingesperrt,  (Tenes- 
mus)  ausfüllend  =  verstopfend  (1483  dca  nitlzcs  ond 
der  leveren  verschoppen  ond  besliezen  -  epilaclo  [epar], 

D.  Ii,  152).  —  (ir.01)  .ßnaf-Schlüssel,  -Schliessen 

—  (Pbenetzung  der  t'lavicula)  —  Schlüsselbein,  das 
als  Werkzeug  zum  Brustschlusse  aufgefasst 
wurde  (Hyrtl,  K.  w.  138).  —  (1592)  r  <.•.-,••  schlössen 

-  mit  einem  sogen,  ganzen  Gebiss  (s.  d.),  das 
alle  Zähne  einschliesat,  versehen  (.Seb.  208).  — 

den)  BkMm  ]  schiiessen  _  das  Geburts- 
(1764)  Schlossbetn  j 

schloss  (Becken,  Muttermund  oder  Schlossbein) 
Vulva  (Schloss  2  b)  für  den  Coitus  oder  den 
Geburtsakt  verschlossen  machen  (nach  Volks- 
glauben  auch  durch  Zauberkraft,  Kriscbb.  7 ;  Heyn.1.  JUO ; 
Wdr.  B.  II,  63;  Z.  d.  V.  f.  V.  K.  1896,  127;  l.  A.  217; 
s.  Nestelknupfen  u.')  (Vaginismus;  Webenkranipf, 
schwere  Geburt).  —  Verschluss  =  vollständiger 
SchlOM  einer  sonst  oflenen  Stelle,  z.  B.  Darm- 
höhle bei  lleuP,  Einklemmung,  Axendrehung  etc. 

-  -  ZU- schliessen  (12.  Jahrb.  zuslushet  =  minult 
menstrua,  I).  II,  254)  =  versperren  (s.  d.),  z.  B.  den 
Blutkasten.  -  Schliess ,  Schluss-äri»,  Maus. 

schlutz(r)ig  -  schleimig  (Schiotz,  Hrhlatz,  Sohlütz, 
Schleim,  Schmeller  II,  510;  15.  Jahrh.  scluczig  -  lecta, 
I).  322).  —  SChlutZTige  Gur:iel. 

Schmachten  (altnord.  smar  —  klein;  ahd.  smAhi 

—  klein,  niedrig,  Kluge1,  329;  Ii.  Jahrb.,  nd  ,  md. 
smukten  =  an  heftigem  Hunger  leiden;  15.  Jahrb. 
»macht  -  esuries,  D.  II,  1-7  ;  H.  I'aul389,  ahd.  gUmiitheön 


=  schwinden,  Kluge).  —   schmächtig  =  mager, 
schlank.  —  Schmacht- Lappen. 

Schmack,  m.  schmecken,  Schmecker,  m. 

(vorgerm.  «mag;  germ.  smak;  ahd.  imac,  smack, 
smecken  =  schmecken,  Geschmack  empfinden,  Graft 
VI,  824;  1260  wol  smecket  (vom  Mundgescbmark], 
Pfeiffer  45;  inhd.  sraac,  smackeu,  smecken  —  kosten, 
versuchen,  Geruch  empfinden,  riechen,  Kluge*,  829; 
14.  Jahrb.  smekchen  -  von  Wunden  übelriechen,  Z.  f. 
d.  A.  1888,  142;  1482  schmack  -  atanck,  Zenlng.  Voc. 
cc  6;  1532  die  gesehmack ,  (Bayern,  Alem.]  schmecken 
—  riechen;  [Oldcnbg.]  atnack  =  Appetit,  Goldschm. 
120;  engl,  smack).  —  Schmack ,  1.  =  die  Ge- 
schmacks- Empfindung.  —  2.  =  Geruch-Empfin- 
dung. —  3.  =  normaler  A  ppetit.  —  Schmackung 
(1532  schmackung)  =  die  Geschmacksempfindung 
(Fries  83).  —  schmackezen,  sekmacksen  =  siehe 
schmatzen  (smacklzen,  Schmeller  II,  543).  —  Ich 
kann  ihn  nicht  schmecken  (  —  ein  wohl  ganz 
ernsthafter  Ausdruck  einer  sehr  alten  Überlieferung 
einer  Grussformel  durch  den  Mundkuss  als  eine 
Abart  vom  Nasengruss)  =  ich  kann  seinen  Geruch 
nicht  ausstehen.  --  schmacken,  1.  =  (anhd.) 
schmecken.  —  2.  —  schmatzen  (nordd.;  II.  Paul 
389).  —  (1420)  Schmecker,  m.  =  dasjenige,  was 
riecht  s.  B.  —  1.  =  stark  entwickelte  Nase, 
welche  gut  riecht  (schmeckt).  —  2.  =  (blcnnus, 
hircosus,  d.  77;  Hlutner  6.  16)  Übelriechender.  — 
r  schmack  '  =  was  übel  schmeckt,  ge- 
schmacklos. —  (1532)  Brust  1. schmack  =  der 
Geruch  säugender  Frauen  (Fries  97).  —  er- 
schmecken =  in  übelriechender  Atmosphäre 
ersticken  (Schm.  II,  (MI).  —  (1482)  /iiMW-Schmack 
=  übelriechender  Fusschweis  (Foetor  pedum), 
Fusstank  (tusschmack  =  pedor  [foetor],  D.  II,  2*4; 

1.  voc.  I;  Gr.  w.  IV,  L  1011).  —  Gcschmack(e«),  m. 

(ahd.  kasmacbo,  kasmagmo  =  sapor.  Graff  VI.  825; 
gesmaeege,  Du  Gange  I.  374;  mhd.  gesmack;  1474  ge 
smackeu  -  fragranria,  Schmeller  II,  542)  =  die  Summe 
von  Sehmeckemptindungen.  —  ge&chmackt  — 
was  wohl  schmeckt.  —  geschmagen  (von  un- 
heilbaren Kranken)  =  flbolriechen  (Schmeller  II, 
6li).  —  (1609)  grosser  Schmecker  ^  grosse  Nase 
(Guar.  64).  —  M umf-Schmack  (15-  Jahrh.  mund 
smack  -  oscedo,  D.  Ii,  274),  1.  =  die  Geschmacks- 
empfindung in  der  Mundhöhle.  —  2.  =  Geruch 
aus  der  Mundhöhle.  —  .WA-Schmack  ■  die 
nach  dem  Einführen  von  Dingen  in  den  Schlund 
nachträglich  «ich  einstellende  Geschmacks- 
empfindung. — pappiger  Geschmack  -  der  fade, 
weichliche  Geschmack,  als  ob  man  einen  Brei 
im  Munde  hätte.  —  (1632}  übler  Geschmack  = 
schlechte  Geruchempfindung  (Fries  97).  —  (1742) 
ungt  sohmackt  =  schlecht  schmeckend  (Zw.).  — 
tVn^eschmack,  m.  =  schlechte  Geschmacks- 
empfindung. —  rerschmacken  -  verschmachten 
(sehmelier  Ii,  543).  —  Schmack  ,  schmeckende 
-Rra/t,  -Schädlichkeit,  -Sehne. 

Schmär  s.  Schmer. 

Schmäle,  f.  SChmal  (mhd.  smal  —  nur  nach  einer 
Dimension  hin  sich  ausdehnend)  -  klein,  nicht  dick, 
mager,  schlecht  genährt,  kränklich  aussehend. 
—  Schmäle,  f.  -  la  tatile,  die  Dünnung,  Öde, 
Leere,  schlankste  Stolle  am  Leibe  (mhd.  imele, 
Schmeller  II.  548).  —  Schmälung  langls.  smallung. 


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Schmalz — schmarieksen 
tock.  II,  260)  =  Schmal  werden,  schmaler  Zustand. 

—  "Schmalen  (augla.  aeamaelum,  lock.  II,  36.  302. 
338)  —  anfangen  kleiner,  enger  zu  werden,  z.  B. 
an  den  Pupillen.  —  Schmal  -  i)- Adern*,  -backet, 
-Darm  u.*,  -Fuss,  -Gesicht,  -Hanns,  -Rippen, 
-sichtig,  -Tier,  -  Vieh,  -  Würmer. 

Schmalz,  m.  schmelzen  (vorgerm.  »meld,  meld , 

dazu  :  [Mal«,  M1U,  schmelzen  ;  erweichen];  gertn.  amelt , 
ahd.  »mal»;  mbd.  «malz;  engl,  melted  butter),  1.  = 
ausgelassenes,  leicht  konsistent  werdendes  Fett, 
Schmalz  (Kluge4,  320).  —  2.  =  Schmalzähnliches. 

—  3.  =  das,  was  das  Nahrungsschmalz  im 
Körper  erzeugt  =  Kraft.  —  Schmalzin,  f.  = 
fette  Weihsperson  (Oberbayern ;  H.  hmeller  II,  561). 

—  schmalzen,  schmelzen,  1.^  cacare,  weichen 
Stuhlgang  machen  (Schmellcr  II,  652).  —  2.  =  sich 
flüssig  machen,  z.  B.  vom  Urinschaum  (mnd  , 
XI.— 15.  Jahrh.  amelt  de  acume  nicht,  J.  f.  nd.  Spr.-F. 
XV,  111).  —  .Imn  Schmal/.,  1.  =  Armfett  und 
2.  =  Armkraft  (Gr.  w.  i,  .60).  —  (I7.v.)  Augen- 
Schmalz  -  der  zähe,  weissgelbliche  Augen- 
schleim (Mascher,  Greck,  Schlaf  etc.,  Sekret 
der  Meibomschen  Drüsen)  (A.  v.  lt.  I,  «79;  Qr.  w. 
I,  Ml).  —  Bein-Schmalz  -  Knochenmark  (Fett), 
Beinöl  (Gr.  w.  i,  i3*s).  —  .Fett- schmelzen,  1.  = 
die  Entleerung  von  fettem,  dickem,  zähem 
Darmschleim  (s.  Schmarotzer)  neben  Kot  beim 
Pferde  (Falke  I,  280;  Abllg.  39).  —  2.  =  la  dlarrhee 
gralsscuse,  larfondement  (Bris».  1>9).  —  Kinds- 
Schmalz  =  Vernix  caseosa,  Kindsschleim  (s.d.), 
der  wie  Butter  auf  der  Haut  des  Neugeborenen 
haftende  Ilauttalg  (s.  Schmer).  —  Klauen- 
Schmalz  ■  zerlassenes  Klauenfett.  —  (MM) 
-V  .-w  ..i-Schmalz  -  gelblicher,  flüssiger  Nasen- 
BChleim  (Ur.  W    VII.  fc33;  EUau;  F..  W.  I,  152). 

—  Nieren -  Schmalz  -  zerlassenes  Nierenfett 
(Niercnöl).  —  (1561)  i  Schmalz  ■  Sebum 
nuriculare,  Cerumen  (=  cera  aurium),  das  honig- 
artige, gelblichhraune  Sekret  der  Schweiss-  und 
Talgdrüsen  im  Äusseren  Geliörjrantfe,  da«  man 
früher  auch  als  eine  Reinigung  de*  Hauptes  von  «einen 
IHinsten  an«ah;  die  mediziu.  Schriftatcller  übersetzten 
die  rera  aurium  in  Biencnhausleln  {».  d.,  Ur.  W.  VII, 
12»)  (OhrenHchmer,  Uhrenwachs).  —  Rippen- 
Schtnalz  -  das  an  den  Kippen  sitzende  Fett, 
das  am  leichtesten  sich  ansetzt  oder  ver- 
schwindet. —  Vchsen- Schmalz  —  der  Achsel- 
sch  weiss,  der  die  Wäsche  am  l-eibe  gelblich 
verfärbt  (Fchse,  s.  d  ).  —  [1808]  Zahn,  -Schmelz 
=  Suhstantia  adamantina,  das  Email  des  Zaune«, 
das  wie  ein  Glasfhnw  die  Krone  desselben  über- 
zieht fAutenr.  in.  39 .).  —  schmelzende,  Schmalz 
-F<U,  -Flus»,  -Kätker;  -Schweisse. 

Schmand,  m.  (am  dem  islavlsehen  entlehnt ;  b.ihm. 
amant;  ta.  heeb.  tmctmi;  mhd  amant;  [Schlesien. 
Böhmen,  Österreich  1  ametten.  Kluge*,  329;  U26  amant 
=  oxygalla;  i486  schmat  =  cxigalliuui;  15.  Jubrh. 
smand,  aapa,  D.  404.  601 ;  II,  276.)  =  Milchrahm.Sauer- 
rahm,  Schmutz,  Dreck  IThuringeii,  Lippe;  .Sehm. 

Ii,  552).  —  Schmand-iiVxe. 

Schmarbe  f.  Schmarber,  m.  (henneb.)  - 
Schmarre,  Schramme,  Wunde  (Spiww  u,  219). 

schmarieksen  —  Diarrhoe   (schmar  -  niuen 
rotzen  l,  fettigen  Rotz  aus  dem  Bauch  verlieren, 
Schmar  rützen  (Schindler  II,  553). 


Schmarotzer— schmeissen.  585 

Schmarotzer,  iu.  (zu  [15.  Jahrb.]  amorotzen  = 
betteln;  1521  achraorotzer  parasitaster,  I>.  412;  1561 
»morotzen  —  parasitart.  Kluge*,  329;  amarrotzen?J.  — 
Schmarotzer  -  ein  Tier,  welches  von  dein  Safte 
(Schmer?)  anderer  Tiere  wie  ein  Bettler  (s.  d.*) 
von  anderen  Menschen  lebt  oder  vielleicht 
auch  ein  heftigen,  schmierigen  Darmrotz  er- 
zeugender, fettschtnelzender  Parasit  im  Darm. 

—  Darm-Schmarotzer  =  Darm-Parasit  (Wurm), 
der  aus  dem  Darmschleim  (Kotz)  entstehen 
sollte  nach  früherein  Glauben  (s.  Darmschleim). 

Schmarre,  f.  (goth.  amarnös  =  atercora, 
[Schmcller  II,  563]  aU  dura  egestlo,  D.  549;  mhd. 
smurrc,  «marwe  =  Hieb,  Streich,  Kluge*.  329;  ICSI 
achtnarren  =  vlbex,  slguttm  verberla,  lind.  Jun.  S*6; 
167-4  scharre  =  schraarre  —  Brandachorf,  Gurlt  III,  119; 
1743  schmarre),  1.  =  das  trockene  Wundsekret,  «he 
borkige  Narbe,  die  auf  einem  Geschwüre  oder 
einer  Wunde  liegt  (Sehw.  606;  Schmcller  II,  6B). 

—  2.  -  llautverletzung,  frische  Wunde,  Schlag- 
spur (Heyne  V,  412).  —  Ruft n  Schmarren  -  die 
borkige,  rauhe  Kinde,  die  sich  auf  einer  Im- 
petigo- oder  Herpes- Pustel  der  Haut  bildet. 

schmattern,  Schmadder,  m.  (n  metern,  smu 

dem,  mit  Gerauach  hinwerfen,  schallend  klingen,  ein 
Schallwort),  —  schmattern  -  einen  durch  beige- 
mengte Luftblasen  schmetternden,  plätschern- 
den,  dünnen,  leichtflüssigen  Stuhlgang  haben 
=  cacare  (Hintuer  7.  17;  Schw.  601).  —  Schmat 
terer,  m.  -  I'odex,  der  schmattert  (Hlntner).  — 
schmäder-ässij*. 

schmatzen  =  schmatternd  mit  den  Lippen 
einen  schnalzenden  Ton  von  sich  geben  beim 
Essen  und  beim  Küssen  (8obL;  H.  Paul  390;  mhd. 
amackezen,  amatzen;  1018  achmulzeu  —  paparu,  D.  II, 
279;  Erbe  2t.). 

schmecken  s.  Schmack. 

schmeissen,  schmitzen  (lndogerm.  smi  -  platten, 

schlagend  glatt  machen;  altgerui.  arall  -  bewerfen; 
goth.  smettan  =  beschmieren;  ahil.  smiz  —  naevus; 
|  bismU,  pi-tnUzldn,  f.  —  maculae  feditatis  [(irafl  VI, 
N37],  beschmutzen;  s  Jahrh.  |ilsmlxzt,  pismiz  -  macula, 
contngiuin,  Kero.  (iloaa.  SO.  73;  pismizzani  -  tinetio, 
Schmcller  II,  562;  pismizen  =  bestreichen,  \V ackern. 
271;  mhd.  smizen  =  atrelcheu,  schlagen,  [amilzcn]  mit 
Knie  Ii  bestreichen,  Kluge*,  330.  331;  mhd.  ainützen  - 
In  den  Gliedern  reiasen,  zucken,  Lcxer  235;  [Tirol] 
Schmelze,  f.  ~  Schmeiastliege,  Heyl  17s,  engl,  lo  atnite 

—  mit  Farbe  »«werfen;  smitlle  -  mit  Krankheiten 
anstecken,  Kalt>chm.  I;  schwed.  stuitta  -  Seuche; 
smitlsatnhet  —  Ansteckung;  dan.  smilsom,  smittc  - 
Ansteckung;  holl.  besmetting  —  Ansteckung),  1.  = 
(in  ahd.  Zeit)  mit  der  Kute  schlagen  (s.  d.)  und 
mit  Auswurf  oder  Kot  bewerfen,  mit  Insekten- 
Eiern  beilecken,  mit  Madenbrut  bestecken, 
damit  ansteckende)  Krankheiten  hervorrufen 
,s.  Engerling,  Dasselbeule).  —  2.  —  cacare, 
Kot  absetzen,  verunreinigen,  beschmieren,  an- 
stecken, die  Exkremente  auswerfen  (S.  hmeller 
II,  556 j  Heyne  V,  416;  ahd.,  mhd.  suiclzeu).  —  3.  = 
einen  zuckenden,  reissenden  Schmerz,  als  ob 
man  geschlagen  wäre,  (schmitzen)  empünden 
(Uurk  19;  i.cxer  235).  —  Schmiss,  Schmitz,  m. 
Schmitzer,  m.  Schmitzen,  f.  =  Fleck,  Narbe, 


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58« 


Schmelche — Schmer. 


Schmerz. 


Wunde,  die  durch  einen  Schlag  entstanden  ist. 

—  axschnieissen,  anschmitzen  =  maculare, 
besudeln.  —  bi  -schmeissen,  -schmitzen  =  an- 
stecken (1507  bcsmyt  =  lnfectus,  D.  296;  ndl.  be- 
smettelik,  Do  Cock  202;  16K9  beachmitxt  —  angesteckt, 
IT.  II,  313).  —  in  schmitzte  Sucht.  —  (Oldenburg) 
rfaruschmeisBen  (datosmaeten)  ■  es  wirft  sich 
eine  Verschlimmerung  xu  einem  leiden  wie 
ein  neuer  Schlag  (Goldacbm.  118).  —  Grschmeiss 
(1482  gesmatz,  c.  v.  Megbg.)  =  Unrat,  Kot  als  Kol- 
lektiv der  Beschilderung  und  Ansteckung 
geschmelas  =  ansteckende  Pestkrankheit,  Luther  VIII, 
430;  16.  Jabrb.  {ehrliches  gcachmclss  =  gefährliches 
Aussau- od.  Pest-K  ontagi  um;  1560  geschmeissfge  roten 
=  Staupe,  H.  Sachs;  Heyne  V,  UM;  Schmeller  U,  HO. 

—  Haut  -  SchmitZO  (1077  hout-smeede  —  papula, 
I).  411)  aa  Haul  decken  (infektiöse).  —  (1742) 
7Yii/Vto-GcBchmeiBS  =  die  ansteckende  Krank- 
heiten bringenden  Zauberer,  Hexen  (Thes.  san. 
Br.  976).  —  «flfcrSChxnitZt  (ahd.  unplstnlian)  - 
unberührt,  unbefleckt  («raff  1, 308).  —  Schmeiss-, 
schmeisslich  Gestatten,  -Koortten. 

Schmelche,  f.  (mhd.  smclche,  f.  =  Schmiele, 
Scbmelchgras,  damit  verglichen):  ein  dünner,  hagerer 
Körper  (Tirol;  Hlntner  5.  10).  —  schmelchen  = 
zusammenschrumpfen  (Schmeller  Ii,  550). 

Schmelz,  m.  schmelzen,  1.  =  s.  Schmalz.  — 
2.  =  die  Substantia  eburnea  dentium,  der  milch- 
glas-  oder  elfenbeinähnliche  Überzug  (Glasur, 
Kmail)  der  Zahnkrone  (Kmus,  E.  676)  =  Zahn- 
Schmelz  s.  S.  585a. 

Schmer,  m. ,  n.  Schmeer  (Schmär)  (germ. 
smür;  goth.  smarna,  Schmutz;  abd.  smero,  Caas.  Gloss. 

—  Fett,  pinguedo,  smerw  sb  arrlna,  Graft  VI,  833 
[dazu  :  schmieren];  angls.  smcoru  -  Scbmocr;  smerum 
=  buccis,  fette  Wange,  Cock.  I,  LXX;  altnord.  smjor 

—  Butter;  kell,  smeru,  Z.  f.  d.  A.  1888.  274;  Welnh.  IS; 
1260  smer  ■  fett  im  I.elbe,  Pfeiffer  80;  18.  Jahrh.  amerve 
=  Vernix  caseosa  =  Kindsschmalz,  Plöns- Bartels  I,  276; 
mhd.  smer  =  arrlna,  fett;  1Ö61  das  schmeer,  felszle 

—  der  bauch  desz  menschen  bei  dem  nabel  dn  alle 
clugcwcld  ligend,  abdomen .  arvlua,  Heyne  V,  418; 
engl,  smear),  1.  =  das  Baucheingeweide- Fett 
(HyrU,  K.  W.  48).  —  2.  =  der  Bauch  selbst  (Heyne 
V,  418)  (Schmerbauch,  Schmerleib).  —  3.  =  Fett- 
Ähnliches  (z.  B.  Ank  Schmer  =  Butter,  geschlagenes, 
gerührte«  Fett;  ahd  anesmero  =  butyrum.  «raff  VI, 
833;  die  Schmiere  ist  eines  der  ältesten  Verbandsmittel 
bei  Wunden,  vergl.  darüber  Z.  f.  d.  A.  1888,  274;  zu 
smlr  [s  -f-  mir]  vergleicht  man  auch  grlecb.  p-rjpv/  = 
Salbe;  dazu  altfranz  mlro,  mlresse,  mlrator;  1389  mirc 
=  medlcu*.  cblrurgus,  Du  tätige  V,  406  ff.;  IX,  274; 
Kluge*,  330  =  der  mit  Salben  behandelnde  [Zauber  ] 
Arzt;  dazu  wlltmanu  —  mlro,  Schmeller  I,  1723;  siehe 
Zauberer).  —  4.  =  das  Kindsschmalz  (Vernix 
caseosa),  mit  dem  man  früher  die  Gebärmutter 
der  Schwangoren  ausgeschmiert  annahm;  mit 
dessen  Fortbestand  sollte  Im  Innern  derselben  die 
Woehenrelnlgung  verhindert  werden  (Pfeiffer.  PIoss- 
Bartels  1 ,  276)  und  andrerseits  es  beim  Kinde  zum 
Schmerllussc  Minolta)  kommen.  —  (1518)  inwendiges 
Schmer  (H.  v.  Gersd.)  —  das  innere  Kingeweide- 
Fett  zum  Unterschied  vom  Fett  im  Unterhaut- 
zellsrewebe  um  den  Nabel  herum  (Schmer  haut). 

—  .Vi  /;  Schmer  (ahd.  nczzlsmero  -  reüculum  jecoris. 


Graft  VI,  833;  l>.  II,  318;  nezzissmero  -  reticulum, 
H.  Z.  III,  122;  nezzesmere  =  reticulum,  D.  496;  II.  318) 
«das  fettreiche  Bauchnetz,  Lebernetz,  Schmer- 
fell. —  OÄr-Schmer  (ahd.  orsmero,  Grafl  V,  4.'^, 

H.  Z.  VI;  mhd.  örsnier,  Lexer  182;  HofTm.  I,  386; 

15.  Jahrh.  orschmer,  ortmere  =  aurista,  auatiri*  — 
auristerium,  D.  638;  II,  44)  =  Ohrenschmalz.  — 
Bippm-Schmer  =  Rippenfett  (Gr.  w.  vm,  n«4). 

—  Schmer-,  Schm&i- Bauch,  Fell, -Ftu*$,  Haut, 
-Kopf,  -Leib,  -Rotz. 

Schmerz,  m.  Schmerzen,  m.  schmerzen, 

schmirzen  (Indogerm.  «merd  —  stechen  (mordere). 
beiaten  [3u,»p5a).to;  =  graaallcb];  germ.  amert;  ahd 
smerxo,  m.  Strien»,  f.  smcrzan  (Kluge*.  330],  smarz. 
(irafl  VI,  834  ff.;  mhd.  «merz,  m.  «merze,  m.  =  dolor, 

16.  — 18.  Jahrh.  schmerzen,  m. ;  »merzen  =  dolerc. 
unabsichtliche  Veranlassung  zum  Schmerz  geben 
[H.  Paul  392),  Webgefühl  haben;  1618  scbmlrtsen  ■ 
dolore,  Schmeller  II,  667;  holl.  smart;  dan.  smerte, 
schwed.  »maerU;  engl,  to  smart  =  schmerzen,  leiden 

—  Schmerz  —  das  Gemeingefühl  beim  Leid- 
od.  Weh- Kmpfinden :  1.  =  der  einzelne  Schmerz- 
Anfall,  der  sich  an  den  verschiedenen  Em- 
pfindung besitzenden  Körperstellen  ausdehnt 
(Odyne  HippokratiB  s.  Neuralgia).  —  2  =  die 
Schmerzen,  pl.  oder  anhaltende«  Schmerzgefühl 
(Heyne  V,  419)  (Aegritudo  corporis,  Dolores).  — 
3.  =  s.  Mangel  u.  Wärch.  —  Schmerz  ist  lokal 
und  mehr  subjektiv;  Weh  ist  allgemeiner  be- 
kannt und  meist  von  kürzerer  Dauer.  Die 
Bezeichnungen  für  diese  häufigste  Unlust- 
Empfindung  sind  meist  den  subjektiven  Ver- 
gleichen mitVerletzungs-  (Folter-)  Instrumenten 
(s.  Pein)  entnommen,  z.  B.  brennend,  stechend, 
dehnend,  drückend  (osteocopus  Hippokratis), 
reissend,  klopfend,  pulsierend,  schlagend, 
beissend,  nagend,  schiessend,  spannend,  tief, 
zerrend,  brechend,  ziehend,  bohrend  (Hahnemann 
führte  sogar  75  Varietäten  von  Schmerz  an);  andrer- 
seits hat  wie  Pein  (=  poena,  s.  d.)  das  Schmerz- 
Wort  zum  Krankheitsnamen  gedient  (de  potiori 
fit  nominatio);  der  Schmerz  wird  gestellt,  ge- 
stillt, verbissen;  er  benennt  sich  zumeist  nach 
dem  Orte,  d.  h.  nach  dem  Organe,  wo  er  em- 
pfunden wird;  schulgemäss  wurde  er  als  kalt 
(s.  d.)  oder  hitzig  (s.  d.)  (1761)  bezeichnet 
(L.  chtr.  26).  —  schmerzlich  -  leichten,  vorüber- 
gehenden Schmerz  erregend.  —  schmerzhaft. 

I.  =  wiederholt  Anlass  zu  Schmerzen  gebend 
(H.  Paul  393).  —  2.  =  mit  Schmerzen  behaftet.  — 
geschmerzt  (verrächtllch),  1.  =  empfindlich,  weh- 
leidig, jämmerlich  thuend.  —  2.  =  erbärmlich 
(Schmeller  II.  567).  —  ^radi-SchmerZ  (angU.  ame- 
■man  =  polygonum  pcrslcaria  [Cock.  III,  323]  als  Mittel 
gegen  den)  =  Juckreiz  am  After,  in  der  After- 
kerbe. —  .-1  "'/i  n- Schmerz  —  ein  peinigendes, 
stechendes  WehgefQhl  in  der  Augengegend 
(Gr.  w.  i.  84).  —  Bauch- Schmerz  -  Gefühl  von 
Leibweh,  Bauchweh.  —  Blitt- Schmerzen  -die 
im  1.  Stadium  der  Tabes  (Ataxie  locomotrice 
progressive)  auftretenden,  wie  ein  Blitz  oder 
Lanze  die  Beine  durchfahrenden  sogen,  lan- 
zinierenden  Nervenschmerzen.— i9m>f-Schmerz 
=  ein  Schmerz  unterm  Brustbein,  bis  zu  den 
Brust-  und  Bauchmuskeln  sich  erstreckend.  — 
FK*8-Schmerz  -  Schmerz  an  einem  oder  an  den 


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Schmerz. 


Schmer«. 


587 


Fassen  (Gr.  W.  IV,  l.  1041).  —  (17»)  dehnende,  (1749) 
d»hnende  Schmerzen  —  spannendes,  dehnendes 
Wehgefühl  (Woyt  124;  Zeltschr.  f.  d.  I'btlol.  XXVI, 
239).  —  Entzündung-8c\\merz  =  die  Verände- 
rungen der  Empfindung  an  Wunden,  die  sich 
einige  Tage  nach  der  Verleitung  daselbst  ein- 
stellen im  Gegensätze  zum  eigentlichen  Wund- 
schtnens.  —  (ieso)  Qeburts- Schmerz  =  Nixus 
(nisus)  (Gr.  w.  IV.  l.  1910)  =  («eburls-Weh,  (iebar- 
Wehen  (s.  A  rinnt).  —  (1096)  GoMäc/if-Schmertzen 
=  Weh  am  Gemacht  (s.  d.)  (Schrcycr  27).  —  Oe- 
siehts-  Schmerz  =  Neuralgia  nervi  trigemini, 
Schmers- Anfall  an  den  Gesichtsnerven  (1530 
schniertzen  der  halbeu  htrnschcdel  [Kunigssp.  47], 
hemicrnnla  [Migräne,  8.  d);  1727  Neuralgia  nervi  quinil, 
Wepler;  1756  Tic  douloureux.  Andre;  ».  Wecker;  1773 
von  J.  Fothergill  [1712— 17S0],  einem  Londoner  Arne, 
beschrieben,  Villar.  I,  032;  engl,  face  aguo,  Dnrnbl.  44). 

—  (1087)  Os/;änn-8chmerz  =  der  Sauge- Schmerz 
an  der  weibl.  Brust  (s.  Spunn)  (Georg.  447).  — 
Girat-Schmerzen  =  laufende  =  herumziehende, 
den  Ort  des  Sitzes  wechselnde  Schmerzen  hei 
der  fiieht  und  dein  Rheumatismus  (Müller, 
Krtrbch.  212).  —  (17:*)  Ortes  -  Schmerz  =  der 
Schmelz- Anfall  beim  Gries  (  =  Nierengries,  s.d.), 
Dolor  nephrilicus,  Nephrolithiasis  (A.  v.  II.  I,  501). 

—  Hacken- Schmerz  =  Wchgefühl  an  der  Ferse 
(Hackenhein),  Achillodynia  (K.  Albert).  —  Hain- 
Schmerz  -  Wehgefühl  in  oder  an  dem  Halse. 

—  Haupt-  Schmerz  (1488  houbet-suiorze  [C  v. 
Megbg. ;  Lexer  100]  neben  dem  Zahn-,  Ohren-  und 
Nierenschmerz  die  älteste  lokale  Differenzierung  der 
Scbmerzbezelcbnungcu  (früher  Wehtag  de«  Haupte»]; 
13. — 14.  Jahrh.,  niud.  kephalea  [  -  ccphalalgia; :  „das 
ist  eine  Sucht  und  wird  in  dem  Haupte  davon,  da» 
das  Ulm  bestoptet  ist,  und  beginnt  zu  faulen  und 
kommt  von  dem  Magen",  nach  Mag.  Barth.  93b,  1532 
schmcrlzen  de»  haupt«  [Fries  69.  71),  hemlerancus  ge- 
nant. ,.etwan  Ut  der  schmertz  In  halbteil  des  haupts"; 
1080  haupUichmerz  -  cephalalgla,  lir.  W.  IV,  2.  028), 
1.  =  Haupt-  oder  Kopfweh,  Migräne  (s.  d.), 
Wehtag  des  Hauptes,  Neuralgia  capitis,  faciei, 
Cephalea,  Hemicrania,  Dolor  tympani,(ialea  etc. 

—  2.  —  der  grösste  od.  hauptsachliche  Schmerz. 

—  7/iMtM  , W- Schmers  ~  s.  (iesichtsschmerz. 

—  Hollen-,  höllischer  Schmerz  =  ein  besonders 
heftiger  Schmerz,  wie  ihn  die  Volksphantasie 
beim  Aufenthalte  in  der  Holle  annimmt  (Hollen- 
pein). —  Hüft- Schmerz  =  s.  Hüftweh.  —  (1756) 
kalter  Schmerz  -  ein  Wehgefühl  mit  Killte- 
Kmpfindung,  „da  man  nicht«  als  immer  nur  eine 
durchdringende  Kalte  In  cinemTeile  verspürt"  (A.  v  H. 
I,  560),  vielleicht  ans  der  kühlenden  Gicht  (a.  d.*)  ab- 
geleitet, Dolor  algens.  —  Ä'rr6-Schmerz  (ndl., 
dlalekt.  kcrtsiuert  =  froion)  —  peinigender  Haut- 
Wolf  in  der  Afterkerbe  (Kerbweh,  Arschschinerz) 
(De  tock  2U9.  260).  —  Ämr/Yr-Schmerz  -  Wehi  n, 
die  zur  Kindergeburt  führen.  —  Kopf Schmerz 

—  8.  HauptBchinerz,  Karebaria  (Kran«,  R.  193).  — 
(1838)  Krampf- Schmerz  =  krampfendes  Weh- 
gefahl  (Hufciand  314).  —  Kreuz  -  Schmerzen 
öfteres,  meist  neurasthenisches  Wehegefühl  im 
Kreuze  (s.  d.)  («r.  W.  V,  j...*)  um!  von  da  aus- 
strahlend, Placqtie  «aciee  Charcot  iDornbl.  104). 

—  (1735)  kühlender  Schmerz  -  Dolor  algens 
(Woyt  124),   wohl  aus  der  volksublichcn ,  missver- 


standenen „kalten  Gicht"  (=  kühlende  Gicht *) 
umgebildet.  —  (1561)  langwieriger  (alter)  Schmerz 

—  Dolor  bene  longinquus  (Gr.  W.  VI,  187).  — 
Lrio-Schmerz  =  Colica  (passio),  auch  Weh  im 
Unterleibe  (s.  Leib).  —  /,<-wfe;i -Schmerz,  1.  = 
I^endenweh  (Seitenweh),  Lumbago  (Gr.  W.  VI, 
741).  —  2.  =  Gerinn  (s.  d.).  —  3J«/7<7i-Schmerz 
=  Wehgefühl  im  Magen.  —  (15S2)  hitziger  Magen- 
Schmerz  =  Gastritis  acuta  (Lonte.  128).  —  Mittel- 
Schmerz  —  der  beiläufig  in  der  Mitte  zwischen 
2  Periodezeiten  auftretende  Unterleibsschmerz 
b.  Frauen  mit  Eierstocksentzündung.  — Mutter- 
Schmerz  =  Gebärmutter- W eh  (Kopp  V,  105).  — 
Kabt  I  Schmerz  —  Colica  uterina,  die  man  in 
den  Nabel  (s.  d.),  den  Sitz  der  Unkeusch,  ver- 
legte (ur.  w.  vii,  7).  —  Nach- Schmerz  =  die 
Nachwehen  eines  Schmerzes  (tir.  W.  VII,  157).  — 
.AVrmi-Schmerz  =  ein  nur  durch  Erkrankung 
der  Nerven  allein  verursachter  Schmerz  im 
Gegensätze  zum  lokal  entzündlichen  oder  trau- 
matischen Schmerz,  Neuralgia  —  (14S3)  Nieren- 
Schmerz  (nlersmorze,  C.  v.  Megbg  )  =  dolor  renmn. 
Nieren- Weh  oder  -Mangel  (s.  d.)  (Gr.  w.  VII,  B34). 

—  Ohren -Schmerz  (mhd.  orsmerze,  »'.  v.  Megbg.; 
1532  schmertxen  der  oreu,  Fries  81)  =  aurium  dolor, 
Ohrenzwang,  Ohrweb  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895.  8.  11). 

—  reissender  Schmerz  =  ein  zerrendes,  ziehen- 
des Webgefühl,  namentlich  an  den  Gliedern 
(dem  Kneifen  durch  die  sogen,  t'nterlrdlscben  [Klbenj 

zugeschrieben,  z.  d.  v.  f.  v.-K.  um,  &  57).  —  Rücken- 
Schmerzen  =  die  Öfteren  WehgefUhle  in  der 
Kflckengegend ,  Notalgia  [v«>to$  =  Kucken;.  — 
(1004)  Ärtf%rars-Schmer;:  =  Kachialgia,  das  auf 
die  Kückenknochen  sich  erstreckende  Weh- 
gefühl (Taberu.  ;  Gr.  W.  VIII,  1369).  —  (1500)  Schadcn- 
Schmerz  —  ein  Wehgefühl  an  einer  sichtbaren, 
ttusserlichen  Verletzungs-  oder  Geschwürsstelle 
des  KOrpers  (Inchenh.  Mirakeln.).  —  scharfer 
Schmerz  -  heftiger,  körperlicher  Schmerz  ((Jr.W. 
VIII,  2184).  —  S«7.i'../- -Schmerz  -=  der  meist  von 
<ten  Zahnen  ausgehende,  bis  zur  Schlafegegend 
ausstrahlende  Nervenschmerz.  —  (iojh))  Seiten- 
Schmerz,  1.  -  das  stechende  Wehgefühl 
(Schmerz)  an  einer  der  beiden  Brust-  ( =  Thorax) 
oder  Bauchseiten,  Weichen  (Pleuritis  -  Seiten- 
stechen, Alpstich,  Marstich).  —  2.  =  Lumbago, 
Lendenweh  (Gr.  W.  VI,  714;  Heyne  V,  579).  — 
Sonntags-  Kopfschmerzen  =  eine  an  bestimmten 
Tagen  periodisch  wiederkehrende  Neuralgie, 
diu  an  Festtagen  durch  die  Veränderung  der 
sozialen  Lebensweise  häutiger  sich  beobachten 
htsst  (Magclsxen,  Abhängigkeit  der  Krankheit  von  der 

wiiterung  s.  71).  —  (i»oi)  S/Wn-Schmerz  -  Dolor 
calculorum,  l.ithiasis,  die  Schmerzen)  ptindungen 
beim  Blasen- oder  Nierenstein-Leiden  [Welckard 
233;  Kalke  Ii,  339).  —  Steissbein-Behmerz  ~  t.Wy- 
godynia,  Spasmus  llxus  Paracelsi,  der  bei 
Frnuen  mit  Gebälrmutterleiden  beobachtete 
Schmerz  am  Ende  des  Kreuzbeins.  —  stille 
Schmerzen-  immerwährende,  aber  ertruglicho 
Schmerzen,  die  man  ohne  Lautitiisserung,  z.  B. 
infolge  von  Rheuma, Gicht  hat  (werden  besprochen; 

Möllenhoff  M3).  —  nW(>,  iV/i<)  Schmerzen  (Kisns«, 

ewliche  smart^e,  K.  Vi.  1 ,  80)  —  heftige,  bose, 
schlimme  Schmerzen.  —  unterdrückter,  ver- 
borgener Schmerz  -  Dolor  pressus  Bub  corde 


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Schmetterling — schmieren. 


schmirzen — Schnabel. 


(Kirsch  950);  1.  =  ein  nach  aussen  nicht  sichtbar 
geäusserter  Schmerz.  —  2.  =  ein  heimlich 
nagendes  Schmerzgefühl  in  der  Tiefe  des 
Korpers,  das  ilusserlich  scheinbar  grundlos 
ist.  —  Welt  Schmerz  -  krankhafte,  aus  Willens- 
schwache oder  Geuiütsweichbeit  sich  ergehende 
Empfindlichkeit  gewisser  „nervös"  veranlagter 
Naturen  gegen  die  Mangel  und  Übel  der  Welt, 
die  als  Schwermut,  Mitleid,  Spott  oder  Humor 
sich  äussert  (Pessimismus).  —  Wittib  Schmerz 
=  der  bald  vorübergehende  Schmers  (trmnt.  le 
petit  Juif  [Urb*.  78],  weil  die  Kluger  schließend) 
beim  Drucke  auf  die  sogen.  Maus  am  Ellen- 
bogen (.Judenknochen*)  od.  den  Nervus  ulnaris. 

—  iTunrf-Schmerz  =  die  erste  Empfindung, 
welche  unmittelbar  nach  der  Verletzung  auf- 
tritt. —  Zci/m- Schmerz  [mhd.  unumerue;  tSM  der 
schmertzenn  der  zeen,  Krnutw.  XXXII)  =  Zahnweh 
(8.  d);  derselbe  wird  in  Steiermark  durch  den  Blasi- 
Segen  («.  St.  Blasius),  bei  deu  Pommern,  weil  durch 
den  Zahn  wurm  (s.  d.)  veranlasst,  mit  Worten  be- 
sprochen, auch  als  (neuirisch)  fhiacail  uta  tinne  (Z.  d. 
V.  f.  V.-K.  1*95,  S.  21;  18%.  S.  92;  Wuttke  161.  309, 

/..  f  0.  v.-k.  IS*.*,  s.  su7).  —  schmerzende, 
Schmerz(<-Hs)-.-In/,fl//>  -Leber,  -reich. 

Schmetterling,  m.  (1604  paplllo;  tu  schmieder 

—  dünn,  mager,  Kluge6,  330).  1.  —  s.  Mücke  (die 
elbische  Damonengcstalt ,  welche  Krankheiten  und 
Alptraum  bringt,  Kuhn  I.  III  [s.  Alp  VI])  (Keifalter). 

—  2.  -  (1691  homo  macer  et  iiiflnnis,  Kluge*,  ."30)  ein 
Schmiedel  ling,  ein  magerer  Mensch,  Siechling. 

Schmicke,  f.  (mhd.  schmlck«)  =  Schmies  (siehe 
schmeissen),  Wunde  (i.cxcr  235). 

Schmied,  m.  ivorgcrin.  smi  -  in  harten  Stoffen 
künstlerisch  arbeiten,  (Jeschmeidc  [OfliXn],  OfUVVf)]. 
Killte*,  331;  der  Schmied  abd.  smeidar,  Island,  smidir! 
wiir  der  ernte  Künstler  [s.  Wieland  sub  Schelm],  daher 
Island.  Ilodasmidir,  galldrasmidir  —  l.lederküustler, 
Zauberkünstler,  Maurer  II,  113;  (ock  I,  XX  VI  II; 
altnoul.  nkonroidr  ;cln  Kllennnuie]  =  Schuh  '.Huf- 
eisen-Schmied [Kahn  I,  15s] ;  daher  auch  der  Arzt  tum 
engl  i  pinttcsmlth  =  Heilktinsilcr  am  Hint  [s.  d.]  wird 

[Kurscbiniedji.  —  Kupfer  -  Schmied  =  Gutta 
rosacea,  rubor  faciei  (a.  Kupfer),  rotes  Gesicht 
mit  Anspielung  an  das  rote  Kupfer  (Wein- 
hatulel,  Saufbruder  etc.).  —  ÄW-Schmied  = 
„  Tierarzt,  weil  auf  dem  Lande  der  Schmied  bei 
Krankheiten  der  Tiere  zu  Rate  gezogen  zu 
werden  pflegt"  (h.  raui  26«). 

schmiegen  s.  Schmuck. 

schmieren,  schmirben,  Schmiere,  f.  (tu 

Schmer  [».  d.];  abd.  smirwen  ;  mhd.  smlrn,  smirwen 
mit  Kett  [smirwe]  oder  Öl  bestreichen;  15.  Jahrb. 
smirbe,  f.  -  die  Masse  zum  Schmieren)  schlüpfrig 
machen.  —  es  schmiert  —  eine  lang  sich  fort- 
ziehende, schwache  weibl.  Periode,  die  eigent- 
lich nur  schlüpfrigen,  blutigen  Schleim  «larsteilt. 

—  Schmiere,  Schmierbe,  Schmirben,  f.  1.  = 
schmierendes  Fett,  Salbe.  —  2.  («Kurl.)  Schlag-, 
Streich- Wunde  (41«  mit  Salbe  behandelt  wird,  Schm. 

ii,  555).  —  Schmierigkeit  (smircbaii  =  naoer, 
D.  4*4)  =  schmieriger,  ranziger  Zustand.  —  (ij29j 
in  der  Schmiere  liegen  -  s.  in  der  Sall»e  liegen 
(S.  372a)  ;raniccia.  de  imp.  c).  —  JFn«/ir- Schmiere 


—  der  fettige  Hauttalg  auf  dem  Neugeborenen, 
Vernix  caseosa  (Kindsschmalz).  —  (I7.s3)  Gelenk- 
Schmiere  =  das  die  Oberfläche  der  Gelenk- 
knochen schlüpfrig  machende  Glied  wasser  (s.d.), 
(Synovia)  (letztere«  ein  von  l'aracelsus  willkürlich  au» 
BW  und  ovum  [Eierklar',  ,, gesammelter  Kistofi",  ge- 
bildetes Kriech. -lateln.  Wort  für  (Jcäderklar,  rialuer 
I,  11.  135).  —  ll:iu'- Schmiere  ■  Hauttalg,  Haut- 
salbe, Sebum.  —  Schmier- Drüsen,  ■  Vieh. 

schmirzen  s.  Schmerz. 

SchmiSS,  Schmitz  (zu  schmeissen.  t.  d.). 

Schmollen  (zu  inollen?  wie  Malz  zu  Schmalz.  Nab 
zu  Schnabel,  Kampf  zu  Krumpf,  Mir  zu  Schmier,  Schiets 

zu  letz  etc.. » +  motu.  —  (nun  schmollig,  schmollet 

=  fleischig,  fett  (C.  v.  Schon.  172,  Sc h melier  II, 
519;  Schw.  438).  —  Schmollen  -  (eigentlich)  dicke 

Wangen  machen  b.  Lachein.  —  Schmollen,  ui. 

—  dickbauchiges  Kind,  I'amslel  (Schmeller  II, 
519).  —  Brack  Smolles  -  Dickwanst  (Schuieller  I. 

15S9).  —  Schmollis-A'oy)/. 

schmorren  -  trocken  werdeu  (Schmeller  Ii. .v*). 

—  ein-,  ro-schmorren- durch  Alter,  Krankheit 
mager,  dürr  werden. 

SchmotZ,  m.  SchmUtZ,  in.  (engl,  smut;  keltoir. 
smüt,  Z.  f.  d.  A.  1888,  S.  288;  mhd.,  15.  Jahrb.  smuz,  m. 
s mutzen  =  schmutzig  sein,  Schmeller  II,  562;  Kluge*, 
332;  15. — lti.  Jahrh.  schmoUig  =  sc  hmutzig.  Heyne  V. 
428),  L  =  Fett  (Schwaben;  Henneben;;  C.  v.  Scbm. 
472;  Kluge  L  c  ;  Spiess  II.  220).  —  2.  -  Unreinigkeit, 
Dreck,  Schlacke,  £yr»j  (Hippokr.).  —  Schmotz-, 
Schmatz-  Flechte,  -  OescJnciir,  -  Orint, -Krankheit, 
-Kugel,  -Rufe,  -Schwinde. 

Schmuck,  m.  (vorgenn.  stnuk,  angls.  sinjugo  — 
crepire,  peuetrare,  (  ock.  II,  405;  gerra.  smug  =  sich 
eng  an  etwas  drucken  ,  schmiegen ;  mhd.  smucken ;  r»»2 
sich  schmucken,  Seb.  237)  -  an  dem  Wurfe  (s.  d.) 
sich  enger  machen,  schliessen.  —  Schmiege 
Wunn. 

schmuckein  (Atchaffuborg;  Schmeller  II,  544)  = 
übehieeben  (vom  Fleisch),  schmeckend  nach 
Schmiere,  schmirkeln. 

Schmuttera,  f.  (Vorarlberg;  Schmeller  II,  Ö..9; 
zu  schmettern)  =  Keule,  Kossbeule,  Sehnenklapp, 
welche  knistert. 

Schnabel,  tn.  Schnobel,  m.  (Indoeerm  «nap. 

nap  [schnappen],  angls.  neb,  nebbu  sa  roslrum  uud 
(iesicht,  n.  500,  »  ock.  I,  LXX;  gern»,  snabja,  snabala, 
ahd    snabul  —  Schnabel;  mhd.  snabel,  Kluge1,  ;t32), 

1.  as  Mund  (derbkomisch;  Heyne  V,  129;  Henneherg; 
Spless  II,  220;  Hintucr  6.  14;  [Tirol]  Schnöbet).  — 

2.  =  das  ganze  menschliche  Gesicht  (Heyne  l.  eod  ). 

—  3.  =  rüBselformige  Gebilde,  z.  Ii.  eine  mit 
Akne  (  =  Mitesser,  sogen.  Milben)  besetzte,  spitz 
zulaufende,  lange  Xase(—  Küssel)  der  homines 
rostrati.  —  4.  —  Sehnabelahnliehes.  —  Schnä- 
beliz,  m.  Schnabelitz,  Schnebelitzer,  Schne- 

berltZ  (ahd.  snchili«  -  snrroncs.  1).  II,  341;  snebilazir 
=  scinifes[  =  eimex],  I),  119,  tluca  clcouldes.  hoinlues 
rostratl,  D.  117.  569.  -M;  II,  S9;  «raff  VI,  S3S,  12.  Jahrh. 
«ucbill/a  —  clcouldes  [Phystc*  Hildcg.];  15.  Jahrh. 
sneboliesse,  D.  II,  89  —  homines  rostrati,  II.  Jahrh. 
snebeltzin  vel  milwin  --  tineae,  Voc.  opl.  W.  40,  1429 
sneblicz  es  ciconides,  homines  rostraU,  Schmeller  II, 


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Schnack— Schnalle. 


schnappen— schnarchen.  5M9 


5.VI;  achnebclls*  =  lcndo  [  =  lentlgo],  Ü.  II,  231),  1.  = 
Würmer  (Läuse,  Liesen;  Siren,  Seuren),  die 
man  sich  geschnäbelt  vorstellte,  oder  ein  der- 
artiges wurmilhnliches  Gebilde:  a)  Kosskopf, 
Hundskopf,  aus  der  sich  die  Kaulquappe  und 
der  Frosch  entwickelt  (Schmeller  II,  664;  Buck, 
Fluni.  216)  als  auffallend  verdicktes  oberes  Knde 
der  Froschlarve;  b)  Mitesser  (Würmer,  Läuse, 
s.  Liesen),  die  man  sich  mit  Küssein  und  Schnä- 
beln ausgerüstet  vorstellte.  —  2.  =  solche 
Menschen,  deren  Nase  durch  solche  Mitesser 
(s.  d.,  Akne,  Conedones)  in  eine  rüsselartige 
Schnauze  verwandelt  ist.  —  Schnäberle,  n.  = 
Penis  (Buck  16).  —  Brustbein- Schnabel,  1.  =  der 
schnabelförmige  sogen.  Habichtsknorpel  am 
Pferdebrustbein.  —  2.  =  s.  scharfes  Bein*.  — 
'".'''-Schnabel  =  einer,  der  wie  ein  junger 
Vogel  noch  durch  die  gelben  Bläschen  (siehe 
Spatzenauge*,  Spatzenecke*)  im  Mundwinkel 
Beine  Jugend  verrät.  —  (K.;6)  Ki ähen- Schnabel 
(krayfchnabel)  =  Processus  coracoideus  seapnlae 
(Kabenschnabel-Fort*,  am  Schulterblatt)  (Hyrtl, 
K.  Vf.  4.1).  —  (1616)  Raben- Schnabel  (rappenschnabel) 
=  Krfthensehnabel  (s.  d.)  (Hjrrtl,  K.  W.  43).  — 
Schnabel- Ao/r  (-Rms). 

Schnack,  m.  Schnacke,  f.  schnacken,  I.  (ah<i. 

snaggo.  m.;  mhd.  snäke,  m.,  f.,  Kluge*,  332;  1483 
snaken  =  culex  [  —  Gölsen],  eimex,  f.  v.  Megbg. ; 
Schindler  II,  665;  D.  II,  00;  1419  »uäkl  =  clnomia; 
IMS  schnack  =  cnlex,  I>.  161;  wlineck  ss  culcx,  I>.  II, 
lj-i)  —  langbeinige  Mücke  oder  Fliege.  —  1.  — 
langbeinige,  hagere  Person  (Schmeller  II,  265).  — 
2.  (irillen  (s.  d.),  Inline,  l'osse,  lustiger  Hin« 
fall,  Pelirium  (lT.M ;  bleb«l  Im  dletirlllc  oder  Mucke, 
Schnacke  die  clbische  <ic«talt  eines  geflügelten,  Possen 
treibenden  Wichte«  des  früheren  Volksglaubens).  — 
schnacken  —  schwatzen,  plappern  im  (delirium 
oder  krankhaften  Fieberschlummer  (Kluge4,  HS; 
fioldschm.  17)  in  Analogie  zu:  Grillen  im  Gehirn 
haben  =  Schnacken  haben.  —  schnackisch  - 
grillenhaft,  spasshaft.  —  II.  Schnacke  -  ndd. \ 
angls.  snacu;  altnord  nikr,  mltteleugl.  snake,  Kluge  *, 
332;  Heinrich  Hl)  =  Natter,  Schlange. 

Schnaggel,  m.  schnackein,  schnackezen, 

Schnackezer,  m.  =  (ein  lautmalendes  Wort  für) 
den  schnell  durch  klonischen  Zwerchfells- 
krumpf  erzeugten,  schnalzen<len  .Singultus-Ton 
von  sich  geben,  singultire,  schluchzen,  hetschen 
(ndl.  snarken  —  singnltlre,  I>.  .'>.;•,).  -  Schnackler, 

Schnaggerle,  Schnackezer  -  Singultus  (Scbm. 

11.  .'»66;  fron*,  sanglot«,  liri-s  1>.7;  Zingerle  1">,  Fromm. 

vi,  203).  —  ÄW-Schnackler,  m.  =  eine  Knie- 
gelenks-Erkrankung,  wobei  infolge  von  Kr- 
««hlaffung  der  Gelenkbander  dietielenkknorren 
unter  einem  schnalzenden  Tone  an  der  Unter- 
lage vor übergleiten,schnackelnd  bewegt  werden. 

Schnättels.  Schnatte.  —  Schnättel  Darm  u  *. 

Schnäwe  s.  Schnauben. 

schnauzen  S.  Schnauze. 

Schnalle,  f  Schnallen,  f.  (mhd.  mal.  m.  = 

schnelle  Bewegung;  mhd  Knalle,  f  =  auf-  und  «u- 
schnellender  Mechanismus,  Kluge  *,  3.12 ,  Kleider- 
schnalle,  übertragen  auf)  I.  =  Mund  (mhd.  schnalle,  f 
I-exer  23i;;  1560  schnallen  -  Mund.  Schmeller  II,  574; 


Hintner  6.  13).  —  2.  =  „Partes  sexus  semioris, 
PrOKtibullim"  (Schmeller,  1.  cod. ;  wie  öfter  vom 
Munde  tibertrogen  auf)  Vulva,  Janua  ventris  (auch 
beim  Hund  u.  Fuchs)  (Heyne  V,  430)  (s.  Masche). 

schnappen,  Schnappe,  f.  Schnappen,  f. 

Schnapper,  m.  {tu  Sehuabel  [s.  d.J;  engl,  to  mib|>, 
KalUichm. ;  mhd.  »nanpen  ,  Knaben  ;  1120  snappin  - 
ilopare  [scolpare]  cum  diglto  per  moxillora  sonore, 
D.  II,  331),  1.  =  klappende,  ruckweis  und  schnell 
zufahrende,  jappende  Bewegung  machen,  z.  B. 
mit  dem  Munde  oder  Schnabel.  —  2.  =  hinken 
(straucheln)  (Kluge*,  332).  —3.  =  ein  Schnippchen 
mit  dem  Finger  schlagen.  —  Schnappel,  m. 
=  Schnabel.  —  Schnappe,  f  Schnappen,  f. 
(Sehnauppen,  Schneppen)  =  der  Mund  (Schna- 
bel) wie  die  Schnauze  des  schnappenden 
Hundes  (nintner  d.  13).  —  Schnapper,  m.  1.  = 
ein  schneller  gappender  Atemzug  mit  tiein 
Munde,  z.  B  hiatus  neouatorum  (Pauli  82).  — 
2.  —  ein  Hinker,  der  kurz  abgesetzte,  einseitig 
schnappende  Fussbewegnngen  macht,  oder 
einer,  der  kurze  Atemzüge  macht.  —  3.  =  (1482 
snappercr,  ein  Zungenloser,  elingul*.  Zcnlng.  Voc.  qq  2), 
einer,  der  stammelt,  einen  Zungen-  bezw. 
Sprachfehler  hat  oder  =  Schneppen  (Schmeller 
n,  578).  —  Schnäpperlein,  1.  =  ein  kleiner 
Schnapper  3,  ein  Kind,  welches  viel  plappert 
und  dabei  Verstand  verrät  (Spiess  II,  221).  — 
2.  =  Penis  des  Kindes  (s.  Schnickel)  (Schmeller 
II.  577]  —  Schnäppich  (U20snepplchs  =  llnguosu«, 
ü.  II,  236)  -  einer,  der  viel  plappert.  —  er  ist  am 
.1  •■'•schnappen  ■  am  Ableben,  Sterben  (s.  auf- 
schnappen). —  n u/'schnappen  =  den  leizten 
Atemzug  machen  und  zu  leben  aufhören.  — 
'/'Schnäppig  (gschnappig)  -  geschwätzig.  — 
Kn ic-Schnapper,  1.  =  einer,  der  hinkend  mit 
dem  Knie  einsinkt.  —  2.  =  eine  Krankheit, 
welche  sich  in  dieser  Funktionsstörung  be- 
merkbar macht  (s.  Knieschnackler)  (Wolf;  Buck 
12).  —  Überschnappen,  1  -  überköten  mit  dem 
Fusse  (bei  Pferden,  Falke  II,  38»).  —  2.  --  das  geistige 
Gleichgewicht  unerwartet  schnell  verlieren,  mit 
dem  Verstände  straucheln,  geistig  verrückt, 
verwirrt  sein  (Schmeller  II,  ,.77).  Paraphrosyne 
(Dioscoridis,  Hippokratib).  —  II  in  /-Schnapper 
Luftköcker,  Windkopper  (Falke  Ii,  440). 

schnarchen,  schnarffeln,  schnarken,  schnar- 
ren fgenn.  snar  [Schall  wort,  schnorren  ,  mhd  suarreu, 
snarchen,  snarcheln,  16.  Jnh-h,  snarken,  snarklcii, 
schnarchten;  mitlelengl.  snorin;  engl,  to  »nore  a 
schnarchen,  to  snort  -  die  Nase  rümpfen,  schnauben, 
to  «narre  =  knnrren.  Kluge*,  332;  Knltschm.  I,  601; 
sch«e<l.  suurka;  Ii ol  1 .  snorketi;  dun.  stiorke,  altnord. 
«norgl  =  sonitus,  Fiek.  9111  —  mit  stark  rasselndem, 
hörbarem  Nasen-  (Gaumen-)  Laute  atmen; 
(KUavs)  man  sagt  auch,  wenn  jemand  schnarcht: 
den  Alten  fangen*  (!•:.  w.  i,  i20j  (s.  auch  lirettei- 
■cb  neiden).  —  (ins)  Schnarchelnng  =  sternu- 
tatio,  das  laute  Niesen  -  [r>.  Jahrh  )  Schnarff- 
lung,  (Karnth.)  schnarfen  -  schnarchen  (Fromm, 

vi,  203;  H.  v.  Gemi.  loo;  d.  »I).  —  (i74.i)  Schnarren 
-  Bhotacismns,  Traulismus  (tpfjAt^iv),  die  Un- 
möglichkeit, den  r-Laut  rein  und  deutlich  aus- 
>  zusprechen,  ein  Sprach-  od.  sogen.  Zungenfehler 
(bibi.  Med  416;  notn  ic).  —  schnarchender  Dampf. 


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ftlH)  Schnalle — schnaufen. 

Schnatte,  f.  fzii  schnallten  —  Kinschnitte  machen 
dies  Alilaiit  xu-  schneiden];  18.  Jnhrh.  snatta  —  cica- 
irix,  Mlgma,  I>.  5YJ;  14  Jnhrh.  die  schnallen  der  wunden, 
ttennanla  XVIII,  69;  mhd.  «nette  =  Narbe.  Scbw.  «11 ; 
MIO  malte;  1466  icbDalt,  .«ehnat  b  oJmtrlx,  Schweiler 
II,  581;  D.  117;  II,  88;  1511  schnallen  =  Striemen, 
Christ  Meyer  TS).  —  Schnättel  (angls.  suaedil  — 
extalis,  I).  219;  II,  263  =  kleine  Schnlllchen  [s.  Schmü- 
teldarm.  Packdarm;).  —  (obd.J  Schnate,  Schnatte, f. 

—  Einschnitt,  Wunde,   Narbe,  Wulstreifen, 
Blutstriemen.  —  schnättig,  schnätterig  =  am 
Leib«  wie  beschnitten,  dürftig,  mager,  Hchlank 
(Erbe  22;  Rpleai  ii,  222).  —  ^cschnatzet  -  wie  I 
beschnitten,  mager,  Mass  (f.  v.  Sehm.  473).  —  ' 
Schnättel  Dar»,  (u.'),  -  Wurm. 

schnattern,  Schnatter,  f.  Schnattern,  f.  j 

(lautmalendes  Wort  mhd.  Min  Irren  —  .piackcn,  j 
schuattern,  klappern)  -  beim  Frostemitden  Zahnen 
klappern.  —  es  schnattert  mich  et»  friert 
mich  so  (Erbe  22).  —  Schnatter,  f.  =  iler  (wie 
die  Gänse  schnatternde)  AI  und  (llintner  6.  14; 
Scli melier  II,  584;  Kluge*,  332). 

Schnau,  m.  =  Gehlste,  Schneide  auf  etwas 

haben,  hippig  sein  (KIM;  Fromm.  VI,  18;  1132 
snawden  =  sternnere,  1).  652).  —  schnallen, 
schnauern  -^schnauben, schnaufen, sebnarohen 
(Spiess  ii,  222;  schm  Ii,  &63.  :»79).  —  Schnauner,  m. 
=  Atenmig,  Schnaufer. 

Schnauder.  —  (/»Schnauder  s.  (Schnöder) 
Scbnuder. 

schnaufen,  schnauben,  Schnaupen,  m. 
Schnaupe,   f.   Schnaufer,   m.  (schnoben, 

Schnäwe)  lindogeriii  snüp.  sntii ;  Renn  inupp,  snnl, 
snnii  [Schnupfen,  scbnnfeln , ;  1182  snnwp  -  cmnrrhus 
[coryzal,  Zening.  Voc.  d.d.  8;  mhd.  iliufen,  xnnben  = 
schnarchen,  schnauben;  1645  *lcli  schnnupen  — 
sc  hnauzen,  (  «der,  II.  A.  98;  tldd.  snaewe,  Schnupfen, 
(ioldschm.  11".;  platld.  simf,  stiuf.  UrnncM  IV,  279; 
Ringe  ,  332.  331 ;  engl,  tosnnff  ■  schnüffeln,  selitiiniben, 
die  Nase  riimpfen  ;  schwed.  snnfva  =  Schnupfen)  = 
schwer  atmen,  mit  hörbarer  Luftbewegung  den 
Atem  lieft  ig  einkleben,  auch  schnüffeln,  Dyspnoe 
[üuek.  9.  19;  sthmeiier  ii,  .-.73).  —  schnaufen  wie 
ein  Haufen  (kmplisrer)  Tiroler  (aus  den  Tlroler- 
kriegen).  —  Schnaufen  so  leicht  wie  ein  Vögerl. 

—  Schnaufer,  m.  (ttdl.  snuiver  —  cornard  cornuge), 
1.  =  einer,  der  schnaubt  oder  hartschlilehtig 
ist  wie  <ia»  Schnanferle  oder  der  PfnilUger 
(ein  umgehender  elbischer  (Jeist,  Itirlingcr  I,  208; 
schwed.  skogsnufvn  =  weiblicher  Troll,  da*  Weih  de« 
skogman  oder  Waldschnnnfers;  Mannh.  12».  127.  129. 
130. 1.t4 etc. ;  (iolth.lM)  s.  Schnü Ifelmathca  (Schell 35). 

—  2.  =  der  einzelne  hörbaie  Atemzug.  — 
Schnauferlein,  n.  1.  =  kleiner  Schnaufer  1.  2. 

—  2.  =  Schwächling  (Schweiler  II,  573).  —  (16.M) 
Schnaupen,  m.  ■  Schnupfen  (Hock  385).  — 
Schnaupe,  n.,  f.  =  der  atemholende  Mund 
(s.  Schnappe)  (C.  v.  Schm.  173;  Schindler  II,  .r>77). 

—  v" Bchiiauppet  vom  Geschnäupe  (anhal- 
tenden Schnupfen),  im  Gesichte  entstellt  aus- 
sehend (Sellin.  II,  57  .).  —      schnauf,  (rrSChnÜff 

—  anhaltender  Scbnupfen  (C  v.  ßchin.  474).  —  1 
frndt  schnaufen (oherbayer.)  =  bebend  atmen.  —  ' 
lutrte»,  herben  Schnaufen,  Schnauflgkeit  -  be- 
schwerliches, schmerzliches,  abhärmendes  At-  I 


Schnaure— schneiden. 

tuen;  Pfeiferdampf  bei  Pferden  (Buck  22;  Herbst 

ic  Falke  i,  374;  ii,  194).  —  ^jffi  |  schnaufen  - 

schnell,  behend  atmen  (H.  w.  i,  377).  —  Ver- 
schnauf, m.  =  Atempause,  in  der  man  nicht 
mehr  schnauft. 

Schnauze,  f  schnauzen,  schneuzen,  schneus- 

Sen  lindogerm.  snüt;  Renn.  snüt.  snnth  ;  ahd.  snüzan 
m  schneuzen;  almord.  »nyta,  mhd.  sniu  —  Nasen- 
versehleimunR,  snuzen  ~  schneuzen,  die  Nase  putzen; 
dttn.  snude;'  holl.  snuit  —  Schnautze;  snot  ~  Rotz- 
krankhett;  ndl.  snoitolt  =  Kotznase  (s.  oll);  (analoR 
zum  Krotoir.  s,  Alp  Xj.  eine  damonistlsch  verursachte 
RoUblbiung;  engl,  sneezc  -  niesen  ,  snot  =  Rotz,  snoul 

-  Schnute,  schnautze.  Klagt*',  381).  —  Schneuzet,  f. 
=  die  Schneiizliandlung  (Ruck  13).  —  Schneuzel 
=  der  weisse  Stern  (Schnippe)  auf  der  Pferde- 
oberlippe (Sternschnuppe,  Sternsehneutel) 
(Falke  II.  289;  Zipp .).  —  grünt  Schnauze  -  Gelb- 
sebnabel, bartloser  Junge  (K.  W.  I.  276).  —  Hunds- 
Schnauze,  1.  -  Pars  vaginalis  uteri  (Hyrtl,  Y.  W. 
88;  Auat.  709),  der  wie  eine  llundsnase  oder 
Scbweinsrflssel  (s.  d.)  in  die  Scheide  hinein- 
ragende, beim  Coitus  den  Samen  ansaugende 
Scbeidenleil  des  Uterus.  —  2.  =  llundsmaul. 

Schnecke,  f  SchneckeL  m.  Schnegel  (ahd 

sneeko  a  mueco,  D.  369,  Muckel  [s.d.],  Schnecke  [auch 
sleekn';  MMgll  —  vomex  [morbus)  Schleim,  [niuccus] 
Schlclmkrankheit,  Heyne  V,  436,  I).  629;  KIurc  *  333; 
mhd.  snecke,  snegge ;  17.  Jahrh.  Schnegel.  Kr.  Kr.  H.  633 

—  schleimiges  Weichtier  In  einem  Schalengehanse ; 
mit  letzteren  spielen  die  Kinder  häutig):  I.  =  (Kose- 
wort fiir  Tändelei,  Heyne  V,  435;  ubertragen  aul): 
1.  =  Vulva,  CunnilS  (Heyne  V,  436;  K.  \V.  I,  162) 
(Schneckchen).  —  2.  =  Penis  (hei  l.ustdlrnen) 
(Schneckerl,  Sehnickerl,  ltutr.  •).  —  11=  die 
Ohrschnecke,  Cochlea  (anatomischer  Schulausdruck, 

1.  chir.  20,  mit  dem  Schneekengehnuse  verglichen).  — 
III.  -  Schleim,  uiucur,  pOxo-;  a)  (ndl.  wiek)  -- 
HOhnerpips  (Spreu)  (HeCock;  V.-K.  18»*».  S  114); 
b)  dasZwischenklauen-Gescbwär,  du«  einen  wie 
ein  Wurm  oder  Schnecke  gebildeten  Eiterpropf 
entleert  (Falke  II.  288);  c)  schleimiger  Auswurf 
aus  dem  Uachen  (s.  o.  ahd.).  —  Schnecken  = 
langsam  gehen.  —  /^/Schnecken  =  der 
schleimige  Rachen  •  AnSWOrf  beim  Vornhin 
matutinus  potatorum  (Schi.  139;  franz.  le  Riaire 
[—  darum  «eil.  ovi)  phleRma,  Rriss.  86;  le  huitre  — 
Auster,  K  w.  I.  81)  -  Auswurf.  —  /v/i7-Schnecke 
=  Egelwurm,  Üistoma  hepaticum  (Falke  i,  228). 

Schnee,  m.  (westlndogerm.  snlgh  =  schneien 
[ningucre,  nix,  nivis;  vi-f £t  =  es  schneit];  vorgerm. 
snlgh  ;  gem.-germ.  sul \v  —  schneien,  gnaiwa-z  =  Schnee ; 
ahd.  sneo;  mhd.  sne ,  Kluge  *,  333).  —  Schnee- 
bäuthig,  -blind,  -Brand,  -  Water.  —  es  ist  mir 
wie  in  meinen  Hauch  Ainring  schneit  =  bloss 
locker  gefüllt,  nicht  vollkommen  gesättigt  (Spiesa 
II,  22). 

Schneiden  (gem.-gtrm.  snlth,  snld  ■  schneiden; 
gotb.  «nelthan  [s.  Echnaltien];  ahd.  snidan;  mhd. 
snlden,  Kluge*,  333),  l.^dureb  ein  scharfes  Gerät 
trennen  (operieren,  sedieren,  kastrieren).  — 

2.  =  schneidend  verwunden.  —  3.  =  einen 
solchen  Verw  undtingsschmerz  empfinden  bei 
Kälte,  beim  Urinieren,  im  Leibe  (franz.  la  tranchee, 


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schneien — schnentzen. 


Schnepfen— Schnodel.  601 


Brias.  175).  —  (UM5)  schneiteln  =  scabere,  fricare, 
leicht  schneidende  Empfindung  haben  (D.  515). 

—  Schneider  =  der  da  schneidet.  —  schneidig 

—  mit  scharfer  Ruckgratskante  versehen  (8cbm. 
II,  572).  —  Schnitz  (s.  d.).  —  .-Ho  -gt  schnitten 
Kind.  —  .Beschnittener,  Geschnittener  (ahd. 

plsnltaner  =  devisus,  1).  MO;  1482  bescbnytener  = 
recuticus.  It.  488),  1.  -  einer,  dessen  Vorhaut  oder 
Glied  (s.  I.idacharte)  schneidend  abgetrennt 
wurde;  nach  Reclus  gibt  es  auf  der  Erde  200  Mtllonen 
beschnittener  Manner  («iurlt  III,  763).  —  2.  =  Kastrat, 
Eonach  (XtlV&fifLOC.  «lalenl;  retaille,  Pare).  — 
lilut  '•.•.•■schneiden  (..die  allerlürchterlichite  Aus- 
übung der  Rache,  weil  man  dabei  unter  möglichst 
länger  Verzögerung  de«  Tode«  die  Rippen  vom  Ruck- 
grate losschnitt,  nm  sie  zu  bei<len  Selten  des  Brust- 
beins gleich  ausgebreiteten  Adlerflügeln  vorzuliegen" 
[altnord.],  Edda;  Jordan  Ml).  —  Bi  •<  Her-  schneiden 
=  ein  sSgend-pfeifendes  Gerttusch  beim  schnar- 
chenden Atmen  erzeugen.  —  ein  schneiden  = 
der  Durch -Tritt  oder  -Gang  des  kindlichen 
Kopfes  durch  die  Schamspalte  (Wurf,  Damm), 
wobei  Einrisse  stattfinden  können,  wie  durch 
einen  Schnitt,  und  schneidende  Weh-Empfin- 
dungen  bei  der  Gebärenden  ausgelöst  werden. 

—  Ei >!■;■  schneid  =  das  kleingeschnittene  und 
eingekochte  Ochsen  -  Eingeweide  (Voreasen, 
Schneidelwurm)  (coler,  II.  B.  78).  —  Gesichter, 
Grimassen  schneiden  (die  HoUlarven  [s.  Tocke), 
welche  al»  Dämonen  vertreibendes  Fratzen -Gesiebt 
[  —  «irirome]  benützt  wurden,  waren  geschnitzt,  ans 
Hol«  geschnitten,  an  diese  Kunst  des  modelnden 
Schneidens  angelehnt.  Heyne  V,  438)  »  mimischer 
(ietsichtskrampf,  der  dem  Antlits  einen  ver- 
zerrten Schnitt  gibt  (1700  la  grlmace,  Kluge*,  115; 
Eichhorn  II,  370;  Wntike  289).  —  er  ist  wie  dem 
Vater  aus  dem  Gesichte  geschnitten  =  wie 
nach  dem  gleichen  Modell  gemacht,  Ähnlich. 

—  Km  w  r-Schnitt  =  s.  Kaiser-Geburt  0,  Seiten- 
Geburt*  (Sectio  caesarea)  (nicht  von  J.  Caesar, 
sondern  von  caesus  seil,  foettis).  —  Leib- ,  (1741) 
Magt  n  schneiden  =  Torsio,  der  Kolikschinerz, 
als  ob  man  im  Leihe  (Magen,  Darm)  schneidend 
verletzt  wurde  =  tranchees  rouges,  blanche«, 
vives,  die  wie  Wurm-  (•.  d.)  Dämonen  besprochen 
werden  (De  lock,  V.-K.  1895,  S.  139;  Kirsch  1202; 
Eichhorn  Ii,  819).  —  Urin  -  schneiden  =  kalte 
l'isse,  pisser  rasoir  (s.  schneidende  Wasser) 
(Wailb.  105).  —  (1756)  verschneiden  =  etwas  ent- 
stellend zuschneiden,  ganz  wegschneiden,  ka- 
strieren (s.  Maiden  u.  Kippen)  (Scgenspruch  dabei 
n.  Kuhn  II,  215;  A.  v.  II   II,  167;  Herbst  tw).  — 

Schneide-,  Schneider-,  schneidende  Courage, 
■Krätze,  Krankheit,  -Knrtweü,  -  Waster,  -  Wehen, 

—  Wurm,  -Zähne. 

schneien  s.  Schnee, 
-schnei f  schnauben. 

Schnell  (gem.-gcrm.  snell ;  ahd.  snelt;  mhd.  snell  = 
nichtig,  bald  zur  Stelle,  raach,  kräftig,  geschwind).  — 
(UM)  ;.  schnellt  =  rasch  in  Bruchstucke  unter 
lautem  Krachen  zersprengt  (Otult  III,  257).  — 
Schnell  Ader,-Auuehrung,-Katharine,  Fieber, 
-Kraft,  -Sucht.  —  Schnellbeit  s.  Schnöder. 

schnentzen  =  schneuzen,  s.  schniluzen  (C.  v. 

Schm.  474). 


Schnepfen,  schneffzgen  (schnofzen)  (ahd 

snephizan,  snopblzan,  Ur&ff  VI,  851 ;  snophezungo  = 
singultus,  II.  Z.  XV;  14.  Jahrh.  snopbzung  =  singultus, 
Voc.  opt.  41;  schnipssen,  sebnipfexen  =  aingultare, 
D.  536)  ----  8ingullire,  mit  heftigem  Seufzerstoase 
schluchzen,  wie  Kinder  nach  dem  Weinen  (c.  v. 
Schni.  474). 

Schneppern  s.  Schnapperer. 

Schnettel  s.  Schnatte. 

schneuzen  s.  schnäuzon. 

schnicken,  Schnlckel,  m.  (zu  schnack  [•.  d  ] 
und  schDucken).  —  schnicken  =  schnellend  be- 
wegen, singultare  (D.  536),  z.  B.  das  Zwerchfell 
beim  Hetscher.  —  Schnlckel,  in.  1.  =  Membrum 
virile  (Schniepel,  ob  erectionem).  —  2.  =  langer, 
hagerer  Mensch,  an  dem  sich  die  Glieder  bau- 
melnd bewegen  (C.  r.  Schm.  474  ;  Schmeller  II,  667; 
conf.  engl.  mm.  1-er  -ein  driisenkrankes  Pferd,  welches 
oft  niesend  das  Zwerchfell  schnellend  bewegt,  Kaltscbm. 

I.  601).  —  3  =  Rossel.  —  (ndd.)  sniknp!  =  der 
Hetscher  (Singultus),  der  (well  damonlstlsch)  (siehe 
Mar-briegen)  besprochen  wird  (Wuttke  317;  V.  K. 
I,  162.  205). 

Schniepel,  m.  a.  Schnickel  1  (H.  Paul  39s) 
(Zipfel). 

Schniffelz  =  Schnäbliz  (Schnabel),  s.  d.  u. 
SchnQfeln. 

Schnille r ,  m.  =  Schnickler,  Penis  (Spleas  II.  223). 
schnipfen,  schnipfzen,  schnippsen  -  (ein» 

Lautnachahuiung  des)  beim  Schluchzen  (Singultus) 
oder  Schnepfzen  (s.  d.)  hörbaren  Naturlauts 
(Hetscher,  Klux)  (Schmeller  II,  578;  D.  536;  r»r.  W. 
IV,  2.  1267).  —  Schnippchen  -  Schnipfchen,  das 
schnelle  schnappende  Gerttusch  des  Fingers, 
mittelst  des  daraufgelegten  Fingers  erzeugt 

(H.  Paul  328). 

Schnippe,  f.  (ein  zugeschnittenes  Fleckchen, 
Kluge*.  333;  Schm.  II,  578;  übertragen):  ein  weisser 
Streifen  od.  Fleck  unter  der  L'ferdenase  (Mayer  47 ; 
Herbst  20;  Falke  Ii,  2S9).  —  Schnippchen  =  siehe 
schnipfen. 

Schnitt,  m.  Schnitzel  (zu  schneiden  [«.  d.] ;  ahd., 
mhd.  snlt)  =  Schnitt-Wunde  als  Produkt  des 
Schneidens  (Kluge5, 333;  l^xor237).  —  Schnitz,  m. 
=  Ausschnitt  aus  dem  Fleisch.  —  (1715)  Pfaffen- 
Schnitzel  =  ein  besonders  feiner,  kleiner  Aus- 
schnitt aus  dem  Fleische,  Herrenroaus,  Garb- 
schale (Tolle  lege  864).  —  Schnitt-  Wunde. 

Schnobel  s.  SchnabeL 

schnoben,  schnobern  (zu  schnauben,  s.  d.).  — 
schnobisch  (ndd..  1404  snovlsch)  =  mit  Influenza- 
katarrh behaftet  (Lersch  177;  Kluge*,  331).  — 
Schnöbigkeit  =  der  Zustand  des  Schnnubens 
b.  Kotz  der  Schafe  (<oler,  8ch.  434).  —  schnobern, 
schnoppern  (schnuppern)  -  den  Atem  zur 
Witterung  einziehen. 

Schnodel,  m.  Schnöder,  m.  schnöde,  Schnott, 
Schnotz,  ro.  Schnnde,  f.  Schnuder,  f.  Schnu- 
del,  m.  Schnutter,  m.  (indogenn.  snup.  snut ;  germ. 
snüt,  snuth;  ahd.  suüden  -  schnauben,  schnarchen; 
snitder  m  phlegma  [Rotz];  angls.  snoute  =  Schnauze, 
Cock.  III,  ::16;  12.  Jahrh.  snuz,  snott  =  muons,  cathar- 


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Schnöder. 


Schnöck — Schnupfen. 


i  hus,  It.  Z.  V,  825;  14.  Jahrh.  «nuder  —  phlegma,  Voc. 
upt.  \V.  Iii;  mhd.  snuz  =  Nascnversehleimung,  suudel, 
«nuder  =  Nasenverstoptnng  durch  den  zähen,  dicken 
Rot*  [=  Phlegma;,  Graft  VI,  845;  Kluge*,  333;  Hl». 
1129  snuder  =  niucus,  screntus,  catarrhus,  Schweiler 
II,  573;  H62  «Hut*  —  rheuma;  1  snüderer  =  rheu- 
muticus,  1)11,318;  1472snodcl  =  screa  Roll], D. 4ff7. 620 ; 
1182  snode  —  posg  [^böue,  i.  Bot*,  alles  ding«,  malus  ; 
snoder  -  kranker,  schwacher,  tnaledletus,  Zeuing.Voc. 
dd  8,  t  5;  H97  schnoede  =  unschön,  dlftorm,  Gurlt  II. 
213;  UM  snot  =  mixa  Schleim',  D.  II,  255;  1607,  ndl. 
snodel  =  nilxa;  snolz,  snot ;  1Ö07  snoet;  l.M'J  schnöder, 
sehnuder,  schnutz  =  polypus  narium,  (ocdatlo  narls 
[D.  MC.  445),  rheuma  [D.  197.  643],  mueus,  I>.  34».  371; 
schnuder  =  muoa,  mueor,  catarrhus,  Schimmelpilz, 
Zening.  Voc.  er",  dd  8;  1537  schnuder  =  Hnuptflüsslg- 
kelt,  Katarrh,  die  Mutter  aller  Krankheiten,  Krautw. 
LXX1I;  1742  schnuder  =  [  Pferde-]  Rotz,  Zw.  177;  K.  A. 
165;  ndl.  snnltje,  snoet,  snnit  -  Rüssel-,  Na^enkatarrb, 
V.  K.  VI,  6.  17;  engl,  to  snlte  =  schnauzen;  altnord. 
snolra  =  die  Gescbnauzte,  vom  Gehirnwust  Gerciulgle 
[*.  faustdick],  Kluge;  Zc.  136;  schwed.  snor  =  Nasen- 
schleim. <;urit  i,  in).  —  Schnott,  Schnud.  Schnu- 
del,  Schnuder,  Schmitz,  Schnodel,  Schnöder, 
Schnödel,  Schnotz,  Schnauder,  1.  =  Nasen- 
schleim, Kotz  (Phlegma,  Kheuma).  —  2.  = 
Krankheit,  Hie  Nasenschleim  erzeugt  (Seere- 
tuin),  Nasenkatarrh, Sträuchen,  Nasenpolypetc, 
Coryza  (C.  v.  Schm.  476).  —  3.  =  Nase  und  Mund 
(Schnnuze)  bIh  Bcllleitn  ausscheidende  Teile 
(fiehw.  612.  r.H;  8chmeller  II,  578).  —  4.  =  MMiner- 
pip«,  Hnhnerrotz  (.  oler,  Ii.  615).  —  Schnödel- 
l>eit,  Schnödigkeit  (H2ü  snoelhelt  =  vilitas,  n  619; 
1483  schnödigkeit  ■  inaeula,  snodtgkcll;  15.  Jahrh. 
sticllieit,  Ii,  445;  snüdchcyd  =  vllltn«.  I).  019;  Zeiiing. 
Voc.  r.  3,  cc  7)  -  Schwachheit,  Elend,  Kranklieit, 
Vditas,  vielleicht  vom  Influenza- Katatrh  (Pips, 
Zipf)  übet trafen,  wie  auch  das  gleichbedeu- 
tende Pips,  Zips  -  allgemeine  Schwache  be- 
deutet. —  schnuderig,  schnoderig  (i  182  seimu- 

driger  =  rheumutlcns  [Itheuma,  phlcgina  Klus*  aus 
der  Xase],  Zculng.  Voc.  ff  I)  -  rotzig  (auch  von 
Pferden),  schleimig  (flehm.  II,  573;  Coler.  W.  360). 
—  schnueden  (Itayi  rn)  ~  schnftlleln,  riechen  mit 
der  Schunde  3  (Schw.  612).  —  schnodeln,  schnu- 
dern  (Schweiz)  —  rotzen,  durch  die  mit  Kotz  ver- 
stopfte Nase  öfters  atmen,  schnauben  (Schm.  II, 
572.  .73).  —  Schnüderling  =  „Rotzklumpen" 
(Schm.  II.  573).  —  Schnudrete,  f.  (ahd.  snuderata 
curtagus  ;  etUarrhus],  Craff  VI,  845)  =  (jcschnödcr 
(lürlinger,  Sitten  II,  37).  —  Schnöderle,  n.  -  Kötzer 
(s.  d),  kleines  Kind,  Nesthocker  (Kitrnthen; 
Fromm.  VI,  203).  —  Gi  Schnauder,  schnuder, 
-schnüder,  -schnöde  («ngis.  gewote,  cock.  II,  4; 

mhd  gesnoede,  gcMioeude  —  das  Schnauben,  I.exerTl), 
1.  =  NaBen-Katarrh,  t'oi yz;i,  Schnupfen,  Nasen- 
versehleitnung  (Mrlinger.  Volkst.  I,  4ü5.  117;  Ruck 
13.  15).  —  2.  m  anhaltendes  Schnauben  wie  beim 
Schnupfen  (1)  (nirllnger,  Sitten  II,  37).  —  Xasen- 
Schnödelheit,  -Schnuder  (ahd.  na«esm*idan  -  sub- 
snnnare;  nasesnnda  —  suhsannatio ,  ürart  VI,  845; 
15.  Jahrh.  nascnsnclheit  |  ■=  snoedelheit)  —  polypus 
narium,  Ii.  41  >;  US9  ein  snocdel  an  der  nasen  — 
screatns,  D.  II,  332),  1.  —  weisser  Nasenschleim 
(Zw.  395).  —  2.  n  «lie  allgemeine  Blödigkeit, 
Mattigkeit  heim  Nasenkatarrh  (Pips,  Zips).  - 


3.  -  der  krankhafte  Zustand  der  Nase  beim 
sogen.  Nasenpolyp.  —  roll  SchnutZ  (I5i2  =  mneu- 
lentuK,  D.  371)  =  voll  von  Nasenschleim.  — 
Schnöder-,  Schnuder-,  schnöde  -Eingticrids, 

[  -Gtft.  -Ginkd*,  -Golker*,  -  Kengel,  -Kübel; 

1  -Xase, -Olf, -Putz, -Rott. 

Schnöck,  Schnöckel  (Schnück)  =  Zitze, 

Mutterhrust  (henneb.;  Spiess  11,224)  (s.  Sehnückel). 

Schnömms,  Schnüms,  f.  =  Vulva  (Spie**  i,  30; 

II,  224;  henneb  ). 

Schnofel  s.  Schnupfen. 

8choffzgen  s.  schnepfzen. 

schnopfen,  Schnoppe,  m.  Schnorke,  Sch Hör- 
pel, f.  s.  Schnupfen. 

Schnorre,  f.  s.  Schnurre. 

SchnortZ,  Schnotzen,  m.  (letzteres  zu  Schnöder, 
j   Sehnotter  (Schnützen]),    1.  =  Keltwillsl  unterm 
Kinn,  unter  der  Nase  oder  Schnauze  bei  Tier 
und  Mensch  (Sehmeller  II.  592).  —  2.  =  Nasenrotz 
(mhd.  snarz,  Fromm.  VI,  204). 

Schnuck  auf!    schnucken,  Schnückel, 

BChnÜckern     (ndd.    inückupp)  =  Schluckauf, 

Schluchzen  (Goldscbni.  101)  (s.  Si-hniekel)  (ndl. 
j  snucken  =  singnltare,  1).  636).  —  schnucken  =  mit 

Schluchzen  atigebrochen  weinen  (Fromm.  VI, 
i  m).  —  Schnück  ■  Zitze,  Mutterbrust  (Spie«  II, 

224),  an  der  man  schnflekt,  saugt  (1.  eod.  II,  249). 

schnüren  8.  Schnur. 

Schnüssel,  m.  schnützen  s.  Schnotzen.  — 
Schnüssel  -  Uüssel,  Schnauze  (Fromm.  VI.  4SI). 

Schnüffel,  Schnufel,  m.,  f.  schnufeln, 
schnüffeln,  Schnufflitz  (angis.  mofl;  engt,  nitre] 

—  Nasenschleim  ;  snuftle  -  näseln  ;  to  snllT  —  schuuleln. 
Kalt«chm.;  udd.  suuffelen)  =  stark  durch  die  Nase 
Luft  holen,  beriechen,  grinnire  (Kluge  *,  334).  — 
Schnufel,  m.,  f.,  1.  =  Nase  als  Uerurhaorgan.  — 
2.  =  verstopfte  NaBe  (Hintner4.  6  15;  Sehmeller  It. 
573).  —  Schnuller,  m.  (Tirol;  Wolf)  rr  Schnufel.  — 
SchnÜflltZ  (16.  Jahrh.  snlffelze  =  serpedo  [Wurm], 
l).  530)  ■  ein  Schnabliz  (s.  Schnabel),  iler  an 
tler  Schnufel  (1)  durch  einen  Mitesser  (Akme. 
Comedo  -  Wurm,  Kiese,  s.d.)  entstellt  ist.  — 
Schnüffel  Krankheit,  -Nase. 

Schnupfen,  m.  f.  schnupfen.  Schnupfer,  m. 
Schnuppe,  f.  Schnuppen,  m.  Schnoppe  (Schno- 
fel, Schorpe)  (Indogerm.  snup,  snnt  [schnikuren]; 
germ.  snupp,  snuf,  snub;  altnord.  snojtpa  —  Schnauze ; 
angls.  snofl  —  mueu«,  Cock.  II,  21;  mhd.  «nupfe,  m.,  f. 

—  Schnupfen,  Ix-xer  237;  snupfen  [«ehluchzen]. 
13.  — 14.  Jahrh.  snube  =  rheuma,  I).  497;  14.— 15.  Jahrh. 
mnd.  der  snuve,  J.  f.  nd.  Sp.-F.  XV.  125;  md.  snuppe 

—  Schnlluzen.  Kluge*,  321;  1414  snoppe  —  polypus. 
foedatio  narium,  I).  415;  1469  sehnope  =  rheuma, 
D.  497 ;  1 177  schnoppe  —  rheuma,  1.  eod. ;  1521  schnup,  f. 
=  rheuma,  1.  eod. ;  1576  schuop,  Hort.  i. ;  16.  Jahrh. 
anuppe,  f.  snuppcu,  f.  annpfen,  f.  schnupf,  f.  «lopi*.  m. 
«nopp,  in.  snop,  snanp,  snorr>e  [snorkenj.  schnopf, 
Heyne  V,  418  -  catarrhus.  rheuma,  sternutatio  [polipm  , 
I).  II,  296.  318;  1615  schnupfen  —  hranchus,  gravedo, 
Hiihncrpips,  <  oler,  H.  A.  98.  515;  1725  schnuppen,  m. 
coryza,  Th.  S.  Itr.  776 ;  Maschenb.  148 ;  1756  schnuppen,  m. 
A.  v.  H.  I.  4H7;  j.lattd.  snfif,  snuf;  dan.  «nive;  engl, 
snlvcl  -  Hotz;  schwe<l.  snufva  =  Schnupfen  ;  ud.,  md. 


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Schnupfen — Schnur. 


schnurfen— Schöber.  ö»8 


■chnuppen  ■  sphnupfen,  schneuzen,  H.  Paul  390).  — 
Schnupfen  (Schnuppen),  l.  =  Coryza,  Gravedo, 
Phlegma,  Pituita,  Rheuma,  Schleimfluss  aus 
der  Nase,  Sträuchen  u.  a.  beim  Nasenpolyp 
(Schw.  616;  I).  439).  —  2.  =  Sehleimhautkatar'rh 
überhaupt.  —  3.  =  (verhüllend  und  mit  eluer  an- 
deren Krankheit  umschreibend)  den  Schnupfen 
haben:  geistig  nicht  zurechnungsfähig  sein 
(Wustmann  127).  —  Schnuppet  n.  -  Schnupfen 
(c.  v.  schm.  475).  —  schnopfen,  schnupfen, 
Bchnupfzen.  1.  ^  den  Schleim  aufziehen  in  die 
Nase  —  2.  =  schluchzen  (onotnatopnlet  ;  Ileyne  V, 
449;  I>  536;  Schweix.  H.  Panl  398;  Sehmeller  II,  579). 

—  Schnup fezer,  m  Schnopfizer,  1.  -  Nase 
(Tirol;  s.hmellcr  II,  579).  —  2.  =  einer,  der  oft 
schnupft.  —  Schnupfer,  Schnupper  (nhd. 
anupfer),  1.  =  Schnauber,  einer,  der  schnaubt 
(durch  die  verstopfte  Nase)  (wie  ein  einlacher 
IJftmnn,  z.  II  der  SchnünYlmathes,  Lcxer237;  Schell  35). 

—  2.  —  einer,  der  herumschnuppert,  schnüdelt 
am  Essen,  heikel  (Spiesa  II,  224).  —  3.  =  der 
einmalige  Atemzug  durch  die  Nase  (Schindler  II, 
579).  —  böser  Schnupfen  =  Nasebotz,  Influenza 
(conf.  achwed.  elakartad  inufva  =  Influenza).  — 
brandigt  r  Schnupfen  =  diphtherieähnlicher  Na- 
senkatarrh bei  Rindern  -  hitzige  Kopfkrankheit 
(s.  d.).  —  (1761)  fliessender,  Ffieas-Schnupfen, 

1.  =  ein  nicht  versteckter,  trockener,  sondern 
bereits  in  das  Stadium  der  messenden  Sekretion 
getretener  Nasenkatarrh,  Coryza  Hippokratis. 

—  2.  =  Nasenkatarrh  bei  Munden  (L.  chir.  20, 
Kersch  871).  —  Heu  Schnupfen  =  Ileufieber, 
Schnnpfenfieber*.  —  (1766)  Haupt- Schnuppen 
(Heyn.  ■  74)  =  Nasenkatarrli.  —  «/od- Schnupfen 
=  der  durch  Jodarzneien  eintretende  Nasen- 
katarrh. —  Land  -  Schnupfen  =  endemische 
Influenza  (s.  d.)  (Kaltcchm.  I,  IM).  —  (1734)  Mutter- 
Schnupfen  =  die  Schleimsekretion  beim  Gebar- 
mutter-Katarrh (Endometritis  cervicalis  ca- 
tarrhalis)  im  Gegensatze  zum  Hauptschnupfen 
(Hauml.  490).  —  Nasti  Schupfen  (KIham,  noi- 
aehnuppc,  E.  W.  I.  64)  -  Schnupfen  1.  —  russischer 
Schnupfen  Influenza  (Kaltachm.  II,  362;  Lcrach 
447)  b.  russischer  Katarrh.  —  Stock  Schnupfen 
=  Coryza  haerens  s.  Gravedo  -  ein  Nasen- 
katarrli, dessen  Sekretion  noch  nicht  im  Gange 
ist,  sondern  wie  ein  eingepflanzter  Stock  gleich- 
sam in  der  Nase  steckend  festsitzt  (Kopp  V,  M). 

—  '  ^schnupft  (Bdl.  versnoft.  De  Cork;  V.-K.  1895, 
8.  144),  1.  =  ganz  und  gar  durch  Schnupfen  am 
Atmen  behindert,  auch  von  Hühnern,  die  den 
Pips  (s.  d.)  haben  (s.  Druse).  —  2.  =  verdriess- 
lich  sein  (Kkelgefflbl  oder  Verdruss,  s.  d.).  — 
versteckter  Schnupfen  -  Stockschnupfen  (Pauli 
10).  —  Schnupfen- Fieber  und  -Krankheit. 

schnuppern  s.  schnobern. 

Schnur,  f  (Schnür)  (Indogcrm.  »n<>  =  flechten  ; 
ahd.  snuor;  nihd.  snuor,  Kluge  *,  334  —  geflochtenen, 
gedrehtes  Uaud).  1.  =  Flechse  (Flexus)  Chorda, 
Sehnenschnur,  namentlich  die  Sehnen  der 
Fingerbeiiger  und  -Strecker  (Ilyrtl,  K  \V.  138).  — 

2.  —  sonstige  schnurithnliche  Gebilde  (Adel), 
Pestatriemen,  Wurmstränge  (v.  M.  II.  130).  — 
schnüren-  kastrieren  durch  AbbindungdT.  Paul 
399).    —    JSand-Schnur  (bandtinur.  Ilyrtl,  K.  W. 


I  15)  —  bandähnliche  Flechse.  —  (nie)  Blasen- 
Schnur  =  Urachus,  der  schmale  Strang,  der 
von  der  Harnblase  zum  Nabel  als  Rest  der 
Harnschnur  des  Embryon  geht  (Kirsch  1262; 
A.  v.  IT.  II,  31;  Gr.  W.  II,  70).  -  2Jni  n/Y- Schnur 
=  der  Sameustrang  beim  Hirsch  (Vert.  Volks- 
lied. 162).  —  Da mpf- Schnur  ~  Dampf-Rinne 
(s.  d.)  (Zlpp.  308).  —  (1740)  //arfi-Schnur  — Blasen- 
schnur, Urachus  embiyonis  (l.eveling  195;  Kulraui 
190).  —  (1740)  i\Trtfcr/-Schnur  =  dasschnurförmige, 
geknotete  Bündel  von  Blutgefässen,  welches, 
umgeben  von  der  Nabelschnursulze,  von  der 
mütterlichen  Nnchgehurt  als  Nahelstrang(Ader) 
zum  Nabel  der  Frucht  geht  (Funicnlus  umbili- 
calis), le  petit  boyau  (ftrlss.  37;  Kulmus  Regtat.). 
—  (1783)  Samen- Schnur  =  Cremaster,  Samen- 
strang (s.  d.)  Brunftschnur  (Levellng  99).  —  (1594) 
Fer-schnÜrung  (des  Kindes):  bei  Jeder  etwa* 
schwierigen  Entbindung  nahm  man  früher  an,  das»  <liu< 
Kind  oder  die  Frucht  im  Mutterleihe  durch 
Bftnderverknüpfung  innorhalbder  Gebärmutter 
festgehalten,  sozusagen  verwachsen  sei ;  nament- 
lich zur  Strafe  für  uneheliche  Schwangerschaft  (schivlc- 

I  riger  I.  partus)  oder  für  frühere  Krucht-Totung  (häufigere 
Schieflage  bei  mttlliparae,  die  bei  der  früheren  mangel- 
haften Geburtshilfe  öfters  al«  heutzutage  nira  Absterben 
der  unentbundenen  Frucht  führen  musste)  (s.  Kinds- 
bänder (<lr.  W.  II.  4'.l ;  V,  773).  —  l  I  utm  -  Schnur 
=  die  pcrlschnurähnlich  aneinander  gereihten 
Rotz-  (s.  Wurm-)  Beulen  b.  Pferde  (l.ymphan- 
goitis  mallei  humidi)  (Zipp.  339).  —  Zusammen- 
8chnürung  =  der  Zustand  oder  die  EmpÜndung 
einer  verengernden,  aber  passiv  wieder  auf- 
lösbaren Zusammenziehung  durch  Bänder, 
Muskeln;  ist  sie  hleihend,  dann  ist  es  eine 
Schrumpfung  (Muskel- Kontraktur);  Kehlen- 
Zusammen  sc  h  n  0  ru  n  g  =  Synanche  (fiurlt  I, 
v.7)  —  Schnür-,  Schnur- Brust,  -Hitze,  -Leber, 
-Magen. 

schnurfen,  schnurpfen,  schnorfen  =  schnü- 
ren, Bchrumpfen  (1703  der  Hals  ist  zusammenge- 
ichnorfft,  Abrah.  I,  285;  Sehmeller  II.  583;  Ileyl  795). 

Schnurre,  f.  (Schnorre)  (vielleicht  vom  borstigen 

Barlhaar  der  schnurreuden  Katze  übertragen  auf)  1.  = 
Schnauzbart  des  Menschen.  —  2.  =  Maul,  Mund 
und  Nase  (Kluge»,  334;  C.  v.  Bcl.ro.  475;  »irlinger  II. 
83;  Sehmeller  II.  581).  —  Sehn tUT- Bart. 

Schnutz  s.  Schnöder. 

Schechen,  Schocken  s.  Schacken. 

Schock,  m.  1.  =  s.  Schuck.  —  2.  b  (franz  rhoc 
=  Stos»  >  schaukeln],  Kluge*,  318;  engl  shake,  shoc-k, 
shog  =  F.rschüttening,  Anstoss  des  Nervensystems, 
Leht.  121.  IM;  Pornbl.  122;  liend-shake  =  Haupt  - 
schütteln,  Nciiüttelnde  Kopfbewegung)  —  Wlllld- 
schreck,  „der  paralysierende  Kinfliiss  einer 
plötzlichen  und  heftigen  Erschütterung  resp. 
Verletzung  zahlreicher  Nerven  oder  einzelner 
grosser  Nervenstätume  auf  die  Herzthätigkeit" 
(Roth  48i).  —  //«rz-Schock ,  1.  =  Spitzenstoss 
beim  Herzschlag.  —  2.  =  die  von  heftiger 
Erregung  des  Gefäss-Syslems  ausgehende,  dem 
ganzen  Körper  mitgeteilte  Erschütterung  des 
Nervensystems  (s.  Schrecken). 

Schöber  e.  Schabe. 

38 


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594  schöfeln— Schöttem. 


Schöte— Schorf. 


schöfeln  ~  scherfein,  beim  Gehen  mit  den 
Harken  der  Ferse  Bchlärfen  (Fromm,  vi,  48t; 
Lippe). 

schollig  b.  schellig  S.  562. 

Schön,  Schöne,  f.  (germ  skau  =■  schauen  j  goth. 
skauns,  ahd.  scouwön  ■  »«-hauen;  scöni.  f.  =  die  be- 
schaubare,  sehenswerte  liestalt  [Farbe] ;  scöul  =  hell, 
glänzend,  herrlich;  mhd.  schoene.  f.  schoene  —  wbrin, 
puloher,  speciosus;  16"-l  schoene,  f.  =  Kotlauf,  Bock 
41.  44.  84  ;  I..8J  Behocne  =--  eryMpela*.  Rotlauf.  Frclsum  • 
Lonle  lOii.  213.  E.  W.  I.  56;  1583  schöne,  f  =  Kar- 
bunkelgcschwiir,  <ir.  W.  IV,  2,  k3T  ;  1688  sehoen,  f.  = 
Rose,  Tahern. ;  16U  sehocne  —  Oberrole,  Uurlt  III, 
254 ;  Hi30  sehoen.  f.  =  eine  unnaturliehe  [lokale!  Hllre. 
Lonio  ;  17.  Juhrh.  Sehoen  oder  Rothlauff,  Fr.  Kr.  B. 
200,  1712  schoene,  f.  =  crysipelas,  Zw.  IM;  (hr  Sau». 
II,  308;  flaml  sehoonsel  =  Schönmachscl  >.  d  |,  DeCock, 

Folklore).  —  Schöne,  f.  1.  —  «las  durch  die  glän- 
zende, heisse  Röte  der  Haut  auffallende  Rot- 
lauf, Krysipelas  (und  Phlegmone,  Bursitis  phleg- 
monosa), Rose,  Rotschön,  Schönrote,  Hübseh, 
„nie  schlügt  sieh  zu  Wunden"  (1682;  I.onlc.  171); 
ebenso  der  wie  eine  glühende  Kohle  glänsend- 
rote  Karbunkel  (Kohlenbeule,  s.  d.).  —  2.  = 
Placenta  (iw.4i,  nXaxoür,  1559  placunta,  Roth  418), 
die  Säuberung  (h.  d.)  vom  Mutterkuchen  (h.  d.) 
oder  Richte  (s.  d.),  mit  deren  Abgang  sich  das 
tierische  Weibchen  reinmacht,  säubert,  be- 
schönt, schmückt  (Sehmeiler  II,  427).  —  3.  =  (1342) 
das  eine  rote  (rot  galt  stet»  als  schon ;  s.  rot)  Birn- 
au ppe  (jus)  gebende,  gereinigte  Eingeweide  der 
Gans  (Schmeller  II.  427).  —  (IV  Jahrh.)  schon  (adj.) 
=  von  Lepra  frei,  Anschauen»  und  damit  des 
Almosens  würdig  (I.oohner,  die  Sondcrslechen  In 

Nürnberg  218).  —  (1731)  ifof-Schöne,  f.  -dw  wegen 
ihrer  roten  Hautfarbe  auffallende  Rose,  Schöne, 
Rotlauf,  Krysiptdas  (Pauli  7;  Lammen  222;  Or.  W. 

viii,  i3ii)  —  Schön'/)-.  Schönheit- Mütterchen, 

-Blindheit,  -Fehler,  -qesund,  -Hand,  -Machtet, 
-Tinte,   Sucht,  -Unken,  -Zähne. 

Schöpf  s.  schoppen  u.  schallen. 

Schöps  (SchÖtz)  (indogerm.  sknp  ■  schneiden, 
i|netsehen  (eapön  —  Kapaun ,  verschnittener  Hahn], 
Fiek.  201  ;  mhd.  Ichopez  im  dem  Slavischen  [skopee] 
entlehnt),  1.  -  kastrierter  Widder  -  Hammel; 
die  Ka«tration  kam  vom  Outen  fs  Wallach;  Kluge*, 
336.  3t»'.;  Klelnp.  :*B.).  —  2.  =  dummer  Mensch 
(Rpies*  II,  226;  II.  Paul  401). 

Schör,  f.  Schoren,  n  (det  rlten  nn  sohoeren 
plagt  mc,  Zeitschr.  d.  V.  f.  V.-K.  189S.  203  -  Schör,  f.) 
s.  schorren. 

Schörben,  pl.  1.  -  Scherbe  (s.  d.).  —  2.  = 
Schorf  (h.  d.).  —  3.  =  s.  Scherber. 

Schörpentin,  m.  fjwndn  sarpa,  Ze  413 ;  atrpena 

=  der  Schleicher ;  1592  sclioorpontlii,  Beb.  17t".;  ver- 
mutlich zu:  serpodo,  sorpoden,  «erpentln ;  10  Jahrh. 
serpentengcschlecht,  D.  530,  mhd.  serpente,  V.  K.  IX, 
124  =  Schlange,  Wurm  j  serpunt,  [Mtt]  serp.  serp*.  D.  II, 
337)  =  Krön»  oder  Schuss-Wurm  (lat.  Kerpens; 
sorpedo  s  Rftte  am  Leihe  mit  einer  schleichend  sich 
ausdehnenden  (.eschwulst,  Kirsch  1093). 

Schottern,  pl.  =  geifernde  Lippen  (Schnit- 
tern?) (anlehnend  an  d.  abtropfenden  ijuark  [tfehotten], 
nintner  6.  14). 


Schötz,  m.  (entstellt  aus) :  Schöps (O.-Pf..  Franken  j 
Schmeller  U,  492). 

Schol  s.  Schäle  7. 

Scholle,  f  schollen,  scholdern  (aitnord.  «kiija 

s=  scheiden,  trennen;  aluachs.  skola;  angl»  sceölu 

—  Abteilung,  engl  skoal;  germ.  skol  —  Gespaltenes. 

!  Kluge*,  335  [s.  Schelm]).  — Scholle  =  abgetrenntes 
Hauptstück,  Schleimkruste,  die  eich  ablöst.  — 
«■-schollen  (VW  m>  jm  ein  Pferd  da«  weis*  Oeader 
erschöllet  oder  verruckt  hat,  daas  es  hinket.  Seb.  182) 
■  verrücken,  vereerren  (Schmeller  II,  407). 

Schon.  —  Schon-  Rippen. 
Schooss,  m.,  f.  Schos  s.  Schoss. 

Schopf,  m.  (goth.  skiifta,  skufls  ■  caplllus,  Ze.  67; 
aitnord.  skopt;  mhd.  schöpf.  Kluge  \  335;  1420  schoppe 

—  sinclput.  I».  II.  339;  1544  schöpft*  -  sinclput.  r.nrlt 
III,  57).  1.  -  Haarbüschel  oben  auf  «lern  Kopfe 
oder  Vorderhaupte,  der  wie  ein  Schauh  (  =  Heu- 
bündel) (=  fiaarschopf)  frei,  nicht  geflochten 
emporsieht,  Caprotina,  Caprona  (Kirsch  182, 
Blrllnger  I.  268;  Mayer  190).  —  2.  =  Kopfliant 
(H.  Panl  401). 

schöpfen  (ot>erd.),  schoppen  fnd..  md  )  (Schöpf) 

(zu  Indogerin.  «kuh;  vorgerm  skübh;  altgerm.  skiib 
=  Blossen;  ahd.  scobar  —  Behober,  scoub  [Schanbe]; 
mhd  schoppen,  schöpfen  -  drängend,  stossend  ein- 
schieben. Kluge*,  ;:i8.  322.  334).  —  Schöpf,  f.  =  ein 
drängend  stossender  Krampfschmere(lx>sch  232J. 

—  An  schoppung  —  engouement,  der  Zustand 
oder  die  Handlung  des  Angeffllltseins  durch 
nachdrängend  eingeschobene  Stoffe,  die  das 
betr.  Organ  vollpropfen,  verstopfen,  tt.  B.  mit 
Kot,  mit  in  den  Kapillaren  gestautem  Blute 
angefüllter  Darm,  Unterleib  (Heyne  V,  461).  — 
/  1  Schöpfung  ~  der  ZuBtand  der  beginnenden 
Versiegung  der  Kräfte,  epuiBetnent  (zu  schöpfen ; 
ahd.  schöpfen ,  Wurzel  skab).  —  !',  r  schoppung 
(mhd.  vemehoppung,  J.exer  329)  =  gang  und  gar 
verstopfter  Zustand,  z.  B.  mit  Kot  in  den  Ge- 
därmen. 

Schoren  b.  schorren. 

Schorf,  m.  Schorft,  m  Sc  hör  pf,  m.  Schorf,  m. 
Schürfen,  m.  schürfen  (Scharf,  schorbig)  (zu 

germ.  skrop,  skerp  =  scharf  sein;  angls  scurftim  — 
engl,  seurfs,  rock.  I.  856;  II.  403;  seeorfan,  scyrfd, 
scyrfendnm  -  rodere,  mordere;  senrf  b  giethan  = 
Jucken,  <ock.  I.  II,  ahd.  scurfan  =  aufschneiden 
mit  scharfen  Messern;  II.  Jahrh.  czenterare,  eviscerare 
ventrern ;  senrpfo  —  aperto,  exentero,  H.  Z.  III;  IJ. 
216;  scurf  ss  tlnea  [capitis,  RAudewurm].  D.  r.si;  scorfo 

—  gleba,  U.  Z.  XV,  363;  «corf.  Kluge*,  .t«.  :«8;  mhd. 
schorf  -  «irint.  firintkopf.  I^xer  218;  1420  Schorf  = 
Impetigo,  U.  II,  211;  15.  Jahrb.,  ndl.  scoruede  =  gla- 
briOUt,  U.  II,  193;  16  Jahrb..  ndl.  schurfde  =  grlti licht, 
He  Cook  9.  10;  1"*7  scrof,  D.  2'»8;  schorff  —  scabidu«, 
D.  516;  1618  sich  scherpfe» .  schun>fTen  =  summam 
cutim  strlngern,  Schmeller  II,  464.  470,  1645  schürft"  - 
Kratze,  16I'>  »choerl>en,  scherben  =  Blatter-  od.  Urint- 
horken.  «  oler.  U.  A.  117.  140  265,  264. ;  1715  schürt!  = 
Schafraudc,  V.  B.  Vi;  1741  schrufe  =  schürfe  —  mentlgo. 
Kirsch  714;  1741  schorpf  =  Schorf.  Heyne  V.  462.  17V. 
schürf,  A.  v.  H.  I.  121;  1776  sebor!  =  eschar»,  Bohrend  b; 
USA  schürt  -  Borke,  Kssich  323;  ndl.  schürft;  engl, 
scurf  -  Schorf,  Schinnen  [Lehf.  97.  223],  RAude,  Grint, 


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Schorf. 


schorren— Schoss.  505 


Kruste,  Kaltschm.  I;  scurvy  i  a)  =  räudig;  b)  =  »kor- 
butisch,  1.  cod.).  —  Schorf,  l<  =  die  durch  scharf 
schneidende  Werkzeuge  oder  durch  Aufreihen 
entstandene  Hautwunde  oder  der  Substanz- 
verlust  der  Haut  durch  die  Abwetzung  fester 
Organteile  derselben  (Hcyuo  V,  493;  Goldschra.  134). 

—  2.  —  die  auf  solchen  Wunden  (Trauma)  »ich 
durch  Eintrocknung  des  Wundsekrets  bildende, 
trockene  Borke  oder  Kufe,  Ephelkis  (Galeni) 
s.  CrtiHta  vulneri8,  Eschara  (scara  =  mortua  ac 
livlda  caro.  a  c*rne  nana  «eparata  [s.  Schlacke];  franz. 
gouruie.  Du  cangc  Iii,  -.'99;  VII,  xw),  unter  der  dann 
noch  die  oliene,  wunde,  frischrote,  ineist 
juckende  Stelle  sich  befindet  (  =  prarigo,  D.  469; 
anglg.  scurf  =  [engl.]  Itch,  <  ock.  I,  14).  (über  den 
Unterschied  von  Borke,  Kufe,  Knude,  Mase, 
Narbe  B.  Kufe  S.  521») ;  die  alten  Wundkräuter  der 
«•'ermanon  waren  meist  schorfbildende  Manzen,  sogen. 
Schorfwurzeln.  —  3.  =  weiterhin  auch  Hautkrank- 
heiten bei  Menschen  und  Tieren ,  die  solche 
Hautborken  bilden,  z.  B.  der  Grint  (s.  d.),  Knude, 
dfbrre  Kratze  (Falke  II,  293).  —  4.  =  da  Borke 
oder  Schorf  =  Grint,  und  Grint  =  Kopf,  so  ist 
auch  Schorf  =  Kopf  (mhd. ;  t-oxer  1.  e.)  Bot  den 
Vorpommern  hellet  auch  die  Kröte  wegen  Ihrer  rnuh- 
warzlgcn  Haut  Sehorfpogge ,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895. 
8.  262).  —  schürfen  (schörpfen,  schOrpfen),  1.  — 
einen  Schorf  (1—3)  machen,  summam  cutim 
stringere  (Schmeller  II,  464).  —  2.  =  ein  schalen- 
weiches Ei  ohne  feste  Oberhaut  legen  (von 
HOhnern)  (Schmeller  II,  464).  —  (I7:i5)  schorbig, 
Schorfig,  SChorfet  (angU.  icurfcdum,  C'ock  I,  370; 
II,  16;  11211  scorvich  —  senbidus,  D.  516;  141"  schorueeh 
a  espldus  [seabldus],  D.  II,  157;  schornede  -  lurldns, 
I>.  II,  241)  =  räudig,  grintig  (V.  K.  63).  —  (1687) 
Schürfen,  m.  =  ein  unzeitiges  Kind,  Foetus 
(Wasserkalb)  ohne  eigentliche  Epidermis,  die 
abgeschärft, abgeschunden  angenommen  wurde, 
da  die  Haut  des  Foetus  im  4.  Schwangerschafts- 
monate sehr  durchscheinend  und  wie  abge- 
schunden aussieht,  intensiv  rot  ist  (Schmeller  II, 
464 ;  Georg.  410).  —  SchÜrfling,  1.  =  Schürfen  (s.  o.), 
Foetus.  —  2.  =  ein  aus  d.  Mutterleibe  künstlich 
herausgeholtes,  ausgettdertes,  ausgeschOrftes 
(s.  o.  ahd.)  Kind  oder  Kalb,  caesar  (Ze.  M;  Schm. 
II.  464).  —  3.  =  die  weiche  Haut  von  einem  un- 
tätigen Kalbe.  —  Schurftheit  (1507,  16M.  ndl. 
»chorfftheydt.  schnrfdlcheyt ,  schurftheld  =  serplgo, 
D.  530;  I>e  Cock  216.  217),  1.  =  der  abgeschürfte 
Zustand  eines  Körperteils.  —2  =  Künde,  Grint 
(die  Scharf  würz  =  Schorfwurz,  Seablosa,  Schmeller  II, 
464).  —  /IfcschÜrpfung  =  das  Hinwegwetzen  von 
Körperteilen,  z.  B.  der  vorstehenden  KafT-  o<ier 
Kiipfzähne  (or.  w.  V.  2320).  —  iJ/Mf-Schorf  = 
blutigrote  Kruste,  caillot  de  sang,  der  Schorf 
auf  einer  mit  Blutgerinnseln  gefüllten  Wunde. 

—  Brägen-,  Brem-Schorf  ■  borkiger  Grintaus- 
schlag  auf  dem  Vorderteile  des  Kopfes  (siehe 
Bregen  2)  (Oldenburg,  Lippe;  (ioldschm.  134;  Fromm. 
VI,  54).  —  (l"*o)  ßraw/-Schorf  —  <ler  durch  das 
Ausbrennen  von  bösartigen  Geschwüren  oder 
auch  «ur  Strafe  durch  die  Backen  hindurch  bis 
auf  die  Zithne  ausgeführte  Brennen  mit  dorn 
(1419)  i'ulzkopf  (cantorlum,  auirfstriura)  erzeugte 
Schorf  (Kschara  combustionis,  Schmeller  I,  :t.'>7.  über 
das  Brennen  als  Heilmittel  der  Tempelprleater  i.  Tage- 


blatt der  Naturf.-Vers.  z.  Wien  1894,  S.  398).  —  Qc- 
schorf  (aogls.  geseeorf  —  abrasion,  Cock.  II,  176.  3ö7. 
404)  =  anhaltende  Schorfbildung.  —  (1699)  grin- 
diger Haupt- Schorf  =  Milchschorf  («■.  M.  I,  147). 

-  (1801)  MiicA-Schorf,  -Schürf,  l.  -  die  hell- 
farbige Milchborke,  Milchgrint  als  Grint-  oder 
Borken-Ausschlag  auf  dem  Haupte  der  Saug- 
linge (Ackermann;  Weickard  20.i)  (Crusta  lactea, 
I^actumen  Manardi).  —  2.  =  Teigmanl  bei  Rin- 
dern (Falke  II.  117).  —  (IMS)  AVter-Schurf  =  be- 
netzender, niesender,  feuchter  Grintansschlag 
(Coler.  H.  A.  161).  —  trockener  Schorf  (IV  Jahrb.) 
drogo  scharff  =  papula,  1).  473;  107  droeghe  schorht 
= Impetigo,  O.  258)  =  das  eingetrocknete  Wnnden- 
oder  Geschwflrs-Sekret.  —  (1736)  weisser  Schorf 

-  Milchschorf  (Woyt  614).  —  Schorf  -  Kopf, 
-Nägel*. 

Schorren  (Schoren)  (angls.  seeorian  =  hervor- 
springen, Kluge*.  335;  ahd.  scorro,  scorra  =  promi- 
nentla;  mhd.  seorren  —  promlnere,  Schindler  II,  160; 
1507  gesohort  b  ramleosus,  D.  483),  1.  =  erigere, 
prostare  (vom  Penis).  —  2.  =  herniosus  (Kar- 
nöH'el).  —  (1507)  Schür  =  aufgesprungener  Zu- 
stand (D.  49M.  —  Schöning  (r>07  lehoringhe  In  dat 
gemechte  =  ramex,  hernia,  lumbifraclio,  D.  276.  339. 
483)  =  Gemachtbruch  (Hernia,  Karnöüel). 

Schoss,  m.,  f.  Schoos,  m.  Schuss,  m.  (germ. 

skut  =  Schlesien  [s.  d  j;  Island,  skotta  -  Folgegelster, 
Geseblechtsscbüssling,  Kochholz  I,  98;  altnord.  »kaut 
=  Schoss,  Fiek.  109.  8'JS;  ahd.  scoz,  u.  —  Junger  Trieb; 
■eozza,  f.  scoz,  scözo,  m.  seoza,  t.  =  Klcldersrhoss, 
sinus;  seuz.  m.  —  Schuss;  angls.  scytos  —  jacula. 
Cock  I.  I.XIX  =  Teufelsschüsse;  sciutil,  D.  282;  mhd. 
ichoz.  n.  -  junger  Trieb;  schöz  m  Kleiderscboss ,  1280 
schuz,  m.  =  Schuss,  ein  rheumatisches  Übel,  Pfeiffer 

I  12.  79;  l^sxer  222;  Kluge5,  335.  ;136.  33V;  I  I  >9  dy  schoss 
=  rheuma,  Schmeller  II,  479;  1177  die  schuess,  Ortolf ; 
1482  fallenüitecbtag  =  jacolon,  jaeulum  [  —  GeschO*«], 
D.  2*2;  11*2  zittermal  -  balcstra  ( =  Geschoss],  D.  66; 
1516  schuss,  schoss  n  rheumatischer  Klnschuss  [Ischias] ; 
1520  saglttare  crura,  die  Zauberin  „schoss"  die  Kinder, 
dass  sie  sich  zu  Tode  schrieen,  Luther  VIII,  t.0;  1526 
wen  Jmant  dy  schuss  hat,  Hiltmann  319;  auch  in 
gleicher  Bedeutung  als  rheumatischer  Klnschuss  in 
8egenformcln  ;  1551  schoss  =  Schamspalte,  Hyrtl,  K.  W. 
139;  schuess.  pl.  =  rheumatischer  und  Flngerwurm- 
schmorz,  Hock  23.  143,  1560  geschoss.  H  Sachs.  1582 
die  Schuess  =  Wehtag  des  Hauptes,  I.onlc.  215;  I60y 
schoss  =  (ielenkgnibe,  Hyrtl,  K.  W.  27  i  Schüssel?]; 
1645,  1646  die  schoss).  1  =  Schuss  <Z.  d.  V.  f.  V.-K. 
1894  .  8.  449).  —  2.  -  Gemachte  (Coler.  H.  A.  199;  1717, 
1783  Schoos,  f.  a  Unterleib,  Kssich  2  i5.  Abrah.  II,  102; 

'  ndd  [Swinemünde]  das  St<5t  (vermutlich  falsch  ge- 
schrieben für  Sköt  od.  Schot),  K.  u.  Scbw.  442  aa  das 
Kelssen  am  Auge  Schuss  2cl;  ndl.  ichoot  =  Kleldcr- 
schoss,  pes  vcll,  Schoss,  Schote,  Husen,  Keil;  anjcls 
sefata;  dan  skott  -  lumbago  und  ditnionistUchcr 
Pf*fUebUM  In  die  landen,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895,  S.  51. 
52;  engl,  shut  =  vcrschliesscn  durch  Torschfessendc 
Teile;  shot  =-  Schuss,  «hoot  -  slL-rhender  Schmerz; 
sheet  -  Schoss;  «hotten  =  lahm  durch  Klnschuss; 
shootlng-  Milzstcchou,  Kultschm.  I,  5-3).  —  Schoss, 
1.  =  „derjenige  Teil  de«  Gewandes,  der  vorne  von  der 
Taille  im  steifen,  keilförmigen,  gehren-  [s.  d.*^  artisen 

I   Falten  an  die  Form  einer  breiten  Speerspitze  [Ger], 

38« 


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8choss. 


Schoss. 


mhd.  sehöz  =  telum  erinnerte",  Heyne  V,  462;  altnord. 
skaut  =  Schoss,  Welnb.  54).  „Ob  eigentlich  ein  nieder- 
schiessender  oder  niederbangender  Teil  vom  Kleide 
oder  ein  hervorscblesscndes  Eck  vom  Land?  oder 
(wofür  „Gehren"  sprechen  könnte)  wegen  der  Ähn- 
lichkeit mit  einem  Geschoss?"  (Kluge*,  336).  —  2.  = 
der  Teil  de«  menBch liehen  Leibes,  wo  beim 
Sitzen  dieser  Gewandteil  so  fallt,  schiesst,  dass 
er  ein(en)  Schoss  bildet  zwischen  den  Hüften 
im  Winkel  oder  Bug  zwischen  Schenkel  und 
Unterleib,  insbesondere  a)  der  Schoss  am  falten- 
reicheren Frauengewand  als  Frauen-  oder 
Mutterschoss  =  unterer  und  vorderer  Frauen- 
leib; b)  weiterhin  =  Rima  pudendi  unterm 
Schosshügel;  c)  Haftgelenk,  Grube  (Schüssel?); 
d)  das  Schossbein,  Os  pubis.  —  Schössling 
(mhd.  schüzzelinc)  =  junger  Trieb,  Fexer,  Für- 
schuss,  KnochenfortsaU  als  junger  Knochenaus- 
wuchs (Hyrtl.  K.  W.  173;  Kluge  b,  337).  —  Schuss,  m. 
(Schoss,  Schttss,  pl.)  =  die  Handlung  de«  Bchlessens, 
das  Oescbosswerkzeng  und  das  l'rodukt  des  Scbiesseus : 
l.  =  die  pfeilschnelle  Bewegung.  —  2.  =  plötzlicher, 
schnsschnell  erfolgender,  namentlich  rheuma- 
tischer Schmerz  (Fluss,  GeschosH),  der  wegen  der 
Schnelligkeit  des  Entstehens  ohne  nachweisbare  oder 
sichtbare  nndero  Ursache  früher  einem  D&monen- 
Werkc  (s.  Schusswurm,  8cblesscblangc)  zugeschrieben 
wurde  und  volksmedizinisch  dementsprechend  mit 
Rannworten  behandelt  wurde  (K.  u.  Schw.  442)  (siehe 
Elben-,  Hexen-,  Bilwiz-,  Drachen-,  Teufel- 
Schuss);  dieser  Schuss  entspricht  a)  dem  „Mor- 
bus sagittae  celerrimus  noxii  alieuius  humoris, 
motus  et  dolor"  (Du  Cange  V,  ftl8)  =  rheuma- 
tischer Einschuss;  b)  dem  sogen.  Seitenstechen, 
Dolor  lateris,  Pleuresis  (la  pointe)  =  Telum 
quod  dolore  corpus  transverberet  veluti  gladius 
(Du  Cange  VIII.  48)  oder  c)  als  fieta  (Venedig:  Atta) 

—  dolor  detixus  tanquam  clavus  affiigens  (Du 
cange  II,  4h;i)  dem  Nagel  ß  alB  Neuralgia  supra- 
orbitalis;  diese  Vorstellung  von  einem  mittel»  Oe- 
schosse  die  Menschen  schmerzhaft  Ifthmenden  Dftmon 
Int  uralt  und  weltverbreitet;  auch  der  Tod  (Sensen- 
mann oder  Schnitter)  schienst  nach  mittelalterlichen 
Rildcrn  auf  seine  Opfer  mit  Pfeil  und  Dogen.  In 
den  reckenhafteren  Vorzeiten  war  dieser  Wundschmerz 
durch  den  I'fcllschuss  ein  allgemeiner  bekannter  als 
heutigen  Tags  (Wackern.  I,  360);  (vergl.  über  den 
Wludpfeil  der  1-ctlen  als  Oraache  einer  labmungs- 
arligen  Schwache  Bartels  in  Z.  d.  V  f.  V.-K.  1895. 
S.  I,  sowie  Bartels  die  Medizin  der  Naturvölker  9.  26  ff.) 

—  3.  =  andere  plötzliche,  rcisBetide,  durch- 
schiessende  Schmerzen,  z.  B.  beim  sogen.  Gall- 
fluss,  Kingerwurm,  Apostem  etc.  (1531  als  wenn 
eynem  eyn  Apostom  schuss  hlnder  den  oren  oddor  an 
der  kaclen  (s.  Blatt  8  S.  47|,  Krautw.  I.XXXIII).  — 
4.  =  „er  hat  einen  Schuss"  (h.  Elben-  und  Alp- 
schuss)  ex  er  ist  verrückt  (Spless  II,  22S;  c.  v.  Schm. 
483)  durch  den  Alp,  welcher  auf  ihn  ein  Geschoss 
absendete.  —  er  ist  mit  der  Pelzkappe  (Elben- 
kappe?) geschossen  —  er  hat  einen  Schuss 
(Demokr.  XII,  104).  —  ß.  =  der  plötzliche  wie  durch 
einen  TodesBchuss  erfolgende  Erdsturz  (b.  d.) 
beim  Milzbrand  (Anthrax)  des  Kindviehs  als 
Folge  des  Drachen-  oder  TeufelschusBes  der 
Furia  infernalis  nach  früherem  Volksglauben 
(Fuchs  Ii,  2»»).  —  6.  =  der  vordere,  abschüssige 


Teil  des  Pferdehufes  (Heyne  V.  4%).  —  7.  =  die 
Verletzungsstelle,  durch  das  Geschoss  ver- 
ursacht; die  Projektile  bei  dienern  magischen  Schone 
der  germanischen  Dämonen  sind  :  a)  unsichtbare  Pfeile 
(Sonnenstrahlen ,  die  Sonne  „sticht"),  Blitzstrahlen, 
(Wind?),  entsprechend  dem  Einschuss  oder  „Ein  flu»«" 
(Influence);  b)  Belemnites-Stelne  (Schossteln.  s.  Alp); 
(engl  fairy  stone),  Feuerstein-Pfeilspitzen  ( -  Klfonkelle. 
Donnerkeile,  Schclble  IX,  165),  deren  blosse  Berührung 
schon  plötzlichen  Tod  für  Mensch  und  Vieh  bringen 
sollte;  c)  stechende  Speerspitzen,  Nagelspitzen,  Messer- 
spitzen. Beile  (Lalstner  II,  236);  d)  Haarballen  in  Kugel- 
form; e)  selbst  Maden  nnd  Würmer  (=  kleine  Dinger). 
AI»  Hexenschussmitlel  („«imlllastmillbus")  spielen  viele 
solche  stechende,  eiserne  Gegenstände  eine  volks- 
medizlnische  und  geburtshilfliche  Rolle;  desgleichen 
silberne,  gewelhto  Pfeile  als  Präservativ  gegen  Pest, 
sowie  die  gegen  den  Alpschuss.  nexenschuss  ver 
wendeten  Schusskrautcr.  z.  B.  Bryonla  alba  (  -  Alraun, 
Alpraun,  (ilchtwurz),  Solanum  dulcaraara  (Alpkraut). 
Stachys  annua  (Hexenkraut,  Jessen  69.  381.  »>7).  — 
8.  =  Bei  den  Norwegern  entsteht  die  Rhachltis 
(8.  Schwich)  durch  einen  bösen  Wurf  (aakast.  ondt- 
kast]  der  Unterirdischen  (Elben),  wenn  die  Kinder  auf 
dem  Felde  liegen  (=  Mittags-Alp)  oder  wenn  sie  nach 
Sonnenuntergang  neben  nach  Norden  fliessende  Wasser 
(Wasser-,  Nachtalp)  oder  an  Friedhöfen  (Maralp)  vorbei- 
geführt werden  oder  wenn  sie  ein  Nachtvogel  (s.  d  ) 
mit  seinem  Schreien  bethört  (Janas  1898,  466).  —  in 
Abrahams  Schoss  kommen  (ahd.  in  abrahame* 
seozza,  nach  Luc.  16.  23  fl. ;  Graff  VI,  563)  =  ins 
Jenseits  kommen,  wo  nach  dem  Glauben 
der  Juden  das  Liegen  in  des  Erzvaters  Schoss 
eine  Belohnung  der  Frommen  sein  soll  (neyne 
v.  462).  —  (1618)  Alp-  (Elfen-)  Schoss,  -Schuss 

(angls.  ylfa  gescot,  lock.  III.  51;  engl,  elfln  shot; 
schwed.  elfskudt;  norweg.  alfskud,  alvskot;  dan 
elveskud,  Licbr.,  z.  V.-K.  330;  Maurer  II,  10;  Golth  110. 
120.  132;  Lalstner  II.  27H;  Schwanz  410;  1618  alpscboss 
=  belemnltes  [Luxstein].  lapls  cinereus  aut  candicans, 
figura  sagittae,  Schm.  II.  179;  Falke  I,  38;  Kirsch 
717;  Schwanz,  Indogerm.  V.  Ol.  192;  Kuhn  I.  324) 
=  der  magische  Schuss  durch  den  Alp-  oder 
Mardümon,  dessen  Geschoss  man  sich  in  dem  nagel- 
oder  polzenartlgen  Tcutelsfinger  oder  Belemnltes-, 
Traden-  oder  Schossstcln,  Donnerkeil.  Blitz  verkörpert 
dachte  und  der  a)  plötzlichen  atembeklemmenden 
Seitenstich  (s.  Stichmar,  Stickwerk,  Stickadl), 
rheumatischen,  „wie  angeflogenen"  Schmerz 
(Hexenschuss,  Lumbago,  Ischias)  „in  Haut, 
Fleisch  und  Glied"  (Mannhardt  67)  verursacht  oder 
b)durch  den  Alpschuss  (s.  Alp  III)  die  Menschen 
verrückt  macht  (s.  Alprasen)  oder  c)  das  Vieh 
unter  Krampf  (Apoplexia)  durch  Milzbrand 
tötet  (Lalstner  I,  333;  H.  A.  Rh.  269).  —  An  schuss, 
I.  =  Anriss,  Milchschorf  als  plötzlich  ent- 
stehende Hautkrankheit  (Crusta  lactea)  (ob 
nicht  -  ans-schuss,  ans,  ös  -  Asen?).  —  2.  =  Rot- 
lauf (Abergl.  1H0).  —  Asen-  (Ansen-?)  Oschoss 
(angls.  i>sa-,  and  ylfa  gescot  =  engl,  aeairahot,  Cock. 
III,  54;  Gr.  D.  M.  1192;  Golth.  124;  Mannhardt  67; 
Seh  melier  II,  17»)  =  das  Geschoss  der  (germ ) 
Halbgötter  (Schmellcr  I,  113),  welches  wohl  in 
seiner  Wirkung  dem  Alp-  oder  Hexenschuss 
gleichzustellen  sein  wird  (vergl.  Anschuss) 
(Lalstner  II,  278  stellt  es  wohl  mit  Unrecht  zu  [ahd  ] 


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Schoos 


SchosB. 


ans  =  Balken  als  Wurfgcschoss  ans  Hol«).  —  auf- 
geschossen, 1.  hb  wie  ein  Wassergeschoss  (junger 

Wurzeltrieb;  rascb  und  schmal  emporgewach- 
sene, lange,  dürre  Gestalt.  —  2  =  (angls.  ofscoten 

=  schott.  elfshoot.  dangerously  distended  by  greedy 
devouring  of  grecn  food,  Cock.  II,  16.  l  «:  174.  290. 
401 ,  badly  woaoded  by  a  shot)  —  wie  durch  einen 
elbischen  Schuss  gliedersteif  und  rasch  auf- 
getrieben im  Fresswanst,  futterräch  (von 
Pferden)  (wird  besprochen).  —  An;.)!  Schuss  (1260 
die  schüze  gent  Taste  in  den  ongen,  Pfeiffer  38; 
wem  die  grozzen  schüzze  In  die  ougen  gen ;  wem  dy 
äugen  schössen  ;  gut  für  den  augenschuss,  Schmeller 

II,  479 ;  1477  wem  die  grossen  scbuess  geend  under  die 
angen ;  wem  die  äugen  roth  seynd  und  jhm  die  schuss 
in  die  äugen  geend,  Ortolf)  —  der  heftige,  plötzlich 
eintretende,  einseitige  Nervenschmerz  Aber 
einem  Auge  (Neuralgia  nervi  ttigemini  supra- 
orbitalis;  s.  Nagel);  der  Nagel  (clavus)  wird 
hier  wohl  als  Geschoss  der  Dämonen  aufgefasst 
worden  fein.  —  ßfi  n  -  Scb.U8S  (engl,  beenshot  = 
angls.  geoceoten,  Cock.  III,  64  65)  —  die  wie  durch 
elbischen  Schuss  in  dem  einen  oder  in  mehreren 
Beinen  veranlasste  Gliedersteifheit;  räch).  — 
Bilwitz  Schuss  („*i  wolten  das  kein  pilwls  sl  da 
schiizze  durch  die  knie",  Gr.  D.  M.  I,  441;  wie  der 
Alp,  so  sendete  auch  der  Korndamon  Bllwlz  [s.  d  ] 
nach  altem  Glauben  Geschosse  ab,  die  als)  rheuma- 
tischer Knieschmerz  (Ischias)  empfunden  werden. 

—  Blatt- 8Chie88en  s.  Blatt  S.  47.  48  (engl,  horse- 
•schoe-hcad  —  Hufeisenhaupt,  hufschuhartiger  Teil  des 
Kopfes  —  Fontanelle  am  Kindeskopfe,  auch  Haupt- 
mulde; engl,  headmuld-shot ,  Kaltschm.  1  =  Blatt- 
schiessen).  —  l,lu!  Schuss  (angl«.  blodscoten,  Cock. 

III,  54;  engl,  bloodshot,  Kaltschm.)  m  Bluteinlauf, 
rascher  Bluterguss  unter  einem  Teil  des  KörperB. 

—  Drachen Schuss  Inach  I.aistner  II,  27«;  bei  Para- 
celsos  se  Asenschuss) ,  1.  =  der  Augennagel  des 
Pferdes  oder  FellschuHs,  Drache  (s.  d.)  im 
Auge,  durch  ein  Geschoss  (Nagel)  desdraehen- 
baft  gedachten,  blindmachenden  Dämons  ver- 
anlasst, wobei  das  Pferd  einen  stechenden, 
grimmigen  Drachenblick  erhält  (letzteres  wohl 
Tolksetymologischen  Ursprungs).  —  2.  =  der  apo- 
plektiforme  Milzbrand  beim  Vieh,  verursacht 
durch  die  Kuria  infernalis  Linne  (esth.  Lendwa 
rabandus  'fliegender  Drache  oder  Wurm],  Schwartz  89), 
ein  Drachengebilde  der  Volksphantasie  (siehe 
Drache,  Höllendrache,  Erdsturz,  Schuss  6, 
Teufelscbuss),  welches  l'feile  in  die  Maut  des 
Viehs  ahschiesst  (Anthrax  -  Karbunkel).  — 
Drachenscbuss  bedeutet  also  nicht  „im  eirunde 
dasselbe  wie  Hexenscbuss".  —  (K>10)  .Ein  schuss 
(ndd.  [Kuppln]  inschott,  Inschoett,  Z.  d.  V.  f.  V.-K. 
1897,  S.  67.  68.  410  in  Besprechungen)  -  iIhs  plötzliche 
Eindringen  eines  Geschosses  od.  das  plötzliche 
Eintreten  eines  schmerzhaften  Zustandes, 
Neuralgia,  durch  schussartig  schnelle  Bewe- 
gungen von  in  den  Körper  des  Menschen 
ergossenen  Flüssigkeiten  (Phlegmone);  na- 
mentlich: a)  beim  sogen.  Einlaufen  der  Milch 
in  die  Brustdrüse  der  Wöchnerinnen  und  in 
das  Kuheuter  (Frank  513)  =  Euter- Ein  schuss 
(Pauli  103),  b)  plötzliche  Blutunterlaufung  (oft 
bloss  angenommen  als  solche)  (Mecklenburg  i 
mjchott);    c)  als  Gallschuss,    Galle- Erguss, 


worunter  sich  das  Volk  meist  akut  entzünd- 
liche Prozesse  in  den  Gliedern  (akuter  Gelenk- 
rheumatismus z.  B.)  vorstellt;  <1)  als  Hexen- 
schuss  (s.  d.),  Rheuma  ;  e)  Zahn-£mschuss  = 
ein  plötzlich  in  die  Zahnnerven  einschiessender 
sogen.  Fluss  =  rheumatischer  Schmerz,  Parulis 
(Pauli  53);  f)  plötzliches  Auftreten  einer  schmerz- 
haften Rose-Schwellung  (Zlpp.  113;  Falke  I,  235). 

—  Elben-,  Elf  Schuss  s.  Alp-Schuss;  („uralter 
Glaube  war  ea,  daas  tou  den  Elben  1  =  Finnen,  Nord- 
mannern,  Zeitscbr.  d.  V.  f.  V.-K.  1897,  S.  51.  52]  gefahr- 
liche Pfeile  aus  der  Luft  herabgeschossen  werden",  die 
wohl  als  Pestpfeile  der  Alten  aufzufassen  sind)  — 
exanthematische  Seuchen  (F.  Dahn  d.  Gesch.  I, 
296;  Gr.  D.  M.  I,  1129;  Kluge5,  10;  Simrock,  D.  IL  436; 
Mannh.  67;  Liebrecbt,  •.  V.-K.  330;  Scheible  IX.  166). 

—  er  hat  einen  Schuss  =  ist  durch  den  Alp  III 
verwirrt,  albern.  —  Fell  Schuss.  -^rschossen 
(„die  äugen  sind  verwachsen  mit  vcelschossen", 
schmeller  I,  709)  =  das  Flügel-  oder  Augenfell 
beim  Pferde;  Pterygium,  durch  den  Drachen- 
scIiubh  erzeugt  nach  dem  früheren  Volksglauben. 

—  2.  aa  (angls.  on  fellscoten  =  engl,  on  feil  shotten, 
Cock.  III,  54  In  heidnischen  Bcsprechungs-Kormeln) 
=  in  der  Haut  (Fell)  durch  elbischen  Schuss 
verwundet.  —  Fleiach  <>•  schössen  (angls.  on  Qaaao 
scoten  ss  engl,  on  flesh  shotten,  Cock.  III,  54  in  heid- 
nischen Bespr.-Form.),  1.  =  wie  durch  elbischen 
Schuss  in  dem  Fleische  (Muskeln)  verwundet, 
muskelsteif.  —  2.  =  Fleisch-Schuss  =  Schuss  in 
die  Weichteile.  —  (1632)  Fn>  Schuss  ((-»»ersetzung 
des)  Processus  der  anatomischen  Schule  —  Knochen- 
forlsatz (Schössling)  (Hyrtl,  K.  W.  53.  142.  173).  — 
(/äÄ-schtissig  -  plötzlich  verwirrt,  jähzornig  wie 
durch  einen  elbischen  Schuss  (Schmeller  I,  888). 

—  Qall-,  Qell  Schuss,  1.  «=  ein  plötzliches  Auf- 
treten von  Schmerzen  in  den  Gliedern,  nach 
den  Lehren  der  früheren  Schulmedizin  durch 
Eintritt  von  Galle  (Gallfluss  6)  in  die  Gelenke 
verursacht  (akuter  Gelenkrheumatismus),  na- 
mentlich da,  wo  die  sogen.  Galle  II  am  Beine 
siUt.  —  2.  =  Gallschuss,  Gellschuss  =  Blechen- 
der Hexenschuss,  der  Im  Kusse  eintritt,  weun  man 
in  das  „Gesparr"  einer  Habcrgelss  (s.  d.;  Volksetymo- 
logie Tom  gellenden  Speer;  Tirol)  tritt  (Alpbg.  385; 
Lalstner  I.  335;  II,  26s).  —  3.  =  Prellschuss.  — 
<ii  hir  n  Schuss  (dy  schuess  geen  jm  In  das  gehirne, 
Schmeller  Ii,  479)  —  Neuralgia  Btipraorbitalis,  der 
über  den  Augen  an  der  Stirne  (Hirn)  gefühlte, 
plötzliche  Nervenschmerz  (Augenschuss).  — 
gelüppter  SchUSS  {gclupler  schoz,  Schrael'er  1,  1497) 

—  vergifteter  Schuss.  —  (/'Schossen.  Oschoss, 
Gcschu8S,  n.,  f.,  pl.  (angls.  gescot;  hors  gesc[e]oten, 
Cock.  III,  4t".;  ahd.  giscos;  13.  Jahrh.  geschoz  -  eine 
Schusswunde  am  Tiere.  Pfeiffer  .".2;  1482  balestrum 
[=  Geschoss]  =  zittermal,  D.  66;  1510  geschoss,  n.,  f. 
Iucheuh.  Mlrakclb. ;  1600  geschoss;  1616  das  geschoess, 
Coler,  P.  298  =  Leistengegend;  gescho*.  Schmoller  1, 
680;  II,  479),  1.  =  das  Wurfgeschoss,  jacolon,  jaculum. 
Alles,  womit  mau  schiessen  kann.  —  2.  —  die  damit 
erzeugte  Wunde.  —  3.  =  der  dttmonistisch 
erzeugte  Schuss  als  plötzlicher  Anfall  von 
heftigem  Nerven-,  Knochen-,  Glieder-  und 
besonders  Stirnkopfsclmierz,  der  wie  ein  Ge- 
schoss (telum)  aus  Dämonen  band  abgeschleu- 
dert und  „wie  angeflogen"  kommt,  Neuralgia 


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Schoss. 


Schoss. 


rheumatica,  Rheumatalgia,  heiliges  Weh  (auch 
bei  Kossen;  »eine  damonlstische,  elbische  Ätiologie 
erklart  auch  dessen  volkmediztnische  Behandlung 
durch  Beschworungen,  Slmrock,  II.  D.  M.  539;  Bartels, 
Mediz.  d.  S.  V.  10.  45(1.;  Scbmellcr  II,  179;  Gr.  W.  V, 
517 ;  C.  v.  Schm.  477 ;  Frinchb.  41 ,  Bück  14 ;  Cock.  III,  64) 
die  Ausstossung  von  nekrotischen  Knochen- 
splittern und  der  „knochenhrechende"  Schmerz 
(Frlachb.  M)  ist  dann  erklärlicher  Weise  als 
Geschosswirkung  nach  dem  Volksglauben  auf- 
zufassen. —  4.  =  Herpes  (Zittermal)  als  Neu- 
ralgia herpetica.  —  5.  =  Krankheit  der  Katzen, 
wobei  diese  wie  toll  hin-  und  herschiessen 
(Kranken;  Schw.  24S  ;  Schindler  II,  439).  —  6.  =  ht 
petite  chose  =  Vulva  (das  Hing  4a)  verdeutscht  In 

Gschossl  (Schmeller  I,  47a  ff. ;  Ze.  113).  —  hiBt  du 
etwa  geschossen?  (Klaas»;  E.  W.  1,  83)  =  verruckt 
(weil  vom  Elbengeschosse  getroffen).  —  grosse 
Schusse  (1260  „»wem  die  grozzen  schuze  gen  In  die 
zendo  oder  zuo  den  ougen  in  daz  hlrn",  Tfelffer  32.  7'.); 
Schmeller  Ii,  479)  -  der  Oberaus  heftige  (oft  um 
die  bestimmte  Stunde  intermittierende)  plötz- 
lich eintretende  Schmerz  «her  den  Augen  auf 
der  Stirne  am  Haupte  (Augen-,  Hirn-,  Haupt- 
Schuft«),  Neuralgia  nervi  trigemini  supraorbi- 
lalis  Fol hernil Ii  (nach  8.  Fothergill  1804  mit  I  nrecht 
benannter  tic  donloureux,  Prosopalgia,  Huber  9).  — 
//oor/(ri/-SchuS8  =  eine  Schusswunde,  welche 
nur  oberflächlich  unter  dei  Haut  wie  ein  Haar- 
seil  (setaceum),  ohne  tiefer  einzudringen,  sich 
forterstreckt.  —  //at<pf-Schoss,  -G.  schoss  (1411 
da»  hauptschos,  Zingerle  197;  1510  schuss  an  haupt  und 
gliedern,  Inchenh.  Mirakel;  1582  «chuss  de»  hauples 
■  Hauplweh,  l.onicerns  IM,  ICSI  schlezen  an  haupt 
und  gliedern.  Tabern.),  1.  =  das  viele  Glieder  nacb 
und  nach  befallende,  hauptsächliche  und  aus- 
gesprochene Gliederrheuma,  Rheumatismus 
articulorum  acutus.  —  2.  =  heftiger  Kopf- 
schmerz, Neuralgia  nervi  trigemini  supra- 
uhitalis  (Augen-,  Hirn-,  „grosser"  Schuss; 
Multernagel)  (Meyer  516).  —  3  =  SonnenBticb 
(b.  Sonnenschusfl),  der  das  Haupt  betroffen  hat. 

—  4.  =  der  Influenza-Kopfschmerz  als  Symptom 
einer  epidemischen  Seuche,  die  ohnehin  mit 
Vorliebe  den  schelmischen,  elbischen  Dämonen 
zugeschrieben  wird.  —  6.  =  s.  Blattachiessen. 

—  Hcjrcn-GrRchOBB,  -SchOBS  (angls.  haegtessan 
gescot,  Cock.  III,  54;  Laisluer  I,  333;  II,  278;  Golth. 
110;  *ir.  1).  M. ;  Mebrcrht,  z.  V.  .VM;  lu  angelsächsischen 
Segen  senden  die  Hexen  , .gellende"  Speere  [».  (iall- 
schuss  2;  gyllende  garas],  Mannh.  Golth.  120,  K. 
u.  Schm.  378;  Kleinp.  Gastron.  Märchen  23).  I.  =  der 
Alpstich,  Marstich  =  Seitenstechen  (s.  d.),  da 
die  mittelalterlichen  Hexen  und  der  Teufel  öfters  die 
alleren  fgerm.)  Kobolde  vertreten  und  deren  Kolle 
übernehmen  ;  darum  auch  i  '1.  =  Teufelsschuss  (s.  d.) 
un<i  3.  =  der  Alpschuss  (s.  oben)  (Slmrock,  H.  I). 
M.  473 ;  Mebreeht  330),  sowie  4.  -  der  I  »rachensebuss 
(8.  d.)  (Z.  ndb.  III,  4Ö9;  Wuttke  250).  —  6.  =  Schoss, 
Gefcchoss  (s.  d.)  Oberhaupt,  namentlich  der 
rheumatische  Lenden-  oder  Kreuzschmerz 
(Lumbago)  und  das  Kniegeschoss  (Bilwiz- 
Gesrhoss;  Ischias),  der  wegen  «eine«  plötzlichen, 
„wie  angeflogen"  erfolgenden  Eintritts  dftmonistisch, 
d.  h.  von  Hexenwirkung  abgeleitete,  heftige,  rheuma- 
tische Schmer»,  der  wie  der  AlpK-husi  eine  Strafe  der 


I  Gottheit  sein  tollte,  die  durch  die  Dämonen  (nacht- 
fahrenden  Dnholdlnnen  =  Hexen)  vermittelt  wird.  — 
6.  =  die  rasch  auftretende,  heisse  Schenkel- 

I  geschwulst  (Phlebitis)  an  der  Innenfläche  des 

I  Pferdehinterachenkelft  (Zlpp.  456;  der  Hexenschu«s 
entspricht  als  solche  Strafe  dem  Schusse  des  Rudna. 
eines  indischen  Donnergottes  [Alharva-Veda),  Z.  d.  V, 
f.  V.K.  1895.  8.  15;  W  uttke  2->0;  Germania  VI,  21fi. 
tir.  W.  IV,  2.  1303).  —  7.  -  (1646  Hexengeschoss  „ein 
greulicher,  ewhreckllcher  Wehtag  durch  ein  sonderlich 
Geschwur  an  den  Fingem  oder  In  den  Zehen  der  Fu&sc 
oder  sonst  Im  Leibe,  darin  Haare,  Asche,  Faden,  Sau- 
borsten. Fischgräten.  Federn  und  andere  Dinge  mehr 
gefunden  werden,  welche  einem  also  von  den  alten 
Zauberburen  hluelngeschossen  oder  gezaubert  werden 
ein  bezaubert  Ding",  Coler,  H.  144)  =  Panaritiuin 
(s.  Adel  u.  Ackelei  *,  Hackelei);  auch  Ulcus  oder 
vulnus  hystericum;  Hysterische  zaubern  sich 
solche  Gegenstände  selbst  in  die  Haut;  oder 
sie  waren  nach  früherem  Glauben  durch  eine 
andere  Hexe  als  ein  Hackel-Ei  (s.  d.)  hinein- 
gezaubert worden:  („so  ist  auch  weiter  das  zu 
melden  von  dein  Hexen-tiescho*»,  wie  es  denn  die 
Hexen  und  die  Zauberer  Geschoss  helfen,  wenn  sie 
einen  Menschen  verseeren  oder  verkrümmen  mit  dem, 
das*  sie  ihm  Escher,  Haare,  Faden,  Saubtirst,  Fischgrat 
und  dergleichen  mehr  viel  seltsam  Ding  In  einen  Fuss 
oder  sonst  in  den  I/eib  hlnelnzaubern  ohne  Eröffnung 

I  der  Haut",  Schindler  352)  =  die  spontan  aus- 
gestossene  Dermoidcyste,  welche  Haare  etc. 
enthalt,  mag  wohl  auch  u.  a.  als  Hexengeschoss 
(s.  Alfkugel)  angenommen  worden  se'n.  — 
//«ren/cM/W-SchuSS  (ein  hyperbolischer  Ausdruck 
für)  Teu'els-SchusB  =  Milzbrand  (wird besprochen  ; 
Vernal.,  A.  414).  —  H\tz  Schuss  -  plötzliche  Kr- 

l  krankung  der  Kühe  vor  dem  Kalben  durch 

i  das  Kalbfieber,  wobei  das  Titr  bewnsstlos 

1  hinfällt  (Uraemie)  (Karnthen;  Fromm  VI,  20S}.  — 
//m/Y- (7<  SChoSS  (12*',o  swem  In  die  huft  geschinzet. 
I'feiffer  48;  engl,  hipshot :  Leudcuschmerz,  Kaltschm.) 
=  der  Hüft-  oder  Gichtnervenschmerz,  der 
plötzlich  „einschiesst",  Ischias  rheumatica, 
Arthritica.  —  (1560)  Krlla  0«  schoss,  1.  =  <las 

J  heftige  Kopfweh,  das  sich  einer  (auf  den  Wein- 
keller anspielend)  aus  feuchten  Räumen  durch 
Rheuma  (hezw.  Weingenuss)  zuziehen  kann; 
(der  Keller  ist  auch  der  Aufenlhaltsort  des  Hausgeistes 
[Kobold]  nach  dem  Volksglauben,  Schmeller  I,  1192, 

I  1588,  1610;  Gr.  W.  V,  517).  —  2.  =  Kellerfieber, 
Kellerkoorlsen.  —  (1842)  A'ern-Schuss  =  ein 
EinschusB  in  die  Drflsen  (s.  Kern  9  u.*),  nament- 
lich am  Halse  des  Pferdes  bei  der  verdächtigen 

j  Druse,  wobei  meist  auch  eine  Gaumensegel- 
erschlafluntr  (=  Blatt,  s.  d.)  verbunden  ist 
(Falke  II,  11)    -    /Y  schoss  =  Bil  wizschuss. 

—  Kont in  Schuss  =  ein«  Schusswunde,  deren 
Verlauf  die  Konturen  den  Körpers  z.  B.  um  den 
Brustkasten  herum  einhält.  —  firmz-Grschoss 
m  lumbago,  Hexons.h'iss  im  Kreuze.  —  LiVf- 
(Glirrt  )  schössen  (»ngl«.  lldh  scoten;  engl.  Ilmb 
shotten,  Cock,  III,  54.  55;  In  heldnischcu  Bespr.- 
Form.)  =  wie  durch  einen  elbischen  Schuss  in  den 
Gliedern  steif,  rieb.  —  LocA-Schuss  =  eine  den 
Knochen  durchlöchernde,  nicht  zersplitternde 
Schnsswunde  des  Schädelknochens.  -  3Ia>k- 
GschOSS  (mbd.  margschoM,  MUllenh.  und  Scher.  280) 


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8ch 


Schote— Schotten.  590 


=  ein  plötzlicher,  heftiger,  in  das  Rückenmark 
verlegter  Schmers  in  den  Kückeiiuiuskeln  durch 
sogen.  Rückengicht.  —  3/i/cA-8chU88  =  s.  Ein- 
BchuBsa  und  Milch  (Pauli  103).  —  Mittel- Bcho&a 
(K>77  middensehott  van  de  miesgaten,  D.  304)  —  Inter- 
finium,  Unterthat,  Nasenscheidewand  in  der 
Nasen.  —  Üfutter-Schoss  =  Gremium,  Mutter- 
leib, Mattergehren*,  Gesiedel  (Schoss  2  a).  — 
neunerlei,  3x9 fach  Grschuss,  -yrschossen 
(Gr.  D.  M.  CXUII,  40,  Frlschb.  62)  =  der  vielfachen, 
meiüt  frQher  durch  Besprechung  behandelten, 
durcbBcbieBsenden  Scbmerten  (99  Gichten), 
a)  beim  polyartikularen  Gelenkrheumatismus, 
das  sogen.  Kaltvergicht  oder  b)  beim  Krehs- 
geschwür,  das  lanzinierende  Schmerzen  macht. 

—  Aof-Schoss  =  ein  Not  (s.  d.)  machender 
(elbischer)  Schmu»  eines  Plaggeistes  (Schmellerl, 
1773;  au»  dem  Scheltenamen  abgeleiteter  Begriff).  — 
(U61)  Ohren  SchÜSS  (dloschuessder  oren,  Bock 74)  — 
plötzliche,  durchschieflsende  Ohrensehmerzen. 

—  JYfWSchuss  =  ßicocAe/Schuss  (Dornbl.  in) 
mm  blosse  Prellungsbeule  ohne  Eindringen  des 
Geschosses,  welches  unter  stumpfem  Winkel 
gellend  abprallte  (Falke  II,  212;  ri  cochcr  ~  recoplare, 
zurückprallen).  —  (1459)  Rinnen-,  rinnender  Schuss 
(N.K.  der  het  dy  rlnueten  schoss  dcnhaupls  lünfjar", 
Schmeller  II,  439),  1.  =  wahrscheinlich  Neuralgia 
nervi  trigetnini  ex  deniibus,  mit  einer  iiiessen- 
den Xahnüsiel.  —  2.  =  eine  Schueswunde  mit 
rinnenförmigem  Verlaufe  auf  der  Haut  ohne 
eigentliche  Loehbildung.  —  Äiir/rfn -SchUSS 
(1260  „swem  In  den  rücke  geschiuzet",  Pfeiffer  48)  = 
Maiksehnss,  Lumbago,  Rttckenmuskehheuma- 
tismus.  —  Schaden  Schuss  (,,für  die  *chu»s  und 
blrr  zu  den  schaden  die  hiczig  nein",  Schmeller  I,  1165) 
=  ausstrahlende  Nervenschmerzen  von  einer 
entzündlich  schadhaften  Stelle  ausgehend  und 
wie  durch  einen  heftigen  DamonenschusB 
verursacht.  —  Schul  ter-SchuSB,  1.  =  Schulter- 
muskel-Rheumaiismus,  Schulterlähme  —  2.  = 
Schusswunde  (engl,  Shoulder  shltten).  —  Seiten- 
Schuss,  <  •  >  sc  ho  ss  (1260  swem  in  die  siten  geschiuzet. 
Weiffer  I*;  1616  gcsehosz  In  der  gelten,  Henken,  Heyne 
II,  1131)  =  Morbus  lateris  immanis,  der  heftige, 
entzündliche  oder  rheumatische,  stechende 
Schmerz  auf  einer  Brustseite  (Alpstich,  Mar- 
Htich,  h.  d.).  —  77  Schuss  =  77  Gichter,  schmerz- 
hafte,  langdauernde,  immer  wiederkommende, 
unmasBig  erscheinende,  dnmonistisch  auf- 
gefaBSte  Krampfschuiercen.  —  Son«ffi-SchusB, 
1.  =  Sonnenstich,  durch  den  Schuss  der  Sonnen- 
strahlen (engl,  stroke  o(  the  »uu)  veranlasst,  die 
in  den  Ilundstagen,  d.  h.  zur  Zeit  des  Sirius- 
Gestirnes  (auch  7  Schlafertag)  besonders  stark 
wirken  (Miltagsalp,  s.  Alptraum);  (daher  Sonnen- 
stich mit  Selrlasls  [s.  Illatt  Ui],  Slriasls  übersetzt  wird). 

—  2.  =  der  InÜuenza- Kopfschmerz,  der  als 
Blitzkatarrh  mit  diesem  Sonnenstichschtnerz 
verglichen  und alsSiriasis  um!  Horton  (  =  Sitins) 
(Horton  =  Sc.hlagbeulc  aul  den  Kopf,  le  tac)  bezeich- 
net wird,  —  3.  =  der  I'ferde- Koller  als  Menin- 
gitis ex  insolattone  aufgefasst  (der  Pboebttt- 
Apollo  wird  durch  8l.  Sebastian  und  St.  Humhert 
[Orobrecht)  In  dieser  Pfeilbczlehunjr  abgelöst,  «He  zu 
Pentpatronen  wurden,  wie  der  pfelltrngende  Apollo  die 
Pcstgottbelt  war).  —  ö(m/-SchUSS  =  eine  Schuss 


Verletzung  durch  ein  im  Vorbeifliegen  den 
Körper  nur  berührendes  Geschoss.  —  Teufels- 
GfSchOSB,  SchÜSS,  1.  =  (angts.  and  tha  sweartnn 
dlollu  on  minre  sidau  cuecccn  [  =  llbrent)  awa  sw  a 
gewuntad  [wie  gewöhnlich]  scytas,  Cook.  I,  LX1XJ 
=  Seitenstechen ,  durch  schnellen  teuflischen 
Schuss.  —  2  =  Sagitta  diaboli,  der  Milzbrand- 
Karbunkel,  Apoplexia  earbunculosa  als  Folge 
eines  d&monistischen  PfeilschuBses,  wobei  das 
Tier,  wie  durch  einen  tödlichen  Schuss  ge- 
troffen, zu  Boden  stürzt  (s.  Erdsturz)  (Z.  Hdb. 
III,  469;  Fuchs  II,  204;  Müllenh.  und  Scher.  2Ä0; 
Falko  II,  361).  —  2.  —  (In  einem  alten  Wurmsegen  soll 
diesen  FfeilgeschosK  mit  samt  den  Würmern  [Kotzwurm], 
die  au»  der  Haut  durch  Besprechung  vertrieben  wurden, 
in  den  wilden  Wald,  woher  es  gekommen,  zurück- 
fliegen ;  die  Eingeborene!]  in  Bothnien  und  I.appland 
glauben  ,  das»  der  Milzbrand  durch  andere  (ieschosse 
verursacht  »ei,  nämlich  durch  die  Elben-,  [Alp-]  Kugeln, 
[».  d.|,  die  sogen.  Tyreu,  zusammengedrehte  Tlcrhiuire, 
welche  die  Zauberer  der  Lappländer  in  die  Luit  zurück-  ) 
werlen  und  die  die  Klfeu  auf  Mensche»  und  Tiere  ab- 
senden, Fuchs  II,  294;  rniuell  ls»7.  178).  —  über- 
schiessen  —  Profluvium  naritim,  Catarrhus 
]  (s.  Katarrh  und  sinken,  fallen)  (Ze.  80),  schnell 
sich  ergiessender  Nasenfluss.  —  vergiftete 
Schösse,  Schüsse  =  Schusswunden  (s.  d.),  durch 
vergiftete  Geschosse  zugefügt  (Z.  A.  410)  (siehe 
Lüppe)  ;  (vermutlich  verwendete  man  hiezu  Aconitum 
[=  Lüppewurz]  oder  da»  8korplonen-«;ift ;  IV  Jahrb. 
scorpio  =  geluppet  schoss.  D.  11, 332).  —  r. ,  schössen 
(ndl.  vertchot  in  den  rüg,  De  Cock  Sil),  1.  =  der 
plötzliche  Krguss  oder  die  Ansammlung  von 
Galle,  Winden,  Blut  («.  Kuchen)  an  einer  Stelle 
im  Körper,  namentlich  am  Rücken  nach  dem 
Volksglauben,  als  Ursache  eines  heftigen,  plötz- 
lichen, ganz  unfähig  machenden  Schmerzes, 
Lumbago  rheum.:  solche  Körperstoffe  gelten  dann 
als  ausgestreut,  verschleudert,  ausgegossen,  weg- 
geworfen, verschlagen,  als  etwas  l'tinülzes,  was  (durch 
aussaugende  Schropfköpfe)  entfernt  werden  soll.  — 
2.  =  wie  vom  l.iebcspfeil  des  Amor  getroffen  -  verllebt. 

—  wilde(,*)  Schüsse,  -G.schoss  =  ganz  heftiger, 
rheumatischer  Schmerz  (Müllenh.  und  Bcher.  280; 
Losch  232;  ehr.  Sam.  II,  125),  »las  wie  mit  dem 
bösen  Winde  aus  einem  wilden  Wahle  an- 
gellogen kommt  (Ischias,  Migräne;  s.  Atiwahl). 

—  Zähne- SchÜSS  (wer  die  grossen  schuss  in  den 
«enden  hab  under  die  zaeti,  Sebtn.  II,  47»;  17.  Jahrh 
die  schuss  der  hohlen  Zahne,  Fr.  Kr.  B.  471)  -  rheuma- 
tischer Nerven  Schmerz,  von  den  meist  schon 
hohlen  Zahnen  ausgehend.  —  Zwrra-Schuss 
(norweg.  dwerg-skot,  l.lcbrecht  330  —  das  (ioschoss 
der  zwerghafteu  Elben  [«.  Alpsehuss;;  Schuss  Knute, 
Hbuichrant,  sollte  wohl  die  elbischen  Dämonen  ver- 
treiben, Schmeller  II,  179;  V.  K.  II,  64).  —  SchOSS-, 
Orschoss-,  SchUBS  -  Pelden  II.  *,  -Blatter  u.  *, 
Hoyen,  Finger',  Hügel,  Scldang,  athr,  -  Wunde, 

:  -  Wurm. 

Schote,  m.  —  Narr  (,.aus  dem  Hebräischen  durch 
die  liaunerspracbe",  H.  Faul  101). 

Schotten,  m.  (vermutlich  zu  exeoctum  [lac|)  — 
Topfen,  im  Topf  warmgestellte  Molken  oder 
Sauermilch,  weiterhin  Quark,  Serum  (15  Jahrb.. 
«chode,  1002  schottere  cacanla,  Kasewasser,  U.  II.  l'*). 


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600  8chott«r— Schratt. 


Schratt. 


Schotter,  m.  s.  schatten. 

Schottland.  —  schottisches  übel. 

schraal  -  dürftig,  mager  (Z.  d.  V.  f  V.  K.  1893, 
S.  «26;  ndl.  schmal.  Kromm.  VI,  18;  Henueb. ;  Spless 
0,  226). 

Sehr ;ick  s.  Schrecken. 

Schramme,  f.  Schreime,  f.  [altoord.  sknima  = 

Wunde  durch  eine  Waffe  [serama-sahs],  Schräder,  Spr,- 
Vergl.  1890,  S.  313;  angls.  hommum  scrimme  -  shram 
to  the  hams  he  drown  up,  Cock.  II,  6,  scrlmman  — 
lo  shrink,  Cock  II,  -101;  mhd.  schrämen  =  aufreihen, 
schmerzen;  schräm  =  Schwert-,  Strellwunde,  Loch, 
Narbe,  Schw.  620;  Kluge»,  336;  Zw.  111;  Schmeller  II, 
G01 ;  dan.  skratnme;  schwed.  skrama;  engl,  shrain; 
15.  Jalirh.  schramme  —  sllgnm,  1).  II,  348),  1.  —  die 
oberflächlich  die  Haut  aufreisHende,  aufstrei- 
fende Wunde,  Vulnus,  Rhagade«,  Vihex.  — 
2.  =  der  darauf  pich  bildende  Schorf.  —  3.  = 
die  schliesslich©  Narbe,  Cicatrix.  —  Pocken- 
Schramme  =  Blattern-Narbe  im  Gegensatz  zur 
eigentlichen  (Wund  )  Schramme  (Gr.  W.  VII,  1966). 

—  Schramm-üus/en,  -Banns. 

schran,  schron  =  mager,  dürr,  ungenügend 
fett  (h.  Hctiraal). 

Schrank,  m.  Schranke,  f.  Schranne,  f.  (europ. 

skark  =  schritggehen,  Kick.  107,  ahd.  soranc,  »krank 
s  schräge,  geschlangelt,  gewunden;  mhd.  schrank,  m. 
=  Kasten,  Splnl  als  Kaum  aus  geschränkt  oder  schräg 
gestellten  Uolztcllen).  —  Schranke,  f.  —  Flech- 
tung, Windung,  Gliederverschränkung  (Kluge4, 
336).  —  (1507)  achrankeln  =  varicare,  einseitig, 
Knappend  hinken  (D.  607).  —  (1756)  Darin  BchTta* 
ken  =  VoIvuIub,  Gedärmverwickelung.  —  (1591) 
(Beschränkung  =  ein  Kippenbruch,  wobei  die 
Bruchenden  schräg  übereinander  stehen  (Gr.  W. 
viii,  1034).  —  (1756)  Ferschranken  =  das  Ge- 
därme, Glieder  etc.;  ganz  divergierende  Rich- 
tung der  Körperteile  durch  Bruch,  Verwickelung 
(a.  v.  n.  Ii,  772).  —  Schrank-,  Schrann-iädcr, 
-Fxisse. 

Schranz,  m.  Schranze,  f.  igerm.  shmut,  skraud 

—  RIkb,  Kluge*,  336;  ahd.  schmilz,  Graf!  VI,  5S7;  mhd. 
schranz.  m.)  =  Bruch,  Riss,  Spalte,  Loch  Wunde. 

—  Schranze,  f.  (mhd.;  Lcxcr2l9)  =  Feminal  als  j 
Spalte  des  Leibes.  —  den  .Magen  rerschräntzen 
(Reiser  526)  -  ein  Magengeschwür  sich  zuziehen  [ 
(Perforatio  ulceris). 

schrappen  Md.)  =  schaben,  kratzen  (H.  faul 

loi!)  («.  schroff). 

Schratt,»).  Schratz,  m.  Sehr  atz,  m.  Schrätt 
lein,  Schrättlig,  Schrätzlein  (Schräcke, 
Schrötte,  Schretzel,  Schrättlig)  (vielleicht  zu 

norweg.  skratla  =  rasseln  [schnarchen];  südslav.  skrat 
=  Waldgeist,  Vernal.  240;  Island,  skratto  =  Zwerg; 
altnord.  skrattl,  Schm.  II,  615;  9.  Jahrh.,  ahd.  terato,  j 
scraz  —  faunus,  pileus,  behaarter  Wuldgelsl,  iueubitor 
"Hattemer,  Denkm.  III,  600],  Waldluder,  pilosus,  D.435; 
screzza  =  lares  mali  [eudaemones],  D.  319;  »crelz  — 
larva,  1>.  319;  15.  Jahrh.  schmetel  =  penaa,  D.  II,  285; 
Uli  dos  Schratte;  1412  schmetel  —  penates,  Schmeller 
II,  61;  1424  schratel,  m.  =  Alpdruck;  1125  schrutele  - 
sterta  (schnarchender.  Schnarchen  machender  Alp- 
druck?], D.  552;  1411  das  schrattl  scy  clnchlaines  chlnd,  I 


und  sey  als  ring  als  der  wint  und  sey  ain  reraweirelter 
gelst,  Zlng.  190;  mhd.  schrat,  schmte,  schraz,  schrawaz, 
Golth.  125;  dazu:  screz,  screzza,  screzo  -=  ineubu», 
Hoffmann  I,  391  —  larvae,  lares  mall,  cjuaedam  monstra, 
Schmeller  II,  610.  615;  15.  Jahrh.  schretel  =  satyrus 
deus  allquls  sylvestris,  Schm.  II,  611;  1466  schroetel  = 
crabrones,  D.  I,  154;  II,  117;  146H  schmetel,  schrcczlin 
=  penates,  D.  11,  285;  14*2  schretleln  -  Wichüein. 
gute  Helden  [  -  Holden],  Bilder  zum  Totengedach tni* 
[penates],  Zcnlng.  Voc.  dd  1;  Christof  v.  Schm.  478; 
1518  »chretxlin  =  ineubns,  H.  t.  Gersd.  99;  Anfant 
des  16.  Jahrh.  schratel,  schmetel,  schretel.  schretzel, 
schretzlln,  schretzlein  =  penates,  appentlles,  D.  422; 
1576  schraettleln  =  schwerer  Schlaf,  Nachtalp,  Gr.  W. 
VII,  171;  l'*7  das  schrettele  -  morbus,  D.  293;  1588 
der  alp  oder  schretzlein,  der  die  Kinder  im  Schlafe 
drückt,  Tabernaem. ;  1592  sehroltlin  —  lncubus,  Had. 
Jun.  374;  161N  schretzel,  schrettcl  =  ineubus,  cplaltes, 
faunorum  In  «iiiicte  ludtbrium  [  =  Alptrug],  Schmeller 
11,615;  1629  sehroetelin  =  nachtmerlin,  lncubus,  ephl- 
altes,  Schmeller  II,  611;  1735  schrötlein  =  Ineubus, 
Alp,  Woyt  172;  1741  wan  einen  das  Schrattlein  drückt 

—  Suppressio  nocturna,  Kirsch  1164;  1742  schrettelein 

—  Alp.  ineubus,  Zw.  973  ;  1756  schrötlein.  A.  T.  II.  I, 
821;  (Vorarlberg]  Schraettllg,  Laistner  I,  M;  vergl. 
Mannhardt  290;  Schmeller  II,  615;  Verf.  Baum-  und 
Waldkult  25  95.  131;  Blrlinger,  Sitten  I,  457;  Meyer  II, 
171;  C.  v.  Schm.  47* ;  I.iebrccbl  357;  Z.  d.  V.  f.  V.  K. 
1896,  S.  323).  Wie  der  Mar  (s.  d  ),  so  ist  auch  der 
Schratt  als  die  Personifikation  eines  Geistes  (Seele) 
eines  Verstorbenen  aufzufassen,  der  zum  elbischen, 
neckenden ,  boshaften  Walddamon  oder  Windgeist 
(„Windln")  wird.  Das  Bewegen  und  Kauschen  der 
Waldbaume  (aussen  am  Hag)  im  Winde  mag  wohl 
zuerst  den  Menschen  zum  Glauben  an  besondere  Wald- 
oder Windgeister  (conf.  schrattl  =  Wirbelwind  [Kromm. 
VI,  343])  und  zur  Erklärung  der  alteren  Alpgeister,  d.  h. 
den  Alptraum  machenden  Quälgeister  (I.alstner  II,  306) 
veranlasst  haben  ;  in  den  Baumen  (Holzwurm  ^  Schrattel 
(Fromm.  VI,  201])  oder  Im  Walde  (Hage)  hatten  die 
verstorbenen  Sippengenossen,  die  Ahnen,  ihren  Wohn- 
sitz; von  dort  kamen  sie  als  Gespenster  und  fanden 
Ihre  Vcrehningsstlktte  (l'enatcs  Intimi  et  socretales, 
Lares  mall)  an  dem  Khrcnort  beim  Wlchtelstelnc  am 
Herdfeuer  (s.  Herd  und  Ofen)  oder  im  Ix-lugaden 
[*.  Ehren  uud  Wlchtel),  wo  sie  als  gute  Holden  verehrt 
und  gepllegt  wurden;  sie  erhielten  ihre  Opferspenden 
sowohl  im  Walde  (Schrattenloh)  als  im  Hause ;  in  jedem 
Hanse  konnte  man  es  als  polternden  Hausgeist  hören ; 
denn  jedes  Haus  hat  sein  Schrätzlein  (Köhler,  Vbr. 
479);  wer  es  gut  hielt,  dem  gab  es  Gut  und  Ehre,  drum 
gab  man  dem  Schrftttlcln,  das  als  elbische  Gestalt  zum 
Gefolge  Holde-l'crchtes  gehörte,  In  der  Perchtennacht 
auf  einem  eigenen  l'latze  (Ehrenort)  dos  besondere 
Essen;  wer  dieses  ihm  vorenthielt,  den  bestrafte  ea 
mit  Krankheiten  (s.  u  );  Im  allgemeinen  überwog  auch 
beim  Schratt  die  Rolle  des  plagenden .  feindseligen 
Dämons ;  denn  in  den  Volkssagen  ist  er  eiu  unwirscher, 
ungeselliger,  unsauberer,  zottig  behaarter,  rasselnder, 
polternder  Hausgeist  in  Gestalt  eines  kindlich  kleinen, 
auch  wludleiehteti  .  aber  altersgrauen  Mannchens, 
dessen  Augenbrauen  zusammengewachsen  sind  (wie 
beim  Ratzel; ;  aber  auch  als  grosser,  wilder  Waldschratt 
(faunus,  sntyrus,  pilosus,  sylvanus)  haust  er  wie  dos 
kleine  Schmtzel ,  dos  dessen  Waldnatur  nicht  ver- 
leugnet,  auf  kanzeiförmigen  Felsen,  besonder«  auf 


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Schratt. 


Schraube. 


601 


hallenden  Schrattelsteinen ,  Schratwegen ,  Schratzen- 
thalern  oder  in  .Schrattellöchern ;  er  nimmt  manchmal 
die  Gestalt  einer  Katze  (Kater)  oder  eines  Holzwurmes, 
Borstenigels,  Blutlgcls  an  (Lalslner  I,  91.  801  i  II,  66), 
dringt  auch,  weil  windleicht,  mit  den  Sonnenstrahlen 
(Schrattlein  m  die  an  der  Wand  spielenden  Sonnen- 
strahlen [Karnthen),  Laistncr  I,  68;  Fromm.  VI.  20-0 
in  die  Wohnungen  ein,  plagt  zur  Strafe  für  das  der 
Gottheit  verweigerte  Opfer  mit  Krankheiten  und  zwar 
ror  allem  1.  mit  dem  Alpdruck  (s.  Alp  u.  Alp- 
traum), welche  Holle  er  mit  allen  anderen,  einlachen 
Krankheitsdütnonen  teilt  (s.  Alp,  Aufhoeker,  Bilwlz, 
Schelm,  Mar,  Ratzel,  Wichtlein  etc.)  wie  auch  mit  dem 
(lat.)  Incubus  und  (griech.)  epialtes  (intd.VXitv  —  in- 
«ilire),  deren  Samen  er  bei  den  Schriftstellern  erhielt: 
als  solcher  Incubus  entspricht  er,  wie  der  Alp  selbst, 
der  Siiffoeatlo  nocturna  des  Dloscorldcs,  dem  Asthma 
nocturnum  des  Galenus.  dem  Dolor  In  somnio  gravans 
des  Cullenius,  der  Kpilepsio  nocturna  Galenl.  Asthma 
acutum  Millari,  Larynglsmus  stridulus  etc.  Wie  das 
Volk  sein«  Dämonen  je  nach  den  verschiedenen  Krank- 
heiten im  Namen  differenzierte,  sn  unterschieden  auch 
die  früheren  ärztlichen  Schriftsteller  einen  Incubus 
plethoricus,  stomaehicus,  hydroceplialieus,  verminosns, 
tertiana*,  hypochondriacu*,  sthenicus,  astheniens;  der 
Incubus,  der  seinen  Namen  halte  ,,ex  sensu  ponderis 
alieuius  ineumbentis  et  peetns  praeeipue  opprimentis" 
war  bei  den  Weibern  ein  oben  liegender  Incubus 
(stricte  «  d),  bei  den  Männern  ein  unterliegender 
«ueenbus;  als  solcher  „Teufel"  (Buhlteufel,  Schlaf- 
teufel, der  Nachfolger  der  heidni*<heu  Ditmonen) 
cntiogerden  schlafenden  Mimnern  im  Alptraum  (s.d.) 
den  Samen  (pollutlo  nocturna),  welchen  er  dann  als 
Incubus  den  Weibern  eltifl-.sste  (s.  kalte  Natur;  166'», 
Ruttörfer,  Dissen,  de  ineubo,  Jena),  die  Blivr  davon, 
weil  ein  semen  frigidum.  nicht  richtig  schwanger 
werden  konnten ;  sie  brachten  nur  elblsoh  veränderte 
Windeier  (s.  d  ).  Wasserkälber  's.  d  2),  Mondkalber 
(Krotenalp,  Mal-  oder  Mißgeburten,  s  u.  sub  3)  hervor 
(Koskoff,  Geschichte  d.  Teufels  II,  2-V»);  selbst  Luther 
soll  nach  der  Volkssage  ein  du.th  den  Incubns  er- 
zeugtes Alp- Kind  gewesen  »ein  (Cubasch.  der  Alp 
8.  11);  eine  Abwehr  gegen  den  Alp-  oder  Srhrattldruok 
(incubus)  sollte  das  SeLrattlGatterl  aus  l'almenwelde 
nnd  die  Stechpalme  (Hex  aquifol.  =  Schrattl)  «ein  (s.  d. 
Verf.  Baum-  u.  Waltdkult  134;  Bochholz  II,  IM;  Dalla 
Torre  37)  Nicht  bloss  der  Teufel,  sondern  auch  wie 
öfter  die  mittelalterl.  Hexen  ubernehmen  die  Bolle  des 
Sehratt-Damons  (auch  in  Schimpfnamen,  I  r-pieU  II, 
209  z.  B  );  als  solches  Schrattle  legt  sich  dann  die 
Hexe  dem  Menschen  über  die  Bru*t  oder  auf  den  Hals, 
so  dass  es  ihm  ungemein  auctllch  uud  beklommen 
wir«l ;  hilferufend  im  Traume  brinirt  er  keinen  Schrei 
hervor  und  kann  sich  überhaupt  nic  ht  regen  (Birllnger 
I,  12»;  Meyer  171;  Reiser  197;  Z.  f  d  l'hll.  III,  337); 
nach  gleichein  Volksglauben  ist  das  Schratllein  Ur- 
sache 2.  der  Mastitis  infaiilitim  et  vnorum:  ,,dos 
Hcbreltle  saugt  an  der  Brust  von  Männern  und  Kindern 
solange,  dass  diese  aufschwillt  wie  der  Busen  von 
erwachsenen  Madchen"  fMeyer  172);  dies  ist  dann  die 
sogen.  Hexenmilch  (s.  d.)j  als  Sehrecksele  (Schräule) 
legt  es  sich  In  Katzenge«talt  auf  kleine  Kinder  uud 
drückt  diese  dergestalt,  da*t>  sie  auspewacluene 
Mutterbruste  (hohe  Bniste»)  bekommen  und  Milch 
Keben  (Meyer  173;  Vernal..  A.  39.);  die  Thatsache.  dass 
Neugeboienc  und  auch  Männer  Milch  (( olostrum)  in 


Ihren  Bnistdrüsen  secernleren,  Ist  bekannt;  die  frühere 
Zelt  schrieb  diese  Anomalie  dem  Alp,  Mar,  Schratt- 
lein  etc.  zu  (conf.  Dolaeus,  Kncyclopaedia  medica  XIII). 

—  3.  eine  weitere  Folge  de«  el löschen  Schrätt- 
leine  oder  Schrätzleins,  d.  h.  der  Alpminne  (s.  d.) 
im  Alptraume  ist  die  Entstehung  von  Wesen 
seinesgleichen,  Missgeburten  (Alpkalb, Wechsel- 
balg), verkrüppelten  oder  verstümmelten  Men- 
schen (s.  Kretinen,  Fexen,  Zwittern);  daher 
auch  Schrätz  —  ein  im  Wachstum  zurückge- 
bliebener Mensch,  ein  Schreihals  (rhachitisches 
Kind)  <z.  f.  ö.  v.  k.  1897, 5i).  —  Schratt,  Schrätz- 

lein  =  Kretin  (Z.  f.  d.  Phil.  III.  336;  Schindler  II, 
6H).  —  4.  wie  der  Alp,  Mar,  Wichtlein  etc.  ver- 
filzt das  Schrättlein  die  Haare  der  Menschen 
zu  Zöpfen  und  Tosten  (s.  d.),  welche  Thätigkeit 
es  aber  nur  nächtlicher  Weile  vollführt.  —  5.  = 
das  Schrättele  bedrückt  und  plagt  auch,  wie  der 
Alp,  das  edelste  u.  beste  Haustier  des  Menschen 
(Golth.  82,  Anm.),  das  Pferd.  —  6.  ins  Scbradl 
(Schrattl)  gehen  (Semmering;  Z.  f.  ö.  V.-K.  1896, 193) 
=  wie  ein  Schrattl  aufhocken,  von  Kühen  reiten 
(eoire)  wie  ein  Stier.  —  7.  das  Schrattel  macht 
auch  Schüsse  (s.  d.)  =  Rheumatismus,  Caput 
obstipum,  d.  h.  erzeugt  rheumatischen  Schief- 
hals  (Fromm.  VI,  204).  —  . Up -Schratt  (bei  Falke 
I,  38  alpschrott)  =  die  durch  den  KinHuss  des 
ethischen  Schratt  veränderte  blaue  Milch  (s.  d.). 

—  (1710)  jBlaar-Schxöttel  =  Plica  polonica,  die 
Zusammennlzungder  Haare  durch  Grintborken, 
auch  Ausfall  der  Haare  bei  Haarkrankheiten, 
nach  dem  Volksglauben  durch  den  tückischen 
Hausgeist  bewirkt  =  Wichtelzopf,  Judenzopf, 
Marflechte,  Alpzopf,  Marlocke  ete.  (15.  Jahrh. 
harschrote  =  deton[d]iculum,  D.  II,  137;  Kirsch  918; 
Birllnger.  Sitten  I,  JU7).  —  (1586)  Afrtr-SchrÖttleiU 
(Gr.  W.  I,  670;  III,  774)  =  ein  wie  die  Hexen  auf 
dem  Menschen  reitpnder,  dem  Mahr  ähnlicher 
Schrattdämon  (s.  reiten  u.  Mar)  =  Daemon  in- 
cubus. —  (1618)  Nacht  -  Schrättel  =  Incubus, 
Epialtes,  Suppressio  nocturna  (Scbmeller  II,  611), 
der  die  Menschen  nächtlicher  Weile  int  Alp- 
traume (s.  d.)  mit  Druck,  Angst,  Beklemmung, 
Blattern  etc.  quälende  Schrattdämon;  (vergl. 
Nacht).  —  HaW-SchratZ  fahd.  uualtscraze,  uualt- 
sehrate,  vvaltscralc  —  sllvnuus,  sllcuus,  satyrus,  Graft 
VI,  577;  Mannh.  114.  3:18;  D.  '-14.  533)  =  der  ursprüng- 
lich Im  Walde  hausende  Diimon,  der  zum  elblsehen 
Hausgeist  als  Schratzlelu  den  Wiehtleln  ahnlich.  d.  h. 
ein  guter  Dämon  im  Volksglauben  wird.  —  Schrätt- 

lein-MsÄf,  -Zopf. 
Schraube,  f.  Schrauf,  m.,  f.  Schraufen,  n. 

(zu  lat  serufa  —  Saumulter,  puerca,  porca  mit  dem 
schraubenförmig  [s.  Lüne*]  gewundenen  l'terus; 
»pät-mhd.  schrübe  =  Schraube  als  runder  Gegenstand, 
der  sich  unter  Windungen  einbohrt.  Kluge*,  336 ; 
mtl.  scroba  —  Winde;  1475  scrobare  =  der  vercken 
wrueten  [pcnls],  D.  521).  —  ein  Mensch,  bei  dem 
eine  Schraube  locker,  los  ist  =  „in  seinem 
Kopfe  ist  es  nicht  ganz  richtig,  als  ob  das 
Gehirn  ein  Maschinenwerk  (s.  Werk)  wäre, 
wo  jedes  Schräubchen  festsitzen  muss,  wenn 
der  Mensch  ordentlich  denken  will"  (Wustemann 
421;  Heyne  V,  467;  H.  Paul  402).  —  ivrschrobeu 
=  falsch  gedreht,  geistig  verdreht  (Spleen) 
(Schräder  3 IM. 


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602 


Schreck. 


Bch  reff— Schrei. 


Schreck,  m.  Schrecken,  m.,  n.  schrecken, 
Schrecksele,  n.  Schrick,  m.  Schlicken,  DL. 

(ahd.  sreckön  —  auffahren ,  aufspringen ;  mhd 
schrick,  m.  schrecke,  in.  =  das  plötzliche  Auffahren, 
Sehricken,  plOUllchcr  Sprung,  auch  Knochenriss  am 
Schädel,  Kluge*,  336;  HofTui.  I,  389;  schrecken  —  auf- 
springen machen,  erschrecken ,  Heyue  V,  469;  1694 
schrecken  =  Fraisen,  Kclampsiu  infantluin,  The»,  «an. 
Br.  &6;  1692,  1699  schroecken,  n.,  v.  M.  I,  29:»;  Seb.  751 ; 
Schroeck,  m.,  ehr.  Sam  I,  218)  =  eine  solche  Krank- 
heit oder  Verletzung,  die  den  Körper  oder  Teile 
desselben  aufspringen,  aufwallen  macht  oder 
verzerrt:  1.  =  Knochensprung,  Sehnenver- 
Btauchung.  —  2.  =  i'avor  nocturnus,  (franz.)  la 
peur  =  Alpdruck  (Urins.  268),  Nachtschaden  (s.  d.) 
oder  Fraisen  (b.  d.),  das  plötzliche  Auffahren 
(s.  d.)  der  Kinder  im  Schlafe,  vom  Volke  meist 
einem  Dämon  (auch  Nachtvogel)  zugeschrieben,  der 
das  Kind  plagt  und  angstigt,  sowie  da»  rasche  Auf- 
fabren von  Schreckblnttern  veranlassen  soll  (s.  Bett- 
zairgle  u.  Schreckmannlein).  —  3.  —  daa  Auf- 
wallen des  Blutes  in  Leber  und  1. untre,  auch  im 
Hachen  (Mandel),  infolge  eines  kalten  Trunkes, 
der  so  nach  VolkBmeinting  krank  macht,  er- 
Bchreckt.  —  4.  =der  plötzliche  KitiBchuss  (Brust- 
rhlegmone)  am  Kuter  (Krischt».  42).  —  Schreck- 
haftigkeit =  der  Zustand  des  Schreckenhahens, 
das  nächtliche  Auffahren  der  Kinder  mit  Ge- 
Bchrei  (s.  d.)  im  Schlafe,  wogegen  in  .Mahren 
»Jen  Kindern  der  sog.  Schreckst  ein  aus  Marien- 
zell umgelegt  wird  (Müller,  Krtrbeh  299;  Z  d.  V.  f. 
V.-K.  1896,  S.  2.3).  —  Schrecksele  (eine  Anlehnung 
an  das  Schreckmannlein,  Sehrcckgückerle  und  Schrfttz- 
leln)  =  der  nächtlich  erschreckende,  kleine, 
elhische  Dilmon  (Meyer  173;  conf.  norweg.  skrftk 

—  ein  Rhachltls  [s.  Schwieh]  veranlassender  Dämon, 
Janiis  1898,  473).  —  k<  .schreckt  =  geistig  slarr, 
nicht  recht  hei  Trost,  verwirrt  nls  wie  ein  im 
Schlaf  erschreckter  Mensch  ;sehm.  II,  697).  — 
schrockig,  schrackig  -  (ge) schrickig,  l  = 
leicht  durch  Schrecken  erregbar,  auffahrend, 
z  B.  heim  Irritations-Stadium  von  Krankheiten 
(Elhn.  lütt,  aus  Ung.  1896,  I,  15).  —  2.  —  mit  der 
Kreuzdrehe  behaftet  (Schafe)  (Falke  II,  291),  plötz- 
lich Sprünge  machend,  Bchmerzhalt  auffahrend 
(b.  Traberkrankheit).  —  Er -  schrecket ,  n.  = 
Schreck  4  (Frischb.  12).  —  cschrocken  «■  er- 
schreckt, in  Wallung,  verzerrt,  verstaucht,  starr, 
(Sehmoll«  Ii,  im).  —  A'a<7ir-Schrecken  ■  Pivot 
nocturnus  (engl  nlght-terrorn),  das  nachtliche  Auf- 
fahren der  Kinder  unter  lebhaftem  Schreien, 
durch  den  sogen.  Nachtschaden  oder  das 
Schreckmannlein,  Schrecksele  nach  dem  Volks- 
glauben veranlasst,  in  Wirklichkeit  aber  durch 
den  Sauerstoffmangel  wie  beim  Alptraum,  z.  B. 
bei  Nasen  Verstopfung  veranlasst  ITagl.  Ttundsch. 
1M>7,  S.  959;  P.  A.  f.  Kl.  Med.  2.1  6.  6;  1308  ob  einem 
Mensehen  von  Nachtschrecken  etwas  aulTgefahren  were, 
I.onlc.  109;  1315  planta  noctis  Avleenuae  —  eine  Haut- 
krankheit, die  über  Nacht  ausschlugt,  (Jurlt  II,  68.  863 
(s.  Nachtbrand,  Nachtschaden,  Nachtblauer). 

—  AVrtvn-Schrecken  =  das  Starrweiden  der 
Sehnen  (Nerven)  durch  Verrenken,  Verstauchen, 
Verwundung  (Schmeller  n,  596).  —  panischer 
Schrecken,  1.  die  durch  den  Mittagsalp  (I>ae- 
mon  merulanus  -■  Paon,  Pan)  (zu  pascl,  pastor) 


im  Alptraume  (s.  d.  =  der  Schlaf  Pans,  icotmw, 
nav.xöv)  (Pan  =  arkadischer  Hirtengott,  dessen  Kult 
besonders  im  i  lexandrlulschen  Zeltalter  modern  ge- 
worden war)  plötzlich  eingetretene  Seelenangst 
und  Kopflosigkeit,  welche  dem  Alpschrecken 
(mania,  otstjio;)  entspricht,  der  Bei  bei  in  der 
Mittagsruhe  befindliche  Heerdetiere  erpreift 
(<^eißsen-Gichter•)  (Beilage  z.  Allg.  Ztg.  1897,  Nr.  th 
8.  :>;  Koscher  in  Aren.  f.  Kel.-W.  I.  67.  68.  90).  —  2.  = 
Panophobie  (Kraus  9.  72»)  —  Hundswut  mit  er- 
|  böhter  Keflexerregbarkeit  und  Angst  vor  allen 
;  äuss.  Knegungseinflössen.  —  7rm<m-8chrecken 
■  (nltnorweg.  dranraskroek,  Maurer  II.  127)  =  Schrecken 
im  Alptraum  als  blosses  Truggebilde.  —  Wald- 
Schrecken  (ahd.  wallscherekken  ■  satirici,  D.  II, 
827)  =  Schrecken  (s.  o.)  erzeugender  Dimon  aun 
dem  Walde,  Waldschratt.  —  JtW-Schrecken 
■  der  nach  schweren  Verwundungen  (Opera- 
tionen) eintretende,  Ifthmungsartige  Zustand, 
der  Schok  der  Chirurgen,  wobei  die  Kranken 
nicht  imstande  Bind,  ein  Glied  zu  rühren,  da 
das  Nervensystem  zu  sehr  erschreckt,  erschüt- 
tert wurde.  —  Schreck  -Blatter,  -Oockerle, 
-Qoggele,  -Lähmung,  -Männlein. 

schroff  s.  schroff 

Schrei,  m.  schreien  (genn.  skrl  [s  r  kri),  ahd. 
srian,  screi;  mhd  schrien,  schri,  schrei  =  rufen.  Rnf, 
Oeschrel,  die  Stimme  tiberlaut  ertönen  lassen.  Kluge4. 
336;  Heyne  V,  473;  franz   crier ;  engl,  cry,  sercech, 
I  shrlekl  =  schreien,  röhren  (südd  ).  weinen  (nordd  ). 

Wie  die  Medizinmänner  der  Naturvölker  durch  lärmen- 
I  des  Trommeln  und  Rasseln  die  Dämonen  aus  dem 
I  Korper  des  Kranken  vertreiben  wolleu  (Bartels  Med. 
d.  N.-V.  178  IT.),  so  haben  auch  die  germanischen  Heil 
künstler,  Zanberer  oder  (Jalstcrer  (s.  d.)  durch  syste- 
matisches,  lautes  Geschrei  die  KrankheltsDamonen 
vertreiben  wollen  j  laute  Ueder  im  Sitzen  (vor  der  (ie- 
barenden)  zur  Dämonen  Vertreibung  zu  singen,  war  Auf 
gäbe  des  znuberkundlgen  (ahd.)  hleodarsazzo  (Wackern 
|  182)  oder  seiner  mithelfenden  Kollegin  Oddrun  [Edda, 
I  Joidau  470).  welche  sieh  milden  Gemüts  zwischen 
des  Madeheus  Kuice  setzte  und  „gewaltige  Weisen" 
der  (iebarenden  zum  Beistände  sang;  der  erste  Schrei 
(».  B.  ,,das  erste  Lied  vom  Schmerze"  des  Neugeborenen) 
ist  als  reflektorisches  Verteidiguiigsintttel  des  wehrlosen 
Organismus  aufzufassen,  das.  obwohl  es  ihm  selten 
etwas  nützt,  gleichwohl  von  Mensch  und  Tier  immer 
wieder  wenigstens  im  ersten  Schrecken  angewendet 
wird  (Kleinpaul) ;  der  Schrei  Ist  darum  auch  das  primi- 
tivste Mittel  der  Volkstheraplo  aus  der  Dftmouenzeil 
D*l  lärmende  Kösseln  auf  dem  Uaberfelde.  daa  Pauken- 
schlogen  beim  Bienenschwärme,  das  Peitschenknallen 
beim  Hexenvertreiben,  das  Trommeln  bei  der  sogen. 
Trommelsucht  (s  d.)  erinnern  daran,  dass  das  Klappern 
zum  Handwerk«  auch  der  germanischen  Dämonen- 
vertrelner  oder  Znubcrer  gehörte  ebenso  wie  da«  g*J- 
lende,  lärmende  Schreien  und  Kufen  (incantnre,  a.  Vei- 
galsterung).  —  der  letzte  Schrei  (der  leste  schrey 
eyus  sterbende  menschen  —  oregmon,  D.  400)  =  das 
letzte  Verteidlgungsmiltel  des  mit  dem  Tode  ringenden, 
Im  Todeskampfe  liegenden ,  aber  unterliegenden 
Menschen.  —  fcfschreien  und  berufen  (b.  ds.) 
(war  soviel  wie)  bezaubern,  verhexen;  ursprüng- 
lich wohl  durch  die  Kraft  der  Stimme,  weiterhin 
;  durch  den  bösen  Blick  und  sonstige  Zaubcr- 


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Schrei 


schrei  ben  — seh  ro  ff. 


mittel ;  (die  meisten  in  ihren  Ursachen  nicht  erkannten 
Krankheiten  Raiten  früher  als  „beschricen".  namentlich 
wenn  der  abgeleckte  Stlrnschweiss  des  Kranken  salzig 
echuieekte,  Koehler,  Vbr.  407.  421 ;  Abergl.  187 ;  Wuttke 
155;  Kugel.  218;  1619  Gcschrait  =  der  Hexerei  [Zauberei) 
verdächtig,  Ktczlcr214,  schon  der  r  instand,  da*»  tuun 
ein  Kind  iubte,  ohne  den»  I.oliC  beizusetzen  „Gott 
behüt  uns!"  (vor  dem  neidischen  Dämon]  oder  „Hell 
ihm  Colt !"  [d.  h.  ohne  laut  zugesetzten  christlichen 
Gedeihenswunsch]  reichte  [16>»7]  aus,  diene  lobende 
Person  als  zanberverdftehtige  Hexe  gelten  zu  lassen, 
Gr.  W.  1,  UM;  1735  „Ob  würckllch  elu  Heschreyen 
oder  Beruften  der  Kinder  sey,  inuss  man  solange 
glauben,  bis*  man  eine  völligere  und  gnngllchere  Ursach 
hat,  dass  es  etwa  ein  anderer  Affeclus  oder  Zustoss  sei  j 
die  hiermit  behafflctcn  Kinder  sind  unruhig  und  werden 
wider  alles  Vermuthen  mit  einer  Magerkeit  schwach 
und  kraftlos;  es  werden  die  Weiher  in  dieser  Susplcion 
gestarcket,  wenn  etwa  eine  alle  Fettel  mit  den  Kindern 
wider  Gewohnheit  freundlich  umgegangen  hat",  Woyt 
62S;  wenn  [1742]  ein  Kind  am  Leibe  abnahm  durch 
Abzehrung  [s.  Kindcr-Ettich],  so  pflegten  kluge  Weiber 
zu  sagen  i  ,,das  Klud,  da«  Ist  beschrlcen  '",  da  sie  solche 
Krankheit  fchon  ob  Ihres  Namens  für  Zauberei  hielten  ; 
man  besegnetc  solche  Kinder  llcisslg,  damit  Urnen 
bose  Leute  [s.  d.]  keinen  Schaden  anlhun  konnten, 
Thes.  aan.  Br.  75.  76;  ,,es  pflegen  alter  die  Zauberer. 
Hexen,  Unholden  und  dergleichen  Teufels-Gsehmciss 
den  Leuten  nachzusetzen  und  ihre  Gesundheit  zu 
schädigen  durch  Beschreyen  ....  und  es  zu  Wege  zu 
bringen,  dass  der  Mensch  an  seinem  Leib  und  «illedern 
dergestalt  angegriffen,  vcrluhmt  und  beschädigt  wird, 
dass  er  sein  Leben  elendiglich  in  Jammer  und  .Schmerz 
zubringen  und  verderben  muss",  Dr.  lir&uncrs  eigene 
Wortein  seinem  Thes.  sau.  Hr.  976) ;  dieses  Beschreien 
der  Kinder  (und  Fohlen)  durch  eine  ver- 
wünschende, „durch  «He  Ohren  dringende" 
Anrede  =  fascinatiopuerorum  perineuntationem 
(conf.  sagana  m  Incantatrlx  =  Zauberin,  Du  fange  VII, 
265;  D.  507)  erwähnen  als  volksübliche  Bezeichnung 
(A.  v.  H.  I,  OS.'.;  Stubenvoll  65;  Z.  A.  232;  Wd.  B.  505; 
Kosscl  »4  ;  Wluschcl  II,  251;  Bavarla  IV,  1.  241 ;  Ethnol. 
Mitt  aus  Ungarn  l*'j:t,  8.  162;  Ummer*.  82;  Verf.  Volks- 
Mcd.  29  207;  Schindler  II,  694;  R.  A ;  Legende  f.  d. 
gem.  Mann;  Weinhold.  Neunzahl  21).  —  Alp- 
GrSChrei  —  das  (ieschrei  eines  Berggeistes  (IL  A.  Ith. 
368).  —  G^chrei,  1.  —  anhaltendes  Schreien. 
—  2.  =  (dem  Geräusch  [*.  d.j  nachgebildet)  Ivn- 
geweide  von  kleineren  Selilaehttieren  (Mbwib.j 
Erbe  34).  —  (Uli)  Nniht-G< schrei  =  Naeht- 
Bchreck  (s.  d),  verursacht  durch  den  hosen 
Blick  eines  Dämons,  Trude,  Schralr.,  Un- 
holdin, Hexe  etc.  nach  dem  Volksglauben, 
Pavor  nocturnus,  Laryngismus  stridulus;  siehe 
Jammer,  Nacht- Kisse  (Zingcrle  19".;  Fossel  77,  dos 
zur  Kilueheruug  benutzte  Vcr-  und  Besclmikrout 
[Siderites,  Stachys  recta,  Linaria  nlp ;  Erlgcron]  =  Beruf- 
kraut,  Dalla  Torre  40).  —  /'off »i-GcSChrei  —  dlO 
Stimme  eine«  Toten  (elbische  tiestall)  (Tirol; 
Heyl  685).  —  ttnh,  schrieen  [KIMM  nnbeschrnue. 
Lamhs  40)  =  ohne  zu  beschreien  (s.  d.).  —  Ver- 
schreien  =  nach  dem  Volksglauben  durch 
Schreien  oder  Beschreien  (».  d.)  sich  oder 
jemanden  behexen,  beschädigen  [Mähren;  Z.  d. 

V.  f.  V.-K.  189«.  254;  Z.  f.  Ö.  V.-K.  1896,  317;  1897,  277. 

27»),  so  dass  da«  betreffende  Wesen  (Tier,  Kind) 


ohne  Grund  magerer  wird  (1717  wie  olTt  Ist  ein 
Kind  durch  das  üble  Anschauen  eines  alten  Weibs 
versihrie[l>]en  worden,  deren  Augen  wie  die  Brenn- 
glaeser  den  subtilen  Leibi  das  Gifft  elnstllliret?,  Abra- 
ham Ii,  nc).  —  schreiende,  Schrei- Frais,  -Oicht, 
•Hals,  -Kinder,  -  Traum. 

schreiben,  Schrift,  f  —  Schrift  -Blindheit. 
Schreiinen  s.  Schrammen. 

Schrein,  m.  („urgerm.  Lehnwort  aus  [roman.  lat  ] 
scrinlum"  [sericnluin  —  Schrank],  Kluge4,  3:17).  — 
„des  HerUens  innerer  Schrein"  -  Her«-  oder 
Blntkasten,  Herzkammer,  Herzhöhle  (Hyrtl,  K. 
W.  139). 

schreiten  s.  Schritt. 

schrickig  «.  Schrecken. 

schrienen  s.  Schrunden. 

Schrimm,  Schiimpf  s.  schrumpfen  und 
Schramme. 

s  ch  rinden.  Behringen,  schrinken(schruinen) 

s.  Schrunde;  =  beisten,  Kihse  bekoinmeu,  w eiche 
schmerzen  (Engel.  255)  —  ^V/iwr»-Gc8chrinken 
(ungls.  «i im  serinec,  geserlncc;  engl,  sinew  shrink, 
lock.  II,  068)  ■  Sebnen-Sehrimpfen  (s.  d.)  mit 
Ankylosis. 

Schrinnen,  schrinnen,  1.  =  s.  Schrunden.  — 
2.  -  (nordd.)  „schmerzen,  namentlich  von  Wun- 
den, die  durch  Reibung  entstanden  sind" 
(IL  faul  403). 

Schritt,  m.  (zu  schreiten ;  indogerm.  skrlt  —  lang- 
sam sieh  bewegen;  altgerm.  skrlth;  ahd.  scrit;  mhd. 
schrit;  ahd.  screitau  =  dlvarlcari  [crurlbus]  =  graiteln, 
Schmellcr  Ii,  tU2)  =  Handlung  des  einmaligen 
Schreitens  mit  den  beiden  Füssen.  —  schrittein 
sa  trippeln.  —  i  ••  schreiten  (13.  Jahrb.  noc  mich  dy 
mare  bescrile,  Sitz.-Bcr.  1K67,  7  ;  Lonibs  40)  =  dltmonist. 
Tbätigkeit,  wodurch  der  Alpdruck  im  Alptraum 
(s.  d.)  oder  Behinderung,  Hemmung  im  Wachs- 
tum nach  dem  Volksglauben  (Lambs  10)  erfolgt 
entsprechend  dem  Marenlritt  (s.  d.).  —  fran- 
zösischer Schritt  ~  Tanzmeisterstellung  (s.  d.) 
[Falke  I,  295).  —  Gn/eW-8chritt=  der  lange  Schritt 
des  Modegecken  (Dandy  s.  Dengue),  welche 
beim  Gehen,  um  Auffallen  r.n  erregen,  weit 
ausschreiten.  —  Halmen -Schritt  -  das  krank- 
haft parelische  Erheben  beider  Beine  beim 
Gehen  des  Tahcskrankcn  ähnlich  dem  des 
Hahnes  (vergl.  Hahnentritt)  (Kopp  V.  281).  — 
<S7«A-Schlitt  =  die  Gangart  der  i'ferde,  welche 
mit  den  Vorderfussen  ungewöhnlich  weil  vor- 
greifen (Kalke  II,  3.17).  —  7V»>pr7Schritt  = 
kleiner  Schritt  wie  auf  kurzen,  vielen  niederen 
Treppen  (Kick  75t;).  beim  Podagra  z.  B.  —  über- 
schreiten  —  wie  ein  Zauberer  oder  Dämon  (Iber 
einen  Kranken  hinwegtreten  (trüber«  (ieburu- 
llllfe?,  Z.  f.  Ö.  V.-K.  1896,  150;  E.  W.  1.  150).  -  (112'J) 
iccif-Bchrittig  =  (gressutus,  D.  II,  1*7)  s.  Gigerl- 
schritt. 

Schroffelen  s.  Skrofeln. 

schroff  (Schreffung),  Schreffe,  f.  (germ.  ikrep 

-  ritten,  einschneiden  ;  ahd.  icrCvon  einschneiden; 
screvunga  —  Einschnitt ;  angls  screpan  —  rädere , 
oscruep  ■  obra«io.  Coek.  III,  369;  mhd.  schrof  =  rauh, 
zerklüftet,  schroffen  =  spalten ;  schreffe,  f.  -  klaffende 


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604  Bchrockig — schrumpfen. 


Bchruckig— Schrunde. 


Wunde,  I-exer  219;  ndd.  schnippen;  engl,  icrape  = 
kratzen ,    Kluge  \  337 ;    dazu  der  Selmipfkopf).  — 

Schroff  -Za  An. 

schrockig  s.  Schrecken. 

Schrolle,  f.  b.  Schrulle. 

Schrot,  n.,  f.,  m.  Schröter,  m.  (ahd.  wr<".t, 

xcotan  =  der  Schnitt,  das  Besehneiden  der  Juden, 
marrire  „scrotum";  mhd.  lehröt  =  Hieb,  Schnitt. 
Wunde,  ibgcscbnlttene»,  abgesagte«  Tollistüek ;  scn'.taere 
=  Schneider,  Kluge*,  337;  I.exer  220).  —  BChTOten, 

schroten  =  abhauen,  rcsecure.  —  (imh)  Schrötter 

—  Processus  xiphoideus  stcrni,  der  einem 
Schröter,  Ahhauwerkxeuge,  M  eissei,  Schrot- 
eisen ahnliche,  schwertförmige  Fortsatz  des 
Brust »>eines  (U.  v.  Gered.;  Ilyrtl.  K.  \V.).  —  (1744) 
Schrötlein,  1.  =  die  rostfarbigen  Sommer- 
sprossen, mit  den  Rostflecken  oder  Kost- 
stückchen vom  Schroteisen  verglichen.  — 
2.  m  da«  kleinere,  ahgestossene,  nekrotische 
Knochenstflck.  —  3.  =  das  Schrftt  tiein  (s.  <i). 

—  ••j'.-schrotten  (resecare,  marrire;  aschrote  =  sceda, 
blexze,  D.  517;  Gr.  W.  I,  110)  -  die  Haut  verletzen, 
abbletzen.  —  A:'j.  -  Schrot  =  Alpschratt  al» 
Ursache  der  blauen  Milch  hei  Kühen.  —  (i.">9i) 
b<  -schroten  =  ein  Glied  des  KörperB  mittelst 
Eisen  wegnehmen,  verstümmeln  (n«d.  Jun.  397); 
nihd.  sebrolen  =  ichncldcn).  —  /•  S  • ; i t  •  t  (1332) 
painschroci  a  Knui  lienvcrletzung.  Schindler  I,  SM; 
II,  G14;  mhd.  bcinschrot,  I.cxcr  14;  l'il2  bcinsehroeten 
=  laeslo  ossis,  Gr.  \V.  1,  13S.8;  161H  beynschroetllg  — 
am  Reine  verstümmelt,  H.  v.  Gersd.  31;  l'>">2  belli- 
schrottig  -  mit  dein  Eisen  bis  aufs  Bein  tu  (gehauen, 

C.  v.  Bchro.  479;  1-V86  bainsehrmig  =  beinbriichig, 
Schmellerll.  614  ;  l.'>88  belnschroettlein  -  dasKnochen- 
stücklciu,  du*,  beim  Abschneiden  sich  lossplittert, 
Taben). ;  Cr.  W.  I,  1388;  1620  painschroett,  beinsehrot, 
boliischroetig.  l»r.  Minderer),  1.  =  eine  Verletzung 
oder  Krankheit  des  Knochenbeines  unter 
Splitterbildung  (schmeUcr  I.  244;  II,  397.  6H).  — 
2.  —  der  Knochensplitter,  »1er  durch  die  Ver- 
letzung oder  Krankheil  sich  absondert  (<ir.  w. 
I.  1388).  —  Gr-SChrÖtt  (lr'U>  geschrot,  geschroeft, 
geschmlt .  g'schrot  -  genitale,  D.  260;  wenn  nicht 
etwa  eine  altere  Bedeutung  gegeben  Ist  durch  die  nicht 
einheimische  Schnitt-Kastration  (  =  marrlre  sciotuin  = 
»chrotteuj  Hesse  sich  gegen  Hyrtls  Deutung  =  das 
ganze,  gespaltene,  zweiknollige,  geteilte  lloden- 
stflek  (beim  l'ferd  und  Mensch)  nichts  erinnern 
(HyrtI,  K.  W.  110;  Schindler  II,  613;  Mayer  9.  II). 
(13.  Jahrh.)  Glied  Schrot  -  ein  Uitcdgebrestcn 
durch  Abschlagen  eines  Fingers  oder  sonstige 
bis  auf  den  Knochen  gehende  Verwundung; 
Uliedertrennung  durch  Knochenfrnktur  (Hoflm. 
i,  874).  —  Bchröttige,  Schrott-,  G«schrötts- 
Anwapnng,  -brüchig*,  -Geschwelten,  Schaden, 

—  Wunde,  -Zolin. 

Bchruckig  s.  Schrecken. 

Schrtllle,  f-  Schrolle,  f-  ■  (ndd.)  „närrischer 
Kinfall,  an  dem  eigensinnig"  festgehalten  wird" 
(II.  Paul.  403;  zu  ndl.  schrollen  sa  schelten,  unzufrieden 
«ein.  Kluge*,  337;   vielleicht  au»  scurrilis,  scorrilis, 

D.  522). 

schrumpfen,  Schrumpf,  m  Schrumen, 
Schrumpeln,  schrimpfen,  Schrimpf,  in.  (gem. 


»krimp  [rlmp,  krimp]  —  rämpfen ;  mhd.  Rchrlmpfen  = 
~  runzeln;  schrumpf,  m.  »ebrimpfe,  t.  m  Schramme, 
kleine  Wunde,  Um  219;  1749  ichrumen  —  Hautrilze, 
Z  f  d.  Phllol.  XXVI,  25t;  angls.  «crincan  ;  engl,  to 
■hrlnk.  to  shrlmp  =  schrumpfen,  schauern,  Kluge  *,  X'ü ; 
Lehf.  225).  —  schrimpfen  =  so  ritzen,  so  ver- 
wunden, dass  es  eine  die  normale  Flache  ver- 
kürzende Runzel  oder  Schramme  gibt.  — 
Schrimpf,  tu.,  f.  1.  =  krampfhafte  Verkürzung 
durch  Faltung  oder  Kunzelung.  —  2.  =  runzelige 
Schramme  aus  einer  Verletzung  (Schindler  II, 
602).  —  (nordd.)  Schrumpel,  f.  =  Runzel  (H.  Pani 
403).  —  Schrumpfung  =  die  Handlung  oder 
der  Zustand  des  Schrumpfens,  1.  =  eine  patho- 
logisch-aktive, langer  als  normal  dauernde 
Muskelzusammenziehung  im  Gegensatze  zur 
physiologisch-aktiven,  nur  kurze  Zeit  dauern- 
den Zusammenscbnürung.  —  2.  =  der  Vorgang 
bei  dieser  Muskel  Verkürzung.  —  8.  —  die  Muskel- 
bänder- oder  Haut  Verkürzung  selbst,  soferne 
diese  Gewebe  nicht  mehr  passiv  ausgedehnt 
werden  können  und  der  Muskel  nicht  mehr 
nachgiht  (König.  Chlr.  III,  614).  —  (1583)  Asch-, 
An  ^schrimpf  -  daB  krankhafte  Verkürzen 
der  Augenlid  haut  durch  öfteres  Zwinkern, 
namentlich  infolge  von  Juckreiz  beitu  Ectropium 
schon  kranker,ekzematöser,schrundiger  Augen- 
lider, die  dann  das  Gefühl  haben,  als  ob  Asche 
auf  die  Augenbindehaut  gekommen  wäre  (siehe 
sehrinden)  (Gr.W.  1,811;  V.2307).  —  ««-schrumpfen 
=  dio  dauernde  Verkürzung  einer  Flache  nach 
Innen  durch  Faltung,  Beugung,  Winkelstelinng, 
Vernarbung  (Contractura).  —  Schrumpf-M>re. 

schruckig  s.  Schrecken, 
schruinen  s.  Schrunde. 

Schrunde,  f  (vorgerm.  skrent;  germ.  serend;  atad. 
»crintan  -  bersten.  Kluge  *,  337  ;  scrundelin.  scnintussa 
=  rlmula,  1)  498;  sernnta,  scruntunna  =  rlma,  fissnra, 
H.  Z.  III,  363;  <Jr*ff  VI.  58;  scrunun.  scruntin  = 
rltnosus.  I).  4'.»8;  mhd,  schrunde,  f.  =  Hautris«,  Lexer 
22d;  sehrinden  -  bersten,  aufspringen,  Itlsse bekommen  ; 
1260  sebrunden  —  HautriHse,  Pfeiffer  36.  „ao  dem 
mensehen  die  hendo  oder  die  fueze  schrindel",  Pleiffer 
80;  ndd.  uchrulnen,  «chrunnen  =  schrlnneu,  sebringen, 
Fromm.  VI,  481;  mnd.  ichrtnen,  Mag.  Barth.  96a; 
15.  Jahrh.   ndd.  scrunden  ■  rhagades,   D.  483).  — 

schrinden,  schrinnen,  Behringen,  1.  =  auf- 
springen, z.  Ii.  der  Haut,  Schrunden  d.  h.  quer- 
oder  Iftngsgestellte  Hautrisse  linearer  Form 
(fissurae)  zeigen.  —  2.  =  brennend  schmerzen 
durch  Rhagaden-  oder  Schrundenbildung  der 
Haut  (Goldschm.  18«).  —  3.  =  diese  Schmerz- 
empfindung übertragen  auf  andere  Stellen 
d.  h.  solche  ohne  Schrunden  (z.  B.  uchrynen  der 
Augen,  Magist.  Barth  96a  -  breunende  Schmerzen  an 
den  Augenlidern).  —  4.  =  S.  Srint  —  Schrund,  m. 

Schrunde,  Schrunne,  f.  =  Haut-  oder  Schleim- 
hautabschUrlungen  durch  Längsrisse  od.  Quer- 
h palten, Rhagaden [£y)y \6vai  =  bersten],  z.  R.durch 
Kälteeinwirkung,  Einrisse  der  Warzenhaut  an 

I  der  Brust,  Schleimhaut  etc.  (C.  t.  Scbm.  480; 
z  Hdbch.  xiv,  t.  234).  —  Schrindung  (ahd.  scrln- 
tunga)  =  Schrundenbildung  auf  der  Haut  oder 

j  Schleimhäuten  (ciralT  VI,  586).  —  schrundig  (mhd. 

I  ichründic;  1620 schnindaechüg,  I,exer220; Dr.  Minderer) 


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Schub— Schmie. 


-scbflpfern-Schntt.  605 


=  mit  Schrunden  behaftet  —  Arsch  Schrunden 
(1590  schrunden  Im  ans  =  fisinm,  D.  237)  =  Schrunden 
der  Afterhaut.  —  JscA-erschrÜnden  (Wehlau; 
In  Besprechungen;  Frlschb.  32.  Vi;  escberschringe,  f.) 
=  nicht  gut  Behen  wegen  Augenlid-  und  Augen- 
krankheiten, da  die  Haut  daselbst  anfängt 
Schrunden  zu  bekommen  am  Augenlidwinkel, 
angeblich  infolge  von  Aschenstaub  (a.  Aach- 
erschrumpfen);  (Fischart  [Z.  W.  I,  80]  schreibt: 
„lehrt  sie  Inn  die  asehen  blasen,  da«  sie  sich  selb»  darob 
plenden  nnd  bemalen").  —  (l»U5)  Au;,,,  schrinnen 
=  schmerzende  Kkzero-Schrunden  am  Augen- 
lide (Coler,  H.  A.  117).  —  B>  „  s,',  -  Schrunden  (1545 
schrunden  der  brüst ,  Gnrlt.  III,  66)  =  Rhagades 
mamillarnm.  —  ^schrunden  (rond  ;  Mag.  Barth. 
»6a;  1507  erschninden,  Hort,  san.)  =  anfangen 
Schrunden  tu  bekommen,  z.  B.  um  die  Augen 
durch  Ekzema  palpebrarum,  Aspredo.  —  (1635) 
französische  Schrunden  —  syphilitisches  Ekzema 
(Pr.  Ii,  265).  —  >••  schrunden  (I5i5=crep*ttis;  franz. 
creTs-ise,  D.  166)  —  mit  Rissen  und  Schrunden 
behaftet.  —  (1742)  Hände-,  (1776)  Haut  Schrunden 
=  Längs-  und  Querrisse  linearer  Form  in  der 
üaut  der  Hände,  z.  ß.  durch  scharfe  Materien 
oder  durch  Frost  (Mflrzschrunden),  namentlich 
beim  Ekzema  palmare,  manus  (Bahrend  5;  Zw. 
771)  (Gewürzkräraerflechte).  —  (isr.i)  Rxntern- 
Schranden,  1.  =  Afterhauleinrisse  (Fissurae, 
Rhagaden  ani)  (Bock  406;  I.onlc.  75).  —  2  =  die 
dabei  ursächlich  nicht  selteneu  Placijues, Condy- 
lomas. —  (i:>«i)  März- Schrunden  =  Hautrisse 
(Rhagades),  die  bei  meist  schon  vorhandenem 
Ekzema  manus  palmare,  plantare  an  Händen, 
Füssen  oder  sonst  am  Leibe  entstehen  nach 
der  Kälte  der  Wintermonate  und  bei  dem 
grösseren  Witterungswechsel  im  rauheren  März 
und  öfters  um  diese  Zeit  wiederkehren  (Gr.  W. 
vi.  16««).  -  Schronden-Afa«/,  -Schwellung. 
Schub,  m.  Schübling,  m.  s.  schieben. 

Schuck  (Schock)  !tnhd.  schoc,  schoche  =  Hanfe, 
den  man  wirft,  schwingt,  cchirhtet.  schockt,  Schindler 
II,  369;  Kluge».  834).   —  (1699)  Schock  =  Hüfte, 

Hnff  (Haufe)  (t.  m.  i.  67).  —  Schuckel,  f.  =  ein 

kleiner  Haufen,  mit  demselben  formell  angeglichen : 
die  hohe,  muskulöse  Schulter,  die  bei  arbeit- 
samen Menschen  einen  rechtsseitigen  (laufen 
auf  dem  gebeugten  Rucken  macht.  —  schlicken. 
1.  =  schwingend  bewegen.  —  2  =  schlucken 
(verderbte  Form,  H.  Paul  403).  —  3.  =  (schnk  = 
slngultus;  scbukken  =  »ingultarc,  I).  II,  310)  -  auf- 
stossen,  heischen  (s.  hriegen),  wobei  sich  das 
Zwerchfell  stossweise  aufschwingt.  —  Fudle- 
Schucker  =  eine  besondere,  schwingende 
Gangart  der  Mädchen,  die  das  Hinterteil  etwas 
achucken  (Buck  12).  —  (IBM,  1699)  gelöster  Schock 
=  Scblottergelenk  an  der  Hüfte,  an  dem  das 
Schlüsselbein  wie  abgelöst  bewegt  wird  (v.  M.  I, 

«7;  8«b.  150;  gebmeller  n,  364). 
Schübel  s.  Schuppe. 

schüch  s.  scheuch.  —  schliche  Krankheit. 

Schulle,  f  'ahd.  scnlU  =  calvarla;  12  Jahrh  scnl- 
lun ;  engl,  skull  -  a  marn  ht-ad  bon,  rock.  II,  126; 

Lehf.  92  22»-.).  —  Haupt- Schulle  («hd.  boubitsctuiia, 

13.  Jahrh  houptxchulleii  -  calraria,  Zc.  62)  -  Hirn- 
Schale,  Schädel  (Buck,  Flurnamen  260). 


-schüpfem  (zu  Schiefer).  —  (1631)  Zer- 
schüpferung  =  schieferiger  Zustand  der 
Knochenwunde  (Gurtl  III,  23). 

Schüppel,  Schüppen,  pl.  s.  Schuppe. 

8chürben  s.  Schur-  (Scheuer-)  Bein  (Coler. 

H.  B.  139». 

schürfen  s.  Schorf. 

Schürze  s.  Schürt. 

Schüss  s.  Schuss  (Schoss). 

8chüasel,  f.  (gleichxciUg  mit  !genn!  dlseut  = 
Ti*eh  und  Schüssel  [discus)  im  f.  Jahrhundert  au«  der 
römischen  Kücherisprache  llat.  scntella]  entlehnt;  ahd. 
scuzzlla  [Schü««el! ,  mhd.  schüzxel  =  vertiefte  Speise- 
platte (Kluge»,  339!,  mit  welcher  verglichen  wurden); 

I.  =  (1&I8  schus*el)  (ielenkböhle  des  Hüftbeins 
(=  Pfanne,  b.  ds.)  (Acetabulurn)  (H.  r  Gersd.  15  b). 

—  2.  =  (1632  schüsselin)  die  kleinen  Gelenkgruben, 
an  dem  Wirbel  1.  B.  (Hyrtl,  K.  \v.  27).  —  3.  = 
andere  schalen-,  muschel-  oder  schüsselförmige 
Gebilde  des  Körpers.  —  (1.594)  Haupt- Schüssel 
=  die  Hirnschale,  Cranium  (Hyrtl,  K.  w.  >6;  Had 
Jun.  21;  Gr.W.  IV.  2.629;  V.  1178).  —  OArcn-SchÜSSel 
=  Ohrinuschel  (Gr.  W.  VII.  1259.  12>;7).  —  (1687) 
Wi>&e/-8chüssel,  l.  =  Acetabulurn  coxae, Grube 
im  Gelenkknochen  (werben  =  sich  drehen) 
(Georg.  391).  —  2.  =  die  fleischige  Gegend  um 
den  Hüftkegel  herum. 

Schutt,  n.,  f.  (schütten),  schütteln,  schüt- 
tern (germ  skud  —  erschüttern  [schaudern];  ahd. 
»eutten  =  schwingen,  schuttein.  scnUl&a ;  alts  »kndd- 
jan  =  con-cutio.  Fick  20»;  mhd  «chutten  =  schütteln, 
schütten,  schütteln,  Kluge5,  339;  14  Jahrh.  schütcl  - 
Fteberfrosl,  Hoffm  I,  38'.»;  15.  Jahrh.  «chut,  f.,  Schtn. 
II.  488;  16.  Jahrh.  schultern  =  frieren,  I,erseh  272; 
enu'l  shuddle*  -  Frostsehauder,  Dorn  hl.  122)  b  Krank- 
heitttanfali,  namentlich  ist  es  das  Fieber,  das 
wütet  nnd  schüttelt,  wie  ein  Krankheitsdämon 
(1618;  Pansa  107;  noch  van  Helmont  nahm  im  Fieber- 
froste einen  Akt  des  [etwas  mv«ti«ehen'  gereizten 
Archaeus  [  —  I'rincipium  regen»,  primärer  I.ebensgrund) 
an.  der  in  seiner  Wut  den  Patienten  schüttelt).  — 
8chütt,  n  Schutt,  f.  =  das  schüttelnde  Fieber, 
da*-  bei  den  Stebeubürger  Snch'en  eine  ..«chedelndc" 
(-scheitelnde,  schüttelnde)  Gotlesstrafe  l«t  (8chm.  II, 
488;  Erbe  22)  —  Schutt el.  m.  (1.17)  (Schüttler,  m.) 
=  das  öfters  schüttelnde  Fieber  (personifizirt ; 
Pchmeller  IT,  183  4s8.  490;  Gr.  W.  III.  1620).  das  den 
Kranken  i:n  Frost  hin  und  her  bewegt  (schüt- 
telndes Fiel>er  oder  Frörer).  —  es  schuttert, 
schlittert,  schüttelt  mich  vor  Frost  (Spless  II, 
229)  —  es  schaudert  mich.  —  die  Milch  hat  sich 
geschüttet  =  ist  geronnen,  schüttelt  sich  bei 
Bewegung  (H.  Paul  405).  —  au- schütten  =  Sekrete 
(l'rin,  Blut)  im  Guhb  entleeren.  —  sich  vor 
Lachen  ausschütten  =  risus  cedit  in  urina- 
tionem  (namentlich  beim  Weibe)  (Demokr.  I,  49). 

—  6<-8Chütten- zauberhaft  beeinflussen  durch 
Aufschütten  eines  Pulvers,  Erde,  Kröten- 
asebe  etc.  (Frlschb.  5;  Martiny  22).  —  (1783)  ent- 
SChtitten  =  sich  durch  schnelle  Entleerung 
(ausschütten)  einer  Sache,  z.  B.  der  Krankheits- 
materie, der  l^eibesfrucht,  des  Blutes  ent- 
ledigen (fir.  W.  V,  1'.*;  Fjisich  213).  —  das  Blut 
erschüttern  =  durch  Fieberfrost  eine  Milz- 


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60(1  Schaft— Schuh. 


Schule— Schulter. 


Schwellung  (Blutkuchen)  heknmmen  (Malaria) 
(das  Geräusch  eine«  bei  Witterungsverandeningeu 
schauerlich  murmelnden  Dorfpndels  [  as  Alpdnmon] 
erschüttert  einem  das  Hlut,  dass  es  dick  wird  [F.rlis- 
bach  in  d.  Schweiz],  Schwurt*,  Indog  V.-(0.  HO).  — 
£Vschtitterung-die  Handlung  des  Versetzen» 
in  schulternde  Bewegung,  %.  B.  Kall,  Sturz.  — 

Gehirn-  I  j^chütterung  =  C'ommotio 
(1M5)  Hirns-  |  ■ 
cerebri,  die  heftige  Mitbeteiligung  des  Gehirns 
und  seiner  (iewebefasern  an  einer  den  Körper 
oder  Schädel  stossenden,  schauernden  Be- 
wegung und  deren  Folgen  (Collapsus,  Syncope, 
Shock):  auch  übertragen  auf  psychische  Be- 
wegungen, die  das  Nervensystem  schwachen 
oder  lahmen  (Ryfl;  Gurlt  III,  Gl).  —  gichtcrische 
Ei  schlitterung  =  Convulsionen,  Krampfbe- 
wegungen, Qichtern  (b.  d.).  —  Huf- Erschütte- 
rung -  ein  Fehler  am  l'fenlehufe,  wobei  das 
Horn  sich  ablöst  und  durch  den  (Jans;  das  Huf- 
leben, der  Hufkern  erschüttert  wird  (r.r.  W.  IV. 
2.  1869).  —  Nerven-l*>8ChÜtterung  -  bildlich 
fnr  den  Zustand  heftiger  Bewegung  des  Nerven- 
systems mit  Lahmungserscheinungen  —  (17481 
y/u  >i  ■/  ---Schüttler  =  Furunculosis  [verachtlieh  Iiir 
den)  Hundsschnppel  (s.  d.)  oder  Blutschwilr, 
der  manchmal  Fieber  macht  (Franken;  K.  eh  181; 
Ourlt  I,  122).  —  Äiflfn-SchÜtt  [U.  Jahrh.  da«  dich 
der  frorer  schütte  [Kuhn.  Z  X.  <iciler  von  Kai*er*- 
berg]  ritsehit  [Fromm.  VI,  L  2;  Thomsa  Murner)  Ich 
Hilter  als  mich  der  ritten  sehltt,  1.  eod. ;  1717  da**  dich 
der  ritt  schul,  Kuhn,  Z.  X,  70;  Schnieder  II,  183.  490) 
=  Fieberfrost  (s.  Ritten).  —  Tag-  und  Xaehts- 
trrschütt  (da*  Tags  und  Nachts  geschieht,  Z.  f.  d. 
I  nierr.  1894,  122)  =  das  immerwährende  Fieber 
(w  ird  besprochen).  —  (1766)  um-  (irr-)  schütten  = 
die  sich  entwickelnde  Frucht  des  Leibes  durch 
den  Abortus  wie  einen  Topf  umwerfen  und  die 
J-eibesfrucht  durch  Verwerfen  (Abortus)  wie 
aus  einem  Topfe  entleeren  oder  ausfliessen 
machen  (A.  v.  H  II,  887;  Bluml.  197).  —  Schüttel- 
Fieber,  -Kopf,  -Lahmung,  -  Wehen. 

Schuft,  f.  ■  behaarter  Widerrist  (Mccklenbg. ; 
Falke  II,  291);  zu  Schopf? 

Schuffezer  (l"«i"i  letzt  «ohuffatzer  =  orexls,  l>.  itio) 
=  Seufzer  des  Sterbenden. 

Schuh,  m.  (Schuster)  (Torgenn.  sköko*.  skoq.sfccq 
-  schicken,  weggehen  maehm,  geschehen;  gvin.-germ 
skoh  ;  ahd  seuoh  ;  angl»  gesey  (>ar  sutearum,  rock. 
III,  861;  ic  sclo  s  Ich  reise,  Ze.  8(1;  nihd.  schuoeb; 
geachueh),  1.  =  menschliches  lieh  Werkzeug.  — 
2.  ■  Pferdehufstollen.  —  3.  (=  Symbol  der  Natur- 
zeugung, des  Krdsegens  und  der  weiblichen  Genitalien 
im  Volksbranche;  vielleicht  ließt  demselben  eine  uralte 
Volksetymologie  zu  «irunde  mit  Beziehung  auf  das 
Ueachahan;  Geschichte)  =  Menses  (GeachQech); 
sie  ist  geschickt  (geschüclit?)  =  schwanger; 
haarfnss  gehen  heule  nur  die  noch  nicht  menstruierten 
Mädchen.  —  sie  kommt  in  die  Schuhe  =  sie  ist 
bereit 8  menstruiert,  mannbar;  war  ein  Mildehen 
dellorirt  worden,  so  musste  mnn  Ihm  dafür  einen 
Schuh  gcl>en  (Hyrtl,  K.  W.  12:1),  d.  h.  ale  zur  (be- 
schuhten) Krau  machen;  mich  der  Franke  überreichte 
seiner  llrant  als  licschenk  ein  paar  Schuhe  (<".  v.  Schm. 
79;  weiter«  dlcabt-zügllchc  Angaben  ».  Z.  d.  V.  f.  V.-K. 


1894.  8  IM;  Schmeller  I.  1045 ;  II,  391;  Rachofen  209. 
281,  Antu. ;  l.iebrecht  z.  V.  K  492)  —  schustern  = 
sich  mit  dem  Schuh  (Feminal)  beschäftigen 
(coire).  —  den  Schuster  auf  der  Stör  haben  = 
die  Menses  hüben,  da  dann  die  Frauen  und 
Mftdchen  sich  beschuhen  (Schmeller  D,  392).  — 
der  Schuster  macht  dann  den  Laden  tu,  d.  h. 
die  Menstruation  verbietet  den  Coitus  (Schmeller 
II,  392).  —  '<••>•  schuhen  =  den  Hornschuh  von 
j  dem  Rinder-  und  Pferdehufe  lostrennen,  fallen 
lassen  (Zipp.  W2;  Falke  I,  3.  92).  —  Horn  Schuh 
j=die  Pferdehufuinkloidung,  die  eine  ablösbare 
Hornkapsel  um  den  Huf  bildet  (Zipp  161 ,  Falke 
I,  III ;  engl,  hotseshoe  -  Hufeisen).  —  roter  Schuster 
=  die  Frauenblume,  Rose,  Menses.  —  Schuster 
Brust. 

Schule,  f  —  Schul  Fieber,  -krank,  -Kropf, 

-PeMt. 

Schuld,  f  —  Un  schuldige  s.  Kind. 

Schulter,  f-  (ahd.  scultirn,  sculterra,  scultarn, 
sculdra.  Graff  VI,  190  —  lampates  [=  compades].  sca- 
I  pnla  humerns,  Gass  Glos«  ,  Diez;  I».  316;  ahd  sculterra, 
copadlum  (compaglum],  interna  vlscera  animaliuin, 
Schmeller  II.  416;  D.  14'.).  II  Z.  XV.  341.  318;  9  Jahrh 
scultyrra  ■  humeri,  Kab  Maur.  64.  II.  Jahrh.  srultera 
=  numerus.  II.  Z.  III,  3<i8  ;  12.  Jnhrh.  »coldra  -  sca- 
pnla,  scoodliran  =  vlseern  iSchulterileisch] ,  caplta 
nervornm  -  Sehnenansatze  Wild  wachs,  Hanrwachsj 
am  Schulterbeine,  H.  Z  II.  205;  I)  II,  383;  seuldor  = 
palae,  lamhates  [compades],  Ii  II,  276;  sculdre  =  la- 
1  bäte«  1  eod  ;  nihd.  Schulter;  1S23  schulter  —  Achsel, 
|  Kluge*,  338  -  Rückenteil  iil»er  den  Achseln  [Cchsen], 
armus  fltug  bei  Tieren),  perna  [Schinken  b  Schwein). 
Heyne  V.  4'.«0  IT.;  angl*.  aeuldor  iaing],  aeyldrn  [pl.|, 
Cock.  III.  3ii9;  engl.  Shoulder  =  S<  hulter.  Rur,  Vorder- 
blatt, Vorderviertel,  KalUehm  ;  Cock.  III,  3t.9>,  1.  - 
Hiimcrus,  der  Überarmkopf,  der  im  Achsel-  od. 
Schnltergelenke  eingefOgt  ist.  —  2.  —  Scapula, 
Schulterblatt  (Bug)  als  Träger  des  Schulter- 
gelenkes und  als  knrtcbemer  Schild  (s.  Harte  u  »; 
ahd.  »kerti,  herti.  hart! .  a  shoulderblade  -  a  shleld  - 
elypeus,  Cock.  III.  :*;i  ff  )  —  3.  =  Schulteig.'gend 
mit  allem  äusseren  Fleisch,  auch  Sehnenan- 
slttzen  (MitlelHchuiter)  u.  inneren  Eingeweiden. 
—  BChültern  (schildern)  =  abwechselnd  die 
Körperlasi  auf  die  eine  oder  andere  Schulter 
(Fuss)  verleuen;  bei  Pferden  die  Stollen  des 
einen  Hufes  auf  die  Krone  oder  Zehenwand 
des  anderen  Hufes  stellen  (Zipp.  121;  Falke  II, 
277).  Aus  der  Beschaffenheit  des  linken  Sohulterbeins 
wurde  beim  r.ansebein  (*  d  )  gewahr«agt  (Spalula- 
mancln!  ein  Brauch ,  der  sich  aus  der  alten  opfer- 
unatomle  ableitet,  wobei  der  Rlutrelchtum  (Farbe)  de« 
Knochens  einen  Anhaltspunkt  für  die  Wahrsagerei 
geben  sollle  (Klczler  335;  Uebrcchl  491)  (*.  Reuter); 
Cregorovius,  Corsika  *  I.  271  la  destra  »palla  sfalla. 
Das  Schauen  „über  die  linke  Schulter"  sollte  nach 
dem  Volksglauben  elbische  Kräfte  (Uelster  und  Schatze 
sehen  z.  B  )  verleihen  (Kuhn  I,  188;  K.  u.  Schw.  211 
243).  —  breit- schulterig  (engl,  broadshouldered, 
Kalt-chm.,  dftn.  bred*kudrig ;  hol!,  breed  von  achou- 
dern)  -  in  der  Achselbreite  oder  Hirten  breite  * 
weit  abstehende  Schultern  habend.  —  Bru*t- 
Schulter  (Hl"  tyn  hörst  schulder  —  spatulum  armus 
pectoris.  D.  II,  344)  -  BugrJeisch  au  der  Brust  oder 


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Schummel— Schuppe. 


Schur. 


«07 


Schalter  des  Schlachttieres.  —  Gr- Schulter 

(angls.  gesculdre  -  palae,  D.  II,  276;  Cock.  II,  402)  = 
die  gesamten  beiderseitigen  Schulterknochen 
mit  Fleisch  (Kuckbraten)  und  Sehnenansätzen. 

—  hohr  Schulter  (ndl.  hooge  sehouder,  V.  K.  VI,  9) 
=  Skoliosis  habilualis,  die  Erhöhung  der  rechten 
Schulter,  z.  B.  durch  unrichtige  Haltung  der 
Schulkinder  beim  Schreiben  (Bagtnsky  in  Oerhardt 

I,  622).  —  (14.  jahrh )  Mittel- Schulter  =  Inter- 
scapula,  die  Schultergegend  »wischen  und  unter 
den  beiden  Schulterblättern,  Unterhärte  (s.  d.) 
(Voc.  opt.w.  12).  —  schiefe  Schulter  =  einseitig  er- 
höhte.hohe  Schulter  (einhnftigu.*).  —  (1».  Jahrh.) 
Unter-,  Zwischen  -  Schulter  =  Interscapula, 
Unterhätte  (D.  306.  642;  1468  iwnacben  schultern  = 
intcrscapulum.  D.  II,  219),  —  Schulter- /fanri,  -Bein, 
■Blatt,  Fall,  Fluss,  -Grsrhwär,  Gesuchte,  Gürtel,  \ 
•Höhe,  -Knochen,  -Kudten,  -Lähme,  -Rippe, 
-Ritten     -Schuss,  -Spann,  -  Wärk,  -  Weichen. 

Schummel,  f.  (Schumpel)  (in  schummeln  =  hin 
und  her  wiegen,  Schindler  II,  120).  —  Schummel 
(Schumpel),  1.  =  weihliche  Brüste,  die  hin  und 
her  banmeln  (Sehm.  Ii,  120.  421).  —  2.  =  Feminal 
(Srbra  II.  421;  Schw.  628)  (».  Tschumper). 

Schummer,  m.  s.  Schimmer. 

Schund,  m.  (zu  «chlnden)  («.  d.  u.  Schinnen). 

—  Schund  =  Pityriasis  capitis,  was  sich  ab- 
schindet, abhäutet,  Hautkleie  (Rehrend  56.  .-.7).  — 
SchÜndling  =  cacsar,  caesu«.  n  caeso  mntris  ntero 
(Ze.  5«.»)  (s.  Schindling);  aus  solchen  abnorm  oder 
totgeborenen  Fruchten  (s.  unschuldige  Kinder)  werden 
nach  dein  Volksglauben  Helden,  elblnrhc  bevorzugte 
Wesen  (Ze.  59),  die  dein  Apollo  geweiht  waren,  der  «te 
ans  Ucht  «og  (l'llnius.  hist.  77). 

Schupf,  m.  s.  Schuppe. 

Schuppe,  f  (schüppeln),  schupfen  (aitgerm. 

skub  -  stossen ;  germ  »kah  m  schaben  [mit  dem 
schiebend  gestossenen  Schiefer';;  goth.  afxkluban, 
Kluge*.  388;  ahd.  seuoppa,  scupa  —  «quama,  Graft  VI, 
410;  1260  seuopan  —  schuppen,  I'felffer  23;  scuopalu 

—  sqnamma;  mhd.  sebuoppe,  schuppe  —  dünne  Haut- 
platte;  1530  schupffen  -  aufstoßen,  Künig*«p  48.  69; 
«chueplen  =  KlelenNledcrsehlag  Im  Urin,  Kiinigssp. 
IH.  59;  16.1  schuppen  =  furfures  Bock  52;  schübel  = 
furfur  [Inllrmltas],  D.  II,  186;  1M.0  schiepelen  =  arhora. 
Plctor.  81;  1«99  Schieber  ■  -  furfures,  v.  M.  I.  15.1;  1735 
der  Schupften  -  Hautborke,  Woyt  .152;  1742  schuppen 
=  squamulae,  Zw.  II«--  [Henneb  |  Sehlppel,  m  ,  Spie«« 

II,  212;  engl,  »hovel  m  das,  was  beim  Schaben, 
Kratzen  oder  Stossen  abfallt:  1.  =  dünne  Haut- 
oder Knochen  -  Platten  ,  z.  B.  Hinterhaupts- 
schuppe,  Schläfenschuppe,   Os  squamoruin. 

—  2.  =  kleieförmige  Abschuppung,  nament- 
lich der  Kopfhaut,  mit  den  Fischschuppen 
(s.  Flosse*)  verglichen  (Coler.  n.  A.  83).  — 
3.  =  Hauptgrint  (A.  v.  H.  I.  2»;  11.  «29)  als  | 
Krankheit,  die  «licse  Abschuppuitg  veran- 
lasst. —  (1899)  Schupf,  m.  ~  der  Zustand  der 
Abschuppung  (v.  M.  I,  47)  =  racailles  du  mau 
St.  Martin  (Hrlss .216)  beim  Rotlauf  (Krysipelas)  | 
z.  B.  —  Schüppeln,  pl  (Schübel),  m.  (ebd.  teabtl, 

Graff  VI,  409;  146*  Mhflppel  —  durltie«  cutis  plsclum 
»quamma,  D.  II,  31«;  15.  Jahrh.  schuel>el  —  furfur, 
lnfirmltaa,  D.  II,  ;12),  1.  =  Tineae  (Hautschuppen)  I 


(Buck  16),  Borke,  Scholle.  —  2  =  Kopf  wie  Grint 
(s  d.)  (Birllnger;  Schindler  II.  438).  —  schüppicht, 

(1518)  schybelecht,  schttpechtig  =  abschuppend, 
abgeschuppt,  kleienförmig  (Or.  W.  VW,  25.5;  H.  v. 
flersd.  87;  ahd.  scopochter,  scopohter  =  seaprosns, 
«cabrosus,  D  515  516;  15.  Jahrh.  einer  der  da  ist  grint 
o.  schuppet  uff  dem  heubt  o.  sunt  an  der  hude,  I).  516 
=  scabrositaa),  z.  B.  beim  Schuppengrint,  bei  der 
Schuppen  flechte,  Grint,  Räude  etc.  —  sich 
schüppeln  (z.  B.  die  Haut)  =  die  Haut  lässt 
Schuppen  fallen  (A.  v.  H.  I,  789;  i486  schleppten  = 
exquammare,  D.  219;  II,  163).  —  ^.'.schuppen  = 
ileequammare,  von  der  Haul,  wie  beim  Fische 
die  Schuppen,  kleine  Hantstftckchen  verlieren 
(Gr.  W.  I.  110).  —  Fiti  '.  Schuppen-  Aussatz  («.  iL). 
—  (ni7)  Grint- Schüppel  (Schübel),  1.  -  ein 
Stdck  einer  (Irint-  (Impetigo)  Horke  (Schuppen- 
Grint),  die  sich  in  stärkeren  Massen  von  der 
Haut  des  Kopfes  abgeschuppt  hat  (Schindler  II, 
4:t8)  (Haupt-Schuppen).  —  2.  =  derjenige,  der 
eine  solche  Anomalie  hat  (Abrab  11. 1:19).  —  Haar- 
SchÜpfel  (  =  harschypfel.  Schindler  II,  440)  =  tricae, 
ein  mit  Schuppen-  und  Hautflechten  bedeckter 
Kopf  (s.  Wichtel-,  Weichsel-Zopf).  —  Haar- 
Schuppen  =  Pityriasis  capitis,  Kopf-Schäbig- 
keit am  behaarten  Teil  (Behrend  56).  —  Haupt- 
SchÜppen  0'>17  heupl*ehiipplen  =  furfur,  I).  25.); 
II,  1*6;  15*2  schuepsen  des  haupts,  l.onlc.  330;  169« 
hauptschuppen,  Schreyer  7«)  =  Furfures  capitis, 
Porrigo,  weisse,  borkige  Schuppen,  Hauthlätt- 
chen,  die  haufenweise  von  der  behaarten  Kopf- 
haut abfallen  (Gr.  W.  1085;  Zw.  7M).  —  „es  fällt 
von  den  Augen  wie  Schuppen",  übertiagen 
von  der  abschuppenden  Blatternkrankbeit  oder 
dem  Krysipelas  faciei,  wobei  die  Kranken  im 
Abhäutungs- Stadium  wieder  freies  Sehfeld 
haben.  —  Haut  Schüppeln  —  Deaquammatio 
cutis,  Hornschichten-Lamellen,  welche  sich  auf- 
fallend stark  von  der  Oberhaut  ablösen,  wenn 
grössere,  weisse  Blrtttchen  abgestossen  werden 
im  Gegensätze  zur  kleineren,  kleienförmigen 
„Abschilferung"  (s.  d.)  (A.  v.  II.  II,  au)  (Schuppen- 
flechte). —  Hunds  Schübel  (-Schüppel)  =  (ver- 
ächtlich) Blutgeschwär,  Kurunculosis  (Akne), 
übertragen  von  der  Hundsräude,  die  die  Haut 
krank  macht,  an  Schwären  leidend  wie  ein 
räudiger  Hund,  oder  Pusteln  habend  wie  dieser 
(Franken;  vielleicht  entstellt  aus  Hnndsuttel  [s  d] 
und  an  Schiippel  angelehnt).  —  (1578)  Lüum  -SchÜp- 
pen  i-  esera  (?)  1=  eachara,  D.  210],  Theophr.  B.) 
^  Scborfbildong  auf  dem  Kopfe  mit  Niss  und 
Ungeziefer,  das  man  früher  als  Ursache  der 
Hautkrankheit  ansah.  —  Schüppel-,  schup- 
pichter,  Schuppen  Aussatz,  -Flechte,  -Grint, 
Harn,  Haut,  -  Krankheit,  -Mauke,  -Scluibigkeit, 
-Srhabel,  -  Tier. 

Schur,  n.,  m.  s.  Schauer. 

Schur,  f.  (Schürt)  (zu  weheren  (s.  d.) ;  ahd  scurt.  f. 

=^toti*nr«.  harba,  vulnu*,  Grn(T  VI,  .v.!6;  mhd  schuor, 
Klugo 6,  338)  as  das  Scheren,  die  Haarnchur.  — 
der  Tschurl  -  Haar,  gekraustes  Haar  an  der 
Stelle,  wo  andere  geschoren  werden  (Tirol, 
HintnerS.  12).  —  flw?  Schurl  =  Feminal,  Pudenda 
feminae  (Schinellcr  1,  'J 1 1 6 ,  vermutlieh  BuchdschnrI 

=  Bauchhar  |.Mons  Veneris,  l'ubes  crlnosa]  oder  Knt- 


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608  Schurb — schwach. 


schwach. 


Stellung  doi  [mtlat. ;  1482]  burgullo,  buxüio,  burgurio 

-  Flselhaar,  FoUenhaar,  comae  genitalium,  I).  85; 
D,  62).  —  Aa/ft-schürig,  1-  =  im  Gegensätze  zu 
einschürig,  eine  Wolle,  die  jährlich  zweimal 
geschoren  wird,  daher  feiner,  weniger  stark, 
dicht  ist.  —  2.  =  nicht  völlig  ausgewachsen, 
unvollkommen  (H.  Paul  199). 

Schurb,  m.  ■  (im)  Scharhock  (s.  d.)  (coler, 

H.  A.  13S). 

Schürf,  Schurff  s  Schorf. 

Schurpfer,  DB.  (1SU  -  atta  =  „der  gleich  als  wie 
auf  Dornen  geht",  Had.  Jnn.  398;  1<>18  ..schurpffen  mit 
den  Füssen,  als  wann  man  auf  Dornen  gleng"  [pcdlboi 
terram  potlus  attingere  quam  calcare  ut  atta],  Schindler 
U,  470)  =  einer,  der  achärfelnd  geht,  als  ob  er 
auf  etwas  „scharfem"  ginge,  wobei  er  sich 
aufschürfen  könnte,  ähnlich  dem  Gang  eines 
Greises(Atta,Gro88vater;s.  Schleifbein,Schleif- 
fuss);  vergl.  auch  Schorf. 

Schürz,  m.  Schürze,  f.  (germ.  skurtjön  an»  [vulg. 
lat  ]  excurtus,  an«  [tat  ]  curtus;  alid.  seurz  [kurz]; 
altnord.  skyrta.  Welnh.  162;  mhd.  schürz  =  da»  gekürzte 
Kleidungsstück,  Kluge  339,  pannus ;  engl,  purple  short 
=  Scharlach  [a.  d.],  Lerech  331),  l.  =  Vulva,  eigent- 
lich nur  der  Haarbüschel,  welcher  an  derselben 
kurz  herabhängt  (beim  Hirsch  und  lieh ;  s.  d.  Verf. 
Volks-Med  ,  8.  162;  Brehm  III,  167).  —  2.  =  „sym- 
bolische i  mschruibung  fiir:  Frauenzimmer"  (H.  Paul 
406).  —  sie  hat  eine  neue  Schürze  erhnlten  = 
sie  ist  schwanger;  (die  menstruierten  Mädchen 
erhalten  Schuhe  und  Schürze;  als  Frau  dann  eine 
andere,  Ploss-Bnrtels  I,  480).  —  nM/^eschÜTZt^  auf- 
gezogen (wie  ein  Schurzfell,  abgekürzt  hinter- 
und oberwllrts am  Bauche  (von  Pferden)  (Wind- 
bauch) (Falke  I,  28).  —  (1835)  Hottenti -tt-m-  Schür ze 
=  die  schflrzenförmig  lax  herabhängenden, 
hypertrophischen  Nymphae,  Labia  minora 
vulvae  (Tabller;  Hyrtl.  Anal-  HB,  eine  Kigentümlich- 
kelt  nicht  bloss  der  Hottentottenfrauen  u.  Buschweiber, 
sondern  auch  anderer  afrikanischer  Weiber,  Kraus,  F.. 
33,  die  künstlich  erzeugt  werden  soll,  Gnrlt  I,  217  (f.). 

Schuss,  rn.  8.  Schoss 
Schuster  s.  Schuh, 
schuttern  s.  Bchüttern. 

Schutz,  m.  (ahd.  skutison;  mhd.  schütenen  = 
einen  Krdwall ,  Schutt  aufwerfen ,  eindämmen ,  be- 
schützen, Klugo  *,  339).  —  Schutz-ifan  *,  Mauke, 
-Forke,  -Räude. 

Schwabe,  f.  =  Schabe  flandschaftl.  ;  II.  Paul  405). 

schwach,  Schwäche,  f.  [gtrm.  suk;  swak, 

Kluge*,  339;  ahd.  und  angls.  fehlte  es;  mhd.  schwach 

—  niedrig,  armselig,  gebrechlich;  1482  s wach  —  krank, 
InftrmuH,  Gr.  W.  V,  2023,  Invalldus)  =  kraftlos,  ge- 
brechlich, krank,  asthenisch.  —  Schwäche, 
Schwächet  (mhd.  swache)  =  Zustand  eines 
Schwachen,  Abnahme,  Mangel  der  Muskel-  und 
und  Nervenkraft,  des  Denkvermögens,  Kränk- 
lichkeit. —  Schwächen  (mhd  swehen ;  ndd. 
swaeken)  —  schwach  machen  (schänden)  und 
sein,  schwanken  beim  Gehen  aus  Schwäche 
(Goldschm.  IV. ;  naineutlich  sollten  die  Klben  [Traden] 
Im  Alptraum  [s.  d  ]  den  Menschen  durch  Pollutionen 
schwachen,  ausmergeln,  Schwartz  295;  Schw.  Indog. 


v.-oi.  133).  —  Schwächling  =  schwacher,  krank- 
licher Mensch.  —  schwächein  =  öfters  sich 
schwach,  krank  fühlen  (Tirol).  —  Schwachheit 
(mhd.  swacbhelt ;  ndd.  swaakhelt ;  1562  Scbwachhait 
=  Infirmitas  ;  1634  Schwachheit]  =  schwache  Art, 
Krankheit,  ohnmächtiger  Zustand  (Scbmeller  I, 
1374 ;  Goldschm.  so).  —  Schwächung  =  Handlung 
des  Schwächens.  —  -iZfeys-schwach,  -Schwäche 
m  Marasmus  senilis,  Senectus  cariosa  (lioU  zwak 
van  ouderdom;  schwed.  alderdomssvag)  =  Abnahme 
der  Kräfte  im  Alter,  AlterBgebrecblichkeit 
(Ana-  [On-]  Sucht).  —  Augen  -  Schwäche  = 
Copiopia  hysterica,  eine  blosse  Verminderung 
der  Sehkraft  der  Augen  ohne  eigentliche  sicht- 
bare Erkrankung  derselben  (s.  o.;  GesichU- 
scbwäcbe)  (Kopp  I,  340).  —  Fraum-Schwäche 
=  Inürmitas  muliebris  (s.  Blödigkeit)  (Gr.  w.  IV, 
l.  82).  —  Qedächtu^  Schwache  -  Vergesslich- 
keit  (engl,  forget-fulneas.  Dornbl.  46).  —  (1W2)  gc- 
BChwachen  (9et>.  99)  =  ohnmächtig  werden.  — 
Oesiihts  Schwäche  =  Asthenopia,  leicht  ein- 
tretende Ermüdung  in  der  Sehkraft  (Ranke  I,  684). 

—  Glied- Schwachheit  =  Muskelschwäche  in 
den  Gliedern.  —  /Taupf-Schwachheit  =  Krank- 
heit mit  Gehirnsyptomen.  —  (1662)  neue  Haupt 
Schwachheit  =  Typhus  mit  Delirium,  als  neu 
aufgefasste  Krankheit  (s.  neue  Krankheit) 
(Haeser  TT,  381).  —  (1566)  ungarische  Haupt- 
Schwachheit  =  petechialer  Lagertyphus  als 
Krankheit  mit  vorwiegenden  Gehirnsymptomen 
(Morbus  hungaricus;  lt.91  febris  castrensls  quam  vulgo 
ccphalalgiam  epidemieam  [  —  Hauptsucht)  vocani ;  bei 

I  der  Belagerung  von  Ofen  beobachtet,  Haeser  II,  34kl; 
\  Schnurrer  II,  113).  —  .f/tTi- Schwäche  =  Deliquium 
I  animi,  Abnahmo  der  Kraft  des  Herzmuskels, 
Ohnmacht  (Gr.  w.  IV,  2. 1260).  —  (17.  Jahrh  )  hitzige 
Schwachheiten  =  Herzschwäche-Zustände  bei 
hohem  Fieber  (Fr.  Kr.  B.  334).  —  (1756)  kurze 
Hi}>pi  »-Schwachheit  =  Krankheit  der  unter 
den  Kippen  (Hypochondrium)  liezenden  Milz 
(Milzsucht)  (Z.  V.  389).  —  bens  Schwache  = 
Mangel  der  Lebenskraft.  —  L km  gen  Sch  wache  = 
Lungenkrankheit,  die  brustsebwach,  schwache 
Atmung  macht  (Heyne  V,  504).  —  (1756)  Magen- 
Schwäche  =  Torpor  Galeni,  Mangel  der  Ver- 
dauungskraft des  Magens,  der  die  Neigung  zu 
erkranken  hat  (Heyne  V,  604,  Bern.*,  107;  Falke  II. 
93)  maladie  de  langueur,  mal  St.  I^ingonret 
(Brlsa.  122).  —  Afus/W-Schwäche  =  Abnahme  der 
Muskelkraft.  —  (1684)  Mutter- Schwachheit  = 
Krankheit  der  Gebärmutter  (Gr.  W.  VI.  2326)  und 
des  Unterleibs,  welche  leicht  zu  Entzündungen 
neigen  (s.  schwache  Mutter).  —  (1836)  Nerven- 
Schwäche=  Abnahme  n.  Mangel  an  (Leistungs- 
fähigkeit des  Nervensystems,  Nenrasthenia.  — 
reiibare  Schwäche  =  leichte  Erregbarkeit  des 
Nervensystems  infolge  allgemeiner  Ernährungs- 
störungen. —  (1803)  Samm-Schwäche  =  Samen 
Verlust  (Pollutio),  Spermatorrhoe  infolge  von 
Nervenschwäche.  —  Seh  Schwäche  =  s.  Augen- 
schwäche. —  (1829)  SWfof-Schwächung-Onania 
(s.  d.)  (Kopp  iv,  345).  —  fV-schwach  =  bis  zum 
Totsein  kraftlos  und  lebensschwach  (Bau  ml  562). 

—  Ferdtuun^s-Schwäche  =  Abnahme  der  nor- 
malen Verdauungskraft.  —  HTten-Schwäche 
=  Inertia  uteri,  schwache  Thfttigkeit  des  Uterus 


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Schwadern— Schwär. 


Schwär. 


hei  der  Geburtsperiode.  —  schwach (f,  er,  es), 
Schwäche  -  Brust,  -Fieber,  -Füste,  -Gesundltett, 
-Haupt,  -Knöchel*,  -Kopf,  -Magen,  -Maticus, 
-Sichtigkeit,  -Sinn,  -  Tod. 

Schwadern,  m.  Schwaden,  n.  (germ.  sweth; 

altn  sreidh,  sridha  =  vor  Schmers  brennen  ,  srldhl  = 
brenneuderSchmrrz,  ahd  swcdnn  -  langsam  dampfend 
verbrennen;  nuglx  svadho],  swadul  =  (jualrn;  mhd. 
•«•den,  swadcn  -  Dun«.  Flek.  '.»19;  Kluge*,  339).  — 

Fuss  Schwaden  (angis.  tofewadbu,  rock,  i,  G6)  = 
Fuss  tank.  —  Leibe»  Schwätigkeit  =  der  Zu- 
stand eines  dicken,  schwappenden,  vollen,  mit 
Dünsten,  (Jasen,  aufgetriebenen  Leihe«  (Guar. 
871;  UM  dl«  schwatlgkeit  und  moslchte  Feuchte  des 
Schaden«  am  Leibe  —  faules,  «chxtammlgc-s,  schwap- 
pend«^ Fleisch,  I)r  Minderer).  —  Mutes ■  (Gemüt**') 
GVgchwät«  Hrtf/  (angls.  modes  geswaethrunga  = 
falllng  of  ihe  mind,  Lelpothymla,  Cock.  II.  200)  = 
vollständig  schlaffer,  schwacher,  haltloser  Zu- 
stand  des  Hertens  bezw.  Gemütes,  Dämpfig- 
keit L 

Schwämmchen  i.  Schwamm. 

Schwär,  m.  Schwären,  m.  Schwäre,  f.  (so 

schwer  [swer]  -  druckend,  schwer  machend;  ahd. 
»wöro.  m.  =  leiblicher,  drückender  Schmers,  [dolor], 
Krankheit,  Geschwulst,  (ieschwur;  sweran  —  wehe 
tbun,  schmerzen,  eitern,  schwären,  drücken,  quälen. 
Kluge*,  340;  sverado,  stierdo  =  dolor,  H.  Z.  XV,  67; 
«iraff  VI.  H|;  12.  Jnhrh.  srero  =  Ulcus,  H.  Z.  VI,  321; 
D  II,  384.  dolor,  Graft  VI.  889;  mhd.  «wer  =  Ge- 
schwulst, Geschwür,  leiblicher  Sehnen,  Gr.  D.  M.  II, 
1106;  I>;xer  261;  swem  also  eyn  wunde  =  saniare, 
D.  II.  326  =  schmerzen,  eitern,  Leser  261 ;  14,  Jahrh 
■  weren  =  Geschwür,  swlrn  ■  tonsllla,  H.  Z.  XIII,  216, 
Apostema,  Voc.  opt.  W.  4t;  Schra.  II,  «46.  15.  Jahrh. 
»wem  —  geschworen,  II.  Z.  XX,  23  [  —  saniare.  I>.  511  j; 
142V  swer  as  nioles,  I).  II,  25>;  1482  swer  —  Ale«,  ulcus, 
Zening.  Voc.  ff  8;  Uj07  sweer  =  ginn»  [ulcus.  cambuca|, 
l».  264  -  Drüsengeschwär  [apostema] ;  1  .VI  1  schwingen 
=  flstuca  flstula\  D.  237;  1562  geschwer  -  ubsces'us. 
Gurlt  III,  67;  15h2  Schwerlln  —  <  halazlon,  I.onlc.  92, 
16.  Jahrh.  swere,  sweren.  schwer  —  ulcus;  15s7  schwaer 
flstuca  [flstula],  1)  237;  1612  ge«chwer  oder  gestocket 
blut,  Gurlt  III,  24S;  1616  geschwaerlein  -  phleg- 
monöse Bursitis  prnepatcll..  Gurlt  III ,  2M;  1618 
achwirren  =  flstuca,  Sellin.  II,  61*'.,  schwlrn  =  tonsllla, 
1.  eod  ;  ndl  sweren,  sweerlnghe,  swerazlecn,  De  Cock 

41.  136  2.-,i.  ÜB).  —  Schwär,  m.  (Schwieren, 
Schwirren)  =  da»,  was  lehmeraend  d rückt  und 
schwer  im  subjektiven  Gewiehtsgefühle  macht. 
—  1=  schmerzende  Geschwulst,  namentlich 
die  Eiter  bildende  Anschwellung  der  hangen- 
den, weiblichen  Brüste  und  der  Extremitäten, 
die  für  den  Kranken  dadurch  „bleischwer" 
werden  im  Gefühle,  Apostema,  Geschwär, 
Phlegmone.  —  2.  =schmerzhafteiternde  (offene), 
erhöhte  I lautstelle,  Geschwüre,  und  Geschwär 
(Abscess,  Fistel)  (Pauli  117,  Goldschm.  89).  —  3  — 
entzündlicher  Böhmen  überhaupt  (auch  ohne 
Kiter),  in  «einer  Art  aber  mit  2  verglichen.  — 
4.  =  schwer.  —  der  Schwären  geht  auf,  bricht 
auf,  frisst  (1545  sol>alde  die  geschwer  ausbrechen 
heisst  man«  ulcera,  Kyf,  Chir.  II,  1;  er  wurde  mit 
Segenssprurhen  t>e»prochen  und  damonlstlsch  ver- 
reranlo*«t.  nU  Wurm  s  B  aufgefaßt.  II  Z.  XIII.  Jl«) 


I  —  Geschwür  ist  ein  Geschwär  »Hl  SubsUii*- 
Verlust  (Geschwür  und  Geschwär  werden  auch  bei 
Gr.  W.  I — VH1  noch  oft  verwechselt).  —  schwären 
m  schmerzhaft  unter  Kiterbildung  schwellen 
(ahd.  min  uuampa  suuirlt  mih  =  rem  rem  menm  doleo, 
Greff  VI,  SSM;  1 110  schweren  —  saniare  ut  ulcus.  D.  511; 
16.  Jahrh.  da**  du  lu  diesen  Lidcii  icht  lenger  schwerest, 
Alemannia  189s,  263).  —  gchwärig.  SChWäricht, 
Schwärlich  (ahd.  swerag,  («raff  VI,  839;  12.  Jahrh. 
suerechl  =  ulcerosus,  swlrlelch,  D.  II,  384)  =  ulcero- 
sus, g>-schwflrig.  —  (1740)  abfallende*  Geschwär 
=  ein  Geschwür,  bei  dem  trockene  brandige 
Stelleu  sich  abstossen, abfallen  (Selts  1, 19)  —  (1712) 
Achsel- Geschwär  =  Phyma,  Buhn,  eine  schmerz- 
haft geschwollene,  Kiter  bildende  Achsel- 
Lymphdrüse  (Pestbeule)  (Zw.  36;  Irans,  encharpe. 
Brisa.  291).  —  Angesichts- Oesch'WSiT  (1592  das  An- 
gesicht tieschwer  mentagram  genannt,  Seh.  325)  = 
Huuigeschw  Ur  im  tiesichte,  Kinnflechte  z.  B. 

—  Augen-,  Augapf eiSchw&T  (Grschwär)  (ebd. 
oueswari.  Gr.  W.  I.  811;  IL  Jahrh.  öc-swere  =  dolor 
oculornm,  n.  Z.  III,  368  ff.;  ouc  suero,  och  swero  = 
Ophthalmia,  dolor  oculornm,  Angcnschwtr,  Graff  I,  123  ; 
VI.  888;  Schindler  II.  645;  12.  Jahrh.  augswer  =  Hror 
oculorum,  D.  II,  238;  mhd.  ouge-swer  =  Augenschmerz, 
Leser  184;  14.  Jahrb.  ong  swer  =  Ophthalmia,  Voc. 
opt.  W.  40;  1482  ougen  geschwere  —  Angenwehtag, 
Ophthalmia,  Zcnlng.  Voc.  j  15.  Jahrh.  eyn  ogenswere  = 
egilops,  D.  II,  146;  augawer,  BUgensehwer  =  obtalmla, 
Schraellcr  II,  645;  1515  augenschwer  =  Ophthalmia, 
I>.  398;  1712  augengcschwarleln)  =  schmerzhaftes 
Augenleitlen  verschiedener  Art:  a)  Augen- 
schmt-rz  mit  Kilerung  der  Schleimhaut,  Dolor 
oculorum  (Gr.  w.  I,  811);  b)  Augenschmerz  mit 
Homhautgeschwär  (Geschwürange),  Chalacion ; 
c)  Augenschmerz  bei  ThränenfNtel  (Zw.  214).  — 
(1584)  hohles  Augen  •  Grschwär  (=  Argcmaia 
[Tabern  ]  Bothrion,  Kirsch  103. 154)  —  Thränenkanal- 
fistel,  Zahnfistel  beim  Auge.  —  (16.  Jahrh.)  inner- 
liches du#ap/W-Gf8Chwär  =  Hornhautgeschwür 
im  Gegensatz  zum  l.idgesehwär  (Chalazion) 
(Fr.  Kr.  B.  630;  I.onlc.  331).  —  (1756)  schwarzes 
■du</ffl-Gr8Chwär  =  ein  tieschwär  im  Schwarzen 
des  Auges  (I lornhaut-Abscess)  (A.  r.  H.  II,  382). 

—  (1612)  «uv  schwären  =  Kiter  bilden,  so  dass 
er  sich  nach  aussen  entleert  (Wirts;  Gurlt  III,  248). 

—  1510)  Bein- Gf8Chwär  (belugeschwer  =  crostu- 
mulus.  p.  liio)  —  eiternde  Beingeschwulst.  — 

[  (1551)  heutiges  Geschwär  (beüllchte  geschwaren)  = 
!  schmerzhafte  Kiterbeule  (Bock  89).  —  (1742)  Blasen- 
i  Geschwär  =  I  leus  vesicae,  schmerxh.  eiternde, 
offene  Stelle  in  der  Harnblase  (Zw.  324).  —  Blut- 
Schwär  (-GfSChwär)  (1546,  1M9  blutschwer.  Gurlt 
III,  44.  68;  vlftm.  UoeUwer,  Gurlt  II,  140  -  Phlegmone ; 
16.  Jahrh  blutschwaere  =  ulcus  sanguinis  [Gr.  W '.  II, 
1*21.  Bltltalss;  1742  blutschwaeren  —  funmcula.  Zw. 
119.  120;  17"iö  blulgeschwitr  —  furiincnlns,  A.  r.  II.  I, 
6v"i;  1783  blutsehwar  -  furunculus,  lecloud,  riatncrll, 
87),  I.  aa  eine  aus  dem  schlechten  Blute  hei  Tnbt'i- 
eulosis,  Scropbulosis,  Syphilis,  Diabetes  etc. 
abgelagert  angenommene,  mit  Kntzündung  und 
Kiterschmerz  einhergehende,  zugespitzte  (ie- 
schwulst  (s.  Kiss),  Furunculus  Celsi  et  Plinii 
(=  der  kleine  [dämonische]  Spitzbube;  siehe 
Furunkelkratikheit  B.  314  siehe  !)  Auge*, 
9  Häute*)  (franz.  dothlcn  [Mtxty  Galent],  Gurlt  III. 

3'J 


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«10 


Schwär. 


Schwär. 


41),  charakterisiert  durch  einen  in  der  Tiefe 
steckenden,  abgestorbenen  Zellgewebspropf 
(Ventriculus;  s.  Pettich)  (Geber  In  Ziems«.  Hdb.  d. 
sp.  Palh.  u.  Ther.  XIV,  1.  427;  Buck  19;  Richter  I,  2:53; 
ßehrend  61);  es  scheint  der  Käme  Blutsehwar  erst  seit 
dem  genaueren  Studium  der  Syphilis  aufgekommen  m 
••»ein;  Synonyma  (nach  Behrend  61):  Dolhleri,  I'hyina, 
Phygethlon,  i'hypella.  Terminthus  (  =  Anthrax  benig- 
nus, schwarze  Blatter  [nach  Pomays  Cornu  copiae] ; 
der  morbus  tereblnlhinus  [Paraeelsl]  hat  von  der  Ter- 
peniliibchandluug  den  Namen  [Baas]},  Kpinyclis  (Chala- 
ceon),  •  lavus  (le  clou).  —  2.  =  Blutgeschwulst  (1740; 

(seiu  i,  i3).  —  bo*r(r)  Schwär(en)  (Gcschwär)  - 

bosai liges,  eiterndes  Geschwür,  offener  Krebs; 
von  ihn»  erhebt  sieh  der  „Wolf"  (s.  d.)  (1394  ein 
bozer  swerc  der  do  vll  löchere  hat  und  seyget  sletleleh 
ein  =  caneer,  I).  Hl ;  1507  böser  srhwaeren,  Hort.  San.  ; 

I,  onic  ;  Gr.  W.  II,  219;  1761  tilcus  caenothes  [cachec- 
Ucum],  L.  ch  13;  l).  87).  —  lirand  &chw&T  =  ein 
in  Brand  (Gangraena)  ü hergehendes,  böses, 
eiterndes  Gesch  wär  (Kohlenbeule,  Carbunculus, 
Anthrax  malignus)  —  (1756)  Brenn-,  brennendes 
('<>  schwur,  1.  =  eine  durch  Brennen  (  =  Cati- 
teriutn)  erzeugte  und  in  Eiterung  unterhaltene, 
offene  Kontanelle  (A.  v.  U.  II,  666).  —  2.  =(15.  Jahrh. 
brlnnet  geswer  —  erysipelas,  D.  II,  15.'.)  =  Phlegmone, 
Brand  (s.  d.)  der  Haut  mit  Eiterbildung.  —  (BÜß) 
Brodt- Grschwär  =  .Schlier,  ein  schmerzendes, 
oflenes,  eiterndes  DrÜBen-Geschwär,  da«  eine 
schmierige,  viscide  Flüssigkeit  (schlierige Brühe) 
secerniert,  wobei  das  rote  Fleisch  (Brill  u.*),  der 
rote  Geschwürsgrund  sichtbar  ist  (Schanker- 
Geschwür)  (Tabern).  —  Brust  -Schwär  (Ge- 
SChwär)  (12.  Jahrh.  diu  brüst  swere  =  Brustdrü«en- 
Absees.s,  Pfeifler  19;  inndl.  borstzwecre,  de  Vr.  33; 

II.  Jahrh.  gexwer  der  brüst,  Voc.  opt.  W.  41;  1468  ge- 
heimer der  brüst,  brumgeswer  —  pleuresis,  1>.  II,  295; 
14S2  prustgeswer  -  peripneumonia.  Zening.  Voc.  t.  3; 
1507  das  geswar  um  die  brüst  [Hort,  san.],  Übersetzung 
der  peripneumonia;  1512  brustgetchwer  =  fungus, 
tuber  [Brustkrebs;,  D.  600;  IMS  brustschwer  =  plcn- 
resis.  D.  412;  1532  brusigeschwer(en)  -  miislltls  suppur. ; 
die  gcehwulsl  an  einem  ort  der  weiblichen  brüst  = 
geseh wer  der  brüst;  I'leuresls  vera,  non  vera  —  ,, brüst- 
geM-hw<  r  im  ein  hitzig  g<  «ch«  ir  In  den  h  t  ntlin  der 
brüst,  welche  die  rippen  bedeckent",  Krles  91.  96; 
13*2  prustgesc-hwer,  Wurzburger  l'rkunde;  1643  brüst- 
sc  hweien  =  uiastltis  supp  ,  Coler,  \V.  350;  1728  brust- 
geschwar  -  empyema.  Thes.  »an.  Br.  926),  1.  =  das 
eigentliche  Bruslgeschwär  ist  nur  der  Brust- 
drüsen- Abscess  (.Mastitis  suppurativa).  —  2.  = 
die  sonstigen  Bedeutungen  des  Brustgeschwars  ergeben 
sieb  au«  der  Übersetzung-  des  Schulausdruckes  :  l'eri- 
pnenmonia  =  a)  Pleuritis  (Pleuresis),  Rippen- 
fellentzündung mit  und  ohne  Empyema  (Eiter- 
brtist),  entzündlicher  Eiter- Erguss  in  die  Brust- 
hohle; b)  Pneumonia  (Gr.  W.  II,  449),  Lungen- 
entzündung, beide  wejjen  der  Seh  nierzart  so 
bezeichnet.  —  (1742)  Brust  -  Kiterc?rschwär  = 
Empyema,  BrustKescbwftr  2a  (Apostema).  — 
(1518)  Brust-Kippem/i  schwär  =  Pleuritis,  Pleu- 
ren in  ,  Brusttresehwttr  2a  (H.  v.  Gersd.  100).  — 
(15.  Jahrh.)  iholerischeH  Grschwär  ■  ein  ( Jeschwär, 
Phlegmone,  Apostema,  das  aus  hitziger  chole- 
rischer Konslitution  sich  bildet  (s.  rote  Cholera). 
-    (ITIü;  Darm-Gt  schwär  (ge.-clnva,r  der  daermer, 


Seltz  I,  359)  =  Uuhrgeschwüre  auf  der  Dann- 
schleimhaut.  —  (1741)  Drachen- Geschwlix  =  Dra- 
cunculus  (s.  Drache)  (L.  ch.  26).  Krebsgeschwür 
am  Auge,  welches  eine  schreckliche  Verände- 
rung erfährt  (d&monistlsch)  (drachgeschwaer.  welches 
auch  die  Nerven  durchfrlsst ;  blntgeschwacr.  so  anch  die 
Nerven  durchfrlsst,  Kirsch  401).  —  (16.  Jahrh.)  Drüsen- 
Grschwär  (geschweren  der  truss  =  eiternde  rest- 
beule, Schindler  I.  369)  =  eiternde  Lymphdrüsen, 
z.  B.  bei  Schanker,  Skrofulöse,  Pest  etc.  —  Eiss- 
GcBchwären,  GfBChwär  (1502  ayssgesberen  =  ul- 
cerare ;  16:17  ayssengeschwaer  =  clous,  apostnme,  E.  W. 
I,  75;  I>.  II,  384),  1.  =  unter  Bildung  von  Eissen 
(s.  d.)  aussch wären.  —  2.  =  s.  RippeissV  — 

eifert*  !  Schwär./»)  (nd..  etterade  xweren;  ndd  . 
1630  ein  etlerich  swehr,  (iurlt  III.  85)  =  Ulcus,  Eiter- 
wunden, A  bscesse  (De  Coek  234).  —  erschwären 
(1260)  erswem  =  suppurarc,  Pfeiffer  62;  1468  deheln 
lit  erswar;  1599  der  schleim  Ist  erschworen;  1612  sein 
bruch  ersehwar,  Gr.  W.  III,  978)  =  in  Filterung  und 
Abscessbildung  übergehen,  tumereel suppurare 
(Im  IS.  Jahrh.  nicht  mehr  gebräuchlich;  dafür  aus- 
schwaren).  —  (1633)  essendes  (fressendes,  ein  fr  essen- 
den) (>'  schwur  -  Lupus,  Krebs,  phagedänischer 
Schanker  (Lonic.  187;  ndl.  invretende  «weren ,  De 
Cork  2Syj  =  Geschwür  mit  Substanzverlust  in 
der  Tiefe,  wie  durch  älzende  Sekretion  veran- 
anla«st.  -  (1766)  fauleis)  Schwären,  Grschwär 
=  übelriechendes,  eitriges  Geschwär  (rand., 
14.  — 15.  Jahrh.  de  vulen  sweren,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV. 
132).  —  Finger- Grschwär ,  L  =  Panaritium, 
Wurm,  Adel,  Grattel,  Grippeln*.  —  2.  «■  siehe 
Fingergeschwür.  —  (1635)  jiiessendcs,  (1741)  Fluss- 
Gcschwär  =  stark  Eiter  secernierendes  tie- 
schwär  an  irgend  einem  Organe,  pulmunculns 
Vegetii  (Kirsch  9hl;  bonlc).  —  (1506)  Franxosen- 
G< schwär  =  syphilitisches  Schankergeschwür 
(Fuchs  1,  311).  —  FrrtHfM-Schwär  (mnd..  14.  bl* 
13.  Jahrh.  swereu  der  vrowen,  J.  f.  nd.  Spr  -F.  XV. 

i32i  =  Mutterschwär.  —  Grschwär  (-schwärle, 

-SChwärt)  (ahd.  gasucr,  gl«uer  =  dolor,  Ulcus,  pustnla; 
glswer,  Graß"  VI,  889;  Schmeller  II,  645;  squlnauaueia 
ist  gesnrr  [  =  geswer]  das  waext  underwellen  in  der 
chell  uuderwelllen  aus  der  cliell,  SchmelKr  II,  321. 
nihd.  geswer;  14.  Jahrh.  geswer,  Z.  f.  d.  A.  1888,  S.  143; 
1432  geswer  =  apostema,  D.  II,  28;  U.Z.  XX.  29,  D.  637; 
1470  gesehwer  —  glaus  [Uruseugeschwar;.  D.  264  :  mndl. 
ghesuerde  ghescuert,  de  Vr.  18  .  30.  49  =  Geschwarc 
zeigend,  1--15  geschwer  -  ulcus,  D.  625;  1332  geschwer, 
Fries  98;  i:>84  gesehwer  —  crysipela,  Wirsung;  UM 
gesi-hwer  —  ulcus,  apostema.  Schmeller  II,  6.45;  Ge- 
schwarte  =  kleiner  Abscess,  Buck  19),  1.  =  Pustula, 
Apostema,  Abscessus,  l'hlegmone,  die  ganze 
schwärende  Korperstelle,  die  schmerzhaft  und 
eiternd  ist;  dasselbe  „bricht  auf"  (Fries  98; 
Buck  19),  „entleert  sich"  und  „fährt  auf"  (  =  ent- 
wickelt sich).  —  2.  —  schmerzendes,  eiterndes 
Geschwitr  mit  Snbetanzverlust  =  Ulcus,  Ge- 
schwür, namentlich  bei  Gewächsen  (Neubil- 
dungen), die  zerfallen.  —  3.  =  eitriger  Schleim- 
hautkatarrh. —  4.  =  der  mit  diesem  Schmerze 
(1.  2)  verglichene,  entzündliche  Schmerz  auch 
ohne  Eiter,  ohne  Geschwür,  Dolor  intlamma- 
tionis,  die  Schmerzstelle.  —  Gaumen- Grschwär 
(15.  Jahrh.  das  geswer  im  guome  -  hraneus,  D  6.T9) 


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Schwär 


Schwftr. 


C11 


b  Angina  snppur.,  Kehlfluss.  —  (1562)  Gemacht- 
Grschwär,  kiiltes  (<iurlt  III.  TD  =  chronisch- 
entzündliche  Verhärtung  de«  Hodens  oiler 
Hodensackes.  —  (14.  Jahrh.)  giftigen,  vergiftete» 
Geschwär  (giftig)  ,'1M'>  venfiftlgs  geswer,  geschwere), 
1.  =  Anthrax,  Milzbrandheule  (Giflwurm),  die 
zu  Blutvergiftung  fnhrt  (Voc.  opt.  W.  41;  D.  39). 
—  2.  =  (1350)  syphilitisches  Geschwür  [Pr. 
I,  363).  —  Goldader'  Grschwär  (UN  geschwere 
der  güldenen  Aller,  Schreyer  I,  26)  =  eiternde 
Stehen  au«  After  (Hämorrhoiden,  Feigwar- 
zen etc.).  —  H,ih-  Grschwär  (1516  halssge- 
«chwer  —  cynanche,  I>.  ."•3."»;  1527  halssgeswer,  Würzb. 
l'rkunde  ;  1">32  halsgeschwer  —  s<piinancla  [cynanche], 
Kries  v. ;  I '»51  bal^sgesch  wer  -  anglua,  Hock  10;  1603 
hal^gcsehwaer  —  anglna,  I).  3.");  17-11  Halsgctichwaer 
=  satyrismns,  Kirsch  106«),  1.  —  Angina  suppur., 
Kiteriings- Abseess  im  Halse.  —  2.  —  (Cy- 
nanclie)  Braune  (Diphtherie).  —  3.  =  äussere, 
eiternde  Halslymphdrüse  <ür.  w.  IV,  2.  263).  — 
4.  =  Seiren  (s.  Siren)  am  Halse  (Satyriasis).  — 
erstickendes  //«/*- Grschwär  ~  eroupose  Diph- 
therie (Cynanche),  die  oft  zur  Krstickung  fölireu 
kann.  —  faules  Hals- G< schwär  —  die  faulige, 
brandige  Diphtherieform  (*.  Kehlgesehwar).  — 
(17.  Jahrh.)  harte*  Grschwär  -  ein  induriertes 
Geschwür,  Kreb«,  Sclcrosis  (Kr.  Kr.  B.  98).  — 

Haupt- Schwären,  m.  (-Grschwär)  ftt  Jahrh 

dich  daz  houblt  »wer  [Pfeiffer  12;,  houl.it 
j,  m.  =  dolor  capitis,  Pfeiffer  19  67  ;  mndl.  hoeft- 
e,  de  Vr.  35;  rohd.  houbet  swer  =  dolor  capitis. 
Lax«  106;  14.  Jahrh.  houptgeswer  =  phrenesls,  VOC. 
opt  W.  40;  hoyptgesvver  -  phrenesls.  apostema  cerebri 
ex  calore,  r»,  217 ;  1419  letargla  =  ein  geswere  hlnden 
in  dem  heubt,  die  »laiftVnde  sucht.  I).  II,  232.  1800 
boeftxu erleb.  haupt*Merig  —  nephre«is  [  —  phrenesi«;, 
D.  II,  263;  1616  hauptgeschwer  =  phrenesls.  Gr.  \V.  IV, 
•1  613;  ein  hauht«wcr  httl/zet  emlgraula,  Scbineller  II, 
6i5),  1.  -  Dolor  capitis,  der  heftige  Kopfschmerz, 
der  bei  fieberhaften  Infektionskrankheiten  sieh 
einzustellen  pflegt  (Phrenesis)  und  [Ym')  dessen 
Kntstehung  man  einem  sieh  bildenden  Ge- 
schwür (Apostema)  im  Hinterhaupte  zuschrieb, 
das  dann  zu  Kethargia  (Schlafsucht)  fahren 
sollte,  sodass  Hauptgeschwür  =  2.  =  Phrenesis, 
Leth,irgia  ist,  als  Folge  eines  fiüher  im  Gehirn 
(s.  Hirngeschwür)  angenommenen  Schwüren.  — 
3.  =  Migräne  (s.  d.).  —  blin.les  //rta/;f-Schwär 
(Laistner  II,  2<"<9;  ndl.  blinden  hooftswecrl  =  Haupt- 
schmer/, mit  Erblindung  idnreh  den  bllndmachen- 
den  Alpdämon  veranlagt ;  auch  durch  die  Knien,  wenn 
man  Ihnen  Im  Schlafe  in  unehrlichem  Begehren  sich 
nahen.  Alp».«,  m,  —  (17.  Jahrh.)  Messendes  Haupt- 
GVgchwär  ■  llauptgesehwüre  mit  starker  Se- 
kretion auf  dem  Kopfe,  Kkzema  humidum  (Kr. 
Kr.  B  (•,•.().  —  i/(in/-Gr8chwär,  1.  —  eiterbildende 
Stelle  unter  der  Haut.  —  2.  —  (1482  ein  geschwer 
das  hart,  hert  in  der  haut  bot  In  ■  boclo,  D.  77)  = 
Hautgeschwür,  Bothrion,  ricus  envtiiii,  Haut- 
listel.  —  heftige»  Grschwär  =  feslbleibend, 
anhaltend  schmerzender  Abscess  (St.  Benno- 
Mirakelb).  —  (1907)  heixses,  (17  Jahrh  )  hitziges  Ge- 
SChwär,  1  =die  Phlegmone  (Pseudo-KryNipelas) 
mit  starker  Rote  und  Hitze  der  geschwellten 
Haut  und  2.  =  Krysipelas;  „es  lauft  in  dem 
Leibe  von  einem  Glied  zum  andern"  (Hort  sau.; 


Fr.  Kr.  B.  524;  Lonlc.  91)  —  Herz  Schwären.  1U 
(ahd.  herze  «wer.  Graff  VI,  889;  Gr.  D.  M.  II,  1112; 
12  Jahrh.  der  herze  swern  =  dolor  pectoris,  Pfeiffer  14. 
67;  mhd.  herze-swaere  —  Herzubel;  herze  swern, 
Schmeller  II,  64."-;  Lexer  99;  mnd.,  14.  — 15.  Jahrh. 
hertc  sweren,  J.  f.  nd.  Spr.-K.  XV.  144),  1.  =  Schmerz 
in  der  Herzgegend.  —  2.  =  schmerzhaft  ent- 
zündliche Herikrankheit.  —  ifirw-GfSchwär, 
man  nahm  (l'«07)  beim  entzündlichen  (infektlosen) 
Kopfschmerz  (Hauptgeschwilr,  B.  d.)  ein  im 
Kopfe  «ich  entwickelnde»  Geschwür  als  Ursache  des- 
selben an  ;  sass  dasselbe  oben  auf  dem  Hirn,  so  führte 
es  zurPhreuesls  (  =  akutes  Delirium  oder  Gehirnreltung 
[Convexität-smeningitis"''];  sas*  es  hinten  auf  dem  Ge- 
hirne, Im  Illnterhnupte  [Basllarmenlugltls?],  so  führte 
es  zur  Letbargia  [Bewußtlosigkeit],  Hort,  tan.;  1419 
frenesis  eine  sucht  forn  Im  henbt  odder  ein  geswere 
oben  uff  dem  Hirn,  D.  II.  182).  —  (1756)  Hohl- 
(!'  schwär  =  ein  Kiter  bildendee,  schmerzendes 
Hohlgeschwflr,  Fistel  (Kohrgeschwör)  (A.  v.  H. 

1,  742).  —  Hoppen  Gf schwär  =  Hundsschöppel 

■  (1529)  innwendige 

(rurunculoS1s;s.  Hoppen).  -  ^ 

(neue)  Gt  schwären  ■  Kmpyema,  Hydrothorax, 
Pleuritis  exud.  (von  Paracelsus  dem  Missbrauchc  von 
Quecksil»>er  bei  Syphilis  zugeschrieben,  die  dann  als 
verstopfter,  äusserer  Fluss  sich  in  den  inneren  Leib 
zurückgeschlagen  hatte).  —  (1616)  ./!<>  '.  -<;.  schwur 
—  Gallus  —  das  bei  seiner  Heilung  (Schwielen- 
bildting)  Äusserst  empfindliche,  leicht  zum 
Jucken  reizende  Geschwür  (l'uracelsus ;  «r.  W.  IV, 

2.  2:150).  —  (1645)  A"fl»l»-Schwären,  1-  =  (Item  sein 
semllche  weih  daz  In  der  kamph  swlrt  als  dy  man  bei 
In  sein  gewest  da*  ist  ein  gross  prech,  Schmeller  I, 
1256)  -  (ieschwür  an  dem  Möns  Veneria,  der 
Vulva  etc.  —  2.  =  schmerzhafte  Eiterbildung 
am  Pferde,  Kamp  (s.  «I.)  (Coler,  Pf.  362).  —  Kehl- 
Gfgchwär  (UM  braeune  =  geschwere,  feule  in  der 
kein  Isipilnancla];  liecker  240;  1502  das  geschwer  jn 
der  kelett  genannt  s<{ulnantia  [Wurzb.  Apoth.-Urdu  ] ; 
1507  das  geschwer  an  der  kelen  =  stpilnantia,  Hort, 
san  ;  1MH  kaelen  geschwar  -  squlnantla,  II.  v.  Gersd. 


lOo)  a  die  als  ein  Halsgeschwüt 


llich  der 


Angina  suppur.  aufgefasste  kronpöse  Diphtherie 
(Cynanche;  s.  KehlKeschwflr).  —  Kinn-,  Kinn- 
irtfA-rn-Schwär,  -GfSChwär  (angls.  cjrningeswr  - 
sampsuchus  Vynanchus v],  D.  510;  cin-gesvyrt  =  samsu- 
chon  [cynanche!,  Cock.  III,  30'.;  15o7  kynnenbackfweer 
sa  synotheus [cynanche],  D.  537)  =  eine  an  der  Innen 
oder  A Innenseite  des  Kinnbackens  gebildete 
Eiterangi  die  als  Angina  zu  Erstickunirserschei- 

nungen  führen  kann.  -  kleine  j  ^SaS^ 

(15.  Jahrh.  clene  s weren  =  papula,  D  II,  279;  1562 
kleinen  geschwcrlln,  Gurlt  III,  69)  —  Hautblü^clit  n 
mit  eitrigem  Inhalte.  —  (»:>3I)  knöpf ete  G**schwär 
(Kraut»-.  XXV)  —  eiterndes  Knopfgewitehs  (s.  d  ), 
auch  Driisenbeulen,  Tubera  ulcerosa.  —  (h'M; 
Kopf-G,  schwär,  (1756)  Gr  schwärlein  (fiopf- 

Wa$Mtr  -  Grschwärlein)  =  das  eine  scharfe, 
wässerige  Feuchtigkeit  secernierende  kleine, 

I  dichte,  rote,   eiternde,   schmerzende  Haut- 

1  wttrzchen  (Kkzema?,  Fromboisia?)  (A.  v.  II.  11,741. 

|  1251;  OHt.  IV.  97).  —  (1742*  AVft»J/*/Vlflfr-(fVschwär  - 
Ulcus  varicosum,  schmerzhuftes  Fussgeschwflr 

|  inf<jl-e  von  Krampfadern  (Zw.  72).  —  (1592)  Krtba- 

30* 


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612  Schwär. 

schwär  =  KrebBgcschwür,  Carcinoma  ulceroBum 
(Seb.  Ml;  Gr.  Vi.  V,  2133;  ndl.  kankeracbtige  vor- 
zweringen,  Do  Cock  290)  =  le  mal  St.  Quirin 
(s.  St.  Quirins  Buhc).  —  (18S1J  kriechendes) 
Grschwär(r)  =  Phagedaene,  Herpes  eancreus, 
1.  =  freBsendes  Schankergeschwär  (Bock  168; 
Lonle,  73).  —  2.  =  b.  Rührmichnichtan  (Epithtl- 
eareinom).  —  Lank- Schwären,  m.  (12.  Jahrh. 

luncheswern,  Graft  VI,  SS9;  Pfeifler  15.  18.  70;  mhd. 
lancheswern,  Schmeller  II,  645)  =  Gelenkachmerz 
nn  der  Hüfte  (s.  Laake).  —  Leber- Schwären 
(ahd.  lebersuer,  Graft  VI,  889;  mhd.  leberswern, 
Schindler  II,  645;  1532  gesehwer  der  leber  [innwendig, 
aufwendig,  auf  denselben  etc.],  Fries  109)  =  entzünd- 
licher Schmer!  in  der  Lebergegend.  —  Leib- 
Schwäreni  12.  Jahrh.  die  sweren  des  übe»,  Pfeiffer  18; 
mnd.,  14 — 15.  Jahrh.  so  welich  minsche  demc  eyn 
svere  wanset  in  slncnie  lives,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  112; 
1602  geschwer  im  leib)  =  Abscessus,  llrüsen-  und 
I J  au  ta  bseesse  (Pesi, Syphilis)  am  Körper  (Würzb. 
Apoth.Ordn).  —  Lrnden-Schwäre,  f.  (ahd.  lenti- 
suero,  lenti  swere  =  pleureKis,  üraff  II,  239.  VI.  8S8; 
mhd.  lende  swt'r,  Leser  Hl;  lendsweren,  Schmeller  II, 
S4&)  =  Lenden-  oder  NieienBchmerz.  —  Lippen- 
Schwär,  m.  (12.  Jahrh.  lippeswern,  m.)  ■»  schmerz- 
haftes Lippeng  eM-huür  (Pfeiffer  18).  —  Lungen- 
GYschwär  (U82  geswer  der  hingen  =  minor  pul- 
monls,  Zening.  Voc.  m  4;  15.  Jahrh.  lungengeswer  = 
pleuresia,  I).  643;  1507  gesehwar  an  der  Inngen  — 
perlpneumonin,  Hort  »an. ;  1532  beschwer  der  hingen  — 
periplomonia  [perlpneumonla:.  Fries  92;  1551  innerliche 
gesell  wer  der  hingen,  Bork  66;  1561  lungengcschwar 

—  empyema,  Gr.  W.  VI,  1304;  17.  Jahrh.  Lungen- 
geschwar  -  Peripneumonia,  Fr.  Kr.  B.  356),  1.  =  die 
schmerzhafte  Eilei  brüst,  Apostema,  Empyema, 
Hrustgeschwär  infolge  von  Rippenfell-  und 
Lungenentzündung.  —  2.  =  akute  Kippenfell- 
und  Lungen -Entzündung;  (Peripneumonia; 
schwärende  Lungen).  —  3.  =  Lungen-Abscess. 

—  (1«17)  mndiehte  Gt schwäre  =  mit  Maden 
(Larven)  durchsetzte  eiternde  Wunden  (Gurltlll, 
IM),  Wurmschaden.  —  3fVi</cn-Grschwär  (ahd. 
inageswer,  Graft  VI.  889 ;  1260  der  maße  ist  allerursworcn ; 
wenn  der  Slank  des  Mundes  nicht  von  den  Zahnden 
kommt,  den  Menschen  viel  stark  durstet  und  Ihm  die 
Letzen  viel  dürr  sind,  Pfeiffer  II;  13.  Jahrb.,  mnd. 
maghe  besworen  :  ,, ist  aber  der  Slank  nicht  von  den 
ZiUiucu,  so  ist  dem  Menschen  der  Magen  beschworen 
und  den  Menschen  durstet  sehr  und  die  Lippen  sind 
ihm  sehr",  nach  Mag.  Barth.  SSa;  mhd.  miigeswcrn, 
Schm,  II,  616;  16.32  geschweren  des  magens  [,,sle  erwach- 
sen zum  mehieu  The  11  von  alter  Materie  des  Magens"], 
Fries  107;  li>16  ma«ent'esehwer  =  Magengesrhwur, 
Paracelsus;  Gr.  W.  1,  1518;  VI,  1440),  1.  =  der  ge- 
schwürige, schmerzende  Proze.ss  auf  der  Magen- 
schleimhaut.  —  2.  =  Magensclimerz  (Schwär- 
magen),  Cardialgia,  Dolor  cordis  et  pulmonum. 

—  (15s7j  Mandel-  GfSChwär  (cynanehe  toles  = 
tonsilla;  tolles  Rallica  lingua  dieitur  qnaa  vulgo 
per  dlmlnutioucm  tusllhis  vocant  uuac  in  fanrlbus 
ttirgcsccrc  solent;  toles  =  minor  in  faueibus,  qtiae 
per  dimluutiouem  tonslllae  dlcuntur,  I>u  <an>jc  VIII, 
216;  Jauus  l.stfM,  560)  =  ein  bis  zur  Erstiekungs- 

-r.iln  manchmal  sich  mit  Eiter  füllender 
Mandeldrüsen-Ahscess  (r>.  686)  (verschworene 
Mandel).  —  (1617)  melancholische  Grschwäre 


Schwär. 

I  (harte)  =  Scirrhu«  (cum  dyskrasia),  Krebs- 
geschwür (s.  Melancholie)  (Gurlt  III,  191),  das 
man  aus  melancholischer  Feuchte  (s.  d.)  ent- 
stehen HesB.  —  3ft7z  Schwären  (14.-15.  Jahrh.. 
mnd.  ■!  bricht  och  den  sweren  op  der  milten,  J.  I.  nd. 
Spr.-F.  XV,  133)  =  Milzkrankheit,  linksseitig»-« 
Empyem  (Magengeschwür?).  —  Mund  Sc h war 
(-Grgchwär)  (ndl.  mondzweer,  De  Cock;  1691  „Be- 
schwer deas  mundes  so  man  aphthas  nennt",  Tabern. 
60C;  Thes.  san.  Br.  458)  -  schmerzhafte  Aphthen, 
eiternde   Geschwüre    der  Mundschleimhaut. 

[  —  Afnrfrr- Grschwär  -  Eiter  secernicremler, 
schmerzhafter  Gehärmutterkrebg  bei  Frauen. 

—  das  hitzige  Mu  tta  -  G<  schwär  =  dasselbe 
mit  Entzündung  und  Fieber.  —  (1596)  Nagel-, 
(17.  Jahrb.)  A^r/tcuri^Schwärung  (-Grschwär) 
m  der  Eiter  bildende,  schmerzhafte  sogen.  Wurm 
am  oder  unterm  Fingernagel,  Faronychia ;  Pana- 

|  ritium  Ittb  ungue  (=  schlafender  Wurm)  (Gr.  vi. 
VII,  266.  269;  De  Cock  290;  Coler,  H.  A.  147;  Fr.  Kr. 

11.  240;  Gurlt  in,  25s).  —  AWn- Grschwär  (LVU 
geschwer  der  nasen  m  polyp'»».  Fries  83,  1.545  polypl 
tat  das  geschwer  In  der  nasen,  Uyff,  Gurlt  III.  46;  1556 
nasengeschwltr  =  polyptis,  Gr.  \V.  VII,  412;  1666  nasen- 
geschwer,  Gr.  W.  VII,  412;  1756  nafengeschw&r  = 
ozaena,  A.  v.  H.  II,  1199),  l.  ■=  geschwürige  Prozess.* 
in  der  Nasenhöhle  mit  üblem  Geruch.  —  2.  = 
zerfallende,  stark  secernierende  Gewächse  oder 
Neubildungen  (s.  Polyp  0.  Ferch  brät*)  in  der 
Nasenhöhle.  —  3.  =  Epithelkrebs  an  der  Na*e. 

—  M'errn-Gfflchwäre  (lr,32  „die  niereu  schwären 
auch  gleich  als  andere  glleder  und  dies  geschiet  etwan 
an  der  nlen-n  etwan  in  dem  hautlein  'darin  die  nleren 
gelegt  si  lnd",  Fries  118;  1536  erschu  iiruug  der  nleren 
=  PyonephrlUs,  Malacb.  Geiger  58;  172önlercngeschwar 
=  renum  Ulcus,  Thes.  san,  Br.  797)  =  scbtuerzhafler 
KierenebecOM  und  eitriger  Nierenbecken- 
Katarrh.  —  OÄrew-Schwär,  m.  (-Grschwär) 
(1612 sweerby  dat  oer,  schwer by dem  or  =  parotis,  D.  414 ; 
1632  gesehwer  in  den  oren,  Fries  81;  1564  ad  stmmav 

1   panos  et  parotldes  quo»  nos  vocatnus  tnisen  vnd  oren- 

I  geschwaer  oder  orenmüttel,  Gurlt  III,  237;  vlAui. 
zweeren  die  wasseu  In  de  oeren,  Gurlt  II,  139;  1610 
ohrengeschwar,  Gr.  W.  VII.  1255),   1.  -  Eiter  bil- 

1  demler,  schmerzhafter  Abscess  im  Ohre.  — 
2.  -  Ohren-Katanh  =  (1725)  fliessendes  Ohren- 
grschwär  (Thes.  san.  Br.  631).  —  3.  =  Ohrschmerz 

I  (dem Schmerz  bei  1  verglichen)  ohneOhrschwflr. 

—  4.  =  Ohrspeichel-Drüsenentzündung  (Paro- 
titis) (brise  Schwären  bei  den  Ohren.  D.  414).  —  (1502' 
Pr*ri7<*»iz-Schwären  (geschwer  die  in  der  pcstllenz 

I  kommen  =  anthraces,  Wiirzb.  Apoth  Ordn.)  ■  Eiler 
secernierende  Pestbeulen  (Seb.  85;  Gr.  W.  VII, 
1576).  —  (1545)  phlegmatisches  Grschwär  (Ryff, 
Gurlt  Iii,  44)  =  ein  nach  humoralpathologischer 
Lehre  aus  phlegmatischer  Feuchte  (s.  d.)  ent- 
standene wässerige  Anschwellung,  Oedema.  — 
quade  Schwärungen  —  bösartige  Geschwüre 
mit  Eiterung  (De  rock  2:*).  —  quäppiches  Schwär 
(1630  queppich  swer  =  oedema,  Gurlt  III,  84)  = 
schwappelig  sich  anfühlende  teigige  Schwellung. 

—  (16-so)  Rtnds- Grschwär  =  ein  Geschwär,  an 
dem  das  Rindvieh  leidet.  —  (1581)  Rippen- 
Grschwär  (geschwer  under  den  rippen  --  pleu- 
retlcus,  Künigssp.  66)  =  Empycmn,  Eiteransanum 

I  lung  innerhulb  der  Rippen  des  Brustkorbes 


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Schwär. 


schwärmen — Schwamm.  013 


(Apostema)  (kein  Kippengescbwür,  wie  Gr.  W.  VIII, 
1084  steht).  —  (imo)  Rippen fell-Grachyr&r  =  Em- 
pyem« thoracis,  Apostema,  eitrige  Rippenfell- 
entzündung (Gr.  W.  VIII,  1034).  —  (17.  Jahrh.) 
Bohrlein-,  (1742)  Bohr-,  (1761)  Bohr- Gcschwär, 

I.  =  Tripper  als  Eiterflues  aus  der  Harnröhre 
(Pr.  II,  28«).  —  2.  =  eiternder  Hohlgang  in 
Wunden  und  Geschwüren  (Zw.  430),  Fistula. 

—  3.  =  Geschwär  an  der  Scbienbeinröhre  = 
Gonagra  (L.  ch.  37).  —  (ims)  rote  Schwären  = 
entzündete  Hautgeschwulst  mit  Kiterbildung 
(Coler,  II.  A.  203).  —  (1551)  rufichte  U<  schwäre  = 
oberflächlich  verschorfte,  darunter  aber  Eiter 
bildende  oder  geschwüriue  Körperstellen  (Bock 
862).  —  Schulter- Geschwür  (15.  Jahrh.  da*  geswer 
zwtuiclien  den  schultern  =  antra*,  l>.  637)  —  der  häufig 
im  Nacken  sitzende  Karbunkel  (Brandgesch  wär). 

—  Seitm  -  Schwären  (Geschwär)  (abd.  «ite 

»wer,  Oraff  VI,  »89;  12.  Jahrh.  sites  nwern  =  dolor 
pulmonum,  Seltenstechen,  Pfeiffer  15.  80;  mbd.  slte- 
«wem,  Schmeller  II,  645;  1551  das  selttengeschwar  = 
pcripleumonla,  pleuresls,  Bock  Vj.  139 ;  1588  sertcu 
geschwaer  oder  stechen,  Ann. -Buch,  10.  Jahrh.  Seiten- 
Beschwer,  pleuresls  genannt,  Louic.  2m;  Kr.  Kr.  B.  356. 
470),  1.  =  die  sebmerzhafte  Pleuropneumonia 
(Lungen-,  Rippenfell  -  Entzündung).  —  2.  = 
Brustschmerz  überhaupt  (schwären<le  Seiten). 

—  (1618)  5<-MC>/ft«-GrBChwär  (Beschwer  der  scwrlln 

—  luxus  phlegtnonosus  tixus,  Parncelsus;  Pr.  II,  76)  = 
ein  syphilitisches  Geschwür  mit  Inkaler  Phleg- 
mone und  kleineren  syphilit.  Papeln  (s.  Seuren) 
in  der  Umgebung.  —  (15»1)  Sp<  ■';-<;■  schwär  = 
«He  in  Eiterung  übergehende  Speck  beule  der 
Haut  (Steatoma)  (Tabern.).  —  Stein -Geschwär, 
-Schwären  (1582  sleingeschwer.  I.onlc  117;  ndl.  stecn 
xwercu,  V.  K.  IX,  95;  I»e  C'ock  264.  86A),  1.  =  Blasen- 
eiterung  durch  Steinleiden.  —  2.  -  Nagelkuppon 
(clous),  Nagelgaten,  Panaritium,  als  zuerst 
steinharte  Anschwellung  (Blutschwär).  —  [1M1J 
»linkendes  Grschwär  =  Ozaena,  Polypus  narium, 
eine  übelriechende,  geschwürige  Nasenkrank- 
heit (Plctor.  »2h  —  umfreuendes  Grschwär  (1582 
umbfresseudes  geschwer  —  höllisches  Keuer.  Lonic.  37) 
=  eine  um  sich  greifende  Vereiterung  (Phleg- 
mone, Schanker,  Krebs).  —  (1582)  unzeitiges  Gc- 
Bchwär  ■  zur  Abscessbddung  (Eröü'nung)  noch 
n)<*ht  genügend  reifes  (s.  d.)  (Jescbwär  (l.onic. 
Iit7).  —  vergiftigrs  Grschwär  -  s.  giftiges  Ge- 
s.hwär.  —  irrschwären  (mhd.  rersWCm,  I.exer 
333;  1512  v  schweren  o.  eyteren  =  suppurare,  D.  568) 
■  unter  starker  Eiterung  vernarben  oder  ganz 
und  gar  eitrig,  geschwürig  werden  z.  B.  trr- 
schworene  Mandeln  —  «eschwflrige  Mandeln. 

—  (1756)  Wasser  -  G.  schwärlein  =  s.  Kopfge- 
schwärlein =  kleine  Wärzchen,  die  eine  scharfe 
Flüssigkeit  secernieren  (A.  v.  II.  II,  741)  (Frarn- 
boisia?).  —  rl'ttnden-Schwär,  m.  (  mhd.  wunden 
«wer,  Leser  894)  —  Schmelz  an  einer  eitermlen 
Wunde.  —  Zahn-  Schwär  (-Grschwär)  (abd 

zand-swer.  Graft  VI,  BW;  126o  zantswern,  Pfeiffer  32; 
mndl.  tantsweere,  de  Vr.  18;  mhd.  zanlswer,  Lcxcr 
397;  1477  der  zansebwer,  Ortolf;  r.andswer,  Schindler 

II,  646;  tnnd.  thenc  sweren  -  patulls,  Mag  Barth  ssh; 
1530,  1537  zangesehwer  —  parulis,  Jahn  II;  D.  414; 
Vilm,  zweeringen  der  tanden,  Gurlt  II,  139;  1554,  ndl. 
Undt-sweer.  taut-swere,  -swerunge  =  Ulcus  dcntlum. 


D.  625;  De  Cock  161.  168),  1.  =  Parulis,  schmerz- 
haftes Beinhautgescbwär  mit  Eiterbildung  (engl, 
frum  boil)  (s.  (iaumenbeule)  (Dornbl.  50);  das 
Zahn -Schwär  wild  durch  Besprechung  (UM)  be- 
handelt wie  der  Zahnschmerz  und  das  Zahnweh,  weil 
dämonlslisch  durch  den  Zahnwurm  (s.  d.)  veranlasst 
angenommen  (Pfeiffer  32).  —  2.  =  Zahnschmerz 
überhaupt;  auch  er  wird  besprochen  (De  t'oek  1.  cit.). 

—  Zahnfleisch- Grschwäl  (15J2  geschwer  des  Zahn- 
fleischs, Fries  85)  =»  Parulis,  Zabngeschwär.  — 
(1591)  leitiges  Grschwär  (zeittig  ghesebwer,  Seb.  Hl ; 

I  nad.  Jun.  386)  =  ein  z.  Aufbrechen  reifer  Abscess. 
I  —  zu-schwären  =  das  Verkleben  der  schwären- 
!  den,  eiternden  Flächen,  i.  B.  Augenlider.  — 
!  Schwär-  (Grschwär-,  schwärend[r,cr,r«])  Auge, 

•  Bützlein,  -Hinterer,  -Lungen,  -Magen,  -Ohren, 

Seiten,  s.  auch  Schwttr,  Geschwür. 

schwärmen  s.  Schwärm. 
Schwärze,  f.  s.  schwarz. 
Schwätigkeit  b.  Schwadern. 

schwätzen  (schwatzen,  Schwätze)  (laut- 
malendes Wort;  germ.  swulh;  angls.  swagod  Iba  earan 
>  —  tbe  ears  sound,  Cock.  III,  8*.  89;  mhd.  swaderen  «s 
rauschen,  klapperti;  mhd.  «wetzen,  swaz,  m.,  Kluge*, 
341),  1.  =  plappernd  (klappernd)  reden,  unüber- 
legt, sinnlos  reden.  —  2  =  rauschend  schwatzen- 
den Stuhlgang  haben.  —  Schwätzen,  f.  ■  die 
Kinderdiarrhoe  (o.- Pfalz).  —  geschwätzig  = 
fatuns  loquax.  —  Geschwätzigkeit  =  Poly- 
phrasis,  ein  Sprachfehler,  wobei  die  Betreffen- 
den  (meist  Kinder  und  Greise)  unaufhörlich 
reden  ohne  das,  was  sie  schwätzen,  zu  ver- 
stehen. —  über  den  Berg  schwatzen  (Ä.  V.-Bt, 
1896,  8.  118)  —  Fieber  -  Geschwätz  -  Delirium 
(Gr.  W.  Hl,  P,2l),  sinnloses  Plaudern  beim  Fieber, 
so  reden,  „aufreden",  als  ob  man  mit  einem 
Abwesenden  spräche  oder  mit  einem  Berg« 
männlein  streite  (s.  d.)  mit  nach  aufwärts  gcgt'ii 
die  Zimmerdecke  gerichtetem  Blicke. 

Schwager,  tn.  (entstellt  aus  Schwapper  [Nürnberg], 
Schmeller  II,  626)  =  der  schwappende  Fettwulst 
unterm  Kinn. 

Schwalbe,  f-  (der  gem. -germ.  Vogel,  welcher  Im 
Volksglauben  die  Gestalt  eines  geflügelten  Klben  ist, 
der  zum  Volke  der  Krau  Holle  [Klbcnschwarm]  gehört). 

—  die  Schwalben  kommen -die  Elben  bringen 
ein  Kind  aus  den»  Schwalben-Neste  (s.  d.).  — 
Schwalben  -  Nest. 

Schwalch,  m.  (mhd.  swalch  s  Schlund,  siehe 
I  schwelgen). 

SChwalen  -  schwären  (Schmeller  II,  119). 

Schwamm,  m.  (Schwammen,  tn  Schwam- 

pen)  (zu  schwimmen,  gtrm.  swtm;  g"th.  »wams, 
Kluge»,  340.  342;  angls.  svatn,  Cock  III,  338;  altnor-l 
svöppr,  Z.  f.  d.  A.  1H8.S,  S  275,  ahd-  swam  —  malum, 
malannum,  Mullh.  u.  Scher.  IV,  7,  S.  11  [s.  übles 
Jahr];  swamb  =  tnber,  fungui.  H  Z  XV,  16; 
11.  Jahrb.  suam  =  fungus,  B.  Z.  III,  3C5;  mbd.  «warn, 
swamp  =  da*  poröse  Pflanzengebilde ,  das  auf  dem 
Meeresboden  wachst  und  Im  Wasser  schwimmt;  die 
auf  garenden  Flüssigkeiten  schwimmenden  Pilze 
[=s  Schw  Hainichen! ;  dat  Pflanzengebilde  [fungus], 
welches  an  Baumen  wie  ein  8cbwamm  wuchert,  mit 


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014 


Schwamm. 


.Schwamm. 


ihnen  werden  verglichen) :  1 .  =s  wuchernde,  schwam- 
mig sich  anfühlende,  stark  an  Umfang  zu- 
nehmende Gewächse,  namentlich  solche  an  den 
Extremitäten  (Knie)  (Übersetz,  des  fungus,  poru», 
Goldschm.  91 ;  mtl.  pori  -  tuberova  durities  lunetuarum 
arterinrum  quae  et  lapldationes  [=  tophi]  dlcunttir, 
Du  Cango  VI,  115]  MM  iwoin  —  Fcigwarxc,  Fr.  I,  107; 
1182  swamm  =  tuber,  fnflatto  pectoris,  schwammige* 
Brustdrüseugewacbs,  Zoning.  Vor.  (17;  1483  swamp 
=  Felgwarxen,  Pr.  I,  371;  1483  swaemme  die  Im  leib 
de»  menschen  nagen,  C,  v.  Megenbg.  =  Markacbwamm 
als  Mark  wurm  [».  d.);  15.  Jahrb..  swamp  =  flangus 
[fungus],  D.  641;  II,  17«i;  1512  schwamm  =  Brustkrebs, 
l).  600;  UM  schwamm  =  talpa  [MaulwurfgesehwulstJ, 
Gurlt  III,  236;  157 ü  schwammen:  „wenn  nach  der 
heilung  der  wunden  nachfolgend*  warxen  heraus- 
wachsen und  aus  demselben  get  ein  gowachs  auf  2,  3 
oder  4  Pfd.  mehr  oder  weniger,  hanget  gleich  dem 
geleich  au  wie  elu  schwammen  an  einem  Itaum,  stinket 
und  ist  löcherig",  Theophr.  Bod. ;  1592  Schwamm  — 
Kuleschwamm  beim  Pferde,  Seb.  177;  1615  schwemme, 
schwammen,  Coler,  K.  3-'»«;  H.  A.  128  =  aphtbae, 
oidtum  albicans,  Soor  weisse  Bratine,  171"»  Schwamchcn 
oder  der  Fosx  [s.  d  ],  Janus  1897,  S.  106,  1742  schwamm 
=  Augenhöhlen-Gewächs,  Zw.  183;  i;  s,  schwamm  = 
fungus,  wie  ein  Schwamm  anzugreifender  Auswuchs, 
A.  v.  H.  II,  61'.);  178.3  schwamm  =  fungus,  sarcoma, 
Platner  I,  35);  demnach:  zur  Wucherung  und  Aus- 
dehnung geneigtes,  meist  derheres  Gebilde  des 
menschlichen  oder  tierischen  Körpers:  Tumor 
fungosus  (Fungus,  o^5>yy°'>  "itöffo;  =  spongia, 
PUz,  Koth201):  a)  bösartiges  Bi'ii8tili  Usengewächs; 
b)  Gliederschwainm  (s.  d.)  und  Beinschwamm, 
Markschwamm,  Stollcnschwamm ;  c)  1O70— low» 
Augenhöhlensarkom,  Malum  malannum  (mal- 
ampniim,  s.  übles  Jahr)  (oculorum  morbus,  ear- 
bunculus,  quem  Francl  per  antlphraatin  bonum  Mutun- 
num  nomlnant;  ipse  orbis,  lpsa  supercilla  uususque 
sputlum  suum  a  tumorc  exeesseraul,  Iota  foclcs  larglus 
extuberabat,  Du  Gange  V.  691;  morbi  Speeles,  malum, 
quod  per  anlipbrasiiu  homines  „bonum"  appellant, 
[et  qiiod  unius  oculi  lumen  ahstulerat,  1.  eod.  I,  702 ; 
14'iü  le  bou  mal,  malum  bonum,  ).  c.  V,  202;  dasselbe 
wachst  wie  ein  Baumschwamm  am  Kopfe,  s.  Wackei- 
nagel,  Wessobrunner  Gebet,  Anhang  «9,  w  o  eine  halb 
lateinisch«,  halb  altdeutsche  Beschwörungsformel  da- 
gegen mitgeteilt  ist ;  w  eitere  Besprcehungsformel  siehe 
Alemannia  1*98,  S.  2<>5  u.  Zeltschr.  d.  V.  I.  Volksk. 
1898,  S.  57);  d)  Krebsgewilchs  und  Bal«ge- 
M-hwulst  (Heyne  V.  508)  (Schwammkrehs);  e)  die 
Blaseninole  (1512  das  die  int  molas,  die  weiber 
den  brand  oder  schwammen  nennen,  Heyne  V,  öO.s) , 
0  die  Feigwarzen  (mal  malanV)  (Peypers  7).  — 
2.  =  der  Submaxillar-A  bseess  bei  (sy  phi I itischen) 
Kindern  als  rasch  an  Umfang  zunehmende,  sich 
vorwölbende  Geschwulst.  —  3.  =  die  kleinen 
Pilzgebilde,  die  auf  der  Mundschleimhaut 
wuchern  -  Zungen-  oder  Mundschwämmchen 
(Oidium  albicans),  fälschlich  auch  Aphthae 
(s.  Aphthen*)  genannt  (Soor)  (franz.  muguet 
[=  muscatl]  —  weisse  Malblomchcn,  Roth  33>i ;  Wutlke 
318;  1068  schwamm  -  ächwatnmeheu  der  Kinder,  Beyn. 
23«;  1783  schwampen  =  aphthae,  I'latner  I,  141).  — 

schwammicht  =  schwammgleich.  —  (17S5) 
Schwamm«' heu,  1  =  Schwamm  8  (J.  P  Frank 
III,  2."»;  Schwammgen  =  lacticlmina,  Woyt  91).  — 


2.  ■  die  sogen.  Traubenkörner  am  Hornhaut- 
rande des  Pferdeauges,  welche  (wie  schwarze 
.Moosflechten)  am  Auge  schwarze  Schleimhaut- 
Hocken  bilden  (Falke  II,  294).  —  (1460)  Arsrh- 
Schwämme  (schwemme  im  arsx,  Pr.  I,  354.  556; 
Gurlt  II,  1%)  =  Feigwarzen,  Condylomata  — 
/'iv  -  -Schwamm  =  die  rote,  kleinen  Schwäroni- 
chen  gleiche  Krdbeer-Poeke  (Framboesia).  — 
(1750)  Bein- Schwamm  -  Beingewäeh",  llyper- 
ostusis  (A.  v.  U.  II,  156).  —  (1483)  fjriMfniff 
Schwämme  =  schmerzhafte  Gewächse  am 
Körper  (c.  v.  Megbg.).  —  (1803)  ZHwf-Schwamm, 

I.  —  Fungus  vasculosus,  Cancer  fungosus,  Hae- 
matonens,  das  einem  mit  Blut  getränkten  Bade- 
schwamme ähnliche,  blutreiche  Krebs-Gewächs, 
Markschwamm  («.  d),  Aderkrebs  (Behrend  69; 
Chellus  n,  379).  —  2.  =  Teleangiectasia,  eine  aus 
zahlreichen,  erweiterten  Kapillarblutgefasaen 
bestehende,  schwammarlige  Neubildung.  — 

3.  =  der  sogen.  Kieferwurm  beim  Kindvieh,  der 
eine  blutreiche,  schwammige,  granulierende 
Masse  am  Kiefer  veranlasst  (Zipp.  579.  &so).  — 
bösartige  Schwämmchen  ■  Maulfäule,  aph- 
thöse Maulseuclie  (Falke  I,  144).  —  (1612)  Fleiseh- 
Schwammen  =  Condylomata  (Placques)  oris 
(Aphthae)  (Gr.  w.  Iii,  1761).  die  Fleisch  Wärzchen 
bei  der  Syphilis  der  Mundhöhle.  —  Olied- 
Schwamm,  1.  =  dasO«teosarkoma,ein  wuchern- 
des Knoehengewächs  am  Oberschenkel-Glied, 
Lupia  iuneturae  (Kraus,  E.  677  (seit  1676  durch 
Wiesemann  genauer  unterschieden  von  2.  und  3.]; 
Ilaewer  I.  640,i.  —  2.  =  Tumor  albus  fungosus  (I6c2 
glldsehwam  die  feuchte  vom  g'aeder  wasser.  Gr.  W. 
IV,  l.  1134),  wobei  die  Innenfläche  des  Glieder 
od.  Gelenkes  mit  granulierenden,  schwammiger. 
Massen  überzogen  ist,  bes.  als  Knicsehwamin 
(s.  d.)  (Fei.  Platner;  Gurlt  III,  170;  Ackerm.  872).  — 

3.  —  die  einfache  Schleimbeutelentzündung  am 
Kniegelenke,  Balggeschwulst,  Bursitis  prae- 
patellaris,  vom  Laien  oft  mit  2  verwechselt.  — 

4.  =  das  Uberbein  =r  porum  in  e<|tiis  suprosum 
i  (Du  Oitigo  VI,  415;  vom  Menschen  auf  da»  Pferd  über- 
j  tragen)  (Stollenschwamm).  —  Hirn -Schwamm 

=  Fungus  durae  matris,  Sarcoma  meilnllare 
(Hoth  201;  Mayer  98);  Hirnkrebs.  —  Horn- 
Schwamm  =  besonders  stark  wuchernde  Haut- 
schwiele  (l'achyderma)  (Falke  I,  411).  —  (1668) 
/TiMficr-Schwämmchen  =  Aphthae  (k.  ch.  25«; 
Beyn  230),  titirlaule,  Schwamm  3.  —  (1831)  Knie- 
Schwamm,  1.  =  Gliedschwamm  1,  2,  3  (chellu* 

II.  152);  weisse  Kniegelenks-Gesehw  ulsl.  —  2  = 
eine  am  Vorderknie  des  Kindes  oder  Pferdes 
auftretende  Dermoidcysle  (Förster  II,  1063).  — 
(1831)  .1/  -  Schwamm  -  (Obcrsetzuugdcs)  Fungus 
medullaris,  eine  in  Konsistenz  und  Farbe  dem 
Gehirnmarke  ähnliche,  krebsartige  Neubildung 
(weicher  Krebs,  Blutschwamm)  (CbelttWlI,  374; 
Behrend  69).  —  (1776)  Maul-,  Mund  Schwämmchen 

(ndl.  uiuud-zwam,  De  COOJt  75),  1.  =  Oldllllll  albi- 
cans, iler  die  Mundhohle  wie  ein  Schwamm  aus- 
kleidende Soorpilz  (bei  Menschen,  fälschlich 
Aphthae  (Behrend  6;  Krau«,  E.  105).  —  2.  =  die 
Aphthen*  [Maul-  u.  Klauen-,  Aphthenseuche) 
bei  Kälbern  und  Lämmern).  —  3.  =  Mandeln 
als  schwammartige  Gebilde,  Spongoi  Hippokr. 
(Fuchs  11,  l»6).  —  3  X  nerm  Schwämme  (In  prouxs 


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Schwan— seil  wanger. 


Schwauggen — Schwappel.  61."» 


Zauberform.;  Krüchb.  35)  =  Hautausschläge  aller 
Art  (8.  Neun).  —  Nabt  l- Schwamm  =  FungiiH 
umbilicalis,  der  verschwärende  und  wuchernde 
Xahelstumpf  bei  Neugeborenen  (Roth  201).  — 
.">.'•••',',  •.  -Schwamm  ech wammiger,  weich., 
heulenförmiger  Knollen- Auswuchs  (entaitete 
Stollenbeule,  Hygrom)  am  Ellenbogen  des 
Pferdes ,  angeblich  entstehend  durch  das 
drflekende  Aufliegen  der  Hufstollen  am  Ellen- 
bogenknochen ;  ist  ein  solcher  am  Hinterknie, 
so  heisst  er  Piphaeken  (Abu«.  75),  gatuba  (const. 
Africanus;  Üu  fange  IV,  20.  21).  —  (1*145)  Zungen- 
Schwamme,  1.  =  Mundschwämmchen  (Bikuml. 
592).  —  i'.  =  Frosch,  Kröte,  Ranula  unter  der 
Zunge  (Coler.  H.  a.  i2s).  —  Schwamm -Fleisch, 
-Krebs. 

Schwan,  m.  Wie  der  Storch  (s.  d.)  —  der  In  den 
Lüften  schwebende  Seelenbote  aus  dem  Hügelland«;  ' 
daher;  schwanen  =  Vorahnungen,  Vorgefühle 
haben  wie  der  sterbende  Schwan,  der  singt 
(.,das  SchIcksaUwort  der  Scbwanmltdchen  trtot  im 
Schwanengesaug  aus  den  Lüften",  Golth.  115;  Schwan 
verwandt  zu  [Int.]  souaro  [svonarc].  Kluge»,  340).  — 
Schwan^wJ-i/a/«,  -Kinder. 

schwanger  (lodogerm.  swenk,  sweng;  augls. 
* wongor  —  schwerfällig,  trage,  Kluge  \  310;  ahd. 
»wangar  -  trächtig,  gravida,  Graft  VI,  887;  uangrera 
=  praegnans,  IL  Z.  III,  461;  mhd.  swanger  -  vom 
Manne  befruchtet ;  1424  swangcl  =  gravlda,  Schroeller 
II,  638 ;  15.  Jahrb.  swaugher  Imprcgnata,  1»  II,  212; 
1482  swanger  —  gravlda,  Zenlng.  Voc.  ff  7;  Island, 
svangr  =  jejunuH,  Schmcller  II,  6:18;  dun.  svanger; 
holl.  swanger:  die  sich  im  Mutterleib«  entwickelnde 
Frucht  macht,  das«  die  Krau  Ihren  Schwerpunkt  verlegt 
und  eine  trägere ,  schwerfalligere  Uangart  annimmt, 
..Kchwangcr  geht",  welcher  kennzeichnende  t'mslund 
zur  Bezeichnung  der  Uefruchtung  genommen  wurde); 
daher:  mit  einem  Kinde  schwanger  „gehen": 

1.  =  schwanger  sein  (Gr.  W.  V,  709).  —  2.  - 
schwanger  gewesen  sein,  im  Wochenbette  sein 
(coler,  11.  A.  18«).  —  schwangern  =  mit  einer 
Frucht  versehen,  befruchten.  —  schwangerhaft 
[1613  swangerhaft.  H.  Sachs) -=gravi<la.  —  Schwan 
gerheit,  -Schaft  (ndl.  Zwangerschaft ;  1(112  »williger- 
heit,  H.  Sachs)  =  der  Zustand  des  schwanger 
Seins  und  Werdens,  (i rosse  *,  grossesse.  —  (1822) 

^Schwangerschaft  s.  Baiichempfängnis 
=  Entwicklung  der  Frucht  innerhalb  der  Hauch- 
hohle, nicht  in  der  Gebärmutter  (Helm  387).  — 
cw/SChwängern  =  gravidifate  liberare,  von  der 
Frucht  entbinden  («ir.  W.  III ,  615).  —  falsche 
Schwangerschaft,  Schwängerung,  1.  =  An- 
schwellungen d.  Mutterleibes  durch  Schwanger-  . 
schaft  vortäuschende  Geschwülste,  z.  B.  Eier-  ' 
stock- Wassersucht  etc.  (Ploss-Bartels  I,  675).  — 

2.  =  eingebildete  Schwangerschaft,  grossesse  ! 
nerveuse.  —  hoch-  O/ro»»)- schwanger  =  in  sicht- 
bar vorgerückter  Schwangerschaft  befindlich, 
wobei  die  fruchttragende  Gebärmutter  bis  über 
Nabelhohe  steht  (Gr.  \v.  iv,  2.  1632)  (s.  tragen). 
—  kindes  schwanger  (mhd.  kindets  wanger.  Gr.  W. 
V,  709)  =  mit  einem  Kinde  Bchwanger  sein.  — 
(1740)  tniss- schwanger  -  falsch  schwanger  (1.  2) 
abortierend  (Seit*  i,  1*7).  —  siheinbare  Schwan- 
gerschaft =  falsche  Schwangerschaft.  —  Über- 


Schwängerung  ~  Superfoetatio  -  eine  über  eine 
bereits  erfolgte  1.  Schwitugerung  hinaus  einge- 
tretene 2.  Empfängnis,  wobei  das  erstbefruchtete 
Ei  sich  noch  in  der  Gebärmutterhöhle  befindet 
uud  eine  sogen.  Decidua  sich  schon  ausgebildet 
hatte.  —  Schwangerschafts-Ararbcri. 

Schwanggen,  pl.  Schwank,  m.  -  das  schwan- 
kend sich  hin  und  her  bewegende  Scrotum 
(Hodensack)  (Hintner  8.  10).  —  Kiter- Schwank 
(1674;  üurlt  III.  150)  ^  Empyema,  der  in  der  Brust- 
höhle sich  hin  und  her  bewegende  Eitererguss. 

Schwanz,  m.  (zu  schwingen  [swangezen,  swnnk- 
zenl,  Kluge*,  340;  mhd.  swanz,  Leser  259  =  nach- 
hangendes Knde  dos  Tierkörpers,  IL  v.  Gersd.  13 ;  ahd. 
zagel  ',s.  d.];  15.  Jahrb.  wem  sein  schwantz  wee  tu  von 
frawn  oder  sunst,  Schmeller;  1455  schwänz,  Schmeller 
II,  642;  1518  schwantz  —  penls ;  1537  schwänz  =  priapus 
D.  459).  1.  =  Zagel,  Penis  (Caults,  coles  [oidj,  Qanda; 
ital.  coda;  altfranz.  coue,  la  nneue,  Hyrtl.  K.  W.  111. 
171.  Schmeller  II,  642;  Briss.  28  [s.  Pinsel).  —  2.  = 
(1677)  Steissbeinspitze  (Heyn.  233;  Schw.  629)  als 
Ende  ttes  Rückgrats  am  Sehwanzbein  (Abbildung 
In  Wledersheim,  Bau  des  Menschen  S.  23.  25).  —  3.  = 
sehniges  Muskel- Ende  (blbl.  Med.  114).  —  4.  = 
ein  tölpelhafter,  hin  und  her  schwankender 
Mensch  (Gimpel,  s.  d.)  (Llebrccht,  z.  Volksk.  497). 

—  5.  =  der  haarige  Tierschweif.  —  6.  —  der 
Frauenzopf  (s.  Säldenschwanz)  (1400  Cauda  um- 
Herum,  Schm.  II,  642).  —  7.  =  damit  Verglichenes 
(Däoionensehweif).  —  Schwanzer,  m.  =  „Schaf 
mit  gestutztem  Schweife"  (Schmeller  11,  643).  — 
Schwänzel,  n.  =  schwankend  machendes 
Schwindelgefühl  (1.  cod.).  —  Alp-8chw&M  = 
(Schlesien)  =  Wichtelzopf  (Itochh.  I,  333).  —  Fett- 
Schwanz  -  lokale  Fettsucht  am  Schweife  der 
Tiere  (Leukart  Iii).  —  Haar-  Schwanz  =  eine 
Weiterbildung  des  den  embryonalen  Steiss- 
höcker  bedeckenden  Haarwirbels  in  der  bei- 
läufigen Form  eines  Haarschweifes,  wie  er  den 
Faunen  und  Satyren  zugelegt  wurde  (Meyer, 
Konv.  Lex.  XV,  697).  —  Rage-  {Hägel-,  Heigel  ) 
Schwanz  =  Oehsenfisel  (Birlinger,  Sagen  I,  127). 
(I6i2)  M  ■ \tx  h  Schwanz  =  Sehne  am  Muskel 
(*.  Mau«)  (Hyrtl,  K.  W.  4»).  —  Ratten-,  Rutzen- 
Schwanz,  1.  =  der  kurze,  meist  durch  Haut- 
krankheiten von  Haaren  entblösste  Pferde- 
Bchweif  bei  sogen.  Nassauern,  Alopecia  s.  Hip- 
puris  Hipp.  —  2.  =  schrundige,  haarentblönsle 
Stelle  an  den  Hinterfflssen  des  Pferdes  (siebe 
Gräte  2)  11716,  »ir.  W.  VIII, 2t»8).  — Srt/'iYn- Schwanz 
(bei  Gottfr.  v.  Strassburg:  der  naeldeu  swanz  dich  hat 
al  umbevmigen  [Schm.  II.  641],  biet  wohl  in  edlerem 
Sinne  gebraucht)  (s.  Suldentost)  -  Schwanz  6.  -  - 
Schlapp- Schwanz,  1.  =derTräger  eines  Schladen 
Schwelle«.  —  2.  =  schlaffer  Mensch  (H.  Paul  SM). 

—  stier  -  schwänzig  =  schwermütig  (warum?) 
(Bück  14).  —  Stutz- Schwanz  =  ein  Pferd  oder 
Kind  mit  gekürztem  Schweif  (Mutz  2).  —  H'o//*- 
Schwanz-^das  dem  Wehrwolfe  (s.  d.)  im  Volks- 
glauben zugeschriebene  Steissbein.schwänzcben 
(Schwanz 2)  (\Vuttke260).  —  Schwanz  Ader,- Hein, 
-Unke,  Kappe,  -Kolben,  -Kopf  ,  -Maisch, -Räude, 
■Schäbigkeit,  ■  Wurzel. 

Schwappel,  f.  schwappen,  schweppen  (ton- 

muleudes  Wort,  das  den  klatscheüduu  Wellenschlag  be- 


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Gl«  Schwann— schwarz. 

zeichnen  soll -in  schwankender,  zitternder  Bewegung 
»ein  [bei  Flüssigkeiten],  mit  einer  Kolchen  sich  ergicssen. 
Heyne  V.  613;  vgl.  mhd.  sweibeln).  —  Schwappel,  f. 

—  schwankend  sich  bewegende,  weiblich«, dicke 
l'erson  (Spicss  Ii,  229).  —  schwappelig,  f.  1.  = 
schwankend  ans  Ohnmacht,  inagensehwach 
[C  t.  Schra.  486;  Erbe  40;  conf.  angls.  geswowung  = 
syncope,  (ock.  II,  3«).  —  2.  =  aufgedunsen,  schlot- 
terig, Schlatt',  looker  (vom  Muskelfleisch)  (Spless 
Ii,  m.  -  3.  =  fluktuierend.  -  Schwapp- A der. 

Schwärm,  na.  (saaskr.  *var=  schwirren,  rauschen; 
Wurzel  swer;  ahd.  swaram;  mhd.  swarm,  Kluge*,  340. 
343;  angU.  «Winnen,  Cock.  II,  408;  17.  Jahrb.  schwärm, 
R.  A  46),  1.  =  die  wilde  Aufregung  und  der 
(.auftrieb  b.  Pferdckoller.  —  2.  =  das  fliegende, 
«Ibische  Ungeziefer,  das  die  fieberhafte  Pest 
(s.  d.)  in  den  Schwarmzeiten  bringen  sollte  nacb 
früherem  Volksglauben.  —  [u;v>)  schwärmen, 
L  -  delirare  ex  mania  b.  insania  (Coler,  Ii.  a.  89). 

—  2.  =  im  Schwärm  erscheinen,  bei  Sehstö- 
rungen,  Klimmern  vor  den  Augen  (Heyn.*,  78).  — 
Schwärm  Zeit. 

Schwarte,  f.  («em-germ.  «ward  =  Decke,  Haut 
[behaart!;  mhd.  swarte,  f  =  behaarte,  dicke  Haut, 
callus,  cutis  lardl,  D.  II,  07;  1420,  ndd.  die  swaerde  m 
cerebellum,  I).  114;  engl.  «ward,  bully  coat,  Dornbl.  22J, 
1.  =  menschliche  Haut  (Kluge*,  310;  C.  v.  Schin. 
48ö;  Gr.  W.  I,  108'.).  —  2.  =  behaarte,  menschliche 
Kopfhaut,  Galea  aponeurotica  eranii,  Cervix 
(Had.  Jun.  27)  und  behaarte  Stelle  am  Korper 
(Wustmann  432).  —  3.  =  das  Speckhftutlein  im 
AderlaBsblnte,  Crusta  phlogistica  (Lcxer  260).  — 
4.  =  behaarte  Tierhaut  (Unier*chled  von  Fell,  Haut, 
Balg;  i.  Gr.  w.  111.  1496).  —  die  Schwarte  kracht 
=  wie  eine  Pergamenthant  dürr  sein,  Hunaer 
leiden  (Spie»»  II,  230).  —  (1610)  tfaar-Schwarte 
=  Kopfschwaite,  auf  der  die  Haare  wachsen 
(Gr.  w.  iv,  2.  37).  —  Haupt-  (Kopf-)  Schwarte 

(mhd.  baubct-swarte,  I.exer  106)  =»  Schwarte  2.  — 
Kindts- Schwarte  (mhd.  kindes  swanen,  Gr.  W.  II, 
2088)  —  kindliche  Kopfhaut. 

schwarz,  Schwarz,  n.  Schwärze,  f.  IKcui  Kenn, 
swart,  sword  =  dunkel ;  engl,  swarth  —  du»  dunkle  Ge- 
spenst; forcawart  =  schwüre  vor  den  Augeu  vor  Er- 
schöpfung, Kaltschm.  I;  abd.  suerza  —  ui<  lanterla, 
1).  364;  II,  249  =  da«  die  BrodM-ucbeii  erwagende 
schwärzliche  Mutterkorn  ;  mhd.  swarz  -  dunkelfarbig, 
die  dunkelste  Farbe  habend,  Kluge*,  3IU,  schwarz  wie 
die  Nacht  oder  die  Wolken,  hAsslich  wie  ein  Fremder, 
Knechtischer,  Unfreier  [bei  den  Nordgermanen],  Wein- 
hold 31.  182,  im  Gegensätze  zu  weiss,  blond  und  rot 
[beim  Blut  z.  B.]);  eine  auffalleud  oft  verwendete 
Farbenbezeichnuug  bei  Krankheltsnamen,  um  Häus- 
liches, Missgestaltetcs,  Brandiges  auszudrücken, 
w  obei  SChwarZ  oft  =  braun  und  blau  (s.  d. ;  bei 
gangränösen,  brandigen  Stellen;  s.  Farbe).  — 
Schwarzen,  pl.  (13.  Jahrb.  un  muze  mich  blcrlzen 
vor  den  svarcen,  Sitz.  Ber.  1867,  7)  =  Dämonen  in 
schwärt.  Uestalt,  Nachtelben.  —  dasSchwarze, 
1.  =  (vom  Nagel)  derSchmutz  unterm  Nagel  (Gr.  W. 
VII,  258;  Heyne  V,  517).  —  2.  =  (im  Auge)  l'upille 
(Apfel;  Kind!).  —  (18»7)  Schwärzlingstum 
(München.  N.  Nachr.  1897,  464,  8.  3)  ■  Melanismus, 
Neigung  zu  Ablagerung  dunklen  Pigments  in 
der  Haut.  —  schwarz  vor  den  Augen  =  dunkel, 


schwatzen— schweiben. 

licbtempfindungBios,  ohnmächtig,  Skotodinia 
Hippokr.  —  Schwärze,  f.  =  der  abnorme  Zu- 
stand des  Schwarzen  oder  BlauBchwarzen, 
z.  B.  das  Brandige  beim  persischen  Feuer  und 
Anthrax  (1626  .  .  .  schwertze  das  ist  ein  gewiss 
xeyeben  anlhracls.  H.  v.  Gered. ;  1618  schwert«.  f.. 
Paracelsus;  Fr.  I.  66;  franz.  le  noir,  ni.ule,  niole. 
Kniole  =  nlgclla  —  blauschwarze  Beule,  Brlss.  284).  — 
(1532)  Angesichts  Schvf&TZB,  f.  =  Cyanosis,  blatif 
Gesichtsfarbe,  Blausucht  (Fries  95).  —  <i6i.;i 
Augen  Schwarz,  n.  =  die  Pupille  (Hyrtl.  k.  w.  sjj 

—  c>  schwärzt  =  schwarz  geworden  fahd.suarz.-n. 
angls.  sweartlged  [von  Zahnen],  Cock.  III,  101).  — 
(1760)  ZäJim  Schwartze  =  der  schwarzfarbig.- 
Zustand  der  Zahne  (s.  schwarze  Zähne)  (Beyn.*. 
15).  —  (1687)  Zungen -Schwärze,  1.  =  die  bräun- 
lich belegte  Zunge  (BrAune)  (Georg.  3S8).  —2  = 
die  schwarze  Zunge  (s.  d.).  —  schwarz  (e,  er,  es) 
Ader,  Angesicht,  Apfel,  Aussatz,  Beule,  Blatter, 
Blutruhr,  Bräune,  Brand,  Brandmauckc,  Cholera, 
Drüse*,  erbrechen,  Feuchtigkeit,  Feuer,  Fieber, 
Galle,  Qallsucht,  Geblüt,  Gelbsucht,  Gicht,  Harn 
uinde,  Haut,  Herzbräune,  Ranker*,  Kindl, 
Krankheit,  Lungenschwindsucht,  Materie,  Melan- 
cholie, Mond,  Pocken,  Pörpeln,  Pustel,  Renne, 
Ring,  Ruhr,  Sand,  Schaden,  Schweiss,  Spucken, 
Stanr,  Sucht,  Teufel,  Tinte,  Tod,  Tolk,  Tripper, 
TUpfteitt,  Umlauf,  Wasser,  II  urrn,  Zahn,  Zigtu- 
ner, Zirkel. 

schwatzen  s.  schwätzen. 

Schwebe,  schweben  -  sich  in  oder  auf  dem 

Wasser  oder  in  der  Luft  hin-  und  herlx-wegcn  wie  die 
1    Gespenster  oder  Traumgestalten.  —  Schweb-.4f/cr. 
Schweder,  Ol.  (zu  suehhau  =  odorari;  auuehhado 

-  foetor,  tiraff  VI, 861  [Schweebat:,  1419  swad  -  vapor, 
Sehmeiler  II  r.21  =  das  Blechende);  da  der  Thymian, 
die  wohlriechende  Blume,  den  Vergleich  abgab  für  die 
Thymusdrüse,  so  ist  Schweder  (Schwefer)  [Cber- 
setzuug  der)  (ilandula  thymus  (Schw.  630)  =  Bries, 
Milch,  Kalbsmilch. 

SChweddern  (Lippe;  Fromm.  VI,  182)  ~  kraftlos, 
schwankend  einhergehen  als  kranker  oder 
schwacher  Greis  (*chwindeln). 

Schwefel,  m.  (zu  nhwsfeii,  s.  d.j.  —  schwefe- 
liger Unjtut. 

SChwefen  (Bltindofc-erm,  swep  =  schlafen  [dazu: 
Schwefel  =  „erstickender,  tötender,  einschläfernder 
Stoff"],  Kluge  311.  angls.  •wefnura  Traumschlsf. 
Cock.  I,  70,  ürvO1;,  somnus;  altnord.  swaefa  =  ein- 
schläfern). —  Schwefer  h.  Schweiler. 

Schwegele,  n.  (goth.  swlgla  =  Pfeife ;  angls.  svegel 
=  lax  [  =  Docht  a.  querdar  l»el  Köder],  Ze.  107;  alid 
snegala  —  n»tula  [calamusj;  mhd.  swcgele  =  Pfeife,  mit 
der  verglichen  wird):  dio  lange  Speiseröhre  (Oeso- 
phagus), welche  «las  Essen  schwegelt,  gleiten 
lässt  (aller  Schweglcr  ^  alter  Schwede,  Schmeller  II, 
628;  Leier  260).   -  Schwell  Bein. 

schweiben  (schweifen)  t*u  schwappen ;  germ. 

Bwlban,  swail.  =  gehen,  weichen,  Flck  922;  mhd.  swei- 
beln, Erbe  10)  =  schwanken,  ohnmächtig  n:edei- 
Binken  (Schw.  630).  —  ab  Schweiben  (ahd  lUuuelpha 
=  purgamenta,  Schmeller  1J,  626;  (iraff  VI,  901)  = 
nach  unten  entleeren,  den  Kot  t.  B.  —  ver- 
schweiben  -  verwerfen,  abortieren. 


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■chweichen— Schwein. 


Schweinen— schweißscn". 


schweichen,  -schwicht  (*u  ahd  glsuibban  = 
languere,  defleere;  1419»weken  -  labare;  holl.  zwikken, 
Schindler  11,  623).  —  A>  schweigen  (schweichen) 

—  in  Ohnmacht  fallen  (Schmeller  II.  62:1;  ahd. 
blsulhhan  =  illa.jueare).  —  GVschwicht  =  ganz 
ohnmächtiger   Zustand    (Schmeller,   1.  c ).  — 

II  U  i: di ?i  -  Schwich(t)  (IC  Jahrb.  »wich  aln  wunden, 
Schmeller,  1.  c.)  =  körperliche  Bch Wiehe  infolge 
von  Verwundung.  (Hteher  wohl  norweg.  [1770]  »vis, 
[1H.*;  evek  =  cnglUche  Krankheit,  UHedcr*chwache, 
dl«'  da*  Volk  der  Verhexung.  dem  SchrvckiiD  machen- 
den clblschen  Dämon  oder  dem  elblscheti  Qerthoww 
[».  d  ,  WuMrgclate),  itwebreibt,  Janu*  lsu\  8  165.  473. 
178.  557). 

Schweif  in  (germ.  »walp;  ahd.  »weif;  tuhd.  »well 

—  der  wedelnde,  behaarte  Schwanz  der  Tiere,  der  eine 
nind  umscblicKsemle,  drehende  Bewegung  macht, 
Kluge*,  311);  mit  demselbcu  werden  1.  =  behaarte 
Teile  de«  menschlichen  Körpern,  z.  H.  Steiss- 
beinverlftngerung  verglichen;  weiterhin  2.  = 
Penis  hominis  (Schwanz  s.  d.).  —  8.  =  Hinter- 
teile beim  Tiere  (Falke  II,  1531.  —  he r um  schweifen 
=  bald  da,  bald  dort  erscheinen,  z.  Ii.  Druse.  — 
Ratten-,  Ratzen- Schweif  =  ein  mit  Ilaaren 
spärlich  besetzter  PferdeBchweif  mit  dünner 
Kftbe  (Mayer  6.  48 ;  Zipp.  96).  —  (160«)  Sr  A/jmSchweif 

Penis  (llyrtl.  K.  W.  173).  —  i  n  -schweifen  (1692 
verschweigen  [von  Stuten].  Beb.  281)  (s.  verschwel- 
ben).  —  Schweif- Brand,  -Schale. 

Schweigen,  n.  1.  -  (indog.  »wtg  »wik,  »wiq 

[zi'l&w  —  schwelge];  germ.  twlf;  ahd.  «wigen;  mhd. 
swlgeu,  Kluge*,  341;  der  Alptraum  wird  durch  l'nter- 
brechung  des  Schwelgens  vertrieben ;  wo  ein  Alp  Ist, 
Irlrtl  geschwiegen,  daher  geht  ein  F.ngcl  [Alpgclst]  um, 
wenn  die  Unterhaltung  In  der  Gesellschaft  »lockt, 
Laistner  II,  212).  —  2.  =  8.  sebweichen.  —  Hexen- 
Schweigen  =  die  in  den  früheren  Hexen- 
prozessen  häufig  beobachtete  Empfindung«« 
und  Lautlosigkeit  der  gefolterterten  (hyste- 
rischeti),  angeblichen  Hexen  ((iartenlaube  IBM, 
8.  314;  Stummhclt  und  sonstige  Sprachfehler  sehrleb 
der  Volksglaube  dämonenhaften  Flntiusscn  zu  [stumme 
Holden,  lispelnde  Schwester,  Teufel  etc.]).  —  Schwei- 
gende Holden. 

Schweimel,  m.  (zu  »chwlmmeln)  =  schwindeln 
«=  Schwindel,  Zips. 

schweimezen  ■  BfltN  schwanken  od.  Schwin- 
del haben. 

Schwein,  n.  (urgerm.  »uina,  swina  =  Ferkel, 
Junge»  Schwein ,  das  vorzugsweise  geschlachtet  und 
damit  öfter  benannt  wurde  als  das  Mutlerschwein  sü 
[Zuchtschwciti];  ahd..  mhd.  »wln  *  Schwein;  das  be- 
kannte, äusserst  fruchtbare,  gezähmte,  unreinliche, 
langsehnauzige,  klelnftug.  Iiorslentler  gab  zu  manchem 
Vergleiche  Veranlassung ;  nach  dem  Volksglauben  Im 
Bergi-ehen  haben  die  ethischen  Zwerge  Kinder  In 
Schwcinchcnge-stalt,  welche  die  Mcn-cheii trauen  Ȋugen 
und  aufziehen  =  clblsehe,  missgestaltete  Kinder  mit 
Bchwcitmähnen).  —  |15o9j  französische  Schweine 

—  finnige  Schweine,  deren  Kinnenblitschen  man 
mit  syphilitischen  Pusteln  verwechselte,  da 
man  auch  Syphilis  der  Tiere  annahm  (Fr.  II,  IM). 

—  Schwein^,  s)Auge,  Aussatz,  Beule,  -Barste, 
-Cholera,  -Fieber*,  -Finne,  -Hals,  -Kopf  u.', 


Krankheit, -Kreuz,  Laut,  Ohren,  -Pc*f,  -Pfinne, 
■Plnije,  -Pocken,  -Räude,  -Rotlauf,  Rüssel, 
-Sehelm,  Seuche,  Sterben,  Sucht,  -Tod,  Typhus, 

—  Verfangen,  ■  Versterben,  -Zähne. 

Schweinen,  Schweine,  f.  (wie  ou»  mhd.  »win  = 

ßcbweln  wnrde.  so  aus  mhd.  swlneti  [»chwlndenl ; 
18.— 14.  Jabrh  svlncn  =  marecscere  ]D.  Mt>).  stiel» 
schweluen;  ahd.  »ueinan,  awinan)  =  abnehmen, 
durch  Krankheitod.  Schwäche  verzehrt  werden, 
schrumpfen,  mager  werden,  ohnmächtig  werden, 
schwinden  (s.  d.).  —  (1501)  die  Krankheit 
schweint  =  sie  nimmt  ab,  wie  der  Mond  und 
die  Mondsucht  (tir.  w.  vi,  2.M2).  —  (1756)  Schwei- 
nen, n.  =  das  Masierwerdon ,  Kleinerwerdet» 
(a.  v.  h.  Ii.  433).  —  (l*.  Jabrh.)  Schweine,  f. 
(Schwinne,  Schwinde),  1.  —  der  Zustand  des 
Schwindens,  Abnehmens  (Schwaben)  der  (Glieder, 
des  Körpers  (Birllnger  I,  449;  <;.  v.  Schm.  «Mi 
Buck  62).  —  2.  =  der  schwindende  Körperteil 
Belbst  (Birllnger,  Volkst.  I.  207;  Kuhn,  Zcllschr.  f. 

vergi.  sprach»,  xiii,  ei).  —  Schweinung  (Schw  ei- 
ning),  1.  =  der  Zustand  deB  Abnehmen«,  Schw  in- 
dens (Buck  15).  —  2.  -  ein  solcher  Zustand  beim 
Pferde  (Buck  47).  —  schweinig  -  schwindend. 

—  (1591)  gälte  Schweinung  =  Nekroai«,  Spha- 
celus,  trockenbrandiges,  schnelles  Absterben, 
Seilwinden  eines  Gliedes  (Und.  Jnn.  385).  —  (1591) 
0/irtl«-Schweinung-das  Abnehmen  u.  Mager- 
werden eines  Korperteils  (Had.  Jun  3*5;  A.  v.  n. 
I,  138).  —  (1576)  hirn- schweinig  =  am  Hirn- 
schwund leidend  (Gr.  W.  IV,  2.  1562).  —  (1616)  huef- 
schweinig  =  der  infolge  von  Hüflleiden  (Coxitis 
chron.)  am  Schenkel  schwindet,  mager  wird 
(Zeltschr.  d.  Ver.  f.  Volksk.  1894,  S.  44S).  —  Serven- 
Schweinen  =  Nervenschwund  (Buck  15).  — 
ifi4cA«i»wirA*-Schweinen  =  Tabes  dors.  (Buck \h). 

—  irr- gehweinen  =  verschwinden,  verbeten 
(Schmeller  II.  634.  635).  —  BChweinend  (r,  er,  es) 
Drilsenschäden,  Ettich,  Etticum,  Glieder,  Räude, 
Siechtag,  Sucht,  Zunehmen. 

schweis8en,    Schweiss,   m.  schwitzen. 

Schwitz,  m.  (urlndogerm.  »Wold,  swtd  (sudor, 
svoidos],  „eine  gem.  •  lndogerm.  Wurzel  für  frieren 
fehlt*'.  Kluge;  germ.  swft.  sualt;  ahd.  swelz  =  Schwel»» 
[suodor],  awizzen  -  schwitzen  (sudure),  suelzjan  a» 
»ehweisseti,  Uran  VI,  907;  angt».  swal,  geswal  = 
Schweis»,  Blut  ;i  ock.  II,  as7.  407],  swueten  -  schu  ltzen  ; 
mbd.  »welz  -  Schwel**  [sudor],  Blut  [cruor,  »angul»]. 
iwlts  sudor,  I.exer26;f;  »witzen  =  schwitzen,  schwels- 
»en.  bluten  [Kluge»,  Ml.  343],  »weizen  -  bluten,  I.exer 
MO;  1168  »ch weiss,  aweycz,  »weis»  =  Blut  ausserhalb 
de»  lelbs  [cruor],  D.  159;  II,  121;  1483  ich  weis»  =  Blut 
de»  Menschen,  C.  v.  Megbg. ;  awal»  =  AderlassMut, 
Schmeller  II,  849;  tsländ.  »veltl  =  Blut  von  Menschen 
und  Tieren,  1  eod  ;  engl,  sweat;  «chwed.  »vett ;  da«, 
»ved;  holl.  zweet;  iranz.  la  »ueur,  les  sueur»). 

Schweiss,  m.  Schweisse,  pl.  und  Schwitz,  m. 

1.  =  Schweiss  bei  Menschen  und  Tieren  als 
natürliche  Ausdünstung  u.  Sekretion  inTropfen- 
form durch  die  Scbweisslöcher  der  Haut.  Vom 
arbeitenden  Volke  wird  der  Schweiss  oft  als  ein  Zeichen 
der  Schwäche  und  Knnüdung.  auch  als  Vor/elcben 
de»  durch  Uesen  veranlagten  Schlage,  angesehen 
(Kraus,  süd-biv.  llexengl.  22).  —  2.  -  das  aus 
|  Wunden  quellende,  au*  dem  sogen.  Seh  weiss- 


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schweissen. 


schweissen 


kästen  durch  dia  sogen.  SchweisBader  auf  die 
äussere  Haut  »sende  (ausgeschwitzte) 

Blut  (In  der  Jägersprache),  Cruor,  aber  auch  vom 
nahmen  Haustiere  und  Menschen  (Sehmeiler  II. 
MO;  Gr.  W.  III,  HC6).  —  3.  =  Krankheit  (engl 
Schweis«).  —  4.  =  eine  Krankheit  des  Rind- 
viehs (Heyne  V,  525)  (welche?)  vermutlich  -  Blut 
(Schweis«  2),  Lendenblut,  Ruckenblut  («.  d.)  — 
Schweisse,  pl.  =  öfters  wiederkelirende  Aus- 
brüche von  Schweissahsonderunp.  —  (1ÜSSF1  durch 
Schwiz  passieren  —  eine  Schwitzkur  oder  eine 
Sch  weissheber-K  rankheit  durchmachen  (Ulustr. 
Ztg.  is;n\,  Nr.  2715,  8.  16'.) ;  conf.  le  pays  de  Suerie,  le 
bain  de  rapeur  =  Schwitzkur  bei  Syphilis  (Briss. 
187).  —  schwitzen  und  schweissen,  1.  =  Flüssig- 
keit,  Schweis«  oder  Blut  von  sich  geben  (wird 
besprochen  In  einem  Wassersegen,  Schweiler  II,  650). 

—  durch  die  Rippen  schwitzen  ■  auf  natur- 
lichem Wege,  aber  mit  Ansti  engung  etwas  ab- 
son.lern  (Gr.  W.  VIII.  1029).  -  2  =  WaBser  lassen 
bei  Tieren  (Schm.  II,  6.50).  —  3  =  hei«s  werden, 
sich  entzünden ,  schmerzen  (In  volgtlandischen 
Besprechungsformeln,  «.  B.  von  Zahnen,  Z.  d.  V.  f. 
Volksk.  ]»95,  8.  6  u.  20).  —  Schweisslein.  1.  = 
Schweis»  2,  junges  Blut,  Kind  (Schm.  II,  649;  Heyne 
V,  v.>6  it.).  —  2  =  gelinder  Schweifte  (Hidrotion), 
Ephidrosis  Hippokr.  (Kraus,  E.  »67;  Fuchs  II,  2).  — 
8Chwei8Sig,  schwitzig  (ahd.  »tielzi*  =  aiidotns; 
sualzlge  —  succlnus,  «raff  VI,  908;  D.  563;  mhd.  swelzic 

—  vom  Schweins  und  vom  Bluie  nass,  l.exer2Cl),  1.  = 
Schweis«  haben«),  vom  Schwei««  nicht  gereinigt. 

—  2  =  blutig  (C.  v.  Schm.  485;  Sehmeller  II.  f.  *)- 

—  Schweissheit  (15.  Jahrh.  sweyssheit  =  sudositas. 
D.  694)  =  der  sehweissige  ZtiHtand.  —  schweis- 
seln,  schwitzein  =  et« as  nach  Schweis.«  riechen. 

—  (1645)  A  n</«f- Schweiss  =  der  Sch weiss  eines 
f..  B  im  Alptraum  beängstigten  od.  Sterbenden, 
durch  psychische  (tirosshirn-)EinflttlM  hervor- 
gebracht (Heyne  V,  520;  t'olcr,  I'.  50ti;  Lal«tner  II, 
:si6,  Kntnuel  44  n.  196;  holl.  angst  nract;  sch«  ed.  Xngest 
svett;  däu.  angest  sved).  —  .-I  ugrn -  Sch  W  e  i  SS  =  der 
an  der  Haut  unter  den  Augen  sehr  bald  auf- 
tretende Sch  weiss  (Gr.  w.  I,  Sil).  —  Am  schwitz- 
UJlg  (ahd.  uz  Miizzlda  -  cgeatio.  Urnff  VI,  908;  1515 
ausschwilzting  =  exsudatlo,  D.  220;  holl.  ult  «weeten; 
(lau.  udsvede;  schwed.  utsvetla)  —  ein  durch  die 
inneren  Poren  des  Korpers  und  der  Eeihes- 
hohlen  austretendes  Exsudat,  Transsudat, 
welches  man  als  verdorbene  Korpcrsafte  auf- 
fasste,  deren  Ausscheidung  man  nicht  unter- 
drücken («  d.)  dürfe.  —  blauer  Schweiss  (1577 
hlacuschiiyte  —  oscedo  [Scharbock],  l>.  102  [  Sputum 
de  oreV);  holl.  blau«riioult  —  blaue  Hautdecken  au  den 
Füssen  [Skorbut],  Schnurrer  II,  20;  Lcrech  196;  161» 
blawschwlt,  Coler.  H.  A.  138  0),  1.  -  eine  meist  an 
den  Augenlidern  ausbrechende,  seltene  Form 
von  Hautausdünstung  (Chromhidrosis),  die 
durch  Pilze  oder  durch  Kupfer- oder  Eisensalze 
(auch  Indikan,  Pyocyanin)  eine  blauliche,  blau- 
grüne Farbenntiance  erhalt  (Bänke,  I'bysiol.*.  89; 
Klcbh.,  Untera.  I,  30).  —  2.  =  S>korbutfleeken  in 
Form  von  blau  durchscheinenden  Blutpunkten 
in  der  Haut.  —  Blut  Schweiss  (schwitzen)  (IS  15 

plulschw  eis»  =  cruor;  j.lut.'cLw  cifun  =  mientnre, 
D.  159).  1.  -  h.ul  in  flüssigtr  Foim  vergips»  n; 
Bl  uttlms.  —  2.  -  das  bei  Hyfcterisilun  aus  den 


SchweiBHporen  und  den  Hantblutgefassen  drin- 
gende Wutextravasat ,  da«  man  mit  Schwei«« 
verwechselte  (Haematidrosis)  (Vierordt  .19;  Sam 
197  u.  Regist.;  Eichh.,  Untera.  I.  »0;  Niemeyer  II.  439 
745).  —  3  =  Purpura  simplex,  I*.  haemorrhagies, 
kleine  Hatithlutungen,  Blutflecken,  die  Krankheit 
König  Karl»  IX.  —  4.  =  durch  rote  Seit weis*farb- 
-  stotle  verfarbter  Schweis«  (Ranke,  PhjratoL',  St) 

—  englischer  Schweiss  =  der  seit  148*>  bekannt 
!  gewordene  Sudor  anglicus  ppidemicu«  <r>29  da.« 

engelache  Schwei»  sowohl  im  vorsehynen  1528.  Jahre 
angangeu  [Stralsund];  Christ.  Meyer  102;  1529  sndor 
epidcinialls  quem  Anglium  voennt,  J.  <',  Hasebrocanus . 
Janus  1897,  8.  153;  1551,  ndl.  enge)«ch  r.weet,  Peijpen 
XVIII;  1631  englischer  Schweiss.  Tabernaem. ;  A.  v.  II 
I,  91;  K.99  v.  M.  II,  122).  der  aus  England  sich 
pestartig  ausbreitete  und  1802  wiedergekehrte 
Morbus  miliaris,  Febris  miliaris,  Febris  suda- 
toria  brilannica,  Eues  anglica,  Sudor  anglicus 
(Iran«,  suette)  (SchweisRUcht  3  u.  Schweissßeber). 

—  er- SchwelSSen  (mhd.  ersweizen)  =  in  Schweiss 
geraten  (I.exer  55).  —    Fuss  -  Schweiss ,  (MM] 

I  -schwitzen  =  die  stark  und  Obel  nach  Fett- 
säuren riechende  Ausdünstung  der  Füsse 
(Schweissfuss),  deren  Unterdrückung  oder  Stö- 
rung als  krankheiterzeugend  noch  im  Volke 
gilt  (äebreyer  26).  —  galliger  Schweiss  =  Sudor 
feilen«,  mit  (iallefarb«tofT  tingierter  Schweiss 
(Gr.  W.  IV,  L  UM;  mlttcll.  sudor  croceus  —  Ictericia. 
Heinrich  80);  auch  die  Leberflecken  galten  als 
Schweissllecken  («.  d.).  —  grüner  Schweiss  = 
Chlorephidrosis  =  blauer  Schweis«  (Kraus,  E.  225). 

—  (i79o)  guter  Schweiss  -  gelind  eintretender, 
anhaltender,  gleichmitssiger,  eine  gute  Krisis 
der  Krankheit  herbeiführender  Schweiss.  — 

—  Hand  -  Schweiss  (-Schwitzen)  =  die  bei 
manchen  Menschen  stärkere  Hautausdünstung 
auf  der  an  Knftueldrüsen  reicheren  Hohlhand 
(sehweissige  Haude,  Schweiss-Hand)  (Birllnger 
Volkst.  I,  487).  —  Harn -Schweiss  =  Ausschei- 

1  dung  von  Harnstoll'en  durch  die  Hautporen, 
Sndor  urinOBtiB  (Fuchs  II,  434).  —  hektischer 
Schweiss  =  die  stark  wässerige,  colliquative 
Hautausdünstung  bei  dem  hektischen  Fieber. 

—  kalte(r)  Schweiss;»  (1260)  chalter  swei*.  FleitTcr 
28;  mnd.  de  kolt  swet,  Mag.  Barth.  9>a;  14  Jahrh 
kalder  swelz,  HorTni.  I,  322;  engl  a  COM  sweat,  chllly 
sweat,  <l(tt>.  koldsved;  schwed.  kalUvelt)  —  die  al>- 
norm  starke  Sekretion  des  Hautschweisses  bei 
sn  geringer  Warmelieferting  (A.  v.  II.  I,  1250),  die 
Verdunslungskftlle  macht  sich  der  zufühlendeu 
Hand  dahei  besonders  bemerkbar,  les  sueurs 

[  froides  (Brl«s.  82)  (Symploma  hecticum).  — 
klebriger  Schweiss  -  ein  dicker,  fettseifen- 
reicher  Schweins,  der  an  der  zufflhlenden  Hand 
anklebt.  —  kotiger  Schweiss  (1515  squalor.  D.  5C<, 
=  Übelriechende  Hautausiiünstttng.  —  (1531; 
kranker  Schwitz,  (17B7J  krankhaftet  Schwitzen. 
1.  -  Ephidrosis  (Hippokr.),  eine  mit  grossem 
Kräfte  Verluste  verbundene  Schweiss-Sekretion 
(J.  V,  Frank  XXIII).  —  2.  -  kritischer  Schweiss 
(Krautw.  LXXX1I1).  —  (17821  kritischer  Schweiss, 
1.  ~  die  in  der  Zeit  des  Teiiiperaturabfalles  in 
der  Krisis  s.  d.)  oder  Entscheidung  der  Krank- 
heit eintretende  Hautausdünstung  (M.  It.  L.  I, 
613).  —  2  =  der  Schweis»  in  der  sogen .  Kiise 


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sch  weissen. 


Schweiz  — schwellen 


beim  sogen,  animalen  Magnetismus.  —  Müch- 
Schweiss  =  eine  (nach  Fuchs  II,  479)  der  Milch 
an  weisser  Farbe,  molkigem  Gerüche  und  sfiss- 
licbem  Geschmacke  ähnliche,  flüssige  Haut- 
Sekretion,  Chylidrosis  (Krau*,  K.  237),  Galakl- 
hidrosis  (Roth  202',  man  nahm  früher  an,  dass 
sich  dabei  die  Milch  „verschlafen"  (s.  d.)  habe. 

—  (l.>76)  Morgen-,  (17.*)  AV/d-Schweiss,  1.  =  die 
namentlich  bei  Hektischen  morgens  od.  nachts 
starker  auftretenden,  kalten  Schweis*«*  (A.  v.  H. 
I,  Vitt;  Ackcrm.  63;  Zeltschr.  t.  d.  Phllol.  XXVI,  216; 
Theophr.  Bo. ;  engl,  night  »»  tat,  Lchf.  77).  —  2.  = 
der  Angstschweiaa  beim  nächtlichen  Alptraum 
(Lateiner  I,  105).  —  (1592)  Aasen -Schweiss,  (1578) 

-Schweissen  ;iö.  jahrh],  -Schweissung  Iieo»]) 

—  Nasenbluten,  Schweis»  2  (Seh.  S22;  *;uar.  878, 
Register;  Heyn.  13»;  Gr.  W.  III,  415;  Ann  -Buch).  — 
(1576)  natürlicher  Schweiss  =  der  normal  (wohl- 
tliAtikf)  eintretende,  gute  Schweiss  zum  Unter- 
schiede von  dem  unnatürlichen,  hektischen, 
kalten,  klebrigen  Schweisse  (Thcophr.  Bo. ;  ffle- 
mryer  II,  169).  —  Picardischer  Schweiss  -  eine 
17  IS  im  Nieder- Seine -Departement  (alte  Pi- 
canlie)  beobachtete  Schweissfriesel  -  Epidemie 
(Lcr-ch  35«),  suette  des  Picards  (Pcljpers  XVIII). 

—  »andiger  Schweiss  —  tluutsand,  Auschet- 
dung  eines  Schweisses,  nach  dessen  Verdunst- 
ung sandahnliche  (Giehlsalze)  Körner  auf  der 
Haut  zurückbleiben  (Fuchs  135).  —  (it>99)  Schei- 
dttnqs  Schweiss.  1.  =  kritischer  Schweiss  (s.  d.). 

—  2.  =  Todessch weiss  (v,  M.  II,  156).  —  (1783) 
schmelzende  Schweisse  =  wie  Fett  zertiiessende, 
kolliquative  Hautausdünstung  beim  Schwitz- 
fieber der  Hektiker  (Sobernh.  129;  E^lch  101).  — 
schtearzer  Schweiss  =  Melanosis  linuida,  durch 
Farbstoffe  aus  «lein  Blute  dunkelgefarhte  Haut- 
Sekretion  (Fuchs  II,  384).  —  (1618)  Stinkend 
schweissig  —  in  der  Hautausdünstung  ühel- 
riechend,  wie  es  nach  dem  erfahrenen  Meister  Sehyl- 
hanns  diejenigen  wan  n  ,  die  an  einem  verworfenen 
AderlasMage  sich  zur  Ad' r  gelassen  hatten,  II.  v. 
Ger»d.  20),  Brotnidrosis  [jspüiM.o';  =  <ie«tank;  tSoiü^ 

—  Hehwci«»),  Osmidrosis  («ojitj  —  Cieruch).  —  Todes- 
Schweiss  ■  der  kalte  Schweiss  eines  Tot- 
kranken o<ler  Sterbenden,  der  in  der  Scheidung 
lietrt  (Heyne  V,  52«'>),  Symptoma  exitus  letalis.  — 
(1725)  unnatürlicher  Schweis*  m  eine  von  der 
normalen  Konsistenz  durch  Metiife  oder  Geruch 
abweichende  Hautausdünstuni:  (Thes.  «an  Br.  fty«;) 
(Schweissfliifs  z.  B.).  —  unterdrui  kter  Schweiss 

—  eine  durch  äussere  Einflüsse  (t.  B.  Erkaltung 
der  Füsse)  angeblich  zurückgedrängte,  zurück- 
getretene Hautausdünstung,  deren  Verschwin- 
den (les  Bueurs  rentrees)  o  ler  Verminderung 
zu  anderen  Krankheiten  führen  soll;  durch  Me- 
dikamente, die  diesen  Schwei»«  wiederbringen  sollten, 
wollte    man   auch    letztere   heilen    (.Sobernheim  Mo; 

Stenern  11,  490).  —  (mhd.)  (//-schwitzen  ~  ver- 
hititen  (Lcxet  331)  (Schweiss  i).  —  Wochen- 
Schweiss  —  die  nach  der  Entbindung  im 
Wochenbette  auftretende,  reichliche  Hautaua- 
dttnstung  der  Wöchnerinnen  (Eichh.,  l'utcrs.  1,  29). 

—  (1592)  U'uW-Schweiss  =  das  flüssige  Sekret 
aus  der  Wunde,  Elter  (D.  611;  nach  altem  Volks- 
glauben beginnen  alte  Wundnarben,  Blutflecken,  selbst 
frische  Wunden  bei  Ärger  oder  Gemutscm-gung  zu 


schwltzcu,  d.  h.  Klüt  zu  ergiesscti  [s.  bruderliches  Blut], 
conf.  Roman.  Forsch.  1891,  8.  613).  —  zurückge- 
tretener Schweiss  =  unterdrückter  Schweiss 
(s.  d.).  —  Schweiss-,  (Schwitzende])  -Ader, 
•Auge,  -Bläschen,  -Blättcrlein,  -Fenster,  -Fieber, 
-Flecken,  -FIums,  -  Friedet,  -Fuss,  -Oat,  -Hohle, 
-Kasten,  -Läuse,  -Löcher,  -Mase,  -Pockchen, 
■Qual,  -Rohren,  -Seuclie,  -Sucht,  -Zeit. 

Schweiz,  f.  s.  auch  Schweiss  (Sch wie).  — 
Schweizer- Kran kheit,  -Kuh. 

Schweich  (Schwelger)  (xu  vorgerm.  swelk ,  germ. 
«weih,  swelg;  ohd.  suelahau,  swclgan  ~  schlucken; 
mhd.  «weihen ,  swelgen  —  schlucken ,  verschlucken, 
Klug«*,  311;  «welch,  swnlch  -  Schlund,  Schw.  632; 
H.  Paul  406;  15.  Jahrh.  swelhn,  H.  Z.  XX,  23;  angls. 
i  «velgan  ,  svelgnysse;  holl.  lnzwelgeu  =  schlucken, 
V.-K.  1S97,  100;  schwed.  svalg,  awuelja,  dän.  svaolg  — 
Schlund,  Hachen;  Island,  svelgur  —  Abgrund,  Kuhn  I, 
21C ;  mit  dem  Balge  der  Schmiede  werden  die  rhachl- 
tischen  Kinder  in  des  Trolls  Schwelg  [Hachen]  geblasen 
[gebannt].  Jana«  1898.  S.  473;  norweg.  troldets  e vaeig 
=  Troll-Rachen).  —  schwelgen  =  verschlucken, 
uninässig  essen  und  trinken.  —  Schwelgung 
=  die  Handlung  des  Schluckens,  Wiirgens,  Un- 
willen (11*2  «welkung  —  nausea,  Zenlng.  Voc.  pp.  1). 

—  Schweicher,  m.  =  einer,  der  viele  und  grosse 
Schlucke  macht  (Schm.  II,  526).  —  rer- schwelgen 
(angls.  forswelgan,  t  ock.  III,  100)  =  verschlucken. 

schwelk  (1710.  Betti  1,  1%)  =  welk. 

schwellen  (Schwellung,  Schwelle)  (vorgerm. 

«welos;  germ.  »well,  «wel  [Schwiele];  altn.  svella  = 
schwellen;  sullr,  in.  =  Fussgeschwulst,  Fick  923;  ahd. 
swellan  ^  anschwellen,  «wellt  =  Geschwulst,  Grafl  VI. 
874;  Sehmeiler  II.  630;  mhd.  «welle,  m.  =  tumor; 
swellen  ■  schwellen  macheu;  mnd.  dat  swel,  «welle,  f. 
Geschwulst,  Mag.  Barth.  93a,  97b;  alt«,  swellan;  Fick. 
923;  engl,  to  «well  =  schwellen;  mhd.  «wellen  ■=  an- 
sehwellen und  sehwellen  machen,  Kluge1,  312;  1117 
eyn  »wel  -  glanculium,  I).  II.  191;  1433  swel  -  talu* 
[callus]  in  pede,  D.  572;   1476  eyn  swelle  —  bocio, 

I  I).  11,66;  1482  swel  =  apostema,  l>rus«,  Zening.  Voc.  f.  3 ; 
14. — 15.  Jahrh.  dat  swel,  der  swelen,  J.  f.  nd.  Spr.-F. 
XV.  116),  1.  =  in  gleichmassiger  Rundung  zu- 
nehmen, z.  B.  am  Leib,  an  den  Füssen,  Drüsen, 

j  Mandeln,  Brüsten,  Tumor,  Botium,  Boeium 
(b.  Bossen)  (A.  Fare),  Struma  (s.  Kropf).  —  2.  = 
s.  Schwilm.  —  Schwellung  (m. -engl,  »wellyng, 
Heinrich  3.  126  =  tumor  virgae;  mnd.  de  «wellinghe, 
Mag.  Barth.  92a;  ndl.  »willinghe,  De  Cock  148;  mhd. 
«wellunge)  =  der  Zustand  oder  die  Handlung,  der 
Vorgang  des  diffusen  SchwellenB  durch  patho- 
logische Massenzunahme,  engorgement,  gleieh- 
mässige  Volumenvermehrung,  z.  B.  durch  Ent- 
zündung, syphilitischen  Frimftrafl'ekt  oder 
Wassersucht  (Mag.  Barth.  92  b,  oder  durch  diu  That 
eines  angenommenen  Krankheitsdttmons,  der  meist  als 
rotfarbig  bezeichnet  wird,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895,  8.  30). 

—  -4 der- SCh Wellen  (angls.  aeternum  »wlle,  Cock.  II, 
112;  14.— 15.  Jahrh.,  mnd.  so  we  an  der  äderen  let 
unde  se  eme  »«eilet,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  116)  = 
Anschwellung  der  Bluluder  nach  dem  Ader- 
lasse. —  an-,  (1588  auf-)  schwellen  =  intumes- 
cere,  enflure,  siark  an  Umfang  und  Obettläche 
des  Körpers  oder  hestinimter  Teile  desselben 
zunehmen  (Gr.  W.  1,462;  Ami  -Buch;  augl».  »»wollen, 


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890 


schwellen. 


Schwende— schwer. 


i  oclc.  II,  M).  —  Brin- Geschwell  (1500  ndd.  eeu 
been-gbenwel  m  crustumulus  [crua  +  turacre),  I).  II, 
121;  eng),  tbat  been  «wollen  (or  traueil,  notariell 
77)  =  Anschwellung  am  Beine,  Fussgeschwell, 
Fnssgesehw  ulst,  dicke  Waden.  —  Baueh- 
Schwellung  (ahd.  buehsuclli.  firaff  III,  42)  m  As- 
cites, Cystovarinm ,  Graviditas.  —  Idau- 
schwollen  (ahd.  pläwero  geswollenero)  =  lividtH, 
eyanoitsch  aufgetrieben  (Heyne  I,  446).  —  Ulut- 
Schwclle  =  Ulutspat  durch  Hlutaderschwellung 
bei  Pferden.  —  Brust-  n\  schwell  (angin,  thaera 
breosta  gen  well.  Cock.  1,64;  1507  eyn  geswell  op  die 
bont staber,  D.  6oo)  -  Anschwellung  darefa  Hrust- 
rirüsenknoten.  —  D'uch- Schwellung  (m  -engl. 

kw elll ii  •  in  tbe  thlgc  s.  In  thles  i.  Dlecb,  Helnr.  76  IT. 
77)  —  Anschwellung  am  dicken  Fleische  des 
Oberschenkels.  —  Drüsen- A ,  Schwellung  = 
IntumeBcentiii  glandulären.  —  ent  schwellen 
(mhd.  entschuttlen)  =  eine  abnurme,  di  norme 
Geschwulst  machen  (I.exer  47).  —  er- schwellen 
(ahd.  arnuelan,  (irafl  VI,  872)  -  obcallere,  uuh  dem 
Innern  hervorschwellen.  —  Fuss- G 'Schwelle 
(angl*.  fota  ge»welle  for  miclan  gange,  Cock.  I.  ;!l ;  11,0; 
15.  Jahrb.  gesehwelle  der  füsne  vom  gehen  =  boa 
[Oehseuknle],  tmnor  pedum  prae  illnere.  D.  77;  ra.-Ddt. 
voeton  die  teru  ollen  »In  van  gaenc,  de  Vr.  77;  m  -engl, 
tbe  »Welling«  of  feet  a  tumor  tiblarum,  Heinr.  77.  iSU), 
1.  =  Gelenkanschwellung  (Karies)  am  Fusse, 
königlicher  Adl  \  Fussadl".  —  2.  =  Fussge- 
schwulst. —  Gaumen  Gt  schwell  fangin.  geomena 
geitwclle  =  »Welling  of  tbe  gnms,  Lock.  I,  370)  =  Pa- 
rulis,  Kpulis,  Periostitis  palati  etc.  —  Ge- 
schwell,  n.  ^  Geschwulst,  Ge- schwellen ,  n. 

Gr- Schwellung  (ahd.  ganuelan.  (irafl  VI.  872  = 
obcallere,  vollständig  anschwellen  auf  der  Haut,  Oe- 
»chwuNtblldung,  Rruptto;  angln,  genwel  =  raucedo 
cutis,  Cock.  III,  8;  14.  Jabrh.  geswellen  [von  Wunden), 
Z.  f.  d.  A.  1SS8,  112,  1421  gesuetle  -  boclo,  bocla 
[s.  rönnen;  =  Holsgesehwulst; ;  1502  gc«plll  ^  geswill. 
D  II,  56,  1512  genchweliung  -turgor,  I)  HO.',  15.  Jahrb. 
gcnchwelen  =  puslulare.  I).  II,  H.  XVIII;  18'J2  Gc- 
■chwollung  =  Satteldruck,  Heb.  isl ;  \<Ah  guschwcll  — 
apontema,  Coler,  H  A.  251;  ndl.  gezwellen)  =  Ge- 
■chwulst  machen  (De  Cock  11.  295).  —  (15'.»2) 
Gor/iröte-Grschwellen  =  Hodensaekgesehwulst 
(beim  Pferde,  Seb.  182;  mittelengl.  the  »Welling  Ol  «he 
balloc<iues[  Hallen  •).  Heinr.  128).  —  Gr  int  Schwelle 
(angin,  grnndesvlllgc  =  tdroglas,  Cock.  1,  180;  II,  389; 
III,  303;  altengl.  grouud  «ttyllge;  mittelengl.  grounde- 
swele;  neu-eugl.  ground*el  —  »cticcio,  Heinrich  40  ff 
41.  44;  gruude«wllie ;  guudac  suelgne,  »uelgiac  gninde 
■wyllge.  D.  526;  gründe  nrylige,  D.  II,  335  m  Grtut- 
Kraut  als  Mittel  gegen):  die  Hautsch  wellung  beim 
(ji int  (o.  (jrund)(s.d.).  —  (1020)  i/ross-yschwollen 

—  ein«  Ktnrke  liesch  wuist  machend  (Trlfoni  Adln.). 

—  //a/s-Schwellen  [mnd. ,  14. — 16,  Jahrb.  dat 

»wellen  In  deine  halse,  J.  I.  nd.  Spr.-F.  XV,  121;  1417 
cynhaKswel  =  jugulum,  I).  II,  223).  I.-  Halsdrnsun- 
oder  2.  =  Schleimhautschwollung!  Angina, 
Struma.  —  i/eW-Schwellen  (15.  Jahrh  swel  In 
der  hant  —  boclo  [bothrlum!,  1».  77J  =  («yplllht.) 
llautverdickung  in  der  Hohlhand.  —  (1692) 
Hart -GfSChwellen  (angin,  beardum  «wlle,  Cock.  II, 
70;  1592;  Seb.  170»  =  Überbein,  Kxostosis.  — 
A'mV  Schwollen,  Gr  Schwell  (angln,  cneowiwellan. 
encow  feswell,  Cock.  I,  8;  111,38)  =  Kniegeschwulst. 


—  /Top/  Schwellen  (mnd.,  11—15  Jahrh  nvcllet 
eme  der  0Op  van  der  blasen  [Irin)  50  vlotet  an  der 
nette  [s.  d]  svarte  stucke  also  etter  unde  blöd,  J.  I  nd. 
Spr  F.  XV,  121)  —  urämische  Gesiehtsschwellung. 

—  jYro/>/"-Gcschwellen  (ndl.  kropge*w  eilen)  =  die 
Anschwellung  des  Halses  durch  einen  Kropf 
oder  eine  Halsdrfise  (goitre;  Königs- Adl', 
-Übel)  (De  Cock  74.  296;  Fosnel  159).  —  Kullev- 
Schwellung  (oltflAtn.  twelllnghe  der  cullen,  Ontlt  II, 
140)  —  llodengesch willst  (s.  Kullen).  —  Magen- 
Schwellung  (mndl.  t  ghexwel  van  der  mögen,  de  Vr. 
24;  mlllelengl.  »wellyng  in  the  sloruake  -  tumor  in 
itomacho,  Helnr.  71)  =  (iesch wulst  im  Magen.  — 
Ö/im-Grschwelle  iangls.  omena  geswelle,  Cock  III, 
42)  =  Kotlauf-l  iesch  willst  (s.  Ohm,  S.  452  11.  *}. 

—  ;'.>r<7cH.-i>»-Schweil  fi*'3t» ;  'Jurit  tu,  st)  =  Pest- 
bubo, F'estbeule.  —  Siha> ü-Schwellen  n. 
(angln,  scancan  »wellan,  Cock  III,  3»)  =  Schenkel- 
geschwulst.  —  Schlier-Gt schwellen  mdl.  klkr 
ge/w eilen)  =  skrofulöse  Halsdrösenansch w  ellunir 
mit  Fiterung  (s.  St.  Marcolf  S.  3fWa)  (De  Cock 
296).  —  (1681)  Schrunden -Schwellung  =  eine 
Anschwellung,  die  rerberstet  und  Schrunden 
macht  (Tabem  ).  —  (1592)  ventosisch  Gcschwellen 
(Seb.  Iii)  st  die  Anschwellung  beim  Winddnrn 
=  Spina  ventosa.  —  (K.82)  tcr-schwellen  (mhd. 
vernwcllen),  1.  =  durch  Hunger  und  Abschwellen 
krank  machen  (Lexer333).  — 2.  =  unter  Schlechter - 
werden  anschwellen.  —  (1507)  voll  schwells  = 
callosus  (D.  91).  mit  Hautverdickunnen  gmin 
besetr.t.  —  (1577)  wässerige  Schwellung  (udd 

'  wnterighe  nwcllingb«  =  undlmia  ;oedema],  D.  026)  ■■ 
durch  Wasser  (Oedema)  erfolgte  Anschwellung 
am  Leibe.  —  weisse  Schwellung.  I.  -  Glied- 
si'hwamm,  Tumor  albus  (engl,  white  »Meiling, 
Lehl.  246)  s.  Geschwulst.  —  2.  ^  Phlegmasia  alb» 
14.  — 15.  Jahrh,,  mnd.  *o  «elioh  vrowe  vorvroren  is 
an  deine  kindelbcdile  dat  »c  nere  hevet  gedrunken 
kolden  dranck  »o  nvellet  grot  ene  vote  unde  ene  bene, 
J.  f.  nd.  Spr.-Forycb  XV,  119]  =  weisse  Schenkel- 
goschwulst.  —  UintYr-Grschwellen  a  harte 
Frostbeulen  (ndl.  wlnlergexwel,  De  Cock  301).  — 
H'urwi- Grschwell  (angln,  gewyrsmedum  ge«welle 
=  tumour  purolent,  Cock.  II,  6)  =  (Jeschwulst 
mit  Kit»-r,  der  Maden  (s.  d.)  enthält.  —  zrr- 
schwellen  =  aus»'inaiidcr8ch  wellen.  —  Schwell-, 
(ge-,  zer-) schwollen  (c,  er,  es)  -Antlitz,  -Batken, 
-Ftissr,  -Gicht,  -llaitr*, -Hitze,  -Hoden,  -Kehle, 
•Ltber*, -Leib,  -Mandeln,  -Merge,  -Milch,  Xabel, 
•Rose,  -Sock,  -Schäden,  -Sddund,  -Schwindsucht, 
-Sehr,  •  Wasser,  ■  Wunde.  —  S.  auch  Schwollt  u. 
Schwirle, 

Schwende,  f.  schwenden  s.  schwinden. 

Schwengel,  Iii.  =  nchwIngeiulenOerät,  übertragen 
auf    Pen!«  lllyrtl,  K.  W.  203). 

Schwenke,  f.  (angln,  swencean  =  schlagen,  plagen  . 
midfota<llc  ge»wenced,  Cock.  I,  12.  III,  5;  ahd.  swenchan 
=  achlagen,  Kluge*,  642;  1611  Schwenke)  —  (154K 
entzündete,  scrofulo.se  Hautbeule,  Drflsenbalg, 
Dusel,  Schlagbeule,  Pannus  (l'llnll)  Phlegmone, 
Atheroms  (D.  410;  Seb.  92;  Uad.  Jun.  383.  388,  Ur. 
W.  II,  1438;  1741  Scbwencke,  Kirsch  852). 

Schwenzel,  m.  s.  Schwan«. 

schwer  (Schwerde)  (ahd.  »wäri  =  whwer: 

»warida-  Ueschwerde;  angl».  sworetunge  -  oppresslo, 


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schwer. 


schwergeln— schwiddern.  621 


Codt,  I,  3tü,  mhd  swarc  -  ».  Schwar ;  swerde,  B.  — 
einer,  der  beschwerenden  Schmerz  hat,  Lexer  261; 
mhd  «wäre  =  erhebliches  Gewicht  habend  [s.  Schwar], 
belastend,  ungelenk),  1.  =  schwanger  (s.  d.),  lang- 
samer i>ew  eglich  in  »ier  vorgerückten  Sch w  anger- 
sehaftszeit,  gravida  (r>07,  ndl.  iwAr  van  kynde 
gemaicht  =  gravida;  1.VI7  »wer  mit  kind  gemaeht, 
Heyne  V,  532).  —  2.  =  drückend,  beschwerlich, 
%.  B.  das  Schwer  (seil.  Gebrechen)  =  Kpilepsia 
(schwere  Not,  schwere  Krankheit,  schweres 
Gebrechen,  schwere  l'iag).  —  3.  =  schwer  dem 
Gehalte  nach  (Heyne  V..M3) ;  seil  werhlütig,  melan- 
cholisch von  schwerem ,  dickem  Blute  (s.  d), 
welche  Konstitutions-Anomalie  sich  in  den  sog. 
schweren  Familien  als  belastendes  Moment 
vererbt  (i'aull  26);  davon:  4.  schwer  -  schwer- 
mütig, melancholisch,  im  Gemüte  belastet 
(faull  6»).  —  5.  ^  schwierig,  s.  B.  schwere  Ge- 
burt. —  6.  =s.  .Schwär.  —  Schwere,  f.  L  -  (mhd. 
k»ln-j  -  (iewichtigkeit,  Beschwerung,  drückende 
Art,  Krankheitsbelastung.  —  2.  =  (angl*.  »wurc, 
-wyra,  -weora,  m.  =  Nackin,  Widerrist  2.  wo  dir  Mb  Wert 
UM  g.  tragen  wird,  Cock.  I,  110;  242;  III.  109.  110; 
«wioran.  «»Iran  =  cladam  elmladum  =  eervlx,  Coek. 
I.  t XX  LXXJVj  ceutro  Chondro?;,  Cock.  I,  LXXl; 
c.utro,  vielleicht  —  ee«tro  =  Kuckuiels-el,  Knochen- 
harte am  Nacken,  «olumna  vcrtebralis  ,  Schneller  II, 
046;.  —  (1331)  Schwerheit  =  beschwerlicher  Zu- 
stand.— A ton- .'.'schwerde  =  L>ruek  beim  Atem- 
holen (Pyspnoea),  Brustbeklemmung  (schwerer 
Atem).  —  Aug".  /<•  schwer' de.umg  (15.  Jahrh. 
ouK.n«wcrde  —  obtalmla,  1).  II.  272;  1696  aus<  iiIm'- 
»ehwerung.  Schreyer  I,  26)  -  Ophthalmia,  Augen- 
leiden. —  Er  schwerde  (-schwerung,  -schwer 

Iiis)  (mhd.  b.  «ward.  ;  IV  Jahrh.  beswernl-se,  D.  366) 

—  drückende  Last,  Bedrückung,  •  Ippressio, 
Molestia,  das  koiperl.  Gefühl  der  Beschwerung. 

—  '  Schwert,  1.  ~  (mhd.  besweert,  Schm.  II,  638) 
-gravi<l  <.  —  2.  -  (17.  Jahrh.)  beschwert  am  Ge- 
blüte  =  schweres  Blut  (s.  d.)  habend,  melan- 
cholisch, s.  schwer  3  (Fr.  Kr.  B.  348).  —  Brust- 

Erschwerde  (-Schwere  [1742;)  ■  Gravitas  prae- 
cordiorutn,  Druckgefuhl  aul  der  Brust  (Ur.  W. 
U,  «7;  Zw.  123).  —  dünnneitige  Erschwerung  = 
das  Pruckgefühl  in  der  l)ünne  od  Weiche  unler 
den  kuizen  Kip]»en,  Hypoehondria  (Gr.  W.  II, 
1V>7).  —  'f  schwer,  1.  =  Beschwerde  (Sch melier  II, 
6i4j.  —  2  -s.  Gesehwar.  —  (isooi  Gicht- Be- 
schwerden -  beschwerliche,  syplulil.  rheuma- 
toide G  ich  tsch  merzen  (t*r.  n,  5s6j  («.  Podagra).  — 
Harn  (Harnt  )  Schwerheit,  /«schwerde  (i53t 

schwerhält  de«  harem*.  Kratilw.  I.XIII;  1588  beschwer- 
nnss  de«  härmen,  Ann.  Buch)  -  beschwerlicher  Zu- 
stand, druckendes  Gefühl  b.  Harnlassen  (Heyne 
I,  ssi).  —  Haupt  Schwere ,  f.  (17.  Jahrh.)  -Be- 
schwernnss  =  Gravedo,  Druekgefühl  am  Kopf 
%  B.  heim  katarrh.  Sehnnpfen  (Fr.  Kr  B.  371 ;  Gr.W. 
iv,  2.  629).  —  Haut- /Beschwerde  fi888  beschward- 
mi*«  der  haut)  =  Aussatz  als  lästige  Plage  und 
Hautkrankheit  i Ann.- Buch).  —  h  -  schwer 
(mhd.  kind.-  «war.)  =  an  einem  Kinde  schwer 
trafen,  schwanger  Hein,  auf  schweren  Küssen 
gehen  (Qr.W.  v,  709,  l'los«  Bartels  I,  479).  —  Magen- 
Erschwerung  (-schwerde)  -  di  ückendesMagen- 
gcfülil,  Oehlm  rlip]K>kr.  (Uttml.S6t;  Flieh*  n,  195). 

—  Mdi  ß  schwerde.  (Ki\-schwerung  -  Tensio 


hypoehondriaca ,  Spannung*-  u.  Ibuckgefühl 
in  der  Milzgegend.  —  Mutter- Erschwer,  (1712, 
1756,  1735)  Erschwerung,  Ecschwerde  =  Passio 
hysterica,  SuUocatio  hypoehondriaca,  Ilyster- 
algia,  Mutterkrankheit,  Mutterweb,  Nervenver- 
stimmung durch  ein  Gebärmutterleiden  (Ur.  \v. 
VI.  2813;  A.  v.  n.  I,  S04;  Fr.  Hoßm.  VII,  119;  Wallh. 
419;  Heyne  I.  381.  382;  Woyt  513).  —  (1718)  Aa»fH- 
Erschwerung  =  belustigende  Beschwerde  durch 
Nasenp'tlypen  z.  B  (K.  eh.  212).  —  (1748)  Ohren- 
Erschwerung  =  Ohrleiden,  Beschwerde  im  Ohre 
i.  B.  durch  Ohrgangverslopfung  (K.  eh.  242). 
—  Schling  -  B<  schwerden  =  schmerrhaftes, 
erschwertes  Schlucken,  Behiuderung  heim 
Schlucken.  —  Stein- Erschwerung  (1712)  (-Be- 
schwerde) =  «las  belustigende  Gefühl  durch 
einen  Blasenslein,  Lithiasis  (A.  v.  H.  I,  916;  Fr. 
Hoffm.VII,  1C8  188;  Heyne  1.  381).  —  8Chwer(r, er, es) 
Anfall,  Atem,  Mutig,  Fuss,  Geblüt,  Gebrechen, 
Geburt,  Gutschlag,  Hauptweh,  Knthe*,  Krank- 
heit, -Leib,  Made',  Xot,  Plag,  Schlaf,  Siechtag, 
Sprache,  Sünde,  Sucht,  Syphilis,  Verkühlung, 
Wehentag,  Zahnen,  Zunge. 

schwergeln  =  „wegen  eines  Bausches  oder 
Koi  perschwache   unsicher  gehen,  taumeln" 

(Kamthcn;  Fromm.  VI,  202;  [schwer-gehen  ?]). 

Schwert,  n.  (altnord  M-erdh;  hlauna  sverdh  = 
meinhrum  virile  clunihu*  praegnans,  Fick  855).  — 
(1.92)  römisches  Schwert  ^  römisctier  Degen 

(S   <l.)  (Seh.  213). 

Schweser,  n.-die  BChwittige,  weiche  Kalbs- 
mileh  (HamhurR)  (s.  Schweder). 

Schwester,  f.  Schwesterlein,  n.  (indoKerm. 

swesr;  Renn.  •iwi'Mr ;  ahd.  »wester;  altnord.  *y*ter; 
ndd.  *u»ter,  Kluge*.  342)  =  Keinmal;  „die  Ihrige" 
(analog  zu  Genosse,  Khenall,  der  Seinige  = 
Meinhrum  virile)  (Sehmeller  I,  14;  II.  6*).  —  Alp- 
Schwester  U3.  Jahrh.  alV«  sv.«tir  un  vattr  Ir 
*olt  uivaren  obir  den  ftalir,  Sit«  Ber.  1867.  7) -Weib- 
licher Alp  als  KrankheitsdUmon  in  (Beschwör- 
ungen). —  drei  Schwestern  —  die  3  geburts- 
hilflichen Damoninncn  (s.  Krftulein,  l'erchta  D. 
Morgan  etc.),  (Stapel, Warpst,  Wdpetdes  Volks- 
glaubens (Latatner  D,  888;  Panzer  I,  69).  —  3  /i- 
»l>c/ndr  Schwestern  =  *chwelK«  nde  Holden,  welche 
den  Men*ehen  «tumm  machen ;  auch  =  Schicksals- 
Schwestern  =  die  Verkörperung  des  menschlichen 
Schicksal*  und  Irdischen  D&sclutt,  das  au«  Geburt, 
lieben  und  Tod  besteht  (daher  dreifarbig),  In  der  Ge- 
stalt ;i  .Schwestern  (Nornen)  des  Volksglaubens,  „im 
ru-»i-chen  Vo]k«glaub<'n  gibt  es  9  Schwestern,  die  das 
Menschengeschlecht  mit  Fiebern  nlageu  und  In  Krd- 
hohlen  (».  Mainria)  an  Ketten  gefesselt ,  loageUWWHI 

die  Leute  anfallen,  BehelUe  IX.  6js;  —  AfifV/i- 
Schwester  —  mit  »ler  gleichen  Mullermilch  auf- 
gezogenes, weibliches  Wesen.  —  (1699)  Milt- 
Schwester  ^  Milzbruder  (v.  M.  I,  147),  weiblicher 
Genosse  bei  der  gleichen  Milzkraukheit. 

Schwib.  —  Schwib-Eo^en. 

-SChwich,  f.  s.  schweichen. 

schwiddern  (vor  den  Augen)  -  schwindeln, 
schwirren  vor  den  Augen,  undeutlich  im  Seh- 
felde sich  bewegen  (Fromm.  VI,  482). 


«22 


Schwiele. 


Schwiemel— Schwindel. 


Schwiele,  f.  (Schwielch),  Schwilben ,  iu. 

(Indogcrm.  swcl  [schwelten,  (Jc«chwul«tl ;  vorgerra. 
«Wt'liu  ;  germ.  «well*;  ahd.  «wllo,  awll,  Ul.,  (Jraff  VI, 
871*;  11.  Jahrh.  svll  =  eallu«,  H.  Z  XX.  115;  ruhd.  «vrll. 
Kluge*,  312=  Anschwellung,  callus.  harte  II  aufstelle, 
Fussohle,  1/exer  262  ;  US.  Jahrh.  srhwil  =  Hvor  cailu«, 
D.  642;  16.  Jahrh.  schwicle,  f.  -  die  Schwielen,  pl.  ; 
1591  srhwil  — -  callus,  Horn.  Had.  Jim  SS" ;  8eb.  176; 
1617  ictawül«  =-  Knochenmaser ,  Gurlt  Hl,  lyo;  IMS 
srhwlel,  m.  =  callus;  sehwicle,  f.  =  laiiglirhtr  Brüse 
[minor  ltHiulnuin},  Heyne  V,  S37  (  =  schwel  s.  d.];  1674 
schwulen  -  ballen,  Gurlt  III,  150;  1 742  «ch Wüllen  — 
calln«,  Zw.  301;  ndd.  »will  —  grösserer  l>ru>enab«cess, 
(Jold«ehm.  89;  1766  schwülen  —  «ndamina,  gc*chwol- 
leue  Hautstellen,  A.  v.  H.  I,  790,  angl«  swyla«,  swillas 
=  »Wellings,  swillnge,  Cock.  1,  10.  14.  21  ;  II,  21),  1.  = 
harte  (ieschwulst  länglicher  Form,  numentlirli 
die  an  der  (Ballen-)Haut  der  Hände  um!  Fflsse 
«ich  erhebende  umschriebene  Schwellung,  Ty- 
lorua,  Callus  (celtcre,  x»\&|l.tt'.  =  heben,  Roth  83), 
Epidermis,  Hypertrophia  (franz.  les  oignon«,  Bris«. 
212;  Folter  1U32).  —  2.  =  längliche  tirknmskripte, 
liarte  Drüsenanschwellung  (indnrierter  Prttsen- 
schanker?).  —  8.  =  dicke,  harte  Fuasohle.  — 
4.  =  Sch weissbliischen  in  der  verdickten  Hohl- 
hand  (Pustula.  Kkzema  palmare  syphiliticum  ?). 
—  5.  =  Callus,  Knochenmaser.  —  6.  =  siehe 
Schwelle.  —  (1.199)  Schwielch,  f.  =  der  gesch wol- 
lene, schwielige  Zustand,  t.  B.  im  Maule  des 
Pferdes  |v.  M.  I,  39).  —  (16is)  schwielig  (schwie- 
lieht),  schwillig  =  mit  Schwielen  tiehaftet  (cal- 
lostts)  (Schm.  n,  631).  —  Fus«-Schwiele  (angls. 
tot  Bwyluiu  s  engl,  footswelltngs,  Cock.  I,  312)  =  KuBS- 

geschwulat,   Fuwhautachwiele,    —  Gäqels- 

Schwiele  (angls.  gcaglcs  «wllc;  angls.  ceueum  = 
maxillU,  Cock.  I,  I.XX;  ceaean-nswnllen  —  engl,  jowl 
»Welling,  Cork.  II,  316)  =  Uaumen-  oder  Kieferab- 
seess ,  Parulis  (s.  Gagel  und  Gaegladl  *).  — 
GrSChwiel,  n.  (ahd.  gaswil  =  callus,  Graft  VI, 
872;  11.  Jalirh.  gtsull  =  callus,  II.  Z.  III,  363  II. ; 
XVI,  29;  1482  ge«wlll,  geäfft]  In  der  hande  =  cai- 
lu«, pu«tula,  durllies  niatiuuui  ,  Iiiatter,  /.ening, 
Voc.  in  2,  rl;  1518  geswüll  =  callus,  Hvor,  H.  V. 
Uered.  99).  1.  =  Hautschwiele,  Haut  Verdickung, 
Cutis  spissata  (St  hm.  11.631).  —  2.  = gesch wollene 
Hautstelle  umseht  icbener  Form  (Blatter,  Pu- 
stel). —  J/rtw/-Schwiele  d  W  8wffl  In  der  band  = 
calln«,  r>.  n.  67)  =  Hautschwiele  an  der  Hand.  — 
//'* »«/-Schwiele- Callus,  Callositas,  Verdickung 
der  Hornsehiehte,  Oberhaut,  ohne  wesentliche 
Beteiligung  eines  anderen  Gewehes  (Lesser  in  Z 
ndb.  d.  «p.  l'ath.  u.  Thor.  XIV,  1.  482).  —  Kehlen- 
Schwiele  (angls.  ceolan-swyle,  Cork  II,  I)  =  Kehl- 
kopfgcwulsl,  Schwellung  in  der  Kehle.  —  Knie- 
Schwiele  —  Gonylyle,  Hautschwiele  auf  dem 
Knie  (Krau«.  E.  427)."—  Mu«l, 1 /-Schwiele  =  eine 
sog.  rheumatische  Schwiele,  eine  Verhärtung 
im  Aluskelileische  mit  Bildung  einer  harten 
Schwiele,  meist  durch  abgekapselte,  verkalkte 
Trichinen  veranlasst.  —  tote  Schwiele  (angls. 
deadum  swylnm ;  engl,  deml  «Welling«,  Cock.  II,  6)  as 
im  Ahsterben,  lokalen  Gewebstode  begriffene 
Schwiele.  —  üble  Schwiele  (angls.  ylel  «wyle; 
engl,  ill  »Welling,  Cock.  II,  16)  =  bösartige  Haut- 
schwiele. —  unqute  Schwiele  (angls.  unncudnin 
Mvyle,  Cock.  1,  36.  391)  -  üble  Schwiele.  —  tvr- 


I  Schwielen  (ahd.  ranwUa)  ■  abnorm  schwielig 
werden  (l.excr  333).  —  verhärtete  Schwiele  fangl«. 
forheardodan  swile,  Cock  II,  212)  =  abnorm  hart 
gewordene  Schwiele. 

Schwiemel,  m.  s.  Schwimmel. 

schwieren,  schwierig  s.  schwör  u.  Sehwar. 

SChwillen,  Schwilm,  m.  (germ.  «vlltan  =  Ter- 
hungern  ;  «Villau  =  ver«rhmachten  ;  goth.  «vlltan  = 
KtertH-n;  alt*,  sweltan  ;  angls.  Kveltnn  =  sterben ;  alid. 
•wölzan  =  hungern;  angls.  »vylt  =  Tod,  Fick.  '.fJ3 ; 
ahd.  «nullm,  Craft  VI.  873)  =  Sopor ;  dazu  Schwellen 
I  (.Nürnberg;  Schmeller  II,  6.!0)  —  «fest  schlafen, 
schnarchen." 

Schwimmel,  m.  schwimmen  a)  (g.  rm  «wem. 

*üm;  lihd.  «wlmrnan;  mhd  nwimraen,  Kluge5.  312), 
b)  angl«.  üwiman  =  Sehwindel  habi  n.  Cock.  III,  4S; 
ndd.  swimel;  nmd.  nwymet,  Mag.  Barth.  86a;  >rhwin- 
deln] ,  swymel,  Slmrock,  H.  V.  M.  66."i ;  Schwiemel, 
H.  Paul  IN;  «ian.  swhnle;  ndl.  iwljmten,  V.  K.  IX. 
113),  1.  =  Schweimel,  Schwindel,  Taumel  (Schm. 
II,  fi33;  Coler,  n.  A.  hl).  —  2.  —  eine  Krankheit 

tier  Kill  her,  die  dle«e  nach  dem  Volksglauben  be- 
koinmen,  wenn  In  der  Zeit  der  Zwölften  Im  Hon-e  ■-in 
Und  oder  „etwai  umgeht",  als  Strafe  der  elbl«chen 
Sptnnercn:  Stempa  [«  d.i.  Kuhn,  weit!.  Sagen  II,  112). 
—  Schwimmen  wie  ein  Schwamm  im  \V«"cr  nicht 
untergehen,  sondern  von  dle<rni  getragen  werden.  — 
die  Leber  schwimmt  ihm  —  d.  h.  ist  voll  Fliis- 
-  sigkeit  (liettunken)  (Urquell  V.  62).  —  schwim- 
j  mein  =  schwindeln  (15  Jahrh.  de  owimelt  an  dem 
bouedc  —  vertlgcniui,  I).  520;  II,  880;  Schindler  II. 
633 ;  Coler,  H.  A.  87).  —  SChwlmmelig  (»eil wflme- 
hg,  schwuineliir)  ■  schwindelig  (1.  cod.;  Fromm. 
VI.  1>2J.  —  Schwimmelung  =  Scotomia  —  «ier 
Zustand  des  Seh wimmehgseins  (engl,  «wimmln« 
=  Schwindel.  KaitM-hm. ;  I).  520)  —  '-schwimmen 
t=  ohnmächtig  w  erden  (ndd.  be*wiemen,  Cioktoohn, 
J7  101 ;  Mülk  nh.476).  —  Schwimm -Fasse,  -  Haut  *, 
■Hcldagcn. 

Schwind,  m.  s.  schwinden. 

i     Schwinde,  f.  Schwinge,  f  s.  schwinden 

Schwindel,  m  (Schwinder.  m  schwindeln) 

(tu  schwinden  [«.  d  l;  angl«.  thwineth  =  »chwlndet, 
Cock  I,  81;  ahd.  «wintllAn  -  Schwindel,  Kopfdreheu 
hab.'ti ;  «wintllöd  —  vertigo,  «wintllungn  vertigo, 
(iraff  VI,  8*1  88*>;  »uiutal  -  vertigo.  Üraff  1  «od  ; 
mhd  «windeln  -  Schwindel  haben.  In  Ohnmacht  fallen. 
bewu««tlos  werden,  «windel  -  vertigo,  «windelnnge  = 
vertigo.  Schwlndmicht.  Kluge*,  313;  l^xer  262 ;  U8-'t 
RWlntel.  C  v.  Megbg.  ;  1518  schwin<lel  -  vertigo,  H  v 
Uer«d.  100,  1  .32  Schwindel,  Fri.«  71  ;  16H2  «wtndel- 
kraut  -  Poronlcnm,  (Hit,  IV,  159;  1756  der  Schwindel 
I«t  ein  Gebrechen  des  Hirn»  und  gehet  gern  vor  dem 
Schlag  her,  BejB.*,  78;  'Pommern]  Schwindel  s= 
Schwinden  [in  Hann«prüehen],  vergl.  auch  Z.  d.  V.  I. 
V.-K,  1896,  S  216;  'Schwei*)  Schwlnder  =  Schwindel, 

Onggmbtthl  21).  —  Schwindel,  1.  —  der  Zustand 
des  Schwindeln«,  d.  h.  das  sidijektive(»efnhl  der 
Cleichgewichtsstörung  als  Folge  der  Schwäche 
des  Kopfes  oder  Hauptes  (Augenmuskelkern 
im  Gehirne),  während  welcher  sich  alles  tu 
drehen  und  das  Leben  im  schwinden  scheint 
(Hanptschwindel) ,  Vertigo  (vertige,  vertin), 
Dinus  (fotric,  Morbus  St.  Mathellni  1416  l=Mathu- 


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Schwindel. 


schwinden. 


rini  »b  Ummer = vertere],  Urb«,  27i;  st.  Kasairlls  1463 

mal  St.  Nazalre;  1369  St.  Victorini,  Du  ("ange  V.  M6  fr  ; 
IX.  MO;  143-1  maladie  d'avcrtln  de  leite  nommee  goute 
[«.  TropfenJ,  Du  i'uuge;  „St  Avcrtlri  [vertigo:  vcrlcrc] 
gueril  les  mauvaise*  ttHes" ;  mal  d'Avertin  [  —  adver- 
satus],  Bri-*  267;  engl,  glddlness,  Dornbl.  IS).  —  2.= 
a)  Betäubung  der  Sinne  mit  Tuumel,  letzteres 
als  Körpersch  wankung  und  reflektorische,  wil- 
lenlose Abwehrbewegung  gegen  das  subjektive 
Gefühl  (1)  (Tusel),  Stupor;  b)  (daher  auch)  = 
Alpenntich  (s.  d.),  als  Krankheit  mit  vorwie- 
gendem  Sehwindelgefühle  (Feierabend  41 ;  Guggen- 
bühl  21).  —  3.  =  das  llauptsymptom  des  Schwin- 
dels der  älteren  Schriftsteller:  Verdunkelung, 
Nebel  n.  Flimmern  vor  den  (mückensehenden) 
Augen  ohneTaumeln  des  Korpers  (Vertigo  eali- 
ginosa),  vertige  oeulaire,  Srotomia  (Briss.  l«; 
Kopp  IV,  2M,  A.  v.  II.  I,  2«.  1321;  Scotoma s capitis 
vel  oculorum  vertigo,  >]iiln  repentlna»  tenelnH  Lagerat 
ocuIIh  cum  vertlgluc  capitis.  Du  Cange  VII,  3<V'.,  Ha>«io 
scomatiea  —  privatio  Visus,  dolor  eoecltatis.  Du  Cange 
vi,  ISS).  —  4.  =  Ohnmacht  überhaupt  (Schwäche) 
(.Schur.  634).  —  5.  -  Seh  windsucht,  (mhd.)  =  Schwin- 
den. —  6.  -  die  Drehkrankheit  oder  der  Hirn- 
wuriu  (Blasenw  urm)  der  Schafe  (<;r.  W.  II,  1U7}. 

—  7.  =  eine  vermutlich  parasitäre,  «las  Gehirn 
reizende  Krankheit  der  Pferde  (Mayer  ir.3)  und 
Schweine  (Zipp. ;  der  Schwindel  wird  besprochen, 
K.  u.    Sehw.  442;    Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1B9H.  58).  — 

Schwinde,  f.  (Schwinne)  (17 u.  Kirsch)  =  Athe- 
roma,  Scb wen te,  BalggeHchwul.it,  Drüsenge- 
schwulst am  Ilalee  (wird  besprochen,  Hayerlaud 

1*9*.  2.16).  —  Schwindung,  Schwindelung, 
Schwinnelung ,  f.  1.  «s  Ohnmacht,  Scotomia, 
Svm.opiH  (Kopfschwindel).  —  2.  -  Abnahme 
eine«  Organs,  Sideratio  z.  B.  durch  Lähmung 
(Kir-rh  109h  ;  angls üwlnclnnge  =  giddlnc«».  Schwindel, 
Cock  I,  344;  1664  KhwiOBeUng«  =  llpotbymia,  D.  II, 

236;  zen.  voc;  D.  US).  —  schwindelig  (sehwind- 
lieh  ,  Hchwiughch  [Schw  n  .  schw  indlisch 
[Bayern;)  =  mit  dem  Schwindel  im  K  opfe  behaftet, 
gankehg  *  (c.  v.  schni.  ttw).  —  Schwindler  = 
ein  Schaf,  das  den  Schwindel  (f>)  hat,  «I.  h.  die 
Drehkrankheit  (Zipp  624>,  wobei  es  Schwindel- 
artige  Bewegungen  macht.  —  Schwinderling 

—  Kopf  (Schim  ikr  h,  637).  —  .4  upti  Schwindel, 
1.  =  Schwindel  3  (s.  Mücken).  —  2.  =  eine 
Schwindelform,  verursacht  durch  die  infolge 
von  Aogenmnskellahmung  hervorgerufene 
Seheinbewegung  der  umgebenden  Objekte  od. 
Doppelbilder.  —  (1482)  .#<■  schwindelung 
Amentia,  Syncope  (Zenlng.  Voc  ),  der  Zustand 
beim  Schwindelanfalle.   —  Blasen  Schwindel 

—  der  durch  den  Blasenwurm  verursachte 
Schwindel  (s.  Drehwurm)  (Pierer '  IV.  874)  — 
Blut- Schwindel,  1.  =  der  von  Blutwallung 
kommende  Schwindel.  —  2.  -  die  vom  Blute 
kommende  Schwindsucht  [Pommern ,  z.  d.  V.  f. 
V.-K.  UN,  s.  32).  —  3.  -  Blutleere,  Blutab- 
nahme. —  Bremaen  Schwindel  -  Hornwarm- 
krankheit  (s.  d.)  der  Scnafe,  bei  der  die  Nasen- 
parasiten (Bremsen-,  ( »estrus  -  Larven) ,  die 
Schafe  taumelnd,  schw  indelig  machen  (Zipp.  626), 
sogen,  falsche  Drehkrankheit,  Schleuderkrank- 
heit. —  7>rf/i-Schwindel,  1.  -  ein  Kopfschwin- 
del mit  Drehbewegungen  des  Korpers  infolge 


von  Störungen  im  Apparate  der  Bogengänge, 
des  Gehörorgans.  —  2.  =  s.  Drohwurmkrank- 
heit. —  fallender  Schwindel  (i7io;  Seit*  i,  479) 
=  Fallsucht,  Epilepsie  mit  Schwindelgefühl. 

—  falscher  Schwindel  (  =  „ein  eigentümliche»,  in 
dem  Sehorgan  wurzelndes  Obel,  das  sich  durch  eine 
plötzliche,  von  einem  der  äusseren  Augenwinkel  zu- 
nächst  ausgehenden  Kmptludung  von  Spannung  in  den 
Augenlidern  charakterisiert  mit  Flimmern  und  Er- 
scheinungen von  l.uftgestalten",  Sobernheim  48)  — 
Flitiimer-Skotome  im  Auge  ohne  eigentlichen 
Kopfschwindel.  —  Fleisch  -  Schwindel  =  das 
Schwinden  am  Fleische  (in  Bannlormeln  der  Pom- 
mern, z.  d.  v.  f.  v.  k.  i8»->,  s.  32)  im  Gegensat  1 
zum  Blutschwindel  3.  —  Gehör- Schwindel  = 
Ohrenschwindel.  —  Gesichts  -  Schwindel  — 
Augensch  windel.  —  Haupt- Schwindel  (14.  Jahrh. 
honpuwlndel  m  vertigo,  Voc.  opt.  W.  40;  1412  dax 
hoebctswlndeln  =  scotomia,  D.  II.  332;  1477  boupt- 
swindel  [Ortoll];  1.118  hanbtsch  wyndcl  =  verllgo,  H.  v. 
Gersd.  100;  1561  haupt«chwludcl  -  vertigo,  (ir.  W.  IV, 
2.  269)  m  der  durch  Blutr.irkulationsstörung  im 
Gehirne  selbst  entstehende  Schwindelzustand, 
motus  circularis.  —  tfirn-Schwindel  (K..  Jahrh. 

heruswlndcln  =  phrcnesls.  apostema  cerebri  ex  calore, 
D.  217)  =  llanptsch windel.  —  Hohen- Schwindel 

—  Platzachwindel  (s.d.).  —  Kn ochen -Schwindel 
=  Schwinden  des  Knochenumfanges  durch 
Krankheiten  (Pommersche  Baunxprüchc;  Zcltschr. 

<i.  v.  i  v.-k.  U95,  s.  32).  —  (1592)  Ko{,f  Schwindel 
I.  =  Hauplachwindel  bei  Mensehen.  —  2.  = 
Taumel  der  Pferde  beim  Koller  (Seh.  17»? ;  Gr.  w. 
V,  1339).  —  Magen- Schwindel  -  ein  vom  leeren 

|  oder  überfüllten  Magen  aus  reflektorisch  durch 
den  Nervus  Sympathie,  veranlasster  Schwindel- 
zustand,  Vertigo  stomaehalis.  —  (1756)  Mutter- 
Schwindel  —  ein  von  der  Gebarmutter  reflek- 
torisch ausgelöster  Schwindelzu«tand  (Gr.  W.  VI. 
2S27;  a.  v.  H.  [,  807).  —  Xercen -Schwindel  =  «in 
nicht  von  Blutwallung  kommender,  sondern 
durch  reine  Nerveneinflüsse  ausgelöster  Seh  win- 

I  delzustand  (Pauli  s3).  —  (1890)  Ohren- Schwindel 
=  ein  durch  Krankheiten  des  inneren  Ohres,  wo 
der  Sitz  des  Gleichgewichtsinnes  ist,  nament- 
lich des  häutigen  Labyrinthes  ausgelöster 
Schwindelsustand,  Vertigo  ab  aure  laesa,  Me- 
niere'sche  Krankheit,  (franz.)  vertige  labyrin- 
thique  (Roth  319;  Schmitt,  Jahrb.  192.  Bd.,  S.  130).  — 

—  Matz  Schwindel  =  Platzangst,  ein  ftngstl. 
Uhsieherheitsgetühl  bei  Neurasthenie  etc.,  wo- 
bei die  Kranken  sich  nicht  getrauen,  Ober 
einen  weiten  Kaum,  eine  Brücke  zu  gehen  oder 
auf  Höhen  zu  stehen.  —  Schwindel-  (schwin- 
delicht[f,  er,  es])  -Ding;  -Hauptireh,  -Hirn, 
-hirnig,  -Kopf,  -Lähmung,  -süchtig,  -  Tier. 

schwinden  schwinen,  Schweinen, Schwind, 
m.  Schwinde,  n.  Schwinge,  f.)  («  rm.  s«f  -= 

abnehmen.  Kluge9,  343;  ahd.  swinan  [  =  «chwelnen, 
s.  d.],  nrlatan  ■=  «ehw-inden,  vergehen,  abmagern, 
bewusstlos,  ohnmächtig  werden,  Graft  VI,  Wl.  Mj 
angls  thwiiielh  =  nchwlndet,  Cock.  I,  84;  1260  diu 
wunde  beginnet  «winden  —  einzufallen,  kleiner  zu 
werden,  Pfeiffer  33;  mhd.  swinden,  swinen  [=  schwel- 

i  nen,  ».  d.),  Ix-xer  2r>2;  mir  schwindet  =  ich  werde 
schwach;  «winde,  n.  —  Schwindsucht,  I.exer  262; 

.    1.132  schw  linden,  II.  v.  Gersd.  43  -  abnehmen,  nach 


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«24 


schwinden. 


Sch  wi  nge— Bch  w  ören . 


und  nach  eingehen ;  1777  swindc  =  «erplgo  [Selm  Ind- 
fleehtc],  IJ.  530;  (nordl.  Böhmen]  Schwinge,  f.  = 
Bonwlndfleeht»,  Verna!.  814).  —  schwinden,  1.  = 
verzehrt  werden  durch  Krankheit  od.  Schwäche 
(Heyne  V,  341),  an  (iliedern,  am  Leihe,  an  Körper- 
teilen abmagern.  —  (UM)  „die  Augen  schwin- 
den" =  fallen  ein  (Pfeiffer  33).  —  (1605)  „die  Arme 
schwinden"  werden  innrerer  (ineb.  Mirakeib ) 
ilnrch  Muskclatrophie.  —  2.  —  ohnmächtig 
werden  (.Schwindel  bekommen),  Schwinden  des 
l'.cwustseins  (mhd.  „mir  sehwindet",  Schw.  «34; 
Schweix;  II.  I'aul  409).  —  3.  =  die  Schwindsucht 
(*.  d.)  haben,  d.  h.  das  Schwinden  am  Leibe 
infolge  von  Lungensueht  (s.  d.)  etc.  oder  durch 
ditmonistischen  Kinfluss,  daher  d&t  Schwinden 
mich  besprochen,  beschworen  wird  (Wnttke  I.V.*).  — 

Schwind,  m.  (Schwinde,  n.  Schwinge)  =  das 

Schwinden,  Mngerwerden  an  einer  bestimmten 
Körperstelle  (Kreut,  Schulter,  Hand  etc.)  o<ler 
allgemein ;  letzteres  als  Schwindsucht  (f/exer  262; 
Mayer  63).  —  Schwinden,  n.  '  Schwmen  [Schwab.;, 

Schwinden,  pl.  Schwinde,  f.  1.  =  da*  nach  dem 

Volksglauben  durch  Verschlucken  von  Katzeiihaar 
verursachte  oder  angezauberte,  angehexte  Abnehmen 
oder  Eingehen  am  Korper,  Alrophia  muscularis, 
Tabes,  Paralysis.  —  2.  =  Schwindsucht,  Febris 
hectica  (C.  v.  Schm.  4S6;  J5W,  10;  Schw.  631).  —  3.  = 
Schwindflechte  (s.  d.)  (17'>6;  A.  v.  H.  I,  19;  ll  Ott. 
798.  903);  (1779)  eine  grinlartige  Hautkrankheit 
bei  Kindern  (»ehrend  6;  1783;  FhUner  I.  IM)  als 
eine  Krankheit,  die  leicht  eu  Schwindsucht 
führt  und  mit  Abmagerung  verbunden  ist: 
a)  Hauptgrint  (Zitterach,  Impetigo,  le  dartre) 
(Gr.  W.  III ,  1738);  b)  Herpes  miliaris  (Hirse- 
schwinden),  Zona  esthiomenus;  c)  Liehen  pla- 
nus, die  eigentliche  Schwindflechte  (Ackermann 
170);  d)  Serpigo  mentagra  (A.  v.  H.  n.  1025;  gegen 
dieses  Schwinden  [3]  Rollte  da"  Fettkraut  [ringuicula] 

o<ier  „4k  schwinde"  helfen).  —  Schwinnung,  (UNS] 
Schwindung,  (i»99)  Schwendung  (ahd  suinunga 

=  demlnoratlo,  (iratT  VI  .  808;  v.  M.  I,  35)  -  (V<m) 

Schwinnigkeit,  Schwinig,  f.  =  Abnahmezu- 

staii«!  (Hort.  san.,  U.  A.  Hb.  93.  in),  Schwund  (s.d.). 

—  «t-(/f8Chwendet  (da?,  die  rtnder  auf  dem  berg 
ahgi'»chwennt  oder  gesigen  [«.  »eigen]  «ein,  Schmeller 
II.  «36)  —  aligemngert  und  keine  Milch  mehr 
geltend.  —  A wjen  -Schwinden  —  Tabes  oeu- 
lorum,  Phthisis  bulbi  (s.  oben  Schwinden  1), 
«las  Einfallen  der  Augen  und  der  Schwund  des 
Augapfels  (Gr.  \v.  I,  sii).  —  (1518]  ßcin-Sch win- 
den =  Atrophie  der  unleren  Extremität  nach 
Spontanluxation  des  Caput  femoris  (Gurlt  Iii.  61). 

—  (im)  Brust- Schwindung  -  die  Abnahme 
der  Fülle  cler  weihhchen  Brust  (Tabes  mam- 
marum)  (Gr.  W.  n,  4">i).  —  (17.  Jahrb.)  Buq- 
Schwinde  =  Abnahme  des  Umfangs  an  der 
oberen  Köhre  (Hug)  des  Pferdefusses  (<;r,  Vi.  II, 
494 ;  k.  a.  7.v>).  —  (i  .07)  GaKcn-Schwinnigkeit  = 
Ahnahme  der  Ualle  (Hort.  »an.).  —  (rf-schwin- 
den  (mhd.  ge«wlut  —  8chwlnd«uchl  [Lexer  75),  ge- 
«chwlndlri,  Syneopl»  gesewlndln.  ablatio  sensu*  et 
motu«  in  corpore,  Schmeller  II,  '137;  D  :>36 ;  lö.  Jahrh. 
ge«wynncn  =  sincoparc,  D.  MG;  1>32  geschwinden  = 
ohnmächtig  werden,  Fries  134)  —  rasche»  Schwin- 
lieil  1,  2,  3,  dazu  ;  „Geschwlnd"-Wurz  m  Chcltdonlum 
maju»  (Dailo  Tom-  29).  —  <jt  schwinde  Krankheit. 


—  t7/rl(;'(CM-Schwindung  \Vm  der  gleich,  n  KAwln- 
dung,  l'aracel«.  d  lmp.  J  1)  s  <  iliederabnahm«*, 
Atrophie.  —  Haar  -Schwinde  Haarausfall 
(Alopecia)  (Fuchs  II,  58).  —  Hirn  Schwinne  (1519 
der  schwyne  von  dem  hyrn,  der  hyrn«chwyn)  =  Ilirn- 

BChwund  (H.  v.  Gend.  24;  colcr,  h.  a.  I0A).  —  (1W8) 
H >>■•>■  Schwinden  =  eine  Hautflechte  mit  Bil- 
dung hirseahnheher  Knötchen  Herpes  miliaris, 
Liehen)  und  mit  Abmagerung  (M.  H.  I..  1,710).  — 
//"/'  Schwinfde)  =  Abmagerung  an  der  Hüfte, 
am  Bug  (Gr.  w.  n,  491).  -  (r>99)  Xern-Schwinden 
=  Orthocoli  equi  (Vegetii)  (Krau*.  E  704),  wenn 
dem  Pferde  das  „Leben"  aus  dem  Kern  des 
Hufes  unier  Kleinerwerden  und  Schrumpfen 
des  Hufes  schwindet,  eine  Hufkrankheit  (Gr.  W. 
V,  611;  R.  A.  755;  Colcr,  PI.  369).  —  (1551)  Leib- 
Schwinden  ■  Ahnahme  des  ganzen  Korpers 
durch  Abmagerung  (Rock  239).  —  Leute  Schwen- 
den =  calamitas  (Schm.  i,  ms.  l.ws»  =  iVatseuclu? 
mit  hoher  Sterblichkeit.  —  Milz  Schwinden,  pl. 
=  das  d.  Milzschwunde  zugeschriebene  Astiima. 

—  (1756)  »ehmutzige  Schwinden,  pl.  =  „Herpes 
sordidus",  eine  (syphilitische?)  Schw  in.lfleehte 
(Sch winnen  3),  hei  der  übelriech.,  schmutziges 
Sekret  abgesondert  wird  (Kkzema?  Rypia?) 
(a.  v.  H.  I,  789).  —  SfraM-Schwinden=  Ahnahme 
und  Schrumpfung  des  Hornstrahls  bei  Pferden 
(Falke  n,  147).  —  (1784)  trockene  Schwinden  ■ 
Ekzema  siccum  („herpes  giccita")  (A.  v.  H.  I,  7»9), 
eine  trockene,  abschuppende  Schwindflechte 
(„ohne  eigentliche  Schwurung",  d.  b.  ohne 
Sekretion).  —  verschwinden,  Verschwenden, 

Verschwind,  m.  (inhd.  vcrswluden,  rerswiuen;  l'>87 
verschwinlg  =  tubldus ,  I).  'i7l),  1.  =  krankhaft 
schwinden,  ganz  audallend  abnehmen  oder 
abmagern  an  einer  Körperstelle  durch  Schwund 
der  (Jewebe  (Fulke  II,  407;  Mayer  H2;  Rlezler  $8«). 

—  2.  —  ohnmächtig  werden,  sterben  (U-xer  33.:. 
834).  —  3,  =  versiegen  machen  [Y<s2;  Lonic.  114). 

—  Volk  -  Schwenden  —  Leute  schwenden.  — 
Schwind-,  geschwundene,  er,  e»),  schwinende. 

8Chwindend(e,  er,  r«)  Ftrbtr,  Flechte,  Flrckni, 
Fitsxe,- Gicht,  Glieder,  Knötchen,  - Kröte,  ■  Seuche, 
•Sucht.  —  S.  auch  Schwund  u.  Schweinen. 

Schwinge,  f.  s.  Schwinde. 

Schwinig,  f.  Schwinne,  f.  schwinnen  siehe 
Schwinde  u.  Schwindeln. 

SChwinseln  (ndl.  zwljn*elli,  fr.|uell  1897,  86)  = 

schwindeln  aus  Betrunkenheit. 

Schwipps,  m.  —  er  hat  einen  Schwipps  - 
ist  betrunken,  s.  Zungeuschlag  u.  Hieb  (Schwipp« 
=  plötzlicher  Schlag,  U.  Faul  409). 

Schwirren,  m.  s.  Schwär  u.  -sebwür. 

schwitzen  8.  Schweis». 

Schwöl-  s.  Schwellen. 

schwören,  Schwörung,  1.  =  (germ.  «war  = 

Rede  und  Antwort  stehen  ;  ahd.  sweren  ;  mhd.  «wem, 

Kluge  *,  343).  —  2.  -  s.  Schwlrnng,  —  be- schwören 
=  bezaubern  mit  raunend  gesprochenen  Worten, 
(mit  surrendem  Tone?)  beschreien ,  berufen 
(incantare,  D.  291,  Golth.  629.  646).  —  Wurm-Be- 
schwörer  =  veneficui,  Gauckler,  Eiterwirker, 
Wurm-Galler  (s.  d.  und  Wurm)  (D.  cio).  — 
Schwör- Finger. 


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Schwoll— Schwflr. 


-schwür. 


625 


Schwoll  s.  .Schwellen.  —  Schwoll-  (Schwoll-) 
■Milz,  -  Kopf. 

SChwÜlken  fgerm  »well,  swüll  [verbrennender 
Dtin^t,  Schwul.-,  (Jualm];  altn.  svacla  -  Hauch;  aiijtls. 
»vclan  -  Klulicii.  Fick  V20;  ndd,  ssviiI  =  schwül ;  mhd. 
«walken  —  uauscnre.  [wie]  durch  Schwüle  quäl misch, 
ohnmflchiiK  werden,  Ia-x<t  203)  —  «las  Gefühl  der 
Schwüle  hei  der  Ohnmacht  liahen.  —  Schwul- 
gerung  [1489;  D.  D,  2«2)  =  Nausea,  Ohnmachts- 
zustand. 

SchWÜr  (IT  10  Hchwür  =  nlccratlo,  Seit*  I,  14)  - 
Schwur,  offen«  Geschwür.  —  Gr  SchwÜT  (au* 
älterem  Gcschwär  [s,  d  l  Im  10,  Jahrh.  entstanden,  als 
(l!«T*«'UunK  des  ulcus,  i/.y.o;  der  Rrirch.-lat.  Schule, 
ll.  yn.-  II.  1139)  =  («Vschwär  oder  oticiie,  eiternde, 
schmerzhafte  Schwellung  in  irgend  einem  Ge- 
webe mit  Substanz  vertust  (Ulcus),  mit 
fehlender  oder  geringer  Heilungstendenz.  — 
Geschwür  ist  mehr  chronisch  und  degeneraliv, 
Geschwär  ist  akut  mit  «lern  Charakter  «1er 
Kchmer*haften  Schwere  durch  die  Kilei Produk- 
tion, die  man  früher  als  FoIkc  der  ThntiKkclt  elbischer 
Dämonen  ansah,  dcmRemilss  auch  mittelst  Kann  Worten 
behandelte;  die  verschiedenen  Karben  dieser  DlmOM 
entsprachen  deti  verschiedenen  Stadien  der  Geschwur- 
liihluiiK,  t.  B.  blau  -  L'yanose,  Stauung,  Brand;  rot 
-  Entrundung,  uclss  —  Eiterung  (35.  d.  V.  f.  V  -K. 
1895.  8.  30  ff)  In  der  volksubliehen  Ätiologie  werden 
die  Geschwüre  und  Geschwüre  nauientlleh  dem  Ge- 
nüsse von  llulsenfnichten  (Bohnen,  Kronen,  siehe 
Bohnene.ss.-n.  Fabian)  in  der  Schwarmzeit  (s.  d  )  «1er 
elbischen  Dämonen  (Zlnseln  z.  B  ),  d.  h.  zur  Zeit  «1er 
««»Ken.  Zwölften  zugeschrieben  iKuhn  II,  M.  115; 
Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1897.  S.  1«..)  (s.  Alf*,  Alp  VIII). 

—  schwurlein  -  kleinere  Schwellung  mit 
Sekretion  (Kto;  seiu  i,  f.oj.  —  schwierig, 
schwürig,  schwürlich  (nhd,  swirec,  B.  i*aui  KW; 

1121  swirlelch,  swirig  —  ulcerosus,  D.  II,  381)  — 
ein  Ueachwflr  bildend,  mit  Geschwüren  be- 
haftet. —  schwüren  =  Hchwtlren  (s.  d  ),  eitern 
(C.  v.  Schm.  189).  —  (1756)  Schwürung  sa  Kxctll- 
ceratio,  Substanzverlust  mit  Kiter  (im  Gegen- 
satz r.ur  Seh warung  —  Suppuratio,  Kiter- 
produktion)  (A.  v.  II.  I,  626.  12.VS-,  II,  (36).  —  Ab- 
klat8ch-Gi schwüre  =  (venerische)  Geschwüre, 
welche  mit  ihren  Flachen  einander  so  ireu'en- 
übei  liegen,  wie  der  Abklatsch  eines  Gegen« 
filandes  zu  «liesem  (l'roksch).  —  alte  G<BChwÜre 

=  chronische,  zerfallende  Subetanaverluate, 
namentlich  am  Unterschenkel,  Uleera  varicosa 
(Ackern,  sw).  —  liein-Gt schwÜr,  1.  -=  ein  Ulcus 
am  Heine,  Unterschenkel  oder  Kusse  (Ulcus 
varicos.,  Fussgeschwür).  —  2.  =  (1706)  Knochen- 
frass,  Ulcus  canosum,  bcinfress«trisches  Ge- 
schwür (Oeries)  (A.  v.  II.  II.  155.  698).  —  Blut- 
ßcschwür,  (1712)  -Schwieren,  1  =  Blutgeschwar 
(s.  «!.),  Kiss,  Alf",  Kurunculosis  (Gr.  W.  II,  183). 

—  2.  -  l'estgeschwitr,  in  «lern  «let  TeslsloH  aus 
dem  Blute  abgelagert  ist  (Zw.  90»).  —  (1560)  lirmt- 
Grschwür,  l.  =  ein  Brust  «esc  h  war,  Kiteran- 
sammlung  in  der  Brust,  Kmpyema,  Langen- 
Ahscess,  Biustdrüsen-Abscess  (Pleuritis)  (l'ictor. 
78;  Bäuml.  2".2;  Cr.  W.  II,  -119).  —  2.  m  zerfallendes 
Geachwflr  a)  in  der  Ltinge,  Ulcus  pulmonum; 
b)  oder  an  der  Brustdrüse,  Ulcus  mammae, 


das  Brustgeschwür  2a  entleert  sich  tlttich 
Husten  un<l  Würgen,  daher  =  vomlca  {(ir.  W.  II, 
449)  =  Eitersack.  —  J9>W8fn- Geschwür  =  Ulcus 
glandulae. —  (l740)ei/fVi«7f,  (1783)  Ei/er-Geschwür- 
(lein)  —  Eitergeschwür,  eiterhaltende  Pusteln, 
Blattern,  Abscessus  (IMatner  II,  72;  Kleiner  I,  37; 
Seitz  I,  100).  —  Fessel  Geschwür  =  ein  Geschwür, 
Kxulceratio  an  «ler  l'ferdefessel  (Gr.  W.  III,  1667). 

—  .Finger- Geschwür  =  l'anaritium,  Geschwür 
am  Fingerglie«le.  —  (1757)  Fleck- Geschwür  - 
ein  aus  dem  primären  Infektionstlecke  sich 
weiterentwickelndes,  zerfallendes  Kichelge- 
schwür  (Bäuml.  443).  —  (1790)  Fleisch  Geschwür 
=  ein  roten  Geschwürsgrund  (Fleisch,  8.  d.) 
zeigender  Substanzverlust  (Richter  I,  468).  — 
Fluss- Ge schwür  =  eine  Hautulceration  neben 
«lern  sogen.  Salziluss,  Ulcus  varicosum  et 
Kkzema  cruris  (Ackcrm.  401).  —  (1790)  fressendes 
Geschwür  -  Ulcus  phagedaenicum,  ein  stets 
um  sich  greifendes  Geschwür  (Richter  I,  489).  — 

K  FZLler-  }  G™™*  '  dM  Ü,CM 
cosum  (früher  Ulcus  Impetlginosurn,  hcrpetlcum  Be- 
nannt) -  offener  Fuss,  Beingeschwflr.  —  Gabel- 
Gischwtir  =  Strahlgeschwür  am  i'ferdefusse 
(s.  (Jabel)  (Falke  I.  300).  —  (1701)  Gei'/cTl-GeSChwür 

—  Ulcus  testium,  llodengeschwulst  mit  Kiterung 
und  (-icschwürsbildung  (L.  eh.  84).  —  geschossenes 
Geschwür  =  ein  (ieschwür  mit  durchschiessen- 
den  Schmerzen,  i.  B.  Krebsgeschw  ür  (Drachen- 
schuss)  (Frischb.  62).  —  giftiges  G«*schwür=  Ulcus 
phagedaenicum,  das  durch  seinen  raschen  Zer- 
fall sich  als  b«>se,  giftii-  kennzeichnet.  —  littls- 
G^schwür,  1.  =  Geschwür  am  oder  im  Hals 
(Angina  sttp)>ur.),  Drüsen  -  Abscess.  —  2.  = 
Geschwür  (-  Ulcus)  am  Halse  Husserlich  oder 
innerlich  (Gr.  W.  IV,  2.  263).  —  (1761)  A«7ri*f«  Ge- 
schwür— a)  ndtirierler  Hunter  scher  Schanker; 
b)  Topltus  (L.  ch.  84),  eiterndes  syphilitisches 
Knochengoschw  ür.  —  Höppin  -  Geschwür  = 
Ulcus  uteri,  G<-barmutlerkreb8  (s.  Höppin).  — 
(1712)  hohles  Grschwür  =  ein  röhrenförmig 
gehendes  (ieschwür  (Fistel),  Sinus,  Colpos 
Galeni  (Kraus,  E.  258;  Zw.  398;  Bell  IV,  52).  —  (1756) 
J/or-nArtiii'-G<8chwür  s.  Si  hw  0rauj;e(lM)thrion); 
(cancer ,    n    tpostema  durum  in    tv.nlca  coniea  «les 

Pterre  d'Bapngne,  lanus  1898  582;  a.  v.  h.  ii.  sh2; 
d.  97).  —  jatuhiga  Geschwür  -  ein  Ulcus  mit 
Absonderung  einer  jauchigen  Flüssigkeit.  — 
innerliches  Grschwtir  (1710,  Seltz  I,  ls)  =  I.ungen- 
ka Verne.  —  Kehtrn-Gt SChwÜr  (s.|uluancia  ist  Resurr 
[ßeswitr?]  das  wttxt  underweilcn  In  «ler  chell,  under- 
wellen  aus  der  chell,  Schindler  II,  324)  =  Croup 
des  Keblk«)pfes  (primär  und  sekundiU);  (siehe 
Kehlengeschw är;  aber  auch  Sir)  (Zlpp  579).  — 
Kiefer- Qt schwür  =  Winddorn  mit  Knochen- 
eiterung am  Kiefer  beim  Rindvieh  (Kiefer- 
Wurm).  —  Klnurn- Geschwür  =  «las  bei  der 
nicht  ansteckenden  Klauenseuche  (s.  d.)  be- 
obachtbare G«-schw  ür  am  Kindsfnsse.  —  (1844) 
Koltun- Geschwür  =  Ulcus  trichomat.  (Kraus,  E. 
Iu32),  Weicliselzopfifeschwfir  (s.d.)  (von  [rotruss.) 
Koltun  —  NaRel,  Tflock.  Pfahl,  da  der  Weichsclzonf 
wie  ein  HaarpHock  sich  uestaltet;  angeblich  zwischen 
1M5  nnd  1695  zuerst  In  p«>lnlschen  Ijlndern  beobachtet 
und  auch  als  v  uerisches  Hautlclden  pe«leutet, Weese  4«) 

4U 


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«26 


-schwfir. 


Schwürbel— Schwuls. 


(n.  Koltnn).  —  Krätze-Gt schwtir,  l.=dteHaut- 
ulcoration,  die  sich  aus  einer  wirk  hohen  Kratze- 
pustel entwickelt  {Bohrend  86),  Ulcus  seabiosum. 

—  2.  =  das  Geschwür,  das  sich  durcli  da»  sogen, 
innere  „Krattesiechtum"  (Hahnem.)  entwickelt. 

—  (1742)  Krebs-,  (1787)  krebsichtes  Geschwür  = 
Ulcuseanciosum,  der  zerfallende  Krebsschaden. 

—  (1776)  venerisches  Krebs- Grschwür  =  tertiär 
syphilitisches  Geschwür,  vom  wahren  Krebs- 
geschwüre  getrennt  (Plenk;  Gr.  w.  V,  2133;  Zw. 
398).  —  (1838)  Kronen- Geschwür  ■  Geschwür  an 
der  Hufkrone  des  Pferde*  (Merk  93).  —  lAuse- 
Gfschwttre,  überdeckte  -  bei  der  Lilusesucht 
(*.  d.,  Phthiriasis)  angeblich  durch  die  Lause 
erzeugte  und  von  ihnen  (iberdeckte  Geschwüre 
(Koth  41')).  —  (1696)  laufenden  Geschwür  (Sehn-yer 
I,  IG)  =  mit  slarkem  Sekrntionsflussc  eiterndes 
Gesell wilr.  —  (17Ö6)  Leber-  Schwürung  -  Leher- 
abscess  nach  der  Leberentzündung  (A.  v.  H.  I, 
784).  —  Lepra- Geschwür  -  der  eu  Geschwüren 
zerfallende  Anssatzknoten  bei  d.  Lepra  (Dontbl. 
72).  —  Lunken- Geschwür,  1.  =  Lungen- Abseess 
(Empycma  pulmonum).  —  2.  =  chron.  Lungen- 
eiterung mit  Auswurf  (vomica)  (Gr.  W.  VI,  1303). 

—  3.=  Lungen-Sehwindsucht  (Tubercul.  pulm.) 
(Hrenmr  Schaffer  29).  —  Matjcn-Geschvrül  =  Ulcus 
ventrieuli,  MagenBchleimhaut-Substanzverlust. 

—  A'aM-Geschwttr  (Gurlt  III,  SM)  -  eiternder 
Nabel.  —  (17.  Jahrb.)  Nagel  Geschwür  =  Nagel- 
geachwar,  ein  Panaritium,  Eiler- Ahscess  am 
Kingernag6l(Fingerwurm),Paronyehium,  (daraus 
virwtiimmelt:  Panaritium,  Dornbl.  9">  [bfinor  Nagel]; 
(ir.  W.  Vit,  2l'.fi;  Arkerm.  381;  Zw.  fi63;  Behrend  8n). 

—  (I73r.j  A'«s'»i-Gischwür,  1.  =  eine  übel- 
riechende geschwürige  Stelle  (auch  Polyp)  auf 
der  Nasenschleimhaut.  —  2.  -  der  üble  Ge- 
ruch selbst  (O/.aina  Galeni)  (Woyl  TO,  Gr.  W.  VII, 
412;  Hell  Iii,  4C7).  —  Nienn- Geschwür -  Eiterung 
mit  SubManzvei  bist  an  den  Nieren.  —  (l.vus) 
Pestilenz- Geschwür  —  eiternde,  schwärende 
Pestbeule  (Gr.  W,  VII,  1574)  (s.  Hlutgesehwür).  — 
(1742)  Höhr-  Gr schwür  -  Hohlgang  aus  Ge- 
schwttrstellen,  Mstula.  Ulcus  sinuosum  (Zw.  M6). 

—  rosige  Geschwüre  —  schwärendes  Kotlauf 
(Rose)  (In  Besprechungen;  Krluchb.  85).'—  Schenkcl- 
G»schwür  (17 in,  Seit«  I,  11)  =  Uleus  varleosiim 
Unterschenkel-Geschwür,  offener  Schaden  am 
Unterschenkel.  —  schlieriges  Geschwür- Ca  m- 
buca  Paracelsi,  das  primär  syphilitische  Ge- 
schwür an  den  Genitalien  («.  Kolben  und 
Schlier).  —  (1839)  Schmutz- Geschwür  =  das 
Rupia -Geschwür  auf  der  Haut  unter  der 
schmutzig  aussehenden  Borke  (li.br.nd  28) 
(Schmutzborke).  —  Spitz  -  Geschwür  m  eine 
eiternde  Papel,  Furunkel,  Eis«  mit  ntarker  Pro- 
minenz des  Eiterpfropfes  unter  d.  Hut  {Franken; 
Gurlt  I,  120).  —  SfVflW-GrSchwÜr  ~  Strahlkrebs 
(Merk  97).  —  (17i.l)  TVirZ/mvi-GYschwÜr  (=  acfrilop* 
[=  a  n  ch  y  1  o  p  s  ] ,  b.  eh.  2.  4;  cgllopos  vocat  !Ui|w>r- 
fluas  raro.'«  In  aiietills  nntas  oculorum,  Du  fange  I, 
1K>)  — Gesch whr  im  Augenwinkel  an  den  Thrll- 
nen Wärzchen  —  (17.V.)  venerisches  Geschwür  = 
Ulcus  syphil.  (A.  v.  H.  I,  1302).  —  (UM)  Weichscl- 
ro/j/'- Geschwür  es  Ulcus  trichomaticum  -  das 
unter  der  die  Haare  zur  Zopfform  (s.  Weichsel- 
zopf) verklebenden  Sekretkrnste  sich  befin- 


dende Koltun-Geschwür  (s.  d.)  (Kraus,  F..  1072). 

—  Wurm-  Geschwür,  1  =  die  aus  den  Kotz 
(s.  d.)  -Knoten  (=  Wurm,  s.  d.)  beim  Pferde 
sich  entwickelnden,  rasch  sich  ausdehnenden 
und  den  Tod  des  Tieres  verursachenden  Ulce- 

j  rationen  (Z.  Hdb.  d.  s>p.  Path.  n.  Tb.-r.  in.  424).  — 
,  2.  =(1743)  Wunden  od.  Geschwüre  mit  Insekten- 
maden (Ulcera  vermiculosa ,  Wurmschaden) 
(Bibl.  Medlk.  576).  —  Zahn  G«schwür  =  Zahn- 
j  geschwar,   eiterbildender  Zahnlleischabscess, 
Parulis  (Pauli  13;  Meyer  Conv.-lx-x.  XVII,  947).  — 

Schwtir-,  Geschwürs-  (jeschwtirige )  -äuget, 
■Blase,  -Blume,  -Lungen,  -Lungensucht,  Pusteln, 
Rose,  -Rotlauf. 
Schwürbel,  m.  (Schwurm)  (angis.  «wyrfon  = 

wirbelnde  Bewegungen  machen,  Cook.  II,  408)  —  (s  -f-) 
Wirbel,  Schwindel  (Schm  II,  647).  —  Grschwtirm 
=  vollständige,  geistige  Verwiriung,  Qualm 
(Schmellerl.  eod.).  —  schwurwelig  =  schwindelig 
(Egerland;  Kroinra.  VI.  174).  —  8chWÜrbe\- Kopf . 

Schwulch  =  ein  stark  hervortretendes.gleich- 
sam  geschwollenes,  schwulstiges  Doppelkinn 
(Schmeller  II,  631). 

Schwulgerung  s.  schwülken. 

Schwuls,  m.  Schwillst,  f.,  m.  -schwulst  In 

schwellen  [s.  d] ;  nhd.  giawulst,  suulst  =  tuber,  <;ratl 
VI,  87.">;  mhd.  swnlst  =  Schwiele,  Geschwulst,  bexer 
263  ;  svulst,  Schulixe,  h«f.  I*bcn  II,  286;  1476  IWObt,  f. 

bocio  bothrio  .  callu»,  doritiei  BUlQtnn,  Di  Ffi 
IHM  trus  od.  geswulst  -  bocio.  [).  II,  M ;  hociuin,  bo- 
tlum  =  Kropf  [«.  d.i.  Gurlt  III,  811  ;  au«  arabisch  txith 

—  Geschwulst ;  nnd.  »wul«t  =  Geschwulst,  An«ch«ol- 
Iuiik,  oedema,  Hydropia,  Goldsohm.  5.  89.  120;  dftn 
svul<t;  'Neti-Riippln  in  Besprech.]  schwuls,  Z  d.  V  f 
V.  K.  lS'.i7,  S.  58;  1630  ein  »wuWt  oder  ein  iteswer  - 
Hposicma.  tumor  praeter  noturnin,  Gurit  III,  84).  — 
Schwulst,  1  —  der  Zustand  des  Schwellen»», 
der  Gesell  wollenheit,  geschwollene  Stelle,  mei»t 
solche  ohne  Entzündung  od.  Hautröte  (Heyne  V, 
r.17).  —  2.  -  krankhafte  Geschwulst  (Tumor, 
Intumeseentia,  Kiemina,  Phlegmone,  (Tuber), 
umschriebene  Schwellung;  die  Bedeutung  di  r 
Schmerzhaftigkeit  («.  Geschwulst)  ist  dabei 
nicht  gerade  notig  —  Schwillst  ist  diffus  und 
allgemeiner  (Intumeseentia);  Geschwulst  mehr 
lokal  und  umschrieben  (Tumor)  (Schwulatkiloter 
sind  :  Seneolo  vulgaris,  Euphorbia,  .«pirnni  nlmaria. 
Solanum  Dulcnmarn,  8edun>  telepb  ,  Mentha  silvestrl«. 
ChelMoolum  raajus  I..  (Jessen  90.  236.  371.  374.  381. 
::s7  401)  Die  Schwul»!  und  die  (Jc-ohn  ulst  galten  auch 
;il«  die  Fulire  eines  Dämonen  Werkes,  t.  U.  als  MÜS' 
brandkarbunkcl,  der  mit  obigen  IMlanzen  behandeM 
und  bei  d«-n  Ostpreußen  und  im  Anhnltischen  be- 
sprochen warte  (Z.  d.  V.  f.  V -K.  1893.  S.  22.  30;  181*. 
8.  217;  Krlschb.  60.  7H|;  die  Farbe  de«  Dnmons  ist  dabei 
iiicl-!  als  gelb  (odeinatiis)  angenommen;  die  akutere 
entzündliche  Schwellunjf  daKegou  vertritt  ein  roter 
Dumon.  Die  Geschwulstlehre  der  Sehulmedlzln  beirann 
erst  am  Ende  des  18  Jahrb.  etwas  nu»  den  Kinder- 
schuhen zu  trelen,  bis  die  freniale  Meistcnchatt  Vlr- 
cho\i  Klarheit  nnd  Lichta!  •  brachte.  --  (1789  Ader- 
([isor]  Aderknoten)  Geschwulst  -  die  knotige 
Erweiterung  u.  Schwellung  der  Unterschenkel- 
adern (Krampfadern),  Varice»  (I^ec  f.  d.  ts  M. ; 
Aekerm.  439).  —  (i68i)  .lr»»»  Geschwulst  =  rheti- 


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Schwulst. 


Schwulst. 


027 


malische  od.  sonstige  Anschwellung  dei  Arro- 
gelcnkes  —  fi-vn)  .Bricfrcn- Geschwulst,  f.,  n.  = 
Tumor  mnlae,  lutumescentia  Renne,  I'arulis, 
F.pulis  =  eine  neinhaut-  oder  Schleimhantge- 
schwulst  am  Kinnhncken  (D.  M.  w.  ih-.h>,  8.  11; 
Zw.  2fio;  Gr.  W.  I,  1SSS).  —  (1748)  Balglein-,  Balj- 
'-  schwulst  (IM',  ab-pon«,  to»lge*chwui«t,  ge*chwnlst 
■liiriiiti    maticherlcy   maleri    versammlet  Wirt.  Kyll; 
Gurlt  III.  44;  franz  iine  loupe  [  —  lupns,  a.  WollJ)  = 
eine  gut-  oder  bösartige  Haut-  oder  Schleim« 
hautansehwellung   in    Form   eine«  häutigen, 
beutclformigen  Balges  (BlaBe)  od.  Sackes  gros- 
serer oder  kleinerer  Form,  Tnhercula  (Celsi);  j 
Nodi,  Atherom«,  Melikeria,  Mellifavimn  (Cystn) 
Gurlt  II,  030;   III ,  482,    K.  ch.  201;  Plattier  I,  1; 
Ackerm.  391)  =  Lupium  (Kalke  II.  8.r>) ;  Nurcuni, 
Naelnin,  Naptae,  Nntta,  Narta  (=  cancer,  D.  378; 
Du  Csnge  V,  »70  571;  (iarlt  III,  4*3;  franz  toupes).  — 
(1607)  Btirmuttir- GrBchwulst = ei n  Uteiusiumor  I 
(r..  Ii.  Kiliinmyonm)  oder  Anschwellung  der  Ge-  | 
bärmutter  durch  Anschoppung  von  HItU  (ln- 
farrtut  uteri,  s.  Windgeschwulst).  —  (14S2)  ört'n- 
GYschwulst  ipalnge>wutst)  =  Cruscumulus,  Crus- 

sicuiiMj  Tumor  crurum,  Periostitis,  Kxostosis, 

Toplius  syphiliticus  (Zonin«;.  Voc.  y2;  Du  fange 
II,  631;  Zw.  (harte  Bcmgeschwulsten).  — 
venerische  /teiii-Geschwulst  =  Gumma  (s.  Bein- 
geschwell  und  weisse  Geschwulst).  —  (17»:) 
tfewM -Geschwulst  -  Sackgeschwulst  z  B.  Cysto 
varium  (Ks.lch  229).  —  Blasen  GVschwulst^eine 
wachsende  Anschwellung  (Neubildung)  inner- 
halb der  llnrnblase.  —  der  blaue  Schwulst 
blaue  Kose,  bliiue  dlatter  (Milzbrand-Karbunkel, 
seh  wsirzblauer) ;  (well  damonistlsch  verursacht  an- 
genommen {<-.  blauer  Wurm]  durch  Besprechungen 
behandelt,  Z.  d.  V.  f.  v.-K.  1897,  R  l«vi).  —  Bluts- 
O'iSChwulst  (148S  geswokt  de»  plutz  bs  Hemmen, 
Tumor  sanguinis,  Zeniug.  Vor.  ml),  1.  =  eine 
au»  lilutgeriuuBeln  (Thrombus)  bestehende  Ge- 
schwulst (HaematomH,  Thrombus  vaginae).  — 
2.  ^  ein  Blut  und  Kiter  entleerendes  Geschwür 
(Phlegmone).  —  3.  -  eine  au»  dem  Blute  abge- 
lauerte Geschwulst  (Blutgesehwär)  (<ir.  \V.  II,  1*3). 

—  4.  —  eine  blutigrot  aussehende  (ieschwulst 
(flammen  8.  d.).  —  5.  =  Aneurysma,  Varices, 
Ecchymosis  (1740,  s.iu  t,  18).  "—  (1748)  Brei- 
Geschwulst  -•  eine  Balggeschwulst,  die  einen 
seilenbrei-  oder  grü  »breiartigen  Inhalt  hat, 
Athi'toiu-Zyste  (Gr.  W.  II,  38'>;  K.  ch.  205).  — 
(l".l..)  Brust-  (Brüste  )GrSChwulst,  1.  -  (die 
geschwulst  der  zentchwolleneo  klndbeUerlnnsn  hrnste. 
I.ooic.)  -  Mastitis  puer  p.  —  2  -  (harte  gesehwulst 
iler  lintstc)  =  Seirrhus  mammae  (l.rustkrebs) 
(Zw.  -ui).  —  3.  =  (wft«i«erichtc  In Bummelm eist, 

nedema  mummarum,  Zw.  4X1)  —  Hautw  assersilcht 
an  der  Brustgegend.  —  i.  =  BrOitgeRCbwItr 
(l'leuresis,  Kmpyema)  (D.  442).  5  =  Gynä- 
komnston  (1761),  Hypertrophie  der  männlichen 
Brust. ir Ilse  (L.  oh.  88).  —  cholerische  Geschwulst 
(1845,  1882;  Gurlt  III,  84.  88)  —  durch  cholerische 
Feuchten-Zulluss  oder  rote  Cholera  (s.  d.), 
nach  humoralpatholugiscber  Lehre  entstan- 
dene Schwellung,  Krysipelas,  Phlegmone 
(Pustulae  cholciicae,  Herpes  exedens  der  Alten). 

—  JDirAfeci'fi-Grschwulst  =  Sehehkelgesch  wulst. 
(1807)  />ni«c«-G'rßchwtil8te^  HypertrophiBglan- 


dularum(Aekerm.:W.i;  die  nicht,  .aus  angehäuftem  Ului« 
enL<tehen",  wie  «r.  W.  II.  1462  *teht ;  dan.  kjertel 
[n.  Kördel]  anilat  =  BtranRlormise  Drü«enkette  hei  Skro- 
fuh'isen  ;  rhoerades,  choiradi1!',  chirades.  (Jurlt  III,  SU  ; 
bul>o  ist  ein  ße-rhwulst  ^er  tni-i  chten  ort  als  vnder 
den  achslen.  oheu  am  schenckel  vnd  am  hals;  t.MS, 
Kyff;  (iurlt  III.  41;  phyma  ist  ein  «cschwulst  der  drüiM  n 
die  schnell  tuncmuien  vnd  bald  ausichweren,  1.  cod.). 

—  Eiter-,  (1761)  eiternde  schwulst  —  eine  An- 
schwellunp,  die  Kiter  enthalt,  Apostema,  Ab- 
scessus,  Atheroma  (Gr.  W.  III,  Wi.  U  ch.  9).  — 
Feifei- Geschwulst  =  die  durch  den  Feifei  (s.  d.) 
veranlasste  Schwellung,  Parotitis,  Lympha- 
denitis, Rotrlruseetc.  (Meyer, Conv.-I.ex.  XVII,  1016). 

—  (1803)  /Vri-GrSChwulst-eine  aus  Fettgewebe 
bestehende  Neubildung  (ehciiu«)  (Lipoms);  (mtl.) 
Steatoma,  nacla,  napta,  natta,  nata  ([=ite- 
wachsen].   Gurlt   [,   843;    III ,   287.   483).    —  (188*) 

fettrig*  Geschwulst  =  (itochfeuer,  Botlauf, 
Kose  (Ant.-iich )   —  (1701)  Fleisch- Geschwulst, 

1.  =  eine  Anschwellung,  die  aus  rotem  Fleische 
ähnlichem  (iewebe  besteht  (Sarcosis,  Sarcomn, 
Sarcocele,  Myoma),  oder  Bich  wie  Fleisch  an- 
fQhlt  (Behrend  64;  tumeur  chamue;  clcclone).  - 

2.  =eine  (ieschwulst  im  Fleische,  Tumor  camis 
(Gr.  W.  III.  1759).  —  (1741)  Fröschlein,  Fros<h-Ge- 
schwulst  -  Kanuhi  (Celsi),  Hypojflossis,  Hydro- 
glossuin,  Apostema  durum  sub  luiyua,  Sublin- 
quium  =  Frosch  (s.  d.,  Patte  u.*)  (,3-itpa/oj,  Gurlt 
I,  362.  628.  785,  842;  II,  164.  427.  708;  Kanunculu? ; 
1887  rancnln ;  Irr.  ,  I".87  irrenoullle  -pource  «nie  les 
pallens  difflriküiiout  peuuent  nrliculer  et  Interpreter 
leur  lnngaire  sinon  en  Rrenonillunt. ,  Pari>;  wer  ab- 
»ichtllch  auf  eine  Kröte  [  -  arme  Seele,  elblsoher  Geist! 
spuckt,  dein  wachst  nach  dem  mährischen  Volks- 
glauben  nach  3  Tagen  der  „Frosch"  auf  der  Zunge  an 
1,. Frosch"  ist  Übersetzung  der  Knuula;  ursprünglicher 
Ist  Kri>tc,  s.  d  ],  Wuttke  111.  2*1.  32>i ;  Weickard  61 ; 
Kirsch  883;  Kraus,  K .  4H»;  1001).  -  Frost-G<  Schwulst 
=  Krostbetile  (Gurlt  II,  ;.9l).  —  (17M)  Fuss-Ge- 
schwulst,  I.  =  Anschwellung  am  Fusse  (l-'uss- 
rücken,  Waden)  o«ier  der  beiden  Küsse  8.  H. 

i  Oedema   pedum,   Tumor  pedis,  Periostitis, 
Oedema,  Phlegmasia  (Gr.  W.  IV.  1. 1027;  Ackerm.  63). 

—  2.  =  Bruch  der  Mittelfu^sknochen  dundi  in- 
direkte Gewalt  (lsy*.  Kirchner).  —  (17.«-.)  Gailen- 

Grschwulst  =  1 1  od  enansch  wellnng ,  Hlrcus 
(A.  v.  VL  II.  8tio).  —  (ij.  Johrh.)  Ganwicn-Schwulst 
(13.  Jabrh.  giimeu-swolst)  =  Angina,  eine  ent- 
r.ündlicJie  Ansc  hwellung  tles  ganzen  Gaumen- 
botfens  (Gr.  w.  iv,  L  1582).  —  Geburts -  Ge- 
schwulst, 1.  =■  <be  am  kindlichen  Schitdel  des 
Neugeborenen  bemerkbare  Kopfgeschwulst  2. 

—  2.  -  die  Anschwellung  der  Schamlippen  der 
Gebärenden  durch  Thrombosis  labmr.  —  (1778) 
gelbe  Geschwulst  =  gelber  Knopf,  gelbe  Kose, 
gelber  Schelm,  gnlbes  Feu»T  (Krischb.  60  ;  Helm 
28.  40).  —  GfSChWÜlS,  G«ChWttlst,  f.,  MI.  (ahd 
ga> willst  livur  vulnerls,  vulnu»,  'iraff  VI,  S7 3  ;  glsu- 
ül«t  —  minor,  liiluiiie-cciitla.  die  Gesamtheit  der  An- 
schwellung durch  Ausdehnung  uber  das  Normale 
hinaus;  mhd.  geswulst,  Kluge,  151.  der  g<  -chwulst 
pu-tela.  I)  474;  W.  Jahrh.  geschwuls  =  Pestbeule, 
I^srsch272)  =  eine  pal  hologische,  mehr  od.  weniger 
umschriebene  Massenzunahme  an  irgend  einem 
Körperteile,  wodurch  die  normalen  l'ormver- 

40» 


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K2S 


Schwollt 


Schwulst. 


haltnisse  desselben  abnorm  werden ;  gesehwellt 
ist  mehr  diffus*;  1  -  schwulst  ist  mehr  um- 
schrieben ohne  alle  Rücksieht  auf  «Jen  Inhalt ; 
speziell:  1.  -  angeschwollene  Wunde,  Entzfln- 
du  ngssch  weiht  ng.  —  2.  =-  Tumor,  Gewächs, 
Neubildung  (dies  die  reclile  (lesch willst).  — 
3.  =  Hautblatter,  Schwiele.  —  (is:sti)  GesiclUs-Ge- 
schwulst,  1.  =  die  nach  der  Geburt  dos  Kindes 
bei  Gesichtslage  bemerkbare  Anschwellung  im 
Gesichte  desselben  (v.  Stebold  no).  —  2.  =  eine 
Neubildung  oder  entzündliche  .Schwellung  im 
Gesichte  (Neoplasma,  Parulis  etc.).  —  (1497) 
Gliedfer,  ««)•  Geschwulst,  1.  =  syphilitische 
Knoehenauftreibung,  zumeist  an  den  unteren 
Extremitaton.— 2.  -  Uedem, KrysipelaB  an  einem 
Gliede  (1649  geschwulst  de-  glid>,  Kyll;  tJurlt  III,  64; 
Fuchs  I,  310).  —  (1761)  Gru1  fr- Geschwulst  =  Athe- 
roms!, Breigeschwulst.NodusBebaceusA  vicennae 
(Gurlt  II,  392;  L.  ch.  9).  —  (1182)  //alYGcSChWUlst, 
1.  =  ihalMtroüwulxi  —  guttura)  (Kehlsucht  s.  d),  die 
Krankheit  der  Kehle,  welche  Anschwellung  mit 
sich  bringt  (Benin*.  Voc.  n  :.).  —  2.  =  (alle  Hals- 
geM-hwülüle,  Tumore»  in  rollo  hies^cn  mtl.  borium, 
«rat),  botlmr.  (iurlt  III,  '2X6.  237;  bronchocele,  hernia 
gutturis.  Mruinn)  (s.  Kropf  und  Kröte).  —  Haln- 
maiiilrl  G< schwulst  ~  ».  .Mandelgeschwulst.  — 
UundG  SChwul8t  <1'.  Jahrb.  handgeswlm  =  callu»; 
D.  II,  67>  =  llandschw iele.  —  (ms)  harte  Ge- 
schwulst— Scirrhus,  Krebsgeschwulst,  Drüsen- 
geschwulst aus  hartem  Gewebe  (K.  rh.  152;  1617 
harte  gc>-ehwül»te  in  den  drüben  —  kröpft,  (iurlt  III, 
191).  —  (1551)  heimliche  (/'.schwulst  !die  geschwulxt 
am  lieimliehen  ort,  der  heimlichen  glteder)  —  meist 
syphilitische  Geiiilal-Anseliwelhing  ütock  21.  40). 
—  heisse,  (158s)  hitzige  Geschwulst  ■  eine  ent- 
zündliche Anschwellung,  (•csrhwar  (Or.  W.  IV, 
1  1600;  Z.  d.  V.  1.  V.K.  1898.  44;  1M5  am  wpUta 
hitzige  UeMbWOlnt,  darum  die  speis*  und  tranelc  am 
»thlitidcn  verhindert  «erden,  von  lateinischen  Ärzten 
Inflummatio  uvne.  od.  columellae  [eigentlich  :  Hillern] 
genannt,  (iurl  III,  41).  —  (15j1)  Hm hbalj  Gt  schwulst 
IftfM'bwilM  der  hoehbclg.  liock  3J1)  =  Ilodenhaut 
Und  llodeuauschweJhing  (s.  lloihbalg).  —  (1199) 

/iWen- Geschwulst  lludentuwchweiJangfFuchi 

I,  422;  Tahern .).  —  (KCö)  Hoiii'J- GVschWul8t  =■ 
clin-  r..i;g_e;.eh\vtll*l  Meliki't  la  II  •)•;•' •Urati«, 
Atheroin-Zyt-te),  die  einen  weiss-honigfarbigen, 
flüssigen  Inhalt  hat,  Favonia  [[rann  -  Honigwabe], 
Gnrlt  I,  81>;  1756,  A.  v.  n.  I,  985;  Or.  W.  IV,  2.  1789; 
1783,  I'latner  I,  28).  —  (1592)  kalte  G<SChwulst,  1  — 

ein«  nicht  »...t/ündete,  nicht  schmerzhafte  Kiter- 
geich willst  oder  Wassergesehwulst  (Oedema), 
namentlich  skrofulöse  Drüsenanschwellungen 
(V.  M.  U,  102;  8ch.  312.  Sil.  483;  Muller  Krtrbeh.  311; 
M  II.  I.  I,  vi7).  —  2.  -  dei  Riusehbrand,  dessen 
lokale  (rauschende)  Geschwulst  sich  nicht  heisB 
anfühlt  (s.  böse  Winde).  —  3.  —  Senkungs- 
Abscesse,  durchgebrochene«  Kmpyema  (tinrlt 
Iii,  70).  —  (1712)  Kihlcn  G* schwulst,  (II.  Jahrh.) 

lVrBChwulst  (15.  Jahrh.  kelenwolst  sa  cvnanehe, 
Ii  f»::%  ;  kelge«»l-l  ^ -ynatiche,  I).  II.  339)  eine  ent- 
zündliche, die  Kehle  verschliessende  Anschwel- 
lung (Schwelle)  in  der  Nahe  der  Kehle  (S<pii- 
nantia,  Cynanehe,  Angina,  Croup)  (Voc.  opt.  w. 
II ;  Zw.  820  ;  A.  T.  H  I.  87).  —  (1S62)  A'n  l>- Geschwulst, 
(weiss«-),  1.      (ÜheiMdznng  des)  Tumor  nlbu« 


I  fungosus  (s.  Gliedsch waiiiin  oder  weisse  Ge- 
schwulst 2  am  Knie)  (1*32,  Sobernh.  :»28).  —  2.  = 
(hitzig,  kalt),  akute  oder  chronische  Synovial- 
haut-Entzündung  (Onrlt  III,  71).  —  Knoten- Ge- 
schwulst,  1.  =  derb  sich  anfühlende,  knollig 
umschriebene  Geschwulst  (Ackerm.  391).  —  2.  =» 
Anschwellung  am  Fussknoten.  —  (1836)  Kopf- 
'''schwulst,  1.  =  die  Anschwellung  am  Vorder- 
Bchadcl  jedes  neugeborenen  Kindes  bei  u.  nach 
der  normalen  Geburt  desselben  bei  vorliegen- 
dem Kinde  (Vorkopf),  Caput  succedanetim 
tSlebold).  —  2.  —  die  seltenere,  abnorme,  durch 
blutigen  Erguss  gebildete  Anschwellung  an 
demselben  (Cephalhaematom).  —  3.  =  ein  Tumor 
überhaupt  am  Kopfe  (z.  B.  Heule),  Parotitis 

I  (nach  dem  Volksglauben  [Tirol;  Alpbg.  126j;  durch  das 
elhiM'he  Anblasen  ,'«.  Anwaht]  eine«  Stollwurms  veran- 
lagt). —  4. -eine  bei  der  SchnüUelkrankheil  der 
Schweine  auftretende  Schwellung  des  ganzen 
Kopfes,  der  ein  ganz  unförmliches  Aussehen 
bekommt  (Zlpp.  676).  —  Kropf Geschwulst  - 
eine  Anschwellung  am  Halse,  die  durch  Kropf- 
bildung  (Struma)  verursacht  ist  (Sobernh.  sei).  — 
(1680)  krystalline  Geschwulst  =  primär  syphi- 
litischer Affekt  an  dem  Gliede  (s.  Krvstalline) 
(Pr.  II,  277).  —  (1782)  Kü >bis- Geschwulst  (  =  natta 
[cancer),  L  ch.  59;  D.  94) ,  der  Küibisforui  an- 
geglichene  Neubildung  (HriiBtkrebs?  Balgge- 
scbwulst).  —  (ins)  Läuse- Gf schwulst  =  wenn 
der  Arm  nach  einem  Aderlasse  anschwillt  (II.  v. 
(lersd.48).  —  Lehn-- Geschwulst  -  I^beranschwel- 
lung,  Leber blattcrung*    —  (1551)  Macht -Qe- 

6chwulst  (geschwnlst  der  macht  ,  Bock  62;  1'rflS, 
<Jr.  W.  VI,  lioi)  =  Hoden-  (-Gemilcht-)  u.  Glied- 
anschwellung.  —  (1532)  Magen  ■  Geschwulst  - 
tympanitieche  Anftreibang  des  erweiterten 

Magens  in  Geschwulstform  („eine  windige  ver- 
sammle in  dem  magen  von  wegen  blodigkeit  der  vir- 
dauenden  kraft,  Krie»  107;  I3M  magenx  geThwul«. 
Lonlo.265  j  v.  M.  II, ;«).  — (1515)  Mandel- Geschwulst 
=  [nflauimalio  tonsillarum  ,  entzündliche  An- 
schwellung der  sog  Mandeln  (s.  d.)  im  Gaumen 
(tonnillac.  da»  Ul  dleliewhwuUt  der  halsmandeln  vnden 
am  hals,  (iurlt  III,  II .  Ur  W.  VI,  15M;  Coler,  II.  A.  126; 
lat.  Segen  au.»  dem  Jahre  100  nach  t'lir.  dagegen,  «.  Janu* 
lsss.  v>9) ;  (Angina  tonsillaris)  —  (1843)  Mamt- 
umrf$-  Gi  schwulst,  1.  =  eine  Entzündung  der 
Schleitnueutel  (traumatische  Genick  heule  mit 
häufiger  Fistelbildung)  zwischen  und  hinter  den 
Uhren  des  Reitpferdes  am  Genicke  (Talpa,  mal 
de  taupe,  [15.  Jahrh.]  Topinaria) ;  die  mit  dem 
vielgängigen  Wtthlhaufen  des  Maulwurfs,  der 
über  dem  unterminierten  Ackerfelde  sich  er- 
hebt ,  verglichen  wird  und  den  der  Heiter  in 
seinem  Gesichtsfelde  hat.  —  2.  =  die  Talpa  beim 
Menschen  war  eigentlich  jede  Art  von  Kopf- 
geschwulst, namentlich  schwammige  Grülz- 
betitel  auf  der  Kopfschwarte  (Janus  1897.  301 ; 
Mayer  72;  Föniter  II,  1026;  Falke  II.  106).  —  3.  ■  „eine 
Caries  am  Schideiknochen  mit  allen  ihren 
Folgen,  wenn  sie  auch  als  ulcorierte  Balgge- 
schwulst beschrieben  wird"  ■  talpa,  topinaria, 
talparia  (s.  auch  SchildkrötengeHchwulst)  (dnrli 
i,  70«.  8ii;  Iii,  666).  —  (INS)  mclancholitche  Ge- 
schwulst (*o  ein  art  des  kreb*  hat.  Cancer  apostc- 
raatleu»  oder  tumor  eancerosn*  genannt  [UytT;  Gorll 


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Poh  willst. 


Schwillst. 


III,  M]  D.  von  mvlancholifchcr  Feucht«  Ihren  Ursprung 
hat)  =  Scirrhus,  Cancer,  Elephantiasis,  Lepra 
Arahum  et  Graecorum,  Verrucae,  Clavus  (Gurlt 
III,  281)  =  jede  Art  von  Tumor  mit  Pyskrasie 
(s.  Melancholie).  —  Milch-Gesch Willst  =  eine 
umschriehene  Anschwellung  der  Milch-  (Brust-) 
Ortisen  hei  Schwangeren,  Wöchnerinnen  oder 
Neugeborenen  (Galactokele,  s.  Hexenmilch) 
(Gr.  W.  VI,  219a;  Schmitt  Jahrb.  ISO  Bd.,  8.  94).  — 
(17.  J«hrh .}  Wi/z-GeSChwulst  (die  gc.schw ralal  des 
lnlluc«.  Kr  Kr  H.  3«2)  =  Milztutnor.  —  (1735)  Nabel- 
Geschwulst,  1.  =  die  umschriehene  Anschwel- 
lung infolge  eines  Nahelbruches,  Hernia  um- 
hilicalia  (s.  auch  verschwollener  Nabel).  —  2.= 
eine  Entzündung  am  sog.  Schlauch  des  Ochsen, 
der  hinterm  Nabel  beginnt  (Woyt  620;  Martin).  — 
(1711)  -YacA/'-Geschwulst  ■  die  Ober  Nacht  auf- 
schiessende,  auffahrende  Nachtblatter,  Nacht- 
schuss,  Herpes  labialis,  Phlyetenae  (a.  v.  II.  II, 
MS),  Epinyctis  l'linii:  wird  geneunet  braun, 
schwarze,  hitzige  Blatter  (Kirsch  138).  —  Nieretl- 
(•  schwulst,  1.  —  (17.  Jahrh.  geschwulst  der  niereu) 
■  Hodeiiausch  wellung,  Tumor  testiculorum 
(Gr.  W.  VII.  832).  —  2.  =  Nieren-Neubildung  oder 
Geschwulstbildung,  Tumor  renum  (Gr.  W.  VII, 
832).  —  OÄren- Geschwulst  =  Obrmötzel,  Ohr- 
muggel  (Parotitis ),  Anschwellung  der  Ohr- 
speicheldrüse (16:M)  Parotitis  ein  Geschwulst  hinter 
den  obren.  Gurlt  111,8.»;  1707,  lliluml.  16).  — Perl- 
'•■  schwulst  ^  Cholesteatom,  eine  solide  oder 
cystische  Hautgeschwulst  von  perlmutterahn- 
Itchem  Glänze  meist  durch  Trauma  verursacht 
(iMsch.  Z.  f.  Cbtr.  XXXVIII,  8.  C06).  —  /W-Ge- 
sch willst.  1—  die  Pesthautblasen  (s.  d.),  Tumor 
pestilentialis.  —  2.  =  Pestdrüsanbeulen  (Gr.  W. 
VII.  1.78).  —  (l.Y.2)  phlegmatisch  Geschwulst 
(wässerige)  (Rjfl ,  (Jurlt  tu,  frs),  |,  m  allgemeine 
Waesersucht.  — 2.  =  lokales  Uedem,  Phlegmasia 
alba,  Apostema  phlegmalicnm  (<;urh  I,  73".;.  — 
(1790)  Pulsader  Geschwulst  =  Aneurysma  (Richter 

I,  X.'fi;  mtl  aporisma.  emboristnn,  emborysinus,  hypo- 
ri-ma,  oporisma,  emburlsl«,  mater  MBgOUlls,  Gurlt  III, 
.119;  «las  Aneurysma  [von  fltWJVjViu  —  nuf  einer  Seite  er- 
weitern sollte  «plrttus  [Luit]  enthalten  nach  At-tlus ;  l'are 
nahm  einen  esprlt  vital.  l'tlrspirltlMl  als  Inhalt  «Ii  "  Iben 
an.  Gurlt  III,  MO).   —  Quark  Schwulst  (nltnord., 

II.  Jahrh  kverkasull.Vlerordt  1 1 1)  (*<  <Jnerk)  =  K  -tli^'s- 
fibel.KehlengesehwulM  Mie  Krankheit,  «eiche  K'.iiig 
Olat  II.,  der  Heilige,  [  :  1029]  heilen  konnte  nach  dem 
Volk«KlautM<n,  Vhmr.lt ;  Jüngere  Edda).  —  rosenarti/e, 
(1.92)  rote  G* schwulst  --  Phlegmone,  Erysipel  ts, 
die  llaiitflti-eh wellung  bei  der  Rose  (s.  d.)  (S.-b. 
Iii  j  M Aller,  Krtrbeb.  175).  —  (17V.I  Sack- G<  schwulst 
=  eine  flüssigen  Inhalt  fOhrende,  beut«1)  form  ige 
Balggesehwulst,  Eierstocks  Wassersucht, t 'y steil- 
kröpf  (A.  v.  II.  I.  1J9.;  Gr  W  VIII,  W23i  M  M.  lt.  l, 
o.!s).  —  (16*1)  Selu n kcl  G<  schwulst,  1  -  ■  *>•.»*>') 
Phlegmasia  all  a  dolens,  die  weissglanzcnde 
Gedunsenheit  des  Ober-  und  Unterschenkels 
bei  puerperaler  Venen  Verstopfung  am  dickeren 
Teile  der  Peine  (s.  weisse  Geschwulst  und  01- 
sohenkel).  —  2.  =  Gelenkrheumatismus  in  den 
Gliedern  der  unteren  Extremität  (s,  weisse 
Geschwulst)  (Ackerm.  MS).  —  3.  =  Bubo  =  Inflr- 
mitas  in  femore.  —  [1768]  Schildkröten  •  Ge- 
schwulst =  (H80) Testudo,  1.  =  eine  grosse  Balg- 


geschwulst  der  Kopfschwarte,  so  breit  wie  eine 
!  Schildkröte  und  durch  den  Schmutz  so  verfärbt, 
mit  honigfthnlichem  Inhalte.  —  2.  =  oder  (nach 
Garn  I.  Sit)  eine  Caries  der  Schadelknochen 
(angR  testudo  =  lacrucac  [vernca  ^  Warze],  I).  .181; 
A  V.  II.  I,  981.  1181;  L.  eh  Hl;  Sentiert  [Ifi&l]  »agt  Über 
den  Namen Testndo'uudTalpa,  k.  Maulwurfgescbwutat] 
■  Hilft  vero  privatim  c«[>iti  nceidiint.  |MCiiliaria  Iis  Im- 
posita  «unt  nomiiia,  quae  tarnen  apurt  aiiii<ino«  Graecos 
vel  Latlno*  non  exstant  »ed  a  receiitioribu«  Barbaro- 
Lstiuls  excogltata  .«unt,   Gurlt   III,  170J.   —  (1192) 

schwindsüchtige  Geschwulst  —  die  zur  Schwind- 
sucht (Phthisis  tuberculosa)  führende,  tuber- 
kulöse Knochen-  und  Gelenkanschwellung, 
Spina  ventosa,  Tumor  albus  (s.  b.  111).  —  Sehnen- 
Geschwulst  -  Sehnenklapp  beim  Pferde  (Merk. 
BS).  —  (17&«)  Seifen- Geschwulst  -  Ätheroma, 
Steatoma,  eine  Balggeschwulst  mit  seifenhrei- 
uhnlichcm  Inhalte  (A.  v.  n.  II,  1078;  17*3,  I'latner  I, 
2H).  —  (1.192)  Seifen-  Geschwulst  =  Seiten  weh 
(Trauma),  Seitenkrankheit  durch  Eiteransamm- 
lung auf  einer  Brustseite,  die  nicht  selten  dann 
erhöht  erscheint  (Empyema)  (coler,  H.  a.  MO; 
Seb.  183).  —  77  Geschwülsten  -  in  der  Anrede  M 
Besegnungen  für  die  Summe  oder  da«  Übermass  aller 
Geschwulstarten  genommen  (s.  77)  (Meyer MI).  — 
(1830)  skrofulöse  Geschwulst  =  die  bei  der  Skro- 
fulosis  (s.  d.)  vorkommenden,  lymphatischen 
Anschwellungen  (Kopp  III,  57).  —  (17.16)  Speck-Ge- 
BChwul8t  =  eine  Balggeschwulst  mit  speckigem, 
ünscblitt  ahnlichem  Inhalte  (Steatoma  Galcni) 
(A.  v.  H.  I,  1210;  Kraus,  E.  987).  —  (1761)  f algeiternde 
Geschwulst  =  Steatoma  -  eine  Geschwulst,  die 
talg-  oder  speckahnüehen  Inhalt  (statt  des 
erwarteten  Eiters)  enthalt  flu  ch.  80).  —  Teig- 
Geschwulst  =  Odem  und  Ölschenkel  (s.  d.) 
Falke  II,  358;  M3C  01  dem  -  ein  geschwulst,  die  «Ich 
griebeln  )a«*et,  Taracel-us;  Gurlt  III,  222)  —  eine 
teigige  tieschwulst,  in  der  der  Eingerdruck  eine 
(irube,  Delle  erzengt  (s.  Hölscbenkel).  —  (1756) 
Thi  änen- Geschwulst  -  eine  entzündliche  An- 
schwellung an  der Thränenkarunkel  am  grossen 
oder  inneren  Augenwinkel  (Anehilops;  aegilops) 
(A.T.  H.II,  l'>;  L.  eb.4).  —  TilllappenGeBChwvlBt  ^ 
die  Anschwellung  des  Penis  cum  seroto  (Schra.  1, 
.100)  (s.  Tilltapp).  —  (1813)  Trauben- Geschwulst 
Tiaubenhatit Vorfall  (staphyloma)  (Knlke  II,  370). 
—  (1561)  Tuttvn-Gt  schwulst  -  Anschwellung 
der  weiblichen  Brustdrüse  (Bock  10).  —  (11(2) 
unnatürliche  Ge-schwulst  -  die  nicht  auf  na- 
türlichem Wene,  sondern  dun-b  abnormes 
Wachsturn,  (Mfnung  und  Neubildung  entstan- 
dene Ansehwi'llunir  (alle  nnnatSrlkhc  ge-chwuNt 
oder  ge«ch well  •*  apo<t<'ina.  ab«ce««u«,  exiturn,  Ryff; 
Gurlt  III,  «7;  TriloiH  Adlh.  00).  —  (175«;)  tv«e- 
rische  Grschwulst  (am  Beine)  -  Tophus,  syphi 
litische  Beinhautgeschwulst  (A.  v.  IL  II,  72:;) 
Gumma  (s.  Beingeschwulst).  —  Poschwulst 
(14,  Jahrh.  tremwlat,  Voc.  opt.  W.  41;  Hüo  ver-th»ul«t 
der  kelen,  D.  II,  3:l'J)  —  die  vollstflndig  veischlies- 
I  sende  Anschwellung,  z.  B.  in  der  Kehle.  — 
Hrte/iÄ-Geschwulst  airjpiw  IJippokratia, Favoa, 
die  Anschwellung  durch  den  Kopfgrint  (siehe 
Wachs).  —  (lCEKlj  Waden- Geschwulst  Schreyer  I. 
=  Kussges  -hwulst.  —  (1592)  W  arzeri  Geschwulst 
=  Geschwulst  in  Warzcnform  Web.  177).  —  [17SSJ 


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630  Schwumni— Schwuud. 


Bchwurbelig — Seele. 


1 1  'usser-  (wassersüchtige)  Geschwulst  (-Schwulst) 
=  Üedema,  Anasarca  cutis,  Ascites,  Cysten  iU-s 
Ovarium  (ndd.  swulst  von  t  u  nter,  Gold-chm.  123), 
wasserige  Schwellung,  Wassersuchtsansehwel- 
lung  am  ganzen  Leibe,  diffuse  und  circum- 
skripte  Anschwellungen  mit  wässeiigeru  In- 
halte oder  infolge  von  Wassersucht  (s.  auch 
phlegmatische  Geschwulst)  (Richter  I.  448;  Ks*Ich 
288;  Müller,  Krtrbch.).  —  (ISN]  Weiche  schwillst 

der  Schienbeine  (Kuland)  =  Phlegmasia  alba 
dolens  (weisse  Schenkelgeschwulst  der  Wöch- 
nerinnen) im  Gegensatz,  cur  harten  Beinhaut- 
auftreihunp.  —  weisse Gi  schwulst. -Schwulst,  m. 

1.  =  s.  Schenkeigeschwulst,  Phlegmasia  alba 
dolens  (Olsehenkel).  —  2.  =  Tumor  albus 
fiingusus,  weisse  KnoehengeHchwulst  (Knie- 
geschwulst oder  (iliedHchwamm)  (Ackertn.  302; 
BobiTtih.  67);  tlie  durch  Krguss  in  das  Gelenk 
prallgespannte  Haut  über  dem  Knochen  ist 
weissglanzend.  —  3.  =  die  G riechen  verstanden 
unter  Äsexöv  ip).i?u.a  =  weisse  Geschwulst,  auch 
das  üedema  cutaneuui.  —  4.  -  vermutlich  auch 

—  Kauschbrand,  gelber  Schelm;  weissgelb  im 
(iegeusalze  zum  hlauschwarzeu  Milzbrand  (Z.  d. 
V.  f.  V.-K.  1897,  8.  164).  —  (1741)  wilde  Gt  Schwulst 
=  Gele,  bösartiger  Tumor  (Klracb  301).  —  (1733) 
Wind-  (1725  windige)  G\  schwulst,  1.  =  eine 
tieschwulst,  die  nur  aus  Luft  besteht,  z.  iL 
Emphysem«  cutaneum  (A.  r.  H.  It.  376;  TU»»,  »s.u. 
90U).  —  2.  —  eine  abnorme  Auftreibung  der 
Organe  durch  Luft,  z.  B.  Physometra  (Bärmutter- 
W  in (iy<  schwulst)  (Woyt  476)  oder  Pneumothorax 
(Brust  -  H'tnrfj/cBchwulBt),  aber  auch  Dyspnoe 
und  Kmphygem.  —  (1682)  IVMw/cn-Grschwulst 
=  Anschwellung  der  Wundflache  (Ollt.  IV,  120). 

—  lVtirMt-örschwulst  =  eine  Anschwellung, 
welche  duich  die  Gegenwart  eines  aus  dem 
Darm  ausgewanderten  Wurmes  entstanden  ist 
und  aus  Kiter,  Darminhalt  und  dem  Parasiten 
bestellt  (Wurm-Ahscess)  (Leben  tu  Gerhardt  IV, 

2.  302).  —  (1593]  Zuugen-Gi schwulst,  1.  =  Tumor 
in  der  Zunge.  —  2.  =  Drusenschwellung  unter 
Wer  Zuntre  heim  Stränge!  (Scb.  178).  —  ^schwül- 
stiger Ort. 

Schwumm  s.  Behwarom. 

Schwund,  m.  (zu  ich  winden,  lehwlncn,  s.  d.)  = 
Handlung  oder  Zustand  des  Schwindens,  1.  = 
Abnahme,  Abzehrung  des  ganzen  Körpersdtirch 
Schwindsucht  (Tabes,  Alrophia)  (Or.  D.  M.  II, 
Uli)  oder  Alter.  —  2.  =  bleibender  oder  lange 
dauernder,  niedriger  Ernährungszustand,  Ab- 
nahme in  der  GewebsfQlle  einzelner  Glieder 
oder  Teile  des  Körpers  (Haare,  Blut)  (engt,  twoco 
=  Ohnmacht,  I.vhf.  235).  Schwund  des  Bewusst- 
seins,  Sciiwindel.  —  iMcrs-Schwund -Senium, 
die  senile  Atrophie,  der  naturgemftsse  IVozess 
der  Abmagerung  und  des  Schwindens  der 
Knochens,  z.  B.  an  den  Zahnfächern  in  vor- 
gerückten Jahren  (I'lo^-Bartel-  II,  601;  Ko**in.  43). 

—  4«/yap/V/-Schwund  l'hthisis  hulbi  (Heyne  V. 
548).  —  Hut  Schwund  =  ein  vom  Volke  an- 
genommener Vorgang  im  Blute,  der  in  einem 
dltmonistisch  bewirkten  Aufzehren  (s.  d.)  des- 
selben bestehen  soll  (Hesel)  und  der  sich  durch 
:db_«'meine  Blutarmut  dann  kennzeichnet.  — 


!  GrAirw-Schwund  =  Atropbia  cerebri,  Kleiner- 
werden oder  -Bleiben  des  Gehirnorgans.  — 
Glied  Schwund  =  Abzehrung  der  Muskeln,  „das 
Schwinden"  (s.  d.)  an  einem  Körpergliede  in- 
folge von  Lähmung  oder  Trauma  (Heyne  v,  54s;. 

—  Hf.ar  Schwund  =  das  Verschwinden  der 
Kopfhaare  durch  Ausfallen  derselben  (Haar- 
fluss)  (Heyne  v,  548).  —  (1843)  Zier*- Schwund  - 
Abnahme  der  Dicke  des  Herzmuskels  (Falke  I, 
aal).  —  (1182)  ffn/"-Schwund  =  die  Abnahme  des 
sogen.  Lebens  (Kern)  im  l'ferdehufe.der  Fleisch- 
sohle und  des  Fleischstrahles  mit  Verkleinerung 
iles  ganzen  Hufes  (Ftilke  I,  419;  II,  60).  —  <l>t*2) 
Kern  Schwund  (der gerensebwind,  Scb.  177)  =  Huf- 
schwund. —  Milch- Schwund  =  da«  Versiegen 
der  Milch  im  Kuter  der  Kühe  (Gr.  W.  VI,  2199;. 

—  .Wh-.1'.  .  /  Schwund  =  Ortliche  Abnahme  des 
Muskelgewebes,  das  eigentliche  „Seh winden" 
im  Gegensätze  zur  blossen  Magerkeit  durch 
allgemeine  Abnahme  des  Fettgewebes  (<;r.  w. 
VI,  2746).  —  Nieren  Schwund  s.  Schwund-Niere. 

—  Schädel  Schwund  =  Kraniotabes  rhachitiea 
die  bei  der  englischen  Krankheit  beobachtbare 

1  Erweichung  des  Hinterbauptscha-lels  infolge 
unzureichender  VerknOcherung,  so  dass  der 
Schädel  stellenweise  wie  geschwunden  und 
dünner  erscheint.  —  rergehwunden  sein  (1740; 
Seiu  II,  38)  =  am  Sehwunde  od. Schwinden  leiden. 

schwurbelig,  Schwurm,  schmurmelig  siebe 
schwnrbeln. 

Scythen.  —  scythische  Krankfteit. 

Seche,  f.  s.  Seiche. 

sechs.  —  Sechs  (6)  Finger,  Wochen,  Wöchnerin. 

Secten,  pl.  er  hat  Secten  ~  Insekten, 
Grillen  (s.  d.),  Würmer  im  Kopfe,  Schtullen, 
Launen  (Tirol,  Wolf  168)  (s.  Alp  VI). 

See,  tu.  f.  —  Boö'Hand,  -Krankheit,  -Mi nach, 
•sieih,  -Skorbut,  -toll. 

Seele,  f.  (verwandt  zu  lat.  »acrulum  und  aevum  — 
Ifeoselieintter,  Keil .  sanakr  ftyu  -  Leben  »kraft ;  urgertn. 
salwal» ;  ahd,  seula,  selu  [sewlaj;  luhd.  sele,  Kluge  \  314), 
L  =  das  vom  Korper  unabhängig  existierend 
gedachte  „Wesen",  welches  beim  Tode  diese 
Verbindung  mit  dem  Leibe  aufgibt  und  den- 
selben verlasst,  womit  für  diesen  die  eigent- 
liche Lebenskraft,  die  zeitlichen  Lebenser- 
scheinungen aufboren;  weiterhin  und  erst 
allmählich  ist  Seele  2.  =  der  Sitz  der  inneren 
Vorgange,  die  unsterbliche  Ursache  des  Lebens 
bei  Menschen  und  Tieren  (nach  H.  Paul  410).  — 
3.  =  „die  deutsehe  Volkssage  schildert  die  Seele 
(aulma,  £\eu.o;.  iio  —  weh.]  häufig  als  Lufter- 
KClieintHIK"  (Golth.  80),  auch  als  Irrlicht;  („die 
Elben  und  die  menschlichen  Seelen  [angeborene  und 
abgeschiedene]  gehen  überall  nach  den  IxtdOgcrOM- 
nlselieii  Mythen  in  einander  über",  Weinhuld.  Nach 
dem  Volksglauben  konnte  die  Seele  1  al»  Gclsl  [«.  d  ] 
oder  clbisehes  Wesen  [Klndlclu.  Engel,  Schmvlterliiitf , 
VOffel,  Mucke,  Maus  etc.]  auftreten;  dlOM  leUteKO 
wurden  sogar  selbst  zur  Seele  oder  deren  «Jclcitcr  und 
•1  rrtg*  1  Im  ,  ihrer  An- Uhr.  Ii  'In-  Bfd  nleh  □  IUI  dl  ■ 
Engcllaudc.    I>n-  deutsche  Totenreich  [Unterwelt]  war 

Ielne  friedliche  Wohustätte  der  Seelen ,  von  wo  die 
Sendboten  Storch  oder  Schwan  die  Seelen  zur  F-rde 


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Seer — Segen. 


sehen. 


83! 


brachten ;  nach  dem  Tode  vereinigte  sich  die  ins  Be- 
reich dir  Winde  entschwindende  Siele  des  Menschen 
wieder  mit  dem  Üelstcrheerc  der  IVrchla-Holdn,  die  tu 
den  Zwolfnachteii  durch  die  Lüfte  «aust;  In  den  Zeiten 
der  Ruhe  aber  lebten  die  guten  Seelen  im  Seelenreiche, 
die  armen,  uncrlostcn  Seelen  aber  Im  dunklen  Walde 
Mar;  Elben]).  —  4.  =  Her«  (min  s«le  üf  clme  rlppe 
-tat,  schmeller  II,  256)  als  Sitz  der  Seele.  —  5.  = 
Eingeweide,  z.  Hftringsseele  (13.  Jahrh.)  herlngss 
wlen,  Schmetler  II,  2.%6;  Z.  I.  ö.  V.  K.  1896,  328).  — 
6.  =  s.  Saide.  —  be-,  ••/<  seelt  -  »dt  einer  Seele 
versehen  (sobald  die  Knieht  geselt  IhI,  soll  sich  die 
Schwangere  des  Tanzes  etc.  enthalten.  Schmeller  II, 

J'vs).  —  Seelen -H  uts,  'Scheidung,  -Sprache. 
Seer  s.  Sehr. 

Segel,  n.  (segeln)  ( =  Mttceapaantea  Tuch  tum 

Forttreiben  etile"  Schiff.»;  ndl.  «eilen)  =  die  wie 
Schiffssegel  vom  Kopfe  abstehenden,  langen 
Ohren  beim  Menschen  (V.-K.  I,  9).  —  segeln 
mittelst  der  Segel  fahren,  schw  ankend  wie  ein  Segel- 
schiff, plump,  betrunken  gehen.  —  Segeln,  n. 

—  die  Drehkrankheit  der  Schafe,  weil  sie  mit 
erhobener  Nase  und  abstehenden  Ohren  schwan- 
kend und  taumelnd  dahinlaufen  (Gr.  W.  II,  1367). 

—  Segler,  m.  =  ein  solches  Schaf  (Zij.p.  IM; 
Kalke  Ii,  J09J.  —  Gaumen-Segel  —  die  schlaff  wie 
ein  Leinwandsegel  herabhangende,  spannbare 
Schleitnhautfalte  am  (iaumenbngen  (Palatum, 
Velum);  s.  auch  Segen,  Sengel  und  Sigel. 

Segen,  m.  (Seng,  Sang,  Segel,  Sengel.  Sigel) 

(nu«  lat.  slgnum  cmci-],  Gr.  W.  V,  21«2;  ahd.  st>gn:i ; 
mhd.  «cgeii  -  Kreui -si-leln  n,  Welhuug  durch  dasselbe, 
Zauberxeichen ,  i»ch\ved.  siRtierie  =  ZMibettl ;  dan. 
»igne  =  Zaubvr»eRen,  idgnckone  —  ZuibcTWelb,  Segen* 
«precherln.  Schnuller  11,  239;  1123  l«t  in  Island  «knar 
=  christliche  und  heidnische  Weihe  eines  »Jegenstandes, 
Maarer  II.  413;  der  hl.  Severin  heilte  mit  einem  Kreuxes- 
•rfebCB  [Krvii*«chnlu?]  eine  Hnutphlegmoue;  O -Pfalz 
s.  gel  =  sigel,  Beb  melkt  II,  238),  1.  -  llautzeiclien, 
Hautmal,  Maxen,  Lach  (s.  d.),  l'nmal,  Brand- 
mal, Brandwunde  («engeln  =  da«  Brennen  mit  den 
Ncsselu,  C.  v.  Sehn».  492;  Seng  =  llratid wunde).  — 
2.  —  Geschwulst,  Heule,  UeschwAr  als  Best- 
reichen, Lintceichen,  Petecliie  (-=-  signum) 
(O.-Pfali;  Schmeller  II,  23s;  Hb.  s.  r  II,  333),  Mal  über- 
haupt, Wildfeuer  (h.  d.  u.  *).  —  3.  =  »las  Oe- 
deiben, das  Gott  auf  M.lciie  Segens-anrufung 
gewahrt  ;z.  B.  gesegnete  I  mstande  (ndl.  gezegetid, 
V.-K.  II,  Ii  -  guter  Hoffnung  sein.  —  1.  -  das 
Zeitliche  segnen  —  sterben  (mit  BVguus  Wunsch 
Abschied  vom  Leben  nehmen).  — Seg&er  ( I''l6  saegner, 
Z.  d.  V.  I.  V.  K.  WM,  S.  448  [«.  Laxner],  Z.  I.  d  Mythol. 

iv,  HS).  —  (r-segnet,  n.  (ii<o  ue-< -m  =  Unis  sacer, 
D.  2*6;  15.  Jahrh  gv.egetit.  II.  Z.  XX,  23  =  iln  wiRluck- 
licher  Zufall  bei  Wunden,  Sehra.  II,  210;  du«  Resegnet 
kumpt  in  kindern  so  die  nntur  au-tr>  ibt  d«s  uberliiczlg 

plut,  Schmeller,  l.  eod.  -  Fclanpsla  Intention ;  i.">32 

gesegnet  =  cry-lpcla.«,  Auflaufen  d-  r  Fu-se  und  Beine 
mit  Hitze  und  Kote,  Gr  W.  III.  178Ü;  1684  gesegnet  - 
ery-ipela.«  [Wir-ungj;  K>20  R>—  gnet  —  BOÜMttf,  «iloch- 

teuer,  I>r.  Minderer;  K.I9«  gnet,  Lcchfelder  Miraki-Ih. ; 

Schwaben  ge-eguet,  g.sengnet,  Verseliglen  =  Kullauf, 
Koiw,  Gliederrheuma,  heftiger  Katarrh,  C.  v.  Schm.  489; 
Schmeller  II,  210;  Pleiik  12,),  eigentlich  =  das  mit 
einem  .Segensreichen  Vernebene,  daher  das  zu 


Scheuende,  Gefürchtete,  1.  =  das  Ungenannt 
(s.  d.  3)  =  Eryeipclas  (Ignis  sacer),  das  sich  zu 
Wunden  gesellt  (Afel  s.  d.)  oder  scheinbar  von 
selbst  entsteht;  (die  dämonische  Natur  der  angehex- 
ten, weil  von  bösen  Menschen  „zugebrachten"  (infek- 
tlotis-'  Krankhelten  macht,  das»  das  Volk  Ihnen  gerade 
wie  unheimlichen,  gefürchteten  Tieren,  um  sie  abzu- 
wenden, freundlich  schmeichelnde  Kosenamen  beilegt 
und  es  sich  hütet,  ihren  rechten  Namen  auszusprechen  ; 
man  umschrieb  die  wie  ein  bo*es  Tier  [«.  d.]  gefürch- 
tete Krankheit  mit  I'nRenannt,  das  Selige,  das  Gute, 
fo  auch  mit  „das  Gesegnete",  Gr.  D.  M.  II,  UM; 
Schindler  171;  aber  auch  mit    „das  rngesegnet"  «.  d.). 

—  2.  =  auch  andere  gefürchtete,  infektiöse 
Krankheiten  werden  so  benannt:  a)  das  Ver- 
gicht,  Eclampsia  infantium  et  parturientium, 
Rheumatismusarticulorum  acutus;  b)Sehnupfen 
als  Ausgang  der  Gesichtsrose  infolge  von 
Erysipel-Coecen;  c)  das  infektiöse  Puerperal- 
fieber (als  Ausgang  zu  rotlaufähnlichen  Strepto- 
eoceen-Krankheiten).  —  3.  =  in  /zrsegneten 
Umstanden  s.  Segen  3.  —  Htm  Sengel  =  Ver- 
letzungsmal  auf  der  Stirne  (durch  Sturz)  (ob<-r<»t. 
Jahrb.  iwi,  s.  va).  —  nie </< /-/esegnetes  Kind 
s.  Kind.  —  U>i  /i  segnet,  n.  (1483  nmegnel  —  lm- 

peltgo,  Zeuing.  Voc.  o2,  (3  —  Zitterach  [Kkzemo]; 

15.  Jahrh.  ungesegetit  =  ein  nngluckllcher  Zufall  bei 
Wunden,  II.  Z.  XX,  21!  Jungsengt] ;  15S2  Schuicrtzen 
der  Wunden  so  die  Schrine  oder  das  lTng<segnel  da* 
l«t  die  Wund-iicht  sich  darzn-chlagt,  l.ouic.  210;  Milte 
d.  17.  Jahrh.  Rotlilauff  oder  das  l'ngesegm-t,  das  |»t  die 
Wund-ucht,  riiR  's.  gnet,  die  Schöne  das  i-t  die  Wund- 
siicht, die  sich  dazuschlagt  [zur  Wunde],  Fr.  Kr.  B.  ;t7S. 
3S1),  1.  =  Afel  (s.  d.  sub  Fell),  Wundsucht 
(Schm.  VI.  210)  oder  Erysipehis  (HotlauO,  das  zu 
Hautgeschwüren  (Zitterach),  Wunden,  Nasen- 
geschwüren sich  gesellt.  —  2.  =  ein  fieberhafter 
Anfall  mit  Hitze  und  Erost,  angeblich  so  genannt, 
weil  man  sieh  vor  dein  Ausgehen  Hiebt  mit  dem  Weib' 
wa-s,  r  gesegnet  (Delling)  und  so  vor  dem  F.iullusse  der 
Hexen  und  Kranklieltsilämone  gi-lchert  halte.  —  V  et  - 
Segnet  (11.  Jahrh.  der  heilego  tuuibo  vers.-gne  tlusa 
wutida.  Gr.  D.  M.  I,  195  =  das  [personlflzierte]  Heiltuni 
[oder  der  stumme  (s.  dumm)  Bergriese?]  gebe  dieser 
Wände  einen  audereu  Segen'  [.'Vj;  1482  Versegelit  — 

Zltternob,  auspruog,  sicca  lenbieti  [Ekaena],  t; r.  w.  Ii, 
1741;  III,  11>8;  vcrweiiglen,  C.  v.  Schm.  189 ;  versegeut, 
Bebmellex  11,  2ioj  =  rotlaufarliue  Hautentzündung 
beim  Ekzema  capitis,  als  eine  mit  unrechtem, 
schlechtem  SeL'en,  aufgetretene  Krankheit 
(s.  auch  Abfell,  Afel);  dalier  auch  mit  den 
Fersen  gesegnet  =  vom  Teufel  mit  dem  Bocks 
fuss  gereuet,  verhext,  bezaubert  (Riezler  162; 

16.  Muh.). 

sehen,  Sehe,  f  segn,  sechen  (indogerm.  seq  ^ 

folgen,  Verfolgen  [sequi];  vorgerm.  seq;  gem.-germ 
sehw  =  sehn,  mit  den  Augen  folgen,  Kluge1,  all;  nhd 
seliau;  mhd.  sehen  =  seilen,  m-he,f.  —  m'ie<  oculoriiui. 
Visus,  lloffin.  I,  890;  dialekt.  Mühen  -  .sehen,  IJ.  II, 
39;  ndl.  tlen,  Kluge4,  314;  engl,  seelng  =  *ie«lclit)  - 
durch   den  verfolgenden  Blick  wahrnehmen, 

schauen,  z.  B.  gut,  schlecht  sehen.  —  nicht  ans 

den  Atmen  sehen  bei  Geschwulst  der  Augen- 
lider oil.  Schnupfen;  erscheinen.  —  nach  dem 
Vater  sehen  -  dem  Vater  gleichen,  gleichsehen. 

—  Sech,  f.  Sehe,  f,  m-  (**<>  -  pupiiu,  h.  z.  xv, 


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(532 


sehen. 


selien. 


322;  angls.  sion  -  pupillis,  Cork.  I,  I.XX,  ahd.  seha  — 
pupilla,  Uraff  VI,  12.»  j  D.  473;  B,  Jahrb.  Reha  ■  pupilla, 
Rnb.  Maur.  »1;  H  Z.  XVI.  24.  CS;  12  Jabrh.  eeho  = 
Sehkraft,  Pfeiffer 79;  13.  Jahrh.  sehn  ■  aclo»,  D.  9;  mbd. 
sehe,  s<  je,  •■  acies,  U  sei  223  .  :•  I .  i  i  febril  -•  tu 
~  auics,  pupilla,  D.  9;  altn.  syn,  f.  —  Anblick;  sja, 
sa,   »Jtum  —  sehen,   Kick.  £90;   bis  ius  18.  Jubrli.)  \ 

Sehe,  1.=  Vermögen  zu  sehen  (H.  Paul  -uu), 
.Sehkraft.  —  2.  =  Augapfel  als  Organ  <ler  .Seh- 
kraft (Lexer223;  Schmelier  II,  215).  —  8  =  Pupille, 
Sehöffnung  im  Auge,  Glcne  Hippokrat's  \Hyrtl, 
K.  W.  94;  Sehmellcr,  I,  eod).  —  Seher = die  Lichter 
(s.d.)  oder  Augen  des  Hirsches  (Jägerspr. ;  Gr. 

w.  vi,  8-8).  —  sehig  ^  seilend.  —  ^n-sehen,  n. 

(angls.  onsyno,  onscone  =  aspectus,  facies,  Cock.  I, 
LXX,  LXX1V;  II,  242)  -  Angesicht,  das  Aussehen. 
—  Augen- Sehen,  n.  -Sehe,  f.,  m.  Siehen  (<ien 

sehen  <ler  ouRen  m  pupillam  oeull,  Schmelier  II.  216; 
mbd.  ougen  «eben  ■  die  Sehkraft  der  Augen,  Lexer 
IN3;   147")  äugen  syen.  -sien,    iuuti  =  vlsua,  Ü.  623J, 

I.  —  die  Sehkraft.  —  2.  —  die  Pupille  des  Auges 
I1M3  uvea,  da*  I.öchlcln  mitten  im  Auge,  Coler,  II.  A. 
117).  —  atw-sehen- Anhlick  (Antlitz)  «ewahren; 
s.  B.  wie  das  Leiden  Christi  fliosehen  =  sehr 
hlass,  elend,  ausgehungert  aussehen  (Spiens  Ii, 
150).  —  krankes  A losehen  =  kranke  Gesichts- 
farbe. —  schwindsüchtiges  A  n  -sehen  Habitus 
phthisicus.  —  6<f-sehen  (ahd.  plseban  =  colere ; 
nibd.  beseehen  ;  1120,  1477  bcseherinnen ,  wjbjceynne 
=  pupllla,  D.  473;  1612  besehen,  H.  Sachs,  Schmelier 

II.  245  fl.)  —  unter  Besichtigung  der  Kianken  und 
Entdeckung  der  Bedürfnisse  derselben  sie 
pllegen ,  besorgen  (namentlich  von  Wöch- 
nerinnen, Kindern,  auch  vom  Vieh);  dazu 
Seich-Seher  (IS.  Jahrh.  »alehsenher,  D.  II,  39)  = 
Urinbesehauer,  Glasarzt*.  —  (r«7)  '»i -sehnig 
(byslcnich  -  paetux.  I).  432)  -  bei  etwas  schief 
sehend,  vorbeischielend.  —  (oberb.)  dYr-sehen, 
sich  —  verseilen  (Sebmeller  II,  246).  —  (1790) 
doppelt  sehen,  1.  =  mehr,  weniger  gedoppelte 
Sehbilder  empfinden  durch  Krankheiten  des 
oder  der  Augennerven  (Ulchter  III,  501).  —  2.  = 
»las  Sehen  eines  Hoppelgilngers  oder  zweiten 
Gesichtes  (s.  Nachtgesicbt,  Deuteroscopia), 
namentlich  in  der  Zeit  von  Weihnachten  bis  Neujahr, 
in  der  der  Wehnroll  (».  d.)  umgeht  (Schwarmzeit 
der  Ditmonen),  in  den  ««Ren.  Zwölften;  es  gilt  so 
viel  als  ein  Todeszeichen  nach  «lern  Tiroler  Volks- 
glauben (Wutlke  212).  —  enf-sehen  («hd.  lniKchan, 
SitzRer.  1807.  13;  von  der  elbe  [a.  Alp  und  Elb«] 
wirt  entsehen  vil  maneger  man,  d.  h.  der  Wiek  des 
ethischen  Geistes  wird  manchen  bezaubern,  Sinirock, 
I).  M.  42"i.  436.  473;  mhd.  ent«cheu  -  durch  ethischen 
Anblick  bezaubern,  namentlich  Im  Konzeptions- 
momeute,  Witzscbel  II,  40.  279;  Leser  46;  «r.  W.  III. 
619]  ■  verschieren  (■.  schier)  (Z.  d.  V.  f.  V.  K.  1893, 
388;  Frlschb.  22;  der  bo«e  Blick  wird  auch  den  Hexen, 
Juden  [Zauberern]  und  bnsen  Menschen  [quade  Leute; 
auch  Huren;  dän.  skjö- gesel ,  Zeitscbr.  d.  V.  f. 
Volkskunde  1*97,  8.  45]  twigelegt,  die  dadurch  MIss- 
bllduugen,  Krankheiten  uud  Heilungsverzo^erung 
erzeugen  können  [*.  beneiden,  beschreien,  berufen]; 
1896  nennt  man  dies  „Fascinatiou",  und  glaubt 
l'reyer  [s.  Münch.  Med.  Wochenschrift  189»,  8.  145] 
au  eine  weitgehende  Willensbcclnflussung  durch  deu 
„fa^ci liierenden  Blick"  [1*951]).   —    der  DUM  Sie 


I  entsehen  halten  =  durch  zauberhaften  Anblick 
I  (in  coitu?)  ihr  etwas  angethan  haben  (K.  a.  Scbw. 
300).  —  jyV/^rri-sehen  —  Flimmer-Skotome  (Kopp 
IV,  281)  (Flockensehen).  —  falsch  sehen  =  das 
Sehen  V.Gegenständen  in  verunstalteter  od.  ver- 
j  gehobener  Form,  Visus  defiguratus.  —  Farben- 
sehen  =  Chromopsia  „eine  bei  optischer  Hyper- 
ästhesie eintretende  F>seheinung  in  Gestalt 
weisser  oder  farbiger,  formwechselnder  Wolken 
und  Hinge  etc."  (Roth  106).  —  Flecken-  (Flocken-) 
sehen  =  entoptische  Gesichtstäuschung  durch 
Flimmer-Skotome  (Kopp  IV,  281)  (Mückenseheu). 

—  Funken- sehen  =  Spinthorismus,  funkeln 
(s.  d.)  vor  dem  Auge,  augenzornig.  —  G .  sech.  n. 
(146S;  n.  II,  6)  m  Actes,  ganzes  Sehvermögen.  — 
'/'sehend  =  ganz  sehend,  nicht  blind  (Schindler 
11,247).  —  scheu,  n.  (alts.  gUluni  —  Sehvermögen; 
ahd.  gasiunl,  Kick.  890)  —  GrSicht  =  S.  -sieht.  — 
</r/tV-sehen,  1.  =  Violettblindheit,  wobei  durch 
Ausfall  der  Empfludung  des  Violetten  das  weisse 
Liebt  gelb  gesehen  wird.  —  2.  =  die  Empfin- 
dung des  gelben  Lichtes  statt  weiss  durch 
GallefarbstoJablageiung  im  Auge.  —  Halb 
sehen  —  Hemianopie,  das  Fehlen  einer  Ge- 
sichtsfeldhalfte  auf  einem  oder  beiden  Augen 

—  (1834)  /n  //-sehen  =  clairvoyene.e  (überaeuungi, 
die  den  Sonntagskindern,  Geistersiehtigen, 
sowie  den  Nachtwandlern  (s.d.)  zugeschriebene 
Fähigkeit,  etwas  in  zeitlicher  und  räumlicher 
Entfernung  klar  (voraus),  d.  b.  mit  Bewusstsein 
zu  sehen,  was  andere  mittels  ihrer  gesunden 
Sinne  nicht  wahrzunehmen  imstande,  sind, 
welche  Eigenschaft  im  sogen.  Hochschlafe  der 
Somnambulen  eintreten  soll  (Stahmann  24;  Golth. 
647).  —  fo-umm -sehen  =  schief,  Mmeleh  sehen, 
schielen.  —  Leichen- Seher  (überosterr. ;  Verna!,  A. 

I  405J  =  ein  nach  dem  dortigen  Volksglauben 
in  der  Sylvesternacht  (Kauehnaehten ,  Elben- 
sehwärnizeit)  get>orener,  geistersichtiger  (s  d.) 
Mensch,  welcher  voraussagen  kann,  welche 
Personen  im  kommenden  Jahresterben  werden. 
t>iis.>  sehen  =  versehen  (s.  d.).  —  Mücken- 
;  [Mucken-)  sehen  =  fliegende  Mücken,  im  Auge 
sehen,  mouches  volantcs,  entoptische  Gesicht— 
'  tauechung    durch    Visionen    oder  Flimmer- 
;  Skotome,  Myiodesopsie  («r.  W.  VI,  2613).  —  (17V 
|  Nacht- sehen  (-Seher)  ^  Nachtschatten  (s.  d.), 
|   Hemeralops,  Nyctalops,  der  beim  helleren  Tag- 
schlechter,  bei  der  Dämmerung  besser  sieht  - 

Tagblindheit  (Felke  n,  144;  a.  v.  u.  11.  74  ..  u.w, 

H75  noslosns  [-  noxiosu*,  Nacbtscbaden] ,  die  de* 
avents  beth  suydt  dan  wir,  U.  ::*3,  angls,  ad  m  ctalor«' 
that  is  011  ure  tbeodum,  the  ma  the  ne  maege  nensi 
ze  kco  alter  Minna  up  gange,  Cock.  III,  98).  —  Xcbcl- 

sehen  =  mouches  volautes,  Nebelbilder  sehen, 
verschleierter  Wiek.  —  (1741)  -nun  -  sehen  ■ 
Austeritas  (Kirsch  135),  mit  Sur-  (Sauet -)  äugen 
sehen.  —  schür/  sehen  (15.  Jahrh.  scharph  sehen, 
vlaus  occlli,  acies,  D.  9)  —  mit  der  ganzen  Sehkraft, 
genau  mit  dem  Auge  schauen.  —  srAri-sehen 
(ndl.  scheel  zien),  1.  =  mit  schielendem  Blicke 
sehen,  welche  Anomalie  man  vom  Mondem- 
flusse  abhangig  annahm  (De  Cook  210;  Gr.  w.  VIII, 
24*6).  —  2.  -  entsehen.  —  stick- sehend,  -siehend, 

]  -Sinnig  (1507  ■Ucksieulch,  1512  sticksehende,  1&77 
»ticksyende  =  lusclolus,  D.  316)  -  wegen  slechen- 


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sehen. 


Sehn— Sehne*. 


U33 


«ler  A  ilgenschmerzen  hlinfelnd  und  schief 
schauend.  —  »/-'sehnig,  -sinnig  fi5.  Jahrh.  übei- 

sinnig  ^  llppldus,  D.  II,  237)  =  Schlecht  sehend 

durch  Augenkatarrh  t .  Ii.  —  aber- sehend,  -sehen 

(-sehig,  -Sinnig)  (H.  Jahrb.  ubersiinlg  =  llmus,  Voc. 
o\>\.  W.  l.'i  =  schielend;  1412  über-entilg  =  luscus, 
paetus,  Scbmeller  II,  247;  1429  vbcirnlg,  iibersiiniger 
=  Inscus.  llmus.  D.  II,  242;  Schnell«  D,  2h7;  1482 
vbersewinger  =  luscus,  ü.  310;  1512  ubcr«eiilg  =  paetus, 
Ii.  432;  Uberstellig  lu-i  u-,  llmus,  I).  310;  über- 
sunntg  =  luscus,  II.  v.  Gersd.  w  =  schielend;  l-">77 
Ubersehend  =  lusciolus,  D.  ;U0;  1591  übersehend  — 
luselosus,  ll»'l.  Jun.  u»2;  H.4X  übersvnlg,  übcrsactilg 

-  paetus,  Icnltcrdcclinalua  oeull»,  lusciolus,  Schindler 
II.  2»7;  l).  340),  1.  =  durch  Überschauen  schief 
besehend,  durch  hosen,  neidischen  Blick  be- 
zaubernd (Böhmen;  Schindler  II,  217  (s.  entsehen) 

—  2.  =  schief  sehend  und  blinzelnd,  schielend 
(stralio).  —  3.  -  falsch  sehend,  Farben  ver- 
wechseln«!, farl>enblind  (Kraus,  K.  743).  —  Über- 
sehnigkeit  =  Oberaichtlgkeit,  Scheelheil,  Lna- 

eitas  (luscua  =  dunkel,  lux  lue  »Co,  Roth  303),  l'nro- 
rasis  Galeni  (Kraus,  K  743;  Zratng,  Voc.  hin'.,  uber- 

scwnigkeit).  —  unscharf  (nicht  scharf)  sehend 

(angls.  unscearp  syno,  t'oek.  II,  30;  III,  372)  =  aciem 
oeuloruin  hebetem  babens  =  blodsichtig  im 
Gegensatze  zu  scharfsichtig  (s.  d.).  —  trr-sehen 
=  falsch  anschauen,  durch  schiefen,  bösen 
Klick  (s.  d.),  mit  giftigen  Augen  ansehend  be- 
zaubern, auf  andere  einen  bezaubernden,  ent- 
stellenden, krank-,  kretinds  (Z.  f.  d.  PhtloL  III, 
337)  machenden,  die  Entwiekelung  hemmenden 
Kinfluss  (s.  entsehen)  ausüben,  der  besonders 
Dämonen  In  TiergesUüt  im  Alptraume  (a.  d.)  zuge- 
schrieben wurde.  —  sich  versehen  =  „sich  in 
Schaden  bringen  durch  den  üblen  Emiluss,  den 
nach  dem  Volksglauben  ein  widerwärtiger  An- 
blick auf  die  Leibesfrucht  hat"  (II.  Fttd  Ml); 
ursprünglich  wohl  da»  Erblicken  von  elblscben  Ge- 
stalten ltn  Minucaktc  oder  im  Alptraume  («.  d  ),  wo- 
durch die  "•'nicht  uiiyüii* •  i lt  beciuflusst  werden  sollte 
(conf  V.-K.  VIII,  172);  ndl.  uiiszlcn,  V.-K.  VIII,  199; 
Z.  f  Ö.  V.-K.  1S97,  S.  27*.);  «rubere  Handbücher  der 
Kntblndnngslehrc  (Oslander  1,  611  z.  Ii )  besprechen 
die  Möglichkeit  der  Einwirkung  gewisser  Sinnesein- 
drucke  der  (empfangenden  undj  schwangeren  Mutter 
auf  die  lillduug  der  zukünftigen  I.eibc«friieht  und 
iKiir  nur  auf  diese;  such  Schott  (Nervet»  des  Nabel- 
stranges  75)  Äussert  sich  über  den  KlnUn**  der  Imagi- 
nation (Fasclnallon  oder  Suggestion)  der  Mutter  auf 
da»  im  Mutterleibe  befindliche  Kind,  wenn  auch  in 
negativem  Sinne;  ob  die  Ausübung  der  Denk-  und 
Willenskraft  elue  Veränderung  in  der  Substanz  und 
Molekularstruktur  der  Peripherie  hervorrufen  kann. 
Int  bejaht  und  bestritten  worden;  dass  aber  die  Ke- 
stitutlo  ad  integrum  durch  psychische  Aufmerksamkeit 
In  Form  von  vermehrter  Wuchs  kraft  in  dem  kranken 
Teile  forderlieh  beelnflusst  werden  kann,  machte  gerade 
nicht  abgeleugnet  werden,  der  Volksglaube  dehnt 
allerdings  den  KUiflu-s  der  tniitlerllcben  Suggestion 
aus  auch  auf  das  Eulsiehun  von  schonen  Kindern,  ».  II. 
durch  da»  Beschauen  von  Marienbildern  Im  Kon- 
npUonsmomente  (De  Coek;  Folklore),  von  Mlss- 
bllduugeti.  die  dem  -ehreckenerregenden  Objekte,  t  8. 
eitler  DtaOMngcstalt,  Kröte,  gleichen  sollten  (auch 
bei  Pferden,  De  Cockl,    sowie    von  Mutterinulen 


(naevus),  namentlich  solcher,  die  tierfelllg  sind  (Ploss- 
Härtels  I,  504).  wahrend  die  kulturell  hochstehenden, 
alten  Griechen  dureh  dos  Aufstellen  von  schönen 
Statuen  einen  solchen  in  ästhetischer  Schönheit  der 
Kruchtentwicklung  erzielen  wollten  (vergl.  Hartmaun 
in  Munchn.  Med  Wocbenscbr.  1S9>,  S.  191).  ,,Dle  M«g 
lichkeit  des  Versehens  kann  a  priori  nicht  vollkommen 
bestritten  werden"  (L'hle  u  Wagner  8.  56).  —  t'rT- 

sehenes  Vieh.  —  Seh-Frtl,  -Acre,  -Nerrensaft. 

—  8.  auch  -sieht  (Gesicht). 

Sehn,  m.  =  Seu'en  (s.  d.)  (Ilas-berg..  Uayerland. 
1894,  S.  453). 

Sehne',  f.   (mhd.  sene  =  Sehnsucht,  Verlangen, 

Kluge*,  sit).  —  8ehn-Sucht. 

Sehne',  f.  (germ.  siu  Ising«  u  (V),  tonende  Saite]; 
altnord.  sinn  =  Sehne,  nervus  virilis,  Jord.  624;  fries. 
slni;  angls.  slnuwa  =  tendo,  sinews  —  rene«,  slonwe, 
sina- nervös,  Massm.143;  Cock.I,  345;  LXXI,  I.XXIV; 
ahd.  senawa  =  Sehne,  nervus,  chorda.  GralT  I,  C17; 

VI,  266;  mhd.  »ene,  senewe  =  8ebne.  Nerven,  Gr.  W. 

VII.  610;  15.  Jahrh.  semd  =  nervus,  D.  379;  1410  senwe 

—  varix,  D.  607;  1468  slenw  =  chorda,  D.  II,  114;  1500 
zene  —  ncniu«,  D.  II.  263;  1517  sehn  =  funiculus, 
D.  252;  1551  senne  =  nervus;  1594  senn  —  Flaehsader, 
Gr.  W.  III,  1702;  1618  senne  =  nerTU«,  Schmeller  II, 
2*7;  ndd.  zene,  «aene,  Goldschm.  79;  D.  60t'«;  ndl. 
zeuuwe,  De  t'oek  147 -Sehne  und  Nerve;  engl,  slnew, 
Lebf.  226;  schwed.  sena;  dän.  sene  —  Sehne,  Nerve), 
1.  =  Sehne  als  bindegewebiges  Kndc  tler  Mus- 
keln (Tendo,  Sehnader).  —  2.  =  Nerve  (Nervus). 
3.  =  sehnenartige  Gebilde  (Penis,  s  Sehnmar) 
(v.rgi.  sehmeii.r  Ii,  287).  —  sehnicht,  sehnig, 

[1421]  sehnlicht,  Sehnen  (angls.  slnehtum;  engl, 
sinewy,  t'oek.  II,  242;  1121»  senicht,  15.  Jahrb.,  sachs. 
zenich,  synntf;  1421  seullch,  I).  II,  263;  senen  =  nervi- 
ciosus,  D.  37ii)  ss  nervostis,  aus  Sehnen  bestehend 
(ahd.  »enewlu  -  nerviceus,  GralT  VI,  267).  —  sehnen 
(1440  senwen,  synnen,  zennen,  D.  379)  =  tt«lem, 
Adern  geben.  —  Ächtlies  -  Sehne  ■  Tendo 
i  Acbillis,  Funiculus  s.  Chorda  llippokratis  h. 
m  i^na  (nach  der  grb  chlschen  Sage  hat  die  Meergöttin 
Thetis  in  der  Absicht,  ihren  Sohn  Achilleus  unver- 
wundbar [s  d  ]  und  unsterblich  zu  machen,  diesen  Ins 
Keuer  od.r  nach  anderen  in  den  Styx  eingetaucht; 
nur  die  Ferse,  an  der  sie  ihn  hielt,  blieb  unversehrt, 
damit  verwundbar)  =  die  an  der  (Achilles-)Ferse 
(Calcaneus)  sich  ansetzende  Sehne,  Nervus 
latus  (Celsus)  oder  Spanna'ler,  Fersens»dine  (1182; 
Zenitig.  Voc;  Hjrrtl,  K.  W.  142.  144.  145;  Kraus,  E.  10. 
212).  —  (1761)  Au/xith-Sehne  =  Ligamentum  Sus- 
pensorium, sehnenartijjes  AufhUn^chand  am 
Körper  (L.  ch.  45).  —  i>Vrsrn-Sehne  (mhd.  verssetie) 
=  die  am  Calcaneus,  am  Fersenbeine  des  Fusses 
sich  ansetzende  Sehne  (Achillessehne,  b.  o.) 
(Hyrtl.  K.  W. ;  A.  v.  II.  I,  18)  (Spnnnadcr  3).  — 
/•'"  •  Sehne  (13.  Jahrh.  vns-sene  =  calx,  I).  92)  = 
Fersensehne,  Achillessehne.  —  </equetnrhte 
Sehne  (ndl.  gekwetste  zenuwen,  De  Cock  117)  =  l>is- 
torsio,  drückende  Sehnenzerrung.  —  (1711)  Ge- 
•  "  '.s  Sehne  =  Nervus  olfactonus  (Kirsch  82->). 

—  (1551)  Gr«ic/i/«t-Sehne  =  Nervus  opticus;  der 
Nerve  (s.  d.)  im  alleren  Sinne  war  auch  =  Sehne 
(nyrtl,  K.  W.  143;  Zw.  319)  (s.  (Jesichtssehnen- 
Verstopfung).  —  (1844)  grosse  Sehne  =  Chorda 
magna,  Achillessehne  (Kraua,  E.  232).  —  HaU- 


6iM  sehr. 

Sehne  (hals  slnl  [fries.  Gesetz],  Gr.  W.  V,  557)  =  Hals- 
adern. —  Ho  .'i -Sehne  (angls.  hob  slno  —  dorsal 
musclcs,  Cock.  II,  14)  —  Rücken- Muskel  u.  Sehnen 
am  Hoch  rock.  —  Hör  -Sehne  =  Gehörnerve 
IHyrtl,  K.  W.  143).  —  Ä'inV-Sehne  (ndd.  de  zene 
undcr  dem  knye  —  varlx.  1).  CO«)  =  die  Seimen  und 
Bänder  unterm  Kniegelenke  (Knieader).  —  (1703) 
Ochsen  -  Sehne  =  Ocbtenfise) ,  Ochsenzimer, 
Üehsenzem  (Penis  tanri)  (Or.  w.  VII.  1137;  Sehm. 
II,  287).  —  Schmeck  Sehne  =  Geruchsnerve,  auch 
Geruchsader  früher  genannt  (s.  schinecken) 
(Hyril,  K.  \V.  143).  —  übersprungene  Sehne  =  durch 
zu  starken  Sprung  zu  weit  ausgedehnte  Fuss- 
sehne  und  ilie  Folge  davon  (Goldschm.  79).  — 
rerkränkte  Sehnen  (mndl.  rerrranete  senmven,  de 

vr.  22)  =  rauro inengesoeene  Sehnen  (s.  krank 

S.308a).  —  verkrümmte  Sehnen  [mndl  vercr«  >mp -u 
zeunwen,  de  Vr.  23;  1645  verklumpen.-  serncn  -  vena 
subtraela,  Heinrich  273;  Coler,  H.  A.  267)  =  fehler- 
haft  ausgedehnte,  verzogene  Sehnen.  —  (1677) 
tcimperförmige  Sehne  =  strahlenform.  (Muskel-) 
Körper  der  Iris,  aus  der  schwarze  Striche,  den 
Haaren  der  Augenwimpern  vergleichbar,  ziehen 
(Hyni,  k.  \v.  165).  —  Sehn(en)- Ader,  -Anfall, 
■Beben*,  -  Beinchen,  -Flechte*,  -Fleck,  -Galle, 
-Geschwulst,  -Uaube,  -Hüpfen,  -Klappe  u.', 
-Knacken,  -Knoten,  -Koortsen,  -Mar,  -Qual, 
-Sehe,  -Scheide,  -Schränken,  -Vergatterung*, 
-toll,  -Zeile,  -Ziehung. 
sehr,  Sehr,  n  ,  m.  Sehre,  f.  Sehrin,  f.  <iudo- 

germ.  Rai  =  schmerzen ;  gem. -germ.  saira  ~  Leid, 
Krankheit;  altgerm.,  goth.  sair  =  krank,  Schmerz, 
Kluge'',  314.  angls  tAT  =  welimerzlich,  verletzend,  aliu. 
sar  =  Wunde,  nArliirr  -  schmerzlich,  sacra,  saerdha  = 
verwunden,  Flok.  885;  dazu:  sarl,  Seil  melier  II,  328; 
sare  =  Schmerz,  schmerzliche  Krankheit;  ahd.  si-ro 
=  schmerzlich,  schwer,  heftig,  dolnrusus;  s£r  = 
8chmerz,  Ulcus,  GnifT  VI,  203  ff.  ;/4260  «fr  =  schmerz- 
lauft,  verletzt,  wund  [Pfeiffer  80],  daz  si-re  =  wunde 
Stelle,  l.COd  ;mnd  dat-cro  -  Sehm.  rz  [Mag,  Harth.  93a, 
9'Ja),  de  sere,  I.  eod.;  tnhd.  serc  =  mit  .Schmerzen, 
schmerzlich ;  sor  —  Schmerz,  Verletzung;  14.  Juhrh., 
udl  zerIngo  -  laesio,  I).  32'»;  i;,07  suir,  1613  »er  = 
•ontlcui,  I).  542;  1.76  sehr.-,  f.  a  Frattickeit,  Gr.  W. 
IV,  1. 158;  [Schwaben,  Beyern]  ser,  Mir  =  wund,  schmerz 
halt,  Schw.  838:  [Reh weiz]  das  Sehr  -  Herzeleid, 
Scbw.  638;  C  v.  Sehm.  490  [sierig];  schw  cd.  sar; 
diu.  saar;  -chwed.  surnad  —  Ocschwär;  ndl.  zeor 
=  verletzt,  übel;,  mittel -engl,  tho  sorc.  =  Cancer  In 
mamilla,  Heinrich  142;  neu  engl,  sorc  -  Schmerz, 
Wunde,  schmerzhaft,  heftig).  —  Sehr,  n.  1.  - 
Schmerz  an  einer  oll'enen,  vorletzten,  wunden 
Stelle.  —  2.  =  diese  Stelle  selbst  (Frattigkeit, 
Schaden,  Geschwür,  Grinl).  —  3.  —  Krankheit, 
schmerzende.  —  sehr  -  schmerzend,  gereizt, 
erzürnt  (s.  Zorn).  —  Sehren  (ahd.  seren,  seran  , 
alt»,  sörian;  mhd.  aeren)  -  Schmerz  leiden  und 
machen  (Lcxer  226,  Graff  VI,  271;  Schmellcr  II,  822). 

—  Sehrigen  (angls.  sarglad,  Coek.  III,  88.  108;  nihd. 
serigen)  ■■=  ,, versehren,  verwunden"  (Schindler  II, 
322).  —  Sehrde,  f.  (ahd.  «6rta,  Fick  88">;  mhd.  sOrde, 
l.exer  226)  =  Versehrung,  Krankheit,  Schmerz. 

—  Sehr,  n.,  m.  =  das  schmerzende,  lokale 
Leiden,  namentlich  Hautwunden,  Rhagaden, 
Hautgcschwnr,  BoikenatiBschlag  (Goldschm.  134. 
156).  -  Sehrig  (sehrÜCh)  (sirig)  (ahd.  sereg,  serag 


sehr. 

=  dolens.  Graf!  VI,  270;  scrllh  =  schmerzlich,  L  eod. 
VI.  267  ff  ).  —  Sehrung,  f.  (mhd.  förmige,  Lexer 
22r.)  Verwundung,  Verletzung,  Schädigung.  — 
Sehrigkeit  (mhd  servchheil;  1420  zcerichelt  =- dolor ; 
ndl.  zeerlghcy.lt.  Lcxer  220;  De  Cock  75;  r.82  sehrig- 
keit, Lonlc.  141;  »erlkayt,  Sehm.  II,  3221  —  Schmerz, 
Weh  —  Sehrin,  f.  («und.  14.— I  V  Jahrh  dheserlnen, 
von  der  sertnen,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  116)  =  schmer- 
zendes Geschwür.  —  Sehrnis  (angls  sarnyse; 
engl,  sornease,  Cock.  1,  30)  -  Sehrigkeit.  —  Adern- 
Sehre  (angls.  aedrena  UN ;  engl,  sore  ot  kldneys, 
Cock.  I,  232)  =  Schmerz  in  den  Adern  (s.  d.).  — 
arger  Sehr  (Ulcthm. ;  Urquell  I,  11)  =  bösartiger, 
achmerzender  Aussatz.  —  .I«..',  u  Sehre,  f.  (angls. 
eagena  san-  =soreof  eyes.Cock.  1,12. 14 ;  14.— 15.  Jahrh 
oghen-ser  -  sclmo  [s.  Schimmer],  oucluar,  J.  f.  nd.  Spr.- 
V.  XV.  117.  12H;  1532  sere  der  äugen,  Schmeller  II.  :;22; 
Frie»  79;  mndl.  oec  scer,  du  Vr.  62;  nndl.  oghenzer  - 
genlnea  ["Cimo],  D.  II,  190;  engl,  eye  sore  =  Gernten- 
korn,  Lehf.  171)  =  Augenschmerz.  —  fcriii-sehr 
(mnd.,  14.  — 16.  Jahrb.  benser.  J.  f.  ud.  Spr.-F.  XV,  147) 
=  Schmerzen  am  Beine  habend.  —  beissel- sehrig 
(beisselaierig)  =  beis«>enden  Schmerz  empfin- 
dend (aus  nachfolgendem  cisselsehrig  gebildet.  Sehm. 

I,  28s).  —  belf-sehr  (engl,  bedaere,  i.ehf  24.  143)  = 
durch  das  Liegen  im  Bette  (Decubitus)  wund, 

durchgelegen.  —  jjjjjjjjj.  ]  Sehrigkeit  (angl* 

blaeddran-,  bladransarc  =  sore  of  btadder,  Cock.  I,  10. 
Si',0;  mnd.  11  —15.  Jahrb.  de  screchheit  der  bla*eu, 
J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  130)  =  Urinblasenleiden.  — 
BrustSehTe  (angls.  bresta  san-,  wlfes  breost  sare, 
Cock.  I,  s.  71)  =  Dolor  pectoris,  mammae.  —  Diech- 
Sehre  lailft«.  theona  sare;  eugl.  sore  of  Ihlgha,  Coek. 
T,  10.  40)  —  Dick.sclienkelsclmierz  (siehe  Diech), 
Ischias.  —  drossel-Behr  (angl«.  throlu  «ar,  Cock.  I. 
4.  78)  =  am  Halse  schmerzhaft,  z.  Ii.  bei  Diph- 
therie. —  <  i>.v /  sehrig  (aisselsirin)  =  empfind- 
lich durch  ein  F.iss  (Sehm.  II,  323]  (Akn»,  Furun- 
culus,  Suppuratio).  —  faule  Sehre,  f.  ^nnd.  vm  l 
sere,  Mag.  Barth.  NWa)  =  Übles,  schmerzende*  Ge- 
schwür. —  ferrh-sehl  (ahd.  ferb-scr;  mhd.  vCreb«6r, 

Graff  in,  683;  i.exor  317)  ■  zum  Tode  verwundet, 
so  dass  das  Leben  (—  Ferch,  s.  d.)  bedroht  ist 
(tot-sehr).  —  /im»- sehr  (angls  fota  sar,  Cock.  I.  8. 
10  ■  i.e.  ilma,  a  celma,  1  ock.  II,  S67  ,  b  üble-  lal  1  * 
—  am  Fusse  Schmerz  habend.  —  Gaurn en -Sehre 
|  (angls.  gomena  sare,  Cock.  I,  30.  172.  340)  =  Gaumen- 
I  schmerz.  —  gefu hl  Sehr  (angls  gefeld  »ar;  engl, 
leeleth  sare.  Cock.  I,  216)  =  schmerzhaft  bloss  im 
Gefühle,  ohne  üusserlich  sichtbare  Ursache.  — 
gesehwollene  Sehre  .'angls  geswollenum  sar.  ,  Coek. 

II,  203) -Geschwulstschmelz.  —  Gewalt  Sehr,  n. 
(angls.  thaera  gewealda  sar,  Cock.  1,  8)  —  Schmerz 
an  der  Macht  (—  (iewalt),  Genitalien.  —  Hals- 
Sehrigkeit,  1   -  Halsschmerz.  —  '2.  -  Hals- 

j  geschwür  (s.  Halssüre).  —  Hand  Sehte  (angls. 
handasare;  engl  sore  of  hands,  Coek.  1, 16)  =  S -hiiu  r/. 
in  der  Hand.  —  Härten-,  Ilärtbalges  &ehie,  f 
(angls  haerthan-, hyrdhnnsare,  haerlhenn-, hynlena«ar>  , 
berd  [hyrdlij  bylges  sare  odhe  wunde  —  sore  of  the 
colllons,  «ore  or  wound  of  the  orchla,  v.retrl  dolor, 
veretrl  exulcermtlo.  Cock.  I.  350.  368)  =  Schmerz  am 
geschwollenen  Hl .den(sack).  --  Haupt-Sehxe,  II. 
-Sehr  (angls.  heafodsar,  heafdes  sare  =  ct-pholoponJa, 
ulceroBus,  KablohU«,  Cock.  I,  6.  8;  III,  84;  mndl.  van 


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8chr. 


Seibel— seichen. 


635 


dein  hovcUero,  J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  116.  127,  ndl. 
hoofd-zi'cr  =  leigne;  1477  ist  der  mensch  selig  auf  dem 
haupt,  Ortotf;  Schin.  II,  322).  1.  =  kopfgrindig,  an 
Schorf- Ausschlag  od.  Grind  leiden»!  (DaCock  265; 
<oek.  1,41;  diese  Krankheit  v»  Ird  besprochen,  weil  durch 
einen  Wurm  [taenia,  tlnca)  veranlasst  angenomm,  De 
Cook  269).  —  2.  -  an  Migräne  (s.  d.)  leidend.  — 
//««/•Sehre,  f.  (mnd.,  14. — 15.  Jahrb.  wan  der  hut-er, 
J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  143)  =  Hautleiden.  —  (1483) 
ll> -r:  Sehrigkeit  (engl,  heart  »ore,  Kaltschm  ;  C.  t. 
Megbg.)  =  Herzschmers,  Cardialgia.  —  Hiehl- 

Sehr  (ongls.  heel  sore»  -  peruiones,  Cock.  I,  117)  — 
Schmerzen  an  dem  !  Hehle  (s.  d.)  durch  Frost- 
hetilen  z.  B.  —  (1592)  i/om-Sehrung  =  Verletz- 
ung durch  Hombruch  (Rind)  (v.  M.  I,  67;  Seb. 
149).  —  /nwarfcr-Sehre  (angls.  Innother  sare,  Cock. 
1,  4.  10;  engl,  »ore  of  In  ward-  —  Schmerz  in  dem 
Eingeweide  (s.  Inn-Ader).  —  Kernel -  Sehre 
(angls.  cyrnla  sare;  engl,  sore  of  ebnrnels  ■  inqulnum, 
cock.  I,  352.  353)  =  Drusen-  (Kern  6)  Schmer«. 

—  AVflura-Sehre  (ndl.  klauwieer.  V.  K.  VIII,  60)  = 
leidend  durch  die  Klauenseuche  (heim  K'nde). 

—  Lfi*!T-Sehr  (angls.  lifre  «ar,  Cook.  I,  8)  =  I/eber- 
srhmerz.  —  Leich-  (Gleich-)  Sehrnis  (angln.  Hees 
sarny»»e,  Cock.  I,  14)  =  Gelenkschmerz.  —  Leid- 
Sehl,  II.  (ahd.  leid  *er,  (irnlT  VI,  269)  =  Schmerz. 

—  Lenden-,  Lendenbrat  -Sehre  (angln,  lendena 
«are;  laendenbroedena  Kare,  Cock.  I,  2.  4.  74)  =  Len- 
denschmerz. —  /"/Sehre  (angls.  lilha-,  leodasare, 
(  oek.  I,  14.  36.  146.  366  =  pernio)  =  Gliedschmerz 
(Lid1)  durch  Frostbeulen  z.  B.  —  (157G)  Lungen- 
Sehr,  n.  =  Lungenkrankheit  (Or.  W.  VI,  130>).  — 

i  .  .i  Sehre  (angls.  magansare,  Cock.  I,  12.  22)  = 
Magenschmerz.  —  Milz  Sehre  (angls.  miltansarc; 
engl,  sore  of  milt  or  »pleen  Cock.  I,  12)  -  Milzsucht, 
Spleen.  —  (1756)  Mund  Sehre ,  f.  (angl.  müder-, 
muthersare;  engl,  »ore  of  moulh,  Cock.  I,  18;  14.  bis 
15.  Jahrh.,  mnd.  dat  muntscr  van  der  «acht;  deme  de 
inunt  to  dicke  is  ran  der  sucht  [  =  schwere  Krank- 
heit!, J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV.  126;  M75,  ndl.  cyn  serlchell 
bynne  raonds  ^  oscedo  [.Scharbock],  D.  402;  n.-ndl. 
zeerlgheydt  des  moudts,  De  Cock  75)  =  Sehtuerz  im 
Munde  durch  skorbut.  Geschwüre,  Aphthen  *- 
Blasehen  (*.  auch  Mundsöhre)  (Kran«,  E.  10$; 

A.  v.  II.  II,  62;  sie  wird  besprochen  ;  De  Cock  76.  1^8). 

—  Nacken- Sehre  (angls.  hnecoansar;  engl,  »ore  of 
the  bac,  Cock.  III,  los.  110)  ■=  Nackenschmerz, 

Muskelrheuma,  Tetanus.  —  tfUtttT  I  ^e^re 
(von  der  lui-en  sere,  .<chm.  II,  322;  angl«.  naesdyrla-, 
iiaesthurlasare  =  flstula,  Cock  I,  114;  engl,  »ore  of 
nostriW.  cock.  1, 14)  =  schmerzhaftes  Nase nlci.len, 
Nüfternkrebs,  I  leus  narium.  —  Ohren  Sehre 
(angls    earena  »are.  Cock.  I,  8.  32.  366)  —  Ohren- 

«chmerz.  —  Qua  (  Sehr,  n.  Sehrigkeit,  f.)  = 
jetler  ansteckende,  lio.-aitige  Siotle,  borken - 
bildende  Ausschlag  (De  Cock  291;  üoldschm.  131) 
als  schlimmes  Krankheitsübel  (Q'iat).  —  (Juittt- 

Sehre  (angls.  thaer  cwldan  »are,  Cock.  I,  24.  62)  = 
S»hmerz  an  der  Vulva  (s.  S.  4HSh).  —  rmnmden 
Sehr  (engl  runuing  sore  —  fleua  fle  flv,  Cork.  II,  3Ä4) 
=  Figadr,  syphilische  Plarques  am  After,  Feig- 
warzen mit  «bissiger  Sekretion.  —  Sthankm- 
Sehre  fangt»  scancnn*are,  sceancenasiue,  sarnysse. 
Cock.  I,  18  380;  II,  6.  66)  =  Sihenkelsehmerz 
(a.  Schanken).  —  .SYAinn-Sehre  (engl  »ilnde»ore. 


Villar.  I,  3%)  =  Furunkelkrankheit  (Delhi- Beule, 
Bouton)  mit  Geschwürbildung  und  Schinnen- 
bildung, Haut- Abschälung.  —  »chuss -  sehr 
(dän.  skudsaar;  achwed.  »kottaar)  =  durch  einen 
Schuss  schmerzhaft  verwundet.  —  Sehnen- 
Sehre  (angl*.  »Ina  »are ;  engl,  sore  of  sinews,  Cock. 
I.  6. 13  =  Kv»weli)  =  schmerzhafte  Sehnenscheiden- 
entzündung. —  Scifcn-Sehre  (angl«.  »idan  sare. 
Cock.  I,  2.  14;  II,  64.  168)  =  Seitensehmerz,  Pleu- 
ritis, Pneumonie,  Kippenfell-  oder  Lungenent- 
zündung (8.  d).  —  tof-sehr  (mhd  lAt-zer,  Lern 
269)  =  ferchsehr  (s.  d.).  —  trrsehrt  (ahd.  giv\iir- 
»Irot  =  vulneratu»,  U.Z.  XVI. 75  ;  1482  vereern  —  laedere, 
Zen.  Voc.  il.)  —  vollständig  Übel  u.  sehr  schmerz- 
haft verwundet,  z.  B.  durch  Daromriss  (löca, 
Bcynon  147),  schmerzend  durch  Geschwüre  (Lae- 
f  siones)  z.  B.  an  der  Gebärmutter  oder  in  den 
I  Gedttrmen.  —  F<?r8ehrung  (inndl.  gheforseert,  ghe- 
'  frotseert,  de  Vr.  26.  77  ;  151">  veraernnge  =•  lesio,  D.  32">), 
l.  =  der  Zuetand  des  Versehrtseins  z.  B.  an  den 
Lungen,  den  Gedärmen,  im  Munde,  an  den 
(iliedern,  Hüfte.  —  2.  =  das  durch  diesen  Zu- 
stand l  gelieferte  Sekret  (1582,  Lonic.  56).  —  (15 U] 
cholerische  TVrsehrung  =  Darmgeschwüre  bei 
Cholera  oder  Kühr  (Bock  140).  —  fud-verwhrt 
(fued  sart,  Schweiler  II,  32«)  =  an  dem  weiblichen 
Geschlechtsteil  geschwftrig,Quitti-Sehre.  —  (1557) 
Glieds-  IVrsehrung  =  Verletzung  und  Schmerz 
an  einem  Ghede  Ues  Körpers  (Plctor.  1,  81).  — 
hitzige  Pcrsehrring  (an  den  heimlichen  Enden) 
=  Ulcus  genitale  inllammatum.  —  (1620)  Mnnds- 
P<rsehrung  =  Stomatitis  aphthosa  (Dr.  Minderer), 
der  entzündliche  ,  schmerzhafte  Zustand  der 
Mundschleimhaut  infolge  von  Geschwüren, 
Aphthen  etc.  —  (1551)  ungeschickte  PcrBehrung 
=  eine bösartige,  unpassende,  geschwütige  Neu- 
bildung(RockRS).  —  H'ani/)f;i-Sehre  (angls.  «ambe 
sare;  engl,  sore  of  vramb,  Cock.  I,  S  2.  8.  112)  = 
Bauchschmer«.  —  ZäAne-sehr  (14.  — 15.  Jahrh  , 
mnd.  tene*er,  J.  f.  nd.  8p.-F.  XV,  141 ;  angls.  tothas  are; 
engl,  »ore  of  theeth,  Cock.  1 ,  8)  —  zahnleidend. 
—  Zi/ztn-Sehr  (aagl.  tittla  s&r.  Cook.  I,  112)  =- 
Schmerz  an  der  Zitze  (Brustwarze)  —  Sehr- 
(sehrendfc.rr.es],  versehrt)  -Bitler,  -Darm, 
-Dorre,  -erstorben,  -hinkend,  -  Husten,  -lnnadt  *, 
■kellig,  ■  Kernlein*,  -Krankhtit, -Leber,  -Lenden  *, 
-mütig,  -Mund*,  -Nerven,  -Scham,  -Seufzen, 
■Statt,  -  Wunde 

Seibel  (vermutlich  ein  Abschrelbfehler,  Kuhn  II, 
207)  -  Feifei  (Feibel). 

seichen  (seigen),  Seich,  Seiche,  f.  Seche,  f. 
seihen  (]ndog«rm.  s(<i  [satttoa,  nltdwtrilpMn);  vor- 

germ.  »Ig  [dazu  :  versiegen];  germ.  saik,  »alq  >ickera] ; 
sih,  sihw,  slk  [«elhen; ,  ahd.  »elbhen,  "eibjan  —  harnen, 
mingere,  (iraff  V.  134;  seih  =  Harn,  Kluge1,  345.  349; 
sihau  -  seihen,  tröpfelnd  fliegen;  angl».  «Ihan,  seon 
(=  -eiheu],  mhd.  seichen  =  harnen,  nassen,  pü«en, 
»eich,  m.  »eiche,  f.  =  Harn;  sihen  =  seichen,  durch 
Abtropfen  läutern,  sinken  machen;  ndd.  seiken  — 
mingere  [».  Mlge],  D.  362;  [Lippe]  siiggcu  —  verselchen, 
Fromm.  VI,  487;  engl,  soak  -  durchtränken,  einsaugen, 
I>hf.  227).  -  seichen  (seihen)  -  tröpfelnd  Üies- 
send  machen  mit  der  Harnröhre  oder  Scheide, 
harnen  (..einst  von  ehrbarem  Klange"),  auch  Ützende 
I  Feuchtigkeit  absondern  (Auieine,  Hure)  (Heyne 


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«eichen 


Seide-Seife. 


V,  566;  nyrll.  K.  \V.  133;  Spiess  II,  233;  angl«  manc- 
gum  inen  IM  »ean  [  —  Saft  aus  dem  Gliede]  syhdh, 
Cook.  II,  132  —  «ubluvlum  synoviae).  —  St' ich,  f. 

Seiche,  f  Seche,  f.,  1.  =  llarnflüssigkeit  und 
Pisne  (l'rina,  Vaginalaekrel)  (13.  Jahrh.  seyehe  = 
mlnctnra.  1>  *U ;  Huck  16,  ILM)  darum».  so  wissen 
[wir]  von  Juden,  sie  reuchen,  sie  schmieren,  besehen 
»euch.  Tarne,  de  Itnp.  H.  1;  i«.  Glasarzt*),  —  2.  = 
Harnlassung ,  zu  starkes  Harnen  Diabetes) 
(„icuche,  i«o  eins  den  Haren  nil  gehaben  nisg",  Zeu. 
Voc.  dd.  5;  D.  ITH).  —  3.  ^  Mutiges  Harnen 
(Fluxusimmoderatus  sanguineus)  (Zen.  Voc  e.  l). 

—  4.  =  Harn  -  Anomalie  Oberhaupt.  —  5.  = 
I.oehienflnss  (s.  Seiehwasser).  —  Seihe,  f.  (ahd 
siha;  mhd.  «he  =  Werkzeug  »uro  Seihen,  Heyne  V. 
569;  1632  Hcyhe)  =  Nierenbecken;  in  den  Nieren 
sollte  der  Harn  aus  dem  Blute  durchsickern 
(Hyrtl,  K  w.  118)  durch  das  Nierensieb  (s.  d.).  — 
Seicher,  m  ,  1.  =  derjenige,  der  harnt.  —  2.  — 
Penis  (Hlntatt  8  18).  —3  =  Mannsperson  Über- 
haupt (Schindler  II,  212).  —  Seichet,  f.,  III.  (1482 
»cychet  —  urina,  Zeniug.  Voc.  n7;  Schindler  11,  212) 

—  Seichwasser.  —  Seier  =  einer,  der  tröpfelnd 
ausgiesst,  ausstreut.  —  an-  (be-  seichen  (das 
Volk  nimmt  noch  au,  da««  Würmer,  Mause,  Kröten 
[Prot*;.  Amelsen  durch  Au*«pritxen  ihre«  [roten  Selche« 
od.  r  tilltes  lansclchen]  verschiedene  Krankheiten  her- 
vorrufet! können,  besonder»):  1.  —  Phlegmone, 
Eymphangoitis ,  Krysipelas  (Aekcrra.  863);  Noli 
nie  tangeio  (s.  Kühr  mich  nicht  an!);  Kar- 
bunkel, Eiterheulen  <2.  f  ö.  V.  K.  im,  B.  1*9; 
1605.  St.  Ilenno  Minikelh.  ;  Siria  [  -  noli  nie  tangere] 
=  „wann  ninen  nin  maus  beseicht",  Schmeller  I,  911 
Mb  gerten  ;  dagegen  sollte  das  lleselch  Kraut  Hotry- 
ehium  luuaria  u.  I'lnguicula  alpin«'  hellen,  s.  d.  Verf. 
Volks-Med.  S.  IIS;  Jessen  277).  —  2.  =  Sodbrennen, 
Wasser  erbreciien ,  Magenkrampf  durch  An- 
seichen  des  Herzwurmes  (s.  d.)  (Dr.  Brenner- 
Schnrfer  27).  —  3.  —  a)  (19601  sieh  {«seichen 

(15.  Jahrh  bcsaidiung  —  mlnctnra,  I>.  361 ;  Pfeifler  SS; 
J.  f.  nd  8p. -K.  XV,  129);  b)  Verwiegen  (Verseihen 
der  Milch),  d.  b.  Abnahme  des  Fettgehaltes  bei 
der  Kuh  (Osterreich)  sie  wird  dem  ..slcli  beseiehen" 
der  Kuh  «uge-chricbcu ,  dies  dürfte  jedoch  eine  volks- 
etymologische  Krkltirung  sein  für  das  „Betrieben" 
durch  Mause.  Würmer,  Amelsen,  Kn.ten  etc.  nach  dem 
Volksglauben  [s.  1],  I  riiuell  18t>:.,  S  70;  Schindler  II. 
248.  auch  Gr.  W.  1,  1613;  Dalla  Torre  16).  —  (1.32) 
Ä'^  seicher  (=>  subraejulus  [subiulugcre).  Kirsch 
1142;  submelos,  D.  5G0J  —  einer,  der  an  Enuresis 
noetunm  leidet,  Hettpisser  (Frie*  119;  <:r  W  I, 
1739;  dagegen  sollte  Taraxaeum  ofrlelnate  =  Bettaelcber 

[Jessen  W>]  neiden).  —  iWnf-seichen  <ie.  Jahrh, 
plnetsaychen  -  lienteria,  D.  II,  23»)—  Mint  im  Fl  usse 
aus  dem  After  oder  der  Harnröhre  entleeren 
(s.  Beuche),  blutsucht.  —  (1742)  dünnes  Seichen 
=  Diabetes  insipidus,  die  Entleerung  von  auf- 
fallend  verdünntem   Harn  (Zw.)  (Seichgang). 

—  (UV  Jahrh.)  Eiler  Seich,  m.  (eyttersaleh)  =  Go- 
norrhoea,  Tripper,  bei  dem  E  tcrlluss  aus  der 
HarnrOhre  vorhanden  ist  (Schm.  II,  212).  —  (ii82j 
Geil- Seiche,  f.  (k-ail-atchc.  Zen.  Voc.  tl)  =  Stran- 
guria,  Harnwinde  bei  dem  mit  Schwellung  des 
Gliedes  (Geil)  verbundenen  Tripper  (Gelb- 
seiche,  Kaltseiche).  —  (ii»2)  GeM-Seiche  (gelsalch, 
Zen.  Voc  k7,  tl)  =  d:e  Harnwinde  beim  Tripper 


|  (gelblicher  Eiterflnss  aus  der  Harnröhre,  Stran- 
I  guria).  —  (15.  jahrh  )  Geseich  (Grseichach)  (isr. 

geseich,  geselche  =  urina,  ininetura,  I).  361.  6.10)  = 
Harn  (Urina)als Kollektiv  für  das  durch  öfteres 
Harnen  enlleerte  (Gr.  W.  IV,  2  18;  Schm.  II.  212). 

—  7i'a//-Seich,  m  ,  f.  (1432  chald  saichen  ;  1166  kalt 
neych  —  »tranguria,  I)  II,  3-SO;  15.  Jahrh.  kaltseich  = 
Klranguria,  D.  555;  kalt'-elche  =  dysurla ,  Ii.  IS- ; 
16.  Jahrh.  kalter  seich  =  Tripper,  Gr.  W.  V,  1129;  1551 
kalter  seleh,  Hock  16  ;  1561  kaltoelch ;  1582  kalt*elch  = 
strangiirla,  Gr.  W.  IV,  2.  492;  1591  kaltseleh  =  »tran- 
guria. Had.  Jun.  380;  1618  kaltsaleh  -  dynria,  Schm 
I,  1242;  II,  212;  1687  kalter  seich,  Georg.  411;  16»: 
kallmiche,  f.,  Gr.  W.  V,  93 ;  17.  Jahrh  kalter  mleb  — 
durch  dicke,  kalte  Flftttigketl  verstopfte  Rlase  den 
Pferdes,  R.  A.  4«0),  1.  -  die  Empfindung  beim 
Harnlassen,  als  ob  schneidende  Kälte  (?)  win- 
dend durch  die  Harnrohresich  ergiess«';  („kalt" 
ist  mlasverstandene  ('bersetzung  der  pi--a  ..calida" 
[s.  kalte  Pisse,  Dysurla]).  —  2  =  Trij)per  (tionor- 
rhoea),  bei  «lern  die  Harnwinde  als  Stranguria 
stets  vorkommt;  (r.92  kalter  seich  welcher  von 
KranUosscn  kompt,  Beb,  286).  —  3.  =  Dysuria 
equornm  (vom  Menschen  auf  da«  Pferd  übertragen). 

—  iTaZ/seich-Sirrün^c.  —  (l s.  Jahrh.)  Mädchen- 
Seiche  (meideseich  =  lonium  [lotlum] ,  D.  336)  = 
Urin  einer  Jungfrau.  —  [15,  Jahrb.)  M  i,m>  s  Seiche 
(lotium ,  I».  :!36)  =  der  Harn  eines  Mannes.  — 

1  roter  Seich  (IS.  Jahrh.  rote  salchung  =  noli  me 
1  tangere,  I>.  382),  1.  —  Haematuria,  blntigroter 
Harn.  —  2.  ~  die  Bepissung  durch  Tiere,  tlie 
nach  dem  Volksglauben  mit  totem  Harn  be- 
spritzen und  so  lymphangoitische  Proxesse 
(«.  Hflhr  mich  nicht  an)  veranlassen  sollen.  — 
!  Sa  nd -Seicher  -  das  Sandmannlein  (s.  d), 
!  welches  Sand  in  die  Augen  streut  und  den 
Kindern  Schlaf  macht  (damontt4l«eber  Hintergrund 
•pechmanulein],  Gr.  W.  VIII.  1769).  —  JJr  Seiche 
(ursige.  Schmeller  II,  212)  =  der  am  Grunde  Injim 
Schmelzen  und  Abseiehen  der  ßutter  zurück- 
bleibende Abfaum.  —  tweeichen  —  versiegen. 
VV«<7-Seicher=  Wegscheissei  (s.d.),  Hordeolum 
(Gerstenkorn)  (Blrllnger  Sitten  II.  92;  durch  ein 
elbisehes  Tier  (s.  Wegetriti]  um  Wege  veranlasit  an- 
genommen). —  Seich-  Hecken  f ratz*, -Blase, -Blat- 
ter, -Gang,  -Krankheit,  -Metze,  -Motze,  -Sack, 

—  Tasche,  -  Tuch,  ■  Wasser. 

Seide,  f.  (mtl.  «eta,  Im  8.  und  9  Jahrh  entlehnt. 
Kluge',  31  .).  ImssdleNurtleerumneri  bctclta  mit  Seiden- 
faden die  Wuiidnaht  bethrttigten  ,  nimmt  Weiubold 
an  ;  doch  dürfte  <lies  eine  hyperbolische  ltexelchnung 
Rein,  um  den  betrefTeudeu  königlichen  Chirurgen  her- 
vorzuheben. — -  Seiden- Geist '. 

Seife,  f  Seifer,  m.  (Seipfe) (weu«enn  saipo;seiic 

Ut  eine  germanisch-fränkische  Krflndung],  Kluge1. 
3IS;  alM.  «elffa.  selpfa  -  Seife;  «elfar,  m.  —  »puma, 
Speichel,  Grad  VI,  172  ;  mhd.  seife  [Selfej ;  1445  snifer 
I  =oscedo;  15.  Jahrh.  seyfer  —  salira,  D.  644;  seyuer  b 
os«edo,  D.  II,  274;  Schmeller  II,  230;  1516  saiffer  = 
sanies,  o«cedo,  Schmeller  II,  230;  1">18  seyfer  =  saliva. 
Speichel,  Geifer,  II.  v.  Gersd.  98;  1SC2  saifer  -  Speichel. 
Schmeller  II.  230;  ndl.  xeep;  engl,  goap  =  Seife),  1.  = 
Speichel  als  seifenartig  schäumende  Flüssig- 
keit aus  dem  Munde,  Salivatio.  —  2.  —  Eiter, 
Eiterschleim,  der  sich  wie  Speichel  entleert.  — 


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Seig— Seite. 


Seite. 


OS- 


seifern  (ndd.  ncewern).  1.  =  schäumend  Reifem, 
sabbern  [GotdMhm.  Hlj  c.  v.  Bebm,  190).  —  2.  = 
(l*»Trt)  geschwitrig,  eiterig  sezernieren  (Tbeophr. 
Bod  ).  —  Seiferling,  Saferling  (18.  Jahrh.  sayQVr- 
lins  =  o*ccdo,  D.  II,  271),  1.  =  einer,  der  Heilert 
(Hyrtl.  K.  w  s).  —  2.  =  Saliva,  «las  seifenartige 
Speichelsekret.  —  Augen  -  Seifung  (1475  ogen- 
sljpyng  =  Hppltudo,  Ii.  J32)  =  tler  Zustand  beim 
Seiferauge,  Augentluss.  —  seifer  (H29gesaiffcr 
=  oscedo,  I».  II,  274)  -  der  gesamte  (übelriechende) 
Geifer.  —  Seifen ,  Seifert uge,  -Oearhtculst.  — 
S.  safern. 

Seig  s.  saugen. 

seigen,  seiger  s.  siegen. 

Seil,  n  ündoserin.  sl  =  binden  ;  gcm.-gcrm  ».all», 
Kluge  *,  345;  ahd.,  mhd  soll  -  starkes  und  lang  ge- 
drehtes Hand,  übertrugen  auf)  Sehne  und  Acler 
atn  menschlichen  Körper,  z.  II.  (1G7G)  Achilles- 
Sehne  (s.  d.),  als  besonders  starke  .Sehne,  Ner- 
vus latus  (Hyrtl,  K.  W.  67).  —  (1518)  .rlrm-Seü 
( -  Funls  brachll  der  AraMitou)  sa  das  ganze  Vor- 
derarm-Stück der  Vena  cephalica  (II.  v.  Gersd. ; 
Hyrtl,  K.  \V.  5).  Das  Seil  der  setlspannendcn  3  Krauen 
(Scbwentera,  Saligen,  Krüulelti)  des  Volksglaubens  hat 
wahrscheinlich  mit  der  Geburtshilfe,  (beim  Tiere)  Be- 
ziehung; sie  verhelfen  auch  den  Krauen  zur  leichteren 
Entbindung  und  linden  sich  bei  der  Geburt  und  Taufe 
ein  (Latotur  U,  3sa). 

sein-  (ahd,  mhd.  «eine;  angin,  »nona ;  lal.  »ein; 
schwed.  wn  m  langsam,  uplt,  llifd,  traurig,  schm. 
Ii,  2*;).  —  aeinzeln  -  langsam  und  unverständ- 
lich sprechen  (Schm.  Ii,  286.  316).  —  sein  sinnig. 

Bein:  bist  du  gewesen?  =  eaeavisti?  — 
magst  sein?  sa  vis  coire?  (Delling).  —  von  ihm 
seihst  sein  ■  ein  anderes  Wesen  ,  ausser  sich 
sein,  veirücktsein  (Book  13).  —  «6-aein  =■  vom 
Verstände  sein,  verrückt,  iri>inni^  se.u  0'.  w. 

I,  4).  —  an  einem  sein  i'dur  «In  de  ehren  anc,  Kulm 

II,  19)  —  an  dem  lehren  die  Kiben,  ein  elend 

ausgehender  Mensch,  Madensack  (s.  Alp  VlII 
und  zehrende  Klben)  illlitrmcn  laig  1»  an  lame),  das 
leiliche  (s.  d  ,  S.  864)  Heimchen  (Klbengestalt) 
macht  ihn  krank  (Kulm  II,  IS). 

seinige,  m.  -  l'eitis  (s.  el.enalt,  Schwester- 
lein etc.). 

Seiren,  pl.  s.  Siren. 

Seite,  f.  (gem.-germ.  sidb;  ahd..  8.  Jahrh  sita  = 
latus.  Itab.  Manr.  (i . ;  angls  si.lan  -  Seiten,  Cock  I, 
I.XX,  12.  Jahrh.  situn  —  Seltcnsrhmerz,  Pfeiffer  18; 
mhd.  silQ  -  Flache  in  bestimmter  Lage,  latus,  engl, 
side,  I-ehf.  22.).  1  —  Korperthiehe,  namentlich 
Kampf-  und  Hüftthtchen ,  die  weichen  Teile 
über  den  Hüften  als  Vermittler  zwischen  vorn 
und  hinten;  ferner  Hautseite.  —  2.  =  Schmerz 
oder  Krankheit  daselbst  (Seitenschmerz)  j  eonf 
la  malndie  de  St.  Gode  (Gaude,  röte  -  Seite, 
cöte  —  Kippe)  =  Hypochondrie  (Kippsucht  od. 
.Seitensucht)  (Bris«.  285).  —3  =  s.  Saite  u.  Seide. 
—  Seitling,  tu.  =  ein  mit  der  Drehkrankheit 
■  ler  Schafe  behaftetes  Tier,  »las  mit  hochge- 
haltenem Kopfe,  mit  einem  Voiderfuss  weit 
ausholend  und  vorwärts  schreitend,  beständig 
auf  die  eine  Seite  niederfallt  (Zipp  824).  —  .-!«*• 
Seite  ~  die  gegen  .Icn  Cadaver,  das  Fleisch 


(Speck),  zusehende  Seite  der  Haut  im  Gegen- 
satze zur  hehaarten  Narbenseite  des  Tiei  feiles 
(Heyne  V.  ..77;  engl,  tleshside).  —  Beuge-Seite 
(1480  l'ars  domestlca;  parlie  domestiquo,  Gurlt  I, 
819.  SM;  III,  Ml;  Ii,  eis)  -  diejenige  Kxtremitüten- 
llilche,  nach  welcher  hin  diese  in  einen  Winkel 
gebogen  werden  kann  ;  ihre  Haut  ist  feiner  und 
haarloser  als  die  rauhere  Streckseito.  —  blinde 
Seite  =  der  Kücken,  weil  er  keine  Augen  hat 
(Gr.  W.  II,  120;  Heyne  I,  4&!)  (Corpus  eoecutu, 
a versa  pars  corporis).  —  Brust-Seite  —  Latus 
pectoris  (Gr.  W.  Ii,  451).  —  rftfna-seitig  ■*  auf 
der  Seite  der  Dünnung  der  Weiche  befind- 
lich (Gr.  w.  11,  15..7).  —  (ic«j9)  eingezogene  Seiten 
=  Scoliosis,  wobei  eine  Seite,  eine  Schulter 
höher,  de  andere  niederer  steht  und  nach 
Empyem  -  Operationen  oft  wirklich  einge- 
zogen ist  (v.  M.  Ii,  20s).  —  rin-Beitig  —  ein- 
hüftig,  Kinhanker  mit  einer  Schulter,  einer 
Hüfte  höher  stehend.  —  faule  Seite  (Z.  f. 
d.  I'hilol.  XXVI,  240)  =  rechte  (nicht  so  frische 
oder  grüne)  Seite,  wo  die  Leber  (s.  d.)  liegt.  — 
Fleisch  Seite  —  Aasseite.  —  (18.  Jahrh.)  grüne 
Seite  —  linke  oiler  Herzseite  als  die  Seite,  wo 
die  tieliebt»»  sitzt  (Urquell  IHM,  S.  233;  Heyne  II, 
1262;  H.  Paul  192,  [Hippel  III,  2  37t  nimmt  die  rechte 
Seile);  grun  ist  die  körperlich  bessere  [grün  u.#).  •!>«- 
■  Ichtarollero  Liebes-  und  HofTnungsfarbc).  —  gute 
Seite  =  bonuin  latus,  entsprechend  der  schönen 
Hand  (s.  d  ),  la  belle  inain  (Du  Cauge  I,  702)  = 
rechte  Seite;  die  vielfachen  Deutungen  der  rechten 
und  der  linken  Seite  des  Korpers  entsprechen  den 
vielfachen  Täuschungen  Im  Leben.  —  (1710)  harte 
Seiten  -  die  rhaehittsehen  Kippenknorpel,  die 
als  Knöpfe  (s.  geknüpft)  an  den  Brnstseiten 
vorspringen  (Chr.  sam.  I,  181)  als  Gegensatz  zu 
Weiche  (Seite  1).  —  //er;- Seite  =  linke  Seite, 
auf  der  das  pulsierende  Lebenszeichen  (Herz- 
schlag) ist.  —  Lfiicr-Seite  -  mau  dachte  sich 
früh-r  das  ganze  Gefass-System  der  rechten 
Seite  des  Körpers  zur  Leber,  das  der  linken 
Seite  zur  Milz  gehend  als  Milz-  bezw.  Leber- 
ader (s.  d.*).  —  len k- seitig  (15W2  lenckkseyteebt  = 
slnister.  D.  II,  310)  (s.  links).  -  letze  Seite  =  die 
verkehrte  oder  Kückenselte  des  Körpers  (Gr.  W. 
VI,  7».'.).  —  A/i.7r-Seite  -  die  linke  oder  Degen- 
seite; die  Milz  ist  der  Sitz  der  Melancholie  und 
des  Zornes  (9.  auch  Leberseite)  (Gr.  W.  VI,  2221). 
—  Aartcn-Seite  =  die  Seite  des  Felles,  wo  der 
sogen.  Narben  ist,  im  Gegensatz  zur  Aas-Seite 
(s.  Nitrb)  (Gr.  W.  VII,  Uli  Schmeller  I,  17M).  — 
rechte  Seite  •=  nach  dem  Volksglauben  hei  der 
schwangeren  Mutter  die  Seite  der  untunlichen 
Frucht  (links  -  weiblich).  —  (17.V.)  5cA«»i-Seite 
=  die  Schamleistenfliichc  (Inquina;  Schlichten, 
Leisten)  im  Gegensatze  zur  Dünnseite  (Schm.  II, 
BN'  A.  v.  H.  II,  S60;  Gr.  W.  VI,  721;  VIII,  2123).  — 
tchwärtnde  Seite  =  die  schmerzhafte  Seiten- 
krankbelt  (Pleuritis;  seiliger  Husten,  Seiten- 
stechen, Seitengeschwär).  —  Spc<  k- Seite  - 
8.  Aasseite.  —  (liso)  .S7r«*-Seite  -  Fars  syl- 
vestris (Gurlll.  SI9  S9t;  III,  f>91),  diejenige  (ilieder- 
Bftche,  in  welcher  diese  gestreckt  sich  aus- 
dehnen ohne  einen  Winkel  zu  bilden;  ihre 
Haut  ist  rauher  und  behaarter  als  die  feinere 
Beugescite.  —  (1477)  Unke  Seite  -  linke  Seite 


6SS  selb— sengein. 


Senkel— setten. 


des  Leibes  (Bchmellcr  I,  564  ;  tenchkseytlg.  I>.  II,  340), 
die  Aderlass-Seite  (1477)  für  die  Herbst-  und 
Winterszeit  (s.  Mich  links  and  tenk).  —  (i2«;o) 
winstere  Seite  (winitcrc  siie.  Klaff« *,  2M;  Pfeiffer  91) 
=  link**  Seite  des  Leibes.  —  (1969]  zese  Seite 
(die  zesewe  sitc)  =  die  rechte  Seite  des  Leibes,  wo 
der  Mensch  am  warnisten  sein  soll  (Pfeiffer  y2>.  — 
Seiten-  (seitig e,er,en)  Apostem,  Rein',  Buckel, 
■Fell,  -Geburt*,  Gesehnss,  -Gesehwär, -Geschwulst, 
•Hunten,  •  Kopfweh,  Krankheit,  -Fei»,  -Schmerz, 
■Sehre,  -Seuche,  -Siechtatj,  •Sterken,  -Stich,  -Sucht, 
-  Wärlc,  -  Wand,  -  Weh  -  Weiche,  -Zittern. 

selb-,  selbst  (gerin  Pronomen ,  dos  vielleicht 
eigentlich  „Herr.  Besitzer"  bedeutete,  Kluge  *,  316).  — 
selb  ander  sein  =  selbst  und  ein  anderer  sein: 
a)  schwanger  (Mutter  u.  Frucht);  h)  betrunken 
(Trinker  u.  Rausch)  (K.  W.  I,  '.0),  —  Selbst- 
Befleckung,  -Entzündung,  -Mord,  -Säugen. 

-sei,  selig  (Selig,  Selk)  s.  sali*  —  Sellen-, 
Selken-StäYx  (  Steerf),  -  Tost  (-Dost). 

Seltsam  (ahd.  seltsäni;  mhd.  scllsacmc;  angls. 
»ohwne,  Kluge»,  346).  —  seltsame  l'csttlenz, 
lJlture*i8. 

Semmel,  f.  (au*  lat.  simlla  =  Weizenmehl,  fron/,, 
»emoule  -  Weizenmehl  Kleie,  Kluge*,  34ti;  13.  Jahrh. 
MmeU  »  Mne» Mehl)  =  (I6t5)der  mehlartige  Muud- 
helag  beim  Soor  (s.  d.)  =  weisse  Bräune  {Coler, 

H.  A   130 ;  D.  253). 

Semper,  m.  Zemper,  m.  Zember,  m  Sampin,  f. 

Simper,  Zimbert  (  -  der  Name  eine«  Kinder  brin- 
genden und  verrohrenden,  männlichen  Kraukheits- 
dainons;  [Knecht  Ruprecht  s.  rotpreeht],  Schindler  II, 
285  =  Sacksemper;  vielleicht  zur  Tamlann  de«  Tacltu 
in  Verbindung  zu  bringen,  Kogel,  Gesch.  d.  d.  Llt.  I, 

I.  1».  Antn.;  Ul.  thamb  -  Schwellung,  Fülle ,  thomb 
=  Fülle.  Gespanntheit;  thainba  -  in  vollen  Zügen 
trinken;  norweg.  temba  =  lullen,  stopfen;  temba  - 
grosse  Mahlzeit ;  dazu  Sampinn  -  garstige  Weibsperson 
mit  einem  grossen  llangebauch  [Hack] ;  der  Zemper, 
Zember  (ohne  Zweifel]  =  dar  Semper,  Schm.  II,  2R5) 

1.  =  der  Semper  schneidet  als  ein  In  den  Kindl- 
oder Uöb-Nftrhten  (Rauchnachten  ,  in  den  längsten 
Nilohten)  auch  am  Simperstag  (14.  Januar,  auch  Fast- 
nacht, Kuhn  II,  5.  124)  erscheinender,  Opfer  fordern- 
der Dämon  den  Kindern  (s.  d),  wie  die  dämonische 
Perchtn  (s.  d  ),  den  Leib  auf  (Sehmeiler  I,  2«9;  II,  285. 
1125;  I.aistner  II,  405;  F.  Weineck,  Knecht  Ruprecht 
U.  seine  Genossen  S.  fi;  Witzschet  II,  173;  Traunstein. 
Kger);  er  Ist  die  abgeblasste  männliche  Figur  der  ger- 
mani-schen  Seelenführerin  l'erchta,  einer  Kludcrseg.-n 
spendenden ,  aber  auch  Kinderopfer  verlangenden 
Dainouln  ;  dazu  Semperlaufen  (Ploss- Bartels  I,  443).  — 

2.  =-  Sötuher  =  der  dick'-,  hervorstehende  Leib 
(Schnicllcr  II,  284  ;  Wctterau  ;  161«  Semper,  II.  Sachs; 
loc.  eod. -Wanst;  14.  Jahrh  sunmiercr  =  tympunalor, 
Schm.  II,  2*1 ;  dazu  Tamburin  sack  Semper,  Schm.  I, 
270;  16.  Juhrli.  sumpper  —  tymponon,  Schm.  II,  684) 
=»  irommelformig  aufgetriebener  Leih.  —  sem- 
perig —  unpitsslich  (am  Semper  2  krank),  aufge- 
trieben (Schm.  II,  2s5);  s.  auch  SO m per. 

Sengein  (Seng)  (mhd.  sengen —brennen,  singend 
machen  beim  Verbrennen,  Kluge  5,  347).  —  der  Seng 
=  Brandmal.  —  sengern  ■  zengern  (s.  d.) 
(Erbe  40).  —  sengein  ^  das  Brennen  der  Nesseln, 


die  Haut  empfind  licli  brennend  berühren  i  Fromm. 
VI,  «3 ;  c.  v.  Schm.  492) ;  vergl.  auch  sengen  - 
segnen.  —  sengendes  Feuer. 

Senkel,  m.  (  =  Schnürband).  —  Senkel  kn Upfrn. 

senken,  Senkung.  —  Senk-Rücken ;  siehe 
sinken. 

Senne,  f.  p.  Sehne, 
sennern  zu  Sahne, 
seimig  s.  sehen,  sinnig  und  Sehne. 
Sense,  f.  —  Sensen- .Wann,  -  Wetzet- 

Serben  (Berbling)  fahd.  serawen,  serwen  -  tabes- 
cere,  Graft  VI. 271.  2*0  ,  schwinden,  verdorren  .  11  Jahrh. 
serwen  -  marceo,  langneo.  H.  Z.  III,  375b;  mhd.  mir 
wen.  *i>rl*!ii  =  innerlich  abnehmen,  entkräftet  worden, 
krankein  ,  nbMerben  ,  I.exer  22«)  -=  dahinwelken, 
schwinden  an  Kräften  und  an  Köipci fülle  aus 
Krankheit  (Abzehrung)  (Gr.  w.  V,  2029;  Schm. 
Ii,  32i;  Chr.  Sam.  i,  12).  —  Serben,  n.  =  Febrlfl 
hectica  (Btlfch  s.  d.),  Abzehrung  (Anrgau;  Roch- 
holti),  namentlich  bei  Kindern  (Atrophin  in- 
fantinm).  —  serwig  =  kraftlos  (c.  v.  Schm.  iw) 
—  Serwling  (Berbling)  =  derjenige,  der  serbt, 
zumeist  ein  atrophisches  Kind  oder  ein  an 
chronischen  Krankheiten  (Idiotie)  dahinsiech- 
endes, menschliches  Geschöpf  (Z.  f.  d.  Philol.  III, 
3.1C),  _  (i.-,97)  ab-serben  (der  Kinder)  -  Atrophin 
infantinm  (Sehmeller  II,  324;  The»,  san.  Br.  73).  — 

«««  Serben  =  auszehren.  —  er-  (ro-)serben  faitd. 

arserwen  =  extabescere,  Graft  VI,  280)  =  im  Maike 
gleichsam  austrocknen,  ausgemergelt  sein 
(schm.  n,  325).  —  (1742)  Leib  Serben  ■  Atrophia, 
.Marasmus,  Tabes,  Febris  hectica  (Zw.  10).  — 
Serbende(r)  Krankheit,  Siechtag. 
Serp,  Serpel  s.  Scherber. 
Serpente,  f.  (mhd  )  b.  Schörpentin. 

St.  ServatZ  -  in  Flandern  Patron  für  S.-hweine- 
krankheiten;  s.  sab:  „von". 

SeSSChen  SeSSkes,  pl.  (ndl.  seskes.  de  »essen. 
De  Cock  93.  105.  688;  V.  K.  VIII,  59.  106;  s.  auch 
-Besten),  1.  -  Epilepsie,  Eklampsie  bei  Kindern 
und  Krampfzufälle  bei  Tieren  (De  Boe  Iwest- 
vlonmsch  Idiotikon]  leitet  es  ab  von  franz.  aeces ;  lat. 
oeecssus;  ndl.  accessen,  V.  K.  IX.  143;  X.  121  ff  . ; 
portug.  sezöes  -  Weelm-lfleber)  =  An  lall;  die  Kinder 
geberden  sieli  dabei  so  wild,  halbrasend,  stumm,  krab 
beln  und  hels«en ,  als  ob  sie  von  elbischen  Wesen 
„besessen"  waren.  —  2.  =  Staupe  der  Schweine 
(s.  d.,  Milzbiand)  als  Anfall  einer  Krankheit.  — 
3.  =  s.  Staupe.  Man  möchte  Immerhin  dem  deutschen 
(bülsesscu  den  Vorzug  geben,  da  begrifflich  mit  der 
Besessenheit  gut  übereinstimmend  (s.  Urquell  1»«*, 
S.  99  ff.). 

-sessen  s.  setzen  (nitzen). 
Sester,  m.  —  Drei  Bester- Kopf. 

I  Setzen  llndogerm.  sed  ;  germ.  »et,  das  Kausativ 
dazu  angls.  »etlan  ;  «etiles  =  After,  Gesas*,  Cock  I, 
42;  III,  30;  alt*,  settian  [dazu:  Saison  s.  d.  u.');  ahd. 
sezzen  =  setxen,  sitzen  machen  ;  sex  =  Sitz  ;  mhd.  setzen 
=  setzen  ;  sex  =  Sitx,  Klugo*.  847.  84»;  engl,  seat  ^ 
Sitz,  Lehf.  102.  223;  angls  neweseotha,  m.  Cock  II, 
198.  232  242.  401  -  die  rechts-  oder  linksseitige  Gegend 
xwischen  Nabel  und  Schamberg,  Interbaucb,  Cuter 


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setzen. 


Betzen. 


leib  tm  Gegensatze  zur  innseu  [».  d.)).  —  setzen  = 
„an  einen  )>estimmten  Platz  hrinsren*',  gebären, 
Jung«  werfen  (Jftgerspr.).  —  es  setzt  Kiter  =  eH 
beginnt,  Eiler  (wie  Hefe)  Bitzen  zu  machen,  zu 
rHi  waren  (Gr.  W.  III,  391).  —  das  Geblüt  setzt 
sieh  —  Dach  der  entzündlichen  KongeBtion  und 
Wallung  fängt  die  et  krankte  Stelle  an,  Eiter  zu 
bilden  (Z  d.  V.  f.  V.-K.  1807,  S.  K.2);  dagegen  :  das 
Blut  setzen  =  zutn  Stillstand  bringen,  stellen. 
—  absetzen,  l.  =  den  Kot  auf  den  Boden  herab- 
fallen lassen  u.  dadurch  entfernen,  absondern 
(Mayer  149).  —  2.  =  das  Kind  von  der  Brust  ab- 
nehmen (D. 3 ; ablactatlo).  —  ansetzen (vom  Brand) 
=  die  beginnende,  septische  Peritonitis  (puer- 
perali«),  Auftreibung  des  Leibes (Panli 6).  —  Ang- 
setz  =  s.  Angflfttz  (Satz).  —  Aufsetzen,  n.  = 
das  Koppen  der  Pferde,  wobei  sie  ihre  Schneide* 
■Ahne  auf  die  Krippe  setzen  (Krippensetzen), 
s.  Koppen.  —  .'tu*-sätz(el)ß.  Satz.  —  aus  setzen 
(ndd.  uuetten)  =  etwas  aus  seiner  naturgemassen 
Vereinigung  0.  seinem  Verlaufe  heraus  nehmen, 
z.  B.  Sehnen  aus  ihrer  normalen  Verbindung 
anderswohin  setzen  oder  bringen,  Distorsio 
(Gold«chm.  79;  die  ungetauft  verstorbenen  Kinder 
hlessen  auch  „ausgesetzt",  Maurer  II,  25«!  *et1  «ie 
ausserhalb  des  gemeinsamen  Gräberfeld«  begraben 
wurden).  —  die  Krankheit  setzt  aus  =  wird 
unterbrochen  in  ihrem  Verlaufe.  —  fV-seSBen 

/.'  sessenVif  •  (ndl.  beteten,  bexetenhejrdt,  De  Cock 
109.  310)  =  von  bösen  Geistern  (Schrattlein,  Mar, 
Alp,  Teufel  etc.),  die  sich  nach  der  heute  noch 
nicht  ausgestorbenen  Volksannahme  auf  dem 
(Tiere  oiler)  Menschen  aufhockend  (s.  d.),  auf- 
sitzend (s.  d.)  niedei lassen  und  (Gr.  \V.  VII,  363) 
ihn  „in  Besitz  nehmen",  also  eigentlich  =  den 
Menschen  besitzen  z.  B.  als  Incubus  oder  Suc- 
eubus,  verursacht  ab  daemonum  niulehrornm 
intluxil  (rahd.  besezzen.  Lexer  19;  15.  Jithrli.  bcsitten 
»Ho  cyn  mit  dem  duvole  befungen  =  obsessus,  arrep- 
ticins,  D.  II,  3Ä;  1">.  Jahrh.,  ndd.  beseiten  ---  diiemonl- 
Wtti,  I>.  173;  1132  ein  mensch  das  mit  tiefü  besessen 

—  nrreplieiu«.  D.  II,  3".;  1 1*2  besezzene,  <'.  v.  Mcgbg.  ; 
Wi  vom  bösen  «eiste  beses*en  Chr.  Meyer  102 ;  1501 
»»•«essen  =  fanatlcns,  nomine  (--«.  Gottcsgcwalt)  «f- 
Ilntiis  (s.  A  n  waht ;  llnfl.  Jim.  391);  schon  Im  Sanskrit 
wird  ein  Krankhelten  erzeugendes  Weswi,  htnitakrnntl, 
bhi'iln  saujiinn  und  bhiita  aveca  erwähnt,  welche!  die 
Menschen  besi -m  ii  macht  (Kuhn,  Z.  f  vergl.  Sprach.- 
Wlmcnsch.  V,  »4;  Kuhn  II,  19.1;  in  deutschen  Zeiten, 
nachdem  die  Vorfahren  der  Deutschen  da»  „Berti**" 
duteh  die  Kölner  kennen  gelernt  hatten,  Ist  es  der 
Alp,  der  Sarhttnar.  das  SehriHtlein,  dk'  als  lucuhus 
.,H-«Itz"  vom  Mi  nceheti  nahmen  ;  sie  waren  die  bosi  ii, 
übelibatlgc  n  und  uninilden  (irisier  (Unholden,  tiolth. 
12"*,  die  Si  elen  der  Verstorbenen  au*  dem  Toten- 
relelie,  welche  sich  blut»nugend  (*.  d  )  In  dem  I.elbe 
den  Lebenden  einqairtierten,  Ihn  bepelzten  und  als 
Krunkhi  Itaifi  lstiT  fs.  d.)  <iualcud  und  plagend  Ibra 
POMCQ  ii  bftstl)  trieben;  Vom  Schlage  <•>.  d  )  getroffene, 
gelähmte  Krüppel  wurden  geradezu  als  dacmotiiaci  ■ 
„mit  dem  Mm.1t  <i>  ist  besessen"  bezeichnet  (1..  Jahrb., 
Gr  W.  V,  2471).  da  nur  ein  solcher  ihn  des  Gi  brauche» 
der  Glieder,  diese  hemmend  und  lahmend,  beraube* 
konnte,  ohne  sichtbare,  sonstige  rrsache ;  die  Arzte 
de«  Iii  Jahrb.  nannten  das.  was  unser  Jahrh.  hysterisch 
oder  hysteroeiiilepticoh  nennt,  bcscssi  n  [d.  h.  von  dem 


die  heidnische!!  Dämonen  ablösenden  Teufel)  =  tcufel- 
Mech  ;  „der  Gegenstand  Ist  geblieben,  der  Name  hat 
sieh  geändert"  (Snell,  Heienprozesse  38).  Der  grosse 
Lehrer  des  Dominikaner  Ordens,  Thomas  von  AqnJll, 
hatte  den  Wahn  der  teuflischen  Ineubt  und  Huccubl 
(s  Schrattlein,  Alp-Traum  und  Teufel)  weiter  ausge- 
bildet ;  auch  Luther  behielt  diesen  Glauben  zeitlebens 
fest;  der  christliche  Teufel  war  eben  an  die  Stelle  der 
heidnischen  Plagegeister  getreten ;  Ihm  wurden  im 
Mittelalter  alle  Laster  und  niederen  Leidenschaften  de* 
Menschen  zucrtellt ;  er  erschien  darum  als  Alp  (siehe 
Teufel),  auch  er  nahm  wie  dieser  Besitz  vom  Menschen 
und  machte  Ihn  besessen ;  „je  nach  dem  am  Orte  und 
in  der  Zeit  liegenden  Aberglauben  nimmt  die  von  dem 
Kranken  taypostasierte,  fremde,  feindliche  Macht  ver- 
schiedene dämonische  Gestalt  an"  (Griesinger*,  215; 

KeZept  gegen  elbische  Besessenheit  aus  dem  |.">.  Jahrb. 

in  Analecla  Graecensla,  Graz  1S93,  13;  Nr.  28),  1.  -r 
geisteskrank  mitdem  Gefühle,  von  dämonischen 
Gewalten  beherrscht  zu  werden  (Back  13),  od. 
teufelwinnfg  (s.  d.,  Daemono-melancholia).  — 
2.  =  epileptisch.  —  8.  =  hundstoll  (s.  auch  Wehr- 
Wolf).  —  4.  =  mondsüchtig  (=  teufelhaftige  Leute 
nach  C.  v.  Mcgbg.  ;  s.  Teufelsnamen  in  Urquell  1891, 

6.  Bd.,  8.  20V  &3B.).  —  sowie  5. ss gelähmte  Krüp- 
pel, Stumme  (1182  besessener  mit  dem  Matal,  Gr.  W. 
V,  2474)  =  die  durch  den  Teufel  des  vollen  Ge- 
brauches der  Glieder  beraubt  werden.  —  ein- 
setzen, 1. -einpfropfen  z.  B.  künstliche  Zahne. 

—  2.  =  ei ii -setzen  (nd.  Duetten;  1468,  Quill  Iii) 
=  das  ausgesetzte  luxierte  Glied  wieder  an 
seine  Statte  setzen ,  einrichten.  —  (1C18)  einge- 
sessen (ndl.  aangezcs»on)  =  im  Inneren  festsitzend, 
eingewurzelt,  eingefleischt,  z.  B.  Gicht,  Khetima, 
Fieber,  Wurm,  Angsätz  (Pausa  61 ;  De  cock  23s). 

—  (1688)  rt,t- setzen  =  den  Kot  von  seinem  Sitze, 
seiner  Stelle  wegnehmen  ,  laxieren,  den  Leib 
lOsen,  die  Milch  versetzen  nach  einwärts  (mnd. 
gpena  intsrt,  de  Vr.  74  ;  Gr.  \V.  III,  621).  —  (1)92)  er- 
sessen  =  veise.sscn  z.  B.  vom  Kiter  (Seb.  93).  — 
/"-säss  (  setz)  (angin,  lunati-seitda  —  illnm,  D.  tt-Vj 
nn«ei>t,  ausevat  —  exenteni,  D.  216 j  ndd.  Itisctc,  ßchru. 
II,  331  ;  „die  kiuds  iiisetz"  ;  1417  inghesud  detrtisus, 
D.  II,  1.12) -  das,  was  innen  liegt  im  Leibe  :  a)  Ge- 
därme, die  herausgeschnitten  w  erden  (s.  Inster) ; 
b)  das  Kind  im  Mutterleibe  (Schwangerschaft J 
(Cr.  W.  V.  "09;  Falke  I,  414;  Schm.  II.  331).  —  Kille- 
Setze,  f.  (altnord.  kn>>  setti,  Welnhold  290);  bei  der 
Geburt  der  Germanen  setzte  sich  die  Gebarende  auf 
die  Knie  des  Mannes,  das  dadurch  geborene  Kind 
wurde  dann  „gehoben";  die  Adoption  eines  Kindes 
geschah  durch  die  Kniesetze,  eine  symbolische  Wieder- 
geburt; s.  Knie  n.  Knie- Basel*.  —  (1H43)  Kripprn- 
Setzer,  I.  =  ein  Pferd,  das  zum  Kfllpsen  oder 
Kücken,  Koppen  (s.  d.),  die  Zähne  auf  die  Krippe 
ansetzt,  um  aufstossen  zu  können,  wobei  es  bald 
durch  Krankheit  ma«er  w  int  (Falke  11,  46).  —  2.  = 
(übertragen)  ein  magerw  erdeiiilcr  Mensch  (Schräder 
tt|  (s.  Krippe  5).  —  /cM/r/s-iirseSBen  ~  s.  o.  be- 
sessen (vom  Teufel),  ilaenioniacttS  (Iluck  14); 
(teil fei  winnlg).  —  (18-.1 !)  umsessen  :  wahreud  nach 
dem  Itltuale  eccleslastleum  die  „Besessenhell"  der 
höchste  Grad  des  malellclum  dlabolicum  ist,  wobei  der 
Teufel  von  allen  oder  doch  von  den  meisten  Gliedern 
so  Besitz  ergriffen  hat,  dass  er  den  natürlichen  Ver- 
richtungen hinderlich  entgegentritt,  ist  bei  der  ob- 


Seuche. 


Seuche. 


Netto  (-  UinseSSen  sein)  «kr  Ihm*  Geist  nicht  vol- 
lends eingedrungen  ;  er  hat  aber  Anstrengungen  hieiu 
gemacht,  einein  Feinde  gleich,  der  eine  .««»dt  umlagert 
(Nippold,  die  gegenwärtige  Wiederbelebung  de*  Hexen 
glaubens,  s.  23;  Demokrito*  III,  .'20)  —  M«fVr- setzt 
=  von  niedergestelller  Natur.  —  rrr-sesaen  ■ 
au  unrechter  Stelle  sitzen  geblieben  z.  B.  Hlut, 
Winde,  Harn,  Kiter  (Rudi»),  —  (IUI)  wsetzt 
an  unrechte  Stelle  gesetzt,  luxierl  (liod.  Jun.  397), 
verstopft  (angl.  utgang  (orteten,  »IIa  gckyndum 
(=  genltalla  femlnae]  torsetenuni,  Cock  11,  172.  174). 
—  V.  i  setznng  =  Metastasis  humorum  (siehe 
Flau,  Rheuma,  Blut,  Galle)  nach  altein  humo- 
ralpathologischera  Dogina,  „derjenige  Vorgang, 
bei  dem  gewisse  Subsianzen  in  die  Blutmasac 
gelangen  u.  sich  an  anderen  bestimmten  Stellen 
des  Organismus  ausserhalb  der  befasse  alt- 
lagern oder  weiter  entwickeln"  (Koth  323).  — 
Milch  -  l'rr-aetzung  ( Versatz)  =  Metastasis 
lactis,  le  lait  repandu  ;  man  dachte  »ich  noch  UM 
(Kopp  1.  175),  da.**  »ich  z.  It.  beim  sogerf.  Milehfieber, 
Milehschuelss  der  verschwindende  Milchfluss  der 
Wöchnerin  (und  Kuht  als  perl raclrltischcs  Kxsudat  In 
deu  I.eib  verschlagen  (s.  d  ),  versetzen  oder  al«  Milch- 
Schweis«  auftreten  könne  oder  unter  dem  Bilde  der 
Maula  puerpcmll«,  ebenso  als  Huudswut  zu  Kopt  steige 
(Gr.  Vi.  VI,  2280),  »eil  der  Kenntnis,  das«  die  ver- 
schiedensten Zellen  waiidcmug«iahig  sind  ,  hat  die 
Mela«lA*cn- Lehre  Ihre  Berechtigung  erhalten  ,  aller- 
dings nicht  in  der  erwähnten  alteren  AurTussung.  — 
Wehen-  lYrsetzung  -  das  Kintreten  schmerz- 
hafter  Kniptindungen  (Neuralgien)  an  anderen 
Orten  an  Stelle  der  natürlichen  Geburls-  o<ler 
Nachwehen,  meist  verwechselt  mit  entzünd- 
licher Parametritis  oder  Perimetritis  (Allg.  med. 
Centr.-Zeitg.  18Ö6,  3.  220).  —  Zersetzen  (-SetZUHg) 
=  etwas  ganz  und  gar  in  kleine  teile  «erlegen 
und  falsch  verteilen,  vermengen,  entmischen 
(Safte,  Detritus,  Septikaemia,  Pyaemia).  — 
Setz  A*o/</. 

Seuche,  f  (Seucht),  f.  (vorgerm.  suk  [schwach]  ; 
altgerni.  sink  [Krankheit];  ahd  sluhhl,  f.  -  Krankhell, 
Klupe*,  317;  aegritndo,  debilitaa,  molestla,  morbus, 
lauguor  ISieche ,  Siechheit,  Seuche],  Graft  VI,  139; 
mhd.  «lache  =  Krankheit,  Seuche,  Lexer  230 ;  15  Jahrh. 
sewche  =  pestl«,  1)  131;  siuebede  —  Seucht,  8chmeller 
II,  219;  liM  slcckte ;  ndl  «Ickten  -  Sucht,  De  Cock  4; 
norweg  .dän  syge  -  Seuche).  —  Seuchte.  Seuche ,  f. 
Seuchen,  m.  1.  ^allgemeine  Krankheit,  diu  den 
ganzen  Körper  schwächt  (luo  =  schwachen,  Lue») 
oder  eine  Krankheit  der  ganr.en  liegend,  der 
ganten  Sippe  od.  Herde;  „schwerer  Gram,  der 
das  Hetz  bricht,  galt  (bei  den  Nordgermanen) 
ebenso  wie  eine  Seuche  als  Ladung  zur  (Todes- 
göttin) Hei"  (Maurer  II,  93.  Anm.  102;  In  Mecklen- 
burg wird  sie  durch  Besprechungen  RuiK  iistab]  ,  ge- 
brochen"). —  2.  ansteckende  Krankheit,  die 
allgemeiner  sich  ausbreiten  kann,  da  die  Ge- 
sunden durch  die  an  derselben  Krankheit  Lei- 
denden angesteckt  werden  kennen;  Morbus 
popularis  s.  epidemicus  (int  •  ?-fju.o-  -  über  das 
ganie  Volk  hinziehend),  epizooticus.  —  3.  =  der 
Krankheitsstoir,  der  ditich  den  ganzen  Korper 
oiler  das  Land  geht  (17.  Jahrh.;  Fr.  Kr.  B.  ;ts.'>).  — 
4.  =  eino  ganz  besonders  auffällige  Krankheit 
«.  It.  Kpilepsia,  Malaria  (dy  keld  ader  der  «euchc 


=  fehris,  D.  II,  169).  —  5  =  gegenwartig  fast  nur 
noch  bei  den  Animalia  bruta  gebräuchlich 
(=  Epizootie);  dagegen  Sucht  =  menschliche 
Seuche.  —  Benchen  =  ganz  krank  sein  und 
machen.  —  seuchender  (11*2,  D.  199.  >S9)  —  t«»r- 
peus,  elueus,  krank,  an  einer  Seuche  erkrankt, 
siech.  —  (iis2)  seuchiger  =  elephantiacus,  «ler 
an  ansteckender  Lepra  (Elephantiasis,  s.  Aus- 
salz) Leidende  (Zeulng.  Voc  dd7).  —  seucht  ig  = 
durchseucht,  seuchig.  —  (1709)  anfällige  Seuche 
=  ansteckende,  vom  Damonenanfali  herkom- 
mende, epidemische  l'estkrankheit  (llaeaer  II, 
415).  —  (16.  Jahrh.)  anrührende  Seuche,  1.  =  eine 
durch  die  Berührung  durch  den  Krankheits- 
danion entstandene  Krankheit.  —  2.  -  eine 
durch  die  Berührungdee  Mensehen  ansteckende 
Krankheit  (Gr.  W.  1, 431).  —  (1790)  Arit/irrtjr  Seuche 
=  Milzbrand  (s.  Anthrax)  (Feser  1U).  —  Aphthen- 
Seuche,  1  -  Maulseuche  (s.  d  ),  Stomatitis  aph- 
thosa epizootica  (Klauenseuche)  beim  Hornvieh; 
(not)  Aphthae  pecorinae  (lleckcr  II,  001)  (Febris 
bullosa)  Blasenseuehe;  (engl,  ibrush  =  Dro«««l, 
Koth  522;  Förster  II,  25).  —  2.  -  Beschälseuche  in 
Form  von  Aplithenidäsehenanden  Geschlecbis- 
teilen  des  Pferdes  (Htiec  I,  10.53).  —  (i»42)  Augen- 
Seuche  (-Seuchte)  (adL  oogztekt« ,  De  cock  iaa), 
1.  >  s.  Augenkrankheit  und  -Entzündung.  — 
!  2.  =  eine  ansteckende,  epizootische  Augenent- 
zflndung  bei  der  aphthösen  Maul-  und  Klauen- 
seuche, namentlich  unter  den  Haussäugetieren 
(K.  u.  P.  H,  478,  Falke  I,  86).  —  (1616)  auSMifzimhe 
Seuche  =  ansteckender  Aussatz  (Lepra)  (Tarn 
celsus).  —  Bandicurm  ■  Seuche  -  Nomatoden- 
Epizootie  bei  Lämmern  (Zlpp  622).  —  Begat- 
tung»-, Beschäler- Seuche  -  eine  aus  Ansteckung 
bei  der  Beschellung  entstehende  Krankheit  der 
Zuchtpferde  (sogen.  Schankerseuche,  Venerie 
oder  Frantzosen)  (Falke  I.  llo).  —  betchmei/udiehe 
Seuchte  (ndl  besmettelijke  ilektc,  De  rock  303)  - 
ansteckende  Krankheit  (Sucht, s.  bescluneissen). 

—  (1822)  /••  i.m  r;  Seuche  =  epizootischer  Milz- 
brand, der  Karbunkel  od.  Anthraxbeulen  macht 
iz.  Hdb.  in,  469;  Fe»er  i3o».  —  Zilasrn-Seuche  - 
die  epizootische  Maul-  u.  Klauenseuche,  Fcbra 
bullosa,  wobei  Aphthenhläschen  sich  bilden 

—  (1S42)  /."'r.' '-Seuche,  1.  =  rote  Uuhr  als  epi- 
demische Krankheit  mit  Blutlluss  aus  dem 
Datme.  —  2.  — Anthrax,  Milzbrand  (derScbafe), 
der  hautig  Blutergüsse  im  Leibe  macht  ((ranz  , 
ISI3  maladie  de  sAng,  Delafond;  Bollinger  in  Z.  Bdb, 
III,  449;  Bard.ieben  I.  300;  Fcser  92;  Fuchs  II.  296) 

—  S. ss Blut  seieben,  Blutharnen  (Falke  I.  139).  — 
böse  Seile h  e,  te),  1.  =  (1582  höso  Hcuch  atn  l.eib, 
Lonlc.  127;  1811  hose  Seucht,  I'aracelsui)  =  bOse 
Krankheit  der  Pestdenz  als  Seuche.  —  2.  — 
Epilepsia  (Seuche  4),  Hystero-Epilepsia  (F.  Möll- 
mann VII,  200;  A.  V.  B.  I,  601).  —  (1839)  Brand- 
Seuche  =  epidemische  Kriebelkrankheit ,  die 
durch  den  Mutterkornbrand  (Getreidebrand, 
Ergotismusgangraenosus)  verursacht  ist ;  (siehe 
St.  Antoniusfeuer,  heiliges  Feuer,  Brodseuche) 
(lleckcr  319).  —  (KSI2)  />Ymn-SeUChe  -  Ignis  sacer, 
brandiges  Kotlauf,  Milzbran<l  (Falke  I,  15.;).  — 
firo<!  Seuche  -  die  durch  Vergiftung  mit  Mutter- 
korn (das  ui\iv{hov  u.t\äu.r:D^ov  der  Alten)  im 

|  Brodmehl   veranlassten   Epidemien  (Brand-, 


uigitized  Dy  VjC 


Beucha 


Seuche. 


«4t 


Brenn-Seuehen),  worunter  auch  das  heilige 
Feuer,  ÖL  Antoniusfeuer  fallen;  „es  bedarf 
nur  einer  Veranlassung,  vor  allem  des  Kin- 
setzens  irgend  einer  akuten  Erkrankung  (z.  B. 
den  Typhus,  der  Pocken  etc.),  um  in  dem  durch 
Mutterkorn  (Brodmeld)  vergifteten  Körper  die 
schlummernde  Neigung  zum  kalten  Brand  her- 
vortreten r.ti  lassen" ,  cfr.  Seuche  -  Calami- 
tas  (calamns  =  Hiüm  oder  Ähren;  Kolsrt  I ;  Vier- 
ordt  75 ;  Jnnus  is'.i*:  (■».  martialisches  Feuer")  Bei 
diesen  Brodseuchen  «(•■In  die  gangränöse  durch  Sphäre- 
linsaure-  Vergiftung  veranlagte  Form  {=  heilig»'» 
Feuer  4)  de«  Ergottsmus  (Kornbrand)  In  einem  zeit- 
lichen und  lokalen  G  ege  n  sa  t  z  zum  convulsivlschen  Er- 
gotismus (Morbus  cet^-aUs  spastnodlciis  =  Krlebel- 
kranklu-it.  Krampfsucht) ;  erster«-  Formen  sind  die 
alteren  und  südlicheren  ,  letztere,  d.  h.  die  Kratnpf- 
cpldemicn,  sind  die  neueren  und  mehr  In  Iientschland 
l»ekatiniercn.  ..Seit  171«  überwiegen  die  Krunpfepl* 
demlen  (durch  Cornntin)  so  sehr,  dass  auf  '.'0  (F.rgotln) 
Epidemien  nur  s  mit  Branden>cta<  Intingen  (durch Sphft- 
cclinsAurc)  kommen"  (Hob.  I,  4U  ;  (s.  Krampfsucht). 

—  [1842)  Zo  n>f-Seuche  =  epixootitche,  influenza- 
ahnliche,  durch  tlas  Lustig'sche  Bakterium  an- 
steckende Krankheit  der  Pferde,  Pferdestaupe, 
die  hauptsachlich  P.rustkrankheiten  (Pleuro- 
pneumonien D.  Katarrhe)  macht  (Villnr.  t  n.  1h ; 
Kalkt-  l.  1<>2;  dan.  brystsyge;  schwed.  bro-t  sjtika).  — 

St.  Cornr/i».s-Seuchte  [ndl.  (Not  Cornelioi  Kiekte) 
=  F.pilepsia,  Sl.  Jans-Ohel,  angeblich  weil  Pt.  lor- 
neliu«  I'atron  dagegen  war  (He  rock  III);  nach  ndd. 
Volksglaulnn  IM  St.  C  ornelius  ein  glühender  Mann, 
der  einen  Jährlichen  Kitt  macht  und  alljährlich  um 
eitlen  Ilahncn'chritt  naher  kommt  (=  Sonne);  mit 
dein  Sonnenkulte,  dem  die  Heilung  der  Besessenen 
und  Geisteskranken  zustand,  hangt  auch  St.  Johannes- 
tanz  u.  St  Jans  fbcl,  sowie  Hirn  weh  («.  d.)  zusammen 
(.Scbell  1»:..  19..;  I  r.piell  1*99,  S.  IVO).  —  (KW)  typ- 
ritchc  Seuche  -  eine  vi<r  15<>5  auf  der  Insel 
f'ypern  herrsehende  Petechialfieber- Kpidemie, 
die  nach  Italien  verschleppt  wurde  (v.  M.  II,  121). 

—  [1842]  Darm- Seuche  =  Ruhr  als  Kpiiootie 
(Falke  I,  2t»5).  —  Dörr-,  /)uVr- Seuche  (15*2,  tarnte. 
137)  =  Darrsucht.  —  (is.  Jahrh.J  l>rü*t  «  Seuche 

(druzes.  uche  —  inouinarla,  D.29S),  1.  -  BuOonenpest, 
Beulenpest.—  2  —  Drflsenlieber  beim  anstecken- 
den Rotz  der  Pferde  (Mayer  17tu  — 3.  =  s.  I »rüsen- 
sucht.  —  (is42)  durch  -  seuchen  —  den  ganzen 
Korper  krank  machen,  eine  Seuchenkrankheit 
überstehen,  so  dass  der  Seuchenstoff  durah  den 
ganzen  Körper  durchgegangen  ist  (Falke  I,  224), 

—  heimlich  durchgeuchen  -  eine  Seuchen- 
krankheit überstehen,  ohne  dass  sie  sieh  nach 
aussen  bemerkar  macht,  offenkundig  wird.  — 
A'(/e/-Seuche  -  Lcberegelseuehe,  Kachexia  ver- 
minosa,  welche  viele  Tiere  einer  Herde  ergreift 
(s.  Anbruch)  (Falke  I.  227).  —  (IM*)  engtüthe 
Seuchte,  Seuche,  1  =  (ndL  enxelaefa«  zlekte,  De 

lock  70;  norweg.  cngclsk  syite.  Janus  1m9S,  8.  4üö)  = 
englische  Krankheit  (s.  d.)  —  2.  =  englischer 
Schwein,  Sehweissueht  (Lorsch  214).  —  Erb' 
Seuche  -  Morbus  hereditatins,  eine  Krank- 
heit, die  „man  mit  seiner  ganzen  angeborenen 
Natur  von  (Jebtirt  aus  hat"  fs.  Lrbsueht,  Krbe; 
g.  Seuche  1)  (Gr.  W.  III,  740.  711).  —  (1M2)  Euter- 
Seuche  =  ein  F.uterausscblag,  der  epizootisch 


auftritt  a)  bei  der  Maul-  u.  Klauenseuche;  b)  bei 
den  Kuhpocken  (Falke  I.  36t).  —  (hin-) / nllcnde 
Seuche  (Seuchte)  (UN,  ndl.  vallende  Sickte  [siecktel, 
I»e  Cook  4.  93.  III;  Tirol;  Hey!  788)  =  Kpilepsia 
(Seuche4)  (<ir.  W.  III,  1291),  Fallsucht  (s.d.).  —  (K.99) 
/VM- Seuche,  1.  =  (I7it*>)  Aussatz  (u.  Syphilis), 
Feldkrankheit*  2;  die  daran  Leidenden  wurden 
wegen  der  Ansteckungsgefahr,  die  dieses  Haut- 
leiden mit  sich  brachte,  ins  Fehl  vordieOrtschaft 
hinaus  abgesondert  (feldsiech ,  sondersiech) 
(Zw.  244;  vielleicht  entstand  hieraus  das  ndl.  vclziektc 
=  Fellkrankheit,  Hautleiden.  V.  K.  IX,  144).  —  %  = 
das  Lager»  oder  Petechialfieber  (v.  M.  II,  121).  — 
(1497)  flechtend*  Seuche  (flechtenne  suche),  1.  = 
eine  liechtenartig  sich  ausbreitende,  epidem. 
Krankheit,  r..  B.  Ruhr  (ITaeser  II,  384).  —  2.  = 
eine  epidemische,  Flechten  (Syphilis)  etzeu- 
gende  Krankheit  (II.  z.  VIII,  31»).*—  (1589)  Fran- 
tnsen-  (fränkische)  Seuche  ■  die  epi<lemische 
Franzosenkrankheit  (s.  Franzosen),  Syphilis 
(türkisch  frenk  ylletl  =  Morbus  i-allicus,  Globus  \s<}\ 

8.  5s:  Pr.  i,  xii  ;  zw.  6S.U  —  (KS90  Fra uen -Seuche 
=  Menstruum  —  Frauensiechtum,  Weiberkrank- 
heil (D.  358).  —  Friedet-  (Fricster-)  Seuchte  [ndL 
vrljster-zlekte.  I>eCock224)=  Bleichsucht,  Jungfern- 
krankheit,  maladie  de  jeunes  lilles.  —  Friesel- 
Seuche-=  der  epidemische  Friesel  (s.d.)  (Herker 
I.  177).  —  (18121  Fuss-Seuche  =  die  epizootiseho 
Klauen-  (Aphthen-),  Huf-Seuche  (Gr.  W.  IV.  l. 
10M;  Falke  I,  29<»).  —  Gallen  Seuche  =  Rinder- 
pest, wobei  diotialle  infolge  gehemmten  Ab- 
flusses in  deriiallenblase  sich  ansammelt  (siehe 
grosse  (ialle,  C'bergalle)  (K.  u.  V  III,  765).  —  (1SI2) 
Gedärm-  Seuche,  1.  =  Darmseuehe.  —  2.  = 
l.ammerruhr  der  Kalber  (Frank  540;  Falke  I,  .115). 

—  (17s*»)  geile  Seuche  =  Tripper,  Syphilis  (an- 
lehnend an  seichen,  Seiche,  Nicolai  II,  Kit),  —  geistii/r. 
Seuche  =  eine  durch  psychische  Ansteckung 
sich  weiterverbreitende  Krankheit,  z.  B.  die 
Flagellanten  des  P).  und  14.  Jahrhunderts.  — 
gelbe  Seuche  {[Luxemburg]  (fiel-zecli'-kraut :  herbe 
de  la  Jannl««e,  Goldwurzel,  Kol.  l'.t«)  =  (leihsucht. 

—  Gelmk -Seuche  -  die  epizootisehe  Maisucht 
(s.d.)  der  Fohlen  und  Lämmer  (Laramerlähme), 
die  sich  in  Gelenkerscheinungen  kennzeichnet 
(Förs'.er  II,  loiu).  —  (K.is)  gemeine  Seucht  -  allge- 
meine grosse  F.pidemie,  Lues,  Morbus  epide- 
tnictis  (Schmeller  II,  21»).  —  (MM)  giftige  Seuche 
=  Pest,  wegen  der  hohen  Ansteckungsgefahr 
(Steinmayr,  Marianis«  he  Schatzkammer  162;  Kirsch 
9O0;Ma.«chenb.).  —  (jsi::i  (;,,:■>  Seuche  .Maiseuche 
(Falke  II,  9ti).  —  (K.99J  griechische  Seuche  =  das 
unter  den  (iriechen  auf  Cypern  (vor  1505)  herr- 
schende Petechialfieber  (v.  M.  II,  121).  —  (14S3) 
gronse  Seuchen  =  gemeine  Seuche  mit  In  »her 
Sterblichkeit  (C.  Megbg.).  —  hästige  =  heftige 
Seuche  (Iftsi,  ndl.  haestlge  zlcckte.  Jantis  1897,  8.  157; 
ahd.  heisti  =  hitzlc ;  Roth  hait'-t- ,  anal«  hae«te  -  heftig ; 
ahfrunz.  hn^te  [hAte);  bayer.  haift  =  hcftiir.  Kluge*,  1  "»7. 

H.  0J. —  (159:i)  Haupt- Seuche  !hi\upt«tuhe;  Haupt- 

sucht  (s.  d.)  (Gr.  w.  vii,  1-  7L).  —  Hu us-Seuche, 

I.  =  eine  an  Wstimnite  Ilauser  sich  haltende 
Epidemie  (z.  B  Typhus),  Kpoikia.  —  2.  ----  stall- 
krankheit  gegenillier  der  Wcidekrankeit.  — 
//••■••'  Souche  (ndl.  huldzicktc,  r>e  Cock  72)  —  Haut- 
krankheit. —  (16W)  hessische  Seuche,  1.  =  ein 

41 


642 


Seuche. 


Seuche. 


im  IG.  Jahrh.  in  Hessen  grassierender  Petechial- 
typhus (?)  (v.  M.  II,  121)  —  2.  =  hessische  Krank- 
heit 2  (Krampfsucht)  (Kolbert  I,  BS:  „die  erste 
wirklich  medizinische  HrnchrellrnnR  der  (Mutterkorn-) 
Seuche  durch  einen  Fachfjelehrten  flammt  von 
Wendclin  Thalius  aus  dem  Jahre  l'i.«W;  ]A9i'i  cab  die 
medizinische  Kakultiit  der  Universität  Marburg  ein 
noch  jetzt  erhaltenes  Gutachten  üher  eine  damals  in 
Hessen  herrschende  Kpidemle  ah,  In  welchem  Gut- 
achten zum  erstenmale  der  seitdem  Ms  heute  noch 
übliche  Name  »Kriebelkronkhelt«  für  Mutterkornver- 
Kiiiung  [«,  Brodwoche]  vorkommt  ").  —  (t?>6)  hin- 
fallende Seuche  =  böM  Seuche,  hinfallende 

Sucht  (F.  HofTmann  VII,  100;  Zt.  V.  391).  —  [1583] 
hitzige,  (1812)  Ritz  Seuche  =  eine  ansteckend« 
Krankheit  mit  hohem  Fieber  (Lnnic.  2tl;  Kalke 

1,  401;  <ir.  W.  IV.  2.  K*i);  bei  Tieren  =  Milzbrand. 

—  (itvj)  Hornvieh-,  //orn  Seuche,  1.  —  Vieh- 
pest, Hinderpest,  Hoserdörre,  die  nur  da«  Horn- 
vieh befallt  (Falke  1, 412).  —  2.  =  Hornfaule. 

—  3.  =  Klauenseuche  (Hocker  II.  601).  —  (isla) 
Huf  Seuche,  1.  =  Klauenseuche  Kalke  I.  299. 
419).  —  2.  =  fieberhafte  Krankheit  bei  Pferden, 
mit  Auaaohuhen  gefolgt.  —  Hund{»,  e)- Seuche 
=  Staupe  (s.  tl.),  Kpizootie  unter  ilen  Hunden 
(Merk  329;  Kulke  I,  421.  II,  <V0).  —  2.  -  S.  Laune 
und  lnnatischer  Fluss  =  Hundswut.  —  (1741) 
//»mi-Seuche  =  Syphilis,  Morbus  gallieus  Zw. 
fifö,  Kirnch       durch  gemeino  Frauen  verbreitet. 

—  Huste n  Seuche  —  epidemische  Inllucnzn,  die 
mit  Brusterscheinungen  einhergeht  (s.  Husten) 
(Gr.  W.  IV,  l.  1276).  —  St.  Jnn«-Seuchte  1  «oi 
Rlnt  Jans  riekt«,  De  Co«k  III)  =  St  Jans-Übel, 
Kpilepsia,  Veitstanz,  St.  Johannestanz  (siehe 
st.  Johann,  Hirnweh,  st.  Jobannee-Tant).  — 
St  h  '  -  Seuche  (ndl.  s.  Jobs  riekt«.  Peljpen  9»;  - 
8.  St.  Johssucht,  -Krankheit,  -Übel.  —  kalte 
Seuche  II77  dye  kalde  seuche  —  lebris,  D.  22*,  15.N2 
kalte  seuche,  Lonlcem*  291],  1.  =  das  Kalte  (seil. 
Fieher,  s.  kalt).  -  2.  -  s.  kalte  Seiche.  -  KtM- 
Seuche,  -Seuchte  (ndl.  kcel-ziekte,  Do  (oek  42. 
Kalke  I,  y  =  Kehlsucht  (s.  d.)  —  (i*i5i  Klauen- 
Seuche,  1.  =  die  an  der  Krone  des  Klanen- 
viehs durch  Infektion  mit  einem  ovoiden  Ba- 
zillus  atiflretende,  epizootisch  sich  verbreitende 
Bläschen-  (Aphthen-)  Entzündung  (Seabra  cutis), 
die  immer  mit  Mundblaschen  (Aphthen)  ver- 
hunden  ist  (stehe  Aphthenseuche) ;  Forsetto, 
Vajulo.  —  bösartige  A'/ancnseuche  -  siehe 
nachfolg.  —  (i>2cj  f ran  totlache,  spaniche  Klauen- 
Seuche  ~  die  erst  seil  der  F/inffthrung  spati. 
Merinoschafe  aus  Spanien  und  Frankreich  bös- 
artig und  bekannt  gewordene  Klauenseuche 
der  Schafe  (spanische  Hinke)  (Zlpp.  G:s5;  Förster 
II,  2".;  Gr.  W.  V,  1004;  Münch.  Med.  W.  1S97,  8.  771; 
Srhnurrer  II,  493;  dän.  klovesyse  .  —  2.  -  .>  put  tisch) 
Fussgicht  (Podagra)  heim  Menschen.  —  3.  = 
l-'alkc  II,  14  unterscheidet  auch  eine i  chronische 
A7aMr«aeuche  (Klauenwurm).  —  (1M2)  Kopf- 
Seuche,  I.  =  Mihtbrnndepizootie  mit  Anthrax- 
beulen  am  Kopfe  der  Schweine  (Zlpp.  67:!}.  — 

2.  =  hitzige  A  '  ;  /seuche  —  Typhus  boom  (Milz- 
brand) (Falko  I,  110).  —  3.  =  spanische  Kopf- 
seuche  -  eine  Gehirnhaut- Knlzundung  l>ei 
Pferden,  die  in  Spanien  besonders  rasch  ver- 
laufen soll   Kalke  II,  83.  323).  —  (13*8)  Kriebel- 


Seuche  ■  epidemische  Kriehcikraukheit  (siebe 
auch  Hrodseuche  u.  Kratnpfsucht)  (Heeker  317); 
„das  Wort  erklart  sich  so,  dass  noch  vor  dem 
Schwarzwerden  der  Finger-  und  Zehenspitzen 
(s.  heiliites  Feuer  u.  Hrodseuche)  in  denselben 
ein  Gefühl  des  Kriebelns  und  der  Vertaubnng 
auftritt,  ganz  so  wie  in  einem  eingeschlafenen 
(«Hede"  Knbcrt  I.  3«  (Cornutin- Vergiftung).  — 
Kriegs- Seuche  =-  eine  zu  Kriegszeilen  ver- 
breitete Kpidemle  iGr.  \v.  v.  22931.  —  Kropf- 
(Kroup)  SeUChte  (odl.  kropzlechlo  -  <  rotip,  l»e 
<  ock  sH  i  >o  =  die  krankhafte  Atemnot  bei  Kropf- 
gesehw iilsten  und  beim  Kroup.  —  (1183)  Länk- 
Seuche  eine  seuche  der  lenk  i  —  eine  epidemisch 
oder  häufiger  auftretende  Glieder-  (Gelenk-) 
Krankheit  (O.  v.  Mcghg.).  —  ;iß*  Lan d  Seuche, 
einfallende  =  Morbus  epidemicu»,  die  sich  Ober 
»las  ganze  Land  ausbreitende  Kpidemie  (Land- 
plage, 1  Jindslauf)  Münch.  Med.  W.  is:<7,  8.  et«; 
(ir.  \v.  vi,  136).  —  it>>2]  hnvje  Seuchen  ■  eine 
lange  dauernde  Sieehheit,  langer  Wehtag  des 
Leibes,  d.  h.  lies  ganzen  Korpers  (147."»  «uyckte 
dnir  men  lnnj;  an  qwclet,  I>.  ISO)  (Mol  bus  chronicu*) 
(Zcn.  Voc.  s  2).  —  /^rrrv/W-SeUChe-  —  Kpizootie 
von  F.ehinocoeeus,  Oer  mit  Vorliebe  in  der  Leber 
seinen  Sitz  hat  (bei  Schafen),  Bettel*,  Bettel- 
krankheit.  —  (1690)  leidige  Seuche  (der  Posti- 
lontz)  ™  leid  bringende  I  n  fektionak  ran  kbei  I  mit 

hoher  Sterblichkeit  i'Stelnmayer,  Marian.  Schatz- 

kammer  vo).  —  fi797j  Liebes  Seuche  —  Syphilis, 
geile  Seuche  }.  V.  Krank  V.  Hb).  —  (ISI2)  Lungni- 
Seuche  -  die  Hinderpest,  eine  epizootisch  auf- 
tretende IMeuropneumonia,  interstitielle  Lnn- 
genentaflndung  mit  Brest  Wassersucht  beim 
Kinde  (Fftr-ter  Ii.  2Vi:  K.  n  p.  III,  209;  Gr.  w.  Vi, 
IMS;  Falke  1,  163;  II.  82).  —  (IMS;  wurmige  Lungt n 
Seuche  (Falke  II,  84  siehe  nachfolg.  —  (IM3) 
Lungenwurm-  Seuche  =  eine  epizootisch  sich 
verbreitende  Haustier  -  Krankheit  (I.umren- 
katarrh),  durch  den  Hungenwurm  (Strongylua 
filaria  beim  Schafe,  Strongylua  mirurus  beim 
Hindu,  Strongylus  paradoxus  beim  Schweine 
und  Schafe)  verursacht  Zipp.  fiii).  —  Lust- 
Seuche,  1.  =  der  heftige,  sinnliche,  starke  Trieb, 
„die  krankhafte  Begier"  Concubiscentia  (Kir*ch 
272)  des  ganzen  Geachlechtaa pparatea  zur  Wol- 
lust, als  Seuche  (1)  und  Fieber  oder  Krankheit 
gedai'bt  (l.ls  /um  lv  Jub-li.  *n  i,"  l'ruiieht),  LibidOg 
Prolibitln  Gr.  \V.  VI,  13."*;  Heyne  III,  702;  14.  Jahrb. 
blver  =  die  Renchlei htliehe  Hitze,  die  LtMtMOOb«1  als 
Kielsjr:  „de«  »amen  aatttt  tut  nach  der  eeluxl  imde 
nach  dem  Mver;  etwenne  wlrt  der  same  zu  heiz  In  den 
nirn  1  Hoden]  onde  macliit  ein  blver",  Hoff  mann  I, 
320);  die-er  HeRrilT  »urde  veidränirt  durch  2.  =  den 
I  Morbus  vetiereus,  verursacht  ilurch  *lie  sogen. 
Hust>euchcnschUrfe  (1797)  (s.  d.  ~  Syphilis, 
Schanker,  Tripper);  (1M0)  =  Franzosenkrank- 
heit (Gr.  \V.  II,  571;  172C  =  morbus  venereu«,  Gr.  W 
VI.  13i0;  1771  Nicolai  II.  529;  IV,  235;  1S41  =  gyphlli». 

Daater  II,  216;  hon.  loatilekte  =  BjpblUi).  —  3.  = 
I  die  Perlsncht  der  Kinder  (Franzosen,  Stier- 
]  sucht),  die  geperlte  Tuberculosis  houtn,  die  mit 
Syphilis  früher  verwechselt  wurde  (K.  n.  P.  II. 
143;  Zipperl  562).  —  (1843)  J/a//m -Seuche.  1  - 
Magendarmseuche.  —  2.  -  Mag'mentznndong 
bei  Schweinen  (Kalke  II,  9.:).  —  Magenilarm- 


Seuche. 


Seuche. 


Seuche  =  Typhus  houm,  die  Hinderpest,  Löser- 
dürre  mit  sehr  intensivem  Magemlarmkatarrh 
hei  Hindern  K.  u.  P.  Iii,  76>;.  —  Maycnwiirmer- 
Seuche  =  eine  epizooliseh  sich  verhreilende, 
duroli  die  auf  feuchten)  Weideboden  aufge- 
nommenen Eier  des  Mngenwurms  (Strongylus 
contortus  Rad.)  manschte  Sehmfkrmnkbei I 
(sogen.  Bleichsucht  oder  Faule)  (FAnter;  Zlpp. 
82«).  —  (1*4*)  Mai  Seuche,  1.  =  Maisueht.  — 
2.  =  Maikoder(s.d.  u.  Kraalader). —  (MM)  JfiuMM» 
feldische  Seuche  =  der  unter  den  Mannsfel- 
dischcn  Truppen  in  den  Niederlanden  herr- 
schende flVtechial-}I.agertvphus  (Hneser  II,  861). 
—  (i>r>)  Maul-  und  Klauen  Seuche  =  s.  Klauen- 
seuche (Zlciii-i.  Hdb.  d  «p.  I'atli.  u.  Ther  III,  071; 
.«.limirrer  II,  IM).  —  (l7*-9)  M<  hlthai  (Seuche  — 

eine  Kinderkrankheit  (Maul-  u.  Klauenseuche, 
Tau-Ö»ter),  die  damals  dorn  giftigen  Mehltau 
zugeschrieben  wurde  (Legende  f.  d.  g.  Mann,  IV, 
2W).  —  (IM i)  Milz- Seuche  -  epizootischer  Milz- 
brand (K.  u  P.  III.  204.  Merk  'J7.i ,  Kalke  II.  126).  — 
(lsy:)  3/nru/-Seuche  —  Maul-  und  Klauenseuche 
(*.  d.},  auf  den  Met. sehen  (Kind)  durch  die 
.Milch  etc.  de«  so  kranken  Hornviehs  über- 
trafen, Stomatitis  epidemica  (M.  Med.  Woeh.  ts-.»7, 
s,  '"J  771).  —  (low)  österreichische  Seuche  —  «las 
im  IG.  Jahrh.  nach  Osterreich  um!  Deutschland 
verbreitete  ungarische  Peteehiallieber  (v.  M.  Ii. 
121).  —  (MM)  0/i*-Seuche  -  eine  seuchenhaft 
an  einein  bestimmten  Orte  and,  daselbst  be- 
schrankt, auftretende,  mit  rein  örtlichen  Ver- 
hall nissen  zusammenhangende  Epidemie  oder 
Epizootie  (F»IVe  II.  1S2).  —  (losti  PehU  (PrstiUni; 

[ISS»]  ptgtUengbuhr)  Seuche  (Seuch  inoe]),  1.  - 
epiilemische  Beulen  perd.  —  2.  -  ansteckende 
epidemische  Krankheil  ubcihaupt  (Morbus 
pestilcntialis),  z.  B.  Petechialtyphus  <'.r.  \V.  VII, 
1373.  1.170;  Haener  II,  ::--'7;  I.ersch  272;  nirlingcr.  Sitten 

ii,  Anui  .  —  i  ii2,i  falsche  /V<.f-Seuche  — 
l'estilentia  caeca  et  notha  Ulaes.r  II,  318),  nicht 
die  wahre  Heulenpest  (Pect), sondern  eine  pest- 
artig sich  ausbreitende  Epidemie  mit  hoher 
.Sterblichkeit.  —  (low)  pfälzische  Seuche  -  das 
in  der  Rheinpfalz  und  Hessen  im  16.  Jahrh. 
herrschende  Petechialfieber  (v.  M.  II, .121).  — 
P/VrrtY- Seuche  —  ansteckende,  cpizootisch  sich 
verbreitende  l'ferdekiankheit  (hell  pnardztekte, 
fir.  w.  vii,  iow).  —  (Hi3j  Poeken -  Seuch  f,  /«*), 

1.  =  seuchenhaft  auftretende  Tierpocken.  — 

2.  ■  (RUacliltcli  toeh]  Kinderpest,  bei  der  am 

Euter  (s.  Euterseuehe)  bei  günstiger  Krank- 
heitswendung  ein  Ausschlag  erscheinen  soll 
(Falko  II,  Ms).  —  3.  =  (ndl.,  US»  steckte  der  pocken. 
dl.;  men  In  t  Ifttljn  morbum  gallicnm  noerat,  (iurlt 
III,  290)  Syphilis  (e.  I'ocken  u.  Blattern).  — 
Poppt  l  -  SeUCht  ndl.  popelslje.  Ho  <  ock  7.  U2 
apoplexia,  15,  Jahrh  poppelcia  —  morhua  cadiu'iis, 
I>.  II,  61;  1133  de  popelt  le,  po|>jM-l,  poppelsic  franr. 
pop.  Ilsio.  »riss.  246;  1440  Hiiehto  diel«  popelijr,  1>.  41 
-schla«  [apoplcxia],  clue  Krankheit,  Zolling.  V«ic.  z  4; 
l.Vi7  popetUyachtirli  —  apoplccUcus,  I».  41;  1Ü--  pop- 
pcUeucht,  Taberniium.  paraly-ds.  Schlau  lir.  W.  VII, 
2001;  1591  popcliyo  pjel(tcr],  Had.  Jim.  »7:1;  1192 
popelxle  (Strasburg],  Seh.  W;  17.11  poppelsseucht, 
Tabernocm.  =  die  verderbt«  Form  für) ;  (A)poplexie 
^  schwere  Lähmung  des  ganzen  Menschen, 


anlehnend  an  den  Krankhcludatnon  Poppcl  (Pöppel- 
inann  [».  d.j  =  apoplektlloruio  Pest)  und  siech,  zur 
Poppclseuche  cutstellt.  —  (low)  polnische  Seuche 
=  der  im  lti.  Jahrh.  von  Ungarn  und  Osterreich 
nach  Polen  verbreitete  Petechialtyphus  (v.  M. 
II,  121).  —  (l»96)  psychische  Seuche  =  eine  durch 
psychische  Ansteckung  veranlasste,  sich  an 
einem  Orte  ausdehnende  Krankheit,  z.  Ii.  Epi- 
lepsie, St.  Veitstanz,  Oespensterfurcht  etc. 
(Lersch  ;tl,  Anm. ;  513  zuerst  historisch).  —  Rachen- 
Seuche  =  Milzbrand  als  Hankkorn  im  Hachen 
der  Schweine  (Kalke  II,  222).  —  (1813)  Raek-,  Räch- 
Seuche  =  in  RinJerheerden  epitootiiefa  auf- 
treten, le  Seuche  mit  <len  Erscheinungen  der 
Osteomalacie ,  wobei  die  Gliedersteifigkeit 
( —  Hikhe)  ein  besonders  auffälliges  Symptom  ist 
(Kalke  II,  23.  228).  —  Rinder-,  (177«;  Rindcieh- 
Seuche,  1.  =  Rinderpest,  Rindersterben,  Loser- 
dürre  (Helm  lij.  —  2.-8.  Wihlseuche  n.  Rinder- 
sucht. —  }{  -.-Seuche  (boll.  horse -slckne«»)  — 
s.  Pferdeseuche.  —  ></rjn ' '-Seuche  ~  eine  mit 
Hotlauf  (-hitzige  Kopfkrankheit)  verwechselte 
Pferdestaupe,  Katarrhalfieber.Pferde-InHuenza; 
unter  Rotlauf  und  Rose  versteht  der  gemeine  Mann 
eine  Reihe  ihm  unbekannter  Krankheiten ;  bei  der 
Pferde-Influenza  ist  manchmal  Anschwellung  an  den 
liclncn,  am  Bauche  und  am  Kopfe  vorhanden,  daher 
Rotlauf  (».  d  !,  Influenza  erysipelatosa.  Villi. r  II,  18). 
—  (lsts)  /; f':.!  -Seuclie  =  Ruhr  (s.  d.)  als  Kpi- 
zootie  ;Kalke  II,  2  .1;.  —  il»t;:j  Subbe»  -Seuche  ^ 
Maul-  und  Klauenseuche,  wobei  die  kranken 
Tiere  beständig  geifern,  satlern,  sabbern  (Kalke 
II,2.'.3).  —  Sauf- Seuche  (Rauffseuche)  —  eine  krank- 
hafte, sehr  gesteigerte,  den  ganzen  Körper  in 
Mitleidenschaft  ziehende  Begierde  zu  trinken 
(Gr.  W.  VIII,  1*86).  —  Sc/ianker  Seuche,  1.  -  Sy- 
philis infolge  eines  Schankers  (Rittet  I7S6— 18.V7; 
Pr,  II.  617).  —  2.  ■  BesehJllersouehe  (s.  d  ).  — 
3.  =  Pferderotz  (Kalke  II,  271).  mit  Syphilis  (s.  d.) 
■  verwechselt.  —  SeharlacJi  Seuche  =  das  epi- 
demisch sich  ausbreitende  ScbarlachÜeber 
(<;r.  W.  VIII.  2207).  —  schleppende  Beuchten  (ndl. 
alependc  ziekteu,  De  Cock  11)  =  cbroniNch  langsam 
verlaufemle  Krankheiten.  —  Schweine- Seuche 
(Iduthmar&chcn,  swieiisükj  =  eine  früher  als  epi- 
zootinches  Schweine-Hotlauf,  hantig  zum  Milz- 
brand gerechnete,  jedoch  davon  getrennte 
Krankheit  (s.  Schweine  Hotlauf) ;  die  eigent- 
liche (deutsche)  s.  /  seuche  (im  engereu 

Sinne  auch  Schweinediphtherie,  Schweinpest) 
hat  ein  ovales,  septichtlmisches  Bakterium  zur 
Ursache,  das  Schweinerotlauf  ein  Stabchen- 
Bakterium  ;  unter  Schweineseuche  rechnete  man 
fiühor  und  allgemeiner  auch  Klauenseuche, 
Milzbrand,  Finnen,  traumatisches  Rotlauf  (K.  u. 

P.  III.  20'J;   t  rqucll  1S!'2,  8.  104;  Z.  Hdb.  d.  ip.  Pftth. 

u.  Thür  III,  408).  —  schwitzende  Seuche  {ndl.,  l.vje 
<ie  nreetentfe  zt..kie,  jnnus  is'.»7.  i.vij  engliecher 
Behweisi  als  Epidemie.  -  -  Seiten  Seuche  (last 

ein  seuche  an  der  «citln  ^-  eollra,  D.  131)  =  Peritonitis 
partialin,  Pleuresia,  Nierenkolik,  Lankabel, 
Lanksucht,  Settensucht.  —  sibirische  Seuche  = 
Milzbrandseuche;  (1810)  sog.  schwarze  Krank- 
heit mit  Iiramlbeuleu  (sibirische  Pustel),  aus 
Russland  und  Sibirien  nach  Deutschland  im- 
portiert (Schmidt  Jahrb.  14.  Rand  ;  Lerech  412.  431). 

41* 


Seuehö. 


Seuerlein— sieht. 


—  77  Seuchen  =  die  unaufhörlicheSeuche(siehe 
Sieben)  (In  Befprechungslonnein,  Gr.  D.  M.CXLI1I.40). 

—  (1822)  Skerlihco-SeVLChe  =  b.  Scherliewo.  — 
Sommer- Seuche  =  Milzbrand  (Anthrax),  der 
sich  unter  dem  auf  der  Sommerweide  befind- 
lichen Weidevieh  im  Gegensatz  zum  „winter- 
falligen"  Stallvieh  verbreitet  {Fe*er  130;  Falke  II, 
321).  —  (164 j)  Srarr-Seuche  —  Viehseuche ,  bei 
der  der  Schweif  de«  Tieres  auflallend  welk  und 
weich  wird  durch  den  angebliehen  Stftrzwurm 
(Coler,  It.  392;  Kalke  II,  KU).  —  Stall  -  Seuche  = 
eine  Krankheit,  deren  Infektionsstofl'  in  der 
Stallung  haftet  und  die  unter  Umstünden  auch 
auf  andere  .Stallinsassen  übertragbar  ist  (siehe 
Winterfalligkeit).  —  i"<mr-Seuche  =  Tanzwut, 
Tararitismus.  —  TVxoÄ-Seuche  =  eine  in  der 
amerikanischen  Provinz  Texas  euzootische 
Viehseuche  (Texasfieber)  mit  Haemaglobinurie 
infolge  eines  durch  Th.  Smith  u.  II.  Hilborne  ge- 
fundenen Doppel parasiten  PyroBomabigenium, 
der  durch  die  Kinderzecke  übertragen  wird, 
wie  Dr.  Koch  nachgewiesen  hat.  —  tiroli*ehe 
Seuche  =  Faleadine  (s.  d.)  (Pr.  O,  1 16).  —  trau- 
ernde Seuche  U4>2  traucrende  Beuche  —  torpor, 
l>.  6.H»)  =  Siechtag  mit  Schlafsucht,  Niederge- 
schlagenheit. —  (Endo  des  18.  Jahrh.)  Tripper- 
Seuche  =  die  den  ganzen  K.irper  ergreifende 
Gonokokken-  od.  Tripper-Infektion  (Autenrieth; 
Bitter);  „es  gab  damals  kein  Organ,  kein  Ge- 
webe, selbst  Haare,  Nittel  und  Knochen  nicht 
ausgenommen,  welches  nicht  von  der  Tripper- 
seuche ergrillen  werden  konnte"  [Kopp  IV,  78; 
Pr,  II,  599.  666).  —  [1*34)  Trommrl-SeVLChe  =  eine 
Trommelsucht  (s.  d.)  (  =  Tympanites)  als  para- 
sitäre Epizootie  unter  Schafen  (Mork  212).  —  (I8i:t 
7  üppel  -  Seuche  (Tippelseuche)  (Falke  II,  370), 

1.  =  Milzbrand  als  Beulen  bildende  Seuche.  — 

2.  =  (vcrallgcm.)  Gehirnentzündung  der  Kinder 
als  Epizootie.  —  (169t]  ungarische  Seuche,  1.  = 
der  1566  in  Ungarn  grassierende  Petechialty- 
phus (v.  M.  11,  121).  —  2.  =  i84:i)  aus  Ungarn  ein- 
geschleppte Kinderpest  (Falke  II.  38*;.  —  (ir,S9) 

vencristhe 

|  Seuche,  Beuchte  (ndl.  venauiekte. 

IX:  Cook  216;  17.V»  bei  Turner  [Proksch.];  dän.  veneriik 
»yge;  »chwed.  veneriik  sjuka),  1.  =  fleischliche  Lust 
Geschlechtstrieb.  —  2.  ~  Venerie,  Syphilis,  die 
durch  den  Dienst  der  Venus  vulgivaga  erwor- 
bene, den  ganzen  Körper  durehseuehendo  Lust- 
Beuche;  Faracelsus  machte  den  Vorschlag,  die  von 
Ihm  Luxus  (s.  d.)  benannte  UM  (Syphilis)  nach  dem 
Einflute  des  Venusgestirnes  Veuus  zu  nennen,  Pr.  II, 
162.  807;  Zw.  583;  lJibl.  Med.  ;.76  ;  Maschenb.  83; 
F.  Hoflra.  VH  212).  —  (17."»7)  unreine  Vcriwr-Seuche 
=  durch  unreinen  Beischlaf  erworbene  Venerie, 
'Bauini.  437).  —  verlarvte  Seuche  =  die  unter  dem 
Bilde  (s.  Larve)  einer  anderen  Krankheit  auf- 
tretende Syphilis  (Pr.  11,  66.).  —  (179:.;  Vieh- 
Seuche  (allgemeine),  1.  =  Kinderpest,  Löser- 
dflrre  (Abllg.  91;  Zlpp.  629).  —  2.  =  s.  Horn  Vieh- 
seuche. —  (169"»)  teäUehe  Seuche  =  der  1505  bis 
1688  in  Italien  herrscherde  Petechialtyphus 
(v.  M.  D,  121).  —  Wald  Seuche  (tranz  maladle  de 
bols,  mal  de  brout  [parceipie  les  bestiaux  broutent  le« 
traiUei],  Mozfu,  Dicüoun.  Ii)  =  Waldkrankheit.  — 
»'«//-Seuche  =  eine  über  fast  alle  bewohnten 


Strecken  der  Erde  verbreitete  Krankheit,  s.  B. 
Influenza.  —  (i»82)  triroVr-geuchen  =  wieder 
krank  sein  an  einer  Seuche  (Zentng.  Voc.  oo4).  — 
(1878)  Wild  Seuche,  l.  =  der  gelbe  Schelm,  d.  h. 
eine  dem  Milzbrand  oder  Kauschbrand  bloss 
Ähnliche,  epizootische,  durch  ein  spezifisches 
Bakterium  verursachte,  auch  auf  Kinder  Uber- 
tragbare, seplichämische  Erkrankung  des  in 
Parken  gehegten  Wildes  (z.  B.  Ebor*b*rg ;  Bölling« , 
ital  scUaKRlnai ;  s.  Waldkrankheit  u.  Waldseuche. 

—  2.  =  früher  auch  =  Milzbrand.  —  (17'-.:  Wol- 
/«.«/-Seuche  =  Luttoenehe  (a.  r.  h.  ii,  242).  — 

(18o2)  Wut  Seuche,  l.  =  epizootisch  auftretende 
ilundswut  (Lyssa).  —  2.  =  furibunder  Milz- 
brand Marx  62).  —  (1681,  l  .97)  ziehende  Seuche  - 
die  den  menschl.  Körper  mitziehenden  Glieder- 
schmerzen, reissenden  Zuckungen  und  Muskel- 
kritmpfe  ergreifende,  epidemische  Krampfnuclit 
oder  Kriebelkrankheit  (Ergotismus,  Zieh-Tier, 
Krimpf-  und  Krampfsucht)  Heeeer  II,  352;  Gr.  W. 
V,  201-.;  Hocker  317.  31S  ;  11,693;  Schnurrcr  II.  146) 

(Krampfsucht).  —  Seuchen,  (Seuchten-)ta«/c, 

•Zeichen. 

Seuerlein,  seurlich  s.  Sir. 

Seufzen,  n.  (Seufzung)  (ahd.  snfan  =  ■tttfm, 

schlucken  ;  ahd.  siiftön  —  seufzen  ;  nihil,  slufzen 
»eufzen,  schluchzend  einatmen;  1 seufTtzung  —  sin  ■ 

guttat,  zun.  voc.  o<;),  1. sSuspirium,  die  icbloch- 
zerartig,  ächzend  klingende  Einatmung,  die  sich 
öfters  wiederholt;  (der  Seufzer  wird  mbd.  Bedenkt. 
Schindler  II,  2;u).  —  2.  —  Angina  pectoris,  Stheno- 
cardia ,  Meditatto  mortis  —  Todesangst  mit 
Senfzerbewegung  infolge  von  Herzbraune  die 
Krankheit  de«  Philosophen  Sencc»,  Vierordt  .">">).  — 
(17.  Jahrb.]  doppelter,  zweifacher  Seufzer  =  das 
saeoadierte  Atmen  mit  2  schnell  aufeinander 
folgenden  Einatmungen  beim  herzschlftehtigou 
Pferde  (r.  A.  2-1).  —  jttngtter,  letzter  Seufzer 
(1110  der  jung«t  Mifftz  =  orexh  ;  M.  Jahrb.  der  jungM 
«unftz  =  oregmon  [sonus  ex  ore],  1).  400;  jünM  «unrTc- 
zung  =  orexls,  D.  II,  273;  der  letzt  sewfttz  s  or.-zls. 
D.  400)  ^  der  letzte  Seufzer  oder  Schrei  («.  d  ) 
eines  Sterbenden.  —  (im)  ScAr-Seufzen  (vom 
Herzen)  =  schmerzhafter  Singullus  infolge  von 
Herzbeutel  -  Entzündung  (C.  v.  Megbg.)  bei  Mit- 
boteiligung  des  Nervus  phrenicus. 

Seuren  s.  Sir. 
aewern  s.  seifern. 

Sibirien.  —  sibirisch^,«»)  Fieber,  Krankheit, 
Pest,  Pustel,  Seuche. 

sich.  —  ausser  sich  sein  =  ausserhalb  seiner 
Hülle  (s.  Geist)  sein,  von  Sinnen,  verrückt  sein. 

-  für  sich  Forte*. 

Sichel ,  f.  (aus  tat  socula  [secarel  =  Hacke,  Im 
3. — 4.  Jahrh.  «Btlehtlt,  Kluge*,  S47  ;  mit  der  Kornsichcl 
wurde  verglichen  [1670  der  Processus  ensiformis 
dura«  matris  (Hyrtl,  K.  \v.  142).  —  Sichel  -Bei  n, 
-dürr,  -krumm. 

-Sicht,  Sicht,  f.  (zu  »eben  [i.  d.J;  engl,  cight  =■ 
(ic<icht;  eye^ight  =  Augenlieht ;  schwed.  ögnaslgte  - 
Augenlicht)  -  Sehe.  —  (ge)sichtig,  1.  -  sehend, 
sichtbar.  —  2.  =  süchtig  {».  d  ).  —  sichtlich  ■ 
sehend,  sichtbar.  —  .]/'<  Sichtigkeit  =  die 
mit  zunehmendem  Alter   physiologisch  ein- 


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-eicht. 


-sieht. 


C45 


tretende  Fernsichtigkeit.  —  Jn^esicht  (mhd.  an- 
geslbt;  mndl.  aenslchtc,  de  Vr.  59,  iß.  Jahrh.  eyn 
nnghesichte  =  nmllaium  *.  üble»  Jahr,  D.  II,  244;  boll. 
aangezicht ;  «chwed.  ansigto;  dan.  aasyn)  =  das  An- 
schauen, Ansehen,  Anllitt,  Gesicht  5,  la  llgure. 

—  hippokratisches  Gesicht,  Angt  sieht  =  siehe 
Antlitz.  —  Angeatebtoh  Ctetehwär.  —  Arsch-Oe- 

Sicht  (ostpreu»«.,  I  rquell  II,  139,  In  gemeiner  Redens- 
art) =  verbreitertes  Antlitz.  —  (nvi)  auf  gelaufenes 
Angr&icht  =  angeseh wollene  Gesichtshaut  (Zw. 
127)  (Uedems,  Erysipels«  etc.).  —  (1569)  auf- 
zügige»  Gesicht  (1066  rot  uffmigig  ange-tcht  =  gutta 
ro>acea,  D.  II,  199)  -  durch  Aussatz  (Lepra)  oder 
von  unten  aus  an  die  Überdache  der  Haut  auf- 
gefahrenen Ausschlag  veränderte  Haut,  auch 
aufgesprungene  Gesiehtshaut  (Tabern.,  Gr.  w.  VI, 
1516).  —  (1757)  ausgefahrenes  (»-sieht  =  durch 
Hautausschlag,  der  schuhweise  auftritt,  aufge- 
laufene Gesichtshaut  (BSnmL  42»)  (s.  ausfahren). 

—  (1539)  Uätteruht  (^n  tff sieht,  1.  =  Gesichts- 
hantabschuppung,  Hauthiilttchen  (Gr.  W.  vn, 
12».".).  —  2.  =  Blattet  nausschlag  im  Gesicht.  — 
lindes  Grsicht  ([1035]  fcMsichtig)  (1561  blöde* 
gesiebt  ---  heln-s  aokü  oculoniin,  Manl.-r;  löll  blödes 
gewicht  =  blmle  Augen,  rinnende  Augen,  I.onlr.  ;  SU 
Beuno-MIrakelb  ;  Gr.  W.II,  142;  17.V6,  Beyn.*,  71).  1.  = 
Amblyopie,  rlie  Ahnahme  der  Sehkraft  bei  an- 
scheinen»! gestirntem  AUk'e:  (In- Kranz  übernommen 
als  »bleu»*  vue,  Brt*s  307;  dl«-  Krankheit  des  röm. 
Kaiv  ra  Sero,  vierordt  r,9).  —  2  =  einfacher  Augen- 
katarrh, der  schlecht  sehend  u.  damit  gleichsam 
stumpfsinnig,  blöde  macht  ohne  eigentl.  sicht- 
bare Veränderung  des  flhrigen  Auges  (Bulbus). 

—  8  =  Lichtscheue.  —  Breit  Gr  sieht  -  ein  Ge- 
sicht, das  mehr  breit  als  lang  ist,  im  Gegensatz 
zum  Langgesicht.  —  CMera-Ge  sieht  =  Facies 
cluik-rica  s.  hippokratica,  die  hei  schweren, 
akuten  Krankheiten  eintretende  I'hysiognomie 
des  Kranken  (s.  Antlitz  un.i  Cholerablick),  — 
Z>o//i>r/- Gesicht,  1  =  eine  Missbildung  beim 
Menschen  und  Kalbe,  ein  doppeltes  Antlitz, 
Diprosopus,  bei  einfachem  Schädel.  —  2.  = 
s.  doppelt  sehen  und  2  Gesicht  (Krank  3t*; 
Krau».  E.  318).  —  (1' IS)  dunkle»  Gesicht  -  dunkles 
Sehfeld  fituland).  —  eissü.  ht's  G< sieht  (nn^l*.  ege*- 
lirum  ge-ahdum,  Cook.  I,  70)  —  Hisse  (s.  d.  S.  1 10  b), 
Schrecken  veranlassendes  Antlitz.  —  Erbsen- 
Gesicht  =  ein  pockennarbiges  Antlit»,  dessen 
Haut  ho  verunstaltet  ist,  als  ob  Erbsen  ein- 
gedeckt >.  dreschen)  waren  (*.  Bohnenessen 
und  Teufel).  —  Fern-sichtig,  -Sichtigkeit  =- 
weitsichtig,  die  Eigenschaft ,  besser  in  die 
Ferne  als  in  die  Nahe  zu  sehen  (engl.  fandghted, 
Lehf.  ist;  H.  Paul  417).  —  (1767)  Finnen- G»  sieht 
^  eine  durch  Hauttlnnen  (Akne)  verunstaltete 
Gesichtshaut  (Bäumt.  42*.*).  —  (15S2]  flüssiges  An- 
7' sieht  —  ein  durch  Nasenkatarrh,  Schnupfen 
(Haupt  Aus»)  sichtbar  entstelltes  Antlitz  («r.  W. 
III,  ls;«3)  (s.  Flossmaul).  —  geisler-,  getprnstcr- 
Sichtig  ■  einer,  der  todverkündende  Geister 
sehen  kann  «.  Sonntagskind);  einer,  der  bald 
stirbt,  dem  man  schon  „zwischen  den  Ohren 
durchsehen"  kann  (Schell  33;  Sirarock,  D.  M  436; 
K  n.  Scbw.  604;  Wltzscbel  II,  20S;  Rocbholi  II,  54; 
Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896,  S.  205).  —  genebeltes  Angesicht 
(genibelu  angesucht  ^  lacles  nebulosa,  Sthmeller  1, 


1713)  —  ein  wie  durch  Nebel  verdunkeltes  Seh- 
vermögen oder  ein  durch  das  IMarr  (s.  d.)  ent- 
stelltes Antlitz.  —  Gesehen,  n.  =  Gesicht 
(Srhmeller  II,  21".).  —  Gesicht,  n.,  f.  (ahd.  diu  gtsiht 
Grad  VI,  12:: ;  1260  gesihen  =  .Sehvermögen.  Pfeiffer  19. 
50;  mhd.  diu  gestht  =  pupllln,  D.  473;  H17,  ndd. 
ghesbbte  =  dorcus  dorelum  -  Augenweide,  visuneula], 
D.  190;  II,  141;  1576  gesiebt  —  Sehvermögen,  Hort, 
nanlt. ;  ndl.  geiieht,  DeCock  U7),  1.  =  Sehvermögen, 
Gesichtssinn,  Augen, Gesichtsfeld, Opsis  Hippo- 
kratis.  —  2.  =  Zustand  des  Sehens  und  Ge- 
sehenwerdens —  3.  =  Erscheinung  (Traum- 
bild, Gespenst).  —  4  =  Gestalt,  äussere  Er- 
scheinung. —  5.  =  Vorderseite  des  menschlichen 
Kopfes  (Antlitz)  von  derStirne  bis  zum  Kinne. 

—  6.  =  Gesichtshaut  (nach  Heyne  II,  1143).  — 

7.  m  vergl.  auch  Gestiebt  (Sucht).  —  (1015) 
grüblichtes  Gesicht  =  ein  mit  Pockengröbchen 
bestepptt»8  Antlitz  (Coler.  H.  A.  24«).  —  (1790) 
//W&sichtigkeit  =  Hemiopia,  die  nur  teilweise 
Empfindung  eines  objektiven  Bildes  auf  der 
Netzhaut  (Richter  III.  567;  engl,  halfsightcd).  — 
Hammel-  Gesicht  (Storm  1 1 1. 1«8)  -  Schafs-Gesicht, 
Schafskopf.  —  (1741)  i7<w«i- Gesicht,  1.  =  Hasen- 
auge. —  2.  =  Hasenscharte  (Kirsch  csi).  —  Kar- 
funkel-Gesicht =  ein  wie  Karfunkel  oder  Ru- 
binen brennendrotes  Angesicht  (Gr.  W.  V,  212).  — 
kleines  Gesicht  -  ein  im  Langen-  nnd  Breiten- 
verhältnis zu  kleines  Antlitz  des  Menschen.  — 
Klump- Gesicht  (Cbers.  der  Facies  vara,  Roth  191) 
=  „eine  mehr  oder  minder  ausgeprägte  (ein- 
seitige) Einbeugung  der  äusseren  Fnterkiefer- 
konturen,  hauptsächlich  durch  Kontraktur  des 
Muse,  pteryg.  extern.",  so  dass  das  Kiefer  wie 
ein  Khtmpfnss  (Pes  varus)  von  der  geralen 
Linie  abweicht.  —  Kreide  Gesicht  —  ein  kreide- 
weisses,  blasses  Angesicht.  —  A'rtwfen-Gesicht 
=  ein  durch  Milchsehorf,  Rufen  oder  Krusten 
(Crusta  laetea)  entstelltes  Antlitz  (Pauli  114).  — 
Kupfer-  (kupferig,  (1C64)  kupfernes,  (1741)  hupfe- 
richtes)  Gesicht  {Angesicht)  =  ein  durch  den 
Kupferausschlag  (Akne  rosacea:  Gutta rosacea; 

8.  Kupfer)  entstelltes  Antlitz  oder  kranke  Ge- 
Bichtshaut  (küpffern  Gesiebt,  D.  II,  199;  Zw.  130; 
Kirsch  v..i;  fieorg.  380;  Behrend  60;  (ir.  W.  V,  27&I).  — 
Kurz- Gesicht  =  ein  Mensch  mit  kürzerem  Ge- 
sichtsteil  am  Schädel.  —  (17h2)  A -irr-sichtig  = 
einer,  der  die  Gegenstände  nur  in  der  Nähe, 
nicht  auch  in  der  Weite  gut  sieht  (Myopiasis 
Galeni)  fylOOl  ~  Augen  und  Ohren  sehllessen,  die 
Augenlid-ipalte  verengern,  Roth  344),  der  also  in  die 
Ferne  minder  gut  sieht  (engl,  nhort  -Mghtcd, 
UM.  22'.;  Richter  HI,  529).  —  lang(es)  Gesicht  =  ein 
eiförmig  längliches  Antlitz,()rthoi>tosopos  ;Mle«c). 

—  Larven  -  Gesicht  -  Gespenstererseheinung 
(s.  Larve  und  Mumme)  als  Ursache  von  Kon- 
vulsionen (nirlinger,  8.  I,  351).  —  Leif/lfM-Gesicht, 

1.  =  blasses,  hohläugiges,  mageres  Gesieht.  — 

2.  =  Facies  hippokratica  (s.  Antlitz),  die  auf- 
fallende Gesichtsveränderung  der  Sterbenden, 
von  Hippokrates  beschrieben.  —  Loirrn- Gesicht 
=  s.  Leontiasis  beim  Atissatz,  S.  5121',  Facies 
leontina  (Roth  190).  —  MÜfk-,  A/nes-Gesicht  - 
ein  jugendlieh  zartes  Gesicht,  weiss  wie  Milch 
(Bleichsucht),  oder  Milchbrei,  bartlos  wie  ein 
junger  Laffe,  der  gleichsam  noch  Brei  isat 


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64«  -sieht. 

(Schmeller  T,  167«)  (Milchkind*).  —  (USA)  »u'nrier- 
,V  Richtig  (mindergewlchts  =  myop*.  I).  302)  =  kurz- 
sichtig (s.  d.).  —  Mond-Gesicht  =  ein  Antlitx, 
rund  wie  der  Vollmond.  —  (KW7)  mond-  (mohn-) 
sichtig  —  einer,  der  nachts  wenig  und  nur  hei 
hellem  Mondenlichte  sieht  (Georg,  382).  —  mühe- 
sames  Gesicht  =  ein  mit  vielen,  gröblichen 
Pockennarben  versehenes  Antlitz,  worin  gleich- 
sam viel  Mühe  des  Steppens  (s.  Stippchen) 
stockt  (Schmeller  I,  l.v>ß).  —  (15C>1)  Nacht- Gericht, 

1.  =  eine  nächtliche  Erscheinung  (Deulero- 
scopia),  die  wie  „ein  zweites  Gesicht"  lebhaft 
die  Sinnesnerven  erregt,  Vision,  Traumbild 
(Gr.  W.  VII,  181;  Stahmann  Ahn.  a.  d.  üelstcrw.).  — 

2.  =  Krankheiten  (Hiebt  s.  d.)  erzeugende, 
gespensterhafte  Dämonen,  die  in  Besprechungen 
lu  der  Zahl  77  auftreten  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1895,  8.  29<;). 

—  »75«)  nahe*  Gesicht  =  Myopin,  Kurzsichtig- 
keit (s.  d.)  (A.  v.  H.  II.  1122;  engl,  near-,  narrow- 
slghted,  i.eht.  199).  —  niedriges  'r- sieht  =  ein  in 
der  Höhenrichtung  weniger  ausgedehntes  Ant- 
litz, Chamaeprosopos,  biachyfacial.  —  Oearien- 
Gesicht—  Facies  ovarina  =  das  tlurch  Eierstock  - 
leiden  verzerrte  (iesicht,  an  dem  die  Backen- 
knochen hervortreten,  die  Nasenflügel  und 
Lippenwinkel  herabgezogen  sind  und  dieStirne 
gerunzelt  ist  (Dornbl.  44;  Koth  191).  —  Pjlotsch- 
Grsicht  =  ein  aufgeblasenes  (bloschetes),  breites 
Gesicht  (Illntner  6.  18).  —  rieselichtes  Gesicht  = 
eine  Gesichtshaut,  die  mit  kleinen  llautrieseln 
(Knötchen)  besetzt  ist  (Facies  lentiginosa) 
(Gr.  W.  VIII,  936).  —  nppen-richtig  =  fl.  Hippen- 
sueht.  —  (1561)  rotes  Angesicht  =  Karfunkel- 
Gesicht  (Bock  71).  —  Rttbinen- Gesicht  =  Kar- 
funkel-Ge-icht  (Gr.  W.  vi  II ,  133»).  —  Itufrn- 
Gesicht  =  Krustengesiebt.  —  rundes  Gfßicht 
=  ein  niederes  und  breites  Antlitz  (Strongy- 
loprosopos  Aristotelis).  —  saures  Gesicht  - 
b.  sauer  sehen.  —  (l.">:;2)  schäbiges  Angesicht  - 
durch  Fkzem  (Räude,  Schabe)  entstellte  Go- 
Sichtshaut  (IHM  8:ü.  —  Schafs- Gesicht  =  Schafs- 
kopf (l'rqucll  II,  139).  —  scharf  sichtig  (engl, 
sharpsighted)  —  fein,  genau  sehend,  wie  einer 
mit  dem  bösen  Blicke  oder  Augenwurm  (s.  d.) 
(II.  Paul  417;  Maurer  II,  120).  —  S'hiefes  Gericht, 
1.  =  dureb  halbseitige  Gcsichtsmuskellnhmung 
verzogenes  Antlitz.  —  2.  =  Nickkrampf.  —  3.  = 
böser  Blick  (norweg.  sköisct,  skjogeset  -  Hurenblick, 
Janus  189».  553).  —  (MM)  schiessendes  Gesicht  - 
(faciles  oculi,  emlmdtli  ocull.  Schm.  II.  ITC)  =  rascb 
sich  bewegende  Augen.  —  schm  ales  Gesicht, 
sichtig  —  ein  in  der  Breitonrichtung  weniger 
ausgedehntes  Antlitz,  das  man  als  dünn  u.  fein 
bezeichnet  (l.epto-,  Stlicnoprosopus ;  dolicho- 
facial)  (Schmeller  II,  M8).  —  Schwach  Sichtigkeit 

—  Amblyopie.  —  Spinnweben-,  Spinnen  Gesicht, 
1.  =  Totenkopf,  in  dessen  Augen  die  Spinnen 
nisten.  —  2.  —  ein  umflortes,  trübes  (iesicht 
(Wlusehcl  Ii,  866;  Wuttke  2s).  —  stumpfes  Gesicht 
=  ein  in  «1er  Kiiiprindungsschnrfa  sehw  :teher 
gewordenes  Sehvermögen  (II.  faul  Iis).  —  Toten- 
Gesichtes.  Leichengesicht  u.  hippokr.  Antlitz. 

—  trübes  Gericht  =  trfll>es  Sehfeld  des  Auges. 

—  t'frersicht  (mhd.  ühcndht)  =  Weitsichtigkeit 
des  Auges,  das  Uber  die  normale  Seb weite 
liinaus  gut  sieht  (I.exer  282).  —  (Iberrichtiger, 


Sieb— Sieben. 

1.  —(1*82  übertlcbtlger;  mhd.  übcrtdhlic;  15  Juhrh. 
vbersichtig  nein  =  aorislori,  I).  ;i9;  1512  uberrfchtig  = 
rerui;  1518  der  krum  vber  sich  sieht,  luscu«,  ürnn*. 
strBlio,  paetus,  myops,  Zenlng.  Voc.  hh6;  l>.  330.  1.12. 
340.  &>4;  II,  82;  Lcxer  282;  L.  ch.  58)  =  schielend, 
übersehend,  überquersehend  (Bocksauge,  Augen- 
plärre).  —  2.  =  weitsichtig.  —  (14*2)  Über- 
sichtigkeit  =  Luscitio,  avisio  (i>.  tu.  :uo),  1.  = 
Übersicht  .(s.  ds.).  —  2.  =  schielender  Zustand 
(s.  übersichtig).  —  übles  Gesicht  (angls.  ylelre 
gesihde;  engl,  tll  sighl  -  umbrosus  ;  a  daemonibu«  vel 
umbris  (|une  per  fautasmala  apparent,  Cork.  I,  3i'.0i  = 
Sehaden-  (Schatten-)  (»ringendes,  übles  Sehen. 

—  (17.  Jahrb.)  rerlorenes  Gericht  ■  Sehvermögen, 
Welches  eingebttsst  wurde  (Fr.  Kr.  B.  398).  — 
(1790)  "'..'nichtig  =  übersichtig  (2),  der  die 
Gegenstände  nur  oder  sogar,  wie  der  altere 
Mensch,  in  abnormer  Entfernung  deutlich  siebt 
(engl,  broadeyed,  Richter  III,  544).  —  zweites  Gesicht 
(engl,  seeond  sight,  Scheihle  IX,  115;  ndl.  het  tweede 
gezieht;  trat«,  le  faux  vl«age,  V.-K.  VI,  7).  1.  =  der 
sogen.  Doppelgänger  (s.  d.  und  Nachtgesichl), 
die  Seele,  die  in  meneblicher  Gestalt  nach 
«lern  Volksglanben  umgeht  (■.  Wuttke  212  2t2; 
Golth.  85).  —  2.  =  die  Fähigkeit,  zweierlei  Dinge 
an  verschiedenen  Orten  gleichzeitig  zu  sehen 

Pecht,  Aus  m.  beben  I,  217;  Ad.  Hehler,  Kreuz  u.  «Jner. 
8.  94).  —  3.  =r  s.  Doppelleben  —  Grsicht  («,  er) 
Blattern, -Brand,  -Farbe, -Finnen,  -Fluss, -Gange, 
-Geschwulst,  -Haut,  Krampf,  -Materien,  -Roilein, 
-Bote,  Schädel,  -  Schädlichkeit,  -Sdimerz,  -schnei- 
den, -Schwäche,  -Schwärze,  -Schwindel,  -Sehne, 
-Schncnecrstopfung.  —  sichtiges  Feuer. 

Sieb,  U.  fzu  seihen  («.  d.);  germ.  slb,  Kluge8,  :S4S). 

—  jY«.se?l- Sieblein  ilTIO  oberen  sieblein  der  Natten. 

Seit/,  i.  &5ti.  Bis) = Oh  cribrosum,  Siebbein,  welches 
zwischen  Nasenhöhle  und  Stirnbeinhöhlen  lieu't 
und  von  vielen  siebfömdgen  Öffnungen  duteb- 
bohrt  ist.  —  (15I8J  aVieren -Sieb  'nyemj-p.  H  v. 
Qend.;  Bjntt,  K.  W.  118.  IM  -  Cbentctiung  deKj 
benedictuni  cribnnn,  Nierenseicher  (s.  Seiche). 

Sieben  (7),  Sieben  und  siebenzig  (77)  fgem.- 
Indogerm.  wptn;  nrcerm.  wen;  germ.  «lbnn;  abd. 

«Iban;  mhd.  sieben.  Kluge  *,  34M;  sie  drflekte  «rle  die 
Zahl  Ii  [a.  <1!  die  Vielheit  nus;  nunicru«  conipletua 
s.  perleotutt,  s.  absolutus,  TE.\e;'fOJ.o;  (Itachofeti  281). 
s.  tMOtldcetOI  (Weinhold,  die  myst  N'eun/ahl  S.  i.l  ; 
sie  war  eine  Kult-  oder  heilige  Zahl,  dir  durch  da* 
Judentum  in  die  christliche  Kirche  eindrang  und  die 
indogerm.  altere  Neun  (*.  d.)  wohl  beschrankte,  aber 
nicht  verdrängte;  als  Kultzabl  wurde  sie  wie  die  Neun 
namentlich  in  Segensformeln  bei  Besprechungen  der 
mel-t  alteren  Krankheiten,  vielleicht  auch  zur  l!e- 
sprechuiig  des  Krankln  itsdiimons  Iwuiltzt;  In  dlcen 
Zahlen  7  und  9  (77  und  !»!))  gibt  sich  die  Thatsaebc 
der  fortsi  hreitenden  Krkenulnls  der  Krankhellsforinen 
(wie  in  den  Karben  die  Krankheitsstadien)  wieder;  der 
Bmpreoher  musste  im  Laufe  der  Zeil  erfahren  haben, 
das«  es  verschiedene  Formen  von  Hrand,  Feuer,  Rot- 
lauf, Bebwelet,  Wurm  etc.  gibt;  mit  diesem  einen 
Krankhiitsnann  n  konnte  er  nicht  alle  solche  Krank- 
heiten veranlass  enden  IMmonen  vertreiben,  er  M-hl"*' 
darum  di.  se  alle  in  die  Zahlen  7  [77]  und  9  [99)  ein, 
die  «Ins  Intensive,  das  Übermass  der  Krank- 
heiten zum  Ausdrucke  bringen ;  damit  sollten  *le  als 


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siech. 


siech. 


617 


verhängnisvolle  Zahl  auch  alle  Jene  beeinflussen;  im 
Schwedischen  bedeuten  die  Zahlen  7  und  17  an  und 
Itir  sieh  schon  Krnnkheiten  der  M>  n«chcn  (Z.  d.  V.  f. 
V.-K.  1*94,  S.  3S2<;  ihr  Zusammenhang  mit  Bcsprvch- 
ungen  erklärt  auch  ,, brise  Sieben"  —  alles  Weih  (Hexe); 
sie  ist  In  ihrer  Verdoppeltung  77  sogar  zur  ,, Galgen"- 

Zahl  geworden   =  ~j  ~j  (Gr.  W.  IV,  1.  1179);  zu 

einer  etwa  früheren  Häufigkeit,  Frequenz  der  betreff. 
Krankheiten  hat  diene  Zahl  gar  keine  Beziehung; 
70  und  72  sind  nur  spatere  Gelehrten-Zusätze  (Kuhn, 

z.  f.  vergi.  spr.-w.  xiii,  v>7>.  —  Sieben  als  l'her- 
nmss-  um!  Zauberzahl  bedeutet  ilartint  auch: 
immer,  fortwährend,  vielfach  wiedei kehren*!, 
unbestimmbar  gross  =  hundertfältig .  Alle  7  Jahre 
Ändert  sich  der  Mensch  In  seinem  krirpcrllehen  Zu- 
stande naeh  dem  Sprichworlc,  und  d<  r  7.  Tag  i-t  ein 
verhängnisvoller,  kritischer  Tag  bei  akuten  Krank- 
heiten («.  Tag),  von  7  Huben  nacheinander  In  einer 
Keine  der  (••■hurten  einer  Krau  wird  einer  schon  durch 
di'-e  Zahl  ein  Zauberer  [s.  St.  Markus  u.  Wcrwolf; 
llirlinger,  Sitten  I,  821;  Liebrecht  3t6i.  —  Siebenlmg 
=  die  siebenfache,  menschliehe  Frucht,  von 
PUnlus  und  Solinus  bereits  als  Thatsacbe  aufgeführt 
und  1600  konstatiert  (s.  t'olcr,  H.  A.  215;  Schmidt, 
Jahrb.  wc,,  s.  229,  21«.  Band).  —  Sieben  Anlastet; 
Aw)r,  Fum.  —  77  [70,  72  Mattem,  Feuerbrand, 
Fieber,  Fraisen,  Gedärme,  Gelbxwhten,  Ge- 
sehwuMen,  Gemuht,  Gichte(r,n),  Kälten,  Kult- 
teeh,  Krankheiten,  Xusehen,  Orden,  Ritten,  Rosen, 
Schläfer,  Schmu,  Seuchen,  Suchten,  Würmer, 
Zahnrosen.  —  (S.  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1*91.  s.  -i^i;  l'rquell 
ISN;  Zahlen  im  Volksglauben,  Weinhold;  V.  K.  1*97, 
X,  59). 

siech  (siechen,  Siechheit,  Siechtum,  Siech- 
ling) (vorgerm.  sug  [sehwach,  Sucht],  altgerm.  sink; 
nltii  -jukr,  gnth.  slukas,  Kick.  *W;  nhd.  sloh  =  krank. 
Klug' ■*.  ais  bis  zum  12.  Jahrh.  ausschliesslich  so]; 
sluh  =  itegrotus,  Inflrmtis,  languens  [Graft  VI.  137  ff.], 
■labjmn,  «lachen,  sluch<>n  =  languescere,  lacessere, 
(Graft  VI,  139;  Gr.  W.  V,  2023],  stluhhi  =  die  Sieche, 
Seuche;  lt.  Jahrh.  siechuude  von  rchb-r  kränkelt  = 
wirklieh,  thatsachlich  an  «liier eigentlichen,  heslltninten 
Krunkhelt  erkrankt  M  In,  nicht  Mos«  allgemein  schwach, 
Gr.  W.  V,  2o  >,  nihd.  siech  =  krank  an  einer  Seuche 
od>T  überhaupt  krank,  auch  verwundet,  au-sätzlg, 
r.  v  Megbg. ;  Lexer  227;  mnd.  de  seke  —  der  Sieche, 
Mag  Barth.  '.KU;  «Itsachs.  slok,  zek  =  egenus;  13,  Jahrh. 
sich  =  raale-anus;  M.— 15.  Jahrh.  sichln  -  elan<inere; 
scyk  -  languidus,  D.  11,227;  ndl.  slec,  siech;  siehe 
—  eger,  Inflrraus,  l).  IM,  l'j7.  M4;  142»  siech  =  elueus 
[clutns:  lue-],  setnlsomnts,  D.  19*.»;  II,  118;  1393  siech 
=  krank  [überhaupt],  Fries;  161S  siech  =  leprosua, 
Schmeiler  II,  219:  ndd.  seken  =  egrotarl;  -ryk  = 
egrotus,  1».  11,  116;  raittel-engl.  the  seke,  Heinrich  67; 
»ekenesse,  sekenes ,  Heinrieh  S.  9  =  maladle;  neu- 
engl,  slcknc&s  -  Krankheit,  sick  =  kratik;  sicken  — 
erkranken,  Lehf.  22'«;  frans,  maladif),  1.  =  allgemein 
„krank"  (s.  d.  1);  »clt  dem  13.  Jalirh.  durch  letzteres 
zurückgedrängt,  das  aber  auch  nur  allgein.  Schwach« 
damals  bezeichnete  [s  auch  soeben).  —  2,  —  krank 
an  einer  bestimmten  Urgan-Krankheit  od.  Ver- 
wundung; der  Begriff  der  Abzehrung  (des  Serbens) 
ist  nicht  gerade  mitverbun.len.  —  3.  =  krank  an 
einer  besonder»  häuliiren  Krankheit  (P«*t| 
Fieber,  Seuche,  Aussatz  z.  Ii.).  —  4.  -  (einge- 


schränkt auf)  Aussätzige,  die  auf  den  Leprosen- 
Bergen,  in  Leprosen  -  Häusern  untergebracht 
waren  (Birllnger,  Volkst.  1, 101.  118. 169.  263).  —  5.  = 
(in  der  Neuzelt)  Gebrechliche,  die  untergebracht 
sind  in  den  alten  „Siechenhäusern"  (sicchlms 
bei  lwein,  Schultze,  hrif.  Leben  II,  255),  an  einer 
langwierigen,  schleichenden  Krankheit  Lei- 
dende, chronisch  Kranke  oder  Unheilbare.  — 
Siechte  =  8.  Sucht  u.  Seuche  (m.-ndl.  slechede, 
de  Vr.  52;  n.-ndl.  ziekte  =  Sucht,  Kluge8,  K9).  — 
Sieche,  f.  =  Seuche  (Sucht).  —  siechein  (ahd. 
slechelün  =  siechen,  languescere,  Graft  VI,  HO;  mhd. 
siechein,  Lexer  22*.  15.  Jahrh.  su'ejcheln  =  extabescere, 
D.  219)  ~  kränkeln.  —  siechen  =  siech  sein, 
languere.  —  Siechheit,  f.  (ahd.  siuhheit  =  morbus, 

luilriuitas;  sleehelhelt  —  aegrltudo,  languor,  Graft  VI, 
139.   110;  mhd.  siechhelt;   1414  sichelt  =  egritudo, 
D.  197;  1120  sichheyl  =  languor  [Kräfte  man  gel],  D.  317, 
slchhelt  m  morbldus,  D.  367;  1140.  ndd.  zekhclt 
egritudo,  D.  197;  Lexer  22*)  =  Krankheit,  Siechtum. 

—  Siechling  =  der  beständig  krank  ist.  — 
siechlich  =  kränklich  iür.  W.  V,  2040).  —  (1618) 
siechig  -  valetudinarius  (Schmeiler  II,  214).  — 
Siech,  in.  Siechin,  f.  Siechler  (aiid.  i  eheiaere, 
Lexer  2235;  Schmeiler  II,  214)  =  Siechling,  kränk- 
licher Mensch.  —  Siechtum,  n.  (Siechtung) 

(alln.  sjfikdouir,  Kick.  890;  ahd.  siuhtuom  =  aegrl- 
monia,  Graft  VI,  139;  1260  siechtuom;  mhd.  siechtuom  ; 
15.  Jahrb.,  ndd.  sichdom  =  menstruum  [Krauenseuche], 
D.  256;  11S2  sychtum  =  aurigo  [morbus,  calor],  I).  62 
[hitzige  Krankheit];  1Ö15  siechtung  =  Inflrmita«,  Krank- 
heit, l).  297;  1735,  Schmeiler  II,  214),  1.  =  Lepra.  — 
2.  =  Krankheit  oder  Siechheit.  —  3.  =  Men- 
struatio.  —  4.  =  -tung  (Siechtung)  ist  auch  = 
Tag  (s.  d.).  —  «6-8iechen  =  durch  Krankheit 
ab-  oder  aus/ehren  (Schmeiler  II.  214)  =  absochen. 

—  .1  Hssa. «-Siecher  =  Lepra-Kranker  (Gr.  W.  VIII, 
1714).  —  (i3ot;)  aMs-siechen  =  an  der  Aussucht 
=  Dysenterie,  Ruhr  leiden  (ahd.  uzsuhti,  Schm. 
II,  211).  —  /  in  '.-.siech  '  siechig i  (15.  Jahrb.  buk- 
seik  =  colica;  bukzeyk  —  cllbetus  [  =  cllnlcus?],  1».  II, 
96  .  99  =  alnet  dem  in  dem  bauch  we  Ist,  D.  127)  — 
lientericuH,  alvintis,  vertninari,  an  Leibschmerz 
mit  Durchfall  (Würmern)  leidend  (Gr.  W.  1. 116'.»; 
V,  2307).  —  (mi)  fce-siechen  -  languere  =  krank 
weiden  (Schm.  II,  214).  —  i/ftt  siech  (ahd.  bettlsiuh, 
pettisiuhhiT,  Graft  III,  5<J;  VI,  139  —  paralytlcus,  Schm. 
II,  214,  mhd.  bettesiech,  Lexer  25)  =  infolge  von 
Lähmung  oder  Krankheit  ans  Uettlager  ge- 
fesselt, bettlägerig.  —  (1260)  i'.:  ii'"--  siech  - 
blasenleidend,  ,,der  siech  ist  In  der  Blatter,  der  hat 
diese  Zeichen  :  ihn  dunkt,  dass  er  alleweil  satt  sei  und 
geht  (steht)  ihm  das  Lssen  alleweil  wider;  ihm  wird 
leicht  in  belss  und  hat  (er)  muhellehen  Schluf  und 
zwangt  ihn  das  Harnen  und  beginnt  ihm  der  Bauch 
zu  schwellen  uud  zu  schwären"  (nach  Pfeiffer  50)  — 
W». -Siech  ([Tirol]  plutzig,  Wolf;  Schmeiler  II,  211) 
s  bleichsuchtig  infolge  von  Blutarmut.  — 
<>>YJ//fM-8iech  (angls.  braeeseocum  -  lunaticus,  epi- 
lepticus,  fock.  II,  14.  2Hi)-atn  (iehiru-  (sBrlgen, 
8.  d.)  \Veb  (s.  d.)  leidend,  gehirnkrank,  geietee- 
krank,e].ileptisch.  — ßnis^  Siechtum-  Lungen- 
krankheit.  —  dahin- siechen  =  langsam  fort- 
siechen,  abzehren.  —  (/  -siechen  (ahd.  arsiuhjnn, 
arsluch^n  «=  elanguere  [Graft  VI.  140,,  irsluhhön,  Graft  II ; 

1  SchmeUer  II,  211)  =  von  Anfang  an  siech  sein, 


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64* 


stech. 


siech. 


lange  hinaus  siechen  bis  zum  Endo  des  I^ebens. 
—  (hin-) fallende* (er)  Siechtum,  n.,  m.  (1516) 
(Siechtung  [n-20])  =  die  Krankheit,  hei  der  der 
Kranke  hinstürzt,  z.  B.  Apoplexia,  Kataplexia, 
Kpiiepsia  (s.  d.  und  fallende  Sucht,  Valentins- 
Siechtum),  Morbus  caducus  (cadallus,  D.  106  — 
cataplexia;  1CH7 ;  St.  B.  Mlrakelh.;  Paracels.;  Or.  W. 
III,  1286;  Schm.  11,  790;  angls.  fylle-,  lellc-scocnysse, 
•seoc.  Cock.  I,  28.  164.  266  =  epileplicus;  D. -engl, 
lalling-iickneia,  hebt.  172).  —  feind- Siech  (angls. 
fcondscoeum;  engl,  flciidsick  =  dacmoniacus,  Cock. 
II,  14.  136)  =  der  im  Alptraume  (e.  d.,  Fieber- 
traum)  vom  bösen  Feinde  (Teufel,  Nachtmar) 
heimgesuchte  Kranke.  —  2<YM-Sieche,  -siech 
(tm  13.  Jahrh.  auftretend,  Blick,  Fluni.  66;  1.144  siechen 
hintx  «1cm  vetld,  Lammcrt  224 ;  1350  veldslech,  Pr.  I, 
3C1;  1371;  conf.  Hücker,  schw.  Tod  81;  15.  Jahrh.  feld- 
siecliy  —  Lepra,  I).  II,  2,12;  16.  Jahrh.  feldsicch  = 
Miselsucht,  AussaU  [Basel],  Haeser  II.  87;  1515  f.  ld- 
siech  —  syphilitisch.  Fuchs  I,  351;  1529  «chuceheu 
feldstechon  -  leprosi.  Pr.  II,  181;  1534  faeldstech.  felt- 
sleeh  =  lcprosun;  1561  vftld-slech  =  lepra  infectus, 
Or.  W.  III,  1489;  VI,  1510;  15«)  fcldsiche  ■  ctephantla, 
P.  19H;  1091  vcldsiechc  —  elephantlasls,  lepra,  Ilad. 
Jun.  383;  1741  feldsiecb  =  elephantlasls,  Kirsch  421; 
Schmeller  II,  214;  engl,  fleld-sichness)  =  die  auf  ein 
In  Felde  (Land)  vor  der  Wohnstätte  oder  Ort- 
schaft abgelegenes  Haus  (Siechenhnus,  Siechen- 
kobel)  wegen  Ansteckungsgefahr  beschränkten, 
ausgesetzten  Sondersiechen:  a)  die  fast  stets 
nur  Lepra-,  „Aussatz"-  (s.d.)  Kranke  waren,  die 
davon  ihren  Namen  hatten;  ausserdem  b)  Pest- 
kranke (cont.  Becker  1.  c);  auch  gah  es  (s.  o.) 
c)(lflic)  französische  Feldsiechen  (Paracels.)  =  die 
Syphilis-Kranken,  die  die  bepra-Kranken  in  den 
Spitälern  ablösten  (<ir.  W.  III,  1489)  (s.  FeldBeuche 
n.  Feldkrankheit*).  —  (1483)  fruchte»  Siechtum 
(tacuehtcr  sichtum,  C.  v.  Megbg.;  D.  II,  257)  -  Morfea 
(Kkzema?)  =  Hautkrankheit  mit  feuchter  Ab- 
sonderung. —  y/ffVr- Siech  (nihil,  flebersierh;  engl, 
foverxick,  Lexer34i)  =  fieberkrank.  —  /orf-siechen 
(pergere  languere)  =  fortdauernd  krank  sein  (Cir.  w. 
iv,  l.  33).  —  (1380)  Frauen  Siechen  -  weibliche 
Kranke  (Scbm.  II.  214).  —  Fuss- Siechtum  (l26o 
der  »lechtuom  au  den  fuerien,  Pfeiffer  80)  =  Podagra, 
Fusskrankheit.  —  (7n/Z-siech  =  gallsüchtig  schra. 
II,  214).  —  (jliedxaftsiech  (angls.  litbseaw-aiehe  = 
lumhrlcatlng  tecreatiuu  nt  the  Jnints  called  Synovia, 
cock.  n,  12)  =  an  Synovitis,  Gliedwasserlluss 
leidend.  —  [1488J  grausame»  Siechtum,  das  am 
Antlitz  nagt  <c,  t.  Hegt«.)  =  Noll  nie  längere, 
fressender  Wolf  in  der  Gesichtshaut  (s.  Krebs 
u.  Kühr  mich  nicht  an).  —  grosses  Siechtum  = 
grosse  Krankheit,  Pest  z.  B.  —  grüne»  Siechtum 
=  grüne  Sucht.  —  7/aw/><-Biecti,  Siechtum  (mhd. 

houbet  siech,  Lust  106;  1483  hauptsleehtuoin,  C.  v. 
Megbg. ;  1492  hauptsiech;  1556,  1731;  Gr.  W.  IV,  2.  630; 
udd.  hocltslck) ,  1.  -  kopfkiank,  hirnsiech,  an 
einer  akuten  Krankheit  mit  Gebirnerschei- 
nutigen  leiden  (Uoldschm.  17;  engl,  brnluslck  = 
brägengkeb,  Leb  f.  146).  —  2.  =  Apoplexia,  llirn- 
blulschlag.—  7/aMt-Siechtum{dau.hudsycdouinie) 
-  Hautkrankheit.  —  Herz{en)  -  siech ,  -Siech- 
tung (11.  Jahrb.  herzsiccher,  II.  Z.  III,  368;  mlid. 
hcrzeslech,  Lcxer  99;  14. — 16.  Jahrb.  hlrezenslchtung 
=  cardia,  morbus  In  corde.  D.  II,  75)  =  herzkrank. 


—  [1M1]  Airw-siech  —  cetebro  lahorare,  gehirn- 
krank (nr.  w.  iv,  2.  1662).  —  hitzige»  Siechtum 
=  fieberhafte  Erkrankung.  -  (16.  Jahrh  |  hocher{es) 
Siechtum,  m.,  n.  Siechtung,  1.  =  Frais  der 
Kinder,  Eclampsia  infantium  (Schmeller  II.  214). 

—  2.  =  Epilepsia  (s.  hohe  Sucht).  —  hystcric- 
siech  (ndl.  hysterle  zlek,  De  Cock  22s)  =  s  Hysterie. 

—  (1832J  inneres  ÄVritef-Siechtum  =  die  Psora 
(Dyskrasia  psorica)  Hahnemanni,  ein«  inner- 
liehe, krankhafte  Säfte-Schärfe,  die  sich  ausser- 
lich  als  sogen.  Krätze  (krätzeähnliche  Haut- 
krankheiten, s.  Psora)  äussern  sollte  (Kopp  II, 
261;  Pngel  331),  eine  Hypothese  ohne  alle  nachweis- 
bare, objektive  Cnterlage.  «  Ine  Ilahmniatiti'sehe  Aus- 
geburt der  Theorie  —  innhitzige»  Siechtum  =  Er- 
krankung mit  innerer  (einwendiger)  Hitze  («.  d., 
Typhus,  typhöse  Pneumonie,  Septichaernia) 
(14.  Jahrh.  In  sich  selbst  riech  Ist  daun  der  mensch 
In  ytn  selber  slecb,  Z.  f.  d.  A.  1888,  148).  —  k<tlt(r»,  er) 
Siechtum  (15.  Johrh.  der  kalt  slchturab  =  quotldlana, 
D.  II,  116;  1502  der  ehalt  slcchtumb  =  Icbrts,  D.  II, 

169)  =  kaltes  Fieber  (e.  d.)  (Gr.  w.  v.  86).  — 
Koo  Sil!  cht  am    bei  den  hollknd.  Bocrn  Im 

Ornnje-Staat  Südafrika*  koor-lktc,  D.  Med,  Wochensch  r. 
isy;.,  Nr.  41)  =  Fieber  (s.  Koortsen).  —  kropf- 
Siech  (engl,  cropslek.  Kaltach  in.)  =  kropfktank, 
mit  einem  Kröpfe  behaftet.  —  (1658)  Land- 
Siechen  =  Feldsiechen  (s.  d.)  (Schmeller  II,  214). 

—  (1..88)  Uber- siech,  -Siechnis  =  leberkrank 
(nngls.  literseocuysiH);  engl,  Hvarsleknes«,  Cock.  I,  56; 
ür.  W.  VI,  463).  —  L ei bes- Siechtum  =  eine  körper- 
liche Krankheit  gegenüber  Geisteskrankheit. 

—  lenden  -  siech  (15.  Jahrh.,  ndd.  lendenwek  = 
eluiubls,  Ü.  II,  14S;  auch  leuib-iiseocum ;  engl,  loin- 
siek,  Cock.  II,  2is),  1.  —  au  Tabes  leidend  (die 
Lenden  als  Sitz  der  Nervenkraft  aufgefasst), 
Nervenschwäclie.  —  2.  —  nietcnkiank,  psoal- 
gicus  (Kitsch  u77).  —  3.  =  lendenkrank  —  (<j)lid- 
siech  (inhd.)  =  gliedkrank  durch  Gicht,  gicht- 

j  krank,  gichthrüchig  (Lcxer  14«).  —  /U;;<n-siech 
(mhd.)  =  Simulant,  verstellt  od.  lügenhaft  krank 
I.exerl  >4).  —  /iai-;<7i-siech  I260lungelsiech.  PreifT.  r 
50;  mhd.  lungcsiech,  Ix'Xcr  152;  11^9,  1561  lunRensleeh) 
=  lungenbtücbig  (akut  und  chronisch),  hingen- 
süchtig,  peripDeumonicus,  phtbisicus  (iir.  \v.  VI, 
1305;  D.  47o).  —  lu»t  siech  =  an  der  bustseuche 
(s.  d.  1  u.  2)  erkrankt,  damit  behaftet  ;»3r.  w.  vr. 
ia.i0).  —  (1512,  mngen- siech,  -Siechnis  (siech  in 

dem  tnagen  =  stomachlcu»,  D.  554;  Gr.  W.  VI.  144; 
angls.  magnnseoenesse,  fock.  I.  3S6;  amer  -engl.,  1811 
»Ick  stoinach,  Janu»  18HS,  S.  438)  =  magenkrank.  — 
(1380)  Mann-it  Siechen  —  die  männl.  Kranken 
(Schm.  II,  211).  —  (Iii.  Jahrh.)  Mar.i.n  -Siechtum 
=8atyriasis,  Chorda  penis  gonorrhoica  s.  syphi- 
litica, Virga  (erecta,  (Wirten)  (Schmeller  I,  911).  — 
Milch-  Siechnis  {amer. -engl,  mllksickness,  Janas 
Inns,  s.  i.,7  ff.)  -  eine  Milchkrankheit*  unterm 
pflanzenfressend.  Ilerdenvieh  in  Nordamerika, 
welche  durch  «len  Genuss  der  kranken  Milch 
auch  auf  den  Menschen  übertragbar  ist  und 
diesen  magensiech  macht.  —  Milz-siech.  -Siech- 
tum (angls.  mllteseocum;  engl,  mlltsick.  (ock.  II, 
218;  15.  Jahrh.  der  an  dem  milez  siech  Ist  -  splenc- 
ticus,  1).  II,  316;  1521  mllt/slech,  mittsyechlich  - 
lienoaut,  ü.  332)  —  Milzmangel,  Milzkrankheit, 
Milzlaster.  -  »uVi  aiech  (mhd.)  =  an  der  Misel- 


siech. 


siedeln— Silbe. 


sucht  (s.  iL,  Lepra1  krank  (l.exer  101  —  niond- 
{monat-,  mann-)  siech,  -Siechnis  (ahd.  mänod- 

fiuli  —  lunaticu«;  angl«.  monothscoc  =  lunatie,  Cock. 
tl,  nSj  monodseocnyase,  Cock.  I.  10.  M.  2»;  141-J 
mannsli-ch  =  lunaücu*;  H7'>,  ndl.  tnayntsyek,  mayn- 
alcck,  -suyetich,  maen»eyk  =  mcn-truosus  [I».  33'J.  36«; 
II.2.i03.  a«tro«u«,  lunaticu«;  1195  mansich  =  maulacug, 
D.  »I«;  «raff  VI,  139;  Schindler  II,  214;  Ur.  W.  VI, 

25U)  =  mondsüchtig,  mOnig  (•.  d.).  —  »wr'-siech 
(ahd  mtiot  sieh)  =  inlirmus,  krank,  gern (Um krank, 
iinitig  (*.  d.)  (Ural!  VI.  13'.»).  —  (K>s7)  Mnf/f/-siech, 
-Siechtum  -  hysteriesieeb,  an  «1er  Uebarmuller 
krank,  Hysterie  [tieorf.  362;  wird  besprochen; 
Z.  d.  V.  f.  V.-tC.  MM,  8. 171).  —  nagendm  Siechtum 
(MSI  der  nagend  Siechtum,  d,  11,  2.vjj  =  Ignis  per- 
aicus,  ein  um  sich  fressende*  Geschwür  (siehe 
nagender  Wurm).  —  (1477J  Nasen- Siechtum  ■ 
Nasenkrankheit,  z.  B.  I'olypus  (ortolf).  —  nen-en- 
siech  =  nervenkrank  —  Ohren  Siechtum 

.  rn-i.  ehtnm,  C.  v.  M  gbg  .  ür  W.  Vil  ,  12  L>]  - 
Uhrenkrankheit.  — <hi  Siechnis  'engl,  onsickne*« 
[Cock.  II,  3C9]  =  agonla)  =  konig)  Ana-  (Un-) 
Sucht  —  Quecknitber'  Siechtum  =  Kachexie 
infolge  von  QuerkMilhermiH.«  brauch  (Müller, 
Krtrbch.  264).  —  roter  Siechtum  'mhd.  ,,d>T  roto 
siech  tuom  und  das  vic  macht  luch  Weich  undc  (Tel", 
IKlbling  I,  li'jO),  1.  —  Krankheit  der  roten  Ruhr 
iß.  Feig).  —  5J-  =  Blutfluss  (Metrorrhagie)  (Schm. 

Ii,  214).  —  wArin  I  gjggjj  [aogls.  MdnaMcun 
schm-  I 

baunted  by  apparitlon«,  c<ick.  l,  361)  =  mit  Fieber- 
oder Alp- Traum-  (s.  d.)  Krscheinungen  behaftet. 

—  Are-siech  dan.  «o  »yge;  holl.  r.ee  ziekte;  schwed. 
sjosjuke;  cugl.  seaslckncss,  I.chf.  loo;  [Meekleuburg] 
seesück,  Z.  d.  V.  f.  V.  K.  Is'.t-*»,  8.  447,i  —  seekrank, 
bootskrank.  —  siecht»  Siechtum  =  eine  Krank- 
heit durch  innen  s  Leiden,  innere  ilit/.e  (  Typhus 
Z.  B).  —  sonder-,  sunder- siech  (mhd.  siindersiech. 
Leier  257;  1618  leproMi«,  Schmeller  II,  214).  1.  «=  ail8- 

aatzig,  abgesondert  in  dem  Siechenhause  oder 
Biechenkobe  1  als  Hornbruder  (*.  d.)  unheilbar 

lebend.  —  2.  =  [um  alter  Zeit  noch  lebendig  ge- 
blieben, iu  d<  r  Bedeutung)  einsam  lebend,  hypo- 
chondrisch (Back  r>)  (Sonderling).  —  »yjiiW-siech 
(nihd.  spitäl-sicche,  Lexer  212;  mud.  s;>1tt<  Isicch,  Mag. 
Barth.)  —  spitalkrank,  Spitaler,  Leprose  (inlir- 
inarius).  —  «rein-siech  (1312  siech  von  dem  stein 
oder  vom  gryen  In  den  lenden  =  calculosus,  D.  »9) 

—  am  Blasen-  oder  Nierensteine  (s.  Ue-rinn) 
leidend.  —  «m/cr-siech  —  s.  sondersiech.  — 
tägliches  Siechtum  tägliches  l  ieber,  Febril 
ipiotidiana.  —  »Vt</V/-Biech,  -Siechnis  (ahd.  tiuvoi- 

aioh,  Gr.  V.  U.  II.  *•*;  dlubll  Muh  =  dn.  moniocn«, 
<;ratT  VI,  139;  angl«.  deofol-,  deofiil«eocny««a,  deofle- 

«eoca  —  priaptoiM;  engl.  derllalckaeM,  Cock.  I,  cg. 
103.  248.  312. :;■  u.  II,  301)  =  teufelsuchtig,  vom  Teufel 
besessen  (s.d.),  von  krankhaftem  tiesehleehts- 
Iriebe  behaftet,  wahnwitzig,  geisteskrank,  aber- 
witE;«.  —  fof- siech  (mhd.  n'.t-ülech,  hexet  2»>9)  = 
zum  Tode  krank.  —  (1(18)  r(/«T-siechen  |  ■  mofbo 
atfligl,  morbo  luere  lntemi»mntlam,  Schmeller  II,  IM] 

=  aungemenielt  sein.  —  St.  Valentina-Siech- 
tum (-8iechtheit)  ■  Epiiepsia,  Eclampsia,  das 
„fallende"  .Siechtum,  dtc-on  I'atron  der  volkscty- 
mologi*che  „8t,  Valentin"  wurde;  ein  angebliches 
Heilmittel  gegen  die  St.  Valentin«  Sucht  (g,  d.)  hatten 


(1523)  die  Valentiner  (ff.  Sach»).  —  vcncrisclws  Siech- 
tum (dän.  veneri*ke  nygdom)  =  Syphilis,  Venerie. 

—  «r-Siechen  (mhd.  rerslechcn.  Lexer  330),  1.  = 
in  Krankheit  ganz  vergehen,  verzehren.  —  2  = 
(lriC0)  §ein  Geld  oder  CJut  versiechen  =  „ver- 
dokterti",  durch  Krankheit  und  ärztliche 
Honorare  fflr  die  Behandlung  (Jehl  anbringen 
(Scbiaeller  II,  214).  —  3.  =  sich  versiechen  =  (131)2) 
durch  Kranksein  sich  Kanz  verändern  (Schmeller 
1.  eod.).  —  teasser- siech,  Siechnis  (nhd.  tiunzzar- 
gloh  sb  hydroplcu»,  wazareoch,  -«loh,  -sluch ,  -»oub, 
«raff  VI.  138;  Schmeller  II,  214;  nngl-i  wacterseoc, 
geocnywe  —  engl,  w  atersickn<ss  dropsy  [hydrop«], 
cock.  I,  22.  ;>.%  272)  -  wa*sersüchtig,  Wassersucht 
(8.  d.).  —  HVlts-Siechtum  f  12«10  d'  r  »iechtnra  der 
vvlbe)  —  Menstrua,  Menses,  Periode,  Weiber- 
krankheit  (s.  d  )  (Pfeiffer  >0;  I'los.i-Bartuls  I,  276). 

—  »cr/Z-siech  (mhd.  werlt -siech)  =  der  vor  aller 
Welt  kranke  Aussätzige,  leprosus  (Lexer  376).  — 
(I.vji)  wieder  -  siech  (reeldlvu«)  =  rückfällig  und 
nouerdings  erkrankt  (D.  4^0).  —  tri^-siech  (augl«. 
gewit<ieocne,  Cock.  t,  30J)  =geistes-  od.  verstandes- 
krank.  —  Z«Än-Siechtum  (mhd.  zant-slechtuom, 
l.cxcr  3<j7)  =  Zahnkrankheit.  —  siech(cr,  e) 
(Siech-,  Siechtum-)  Batzen,  Leichnam,  Leute, 
Lunge,  Materie,  Ohren,  Pein,  Platz,  Tag. 

Siedeln  (ahd.  nldtlla  =  sedile,  Schmeller  II,  220; 
mhd.  flldelen  =  aimiis^lg  machon;  ahd.  *<edal  =  Sitz, 
Kluge*,  318).  —  Gi  siedel  (ahd.  klMdilla  -  gremtum. 
D.  2<-.9;  gl«blill  =  «csslo,  Schmeller  II,  226)  =  Mutter- 
Bchoea  als  Sitzteil,  Uesilss. 

Sieden  (indogerm.  sut,  seut;  altnorrl.  ^Joda;  goth. 
naulh*  =  Kpfertier;  ahd.  siodao  =  kochen,  «ledcn ; 
mhd.  sieden,  Klug.  ',  :H8;  Uochh.  2€s;  angl.  seadan 
=  undulatlouei,  xX  j5iu>i';  [Cock.  II,  4.  40')),  Wogen, 
fÜntwallnng;  altnord.  seldh  —  ZauK-r).  —  Siedig,  m. 
=  Angstsch weiss,  Erregung,  Ueblntswallung 
(Schmeller  n.227).  —  (n  isi  ««/-sieden  =  aufwallen 
(von  Blut)  (Pan»a  ■'*);  a.  8od.  —  Sod-  (Soht-) 
\  sieden  =  Ardor  atomachi  in  ore  ventriculi  = 
|  (tautolog.  für)  Sodbrennen  (b.  d.)  (Coler,  H.  B.  194). 

sieffern  *.  sairern. 

siegen  (seigen)  (ra  ahd.  itgan  [».  mOwo];  mhd. 

flgaD  =  fallen,  sinken,  flieaaen,  IrnpfelBj  14.  — 16.  Jahrh. 
so  we  eue  fl*telen  an  der  wangen  betet  und  de  Wangen 
grot  Is  unde  *lget,  J.  f.  nd.  8pr.-F.  XV,  122;  ndl.  zijgen 
=  durchseihen,  hinfallen,  in  Ohriniacht  fallen.  Kluge*, 
34  .)  b  sickern  (von  Sekreten).  —  «r-siegen  (l'a>0 
etnteero,  Bcbmclier  H,  23*)  =  von  Krankheit  (den 
Blattern)  erschöpft  sein.  —  ^rsiegen  (nngK 
wa.-tcr  011  tarau  ge*igen.  Cock.  I,  188)  -  gesickert 
(vom  Wamer,  das  ins  Uhr  gelangt  und  schwer- 
hörig macht).  —  n  1  -siegen  (16.  Jahrh.  versechen 

—  Sterin«,  ü.  .v.5)  --  austiieueen,  verdienen.  — 
Milch-  Lei  siegen  (  seigen)  —  giinzliche  Abnahme 
und  Verminderung  iler  Milchbildiing,  z.  B.  durch 
Alter  oder  Krankheit  (Kalke  II,  118). 

Sien  s.  Sehe. 

siepern  =  sickern. 

sierig  s.  Sir. 

Sigel  8.  Segen. 

Silbe,  f.  (lat.-gricch.  syiiaba).  Silhen-vfo/pmi. 


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650  Silber— Sinn. 

Silber,  n.  (Silbe)  (vorgerm.  «Dobra  (so  d<  n  Slavcn 
übermittelt];  gern  gerni  silubr;  ahd.  siltmr,  silabar; 
mhd  ȟber,  Kluge4,  318  =  das  weissglanzende  Metall; 
mit  demselben  wird  verglichen) :  das  weisse  Ohr- 
liaurbei  den  Pferden,  das  bei  schlechtgenahrten 
Tieren  zuerst  we:ss  wie  Silber  wird  infolge  von 
glimmerigem  Kpithelbclcg  u.  Auskleidungdnmit 
(Silberhaar,  Hungerhaar)  (Ur.  W.  IV,  2.  1946).  — 
Silber- Krankheit,  -Strick. 

Simbrdi(ng)  s.  Simbel-Ding. 

Simpel,  tu.  (Sempel)  (uacb  [ihm]  simple  ~ 

einfach,  einfältig,  albern,  blödsinnig  [Schwab an]).  — 
Simpel,  in.  =  Halbveirttckter,  Krelin  ([KIrom] 
en  K*pcs  Simpel,  E.  W.  1,  73).  —  (17341)  Simpel- 

haftigkeit  =  sutpiditas  (a.  r.  ir.  1. 1025). 

Sims,  tu.,  n.  (germ.  »finita;  lut.  «ima  =  Kinnlcistu; 
ahd.  tttmiz;  mini,  simz,  geslmeze).  —  Gesims  - 
l'uilex  (Hlntncr  7.  17). 

singen  (vorhist.  seliRh  ;  Renn,  sengw  [Saue];  abd. 
slngan  —  -ingen.  krüheu  ;  Roth,  slgguan  [lesen];  ftlt- 
nord.  syngva;  ndl.  zingen.  Kluge8,  319;  «.  CalMer). 

—  Ich  höre  die  Kngel  im  Himmel  singen  (bei 
einer  schmerzhaften  Operation)  -  ich  fühle  mich 
dem  Tode  so  nahe,  das»  ich  glaube  (vor  Schmerz 
und  Schwäche),  es  sänge  jemand  (ein  Engel) 

0,  ich  sei  schon  im  Himmel  (üehörstauschutig). 
(lMi2)  t>h,,i,  Singen   ([Kisass]  oren-scnglen,   K.  W. 

1,  021  =  singendes,  tonendes  Ohrgerituseh  (bonic. 
Ml ;  Color,  H.  A.  338).  —  tot  eft  sungen  (nach  dem 
preuss.  Volksglauben,  Frischb.)  =  gelölet  durch  den 
F.mtluss,  den  ilas  Wort,  d.  Ii.  beständiges  Ab- 
singen eines  geistlichen  Liedes  oder  Abbeten 
{».  d.  Verf.  Volfcs-Med.,  S.  27;  Bayerland  1891,  8.  297) 
auf  den  Menschen  ausüben  kann  nach  dem 
Volksglauben.  —  singende  Knoehen. 

sinken  (Senkung)  {tadofwa.  nUi  =  »Ickern, 

seihen;  vorgerm.  slg,  si<| ;  germ.  sink;  ahd.  «in  kau  ; 
mbd.  sinken;  ndl.  zinken  —  tropfend  fallen  ;  das  Fak- 
tlttv  dazu  ist  aenkeii ;  goth.  sagnjan  ;  alt«,  scnklan; 
dftn  barseKeng;  schwed,  barnsfing  =  Wochenbett, 
burtslager  ;  1701  Senkung,  Sinkung;  ndl  zlnking)  a 
das  Fallen  oder  nach  unten  Gleiten  eineH  Or- 
ganen od.  des  ganzen  Körpers,  der  sieb  nieder- 
liisst  (ins  Wochenbett),  r.  H.  des  Blattes  (s.  d.) 
od.  Zäpfchens  als  Bezeichnung  für  Schnupfen, 
Brust  katarrb  (Du  Cook  127.  138;  Meyer  «  onv.-Lcx. 
XVII,  95| ;  eine  uralte,  vielleicht  sogar  germanische 
Vorstellung,  das«  das  rasch  gefallene  oder  gesunkene 
llauehblatt  oder  Zäpfchen  die  Irsache  des  Schnupfens 
Ist  [i.  »cbleasen);  conf.  siga  brynnar  ofan  fyrlr  auguti 
[Edda),  Schwärt* ;  Indog.  V. Ol.  179;  die  Augenbrauen 
sinken  auf  die  Keueraiigeti).  —  (1801)  ZfrUsie'-Sinken 

—  «las  Herabhängen  der  durch  die  Schwanger- 
schaft gefüllten  weiblichen  Milchdrüse  'Vogel 
V,  138).  —  (1761)  Gebärmutter- Senkung  =  Pro- 
lapsus uteri  (b.  ch.  70),  ganzer  oder  teilweiser 
V  orfall  der  nach  unten  get  retenen  <  iebarmutter. 

—  (1741)  scharfe  Sinkung  (ndl.  «eherne  kwaade  zin- 
klug cn  rheumatismus,  Pr.  11,408)  =  Brust  katarrb 
a's  FltiHs  oder  IJbenma  (s.  d  ).  —  m sunkenes 
Horn. 

Sinn,  m.  (sinnen)  (indogerm.  lent  [sentire  = 
fühlen];  vorgerm.  sentno,  germ.  slntba  =r  Weg,  Reise; 
ahd.  sin  -  sensu»,  slnuan  -  reisen,  streben,  wohin 


Sinn. 

gehen.  Kluge6.  319;  mbd  sin  =  Überlegung,  Verstand, 
II.  Paul  119)  =>  Erkennung*  und  Empfindungs- 
vermögen ,  Bewusstsein,  Veratand,  geistiges 
Spannungsvermögen,  „Fähigkeit  zum  Wahr- 
nehmen" (H.  Paul  4M),  Empfänglichkeit,  Neigung, 
Anlage,  Trieb.  —  sinnieren  (aus  der  Studenten- 
sprache) =  nachdenkend  vor  sich  b instarren.  — 
sinnig  (mhd-  »innre,  Sehm.  II,  291 ;  15  .Jalirh  oyiinig, 
Kriegk  II.  354),  t.  =  bei  Sinnen,  (wieder)  bei  Ver- 
stand, verstundig,  von  Nachsinnen  zeugend; 
geistig  vertieft.  —  2.  =  s.  sehen.  —  Sinnigkeit 
=  der  Zustand  des  Nachdenkens,  der  Verslan- 

desthatigkeit.dieArt  des  Ki  kennen*,  Begreifen«. 

—  Sinnlichkeit  (MM  Sinnlichkeit,  Kriegk  U,  354; 
1197  slnllehkcit  In  ledern  glld ,  Gnrtt  II,  211),  1.  = 
Verstand  (Schin.  II,  295).  —  2.  =  Fähigkeit  und 
Trieb,  seinen  Sinnen  zu  folgen,  Empfindung*- 
vermögen.  —  (15.  Jahrb.)  den  Sinn  verlieren  — 
den  Verstand,  das  Emplindungs-  oder  das  Be- 
gri  Iis  vermögen  (8ehm.  II,  29J),  duich  den  Verlust 
der  begreifenden  Glieder  nicht  mdir  haben, 
x.  B  durch  Trauma  (1497  durch  verserung  der  uucha, 
(iurlt  II,2ll).  —  seine  Sinnung  nicht  mehr  haben 

—  gedächtnisschwach  sein,  hypochondrisch  sein 
(Pauli  69).  —  /It-Sinn  (HS")  ibesynnlg,  Kriegk  II, 
351;  drtti.  aMudig;  loio  ab*lnulg)  =  Delirium,  de- 
lirus,  ein  abgekehrter  Sinn,  Wahnsinn  (seit  dem 
17.  Jahrh.  ist  Abtinn  nicht  mehr  gebräuchlich,  (ir.  W. 
I,  120).  ~  ti-sinnlich,  1.  =  bei-sehnig  (sehen). 

—  2.  =  sinnierend  (s  o.),  naehdenklich,  geistes- 
krank (nuck  M).  —  ii/W  Sinn  (-Sinnigkeit)  - 
die  blöde,  besonders  schwache  Art,  etwas  zu 
begreifen,  zu  verstehen,  hochgradige  GeiMes- 

■chw&che,  Kretinismus,  smpiditas,  Dementia, 
Morosis  (Hippokratis) ,  Verstandesschwache, 
(schwed.  blbd»lnthct,  Ur.  W.  II,  112),  die  sich  U.  a. 
als  gedankenlose  Stille  im  Benehmen  äussert 
(stiller  Wahnsinn).  —  Alters- ß/w/sinn  -  De- 
mentia senilis,  d  e  Geistesschwache  im  hohen 
Alter  (Griesinger  325).  —  Diebs  Sinn  -  Stcbltneb. 

—  du mm  sinnig  (15.  Jahrb.  domslneig;  1515  tum 
sinniger  =  liebes,  D.  273)  =  blödsinnig,  aberwitr.i.'. 

—  ritY/  sinnig  (ndl.,  1551  Ijdelslnnlghe)  -  verstand- 
nislos,  unsinnig,  geisteskrank  (De  (  oek  320).  — 
/•'•■'  sjtinung,  1.  -  Alienatio  mentis,  von  Sinnen 
kommen  (Qr.  W.  III,  625).  —  2.  =  Besinnung.  — 
fünf  Sinne  =  die  die  Fähigkeit  der  Wahrneh- 
mung der  Aussenwelt  und  den  tiennss  vermit- 
telnden Sinneswerkzeuge :  Gesicht,  Gehör,  Ge- 
ruch, Geschmack,  Gefühl  (Gleichgewicht  ~ 

6.  Sinn).  —  seine  5  Sinne  haben = seinen  rich- 
tigen Verstand  halten;  ciall,  der  Phrenologe,  und 
Spur/heim,  sein  Schiller  (I  18:12),  hatten  27  und  noch 
mehr  Sinne  u.  Triebe  beim  Menschen  aufgestellt.  — 
Gern /(/(•< htti  Sinn  -  das  Bewusstsein  seines  Ge- 
schlechtstriebes. —  bei  ipttcn  Sinnen  (lios  bij 
guden  synnen,  Kriegk  II,  S5S)  =  beim  Verstände  oil. 

richtigen  Versiiiudnis.  —  hart  sinnig,  (ii82)  Sin 

nigkeit  -  stumpfsinnig,  schwer  von  Begrill 
(hertsiniiig  —  hebe«.  1»  273;  stirosls  =  hertsyntgkeit, 
D.  5.vt).  —  /u/iicr  sinnen,  sich  -  nicht  nacli  vorne 
Btreben  mit  den  Augen  und  dem  Verstände, 
sondern  abainnen,  hinter  sich  sinnen  (dahin- 
1  sinnierens.  o  ),  nachdenken  (ans  Hypochondrie) 
!  (Pauli  09;  Sehm.  I,  1137),  „das  stumpfe  Beharren 
I  des  psychischen  Tonus",  in  einer  falschen  Bich- 


Sinn. 


Sippe — Sir. 


tunu,  bei  Wahnsinn  r.  Ii.  —  (lciö)  Hirns  Sinnig- 
keit =  Verslandcsthathikeit  im  Gehirn  (Coler,  lt. 
I).  \<y>).  —  nr-sinnig  fllGCtrrsynnlg  =  fantasllcus,  I)  I, 
22->;  II,  10«)  =  am  Irrsinn  leidend.  —  /rrsinn  — 
Wahnsinn,Geisteskrankheit  alsAbweiehungvon 
«ler  Norm  der  Verstandesthutigkeil.  —  Krank- 
Sinnigkeit  (ndl.  krankzinnijhcld,  De  Cock  7.  11::)  = 
Schwachsinn,  Geisteskrankheit.  —  Mit ikel  Sinn 
=  cOMcience  musculaire ,  da«  Bewusstsein 
seiner  Muskclthatigkeit  (Dornbl.  27).  —  Scliwaeh- 
Sinn  =  ein  etwa«  schwaches  Denkvermögen, 
^VorstellnngsvermöRen),  nicht  soKeringwiebeiiii 
eigentlichen  Blödsinn  n.  auch  nicht  »urflckge- 
bliehene  Verstandesentwiekclung.  —  sein-,  min- 
sinnig  i«;.>fMn*».«;  z.  <i.  v.  f.  v.-K.  tstw,  s..tui .  sehm. 
ii,  2sc)  —  kranksinoig,  traurig,  melancholisch.  — 

Stumpf  Sinn  (13.  Jahrb.  sttimp*ynne  ^  hebe*,  D.  273) 
IJebetndo  mentis,  Typhomania  Hippokratis, 
Stupor  =  der  höchste  Grad  des  schwermütigen 
Insieh  versunkenscins,  wobei  die  Kranken  gänz- 
lich verstummt  und  für  gewöhnliche,  äussere 
Anregungen  wie  abgestumpft  od.  betäubt  (s.  d.) 
sind  (Griesinger3,  261).  —  (i7:ioi  TVtufc-Sinnigkeit 

(daubsinnigkeit  •.<)  man  meint  es  »<  y  von  schlimmen 
Leuten.  1'r.ptell  ls97.  168)  -  Stumpfsinniijkeit.  — 
(17.  Jahrh  j  thorirhten  Sinnes  sein  -  geisteskrank, 
melancholisch  (Kr.  Kr.  n.  163}.  —  tief  wamg  (dan. 
dybsindig;  holl.  rtiepzinnlg;  achwed.  djup-lnnig)  =  in 
die  Tiefe  strebend  mit  den  Augen,  sinnend, 
abrinnend,  schwermütig.  —  TVui/Sinn  —  der 
durch  falsche,  traurige  und  schwermütige  Vor- 
stellungen und  Gedanken  befangene,  getrübte, 
vorher  sonst  freie  (lichtbell)  gewesene  Ver- 
stand. —  ubel-,  i«/>f7-sinnig  =  s.  aber-  (übel-) 
sehnig  (sehen).  —  «»ainnig  (  Sinne,  f.  Sinnig 
keit)  (ah.i.  nnatnnlc,  Qntt  I,  ao«;  mhd.  nnainnec  — 

nicht  bei  Verstand,  ainnlos.  verrückt,  Lexcr  302;  nn- 
•inne  =  Wahnsinn.  BtMtvtDheit.  I.excr;tö2;  IUI  vn«in- 
helt,  vu»innlkeit  =  Irein  1>.  217,  Ulu  vnslnuig  — 
mnnlacus,  D  3(<*.;  1  die  unsinne  gewinnen  und  Ver- 
liesen nach  des  mönen  lauf  =  lunatlcus  [daciuontacusl, 
C  v.  Megbg.;  <ir.  W.  VI.  2m,  15.  Jahrh.  nnsynnlg  = 
Bipbattcai ,  D.  SM;  von  k rankheit  unsinnig  =  ab- 

duetu«,  alieliatus,  D.  2  ;  1Ö0S  oti^yniiig  —  toll  [vom  Vieh], 
Geiler  von  Kai*ersbcrg ;  IMS  nnsinnigkelt  =  mania, 
II.  v.  r*d.  1O0  —  vcsanla.  s.  melaiieholia,  Schnurrer 
II,  17;  D.  G13;  1691  unsin nlg -  lymphaticus,  llad.  Jim. 
392;  1*'92  die  Stuten  werdem  zun)  ofTter  mal  von  der 
l.ieh  oder  sondere  Ilrnti«t  ra«etid  und  unsinnig,  Sei». 
IS".  -  Mutter-Koller;  P.C8  unsinnigkeit,  (ielsteskrnnk- 
heit,  Tobsucht,  Reyn.  61.  M  ;  l«y»7  un«fnulgkcll  so  ge- 
meiniglich unter  anderen  Ursachen  auch  aus  langer 
Krinarigelung  des  Schlafes  und  Verwirrung  der  geisler 
entspringt,  »Jeorg.  377;  17.  Jahrh.  tni«iunigkell  —  mania 
e.(iiorum,  R.  A. ;  1726  unsinnigkeit,  The-  san.  Rr.  -s. ; 
1713  rnsionlKkelt  -  mania,  Mbl.  Med.  SM;  Klsass 
UDKuig  ,  K.  W.  I.  .V.;  scliwed.  unsiimighct),  1.  - 
psychische  Veränderungen  beim  Menschen  mit 
dem  ChofmkWr  bestimmter,  sinnloser  Wahn- 
vorstellungen (Mania  —  Tobsucht,  Paranoia  = 
Verrücktheit,  Wahnsinn);  frülier  dem  Einflüsse 
des  Monde«  (s.  d),  der  ho-eti  iibelihiitigcn  Geister, 
dem  Teufel  zugeschrieben ,  daher  mit  Wallfahrten, 
Tänzen  (s.  Tanz!  In  gro«»cr  Mcnschenanzahl  nach  Orten 
bestimmter  Heiliger,  mit  bestimmten  Attributen  (siehe 
Hirnweh,  conf.  Schnurrer  II,  17)  behandelt ;  aber  schon 


I  Im  Mittelalter  wurden  die  akut  delirierenden,  kranken 
Fieber» ahnsinnigen  (-  l'hrenesis,  s.  Haupt- 

'  geschwitr)  davon  unterschieden.  —  2.  =  Tollheit, 
Wut  des  Pferdes.  —  Hirn-to'sinnig  (mhd.  hirvn- 
sluulg)  =  durch  Gehirnkran kheit  wahnsinnig, 
phreneticus  (tir.  W.  IV,  2.  ir*;2;  i>.  2^7).  —  (i7ci) 
liündische  Un sinnigkeit  ■*  Rabies  canina, 
Hundswot  (L.  ch  ii).  —  Kopf-  f//(sinnigkeit  = 
ein  durch  Kopfkrankheit  verursachter  Wahn- 
sinn (l'hrenesis,  Phrenitil,  delirium  febrile  etc.). 

—  Mond  -  tt»sinnig  (IV  Juhrh.  unsinnig  an  de« 
mandes  ende  —  lunatlcus,  D.  '.m)  =  mondsüchtig. 

—  (171G)  Wolfs  /  " sinnigkeit  =  „eine  unnatür- 
liche Geilheit  bei  den  Mannsbildern  mit  einer 
Empfindung  eines  liiichst  beschwerlichen  Zu- 
sammenziehen« in  dem  Halse  bis  zum  Er- 
sticken" (letzteres  Symptom  von  der  Lyssa  =  uuten- 
der  Wolfs  Hlss,  geuoiumen ,  A.  v.  H.  I,  9331  (siebe 

Wehr-W(df).  —  unsinniges  Fieber.  —  (mhd.)  im- 
i" sinnet  (-m-sunnen)  =  ohne  Besinnung,  be- 
w  ussl  los, ohnmächtig  gemacht  (diimonlstlseh  ;  137i» 
!  Ii  n  best  mit  von  dem  bösen  gaist.  Kersch  181  ;  l.exer 
290.  30t).  —  '"-sinnig  (ahd.  nralnalgl  =  furores, 
Hattemcr,  Deukni.  III,  '>9"> ;  schwed.  ursinnig)  =  ausser 
Sinnen  seiend  ,  toll  von  Grund  aus.  —  Ver- 
Sinnlichkeit  =  ganze  VVahrnehiunngaflhigheit 
(Schmeiler  Ii,  2u .)  —  MVinn  Sinn,  -Sinnigkeit 

(eine  mhd.  Nachbildung  1108  wansynnekeit,  Kriegk 
II,  3.V>]  des  ahd.  wauawitzl  (WahnwiU,  a.  d.]  —  des 
Sinnes  ermangelnd  ^s.  Wahn  2],  Kluge*,  39t;  ndl. 
waanzln.  De  l  ock  113)  =  psychischer  Aufregung!« 
zustand  mit  anhaltender  Selbstüberschätzung 
(Narrheit,  Paranoia)  und  fixen  Wahnvorstel- 
lungen; (nach  deutschem  Volksglauben  angemacht, 
angelhan,  angezaubert, Witzschel  11.26  »;  nach  Schwartz 
Indog.  V  >.!  2-  I  f    y-<r.-.'.  -     rOO  dttH  ell.-set.en 

Wassergeistern  ergriffen  =  lymphalicus).  —  Hunds-, 
Katzen -U'o/iNsinn  =  «las  Irresein  mit  dem 
Wahne,  in  einen  Hund  oder  eine  Katze  ver- 
wandelt zu  sein  (s.  Wehrwoll)  (Archiv  f.  Rellg. 
Wis-ensch.  is9s  2o.i).  —  Situfer-  U  «i/insilUt  =  0«- 
lirum  tremens  potatorum  s.  alcoholicum  =  das 
durch  Trunksucht  entstandene,  akute  Delirium. 

—  stiller  U7j/i/isinn=  Amentia,  Blödsinn  (Kraus, 
E.  290).  —  Tanz-  ItWoisinn  -  Tanzw  ut  (Welnhold, 
heidnischer  lilttis  17).  —  verliebter  UV,/msinn  = 
Krotomania  (Kraus.  K.  3S0).  —  wilder  H'«/insinn 
=  Mania,  Dementia,  Wut,  Tollheit  (Kraus,  K.  2'.»9). 

—  Zitter-  U'(f/iwsinn=  Delirium  tremens  alcoho- 
licum, Schwächung  u  Zei  rüttung  des  Nerven- 
systems unter  den  Symptomen  des  Zitterns  der 
Muskeln  bei  srew issen  Bewegungen  (s.  zittern). 

—  zerrüttete  Sinne  (1M0  zuriite  sinne)  =  ein  durch 
(ieisteszerrüttung  (s.  d.)  zum  Wahnsinn  aus- 
gearteter Verstand  (H.  Sachs;  .•schmeiler  II,  189). 

—  Sinne(s}-,  Sinnlichkeit  -entrückt,  -gebrech- 
lich, krank,  -loi,  -Stumpfheit. 

Sippe,  f.  —  Sippen-  Blut. 

Sir  (Sirei,  Sirigkeit,  Seuer,  f  Seuerlen. 
Snierlen, Stiren)  (ultlmns.  Chiron;  neuprov.  ciroum, 

Uehlronm,  U.  II,  Ulj  mtlt.  »iro;  franz.  alrons,  eirons 
=  siriones  =  vermlcull,  qui  oriuntur  in  dentibu», 
Du  fange  VII,  19»". ;  »Irones  —  pustulae  manuum  et 
pedum,  Du  fange;  surio,  fitio,  clrio  —  engl,  ltehe 
(Jucken],  Cock.  II,  410;  »yrones  =  comedones,  Fuchs 


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Sir. 


Sir. 


II,  223;  ahd.,  13.  Jahrh.  siure  =  surio  [slrio  =  eine 
Made,  Du  Gange  VII,  196;  vermis,  IL  *2;  siure  =  bruris 
Prurigo  ',  1).  84];  ahd.  «luro,  alurra)  1.  =  Name  eines 
Insektes:  «iro  ,  surlo,  scurio,  canthareda  (=Mado, 
V.  I,  538;  II,  72;  Gr.  W.  VI,  1019).  —  2  =  surigo 
(sewar  —  Saure),  tduro,  suira,  svirra,  siurra,  Sure  (ver- 
miculu»)  ,  Krätzmilbe ,  Liese  (Graft  VI,  273),  porrum 
(I).  41*;  Schindler  II,  323).  —  3.  =  pustulae  mnuimm 
et  pedum  (Sehmelier  II,  323),  surigo.  —  |.  -=  «iura  = 
saturnsste  (satyriasis  =  Syphilis?,  Schmeller  II,  323; 
D.  514)  —  lepra;  (13.  Jahrh  ,  sftehs.  znre,  D.  WS;  surin 
gargara,  venuis,  Graft  VI,  273;  P.  257  ;  1366  sure,  sore 
=  Sehre,  mal  um  quod  dolorem  affert,  laesio,  Haltnus 
1766;  14.  Jahrh.  slur  =  surlo,  Voc.  opt.  W.  4,'»;  mhd. 
süre,  alurc):  a)  die  kleine  Milbe,  Bcarus  (olllculornm ; 
b)  das  davon  verursachte  Klterblaschen  (Gr.  W.  VIII, 
1872;  suern  aut  »ebelcxa  ^  hominem  comedendo 
laedunt,  D.  II,  Sil  [s.  Schnabel] ;  14  —  15.  Jahrh.,  mnd. 
suren  van  deine  antlute,  J.  f.  nd.  8p.-F.  XV,  14S;  alt- 
saehs.  sure  =  aearus,  D.  6;  1419  essere,  sere  vel  »Ire 
o  pustulao,  üurlt  1,  822;  1420  xuer  aache.,  I>.  638; 
mnd.  sür,  süte  —  Htlzblattcr ,  Bremer  Wörterbuch; 
cuyrich  =  sauer,  Jessen  347 ;  1465  »ewrn  an  den  henden, 
Schm.  II.  323;  l.'i.  Jahrh.?  slrla  s  der  Siechtum,  noli 
mo  längere  's.  aurühren  =  Lupus],  Selimcller  I,  942, 
15.  Jahrh.  seuron,  suron  =  carabus  [scarabaeus],  D.  99 
=  strlonos.  vermlcull,  «jui  na»cuntur  in  dentlbus. 
D.  II.  341;  iür  =  grlllus  [Made],  IL  II,  198;  sure  ss 
maueor  [Kinne],  D.  II,  24  >;  sewren  —  ein  Inglück  und 
l'nlugend  bei  Wunden,  U.Z.  XX,  23;  1482  sewren  =  fer- 
tnontarc,  Zenlug.  Voc.  o2;  1482  sur  =  Cyrillus  [surlo], 
I).  122;  1487  scyrln  =  surlo,  Schmeller  II.  323;  I).  122; 
15.  Jahrb.  sur  =  alro,  D.  II,  341;  1495  aüry  =  slro,  surlo. 
Cyrillus,  D.  122.  538;  15.  Jahrh.  sure  vel  vlunc  [flaeeor], 
I).  237  ;  1500,  ndd.  eeu  suyro  —  verteca,  I).  II,  379  ; 
l"-04  die  syr  an  den  henden,  Schmeller  II,  323;  1507 
stier ;  ndl.  »lere,  ziere  —  verteea  In  mnnibus  —  tuber- 
ositas  [Schwiele],  D.  614;  1526  syren  die  utnb  ein  wund 
worden,  Gurlt  II,  22Ö  =  durch  Hautreize  entstandene 
Hautpustoln  ;  L'.29  alrey  =  Hautausschlag,  Paraeeteus; 
1530  sirey,  I'araceUus;  üurlt  III,  221  =  Epithelkrebs 
[Lupus  syphll.?];  1551  scyren  =  Hautausschlag,  llock  0; 
1561  seureu  —  sironcs,  IJ.  538;  1574  seurlelll  =■  Haut- 
ausschlag, Gr.  W.  VIII,  1872;  1577  Slerc  =  acurus 
[Milbe],  D.  6;  slroues  m  clrons  =  pctlls  «nlinaux  tou- 
jonrs  caches  kouj  le  mir,  A.  I'arö  ;  llriss.  231 ;  ndl. 
idre.  sirken  =  teredo  [Wurm],  D.  57!» ;  1583  sewron  — 
Kratze,  Lienen,  Gr.  W.  VI,  1019 ;  13M  »aeurlein  — 
Hautausschlag,  1.  eod. ;  1592  seuren  =  rote  Angesichts- 
fleckeu  [werduu  „getötet"],  Seh.  III.  .Vir,,  15'.'2  seier - 
■carus  [Milbe],  D.  ö ;  1603  sacnwcrleln  -  teredo  [Wurm], 
I>.  579;  1612  »Iren  =  fratt  oder  wund  sein  an  den  Fes- 
seln [beim  Werde],  Gr.  W  IV,  1  67;  1616  sewrlln  - 
vari  (nietet  syphilitische]  AngusichlstilAttcrlcin  ;  sirey,  f. 
—  luxus  canerosus,  lneousirus,  phlegnionum  bei  I'aro- 
celsu»,  Gr.  W.  III,  480;  I).  607;  I'r.  II,  75.  7ö ;  1C16 
syrey  =  ein  fressender  Sehaden  im  Angesicht  oder 
Hals,  lupus  =  da«  Fressen  [a.  d  ),  Paracelsus;  Gr.  W. 
IV.  1.  137;  Schmeller  II,  322,  sirey  [Schmeller  II,  »02, 
strey]  die  Ins  bein  kommt  —  Syphilis;  16IH  salrle, 
acurle  —  teredo,  Ijeissende  Blotterte,  Schmeller  II,  322; 
1620  seuren  —  slria,  syrey  -  SIerigkeit,  Hautkrankheit, 
Tritons  Adlh.  48  u.  61 ;  1629  senr  ^  teredo,  Schm.  II. 
823;  1636  Syr  =  Hantkrankhelt,  Heilbr.  Badebeschr.  ; 
1645  suhren  „man  spricht«  per  voeem  galllcam"  = 
Augenschwarcn,  Coler,  U.  A.  III ;  1068  »aeurlein  = 


Angesichtsrinnen ,  Beyu.  110;  1699  sairlein  =  e-cra, 
essera,  v.  M.  II,  133;  17.  Jahrh.  slray  —  Hautkrankheit 
[Falten  od.  Rnoseln]  mac  hend,  Schm.  I.  716;  17.  Jahrh. 
seyeren  oder  Keidlieser;  1719  sirc ,  f.  sierichen ,  n 
Seuerlein,  Gr.  W.  VIII,  IS72  ;  1741  Seiren,  sironcs  sind 
kleine  Hlatterlciu  oder  Reillinscn  [s.  Kaude-I.ieseti'  an 
denen  Händen  und  Fusssohlen,  in  welchen  kleine 
Würrnletn  sich  aulhaltcn  u.  empfindlich  bote-en,  nagen 
und  zwischen  der  Haut  fortkriechen ,  Kirsch  1105; 
1756  seuren -sirone»  -Mieten  [Maden],  A.  v.  II.  I,  10; 
»Uhren  —  comedones  [Senren],  A.  v.  H.  Ib.,  sAuerlein 
—  „kleine,  spitzige  Rlatterleln  von  Linnenkonigriisse 
und  leicht  ziisammcnlliessend  ,  werden  hie  bösartig, 
•  >chaif  -,  so  tet  es  der  Herpes  nÜUaria",  A-  v.  H.  I, 
788;  1761  sirone»  =  kleine  Wurmchen.  so  die  flant 
durchgraben,  L.  ch.  78;  1777  seiren  im  angesicht: 
vari,  1».  588.  607;  1783  suren  =  hidroa  Gaieni,  F.  Fiater; 
18.  Jahrh.  seyerleln  =  Surigkeit,  Tabern.;  holl.  zier, 
ziertje,  Schm.  II,  322  -  Reltllese  [s.  d  ];  nleder>ftchs. 
süre,  «iireeken  =  Hitzblatter.  Schwitzblatter.  Kraus,  E. 
466,  alt*üch*.  süre  -  acarun,  Milbe.  1».  6;  Schwaben 
Sulr,  Snlrle,  Schw.  643;  Seier,  Seierle.  Seierlein,  0.  v. 
Schm.  490  —  veslcula,  Hautbllt'chen ,  HlizblAfccben, 
Huck  ly ;  Bayern  Seur,  f.  =  Naienkraiikhelt  I  Akne  , 
Blick  13;  Gr.  W.  VIII,  1872;  Solerl,  Sulerl  -  Kkzema 
und  Akne  HlftKchen,  -Knotehen;  Sler  -  Keitllese.  ein 
kleines  In«ekt  [das  einen  Hautausschlag  macht],  Schm. 
11.  322;  lirtf  oder  Frantzosen  [Schaden  unter  den 
Augen,  die  harte  Kufen  haben  und  welter  fressen], 

I,  eod.;  dye  iyrcy  [  =  Noli  u\e  tangerc]  In  dem  Flelltch, 
sie  kommt  aus  faulen,  ungesunden  Saften,  Schmeller 

II,  322;  die  Milreu  uuder  dem  aulhitt,  I.  eod.  ;  die 
sevru  Iii  den  henden;  sewilr  -  curigo,  MW»  =  pedi- 
cellos  ,  seyrln  =  surlo ;  siro^surigo,  Pustulae  tnanuuin 

et  pedum).  —  sirig  («ünj;,  suiiij;),  1.  —  (i62oj  durch 
Surigkeit  d«'H  Bluten,  naitre  Sclinrfo  hautkrank 
(Dr.  Minderer),  fratt,  verletzt.  —  2.  =  Beliri>:  (».  d.) 
verdrieutdieh  (Gos^  nsass,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1896,  S.813; 
Wall).  —  Betulich  =  voll  von  Seuerlein.  Man  darf 
wohl  annehmen,  dass  »Ich  In  dem  Worte  Sir  und  Sür 
zwei  verschiedene  Begriffe  und  Worte  vorlinden,  die 
sieh  unter  Anlehnung  des  alteren  Wortes  sir,  sirey  au 
sur  und  diesen  Sippen  zu  dem  BegrlUe  eltler  Haut- 
krankheit infolge  einer  sauren  Hlutschürfe  (Sur)  ver- 
einigten In  dem  Worte:  Scuorlem.  1  -  wie  die  Laus 
zu  Luschen  (s  d.)  und  Lieschen  wurde,  so  wurde  die 
Hantmilbe  Slro  (sirillus,  Cyrillus)  zur  Harte  hüllen- 
den Hautkrankheit:  Sirey,  worunter  man  wobt 
verstand  a)  parasilitre ,  Kratzen  und  VerhUr- 
tung;cn  machende  Hautkrankheiten  (mit  Krittze, 
Milben  u.  Lau«en);  h)  hupm«,  Noli  nie  längere 
(Epithel- Krebs),  d«r  fressende  Wulm  (Siren- 
Wurin)  Krehs  (ScirrluiK,  h.  Unhr  mich  nicht  an}  , 
o)  Lepra;  il)  (duss  L'.3ö  sirey  —  Parotitis  «ei,  wie  Gurll 

III,  221  Ii.  22*.i  annimmt,  ist  nicht  richtig).  —  2.  —  aus 
diesem  sir,  sirey  wurden  unter  dem  Kiullusse  der  l'ura- 
cclslsten  und  latrochemikcr,  die  eine  scharfe,  salzige 
Saure,  saure  Scharfen  und  faule,  ungesunde  Safte  Im 
Blute  der  daran  Kranken,  namentlich  bei  der  Syphilis, 
annahmen,  das  Saure  (*ftre),  Spurende,  Säuer- 
liche (Seur,  Seure,  Seuron)  lautlieh  vorherrschend, 
womit  man  dann  nach  dem  Verschwinden  der  Lepra 
bezeichnete:  a)  Akne  -  Kinnen;  h)  Kkzema  (ma- 
noDm);  c)  Hautfrattigkeit,  Haut-  und  Schleim- 
haut>;e8ehw(lre ;  d)  namentlich  syphilitische 
llauUiusachlUge.weunBieechwieliße.indurierte, 


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Sitten— sitzen. 


Skalraa— Skorbut.  6.>3 


harte  Gewebg-  oder  rote,  phlegmonenartige 
Hautatellen  macht  (Ekzema  palmare).  —  sehr, 
Sir,  1.  -  schmerzhaft  (s.  sehr).  —  2.  =  durch 
Saure  od.  den  siro-Wurm  veranlasst.  —  Augen- 
Seur  (nachuihd.  «euren  äugen,  «Aurron  in  den  äugen, 
Schmeller  II,  322.  323;  Seir  auf  d>-n  Augen,  Buck  13), 
1.=  Ekzema  palpebrarum,  Bildung  von  Bläschen 
um  das  Aug»-  herum.  —  2.  =  Gerstenkorn.  — 
beissel-,  eissei  Birig  =  eissel-sehrig  (s.  d.)  (s<  hm. 
1, 3»s).  —  (IM6]  fUessende  Sircn  (Süren)  =  Ekzema 
varicosum,  Salztluss  (Teophr.  H.).  —  G'rsurr  (bei 
Schnuller  II,  :t24 ;  ist  als  Uescuvrar  \*.  d.]  zu  deuten). 

—  {im  Hals-Siie  (-Süre,  -Stirigkeit)  -  Haie- 
gesell war,  Squinantia(cynanehc).  —  (1487)  Hand- 
Semen  (hand-scyrln  =  clrilus  t  =  sIro!,  Sehm.  II,  323; 
1193  haud-Miry,  -süry,  -seyrin  ss  siro ,  Handwurm, 
1).  122;  13.  Jahrh.  hatid-sur,  sürly  =  eerillus.  D.  II,  92) 
-harte,  schmerzliche  Hautkrankheit  der  Ilohl- 
hand  (Ekzema  manuum),  Handschwielo  mit 
Blaschenhildung.  —  spanisch'  Seur  eil  le  harte 
Hautpustel  (s.  Syphilis,  Pustula  maligna) 
[Baek  19).  —  Venediger  Süren  =  eine  Art  Haut- 
ausschlag (syphilitisches  Ekzema)  (c.  v.  Schm. 
490,  aus  „Venediger  Übel"  [s.  d.)  übernommen).  — 
(1742)  U'fljwcr-Seurlen  -  Ekzema  humidum,  die 
Feuchtigkeit  absondernden  Klechten-Knütchen 
(zw.  95«).  —  Sur-,  Sur-,  Süren-,  Seuerlein-Ge- 
sclnrär,  -Igel;  -Scltäden, -Übel,  -  W  urm. 

Sitten,  pl.  (in  Besprechungen  auf  Bitten  reimende 
Form  für)  sitzen  (Sitz)  (indot-erm.  sed  [sldo,  sella); 
urgerrn.  »et;  vorahd.  sittian ;  angl*.  sidenne;  altn. 
«etr  —  Sit«;  sAt  -  Betzen;  sactl  =  8ltat,  Kick.  »8«; 
»hd.  »izzen;  mhd.  sitzen.  Kluge  *.  319  ]s.  Saas,  Satz, 
Kim]  —  «ich  setzen  ,  gesehen  «ein  ,  wohnen  ,  sich 
befinden).  —  Sitz,  m.  ~  der  Ort  den  Bitzens,  (ie- 
eiiss  (franz.  siege);  auch  die  Krankheit  (Sehleim, 
FJuss)  hat  ihren  Sitz  (s.  u.)  in  irgend  einem 
Korperteile  laus  der  Zeit  des  Damonismns  -lammende 
Vorstellung,  deelwcn  sltan  latne,  Kuhn  II.  15;  [Schles- 
wig] de  llaet  [  —  Flu«»,  tücht]  de  sc«  t  all  so  diige  [dick] 
int  b.cn,  Mullenh.  4<  •;.  —  Sitzer  (sedes  Plinil)  = 
Podex,  der  Teil,  mit  dem  man  sitzt.  —  auf- 
sitzen  (ahd.  oUttan,  B.  Z.  III,  199)  =  obsidete,  auf 
jemand  als  Plagegeist  sich  setzen,  davon  /''sitz 
nehmen.  —  ihn  besitzen  fineubus,  i>  293),  d.  h. 
ihn  zum  Besensenen  (s.  d.)  machen.  —  Elf- 
Sitten,  -Sitzen  (angls.  aelMdenne;  widh  aelfe  und 
widh  uneuthum  «idsan  =  engl.  elvNh  tricks,  elfin  tricks, 
visilor,  COCfc.  II,  14.  15.S.  29t".;  III,  10.  334  conf.  16.  Jahrh. 
zwen  und  sibentxig  ritten  vnd  allen  irenn  sitten,  Ale- 
mannia 180\  2t.6j,  1.  —  dan  Besetztsein  durch  den 
Alpdftmon,  a)  im  Alptraum,  h)  im  Inneren 
durch  Würmer  (.Mitzehrer).  —  2.  -  der  Sitz  der 
el bischen  Krankheilsdilmonen,  die  z.  B.  Fieber 
(Bitten)  bringen.  —  AYa/iAAetfs-Sitz.  Nnrh  dem 
Vorgange  von  Morgagni  1 1  1771]  suchte  die  Schuliuedizin 
bei  Krankheiten  niclit  mehr  zuerst  nach  dem  Wesen 
(Konstitution,  Komplexlou),  sondern  nach  dem  ort- 
liehen Vorgang  derselben,  d.  h.  nach  der  sedes  morbl; 
da  derKrankh'  itsvorgatig  sieh  Im  anatomischen  Organ- 
gewebe (Zellen),  abi-r  auch  In  den  vitalen  Funktionen 
abwickeln  kann,  ist  di.  se  Aufgabe  der  neueren  Medizin 
eine  weit  schwierige»  geworden,  als  sie  früher  war; 
in  der  Volksmedizin  I*t  dieser  natürliche  Gedanke  des 
Forschen«  nach  dem  Sitze  der  Krankheit  durch  die  ihr 
bc«oi>dem  eigene,  damonislische  Ätiologie  langst  im 


1  Branche  und  artete  zum  krassesten  Parasitismus  aus; 
Wurmnester,  Wurmhäuser,  auch  die  Stellen,  wo  un- 
sichtbare, elbische  Weile  oder  gar  der  Dämon  selbst 
sitzen  oder  rasten*  sollte,  waren  solche  Krankheitssitze 
=  die  Stelle,  wo  die  Krankheitsursache  ihren 
Sitz  hat,  sich  befindet.  —  Nieder- sitzen  der 
Blattern  (1740;  Seit«  ns)  =  der  Zeitpunkt,  in 
welchem  die  Pocken  (Variola)  an  Schwellung 
abnehmen  durch  Berstung  der  Pusteldecke  und 
Ausfluss  des  Pustelinhaltes;  die  gleichzeitige 
Adynamie  wurde  fälschlich  als  „Zurücktreten" 
der  Blattern  aufgefasst.  —  Ii  il n  -  Sitten  =  s.  Elf- 
Sitz.  -  Sitz  -Arsch,  -Bein,  -Feige*,  -Fleisch. 

Skalma.  f.  n.  (lssi  nach  Dickenhoff,  Villaret  II,  18 
scelmo  [s.  Schelm])  =  heimtückische,  schelmische 
!   Krankheit  (Meyer,  C.  L.  XVI,  17);  modern  latinisiert 
j  zu  Skalma  —  eine  milde  Form  der  Pferde- 
Influenza  oder  Brustseuche  der  Pferde  (nach 
Dickenhoff). 

Skelett,  n.  (aus  gricch.  oxtXttöv  =  Itclnwerk 
[«.  d.  u.  Schelm);  es  wurde  schon  von  den  nachchrist- 
lichen Körnern  auf  Vasen  abgebildet;  16tK">  Skelcton ; 
„das  älteste,  historisch  beglaubigte  Anatomlcpraparat 
der  Welt  ist  das  von  Vesal  [1 516— 1564]  gewonnene  und 
errichtete  Skelett,  dessen  erweislich  echte  Überreste 
sich  In  Basel  befinden",  I'agel  1%)  =  Totenknochen 

(Kluge).  —  8kelett-3/cn«cA. 

Skerljewo,  n.  s.  Scherlievo  (DornbL  las).  — 
Skerlj  e  vo-Settche. 

Skor  (Skar)  (3xü.<>  =  Unrcinigkeit;  mtl.  scuraro; 
lat.  exeurare;  scoria  =  Schlacke,  Cnrelnigkeit,  D.  II, 
331;  roman.  scorada  =  vlscera,  Ueschlinge,  das  aus- 
geildert  wird,  Du  Cange  VII,  702;  zu  altfran«.  scor 
=  skora,  Ilaescr  II,  221;  engl,  to  scour  =  scheuern ; 
schwed.  skura;  Island,  skora  —  Kerben ;  ahd.  scarna 
[s.  Zitterach!;  H82  sorbuc,  scorbeln,  scormunt,  Kersch 
19'J;  149»;  scorram  heyssen  den  schaden  die  aus« 
franekreych  von  dem  wordt  Scor,  das  die  kryechen 
Oletutn  [=  foetidum,  D.  394;  II,  27o]  nennen,  das 
ist  so  v II  geredt  als  vnlautter,  pfynnig  oder  sliuekend, 
Fuchs  I,  3U;  1496  pc»Ulentlalis  seorra  s.  mala  de 
franzos.  Haeser  II,  212;  1496  pesttlcntlalls  seorra 
slve  Impetigo  [=  Syphilis),  Haeser  II.  212;  Janua 
1*9*.  OOS,  1  j01  morbus  grassaus  qul  malum  franclae 
[=  Syphilis]  slve  Skorra  nominatnr,  Fuchs  I,  289; 
Haeser  II,  211;  V<0\  seorru  —  malum  franclae,  Haeser 
II,  21&;  1761  scoria  =  Schlacke,  Dreck,  Fäulnis,  h.  ch. 
76,  D.  520;  ndl.  scoren  =  laclnlare,  D.  315;  Kraus,  E. 
934)  —  Abgeschundenes,  Abgescheuertes:  a)  sy- 
philitische Hautschrunden  mit  Hautabschil- 
ferung;  b)  (1H07  skar  —  aphthae  der  Kinder,  Ackcrm. 
513),  dnreb  die  Zahnspitzen  abgescheuerte 
ZongensU'llen  (Schür;  Scheuermund);  c)  dazu 
wohl:  Scharbock,  Skorbuk,  Skorbein,  Skorbut, 
Skoimuut  =  Scheuer,  Scheuerbein,  Scheuer- 
mund etc.  (rmdeutungen  de»  Skorbut  nach;  Buk 
[Bauch]  und  dann  weiterhin  «u  Bein  und  Mund  hin, 
Kluge»,  317). 

Skorbut,  m.  (aus  mtl.  scorbntus;  dies  aus  Schar- 
bock [n.  d.];  engl.,  1679  scorby,  Gurlt  III.  360;  scurvy, 
Lehf.  93;  button-scurvy  —  Beulenskorbut,  Dorubl.  22; 

|  1482  sorbuc,  Kersch  196),  1.  =  Scharbock  (s.  d  ),  der 
blutige  Ileus  des  Hippokrates  (Fuchs  II,  536),  mal 

1  de  terre,  Landkrankheit  (1355  mal  des  roses  Nostro 


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Skorbut. 


Skropheln. 


Dame  [*«fM  der  roten  Haulflecken];  1376  morbus 
BV  Eligii.  le  mal  St.  Eloy,  Du  Cange  V.  517;  IX,  260; 
1381  le  mal  nostre  Dame;  12*1  Morbus,  flores,  Uosae 
8t.  Mariae;  über  St.  Eligius  it.  Z  d.  D.-Ö.  A.  V.  Is93. 
8.  211;  er  Ist  ein  sogen.  Nagelpatron  wie  St.  Leonhard, 
V.-K.  1896,  8.  112;  lc  mal  St.  Santln,  Peijpers).  —  2.  — 
die  verschiedenen  Kachexien  und  bvakrasieen, 
die  sich  skorbntfthnlich  durch  Zahnfleuch- 
Bl  Utting,  -tieschwflre  (mal  de  geneives  -  gingivac. 
Bris».  153;  avoir  lc  juvart,  1.  eod.  [s.  Jnvurt]!,  rote 
Haulflecken,  üblen  tieruuh  aus  dem  Munde 
äussern  und  dein  „abgestandenen  Hlute"  zu- 
gerechnet wurdet)  (s.  abstellen),  z.  H.  Leber- 
leiden, Leukämie,  Motbus  maculosus  Warlbofii, 
Purpura  rbetim.,  Pellagra,  MereuiialismuiJ 
(Kehrend  7«).  —  3.  =  schwere,  tertiäre  Syphilis 
int  wold  öfters  früher  mit  Skorbut  (icorbalu, 
Lorsch  196  =  Schor-  oder  Schencrbein,  s.  <1.)  ver- 
wechselt worden  (darum  vielleicht  noch  Storni 
-  Skorbut);  die  Knochen-  und  Mundhohlen- 
Bypbilil  (Zahnkanker*,  Kankera«ll*)  «ab  wohl 
Veranlassung  zu  dieser  Verwechslung.  — 
4.  =  (I7ii)  Milzkrankheit  (s.  d),  die  ein  skor- 
butisebes  (ieblüt  »ur  Ursache  haben  sollte 
(Hibi,  Medikus  170),  d,  h.  nach  den  Anschauungen 
der  Arzte  <les  17.  Jahrh  war  Seharhock  oder 
Skorbut  z.  T.  da«,  was  bis  auf  l'aracelsus  als 
Melancholie,  schwarze  (Salle  od.  Milzkrankheit 
bezeichnet  worden  war.  —  6.  —  ,,1'ntor  der  Be- 
zeichnung (iangraena  senrbutica  wird  (bei  Sennert 
t  1637)  die  tJangracna  senilis  Usch  riehen,  hei  welcher 
im  (ogensalze  zu  den  anderen  llrandrormen  die  Er- 
krankung  leute  ac  tarde  serpit  ac  non  nlsl  longo  tem- 
pore bomlnem  trucidat;  ibmuIm  ac  lltnrae  rubrae  vel 
purpureau  appnrere  Incipiunt  etc."  (tlurlt  III,  172).  — 
(J.  -=  Vielleicht  Ist  eine  Form  des  Ergotismus  epide- 
micus  als  epidemischer  Skorbut  (1676)  bezeichnet 
worden  (Kohert  1, 36).  —  Alpen  Skorbut  -  Pellagra, 
die  etwas  an  Skorbut  erinnert  durch  die  poly- 
morphen und  polychromen  Haut-  und  Mund- 
schleimhaut aflekt ionen  (Alpen Hechte)  (Näheres 
darüber  Elchhorst  II,  23'»;  Ilchrend  58);  aucll 
mailäuilischt  >  Skorbut  <>d.  mailitndisrhe  Krank- 
heit genannt,  weil  er  in  den  subalpinen  Pro- 
vinzen der  maihindischen  und  lombardiseben 
Ebene  endemisch  «ein  eol).  —  (isort)  Land- 
Skorbut,  1.  =  Morbus  maculosus  Werlhofii 
(Ilchrend  77.  Puchs  II,  360)  (s.  Wet Iholische  Krank- 
heit). —  2.  =  der  hei  den  Landtruppen  oder  in 
feuchten  Kellerw  ohnungen  auftretende  Skorbut 
oder  auch  Purpura  haemort  hngica  (Roth  477) 
(mal  te  terre)  im  Gegensätze  zum  See-Skorbut 
(mal  de  tner)  der  Sehlll'sleute  (Landkrankheit) 
(engl,  tandücurvy,  Hoth  289;  AU«.  Med.  <  entr.-Zlg. 
laSS,  8.  6.11;  Schnurrer  II,  455;  Nicmoycr  II,  710)  — 
Merkurial  -  Skorbut  -  Stomatitis  mon  urialis, 
eine  durch  Quecksilhermisshrauch  veranlasste 
GCBcbwörbildung  im  Munde  (Kraus,  E.  933).  — 
Mit.,.!   Skorbut  -  Mundfituli!    (Kraus,    E.  BS3) 

(siehe  .Skorbut  2).  —  Säufn- Skorbut  ■  die 
durch  übermässigen  Alkoholjienuss  entstandene 
Zabnfleiachaffektion  dyskraaiecber  Natur,  „der 
höchste  Ürad  der  Melancholey"  (s.  Schaihock), 
Lebercirrhosa.  —  (17  -6)  .SW-Skorbut  =  der  auf 
Schiiren  oder  bei  Matrosen  nach  langen  See- 
reisen auftretende  Scharbock  (Eichhorn  Ii,  »13; 


A.  v.  H.;  Nicolai  IV,  11.'.;  Niemeyer  II,  739).  —  skor- 

butisches  Geblüt 

Skropheln  (skrofulös)  (5.  Jahrh.  scrofao  = 
yotpaSi^,  chirachs,  (iurlt  I,  503;  augls.  §cr.. feile«  — 
—  scrofula  —  Kcrnlein  [Drüsen],  Cock.  III,  C2 ;  werden 
besungen;  In  der  Physlca  Hildegard!*  [12.  Jahrh.]  Or- 
flinnc  !=  strumae'.-.  —  scrophulae,  veuenosae  glandes, 
D.  II,  273;  drusae  —  sqnalao,  D.  519;  1311  «erofula,  Im 
Cange  VII,  732  =  eine  Hauig.  schwulst ;  I  I.  Jalirh.  glan- 
data,  schrofula  —  Drü-ic,  Vor.  opt.  W.  -10;  l;:w  scroffa  — 
evn  hose  dru-e,  D  521  ;  1478  scrophula,  C.  v.  Megbg  ; 
1182  scrofula  —  Ferchlein  'Drüse';,  Zening.  Voc  h  h  2, 
scrofnla  =  trnsi,  Or.  W.  II,  WS  [drus  =  Saufutter, 
Z.  d.  V.  f.  V.-K.  isyfi,  S  301|;  vlaem.  srronffelen,  Uurlt 
II,  139;  U97  Mrofulae  norellae  =  syphilitische  Haut- 
und  Schl.  lmhiiiitwarzcn.  Fuchs  I,  310;  1.».  Jahrh.,  ndd. 
schrofli  len.pl.  —  scrolulae  Blandes D.  .21 ,  Iii.  Jahrh.  V] 
scrophulas,  Sehmeller  II,  6.1.'.,  lfto7  itrotula  —  DriuHm- 
kiaakheit,  Hort,  san.;  IMS  strofula,  innere  truesa, 
H.  v.  (Jersd.  HK);  157»  scrofula  —  wenn  jemand  eine 
Felstigk.  lt  in  sich  hat  wie  ein  rindern  l'nschlitt, 
17,  Jahrh.  Wartren  oder  Scrofeln  am  l.eib,  so  gern 
am  Halss  waclisen  und  untern  Achseln  und  wochssl 
seit. 'ii  eine  allein,  sondern  viel  bei  einander.  Diese 
BCroffeln  sind  gleich  flei-chig  wie  Haut,  »achsin  aus 
den  bttien  Feuchtigkeiten,  ml*  von  Phlegma  and  Me- 
lancholey,  Fr.  Kr.  II  106;  Ix>nic.  '*;  1*>9  scropheln 
--  Kropfknotehen.  v.  M.  II.  102;  1742  scrophulae  = 
Perkleln-DrfinOD,  Zw.  76'»;  17S3  scrofnla'1  —  Drüsen  am 
Hals  und  an  anderen  Tell.  n  des  kindlichen  Körpers, 
I'latner  II,  263;  1817  »krofeln  -  die  in  die  Augen 
fallenden  DriisenanschwcllunRen  und  Knoten  Infotg« 
von  Skrofulosls  [Sarenk),  ls:;r.  scrofeln  -  eine  Kachexie 
mit  Hautkrankheit ;  mtl.  chirades  [v,  i'i\u<i'„  —  Schwein], 
chiradii,  Klandiilne,  verinc«,  so.iellae;  span.  porcelhsOU 
[porcus  -  Schwein],  lunparoues  [—  lupnril  •  Im  <  ange 
V,  154]j  franz.  mal  du  Koy,  mal  le  Ray,  mal  St.  I.onis, 
tcrouclles  [*.  Konlgsühel];  engl,  klngn  or  queen*  erll, 
«urlt  III,  669;  Urlss.  121;  Hai.  gavanos,  gavigne.  Du 
Ottige  IV,  43.  143;  alt  arah.  dübelet ;  1480;  ütirlt  I,  .S3I  ; 
hehr.,  1622  vengude  Cohcnne,  (Jurlt  II,  »23  [gudde  — 
Heule;  cohenue  priesterlich]  =  durch  I'riestershand 
heilbare Skio(elbeule;alger.-arnb.  khenazlr]  —  Schwein), 
Ourlt  I,  192;  frniu  ccrouelles  =  scrofules;  schw.  d. 
seroller;  dftn.  «erofel,  Behren d  13;  man  verstand  unter 
Skropheln  froher):  1.  =  die  vergrosserten,  ange- 
schwollenen llalsdrüsen,  die  den  Situ-  oder 
Schweinsdrüsen*  am  Halse  ähnlich  waren 
[Scrofula  -  Ferklein.  s.  auch  Schraube),  Inlirmitns 
in  gutture.Ohoiiades  Hippi.kratis, Struma Celsi ; 
dazu  gehören  aber  auch  2.  =  der  Drüsen-Kropf 
(struma,  scrofa,  scrofulac  >|iiae  in  cute  capitis  vel  „circa 
guttur"  unseuntiir.  Du  «  ange  VII,  372.  617  [  —  Knopfe, 
nata!)  der.  wie  die  Skrofeln,  Epilepsie  und  Khnchilis 
durch  die  aufgelegte  Konlgshaud  gehellt  werden  sollte  ; 
dleaen  „toucher  du  Koy"  durch  die  Hund  d>  r  angel- 
sÄehsischeu  und  spater  iiormnmiUthen  be*w.  eng- 
IlMhen  und  franzosischen  Könige  wurde  für  Norwegen 
auf  König  (Huf  11.  I'  1128).  lur  Frankreich  bis  auf 
i  lodwig  (+511),  für  England  auf  Eduard  den  Ilekenner 
(+  1066}  zurückgeführt  ('Jurlt  I,  110;  III,  570);  aber  die 
altere  Edda  erwahnl  schon  die  Heilhande  der  Bnwhfld« 
(Jordan  K0.  367)  und  die  Angelsachsen  hatten  schon 
einen  Hoflfingcr  (haleteiid  ~  digllui  salutaris,  D  (äff); 
diese  Heilmethode  cutstammt  dum  iiordgermanischen 
Pricslerkonlgtumc  (S.  Janus  1897,  8.  14).  —  3.  (Imupl 


Skrupel-sodien. 


sochezen— Soda.  6.w 


sachlteh  weiterhin  mu  h  und  später)  innere  chron. 
Banehdrüsen,  sowie  die  kästen  Inhalt  (Skrofel- 
stotl",  Skrofelmaterie)  führenden  Drüsen  und 
speckigen  (lesehwfire  der  Haut  u.  iler  Knochen 
(Knochenfrass ,  scroellao  =  vertnlum  infestatlo.  Du 
Canga  VII,  372)  (s.  Blindschleichen  u.  Fuasge-  i 
schwell).  —  4.  =  dic  Skrofelsueht  als  allgemeine 
Konstitutionsanomalie.  —  5.  -  ähnliche  Krank- 
heiten hei  Menschen  und  Tieren  (st.  B.  Syphilis, 
tionorrhoea);  nanientl.:  Ilawh-,  Dann  Skrofeln 
—  die  durch  Tnlierkr.losis  «1er  Gek rOsd r  ü  s  c  u  in 
der  l'nuehhohle  (l'nterleih)  und  der  Ilarm- 
schleimhäute,  namentlich  hei  Kindern  und 
jugendlichen  Individuen,  entstandene  l'hthisis 
tnesaraica  [Wldoohofar  i.  Gerhardt  iv,  2.  öds;  Köhler 
11,  277).  —  Xui/el  Skrofeln  =  skrofulöses  Nagel- 
gesehwür  (Fuchs  ii,  ..TN.  —  (isuä)  ojfenc  Skrophel 

=  geschwürig  zerfallenes,  eiterndes  (icschw  ür 
auf  skrofulös.  Boden  (Weickardl  171).  —  Tripper- 
Skrofeln-  Lues  gonorrhoica  (s.  Tripperseuche) 
[AQleortalh  1772-1835;  1703  lumor  serophtilosum 
maxillae  inferior!»  a  retrnpulsa  gonorrhoea  vlrulcula 
uriundu«,  Pr.  II,  Ml)  =  l.ymph-,  Hoden-  und  Kier- 
sloc ks-Drüscnnnsch wellung  auf  gonorrhoischer 
Basis,  deren  Zusammenhang  mit  Tripper  A Uten- 
rieth und  Sclioenlein  ahnten,  die  man  früher 
der  Veratopfang  des  Trippers,  einer  Metastase 
des  Trippers  unter  dem  Bilde  derSkrofelformen 
anschriet)  fpr.  Arzt.  1874,  S.  l:t3;  Pf.  II.  C41).  — 
Unterleibs  Skrofeln  -  Bauchskrofeln.  —  Zucht- 
haus- Skrofeln  -  die  hei  Gefangenen  lieohach- 
teten  Skrofulosis-  (Tuhtrkulosis-)  Austirüche  in 
den  Drüsen  (Kichhorst  II,  10GC).  —  Skrofel- 
•  GfHchicidst,  -Krankheit,  -Materie,  -Stoff,  Sucht. 

Skrupel,  m.  (nh<l.  au«  Ist.  »crnpulitm,  K.  K.  936; 
■Crlptnlu«  -  ein  Sternchen,  auf  dem  nur  ein  Buchstabe 
«leht;  kleinstes  <<ewicht,  kleinster  Cegenstand.  der  mir 
Belastung  dient)  —  geringe  liemülshesehwerde. 
(bildlich;  1120  scrupulus  =  eyn  swermuet,  I».  II,  £r2). 

Skythen.  —  skythische  Krankheit. 
Snickup!  s.  Schnick. 

SOChen  (8Öchen)  (ein  Ablaut  an  Kuchen,  »hieben, 
riechen ;  ihm  soeben  =  krankein,  Pia!  Bar  II;  inhd. 
soeben,  Bochen  -  siechen,  Lnuik  dnruiederllegcn, 
Lcxer2.'!8;  1 182  «oehen  -  neisrolure.  Zcuiug.  Voc.  r2 ; 
atl-uelis.,  1:1. — II.  Jahrb.  zohckcu  mareere;  Island, 
aaekja  —  suchen,  diimonlsllsch  angreifen,  Z.  d.  V.  I. 
V  -K.  1898.  I37j  «oeggr  —  inadiduH;  angls.  sugnn  = 
iimeerarc;  sogodha  »  .Sochte,  lock.  I.  36;  II,  IOC  - 
iiljulccs,  <  ock.  II,  218;  hunior  corruptus,  pltulta,  »In- 
gultaa,  't-'>'i\i't'.  »oenn  =  sucht,  Variangan,  l.  eod.  11, 
174).  —  Bochen  isochen)  -  langsam  kränkeln 
(.-ehmeiier  11,  214.  3'.'i),  abmagern,  an  der  Bcbw  ind- 

sucht  leiden.  —  SOChern  kraftlos  werden, 
hinsiechen,  ahsterhenfSplew  II,  23U  —  Socher.m. 
-ein  Mensch,  der  immei  socherl,  kiitnkelt; 
„der  .Sicher  ühetleht  den  l'ochcr"  -=  ein  vor- 
nichl  ger  Kranker  leid  lauger  als  einer,  der  auf 
seine  (iesundheit  pochend  au  stürmisch  lebt 
(s.  l'eHcel).  —  Sochet,  Sochen,  n.  das  Siech- 
tum, Kränklichkeit.  —  Sochto  [altn.  *«.tt,  f.; 
mhd.  »ohtc)  ■  Sucht  (Kick.  fcüO).  —  Sochung,  f. 
(mhd.  ■ocbuiiKe,  Sehmeiier  II.  21'.;  I.exer  238)  - 
Siechung,  Krankheit.  —  sochiger  (1482)  =  ein 
siechender  (Srning.  Voc.  r.  .1).  —  ao-sochen  (angis. 


osogen,  coek.  II,  407)  =  ahsieehen.  —  di/Sochte 
=  fl.  Alpsucht.  —  1  SOChen  (ongls.  forsogen,  «  oek. 
II,  406)  m  versiechen. 

sochezen  =  toekezen  (Sehmeiier  11,  SU). 

socken  s.  Saugen. 

Soda,  n.  Sod,  m.  Sodem,  m.  Sad,  Saut,  Sott, 

Sud.  I.  Soda  (ist  nrabisehen  Ursprung»  =  Dolor  ca- 
pitis communl  nomlno  ab  Aviccnua  »Oda  dlcltur, 
Schnu  ller  II,  228;  hemieranin  »eu  dolor  raplli»  [vox 
arubieu  Aviecnae,  Alhurasi],  Du  Cango  VII,  507;  abd. 
soto  —  earbuneulus,  II.  Z.  XV,  M4;  13.  Jahrh.  Albert U8 
Magnus:  Soda  est  prima  fuleonum  iufirmltas  =  dolor 
capitis,  wobei  der  Kranke  wie  der  Geler  die  Augen 
»chliesst  und  den  Kopf  nach  verschiedenen  Sellen  be- 
weRt,  Du  fanpe  I.  eod.;  Meningitis;  1420  zothelt  — 
dementia,  D.  172;  1482  zoda  —  cephalea,  Hauplwehtng 
am  linken  ort  [a.  ohr  halb],  Zening.  Voc.  n.  8;  D.  635; 
Ifill  der  saut  =  «ngina  lllalsdruseuanschwellunirl,  D.35; 
IMS  soda  =  cephalea,  ein  Weh  des  ganzen  Hauptes, 
EL  v.  (ierad.  99.  100,  1537  soda  -  Kopfschmerz,  liurlt  I, 
903;  15-11  soda,  Roden,  sotten,  soed  =  Ilauptsucht, 
Alp[en]stich  [I'neumonin  astbcnlca!,  Uuggenbiihl  13; 
lö4°,4  Soda:  „Wet  den  siechtag  hat,  dem  sind  diu  augeu 
und  das  antlitz  root,  maag  nit  schlafen  und  den  »im- 
nenschin  Dil  ansehen  [«ablagig',,  es  «usent  im  die  oren 
und  fallt  das  haar  na",  (inggeiibuhl,  8.  13  [Meningitis, 
Kryslpela*];  die  Nebi'nformen  siml  mit  sot  [sod]  ver- 
wechselt; 1742  soda  m  Magcnsod,  Zw.  hf.2;  1811  soda 
VantrieaM  ■  Mag.  nsaure,  Kraus,  K.  ur«;  Sode  =  violent 
mal  de  tele,  de  l'arabe  soda'mö  me  sen»  qul  rattache 
a  «ada-  -  fendre  i  n  deux.  DlcUon.  etym.  M.  D«  vic; 
Bris».  24S).  —  11.  Sod,  Soden,  Sodem:  (zu  shdon 
i».  d.];  ahd.  söt,  södl  —  Sodbrennen,  Waekeruagel ;  OrafT 
I,  740,  mhd.  sot,  soten,  m  ,  andern,  H.  Z.  VI,  I9:t;  I.exer 
238  f.Tvor  stomaebl,  Sellin.  II,  22S,  Sodbrennen,  auch 
das  Wallen  u  Siedl  11  des  hiuigen  Blutes ;  12. — 14.  Jahrh. 
»ode  -  bulidiuin,  D.  227;  mnd.  de  »odo:  „Seil',  da«» 
die  Speise,  die  du  Isst,  wohl  gesotten  sei;  so  sie  nicht 
wohl  gesotten  ist,  so.  liegt  sie  dem  Meuscheu  in  dem 
Magen  und  daraus  wächst  dum  menschen  de  sndu 
auf  mit  dem  bitteren  Speichel  und  kommt  Ins  Haupt 
und  davon  wird  da»  Itrilgen  [Gehirn]  feucht ,  diu 
Augen  düster  und  schwer",  nach  Mag.  Barth.  87a; 
147"),  ndl.  sohle  heben  -  rucluare,  D.  502;  1482  sott  = 
orexia,  vomltus,  D.  400;  sottung;  1  ts2  sott  =  orexls, 
sottung  orexia,  Schindler  II,  338;  1182  sote :  „B0  die 
speyseu  aufsii  igeut  aus  drui  mageu  in  den  muudl" 
=  eructatlo,  Zening.  Voc.  dd8;  D.  209;  sode  Is  upstlg- 
hinge  ut  dem  maghen  in  den  munt  =  eruetan-,  D.  II, 
1">6;  sott  —  speiung.  der  letzte  Seufzer  eine»  sterbenden 
Menschen  [fjliergeben  der  Leichen],  1.  c.  cell;  1517  der 
sode  =  blli«',  D.  74;  U'i.  Jahrh.  sotten,  sod  oder  das 
stechen,  Sehmeiier  11,  338IT.  [  —  soda,  verwechselt  mit 
»od];  li51  BOdt.  m.  [soot],  Bock  76  230;  1560  sool, 
Plctor.  72;  l.'«2  sodt,  m.,  Lotilc.  2i»;  1C1«  «oth,  sod, 
Tabernaeui. ;  101s  «at  =  -  [ejroslo  stoniachl,  plethoraj  1C29 
■aalt),  in.  =  ebullltlo  flavae  bilis,  Sehmeiier  1.  eod. ; 
IMS,  16i.s.  ic,77  sod,  sohde,  sollt,  »oth  —  Mageiihltze, 
ardor  »tomachi  in  ore  ventrieull,  Beyn.  127.  172;  D.  II, 
32;  Coler.  II.  B.  91.  191;  17.  Jahrh.  Soodt  de-  Magens; 
wem  der  Sod  geffthr  Ist,  Fr.  Kr.  B.  8.8  309  ;  1728  sooil,  m 
^  Magciihreiincn,  The»,  san.  Itr.  620;  1740  »all,  m.  — 
SimI,  ehr.  Sam.  II,  3-C  ;  sott  =  Herzbrnnd,  Seitz  I,  3-11; 
17'«6  sod  —  f.  rvor  stomachi,  onissoregmia,  Mogenhltze, 
ein  schuierzliches  Brennen  von  dem  Magen  durch  den 


656  Sodoma— Sohle. 


Sohr— Sonne. 


Kannen  Schlund  und  Hals  herauf,  A.  r.  H.  I,  133.  1227; 
1761  sodus  =  Sodbrennen,  L.  cb.  TS;  ndl.  zode),  Sod 
und  Soda  sind  zu  trennen:  I.  Soda  (zoda),  1.= 
Carbunculus  (Festbeule?), Halsabseess,  Gehirn- 
abscess,  Knüfel.  —  2.  =  typhöse  Erkrankungen, 
Alpstieh  (s.d.),  I'neumonia  asthenica  und  Pest 
mit  Eungenerscheinungen ,  Parotitis.  —  3.  = 
der  bei  schweren  Infektionskrankheiten  (Pest, 
Influenza,  Cerebrospinalmeningitis)  häufige, 
heftige  Kopfschmerz  mit  Schwindel.  — 4.  — 
der  Ohral)scess  mit  eitriger  Gehirnhautentzün- 
dung u.  darauf  folgender  Sinusphlebitis  (siehe 
llauptwehtag) ;  da*  Sodkraut  l'arllna  vnlgurl«,  auch 
wilde  Stich  würz  genannt  (Jessen  82)  sollte  gegen 
schwere  Infektionskrankheiten  helfen.  —  II.  Sod 
(  =  da*,  was  gesotten  wird)  ist  das  Gefühl  von 
Magenbrennen  (ardeur  d'estomae,  Pyrosis) 
[irop6a»=<  brenne  an),  welches  entsteht,  wenn  (z.B. 
beim  chronischen  Magenkatarrh)  durch  ab- 
norme Sfluremengen  die  eaure  und  scharfe 
Magenflüssigkeit  (aigreur)  in  die  Speiseröhre, 
Bellst  bis  in  den  Schlund  durch  Aufstossen 
gelangt.  An  die  Deutung  des  Sod  als  brennen  frieden, 
wallen,  Walgern)  lehnte  die  Volksetymologie  der  früh- 
eren Zelten  auch  da»  arabische  Soda,  das  bei  gewissen 
,, hitzigen"  Krankheiten  als  Name  der  Schulraedizin 
galt,  an  und  brachte  Sod,  Soden,  Sod  etc.  mit  der 
Pneumonie  In  etymologische  Beziehung,  die  um  so 
leichterstatttimten  konnte,  als  nltnord.  «j/>dha  —  sieden, 
kochen  bedeutet  (Kluge*  318;  De  lock  181;  nugl*. 
scadon  =  X/.t>5ui\ i-,  ^Of,,Vjo'j-|  ;l'z  -  Sod,  «  ock.  II,  248; 
vulg.  franz.  fer  ehaud).  '—  Kehl-,  Magen  -  Sod 
(-Sotten)  (1177  magensott,  Ortolf;  15.  Jahrb.  kelsod 
—  brodium,  I>.  II,  59;  1742  nrngensod  =  «oda,  Zw.  8412) 
=  das  Sodbrennen  im  Magen  bis  zur  Kehle 
hinauf.  —  Weiger-  ( Wallger ?)-Sod  (ahd.  wetgtt- 
södi  =  fa<tus)  =  Ekelgefühl  od.  die  Verweigerung 
des  Magens,  etwas  aufzunehmen  beim  Sod- 
brennen desselben  (<;raff  l,  7iu).  —  Sod-bretmen, 
-sieden,  -  Wallgerung, 

Sodoma ,  Sodomie,  f.  —  Sodomit  h.  Bodo- 
mitische  Sünde.  —  sodomitische  Sünde. 

So,  m.  —  der  Gaumen  als  Soler,  oberes  Mund- 
höhlengewölbe  (Tirol,  HlntnerO.  l'>). 

Söch,  tn.  —  das  fette  Kinn,  das  unten  hervor- 
steht wie  eine  geselchte  Wurst  (Tirol;  Hintner 
7.  15 j  westpb.  s».ie  as  Speckseite,  Kuhn  I,  125). 

Söcht  =  Sucht  (s.  d.). 

Söd  s.  Sod. 

Söffer,  m.  s.  Saufer. 

söge  s.  saugen. 

Söhre,  f.  s.  Soor  und  sehr. 

sölen  s.  Sudel. 

Sömber  =  Sumber  und  Semper  (s.  d.). 

Soff,  m.  Suff,  m.  =  das  Saufen. 

Sohle,  f.  (in  vorahd.  Zelt  entlehut  aus  lat.  sola 
|solea  =  Schuhsohle] ;  ahd.  sola,  Kluge*,  350;  11.  .Tahrh. 
solun  =  plantare.  H.  Z.  XVI,  31;  12G0  sole  -  platita, 
I'fciffer  81;  mhd.  xol[e];  Ii.  Jahrh.  soly  =  suhstal, 
eoneavitns  pedis,  Knsriidhle,  D.  II,  353;  1005  sohlen m 
planlac,  St.  Ii.  Mirakel;  ndl.  «ölen  ;  engl.  solc)  — 
nt'/.tiatv,  die  unbedeckte  untere  Fussflrtehe  bei 
Mensch  und  Tier,  soweit  sie  mit  der  Boden- 


schwelle in  Berührung  kommt.  —  Fleisch  Sohle 
=  der  blutführende  (fleischige)  Teil  der  Pferde 
sohle  zwischen  der  unteren  Hufbeinfläche  und 
inneren  Hufriot  nllnehe  (Zipperl.  16«).  —  Fuss- 
Sohle  =  Planta  pedis  (14.  Jahrh.  fuoz-sol ;  1V2  Jusz- 
sole.  1"i9I  solen  am  fuss  =  planta  pedis,  Had.  Jun.  36; 
ndl.  roet  zolen ,  De  Cock  108),  1.  =  die  unterste 
Hache  (Fussblatt)  des  menschlichen  und  tier- 
ischen Fusses.  —  2.  =  (anatom.)  der  vordere  Teil 
dieser  Fliehe  ohne  den  Fiissballc-n  (Gr.  \v.  iv, 
L  1042).  —  (1991)  ganze  Sohlen  =  das  ganze  Fuss- 
blatt zum  Enterschied  vom  Fussbrett  und  dem 
Fussballen  (Fussscliaufel).  —  f/awf-Sohlen  = 
die  Sohle  der  sog.  Hand  der  vieifüssigen  Tiere 
(Brehm,  Tlerlebeu).  —  V/'Wh  Sohle  —  der  hornige 
Teil  der  Hufflache.  —  er  tanzt  auf  den  letzten 
Sohlen  =  er  stirbt  bald.  —  muhtrige  Sohle  = 
ein  sprödetrockener,  moltrig  zerreibbarer,  ab- 
bröckelnder Pferdehuf  (Mnyer  118).  —  Sohlen- 
dem, -Gestank. 

Sohr  (Söhre)  s.  Soor. 

Soldat,  m.  (16.  Jahrh.  aus  Hai.  soldato  ;  franz. 
soldat ;  nihd.  soldenaere  —  der  mit  Sold  [lat.  solldn« 
=  Münze  bezahlte  Krieger,  Kluge  *,  350).  —  Soldaten 
Fteber,  -Fleisch,  -Krankheit. 

Sommer,  m.  (gem.-gcrn>..  Kluge*,  351;  die  Jahn-»- 
zeit,  in  der  sieh  das  rot.-,  verbrennte,  hei-»e  Blut  er- 
heben soll  nach  dem  aus  der  Sehulmedizin  schöpfen  - 
den  Volksglauben,  Bcsnlt  1X10).  —  Sommer-.-J  US- 
satz,  -Brand,  -Cholera',  -Diarrhoe,  -Fieber, 
■Flecken,  -Hitz,  -Katarrh,  -Krankheit,  -Linsen, 
-Mal, -Mirl, -Placken,  Knude, -Seuche,  -Sprossen, 

—  Tanz. 

Sonder,  m.  (zn  ahd.  sundarön  =  sondern,  trennen). 

—  Sonder  (sunder,  stiner  =  digital  medlu*.  D.  353; 

—  tler  besondere,  weil  inder  Handmitte  stehende 
Mittelfinger.  —  Sonderling  =  ein  durch  Bizar- 
rien,  launenhafte  tirillen  auflallender,  von  der 
übrigen  (iesellschaft  sich  abhebender,  manch- 
mal auch  einsam,  gesondert  lebender  Mensch. 

—  Ab  sonderung  =  die  Trennung  eines  Teiles 
vom  Ganzen,  die  WegsehntTung  desselben,  Se- 
kretion der  Organe.  —  J/rnnr/ien-Sonderung 
(15.  Jahrh,  menschensundnitig  =  sexus,  D.  II,  377)  — 
geschlechtliche  Verschiedenheit  des  Menschen- 
geschlechtes.  —  sonder  -siech. 

sonkeln  =  Bückein  [nasaliert).  —  „es  sonkelt 
mich  im  Arme,  in  allen  Gliedern"  (Spi«*s  II,  235) 
=  es  zuckt  (s.  d.)  mich  vom  Rheumatismus. 

Sonne,  f.  (Indogerm.  säw,  so  leuchten;  gem.- 
gerin.  Buntn'm,  Klu>:e&,  351;  ahd.  gi-nne  ;  mhd  gest- 
une,  n.  =  Gesicht,  Anbtiek,  Hoftm.  I,  P.72) ;  das  leuch- 
tende Hlmmel»ge«tlrn,  die  Mutter  de«  Tages,  vertreibt 
die  nächtlichen  Krankheitsdämoncti  und  fri»st  die 
fetten  Kinder  auf  (Edda,  Hochholz  II,  13.  45!  nach  dem 
Volksglauben;  daher  das  Sonnenlicht  ein  uraltes  Heil- 
mittel (s.  St.  Johanne-tanzl  ;  die  Zeit  des  niedersten 
und  de*  höchsten  Sonnenstandes  waren  die  Schwarm- 
zeiten der  elbl«chen  Däninnen;  Im  August  sollte  man 
nicht  boarfuss  oder  blosskopng  an  die  Sonne  stehen, 
denn  sie  mache  faul,  was  sie  mit  ihren  Strahlen  ergreift, 
wenn  diese  auch  mit  Listen  herausschlüpftcn  ,,und 
Ist  ir  zlt  von  böser  art"  (Konrad  v.  Dangkrotzhelm ; 


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Sonnlag— spachen. 


späh— Spange.  ö.">7 


dl«  Sonnenstrahlen  hcEssen  altnoid.  alfrodul  =  Alp- 
[Elfeu-)Strahlen,  (iollh.  4s7  ;  Tirol  =  SchraUletfl  [siehe 

8.  ßOla].  Das  Island.  Kuncnzcichcn  ^  es  „.Sonne" 

auf  einen  Dorn  [=  Zweig,  Blatt]  geritzt,  stellte  den 
SrhlnMorn  [svefn  thorn]  =  einschläfernden  Sonnen- 
strahl in  der  Bigrdrifumal  vor.  Zcitschr.  d.  Ver.  f. 
Volks  kunde  Ifiys,  2S8  [«Ich«  Alptraum)).    —  hoch- 

sonnig,  in.  jahrh.)  lo'i  /.suniniig  (UppM  [Unu], 
D.  331;  Voc.  opt.  \V.  io)  =  bei  hnhein  Sonnen- 
stande schlecht  sehend,  tagblind,  übersichtig. 

—  WirA-sonnig  (eine  Nachbildung  aus  dem  alteren 
nachsunig;  14.  Jahrb.;  Voc.  opt.  W.  41;  D.  340  = 
ItMCoa,  und  dieses  wohl  entstellt  aus  nachsehnig 
=  nur  in  der  Nähe  sehend,  wie  ubersunig  au«  über- 
sehnig  [s.  d.],  Indem  man  das  gchl.  N.  h.  n  nach  dem 
Sonnenstände  sich  entwickeln  Hess  ;  volksctymologlgch 

—  je  nach  dem  Sonnenstand«  schief  sehend, 
Gr.  W.  VII,  128;  wie  auch  die  Wahlbikuuie  nachsiinnig 
genannt  werden.  Schindler  II,  302).  —  *fi(Jt  Sonnig 
(117".  sticksuynieb  =  limiis  ;  ndl.,  D.  :iW  ;  1.00  peius, 
D.  U,  291;  vielleicht  entstellt  aus  stickshnich,  D.  3iu) 

—  (beim  Sonnenlichte?)  Stiche  heiin  Sellen  em- 
pfindend, blinzelnd,  schcclsehend.  —  ubr-r-(sin- 
nig),  -sonnig,  -sunnig  -  nbersehnfg  (s.  d.  iiei 
sehen).  —  Sonnen  Brand,  -Fin/er ,  -Flecken, 
■Fried,  Hals,  -Ihtze,  Koller,  -Mucke,  Schein, 
Sprossen,  -Stich,  -  Tags. 

Sonntag,  m.  s.  Tag.  —  Sonntags- Hals. 
Sood  s.  Sod. 

Soole,  f.  (1%  Jahrb.  -oole  =  murla,  faexolel,  D.  372) 
=  Salzwasser  aus  der  Milch. 

Soor,  m.  (sohr,  sohren)  (zu  soren,  Sohren  -=  ver- 
dorren, welken,  s..r,  sorung  =  das  A baterben,  YVr- 
BOdern  eines  Ilanmes  durch  l'lUblldung  Schm.  II.  •»; 
Kraus,  E.  954;  Schade  altd.  Wörtrbcb.  187s,  8.  :M3  ; 
angls.  se«r,  «ciirjan  =  verdorren,  Fick  198;  DHU  Soor 
=  der  Hüning  machende  Mb,  der  Hoorpilz)  =  die 

froher  von  den  Arsten  fälschlich  AphLhae  ge- 
nannten Mundschwämmchen  (Stornatomvkosis), 
weissen  IthUterlein  2  oder  Maiblümehe'n  (Con- 
vnllaria  =  franz.  Muguet),  I Ich,  Foss.Our,  Kahm  etc., 
Saccharomyces,  s.  Oidium  albicans.  —  aus-ae- 
SOhrt  (ndsaebs  )  _  ausgetrocknet  (Kraus,  E.  954). 
—  Milch  -  Söhrchen  =  milchweiße  Mund- 
schwämmchen (Sooi  pilz),  Lactucimcn  (Kraus,  E. 
•v>2.  D.  315).  —  Mund  Söhre  (-Soor ,  -Sohr)  = 
(fälschlich)  Aphthae,  Soorpil«  im  Mundo  (Kraus, 
E  106). 

Sophena  s.  Saphena. 

Soth,  Sott  (Sotten) s.  Sod. 

sottern  =  krankein  (vermutlich)  =  soehtern 
(h.  sochen)  (c.  v.  8cbm.  4M), 

spachen  (spachten)  -huu  spaiha  .ins  zweischnei- 
dige Langschwert  ilur  »Germanen)  =  aufreissen, 
Spalten,  schrammen,  aufspringen  an  der  Haut 
durch  Dürrwerden,  Trockenwerden,  Spören, 
(s.  Spat).  —  Spacker  -  Sto«smal,  Itissmal  an 
der  Haut.  —  Spachen  -  Muskel- oder  Ader- 
leissen.  —  spacherig  -  leicht  reissend,  auf- 
gesprungen- auf  spacken  Khagadesmanus, 
Sehrammen  inachen  (Schm.  II,  654.  C  .7). 


späh  (spähig,  späg)  u  u  spähen  ;  indogertn.  spek 

—  sehen  [gpcculutu];  altgerni.  speh  ;  alid.  Spahl;  inlid. 
spacbe,  Kluge  &.351  ;  l.V.0späch  -  wählerisch,  II.  Sachs), 
1.  =  spsthig  heim  Essen,  heikel,  Ekel  habend. 

—  2 .=  schmächtig  von  Körperbau  (Schm.  II,  6«.o) 
durch  schlechte  Ernährung. 

spännen,  Späne,  spänen  s.  Spene. 

spät.  —  Spät- Feierabend*,  -Geburt. 

Späht  s.  Spat. 

Spallen  (ITtVt,  Bchin.  II.  6fil;  vielleicht  entstellt 
ans  uitlat.  spatula  [scapnla] ;  1577  spattelin,  D.  545)  - 
Schulterstfiek,  Schulter  hei  Kin<l  und  Schaf.  — 
geloste  Schulter-SpaJl  (199S,  Beb.  ISO)  =  Schlotler- 
gelenk  am  Vorhug  des  Kindes. 

Spalt,  m.  spalten  (Indogerm,  spbalt  [spalten], 
ahd.  spaltan;  mhd.  spalten,  Kluge*,  952;  1482  spalt  = 
rixus,  D.  4;«);  1.VJC  spalt  =  riss  im  kuoeben,  Gurlt  III, 
IM) s=  serspringen,  serreiasen  (vom  Herzen,  den 
Blutadern  etc.).  -  Spalt ([ir.20;  Spalten)-  Kluft, 
K:ss,  längliche  Öllnting,  klaffende  (Jewehstren- 
nung,  Aetter,  Knochensplitter  (Dr.  Minderer),  heim 
Spalt-  oder  Kleckhrtieh ,  syphilitische  Haut- 
rbagaden  (ISUt,  Paracelsus;  Proksch  11,78).  —  Ader- 
Spalt  =  ErrtHnung  der  Ader  durch  Hiss  (Kup- 
turu  venae)  (Gr.  W.  I,  181).  —  Hein- Spalt  = 
Knochensjialt.   —  Gaumen- Spalte  =  Wolfs- 
rachen, l'alatum  fisstim  [DombL  95).  —  Gesäsu- 
Spalte-  Afterkerhe,  Kluft  zw  ischen  den  Arsch- 
hallen (Itankc  Ii,  r,o).  —  (1588)  /Zorn-Spalt  =  eine 
Trennung  des  Pferdehufes  von  oben  nach  unten 
der  Lunge  nach  (Tabornaein. ;  Mayer  .tj.  122).  — 
(1842)  //«/Spalt -  Hornspalt,  1  lornkluft  (Ochsen- 
Spalte)  (Kalke  I.  420).  —  (1692)  Kloben-,  Kloicen- 
Spalt  -  Klauen-,    Horn -Spalt,  llornsprung 
,s, !..  i.*,o).  —  (1787)  A'HorAcM-Spalt-  l'issura  ossis, 
hlngsgeschhtzler  Bruch  der  Knochen,  wobei 
dieser  eine  Spaltöffnung  zeigt.  —  Kronen  Spalt 
=  eine  Spaltbildung,  erevasse  (HHss.  -.'Ov),  im 
l'ferdehufe  von  der  Hufkrone  ausgehend  und 
nur  (Iber  den  oberen  Teil  der  Hornwand  ver- 
laufend. —  /„iVt  Spalte  =  die  Eidolfnunn  atn 
Auge.  —  /.»v/spalten-A7<TA.  —  Lippen- Spalte 
=  Hasenscharte  (s.d.).  —  (1756)  Ln/rro/orn-Spalt 
=  längliche  Öllnung  (Itima)  im  Kehlkopf  (Glot- 
tis, Stimmritze)  (A.  v.  H.  II.  720).  —  (1S43J  Maid- 
Spalte  =  die  Öffnung  zwischen  Vorder-  und 
llmterlippe  hei  Tieren  (Kalke  11,  10.).  —  Xagel- 
Spalte  -   Kissura  unguium  (Behrend  5),  I.itngs- 
riss   im  Hornnagel  des  Menschen.    —  (i8io) 
OcA.wi-Spalte  -  die  Spaltbildung  an  der  Zehen- 
wand des  Pferdehofes,  der  dadurch  der  Klaue 
des  Ochsen  ähnlich  wir«!  (tir.  W.  VII,  llo»;  Kalke 
11.  172).  —  Rur A(7i- Spalte- Spina  bifida, Offen- 
bleiben des  Wirbelkanals  mit  Spalthil.lunK.  — 
Strahl  Spalte  -  die  von  dem  unteren  Te  le  der 
iSckatreben  und  dem  sogen.  Strahl  gebildete, 
mehr  weniger  tiefe  Furche  am  l'ferdehufe.  — 
(1'.38)  Weibs 'Spaltung  -  Vulva  (Hyrtl,  K.  W.  i"7. 
lt>3).  —  J£<7itn-Spalt  =  Ochsenspalt.  —  (i  >:;l*)  zer- 
spalten =  Schrunden    und   Klüfte  bildend 
durch  tiefe  Einrisse  (Pries  84).  —  Spalt-Zb-Mc/i, 
-Kreuz. 

Spange,  f.  -  (nas)  Spanne  (s.  d.)  des  Fasses 
(Levellng  93).  —  es  spungt  mich  ^  es  beengt 

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658  Spanien— spannen. 


spannen. 


midi  im  Umfange  des  Leibes,  beengende,  span- 
nende Schmerzempfindung  auf  der  Brust  bei 
der  Herzbräune,  Brustbräune  t.  B. 

Spanien.  —  spanischefV,«)  Blattern,  Fieber*, 
Hinke,  Klauenseuche,  Kopf  krankheit,  Kopfneiiche, 
Krätze,  Kragen,  Krankheit,  KrUmpe,  Mantel, 
Pips,  Pocken,  Rande,  Seiren,  Tritt,  übel,  Zipf. 
DenUehland  i.m  mit  Spanien  müdiniiigesehichtiich 

fast  mir  durch  dir  Syphilis  (s,  d.)  Beziehung  erhallen  ; 
selbst  die  Araber  des  16.  Jahrhunderts  find  in  der 
Volkssprache  nur  spuren  haft  (s.  Merlng*)  n  Süden. 

spannen,  Spann,  m.  Spanne,  f.  -spenst  (vor- 

gerra.  spen  [zr.auj]  =  spinnen ;  nltgerni.  spanan  ^ 
lockfii,  reizen;  gerin.  span  =  ziehen  [spünne  s.d., 
Spule]  ;  nhd.  spannen,  spnnun,  f.  =  llreite  der  nusge- 
spnnnteu  Hand;  mhd.  spannen,  Kluge*,  137.  3>2.  3.'>4 ; 
spän  =  Spannhaar,  Lexer239;  spanne,  f.  -  Uandspanne; 
1125  speune  m  palmus  ;  1470  spanne  ■  palma,  D.  407; 
IC.  Jahrh.  spanne,  f.  =  nervus,  D.  II,  263;  engl,  to  span 
=  spannen.  —  Spann,  m.  1.  =  der  erhabenste, 
vonlere  Teil  des  Kussruekens,  wo  die  Schuster 
den  Rist  messend  umspannen  (Hyrtl,  K.  w.  129). 

—  2.  -  die  zum  Messen  atisgespannte  Hohl- 
hantl,  Palme,  Palma  manus,  Dochme  (1482  spann 
=  palinus,  Faust,  Zen.  Voc.  ce  4  ;  I).  407  ;  1'dR  spann 
=  palma,  II.  v.  Gersd.  98).  —  3.  =  das  gelockte 
Spannhaar  (s.d.)  (Lcxer  239;  mhd.  ipaenelln).  — 
4.  =  Gespann.  —  5.  =  Mamma.  —  Spanne,  f. 
=  Spann  2.  —  Spene,  f.  (Spann,  f.  Spänne,  f.), 
1.  =  die  Papilla  mamniae,  wo  die  Milch  (Ge- 
spun)  durch  den  Saugreiz  hervorgelockt,  her- 
vorgezogen wird.  —  2.  =  das  Hervorgezogene 
seihst  (Schmeller  II,  671;  lac  muliebre  [spen],  Lexer 
210).  —  3.  —  Mamma  (Uyrtl,  K.  W.  35)  (s.  spenen). 

—  (17 la)  Spannung  -  <ler  Zustand  11.  die  Hand- 
lung des  Spannens,  Ziehens,  Dehnung,  z.  B.  der 
Nerven:  Tonus,  ?ivr>r,  Status  strictus  der  Me- 
thodiker, Tenesinus  (HofTmBnn;  Bans  M.  308;  BIM. 
Med.  4«9;  Kossm.  3i).  —  Spanner,  m.  =  das,  was 
spannt,  Muskclkrampf.  —  spannen -„die  Aua- 
dehnung, die  ein  sich  selbst  ü («erlassener  Körper 
hat,  und  die  Lage,  die  er  einnimmt,  verändern" 
(II  Paul  42..),  z.  B.  Sehnen,  Binder,  Nerven, 
Muskel  (Auge,  Ohr),  Kräfte.  —  spännen- Hiebe 
spannen.  —  (1712)  Jb-Spannung  =  die  Losung 
oder  Abnahme  der  geistigen  und  muskulösen 
Spannkraft,  Verstimmung,  Atonia,  Depressio 
durch  Ermüdung  nach  energischer  Arbeit  (holl. 
«(spannen,  Hoffm.  1742;  Ilae«er  I,  673).  —  Flanken- 
Spannung  ■  der  ganz  abnorme  Zustand  des 
üedebntaeint  der  Bauchmuskeln  oder  Seiten- 
wandungen durch  Auftreibung  der  Lungen 
(Kmphysem)  o<ler  <ler  Gedärme  (Tympanites). 

—  Fttbs  Spanne  —  Spanne  1.  —  (i «spann  (ahd.  I 
glspana  =  lactatlo,  II.  Z.  XVI,  44;   mhd.  gespann, 
Kluge4.  137),  1.  =  Anspannung  der  Nerven,  Adern. 

—  2.  =  der  Ort  der  Spannung,  Ziehung,  z.  B.  die 
beim  Saugen  gezogene  Brustwarze  (s.  Spene)  - 
Papilla  mammae  (C.  v.  Sehm.  498)  —  (  '•<  spenst 
(ahd.  gispaust  ;  mhd.  gespenste,  gespanst)  —  Vt'l  lock- 
ende Erscheinung,  Trugbild,  Lockbild,  Alp- 
traum (Kluge *.  137,  Gegenwart  1897,  8.  278).  — - 
(ivs2)  böses  Gespenst  (Lenlo.  ISS)  =  K  rank  hei  ta- 
diimon, derim  Alptraume,  Fiebei träume  Wahn- 
vorstellungen bringt,   namentlich  durch  Ge-  | 


dttcht nisbilder  eines  Verstorbenen ,  die  den 
Menschen  in  schweren,  bösen,  qualenden 
Krankheiten  (z.  B.  Wochenbettfieber)  er- 
scheinen. —  MitV/i'/s-GrSpenst-der  zur  Zeit  de« 
täglichen  höchsten  Sonnenstaude«  in  dem  Mittags- 
sehlnfe  (s.  fnlust)  durch  Lust  und  l'nlustgefühle  im 
Alptraume  (s.  d.)  sich  bemerkbar  machende  elhisch«: 
Mittagsgeist,  Mittagsteufel  des  Volksglaubens  (=  Pan 
der  Griechen  ;  Daemon  mcrldlanus  der  Romer,  Koalier 
In  A.  f.  Kel.-W.  I,  81).  —  (kaltes)  Nacht- Gespenst 
=  Accedia  (s.  l'nlust),  Pollutio  nocturna  (kailer 
Satnetl)  durch  erotischen  nächtlichen  Alptraum 
(s.  d.)  (Tiber.  C4;  die  elbischen  Dämonen  [Seelen 
geinter]  haben  Gehlste  [Geling*]  sieh  mit  den  Menschen, 
die  sie  heimsuchen,  in  Minne  [s.  d.]  zu  vermischen; 
1711  „Gespenster  =■  succubl  so  sich  in  Gestalt  «elb- 
licher Personen  unter  die  Männer  legen,  als  wenn  nie 
mit  solchen  rem  venerum  exercierten",  Kirsch  IUI; 
Kleinpaul;  Gegenwart  1897.  278;  Scbwartz,  lndog.  V.- 
Gl.  203;  K,  n  Schw.  60'.).  —  Grspensti  er,  ige)  Ge- 
länge, sichtig,  -bethort.  —  // m    Spanne  (1507. 

1513,  ndd.  span,  spanne,  von  [van]  der  huiüdt  -  pal- 
mu«,  D.  107),  Spann  2  (im  Gegensatz  zu  1).  — 
Hert-  (Hart  jG»  spann  (-Spann,  -Grspannst, 

-(  i.  spannt,  -spannen)  (mhd.  herz  span,  herx  ge-pan 
=  llerzsperren ,  Magenkrampf,  cardinlgia,  Lasar  tt; 
Gr.  I)  M.  II,  1112,  14.  Jahrh.  hertzgespatin  =  cardiaca 
[herba,,  I»  6:i9;  IUI  herezenspan  =  passio  cardiaca, 
I).  1">1  [herba] ;  mhd.  herezspnii  =  centaurea,  I»  112; 
leonurus  cardinca,  Jessen  207;  1421  berezspan  —  ein  - 
tinodla  [herbnj,  1).  II,  sl ;  1182  hertzspau  -  nsthma. 
Zen.  Voc.  o.l;  l'.l'i  „quem  mulierculae  nostrae  vulgo 
die  elbe  [Alp]  seu  das  herzgespau  voeant.  .;uo  rtdemu 
infames  ubesnere,  macreseere  ac  niisere  tonprreri,  ali- 
quando  incessanter  elamare  et  tlere".  Luther,  Kom- 
mentar zum  Gftlaterbrief,  auch  Luthers  Werke  VII,  ;>3. 
CO;  VIII,  107;  l'.lG  „die  Krankheit.  Herzgespanns«,  er- 
kennen sie  daran,  wenn  du*  Maas*  von  einem  Ellen- 
bogen bis  zum  andern  nicht  so  lang  ist,  als  die  Uri$e 
von  des  Kindes  Kniee  bis  zum  Hals",  Luthers  10  Ge- 
bote-Predigt; Volksetymologie  des  „Spann";  über  das 
Messen  der  Kinder  s.  ausserdem  Wuttke  60'.< ;  l  *i26hertx- 
gespan  =  cardinca  [seil,  passlo],  Sehin.  II,  674;  157» 
herzgespann  =  eine  Krkrankung  bei  Menschen  und 
Tieren,  Gr.  W.  IV,  2.  1246;  1581  herzgespann  od.  tVrz- 
gesparr:  „cardiaen  nominatur  cordis  pnlpitatio  =•  ein 
Zittern  oder  Klopfen  des  Herzens  und  der  Brüsten  so 
man  an  den  Kindern  Herzgespnnn  nennt  also  dnss 
ihnen  das  Herz  stetiges  hoehet  u.  dieselben  geängstigt 
Worden  durch  Herchcln  und  Kösseln",  Tabernnem,  13<"> 
y;iö;  1669  herte.»-pann  [-krUt],  Jessen  226;  lGi',8  herx- 
spann  =  astbmn,  keuchender  SiechUg,  Herzsperr, 
Gr.  W.  IV.  2.  1201;  17.  Jahrh.  hertzgespatin  od.  hertx- 
gesperr  wird  dieses  Kraut  [Cardiaca]  genannt,  dieweil 
es  zum  Zittern  des  Hertzen  und  den  Geprechen  so 
man  Hertzgespanu  an  den  Kindern  nennt  sondern  ge- 
rühmt wird,  Fr.  Kr. -lt.  399;  1687  hertzgespnun  =  Herz- 
gesperr,  Georg.  697;  1694  hertzgespatin  -  cardiaca 
[passio,  herba],  D.  100;  172%  hertzgespanu  —  „eine  Auf- 
blähung der  dünnen,  welchen  Seiten  bei  den  kunren 
Rippen  nebst  einer  Harte  also,  dass  Alles  unter  den 
kurzen  Kippen  voll  zu  sein  scheint,  der  l.eib  ist  hoch 
und  dick,  die  Küsse  schwach,  die  Kinder  können  Übel 
gehen  und  haben  schlimme  Angesicbtsfarbc",  Thcs. 
san.  Dr.  G7  =  Kapillarbronchitis  bei  rhachitisebeti 
Kindern  [auch  Laryngtsmu*  Itridulus] ;  1731  hcrlzgt 


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spannen. 


spanUen-Spat.  8B8 


»ptnn  bei  Kindern ,  mit  Aufsehwcllung  de«  U-tbc« 
unter  den  kurzen  Rippen  verbanden,  welches  eine 
schwere  und  ängstliche  Atemholung  macht  und  eine 
Behinderung  des  motu*  diaphragmaticus  verursacht, 
Cr.  W.  IV,  2.  124« ;  1741  hertzgespann  =  cardialgta, 
Kirseh  185;  1756  herzgespann  =  eine  dagegen  hellen 
soMende  Pflanze  Marrubium  cardiacum,  A.  v.  II.  I,  304 
[auch  ('ardobencdlcieukraut,  Angcllca,  Leonurus  car- 
dlacnsetc.';  1760  hertzgespann  ;  1790  herz«pann,  m  , 
Wallb.  425;  Abergl.  350;  1807  hertzgespann  =  Magen- 
weh, Cardialgla  der  Kltuler  infolge  von  Milehgerinnseln 
Im  Magen,  Ackermann  241  498;  ndii.  hartspann,  Engel. 
2*4  ,  Kri«chb.  65;  (ioldschtn.  99.  139;  nhd.  herzgespann, 
II.  I'aul  216;  I'nterfrank    <las  Herzgespannt,  Z.  f.  d. 

Cuterr.  1894.  121).  —  II •■  r  -  Spann,  ff'Bpann(t)  = 
der  Anfall  eine«  die  Zw erchfelH>eweunng  oder 
Atmung  schmerzhaft  hemmenden  (früher  der 
Spannung  der  verstrickten  Herzbftnder  zuge- 
schriebenen) Ueklemmuntfageftlhles  in  der 
Herzgrube  (Magcnnrubo,  Naheliegend,  Canlia) 
und  zwar:  a)  bei  menschliehen  oder  lierischen 
Herzkrankheiten  (Präkordialangst).  Febris  sy- 
nocha,  Cardial^ia  ==  Herzgespann  (Seb.  180 ;  Bauer, 
Geschichte  des  Aderlasses  47);  (*.  Lank -Sucht) ; 
b)  bei  Magenkrampf  (Cardialtfia) ;  c)  beim  La- 
rynjfismus  utridulns  der  Kinder,  rachitisches 
Herzgespann  (-  Verfangen)  mit  Unterwaehsen- 
sein  u.  knopfformiger  Auftreibung  der  Rippen« 
Verbindungen  (Gr.  Vi.  VIII,  lo;;5.  1304;  Kneipp  182; 
Frischb.  6.) ;  (s.  Itippkucben  und  Kol);  d)  beim 
Alp  (s.  iL,  s.  der  Alte,  Altvater,  Altmännchen, 
dem  man  diese  Anfalle  von  Atemnot  wie  beim 
Alptraume /.Usch  rieb)  (vgl  Frfschbier  Hexcnspr.  66) ; 
(«.  auch  Herzsperr);  e)  da«.«  Herzgespann  auch  eine 
..Auftreibung  oder  Geschwulst  Ober  dem  Magen"  sei 
(Köhler,  V.  B.  38».  43»,  l«t  unrichtig;  f)  bei  Hysterie 
(Mutterweb).  —  .\  ab  r  -  Spanne  =  Herzspann 
mit  l'.eklemtiiuni/s^cftlhl  in  der  Naheliegend 
(Herzgrube)  (wird  volkstmd.  in  Kuppln  bespr.  Z.  d. 
V.  I.  V.-K.  1897.  2*7).  —  niedriger  Spann  ( =  pes 
planus,  planen«;  1175,  ndl.  de«  volle  siecht  synt, 
D.  440;  1.W»  laypous  lelopus',  liurlt  II,  867)  -  Platt- 
fuss,  dessen  Spann  I,  Fiissrncken  weniger  ge- 
wölbt ist,  niedriger,  Hacher  gestellt  ist  (meist 
bei  schlechten  Fussgänuern).  —  Ohrm  Spanner 
=  der  spannende  Schmerz  bei  der  ührspeiehel- 
drusenentzundung,  I'arotitis,  epid.  Wochen- 
tölpel  (C.  v.  8chm.  S37;  Bnck  U).  —  (1756)  Ruten- 
Spanner  =  Priapismus  (a.  v.  H.  II,  102.1).  Schwell- 
k>irper  -  Muskclspannung.  —  .Sa /-Späne 
liai  ttleehte,  die  sagspänfthnliche  Ahsehilfernng 
macht  (Mentagra).  —  Schulter- Spann  =  span- 
nendes GefQhl  in  der  Sehultermuskulatnr, 
Schulterschuss  (wird  volksmed.  in  Kuppln  bespr., 
Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1897.  297).  —  U  Spanner  ^= 
Wadenmuskelkrampf  (Wadenkrampf).  —  Wei- 
ht «•  Spanne,  f.  -  Spane  *2  (Lac  muliebre  ex  mamma; 
14.  —  1".  Jahrh.,  mnd.  wivesspon.  J.  f.  nd.  Sp  -F.  XV,  12s). 

—  Wodan*  Spanne  [ndl.  iroedenspanne,  Scheible 
IX,  Ml)  =  der  Kaum  zwischen  dem  gestreckten 
Daumen  und  Zeigefinger  beim  Spannen  und 
Fassen  (Stehlen);  (Wodan  war  der  alt  germanisch« 
Glücksgott  für  die  Diebe  [«.  Wodans/Inger],  Sluirock, 
H.  D.  Ii.  179;  K.  u.  Schw.  58$).  —  Spann- Ader, 

Adermff,  -Haar,  Knochen,   \erve ,  -Saft*, 

-  Tripper,  -  Wurm. 


Bpantzen  =  spacken,  speien  (Rheinpfalz ;  Kluge'. 
Sparr(en)  s.  sperren. 

SpaSS,  m.  (zu  lat.  spatlum  —  Lustwandeln  im 
Freien;  ital.  spusso  =  Lust).  —      -spassig -■  :n  der 

Empfindung  gesteigert,  abnorm  empfunden, 
prickelndes  Hautgefuhl ,  unerklärlich  in  der 
Empfindung  (schelmisch,  närrisch). 

Spat,  m  ,  n .  (Spatt,  Spaten,  f.  Späth,  Spatz,  m . 

(«.  spachen  [s.  d.],  spähen  —  mtlat.  spadare  —  Andere, 
secare,  Du  Cange  VII,  538;  S|>aht  —  Spat  a  was  ge- 
rissen, gespalten,  geschnitten  wurde;  conf.  Spat  = 
engl,  splent  =  8pllnt,  geschleustes,  gespaltene«  Stück 
Überbein,  Kaltschm.  I,  613;  die  Methode  des  Kastrierens 
der  rferde  durch  den  den  Hodensack  spaltenden 
Messer- Schnitt  [conf.  mtl.  spada  —  schnldcmesscr, 
D.  514]  lernte  man  von  den  Wallachen  [«  Wallach]  und 
Ungarn  [hongre] ;  die  häufig  nachgeahmte  Methode 
führte  wohl  bei  ungeschickter  Ausfuhrung  zum  \,-A.  1 
gehen  des  Pferdes  [«.  auch  hemmen]  auf  einem  oder 
dem  anderen  Fusse  und  so  zum  volksüblichen  Samen 
Spat  als  funktioneller  Pterdefehter  [Spat  2]  am  Knie 
oder  Beine  der  am  häufigsten  kastrierten  Tiere  [Pferd, 
Schwein];  ahd.  [s]pad,  Graft  III,  325  =  hermaphroditus 
[  m  castratus],  D.  275] ;  spathus  =  spadatus,  spnthatus, 
spatam  hahens  [=  einen  Spat  habend];  9.  Jahrh. 
caballu«  spathus  =  Wallach,  Dn  fange  VIII.  545;  1250 
spavanus,  spavenus,  csparvln,  spavano;  engl,  spavin, 
im  Cange  VII,  516;  nach  Meyer,  Konv.-l.ex.  XVI,  187 
soll  dieses  spavanus  aus  »pa«ls  =  Zuckung  stammen 
=  Spallahmheit  ['] ;  1293  spadone  =  Wallach.  O.  B.  V.  A.  ; 
mhd  spat  -  Kniesucht  der  Pferde,  Hoffm  ,  Monatschr. 
f.  Schlesien  1829,  II,  764;  spat  -  Splitter,  Kluge  352; 
1420  spado  =  hengist,  D.  II,  344;  1475  spado  [scabo] 
=  gelubt  perd  =  Wallach,  D.  615;  I  V  Jahrh.  eyn  spad 
der  perde  =  falera,  D.  II,  165  [  =  Pferdezierde,  Ironisch]; 
15.  Jahrh.  spade  =  eunuchus,  D.  202;  1507  spado  = 
nature  die  gelubt  is  artlflclalltcr  [D.  213,  sub  eunuchus] ; 
1512  spado  —  equus  castratus,  I).  544;  l.">99  spalten  = 
ein  Pferdefehler.  Gr.  W.  VI,  720,  1587  spatte  =  spada, 
D.  544 ;  16.  Jahrh.  spado,  spadus  -  buggens,  bucclcus, 
D.  81  -  Wallach;  1592  spatt  oder  spargonia.  Seb.  177; 
1645  spath :  1  =  eine  Knochenverdlckung  am  Pferdc- 
knochel.  Coler,  Pf.  371;  Sch.  467;  2.  -  eine  Schwache 
am  Gehglied  beim  Schweine,  1.  c.;  1699  spatten,  f. 
ge«patten,  n.  =  Spat,  v.  M.  I,  53;  17.  Jahrh.  spatt,  K.  A. 
817 ;  „da«  Pferd  rückt  beim  Herausgehen  aus  dem  Stall 
den  Schenkel  etwas  In  die  Höhe  und  stellt  sich,  gleich 
als  wenn  es  der  Krampf  ziehe";  17.  Jahrh.  das  spat, 
Schindler  II,  689;  1843  Spath  =  Spavonius,  ein  Aus- 
druck von  Rufus  und  Rusius.  die  im  13  und  14.  Jahrh. 
lebt«a;  andere  leiten  es  davon  her,  well  das  Tier  mit 
dem  leidenden  Fusse  kürzere  Schritte  macht,  gleichsam 
damit  zu  spat  kommt  [!],  Falke  II.  321;  Huber  13  leitet 
Spado  von  Spasmus  ab;  engl,  spaad  —  Spat;  »pnde  — 
Tcrsehnittenes  Tier.  Wallach;  spat  =  alumon,  feldspat- 
ähnllcher  Alaun,  Beizstein,  D  27;  ndl.  spaath  -  Feld- 
spat, Kluge*,  352),  1.  —  eine  Knochengeschwulst 
meist  an  «1er  innerem  Seite  des  hinteren  Knie- 
odf-r  Ftissgt'Ienkes  beim  l'ferdp,  d,  h.  eine  chron. 
Kntzilndung  des  Tarsus  (Knie)  oder  des  Fessel- 
Gelenkes  mit  ■chalenartiger  Ablagerung  von 
Osteophyten  (walirer  Knochenbildung)  (Förster 
II,  1609;  Hyrtl,  Atrnt.  209;  vielleicht  hat  diese  Knoclien- 
neubildung  ihren  Namen  vom  „Spat  =  bl&tlcricht 
brechendes  Gestein"  [Kluge*,  352;,  also  das,  was  ge- 

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Spate. 


Rpautr— speien. 


«pachtet  ist  [UsHiisJ),  Spatschalc,  Ueifschalc,  Bein- 
spat (Überbein,  Hingbein,  Kniesucht,  b.  d.).  — 
2.  —  funktionelle  Muskellahmung  als  Folge  des 
Leidens  (1)  —  Kühe  (h.  d.)  mit  krampfhaftiger, 
spastischer  Steifigkeit  der  betreffenden  Extrc- 
iniiftt  (auch  beim  Schweine)  (conf.  os«3u»v  = 
Zuckung,  Riss;  3Jfx?io  =  ziehen,  spannen;  spatinm 

—  ausgespannter  Kaum.  Kiek.  215.  216;  Ze.  428;  Z.  I. 
■1.  A.  lsss,  S.  188).  —  3.  =  (übertragen)  ungesundes 
Aussehen  (Schweiler  II,  189).  —  4.  =  Spatl  «s  Spat 
(Sohmeller  II,  692;  Gr.  \V.  VII,  1077);  als  ,,8pat"  wird 
die  Krankheit  nicht  besprochen,  sondern  nur  als 
(altere)  Rahe  («,  d.).  —  spätig  (MM  Spätzig)  (Schm. 
II,  Cö2;  Falke  Ii,  322),  1.  —  mit  dem  Spat  behaftet. 

—  2  =  kränklich  Oberhaupt.  —  Ürtn-Spat  - 
der  sogen,  trockene,  knochenharte  Spat  1  im 
Gegensätze  «um  flüssigen  Gallen-  und  ram 
Blutspat;  das  Überbein  ist  mehr  vorne  oder 
hinten,  der  Spat  meist  innen  (engl,  hone  spavin, 
Kali«ehm.;  Abilg.  82).  —  /.'.V-Spat,  1.  =  eine  dem 
Spat  1  bloss  durch  den  gleichen  Ort  (Innenseite 
des  Hinlerbeins)  ähnliche  Geschwulst,  die  aber 
nicht  aus  Knocheneuhstanz  besteht,  wie  der 
eigentliche,  feste  Beinspat, sondern  ein  Krampf- 
aderknoten (Varix)  der  oberflächlichen  Haut- 
vene (Schrankader)  über  dem  Sprunggelenke 
bei  Pferden  (Förster  VI,  764 ;  Gr.  W.  II,  1<J8;  Abilg.  8:! ; 
Mayer  U7)  oder  auch  2. -ein  Wasserspat  ist,  über 
welchen  eine  solche  Ader  hinweglauft.  —  3.  — 
auch  Ochsenspat.  —  t?aft7n-Spat  =  eine  Ge- 
schwulst an  der  Stelle  des  gewöhnlichen  Spat  (1) 
beim  l'ferde,  die  aber  nicht  aus  Kn<chensuh- 
stanz  besteht,  sondern  aus  einer  abgekapselten 
Galle  (II,  s.  d.;  Spatgalle).  —  Gc-spat  =  die 
öfters  wiederkehrenden  Lahmungszustande  in- 
folge von  Spat  (1)  beim  l'ferde  (Mone,  Am.  f.  K. 
d.  Vor».  VI,  463).  —  Hahnen-Sput  =  Hahnentritt 
(Npat  2)  (Kalke  I,  ;;60).  —  II ■:■>,>  Spat  =  Hasen- 
backe, Kurbe  (s.  d.)  (Mayer  101;  Falke  I,  37'.).  — 
A'rio<7irn-Spat  =-  eigentlicher,  wahrer  Spat,  Hein- 
spat (Mayer  102;  Falke  II,  27).  —  Och SCtl - Sp at  = 
eine  balgartige,  spatahnliehe  Auskapselung 
(Ochsengalle,  auch  Blutspat)  am  Sprunggelenke 
des  l'ferdefusses,  der  dadurch  dem  Ochsenknie 
(s.  d.)  ähnlich  wird  (Förster  ü,  1026;  Zlpp.  118; 
Falke  II,  172)  (Kniesucht).  —  nwi-spateln  (riim- 
spaddeln,  Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1894,  8.  1*6;  Mecklenburg) 

—  lahm  herumhinken  (von  alten  lauten).  — 
unsichtbarer  Spat  —  ein  Pferdespat,  der  sich 
erst  allmählich  ausbildet  in  der  (ielenkkapsel 
und  deshalb  lange  Zeit  keine  sichtbare  Er- 
habenheit an  dem  (ielenke  macht,  wobei  aber 
doch  das  Pferd  schon  hinkt  (Herbst  16;  Mayer  102). 

—  (I7'.i5)  Hasser-Spat  =  eine  weiche  Geschwulst 
an  tler  gewöhnlichen  Stelle  des  Pferdespates  (I) 
infolge  von  Ausdehnung  der  (ielenkkapsel  am 
Sprunggelenke,  durch  vermehrtes  Gelenk  wasser 
bedingt  (Abilg.  84;  Falke  II,  US]  (tiallenspat).  — 
weichet-  Spat  =  Wasser-,  Blut-  oder  Gallenspat 
(s.  d.)  (Abilg  14;  Mayer  102).  —  Spat-^r/Yr,  -Galle, 
-Kammer,  -lahm,  -Schale. 

Spatz,  m.  1.  =  (Koseform  in  mbd.  »par  [Sperling]; 
mhd.  spau)  rappelnder  (indogerm.  »per  (».  Sporn]; 
germ.  sparw-)  Vogel,  der  im  Kote  sich  gerne  be- 
wegt (Kluge*,  3.v>  3M).  —  2,  =  s.  Spat.  —  Spatzen- 
Augr',  -  Ecke*. 


Spautz,  f.  (angln.  Spatel  ~  Speichel;  spactun.  — 
aquam  projieere;  speowda  —  vomitus.  Gock,  II,  100.  406; 
III,  370.  376;  16.  Jahrb.  spoetitien;  ndl.  het  «pouwsel. 
Fromm.  VI,  10  [Klfel])  ■  Speichel. 

Speck,  III.,  n.  (germ.  spick,  Kluge*,  353  lt.;  ahd. 
spCc  =  lardum,  Graft  VI,  321 ;  mhd.  speek  ;  H77  specke, 
D.  S19]  =  tierisches  Fett  (Feist,  Schmer).  — 
speckig  =  wie  Speck  aussehend  (amyloid) 
(Dorubl.  124).  —  tW-Speck  (abd.  ubar  spicchl. 
Graft  VI,  324)  =  Arvina.  —  Speck- Heule,  -Drusen, 
-Geschwür,  -Geschwulst,  -Gewächse,  -Hals  u.*, 
-Haut,  -Kalb,  -Milz,  -Seite,  -  Wurm,  -Zahne. 

Spedel  s.  Spidel. 

Spee  s.  Speichel. 

Speer  s.  Sperren.  -  Speer- Fuss,  -Hand. 

Speiche,  f.  =  Radspeiche.  —  .1  ritt- Speiche  = 
Radius,  der  sieh  um  seine  Axe  drehende  Vorder- 
annknochen (1420  spekc  -  rsdius  [D.  483],  xt£,xi:. 
D.  Med.  Woehenschr.  1S9S,  S.  13). 

Speidel,  m.  s.  spidel. 

speien,  speiben,  speiwen,  Speie,  f.  Speichel, 

m.,  f.  (indogerra.  spüo  -  speien  [spuo,  Speichel';  gem- 
germ.  spiw  [speien],  Kluge*,  353;  ahd.,  augls.  spiwan 
=  spuere,  romere;  speibhila,  f.  spicbilla,  f.  =  Speichel, 
Graft*  VI,  364.  365;  Cook.  III,  128;  spelhhaltr»  -  spat*; 
12.  Jahrb.  sp.icbellun  =  sallvas,  II.  Z.  XVI,  43;  1260 
spien  =  speien.  Pfeiffer  44;  altfries.  specle,  Kluge  1.  c. ; 
angin,  spiwdha,  spiwlhan  —  vomitus,  Ock.  I,  358;  II, 
190;  mhd.  spivren,  spien,  spricht;! ;  nind.  spekc,  spekcle, 
speculen  =  Speichel,  Mag.  Harth.  89b;  Kluge  1  c. ; 
1477  Speichel,  f.;  1183  spaicheln,  f.,  G.  V.  Megbg. ;  ndl. 
spuwen,  Kluge *.  353  =  s|M»irn,  specksei  =  Speichel; 
trag],  Kpawl  ss  speichel;  spew  =  speien;  Spitt,  spittle 

—  Speichel,  I.chf.  228.  229;  altnord.  voina  [vomitus] 

—  Seekrankheit,  Kick.  181 ,  s.  auch  spülien).  —  speien, 
1.  ss  salivas  emittere,  gflslen*  f A.  v.  H.  I.  l.i  10 ; 
Ruck  19).  —  2.  =  romere.  —  S.  -  semen  cjaculare; 
bei  der  Krschatlnng  irdischer  «iestallen  spieen  die  ger- 
muniseben  Gotter  au«;  auch  M  den  Griechen  gingen 
aus  de»  vereinigten  Speichel  (s.  d.)  der  Götter  neue 
Gottwesen  hervor,  und  bei  den  Islandern  ist  der  Klfen- 
speiehel  ein  Fruchtbarkeitsmittel;  bei  den  Süd«lav<-n 
ist  <ler  Zaubersprüche]  der  Hexen,  coprnjske  shljm  ke, 
ein  Gi  nesungsmlttel,  Kraus,  südslav.  nexengl  S.  33; 
Urquell  III,  68;  I.lebrecht  219;  Kröten  -  Gcspclch  sst 
Froschlaich,  Simrock,  II.  P.  M.  22IJ.  —  Speie,  f. 
(ahd.  spio;  mhd.  spie;  ndd.  spee),  1.  —  Speichel 
(Saliva,  Schleim,  Auswurf)  (Goldschm.  98).  —  2.  = 
Erbrechen,  Erbrochenes,  Nausia,  Votnitus  (Graft 
VI,  365;  I*xcr241;  Schindler  II,  6S4).  —  Speittng 
(ahd  siiiung»,  f.  ss  piluita;  mhd.  splung;  1420  splunge 

—  fomltus,  1).  212;  1521  speyunge;  ndd,  spiglnge. 
spulnge,  I).  629),  1.  =  die  Handlung  des  Speiens 
(vomitus).  —  2.  —  Auswurf,  Sputum  (Graft  VI. 
265).  —  Speiberle  =  ein  kleines  Kind,  das  oft 
erbricht;  Speiberlo  —  Bleiberle;  Speikind  — 
Gedeihkind  (v.  Hurraann  105).  —  Speichel,  1.  = 
das  Sekret  der  Speicheldrüsen ,  das  speiend 
ausgeworfen  wird  (sputum).  —  2.  =  der  auf- 
Htossenile  Magon8ch)eim.  Speiwet.Speient.n. 

(nngls.  splwalh,  Gock.  III,  126;  mnd.,  14  —15.  Jahrb. 
weder  dat  spient,  J.  f  nd  Spr.-F.  XV,  127)  -  Spei- 
ung 1,  2.  --  aus-  speien  (ahd.  uz*ptwan ;  angN. 
utspiwalh,  l  ock.  III,  126;  1172  ussspuweu,  usspyctl, 


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Speise— i-penen. 


spengen  —  sperren. 


Cül 


u*»pyhcn,  D.  219)  =  expuere,  den  Speichel  oder 
wie  den  Speichel  auswerfen,  ausspacken,  aus- 
fahren, secernieren,  erbrechen.  —  Bauch' 
Speichel  -  der  Saft  der  Bauchspeicheldrüse, 
Pankreas,  Gekrosdruse,  Bauchdrüse,  Wampen- 
bries.  —  bitterer  Speichel  (mnd.  bitterer  speculen, 
bytter  spekele,  Mag.  Barth.  87a.  89b;  1531  bytteren 
speychel,  Krautw.  XVII)  =  der  gallig  bittere  Magen- 
schleim. —  .B/uf  Speien  (-Speiung),  L  =  (1742) 
das  Auswerfen  von  Blut  aus  dem  Mundo 
(Ilaemoptoe),  l'ueumorrhagia  (angla.  blod  splwe, 
Cock.  I,  14;  14.  Johrh.  bluotsplung  —  putres  vomlce, 
Voc.  opt.  W.  41 ;  1117  evtl  de  bloyt  splget  =  cmostolcus, 
D.  201;  II,  119;  15.  Jahrh.  blütspyen  =  einoptoyca  ein 
«deehtage  das  eyn  bißt  uss  dorn  Bunde  gut,  D.  MB; 
1512  blut.ipuwrr  -  hucinoptolcus,  empyicus,  D.  201; 
ndl.  bloed  spuwing,  Da  Cock  151;  engl,  Hpittlng  of 
blood,  Helur.  6J).  —  2.  ~  der  blutige  Auswurf 
seihst,  Sputum  cruentum,  sanguinicum  (A.  v.  II. 

I,  737;  Zw.  390).  —  (1518)  Eiter-  Speiung  =  «1er 
eitrige  Auswurf  (eyterspewung,  H.  v.  tjersd.  99).  — 
flüssig  Speier  (15<w  een  vlotich  spuwer  ■=  rheutua- 
ticu«,  ü.  II,  3ls)  -  einer,  der  infolge  eines  Flusses 
(s.  d.)  =  Katarrh  (s.  Rheuma)  Auswurf  von  sich 
gibt.  —  Gf-spei  (-speich  [imi],  -spui,  speib, 
-speibot',  1.  =  Auswurf,  Speichel,  Lrbrochenes 
in  grosser  Menge  (Buck  19;  Schindler  II,  653;  Gr.  W. 
V,  2121).  —  2  =  (i5ii)  Irlich  (Krnttcngespeieu 
z.  B.,  s.  speien  3)  (<Jr.  W.  V.  2121).  —  nüchterner 
Speichel  (ndl.  nnchter  «peeksel,  De  Cock  :t)  -  der 
Speichel  eines  nüchternen  Menschen,  dem  man 
verschiedene,  u.  a.  Schlangen  tutende  und  Hautwunden 
heilende  Kigeuschaften  zu»chrieb  (s.  d.  Verf.  Volks- 
lied. 8.  143).  —  Wasser- speien  =  Wasser  er- 
brechen, d.  h.  eine  im  Munde  sich  ansammelnde 
Flüssigkeit  mit  oder  ohne  Mageninhalt  bei 
Magenkrankheiten  (Köhler  II,  10*).  —  Spei- 
(Speichel-)  Batzen,  -Fluss,  -Bohrlein,  -Stein, 
-Sucht,  -  Wasser. 

Speise,  f.  (zu  lftt.  *|»endere  und  Ital.  apesa  —  das 
In  den  Klöstern  au  die  Annen  gespendete  Ksseu, 
Kluge*.  353;  Klelnp.  175).  —  Speise  I  ;  r,  -Blut, 
-Et  hl,  Lauf,  -los,  I{,>hre, -Ruhe,  Sest,  -Strasse. 

Speitel  (Speitzel)  Spidel. 

Spellen  =  spalten,  trennen. 

speit.  —  spelten-AW/ifr. 

spenen,  Spene(n),  f.  pl.  (Spänen,  Spännen), 

Spenllng  (vorgerm.  «pon  =  spannen  [s.  d.].  In  die 
Lange  ziehen  [spinnen];  m.-ndl.,  midi,  spenen,  de  Vr. 
22;  «peuen  die  wasscu  In  dut  fundement,  Gurlt  II,  III) 

—  saugen  und  vom  Saugen  abgewöhnen  (Schm. 

II,  67ü).  —  Spene,  1.  =  Milchzitzen,  Saugwar/.en 
beim  Weibe  und  dem  Mutterschweine  [Talke  I,  9; 
II,  «22;  Schmeller  II,  071).  —  2.  -  lange  Milch-  oder 
Schleimfilden,  letztere  aus  dem  Darme.  —  3.  = 
xitzemthnliche  Feigwarzen,  Hümorrhoiden  am 
Alfter  od.  Fundament  (<  iesas«).  —  Spenling,  m. 
ein  spindeldürrer,  schtuäehttger  Mensch  (Schm. 

II,  675;  D.  3).  —  (1703)  A     sp  ahnen,  -Spähnung 

—  ahlaclare,  von  der  Spänne  (Mamma,  Lac), 
Muttermilch  abgewöhnen  (Talke  I,  9;  Ahr.  I,  174; 
C.  T.  Schm.  498;  Chr.  Sam.  II,  151;  Schmeller  II,  670J. 

—  be-,  ent-,  y<?-spent  =  ablactatus,  abgesetzt, 
abgewohnt  von  der  Mutterbrust  [0.  3,  Engel.  1C6, 


Schmeller  II,  670).  —  laufende  Spenen  (ndl.  loopende 
Bpcueu,  De  Cock  210)  =  s.  laufende  Kathel  (Katha- 
rina, die  Spinnerin  mit  dem  Knde),  Diarrhoe  (ndl. 
apeenkruid  ~  flcarla  ranunculoidos,  V.-K.  II,  6;  Kol. 
6.  7,  FeigwarzenkrautJ. 

spengen  s.  Spange  und  spannen. 

-spenst  s  spannen  u.  spinnen  (Hirngespenst). 

Sperling  s.  Spate. 

sperren,  Sparren,  m.  sparr,  Speer,  m. 
Sperre,  f  Sparr,  -sparr  (Spor,  Spor,  Spier).  — 

Sparr  (zu  sperren ;  ahd.  sparro,  sperrau  ;  tnbd.  sparro,  m. 

—  Stange,  Balken,  Sparrenwerk,  sperren  =  mit  Sparren 
verschen,  hemmen,  Kluge*.  352.  354;  angls.  and  call 
sc  lir-hama  gespaered  byth,  Cock.  III,  120  =  und  all 
sein  Leichnam  [Korper]  gesperrt,  in  der  Bewegung  ge- 
hemmt tat;  altuord.  sperra  =  ein  sperrlanger,  lau  i. 
dürrer  Mensch,  Weinhold  279;  altuord.  «pjoro  —  instru- 
inenluin  ohlrurgicum  [Nadel,  Lanzette];  altdän.  splacr; 
engl,  spar  =  Balken,  spenr  =  Speer).  —  Sparre,  f.  — 
Schrulle,  s.  Sparren  2.  —  Sparren,  ID.  1.  =  ein 
durch  Krankheit  («.  B.  Spat)  gehemmter,  ge- 
sperrter l'ferdefuss  (Buck  48).  —  2.  =  er  hat 
einen  Sparren  zuviel  (im  Kopfe),  einen  Balken 
im  Oberstübchen  =  eine  fixe  Idee,  Ober  die  er 
nicht  hinwegkommt,  in  der  GeistesthlUigkeit. 

—  Speer,  m.  (spere;  mhd.  aper;  altgerm.  Waffe, 
Stange  zum  Werfen  und  Stowen)  =  Hexenschuss, 
der  hemmend,  lahmend  die  Freiheit  der  Be- 
wegung sperrt  und  in  angelsacbs.  Segensprüchen 
(s.  Cock.  III,  52)  von  Hexen  abgeschleudert  wird  (siehe 
Stiehmar),  deshalb  auch  durch  Beseguungen  bospruchen 
und  durch  Spcerwurzen,  Innula  campanula,  Ilelenium, 
Kanunculus  Hamm.  etc.  behandelt  wurde  (Gr.  D\  M. 

1192;  (  <nk.  Iii,  303.315;  ii.  z.  xiii,  211).  —  Sperre,  f. 

1.  —  der  Zustand  des  schmerzhaften  Gesperrt- 
seins  durch  Muskelkrampf,  schmerzhaften 
Zwang  (mehr  als  Spann).  —  2.  =  s.  Spöre.  — 
^/"/er-Sperre,  1.  =  schmerzhafter,  klemmender, 
verschhessender  Afterzwang,  Teuesmus  ani.  — 

2.  -  angeborene  Atresia  ani  (Frank  5»i).  —  Augen- 
Sperre  =  Augenmuskelzwang,  Lidkrampf  (Gr. 
W.  i,  si2).  —  oc-sperrte  Wampe.  —  Fus«-Sparr,m. 
(Gesparr)  (fueNzspar)  =  schmerzhaft  hemmender 
Muskelkrampf  im  Fusse  bei  Anschwellungen 
desselben,  der  von  der  polnischen  Grenze  und  den 
Ostpreussen  bis  Oberdeutschland  dämonlstisch  auf- 
gefas»t  und  besprochen  wird  (Zeitschr.  d.  Ver.  f.  Volksk. 
iv.»5,  Frischb.  58;  Sitzungs-Ber.  1867,  7.  162;  13.  Jahrb. 
daz  biner  .pelu?]  und  daz  vuzspar  daz  hübe  mit  dir 
dovor;  1502  (us  spar  -  calcaneus,  1).  II,  65,  auch  ein 
„Fussgesparrkraut"  —  Stachys  recta  ist  erwähnt, 
Schmeller  II,  681;  (ir.  W.  VIII,  108;  bei  Jessen  388 

I  Klussgesparrkraut).  —  Ge-spaiT  {-Sperr,  -Spärr), 
1.  =ganz  absperrender  Korperteil;  a)  Schloss- 
bein bei  der  Kuh  (Schmeller  II,  681);  b)  Alveoli 
dentium,  dia  Zahnfacher,  welche  die  Ziihno 
einsperren  (Hyrtl,  K.  W.  iso).  —  2.  =  der  hinger 
dauernde  Zustand  des  Gehemmtseins,  Gesperrt- 
seins. —  3.  =  Fusspur  (Tirol;  LaMner  1  ,  334 ; 
Alpbg.  385;  vermutlich  entstellt  aus  Spor.  Spur  in  An- 
lehnung an  die  Sparr  (Fussparr).  —  Grittel-  (Grill-) 
Sperr  —  die  Gangart  bei  a)  Malutn  coxae  senile 
bilaterale  oder  b)  Mastdarmzwang,  wobei  die 
Dammgegend  (s.  Grittl  S.  5041»)  durch  die  zu- 
sammengeklemmten Sitzmuskeln  (glutaei)  ge- 


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sperren. 


sperzen-  -Spiel 


schlössen,  gesperrt  erscheint,  und  die  Beine 
zu  X- Beinen  werden  (Abbild.  Kleinpaul,  D.  Mittel- 
alter«»). —  Händt  Sperren  -  HemmungBgefühl 
in  den  Händen  durch  Trockenheit  (SpOre)  der 
UauUSchm.  ii,6»4).  —  //tirn -Sperre  =  Hemmung 
der  Harnentleerung  durch  Blasenlähmung.  — 
Herz-Spot,  -Sparr,  -Gesparr,  -Gesperr,  -Sperr, 

-(/«■Spar  (mh<1.  hertzengesperr  =  Engbrüstigkeit.  H.  Z. 
XIII,  2a-.;  1129  herozpoer  =  cordlaca  [berba],  D.  II,  114; 
1182  hertzsperr  —  asthma,  Herzapann,  Zenlng.  Voc.  03; 
15SS  hertzgosperr  -  cardlaca  [herba],  D.  161 ;  15*1  herU- 
gespör  —  cardloca,  Bock  129;  1684  hertzgesperr,  Wirsuug; 
1591  hertzgesperr  —  Herzgespann,  Hckük.  ür.  W.  IV, 
2.  1246;  1609  hertzgespor,  Guar.  606;  Tabernaem.;  1697 
lierzgesperr  -  cardlaca,  Schindler  II,  6*7;  17.  Jahrh. 
berzgesparr  =  cardlaca  passio.  Gr.  W.  IV,  2.  1246;  R. 
A.  318;   1716  berzgespvrr  =  i'ferdekrankbelt,  ür.  W. 
1.  eod. ;  1730  Hertzgespöhr  [der  Kinder],  rrqnell  1897. 
167;  1712  hortzgesperr  =  lncubns,  Zw.  121;  1766  herz- 
gesperr  =  Uerzerstlckung,  A.  v.  II.  I,  306;  ,,es  »loht, 
wenn  man  recht  Achtung  gibt,  wirklich  so  aus,  als  ob 
etwas  da  wäre,  was  die  freie  Verrichtung  des  Zwercb-  , 
felis  bindert",  A.  v.  H.  I.  305;  einen  damonlsUschen 
Hintergrund  erbalt  dieses    , .etwas"  durch  die  bei 
Kossei  SU,  De  Cock  83,  Bayerland  1898,  IX.  195,  Umuwrt 
139  angeführten  Besprecbungsformeln ;  HerzgBsperr: 
Schwaben  =  asthuia,  Buck  63;   Pfalz  =  hysterisches 
Herzklopfen, Pauli 64;  Bayern  -  «thenocardla,  cardlalgia; 
Sehwabendfirfer  bei  Budapest  =  Herzgespier,  Rthnol. 
Mltt.  von  Ungarn  1*93,  8.  162;  vergl.  ausserdem  bei 
Schmeller  II.  6»1 :  Hertzspor,  Hertzgespor;  bei  tir.  W. 
IV,  2. 1261 :  Uerzuperr).  —  Hertgesp&tt  ist  demnach 
= jeder  stärkere  Anfall   von  schmerzhafter  I 
Hemmung  der  freien  Bewegung  des  Zwerch- 
fells, der  plötzlich  (wie  ein  daraontsüsch  veran- 
lasster sperrender  Balken)  über  den  sonst  freien 
ÄtmtingHweg  sich  einstellt  und  zwar:  a)  das 
Asthma  cardiale  iler  Herz-  und  hungenkranken, 
das  einem  asthmatischen   Anfall  täuschend 
ähnlich  ist  (Eichhorn  I,  81),  hei  dem  sich  nament- 
lich auch  Schmerzen  in  der  Herzgegend,  An- 
fälle von  keuchender  Atemnot  (Kurzatmigkeit) 
und  Herzklopfen  zeigen,  Morbus  cardiaeus,  I 
Passio  cardiaca  (keuchender  Siechtag;  h)  der 
nervöse  Herzschmerz,  die  Bruslbräune  und 
Brustklemme  (s.  d  ),  Angina  pectoris,  Stheno- 
cardia,  die  ähnliche  Erscheinungen  machen  und 
verschiedene  Namen  führten:  Zwerchfell-Gicht, 
tiieht- Asthma,  Herz- Erstickung;  c)  die  Prä- 
kordialangst  und   Engbrüstigkeit   der  Herz- 
kranken und  das  nervale  Herzklopfen  (Herz- 
irsticken,  s.  d.)j  d)  der  Laryngospasmus,  sowie 
Asthma  laryngeum,  thymicum  Koppii,  Miliar), 
Kapillar- Bronchitis  der  rhachitischen  Kinder; 
e)  der  Magenkrampf  (s.  Alp  a  Incubu*) ;  f)  Herz- 
schlächtigkeit  beim  l'ferde.  —  (los»)  Maul-Qe- 
sperr  (-Sperr),  1.  =  Kieferklemme.M  und  klemme, 
Sperrfrais,  Trismus   rheumaticus  et  toxicus 
(Gr.  W.  V,  778;  ttchmeller  II,  681).  —  2.  =  Trismus, 
starker  Krampf  der  Kiefermuskeln  heim  l'ferde 
(Hirschkrankheit  2,  mal  de  cerf),  wobei  die 
Kiefer  so  fest  aufeinander  gedrückt  werden, 
dass  das  Maul  nicht  zu  öffnen,  versperrt  ist 
(Or.  W.  JV.  2.  1568;  VI,  18U8;  K.  A.  88;  Wltzschel  U, 
215).  —  3.  =  das  einmalige,  weite  Aufsperren, 
Aufreisaen  des  Mundes  (Gr.  W.  VI,  1804).  —  Mund- 


Sperr-  Maulsperre  L  —  Rippen  Sperr  (-Speer) 
=  die  den  Brustkorb  umschliessenden  (spei  - 
renden)  Kippen  beim  Schweine.  —  versperrtes 
Wnsser.  —  Sperr-  (Sparr-,  Sparren)  Ader, 
■Frais,  Gages',  häntmisch* ,-  Knochen,  -mäulem  *. 
—  Sperr-,  Speerkraut  =  Kanunculus  Flamtnula. 
Lherbc  ii  la  lire-goutte  (Kol.  68).  Gichtkraut. 

sperzen  (oberd.)  -  spucken  (s  -f  ferzan  [*ipiw] 
nach  Lal.tner.  Z.  f.  d.  A.  1888.  S.  1*;). 

Spettels  «.  Spital. 

Spetze,  f.  spetzen  (spitzen),  »putzen  = 

sperzen,  Bpürtzen,  den  Speichel  (Spätre)  aus- 
werfen (1740;  Scltz  I,  456;  Spions  II,  237.  238).  — 
nüchterner  SpUtzel  (Elsas*;  E.  W.  1, 164)  -  nüchtern 
abgesonderter  Speichel,  ein  uraltes  Volksmitlel 
für  flechten.  —  Spitzen- Schlingen. 
speutzen  s.  spurtzen. 

spezifisch,  1.  *=  da»,  was  einer  Sache  oder 
Krankheit  nach  ihrer  natürlichen  Beschaffen- 
heit und  Gestalt  (=  Speeles)  eigentümlich,  lür 
sie  besonders  charakteristisch  ist,  z.  B.  Form 
und  Farbe  eines  Exaulhems  bei  Syphilis.  — 
2.  =  syphilitisch  (inshesonders). 

Spidel,  m.  Spedel,  m.  Speil,  Speitzel  -  lang 

llrhcr,  härterer  Teil  (Knorpel,  Narbe,  Schwiele), 
Spreissel.  Splitter  (Schmeller  II.  659),  Hautnarbe,  als 
Hautnpreissel  in  der  übrigen  glatten  Haut  (wie 
die  Knoehenspreissel  im  Fleisch)  angenommen 
(ahd.  spido:  ,,sl  quls  alium  vulneraverit  et  lp«um  vulnu* 
senatum  clcatricem  depressam  et  non  rellqnM  carnl 
aeqnam  duxerlt  «juod  spldo  dicunt",  I.eges  Fristen. ; 
Graft  VI,  329;  Du  Cange  VII.  654).  —  A'rtsm-SpeitZ- 
lein-  Nasenspreissel,  Nasenknorpel  (Coler.  II.  A. 
ii9).  —  Speidel- Zu/in. 

Spiegel,  m.  (aus  mllat.  spegluin  [speculum]  kurz 
vor  der  ahd.  Zelt  cntlehut  [„.Schau-Kar"  war  vorher 
gebraucht  dafürj.  Kluge*,  354),  1.  =  durch  hellere, 
glänzend  strahlende  Farbe  abstechende  Korper- 
teile, z.  B.  lichte  Stellen  am  Steisse  des  Rehs, 
am  Euter  der  Kühe,  auf  der  Pferdehaut  (Brehm 
III,  167 ;  Seh.  198).  —  2.  =  bei  den  Schul- Anatonjen: 
das  Septutu  pellucidum  des  Gehirns  (Hyrtl,  K.  w. 
85).  —  (1009)  gläntender  Spiegel  =  (1«>1)  Him- 
Spiegel  -  Spiegel  2.  —  (1517)  Huren- Spiegel  = 
die  glänzend  glatte  Haupistelle  infolge  von 
Haarverlust,  Alopecia  syphilitica  (l.ustnenehe) 
(D.  184,  glaber;  1517  hohrn  npygel  =  cathedralitlus, 
D.  106;  s.  Ar-ehxehalk).  —  Mtlch-Spiegel  -  die 
glänzende,  Schild-  od.  eirunde  Stelle  (Spiegel  l) 
von  aufwärts,  gegen  den  Strich  gerichteten, 
feineren  Haaren  am  Kuheuter  (Martin  f.? ;  Zipp. 
495)  in  mannigfacher  Gestalt,  die  nach  diesen 
äusseren  Formen  den  Milchgehalt  im  Inneren 
iles  Euters  widerspiegeln  soll.  —  (1812)  Nasen- 
Spiegel  —  die  mit  einer  glänzenden  Schleim- 
haut überzogene,  knorpelige  Scheidewand 
zwischen  den  beiden  Nasenlöchern,  Ftotsmanl 
beim  Kind  (Zipp.  466;  Kalke  II,  151). 

Spiel,  n.  (abd.  spil;  uihd.  spil  —  Scherz,  Zeitver- 
treib, Vergnügen),  1.  =  Geschlechtsteil  (Wackcru.. 
Abhdlg.  III,  49.  Anm.  111).  —  2.  =  fallende  Sucht 
(Sptess  II,  237.  dies  vielleicht  zu  ahd.  splldau;  alts. 
splldlan  ;  angls.  splllan ;  altnord.  sploell  ■  Verderben, 
Kehrein  44).  —  spielend  ■  spiegelnd  (bei  Augen 


uigmz 


Spier— Spinae. 


Spint -Spitze. 


MI 


1.  B.).  —  spielen,  1.  =  scherzen,  simulieren.  — 

2.  ■  venerem  exercere,  coire  (s.  üben)  (Waokern. 
1.  c;  Schnuller  II,  66-1).  —  (15.  Jahrh.)  F  I  Spiel 
(frawcnspil,  Schindler  II,  666  [frowenspil];  Hyrtl,  K.W. 
137)  —  Vulva.  —  Ge- spiel  ~  die  Geschlechtsteile. 

—  7  spielig  -  tirOn^tij»  (Scbmellcr  II,  664.  BAS).  — 
(15.  Jahrh.)  Kindel  Spiel  =  Kindbett  (<ir.  W.  V, 
72»).  —  (1712)  Liebes-,  (1689)  Venu>  Spiel  =  Coitus 
(F{.  Hoffra.  VII,  96;  Woyt  162;  IT.  II,  313;  Z.  A.  213; 
Wackern.  1.  c).  —  (1813)  Xatitr- Spiel  =  Eubub 
naturae  eine  heutzutage  Bichl  mebr  berechtigte  He- 
zebhnung  für)  launenhafte  Abweichung  von  dem 
Naturgesetze  bei  der  Erzeugung  der  Frucht  in 
G«8(lllt  von  sogen.  Spielarten  (Kalke  II,  153.  32s). 
„unbedeutende  Abnormität"  (Dorubl.  74).  —  Ohr- 
Spiel  =  I^auaehgelurde  I».  Pferden.  —  (15.  Jahrb.) 
Übet  spiel  thuen  -  fomlearl  (D.  213),  Exeessus 
veneria  per  coitum  (-».  Luxus).  —  icildcn  Mann 
spielen  =  einer,  der  Geisteskrankheit  (s.  wilder 
Mann)  simuliert  (Meyer,  Kuuv.-Lex.  XVII,  955).  — 

Spiel-  Weib,  ■  Werk. 

Spier,  f.  (ndl.  spier)  =  die  Dnnnung,  Weiche, 
Taille,  die  schlankere,  spOre  l.eihesstelle  (L»e 
t'oek  307;  Schindler  II,  6*2;  1577  »plere  -  pulpa,  caro, 

d.  172).  —  Bpierlich  =  mager,  dünn  (s.  Sporn). 
Spiess,  m.  s.  .Spiize. 

Spille,  f.  (mundartl.  Nebenform  zu  Spindel,  s.  d.). 

—  spillerig  —  ddrr  wie  eine  Spindel  (II.  Paul 
427  ;  14.— 15.  .lahrh.,  rand.  drnpt  ein  e  buch  [s.  Ilaug], 
so  wa*»et  eine  tve  iipllen  van  der  borst  au  den  hals, 
J.  f.  nd.  Spr.-F.  XV,  116)  =  das  Gefllhl,  als  ob  die 
beiderseitigen  Kuclienstiiinge  2  <nler  3  lange 
Spindeln  oder  Klufon  waren  (Kehlkopftuber- 
kulnsis),  die  von  unten  herauf  sich  erstrecken. 

Spinat  (aus  arab.  IsnnAg;  per*,  aspanäh,  Kluge 
IM).  —  Spinat- Stecher. 

Spindel,  f.  (Spinnel)  (nbd.  spinal«;  mhd.  spinei, 

tpiuneli;  engl,  splndle  -  schmales  [rollendes]  Spinn- 
»  orkzeug  [Kluge*,  3il]  der  alteren  Zelt,  In  welcher 
..diese«  Instrument  die  erste  Stufe  des  Übergangs  vom 
Flechten  zum  Spinnen  begründete",  Schräder,  Spr.-  i 
Vergl.  1890.  S.  480;  damit  verglichen):  a)  die  Vorder- 
arm-Speiche. —  (1722.  1783)  Spindel  =  Radius 
(l.evellngss;  Tiber.  3  .2) ;  h)  Sehnenbein  am  l'ferde- 
fusse,  das  lang  und  schmal  ist  (1*2;  Seh.  176); 
c)  (MitteWchteslen;  l'r<|Ucll  II,  17U)  =  eilte  spindel- 
dürre, gehrechl.  I'erson.  —  (1600]  4rm-Spindel 

—  Radini  (Dr.  Minderer),  le  rais,  Vorderarm- 
knochen,  der  sich  wie  eine  Spindel  und  im 
Gegensalze  zu  Spindel  2  um  die  Axo  dreht.  — 
spindein  =  schwindeln  (D.  ».ID.  vertiginare.  — 
Spindel-^nViii7,  -Schenkel,  -  Wurm- 
Spinne,  f  (Spinat,  -Spint)  (vorgerm.  pen 

'.Pannus  -  Fahne;  zsw»,  p.nates,  diu  die  Schicksals- 
hülle  spinnenden  Scbut/.gel-ter,  Scbeible  IX,  45»;,  spen 
>panneu];  gem.  germ.  spinn-  [spinnen];  ahd.  spinnan, 
spinna;  mhd.  eplmicu,  spinne,  Kluge*,  3M  —  das 
Malt*  Faden  spinnende  Tier).  Nach  dem  Volks- 
glauben verwandelt  eine  riesenhafte  Spinne  (IMmon) 
die  Menschen  in  Verstnndlose,  Verwirrte  oder  tötet  sie 
(II.  A.  Rh.  105;  Alpbg.  70),  vermutlich  die  von  iler 
Volksphuntime  entstellte   ,, Spinnerin"   Pcrchta.  — 

Gespinst,  l.  =  i.  Spanne.  —  2.  Ilirn- trYspinst, 
(18.  Jahrb.)  -  G'rBpenst  =  ein  Gedankengebilde, 


das  keine  eigentliche,  logische  Festigkeit  hat, 
obwohl  es  ans  vielen  Gedankenfaden  gleichsam 
gesponnen  ist  (s.  spintisieren)  -  musca  in 
cerebro  =  araignee  dans  le  plafond,  im  Ober- 
stfibchen  (s.  d.)  eine  Spinne  haben  (Brisa.  267; 
Janus  1897,  S.  393  [„Hirnge-spenst,  wahrscheinlich  au« 
Oesplnnst  irrtümlich  umgedeutet"],  H.  l'aul  222;  diln. 
hjernespind!  (s.  Spuck).  —  er  spinnt  (südd  j  =  ei 
handelt  und  spricht  nicht  ganz  normal,  macht 
HirngespinnBte.  —  fliegende  Spinne  —  Mouches 
vo!ante8  =  Mucken  im  Auge  haben  (Kraus,  E. 
58')).  —  Spinn(en)- Gesicht,  -Qeicürm,  -Husten, 

-  Weiblein. 

Spint,  m.  (ahd.  spint  =  arvina  [II.  Z.  XVI,  «2; 
Uraff  VI,  352],  adeps,  sucelmen,  feist;  mhd.  iplnt  — 
Fett,  Schmer,  Lexer  241)  -  trockenes  Fett,  Speck. 

—  spültig  =  mager,  zah,  speckig  (Schmeller  II, 
678).  —  spintisieren  (1551  spünt«siren,  Kluge*,  86t}, 
eine  Neuschi. pfung  des  16  und  17.  Jahrb.  für)  Hirn- 
gespinste (m.  Spinne)  machen,  nachsinnen.  — 
//.•....•-Spillt  (angls.  heugosplnnum  =  genis,  Cock. 

I,  LXX;  heagospind.Cock.  I,  336;  ha^nlgospind,  Lalstn. 

II,  188)  =  die  heralihitngende  Fett wamme  unterm 
Kinne.  —  O/ir-Spint  (ahd.  orspinna  [spint]  =  pulpa, 
est  »lud  durum  in  aure,  D.  II.  309)  =  ührschmalz. 

Spinzel  (Spenzel)  innen  [s.d.];  vorgerm. 

»Pen.  Kluge*.  354).  —  Spienzel  (Gespcnz),  spe- 
ne/.en ,  spenezol)  =  der  fadenförmig  aus  dem 
MundegesponneneSpeichol,  der  nurmitSchwie- 
rigkeit  und  unter  öfterem  Räuspern  aus  «lern 
Mumie  entfernte,  eaho  Schleimfaden  (ober- 
bayern,  Schwaben  ;  Buck  17). 

spirtzen  =  spurtzen  (Bayern ;  Kluge). 

Spital,  n.  (Spittel)  (mhd.  spltAl,  spltel  =  Kranken- 
haus; aus  lat,  hospitAle,  Kluge*,  355;  norweg.,  dilti, 
spedalskbed  =  Lepra;  schwed.  «pelalsk  =  leprosus, 
spetalska  =  Lepra.  Radesyge.  Syphllia,  Beiart  3 ;  die 
Ho<pltAlcr  und  Lazarethe  entwickelten  sich  aus  den 
Leprosenbausern  bezw.  Fremdenzimmern  der  Kloster  ; 
15.  Jahrh.  xpettel*  sa  leprosus,  I).  II,  232).  —  er  hegt 
im  nämlichen  Spital  krank  =  das  gleiche  Übel 
drückt  ihn  (Helling).  —  Spitaler  =  kranker, 
siecher  Mensch.  —  Spital  t    Blumen,  -Brand, 

-  Fieber, -Kluase,  -Krankheit,  -Narr,  -Rotz,  -siech, 
■Sucht,  -  Typhus. 

Spitze,  f.  Spitz,  m.  SpiOBS,  m.  (ahd.  spU,  m„ 
Kluge*,  354.  355;  mhd.  spitz,  in  epiz  =  KüchenspUss ; 
sptez  Waffe;  ndl.  t  sj.lt  =  Spiess),  1.  =  das  zuge- 
spitzte Ende  eines  Körperteiles,  r.  B.  Glans 
penis  (Kirsch  &17)  oder  einer  lokalen  Krankheits- 
stelle.  —  2.  =  der  Schmerz,  der  wie  durch  ein 
spitziges  Werkzeug  (Spiess)  erzeugt  wird  (1.77, 
ndl.  l'spit  =  Lendenweh,  lumbago,  I).  339;  De  Tock 
307.  3U).  —  3.  =  ein  kleines  Bttaacbcbeti,  Dionv- 
StSCUS  (Z'»p0  (Kraus,  K.  31<i;  Schm.  II.  193).  —  die 
Uhren  spitzen  (wie  das  Pferd)  —  lauschen 
(spitz  machen).  —  spitzen  =  s.  auch  spetzen. 

—  spitz  (Ii«.  Jahrb.]  spitzig),  1.  =  mager,  aus- 
gezehrt, Mass,  kränklich  (Spiess  II,  23S;  Sebin.  11, 
691).  —  2.  =  klein,  papulOS,  mit  kantig  zulaufen- 
der Kupjie  versehen.  -  3.  =  zugespitzt,  rasch 
verlaufend,  akut  —  an-  i>t<  jspitzen  sich  sa  an- 
fangen, Bpitzig  im  Gesicht  zu  werden,  ohu- 
mttebtig  zu  werden  (Schm.  U,  6»4).  —  Brust- 


(HU  Spleen— Spleissen 


Spft—  Sporn. 


Spitz  -  Kruspelspitz  (Vorderspitz,  Vöderlspitz). 
—  /'»/-Spitze  =  der  vorderste,  spitzige  Teil 
des  Pferdebuges  fRerbst  163).  —  durch  spitzen 
=  durch  die  Haut  spitz  hervorragen,  z.  B.  Blat- 
tern, —  Ellenbogen-8pitZ  [Hfl  ellenbogeun  spitz 
vnd  desgleichen  selnt  bein,  de»  der  mensch  nltt  also 
garnouurfnigi'U,  Brun»chwlK;  OurltII,210,  o'>).jvrp  = 
ulnae,  xvivov  =  Ellenbogenspltze)  =  Olecranon,  der 
Kopf  des  Kllenbogenbeins.  —  Finger  Spitze  =■ 
die  Fingerkuppe,  Kingerhecre*,  das  Kapplein* 
od.  der  Vorderlinger.  —  ftinfcr  spitzen  (Elsa«; 
E.  w.  l,  ISO)  =  beim  trockenen  tiaumen  die 
V  förmige  Zunge  leel  ■  zend  vorstrecken.  —  Fu&s- 
Spitze  =  das  ausscrste  Knde  des  Kusses  an  den 
Zeilen.  —  (1741)  //or  Spitze  =  Cuspis  eordis, 
Apex,  Muero  cordis,  das  an  der  linken  Urust- 
seitc  anschlagende,  spitzige,  untere  Ende  des 
Herrfleischkegels  (Kirwh  302).  —  (um]  Jesuiter- 
Spitzchen  -  Peccatutn  veniale,  ein  verzeih- 
liches Kauschchen  (Spita  3),  dessen  man  sich 
am  folgenden  Tage  noch  erinnert  {Dcmokrltos  v, 
102).  —  ÄVnY-Spitze  =  die  Knochenkante  unterm 
Knie  (Spina  tibiae).  —  Kruapel -Spitz  -  das 
Bauehfleisch,  das  an  dem  Brustbein  (Schwert' 


der 


fortsiitzc)  und  an  den  Kruspeln  (Knorp< 
falschen  Kippen  haftet  (Brustspitz)  (Hyrtl,  K.  W. 

100;  Schm.  I,  136).   —  JNVl«m-SpitZe,  -SpitZ  (1IS2 

nawmapiu  =  pulpa,  D.  .1-2)  =  die  Nasenklippe, 
Birne  (s.  d  ,  Pirula,  Pulpa)  -  Medium  pulposum 
naris)  (D.  43«.  437.  472;  II.  30*  ff  ;  Heyne  Ol,  965; 

Gr.  w.  vil,  41«).  —  Äoscn-Spitz  =  Kosenschnitz 

oder  Kleischabschnitt  an  der  sogen.  Kose.   

Rucken-  (Ruckbein-)Spitz  (11  Jahrh.  nibbeln  spitz 
=  palua,  Voe.  npt. ;  1482  rugkenapltz,  nickbeyn«pl«z 
=  palus,  Zening  Voe  ij  7;  I).  6-13;  II,  278)  =  Spina 
dornt,  die  Keihenfolge  der  Hornfortsatzspilzen 
■  ler  Wirbel  (Hyrtl,  K.  W.  132).  —  Tütlcin-,  Tuffen 
SpitZ  (M.  Jahrh.  tut  tlspitz  —  papilla,  Voe.  opt.  \V.  12; 
in  »  <iiilli  iu«pltz  =  papilla,  D.  II,  213;  1482  dutten«pitz, 
Mitten  xpitz  ss  puppa  [pnpllla!,  caput  mamilla.',  Zeil. 
Voc.  M.  hh  3.  15,  Gr.  W.  II,  1772)  =  Brustwarze  als 
.Spitze  der  Brust.  —  Zungen  Spitze  ■  der  bei 
der  Verlängerung  der  menschlichen  Zunge 
schmalere  Teil  derselben.  —  Spitz(m)-  (spitz  ex], 
Spitzig)  Flein;  Finger, -Fu8H,-GrschwUr,Kinn, 
-Kopf,  -Kreuz,  -rocken,  -Baude,  -schlingen, 
-Stosn, -Zähne. 

Spleen,  m.  (mittelengl.  thesplene;  neuengl.  spiee») 
-  Milz,  Milzsucht,  M i J sbcech weruog ,  Laune, 
<irille,Wiinn,Z\\erclifellersciiittterung(Kttlt.«rl«m. 
I«.  d.);  lodog.  splagheu  -  Milz;  grlech.  ir.)  y,*  [3S.W 
V/""]  Milz.  Kick  217).  —  er  hat  einen  Spleen- 
bestimmte  Idee,  Laune,  Schrulle  ;  ,, der  engl.  Vr- 
«prung  des  Worten  ist  auf  die  in  der  Kegel  nicht  aus 
den  Kreisen  der  vornehmen  oder  feinen  engl.  Oenoll- 
Iflhaft  stammenden,  den  Kontinent  bereisenden  Eng- 
länder zurückzuführen,  welch«  durch  Irgend  welche 
Extravaganz,  Sonderbarkull  und  Kücksichtslo<,lnkell 
auffüllen  (Meyer,  K.-L.  XVI,  2X1). 

Spleissen,  m.  spleissen,  Spliss,  m.  splieten, 
Splitter,  m  ,  f.  (altgerm.  split ;  mhd.  «plizen  — 
■palten;  Splitter,  m..  f.  =  Sprelss;  gelter  =  Splitter 
[zu  spalten);  uind.,  14.  — 15.  Jahrh.  dem  menschen, 
det  dat  binnen  tobrokon  efte  to  »pleten  int,  Jahrb.  I. 
nd.  8pr.-F.  XV,  132;  1175,  ndl.  fpleeten  =  plemcn 


(tlegnun,  ulcu»),  I).  239;  stemspleet  =  Stlmmenspalte, 
Atemritze;  engl,  gplent  =  Ül>erhein,  Kaltschm.  [c  Spaij; 
ndd.  tpliet;  1532  «plUler  =  Sprel»«.  Kluge»,  3Vd.  — 
Spleissen,  m.  (  -  Holzspan  durch  Spalten  entstand.  !.  | 
-gesehwürige  Hautspalte.  —  Splitter,  m.  ^ab- 
gespaltenes KnochenstQck,  das  beim  sog.  Split- 
terbruch  sich  vorfindet.  —  splieten,  spleissen 
(spletten)  =  Spalten  machen,  aufspringen  bei 
Hermatitis  ekzematosa,  Kotlauf,  Kose  t.  B. 
(Erischb.  63;  z.  d.  v.  f.  v.  k.  i*'j*,  203).  —  splittern 
^  in  Splitter  zerspringen.  —  A r*ch  -  Spliss 
(Spleisse)  =  Kissura  inter  nqtes,  Arschkerbe, 
Atterspalte  (Hyrtl.  K.  w.  i«t).  —  Spleiss- / >i  /  *, 
•Fei*.  -  Splitter  Wunde. 

Spö,  Spoicher  =  „G  aissvieb,  «las  zwar  bockig, 
aber  nie  trächtig  wird,  unfruchtbare  Ziege" 
(Brcgrenzer  Wald,  Zitlerlhal  spolehe)  =  „Ziege,  die 
wider  Gewohnheit  ein  Jahr  unfruchtbar  ge- 
blieben" (Schm.  II,  656.  671.  Etymologie  schwankend 
vielleicht  z.  Spuk). 

spletten  s.  spleissen. 

Spöhn,  pl.  s.  Spenn  =  Zitzen  bei  Hunden, 
Schweinen  (Henncb.  j  Bpleei  II,  23*). 

Spörr,  f.  s.  Sparren,  sperren. 

Spörwel  s.  Spor. 

spötzen  s.  schürzen. 

Spon  s.  Spann. 

Spor,  ID.  (spör),  1.  -  Schimmelpilz,  Soor, 
Aphthen  (Spro,  Spruw),  ausgespreuter  Pilz  der 
Mundhöhle  (s.  Spreu).  —  2.  -  s.  Sporn.  — 

SpÖr,  SpÖlicht  (ahd.  spori  =  morbe.  faul;  mhd. 
Kpoere;  1740  sperlcht,  Chr.  Sam.  II,  421)  -  fehlerhaft 
trocken  (von  Husten  und  Schleimhäuten),  rauh, 
herbe,  mager,  abgemagert,  hager  (vom  Gesicht) 
(Kluge»,  355  ;  Schm.  II.  CS3;  Wolf)  —  Sporen- 
pilzige  Stockflecken  bekommen  (Sple&a  11,  23«),  — 
Spörwel  -  Zwerg,  kleine  magere  Person  (Kuhn  U, 
17).  —  aus  Spören  =  austrocknen  (von  Korper 
nnd  Schleimhäuten,  namentlich  im  Munde  und 
Rachen).  —  gi  -spör  -  mager  {Heiner  I,  132).  — 
(i6»9)  Zungen  Spöre  (Sperre) «Trockenheit  iler 
Zunge  (v.  M.  II.  Iii).  -  spöre(r)  Augen,  Umten, 
Zunge. 

Sporn,  (Spor)  (Indogerm.  sper  =  mit  dem  Fu-*e 
stowen,  mit  den  Füssen  treten,  nachgehen  [dazu  Spur 
»•  ;  Wteipe»,  upernere];  genn.  Rporo  =  Sporu,  Kluge  s. 
356.  357;  ahd.  «plrnati  =  mit  den  Ftisxen  anstos-ien, 
Flrk  215.  414;  mhd.  »por,  »porc  -  der  Eisen-  od  Oorn- 
stachel  BBlFuMe.  mit  dem  man  das  I'f,  rd  in  die  Flanken 
Fte.Hst;  damit  werden  verglichen):  1.  ~  das  Kcrsetl- 
bein (Calcet) ftUS),die  Kerse,  wo  derspitzeStaebel 
zum  Antreiben  des  l'ferdes  am  Jersenabsatz 
des  Keiterstiefels  festgemacht  wur.le"  (Hyrtl, 
K.  w.  in).  —  2.  =  eine  kleine,  harte,  spitzige 
Hornwarzeam  unteren  und  hinteren,  behaarten 
Teile,  an  der  Köte  des  Pferdefusses  (Hahnen - 
fuss,  Hühnerauge,  Kastanie)  ((ir.  W.  IV,  2.  KU; 
Herbtl  153)  —  3.  =  Knochenfortsatze.  —  ?..  Ii.  iler 
Sporn  ist  herausgegangen  —  Snbluxatio  tali 
[Pauli  117),  wobei  das  Spornbein  (Wadenbein) 
starker  hervortritt.  —  O-spor  =  Sporn  1  (Hyrtl. 
K.  W.  144).  —  (1551)  //a/mm  Sporn,  1.  =  Processus 
styloideus  am  Scblftfebein  (Hyrtl,  K.  W.  75).  — 


Sporte— Sprau. 

2.  =  Sporn  2.  —  (1551)  Huiute-Sporn  (hoadspor; 
Island,  hundspör  -  die  Schwielen  uti  den  Fussohlen 
<ler  Hunde,  Zeitscbr.  d.  V.  f.  Volks-Kunde  1S9S,  28«)  = 
Hühnerauge,  Clavus,  mit  der  spornabnlichen 
Kralle  des  Hundes  verglichen  (Bock  407).  —  (1351) 
XVi/rrnSporn  =  Hühnerauge,  mit  der  hornähn- 
lichen Kralle  «1er  Katze  verglichen  {Hock  aoT).  — 
Leisten- Sporn  —  s.  Letortendorn.  —  Spor(n)-, 
Spör-.-t der,  -Dein,  -Galle,  Lieren*,  -Sehankcn. 

Sport«,  in.  =  Cauda  —  tierischer  Schweif 
(Schm.  II,  885). 

Spot,  Spotlen,  Spötlen  (spotlen  =  Kotten?, 
Schmellcr  II,  691.  vermutlich  zu  spucken)  =  ausge- 
spritzte Hautflecken;  {engl.  spot= Süppchen;  dazu 

spotted  typhus  -  Flecktvphu*.  liver-spots  =  Leber 
Hecken,  L.  hf.  35.  69.  106;  Roth  301 ;  flery-spoU  =  rote 
ücslehtsll.  ck.  n,  Dornbl.  45;  dan.  spyt;  engl,  spittle; 
schwed.  spott)  —  Flecken. 

Sprache,  f.  (sprechen)  g.'rm.  sp.k,  sprek;  angls. 
spn.ee,  <  oek.  III,  10J ;  ahd.  sprahha,  f.  sprehhan  — 
spehhnri  =  sprechen;  mhcl.  spräche,  f.  —  die  Nach- 
ahmung  Am  Wesen»  der  Dinge  [O'ili'z]  mittelst  der 
Tbaligkelt  di  r  Lautgebung,  die  zum  Keden  verwendet 
wird,  Kicinpatil;  sprechen  =  reden.  Kluge*,  855;  ndl. 
gprtmk  —  Sprache,  De  rock  7;  ,,das  kostbarste  Werk- 
zeug, das  sich  der  Mensch  geschaffen  hat",  (i umbrecht). 

—  Sprecher  =  der  da  spricht.  —  a  sprachen 

—  delirare,  ahreden,  irre  reden  (Schm.  I,  l ;  II,  55) 

—  aus  «lern  Schlafe  sprechen  (wuttke  366).  —  An- 
sprecher  ~  Incantator  (s.  hertifen,  (iulster,  be- 
sehreien,  anre<ien),  Zauberer  (benedlctio  falsa 
quod  dicitur  „ansprachen",  Schnuller  II ,  69s).  — 
/«sprechen  =  besehreien,  berufen  durch  «lau 
«uiberhaft  gesprochene  Wort  («.  (Salster)  be- 
einflussen. —  besprochene  Krankheit.  Das  „Be- 
sprechen" der  Krankh<  it,  eine  uralte  Behandlungsart, 
z«.g  sich  iu  die  Kinderstuben-Praktik  zurück  (v.rgl. 

f.  w.  i,  3).  —  (1551)  erlegt nr  Sprache  -  Sprach- 
lahmnng,  wobei  das  Vermögen  zum  Heden 
(«.  d.)  oder  die  Zunge  gleichsam  schwerer  ist, 
darniederliegt  (Bock  22).  —  fehl  sprachen  =  fieber- 
haft delirieren  (äspräehtn  s.  d.),  bei  dem  ty- 
pbösen Keldfieber  (Krieg«typhus)  (Schm.  I,  712; 
f.  hlspreehen?).  —  Fin </rr- Sprache  =  die  tlen 
Taubstummen  beigebrachte  Art  der  (iedanken- 
niitteilung  durch  Fingerzeichon  oder  Handge- 
berden.  —  (1735)  gebreehlieht  Sprache  (Woyt  88) 
=  b.  8prachgebrechen.  —  (1735]  echtem  Sprache 
(Wojrt  32)  =  erlegene  Sprache.  —  >Vf7r«-Sprache 

—  psychische  GehOrshallucinationj  wobei  die 
Geisteskranken  eine  tonlose,  innere  Stimme 
boren,  als  ob  jemand  aus  dem  Innern  der  Seele 
«1  ihnen spräche  (Griesinger*,  102).  —  rer  sprechen 
(.■ich),  I.  =  Parapbrasia,  in  der  Sprach«  ein- 
rtdiie  Worte  od.  den  Gedankengang  verfehlen. 

—  2  -  durch  Besprechen,  Besehreien,  Berufen 
rauberhaft  beeinflussen  (Wlu<cbel  II,  las).  — 
Sprach-F<7</rr,  -Gebrechen,  -los,  -Störung. 

Sprack  s.  Sprenkel  und  Sprache. 
Spranz  s.  Sprent. 

Sprau,  f.  (Spruw,  Spro)  (Indogerm.  tprew, 

•prow;  germ.  sprew  -  zerstieben ;  ahd.  spruowen  = 
sprühen;  mhd.  spraewen  =  stieben,  Kluge*.  3:*;  MM 
spronw  ;  ndl.  m  Hflbnerpips  ,  De  Cock  ;  V.  K.  1*9'», 


Spreckel — Sprenkel.  005 

8.  144;  ndl.  »pruw  —  Mundsebwamm,  De  ''ock  75;  ndd. 
»pro,  Goldschro.  142  =  idein;  nd.-saehs.  sprau  —  Hell, 
Mehlhund,  Soor,  oldiuin  albicans,  Schindler  I,  1038; 
Dietmars,  sprnel,  t'r<iucll  IV,  277).  —  SpraU,  I.  - 
der  auf  der  Mundschleimhaut  wie  zerstäubtes 
Mehl  oder  Spreu  aufliegende  Soor-Pilz  (siehe 
Spreu).  — 2.  =  Hflbnerpips,  Hühnerdiphtherie. 
Spreckel  s.  Sprenkel. 

Spreisse,  m.  (Spreissel,  m)  Sprissel  (zu  Splitter 

und  Splelsse  [s.  d.]j  „von  diesem  durch  Dissimulierung 
entfernt",  Kluge;  mhd.  sprizel  =  Splitter,  sprizen  = 
sprengen,  Schmellcr  II.  70~>;  ,,daz  ouge  spreiz  üz  Imi 
verre" —  die  Augen  springen  vor;  1Ö1S  spryssel  —  Kno- 
chensplitter, II.  v.  Gersd.  26;  1523  sprel&s  -  Splitter; 
1612  spreisse  =  Knochensplitter, -  1620  spreussen  = 
Knochensplitter.  Dr.  Minderer;  tir.  W.  V,  210s;  lü'Jl 
spreissel.  Klug.' *,  3  .5)  —  das  abgesprengte,  abge- 
spaltene Knoehenstück  (Splitter).  —  Bein- 
Spreissel  (-Spreisse)  —  nekrotisches  Knochen- 
stnck  oder  Krakturslück  (Zw.  29).  —  (1551)  Hirn- 
Kchalrn  -  Spreissen  =  Knochennplitter  an  der 
Hirnschale  (Hock  76).  —  (UM)  Zä/oi-Spreissen 
=  gezackte,  zahnformig  in  einander  gefugte 
Knochensplitter  (Ottfll  DI,  257).  —  /er-spreissen 
=--=  zersplittern  bei  Knochenfrakturen,  nament- 
lich des  Schiidels  (14<fl  tzw  spreisselt,  <iurlt  II.  194; 
1197  zerspreijzlet.  tiurlt  II,  212;  151s,  H.  v.  (iersd.  4S ; 
Itrunschwlg  (1497.'  sagt:  selten  hie  zu  Land  [DVUtaCh- 
land]  zerspreiszlct  od.  r  zerbricht  die  hirnschal  vmb 
der  dick  der  Hirnschalen  [tn  Gegensatze  zu  den  Walen 
oder  Italienern],  (iurlt  II,  211  ff  ). 

Spreiten  (Sprittl)  fahd.,  mhd.  spreiten  -  aus.  ln- 
anderbreiten  ;  mhd.  spriteti  m  sich  ausbreiten.  Kluge  *, 
355,  engl,  spread  =  ausdehnen).  —  Hennen  Sprittl 
(Huhnerleitcrsprossen,  die  auseinander  gebreitet  sind; 
damit  verglichen,  IlintnerS.  19)  =  dünne,  langspros- 
sige  Beine. 

Spreiz,  m.  (SpreUZ)  (mhd.  spriuz  =  Stutzstong.-, 
die  in  die  Hohe  gereckt  und  wlukclbildcud  angelehnt 
wird,  Kluge*,  355;  damit  verglichen)  -  die  winkelig 
ausgebreitete  Oberschenkelstellung  (tiritll) 
(engl  bowsprit  =  Bugspriet  und  Nase,  Kaltscbm.). 

sprengen  (Kausativ  zu  springen)  =  springen 

machen.  —  angesprengt  =  an  »ler  Oberflache 

gespalten ,  nicht  dureli  die  ganze  Dicke  ge- 
brochen (von  Knochen);  ein  beliebter  Kurpfuscher- 
Ausdruck  zur  Verdeckung  der  Diagnose,  ob  Bruch 
oder  Luxation. 

Sprenkel,  m.  Sprinkel,  m.  Spreckel,  Spre- 
chet Sprigel,  Sprickel,  Sprack,  m.  Spröckel 

(indogerm.  gprek  [spreg,  -»f.xvo;  —  gefleckt];  prek 
[preg];  dazu  engl,  to  freak  =  sprenkeln,  frekle^  Som- 
mersprossen (über  das  anlautende  s,  s.  Z.  f.  d.  A.  li>8S. 
ISO] ;  ahd.  sprehha,  Gnifl  VI,  391;  mhd.  Sprenkel, 
sprekel;  1"..  Jnhrh.  sprinkel,  sprunk.  l  =•  Fleck  (naevus, 
lentigo],  iprtckel,  Kluge k,S56;D.  321.379;  15ti0sprenckcl 
—  bruchus  [s.  muckengetrauftj,  D.  II.  60;  1515  sprenckel 
nach  form  der  lins.  n  =  lentigo.  D.  324;  H".20  IprMf 
gelu  =  lVlechlenflecken.  Dr.  Minderer;  1645  »pröckleln 
--  lentes,  eiterig.',  Messende  Schilden  im  Angesicht, 
Coler,  IL  A.  125;  1C.87  sprecklein  =  Augesichtsllecken, 
tteorg.  3S0;  1699  «prcnglein.  sprttngleln  =  petechlae, 
rubeolae,  v.  M.  II,  121.  132;  1716  sprenkel  =  Ciesichta-  , 
flecken,  Gr.  W.  III.  480;  Bayern  Spreckel,  Sprenkel; 


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Sprenzel  -  springen. 


springen. 


Schweix  sprlgel,  M-ragel,  Kluge;  engl,  «prlukle  - 
sprühen,  b»  streuen,  l.ehf.  230;  •prinkel  ist  wohl  nur 
ein  an  spring  [s.  <I  ]  angelehntes  u.  nasaliertes  Spreckel), 

I.  =  Macula,  Lentigo,  Mirl,  auseinander  ge- 
sprengte,  wie  Rieselkörner  verspritzte,  zer- 
stäubte, linsengrnssc  [laut flocken  (Maculae 
disseminata?),  namentlich  ilie  Petechien,  Pest- 
Hecken,  Blatternarben  (Zw.  98.)  und  Somtuer- 
sprossen.  —  2.  —  das  blutiggetleckte  Brustbein 
(s.  d.  4)  <ler  Ciilnse,  aus  de«sen  mehr  oder 
weniger  stark  roten  o>ler  weissen  Farbe  und  sonstigen 
Beschaffenheit  die  Mecklenburger  Hauern  (16».'>)  die 
Witterung  des  Vor-  und  Nachwinters  prophezeiten 
(Lohr,  II.  B.  lotiff.  4y5)  (s.  (iansebein,  Heuter  und 
Schulter).  —  Sprecklein  =  kleiner  Fnrbflecken 
auf  der  Haut.  —  spreckiet,  sprinklich  («hd. 

sprvhhlloht,  Graft  VI,  Ml;  nihd.  spreekeleht;  II  Jahrh. 
.sprinclicht,  »preneklyt  =  tcnilgino«u*,  C  v.  Schm.  504; 
I).  324  j  »priucklech,  siirechklat,  »priukclechtlch  -  leu- 
tiginosus,  punetuosu»,  D.  II,  '.'il)  =  k'clleekt.  — 

Sprecklheit,  Sprinkelheit  (1021  sprlnekolhelt  = 

lenligo,  I>.  324;  1419  spreehlhayt  =  lcntlgo,  Scbuieller 

II,  700)  -  die  linsenjjros*  gedeckte  Art  der  Haut- 
färbe.  —  (um  Au  .,-■>,  Sprenkel.  Sprinkel,  pl. 

!  Spr Unkel)  (1170  sprcngleyn  under  den  äugen  = 
lcntlgo,  ü.  321.1  =  Sommersprossen,  die  unter  den 
Anteil  Flecken  (Spriezel)  inachen  (Schindler  II, 
700ff.;  704).  —  (18391  Auage- sprenke,  n.  =  disse- 
minierter Strophuius,  llilzblUllerehen,  (ies:lmte 

(Bohrend  so).  -  </e-sprankt(-spreckelt)  «gefleckt 

mit  punktförmig!  Klecken  gezeichnet  (Schm. 
11,701).  —  Kukuks  Sprecklein  =  Sommei  flecken, 
Kukuksflecken,  Sommersprossen  (s.  d.),  die  er- 
scheinen, wann  der  Kukuk  (< Jauch)  schreit, 
d.  h.  in  der  wärmeren  Jahreszeit  (ur.  \v.  V,  2529). 
-  Sprinkel-Jtf«/. 

Sprenzel  (Spranz)  (spranz  =  nssura,  Schmelhr 
II,  701;  mhd  gespranc  —  Pferdckrankhelt,  Lexer  74 j 
=  Hufspaltung  ('.'),  Habe  oder  Verstauchung, 
wobei  das  Tier  gespreizt  geht  (conf.  ipraln;  engl. 
=  Verstauehung,  l.ehf.  im».  —  Sprenzel  =  Maul- 
sperre (Schw.  t'.r,.'.).  Trismus,  wo  nur  ein  kleiner 
Spalt  im  Kiefer  offen  bleibt. 

Spreu  (Spruwe)  (Indogerm.,  gem.  »prew  ■ 

Illeben ;  ahd.  sprlu;  mhd.  spraewen  =  sprühen;  1645 
Kpruewc)  =  der  fein  zerstiebte,  mebl-  od.  kleien- 
artige  Belehr  (s.  Semmel)  der  Mundhöhle  beim 
Soor  (Coler,  K.  ssy)  (s.  Sprati). 

Spriessen  s.  Sprossen  (Spiützen). 

springen,  Sprung,  m.  Spring,  m.  Sprinkel,  n. 

(IndogiTin.  «prgh  ;  gem.-'jcrm.  spring-;  uhd.  springan, 
■prone;  mhd.  springen)  ■--  schnellend  die  Küsse 
aufheben  zur  Bewegung  des  Korperi  nach  oben 
oder  unten,  plötzliche,  ruckweise  Veränderung 
des  ruhigen,  geschlossenen  Zustande«,  die  Tren- 
nung des  Zusammenhanges  und  bisherigen  Be- 
standes. —  sie  wird  nicht  mehr  weit  springen 
=  demnächst  zur  KnlhindunK  sich  niederlegen 
(Spies»  U,  .'To)  —  Sprung  (Spring),  m.  =  die 
Stelle,  Zeit  oder  Handlung,  das  Resultat  des 
Ab- od.  Aufspringens  (z.  B.  die  Kindebewegang 

im  Mutterleihe),  1.  -  (1677)  Astragalus,  Sprung- 
bein, Kueswurzelknochen,  Lauf  (4)  beim 
Menschen  u.  Hasen  als  Stelle,  wo  die  Sprung- 
beweguug  gemacht  wird  (Levellug  3;  Hyrtl,  K.  W. 


[  116,  Gr.  W.  VI,  512;  Bibl.  Medlk  .131).  —  2.^Haut- 
riss, aufgebrochene  Hautpustel,  Blatter,  Angsatz 
(angin.  spyrcig,  spryng  —  rpringas.  springe,  spring  onge- 
sltlau  —  ultvra,  puslula,  earbuneulu»,  Cook.  I,  2.  56.  74  ; 
II,  8.  3&S;  papula,  pnstula.  I).  100.  411;  sprlngwurtz 
Ut  da»  von  den  Angelsachsen  bereits  aus  dem  Süden 

Importierte  Abfuhrmittel  Scammonium.  D.  516 ;  1412 

Schimone  machet  dz  g.'dermo  gerne  dürkel .  D.  II. 
328  [trocken]).  —  3.  =  das,  was  „rasch"  (».  d.) 
kommt,  Kluss  (fluxus  conuestio).  —  4.  =  Begat- 
tung bei  Tieren.  —  Sprinkel  =  s.  Sprenkel.  — 
Springer,  1. -der  da  springt,  z.  B.  der  Dramen 
als  schnell  beweglicher  Kinger  (Schw.  130).  — 
2.  -•  Spiung  l  oder  das  Sprungbein  (s.  d.)  beim 
Hasen  (Hasensprung).  —  (1742)  Adct -Sprung  = 
der  Moment  u.  Ort  der  Blulgef:tss-Zei  reisMing 
Kuptio  venarum  (Zw.  72).  —  ^4n-  (.4-,  E)Sprung, 
-Spring.-Sprang,  -Sprig  (H82  espringk,  «spring  = 

Impetigo,  (ir.  W.  III,  UÖ8;  Zenlng.  Voc.  1.3  =  Neri»«; 
Cr  W.  II,  171.1 :  durrer  ».irlnt;  1615  ansprung  =  eine 
fltchteiiartige  Hautkrankheit  der  '/«  bis  '/»jAhrlgeti 
Kinder,  <'oler.  II.  A.  124.  201;  16«V4  der  atisprlng  — 
arhon  s,  Krbgrlnt,  süug.  ndes  Gnatz,  D.  II.  7;  1680  an- 
sprank  =  lentlgo,  D.  824;  nnsprung  =  «cor  [Orbit], 
I».  (136  ;  1725  ansprung  =  Ürlutnussehlag  Im  Geulchte. 
Thes.  «an.  Br.  89,  1736  ansprung  -  Grlnt,  Woyt  BIS ; 
1710  ansprang  und  was  dergleichen  mehr  Ist  svyml 
kleine,  runde,  spltzlgv  oder  andere  Erhebung  so  oben 
in  der  Haut  aus  stillstehenden  Süllen  entspringt.  Seit* 
I,  14;  1741  anspning  =  aspergo,  Kirsch  116;  1742  an- 
spruug  =  achon  s,  lavus,  tlnea,  gemelnerUrint.  Krbgrlnt, 
bfiser  Kopf,  Zw.  l.>2.  481;  174'.»  auspring  Friesel,  Z.  I. 
d.  Philo).  XXVI,  237;  17^ii  anspning  =  achores,  crusta 
lactea,  schwärender,  offener  Ausschlag  Im  Ge«lehte 
der  Kinder,  A.  v.  II.  I,  14;  II,  491 ;  1779  unsprung  = 
grlntartlge  Hailterlu  bung  u.  Rissblldung  ln.1  Kindern, 
Bohrend  6;  1782  anspning  =  Impetigo,  cru-ta  luctea. 
M.  II.  L.  I.  3«,  1783  anspning  -  Grititborke,  Plattier 
I,  140;  II,  MSj  1^07  anspning  —  enista  lactea,  Milch- 
schorf, Ackerm.  r,o7).  —  An-  (A-,  E-  Sprung,  1  - 
die  Stelle  der  Haut,  wo  diese  beginnt,  Hisse  zu 
bekommen,  die  bei  der  kindlichen  Haut  sehr 
leicht  eintreten,  namentlich  bei  schon  vorhan- 
dener Hauterkrankung  (Kkzema  z.  B  ),  die  dann 
selbst  den  Namen  Anspning  erhalt,  wenn  sie 
sich  mit  solchen  KontinuitiUsstörungen  der 
Haut  komliiniert;  darum  ist  .4nsprung  a)(irint, 
weisser  tirint*  2,  Kavus,  Impetigo  larvalis, 
Crusta  lactea,  Menta^ra  bei  Kindern,  Säug- 
lingen (Gr.  W.  I.  472;  liehrend  47);  der  wie  der 
Norries  (=  Nftrbriss  s.  d.)  Hinrisse  bis  in  den 
so^en.  Nilrben  (s.  d.)  der  Haut  macht;  b)  Kk- 
zema capitiH(Ilauptanspruii£);  e)  aufgespiuu^eno 
Haut  oder  Lefze.  —  2.  =  die  Krankheit,  die 
„rasch"  (s.  d.)  ankommt  (anspringt)  und  bald 
vonlliergeht  (w  ie  der  Klug  b.  d.)  ;  der  Aii»prutik' 
wird  fast  ulK  rnll  mit  Osterwasser  (und  Sprlngwurzelu 

[Buphorbta]]  bebsnöelt  [Kfthler,  V.  B.  zw-,  Oock.  Ii. 
406).  —  Haupt- Nnsprung  =  Ansprung  1  a,  h,  c, 
wenn  dieser  am  Kopfe  sich  beiludet  (Zw.  7S3). 
—  roter  Ansprung  =  Ansprung  2,  ein  lehhaft 
rot  und  ra^ch  auftretender,  rasch  wietler  ver- 
schwindender, papulöser  1  Iautaussclila«  (Stro- 

[  phulus  intertinclus)  (Behrend  ">0).  —  (1741)  voll 
■•I  ••■sprung  =  caneerosus  (Kirsch  176)  =  wie  von 

[  Hautkrebs  ganz   zerfressen,  otlen.   —  auf- 


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springen. 


Sprinz— Sprosse.  667 


springen  -  eine  eröffnende  Veränderung  der 
Kontiuuität  der  Haut  (Fissur»,  gercure),  z.  B. 
aufgesprungene  Hände,  Lefzen,  welche  Ver- 
änderung bei  schon  vorhandener  Haut-  oder 
Schleimhauterkrankung  leichter  eintritt,  z.  lt. 
bei  F.kzema  (angls.  tor  than  thurh  Iba  tcth  seo  blissu 
[Bla*  n,  Billern)  upp  springan.  Cork.  III,  102)  -  Atlf- 
schiessen,  Auffahren  der  Zahnbillern.  —  Aus- 
Sprung,  1.  =  ein  rasch  nach  aussen  auftretender 
Ausschlag  „Exantheina"  von  sogen.  Hitzblut- 
terchen  bei  Kindern  ,  der  bald  wiederkehrt, 
nachdem  er  verschwunden  war  (StrophuluB) 
(BchrcDd  50;  stropbus  =  Haut,  Balg).  —  2.  -  ein  die 
Haut  eröffnender,  änsserliche  Kisse  machender, 
pustulüser  Hautausschlag,  Krätze  z.  B.  (Schm. 
Et,  701).  —  ''-springen  im  Sprung  begatten.  — 
ßia*cn-8prung  -  der  Moment,  in  welchem  das 
Kindswasser  aus  der  Fruchtblase  plötzlich  sich 
entleert.  —  Flechten- Sprung  =  le  soubre  sout 
des  tendons  =  Sehnenhdpfcn.  —  Ge-spring  (ahd. 
gasprluc  =  orlfleluni,  D.  400;  glsprluc  =  pustula  ipiaudo 
caro  apparnerit .  id  floret ,  papula .  D.  474 ;  crlsping, 
gesprinc,  D.  II.  310)  =  Ansprung  (s.  d.),  Haulöff- 
uungen  in  ausgedehnterem  Grade.  —  (mhd.) 
<;>  in- sprünge  (adj )  =  einer,  dem  die  Granen 
(ßartkeime)  bereits  emporwachsen,  hervor- 
spitzen (Hoßm.  I,  374)  s.  Granne.  —  (1592)  Hasen- 
Sprung,  1.  =  Sprung  1,  Astragalus,  Ossicula 

poplitum  leporis  (Seb.  696;  Kirsch  694;  A.  T.  II.  II, 

101),  Sprungfuss  des  Hasen.  —  2.  —  (spezialisiert) 
ein  nadeiförmiges,  krummes  Sesam- Beinchen 
im  Gelenk  des  Hasen  aus  dem  unteren  Teile 
des  rechten  Vorderfusses ,  zu  Heil  versuchen 
benutzt  (g.  d.  Verf.  Volks-M-d.  S.  16.!;  Gr.  W.  IV,  2. 
MS;  Heyne  Iii,  61).  —  Magen  Sprünge  (angisachs. 
thaes  magan-sprlnge  —  flux  of  the  mavr,  etomachos 
rheumatlzotnenos,  Irritatio  of  the  maw,  Cock.  II,  168. 
19a  193)  =  rasch  zum  Magen  sich  bewegender 
Blutfluss.  —  Ort  Sprung  =  Urspring  (s.  d.) 
(Svhmeller  II,  704).  —  Säije- Sprünge  —  die  wie  mit 
abspringenden  Sägespähnen  sich  abschilfernde 
und  einreissende  Milchborke  (Impetigo,  Crusta 
laclea)  (Koch«  II,  162).  —  Jof-Sprtinge  (angls. 
dead-springas  [Sprung  2] ;  60gL  dcad  Springs,  Cock.  I, 
8.  10-  »0.  loo.  190)  —  ulcera,  carbunculus  lebens- 
gefährlicher Hautausschlag  (Blattern),  Kar- 
bunkel. —  ungute  Sprünge  [angls.  uneude  sprlngas 
tbe  on  lichoman  acennede  beod  -  stränge  pustuhs, 
wbit-h  arc  produeed  [können]  on  the  body  [Leichnam], 
Cock.  I,  2t)  —  durch  unholde  Elben  verursachter 
Hautausschlag.  —  6V-Spring  (ahd.  ursprunc,  ur- 
sprinc  ss  Quellt-,  die  erbringt.  Klug.  *,  387;  mhd.  ur- 
sprinc  =  Ausschlagkrnnkhelt,  Lexer307;  14S2  Urspring 
=  Impetigo,  Zenlng.  Voc.  x4;  Ur.  W.  VII,  610  —  Keila 
[i.  d.],  Schm-ller  II,  701),  1.  —  der  plötzliche  Beginn 
einer  bewegten  Stelle,  z.  B.  Muskelansatz.  — 
'1.  =  die  Melle,  wo  ein  Schmerz  (Migräne,  siehe 
Hauptkrankheit)  od.  wo  ein  Hautspiün^e  (Fis- 
eurae,  Rhagade*)  machender  Hautausschlag 
rasch  entsteht.  —  Franzosen-  fJYsprung  '1637 
Tom  Ursprung  und  herkommen  der  Frantzoseu,  Para- 
celsus,  Gurlt  III,  z;o)  -  Ätiologie  der  Syphilis.  — 
Krankheit»  -  cVrsprung  -  Krankheitsursache, 
Quelle  der  Krankheit,  Wesen  ,,Ens  der  Ursprung 
aoa  welchen  ein  Jeglicher  alle  Krankheiten  gewaltig 
ist  zu  gebaren",  Paracelsus ;  Pagel  21S),  Paracelsus, 


der  den  Crsprung  der  Krankhellen  aus  den  Humorvs 
(s.  d.)  od.  Keuchten  (s.  d.)  der  Hu  inoral  pathologlc  voll- 
ständig u.  als  erster  langnote  u.  der  diese  aU  eine  er- 
dichtete Fantasie  bezeichnete,  nimmt  eine  mineralische 
|  (lartarische)  Crsache  an,  die  im  Blute  als  Salz  (Mineral) 
Ihre  materteile  Grundlage  hatte;  ,,so  finden  wir  dos 
auss  dem  plut  alle  offen  Schäden  kommen  vnd  ent- 
springen; nun  ist  das  mineralisch  auss  der  vrsach, 
das  au  dem  ort  das  saltz  herschet  vnd  ein  vrsprung 
ist  dieser  kranckheyten,  darum  von  Humorihus  nichts 
zu  tractlren  Ist,  sondern  von  elm  minoral  vnud  mi- 
ners etc.  (üurlt  III,  226).  —  KV-Sprung  z.  B.  des 
Fersenbeins  =  Calx,  calcar  pedis  als  von  der 
Unterlage  nach  einer  Seite  sich  fortsetzender 
Teil  des  Knochens.  —  H  aascr-Sprung  —  Blasen- 
tprung.  —  Wund  Sprünge  (angls.  wundsprlngum 
and  anthlalen,  Cock.  I,  366  =  llvoreset  sugillatlones) 
=  offene  Hautschrunden,  welche  schmerzen.  — 
ler-  (per-)  springen  —  vollständig  entzwei- 
springen, (1532)  in  zwei  Stücke  zerspringen,  1.= 
bersten,  z.  B.  der  Ader  (E.  W.  1,  14).  —  2.  =  ge- 
bären, so  dass  es  eine  Mutter  und  ein  Kind, 
also  zwei  abgibt  (Fries  124)  (s.  auch  Hafen).  — 
springend',  er,  es)  (Spring-,  Sprung  )ßciw, 
•Blut,  -Feuer,  -Geist,  -Gelenk,  -hih,  -Koller, 
-  Wut. 

SprinZ,  DD.  Sprinzel,  n.  (zu  spritzen  [s.  d.],  nasa- 
liert; mhd  sprinz).  1.  =  Sommersprosse  (1449  das 
sprlnzzel  unter  den  äugen,  Schmeller  II,  703).  —  2  = 
„ein  schnell  aufgeschossener,  junger  Mensch" 
(Schmeller  I.  cod.). 

spritzen  s.  Sprossen. 

8pro,  Sproei  (Spruw)  s.  Sprau. 

Spröcklein  s.  Sprecklein. 

spröde  (germ.  sprew  =  zerstieben  [s.  Sprvu] ;  uilttel- 
engl.  spreche  —  gebrechlich;  1*>2S  ^=  dürftig,  schwaeh- 
lieh.  Kluge*,  366;  1616  sprüde)  =  leicht  brechend, 
vom  Pferdehufe  (Colcr,  Pf.  370).  von  menschlichen 
Haaren  und  Nägeln.  —  (1736)  tfauf-Sprödigkeit 
<Woyt  361)  =  leicht  einreissende  Haut.  —  spröder, 
Sprott-i/w/. 

Sprotten,  pl.  s.  Sprosse. 

Sprosse,  m.  (Prosa.  Sprussen,  Sprüsse, 
Sprottel,  Sprotten,  Spruttlen,  sprützeln) 

(genn.  sprüt  [spritzen,  emporwachsen];  nhd.  sprozzo 
=  Zweig,  Leitersprosse;  angls.  spryttan  —  germinare, 
Cock.  II,  370;  mhd.  sprozze  —  Leitersprosse,  Pflanzen- 
Sprosse,  Kluge*,  366;  mndl.  sproten  =  Sommer«prossen, 
de  Vr.  20;  mnd.,  14. — 15.  Jahrb..  de  spruten  des  ant- 
lates,  I.  f.  nd.  Sp.-F.  XV,  143 ;  1420  spruete  =  naevus, 
D.  379;  1616  sprussen,  sprüsse  =  Sommersprossen, 
Colcr.  IL  A.  123;  I).  324;  ndl.,  14.  Jahrb.  spruet  =  len- 
tigo,  D.  32t;  1406  spredel ;  16.  Jahrb.  sprottel;  1600 
sprotlch  -  lentlc-ula  [leutlgo  ,1».  II,  231 ;  ndl.,  1507  sproet 
=  leutigo,  D.  321;  ndl.,  1554  sproeten  =  Hautdecken  ; 
ultspruitsel  =  Ausschlag.  De  Cock  35.  215)  =  das,  was 
am  Körper  hervorj;eBpro.sMen ,  erschienen  ist 
oiler  wie  ein  Pflanzenspros.se  vom  Stamme  ab- 
steht. —  (1077)  sprützeln  —  den  Schleim  aus- 
werfen, aus  dem  Munde  spritzen,  (zu  mhd. 
sprützen  =  spritzen;  1120  spmte,  sprutao  =  Sputum, 
D.  549;  Heyn.  161).  — Sprüttlen  (1420  »pruetcle;  1475 
spnUtcl;  ndl.  —  caesla  lenticuta,  D.  116;  1466  spredel, 
sprottel  =  lentlcula,  D.  II,  231;  158«  spruettlen,  Taber- 


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608  Sprott—  -spul. 


Spunne— Spunne. 


nacin.)  —  Linsenfleeken,  die  wie  Kohlcnfunken 
auf  der  Haut  ausgespritzt  sind,  Chloasma  uteri 
(<;r.  \V.  vi.  10 >3).  —  spr ottich  (1507)  —  lentieu- 
losns,  mit  Sprossen  (Sommersprossen)  befleckt. 

—  Sprüssel  (l.vo),  Sprüssling  fi47o,  MinUir  n, 
TO»)  =  adolescens,  Sprosshng.  —  L< -td -Spricsscn 
(Sprossen)  =  Kummer-Maser,  die,  wie  die 
Sommersprossen  im  .Sommer  erscheinen,  nach 
dem  Volksglauben  bei  Kummer  und  Leid 
auf  den  Fingernägeln  hervortretenden,  weissen 
Nagelblüten  (Flecke)  (Rochbolz  I,  136  ff.)  (siehe 

Nornenspur).  —  [uaa]  JJa/»i-Spross  (ptlmprau 

—  sputula,  scapula)  —  dus  Schullerbein,  das  wie 
ein  Sprosse  an  dem  Arme  (l'alin  s.  d.)  ab- 
stellt (Zcnlng.  Voc  y2)  (s.  auch  Arm-Brosn).  — 
5i'<»(we#-Spros8e(n),  f.  ■  vermutlich  eigentlich 
Sommersprutlen,  Sprutteln,  wie  Kohlenfunken 
ausgespritzte  Flecken,  meist  auf  der  GesiehtB- 
baut  (  —  avoir  <lu  bren  de  Juda>,  fitre  brane,  da«  au 
du»  Jtidasbrcnuon  in  der  Fasteuzcil  erinnert :  le  jonr 
de»  brandons,  Dominica,  braiidonum .  Manul».  53« 
=  Fastensonntag,  Funkeruonutag,  Mrlss.  207;  sprosseu 
zu  sprulzen  und  »prtesscn  von  germ.  sprut  [s.  o.]; 
17V,  somuier  sprossen  =  lentlgo,  ephclida,  A.  v.  H.  II, 
389;  17G1  sonimcrsprosslein  —  luutfgines,  U  eh. 
44;  1776  sommrr  sprossen  =  lentlgo,  Hebrvud  6.  SU; 
Synonyma:   Phakos,  Pannus  lenticularis,  Kphclides 

[iiti— •y.'.oc],  LvDilcul«[0(taQ;  ndL loncraproeteo,  D« 

Cook  72;  ditu.  frcgue;  engl,  frecklea)  =  verscbie.len 
stark  gefärbte,  meist  braune  und  linsengrosse 
Pigrnentflecken  der  Haut,  die  mit  der  wärmeren 
Jahreszeit  wie  die  Maieren  (s.  d.),  Maiblumchen 
(s.  d.)  erscheinen  oder  starker  wieder  hervor- 
treten, emporspriessen  aus  der  Unterbaut  oder 
richtiger  wie  angespritzt  erscheinen ,  daher  sie 
auch  „Kuckucksflecken"  heissen,  die  der  Gauch,  nueb 
andert'in  Volksglauben  (ltochholz  09;  Wuttko,  S.  205) 
auch  der  Mittags-Alp  pissend  z.  1!.  auf  die  Hunde  ge- 
spritzt bat. 

Sprott,  sprüde  s.  spröde. 
Sprünckel  s.  Sprenkel. 
Sprütte  s.  Sprossen, 
sprützeln  s.  Sprosse. 
Sprüwe  s.  Spreu. 
Sprung  s.  springen. 
Spruttlen  s.  Sprosse. 
Spuch,  m.  s.  Spuk. 

spucken  (aus  altfran/.  escoplr)  =  durch  die  go- 
gepresslen  Lippen  spucken  (1710,  ndd.  spucken 
[dalur  ol>crd.  speien ,  sperzen ,  spicnzen ,  splrtzen  , 
■prallen  und  »putzen].  Kluge5,  H57;  nach  halstner, 
Z.  f.  d.  A.  1888,  S.  186  spucken  =«-fpu  [pfu];  3KOX). 

—  Spuck,  tu.  1.  -  «1er  mit  Geräusch  ausge- 
spuckte Speichel.  —  2.  =  s.  Spuk.  —  aus- 
spucken (holt,  uitspugcn)  =-  lUMpeien,  ein  lloses 
verscheuchende*  Volkshellmtttcl.  —  Blut  Spucken 

=  Sputum erneut  am.  —  Gt  spul,  f  =  s.  Speichel 
(Huck  17).  —  Schwarz  -  Spucken  =  sehwarzge- 
iitrbten  Auswurf  haben,  bei  Kohlen-  od,  Kisen- 
lunge,  Pneumonokoniosis,  Sideroeis. 

-Spül,  Spülich,  tu.  (zu  spülen;  abd.  spuolau, 
spuolahl;  ruhd.  spüelen,  spüelach.  Kluge*,  357;  1482 
spulecb  =  squiüor,  popUma  (Kuehenabfalll ,  cffuslo 


]  spermatls,  Zenlng.  Voc.  g  1,  ee  5)  (s.  Speichel).  — 
I  (1162)  G-rspül  =  Squalor,  Popisma  =  die  Aus- 

giessung  des  mannlichen  Samens  [Zenlng.  Voc.; 

D.  «7.  549)  (s.  auch  Spiel). 

Spunne  s.  Spunne. 

spürtzen  (spützen)  s.  spurtzen  u.  spetzen 
(mhd.  spiuzen  =  spclcn,  H.  Paul  430).  —  Spitzen  - 
schlingen. 

Spuk,  m.  (alter-nhd.)  Spuch  (germ.  -pauk«;  ndl  , 

ndd.  - ;  k. .  15.  Jahrb.  spoyk  -  striges,  D.  II,  Uli 

schwed.  spok;  norweg.  apjök  =  Gespen-t.  Kluge*. 
I  367;  schwed.  hjerri  spoeke  =  Hirngcsplnnste,  Ijtrin  der 
Poltergeister  [s.  Trugeding)).  —  es  spucht.  spuckt 
in  seinein  Kopfe -die  elbischen  Geister  machen 
ihn  verwirrt,  gcisle.-krank  (vergt.  Urquell  III,  58; 
Schm.  II,  6Vi).  —  Spucht  -  „kleiner  Bcbmftehtiger 
Mensch"  {Schindler  11,  656).  —  Spuchtel,  f.  = 
„Weib,  das  nicht  mehr  Heb  wanger  wird"  (ml*, 
spugt  =  Abgezehrte  Person,  Schindler  II,  656).  —  (7c- 
SpÜk  (Klberfeld,  dns  gespocks,  Schell  196  =  um- 
gehende  elbUcbe  Gelstergcstalt ;  wird  besprochen; 
Mülletih.  602).  —  W-spUCk  =  zweites  tiesiebt, 
das  wie  eine  Geistererscheinung  vorher  und 
nachher  sich  zeigt  (Z.  d.  V.  f.  V.-K.  1897,  S.  131). 

Spule,  f  (vermutlich  zu  spa  [s  spinnen'.  Kluge*, 
3i7).  —  IlVbrr-Spule  =  das  einstmals  dazu  ver- 
wendete Strablbein  der  Wiederkituer,  Os  sesa- 
moiiieum  (Kalke  II, SM,  430),  das  wie  eine  Weber- 
spule ein  inneres  und  ein  äusseres  Knde,  sowie 
2  «latte  und  2  rauhe  Fliehen  hat.  —  Spul- 
Wurm* 

Spunne,  f.  (Spunn  e  f.  Spinne,  f.  spinnen) 

(vorgerui  speu  pen]  =  spanneu,  ziehen;  dazu  Kahne, 
Pannus,  gern -germ  spiiin[an];  ahd.  splnnan  [xpium  ti], 
spiuna,  (.  spunni,  (.  =  lununnn.  uIkt,  lac  tnulii  brv, 
Ur.  W.  II,  8;  UrtitT  VI,  313,  imgls.  sponau  —  ZlUen, 
mamillas,  t'oek.  I,  I.XX1V;  12.  Jahrb.  spuuua  =  arpiua 
[arvlna]  =  Hebuiulz,  II.  Z.  II,  205;  spunne,  n.  ~  Mutter- 
milch, Schnuller  II,  670;  12r.O  spunne,  m.  =  Frauen- 
milch, Pfeiffer  21;  cpunno,  m.  —  I'raueubrust,  Schm. 
II,  677,  ubera;  mhd.  spinnen  —  spinnen,  sputic,  f. 
spunne  f.  spuuue,  f.  —  Mutterbrust,  Muttermilch,  l.exer 
243;  Schm.  II,  676,  1480  die  spunn  —  Milch.  II.  Koltz; 
1IK3  daz  gespynd,  C  v.  Megbg.  -  Frauenmilch;  UU 
spinn  sa  lac  muliebre,  SclinL-ller  II,  676.  ICOli  gespuun, 
gi  spunss  =  Kruueninilcb,  Otlar.  544  und  IC  gislcr  ■ 
[ö*tcrr.]  spüu  ~  Weibermilch,  Chr.  Sam.  I,  12;  [Kifvl] 

•pinn,  Fromm,  vi,  19).  —  Spünnc.  f  (Spinn,  f. 
Binst),  1.  ■  dasjenige,  woran  gezogen  wird, 
Ubera,  Mammae,  Muttet  brüst.  —  2.  =  dasjenige, 
was  wie  ein  Faden  aus  der  Brust  gesponnen, 
herausgezogen  wird  (Lac  muliebre,  Colostrum, 
Hinst,  Hiest),  Muttermilch.  Das  Spinnen  ist  junger 
als  Flechten  und  WttbOQi  ,,dai  Bedürfnis,  die  Kunst 
des  Spinnens  von  di  r  des  Flechtens  zu  unterscheiden, 
erwachte  spiiier  als  der  Wunsch,  Weben  und  Flochten 
sprachlich  von  einander  zu  trennen"  (Schräder,  Spr.- 
Vergl  1890,  s.  is,o).  —  (1477)  Frawn  -  6Vspünn 

ffruwugespüust  [Ortolf],  fra« engespünn,  C.  v.  Megbg.) 

-  Muttermilch  (Gr.  W,  IV,  L  78).  —  G'e  spunn, 
-spünn,  n.  (ijfsjjunti,  gesptiunr,  gespind,  ge#pint, 
grsjtunn,  gespunm,  gespin,  gezpunas)  (Guar. ,  Schm. 
II,  676.  677),  1.  -  Frauenmilch.  -  2.  ^  Frauen- 
brust. --  3.  =  Flechte,  unreiner  Auschlag  (ehr. 


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Spund— Srint. 


Staar. 


G«9 


Sam.  I,  6)  als  Wichtelzopf,  Hexenzopf.  —  Hcxen- 
Gcspinnst,  1-  =  Coloatrum,  Hexenmilch  (s.  <l.), 
die  Anschwellung  und  Milch  in  den  Prusten 
der  Nengeboraien.  —  2.  =  Geapflnn  3.  —  Hirn- 
«»'Spinst  =  siehe  spinnen.  —  Ohren -Spinner 

(12.  Jahrh.  orspinna  —  <  >h  i  enschmalz  -  ilunitn  in  «uro, 
H.  Z.  II,  20.">)  als  vermeintliche  t'rwacho  de«  spannen- 
den Ohrschmer7.es  hei  Otitis  extern.  (Lammen, 
V.-Mcd.  231;  es  berühren  «ich  zwei  Begriff«:  »hd. 
spunna  —-  arvina  [Ohrenschmalz]  und  Spinner  —  der 
spinnende,  «pannende  [.«eil.  Sehmen]J    —  W'eibeS- 

Spünne  (OVspünst)  (1260  einen  wetbei  spönne, 
Pfeiffer  28;  U77  weibsgcspüns,  Ortoll)  =  Krauen- 
inilch  —  Spinn-  (GYspinn-)  Hutten,  -Schmerzen, 

-  Widder. 

Spund,  in.,  n.  (aus  lat  pnnrta  =  Sllcblorh;  mhd. 
spuut,  pntict,  pfunl  —  Spundloch,  mhd.  spund,  punt, 
blinde,  Ring«*,  3  .7;  1482  ipeat]  ■  Mngenmundloch 
(Zcning.  Voc.  ec  6).  —  Spund-£oc/r. 

Spur,  f.  (indngcrm.  "per  =  mit  drn  Küssen  treten 
[dazu  Sporn,  «.  d.J;  germ.  «per  =  mit  den  Fussen 
ttOMOUd  den  Wildspuren  nachgehen,  „ein  Überrest  des 
altgermanlschcn  Jägerlebetis",  Kluge  ;  mhd.  «pur, 
spür),  1.  m  rtisspur.  —  2.  -  das  Empfinden, 
Verspüren.  —  Hieb-Spur  =  ejne  Wunde,  die 
von  einem  Hieb«  entstand  und  eine  sichtbare, 
vertiefte  Narbe  hinterlasst.  —  hohe  Fu#a-8p\lT 
(«mein,  fotapor  =  vcsligium,  Cock.  III,  36«;  15.  Jahrb. 
hoghe  voytspor  —  calcancus,  D.  II,  123)  -=  hohe 
Hacken,  die  «ine  liefere  Spur  durch  den  Tritt 
im  Boden  hinter  lassen.  —  Leg-Spur  (lejr  = 
schlimm,  büs,  übel,  (Trqncll  252.  257  296;  Schnu  ller  I, 

1433  [«.  leilicb!)  ss  Schaden  bringende  Spui  de» 
weiblichen  Monalothisee»  (s.  Mond),  wie  auch 
die  Traden  Im  Bette  die  Spuren  Ihres  Daseins  als 
Trudcnkretiz  zuriick!as*en.  —  Nomen-  Spuren 
(IFaroernj  nornaspor,  KochhoU  I,  137;  Mehr,  z.  V.  321») 
■=  die  von  den  Nomen  gemachten,  Schicksal 
vei kündenden  Nagel bl fiten  (mendax  darum  auch 
Renanut),  Ics  hgucs  Manches  de  Keil  (17..9  — 1S13), 
die  nach  schweren  Krankheiten  auf  den  Finger- 
nägeln sichtbaren,  weissen  (Jueral  reifen  (Huber 
21  ;  Nomen  =  Sehleksalsgelstcr  der  Nordgcrmaneti) 
(».  Mergc  u.  Nagelbluten,  Kummcrmam'r,  l.eid- 
Bprleeeen  etc.  —  trr-spüren  -  abnorm  empfin- 
den auf  der  Haut  (Schmerz).  —  Spur-Wr, 

-  Lieren  '. 

spurtzen  (spurtzen,  spirtr.cn ,  sperzen, 
sputzen  speutzen,  spötzen)  (vermutlich  zu  ahd. 
■plrinen  [-  splwizzm;.  Kluge  *  ::v|.  357  —  speuuen, 
«putzen  ,  spucken,  speien;  1482  spurtzen  ^  Sasen- 
schneuzen,  Zcning.  Voc.  x  2.  ee  ß;  1  Jahrh.  >-poeczen, 
splrezcti  --  d.spuere,  1».  II,  131),  1.  =  spucken 
(Kluge*,  357;  Sehroellcr  II,  685).  —  2  -  den  Nasen- 

■chleim  RURBchneuien.  —  ««-spürtze'On  -  an- 
spucken (sehmeii-r  ii,  6*6).  —  an» - spürtze <T n 
(H32  ausspikrczelen  =  exercare.  J>.  II,  ICO;  1617  ans- 
spurtzen,  Aveniln;  lfiou  ausspürUcn,  Guar,  nw ;  v.  M. 
II.  52)  =  den  Speichel  spritzend  ausspucken.  — 
Jtlut- speutzen  [Gnggenbübl  12)  =  Blut  spucken. 

Srint,  f.  (1756)  „eine  in  l'ngarn  gemeine  Krankheit, 
die  in  einer  Kntzundung  und  Geschwulst  in  dem 
Munde,  Hal-c  und  Hinterleib  bCBloht"  (A.  v  II.  I, 
1230;  d.r  In  Hungaricls  wohlerfahrene  v.  Wllsloekl 
schrieb  darüber  aul  Ireuudliehe  und  gütige  Vermitt- 


lung des  Herrn  Dr.  K.  8.  Kraus*  [Wien):  „Ich  habe 
das  Wort  Srint  nie  gebort;  daselbe  findet  sich  auch 
in  keinem  Loztkoa  vor.  In  Südungarn  bebet,  aus 
dem  Deutschen  entlehnt,  srlnd  =  [nbring]  Grind, 
Kratze."  Vermutlich  Ist  es  das  aul  veralteter  (tertiärer) 
und  vernachlässigter,  endemischer  Syphilis  beruhende 
Skerljcvo-Übel  (s.  d.  u.  Bäutnler  In  Z.  Hdbcb.  d.  spez. 
Fath.  D.  Iber.  III,  18),  die  um  isoo  im  ungarischen 

I.  ittorale  endemisch  herrschte  und  vielleicht  mit  dem 
deutschen  gehrind,  Schrund  wiedergegeben  wurde 
(Hhagades,  Placques).  Srint  Ist  nach  einer  Mitteilung  an 
Dr.  F.  8.  Krauss  ein  böser  Ausschlag  mit  Knollen 
am  Hais  u.  an  der  Brust;  was  mit  den  Haller'schcn 
entzündlichen  Geschwulsten  Im  Munde  und  Hals,  sowie 
am  Hinterleib  (anus)  übereinstimmend  wohl  nur  zur 
Syphilis  Beziehung  habi  n  kann,  die  Jetzt,  well  längst 
als  solche  erkannt  und  behandelt,  nicht  mehr  en- 
demisch vorkommen  wird,  weshalb  auch  der  Name  im 
Aussterben  Ist. 

Staar,  m.  (Star,  Stahr)  (eine  nbd.  Folgerung 

aus:  ahd.  starabllnt,  „des  seha  augono  stain  sinl",  in 
culus  pupullis  lapis  [conf.  engl,  walh'ye  =  Staar,  Stelu- 
auge)  invetiltur  ss  aveugle  (albtos  neulos],  glaueoma, 

II.  Z.  XV,  »59;  Cass.  Gloss.,  Diez  120  -  aurlsla,  Zening. 
Voc.  eefi=  Kntarhacta,  suffusio  ocull,  bumor  ocull 
nocens,  fumns  cataractl,  Du  Tange  II,  221;  mhd.  star- 
bUntj  1618  starn;  161".  stahren.  (  oler,  H.  A.  113;  n.-ndd. 
staer  —  Staar,  Uoldscbm.  97;  Attt.,  bOll.  staar;  schwed. 
starr).  Obwohl  Kluge  *,  3.",!t  das  „staarblind"  etymo- 
logisch zu  starren  (s.  d.) :  ahd.  staren  stellt  (  =  star- 
render Ullek  des  Auges,  fixis  oculls  tuerl,  Schindler 
II,  77,»).  so  Ist  doch  auch  die  ätiologische  Interpre- 
tation der  ahd.  Glosse  zu  berücksichtigen,  nach  der 
die  rupllle  durch  einen  Stein  ausgefüllt  sein  sollte, 
und  (nach  Hyrll,  K.  W.  IM)  wurde  bis  auf  Heister  (1721) 
der  Staar  als  eine  gutta  opaca  *.  Serena  suffusio,  d.  h. 
für  einen  vom  Hirn  in  den  Slaarnium  (s.  d  )  herab- 
gefallenen  (katarrhakt«!,  die  Popitte  verschliessenden 
(franz.  ecluse  =  Staar,  Itriss.  311),  daselbst  zu  einem 
grauen  Kelle  (s  Augenfell)  Oder  Häutchen  gerinnenden, 
venösen  oder  schleimigen  (llcuinal  Flüssigkeitstropfeu 
(s.  d.)  gehalten,  welcher  sich  nach  späterer  Annahme 
dampfförmig  uns  dem  Gehirn  ins  Auge  verirrte,  woselbst 
er  den  Augen  stern"  =  Pupille  (s.  Stern)  blind  (franz. 
aveugle  gelitte,  goutte  orbe  [orbus] ,  mal  St.  LOOt 

lucere],  Brlsn  3121  machen  sollte,  wie  das  Fensterglas 
durch  den  Fensterschweisi  geblendet,  verdunkelt  wird, 
so  dass  staarblind  —  starntdind  —  sternblind  wäre 
(man  sik-ht  auch  den  „Staar");  begrifflich  wäre  diese 
Erklärung  zusagend;  etymologisch  wird  „starren" 
(s.  d.)  -  mit  unbewegten,  eindruckslosen  Augen  blicken 
vorzuziehen  sein  auf  Grund  der  Autorität  Kluge'«.  — 
Staar  —  das  durch  Krankheit  (Katarrhacta, 
Glau rOm)  starrend  blickende  Auge  oder  diese 
Krankheit  selbst  bei  Mensch  und  Tier.  —  Altera- 
Staar  =  Katarrhaeta  senile  =  die  im  Alter  ein- 
tretende Staarbildung  im  Gegcnsatc  tu  den 
anderen  Staarfoi  inen  (Schmidt,  Jahrb.  1895,  S.  76). 
—  (1615)  Augen- Staar  —  Alhisio,  Sutfusio,  Ka- 
tarrhaeta, Staarbililung  in  d*'r  Augenlinse; 
(den  Sitz  det  Staares  lehrt«  zuerst  Bern-voll,  1685—  17."i6 

Haas  407;  röh  r,  ii.  a.  117).  —  (1842)  flu/Avw-Staar 
b  ein  Angenstaar  mit  balkenformiger  oder 
strichartiger  Trfibung  der  Linse  beim  Pferde 
(Zlpp.  3so;  Falke  i).  —  (164  .)  blauer  Staar  -  (blau-) 
grün  oder  (blau-)grau  erscheinende  Pupille  beim 


670 


Staar. 


Stab-Staffel. 


Giaiicoma  (7 XoOHÖC  ■  graublau  schimmernd,  Dornbl. 

48),  Hypochymia  Pauli  Aeg.  (Coler,  u.  a.  117 ;  woyt 
120).  —  blinder  Staar  =  blindmachcnder  Staar. 

—  Eifer- Staar  =  Katarrhacta  purulenta  Mor- 
gagni, Milchst  aar,  ein  staarblindes  Aiife,  das 
einen  milchweissen,  gelbweissen  KiterHeck  in 
der  Pupille  (Linse)  liat  (Gr.  w.  Iii,  393;  Huber  18). 

—  jFVder-Staar  =  Katarrhacta  plntnea  =  ein 
staarblindes  Auge,  in  welchem  das  Sehluch,  die 
Pupille  (Linse)  federförmige  Trübungen  neigt 
(«r.  W.  III.  MW).  —  (IMS)  gewichter,  (19»)  gelber 
Staar  (Coler,  H.  a.  117;  Woyt  120)=  Milchslaar, 
Eiterstaar.  —  (1615)  grauer  Staar  (gmwe  *taar)  - 
ein  staarblindes  Auge  hei  Mensch  n.  Pferd  mit 
grauweiss  getrübter  Pupille  (Katarrhacta,  <>  tun- 
OO  mit;  richtiger:  Linse)  (KW-bter  III,  1S7;  beiden 
Kathen  wtrd  er  besprochen  durch  Bannwortc,  Bartels ; 
Mayer  70;  Coler,  H.  A.  118).  —  (1735)  grüner  Staar, 
1.  =  Glattcoma,  eine  (ilaskftrperanomalie,  wohei 
der  Augenhinter^rund  durch  Drucksteigerung 
infolge  einer  Blutstauung  im  Gebiete  der  Venae 
vortieosae  meergrün  durch  die  stark  vergros- 
serte  Pupille  hervorleuchtet.  —  2.  =  der  graue 
Pferdestaar,  der  graugrünliche  Pupillenfarbe 
erzeugt  (Woyt  120;  Herbst  15;  Krau«,  K.  418.  419).  — 
(1790)  häutiger  Staar  =  die  Trübung  des  Seh- 
feldes durch  die  Veränderung  der  Kapselhaut 
der  Linse  (Katarrhacta  membranea)  (Richter).  — 
Kaj  m  I  Staar  (1690  zuerst  vou  Freytag  [t  1738]  per 
selerotlcam  ausgezogen,  Baas 300)  =  s.  häutiger  Staar. 

—  Ki  i  u  Staar  =  die  Staarbildung  im  eigent- 
lichen Kerne  der  Linse  zum  Unterschiede  vom 
Rimlenstaare  (welchen  I'alucci  (171«;  —  1797)  zuerst 
aufstellte,  Baas  407).  —  (17'Xi)  ÄVysra/V-Staar  =  ein 
staarblindes  Auge,  in  dem  die  Krystall- Linse 
allein  verdunkelt  ist  im  Gegensatz  zum  Kapsel- 
staar  (s.  d.)  (Gr.  \V.  V,  M85;  Ulchter  ITI,  187).  — 
(1712:-)  Ln\  m  r,  Staar  -  der  nur  auf  die  Linse 
seihst,  nicht  auch  auf  die  Linsenkapsel  bezüg- 
liche Staar.  —  (lsi.t)  A/armor-Staar  =  ein  Augen- 
staar,  beim  Pferde,  wobei  die  Linse  weisslich- 
grau  oder  gelhlich  wie  Maimor  gefleckt  er- 
scheint (Falke  II,  99).  —  (179(0  Jft'iWi-Staar,  1.  = 
Kitei  staar  (s.  d.),  milch  weisse,  eitriggelbe  Lin- 
sentrübung, Cutarrhacta  purulenta  s.  lactea 
(Gr.  w.  in,  393 ;  Richter  Iii,  18«.  —  2.  =  der  in  der 
Artbildung  begriffene,  graue  Staar,  wohei  die 
Linse  zuerst  hlaulichwoiss  wie  Milch  erscheint 
(Falke  II,  117).  —  A/ufrVrAwn-Staar  =  der  17C3 
in  Schweden  zuerst  beobachtete  von  Linne 
Haphania  (s.  Kriebelkrankheit)  bezeichnete 
graue  Staar  infolge  von  hrandigem  Absterben 
der  Augenlinse  durchSphacelinstture-  (Krgotin-) 
Vergiftung  (Brodseuche)  fKobcr.  1. 181.;  Archiv  L 
OphtbairaoL  VIII,  2.  ibg2, 120).  —  (1790)  AVu/VStaar 
=  der  erst  nach  der  Operation  des  grauen 
Staares  entstehende  Kapselstaar  (Richter  III,  195; 
Tr.  11,878).  —  (184.1)  Staar  =  ein  beginnender, 
grauer  Staar,  wo  die  Linse  wie  in  einen  Nebel 
verhüllt  erscheint  (Falke  II,  152).  —  (1813)  Punkt- 
Staar  =  punktförmige  Trübung  der  Linse  beim 
Pferde  (Falke  II,  216.  jm:s).  —  reifer  Staar  ~  ein 
Staar,  bei  dem  die  Linsenrinde  und  der  Kern 
ganz  trüb  gew  orden  ist,  so  dass  er  zur  Operation 
reif  ist  (1756  wenn  der  Staar  im  Wachsen  ist  (in  der 
Trübung  noch  Immer  zunimmt]  und  noch  nicht  reift 


oder  vollkommen  so  dasa  man  ihn  künstlich  wegziehen 
mag,  Beyn.*,  88).  —  .Binden -Staar  ■  der  in  der 
Linsenrinde  Bich  bildende  Augenstaar  im  Ge- 
gensatze zum  Kernslaar  (s.  d  )  (Baas  407).  — 
Ring  Staar  =  grauer  Staar  in  den  sichtbaren 
Grenzen  der  Krystall-Linse  (Falke  II,  241).  — 
roter  Staar  (1735;  Woyt  120)  =  durch  rote  Blut- 
gefässe in  der  Hornhaut  blindes  Auge  im 
Gegensätze  zum  weissen  Staar  3.  —  Schicht(cn)- 
Staar  =  eine  schichtweise  in  der  Linse  vor 
sich  gehende  Trübung  derselben,  namentlich 
bei  Khaehitis.  —  (164.)  schwarzer  Staar  =  ein 
staarhlindes  Auge,  hei  dem  die  Pupille  (Seh- 
stern)  nicht  entfarht  wird,  sondern,  weil  meist 
erweitert,  auffallend  mehr  schwarz  bleibt,  nicht 
trübe  ist  und  doch  Blindheit,  sogen.  Schön« 
hlindheil  besteht,  Amaurosis  (-Verdunkelung; 
£-|iaopOC  -  nicht  glänzend.  Roth  22),  Gutta  Serena 
{=.  schöner  Tropfen),  Suffusio  nigra,  Visus  niger, 
Katarrhacta  nigra  (Zw.  227)  (Augentropfen  3) 
(Bibl.  Med.  411;  Hufeland  368;  A.  v.  H.  II,  33;  Hyrtl, 
K.  W.  9t;  I'latncr  I.  40;  Mayer  70;  Coler,  II.  A.  117).  — 
pachtender  Staar  -  s.  reifer  Staar.  —  (1S44) 
U  rv.s»r-Staar  =  Hydrops lcntiscrystallini (Krau«, 
F..  769).  —  tm'cnrr Staar  =  Katarrhacta  mollis.iler 
reife,  durch  Degeneration  weich  gewordene, 
graue  Staar  (Kraus,  E.588). —  (1735)  ic«*8rr  Staar  — 
Katarrhacta  alha,  1.  -  grauer, grauweisser Staar 
(Woyt  120;  Zw.  227;  Bibl.  Med.  III),  wobei  11713)  „da» 
Sehloch  durch  ein  welches  Fell,  das  unterm  Horn- 
hAutlclu  gewachsen  Ist",  fiir  l.icht  undurchdringlich 
wird.  —  2.-  Milchslaar.  —  3.—  Leuroma,  weisse 
Hornhauttrühung  bei  Pfenlen  (ahd.  stara-pliutcr 
=  nlblos-ornlus  =  fran*.  aveugle.Gr.  W.  1,81'.,  Abiig  91). 

—  über  Schicht-,  l'gramiden-,  Polar-,  Zitier  etc. 
Staar  s.  die  Lehrbücher  für  Augenheilkunde 
(s.  auch  Zinke).  —  Staar-Winrf,  -Fell,  -Raum. 

Stab,  m.  (tndogerm.  »thab,  §Ubh  =  fest  sein  ;  gvm  - 
germ.  stuf,  Stab;  abd.  Map  =  Stab,  staben  -  starr  sein  ; 
mbd.  stap;  engl.  *taff)  =  Stab  =  der  starr  werdende 
Penis  (Stabtinger,  Mentula).  —  er-staben  — 
steif,  stumpf  werden  (Schmellerll,  718).  —  Maitns- 
Stab  (nihd.  manstap,  I.oxer  155)  =  Penis.  —  (1483) 
H  iinik/ur/-Stab  =  Penis  (s.  Wünschelrute)  (C.  v. 
Megbg.);  die  „Stabwurz"  (Abrolanum,  Gertwnrz)  und 
,,SUmm"-KriUitor  haben  auf  dieses  Glied  Bezug.  — 
Stab-i>iW(/-r. 

8tacheL  m.  (zu  siechen,  •.d.}.  —  Avisen -Stachel 

—  der  aus  der  .Mitte  des  vorderen  Kndes  lies 
Nasenteils  des  Stirnbeins  her voi ragende,  ol>eie 
Knochenfortsatz,  Spina  nasalis  (Hyrtl,  A.  245).  — 
Stachel-/! ussate,  -Rose. 

Stältze  s.  Stelze. 

Stär,  m.  s.  starren. 

Stätte,  statisch,  stätsch  s.  statt. 

Staffel,  f.,  m.  (germ.  «Up  =  gehen  [Stapfe,  Stufe] ; 
ahd.  ataffal  -  Grundlage,  Schritt,  Stufe;  mhd.  Staffel). 
1.  b  Absatz,  Abteilung,  Art  (z.  B.  der  Krankheit.  Seitz 
I,  4S2).  —  2.  =  die  stufenförmig  gefurchten,  ge- 
wulsteten  Gaumenfallen  (Pfalatine)  b.  Pferde, 
der  sogen.  3.  Kern  (Kernstechen,  eine  Therapie  beim 
Feifcl,  (ir.  w.  V.  6*'.);  diese  Staffeln  sind  auch 
beim  menschlichen  Kmbryon  als  Gaumenleisten 
deutlich  entwickelt.  —  (1615)  dritte  Staffel,  t.  = 


staglen— Stall. 


-stalt— Stamm. 


671 


dritter  Kein  (.Statte),  Stuhl)  beim  Pferde  und  I 
2.     die  Ader  dauert  (foler,  Pf.  175;  R.  A.  108). 
Staffel- Jahr*. 

staglen  (stagglen)  =  tum)  stottern,  öfters 
stocken  (steeken),  stutzgen  in  der  Uede  (Schwebt; 
Kluge*.  365;  D.  6«). 

Stall,  Stallen  (Indogerm.  sthel  [Mellen,  «tili. 
Stiel;,  *ta  [stehen,  fe»l«lchen] ;  germ.  »lein  [=  Stiel!, 
Malla  =  Stelle,  Ort  zum  Stellen,  Standort;  ahd.  Mal; 
nihd.  xlttll,  »tsl  =  Stehort,  Sitzort.  Kluge  *.  358.  361; 
Mellen  =  aufstellen),  1.  =  Stelle  eines  Korperteils. 

—  2.  =  Stelle  der  ( »rgankrankheit.  —  3.  =  diese 
letze/ e  Belltet.  —  4.  =  das  daselbst  gelieferte, 
körperliche  Exkret  (z.  1$.  Urin)  (R.  A.  2('6 ;  Schm. 
n,  74«),  eonf.  Stahlgang,  Pferch  U.  Land*;  siehe 
auch  stellen  II.  Stollen.  —  stallen,  1.  =  Im  Stalle 
(».  an>tehon  2)  etwa.»  thun  (mingere)  (bei  Pferden 
und  heim  Wilde;  15.82;  I.onie.  103).  —  2.  —  ndl.  »taten 
=  coir.  )  (be-cbillen).  —  das  l'ferd  ist  Aber  den 
Stall  gegangen  =  ist  Ober  die  Zeit  »um  Stallen  1 
hinaus  auf  den  Beinen  gewesen  (Abiig.  36;  Mayer 
146;  Stallkraut  -  Ononts  sninn»a  [Diuretikum]).  — 
rtu/"-stallen  =■  ein  Tier  aus  der  frischen  W'eide- 
fiitlerung  in  den  Stall  zur  Aufmftstung  stellen 
(Falke  I.  79).  —  Aug(en)  Stall (G»stell)  (ahd.  raetUd, 

ougi'al.  houulsal,  I»  20  ■  alhugo,  (iraff  VI,  676;  Vit. 
BS;  mhd.  ougatall;  15.  Jahrh.  oue-,  ougstnl  -  hirens 
(hir>|uui),  Ii.  278  [AugenwlukeWhlcim]  =  Augenkrank- 
heit der  Pferde,  Leier  184;  1560  Ottgitel,  H.  Such»  ss 
alhugo,  Irakoma  =  eine  Augenkrankheit  der  Prerde 
nnd  de«  lUndvIch»,  „wodurch  es  dummer  wird  [  -  nirht 
felicnd]  und  gegen  die  Wand  geht",  Srhmeller  I.  W; 
If.  747.  749;  Heb.  177;  ('oler,  Pf.  360;  1570  angst  aal, 
Gr.  W.  I,  815),  1.  ■  Augenhöhle,  Augenwinkel  als 
Statte  an  dem  Sehorgane.  —  2.  =  eine  Krank- 
heit  des  Auges  (l>eim  Stallvieh),  wodurch  dieses 
sieh  auffallend  abnorm  gestaltet!  n)  l'anoph- 
thulmie  aus  peripherem  Grande;  b)  Hydro- 
rephalus  acut.,  Meningitis,  Koller  der  Pferde; 

c)  Keratitis  (Leukoina),  Hornhautentzündung; 

d)  Zither,  weisser  Schleim  im  Augenwinkel 
(Zipf,  (treck)  (—  albugo  =  sorde«,  albcdo  orulorum 
----  rinrho,  Augen  feil  -  Nagel.  Or.  W  f,  816;  D  2fl). 

—  (16  Jahrh  )  Mut  Stallen  ■  Mut  harnen  (beim 
Pferde)  (Scb.  184;  K.  A.  154;  Sellin.  II,  7t6;  Kalke  I). 

—  G.stalls.  (Jcstell.  —  //infrr-Stallung  «dehe 
stellen.  —  //im- Stall  [mbd.  hlrnilal,  Lexer702)a 
Schddel  als  tiehirnlagerott.  —  (1863)  lautrr(er, en)  ' 
stallen  (-Stall)  -  Ihabeles,  Harnruhr:  wenn  die 
Pferde  ebenso  hellen,  lauteren  (vennehrten) 
l'rin  stallen  wie  «las  Wasser  ist,  das  sie  ge- 
trunken (<Jr.  W.  VI.  3X8;  VII,  1676  snb  g;  Muck  4S; 
Sehmelier  II.  716;  AMlg  37;  Mayer  147;  It.  A.  IM).  — 

iVirr(m)  Stalle,  f    Stollen,  t.  -Stoll,  n  ,  m  ,  f.) 

(14.  Jahrh.  nier-ial  =  das  Kettlager  au  den  Nieren, 
<ir.  W.  VII.  836;  nler«tatl.  f  ,  Srhmeller  I.  1429;  1483 
nier»tal;  1545  nierstall  =  Sierengcstell ,  Cr.  W.  VII. 
SM)  =  die  Lenden-  (l.eichten)-(iegend,  I.umhi, 
wo  die  Nieren  eine  besonders  von  fettreichem 
Oewebe  umgebene  Melle  einnehmen  fllyrtl,  K. 
W.  193).  —  (17  Jahrb.)  A  '  Stall  in  =  Ischuria,  ] 
wenn  das  Pferd  absolut  ohne  Urinsckretion  ist 
(nicht  stallen  kann)  u.  dabei  doch  den  höchsten 
Zwang  (Not)  dnzti  hat  (lt.  A.  454).  —  (1S43)  Uber- 
Stallen  =  die  Zeit  zum  Stallen,  Harnen  über- 


I  sehen,  (Iber  diese  Zeit  hinaus  das  Pferd  gehen 
lassen  (Mayer  146;  Kalke  II,  384).  —  (1592)  verhaltener 
Stalle  Anuria,  zurückgehaltener  t'rin  (Seb.  194). 

—  Poe  Stall,  m.  (mnd.,  14  —15.  Jahrh.  so  we  hevet 
den  voratal,  J.  f.  nd.  Sp.-F.  XV,  114.  127)  =  Harn- 
besch werde,  wobei  mitten  unterm  Wasscrab- 
laufe  ein  mitschwimmendes  Harnsteinchen 
((iries)  sich  vor  die  HarnröhrenrtHnting  in  der 
l'rinblase  stellt  oder  vorlegt.  —  Stall  •  Husten, 
-Röhe,  ■  Räude,  -Seuehe,  -  Typhus,  -  Waaser. 

-Stalt  (zu  »teilen  >.  d.],  Abstraktivbildung).  — 
A n  Stalt,  in.  (  =  ein  zweckmfl»»ig  angeordneter,  ein- 
gerichteter, gestalteter  Ort)  —  Penis  (Bück  16).  — 
(1576)  cnf  stalten  ■=  deformare,  entstellen  durch 
Krankheil  [Gr.  W.  III,  6.11).  —  Ge-stalt  (ahd  gu- 
»talt.  gi«lald,  gistellida,  Graff  VI,  667;  mhd.  geMalt  m 
da»  Hin-  oder  Dargestellte)  =  Lage,  Oit,  Beschaffen- 
heit, Krscbeinung,  Form,  Wesen,  Att,  selbst 
Person  [Bern«  n,  U49).  —  böse  Grstalt  (u.  Jahrh. 

bo.«e,  1  ft  1  pose  ge»talt  —  caehexia,  D.  87;  de»  Urint) 
=  böse  (s.  d.)  Form  deB  (lrintansschlages.  — 
(1725)  doppelte  Gi stalt  =  Doppelwuchs,  Zwie- 
wuchs,  Kbachitis,  die  Knochen  verdickt,  ge- 
doppelt im  Umfange  macht  (The»,  tan.  Hr.  127). 

—  (1482)  Wassersucht- Gf8talt  (1645  wasscrgestalt. 
(  oler,  lt.  A.  151)  =  die  Ki scheinungsart ,  als  ob 
Wassersucht  da  wttre,  Tympaniles  (Zening.  Voc. 
iiii2),  Aoftrcihung  des  Leibes  nicht  durch 
Wasser,  sondern  durch  (läse.  —  G/icrf-Stalt- 
niSSe,  böse  (15.  Jahrh.  boze  »leltniase  der  lede  = 
ealhe»is,  mala  di*|io«iÜo  meiiil.rorom,  D.H.  64)  = 
M'blechte  Organ  Verfassung.  —  hi<  stalt  (ahd. 
ungistalt ,  mhd.  ungcstalt)  —  verunstaltet,  hitsslich 
t.  K,  Fleisch  -  Molenschwangeiscbaft,  abnorm, 
palliologisi'h  (Gr.  W.  VI,  2508;  J.  P.  Krank  III,  146). 

—  Uugestalte,  f.  -  Defoi  mitas  (Schm.  II,  IM).  — 

(1725)  Ling.staltheit  ~  Khachitis,  der  defor- 
mierende ZweiwUCtlS  der  Kinder  (Thcs.  »an. 
Hr.  127). 

Stamm,  m.  (stammeln,  Stammler,  Gestemm) 

(indogerm.  stn  —  stehen ;  gerin.  stamua,  »tabna  [Htab], 
ttam  =  einhalten,  «tetntnen,  »tehen  marheu  [dazu 
ttant]  ;  goth.  »taiuma»  =  stotternd,  Kick.  906 ;  ahd. 
htamin  —  Ilaumutnmm,  Stor  k,  Kluge *,  3-5S.  368;  stamm- 
Jan  =  Kinhall  thun  ,  Slam,  »tumer  -  balbu»;  itamal  = 
halbu« ;  »tammeii  -  balbutire;  »tatnmalön  =  »tammelnd, 
»tamineln  =  balbutlre  ;  »tamiiarl  —  Stammler,  (iraff  VI, 
i'u'.t;  11.  Jahrh.  "tamelonder  =  balbucu»  [balbutien»], 
11.  t  III,  M8S. ;  12.  Jahrb.  »tammilonier  — balbutien», 
II.  Z.  XV,  356;  stanbllon  -  balbutio,  H.  Z.  XV.  S34  ; 
mhd.  »tamm  -  llaumstamm,  Stock,  Stab  [».  d.];  »tem- 
BMB  =  Kinhalt  thun  [dazu  ungtHtBin] ;  mhd.  »taramein  ; 
1500,  ndd.  een  »tamerloghe  ~  balbui,  D.  II,  47 ;  alt- 
nord.  »tamr .  stninl  =  Stotternder,  Kiek  900 ;  engl, 
stammer  =  »tammeln  ,  I.ehf.  105;  Kluge  1.  e.).  — 
stammeln  -  stocken,  stottern,  in  der  Rede  oder 
in  dem  Herrgeschinge  einhalte»,  stocken,  1.  - 
eine  der  Sprach  weise  der  Kinder  gleichkom- 
mende Sprachstörung,  wobei,  wie  auch  beim 
Singen  und  Deklamieren,  einzelne  od.  mehrere 
Laute  gar  nicht  oder  unvollkommen  (stockend, 
tulkend,  stossend)  artikuliert  werden  (Coen  27). 

—  2.  —  Hentk topfet]  als  zeitweise  eintretendes, 
subjektives  (iefühl  der  Stockung  des  Herz- 
scblages.  —  (H75)  Stammler  (-  lopicu».  rniu«, 


Ö72 


Statu  pa. 


Stand  (stehen). 


Mmih,  I).  836)  =  einer,  »1er  stammelt  (Iis*  le  Hegnes,  : 
Wicliner  41).  —  Stamm,  m.  (-  feststehender  Stab,  \ 
Baumstamm,  Urund,  Stammbaum,  Geschlecht,  l'rsache,  | 
Khtgcs,  358)  =  centraler  Blutgeftissteil,  der  dem 
Herzen  im  t"rsprung(Alistaiiimung)am  nücliHten 

ist.  —  ✓1^/3    \  Stamm  flfitf  ibM  bie  nennen  wir 
lief  ans- 1 

den  stamm  oder  wurtzel  einer  Joden  adem  du*  theyl, 
welche*  dem  hertzen  oder  leiten  am  neehstcti,  Ryff ; 
Gurlt  III,  00)  =  «ler  zentrale  Teil  der  Blutgefässe, 
von  dem  die  peripheren  Zweige  abstammen, 
abzweigen.  —  Gcstemm,  l.  =  der  ganze  Körper- 
stamm,  Natur.  —  2.  ~  llirHcln;eweih  (Hchmellcr 
ii,  <V5)  ~  (ie«täng.  —  (1749t)  Her»  stammeln  = 
•  las  leiehtere  Herzklopfen,  unregelmassige  Un- 
terbrechungen des  Herzschlages,  Stocken  des- 
selben, Tremor  cordis  (Zw.  h03).  —  (ß  )stam- 
mein  ■  beim  Aussprechen  des  Buchstaben  L 
oder  R  stottern,  stammeln  mit  Neigung,  das  L 
in  H  u  umgekelirt  zu  verwandeln,  (1671)  l.amb- 
dncismus  /.achia)  (Gurlt  II,  573;  rocn  26)  Rhotaeis- 
inus,  Traulismus  (L-,  H  Sucht,  III,  Mon.-Hefto  1895, 
April,  104),  —  (1741)  pM/.sflf/c»  -Stamm- Aorta,  von 
der  die  übrigen  Arlerien  entstammend  (Aorta 
zu  ältptu  =  iu  dlo  Hohn  aufhangen  =  Gehänge  1, 
Kirsch  aß)  abzweigen,  im  tiegensatze  zum  Stamme  I 
der  llohlader  (Vena  eava)  —  rechte  Stämme 
(1543  die  gemeinsten  ädern  vnd  rechte  stammen,  so 
am  gowoiillchsten  n  der  [ader-IlaeMe,  der  scind  drei, 
die  werden  gefunden  im  armbug,  Kyll,  (iurlt  III,  46) 
=  riebt-ge,  zum  Aderlass  geeignete  Vene  (eiehe 
Ader  und  Kreislauf).  —  «nj/stemer  (  stümer) 
(Hin  eyn  nngestemer  ^  freneticus,  P.  217)  —  einer 
der  sieb  aus  Krankheit  keinen  Kinbalt  thun  kann 
in  der  Äusserung  seiner  Krregung.  —  stam- 
melnde Zunqe. 

Stampa  (Stampfe ,  Stampulanz ,  Stempe 
[Semper,  Sampine,  Zampe,  Zemper,  Zimper  ) 

(=  die  Kinder  bringende  und  entführende,  tretende 
[s.  d.],  stampfende  [gorm.  stamp;  grieeh.  stembo  —  mit 
den  Fussen  treten;  ahd  Mampf-m;  Stamper,  pl.  = 
dicke  Kiissli-In  bei  gutgenahrten  Kindern],  trappende, 
In  der  Martinswoche,  In  den  Stampannchten  [Reiser 
II,  ].'],  nn  den  drei  Sonntagen  vor  Wel  Ii  nachten,  in 
den  Zwölften  und  be«ouders  am  Martlusahcnde  Iheld- 
nlscher  Winter-Anfang] ,  auch  am  I'<  rchtentage  auf 
Stampa  Äckern  [=  Pcrchtciiwlesen]  umgehende,  ger- 
manl-che  Damonln,  Trcmpe  auch  genannt,  Golth. 
433  ff.;  Lahmer  II,  411);  die  l'erehta  oder  (iVstampe 
atifA  Martins- Gt  stampe  mit  'lern  grossen  Fusse 
(s.  d.)  ii n«l  der  langen  Plamp-Na.se,  Potznuse,  eisernen 
oder  Kl  ss-  Nase ,  ellkalten  Na«e,  nach  der  auch  das 
Oürtolkraut  (Geburtshilfe)  ArtcmlMa,  Zlmber,  Zlniblra 
(ahd)  genannt  wurde  [Rat temer,  Denkmale  III,  597); 
In  reine  Hcrle  au  grand  pie  (IL  A.  Ith.  GS7] ;  sie  tritt 
wie  eine  l'nlioMin  stampfend  und  trappend  auf, 
1.  druckt  den  Mcuichen  als  Trempo  (Stubcuvoll  28; 
Golth.  4u;i;  Heyl  16i.  429.  660.  762.  7:»3);  2.  entführt 
die  ungetauften  oder  erstgeborenen  Kinder  und  die 
ungesegneten  Wöchnerinnen  ,  erschreckt  als  Rtampu- 
lanz  die  Kinder;  3.  erzeugt  den  Mum*;  4.  macht  ver- 
rückt, verwirrt  durch  cH.lsche  Hctrügnis-  Stampanci 
(  =  Fantai«le».  d., Fromm.  VI,  73  ;  Scbm.  II,  7'.»;  Z.  d.  V. 
f.  V.-K.  1898.  120;  Heyl  L  c.);  6.  blendet  den  Menschen 
auf  ihrem  fuuuge  In  der  Frohnfastenzelt;  sie  iirt  wie 
die  sallgen  Friiulelii  n.  die  nordischen  Nomen  (Lolnlncr 


II,  383)  Webmutier  und  (ieburtshelferiu  ,  di-  mit 
ihrem  scildickeu  Ilaare  die  Kinder  im  Mutlerleibc  bin- 
dende, die  Uebtirl  liiiiderudo  Schlcksalsfraii,  in  deren 
Gefolge  die  Uebestoll  beulenden  Katzen  (s.  kattcii- 
hirnig)  sich  beiluden,  man  dachte  sich  dieselbe  auch  in 
der  Gestalt  einer  Kröte  (s.d.,  Lipp,  Christeut.  NB);  6.  sie 
tauscht  die  Kinder  aus  und  legt  Wcehselbalgc  (*.  d.) 
dalürein  ;  sie  entspricht  der  fsüdd.)  Perchta,  der-frauk  i 
Trempe,  der  mtd  )  Hulda,  der  (uordd.)  Krau  (jode, 
«ler  (sächs.)  Hera  oder  Hirke  ti.  der  vrowe  Saide  (»-  d.. 
Pfeiffer,  K.  u  Forsch.  II,  78.  Schmoller  I,  269;  II.  280. 
1125;  de»  Verf.  Baum-  u.  Waldkult  .  8.  Anra.  1;  Wutlko 
47;  (Jr.  D.  M.  I.  256;  Hlntner  5.  9;  Zingerle  VIII,  3  ; 
Z.  d.  O.  A.-V.  1881,  S.  182.  1H3.  l'Jl  ;  Golth.  493;  II.  A. 
Rh.  556.  557;  Laistner  II,  98 ff.  411 ;  Fromm.  VI,  73; 
Reiser  I.  107).  -  Stamp-.Vasr. 

Stand,  m.  (stehen)  ilndogerm.  «Ihi  [stare.  »lehcnl ; 
gem.  germ.  stand,  stath  ;  germ.  aUi,  stä;  abd.  Mon. 
st/in  [stehen],  nihil,  mant,  m.  ■  Stand,  Zii'tand,  «ten, 
stan,  stehen).  —  Stand,  1.  =  das  Stehenbleiben, 
die  Art,  wie  etwas  steht,  die  Stellung  im  llamue, 
Lage,  Veihitltnis,  Oninung.  —  2.  =  die  stehen- 
den KQese  (<ir.  W.  IV,  1.  1000 ;  Pchm.  II,  7öS).  _ 
stehen  =  sieb  stellen,  aufrichten  (z  U.  Krectio 
penis) ,  einstellen  ,  z.  B.  der  Kindskopf  steht 
zur  (ieburt  (16i"..h,  Heyn,  li'.i).  —  auf  Druse  stehen 
=  (s.  I>inse).  —  Steher  -  derjenige,  der  stebl. 
—  Ständer,  m.,  1.  =  Stand.  —  2  =  Küsse  pl.  — 
3.  -  (»ing.)  Penis  erectus,  Priapismus;  dazu  (engl, 
standergra-s  =  Ptandclwurz ,  die  zur  Venns  reizen 
sollte;  sie  hiess  Satyrion  [  —  Orchisj;  die  grossten  und 
härtesten  erhielten  die  Männer,  ilie  dann  mehr  Knaben 
erzeugen  sollten,  V.  K.  II,  26;  D.  55t»;  Voe.  opt.  W.  53). 

•  stehen  sich  weg-,  herniederslellen  von 
etwas,  entfernt  von  etwas  stehen,  etwas  auf- 
geben, abtreten,  eingehen,  schal  Verden  (mit 
dem  töde  aWsteii  —  sterben,  Heyne  I,  43).  —  ab<je- 

standenes  Ülut ,  Kind  (i.v.12,  s.  i>  192).  —  das 
Wut  ist  ihr  ubgt  standen  —  iiie  Blutveriinderung 
im  Klimakterium  (s.  kritisches  Alter),  die  nach 
dem  Volksglauben  allerlei  schleichende  und  liosartige 
Krankheiten  mit  sich  bringt,  auch  Skorbut  wurde  als 
von  abgestandenem  Hinte  (s,  d.  und  Hefe)  kommend 
angenommen  (Scbmellcr  II,  71«) ,  (s.  Skorbut  und 
Melancholie).  —  anstehen,  1.  =  stehend  be- 
rühren, bereit  stehen,  stille  stehen,  stocken 
(Heyne  T,  12:. ff.).  —  2.  =  stille  stehen.!  pissen 
(Schm.  II,  710).  —  (IC77)  die  Ktucbt  steht  hart  an, 
1.  =  da«  Kmd  im  Mutterleibe  ist  nahe  daran, 
bereit  zur  Geburt  (Heyn.  66).  —  2.  —  11687)  die 

1.  eibesfi nebt  steht  zu  nahe  an  dem  (verengten) 
Ifulterbecketl  an  (z.  B.  bei  unrichtiger  Lage) 
(Georg  444).  so  dass  die  (ivhnrt  stockt.  —  anderer 
Stand  -  andere  Pmslände,  Schwangerschaft 
(F..  W  I,  ls;  Z.  d.  V.  f.  V  -K.  1896,  8.  312).  —  auf/je- 
standen  (  stehen),  1.  =  ein  Kind  ist  aufgestan- 
den —  zur  Welt  gekommen  (Goldschm.  93).  — 

2.  —  aiifbiuhen,  emporragen,  dampfig  sein,  z.  B. 
die  I.unge  steht  auf  (Kmphysema  pulmonum) 
(1777 ,  A.  M.).  —  'Stehen  (abd.  bistantan  ;  mhd 
bestall,  besten  —  ein  verstärktes  Stehen  oder  stehen 
Milchen  =  herantreten,  entgegentreten,  Schm,  II,  711, 
1477  eine  sucht  besUct  mir,  Urtolf)  -  stille  stehend 
machen ,  anfallend  jemanden  zum  Stillstand 
bringen.  —  einen  rVsteht  Krankheit- fallt  ihn 
„bannend"  an  (Heyne  I,  395);  z.  Li.  dass  sie  die 


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Stand  (stehen). 


Standarte— Stange.  «78 


Feifei  (fl.  d.)  bestände!  (Fischart;  K.  W.  I,  96  [in 

Finohtonn]).  —  da»  Blut  ißt  bestanden  —  tum 
Stehen  gebracht  worden  (I.cxrr'JO;  Buok  20).  — 
be-,  /standen  =  erwachsen  (Alter,  Mann),  adul- 
tUS  (1517  pestander  an  dem  alter  vnd  geuachs,  D.  15; 
Schm.  II,  709:  Heyne  I,  S95).  —  ßei-Steher  (=  der 
daneben  steht),  1.  =  (1677  eine  altvaterische  Über- 
setxnng  der)  Nebenhoden  =  Parastatae  varicosae 
(Hyrtl,  K.  W.  19).  —  2.  =  (eine  Übersetzung  der)  Pro- 
stata, Parastata  =  Vorsteherdrüse,  Adstites 
glandulosi  Vesaiii  (Hyrtl.  K.  w.  100).  —  im  Blute 
stehen  (von  Zahnen)  =  das  Eintreten  der 
Schneidezähne  in  das  blntigrotc  Zahnfleisch 
als  Zahnbillern  (Falke  II,  448).  —  «tr-stehen  = 
aus  etwas  zustande  kommen,  stille  stehen,  ver- 
stehen, merken,  tarn  „Verstand"  bringen  (angls. 
aet  standen  ■  verstopft,  Cook.  I,  S ;  z.  Ii.  Blutadern ; 
nind  .  14 — 15.  Jahrb.  so  wor  ein  minsche  1-lot  nnde 
dat  nicht  uutstai.cn  wil ,  J.  f.  nd.  Sp.-F.  XV,  122; 
Schmellcr  II,  713).  —  französisch  stehen  =  mit 
auswärts  gestellten  Zehen  wie  die  französischen 
Soldaten  und  Tanzmeisler  dastehen  (Mayer  39). 

—  ^«-standen  =  im  besten,  sogen,  mittleren 
Alter  stehend,  das  das  Wachstum  hinter  sich  hat. 

—  erstehen  =  gestocken,  gerinnen.  —  heraus- 
stehen  =  Auswärtslieten  der  Eingeweide,  z.  B. 
Nabelhruch  (Müller,  Krtrlfeh.  177).  —  fieso)  innen- 
stehen  —  im  Inneren  befindlich  sein,  z.  B.  lnn- 
adl',  Franzosen  (Pr.  II,  276).  -  Kappen  Ständer 
=  ein  mageres  Pferd  mit  hornartig  abstehenden 
Hüften,  an  denen  man  sozusagen  die  Kappen, 
w  ie  auf  einem  Ständer  aus  Geweih-Spitzen,  auf- 
hängen könnte.  —  (l  .31)  mittelmässigen  Standes 
sein  =  in  Bezug  auf  Körperfülle  «las  Mittel- 
rnaass  halten  (Krautw.  c.  1),  —  Z'/ofcständel- 
Fuss*.  —  ru  1  ständig  mit  eleu  Hinterfüßen  | 
zu  weit  nach  rückwärts  stehend;  vom  Pferd 
(Zipp).  —  Ruhr  Stand  -  der  Ort,  wo  ein  Organ 
seine  natürliche  Stellung,  Lage,  Hube  hat,  z.  B. 
Gebärmutter,  s.  Haus  (Fri«chh.  70).  —  aalt  stehen 
=  mit  vollem  Fusse,  fest,  steif  stehen  (Ur.W.VllI, 
IS19).  —  (Blut)  Stille  Steh !-  eine  der  drei  heiligen 
Fragen,  welche  in  Beschwörungsformeln  der  Ott- 
preussen  (l>el  Blutungen  der  Franen)  vorkommen  (Z.  d. 
V.  f.  V.  K.  189-»,  8.  37;  Frlschb.  36.  37).  —  iS{  (//-Stand 
=  der  ruhige  Zustand  einer  vorher  beweglichen 
Flüssigkeit,  z.  B.  (1581)  der  Monatsflilsse  —  Meno- 
pause (Gr.  W.  VI, 2187).  —  (is.ni  Trocken  stehen,  n. 
m  das  Milchlos-sein  der  Stallkühe  (Falke  II,  377). 

—  Um  Stand  (Circumstantia,  Perietasis)  =  die 
Umänderung  in  einen  anderen  Stand,  Zustand, 
z.  B.  andere  Umstände  =  Schwangerschaft.  — 
Leibes- Um  stand  =  das  gleiche  (t;r.  \v.  VI.  &>•*). 

—  gesegnete  Umstände  ^  Schwangerschaft  als 
Segen  Gottes,  «ler  Befruchtung  ermöglichte.  — 
gichtische  /  ./•stände  U7.  Jahrh.,  Rhou)  =  Verän- 
derung des  Körpers  durch  den  tiiehtprozess 
(Arthritis  urica;.  —  um  stehen,  1.  -  aus  dem 
«ehwangeren  Zustande  in  einen  anderen,  ledigen 
sieh  verändern  durch  Abortus  (bei  Tieren).  — 
2.  —  unhrauchbar  werden  an  Seuchen,  sterbeu 
(1703,  Abrah.  I.  Vt2;  1746;  Scbmeller  II,  711).  —  (1530) 
Unta  -Stand  a  das ,  was  unten  steht ,  z.  B. 
Sediment  im  Uringlase  Kttalgasp.  59).  —  unter- 
ständig =  ein  mit  der  Brust  überhängendes, 
mit  den  Füssen  zu  weit  unter  dem  Leibe  steh- 


endes Pferd  (Zipp  ).  —  verstehen  (mhd.  verstau  = 
sülle  stehen);  a)  vom  flicssenden  Blute,  auch 
MonatslIuBS,  Franenzeit  etc.  (14S3,  0.  v.  Megbg. ; 
1551,  Bock  Ct;  1620,  Dr.  Minderer);  b)  VOn  der 
Sprache  (Schindler  II,  715);  c)  vom  Frin.  —  ver- 
standener Harn  =  der  nicht  mehr  richtig  ab- 
läuft (rerstandene  Blatter).  —  Verstand  (mhd. 

verstaut  =  Wahrnehmung,  Klnsicht,  ,,wle  die  Bedeu- 
tung sich  aus  »stehen,  ableiten  llsst,  ist  nicht  klar", 
Kluge5,  3*9;  engl,  understand).  —  verstehen  = 
ganz  und  gar  und  so  stille  stehen  (bei  anders 
Sprechenden,  Rasenden,  Geisteskranken,  Käm- 
pfenden), dass  man  die  Sprache  vernehmen 
(Vernunft),  etwas  „begreifen"  kann  (s.  ent- 
stehen). —  Verstandes- Gebrechen  ,  -Zahn.  — 
For-Steher,  pl.,  1.  —  Beisteher  (s.  d.).  —  2.  = 
Prostata,  Parastata  (1712  die  Vorsteher,  pl.,  F.  HofT 
mana  VII,  154;  Blbl.  Med.  463;  Löveling  179;  1493  mit 
lust  vorstan  =  callere,  crlgere,  I).  91).  —  die  Milch 
steht  mir  vor  dem  Magen  =  liegt  schwer  ver- 
daulich im  Magen,  ohne  denselben  zur  rechten 
Zeit  verdaut  zu  verlassen.  —  zu  -  stehen, 
Zu  stand  =  Bestand  eineB  Organes,  Zufälle, 
Krankheiten  und  Beschaffenheit  desselben.  — 
(isi2)  fauliger  Zustand  =  Faul fieber  (Falke  I,  275). 

—  Fraiscb-,  gefraischhafte  Zustände  (1740,  Seitz 
I,  614)  =  eklampsiearlige  oder  epileptiforme  Zu- 
fälle (s.  Gefraisch  *).  —  Fraucn-Zustände  = 
Frauenkrankheiten,  Bleichsucht,  WeissHuss, 
Periode.  —  (1730)  Frucht-,  Kind  -  Zustehen 
(hartes)  —  zu  enges  Anstehen  der  zu  gebären- 
den Leibesfrucht  am  mütterlichen  Becken,  so 
dass  sie  nur  hart,  schwierig  entbunden  werden 
kann.  —  Krankheits-Zustand  =  „das  patho- 
logische Geschehen".  —  (166S)  Lun^en-Zustand 
(Heyn.  ut>).  —  (1756)  Mutter- Zustände  (A.  v.  H.  I, 
33S).  —  nervöser  Zustand  -  s.  nervös  (Falke  II, 
159).  —  Säfte- Zustand  =  die  rohe,  gekochte, 
gegorene  Beschaffenheit  der  Humores  Galeni. 

—  (lsij)  Wurm -Zu  stand  =  der  korperl  Bestand 
bei  Anwesenheit  von  Würmern  im  Leibe,  Dreh- 
krankheit, Finnen,  Egelseuche  etc.  (Kraus,  K.  9S6; 
Falke  I.  33;  Ii,  416).  —  stehendes  r  Fieber,  Tod. 

Standarte,  f.  (altfranz.  estendard  =  Kavallerie- 
fahne) =  Tieischwanz  als  entfaltete  (extenso) 
Fahne  (s.  d.)  (Br.  hm  I,  452). 

Stange,  f  (Stengel,  Stingel)  (gwn.  »taug»;  zu 

stlng  [stachen ].  Kluge4,  358  ff. ;  ahd.  stango,  Mingü, 
j  stingel,  (JraJT  VI,  693;  mhd.  Stange,  »tcngel ;  1711 
I  «lange  =  hasta  =  mernbrum  virile,  Kirsch  559).  — 

Stange,  f.  Stangge,  m.  (Tirol)  (Stänker),  I.  « 
ein  lang  aufgeschossener,  dürrer  Körper  (Stingl) 
llinincr  5.  9;  II.  Paul  132).  —  2.  =  Penis  erectus 
(Schweiler  II,  77u).  —  Gc-Stäng  =  das  mit.  viel- 
lachen Stangen  gezackte  Hirschgeweih.  —  ge- 
stinglet=  langbeinig  (Sehra.  Ii,  771).  —  Hopfen-, 
Rdtuh  Stange  =  ein  stangenartig  gewachsener, 
magerer  Mensch  (Hlntner  5;  Spiess  II,  los).  — 

Stengel,  m.  (Stingel),  m.  =  eine  kleine  Stange 
(conf.  Bahoenbanu  als  B ühncratange) ,  1.  =  Penis 
erectus  (Schmellcr  II.  771).  —  2.  =  Mannsperson 
(l.eod  ).  —  Stingel-  Mannet.  —  (or.ert.arr.)  Hemat- 
Stingel  -  Penis  (unterm  Hemd.s.  Hemd-Ding»), 
Mentula  (Schmellcr  I,  1110,  II,  771).  —  Stangen-, 
Stengel- Fieber*,  -Hitze*,  -Siuht. 

43 


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074  Stank— Stapfe. 


stark— Rtarr 


Stank,  m.  (stinken)  (zu  cofrfc  [tang]  =  ranzig, 

nestgerm.  stink  =  einen  Geruch  von  sich  geben,  «o- 
wohl  gut  als  libcl,  K1uk<-  \  36.1;  ahd  stinkan  —  einen 
Geruch  von  nifh  «eben,  duften,  rleclu-u  ,  Grnff  VI, 
691  ff.  ;  Manch  ,  stauk ,  in.  —  Geruch,  odor;  angl*. 
«tlncen,  Cock.  I.  42;  mbd.  flinken  =  [vorherrschend^ 
stinken,  stenke,  m.  -  übelriechender  Atem.  Lexer  217; 
flatus  ventris,  Schmeller  II,  771)  =  der  Ohle  Geruch 
(aus  Wunden  t.  B.),  Fäulnisgeruch  in  der  Luft 
(dem  man  das  Entstehen  von  Seuchen  zuschrieb,  Holt- 
mann I,  77).  —  Stinker,  m.  —  der  da  stinkt, 
CulUB,  Podex  (Hintner  7.  17;  Ze.  111).  —  (1711) 
i4cA*W-Ge8tank  =  8.Üchsenstank,  Foetoralarum 
Grasos  (Kraus,  E.  429  ;  Kirsch  512).  —  mit  Eiter 

stinken  (ugo  mith  ettter  «tinkena,  anrit  n,  191)  - 
putrider  Eitergeruch.  —  faul- Stinkend  (angls 
fulstincendan,  Cock.  1,  2M) «Obel, wie  nach  faulen- 
den Stoffen  riechend.  —  /au/stinkende  Miue'. 

—  Ft<S8-Stank  f-GV  stank)  (1420  vuet  stank,  vi« 
statin  =  pedor,  tir.  W.;  D.  II,  284;  147:.  volWUmk  = 
pedOT ;  1482  fnssstanck  =  foetor  peduni,  Zcn.  Voc.  c8; 
D.  420)  —  der  Ohle  Geruch  (Fuss-Schmuck  s.  d.) 
an  den  schwitzenden  Füssen,  Foetor  pedum 
(Gr.  W.  IV,  l.  1027.  10441  (Solengestank).  —  Ge- 
Stank  =  der  lange  duuernde,  vielfach  wech- 
selnde, üble  Geruch.  —  (1787)  krebnichter  Gestank 
m  der  flble  Geruch  beim  Krebsgeschwür,  der 
früher  als  ein  charakteristisches  Zeichen  für 
Krebs  gegolten  hal.  —  Mund  Stank  1429  rauml- 
stanck  =  oseedo,  D.  II,  274)  — übler  Gel urh  aus  der 
Mundhöhle  (s.  Schmack).  —  Xaxen  Stank,  -Ge- 
stank (13.  Jahrh.  nasestang.  15.  Jahrh.  tiasenstank  ; 
1515  nasengestanck  —  polypus  iiarium,  l>.  445  =  Oze 
[Celsi],  altvlära.  stancke  dat  com!  huter  nesene  = 
osaena,  Oarlt  II,  138)  —  Ozaena  (Actuarii),  der  üble 
Geruch  ans  der  Nase,  bei  Syphilis,  Lepra  z.  B. 
('"Co»  =  rieche;  SC*""  -  riechender  Polyp.  Roth  Xsn ; 
Kopp  V.  151  ;  Kraus,  K  720  ;  mittelcnKl.  «tlneking  that 
cometh  out  of  a  manes  noso  thrilles,   Heinrich  101) 

(StinknaBe).  —  (1609)  Solen -G< stank  =  der  üble 
Geruch  von  <ler  Fussohle  (Kus^tank)  Guar.  Re- 
gister;. —  (',!,>,„  Stank,  -Gf  Stank  (alllliim  »taneke 
der  oxelen  dat  man  heel  yrens,  (iutlt  II,  110;  1577. 
ndl.  stank  van  de  oxelen;  1-186  uchscu  gestank,  ge- 
stank  linder  der  uchsel  —  bircus,  I».  278,  angl«.  fulue 
steuc  thaera  oxna,  Cock.  I,  CO)  =  der  Bocksgeruch 
der  Aehsenhöhlenliaare ,  Capro  olida  Horath 
(Kirsch  182).  —  /fti'Anf-Stinkung  (1531  »tynckung  der 
zan,  Krautw.  783)  ~  flliler  Geruch  durch  kariöse 
Zahne.  -  Stink- (Stinkend  e,  er,  rg|)  -^/er»i, 
-Blut,  -faul,  -Fltittk,  -Gcschwär,  -Hals,  -Haut, 
-Mund,  -Nase,  -Schaden,  -achweissig ,  -Sucht, 
-Zähne. 

Stanz,  f.  (Stanzen),  m.  (zu  stehen  [a,  d.J).  — 

Stanz,  f.  s=  das  Stehenbleiben  ,  Freetio  penis. 

—  Stanzen,  m.  =  Bein  (stehend)  [Ktaloer  8). 

Stapfe,  tu.,  f  Stapf,  tn.  (Stapp,  tu  Stoppe,  m. 

Steppe)  Ündogerui.  stab,  stap.  germ.  stap  =  mit  Knsien 
treten,  Tritte  machen,  geheu  ;  angls.  »taepum  =  ba>i- 
bua  [pedlbus],  Cock.  I.  LXX1.  LXXIV;  engl,  atep, 
Kluge*,  489  ;  dazu  Stufe;  ahd.  stapfo;  mhd.  stapfe), 
1.  =  der  Absätze  machende  Tritt  oder  Fuss- 
knochen. —  2.  =  Absätze,  Stufen,  Steppe  (abge- 
setzte, stellenweise  Stiche).  —  .').  =  absatzähn- 
liche  Hautnarben.  —  Stoppen,  pl.  -  Narben,  die 


mit  den  holprigen  Stapfen  im  Schnee  verglichen 
werden.  —  stäppig  =  narbig.  —  Dlattrrn- 
Steppen  (  stäppig,  steppig)  —  Blatternnarben 

(C.  v.  Schro.  107.  .108;  Nicoini:  Schm.  II.  7711)  —  blat- 
!  ternarbig.  —  -/"'(«»-Stapf  (1482  fu -.<ntafi  =  suhlet, 
j  D.  562  =  subtalo)  =  Calcaneus,  das  Fersenbein 
(unter  dem  Talus),  auf  das  man  beim  Fusstritte 
den  Fuss,  das  Bein  setzt  (Hacke);  Unter- Enkel, 
Unteranke  (vgl.  engl.  In>tep  ss  Rist.  Spanne  Mittel- 
fuss, Lehf.  89:  foolslep  —  Kusstapfe.  Kaltschm  J.  — 
öschel -  Stappen  =  Urschlacht-Stappen  (s.  Ur- 
schlftcht),  Blatternnarben  (Schm  ).  —  Stapfei 
Zahn. 

Stark  (serin.  «turk  -  -darr.  Kluge  \  319 ;  ahd  starc  ; 
mhd.  starc  -  »tarrig,  kräftig,  heftig,  gro*s,  dick,  GrafT 
VI,  Tit.;  1447  sterki  ~  S tarke  ,  Gr.  W.  V,  1922;  14 CO 
sterekt,  Gurlt  Ii.  195),  1.  =  fett,  korpulent.  —  2.  = 
(biblisch)  gesund,  im  Gegenteil  zu  krank  («eh wach) 
(O.  Paul  4;!3).  —  Stärke,  f.,  1.  =  das  StarkeeiD, 
Kraft.  —  2.  —  junge  fette  Kuh  (Kckstetn}.  — 
•  Ii»,  stark  (1420  lacertus.  I).  II,  236)  sc  mit  kräftigen 
J  Armtnuskeln  ausgestattet.  —  artikel  stark  = 
|  er  ist  stark  (aus)  auf  den  Geschlechts-Artikel, 
er  hat  grossen  Geschlechtstrieb  (E.  W.  I,  70).  — 
(148.1)  Aa/»-stark  =  cervicosus,  hartnackig  (D.  IM ; 
Schmeller  II,  782).  —  stark (e, eres)  Fieber,  Finjcr, 
Magen,  Sucht. 

starr  i starr,  starren,  starr ezen  Starz, 

Sterz)  (genu.  ster,  star  [stark .  unbeweglich),  ahd. 
starOn  =  starren,  mit  unbewegten  Augen  blicken, 
angls.  starian;  mhd  Staren  =  mit  unbewegten  Augen 
starr  blicken  Staar],  Lexer  24.1;  mhd.  starren  —  starr 
werden,  Kluge*.  319;  hart,  unbeweglich  sein;  engl, 
slart  -  Sterz.  Vorsprung,  Schwanz;  isländ.  stirtla. 
stara).  —  Starre,  f.  Starren,  f.  =  der  starre  Zu- 
stand, Katalepsia  (Bavariaiv,  i.  218  ff.),  —  starret 
=  körperlich  slarr  gemacht  (nach  dem  Volks- 
glauben, z.  II  durch  den  Wichtel  Kiiifluss.  «.  Wichtel), 
Germania  VI,  216).  —  starrezen  (stftrzen)  =  Ofteis 
starr,  steif  sein  (Schmeller  II.  77.1;  Gr.  W.  III.  996) 

—  Starr  (släir)  —  vom  Starrkrampf  ergriiren, 
steif,  unbeweglich,  zornig  (eine  Thntigkeit  der 
Wichtlein,  Alpbg  108).  —  Stär,  Ster,  m  (ahd.  stero  . 
mhd.  ster,  Grad  VI,  701,  llenneb.  staer.  Spiess  II,  210) 

—  das  mit  einem  Sterz  3  begabte  Männchen 
von  Schweinen,  Schafen  und  Ziegen.  —  Starz 
(Stärz,  Sterz),  1.  m  starrer  Knochen,  8larrbein, 
(Steissbein).  —  2.  =  tierischer,  behaarter  Schweif 
(Schleswig  blix  stcert  =  bleckender,  heller  Reluchweif , 
dick>t.ert  =  buschiger  Kuch«schweif ;  swippsteert  ^ 
schweifender  Kub«ehwanz,  »ipp«leert  ^  wippeformig 
Mch  bewegender  Hasenschweil ,  Müllcnh,  469).  — 
3,  —  (1.1.  Jahrh.  eyn  perdestert  —  penis  eqni,  D.  II. 
286;  1482  atartx  [stertx),  Zening.  Voc.  IT.  2.  pp2, 
ndd.  sterl  =  penis,  D.  422;  1587  «tertz  -  uropygiiim' 
D.  630,  ndl.  »leert,  staart ,  V.  K.  IX.  86t  =  Zagel, 
Schwanz,  Schweif  des  Menschen,  l'enis,  Cauda. 

—  Stertel-,  Sterz  Ader*,  -Sucht,  -  Wurm.  — 
Stertel,  Stärzel,  1.  =  krummer,  glieiler- 
sieifer,  kleiner,  verkrüppelter  Mensch  (Schm 
II,  786).  —  2.  -  kleiner  Starz.  —  Stärze,  f.  - 
der  Zustand  des  Starzseins.  —  Sterzer,  in. 
(Störzer)  —  steifgebende,  Knocbenleiden  sunu- 
lierende  Wallfahrer,  die  plötzliche  Heilung 
als  Wunder  fingieren  (confusi)  (1421  sterzer  s 


starr. 


Stadt-Statt. 


«7.-» 


vagus.  D.  II,  37«;  Ilaltaus  1760;  Du  lange  VII,  6S6). 

—  'f.  starren  =  mit  starren  (s.  Staar)  Augen 
anblicken.  — ■  rr-starren  (uihd.  erstarren),  1.  — 
starr  werden  (vor  Kalte  an  den  Gliedern  z.  H.) 
(1591 ;  Tat».  rn.:i  u),  vom  Geschlechtsgliede  (Natur) 
(l.v.i)  -  Rigor  peniH  (Gr.  W.  III,  996).  —  2.  =  starr 
machen  (der  Tod  erstarrt  den  blick).  —  (1597) 
AV-Starrung  =  der  Zustand  des  .Starrwerdens, 
engourdisst-ment,  Kalalepsia:  „dir  kranke  liegt 
nicht  ander*  als  schlafend,  hat  doch  die  äugen  offen, 
bewegt  aber  weder  die  OllgClilider  noeh  andere  theile 
des  leibsetc. ;  solche  erstarrende  werden  gleichw  ie  die 
götiten,  sehen  mit  offenen  äugen  nichts,  riecheu  und 
boren  nichts"  (wirsung  ll">)  -  Kalalepsia,  Starr- 
sucht  (Xieineyer  II,  371).  —  (1710)  Kr- starrung 
des  weissen  Geäders,  Rüc  kenmarksBtarrkrampf 
(Gr.  W.  VI.  75),  Opisthotonus.  —  (174*)  Glieder- 
/•.'■  starrung  =  Tetanus  (Maschenbauer  31),  Starr- 
krampf der  Glieder,  Rigor  mortiB  ex  apoplexia. 

Fl*  i  v  /,'  Starre  =  die  Totenstarre  im  Muskel, 
die  sich  durch  Fäulnis  wieder  lost  (s.  sticken). 

—  ganz  starr  =  höherer  Grad  der  endemischen 
Katalepsia  (Hararia  IV,  l.  214).  —  Genkk  St&TTQ 

—  Hals-  od.  Xackenstarre  (s.  d.).  —  <jc-starrzt, 
-stärzt  =  starr,  steif  geworden,  strotzend,  auf- 
geblasen (Schm.  II,  775).  —  halb  starr  =  leichterer 
Grad  der  endemischen  Katalepsia  (Bavoria  I.  cod.). 

—  Hals- Starre  (-Starre)  (i5oi  haisstan-e  ■  tetanni 

Gr.  W.  IV,  2.  207.  krummer  Hals,  Heyne  III,  26;  1587 
starrige  des  hals,  D.  681;  1591  halsslarre  -  tetanu«, 
Ilad.  Jun.  371;  147''.  eine  seuche  dar.  die  senaderen 
so  sere  sieh  itremigin  da«  man  den  hals  nicht  mak 
gekeren,  I).  .'81;  1018  halsslarre  =  steifer  Hnls,  tetanus, 
caput  obstipum,  Gr.  W.  IV,  2.  207;  Schmeller  II,  775; 
1741  halsstarre  -  opi«tholnnus,  Kirsch  531;  17  .6  hals- 
starre,  f.  =  tetanus.  A.  v.  II.  I,  1181 ;  ndl.,  dilti.,  schwed. 
halsstarrig)  =  die  krampfhafte,  einseitige  oder 
beiderseitige  Unbeweglichkeit  der  Nacken-  und 
Halsmuskeln:  a)  beim  Totanus  (Starrkrampf) 
toxicus,  rheumaticus  etc.;  b)  beim  rheumat. 
Sehiefhals  (Caput  obatlpum).  —  Kopf-Starre 
m  Ualsstarte  a,  b  (Kopfstrenge)  (Gr.  W.  V.  1780). 

—  kra mpf-et starrt  =  durch  Muskelkrampf 
unbeweglich  (Gr.  W.  V,  2011)  (Starrkrampf)-  — 
Ärtimm-Sterz  (Grimm?)  —■  gekrümmter  Tier- 
schweif, ein  Kinder  erschreckender,  grimmiger  Gci*t 
de*  Volksglauben»  (Grimmes,  Grimineis,  Bebell  SSL  SU, 
Kiiberagel —  Lachen- Starre  =  Totenstarre 
(■.  d.).  —  (1518)  MamimitfU-St&rZe  (stertze  der 
maiinsructen  —  satyria«i»  [ereclio  peni»],  II.  v.  Gersd. 
IM).  —  Nacken- Starre  ■  starrkrampfartige  Zu- 
eammenziehung  der  Nackenmuskeln  (llals- 
starre),  eines  der  ersten  Symptome  bei  dem 
durch  Mikroben  erzeugten  Tetanus.  —  Ochsen- 
StärZ  (1500  ossenstert;  1">07  o*sen*tertx  —  colurus, 
D.  IM;  II, 102)  =  Ochsenschweif.  —  Ragen-Starz 
=  der  FettBchwonz,  der  herausrngt  (Cr.  Vi.  VIII, 
Gl).  —  Ratten-Starz  (ndl  mtteateert,  De  cock)  = 
kahler  Pferdeschwanz.  -  SrWif/cn-Stärz  (-elken- 
»teert)  =  Hollenzopf,  Wichtelzopf,  verwirrter 
Haarschweif,  durch  die  ThUtigkeit  der  Saligen 
(«.  d.)  gebildet  (s.  Säldensch  wanz,  Weichselzopf) 
[RochBOll  I,  333).  —  Staup-BX&TZ  (Kifel.  stilisiert, 
fromm.  VI,  19)  =  ein  Pferd  mit  gestutztem 
Schweife,  der  einer  Staupe  (Fegrute)  ähnelt 
(s.  Staupe  2  b),   Rattenschwanz.   —  Toten- 


Starre  ■  Rigor  mortis,  die  4—7  Stunden  nach 
dem  Tode  an  der  Leiche  durch  Gerinnung  des 
Myosin  eintretende  und  allmählich  zunehmende 
krampfhafte  Verkürzung  der  Stamm-Muskeln 
und  harte  Erstarrung  aller  Gliedmassen  (Sam. 
411;  Ilyrll,  Auat.  90;  Schmidt,  Jahrb.  1895.  8.  87).  — 
(1060)  ver- starren  =  durch  Starrheit  ganz  un- 
brauchbar werden  (Christi.  Jahr  87).  —  8tarr- 
(Sterz-)  Bein,  -Frost,  -halsig,  -Kälte,  -Knochen, 
-Krampf,  -Seuche,  -Sucht,  -tot. 

Stadt.  —  Stadt- Gift. 

Statt,  f.  (Statte,  f.)  (zu  stehen  [a.  d.  bei  Staad]; 
ahd.  stat,  steti,  stata  —  Ort,  Stelle,  bequemer  Ort; 
mhd.  *tat,  stete  —  Ort,  Stelle;  angls.  «talhol,  t'oek. 
III,  146),  1.  «  die  für  den  betreffenden  Zweck 
der  Organthätigkeit  (Funktion)  richtige  Stelle 
am  Körper;  daher:  a)  die  richtige  Organ-  oder 
Gelenkverbindung  (H77  der  kinpnck  vert  aus  der 
stat  [Kinnliaekenliixation!.  Ortolf;  Gr.  W.  V,  477;  1197 
ussx  der  stet  =  luxatio,  Gurlt  II,  221);  aus  der  Statt, 
Stett  kommen  —  verrückt  werden  (Schmeller  U, 
793);  b)  die  von  der  Natur  schon  versteckten 
heimlichen  Glieder  (12.  Jahrb..  stat  =  podex,  Pfeiffer 
lt),  Hoden  und  Geschlechtsteile  (Pfeiffer  25.  33; 
14.  Jahrb.  stat  da  sich  dy  mau  vor  schäm  ungern  lehn 
lant,  Heeser  II,  Anh.  öl;  ndl.  k&stecl  —  Statt  -  Anus, 
V.  K.  IV,  Ii);  c)  die  eben  zur  Therapie  wichtigste 
.Sielle,  der  Krankheitssitz  (12C0  stat  -  di.-  blutende 
Stelle,  Pfeiffer  37;  mnd.  stete  =  Krankhelt«itz,  Mag. 
Barth,  lo.'a);  d)  die  natürlich  richtige  Kntbin- 
dungsstelle  (1391  die  stat,  do  doz  kiut  in  der  moter 
bauch  lelt  und  ezu  seiner  geburt  zut  b  matrix,  D.  351; 
das  kind  an  die  stall  bringen  —  natürlich  gebaren, 
Gr.  I>.  XI.  II,  HU).  —  tlGOH)  das  Kind  geht  von 
Statt  ss  wird  regelmassig  geboren  (lieyu.  i«o).  — 
2.  =  das  abnorme  Beharren  bei  einer  ruhigen 
Stellung,  Stillstand  eines  Flu«ses  z.  B.  (augls. 
siede  =  »tranguria.  rock.  II ,  400).  —  (1..02)  stet, 
Stättig  (15.  Jahrb..  Stedten  -  sterllla,  l>.  561;  1551 
stetig),  1.  =  beständig,  Contimit»,  auch  chronisch 
(Hock  39).  —  2.  =  stättisch  (s.  d.).  —  8.  «a  un- 
fruchtbar, nicht  brünstig,  geschlechtlich  passiv, 
die  Fruchtbarkeit  sistierend.  —  Stättiglteit 
(15.  Jahrb.  stedleheit  =  sterililas,  D.  551),  I.  sa  die 
trotzige  Slorigkeit,  baitnäckige  Unbeweglich- 
keit der  Pferde  ohne  Grund,  als  eine  Art  von 
Geisteskrankheit  aufgefasst  (Kalke  II,  333;  tipp. 
352,  v.  M.  I,  62).  —  2.  m  bestandige  Unfrucht- 
barkeit als  abnormes  Beharren.  —  stättisch, 
BtätBCh  ■  (durch  Verhexung)  mit  der  Stättigkeit 
behaftet  (Kalke  1.  c  ;  Itocbholz  II,  167;  Kuhn  II,  OS). 

—  bahn  -  stättig  =  auf  der  Bahn  nicht  vom 
Fleck  zu  bringen  (von  Pferden)  [Hohmellei  Et,  798). 

—  (1618)  Bin'  Statt  ("tatt  des  *pfi«senden  btutes, 
II.  v.  Qersd.)  =  das  \  cnenblut  in  den  grossen 
Lebergeftlssen  (Pfortader,  s.  Speisader)  (II.  v. 
Gersd.  212).  —  (164'.)  bose  Stätte  =  l'nsiatte  (s.  d.) 
!»-<.ler,  \V.  353).  Frauen- Stätte  (mnd.  de.  Steden 
der  frawen  de  dy  Wt  don.  Mag.  Harth.  91  b)  =  Frauen- 
Genitalien.  —  (I7,,e,  Geburtu-St&tt  -  Uterus  in 
partu  (Heyn.1*,  212).  —  Oe- Stätte  —  die  ausge- 
dehntere Stelle.  —  h<!<  •  '  .stattig.  1.  =  wider- 
spenstig wie  ein  Hammel,  störrisch  (v.  Pferden) 
(Schmeller  II,  79*)  oder  2.  =  bttr hämisch*,  sperr- 
hämisch*, am  Hammen  steif  (couf.  franz.  moutou 

43* 


Statt. 


Statur— Btaunen. 


m  distorsio,  Gnrlti,  106).  —  (K.90)  ffarr- Stättigkeit, 

Stättig  =  H.  StättiKkeit  (v.  M.  I,  62;  Schmeller  II. 
798).  —  Haupt-St&tt  (15.  Jahrh.  hoptstatt  =  calvari», 
D.  II,  68)  -  Sehitdelstelle,  Hirnschale,  Toton- 
kopf.  —  //«'/-Stätten  suchen  =  die  Sucht  der 
Sterbenden,  namentlich  der  Lungensttchtigen, 
vor  ihrem  Tode  Änderungen  ihrer  Umgebung 
herbeizuführen  (Arzt-,  Hemd-,  Hett-,  Zimmer-, 
I^ager-Wechsel).  —  (15.  Jahrh )  heimliche  Stätte 
(haimleich  stat  =  vulva,  Uyrtl,  K.  W  81.  137;  Schindler 

I,  1579;  1482  haymlichc  stat  =  reuaculura  [Hoden- 
gegend], D.  492;  II,  316;  ndd.  de  liemlike  siede  = 

'  genitalia,  D.  260;  hcmelke  siede  -  budibeda,  budibum 
[pndenda],  D.  Ii.  61)  =  Geschlechtsteile.  —  kahle 
Statt  (17.  Jahrh.;  Fr.  Kr.  B.  343)  =  haarlose  Stelle, 
Glatze.  —  Kinds  Stätte  [»  die  «tau,  do  doz  kind 
lict,  die  statt,  do  daz  treib  daz  kind  trelt,  I>leffeiibach : 
mnd.  kindesstede,  Mag.  Barth.  91a;  naeh  letzterem 
wenn  der  vrouwen  weh  ist  in  der  kindesstede  [matrix], 
das  hctMt  passio  niatrieis,  oder  um  den  Nabel  [naucll, 
das  erkenne  Mi  ihnen  dünket,  dass  sie  unten  zu- 
sammengebunden sind  und  stechet  so  als  ob  man  sie 
mit  Nadeln  steche)  =  Uterus,  Matrix  (Uyrtl,  K.  \V.  17). 
—  Kr. in  khi  i  tt  Statte  (1529  die  stadt  der  kranck- 
heyt.  Paracels.  de  imp.  E.  s)  m  Krankheitsherd, 
Krankheitssitz.  —  Kreit»  •  Statt  (Kreischta, 
Ob  -Bayern)  =  da«  separate  Geburtslager,  wo  die  krep- 
pende Mutter  liegt.  —  Lebens- Stätte  (16.  Jahrh  eyn 
staf  dez  leben*  in  dem  leyb  =  vitale,  D.  623)  =  Lebens- 
sitz.  —  (IV  Jahrh  )  Aa/ur- Stätte  (die  stat  der  natur, 
Schmeller  I,  1769;  Gr.  W.  VII,  436)  =  Erzeugungs- 
ort  durch  die  Genitalia  (  =  Natur,  s.  d.)  —  (1483) 
Nieren- Stätte  (niersut.  C.  v.  Megbg.)  =  Nier(en)- 
slall  (s.  d.).  —  (1702)  reit-,  rifr-stättig  (seh)  — 
widerspenstig  beim  Reiten  (von  Pferden)  (Sehn. 

II,  79S).  —  Sch)w  iss-  Gestatte  =  Nates  (Uyrtl, 
K.  w.  199).  —  »ehre  Stätte  (aet  stat.  Sehm.  i.  iss, 
z.  9)  =  die  schmerzhaft  eiternde,  wunde  Körpei- 
stelle.  —  «Mi- stättig  =  widerspenstig  beim 
Stehen  (von  Pferden)  (SchraeJlet  IT,  798).  —  (mnd. 
tonen  Statt  («te  donen  stat.  Mag.  Barth.  91a)  =  ge- 
schwollene Genitalien.  —  (1260)  tougen  Stat,  f. 
=  geheime  Stelle,  Genitalia,  Scheitle  als  Scham- 
teil (Pfeiffer  83;  Schmeller  I.  69.-.;  II.  792).  —  <Vll- 

Stätte  ■  Locus  infaustus:  „er  ist  über  eine 
?  'fr- statte  gegangen"  =  plötzliche  Erkrankung 
durch  den  KinHtiss  von  Dämonen  (Lammert, 
Volks  Med.  82),  die  an  Spukorten,  in  loci«,  ubi  spectra 
regnent  (Bilwizbaumc ,  Ausgnss- Stellen  [s.  Malgus.], 
Thürschwo'le,  wo  Bulwex  -  Bilder  [as  Alzraftnnlein] 
oder  Abortusmolen  |—  Alp]  vergraben  sind,  s.  Verf. 
V.-Med.  S.  196),  als  Naehtseiiatlen  (s.  d.)  umgehen  oder 
als  graues  Bergmannlein,  da»  dem  t'nstilltkraut  (Tha- 
lielrum  flamm,  Jessen  400,  aueh  Kualienhold,  Knapp- 
holt, Kante,  Heilblalt  genannt),  den  Namen  gab;  meist 
Ist  dadurch  a)  der  Herpes  labialis  (s.  Koriceken),  die 
über  Nacht  auffahrenden  l.ipj>enblÄschen ,  b)  habi- 
tueller Abortus  oder  c)  die  rhnehili«che  Kinderabzeh- 
rung  angedeutet  (1729;  v.  (lehren,  v.  Gespenstern  6); 
(1615  wenn  man  mit  einem  klnde  über  ein  boeao  Btaedtc 
gegangen  so  werden  diekinder  sehr  krank  und  schreien 
sehr.  Coler,  W.  35»;  Wd.  B.  152)  (f.  auch  baum- 
leihig).  —  (1601)  W,  ,•/.- Statte  (des  Herzens)  = 
Herzkammer,  wo  die  Funktion,  das  Werk  der 
Herzthatigkeit  sich  besonders  äussert  (Uyrtl, 
K.  w.  83).  —  stäte(r)  Bauchflus»,  -fe»t\ 


Statur,  f.  (1420  statnre  aus  lat.  «tatura  =  statu«, 
hominis,  d.  551)  -  Postur,  Positur,  Gestalt. 

statzen,  Statzger,  statzgen,  staxen.  stal- 

Zeln  (1412  slaczoter  -  balbus,  Schmeller  II.  799,  MM 
statzger  =  balbus,  D.  66;  1512  statzgen  -  labare.  D.  313; 
1591  staUer  -  balbus.  Had.  Jun.  394;  1612  statzer. 
II.  Sachs;  1618,  1620  statzgen,  statzen.  stalzeln  = 
stammeln,  Dr.  Minderer;  Schmeller  II,  799;  A.  v.  IT. 
II,  878;  Nelienfnrm  ist  auch  stalzeln  [mhd.J,  Schw.  t.sl). 

—  Stutzer  -  der  so  spricht,  als  ob  seine  Zunge 
starzt  (b.  o.),  starr,  unbeweglich  wird,  stockt 
unterm  Sprechen.  —  statzen  (statzgen,  staxen) 
=  Starzend,  stockend  sprechen,  stammeln, 
stottern  (Jotacismus),  gleichsam  wie  befangen, 
zungenschwer  sprechen  (Ooen  43). 

Staub,  m.  (zu  stieben;  ahd,  «toup,  stuppi;  mhd. 
stoup,  stüppc;  1731  stoben  =  pulvis,  Staub,  Ausein- 
andergestobene«, Gesttipp,  Gestüpp,  Kluge1,  3-59;  1740 
staubleln,  Seitt  I,  535)  =  staubförmige  Trübun« 
des  Gesichtsfeldes.  —  (1839)  ^6-Stäubuug  = 
eine  staubförmige  Abschilferung  der  Kopfhaut 
(Staubgrind,  Defurfuratio)  (Behrend  19)  —  (15T.0) 
0*  stüpp  =  das  staubförmige,  wolkige  Urin- 
sediment (Künlgsjp.  60).  —  (1842)  //-("/-Staub  = 
Hautabschuppung  in  Kleienform  (Falke  i.  380). 

—  Staub -iMefcfr,  -Grind,  -Haar. 

Stauchen  (vorgerm.  stug;  germ.  sluko,  stukjo; 
altnord.  stükan  =  aufschichten,  stossen;  1612  stauchen 

bedrücken.  H.  Sachs).  —  u (//'-stauchen  -  den 
Fuss  aufwärts  stonsend  verstauchen  (Gr.  w  1, 34.'i). 

—  u'-'i  >-  stauchen  ■  die  Hand,  den  Fuss  so 
stossen,  dass  die  Teile  daran  Ober  Bich  selbst 
stauchen,  sich  aufschichten,  verstauchen.  — 

1 Stauchen  (ndd.  verstuken)  =  die  Glieder 
zer-  | 

und  Gelenke  so  stossen,  dass  sie  in  ihren  Fugen 
und  Verbindungen  fflr  eine  kurze  Zeit  ganz 
verschoben  (franz.  entorse)  und  ihre  Weichteile 
so  gedehnt  sind,  dass  die  Glieder  unbrauchbar 
sind;  bildlich  auch  von  den  alten  Chirurgen 
übertragen  auf  den  durch  Speisen  und  Getrilnke 
maltraitierten,  „entrichteten"  Magen  (Gastri- 
cismus;  Decrochement  de  l'estomac)  (Bris».  i6s; 
Pauli  :.;  Göldschen.  79).  —  V-  >  s tauch theit  (ndl. 
vcrstuycktheldt,  üe  Coek  :;03)  =  der  Zustand  dea 
Verstauchlseins. 

Stauen  -  {atamn  machen  's.  staunen];  ahd., 
mhd.  stouwen;  mittelengl.  stautiehe  bloode,  Hein- 
rich 3,  am. -engl,  stows,  Janus  1898,  die  durt^h  die 
Milchsieehnis  [s.  d  ]  veranlassto  jstarrhelt  der  Hinter- 
extremitAteii  [Kreuzlahme]  des  Herden vlch»,  welche« 
eine  lahmutigsarlige  Schwache  der  Hinterbeine  zeigt, 
so  dass  es  sich  wie  faul  dahiuschleppt).  —  ßlut- 
'  Stauung  -  langsamer  Blutlauf  mit  Neigung  zu 
(■erinnung,  Thrombosis. 

staunen  (indogerm.  stu  \"'nu]  —  starr  sein  ;  ahd. 
stunön  —  starr  werden  ;  1730;  Schweiz)  —  a)  träumend 
vorsieh  bin  blicken;  b)  (von  Schweinen)  nach 
dem  Männchen  verlangend  still  stehen  (Sehm.  II. 
764).  —  Elfen -Staune  (elvinstung.  Köhler  SO; 
Kluge*,  360)  =  elbisch  veranlasste  Starre  (s.  d.) 
des  Körpers,  Katalepsie.  —  ZdAne-Staunung 
=  Zustand  des  Stumpfset  na  an  den  Zahnen, 
Langwerdens  der  Zähne  (Schmeller  II,  764  ff  ). 


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Staupe. 


staxen— stechen.  G77 


Staupe,  f.  (Stupcrchen.  Stuipe)  (aitfries.  stupa; 

nihd.  stüpe;  früb-ndl.  stuipen,  De  Cock  S2;  Kluge*, 
300  =  [ursprünglich]  der  festgestaute,  starre  Schand- 
pfahl  zur  Züchtigung  'c*stigatlo]  der  Verbrecher  mit 
der  «tupfenden  Rute  Ivlrga].  übertragen  auf  die  Be- 
rührung oder  Bestreichung  mit  einer  ,,geschincis>igen 
Rute"  [Ansteckung],  H.  Sachs),  1.  =  Strafe  (poena), 
Plage,  Zucht  (<ler  Gottheit)  durch  Krankheit, 
namentlich:  Eclampsia  infantium,  Epilepsia 
(Gr.  D.  M.  If,  1110.  Haitau*  1738;  De  rock  93,  Falke  II, 
337).  —  2.  —  der  Zustand,  wo  die  borstig  auf- 
gestellten Stauphaare  (s.  d.)  sieh  zeigen, 
x.  B.  beim  Frost,  Fieber,  Hautausschlag  (Uftnse- 
haut),  daher  Staupe:  a)  Anfall  von  Frost- 
achauder,  Schäuerchen,  Stüperchen,  Frais, 
Gichtern  der  Kinder  es  (1723  Staupe,  The»,  »an.  Br. 
418,  ndl.  de  stülpen  -  de  Hessen,  De  Cock;  V.-K.  1896, 
1S97,  10..),  welche  plötzlich  „auffuhren"  (Gr.  W. 
I,  612)  unter  frostiger  Gänsehaut  (s.  d.),  wobei 
die  Härchen  sich  Btarr  aufstellen  (Wuttke  m  vi2) , 
b)  eine  Epizootie  der  behaarten  Tiere,  z.  B.  der 
Hunde  (eine  ansteckende,  fieberhafte,  akute, 
katarrhalische  Bronchitis)  (Forster  II,  306,  Zipp. 
703),  wobei  diese  Tiere  die  Haare  borstig  auf- 
stellen (vergl.  weisse  Borste  und  Stuben)  und 
desgleichen  einen  pustulösen  Ausschlag  in  den 
Haaren  zeigen  (Schafe,  Pferde  und  Rinder) 
(Meyer.  Konv.-L.  XVI,  398;  Falke  I,  422);  e)  der  Er- 
gotismus (Brodseuche)  wegen  der  Formikation 
und  Gänsehaut,  Cutis  anserina  infolge  der  Ein- 
wirkung des  Mutterkorns  auf  die  glatten  Haut- 
muskeln (Kornstaupe,  Kriebelsueht);  d)  Weide- 
krankheit oder  Brandwut,  Milzbrand  (weisse 
Borste)  bei  Schweinen  (De  Cock  V.-K  189.'».  8.  12). 

—  3.  -  Sucht,  Krankheit  im  Allgemeinen,  eben 
herrschende,  bekannte  Seuche  (ndl.  seske«  - 
stuipe,  V.-K.  VIII,  Mi  Falke  II,  :t:i7)  oder  ein  oft 
wiederkehrendes,  kleineres,  sozusagen  alltäg- 
liches Leiden,  Pein  beim  Menschen,  Krankheits- 
Anfall.  —  4.  =  Staupe  auch  Anfall  von  Laune 
(Hundswut)  (Meyer,  Konv.-L.  XVI,  3«)  —  (1842) 
Augen  -Staupe,  1.  =  Conjunctivitis  epizootica 
aphthosa,  starke  Mitbcteiligung  der  Augen 
und  ihrer  Umgebung  am  aphthösen  Prozesse 
der  Maul-  und  Klauenseuche  des  Rindes,  wobei 
die  Haare  desselben  Bich  stauppend  aufstellen 
(K.  u.  P.  II.  478).  —  2.  =  Hornhautentzündung 
nach  der  Hundestaupe  (Falke  I,  87;  Pierer7,  H,  38). 

—  Blu Staupe  -ine  Milzbrand  -  Kpizootie 
unter  den  Schafen  und  Lämmern,  bei  welcher 
die  Tiere  Blut  harnen  (Haemaglobinuria)  und 
die  Wollhaare  stäuppend  aufstellen  (Gr.  W.  Ii, 
192;  Zipp.  613).  —  böse  Staupe,  1.  die  böse 
Krankheit  =  FJpilepsia  (Meyer,  Konv.-L.'.  VI,  18*; 
Falke  II,  337),  Hysteroepilepsie,  Staupe  1.  —  2.  = 
die  Brandwut  der  Rinder  (<;r.  W.  II,  302)  = 
Staupe  2d.  —  Hunde  Staupe  =  Staupe  2 b.  — 
(1717)  Kot  n  Staupe.  1.  -  die  Kriebelkrankheit 
(Ergotismus,  Brandseuche),  welche  Gänse- 
haut macht  neben  Ameisenlaufen  (Formiea) 
(Gr.  W.  V,  1831;  V,  2205;  Hecker  328;  das  Mutterkorn 
heisut  auch  Komstaupe,  Jessen  459).  —  2.  =  Rank- 
korn- Staupe  ;.Milzbrand,  Staupe  2d).  -  Mutter- 
Staupe  <=•  Hysteroepilepnie  (s.  böse  Staupe). 

—  Fest  Staupe  ■  Hundestaupe,  höchst  an- 
Bteckende  Seuche,  namentlich  1769  unter  den 


Jagdhunden  herrschend  (Heckerl,  147). —  Pferde- 
Staupe  =  epizootische  Pferde-Influenza,  Rot- 
lau fseuche,  Skalma,  Leuma  (Phlegma?)  equorum, 
Staupe  2b.  —  Stäup  v  •  z 

staxen  s.  statzgen  (Coeo  43). 

stechen  (stecken,  sticken,  Stick,  Stick, 

Stichel)  (vorbistor.  stlk,  stink  1«.  Stange  u.  Stunk;, 
vorgorm.  stig,  stik  [aTrrjia,  ex-tlngo,  iustigare];  gcrin. 
stek,  stikjan  =  sticken;  angls.  stencednys  =  An- 
steckung, '/.<;.  14") ,  ahd.  stecehen,  stehhan  =  stechen; 

,  stecken,  stecken  =  einen  Gegenstand  durch  Stoss  in 
einen  anderen  hineinbringen,  II.  Paul  434;  süceban, 
stlkan  —  stechen,  Graft"  VI,  627;  sticken  =  sticken, 
Kluge*,  361.  3f.2;  steceho,  stecko,  m.  stehho,  m.  = 
stechender,  Graft*  VI,  629;  stib,  m.  —  Stich,  stechedo 
[flxus]  =  telum  [Gcschoss],  D.  II,  360  —  pleuresis,  pleu- 
ritis,  dolor  lateris  acutus,  Graft"  VI,  637;  angls.  stice.  f. 
=  Stichempflndung.  Cock.  I,  370;  II,  170.  274  276.  400 
[sticce  —  fluidum  viseiduni,  Cock.  II,  406  zu  stecken, 

I  gestockt],  ahd.  stechedo  In  corde  —  Herzstechen,  Phy- 
sica  S.  Hildegardls,  (iraff  VI,  6S6;  12.  Jahrh.  stechedo 
=  pleuresis,  H.  Z.  XVI,  99  =  Seitenstechen;  13.  Jahrh. 
stechedo  —  eine  die  Pleuropneumonie  vertretende 
KrankhciUperson  in  einem  Baseler  Segenspr.,  II.  Z. 

|  XVII,  560;  mud.,  14.— 15.  Jahrh.  so  weine  en  adhere 
Natter]  oft  en  slange  [de  worme]  gesteket,  J.  f.  ndd. 
Spr.-F.  XV,  122,  130;  mhd.  stechen  =  stechen,  sticken 
■  sticken;  stecke,  m.  »Wehe,  m.  -  stechender,  SUck- 
busten,  Lexer216;  stich,  m.  =  Stich;  1200  »werden 
stechen  hat  oder  dem  wö  ist  in  den  siten.  Pfeiffer  22. 
47.  81,  der  steche  müet,  Pfeiffer  30;  SchuieUer  II,  724 
=  der  Stechen  beschwert,  plagt,  quillt  ;dämoiilstlseh], 
der  stech  In  einem  Segen  gegen  den  Nosch  [Singullus, 
6.  d.],  Mone'g  Anzeiger  VI,  463;  1521  stech,  «lieh,  m. 
=  pleuresis,  stechendes  Seitenweh,  D.  142,  1564 — 1565 
stich  =  eine  Pestepldemle  mit  Lungenerscheinungen 
[Schweiz],  Haeser  II,  321;  Lcrsch  266;  1591  stich  = 
Pleuritis,  Had.  Jnn.  376;  161C  stich  =  Sticbstelle  am 
Halse  des  Schlachttieres,  Heyne  I,  612 ;  1618  der  stechend 
=  pleurltis,  dolor  lateris  acutus  et  pungens,  Schmeller 
II,  721;  1742  süch  =  pleurltis,  Seitenstechen,  Zw.  983. 
1018;  [Oldenburg]  staeck,  Goldschm.  21.  111;  [Pfalz] 
Stechen  —  pleuresis,  volksüblich  meist  von  Winden 
oder  vom  Blute  abgeleitet,  die  sich  in  der  Brust  „ge- 
stellt" haben  [s.  blasiges  Seitenstechen],  Pauli  27; 
Beyn.*,  147.  14S;  [Schwaben]  Stechen,  u.  =  Selten- 
stechen, Buck  19;  [Bayern]  Stechen,  m.,  n.  Stecher,  m. 
=  das  Seitenstechen  bei  Heuropueumonia,  Pleuritis, 
Pneumonia;  engl,  stitch,  stick,  sting  -  Stich,  stechender 
Schmerz,  besonders  In  der  Seite,  Lehf.  106  .  231.  232; 
mlttelengl.  a  stlehe,  any  stiehe.  le  stlehu  =  apostema 
vel  passio  Inveterata,  Heinrich  149;  neu-engl.  stlchynge 
=  Stichnaht,  Gurlt  III,  349;  ob  stlthy  =  eine  Krauk- 
heit  des  Rindviehs  [Schweis«,  Rahe?]  hieher  ge- 
hört?). —  Stechen,  n.  1.  =  der  stechend  em- 
pfundene Schmerz  Oberhaupt  (nach  früherer  An- 
schauung durch  eineu  mühenden,  ijuttlenden  Krauk- 
heltsdamon  [Stechwurmi  verursacht  und  daher  mit 
Segensworten  [Longinus-Segen.Cock.  1,392] besprochen, 
aber  auch  mit  ,,Stich-\Vurzcu"  behandelt  [=  Bryonia, 
In  der  Physiea  St.  Hildegardls ;  angls.  stlcuyrt  =  ostrogo ; 
stcllarla,  Cock.  III,  304.  345;  agrlmona,  D.  II,  13;  engl, 
stitchwort  -  Cbamllle,  Kaltschm  l).  —  2.  =  nament- 
lich der  häufige  Schmerz  in  der  seitlichen 
Brustgegend  (Seitenstechen),  sowie  am  Herzen 


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«7S 


stechen. 


(Herzstechen)  und  zwar  infolge  von:  a)  Pleu- 
rodynia,  Geschoss  (s.  d.),  lateris  morbus  rheu- 
maticus;  bl  Pleuritis,  Pneutuonia,  namentlich 
bei  der  epidemischen,  asthenischen  Pneumonie, 
die  eine  seit  jeher  das  Menschengeschlecht 
betreffende  Krankheit  war  (s.  auch  Sod  1,  .ler 

durch  da«  wilde  Stichkraut  [Carlina  vulgaris.  Jemen  BS] 
auch  mit  den  Marzackeu  [Mistel  d.  Elche]  behandelt 
wurde.  Kr.  Kr.  B.  30)  und  wohl  zu  den  ältest- 
benaunten  Krankheiten  gehört;  c)  l'ericarditis 
(Nöscli)  und  Pleuritis  rheumatica  (Kaltveruieht, 
Apostemn,  stechende  Gicht);  dagegen  sollte  das 
Steckkorn,  Stichkraut  (Semen  eardui  Mariae)  helfen.  — 
Stich,  1.  =  der  einzelne ,  stechende  Schmer«, 
Nygma,  Nyxis  (Stichel);  (böhm.  «iflly,  Manuh.  23). 

—  2.  =die  Stichstelle  durch  Stechmücken  ;  Blut- 
egelstich  (seit  Nikander  von  Kolophou  200 v.  Chr.  »lud 
die  ßaugegel  medizinisch  gebräuchlich,  Clurlt  III,  565); 
Schächterstich,  Nackenstich  am  Halse  der 
Schlachttiere.  —  3.  —  das  Stechen  als  Krank- 
heit (s.  oben;  l/jrsch  208).  —  4.  —  Brustbein  beim 
Jagdtiere  (sternum),  wo  es  mit  dem  Hirsch- 
fänger den  letzten  Stich  ins  Herr,  erhält  (Hyrtl, 
K.  w.  208).  —  fv  ~  die  Stelle  im  Hühnerei,  wo 
der  Fruchtansatz  beginnt  durch  den  Hahnen- 
stich  (Tritt)  in  coitu  gallinae.  —  6.  =  Rausch 
(Hieb,  Schwips;  wie  ein  Taumel  durch  Schlag 
oder  Stich).  —  7.  =  die  Folge  der  Ansteckung, 
beginnende  Fäulnis,  wie  t.  B.  beim  an- 
gestochenen Käse.  —  sticken  (stecken),  1  = 
solche  Atemnot  (Dyspnoe)  durch  stechenden 
Schmerz  haben,  dass  man  dem  Ersticken  (s.  d.) 
nahe  kommt  (spiess  n,  213).  —  2.  =  (verallgemeinert 
dann)  ersticken,  aus  Mangel  au  Atem  sterben 
(Schw.079)  (auch  ohne  eigentlichenStiehschmerz). 

—  das  (Muskel  )  Fleisch  stickt  =  hat  einen  Stich, 
ist  angesteckt,  verdirbt  schneller.  —  es  steckt  = 
es  fehlt  an  Luft  beim  Atmen  («.  o.  sticken, 
stecken).  —  es  steckt  in  den  Gliedern  =  mah- 
nende Vorboten  von  Gliederschmerzen  haben, 
die  sich  als  Stiche  in  den  Gliedern  vorerst 
subjektiv  bemerkbar  machen  ohne  objektive, 
äussei e  Anzeichen  =  eine  schwerere  Krankheit 
droht  auszubrechen.  —  (1789)  Steckung  =  er- 
stickende Atemnot.  —  Stecher  -der  da  sticht. 
Im  Siedl  rlandlschen  ist  der  Begriff  dei  häufig  beobach- 
teten (entzündlichen)  nrustsilchc«  (Pneumonla;  in  den 
allgemeinen  Begriff  der  Entzündung  (ndl.  ontsteklng, 
De  Cook 8. 16. 201) überhaupt  übergegangen,  —  Stichel 
(ahd.  Htibhil;  mhd.  Stichel,  Kluge  *,  SSS]  =  Stachel 
oder  dasjenge,  das  sticht.  —  stingen  s  Stung. 

—  Alp(tn)- Stich  =  die  I'neumonta  asthenica 
(typhosa)  epidemica  (nach  Guggcnbühl  79  vom 
Alpenwind  [Fohn ?]  veranlasste IV-t  [Lau-anner  Fieber1, 
conf.  d.  Fohn  vom  ärztlichen  Standpunkte,  Balneol. 
Rundschau  1*93)  =  der  nach  dem  früheren  Volks- 
glauben Vinn  Alpdamonc,  der  im  Alptraume  Atemnot 
macht,  veranlagte  stechende  Schmerz,  der  die 
Atmung  so  hemmt,  dass  ErSticknngenot  ein- 
tritt; Im  tlrollschen  Kinderlied  (Zlngerle  IX,  Iis) 
gibt  die  Mutter  Acht,  dass  der  Alp  das  Kind  nicht 
erstickt.  Ber  Name  ,,Alp«tleh",  aus  dem  Volks- 
miinde  übernommen,  kann  nur  zum  dämoulsilschen 
„Alp"  Bezug  haben,  da  die  geologische  Sosologle 
(1771  Alpeustlch)  im  Volke  selbst  auch  heule  nicht 
zu  nndeu  ist.    Bit  arztliche  Schule  (in  der  Schweiz) 


Änderte  wohl  den  volksüblichen  Namen  Alp-ilch  in 
..Alpensticb"  um;  er  ist  ausserdem  nicht  einmal  an 
das  alpine  Hochland  der  Schwei«  gebunden  (Meyer. 
Konversatlons-Lex.5,  I,  4i5).  Ber  Alpstich  Ist  schon 
als  steehedo  eiu  uralter  Krankheltsuameu;  ,,dle 
dentale  Ableitung  -ido  (edo)  I«  t*el  alten  Krankheit* 
bezeichuungen  häutig"  (Kluge*,  139;  conf.  uagado, 
glhido.  scharedo,  juckido).  Bas  Festhalten  an  solchen 
begrifflich  langst  gegebenen,  uralten,  ererbten  Natnen«- 
formeu  Ist  gerade  bei  den  volksüblichen  Namen  be- 
greiflich, wenn  diese  epidemischen,  allgemeiner  ver- 
breiteten und  bekannten,  well  öfters  wiederkehrenden 
Krankheiten  (Suchten,  Seuchen)  zur  Bezeichnung 
dienen.  Bas  ililinontstl-che  Stechen  wird  dabei  durch 
Speere,  Lanzen  oder  sonstige  Geschosse  (s.  d  )  der 
Brtmouen  bewerkstelligt  angenommen.  Man  tollte 
gegen  das  Stechen  aus  den  Händen  vou  Frauen 
trinken,  die  Zwillinge  geboren  hatten,  d.  h.  aus  den 
ilttuden  derer,  die  unter  dem  besonderen  Schutze 
der  Fruchtbarkeils  -  Gottheit  stehen  (Schindler  II, 
72t).  Auch  die  Behandlung  mit  der  Eichcntulstcl  — 
Marzacke  ist  erwähnenswert  —  (in-stecken  (1550 
angesteckt  -  hereditär  syphilitisch  Innclert.  Fr.  II,  23S  ; 
lßSU  angesteckt  =  pestl  infeetns .  Gr.  Vt.  VII  1671; 
1797  ansteckend  =  virulentus.  bei  Pferden  durch  den 
Eiter  die  ltotzkrankheit  [Strcngel]  verbreitend,  P  Hoff- 
mann  V,  y9;  holl.  aangestocken  zijn  =  anfaulen,  aan- 
stekend ,  ont«teking  =  Entzündung),  1.  =  den 
Krankheitsstoff  (z.  n.  den  steckend,  d  h.  an  den 
Kleidern  befestigten,  haftenden  Parasiten  In  den  von 
anderen  ,, aufgeklaubten-'  und  wieder  angesteckten 
Kleiderstoffen)  übertragen  und  vermittels  der 
Ansteckungs-„\VTego"  bei  anderen  ansteckende 
Krankheit  erzeugen,  z.  B.  Krätze,  Räude,  Sy- 
philis, Kotz,  Typhus  (1810).  —  2.  =  angesteckt, 
Ansteckung  -  Abmagerung  durch  Lungen- 
leiden (Pauli  20;  (Übertragung  der  Bedeutung  atige- 
steckt, siech,  gebrechlich  auf  Lungcnlelden,  diestechcti- 
den  Schmers  machen).    —  .1  «SteckUQgS  -  übel. 

—  (1551)  Augen-,  (1782)  Augenbrauen-Stechen,  n. 
==  hitziger,  stechender  Schmerz  in  den  Augen, 
namentlich  infolge  von  fehlhafter  Stellung  der 
Lidhaare  (Dystichiasis  (Lonic.  s&t ;  Bock  45;  Gr.  ff, 
1.  H12  ;  das  ,,l!lenden"  [  =bIindmacheo]  geschah  früher 
auch  durch  das  Augen  -  .1  ^-stechen  (15.  Jahrh. 
aincr  di'in  dlo  ougen  sind  vss  gestochen  =  orbus, 
B.  399).  —  (15.  Jahrh.)  ZtowA-Stichel  (banksllchil  a 
proeubus,  B.  162;  II,  3ül)=der  Alp,  Mar  oder  Ko- 
bold, der  die  auf  der  Bank  schlafenden  Weiber 
im  Alptraume  (s.d.)  begattet  (s.  nachfolgendes). 

—  (17.  Jahrh.)  B  t».  ch- Stechen,  n.  -  der  in  die 
Bnucluregend  verlegte  Seitenstichschmerz.  — 
Batichstecher,  m.  =  Penis  (Damenstift)  (Fr.  Kr. 
B.  372;  Hyrtl,  K.  W.  203;  Schmeller  II,  721).  —  (1531) 
ße-8teckung  des  Atems  =  der  stechende,  hem- 
mende Schmerz  beim  Atemholen.  (Krautw.  I.XVIII). 

—  böses(er)  Stechen  (Stich)  -  böse  Stichkrank- 
heil, Alpensticb,  Pneutnonia  asthenica,  epi- 
demica (Guggcnbühl.,  Feierabend).  —  (15H)  Brust- 
Stechen  -  der  stechende  Schmerz  an  der 
Brustseite  (Plettresis)  (II.  v.  Gcr«d.  100,1.  —  örtwf- 
Steckung  »  Orlhopnoea  asthmatica,  Atemnot 
infolge  von  Brnslstechen  (Kraus,  E.  137).  —  (1776) 
Danen-,  Dassel  Stiche  =  der  die  Dasselbeulo 
(h.  d.)  erzeugende  Stich  der  Kindviehbremse 
(Helm  16 ;  s.  Osler.).  —  Dfjen-Stich  ■  Lanzen- 


siechen. 


Blechen. 


079 


Stich  (Falko  I,  208).  —  En /-steckung  (ndl.  ont- 
steking)  —  Entzündung  (s.  o.  S.  G78a)  (z.  B.  buidom- 
steking  b  Hautentzündung,  herscnvlies-ontsteking  = 
Hirnhautentzündung,  De  Cock  16.  201).  —  i  >  stecken 
(-Blicken)  (»od.  arstlchan  s  suffocarl,  Grafl  VI,  627, 
UM  ersticken  -  praefocart,  Pfeiffer  62;  1IS2  erwecken 
=  suffocare,  Zen.  Voc.  h.  i;  l.Vtt)  erateckung  =  suffo- 
catlo,  Künigssp.  48).  Es  Ist  mehr  als  wahrscbeiniich, 
dass  auch  der  ersteckend  wirkenden  Atemnot  mangels 
sichtbarer  äußerer  Ursachen  ein.'  damonhafte  (Al|>-, 
Mar,  Trade  etc.)  1'rsache  auch  In  jenen  Folien  zugrunde 
gelegt  wurde,  bei  welchen  der  Same  selbst  dies  nicht 
schon  andeutet;  so  ersticken  z.  R.  die  Al)>ilumonen 
im  Alptraume  oder  Alpdrücke  den  Menschen,  indem 
sie  ihre  rauhe  Zunge  (s.  d.),  dem  Schlafenden  in  den 
Mund  Ktecken  f  Lai.-tner).  —  ei  stecken,  ersticken, 

1.  =  durch  schmerzhaft  Blechende  Behinderung 
des  Almena  luftentziehend  töten,  z.  B.  durch 
das  erstickende  Halsgeschwär,  durch  auf- 
steigende Dämpfe  (s.  d.)  od.  Geister  (s.  d.).  — 

2.  =  (übertragen  ftnfj  jede  bedrohliche  Luftent- 
ziehung, Pniuma,  Pnixis  (durch  äussere  oder 
innerliche  Behinderung  der  Atmung)  auch  ohne 
stechenden  (steckenden)  Schmerz,  z.  B.  (1260) 
das  Kind  erstickt  im  Multerleihe  von  der 
smerwe  (Kindsschmals)  oder  von  dem  faulen 
Blute  (Pfeiffer  2..).  —  ^/fo--Erstick(nng,en)(i7i0) 

es  ist  noch  ein  ErMicken  herkommend  von  dem  Magen, 
so  von  Winden  und  zäher  »chleimlgter  Maleri  ist  auf- 
gcbla*en,  welches  den  Miltzsuchiigen  und  mit  dem 
Schaarhock  behaffteten  Brüdern  >,  d  )  nicht  »eilen 
w  iderfahret  n.  gemeiniglich  nach  dem  ffmm  anflehtet 
und  wird  eine  Aflter-Erstickung  genannt  .Seitz  I,  3us) 
—  tympanilische  Auftreibung  der  Gedärme  mit 
Atembeschwerden  bei  Kotverstopfung  im  Dick- 
darm oder  Afterdarm.  —  3.  =  hysterisches 
Krstickungsgefühl.  —  (lcoo)  gähe  .Erstickung 
(Guar.  74*).  —  4.  —  der  stechende  Schmerz  im 
l'nterleibe,  bezw.  an  der  Gebärmutter,  der  mit 
Atemnot  (Tympanites,  hober  Zwerchfellstand) 
einhergebt,  z.  B.  die  Anschoppung  der  Gebär- 
mutter mit  soviel  geronnenem  Blute,  als  ob  Bio 
„zum  Kt sticken  vollgestopft"  wäre  (Ixtchial- 
Coagula  mit  peritonitischer  Tympanites)  (1260, 
1483  das  er-tecken  an  der  muoter  =  praefocalio  ma- 
tricU,  Pfeiffer  82;  C.  t.  MegV.g.  326;  Gr.  W.  III,  100«; 
Plo««  Härtels  i,  276).  —  5.  —  die  in  der  Gebär- 
mutter zuiückgebliebenen  Molen-Teile  oder 
die  in  der  Ulerushühle  vorhandenen  Blutge- 
rinnsel galten  im  Volke  als  Kröte,  Krotolf,  d.  h. 
Krötengestalt  des  Alpdämon»,  der  von  hier 
aus  ebenso  wie  am  Halse  (s.  Halskröte  S.  333; 
Erstickungsgefühle  wie  im  Alptraume  machen 
konnte  (s.  Krüte  3  b).  Dann  „steigt"  die  kranke 
Gebärmutter  als  Kröte  „auf"  =  Passio  hysterica 
(Thes.  san.  260.  263;  A.  v.  II  I.  338.  80:.)  ■  ülobof 
hysteneus,  das  Krstickungsgefühl  der  Hyster- 
ischen, bei  dem  diese  glauben,  eine  aufsteigende 
Kugel  oder  Kröte  (Frosch)  stecke  fest  im  Halse 
und  bedrohe  sie  mit  Erstickung  (eine  Sensi- 
bilitäts  Neurose)  -  (16.  Jahrh  .)  Mutter-crsticken 
(Arxnbch  ).  —  stickte  Xägd*.  —  fauler  ('1765] 
fauliger)  Stich  ■  der  mit  einem  asthenischen 
Eieber  (Faultieber,  typhusahnlich)  einher- 
gehende Alpstich  (s.  d.)'=  Pneumonia  asthenica 
(Guggenbuhl.  Feierabend;  Haeser  II,  45«).  —  (18-11) 


flüchtige  Sticke  =  vorübergehende,  kurzdau- 
ernde, stechende  Schmerzen  auf  der  Brust  der 
chronisch  Lungenkranken  (Sobernheim  233).  — 
Um,'  .'.--Stich  —  die  Stelle  beim  Schlachttiere 
am  Genicke,  wo  durch  das  Stiebmesser  eine 
den  4.  Gehirnventrikel  (noeud  vital)  treffende, 
das  Tier  augenblicklich  tötende  Verletzung  ge- 
macht wird.  —  Gt-steck,  1.  —  Haubenstock  als 
Mittel  zum  Anstecken  ;  damit  verglichen  :  mimikloser 
Kopf;  bläbnäugiges  ÖrstecklMitu Fehles. ;  i  ruuell 
II,  172;  plieneegiges  Gesteck)  —  ein  solcher  Kopf 
mit  Blähenauge  (s.  iL),  einer,  der  nur  blinzelt, 
sonst  sich  wie  ein  Stock  ruhig  vorhält.  —  2.  = 
das  Rückgrat  als  Kollektiv  der  Wirbelknochen, 
die  in  der  Hüfte  und  im  Becken  stecken  (Schtn. 
II,  "28;  Ppiesa  II,  79).  —  3.  =  das  anhaltende 
Stechen  auf  einer  Brustseite  (angU.  gcstlce,  cock. 

I,  392).  —  (16S7)  G/i«/er-Stich  =  stechend  schmer- 
zende Gliederkrankheit  im  Gegensatz  zum 
Seilenstich  (Georg.  419).  —  Hahnen  ■  Stich  = 
Stich  4  (Schindler  D,  734).  —  (17.  Jahrh.)  Haupt- 
Stechen  =  Stiche  (Neuralgien)  im  Kopfe  (Fr.  Kr. 
B.  398).  —  heimlicher  Stich  =■  fauler  Stich,  der 

|  schleichend  auftretende,  heimtückische  Alp- 
stich (s.  d.)  (Feierabend  3;  Guggcnbühl).  —  Hers- 
Stich,  -Stechen  (ahd.  stechedo  in  corde.  Schnuller 

II,  721 ;  mhd.  herz  steche;  15.  Jahrh.  herezestych,  herten- 
steke  =  cardia,  carditu«,  D.  87;  II.  75;  Lexer  99;  1687 
suchen  um  das  hertz,  Georg.  396),  1.  =  Stechensucht, 

j  der  in  der  Herzgegend,  linken  Brustseite  auf- 
tretende, stechende  Schmerz  (bei  l'neumonia, 
;  Endo-   und   Pericarditis);  die  älteste  obJckUro 
Differenzierung  des  Alteren  blossen ,, Stechen''  (stechedo) 
,  durch  die  Lokalitat  des  Schmerze*,  die  subjektive 
j   Differenzierung  nach  der  Schraerzart  Ist  weit  älter.  — 
!  2.  =  (1756)  das  Herzersticken,  Asthma  eardiacuni 
:  (s.  Herzgesperr,  Herzgespann),  das  Gefühl,  als 
ob  man  ersticken  wolle,  mit  Schmerzen  in  der 
Herzgegend  (A.  v.  H.  I.  30ö).  —  3.  =  der  Herz- 
schhigfluss,  der  nach  dem  Volksglauben,  durch  den 
Stich  eine«  Wurmes  (Viper)  erfolgt  (Z.  d.  V.  f.  Österr. 
v. -K.  1,  162).  —  Hexen- Stich  -  Hexenschuas 
(s.  d.  U.  Hexe  8)  als  stechender  Schmers,  Lum- 
bago (Z.  f.  Ö.  V.-K.  1897,  S.  51;  Golth.  630).  —  Hits- 

Stich  -  die  Einwirkung  hoher  Wärmegrade, 
z.  B  als  Sonnenstich  (s.  d.),  der  heisse  Stich 
der  Sonnenstrahlen  (s.  slicksunnig)  auf  den 
Kopf  oder  die  Haut  (Gr.  w.  IV,  2.  1586)  (Seiriasis, 

-• '»»» «*  - fÄ. !  - 

prickelnder  Stichschmerz  im  Leibe  (Pr.  II,  79; 
Paracelsus;  angls.  Instlee;  engl,  iuwardstitch,  Cock. 
II,  170  275.  406)  im  Gegensatze  zum  ittoe  butan  innode 
(Cock.  II,  271.  276)  —  äußerliche  Stichclcmpflndung. 
—  kaltes  Stechen  -  rheumatische  Pleurodynie, 
stechender  Seitenschmerz  ohne  Fieberhitze  in- 
folge von  Erkältung  (Frostreaktion).  —  Kehlen- 
Stechen  (l'-OO  kselstekcu  =  jugularc)  —  Ersticken 
durch  Kehlkopfverengerung.  —  Kn  -  -Stecher 
=  ein  Mensch,  der  mit  seinen  ><  Füssen 
(Bäckerbeinen)  einen  scharfen  Winkel  iu  der 
Kniegegend  bildet,  so  dass  die  Inuenflächen 
j  der  Knie  sich  beim  Gehen  berühren  (Fromm 
j  VI,  298).  —  Lanzen  Stich  =  dreieckige,  degen- 
erier lanzenspitzlörmige  Vertiefung  an  den  seit- 
I  liehen  Halsteilen  des  besonders  geschätzten 


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«SO 


stechen. 


stechen. 


Pferdes  (Zipp.  xs;  min  u,  34.  U),  eine  vermutlich 
au«  dem  Orten t  überkommene  Bezeichnung,  da  ein 
Pferd  Mubameds  an  dieser  .Stelle  einen  Lanxenstlch 
erholten  haben  soll.  —  Lenden-Stechen  (mnd.  heft 
cyn  wyn^che  eynlsjteken  In  den  lendcu  so  lieft  he  das 
den  steyn.  Mag.  Barth.  103a)  =  Schmerz  h.  Lenden- 
Stein  oder  Nierenstein,  Nephrolithiasis  (Nieren- 
stich).  —  Lungen  Stechen  —  Pfeiferdampf  der 
Pferde  (Falke  II,  IM).  —  Milch- Stechen  - 
der  stechende  Brustsehnierz  der  stillenden 
Frauen  (Neurulgia mammaria).  —  Milz  Stechen 
(16S2  Stechen  de«  Mütze«,  Ollt.  IV,  131,  Kr.  Kr.  B.  103; 
ndl.  mili  Dieken),  1.  der  hei  heftigem  Atmen 
und  Laufen  in  der  Milzgegend  eintretende 
Seitenschmerz;  mnn  glaubte  nueb,  du.««  die  Schnell 
Uufer  «ich  die  Milz  ausschneiden  lassen,  um  keine 
Behinderung  zu  haben,  Gr.  W.  VI,  220O  ff.;  De  Cock 
104).  —  2.  =  der  stechende  Schmerz  hei  der 

Pneumonia  1.  Bin.,  der,  weil  dem  Seiten-  oder  Alp- 
stich  gleich,  besprochen  wird,  Wuttkc  337).  —  3.  — 

Milzsucht  (the  «picen,  Krau«,  K.  976)  -  hypochon- 
drischer Schmerz,  Spleen.  —  (1725)  Mutter- 
Sticken  =  Mutter- Krsticken  (s.  d.  o.)  (The«,  «an. 
Br.  260.  263).  —  .V.  ig,  (-  Stich  =  der  plötzliche 
Schmerz  des  Pferdes  heim  Einschlagen  der 
stechenden  Nagelspitze  in  das  sogen.  Leben 
des  Hufes.  —  Xieren  ■  Stich  —  der  stechende 
Schmerz  in  der  Nierengegend  infolge  von 
Nierensteinen  («r.  w.  VII,  831).  —  Mwc/  Stich 
ss  Urticaria  (s.  Nessel;  (ronf.  engl,  nettel  stinging 
—  Nesselfleber,  Lehi.  200).  —  Ohren  -  Stechen  = 
stechender  Schmerz  in  den  Ohren.  —  Seiten- 
Stechen  (-Stich)  (1<».  Jahrh.  Stecher  in  der  selten, 
Sehmell.  r  II,  721 ;  wem  die  selten  oder  der  stechen  wie 
tue,  L  eod.;  1091  selten  stechen  so  vom  phlegina 
kommt  [Seitenstechen  v.  Brustver«ehlelinungl,  Tabern. 
82;  163$  In  sorgliehen  Schwachheiten  al«  Apo*temen 
oder  Seytenstechen,  Glirlt  III,  21 ;  mudl.  steeetc  van 
der  [lu  de]  «Idcn,  de  Vr.  4«.  50;  ndd.  sltstaceh  =  Seiten- 
stechen, Göldschen.  21.  in).  —  der  Seitenstecher 
(H.  BemdlktlnerJaJ»  B>  381)  m  (1792)  Seitenstich  = 
di<-  Krankheit  de«  Kaisers  Leopold  II.  vou  Österreich 
(VIerordt  loi),  1.  —  der  entzündliche,  stechende 
Schmerz  bei  Pleuritis  Hippokratis;  (Seiten- 
apostem),  Pneumonia,  Dolor  lateris  acutus  et 
Illingens  zum  Unterschiede  vom  blossen  (alteren) 
„Stich"  (steehedo).  —  2.  =  der  nicht  entzünd- 
liche SeitetiKchmerz  (Pleurodynia,  Seitenge« 
schoss).  Die  dAmonlBtÜehe  Ätiologie  ergibt  sich 
1)  aus  einem  angel«Ärh«ischen  Segen,  In  welchem 
geschildert  wird,  wie  Hexen  über  Land  retten  und 
gellende  Speere  (Geschoss,  s.  d  )  versenden,  die  den 
Kranken  Seitenstechen  verursachen  {Maunhardt,  Z.  f. 
d.  Mythol.  III,  107);  die  mit  dem  Seitenstechen  be- 
baftelen  Kranken  rufen  in  dem  angelsächsischen 
Segenspruche  Januar*  Hammer  herbei  gegen  die 
Schwarz-Alfen,  die  ihre  Pfeile  als  elbisehe  Cielster  ab- 
schössen und  nun  vom  Donnar  im  Zaume  gehalten 
«erden  sollen  (Z  d.  D.  0.  A.-V.  INI,  S.  350);  auch  bei 
den  altheUlul.-cbeti  Letten  wird  der  Illitz^ott  Pehrhons 
zu  Hilfe  gerufen  gegen  die  stechenden  Schmerzen  und 
das  dieselben  verursachende  Wildfeuer  iUlitz.»trnhl- 
Gescboss)  ermahnt,  unter  Bannworten  In  die  Erda  zu 
fahren  und  vom  Krauken  abzula-sen  (Bartels  in  d.  Z. 
d.  V.  f  V -K.  1885,  S.  13);  2)  aus  der  Bezeichnung 
,, Seitensiecher" ;  3.   aus  der  Besprechung  und  Be- 


schwörung (Wuttke  313) ;  4.  aus  der  Behandlung  mit 
Bocksblut  (1718)  und  Wildschwelnz&bnen  K  cb.  m. 
43.  8'J) ;  Karl  d.  Gr.  t  »13  am  Scitenstlch  (Mezler  100).  — 
(1716)  blahiges  Seite  »stechen  =  ein  steehenJer 
Schmerz  in  den  unteren  Brustseiten,  der  die 
Bauchniuskelbewegung  hemmt  und  durch 
Blähungen  veranlasst  angenommen  wird, 
falscher  Seitens« ich  1  (Gr.  W.  II,  G2;  Pauli  27).  — 
Blasen -  >  ..''.■•stechen  (16.  Jahrb.  seyttenstechen 
von  blasen)  =  Nierenkolikschmerz  (Seitensucht;, 
der  durch  Blasensteinentleerung  sich  endet.  — 
;  bösartiges  St ..stechen  =  fauler  Stich  (s.  o), 
|  epidemische  l'neumonia  asthenica  mit  hoher 
I  Sterblichkeit  unter  den  davon  Befallenen  (Gug- 
genbübl;  Feierabend)  (Alpstich,  bösartige  Stich- 
krankheit). —  chronischer  Seifert  stich  =  öfters 
wiederkehrender,  stechender  Seitenschmerz  bei 
chron.  Lungenleiden  (Kopp  II,  313).  —  falscher 
>'..''  .'istich  i. -stechen)  (1725  =  die  Winde  mischen 
pleura  und  muscull  intercostales,  Thes.  tan.  Br.  909; 
1807  „wenn  sich  ein  Flusa  auf  dio  Bnist  zieht". 
Ackorm.  87),  1.  -  der  nicht  entzündliche,  meist 
blos  rheumatische  Seitenschmerz  bei  Pleuro- 
\  dynia  und  Neuralgia  intercostalis,  früher  den 
I  Blähungen  zugeschrieben  (Verwechselung  von 
Ursache  und  Folge).  —  2.  —  vergleiche-  Verkehrte 
Pleuresch,  die  linksseitige  Pleuritis,  weil  nicht 
rechtseitige  (biw.  Medlk.  486).  —  galliger  Seiten- 
stich —  l'neumonia  btliosa,  die  asthenische 
Lungenentzündung  (Alpstich),  die  meist  mit 
gelber  (icterischer)  Verfärbung  der  Bindehaut 
und  der  Gesichtshaut  verbunden  ist  (Guggeu- 
bühl).  —  hitziger  Seifenstich  =  eine  fieberhafte, 
mit  hoher  Körperwarme  verbundene  Lungen- 
entzündung (Pleuropneumonia,  Pleuritis  acuta) 
(Guggenbühl).  —  (1529)  neuer  Seitenstich(ncwc  stiebe 
ynn  seltten,  Paracet«. )  es  die  dem  von  Paracelstts  als 
neue  Krankheit  bezeichnete,  dem  Merkuiialis- 
mus  bei  Syphilitischen  zugeschriebene  Pleuritis 
(Paraeels.  da  Impost.).  —  (1620)  pestilenzischer 
Seiten  stich  =  Pleuropneumonia  pestilens  (epi- 
demische, asthenische,  eeuchenartigauf  tretende 
Pneumonia),  Alpstich  (Dr.  Minderer).  —  (1725) 
rechtes  Seitenstechen  —  der  wahre,  entzünd- 
liche liippenfellschmerz  (Pleuritis  Vera)  im  Ge- 
gensatz-  zur  Pleurodynla  (Seitenstechen  2)  (The*, 
«an.  Br.  542)  (l'leureBch).  —  (1713)  unächtes  Seiten- 
stechen  =  Pleuritis  spuria(blbl.  Medlk. 4M»)  (s.  ver- 
kehrte Pleuresch  und  falsches  Seitenstechen  2). 
—  (1756)  wahres  Seitenstechen  -  der  Gegensatz 
zum  falschen  Seitenstechen,  Pleuritis  vera  — 
Pleurodynia  (A.  v.  h.  i.  1139)  (s.  Pleuresch).  — 

(1711)  Sonnen-Stich  (dan.  solslik;  schwed.  solstyng; 
boll.  zonnesteck;  engl,  sunstrocke  [Sonnenstreich, 
Hitzschlag])  tfX'jfjs:?,  -Etpiastt,  Insolatio,  So- 
latum,  Sideratio,  Morbus  solstitialis  s.  meri- 
dianus,  Siriasis  ;Hauli  Aeg),  coup  de  chaleur 
(Horton?  3up©C=  Hundestern),  Hyperaemia cerebri 
acutissima,  der  direkte  Kinfluss  der  heissen 
(stechend  empfundenen)  Sonnenstrahlen  auf 
den  ruhenden  Körper;  früher  und  In  Volksglauben 
noch  der  tückischen  Thatlgkcit  elbischer  Dämonen, 
s.  B.  Sehratzlein,  Luren,  Mittagsteufcl,  Mlttagsgelster, 
Mittagsfrnuen  etc.  «ige*chrieben  (I,ai«tner  I,  US;  Z.  d. 
D.  Ö.  A.-V.  IHM.  S.  105);  der  Morbus  mcridlauus  (stehe 
Mittagsgespenst)  wurde  von  den  Griechen  Akkedla 


stecken— steif. 


steigen. 


(s.  Unltifi)  genannt,  die  Böhmen  heimsen  ihn  poledniee, 
die  Polen  Dzlewana,  die  Leute  in  der  Oberlauslu  De- 
witz« («.  darüb.  Schelble  IX,  6:»;  Kalke  II,  320;  M.  II.  L. 
1,  585)  (s.  Hitzschlag),  Blatt  10,  Sonne,  Ilitzsticb, 
lahm,Lichikrankheit,8ticksonnig,Sonnenkoller, 
Matrosenfieber.  —  Spinat- Stecher  =  Päderast 
(s.  8kytliische  Krankheit).  —  von  der  Tarantel 
'.»stocken  =  s.  Taranti8mus.  —  (1843)  Ver- 
steckung  -  schmerzhaftes  Stechen  beim  Atem- 
holen, Verfangen  (Kalke  II,  407).  —  Wurm- 
Stechen,  -stichig  (leis)  —  wie  von  Bohrwflrmern 
(l.ocusta  Paracelsf)  zerfressen  im  Kochen,  cariosus 
(Fr.  II,  76;  14.— 16.  Jahrh  ,  mnd.  wormstek,  J.  f.  nd. 
Sp.-K.  XV,  130.  132.  1.13)  -  Beinfrass,  Panaritiuin 
s.  Fingerwurm.  —  ter  stochener  StlM.  — 
Stick-  (Steck-,  Stichel-,  Stech-,  stechende  ■  . 
Stich).4d<7,  -Auge*,  -Blut,  -Bräune,  -Flu»», 
-Frais,  -GiclU,  -haarig,  -Husten,  -Katarrh, 
-Krankheit,  -Leber,  -Pein,  -Schritt,  -sehnig, 
-sonnig*,  -Sucht,  -  Werk,  -  Wunde. 

stecken  s.  stechen  =  machen,  dass  etwas  fest 
haftet  (durch  einen  Stich).  —  rer-steckter 
Katarrh,  Weichselzopf. 

Steert,  m.  s.  starr. 

Stetten  (Stift),  m.  (indogerra.  stlp- ragen  [stlpcs 

-  Pfahl;  Renn.  Mit  =  steif;  ahd.  steft;  tnhd.  sleft, 
sUft,  Kluge*,  3»".0.  363 -  steifer  Dorn,  Stachel,  .runder, 

lugespitit.  r  Korper").  —  Stetten,  Stiften,  pl.  = 
die  kleineü,  spitzen  Enden  der  Haare  und  der 
Kielfedern  (s.  Kinne,  Stoppeln  u.  Gänserupfen), 
die  noch  in  der  Haut  bei  Kopfgrint  (Ausschlag) 
(Z.  d.  V.  f.  V.-K.  imw,  .io),  auch  in  der  Haut  der 
Gans,  Ente  haften.  —  Bleistift- Kot.  —  Damm- 
Stift  =  Penis  (s.  Nagel,  Biller'  und  Pinkel).  — 
J/crz-Steften  —  das  bei  rhachilisclieu  Kindern 
in  der  Herzgrube  stark  vorspringende,  scharfe 
Bein  (s.  d.*)  u.  BruMbein-Schwertfortsatz  (Pro- 
cessus xyphoideus),  der  nach  Volksauschauung 
ein  schlechtes  Lebens  Prognostik. »n  l«t. 

Steg,  rn.  (ahd.  stee ,  mhd.  stec  =  der  höhere  Weg, 
den  man  besteik-t  ;i>amm])  =  (1675)  Perinaeum,  der 
Damm  als  Scheidewand  (s.  d.)  zwischen  After 
und  Scham  (Hyrtl,  K  w.  i6t).  —  Steg  Bein,  -Raff, 
-reif. 

stehen  (Steher)  *.  Stand.  —  steh- stättig. 
stehlen.  —  Molken- Stehlerin  (m.  jahrh.  die 

vng.  tniwe  molken.itell.  n  du  solt  minir  tur  vorvelen, 
.«sitz.-Ber.  1S67,  8.  7;  Bebel!  573)  =  Hexe  (s,  d  ),  die 
die  Milch  aussaugt  (s.  d.)  oder  den  Milchtluss 
zum  Stehen  bringt  oder  stellt  durch  Krank- 
heiten, deren  erstes  Symptom  das  Ausbleiben 
des  Milchflusses  ist.  —  Stehl-  Trieb. 

steif  (Steifigkeit)  (IndOgerm.  stlp  ragen  [stipes 
=  Plahl,  obstipi:<;  gcrui.  stif,  Kitiee  *,  .JCü  lt. ;  ndd. 
stll;  engl.  dealh  »tifTness  =  Totenstarre)  -  starr,  un- 
beweglich, krumtuhalsig.— Steifigkeit  =  Starre. 

—  Steife,  f.  =  die  Gelenkseuche  der  Schaft-, 
wobei  die  Glieder  starr  gehalten  werden  (Zlj«p. 
C29).  —  A  steifimg  —  der  Zustand  der  begin- 
nenden Leichenstarre  (Kalke  II,  337).  —  Gelenk- 
Steifigkeit  =  Ankylosis,  eine  abnorme  Ver- 
einigung der  Gelenkenden  durch  starre  Ver- 
wachsung, die  die  Gelenkknochen  straff  in- 
einanderhält  und  unbeweglich  macht,  —  (1761) 


G/iVrf«-Steife,  f.  =  Priapismus  (L  eh.  70).  —  (1S21.») 
Greisen- Steifigkeit  —  die  durch  senile  Verän- 
derungen eintretende  Gelenksteitigkeit  im  Ge- 
gensatz zur  Steifigkeit  infolge  von  Krankheiten 
(Hofm.  .\rz.  44).  —  steif(c, er, c s)  Finger*,  Genick, 
Hals,  Kopf,  Xacken. 

Steigen  (Steig)  (indogerm.  stlgh  -  sehreiten  [ve- 
stlgium];  germ.  sttg  [Steg,  steil],  ahd.  stigan,  stig 
[Steig];  mhd.  stle,  stig,  stigen  =  stell  aufwärts  gehen, 
sieh  aufwärts  bewegen,  namentlich);  steigen,  1.  ** 
von  Dämpfen  (s.  d.  u.  Geist),  Flüssigkeiten  und 
Sekreten,  die  aus  Leibeshohlen  oder  Organen 
(Magen)  auf  abnormen  Wegen  «um  Kopfe 
Steigen,  „sich  versetzen",  „verechlagen"  und 
daselbst  krankhafte Erscheinungen(Metastasen) 
hervorrufen  sollen,  z.  B.  auch  Hundswut  (isi4; 
Cr.  W.  VI,  2200);  ferner:  die  Milch  steigt  in  den 
Kopf  m  Mania  puerperalis,  wie  sie  auch  nach 
unten  als  Blenorrhoea  puerperalis  (s.  weisse 
Milch)  zum  Vorschein  kommen  soll.  —  2.  = 
auch  von  Organen  und  Organteilen  selbst,  z.  B. : 
a)  der  Lunge  (a.  aufsteigen)  (1582  die  lunge  steigt 
In  die  kehle,  Lonlc.  171);  b)  der  kranken  Gebär- 
mutter; diese  sollte  wie  ein  Krtitentier  (s.  d.  u.  Krotolf) 
aufwärts  steigen,  entsprechend  der  Empfindung  einer 
aufsteigenden  Kugel  beim  Globus  hystericus;  auch  das 
„Manul"  (stellvertretend  für  die  „Mutter",  s.  unten) 
sieigt  auf  =  stosst,  hriegt  auf  (Singulars,  s.  Mar); 
c)  dem  Darmnetze  (1545  eplplocelc,  so  das  schmer- 
felliu  oder  geudel  [s.  d.  u.*':  in  den  Jlloden-]  sack 
hinab  zu  den  geinäehten  steigt,  Kyll;  Gurlt  III,  45). 

—  3.  =  das  Tiermännchen  steigt  auf  das 
Weibchen,  es  tretend  (s.  d.)  =  coit  (1515;  D.  131; 
seb.  120).  —  (1C20)  A  chsel  -  Steig  =  Clavicula, 
Schlüsselbein  als  stegartiger  Verbindungs- 
knochen (Zinke)  zwischen  Achsel  (üchsen)  und 
Brustbein  (Dr.  Minderer).  —  .4  «/-Steigen,  ID.  = 
das  in  die  Hoho  steigen  von  Sekreten  oder 
Orgauen,  bezw.  die  abnormen,  darin  ausge- 
losten Empfindungen.  —  Steig-atif  d'  Leut,  m. 

—  „mulierosissimus"  (Schindler  II,  742).  —  Achsel- 
Auf  steigen  (angls.  caxl  upstigo,  (  ock.  II,  302.  326) 
=  Luxation  des  Oberarms  nach  ol»en  oder 
vorne  von  der  Achsel.  —  Gallen-.4u/steigung 
=  das  Aufstossen  des  galligbitteren  Magen- 
schleims aus  dem  Magen  bis  zum  Schlünde 
(Gr.  W.  IV,  1. 1181).  —  (1691)  Lungen- .in/steigen,  n. 

—  kurzer  Atem  mit  Herzbeschwerden  bei  Em- 
physema  pulmonum,  bei  dem  die  Lunge  o.  Brust 
sich  sehr  in  die  Höhe  hebt  und  senkt  wie  ein 
fächelnder  Wedel  (17.  Jahrh.  dem  die  Lunge  In  die 
Kachle  steigt  oder  wachsst,  Kr.  Kr.  B.  315;  Tabern. 
»2g;  v  M.  11,25)  (Flabellum  cordis,  Lungendampf, 
Herzpuster).  —  Milch  -  .-tw/steigen  =  8.  o.  — 
(Här-)    Mutier-  ^(«/Steigen    (1551  auffgestlegene 

I  muter.  Hock  3J;  151*2  auffstclgen  der  baermuttor  — 
colica,  D-  131;  1612  aolsteigen  der  mutter  =  matriris 

I  s.  uteri  suftoeatlo  =  Kollkschuierit  [auch  beim  Manne), 
Gr.  W.  VI,  -SI2;  1725  baermutter  aufsteigen  =  sufto- 
eatlo uteri;  „ist  eine  fast  allen  Weibspersonen  bekannte 
Krankheit;  es  Ist  ein  einfältig  Sagen,  wann  die  Weiber 
fürgeben,  die  Mutter  steigt  mir  auf  oder  die  Mutter  ist 
mir  bis  an  den  Hals  aufgestiegen,  d«i*s  ich  bald  erstickt 
MM,  oder  die  Mutter  fahre  Ihnen  Im  I.eibe  herum", 
Thes  »an.  Hr.  260.  261;  durch  Besprechung,  namentlich 
aber  durch  stark  riechende  Hexenkräuter  soll  diese 


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«S2 


Stein. 


Stein. 


aufgestiegene  Mutter  „unter  sich"  gezogen  werden, 
worauf  sie  „zu  in  selber"  kommt.  Bock  33;  1742  auf- 
steigen der  uiulter  =  passio  liysterlea,  A.  v.  II.  I,  S04) 
=  Mutteraufsteigen:  1.  =  Globus  hysteriens, 
durch  da«  Aufsteigen  von  Geistern  (Dampfen) 
früher  ei  klärt;  vergl.  aufgestoBsene  Mutter, 
Hoppin,  Mutter-KrBtickung,  Irrgang  (Pauli  64; 
Du  fang«  III,  273).  —  2.  —  als  Mutterbeschwerde 
(s.  d.)  übertragen  auf  Passio  hysterica  =  Uterus- 
Kolik  (Bärmuiter- Schmerz).  —  3.  —  Bauch- 
grimmen überhaupt,  auch  bei  Männern  (siehe 
Bftrmutter  3).  —  (1740)  Balken-,  (1756)  Butter-, 
Latten  •  Steiger  =  der  auf  den  Dachbalken 
(hatten,  Bretter)  herumsteigende  oder  klim- 
mende Mondsüchtige,  Nacbtwandler,  Lunaticus 
(Pasewalk;  Schindler  1,  372;  Laistner  II.  317;  Urquell 
1895,  S.  115;  Z.  V.  1G7;  Seltl  I,  60S.  509).  —  (16(51) 

Lungen -Steigen  =  s.  Lungenaufsteigen  (Plctor. 
78).  —  (1620)  £7c/«m-Steig  =  Achselsteig  (r.  o.) 
(Dr.  Minderer).  —  Steig- Inn«,  -Reift.  —  S.  aucli 
Stiege. 

Stein,  m.  (gem.-germ.  slalua;  alid.  stein;  angls. 
Hönes  =  Steine,  Hoden  [».  Harte  •];  Mauas  —  Blusen- 
Mein,  1.  eod.  I,  39;  mhd.  stein,  Kluge*,  361;  m.-ndl., 
n  -ndl.  stecn  -  graveel,  De  Cock  215;  de  Vr.  44;  engl., 
1633  stones,  Gurlt  III,  37:.),  1.  =  steinähnliches  oder 
sandiges,  griesiges  Konkrement  aus  Sekreten  od. 
Steinstaubablagerungen  in  Organen;  ersteres 
namentlich  in  der  Blase  und  den  Nieren  (engl, 
gravelle;  dazu  1607  grauelaelillg  [ndl.]  =  calculosus, 
D.  89  -  mal  St.  Kcgnautd  [Bris».  301]  zu  renes,  Nieren). 

—  der  Stein  „berstet"  ~  «erbriebt  (vermeint- 
iieb)  in  der  Harnblase  in  kleinere  Teile  (  =  Gries, 
B.  d.  U.  Sand)  (12.  Jahrh. ;  Pfeiffer  16.  f><> ;  1-V  Jalirh.  stein 
calculus  [iuflrmllo.«],  D.  638;  1531  die  vrsach  d'  statu 
ist  ein  zi'isamenfnegüg  grober,  hitziger  vn  erzüntor 
feuchten,  Krautw.  I.XI  [man  Hess  den  Stein  aus  djm 
Schleime  des  Schlelmhautkatnrrhes  entstehen];  nach 
dem  angelsächsischen  Herbarium  des  11.  Jahrh.  [<  ock. 

I,  8.  3u'  , .wachsen"  die  Steine  lu  der  Wase  tanas 
weaxcth  on  blaedran];  narh  Klies  117  ]1532]  ..wachsen" 
in  6  Gliedern  des  Leibes  Steine,  und  zwar  in  der 
Lunge,  in  dem  Darme,  in  den  Nieren  oder  Lenden,  in 
der  Blase  und  in  den  Gleichen  der  Glieder  [Gelenken]). 

—  2  =  steinähnliche,  runde,  liarte  Körperteile, 
Knochen,  Altersdegeneration  (s.  steinalt  und 
Hütte*)  oder  auch  Hoden  (Testes)  als  besonders 
barte  Organe  (nngls.  wird  *e  swlle  awa  heard  «wa 
Man,  Cock.  II,  212;  engl,  stones  =  Ebergellen ;  dog- 
stoncs=  Huudsgelhn  [I'tlanze,  Hodcnkrnut],  Kaltschm. 

II,  221;  1543  «teln  «  Hoden,  Kyff;  Gurlt  III,  77), 
vermutlich  von  den  tierischen  Hoden  auf  die 
(kranken)  menseblicben  Übertragen  (Buck  16). 

—  3.  =  s.  Sand,  Gvps.  —  4.  =  das  Steinleiden 
(I.V.*;  Luther  VIII.  463).  —  Augen  Stein  [»Bd.  des 
selm  augono  staiu  sind  =  culus  pnpUlM  lapldeae 
sunt),  1.  —  die  Umwandlung  des  durchsichtigen 
Augensterns  in  trüben  Augenstaar,  den  man 
für  einen  Stein  hielt  (ahd.)  (Verka'kung  der 
Linse?;  (Groff  VI.  761;  couf.  engl,  walleye  =  gicln- 
auge  -  Staar).  —  2.  =  tierische,  besonders  harte 
Augenlinsen.  —  3.  ~  kalksalzhallige,  krank- 
hafte Gebilde,  kleine,  ttnregeltnüssige  Körper 
in  den  Augenlid-  (MeÜKmi'sehen)  Drüsen, 
durch  Verkreidung  des  DrüBenBekretes  ent- 
standen (Pieret1,  Ii,  3ä).  —  (1756)  Augenkiesd- 


Stein  ■  Ablagerung  von  Kalksalzen,  als  alte 
Kntziindungsprodukte  der  Augenlid  -  Drüsen, 
die  durch  die  Haut  sich  wie  kleine  Kieselsand- 
stückrhen anfühlen  (A.  r.  II.  II,  921;  Arlt  Ii).  — 
BackBtein- Blatter*  =  s.  bekannte  Rose.  —  (1382, 
1598)  Bezoar-  Stein ,  1.  =  Aegagropili,  gallige 
Konkretion  von  KrbBen-  bis  Hühnerei-Grösse, 
welche  sich  im  4.  Magen  der  Wiederkäuer 
findet  und  als  Gegengift  (per».  Badcxahr,  Krause  2. 
IM  ff.)  Verwendung  fand  (Wichn.  4;  Peters  II,  61). 
—  2.  =  „auch  eine  kugelförmige,  im  Blinddarm 
der  Pferde  krankhaft  sich  erzeugende,  steinige 
Substanz,  phosphoifaure  Ammoniak-Magneaia" 
(PicrerT,  1087),  Pferdestein.  —  Blasen-,  Blätteren)- 
Stein  (HS3  Jer  stain  In  der  pläteren,  C  ?.  Mcghg. ; 
Gr.  W.  II,  79;  VII,  834;  1592  plasen-,  Blatereteln,  Beb. 
44t.  501;  1616  Itlattersteiu,  Paracelsus;  1628  blatersteln, 
Gurlt  III,  111 ;  1741  adamita  =  ein  hattcr  weisser  Stein, 
so  sich  i'j  der  menschlichen  Harnblase  manchmal 
ansetzet,  Kirsch  21)  —  Steinbildung  in  dem  Harn 
der  Harnblase  (Harnstein  ,  Lithiasis  (Galeni  et 
Hippokratis),  Lapis  vesicae  contundus  (D.  i4s. 
Kraus,  E.  570),  die  Krankheit  Michel- Angelos  (1549; 
Uerger9).  —  (1842)  Darm  Stein  -  mit  kalksalzen 
imprägnierte  Konkremente  in  dem  Inhalte  der 
Gedärme  (Kotsteine  oder  Gallensteine)  (Kalke 
I,  20>).  —  falsche  Z)a»tnsteine  =  Ansammlung 
von  Krde  und  Sand  bei  tierischen  Pflamen- 
fressern  im  Darme;  Konkremente  mit  einer 
Schleimschichte  zur  Steinform  zusammenge- 
ballt. —  Drüsen- Stein,  L  =  die  manchmal  in 
diesen,  namentlich  in  der  Schilddrüse,  Vor- 
steherdrüse, Hoden  anzutreffende,  anomale 
Konkretion.  —  2.  =  Steinrotz.  —  Edel-Stem,  m. 
(in  Redewendungen):  er  handelt  mit  Kd,  /steinen 
oder  er  ist  .Eric/stein- Kramer  (Zw.  129)  -  Gutta 
rosaeea  wegen  der  tubinartigen  Röte  des  Ge- 
sichts -  Ausschlages  (Kupferhandol  etc.).  — 
Gallen-  {Gallenblasen-)  Stein  —  Btcinähnliohe 
(Cholestearin-)  Gebilde  in  dem  Inhalte  der 
Gallenblase,  welche  auch  Kalksalte  enthalten 
(engl  gall  stone).  —  (1756)  (zh'cri  Stein  -  verkalkte 
Gelenkmaus  [A.  r.  H.  Ii,  S9»).  —  grauer  Stein 
(14. — 15,  Jahrh.,  rand.  van  deute  grawen  stene,  J.  f. 
nd.  Spr.-F.  XV,  112)  =  der  weisslich  graue,  aus 
phosphorsauren  Erdnahen  gebildeto  Harnstein, 
der  nicht  so  häufig  ist  wie  der  rote.  —  Gries- 
Stein  =  kleiner,  griesförmiger  Nierenstein.  — 
Hahn  Stein  (15.  Jahrh  hnustein;  eyn  maghen  stecn 
des  hons,  D.  21  =  alcctorlus;  eyn  steyn,  den  de  hane 
telet  —  alectorlus ;  lapls  minnen-zleher,  -zaemer,  dorumh 
daz  er  die  frawen  Iren  mannen  mlnncn-zaem  macht 
der  Main  ls  gewachsen  In  der  cappän  lebern,  C.  v. 
Megbg.;  D.  II,  15)  =  Gallenstein?  Magenstein? 
vom  Hahn.  —  Barn-  (Harm-,  Härmen-)  Stein 
(1200  harnstaln  Pfeiffer  23;  1391  harmstein  —  calculu.«. 
D.  89;  15.  Jtthrh.  harnsteln;  1562  harmenstein,  Schm. 

1,  1162;  1>78  harmstein;  1590  harmenstein,  Gr.  W.  IV. 

2.  483.  491)  =  Steinbildung  in  dem  Harn  (Harm, 
s.  d.)  vom  feinsten  Sand  (Harngries,  Sedimen- 
tum  lateritium)  bis  zu  Faustgrösse  und  beson- 
derer Härte.  —  Herz-  Stein  (1489  hertstain  des 
plBtes,  Zeuing.  Voc.  qq  2)  o  die  atheromatösen 
Verkalkungen  am  Herzen  oder  die  verkalkten, 
steinalten  Kxsudatreste  einer  Herzbeutelent- 
zündung, die  wie  eine  Knochenkapsel  sich  utn 


Stein. 


Steiss— stellen. 


das  Herz  lagern  können.  —  „Eh  fallt  mir  ein 
Stein  vorn  Herzen"  ist  nur  subjektives  Kr- 
leichterungsgefühl  wie  beim  Alp.  —  Hirn-Stein, 

I.  =  kalkige  Konkremente  auf  der  harten  Hirn- 
haut (Gr.  w  iv,  2.  1562)  oder  verkalkte  Atherome 
der  Kopfschwarte.  —  2.  =  ein  bohnengrosser 
Stein,  den  man  zu  Heilzwecken  im  Hirn  di  r 
Kröten  und  Kapaunen  suchte  (Seb.  132  (Aphro- 
di-dakum    unil   l-oben  verlängernde«   Volks- Mittel] ; 

II.  A.  Kh.  10»;  Alpbg  :;s8;  D.  II,  311).  —  3.  —  pierre 
de  töte;  „il  etait  autrefois  un  dicton  populaire 
en  Holland:  en  parlant  d'un  individu,  dont 
l'equilibre  mentale  paraissait  de  ränge,  on  disait 
oommunement  de  loi:  il  a  une  pierre  dans  la 
lete"  (Janus  1897,  s.  393).  —  .rYtVscA- Stein  =  die 
mit  Kalkwalzen  inkrustierten  Bezoarsteine  aus 
Gallenfett  im  Magen  des  Hirsches;  sie  ent- 
sprechen In  der  rolksüblichen  Ätiologie  den  Alfkula 
(Elbotikngeln)  oder  Alpgesehossen  (Gr.  W.  IV.  2.  1570; 
Uebrceht  z.  V.-K.  8   330).  —  1 1«0<>)  Hoden -Stein, 

I.  -  die  mit  Kalksalzen  imprflgnierten ,  ver- 
alteten (steinalten)  Entzündungsprodukte  am 
Hoden  (Ei.Gaggle*),  die  diesen  sehr  hart  machen 
(Sandbruch,  Sandstein).  —  2.  =  recht  alte  und 
harte  Tierhoden  (E.  w.  I,  205 ;  Gr.  w.  iv,  2.  1654). 

—  (1592)  A";;  i/n?i' n-Stein,  I.  =  8.  Hirnstein  2. 

—  2.  =  p.  Hahnstein.  -  A7änM-Stein  =  Klau- 
belbein,  Pickelkote  (Schtn.  I.  1322;  1129  klaewbel- 
staln  =  sortissa,  artlcull  nulbus  luduut  puellae,  D.  II, 
8-13).  —  A'i  .'-Stein  =  die  mit  Kalksalzcn  imprilg- 
nierten,  stein  artigen  Gebilde  (Caprolithos)  im 
Darminhalte.  —  Kröten  -  Stein  =  Hirnstein  2 
(craden  steyn;  1412  krottensteln ;  1812  crottenslaln  = 
boraz,  crapodlna  [franz.  crapaud",  I>  1,  "'.»;  II,  57; 
l(il2  ein  krt»-t  ist  kalt  und  gar  vcrgilTt  treRl  ein  stein 
In  dem  kopff  gestillt,  FI.  Sachs;  Alpbg.  261;  Schnieder 

II,  739).  —  Ickr-Steine,  1.  =  steinaltige  Gebilde 
in  der  Leber  bei  Menschen  oder  Tieren  (Gr.  W. 
VI,  464).  —  2.  =  Gallenstein,  Hepatites  (Kirsch 
SM).  —  lehmiger  Stein  II  — 15.  Jahrh.,  rand.  is  U 
en  lemich  sten  so  licht  lt  also  lein  stucke  an  der 
grünt,  J.  f.  nd.  .«pr.  F.  XV,  112)  -  ein  lehmfarbiger 
Harngries.  —  Ldfc-Stein  (1120  steyn  im  Hb»«  = 
calculus,  D.  89)  —  Lenden-,  Nieren-,  Leber-, 
Darm-Stein  etc.,  der  sich  beim  Schlachten  im 
Leibe  vorfindet.  —  Lenden- Stein  (UM  Icnden- 
stain,  C.  t.  Meghg.;  V6.1  lendstein.  II.  Sachs;  Gr.  W. 
VI,  TU;  VII,  831  [I  rolithiasis];  US2  den  weetag  der 
«eyten  vom  stalti  =  lllhvsls  'I.cndciisucht,  Zening.  Voc. 
00  1;  engl  hipstonc  -  HuItsteitO  -  Nierenstein 
(I-ende  =  Niere).  —  Lungen  Stein,  1.  =  Ab- 
lagerung von  .Steinstaub-Konkrementen  in  den 
Luftrohrenasten  bei  Steingruben  -  Arbeitern 
(Steinhauer- Krankheit)  (Gr.  \V.  VI,  1305),  lea 
pierres  du  poumon.  —  2.  =  verkalkte  Tuberkel- 
lierde  in  den  Lungen.  —  J/V/</cn-Stein  =  das 
meistens  nur  im  Magen  der  vierffissigen  Tiere 
(a.  Hiischstein)  vorkommende,  steinartige  Ge- 
bilde, aus  Kalksalz-Imprägnationen  und  Haar- 
ballen bestehend,  Gastrolith  (Gr.  W.  VI,  1141).  — 

Xascn-  Stein  ~  die  mit  Kalksalzen  impräg- 
nierten Konkremente,  aus  eingedicktem  Rasen« 
sekrete  bestehend.  —  Nieren- Stein  lengl.  «tone 
In  the  kldney  [s.  Niere];  15.  Jahrh.  nlerstain  =  neph- 
reais,  D.  II.  263;  1  ist  nlernstaio,  C.  v.  Megbg. ;  IM.-, 
nyerenstein  =  calculus,  D.  89;  1131  steyn  Inn  den 


nyeren,  Krautw.  XXXVIII;  1558  ulen-nsteln  —  calcus 
reuum,  Sei».  144)  =  das  in  dein  Inhalte  des  Nieren- 
kelches sich  bildende,  sandige  Sediment  aus 
Harnsalzen  (Nierensand,  Lendenstein,  Calculus 
Plinii)  (Gr.  W.;  Kirsch  108;  Thea.  «an.  Hr.  787).  — 
(Mitte  d.  17.  Jahrh  )  roter  A^mi  stein  ■  die  aus 
rotgelben  oder  rotbraunen,  harnsauren  Salzen 
bestehendeSteinbildung.ansdem  Nierenbecken 
stammend  (roter  Stein)  (Fr.  Kr.  B.  143).  —  Pferde- 
Stein  =  ein  Gallenblasenstein  in  der  Gallen- 
blase oder  ein  Bczoarstein  2  in  dem  Darme  des 
Pferdes  (Gr.  W.  VII,  1691J.  —  reissender  Stein 
[15.  Jahrh.  ri«endstein  =  [morbus]  calculus,  I).  11,68;  1551 
reisende  stein,  Bock251 ;  1587  der  rei«end  stein  =  llthlasls, 
D.  333;  1645,  1C81  reissender  Stein,  Coler,  II.  A.  200; 
1777  rijsende  »tetn  =  calculus,  D.  II,  68)  =  jeder 
Siein  in  der  Harnblase  oder  den  Nieren,  der 
reissende  Schmerzen  durch  sein  Vorfallen  vor 
die  Harnröhrenmündung  in  der  Blase  verur- 
sacht (i'anli  135)  ( l Jrolithiasis).  —  roter  Stein 
(14. — 15.  Jahrh.,  rond.  eyn  rot  sten.  J.  f.  nd.  Spr.-F. 
XV,  112)  =  8.  roter  Nierenstein.  —  (1687)  Ruder- 
Steine  =  Trochanteres,  die,  beiläufig  wie  die 
das  Gleichgewicht  am  Schilfe  haltenden  Ruder- 
steine, so  an  der  Hüfte  des  Menschen  ange- 
brachten Rollhügel  des  Oberschenkels  (Hyrtl, 
K.  w.  IM»).  —  Sand- Steine  =  die  verkalkten 
Überreste  veralteter  Entzündungsprodukte  am 
Nebenhoden  (Orchitis?  Epididymis,  Tophus) 
(conf.  engl,  chalk-stone  ■=  Gichtknoten,  Lehl.  161; 
Taull  45;  Gurlt  I,  117)  (Hodensteine,  Sand  ball, 
Sandkloss,  Sandbruch).  —  Speichel  -  Stein  = 
steinige  Konkremente  (s.  Gyps)  in  den  Speichel- 
drüsen (Froschgeschwulst)  und  «leren  AusfOh- 
rungsgrtngen  (s.  Zahnstein).  —  Thränen- Stein 
-  Verkreidung  des  Sekrets  der  ThrUnendrüsen 
im  Thränenausffthrungsgange  Piercr7,  II,  38).  — 
(1756)  Wein-Stein  =  Zahnstein  (a.  v.  II.  II,  1157), 
den  man  mit  dem  Weinstein  (Tartarus,  s.  d.) 
der  Weinfässer  verglich.  —  (isi3)  Zahn  Stein  = 
■}}  iizl'.,  eine  mehr  oder  weniger  verhärtete 
Kruste  aus  sonst  in  der  Blutwärme  gelöst 
bleibenden  Kalksalzen,  die  sich  aus  dem 
Speichel  in  der  kühleren  Mundhöhle  als  Tar- 
tarus denticus  =  Speichelstein  an  die  starren 
Zahne  anlegt  und  manchmal  das  sogen,  „ganze 
Gebiss"  (s.  d.)  macht  (Falke  II.  133).  —  (F.ngl.  the 
grtndcr's  stone  =  Backenzahn.  Mahlzahn,  Kaltschm. 
I,  282).    über  die  Kleber-Steine  (norweg.  aeld  stenar) 

s.  janus  1898,  s.  5-51.  —  Stein-  (steinigfc,  er,  e#\) 
■alt,  ■  Beschwerung,  -breathaft,  -Bruch,  Druse, 
-Galle,  -Grien,  -Harnen,  -  Hauerkrankheit,  -Kind, 
-Kolik,  -Kopf,  -Krankheit,  -Kropf  u.*,  -Lungen- 
sucht, -Materie,  -Pocken,  Rotz,  -Schmerz, 
'Schwären,  -siech,  -taub,  tot,  -  Weh,  -  Wehtag. 

Steiss,  in.  (Steuss)  (gern,  sttwot;  lat.  stha  = 

Pflugsterx;  ahd.  stiuz;  mhd  stiuz  —  Statu*,  Siels«, 
Kluge»  361;  1577  stuyt;  ndl.  stiel  =  oropygium,  D.  101 ; 
schvred.  stuss)  =  die  Gegend,  wo  das  Steissbein 
zwischen  den  Afterballen  hervorstarrt,  -stärzt, 
Os  cocevgeum,  Nates,  Uropvgium  (s.  Stoss  und 
Kukuksbein).  -  Steiss  Federn,  Fistel,  Geburt, 
-Rande. 

Stellen  (Stillen,  Still)  (indogerm.  sthel  =  stehen, 
slä  =  stehen;  germ.  stalla  [Stall,  s.  d.];  ahd.  stellen  = 


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«H4 


stellen. 


stelpen — Stenge 


«!•  lk'ti.  -til'.'ti  -ulk-  ciiu'lion,  zum  Stillstand  bringen  , 
mhd.  MUlen,  stellen  =  aufMillen,  feststellen,  gestalten, 
machen,  vollbringen,  Ordnen,  Khige5,  lo7.  3*11.  363).  — 
Das  Stellen  der  Monats-,  Milch-  und  Leibes- 
flüsse  und  das  Stillen  (1712)  der  Krankheiten 
(heiliges  Ding  z.  B.),  selbst  Geschwülste  (Kirsch 
1029),  war  eine  häufige,  therapeutische  Aufgabe 
der  älteren  Zeiten  (K.  «.  Sehw.  440;  The*,  san.  Hr. 
811);  dieselben  sollten  dadurch  festgestellt, 
gehemmt  werden,  ebenso  das  Fieber  durch  die 
Fieberstell- Wurzel  (Veratnim  album  I,.,  Jessen  127); 
andrerseits  „stellt  sich"  die  (Amnion-)  Blase 
bei  der  Geburt  durch  den  Druck  der  Mutter- 
wehen  so  ein,  dass  sie  durch  den  allmählich 
erweiterten  Muttermund  erscheint;  das  Wasser 
in  der  Harnblase  stellt  sich,  hat  keinen  freien 
Lauf  =  Anuria  (fault  134),  wie  die  Winde  sich 
Stellen,  nicht  abgehen  infolge  schmerzhafter 
A Üektionen  der  Bauch wandungeu  und  Seiten- 
stechen (i'aull  27).  —  stillen  ■  das  Brustkind, 
den  Blutlauf  zui  Bube  bringen,  das  Kind  mit 
der  Brustmilch  ernähren,  wenn  es  nach  Nahrung 
schreit.  —  Augen- Grstöl  =  Augstall,  s.  Stall.  — 
£><•- Stellen,  1.  —  (tnnd.,  M. — 15  Jahrh.  so  wem«  de 
•luartnnie  besteyt  [ober-,  echter  beMeyt],  J.  f.  nd.  Sp.-F. 
XV,  120)  =  befallen,  bei  einem  sieb  einstellen.  — 
2.  =  snm  Stehen,  Stillstand  bringen,  r.  B.  den 
Bauch  /»stellen  (1531;  Krautw.  XXIX)  -  den 
ßnuchfluss  stillen.  —  /«stellter  Magen*.  —  Bein- 
(.'.  stell  sa  das  zusammengestellte  Knochen- 
gerüst, Skelett,  Beinwerk  (ür.  W.  i,  UM;  Ilyrtl. 
K.  W.  12'.']  (s.  Beinreft).  —  ß/«m(rti)-stellen 
=  sanguinis  profluvium  inhibere  (Gr.  W.  I,  il.:>; 
II,  MO),  die  Monatsblumen  (Menses)  in  ihrem  zu 
starken  Laufe  aufhalten.  —  /»'/«.'-Stellung, 
stillen  =  den  Blutlauf  cum  Stillstand  bringen 
(unter  Segensformelu,  Müllenhoff  511 ;  K.  u.  Schw.  138, 
Losch  17ü,  Behmcller  II,  718;  t'niuell  1898,  102).  — 
Jrtnbrtcf/rStelle  =  diejenige  Stelle  des  mensch- 
lichen odei  tierischen  Körpers,  an  der  die 
Krankheitsstoffe  (Dämonen,  Mikroben)  unter 
die  verletzte  Haut  eindringen.  —  «if-stellen 
=  eine  ganz  andere  Gestalt,  Aussehen  geben. 

—  /•  -.'-stellen  =  durch  elbische  Zauberkraft 
nach  dem  Volksglauben  jemanden  so  bannen, 
dasa  er  starr  (s.  d.)  wird;  nach  dem  Glauben 
des  berglsehcn  Volke«  (Schell  209)  nun  ein  solcher 
Festgestellter  vor  Sonnenauf-  oder  Untergang  gelost 
"ein ,  sonst  wird  er  schwurt  und  muss  sterben 
(Gangraena,  Tetanus  traumaticus).  —  fran- 
zösische Stellung  =  s.  stehen.  —  Für- GYstell 

—  s.  Vorgcstell.  —  Gestell,  n.  (ahd.  gastelli; 
mhd.  gestehe)  -  etwas  Zusammengestelltes,  Ort 
oder  \ 'orrichtung  zum  Stellen,  Werk,  Organon. 

—  hinfei  -  stelliig)  =  hinterher,  nachträglich 
sich  einstellend,  z.  B.  hintersteiliger  Husten, 
Masen  bei  Blattern  (Schindler  II,  Tis).  —  (17(0) 
gestandene  Hin  Herstellung  der  goldenen  Ader 
(s.  lu  I,  79)  —  nachträgliche  Verstopfung  oder 
Hemmung  des  Goldader-  (s.  d.)  Flusses  mit 
Thrombenbildung  in  den  Hämorrhoiden.  — 
/v'ir/Vr-Stellung  -  die  Feststellung  der  Kiefer- 
knochen bis  zur  Unbeweghcbkeit  beim  Tris- 
mus  (Kinnbacken-Krampf)  (Itirlinger  I,  ir.2).  — 
(175«)  lose  Stellung  (des  Kindes)  =  die  Schief- 
lage der  Frucht,  bei  der  sich  kein  Kindes- 


teil fest  in  den  Beckeneingang  einstellt  und 
über  diesem  gleichsam  haltlos  sich  befindet 
(Heyn.»,  205).  —  Molken  Stellerin  =  s.  stehlen.  — 
fiiple-stül  =  lautlos,  nicht  einen  kleinen  Pip 
äussernd  (Spless  II,  183).  —  (1632)  Äippen-GVstell 
=  der  aus  Kippen  zusammengestellte  Brust- 
korb, Thorax  (Ilyrtl.  K.  W.).  —  (1842)  Schenkel- 
Stellung,  enge  =  nahe  beisammen  stehende 
vordere  oder  hintere  Gliedmassen  (Falke  I,  248). 
—  Sprache- Gestell  (and  than  totban  tha  tunga  to 
spaece  gesteal  ys,  Cock.  III,  102  =  in  den  Zahnen  ist 
die  Zunge  das Sprachegcstcll]  =  Sprechwerkseug.  — 
rrtnrmmter-Stellung  =  franzosisch  stehen  mit 
breiter  Bodenweile  und  auswärts  gestellten 


Zehenspitzen 


,  wie  die  Tanzlehrer  es  lehrteu 


(früher  bei  auf  der  Weide  gefesselten  Pferden 
häufige  Gangart).  —  tw-stellen  =  durch  Stellen 
versperren,  1.  =  die  Glieder,  z.  B.  die  Augen  so 
stark  drehen  durch  Krampf,  dass  sie  eine  un- 
gewöhnliche Stelluug  einnehmen  (Frais  s.  d.  la). 

—  2.  =  (1260)  «las  Blut,  den  Bauchfluss,  Urin, 
Gliedwasser  oder  das  rote  Siechtum  stillen, 
Stillicidium  menstrui,  zum  Stehen  bringen 
(Sehmetler  II,  719;  Seitz  I,  «3;  Pfeiffer  87).  —  Fcr- 
(IV-,  Für-}  Stelle,  n.  (-GYstell)  =  daa  Augen- 
Verstellon,  Augen -Verdrehen  (Frais  Ia)  der 
Kinder,  Eclampsia  infantium  (Schindler  II,  741). 

—  Vor  Stellung  -  die  geistige  Vorführung  von 
Bildern  durch  Gedanken.  —  Zuxings-Vor- 
Stellungen  =  krankhafte  Gedanken,  die  sich 
dem  Geiste  aufdrängen  und  trotz  aller  Gegen- 
vorstellung nicht  zu  beseitigen  sind.  —  Wintert- 
Stellung  —  die  durch  Verwachsung  oder  Steif- 
heit der  Gelenke  veranlasste  Winkelbildung, 
Ankvlosis.  —  still (e,  er,  es)  Bruntt,  Frais, 
Fülle*,  Gicht,  Gisse,  Koller,  Säufer,  Schmerzet!, 
Stand,  Stottern,  Witt 

stelpen  s.  stolpen. 

Stelze,  f.  (Stältze,  f.)  (germ.  rtölt.  Kluge».  361. 
ahd.  Kielza  —  Holzbein  zum  Gehcu,  tripecla,  trlpedia. 
D.  391  [dritter  Pitt*];  altuord.  Holzfuss  —  tre  fotr  [tri- 
Ist  abzuleiten  aus  Indogerm.  derw  (dru).  germ.  trewa, 
engl,  three,  ahd.  -tra,  mhd.  -ter  -  Holz,  Maurer  I,  83] 
=  Stelzbein;  steltzere  =  loripes,  Graft  VI.  678;  mhd. 
Mölze  —  Stelze,  kalotlbia  [*ü/.ovtibia],  D.  II,  tiS;  1129 
stelzer  =  grallator,  loripes;  U82  stelt«  =  knimpding, 
lora  [loriiie«;,  suffrago,  haram ,  knyepugin ,  Swing, 
Voc.  ff  1,  n  6;  15.  Jahrh.  steltcr  -  contractu».  D.  II, 
111;  1517  stelezcner  =  loripes,  D.  836;  1561  stAltzen, 
Kluge;  1C18  stelzer  —  ein  Hettler  mit  einem  Stelzfuss), 
1.  —  ein  den  natürlichen  Fuss  vorstellendes, 
ersetzendes  Holz  oder  künstliches  Bein  (Fuss- 
stuhl). —  2.  =  ein  verkrüppeltes  Bein,  ge- 
bogenes Knie,  das  auf  Stelzen  geht  (suffrago, 
I».  tv.5).  —  Stelzner  —  einer,  der  auf  Stelzen 
geht.  —  Kall  -  Stelzen  (Tirol)  =  Kalbshaxen 
(Oberbayern)  als  Fusstitmmel  (Metzgerspr.).  —  (14S2) 
Ä'/n'e-Stelz  =  fglp-a.  pes  ligneus,  Zenlng  Voc.  u,  >; 

d.  263)  ■  stelz  1  u.  2.  -  Stelz-fto*. 
Stempe  s.  Stomp«. 
Stengel  s.  Stange. 


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steppen — Rtcrhen. 


sterben. 


steppen  (steppig,  Stippchen)  (indogerm.  stip 

=  ragen;  germ.  «Ut  [steif];  mhd  steppen  ~  stellen- 
weise, KtafTelwelse  stechen).  —  stiplicht  (stieplicht) 
-=»  stellenweise  steif  stechend  (Gr.  w.  VIII,  IM), 
—  (1749)  Gi  stippe  =  blatternarbige  Steifheit 
der  Haut,  nez  borine  (Brlss.  136).  lacouture  (Briss. 
152;  Z.  f.  d.  l'hllol.  XX VI.  242).  —  Stippchen  [1*.  Jahrh  ) 
atyp  onder  ogen  =  caesla,  lentirula,  D.  116;  com!  slve 
jonthi;  arab.  botbor  [facici],  Gurlt  II,  398)  =  kleine 
ilautknötchen,  die  sich  (Iber  der  Haut  erheben, 
wie  Pünktchen  hervorragen  nnd  eine  zentrale 
Vertiefung  haben  (Nabel),  als  ob  sie  mit  einer 
Nadel  gestochen,  gesteppt  wären  (Goldschm.  135; 
Auspitz  L  Z.  Hdb.  d.  sp.  Path.  u.  Ther.  XIV,  1.  229; 
franz.  picota  =  punclis  deformatus  =  morbus  Variola- 
mm,  picote,  Brlss.  136)  8.  auch  Stapf,  Stapp.  — 
Stepke  (udd.  atepke,  fürdrak  oder  mertche  sind  ein.«, 
K.  u.  Schw.  422)  -  kleiner  Butz,  elbischer  Dämon 
(Mar),  von  der  Grösse  eines  Stippchens  oder 
Pfützchens, 
sterben  (Sterb,  m  Sterbe,  f.  Sterben,  m.,  n. 

Sterbede,  Sterbet,  f.)  (urindogerm.  dafür  Mord 
[die  absichtlich«  Tötung] ;  indogerm.  Storp,  terp  [torpeo] 
=  umkommen  durch  Mühe  u.  Anstrengung;  westgerm. 
sterban  =  sich  plagen;  ahd.  sterbo,  «terpo  -  peMls. 
lue»;  ahd.  sterban  =  sterben,  Graft  VI,  71.1.  TU;  altnord. 
starf  —  Arbelt,  Mühe,  starfa  ■  sich  mühen,  stjarf  es 
Starrkrampf,  Kluge*,  361;  mhd.  sterben  =  sterben, 
sterbe,  m. ,  f.  -  Tod,  ausleckende  Krankheit,  Test, 
I>;xer  247;  Hoffin.  I,  3'X';  1420  sterben  —  clades,  I>.  II, 
94;  1466  sterbung  =  peslis;  sterbot,  D.  II.  290;  1511 
«terbde,  Lersch  226;  1551  sterben)  =  unter  Todesqual 
den  Geist  (s.  d.)  aufgeben  (s.  auch  Seele),  sein 
lieben  beenden;  auch  vom  Vieh,  wenn  es  sein 
Leben  verendet  durch  eine  vom  Menschen  auf 
es  übertragene  Krankheit  (Wattke  3i>7),  des- 
gleichen vom  dämonistisehen  Fingerwarm,  der 
verschwindet  (de  Vr.  25;  Bock  3.  346).  —  an  einer 
Krankheit  sterben.  —  an  einem  Kinde  sterben 
=  an  den  Folgen  der  Kntbindung.  —  (1520]  es 
hat  wohl  gestorben  (Lorsch  211),  (15S5)  es  stirbt 
=  es  herrscht  ein  Sterben,  es  sind  viele  Sterbe- 
falle vorgekommen  (D.  M.  W.  MM,  S.  12).  — 
Sterbent,  n.  (l.iej  Sterbet  m.,n.  Sterben,  n.  u>. 
Sterbe, f  Sterb, m.)  -  Kues, Tod  (s.d.),  häutiges 
Sterben,  ansteckende  Krankheit,  Seuche,  l'est 
(bei  Menschen  und  Vieh)  (D.  33»;  Ler*ch,  franz. 
la  murie;  engl,  murrain;  mtlat.  murrena,  134.3  morina. 
Du  fange  tu  morlor  =  mortalltait  >.  Mar],  CobT,  Schw. 
466;  Gr.  W.  V,  1260;  C.  v.  Schm.  '09;  dazu  wendisch 
Murrane  [*-  Mar]  Mensch  mit  Wenkbrauen,  ethisch  ge- 
zeichnetes Sonntagskind.  K.  u.  Schw.  Ii'.»).  Die  hun- 
dert verschiedenen  Ausdrücke  für  „sterben" 
siehe  Schräder  498  ff.,  ausserdem  Itochlmlz  I.  140.  — 
Sterbling,  m.  (engl,  starvelingj  —  ein  abgema- 
gertes, bald  sterbendes,  menschliches  Wesen, 
Kind.  —  ab  sterben  -  sterbend  allmählich 
verschwinden,  z.  B.  a)  von  Gliedern  (Gr.  W.  I, 
131).  die  dem  Gewebstode  (Brand)  der  Nekrose, 
Nekrobiose,  z.  B.  bei  Vergiftungen  (s.  Brod- 
seuche) oder  die  bei  grosser  Kalte  oder  Blut- 
armut der  Empfindungslosigkeit  und  einer 
leichenhaften  Blässe  verfallen,  ersterben ;  b)  von 
Krankheiten,  die  allmählich  als  Seuchen  auf- 
hören (Paraceisu«);  c)  von  der  Milch,  die  all- 
mählich versiegt  (Heyn.  45);  d)  vom  Kinde  im 


'  Mutterleibe.  —  nbel  «fc-^fstorben  =  selbst 
entleibt  (Schindler).  —  (1482)  an ■/■  starben  - 
claudus,  cadax  =  ein  von  Geburt  aus  mit  einem 
erstorbenen,  lahmen  Gliede  behafteter  Erbling 
(D.  8").  —  (13'<9)  anderer  Sterb  =  zweite  oder 
Nachepideniie  im  Gegensatze  zur  anfänglichen 
oder  ersten  Pestepidemie  (Lersch  158).  —  (lTsi) 
&c-sterben  ■  einschlafen,  anfangen  bei  einem 
Gliedo  unempfindlich  zu  werden  (Hippel  III.  2. 
22).  —  (r>39)  ernstlich  Sterbendt  -  eine  damals 

,  in  Speyer  hohe  Gefahr  der  Ausbreitung  zei- 

1  gende  Pest  (Tagl.  Kdsch.  1S97.  S.  250).  —  er- sterben 
(ahd.  arsterban.  Graft  VI,  713;  Kero  82;  mhd.  ersterben) 
«s  völlig  absterben  und  zu  bestehen  aufhören, 
zu  sterben  beginnen,  die  Funktion  einstellen, 
empfindungslos  werden,  erlahmen  (15.  Jahrh. 
dem  die  gelldo  erstorben  sint  =  paralytlcus,  D.  II.  280; 
1545  ereterbtmg  des  glids  =  gangrena.  liyff;  Gurlt  III, 
44;  Gr.  w.  III,  loil ;  Bararia  III,  2. 982).  —  anfangende 
/.'»sterbung  (der  Glieder)  =  heisser  Brand, 
Gangraena,  bei  dem  schon  der  lokale  Gewebs- 

|  tod  beginnt  und  auch  die  entzündliche  Reaktion 
noch  dabei  ist  (Zw.  407).  —  erstorbene  Schäden*. 

—  (1345)  erster  Sterb  =  die  zuerst  aufgetretene 
Pestepidemie  im  Gegensatz  zu  den  Nach- 
epidemien  (Lorsch  15«)  s.  grosses  Sterben.  — 
gemeines  Sterben  (14*3  das  gemein  sterbent,  C.  v. 
Megbg. ;  1">00  der  gemein  sterbent  der  trüsen  blatren 
=  SyphilU- Epidemie.  Fuchs  I,  ;il3;  Urach  157;  Pr.  I, 

i  357)  —  allgemeines  Sterben  unter  den  Menschen, 
meist  die  Akme  der  Pestepidemie.  —  grosse(s,  r) 
Sterb(r»t,  enrf)  (Tirol,  der,  die  grosse  Sterb  =  schwarzer 
Tod,  Alpb.  3ir,;  Heyl  601;  1353  grosse  sterfdo  an  der 
droso,  Lersch  155;  ndd.,  16.  Jahrh.  grois,«e  sterfdc; 
15S9  grois  sterbent  an  der  pest,  I.erseb  268;  grosser 
sterbotto,  groste  sterbotte,  Lorsch  113;  gToissze  stervede, 
Lersch  lll)  =  Seuche  mit  grosser  Stcrblichkeits- 
zahl,  t  B.  (14  Jahrh.)  schwarzer  Tod  in  Aachen  etc., 
(1377)  l'est  in  Nürnberg,  (U81)  Pest  in  Ungarn, 
Böhmen  (Lersch  156.  ic«;.  167);  (13S9)  Pest  am  Rhein, 
(Itsi)  zu  Köln;  (1757)  typhöse  Krankheiten 
(Lersch,  1.  c. ;  llaeser  II,  443),  1.  =  die  Akme  der 
Pestepidemien,  erstes  grosses  Sterben  (ia 
mortalcga  grandi-)  (Hecker  seh.  T.  :t),  dem  eine 
scheinbare  Ruhe  der  Pest  folgt.  —  2  =  der 
schwarze  Tod,  (1348)  Beulenpest.  —  zweites 
grosses  Sterben  =  zweite  Pestepidemie  (1336; 
Haeser  II,  1C0;  Lersch  158).  —  halb-gt  storbon  (engl, 
half  starved)  ^  halb  tot,  halb  gelähmt.  —  hart 
Sterben  meinen  harten  Todeskampf  im  Sterben 
haben  (1740  man  vermeint,  dass  diejenige  Kinder, 
so  schwehr  gebohrcti,  eines  harten  To<ls  sterben,  Sein 
I,  84).  —  (1812)  jähes  Sterben  -  das  Glich,  jithes 
Blut  etc.  (s.  d.),  Milzbrand  (Kalke  I,  430).  — 
A'/«ir/cr-Sterb(rti),  l.  =  ein  leichtes  Sterben,  wie 
bei  Kindern,  leichter  Tod  (Gr.  W.  V,  750).  —  2.  = 
eine  Kinderseuche  (ü.  M.  \V.  189«,  s.  12).  —  (1.553) 
kleine  Sterbe  =  schwächere  Epidemie  mit  ge- 
ringerer Mortalität  (Lersch  2:15).  —  (1576)  Landes- 
Sterben  —  eine  allgemeine,  leicht  zum  Tode 
führende  Landseuche  (Epidemie,  Morbi  con- 
tagiosa (Teophr.  B. ;  Gr.  W.  VI,  II.!).  —  (1315.  134SJ 
Ltut  StQTb  (Ler*eh  109.  115)  =  Volksseucbe  mit 
hoher  Mortalitätsaiffiar,  z.  B.  schwarzer  Tod. 

—  alte  Leu t (-Sterbet  (mnd.,  14.— 15.  Jahrh.  olde 
ludo  stervet,  J.  f.  nd  Spr.-K.  XV,  138)  =  Sterblichkeit 


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Stern. 


Sterz — Stiel. 


unter  den  filteren  Menschen,  e.  B.  bei  Influenza. 

—  narA-Bterben  =  nach  einem  in  der  Sippe 
vorgefallenen  Todesfälle  sterben.  —  (1.77,  ir>sc) 
pestilenzischei*)  Sterben(dt)  -  Pestseuchen  mit 
hober  Sterblichkeit  (Gr.  W  VII,  Ir>7i,  l,cr*«h  260). 

—  Pferde-Sterben  =  eine  Seuche  unter  den 
Pferden  (Tägl.  Rdseh.  18»5).  —  ßtwiVr-Sterben 
(angls.  hrydhera  steorfan  ,  Cock.  III,  M]  =  Vieh- 
sterben, Kindel  pest,  Rind  erseuche,  Rindersucht. 

—  ScAWm-Sterben  (15.  Jahrh.  wan  einer  am  schelm 
utirbt  =  mortteinium,  D  36*)  —  s.  Schelm.  —  (1656] 
Schweine-,  Säu  Sterben  —  Schweineseuche  (engl, 
murmln,  Bock  205 ;  V.  B.  71).  —  schweres  Sterben 
=  beschwerliche  Toilcsart  (Urquell  1891,  8.  90).  — 
«ArMn^-rrstorben  (angls.  saernnge  astorfen  =  si- 
deratus  [«.  Thauj,  s.  lcluatus,  paralysi  percussns,  siderc 
afllatus,  Du  Gange  VII,  170 ;  I).  Ä3;i;  Kraus,  K.  !M9)  — 
berührt  (s.  d.),  gelahmt,  sehr-hinkeml ,  vom 
Schlag  od.  Sonnenstich  versehrt  (wie  vom  Mehl- 
thau),  atrophisch  (das  mtlat.  sideratio  toi  meist  = 
gangraena,    sphacclus).    —   (15,  Jahrb.)  Ungeheuer 

Sterben  =  Pestilenz  (i>.  m).  —  rcr- sterben 

(angls.  faersteorfan .  Cook.  III,  5*j  II. —  15.  Jnhrh  , 
mnd.  sine  äderen  unde  sine  senen  vorsterbet  eine,  J.  f. 
nd.  Sp.-F.  XV,  in)  =  ganz  aufhören  10  leben, 
tot  werden,  aufhören  thftlig  tu  sein,  ersterben 
(Iteiser  221).  —  Schwine-  Fr/Sterben  (angls.  swina- 
faensteorlan,  Cock.  III,  56)  =  an  der  Schwindsucht 
verenden.  —  VifA-Sterben  (ahd.  flhusterho.  GrafT 
III,  434);  VI,  492.  715  =  pcstls,  scalmo;  mbd.,  13.  bis 
H.  Jahrh.  vibe-sterbe.  m.  =  Viehseuche,  Leser  312; 
Hoffm.  I,  368),  1.  =  Schelm  (s.  d.)  od.  Viehseuche 
(Milzbrand,  vergl.  Kuhtod).  —  2.  =  Rinderpest 
(s.  d  ).  —  3.  =  Viehseuchen  (lherhaupt,  z.  B. 
(1769)  beim  Federvieh  (Heeker  I,  146;  die  ISlmrock, 
II,  D.  M.  53.'.)  als  Strafe  für  Mißhandlung  der  Tiere 
gesandt  werden  in  den  sogen.  Sterbejahren,  Volks- 
medizinische  Therapie  I.  Mullctihoff  208 ;  vergl.  engl, 
water  murraiu  =  eine  Viehseuche  =  Wrissersterben. 

Kaitscbm.).  —  Sterbe-,  sterbliche  (gestorben, 

Sterbens-) Blut,  -Drusen,  -Fall,  -Frucht,  ■  Ge- 
burt, -Glitt! *,-J<üir,  krank,  Krankheit,  Laufte, 
-Noten,  -Sucht. 

Stern,  m.  (gem.-lndogerm  ster  -  Stern  [stcrula  - 
Stella] ;  ahd.  stcrao,  sterro ;  mhd.  «terric.  slerrc,  Kluge  \ 
361;  ndd.  steern,  Goldschm.  94;  engl,  stur  es  das  fun 
kelnde,  zerstreute  Licht  strahlen  auswerfende  Himmcls- 
gestirn,  mit  dem  mau  das  leuchtende,  tierische  Auge 
verglich;  daher)  Stern,  1.  =  der  Teil  der  Horn- 
haut, der  (1750)  der  Pupille,  dem  Sehloch  ent- 
spricht (A.  v.  U.  II,  878;  Löveling  302;  Goldschm. ; 
iris  1632,  llyrtl,  K.  W.  161;  schon  bei  einlas  =  Seh- 
stern,  Sehloch,  Hyrtl,  K.  W.  91).  —  2.  =  die  drei- 
eckige, weisse  Haarstelle  (Blasse)  auf  der  Pferde- 
stalle (conl.  engl,  stera  =  Hnndescbwaoz).  —  3.  = 
(1476  sterne  =glabella,  nudltas  capitis,  D.  264)  =  Stirn- 
glatze. —  4.  =  roter  Pieck  oder  Streifen  auf  der 
Stirne  Neugeborener  (Uefassmal,  Promonto- 
riummarke,  z.  B.);  nach  dem  Votksgl  auben  (Koch- 
holz I,  8)  ein  Zeichen  clblsch  beeinflusster  Geburt  od. 
höherer  Abkunft  (auch  auf  die  I'ferde  ubertragen). 

—  5.  die  Sterne  sind  der  Wohnort  der  Seelen  der 
Abgestorbenen    (s.   Hügelland)    nach  germanischem 

Glauben.  —  .4 «</(<•«)  Stern  (-Sternlein)  [1429  der 

stern  in  den  äugen  =  pupilla,  D.  II,  «09;  117".  ngen- 
stem  =  oeulus,  D.  392;  1691  pupilla,  Ilad.  Jim.  26; 


177«  augstern  =  papula,  n.  479;  Gr.  W.  I.  812;  Tirol; 
IlintnerC.  12.  Zw.  2O0;  Hyrtl,  K.  W.  93)  ■  Sehloch 
mit  Iris,  Hornhaut  und  Staarraum,  Aeies  oouli. 

—  (1.92)  überzogener  .4 wfen stern  =  das  Augen- 
fell bei  Pferden  (Heb.  170).  —  Blässen  8tem  = 

'  sternförmige  Pferdeblässe  (s.  Blä-se),  Stern  2. 

—  (1C97)  />',/.  Stern  (=  vermutlieh  volksetymolo- 
gisebe  Entstellung  aus  Apostt  ina  [postem  ».  d.],  Sankt 
Benno  Mirak  ,  als)  roter  Stern  (Phlegmone  cireum 
scripta,  Pest- Karbunkel)  am  I,etbe  (Schindler  II; 
784;  Lerach  295).  —  iVanfM-Stern  ■  der  Stern  (2) 

'  beim  Pferde  als  Stirnfleck  Ober  der  Nase.  — 
I  i"2»n</-Stern  =  ringförmigor  Pferdestirnfleck.  — 
(1510  roter  Stern  -  Bockstern  (s.d.)  (Inchcnh. 
'  Mirnkelb  ).  —  Zta  Stern  =  derjenige,  der  zwei- 
j  erlei  Sterne  (Pupille,  Iris)  —  zweifarbige  Iris 
im  Auge  hat.  —  Stern- ib  «dt,  -Fell,  -Gucker. 
Sterz  (Sterzer)  s.  Starr, 
stettig  s.  Statt. 

Steuer,  t).  steuern  (~  ,.elu  ursprünglich  nur 
den  meernnwobnenden  Germanen  zukommendes, 
eigentlich  ndd.  Wort".  Kluge*,  362;  golh.  stlurjan  = 
feststellen ;  angls.  aty'ran  ;  ahd.  stiuren  =  stützen  J  alt- 
nord.  staur  —  I'fahl  [atttOpÖcl,  Kluge  L  e. ;  dazu  wohl 
•toren  [».  d.j  =  mit  dem  lest  gestützten  I'fahl  In  Be- 
wegung setzen).  —  Steuer  Ruder. 

Stich  (Stichel)  s.  stechen. 

Stick,  sticken  s.  stechen. 

stickezen  (stickazen)  =  balbutirc,  öfters 
stocken,  stottern  mit  der  Rede,  als  ob  man  Jabei 
erstickende  Beklemmung  hätle. 

Stieben  (ahd.  stiuban;    mhd.  stieben   -  Staut» 
machen,  aufjagen,  Kluge*,  362).  —  i/c-8tobt  (Salz- 
burg; Scbiu.  11,719)  —  wie  aufgescheucht,  wahn- 
!  sinnig,  ausser  sich.  —  /i«/*6-(jfstoben  =  halb 
verrückt  (Alpcnhg.  2'.'.). 

Stiefel,  m.  (au*  mtl.  acstivale  =  ..Sommerliches, 
leichter  Sotninersehuh,  Im  11.  — 12.  Jahrb.  Ins  Hoch- 
deutsche entlehnt",  Kluge*,  862;  ahd.  ■Ural,  stlrul; 
mhd  stlral.  stlvel,  1.  cod.,  bei  Schelble  IX.  190  der 
Niimen  eines  elbischen  Hausgeistes,  dessen  Schuhwerk 
wie  beim  gestiefelten  Kater  an  die  elblscben  FUMfB- 
brechen  erinnert).  —  //'Stiefelt  =  niit  Stiefeln, 
d.  h.  mit  einer  mehr  oder  weniger  weiten,  am 
Pferdefusse  hinaufreichenden,  weissen  Haar- 
IHrbung  (Fussbekleidung)  versehen. 

Stiege,  f  (Steig)  (mhd.  slige  =  Schwelnstiill, 
Schafstall  für  20  Stück  od.  mit  einer  Treppe  zu  20  Stufen  , 
krimgoth.,  im  Panischen  -  20  Stuck  an  einem  Stock, 
Z  d.  V.  f.  V.  K.  lv.»t,  S.  2t«.  244;  16.  Jahrh  stega  =  20 ; 
1618  stige  =  20,  Schindler  II,  742;  Kluge*.  362;  ndd. 
»lygo  —  20;  engl,  sty  in  tbe  eye,  Cock.  III,  99  ■  ordi- 
olum;  stye  —  stiege,  sowie)  ■  Chalacion,  Horde- 
olum, tierstonkorn,  da  das  Volk  glaubt,  dass 
man  dasselbe,  wenn  man  es  einmal  gehabt, 
noch  20  mal  nachfolgend  bekommen  werde 
(GeMaolUn.  97;  Oldenburg;  Wuttke  839;  Lehf.  43). 

Stiel,  m.  (entlehnt  ans  lat.  stllns  tllackengcrät] ; 
ahd.  stil.  mbd.  stll  =  Ilandhal«.  Kluge*,  363).  — 
Hammer-Stiel  (Schweiz;  Corr.  f.  A.  F..  i;.  1896.  S.  52) 
=  Signum  virile,  Penis  als  stielförmig  ab- 
stehendes Körperglied  (vgl.  Hammer  u.  nageln). 
—  (1497)  Hand  Stiel  =  Metacarpue,  die  Hand- 


Stier— Stimme. 


Stimme. 


«87 


wuntel  als  Handhabe  der  eigentlichen  Hand 
(iiyrti,  k.  w.  isM)  —  Pfannen- Stielchen  -  da» 

Pseudonym  fur  ungetaufte  Knabeu,  die  noch  nlclil 
beim  eigentlichen  Namen  genannt  werden  sollen 
(Wuttke  M4);  mit  dem  anflehenden  Pfanucnstiel  IM 
der  Penis  verglichen  (s.  ÜohnenhläUcheii  und 
Hammerstiel). 

Stier,  m.  (Indogerm.  tarwo«  [taurns', ;  vorgerm. 
iteuro,  leuro;  gem.-germ.  slior;  ahd.  stlor;  mhd.  stier 
=  das  grosse,  mächtige,  männliche  Kind  mit  dem 
breiten  Nacken  und  starken  Kopfe  «ab  Veranlassung 
«u  Verfieleben)  -  itV/f-Stier  =  Bulle  (b.  reiten) 
(Spiess  Ii,  ys)  ».  auch  Schelm  u.  Ochse.  —  Stier- 
Xacken,  -S<hwanz,  -Stirne,  -Sucht. 

stieren,  stier  =  slarr  (s.  Staar,  starr)  blicken. 

—  Stier  =  starr  blickend. 

Stift,  m.  s.  Steften. 
still,  stillen  s.  stellen. 

Stimme,  f.  (ahd.  «tlmma,  sllmna,  Graff  VI,  682; 
anglt.  Klaemue,  Memna,  stemn  ,  rock.  III,  48.  IOS ; 
mhd.  stimme  Pfeiffer  27;  ndl  stemme,  De  Cork  140; 
vrouwenstem,  mannestem,  V.  K.  IX,  47)  =  Vox,  der 
aus  dein  Munde  und  der  Kehle  kommende, 
helle  Laut  der  Sprache,  Kehle  IV*.  —  die 
Stimme  schlägt  Ober  (s.  schlagen).  —  Stimmen 
hören  =  s.  Seelensprache.  —  Bän  «-Stimme  = 
besonders  starke  und  tiefe  Männerstimme 
(Heyl  730).  —  belegte  Stimme  =  s.  raube  Stimme. 

—  Bier  Stimme  =  der  rauhe  und  schnarrende 
l*aut  der  .Sprache  infolge  von  chronischem 
Rachenkatarrh,  meist  als  Symptom  eines  durch 
viel  Biergenuss  u.  Hanchen  verdorben  Magens. 

—  7'  •  Stimme  =  eine  meckernd  tönende 
Stimme.  —  Brunt- Stimme  =  der  aus  der  Luft- 
röhre in  aller  Fülle  der  Brustkorb-Resonanz 
kommende  Laut.  —  Cholera  Stimme  =  Vox 
cholerica  -  s.  Zitterstimme  ;  „tonlose  Sprache 
der  Cholerakranken  im  algiden  Stadium"  iDornbl. 
14'.).  —  rlarre  Stimme  =  trockene,  heisere  I.aut- 
gelmng,  rauher  Hals.  —  Donnei  Stimme  -  laute, 
gewaltige  Stimme  wie  sie  der  Volksglaube 
den  Wasser-  und  Sturmdämonen  zulegte.  — 
Eunuchen  -  Stimme  =  Kastratenstimme.  — 
^Yi/*rr-Stimme  =  die  eine  höhere  oder  weib- 
liche, kimlliche  Stimme  vortauschende  (siehe 
falsch),  mannliche  Fistelstimme,  wobei  nur  der 
innere  Rand  der  StimmhUnder  mitschwingt 
(Münch.  Med.  Woehenschr.  189«,  8.  1172).  —  Fistel- 
Stimme  =  Kopfstimme  (s.  Fistel).  —  Gurgel- 
Stimme  =  eine  quarrend  klingende,  wie  aus  der 
(iurgel  allein  kommende  Stimme  bei  Fett- 
leibigen, die  durch  Blutstauung  und  Schwellung 
die  Stimmbänder  in  unregehmissige  Schwin- 
gung versetzen.  —  heiatre,  heische,  heilere 
Stimme  [1I7">  heesehc  stemme  =  ranca  [vox,,  I>.  1S>; 
149j  heysere  «Um  -  rox  acuta  s.  aspera.  D.  629;  15IS 
beysscre  der  red  und  der  stimm,  II.  t.  t.ersd  *>)  = 
Aphaaia,  ein  nur  wispelnder,  rauher,  knistern- 
der, od.  sonst  mit  störenden  Nebengeräuschen 
verbundener  Ton  der  Stimme.  —  hölzerne 
Stimme -eine  klanglos  wie  im  Holze  sich  ver- 
lierende, wie  gebrochenes  Holz  tonlose  Stimme 
(Gr.  w.  iv,  2.  1771).  —  Kastrat' n  Stimme  -  das 
durch  die  Kastration  (bei  Männern  od.  Knaben) 


erzengte  Stehenbleiben  bei  der  kindlichen  Laut- 
stufe (oder  bei  kastrierten  Frauen  eine  tiefere, 
männliche  Stimme),  voix  eunuchoide  (Schmidt. 
J.  B.  l»<»5.  2is.  s.  lio).  —  A'-;..' -Stimme  =  die  auf 
die  Biustione  folgenden  Töne,  die  nur  aus 
der  Keide ,  d.  h.  mit  normaler  Resonanzhöhe 
kommen  (Plerer',  vil,  2>»).  —  kleine  Stimme  = 
Vox  suavis,  schwache,  zarte  Stimme  (D.  029).  — 
Kopf-Stimme  —  die  Lautgebung  durch  den 
Mund,  welche  ihre  Resonanz  nicht  so  sehr  im 
Brustkorbe  hat,  sondern  fiberwiegend  in  dem 
Kopfteile,  d.  h.  in  den  obersten  Ansatzröhren 
der  Kehle,  der  Nasen-,  Rachenhöhle,  die  wie 
eine  noch  weitere,  aufgesetzte,  engere  Röhre 
dem  Tone  eine  andere  Resonanz  geben  (Fistel- 
stimme), als  ob  er  aua  einer  längeren,  scheinbar 
engeren  (FalBet),  tieferen  Röhre  (Fistel)  komme 
als  hei  der  Bruststimme.  —  kranke  (kränkliche) 
Stimme  (11S2  kranker  an  der  stymtne  =  raueus,  Zen. 
Voc.  o2)  =  schwach  laufende,  klanglose  Stimme, 
Vox  debilis.  —  Manne»  Stimme  ningls.  ruounc« 
staemno,  cock.  Iii ,  46j  =  Vox  virihs.  —  Xascn- 
Stimme  =  eine  Stimme,  die  einen  von  deu 
Nasenhöhlen  ausgehenden  (nasalen)  Beiklang 
hat  infolge  von  Verstopfung  oder  Schwellung 
der  Nasenwände  (Vox  nasalis,  f.  näseln).  — 
(15,  jahrh  )  niedere  Stimme  (  —  gravis  vox,  i>.  209) 
=  Bass  (s.  d.).  —  pelzige  Stimme  —  s.  Pelz  2 
und  rauhe  Stimme.  —  (1534)  pfeifende  Stimme 
=  ein  pfeifender  Slimmlaut  (Gr.  w.  VII,  1661).  — 
(1666)  raulte  Stimme  =  ein  wie  mit  rauhem  Pelz 
belegter,  klangloser  Stimmlaut  (vox  rauca, 
la  voix  rauque,  avoir  un  Chat  [Katzcnpelr]  dang  la 
gorge,  Hriss.  ist).  —  rösche  [rässe,  rasche)  Stimme 
=  Vox  acuta,  scharfer,  strenger,  heller  Laut  der 
Stimme  (s.  räss  5)  (C.  v.  Schin.  425;  D.  629).  — 
schetterige  Stimme  •=  eine  tremulierende,  nicht 
in  einem  Schalle,  sondern  lückenhaft  mit  Unter- 
brechungen hervorgebrachte  Stimme  (schwab., 
Erbe  22).  —  Woi  Stimme,  1.  =  Tod  ansagende 
BtimmederelbUchen ueister.  —  2.  =  kranke  Stimme. 
—  um -  stimmen  —  die  Spannkraft  der  Nerven 
(Tonus  der  Gewebe)  umändern  und  dadurch 
die  vorhandene  Krankheit  (nach  Hahneroann  u. 
Finger)  beseitigen  (M.  Med.  Woehenschr.  1SU7,  8.  43. 
1212).  —  (1712)  trnerisihe  Stimme  —  die  infolge 
von  Syphilis  (Geschwüre  und  Narben  im  Kebl- 
kopfe)  rauh  klingende  Stimme,  Raucedo  syphi- 
litica (Zw.  BD).  —  verfallene,  verlorene  Stimme 
=  der  Klang  der  Stimme,  der  wie  durch  Schreck 
bei  Fall  oder  Sturz  oder  Verlust,  z.  B.  bei  er- 
schöpfenden Krankheiten  verschwunden  ist, 
gebrochene,  klanglose  Stimme,  Pseudocroup, 
Aphonia,  voix  cassee,  avoir  vu  lo  loup  (Bris*. 
192)  =  durch  Schreck  sinnlos  (angl«.  manne  the 
hura  stemna  of  fylth  =  vox  perdita,  t'oek.  III,  10s,  ;  dat 
greccas  neranat  katalciosi*;  on  tham  hwosian  [Husten] 
huiluin  [zeitweilig]  losadh  slo  stemn,  Cock.  II,  261; 
engl,  loss  of  voice,  L  eod.)  —  (1M0)  Per- Stimmung 
=  eine  durch  falsche  Stimmung  der  Sailen  niiss- 
tönender  J,aut,  bildlich  fibertragen  auf  die 
Nervenstränge  und  das  Nervensystem  (Spann- 
adern), die  abgespannt  (s.  d.)  und  demnach 
verstimmt  angenommen  werden ,  Störung  des 
Beelischen  Gleichgewichtes  oder  der  Nerven- 
harmonie Depressio  (Sobernheim  271)  =  Nerven- 


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Stingel— Stock. 


Stock. 


Verstimmung,  auch  Magen(nerven) 
mung.  —  (1495)  zitternde  Stimme  =  Vox  rauca, 
8.  aspera  {D.  f.29),  cholerica,  tremula,  rauhe,  be- 
legte, leicht  ermüdende,  gleichsam  klagende, 
bei  Safteverl  usten  (Cholera)  I dicht  zitternde, 
„umschlagende"  Stimme  (Phorie  troinodes  llip- 
pokratis)  (Kraus,  K.  22s.  787).  —  Zusammen-tMm- 
mung,  zackige  =  Nahtverbindung,  die  in  den 
Zackenfugen  genau  harmoniert  (Hyrtl,  K.  W. 
173).  —  Stimm  . f  'h > ,  -Band,  -Krampf,  -Ritze, 
-Stock. 

Stingel,  ui.  s.  Stengel  unter  Stange. 

stingen,  stinken  h.  Stank  und  Stunk. 

Stippen  (Stippchen)  b.  steppen. 

Stirn,  f.  (Stirne)  (lndogenn.  atcr  =  breit  [Ster- 
nen]; ahd  stirua  [stemja]  ;  ruhd.  stirne;  1200  styrnc, 
steytnc,  D.  53G)  -  Stirn,  Hirn  (s.  d.),  Ende  (Ande 
f.  d.),  die  breite  Vorderflilche  des  Hirn-Schtt- 
dels,  das  Vorhaupt  (bei  Mensch  und  Tier)  über 
den  Augen  zwischen  den  Schlafen  (Sinciput). 

—  Augen- Stirne  (mhd.  ougestlrnc,  Heyn«  I,  20S)  = 
derStirnteilder  Augenhöhle.  —  fliehende  Stirne 
=  nach  rQckwttrts  gerichtete,  hohe,  ansteigende 
Stirne.  —  Gaffel- Stirne  =  eine  breite,  sicht- 
bare, gaffende  Stirne  (Sctam.  I.  871).  —  (16.  Jahrh.) 
Gc-stirn  =  die  ganze  Stirnfläche  am  Haupte, 
namentlich  beim  Vieh  (Gr.  W.  IV,  2.  155;  im  ein 
glaezet  gesttrn  —  glabella,  Ii.  II,  193 ;  1515  gestlrn  am 
haupt,  am  hirn  =  siuclput,  frous,  Vorhaupt,  D.  530). 

—  grosse  Stirne  =  hohe  .stirne,  fron«  alta.  — 
Uccht  Stirne  =  eine  schmale  und  etwas  flach- 
muldig  eingebogene  Pferdestirne  (Gr.  W.  IV,  2. 
711).  —  hofrete  (hof richte)  Stirne  -  eine  höckerig 
gewordene,  buckelige  Stirne  (Stirnbeule).  — 
hohe  Stime  «■  die  durch  Haarausfall,  Kahlheit 
oder  weiter  rückwärts  liegende  Haargrenze 
freiere,  sichtbarere  Stirne  (Stirnplatte),  uaeli 
dem  Volksglauben  ein  Zeichen  blonderer  Intelligenz, 
wofür  uaeli  Flechsig  auch  die  Im  Vorderhirne  liegenden 
Scelenorgane  (Assoziallons  Cenlrcn)  sprechen  sollen. 

—  Jupiter- Stirne  =  die  stark  vorspringende 
und  breite  Stirne,  wie  sie  bei  hereditär  syphi- 
litischen Kindern  Öfters  beobachtbar  ist  und 
mit  der  man  den  römischen  Gott  Jupiter,  Be- 
herrscher des  Olymps  (Zeus)  im  olympischen 
Tempel  darstellte  (auch  Odin  als  Knnibrnttr  hatte 
eine  hohe  Stirne.  Schwanz,  Indog.  V.-Gl.  1S1).  — 
(H70)  Jta/i/r Stirne^  Glabella,  hohe  Stirne  (D.  984), 

—  <i5y2)  Löwen-,  Stier- Stirne  -  hoho,  beiw. 
breite  rferdestirne  (Seb.   irns).   —  olympische 

Stime  =  S.  Jupitcr-Stirne  (Schmidt  Jahrb.  Iv»", 

I,  iou).  —  viereikigc  Stirne  Frons  quadrata  = 
die  bei  Khachitischen  vorspringende  Stirne,  die 
mit  dem  Hinterhaupte  ein  Viereck  bildet 
(Dorubl.  ir.).  —  Stirn -Ader,  -IMttlein,  -Buckel, 
■Grübler,  -Hohle,  Matte, -Weh. 

Stirp  (U51  stirp,  sterp  —  soda  sterile,  infeconda, 

z.  I  d.  ridioi.  2.  SS;  [exjstirpatus  [?))  =  unfruchtbar, 

verschnitten,  galt. 

Stock,  m.  Stocken  (tndogerra.  stug  =  blossen, 
in  heftige  Bewegung  versetzen;  germ.  stok  =  zer- 
hauenes, abgehauenes  [seil.  Stuck,  s.  d.]  ;  ahd.  stoc  ; 
mhd.  stock  =  Pfahl,  Knüttel,  steifer,  fester  Storrvn, 
Klotz,  Ilolzstock,  Klumpen,  betretbare,  be.-leigbare,  Ab- 


teilung Im  Ilause,  gradu«,  Ivexer  219;  Klage5,  36t), 

I.  =  Zahnstorren.  —  2.  =  der  besonders  feste 
Widerrist  der  Kuh  od.  des  Zugochsen  (Martin  n) 
p.  Schwere  2.  —  3.  =  Stadium,  Grad  der  Krank- 
heit (z.  d.  v.  f.  v.-k.  is9J ,  s.  c<o.  —  stocken  = 
dichter,  steif  werden  wie  ein  Stock,  aufhören 
sich  zu  bewegen,  starr  in  der  Zunge  oder  Rede 
e.  B.,  einen  steifen  Brei  bilden,  gerinnen.  — 
(1631)  stockern  =  öfters  stocken,  in  der  Rede 
z.  B.  =  stottern  (Kluge5,  365).  —  stockig,  stöckig 
=  steif,  fest,  dick,  geronnen,  gestockt,  un- 
lenksam, wenig  beweglich,  engbrüstig  (Flügel  ; 
IUoss-Bartels  II,  221 ;  I.ammert  200).  —  (17*9)  Stock- 
ung ■  der  Znstand  des  Stockigwerdens,  der 
Verstopfung  (Leg.  f.  d.  gem.  M  ).  —  a  n  ■;■  stockt 
=  durch  Fäulnis  (Caries)  anfangend  zum  Stock, 
Stumpf  zu  werden  (von  Zahnen  z.  B.),  zersetzL 

—  (1756)  1  Hut-Stocken  =  Gerinnung  des  Blutes 
zu  festeren  Teilen  [A.  v.  n.  II,  739).  —  Blut-Stock. 
=  festes,  grösseres  Blutgerinnsel,  Coagulum, 
Thrombus.  —  Brand-Stock  =  übelriechender, 
dunkler  Blutstock  (Blutgerinnsel),  namentlich 
die  in  grösseren  Klutupen  sich  entleerenden, 
übelriechenden  Blutgerinnsel  in  der  Nachge- 
burtsperiode. —  (1718,  1756)  .Eier-Stock  =  der 
Eierkorb  (s.  d.)  (1553  ovarola  [der  Hühner],  Gnrlt 

II.  307;  1667  ovariuin  des  Menschen,  Graaf;  früher  = 
testen  muliebres  —  weibliche  Hoden,  (ieburwgellen, 
v.  Siebold  45;  Hyrtl,  K.  \V.  46;  Baas  312;  V  ade  in.  78; 
L.  ch.  61;  Kossm.  XV;  Maschenb.  4S0;  Lcveling  259) 
=  der  besondere,  festere,  dichtere  i'latz  oder 
Raum  für  die  weiblichen  Eier  innerhalb  de« 
Körpers,  „die  Grundlage,  von  der  sich  die 
Eier  abzweigen"  (H.  l'aul  441).  —  Eierstock - 
Wassersucht.  —  Aifrr-StOCk  (1429  alterstock  m 
oxyrewma,  P.  II,  275;  1515  aiterstoek  Im  hal«s  —  oxy- 
regma.  Halsabsces«,  Kltcrherd,  I).  401;  1741  eiterstock 
=  pnrulentia  Terentll,  Kirseh  985)  =  ein  dichterer, 
fester,  von  Eiter  umgebener,  abgestorbener 
Zell^ewebspfropf,  Eiterbutzen  oder  Eiterherd, 
nachdem  Volksglauben  der  den  „Mitesser"  uni- 
gebende Sack,  Madenbalg  (s.  Furunkel-Krank- 
heit*), Ventriculus  furunctili;  (franz.)  noyau  du 
furoncle,  bourbillon  ;  (Ital.)  ventriculo  del  fignolo 
(<;urlt  I,  317;  Coler,  P.  324;  Gr.  W.  III.  393;  Schreyer 
16;  Richter  I,  135)  in  Furunkeln,  l'est-Karbun- 
keln,  Kotfisteln  etc.  —  «"stocken  =  vollständig 
gerinnen,  ganz  unbeweglich,  taub,  fest,  Bpeckig- 
hart,  unempfindlich  werden,  z.  Glieder,  Gebar- 
mutter oder  WochenHuss,  auch  „inwendige 
Feiste"  bei  l'aracels.  de  lmp.  J.  4  :  also  nun  zum 
dritten,  von  wegen  der  kelten  des  «inecksllbcrs  komen 
zweyerlel  krankhelten.  Eine  i't,  das  sie  ynwendige  die 
Feusie  erstockt,  vnd  pringt  sie  In  ein  wesen  gleich 
einer  gefragt  (TlnoinboMs?od.  Amyloid-Degoncration  f). 

—  Gullen- Stockung  =  der  Zustand  der  Dicke 
und  Unbeweglichkeit  der  Galle,  verminderter 
Gallenablluss.  —  ^-stockt,  -stöckelt  =  ge- 
ronnen, zersetzt  (s.  d.),  aus  vielen  kleinen  Teilen 
bestehend.  —  Back-,  HatAen-StOCk  =  Dick- 
kopf, klotziger  Mensch,  Blödsinniger  (scbmellcr 
i,  1035).  —  Leber- Stockung  =  die  Anschoppung 
der  Leber  mit  dickem,  weniger  beweglichem 
Blute,  Infarctus  hepatiB  (Kopp  IV,  419).  —  Milch- 
Stockung  =  Milchgerinnung.  —  Hosen  Stock 
^  der  derbe,  feste  Knotrhenfortsatz  am  Stirn- 


stöhnen— stören. 


Stönser— Stoff. 


bein,  auf  dem  das  Geweih  de«  JagJtieres  mit 
einer  rosenartigen  Urakrünzungsitzt.  —  Spazier- 
Stock  =  dünne  Beine  (Hintnor  R.  19).  —  Stimm- 
Stock  —  der  festere,  breitere  Teil,  der  Kopf 
der  Luftröhre  (Kehlkopf),  aus  dem  die  Stimme 
kommt;  er  fällt  wie  ein  Haus  (Redhans*)  um 
=  wird  misslönend  durch  die  falsche  Stellung 
=  Laryngitis,  Heiserkeit.  —  L'nf(  r/r  ^»-Stock- 
ung =  die  Anschoppung  von  dickerem,  venösem 
Blut  in  den  Organen  des  Unterleibs  (Plethora 
abdominalis).  —  .  tr- stockt  —  entgegen  dem 
Normalen,  1.  =  ganz  abnorm  gerinnen  (ver- 
Btocktes  Blut  z.  B).  —  2.  versteckt  sein  (Mayer 
159).  —  Stock-  (stockig,  ypstockt ,  erstockt) 
-blind,  Blut,  -Geblüt,  -Glieder,  -haarig,  -Huf, 
■Maledie,  -Schnupfen,  -  Weiber,  -Zahn. 

Stöhnen  (gem.tndogerro.  Uten  [OtfvOi];  nngls. 
stunian;  altnord.  stynjH,  stynr;  ahd.  stunöd;  ndl. 
stenen;  17.  Jahrh.  stöhnen.  Kloße  "ti* ;  B.  P*Ol  Hl) 
=  Uenzen  aus  beengter  Brust. 

Stölfe  s.  Stolpe. 

StÖpke,  n.  (1668  stepgen.  Klug.  *,  162;  n.-saehs.  zu 
Stopel?  —  ein  elbischer,  Menschen  erwürgender  Alf 
IDrnrhon'j-Dnnion  des  Volksglauliens  mit  verwirrten 
HaarMoppelu,  Lalstner  II,  2(10.  271). 

Stören  (Stören)  (wohl  zu  Meuero  [a.  «I  ],  angls. 
«tyriari ;  engl,  to  mir  —  bewegen,  Kluge  ,  361  ff. ;  ahd. 
storan;  mhd  stoeren  —  zerstreuen,  bewegen,  in  Un- 
ordnung bringen).  —  störig  =  unruhig,  roasig, 
brünstig.  —  Stör,  in.  -  Bock,  männliches 
Schwein  (Falke  II.  333.  844).  —  Störung  -  der 
Zustand  der  die  Funktion  hemmenden  Ver- 
wirrung (embarras),  z.  B.  der  Gedärme  (»20  eu 

storinge  =  illos  [Hein!  obvollltio  et  dolor  intestinorum, 
I).  2».',;  l*y.  [Maden]  öu.ring,  K.  Schmitt  19)  oder  Zer- 
streuung des  Geistes.  —  ««stört  -  geistig  ver- 
wirrt. —  A'»-«d74>uri</8  Störungen  =  mangelhafter 
Ansatz  und  abnorme  liildiing  von  tieweben 
infolge  ungenügender  und  ungeordneter  Ver- 
wertung und  Zufuhr  von  dazu  notwendigen 
Nahruugsbesiandteilen,  z.  B.  Khaehitis.  — 
(1531)  AY- Störung  (der  Glieder)  =  beginnende 
(krampfhafte  oder  lahmunxsartige)  Störung  der 
Beweglichkeit  iler  Glieder  (Krautw.  LXIII).  — 
Gmfcs- Störung  =  der  gestorte,  verwirrte,  zer- 
streute Zustand  des  geistigen  Lebens.  — 
/nnar/rr- Störung  (angl.i.  innod.-s  [Innothes]  asty- 
runge.  iunodlur  Myrunga,  Innotha  astyrunge  =  dlstur- 
batio  in  vlsccrlbus,  Cock.  1, 12.  52.  66.  62.  .178)  =  Störung 
in  den  Eingeweide n.  —  Afiyc- Störung  (angls. 
mlgdan  astyrungo,  <*oek,  I,  5«)  —  (Störung  bei  der 
L  rinenlleerung  (s.  Mijre)  oder  Blusenfunktion. 
—  6>racA-StÖrung  =  1/Ogopathia,  der  gestörte 
Ablauf  der  Sprache  (z.  B.  bei  progressiver 
Paralyse  infolge  von  Silbenstolpern,  Artiku- 
lationsfehlern, Zittern,  lläsitieren  etc.).  — 
Ycrdauungs- Störung  =  der  Zustand  der  Un- 
ordnung in  der  normalen  Verdauungsthätigkeit 
des  Magens  und  der  Gedärm«  (angls.  wambe  to 
astyrlgenno,  Cock.  1.  36«).  —  [1646]  irr-stört  -  zer- 
stört (Gurlt  III,  i  i,.  —  zer-sWrt  =  ganz  und  gar 
zerstreut,  zusammen harmlos;  kariös, nekrotisch. 
Zerstörung  =  Aufhebung  des  Zusammenhangs 
der  Gewebe  und  deren  Funktion:  a)  durch 
feuchten  oder  trockenen  Brand  (1645  heutige 


zemoerung  =  «ydcratlo,  üurlt  III.  14);  b)  durch  Ge- 
Bcbwürsprozesse  (Syphilis  z.  B.)  (1662  zerstoerung 
des  zepfflliis  Im  halss,  Gurlt  III,  W.  70);  c)  durch 
Karies  oder  Nekrose  des  Knochens.  —  schel- 
mische ZfTStÖrlichkeit  (15.  Jahrb.  zcmtorlich  = 
pcstllens,  zerslorlickait  des  schelmss  =  pestllentia; 
achelmige  zerstorliekait  -  pestis,  D.  431)  =  geistige 
Verwirrung  (Delirium)  infolge  von  hohem 
Fieber  bei  pestartigen  (s.  schelmisch)  Infek- 
tionskrankheiten. 

Störzer  s.  Stftrzer. 

Stötter,  m.  (zu  stowen,  b.  d.)  =  Beachftlhengst 
(Falke  II,  :H5).  —  stottern  =  s.  stottern. 

Stoff,  m.  (17.  Jahrh.  durch  den  Material-Verkehr 
aus  dem  Uoraanlschcn ;  Ital.  ntofTu  =  Italienische  Seide, 
Zeug,  Material;  franz.  Stoffe;  engl,  ituff;  ndl.  stot, 
Klelnp.  175;  Kluge*,  364)  =  Materie  (s.  d.),  nament- 
lich ansteckender  und  auf  den  Ansteckungs- 
„Wegen"  in  den  Körper  transportierter  Gift- 
stoff, Contagium  =  Ansteckungs  BtoS  -  der  ins 
Blut  gelangende  Krankheits-Keim  oder  -Samen 
(18.  Jahrh.),  der  in  demselben  zur  Befruchtung 
bt>zw.  Kntwickelunggolangen  sollte.  —  Auswurf- 
Stoffe  -  Sputum,  das  weggespuckte  Kxkret  der 
Luit-  und  Speisewege.  —  GicAf-Stoff=  Gicht- 
materie. —  Gift  Stoff  =  s.  Gift.  —  Grund  Stoff 
=  da»  zu  Grunde  liegende  Material,  Element, 
Stoechion  (Galeni),  Homoeomerie  (Aristottlis) 
(Kraus,  K  994).  —  Impf  Stoff  =  der  zur  Schutz- 
pocken-Impfunic  (s.  d.)  verwendete  flüssige 
Inhalt  von  Schutzpocken  (Vaccina)  oder  das 
eingetrocknete  Sekret  von  Blattern  (Variola). 

—  humanisierter  Impf atoS  =  ein  Vaccinestoff 
aus  Kuhpocken-Impiung,  der  durch  viele  Ge- 
nerationen von  Kindern  fortgezüchtet  wird  und 
so  abgeschwächt  wurde  für  das  menschliche 
Geschlecht  (=  genus  humanuni).  —  Ktätz- 
Stoff  ~  nach  der  falschen  IVora-  [s.  d.)  Theorie  de* 
llauncmnnn  —  eine  die  meisten  Krankheiten  im 
Korper  erzeugende  Materie,  welche  sich  nach 
aussen  als  Kratze  (Psora)  Äussern  sollte  (Kraus,  K. 
860).  „Am  Ende  des  vorigen  Jahrh.  hat  ein  Tierarzt 
Lux  vou  Leipzig  die  sogen.  Isopathic  geschaffen  und 
heilte  (?)  die  Kratze  durch  potenzierten  KrätzatoS" 
(Organtheraplc;  Strebel  In  M.  N.  Nachr.  1S98,  Nr.  1C7). 

—  Kr  \nkheit»  Stoff  —  fixes  Ktankheitsgift,  das 
toxisch  und  infektiös  wirkt  und  eine  Krankheit 
erzeugt;  nach  humoral-pathologischer  Anschau- 
ung bildete  es  sich  namentlich  ans,  wenn  eine 
oder  mehrere  der  Grnndfeuchten  (s.  Feuchte, 
Element,  Humor,  Temperament  etc.)  sich  im 
Körper  anhäuften;  dann  sollte  die  Natur  die- 
selben durch  Kochung  (s.  d.)  ausscheidbar 
machen  und  unter  kritischen  Entleerungen 
(Schweiss,  Stuhlgang,  Auswurf  etc.)  aus  dem 
Körper  entfernen ;  das  Kindringen  fremder 
Körper  oder  äusserlichcr  Krankheitsstoffe  in 
den  tierischen  od.  menschlichen  Körper  scheint 
man  wohl  schon  früh  geahnt  zu  haben,  nur 
wurden  diese  Stoffe  in  Wurm-  oder  Klhenforin 
(s.  Mitesser)  verkörpert;  erst  der  verimpfbare 
Jilaltei  n-BtoS  oder  durch  den  geschlechtlichen 
„Verkehr"  erworbene  (1711,  ndl.)  1-enerinche  Stoff 
(Pr.  II,  408)  scheinen  jener  damonistischen  Auf- 
fassung im  Volksglauben  den  wahren  Todes- 

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<»90  Stoffel— stopfen. 


stopfen. 


Bloss  versetzt  zu  baben.  —  Mauken-,  Potken- 
Stoff  =  a)  Pockengift,  Blatterlymphe  (Gr.  w.  VII, 
i%6);  Ii)  Equina,  pockenähnlicher  Stoff  (Schutz- 
mauke) (Falke  II,  103).  —  ScJiarlach-Stott  =  der 
Krankheitsstolf,  der  Scharlachlieber  erzeugt 
(Gr.  W.  VIII,  2207).  —  Skrofel- Stoff  ~  Skrofel- 
Materie  (s.  d.)  (nach  K.  R.  v.  Hoffmann  lt  18"*] 
nollte  dieselbe  als  Fett  «lern  lnsektcnkorpi  r  gleichen 
und  duher  die  Scrofulosis  eine  partielle  Metamorphose 
der  Insektenlarven  darstellen  [der  alte  liKmonUnius 
In  naturhistorischem  dewande!],  Pagel  3-12).  —  Ur- 
Stoff  =  Element  (s.  d.).  —  Stoff-  Wechsel. 

Stoffel,  m.  =  Christoph,  ein  Volksname  Iilr  einen 
gen»tig  beschränkten  Tölpel  (Wackcrn  ,  Abhandl. 
III,  1G0J. 

Stollen,  m.  (indogerm.  sthelna  =  Mosten ;  gern). 
Mal  [Stall];  ahd.  stollo  —  Stütze,  Pfosten;  mhd.  Molle 
=  Fuss,  Schm.  II,  76t;  platte],  stälen  —  Fuss,  Fromm. 
VI,  48*>)  =  kurzer,  dirker  Fuss  (Kluge*,  sei).  — 
Stoll- Beule.  -Schwamm,  -  Wurm. 

Stolpe;  Stolpern  (altnord.  stolp«  =  Pfosten 
[Prügel],  «telpen  =  hemmen.  Kluge*.  Ii68;  .,16,  .Tahrh., 
nhd.  ouomatop.  Bildung  wie  holpern"  [Kluge  *,  361], 
„dunkler  Herkunft".  H.  Paul  411);  v